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                    <text>und
Dokumentation
Embassy of the United States of America

18. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Auszüge aus dem Bericht der Kissinger-Kommission über
Mittelamerika

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
A r t i s t i k im Weltraum
- Neue flugtechnische Aufgaben bei der zehnten
Raumtransportermission -

Um Über/endung von
ßcIcgcHcmplaren
wird gebeten

D 5300 Bonn 2

Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

18. Januar 1984

AUSZÜGE AUS DEM BERICHT DER KISSINGER-KOMMISSION ÜBER MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Die "Nationale Überparteiliche Kommission für Mittelamerika" unter Leitung des ehemaligen amerikanischen Außenministers Henry
Kissinger hat am 11. Januar 1984 ihren 132 Seiten starken Bericht vorgelegt.
Präsident Reagan würdigte die ausgezeichnete und umfassende Arbeit der 12köpfigen Kommission und stimmte zu, daß eine verstärkte Unterstützung der demokratischen Entwicklung, die Verbesserung der Lebensbedingungen, der Schutz
der Menschenrechte sowie Sicherheitshilfe für Mittelamerika notwendig sind.
Auf einer Pressekonferenz bei der Vorstellung des Berichtes teilte
Kissinger unter anderem mit, daß die Kommission in sechsmonatiger Arbeit 30
ganztägige Sitzungen abgehalten, rund 200 Experten persönlich befragt, an 170
außenstehende Fachleute Fragebogen versandt und rund 200 einschlägige Dokumente
eingeholt und ausgewertet habe sowie neun Tage gereist sei, um sich an Ort und
Stelle ein Bild zu machen.

Kernstück des Berichtes ist die Empfehlung von acht

Milliarden Dollar an Entwicklungshilfe für Mittelamerika auf fünf Jahre verteilt.
Der Bericht ist in acht Kapitel gegliedert:
1. Einleitung und

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�/

1. Einleitung und Grundthemen;
der westlichen Hemisphäre gestellt;

2. die Krise wird in den Zusammenhang
3. eine historische Perspektive;

4. Prü-

fung der Aussichten für die wirtschaftliche und politische Entwicklung mit entsprechenden Empfehlungen;

5. die Untersuchung der sozialen Fragen - vor allem

des Gesundheits- und Bildungswesens - mit entsprechenden Empfehlungen;
fung der Sicherheitsfragen und entsprechende Empfehlungen;

6. Prü-

7. Untersuchung der

diplomatischen Aspekte mit Empfehlungen für Lösungen auf dem Verhandlungswege;
und 8. Zusammenfassung.
Nachfolgend wesentliche Auszüge aus dem Bericht:

KAPITEL 1
Einleitung
Für die Mitglieder dieser Kommission brachten diese letzten Monate eine
außerordentliche Erfahrung, die wir für ein gemeinsames Privileg halten...
In diesem Bericht schlagen wir wesentliche Aufmerksamkeit und Hilfe für
ein bisher vernachlässigtes Gebiet der Hemisphäre vor. Manche Leute, die das
Gebiet nicht so untersucht haben wie wir, könnten dies als unverhältnismäßig
betrachten und es als die natürliche Reaktion einer Kommission abtun, die zur
Untersuchung eines einzigen Problems geschaffen wurde. Ein solches Urteil wäre
nach unserer Auffassung ein schwerer Fehler...
Erstens, Mittelamerika ist unser naher Nachbar.

Darum werden hier unsere

eigenen Sicherheitsinteressen in entscheidender Weise berührt.

Aber darüber

hinaus beruht das, was auf unserer Türschwelle geschieht, auch unser Gewissen.
Geschichte, Nachbarschaft und Blutsverwandtschaft - all dies verbindet uns mit
der übrigen westlichen Hemisphäre; und es verbindet uns besonders mit den Nationen Mittelamerikas.

Als Franklin Roosevelt die "Politik der guten Nachbar-

- 2 -

�gu.en Nachbarschaft" proklamierte, war das mehr als ein Schlagwort.

Es war

ein Konzept, das an den Kern zivilisierter Beziehungen nicht nur unter Menschen,
sondern auch unter Völkern rührt.

Wenn unsere Nachbarn in Schwierigkeiten sind,

dann können wir nicht die Augen verschließen und uns trotzdem treu bleiben.

Zweitens, die Krise geht uns etwas an, weil wir etwas ändern können.
Weil die Nationen klein sind, weil sie nahe sind, können Anstrengungen, die
im Verhältnis zu anderen Krisen klein sein mögen, eine große Auswirkung auf
diese Krise haben.

Drittens, wie groß die Kosten auf kurze Sicht auch sein mögen, wenn
wir jetzt handeln, sie sind weit geringer als die langfristigen Kosten, wenn
wir jetzt nicht handeln.

Viertens, eine Großmacht kann sich aussuchen, auf welche Herausforderungen sie reagieren will, aber sie kann sich nicht aussuchen, wo sie auftreten
und wann.

Und sie kann auch einer bewußten Entscheidung nicht ausweichen.

Einmal herausgefordert, hat eine Entscheidung4 zu reagieren, ebenso
Konsequenzen wie eine Entscheidung, nicht zu reagieren.
Mittelamerika herausgefordert.

Heute werden wir in

Eine Agonie der Unentschlossenheit wird diese

Herausforderung nicht vertreiben.

Der Wunsch, es leichter zu haben, wird es

nicht leichter machen.

Vielleicht hätten die Vereinigten Staaten Mittelamerika schon früher
größere Beachtung schenken sollen.
weniger intervenieren sollen.

Vielleicht hätten wir im Laufe der Jahre

Aber all das sind Fragen der Vergangenheit.

Welche Wurzeln sie in der Vergangenheit auch haben mag, die Krise in Mittelamerika existiert unmittelbar und heute, und ihre erfolgreiche Beilegung ist
von entscheidender Bedeutung für die Zukunft...

Bestimmte rote Fäden laufen durch alle Kapitel.

Erstens, die

�Erstens, die geplagte Geschichte Mittelamerikas ist so verlaufen, das
weder die militärischen, noch die politischen, die wirtschaftlichen und die
sozialen Aspekte der Krise für sich allein betrachtet werden können.

Wenn es

nicht gelingt, rasche Fortschritte an der politischen, wirtschaftlichen und
sozialen Front zu machen, dann wird der Frieden an der militärischen Front
kaum erreichbar und zerbrechlich sein.

Aber wenn den von außen unterstütz-

ten Aufständen nicht Einhalt geboten und die Gewalt eingedämmt wird, dann wird
es kaum einen Fortschritt an den anderen Fronten geben, und der wäre zerbrechlich.
Zweitens, die Wurzeln der Krise liegen im eigenen Land und im Auslände
Die Unzufriedenheit ist wirklich vorhanden, und ein Großteil der Bevölkerung
lebt im Elend.

So wie Nicaragua reif war für die Revolution, so sind auch

anderswo in der Region die Verhältnisse vorhanden, die zur Revolution einladen.

Aber diese Verhältnisse sind von feindlichen Kräften von außen ausge-

nutzt worden - vor allem von Kuba, das von der Sowjetunion unterstützt wird
und von Nicaragua aus operiert - , die jede Revolution, derer sie sich bemächtigen, in einem totalitären Staat enden lassen, der die Region bedroht und die
Bevölkerung ihrer Hoffnungen auf Freiheit beraubt.
Drittens, einheimische Reform, ja selbst einheimische Revolution, sind
keine Bedrohung der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Aber das Eindringen
aggressiver Kräfte von außen, die lokale Mißstände ausnützen, um ihren eigenen
Einfluß und die militärische Kontrolle auszudehnen, stellen eine ernsthafte
Bedrohung der Vereinigten Staaten und der ganzen westlichen Hemisphäre dar0
Viertens, wir haben ein humanitäres Interesse an der Behebung des Elends
und wollen den Völkern Mittelamerikas helfen, ihre eigenen sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche zu befriedigen; und zusammen mit anderen Nationen der
Hemisphäre haben wir ein nationales Interesse an der Stärkung demokratischer
Institutionen, wo immer sie in der Hemisphäre schwach sind.
Fünftens, Mittelamerika

�Fünftens, Mittelamerika braucht Hilfe, sowohl materielle als auch moralische, von Regierungsseite wie von privater Seite.

Sowohl die Gebote des Ge-

wissens als auch Berechnungen unseres eigenen nationalen Interesses verlangen,
daß wir Hilfe leisten.
Sechstens, letztlich wird die Lösung der Probleme Mittelamerikas von den
Bewohnern Mittelamerikas selbst abhängen.
sere Hilfe wird allein nicht ausreichen.

Sie brauchen unsere Hilfe, aber unInnere Reformen, Hilfe von außen,

energische eigene Anstrengungen und eine andere Wirtschaftspolitik - all das
ist notwendig, und all das muß richtig koordiniert werden.

Und andere Natio-

nen, die dazu in der Lage sind - nicht nur in der westlichen Hemisphäre, sondern auch in Europa und Asien - sollten sich diesen Bemühungen anschließen.
Siebtens, die Krise wartet nicht, es ist keine Zeit zu verlieren...

KAPITEL 2
Eine Hemisphäre im Umbruch
Die Kommission ist beauftragt worden, Empfehlungen für Mittelamerika
zu unterbreiten.
klar.

Wir sind uns über die geographischen Grenzen unseres Mandats

Aber als wir die Landenge untersuchten, wurde uns deutlich, daß die

Krise, die die Gründung dieser Kommission veranlaßte, Teil einer weitergefaßten Realität ist und daß die Politik der Vereinigten Staaten in Mittelamerika
eine klare Erkenntnis ihres hemisphärischen Rahmens widerspiegeln muß.
Die ganze Hemisphäre befindet sich im Umbruch:

Die Schwierigkeiten

Mittelamerikas sind in die lateinamerikanische Erfahrung eingebettet, die anders ist als unsere eigene...

Zwei Herausforderungen

�Zwei Herausforderungen
Die Herausforderungen der Hemisphäre sind wirtschaftlicher und politischer Natur.

Diese doppelte Herausforderung gilt zwar für ganz Lateinamerika,

aber sie nimmt jetzt in Mittelamerika ihre akuteste Form an.

Die wirtschaftliche Herausforderung
Erstens, die herausragende wirtschaftliche Frage in ganz Lateinamerika
ist die Armut seiner Bevölkerung.

Die Nationen der Hemisphäre - nicht zuletzt

die Mittelamerikas - haben in den sechziger und siebziger Jahren bemerkenswerte
Fortschritte gemacht.

Das Wachstum war stark, aber es wurde nicht annähernd

genug getan, um die Kluft zwischen reich und arm zu schließen, die aus alten
wirtschaftlichen, sozialen und politischen Strukturen entstanden war...
Keine Mittelamerikapolitik der Vereinigten Staaten, die diesen Namen
verdient, kann daran vorbeigehen, sich dieser wirtschaftlichen, sozialen und
finanziellen Herausforderung zu stellen, noch können wir Mittelamerika getrennt
für sich von der übrigen Hemisphäre betrachten. Das Schrumpfen der Volkswirtschaften der Länder der Hemisphäre und die Verarmung ihrer Bevölkerung müssen
ins Gegenteil verwandelt werden. Es muß wieder ein echtes Wachstum geben.

Die politische Herausforderung
Zweitens, bei der politischen Herausforderung geht es im wesentlichen
um die Legitimität der Regierung.

Auch hier wieder nimmt dieses Problem in

Mittelamerika eine besonders akute Form an.
In fast jedem Land der Hemisphäre sind starke Kräfte auf dem Marsch,
um herauszufinden, wie die Länder organisiert und welche Prozesse der Autorität eingeführt und legitimiert werden sollen. Wer soll regieren und unter
- 6 -

�und unter welcher Form - das sind die zentralen Fragen in dem Prozeß des
Wandels, der jetzt in einem Land nach dem andern in ganz Lateinamerika und
in der Karibik stattfindet.

Drei Grundsätze
Der erste Grundsatz ist die demokratische Selbstbestimmung.
Die Lebenskraft des interamerikanischen Systems liegt mehr denn je darin, daß wir eine feste Verpflichtung seiner Mitgliedstaaten akzeptieren zu politischem Pluralismus, Meinungsfreiheit, Achtung der Menschenrechte, Aufrechterhai tung eines unabhängigen und effektiven Rechtssystems und dem Recht der
Bevölkerung, ihr eigenes Schicksal ohne Repression, Zwang oder ausländische
Manipulation durch freie Wahlen zu bestimmen.

Unsere gemeinsame Anstrengung

muß im wesentlichen auf die Legitimation von Regierungen durch freien Konsens
abzielen - auf die Ablehnung von Gewalt und Mord als Instrumente der Politik,
des Aufzwingens der Herrschaft von oben, der Benutzung der Macht des Staates
zur Unterdrückung von Opposition und Dissens. Wir müssen vielmehr alles in
unserer Macht Stehende tun, um die Demokratie in der westlichen Hemisphäre zu
fördern.
Der zweite Grundsatz ist die Förderung der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung, die in fairer Weise allen zugute kommt.
Die Wucherungen der Armut müssen eingedämmt werden, die Rezession muß
umgekehrt werden, und die Prosperität muß vorangetrieben werden.

Zum Fest-

halten an diesem Grundsatz gehört etwas mehr als nur die kurzfristige Behebung von Notfällen.

Dazu muß die Grundlage für ein anhaltendes und breitan-

gelegtes wirtschaftliches Wachstum gelegt werden.

Dazu bedarf es der Ermuti-

gung jener Anreize, die eine freie Wirtschaft liberalisieren und beflügeln.
Der gefühllosen Vorstellung, daß einige Gruppen auf ewig "Habenichtse" bleiben werden, muß ein Ende bereitet werden.

- 7 -

Was immer an Politik für die He-

�für die Hemisphäre vorgeschlagen wird, muß die Notwendigkeit in Rechnung stellen, die Volkswirtschaften der Länder auszuweiten und die Hoffnungen ihrer
Völker neu zu beleben.
Der dritte Grundsatz ist Zusammenarbeit bei der Abwehr der Bedrohungen
der Sicherheit der Region.
Der gegenwärtige internationale Rahmen für die Bewältigung der Herausforderungen der gemeinsamen Sicherheit der amerikanischen Staaten ist schwach.
Was Mittelamerika angeht, so ist es dem interamerikanischen System nicht gelungen, eine koordinierte Reaktion auf die Drohung der Subversion und des Einsatzes sowjetischer und kubanischer Helfershelfer zu finden, die sich seit den
Tagen ausgebreitet haben, als die Instrumente der interamerikanischen Zusammenarbeit erst entwickelt wurden...
In früheren Tagen waren andere Teile der Hemisphäre Brennpunkte der
Unruhe. Heute konzentrieren sich die Krisen auf Mittelamerika. Die nachfolgenden Kapitel befassen sich mit dieser Region und bringen Vorschläge für
spezifische politische, wirtschaftliche und sicherheitspolitische Maßnahmen,
die nach Auffassung der Kommission notwendig sind. Wir sehen keinen Weg, um
einer umfassenden Anstrengung auszuweichen, zusammen auf diese Fragen zu antworten. Der übrige Teil des Berichts legt die Mittel und Wege dar, wie nach
Auffassung der Kommission eine übereinstimmende wirtschaftliche, politische
und sicherheitspolitische Anstrengung aufrechterhalten werden kann - eine Anstrengung, die die besten Bemühungen der Völker Mittelamerikas, ihrer Nachbarn und der Vereinigten Staaten koordiniert. Die Art und Weise, wie man diese Krisen anpackt - oder jedes Versagen, sie mit der Dringlichkeit und in dem
Umfang anzupacken, wie dies notwendig ist -, wird nicht nur unsere nationalen
Interessen berühren, sondern auch die Interessen der ganzen Hemisphäre allgemein.

KAPITEL 3

�KAPITEL 3
Die Krise in Mittelamerika:

Ein historischer Überblick

Mittelamerika wird heute von einer tiefen Krise heimgesucht.

Diese

Krise hat ihre Wurzeln tief in der Geschichte der Region, aber sie enthält
auch Elemente recht jungen Ursprungs.

Um sie zu begreifen, muß man sich mit

beiden bekannt machen.
Die Auswirkung der Krise auf die Völker Mittelamerikas war erschütternd.
Ihre potentielle Auswirkung auf die westliche Hemisphäre, auf die Vereinigten
Staaten und - in einem größeren Sinne - auf die ganze Welt ist weitreichend.
Selbst wenn es sich bei dieser Krise um eine rein lokale Angelegenheit
handeln würde, bei der es nur um die Völker der Region allein ginge, würde
sie die dringende Aufmerksamkeit der Bevölkerung der Vereinigten Staaten verdienen - schon aus Gründen der einfachen Humanität. Ihre größeren Dimensionen
geben uns darüber hinaus starke Gründe des nationalen Selbstinteresses, daß
wir wirklich an dem Endergebnis interessiert sein müssen.
Es hat eine beträchtliche, manchmal heftige Kontroverse darüber gegeben, ob die grundlegenden Ursachen der Krise einheimisch oder ausländisch
sind. Die Krise ist in Wirklichkeit das Produkt einheimischer wie ausländischer
Faktoren. Sie hat Wurzeln tief in der schmerzlichen Geschichte und dem schmerzlichen Leben der Region, aber sie ist auch von äußeren Kräften stark mitgestaltet worden. Armut, Unterdrückung, Ungerechtigkeit - all das war vorhanden und
hat Furcht und Haß geboren und im Rahmen einer Weltrezession ein starkes
Teufelsgebräu angerührt, während Kräfte von außen interveniert haben, um die
Unruhe in der Region weiter anzuheizen und die Verzweiflung auszunutzen.
Diese Kräfte von außen haben der Krise eine Dimension gegeben, die über
Mittelamerika hinausreicht.

Die Vereinigten Staaten werden nicht durch ein-

heimischen Wandel, ja nicht einmal durch revolutionären Wandel in Mittelamerika

- 9 -

�in Mittelamerika bedroht. Aber die Vereinigten Staaten müssen sich Sorgen
machen über das Eindringen aggressiver Kräfte von außen in Mittelamerika...

Die amerikanischen Interessen in der Krise
Wenn strategische Interessen im Gegensatz zu moralischen Interessen
stehen, dann stellt dieser Widerspruch eine der klassischen Herausforderungen
dar, vor denen Völker und Staatsmänner stehen. Aber in Mittelamerika stimmen
heute unsere strategischen und moralischen Interessen überein.
Wir werden uns später in dem Bericht damit befassen, wie diese Interessen im einzelnen aussehen.

Aber generell gesehen gehört folgendes dazu:

Die Erhaltung der moralischen Autorität der Vereinigten Staaten; daß
wir von anderen als eine Nation angesehen werden, die das Rechte tut, denn
das Rechte ist eines der wichtigsten .iützpfeiler unseres Landes.
Die Verbesserung der Lebensbedingungen der Völker Mittelamerikas; denn
sie sind Nachbarn.

Ihre menschliche Not ist wie Zunder, der nur darauf war-

tet, entzündet zu werden.

Und wenn er entzündet wird, dann könnte der Zusammen-

stoß die gesamte Hemisphäre bedrohen.
Die Förderung der Sache der Demokratie im allgemeinen Sinne in der
ganzen Hemisphäre.
Die Stärkung des Systems der Hemisphäre» indem heute das gestärkt wird,
was wirtschaftlich und sozial gesehen eines der schwächsten Bindeglieder ist.
Die Förderung des friedlichen Wandels in Mittelamerika, während wir
gleichzeitig der Verletzung der Demokratie durch Gewalt und Terror entgegentreten.
Es muß
- 10 -

�Es muß verhindert werden, daß feindliche Kräfte die Kontrolle in einem
strategisch lebenswichtigen Gebiet der westlichen Hemisphäre übernehmen und
ausweiten.
Es muß verhindert werden, daß die Sowjetunion entweder direkt oder mit
Hilfe Kubas einen feindlichen Brückenkopf auf dem amerikanischen Kontinent
festigt, um ihre strategischen Ziele zu verfolgen.
Kurz gesagt, die Krise in Mittelamerika ist großer und unmittelbarer
Anlaß zur Besorgnis der Vereinigten Staaten, weil Mittelamerika unser enger
Nachbar und ein strategischer Knotenpunkt von globaler Bedeutung ist; weil
Kuba und die Sowjetunion sich intensiv bemühen, ihre Brückenköpfe dort auszubauen, um Pläne in der Hemisphäre zu verfolgen, die den amerikanischen Interessen ausdrücklich zuwiderlaufen, und weil die Völker Mittelamerikas
schwer heimgesucht sind und dringend unsere Hilfe benötigen.

Die Zukunft
Wir glauben, daß wir diese Herausforderung bestehen können - und müssen.

Die Kommission schöpft Mut aus der Tatsache, daß sich die Mittelamerika-

ner weigern, der Verzweiflung zu unterliegen,

überall haben wir Hoffnung auf

eine demokratische Zukunft und eine Bereitschaft angetroffen, für dieses Ziel
Opfer zu bringen.

Der hohe Stand eines anhaltenden Wirtschaftswachstums in

der Nachkriegsperiode zeigt, daß Mittelamerika über die menschlichen und materiellen Mittel für eine rasche Entwicklung verfügt.

Die Führer der Region

in der Regierung und auf dem Privatsektor haben ihr Verständnis dafür zum Ausdruck gebracht, daß bei der Verteilung der wirtschaftlichen Erfolge größere
Gleichheit herrschen muß und in den sozialen Beziehungen größere Gerechtigkeit.

Wenn diese Einsicht in die Praxis übersetzt wird, dann dürfte die

Chance für eine ausgewogenere und anhaltende Entwicklung gegeben sein.
KAPITEL 4

- 11 -

�KAPITEL 4
Auf dem Wege zu Demokratie und wirtschaftlicher Prosperität
Die Krise in Mittelamerika hat nicht nur eine einzige, einfache Ursache.

Ein wesentlicher Faktor jedoch ist die schlechte Wirtschaftstätig-

keit in dem Gebiet.

Diese Länder gehörten in den sechziger Jahren und Anfang

der siebziger Jahre zu den dynamischsten der Welt.

Aber das Wachstum war un-

gleichmäßig verteilt, und die Armut plagte weiterhin die meisten Menschen in
der Region.

Wie in dem Schlußdokument der Konferenz der katholischen Bi-

schöfe Lateinamerikas in Puebla in Mexiko 1979 ganz richtig erkannt wurde,
bestand eine "wachsende Kluft zwischen reich und arm", die die Konferenz als
einen Widerspruch zur christlichen Existenz bezeichnete.

Dies trug in mehre-

ren Ländern zu einer wachsenden politischen Frustration bei, die durch die
Tatsache verschärft wurde, daß einige Gruppen dieser Gesellschaften sich eines
wirtschaftlichen Erfolges erfreuten...

Die Art der amerikanischen Entwicklungshilfe
Wir fordern eine starke Erhöhung der Finanz- und Wirtschaftshilfe der
Vereinigten Staaten und anderer Länder für Mittelamerika.
Wir schlagen jetzt vor, daß die Wirtschaftshilfe während des Fünfjahreszeitraums beginnend von 1985 an auf insgesamt acht Milliarden Dollar erhöht
wird. Obwohl die makrowirtschaftlichen Voraussagen, auf denen dieser Vorschlag
beruht, sich nicht ganz genau in die Haushaltsanträge eines Budgets der Bundesregierung übersetzen lassen, so würden zu dieser Gesamtzahl direkte Zuwendungen wie auch EventualVerpflichtungen, wie Versicherungsgarantien, gehören.
All das würde praktisch eine Verdoppelung der amerikanischen Wirtschaftshilfe
gegenüber dem Stand von 1983 bedeuten.
Wegen des

- 12 -

�Wegen des großen Umfangs der notwendigen Anstrengungen und der Bedeutung einer langfristigen Verpflichtung fordern wir ferner, daß der Kongreß
Mittel für Mittelamerika auf einer mehrjährigen Basis bewilligt.
len dringend eine Bewilligung von Mitteln

Wir empfeh-

für fünf Jahre, wobei ein Teil der

Mittel über die vorgeschlagene Mittelamerika-Entwicklungsorganisation geleitet
würde, von der später in diesem Kapitel die Rede ist. Mit dem Rest würden
Wirtschaftshilfeprogramme finanziert, die von bestehenden amerikanischen Regierungsbehörden verwaltet werden...
Was jetzt notwendig ist, ist eine feste Verpflichtung der mittel amerikanischen Länder, neue Wirtschaftspolitiken, einschließlich einer Reform des
Steuersystems, einzuschlagen, um das Privatunternehmen und die persönliche
Initiative zu fördern, ein günstiges Investitionsklima zu schaffen, die Korruption zu unterbinden, wo sie besteht, und einen ausgewogenen Handel zu fördern.

Das kann die Grundlagen für ein anhaltendes Wachstum schaffen...

Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre wirtschaftliche Hilfe
für demokratische Institutionen und die Ausbildung von Führungskräften ausweiten.
Zu den wesentlichen Initiativen, die bereits angelaufen sind oder geplant werden sollten, gehören:
Die Ermutigung von Nachbarschaftsgruppen, Kommunal Verbesserungsorganisationen und Erzeugerkooperationen, die ein Feld der Ausbildung für demokratische Beteiligung bieten und dazu beitragen, die Regierung gegenüber den
Forderungen der Bürger aufgeschlossener zu machen.
Die binationalen Zentren des Amerikanischen Informationsdienstes (USIS)
bieten wertvolle Einsichten in die Vorteile der persönlichen Freiheiten in den
Vereinigten Staaten.

Eine wesentliche Erhöhung der Mittel würde es diesen

Einrichtungen ermöglichen, ihre Büchereien, Lehrkurse und Programme auszubauen.
Austausch- und
- 13 -

�Austausch- und Ausbildungsprogramme für führende Persönlichkeiten
demokratischer Institutionen, das Internationale Besucherprogramm des USInformationsamtes (USIA) und des GeorgeMeany-Instituts des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO sind Beispiele für erfolgreiche Programme, um führende Persönlichkeiten aus Mittelamerika wie auch aus anderen Regionen zu Bildungsprogrammen nach den Vereinigten Staaten zu bringen.

Es sollten zusätzliche Programme

eingerichtet werden, um Führer solcher demokratischer Institutionen, wie Gewerkschaften, Kommunalbehörden, Gesetzgebung und Berufsverbände, zum Studium
der entsprechenden Organisationen in die Vereinigten Staaten einzuladen.
Wir empfehlen ferner eine Anzahl politischer Maßnahmen und Programme
des öffentlichen und privaten Sektors in den Vereinigten Staaten auf den Gebieten des Handels, der Investition und der Landwirtschaft.

Auch das sind

wichtige Elemente einer breitangelegten Anstrengung, um den Ländern Mittelamerikas zu helfen, wieder zu gedeihen - und wir wenden uns jetzt diesen Möglichkeiten zu.

Verbesserte Handelschancen
Eine rasche wirtschaftliche Entwicklung Mittelamerikas erfordert verstärkte Deviseneinnahmen dieser Länder. Auf kurze Sicht wird die Region
weiterhin im wesentlichen von den Einnahmen aus dem Export von Rohstoffen
abhängen. Die Kommission hat sich mit Vorschlägen befaßt, die Rohstoffpreise oder Exporteinnahmen daraus zu stabilisieren, und hat diese Vorschläge
als unwirksam oder ungeeignet abgelehnt. Daher sind die Aussichten auf eine
wesentliche Zunahme der Exporterlöse begrenzt, solange nicht die Nachfrage
nach den Rohstoffen, die Mittelamerika produziert, wieder steigt...
Wir befürworten die Ausweitung des zollfreien Handels anderer großer
Handelsnationen mit Mittelamerika...
Wir fordern

- 14 -

�Wir fordern die Vereinigten Staaten auf, nicht-tarifäre Handelsschranken gegen Importe aus Mittelamerika zu überprüfen...
Wir empfehlen technische und finanzielle Unterstützung von Exportförderungsanstrengungen.
Die amerikanische Wirtschaftshilfe sollte dafür eingesetzt werden, die
technische und finanzielle Unterstützung für Handels- und Exportmarketingfirmen und ausländischer Unternehmer zu gewähren. Das ist bereits ein wichtiges Element des laufenden Hilfsprogramms; in Zukunft sollte dem oberste
Priorität eingeräumt werden...
Wir empfehlen eine Ausweitung der Verfügbarkeit von OPIC-Garantien
in der Region...
Wir empfehlen die Entwicklung von Hilfsprogrammen zur Förderung von
Kleinbetrieben, auch von Kleinstbetrieben...
Insbesondere empfehlen wir, daß die finanziellen Grundlagen für die
Bemühungen um größeren Landerwerb gestärkt und reformiert werden.
Wir haben argumentiert, daß eine gerechtere Verteilung von Einkommen
und Wohlstand, einschließlich des Landbesitzes, für die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung der Region wichtig ist.

In den Programmen

der Landreform sollten Wege gefunden werden, um zu gewährleisten, daß die
Neuverteilung des Bodens die neuen Besitzer mit einem gültigen Eigentumsnachweis ausstattet und daß die Regierungen sofort die Mittel für die wirksame
Entschädigung der früheren Eigentümer bereitstellen, sobald diese Mittel verfügbar werden, und daß das System letztlich den Anreiz zur Ausweitung der
landwirtschaftlichen Erzeugung insgesamt dient.
Wir empfehlen die Bereitstellung von finanziellen Mitteln, um Kreditund Investitionsprogramme auszubauen.
Eine wesentliche
- 15 -

�Eine wesentliche Stoßrichtung der bilateralen amerikanischen Hilfe sollte der Ausbau nationaler und regionaler Kreditprogramme für die Landwirtschaft
sein.

Das ist ein Element des Hilfsprogramms, das in Zukunft unbedingt er-

weitert werden sollte.

Mittelfristig sollte das Programm für saisonale land-

wirtschaftliche Kredite für importierte Leistungen und Arbeitskapital, das zum
Notstabilisierungsprogramm gehörte, neu gefaßt und erweitert werden.
Wir empfehlen verstärkte wirtschaftliche Unterstützung der Kooperativen.
Landwirtschaftliche Kooperativen sind für die ländliche Entwicklung in
den Vereinigten Staaten und in Mittelamerika wichtig gewesen.

Sie fördern

nicht nur eine höhere Produktion durch die Zusammenfassung von Mitteln und
die Verteilung des Risikos, sondern sie tragen auch zu einer breiteren Einkommensverteilung bei. Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung solcher Organisationen im Rahmen ihrer bilateralen Hilfsprogramme
verstärken.

KAPITEL 5
Humanitäre Entwicklung
Eine umfassende Bemühung um die Förderung von Demokratie und Wohlstand
in den mittel amerikanischen Staaten bedarf als Eckpfeiler einer beschleunigten "humanitären Entwicklung".

Weitverbreiteter Hunger und Unterernährung,

Analphabetentum, schlechte Erziehungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, unzureichende medizinische Versorgung und schlechte Wohnverhältnisse sind unstabile Grundlagen für die Bemühung um den Aufbau lebensfähiger demokratischer
Institutionen.
In diesem

- 16 -

�In diesem Kapitel konzentrieren wir uns auf die sozialen Bedingungen
und auf die Bemühungen, die sowohl kurz- wie mittelfristig unternommen werden können, um den Mittelamerikanern bei der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu helfen.

Die Last des Handelns liegt - noch weit mehr als in ande-

ren Regionen - hier hauptsächlich bei den Mittelamerikanern selbst.
wie wohlgemeint die Absichten auch sein mögen:

Gleich,

Kein Staat kann das Volk ei-

nes anderen Landes ernähren, erziehen, medizinisch versorgen, kleiden und für
dessen Behausung sorgen, ohne dessen Regierung zu untergraben oder kulturelle
Konflikte herbeizuführen.

Allerdings können die Vereinigten Staaten einige

der Hilfsmittel bereitstellen, die die Mittelamerikaner benötigen, damit ihre eigenen Programme funktionieren; und die Vereinigten Staaten können hinsichtlich der Gestaltung dieser Programme ihren Rat geben.
Viele Mittelamerikaner, mit denen wir zusammentrafen, unterstrichen
die Bedeutung mutiger Initiativen zur Verbesserung der dortigen Lebensbedingungen.

Ganz in diesem Geist sind wir der Überzeugung, daß die nachste-

hend genannten Zielsetzungen für die achtziger Jahre zwar ehrgeizig, gleichwohl aber realistisch sind:
Verringerung der Unterernährung.
Beseitigung des Analphabetentums.
Grundausbildung für jedermann.
Gesundheitsvorsorge für jedermann.
Deutliche Verringerung der Kindersterblichkeit.
Anhaltende Verringerung der Zuwachsraten der Bevölkerung.
Deutliche Verbesserung bei den Wohnverhältnissen.
Die von uns nachstehend ausgeführten Programme sollen den Mittelamerikanern dabei behilflich sein, diese Ziele zu erreichen.

Die Mittel, wie sie

von der amerikanischen Regierung gefordert werden würden, wären Teil des erweiterten Wirtschaftshilfeprogramms, das im vorigen Kapitel beschrieben wurde...
Die Kommission

- 17 -

�Die Kommission gelangt zu dem Schluß, daß oberste Priorität für die Erziehung in Mittelamerika Ernährungsprogramme sein sollten, die so ausreichend
sein müßten, daß die Kinder in normaler körperlicher und geistiger Verfassung
zur Schule geschickt werden können.
Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten ihre Nahrungsmittelhilfe
auf der Basis einer Notlagesituation steigern sollten...
Wir empfehlen, daß das Friedenskorps seine Anwerbung von Lehrern verstärken sollte, die vor Ort arbeiten, um gegen das Analphabetentum anzugehen...
Wir empfehlen, die Aktivitäten des Friedenskorps auf dem Volksschul-,
Mittel schul- und Berufsschulniveau auch dadurch auszugestalten, daß ein Mittelamerikanisches Lehrerkorps erstellt wird, das sich aus dem spanischsprachigen Teil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten rekrutiert...
Wir empfehlen eine Ausweitung des Programms
und beruflichen Weiterbildung...

im Bereich der technischen

Wir empfehlen die Ausweitung des International Executive Service
Corps (IESC)...
Damit empfehlen wir ein Programm von 10 000 Stipendien, die von der
Regierung getragen werden, um damit mittel amerikanische Studenten in die
Vereinigten Staaten zu bringen...
Unserer Meinung nach sollte ein solches Programm die folgenden Elemente
enthalten:
Sorgfältige Auswahl, damit die Beteiligung junger Menschen aus allen
sozialen und wirtschaftlichen Schichten ermöglicht wird.
Aufrechterhaltung bestehender

- 18 -

�Aufrechterhaltung bestehender Teilnahmebedingungen - obgleich diese in
der Vergangenheit bisweilen ein Hindernis darstellten - durch die Ermöglichung
intensiver Englisch- und anderer Kurse als Teil des Programms.
Mechanismen, die es ermöglichen, daß Studenten nach Abschluß ihrer Ausbildung in ihr Heimatland zurückkehren - etwa dadurch, daß ein Teil ihrer Stipendien in Form von Darlehen gewährt wird und das Erlassen dieser Darlehen
an eine solche Rückkehr gebunden wird.
Arrangements, mittels derer die mittelamerikanischen Staaten einen Teil
der Kosten des Programms übernehmen.
Zumindest 100 bis 200 dieser Stipendien sollten für Angehörige des
mittleren öffentlichen Dienstes bereitgestellt werden; weitere 100 für den
Austausch von Vertretern der Hochschulfakultäten...
Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten in enger Partnerschaft mit
den mittelamerikanischen Regierungen und Universitäten einen Langzeitplan zur
Stärkung der wichtigsten Universitäten in Mittelamerika entwerfen.
Kernpunkt dieser Hilfsanstrengungen sollte es sein, bei der Verbesserung
der Qualität der mittelamerikanischen Universitäten zu helfen.

Ein ausgewoge-

nes Hilfsprogramm würde umfassen:
Technische Hilfe, um beim Schulunterricht und den Lehrplänen sofortige
Verbesserungen zu ermöglichen.
Ausgewählte Investitionen zur Verbesserung von Bibliotheken, Labors
und studentischen Einrichtungen.
Besondere Anstrengungen zur Ernennung und Weiterbildung jüngeren Universitätspersonals und junger Verwaltungsangehöriger.
Ein ergänzendes

- 19 -

�Ein ergänzendes Programm zur Weiter- und Fortbildung des bestehenden
Personals bei Lehrkörper und bei Verwaltung.
Ein erweitertes Programm der Partnerschaft zwischen amerikanischen und
mittelamerikanischen Colleges und Universitäten.
Eine deutliche Ausweitung von Möglichkeiten für Lehrkräfte, Studenten
und Verwaltungsangehörige, die Vereinigten Staaten für einen Zeitraum zwischen einigen Wochen und mehreren Jahren zu besuchen.
Wir empfehlen die Hilfe der Vereinigten Staaten bei der Stärkung der
Rechtssysteme Mi ttelameri kas...
Insbesondere empfehlen wir den Einsatz amerikanischer Wirtschaftshilfe
- zur Verbesserung der Ausbildung und der Mittel von Richtern, Gerichtspersonal und staatsanwaltschaftlichen Einrichtungen;
- zur Verbesserung und Modernisierung der Möglichkeiten von Kriminalämtern;
- zur besseren Verfügbarkeit von Justizmaterial, für Mittel für die
Rechtsfakultäten und zur Unterstützung örtlicher Anwaltsvereinigungen.
Wir empfehlen eine erheblich vergrößerte Anstrengung - mit der Unterstützung der amerikanischen Regierung über die Nationale Stiftung für die Wissenschaften - zur Ausbildung hochqualifizierter Übersetzer, damit dadurch
die Übersetzung wichtiger Bücher in beide Sprachen erleichtert und ihre Veröffentlichung subventioniert wird, um sie auf diese Weise einem größeren
Leserkreis zugänglich zu machen.

Die Gesundheitszustände

- 20 -

�Die Gesundheitszustände der Region
Wenn Disraelis Ansicht richtig ist, daß "die ökonomische Gesundheit
einer Nation in erster Linie von der Gesundheit ihrer Bevölkerung abhängt",
so ist es von entscheidender Bedeutung, die gesundheitlichen Bedingungen
Mittelamerikas als Vorbedingung einer wirtschaftlichen Erholung zu verbessern.
Die Menschen Mittelamerikas leiden unter äußerst schlechten gesundheitlichen Bedingungen, auch wenn es zwischen den einzelnen Staaten erhebliche Unterschiede gibt.

Die Häufigkeit von Infektionen, von Parasiten-

krankheiten, von Unterernährung, Tuberkulose und Kindersterblichkeit hat
sich in den vergangenen zehn Jahren praktisch nicht geändert.

Das Wieder-

auftreten der Malaria und des Denguefiebers allein würde alle Hoffnungen
auf soziale oder wirtschaftliche Hilfe zunichte machen, würde man hier nicht
eingreifen.

Krankheiten der Atemwege, Durchfallkrankheiten sowie infektiöse

und parasitäre Krankheiten, die man in den Industrieländern entweder völlig
beseitigt hat oder doch heilen kann, sind in Mittelamerika noch allzu oft
tödlich.

Und wie bereits in diesem Kapitel erwähnt, untergräbt die weit-

verbreitete Unterernährung die Grundlagen des Gesundheitswesens genau wie
die der Ausbildung...
Management und Planung beim wirksamen Einsatz rarer Mittel stehen im
Mittelpunkt einer Verbesserung der heilenden wie der präventiven Medizin.
Um hier Besserung zu erzielen, schlagen wir vor, die vom US-Amt für
Internationalen Entwicklung (AID) unterstützten technischen Hilfsprogramme
auszuweiten...
Außerdem sind weitere Maßnahmen nötig:
Wir empfehlen eine Wiederaufnahme des von AID unterstützten Programms
zur Ausrottung von ansteckenden Krankheiten wie Malaria und Denguefieber...
Wir empfehlen,
- 21 -

�Wir empfehlen, daß die Vereinigten Staaten eine Ausweitung der Programme
für Schluckimpfung ermöglichen,um auf diese Weise Kinderkrankheiten und Kindersterblichkeit in Mittelamerika während der nächsten fünf Jahre um ein Beträchtliches zu verringern.
Wir empfehlen die Fortführung der Bevölkerungs- und Familienplanungsprogramme, wie sie derzeit von dem Amt für Internationale Entwicklung unterstützt werden...
Wir empfehlen, daß die mittelamerikanischen Ausbildungsinstitutionen
dazu ermutigt werden, sich verstärkt auf die Ausbildung von Mitarbeitern der
elementaren medizinischen Versorgung, von Krankenschwestern, von Zahnarzthelfern und von Personal in den medizinischen Hilfsdiensten konzentrieren...

Wohnungsbau
Die Verstädterung in ganz Mittelamerika verändert rasch den Charakter
der ganzen Region, überall dort bedeutet die Bewegung der Menschen vom Land
hin zur Stadt Druck auf die städtischen Einrichtungen. Die nationalen und
lokalen Regierungen sind nicht in der Lage, den Bedürfnissen der neuen Zuwanderer gerecht zu werden. Wohnungsbau und städtische Dienstleistungen
sind entscheidende Bedürfnisse, die bis zu drei Viertel der Bevölkerung vor allem die Armen - betreffen...
Die amerikanische Hilfe sollte sich auf zwei Bereiche konzentrieren.
Erstens empfehlen wir ein erweitertes Wohnungs- und Infrastrukturprogramm. ..
Zweitens empfehlen wir der amerikanischen Regierung die beschleunigte
Ausbildung von Angehörigen der Verwaltung, die sich auf dieses Gebiet spezialisieren...
Humanitäre Hilfe
- 22 -

�Humanitäre Hilfe
Die Tragödie der mehr als eine Million Vertriebenen in Mittelamerika
- durch Gewalt und aus Angst vor Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben - ist allen
bekannt.

Jene, die in Mexiko, in Honduras und in Costa Rica Zuflucht gefunden

haben, werden unter der Schirmherrschaft des UN-Fllichtlings-Hochkommissars
versorgt.

Dennoch:

Hunderttausende leben noch immer in El Salvador und in

Guatemala unter den elendsten Bedingungen...
Wir empfehlen verstärkte Unterstützung für angemessene Hilfsanstrengungen über das Amt für Internationale Entwicklung und das Flüchtlingsprogramm
des Außenministeriums...

KAPITEL 6
Mittel amerikanische Sicherheitsfragen
Wir wünschen zutiefst, es bestünde keine Notwendigkeit für ein Kapitel
über Sicherheit in einem Bericht über Mittelamerika.

Aber leider besteht eine

solche Notwendigkeit.
Die Region ist von Krieg und Kriegsdrohungen zerrüttet.
aber den Frieden, um zu Fortschritt zu gelangen.

Sie braucht

Sie braucht Sicherheit, um

Frieden zu bekommen.
Die Konflikte, die die Nationen Mittelamerikas heimsuchen, haben sowohl einheimische als auch ausländische Wurzeln. Zur Wiederherstellung von
Frieden und Stabilität bedarf es einer Kombination der sozialen und politischen
Reformen, des wirtschaftlichen Fortschritts, der diplomatischen Bemühungen
und der militärischen Anstrengungen. In den vorstehenden Kapiteln haben wir

- 23 -

�haben wir uns mit den sozialen, den wirtschaftlichen und den politischen
Aspekten auseinandergesetzt; im nächsten Kapitel werden wir die möglichen
diplomatischen Schritte diskutieren.

Wir hoffen, daß Verhandlungen Früchte

tragen werden, damit die Menschen Mittelamerikas ihre Energien darauf verwenden können, ihre Lebensumstände zu verbessern.

Wir ziehen dies ganz eindeu-

tig vor - eine kraftvolle, konkrete und umfassende diplomatische Bemühung
wird daher im nächsten Abschnitt dargelegt.

Aber genau wie militärische Maß-

nahmen notwendig sind, um die wirtschaftlichen und sozialen Programme zu
schützen, so sind sie auch als Attribut der Diplomatie von entscheidender
Bedeutung...
Wir haben es bereits betont, und wir wiederholen es hier:

örtliche

Reformbewegungen, sogar örtliche Revolutionen sind nicht in sich selbst ein
Sicherheitsproblem für die Vereinigten Staaten.

Die Geschichte hat Beispiele

für echte Volksrevolutionen, die in ihrer Gänze den Wurzeln des eigenen Landes entwachsen.

In dieser Hemisphäre ist Mexiko deutliches Beispiel hierfür.

Aber in den vergangenen zwei Jahrzehnten standen wir vor einem neuen Phänomen.
Das Zusammenwirken der Macht der Sowjetunion und Kubas zur Ausweitung ihrer
Präsenz und ihres Einflusses in verletzlichen Bereichen der westlichen Hemisphäre stellt eine direkte Bedrohung der amerikanischen Sicherheitsinteressen dar.

Diese Art von Rebellion gibt es derzeit in Mittelamerika.

Militärische Hilfe
Obgleich es in El Salvador um wichtige amerikanische Interessen geht
und obgleich wir einen hohen politischen Preis - sowohl im Lande selbst als
auch im Ausland - für die Unterstützung der dortigen Streitkräfte zahlen,
haben die Vereinigten Staaten noch immer nicht genug Militärhilfe zur Verfügung gestellt, um die. Methoden der Aufstandsbekämpfung zu unterstützen, auf
die wir drängen. Gleichzeitig können die Vereinigten Staaten nicht die brutalen alternativen Methoden der Aufstandsbekämpfung unterstützen, die mit
einer Gewalt gegenüber der Zivilbevölkerung einhergehen, die nicht tole- 24 -

�nicht toleriert werden kann.

Unserem Urteil nach ist das gegenwärtige Aus-

maß an militärischer Hilfe nicht einmal ausreichend, um die derzeit bestehende
militärische Pattsituation über längere Zeit hinweg aufrechtzuerhalten.

An-

gesichts der steigenden Schäden - sowohl physisch als auch politisch -, die
der Wirtschaft wie der Regierung von El Salvador durch eine Guerilla zugefügt werden,die ihre Stärke auch weiterhin beibehält, ist ein Zusammenbruch
nicht unvorstellbar.
Der Plan der salvadorianischen Regierung für eine nationale Kampagne
verbindet militärische Operationen mit anschließenden zivilen Aktionen, um
Landwirtschaft und Handel wiederherzustellen. Dem Plan zufolge sollen sichere
Gebiete ermögicht werden, innerhalb derer der Landarbeiter von El Salvador
seine Ernte einbringen und vermarkten und wo die Industrie wieder produzieren
kann. Der Plan geht davon aus, daß landesweit genug Sicherheit geschaffen
wird, um den Aufstand zumindest zwei Jahre lang auf einem niedrigen Niveau
zu halten. Allerdings müssen die Streitkräfte der Regierung rasch um ein
Beträchtliches verstärkt werden, damit dieser Plan Erfolg hat. Hierzu gehören folgende Forderungen:
Verstärkte Luft- und Bodenmobilität, um die Regierungsstreitkräfte in
die Lage zu versetzen, ihren unter Angriff stehenden Positionen Entsatz bringen zu können und schließlich die Guerilla aufzuspüren und zu bekämpfen.
Verstärkte Ausbildung zur taktischen Verbesserung der Streitkräfte
und zum umfassenderen Einsatz moderner, menschlicherer Methoden zur Bekämpfung

des Aufstandes, einschließlich auch der zivilen Methoden selbst.

Zu

letzteren gehören nicht nur Straßenbau und einfachere technische Projekte,
sondern vor allem auch Bereitstellung von Gesundheitsvorsorge durch Sanitätspersonal .
Mehr Streitkräfte, um die Regierungsstreitkräfte in die Lage zu versetzen, sowohl wichtige Objekte zu sichern, als auch den Krieg zur Guerilla
selbst zu tragen; derzeit gibt es lediglich die Wahl zwischen einem Zusehen

- 25 -

�einem Zusehen bei der Zerstörung der lebensnotwendigen Infrastruktur oder
einer endlosen Verlängerung des Krieges.
Mehr an Ausrüstung und an Vorräten, um hierdurch eine einheitliche
Kampfbem'ühung zu unterstützen.
Verbesserte Bedingungen für die Truppen, um weniger ausgebildetes
Personal zu verlieren, vor allem durch die Bergung von Verwundeten; derzeit
ist die Verlustrate wegen Mangels an Bergungshubschraubern sehr hoch.
Es könnte Argumente dafür geben, überhaupt nichts zu tun, um der Regierung von El Salvador zu helfen.
noch viel mehr zu tun.

Es könnte auch Argumente dafür geben,

Aber es gibt kein logisches Argument dafür, zwar

Hilfe zu gewähren, aber nicht genug.

Die schlechtestmögliche Politik für El

Salvador besteht darin, gerade genug Hilfe zu bieten, um den Krieg weitergehen zu lassen, aber zu wenig, um ihn mit Erfolg zu führen.
Wie wir bereits in diesem Bericht deutlich gemacht haben, ist die Kommission zu dem Schluß gekommen, daß der derzeitige Umfang amerikanischer
Hilfe unangemessen ist.
Wir sind nicht in der Lage zu beurteilen, welche Mengen und welche
Arten von erhöhter Hilfe notwendig sind. Wir stellen fest, daß das amerikanische Verteidigungsministerium schätzt, es wären annähernd 400 Millionen
Dollar an amerikanischer Militärhilfe für die Jahre 1984 und 1985 notwendig,
um die militärische Pattsituation aufzubrechen und zu ermöglichen, daß der
Plan einer nationalen Kampagne durchgeführt wird. Das Ministerium ist der
Meinung, daß danach der Umfang der Hilfe auf einen beträchtlich bescheideneren Umfang gebracht werden könnte.
Die Kommission empfiehlt, daß die Vereinigten Staaten El Salvador unter den Bedingungen, die wir in diesem Kapitel noch genauer darlegen werden - so rasch wie möglich eine deutlich erhöhte Militärhilfe gewährt, damit
- 26 -

�gewährt, damit die salvadorianische Regierung in der Gewißheit handeln kann,
daß die notwendige Hilfe kommt.
Die Ausbildung und die Verbesserung der salvadorianischen Streitkräfte
bis zu dem Punkt, da sie wirksame Aufstandsbekämpfung betreiben kann, wird
Zeit brauchen.

Ja, angesichts der Komplexität der internen wie der externen

Probleme, vor denen El Salvador steht, wird die dortige Situation auch weiterhin prekär bleiben - sogar mit erhöhter militärischer Hilfe.

Eine solche Hil-

fe allein kann nicht die Elemente nationaler Einheit und nationalen Willens
garantieren, die für einen Erfolg notwendig sind.

Abe1 dem Urteil der Kom-

mission zufolge wird sich die Lage ohne eine solche Hilfe sicherlich verschlechtern.
Die Kommission hat hinsichtlich der Verteidigungserfordernisse von
Honduras keine gleichermaßen detaillierte Studie unternommen.

Aufgrund der

Zeugenaussagen, die wir haben, kommen wir zu dem Urteil, daß eine verstärkte
amerikanische Militärhilfe für Honduras für Ausbildung und Ausrüstung notwendig ist, um eine glaubwürdige Abschreckung aufzubauen und damit erneuten
Aufstandsversuchen entgegenzutreten.

Die Administration sollte dem Kongreß

in dieser Hinsicht ein angemessenes Programm vorlegen.
Unter entsprechenden Bedingungen wäre Hilfe für Guatemala ratsam,
um das Land in die Lage zu versetzen, eine konsistentere und menschlichere
Strategie zur Aufstandsbekämpfung zu verfolgen.

Diese Frage wird weiter un-

ten behandelt...

Die Menschenrechte
Die Frage des Verhältnisses zwischen Militärhilfe und Menschenrechtsverletzungen ist sowohl äußerst schwierig als auch äußerst wichtig.

Es geht da-

bei um den potentiellen Zusammenstoß zweier grundlegender amerikanischer Zielsetzungen.

Einerseits sind wir darum bemüht, die Gerechtigkeit zu fördern,
- 27 -

�zu fördern, und finden es abstoßend, Streitkräfte zu unterstützen, die fundamentale amerikanische Werte verletzen - oder doch deren Verletzung tolerieren.

Andererseits haben wir uns in El Salvador und in Mittelamerika allgemein

engagiert, weil wir fundamentalen amerikanischen Interessen dienen, die über
alle einzelnen Regierungen hinausgehen.
Unsere Politik muß daher beide Ziele gleichzeitig anvisieren und verfolgen.

Es ist klar, daß weitere öffentliche und internationale Unterstüt-

zung in großem Maße davon abhängt, inwieweit wir bei der Harmonisierung dieses Doppelzieles Erfolg haben.

Vor diesem Hintergrund haben wir die Notwendig-

keit unterstrichen, die amerikanische Entwicklungshilfe eindeutig von raschen
Fortschritten in Richtung auf demokratischen Pluralismus und Achtung vor den
Menschenrechten sowie von der Wirtschaftslage abhängig zu machen.

Die Achtung

vor den Menschenrechten ist außerdem von großer Bedeutung für verbesserte
Sicherheit in Mittelamerika sowie für die Selbstachtung der Vereinigten Staaten.

Wir erkennen, daß die Art und Weise, wie das Problem in dieser Richtung

angegangen wird, von entscheidender Bedeutung ist, denn genau dies ist Mittelamerika auch für unsere nationale Sicherheit.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat ein Recht, bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich der Achtung vor den Menschenrechten als eine Vorbedingung dafür zu verlangen, daß einem Land Militärhilfe gewährt wird.
Was El Salvador angeht, so sollte die Militärhilfe - über eine Gesetzgebung geleistet, die regelmäßige Berichte erfordert - von deutlichem Fortschritt in Richtung auf freie Wahlen abhängig gemacht werden; von Fortschritt
in Richtung auf Versammlungsfreiheit, auf die Herrschaft des Rechts und ein
effizientes Rechtssystem sowie die Einstellung der Aktivitäten der sogenannten
Todesschwadronen und tatkräftige Verfolgung jener, die eines Verbrechens schuldig sind und - soweit möglich - die Aburteilung von Schuldigen der Vergangenheit. Diese Bedingungen sollten mit Nachdruck gefordert werden...
Desgleichen sollten

- 28 -

�Desgleichen sollten die Vereinigten Staaten Maßnahmen - einschließlich
der Verweigerung eines Visas, der Auslieferung und der Untersuchung finanzieller Transaktionen - gegen Ausländer in den Vereinigten Staaten treffen, die
mit Aktivitäten der Todesschwadronen in El Salvador und andernorts in Verbindung stehen...

Schlußfolgerung
Die Kommission ist zu der Schlußfolgerung gelangt, daß in Mittelamerika
in einem erheblichen Umfang die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten
auf dem Spiel stehen; daß außerdem diese Interessen ein beträchtlich größeres
Programm militärischer Hilfe sowie erheblich ausgeweitete Unterstützung für
wirtschaftliches Wachstum und soziale Reform erfordern; daß es weiterhin zu
einem Ende der massiven Menschenrechtsverletzungen kommen muß, wenn in Mittelamerika Sicherheit herrschen soll; und daß die externe Unterstützung des Aufruhrs aus dem gleichen Zweck neutralisiert werden muß - ein Problem, das wir
I'm nächsten Kapitel behandeln werden.

Die Verschlechterung der Lage in Mittelamerika ist dergestalt, daß wir
es uns nicht leisten können, bei der Verteidigung unserer nationalen Interessen
und beim Verfolg unserer nationalen Zielsetzungen gelähmt zu sein.

Die Tat-

sache, daß eine solche Lähmung auf einen Mangel an nationalem Konsens hinsichtlich der Außenpolitik in den Vereinigten Staaten zurückzuführen wäre, würde
nicht die Folgen eines Fehl Schlags mildern.

Wir sind der Meinung, daß bei ei-

ner Frage von solcher Bedeutung für die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten ein Konsens möglich ist und ein solcher erreicht werden muß.
Wir hoffen zudem, daß eine eindeutige amerikanische Verpflichtung zu
einem solchen Kurs wiederum die Aussichten auf erfolgreiche Verhandlungen verbessert - so daß die Waffen die Diplomatie unterstützen würden, statt diese zu
ersetzen.
KAPITEL 7
- 29 -

�KAPITEL 7
Die Suche nach dem Frieden
Die amerikanische Diplomatie in bezug auf Mittelamerika kann weder in
einem Vakuum gestaltet noch in einem solchen verwirklicht werden.

Sie muß

die umfassenderen Realitäten der Hemisphäre wie die der ganzen Welt widerspiegeln.

Zudem muß sie eine Strategie zur Förderung amerikanischer Interessen in

der Region beinhalten, die auch langfristig durchgehalten
Strategie umfaßt viele Faktoren.

werden kann.

Diese

Diskussionsthemen sind dabei, welche Maßnahmen

im einzelnen ergriffen werden sollten, welcher Art das Geben und Nehmen sein
sollte, welches Gleichgewicht erzielt werden sollte und welche Verantwortlichkeiten von uns und von anderen übernommen werden sollten,

über folgendes müß-

ten wir uns allerdings im klaren sein:
über den Kontext unserer Diplomatie,
über die Natur unserer Zielsetzungen,
über die Beharrlichkeit unserer Politik.
Geschichte wie Erfahrung lehren, daß eine wirkungsvolle Diplomatie die
Koordination vieler Elemente erforderlich macht. Von entscheidender Bedeutung
für den Fortschritt sind dabei Anreize. Und desgleichen die Strafen bei einem
Versagen. In vielen Fällen müssen befreundete Streitkräfte sowohl durch Wirtschafts- als auch durch Sicherheitshilfe unterstütz werden. Den Aggressoren
muß deutlich gemacht werden, daß ein unannehmbares Verhalten Risiken in sich
birgt. Sie müssen außerdem wissen, daß ein anderes Verhalten wiederum beträchtliche Vorteile mit sich bringen kann.
Eine erfolgreiche politische Strategie in Mittelamerika muß bestimmte
grundlegende Voraussetzungen haben.

So erfordert sie

- umfangreiche Mittel zur Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts;
- tatkräftige Bemühungen zur Förderung von Demokratie und sozialer Reform;
- andere Anreize und Strafmaßnahmen - abgesehen von Gewalt - zur Durchsetzung unserer Diplomatie...
El Salvador
- 30 -

�El Salvador

Es i s t offenkundig, daß die Zukunft von M i t t e l ™
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Die Regierung von El Salvador muß a l l e angemessenen Maßnahmen
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gende Weise vorgegangen werden:
1. Dil
31 -

£

�1. Die salvadorianische Regierung würde die FDR-FMLN dazu einladen, ein
für beide Seiten annehmbares Verfahren auszuhandeln, um für die kommenden Wahlen einen Rahmen zu schaffen...
2. Als Teil dieses Rahmens würde eine alle politischen Richtungen repräsentierende Wahlkommission eingesetzt, zu der auch Vertreter der FDR-FMLN gehören...
3. Alle Parteien sollten Gewaltanwendung einstellen, damit für alle
Seiten befriedigende Vereinbarungen zwischen Regierung, regierungsnahen Parteien, den verschiedenen oppositionellen Gruppen und den Gruppen der Aufständischen während des Wahlkampfes und während der Wahlen sich in der Realität bewähren können...
4. Es sollte ein System der internationalen Beobachtung erstellt werden,
um Glauben und Vertrauen aller Parteien in die Redlichkeit und die Ausgewogenheit der Arrangements für die Wahlen zu stärken...

Hierzu könnten Berater der

Wahlkommission gehören, die von den OAS-, den CONTADORA- und Drittweltstaaten
kommen und über die sich alle Konfliktparteien einigen.
Zusammenfassend gesagt sollten die Vereinigten Staaten eine gewaltige
Anstrengung unternehmen, um El Salvador bei der Schaffung einer Gesellschaft
zu unterstützen, die aus sich selbst lebensfähig ist und die sich der offenen
Teilnahme an ihrem politischen Prozeß, der sozialen Gerechtigkeit, der wirtschaftlichen Freiheit, dem Wachstum und der Entwicklung verschreibt.

Ein El

Salvador, das auf diese Ziele hinarbeitet, verdient auch weiterhin unsere Unterstützung.

Dazu gehören angemessene Wirtschafts- und Sicherheitshilfe, die

wiederum einen Druck in Richtung auf ein politisch ausgehandeltes Ende der
Kämpfe hervorbringen könnten...

Nicaragua

- 32 -

�Nicaragua
Die Streitkräfte der Sandinisten sind potentiell stärker als alle übrigen Streitkräfte Mittelamerikas zusammengenommen.

Die Regierung in Managua

bot der Kommission unaufgefordert eine vertrauliche Unterrichtung an, die keinen
wirklichen Zweifel daran ließ, daß Nicaragua in das kubanische - und damit auch
in das sowjetische - nachrichtendienstliche Netz eingebunden ist. Die Kommission traf auf keine führende Persönlichkeit in Mittelamerika - auch nicht in
dem demokratischen und unbewaffneten Costa Rica -, die nicht äußerst besorgte
Vorahnungen hinsichtlich der Auswirkungen eines militarisierten, totalitären
Nicaragua auf den Frieden und die Sicherheit der Region zum Ausdruck brachten.
Verschiedene vertraten die Ansicht, daß ihre eigene Freiheit, ja ihre Unabhängigkeit, gefährdet seien, sollte das Sandinista-Regime jetzt als totalitärer
Staat konsolidiert werden...
Obwohl die Kommission der Auffassung ist, daß das Sandinista-Regime auch
weiterhin eine Gefahr für die Stabilität in der Region darstellen wird, befürworten wir dennoch keine Politik der reinen Eindämmung.
Stattdessen empfehlen wir vor allem eine Anstrengung, um zu einer umfassenden regionalen Regelung zu gelangen.

Diese würde sich aus den 21 Zielen

der CONTADORA-Gruppe entwickeln und auf ihnen aufbauen.

Innerhalb des Rahmens

der grundsätzlichen Prinzipien würde sie:
- eine Verknüpfung zwischen Demokratisierung und Sicherheit in dieser Region anerkennen;
- die Anreize für verstärkte Entwicklungshilfe und Handelskonzessionen mit
der Annahme gegenseitiger Sicherheitsgarantien verbinden;
- die Vereinigten Staaten und andere Industrieländer in das regionale Friedenssystem einbinden; und
- in der
- 33 -

�- in der Region einen institutionellen Mechanismus zur Verwirklichung dieses Systems schaffen.

Der Rahmen für regionale Sicherheit
Die Kommission ist der Auffassung, daß eine umfassende regionale Regelung sich auf die weiter unten spezifizierten Grundsätze stützen sollte.

Eine

solche Regelung würde nicht die Beseitigung der sandinistischen Regierung und
auch nicht den offiziellen Verzicht auf ihre revolutionären Ideale implizieren,
sondern nur bedeuten, daß sie sich dem legitimierenden Test freier Wahlen unterwirft.

Es liegt deshalb nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeiten, daß

Nicaragua und die anderen Staaten der Region sich diese Regelung zu eigen machen
werden.

Das grundlegende Rahmenwerk wäre ein Abkommen über die Sicherheit in

Mittelamerika, das zwischen den "Fünf" (Costa Rica, El Salvador, Guatemala,
Honduras und Nicaragua) ausgehandelt wird und folgende Grundelemente enthält:
- Respektierung der Souveränität, Unabhängigkeit sowie Integrität aller
mittelamerikanischer Staaten.
- Eine umfassende und konkrete Verpflichtung zur Demokratie und zu den
Menschenrechten.
- Eine verifizierbare Verpflichtung eines jeden Landes, seinen Nachbarn
nicht anzugreifen und keine Waffen - offen oder im geheimen - an irgendwelche Aufständischen weiterzugeben, kein Militärpersonal eines mittel amerikanischen Staates auszubilden und keinerlei Subversion - direkt
oder indirekt - gegenüber seinen Nachbarn zu praktizieren.
- Eine verifizierbare Verpflichtung eines jeden Landes, keine Waffen zu
besitzen, die über ein gewisses Ausmaß, gewisse Typen sowie eine gewisse
Kapazität hinausgehen.

Die zulässige Gesamtstärke der Streitkräfte eines

jeden Landes könnte in der Weise festgelegt werden, daß sie eine vereinbarte Höhe, die wesentlich geringer ist als gegenwärtig, nicht Uber- 34 -

�nicht überschreitet.

Streitkräfte, Stützpunkte oder Berater nicht-

mittel amerikanischer Länder wären nicht gestattet.

Respektierung des Abkommens und Mitarbeit seitens der Vereinigten Staaten
Dazu würde die Bereitschaft gehören, die Militär- und Sicherheitsvereinbarungen in Mittelamerika zu unterstützen, sowie die Verpflichtung, jedwede
innenpolitischen Vereinbarungen zu respektieren, die sich aus rechtmäßigen
Wahlen ergeben, solange an den Grundprinzipien von Pluralismus im eigenen Land
und Zurückhaltung nach außen kontinuierlich festgehalten wird.

Weiter die

Verpflichtung aller Länder zum Pluralismus, zu friedlicher politischer Aktivität und zu freien Wahlen, an denen alle politischen Parteien teilnehmen können
und zwar frei von Drohung und Gewalt.

Insbesondere müßten die Zusicherungen

Nicaraguas vom Juli 1979 gegenüber der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS),
die durch die CONTADORA-Gruppe bekräftigt wurden, erfüllt werden. Alle Insurgentengruppen müßten ihre militärische Aktivität einstellen.
Dauerhafte Verifizierung:

Die Vereinigten Staaten wären bereit, tech-

nische Unterstützung zu gewähren, damit eine wirksame Verifizierung gewährleistet ist.

Die CONTADORA-Länder könnten hier eine wesentliche Rolle spielen

Die mittelamerikanischen Länder, die dem Abkommen angehören, könnten andere Länder zu einer Assoziierung einladen. Sie könnten sich ferner dafür einsetzen, daß andere Länder der Hemisphäre gegenseitige Verpflichtungen der Nichteinmischung abgeben.
Die Befolgung des Abkommens wäre Bedingung für eine Beteiligung an dem
Entwicklungsprogramm, das in den Kapiteln vier und fünf beschrieben wurde. Die
mittel amerikanische Entwicklungsorganisation würde - wie dort empfohlen - eine
kontinuierliche Überwachung und Überprüfung hinsichtlich der Einhaltung der Verpflichtung zur Nichteinmischung im Ausland und zur Demokratisierung im Inland
durchführen.
Die Außenminister
- 35 -

�Die Außenminister sowie andere Minister würden - zusammen mit den Vereinigten Staaten, Mexiko, Panama, Kolumbien und Venezuela als Beobachter - regelmäßig zusammentreffen, um die Vereinbarungen sowie deren Einhaltung zu überprüfen.

Der Rat würde Verfahren für die Lösung von Konflikten unter den Mit-

gliedstaaten ausarbeiten...

Die CONTADORA-Gruppe
Die Vereinigten Staaten haben ein großes Interesse daran, die Länder
Mittelamerikas zur Übernahme einer größeren Verantwortung hinsichtlich regionaler Vereinbarungen zu ermutigen.

Unser Engagement wird akzeptierbarer sein,

wenn es einen regionalen Konsens reflektiert.

Wenn Länder der Region die Ini-

tiative ergreifen und wenn man in uns nicht jemanden sieht, der regionale
Zielsetzungen aufzwingen will, dann werden die Aussichten für eine konstruktive
Entwicklung, die sich auf gemeinsame Ziele stützt, wachsen.

Ein Hauptziel der

Vereinigten Staaten sollte es deshalb sein, die Entwicklung eines unabhängigen
Systems regionaler Beziehungen zu fördern, das gestärkt wird durch amerikanische Wirtschaftshilfe, diplomatische Unterstützung und MilitärhTlfe.

Wenn

eine regionale Abmachung letztendlich von Dauer sein will, dann muß sie auf
amerikanische Unterstützung rechnen können.

Wenn sie jedoch diese Unterstüt-

zung erhalten will, dann müssen Zusammenarbeit und guter Wille unserer Schwesterrepubliken im Süden ersichtlich sein.
Eine erfolgreiche Diplomatie innerhalb Mittelamerikas muß auf den Interessen der mittel amerikanischen Länder selbst basieren. Diese Interessen müssen
sich in weitergefaßten regionalen Vereinbarungen widerspiegeln, die gegenseitige
Verpflichtungen auferlegen, gemeinsame Anreize für die Achtung nationaler Rechte
schaffen und eine Überprüfung der Befolgung und der für Verletzungen verhängten
Strafen vorsehen.
Die vier angrenzenden CONTADORA-Staaten - Kolumbien, Mexiko, Panama und
Venezuela - sind aktiv und kreativ bei dem Versuch, eine regionale Diplomatie
zu entwickeln, die den Erfordernissen Mittelamerikas gerecht werden kann. Ihre
- 36 -

�kann.

Ihre Rolle war konstruktiv in dem Bestreben, die anhängigen Fragen i

definieren und die Verpflichtung der wichtigen lateinamerikanischen Länder aufzuzeigen, Stabilität und eine friedliche Entwicklung in der Region zu bewirken. ..
Die Vereinigten Staaten sollten innerhalb dieses Rahmens den CONTADORAProzeß nachdrücklich unterstützen.

Wir sollten auch weiterhin in echter Weise

und auf regelmäßiger Basis Konsultationen mit den Mitgliedstaaten pflegen. Wir
sollten weiterhin das 21-Punkte-Programm der CONTADORA-Staaten unterstützen,
während wir gleichzeitig auf eine spezifischere Regelung drängen.

Angesichts

der Größe und der Kompliziertheit der Aufgabe ist es nicht verwunderlich, daß
sich der Fortschritt nur allmählich und auf allgemeiner Ebene vollzieht. Wie
bereits gesagt, stehen die Grundsätze des regionalen Rahmenwerkes, wie sie
oben dargelegt sind, in voller Übereinstimmung mit dem CONTADORA-Programm.
diese Grundsätze sollen dem Programm klarere Konturen verleihen.

Ja,

Welche Rolle

die CONTADORA-Gruppe bei der tatsächlichen Gestaltung von Regelungen auch immer spielen wird, sie wird gewiß hinsichtlich der Durchführung und Überwachung
dieser Regelungen einen zentralen Platz einnehmen.

Kuba und die Sowjetunion
Sowohl die Rolle, die das sandinistische Regime in Mittelamerika spielt,
als auch die Bedrohungen in den Nachbarländern erhalten aufgrund des aktiven
Engagements Kubas zusätzliche Bedeutung für die Region und für die Vereinigten
Staaten.

Wie bekannt ist, hat sich Kuba seit langem der revolutionären Gewalt

als wichtigem Teil seiner Ideologie verschrieben; ja, diese Haltung findet sogar in seiner Staatsverfassung ihren Niederschlag.

Kuba ist ferner ein enger

Verbündeter der Sowjetunion und anderer Staaten des kommunistischen Blocks, es
erhält von ihnen Unterstützung und fördert deren Interessen in der Region des
Karibischen Beckens...
Es ist sicherlich unmöglich, ein Engagement der Sowjetunion in Mittelamerika, das sich auf den Handel, auf diplomatische Beziehungen und auf_eine
- 37 -

�auf eine gewisse Einflußnahme auf einzelne Länder erstreckt, auszuschließen.
Andererseits ist ein wie immer geartetes sowjetisches Engagement in der Region,
das eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellt, sicherlich unannehmbar.

Die politische Frage ist erstens, zu entscheiden, wo zwischen diesen bei-

den Extremen eines sowjetischen Engagements der Punkt des Gleichgewichts für die
amerikanischen Interessen liegt, und zweitens, die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um diese Interessen zu wahren.

Die Vereinigten Staaten können kein mili-

tärisches Engagement der Sowjets in Mittelamerika und der Karibik akzeptieren,
das über das hinausgeht, was wir zögernd in Kuba tolerieren...
Vor diesem Hintergrund verspricht sich die Kommission wenig von Verhandlungen mit der Sowjetunion über Mittelamerika. Die Sowjets würden fast mit
Sicherheit Verhandlungen dazu benützen, ihre Präsenz in der Region zu legitimieren. Sie würden eine Erörterung von Einflußsphären der Supermächte begrüßen, die sofort Ansprüche auf Vorherrschaft Moskaus und die Notwendigkeit
einer amerikanischen Enthaltung an der sowjetischen Peripherie, wie in Osteuropa und in Afghanistan, auslösen würde. Für die Vereinigten Staaten ist das
Konzept von Einflußsphären unannehmbar. Sollten die Vereinigten Staaten einem
solchen Konzept jetzt zustimmen, würde die Sowjetunion beträchtliche Vorteile
erlangen.
Kurz gesagt, die Vereinigten Staaten können nicht alles politische Engagement und allen Einfluß der Sowjets in Mittelamerika und der Karibik beseitigen. Aber wir müssen die sowjetische Militäraktivität in der Hemisphäre
zügeln. Und wir können die sowjetischen Möglichkeiten reduzieren und für andere
die Anreize erhöhen, keine Bindungen mit Moskau zu knüpfen, die den Interessen
der Vereinigten Staaten und der Region schaden würden.

Umfassendere Anstrengungen
Die Aussichten auf Sicherheit und Fortschritt werden die Anstrengungen
sowohl der Länder der Region als auch der Vereinigten Staaten ankurbeln.

- 38 -

Lang-

�ankurbeln.

Langfristig muß der Hauptnachdruck auf einer fortschrittlichen

Reform der Gesellschaften, der Stärkung des politischen Prozesses und der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse liegen.

Das Zueigenmachen dieser

Ziele sowie die Gewährung der erforderlichen Mittel werden nicht an sich schon
Sicherheit und Fortschritt gewährleisten.

Aber ohne diese weitergesteckten

Anstrengungen kann keine diplomatische Strategie Erfolg haben oder von Dauer
sein.
Es gibt für die Vereinigten Staaten keine leichten Antworten in Mittelamerika.
den

am

Es wird auch kein baldiges Ende unserer innenpolitischen Debatte über
besten einzuschlagenden Weg geben.

Dennoch müssen wir energisch

diplomatische und politische Methoden - zusammen mit den anderen Möglichkeiten
unserer Politik - verfolgen, um ein regionales Rahmenwerk für Sicherheit, Frieden, Entwicklung und Demokratie zu schaffen.

KAPITEL 8
Zusammenfassung
Wir haben diese Untersuchung in der Überzeugung abgeschlossen, daß Mittelamerika sowohl voller Lebenskraft als auch verwundbar ist und daß die Vereinigten Staaten - welche andere Krise auch immer die Aufmerksamkeit unserer Nation in Anspruch nehmen mag - es sich nicht leisten können, sich von dieser
bedrohten Region abzuwenden.

Die Krise Mittelamerikas ist unsere Krise.

Allzu häufig sind es Kriege oder Kriegsdrohungen, die die Aufmerksamkeit
auf den einen oder anderen Teil der Welt lenken.
der Fall.

Das war auch in Mittelamerika

Die dortige militärische Krise nahm unsere Aufmerksamkeit in Anspruch,

aber dennoch wurden wir uns auch zahlreicher anderer Erfordernisse der Region
bewußt.

Wenn auch vielleicht spät, so hat sie doch unsere Sinne geschärft.
Was nun
- 39 -

�Was nun diese Kommission angeht, so war es eine Auswirkung dieser Konzentration, daß wir das Bild, das wir von den Ländern Mittelamerikas hatten,klären
konnten.

Oft wird der Fehler begangen, daß andere Länder mehr als

Karikaturen

statt als Wirklichkeit gesehen werden; daß das eine oder andere Charakteristikum
übertrieben wird und die Sicht für subtilere Nuancen verlorengeht, auf die sich
ein so großer Teil menschlicher Erfahrung stützt.

Bei unserer Untersuchung ist

uns ganz deutlich geworden, welch großer Fehler es wäre, diese Länder nur eindimensional zu sehen.

Ein außerordentlich kompliziertes

Zusammenwirken von

Kräften hat ihre Geschichte gestaltet und definiert auch weiterhin ihre Identität; bestimmt ihr Geschick.
Wir haben ein großes Mitgefühl entwickelt für jene in Mittelamerika,
die bestrebt sind, diese Kräfte unter Kontrolle zu bringen und ihre Länder
erfolgreich durch diese Periode des politischen und sozialen Umbruchs zu führen. Als Region ist Mittelamerika in der Mitte des Weges von vorwiegend autoritären Mustern der Vergangenheit zu einer Form, die mit Entschlossenheit,
Hilfe, Glück und Frieden zu einem vorwiegend demokratischem Pluralismus der
Zukunft werden wird. Ein solcher Umbruch ist schwierig, selten verläuft er
glatt, manchmal gewaltsam. In Nicaragua haben wir die Tragödie einer verratenen Revolution erlebt; dieselben Kräfte, die den Beginn der Demokratie in
Nicaragua niedergetrampelt haben, bedrohen jetzt El Salvador. In El Salvador
selbst werden jene,die bestrebt sind, demokratische Institutionen zu schaffen,
von der Gewalt der Extremisten beider Seiten heimgesucht. Aber der Geist der
Freiheit ist überall in der Region stark, und es besteht die Entschlossenheit,
ihn zu stärken, wo er bereits vorhanden ist, und ihn zu schaffen, wo dies noch
nicht der Fall ist.
Die Benutzung Nicaraguas als Basis für sowjetische und kubanische Anstrengungen, das übrige Mitte]amerika zu durchdringen - wobei El Salvador das
Ziel der ersten Wahl ist -,gibt dem dortigen Konflikt eine bedeutsame strategische Dimension. Das direkte Engagement aggressiver fremder Truppen stellt
eine Herausforderung für die Sicherheit der Hemisphäre und ganz spezifisch
für die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten dar.
Aber darüber
- 40 -

�Aber darüber hinaus sind wir herausgefordert, auf die dringenden menschlichen Ansprüche der Bevölkerung Mittelamerikas zu reagieren.

Mittelamerika

ist eine Region, die sich wirtschaftlich, sozial und politisch in der Krise befindet.

Seine Völker sind unsere Nachbarn, und sie brauchen unsere Hilfe.

Das ist einer jener Fälle, wo die Erfordernisse des nationalen Interesses und
die Gebote des Gewissens sich decken.
Im Laufe der Jahre hat es eine Art natürlichen Fortschritt in den Bindungen unseres Landes zu anderen Teilen der Welt gegeben.
sie fast exklusiv mit Europa.

Zunächst bestanden

Dann erweiterten wir unsere transpazifischen

Bindungen, ohne die mit Europa zu lockern.

Jetzt führt uns die Krise in Mit-

telamerika lebhaft vor Augen, daß wir unsere Bindungen mit dem Süden - genauso wie mit dem Osten und dem Westen - vertiefen müssen.
Unsere Reaktion auf die gegenwärtige Krise in Mittelamerika darf kein
vorübergehendes Phänomen sein. Die Vereinigten Staaten wurden aus einer Vision heraus geboren, die die Welt zwei Jahrhunderte lang inspiriert hat. Diese Vision leuchtet am hellsten, wenn sie auch von anderen geteilt wird. So,
wie wir die Freiheit für uns wünschen, wünschen wir auch die Freiheit für
andere. Genauso, wie wir unsere Vision hochhalten und schätzen, sollten wir
andere ermutigen, sich ihre eigene zu schaffen. Ja, das, was wir für uns
selbst wünschen, ist weitgehend auch das, was die Menschen in Mittelamerika
für sich wünschen. Sie haben auch die Vision von der Zukunft, die unsere Ideale darstellen, und die Zeit ist für uns gekommen, ihnen dabei zu helfen, nicht
nur nach einer solchen Vision zu streben, sondern sie daran teilhaben zu lassen.
Unsere Aufgabe als Nation ist es nun, die Krise in Mittelamerika zu
einer großen Chance umzuwandeln:

Die Impulse und den Anstoß zu geben, die

darin enthalten sind, und dies zu benutzen, um unseren Nachbarn dabei zu helfen, nicht nur ihre Freiheit von Aggression und Gewalt zu sichern, sondern
auch die Politik und die Prozesse in Gang zu setzen und die Institutionen zu
schaffen, die den Menschen dort Prosperität bringen und sie frei machen.
Wenn uns dies gemeinsam gelingt, dann werden die Verfechter der Gewalt das

- 41 -

�Gewalt das Gegenteil von dem erreicht haben, was sie beabsichtigten: Sie
werden uns angespornt haben, nicht nur die Flut des Totalitarismus abzuwenden, sondern auch neue Hoffnung und neue Möglichkeiten für die Menschen in
Mittelamerika entstehen zu lassen.
Weil dies unsere Chance ist, ist es wahrhaftig auch unsere Pflicht.

- 42 -

�18. Januar 1984

ARTISTIK IM WELTRAUM
Neue flugtechnische Aufgaben bei der zehnten Raumtransportermission -

- (AD) - Die Raumfähre CHALLENGER steht in Kap Canaveral für den nächsten
Flug bereit.

Es wird der zehnte Weltraumeinsatz eines amerikanischen Raumtrans-

porters sein.

Kürzlich wurden die drei Hilfsaggregate am Heck gegen neue Ein-

heiten ausgetauscht.

Denn als Ursache des Aussickerns von Hydrazin, das bei

der Landung des Schwesterschiffs COLUMBIA im Dezember 1983 zu einem Brand und
zwei kleineren Explosionen an zwei der drei Einheiten geführt hatte, wurden
Risse in Zuleitungen infolge Korrosion und Materialalterung ermittelt.

Die Tur-

binenaggregate, die unabhängig voneinander arbeiten, erzeugen den Druck für
Hydrauliksysteme des Raumgleiters in der Start- und Landephase.

Auch die Stö-

rungen an zwei der fünf Bordcomputer kurz vor der Landung beim Unternehmen STS-9
(COLUMBIA, 28. November bis 8. Dezember 1983) sind geklärt.

Schuld waren win-

zige Metallpartikel zwischen elektrischen Komponenten.
Nach dem gegenwärtigen Stand der Vorbereitungen soll CHALLENGER am 3.
Februar 1984 starten und am 11. Februar zurückkehren.

Bei günstigen Wetter-

bedingungen ist die Landung auf der neuen Piste des Weltraumbahnhofs Kap
Canaveral in der Morgendämmerung vorgesehen.

Sind sie nicht gegeben, landet

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gegeben, landet CHALLENGER wieder in Kalifornien.

Für diesen Fall haben Komman-

dant Vance Brand und Kopilot Robert Gibson ausgiebig Nachtlandungen mit Trainingsflugzeugen der NASA geprobt.

Die beiden Astronauten unternehmen den Flug

STS-10 gemeinsam mit drei Missionsspezialisten.

Es sind Bruce McCandless,

Ronald McMair und Robert Stewart, die dem Astronautenteam schon seit Jahren
angehören und jetzt zu ihrem ersten Raumflug starten.

Freier Flug mit Manövriergerä't
Ein vielseitiges Arbeitsprogramm mit einer ganzen Reihe neuer technischer
Aufgaben wartet auf die CHALLENGER-Besatzung.

Das spektakulärste Ereignis wer-

den sicherlich die jeweils sechsstündigen Außenbordmanöver von McCandless und
Stewart am fünften und siebenten Flugtag sein.

Die beiden erproben im Weltraum

zum ersten Mal Ausrüstungen, die ihnen völlig selbständiges Manövrieren außerhalb des Raumschiffs und sogar das "Andocken" an einen Satelliten erlauben.
Auf eine Verbindung mit dem Mutterschiff durch eine Sicherungsleine, wurde verzichtet, weil diese eher als hinderlich denn als Hilfe empfunden wird.

Die

Fortbewegung erfolgt über die Aktivierung von Düsen, die mit Stickstoffgasen
arbeiten.
McCandless wird als erster aussteigen. Von der Ladebucht der CHALLENGER
aus schwebt er, mit dem Rücken zum Orbiter, hinaus in den Raum. Vance bringt
dazu den Orbiter in eine senkrechte Position - Heck zur Erde, Unterseite in
Flugrichtung. Sobald McCandless die Driftgeschwindigkeit von 60 m/sec erreicht hat, versetzt er sich in langsame Rotation, damit er, während er sich
weiter entfernt, den Raumgleiter in Sicht behalten kann.
Der erste "Ausflug" soll 45 m weit gehen und nach 10 Minuten beendet
sein. Dann folgt ein zweiter bis auf ca. 90 m Abstand vom Mutterschiff. Dies
entspricht etwa jener Entfernung, die im April 1984 McCandless' Kollege George
Nelson zurücklegen muß, um vom Orbiter aus den nicht mehr funktionstüchtigen,
außer Kontrolle geratenen Forschungssatelliten SOLAR MAX zu erreichen.

- 2 -

Dieser

�erreichen.

Dieser soll dann nach weiterer Annäherung des Orbiter von Nelson

an dem aus dem Laderaum ausgefahrenen ROBOTARM befestigt und eingeholt werden.
Die Reparatur des drei Tonnen schweren Satelliten will man nach Möglichkeit an
Bord vornehmen, um ihn vor der Rückkehr des Raumtransporters zur Erde in der
Umlaufbahn wieder abzusetzen.
Die Entfernung bis auf 90 m vom Orbiter gilt aufgrund der Erfahrungen,
die bei den zahlreichen Simulatorversuchen gemacht wurden, als eine Strecke,
die mit der Manövrierausrüstung leicht im Sichtflug zurückgelegt werden kann.
Während der Raumschi ffkommandant den Abstand zu McCandless mittels RendezvousRadar bestimmt, benutzt dieser in der umgekehrten Richtung ein optisches Hilfsmittel, nämlich einen mit Markierungskerben versehenen Stab, mit dem er die je
nach Entfernung unterschiedliche Größe des Orbiter mißt.
Stewart hält sich unterdessen in der Ladebucht auf.

Um den beiden Astro-

nauten die Umstellung auf den niedrigeren Druck im Schutzanzug zu erleichtern,
wurde schon am Tag zuvor für die gesamte Besatzung der Kabinendruck von 1 at
auf 0,71 at gesenkt.

Dadurch kann die notwendige Zeit für die Sauerstoff-Vor-

atmung, die vor Beginn der Außenarbeiten nicht gelösten Stickstoff aus dem Korper entfernen und vor Dekompressionserscheinungen schützen soll, von drei Stunden auf eine Stunde verringert werden.
Bis McCandless zurückkehrt, hat Stewart die T-förmige Dockausrüstung
vorbereitet.

Mit Hilfe Stewarts legt McCandless sie an seinem Schutzanzug

an, um nun an einem Trainingsstutzen im Nutzlastraum der CHALLENGER "anzukoppeln".

Dies ist ebenso ein Obungsexperiment für das Einholen des SOLAR MAX-

Satelliten im April wie das Anbringen einer Arbeitsplattform am Ende des 15 m
langen, mehrgliedrigen und überaus wendigen Greifarms (ROBOTARM), der vom
Cockpit aus ferngesteuert wird.
tung.

Dies besorgt Ronald McNair durch Handschal-

Auch das Nachfüllen von Stickstoff für den Antrieb des Manövriergeräts

(es wird zu diesem Zweck abgelegt und an seiner Halterung im Laderaum befestigt)
ist eine der Aufgaben beim Außenbordmanöver.

Sie nimmt jeweils etwa lo Minu-

ten in Anspruch.
Sobald McNair

�Sobald McNair vom Schaltpult aus seinen Kollegen Stewart auf der Arbeitsplattform am Ende des Greifarms draußen im Laderaum zu McCandless herangefahren hat, reicht dieser Stewart Werkzeuge zu, damit er sie auf der Plattform
verstaut.

Mehrmals tauschen die beiden ihre Plätze, um möglichst viele prak-

tische Erfahrungen mit der Fußhalterung für Astronauten auf der Arbeitsplattform zu sammeln.

Denn die Stehsicherheit spielt beim Einholen eines Satelliten

eine ganz wichtige Rolle.
Nun ist die Reihe an Stewart, mit dem Manövriergerät zweimal
Flug hinaus in den Raum und zurück zu unternehmen.
ter-Ladebucht wird

den freien

Zum Andocken in der Orbi-

er SPAS benutzen, den wiederverwenbaren Satelliten der Fa.

MBB, der an einer Seite des Laderaums noch verankert ist.

Dieser deutsche

"Shuttle Pa_llet ^atellite" war bereits beim Unternehmen STS-7 im Juni 1983 dabei; er wurde damals samt den darauf montierten Experimenten von der amerikanischen Astronautin Dr. Sally Ride betreut.

Die Modulbauweise des SPAS, eines

überaus praktischen Trägergeräts für wissenschaftliche Instrumente und Ausrüstungen, macht es möglich, die Palette den jeweiligen Nutzlasten einer Mission im Weltraum anzupassen.

Zum Verstauen in der Ladebucht des Raumtranspor-

ters ist er gewissermaßen maßgeschneidert.

Mit dem Greifarm kann er aus dem

Laderaum gehievt und für kürzere oder auch lange Zeit in der Umlaufbahn abgesetzt werden - wie es die Experimente gerade erfordern.
Beim Unternehmen STS-10 trägt SPAS nochmals die Experimente aus den
Gebieten Mikroelektronik, Biologie und Werkstoffwissenschaften, mit denen der
Satellit auch beim ersten Einsatz im Weltraum bestückt war. Er ist aber auch
mit einem Koppelstutzen versehen, an dem Stewart mehrmals "anlegt". Außerdem
befindet sich auf der Oberseite des SPAS eine Nachbildung der elektrischen
Schaltzentrale des SOLAR MAX-Satelliten. An dieser üben beide Astronauten
von der Arbeitsplattform aus mit Werkzeugen das Ausschalten aller Stromleitungen sowie das Trennen und Verbinden von Kabeln, wie es im Ernstfall bei der
Bergung von SOLAR MAX notwendig sein wird.
Am übernächsten

�Am übernächsten Flugtag ist SPAS bereits abgesetzt und befindet sich
über der CHALLENGER, wenn McCandless und Stewart ihr Außenbordmanöver im Laderaum beginnen.

Bei Nacht, nur mit Scheinwerferlicht, prüfen sie ihre Manörvier-

geräte durch, um bei Morgendämmerung (d.h. bei Sonnenaufgang für CHALLENGER in
der Umlaufbahn) abflugbereit zu sein.

In dieser tageszeitlichen Folge werden

im April die Vorbereitungen für die Bergung des Forschungssatelliten getroffen
- dies ist die Generalprobe dafür.
Nacheinander werden die beiden Astronauten versuchen, am langsam rotierenden SPAS draußen im Weltraum anzukoppeln.

Dazu wird es erforderlich sein,

sich der Drehbewegung mit Hilfe des Manöviergeräts anzupassen.

McCandless und

Stewart prüfen außerdem die Antriebseinheit auf ihre Flugstabilität unter verschiedenen Bedingungen und werden z.B. untersuchen, wie sich Armbewegungen oder
das Austreten von Gasen aus dem Lebenserhaltungssystem auswirken.

Rendezvous mit einem Ballon
Vorübungen zum Rendezvous mit SOLAR MAX sind die Anflugmanöver Vance Brands
und Gibsons auf einem vom Orbiter abgesetzten Ballon.

Er wird auf 2 m Durch-

messer aufgeblasen; zur Drall Stabilisierung erhält er eine Ballastmasse von
91 kg Wolfram.

Die Position von CHALLENGER zu der des Ballons wird im Verlauf

von 15 Stunden ca. 255 km zurückverlagert.

Nun pirscht sich der Raumtransporter

in zwei flachen Loopings, bei denen er bis zu 15 km tief unter der Ballonbahn
durch-"taucht", an das Ziel heran, wobei das Annäherungsradar erprobt wird.
Dieses spricht ab etwa 23 km Abstand an. Jedoch sind von Anfang an auch Bodenstationen in die Messungen und die Überwachung der Entfernung zwischen Orbiter
und Ziel Objekt eingeschaltet.
Dieses Manöver ist für den ersten und zweiten Flugtag geplant, an denen
auch zwei Nachrichtensatelliten für den Start zu Stationierungspunkten auf der
36 000 km-Bahn abgesetzt werden. Es handelt sich um WESTAR 6 (im Auftrag des
privaten amerikanischen Fernmeldeunternehmens Western Union) und PALAPA B2

- 5 -

�und PALAPA B2 (im Auftrag der indonesischen Regierung).

Und falls bei den

Außenbordmanövern während der achttägigen Mission noch Zeit für Versuche zum
Auftanken eines Satelliten mit Hydrazin bleibt (für diesen Fall sind im Laderaum die Tankstutzen von LANDSAT 4 installiert), wäre ein wichtiger Schritt
zur Rettung des Erderkundungssatelliten getan.

LANDSAT 4 könnte während einer

Orbiter-Mission im Oktober 1985 neu aufgetankt, repariert und wieder funktionstüchtig gemacht werden.

+ + + + +

- 6-

�</text>
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                    <text>25. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan-Erklärung zu Stockholm
- Umfassender Meinungsaustausch Shultz-Gromyko Shultz fordert zur Wiederaufnahme des Ost-West-Dialogs auf
- Rede des US-Außenministers auf der Stockholmer Konferenz

INFORMATION
Edwin Meese zum neuen Justizminister nominiert

HINTERGRUNDMATERIAL
Probleme des Atlantischen Bündnisses
Von Dr. Henry A. Kissinger

Um Über/endung von
ßelegeiiemplciren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�25. Januar 1984

4

REAGAN-ERKLÄRUNG ZU ST0CKHCL1
Umfassender Meinungsaustausch Shultz-Gromyko

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer schriftlichen
Erklärung am 20. Januar 1984 die Bedeutung der Stockholmer Konferenz für
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
hervorgehoben und die Bereitschaft betont, "Europa und die Welt zu einem
sichereren Ort zu machen'.

Der amerikanische Außenminister George Shultz und

der sowjetische Außenminister Andrei Cromyko hätten einen "umfassenden und
ernsthaften Meinungsaustausch über entscheidende globale Fragen" geführt.
Die Erklärung des Präsidenten, die im Anschluß an die Berichterstattung
von Außenminister Shultz im W ißen Haus herausgegeben wurde, hat folgenden
Wortlaut:
Außenminister Shultz ist gerade von Stockholm zurückgekehrt, wo er die
Vereinigten Staaten bei der Eröffnung der europäischen Sicherheitskonferenz,
bekannt als KVAE, vertrat. Zusammen mit den Außenministern von 34 anderen
Staaten erörterte er die Ost-West-Beziehungen und imbor; )nderen Frieden und
Sicherheit in Europa.
Der Hauptzweck

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Hauptzweck der Stockholmer Konferenz besteht darin, das Risiko eines
Überraschungsangriffs oder eines Krieges durch Zufall oder Mißverständnis zu
verringern.

Die historische Rechtfertigung liegt auf der Hand.

Zweimal in

diesem Jahrhundert war Europa Schauplatz eines schrecklichen Konflikts.
Wir dürfen nicht zulassen, daß dies wieder geschieht.

Um die Aussichten

auf Frieden und Sicherheit in Europa zu stärken, werden deshalb die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten auf der KVAE ein Paket praktischer und konkreter
Maßnahmen vorschlagen.

Wir werden vorschlagen, daß sich alle Staaten Europas,

aus dem Osten ebenso wie aus dem Westen, darauf einigen:
- Information über ihre Streitkräfte auszutauschen und jährliche Vorausankündigungen militärischer Manöver zu geben;
- wesentliche militärische Aktivitäten vorher anzukündigen und Beobachter zu
diesen Aktivitäten einzuladen;
- die Kapazität einer raschen Kommunikation unter unseren Regierungen auszubauen;
eine Verifizierung der Einhaltung der auf der Konferenz eingegangenen Verpflichtungen zu bieten.

Wir sind uns natürlich auf der anderen Seite bewußt, daß diese Schritte
allein den Frieden in Europa nicht garantieren, und daß die Vereinigten Staaten
allein keinen Erfolg haben können. Das können wir nur im Einklang mit unseren
Freunden und Verbündeten. Ein Kennzeichen unserer Außenpolitik ist die Schaffung
eines Konsenses unter unseren Partnern in Europa und Asien gewesen - eines
Konsenses, der sich auf den ganzen Bereich der politischen, wirtschaftlichen und
militärischen Fragen erstreckt.
Das Atlantische

�Das Atlantische Bündnis demonstriert in Stockholm erneut, daß es der Eckpfeiler des Friedens und der Sicherheit in Europa ist. Weil wir und unsere
Verbündeten zusammenhalten, sind wir besser in der Lage, die gemeinsamen Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu meistern.
Keine dieser Herausforderungen ist wichtiger als die Notwendigkeit, ein
konstruktives Arbeitsverhältnis zur Sowjetunion herzustellen.
Am letzten Montag (16. Januar) habe ich vorgeschlagen, daß wir und die
Sowjetunion eine wesentliche Anstrengung unternehmen, um auf drei lebenswichtigen
Gebieten einen Fortschritt

zu sichern:

- Erstens, Mittel und Wege zu finden, um die Androhung und Anwendung von
Gewalt in internationalen Angelegenheiten zu verringern und schließlich zu
beseitigen;
- zweitens, Mittel und Wege zu finden, um die gewaltigen Rüstungsarsenale der
Welt abzubauen; und
- drittens, ein besseres Arbeitsverhältnis zu einander herzustellen - ein
Verhältnis, das durch stärkere Kooperation und Verständigung gekennzeichnet ist.
Die Treffen in der vorigen Woche in Stockholm haben uns diesen Zielen näher
gebracht.

Außenminister Shultz und Außenminister Gromyko führten einen umfassen-

den und ernsthaften Meinungsaustausch über entscheidende globale Fragen. Natürlich
haben sie unsere Differenzen nicht ausgeräumt. Aber das Wichtige ist, daß wir
trotz dieser Differenzen entschlossen sind, unsere Anstrengungen fortzusetzen,
um Europa und die Welt zu einem sichereren Ort zu machen, wo wir alle in Frieden
und Würde leben können.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25. Januar 1984

SHULTZ FORDERT ZUR WIEDERAUFNAHME DES OST-WEST-DIALOGS AUF
- Rede des US-Außenministers auf der Stockholmer Konferenz -

STOCKHOLM - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Stockholmer Konferenz
für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE)
aufgefordert, mit einem neuen, offenen und umfassenden Dialog zwischen Ost und
West zu beginnen. Auf der KVAE-Eröffnungssitzung am 17. Januar 1984 appellierte
der amerikanische Außenminister George Shultz an die Teilnehmerstaaten, die Konferenz zu einem Wendepunkt der Ost-West-Beziehungen zu machen.

Die Vereinigten

Staaten seien bereit, in dieser Richtung voranzugehen.
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Zunächst möchte ich dem schwedischen Volk und der schwedischen Regierung meinen Dank aussprechen

für die herzliche Gastfreundschaft, die sie als

Gastgeber dieser Konferenz uns gewähren.

Es ist besonders angebracht, gerade

hier in Stockholm an die heroischen Taten des schwedischen Diplomaten Raoul
Wallenberg zu erinnern, der in den letzten zwei Jahren des Zweiten Weltkrieges
Tausende von Juden vor der Vernichtung bewahrt hat.

Ich zolle unseren schwe-

dischen Tastgebern meine Bewunderung für diese langjährige Tradition aktiven

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�Tradition aktiven und selbstlosen Einsatzes für die Sache des Friedens und
der Menschenrechte, für die Raoul Wallenberg ein Beispiel gab.
Lassen Sie mich auch den Beitrag der neutralen und blockfreien Teilnehmer am Helsinki-Prozeß würdigen.

Sie haben einem Jahrzehnt schwieriger

Beratungen über einen weiten Bereich lebenswichtiger europäischer Fragen ein
gesundes Gleichgewicht verliehen.
Herr Vorsitzender, wir sind hier zusammengekommen, um nach den Worten
des Schlußdokumentes von Madrid über eine Reihe sich einander ergänzender Vertrauens- und sicherheitsbildender Maßnahmen zu verhandeln - und sie zu verabschieden -, die dazu bestimmt sind, das Risiko einer militärischen Konfrontation in Europa zu verringern.

Wir sind hier, um Fortschritte auf ein spezi-

fisches Ziel hin zu erreichen: nämlich die Reduzierung der Gefahr eines Überraschungsangriffes, der Gefahr von Fehleinschätzungen und von Mißverständnissen.
Benjamin Franklin hat einmal geschrieben: "Ein mächtiger Herrscher,
der eine Armee ständig einsatzbereit hält, macht es nötig, daß seine Nachbarn
dies auch tun, um Überraschungen zu verhindern." Heute ist die Macht solcher
Herrscher zwar geringer geworden, aber die Bedrohung, die von großen Armeen
ausgeht, und die Gefahr eines Überraschungsangriffes sind gewachsen. Und
die Besorgnis hinsichtlich eines solchen Überraschungsangriffs kann zu dem
bösen Ergebnis führen, daß zu einem Präventivschlag ermutigt oder die Gefahr
eines Krieges aufgrund von Fehleinschätzungen vergrößert wird.
Wenn wir auch die Lehren der dreißiger Jahre beachten müssen, als
Schwäche zur Aggression ermutigte, dürfen wir doch niemals die Tragödie von
1914 wiederholen, als Staatsmänner ihre Entscheidungen durch die Technologie
beeinflussen ließen und als die Länder blind in einen katastrophalen Krieg
stolperten. Deshalb haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten seit
langem Maßnahmen befürwortet, die die Offenheit verstärken und die Kommunikation verbessern sowie größere Sicherheit gegenüber Überraschungen und Fehleinschätzungen bieten sollen.
Die vertrauensbildenden
- 2 -

�Die vertrauensbildenden Maßnahmen in der S c h l u ß ,
ein positiver Schritt. Hier in Stockholm hoffen wi
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nen, was andernorts erreicht und erörtert wurde
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Wir sollten nach Mitteln und Wegen suchen
griff schwieriger und Fehl einschätzt

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übereinstimmen:

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en militärischen Aktivitäten einzuladen;

die Kapazität schneller Kommunikationsmöglichkeiten zwischen unseren Ländern in Krisenzeiten zu verbessern;

Mittel und Wege zur beiderseitigen Verifizierung der Einhaltung der Vorhaben zu schaffen, die auf dieser Konferenz beschlossen werden.
- 3-

Wir sehen

�Wir sehen in diesen Vorschlägen nur einen Beginn.

Sie sollen unsere

Überlegungen von Anfang an auf spezifische, konkrete, realistische und nützliche Schritte konzentrieren.

Der Nachdruck sollte auf praktische Leistungen

gelegt werden und nicht auf leere Versprechungen guter Absichten.

Die Vereinig-

ten Staaten stehen voll und ganz zu den Prinzipien des Nichtangriffs, wie sie
in der Charta der Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki enthalten
sind.

Aber es wäre eine schreckliche Täuschung für die Völker Europas, würde

diese Konferenz so tun, als stelle eine neue Bekräftigung bestehender - und allzu oft verletzter Verpflichtungen - einen Fortschritt für die Vertrauensbildung in Europa dar.
Wir werden jeden Vorschlag, von welchem Teilnehmer er auch kommt, begrüßen und ihn in einem positiven Geist prüfen. Wir werden diese Vorschläge
nach den in Madrid vereinbarten Kriterien beurteilen, daß sie nämlich militärisch bedeutsam, politisch bindend, verifizierbar und auf das gesamte Europa anwendbar sein müssen.
Wir haben einen der erfahrensten amerikanischen Botschafter beauftragt,
uns auf dieser Konferenz zu vertreten. James Goodby hat mehr als ein Jahrzehnt lang am KSZE-Prozeß sowie an den Bemühungen Amerikas um eine wirksame
Rüstungskontrolle teilgenommen. Seine Anstrengungen hier werden die volle
Unterstützung unserer Regierung finden.
Bei der Fortsetzung dieser praktischen Schritte müssen wir uns vor Augen
halten, daß Vertrauens- und Sicherheitsbildung eine größere Dimension haben.
Wenn wir den Völkern Europas wirklich ein zusätzliches Maß an Sicherheit hinsichtlich ihrer Zukunft geben wollen, dann müssen die hier versammelten Staaten sich nicht nur den unmittelbaren Aufgaben dieser Konferenz zuwenden, sondern auch den grundlegenderen Fragen, die im Mittelpunkt des Problems der
europäischen Sicherheit stehen.
Wir stimmten in Madrid darin überein, daß diese Konferenz ein wesentlicher und integraler Bestandteil des Helsinki-Prozesses ist. Dieser Prozeß

- 4 -

�Dieser Prozeß ist ein historischer Versuch, sich umf
zusammenhängenden Problemen der gemeinsamen S i c h e r h e i t ^ "^ de" mnel ' nander
Wlrtschaftl
Beziehungen, der Kontakte zwischen unseren Völkern „ '
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heiten unserer Volker und der Normen internationalen X j n T n T ™ "
™dfr"setzen. Die Schlußakte von Helsinki aus dem Oahr 7 w
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Europa ist die «lege der modernen Welt. Von hier aus ging nicht nur
modernen Kultur, des modernen politischen Denkens wie auch der Formen der
ernen Diplomatie. Zum Erbe Europas gehören untrennbar die
tat. der Demokratie und der nationalen Unabhängigkeit, die das ame i a ,
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zwar ganz Europa - verdient echten Frieden und echte Sicherheit.
Seit 1945 hat Westeuropa eine große Versöhnung alter Feindschaften
sowie einen großen Wiederaufschwung der Freiheit, d r Prosp
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paischen Tradition dar, und die Vereinigten Staaten sind stolz dar uf daß

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Diese Grenze

-

�Diese Grenze wurde dort nicht vom Westen geschaffen.
nicht vom Westen aufrechterhalten.

Sie wird auch

Es ist nicht der Westen, der seine Bür-

ger an der Freizügigkeit hindert oder sie von konkurrierenden Ideen abschottet.
Lassen Sie mich dies sehr deutlich sagen:

Die Vereinigten Staaten er-

kennen die Rechtmäßigkeit dieser künstlich auferlegten Teilung Europas nicht
an.

Diese Teilung ist der Kern des Sicherheitsproblems und des Menschen-

rechtsproblems Europas - und wir alle wissen das.
Die Menschenrechte bilden den zentralen Punkt einer jeden Erörterung
der europäischen Sicherheit.

Wie die Schlußakte von Helsinki feststellt,

ist die Respektierung der Menschenrechte und der fundamentalen Freiheiten
ein überaus wichtiger Faktor für Frieden, Gerechtigkeit und Wohlergehen,
die notwendig sind,um die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen und
Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Der Versuch, Europa eine Teilung aufzuer-

legen, ist zwangsläufig eine Quelle der Instabilität und der Spannung.
Seit den Tagen Woodrow Wilsons hat mein Land begriffen, daß echter
Friede und echte Sicherheit in Europa von einem Fundament grundlegender
Freiheiten abhängen - und nicht die geringste dieser Freiheiten ist das
Recht der Menschen, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden.
Der Helsinki-Prozeß ist eine historische, friedliche Anstrengung, die
Teilung Europas zu erleichtern und einst zu beenden; Vertrauensbildung bedeutet im weiteren Sinne, die Arbeit von Helsinki fortzusetzen - durch praktische Schritte, die die Hindernisse beseitigen, menschliche Kontakte und
geistigen Austausch erweitern, zu größerer Offenheit führen und die Grenzen
des menschlichen Geistes weiter stecken.
Herr Vorsitzender, Präsident Reagan hat gestern die Verpflichtung meines
Landes zu drei weitgefaßten Zielen bekräftigt:
- Die Drohung

- 6 -

�- Die Drohung und Anwendung von Gewalt bei der Lösung internationaler
Streitfälle zu verringern und schließlich ganz zu beseitigen;
- die gewaltigen Rüstungsarsenale in der Welt abzubauen; und
- ein besseres Arbeitsverhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion herzustellen, das durch stärkere Zusammenarbeit und größeres
Verständnis gekennzeichnet ist.
Die Vereinigten Staaten werden diese weitgesteckten Ziele auf dieser
Konferenz sowie in jedem anderen Forum und über alle anderen Kanäle mit Umsicht verfolgen. Wir glauben an den Dialog und an die Lösung von Problemen.
Wir glauben an ein realistisches und sinnvolles Engagement mit anderen, um
die Sache des Friedens zu fördern.
Die Geschichte, Herr Vorsitzender, hat viele Versuche erlebt, Begrenzungen der Zahl, der Eigenschaften oder des Einsatzes großer Rüstungen auszuhandeln.

Vor dem Ersten Weltkrieg verhandelten Großbritannien und Deutschland

über Mittel und Wege, um den Bau von Kriegsschiffen, insbesondere von Schlachtschiffen, zu begrenzen, und über Mittel und Wege, um das gegenseitige Vertrauen hinsichtlich der Konstruktionspläne des einen und des anderen zu fördern.
Zwischen den beiden Weltkriegen gab es weitgehende Verhandlungen, um
den Bau von großen Kriegsschiffen zu begrenzen, einschließlich eines wichtigen Flottenabrüstungsabkommens,das im Jahr 1922 unter amerikanischen Auspizien ausgehandelt wurde. Der Kellogg-Briand-Pakt von 1928 versuchte, den
Krieg als Instrument der Politik zu ächten.
Diese Anstrengungen konnten aber den Krieg nicht verhindern.

Die Lehre

der Geschichte zeigt, daß Anstrengungen, den Krieg zu verhindern oder die
Waffen zu kontrollieren, nicht in einem Vakuum stattfinden können.

Sie stel-

len eine Dimension der internationalen Politik dar und können nicht aus dem
politischen Zusammenhang herausgelöst werden.
Wenn wir

�Wenn wir also hier in Stockholm und in allen anderen Foren diese Anstrengungen mit aller Energie fortsetzen, dann müssen wir uns allerdings vor
Augen halten, daß der Fortschritt von mancherlei Faktoren abhängt, die über
den Inhalt der Vorschläge oder den Einfallsreichtum der Unterhändler hinausreichen.

Sollen Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung Erfolg haben, müssen

wir daran arbeiten, Bedingungen zu schaffen, die den Erfolg möglich machen.
Dieses Vorhaben kann nicht unter Bedingungen gelingen, bei denen einige Länder
eine globale oder regionale militärische Überlegenheit anstreben oder Zuflucht
nehmen zu Drohungen oder zu Einschüchterungen als Instrumente
litik.

ihrer Außenpo-

Lassen Sie mich für mein Land sagen, daß die Vereinigten Staaten eine

solche Überlegenheit nicht anstreben.
Wir im Westen müssen daher das Gleichgewicht der Macht aufrechterhalten;
wir müssen den Zusammenhalt unseres Bündnisses bewahren, und auf dieser Grundlage müssen wir versuchen, andere zu konkreten Anstrengungen zu veranlassen,
um politische Probleme auf friedliche Weise zu lösen. Wir sind fest davon
überzeugt, daß auf dieser Grundlage praktische Fortschritte in den Ost-WestBeziehungen möglich sind. Das Beispiel Berlin unter dem Viermächte-Abkommen
ist ein eindrucksvolles Zeugnis für einen dauerhaften Fortschritt, der durch
Einigkeit, Entschlossenheit und echte Verhandlungen erzielt wurde.
über ein Jahrzehnt lang haben die Vereinigten Staaten die Sowjetunion
in einer Serie von Verhandlungen über Rüstungskontrolle und Rüstungsverminderung eingebunden.
Während der letzten drei Jahre haben wir aktive Verhandlungen verfolgt
über eine Verminderung der strategischen Waffen, über den Abbau oder die Beseitigung der nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa, über beiderseitige
und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa, über ein Verbot chemischer
Waffen im Abrüstungsausschuß, über vertrauensbildende Maßnahmen zur Stärkung
der nuklearen Stabilität und über größere Sicherheiten gegenüber einer nuklearen Proliferation.
Diese Verhandlungen

�Diese Verhandlungen waren wertvolle Kanäle der Kommunikation zwischen
Ost und West; sie ließen die Hoffnung der Menschheit wachsen, daß die ernsthaften Unterschiede der politischen Weltanschauung und Ideologie zwischen uns
nicht zum Krieg führen müssen.
Einige dieser Verhandlungen sind nunmehr durch die Sowjetunion unterbrochen worden.

Dies gibt uns großen Aufschluß darüber, welche Seite um

Fortschritt bemüht ist.
Dennoch bleibt die Tür offen.

Wir sind zu Verhandlungen bereit, wann

immer die Sowjetunion dazu bereit ist.

Ich freue mich, in dieser Hinsicht

ankündigen zu können, daß die amerikanischen Unterhändler in den kommenden
Monaten auf der Abrüstungskonferenz in Genf einen Vertragsentwurf über eine
vollständige und überprüfbare Beseitigung chemischer Waffen, und zwar auf
globaler Basis, vorlegen werden.

In gleichem Geist werden wir auf baldige

Fortschritte in anderen Rüstungskontrollforen hinarbeiten, sobald diese
wieder zusammengetreten sind.
Rüstungskontroll initiativen sind Teil einer weiterreichenden amerikanischen Anstrengung, ein stabileres, dauerhafteres und konstruktiveres OstWest-Verhältnis zu schaffen - ein Verhältnis, das nicht gekennzeichnet wird
durch die abrupten Wechsel, übertriebenen Erwartungen und zerschlagenen Hoffnungen des letzten Jahrzehnts.
Während wir die Rüstungskontrolle fortgeführt haben,waren wir ebenfalls bestrebt, die Sowjetunion zu einem offenen Dialog über solche regionale
Krisen und Konflikte zu veranlassen, die den Frieden bedrohen und unser Verhältnis vergiften.

Gleichzeitig haben wir einen ganzen Bereich bilateraler

Maßnahmen vorgeschlagen, um sowohl die Krisenkommunikation als auch die normale Kommunikation zwischen uns zu verbessern, Vertrauen zu schaffen und
jede Möglichkeit eines Mißverständnisses oder einer Fehleinschätzung zu vermindern.
In Brüssel
- 9 -

�In Brüssel habe ich im vergangenen Monat zusammen mit meinen nordatlantischen Kollegen der Sowjetunion und den anderen Staaten des Warschauer
Paktes das Angebot gemacht, mit uns zusammenzuarbeiten, um ein langfristiges
konstruktives und realistisches Verhältnis zu schaffen, das auf Gleichgewichtigkeit, Mäßigung und Gegenseitigkeit basiert.

Zum Nutzen der Menschheit

haben die Außenminister des Bündnisses in Brüssel erklärt, daß wir einen offenen, umfassenden politischen Dialog befürworten sowie eine Zusammenarbeit,
die sich auf beiderseitigen Nutzen gründet.
Lassen Sie uns daher hier und heute mit diesem erneuten, offenen und
umfassenden politischen Dialog zwischen

Ost und West beginnen.

Wollen wir

uns in unseren Beratungen so verhalten, daß die Historiker der Zukunft diese
Konferenz als einen Wendepunkt in den Ost-West-Beziehungen festhalten werden.
Lassen Sie die Eröffnung dieser Konferenz, die an sich schon eine wichtige
Erweiterung des Bereichs der Ost-West-Verhandlungen darstellt, auch zu einem
neuen Schritt in dem erweiterten Verhältnis werden.
ser Richtung voranzugehen.

+ + + + +

- 10 -

Wir sind bereit, in die-

�25. Januar 1984

EDWIN MEESE ZUM NEUEN JUSTIZMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagin hat am 23, Januar 1984 einen seiner
wichtigsten Berater im Weißen Haus, Edwin Meese, zum neuen Justizminister der
Vereinigten Staaten nominiert.

Nach seiner Bestätigung durch den amerikanischen

Senat tritt Meese die Nachfolge von William French Smith an, der sich ins Privatleben zurückzieht.
Edwin Meese wurde am 2. 12. 1931 in Oakland in Kalifornien geboren.
An der Yale-Universität erwarb er 1953 den akademischen Grad eines Bachelor of
Arts und schloß 1958 sein Jurastudium mit der Promotion an der Universität von
Kalifornien in Berkeley ab.

Von 1954 bis 1956 leistete

er seinen Wehrdienst

in der amerikanischen Armee und ist heute Oberst der Armeereserve.
Im Jahr

1959 begann Meese seine Tätigkeit als Anwalt in Kalifornien

- er gehörte der Anwaltskammer dieses Bundesstaates sowie der amerikanischen
Anwaltskammer an - und war acht Jahre als Stellvertretender Distriktsanwalt
tätig.

Der neugewählte Gouverneur des Staates Kalifornien, Ronald Reagan,

ernannte Meese 1967 zu seinem Rechtsberater,und bis 1974 war Meese Chef des
Gouverneursbüros.
Meese war

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�Meese war dann kurze Zeit Vizepräsident einer großen Firma in Kalifornien
und nahm 1977 seine Anwaltspraxis wieder auf.

Im Jahr 1977 erhielt er auch ei-

nen Lehrstuhl an der juristischen Fakultät der Universität von San Diego und
war daneben für zahlreiche Privat- und Berufsorganisationen tätig.
Nach seinem Amtsantritt im Jahr 1981 berief Präsident Reagan seinen früheren Mitarbeiter Edwin Meese als Chefberater, Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates und Kabinettsmitglied ins Weiße Haus.

Bei der Nominierung von Meese

zum Justizminister erklärte der Präsident, "Ed ist nicht nur ein Berater, dem
ich vertraue, sondern er ist auch eine Persönlichkeit, deren Leben und Erfahrung eine tiefe Verpflichtung zu Recht und Gesetz und zu einer stetigen Verbesserung des Rechtssystems erkennen läßt.

Ich wüßte keinen, der die große Tradi-

tion fortsetzen könnte, die Bill Smith so hervorragend ausgefüllt hat."
Edwin Meese ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn.

�25. Januar 1984

4

PROBLEME DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- Von Dr. Henry A. Kissinger -

Der frühere amerikanische Außenminister
Henry A. Kissinger hat in einem Vortrag
auf der Konferenz über "Die Zukunft der
NATO und globale Sicherheit d e / ™
bleme des Atlantischen Bündnisses ein
ehend erörtert. Die Konferenz wurd vorn
Zentrum für strategische und ^ e r n a t i o
nale Studien der Georgetown-Universität
(Washington) am 13. Januar 1984 im Palais
d'Egmont in Brüssel abgehalten.
Nachstehend der vorbereitete Wortlaut des
Vortrages.

Es gibt zwei übliche Wege, über die NATO zu sprechen.

Der erste lauft

darauf hinaus, ihre Leistungen zu preisen: den Friedenspakt, der 35 Jahre lang
den Frieden erhalten hat; die Zusammenarbeit unter 16 souveränen Staaten d
längeren Bestand hatte als alle Bündnisse der Neuzeit; die Krisen, die bewältigt wurden; und jüngst die Entscheidung, die aufrechterhalten wurde, um das
nukleare Gleichgewicht in Europa wiederherzustellen.
Oder man

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�Oder man kann auch die ungelösten Fragen bedauern:

die Kluft zwischen

der verkündeten militärischen Strategie und dem, was wirklich getan wird; das
Ungleichgewicht zwischen Entspannung und Verteidigung; das Tempo und die Richtung der Rüstungskontrolle und das von den Sowjets geschürte wachsende Mißtrauen zwischen einer Generation von Amerikanern und Europäern, die ihr ganzes
Leben unter dem Schutz des Bündnisses verbracht haben, das sie angreifen.
In beiden Interpretationen liegt etwas Wahres. Die NATO ist eines der
erfolgreichsten Bündnisse der Geschichte.

Sie hat auch in zunehmendem Maße

den Eindruck der Einigkeit erweckt, indem sie einigen grundlegenden Fragen
ausgewichen ist. Der neugewählte Generalsekretär der NATO, Peter Carrington,
hat sich in einer Rede im Institut für Strategische Studien im April vorigen
Jahres mit Eleganz und Witz auf dem schmalen Grat zwischen Optimismus und Verzweiflung bewegt.

Er wird ohne Frage die NATO mit Kraft, Intelligenz, Weit-

blick und Menschlichkeit führen.

Er ist in der Tat ein Grund zum Optimismus.

Ich neige, um ganz offen zu sein, etwas zur Apokalypse.

Was ich sage, ent-

spricht hoffentlich dem Geist seiner Bemerkungen, aber der Verpflichtungen
eines Diplomaten ledig, kann ich die Dinge, d.h. einige der ungelösten Probleme der NATO - wie ich sie sehe -, besser beim Namen nennen.
Es besteht keine unmittelbare Krise. Und doch lassen uns die Demonstrationen auf den Straßen und die zögerliche Haltung einiger Regierungen erkennen,
daß keinerlei Grund zur Selbstgefälligkeit besteht. Früher oder später müssen
wir einen Preis dafür zahlen, wenn wir den entscheidenden Problemen ausweichen,
oder man müßte schon großes Glück haben. Und das Glück haben meist jene, die
sich nicht darauf verlassen. Glück, so sagt man, hat am Ende nur der Tüchtige.
In diesem Sinne möchte ich drei Fragen behandeln:
a) das endlose Nuklearproblem, vor allem den zunehmenden Trend zu der
Nicht-Ersteinsatzdoktrin;
b) die INF-Verhandlungen; und
c) die Ost-West-Beziehungen.
Die strategischen

- 2 -

�Die strategischen Fragen - die Nicht-Ersteinsatzdoktrin
Das Dilemma, das die Kernwaffen mit sich bringen, ist in den letzten
30 Jahren so oft wiederholt worden, daß es kaum mehr als einer kurzen Zusammenfassung bedarf.

Ende der vierziger und in den fünfziger Jahren glaubten

die Führer des Westens, sie könnten die von ihnen angenommene zahlenmäßige
Überlegenheit der sowjetischen Streitkräfte durch die Zerstörungskraft der
Kernwaffen ausgleichen.

Aber die Kernwaffen konnten diese Lücke - in Wirk-

lichkeit oder in der Annahme - nur solange schließen, wie die Führer und die
öffentliche Meinung überzeugt waren, daß sie die Fähigkeit besaßen, einen
sowjetischen Gegenschlag in erträglichen Grenzen zu halten, und selbst dann
nur, wenn ein Erstschlag des Westens sowjetische Verluste verursachen würde,
die mit unseren moralischen Überzeugungen noch vereinbar wären.
Diese Umstände begannen in den sechziger Jahren zu schwinden.

Die Tech-

nologie neigte sich einer Gleichwertigkeit zu - zumindest in dem Sinne, daß
ein strategischer Schlagabtausch sicherlich auf beiden Seiten zu solchen Verlusten geführt hätte, daß jede weitere Fähigkeit, Schaden zuzufügen, in keinem
Verhältnis zu vorstellbaren Ergebnissen gestanden hätte.
Dieser Trend wurde durch das Vietnam-Trauma verschärft.

Die westlichen

Militärhaushalte kamen unter immer stärkeren Druck und Angriff durch die Öffentlichkeit.

Seit Anfang der siebziger Jahre ist in den Vereinigten Staaten

kein strategisches Waffensystem mehr ohne lähmende Kontroverse und sich hinziehende Verzögerung disloziert worden.
unausweichlich wurde.

Die Parität wurde Mode, noch bevor sie

Sie wurde in der Theorie und Praxis der Rüstungskontrol-

le institutionalisiert.
Die Prämissen der NATO-Strategie wurden so systematisch untergraben,
zum Teil durch eigene Schuld, aber hauptsächlich durch unausweichliche Trends,
Aber die NATO-Doktrin änderte sich nicht.

Man legte ein Lippenbekenntnis zu

einer stärkeren konventionellen Verteidigung ab.

Es fanden sogar einige Ver-

stärkungen statt, aber niemals genügend, um mit der massiven sowjetischen Auf-

- 3-

�sowjetischen Aufrüstung Schritt zu halten.

Die flexible Antwort auf der Basis

der schrittweisen und doch systematischen Eskalation blieb NATO-Doktrin.
Als Ergebnis wird die strategische Debatte in einer anormalen Weise geführt.

Die Verteidigung der NATO ruht letztlich auf den Kernwaffen.

Besorgnis der Öffentlichkeit über einen Atomkrieg wächst.

Aber die

Sie wird bis ins

Irrationale gesteigert von Gruppen - einige wohlmeinend -, die glauben, daß
die Herbeiführung einer Panik das beste
tung eines Atomkrieges zu erreichen.

Mittel sei, um ihr Ziel der Verhü-

Regierungen, die sich fürchten, für ihre

Politik zu kämpfen, haben die Konfusion perfekt gemacht.
Kein Führer im Westen traut sich heute klar zu sagen, was seine Strategie erfordert: Daß man, wenn man eine Niederlage vermeiden will, gezwungen
wäre, auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Präsident Reagan und Verteidigungsmi-

nister Weinberger wurden in Europa verteufelt, als sie von der "Gewinnbarkeit"
eines Atomkrieges sprachen.
sicherlich nicht froh.

Der Gedanke, einen Atomkrieg zu "gewinnen", macht

Aber wenn man es ausspricht, dann stellt man eine ele-

mentare Wahrheit auf die Probe:

Wenn der Nuklearstrategie kein vernünftiger

militärischer Platz zugewiesen werden kann, dann werden Führer und Öffentlichkeit in zunehmendem Maße durch die noch immer festgeschriebene NATO-Doktrin
demoralisiert werden.
Seither haben der Präsident und sein Kabinett nicht nur einen Rückzug
angetreten: Sie haben ausdrücklich von ihrer Behauptung Abstand genommen,
daß ein Atomkrieg gewinnbar sei. Es ist ein tragisches Symptom für den Bruch
im Verständnis zwischen unserer Administration und ihren europäischen Kritikern, daß diese nachdrücklichen Bekräftigungen nicht beachtet oder nicht geglaubt werden; daß die meisten unserer Kritiker immer wieder Präsident Reagan
und Verteidigungsminister Weinberger auf ihre ursprünglichen Äußerungen festnageln wollen.
Was führende Politiker nur andeuten, das drücken private Bürger deutlich aus. Im Jahr 1982 haben vier prominente Amerikaner, die alle ein hohes

- 4 -

�ein hohes Amt innehatten - Robert McNamara, Gerald Smith, McGeorge Bundy und
George Kennan - den einseitigen Verzicht auf den Ersteinsatz von Kernwaffen
vorgeschlagen.

McNamara bekräftigte diese Erklärung später, indem er versicher-

te, daß er als Verteidigungsminister Anfang der sechziger Jahre und als Vater
des Konzepts der flexiblen Antwort seine Präsidenten gedrängt habe, niemals und
unter keinen Umständen Kernwaffen einzusetzen.
lerweile ausgebreitet.

Diese Auffassung hat sich mitt-

Die öffentliche Meinung schlittert praktisch mehr und

mehr in eine Nicht-Ersteinsatzdoktrin hinein.
Es kann kein Zweifel bestehen, daß die NATO in einer Position sein sollte, in der sie nicht gezwungen wäre, in einem frühen Stadium eines Konflikts
auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Hoffentlich wird sie stark genug sein, um

jeden auch noch so starken konventionellen Angriff mit konventionellen Mitteln abwehren zu können.

Die Notwendigkeit, die konventionelle Kapazität der

NATO zu stärken, wird seit langem leidenschaftlich verfochten.
lang hat sich das Ziel als unerreichbar erwiesen.
den nicht schon wieder so etwas fordern.

Aber genauso

Die Vereinigten Staaten wer-

Ihre Verbündeten werden innenpoli-

tischen Anliegen den Vorrang über einen ernsthaften Ausbau der Verteidigung
geben.
Es ist eine Sache, für eine stärkere konventionelle Verteidigung einzutreten - wie ich es mit vielen anderen hier immer wieder getan habe.

Aber

es ist etwas ganz anderes, auf den Ersteinsatz von Kernwaffen zu verzichten.
Wenn uns die Geschichte etwas lehrt, dann dies, daß die Abschreckung mit
konventionellen Waffen eine riskante Sache ist.

Die Europäer haben hunderte

von Jahren lang den Ausbruch von Kriegen zwischen Armeen erlebt, die für
gleichstark gehalten wurden.

Selbst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde

die französische Armee für zahlen- und ausrüstungsmäßig der deutschen Armee
überlegen gehalten - und war es auch.

In einem konventionellen Krieg spielen

Führung, Konzentration der Kräfte und Taktik eine so große Rolle, daß vergleichende Berechnungen der Systemanalyse eine riskante Richtschnur für die
Abschreckung sind.

Es kann kein Zufall sein, daß alle Kriege in der Nach-

kriegszeit dort aufgetreten sind, wo es keine amerikanischen Streitkräfte und

- 5 -

�Streitkräfte und keine Kernwaffen gibt.

Während dieses Zeitraums hat sich

Europa unter dem amerikanischen Nuklearschutz der längsten Friedensperiode
in seiner Geschichte erfreut.
Die Dürftigkeit der konventionellen Abschreckung ist jedoch nicht der
eigentliche Punkt meiner Sorge über die Ausbreitung der Nicht-Ersteinsatzdoktrin.

Denn paradoxerweise könnte eine wachsende Annahme dieses Konzepts

gerade zu nuklearer Erpressung oder sogar zum Atomkrieg einladen.
Nicht-Ersteinsatzdoktrin irgendeinen

Wenn die

Sinn haben soll, dann muß sie bedeuten,

daß wir und unsere Verbündeten eher in Kauf nehmen, mit konventionellen Waffen besiegt zu werden, als auf Kernwaffen zurückzugreifen.

Aber wenn man

erst bereit ist, die Niederlage hinzunehmen, welchen Unterschied macht es
dann, mit welchen Waffen sie herbeigeführt wird?

Warum sollte man die Be-

reitschaft zur Kapitulation von der Wahl der Waffen abhängig machen, die ein
Gegner benutzt, um uns seinen Willen aufzuzwingen?

Wenn ein Aggressor die

Folgen der Nicht-Ersteinsatzdoktrin in diesem Sinne analysiert, dann hätte
er einen Anreiz zu warnen, daß jeder Krieg ganz rasch zu einem Atomkrieg würde.

Das würde den Westen vor die Wahl zwischen Kapitulation oder der Art von

Krieg stellen, zu dessen Führung unsere Länder als Ergebnis der jahrelangen
Stigmatisierung der Waffen nicht mehr in der Lage wären, um die herum unsere
Verteidigung aufgebaut ist und von denen die Arsenale unseres Gegners übervoll sind.
Aber wenn wir bereit sind, eher Kernwaffen einzusetzen, als Europa
überrennen zu lassen, dann sind wir wieder bei unserem ursprünglichen Problem angelangt: der richtigen Mischung (Mix) zwischen nuklearen und konventionellen Streitkräften und der geeigneten Strategie für den Einsatz von Kernwaffen, und wenn auch nur als letzte Zuflucht. Es führt kein Weg an der Frage vorbei, wie Kernwaffen eingesetzt werden würden, ohne die Menschheit zu
vernichten.
Eine vernünftige Behandlung dieser Realität steht noch aus. Einige
Experten - zwar immer weniger an Zahl und durch die Angriffe der Friedensbe-

- 6 -

�der Friedensbewegung so geschockt, daß sie sich in ihr Schneckenhaus zurückgezogen haben -, wollen Nuklearwaffen noch immer so sehen wie "konventionelle".
Das ist ohne Frage absurd.

Eine andere, größere Gruppe - ironischerweise in

ihrer Mehrheit aus Personen zusammengesetzt, die im allgemeinen eine humane
und "fortschrittliche" Innenpolitik befürworten - beharrt darauf, daß ein Atomkrieg notwendigerweise die bewußte Ausrottung der Zivilbevölkerung mit sich
bringen müsse.

Diese Menschen sind überzeugt, daß man Regierungen nur dadurch

von nuklearen Abenteuern abhalten kann, daß man sie auf die grausigste Strategie festlegt.
Sowohl Politik als Moral verlangen, daß Regierungen, solange Kernwaffen
existieren und ein Atomkrieg zumindest vorstellbar ist, nach Mitteln und Wegen
suchen, um ihre Anwendung zu begrenzen und einen solchen Krieg rechtzeitig beenden, bevor er sich in eine Weltkatastrophe ausweitet.

Es ist verantwor-

tungslos, in einer Welt, in der es Zehntausende von Kernwaffen gibt, zu lehren, daß jeder nukleare Zwischenfall automatisch zu einer Vernichtung der
Erde eskalieren müßte. Wenn - aus welchem Grund auch immer - das Schlimmste
eintreten sollte, dann haben Regierungen gegenüber der Menschheit und der Geschichte die Verpflichtung, die Folgen in Grenzen zu halten.

Nur Nihilisten

oder abstrakte Ideologen können sich dieser Pflicht entziehen.
Der Kern des Problems liegt darin, daß in fast allen Ländern der Konsens
über Verteidigung und Außenpolitik zusammengebrochen ist.

Deshalb wird die

Sicherheitspolitik eines Landes nur zu oft der Innenpolitik untergeordnet.
Nur zwei tröstliche Illusionen könnten das verhindern.

Europa wiegt sich in

dem Glauben, daß am Ende Amerika eine Aggression verhüten oder mit seinen
äußersten Waffen bekämpfen würde, wenn es keine andere Wahl hätte.

Amerika

wiegt sich in der Illusion, daß Europa durch intensive Konsultationen veranlaßt würde, seinen Verteidigungsbeitrag auf konventionellem Gebiet zu erhöhen.
Keine dieser Erwartungen ist realistisch - die der Europäer kaum mehr als die
der Amerikaner.
Wenn die

�Wenn die derzeitigen Tendenzen anhalten, dann gehen wir das Risiko
ein, einer prekären Kombination der formellen NATO-Doktrin der flexiblen Reaktion überlassen zu bleiben, die jedoch heute - im Gegensatz zu dem Zeitpunkt, als sie entwickelt wurde - unter Bedingungen des nuklearen Patts,
eines wachsenden nuklearen Pazifismus und anhaltender Unzulänglichkeit der
konventionellen Streitkräfte angewandt werden muß.

Einer nicht kohärenten

Verteidigungspolitik überlassen, werden wir uns der Fähigkeit zu einer militärischen Antwort begeben haben, obwohl wir auf dem zerstörerischsten Arsenal
von Waffen sitzen, das die Welt je gesehen hat; und einer Antwort an einen
Gegner, dessen politisches und wirtschaftliches System jede Gültigkeit verloren zu haben scheint.

Rüstungskontrolle und Mittel Streckenwaffen
Es ist nicht überraschend, daß sich das Erschrecken der Öffentlichkeit in Angst verwandelt hat und Abkommen zur Beendigung des sogenannten
Wettrüstens einen immer größeren "Heiligenschein" bekommen. Um die Gefahren eines Atomkriegs zu bannen und den Trend im Ost-West-Verhältnis zu wenden, wird Rüstungskontrolle gefordert. Das bürdet diesen Verhandlungen eine
größere Last auf, als sie überhaupt tragen können. Es ist kein Zufall, daß
die Genfer Verhandlungen genau an dem Moment einfroren, an dem Regierungen
und öffentliche Meinung im Westen noch nachdrücklicher auf ihnen beharrten.
Die Rüstungskontrolle steht in Gefahr, von einem technischen Streben nach
strategischer Stabilität in einen deus ex machina verwandelt zu werden. Ja,
sie ist in Gefahr, sich in ein Werkzeug der politischen Kriegführung der
Sowjets zu verwandeln - und sowohl der Mangel an strategischem Zusammenhang
im Westen als auch seine Angst leisten die Hauptbeiträge zu dieser Entwicklung.
Die Idee der Rüstungskontrolle selbst ist natürlich neu, wenn nicht
gar revolutionär.

In den fünfziger Jahren in ihrer gegenwärtigen Form ent-

wickelt, strebte sie ausdrücklich nach Stabilität, indem der Anreiz zu einem
- 8 -

�zu einem Überraschungsangriff nicht durch Waffen, sondern durch Abkommen
verringert wurde.

Die geschichtlich ungewöhnliche Vorstellung entstand, daß

die Verwundbarkeit eines Landes ein strategischer Pluspunkt sei. Wenn das Leben der Zivilbevölkerung auf beiden Seiten auf dem Spiel steht - so wurde argumentiert - dann würde keine Seite es wagen, diese Waffen einzusetzen.

Die

Rüstungskontrolltheorie trug - im Westen - zu einer Abneigung gegen Defensivwaffen, wie die Raketenabwehr-Raketen (ABM), bei. Sie führte ferner dazu,
daß jedes Offensivsystem einer eingehenden Prüfung ausgesetzt wurde, ob es
die militärische Gleichung "destabilisieren" könnte.

Noch nie zuvor in der

Geschichte wurde die Militärpolitik nach solchen Kriterien beurteilt.

Aber

nie zuvor hatten natürlich auch Waffen solche Risiken gebracht.
Dies ist nicht der Platz für eine Analyse der RüstungskontroiItheorie,
die viele wertvolle Einsichten brachte.

Wenn Rüstungskontrolle jedoch wirksam

sein soll, dann erfordert sie ein ungewöhnlich feines Verständnis der Elemente
der Strategie.

In der Vergangenheit haben oft Nationen eine Katastrophe er-

lebt, die sich eigentlich für überlegen hielten.

Wenn man mit einem Gegner

Gleichwertigkeit aushandelt, dann erfordert das eine beispiellose durchdachte Analyse.

Das Maß für die Gleichwertigkeit ist durch die Neuheit dieser

Waffen, durch die Asymmetrie im Entwurf der Waffensysteme beider Seiten und
durch ihre jeweilige geostrategische Lage schrecklich kompliziert geworden.
Wären also die Sowjets sogar eher zu einer ernsthaften Überprüfung bereit,
als sie es zu sein scheinen, dann wären die Verhandlungen doch schwierig,
weil die Waffen beider Seiten nach unterschiedlichen Kriterien entwickelt
wurden und unterschiedlichen strategischen Zielen dienen.
Das Beinahe-Chaos im strategischen und politischen Denken des Westens
hat die Hindernisse für eine Rüstungskontrolle genau zu dem Zeitpunkt noch
stark vergrößert, als die Definition von "Fortschritt" immer mehr entschwand
und die westlichen Regierungen den Fortschritt in der Rüstungskontrolle als
Voraussetzung für das politische überleben betrachteten.
Die Geschichte

�Die Geschichte der INF-Verhandlungen macht diese Punkte deutlich.

Als

Antwort auf die massive Dislozierung von Mittelstreckenraketen durch die Sowjets
ermutigten die Vereinigten Staaten ihre NATO-Verbündeten 1979, sie, die USA,
einzuladen, als Antwort ähnliche Waffen in Europa zu stationieren.

Der Groß-

teil dieser Mittel Streckenflugkörper - wie etwa die Marschflugkörper - gehörte
Kategorien an, die weit weniger bedrohlich sind als die der entsprechenden
sowjetischen Waffen, die, da es sich um ballistische Raketen handelt, ihre
Ziele in Europa in viel kürzerer Zeit erreichen können.

Aber selbst 1979

traute sich die NATO nicht, ihre Entscheidung rein militärisch bekanntzugeben,
außer daß alle Dislozierungen nachfolgenden Rüstungskontroll Verhandlungen unterliegen würden.

Die Dislozierung wurde durch den sogenannten "Doppelbeschluß"

zu einer politischen Frage, der vorherige Verhandlungen über die Abschaffung
dieser Waffen überhaupt forderte und ihre Dislozierung letztlich von einem
Scheitern der Verhandlungen abhängig machte.
Es war eine schicksalhafte Entscheidung. Die Erfahrungen mit Rüstungskontroll Verhandlungen oder der diplomatischen Praxis der Sowjets hätte zur
Vorsicht mahnen sollen, daß ein wirklich eindeutiges Ergebnis solcher Verhandlungen fast unmöglich war. Beim Fehlen eines solchen Ergebnisses mußte
die gesetzte Frist in fast allen Ländern, die als Stationierungsländer für
Flugkörper vorgesehen waren, zu einer innenpolitischen Krise führen, als der
Zeitpunkt der Dislozierung näher rückte. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit lieferte es den Sowjets einen Anreiz, die Verhandlungen hinauszuziehen, um die Entschlossenheit der westlichen Regierungen auf die Probe
zu stellen.
Und was noch wichtiger war, die Entscheidung der NATO rief eine Debatte über die Gründe für die Dislozierung der Mittel Streckenflugkörper hervor - eine Debatte, die bald von der Innenpolitik oder von all den Ausflüchten
und Widersprüchen der allgemeinen NATO-Kontroverse überwuchert wurde. Die
Gegner, die an Angst wie an Nationalismus appellierten - vor allem in der Bundesrepublik Deutschland - erfanden das Argument, daß die Mittelstreckenraketen
unserem (amerikanischen) Wunsch entsprächen, einen möglichen Krieg auf euro-

- 10 -

�auf europäisches Territorium zu beschränken.

Das war absurd.

Wir hatten

bereits Tausende von taktischen Nuklearwaffen in Europa stationiert.

Die

Mittelstreckenraketen trugen nichts zu unserer Kapazität bei, Europa zu verwüsten.

Ihr besonderes Kennzeichen war schließlich ihre Fähigkeit, über Euro-

pa hinaus die Sowjetunion zu erreichen.
Die wahre Begründung für die Dislozierung war genau das Gegenteil von
dem, was unsere Kritiker behaupteten:

Wir wollten eine nukleare Erpressung

Europas verhindern, indem wir die strategische Verteidigung Europas an die
der Vereinigten Staaten ankoppelten.

Mit den amerikanischen Mittelstrekcenra-

keten in Europa konnten die Sowjets nicht Europa allein für sich bedrohen.
Jeder nukleare Angriff und jeder erfolgreiche konventionelle Angriff würde
einen amerikanischen Gegenschlag von amerikanischen Einrichtungen in Europa
aus auslösen.

Die Sowjets müßten sogar im Falle eines konventionellen Angriffs

damit rechnen, daß wir unsere Raketen einsetzen würden, bevor sie überrannt
worden wären.

Die Sowjets müßten also diese Raketen angreifen, selbst wenn

sie in Europa konventionelle Waffen anwenden würden; das wiederum würde unsere strategischen Streitkräfte auf den Plan rufen.
In diesem Sinne war das amerikanische Angebot von Mittel Streckenflugkörpern ein selbstloser Akt. Wenn wir Mittel Streckenwaffen für rein amerikanische Zwecke überhaupt gebraucht hätten - was zu bezweifeln ist -, dann hätten wir sie leichter und mit sehr viel weniger Streit auf Schiffen dislozieren können.
Es ist nicht überraschend, daß die Sowjets die Bedeutung der neuen Dislozierungen sofort erkannten.

Für sie war es nicht schwer zu begreifen, daß

damit eine "Ankoppelung" der Verteidigung Europas an die strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten stattfand.

Der sowjetische Stabschef

Orgakow hat uns wiederholt öffentlich gewarnt, daß der Einsatz von in Europa
stationierten Mittel Streckenwaffen sofort einen sowjetischen Vergeltungsschlag
gegen die Vereinigten Staaten auslösen würde.
Statt diese

- 11 -

�Statt diese Ankoppelung zu begrüßen, die die Abschreckung stärkte, indem sie die Sowjets mit Risiken konfrontierte, die einzugehen sie sicherlich
nicht bereit wären, benutzten unsere europäischen Verbündeten sie, um uns zu
drängen, als Alternative zur Dislozierung den Weg des Doppelbeschlusses einzuschlagen.

Wir haben selbst zur Verwirrung beigetragen, indem wir die soge-

nannte "Null-Option" vorschlugen: die Bereitschaft, auf unsere Dislozierungen
in Europa zu verzichten, wenn die Sowjets ihre eigenen Mittelstreckenraketen
aufgeben würden.

Dieses Angebot ließ praktisch einen typischen Washingtoner

Kompromiß erkennen.
len:

Er vereinte drei Gruppen mit gänzlich verschiedenen Zie-

jene, die gegen die Dislozierung strategischer Waffen in Europa waren,

weil ihnen an einer mehr rein amerikanischen Entscheidung hinsichtlich eines
strategischen Nuklearkrieges gelegen war; jene, die gegen jedes Abkommen waren, aber die Null-Option unterstützten, weil sie überzeugt waren, daß die
Sowjets sie niemals annehmen würden; und letztlich die ehrlichen Verfechter
der Rüstungskontrolle, die der Auffassung waren, daß jede Verringerung, aus
welchen Gründen auch immer, ein Schritt vorwärts sei.
Hätten die Sowjets das Angebot angenommen - oder gar einen Gegenvorschlag
gemacht, der die Null-Option auf Europa begrenzt hätte - dann wären die Vereinigten Staaten auf immer an allen neuen Dislozierungen gehindert gewesen.
Gleichzeitig wäre die Fähigkeit der Sowjets, Europa zu erpressen, weiterhin
bestehen geblieben - entweder durch neue taktische Waffen oder durch die überreichlich vorhandenen Gefechtsköpfe der strategischen Langstreckenwaffen.
Symptomatisch für die Konfusion im strategischen Denken des Bündnisses
war es, daß viele unserer europäischen Verbündeten unser Angebot als Unnachgiebigkeit interpretierten. Da die Sowjets erklärten, sie würden unser Angebot niemals annehmen, wurden wir gedrängt, eine neue Position zu beziehen
- d.h. die Null-Option aufzugeben. Das bedeutete in der Praxis nichts anderes,
als daß wir einen vereinbarten, verringerten Stand der Waffen vorschlagen sollten. Aus Gründen der europäischen Innenpolitik - nicht aus strategischen Oberlegungen - wurden wir gedrängt, die Ankoppelung der nuklearen Verteidigung
Europas an die der Vereinigten Staaten wieder vorzunehmen, die unser Angebot
- 12 -

�unser Angebot aufgehoben hätte: nämlich doch einige Mittel Streckenflugkörper
in Europa zu stationieren - diesmal im Namen der Rüstungskontrolle.
Der Mangel an Klarheit bezüglich der strategischen und politischen Ziele
übte weiterhin einen schlimmen Einfluß auf die Politik des Bündnisses aus.
Den Vorhaltungen des Bündnisses nachgebend, gaben wir die Null-Option zugunsten eines Interimsabkommens über einen verringerten Stand von Raketen auf
beiden Seiten auf. Aber kaum waren wir ihrem Rat gefolgt3 gedachten einige
europäische Regierungen eine immer unruhiger werdende öffentliche Meinung damit zu beschwichtigen, daß sie von uns weitere Zugeständnisse verlangten.
Das erforderte eine Senkung der vorgesehenen Höchstgrenzen und praktisch nichts
anderes, als daß eine Ungleichheit zugunsten Moskaus in Kauf genommen worden
wäre.

Und als wir dann auch hier wieder nachgaben, wurden wir schließlich für

das völlige Stocken der Konferenz verantwortlich gemacht.

Nachdem die "Un-

nachgiebigkeit" der Reagan-Administration in der kritischen Publizistik Europas einen fast folkloristischen Charakter angenommen hatte, wurde das Märchen
aufgebracht, die Vereinigten Staaten hätten eine große Chance verpaßt, weil
sie nicht rasch genug auf die Ergebnisse des sogenannten "Waldspazierganges"
des sowjetischen und amerikanischen Unterhändlers im Juli 1982 eingegangen
seien.

Bei jener Gelegenheit hatte Botschafter Paul Nitze eine Obergrenze

für Mittel Streckenflugkörper auf beiden Seiten und einen Verzicht auf PERSHIN6
II-Raketen vorgeschlagen.

Die Sowjets hatten oder hatten nicht - je nachdem,

wessen Version man hört -, an der Ausarbeitung des Dokuments teilgenommen,
bevor sie einwilligten, es nach Moskau weiterzuleiten.

Dies ist nicht der Ort, genau zu analysieren, was wirklich geschah.
Unbestritten ist, daß unser Er.tscheidungsprozeß auf die Nitze-Formel in der
üblichen umständlichen Weise reagierte - aber man war auch nicht vorbereitet
worden.

Das ist weder überraschend noch besonders wichtig.

Und es rechtfer-

tigt auch nicht die Behauptung, wir hätten eine Chance verpaßt.

Denn die

Sowjets lehnten im September 1982 die Nitze-Formel ab und taten dies erneut
im Oktober 1983, als sie das jüngste amerikanische Angebot ablehnten, das dem
Nitze-Konzept sehr nahe kam.

Der einzige Unterschied zu dem jetzigen amerika- 13 -

�jetzigen amerikanischen Vorschlag von einer Höchstgrenze von 100 Mittelstrekkenraketen ist die Beibehaltung von 36 PERSHING II-Raketen.

Das ist eine Zahl,

die selbst von einem höchst paranoiden sowjetischen Führer - angesichts der
Tausenden auf Europa gerichteten sowjetischen Gefechtsköpfe - nicht als Bedrohung durch einen Überraschungsangriff angesehen werden kann.
Die Sowjets lehnten dieses Angebot ab, nicht weil die PERSHING-Raketen
eingeschlossen waren oder weil ihnen die Höchstgrenze unzureichend erschien,
sondern weil sie in den INF-Verhandlungen eine konsequent offensive Politik
verfolgten.

Sie wichen niemals von ihrem Ziel ab: Es ging ihnen nur darum,

amerikanische Mittelstreckenraketen aus Europa herauszuhalten - was zeigte,
daß zumindest sie die strategischen und politischen Probleme begriffen hatten,
um die es ging.

Und diese ganze Agitation erfolgte, nachdem die Sowjets be-

reits über 200 SS-20-Raketen disloziert hatten, während noch keine einzige amerikanische Rakete in Europa angekommen war.
Die Sowjets entnehmen unserem jüngsten Vorschlag - und vielen öffentlichen Erklärungen - ohnehin, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, sich
mit einer relativ kleinen Anzahl von Raketen, die in Europa stationiert sind,
zufriedenzugeben. Ihr Argument hinsichtlich der verkürzten Vorwarnzeit bei
der PERSHING II ist für die Leichtgläubigen. Welche entscheidende Wirkung
könnten 36 PERSHING haben? Eine PERSHING braucht acht bis zehn Minuten, um
von Westeuropa aus die Sowjetunion zu erreichen. Eine Interkontinentalrakete
braucht von den Vereinigten Staaten aus 25 bis 30 Minuten; eine unterseebootgestützte Rakete braucht, je nach ihrer Position, 15 bis 20 Minuten. Wenn man
die PERSHING abzöge: Was würden die Sowjets mit den zusätzlichen paar Minuten
Warnzeit tun? Und nachdem unser Angebot nicht die Forderung enthält, die in
Asien dislozierten SS-20 mitzuzählen, haben die Sowjets sogar in Europa einen
numerischen Vorteil, da zwei Drittel ihrer asiatischen Dislozierungen den
Größtteil Europas abdecken können. (Ich sage dies nicht als eine Kritik unseres Angebots, denn das entscheidende Element unserer Dislozierung ist die Ankoppelung der nuklearen Verteidigung Europas an die der Vereinigten Staaten,
welche unser Angebot beibehält.)
Erneut wiesen
- 14 -

�Erneut wiesen die Sowjets unseren Vorschlag zurück und verließen den
Verhandlungstisch; denn im Gegensatz zu den Argumenten unserer Kritiker und
der Ambivalenz vieler Regierungen, führen sie derzeit die Verhandlungen als
ein politisches Manöver.

Sie haben sich bislang geweigert, sich mit weniger

als der Vertreibung amerikanischer Mittelstreckenraketen aus Europa zufriedenzugeben, weil sie ein größeres Ziel als die Stabilität im Auge haben.

Es geht

ihnen um nichts weniger als darum, den politischen Charakter der NATO zu verändern.
Sollten sie - zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren - damit Erfolg
haben, so würden die Sowjets eine NATO-Dislozierung verhindern, zu der sich
die Regierungen selbst seit vielen Jahren verpflichtet haben:

Erst der Neu-

tronenbombe im Jahr 1978 und nunmehr der Mittelstreckenraketen.

Der prak-

tische Effekt bestünde darin, daß die Sowjetunion ein Veto über die künftigen
NATO-Dislozierungen hätte - zumindest im Nuklearbereich.
offen für die selektive nukleare Erpressung Europas.

Dann wäre der Weg

Nach einer kurzen Perio-

de der Entlastung würden die NATO-Länder die Schwächung des amerikanischen
Nuklearschildes erkennen.
ten gelten.

Dies würde insbesondere für die Nichtnuklearstaa-

Sie würden ihre besondere Gefahr erkennen:

Entweder Neutralismus

oder eine grollende Art des Nationalismus würde sich entwickeln.

Die Sowjets

wären nahe daran, das zu erreichen, was sie zunächst den Vereinigten Staaten
während der Verhandlungen über das Abkommen über die Verhinderung eines Atomkrieges im Jahr 1974 vorgeschlagen hatten:

Daß nämlich im Fall eines euro-

päischen Krieges der Einsatz von Kernwaffen auf die Staaten Europas beschränkt
sein sollte - mit Ausnahme der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten.
wiesen diesen Vorschlag schon damals zurück.

Wir

Es wäre eine Ironie, die an-

gestrebten Bedingungen hierfür jetzt in der Verkleidung einer Rüstungskontrolle
zu schaffen.
Das Argument, wonach die britischen und französischen Streitkräfte als
Ausgleich für die sowjetischen

SS-20 dienen könnten, ist entweder sophistisches

Gerede oder aber ein Mißverständnis.

Angesichts der gewaltigen Disparität an

Gefechtsköpfen zwischen Frankreich und Großbritannien einerseits und der Sowjet-

- 15 -

�der Sowjetunion andererseits ist es doch selbstverständlich, daß die britischen und französischen Kernwaffen lediglich - wenn überhaupt - vor einem
nuklearen Angriff auf diese Länder abschrecken können.

Sie können anderen

NATO-Verbündeten keinen Schutz bieten; sie bilden nicht die Drohung eines
Ersteinsatzes,ganz gleich, unter welch extremen Umständen sich die konventionellen Streitkräfte der NATO auch befinden würden.

Falls die Anzahl ihrer

Gefechtsköpfe zunimmt, sollten die britischen und französischen Waffen zu
einem bestimmten Zeitpunkt in die START-Verhandlungen einbezogen werden.
Derzeit sind sie - solange man sie nicht im Zusammenhang mit der amerikanischen
Abschreckung sieht - für die Verteidigung Europas nahezu irrelevant.
Das grundlegende INF-Problem ist recht einfach.

Wenn es wirklich Ziel

der Sowjets ist, einen Überraschungsangriff durch unsere europäischen Dislozierungen zu verhindern, so könnte ein Abkommen über die Anzahl und die Zusammensetzung leicht und schnell erfolgen.

Was wir nicht tun sollten, ist,

die Dislozierung von Raketen in Europa ganz und gar aufzugeben.

Und wenn die

Sowjets wirklich darauf bestehen, so wäre es ein deutlicher Beweis dafür, daß
ihr Ziel darin liegt, das westliche Bündnis zu zerschlagen.

Wenn unsere Ver-

bündeten sich nicht dazu bringen, dies ihrer jeweiligen Öffentlichkeit klarzumachen, dann können sie nur sich selbst die Schuld geben, wenn sie von schleichendem Pazifismus und Neutralismus überschwemmt werden.

Und in diesem Fall

wird die psychologische Grundlage, die Raketen in Europa zu halten, erst in
Europa, aber schließlich auch in den Vereinigten Staaten untergraben werden.
Sicher, es ist höchst wünschenswert, daß die INF-Gespräche wieder aufgenommen werden. Aber schon das Klagende der westlichen Appelle gibt den
Sowjets den Anreiz, mit der politischen Offensive weiterzumachen. Aber wenn
und falls die Gespräche erneut beginnen, dann ist es von entscheidender Bedeutung, daß die westlichen Länder mehr Stärke und Einheit zeigen als bislang.
Die Haltung zu vieler Regierungen des Bündnisses hinsichtlich der Dislozierung ist wie die eines Gastgebers gegenüber einem ungeliebten Gast, bei dem
es zu peinlich wäre, die Einladung zum Essen rundweg zurückzunehmen. So lange
eine fast verzweifelte Sehnsucht nach einem reklamehaften Verhandlungsergebnis
- 16 -

�reklamehaften Verhandlungsergebnis besteht und solange die Vereinigten Staaten
automatisch für jede Sackgasse verantwortlich gemacht werden, so lange dürfte
die sowjetische Halsstarrigkeit durch die Hoffnung genährt bleiben, daß Beständigkeit in ihrem derzeitigen Kurs das Bündnis auflösen wird.
Wenn und falls die Verhandlungen Wiederbeginnen, sollten unsere Verbündeten im Interesse eben des Fortschrittes, den sie anstreben, damit aufhören,
neue Zugeständnisse zu fordern, solange die Sowjets nicht einmal das Prinzip
der Gleichwertigkeit anerkannt haben.

In einem Jahr gab es bei unserer INF-

Position drei größere und zwei kleinere Neuanpassungen - zu einem großen Teil,
um die öffentliche Meinung des Bündnisses zu besänftigen.

Aber wenn Positionen

einander mit geradezu verwirrender Geschwindigkeit folgen, wird überhaupt keine
mehr verstanden.

Damit wird nur das Argument angeheizt, wir seien zynisch,

wir wüßten nicht, was wir tun, unsere grundsätzliche Position sei brüchig.
Die Sowjets haben keinen Anreiz dazu, ihren Kurs zu ändern, wenn sie sehen,
wie sich die Bündnispartner ständig gegenseitig etwas vormachen.

Auch die

Vereinigten Staaten haben ihre Fehler gemacht, aber die Wurzel der Schwierigkeiten bei den INF-Verhandlungen ist ein Angriff der Sowjetunion auf das bestehende politische Gleichgewicht in Europa.
Es gibt eine ganze Reihe technischer Möglichkeiten, aus dieser Sackgasse herauszukommen.

Wenn die Sowjets eine Formel zur Wiederaufnahme der

Gespräche brauchen, mit der sie ihr Gesicht wahren können, so könnten die
START- und INF-Gespräche zusammengelegt werden - obgleich ich den Verdacht
habe, daß dies
würde.

beide Verhandlungsbereiche nur verlängern und komplizieren

Und es würde nicht das Kernproblem lösen.

Es ist kein Fortschritt

möglich, solange nicht die Sowjets den Grundsatz akzeptieren, daß die amerikanischen Mittelstreckenraketen bei jeder Art von vereinbartem Umfang der Mittelstreckensysteme beider Seiten mit einbezogen werden müssen.

Wird dieser

Grundsatz erst einmal akzeptiert, wird es rasche Fortschritte geben.

Ost-West-Beziehungen
- 17 -

�Ost-West-Beziehungen
Bei der öffentlichen Debatte innerhalb des Bündnisses ist es nahezu
zu einem Axiom geworden, daß die Ost-West-Beziehungen niemals schlechter gewesen seien.

Viele Europäer geben zu, daß sie davon überzeugt seien, die ame-

rikanische UnVorhersagbarkeit und Wankelmütigkeit hätten sich mit einer Rhetorik der Konfrontation und des Kriegerischen verbunden, um die Sowjets in eine
grollende Feindseligkeit zu treiben.

Viele Amerikaner wiederum sind der Mei-

nung, die europäische Unentschlossenheit und innenpolitische Schwäche ermutige
die Sowjets nur zu einem Angriff auf das politische Gleichgewicht der Nachkriegszeit in Europa.
Wie bei jedem Familienkrach gibt es auf beiden Seiten etwas Wahres.
Seit dem Zusammenbruch des Nachkriegskonsens während des Vietnamkriegs
ist die amerikanische Politik außergewöhnlich veränderlich. Die Entspannung
der frühen siebziger Jahre wurde durch eine seltsame und noch nie dagewesene
Koalition von Liberalen und Konservativen angegriffen, die sich nie hätten
verbünden können - außer aufgrund des Zusammenbruchs der Autorität der Exekutive, wie ihn Watergate verursacht hatte. Die Liberalen griffen die Entspannung deswegen an, weil sie sich zu viele Gedanken über das Kräftegleichgewicht
mache; die Konservativen verdammten sie, weil sie nicht ideologisch oder "moralisch" genug sei. Die Koalition hatte einerseits dabei Erfolg, daß sie sowohl die Anreize als auch die Strafen zerstörte, auf denen die Entspannung
basierte; andererseits war sie - noch immer Sklave des Traumas von Vietnam nicht bereit, sich den Konsequenzen einer neuerlichen sowjetischen Unnachgiebigkeit zu stellen.
Die Kritiker der Entspannung hatten ein Argument, wenn sie darauf verwiesen, daß die amerikanische Öffentlichkeit nicht an Machtpolitik gewohnt
war; daß es in Amerika keine Tradition dafür gab, Beziehungen gleichzeitig
kooperativ und gegnerisch zu unterhalten. Aber genau dies ist die Herausforderung, vor der unsere Führungen stehen. Jeder andere Kurs verliert die

- 18 -

�verliert die Unterstützung der Öffentlichkeit wie des Bündnisses und ermöglicht es den Sowjets, sich des weltweiten Verlangens nach Frieden zu bemächtigen - wie dies die Reagan-Administration unter Schmerzen gelernt hat.
Die Carter-Administration kündigte eine "neue Methode" an, bei der die
Administrationen von Nixon und Ford dafür kritisiert wurden, daß sie sich angeblich viel zu sehr damit beschäftigt hätten, dem Kommunismus Widerstand zu
leisten.

Nachdem es zunächst die Struktur von SALT II, wie sie von der Ford-

Administration übernommen worden war, zurückgewiesen hatte, akzeptierte das
Carter-Team sie, ließ jedoch so viele Verzögerungen zu, daß die Invasion
Afghanistans alle Aussichten auf eine Ratifizierung zunichte machte.

Die

jetzige Administration kam ins Amt und verwarf die Position aller ihrer Vorgänger.

Sie verspottete die Entspannung, weigerte sich,SALT II zu ratifizie-

ren - sogar, obwohl sie sich an seine Bestimmungen hielt - und all dies nur,
um im vergangenen Jahr eine Wendung in Richtung auf den offenkundigen Wunsch
hin zu tun, die Ost-West-Beziehungen zu verbessern, ja, sogar ein Gipfeltreffen zu erreichen.
Es geht hier nicht um die Frage, welche Verkörperung der amerikanischen
Politik die richtige war.

Jede wurde von vernünftigen Leuten vertreten, die

vernünftige Argumente hatten.

Das Problem ist, daß jede neue Administration

keine Verantwortung gegenüber dem Vermächtnis ihrer Vorgängerin fühlte; ja,
sie brüstete sich geradezu damit, ganz von vorn anzufangen.

Jede dieser Neu-

beurteilungen der amerikanischen Politik hinterließ unter den europäischen
Führern Opfer, die sich im Vertrauen auf die amerikanischen Darstellungen und
Informationen auf die vorherige Ordnung verpflichtet hatten.

Jede Neubeirtei-

lung erschütterte das Vertrauen und ermutigte den europäischen Neutralismus,
sich weniger von unserer rastlosen Suche nach etwas Neuem abhängig zu machen.
Aber die Vereinigten Staaten waren auch nicht die einzigen, die ihre
Sichtweise änderten.

Unsere Verbündeten haben sich mit uns geändert - wenn

auch in einer kontrapunktischen Weise.

Als Präsident Nixon sein Amt antrat,

hatte er die Reputation als Vertreter einer harten Linie.

- 19 -

Dies löste eine

�löste eine Folge hochrangiger europäischer Besucher aus, die ihn zu einem
raschen Dialog mit Moskau drängten - obgleich die Invasion der Tschechoslowakei
noch nicht einmal ein Jahr her war.,Ein paar Jahre später warnten einige derselben Europäer vor "übertriebener" Entspannung.

Während der Carter-Administra-

tion waren es europäische Spitzenpolitiker, die als erste die Aufmerksamkeit
auf die Notwendigkeit lenkten, die sowjetische

SS-20-Aufrüstung auszugleichen.

Und die Reagan-Administration ist geradezu zu einem Symbol geworden, wenn man
die Anschuldigungen hinsichtlich Kriegslüsternheit, Unempfänglichkeit und Hauptverantwortlichkeit für die derzeitige Ost-West-Sackgasse liest.
Aber erstaunlich: Während es leicht ist, eine Aufzählung wenig durchdachter Bemerkungen der Reagan-Administration aufzuhäufen, so ist es andererseits schwierig, auf viel zu verweisen, was unbesonnene Aktionen anbelangt. Von
einiger
Rhetorik abgesehen, hat sich die Reagan-Administration tatsächlich
mit beträchtlicher Zurückhaltung benommen. Was hat sie denn eigentlich getan,
um sich von ihren europäischen Kritikern so viel Schimpf einzuhandeln? Warum
sollten sich intelligente Führer gezwungen sehen, ihre Innenpolitik auf ihre
Fähigkeit zu stützen, die Reagan-Administration in ihre Schranken zu verweisen? Warum wurde der veränderte Ton der Reagan-Administration in jüngster
Zeit, der bisweilen ans Reuemütige grenzte, von den Kritikern und den meisten
Führern im Bündnis in weiten Teilen ignoriert? Ist der Grund darin zu suchen,
daß die Kritiker eine Entschuldigung für einen kaum verhüllten Neutralismus
suchen und die Führer zumindest einen Vorwand brauchen - oder zu brauchen vermeinen -, als einigendes Element ihrer Innenpolitik die amerikanische Beschränktheit und Starrköpfigkeit zu "mäßigen"?
Die europäischen Kritiker sollten sich vor Augen führen, daß der OstWest-Dialog umso schwieriger wird, je weiter Europa und die Vereinigten Staaten auseinanderdriften. Und dabei braucht der Ost-West-Dialog dringend einen
frischen Impuls. In einer Welt, in der es Tausende von Atomwaffen gibt, können es sich die beiden Seiten nicht leisten, einander zu täuschen oder die
Vorschläge der anderen Seite in Invektiven oder in Propaganda zu ertränken.
Das Mindesterfordernis besteht darin, daß beide Seiten die Denkprozesse des
anderen verstehen, damit eine Krise nicht aus Irrtum heraus eskaliert. Denn
- 20 -

�Denn Krisen sind der derzeitigen Struktur der internationalen Politik nahezu
inhärent.

Beide Supermächte sind mit Ländern assoziiert, die sich mehr mit

ihren lokalen Rivalitäten

beschäftigen als mit dem globalen Gleichgewicht,

vom globalen Frieden ganz abgesehen.

Unsere Zeit sollte allerdings nicht mit

der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg verglichen werden, als ein Aggressor sich
daranmachte, die Welt zu beherrschen.

Die Kernwaffen dürften wahrscheinlich

sogar bei den Rücksichtslosesten zu einem großen Zögern führen.

Das passende

Modell wäre wahrscheinlich die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, als Klientenstaaten mit ihren regionalen Rivalitäten ihre Schutzmächte schrittweise in
eine Katastrophe hineinzogen, deren ganze Bedeutung erst begriffen wurde, als
es bereits zu spät war.

Welcher der Staatsmänner, die 1914 in den Krieg ein-

traten in der Vorstellung, die Angelegenheit wäre rasch zu regeln, wäre nicht
mit Entsetzen davor zurückgeschreckt, hätte er auch nur die leiseste Ahnung
davon gehabt, wie die Welt 1917 aussehen würde?
Theoretisch gibt es für einen konstruktiven Dialog auch das, was die
Sowjets "objektive Gründe" nennen würden.
sich in Schwierigkeiten.

Das sowjetische System befindet

Es muß mit einer Übergangsprüfung fertigwerden, mit einer

gebrechlichen Wirtschaft und mit widerspenstigen Verbündeten.
Überlegung zufolge sollte

Aller rationalen

die Sowjetunion eine Atempause anstreben.

Sie

sollte wissen, daß eine Fortsetzung ihres derzeitigen Kurses das große Risiko
einer Konfrontation in sich birgt.

Ihre Führung kann gar nicht so sehr in ih-

ren eigenen Vorurteilen versponnen sein, um tatsächlich zu glauben, sie könnte
Amerika besiegen, ohne daß wir dies früher oder später bemerken.

Je länger

dieser Prozeß anhält, je "erfolgreicher" dies als augenblickliche sowjetische
Strategie eingesetzt wird, umso größer ist das Risiko einer Eskalation.

Es

ist aber auch möglich, daß - trotz aller derzeitigen Schmähungen - die sowjetische Führung im Sommer zu einer Vereinbarung bereit ist, wenn sie davon überzeugt wäre, daß die jetzige Administration wahrscheinlich wiedergewählt wird.
Eine wiedergewählte Administration, die dann ungehindert agieren könnte, könnte
durchaus etwas sein, was sie lieber vermeiden will.
Es ist

- 21 -

�Es ist allerdings auch möglich, daß die sowjetische Führung unter innenpolitischem Druck steht, der keinerlei politische Anpassung oder weiterblikkende Politik in dieser Hinsicht zuläßt.

Bevor wir uns jedoch dieser Möglich-

keit zuwenden, müssen wir die Chancen für einen Dialog systematisch und hartnäckig überprüfen:
1.

Demokratien haben keinen Grund, Verhandlungen mit einer stagnieren-

den und zerbrechlichen Diktatur zu fürchten.
zu einem Selbstzweck werden.

Aber Gespräche sollten auch nicht

Die Wichtigkeit für ein Gespräch sollte deshalb

weder innerhalb der Bündnisstaaten noch zwischen ihnen zum Thema der Debatte
werden.

Die Debatte sollte sich um die einem Ost-West-Dialog angemessenen

Themen drehen, nicht um die Tatsache eines solchen.
2. Bei den innenpolitischen Diskussionen der verschiedenen Bündnispartner tut Ruhe not.

Es besteht eine Tendenz, die Beurteilung der sowje-

tischen Stärke den vorgefaßten Meinungen über die Sowjetunion anzupassen und nicht umgekehrt.

Die Sowjets sind weder so mächtig und arglistig, wie

dies die Gegner der Entspannung behaupteten, noch sind sie so nahe am Auseinanderfallen, wie dies einige der selbsternannten Friedensapostel unterstellen.
Die Geschichte wird unsere Arbeit nicht für uns tun; aber das wird auch liturgische Rhetorik nicht.
3. Wenn wir vermeiden wollen, daß der Ost-West-Dialog das Bündnis
spaltet oder zu einem Selbstzweck wird, dann müssen die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten hinsichtlich einer langfristigen Ost-West-Strategie
übereinkommen. Dies wird die ganze Bandbreite der Ost-West-Beziehungen umfassen müssen - einschließlich des Ost-West-Handels mit all seinen Möglichkeiten und Gefahren.
4.

Denn die Rüstungskontrolle kann unter keinen Umständen die gesamte

Last des Ost-West-Dialogs tragen - nicht einmal den Hauptteil davon.

Wenn ein

zu großes Gewicht auf die Rüstungskontrolle gelegt wird, dann ist es wahrscheinlicher - um es mit Peter Carringtons Worten zu sagen -,daß der ungeschützte
- 22 -

�der ungeschützte nukleare Nerv des Bündnisses bloßgelegt wird, anstatt ihn
einzubetten.

Würde Moskau die politische Entscheidung treffen, sich mit der

Anwesenheit einiger amerikanischer nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa
zufriedenzugeben, so könnte die INF-Frage rasch gelöst werden.

Was START anbe-

langt, so habe ich schon andernorts meine Überzeugung zum Ausdruck gebracht,
daß wir das Problem noch nicht angemessen durchdacht haben - obgleich wir zumindest versucht haben, zu denken, während die Sowjets es bei einer sterilen
Wiederholung ihrer alten Schlagworte belassen.
stellungen wandeln sollten:

Aber sogar wenn sich die Ein-

Auch dann würde es zunächst zu einem längeren tech-

nischen Feilschen kommen, denn das Thema ist ganz einfach zu schwierig, um eine
rasche Lösung zu ermöglichen.

Und selbst das beste Ergebnis, das man sich vor-

stellen könnte, wäre in erster Linie symbolisch.

In den Arsenalen beider Sei-

ten lagern um die zwanzigtausend strategische Gefechtsköpfe; sogar wenn die
Sowjets auf unseren Vorschlag eingehen würden, all dies um die Hälfte zu verringern, so würden die verbleibenden Gefechtsköpfe für eine Katastrophe noch
immer mehr als ausreichend sein.

Kurz, eine von einem politischen Dialog getrennte Rüstungskontrolle
kann die derzeitigen Spannungen nicht aus der Welt schaffen, sie noch nicht
einmal wesentlich abbauen.

Ja, wenn das Bemühen um Rüstungskontrolle zu toll

wird, verkehrt es sich in eine Waffe der politischen Kriegführung der Sowjetunion.

Oder aber sie wird zu einem Sicherheitsventil, das die Sowjets schlie-

ßen, um die Nervosität des Westens zu erhöhen, oder öffnen, um die Auswirkungen eines neuen Aktes der Aggression zu verringern.
5.

Was dringlichst geboten ist, ist ein ernsthafter politischer Dialog

auf höchster Ebene.

Die sogenannten vertrauensbildenden Maßnahmen, von den

professionellen Diplomaten so geliebt, können uns nicht sehr weit bringen.
Die Eröffnung von Konsulaten für den kulturellen Austausch, sogar die Vorausbenachrichtigung über Manöver:

all dies hat höchstens periphere Bedeutung.

Meiner eigenen Erfahrung nach ist es so, daß jeder wirkliche Durchbruch nur
über die Hauptpersonen oder deren wichtigste Mitarbeiter zustandekommt, die
dann den Marschbefehl an die nachgeordneten Stellen geben.
Das Problem
- 23 -

�Das Problem ist, die höchste Ebene zu definieren.

Ein verfrühtes Gipfel-

treffen würde gewaltige Risiken in sich bergen - zumal der Gesundheitszustand
von Andropow ein solches ohnehin nahezu mit Sicherheit ausschließt.

Staats-

chefs können auf einem Gipfel nicht frei sprechen; im Geiste sind ihre Wählerschaften immer bei ihnen; manchmal sind sie sogar mit im
fen lassen zudem wenig Zeit für echte Diskussionen.

Zimmer.

Gipfeltref-

Es gibt eine unvermeid-

liche zeitliche Begrenzung, die sich durch die anderen Termine der Hauptdarsteller ergibt; dann ist da das unvermeidliche Protokoll; schließlich die Zeit, die
durch das Dolmetschen verlorengeht.

Die Nachteile eines Scheiterns überwiegen

normalerweise die Möglichkeiten eines Durchbruchs.

Wenn Staats- und Regierungs-

chefs unterschiedlicher Meinung sind, dann ist es nicht mehr möglich, sich an
eine höhere Autorität zu wenden;

zudem hätten sie ihre herausragende Stellung

sicher nicht ohne ein starkes Ego erreicht; eine Position aufzugeben, von der
man fest überzeugt ist, würde gegen die psychologischen wie auch politischen
Imperative gehen.

Gipfeltreffen können einem Abkommen letzte Form geben, zu

dem man bereits vorher gelangt ist, aber sie sind nicht sehr dazu geeignet,
das Eis zu brechen.
Ein Weg, um aus diesem Dilemma herauszukommen, bestünde darin, daß jede
Seite einen Sondervertreter ernennt, der sich des vollen Vertrauens seines Regierungschefs und Außenministers erfreut. Er sollte dazu ermächtigt sein,
private exploratorische Gespräche in ihrem Namen zu führen, vorzugsweise ohne
alle Publizität. Jeder dieser Sondervertreter sollte Zugang zum Staatschef
der anderen Seite haben. Beide Seiten würden eine umfassende Überprüfung ihrer
gesamten Beziehungen durchführen. Sobald die Gespräche zwischen den Sondervertretern Hoffnungen auf Fortschritt erkennen lassen, würden die Vorbereitungen für ein Gipfeltreffen einsetzen, das dann ein umfassendes Arbeitsprogramm
für Koexistenz billigen würde. Die Methode ist dabei weniger wichtig - mehrere
Methoden wären hierbei möglich -, als die Entscheidung über die Richtung.
6. Bislang wurden Versuche einer systematischen Diskussion politischer
Probleme als "Verkuppelung" abgelehnt; diese "Verkuppelung" ist angeblich
schlecht, weil sie ein Hindernis für die Rüstungskontrolle sein soll. Wir
sollten mittlerweile gelernt haben, daß das Gegenteil richtig ist. Eine
- 24 -

�ist.

Eine Rüstungskontrolle, die von jeglichem politischen Kontext losgelöst

ist, rennt wahrscheinlich in eine Sackgasse.

Die Gefahr eines Krieges liegt

schliefälich weniger im Vorhandensein der Massenvernichtungswaffen als vielmehr
in den Gehirnen der Menschen, die in der Position sind, ihren Einsatz zu befehlen.

Und diese Menschen werden zu diesem oder jenem durch politische Kon-

flikte veranlaßt, nicht durch Systemanalysen.
Ein ernsthafter Dialog muß mit dem Problem fertigwerden, wie Koexistenz
definiert werden soll.

Wie abstrakt dies auch immer klingen mag:

der Kernpunkt des Problems.

Dies ist

Keine Entspannung kann aufrechterhalten werden,

wenn sie nichts weiter tut, als eine politische Offensive zu ermöglichen,
deren Ziel es ist, das globale Machtgleichgewicht aus den Angeln zu heben.
Es läßt sich gewiß sagen, daß der Westen bei seinem Tun und Lassen manche Fehler gemacht hat. Aber keine noch so falsche Objektivität und keine Anstrengung, beide Seiten gleich schuldig zu befinden, kann über die Provokationen
hinwegsehen, die die Verhärtung der amerikanischen Haltung beschleunigten.
Die Entsendung von Stell Vertretergruppen nach Angola und Äthiopien; die Revolution in Aden und in Afghanistan, gefolgt von der Besetzung Afghanistans;
die vietnamesische Invasion in Kamputchea; die Ermutigung terroristischer
Gruppen; die massiven Waffenlieferungen nach Kuba und von dort nach Mittelamerika - all dies sind Kennzeichen einer Außenpolitik, die zumindest seit
1976 keine Gelegenheit ausgelassen hat, die westlichen Positionen zu untergraben.
Ich sage dies nicht, um die Hoffnungen auf einen Dialog zu sabotieren,
sondern, um seinen Kerngehalt zu definieren.

Die Sowjets müssen entscheiden,

ob es ihnen um ihr Land oder um eine Sache geht.

Sie müssen bereit sein,

Sicherheit anders zu definieren als mit der Machtlosigkeit potentieller Gegner.

Einige Grundregeln für die Koexistenz sind von entscheidender Bedeutung.

Ist erst einmal diese Brücke überquert, stünden Möglichkeiten für verstärkte
Zusammenarbeit bei Handel und Kultur auf der Wunschliste ganz obenan.

Und aus

solch einem Austausch ergäbe sich Fortschritt bei der Rüstungskontrolle auf
ganz natürliche Weise, auf nahezu unvermeidliche Weise.
7.
- 25 -

Ein solcher

�7. Ein solcher Prozeß erfordert die Wiederherstellung der Überparteilichkeit in den Vereinigten Staaten und ein Ende der ständigen "Neubewertungen",
die unsere Freunde beunruhigen und verwirren, wenn sie nicht gar unsere Gegner
ermutigen.

Das nationale Interesse ändert sich nicht alle vier oder acht Jahre;

von einem bestimmten Punkt an muß es seinen festen Platz im Denken der Öffentlichkeit haben, wenn wir nicht zu einem Element der Instabilität dadurch werden
wollen, daß wir immer wieder nach immer neuen Rezepten suchen.

Und es ist an

der Zeit, daß unsere europäischen Verbündeten mit dem Spiel aufhören, daß ihr
wichtigstes außenpolitisches Ziel darin besteht, ein starrköpfiges Amerika zu be
sänftigen - eine Rolle, die mehr den Neutralen angemessen wäre, aber nicht Verbündeten.

Jene, die der Vorstellung anhängen, daß Vorbedingung für den Frieden

ist, auf der moralischen Gleichwertigkeit der beiden Supermächte zu bestehen,
bringen uns in der Tat zu einer Fortsetzung der Spannungen, indem sie sich
ihres Urteils begeben.

Die gleiche Wirkung werden jene haben, die Außenpoli-

tik mit der liturgischen Verdammung unserer Gegner verwechseln.
sind Realisten.

Die Sowjets

Gefühlsduselei auf der Linken verleitet sie zu Aggression;

Gefühlsduselei auf der Rechten verleitet sie dazu, innenpolitische Spaltungen
und Uneinigkeiten im Bündnis auszunützen.
8. Schließlich müssen wir im Westen bereit sein, uns mit der Tatsache
vertraut zu machen, daß sogar bei unseren größten Bemühungen ein Tauwetter
in den Ost-West-Beziehungen derzeit einfach nicht möglich ist. Es ist möglich, daß Andropow zu krank ist und seine Kollegen mit den Nachfolgefragen
viel zu beschäftigt, als daß ihr starrköpfiger Kurs sich ändern könnte. Vielleicht bedeutet das Auftauchen der Geheimpolizei in Führungspositionen, daß
die Sowjets nachrichtendienstliche Methoden an die Gestaltung der Außenpolitik
anlegen. Sie könnten zu dem Schluß gekommen sein, daß eine unermüdliche politische und psychologische Offensive die Demokratien aushöhlen wird, und
sie könnten darin durchaus ermutigt werden, wenn sie einige der westlichen
Erklärungen studieren. Oder womöglich ist das gesamte Sowjetsystem in Untätigkeit erstarrt.
Sollte sich

- 26 -

�Sollte sich herausstellen, daß eine dieser Hypothesen richtig ist, haben wir nur die Wahl, zu unseren besten Vorschlägen zu stehen, die mit Vorbedacht erarbeitet wurden. Der Westen muß in einer Zeit nicht in Panik geraten,
da man an einem toten Punkt angelangt ist. Bei all ihren Mängeln ist seine
Wirtschaftsform doch lebensfähiger, seine Regierungsstrukturen stabiler und
seine Macht insgesamt größer. Das Bündnis kann daher vertrauensvoll einer Periode des Durchhaltens entgegensehen - vorausgesetzt, es bewahrt seine Einheit.

Schlußfolgerung
Es ist zu einem Ritual geworden, von der Notwendigkeit der Einheit des
Bündnisses zu sprechen. Und sie wird auch in regelmäßigen Abständen immer
wieder bekräftigt. Aber man erschöpft sich in taktischen Übereinstimmungen.
Zu selten - wenn überhaupt - gibt es den wirklichen Versuch, eine Strategie
für den Rest dieses Jahrhunderts zu entwerfen.
Und doch ist dies das wichtigste Problem, vor dem das Bündnis steht.
Ich glaube nicht, daß die derzeitige Struktur der NATO für eine solche Anstrengung besonders geeignet ist.

Ich habe nicht viel Vertrauen in das, was "weise

Männer" tun. Und doch muß ein Weg gefunden werden, um mit den ungelösten Fragen fertigzuwerden, vor denen wir stehen. Nichts ist möglich, ohne die strategische Doktrin rückhaltlos einer Überprüfung zu unterziehen.

Logischerweise

muß parallel zu dieser Anstrengung auch bei der Rüstungskontrolle Gleiches
geschehen.

Es ist auch an der Zeit, sich der Frage zu stellen, ob eine jede

NATO-Dislozierung, zu der man sich vor einer Generation entschieden hatte,
für alle Ewigkeit sakrosankt bleiben muß. Die Ost-West-Beziehungen in der
ganzen Vielfalt ihrer Aspekte brauchen eine klare Richtung.

Die Reagan-Ad-

ministration hat in der Praxis ihren Konfrontationsstil aufgegeben.

Unsere

Verbündeten sollten jetzt aber auch damit aufhören, die Vergangenheit als ein
Alibi zu verwenden, um schwierige Entscheidungen zu verschieben.
Der Prozeß ist überfällig, und da er von den Mitgliedern eines demokratischen Bündnisses abhängt, bietet er auch keine Entschuldigung für ein
- 27 -

�für ein Versagen.

Die größte Ermutigung der sowjetischen Politik im Westen

ist der Mangel an Klarheit hinsichtlich der Zielsetzungen des Bündnisses.
Aber da dieses Problem hausgemacht ist, kann es auch durch unsere eigenen
Anstrengungen gelöst werden.

Da die Demokratien diese Möglichkeit haben,

ist es zugleich auch ihre Pflicht.

+ + + + +

- 28 -

�</text>
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Dekumenlcilien

United States Information Service
Embassy of the United States of America
1. Februar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation
- 25. Januar 1984 Reagan gibt Kandidatur für nächste Präsidentschaftswahlen bekannt
- Wortlaut der Erklärung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Anpassungsprozesse für Anwendung von Kernenergie
- USA stellen sich auf weiteren Ausbau der Atomkraft ein
Radioteleskop für Submillimeter-Bereich

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. Februar 1984

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 25. Januar 1984 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 25. Januar 1984 vor
beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message verlesen. In der von allen Fernsehstationen in den Vereinigten Staaten übertragenen Botschaft zeichnete der Präsident wirtschafts- und innenpolitisch ein
positives Bild. In dem außenpolitischen Teil seiner Botschaft forderte Reagan
die Amerikaner auf, seine "Tagesordnung des Friedens" und seine Bemühungen zu
unterstützen, eine stabilere Grundlage für friedliche Beziehungen zur Sowjetunion zu schaffen. Stichworte der Außenpolitik sind Stärkung der Bündnisbeziehungen, nukleare Abrüstung, weltweite Friedensbemühungen, Entwicklungshilfe und Stärkung demokratischer Institutionen. Der Präsident gab ferner bekannt, daß er die amerikanische Weltraumbehörde mit der Entwicklung einer bemannten Raumstation beauftragt habe, an der sich auch andere Länder beteiligen könnten.

Die diesjährige Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In Übereinstimmung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In Übereinstimmung mit einer alten Tradition bin ich wieder zu Ihnen
gekommen, um über die Lage der Nation zu berichten.

Ich freue mich, Ihnen

mitteilen zu können, daß sich die Lage Amerikas stark verbessert hat und guter Grund zu der Annahme besteht, daß diese Besserung in der nächsten Zeit
anhalten wird.
Sie und ich hatten im vergangenen Jahr einige ehrliche und offene Meinungsverschiedenheiten.

Aber diese haben uns nicht daran gehindert, uns in

überparteilicher Zusammenarbeit die Hand zu reichen, um einen langen Niedergang aufzuhalten, der den Geist unserer Nation ausgeblutet und ihren Wohlstand
ausgehöhlt hat. überall im Land herrschen wieder Energie und Optimismus. Amerika ist wieder da - fest auf seinen Beinen, und es sieht mit Mut, Vertrauen
und Hoffnung in die achtziger Jahre.
Die Probleme, die wir jetzt überwinden, sind nicht das Erbe einer Person, Partei oder gar Generation.

Eine Regierung hat die Tendenz, zu wachsen,

und Praktiken und Programme neigen dazu, dem nahezukommen, was wir als ewiges
Leben auf Erden bezeichnen könnten.
Stimmen, die rufen:
das Volk tun."

Es gibt immer den Chor der wohlmeinenden

"Mit etwas mehr Macht und Geld könnten wir so viel für

Eine Zeitlang haben wir vergessen, daß der amerikanische Traum

nicht darin besteht, die Regierung größer zu machen, sondern darin, den Glauben an den starken Geist freier Menschen unter Gott zu erhalten.
Als wir in die achtziger Jahre eintraten, standen wir vor der schlimmsten
Krise unserer Nachkriegsgeschichte. Die siebziger Jahre waren Jahre wachsender
Probleme und schwindenden Vertrauens. Es herrschte das Gefühl, daß die Regierung über den Konsens der Regierten hinausgegangen war. Familien fühlten sich
angesichts wachsender Inflation und schmählicher Steuern schwach, die den Ertrag harter Arbeit, harten Fleißes und großer Risikofreudigkeit schmälerten,
über all das legte sich ein ständig dichter werdendes Netz von Verordnungen
und Bestimmungen.
Auf dem

�Auf dem internationalen Felde hatten wir das unangenehme Gefühl, daß
wir die Achtung von Freund und Feind verloren hatten.

Es gab Leute, die zwei-

felten, ob wir den Willen hätten, Frieden und Freiheit zu verteidigen.

Aber Amerika ist zu groß für kleinmütige Träume.
Hunger nach geistiger Erneuerung;
der Erneuerung.

Im Land herrschte ein

es war, wenn Sie so wollen, ein Kreuzzug

Das amerikanische Volk sagte sich:

Laßt uns mit Vertrauen

in die Zukunft blicken - sowohl im eigenen Lande als auch draußen.

Wir wollen

der Freiheit eine Chance geben.
Die Amerikaner waren bereit, einen neuen Anfang zu machen; und zusammen
haben wir ihn gemacht.

Wir gehen unsere Probleme eines nach dem anderen an.

Heute herrscht für Millionen junger Familien und ältere Bürger, die von unfairen Steuererhöhungen und erdrückender Inflation befreit sind, wieder Hoffnung.

Die Inflation ist von 12,4 Prozent auf 3,2 Prozent zurückgegangen; und

das ist ein großer Sieg für alle Bürger.

Die Primarate (zu vergleichen mit

dem Leitzins; Anm. der Redaktion) ist fast auf die Hälfte gesenkt worden, und
wir müssen zusammenarbeiten, um sie noch weiter zu senken.

Zusammen haben wir die erste allgemeine Steuersenkung für jedermann
seit den Steuersenkungen der Kennedy-Administration verabschiedet.

Im kommen-

den Jahr werden die Steuersätze indexiert werden, damit die Inflation den
Steuerzahler nicht in höhere Sätze bringen kann, wenn die Lebenshaltungskosten
steigen.

Die Regierung darf nie wieder die Inflation benutzen, um auf Kosten

der Steuerzahler Gewinne zu machen.

Heute hat eine arbeitende Familie, die jährlich 25 000 Dollar verdient,
1100 Dollar mehr Kaufkraft als sie hätte, wenn die Inflationsrate und die
Steuersätze noch auf dem Stand von 1980 wären.

Das Realeinkommen nach Steuern

ist im vorigen Jahr um fünf Prozent gestiegen.

Die Entlassung von Schlüssel-

industrien wie etwa des Transportgewerbes, aus der Zwangswirtschaft hat dem
Verbraucher ein breiteres Angebot und dem Unternehmer neue Chancen beschert,
während gleichzeitig die Kosten niedrig und die Sicherheit hochgehalten wurden.
Heute abend
- 3 -

�Heute abend können wir über einen Wiederaufschwung berichten, wie es
ihn seit Jahrzehnten nicht mehr gab,und wir dürfen stolz darauf sein.
die Jammerer und ungläubigen Thomasse nach Hause!

Schickt

Paare, die von einem eigenen

Haus träumen, und risikofreudige Menschen mit Weitblick, die die Chancen von
morgen schaffen, haben wieder Hoffnungc
Der Unternehmergeist entzündet sich in den aufstrebenden Industriezweigen der modernen Technologien und bei den kleinen Geschäftsleuten mit großen
Ideen - Menschen wie Barbara Proctor, die aus einer Hütte in einem Ghetto kam
und in Chicago eine Multimillion-Dollar-Werbefirma aufbaute; oder Carlos Perez,
ein Flüchtling aus Kuba, der 27 Dollar und einen Traum in eine erfolgreiche
Importfirma in Coral Cables in Florida verwandelte.
Menschen wie diese sind die Helden der achtziger Jahre, Sie haben dazu beigetragen, daß im Jahr 1983 rund vier Millionen Amerikaner einen Arbeitsplatz fanden»
vor.

Heute haben mehr Menschen ein festes Einkommen als jemals zu-

Der Fortschritt kommt jedem zugute.

Im Jahr 1983 besetzten Frauen 73

Prozent aller neuen Arbeitsplätze im Management, in den freien Berufen und
in der Technik.
Aber wir wissen auch, daß viele unserer Landsleute noch immer keine Arbeit haben und sich fragen, was aus ihren Hoffnungen und Träumen werden soll.
Können wir Amerika lieben, ohne ihnen die Hand zu reichen und ihnen zuzurufen:
Ihr seid nicht vergessen. Wir werden nicht ruhen, ehe nicht jeder von euch
so hoch aufsteigen kann, wie es euch eure gottgegebenen Talente ermöglichen.
Das Herz Amerikas ist stark, gut und treu. Die Zyniker hatten unrecht
- Amerika war nie eine kranke Gesellschaft. Wir erleben, wie sich die Menschen
wieder den fundamentalen Werten von Glauben, Familie, Nachbarschaft, Frieden
und Freiheit zuwenden - Werten, die uns zu einem Volk vereinen können vom
kleinsten Kind bis zum ältesten Mitbürger.
Der Kongreß verdient den Dank Amerikas, weil er uns geholfen hat, unseren
Soldaten Stolz und Glaubwürdigkeit wiederzugeben. Ich hoffe, Sie sind ebenso
- 4 -

�sind ebenso stolz wie ich auf die jungen Männer und Frauen in Uniform, die
sich freiwillig gemeldet haben, um den Schutzwall der Freiheit zu besetzen,
und deren Hingabe, Mut und Können unsere Chance, in einer Welt in Frieden zu
leben, so sehr vergrößert haben.
Oberall hungern die Menschen nach Frieden und einem besseren Leben.
Die Woge der Zukunft ist eine Woge der Freiheit, und unser Kampf um Demokratie
kann und wird nicht umsonst sein.

Unsere Nation tritt für einen Frieden ein,

dessen heilige Güter Freiheit, demokratische Rechte und die Würde des Einzel menschen sind.

Die neue Stärke, das neue Vertrauen und das neue Zielbewußt-

sein Amerikas tragen Hoffnung und Erwartung an ferne Küsten.
weiter wirtschaftlicher Wiederaufschwung eingesetzt.

Es hat ein welt-

Er ging von uns aus.

Wir haben es weit gebracht, aber wir haben einen noch weiteren Weg vor
uns.

Franklin D. Roosevelt hat uns auf den Monat genau vor 50 Jahren gesagt:

"Die Zivilisation kann nicht rückwärts gehen.
stehen bleiben.

Die Zivilisation darf nicht

Wir haben neue Methoden angewandt.

Es ist unsere Aufgabe,

die Dinge zu vervollkommnen, zu verbessern und wenn notwendig zu ändern, aber
wir müssen auf jeden Fall vorwärts schreiten."

Der nächste Schritt der Freiheit:

Vier große Ziele

Es ist jetzt wieder an der Zeit, vorwärts zu schreiten; es ist an der
Zeit, daß Amerika den nächsten Schritt der Freiheit tut. Laßt uns heute
abend hinter vier großen Zielen zusammenstehen, um Amerika in den achtziger
Jahren frei, sicher und in Frieden zu erhalten.

Zusammen

- können wir ein stetiges Wirtschaftswachstum gewährleisten;
- können wir auf Amerikas nächstes Ziel zugehen;
- können wir

�- können wir unsere traditionellen Werte stärken; und
- können wir echten Frieden schaffen - um unsere Liebsten zu schützen
und diesen strahlenden Stern des Glaubens, der Millionen aus der Tyrannei in den sicheren Hort der Freiheit, des Fortschritts und der Hoffnung geführt hat.

1.

Gewährleistung eines stetigen Wirtschaftswachstums
Wenn wir all das tun, dann werden wir den Chancen Tür und Tor öffnen

und allen größere Sicherheit bieten - ohne Schranken der Bigotterie oder der
Diskriminierung.

Der Schlüssel zu einem dynamischen Jahrzehnt ist starkes

wirtschaftliches Wachstum - unser erstes großes Ziel.

Wir könnten sehr wohl

mit gesundem Menschenverstand beim Bundeshaushalt anfangen:

Die Regierung

gibt nicht mehr aus,als sie einnimmt.
Wir müssen das Defizit im Bundeshaushalt senken, aber wie wir das tun,
darauf kommt es an. Wir können damit beginnen, daß wir den Umfang und den
Aufgabenbereich der Regierung verringern. Unter der Führung von Vizepräsident Bush haben wir das Anwachsen der Bundesverordnungen um über 25 Prozent
verringert und weit über 300 Millionen Arbeitsstunden pro Jahr eingespart,
die durch amtlichen Papierkrieg verursacht wurden. Dadurch spart die Öffentlichkeit in den nächsten zehn Jahren über 150 Millionen Dollar ein.
Die Grace-Kommission hat uns etwa 2500 Empfehlungen für die Einsparung
unnötiger Ausgaben vorgelegt, und sie werden jetzt im ganzen Regierungsapparat
geprüft.

Der Zuwachs der Bundesausgaben wurde von 17,4 Prozent im Jahr 1980

auf heute weniger als die Hälfte gesenkt.

Wir haben für diesen Zeitraum 1982-

86 bereits Einsparungen im Haushalt von 300 Milliarden Dollar erreicht.

Aber

das ist nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was wir angestrebt haben.

Die

Regierung gibt noch immer einen zu großen Prozentsatz der Gesamtwirtschaft
aus.
Es gibt

�Es gibt Leute, die darauf beharren, alle weiteren Haushaltseinsparungen
müßten durch eine Kürzung des Verteidigungshaushalts erreicht werden.

Dabei

wird jedoch die Tatsache außer acht gelassen, daß die nationale Verteidigung
allein in den Aufgabenbereich der Bundesregierung fällt.
aufgabe-

Es ist. ihre Haupt-

und doch machen die Verteidigungsausgaben weniger als ein Drittel des

Gesamthaushaltes aus. Während der Amtsjahre von Präsident Kennedy und davor
beliefen sich die Verteidigungsausgaben auf fast die Hälfte des Gesamthaushaltes.

Dann kamen einige Jahre, in denen man zuließ, daß sich unsere militärische

Kapazität in gefährlichem Maße verschlechterte.

Wir sind gerade dabei, durch

entscheidende Modernisierungen unserer konventionellen und nuklearen Streitkräfte unsere Kapazität

wiederherzustellen, um unsere derzeitigen und künftigen

Sicherheitserfordernisse erfüllen zu können. Wir dürfen es nicht wagen, unsere
Verantwortung dafür abzuschütteln, Amerika sicher, frei und in Frieden zu erhalten.
Im letzten Jahrzehnt haben wir erlebt, daß die Sozialausgaben im wahrsten
Sinne des Wortes außer Kontrolle gerieten. Aber der Boden für solche Ausgaben
wurde in den Jahren davor bereitet.
Muster der übermäßigen Ausgaben.

Seit einem halben Jahrhundert gibt es ein

In dem Maße, in dem die Staatsschuld wuchs,

wurden wir beruhigt, wir sollten uns keine Sorgen machen, da wir das Geld doch
uns selbst schuldeten.
Heute wissen '.vir, daß Defizite ein Grund zur Sorge sind.

Aber es herrscht

Meinungsverschiedenheit darüber, ob die Steuern erhöht, die Ausgaben gesenkt
oder etwas von beidem versucht werden sollten.

Es wird die Befürchtung geäußert,

daß die Schuldenaufnähme des Bundes zur Finanzierung des Defizits den wirtschaftlichen Aufschwung hemmen könnte, indem Kapital abgezogen wird, das für
die wirtschaftliche und industrielle Expansion gebraucht wird.

Ich meine, die-

se Debatte läßt einen wichtigen Punkt außer acht. Ob die Regierung Geld borgt
oder Steuern erhöht, sie entzieht dem Privatsektor den gleichen Betrag an Geld
- und das ist so oder so zu viel.

Das einfache Gebot der Fairness verlangt von

der Regierung, daß sie nicht die Steuern erhöht für Familien, die kämpfen müssen, um ihre Rechnungen zu bezahlen.

Die Wurzel des Problems liegt darin, daß

- 7 -

�darin, daß der Anteil der Regierung am Ganzen größer ist, als wir es uns
leisten können, wenn wir eine gesunde Wirtschaft wollen.
Um ein weiteres Wirtschaftswachstum sicherzustellen, müssen wir die Defizite senken.

In dem Haushaltvoranschlag, den ich am 1. Februar vorlegen

werde, werde ich Maßnahmen empfehlen, durch die das Defizit im Lauf der nächsten fünf Jahre verringert werden wird.

Viele dieser Maßnahmen sind im vo-

rigen Haushaltsjahr nicht zum Abschluß gekommen.

Manche könnten rasch verab-

schiedet werden, wenn wir uns in einer gemeinsamen Anstrengung dazu entschließen könnten.

Ich habe heute mit dem Sprecher des Repräsentantenhauses, O'Neill,

und dem Fraktionsführer der Mehrheit im Senat, Baker, gesprochen.

Ich habe sie

gefragt, ob sie Vertreter benennen könnten, um sich mit Vertretern der Administration zusammenzusetzen in dem Versuch, rasch zu einer Übereinkunft hinsichtlich eines überparteilichen Plans zur Verringerung des Haushaltsdefizits
zu gelangen.

Ich weiß, daß es einen ziemlich langen und harten Kampf geben

würde, um zu einer Übereinstimmung über einen umfassenden Plan zu kommen.
Deshalb habe ich vorgeschlagen, zunächst einmal herauszufinden, ob wir Übereinstimmung über einen ersten Teilbetrag erreichen können.
Ich glaube, es gibt eine Grundlage für ein solches Übereinkommen, durch
welche das Defizit im Verlauf der nächsten drei Jahre um 100 Milliarden Dollar
verringert werden könnte. Wir könnten uns dabei auf die weniger strittigen
Ausgabenverringerungen konzentrieren, die noch beim Kongreß anstehen. Dies
könnte mit Maßnahmen kombiniert werden, bestimmte Möglichkeiten der Steuerflucht zu beseitigen - Maßnahmen, von denen das Finanzministerium kürzlich erklärte, sie seien der Unterstützung wert. Außerdem könnten wir die Möglichkeit untersuchen, zu weiteren Ausgabeneinsparungen zu gelangen, die sich auf
die Bemühungen der Grace-Kommission gründen.
Wenn Sprecher und Mehrheitsführer hierzu gewillt sind, wären meine Vertreter bereit, sich mit den ihrigen zum frühestmöglichen Zeitpunkt zusammenzusetzen.

Ich hoffe, daß die Führung einem beschleunigten Zeitplan zustimmt,

innerhalb dessen ein solcher erster Teilbetrag erarbeitet und abgetragen werden
kann.
Allerdings ist
_

8

-

�Allerdings ist ein solcher erster Teilbetrag allein nicht ausreichend,
um dieses Problem der Defizite zu lösen.

Er könnte uns zwar dabei helfen,

auf den rechten Weg zu kommen; aber es muß noch mehr geschehen.

Daher schla-

ge ich vor, mit einer Untersuchung zu beginnen, wie wir zusammen zu strukturellen Reformen kommen können, um den im System liegenden Ausgabenzuwachs zu
beschneiden.
Außerdem schlage ich Verbesserungen beim Prozeß des Haushaltsentwurfes
vor.

Rund 43 unserer 50 Bundesstaaten geben ihren Gouverneuren das Recht,

bei einzelnen Punkten der Bewilligungsgesetze ihr Veto einzulegen, ohne das
Gesetz in seiner Gänze abzulehne . Kalifornien etwa gehört zu diesen 43 Staaten.

Als Gouverneur hatte ich den Eindruck, diese Art von Veto sei ein kraft-

volles Werkzeug gegenüber verschwenderischen und extravaganten Ausgaben.

Da

es in 43 Bundesstaaten funktioniert, sollten wir es auch in Washington D.C.
für das ganze Land anwenden.
Am wirksamsten wäre es, wenn man dies auf dem Wege eines Verfassungszusatzes täte.

Die Mehrheit aller Amerikaner ist für einen solchen Verfas-

sungszusatz, genau wie sie und ich für

einen solchen Zusatz sind, der einen

ausgegebenen Bundeshaushalt zur Pflicht macht. Auch hier haben viele Bundesstaaten eine solche Schutzklausel in ihren Verfassungen.
Wollte man die jetzige Situation dadurch verbessern, daß man die Steuern erhöht, dann wäre dies nur ein Notpflaster, das die Krankheit nicht heilen würde, an der wir nun schon seit einem halben Jahrhundert leiden - ganz
zu schweigen von der Tatsache, daß es eine echte Bedrohung des wirtschaftlichen Wiederaufsci ungs bedeuten würde.

Vergessen wir nicht, daß derzeit

in der sogenannten "Untergrund-Wirtschaft" ein beträchtlicher Betrag an Lohnund Einkommenssteuern von Leuten aussteht, die diese nicht bezahlen.

Es wäre

also unmoralisch,jene zu höheren Zahlungen zu zwingen, die ohnehin ihre Steuern bezahlen, um dadurch einen Ausgleich für jene zu schaffen, die ihren Anteil nicht bezahlen.
Es gibt

- 9 -

�Es gibt einen besseren Weg:

Laßt uns eine historische Reform im Sinne

der Fairness, Vereinfachung und des Wachstumsanreizes durchführen.

Ich er-

suche Finanzminister Don Regan, einen Aktionsplan zu erstellen, um das gesamte Steuersystem zu vereinfachen, damit alle Steuerzahler - die großen wie die
kleinen - gerechter behandelt werden.

Ich bin davon überzeugt, daß ein sol-

cher Plan die "Untergrund-Wirtschaft" ans Licht der Steuerehrlichkeit bringen
und die Steuerbasis breiter würde, wodurch die Steuersätze für den einzelnen
niedriger würden statt zu steigen.

Ich habe darum ersucht, daß mir bis zum

Dezember 1984 die entsprechend konkreten Empfehlungen vorgelegt werden, die
mit diesen Zielsetzungen in Einklang stehen.

2. Das zweite große Ziel Amerikas
Unser zweites großes Ziel besteht darin, auf Amerikas Pioniergeist aufzubauen und unseren nächsten Bereich zu erobern. Eine vitale Wirtschaft fördert Initiative und Einfallsreichtum zur Entwicklung neuer aufstrebender Industrien und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von älteren.
Dies gilt nirgends mehr als für unseren nächsten Bereich: den Weltraum.
Nirgendwo sonst demonstrieren wir so wirkungsvoll unsere technologische Führungsrolle und Fähigkeit, das Leben auf der Erde zu verbessern. Das Weltraumzeitalter ist kaum ein Viertel Jahrhundert alt, und schon haben wir die Zivilisation mit unseren Fortschritten in Wissenschaft und Technik um ein großes
Stück vorangebracht. Die Möglichkeiten und die Arbeitsplätze werden sich vervielfältigen, während wir neue Schwellen des Wissens überschreiten und tiefer
in das Unbekannte eindringen.
Unser Fortschritt im All - Riesenschritte für die gesamte Menschheit ist ein Tribut an amerikanische Teamarbeit und Leistung. Die besten Köpfe
in Regierung, Industrie und Wissenschaft haben hierbei an einem Strang gezogen
und wir können mit Stolz sagen: Wir sind die ersten, wir sind die besten,
und wir sind es, weil wir frei sind.
Amerika ist
- 10 -

�Amerika ist immer dann am größten gewesen, wenn wir den Mut hatten,
Größe zu zeigen.

Jetzt können wir uns wieder um solche Größe bemühen.

Wir

können unseren Träumen nach weit entfernten Sternen folgen, können im Weltraum zu friedlichem, wirtschaftlichem und wissenschaftlichem Nutzen leben
und arbeiten.

Heute abend werde ich die Weltraumbehörde NASA anweisen, in-

nerhalb eines Jahrzehnts eine ständig bemannte Raumstation zu entwickeln.
Eine Raumstation wird uns in der Wissenschaft, bei den Kommunikationstechniken, bei Metallen und lebensrettenden Medikamenten, die nur im All hergestellt werden können, um Quantensprünge voranbringen.

Wir möchten, daß un-

sere Freunde sich mit uns diesen Herausforderungen stellen und am Nutzen teilhaben.

Die NASA wird andere Länder zur Teilnahme einladen, damit wir den

Frieden stärke:., Wohlstand schaffen und die Freiheit für all jene vergrößern
können, die unsere Ziel Vorstellungen teilen.
Genau wie die Ozeane für die schnellen Segler und die Handelsschiffe
der Yankees eine neue Welt eröffneten, so bietet heute der Weltraum für den
Handel ein gewaltiges Potential.

Der Markt für Raumtransport könnte unsere

Fähigkeit zu seiner Entwicklung übertreffen.

Unternehmen, düe interessiert

sind, Nutzlasten in den Weltraum zu bringen, müssen ungehinderten Zugang zu
Abschußeinrichtungen für den Privatsektor haben.

Das

Verkehrsministerium

wird den Herstellern abschreibbarer Startgeräte dabei behilflich sein, eine
solche Industrie zu entwickeln.

Wir werden demnächst eine Reihe von Regie-

rungsinitiativen ergreifen und Vorschläge entwickeln, um einschränkende Bestimmungen und Vorschriften abzubauen und mit Hilfe der NASA die Investitionen
des privaten Sektors in der Raumfahrt zu fördern.

Schutz unserer natürlichen Umwelt
Während wir in das Weltall vorstoßen, dürfen wir nicht unsere Verantwortung vergessen, unsere älteren Ressourcen hier auf der Erde zu bewahren.
Der Schutz unserer Umwelt ist keine liberale oder konservative Aufgabe - der

- 11 -

�Aufgabe - der gesunde Menschenverstand fordert ihn.
Obgleich dies eine Zeit knapper Haushalte ist, habe ich für das Umweltschutzamt den höchsten prozentualen Haushaltszuwachs aller Behörden gefordert.
Wir werden mit der langen, aber notwendigen Arbeit beginnen, eine Region zu
säubern, die für Produktion und Erholung ebenso bedeutsam ist wie als ganz
besonderer nationaler Lebensraum - die Chesapeake Bay.
Um die Bedrohung durch aufgegebene Giftmülldeponien zu verringern, wird
das Umweltschutzamt in diesem Jahr 410 Millionen Dollar aufwenden, und ich
werde eine zusätzliche Erhöhung von 50 Millionen Dollar anfordern.

Und da

das "Superfonds"-Gesetz 1985 ausläuft, habe ich Bill Ruckeishaus ersucht, einen Vorschlag zu dessen Verlängerung auszuarbeiten, damit wir zusätzliche Zeit
gewinnen, um diese wichtige Aufgabe zu beenden.
Hinsichtlich der Frage des sauren Regens, der den Menschen in vielen
Bereichen der Vereinigten Staaten und Kanadas Sorge bereitet, schlage ich
ein Forschungsprogramm vor, das doppelt so viele Mittel wie bisher erhalten
soll.

Außerdem werden wir weitere Maßnahmen ergreifen, um unsere Seen wieder

zu klären und neue Technologien zu entwickeln, um die Verschmutzung zu verringern, die den sauren Regen hervorruft.
Wir haben in letzter Zeit bereits den Zustand unserer natürlichen Umwelt verbessert. Wir werden den Kongreß um 157 Millionen Dollar ersuchen,
um damit ab 1985 neues Land für Parks und Naturschutzgebiete zu erwerben.
Das Innenministerium wird zu sorgfältiger, ausgewählter Exploration und Nutzung unserer lebenswichtigen Ressourcen in einer Wirtschaftszone innerhalb
der 200-Meilen-Zone entlang unserer Küsten ermutigen - aber unter strikter Einhaltung der Umveltschutzgesetze und stärkerer staatlicher und öffentlicher
Beteiligung.

3. Die Stärkung

- 12 -

�3. Die Stärkung traditioneller Werte
Die wertvollsten Ressourcen, unsere größte Hoffnung für die Zukunft
sind Geist und Herz unserer Menschen - insbesondere unserer Kinder. Wir können ihnen dabei behilflich sein, diese Zukunft zu gestalten, wenn wir unsere
gemeinsamen Werte stärken.

Dies muß unser drittes Ziel sein.

Für uns sind

Glaube, Familie, Arbeit, Nachbarschaft, Freiheit und Frieden nicht nur Worte.
Sie sind Ausdruck dessen, was Amerika bedeutet, Definitionen dessen, was uns
zu guten und liebenden Menschen macht.
Die Familie steht im Mittelpunkt unserer Gesellschaft.

Und jede Familie

hat ein ureigenstes Bestreben, für die bestmögliche Ausbildung zu sorgen.
Aber Qualität beginnt nicht hier in Washington.

Ein 600prozentiger Anstieg

der Bundesausgaben für Ausbildung und Erziehung zwischen 1960 und 1980 war begleitet von einem ständigen Rückgang der Lernergebnisse.

Qualität muß in un-

seren Familien und Grundschulen beginnen, wo sie in der Verantwortung aller
Eltern und Erzieher liegt und das Recht eines jeden Kindes ist.
Unsere Kinder sind das Wichtigste.

Deshalb habe ich eine überpartei-

liche nationale Kommission für Ausbildungsqualität eingesetzt, damit sie uns
für eine bessere Ausbildung einen Kurs des gesunden Menschenverstandes absteckt.

Schon greifen die Gemeinden die Empfehlungen der Kommission auf.

Die Schulen berichten von Fortschritten in Mathematik und Lesen.

Aber wir

müssen mehr tun, um die Disziplin in unseren Schulen wiederherzustellen;
und wir müssen dazu ermutigen, daß neues Grundlagenwissen unterrichtet wird,
gute Lehrer belohnt, strengere Maßstäbe angelegt werden und unsere Eltern
wieder die Verantwortung übernehmen.
Ich werde auch weiterhin auf Steuerfreibeträge für Privatunterricht
dringen, um dadurch die Möglichkeiten für Familien zu vergrößern und die finanzielle Last zu lindern, die sich für jene ergibt, die sowohl für die Schule
als auch für Privatunterricht bezahlen müssen.

Unser Vorschlag würde die

Hilfe auf Familien mit geringem und mittlerem Einkommen ausrichten.

- 13 -

Und so

�Und so wie mehr Anreiz innerhalb unserer Schulen nötig ist, so ist auch mehr
Wettbewerb zwischen unseren Schulen notwendig.

Ohne Maßstäbe und Wettbewerb

kann es keine Höchstleistungen geben, keine neuen Rekorde, keine Qualität weder in der Erziehung noch in irgendeinem anderen Bereich des Lebens.
Und weil ich gerade bei diesem Thema bin:

Jeden Tag befolgen Ihre

Mitglieder eine 200 Jahre alte Tradition, die kundtun soll, daß Amerika eine
Nation unter Gott ist.

Ich muß da doch fragen:

Wenn Sie Ihren Tag mit einem

Geistlichen beginnen, der hier steht, um mit Ihnen zu beten - warum kann dann
nicht wieder jedes Kind in jedem Klassenzimmer in diesem Lande sich der Freiheit erfreuen, Gott zu preisen?
Amerika wurde von Menschen gegründet, die daran glaubten, daß Gott der
Fels ihrer Sicherheit war.

Er ist auch unser Fels.

Ich weiß, daß wir vor-

sichtig sein müssen, zu behaupten, Gott sei auf unserer Seite. Aber ich halte
es für durchaus richtig, wenn wir uns stets fragen, ob wir auf seiner Seite
sind.
Während der ersten drei Jahre unserer Amtszeit haben wir uns den überparteilichen Anstrengungen angeschlossen, das Gesetz zum Schutz ungeborenen
Lebens wieder zu stärken. Ich weiß, daß dieses Thema sehr umstritten ist.
Aber solange nicht bewiesen werden kann, daß ein ungeborenes Kind kein lebendes Wesen ist: Können wir dann ohne Beweis die Annahme rechtfertigen, es sei
keines? Niemand hat bislang einen solchen Beweis erbracht. Ja, alle Beweise
gehen in die andere Richtung. Wir sollten uns über Bitterkeit und Vorwürfe
erheben. Und wenn wir Amerikaner in einem Geist des Verstehens und der gegenseitigen Hilfe zusammenfinden könnten, könnten wir auch positive Lösungen
für die Tragödie der Abtreibung finden.
Wirtschaftlicher Wiederaufschwung, bessere Erziehung, Rückbesinnung
auf Werte

- all das weist darauf hin, daß der Geist der Erneuerung Oberhand

gewinnt.

Und all das wird das Familienleben in den achtziger Jahren verbes-

sern.

Aber Familien brauchen noch mehr.

Sie brauchen die Zusicherung, daß sie

- 14 -

�daß sie und ihre Lieben ohne Furcht durch die Straßen Amerikas gehen können.
Die Eltern müssen wissen, daß ihre Kinder keine Opfer der Kinderpornographie
und von Entführern werden.

In diesem Jahr werden wir unsere Anstrengungen

gegen diese und andere schreckliche
walt in Familien,verstärken.

Verbrechen, wie Vergewaltigung und Ge-

Schon zeigen unsere Anstrengungen zur Bekämpfung

von Berufsverbrechern, organisiertem Verbrechen und Drogenhändlern sowie zur
Verhängung strengerer Strafen und härterer Strafverschonungsbedingungen Wirkung.

Im Jahr 1982 ging die Verbrechensrate um 4,3 Prozent zurück - der größ-

te Rückgang seit 1972. Der Schutz der Opfer ist genauso wichtig wie der
Schutz der Rechte des Angeklagten.
Die Chancen für alle Amerikaner werden sich erhöhen, wenn wir mit einer
fairen Wohnungsbaupolitik weitermachen, die Rechte der Frauen sicherstellen,
für gerechte Behandlung von Renten- und Pensionsansprüchen sorgen, die Kindererziehung erleichtern und säumige Unterhaltszahlungen für Kinder erzwingen.
Nicht nur das Heim - auch der Arbeitsplatz und die Gemeinschaft sind
Stütze unserer Werte und Gestalter unserer Zukunft.
um Ihre Mithilfe, damit mehr Gemeinden
lösen können.

Daher ersuche ich Sie

sich aus den Banden der Abhängigkeit

Helfen Sie uns dabei, dem Unternehmertum mehr Freiheiten zu

geben - durch Diskussion und positive Abstimmung über unseren Vorschlag für
Industriezonen in Amerika.

Er liegt Ihnen seit zwei Jahren vor.

Seine Ver-

abschiedung könnte den Gebieten mit hoher Arbeitslosigkeit helfen, indem
dort Arbeitsplätze geschaffen und Stadtteile erneuert werden.
Eine Gesellschaft voller neuer Chancen, die ihrer Zukunft mit Vertrauen
entgegensieht, gestützt von Glauben, Fairness und der Überzeugung, daß ehrliche und mutige Menschen es zu etwas bringen, wenn sie frei sind - das sind
die Geheimnisse eines starken und wohlhabenden Amerikas, das mit sich selbst
und mit der Welt in Frieden lebt.

4. Schaffung eines

15

�4. Schaffung eines echten Friedens
Ein dauerhafter und echter Frieden ist unser viertes großes Ziel.
ist unser'höchstes Streben und unser größter Wunsch.
und eindeutig:

Dies

Unsere Haltung ist klar

Amerikaner greifen nur auf Gewalt zurück, wenn sie es müssen.

Wir waren niemals ein Aggressor.

Wir haben immer nur gekämpft, um Freiheit

und Demokratie zu verteidigen.
Wir haben keine territorialen Ansprüche.

Wir besetzen keine Länder.

Wir bauen keine Mauern , um Menschen einzusperren.
kunft.

Amerikaner bauen die Zu-

Und unsere Vision eines besseren Lebens für Farmer, Kaufleute und ar-

beitende Menschen - von Amerika bis Asien - beginnt mit einer einfachen Prämisse:

über die Zukunft wird am besten an der Wahlurne befunden - nicht mit

dem Gewehr.
Regierungen, die sich auf den Konsens der Regierten stützen, führen keinen
Krieg mit ihren Nachbarn. Nur wenn Menschen einen persönlichen Anteil haben an
der Gestaltung ihres eigenen Schicksals und wenn sie ihre Rechte genießen können, bauen sie Gesellschaften auf, die gedeihen und fortschrittlich und frei
sind. Es sind die Demokratien, die heute Hoffnung bieten, indem sie die Hungrigen speisen, die Lebenserwartung verlängern und mühselige Plackerei beseitigen.
Wenn es darum geht, Amerika stark, frei und in Frieden zu erhalten, dann
darf es keine Republikaner oder Demokraten geben, sondern nur patriotische
Amerikaner.

Wir können die schwierigen Fragen nicht danach entscheiden, wer

recht hat, sondern was recht ist.
Zusammen können wir weiterhin unsere Tagesordnung des Friedens voranbringen.
Wir können:
- eine stabilere

- 16 -

�- eine stabilere Grundlage für friedliche Beziehungen zur Sowjetunion
schaffen;
- die Beziehungen zu unseren Verbündeten insgesamt stärken;
- echte und gerechte Verringerungen des Standes der Kernwaffen erreichen;
- unsere Bemühungen um den Frieden im Nahen Osten, in Mittelamerika und
im südlichen Afrika verstärken;
- den Entwicklungsländern, vor allem unseren Nachbarn in der westlichen
Hemisphäre, helfen; und
- die Entwicklung demokratischer Institutionen überall auf der Welt unterstützen.
Wie richtig eine überparteiliche Zusammenarbeit ist, wurde in der Arbeit
der Scowcroft-Kommission deutlich, die unsere Fähigkeit gestärkt hat, vor einem
Krieg abzuschrecken und den Frieden zu schützen.

In diesem Geist rufe ich Sie

auf, den Jackson-Plan zur Verwirklichung der Empfehlungen der überparteilichen
Mittelamerika-Kommission voranzubringen.
Ihre gemeinsame Resolution bezüglich der multinationalen Friedenstruppe
im Libanon dient ebenfalls der Sache des Friedens. Wir machen Fortschritte
im Libanon.

Nahezu zehn Jahre lang haben die Libanesen von Tragödie zu Tragö-

die gelebt - ohne Hoffnung auf die Zukunft.

Die multinationale Friedenstruppe

und die Soldaten unseres Marinekorps helfen ihnen jetzt, diesen Kreislauf der
Verzweiflung zu durchbrechen.

Es besteht die Hoffnung auf einen freien, unab-

hängigen und souveränen Libanon.
Chance zu geben.

Wir müssen den Mut haben, dem Frieden eine

Und wir dürfen uns nicht durch staatlich

rismus von unseren Zielen für den Frieden abbringen lassen.
Schreckensbild in Beirut, Kuwait und Rangoon gesehen.
nale Aufmerksamkeit.

geförderten TerroWir haben dieses

Es verdient internatio-

Ich werde in Kürze Gesetzesvorschläge unterbreiten, die

- 17 T

�unterbreiten, die helfen sollen, den Terrorismus zu bekämpfen, und ich werde
unsere Verbündeten um Unterstützung einer gemeinsamen Aktion ersuchen.
Unser NATO-Bündnis ist stark.
politischen Mut.

Das Jahr 1983 war richtungsweisend für

Und wir haben unsere Partnerschaften und Freundschaften im

Fernen Osten gestärkt.

Wir sind dem Dialog, der Abschreckung und der Förde-

rung der Prosperität verpflichtet.

Wir werden mit unseren Handelspartnern

mit Blickrichtung auf eine neue Runde von Verhandlungen zur Unterstützung eines
freieren Welthandels, eines stärkeren Wettbewerbs und offenerer Märkte zusammenarbeiten.
Eine Wiedergeburt überparteilicher Zusammenarbeit, die Wiederherstellung
wirtschaftlichen Wachstums und militärischer Abschreckung sowie ein immer stärker werdender Geist der Einigkeit in unserem Volk hier in den Vereinigten Staaten
sowie bei unseren Verbündeten im Ausland unterstreichen einen grundlegenden
und weitreichenden Wandel:

Die Vereinigten Staaten sind im Jahr 1984 gesünder,

stärker und sicherer als zuvor.

Wir können nun mit Zuversicht die großen Chancen

für den Frieden nutzen - und wir werden das tun.
Heute abend möchte ich mich an das sowjetische Volk wenden und ihm sagen:
Es stimmt, daß unsere Regierungen ernste Meinungsverschiedenheiten gehabt haben. Aber unsere Töchter und Söhne haben niemals in einem Krieg gegeneinander
gekämpft. Und wenn es nach uns Amerikanern geht, dann wird dies auch niemals
der Fall sein.
Bürger der Sowjetunion, es gibt nur eine vernünftige Politik für Ihr
Land und für mein Land, um unsere Zivilisation in diesem modernen Zeitalter
zu bewahren:
den.

Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen und darf niemals geführt wer-

Der einzige Wert, den der Besitz von Atomwaffen für unsere beiden Länder

hat, besteht in der Sicherstellung, daß sie niemals eingesetzt werden.

Aber

wäre es dann nicht besser, sie überhaupt abzuschaffen?
Präsident Dwight D. Eisenhower
- 18 -

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Gott segne Sie!
Und dann

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�Und dann gibt es die namenlosen Helden:

Eltern, Ehepaare, all die frei-

willigen Helfer im kirchlichen Leben und in der Gemeinde - sie alle tragen, ohne
zu klagen, familiäre und kommunale Probleme. Sie mildern unsere Sorgen, heilen
unsere Wunden, geben uns Zuspruch in unseren Ängsten und teilen unsere Freude.
Eine Persönlichkeit wie Father Ritter ist immer gegenwärtig.

Im Rahmen

seines Programms der geschützten Häuser in New York und Houston wird in jedem
Jahr Tausenden von verängstigten und mißbrauchten Kindern Unterkunft und Hilfe
gewährt.

Das gleiche gilt für Dr. Charles Carson. Gelähmt infolge eines Flug-

zeugabsturzes, glaubte er doch immer daran, daß nichts unmöglich sei. Heute
arbeitet er in Minnesota 80 Stunden in der Woche ohne Bezahlung, indem er Pionierarbeit auf dem Gebiet der computergesteuerten Gehhilfen leistet.

Er hat

500 000 gelähmten Amerikanern die Hoffnung gegeben, daß sie eines Tages wieder
gehen können.
Wie können wir also nicht an die Güte und Großmütigkeit von Amerikanern
glauben? Wie können wir nicht das tun, was recht und notwendig ist, um diese
letzte, beste Hoffnung der Menschheit auf Erden zu bewahren?
Nach all unseren Anstrengungen zur Wiederbelebung Amerikas, zur Wiederherstellung des Vertrauens zu unserem Land und der Hoffnung für unsere Zukunft,
nach den harterrungenen Siegen aufgrund der Geduld und des Mutes eines jeden
Bürgers können wir uns nicht, dürfen wir uns nicht und wollen wir uns nicht
zurückwenden. Wir werden unsere Aufgabe zu Ende führen. Wie könnten wir uns
mit weniger zufrieden geben; wir sind schließlich Amerikaner.
Carl Sandburg hat einmal gesagt: Ich sehe Amerika, nicht in der untergehenden Sonne im Anbruch einer dunklen Nacht der Verzweiflung... Ich sehe
Amerika im hellen Licht der aufgehenden Sonne, frisch aus der strahlenden
Schöpferhand Gottes... Ich sehe große Tage voraus für Männer und Frauen, die
Willen und Weitblick haben."
Niemals habe

- 20 -

�Niemals habe Ich stärker empfunden, daß die besten Tage Amerikas „ „ H
die besten Tage der Demokratie vor uns liegen.
die für das Gute wirkt.

Wir sind eine mächtige K

Hit Vertrauen und mit Hut können wir große L e n vol'l

bring«, und den nächsten Schritt für die Freiheit tun.

Und wir „erden

Wir werden die Traditionen eines guten und angesehenen Volkes fortführe
nes Volkes
wo d,e

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1 7
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das Licht dorthin gebracht hat, wo die Dunkelheit herrschte, Warne

alte herrschte. Arznei, wo Krankheit herrschte, Lebensmittel, w

„

herrschte, und das den Frieden brachte, wo vorher nur Blutvergießen herrscht!
Lassen Sie uns dafür sorgen, daß unsere Nachkommen einmal von uns sagen
onnen daß wir zu unserer Zeit alles getan haben, was getan „erden konnte
Wir haben unsere Aufgabe zu Ende gebracht, wir haben die Freiheit bewahrt und
das in uns gesetzte Vertrauen erfüllt.

+ + + + t

- 21 -

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111 M

Dokumentation

inT3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. Februar 1984

REAGAN GIBT KANDIDATUR FÜR NÄCHSTE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN BEKANNT
- Wortlaut der Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Am 29. Januar 1984 gab Präsident Reagan in einer
landesweit von Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlten kurzen Erklärung im Weißen
Haus bekannt, daß er sich für eine zweite Amtsperiode bewerben wolle. Er ersuchte darin das amerikanische Volk, ihn und Vizepräsident Bush dabei zu unterstützen, "das fertigzustellen, was wir vor drei Jahren begonnen haben."
Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Es ist nahezu drei Jahre her, seit ich zum erstenmal aus diesem Raum zu
Ihnen gesprochen habe. Gemeinsam haben wir viele schwierige Probleme angepackt, und im Laufe der Zeit habe ich das Gefühl bekommen, eine ganz besondere
Beziehung zu einem jeden von Ihnen zu gewinnen.
Heute abend bin ich aus einem anderen Grund hier.

Ich bin bezüglich der

Frage, ob ich mich um eine Wiederwahl bemühen sollte, zu einer schweren persönlichen Entscheidung gelangt.

Als ich von hier aus zum erstenmal zk Ihnen

sprach, war unsere nationale Verteidigung gefährlich schwach.

Wir hatten im

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: £-85432

�hatten im Iran eine Demütigung erlitten. Und zu Hause drifteten wir möglicherweise deshalb auseinander, weil man hier in Washington nicht in der Lage war,
Vertrauen in den Mut und in den Charakter von Ihnen, dem Volk, zu haben.
Am schlimmsten von allen war die Tatsache, daß wir uns am Rand eines
wirtschaftlichen Zusammenbruchs befanden - nach Jahren der übergroßen Schwäche
der Regierung und der schmählichen übermäßigen steuerlichen Belastung. Aus
diesem Grunde hatte ich zu berichten, daß wir "im schlimmsten wirtschaftlichen
Dilemma seit der Großen Depression steckten.
Die Inflation war 1979 auf über 13 Prozent und im März 1980 auf 19 Prozent gestiegen.

Diese beiden aufeinanderfolgenden Jahre der Preisexplosionen

brachten den höchsten Anstieg in über 60 Jahren.
In den fünf Jahren, bevor ich hierher kam, hatten sich die Steuern
praktisch verdoppelt.

Durch Ihre Lohn- und Gehaltserhöhungen, mit denen nur

der Anstieg der Lebenshaltungskosten ausgeglichen wurde, wurden Sie in immer
höhere Steuerklassen hineingetrieben.
Die Zinsen lagen bei über 21 Prozent - den höchsten in 120 Jahren.
Die Produktivität ging zwei Jahre hintereinander zurück.
der Industrie sank.

Der Ausstoß

Löhne und Gehälter schrumpften.

Das einzige, was stieg, waren Preise, Arbeitslosigkeit, Steuern und
Umfang der Regierung.

Während Sie den Gürtel enger schnallten, wurde auch

die Umklammerung durch die Bundesregierung immer enger.
Das hat sich geändert. Im vorigen Jahr ging die Inflation auf 3,2
Prozent zurück. Die Zinsen auf fast die Hälfte. Der Einzelhandel erlebt einen
Aufschwung. Häuser werden gebaut und verkauft. Die Fließbänder der Autoindustrie laufen wieder. Und allein im vorigen Jahr haben vier Millionen Menschen wieder Arbeit gefunden - der größte Anstieg an Arbeitsplätzen seit 33
Jahren.
Durch den

�Durch den Beginn des Wiederaufbaus unserer Verteidigung haben wir wieder
eine glaubwürdige Abschreckung erstellt und können uns mit Zuversicht um einen
sicheren und dauerhaften Frieden sowie um einen Abbau der Rüstungen bemühen.
Wie ich Mittwoch abend gesagt habe: Amerika ist wieder da und steht
fest auf seinen Beinen. Wir haben begonnen, die großen amerikanischen Werte
wieder in den Vordergrund zu rücken - die Würde der Arbeit, die Wärme der Familie, die Stärke der Nachbarschaft, und die Stärkung der menschlichen Freiheit.
Aber unsere Arbeit ist noch nicht zu Ende. Es gibt noch mehr zu tun
bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, bei der Kontrolle der öffentlichen Ausgaben, bei der Rückgabe größerer Autonomie an die einzelnen Bundesstaaten, bei
der Bewahrung des Friedens in einer ruhigeren Welt und bei dem Bemühen, in unseren Schulen einen Platz für Gott zu finden.
Bei meiner Amtsantrittsrede zitierte ich Worte, die vor über 200 Jahren
von Dr. Joseph Warren, dem Präsidenten des Kongresses von Massachusetts,gesprochen worden waren. "Von Ihnen hängt das Wohlergehen Amerikas ab," sagte
er zu seinen amerikanischen Mitbürgern. "Sie müssen über die wichtige Frage
entscheiden, von denen das Glück und die Freiheit der noch ungeborenen Millionen abhängt." Und er fügte hinzu, "Handeln Sie Ihrer selbst würdig."
Während dieser vergangenen drei Jahre wurden Nancy und ich unterstützt
durch die Art und Weise wie Sie, die wirklichen Helden der amerikanischen Demokratie, der Herausforderung von Dr. Warren gerecht geworden sind.
Sie waren großartig, während wir die Nation durch die lange Nacht unseres
nationalen Elends führten. Sie haben wirklich Ihrer selbst würdig gehandelt.
Ihre hohen Maßstäbe lassen uns an die zentrale Frage des öffentlichen
Dienstes denken:

Wozu sind wir hier?

Nun, wir sind hier, um darauf zu ach-

ten, daß die Regierung Ihnen auch weiterhin dient - und nicht umgekehrt.
Wir sind

�Wir sind hier, um die Schwachen zu stärken und den Frieden zu schaffen.
Und, was am wichtigsten ist, wir sind hier - wie Dr. Warren sagte -, um heute
für das Glück und für die Freiheit der noch ungeborenen Millionen zu handeln,
um die Zukunft in den Griff zu bekommen, damit jedes neue Kind dieser geliebten Republik heroische Träume träumen kann.

Wenn wir weniger tun, betrügen

wir das Vermächtnis jener, die so vieles gegeben haben.
Dieser historische Raum und die Präsidentschaft gehören Ihnen.

Es ist

Ihr Recht und ihre Verantwortung, alle vier Jahre jemandem dieses Amt und die
Institution der Präsidentschaft für einen bestimmten Zeitraum zum Schutze anzuvertrauen.

Sie haben mich auf diese Weise geehrt, und ich bin Ihnen dafür

dankbar - dankbar und stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben.
Wir haben einen neuen Anfang gemacht.

Vizepräsident Bush und ich würden

gern auch weiterhin Ihre Unterstützung und Mitarbeit dabei haben, um das zu
beenden, was wir vor drei Jahren begonnen haben.

Ich kündige deshalb an, daß

ich kandidiere und die Wiederwahl für das Amt anstreben werde, das ich derzeit innehabe.
Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie in mich gesetzt haben.
schütze Sie und gute Nacht.

+ + + + +

- 4 -

Gott

�1. Februar 1984

ANPASSUNGSPROZESSE FÜR ANWENDUNG VON KERNENERGIE
USA stellen sich auf weiteren Ausbau der Atomkraft ein -

- (AD) - Trotz der Verzögerungen beim Bau von Kernkraftwerken in den
Vereinigten Staaten und der Streichung einer Anzahl geplanter neuer Projekte
sind die amerikanische Industrie und das Bundesenergieministerium überzeugt,
daß die Erzeugung von Atomstrom in den kommenden Jahren ansteigen und einen
immer größeren Anteil an der gesamten Stromproduktion haben wird.
Sicherheitserwägungen und wirtschaftliche

Die durch

Faktoren bedingten Verzögerungen

dürften auf weitere Sicht die Wachstumsrate für Kernkraft kaum unter den Anteil absinken lassen, den die Industrie früheren Schätzungen zufolge erwartet hatte.

In einem neuen Bericht des US-Energieministeriums heißt es u.a.,

daß sich Schätzungen zufolge der Anteil des Atomstroms an der gesamten Stromerzeugung von 12,6 Prozent im Jahr 1982 auf 19 Prozent im Jahr 1990 und schließlich auf 22 Prozent im Jahr 2020 erhöhen werde.
Gegenwärtig sind in den USA 79 Kernkraftwerke in Betrieb, die etwa ein
Achtel der gesamten Strommenge erzeugen.

Von Juli 1982 bis Ende Juni 1983

lieferten die Kernkraftwerke mehr als 280 Milliarden Kilowattstunden Strom ungefähr so viel, wie die Vereinigten Staaten gegen Ende des Zweiten Welt-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Zweiten Weltkrieges verbrauchten.

Dem Bericht zufolge ist der Bau von weiteren

46 Kraftwerksblöcken mit 50 Millionen Kilowatt Leistungskapazität bereits weit
fortgeschritten, jedoch wurden seit 1978 keine neuen Aufträge mehr erteilt.
Dies war ein Jahr vor dem Unfall im Atomkraftwerk Three Mile Island (Pennsylvanien), dem schwersten Unfall in der Geschichte der amerikanischen Atomkraftindustrie»

Seitdem sind erst sechs neue Atomkraftwerke in Betrieb gegangen.

Auf etwa 100 Reaktoranlagen, die eine Gesamtleistung von 110 000 Megawatt haben sollten und im Jahr 1975 bereits in Bau oder geplant waren, wurde
inzwischen verzichtet,

Diese Annullierungen machten 45 Prozent der Kernkraft-

kapazität aus, die bis dahin in den Vereinigten Staaten vorgesehen war.

Nach

Angaben des Amtes für Energie-Information (EIA) des US-Energieministeriums
bedeutete dies mehr als 9 Milliarden Dollar Aufgabe-Kosten (Dollarwert von
Mitte 1982, inflationsbereinigt). Der jüngste und besonders schwerwiegende
Fall wurde am 16, Januar 1984 gemeldet, als die Public Service Company von
Indiana bekanntgab, den Bau des Kernkraftwerks Marble Hill einstellen zu wollen, obgleich dieses bereits 2,5 Milliarden Dollar verschlungen hat und zur
Hälfte fertiggestellt ist.
Kraftwerksprojekts.

Dies ist die bisher kostspieligste Aufgabe eines

Demgegenüber kam es seit dem Jahr 1972, als zum ersten

Mal der Bau von Kernkraftwerken annulliert wurde, nur zu 39 Annullierungen bei
Heizkraftwerken, die fossile Brennstoffe verfeuern.

Diese hätten eine instal-

lierte Stromkapazität von 23 000 Megawatt gehabt.
EIA-Mitarbeiter sind der Meinung, daß vor allem die verringerte Wachstumsrate für den Strombedarf seit dem arabischen ölembargo im Jahr 1973, verschärfte Sicherheits- und Umweltschutz-Vorschriften seit dem Unfall von Three
Mile Island im Jahr 1979, finanzielle Schwierigkeiten auf Seiten von Kraftwerks-Betreibern, die gleichzeitig die Kapitalgeber waren, seit Ende der siebziger Jahre und Konstruktionsprobleme infolge der komplizierteren Bauweise
und Größe neuerer Projekte dazu beitrugen.daß Kraftwerksprojekte annulliert
wurden. Seit dem Jahr 1973 blieb die Wachstumsrate für Strombedarf unter
dem Durchschnittswert von sieben Prozent, wie er zuvor stets ermittelt worden
war. Im Jahr 1982 ging, landesweit gesehen, die Menge des in die Versorgungs-

- 2 -

�die Versorgungsnetzte eingespeisten Stroms gegenüber 1981 sogar um 2,3 Prozent zurück, wie EIA-Beamte erklärten.

Dies sei eine Folge der wirtschaft-

lichen Rezession gewesen, eine Entwicklung, wie sie sich in dieser Form zum
ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ergeben habe.
Dennoch sei die Atomindustrie, so erklärte Carl Walske, Präsident des
Industrieverbandes "Atomic Industrial Forum" in den USA, sehr optimistisch
hinsichtlich der Zukunft der Kernkraftindustrie.

"Wir glauben, daß die Zu-

kunft der Kernkraft so gut wie das künftige Wachstum der Wirtschaft ist",
meinte er.

"Die Annullierungen und Verzögerungen waren zur Anpassung an eine

niedrigere Wachstumsrate für Strom notwendig.

Aber die Wirtschaft ist wieder

im Kommen, und die Wachstumsrate für den Strombedarf steigt an.

Im zweiten

Halbjahr 1983 lag der Stromverbrauch etwa acht Prozent über jenem im zweiten
Halbjahr 1982."

Nach Ansicht des Industrie-Sprechers sind die in Betrieb

befindlichen Kernkraftwerke "ein gutes Geschäft", denn sie erzeugten Strom
billiger als Kraftwerke mit Kohlefeuerung.
Dieser Meinung sind übrigens auch die Verfasser eines von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) und der Stanford-Universität (Kalifornien) ausgearbeiteten Berichts zum Problem der Kohlendioxid-Anreicherung in der Atmosphäre.

Im Zusammenhang mit ihrer Forderung nach einem

eingehenden Studium des Einsatzes von elektrischem Strom verweisen sie darauf,
daß Kernenergie auf der Basis von Kernspaltung in vielen Teilen der Welt merklich billiger sei als Strom aus Kohle, "insbesondere angesichts der Beschränkungen durch Umweltauflagen gegen Kohle, wie es gegenwärtig für die USA typisch ist". Zwar stagniere in den Vereinigten Staaten gegenwärtig der Ausbau
der Kernenergie.

Langfristig gesehen hänge die Zukunft der Spaltenergie von

Faktoren wie technologischen Fortschritten, Verbesserungen des Managements
von Kernkraftanlagen und der Konkurrenzfähigkeit von Atomstrom mit anderen
Energieträgern in bezug auf Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit ab.
Die Nutzbarmachung von Kernfusion für die kommerzielle Stromproduktion dürfte
jedoch "in der kritischen Zeit vor dem Jahr 2050 noch nicht möglich sein".
Wie Walske

�Wie Walske erklärte, "können wir es uns nicht leisten, künftig große,
kostspielige Kernkraftwerke zu bauen.
niedrig zu halten.

Wir müssen Wege finden, die Kosten

Dazu werden niedrigere Inflationsraten und niedrigere

Zinsen, Stabilität bei den gesetzlichen Auflagen und gewisse Neuerungen im
Management-Bereich beitragen."
Nunzio Palladino, Vorsitzender der Nuklearen Aufsichtskommission der
Vereinigten Staaten (NRC), sagte kürzlich bei einem Vortrag in Los Alamos, daß
entgegen der Ansicht mancher Leute die amerikanische Atomindustrie nicht tot,
sondern sehr lebendig sei.

Die elektrische Kapazität der amerikanischen Kern-

kraftwerke - in Bau und in Betrieb - betrage z. Zt. etwa 126 000 Megawatt.
"Kernkraft für die Erzeugung von Strom ist mit sehr geringem Risiko für öffentliche Gesundheit und Sicherheit verbunden" und trage zur nationalen Unabhängigkeit in der Energieversorgung bei, erklärte er.

In den nächsten

drei bis vier Jahren habe die Nuklearindustrie jedoch eine kritische Phase
zu bestehen, weil dann entschieden werde, ob die bereits für den Betrieb genehmigten Einheiten diesen ohne Unfall oder schwerwiegende Vorfälle realisieren könnten

und ob die Industrie zusätzlich neue Anlagen für die Strompro-

duktion einsetzen könne.
Angesichts dieser Zielsetzungen habe die NRC, so Palladino, Schritte
unternommen, um die von Bundesbehörden erlassenen Bestimmungen für die nukleare Industrie zu verbessern. Im vergangenen Jahr brachte die Behörde eine Gesetzesvorlage ein, die, würden sie rechtskräftig, das Lizenzierungsverfahren
für Kernkraftwerke reformiert.
Die Gesetzesvorlage behandelt ferner eine
Anzahl weiterer wichtiger Punkte, u.a. die Genehmigung in einem einzigen Verfahrensablauf, die frühzeitige Genehmigung des Standorts und die Voraus-Genehmigung der Konstruktion der Anlage. NRC-Beamte verweisen außerdem auf
die Verabschiedung des nuklearen Entsorgungsgesetzes von 1982 als eines wichtigen Fortschritts für den Ausbau der kommerziellen Kernenergie. Es setzt
Zeitpläne und Verfahrensweisen für die Beseitigung von hochaktiven Abbrandelementen in Dauerdeponien von 1998 ab fest.
Ein Problem
- 4 -

�Ein Problem beim Ausbau der Kernenergie ergab sich durch die Änderun
gen in den Sicherheitsbestimmungen. EIA schätzt, daß sicherheitsbedinqte Um
rüstungen als Folge des Unfalls von Three Mile Island Kosten zwischen 24 und
83 Millionen Dollar (Dollarwert von 1980, inflationsbereinigt) pro Reaktor
verursachen. Im Februar 1982 unterbreitete die NRC einen Plan mit den Ziel
Setzungen für die Sicherheit von Kernkraftwerken, der u.a. exakte Zulässig
keitsangaben in bezug auf Unfallrisiken enthielt. So sollte beispielsweise
die Möglichkeit eines größeren Unfalls mit Niederschmelzen des Reaktorkerns
geringer sein als 1 : 10 000 pro Reaktorjahr.

Laut Palladino erfordert nukleare Sicherheit auch umfassende Forschungsanstrengungen. Die von der Behörde im Haushaltjahr 1983 für Forschung auf
gewendeten 205 Millionen Dollar machten etwa 43 Prozent der Ausgaben für die
von ihr durchgeführten Programme aus. Der Vorsitzende der NRC erwähnte neue
Forschungsergebnisse, denenzufolge Radioaktivität in Formen, die für die menschliche Gesundheit gefährlich sind, nicht annähernd so häufig frei werde wie
man bisher angenommen habe. Diese und weitere zu erwartende Ergebnisse der
Forschung hätten auch Auswirkungen auf die Sicherheitsvoraussetzungen und
Katastrophenpläne bei der Standortwahl für Kernkraftwerke. Und sie könnten
wie Palladino betonte, "sogar noch größere Auswirkungen auf das Vertrauen der
Öffentlichkeit haben".

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik

•

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. Februar 1984

RADIOTELESKOP FOR SUBMILLIMETER-BEREICH

- (AD) - Ein Radioteleskop für den Empfang von Strahlung mit Wellenlängen von weniger als einem Millimeter wird gegenwärtig vom CALTECH (California Institut of Technology) auf dem 4200 m hohen Mauna Kea in Hawaii errichtet. Die Nationale Forschungsstiftung der NASA (NSF) unterstützt bis 1986
das Vorhaben mit einem Beitrag von fast 4 Millionen Dollar. Die Höhe und die
trockene Luft am Standort (Gipfel eines erloschenen Vulkans) sind Faktoren,
die Störungen durch die Atmosphäre auf ein Mindestmaß verringern.
Das Radioteleskop mit einem Antennendurchmesser von 10,4 m erfaßt Radiostrahlung bis zu einem Drittel Millimeter Wellenlänge.

Solche Radiowellen

sind für die astrophysikalische Forschung von ganz besonderem Interesse, weil
sich gezeigt hat, daß viele der Moleküle im interstellaren Raum beim Rotieren
Energie in diesem Wellenlängenbereich abgeben.

Phänomene dieser Art lassen

Rückschlüsse auf Prozesse bei der Entstehung von Sternen sowie auf Struktur
und Energiequelle im Innern von Galaxien und Quasaren zu.
Die Parabolantenne ist nach den Plänen von Dr. Robert B. Leighton
(CALTECH) aus Aluminiumteilen in Wabenbauweise konstruiert, eine Meister-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eine Meisterleistung an Präzision auch in bezug auf die Oberflächenbearbeitung. Ein in Kalifornien vorgefertigter Montage-Kuppelbau von 20 m Durchmesser, der vor Wind, Wetter und starker Sonneneinstrahlung schützen sowie
die Steuerungsanlagen und die Systeme zum Sammeln der Meßdaten aufnehmen soll,
wird z. Zt. in Kalifornien getestet. Unter der Leitung von Dr. Thomas G.
Phillips, Professor der Physik am CALTECH, wird das neue Radioteleskop Anfang
1986 in Betrieb genommen.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 25. Januar 1984&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan gibt Kandidatur für nächste Präsidentsschaftwahl bekannt &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Anpassungsprozesse für Anwendung von Kernenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA stellen sich auf weiteren Ausbau der Atomkraft ein&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Radioteleskop für Submillimeter-Bereich</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. Februar 1984

INHALT

DOKUMENTATION

Präsident Reagan legt Haushalt 1984/85 vor
- Sparsame Bundesausgaben - keine Steuererhöhungen

WIRTSCHAFT
Präsident Reagan unterbreitet Jahreswirtschaftsbericht
- Wortlaut der Begleitbotschaft des Präsidenten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Biotechnologie - Grundlage für künftige Schlüsselindustrie
- Zu einem Bericht des US-Amtes für Technologie-Bewertung -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�8. Februar 1984

6

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT 1984/85 VOR
Sparsame Bundesausgaben - keine Steuererhöhungen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 1. Februar 1984 dem
amerikanischen Kongreß seinen Voranschlag für den Bundeshaushalt 1985 vorgeh t

- das Haushaltsjahr dauert vom 1. Oktober 1984 bis zum 30. September 1985.

Mit einem Ausgabenansatz von 925,492 Milliarden Dollar - 71,732 Milliarden Dollar
mehr als im laufenden Haushaltsjahr - und einem Einnahmenansatz von 745,127 Milliarden Dollar weist das Budget ein Defizit von 180,365 Milliarden Dollar auf.
Wenn der Kongreß allen Anträgen des Präsidenten folgt, dann wird sich
das Defizit bis 1989 auf rund 123,4 Milliarden Dollar senken.

Inflationsbe-

reinigt liegt der Haushalt 1985 um 3,3 Prozent höher als der Haushalt 1984.
Im einzelnen sieht der Haushaltsvoranschlag 1985 vor:
- eine Steigerung der Verteidigungsausgaben von 237,548 Milliarden Dollar
im laufenden Haushaltsjahr auf 272,040 Milliarden Dollar - was inflationsbereinigt eine Zunahme von 8,7 Prozent bedeutet; als Prozentsatz des
Bruttosozialprodukts steigen die Verteidigungsausgaben

von 5,5 Prozent

1981 auf 7 Prozent 1985;
- eine Steigerung

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�- eine Steigerung der zivilen Ausgaben um inflationsbereinigt 1,1 Prozent;
- einen Rückgang des Defizits als Prozentsatz des Bruttosozialprodukts von
5,2 Prozent 1984 auf 4,6 Prozent 1985;
- einen Rückgang der Bundesausgaben insgesamt als Prozentsatz des Bruttosozialprodukts von derzeit 24,4 Prozent 1984 auf 24,2 Prozent 1985;
- keine wesentlichen Steuererhöhungen für 1985. Allerdings wird durch eine
strukturelle Reform des Steuersystems im Haushaltsjahr 1986 mit einer Erhöhung der Einnahmen aus der Einkommensteuer um 6,4 Milliarden Dollar gerechnet.
Der Haushalt geht davon aus, daß die Wirtschaftstätigkeit 1984 1,6 Prozentpunkte niedriger liegen wird als 1983, aber dann bis 1989 jährlich um vier
Prozent wachsen wird. Die Arbeitslosigkeit wird für 1984 mit durchschnittlich
7,7 Prozent angenommen und ein Rückgang auf 5,7 Prozent bis 1989 erwartet. Der
Anstieg der Verbraucherpreise wird für 1984 mit 4,5 Prozent angenommen, danach
für 1985 ein leichter Anstieg auf 4 J Prozent und danach ein Rückgang auf 3,5
Prozent bis 1989, Der Leitzins auf Bundesschuldverschreibungen soll von 8,5
Prozent 1984 bis 1989 auf 5 Prozent zurückgehen.
Einsparungen werden bei Wohnungsbau- und Umweltprogrammen sowie in geringerem Umfang bei Bildungs- und Energieprogrammen vorgenommen; Steigerungen
sind bei den Verteidigungsausgaben und einigen internationalen Programmen sowie in geringerem Umfang bei Weltraum- und Landwirtschaftsprogrammen vorgesehen.
In seiner Haushaltsbotschaft an den Kongreß fordert der Präsident die
Vollmacht, bei Bewilligungsgesetzen - der Einzelhaushalte - gegen einzelne
Posten sein Veto einlegen zu können, ohne daß dadurch der Einzelhaushalt insgesamt zu Fall kommt.
zusatzes zu erlangen.

Diese Vollmacht ist nur auf dem Wege eines VerfassungsFerner hat der Präsident eine Verfassungsänderung be-

antragt, die einen ausgeglichenen Bundeshaushalt und Ausgabenbegrenzungen vorschreiben würde.
In seiner

�In seiner Botschaft hat der Präsident ferner auf die Leistungen seiner
Administration in den letzten drei Jahren hingewiesen.
Die wesentlichen Auszüge aus der Haushaltsbotschaft des Präsidenten
haben folgenden Wortlaut:
Im vergangenen Jahr haben sich die Zukunftsaussichten der Nation beträchtlich verbessert.

Die Wirtschaft hat ein starkes Wachstum - über die Erwartungen

hinaus - aufzuweisen.
gesenkt worden.
30 Jahren.

Die Inflation ist auf die niedrigste Rate seit 16 Jahren

Die Arbeitslosigkeit ist rascher zurückgegangen als jemals in

Wir sind auf dem Weg zu anhaltender, langfristiger Prosperität ohne

galoppierende Inflation ein gutes Stück vorangekommen.
Unsere nationale Sicherheit wird wieder hergestellt.

Unsere innenpoli-

tischen Programme werden gestrafft, um genauer dem richtigen Umfang der Aufgaben der Regierung und deren Eingreifen in unser Leben zu entsprechen.

Die Re-

gierungstätigkeit wird effektiver und effizienter gestaltet, während Schritte
zur Senkung der Kosten unternommen werden.
Diese Entwicklungen sind das Ergebnis des Programms, das ich vor drei
Jahren vorgeschlagen habe, um die schweren wirtschaftlichen und politischen
Probleme zu lösen, die aus früherer Kurzsichtigkeit, früherer falscher Politik
und falschen Prioritäten entstanden sind.
auf ein langfristiges reales Wachstum.

Dieses Programm konzentrierte sich

Meine Steuervorschläge waren darauf

angelegt, dringend notwendige Anreize für die Spartätigkeit und produktive Investitionen zu bieten.

Ich habe die amerikanische Bundesbank (Federal Reserve

System) in ihrer gesunden Geldpolitik unterstützt.

Ich habe zusammen mit dem

Kongreß daran gearbeitet, um das Anwachsen von Regierungsprogrammen, die zu
groß geworden waren oder ihren Sinn verloren hatten, ins Gegenteil zu verkehren.

Als Ergebnis dieser Anstrengungen sind die innenpolitischen Programme,

die drei Jahrzehnte lang rasch gewachsen waren, schließlich eingedämmt worden.
Ich habe mich bemüht, unnötige oder bedrückende Verordnungen abzuschaffen oder
zu vereinfachen.
Zum höchsten

�Zum höchsten Wohle unseres Landes hat der vorige

Kongreß erkannt, daß

dieses Programm grundlegend gesund ist und sich meiner Administration angeschlossen, um es zu realisieren...
Die Reaktion der Wirtschaft hat mein wirtschaftliches Programm voll gerechtfertigt.

Während der letzten zwei Jahre war der prozentuale Anstieg des

Verbraucherpreisindexes nicht höher als während der ersten sechs Monate 1981.
Im vorigen Jahr war der wirtschaftliche Wiederaufschwung nachhaltig, und das
Bruttosozialprodukt stieg um real über sechs Prozent, die Industrieproduktion
um 16 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit - die zwar noch immer unerträglich hoch

ist - ging innerhalb eines einzigen Jahres um erstaunliche 2,5 Prozentpunkte
zurück.

Die Kapazitätsausnutzung in amerikanischen Fabriken ist augenfällig

gestiegen.

Die geschäftlichen Investitionen in neuen Fabriken und Ausrüstungen

nahmen im vorigen Jahr um real 11,5 Prozent zu.

Die Produktivitätsrate in den

Vereinigten Staaten, die von 1977 bis 1981 stagnierte, stieg zwischen dem dritten Quartal 1982 und dem dritten Quartal 1983 um 3,7 Prozent.

Die Zinssätze

gingen Mitte 1982 wesentlich zurück und die Börse erholte sich anhaltend, was
den Nettowert der amerikanischen Haushalte um eine halbe Billion Dollar steigerte.

Das verfügbare Personaleinkommen nahm 1983 um 5,1 Prozent zu.

Nach

einem starken Rückgang erholte sich der amerikanische Dollar und erreichte
den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt.
Wir sind jedoch noch nicht über dem Berg. Trotz unseres Erfolges beim
Abbau der Wachstumsrate der zivilen Ausgaben in den letzten drei Haushalten,
werden die Ausgaben 1985 um 41 Prozent höher sein als 1981, was aus einem ständigen Ansteigen der gesetzlichen Ansprüche, wesentlichen Erhöhungen der Verteidigungsausgaben und einem raschen Anstieg der Zinskosten resultiert. Es
bleibt sicherlich noch viel zu tun übrig. Die Aufgabe, unsere Streitkräfte
wieder auf einen angemessenen Stand zu bringen, muß beendet werden, und die
Verpflichtung kleinen, armen Ländern gegenüber, die um die Erhaltung ihrer
Demokratie kämpfen, wirtschaftliche und militärische Unterstützung zu gewähren, muß eingehalten werden. Auf der anderen Seite sind weitere Maßnahmen notwendig, um Umfang und Wachstum vieler Programme einzudämmen und überall in der
Regierung, wo immer sich die Chance bietet, effektiver zu arbeiten.
Drei Jahre

�Drei Jahre des Erfolgs
Im vorigen Jahr habe ich über die augenfälligen Verbesserungen in der
Regierungstätigkeit während der vorausgegangenen zwei Jahre und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft berichtet.

Ich freue mich, mitteilen zu können,

daß diese Verbesserungen ein drittes Jahr anhielten:
- Die Wachstumsrate der Ausgaben war 1980 mit 17,4 Prozent jährlich fast
außer Kontrolle geraten - sie wird in diesem Jahr auf 7,3 Prozent zurückgehen.
- Die Ausgaben nahmen in dem Vierjahreszeitraum von 1977 bis 1981 um 64
Prozent zu - sie werden in dem Vierjahreszeitraum von 1981 bis 1985 nur
um 44 Prozent zunehmen und dies trotz der gesetzlich vorgeschriebenen
Lebenshaltungskostenanpassung und der erhöhten Verteidigungsausgaben.
- Das Steuersystem des Bundes ist stark umstrukturiert worden.

Die Grenz-

steuersätze sind gesenkt worden, was das Klima für die Spartätigkeit
und Investitionen beträchtlich verbessert hat.

Es wurde eine Reform

der Abschreibungen durchgeführt, die den durch die Inflation ausgehöhlten Wert der Abschreibungen wieder herstellte.

Schlupflöcher im Steuer-

system wurden verstopft, und damit wurde das Steuersystem gerechter.
Es wurden Anstrengungen unternommen, Regierungsprogramme durch Gebühren
zu finanzieren, die den Vorteilen und Dienstleistungen für die Benutzer
entsprechen.
- Unsere militärische Stärke wird auf einen ausreichenderen Stand gebracht.
- Die zivilen Ausgaben, die in etwas mehr als zwei Jahrzehnten real fast
auf das Dreifache gestiegen sind, werden in diesem Jahr praktisch niedriger sein als 1981...
- Die Zahl

�- Die Zahl der Bundesbediensteten außerhalb des Verteidigungssektors ist
seit meinem Amtsantritt um 71 000 verringert worden.
Dies sind eindrucksvolle Erfolge - auf die wir stolz sein dürfen und
auf denen wir weiter aufbauen können.

Mit diesem Haushaltsvoranschlag appel-

liere ich erneut an alle Mitglieder des Kongresses, weitere Schritte zu unternehmen, um die Festigkeit unserer Grundlagen zu gewährleisten und die Haushaltsprobleme der Nation zu überwinden.

Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums
Wir stehen vor der Aussicht auf eine längere Ära des Friedens, der
Prosperität,
Amerikaner.

des Wachstums und eines steigenden Lebensstandards für alle
Was müssen wir tun, um dafür zu sorgen, daß diese Hoffnung sich

in den kommenden Jahren erfüllen und verwirklichen wird?

Was müssen wir tun,

daß der hohe Preis für die Anpassung an diese neue Ära, den unser Volk in den
letzten Jahren bezahlt hat, nicht umsonst sein wird?
Alle Anzeichen deuten auf ein anhaltendes, starkes Wirtschaftswachstum,
lebhafte Investitionstätigkeit und steigende Produktivität ohne neuerliche
Inflation hin - außer einem. Nur die Gefahr eines endlos hinausgezogenen hohen Haushaltsdefizits bedroht den Fortbestand eines anhaltenden, nichtinflationären Wachstums und der Prosperität. Es läßt das Gespenst stark steigender
Zinssätze, eines Abwürgens der Investitionen, neuerlicher Rezession und steigender Arbeitslosigkeit erstehen.
Dieses Gespenst muß vertrieben werden; ebenso wie die Befürchtungen
einer galoppierenden Inflation und der damit verbundenen Übel vertrieben wurden; so, wie die Befürchtungen der Hilfslosigkeit vor dem Anwachsen der militärischen Macht der Sowjets und der damit verbundenen Bedrohungen vertrieben werden; so, wie die Befürchtungen, daß das System der Sozialen Sicherheit
des Landes "untergehen" könnte, vertrieben worden sind.
Dieser Haushalt

�Dieser Haushalt verlangt vom Kongreß diese Maßnahmen.

Er fordert Maß-

nahmen, um dem Aufwä'rtstrend der Bundesausgaben weiterhin Einhalt zu gebieten
und die Einnahmen des Bundes zu steigern.

Bei anderen Maßnahmen geht es um

eine fundamentale Reform der Verfahren der öffentlichen Hand, die eine Verfassungsänderung erfordern.
Der Kongreß hat jedes Jahr einen Teil meiner Haushaltsvoranschläge
verabschiedet und andere zurückgestellt.

So kommen wir langsam dem ganzen

Paket von notwendigen Haushaltsanpassungen näher.

Ich appelliere an den Kongreß,

in diesem Jahr nicht nur die in diesem Haushalt enthaltenen Anträge zu verabschieden, sondern auch Verfassungszusätze, die ein Veto gegen einzelne Posten
vorsehen und einen ausgeglichenen Haushalt zur Pflicht machen würden - statt
der zögerlichen Politik, in diesem Jahr eine halbherzige Reform zu verabschieden und im nächsten wieder eine usw.
Wo es dem Kongreß am Willen mangelt, sich selbst eine knappe Haushaltspolitik aufzuerlegen, die wir jetzt brauchen, bedarf er der Unterstützung durch
die Exekutive.

Wir brauchen einen Verfassungszusatz, der dem Präsidenten die

Vollmacht gibt, gegen einzelne Posten der Bewilligungsgesetze sein Veto einzulegen.

Von unseren 50 Bundesstaaten geben 43 ihren Gouverneuren diese Voll-

macht...

Es ist jetzt an der Zeit, daß der Kongreß dem Präsidenten die gleiche

Vollmacht gibt...
Wollen wir doch endlich auch auf das Volk hören und einem Verfassungszusatz zustimmen, der einen ausgeglichenen Bundeshaushalt und Ausgabengrenzen
festlegen würde.
beiten.

Ich ermutige unsere Bevölkerung, an der Basis dafür zu ar-

Wenn das Volk so etwas will, wird es geschehen.

Wir müssen eine überparteiliche Basis für eine grundlegende Reform
der Regierungsausgaben anstreben.

Wir müssen genau überprüfen, was, wie und

wieviel die Bundesregierung tun sollte - auf der Basis unseres Verlangens
nach Sicherheit und Wohlergehen sowie unseres Wunsches, die Macht und die
Mittel beim Volk zu lassen.

Die vom Präsidenten eingesetzte Kommission aus

- 7 -

�Kommission aus dem Privatsektor zur Oberprüfung der Kosten - Grace-Kommission - hat bereits interessante Vorschläge in dieser Richtung unterbreitet,
die mit Hilfe des Kongresses jederzeit durch Gesetz verwirklicht werden können.
Jenen, die sagen, wir müßten die Steuern erhöhen, rufe ich zu:

Wartet!

Steuererhöhungen bürden der Bevölkerung unfaire Lasten auf, hemmen die Kapital bildung und zerstören die Wachstumsanreize.

Steuersenkungen haben zum anhal-

tenden Aufschwung beigetragen und zu rascherem Wachstum und mehr Arbeitsplätzen
geführt.

Es ist an der Zeit, das gesamte Steuersystem zu vereinfachen, um je-

dermann gleich zu behandeln.
Das Steuersystem muß einfacher und fairer werden. Ehrliche Leute sollen
nicht für die Betrüger bezahlen müssen. Die "Untergrundwirtschaft" muß wieder ans Tageslicht kommen. Und für jeden müssen die Steuersätze gesenkt werden, um zu mehr Spartätigkeit und Investitionen anzuregen und Anreize für Arbeit und wirtschaftliches Wachstum zu schaffen. Das ist der Plan für eine
hellere Zukunft und ein faireres Steuersystem. Ich habe deshalb das Finanzministerium angewiesen, bis Ende des Jahres eine Studie mit entsprechenden
Empfehlungen zu erstellen.
Wenn diese Änderungen abgeschlossen und die notwendigen fiskalischen
Werkzeuge zur Hand sind, dann, dessen bin ich sicher, können wir ein umfassendes Paket von Änderungen der Politik der öffentlichen Hand vornehmen, die dazu
dienen, das hartnäckige Defizit im Bundeshaushalt wesentlich abzubauen, das
sonst unsere helle wirtschaftliche Zukunft verdunkeln könnte. Der Plan muß auf
drei Kardinalprinzipien beruhen:
- Er muß überparteilich sein.

Wenn wir die Defizite überwinden und das

Haus der Regierung in Ordnung bringen wollen, dann muß jeder sein Bestes
dafür tun.
- Er muß fair sein.

So wie alle Amerikaner an den Vorteilen des Auf-

schwungs beteiligt sein sollen, so sollen sie auch die Lasten des Ober-

�des Übergangs zu einer begrenzteren Rolle der Regierung in unserer
Gesellschaft gemeinsam tragen.
- Er muß klug sein.

Die Stärke unserer nationalen Verteidigung muß

wiederhergestellt werden, damit wir den Wohlstand in Frieden und Freiheit genießen können und gleichzeitig für unsere Bedürftigen sorgen.
- Und schließlich muß er realistisch sein. Die Regierungsausgaben werden
nicht durch Wunschdenken gesenkt werden...

Zusammenfassung
Ein lebhafter, nichtinflationärer Wiederaufschwung ist im Gange.
Der lange Winter der Übergangszeit von der fehlgeleiteten Politik der Vergangenheit mit ihren inflationären und wachstumshemmenden Nebenwirkungen
weicht jetzt einem neuen Frühling der Hoffnung für Amerika.

Die Hoffnung,

von einem anhaltenden Aufschwung zu langfristiger, nichtinflationärer Prosperität zu gelangen, kann verwirklicht werden, wenn wir in der Lage sind, bei
weiteren Maßnahmen für einen Abbau des Defizits zusammenzuarbeiten.

Eine

kühne, starke Politik der öffentlichen Hand, um den Aufwärtstrend eingefahrener Ausgabenprogramme zu brechen, ist zusammen mit einer verantwortungsbewußten und zurückhaltenden Währungspolitik wesentlich, um den Aufschwung
im Gang zu halten, ja, wesentlich

für die künftige wirtschaftliche Gesund-

heit und Vitalität unserer Nation.
*

Es werden auch begrenzte Maßnahmen notwendig sein, um unser Steuersystem fairer und effizienter zu gestalten.

Aber es ist wichtig - ja ent-

scheidend wichtig - die richtige Mischung von Zurückhaltung bei den Ausgaben
und Erhöhungen der Einnahmen zu finden.

Es muß wesentliche Kürzungen bei

den Ausgaben und streng begrenzte Zunahmen bei den Einnahmen geben.
Ich appelliere

- 9 -

�Ich appelliere daher dringend an den Kongreß, die in diesem Haushaltsantrag vorgeschlagenen Maßnahmen zu treffen.

Es geht um zuviel, als daß wir

diese wesentlichen Maßnahmen, um den Gürtel enger zu schnallen, einfach abtun
könnten.

Die Nation hat einen hohen Preis bezahlt für die Aussicht auf eine

sichere, blühende und nicht inflationäre Zukunft.

Diese Aussicht

darf nicht

einem Gefühl der Selbstgefälligkeit - einem geschickten Ausweichen vor den
Problemen - geopfert werden.
Wollen wir im Vertrauen auf die letztlich wohltuenden Auswirkungen unserer Maßnahmen den Schritt wagen und für uns und für unsere Nachwelt eine
helle und blühende Zukunft sichern - eine Zukunft, in der der Ruhm Amerikas
wieder leuchtet.

Nationale Verteidigung
Unter der Überschrift "Nationale Verteidigung" heißt es in dem neuen
Haushaltsvoranschlag unter anderem:
Das Ziel unseres nationalen Verteidigungsprogramms ist der Schutz
unseres Landes und seiner Verbündeten vor ausländischer Aggression. Wir wollen den Frieden bewahren, indem wir den Krieg verhindern. Wir müssen jedoch
in der Lage sein, uns erfolgreich zu verteidigen, sollte es zu einem Krieg
kommen. Die Abschreckung vor ausländischen Bedrohungen unserer lebenswichtigen
Interessen und derjenigen unserer Verbündeten und Freunde hängt davon ab, daß
wir die ganze Bandbreite unserer Verteidigungskapazitäten wahren. Dazu gehören
die strategische Nuklearkapazität, die Stärke unserer Marine, starke vornedislozierte Streitkräfte in Europa und anderen Gebieten, die für unsere eigene Verteidigung entscheidend sind, sowie die Fähigkeit zur raschen Dislozierung und zur Aufrechterhaltung unserer Streitkräfte weltweit.
Unsere Verteidigungspolitik soll vor einem Krieg abschrecken, indem
nukleare und konventionelle Streitkräfte aufrechterhalten werden, die aus- 10 -

�die ausreichend sind, um jeden potentiellen Gegner davon zu überzeugen, daß
der für eine Aggression zu zahlende Preis einen Angriff nicht rechtfertigen
würde.

Sollte die Abschreckung keinen Erfolg haben, dann müssen wir über die

nötige Stärke verfügen, um den Angriff zurückzuschlagen und unsere nationalen
Ziele zu erreichen, wobei das Ausmaß und die Intensität des Konfliktes auf ein
Mindestmaß begrenzt werden...
Angesichts großer Verbesserungen der sowjetischen Militärkapazität müssen
die amerikanischen Streitkräfte gestärkt werden, um der sowjetischen Herausforderung begegnen und unsere nationalen Interessen schützen zu können.

Dies

•erfordert, daß wir weiterhin Anstrengungen unternehmen, um
- alle Komponenten unserer strategischen Streitkräfte zu modernisieren,
damit ihre Fähigkeit garantiert bleibt, vor einem nuklearen Angriff
abzuschrecken, zu überleben und einen Vergeltungsschlag auszuführen,
sollte es zu einem Angriff kommen;
- die Fähigkeit unseres Landes zu verbessern, militärisch auf Krisen überall in der Welt reagieren zu können;
- eine ausreichende Stärke zur See aufrechtzuerhalten, damit die Fähigkeit
garantiert wird, amerikanische Truppen zum Schutz unserer Interessen,
zur Unterstützung unserer Verbündeten und zur Sicherung eines kontinuierlichen Zugangs zu wichtigen Rohstoffen in kritischen Gebieten in Übersee
zu dislozieren;
- Bündnisse und Koalitionen aufrechtzuerhalten, damit amerikanische Interessen weltweit geschützt und insbesondere die NATO-Ziele verwirklicht
werden können; und
- die Einsatzbereitschaft und Standfestigkeit unserer konventionellen
Streitkräfte zu verbessern sowie deren Ausrüstung zu modernisieren.
Die Erreichung
- 11 -

�Die Erreichung dieser Ziele erfordert eine anhaltende Erhöhung der Mittel
für die Verteidigung über die kommenden Jahre hinweg.
Strategische Streitkräfte - Seit Oktober 1981 hat die Regierung energisch ein Programm der strategischen Modernisierung verfolgt, das in Übereinstimmung mit einer Politik der Abschreckung steht.

Der Haushaltsvoranschlag

setzt die Anstrengungen zur Modernisierung unserer Nuklearstreitkräfte fort.
Nur wenn wir über moderne, tüchtige Streitkräfte verfügen, schaffen wir für
die Sowjetunion die erforderlichen Anreize, über echte Rüstungsverminderungen
zu verhandeln.
Der Haushalt beinhaltet ein vorrangiges Entwicklungsprogramm für eine
kleine landgestützte Rakete.

Die Dislozierung der "Friedenswahrer"-Rakete

(MX) ist entscheidend wichtig für die Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung ., Der Haushalt für 1985 enthält Mittel für eine kontinuierliche
MX-Forschung und Entwicklung sowie Modifizierungen für die Minuteman-Silos, die
die neuen Raketen aufnehmen werden.

Ferner wird in dem Programm für 1985 um

die Haushaltsermächtigung für das zwölfte TRIDENT-Unterseeboot sowie um die
Anfangsfinanzierung der TRIDENT II-Raketenproduktion ersucht.
Die Modernisierung unserer Bomberstreitmacht erfordert die Dislozierung
unserer luftgestützten Marschflugkörper (ALCM), zunächst auf B-52-Bombern und
später auf B-IB-Bombern. 1985 werden die ersten B-52H-Bomber umgerüstet, um
die Raketen aufnehmen zu können, die bereits auf B-52G-Bombern disloziert sind.
Der Haushalt sieht ferner die Beschaffung von 34 B-IB-Vielfach-Bombern sowie
die Fortsetzung der Entwicklung eines hochtechnologisierten Bombers (Tarnbombers, der nicht durch Radar zu erfassen ist) vor« Die Beschaffung von Ausrüstung und Triebwerken zur Modifizierung des Tankflugzeuges KC-135A wird unsere Auftankkapazität vergrößern»
Ferner sind Mittel für einen ganzen Bereich technologischer Initiativen
vorgesehen, um die Möglichkeiten der Beseitigung der Bedrohung eines Angriffs
mit ballistischen Raketen zu erforschen«

Zu diesen Initiativen gehören inten-

- 12 -

�gehören intensivierte Anstrengungen auf dem Gebiet der Richtenergietechnologie, der Überwachung, der Anflugsverfolgung und der Hochgeschwindigkeitsraketen.

Der Haushalt schlägt weiter die kontinuierliche Entwicklung eines Rake-

ten-Raketenabwehrsystems sowie Verbesserungen unserer Befehls-, Leit-, Kommunikations- und Aufklä'rungssysteme vor.
Allgemeine Streitkräfte - Die allgemeinen Streitkräfte, die vor einer
nicht-nuklearen Aggression abschrecken oder ihr begegnen sollen, müssen in
der Lage sein, auf den schwersten potentiellen Konflikt - einen Krieg zwischen
NATO und Warschauer Pakt - effektiv reagieren zu können, während gleichzeitig
die Flexibilität erhalten bleibt, anderen Bedrohungen amerikanischer Interessen entgegenzutreten.

Aufgrund der Vorschläge des Haushalts sollen die fol-

genden aktiven Streitkräfte unterhalten werden:

17 Heeresdivisionen, drei

Marinekorpsdivisionen, drei Luftgeschwader des Marinekorps, 26 taktische Luftgeschwader der Luftstreitkräfte und 545 aktive Kriegsschiffe (darunter strategische Raketen-U-Boote und Versorgungsschiffe).
Allgemeine Heeresstreitkräfte - Der Haushalt für 1985 unterstützt die
kontinuierliche Erstellung von Systemen, die die Feuerkraft, die taktische
Mobilität und die Überlebensfähigkeit unserer Streitkräfte verbessern sollen.
Die Beschaffung von 720 Panzern des Typs M-1-Abrams, von 710 Bradley-Kampffahrzeugen sowie anderer moderner Kampffahrzeuge wird die Kapazität unserer
gepanzerten Kampffahrzeuge fördern.

Im Jahr 1985 wird der neue Angriffshub-

schrauber der Armee vom Typ Apache-AH-64 in Dienst gestellt werden; weiter
werden Mittel für die Beschaffung von weiteren 144 AH-64-Hubschraubern sowie
für die Beschaffung von Angriffsunterstützungs-Hubschraubern, beispielsweise
vom Typ UH-60-Blackhawk, angefordert.

Der Haushalt unterstützt ferner die

Entwicklung einer neuen Generation leichter Propellerflugzeuge (LHX), die Aufklärungs-, Versorgungs- und Angriffseinsätze durchführen sollen - und zwar
als Ersatz für die gegenwärtigen Hubschrauber, die sich jetzt dem Ende ihrer
nützlichen Dienstleistungstätigkeit nähern...
Das Programm

- 13 -

�Das Programm für 1985 fördert ferner die Dislozierung zusätzlicher
PERSHING II-Raketen in Europa als Teil der langfristigen Modernisierung der
taktischen und nuklearen Streitkräfte...
Verbesserungen in der Struktur der schweren Heeresdivisionen sind angelaufen, und Anstrengungen sind eingeleitet worden, um die Kampfkapazität sowie den Dislozierungsspielraum und das Dislozierungstempo unserer leichten
Streitkräfte zu verbessern.

Die Gesamtzahl der aktiven Divisionen wird sich

von 16 auf 17 erhöhen - und zwar innerhalb der geplanten Mannschafts- und Ausrüstungsstärken.

Die neue Division wird kleiner und leichter sein und weniger

strategische Luft- oder Seebrückenkapazität erfordern als die gegenwärtigen
Infanteriedivisionen.
Allgemeine Seestreitkräfte -

Diese Streitkräfte müssen sowohl in Frie-

dens- als auch in Krisenzeiten eine Abschreckung vor einer militärischen Aggression bieten.

Sollte die Abschreckung keinen Erfolg haben, müssen sie in der

Lage sein, die Seewege zu verteidigen, über die entscheidend wichtige
kanische

ameri-

Verstärkungen und die Versorgung zu Kriegsschauplätzen im Vornbe-

reich gelangen

können.

Sie müssen ferner in der Lage sein, offensive Opera-

tionen gegen sowjetische Seestreitkräfte und Einrichtungen durchzuführen,
sollte dies notwendig sein.
Wenn wir auch in Zukunft militärischen Bedrohungen entgegentreten wollen,
dann müssen wir die Waffensysteme unserer Flotte modernisieren und die Mannschaftsstärke erhöhen. Die verfügbare Streitmacht unserer Marine (darunter
strategische Raketen-Unterseeboote und Versorgungsschiffe) wird sich von 525
Schiffen im Jahr 1984 auf 545 Schiffe im Jahr 1985 erhöhen und wird zum Ende
dieses Jahrzehnts das Regierungsziel von 600 Schiffen erreichen. Die Pläne der
Marine für den Zeitraum von 1985 bis 1989 sehen Modernisierungen vor, die die
Lebensdauer von zwei gegenwärtig in Dienst befindlichen Flugzeugträgern erhöhen
sollen, ferner die Modernisierung der amphibischen Streitkräfte sowie die Reaktivierung der verbliebenen zwei Schlachtschiffe der Iowa-Klasse. Neue Schiffsbaupläne für diesen Zeitraum umfassen 18 Aegis-Kreuzer, 14 Lenkwaffen-Zerstörer,

- 14 )

i

�14 Lenkwaffen-Zerstörer, 20 Angriff-Unterseeboote, 20 Versorgungsschiffe und
25 Minensuchboote...
Allgemeine Luftstreitkräfte - ...

Die Luftstreitkräfte planen für 1985

die Beschaffung von 48 Maschinen des Typs F-15 und 150 Maschinen des Typs F-16.
Darüber hinaus ist im Programm 1985 die weitere Finanzierung eines Nachfolgetyps der F-15 und der F-16 vorgesehen, die über eine Bodenangriffskapazität
verfügen wird.

Dieses Flugzeug wird die Reichweiten- und Nutzlastkapazität

unserer taktischen Luftstreitkräfte wie auch ihre Fähigkeit entscheidend verbessern, während der Nacht sowie bei ungünstigem Wetter zu operieren.

Die Aus-

wahl eines zu entwickelnden Nachfolgetyps für die F-15 oder F-16 sollte 1984
erfolgen.

Darüber hinaus gibt es verschiedene laufende Waffenentwicklungspro-

gramme, so die weiterentwickelte Luft-Luft-Mittelstreckenrakete (AMRAAM), die
die Kampfkapazitat unserer Flugzeuge verbessern soll.
Der Haushalt sieht auch die Beschaffung zusätzlicher TR-1-Flugzeuge für
Aufklärungs- und Überwachungsflüge in großen Höhen vor und fordert Mittel für
taktische Bomben und Raketen von hoher Exaktheit und Präzisionssteuerung.

Die

landgestützten Marschflugkörper werden als Teil der langfristigen nuklearen
Streitkräftemodernisierung der NATO beschafft...
See- und Luftbrückenkapazität -

Um eine Vorneverteidigung bei begrenz-

ter Präsenz in Friedenszeiten sicherzustellen, müssen wir die Fähigkeit haben,
Soldaten und Kampfausrüstung rasch in jedes Krisengebiet in der Welt schaffen
zu können und diese nach ihrer Dislozierung zu versorgen.

Der Haushalt sieht

eine Erweiterung unserer Luftbrückenkapazität durch die Beschaffung von zusätzlichen 10 Frachtmaschinen des Typs C-58 und 8 des Typs KC-10 vor sowie die Förderung des Programms der zivilen Reserveluftflotte (CRAF), in dessen Rahmen
zivile Verkehrsflugzeuge sowie Frachtmaschinen verfügbar gemacht werden, um
die militärische Luftbrückenkapazität während eines Notstandes zu erhöhen.
Ferner sollen durch Modifizierungen die Anstrengungen zur Verbesserung der bestehenden Typen und der Vergrößerung der Kapazität fortgesetzt werden.

Die

Seebrückenkapazität soll durch eine Modifizierung der Containerschiffe für die

- 15 -

�für die Reserveeinsatztruppe gestärkt werden.
Die Vorauseinlagerung von Ausrüstung und Material in der Nähe potentieller
Krisengebiete ist entscheidend wichtig für unsere Fähigkeit, dislozierte Streitkräfte an weitentfernten Plätzen aufrechterhalten zu können.

Im Rahmen dieses

Vorauseinlagerungs-Programms (POMCUS) hat die Armee schwere Ausrüstung für vier
Divisionen und deren Unterstützungseinheiten in Europa eingelagert und beschafft
Ausrüstung für zwei weitere Divisionen.
Forschung und Entwicklung - Neue und verbesserte Waffensysteme müssen
angesichts der sich ändernden Erfordernisse hinsichtlich der militärischen Ausrüstung entwickelt und erprobt werden. Gleichzeitig muß eine starke Forschungsund Technologiegrundlage für eine längerfristige Waffenentwicklung aufrechterhalten bleiben. Für 1985 wird ein Zuwachs von 26 Prozent an Haushaltsermächtigungen für Forschung und Entwicklung vorgeschlagen, wobei der Nachdruck anhaltend auf strategische Programme gelegt wird. Wichtige strategische Anstrengungen gelten, wie schon beschrieben, unter anderem der "Friedenswahrer"-Rakete
(MX), der Trident II-Rakete, dem B-IB-Bomber, dem Tarnbomber sowie der neuen
strategischen Verteidigungsinitiative. Die taktischen Entwicklungsanstrengungen richten sich unter anderem auf neue Heereshubschrauber, ein neues AngriffsUnterseeboot und eine weiterentwickelte Luft-Luft-Rakete.

Internationale Angelegenheiten
Die wesentlichen Auszüge aus dem Abschnitt "Internationale Angelegenheiten", der sich in die Unterabschnitte "Internationale Sicherheitshilfe" und
"Wirtschaftliche und finanzielle Hilfe" einteilt, haben folgenden Wortlaut:
Die Bundesregierung ist für den Schutz und die Förderung der Interessen
der Vereinigten Staaten und ihrer Bevölkerung im internationalen Rahmen verantwortlich. Oberstes amerikanisches Interesse ist die Förderung einer Weltordnung, in der Frieden, Sicherheit und Wohlstand gedeihen und in der der einzelne

- 16 -

�der einzelne sich politischer und Wirtschaftler Freiheit erfreut.

Die in

diesem Haushalt für internationale Angelegenheiten vorgeschlagenen Mittel sind
für die Durchführung der amerikanischen Außenpolitik und das Erreichen der Ziele
der nationalen Verteidigung notwendig.

Für 1985 werden 22,3 Milliarden Dollar

an Haushaltsermächtigungen und 13,5 Milliarden Dollar an geschätzten Ausgaben
gefordert.

Im Vergleich hierzu betrugen die Schätzungen 1984 16,8 bzw. 13,2

Milliarden.

Internationale Sicherheitshilfe
Die Programme der Sicherheitshilfe sind entscheidende Instrumente der
nationalen Sicherheit und der Außenpolitik der Vereinigten Staaten und dienen
der Stärkung verbündeter und befreundeter Regierungen, mit denen die Vereinigten Staaten besondere Sicherheitsanliegen verbinden. Durch diese Programme
helfen die Vereinigten Staaten anderen Regierungen bei der Stärkung ihrer
Volkswirtschaften und beim Kauf und bei der Verwendung moderner militärischer
Ausrüstung, die für deren Verteidigung notwendig ist. Die Sicherheitshilfe
trägt auch dazu bei, daß den Vereinigten Staaten der Zugang zu militärischen
Anlagen und Militärstützpunkten sichergestellt wird. Für 1985 werden 10 Milliarden Dollar an Haushaltsermächtigungen vorgeschlagen, an geschätzten Ausgaben 7,8 Milliarden Dollar.

Hauptprogramme

- 17 -

�Hauptprogramme (in Millionen Dollar)
1983
(Ist)

1984
(Voranschlag)

1985
(Voranschlag)

Militärische Lieferungen ins Ausland auf
Kredit und Militärhilfe

1 558

1 825

5 915

Mittel für wirtschaftliche Unterstützung

3 089

2 958

3 068

Hilfe für Mittelamerika (Vorgeschlagen)

—

500

750

78

110

389

137

126

117

4 589

5 267

10 004

Internationale Sicherheitshilfe

Verschiedenes
Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgung
Zwischensumme, Internationale Sicherheitshilfe
Wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe

Eine wichtige Ergänzung der Sicherheitshilfe besteht darin, die Ziele
der Außenpolitik durch Programme der wirtschaftlichen und finanziellen Auslandshilfe zu erreichen. Diese Programme sollen die Ausweitung eines marktwirtschaftlich orientierten Weltwirtschaftssystems unterstützen und dazu beitragen,
den Bedürfnissen der Entwicklungsländer in entwicklungspolitischer und humanitärer Hinsicht gerecht zu werden. Die Haushaltsermächtigung, die für 1985 beantragt wird, beläuft sich auf 5,2 Milliarden Dollar, die geschätzten Ausgaben
für 1984 belaufen sich auf gleichfalls 5,2 Milliarden Dollar.
Die multilateralen Entwicklungsbanken.

Die Vereinigten Staaten leisten

Beiträge zu den Institutionen der Weltbank wie auch der drei Regionalbanken
für Lateinamerika, Asien und Afrika.

Diese Institutionen stellten 1983 nahezu

20 Milliarden Dollar an langfristigen Darlehen und an technischer Hilfe bereit
und förderten damit in den

Empfängerstaaten eine solide Wirtschaftspolitik.
Für 1985
- 18 -

�Für 1985 beträgt die vorgeschlagene Haushaitsermä'chtigung für die Banken
1,2 Milliarden Dollar.

Außerdem werden 2,9 Milliarden Dollar angestrebt für

im Rahmen eines Programmlimits abrufbares Kapital...

Außerdem werden 1984

weitere 320 Millionen Dollar an Haushai tsermä'chtigung sowie 795 Millionen
Dollar an abrufbarem Kapital angefordert, um die Vereinigten Staaten in die
Lage zu versetzen, im Jahr 1984 Verpflichtungen zu erfüllen, die derzeit den
Banken gegenüber bestehen und für die im Rahmen des 1984 laufenden Auslandshilfebeschlusses keine Mittel bereitstanden.
Internationale Organisationen, Freiwillige Beiträge von 242 Millionen
Dollar werden für verschiedene Programme für Entwicklung, humanitäre Hilfe und
wissenschaftliche Zusammenarbeit vorgeschlagen, die von den Vereinten Nationen
und anderen internationalen Organisationen durchgeführt werden. Die Administration ist jedoch auch weiterhin der Oberzeugung, daß - wie nutzbringend manche
dieser Programme auch immer sein mögen - anderen Maßnahmen der Auslandshilfe,
die die gleichen Zielsetzungen erreichen, höhere Priorität zukommen sollte.
Amt für Internationale Entwicklung (AID).
Das AID führte in mehr als 60
Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien bilaterale Programme der Entwicklungshilfe durch. Das Amt unterstützt zudem Auslandsprogramme freiwilliger und
privater Organisationen in den Vereinigten Staaten und fördert die Forschungstätigkeit amerikanischer Universitäten auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe.
Die vorgeschlagene Haushaltsermächtigung für die Entwicklungsprogramme des AID
für das Jahr 1985 beträgt 2 Milliarden Dollar, worin 434 Millionen Dollar für
neue direkte Darlehensverpflichtungen enthalten sind. Hauptziele der bilateralen Entwicklungsprogramme sind Unterstützung solider Wirtschaftspolitik in
den Empfängerstaaten, Einsatz des Privatsektors der Vereinigten Staaten wie
des Empfängerlandes als Motor des wirtschaftlichen Wachstums und Verbesserung
der Kapazitäten der Institutionen des Empfängerstaates beim erhöhten Einsatz
von Wissenschaft und Technik zur Entwicklung.
Die Afrika-Initiative - eine neue, internationale Bemühung über mehrere
Jahre hinweg - soll Sahel-Staaten Unterstützung bieten...

- 19 -

Für eine erste

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Hauptprogramme (in Millionen Dollar)
1983
(Ist)

1984
(Voranschlag)

1985
(Voranschlag)

1 537

1 644

1 236

270

318

242

1 861

1 905

2 049

1 028

1 052

1 319

109

115

116

375

338

341

Wirtschaftliche und «ni»«,1ft1lr
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Multi1aterale Entwicklungsbanken
Internationale Organisationen
Amt für Internationale Entwicklung
Lebensmittelhilfe (Gesetz Nr. 480)
Friedenskorps
Flüchtlingshilfe
Mikronesien-Zusammenschluß (vorgeschl.)

295

Verschiedenes
5

65

83

95

- 534

- 495

- 496

4 711

4 960

5 198

9 300

10 227

15 202

Zahl

I A A , * "
ungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgunq
Zwischensumme
Gesamtsumme der Auslandshilfe
Haushalt; der

- 20 -

�Haushalt der Nationalen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA
Für den Haushalt der Nationalen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA hat die
Reagan-Administration eine Erhöhung von vier Prozent vorgeschlagen; hierzu gehören Mittel für eine ständig bemannte Raumstation und ein größeres Flugprogramm zur weiteren Erforschung des Planeten Mars:

Budgeterhöhung
Das Budget der NASA für das Haushaltsjahr 1985 umfaßt insgesamt 7,491
Milliarden Dollar.

Dies stellt einen Gesamtanstieg von 274 Millionen Dollar

gegenüber dem Haushaltsjahr 1984 dar.
Forschung und Entwicklung,

Insgesamt 2,4 Milliarden Dollar - dies ent-

spricht 32 Prozent des Gesamthaushalts der NASA - werden für Forschung und
Entwicklung angefordert.

Hierzu gehören 150 Millionen Dollar für erste Studien

über eine Raumstation und 1 371 Millionen Dollar für Weltraumwissenschaft und
angewandte Wissenschaft.

Die Anforderungen im Bereich Forschung und Entwick-

lung für das Haushaltsjahr 1985 stellen einen Zuwachs von 375 Millionen Dollar
gegenüber dem Haushaltsjahr 1984 dar...
Raumflug und Datenaustausch.

Insgesamt 3,6 Milliarden Dollar wurden

für Bau, Betrieb und Kontrollsystem der Raumfähre sowie für den Datenaustausch
angefordert.

Die Forderung im Haushalt 1985 für diesen Bereich stellt einen

Gesamtrückgang gegenüber dem vorigen Jahr um 175 Millionen Dollar dar.
Obgleich bei den für das Raumfähren-Programm angeforderten Bewilligungen
eine Kürzung von etwa 300 Millionen Dollar vorliegt, werden Flüge und Einnahmen
von zahlenden Kunden auch weiterhin zunehmen.

Den Plänen zufolge soll es im

Haushaltsjahr 1985 elf Shuttle-Missionen, im darauffolgenden Jahr 16 geben.
Zu weiteren
- 21 -

�Zu weiteren Aktivitäten im Zusammenhang mit der Weltraumfähre, wie sie
im Haushalt angefordert werden, gehören die zweite und dritte Spacelab-Mission,
die Vervollständigung der Weltraumfähren-Flotte durch Auslieferung des vierten
Orbitalflugkörpers ATLANTIS im Dezember 1984 sowie die amerikanisch-italienische
Entwicklung eines Verbindungssatellitensystems, das Raumexperimente in Bereichen
möglich machen soll, die entfernt von der Shuttle-Umlaufbahn liegen...

+ + + + +

22

�8. Februar 1984

PRÄSIDENT REAGAN UNTERBREITET JAHRESWIRTSCHAFTSBERICHT
- Wortlaut der Begleitbotschaft des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 2. Februar 1984 dem
amerikanischen Kongreß seinen Jahreswirtschaftsbericht unterbreitet und die Senatoren und Abgeordneten aufgefordert, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen,
um die Wirtschaft auf dem Kurs eines anhaltenden, nichtinflationären Wirtschaftswachstums zu halten.

In der Einleitung zu dem vom Wirtschaftsbeirat des Präsi-

denten abgefaßten Berichtes fordert Reagan Ausgabenkürzungen, um das Haushaltsdefizit abzubauen.

Er unterstützt eine straffe Währungspolitik der amerika-

nischen Bundesbank als Grundlage der Preisstabilität; lehnt Exportsubventionen
und Einfuhrbehinderungen als Mittel des internationalen Wettbewerbs ab; widersetzt sich Maßnahmen zur Abwertung des Dollar und kündigt Maßnahmen gegen
strukturelle Arbeitslosigkeit an.
Die Begleitbotschaft des Präsidenten zum Bericht hat folgenden Wortlaut:
Ich war immer der Auffassung, daß die Lebenskraft der amerikanischen Wirtschaft und die Prosperität des amerikanischen Volkes durch eine unangemessene
Politik der Bundesregierung verringert wurden:

durch unnötige Regierungsver-

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D 5300 Bonn 2

Tel 022R-339 2035
Telex: 8-85432

�unnötige Regierungsverordnungen, die die Initiative lähmten und knappes Kapital und knappe Arbeitskraft verschwendeten; durch ein untaugliches und unfaires Steuersystem, das Fleiß, Sparsamkeit und Investitionen bestrafte; durch
übermäßige Regierungsausgaben, mit denen das Geld des Steuerzahlers verschwendet, die Mittel des Landes mißbraucht und Defizite geschaffen wurden, die die
Kapitalbildung lähmten und die Last der Staatsschuld erhöhten; soeie durch
eine Währungspolitik, die einen ständigen Konjunkturzyklus hervorriefen und
den Weg zu steigender Inflation bereitete.
Ich bin nach Washington gekommen, um diese Politik zu ändern.

Die not-

wendigen Reformen sind bei weitem noch nicht abgeschlossen, aber es zeichnet
sich bereits ein wesentlicher Fortschritt ab:

Die Last der Reglementierung

ist leichter geworden, die Steuersätze sind gesenkt und die Steuerstruktur ist
verbessert worden; die Regierungsausgaben in einem weiten Bereich ziviler Ausgaben wurden beschnitten,und eine gesunde Währungspolitik wurde eingeführt.
Die günstige Auswirkung dieser Reformen wird zwar erst mit der Zeit auf
das wirtschaftliche Wachstum durchschlagen, aber einige Vorteile unserer Wirtschaftspolitik sind in dem derzeitigen Aufschwung bereits sichtbar geworden.
Die Wirtschaftstätigkeit im Jahr 1983 hat mich sehr befriedigt. Der Anstieg
der Verbraucherpreise um 3,2 Prozent von 1982 bis 1983 war die niedrigste
Inflationsrate seit 1967. Der Aufschwung brachte einen starken Rückgang der
Arbeitslosigkeit und einen wesentlichen Anstieg des Einkommens amerikanischer
Familien. Die Zahl der Beschäftigten stieg um über vier Millionen, und die
Arbeitslosenrate ging von einem Höchststand von 10,7 Prozent im Dezember 1982
auf 8,2 Prozent im Dezember 1983 zurück. Der Anstieg des Bruttosozialprodukts
um real 6,1 Prozent im vorigen Jahr bedeutet, daß das Realeinkommen pro Kopf
der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten um 700 Dollar gestiegen ist.

Abbau der Arbeitslosigkeit
Trotz des beträchtlichen Abbaus der Arbeitslosigkeit bleibt die Zahl der

�Zahl der Arbeitslosen unerträglich hoch. Anhaltender wirtschaftlicher Wiederaufschwung wird Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze in den kommenden Jahren
und damit einen weiteren Rückgang der Arbeitslosenrate bedeuten. Allein 1984
ist damit zu rechnen, daß die amerikanische Wirtschaft weitere drei Millionen
Arbeitsplätze schaffen wird.

Bis Ende des Jahrzehnts werden wir 16 Millionen

neue Arbeitsplätze brauchen, um die wachsende Zahl der Arbeitsfähigen zu absorbieren.

Nur eine starke und expandierende Wirtschaft kann diese Arbeits-

plätze stellen und einen fortschreitenden Abbau der Arbeitslosenrate in den
nächsten sechs Jahren bewirken.
Wirtschaftswachstum ist zwar das weitaus wichtigste Mittel, um die Arbeitslosigkeit abzubauen, aber auch besondere Programme, um strukturelle Arbeitslosigkeit zu bekämpfen und speziell benachteiligte Gruppen zu helfen,
können nützlich sein.

Um diesen Personen beim Erwerb von beruflichen Fähig-

keiten zu helfen, die zu einem produktiven Arbeitsleben im Privatsektor führen, habe ich das Berufsbildungs-Partnerschaftsgesetz vorgeschlagen, das ich
1982 unterzeichnet habe.

Im vorigen Jahr habe ich zusätzliche Maßnahmen vor-

geschlagen, um die Möglichkeiten der Berufsbildung und Umschulung zu vergrößern.

Der Kongreß hat zwar einige meiner Vorschläge zur Bekämpfung der Ar-

beitslosigkeit verabschiedet, aber ich warte noch immer auf die Verabschiedung
anderer.
Ein besonderes Anliegen ist mir die Jugendarbeitslosigkeit. Diese Art
von Arbeitslosigkeit ist nicht ein Problem an sich, sondern es ist auch ein
Hinweis auf verpaßte Gelegenheiten, sich am Arbeitsplatz auszubilden und eine
Berufsausbildung zu erhalten. Es wird weithin eingeräumt, daß das Mindestlohngesetz ein wesentliches Hemmnis für die Einstellung von Jugendlichen, vor
allem Jugendlichen aus Minderheiten ist. Ich habe vorgeschlagen, daß während
der Sommermonate die Mindestlöhne für Jugendliche auf 75 Prozent der normalen
Mindestlöhne gesenkt werden. Diese Reform würde vielen Jugendlichen die Chance
bieten, einen ersten Arbeitsplatz zu bekommen und sich die notwendigen Berufskenntnisse anzueignen, die ihnen für eine weitere Beschäftigung zugute kämen
- und es hätte keine negative Auswirkung auf den Beschäftigungsstand der Er-

- 3 -

�der Erwachsenen.

Bei einer Arbeitslosenraten von fast 50 Prozent bei schwar-

zen Jugendlichen - wobei nur 20 Prozent der schwarzen Jugendlichen einen
festen Arbeitsplatz haben - müssen wir etwas tun.

Die Bundesregierung darf

sich nicht als Hemmschuh für Arbeitsplätze erweisen.

Inflation und Währungspolitik
Als ich mein Amt in Washington antrat,war die Senkung der Inflationsrate
mein erstes und unmittelbares wirtschaftliches Ziel.

In den damals vorausge-

gangenen 24 Monaten war der Index der Verbraucherpreise um über 27 Prozent
gestiegen.

Viele Menschen fürchteten, die Bundesregierung habe die Fähigkeit

zur Kontrolle der Inflation verloren.

Solange die Inflation nicht in den

Griff zu bekommen war, konnte kein Wiederaufschwung in Gang kommen.
Die Inflationsrate ist in den letzten drei Jahren dramatisch zurückgegangen.
zent.

Zwischen 1982 und 1983 stieg der Verbraucherpreisindex nur 3,2 Pro-

Amerikaner können wieder Vertrauen in den Wert des Dollar haben, und

sie können für die Zukunft sparen, ohne fürchten zu müssen, daß die Kaufkraft
dieser Ersparnisse durch die Inflation ausgehöhlt wird.

Ich fühle mich fest

verpflichtet, die Inflation auch weiterhin zurückzudrängen.

In unserem Be-

mühen um Preisstabilität dürfen wir niemals nachlassen.
Die Grundvoraussetzung für eine weitere Dämpfung der Inflation ist eine
gesunde Währungspolitik.

Ich unterstütze die amerikanische Bundesbank (Federal

Reserve) weiterhin in ihrem Streben nach Preisstabilität durch eine gesunde
Währungspolitik.

Das vorige Jahr war für die Währungspolitik wegen der we-

sentlichen Änderungen in den Finanzbestimmungen besonders schwierig.

Ich

freue mich, daß trotz dieser Schwierigkeiten die Geldmengen zu Ende des Jahres
innerhalb des gesetzten Rahmens lagen.

Ich gehe davon aus, daß die Bundesbank

1984 die Geldmenge in einer bescheidenen Rate vermehren wird, die sowohl mit
einem anhaltenden Aufschwung als auch einem weiteren Erfolg in der Inflationsbekämpfung vereinbar sein wird.
Es gibt

�Es gibt Leute, die für ein rasches Wachstum der Geldmenge eintreten, um
die Zinssätze zu drücken.

Die Erfahrung lehrt jedoch, daß rasches Geldmengen-

wachstum unausweichlich zu höherer Inflationsrate und höheren Zinssätzen führt.
Die einzige Währungspolitik, die die Zinssätze herunterbringen und unten halten
kann, ist eine Politik, die das Vertrauen stärkt, daß die Inflation in den kommenden Jahren weiter zurückgehen wird.

Der Dollar und das Handelsdefizit
Die hohen Zinssätze in den Vereinigten Staaten und unsere niedrige Inflationsrate machen Dollarschuldverschreibungen zu einer attraktiven Investition für Einzelpersonen und Firmen in der ganzen Welt.

Darüber hinaus sind

die Vereinigten Staaten ein attraktiver Platz für Börsengeschäfte und direkte
Anlagen.

Das Ergebnis war ein ständiger Anstieg des Wechselkurses des Dollar

im Verhältnis zu anderen Währungen der Welt.
Der scharfe Anstieg des Dollarwertes seit 1980 hat für Amerikaner den
Kauf von Erzeugnissen aus Übersee verbilligt und damit zur Bekämpfung der Inflation beigetragen.

Aber der scharfe Anstieg des Dollar hat es für amerika-

nische Unternehmer und Farmer schwerer gemacht, auf den Weltmärkten zu konkurrieren.

Der Rückgang der amerikanischen Exporte und der beträchtliche Anstieg

unserer Importe hat 1982 und 1983 zu einem Rekordhandelsdefizit geführt.

Das

Handelsdefizit ist zeitweise noch durch das internationale Schuldenproblem sowie dadurch verschärft worden, daß die Vereinigten Staaten in ihrem Aufschwung
weiter voran waren als die übrige Welt.
Trotz dieser Probleme halte ich am Prinzip des freien Handels als dem
besten Weg fest, amerikanische Verbraucher und Unternehmer in den Genuß der
Vorteile dieses Konkurrenz-Systems zu bringen.

Es wäre in keiner Weise ange-

bracht, mit der Errichtung von Handelsschranken oder damit zu reagieren, den
Dollar des Steuerzahlers zur Subvention der Exporte zu verwenden.

Wir müssen

vielmehr mit anderen Ländern der Welt zusammenarbeiten, um die Exportsubventionen

- 5 -

�die Exportsubventionen und Einfuhrschranken abzubauen, die gegenwärtig amerikanischen Farmern, Geschäftsleuten und Arbeitern schaden.
Ich bin auch nachdrücklich gegen jeden Versuch, den Wert des Dollar durch
Intervention auf den internationalen Devisenmärkten zu drücken.

Reine Interven-

tion auf Devisenmärkten kann die grundlegenden Faktoren nicht aufheben, die den
Wert des Dollar bestimmen.

Intervention auf den ausländischen Devisenmärkten

wäre ein sinnloses Unterfangen, das wahrscheinlich nur die Währungsspekulanten
auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers reich machen würde.

Eine Kombina-

tion von Devisenmarktintervention und einer expansiven Währungspolitik könnte
den Wert des Dollar verringern, aber nur auf Kosten einer unannehmbaren Erhöhung der Inflationsrate.

Wir müssen daher dem Dollar erlauben, ohne Interven-

tion auf den Devisenmärkten seinen natürlichen Wert zu finden.

Reglementierung
Eines der vier entscheidenden Elemente meines Programms des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs ist ein weitreichendes Programm der Einschränkung
der Reglementierung. Hier wurde in den vergangenen drei Jahren beträchtlicher
Fortschritt erzielt. Die Zunahme an Reglementierungen wurde um über ein Drittel begrenzt. Hunderte von Millionen Arbeitsstunden sparte die Privatwirtschaft allein dadurch ein, daß die Behörden weniger Formulare ausfüllen ließen.
Der Kongreß stimmte einer Gesetzgebung zu, durch die die Finanzmärkte und überlandbusgesellschaften wesentlich von Reglementierung befreit wurden. Die Bundeskommission für Kommunikation hat mit unserer Unterstützung die Reglementierungen bei der neuen Kommunikationstechnologie verringert; die Kommission
für zwischenstaatlichen Handel sowie die Behörde für Zivilluftfahrt haben einen
beträchtlichen Schritt zur Deregulierung des Transportwesens getan.
Die Vorteile dieser Maßnahmen zeigen sich für den amerikanischen Konsumenten und die
Geschäftswelt immer deutlicher.
Deutlich ist

�Deutlich ist aber auch, daß eine weitere Verrinn.,
rung und entsprechende Reformen der «nderuncen . "9 9
"^«entlebung bedürfen. ,ch dränge daher J Z T r J l Z u T ^
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Maßnahmen, die ich 1. vergangenen Jahr 1 bezu a d r "] ^^^
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Steuerreformen
Der letzte Schritt der dreijährigen Steuersenkungen wurde im Juli getan
und war seinerseits für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung höchst hilfreich. Der Einkommensteuersatz für alle Einkommensklassen wurde seit 1980 um
rund 25 Prozent verringert. Im Jahr 1984 wird ein Vierpersonenhaushalt mit
mittlerem Einkommen etwa 1100 Dollar weniger zahlen, als dies ohne Steuersenkungen der Fall gewesen wäre. Zudem werden ab 1985 die Steuerklassen automatisch angepaßt, damit die Inflation die Steuerzahler nicht länger mehr in
höhere Klassen zwingt und dadurch den Steueranteil ihres Einkommens vergrößert
Das Steuergesetz von 1981 für wirtschaftlichen Wiederaufschwung ging
noch darüber hinaus, die Steuerraten nur zu verringern, sondern hat entscheidende Reformen bei der Struktur des Steuersystems herbeigeführt. Für
die Geschäftswelt ergab sich nunmehr nach den Steuern eine höhere Gewinnspanne bei Anlage- und Ausrüstungsinvestitionen. Auch der deutliche Rückgang der Inflation erhöhte die Gewinne nach den Steuern. Als Ergebnis dessen
steigen die Investitionen bei Anlage und Ausrüstung trotz der real hohen Zinsen derzeit um ein Beträchtliches.
Für den einzelnen Bürger verringerte dieses Steuergesetz die Steuerlast
bei Heirat, Grundstückskauf sowie bei der Spartätigkeit. Die Förderung der^
-7 -

�Förderung der persönlichen Altersversorgung fand starken Widerhall.
zungsweise über 15 Millionen Menschen nutzen heute diese Möglichkeit.

SchätIm vo-

rigen Jahr habe ich die Ausweitung dieser Möglichkeit auf alle Verheirateten
vorgeschlagen, die jährlich bis zu 2000 Dollar einzahlen könnten, selbst bei
nur einem Verdiener.
Weitere Verbesserungen und Vereinfachungen unseres Steuersystems sind
dringend nötig.

Die Steuerlast hängt nicht nur von der Höhe der Steuern selbst

ab, sondern auch von der Qualität des Steuersystems.

Ich habe daher den Fi-

nanzminister angewiesen, einen Plar, zu erarbeiten, der unser Steuersystem gerechter und einfacher macht und eins geringere Belastung für die Volkswirtschaft unseres Landes darstellt.

Durch Verbreiterung der Steuerbasis könnten

die Lohn- und Einkommensteuern sinker statt zu steigen.

Unser Steuersystem

würde zu stärkerem wirtschaftlichen Wcchstum anregen und dadurch mehr Einnahmen
schaffen.

l
Ausgaben der öffentlichen Hand
Als ich nach Washington kam, war ein^s meiner Hauptziele, das gewaltige
Anwachsen der öffentlichen Ausgaben umzukeiren und mehr Mittel für unsere nationale Verteidigung bereitzustellen. Obglei;i viele daran zweifelten, daß dies
möglich sein könnte, wurden beide Ziele erreicht. Wir müssen alles in unserer
Macht Stehende tun, um - wie in anderen Bereichen des Staates auch - bei der
Verteidigung unnötige Ausgaben zu vermeiden. Aber wir müssen auch bereit sein,
die Kosten zu tragen, um die militärische Opazität bereitzustellen, um unser
Land zu verteidigen und unserer Verantworteg als die führende Nation der freien •
Welt gerecht zu werden. Die Ausgaben für djle Verteidigung waren 1980 auf lediglich 5,2 Prozent des Bruttosozialproduktes zurückgegangen - weniger als ein
Viertel der gesamten Ausgaben des Staates.' Im laufenden Haushaltsjahr stiegen die Verteidigungsausgaben auf 6,7 Proz^t des Bruttosozialproduktes und
entsprechend auf 28 Prozent der Gesamtausgaben. Seit 1980 sind die Verteidigungsausgaben real um 39 Prozent gestiegen I Unsere Verteidigungsausgaben sind

- 8 -

t

�Verteidigungsausgaben sind jedoch noch immer ein kleinerer Prozentsatz unseres
nationalen Einkommens als etwa 1960, als die Verteidigungsausgaben 9,7 Prozent
unseres Bruttosozialproduktes betrugen.
In einem großen Bereich innenpolitischer Programme und Aktivitäten wurden
die Ausgaben real gekürzt.

Viele überflüssige bürokratische Aktivitäten wur-

den beseitigt,und die Anzahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst - von
der Verteidigung abgesehen - wurde um 71 000 verringert. Wir haben alle Ausgabenbereiche der Bundesregierung untersucht und waren bemüht, unnötige und
überflüssige Ausgaben abzustellen, wobei wir bemüht waren, das zu schützen,
was die Armen und Betagten brauchen. Als Ergebnis dessen werden in den kommenden Jahren die Ausgaben - außerhalb der Verteidigung - einen geringeren Anteil unseres Bruttosozialproduktes ausmachen.
Diese Verringerung wurde erreicht ohne Abstriche bei den bestehenden
Geldern der sozialen Sicherheit oder eine
ge für die Älteren.

Änderung der medizinischen Vorsor-

Die Ausgaben bei allen anderen zivilen Aktivitäten und

Programme werden - gemessen an ihrem prozentualen Anteil vom Bruttosozialprodukt - fast auf dem Stand von 1965 sein.
Ich fühle mich auch weiterhin der Suche nach Möglichkeiten verpflichtet,
die Regierungsausgaben zu verringern.

Der Haushaltsvoranschlag, den ich dem

Kongreß vorlege, nennt beträchtliche Einsparungen bei Programmen, die entweder
übertrieben sind oder für die die Bundesregierung nicht wirklich voll verantwortlich ist.

Die Grace-Kommission hat uns etwa 2500 Möglichkeiten aufgezeigt,

um kostspielige oder verschwenderische Ausgaben zu verringern und um dadurch
in den kommenden Jahren Milliarden Dollar einzusparen.

Haushaltsdefizite
Ich bin seit langem der Überzeugung, daß unser Land einen ausgeglichenen
Haushalt braucht.

Regelmäßige Mehrausgaben der Bundesregierung haben in 22
- g .

�haben in 22 der letzten 23 Jahre ein Defizit hervorgebracht.

Meine größte

Enttäuschung im wirtschaftlichen Bereich im Jahr 1983 war daher die Tatsache,
daß es dem Kongreß nicht gelang, die Vorschläge zur Verringerung des Defizits
aufzugreifen, die ich im Januar vorigen Jahres in meinem Haushalt für das
Haushaltsjahr 1984 vorgelegt hatte. Wir wären heute einem ausgeglichenen
Haushalt viel näher, hätte der Kongreß all die Ausgabenbeschneidungen durchgesetzt, die ich seit Amtsübernahme gefordert habe,und hätten die lange Rezession und der scharfe Rückgang der Inflation nicht die realen Steuereinnahmen beträchtlich verringert.

Im Budget des vergangenen Jahres schlug ich Än-

derungen bei Ausgaben und Einnahmen vor, die dem Defizit eine deutliche Bewegung in Richtung auf Verringerung gegeben hätten, so daß es 1988 weniger als
zwei Prozent des Bruttosozialproduktes betragen hätte und auf einen Ausgleich
zugegangen wäre.
Der Mangel an Bereitschaft des Kongresses, die von mir vorgetragenen
Vorschläge zu akzeptieren,hat mir deutlich gemacht, daß wir bis nach den Wahlen dieses Jahres warten müssen, um Ausgabenverringerungen zusammen mit einer
Steuervereinfachung durchzusetzen, die zusammen schließlich unser Haushaltsdefizit beseitigen werden. Aber wir können nicht bis 1985 warten, um erst
dann die Defizite zu verringern, die schon jetzt drohen, eine anhaltende und
gesunde Wiederbelebung zu verhindern. Ich habe daher die demokratische und
republikanische Führung im Kongreß aufgefordert, Vertreter zu benennen, die
mit der Administration bei der Entwicklung eines "ratenweisen" Defizitverringerungsprogramms zusammenarbeiten sollten.
Ich bin der Überzeugung, daß diese überparteiliche Gruppe ein Paket
schnüren könnte, das in diesem Frühjahr verabschiedet werden könnte und durch
das das Defizit während der nächsten drei Haushaltsjahre um 100 Milliarden
Dollar verringert würde. Zu dem Paket könnte eine Reihe der weniger strittigen Ausgabenbeschneidung gehören, die beim Kongreß anstehen, sowie weitere
Ausgabeneinsparungen, die sich auf die Vorschläge der Grace-Kommission gründen.
Zusätzliche Einnahmen könnten durch Maßnahmen erreicht werden, mit denen gewisse Steuerschlupflöcher gestopft würden - Maßnahmen, deren Unterstützung das

- 10-

�Unterstützung das Finanzministerium kürzlich für wert befand.
Diese Verringerungen des Defizits würden das Vertrauen der Öffentlichkeit in unsere wirtschaftliche Zukunft und in die Fähigkeit des politischen
Systems stärken, auf zufriedenstellende Weise mit dem Defizit fertig zu werden. Dieses erste Paket könnte ein erster Schritt in Richtung auf eine vollständige Beseitigung des verbleibenden Defizits sein. Sogar mit einem Dreijahrespaket von 100 Milliarden Dollar bleiben die für das Haushaltsjahr 1986
und darüber hinaus projizierten Defizite für mich völlig unannehmbar. Sie
wären eine ernste Gefahr für die wirtschaftliche Gesundheit unserer Nation
und eine schwere Last für kommende Generationen. Ich habe die Absicht, Wege
zu finden, um den Ausgabenzuwachs weiter einzuschränken und den Haushalt auf
einen Weg zu bringen, der zu einem Gleichgewicht zwischen Ausgaben und Einnahmen führen wird. 1985 werde ich einen Haushalt vorlegen, der dieses Ziel
erreichen kann. Aber wir müssen noch weiter gehen und bei diesem Haushaitsproze!3 grundlegende strukturelle Reformen durchführen - einschließlich des
themenbezogenen Vetorechts und des Verfassungszusatzes eines ausgeglichenen
Haushaltes -, die die Ausgaben unter Kontrolle bringen und in Zukunft Defizite
verhindern werden.

Blick nach vorn
Wenn ich in die Zukunft blicke, so bin ich hinsichtlich der Aussichten
der amerikanischen Wirtschaft sehr optimistisch.

Bei der Reform der Wirt-

schaftspolitik, die unsere wirtschaftliche Zukunft gestalten wird, ist beträchtlicher Fortschritt erzielt worden.

Wenn wir auch weiterhin eine solide

Politik konzipieren und betreiben, kann unsere Nation in eine lange Periode
des starken wirtschaftlichen Wachstums und der geringen Inflation eintreten,
und das amerikanische Volk kann sich einer noch nicht dagewesenen Prosperität
und wirtschaftlichen Sicherheit erfreuen.

+ + + + +

- 11 -

�Uli//en/chof(
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. Februar 1984

BIOTECHNOLOGIE - GRUNDLAGE FÜR KÜNFTIGE SCHLÜSSELINDUSTRIE
- Zu einem Bericht des US-Amtes für Technologie-Bewertung -

- (AD) - Industrie, Landwirtschaft und Gesundheitswesen profitieren in
den Vereinigten Staaten bereits von neuen Produkten der Biotechnologie.

Aber

Amerika sei dabei, seine führende Rolle in der Welt auf diesem Gebiet zu verlieren, so heißt es in einem jetzt veröffentlichten Bericht des Kongreßamtes
für Technologiebewertung, wenn die Forschung nicht stärker gefördert werde.
Autoren des am 27. Januar 1984 veröffentlichten Berichts verweisen darauf,
daß die USA gegenwärtig sowohl in der Forschung als auch in der kommerziellen
Entwicklung von Verfahren führten, mit denen man die "Bausteine von Organismen"
manipuliere.

Dies eröffne Möglichkeiten, viele Sektoren von Industrie und

Landwirtschaft zu revolutionieren und neue Medikamente, Lebensmittelzusätze
und Chemikalien herzustellen, von Schädlingsbefall freie Pflanzen zu "konstruieren"
und toxischen Abfall zu beseitigen.
Allerdings engagierten sich nunmehr auch andere Länder, allen voran Japan,
mit Forschung und Entwicklung auf den Gebieten der Biotechnologie, weil sie sich
davon vieles zur Förderung des Wirtschaftswachstums versprächen.

Im Vergleich

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�Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und Japan lägen die Bundesrepublik
Deutschland, England, die Schweiz und Frankreich noch zurück.

Wie Nanette Newell

vom Amt für Technologie-Bewertung (Office of Technology Assessment - OTA) auf
einer Pressekonferenz in Washington erklärte, sei Biotechnologie keine Industrie,
sondern "jede Art von Verfahren, um unter Verwendung lebender Organismen Produkte
herzustellen oder zu verändern und auf diese Weise Pflanzen und Nutztiere mit
verbesserten Merkmalen zu bekommen oder Mikroorganismen für spezielle Anwendungszwecke zu entwickeln".

Schon die "alte" Biotechnologie habe sich solcher Methoden

bedient, beispielsweise bei der Herstellung von Wein aus Trauben. Als Beispiel
für die "neue" Biotechnologie könne hier die Herstellung von Wein mit höherem
Alkoholgehalt durch die Anwendung vo,. Rekombinationsmethoden für DNS
(Desoxyribonucleinsäure) angesehen werden.
Als das Geburtsjahr der neuen Biotechnologie gilt 1973. Damals gelang es
Wissenschaftlern zum ersten Mal, von einem Organismus ein Gen auf einen anderen
Organismus zu transplantieren. In den letzten paar Jahren gründeten Amerikaner
mehr als 100 Firmen, in denen die neue Technologie angewandt und kommerziellen
Aufgaben zugänglich gemacht werden soll. Die privatwirtschaftlichen Investitionen
auf diesem Gebiet betrugen im Jahr 1983 mehr als eine Milliarde Dollar. Am Ende
des Jahres standen dem Markt aber nur wenige Produkte zur Verfügung. Dazu zählen
z.B. einige Tiervakzine sowie Insulin, das zur Behandlung von Diabetes (Zuckerkrankheit) gebraucht wird. Viele weitere Anwendungsmöglichkeiten bei Arzneimitteln, Tierhaltung, Pflanzenzucht, Bekämpfung von Umweltverschmutzung, der
Herstellung von Nahrungsmitteln und auf anderen Gebieten sind zu erwarten.
Da die Technologie noch neu und die meisten Produkte und Verfahren noch in
den Kinderschuhen stecken, "sind für den internationalen Wettbewerb nicht die
herkömmlichen Maßstäbe anzulegen", sagt der Bericht. Die Vereinigten Staaten
seien führend, weil hier die sog. Lebenswissenschaften wie Biologie und Biochemie ein gut ausgebautes Fundament hätten, weil Kapital vorhanden sei, um
Biotechnologie kommerziell zu nutzen, und weil die Amerikaner bereit seien,
hohe geschäftliche Risiken einzugehen. Europa sei im Rückstand, weil "die

- 2 -

�weil "die großen chemischen und pharmazeutischen Firmen gezögert haben, für
Biotechnologie zu investieren zum Teil auf Grund herkömmlicher Verhaltensweisen
u.a. mit der Tendenz, die Bildung von Risikokapital und somit die Inangriffnahme
risikoreicher Unternehmungen nicht zu fördern".
Mit der "alten" Biotechnologie besitze Japan, so Nanette Newell, die für
die Zusammenstellung des Berichts verantwortlich war, mehr Erfahrung als die
Vereinigten Staaten. Sie habe dort bisher

aber keine überragende Rolle gespielt.

Jetzt jedoch habe die japanische Regierung Biotechnologie zu einer Schlüsselindustrie der Zukunft deklariert, fördere ihre kommerzielle Entwicklung und
koordiniere die Zusammenarbeit von Vertretern der Industrie, der Universitäten
und der Regierung.
Der Bericht warnt davor, daß mangelnde finanzielle Förderung der Biotechnologie
seitens der amerikanischen Regierung zu einer Verringerung der Anstrengungen auf
diesem neuen Gebiet in den Vereinigten Staaten führen könnte. Wohl seien in dem
im Oktober 1983 zu Ende gegangenen Haushaltjahr 511 Millionen Dollar für biotechnologische Grundlagenforschung von der Regierung bereitgestellt worden. Aber
im gleichen Zeitraum kamen nur 6,4 Millionen Dollar für angewandte Forschung aus
dem Bundeshaushalt. Aktivitäten auf diesem Gebiet aber stellen die Verbindung
zwischen der meist in Universitäten durchgeführten Grundlagenforschung und den
auf kommerzielle Verwertung abzielenden wissenschaftlich-technischen Entwicklungen
in den Laboratorien der Wirtschaft her. Die relativ geringe Förderung angewandter
Forschung in der Biotechnologie durch die Bundesregierung gefährde die Anstrengungen
im Lande, zu marktreifen Produkten der Biotechnologie zu gelangen.
Michael Wilson, der Präsident des Bennigton College in Vermont und Vorsitzender
eines Beratergremiums, das den Bericht überprüfte, erklärte: "Wenn wir nicht in
der Biotechnologie mit dem Ziel ständigen Wachstums investieren, werden wir
Milliarden an der sich entwickelnden kommerziellen Seite verlieren". Kongreßmitglieder hoffen nun auf Grund des OTA-Berichts auf die Ausarbeitung einer
überparteilichen Gesetzesvorlage.
+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Haushalt 1984/85 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sparsame Bundesausgaben - keine Steuererhöhungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan unterbreitet Jahreswirtschaftsbericht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Begleitbotschaft des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Biotechnologie - Grundlage für künftige Schlüsselindustrie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zu einem Bericht des US-Amtes für Technologie-Bewertung -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
15. Februar 1984
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan fordert Neubeginn im amerikanisch-sowjetischen Verhältnis
- Rundfunkansprache des Präsidenten nach dem Tode Andropows Erklärung des Weißen Hauses zum Tode Andropows
Vizepräsident Bush zur Lage des Atlantischen Bündnisses
- Redetext für die Wehrkundetagung in München -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984
- Politische Willensbildung durch Vorwahl und Versammlung

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Astronauten im freien Flug
- CHALLENGER-Mission leitet neue Phase der Raumfahrt ein
NASA-Studie für 1985: Fast 7,5 Milliarden Dollar
- Vorstudien für die bemannte Raumstation -

BERICHTIGUNG

Um Über/enduno, von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

T

&amp;-- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�15. Februar 1984

REAGAN FORDERT NEUBEGINN IM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN VERHÄLTNIS
- Rundfunkansprache des Präsidenten nach dem Tode Andropows -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan erklärte
in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache am 11. Februar 1984 in Santa Barbara
in bezug auf den Tod des sowjetischen Staats- und Parteichefs Juri Andropow,
"wir könnten die Grundlage für ein starkes gegenseitiges Verständnis und für
konstruktive Zusammenarbeit schaffen, und es gibt für eine solche Anstrengung
in gutem Glauben keinen besseren Zeitpunkt als jetzt."
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Ich möchte zu Ihnen über ein Thema

sprechen, das uns Amerikaner stets beschäftigt, das aber heute angesichts des
Todes des sowjetischen Staats- und Parteichefs Juri Andropow von besonderer
Bedeutung ist:

unsere Beziehungen zur Sowjetunion.

Veränderungen in der Führung hat es in der Sowjetunion nicht oft gegeben. Juri Andropow war in den 66 Jahren seit der russischen Revolution erst
der sechste Mann an der Spitze der Kommunistischen Partei. In den letzten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In den letzten Monaten war er völlig den Blicken der Öffentlichkeit entzogen, so daß sein Tod für die Welt keine Überraschung war. Dennoch läßt die
Bedeutung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen sein Ableben zu einem
Ereignis werden, an dem erneut über die Richtung nachgedacht werden sollte,
m die diese Beziehungen gehen.

Die Veränderungen in Moskau sind eine Gelegenheit für beide Nationen,
den derzeitigen Zustand unserer Beziehungen genau zu überprüfen und über die
Zukunft nachzudenken. Wir wissen, daß unsere Beziehungen nicht so sind,
wie sie sein sollten. Wir haben weder aus unserer Haltung, noch aus den
Gründen dafür, ein Hehl gemacht. Was beide Seiten jetzt tun sollten.ist,
sich hinzusetzen und Wege zu finden, um einige der Probleme zu lösen, die
uns trennen.

Während ich Andropows Familie und der sowjetischen Regierung gegenüber mein Beileid zum Ausdruck brachte, betonte ich erneut Amerikas Wunsch
nach echter Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern. Gemeinsam können wir dazu beitragen, die Welt zu einem besseren und friedlicheren Ort zu
machen. Dies war auch meine Botschaft an das sowjetische Volk in meiner
Rede im vorigen Monat, in der ich auf die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen einging. In dieser Rede - ebenso wie in meiner vertraulichen Korrespondenz mit dem verstorbenen Vorsitzenden Andropow - unterstrich ich unsere
Verpflichtung zu einem ernsten und intensiven Dialog mit der Sowjetunion,
der darauf abzielen sollte, eine konstruktivere amerikanisch-sowjetische
Beziehung aufzubauen.

Es bleibt dies eine feste Verpflichtung, und Vizepräsident Bush wird
unsere Delegation nach Moskau zu Andropows Begräbnis anführen. Er wird begleitet vom Fraktionsführer der Mehrheit im Senat, Howard Baker, und unserem
Botschafter in Moskau, Arthur Hartman. Ich hoffe, daß sich für den Vizepräsidenten die Gelegenheit ergeben wird, mit dem neuen Generalsekretär zusammenzutreffen. Beim Eintritt in die Diskussion mit der sowjetischen Führung sind
wir uns der grundlegenden Unterschiede hinsichtlich unserer Werte und unserer

�t
*

und unserer Sicht in vielen internationalen Fragen bewußt. Wir müssen realistisch sein und dürfen nicht erwarten, daß diese Unterschiede weggezaubert
werden könnten. Aber Realismus sollte uns auch daran erinnern, daß unsere
beiden Völker gemeinsame Bande und Interessen teilen. Wir sind beide relativ
junge Nationen mit reichen ethnischen Traditionen und einer Pionier-Philosophie. Wir haben beide das schreckliche Trauma des Krieges erlebt. Wir
haben Seite an Seite bis zum Sieg über Nazi-Deutschland gekämpft. Und unsere
Söhne und Töchter haben nie gegeneinander gekämpft - auch wenn unsere Regierungen sehr unterschiedliche Ansichten haben. Wir müssen sicherstellen, daß
dies auch niemals geschieht.
Die Verhütung eines Krieges und die Verringerung der Waffen ist ein Ausgangspunkt für unser Verhältnis zur Sowjetunion.
Aber wir streben noch mehr an. Mit gutem Glauben auf beiden Seiten
sollte es meiner Meinung nach möglich sein, daß die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion damit beginnen könnten, über das Mißtrauen und die Abneigung
hinauszuwachsen, die unsere Beziehungen überschatten. Wir könnten die Grundlage für ein stärkeres gegenseitiges Verständnis und für konstruktive Zusammenarbeit schaffen, und es gibt für eine solche Anstrengung in gutem Glauben
keinen besseren Zeitpunkt als jetzt.
In dieser Zeit des Übergangs in der Sowjetunion sollten unsere beiden
Nationen in die Zukunft blicken. Wir sollten Möglichkeiten der Zusammenarbeit finden, um der Herausforderung, den Frieden zu bewahren, gerecht zu
werden. Unser Leben in diesem Atomzeitalter macht es zur Pflicht, daß wir
miteinander sprechen, unsere Meinungsverschiedenheiten erörtern und Lösungen
für die vielen Probleme suchen, die uns trennen.
Amerika ist dazu bereit. Wir würden Verhandlungen begrüßen. Und ich
wiederhole heute, was ich schon zuvor gesagt habe. Wir sind bereit, den
Sowjets bei der Suche nach beiderseitig annehmbaren Abkommen auf halbem Wege
entgegenzukommen. Ich hoffe, daß die Führung der Sowjetunion mit uns im
- 3 -

�uns im gleichen Geist zusammenarbeiten wird.

Ich lade sie dazu ein, die Ge-

legenheit zu ergreifen, die sich aus den Umständen ergibt, um ein stabileres
und konstruktiveres Verhältnis zu schaffen.

Wenn die sowjetische Regierung

Frieden möchte, dann wird es Frieden geben.
In den vergangenen Tagen wurden Millionen Menschen in der Sowjetunion,
in den Vereinigten Staaten und in allen anderen Ländern dieser Welt durch ein
großartiges Ereignis, die Olympischen Winterspiele, zusammengeführt.

Der

Wettkampf wird hart geführt,und wir setzen uns für die Männer und Frauen unserer jeweiligen Mannschaften ein.

Aber wir können - und sollten - die Siege

aller Athleten feiern, die sich im echten Geist der Sportlichkeit auseinandersetzen und die alle ihr Bestes geben.
Und wenn dann alle Veranstaltungen vorüber sind und unsere Mannschaften
in Freundschaft aufeinander zugehen, dann erinnern wir uns sicher daran, daß
wir eigentlich eine einzige Familie von Nationen sein sollten.
Wir, die wir an der Spitze von Regierungen stehen, sind dazu verpflichtet, uns ebenso stark um Zusammenarbeit zu bemühen, wie dies umgekehrt auch
unsere Athleten tun, die sich um den höchsten Lohn all der Anstrengungen ihres
Lebens bemühen. Wenn die sowjetische Regierung sich uns in diesem Geist anschließen würde, könnten wir gemeinsam eine sicherere und weit bessere Welt
für die Menschenfamilie schaffen - nicht nur für heute, sondern für viele kommende Generationen.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Februar 1984

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUM TOD ANDROPOWS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat anläßlich des Todes
des sowjetischen Staats- und Parteichefs Juri Andropow

seinen Wunsch nach

"Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in der Suche nach einer friedlicheren
Welt" bekräftigt.

In einer am 10. Februar 1984 herausgegebenen Erklärung

des Sprechers des Weißen Hauses, Larry Speakes, heißt es, das amerikanische
und da.s sowjetische Volk hätten ein gemeinsames Interesse an der Verhinderung eines Krieges sowie an der Verminderung der Rüstungen.
Auch Außenminister Shultz unterstrich in einer Erklärung, daß die Vereinigten Staaten sich um einen konstruktiven und realistischen Dialog mit der
Sowjetunion bemühten.
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident hat anläßlich des Todes von Staats- und Parteichef Andropow
ein Beileidstelegramm an den amtierenden sowjetischen Staatschef Kusnetzow
gesandt.

In dieser Botschaft bekräftigte der Präsident gegenüber dem sowje-

tischen Volk und der sowjetischen Regierung seinen Wunsch nach Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern in der Suche nach einer friedlicheren Welt.
Wie der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Wie der Präsident in seiner Ansprache vom 16. Januar nachdrücklich
unterstrichen hat, haben sich die Vereinigten Staaten - und sie werden es
weiterhin tun - um einen konstruktiven und realistischen Dialog mit der
Sowjetunion bemüht, der darauf abzielt, ein produktiveres und stabileres
Verhältnis zu schaffen.

Unser Ziel ist nicht der Dialog um seiner selbst

willen, sondern ein Dialog, der echte Lösungen für die zahlreichen, uns trennenden Probleme hervorbringt.
Ohne Frage gibt es fundamentale Unterschiede zwischen dem amerikanischen
und dem sowjetischen System und unseren entsprechenden politischen Überzeugungen.

Aber das amerikanische Volk und das sowjetische Volk haben ein gemein-

sames Interesse an der Verhinderung eines Krieges und der Verminderung der
Rüstungen.

Diese Notwendigkeit der Wahrung und Stärkung des Friedens ist

Kernstück der amerikanischen Politik.
Die Politik des Präsidenten gegenüber der Sowjetunion will Fortschritte
auf drei weitgefaßten Gebieten erreichen:

die Entwicklung von Mitteln und

Wegen, um die Anwendung und Androhung von Gewalt in den internationalen Beziehungen zu beseitigen; eine bedeutsame Reduzierung der gewaltigen Rüstungsvorräte in der Welt, insbesondere der Nuklearwaffen, und die Schaffung eines
besseren Arbeitsverhältnisses mit Moskau, das durch eine größere Zusammenarbeit und eine bessere Verständigung gekennzeichnet ist und sich auf gegenseitige Zurückhaltung und Achtung stützt.
In dieser Zeit des üoerganges in der Sowjetunion sollten unsere beiden
Nationen in die Zukunft schauen, um Mittel und Wege zur Realisierung dieser
Ziele zu finden.

Im Atomzeitalter gibt es keine Alternative zum Dialog.

Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die sowjetische Führung mit uns in
diesem Geist zusammenarbeiten und die sich bietenden Möglichkeiten nutzen
wird, um gemeinsame Grundlagen zu finden und ein beiderseitig nützliches Verhältnis zu schaffen.

+ + +

_

2

-

Die Erklärung

�Die Erklärung von Außenminister Shultz hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident hat der sowjetischen Führung zum Tode von Staats- und
Parteichef Andropow sein persönliches Beileid ausgesprochen, und ich habe
eine entsprechende Botschaft an Außenminister Gromyko gesandt.
Lassen Sie mich in dieser Zeit des Überganges in Moskau das Grundprinzip unserer Politik gegenüber der Sowjetunion bekräftigen.

Wir sind weiter-

hin zu einem konstruktiven und realistischen Dialog mit der Sowjetunion bereit.

In diesem Atomzeitalter werden die Vereinigten Staaten daran arbeiten,

ein stabileres und positiveres Verhältnis zu schaffen.
Wie der Präsident betont hat, suchen wir nach Lösungen für die wahren
Probleme, nicht nur nach einer Verbesserung der Atmosphäre unserer Beziehungen.

Dies trifft insbesondere auf die Aufgabe zu, gerechte und verifizier-

bare Abkommen für eine Rüstungsverminderung und eine Verringerung der Kriegsgefahr zu erreichen.
Der Präsident hat gegenüber dem sowjetischen Volk und der sowjetischen
Regierung seinen Wunsch nach einer konstruktiven Zusammenarbeit bei der Suche
nach Frieden deutlich gemacht.

Wir fordern die sowjetische Führung auf, mit

uns auf dieses Ziel hin zusammenzuarbeiten.

Die Chancen sind gegeben. Lassen

Sie uns die gemeinsamen Grundlagen finden und die Welt zu einem sichereren
Ort machen.

- 3 -

�ä

mIER

J 1 1 kl

1Dl Ell

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

15. Februar 1984

VIZEPRÄSIDENT BUSH ZUR LAGE DES ATLANTISCHEN BÜNDNISSES
- Redetext für die Wehrkundetagung in München MÜNCHEN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat für
die Tagung der Gesellschaft für Wehrkunde in München für den 11.
Februar 1984 eine Rede vorbereitet, die folgenden Wortlaut hat:

Ich freue mich sehr über die Einladung der Gesellschaft für
Wehrkunde, über einige der fundamentalen Herausforderungen zu
sprechen, vor denen die transatlantische Partnerschaft heute steht.
Vor allem möchte ich Baron von Kleist danken, dessen Einsatz,
Einfallsreichtum und jahrelange harte Arbeit so viel dazu
beigetragen haben, dass diese Konferenz zu dem geworden ist, was sie
heute bedeutet. In drei Jahrzehnten ist diese Einrichtung zu einem
Symbol der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Symbol der westlichen Zusammenarbeit und geistigen Kreativität
geworden. Sie hat auf beiden Seiten des Atlantik das Bewusstsein
und das Verständnis der Öffentlichkeit für die Notwendigkeit unserer
gemeinsamen Verteidigung geweckt. Wir alle, die wir den Beitrag
dieser Konferenz schätzen, haben auch eine grosse Dankesschuld
gegenüber einem grossen Amerikaner und einem grossen Befürworter des
Atlantischen Bündnisses, einem Mann, der starke Führung und grossen
Weitblick in der Stärkung der Sicherheit der westlichen Welt
aufgebracht hat: Senator John Tower.
Diese Konferenzen haben sich immer als ein empfindliches
Barometer für den Zustand des Bündnisses und den Stand der
Ost-West-Beziehungen erwiesen.
Das ist auch heute so. Die dringendsten Fragen, an die heute
jeder denkt, betreffen die Stärke unseres Bündnisses, den Stand der
Ost-West-Beziehungen und die Aussichten für die Zukunft.
Das Bündnis hat heute dank des Mutes und der Überzeugung der
Völker Westeuropas einen guten Stand. Trotz einer unablässigen
sowjetischen Propagandakampagne hat die NATO ihre eigene, 1979
getroffene Entscheidung erfolgreich ausgeführt, nukleare
Mittelstreckensysteme (INF) in Europa zu stationieren, wenn es nicht
gelinge, durch Verhandlungen die Drohung zu beseitigen, die die
unnachgiebige, einseitige Aufrüstung der Sowjetunion mit eigenen
INF-Waffen darstellt. Die Entscheidung für die Stationierung hing
von der Entschlossenheit von Millionen von Bürgern Europas ab.
Der Mut Ihrer Führer und Ihrer Bürger hat die NATO in die Lage
versetzt, erneut ihre Stärke und Vitalität zu beweisen.
Wie Präsident Reagan im vorigen Monat dem amerikanischen
Kongress und dem amerikanischen Volk erklärt hat, war 1983 ein Jahr
des politischen Mutes. Dank des Funktionierens der demokratischen
Systeme, die die NATO verteidigt, hatte die Bevölkerung eines jeden
der ursprünglichen Stationierungsländer im Jahre 1983 die
Möglichkeit, ihre Regierung zu wählen. In der Bundesrepublik
Deutschland, in Grossbritannien und in Italien haben sich die
neugewählten Regierungen
- 2-

�neugewählten Regierungen nachhaltig für die Durchführung der
NATO-Politik verpflichtet -- eine Politik, die -- wenn möglich -ein Rüstungskontrollabkommen anstrebt, die aber -- wenn notwendig -mit den Dislozierungen fortfährt, die notwendig sind, um das
Gleichgewicht wiederherzustellen und unsere Sicherheit zu schützen.
Und ich möchte mit allem Nachdruck sagen, dass in diesem Jahr
niemand mehr Mut gezeigt hat, als Bundeskanzler Kohl, Aussenminister
Genscher und Verteidigungsminister Wörner, der heute hier unter uns
ist.
Ich habe im vorigen Jahr drei Europareisen unternommen, die mir
eine einmalige persönliche Gelegenheit boten, mit führenden
Persönlichkeiten des Bündnisses zu sprechen und die öffentliche
Debatte über INF direkt zu beobachten. Ich war ungeheuer beeindruckt
von der Intensität, mit der sich alle Seiten diesem Thema zuwandten,
und von der Fähigkeit der Regierungen der Bundesländer, ihren
Völkern erfolgreich die komplexen Sicherheitsfragen und politischen
Probleme klarzumachen, um die es ging.
Während meiner Besuche habe ich immer wieder die Verpflichtung
der Vereinigten Staaten unterstrichen, gemeinsam mit unseren
Verbündeten in Genf auf ein Abkommen hinzuwirken, das die nuklearen
Mittelstreckensysteme auf den niedrigst möglichen Stand verringern
würde -- am liebsten auf Null; d.h. die Beseitigung dieser ganzen
Waffenkategorie überhaupt, das eigentliche moralische Ziel.
Ich möchte heute, da diese Dislozierungen begonnen haben, erneut
bekräftigen, dass das, was ich vor einem Jahr erklärt habe, auch
heute noch gilt: In dieser Erklärung steckt unsere feste Hoffnung,
dass die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zurückkehren wird.
Wir sind bereit und willens, mit der Sowjetunion über den ganzen
Bereich der Rüstungskontrolle und Rüstungsverminderung zu verhandeln
Jetzt, da die ersten INF-Dislozierungen sowohl unsere
Abschreckung als auch unsere Verhandlungsposition gestärkt haben,
müssen wir unsere Aufmerksamkeit dem entscheidenden Problem der
weiteren Stärkung der konventionellen Verteidigungskapazität der
NATO zuwenden,

�NATO zuwenden, die eine unerlässliche Ergänzung unserer nuklearen
Abschreckung darstellt. Ebenso wenig wie die NATO ein
destabilisierendes sowjetisches INF-Monopol akzeptieren könnte,
können wir es zulassen, dass die Sowjetunion auf dem Gebiet der
konventionellen Streitkräfte eine solche Überlegenheit erlangt, dass
sie zu einem konventionellen Angriff versucht sein könnte.
Und wenn die Sowjets, trotz unserer besten Anstrengungen, aus
einer falschen Überzeugung heraus einen konventionellen Angriff
beginnen sollten, dann müssen die konventionellen Streitkräfte der
NATO stark genug sein, eine glaubwürdige Verteidigung zu stellen,
damit die NATO nicht sofort vor der Entscheidung einer Eskalation
steht. Kurz gesagt, wir müssen die Nuklearschwelle hoch halten. Es
ist schon fast zu einem NATO-Klischee geworden, aber es muss immer
wieder gesagt werden: Die NATO braucht das ganze Spektrum der
Abschreckung vor allen möglichen Formen des Angriffs.
Wenn wir unsere konventionellen Streitkräfte stärken, dann
müssen sich unsere Anstrengungen auf beiden Seiten des Atlantik
gegenseitig unterstützen -- vor allem in den wirtschaftlich schweren
Zeiten, von denen sich mein Land, und auch das Ihrige, jetzt
erholen. Die Amerikaner haben nicht vergessen, dass die Vereinigten
Staaten einen viel höheren Prozentsatz ihres Bruttosozialproduktes
für die Verteidigung aufwenden als unsere NATO-Verbündeten. Die
Amerikaner haben festgestellt, dass in den letzten paar Jahren unser
Verteidigungsbeitrag um ein Mehrfaches der dreiprozentigen
jährlichen Steigerungsrate gestiegen ist, die die
NATO-Regierungschefs im Jahre 1978 vereinbarten, während mehr und
mehr unserer Verbündeten dahinter zurückgeblieben sind. Es liegt
auf der Hand, dass das Bündnis als Ganzes zu der Anstrengung
beitragen muss, die notwendig ist, um das konventionelle Element der
NATO-Triade zu stärken.
Wir sind uns über die schwierigen wirtschaftlichen Probleme
vieler unserer Verbündeten im klaren, und die NATO hat noch nie
verlangt, dass ihre Mitglieder Unmögliches leisten. Aber als
Politiker kann ich Ihnen sagen, dass weitere Erhöhungen des

-4 -

amerikanischen Beitrags

�amerikanischen Beitrags zur NATO-Verteidigung nur möglich sein
werden, wenn man sieht, dass die Anstrengung von beiden Seiten kommt.
Aber ich möchte hier kein düsteres Bild zeichnen. Wir sind
ermutigt über den konkreten Fortschritt, den wir als Bündnis auf
einer ganzen Reihe von Gebieten machen, wo ergänzende
Verteidigungsanstrengungen unerlässlich sind. Das Abkommen, das
Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner mit Verteidigungsminister
Weinberger erreicht hat und das die Verantwortlichkeiten und Lasten
der Modernisierung der Luftverteidigung mit dem amerikanischen
Patriot-Raketensystem und dem europäischen Roland-Abwehrsystem in
vernünftiger und fairer Weise verteilt, ist ein grosser Schritt
vorwärts.
Dieses neuartige Abkommen überwindet zusammen mit unserem
jüngsten Abkommen mit den Niederlanden über das
Patriot-Raketensystem eine Reihe von wirtschaftlichen Hindernissen
und modernisiert gleichzeitig die Luftverteidigung der NATO.
Dies ist ein wichtiges Beispiel innovativer Zusammenarbeit.
Aber wenn diese Programme ganz effektiv werden sollen, dann müssen
sich auch andere Verbündete daran beteiligen. Und wir werden uns um
Abkommen auch mit ihnen bemühen.
Wir sind ferner ermutigt über die Initiative der NATO auf dem
Gebiet neuentstehender Technologien, wie sie auf dem Bonner Gipfel
im Jahre 1982 gebilligt wurde. Diese Initiative wird, wie wir
hoffen, nicht nur die konventionelle Verteidigung der NATO stärken,
indem neuentstehende Spitzentechnologie auf die
Verteidigungsherausforderungen angewandt wird, vor denen wir stehen,
sondern auch die industrielle Basis der Verteidigung auf beiden
Seiten des Atlantik stärken und zu einer ausgeglicheneren
"Zweibahnstrasse" in der Verteidigungsbeschaffung beitragen.
Obwohl wir durch diese Erfolge ermutigt sind, wissen wir doch,
dass eine Vielfalt von Verbesserungen der konventionellen
Verteidigung ansteht, die unsere unmittelbare Aufmerksamkeit
- 5 -

erfordert.

So

�erfordert. So müssen wir beispielsweise grössere Anstrengungen
darauf verwenden, ausreichende Vorräte an konventioneller Munition
für die verbündeten Armeen in Europa zu gewährleisten, vor allem an
höchst wirksamer moderner Munition. Wir müssen daran denken, unsere
jährlichen beiderseitigen Beiträge zur Finanzierung der ewig
hinausgeschobenen Infrastrukturprojekte der NATO zu erhöhen. Und
wir müssen gemeinsam sorgfältiger überlegen, wie die Mitglieder der
NATO mehr dazu beitragen können, um Sicherheitsprobleme zu
bewältigen, die das Bündnis ausserhalb seines traditionellen
Verantwortungsbereichs berühren.
Das sind nur einige wenige Beispiele, aber sie führen alle zu
einer Schlussfolgerung: Wir können und müssen zusammenarbeiten, um
die konventionelle Verteidigung der NATO stark zu halten, wenn wir
weiterhin vor einem Krieg in Europa abschrecken wollen -- und vor
allem vor einem Atomkrieg.
Im vergangenen Monat hielt Präsident Reagan eine
richtungsweisende Rede über das Thema der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen. Darin legte er die massgeblichen Prinzipien -Realismus, Stärke und Dialog -- fest, die bei dem Bemühen Anwendung
finden sollten, drei grosse Ziele anzustreben:
-- Verringerung und schliesslich Beseitigung von Androhung und
Anwendung von Gewalt bei der Lösung internationaler Streitigkeiten;
-- Verringerung der umfangreichen Waffenlager auf der Welt; und
-- Schaffung eines besseren Arbeitsverhältnisses zur Sowjetunion.
In der Rede des Präsidenten wurde dessen volle Unterstützung der
Brüsseler Erklärung vom vergangenen Dezember zum Ausdruck gebracht,
in der die Aussenminister der NATO einen umfassenden politischen
Dialog mit der Sowjetunion forderten.
Die Hindernisse für bessere Ost-West-Beziehungen sind gewaltig,
und rascher Fortschritt in den Problembereichen, die der Präsident
nannte, ist realistischerweise nicht zu erwarten. Aber die
-6-

Ost-West-Beziehungen

�Ost-West-Beziehungen können erst dann auf eine solidere und
konstruktivere Grundlage gebracht werden, wenn es in allen diesen
Bereichen echten Fortschritt gibt.

Wir sind zu einem solchen

Fortschritt bereit, und wir würden die Sowjetunion nur zu gern auf
neue Weise herausfordern -- unsere Herausforderung und unsere
Einladung an sie lautet, sich uns bei einer verstärkten Suche nach
einem dauerhaften Frieden anzuschliessen.
Es war dies die Einstellung von Aussenminister Shultz, als er in
Stockholm über fünf Stunden lang mit Aussenminister Gromyko -- zwei
Tage nach der Rede Präsident Reagans -- zusammentraf.

Diese

Gespräche hatten die ganze Bandbreite der uns trennenden Probleme
zum Thema.

Die Gespräche waren, wie Aussenminister Gromyko sagte,

"notwendig", und wir sind der Ansicht, sie waren nützlich.

Wir

möchten, dass ernsthafte und sachliche Diskussionen dieser Art auch
weiterhin stattfinden.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation vom 25. Januar
unterstrich Präsident Reagan erneut seine Verpflichtung -- unsere
Verpflichtung --, eine konstruktivere Beziehung zur Sowjetunion
herzustellen, sobald die Sowjetunion bereit ist, uns auf halbem Wege
entgegenzukommen.
Wir wissen nicht, wie die Sowjetunion reagieren wird.
Sowjetische Sprecher sagen lediglich, ihre Position würde überprüft.
Aber ich kann nur sagen, dass wir in den Vereinigten Staaten
wissen, wo wir stehen.
stark sein;

Wir werden realistisch sein;

wir werden

und wir werden zu echten Verhandlungen bereit sein.

Wir wollen Dialog mit Substanz, einen Dialog, bei dem die Interessen
beider Seiten in Rechnung gestellt werden, und einen Dialog, aus dem
ausgewogene Abkommen hervorgehen, die dazu beitragen, die Welt zu
einem sichereren und friedlicheren Ort zu machen.
Es gibt in meinem Land und in allen Ihren Ländern Leute, die die
derzeitige Weltlage als angespannter und gefährlicher beschreiben

- 7-

möchten, als

�möchten, als wir sie seit vielen Jahren gehabt hätten.
diese Darstellung aus zweierlei Gründen zurück.

Ich weise

Erstens bin ich davon überzeugt, dass die grössere Stärke des
Westens - wie sie sich im Wiederaufbau der Streitkräfte Amerikas und
in der Durchführung des INF-Beschlusses der NATO zeigt - die Welt
nicht zu einem gefährlicheren, sondern zu einem sichereren Ort
macht. Es ist nur natürlich, dass die Sowjets murrend ihren Ärger
hierüber zum Ausdruck bringen, aber wir dürfen uns durch diese
Reaktion nicht bange machen oder abschrecken lassen. Die
sowjetische Führung besteht aus zähen Leuten, die es vorgezogen
hätten, sich mit einem geschwächten Amerika und einem sich in
Unordnung befindlichen Bündnis auseinanderzusetzen. Die sowjetische
Führung ist aber auch realistisch, und ich bin überzeugt, dass sie
in der Erkenntnis, dass unsere Bemühungen um ein besseres
Arbeitsverhältnis zu ihr ernstgemeint sind, mit der Zeit auf unsere
ersten Schritte in Richtung auf einen verbesserten Dialog und ein
besseres Verständnis entsprechend reagieren wird.
Der zweite Grund dafür, dass ich die heute so oft gehörten
Klagelieder der Pessimisten zurückweise, liegt in meiner direkten
Kenntnis Ronald Reagans. Ich kenne ihn gut - sowohl als Präsident
der Vereinigten Staaten wie auch als Menschen. Ich weiss, warum er
Stärke anstrebt: Eben darum, dass er umso wirksamer den Frieden
anstreben kann. Hören Sie diese Worte aus seiner Rede:
"Die Abschreckung Amerikas ist heute glaubwürdiger, und sie
macht die Welt zu einem sichereren Ort.
Stärke und Dialog gehen Hand in Hand...Wir werden niemals vor
Verhandlungen davonlaufen.
Mein Traum ist es, den Tag zu erleben, an dem alle Atomwaffen
vom Antlitz dieser Erde verbannt sind."
Dies wurde öffentlich gesagt, vor einer weltweiten Zuhörerschaft. Ich höre dieselben Worte - im Privaten gesprochen - von
einem Mann,

�einem Mann, den ich jeden Tag sehe. Ronald Reagans sehnlichster
Wunsch ist eine stabile und friedliche Welt.
Er ist nicht bestrebt, der Sowjetunion - aus einer Position der
militärischen Überlegenheit heraus - Konzessionen abzuringen. Er
ist bestrebt, mit den Sowjets nüchtern über die vielen Probleme zu
sprechen, vor denen alle Völker stehen - dem unmittelbaren Problem
des Friedens, und darüberhinaus über die drohend aufragenden Fragen
der Bevölkerungsdichte der Welt, der Nahrungsmittelproduktion und
der Erhaltung dieser zerbrechlichen und schönen Welt, in der wir
alle leben.
Vor v/enigen Tagen hat Ronald Reagan seine Kandidatur für eine
zweite Amtsperiode als Präsident angekündigt. Mit Interesse sah ich
die weltweiten Reaktionen auf diese Ankündigung, die aus praktisch
allen Ländern der Erde kamen. Die meisten Pressereaktionen waren
so, wie man sie erwartet hatte. Was mich jedoch am meisten
beeindruckte, waren die positiven Reaktionen in der Presse der
neutralen Länder aller Erdteile. Die Zeitungen in Ländern wie
Indonesien, Brasilien, der Schweiz und Österreich -- sie alle
begrüssten diese Ankündigung. Sie nannten die Leistungen, die er
bei der Wiedergewinnung der Stärke Amerikas und dem neuen
Sebstvertrauen erreicht hatte, und sie erwähnten anerkennend den
Beitrag, den all dies zur Stabilität der Welt leistet. Diese Länder
sahen Ronald Reagan so, wie man ihn sehen sollte -- sicherlich als
einen Mann der Stärke, aber in einem noch tieferen Sinn als einen
Mann des Friedens.
Während ich heute zu dieser distinguierten Zuhörerschaft
spreche, ist mein unmittelbarstes Gefühl das des Optimismus. Ich
bin sicher, dass Sie grundsätzlich die Hauptgedanken dessen
verstehen und akzeptieren, was ich Ihnen darlege. Ich bin indessen
weniger sicher, dass die jungen Menschen in unseren Ländern ebenso
reagieren. Sie haben den Zweiten Weltkrieg und die tragische Zeit
davor nie erlebt. Ich habe mittlerweile gelernt -- aus Gesprächen
mit meinen Kindern und ihren Freunden --, dass die Lehren der
Vergangenheit rein theoretisch nur schwer zu vermitteln sind. Jede

- 9-

Generation möchte

�Generation möchte ihre eigenen Lehren ziehen. Ich stimme dem
durchaus zu, solange diese neuen Lektionen dadurch gelernt werden,
dass man sich wissend mit den grossen Fragen des Tages beschäftigt.
Deshalb sage ich zu den jungen Menschen in Westeuropa und in
Amerika: Sie alle haben die Freiheit, zur Stärke des Westens
beizutragen, die sich aus seinen politischen Institutionen, seinem
technologischen Fortschritt, seinem Glauben an die Rechte des
einzelnen und seine Verpflichtung zu Freiheit und Demokratie
ergibt. Jenen jungen Leuten, die konkretere Aufgaben suchen,
empfehle ich die drei grossen Ziele in der Rede des Präsidenten -Verringerung der Drohung eines Waffeneinsatzes, die Verringerung der
Waffenlager und die Entwicklung eines besseren Arbeitsverhältnisses
zur Sowjetunion.
All dies sind Ziele, die es wert sind, dass man sich ein Leben
lang für sie einsetzt. Aber wenn man sich auf verantwortungsvolle
Weise daranmacht, diese Ziele zu erreichen, dann muss zu Beginn die
ehrliche Einsicht stehen, dass die Ost-West-Probleme eine ganz
entscheidende sowjetische Komponente haben. Daher werden Vorschläge
für gänzlich einseitige Lösungen einfach nicht funktionieren. Eine
verantwortungsbewusste, durchdachte Haltung hinsichtlich des
Erreichens dieser Ziele macht es erforderlich, sich konkret auch mit
der sowjetischen Komponente auseinanderzusetzen.
Erfolg in diesen Bereichen bedeutet, dass die jungen Menschen
von heute an ihre Kinder eine Welt weitergeben können, die sicherer
ist als jene, die sie ererbt haben. Ein solches Ziel bedarf der
Pflichterfüllung, nicht des Wehklagens, des kraftvollen Bemühens und
nicht der Schwäche. Ist es erst einmal erreicht, so bringt es mit
sich das unbezahlbare und befriedigende Gefühl, etwas geleistet zu
haben -- und nicht jenes der Traurigkeit, weil eine Chance
ausgelassen wurde.
Warum dränge ich auf diese Anstrengungen bei der Verteidigung
der NATO, bei der Rüstungsverringerung und bei den
Ost-West-Beziehungen? Ich werde Ihnen sagen, warum. Nie wurde ich
auf dramatischere
- 10 -

�auf dramatischere Weise daran erinnert, dass wir den Frieden
verteidigen und die Freiheit fördern müssen, als bei meinem Besuch
eines bayerischen Dorfes vor einem Jahr. Gottmannsgrün, dieser
schöne kleine Ort, der so typisch für diese malerische Gegend ist,
wird durch die grausame Grenze getrennt, die noch immer das deutsche
Volk teilt. Die Einwohner der anderen Seite wurden umgesiedelt, so
dass der östliche Teil des Ortes praktisch verödet ist. Der
westliche Teil, obgleich so klein, gedeiht. Dazwischen gibt es
Hunde, Wachttürme und Minen, damit die Menschen im Osten nicht in
die Freiheit auf der anderen Seite gelangen können. Es ist
tragisch, dass wir noch immer solch lebende Beispiele für die
grundlegenden Unterschiede haben, die es zwischen den Prinzipien
gibt, die die westlichen Gesellschaften inspirieren, und jenen, die
die Systeme des Ostens antreibt.
Die westliche
Freizügigkeit von
hat, diese Ideale
abhängig sind, um
nicht davonläuft.

Gesellschaft gedeiht, weil sie für die
Menschen und Ideen eintritt und weil sie den Mut
gegenüber jenen zu verteidigen, die von Mauern
das Volk einzusperren und von Polizei, damit es

Sie gedeiht, weil sie Kreativität auf allen Gebieten begrüsst
und fördert, und weil sie dafür kämpft, die Rechte des einzelnen zu
schützen, von denen aller politische und soziale Fortschritt abhängt.
Und sie gedeiht, weil die Staaten des Bündnisses sich zur
Zusammenarbeit verpflichtet haben, um Frieden in Freiheit zu
sichern, während sie gleichzeitig ihre Individualität und
Souveränität bewahren.
Diese gemeinsamen westlichen Werte geben unseren Gesellschaften
ihre Stärke und Dynamik.

Sie geben unserem gemeinsamen Bemühen eine

Zielsetzung, die unsere Einheit bewahrt und den Erfolg unseres
gemeinsamen Unterfangens sicherstellt.
Das Bündnis

�Das Bündnis ist durch eine Zeit der Prüfung hindurchgegangen.
Die Durchsetzung des INF-Beschlusses vom Dezember 1979 brachte
ernste Spannungen. Aber obgleich Institutionen -- genau wie
Menschen -- unter einem Druck zerbrechen können, dem sie nicht
standzuhalten vermögen, werden sie durch Druck gestärkt, den sie
erfolgreich ertragen. 1983 war ein Jahr der Herausforderungen, der
erfolgreich gemeisterten Herausforderungen. 1984 wird ein Jahr
grosser Gelegenheiten sein. Wir sind mit der Herausforderung
fertiggeworden. Ergreifen wir jetzt diese Gelegenheiten.

+ + + + +

- 12 -

�7
15. Februar 1984

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
Politische Willensbildung durch Vorwahl und Versammlung
( 1)

- (AD) - Der Prozeß der Wahl eines Präsidenten der Vereinigten Staaten
beginnt etwa zehn Monate vor
dem Wahltan &lt;pihc+- D •. .
Maaten
ar des Wahliahr0c + * or °em Wahltag selbst. Bereits im Januar und Februn a
r
?
" 6rSten N ° minierUn ^Versammlungen zusammen, um die
Kandidaten für die Parteikonvente aufzustellen.
Territori^T11'^150"6 *™
"« " d1eSaB ^
™ 34 Bundesstaaten und
er itor e Vorwahlen abhalten und in den restlichen Staaten das Caucusde " r t J on ent 5 " 5 '" t " ^
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- die Kandidaten für
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" « kennen.
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7
^ Vi2epräsid - t Bush bereits - am 29. Oanuar 1984
ihre Kandidatur angemeldet haben Hü^f+a * k 4
kandidaten geben.
" ^ "" N»bl1k.„.rn kau, Gegen-

und d l l ' i ! Z k r ^ h ! P a r U i "ird " * B u n d « s t « t - Vorwahlen v e r e n g t e n ,
und d,. ,. Ausland lebenden D e k a t e n sollen per Bnefvorwahl die MbglichkeU

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Möglichkeit erhalten, die Kandidaten für den Parteikonvent - vom 16. bis
20. Juli in San Franzisko - zu nominieren.

In den anderen Staaten wird es

ebenfalls zu Partei Versammlungen kommen. Aussichtsreichster Bewerber bei den
Demokraten ist gegenwärtig der ehemalige Vizepräsident Walter Mondale.
Die ersten Partei Versammlungen der Demokraten sind für den 20. Februar
im Staate Iowa angesetzt.

Die erste Vorwahl findet traditionsgemäß im Staate

New Hampshire statt; in diesem Jahr am 29. Februar.
Das Caucus-System, d.h. die Abklärung der Kandidaten auf innerparteilichen Versammlungen - nach den Statuten der Partei und von Einzel Staat zu
Einzel Staat leicht verschieden - wurde bereits vor über 200 Jahren in den USA
praktiziert.

Bis 1928 wurden alle Präsidentschaftskandidaten auf diesem Weg

ermittelt, wobei die Nominierungsversammlung, der Caucus, meist aus den Kongreßmitgliedern der jeweiligen Partei bestand.

Dieses System wurde

dann so weit

ausgebaut, daß zunächst die Parteimitglieder auf örtlicher Ebene - die Zahl
kann von einem Dutzend bis zu über 100 reichen - ihre "Vorliebe" für ihren
Kandidaten zum Ausdruck bringen.

Aus dieser Versammlung auf Ortsebene gehen

die Delegierten für die Nominierungsversammlungen auf Kreisebene und aus diesen die Vertreter für den "Caucus" des Gesamtstaates hervor.

Diese Delegier-

ten sind - mehr oder weniger - durch ein Mandat der Parteimitglieder gebunden,
für diesen oder jenen Kandidaten zu stimmen.

So ergibt sich dann für den na-

tionalen Parteikonvent eine Delegation der einzelnen Staaten, die praktisch
auf einen Kandidaten festgelegt ist. Auf dem Nominierungskonvent, dem "Abschluß-Caucus", können jedoch ebenfalls noch Verschiebungen eintreten, wenn
zu viele Kandidaten und damit keine klare Mehrheiten vorhanden sind.
Dieses System der Demokratie "von der Wurzel", das nach den Gesetzen
der Partei abläuft, zeigte jedoch auch gewisse Nachteile. Anfang des 20. Jahrhunderts geriet das System in Verruf, da der Vorwurf erhoben wurde, die ParteiBosse manipulierten diese Nominierungsversammlungen, indem sie nur die ihnen
genehmen und ihren Plänen dienlichen Mitglieder zuließen.

Die Reformer ge-

wannen an Boden,und im Jahr 1908 wurde zum ersten Mal nach einzelstaatlichem
- 2 -

�nach einzelstaatlichem Gesetz eine Vorwahl abgehalten, bei der jedes Parteimitglied in geheimer Abstimmung seine Präferenz für einen Kandidaten oder Delegierten zum Ausdruck bringen kann.

Trotzdem blieb das Caucus-System - bis 1976 - die Hauptmethode der Kandidatenauswahl. Beide großen Parteien, Demokraten wie Republikaner, haben das
System in den letzten Jahren grundlegend reformiert, so daß eine repräsentativ
Vertretung aller Mitglieder und Gruppen gewährleistet und eine einigermaßen
klare Festlegung der Delegierten auf einen Kandidaten je nach dem Abstimmungsergebnis der Nominierungsversammlungen gesichert ist. Dabei muß bei den Demokraten beispielsweise ein Kandidat mindestens 15 Prozent der Stimmen auf sich
vereinen, wenn er weiterkommen will.

Die Verfechter des Caucus sind der Auffassung, daß bei diesen Nominierungsversammlungen das einzelne Parteimitglied seinen Einfluß bei der Debatte
in die Waagschale werfen kann und sich eine echte politische Willensbildung
vollzieht.

Die Vorwahl

Auch das System der Vorwahlen ist nicht in allen Staaten, in denen es
praktiziert wird, einheitlich. Auf jeden Fall beruht es jedoch auf einem vom
Parlament des jeweiligen Staates verabschiedeten Gesetz und ist also damit dem
unmittelbaren Zugriff der Parteien entzogen.

In diesem Zusammenhang kommt auch die künftige Entwicklung der Parteien
ins Spiel. Es ist die Frage, ob die Demokratische Partei - oder auch die
Republikanische - auf Bundesebene weiterhin ein loser Zusammenschluß von Parteien der Einzel Staaten (und deren gesetzlichen Bestimmungen) sein oder sich zu
einem starken Verband entwickeln wird, der den Staaten die Regeln vorschreibt.

Bis 1912

�Bis 1912 waren bereits 12 Staaten zum Vorwahlsystem übergegangen, jedoch zeigte sich auch da schon eine Schwäche dieses Systems.

Der Kandidat

der Republikaner, der frühere Präsident Theodore Roosevelt, gewann zwar in
neun der 12 Staaten die Vorwahlen, der auf dem Parteikonvent dann gewählte
Kandidat war jedoch der (noch im Amt befindliche) Präsident Howard Taft.
Roosevelt kandidierte dann für eine neugeschaffene Progressive Partei, aber er
verlor ebenso wie Taft gegen den demokratischen Gegenspieler Woodrow Wilson.
Mit der Zeit kühlte sich die Begeisterung der Kandidaten für das Vorwahl-System etwas ab, da es sich als recht kostspielig und zeitraubend erwies.
Nach dem Kriege, als politische Persönlichkeiten, die bei der Parteiführung nicht unbedingt vollen Beifall fanden, den Weg ins Weiße Haus suchten, kam das Vorwahl-System zu neuer Blüte. Männer wie Harold Stassen (1948),
Estes Kefauver (1952) oder Barry Goldwater (1964) wurden durch Vorwahlen populär, wenn sie dann auch den Wahlsieg nicht schafften, wie es John F. Kennedy
(1960), Richard M„ Nixon "(1968) und Jimmy Carter (1976) gelang.
Das System hat, wie alle vom Menschen erdachten politischen Systeme
auch noch andere Schwächen» So kann beispielsweise nach der republikanischen
Regel, daß der Kandidat mit den meisten Stimmen die gesamten Delegiertenstimmen eines Staates erhält, bei drei oder mehr Kandidaten ein Mann auf den Schild
gehoben werden, der nicht die absolute Mehrheit der Stimmen hat. Die Demokraten haben die "winner-take-call"-Regel untersagt und praktizieren eine "proportionale Repräsentation", wobei ein Kandidat allerdings mindestens 15 Prozent
der Stimmen erhalten muß, um berücksichtigt zu werden.
Im Grunde bleibt einem Kandidaten nichts anderes übrig, als sich bei
den Vorwahlen zu engagieren und die Nominierungsversammlungen nicht zu vernachlässigen - Primary und Caucus in all ihren Varianten sind und bleiben
von Bedeutung,

+ + + + +

_ 4_

�15. Februar 1984

7

ASTRONAUTEN IM FREIEN FLUG
CHALLENGER-Mission leitet neue Phase der Raumfahrt ein -

- (AD) - "Ein wunderbarer Flug über einer wunderbaren Erde" - so faßte
Vance Brand (52), Kommandant der Raumfähre CHALLENGER, die Eindrücke von acht
Tagen Aufenthalt im All zusammen.
nischen Raumtransporters.

Es war der zehnte Einsatz eines amerika-

Die fünfköpfige Besatzung an Bord, der außer Brand

Robert Gibson (37) als Kopilot und die drei Missionsspezialisten Bruce McCandless (46), Ronald McNair (33) und Robert Stewart (41) angehörten, hatte
seit dem 3. Februar 1984 die Erde umkreist.

Am 11. Februar 1984, wenige Mi-

nuten nach Sonnenaufgang am Kap Canaveral, kehrte die Raumfähre bei idealem
Wetter zurück.
Von Westen kommend, hatte CHALLENGER im letzten Teil der Abstiegsbahn
die Halbinsel Florida und den Landebereich an deren Ostseite mit fast dreifacher Schallgeschwindigkeit überflogen.

Draußen über dem Atlantik zog sie

eine Schleife, wobei die Fluggeschwindigkeit weiter verringert wurde, und
kam dann von Nordosten her zurück.

Mit 340 Stundenkilometern setzte

sie auf der neu angelegten, 4500 Meter langen Betonpiste auf, rollte aus wie
ein normales Passagierflugzeug und kam nach 3000 Metern zum Stehen.

Zum ersten

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�Zum ersten Mal war eine amerikanische Raumfähre am Kap Canaveral gelandet,
nur acht Kilometer von dem Punkt entfernt, an dem sie acht Tage zuvor gestartet worden war.
schleppt.

Schon wenige Stunden später wurde CHALLENGER zum Hangar ge-

Die Ingenieure und Techniker haben zusätzliche acht Tage für die

Inspektion, für Wartungsarbeiten und die Vorbereitung des nächsten Einsatzes
gewonnen - acht Tage, die bisher für den Rücktransport des Raumgleiters vom
kalifornischen Landeplatz zum Kennedy-Raumflugzentrum in Florida benötigt
wurden.

Mit Manövriergerät im freien Raum
Ein ganz wichtiger Programmpunkt des jüngsten Unternehmens war die Erprobung des Manövriertornisters, mit dem sich Astronauten frei im Raum bewegen können.

Bruce McCandless und Robert Stewart entfernten sich mit dem

über dem Schutzanzug durch Einrast-Mechanismen leicht anzulegenden "Rucksack"
bis etwa 100 Meter vom Mutterschiff CHALLENGER,mit dem sie nicht einmal mehr
durch eine Sicherheitsleine verbunden waren.

Sie wurden so zu selbständigen

Satelliten der Erde - "die kleinsten bemannten Satelliten, die es bisher gab",
meinte McCandless.
Die mit Stickstoffgas betriebenen 24 Düsen des Manövriergeräts ermöglichen eine sehr exakte und weiche Impulsdosierung. Aus zwei Kaltgas-Tanks
werden je 12 Düsen in einer Aufteilung gespeist, die selbst bei Ausfall einer
Treifstoffeinheit die Bewegungsfähigkeit und Flugsicherheit des Astronauten
gewährleistet. Die Annäherungsgeschwindigkeit an ein Objekt im Weltraum kann
sehr niedrig gehalten werden, z.B. mit einer Fortbewegung von wenigen Zentimetern pro Sekunde. Eine Beschleunigung auf maximal 18 Meter pro Sekunde ist
zur Oberwindung größerer Strecken möglich. Der Astronaut betätigt am vorderen
Ende der verstellbaren Armstützen mit leichtem Druck einen Steuerungshebel.
Mit der rechten Hand wird die Fluglage gesteuert, wobei drei Kreisel (je
einer für Bewegungsmomente in der Längs-, Seiten- und Höhenachse) das Einhalten der Position im freien Raum sichern und gleichzeitig den Verbrauch von
- 2 -

�Verbrauch von Stickstoffgas auf einem Minimum halten.

Der mit der linken

Hand betätigte Hebel aktiviert jene Düsen, die die Impulse zum Bewegen von
Punkt zu Punkt geben - vorwärts, rückwärts, seitwärts, nach oben und unten.
Insgesamt 729 Befehlskombinationen für die Fortbewegung im Raum sind berücksichtigt.

Der Astronaut braucht sich nicht darum zu kümmern, welche der Kalt-

gasdüsen "feuern".

Entsprechend der Eingabe über den Handsteuerungshebel be-

sorgt dies die Elektronik des Systems. Als Energiequelle dienen zwei 16,8Volt-Silber-Zins-Batterien.

Sie liefern genug Strom für eine Arbeitsdauer von

sechs Stunden im Weltraum.
Das Gerät allein hat mit Treibstoff eine Masse von 136 kg, ist 120 cm
hoch, 81 cm breit und, mit ausgefahrenen Armen, 110 cm tief. Jeder Tank
(25 x 76 cm groß) faßt 5,6 kg Stickstoff. Mit einem Kostenaufwand von über
50 Millionen Dollar wurde das Manövriergerät von der Fa. Martin Marietta in
Denver (Colorado) unter intensiver Mitarbeit von Bruce McCandless entwickelt.
Stückpreis: 10 Millionen Dollar. Die praktische Erfahrung im Weltraum bestätigte, was sich bereits beim Training zeigte, daß es sehr einfach zu handhaben ist.
Vorerst wird der Antriebstornister gebraucht, wenn z.B. während eines
Raumtransporterfluges ein reparaturbedürftiger unbemannter Satellit an Bord
geholt werden soll.

Selbstverständlich müssen seine Bahndaten die Voraus-

setzungen für ein "Rendezvous" mit dem innerhalb gewisser Grenzen manövrierbaren "Space Shuttle" erfüllen.

Dies trifft für den Satelliten SOLAR MAXIMUM

zu, der im Februar 1980 für Aufgaben der Sonnenforschung gestartet wurde, jedoch seit zweieinhalb Jahren nicht mehr funktioniert.

Die Kosten für das

Einholen und Reparieren sowie erneutes Absetzen des SOLARMAX
werden auf 45 Millionen Dollar geschätzt.

im Weltraum

Bereitstellung und Start eines

neuen Satelliten dagegen würde ca. 200 Millionen Dollar kosten.

So werden

zwei Astronauten beim nächsten CHALLENGER-Flug im April versuchen, das defekte
Forschungsgerät an Bord zu holen.
Als Generalprobe

- 3 -

�Als Generalprobe dafür war eine Reihe von Aufgaben gedacht, die McCandless und Stewart während ihres je sechsstündigen Außenaufenthalts am
fünften und siebenten Flugtag erfüllen sollten.
war ein voller Erfolg.

Der erste Tag im freien Raum

Beim zweiten Ausstieg ergaben sich Probleme mit der

Einhaltung des Programms, weil das "Handgelenk" des 15 m langen, mehrgliedrigen Hebe- und Greifarms plötzlich nicht mehr zu bewegen war.

So mußte auf

Arbeiten mit Werkzeug auf einer am Kranende montierten Plattform und auf das
Andocken an einem rotierenden Obungsobjekt, das der Greifarm in den Weltraum
hinaushalten sollte, verzichtet werden.

Aber an Bord wurde improvisiert, die

beiden Missionsspezialisten fanden genügend anderes zu tun.

Als McCandless

eine gerade ins All entschwebende Fußhaiterung entdeckte, die sich im Laderaum gelöst hatte, ergab sich eine unerwartete Gelegenheit, das Einfangen
und Bergen eines

Objektes zu üben.

Kommandant Brand manövrierte den Orbiter

so exakt und vorsichtig auf dieses zu, daß der Astronaut, mit einer Hand am
Führungsseil im rückwärtigen Teil der Ladebucht, es greifen und hereinholen
konnte.
NA

Später, beim Aufbau und Betrieb von Raumstationen, werden Marvivriertornister eine besonders wichtige Rolle spielen. So sind beispielweise freifliegende unbemannte Plattformen als Instrumententräger vorgesehen, -\\e mit
der Raumstation um die Erde kreisen. Es müssen Filmkassetten gewechselt
Batterien ausgetauscht und Kameralinsen gesäubert werden. Dies werden Astronauten von der Raumstation besorgen. Auch ließe sich auf diese Weise der
Start von Satelliten im Kundenauftrag von Bord des Orbiters verbilligen.
"Bei vielen dieser Satelliten werden Solarzellen-Platten, Radar- und Funkantennen durch Aktivierung kleiner Motoren automatisch ausgefahren. Würden
dies die Astronauten tun, ließen sich die teuren Motoren einsparen", meint
Keith Hudkins von der NASA-Abteilung für Raumfährenprojekte.
Auch das Auftanken eines Satelliten wurde am Modell geprobt.

Man will

bei einem späteren Unternehmen (Oktober 1985) versuchen, den Erderkundungssatelliten LANDSAT 4 zu bergen, zu reparieren und aufzutanken. Statt des
gefährlichen hypergolisehen Treibstoffs wurde beim jetzt im Laderaum durch- 4 -

�Laderaum durchgeführten ersten Versuch allerdings nur gefärbte Freon-Flüssigkeit benutzt.

Es ging vor allem darum, zu beobachten, ob und wie sich eine

Flüssigkeit unter Schwerelosigkeit umfüllen läßt. Allein durch die Versorgung mit neuem Treibstoff, der für die Lageregelung und Flugstabilisierung
benötigt wird, ließe sich die "aktive

Lebensdauer" eines unbemannten Satel-

liten um Jahre verlängern.

Wissenschaftliche Experimente
Zu den zahlreichen Experimenten an Bord der CHALLENGER gehörte auch
eine von Dan Weber, Student an der Cornell-Universität, entwickelte Versuchseinheit, mit der an Ratten die Auswirkung von Schwerelosigkeit auf Gelenkerkrankungen studiert wurde.

Und wie schon bei vier früheren Einsätzen wurde

erneut der Monodispersionsrekator mitgeführt, mit dem Latex-Kügelchen ganz
bestimmter Größe als Träger für Medikamente erzeugt werden.

Im Weltraum ist

es möglich, große Mengen davon im Größenbereich zwischen fünf und 20 Mikron
(ein Mikron entspricht einem Tausendstel Millimeter) herzustellen, während
der Schwerkrafteinfluß auf der Erde die Größe stark variieren läßt.

Das

"National Bureau of Standards"(NBS) benutzt bereits die 10-Mikron-K'ügelchen
aus dem Weltraum zum Eichen bei medizinischen und wissenschaftlichen Ausrüstungen.

Dem US-Amt für Luft- und Raumfahrt gab NBS den Auftrag, in vier

späteren Orbiter-Einsätzen, von denen der erste 1985 stattfinden soll, Partikel in den Größenbereichen von 30 bis 100 Mikron herstellen zu lassen.
Mit einem neuen Typ von Elektrophorese-Experiment (der sog. isoelektrischen Fokusierung) sollten biologische Substanzen beim Passieren eines
elektrischen Feldes entsprechend ihrer elektrischen Ladung an der Oberfläche
voneinander getrennt werden.

Das Experiment wird 1984 im Auftrag von For-

schungsinstituten zweimal geflogen, wobei es um die Trennung von Eiweißverbindungen geht.

Einige der fünf "Getaway Specials", Experimente in genormten

Kanistern, enthielten Material zur Untersuchung des Verhaltens und der Bewegung von Flüssigkeiten und der Kristallisation von Proteinen.
- 5 -

Letzteres ist

�Letzteres ist für die Röntgen-Kristallographie zur Aufklärung der Struktur
komplizierter Bio-Moleküle sehr wichtig.

Und ein Experiment sollte klären

helfen, ob und welchen Einfluß die Formgebung bei einer Lichtbogenlampe auf
deren Wirkungsgrad besitzt.
Mit zwei Spezialkameras filmten die Astronauten während der acht Tage
Erde und Weltraum für eine spätere Projektion auf die Kuppel eines Planetariums.

Das neue Filmsystem ("Cinema-360") dokumentiert in einer halbstündi-

gen Vorführung den Ablauf der CHALLENGER-Mission und gibt dem Betrachter das
Gefühl, den Flug im All selbst mitzuerleben.

Fehlstart der Nachrichtensatelliten
Das Einschießen von zwei Nachrichtensatelliten in eine geostationäre
Umlaufbahn (36 000 km Höhe) mißlang. Daß WESTAR VI und PALAPA-B2 nur elliptische und viel zu niedrige Bahnen erreichten, hat jedoch weder mit dem Raumtransporter etwas zu tun, noch ist dies den Astronauten oder der NASA anzulasten. Offenbar versagten die Antriebseinheiten der beiden Satelliten.
Sie wurden von der Firma McDonnell Douglas entwickelt und tragen die Bezeichnung "Payload Assist Module - PAM". Bei vorangegangenen Starts von Satelliten aus dem Orbit funktionierten sie einwandfrei. Jetzt werden die drei
noch nicht eingesetzten Antriebseinheiten aus einem Produktionssatz von insgesamt fünf PAM von der Herstellerfirma zusammen mit NASA-Spezialisten untersucht. Der nächste Start eines Satelliten mit einem solchen Triebwerk von
Bord des Orbiters ist für Juni 1984 vorgesehen.

+ + + + +

- 6-

�15. Februar 1984

NASA-STUDIE FÜR 1985: FAST 7,5 MILLIARDEN DOLLAR
- Vorstudien für die bemannte Raumstation -

- (AD) - Im Haushaltsplan Präsident Reagans für das Finanzjahr 1985
(1. Oktober 1984 - 30. September 1985) sind für das amerikanische Amt für
Luft- und Raumfahrt (NASA) 7,491 Milliarden Dollar vorgesehen. Das bedeutet eine Erhöhung des NASA-Etats um vier Prozent (274 Millionen Dollar) gegenüber dem laufenden Haushaltjahr.
Etwa 2,4 Milliarden Dollar (32 Prozent) entfallen auf Forschung und
Entwicklung - 375 Millionen mehr als im Jahr 1984. Für vorbereitende Studien zur Entwicklung einer bemannten Raumstation sind 150 Millionen Dollar
eingeplant,für Anwendungssatelliten und Forschungsgeräte 1,371 Milliarden
Dollar.

Dazu zählen u.a. Projekte wie das Hubble-Weltraumteleskop, das

GALILEO-Programm zur Erforschung des Planeten Jupiter und die Radar-Kartierung des Planeten Venus. Auch sind erste Entwicklungsphasen für einen
Forschungssatelliten berücksichtigt, der aus einer Umlaufbahn um den Mars
eine Sondierung des Planeten nach geologischen, geophysikalischen und klimatologischen Gesichtspunkten ermöglicht.
gestartet werden.

Dieser Orbiter soll im Jahr 1990

Er wird das erste einer Serie relativ kostengünstiger Ge-

räte für die Planetenbeobachtung sein; man erhofft sich von ihnen Hinweise

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ihnen Hinweise auf die geologische und klimatologische Entwicklung bei anderen Himmelskörpern im Sonnensystem.
Für Bau, Betrieb und Beobachtung von Raumtransportern sowie die Erfassung von Daten aus den Raumflugzeugen sind insgesamt 3,6 Milliarden
Dollar vorgesehen (175 Millionen weniger als 1984).

Mit den im Haushalts-

jahr 1985 verfügbaren Weltraumfähren sind 11, im Jahr darauf 16 Einsätze
geplant. Auch der zweite und dritte Flug des Weltraumlabors SPACELAB, die
Vervollständigung der Raumfährenflotte durch das vierte Gerät, den Orbiter
ATLANTIS, im Dezember 1984, und die Weiterentwicklung des SchlepP-Satellitensystems für die Durchführung von Experimenten in größerem Abstand vom Orbiter während eines Space-Shuttle-Fluges (Gemeinschaftsprojekt der USA und
Italiens) fallen in diese Sparte.
Im NASA-Etat 1985 sind außerdem Mittel für den Start des zweiten und
dritten TDRS-Satelliten bereitgestellt. Diese besonders leistungsfähigen
Relaisstationen auf der geostationären Umlaufbahn (ca. 36 000 km Höhe), die
für die Bahnbeobachtung und den ständigen Funkverkehr mit dem Orbiter sowie
für die Übertragung der Flut von Meßdaten aus bemannten und unbemannten
Satelliten benötigt werden, bilden ein Kernstück im Nachrichtensystem der
NASA. Als Schwerpunkte für die Entwicklung bemannter Raumstationen gelten
vorerst Studien über ausbaufähige Stromversorgungssysteme, große Systeme
mit hohem Nutzeffekt für die Temperaturkontrolle und über die Anpassung herkömmlicher Datensysteme für eine flexible Anwendung bei den jeweiligen Aufgaben und beim Ausbau bzw. der Vergrößerung einer Raumstation.

+ + + + +

- 2 -

�BERICHTIGUNG:

In unsere™ Artikel «Artistik 1. Weltraum (Afrika Dienst-Ausgabe Nr. 3,
8. Januar 1984, m u ß es auf Seite 2, dritter Absatz, vierte Z e i U richtig
heißen:
...Driftgeschwindigkeit von 60 cm/sec..."

�</text>
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                <text>Amerikadienst 15.02.1984</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Neubeginn der amerikansich-sowjetischen Verhältnisse &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des Präsidentennach dem Tode Andropows&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zum Tode Andropows &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Bush zur Lage des atlantischen Bündnisses &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede für die Wehrkundetagung in München&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahlen in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 1984 Politische Willensbildung durch Vorwahl und Versammlung&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Astronauten im freien Flug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- CHALLENGER-Mission leitet neue Phase der Raumfahrt ein&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA-Studie für 1985: fast 7,5 Milliarden Dollar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorstudien für die bemannte Raumfahrt&lt;/em&gt;&amp;nbsp;-&lt;br /&gt;</text>
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United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Februar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Bush: USA zu Fortschritten mit UdSSR auf allen Gebieten bereit
- Erklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau Reagan:

USA halten am Nahost-Friedensplan fest

- Erklärung des US-Präsidenten nach dem Besuch von Hussein und Mubarak
Die Afrikapolitik der Vereinigten Staaten
- Von Außenminister George Shultz -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984
( 2)
- Der Fahrplan der Demokratischen Partei

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Produktionsstätte Weltraum
- Kommerzielle Gemeinschaftsprojekte von NASA und Industrie

Um Übei/endung von
Belegexemplaren
wlfd gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: Ö-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Februar 1984

BUSH: USA ZU FORTSCHRITTEN MIT UDSSR AUF ALLEN GEBIETEN BEREIT
- Erklärung des US-Vizepräsidenten in Moskau -

MOSKAU - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat in einer
Erklärung in Moskau am 14. Februar die Bereitschaft der Vereinigten Staaten
unterstrichen, auf allen Gebieten der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Fortschritte zu erzielen.

Bush, der sich zur Beisetzung des verstorbenen

Staats- und Parteichefs Juri Andropow in Moskau aufhielt, traf mit dessen
Nachfolger Tschernenko

zu einem Gespräch zusammen, das Bush als "gut" und

im Geiste "ausgezeichnet" bezeichnete.

Dieses Treffen, bei dem er ein Schrei-

ben Reagans überbrachte, sei nützlich und konstruktiv gewesen.
Der amerikanische Vizepräsident gab dazu vor der Presse in Moskau folgende Erklärung ab:
Zum zweiten Mal in 15 Monaten war es meine traurige Pflicht, der Familie eines sowjetischen Führers das Beileid Präsident Reagans und des amerikanischen Volkes zu übermitteln und einem neuen Führer alles Gute für seine
großen Aufgaben zu wünschen, vor denen er steht.
Wir danken unseren Gastgebern für die großzügige Gastfreundschaft und
all die Freundlichkeit uns gegenüber in dieser Zeit der Trauer.

Wir hatten

heute abend ein nützliches und konstruktives Treffen mit Generalsekretär

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�mit Generalsekretär Tschernenko.

Wenn wir jetzt Moskau verlassen, dann rich-

ten wir unsere Gedanken und Gebete auf die Zukunft und auf die Sache des
Friedens.
Ich überbrachte dem Generalsekretär ein Schreiben von Präsident Reagan.
Ich kann nicht im einzelnen auf dessen Inhalt eingehen, aber ich kann sagen,
daß es die Entschlossenheit des Präsidenten vermittelte, auf allen Gebieten
unserer Beziehungen zu den Sowjets Fortschritte zu machen, und unsere Bereitschaft zu konkreten, produktiven Gesprächen über all diese Gebiete.
Ich begrüßte die gestrige Erklärung des Generalsekretärs vor dem Zentralkomitee, daß die Sowjetunion "für die friedliche Lösung aller schwierigen internationalen Probleme durch ernsthafte, gleichberechtigte und konstruktive
Verhandlungen" sei.
sei

und daß auch wir

Ich erklärte ihm,daß dies auch genau unsere Einstellung
Taten und nicht nur Worte wollen.

Ich unterstrich die

Bedeutung wirklicher Ergebnisse bei der Verringerung der Nuklearwaffen, bei
der Lösung regionaler Streitigkeiten und bei der Verbesserung der menschlichen
Kontakte und der menschlichen Zusammenarbeit.
Lassen Sie mich noch einige Abschiedsworte an das sowjetische Volk und
die sowjetische Führung richten. Das sowjetische Volk soll wissen, daß das
amerikanische Volk - so wie es selbst und wie Völker überall - ein friedliches
Volk ist. Wir in Amerika sehnen uns ebenso wie Sie nach einem dauerhaften
Frieden - einem Frieden, zu dessen Erhaltung es eines Tages keiner Armeen
und Raketen mehr bedürfen mag.
Die sowjetischen Führer sollen wissen, daß wir ernsthaft und zuverlässig
sind. Wie Präsident Reagan am vorigen Samstag gesagt hat, "sollten wir Möglichkeiten der Zusammenarbeit finden, um der Herausforderung, den Frieden zu
bewahren, gerecht zu werden. Unser Leben in diesem Atomzeitalter macht es
zur Pflicht, daß wir miteinander sprechen, unsere Meinungsverschiedenheiten
erörtern und Lösungen für die vielen Probleme suchen, die uns trennen."
Niemand unterschätzt

�Niemand unterschätzt die ernsthaften Unterschiede zwischen unseren Nationen.

Es wird keinen leichten oder raschen Fortschritt geben.

Aber wir

begreifen unsere eigenen grundlegenden Erfordernisse und die unserer Verbündeten, und wir erkennen die der Sowjetunion an.
Wir haben uns der Rüstungsverminderung und dem Frieden in allen Regionen der Welt verschrieben. Und nach meinem Gespräch mit Generalsekretär
Tschernenko werde ich dem Präsidenten berichten, daß er mit der Notwendigkeit übereinstimmt, unser Verhältnis im Interesse des Friedens auf einen
konstruktiveren Weg zu bringen.

+ + + + +

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Februar 1984

8

REAGAN: USA HALTEN AM NAHOST-FRIEDENSPLAN FEST
Erklärung des US-Präsidenten nach dem Besuch von Hussein und Mubarak -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Erklärung anläßlich des Besuches von König Hussein von Jordanien und von Präsident Mubarak
aus Ägypten im Weißen Haus am 14. Februar betont, daß die Vereinigten Staaten
an dem Friedensplan für den Nahen Osten festhalten werden, der auf die Initiative vom September 1982 zurückgeht.
Die Erklärung von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Es war mir eine Ehre, König Hussein und Präsident Mubarak begrüßen und
mit ihnen konferieren zu dürfen.

Ihr Besuch ist ein Ausdruck der Freundschaft

zwischen den Vereinigten Staaten und den beiden wichtigen Ländern, an deren
Spitze sie stehen.
Unsere Länder haben ein gemeinsames Interesse, praktische Lösungen
für die Probleme des Nahen Ostens auszuarbeiten.

Der gute Wille und das

Vertrauen zwischen uns versprechen eine solide Grundlage für die Überwindung der gewaltigen Hindernissefür Frieden und Fortschritt in der Region.
Unsere heutigen

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�Unsere heutigen Gespräche haben bekräftigt, daß Ägypten und Jordanien
weiterhin eine führende Rolle bei den Bemühungen spielen werden, dem Nahen
Osten Frieden und Sicherheit zu bringen.
König Hussein und Präsident Mubarak haben Weitblick, Realismus und Entschlossenheit gezeigt, Eigenschaften, die wesentlich sind, wenn der Friedensprozeß Erfolg haben soll.
Wir haben im Detail über die Chancen für einen Fortschritt im Nahen
Osten gesprochen.

Die jüngsten Ereignisse in dem Gebiet machen es umso

dringlicher, den Friedensprozeß ganz allgemein in Gang zu halten.

Die tra-

gischen Ereignisse im Libanon zeigen, daß die Besetzung von Territorium
durch fremde Trunpen nicht zum Frieden führt, sondern eher zu anhaltendem
Konflikt und anhaltender Unruhe.
Ich möchte deshalb heute meine Verpflichtung und die meiner Regierung
zu den Prinzipien bekräftigen, die ich im September 1982 aufgestellt habe und ganz besonders zu dem Prinzip, daß der arabisch-israelische Konflikt
durch Verhandlungen, einschließlich eines Austauschs von Territorium für
Frieden, beigelegt werden muß.

Der ägyptisch-israelische Vertrag beweist,

was erreicht werden kann, wenn Staaten den Willen haben, Risiken für den
Frieden auf sich zu nehmen.

Und ich bin überzeugt, daß weitere Schritte

zum Frieden im Nahen Osten möglich sind.
Die Vereinigten Staaten sind ihrerseits bereit, alles in ihrer Macht
Stehende zu tun, um diesen Prozeß voranzutreiben. König Hussein und Präsident Mubarak sind Männer, die ich sehr bewundere. Und ich bin ihnen dankbar, daß sie hierher gekommen sind, um als Freunde mit mir zu sprechen und
unsere gemeinsamen Zielsetzungen in dem andauernden Kampf um den Frieden zu
bekräftigen.

+ + + + +

- 2 -

�22. Februar 1984

DIE AFRIKAPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Von Außenminister George Shultz -

- (AD) - Der amerikanische Außenminister
George Shultz hat in einer Rede vor dem
"Boston World Affairs Council" am 15. Februar 1984 eine grundlegende Darstellung
der Afrikapolitik der Vereinigten Staaten
gegeben. Die Hauptpunkte dieser Politik
seien Hungerhilfe, wirtschaftliche Entwicklung und im südlichen Afrika die regionale Sicherheit, ein unabhängiges
Namibia und ein positiver Wandel der
Apartheidpolitik in Südafrika. Nachfolgend die Ausführungen des amerikanischen
Außenministers im Wortlaut.
Viele Amerikaner haben ein Bild von Afrika,das anachronistisch, voreingenommen und oft falsch ist. Die Vorstellung von Afrika, mit der die meisten
von uns aufwuchsen - unbekannte Länder, irgendwie exotisch und fernab von der
übrigen Welt - hat sich leider in manchen Kreisen trotz der letzten 25 Jahre
der Unabhängigkeit und wachsenden Präsenz Afrikas auf der internationalen
Bühne gehalten.
Es ist

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�Es ist eine falsche Vorstellung, die die zwingenden Realitäten außer
acht läßt.
Anteil wächst.

Jeder achte Mensch auf der Welt lebt heute in Afrika, und dieser
Afrika südlich der Sahara - womit ich mich heute in erster Li-

nie beschäftigen will - nimmt in verschiedener Hinsicht eine immer wichtigere
Rolle ein:
Erstens, wir haben ein wesentliches geopolitisches Interesse an der
Sicherheit des Kontinents und der ihn umgebenden Meere.

Vor seinen Küsten

liegen wichtige Handelsrouten, einschließlich jener, über die der größte Teil
der Energieversorgung unserer europäischen Verbündeten herangeführt wird.

Es

berührt uns, wenn Sowjets, Kubaner und Libyer ihren Einfluß auf den Kontinent
mit Gewalt zum Schaden der afrikanischen Unabhängigkeit und der westlichen
Interessen ausdehnen wollen.
Zweitens, Afrika ist Teil des globalen Wirtschaftssystems. Wenn die Volkswirtschaften Afrikas in Schwierigkeiten sind, dann sind die Rückwirkungen hier
zu spüren. Unsere Exporte nach Afrika sind in den letzten drei Jahren um 50
Prozent zurückgegangen. Amerikanische Finanzinstitute haben den Druck der
Unfähigkeit Afrikas zur Zurückzahlung von Krediten zu spüren bekommen. Und
Afrika ist einer der Hauptlieferanten von Rohstoffen, die für die Weltwirtschaft von entscheidender Bedeutung sind.
Drittens, Afrika ist für uns politisch bedeutsam, weil die Nationen Afrikas heute eine wichtige Rolle in der Welt der Diplomatie spielen. Die afrikanischen Länder machen fast ein Drittel der Mitgliedschaft der Vereinten
Nationen aus, wo sie den am festesten gefügten Stimmblock in der Vollversammlung darstellen.
Und schließlich ist Afrika für uns vor allem in menschlicher Hinsicht
wichtig.

Rund elf Prozent der Bevölkerung Amerikas führen ihre Wurzeln auf

Afrika zurück.

Wir alle leben in einer Gesellschaft, die durch dieses mensch-

liche und kulturelle Erbe tief beeinflußt ist.

Die Revolution der Unabhän-

gigkeit Afrikas fiel mit der Bürgerrechtsrevolution in den Vereinigten Staaten

- 2 -

�Vereinigten Staaten zusammen.

Vielleicht war das kein Zufall.

Beide Ent-

wicklungen gehörten zu den größten moralischen Ereignissen dieses Jahrhunderts:

eine Neugeburt der Freiheit, die uns alle zu einer Erkenntnis unserer

gemeinsamen Menschheit aufgerufen hat. So, wie der weitere Fortschritt der
Bürgerrechte für das moralische Wohlergehen unseres Landes wichtig ist, so
ist auch das menschliche Drama Afrikas - seine politische und wirtschaftliche
Zukunft - für jene Art von Welt wichtig, die wir unseren Kindern und Enkeln
vererben wollen.

Die wirtschaftliche Krise Afrikas
Afrika südlich der Sahara umfaßt 45 Staaten mit einer Bevölkerung von
schätzungsweise fast 400 Millionen Menschen auf einer Fläche von über neun
Millionen Quadratmeilen.
licher Vielfalt.

Es handelt sich um einen Kontinent von außerordent-

Und doch befinden sich heute fast alle Länder südlich der

Sahara in einer wirtschaftlichen Krise großen Ausmaßes.

Das ist das drin-

gendste Problem Afrikas.
Die Nahrungsmittelerzeugung pro Kopf der Bevölkerung ist in den letzten
20 Jahren um 20 Prozent zurückgegangen.
heerende Auswirkung.

Eine rasche Inflation hatte eine ver-

Jeder Afrikaner hat in den letzten drei Jahren einen

Rückgang seines Realeinkommens um zwei bis drei Prozent pro Jahr erlebt. Anhaltende Dürre hat eine ökologische Katastrophe über den ganzen Kontinent gebracht - vom westlichen Sahel bis nach Mosambik im Osten. Zehntausende von
Menschen sind von Hungersnot bedroht, und Millionen leiden an Unterernährung.
Die Zahl der Flüchtlinge beträgt rund zwei Millionen oder ein Viertel aller
Flüchtlinge der Welt, wobei eine gleiche Zahl

von Menschen innerhalb ihrer

eigenen Länder von Dürre, Bürgerkrieg oder anderen Leiden vertrieben wurde.
Hier spielt sich eine gewaltige menschliche Tragödie ab.
Die Weltrezession hat sich auf alle Länder ausgewirkt, aber den afrikanischen Ländern hat sie einen ganz schweren Schlag versetzt.

- 3 -

Im Jahr 1970

�Im Jahr 1970 konnte man beispielsweise noch für den Gegenwert von sechs Pfund
sambischem Kupfer ein Barrel ül kaufen; heute muß man den Gegenwert von 43
Pfund Kupfer für ein Barrel öl aufwenden.
Chronische Zahlungsbilanzdefizite - das Ergebnis von niedrigen Preisen
für afrikanische Exporte, verbunden mit hohen Preisen für Importe - haben zu
einer steigenden Verschuldung und dem praktischen Staatsbankrott einiger Länder geführt.

Die in die Höhe schnellenden Preise für öl haben in den letzten

zehn Jahren die Volkswirtschaften der wenigen öl produzierenden Länder des
Kontinents verzerrt und fügten den öl importierenden Ländern verheerenden Schaden zu.

Dabei nimmt die Bevölkerung des Kontinents weiterhin mit einer Rate

von zwei bis drei Prozent pro Jahr zu und dürfte sich bis zum Jahr 2000 fast
verdoppelt haben.
Der Wiederaufschwung in den Vereinigten Staaten und anderen starken
Volkswirtschaften wird Afrika helfen, aber er wird nicht genügen, um die
Situation grundsätzlich zu ändern oder Afrika weniger verwundbar gegenüber
kündtigen Schlägen durch weltwirtschaftliche Kräfte zu machen. Der Grund dafür ist, daß einige der wichtigsten Ursachen für die wirtschaftliche Stagnation Afrikas hausgemacht sind. Ein Bericht der Weltbank stellt ganz unumwunden fest: "Die akute und anhaltende wirtschaftliche Krise in Afrika ist in
erster Linie eine Produktionskrise. Es ist eine Krise, die aus der weitverbreiteten Einführung... ungeeigneter Produktionsanreize herrührt."
Auf eine rasche Entwicklung abzielend, haben die Länder Afrikas versucht, knappe Mittel zu mobilisieren, indem sie sich auf Regierungskontrollen und staatlich unterstützte Industrialisierung stützten.

Aber Subventio-

nen, Preiskontrolle und andere Reglementierungen haben die Staatshaushalte
belastet und die Zuwendung der Mittel auf eine abschüssige Bahn gebracht.
Die Landwirtschaft, das Rückgrat der meisten afrikanischen Volkswirtschaften, litt unter Vernachlässigung, und es gab keinen Anreiz, die Produktion auszuweiten oder zu steigern. Der Privatsektor war häufig staatlichen
- 4 -

�häufig staatlichen Interventionen ausgesetzt und mußte darüber hinaus die
Hauptlast der Steuern tragen, um die sich aufblähende Bürokratie zu erhalten.

In mehreren afrikanischen Ländern verschlingen die Regierungskosten

über die Hälfte des Staatshaushaltes. Die kumulative Wirkung dieser exzessiven Regierungskosten war Stagnation statt Entwicklung.

Höhere Defizitaus-

gaben, höhere Auslandsverschuldung, verstärkte Bevölkerungsbewegung im Lande,
Inflation und rückläufige Investitionen sind das Ergebnis - das wiederum nur
zu den sozialen und politischen Spannungen und einer Verschlechterung des
Klimas für einen materiellen Fortschritt beiträgt.
Afrika ist heute der schwächste Bestandteil unserer interdependenten
Weltwirtschaft. Schrumpfende afrikanische Märkte und wachsende regionale
Zahlungsunfähigkeit sind eine schwere Belastung für den weltweiten Wiederaufschwung, mit einer besonderen Auswirkung auf Europa. Kurz gesagt, der
Westen kann sich den beschleunigten Niedergang der Wirtschaft Afrikas nicht
leisten - und wir werden nicht untätig zusehen.

Die Suche nach Lösungen
Wie können diese gewaltigen Probleme gelöst werden?

Wir müssen dabei

von drei grundsätzlichen Wahrheiten ausgehen.
Die erste dieser Grundwahrheiten ist die, daß die uns verbindende Humanität uns dazu zwingt, auf das Gespenst der Hungersnot im gesamten Afrika
südlich der Sahara zu reagieren. Auf Präsident Reagans Anweisung hin haben
wir bei den Nahrungsmitteln bereits Rekordmengen zur Verfügung gestellt. Derzeit fordern wir vom Kongreß zusätzliche 90 Millionen Dollar für Notlieferungen.

In den ersten vier Monaten dieses Haushaltsjahres haben wir über 200 000

Tonnen Nahrungsmittel übergeben.

Ersuchen für weitere 150 000 Tonnen liegen

von afrikanischen Regierungen vor; Ersuchen um eine gleich große Menge werden
noch für dieses Jahr erwartet.
Ein Blick
- 5 -

�Ein Blick in die Zukunft zeigt zudem die Notwendigkeit, sich gegen den
langfristigen Rückgang an Nahrungsmittel Produktion zu stemmen, der die afrikanischen Volkswirtschaften untergräbt.

Eine Steigerung der gesamten Pro-

duktivität ist notwendig.
Die zweite dieser Grundwahrheiten besteht, anders gesagt, darin, daß all
das, was die Vereinigten Staaten oder andere Geberländer für die Afrikaner
tun können, nur die Hälfte an Wirkung zeigen wird von dem, was die Afrikaner
selbst für sich tun können.

Wir werden unseren Teil dazu beitragen, dort

Hilfe zu gewähren, wo sie wirksam werden kann; aber ohne eine disziplinierte
Anstrengung seitens der Afrikaner wird nur wenig davon Wirkung zeigen.
Die dritte Grundwahrheit ist die:

Wie es Grenzen für das gibt, was aus-

ländische Regierungen tun können, so gibt es auch Grenzen für das, was nationale Regierungen tun können.

Auch wenn Entwicklung ein komplexer Prozeß ist,

so sind die Grundbedingungen für ein solches Wachstum doch kein Geheimnis:
Afrika wird nur dann aus seiner Stagnation ausbrechen können, wenn Reformen
durchgeführt werden, mit denen die Anreize zur Produktion wiederhergestellt
werden.

Dies bedeutet:

Die Bauern Afrikas müssen wieder für ihre Ernte

das erhalten dürfen, was der Markt wirklich bietet.

Das bedeutet:

Man muß

den Privatsektor das tun lassen, was er kann, und den Staat das, was nur dieser kann.

Und das bedeutet:

eine bessere Steuer- und Währungspolitik.

Glücklicherweise erkennen viele afrikanische Regierungen nunmehr sowohl
den Umfang der Krise als auch die Gründe des Problems; manche von ihnen haben mit der Einführung einer realistischeren Wirtschaftspolitik begonnen.
Die Reagan-Administration beabsichtigt, auf jene zu reagieren, die eben dieses
tun.
Wir haben für das Haushaltsjahr 1985

eine Milliarde Dollar für Nahrungs-

mittelhilfe und Wirtschaftshilfe angefordert.

Dies bedeutet gegenüber dem

Haushaltsjahr 1983 einen Anstieg von 25 Prozent.
programme sind langfristig angelegt.

Unsere Entwicklungshilfe-

Sie sind so angelegt, daß sie Eigen-

- 6 -

�daß sie Eigenständigkeit und lokale Initiativen fördern sollen.

Sie sind

nicht dazu entworfen, in internationalem Maßstab die Abhängigkeit von Regierungen fortzuführen, die gerade erst die Probleme verschärft hat.

Die neue amerikanische Initiative in der Wirtschaftspolitik
Über diese grundsätzliche Hilfe hinaus schlägt der Präsident eine spezielle neue Anstrengung vor:

eine wirtschaftspolitische Initiative für Afrika.

Wie wir am 30. Januar erklärt haben, wollen wir den Kongreß um ein Fünfjahresprogramm in Höhe von 500 Millionen Dollar ersuchen, das im Haushaltsjahr 1985
mit 75 Millionen Dollar beginnt.

Das Programm wird jenen Ländern greifbare

Unterstützung anbieten, die bereit sind, die notwendigen politischen Reformen
zu unternehmen, um die Produktivität zu erhöhen.

Wir werden diese Mittel

nicht im vorhinein zuteilen, sondern werden vielmehr auf konstruktive Reformen reagieren, wo und wann sie durchgeführt werden.
Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, sich uns anzuschließen.
In der Tat müssen die Geberstaaten mehr tun.

Es gibt eine Vielzahl von Pro-

jekten und eine Vielzahl von tätigen Geberstaaten, zwischen denen aber nur
zu oft wenig Koordination besteht und die bisweilen auch schlecht beraten
sind.

In der afrikanischen Landschaft findet sich mehr als ein "weißer Ele-

fant".

Wir drängen die Weltbank, ihre Koordinierungsrolle zwischen den Ge-

berstaaten zu erweitern und zusammen mit den afrikanischen Staaten bei der
Erarbeitung von Reformen in dieser Politik die Führung zu übernehmen.
Neben der Nahrungsmittelhilfe in Notlagen, der laufenden Wirtschaftshilfe und der wirtschaftspolitischen Initiative plant die Administration noch
weitere Maßnahmen, um Afrika dabei zu unterstützen, ein dynamischerer Teil
des globalen Wirtschaftssystems zu werden:
- Wir werden

�- Wir werden auch weiterhin einen starken Akzent auf die Entwicklung
Afrikas durch den Privatsektor legen.

Auf entsprechenden Wunsch hin

werden wir an afrikanische Unternehmer Darlehen vergeben; wir werden
technische Hilfe bieten, indem wir Gesetze und Institutionen entsprechend
anpassen, damit Investitionen angezogen werden.

Daneben werden wir Stu-

dien über die Machbarkeit von Projekten vorbereiten und dabei helfen,
daß der Blick für unternehmerische Möglichkeiten in Afrika geschärft
wird.
- Eine der größten Quellen Afrikas - die Ozeane, die den Kontinent umgeben -, wurde bislang erst unzureichend genutzt.

Wir planen, einigen

westafrikanischen Ländern dabei zu helfen, Fischerei Programme zu entwickeln und zu verbessern, wozu u. B. auch Maßnahmen gehören, um die
Verschwendung zu verringern, durch die oftmals die Hälfte des angelandeten Fangs verlorengeht.
- Der Präsident hat dem Kongreß bereits vorgeschlagen, das Präferenzsystem auszudehnen und die am wenigsten entwickelten Länder von einigen
der drückendsten Bestimmungen des Welthandels auszunehmen. Die Länder
Afrikas brauchen eine Diversifizierung ihrer Exporte, und wir werden
ihnen hierbei behilflich sein. Der Handel wird, so hoffen wir, ein
kraftvoller Wachstumsfaktor sein. Schon jetzt wirken die 6 Milliarden
Handelsdefizit, die die Vereinigten Staaten gegenüber den SubsaharaStaaten Afrikas haben, wie ein gewaltiger Beitrag zur wirtschaftlichen
Expansion Afrikas und sind weit kraftvoller als staatliche oder multilaterale Hilfe.
- Wir werden unsere Unterstützung regionaler Wirtschaftsorganisationen
Afrikas - wie etwa der Afrikanischen Entwicklungsbank und des Fonds verstärken.
- Wir werden unsere über Jahre hinwegreichenden Nahrungsmittelhilfeprogramme fortsetzen und ausweiten.
- 8 -

Diese Programme ermöglichen es

�ermöglichen es den afrikanischen Regierungen, die durch den Verkauf
der Nahrungsmittel eingehenden Einnahmen zur Finanzierung einer lanq
fristigen Landwirtschaftsentwicklung zu verwenden; zudem sind sie an
politische Reformen gebunden, durch die eine höhere Nahrungsmittel produktion vor Ort angeregt wird.

Wir werden uns im Juli dieses Jahres voll an der ICARA II-Konferenz
beteiligen - einer internationalen Anstrengung, dauerhafte Lösungen
für die Flüchtlingsprobleme Afrikas zu finden.

Regionale Sicherheit

Ich habe mich heute auf die Rolle konzentriert, die wir dabei spielen
müssen, wenn Afrikas Wirtschaftskrise angegangen werden soll. Aber ich kann
auch die anderen Probleme nicht ignorieren. Afrika braucht Stabilität und
ein Ende der Konflikte, um sich den wichtigen Fragen der nationalen Entwicklung zuzuwenden. Viele afrikanische Staaten stehen vor echten Bedrohungen
ihrer Sicherheit. Neue und zerbrechliche politische Institutionen sind besonders dann verletzlich, wenn die Volkswirtschaft darniederliegt und es ihnen nicht gelingt, die Grundlagen für die Existenz und die Hoffnungen auf eine
bessere Zukunft zu schaffen, und sich hieraus politische Instabilität ergibt
Das Gedeihen einer Demokratie ist mit Schwierigkeiten verbunden; autoritäre
Lösungen mögen bisweilen attraktiver sein, dienen aber oft nur dazu, die Probleme zu verschärfen, während gleichzeitig die Menschenrechte und die politischen Rechte eingeengt werden.

In solcherlei Umfeld sind äußere Mächte versucht, die Instabilität
auszunützen.

Es gibt keine Entschuldigung für rund 35 000 kubanische Solda-

ten in Afrika - ausgebildet, ausgerüstet, finanziert und transportiert von
der Sowjetunion -, die sich in die lokalen Konflikte einmischen und dadurch
lokale Probleme internationalisieren.

So etwas wie diese sowjetisch-kuba-

nische Einmischung hat es noch nie gegeben; sie stört die Bündnisfreiheit
- 9 -

�die Bündnisfreiheit Afrikas, sie bringt eine Ost-West-Dimension dorthin, wo
es keine geben sollte, und macht damit gerechte Lösungen nur noch schwieriger.
Wir betrachten Afrika nicht durch das Prisma der Rivalität zwischen Ost
und West. Andererseits existiert Afrika"aülSft nicht auf einem anderen Planeten,
Es ist Teil der heutigen Welt. Afrika trägt zur Gestaltung der globalen Struktur bei - durch seine wirtschaftliche Expansion oder seinen wirtschaftlichen
Rückgang, durch sein Gewicht in internationalen Foren, durch sein expandierendes Netzwerk an bilateralen und multilateralen Beziehungen zu den Großmächten und durch seine Konflikte. Gleichzeitig wird es auch durch die globale
Struktur gestaltet - durch die Bewegungen des globalen Mächtegleichgewichts,
durch den sich vergrößernden Markt an Ideen und Technologien und durch die
Bereitschaft von Gegnern oder Partnern, von dessen Entwicklung abzulenken bzw.
dazu beizutragen.

Diese Tatsachen zu ignorieren, ist zu unserem und zu Af-

rikas Schaden.
Wir sind nicht die Gendarmen Afrikas. Aber einfach danebenzustehen und
nichts zu tun,während befreundete Staaten von unseren eigenen Gegnern bedroht
werden, würde nur unsere Glaubwürdigkeit als ein Bollwerk gegen Aggression
untergraben - nicht nur in Afrika, sondern auch andernorts.

Daher sind wir

- zusammen mit anderen - bereit, Ausbildung und Waffen zu stellen, um unseren
Feunden dabei zu helfen, sich selbst zu verteidigen.
Und wir reagieren rasch, wenn es die Situation verlangt. Als im vergangenen Sommer libysche Truppen erneut in den Tschad einfielen, schafften
wir für die legitime Regierung Militärgüter herbei und halfen dadurch, dem
libyschen Vormarsch Einhalt zu gebieten. Die Destabilisierungsversuche Libyens
sind zu einer unglücklichen Tatsache des afrikanischen Lebens geworden. Und sie
sind eine unannehmbare Tatsache. Wir werden auch weiterhin mit anderen zusammenarbeiten, um den afrikanischen Staaten dabei behilflich zu sein, Gadhafis
offener Aggression und verdeckter Subversion zu widerstehen.
In West- und
- 10 -

�In West- und Zentralafrika sowie am Hörn von Afrika - jenem so überaus
wichtigen Bereich entlang dem Roten Meer - helfen wir unseren Freunden und
schützen unsere eigenen strategischen Interessen.

Wir ermutigen die Parteien

vor Ort, ihre eigenen friedlichen Lösungen für lokale Konflikte anzustreben.
Wir betonen weiterhin, wie dies auch sein sollte, wirtschaftliche und
humanitäre Hilfe gegenüber der militärischen Hilfe. In diesem Jahr beträgt
das Verhältnis auch weiterhin fünf zu eins. Die Sowjets hingegen geben ein
Minimum an Wirtschaftshilfe an die Subsahara-Staaten und nehmen kaum an humanitären Hilfsaktionen teil. Sie versuchen, sich ihren Einfluß in Afrika
über die Bereitstellung von Waffen zu erkaufen. Im vergangenen Jahrzehnt hat
Moskau weniger als ein Prozent der ausländischen Wirtschaftshilfe für Afrika
beigesteuert, aber 75 Prozent der Waffen Afrikas verkauft bzw. zur Verfüqunq
y
gestellt.

Das südliche Afrika

Unsere Politik, friedliche Lösungen bei regionalen Konflikten zu fördern,
findet in erster Linie auf das südliche Afrika Anwendung. Unsere Strategie
im südlichen Afrika besteht darin, mit den betroffenen Parteien zusammenzuc
jarbeiten, um einen fundamentalen und weitreichenden Wandel auf drei Gebieten
herbeizuführen:

- einen Gesamtrahmen für regionale Sicherheit zu schaffen;
- ein unabhängiges Namibia zustande zu bringen; und
- zu einer positiven Änderung der Apartheid-Politik Südafrikas selbst
zu ermutigen.

Regionale Sicherheit ist entscheidend wichtig, weil unseren Zielen in
dieser Region am besten durch ein Klima der Koexistenz gedient wird, in dem

- 11 -

�in dem Souveränität und die Sicherheit aller Staaten respektiert werden.
Wirtschaftliche Reform und Entwicklung, politischer Pluralismus, Ausschaltung äußerer Kräfte, friedlicher Wandel in Südafrika und die Unabhängigkeit
Namibias können eher unter Bedingungen gestärkter Sicherheit und verminderter Gewalt erreicht werden.
Die Vereinigten Staaten haben keine Militärstützpunkte oder Truppen im
südlichen Afrika - und hatten sie niemals.

In krassem Gegensatz dazu haben

Moskau und Havanna fast 25 000 Mann allein nach Angola entsandt, wodurch das
Problem der Unsicherheit im südlichen Afrika noch komplizierter wird.
Unsere Politik zielt nicht auf schnelle Lösungen oder eine sofortige
Beseitigung komplizierter und tiefverwurzelter Probleme ab. Unsere Rolle
ist die eines Katalysators, eines ehrlichen Maklers. Wir haben klargemacht,
daß wir in Erscheinung treten werden, wo wir erwünscht sind.
es.

Und wir sind

Heute verlangt keiner der Führer der Region - ob in Lusaka oder Pretoria,

ob in Daressalam oder Maputo - daß wir uns zurückziehen.

Sie alle wollen

mehr - nicht weniger - amerikanische Beteiligung bei der Aushandlung von Lösungen.
Es ist noch zu früh, um Durchbrüche vorauszusagen. Das südliche Afrika
befindet sich heute auf dem Weg zu friedlichem Wandel in einem frühen Pionierstadium. Die Länder dieses Gebietes müssen diesen Weg selbst ausbauen; keiner
kann es für sie tun. Es müssen viele Brücken gebaut und tiefe Schliichten des
Argwohns, der Furcht und des Hasses überwunden werden. Aber es gibt ermutigende Zeichen. Wir sehen auf allen Seiten einen wachsenden Realismus hinsichtlich der Risiken, die ein Konflikt ohne Ende für jeden mit sich bringt. Militärische Lösungen bieten keine Hoffnung. Wir entdecken den willkommenen Schimmer an Erkenntnis, daß es in der Tat gemeinsame Interessen gibt, die die Staaten des südlichen Afrikas aneinander binden. Nach Jahren der Spannungen und
der Bedrohungen werden jetzt Friedensmöglichkeiten erkundet und entwickelt mit aktiver und energischer Ermutigung durch die Vereinigten Staaten.
Wir haben

- 12 -

�Wir haben beispielsweise dazu beigetragen, daß ein Dialog zwischen Südafrika und Mosambik in Gang gekommen ist. Wir spielen eine Rolle der Ausgewogenheit, die einzig und allein auf die Einhaltung des Prinzips der friedlichen Lösung und der Achtung der territorialen Integrität und der Souveränität abzielt - Grundsätze, die in der Charta der Vereinten Nationen und in der
Charta der Organisation für Afrikanische Einheit enthalten sind.

Wir haben

es beiden Seiten gegenüber deutlich gemacht, daß unser Ziel die Förderung der
gegenseitigen Sicherheit ist.

In einem solchen Klima sind wir bereit, un-

seren Beitrag zu leisten, um die Entwicklung Mosambiks zu unterstützen und die
Chancen für eine echte Blockfreiheit dieses Landes zu fördern.

Und wir haben

rasch gehandelt, wenn es darum ging, auf die Wirbel stürme und die Dürre zu reagieren, die Mosambik immer wieder an den Rand der Katastrophe gebracht haben.
Unsere verstärkten Beziehungen zu Mosambik haben sich vor dem Hintergrund
konkreter Fortschritte in seinem Dialog mit Südafrika entwickelt. Heute sind
die Führer dieser beiden Länder dabei, eine Grundlage der Verständigung und
der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Sicherheit, des Verkehrs, des Handels,
der Energie und des Tourismus auszuarbeiten.
Lassen Sie mich unterstreichen, daß dies zerbrechliche Anfänge sind.
Aber sie symbolisieren, was einmal zu einem breiteren Rahmenwerk werden kann.
Wir helfen dabei, bereits vorhandene Kommunikationskanäle offen zu halten
oder sie auch mit anderen Nachbarn zu schaffen - Südafrika, Sambia, Zimbabwe,
Lesotho, Malawi, Botswana und Swasiland.
in der Lage, diese Hilfsrolle zu spielen:

Und wir sind in einzigartiger Weise
einzigartig unter den ausländischen

Mächten, denn wir können mit allen diesen verschiedenen Elementen der Region
sprechen.

Das breitere Rahmenwerk

kann errichtet werden, wenn es auf der

Vorstellung geförderter Sicherheit und gegenseitiger Achtung ruht.

Südafrika

hat kürzlich angekündigt, daß es wieder Gespräche mit der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA) über Sicherheitsvorkehrungen für seine kommerziellen
nuklearen Anreicherungsanlagen aufnehmen und sich an die Richtlinien der
Londoner Versorgungsgruppe für

den Export sensitiver Materialien halten wird.

Diese Schritte ergeben sich aus einem Umfeld größerer Sicherheit und können
- 13 -

�und können zur Stärkung dieses Umfeldes beitragen.
Zufall ergeben.

Sie haben sich nicht aus

Sie sind das direkte Ergebnis unserer offenen und aktiven

Politik des konstruktiven Engagements.
Ich habe auf unsere Bemühungen verwiesen, für Namibia die Unabhängigkeit
zustande zu bringen,

wie auch die Respektierung der Grenzen und den Abzug

der kubanischen Truppen aus Angola,

Dies bleiben Hauptziele für uns.

Wir

und unsere vier westlichen Partner - Großbritannien, Frankreich, Kanada und
die Bundesrepublik Deutschland - haben in enger Zusammenarbeit mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen und den Parteien im südlichen Afrika mit
großer Sorgfalt eines nach dem anderen gelöst, wobei die letzten Fragen in
der Resolution 435 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verbleiben.
Dieser Plan wird nach seiner Durchführung Namibia zur Unabhängigkeit führen.
Parallel dazu bemühen wir uns, ein Klima stärkeren Vertrauens und größerer
Sicherheit zu schaffen, das den notwendigen Entscheidungen seitens Angolas
und Südafrikas behilflich wäre, was wiederum den ganzen Prozeß in Bewegung
bringen würde.
Die jüngsten Ereignisse lassen ganz klar eine positive Entwicklung erkennen. Ein Auseinanderrücken der Streitkräfte im südlichen Angola ist im
Gange. Direkt und indirekt tauschen die hauptsächlichen Parteien Ideen und
Vorschläge aus, mit deren Hilfe die Verhandlungen vorangebracht werden sollen. Nachdem wir die Tagesordnung definiert und als Katalysator gewirkt haben, erleichtern wir jetzt einen phasenweisen Prozeß, der zu weiteren Fortschritten führen könnte - und ich unterstreiche "könnte". Wir haben noch
keine Regelung erreicht. Der Fortschritt ist zerbrechlich, und die Situation
ist weiterhin kompliziert. Unsere Aufgabe ist es, das bisher Begonnene zu
konsolidieren und in den vor uns liegenden Wochen und Monaten darauf aufzubauen. Dies ist eine Arbeit beharrlicher und stiller Diplomatie.
Unsere Bemühungen um einen friedlichen Wandel haben auch die Innenpolitik Südafrikas nicht außer acht gelassen.
als "widerlich" bezeichnet.

Präsident Reagan hat die Apartheid

Sie ist auch eine Ursache der Spannung und der
- 14 -

�und der Instabilität in der ganzen Region.

Wir haben daher ein moralisches

und ein praktisches Interesse daran, daß auf friedlichem Wege ein gerechteres System entsteht.

Zu diesem Zweck hat die Administration versucht, mit

friedlichen Elementen im ganzen politischen Spektrum in Südafrika zur Unterstützung eines konstruktiven Wandels zusammenzuarbeiten.
Wir haben dieses Ziel nicht in einem Vakuum verfolgt.

Wir haben unsere

Programme, unseren diplomatischen Meinungsaustausch und unsere Darstellung
der Fakten genau zugeschnitten.

Wollen wir doch offen miteinander sein.

Es

treten Veränderungen ein - in der Bildung und Unterbringung der Schwarzen,
in den Arbeitsgesetzen und in der Gewerkschaftsbewegung, in den Wohnrechten
der Schwarzen in den Städten, in der Ausweitung bestimmter politischer Rechte
auf die farbigen und asiatischen Gemeinden.

Die weiße Wählerschaft Südafri-

kas hat einer Regierung eine solide Mehrheit gegeben, die sich selbst als dem
evolutionären Wandel verschrieben bezeichnet.

Diese Schritte sind selbst

noch keine Lösungen; sie stellen eine Reihe einseitiger Schritte dar und noch
keinen Prozeß der Verhandlung unter den Südafrikanern.

Die Mehrheit der Süd-

afrikaner besitzt noch immer nicht das grundlegende Menschenrecht der Bürgerschaft ihres eigenen Landes.

Den Schwarzen werden nationale politische Rech-

te verwehrt, und sie können in der dynamischen Volkswirtschaft Südafrikas
noch immer nicht mit gleichen Chancen konkurrieren.

Willkürliche zwangsweise

Umsiedlungen haben alteingesessene Gemeinschaften zerstört.

Ich könnte die

Aufzählung der positiven und der negativen Seite der Bilanz fortsetzen.

Aber

es liegt auf der Hand, daß ein Wandel stattfindet.
Wir haben selbst keine Patentlösung für das anzubieten, was an die Stelle
der Apartheid treten sollte.

Das müssen die Südafrikaner selbst ausarbeiten.

Aber wir haben recht, wenn wir sagen, daß der Wandel dringend geboten ist.
Wir haben recht, wenn wir darauf beharren, daß alle Südafrikaner - Schwarze,
Weiße und Farbige - an diesem Prozeß teilnehmen; und es ist unsere Verpflichtung, all jenen unsere Hilfe anzubieten, die den friedlichen Wandel anstreben.
Und wir haben recht, wenn wir sagen, daß wirklich ein Prozeß des Wandels begonnen hat - so unvollkommen er auch sein mag, und so mühsam er manchmal voranzukommen scheint.
ir

Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben versucht, den Prozeß des Wandels zu unterstützen, indem sie die amerikanischen Gewerkschaften ermutigt haben, beim Aufbau schwarzer Gewerkschaften mitzuhelfen; durch Programme der Förderung schwarzer Manager und Unternehmer und durch ein Stipendienprogramm von über 26 Millionen Dollar für junge scharze Südafrikaner.

Wir haben unsere Unterstützung

für Bürger- und Menschenrechtsorganisationen wesentlich erweitert.

Mit Unter-

stützung des Kongresses entwickeln wir neue Programme, um die Rechtseinrichtungen und Rechtskenntnisse zu fördern.

Und wir haben die eindrucksvollen

Bemühungen amerikanischer Firmen unterstützt, für alle ihre Arbeiter ohne
Rücksicht auf Rasse gleiche Behandlung und erweiterte Chancen zu bieten.
Die wirtschaftliche Entwicklung selbst ist ein starker Motor der sozialen und politischen Evolution.

Jene, die für einen Abzug von Investitionen

und für wirtschaftliche Sanktionen eintreten, würden den Teppich unter den
Füßen jener Südafrikaner wegziehen, die die ersten konkreten Schritte in
Richtung auf eine gleichberechtigtere und gerechtere Gesellschaft getan haben.
Im Westen schätzen wir Leben, Freiheit, Fortschritt und Frieden. Der
einzige Kurs, der mit diesen Worten im Einklang steht, ist der, daß wir uns
als Kraft des konstruktiven, friedlichen Wandels engagieren. Es hat keinen
Sinn, die Kräfte der Polarisierung aufzustacheln und die Spannungen anzuheizen, die die gesamte Region destabilisieren könnten. Es ist nicht unsere
Sache, als Zuschauer von den Außenlinien einen Rassenkrieg in Südafrika anzufeuern - oder Trends zu beschleunigen, die unausweichlich einen solchen
Konflikt hervorbringen würden. Wir sollten unsere Grenzen erkennen: Wir
können den Wandel unterstützen und ermutigen, aber wir können nicht einheimische Initiative, Einrichtungen und Weitblick ersetzen.

Die Aufgabe

- 16 -

�Die Aufgabe von morgen
Wenn ich Ihnen eines mit auf den Weg geben darf, dann die Feststellung,
daß Amerika Afrika und seine Probleme ernst nimmt. Wir sehen einen direkten
Zusammenhang zwischen der politischen und wirtschaftlichen Stabilität Afrikas
und der Gesundheit der westlichen Welt. Wir sind verpflichtet, mit unseren
afrikanischen Freunden zusammenzuarbeiten und mit der internationalen Gemeinschaft, um Afrika bei der Überwindung seiner Probleme zu helfen.
Es liegt in unserem Selbstinteresse, daß wir das tun. Und es ist moralisch richtig, und es entspricht der besten Tradition Amerikas.

- 17 -

�22. Februar 1984

8

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 2 )
Der Fahrplan der Demokratischen Partei -

DES MOINES, IOWA - (AD) - Mit den Partei Versammlungen der Republikanischen und der Demokratischen Partei im Bundesstaat Iowa am 20. Februar 1984
hat in den Vereinigten Staaten offiziell die Auswahl der Kandidaten für die
Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr begonnen.
Wie zu erwarten, fand der Anwärter für die Kandidatur bei den Republikanern, Präsident Ronald Reagan, auf einer Partei Versammlung in Waterloo die
begeisterte Zustimmung von über 7000 Anhängern, auch wenn außerhalb der Halle
einige kritische Stimmen laut wurden.
Im Mittelpunkt des Interesses stand die Wahl der Delegierten des Bundesstaates Iowa für den Parteikonvent der Demokratischen Partei im Juli in SanFranzisko.

Hier konnte sich der frühere amerikanische Vizepräsident Walter

(Fritz) Mondale klar gegen seine Mitbewerber Senator Gary Hart aus Colorado,
Senator John Glenn aus Ohio (früherer Astronaut), Senator Alan Cranston aus
Kalifornien, Senator Ernest Hollings aus South Carolina, Reubin Askew (frü-

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Telex: 8-85432

�Reubin Askew (früherer Gouverneur des Staates Florida), George McGovern
(Bewerber um die Präsidentschaft 1972) und den farbigen Bürgerrechtler
Jesse Jackson durchsetzen.

Eine endgültige Entscheidung bedeutet dies je-

doch noch keineswegs, denn es stehen noch viele Parteiversammlungen (Caucuses
und Vorwahlen (Primaries) vor dem Parteikonvent, auf dem die Wahl des Präsidentschaftskandidaten getroffen wird, über den dann im November der Wähler
entscheidet.
Der Zeitplan der Demokratischen Partei sieht nach dem Stande vom 20.
Februar 1984 wie folgt aus:

20. Februar
ii
28.
4. März
M
13.
II
13.
II
13.
II
13.
II
13.
n
13.
n
13.
II
13.
M
13.
II
13.
II
13.
II
14.
II
14.
II
15.
II
17.
II
17.
II
17.
M
17.
II
17.
n
17.

(C = Partei Versammlung; P = Vorwahl):

Iowa (C)
New Hampshire (P)
Maine (C)
Alabama (P)
Florida (P)
Georgia (P)
Massachusetts (P)
Rhode Island (P)
Democrats Abroad (P)
Hawaii (C)
Oklahoma (C)
Nevada (C)
Washington (C)
Wyoming (C)
Delaware (C)
North Dakota
Alaska (C)
Arkansas (C)
Kentucky (C)
Michigan (C)
Mississippi (C)
South Carolina (C)
Latin America (Canal Zone)

(C)

�Puerto Rico (P)
Illinois (P)
Minnesota (C)
Kansas (C)
Virginia (C)
Montana (C)
Connecticut (P)
New York (P)
Wisconsin (C)
Pennsylvania (P)
Arizona (C)
Louisiana (C)
Utah (C)
Missouri (C)
Vermont (C)
Guam (C)
District of Columbia (P)
Tennessee (P)
Colorado (C)
Indiana (P)
Maryland (P)
North Carolina (P)
Ohio (P)
Nebraska (P)
Oregon (P)
American Samoa (C)
Idaho (C)
Virgin Islands (C)
California (P)
New Jersey (P)
New Mexico (P)
South Dakota (P)
West Virginia (P)
Parteikonvent in San Francisco
+ + + + +
- 3 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
22. Februar 1984

PRODUKTIONSSTÄTTE WELTRAUM
Kommerzielle Gemeinschaftsprojekte von NASA und Industrie

- (AD) - Das amerikanische Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) gibt der
Industrie die Möglichkeit, zur kommerziellen Herstellung neuartiger Produkte
im Weltraum.

Eine entsprechende Vereinbarung über ein erstes Projekt, das

dieses Ziel anvisiert, trafen im Februar 1984 NASA-Chef James Beggs und der
Vorstandsvorsitzende der Firma "3M Manufacturing Gompany", Lewis Lehr.
Im August 1984 läßt "3M", ein weltbekanntes amerikanisches Unternehmen
mit vielseitigen Produktionsprogrammen außerhalb der Sektoren Luft- und Raumfahrt, Experimente zu neuen Forschungs- und Entwicklungsprojekten vom Orbiter
in den Weltraum befördern.

Wie der Direktor der "3M"-Forschungsabteilung,

Lester Krogh, erklärte, wolle man damit zunächst sondieren, ob und wie sich
im Weltraum Kristalle aus organischen Substanzen züchten lassen, die. auf der
Erde infolge der Schwerkraftwirkung nicht zum Kristallisieren zu bringen sind.
Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Entwicklung von Dünnfilmen mit neuartigen physikalischen und chemischen Eigenschaften.

Für solche Dünnfilme seien

vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in der Elektronik, Abbildungstechnik,
Energieumwandlung und in der Biologie denkbar.
Das Unernehmen

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�Das Unternehmen möchte im Rahmen des auf weite Sicht geplanten Programms
umfangreiche Unterlagen und Erfahrungen sammeln und zur Verfügung haben, wenn
Anfang der neunziger Jahre mit dem Aufbau von Raumstationen begonnen und Materialverarbeitung auf kommerzieller Basis im Weltraum realisierbar werde.
"Unseres Erachtens dürften organische Stoffe in kristalliner Form die nächste
Generation von kommerziellen Produkten darstellen, die in etwa sieben bis zehn
Jahren auf den Markt kommen könnten", meinte Krogh.
Im vergangenen Jahr (1983) wandte "3M" ca. 380 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung auf. Mit der NASA kam das Unternehmen überein, eine
Anzahl von Forschungsinstituten aufzubauen, wo Aktivitäten von Industrie-,
Regierungs- und Universitätsinstitutionen auf den zahlreichen Gebieten langfristig angelegter Grundlagenforschung koordiniert werden.

Das Interesse wür-

de sich dabei, wie Krogh ausführte, auf Projekte konzentrieren, aus denen
kommerzielle Produktionsprogramme im Weltraum hervorgehen könnten.

Die In-

stitute sollen helfen, Prioritäten für chemische und materialwissenschaftliche Forschung in der Schwerelosigkeit zu setzen, aber auch die Arbeit in
anderen wissenschaftlichen Disziplinen unter Gesichtspunkten einer möglichen
kommerziellen Auswertung zu sondieren.

•

�</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. Februar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Pressekonferenz Präsident Reagans vom 22. Februar 1984
- Auszüge Die Mittelamerika-Hilfe der Vereinigten Staaten
- Erklärung des zuständigen Unterstaatssekretärs -

USA gegen Apartheid und für friedlichen Wandel

- Erklärung des US-Botschafters bei der UN-Menschenrechtskommission
(Auszüge)

HINTERGRUNDMATERIAL
Kontrolle des Technologie-Transfers macht Fortschritte
- USIA-Interview mit William Archey, Referent für Exportkontrollen
im US-Handelsministerium -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Risikofaktor Cholesterin
- Direkter Zusammenhang mit Koronarerkrankungen Von G. Weiss

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

J

&amp;- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. Februar 1984

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT REAGANS VOM 22. FEBRUAR 1984
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 22. Februar 1984
in einer landesweit vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz seine LibanonPolitik verteidigt und betont, die als Teil der multinationalen Friedenstruppe entsandten Soldaten des amerikanischen Marinekorps hätten ihre Mission
noch nicht beendet und würden nicht abgezogen, solange die Möglichkeit für
eine friedliche Lösung im Libanon bestünde. Andere außenpolitische Themen
der 35-minütigen Pressekonferenz, in deren Mittelpunkt der Libanon stand,
waren die Ost-West-Beziehungen sowie die für die öl lieferungen wichtige Straße
von Hormus im Persischen Golf.
Die wichtigsten Fragen und Antworten zu außenpolitischen Themen haben
folgenden Wortlaut:

Libanon
FRAGE:

Herr Präsident, die Marinesoldaten, die Sie vor 17 Monaten in

den Libanon entsandt haben, werden jetzt auf Ihre Anordnung hin abgezogen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hin abgezogen.

Wenn man bedenkt, daß sie nicht in der Lage sind, ihre

friedenswahrende Mission durchzuführen, und wenn man ferner die erlittenen
Verluste in Rechnung stellt, haben die Vereinigten Staaten dann nicht ihre
Glaubwürdigkeit in diesem Gebiet verloren?

Hat Syrien gewonnen, und wie

geht es nun mit uns weiter?
ANTWORT:

Zunächst einmal glaube ich nicht, daß man sagen kann, wir

hätten schon verloren.

Ich weiß, daß die Dinge nicht glänzend aussehen

- nicht so gut, wie das während der letzten eineinhalb Jahre

der Fall war,

seit wir dort sind. Aber ich meine, es ist an der Zeit, einen Blick auf
die Geschichte
ist...

zu werfen sowie darauf, was unsere Aufgabe dort war und noch

(Nach einem längeren historischen Überblick über die Ereignisse im

Libanon fuhr der Präsident fort) Wir haben immer noch einen Sonderbotschafter dort, der zwischen Damaskus, Beirut und Tel Aviv hin und her pendelt
und versucht, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um eine friedliche Regelung zustandezubringen.

Ich zögere nicht, zu sagen, daß ich die Tatsache

nicht bedauere, daß wir mit der Vorstellung dorthingingen, diesem von Krisen
geschüttelten Gebiet den Frieden zu bringen.
Wir stationieren um, weil es nach dem Beginn der terroristischen Angriffe
keine Möglichkeit für uns gab, wirklich zu unserer ursprünglichen Mission beizutragen, wenn wir dort nur eine Zielscheibe bilden und auf weitere Angriffe
warteten.

Deshalb wurden unsere Soldaten verlegt, umstationiert - und zwar

unsere wie auch die der anderen Länder, und unsere Soldaten werden auf den
Schiffen vor der Küste sein. Aber solange die Chance für eine friedliche
Lösung besteht, werden wir weiter versuchen und sehen, ob wir irgendeinen
Beitrag zu einer solchen Lösung leisten können. Und solange eine solche Chance
besteht, werde ich nicht aufgeben und sagen:

"Es ist alles vorbei." Wir ver-

schwinden dort nicht einfach; wir beziehen lediglich eine etwas besser zu verteidigende Position.
FRAGE:

Wenn ich daran anschließen darf.

Sie sagten, die terroristischen

Angriffe bildeten einen Faktor für die Rücknahme.

- 2 -

Bedeutet dies, daß terro-

�daß terroristische Angriffe dieser Art im Nahen Osten und anderswo Erfolg
haben können?

ANTWORT:

Nein.

Ich habe dies hinsichtlich jener gesagt, die gefordert

haben, daß wir einfach dort verschwinden und nach Hause zurückkehren sollten;
und ich sagte, daß dies ein Zugeständnis wäre. Aber eine bloße Umstationierung auf eine besser zu verteidigende Position wegen dieser Terrorangriffe
ist meiner Meinung nach kein Rückzug - ich will sagen, niemand hat bisher
eine hundertprozentige Verteidigung gegen diese Überraschungsangriffe gefunden, insbesondere wenn die Angreifer bereit sind, ihr Leben zu opfern.
stehen also weiterhin bereit.

Wir

Unsere Marinesoldaten sind weiterhin dort, um

- wie dies üblich ist - unsere Botschaft und unser Botschaftspersonal zu
schützen.

Und wir haben mit den Streitkräften Gemayels die Entsendung eini-

ger Ausbildungsteams erörtert, die Spezialisten sind in Fragen wie Terrorismusbekämpfung - zur weiteren Ausbildung dieser Streitkräfte.

FRAGE:

Am 2. Februar erklärten Sie dem "Wall Street Journal" gegen-

über, daß ein Rückzug aus dem Libanon verheerende Folgen weltweit für uns
haben würde.

Und Sie erklärten ferner, daß wir uns nicht aus dem Staube

machen würden, wenn es auch die weitverbreitete Vorstellung gäbe, daß wir
dies bereits täten.

Glauben Sie, daß wir wegen dieses Rückzuges verheeren-

de Folgen weltweit erleben werden?

ANTWORT:

Das glaube ich nicht, weil diejenigen, die Entscheidungen

treffen und die sie auf der Grundlage der Gegebenheiten treffen müssen, nicht
der Meinung sind, daß wir uns hier einfach aus dem Staube machen, denn unsere
Soldaten befinden sich ja auf den Schiffen und diese Einsatztruppe bleibt ja,
wo sie jetzt ist.

Ich glaube also nicht, daß man dies in der verheerenden

Weise sieht, von der ich damals sprach - denn damals antwortete ich doch denjenigen, die uns aufforderten, unsere Sachen zu packen und nach Hause zurückzukehren, ohne irgendwelche Rücksicht darauf, ob unsere Verbündeten dasselbe
täten oder nicht.

Wir haben uns mit ihnen beraten.

Wir handelten gemein-

sam mit ihnen.
FRAGE:

Unter welchen

�FRAGE:

Unter welchen Umständen würden Sie die Marinesoldaten wieder

an Land schicken?
ANTWORT:

Das ist eine hypothetische Frage, und ich weiß nicht, ob ich

sie beantworten soll.

Lassen Sie mich dies sagen:

Wenn sie die Möglichkeit

der Durchführung ihrer Mission verbessern könnten, dann wäre das tatsächlich
ein Grund, sie wieder hineinzuschicken.
FRAGE:

Als der Bereich unserer Marinesoldaten bombardiert wurde, er-

klärte ein Großteil der Eltern jener Soldaten, die bei dieser schrecklichen
Katastrophe starben, daß sie sich fragten, welchen Zweck diese Mission eigentlich habe, und Sie haben heute abend versucht, diese Mission zu verdeutlichen.
Aber können Sie diesen Eltern sagen, nachdem Sie die Marinesoldaten auf die
Schiffe zurückverlegt haben, warum mehr als 260 junge Menschen dort sterben
mußten?
ANTWORT: Ich habe mit vielen Familien gesprochen - mit den Witwen und
den Eltern der Männer, die bei dieser schrecklichen Katastrophe starben, und
ich war überrascht über deren Haltung, die die völlige Überzeugung widerspiegelte, daß diese Mission nützlich sei. Und die meisten taten dies aufgrund
der Briefe, die sie von ihren Söhnen und Ehemännern erhielten und in denen
davon gesprochen wurde, daß diese an ihre Mission glaubten, daß sie dort seien,
weil diese Mission nützlich sei. Und viele waren stolz darauf, daß sie dort
waren. Einige der jüngeren Soldaten, die sich nicht wirklich klar darüber
sind, daß dies eine Umstationierung ist und keine Rückkehr nach Hause sollen
sogar gesagt haben, es täte ihnen leid, daß sie ihre Aufgabe nicht zu Ende
führen konnten. Ich sehe ihre Aufgabe noch nicht als beendet an. Und ich
glaube auch nicht, daß die Leute, die wissen, worum es dort geht, sie als beendet ansehen.
FRAGE:

Der Außenminister ist einer derjenigen, die sehr enttäuscht sind

und gesagt haben sollen, daß das Licht, das im Libanon am Ende des Tunnels
sichtbar ist, der Zug sein könnte, der auf uns zurast.
- 4 -

Können Sie uns sagen,

�uns sagen, ob Sie diese Enttäuschung teilen, und würden Sie den Rücktritt von
George Shultz annehmen, der - wie einige meinen - in seiner Politik gescheitert ist?
ANTWORT:

Nein, das würde ich nicht.

Und er ist nicht gescheitert.

Ich

habe auch von diesem Gerede gehört, und dies ist meiner Meinung nach - offen
gesagt - einfach schändlich.

Ich meine, er hat ausgezeichnete Arbeit geleistet,

und ich habe jedes nur mögliche Vertrauen zu ihm.
mehr

mit

Ich hoffe, er trägt sich nicht

irgendwelchen Rücktrittsgedanken zu diesem Zeitpunkt.

Die Idee für

diese Mission stammt von mir, als wir im Konferenzraum mit all denen zusammensaßen, die mit diesen Fragen zu tun haben.

Er und unsere Botschafter - ange-

fangen mit Phil Habib, dann Bud McFarlane und jetzt Don Rumsfeld -, sie alle
haben ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Und wie ich gesagt habe, werden wir

weitermachen, solange es dort eine Chance gibt.
FRAGE:

Herr Präsident, wir haben eine Beschießung von See her durchge-

führt als Antwort auf Angriffe gegen unsere Marinesoldaten an Land.

Nachdem

nun diese Soldaten zurückgenommen werden in den Schutz der Schiffe, bedeutet
dies nun, daß die Beschießung des Libanon durch unsere Schiffe aufhört?
ANTWORT:

Seit einiger Zeit hat es keine Beschießung mehr gegeben, aber

erinnern Sie sich bitte daran, daß die jüngsten Beschießungen nicht aufgrund
der Angriffe auf unsere Marinesoldaten am Flugplatz erfolgten.
wegen des Beschüsses unserer Botschaft.
(exterritoriales) Gelände.

Sie erfolgten

Und das ist nun mal amerikanisches

Unser Botschaftspersonal mußte sich einige Tage

lang im Kellergeschoß aufhalten.

Es gab einen direkten Beschuß der Residenz

oder - ich bin nicht sicher - der Botschaft selbst, und darauf haben wir reagiert!

Aber wir üben jetzt Zurückhaltung.

Wir führen Aufklärungsflüge durch;

in einigen Fällen wurden diese Flugzeuge - erfreulicherweise ohne Erfolg - beschossen.

Wir haben darauf nicht reagiert, weil wir unserer Meinung nach zur

Zeit Zurückhaltung üben und darauf hoffen sollten, daß sich die Dinge abkühlen. ..
FRAGE:

Herr

�FRAGE:

Herr Präsident, warum haben Sie nicht schon früher Maßnahmen

für den Abzug der Marinesoldaten aus Beirut eingeleitet, und wie stellen Sie
sich zu den Behauptungen jener Leute, Kritiker, daß es zu lange dauere, um
nach der Debatte zwischen Ihren Beratern zu einem Konsens zu gelangen?

Die-

se Leute fragen deshalb, ob Sie tatsächlich die Dinge richtig im Griff haben
und ob Sie noch ein Ganztags-Präsident sind? Was haben Sie dazu zu sagen?
ANTWORT:
sen.

Auch ich habe von diesen gegenwärtig umlaufenden Märchen gele-

Ich kann Ihnen sagen, daß es ganz gewiß eine gründliche Erörterung -

über lange Zeit hinweg und bestimmt seit dem Selbstmordattentat - darüber
gab, ob es einen Weg gäbe, unsere Truppen dort zu behalten - nicht nur unsere, sondern auch die der anderen Länder, und auch einen Weg, um die Möglichkeiten der Verwundbarkeit durch Terrorangriffe zu vermindern.

Wir haben al-

les überprüft, und vom ersten Augenblick an war eine der Alternativen, diese
Truppen auf die Schiffe zu verlegen.

Wir schoben dies eine Weile hinaus, weil

wir besorgt waren, daß man dies dort drüben als einen Abzug, als ein Aufgeben
des Libanon, ansehen könnte, und das wollten wir nun wirklich nicht.
Schließlich gelangten wir zu der Überzeugung, daß wir dies tun könnten.
Wir sprachen darüber mit der Regierung Gemayel und mit unseren Verbündeten,
und wir gelangten zu der Entscheidung, daß dies wohl die logischste Sache sei:
ein stufenweiser Rückzug auf die Schiffe wobei ein Ausbildungsteam, das mit
der libanesischen Armee schon zusammengearbeitet hatte, dort verbleiben sollte.
Es war also kein Fall der Verzögerung; es ging vielmehr darum, die Situation
richtig zu beurteilen und die richtige Entscheidung zu treffen.
Was nun das zweite Märchen angeht, daß ich mich in meinen Stuhl zurücklehne und andere sagen lassen würde, was ich tun solle; diese Behauptung zeigt,
wie wenig man die Arbeitsweise unseres Regierungssystems versteht. Ich glaube nicht, daß meines Wissens irgendeine Administration jemans so eng mit dem
Kabinett und dem Stab zusammengearbeitet hat, wie es jetzt der Fall ist. Wir
haben meiner Meinung nach einen der besten Stäbe und eines der besten Kabinette, die diese Hauptstadt seit vielen, vielen Jahren gesehen hat.
Ich möchte,

�Ich möchte, daß die Leute um mich herum unabhängig denken.
alle Seiten einer Sache hören.

Ich möchte

Wir halten regelmäßige Kabinettssitzungen ab

und Sitzungen des sogenannten Kabinettsrates, wo Teile des Kabinetts über
Dinge sprechen, die nicht unbedingt andere Kabinettsmitglieder interessieren.
In diesen Besprechungen höre ich mir alle Seiten an. Man könnte dies am
besten mit einer Vorstandssitzung, der Sitzung eines Verwaltungs- oder Aufsichtsrates vergleichen. Die Debatte geht hin und her und ist nicht nur auf
ein Kabinettsmitglied begrenzt, das meint, dieses Problem gehe es am meisten
an.

Ich höre zu, man legt mir die einzelnen Meinungen dar. und die Debatte

schlägt manchmal hohe Wellen.

Oft kann, man leicht zu einem Konsens gelangen.

Aber oft muß ich eine Entscheidung treffen, und die richtet sich dann - dies
liegt auf c\er Hand - gegen das eine oder andere Kabinettsmitglied und ist
dann eben für die andere Seite. Aber so etwas geht hin und her, und wer heute
verliert, ist morgen der Gewinner.
troffen.

Auf diese Weise werden Entscheidungen ge-

Der einzige Unterschied zwischen einer Vorstandssitzung und einer

Kabinettssitzung ist, daß bei Entscheidungen keine Abstimmung vorgenommen
wird.

Ich habe die Entscheidungen zu treffen, und ich treffe sie aufgrund

der Informationen, die ich erhalten habe.

Und wenn ich nicht genügend

Infor-

mationen erhalten habe, dann wird eine neue Sitzung angesetzt, und die Debatten werden fortgesetzt...

FRAGE:

In der vergangenen Woche haben Sie gesagt, daß der arabisch-

israelische Konflikt durch Verhandlungen gelöst werden müsse, wobei es auch
um einen Austausch von Territorium für den Frieden gehe.

Haben Sie den Is-

raelis gesagt, sie müßten ihre Siedlungstätigkeit im Westjordanland einstellen?
ANTWORT:

Nein.

Aber ich habe den Israelis - und sie wissen das - von

Anfang an erklärt, daß es bei den Bemühungen um einen Gesamtfrieden in dieser Region meiner Ansicht nach nicht nützlich wäre, das fortzusetzen, was sie
jetzt tun.

Ich bin der Meinung, daß der Friedensprozeß, der uns vorschwebt,

auf dem Prozeß von Camp David sowie auf den Resolutionen 242 und 338 der Vereinten Nationen basieren muß.
zeichnet,

Ich habe diese Siedlungen nie als illegal be-

wie einige dies taten, aber ich habe betont, daß sie nicht hilf- 7 -

�nicht hilfreich wären.

Es liegt auf der Hand, daß der Friedensprozeß, die

Verhandlungen zwischen den arabischen Staaten und Israel, territoriale Änderungen gegen sichere und friedliche Grenzen einschließen muß.

Ich bin der

Meinung, daß wir dann eine bessere Chance haben würden.

Die Straße von Hormus
FRAGE:

Herr Präsident, der Krieg zwischen dem Irak und dem Iran er-

hitzt sich immer mehr - und zwar in gefährlicher Weise.

Ich möchte Sie fra-

gen, wie tief Ihre Besorgnisse gehen hinsichtlich der Möglichkeit, daß dieser
Krieg zu einer Schließung der Straße von Hormus und zu einer Unterbrechung
der Ölversorgung für Japan, Westeuropa und uns führen könnte, und wie weit
Sie zu gehen bereit sind, um die Straße offen zu halten?
ANTWORT:

Der Iran selbst hat diese Drohung vor einiger Zeit geäußert,

daß er nämlich die Straße von Hormus schließen würde, sollte der Irak bestimmte Dinge tun.

Ich habe damals meinen Standpunkt klargemacht und eine

Erklärung abgegeben, daß es für uns - und ich bin sicher, dies gilt auch für
unsere Verbündeten - keine Möglichkeit gäbe, einfach dazustehen und zuzusehen,
daß dieser Seeweg der Schiffahrt verschlossen wird - insbesondere den Tankern,
die so entscheidend wichtig sind für Japan, für unsere Verbündeten in Europa
und - in einem geringeren Ausmaß - für uns, die wir nicht so viel importieren, wie dies für die anderen erforderlich ist.
Es ist für uns unmöglich zuzulassen, daß dieser Seeweg geschlossen
wird.

Wir haben seit langem im Arabischen Meer Schiffseinheiten praktisch

ständig stationiert und einige unserer Verbündeten ebenfalls.

Wir werden die

Straße für die Schiffahrt offen halten.

Ost-West-Beziehungen

- 8 -

�Ost-West-Beziehungen
FRAGE:

Haben Sie Generalsekretär Tschernenko in Moskau etwas anderes

zu sagen als seinem Vorgänger Andropow?

Gibt es irgendetwas Neues, was sie

(die Sowjets) ermutigen könnte, mit den Vereinigten Staaten zu sprechen?
ANTWORT:

Ja, und zwar auf der Grundlage der Berichte, die der amerika-

nische Vizepräsident nach einem sehr nützlichen Treffen dort zurückgebracht
hat.

Wir sind sehr hoffnungsvoll hinsichtlich der jüngsten Erklärung, die er

(Tschernenko) abgegeben hat, daß er nämlich willens sei, einer Inspektion bezüglich der Waffen der chemischen Kriegführung an Ort und Stelle zuzustimmen.
Wir glauben, daß dies ein gutes Zeichen ist, und wir haben ihn wissen lassen,
daß wir bessere Beziehungen wünschen.

Wir möchten uns an einen Tisch setzen

und einige der Probleme erörtern, die zwischen uns stehen.

- 9 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. Februar 1984

DIE MITTELAMERIKA-HILFE DER VEREINIGTEN STAATEN
Erklärung des zuständigen Unterstaatssekretärs -

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der Abteilung für interamerikanische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Unterstaatssekretär Langhorne
A. Motley, hat in einer Erklärung am 21. Februar 1984 vor dem Unterausschuß
für Angelegenheiten der westlichen Hemisphäre des Außenpolitischen Ausschusses
des Repräsentantenhauses die Mittelamerika-Hilfe der Reagan-Administration dargelegt und befürwortet.

Grundlage des neuen "Gesetzes von 1984 über die De-

mokratie-, Friedens- und Entwicklungshilfe-Initiative in Mittelamerika" ist
der Bericht der Nationalen überparteilichen Kommission für Mittelamerika unter
Leitung des früheren amerikanischen Außenministers Henry Kissinger, in dem eine
massive Erhöhung der Wirtschaftshilfe für Mittelamerika empfohlen wurde. In
den nachfolgenden Ausführungen von Unterstaatssekretär Motley, in der nur unwesentliche Kürzungen vorgenommen wurden, wird der von Präsident Reagan dem
Kongreß unterbreitete Gesetzesentwurf im einzelnen aufgeschlüsselt:
Herr Vorsitzender,
ich freue mich, vor Ihnen erscheinen zu dürfen und meine Aussagen zu dem
lebenswichtigen Gesetz von 1984 über die Demokratie-, Friedens- und Entwick-

Postfach 20 03 po Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und Entwicklungshilfe-Initiative in Mittelamerika zu machen.
Die erschöpfende Studie der Nationalen überparteilichen Kommission für
Mittelamerika hat uns in die Lage versetzt, eine umfassende Antwort auf die
vielschichtige Krise in Mittelamerika zu finden.
Die Administration und der Kongreß sind jetzt in der Lage, ein vollständiges Aktionsprogramm zu konzipieren, das sowohl den unmittelbaren taktischen
Erfordernissen als auch den Ansprüchen einer langfristigen Strategie gerecht
wi rd.
Der jetzt dem Kongreß zugeleitete Gesetzesentwurf des Präsidenten verkörpert jene Empfehlungen der überparteilichen Kommission, die nicht ohne entsprechende Gesetzgebung verwirklicht werden können.

Wie Sie wissen, wird der

Präsident diejenigen Empfehlungen der Kommission, die keine neuen gesetzgeberischen Maßnahmen erfordern, durch Präsidialerlaß regeln.

Er fordert promptes

Handeln und prompte Unterstützung des Kongresses im Sinne der Verabschiedung
dieses Gesetzentwurfes.
Dieses Paket an gesetzgeberischen Maßnahmen wird dazu beitragen, Volkswirtschaften und Gesellschaften zu stabilisieren, die von Ungerechtigkeit und
Gewalt heimgesucht werden. Gleichzeitig wird es uns in die Lage versetzen,
die Offensive gegen die Armut zu ergreifen und die demokratische Entwicklung
zu fördern, die Achtung der Menschenrechte zu stärken und dabei zu helfen,
dieser unruhigen Region, die so nahe bei den Vereinigten Staaten liegt, einen
dauerhaften Frieden zu bringen.
Diese vorbereitete Erklärung wendet sich folgenden Themen zu:
- Der Bericht der überparteilichen Kommission
- Die wichtigen Punkte des Gesetzentwurfes
- Fragen der Politik und ihrer Verwirklichung
(Motley geht
- 2 -

�(Motley geht unter Ziffer I auf den Bericht der Kissinger-Komnnssion
ein - siehe Amerika Dienst Nr. 3 vom 18. Januar 1984 - deren Empfehlungen
er als sachlich begründet und realistisch bezeichnet.

Die Administration

und der Kongreß müßten die Mittel bereitstellen, "die wir und unsere mittelamerikanischen Freunde brauchen, um erfolgreich zusammenarbeiten zu können,
um einen dauerhaften Frieden auf der soliden Grundlage der Demokratie und
wirtschaftlichen Entwicklung zu erreichen".

Wörtlich fährt er dann fort:)

Was sich also, Herr Vorsitzender, aus dem Bericht der Kommission herauskristallisiert, ist die Dynamik Mittelamerikas selbst.

Es ist eine Dynamik,

in der sich Kommunismus, Gewalt und Diktatur aus Elend, Ungerechtigkeit und
einer unglücklichen Vergangenheit nähren.

Es ist eine zerstörerische Dyna-

mik, die die Bevölkerung Mittelamerikas unterdrückt und die, wenn sie nicht
geändert wird, in zunehmendem Maße die übrige westliche Hemisphäre gefährdet.

II Das Gesetz von 1984 über die Demokratie-, Friedens- und Entwicklungshilfe-Initiative in Mittelamerika
Um die zerstörerische Dynamik zu durchbrechen, wird es Maßnahmen zur
Unterstützung der demokratischen Selbstbestimmung, der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, an der alle ihren fairen Anteil haben, sowie zur Zusammenarbeit in der Bewältigung der Bedrohungen der Sicherheit der Region bedürfen.

Das ist der Konsens der überparteilichen Kommission.

Das ist die

Basis des Ihnen jetzt vorliegenden Gesetzentwurfes.
Im einzelnen schlägt der Präsident folgendes vor, um die Empfehlungen
der überparteilichen Kommission zu verwirklichen:

A) Wirtschaftshilfe

�A) Wirtschaftshilfe
Aus der Erkenntnis heraus, daß wirtschaftlicher Niedergang die soziale
und politische Unruhe verschärft, hat die Kommission zusätzliche 400 Millionen
Dollar in diesem Jahr als Erste-Hilfe-Stabilisierung empfohlen, um die Grundlage für eine langfristige Entwicklung zu schaffen.
Unsere zusätzliche Anforderung von 400 Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1984 an Erste-Hilfe-Mitteln soll dazu dienen, dem scharfen Rückgang der Bruttoinlandsprodukte, der Pro-Kopf-Einkommen und der Beschäftigtenzahlen Einhalt zu gebieten.

In den letzten Jahren ist das Pro-Kopf-Bruttoin-

landsprodukt in El Salvador um 35 Prozent, in Costa Rica um 23 Prozent, in
Guatemala um 14 Prozent und in Honduras um 12 Prozent zurückgegangen.

In

vier Jahren hat El Salvador 15 Jahre der wirtschaftlichen Entwicklung verloren.
Die Kommission empfahl fast eine Verdoppelung unserer vorgesehenen Wirtschaftshilfe auf rund 8 Milliarden Dollar über die nächsten fünf Jahre. Dieser Betrag, der hoch zu sein scheint - wenn man ihn nicht in Relation zu den
Erfordernissen der Region stellt - würde eine umfassende Strategie tragen,
um Demokratisierung, wirtschaftliches Wachstum, menschliche Entwicklung und
Sicherheit zu fördern.
Unser Durchführungsplan für die Haushaltsjahre 1985 bis 1989 sieht eine
Gesamtsumme von 5,9 Milliarden Dollar an Haushaltsmitteln sowie außer dem
Haushalt liegende Bürgerschaftszusagen für zwei Milliarden Dollar an Bürgschaften und Garantien vor - wozu Wohnungsbauinvestitionsgarantien und ein
Handelskreditversicherungsprogramm (TCIP) gehören, für das die Export-ImportBank zuständig sein soll.
Für das Haushaltsjahr 1985 schlagen wir ein Programm vor, für das 1,1
Milliarden Dollar an Haushaltsmitteln und 600 Millionen Dollar an Bürgschaften und Garantien bereitgestellt werden sollen.

Entsprechend der Entwicklung

�der Entwicklung in den einzelnen Ländern schätzen wir, daß die Hauptempfängerländer direkter bilateraler Hilfe im Haushaltsjahr 1985 sein werden:

El

Salvador (341 Millionen Dollar), Honduras (139 Millionen Dollar) und Guatemala
(96 Millionen Dollar).

El Salvador, das durch die Zerstörungen der Guerilla

Schäden in Höhe von 800 Millionen Dollar erlitten hat, wäre der Empfänger der
größten Summe, die beiden anderen Länder würden jedoch pro Kopf der Bevölkerung mehr erhalten.
Von der Funktion aus gesehen, würde der Haushaltsvoranschlag für 1985
vorsehen:
- etwa 550 Millionen Dollar an Zahlungsbilanzunterstützung, um die Einfuhr lebenswichtiger Güter durch den Privatsektor zu finanzieren;
- 120 Millionen Dollar an Lebensmittelhilfe nach dem öffentlichen Gesetz
480, wobei Einnahmen in einheimischer Währung benutzt werden, um beispielsweise Bildungs- und Gesundheitsprogramme zu unterstützen;
- arbeitsintensive Großbautätigkeit auf dem Gebiet der Infrastruktur und
des Wohnungsbaus;
- wesentlich verstärkte Unterstützung für Bildung - einschließlich der
Bekämpfung des Analphabetentums -, für das Lehrerkorps, für generelle
Ausbildung und ein Stipendienprogramm;
- große Mittel für die Entwicklung der Erwerbslandwirtschaft, einschließlich der Verbesserung der Besitzverhältnisse und der Kreditgewährung;
- mehr Mittel für die Tätigkeit der privaten Nationalen Stiftung für Demokratie in Mittelamerika;
- Mittel für die Stärkung der Justizorgane in der Region als sicherster
Weg, um die Freiheiten und Rechte des einzelnen zu gewährleisten; und
- Unterstützung des
- 5 -

�- Unterstützung des Mittel amerikanischen Gemeinsamen Markte und der dazugehörigen Mittelamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration, um
den innerregionalen Handel neu zu beleben und die wirtschaftliche Produktion und Beschäftigung wiederherzustellen.

B) Militärhilfe
Wesentlich für den wirtschaftlichen und humanitären Fortschritt in Mittelamerika ist der Frieden.

Ohne Sicherheit werden die besten Wirtschaftsprogramme

und die klügste Diplomatie nicht in der Lage sein, den Feinden der Demokratie
Einhalt zu gebieten.
Die Kommission hat einen wesentlich höheren Stand der Militärhilfe für
El Salvador empfohlen und ausdrücklich davor gewarnt, "zu wenig zu geben, um
den Krieg erfolgreich führen zu können."
Der Vorschlag des Präsidenten sieht folgendes vor:
- Für El Salvador im Haushaltsjahr 1984
Haushaltsjahr 1985

178,7 Millionen Dollar und im

132,5 Millionen Dollar an zusätzlicher Hilfe.

Zu-

sammen mit den 64,8 Millionen Dollar im Rahmen der diesjährigen, lau. fenden Haushaltsresolution würde sich das Programm für El Salvador im
Haushaltszeitraum 1984-85 auf insgesamt 376 Millionen Dollar belaufen.
Dieses Programm würde auf das Haushaltsjahr 1984 konzentriert, um das
militärische Patt zu überwinden und so bald wie möglich eine festere
Grundlage für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung und eine demokratische
nationale Versöhnung in El Salvador zu schaffen.
- Für das übrige Mittelamerika 80,35 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1984 und 123,4 Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1985 an zusätzlicher Militärhilfe.

Den Löwenanteil würde Honduras erhalten, eine

Demokratie, die noch immer mit häufigen Verletzungen ihres nationalen

- 6 -

�ihres nationalen Territoriums durch salvadorianische Guerilleros zu
kämpfen hat, die Unterschlupf suchen,und auch durch honduranische Guerilleros, die aus Nicaragua eingeschleust werden.

Honduras ist auch

einer direkten militärischen Bedrohung durch Nicaragua ausgesetzt, das
Streitkräfte aufgestellt hat, die mindestens fünfmal stärker sind als
die Nationalgarde Somozas und seit 1979 rund 250 Millionen Dollar an
Militärhilfe aus dem Sowjetblock erhalten haben.
Die Kommission empfiehlt, daß Militärhilfe an El Salvador durch gesetzliche Bestimmungen über regelmäßige Berichte von einem sichtbaren Fortschritt
im Sinne der Ziele der Menschenrechte abhängig gemacht werden soll, einschließlich freier Wahlen und einer Verminderung der Tätigkeit der Todesschwadronen.
Es besteht Übereinstimmung zwischen der Exekutive, dem Kongreß und der
Kommission, daß Fortschritte in der Menschenrechtsfrage in El Savlador von wesentlicher Bedeutung sind, wenn der Krieg erfolgreich beendet werden soll und
die sicherheitspolitischen und moralischen Interessen der Vereinigten Staaten
geschützt werden sollen.

Es besteht auch ein Konsens, daß die amerikanische

Hilfe aktiv dafür eingesetzt werden soll, um diese Ziele zu erreichen.
Wie dieser Ausschuß hier weiß, waren sich die Exekutive und der Kongreß
nicht immer völlig einig, wie dieses gemeinsame Ziel am besten erreicht werden
könnte.

Meine Kollegen in der Exekutive und ich sind überzeugt davon, daß

eine starre Formel, die Festlegung auf vorher willkürlich vereinbarte Zeitabstände auf der Basis des "Alles oder Nichts" nicht der geeignete Weg sind.
Die Erfahrung zeigt, daß eine solche Formel eher feindselige Aktionen der
Guerilla-Kräfte auslösen und die Aufmerksamkeit auf den Festlegungsprozeß lenken kann, als auf die zugrundeliegenden Probleme und ihre Lösung.
Wir müssen Mittel und Wege finden, um unsere Hilfe auf eine Weise von
Bedingungen abhängig zu machen, die funktioniert.

Dies erfordert die Fle-

xibilität, auf bestimmte Umstände, wie sie in einem gegebenen Augenblick
herrschen, entsprechend reagieren zu können.

- 7 -

Fortschritte in jüngster Zeit,

�jüngster Zeit, die ohne Vorhandensein einer gesetzlich niedergelegten Feststen ungspflicht erzielt wurden, zeigen, daß es Alternativen gibt.
Wir sind bereit, eng mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um in der Menschenrechtsfrage weitere Fortschritte sicherzustellen, während wir gleichzeitig dem Präsidenten die Möglichkeit lassen, eine wirksame Außenpolitik zu
betreiben.

C)

Die Mittelamerikanische Entwicklungsorganisation (CADO)

Die Kommission hat die Schaffung einer Mittel amerikanischen Entwicklungsorganisation (CADO) empfohlen, um den Bemühungen um die wirtschaftliche multilaterale Form und Substanz zu verleihen.
In Übereinstimmung mit dem Empfehlungen der Kommission legt die Gesetzesvorlage Prinzipien fest, die als Richtschnur für die Verhandlungen über die
Gründung dieser neuen Institution in Verbindung mit den mittel amerikanischen
Ländern und anderen Geberländern dienen sollen.
Der Präsident hat zu erkennen gegeben, daß er die Absicht habe, sowohl
bei seinen Verhandlungen als auch bei einer späteren amerikanischen Beteiligung an der CADO die in der Gesetzesvorlage niedergelegten Prinzipien zu
achten.
Entsprechend dieser Prinzipien:
- würde die CADO ein wirksames Forum sein für einen offenen Dialog über
die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung Mittelamerikas
und eine ständige Überprüfung der Politiken der einzelnen Länder und
der Zwecke, denen Auslandshilfe zugeführt wird.
- Die Beteiligung stünde den Vereinigten Staaten, anderen Geberländern
und jenen mittelamerikanischen Ländern offen, die sich unter anderem
- 8 -

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III Politik und Ausführung
Bezüglich dieses Programms haben sich viele Fragen ergeben.
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Fordern wir zuviel?
Wird unsere Hilfe wirksam eingesetzt?
Streben wir in El Salvador eine militärische Lösung an?
Sollte verstärkte Hilfe nicht einer regionalen Lösung folgen?
Werden diese zusätzlichen Mittel das Problem lösen?
Lassen Sie mich diese Fragen der Reihe nach ansprechen,
a) Fordern wir zuviel?

Nein, die Summen sind - gemessen an den Erfordernissen - bescheiden.
Wie die überparteiliche Kommission unterstrichen hat, ist der Bedarf an Hilfe
von außen gewaltig. Die physische Infrastruktur ist beschädigt, Gesundheitsund Bildungssystem müssen ausgebaut werden, und Investitionen in die Produktivkapazität sind von entscheidender Bedeutung, um den wachsenden Arbeitskräften der Region Arbeitsplätze zu geben.
Es gibt Leute, die uns raten, weniger Wirtschaftshilfe zu gewähren.
Aber sind weniger als 15 Prozent unserer vorgesehenen weltweiten Wirtschaftshilfe für das Haushaltsjahr 1985 ein zu hoher Preis, wenn es gilt, das Leiden
in Mittelamerika zu lindern und unseren Interessen dort zu dienen?
Andere treten
- 10 -

�Andere treten für eine Senkung der Militärhilfe ein. Aber es findet keine
Verringerung der Waffen, Ausbildung und sonstigen Unterstützung für die andere
Seite statt, eine Seite, die Demokratie und Pluralismus ablehnt und Gewalt als
ihr eigenstes Mittel zur Macht gewählt hat.
Wieder andere raten uns, uns gänzlich zurückzuziehen, weil die Lage angeblich zu schwierig sei, weil die regionalen Kräfte der Mäßigung und der Demokratie angeblich zu schwach seien, oder weil sie die deutlich erkennbaren
Absichten der antidemokratischen Kräfte nicht mit in Rechnung stellen, die zugange sind.

Die Vereinigten Staaten können es sich einfach nicht leisten, sich

zurückzuziehen und Mittelamerika der Armut und dem Kommunismus zu überlassen.
Und schließlich gibt es jene, die zwar bereit sind, etwas zu tun, die
aber nicht genügend helfen.

Sie weigern sich, die politischen Folgen zu tra-

gen, wenn jene verlieren, die wir unterstützen.

Aber sie sind wiederum auch

nicht bereit, die Hilfe zuzugestehen, die jene brauchen, um zu gewinnen.

Sie

weigern sich, eine echte Verpflichtung einzugehen und suchen weiterhin nach
"Schnellkuren", die an den grundlegenden Problemen von Frieden, Demokratie,
Sicherheit und echter Reform vorbeigehen.

Die Kommission hat diese Einstel-

lung mit Recht als die gefährlichste bezeichnet.
Eine Hilfe von acht Milliarden Dollar über fünf Jahre würde dem Gegenwert von etwa fünf Prozent des Bruttosozialprodukts der Region entsprechen.
Das ist weniger als die Hilfe, die früher in anderen Teilen der Welt zur Verfügung gestellt wurde.
Ein weiterer nützlicher Maßstab für die Fähigkeit Mittelamerikas, Hilfe
in der vorgeschlagenen Höhe aufzunehmen, ist das Absacken der Exporterlöse
aus Kaffee und Zucker wegen der niedrigeren Preise und der höheren Kosten
für eingeführtes Erdöl.

Dieser Nettoverlust an Devisen beläuft sich auf et-

wa 1,5 Milliarden Dollar pro Jahr - was in etwa dem Umfang der vorgeschlagenen
Hilfe entspricht.
Darüber hinaus
- 11 -

�Darüber hinaus könnte wesentliche Überschußkapazität rasch und leicht
ins Spiel gebracht werden, um zusätzliche Arbeitsplätze und Produktion zu
schaffen.
gen.

Privatfirmen brauchen nur Arbeitskapital und importierte Leistun-

Auf dem öffentlichen Sektor fehlt es den vorrangigen Investitionspro-

grammen, die wegen der Sparprogramme eingestellt oder gekürzt wurden, nur an
finanzieller Unterstützung, um wieder in Gang zu kommen.

b) Wird unsere Hilfe wirksam eingesetzt?
In der nächsten Zukunft wird der Großteil unserer Mittel für Tätigkeiten auf dem Privatsektor und nicht für eine Aufblähung der Regierungsbürokratie verwandt werden.
Auf längere Sicht werden wir auch Hilfe für den Aufbau von Institutionen,
für Ausbildung und technische Hilfe gewähren, die es unseren Nachbarn ermöglichen werden, größer angelegte Programme erfolgreich durchzuführen.
Politische Reformen werden Voraussetzung für den Erhalt und die wirksame
Nutzung unserer Mittel sein. Wir werden nicht die Unfähigkeit unterstützen,
sondern danach streben, Chancen und Anreize für Investitionen auf dem Privatsektor zu schaffen. Wir hoffen, daß die CADO ein nützliches Element für diesen Zweck sein wird. Ein entscheidendes Ziel der CADO wird darin bestehen,
den Privatsektor darin zu beraten, welche Tätigkeiten die Produktivität am
meisten steigern werden: Sicherlich nicht die Regierungsbürokratie oder Geschenke, sondern die Stärkung der einheimischen Produktion.
Kapitalflucht war seit etwa 1979 drei bis vier Jahre lang ein ernstes
Problem.

In jüngerer Zeit haben jedoch die Zentralbanken der Region den Ernst

des Problems erkannt und arbeiten erfolgreich an der Verhinderung der Kapitalflucht.
Unsere Vertretungen

- 12 -

�Unsere Vertretungen des Amtes für International r ,
E tW,CklUn
bieten nützliche Beratung und technische Unterste
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hörden in Mittelamerika bei der Bewältigung dieser 1 1 T ^ W ä h r U " 9 5 b e AU
Ergebnis sind die Abflüsse stark zurückgegangen
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c) Streben „ir in E, Salvador eine militärische Losung an?

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Elemente der Linken an den Kommunal- und Parlamö.te u, .
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una Parlamentswahlen im Jahr 1985 werden.
Der Betrag für die vorgeschlagene Militärhilfe ist zwar höher als der
früher gewahrte, aber wir dürfen nicht vergessen daR H ac
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^rgessen, daß das gegenwärtige mili-

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Der Betrag für die Militärhilfe für E, Salvador muß auch ,n der richtigen
Perspektive gesehe,- werden. Die gesamte Militärhilfe für El s.lv 1
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- 13 -

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�dem Neuantrag - beträgt 3,6 Prozent unserer weltweiten Militärhilfe, und der
Antrag für das Haushaltsjahr 1985 ist nur 2,1 Prozent der weltweiten Summe.
Die überparteiliche Kommission hat festgestellt, daß kein logisches Argument
dafür spricht, zwar etwas, aber eben nicht genug Militärhilfe zu geben.

Wir

können uns den Betrag leisten, den wir anfordern - sowohl im Sinne unserer
wichtigen Interessen in Mittelamerika als auch unserer weltweiten Verpflichtungen.

d)

Sollte die verstärkte Wirtschaftshilfe eine regionale Gesamtlösung
begleiten oder erst auf sie folgen?

Die Wirtschaftshilfe, die wir beantragen,
für jede ausgehandelte Lösung.

ist eine wesentliche Hilfe

Wenn wir dem Frieden eine Chance geben wol-

len, dann müssen wir jetzt damit beginnen, die Volkswirtschaften Mittelamerikas
wieder aufzubauen, um ein Klima für den Frieden zu schaffen.
Zu dem Zeitpunkt in der Zukunft, da alle Beteiligten zu einer Lösung
bereit sind, kann der Friedensprozeß dann sehr rasch fortschreiten. Mit unserer vollen Unterstützung haben die CONTADORA-Staaten in ihrem 21-PunkteDokument bereits die Grundlage für ein Abkommen geschaffen. Aber erfolgreiche
Verhandlungen müssen den Realitäten entsprechen, die verwirklichbar sind.
Die Volkswirtschaften Amerikas, von Anfang an auf schwachen Beinen, sind der
Belastung der wirtschaftlichen Krise und der Gewalt ausgesetzt worden. Selbst
wenn - mit den besten Absichten aller Beteiligten - ein regionales Friedensabkommen unterzeichnet wird, dann wird es keinen Bestand haben, solange die
Nationen der Region kurz vor einem wirtschaftlichen Zusammenbruch stehen.

e) Werden diese zusätzlichen Mittel das Problem lösen?
Geld allein wird die Krise in Mittelamerika nicht lösen.

Aber wenn man

weiß, mit welchen Mitteln man rechnen kann, dann kann dies unsere Diplomatie

- 14 -

�unsere Diplomatie in die Lage versetzen, das Wechselspiel unterschiedlicher
politischer Instrumente besser zu nutzen, um Entwicklungen auf friedliche Lösungen hinzulenken, einschließlich von Lösungen auf dem Verhandlungswege, wo
immer sie möglich sind.
Was wir über die Bereitstellung ausreichender Wirtschafts- und Militärhilfe hinaus brauchen, ist die Demonstration, daß sich die Vereinigten Staaten
langfristig dazu verpflichtet haben, dazu beizutragen, daß die Regierungen
in Mittelamerika geeignete wirtschaftliche, politische und soziale Reformmaßnahmen ergreifen sowie vor allem eine aktive und beständige Friedensdiplomatie
betreiben.

IV Zusammenfassung
Diese umfassende Politik wird beträchtliche Anstrengungen und Opfer erfordern.

Es gibt Leute, die geneigt sind, nur die Wirtschaftshilfe zu unter-

stützen.

Es gibt andere, die geneigt sind, nur die Militärhilfe zu unterstüt-

zen.

Es gibt jedoch keine Alternative zu einer ausgewogenen Einstellung zu

den Ihnen vorliegenden Gesetzesentwürfen.
Die Krise ist akut.

Unsere Nachbarn in Mittelamerika bedürfen dringend

der Hilfe des einzigen Landes, das wirklich etwas bewirken kann.
Wir tragen eine Verantwortung.

Hier sind moralische und strategische

Interessen der Vereinigten Staaten angesprochen - in einem Gebiet, in dem wir
historisch immer engagiert waren.

Nichts zu tun oder zuwenig

zu tun, sind

keine vertretbaren Alternativen.
Unsere Initiative beruht auf einer gründlichen Analyse.

Sie wurzelt

in dem übereinstimmenden Urteil, daß die Probleme des Gebietes sowohl einheimische als auch von außerhalb der Region stammende Ursachen haben.
Unsere Ziele
- 15 -

�Unsere Ziele sind realistisch.

Die progressivsten, demokratischen

Kräfte der Region sind nachhaltig davon überzeugt, daß wir erfolgreich zusammenarbeiten können, um die gemäßigte Mitte in Mittelamerika zu stärken.
Diese gleichen Leute sind überzeugt, daß unsere aktive Beteiligung sowohl
dem Sieg über den Kommunismus, als auch der Stärkung der Achtung der menschlichen Freiheit in diesem so entscheidend wichtigen Teil der westlichen Hemisphäre dienen wird.
Diese Einstellung ist richtig.

Es herrscht breite Übereinstimmung dar-

über, daß zu wirksamem Handeln eine Mischung von entwicklungspolitischen,
politischen, diplomatischen und sicherheitspolitischen Elementen gehört, und
daß diese Elemente gleichzeitig, gerecht und human vorangetrieben werden müssen.

So etwas wie eine gänzlich "wirtschaftliche" oder gänzlich "politische"

oder gänzlich "militärische" Lösung für die Probleme Mittelamerikas gibt es
nicht.

Volkswirtschaften müssen geschützt und entwickelt werden.

müssen es wert sein, daß man sie verteidigt.

Regierungen

Einheimische Armut und kuba-

nisch gelenkte Guerilla-Kriegführung sind Verbündete.

Unsere Politik muß ge-

gen beides gerichtet sein.
Der von der überparteilichen Kommission empfohlene und von Präsident
Reagan eingeschlagene Weg fordert ein stärkeres amerikanisches Engagement,
das mit der Zeit die Mittelamerikaner in die Lage versetzen wird, auf eigenen
Beinen zu stehen und in Frieden miteinander zu leben. Diese Art von Engagement heute wird uns der Notwendigkeit eines größeren Engagement später entheben.
Was die überparteiliche Kommission und der Präsident vorschlagen, ist
nicht unmöglich.

Es ist eine realistische und humane Antwort auf eine echte

Krise unter besonders unruhigen Umständen.
vollbringen.

Wir besitzen die Mittel, um es zu

Die Menschen in Mittelamerika wollen, daß wir es tun.

Unsere

Gegner - Extremisten der Linken wie der Rechten - wären entzückt, wenn wir
zögerten.
Ich hoffe,

- 16 -

�Ich hoffe, daß Ihre Behandlung der Vorlage von der einstimmigen Schlußfolgerung der überparteilichen Kommission beeinflußt sein wird - eine Schlußfolgerung, die schon bei der Ausarbeitung eine Rolle gespielt hat und die
wert ist, im Wortlaut zitiert zu werden:
"Die Kommission ist zu der Schlußfolgerung gelangt, daß in Mittelamerika
in einem erheblichen Umfang die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten
auf dem Spiel stehen; daß außerdem diese Interessen ein beträchtlich größeres
Programm militärischer Hilfe sowie erheblich ausgeweitete Unterstützung für
wirtschaftliches Wachstum und soziale Reform erfordern; daß es weiterhin zu
einem Ende der massiven Menschenrechtsverletzungen kommen muß, wenn in Mittelamerika Sicherheit herrschen soll; und daß die externe Unterstützung des Aufruhrs aus dem gleichen Zweck neutralisiert werden muß."

Ich danke Ihnen.

+ + + + +

- 17 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

29. Februar 1984

USA GEGEN APARTHEID UND FÜR FRIEDLICHEN WANDEL
Erklärung des US-Botschafters bei der UN-Menschenrechtskommission
(Auszüge)

GENF - (AD) - Botschafter Alan L. Keyes, Vertreter der Vereinigten Staaten in der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen erklärte am 15. Februar 1984 in Genf vor der Kommission, Amerika betrachte das System der Apartheid in Südafrika als "unterdrückerisch und ungerecht" und dränge

auf fried-

lichen Wandel durch praktische Maßnahmen.
Die wichtigsten Auszüge aus der Rede von Botschafter Keyes haben folgenden Wortlaut:
Das Apartheid-System in Südafrika gründet sich auf zwei Voraussetzungen:
auf absolute rassische Ausschließlichkeit und auf inhärente rassische Überlegenheit der Weißen.

Auf diesen Voraussetzungen aufbauend haben die Architek-

ten der Apartheid ein System der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeit errichtet - und zu rechtfertigen versucht -, das der schwarzen
Bevölkerung Afrikas die grundlegenden Menschenrechte verwehrt.

Die Regierung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Regierung und das Volk der Vereinigten Staaten lehnen die falschen Voraussetzungen der Apartheid ab. Wir verabscheuen das System der Unterdrückung,
das auf diesen beiden Voraussetzungen aufbaut. Wir verurteilen, daß der Mehrheit der schwarzen Bevölkerung ihre Grundrechte verweigert wird.

Wir stehen

zu den Prinzipien - wie sie auch für unsere Identität als Nation von entscheidender Bedeutung sind -, daß alle Menschen gleich sind und daß sie von ihrem
Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind.

Im Festhal-

ten an diesen Prinzipien - unter Schmerzen verteidigt durch Bürgerkrieg, vor
den Gerichten und mit gewaltlosen Massenprotesten gegen Ungerechtigkeit - ist
das amerikanische Volk ein Gegner der Apartheid, genauso wie wir auch Gegner
eines jeden Systems sind, das dem einzelnen seine Würde und seine Rechte als
menschliches Wesen verwehrt.
Wenn es zwischen den Mitgliedern dieser Kommission hinsichtlich der uns
vorliegenden Probleme Meinungsverschiedenheiten gibt, so gibt es solche nicht
zwischen jenen, die gegen die Apartheid sind und anderen, die nicht dagegen
sind.

Es geht vielmehr um die Frage, wie sich am ehesten eine praktische Ent-

wicklung weg vom Apartheid-System fördern läßt - einem System, das nach unser
aller tiefster Überzeugung unrechtmäßig, unterdrückerisch und ungerecht ist.
Die eine Einstellung gründet sich dabei auf die Annahme, daß es in Südafrika
keinerlei Kräfte gäbe, die einen echten Ansatz zum konstruktiven friedlichen
Wandel anzubieten hätten; daß kein weißer Südafrikaner Zeichen eines anständigen, menschlichen Mitgefühls zeige; und daß die schwarzen Südafrikaner keine
andere Möglichkeit hätten, als den Kampf mit Gewalt.

Deutlich ist, daß eine

solche Einstellung zu einer tragischen Umwälzung führen muß.
Die Vereinigten Staaten stellen diese Postulate in Frage. Wir sind der
Meinung, daß berechtigte Wut und Abscheu angesichts von Ungerechtigkeit uns
nicht blind machen dürfen gegenüber der komplexen Realität der Situation in
Südafrika und keine Entschuldigung sind für nüchterne und sorgfältige Analyse
dieser Situation - mit dem Ziel, Möglichkeiten herauszufinden, um einen friedlichen und positiven Wandel zu fördern und praktische Schritte zu erarbeiten,
um aus einem solchen Wandel Nutzen zu ziehen. Wir sind der Meinung, daß die

- 2 -

�daß die Suche nach solchen Möglichkeiten ein moralisches Gebot ist.

Natür-

lich gibt es auch unserer Meinung nach Situationen, in denen ein Volk zu den
Waffen greifen muß, um sein Recht auf Freiheit und Gerechtigkeit zu verteidigen oder wiederzugewinnen.
werden...

Aber der Entschluß hierzu sollte nie leicht gefaßt

Wo, wie in Afghanistan, eine gnadenlose Invasion durch eine aus-

ländische Macht ein Volk dazu zwingt, seine Freiheit zu verteidigen, ist es
der Aggressor, der sich für Krieg entscheidet, und man kann nur den Mut bewundern, mit dem dort Widerstand geleistet wird.

Aber das Volk Südafrikas ist

ein einziges Volk, das - und dem stimmen wir alle zu - zu gleichen Bürgerrechten und gleichem politischem Geschick berechtigt ist - obgleich die Politik
konsequenter Apartheid versucht, diese gleichen Bürgerrechte zu verwehren und
dem südafrikanischen Volk künstliche und ungleiche Trennungen aufzuerlegen.
Einer solchen Politik wird es weder jetzt noch jemals gelingen, an dieser Tatsache vorbeizukommen:

Die Südafrikaner, schwarze wie weiße, leben in demsel-

ben Land, teilen dieselbe Geschichte und stehen - trotz faschistischer Vorurteile und dem durch die Unterdrückung hervorgerufenen tiefen Zorn - vor einer gemeinsamen Zukunft, der sie nicht entrinnen können.

In einer solchen Si-

tuation wohnen dem Entschluß zur Gewalt alle Elemente einer Tragödie inne.
Angesichts der Gefahr einer solchen Tragödie zwingt moralischer Anstand
dazu, daß alle nur möglichen Anstrengungen unternommen werden, um sie zu vermeiden.

Südafrika ist ein Land, das mit großen materiellen Ressourcen geseg-

net ist.

Sein Volk, Schwarze wie Weiße, hat die Fähigkeit, die Energie, die

schöpferischen Talente und die unzerstörbare geistige Kraft, mit all diesen
Ressourcen eine große Nation zu schaffen, die es wert ist, an der Gestaltung
eines besseren Geschickes dieses großartigen Kontinents teilzunehmen.
sichts der Vision einer solchen Zukunft:

Ange-

Welches Recht haben wir, den wilden

Strom der Konflikte aufzuwühlen, der all diese Hoffnungen mit sich reißen
würde?
Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß eine Strategie der Isolierung Südafrikas nur einen Beitrag dazu leisten kann, daß solche Gewalt noch
wahrscheinlicher, umfassender und zerstörerischer wäre.

- 3 -

Ein solches Ergeb-

�Ein solches Ergebnis mag in der Absicht jener liegen, die darauf hoffen, dadurch die Anwesenheit ihrer Waffen und ihres Einflusses im südlichen Afrika
in ein weiteres System unterdrückter Satellitenstaaten umzuformen.

Diejeni-

gen'aber, die keine derartigen imperialistischen Ambitionen haben, können nur
eine Einstellung beklagen, die die schwarze Bevölkerung Südafrikas von wirksamer internationaler Unterstützung ihres legitimen Kampfes für Gerechtigkeit
isolieren; die die widerspenstigen Weißen Südafrikas allein lassen würde mit
ihren verbohrten Vorurteilen und impulsiv gewalttätigen Befürchtungen - und
die zu einem Ergebnis anregen könnte, das die materiellen und menschlichen
Ressourcen verschlingen dürfte, die für eine zukünftige Prosperität aller Südafrikaner von so entscheidender Bedeutung sind.
Die Vereinigten Staaten sind für eine Politik, die darauf abzielt, den
Schwarzen Südafrikas dabei zu helfen, wirksame Grundlagen für die wirtschaftliche und politische Macht zu schaffen, die sie brauchen, um sich ihren rechtmäßigen Platz in der südafrikanischen Gesellschaft zu erringen.

Wir sind für

eine Politik, die darauf abzielt, die bessere Natur der Weißen in Südafrika
zu ermutigen und zu bestärken, damit auch sie das Sinnlose des Versuchs erkennen, eine ungerechte, unterdrückerische politische Herrschaft beizubehalten.
Wir sind der Überzeugung, daß es in Südafrika auf der ganzen Bandbreite
der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Realität tatsächliche und potentielle Kräfte für den Wandel gibt.
Im wirtschaftlichen Bereich steht das Apartheid-System, das systematisch die Entwicklung der Produktivkräfte, der Kaufkraft und des Unternehmergeistes der schwarzen Mehrheit Südafrikas durchkreuzt, im Gegensatz zu den
Ansprüchen einer modernen Industriegesellschaft.

Mit der zunehmenden Diversi-

fizierung der Wirtschaft Südafrikas, mit der Notwendigkeit einer handwerklich
und technisch ausgebildeten Bevölkerung, mit den für eine entwickelte Volkswirtschaft so wichtigen fortschrittlichen Einstellungen wird die politisch
motivierte Vernachlässigung des schwarzen Bevölkerungsteils Südafrikas immer

- 4 -

�Südafrikas immer anachronistischer, zu einem Widerspruch in sich selbst und
unhaltbar.

Schon jetzt wird das System von bruchstückhaften, auf der Rasse

begründeten geographischen Einheiten, wie sie die Theoretiker der Großen
Apartheid entworfen haben, als eine ökonomisch irrationale und nicht funktionierende Illusion angesehen.

Um diese wirtschaftliche Realität in einen

wirksamen Hebel für die Veränderung zur Überwindung der Apartheid umzuformen,
braucht die schwarze Bevölkerung Südafrikas ein entscheidendes Maß an Ausbildung, an Fähigkeiten und an Organisationskenntnis.

In der Erkenntnis dieser

Notwendigkeit haben die Vereinigten Staaten ein Ausbildungsprogramm, mit vier
Millionen Dollar jährlich ausgestattet, ins Leben gerufen, um schwarze Studenten aus Südafrika zum Studium an unseren Universitäten in die Vereinigten
Staaten zu holen.

Die gesetzliche Grundlage für dieses Programm kam noch vor

Präsident Reagans Administration zustande, wurde aber unter seiner Führung
noch verstärkt.

Wir haben Ausbildungsprogramme für schwarze südafrikanische

Gewerkschaftler ins Leben gerufen, die in Zusammenarbeit mit der amerikanischen
Gewerkschaft AFL-CIO durchgeführt werden und zu denen die Vereinigten Staaten
in diesem und im nächsten Jahr über eine Million Dollar beisteuern.

Wir un-

terstützen die Entwicklung von Kleingewerbebetrieben in schwarzen Gemeinden
Südafrikas mit rund drei Millionen Dollar in den nächsten zwei Jahren und
wir helfen bei der Ausbildung von schwarzen Schülern in Südafrika, damit ihre
Chancen auf einen Zugang zu Berufsschulen größer werden.
Zudem hat der Kongreß in diesem Jahr 1,5 Millionen Dollar für die Haushaltsjahre 1984 und 1985 befürwortet, um Projekte zu ermöglichen, mit denen
eine gerechte Gesellschaft gefördert, mit denen Opfern der Apartheid geholfen
und durch die zu einem gewaltlosen Wandel in Südafrika ermutigt werden soll.
Wir geben nicht vor, daß diese Schritte das Problem der Apartheid lösen
werden.

Sie sind lediglich ein Anfang und zielen darauf ab, die Saat der

Hoffnung zu nähren und sicherzustellen, daß die Schwarzen Südafrikas die Möglichkeit haben, die Gelegenheiten zum Wandel zu ergreifen, die ein diversifiziertes Wirtschaftssystem bieten kann, das sich in Südafrika entwickelt.

Aber

derlei Fähigkeiten wären sinnlos, gäbe es nicht auch in Südafrika die expandie-

- 5 -

�die expandierende Präsenz von Unternehmen, die Arbeitsplätze und Gehälter
bieten - sowie Möglichkeiten auf Managerebene, die sich in wirkungsvolle Plattformen wirtschaftlichen Einflusses umwandeln lassen.

Mangelnde Investitionen

in Südafrika würden diese Plattform untergraben und in ihrer Tendenz Südafrika
wieder in eine Wirtschaftsform zurückfallen lassen, die rein agrarisch ist und
sich auf.seine Bodenschätze stützt - eine Wirtschaft, die sich mehr mit der
Apartheid-Mentalität deckt und auch leichter kontrollierbar ist.

Dies würde

die Schwarzen Südafrikas potentiell kraftvoller Instrumente für praktische Aktionen zugunsten größerer Gerechtigkeit berauben.

Eine ernsthafte moralische

Zielsetzung - durch eine solide Wirtschaftsanalyse bereichert - würde stattdessen davon ausgehen, daß viel eher zu stärkerer Einbeziehung jener ausländischen und inländischen Investoren angeregt werden sollte, deren Verhalten sich
strikt an rassischer Ausgewogenheit orientiert und die dazu entschlossen sind,
den entsprechend qualifizierten Schwarzen Südafrikas eine Führungsrolle in ihren Unternehmen zu übertragen.

Natürlich gehen wir nicht davon aus, daß wirtschaftlicher Fortschritt
für die Schwarzen Südafrikas sich automatisch in eine politisch gerechtere
Rolle übersetzen läßt; aber er kann und sollte eine starke Basis für eine Bewegung in Richtung auf eine solche Rolle sein. In dem Maße, in dem die Schwarzen in eine gerechtere Rolle in Südafrikas Wirtschaftsleben hineinwachsen,
würden - ja, werden - die Barrieren, die die sozialen Aspekte der Apartheid
schützen, davon beeinflußt. Weiße Vorurteile und Befürchtungen lassen die
Aussicht auf gleiche politische Beteiligung für die Schwarzen bei einem Großteil der weißen Bevölkerung als etwas erscheinen, was man fürchten muß. Als
Amerikaner meinen wir, den Weißen Südafrikas einiges Bedeutsames über die Vorteile einer Gesellschaft sagen zu können, die sich selbst von institutionalisierter rassischer Diskriminierung befreit hat. In dieser Hinsicht geht es
auch gerade uns darum, daß die Südafrikaner die Gefahren erkennen, die darin liegen, ein ungerechtes System mit Mitteln aufrechtzuerhalten, die die
Achtung vor dem Gesetz und echtem Fortschritt untergraben oder geringschätzen.
Systematische Verletzungen der Menschenrechte des einzelnen durch die Polizei
oder Vertreter der Verwaltung tragen nicht nur zu dem überkommenen Haß der

- 6 -

�Haß der Schwarzen Südafrikas bei, sondern werfen ihre lähmenden Schatten
auch auf die gerechtfertigten Schutzmaßnahmen, auf die die weißen Südafrikaner Anspruch erheben. Die Menschenrechte sind unteilbar, und keine Gemeinschaft kann lange Zeit darauf hoffen, jene Rechte für eine privilegierte Minderheit beizubehalten, die sie der großen Mehrheit ihrer Angehörigen verwehrt.
In diesem Bereich wie in manchen anderen meinen wir, daß wir sowie die
Angehörigen anderer Staaten, wo die Menschenrechte geachtet werden, Einblick
und Erfahrung mit den Südafrikanern aller Rassen teilen zu können.
zumenschh'chen

Die all-

Emotionen, die dazu beitragen, das Apartheid-System aufrechtzu-

erhalten, mögen niemals völlig beseitigt werden, aber sie können durch menschliche Kontakte untergraben und diskreditiert werden, die die wachsenden Zweifel unter den Weißen über die Apartheid in eine echte Verpflichtung umwandeln,
sich Praktiken zu widersetzen, durch die akzeptierte Normen der Justiz und
der Gerechtigkeit verletzt werden.
Auch hier scheinen eher mehr als weniger Kontakte zwischen Südafrika
und der übrigen Welt die praktische Reaktion zu sein.
Bei abschließender Analyse sehen wir alle, daß der schwierigste Aspekt
des südafrikanischen Dilemmas weder wirtschaftlicher noch moralischer Natur
ist.

Er liegt in der entscheidenden Frage, ob die südafrikanischen Weißen

mit friedlichen Mitteln dazu kommen können, der schwarzen Mehrheit die politischen Rechte zuzugestehen, die ihre Humanitas erfordert,

Wäre den Weißen

Südafrikas das Konzept einer solchen politischen Gerechtigkeit völlig fremd,
so wäre die Antwort auf diese Frage vielleicht unvermeidlicherweise eine hoffnungslose Antwort. Aber sie kennen seine Bedeutung ganz genau, denn sie wenden es ja bei sich selbst an.

Sie feiern die Geschichte ihres eigenen Kampfes

gegen das, was sie als eine ungerechte politische Herrschaft empfinden.

Sie

können von dieser Geschichte her die bittere Schmach politischer Ungleichheit wie auch die unbeugsame Beharrlichkeit verstehen, mit der alle Menschen
gegen eine solche Ungerechtigkeit ankämpfen...
Das amerikanische

�Das amerikanische Volk sollte nicht an ihrer Humanität verzweifeln, und
auch die übrige Welt sollte es nicht.

Und noch weniger sollten wir an dem

Mut, der Ausdauer und dem letztlichen Sieg der schwarzen Mehrheit Südafrikas
zweifeln.

Die Unterdrückung hat, so meinen wir, sie weder gebrochen, noch

völlig verbittert»

Wir sollten ihr nicht die möglichen Mittel des Kampfes

vorschreiben, wie stark auch immer unsere Gefühle hinsichtlich dieses Kampfes
sein mögen»

Manche mögen an den friedlichen Mitteln verzweifeln, zum Gewehr

greifen und lernen, wie man tötet und wie man stirbt»

Andere - nicht weniger

mutig, aber vielleicht an die Welt denkend, in der ihre Kinder und ihre Enkel
leben werden - mögen sich für die Vernunft und für ihre Fähigkeiten entscheiden, ihren Arbeitsplatz oder ihr Unternehmen dazu zu nützen, um wirksame Werkzeuge zu schmieden, mit denen man die Strukturen der Unterdrückung zerschlagen
kann, ohne das Licht zu zerstören, das ihnen allen

gehört und das sie lieben.

Das amerikanische Volk wird sich in diesem Kampf keine Entscheidung anmaßen.

Wir wollen das Volk Südafrikas - ob schwarz oder weiß - keiner Feuers-

brunst aussetzen, die aus Gedankenlosigkeit oder Verzweiflung entsteht.

Und

solange wir unseren Glauben daran bewahren, daß ein gerechter und mitfühlender Gott über der menschlichen Geschichte steht, diese richtet und bei der
stillen Revolution der menschlichen Seele hilft, werden wir in dem Bemühen
nicht nachlassen, diesem Volk dabei zu helfen, den Mut, die Weisheit und die
praktischen Mittel zu finden, das hoffnungsvollere Versprechen seines derzeit so gequälten Landes zu erfüllen»

- 8 -

�29. Februar 1984

KONTROLLE DES TECHNOLOGIE-TRANSFERS MACHT FORTSCHRITTE
USIA-Interview mit William Archey, Referent für Exportkontrollen
im US-Handelsministerium -

WASHINGTON - (AD) - COCOM (Koordinierungsausschuß für die Kontrolle des
Exports strategisch wichtiger Güter) nennt sich ein aus Vertretern der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten gebildetes Gremium, das sich um die Klärung
bestimmter Fragenkomplexe im Zusammenhang mit dem internationalen Handel bemüht.
In einem Interview mit Jon Schaffer vom US-Informationsamt (USIA) in Washington
bezeichnete William Archey, der für Exportkontrollen zuständige Beamte im
amerikanischen Handelsministerium, die Begrenzung von Technologie- und Ausrüstungsexporten, die beispielsweise für die Robotertechnik bedeutsam sind, in
die Sowjetunion als eine für die USA und deren Verbündete ganz entscheidende
Frage.

Die Verhandlungen in diesem Gremium machten gute Fortschritte, jedoch

sollte die COCOM-Struktur verstärkt werden, was auf verschiedenen Wegen möglich
sei.

Nachfolgend das Interview im Wortlaut:
FRAGE: Seit fast zwei Jahren werden innerhalb des COCOM Gespräche hochrangiger

Vertreter der Partnerländer über eine Oberprüfung der Liste von Exportgütern
geführt, die aus Sicherheitsgründen unter multilateraler Kontrolle stehen. Wie
beurteilen Sie den bisher erzielten Fortschritt?
ANTWORT: Er ist

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ANTWORT: Er ist eigentlich recht gut.

Man einigte sich über bestimmte

Typen von Robotern und Robotertechnologie, Silizium und einige Werkzeugmaschinen.
Hinsichtlich der Mikroschaltkreise gab es meines Wissens keine Änderung, ausgenommen eine Vereinbarung über die Kontrolle von Silizium als einem strategischen
Material

und über gewisse Aspekte der Wafer-Bearbeitung (dünne Scheiben hoch-

reinen Halbleitermaterials für die Herstellung von Mikroschaltkreisen).
Die Hauptfrage sind Computer, über die man sich noch nicht einigen konnte.
- Computer und Mikroelektronik FRAGE: Wie sinnvoll ist es, Mikroelektronik zu kontrollieren, ohne dies auch
im breiteren Bereich der Computer zu tun?
ANTWORT: Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß gegenüber der Sowjetunion Mikroschaltkreise kontrolliert werden sollten, obgleich wir uns des damit
verbundenen Problems bewußt sind.

Entscheidend dabei ist, daß auch die Technologie

und die Ausrüstungen zur Herstellung der Mikroschaltungen unter Kontrolle kommen Maschinen, Anordnung von Fotomasken, Kameras für einzelne Stufen, Satz für die
Wafer-Bearbeitung, Dotierungsausrüstungen usw.
FRAGE: Was also erwarten die Vereinigten Staaten von COCOM hinsichtlich der
Computer?
ANTWORT: In erster Linie Kontrolle für die meisten Computer.

Gegenwärtig

können Sie Kleincomputer mit einer Datenverarbeitungsleistung der Kategorie acht
(Millionen Bits - Maßstab für die Anzahl von Operationen, die der Computer pro
Sekunde ausführen kann) exportieren.

Unser Vorschlag geht dahin, dies etwas

niedriger anzusetzen.
Außerdem wollen wir mit unserem Vorschlag an COCOM jenen Kontrollmechanismus
beenden, der nur den Umfang der Datenverarbeitung berücksichtigt. Wir wünschen
auch, daß COCOM zwischen kleinen Kompaktcomputern und Großcomputern unterscheidet.
Die Kompaktcomputer, die z.Zt. nicht größer sind als eine elektrische

�eine elektrische IBM-Schreibmaschine, haben eine Datenverarbeitungsleistung Rechenleistung -, die größer ist als die eines Rechners vom Typ "360", der in
den sechziger Jahren immerhin mehrere Räume benötigte.
viele mit Chips von 16 und 32 Bits.
setzen.

Sie sind überaus kompakt,

Man kann sie für militärische Aufgaben ein-

Bei Großcomputern dagegen, die bereits an einem bestimmten Platz instal-

liert sind, ist es ziemlich schwierig, sie woanders hin zu verbringen, ohne daß
die Qualität und Zuverlässigkeit des Systems darunter leidet.
Wir meinen damit, daß die meisten Kompaktcomputer mit 16 Bit-Chips in kleinen
Mengen keine strategische Bedrohung bedeuten.

Werden sie aber in Mengen exportiert,

so daß sich ein Netz aufbauen läßt (d.h. wenn zum Datenaustausch miteinander verbunden werden), so können sie schon zu einem bedeutenden strategischen Risiko
werden.
FRAGE: Das klingt ja so, als sei eine Kontrolle überhaupt unmöglich.
ANTWORT: Aus diesem Grund müssen multilaterale Kontrollen zum Zug kommen.
Und deshalb können die Vereinigten Staaten nicht einen Alleingang unternehmen
und sagen, wir wünschen nicht, daß noch mehr Kompaktcomputer exportiert werden.
Wir müssen auf die Zustimmung der anderen Länder dringen.
eine Art Mengenkontrolle bei den einzelnen Ländern.

Wir bemühen uns um

Aber wir wissen noch nicht,

wie das funktionieren soll.
- Software FRAGE: Wie sieht es mit technischen Daten, Software und Handbüchern aus?
ANTWORT: Software ist eine ganz wichtige Frage, noch dazu eine, bei der es
keine Uneinigkeit mit unseren Verbündeten gibt.

Manche unserer Verbündeten sind

sogar der Ansicht, daß es sich dabei um das wichtigste Problem von TechnologieTransfer überhaupt handelt.

Wir glauben, daß eine Vereinbarung über eine jährliche

Konferenz einer speziellen Arbeitsgruppe nur für Software Zustandekommen wird -

- 3 -

�Zustandekommen wird - wobei sich diese mit neuer Software, also auch in Entwicklung befindlicher Software,befassen und beurteilen muß, welche Software ein
strategisches Risiko bedeutet.

Unseres Erachtens scheinen die Sowjets keine

besonders guten Computer zu bauen.

Wir wissen aber auch, daß sie erhebliche

Schwierigkeiten mit der Software-Entwicklung haben.

Und das ist ein Gebiet,

auf dem wir einen größeren Vorsprung behalten wollen.
FRAGE: Glauben Sie, daß es erforderlich sein wird, den Schwerpunkt der C0C0MKontrolle von der am Produkt orientierten Kontrolle auf die Information zu verlagern?
ANTWORT: COCOM war und ist in erster Linie eine Organisation, die Güter
kontrollieren will.
einbezogen wird.

Technologie ist nur kontrollierbar, wenn das Produkt mit

Die Vereinigten Staaten sind jedoch dabei, eher die Technologie-

kontrolle anzustreben.
Dieses Vorgehen zielt auf die Kontrolle von drei Dingen ab: der technischen
Daten (z.B. von Diagrammen), der Schlüsselausrüstungen und der Schlüsselmaterialien.
Zu Schlüsselausrüstungen gehören beispielsweise solche für die Fotomasken-Ausrichtung - eine ganz wichtige Komponente für die Halbleiterfabrikation.
Schlüsselmaterial wäre z.B. Silizium, ebenfalls notwendig für die Halbleiterherstellung.
Dies in Aktionen des COCOM umsetzen zu wollen, braucht viel Zeit.
glaube doch, daß wir uns immer mehr darauf zu bewegen.

Aber ich

- Neue Technologien FRAGE: Soviel ich weiß, einigte man sich über einen Komplex, der mit
"Technologien in Entwicklung" bezeichnet wird. Können Sie dazu mehr sagen und
ein paar Beispiele nennen, was unter "Technologien in Entwicklung" zu verstehen
ist?
ANTWORT: Es existiert

- 4 -

�ANTWORT: Es existiert eine Vereinbarung über solche Technologien.

Dabei

handelt es sich im Grunde um die Spitzentechnologien wie z.B. die Robotertechnik.
Dies ist eine sehr schwierige Frage, weil diese Technologien aus kommerziellen,
nichtmilitärischen Anwendungen hervorgehen, wo häufig gar nicht bekannt ist,
welche militärische Anwendung dafür bestünde.

Dagegen kamen noch vor zehn Jahren

die meisten Spitzentechnologien vom militärischen Sektor her und wurden gewisse
Zeit später auf dem kommerziellen Sektor angewandt.
FRAGE: Beamte des Verteidigungsministeriums sagen, wir sollten mit der Aufhebung von Kontrollen sehr vorsichtig sein, denn was für die kommerzielle Welt
"Schrott" ist, brauche in der militärischen Welt keineswegs als "Schrott" zu gelten.
Militärische Systeme hätten eine viel größere Lebensdauer als nichtmilitärische
Systeme, und eine Aufhebung von Kontrollen könne den amerikanischen Sicherheitsinteressen schaden.

Was meinen Sie dazu?

ANTWORT: Dagegen habe ich nichts einzuwenden.

Ja, ich möchte sogar besonders

hervorheben, daß einer der Punkte, an den die Privatwirtschaft manchmal erinnert
werden muß, z.B. der ist, daß eine zehn Jahre alte Technologie im Westen in der
Sowjetunion durchaus das Modernste vom Modernen bedeuten kann.
- Einseitige Kontrollen durch die USA FRAGE: Weshalb halten die Vereinigten Staaten einseitig - im Interesse der
nationalen Sicherheit - an Kontrollen für einige Tausend mehr Artikel fest, als
multilateral im Rahmen von COCOM kontrolliert werden?
ANTWORT: Zum ersten kontrollieren wir bestimmte Technologien deshalb einseitig, weil wir der wichtigste oder einzige Lieferant dafür sind, beispielsweise
im Fall bestimmter wissenschaftlicher Prüfinstrumente wie Oszilloskope für
breite Meßbereiche und Spektralmeßinstrumente.
Zweitens gibt es nun einmal die Befürchtung militärischer Anwendungen von

- 5 -

�Anwendungen von bestimmten Technologien. Zum Beispiel ist der größte einseitig
kontrollierte Komplex jener der wissenschaftlichen und medizinischen Instrumente,
die fast alle eingebaute Mikroprozessoren haben. Wir bemühen uns darum, einige
davon aus der Kontrolle zu nehmen, aber wir bemühen uns auch, andere multilateral
unter Kontrolle zu stellen.
Man kann darüber streiten, ob wir in manchen Fällen einseitig zu weit gegangen
sind. Einige der einseitigen Kontrollen gehen mehr als ein oder zwei Jahre zurück,
als wir die einzigen Hersteller für bestimmte Dinge waren. Das ist heute anders.
Viele Länder stellen heute wissenschaftliche und medizinische Instrumente mit
eingebauten Mikroprozessoren her.
- Abbau von Kontrollen FRAGE: Welches Gewicht wird im COCOM-Verfahren darauf gelegt, die Kontrolle
für Produkte abzubauen?
ANTWORT: Wir sind dabei, eine ganze Reihe von Produkten auf den unteren
Ebenen aus der Kontrolle zu nehmen - Halbleiter, Mikroschaltkreise, Computer,
und zwar einige Typen kleinerer Computer. Ich möchte mich nicht dazu äußern, um
welche Ebene es sich handelt, weil ich unsere Vorschläge nicht vorwegnehmen will.
Damit will ich sagen, daß der Abbau von Kontrollen ebenso nachdrücklich und mit
sehr großer Sorgfalt gehandhabt werden muß wie die Bemühungen um Kontrollen, weil
sich dann auch unsere Glaubwürdigkeit erhöht.
FRAGE: Muß angesichts der raschen Veränderungen in der Technologie nicht auch
die bestehende Kontroll-Liste stark ausgeweitet werden? Und wenn ja - wie bringen
Sie das mit kommerziellen Erfordernissen in Einklang?
ANTWORT: l,:h glaube nicht, daß sie stark ausgeweitet wurde. Und was die
zweite Frage abgeht, so muß man recht gut über die vielleicht möglichen militärischen Anwendungen Bescheid wissen. Außerdem braucht man die Mitarbeit der
Wirtschaft, um .entsprechende Anforderungen zu unterstützen. Im Gegensatz dazu,

I

�Im Gegensatz dazu, wie es manche gerne darstellen möchten, ist die Wirtschaft
außerordentlich kooperationsbereit.

Die Leute sind nicht im mindesten daran

interessiert, zuzulassen, daß für militärische Zwecke in Frage kommende Technologien und Ausrüstungen in die Sowjetunion gehen. Sie verfügen auch über mehr
Erfahrungen als Regierungsbeamte und können sehr von Nutzen sein, um wichtige
Technologien und Produkte zu identifizieren.
- Vorgesehener Termin FRAGE: Bis zu welchem Termin soll die gegenwärtige COCOM-Überprüfung beendet
sein?
ANTWORT: Wir hoffen, bis Juni die Überprüfung der ganzen Liste abschließen
zu können.
- China FRAGE: Es gibt Anzeichen dafür, daß in der Politik der Exportkontrollen
Unterschiede zwischen der Sowjetunion, China und Osteuropa gemacht werden.
Könnten Sie dazu Stellung nehmen?
ANTWORT: Zwischen der Sowjetunion und Osteuropa wird kein großer Unterschied
gemacht. Aber infolge einer Änderung der amerikanischen Politik besteht ein
deutlicher Unterschied zwischen der Sowjetunion oder den Mächten des Warschauer
Pakts und China.

Es gibt heute sehr viel mehr Technologietransfer nach China.

Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß es sowohl im Interesse Chinas und
der USA und ihrer Verbündeten liegt, an China moderne Technologie weiterzugeben,
um die wirtschaftliche Modernisierung des Landes zu fördern und auf gewissen
Gebieten,selbst auf dem militärischen Sektor, Unterstützung zu leisten.

So

könnten beispielsweise Computer gewisser Leistungsbereiche und Ausrüstungen zur
Produktion von Halbleitern, die für die Sowjetunion niemals genehmigt würden,

- 7 -

�genehmigt würden, für China genehmigt werden.
- Struktur des COCOM FRAGE: Manche Leute kritisieren die Organisationsstruktur des COCOM - sie
halten sie für nicht effizient. Was soll nach amerikanischer Ansicht unternommen
werden, um dies zu ändern?
ANTWORT: Wir wollen eine wesentliche Ausweitung der Bürokratie, und wir
glauben auch, daß dem Rechnung getragen wird. Wir würden gerne die Kommunikationsmöglichkeiten verbessern. Auch sähen wir es gerne, daß die Möglichkeiten
des COCOM in der Computernutzung dergestalt verbessert werden, daß sich Fälle
hier an Ort und Stelle bearbeiten lassen.
Wir sind daran interessiert, eine effizientere Organisation daraus zu machen.
Und wir sind nicht daran interessiert, sie zu einer Organisation zu machen, die
Vorrechte der einzelnen Regierungen verletzt oder überspielt.

+ + + -t +

�29. Februar 1984

RISIKOFAKTOR CHOLESTERIN
Direkter Zusammenhang mit Koronarerkrankungen
Von G. Weiss

- (AD) - Vermutet wird seit mehr als zwei Jahrzehnten, daß zwischen
hohem Blutcholesterinspiegel und Koronarerkrankungen ein direkter Zusammenhang bestehe.

Denn erfahrungsgemäß ist bei Personen mit hohen Cholesterin-

werten im Blut das Risiko eines Herzinfarktsund der Erkrankung an einer Sklerose der Herzkranzgefäße größer als bei anderen.
und höheren Alters sind betroffen.

Vor allem Männer mittleren

Aber bislang fehlte der Beweis für direk-

te Zusammenhänge, was unter Medizinern und Ernährungswissenschaftlern immer
wieder Anlaß zu kontroversen Diskussionen gab.
Diesem Beweis scheint man jetzt einen wesentlichen Schritt näher gekommen zu sein:

Die Ergebnisse einer Langzeitstudie, die das Nationale Herz-,

Lungen- und Blutforschungsinstitut (ein Institut der medizinischen Bundesforschungsanstalten - NIH - der USA) im Januar 1984 präsentierte, belegen
zum ersten Mal wissenschaftlich den direkten Zusammenhang zwischen Blutcholesterin und Koronarsklerose.

Die Beobachtungen an fast 4000 Probanden

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�4000 Probanden aus den Vereinigten Staaten und Kanada, vom NIH-Institut und
12 großen Klinikzentren durchgeführt, erstreckten sich über den Zeitraum von
sieben bis zehn Jahren.

Und sie zeigen, daß eine Senkung der Blutcholesterin-

werte das Risiko einer Herzkrankheit

bis zu 49 Prozent verringern kann.

An Hand medizinischer Unterlagen von knapp 500 000 Personen wurden 1972
zur Vorbereitung der Studie 3806 Männer im Alter zwischen 35 und 59 Jahren
ausgewählt.

Wichtigste Kriterien waren überhöhte, mit kurzfristig eingehal-

tener Diät kaum zu beeinflussende Blutcholesterinwerte von 260 mg% und mehr
(normalerweise gelten in dieser Altersgruppe 220 - 230 mg% als obere Grenze)
sowie das Fehlen von Symptomen einer Herzerkrankung.

Die Beobachtung der Probanden, die sich alle freiwillig an dem Programm
beteiligten, war durch regelmäßig vorgenommene Untersuchungen, klinische Tests,
Blutentnahmen und Aufnahme von Elektrokardiogrammen gewährleistet.

Dabei war

zwischen den Instituten die exakte Abstimmung zur Durchführung und Auswertung
der Tests, von Messungen am Fahrrad-Ergometer bis zur Bestimmung der Cholesterinwerte einschließlich der Lipoproteinfraktionen, ebenso wichtig wie die psychologische Führung der Probanden.

Von ihrer zuverlässigen Mitarbeit auch unter

den rigorosen Bedingungen, denen sie über so lange Zeit ausgesetzt waren, hing
ja die Qualität der Studie ab.

"Diese Leute, unsere 'Partner in der Forschung',

sind die eigentlichen Helden solcher Projekte", meint Dr. John W. Farquhar,
der im Klinikum der Stanford-Universität (Kalifornien) 356 Probanden der CPPTStudie betreute.

CPPT ist die Abkürzung für "Coronary Primary Prevention

Trial", wie das Experiment zur Prävention ursächlicher Faktoren von Koronarerkrankungen bezeichnet wurde.

Die eine Hälfte der Versuchspersonen hatte das cholesterinsenkende
Medikament Cholestryramine (täglich sechs Beutel eines nicht gerade wohlschmeckenden Pulvers) einzunehmen.

Der zweiten Hälfte wurde ein ähnlich aus-

sehendes und ähnlich schmeckendes Placebo-Präparat gegeben.

Weder dem Arzt

noch dem Probanden war bekannt, worum es sich im jeweiligen Fall handelte.
Den Betreuerteams wurde es erst nach Beendigung der Studie mitgeteilt, und

- 2 -

�mitgeteilt, und die Versuchspersonen erfahren es in den kommenden drei Monaten bei der Abschlußbesprechung mit ihrem Arzt.
Während all der Jahre mußten allesamt strikte Diät halten - kein fettes
Fleisch, sehr wenig Vollmilch, Käse und Butter, pflanzliche statt tierische
Fette, viel grünes Gemüse, pro Woche nicht mehr als drei Eier.
Einige Ergebnisse: Durch Diät allein wurden die Durchschnittswerte für
den Cholesterinspiegel um 8,5 Prozent, in Verbindung mit dem Medikament um
13,4 Prozent gesenkt. Interessanterweise ging der Anteil der LDL-Fraktion
(Abkürzung für "Low Density Lipoproteine" - niedrigmolekulares Lipid) bei
der unter Medikation stehenden Gruppe um 20,3 Prozent, bei der nur auf Diät
gesetzten Gruppe um 12,3 Prozent zurück. Die LDL-Fraktion gilt gegenüber
der HDL-Fraktion ("High Density Lipoproteine") als die gefährlichere Komponente für das Eintreten eines Herzinfarkts.
Bei der Cholestyramine-Gruppe wurden im Laufe der Jahre 19 Prozent weniger akute Herzanfälle, 20 Prozent weniger Anfälle von Angina Pectoris und
24 Prozent weniger tödliche Herzinfarkte beobachtet als bei der PlaceboGruppe.

Auch wurden bei Probanden aus der erstgenannten Gruppe 21 Prozent

weniger Bypass-Operationen am Herzen zur Wiederherstellung der Blutversorgung
vorgenommen.

Generell zeigte sich, daß bei niedrigem Blutcholesterinspiegel

das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen oder sich eine Koronarerkrankung
zuzuziehen, etwa halb so groß ist wie bei Vorliegen einer Hypercholesterinämie.
Farquhar betont, daß allein durch eine Änderung des Lebensstils noch
vor Eintritt in das mittlere Lebensalter viele Herzattacken zu vermeiden
wären. Es sei nie zu früh, aber auch nie zu spät, durch regelmäßige Kontrolle und Senkung des Cholesterinspiegels mit Diät und, falls erforderlich, zusätzliche Medikation das Erkrankungsrisiko zu verringern. Die Existenz
cholesterinsenkender Medikamente dürfe nicht als Freibrief für falsche und
unvernünftige Ernährung angesehen werden.
Nach NIH-Statistiken
- 3 -

�Nach NIH-Statistiken erleiden jährlich mehr als eine Million Menschen
in den USA bedrohliche Herzattacken infolge Verstopfung der Herzkranzgefäße;
mehr als 500 000 sterben daran. Nach Meinung der an der CPPT-Studie beteiligten Wissenschaftlern könnten aber 100 000 Menschenleben gerettet werden,
wenn man "aus den Lektionen, die uns die Studie gibt, lernen würde", sagt
Farquhar.

Der Großversuch wurde mit einem Kostenaufwand von 150 Millionen

Dollar durchgeführt.

Das ist ein Bruchteil der Milliarden Dollar, die jähr-

lich an direkten Kosten für die Behandlung von Herzkrankheiten anfallen.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 29.02.1984</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Reagans vom 22. Februar 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Mittelamerika-Hilfe der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des zuständigen Unterstaatssekretärs -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA gegen Apartheid und für friedlichen Wandel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Botschafters bei der UN-Menschenrechtskommission -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kontrolle des Technologie-Transfers macht Fortschritte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interview mit William Archey, Referent für Exportkontrollen im US-Handelsministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Risikofaktor Cholesterin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Direkter Zusammenhang mit Koronarerkrankungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. März 1984

10
I N H A L T

DOKUMENTATION
Präsident Reagan würdigt deutsch-amerikanische Partnerschaft
- Erklärung nach dem Treffen mit Bundeskanzler Kohl WIRTSCHAFT
Volcker:

Spartätigkeit Grundlage eines anhaltenden Wachstums

- Ausführungen des US-Bundesbankpräsidenten Spezialstahldisput zwischen USA und EG beigelegt
HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984
( 3)
- Erste Trends bei den Demokraten erkennbar WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumstation - eine Brücke zur Zukunft
- NASA-Chef James M. Beggs befürwortet Projekt vor Senatsausschuß
Planet Venus vulkanisch aktiv

Um Übei/endung von
ßclcgcxcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

- 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�IY1E IK h
DIEI71 3
1J

^M

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10

7. März 1984

PRÄSIDENT REAGAN WÜRDIGT DEUTSCH-AMERIKANISCHE PARTNERSCHAFT
- Erklärung nach dem Treffen mit Bundeskanzler Kohl -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat erneut die Bedeutung der engen
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland unterstrichen. In einer Erklärung nach seinem Gespräch mit Bundeskanzler
Kohl sagte der amerikanische Präsident am 5. März 1984, die deutsch-amerikanische Partnerschaft bleibe auch weiterhin im Bemühen der freien Welt um Frieden, Sicherheit und Prosperität ein positives, dynamisches und lebenswichtiges Element.
Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundeskanzler, Herr Staatssekretär,meine Damen und Herren!
Wir hatten heute die Ehre, Bundeskanzler Kohl als Gast bei uns zu haben.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft bleibt auch weiterhin im Bemühen der
freien Welt um Frieden, Sicherheit und Prosperität ein positives, dynamisches
und lebenswichtiges Element. Die persönliche Beziehung zwischen dem Bundeskanzler und mir steht beispielhaft für die engen Bande zwischen unseren beiden Ländern.
Ich hatte

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich hatte heute das Vergnügen, mit ihm Fragen von bilateraler und internationaler Bedeutung zu sprechen.

Unsere Gespräche konzentrierten sich auf

die Notwendigkeit für den Westen, bei der Behandlung der sich ändernden Weltlage der achtziger Jahre eine Führungsrolle einzunehmen. Wir beide stimmten
darin überein, daß das Jahr 1983 für das NATO-Bündnis ein entscheidendes Jahr
war.

Die Führungen der westlichen Demokratien blieben angesichts einer inten-

siven sowjetischen Einschüchterungskampagne fest, die darauf abzielte, die
NATO-Dislozierung der neuen nuklearen Mittelstreckenraketen zu blockieren.
Es gereichte dem gesamten Bündnis zum Verdienst, daß es seine Entschlossenheit demonstrierte, das militärische Gleichgewicht in Europa wiederherzustellen,
eine glaubwürdige nukleare Abschreckung beizubehalten und aus dieser Herausforderung gestärkt hervorzugehen.

Dank dem Mut und dem Weitblick von Führungs-

persönlichkeiten wie Bundeskanzler Kohl können wir mit Stolz auf das vergangene
Jahr verweisen und mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
Sowohl Bundeskanzler Kohl wie auch ich selbst würden es vorziehen, ein
nukleares Gleichgewicht durch Rüstungsverringerung zu erreichen. Auch heute
habe ich wieder meine Bereitschaft, mein Verlangen danach unterstrichen, die
Anstrengungen fortzusetzen, um zu Vereinbarungen mit der Sowjetunion über
Rüstungsverringerungen zu gelangen. Bundeskanzler Kohl und ich stimmten darin überein, daß mit der neuen Führung im Kreml nunmehr eine Gelegenheit besteht, bei den Beziehungen zwischen Ost und West zu echtem Fortschritt zu
gelangen.
Dennoch wird das Bündnis angesichts der sowjetischen Unnachgiebigkeit
am Verhandlungstisch - zu dem zurückzukehren wir jederzeit bereit sind - auch
weiterhin seine konventionelle und nukleare Abschreckung stärken.

In der

Brüsseler Erklärung vom vergangenen Dezember haben die Außenminister der NATO
unser Angebot erneut bekräftigt, konstruktive Kontakte und einen Dialog mit
der Sowjetunion aufzunehmen.
Ich habe

�Ich habe gegenüber Bundeskanzler Kohl auch heute wieder meine persönliche
Verpflichtung bekräftigt, alle nur möglichen Wege für eine Verbesserung der Beziehungen zum Osten zu prüfen.

Ich bin bereit, mich mit der sowjetischen Füh-

rung auch persönlich zu treffen, wenn ein solches Treffen gut vorbereitet ist
und fruchtbare Ergebnisse verspricht.
Bundeskanzler Kohl und ich sprachen außerdem auch über die Stärkung der
Volkswirtschaften des Westens und der friedlichen Zusammenarbeit unserer Völker.

Wir sind besonders optimistisch hinsichtlich der immer stärker werdenden

gemeinsamen Anstrengung, die unsere Länder bei der Erforschung des Weltraums
zeigen.

Die Shuttle-Mission im November war die erste, an der auch ein nicht-

amerikanischer Astronaut, ein Deutscher, teilnahm.

Und ich war hocherfreut,

daß die Kommunikationsverbindungen es Bundeskanzler Kohl und mir ermöglichten,
miteinander und mit den Astronauten im Weltraum zu sprechen.

Es war eine er-

regende Leistung und spiegelte den guten Willen wider, auf dem künftiger Fortschritt aufbauen kann.
Heute morgen habe ich Bundeskanzler Kohl eine Plakette überreicht, die
an diese Mission erinnert und auf der Fotos sowie die amerikanische und deutsche Flagge angebracht sind, die bei diesem Weltraumflug mitgeführt wurden.
Wie es die Inschrift auf der Plakette sagt, freuen wir uns auf weitere deutschamerikanische Zusammenarbeit, um den Frieden zu stärken, den Wohlstand zu fördern und durch die Erforschung des Weltraums - unsere nächste Grenze - die
Freiheit zu mehren.
Ich freue mich besonders über unseren Erfolg bei der Ausweitung der
menschlichen Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Die 300-Jahr-Fei-

ern deutscher Einwanderung nach Amerika vertiefte nur noch unser Wissen um die
tiefen persönlichen und familiären Bande zwischen unseren beiden Völkern.

Der

deutsch-amerikanische Feundschaftsgarten, der während der 300-Jahr-Feiern angelegt wurde, ist Symbol dieser Beziehungen.

Und das gerade angelaufene

Jugendaustauschprogramm des Kongresses und des Bundestages wird sicherstellen,
daß diese wichtigen Kontakte unvermindert anhalten.
Herr Bundeskanzler,

�Herr Bundeskanzler, nach nur 17 Monaten Amtszeit stehen Sie bereits in
der ersten Reihe der Führungspersönlichkeiten der westlichen Welt.

Es gibt

kaum ein Problem von internationaler Bedeutung, bei dem Ihre Meinung nicht
gefragt und Ihr Einfluß nicht spürbar wäre.
Und, Herr Bundeskanzler, ich zähle auf Ihre Freundschaft so, wie das amerikanische Volk auf die Freundschaft des deutschen Volkes zählt, während wir
uns gemeinsam daranmachen, uns den Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts
zu stellen.
Ich danke Ihnen, daß Sie uns heute hier in Washington besucht haben.
Und ich freue mich auf unser nächstes Treffen.

- 4 -

�10

7. März 1984

VOLCKER: SPARTÄTIGKEIT GRUNDLAGE EINES ANHALTENDEN WACHSTUMS
- Ausführungen des US-Bundesbankpräsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Präsident der amerikanischen Bundesbank (Federal
Reserve System), Paul Voicker, bezeichnete eine ausreichende Spartätigkeit der
Amerikaner als eine der Grundvoraussetzungen für ein anhaltendes Wachstum.
Diese Spartätigkeit sei notwendig, um steigende Investitionen und ein riesiges Haushaltsdefizit zu tragen.

Vor dem Haushaltsausschuß des amerikanischen

Senats sprach sich Voicker am 29. Februar 1984 auch nachdrücklich für einen
Abbau des Haushaltsdefizits aus.

Nachfolgend wesentliche Auszüge aus den Ausführungen des amerikanischen
Bundesbankpräsidenten:

Ich bin überzeugt, daß wir viel haben, worauf wir ein lang anhaltendes
Wachstum

aufbauen können.

Aber es scheint mir auch auf der Hand zu liegen,

daß jetzt schwere Entscheidungen notwendig sind, um diese Aussicht zu realisieren. ..

Die Aussichten,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Aussichten, eine größere Stabilität "einzubauen", werden weitgehend
davon abhängen, ob die Arbeitnehmer die Chance einer Erhöhung ihres Realeinkommens und die Unternehmen höhere Gewinne haben werden.
Jahre haben günstigere Umstände für beides geschaffen.

Die letzten zwei
Das Realeinkommen des

Durchschnittsarbeitnehmers ist gestiegen, da der Preisanstieg sich langsamer
vollzog als der Lohnanstieg.

Die Gewinne der Wirtschaft nach Steuern haben

sich stark erholt und sind im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt an die besten
Jahre der siebziger Jahre herangekommen.
Wenn dieser Anstieg aufrechterhalten werden soll, dann werden wir ein
Wachstum der Produktivität brauchen; dann werden wir ein ausgewogenes Wachstum
brauchen, das Engpässe vermeidet; und dann werden wir Wettbewerb und Investitionen fördern müssen...
Wir haben während der Periode des Wiederaufschwungs tatsächlich in einigen Investitionsbereichen eine rasche Zunahme erlebt. Aber bisher haben
sich die Wirtschaftsinvestitionen hauptsächlich auf relativ kurzlebige Ausr'üstungsgüter konzentriert statt auf langlebige Anlagen oder Maschinen, die
wesentlich zur Steigerung der Produktionskapazität beitragen würden.
die Wohnungsbautätigkeit hat wieder zugenommen.

Auch

Insgesamt gesehen sind je-

doch die neuen Privatinvestitionen unter dem Strich als Anteil des Gesamtbruttosozialproduktes relativ niedrig geblieben...
Wenn wir jetzt aus dem Wiederaufschwung in die Wachstumsphase der Wirtschaftstätigkeit eintreten, dann sollten die Wirtschaftsinvestitionen auf
breiterer Front steigen. Änderungen der Steuergesetze, die in den letzten
Jahren verabschiedet wurden, sollten in diese Richtung wirken. Die Frage
jedoch bleibt, ob wir als Nation das Angebot an Ersparnissen bereitstellen
können, das notwendig ist, um sowohl steigende Investitionen als auch ein
riesiges Haushaltsdefizit zu tragen. Das scheint mir die entscheidende politische Frage zu sein.
Wie wichtig

�Wie wichtig es ist, mit dieser Frage fertigzuwerden, läßt sich aus
verschiedenen bekannten Tatsachen erkennen.

Die Zinssätze sind bereits ab-

solut - wie auch im Verhältnis zu den Preisentwicklungen - hoch, zu hoch,
und tendieren, jene Arten von Investitionen zu hemmen, bei denen die Zinskosten stark ins Gewicht fallen.

Mindestens in einigen Industriezweigen -

Papier, bestimmte Kunststoffe und einige Arten von elektronischen Geräten drohen bereits Kapazitätseinschränkungen; und lange Anlaufzeiten für Investitionen bedeuten, daß bald Pläne verwirklicht werden müssen, um Engpässe und
Bedrohungen eines nichtinfaltionären Wachstums zu vermeiden.

Wenn die Wirt-

schaft expandiert, werden auch mehr Inventarinvestitionen nötig werden, die
eine weitere Nachfrage an unsere begrenzten Spareinlagen darstellen werden.

Gegenwärtig ist es uns noch gelungen, unsere eigenen Spareinlagen zu
ergänzen, indem wir auf starke Kapitalzuflüsse aus dem Ausland zurückgriffen.
Aber diese Entwicklung enthält, wie ich gleich aufzeigen werde, Risiken und
Gefahren in sich und kann nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden.

Die Währungspolitik

...Wir haben die Absicht, im Laufe des Jahres das Verhältnis zwischen
Währung und Wirtschaftstätigkeit und Inflation genau zu beobachten und die
Voraussetzungen und die Analysen prüfen, die erkennen lassen, ob ein normaleres "Beschleunigungs"-Verhältnis zurückkehrt.

Bei der Gestaltung unserer Poli-

tik sind wir uns jedoch ausdrücklich der Notwendigkeit bewußt, jedes stärkere
Wiederaufleben des inflationistischen Drucks zu vermeiden, wenn unsere Wirtschaft expandiert...

Ein rascheres Geldmengen- und Kreditwachstum in dem Bemühen, den Fortschritt zu niedrigeren Zinssätzen zu beschleunigen, könnte genau die gegenteilige Wirkung haben.

Die Wirtschaft, die hauptsächlich von der

dem Defizit

innewohnenden Kaufkraft angetrieben wird, expandiert bereits in einem befriedigenden Tempo.

Indem es die Besorgnisse bezüglich der Inflation wecken würde,

- 3 -

�wecken würde, hätte ein übertriebenes Geldmengenwachstum einen negativen Einfluß auf die Zinssätze.

Die daraus resultierenden erhöhten Befürchtungen be-

züglich Inflation und Stabilität würden den Anreiz zum Sparen und die Bereitschaft von Firmen, langfristige Verpflichtungen auf dem Gebiet von Produktionsinvestitionen einzugehen, nur mindern.

Der anhaltende Zufluß von Mitteln aus

dem Ausland, von dem wir derzeit abhängig sind, würde abgeschreckt.

Eine Ab-

wertung des Dollar gegenüber anderen Währungen aufgrund inflationärer Politiken würde am Ende nicht unseren Exporteuren oder jenen helfen, die mit Importen
konkurrieren müssen, weil diese Abwertung mit einer Aufblähung der einheimischen
Kosten verbunden wäre.
Ein entscheidender Beitrag, den die Bundesbank selbst in der Praxis zu
einer anhaltenden Prosperität leisten kann, besteht darin, daß wir die Erwartung - und die Realität - wecken, daß wir die schwer errungenen Gewinne gegen
die Inflation schützen können.

Und das wird letztlich die Voraussetzungen

für dauerhafte Senkungen der Zinssätze und eine anhaltende, besser ausgewogene
Ausweitung der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit schaffen.
*

Die Rolle der öffentlichen Hand
Was wir in der Bundesbank nicht durch Manipulation der Geldmenge tun
können - was aber erreicht werden muß -, ist eine größere Ausgewogenheit
zwischen Nachfrage nach und Angebot von Spareinlagen.

Hier spielt die öf-

fentliche Hand die entscheidende Rolle.
Der Stand des Bundeshaushalts berührt direkt und indirekt die Anforderungen an die Wirtschaft. Das Anwachsen des Defizits, das wir im vorigen
Jahre zu verzeichnen hatten, trug dazu bei, das Tempo der Wiederaufnahme der
Wirtschaftstätigkeit zu beschleunigen, obwohl die Zinssätze - historisch gesehen - hoch blieben. Das Defizit erhöhte praktisch die Kaufkraft zu einem
Zeitpunkt, als die Wirtschaft noch immer die Auswirkungen der Rezession spürte. In dem Maße jedoch, in dem das Wirtschaftswachstum zunahm, traten die

- 4 -

�traten die negativen Auswirkungen des Ungleichgewichts zwischen einheimischen
Spareinlagen und Investitionen auf den Kreditmärkten und unseren Auslandsgeldern deutlicher zutage.

Und dieses Ungleichgewicht kann sich nur verschlech-

tern, wenn wir zulassen, daß in den kommenden Jahren Defizite in einer solchen
Größenordnung auftreten, wie sie das Haushaltsbüro des Kongresses und andere
vorausgesagt haben.

Eine Zeitlang konnten wir relativ leicht auf ausländische Spargelder zurückgreifen.

Diese Mittel wurden nicht nur durch unsere hohen Zinssätze und

unsere starken Börsen angezogen, sondern auch durch ein relatives Vertrauen
in unsere wirtschaftliche und politische Aktivität.

Dadurch wurde die Aus-

wirkung des Haushaltsdefizits auf unsere Zinssätze etwas abgemildert, und
es trug dazu bei, sowohl Defizit als auch Investitionen zu finanzieren.

Aber auf längere Sicht ist es eine fragwürdige und riskante Methode,
einheimisches Wachstum und einheimische Kapitalbildung zu finanzieren - und
sich dabei auf einen zunehmenden Zustrom von Auslandskapital zu verlassen.
Dies führt nämlich zu hohen Kosten in Form wachsender Handels- und Leistungsbilanzdefizite - Defizite, mit denen man nicht ewig leben kann.

Darüber hin-

aus ist ein wachsender Zufluß von Auslandskapital von dem Vertrauen in unsere
Fähigkeit abhängig, mit unseren wirtschaftlichen Angelegenheiten zu relativ
hohen Zinssätzen fertigzuwerden.

In dem Maße, in dem unsere Währungs- oder

Haushaltspolitik dieses Vertrauen nicht mehr rechtfertigt - wenn etwa der
inflationäre Druck wieder im Aufsteigen begriffen zu sein schiene oder unsere Finanzposition gegenüber dem Ausland durch hohe Auslandskredite stetig
geschwächt würde - würde auch das Risiko größer, daß die Kapitalzuflüsse aus
dem Ausland nachlassen, was negative Folgen für den Dollar und die Zinssätze
hätte...

Ich weiß, daß Sie noch einen weiteren Grund kennen, warum umgehend gehandelt werden sollte, um die Defizite zu senken:

Die großen Defizite, von

denen heute ausgegangen wird, können sich selbst verewigen.
Die direkten

- 5 -

•

�Die direkten Auswirkungen liegen auf der Hand.

Die Zinsleistungen für

die Schulden, die gemacht werden, um das diesjährige Defizit zu finanzieren,
addieren sich zu dem Defizit vom nächsten Jahr, und die Zinsen für diese Defizite potenzieren sich in der Zukunft,und es wird immer schwerer, die Entwicklung umzukehren.
Lassen Sie mich das noch auf andere Weise erklären.

Die Erwartungen der

Administration und des Haushaltsbüros des Kongresses bezüglich des Haushaltsprogramms der Regierung unterscheiden sich beträchtlich - nicht zuletzt wegen
der benutzten wirtschaftlichen Ausgangspunkte.

So gehen vor allem die höheren

Defizitvoraussagen des Haushaltsbüros des Kongresses davon aus, daß die Zinsen nicht in dem Maße fallen werden, wie es die Administration erwartet, was
die Auswirkungen anderer Faktoren auf höhere Defizite noch verstärkt.

Wenn

wir jedoch die Chance nutzen und stärkere und raschere Maßnahmen ergreifen,
um das Defizit zu senken, und diese Maßnahmen dazu beitragen, daß niedrigere
Zinssätze eintreten, als das Haushaltsbüro des Kongresses annimmt, dann kann
das Defizit mehr dem von der Administration angenommenen Trend entsprechen.
Mit anderen Worten, wenn wir die Dinge immer wieder hinausschieben, dann verschärft sich das Problem nur, und wir werden alle in nicht allzu ferner Zukunft vor noch schwierigeren Entscheidungen stehen.
Weniger deutlich erkennbar mögen neue Forderungen an den Haushalt sein,
die sich aus den Versuchen zahlreicher Sonderinteressengruppen - Verbraucher,
Arbeitnehmer oder Unternehmer - ergeben, um die Auswirkungen anhaltend hoher
Defizite auf unsere internationale Wettbewerbsposition und auf die Zinssätze
auszugleichen. So ruft beispielsweise die Verschlechterung der Wettbewerbsposition unserer industriellen und landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf den
Weltmärkten bereits Forderungen nach Subventionen, Steuererleichterungen und
besonderen Schutzmaßnahmen für bestimmte Wirtschaftssektoren auf den Plan, die
von der Familienfarm bis zur Stahlindustrie reichen. Die Auswirkungen der
hohen Zinsen auf den Wohnungsbau führen zu Forderungen nach neuen Programmen
auf diesem Gebiet.
Sie alle

- 6 •

�Sie alle kennen diese Probleme, wie ich annehmen darf.

Das eigentliche

Hindernis für ein Handeln ist nicht geistiger Natur, sondern die Schwierigkeit, einen praktischen Konsens über spezifische Ausgaben- oder Einnahmenprogramme zu finden, um das Problem in den Griff zu bekommen,.

In gewisser Weise

scheint das Problem, mit dem Defizit fertigzuwerden, für jeden das zweitrangige Problem zu sein - die höchste Priorität scheinen spezifische Ausgabenprogramme oder Steuererleichterungen zu sein, alles Dinge, die natürlich, für
sich gesehen, ihre Berechtigung haben.
Entscheidungen auf diesen Gebieten -• in politischen wie auch wirtschaftlichen Dimensionen - liegen nicht im Aufgabenbereich der Bundesbank.

Ich kann

nur drängen, daß sie lieber früher als päter angepackt werden, ehe wir auf den
Geldmäkrten und anderswo in eine Atmosphäre der Krise geraten.
Es ist in den letzten Jahren viel erreicht worden, um die Wirtschaft
wieder auf eine gesunde Basis zu stellen - zu viel und unter zu hohen Kosten,
als daß wir das alles wieder aufs Spiel setzen dürften.

Die Risiken entstehen

hauptsächlich aus unserem eigenen Handeln - oder unserer eigenen Untätigkeit.
Das, was getan werden muß, um wirklich etwas zu erreichen - um den Trend der
Defizite unter Kontrolle zu bringen - liegt nicht außerhalb unserer Reichweite.

Wir haben es in der Vergangenheit geschafft, und wir können es wieder

schaffen.

- 7 -

�10

7. März 1984

SPEZIALSTAHLDISPUT ZWISCHEN USA UND EG BEIGELEGT

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft
sind übereingekommen, bei der Auseinandersetzung über SpezialStahlprodukte
auf alle Fälle auf eine Konfrontation zu verzichten, wie Botschafter Michael
B. Smith am 28. Februar 1984 in Genf betonte.
Der Stellvertretende US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen
sprach im Anschluß an eine GATT-Sondersitzung, auf der Wege gefunden werden
sollten, um die Meinungsverschiedenheiten im amerikanisch-europäischen Handel aus der Welt zu schaffen, vor Pressevertretern.
Zu den Mißstimmungen war es gekommen, nachdem die Europäische Gemeinschaft auf Begrenzungen reagiert hatte, die von den Vereinigten Staaten im
vergangenen Juli bei Einfuhren von Spezialstahlprodukten aus Europa verhängt
worden waren und die den Zweck hatten, die amerikanischen Produzenten von
SpezialStahl gegen Nachteile zu schützen.

Die Europäische Gemeinschaft traf

hierauf Gegenmaßnahmen dergestalt, daß die Zölle auf Einfuhren amerikanischer
Chemieerzeugnisse und Alarmsysteme heraufgesetzt wurden; außerdem wurden
quantitative Beschränkungen für andere Chemieprodukte und für Sportausrüstungen verhängt.
Smith unterstrich,

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Telex: 8-85432

�Smith unterstrich, daß die Vereinigten Staaten nicht das Recht der
Europäischen Gemeinschaft in Frage stellten, gemäß den Sicherheitsbestimmungen des GATT derlei Maßnahmen zu ergreifen.

Die USA seien jedoch der Ansicht,

daß die von der EG vorgeschlagenen Schritte gegen die amerikanischen Exporte
gegenüber der amerikanischen Maßnahme mehr als "reichlich ausgeglichen" gewesen seien.
Smith sagte weiter, daß die beiden Parteien nach einem Treffen auf hoher
Ebene bei der EG-Kommission in Brüssel am 27. Februar - an dem auch William
Brock, der Sonderbeauftragte des Präsidenten für Handelsverhandlungen, teilnahm - hinsichtlich der Möglichkeiten übereingekommen seien, Verfahrensfragen
innerhalb des GATT-Rahmens einer Lösung zuzuführen.
So habe die EG ihre Zustimmung gegeben, daß für den Kurs zwischen Dollar
und dem "ECU" (der EG-Währungseinheit) derjenige des Jahres 1984 - und nicht
des Jahres 1982 - zugrundegelegt werde, um die europäischen Importe amerikanischer Waren zu bemessen.

Experten zufolge würde dies eine 20prozentige Er-

höhung der Quote bedeuten, die jenen amerikanischen Waren zugrundeliegt, die
in die EG gelangen-

Weiterhin habe die EG zugestimmt, auf Ersuchen der Ver-

einigten Staaten all jene Fälle zu prüfen, in denen die Gegenmaßnahmen der
Europäischen Gemeinschaft "übermäßige Auswirkungen" auf preisempfindliche
Güter, wie etwa chemische Produkte, haben würden.

Wie der Botschafter be-

tonte, könnten "drakonische" Maßnahmen gegen solche Produkte nicht nur den
Handel verringern, sondern ihn aufgrund der Preisempfindlichkeit bestimmter
Güter sogar ganz beseitigen.
"Beträchtliche Meinungsverschiedenheiten" zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft gebe es, so Smith, noch bei anderen
Problemen, die sich aus den Handelsstatistiken ableiten, welche von den beiden Handelspartnern erstellt werden.
Er betonte jedoch:

"Wir haben nunmehr einen Prozeß zur Verfügung, mit

dessen Hilfe wir bei künftigen Disputen Lösungen finden können...

- 2 -

Dies zeigt,

�Dies zeigt, wie man sich in einem Geist der Kooperation zusammensetzen und
die Dinge klären kann."
In Washington erklärte ein Vertreter des Außenministeriums, daß sich
die EG - neben der Vereinbarung hinsichtlich des 1984er-Wechselkurses und
der Frage preisempfindlicher Waren - damit einverstanden erklärt habe, Diskrepanzen aus der Welt zu schaffen, die sich bei den Handelsdaten hinsichtlich
der von den Maßnahmen der EG betroffenen Länder ergeben; dies solle durch
laufende Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten geschehen, um den tatsächlichen Umfang des Handels festzulegen und die Quoten entsprechend anzupassen, falls entsprechende Analysen dies erforderlich machen sollten.

- 3 -

�10

7. März 1984

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 3 )
- Erste Trends bei den Demokraten erkennbar

- (AD) - Auch wenn der Weg zur Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei - auf dem Parteikonvent vom 16. bis 20. Juli
in San Franzisko - noch weit ist, so hat Senator Gary Hart aus Colorado nach
seinem jüngsten Sieg in Vermont doch eine erstaunliche Ausgangsposition erreicht und einen gewissen Vorsprung vor dem von der Partei favorisierten ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Walter (Fritz) Mondale gewonnen.
Mondale - der bereits eine Anzahl von Delegierten aus dem Kongreß für
sich gewinnen konnte, die aber nicht endgültig festgelegt sind -, hatte zunächst bei den ParteiVersammlungen am 21. Februar in Iowa fast die Hälfte
der Wählerstimmen und fast alle 50 Delegierten dieses Bundesstaates auf seine
Seite gebracht.

Bereits bei den Vorwahlen in New Hampshire eine Woche später

wurde jedoch der Siegeslauf von Mondale (56) durch Gary Hart (47) gestoppt,
der über 40 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte, gegenüber 29 Prozent für Mondale.

Die Erfolgsserie für Hart setzte sich am 4. März bei den

Partei Versammlungen in Maine fort, wo er 50,7 Prozent der Stimmen gegenüber
43,7 Prozent für Mondale erringen konnte. Auch wenn die Vorwahlen im Staate

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�im Staate Vermont am 6. März vielleicht nicht als besonders bedeutsam angesehen werden, so konnte Hart doch auch hier mit 71 Prozent der Stimmen seinen
Konkurrenten Mondale - mit 20 Prozent der Stimmen - schlagen.
Sicherlich gilt im politischen Leben Amerikas - wie auf allen anderen
Gebieten - der Satz, daß nichts so erfolgreich ist wie der Erfolg.

Der 13.

März, an dem in 11 Staaten der USA Vorwahlen stattfinden, wird vielleicht
eine echte Vorentscheidung bringen.
Daß bei den Republikanern der amtierende Präsident Ronald Reagan als
Kandidat unangefochten ist, darf niemand überraschen.

Wer sein Gegner bei

der Wahl im November sein wird, ist allerdings noch offen.
Ohne Frage spielen die Medien eine Rolle bei der politischen Willensbildung in den Vereinigten Staaten, aber die direkte Ansprache des Wählers, das
Händeschütteln von Haus zu Haus, von Veranstaltung zu Veranstaltung hat seine
Bedeutung noch keineswegs verloren.

Offensichtlich ist es Gary Hart hier ge-

lungen, bei den Wählern "besser anzukommen" als sein im politischen Leben
sehr erfahrener Konkurrent Walter Mondale.

Die Chancen der übrigen Bewerber,

von denen einige bereits aufgegeben haben, dürften nicht allzu günstig beurteilt werden.

Sicherlich werden aber der ehemalige Astronaut und Senator

aus Ohio, John Glenn, und der farbige Bürgerrechtler Jesse Jackson das Rennen nicht so schnell aufgeben.
Senator Gary Hart verfügte zunächst über relativ wenig Mittel und Wahlhelfer - eine Situation, die sich nach seinen Anfangserfolgen sicherlich ändern wird, "wenn mich die Leute erst einmal kennen", wie er nach den Vorwahlen
in New Hampshire sagte.
Gary Hart wurde 1937 in der Farmgemeinde Ottawa im Staate Kansas geboren, wo sein Vater zunächst eine Ranch betrieb und dann Landmaschinen verkaufte.

Sein ursprünglicher Familienname war Hartpence, den Gary während

seines College-Studiums in Hart änderte bzw. verkürzte.

- 2 -

Hart wuchs als Ange-

�als Angehöriger einer konservativen protestantischen Sekte - Kirche der
Nazarener - auf und ging nach Abschluß seiner ersten Studien an dem stark
religiös gebundenen College seiner Sekte an die Yale-Universität, wo er zunächst Philosophie und Theologie studierte.
Nachdem er als Wahlhelfer 1960 für den Präsidentschaftskandidaten John
F. Kennedy tätig gewesen war, zeigte er jedoch Interesse an einer Karriere
im öffentlichen Dienst.

Nach Abschluß seines Jurastudiums in Yale war er zu-

nächst als Anwalt tätig. Mit dem Ende der demokratischen Johnson-Administration ging Hart nach Denver in Colorado, um dort eine Anwaltspraxis zu eröffnen.
Sein Interesse an der Parteiarbeit war jedoch nicht erloschen, und er
war maßgeblich an der Nominierung McGoverns als demokratischer Präsidentschaftskandidat 1972 beteiligt.
Sein großes Organisationstalent half Hart bei seiner Wahl in den amerikanischen Senat im Jahr 1974, und auch 1980 wurde er - gegen den nationalen
Wahltrend für Reagan und republikanische Kandidaten - mit großer Mehrheit
wiedergewählt.
Hart ist seit 25 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder.

+ + + + +

- 3 -

�10

7. März 1984

RAUMSTATION - EINE BRÜCKE ZUR ZUKUNFT
- NASA-Chef James M. Beggs befürwortet Projekt vor Senatsausschuß

WASHINGTON - (AD) - Den Bau einer ständig besetzten Raumstation durch
die Vereinigten Staaten bezeichnete James M. Beggs, der Administrator des
amerikanischen Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA), als den "nächsten logischen Schritt". Beggs äußerte sich zu dem Projekt, das Präsident Reagan
am 25. Januar 1984 in seiner Botschaft zur Lage der Nation vorgeschlagen
hatte, am 27. Februar 1984 vor dem Haushaltsausschuß des amerikanischen Senats.
Die Raumstation, in der sechs bis acht Personen arbeiten werden, soll
mit einem Kostenaufwand von ca. acht Milliarden Dollar entwickelt werden
und Anfang der neunziger Jahre einsatzbereit sein. Mit vorbereitenden Studien wurde eine Expertengruppe unter der Leitung von Prof. Peter M. Banks,
dem Direktor des Laboratoriums für "Space Telecommunications and Radio Science"
der Stanford-Universität (Kalifornien),betraut, die die NASA in der wissenschaftlichen und technischen Planung unterstützen und ihre Untersuchungen in
ca. zwei Jahren abgeschlossen haben soll.
schieht unter der Mitwirkung der Industrie.

Die Auslegung des Systems geAußerdem wird die NASA für die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�für die Entwicklung neuer Technologien sowie die Einrichtung von Testanlagen
für Komponenten und Technologien zuständig sein.

In einer niedrigen, zur

Äquatorebene geneigten Umlaufbahn soll die Raumstation die Erde umkreisen.
Im folgenden bringen wir die Stellungnahme von NASA-Chef Beggs vor dem
Haushaltsausschuß des Senats in Auszügen:
In seiner Botschaft zur Lage der Nation an den US-Kongreß skizzierte
Präsident Reagan eine kühne neue Initiative der Vereinigten Staaten, die uns
in den neunziger Jahren und in der Zeit danach unsere hart erarbeitete Führungsrolle im Weltraum erhalten und sichern wird.

Die Initiative gilt einer

ständig besetzten Raumstation, die innerhalb eines Jahrzehnts betriebsbereit
sein soll. Die Raumstation soll...:
- das Engagement Amerikas in Forschung, Technologie und Produktivität widerspiegeln und ausweiten;
- friedliche, sichtbare Demonstration der Stärke der USA und ihres festen
Engagements für ihre Führungsrolle sein;
- der eindeutigen Weisung gerecht werden, die das zivile Raumfahrtprogramm gebraucht hat und die in der Erklärung des Präsidenten vom Juli
1982 zur nationalen Raumfahrtpolitik enthalten ist. Sie fordert auch
eine gründliche Überprüfung unserer langfristigen Ziele und Pläne im
Weltraum;
- neue Möglichkeiten für Forschungs- und Anwendungsprojekte schaffen und
so die Tradition wissenschaftlicher Leistungen und Erfolge fortsetzen,
die die Nation inzwischen mit dem Raumfahrtprogramm verbindet.
Die Zeit ist reif für die Raumstation - die Liste für Aufgaben, die
aufgrund der einzigartigen Möglichkeiten der Raumstation in Angriff genommen
und ausgeweitet werden können, ist übervoll.
Und Institutionen der amerika-

�der amerikanischen Industrie wie die NASA stehen bereit, sich entsprechend
der Initiative des Präsidenten an die Arbeit zu begeben.

Die Station ist

meines Erachtens der nächste logische Schritt im Weltraum.
Die Idee einer Raumstation...

ist nicht neu. Aber aufgrund einer Reihe

von Umständen ist die Initiative des Präsidenten zum gegenwärtigen Zeitpunkt
ganz aktuell.

Der wichtigste Grund, jetzt mit einer Raumstation zu beginnen,

ist die Tatsache, daß der Raumtransporter dem Operationenen Betrieb schon
sehr nahe gekommen ist. Nach einem zehnjährigen Entwicklungsprogramm sind
uns jetzt Routine-Starts in eine niedrige Erdumlaufbahn möglich.

Um die ein-

zigartigen Vorteile des Umfelds Weltraum maximal zu nutzen, müssen wir permanent präsent sein, was uns in die Lage versetzt, rund um die Uhr dort zu
arbeiten und die Möglichkeiten bzw. Leistungsfähigkeit des Raumtransporters
voll zu nutzen.

Ohne die Leistungsfähigkeiten der Raumfähre wäre die "eher

ständige Präsenz im Weltraum" nie zu erreichen, die der Präsident in seiner
Erklärung vom 4. Juli 1982 zur nationalen Raumfahrtpolitik erwähnte.
Der zweite Grund ist der, daß die Operationen, die wir mit dem Raumtransporter bisher durchgeführt haben, in der Wirtschaft großes Interesse
an Investitionen für künftige Aktivitäten im Weltraum weckten.

Der Bau ei-

ner Raumstation ist notwendig, um die Einrichtungen zu schaffen, die zu solchen Investitionen sehr ermutigen, und um neue Technologien zu fördern, die
dann auch der amerikanischen Wirtschaft wieder zugute kommen.
Schließlich hat der Raumtransporter auch das internationale Interesse
am amerikanischen Raumfahrtprogramm sehr gefördert, wie die überwältigend
gute Aufnahme der ENTERPRISE in Europa im Sommer letzten Jahres und der überaus erfolgreiche Flug des Weltraumlabors SPACELAB vor drei Monaten beweist.
Wie der Präsident sagte, werden wir das Programm für die Raumstation so planen, daß es unseren Freunden und Verbündeten in aller Welt möglich wird, sich
zu beteiligen und gemeinsam mit uns diesen wichtigen Schritt zu tun.
Aufgrund von

- 3 -

�Aufgrund von Analysen der NASA und der Industrie aus den letzten 18
Monaten dient das Programm "Raumstation" einer ganzen Reihe von Funktionen,
beispielsweise:
- Laboratorium im Weltraum zur Durchführung wissenschaftlicher Aufgaben
und für die Entwicklung neuer Technologien;
- permanentes Observatorium zur Beobachtung von Erde und Universum;
- Verkehrsknotenpunkt, wo Nutzlasten und Fahrzeuge Station machen, um abgefertigt und zu ihrem Ziel auf den Weg gebracht zu werden;
- Dienstleistungsstation, wo diese Nutzlasten und Raumfahrzeuge gewartet
und, falls erforderlich, repariert werden;
- Montagestation, wo dank ausreichender Zeit im Orbit und bei Vorhandensein der erforderlichen Ausrüstungen große Strukturen zusammengebaut
und durchgeprüft werden;
- Fabrikationsstätte, wo der Mensch mit neuen Ideen die besonderen Gegebenheiten nutzen kann, um den kommerziellen Bereich im Weltraum weiter auszudehnen;
- Orbitaldepot, wo Nutzlasten und Teile für den späteren Einsatz auf
Lager gehalten werden; und
- Basis, um von hier aus ehrgeizige künftige Missionen zu starten.
Vielleicht noch wichtiger als jeder dieser Einzelpunkte ist es, daß
die Raumstation meines Erachtens zu wichtigen Aktivitäten und Funktionen
führt, die wir jetzt noch gar nicht voraussagen können.

Sie ist eine grund-

legend neue und vielseitige Leistungsbasis zur Unterstützung von Aktivitäten
im Weltraum in den neunziger Jahren und danach.
Da die

�Da die Auslegung eines bestimmten Typs von Raumstation noch nicht vorliegt, ist es vielleicht angebracht, darzulegen, was nach der gegenwärtigen
Ansicht der NASA die Station zu umfassen hätte.

Eine Raumstation ist als

permanent betriebene Vielzweck-Einrichtung in niedriger Erdumlaufbahn gedacht,
die aus Elementen besteht, in denen sich Menschen aufhalten und aus solchen,
die unbemannt sind - eine Einrichtung, die die Effizienz unserer Operationen
im Weltraum bedeutsam ausweitet. Nach dem gegenwärtigen Stand unserer Vorarbeiten würde die Station aus einer bemannten Basis und dazugehörigen unbemannten Plattformen bestehen, die sowohl wissenschaftlichen als auch anwendungstechnischen Aufgaben dienen und von der bemannten Basis aus betreut werden.

Basis und Plattformen würden aus Segmenten zusammengebaut, die im Nutz-

lastraum der Raumfähre in den Orbit gebracht würden.

Der Raumtransporter

würde auch für die "Logistik", d.h. für den Nachschub an Material und den
Hin- und Hertransport der Besatzung benutzt. Wir glauben, daß eine solche
Station innerhalb eines Jahrzehnts in Betrieb gehen und die Entwicklungsphase
mit schätzungsweise acht Milliarden Dollar nach heutigern Dollarwert bewältigt werden könnte.
Für das Haushaltsjahr 1985 suchen wir um die Bewilligung von 150 Millionen Dollar für das "Programm Raumstation" nach.

Diese Mittel sind als

Mindestsumme, aber ausreichend dafür gedacht, ein Unternehmen dieser Bedeutung und dieses Umfangs in Angriff zu nehmen, und notwendig, um ein effizientes und gut durchdachtes Programm für die Raumstation zu gewährleisten.
Im Hinblick darauf haben wir eine umfangreiche Definitionsphase mit genügend
umfangreichen Mitteln geplant, um sicherzustellen, daß das Programm bei Beginn der Bauphase ganz gründlich definiert sein wird, den Benutzeranforderungen Rechnung trägt und unter Einbeziehung der modernsten verfügbaren Technologie die richtige Mischung von Mensch und Maschine zur Grundlage hat.

Die

Bemühungen um Definition schließen auch einen Automationsplan ein, um das
Beste an Verfahrenstechniken mit und ohne Einsatz von Menschen zu nutzen und
so ein Optimum an Produktivität an Bord der Raumstation zu erzielen.

Das für

das Haushaltsjahr 1985 vorgesehene Programm wird das erste Jahr dieser detaillierten Bemühungen um technische Definitionen umfassen, welche die Grundlage

- 5 -

�die Grundlage für die endgültigen Pläne zum Bau der Raumstation bilden.
Der Etat für 1985 enthält außerdem ein positives Element für die Zielsetzung und institutionelle Stabilität des Programms. Die auf fünf Jahre
ausgelegten Projektionen sehen auch einen realen Aktivitätszuwachs der NASA
von einem Prozent jährlich über die Zeit von 1986 bis 1989 vor.o.

+ + + + +

�UJi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. März 1984

10

PLANET VENUS VULKANISCH AKTIV

- (AD) - "Heftige vulkanische Aktivität" auf dem Planeten Venus sei,
wie jetzt Wissenschaftler vom Ames-Forschungslaboratorium des amerikanischen
Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) in Kalifornien berichteten, als Ursache
der zweitweil ig sehr hohen Schwefelkonzentration in der Venusatmosphäre anzunehmen.

Dies habe eine eingehende Analyse der von den amerikanischen PIONIER-

VENUS-Sonden, von denen eine seit Dezember 1978 den Planeten umkreist, übermittelten Meßdaten ergeben.

Allem Anschein nach kam es im Jahr 1978, noch vor

dem Eintreffen der Sonden, zu einer Eruption, die mindestens zehnmal gewaltiger war als von den stärksten Vulkanausbrüchen auf der Erde bekannt. Zu
letzteren zählt z. B. ein Ausbruch eines Vulkans auf der Insel Krakatau
(Indonesien) im Jahr 1983, der fast 36 500 Menschen das Leben kostete und
über die Hälfte der Insel zerstörte.
Nach Meinung der NASA-Wissenschaftler kommt den neuen Erkenntnissen
große Bedeutung zu, da der Planet Venus angesichts seiner ähnlichen Größe,
Masse, Dichte und nur geringfügig kürzeren Entfernung von der Sonne als "Zwilling der Erde" betrachtet wird.
tischen Wert für die Geologie...

"Diese Daten sind von unmittelbarem prakund unsere Erkenntnise über die Entwicklung

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�die Entwicklung der Erde", heißt es in einer Presseverlautbarung der NASA.
Larry Esposito, Astronom an der Universität Colorado, berichtet aufgrund wiederholter und sehr eingehender Datenauswertung, daß sich im Jahr 1978 die
Schwefeldioxidkonzentration in der Venus-Atmosphäre um 50 Prozent erhöhte,
seitdem aber ständig, auf etwa ein Zehntel der ersten Werte, zurückgegangen
sei.

Ähnliche Beobachtungen einer Schwefelanreicherung in der Atmosphäre

mache man nach einer starken Vulkanausbruch auf der Erde.
Wie Esposito weiter erklärte, dürften die Schwefelmassen bis in 70 km
Höhe getragen worden sein - und dies in einer Atmosphäre, die hundert Mal
dichter ist als die Lufthülle der Erde. Nach topographischen, Schwerefeldund Radardaten scheinen "Beta Regio" und "Atla Regio" die jüngsten vulkanischen Regionen zu sein. Laut Dr. Harold Masursky vom Geologischen Bundesamt der Vereinigten Staaten, scheint vor allem die Beta-Region aus zwei gewaltigen Schild-Vulkanen zu bestehen, die sich über mehr als 2400 km hinziehen und größer sind als die gesamte Kette von Hawaii und Midway zusammen.
Bei vulkanischer Aktivität in jüngster Zeit auf der Venus werden außerdem "wiederholt Bündel elektrischer Entladungen beobachtet, sehr ähnlich den
Blitzen in den Rauchsäulen irdischer Vulkane", so Masursky.

Vermutlich seien

die Planeten Erde und Venus sowie der Jupitermond lo die einzigen vulkanisch aktiven Himmelskörper in unserem Sonnensystem.

Allerdings dürfte erst die für

1988 geplante Radarsondierung der Venus schlüssige Antworten zur Frage von
Vulkanismus auf der Venus liefern.

- 2-

�</text>
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                <text>Amerikadienst 07.03.1984</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan würdigt deutsch-amerikanische Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung nach dem Treffen mit Bundeskanzler Kohl -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Volcker: Spartätigkeit Grundlage eines anhaltenden Wachstums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des US-Bundesbankpräsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spezialstahldisput zwischen USA und EG beigelegt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;(3)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Trends bei den Demokraten erkennbar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;Raumstation - eine Brücke zur Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- NASA-Chef James M. beggs befürwortet Projekt vor Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Planet Venus vulkanisch aktiv</text>
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                    <text>14. März 1984

11
I N H A L T

DOKUMENTATION
Präsident Reagan:

USA bleiben den NATO-Zielen weiterhin verpflichtet

- Erklärung zum 35. Jahrestag der NATO Weinberger:

Abzug amerikanischer Truppen würde freie Welt ernsthaft

schwächen
- Auszüge aus einem EURONET-Fernsehinterview Das transatlantische Verhältnis - Eine langfristige Perspektive
- Von Lawrence Eagleburger -

HINTERGRUNDMATERIAL
El Salvador und Nicaragua:

Unterschiedliche Einstellung zur Wahl

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Leistungsfähigere Mikrochips

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. März 1984

11

PRÄSIDENT REAGAN: USA BLEIBEN DEN NATO-ZIELEN WEITERHIN VERPFLICHTET
Erklärung zum 35. Jahrestag der NATO -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 7. März 1984 in Washington erlassenen
Proklamation gedachte Präsident Reagan des 35. Jahrestages der Gründung des
Nordatlantischen Bündnisses und unterstrich darin vor allem die Tatsache, daß
es "einen Krieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt verhindert und die
längste Zeit des Friedens und des Wohlstands in der modernen Geschichte ermöglicht" hat.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Vor 35 Jahren - am 4. April 1949 - wurde in Washington der Nordatlantikvertrag unterzeichnet.

Das NATO-Bündis

- geschaffen im Gefolge des zer-

störerischsten aller Kriege, die die Welt je erlebt hatte - repräsentiert die
lebende Verpflichtung der Nationen des Westens zu Verteidigung von Demokratie
und Freiheit des einzelnen.

Durch diese Art der Vereinigung zwischen Europa

und Nordamerika hat es über dreieinhalb Jahrzehnte hinweg einen Krieg zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt verhindert und die längste Zeit des
Friedens und Wohlstands in der modernen Geschichte ermöglicht.
Dieser Erfolg

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dieser Erfolg war nicht ohne Anstrengung möglich.

Während seines bis-

herigen Bestehens war das NATO-Bündnis immer wieder von der militärischen
Macht und den politischen Ambitionen der Sowjetunion herausgefordert.

Und

doch standen die Staaten des Bündnisses in jedem dieser Jahrzehnte zusammen,
um durch ihre gemeinsame Stärke und Entschlossenheit den Frieden zu bewahren.
Auf der Grundlage dieser Stärke und Einheit haben die Staaten des Bündnisses
zudem die Initiative dabei ergriffen, konstruktivere Beziehungen zur Sowjetunion anzustreben.
über die Jahre hinweg wuchs die NATO über ihre ursprünglichen 12 Mitglieder hinaus und umfaßt nunmehr auch Griechenland, die Türkei, die Bundesrepublik Deutschland und - seit jüngster Zeit - Spanien.

Sie hat die Fähig-

keit bewiesen, sich den veränderten politischen und sicherheitspolitischen
Herausforderungen anzupassen und die sich wandelnden Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu befriedigen.

Die Verpflichtung des Bündnisses zu kollektiver

Sicherheit wurde bei gleichzeitiger und umfassender demokratischer Achtung
vor der souveränen Unabhängigkeit eines jeden Mitglieds beibehalten.
Ich verpflichte mit Stolz die Vereinigten Staaten erneut auf die Ideale
und Verantwortlichkeiten unseres Bündnisses. Im Mai werden die Vereinigten
Staaten in Washington Gastgeber des Frühjahrstreffens der NATO-Außenminister
sein. Dies wird eine besondere Gelegenheit sein, den 35. Jahrestag unseres
gemeinsamen Unterfangens zu begehen und über die künftigen Herausforderungen
nachzudenken, vor denen die transatlantische Partnerschaft stehen wird. Ich
rufe den Kongreß und das Volk der Vereinigten Staaten dazu auf, sich mir im
Ausdruck unserer Unterstützung für eine Verbindung anzuschließen, die uns
über die Jahre hinweg so gut gedient hat und die auch weiterhin für unser
künftiges Wohlergehen von entscheidender Bedeutung sein wird.
Daher lenke ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika, die Aufmerksamkeit der Nation auf diesen 35. Jahrestag der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags und rufe die Gouverneure der Bundesstaaten
und die Vertreter der kommunalen Behörden auf, während dieses Gedenkjahres

- 2 -

�an de„ das Treffen des Nordatl,„t,kr,tS ,„ ^

des Härz,. Jahre unseres „err„ 1 „

„

Zum Zeugnis dessen habe ich dies? p , n n a m , f

der Vereinigten Staaten von Amerika.

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�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. März 1984

11

WEINBERGER: ABZUG AMERIKANISCHER TRUPPEN WÜRDE FREIE WELT
ERNSTHAFT SCHWÄCHEN
- Auszüge aus einem EURONET-Fernsehinterview -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat am 8. März 1984 mit Nachdruck unterstrichen, daß ein Abzug
amerikanischer Truppen aus Europa zu einer ernsthaften Schwächung der freien
Welt fuhren würde.

Er traf diese Feststellung in einem vom US-Informations-

amt (USIA) organisierten Interview (EURONET), das mittels Satellit acht europäische Hauptstädte und Washington verband.

Neben NATO-Fragen wurden auch

die strategische Verteidigungsinitiative, die Wiener MBFR-Gespräche, die
sowjetischen SALT-Verletzungen, die Situation im Persischen Golf sowie andere verteidigungspolitische Themen angesprochen.
Die Teile des Interviews, die NATO-Fragen, die strategische Verteidigungsinitiative sowie den Persischen Golf betrafen, haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Ich

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�FRAGE:

Ich würde gerne wissen, inwieweit Sie mit den Ansichten parallel

laufen, die kürzlich US-Staatssekretär Eagleburger darlegte und mit denen er
bestimmte Aspekte europäischer Politik kritisierte, die das Bündnis aufzulösen drohten; und was halten Sie von den Ansichten Dr. Kissingers, der praktisch sagte, die amerikanischen Truppen in Europa sollten drastisch verringert werden?
ANTWORT:

Ich stimme keiner dieser beiden Erklärungen zu.

Was Staats-

sekretär Eagleburger meiner Meinung nach sagte, war, daß es in vielen europäischen Staaten eine starke Strömung in der öffentlichen Meinung gibt, die
große Vorbehalte hinsichtlich der Notwendigkeit zum Ausdruck bringt,

eine

angemessene Abschreckung gegen die Streitkräfte zu unterhalten, welche die
Sowjetunion dislozieren kann.
Ich habe jedoch nicht gesehen, daß diese Ansicht auch von den europäischen
Regierungen oder gar den Verteidigungsministern geteilt würde.

Ich glaube,

es gibt immer Teile der öffentlichen Meinung, die lieber nicht die sehr schwere Aufgabe übernehmen würden, unsere Länder durch den Aufbau einer ausreichenden Abschreckungsstreitkraft zu verteidigen.

Das gibt es auch bei uns in den

Vereinigten Staaten.
Was Henry Kissingers Argument hinsichtlich der Verringerung der amerikanischen Truppenstärke in Europa angeht, so würde ich ganz sicher hier anderer
Meinung sein. Denn das würde nur die Sowjets dazu ermutigen, zu glauben, sie
könnten einen erfolgreichen Angriff unternehmen. Und dies würde für uns alle
nicht nur eine viel gefährlichere Welt bedeuten, sondern uns weit rascher in
einen Konflikt treiben.
Amerika kann nicht in einer Welt leben, in der Europa überrannt werden
kann, und unser Interesse an einer Verteidigung und an einer Hilfe zur Verteidigung Europas ist praktisch identisch mit unserem Interesse daran, uns
selbst zu verteidigen.
FRAGE:

Eine

�FRAGE:

Eine Frage zur sogenannten "strategischen Verteidigungs-Initia-

tive" Ihrer Regierung.
re -:

In einem kürzlichen Interview sagten Sie - ich zitie-

"Und ich kann mir keinen destabilisierenderen Faktor für die Welt vor-

stellen als den, daß die Sowjets eine voll verläßliche Verteidigung gegen Raketen haben, bevor uns dies gelingt."

Nun könnte ich mir vorstellen, daß Herr

Ustinow, Ihr sowjetischer Kollege, auf eine solche Frage das gleiche antworten würde.

Bedeutet dies nicht:

Um ein Wettrüsten zu verhindern und um die

Abschreckung stabil zu halten, müßten solche Initiativen für eine strategische
Verteidigung dann nicht in enger Zusammenarbeit mit der Sowjetunion ergriffen
werden?

ANTWORT:

Nun, die strategische Verteidigungs-Initiative dürfte durch-

aus in enger Zusammenarbeit mit der Sowjetunion durchgeführt werden - und
nicht einmal so sehr aus freien Stücken, sondern weil die Sowjets schon so
viel länger daran arbeiten und bereits beträchtliche Fortschritte erzielt
haben.

Und die von Ihnen zitierte Erklärung zielte darauf ab, daß wir eine

schrecklich destabilisierende Situation hätten, würden sie es zuerst bekommen, denn sie haben eine Strategie - nach all dem, was sie publizieren, nach
all ihren Waffensystemen, nach all ihren Handlungen, nach den Schritten bei
der Härtung ihrer Silos, bei ihrer Zivilverteidigung -, die auf einen Erstschlag hindeuten läßt.

Wir haben eine solche nicht.

Eine solche Weltanschau-

ung plus strategischer Verteidigungs-Initiative, bevor wir eine haben:

Dies

wäre schrecklich destabilisierend.

Was der Präsident möchte, ist, daß wir weiterarbeiten und den Versuch
machen, eine strategische Verteidigung zu entwickeln und zu dislozieren - wir
wissen nicht, ob es uns gelingt -, die unter allen Umständen absolut verläßlich wäre, denn all dies wäre etwas, was die Sowjets ebenfalls - oder in Kürze - hätten - und somit wäre es durchaus möglich, daß wir uns darin teilten.

Würde man das tun, so könnte man die Drohung dieser Atomraketen beseitigen, dieser Interkontinentalraketen, dieser Mittelstreckenraketen - man
könnte all diese Drohungen aus der Welt schaffen, diesen Schatten, der über

- 3 -

�der über der Welt hängt.
Dagegen gibt es eine Menge Opposition - die sich zumeist auf konventionelle Überlegungen stützt, darauf, daß es besser sei, Menschen zu zerstören als
Waffen.

Der Präsident nun meint, es sei besser, unser Volk zu schützen, wie

alle Völker der Welt - und nicht einfach nur den Versuch zu machen, sie zu
rächen.
Aber wir geben in keinster Weise unsere Abschreckung auf, unsere Versuche, das strategische Abschreckungsäquivalent zu erlangen, das wir brauchen,
während wir den Versuch machen, diese strategische Verteidigung zu entwickeln.
FRAGE:

Bei der laufenden Debatte über die künftige Rolle des Bündnisses

hat der frühere Außenminister Kissinger einige interessante, wenn auch kontroverse Thesen aufgeworfen.

Ich möchte mich auf eine davon konzentrieren.

Sollte die Rolle des Bündnisses nicht auf die Verteidigung Europas und
Nordamerikas beschränkt bleiben, oder sollte die Rolle der NATO in den neunziger Jahren die globale Verteidigung der Interessen der westlichen Demokratien in der ganzen Welt sein?
Nun ist die derzeitige politische Einstellung der kommunistischen Parteien und der linksgerichteten Sozialisten in mehreren NATO-Staaten die folgende: "Wir unterstützen loyal das Bündnis - aber nur für die Verteidigung
Europas." Mit anderen Worten: Sie wollen freie Hand dabei haben, die Revolution in Asien, im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und in Lateinamerika
zu unterstützen.
Dies hat die Politik vieler NATO-Regierungen stark beeinflußt - nicht
nur in Südeuropa.

Deshalb stehen wir hier vor einem Dilemma.

Wenn wir die

Rolle des Bündnisses umdefinieren als weltweite Verteidigung freier Nationen
gegen den Totalitarismus - wie wir dies wahrscheinlich tun sollten -, dann
werden wir viele Regierungen in NATO-Staaten innenpolitisch in überaus große

- 4 -

�überaus große Schwierigkeiten bringen.

Wo sehen Sie deshalb, Herr Minister,

hier einen Ausweg?
ANTWORT:

Nun, ich glaube, wir müssen uns zunächst einmal daran erin-

nern, daß die große Stärke der NATO in ihrer Einigkeit liegt - wie sie dies
ja auch immer wieder demonstriert hat, etwa erst im vergangenen Jahr, als sie
trotz gewaltigen Druckes bei ihrer so notwendigen Entscheidung blieb, in Reaktion auf die sowjetischen SS-20-Raketen ein Gegengewicht zu dislozieren.
Daß die Hauptaufgabe der NATO darin besteht, Europa zu verteidigen, wird,
wie ich glaube, niemand bestreiten.
man Europa am besten verteidigt.

Was wir uns überlegen müssen, ist, wie

Und ich glaube, was Kissinger kürzlich mein-

te,war, daß man manchmal darüber nachdenken sollte, wie Europa am besten verteidigt werden kann, wie die Freiheiten am besten verteidigt werden können,
die wir alle so schätzen und die in der Sowjetunion nicht existieren, nämlich
mit der, wie wir es im Militärjargon nennen, "Vorne-Verteidigung".

Das heißt,

wie ich es sehe, beispielsweise, daß die NATO außerordentlich an den Folgen
eines sowjetischen Handelns interessiert sein muß, das darauf hinauslaufen
könnte, dem Westen den Zugang zu den ülfei d e m zu verwehren.
Das soll nicht heißen, daß die NATO-Truppen im Nahen Osten oder sonstwo stationieren sollte.

Aber es soll heißen, daß die NATO Planungen vorneh-

men sollte für mögliche Aktivitäten außerhalb des Vertragsgebietes, die sich
auf die Verteidigung Europas richteten, aber auf eine wirksamere Verteidigung
Europas als einfach entlang der Grenzen der europäischen Länder, die der NATO
angehören.
Ich meine, wir müssen uns einfach überlegen, welches die wirkungsvollste
Methode ist, Europa zu verteidigen und die Freiheit zu verteidigen.

Und wir

in den Vereinigten Staaten sind uns durchaus bewußt, daß die Verteidigung
Europas nicht nur von entscheidender Bedeutung für Europa selbst, sondern
auch von entscheidender Bedeutung für die Verteidigung der Vereinigten Staaten und für die Verteidigung der Freiheit ist.
Was Kissinger

�Was Kissinger also nach meiner Meinung sagen wolllte - und ich freue
mich, daß Sie einen Teil seiner Ausführungen zitiert haben, mit dem ich zumindest grundsätzlich einverstanden sein kann -, ist:
Europa verteidigen.

Jawohl, wir müssen

Aber wo verteidigt man Europa am besten?

wir uns doch alle möglichen Wege der Verteidigung überlegen.

Und wollen
Das ist genau

das, was wir der NATO klarzumachen versuchen, daß man vielleicht gelegentlich
sich überlegen muß, vielleicht sogar planen muß, etwas außerhalb des NATO-Gebietes zu tun, um Europa wirksamer verteidigen zu können.
FRAGE:

Die Sowjetunion hat gestern die Vereinigten Staaten beschuldigt,

durch die Dislozierung dieser Flotte im Persischen Golf den internationalen
Frieden zu gefährden.

Glauben Sie, daß eine wirkliche Möglichkeit besteht,

daß es zu einer amerikanischen Intervention im Golf kommt?
ANTWORT: Zunächst einmal kann man bezüglich der sowjetischen Erklärung
sagen, daß sie etwas Erheiterndes hat, denn die Sowjets haben selbstverständlich Schiffe in diesem und um dieses ganze Gebiet, und das seit vier Jahren.
Es handelt sich um internationale Gewässer, und unser Interesse und unsere
Maßnahmen, von denen wir gesprochen haben, sind Maßnahmen, die einfach dazu
dienen sollen, diese internationalen Gewässer offen zu halten - frei für die
Schiffahrt aller Nationen. Das ist immer unsere Politik gewesen und wird
weiterhin unsere Politik sein. Das sind unsere Interessen im Nahen und Mittleren Osten, und das sind die gleichen Interessen, wie sie die Sowjetunion
hat oder haben sollte.
Aber die Maßnahmen, die notwendig sind, um internationale Gewässer generell offen zu halten, bestehen darin, sicherzustellen, daß niemand sie
vermint oder sie zu sperren versucht.

Und das, was wir zu tun gedenken und

zusammen mit unseren Verbündeten besprechen, wären Maßnahmen, die notwendig
sind, um sicherzustellen, daß diese Gewässer offen bleiben und Zugang zu den
ölfeldern besteht, die von entscheidender Bedeutung für den Fortbestand des
Westens sind.
FRAGE:

- 6 -

Es hat

�FRAGE:

Es hat

in letzter Zeit einige Vorschläge gegeben, daß die euro-

päischen Länder sehr viel mehr für die gemeinsame Verteidigung der NATO tun
sollten.

Stimmen Sie dem zu, und wenn ja, was sollten diese Länder nach ihrer

Meinung tun, was sie jetzt nicht tun?
ANTWORT: Ich meine, wir sollten alle mehr tun - die Vereinigten Staaten
und alle NATO-Mitglieder. Ich glaube, die Regierungen und die Verteidigungsminister aller NATO-Mitglieder sind sich darüber einig. Das Problem besteht
natürlich darin, die Öffentlichkeit zu überzeugen und ihre Unterstützung zu
gewinnen.
Was wir tun sollten? Nun, ich glaube, wir sollten unsere konventionellen
Streitkräfte stärken. Ich meine, wir sollten darauf hinarbeiten, eine besser
ausgewogene Abschreckung zu erreichen, weil es, wie ich bereits gesagt habe,
für uns alle sehr viel gefährlicher würde, wenn das Gleichgewicht so sehr aus
den Fugen gerät und die Sowjets anfangen, sich die Vorstellung zu machen, daß
sie gar nicht vor Angriffen abgeschreckt würden, weil sie eine Schwäche des
Westens zu erkennen glauben.
Aber ich glaube, die Stärkung unserer konventionellen Streitkräfte, die
Verbesserung ihrer Einsatzbereitschaft, sie so zu modernisieren, wie die Sowjets
es getan haben, das sind alles Dinge von wesentlicher Bedeutung.
Das andere, was wir natürlich tun könnten, ist, so geduldig, nachdrücklich und gekonnt wie nur möglich an einer großen Verringerung der Waffen zu
arbeiten, damit wir diese Abschreckung auf einem sehr viel niedrigeren Stand
aufrechterhalten könnten. Aber das ist natürlich schwierig zu erreichen, wenn
die Verhandlungssäle verlassen sind und wenn uns niemand auf der anderen Seite
des Tisches gegenübersitzt. Aber wir wollen weiterhin solche Verhandlungen.
Aber in der Zwischenzeit müssen wir meiner Überzeugung nach unsere Verteidigungs- und Abschreckungsstärke erhalten, und das ist, wie ich betonen
möchte, keineswegs nur die Aufgabe von Europa allein.

- 7 -

Es ist eine Aufgabe,

�eine Aufgabe, die uns allen gestellt ist, und das schließt sicherlich auch
die Vereinigten Staaten ein.
FRAGE:

Die NATO hat beschlossen, in Westeuropa 572 neue Flugkörper zu

stationieren.

Wenn wir einmal davon ausgehen, daß es wieder Verhandlungen

mit der Sowjetunion geben wird - da es jetzt ungewiß ist, ob die Sowjetunion
an den Verhandlungstisch zurückkehren wird -, glauben Sie, daß das Bündnis
dann an dem, wie wir sagen, Minimum von 572 festhalten sollte, oder sollte
es die Zahl verringern, um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu erleichtern?
ANTWORT:

Ich kann nicht sehen, wie eine Verringerung der Zahl oder

eine Einstellung der Dislozierungen eine Wiederaufnahme der Verhandlungen
erleichtern könnte.

Ich glaube, wir sollten an dem ursprünglichen Plan der

NATO festhalten; aber ich meine auch, daß wir immer wieder betonen sollten,
wie es unsere Politik ist, daß wir nicht nur bereit, sondern sehr interessiert sind, die Verhandlungen wiederaufzunehmen.

Wenn es den Sowjets gelänge,

die Dislozierungen aufzuhalten, indem sie einfach den Verhandlungstisch verlassen, dann hätten sie eine Situation erreicht, in der sie es mit keinerlei
Abschreckung mehr vor der Dislozierung ihrer Waffen zu tun hätten.

Die Dis-

lozierung der SS-20-Raketen ist übrigens während all dieser Gespräche, all
dieser Verhandlungen weitergegangen; sie ist bis auf den heutigen Tag weitergegangen, und heute sind über 380 dieser Waffen disloziert, und jede hat drei
Gefechtsköpfe.
Aber wenn wir, wenn der Westen seine sehr bescheidenen Gegenmaßnahmen
gegen diesen gewaltigen Aufmarsch an Mittel Streckenwaffen einstellt, dann
hätte das, wie ich meine, keinerlei Einfluß darauf, ob sie (die Sowjets) an
den Konferenztisch zurückkehren oder nicht.
geplanten Dislozierungen fortsetzen.

Ich meine, wir sollten unsere

Aber ich hoffe trotzdem sehr, daß die

Sowjets an den Verhandlungstisch zurückkehren und sich einige der Vorschläge
des Präsidenten anhören werden.
Wie Sie

�Wie Sie sich erinnern, ist der erste W ^ C M
PräSldenten
wir heute noch sind, der gewesen daß u
'
' fUr "•"
,,
,. ,. .
gewesen, daß auf beiden Seiten Null sein sollt»
wenn d,. Sowjets de» zusti«en werden, dann würden wir gern
a"
was wir bereits disloziert haben, und jede „eitere Disl
e
Un
u
Wenn s e . , „ . gleichen Stand von 200 oder 300 Z usti r a e n wolle
1
e l n e m derer ,gen Vorschlag, dann würden wir gerne darüber
handeln - aber i-er mit de» Ziel der idealen Null-Option

+ + + + +

- 9-

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. März 1984

11

DAS TRANSATLANTISCHE VERHÄLTNIS - EINE LANGFRISTIGE PERSPEKTIVE
- Von Lawrence Eagleburger -

Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium,
Lawrence Eagleburger, hat am 7. März 1984
in Washington vor dem amerikanischen Zeitungsverlegerverband (National Newspaper
Association) eine programmatische Rede über
das Verhältnis zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa gehalten, die folgenden
Wortlaut hat:

Vor einigen Wochen habe ich, wie manche Leute meinen, den Fehler gemacht,
vor einem Auditorium laut über die Herausforderungen des transatlantischen
Verhältnisses für den Rest des zwanzigsten Jahrhunderts nachzudenken. In
Presseberichten wurden meine frei gesprochenen Bemerkungen als Kritik an unseren westeuropäischen Verbündeten bezeichnet, was wiederum zu einer Fülle
negativer Bemerkungen einer Reihe von hohen europäischen Regierungsvertretern
und sogar ein oder zwei Oppositionspolitikern bezüglich meiner Intelligenz,
Urteilskraft und Erfahrung geführt hat.

In einem der freundlicheren Kommentare

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�freundlicheren Kommentare bemerkte (die französische Zeitung) Le Monde,
ich hätte "nicht einmal die Ausrede, einer dieser Kalifornier zu sein".
Und deshalb möchte ich es heute noch einmal versuchen.

Meine Absicht

ist, die Herausforderungen - und ich glaube, daß es welche gibt - der Fortsetzung eines starken transatlantischen Verhältnisses für den Rest des zwanzigsten Jahrhunderts zu untersuchen.

Ich vertrete nicht die These, daß das

Nordatlantische Bündnis heute in einer Krise steckt.

Ich gehe davon aus,

daß die letzten 15 Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts Jahre eines wesentlichen, vielleicht tiefgreifenden Wandels sein werden und daß es jetzt für
jene, die wie ich daran glauben, daß eine starke transatlantische Partnerschaft für die Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität wesentlich ist
und bleibt, an der Zeit ist, sich zusammen darüber klar zu werden, was sich
voraussichtlich ändern wird und wie wir diese Veränderungen am besten verkraften können.
Das Problem, wie ich es sehe, ist folgendes: Das Atlantische Bündnis
ist und bleibt unser wichtigstes politisches und sicherheitspolitisches Interesse. Jedoch werden in den kommenden Jahrzehnten die Gebote unserer globalen Außenpolitik in zunehmendem Maße unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit und
unseren Einfallsreichtum erfordern. Wir können, wie ich glaube, weiterhin
von einer nicht wankenden amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas ausgehen. Wir können ebenso von der Fortsetzung einer europäischen Verpflichtung zu unseren Bündnispartnern ausgehen. Wovon wir jedoch nicht ausgehen können - oder zumindest sollten - ist, daß Regierungen auf der einen
oder anderen Seite des Atlantik sich immer bereitwillig veränderten Umständen anpassen werden. Sicherlich wird eine Anpassung vorgenommen, aber wie
zureichend und wie leicht diese Anpassung vorgenommen wird, wird ganz wesentlich davon abhängen, wie bald der Westen - kollektiv - begreift, daß neue
Zeiten anbrechen.
Engere amerikanische

- 2 -

�Engere amerikanische Beziehungen zu Asien

Lassen Sie mich mit der Beschreibung einiger der wichtigen Veränderungen
beginnen, mit denen ich in den kommenden Jahren rechne.

Einige sind einfach

und liegen auf der Hand; andere sind nicht so einfach und nicht so leicht zu
erkennen.

Demographische Veränderungen in den Vereinigten Staaten sind bei-

spielsweise leicht erkennbar.

Wir haben seit 1819 eine pazifische Küste, und

seit unserer ersten Volkszählung hat sich unser

demographischer Mittelpunkt

nach Westen verlagert - ein Prozeß der anhalten und auch eine anhaltende Verlagerung unseres politischen Schwerpunktes mit sich bringen wird.

Aber selbst

diese Tatsache läßt die Bedeutung unserer Westküste nicht voll erkennen.

Kali-

fornien beispielsweise hätte, wenn es ein unabhängiger Staat wäre, eines der
höchsten Bruttosozialprodukte der Welt.

Wachsende, dynamische Städte wie Los

Angeles oder San Diego, das Gebiet der Bucht von San Franzisko, Seattle und
Portland fordern die Städte der Ostküste, wie New York, Bosten, Philadelphia
und Baltimore, als Handelszentren heraus oder übertreffen sie.

Ebenso logisch ist, daß das wirtschaftliche und handelspolitische Wachstum
unserer Westküste für uns die Bedeutung eines Teiles der Welt erhöht, der mit
den heutigen Kommunikationsmitteln praktisch vor unserer Haustür liegt.

Dabei

ist die jüngste Geschichte der pazifischen Wirtschaftsdynamik keineswegs nur
ein amerikanisches Phänomen.
den blühendsten der Welt.

Die Volkswirtschaften Asiens gehören heute zu

Japans Autos, Stahl und elektronische Geräte wer-

den in der ganzen Welt verkauft.

Dynamische Marktwirtschaften in den ASEAN-

Ländern, in Südkorea, Taiwan und Hongkong stellen Qualitätserzeugnisse zu
Preisen her, die es ihnen ermöglichen, auf den Weltmärkten zu konkurrieren.
Wenn China seine Wirtschaft der Welt öffnet, bietet es ein gewaltiges Potential.

Es wurde wenig bemerkt, obwohl es eine bemerkenswerte Tatsache ist, daß
wir seit 1978 mit dem Pazifischen Becken mehr Handel getrieben haben als mit
Europa:

Im Jahr 1982 betrug allein der Unterschied rund 13 Milliarden Dollar.

Die Volkswirtschaften Amerikas und Japans bringen allein rund ein Drittel des
Bruttosozialproduktes der Welt auf.

Im vorigen Jahr war Japan - nach Kanada -

- 3 -

�nach Kanada - der zweitgrößte Abnehmer amerikanischer Waren - und dabei nur
einer von mehreren immer wichtiger werdenden asiatischen Handelspartnern.
Darüber hinaus treten die Vereinigten Staaten und Japan - zumindest für
die nächste Zukunft - als die beiden wichtigsten Akteure auf dem Gebiet der
hochtechnologischen Entwicklung hervor - ein Gebiet, das für die schnelle
wirtschaftliche Entwicklung und Prosperität in den kommenden Jahren von entscheidender Bedeutung sein dürfte. Wenn wir in das einundzwanzigste Jahrhundert eintreten werden, dann dürften die Vereinigten Staaten und Japan entweder die größten wirtschaftlichen Konkurrenten oder die wichtigsten wirtschaftlichen Partner sein.
Wir werden in den kommenden Jahren vor der Herausforderung stehen, institutionelle Bindungen mit asiatischen Freunden zu schaffen, die ihren und
unseren Ansprüchen genügen.

Diese Bindungen werden nicht mit denen identisch

sein, die wir mit unseren europäischen Freunden geschmiedet haben, da sie die
Unterschiede in den Beziehungen erkennen lassen werden.

Engere Beziehungen

zu Asien können beispielsweise nicht das gleiche sein wie unser breites historisches Verhältnis zu Europa. Aber unsere zunehmend gemeinsamen wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Anliegen in Asien werden mit
ziemlicher Sicherheit die Schaffung neuer institutioneller Vereinbarungen mit
sich bringen, um diese Anliegen wirksamer bewältigen zu können.

Bewahrung der amerikanisch-europäischen Partnerschaft
Ich habe bereits erwähnt, daß einige Veränderungen - wie etwa in der
Demographie der Vereinigten Staaten - unschwer erkennbar und ihre Folgen auch
relativ leicht abschätzbar sind. Andere wiederum liegen nicht derart zutage.
So kann man die Natur der transatlantischen Beziehungen über die nächsten 15
Jahre hinweg zu diesem Zeitpunkt nur umrißhaft ausmachen.
Das NATO-Bündnis, das im nächsten Monat seinen 35 Jahrestag begeht, hat

�begeht, hat dadurch in Europa über eine Generation lang den Frieden bewahrt
- allein dies schon in der europäischen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts ein außergewöhnliches Phänomen -, daß Freund wie Feind immer wieder
darauf hingewiesen wurden, daß wir einen Angriff auf unsere Freunde als einen
Angriff auf uns selbst betrachten.

Diese Verpflichtung wurde erst kürzlich

von Präsident Reagan erneut bestätigt, indem in Einklang mit unseren Verbündeten eine neue Generation nuklearer Mittelstreckenraketen disloziert wurde,
die die Kette der Abschreckung vervollständigen und zugleich sicherstellen
wird, daß die Sicherheit Westeuropas auch weiterhin mit unserer eigenen verkoppelt bleibt.
Ich muß hier unterscheiden, daß die amerikanische Einsicht, wonach die
Verteidigung Westeuropas zugleich auch die Verteidigung unseres eigenen Landes darstellt, einen revolutionären Wandel in unserer Außenpolitik darstellte.

Sie war zunächst nicht ein Faktum, mit dem die Amerikaner völlig ein-

verstanden waren.

Für viele - wie mich selbst -, die im Mittleren Westen

aufgewachsen waren, bedeutete es, daß unser Schicksal und unser Gefühl für
persönliche und nationale Sicherheit unwiderruflich von weit über unsere natürlichen Grenzen hinausreichenden Entwicklungen mitbestimmt würde.

Dieses

Faktum hat sich als das grundlegende Bindeglied zwischen den Vereinigten
Staaten und Europa erwiesen.
In der Geschichte des Bündnisses gab es in periodischen Abständen Krisen hinsichtlich der Frage, wie unsere beiderseitige Sicherheit erhöht werden
könne; und es wird davon sicherlich in Zukunft gleichfalls welche geben.
So dürfte es zwischen uns und diesem oder jenem unserer europäischen Verbündeten Meinungsverschiedenheiten darüber geben, wie denn nun genau diese
Bande verkoppelt oder verstärkt werden könnten - aber die entscheidende Prämisse, wonach der Frieden in der westlichen Welt unteilbar ist, wurde zu keiner Zeit in Frage gestellt. Und gleich, welches Waffensystem auch immer
installiert werden mag: Es kann kein Ersatz für diese fundamentale Tatsache
sein.
Aber Europas

�\

s
Aber Europas Bedeutung für uns geht über unsere Sicherhei\sbedürfnu.se
allein hinaus. Wir teilen auch eine Kultur, eine Geschichte unwahrere
Sprachen.

Ideen überqueren den Atlantik in beiden Richtungen so r&gt;v:h, da!.1.

es schwer ist auszumachen, auf welcher Seite ihr Ursprung zu findensvvt.

V

v\

Schließlich gibt es da noch den politischen Aspekt unserer transatlantischen Kultur.

Es mag Variationen in unseren Regierungssystemen geben,

\\

aber die Nationen Westeuropas sind genau wie wir den Grundsätzen liberaldemokratischer Prägung verpflichtet, die die Freiheit und Würde des Einzel-

\s
Sj.

menschen sichern und eine Regierung auf der Grundlage der Zustimmung durch
das Volk garantieren. Wir haben diese Werte von Westeuropa übernommen, und
wir haben zu ihrem überleben und zu ihrer Lebensfähigkeit in einer oftmals
feindlichen Umwelt beigetragen.
Europa und die Europäer hatten - und haben noch immer - einen entscheidenden Einfluß auf unser politisches Denken. Und hier kommen wir auf die
Bedeutung des transatlantischen Dialoges zurück. Obgleich unsere Diplomatie
niemals unsere europäischen Freunde gänzlich zufriedenstellen kann - wie die
ihre auch aus unserer Sicht es nicht tun kann -, so ist der europäische Einfluß auf unsere Außenpolitik doch weit tiefgreifender, als dies gemeinhin
den Eindruck hat. Dies hat insgesamt über die Jahre hinweg zu einer weit
nuancierteren, weit durchdachteren Methodik unsererseits geführt, als dies
je der Fall gewesen wäre, wären wir voll und ganz auf uns allein gestellt
gewesen. Es ist dies ein Einfluß, der sich am wirkungsvollsten hinter verschlossenen Türen bemerkbar machte - beim NATO-Rat, beim jährlichen Gipfeltreffen der sieben Staaten, bei den regelmäßigen Treffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten und europäischen Regierungschefs sowie bei der Vielzahl
von Treffen zwischen amerikanischen und europäischen Regierungsmitgliedern,
die nahezu täglich stattfinden. Es ist dies ein Prozeß, der deshalb funktioniert, weil wir auf der Grundlage gemeinsamer Werte und Ziele, gemeinsamer
Interessen und Hoffnungen sowie gemeinsamer Gefahren und Opfer tätig sind.

Dies ist

�Dies ist ein kostbares Kapitel - eine einzigartige Quelle für die transatlantische Partnerschaft, die Amerikaner wie Europäer zu bewahren suchen
müssen für die kommenden Generationen.

Und da ich der Meinung bin, daß wir

in den achtziger und neunziger Jahren Gefahr laufen, manches von dieser Vertrautheit zu verlieren, so ist jetzt und hier die Zeit gekommen, darauf zu
achten, daß sie bewahrt wird.

Ich sage "jetzt und hier", obwohl das Bündnis

- wie ich schon erwähnt habe - derzeit nicht in einem Zustand der Krise ist.
Ja, das Gegenteil ist wahr:

Wir haben die meisten der schwierigen Fragen

zwischen uns im vergangenen Jahr überlebt, überwunden und gelöst - und das
Klima der Beziehungen ist derzeit herzlich und leistungsfähig.

Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Bündnisses:

Folgerungen für die

Zukunft
Lassen Sie mich deshalb diese Zeit relativer Ruhe im Bündnis dazu verwenden, Ihnen etwas über die Probleme zu sagen, die ich vor uns sehe - Probleme, die an Komplexität und Konsequenzen zunehmen könnten, würde man zulassen, daß sie unbeachtet und unbehandelt blieben.

Vor 30 Jahren sahen die Atlantiker ein geeintes Europa voraus, das
seine jahrhundertealten Widersprüche überwinden würde, um in der Nähe der
Supermächte - wenn nicht gar neben ihnen- eine globale Rolle zu spielen.
Die Bevölkerung Westeuropas insgesamt überstieg die unserige wie die der
Sowjetunion.

Eine wiederaufgebaute industrielle Grundlage würde Garant sei-

ner Prosperität sein; seine Politiker und Intellektuellen würden die Probleme
mit Zuversicht und in dem Geiste angehen, ein neues und vom bisherigen unterschiedlichen Europa aufzubauen.

Die Amerikaner - aufgrund dieses erwachenden

Riesen womöglich etwas wachsam - begrüßten die Prosperität Westeuropas und
die Aussicht auf seine größere Einbeziehung in die Weltpolitik, da wir wußten, daß wir kein Monopol an Weisheit haben, und wir mit den Westeuropäern
die gleichen Werte und Ziele teilten.

Es war viel mehr, was uns verband,

als was uns trennte.
Heute jedoch

�Heute jedoch sehen wir ein Europa, das sich seiner Zukunft nicht mehr
so sicher ist, das unsicher ist hinsichtlich der Klugheit seiner Nachkriegspolitik, das sich auf seine eigenen Probleme konzentriert und daher weniger
bereit ist, auf die Welt als Ganzes zu sehen.

Zudem stellt ein guter Teil

der jüngeren Generation in Europa augenscheinlich in immer größerem Maß den
Nutzen vieler Institutionen und Instrumente in Frage, die für das Atlantische
Bündnis bislang von so grundlegender Bedeutung gewesen sind.
Die Vereinigten Staaten waren für mehr als eine Generation Europäer
ein Land ihrer Träume, ein Land, wo das Unmögliche möglich war.

Das sind

sie für viele auch heute noch. Aber wahrscheinlich gilt auch, daß es ein gehöriges Maß an Desillusionierung und an Bitternis gibt - am deutlichsten unter
den jungen Leuten -, weil weder Amerika im besonderen noch die westlichen Institutionen im allgemeinen in der Lage sind, all diese Hoffnungen und Träume
zu erfüllen.

Und was am unglücklichsten ist:

Manchmal geht diese Desillusio-

nierung über die Jungen hinaus - zu den nicht mehr so jungen Führungspersonen,
die genug Erfahrung haben, um es eigentlich besser zu wissen.
Diese Bitternis und Desillusionierung gibt es - zu einem gewissen Grad auf beiden Seiten des Atlantik. Nur allzu oft geben politische Parteien - die
nicht die Regierung stellen - politische Erklärungen über die Außenpolitik
ab, die in die laufende Debatte die Frage werfen, ob auf dieser oder jener
Seite des Atlantik noch Übereinstimmung herrsche. Mit einigem Trost kann man
jedoch erkennen, daß man - ist man politisch nicht mehr "out", sondern "in" dazu tendiert, sich wieder der Realität anzunähern und die übergreifenden Gebote des Atlantischen Bündnisses erneut zu bekräftigen.
Läßt sich denn auch argumentieren, daß meine Sorgen hinsichtlich der
Einstellung der jungen Europäer und der Unberechenbarkeiten oppositioneller
Politiker aus der Welt zu schaffen sind - da der Alterungsprozeß allgemein
und die Verantwortung der Macht insbesondere dazu tendieren, die Perspektiven
zu verändern -, so ist es weniger einfach, Sorgen zu verdrängen hinsichtlich
dessen, was ich als die sich wandelnden transatlantischen Einstellungen in

- 8 -

�Einstellungen in bezug auf das weltpolitische Geschehen ansehe.

Ich habe oft mit europäischen Freunden über die unterschiedlichen Erfordernisse einer Nation mit globaler Verantwortung gegenüber jenen mit mehr regionalen Anliegen gesprochen.
gemeint.

Dabei ist das Wort "global" gar nicht arrogant

Und es soll auch nicht verleugnet werden, daß mehrere europäische

Staaten noch immer ein Interesse an Weltgegenden haben, die außerhalb ihres
Kontinentes liegen.

Aber allein schon der Umfang an amerikanischen Inter-

essen zwingt uns in ein anderes Maß der Perspektiven und Gebote.

Ich bin

sicher, daß - trotz periodischer Widersprüche (hauptsächlich auf unserer Seite)
und trotz noch häufigerer Krisen der politischen Meinungsverschiedenheit (die
oft der europäischen Seite entstammen) - die Mitglieder des Bündnisses noch
immer hinsichtlich der meisten Fragen von Tragweite zu einem starken Konsens
gelangen können.

Wie der Warschauer Pakt so deutlich zeigt, ist eine Partner-

schaft ohne sichtbare Meinungsunterschiede keine Partnerschaft zwischen Gleichgestellten; und es ist auch keine Partnerschaft, die die dynamischen Qualitäten besitzt, die so nötig sind, um die erforderlichen Anpassungen an die sich
wandelnden Umstände

zu erreichen.

Aber von einem Bündnis, bei dem es Ero-

sion hinsichtlich des Verständnisses über die Gründe für diese Meinungsverschiedenheiten gibt - einschließlich insbesondere Toleranz in bezug auf die
Notwendigkeiten der Geographie und der Verantwortung - kann man nicht erwarten, daß es die Tatkraft von heute auch noch angesichts der Herausforderungen
von morgen beibehält.

Die Europäer bringen oft das Argument - und sie haben dafür Beweise -,
daß die Entspannung in ihrem europäischen Kontext in großem Maße erfolgreich
war.

Und sicherlich sehen auch die Amerikaner deutlich, daß die Spannungen

im Herzen Europas - Berlin ist dabei nur ein Beispiel - beträchtlich abgenommen haben.

Wir können auch nicht einfach die europäischen Anstrengungen

ignorieren, die wirtschaftliche, politische und kulturelle Teilung Europas
zu überbrücken, und wie entscheidend diese Anstrengungen aus europäischer
Sicht für die langfristige Überlegung hinsichtlich der Sicherheit Westeuropas
sind.
Aber diese
_ 9-

�Aber diese Überlegungen sind nur einige der Elemente der amerikanischen
Gesamtpolitik - und müssen dies sein. Wir sehen die Ost-West-Rivalitä't in
einem breiteren Zusammenhang.

Selbst eine nur flüchtige Analyse der jüngsten

Ereignisse in Afghanistan, im Nahen Osten, im südlichen Afrika oder in Lateinamerika zeigt uns, daß die Entspannung in Bereichen außerhalb Europas kein Erfolg war. Aus unserer Sicht hat die Rolle der Sowjets in diesen Gebieten um es milde auszudrücken - nicht zur Entspannung beigetragen.
Aus den zahlreichen Gesprächen,die ich mit Europäern geführt habe und
bei denen es um unsere jeweiligen Ansichten bezüglich der Sowjetunion und um
unsere Beziehungen zu ihr ging, habe ich ersehen, daß sie die Natur des
sowjetischen Systems keineswegs ignorieren und auch nicht ignorieren wollen.
Allerdings gibt es häufig einen beträchtlichen Unterschied hinsichtlich der
Bewertung der sowjetischen Bedrohung.

Im Bündnis gibt es eine grundsätzliche

Übereinstimmung in bezug auf die Vermeidung eines Krieges; es gibt aber auch
verschiedene und unterschiedliche Stimmen innerhalb der europäischen Mitgliedsstaaten darüber, wie man das Niveau der Spannungen verringern sollte.

Diese

Meinungsunterschiede können entweder zu einer Polarisierung unserer Positionen
führen, oder sie können ein Beispiel dafür sein, wie Unterschiede im Bündnis
im Rahmen einer einheitlichen Politik ausgeglichen werden können.

Wenn sie

dem letzteren Ziel dienen sollen, dann ist es sowohl für die Europäer als auch
für die Amerikaner notwendig, sich darüber im klaren zu sein, daß es legitime
Gründe der Geographie und der Verantwortlichkeit gibt, die häufig nuancierte
Unterschiede in der Haltung gegenüber denselben generellen Zielen erforderlich machen.
Andere Arten transatlantischer Meinungsverschiedenheiten hinterlassen
leider verletztere Gefühle und zeigen vielleicht das Maß auf, in dem wir und
unsere europäischen Verbündeten begonnen haben, in grundlegenden Fragen zu
divergieren.

Vor zwei Jahren stellte das britische Bemühen, die Falkland-

Inseln wiederzuerlangen, die Vereinigten Staaten vor eine schwierigere Entscheidung als die meisten Europäer es - auch.heute noch - wahrhaben wollten.
doch haben wir unsere Entscheidung damals getroffen.

Und

Vor einigen Monaten hatte

ich Veranlassung, an diese Entscheidung zu denken, als wir nämlich die Erfah- 10 -

�die Erfahrung machen mußten - und zwar mit tiefem Bedauern -,

daß unsere

europäischen Freunde bei der Landung unserer Marineinfanteristen auf Grenada
schnell und öffentlicht bei der Hand waren, diese Aktion zu verurteilen.

Daß

die Europäer die Befreiung Grenadas mit weniger Enthusiasmus sehen als Amerikaner oder Grenadier, liegt - das räume ich ein - völlig im normalen und akzeptablen Bereich der Meinungsunterschiede innerhalb des Bündnisses.

Aber

wo war zu diesem Zeitpunkt die Solidarität des Bündnisses, die uns ein Jahr
zuvor noch so viel bedeutet hatte?

Wo war die Erkenntnis, daß die Vereinig-

ten Staaten vielleicht gerechtfertigt handelten, als sie das schützten, was
ihrer Meinung nach ihre nationalen Interessen waren?

Hätten unsere Freunde

nicht zumindest mit ihrem Urteil warten können, bis die sich abzeichnende Situation klarer wurde?
Im Falle Grenadas handelten wir in Übereinstimmung mit karibischen Ländern, die die Bedrohung ihrer eigenen Sicherheit durch das Regime auf Grenada
erkannten.

Die Vereinigten Staaten sind sich seit dem Ende des Zweiten Welt-

krieges in wachsendem Maße des Fluches aller Großmächte - Unilateralismus bewußt geworden und haben sich bemüht, dieser Versuchung zu widerstehen.

Wir

haben schon vor langer Zeit herausgefunden, daß eine sehr feine Linie besteht
zwischen Unilateralismus einerseits und Führung andererseits, und waren überaus bestrebt, das eine zu vermeiden und das andere uns zu eigen zu machen.
Aber es wird zunehmend schwieriger, diese Unterscheidung zu wahren, wenn unsere wichtigsten Freunde und Verbündeten nicht anerkennen, daß die Breite
unserer Interessen uns manchmal zu einer anderen Beurteilung von Bedrohungen
für diese Interessen führt, als dies bei anderen der Fall ist.
Der Ministerpräsident der jüngsten Demokratie Europas, Felipe Gonzalez
aus Spanien, hat kürzlich ein anderes, hiermit im Zusammenhang stehendes Problem angesprochen, das einige Amerikaner in letzter Zeit bekümmert hat.
"Manchmal", so sagte er, "haben wir Spanier das Gefühl, daß wir mehr auf das
Schicksal Europas vertrauen als andere Länder, die bereits in die europäischen
Institutionen integriert sind.

Tatsache ist", so fügte er hinzu, "daß Europa

zu einem großen Ausmaß von seinen eigenen Problemen besessen ist.

- 11 -

Das muß

�Das muß einfach überwunden werden."
Die Gefahr dieser wachsenden Tendenz, nach innen zu schauen, ist, daß
dies unter Umständen die potentiellen negativen Konsequenzen verstärkt, die
sich aus den sich wandelnden transatlantischen Vorstellungen von der Welt ergeben können, welche ich zuvor beschrieben habe. Es ist schwierig genug, jeder
dieser Tendenzen für sich allein entgegenzuwirken.

Wenn sie sich jedoch ver-

einen und sich gegenseitig verschärfen, dann könnten sie sich schon als ein
teufliches Gebräu erweisen.
Daß Europa von seinen internen Sorgen so sehr in Anspruch genommen wird,
ist in großem Maße eine Folge der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse
in Europa.

Das wird hoffentlich wieder besser, wenn die Prosperität zurück-

kehrt. Aber die Tendenz, die Schuld für die Rezession weitgehend den Vereinigten Staaten und unseren hohen Zinssätzen anzulasten, bildet eine andere Art
von Problem.

Was in diesem transatlantischen Dialog über Wirtschaftsfragen

vermieden werden muß, ist eine zu leichte Zufluchtnahme zu dem "Gebt Amerika
zuerst die Schuld"-Syndrom.

Denn wenn man das tut, dann verschleiert man die

fundamentaleren Mängel, die dem wirtschaftlichen Wideraufschwung im Wege stehen.

Letztlich müssen die Europäer, die über ein größeres Bruttosozialprodukt

verfügen als die Vereinigten Staaten, sich dann fragen, ob es wirklich wahr
sein kann, daß ihr wirtschaftlicher Wiederaufschwung hauptsächlich vom Leitzins in den Vereinigten Staaten abhängt.

Wir brauchen ein "klügeres" Verhältnis
Ich habe diese Probleme angeführt, weil ich zutiefst der Überzeugung bin,
daß unter Freunden über sie gesprochen werden muß, solange sie noch lösbare
Probleme sind.

Ich bin nicht der Meinung, daß sie eine grundsätzliche Kluft

zwischen den beiden Seiten des Atlantik aufzeigen, noch glaube ich, daß sie
unüberwindbar sind.

Gerade die Art und Weise, wie wir unsere Meinungsverschie-

denheiten über Sanktionen gegen die (sowjetische) Erdgasleitung hinter uns

- 12 -

�hinter uns gebracht haben, beweist das Gegenteil.

Ich habe sie nur genannt,

weil ich befürchte, daß diese Trends, wenn wir nichts gegen sie tun - zusammen mit unserer eigenen immer stärkeren Beschäftigung mit unseren Angelegenheiten in anderen Teilen der Welt, sei es in Mittelamerika, im Pazifik oder
im Nahen Osten, um nur einige zu nennen-,mit der Zeit die Bedeutung des transatlantischen Verhältnisses schwächen könnten.

Und das wäre eine Tragödie,

denn ein starkes Bündnis ist heute - und für die nächsten Jahrzehnte - der
Eckpfeiler unserer eigenen Sicherheit und Stabilität und der des Westens.

Es ist also jetzt der geeignete Augenblick für uns alle - Europäer und
Amerikaner -,uns neu zu überlegen, wohin wir zusammen gehen sollten und wie
wir dort ankommen sollten.

Vielleicht sollten wir, wie kürzlich im Wall

Street Journal zu lesen war, auf die traditionellen Alternativen zwischen
weniger oder mehr Engagement verzichten und uns stattdessen
res" (smarteres) Engagement konzentrieren.

auf ein "klüge-

Die beiden Säulen eines "klügeren"

Verhältnisses sind nach meiner Meinung:

- verstärkte Achtung der Meinungsverschiedenheiten in unserem Bündnis,
und

- eine koordiniertere Behandlung - insgesamt - aller politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen mit unseren europäischen
Verbündeten.

Ich bin der erste, der zugibt, daß ich keine Zauberformel für die Auflösung der Belastungen habe, die in den nächsten Jahrzehnten sicherlich auf
uns zukommen werden.

Ich bin jedoch der Überzeugung, daß der Beginn des

Dialogs der Schlüssel dafür ist, daß schließlich Antworten gefunden werden.
Die Tagesordnung muß weit gesteckt sein; der Institutionen, in denen sie behandelt werden kann, gibt es viele.

Und wenn man mich bitten würde, einige

der Themen zu nennen, über die man sprechen sollte, dann würde ich sagen:

Erstens, wie

- 13 -

�Erstens, wie können wir die transatlantische Zusammenarbeit in der Entwicklung der Hochtechnologie fördern? So schmerzlich und kostspielig es auch
sein mag, wir müssen erkennen, daß, falls ein Teil unseres Bündnisses auf diesem Gebiet längere Zeit ernsthaft hinter einem anderen Teil herhinkt dies die
Gesamtleistungsfähigkeit ernsthaft schwächt.
Zweitens, es ist wichtig, daß wir jetzt zu einer Ausweitung der Beschaffungspolitik des Bündnisses kommen.

Die Vereinigten Staaten - und vor allem

der Kongreß - haben ihre Verbündeten schon zu lange gedrängt, mehr von den
Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu übernehmen, ohne dabei gleichzeitig
einzusehen, daß die europäische Industrie - wenn dies geschehen soll - voll
an der Herstellung von Verteidigungsgerät beteiligt sein muß.
Drittens, wie kann die Industriewelt wirksamer mit den großen, dringenden und bisher nicht zu bewältigenden Fragen der Entwicklung in der Dritten
Welt fertig werden?
Viertens, wie können wir die zunehmenden Forderungen nach Protektionismus
auf beiden Seiten des Atlantik und in Japan überwinden? Um es konstruktiver
auszudrücken, wie können die großen Handelsnationen der Welt die Schranken
gegen einen freieren Handel zwischen uns abbauen?
Dies sind nur einige wenige der vielen Fragen, an die wir gemeinsam herangehen sollten. Aber wie auch immer unsere Tagesordnung aussehen mag, so
muß ihr Ziel und Zweck darin bestehen, beide Seiten der Partnerschaft zusammenzubringen, um die Probleme zu lösen; Trends umzukehren, die, wenn man ihnen nicht begegnet, uns auseinanderreißen werden; und - im letzten Sinne beide Seiten des Atlantik zu einer größeren Gleichheit der Anstrengungen, Erwartungen und Stärke zu bewegen. Um noch einmal das Wall Street Journal zu
zitieren: "Eine echte Supermacht braucht keinen hegemonistischen Einfluß auf
eine Ansammlung von Satellitenstaaten, sondern ein echtes Bündnis mit anderen
großen Nationen."
Die Größe
- 14 -

�Die Größe ist auf beiden Seiten des Atlantik vorhanden. Unsere Aufgabe ist es, die Mittel und Wege zu finden, um sie zum Gedeihen zu bringen,

+ + + + +

- 15 -

�14. März 1984

11

EL SALVADOR UND NICARAGUA: UNTERSCHIEDLICHE EINSTELLUNG ZUR WAHL

SAN SALVADOR - (AD) - Wer heute von der nicaraguanischen Hauptstadt
Managua nach San Salvador kommt, ist erstaunt über den Unterschied, mit dem
die Wahlen in beiden Ländern vorbereitet werden.

Während die Sandinisten sich

offensichtlich bemühen, möglichst wenig aus den Wahlen in Nicaragua zu machen,
wird in El Salvador alles daran gesetzt, um eine Beteiligung möglichst aller
Bürger herbeizuführen.

Armando Rodriguez Eguizabal, der Präsident des fünf-

köpfigen Zentralen Wahlrates, betont, daß die Parteiinteressen hintangestellt
werden, denn die Wahlen "sind eine Frage von nationalem Interesse".
Die Wahlen in Nicaragua am 25. März 1984 werden nicht nur nach amerikanischer Ansicht der dortigen Regierung eine stärkere demokratische Grundlage
geben und der Kritik im amerikanischen Kongreß und in Teilen der amerikanischen
Öffentlichkeit die Grundlage entziehen.

Im amerikanischen Außenministerium

wird darauf hingewiesen, daß der neue Präsident der erste freigewählte Präsident in 50 Jahren sein werde.

Damit könne auch ein Reformprogramm durchgeführt

und eine Versöhnung mit der Guerilla angestrebt werden.
Der Zentrale

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Zentrale Wahlrat, der aus Vertretern der fünf in der Nationalversammlung vertretenen Parteien besteht, arbeitet mit rund 800 Angestellten
und über 150 Computerterminals fieberhaft an der Erstellung einer kompletten
Wählerliste.

Das Gerät wurde mit Hilfe eines nichtrückzahlbaren Kredites

des amerikanischen Amtes für Internationale Entwicklung (AID) in den Vereinigten Staaten gekauft.

Bisher wurden rund 14 Millionen Dokumente - Geburts-

und Sterbeurkunden - auf Mikrofilm aufgenommen.

Damit läßt sich die Gültig-

keit der für den Wahl gang erforderlichen Personalausweise - Cedulas - sofort
kontrollieren.
Der von der Nationalversammlung eingesetzte Zentrale Wahl rat - unter
der Leitung von Rodriguez, der der Nationalen Koalitionspartei angehört ist völlig unabhängig,und seine Arbeit steht jedermann zur Einsicht frei.
Täglich kommen Hunderte von Personen, um die Gültigkeit ihres Personalausweises überprüfen und sich, wenn notwendig, einen neuen ausstellen zu lassen.
Im Gegensatz zu Nicaragua, wo ein Staatsrat, der von einer überwältigenden Mehrheit der Sandinisten beherrscht wird, offensichtlich alles daransetzt, die Guerilla von den Wahlen am 4. November auszuschließen, wird in
El Salvador alles versucht, alle Bürger an die Wahlurne zu bringen.

"Ich

bin erst kürzlich mit einem Vertreter der Guerilla in Kolumbien zusammengetroffen", berichtet Rodriguez, "und habe sie zur Teilnahme aufgefordert".
Die Antwort?

"Die beste Antwort, die ich bekam, war die, daß sie sich nicht

in die Wahlen einmischen werden.

Ich hoffe, sie halten ihr Wort."

Die Regierung in El Salvador hat immer wieder versucht, die Guerilla
zu einer Aufgabe des Kampfes und einer Integration in den demokratischen Prozeß zu bewegen. Der provisorische Präsident Alvaro Magana hat diese Absicht
erst in einem Interview am 22. Februar wieder bekräftigt.
Noch immer versucht der Zentrale Wahlrat die Tür für die Guerilla offen
zu halten, obwohl der Wahltermin rasch näher rückt.
Gesetzesänderung vorschlagen.

"Ich würde sogar eine

Ich würde versuchen, einen Weg zu finden", so

- 2 -

�finden", so betont Rodriguez. Nach seiner Auskunft hat der Rat zu den Wahlen Beobachter aus 55 Ländern, der Organisation der Amerikanischen Staaten,
der Vereinten Nationen, von Amnesty International und anderen internationalen Organisationen eingeladen.
"Wichtig ist", so erklärte Rodriguez, "daß nach einer Umfrage in jüngster
Zeit 95 Prozent der Wahlberechtigten den Wunsch geäußert haben, am 25. März
zu wählen. Wir dürfen sie nicht enttäuschen."

Es wird etwa 7000 Wahllokale

im ganzen Lande geben -• doppelt so viel wie 1982. Damit dürfte die Wahl
rascher über die Bühne gehen,und es wird keine langen Schlangen vor den Wahllokalen mehr geben. Die Auszählung erfolgt durch drei Wahlleiter in Gegenwart der Vertreter der politischen Parteien, und es werden mehrere Kopien des
Wahlergebnisses gemacht.

Das Original wird an den Zentralen Wahl rat in San

Salvador, Durchschläge an die KreisVerwaltungen und die Parteien gesandt.
Es könnte auch Versuche der Guerilla geben, die Wahlen zu stören, obwohl sie das Gegenteil zugesagt hat. Präsident Magana erklärte jedoch, daß
die Regierung in der Lage sei, die Sicherheit der Wähler zu garantieren.

In

diesem Zusammenhang hat die Reagan-Administration in Washington betont, daß
El Salvador zusätzliche Militärhilfe brauche, um die Armee in die Lage zu
versetzen, einen echten Schutzschild für die Wähler zu gewähren.
Während in El Salvador trotz eines Belagerungszustandes wegen der
Guerilla zahlreiche Partei Versammlungen und Kundgebungen stattfanden, war
in Nicaragua trotz der Versprechungen der Sandinisten davon nichts zu spüren.

Obwohl die Wahlen nur noch acht Monate entfernt sind, haben die San-

dinisten nicht einmal ein Wahlgesetz ausgearbeitet.

Offensichtlich soll die

Zeit eines möglichen Wahlkampfes möglichst kurz bemessen werden, um der
Opposition keine Chance zu geben, sich zu profilieren.
Oppositionspolitiker und westliche Diplomaten in Managua glauben, daß
die Sandinisten eine Wahl mit sicherem Ausgang - ihrer Bestätigung - zu inszenieren versuchen, während man in El Salvador dem Willen der Wähler freien
Lauf geben will.
+ + + + +
- 3 -

�Wi//en/chcift
und Technik

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

14. März 1984

LEISTUNGSFÄHIGERE MIKROCHIPS

- (AD) - Die herkömmlichen Speicherchips für Computer enthalten "nur"
64 000 Informationseinheiten.

Diese Kapazität ließe sich mit verbesserten

Produktionsverfahren für RAM-Chips schließlich auf eine Million Bits steigern,
meinen Fachleute der Mikroelektronik.

Der Wettlauf zwischen Hochtechnologie-

Ländern ist bereits in vollem Gang, allerdings dürfte das Traumziel von
1 000 000 Bits noch in weiter Ferne liegen.

Zur Zeit wird nach wirtschaft-

lichen Verfahren gesucht, mit denen die Schaltzellendichte auf gleicher
Fläche auf mindestens 256 000, vielleicht auch auf 512 000 Bits erhöht werden kann.

(RAM ist die Abkürzung von "random access memory - frei programmier-

barer Schreib- und Lesespeicher.)
Wie die "National Science Foundation" (NSF), die Nationale Forschungsstiftung der Vereinigten Staaten, kürzlich mitteilte, konnten Wissenschaftlergruppen von der Universität Utah in Salt Lake City und der Firma IBM in
San Jose, Kalifornien, durch die Kombination einer neuen Belichtungstechnik
mit einem in seiner Zusammensetzung entsprechend veränderten lichtempfindlichen Lack auf der Siliziumscheibe einen Weg zur Herstellung leistungsfähiger
Chips ohne nennenswerte Steigerung der Produktionskosten aufzeigen.
Das Grundmaterial

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Grundmaterial für Chips sind Scheiben von Silizium-Einkristallen.
Diese Scheiben werden mit einer dünnen lichtempfindlichen Lackschicht
(Polymer-Material) überzogen.

Von den vorgezeichneten Leiterbahnen, einer

komplizierten Straßenkarte ähnlich, fertigt man Fotomasken an, deren Abbild
sich durch optische Verfahren auf die lichtempfindliche Schicht übertragen
läßt.

Beim Entwickeln werden bestimmte Partien herausgeätzt, so daß sich,

wie Dr. Josef Michl von der Universität Utah sagt, "eine ganz flache Oberfläche in eine reliefartige Oberfläche verwandelt.

Das 'Netzwerk' von Tä-

lern und Höhen wird letztlich von der im Silizium enthaltenenen Struktur bestimmt."

In den freiliegenden Regionen kann das Silizium durch Behandlungs-

prozesse, z.B. Dotierung mit Fremdatomen oder Oxydation, in seinen elektrischen
Eigenschaften verändert werden.

Die Scheiben werden schließlich zu Chips ge-

schnitten, die nach ihrer Funktionsprüfung einsatzbereit sind.
Mehr Informationen ließen sich nach Überzeugung Michls in die Chips
packen, wenn die Reliefelemente kleiner gehalten werden könnten.

Und da

die Chip-Herstellung hauptsächlich mit optischen Projektionsverfahren erfolgt, ist die Wellenlänge des zur Belichtung verwendeten Lichtes eines der
Kriterien, die die kleinsten noch druckfähigen Dimensionen der Struktur bestimmen.

Gegenwärtig geschieht die Belichtung hauptsächlich durch Licht aus

dem Spektralbereich des sichtbaren Lichtes.

Theoretisch wäre aber bei Ver-

wendung von Licht aus dem mittleren Ultraviolett-Bereich eine bessere Auflösung zu erreichen.
Die derzeit größte technische Schwierigkeit ergibt sich aus der Tatsache, daß die meisten kommerziell verfügbaren Lacke den besten Wirkungsgrad bei Belichtung im sichtbaren Licht erreichen und unter Einwirkung von
Licht kürzerer Wellenlängen unempfindlicher sind.

Um maximale Empfindlich-

keit herauszuholen, muß das Material in seinen spektralen Eigenschaften auf
die Wellenlänge zugeschnitten sein, die man anwenden will.
Mit Hilfe quantenmechanischer Berechnungen gelang es Dr. Michl und
Dr. John W. Downing, beide theoretische Chemiker an der Universität Utah,

- 2 -

�Universität Utah die Auswirkungen von Strukturveranderungen des lichtabsor
s e n d e n Moleküls 1. Lackstoff auf sein Absorptionsspekt um vo h

= -;.

**. -en. ^ *^si rsr r-

y theseverfa ren zur Herstellung der Schlüsselkomponenten, die s
w1hen als vielversprechend in zwei „ eU en lichtempfindlichen Lacken r I n
erw1e
'Ein Beispiel dafür, wie theoretische Vorhersaoer „i„ &lt;: • ,.
«n.
bringen können«, »eint Dr. Mich! »Da
Synt e S e p r o g r a m r a ,„ Gang
uas spart
.,
. J
ungemein viel Zeit und Mühe
ei »an Ja andernfalls Dutzende von Verbindungen synthetisieren müßte, M s
endlich ein annehmbarer Kandidat gefunden ist."
Dr. Hichl zufolge lassen sich mit den modifizierten Fotolacken Drucke
in leinenen Abmessungen bei geringerer Belichtungszeit herstellen Dies
sol te die Produktion von mikrochips ermöglichen, in die unter Weiterverwendung der vorhandenen lithographischen DruckausrUstungen eine sehr viel
größere Dichte an Informationseinheiten verpackt „erden könnte. Die Forschung befaßt sich bereits mit der Frage, wie Licht noch kürzerer wellenlangen, u.a. Röntgenstrahlen, mit geeigneten Lackmaterialien zu kombinieren
wäre.

+ + + + +

-3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan: USA bleiben den NATO-Zielen weiterhin verpflichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 35. Jahrestag der NATO -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weinberger: Abzug amerikanischer Truppen würden freie Welt ernsthaft schwächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einem EURONET-Fernsehinterview -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das transatlantische Verhältnis - Eine langfristige Perspektive&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Lawrence Eagleburger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;El Salvador und Nicaragua: Unterschiedliche Einstellung zur Wahl&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leistungsfähigere Mikrochips</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21. März 1984

12

INHALT

DOKUMENTATION
USA:

Sowjets dürfen Rüstungskontroll vertrage nicht ungestraft brechen

- Ausführungen von Unterstaatssekretär Perle vor dem Senat -

HINTERGRUNDMATERIAL
Neue Wege des Westens zur europäischen Stabilität
- Von James Goodby Botschafter der USA bei der KVAE in Stockholm

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bergung eines Satelliten
- Hohe Anforderungen beim 11. Raumtransporterflug

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21. März 1984

12

USA: SOWJETS DÜRFEN RÜSTUNGSKONTROLLVERTRÄGE NICHT UNGESTRAFT BRECHEN
- Ausführungen von Unterstaatssekretär Perle vor dem Senat -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für internationale Sicherheitspolitik im amerikanischen Verteidigungsministerium, Richard Perle, hat
vor dem Militärausschuß des Senats am 14. März 1984 darauf hingewiesen, daß
Verletzungen von Rüstungskontroi labkommen durch die Sowjetunion an die Öffentlichkeit gebracht werden müßten, um zu verhindern, daß die Sowjets daraus
einen Vorteil gewinnen könnten.

Eine Rüstungskontrolle ohne sowjetische Ein-

haltung laufe auf eine einseitige Abrüstung des Westens hinaus.

Wenn die

Vereinigten Staaten sowjetische Verletzungen publizierten, dann könnten sie
sie auch belegen - im Gegensatz zu den propagandistischen Behauptungen der
Sowjets bezüglich angeblicher amerikanischer Verletzungen.
Die Ausführungen Perl es vor dem Ausschuß haben folgenden Wortlaut:
Trotz des unglücklichen Inhalts meines Berichtes ist es mir ein Vergnügen, vor dem Militärausschuß des Senats zu erscheinen.

Ich bin gebeten

worden, heute über sowjetische Verletzungen wichtiger Rüstungskontrollabkommen zu sprechen.

Wie Präsident Reagan schon im Juni 1982 auf der Sondersit-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�der Sondersitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum Thema Abrüstung sagte, "stärken Abkommen nur dann den Frieden, wenn sie eingehalten
werden.

Sonst bauen wir uns ein Luftschloß, das durch den Sturm des Krieges

hinweggeweht wird."
Nach einer einjährigen intensiven Studie sowjetischer Einhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen legte Präsident Reagan am 23. Januar 1984
dem Kongreß einen Bericht darüber vor.

Er faßte die Erkenntnisse des Berich-

tes wie folgt zusammen:
"Die Regierung der Vereinigten Staaten hat festgestellt, daß die Sowjetunion das Genfer Protokoll über chemische Waffen, die Konvention über das Verbot biologischer Waffen, die Schlußakte von Helsinki und zwei Bestimmungen
von SALT II - Verschlüsselung des Funkverkehrs und eine Regelung der ICBMModernisierung - verletzt.

Darüber hinaus haben wir festgestellt, daß die

Sowjetunion mit größter Wahrscheinlichkeit den ABM-Vertrag, mit großer Wahrscheinlichkeit das Verbot der Dislozierung von SS-16-Raketen - wie in SALT II
festgelegt - und wahrscheinlich auch den Vertrag über die Begrenzung unterirdischer Kernexplosionen verletzt hat."
Dies sind ernste Fragen. Unsere Besorgnisse werden durch die Tatsache
verstärkt, daß die sowjetischen Verletzungen in einer Reihe von Fällen Verträge betrafen, deren Bestimmungen gar nicht sehr fordernd sind - wie beispielsweise SALT II. Selbst die strikteste Einhaltung von SALT II würde
eine enorme Zunahme der sowjetischen Nuklearkapazität erlauben. Seit der
Unterzeichnung von SALT II im Jahr 1979 ist denn auch die Zahl der auf die
Vereinigten Staaten gerichteten sowjetischen Nukleargefechtsköpfe um fast 75
Prozent gestiegen. Die Tatsache, daß die Sowjetunion selbst darüber hinausgegangen ist und wichtige Vertragsbestimmungen verletzt hat, ist Anlaß zu
ernster Sorge.
Ein weiterer Grund zur Besorgnis ist die Tatsache, daß, wie Verteidigungsminister Weinberger in seinem jüngsten Bericht an den Kongreß bemerkt

- 2 -

�Kongreß bemerkt hat, "mehrere dieser Verletzungen schon vor vielen Jahren
durch sowjetische Behörden geplant gewesen sein müssen, ja, in einigen Fällen schon zu dem Zeitpunkt, als die Sowjets die Verträge eingingen."
Die sowjetischen Rüstungskontroll Verletzungen bringen ernste potentielle
Sicherheitsrisiken mit sich.
abwehr-Raketen (ABM).

Dies gilt besonders auf dem Gebiet der Raketen-

Da der ABM-Vertrag nicht die Produktion von ABM-Abfang-

raketen einschränkt, die ziemlich schnell disloziert werden können, sind die
für Radar vorgesehenen Begrenzungen das Kernstück des Vertrages, da man Jahre
braucht, um große Radaranlagen zu bauen.
optimales Rüstungskontrollabkommen.

Der ABM-Vertrag ist sicherlich kein

Viele seiner Bestimmungen sind dehnbar

und stellen damit ein kalkuliertes Risiko dar.

Selbst 1972 schon war die

sowjetische Radarbasis umfangreicher als die der damals vorgeschlagenen amerikanischen ABM-Abwehr.

Eine einseitige Erklärung der amerikanischen Regie-

rung während der SALT I-Verhandlungen stellte fest:

"Da die sowjetischen Vor-

warnradareinrichtungen Raketengefechtsköpfe bereits in großen Entfernungen
orten und verfolgen können, haben sie ein großes ABM-Potential."

Die neuen

sowjetischen Weitwinkelradaranlagen, die jetzt in beträchtlicher Zahl errichtet worden sind, sind weit leistungsfähiger als die vorhin genannten.
Die Vereinigten Staaten haben sich seit langem Sorgen über das ABMPotential der sowjetischen Weitwinkelradaranlagen gemacht.

Schon 1970 hat

der damalige amerikanische Verteidigungsminister Melvin R. Laird dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats erklärt:

"Sie alle wissen, daß bezüglich der

ABM-Verteidigung die Teile mit langer Anlaufzeit die Ortungs- und Verfolgungsradaranlagen sind."

Bald nach der Unterzeichnung des ABM-Vertrages begannen

die Sowjets mit dem Bau einer neuen Generation von großen Weitwinkelradaranlagen, die weit besser in der Lage sind, ein großes ABM-Programm zu tragen,
als die vorhin genannten.

Während der Carter-Administration wurde sogar be-

richtet, daß "sowjetische Weitwinkelradaranlagen, die dazu dienen könnten,
Einschlagvorhersage und Zielfindung für den Kampfeinsatz von ABM zu verbessern, an verschiedenen Orten der UdSSR im Bau sind.

Diese Radaranlagen könn-

ten sowohl Kampfeinsatzfunktionen übernehmen als auch weitreichende Raketenvorwarnung bieten."
Mitte 1983

�Mitte 1983 entdeckten die Vereinigten Staaten den Bau einer dieser Radaranlagen tief im Innern der UdSSR in der Nähe von Krasnojarsk.

Nach einer ein-

gehenden Prüfung dieser Radaranlage, ihrer Fähigkeit und der sowjetischen Erklärungen für ihren Bau kam die amerikanische Regierung zu dem Schluß, daß
"die neue im Bau befindliche Radaranlage bei Krasnojarsk mit größter Wahrschein
lichkeit eine Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen im Rahmen des ABM-Vertrages von 1972 darstellt, da die Wahl des Ortes, die Orientierung und die Kapazität durch den Vertrag verboten sind."
Wir haben weitere ernste Besorgnisse dahingehend, daß die Sowjets den
ABM-Vertrag nicht einhalten.

Während der Verhandlungen über den Vertrag hat

die amerikanische Regierung versucht, mit der Drohung fertig zu werden, daß
sowjetische Bomberabwehr-Raketen (SAM) in ABM-Systeme einbezogen werden könnten.

Vor allem hat uns hier die SA-5 Sorgen bereitet.

In den bereits erwähn-

ten Ausführungen hat Verteidigungsminister Laird schon damals Besorgnisse
über das ABM-Potential der sowjetischen SA-5 geäußert und erklärt, "wir können
die Möglichkeit nicht ausschließen, daß die Sowjets diesem System, das als
SA-5 oder Tallinn-System bezeichnet wird, eine ABM-Rolle gegeben haben oder
geben werden.
möglich ist.

Wir sind der Überzeugung, daß dies bei diesem System technisch
Das ist ein Problem, das uns wegen des Ausmaßes der Dislozie-

rung - über 1000 Abschußeinrichtungen für Abfangraketen - besondere Sorge bereitet."

Die Vereinigten Staaten gaben sich mit einem Verbot der Erprobung

solcher SAM-Raketen für ABM-Aufgaben zufrieden, aber es wurde nicht genau
definiert, was darunter zu verstehen wäre.
Im Laufe der Jahre haben wir der Sowjetunion gegenüber unsere Besorgnis
über die Erprobung von SAM-Radaranlagen gegen strategische Raketen zum Ausdruck gebracht. Ein Bericht der Carter-Administration von 1978 stellte fest,
daß diese Aktivität "Teil einer Bemühung sein könnte, das SA-5-System für eine
ABM-Rolle zu verbessern oder Daten für die Entwicklung von ABM-Systemen oder
eines neuen SAM/ABM-Systems zu sammeln»" Darüber hinaus haben die Sowjets
ein schnell dislozierbares ABM-System entwickelt. Ferner ist, wie die
Scowcroft-Kommission in ihrem Bericht festgestellt hat, "zumindest ein neues

- 4 -

�ein neues sowjetisches Defensivsystem darauf ausgerichtet, Abwehrfähigkeiten
gegen Raketen mit kurzer Reichweite zu haben; es könnte vielleicht für den
Einsatz gegen Gefechtsköpfe einiger unterseebootgestützter Raketen oder sogar
Interkontinentalraketen verbessert werden."

Zwei der neuen sowjetischen SAM,

die jetzt entwickelt werden - die SA-10 und die SA-12 - könnten ein ABM-Potential haben, wenn sie Daten von Weitwinkelradaranlagen bekämen.
Was den SALT II-Vertrag angeht, so haben wir festgestellt, daß eine Reihe
von Verletzungen oder wahrscheinlichen Verletzungen stattgefunden hat. Wir
sind der Überzeugung, daß die Sowjets wahrscheinlich die SS-16-Interkontinentalrakete (ICBM) in Verletzung einer ausdrücklichen Vertragsbestimmung;disloziert haben.

Die Sowjets haben entweder einen zweiten neuen Typ von ICBM

unter Verletzung einer Vertragsbestimmung flugerprobt, oder sie haben unzulässige Veränderungen an einem bestehenden Typ vorgenommen.

Wir sind der

Überzeugung, daß es sich bei der sowjetischen SS-X-25 wahrscheinlich um einen
zweiten neuen Typ handelt - unter Verletzung der Vertragsbestimmung, die nur
einen neuen Typ erlaubt.
Die Begrenzung auf einen einzigen neuen Typ von ICBM wurde von der
Carter-Administration als eine der grundsätzlichen Begrenzungen von SALT II
bezeichnet.
zitieren:

Um den damaligen Außenminister Cyrus Vance aus dem Jahr 1979 zu
"Auf der Grundlage ihrer (der Sowjets) früheren Praxis kann man

davon ausgehen, daß sie bis 1985 mehrere völlig neue Typen von landgestützten
Raketen beschaffen könnten; der Vertrag begrenzt sie auf einen Typ."

Obwohl

die Begrenzung auf einen "neuen" Typ sicherlich nicht so restriktiv war, wie
es die Carter-Administration darstellen wollte, so war doch das eine, auf dem
die Carter-Administration bestand, daß der SALT II-Vertrag die Erprobung sowohl einer neuen Mittelstreckenrakete als auch einer neuen kleinen FeststoffInterkontinentalrakete verbot.

Die Sowjets besitzen heute beides. Sie haben

eine neue mittlere ICBM mit Feststoffantrieb erprobt, die unsere" MX entspricht,
sowie die SS-X-25, eine Rakete mit Feststoffantrieb in der Größe unserer
MINUTEMAN.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben festgestellt, daß die Verschlüsselung
des Funkverkehrs bei Raketenstarts unsere Verifizierung von SALT gefährdet,
was eine Verletzung des Abkommens darstellt.

Dies ist eine ernste Entwicklung,

weil sie auch unsere Fähigkeit berührt, einen verifizierbaren START-Vertrag
auszuhandeln.

Präsident Carter hat im Juni 1979 auf einer gemeinsamen Sitzung

beider Häuser des Kongresses erklärt, daß "eine Verletzung dieses Teils des
Vertrags, die wir rasch feststellen können, genau so ernst zu nehmen wäre wie
eine Verletzung der Begrenzung der strategischen Waffen selbst."

Der Außen-

politische Ausschuß des Senats war über die Verschlüsselung des Funkverkehrs
im Jahr 1979 so besorgt, daß er der Ratifikationsresolution eine Absichtserklärung hinzufügte, die von Senator Biden eingebracht und mit 15 gegen null
Stimmen angenommen wurde.

Sie sah vor:

"Daß jede Praxis bezüglich der Weitergabe von telemetrisehen Informationen
während der Erprobung von strategischen Waffen, die durch den Vertrag begrenzt
sind, einschließlich, aber nicht ausschließlich der Nichtweitergabe von relevanten telemetrisehen Daten, die zur Behinderung der Verifizierung durch nationale technische Mittel der Vereinigten Staaten führen würde, in der Ständigen Konsultativ-Kommission vorgebracht wird; und falls die Angelegenheit
nicht zur Zufriedenheit der Vereinigten Staaten geklärt werden kann, behalten
sich die Vereinigten Staaten das Recht vor, alle anderen verfügbaren Mittel
zur Behebung anzuwenden, einschließlich, jedoch nicht ausschließlich des
Rechts auf Rücktritt vom Vertrag."
Sowjetische Verletzungen der Verträge über chemische und biologische
Waffen sind mehr als nur einfache Rüstungskontrollverletzungen. Es handelt
sich um Greueltaten. Diese Waffen sind gegen wehrlose Menschen eingesetzt
worden in einer organisierten Anstrengung, sie aus ihrer Heimat zu vertreiben, indem Tausende getötet wurden. Daß heute in den Zeitungen weniger über
den Einsatz dieser Waffen berichtet wird, nutzt den Tausenden wenig, die gestorben sind, und nichts kann die Sowjets von acht Jahren grausamer und unmenschlicher Angriffe mit tödlichen Mykotoxinen freisprechen.
Die Verletzung

�Die Verletzung der Schlußakte von Helsinki durch die Sowjetunion zeigte
sich auch in Aktionen, die den vertrauensbildenden Maßnahmen zuwiderliefen,
die in diesem Übereinkommen enthalten sind.
Die sowjetische Erprobung von Kernwaffen, die unserer Überzeugung nach
die 150-Kilotonnen-Begrenzung überschritten haben, wie sie im Vertrag über
die Begrenzung unterirdischer Kernexplosionen festgelegt wurde, könnte die
Entwicklung verbesserter Gefechtsköpfe für ihre strategischen Waffensysteme
zur Folge haben.
Die Verletzung solcher Abkommen ist jedoch bedeutsamer als die unmittelbaren militärischen Konsequenzen derlei Akte an sich,

Denn sie wirft Fra-

gen hinsichtlich der Integrität des Rüstungskontrollprozesses auf, die weit
größere Tragweite haben als die kurzfristigen militärischen Wirkungen.

Trotz

vieler Worte in den siebziger Jahren über die schrecklichen Folgen der Verletzungen von Rüstungskontrollvertragen für die Sowjetunion ist ja deutlich,
daß die Einhaltung dieser Verträge nur unter extremen Schwierigkeiten überprüft werden kann»

Noch immer gibt es jene, die ein Beweisnetz fordern, das

durch nationale technische Mittel der Verifizierung ganz einfach nicht erbracht werden kann.

Dann wieder gibt es andere, die der Meinung sind, wir

sollten Verletzungen ganz und gar ignorieren, weil sie militärisch nicht bedeutsam seien.

Wiederum andere erklären, derlei sowjetische Verletzungen sei-

en irgendwie sogar unsere Schuld - weil wir den Sowjets gegenüber in der Ständigen Konsultativkommission (SCC) nicht hartnäckig genug aufgetreten seien.
Und dann gibt es sogar diejenigen, die den Vorschlag machen, wir sollten diese
Fragen einfach unter den Teppich kehren, weil sie das Klima für künftige
Rüstungskontrolle nur verderben würden.
Unsere Entscheidung, diese sowjeischen Verletzungen zu veröffentlichen,
traf auf einige Kritik.

Manches davon ist ein Echo auf die Kritik der

RüstungskontrollVereinigung (ACA), ohne deren grundlegenden Vorwurf zu wiederholen:

"Verletzungen von RüstungskontrollVereinbarungen dürfen weder

übersehen noch entschuldigt werden."

Vielleicht wäre der Ton auf der Presse-

- 7 -

�der Pressekonferenz der RListungskontroll Vereinigung ein anderer gewesen,
hätte man das Angebot der Administration angenommen, ihr vor ihrer Pressekonferenz nichtöffentliche

Informationen über den Bericht zu geben.

Sie

entschloß sich jedoch zu ihrer Pressekonferenz, noch bevor eine solche Information gegeben werden konnte, ja sogar, bevor der Abschlußbericht überhaupt beendet und dem Kongreß vorgelegt wurde.
Das grundlegende Mißverständnis der ACA besteht darin, daß man unterstellt, die sowjetischen Rüstungskontroll Verletzungen seien irgendwie unser
Fehler, weil wir bis in jüngste Zeit hinein SALT II-Fragen nicht bei der
Ständigen Konsultativkommission aufgeworfen hätten.
nicht.

Dies stimmt ganz einfach

Wir haben dort zum erstenmal in der Frühjahrssitzung 1981 SALT II-

Themen zur Sprache gebracht. Zudem wurde darüber auf diplomatischem Weg gesprochen; und wir forderten 1983 eine Sondersitzung der Kommission, die
Sowjets lehnten eine Teilnahme jedoch ab.
Tatsache ist, daß die SCC über die Jahre hinweg sich in großem Maß als
erfolglos dabei erwiesen hat, Probleme der Einhaltung von Abkommen zu lösen.
Leider hatten frühere Administrationen die Wirksamkeit der SCC übertrieben
dargestellt, um damit dem amerikanischen Kongreß unverifizierbare Rüstungskontroi labkommen "verkaufen" zu können. Botschafter Paul Nitze hatte 1979
recht, als er während der SALT II-Anhörungen erklärte: "Sie (die Probleme
der Einhaltung) wurden dadurch gelöst, daß man akzeptierte, was durch Verletzungen getan worden war." Man kann darüber streiten, ob die Punkte der
siebziger Jahre Verletzungen oder überlistungen oder beides waren. Es gibt
jedoch keinen Zweifel darüber, daß sich die Sowjets als bemerkenswert geschickt erwiesen haben, wenn es darum ging, Ambiguitäten von Rüstungskontroi 1vereinbarungen auszunützen und somit Handlungen fortzuführen, die der Intention der einen Partei zufolge - nämlich uns - durch die Vereinbarung ausgeschlossen sein sollten. Dabei haben die Sowjets nicht gezögert, uns absichtlich und nur allzu erfolgreich in die Irre zu führen, um ihre Ziele zu
erreichen. Während wir den Geist von Abkommen als richtungweisend für ihre
Erfüllung ansehen, so ist dies bei den Sowjets nicht der Fall. Sie machen

�Sie machen sich nichts aus dem Geist von Abkommen und nicht viel mehr aus
ihrem Buchstaben, wenn es ihren Zwecken nützt. Dies ist eine traurige Anmerkung; aber die Wahrheit ist nicht immer schön.
Die Vorwürfe, die wir der Sowjetunion gegenüber erheben, sind das Ergebnis einer äußerst intensiven und ein Jahr lang währenden Studie der sowjetischen Einhaltung der Bedingungen.
lage und die Verhandlungsbasis.

Wir untersuchten sorgfältig die Beweis-

Diese Vorwürfe sollten nicht mit der sowje-

tischen Propaganda vermischt werden, wie sie in dem Aide-mlmoire enthalten
ist, das von der sowjetischen Regierung veröffentlicht wurde.

Die Sowjets

wissen nur zu gut, daß wir unseren Rüstungskontrollverpfl ichtungen voll und
ganz gerecht werden.
Verletzungen von Rüstungskontrollvertragen oder Versuche zur Ableugnung solcher Verletzungen oder ihrer Bedeutung sind nichts Neues.

In den

dreißiger Jahren kämpfte Sir Winston Churchill bereits einen einsamen Kampf
gegen diese Tendenzen.

1933 warnte er als erster vor Hitlers Verletzungen

der Rüstungskontrollbestimmungen des Versal 11 er Vertrages. Seine Enthüllungen aber wurden ungläubig abgetan.

Die Labour Party hatte gerade eine wich-

tige Nachwahl vor dem Hintergrund einer pazifistischen Wahlplattform gewonnen. So stellte denn Sir Winston 1933 fest, daß diese pazifistischen Politiker "...sich vorstellten, daß Deutschland vielleicht ein paar tausend Gewehre mehr hätte, als es der Vertrag erlaubte, ein paar mehr Pfadfinder";
daß sie dann aber "von den gewaltigen Armeen der Tschechoslowakei und Polens
und Frankreichs sprachen mit ihren Tausenden von Kanonen und so fort.
ich diesem Bild glauben könnte, würde ich mich viel wohler fühlen.
kann es nicht.

Wenn

Aber ich

Die große, entscheidende Tatsache ist die, daß Deutschland

bereits mit der Wiederbewaffnung begonnen hat."

Churchills Warnungen wurden

nicht beachtet.
1934 warnte Sir Winston Churchill die britische Regierung abermals hinsichtlich der deutschen Einhaltung der Rüstungskontrollbestimmungen des
Versailler Vertrages und erklärte im Unterhaus, daß "...das schlimmste Ver-

- 9 -

�schlimmste Verbrechen darin besteht, der Öffentlichkeit nicht die Wahrheit
zu sagen.

Und ich glaube, wir müssen die Regierung darum ersuchen, uns Sicher-

heit darüber zu geben, daß Deutschland seine Vertragsverpflichtungen hinsichtlich seiner Luftwaffe beachtet hat und noch beachtet."

Leider versicherte die

britische Regierung dem britischen Volk - im Gegensatz zu den Tatsachen -, daß
Hitler den Versailler Vertrag nicht verletze.
Sogar 1935 noch ignorierte die britische Regierung Hitlers Rüstungskontroll Verletzungen und weigerte sich sogar einzugestehen, daß die Deutschen
die Begrenzungen beim Bau von Kriegsschiffen verletzten.
te im Unterhaus:

Sir Winston schimpf-

"... sogar Schlachtschiffe werden gebaut.

Ich weiß nicht,

wie es dazu kommen konnte, daß das Marineministerium ohne die Informationen
blieb, daß sogar - im Widerspruch zum Vertrag - Schlachtschiffe gebaut werden.

Vor dem (Ersten We1t)Kneg

waren wir der Ansicht, daß es nicht möglich

sei, Kriegsschiffe ohne unser Wissen zu bauen.

Gemäß dem Vertrag durften die

Deutschen 10 000-Tonnen-Schiffe bauen; in einem Versteckspiel, das das Marineministerium nicht zu durchschauen in der Lage war, gelang es den Deutschen jedoch, diese in 26 000-Tonnen-Schiffe umzuwandeln.

Seien wir vorsichtig, wenn

wir sehen, wie sich all diese so äußerst unangenehmen Dinge ereignen!"
Die britische Regierung war nicht vorsichtig.
Hitlers Rüstungskontroll Verletzungen.

Sie ignorierte weiterhin

Und so schlief England, bis es zu spät

war, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern.
Diese Administration ist der Aushandlung wirksamer, sinnvoller und verifizierbarer Abkommen zur Rüstungsverringerung verpflichtet.

Dies kann nicht

dadurch erreicht werden, daß man die sowjetischen Rüstungskontroll Übertretungen ignoriert und so tut, als gäbe es keine.

Rüstungskontrolle ohne Ein-

haltung durch die Sowjets ist nichts anderes als eine Übung in einseitiger
Abrüstung.

Wenn es auch nur die geringste Hoffnung geben soll, daß dadurch

unsere Sicherheit erhöht wird, dann müssen Rüstungskontroi labkommen eingehalten werden.
Wenn es
- 10 -

�Wenn es um die Ausformulierung künftiger Rüstungskontroll vorschlage
geht, dann muß das bisherige sowjetische Verhalten hinsichtlich der Einhaltung von RüstungskontrollVereinbarungen voll in Rechnung gestellt werden.
Die Tatsache, daß die Sowjets in der Vergangenheit unehrlich waren, schließt
die Möglichkeit für beiderseitige vorteilhafte Abkommen in Zukunft nicht aus;
aber sie schließt den Typus ineffizienter Abkommen aus, die sich auf Wunschdenken gründen und die wir in der Vergangenheit ausgehandelt haben - und die
auch heute noch von manchen vorgeschlagen werden.
Wir werden auc-h weiterhin darauf drängen, daß die Sowjets sich hier
korrigieren. Wir müssen jedoch sehen, daß das Problem sowjetischer Rüstungskontroll Verletzungen bislang noch nicht gelöst ist. Damit es nicht zu einer
Ausweitung derartiger sowjetischer Übertretungen kommt, müssen wir darauf
achten, daß solche Verletzungen für die Sowjets mindestens so hohe Kosten mit
sich bringen, wie sie sich daraus Vorteile erhoffen. Angesichts dieser Verletzungen ist eine umfassende Finanzierung des strategischen Waffenprogramms
des Präsidenten von entscheidender Bedeutung.

Wir sind derzeit dabei, die

Auswirkungen dieser Verletzungen auf unsere mittel- und langfristigen Programme einer Bewertung zu unterziehen.

Es ist allerdings offenkundig, daß

die gewaltige Stoßkraft des strategischen Waffenprogramms der Sowjets anhält
und durch die bestehenden Verträge nahezu unbehindert bleibt.

+ + + + +

- 11 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12

21. März 1984

NEUE WEGE DES WESTENS ZUR EUROPÄISCHEN STABILITÄT
- Von James Goodby Botschafter der USA bei der KVAE in Stockholm

- (AD) - Die 35 Signatarstaaten der Schlußakte von Helsinki aus dem
Jahr 1975 setzen mit ihrer Stockholmer Konferenz ihre

Suche nach mehr Sicher-

heit und Zusammenarbeit in Europa und ihre Bemühungen um eine Verringerung
der Kriegsgefahr fort.
Die Vereinigten Staaten sind ein entschiedener Verfechter des Entwicklungsprozesses von Helsinki und eines tauglichen Vertrags auf der Konferenz
für Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung (KVAE), die
ein Teil dieses Prozesses ist. Auf einem Kontinent, der die gewaltigste
Konzentration von Truppen und Waffen in Friedenszeiten aufweist, sind konkrete Maßnahmen geboten, um Vertrauen, Stabilität und Sicherheit zu stärken.
Die Verhinderung eines konventionellen Krieges bedeutet die Verhinderung
jedes Krieges in Europa, gleichgültig mit welchen Mitteln er geführt wird.
Ein atomarer Blitz aus heiterem Himmel ist viel unwahrscheinlicher als ein

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�als ein mit konventionellen Waffen unternommener Überraschungsangriff oder
die Eskalation eines kleinen, ungewollten Zwischenfalles, bis er total außer
Kontrolle gerat.

Das sind die wirklichen Elemente der Instabilität in Europa.

Wenn man die Gefahr eines Konfliktes verringern will, muß man daher auf
neue Weise, mit klarem Kopf und verantwortungsbewußt an dieses Problem herangehen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dachten daran, als sie

in Stockholm bereits mit einem gründlich vorbereiteten, gemeinsamen "Paket"
für die Verhandlungen eintrafen.

Diese zweckmäßigen Vorschläge, in denen

sich die Einigkeit und Zielstrebigkeit des Westens widerspiegeln, wurden
schon knapp eine Woche nach Eröffnung der Konferenz am 17. Januar formell vorgelegt.
Die westlichen Maßnahmen konzentrieren sich auf die Klarstellung von
Absichten sowie darauf, routinemäßige militärische Tätigkeiten voraussagbar
zu machen.

Sie dienen vor allem dem Zweck, jeder Macht in Europa den Miß-

brauch ihrer in Friedenszeiten unternommenen normalen militärischen Tätigkeiten zu erschweren, sei es als Deckmantel vor einem Überraschungsangriff
oder als Vorspiel für politische Einschüchterungsversuche.
Indem sie die Verschleierung feindseliger Absichten fast unmöglich machen,
bieten diese Vorschläge einen Schutz vor dem Ausbruch eines Krieges durch Zufall, Fehleinschätzung oder falsche Auslegung der Bedeutung von Manövern, Einberufungen von Reserven, Alarmbereitschaften oder anderen militärischen Bewegungen.
Einziger Zweck dieses vorgeschlagenen offenen und durch Zusammenarbeit
gekennzeichneten Systems ist es, Gewähr dafür zu bieten, daß kein Staat feindliche Absichten gegen einen anderen hegt.

Das angestrebte System ist weder

mit zu weitgehender Einmischung verbunden, noch würde es die Spionage fördern.
Im Gegenteil:

Die westlichen Vorschläge legen Nachdruck auf gleiche Rechte,

Gegenseitigkeit und gleiche Achtung vor der Sicherheit jedes Teilnehmers.

Die-

se Vorschläge sind daher im besten Interesse aller Seiten und erfordern keine

- 2 -

�erfordern keine besonderen Opfer von ihnen.

Die Überprüfung der Einhaltung der vom Westen vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen wird dem Verdacht, der Angst und der Spannung ein Ende
bereiten, die das Ergebnis der bei routinemäßigen militärischen Bewegungen
herrschenden übertriebenen Geheimhaltung sind.

Indem sie das Vertrauen in

die nationale Sicherheit stärken, werden diese Vorschläge die Saat des Vertrauens zwischen Regierungen und Ländern, zwischen Ost und West säen.

Dies

ist wichtig, nicht nur für die Entspannung des politischen Klimas, sondern
auch für Fortschritte bei den anderen Abrüstungsverhandlungen.

Obwohl es ein zusammenhängendes Ganzes bildet, kann das westliche "Paket"
von sechs sich gegenseitig verstärkenden Maßnahmen durchaus Gegenstand von
Verhandlungen sein.

Die Vereinigten Staaten und die anderen Einbringungslän-

dern warten nun auf konstruktive Stellungnahmen und Gegenvorschläge der übrigen Teilnehmer an den Verhandlungen.

Alle vorgebrachten Ideen werden auf

ihren Wert und auf ihre Vereinbarkeit mit dem Mandat für die Konferenz überprüft und danach beurteilt werden.

Jedes der 35 Länder ist bekanntlich auf das präzise Mandat festgelegt,
bei dessen Formulierung es mitgeholfen hatte und das dann von der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid für die Stockholmer Verhandlungen erteilt wurde.

Gemäß diesem Dokument hat die KVAE in ihrer ersten Phase ein einziges
Ziel, nämlich die Gefahr eines bewaffneten Konflikts in Europa auf ein Minimum zu reduzieren und zwar dadurch, daß militärisch bedeutsame, politisch
bindende und auf ihre Einhaltung hin überprüfbare Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen ergriffen werden.
Diese strikten Kriterien finden in fünf der sechs vom Osten in den Raum
gestellten, aber formell noch nicht vorgelegten Vorschlägen kaum ihren Niederschlag.

Die ersten vier wiederholen alte Forderungen nach Verzicht auf Ge-

waltanwendung, Verzicht auf den Ersteinsatz von Kernwaffen, Schaffung von

- 3 -

�Schaffung von atomwaffenfreien Zonen und Kürzung der Verteidigungshaushalte.
Während der vierte dieser Vorschläge gegenwärtig zur Diskussion im Rahmen der Vereinten Nationen steht, ist der fünfte - ein Verbot chemischer Waffen in Europa - in Stockholm ebenso überflüssig, d enn 40 Mitgliedstaaten verhandeln ja darüber in Genf auf der Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen.
Der sechste östliche Vorschlag, der eine Bereitschaft zu begrenzten und
weitgehend freiwilligen vertrauensbildenden Maßnahmen im Sinne der Schlußakte
von Helsinki anzudeuten scheint, verdient hingegen, von allen Konferenzteilnehmern ernsthaft in Erwägung gezogen zu werden.

Eine Beurteilung wird je-

doch so lange unmöglich sein, wie der Osten den Ersuchen um nähere Einzelheiten ausweicht.
Der östliche Nachdruck auf großangelegte, deklaratorische Maßnahmen als
ein Universalheilmittel zur Überwindung der militärischen Instabilität in
Europa zeigt, daß sich der Osten eher mit den Symbolen als mit den substantiellen Fragen der Sicherheit beschäftigt.
Gelöbnisse der Nichtaggression und des Gewaltverzichts können leicht
gebrochen werden und sind nicht überprüfbar. Die Wirklichkeit von heute und
die Lehren der Vergangenheit können als trauriger Kommentar dafür dienen, wie
wenig solche Versprechungen Vertrauen durch Förderung der europäischen Sicherheit schaffen.
Allein schon die Tatsache, daß in Schweden die Delegationen der Vereinigten Staaten, Ke.nadas und aller europäischen Länder mit Ausnahme von Albanien versammelt sind, unterstreicht die Notwendigkeit von greifbareren und
praktischeren Garantien der Sicherheit, als dies brüchige idealistische Gesten
sind. Das Mandat macht es der Konferenz eigens zur Aufgabe, Abkommen zu erzielen, welche "die Pflicht aller Staaten, sich der Androhung oder Anwendung
von Gewalt in ihren gegenseitigen Beziehungen zu enthalten, zur Geltung und
zum Ausdruck" bringen würden. Daß man sich an einen Grundsatz hält, der be-

- 4 -

•

�der bereits in der Charta der Vereinten Nationen verankert ist, sollte daher
als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
Außerdem müßten alle in Stockholm erzielten Vereinbarungen für ganz
Europa gelten, einschließlich des sowjetischen Territoriums bis zum Ural.
Würde man über Maßnahmen verhandeln, deren Geltung auf einen Teil des Kontinents beschränkt wäre, so würde dies nicht im Einklang mit dem Mandat stehen.

Das trifft für atomwaffenfreie Zonen und Korridore zu, die genau zu

dieser Kategorie gehören.
Darüber hinaus gestattet das Mandat kein Abschweifen in die Spezialgebiete anderer Verhandlungen über Abrüstung und Rüstungskontrolle.

Die Stock-

holmer Konferenz soll eine Ergänzung, nicht aber eine Duplikation oder Ersetzung der Wiener Truppenabbauverhandlungen und der beiden Genfer Konferenzen
über Mittelstreckenraketen bzw. strategische Kernwaffen sein.

Die KVAE soll

sich ausschließlich mit Vertrauens- unb sicherheitsbildenden Maßnahmen befassen, nicht mit Kürzungen von Truppen und Rüstungen, und mit der konventionellen Kriegführung, nicht mit der atomaren oder chemischen.
Die eigene Tagesordnung in Stockholm ist so wichtig, daß ein Einvernehmen
darüber nicht durch Fragen außerhalb ihres Kompetenzbereiches verzögert werden
sollte.

Es kann keine Berechtigung für künstlich entfachte nukleare Debatten

geben, die den Fortschritt behindern.

Das ist um so wahrer, als es ein ein-

faches Mittel gibt, das die Vereinigten Staaten der in Genf abwesenden Verhandlungspartei empfiehlt, nämlich eine baldige Rückkehr an den Konferenztisch.
Der Schlüssel für entscheidende Fortschritte auf dem Weg zur Übereinstimmung bei den Stockholmer Verhandlungen liegt in der Bereitschaft zum echten
Dialog über Maßnahmen zum Nutzen und im Interesse aller Seiten.
same ist klar umrissen worden.

Das Gemein-

In fast allen Erklärungen der Außenminister

bei der Eröffnung der KVAE wurde die Notwendigkeit von wesentlichen Verbesserungen und Erweiterungen der schon gemäß der Schlußakte von Helsinki in Kraft
getretenen vertrauensbildenden Maßnahmen betont.

- 5 -

In der Folge wurde diese

�wurde diese Notwendigkeit nicht nur in den von der Sowjetunion in Namen des
Ostens vorgebrachten Ideen anerkannt, sondern auch in den formellen Vorschlägen von Rumänien und der neutralen und blockfreien Länder.
Gerade weil die westlichen Maßnahmen genau auf dem in Helsinki begonnenen Kurs liegen, stellen sie eine brauchbare Grundlage für einen Vertrag
dar.

Sie sind innovativ und durchführbar.

Außerdem wären sie mit keinen

größeren Veränderungen der militärischen Organisationen der Teilnehmerländer
verbunden und könnten ziemlich rasch in die Tat umgesetzt werden.
Es steht so viel auf dem Spiel, daß sogar bescheidene Verbesserungen
der europäischen Sicherheit wertvoll sein werden.

Ein erstes substantielles

Abkommen im Sinne der von den Vereinigten Staaten und ihren westlichen Verbündeten gegebenen Anregungen wäre ein Beweis dafür, daß man tatsächlich ein
solides politisches und militärisches Ergebnis in Stockholm anstrebt.

Die

Durchführung dieser Vorschläge wäre auch ein wichtiger erster Schritt zur
Schaffung eines neuartigen internationalen Sicherheitssystems und eines Vertrauens, das dann bei Verhandlungen über weiterreichende und komplexere Maßnahmen unumgänglich sein wird.

+ + + + +

�T

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

^••^^
12

21. März 1984

BERGUNG EINES SATELLITEN
Hohe Anforderungen beim 11. Raumtransporterflug -

- (AD) - Mit einer Besatzung von fünf Mann soll CHALLENGER am 6. April
1984 zum elften Einsatz eines amerikanischen Raumtransporters starten.

Für

das Unternehmen unter der Führung von Robert Crippen ist eine Dauer von sechs
Tagen angesetzt.

Wie Jay Greene, Flugdirektor des Amerikanischen Amtes für

Luft- und Raumfahrt (NASA) für die bevorstehende Mission, auf einer Pressekonferenz bekanntgab, stehen als Hauptaufgaben die Bergung und eventuelle Reparatur des Forschungssatelliten SOLAR MAX und das Absetzen einer Instrumentenplattform auf dem Programm.

Außer Kommandant Robert Crippen, der als Kopilot beim Jungfernflug der
COLUMBIA dabei war und im Juni 1983 die Raumfaähre CHALLENGER schon einmal
führte, befinden sich Francis Scobee (Kopilot) sowie Terry Hart, George Nelson
und James van Höften als Missionsspezialisten an Bord.

Terry Hart wird vom

Cockpit aus den Robotarm dirigieren, mit dessen Hilfe Nelson und van Höften
den Satelliten schließlich einholen wollen.

Die Generalprobe für dieses Vor-

haben führten die Astronauten McCandless und Stewart beim jüngsten CHALLENGERFlug im Februar 1984 durch.
Der Forschungssatellit

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Forschungssatellit geriet neun Monate nach seinem Start im Februar
1980 in Schwierigkeiten, nachdem drei Sicherungen seines Lagekontroll Systems
durchgebrannt waren.

Er konnte nicht mehr direkt auf die Sonne ausgerichtet

werden, was z.B. zur Beobachtung von Gasausbrüchen notwendig ist. So blieben
von den sieben wissenschaftlichen Instrumenten an Bord nur noch drei einsatzfähig.

Um wenigstens diese nutzen zu können, versetzte die NASA-Bodenkontrolle

den Koloß - er hat eine Masse von 2250 kg - in langsame Rotation.
sich jetzt alle sechs Minuten einmal um die eigene Achse.

Er dreht

In 430 km Höhe um-

kreist er die Erde.
Beim bevorstehenden CHALLENGER-Einsatz ist vorgesehen, den Orbiter am
dritten Flugtag an das Sonnenobservatorium so weit heranzuführen, daß der Abstand nur noch 60 m beträgt.
raumfähre.

In dieser Entfernung "parkt" zunächst die Welt-

George Nelson begibt sich mit Hilfe seines Manövriergeräts, das

freies Fortbewegen im Weltraum ohne Leinenverbindung zum Orbiter erlaubt,
zum SOLAR MAX.

Die Impulse der Kaltgasdüsen

kann er so dosieren, daß er sich

dem Forschungssatelliten ganz langsam und in einer Position nähert, in der das
Ankoppeln möglich wird.

Mensch und Satellit bilden eine "Einheit".

Die An-

triebsdüsen benutzt Nelson jetzt dazu, dem Drall des Satelliten entgegenzuarbeiten, bis dieser ganz aufgehoben ist.

Dann erst manövriert Crippen den Or-

biter vorsichtig immer näher, bis mit dessen 15 m langem, gelenkigem Robotarm
der Satellit erfaßt und in die Ladebucht gehievt werden kann.
Dort versucht van Höften, auf einer Arbeitsplattform am Ende des mechanischen Arms stehend, als erstes die Sicherungen gegen leistungsfähigere auszutauschen.

Am fünften Flugtag soll er auch das zentrale Gehäuse für die Elek-

tronik eines der wissenschaftlichen Instrumente samt Inhalt austauschen.
wird ein schwieriges Unterfangen.

Das

Denn er muß dünne Drähte abknipsen und

winzige Schrauben lösen - und das alles mit den Händen in den vergleichsweise
klobigen Handschuhen seines Raumanzugs.
Falls die Reparaturen gelingen und der Satellit nach dem Reaktivieren
und Durchprüfen an Bord keine Mängel aufweist, wird er mit Hilfe des mechanischen Arms wieder abgesetzt. Bestehen jedoch Zweifel an seiner Funktions- 2 -

�seiner Funktionstüchtigkeit, bringt ihn die Besatzung für eine gründliche
Kontrolle und Reparatur im Herstellerwerk zur Erde zurück. Das wäre noch
immer wesentlich billiger als der Ersatz durch ein neues Gerät, für das 200
Millionen Dollar zu veranschlagen wären.
Neun Tonnen wiegt die Instrumentenplattform,auf der 50 verschiedene
wissenschaftliche Experimente aus neun Ländern installiert sind.

Sie soll

in 460 km Höhe abgesetzt werden und dort ein Jahr lang um die Erde kreisen.
Nach Ablauf dieser Zeit will man sie bei einem künftigen Shuttle-Unternehmen
wieder einholen und zur Erde zurückbringen.

Von besonderem Interesse sind

die verschiedenen Proben von Materialien, an denen die Langzeiteinwirkung
von Strahlung, Staub und anderer Umweltkomponenten im Weltraum studiert werden soll.
Der neun m lange Instrumententräger, eine offene Rahmenkonstruktion aus
Aluminiumringen mit Längs- und Querelementen, kann 86 Behälter für Experimente aufnehmen.

Die Versuche fallen hauptsächlich in die Gebiete Werkstoff-

wissenschaften und Weltraumphysik.

Gegenwärtig seien, wie NASA-Vertreter sag-

ten, Untersuchungen zu interstellaren Gasen, Mikrometeoriten und kosmischen
Strahlen vorgesehen.

Einige Experimente sind der Erprobung neuer Technolo-

gien gewidmet, die bei künftigen Raumfahrtmissionen eine Rolle spielen.

Es

geht um eine Form von Materialprüfung, die nur im Weltraum möglich ist.

Die

Ingenieur-Wissenschaftler brauchen Meßdaten vom Materialverhalten über einen
langen Zeitraum.
Die Palette nimmt etwa die Hälfte des Orbiter-Laderaums ein; für ihren
Transport in die Erdumlaufbahn werden ca. 50 Prozent der Gesamtkapazität des
Raumtransporters zum Abheben von Lasten in Anspruch genommen.

Da sie nicht

bemannt, passiv stabilisiert und wiederverwendbar ist, handelt es sich um
ein relativ kostengünstiges

Gerät für die Forschung.

+ + + + +

- 3-

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