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                    <text>9. November 1983

45
I N_H_A_L_I
DOKUMENTATON

Stunden der Bewährung für die Demokratie in Deutschland
und Amerika
- Rede des US-Botschafters in München Präsident Reagan: Unsere Ziele in Grenada sind erreicht
- Pressegespräch anläßlich der Ernennung von Donald Rumsfeld
zum neuen Nahost-Beauftragten Kenneth Dam zeigt enge Verbindung Grenadas zur Sowjetunion und Kuba auf
- Erklärung des Stellvertretenden Außenministers vor Kongreßausschuß Nationaler Feiertag zu Ehren von Martin Luther King
- Erklärung des amerikanischen Präsidenten INFORMATION
Donald[Rumsfeld neuer US-Sonderbotschafter für den Nahen Osten
HINTERGRUNDMATERIAL
USA leisten Soforthilfe für Grenada
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Milliardenumsätze durch Na^-irichtensatelliten
- Raumtransporter fördert Weiterentwicklung -

Um Über/endung von
wird gebeten

^^

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Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

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1Dl EM

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. November 1983

45

STUNDEN DER BEWAHRUNG
FÜR DIE DEMOKRATIE IN DEUTSCHLAND UND AMERIKA
- Rede des US-Botschafters in München München - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. B u m s , ermahnte in einer
Rede vor der Gesellschaft für Auslandskunde in München am 7.
November 1983 die deutsche und amerikanische Jugend, die Lehren
der Geschichte in ihrer Haltung zu den Problemen unserer Tage
nicht zu ignorieren.
Die Rede von Botschafter Burns hat folgenden Wortlaut:
In den zwei Jahren, die ich nunmehr in Deutschland tätig
bin, habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, mich von Zeit zu
Zeit mit Studenten, Jungarbeitern, jungen Theologen und
Gläubigen und auch jungen Männern und Frauen aus den akademischen Berufen zu treffen. Ich tue dies, weil es zu meinen
Pflichten als amerikanischer Botschafter in der Bundesrepublik
Deutschland gehört, mich mit den psychologischen und politischen
Tendenzen vertraut zu machen, die in diesem Lande vorherrschen.
Und ich tue dies, was genau so wichtig ist, als ein Mensch, der
selbst mehrere Jahre an einer Universität gelehrt hat und eine
3

h —

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und eine grundlegende Neugierde im Hinblick auf die Ideale
junger Menschen und auch die Sorgen nicht bezähmen kann, die
sie sich um ihr eigenes Land und die Welt als Ganzes machen.
Diese Fragen interessieren mich aufrichtig.

Ich möchte

Ihnen heute abend von Dingen berichten, die ich gelernt habe,
und Ihnen im Zusammenhang damit einige Überlegungen zu unseren
beiden Gesellschaften und zu den Beziehungen zwischen ihnen mit
auf den Weg geben.
Wenn mir in meiner Zeit hier in Ihrem Lande etwas deutlich
bewußt wurde, dann dies, wie schwierig es ist, persönliche
Erfahrungen in einer sich rasch wandelnden Welt von einer
Generation auf die nächste zu übertragen. Meine eigene
Generation fand es schwer genug, Ereignisse zu verstehen, die
wir nicht persönlich auf die gleiche Weise erfahren haben, wie
sie unsere Eltern erfahren hatten. In ähnlicher Weise kann die
derzeitige Generation junger Amerikaner und Deutscher so
dramatische Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau Deutschlands, die Berliner Luftbrücke Ende der 40er
Jahre, den Aufstand in Ost-Berlin vom Jahre 1953 oder den
Beitritt der Bundesrepublik zur NATO nicht auf die gleiche Art
und Weise "empfinden", wie meine Zeitgenossen und ich selbst
sie "empfinden", die wir diese Ereignisse miterlebt und diese
Erfahrungen in uns aufgenommen haben. Das müssen wir als eine
unabänderliche Tatsache des Lebens akzeptieren.
Jede Generation muß sich aber mit den Streitfragen und
Problemen auseinandersetzen, mit denen sie sich in ihrer Zeit
konfrontiert sieht, und versuchen, sie nach besten Kräften zu
lösen. Ich habe keinen Zweifel daran, daß sich die große
Mehrheit der jungen Menschen in Ihrem und meinem Lande
ernsthaft darum bemüht. Ich bin aber auch überzeugt, daß der
jungen Generation die Lösung der Probleme und Streitfragen, vor
die sie sich gestellt sieht, leichter fiele, wenn sie mehr
davon wüßte, was vor ihrer Zeit passiert ist - wenn sie
insbesondere lernte, die Ursachen und Ergebnisse jener ver-

2

�jener vergangenen Ereignisse zu verstehen, die sie heute
berühren. Die Geschichte wiederholt sich nie vollständig; sie
kann uns aber stets wichtige Lektionen erteilen. Wir würden
uns selbst einen schlechten Dienst erweisen, wollten wir uns
diese Lektionen nicht zu eigen machen.
Leider sind sich viele idealistische und hochintelligente
junge Männer und Frauen in unserer Zeit nicht ausreichend
darüber klar geworden, was die Geschichte sie lehren kann.
Ob durch Schuld ihrer Eltern oder ihrer Lehrer, sie haben es
jedenfalls versäumt, größere geistige Energien auf die
Auseinandersetzung mit den Lehren der Vergangenheit zu
verwenden.
Eine Lektion der Geschichte besagt, daß der Extremismus in
einer Demokratie die Menschen abzustossen pflegt; er findet
bestenfalls kurzfristig Zulauf.

Mäßigung und Zurückhaltung

sind Grundprinzipien des öffentlichen Lebens in einer
Demokratie.
Die amerikanische Geschichte liefert zahlreiche Beispiele
für die Gültigkeit dieser Grundprinzipien. Lassen Sie mich
eines hier anführen: die Kampagne für ein Alkoholverbot in den
Vereinigten Staaten, die 1919 im Inkraftreten eines diesbezüglichen Zusatzartikels zur amerikanischen Verfassung
kulminierte. Die Verfechter des Alkoholverbotes hatten sich
als "Temperenzler" - und Temperenz heißt ja doch "Mäßigung"bezeichnet; in Wirklichkeit aber bildeten sie eine extremistische Bewegung, die das Ziel verfolgte, mit den Problemen
des Alkoholismus und seinen Folgen fertig zu werden. Auf kurze
Zeit erwies sich die gesellschaftliche Zielsetzung, ein Verbot
des Konsums alkoholischer Getränke zu erwirken, für viele
Amerikaner als attraktiv, und so wurde die "Prohibition" zum
Gesetz des Landes. Aber schon wenige Jahre später gelangte das
Volk zu der Einsicht, daß die Prohibition neue gesellschaftliche
Probleme mit sich gebracht hatte, ohne irgendwelche alten

3

�irgendwelche alten Probleme gelöst zu haben.

Es kam zu

massiven Reaktionen in der Öffentlichkeit, und das
Alkoholverbot wurde 1933 widerrufen.

Andere extremistische

politische Bewegungen - ob sie von der "Rechten" angeführt
wurden, wie der Anti-Kommunismus Senator McCarthys, oder von
der "Linken", wie die Gewaltakte der Weathermen Ende der 60er
und Anfang der 70er Jahre - waren ebenfalls nur kurzlebig und
hatten keine bleibenden politischen Auswirkungen.
Die Lektion der Geschichte ist klar: In einer gesunden
Demokratie sind extremistische Bewegungen im allgemeinen nicht
fähig, die Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit auf
längere Dauer zu erreichen. Ihr Land und das meine sind wohletablierte und gut abgesicherte Demokratien, deren Bürger ihre
wirtschaftlichen, politischen und sozialen Interessen langfristig auf intelligente und verantwortungsbewußte Weise
verfolgen.
Mein Land kann auf eine über 200 Jahre alte demokratische
Tradition zurückblicken. Es gehört mit zu den ältesten
Demokratien der Neuzeit. Nach unseren Erfahrungen mit der
Demokratie garantiert sie keineswegs den vollkommenen Staat,
und ich bezweifele, daß sie das je vermag. Sie geht aber
sicherlich weiter als jedes andere Staatssystem, was den Schutz
der natürlichen Würde von Männern und Frauen und die Bemühungen angeht, diese in die Lage zu versetzen, ihren persönlichen und den öffentlichen Interessen ohne Furcht vor staatlicher Unterdrückung nachzugehen.
Um wirksam funktioneren zu können, braucht die Demokratie
allem voran eine aufgeklärte Öffentlichkeit:

eine Öffent-

lichkeit, die ihr Engagement in der Politik mit einem Mindestmaß
an Geschichtsbewußtsein verbindet und deshalb in der Lage ist,
einerseits die Verantwortung zu tragen, die das demokratische
System seinen Bürgern auferlegt, andererseits aber

auch die

Rechte und Vorrechte der Demokratie zu würdigen weiß.

4

�würdigen weiß.

Verantwortungen und Rechte gehören zusammen und

sind von der Demokratie nicht zu trennen.
Die zweite Grundvoraussetzung jeder Demokratie, die erfolgreich funktionieren soll, ist eine Wirtschaftsordnung, die den
Bürgern ein vernünftiges Maß an Chancen gewährleistet, ihre
individuellen Interessen zu verfolgen und ihr wirtschaftliches Los zu verbessern.

Ein Land, in dem Menschen in großer

Zahl in ständiger Armut leben, kann sich kaum der Demagogie und
des Mißbrauchs staatlicher Macht erwehren.

Eine aufgeklärte

Öffentlichkeit und eine einigermassen stabile und erfolgreiche
Wirtschaft sind mithin Grundvoraussetzungen der Funktionsfähigkeit jeder Demokratie.
In der Bundesrepublik Deutschland hat sich in den letzten
35 Jahren gezeigt, daß ihre Bürger für eine Gesellschaftsordnung eintreten, die fest auf den Grundsätzen der Demokratie
basiert - nämlich dem Respekt vor der Würde des Menschen und
der Heiligkeit menschlichen Lebens, der Achtung vor der Freiheit
des Individuums, dem Primat der Herrschaft des Rechts in allen
menschlichen Angelegenheiten und auch vor dem Staat, der alle
seine Bürger vertritt.
Ich wäre aber nicht offen, wollte ich nicht zugeben, daß
meine Gespräche mit jungen, politisch engagierten Deutschen
nicht auch Zweifel in mir hinsichtlich des Bekenntnisses
einiger Ihrer jungen Mitbürger zur parlamentarischen Demokratie
geweckt haben. Es handelt sich bestimmt um eine Minderheit
unter jenen, mit denen ich gesprochen habe; doch ihre
Auffassungen beunruhigen mich und machen mich traurig. Ich
sage Ihnen auch warum:
Nach dem Zweiten Weltkrieg zögerten nur sehr wenige
Deutsche, die Lehre der Geschichte zu akzeptieren, daß ein
demokratisches System dem Menschen die größte Chance bietet,
sich den natürlichen Wunsch nach Frieden, Verbesserung seines

5

�Verbesserung seines wirtschaftlichen Loses und nach einem Leben
in einer gesellschaftlich ruhigen Umwelt zu erfüllen.
Getrieben von einem Übermaß von Energie, Talent und
Hingabebereitschaft machte sich das deutsche Volk entschlossen
daran, eine starke Demokratie zu errichten und sie fest mit
gleichgesonnenen Völkern in Westeuropa und Nordamerika zu
verknüpfen.

Diese Demokratie wiederum verschaffte den jungen

Menschen von heute die Möglichkeit, ein geruhsames Leben zu
führen und sich der Freiheit zu erfreuen, die ihre Eltern
errungen und ihnen vererbt haben.
Das demokratische System macht es jungen Menschen möglich,
alles zu lesen und zu studieren, was sie nur wollen. Es
versetzt sie in die Lage, sich selbstständig zu machen oder für
einen Arbeitgeber zu arbeiten, den sie sich selbst aussuchen
können. Es erlaubt ihnen, das ihnen zur Verfügung stehende
Geld nach eigenem Gutdünken auszugeben, ob im eigenen Land oder
im Ausland. Es gestattet ihnen ferner, eigene Gedanken zu
politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen
Fragen frei zu äußern, die sie für wichtig halten. Und wenn
sie mit irgendwelchen Aspekten ihres Lebens unzufrieden sind,
gestattet ihnen das demokratische System - dieses, und nichts
anderes -, ihrer Unzufriedenheit durch Proteste, Demonstrationen oder andere Mißfallensäußerungen öffentlich Ausdruck
zu geben. Ein solches Privileg existiert in totalitären
Gesellschaften mitnichten. Wenn unserer jungen Menschen aber
die Vorrechte der Demokratie für selbstverständlich halten - so
wie sie die Luft als selbstverständlich ansehen, die sie atmen -, dann nur, weil sie selbst niemals ohne das eine oder das
andere leben mußten. Ihre Brüder in Osteuropa wissen es besser
- insbesondere jene, die früher einmal selbst in Freiheit
gelebt haben.

Bedauerlicherweise vermochten wir diese grundlegende Wahrheit im Denken vieler junger Deutscher nicht hinreichend zu
verankern - und leider auch nicht im Denken vieler junger
Amerikaner.
Junge Menschen

6

�Junge Menschen sollten sorgfältig überlegen, wie weit sie
in (Jer Absicht gehen können, ihrem Dissent Ausdruck zu geben,
ohne die gleichermaßen gültigen Rechte ihrer Mitbürger zu
beeinträchtigen.

Und zweitens sollten sie sich überlegen, ob

sie wirklich der beste und einzige Richter in der Frage sind,
wo die Grenzen der Manifestationen ihrer politischen Unzufriedenheit liegen.

Schließlich sind die Fragen nach Krieg und

Frieden genau wie die nach wirtschaftlicher und sozialer
Gerechtigkeit Themen, mit denen sich die besten Philosophen,
Theologen und Staatsmänner aus aller Welt seit Tausenden von
Jahren befassen.

Wenn sich Einmütigkeit in diesen Fragen

bisher stets als unerreichbares Fernziel erwiesen hat, müssen
sie doch offensichtlich mit irgendwelchen ernsten intellektuellen und moralischen Schwierigkeiten behaftet sein.
Wenn die Protestierer auf die harten Fragen, die ich eben
angeschnitten habe, mit der Beteuerung antworten - wie dies
manche tatsächlich tun -, ihr Vorgehen rechtfertige sich aus
der Rechtschaffenheit ihrer Sache und sei von höherem Wert als
der Wille der Mehrheit, dann dürfte die Mehrheit wohl berechtigt sein, das demokratische System vor jenen zu schützen, die
sich ihm in der Praxis nicht unterordnen und auch nicht bereit
sind, sich nach seinen Spielregeln zu richten und die
Verantwortung zu tragen, die mit diesem System einhergeht.
Das sind keine abstrakten Fragen aus dem Bereich der
Metaphysik. Es handelt sich vielmehr um praktische Fragen, mit
denen jedermann fertig werden muß, der unter einem demokratischen System lebt und willens ist, zu dessen Aufrechterhaltung beizutragen. Ob die parlamentarische Demokratie für
den einen oder anderen Bürger das politische System ist, das
ihn am meisten befriedigt oder nicht, bleibe dahingestellt;
der großen Mehrheit aber seine Segnungen zu erhalten, erfordert
zwangsläufig die Bereitschaft zu Ordnung und Mäßigung.

7

�und Mäßigung.
Das bringt mich zu einem damit im Zusammenhang stehenden
Punkt, der mich als Botschafter meines Landes besonders berührt
- nämlich die Frage des Anti-Amerikanismus.

Ich werde oft

gefragt, ob er unter den jungen Menschen in diesem Land weit
verbreitet sei - und wenn ja, warum dies so ist.

Die

meisten Deutschen, mit denen ich bisher über diese Frage
gesprochen habe, behaupten, es gäbe keinen weitverbreiteten
Anti-Amerikanismus in Deutschland und man dürfe die Opposition
gegen die Politik der Reagan-Administration nicht als Ausdruck
eines Anti-Amerikanismus verstehen.

Und selbst dort, so wird

mir weiter gesagt, wo ein Anti-Amerikanismus größeren Ausmaßes
tatsächlich existiere, wäre es falsch, ihn mit einer prosowjetischen Haltung gleichzusetzen.

Meiner Meinung nach

treffen diese Beurteilungen im großen und ganzen zu, und ich
werde nicht müde, meine Regierung und meine Landsleute davon in
Kenntnis zu setzen.

Ich glaube aber, daß wir tiefer schürfen

müssen, wollen wir der Frage des Anti-Amerikanismus beikommen.
In den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg
fühlten sich viele Europäer von der amerikanischen Gesellschaft magisch angezogen. Die Amerikaner hatten ja in der Tat
Westeuropa geholfen, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu
kommen und sein Selbstbewußtsein zurückzugewinnen. Für viele
Europäer wurde Amerika zu einem Land, dessen Institutionen sie
grenzenlos bewunderten. Im Laufe der Zeit aber ließ diese
übertriebene Wertschätzung nach. Der Wendepunkt dürfte das
gewaltsame Ende Präsident Kennedys gewesen sein, der in Europa
äußerst populär war - populärer vielleicht sogar als in
Amerika. Für viele Menschen in Europa personifizierte er die
ideale Führergestalt und war sein Land der Camelot des 20.
Jahrhunderts. Seine Ermordung hatte deshalb die Wirkung eines
schrecklichen Schocks und veränderte das Bild, das man sich von
den Vereinigten Staaten gemacht hatte, von Grund auf. Viele
Europäer fragten sich, wie sie ein Land, das solche sinnlosen
Gewaltakte hervorbrachte, je als ihr Ideal hatten ansehen
können. Und dann kamen noch die schrecklichen Morde an Robert

8

�Morde an Robert Kennedy und Martin Luther King, der
Vietnam-Krieg, die Unruhen im Zusammenhang mit der
Bürgerrechtsbewegung und Watergate hinzu - mit dem Ergebnis,
daß das goldene Bild von Amerika endgültig in Scherben fiel.
Gleichzeitig exportierte mein Land - mit seinem unermüdlichen Hang zur Selbstkritik - seine eigene Version des AntiAmerikanismus nach Europa. Ein bekannter amerikanischer
Journalist ging soweit zu schreiben: "Die Vereinigten Staaten
sind die gefährlichste und zerstörerischste Macht in der
Welt." Und manche Europäer nahmen ihm dies ab. Eine Flut von
Büchern, Artikeln und Interviews prominenter Amerikaner Schriftsteller, Philosophen, Naturwissenschaftler, Schauspieler
und Sänger, manche von ihnen Genies auf ihrem Gebiet, aber kaum
Experten in den politischen Wissenschaften oder in Fragen der
Außenpolitik - gössen mit ihrer harten Kritik an Amerika, die
weite Teile der Presse und der geistigen Elite in Europa wie
Bibelweisheiten aufsogen, Öl ins Feuer.
Hinzu kommt noch die Tatsache, daß viele Europäer ihr
Wissen um Amerika vom Fernsehen beziehen, das die Tendenz
zeigt, Gewalt, Ausbeutung und Bigotterie in den Vordergrund zu
stellen. Vor zehn oder 15 Jahren konnten Europäer auf ihren
Bildschirmen fast täglich sehen, wie amerikanische Flugzeuge
sogenannte "Freiheitskämpfer" in Kambodscha bombardierten, und
daneben Bilder von Unruhen in unseren Innenstädten und
Gulaschkanonen, die spärliche Rationen an Arbeitslose ausgaben. Und auch heute noch findet man im Fernsehen Berichte
über Arme in den Vereinigten Staaten, über amerikanische
Missetaten in Lateinamerika, über die rücksichtslose Behandlung
der Indianer und über die Diskriminierung von Schwarzen.
Manche dieser Bilder sind natürlich mit der Wirklichkeit
verknüpft. Aber sie erzählen für sich allein keineswegs die
ganze Geschichte vom Amerika unserer Tage, und wer das
Gegenteil behauptet, kennt die Wahrheit nicht oder schert sich
bewußt nicht um sie.
Das grundlegende

9

�Das grundlegende Problem auf diesem Gebiet erwächst jedoch
nicht so sehr aus einem Mangel an Wissen auf Seiten der jungen
Menschen oder aus den Fehlinformationen, denen sie ausgesetzt
sind.

Das grundlegende Problem erwächst meiner Auffassung nach

aus der Haltung einiger ihrer Mentoren.

Der Anti-Amerikanismus

in der einen oder anderen Erscheinungsform ist lediglich Sympto
eines weit ernsteren Leidens, das einen Teil der aktiveren Mitglieder der gebildeten Schicht in Europa befallen hat - nämlich
der Ablehnung der westlichen Gesellschaft als solcher und ihrer
Werte.

Natürlich wurden die Vereinigten Staaten als Führungs-

nation des Westens zum vordringlichsten Angriffsziel dieser
Kreise.

Ihre Haltung basiert nicht auf Unwissenheit.

Im

Gegenteil, Amerika wird von ihnen zutreffenderweise als
Bollwerk alles dessen angesehen, was sie verachten:

die

parlamentarische Demokratie, den dynamischen Kapitalismus, die
moderne Technologie und den entschiedenen Anti-Kommunismus.
Man kann die Gefühle dieser Menschen nicht als ein Ergebnis
einer spezifischen Politik der Reagan-Administration, der
geplanten Dislozierung moderner Raketen oder des derzeitigen
Engagements meines Landes in Mittelamerika abtun.

Die Wurzel

liegt meines Erachtens vielmehr in der Abkehr gewisser
europäischer Intellektueller von den Wertvorstellungen und
Institutionen ihrer eigenen demokratischen Gesellschaft.
i

Meine Damen und Herren, ich spreche deshalb so offen, weil
ich die jungen Menschen in Ihrem und in meinem Lande sehr gern
habe. Die Erziehung und Bildung vieler unter ihnen wurde, so
scheint mir, durch ihre Eltern vernachlässigt oder durch ihre
Lehrer und gelegentlich sogar durch ihre Seelsorger
fehlgeleitet.
Junge Menschen haben ein Recht darauf, zu erfahren, daß die
Demokratie trotz ihrer Mängel, wie die bisherige Menschheitserfahrung eindeutig bewiesen hat, dem menschlichen Sehnen nach
Freiheit und Gerechtkeit am ehesten Genüge zu leisten vermag.

10

�leisten vermag. Sie müssen erfahren, daß der Kapitalismus,
sofern er innerhalb eines demokratischen Rahmens praktiziert
wird, dem einzelnen eine Fülle von Chancen zur Verbesserung
seines wirtschaftlichen Loses bietet. Und während sie sich der
Unzulänglichkeiten des demokratischen Kapitalismus durchaus
bewußt sein sollen, sollten sie doch auch anerkennen, daß die
Demokratie aus sich heraus Methoden entwickelt hat, Mängel
aufzuspüren und zu beseitigen. Demonstrationen und Proteste
spielen in der Demokratie eine rechtmäßige - und oft sogar
konstruktive - Rolle; das aber rechtfertigt weder intolerante
Hetze noch physische Gewalt. Glücklicherweise hat die
überwältigende Mehrheit der jungen Deutschen, die an den
Demonstrationen der jüngsten Wochen teilgenommen haben, der
Gewalt gänzlich entsagt. Hierfür verdienen sie eindeutig Lob.
Ich kann jedoch die Tiraden mancher unter ihnen nicht
gänzlich überhören. Junge Menschen - insbesondere solche, die
das Glück hatten, eine Universitätsausbildung absolvieren zu
dürfen - müßten eigentlich wissen, wohin der Totalitarismus
führt. Sie sollten aus Beispielen wissen, was dem menschlichen
Geist in den baltischen Staaten, in Osteuropa und in Afghanistan
angetan wurde, und sie sollten auch des Schicksals von 17
Millionen ihrer eigenen Landsleute in Ost-Deutschland eingedenk
sein. Wenn schon die Beschreibungen des sowjetischen Lebens
durch einen Mann wie Solschenitzyn ihren Gleichmut nicht zu
erschüttern vermag, sind sie es doch sich selbst schuldig, sich
wenigstens einigermaßen mit dem Bericht Nikita Chruschtschows
an den 20. Parteikongreß über die Verbrechen des Sowjetregimes
gegen seine eigenen Bürger vertraut zu machen. Nur durch das
Studium der Geschichte und das Nachdenken über die Lektionen,
die sie lehrt, können junge Menschen auf dem Weg über die
Vernunft entscheiden, ob es sinnvoll ist, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten derselben moralischen Ebene
zuzuordnen - wie manche dies tun.
Es scheint

11

�Es scheint zudem notwendig, die jungen Menschen in di esem
Land daran zu erinnern, daß sie allen Grund haben, positi v von
ihrem eigenen Land zu denken, auch wenn es in der Vergang enheit
manche tragische Fehler begangen hat. Seine wunderbaren
Leistungen auf den Gebieten der Literatur, der Philosophi e, der
Naturwissenschaften und der Musik gereichen der ganzen Me nschheit zum Ruhm. Darüber hinaus errichtete die Nachkriegsg eneration auf den Ruinen der Zerstörung eine Gesellschaft, die diesem
Land die Freiheit, die Rechtsstaatlichkeit und eine relat ive
wirtschaftliche Sicherheit eingebracht hat. In ihrer Suc he
nach einem Ideal und aus der Notwendigkeit heraus, ein
Leuchtfeuer zu finden, das ihnen den Weg in eine hellere
Zukunft zu weisen vermag, können die jungen Menschen voll Stolz
auf ihre Väter und Mütter blicken, die für eine freie und
lebensfähige Gesellschaft gearbeitet und gekämpft haben, um sie
ihnen schließlich als ein kostbares Erbe zu hinterlassen. Ich
habe kürzlich deutsche Politiker wieder liebevoll vom Vaterland
reden hören; auch das dürfte einem konstruktiven Gefühl
entstammen.
Eine Antwort auf die Frage nach der nationalen Identität
und den nationalen Idealen zu finden, ist nicht leicht. Wenn
aber die jungen Menschen in der Bundesrepublik begreifen
lernen, daß ihnen vieles eigen ist, an das zu glauben sich
lohnt, wird es ihnen leichter fallen, mit den Problemen fertigzuwerden, vor die sie sich gestellt sehen. Meine Hoffnung geht
dahin, daß die verunsicherten jungen Männer und Frauen in Ihrer
Mitte rechtzeitig erkennen werden, wie kostbar ein Gutteil
ihres Erbes ist und daß es sich lohnt, es zu schützen, zu
mehren und an künftige Generationen weiterzugeben.
Die Aufrechterhaltung des Friedens muß tatsächlich die
Hauptsorge und oberstes Ziel dieser Generation sein - was ja
für viele junge Menschen in Ihrem und in meinem Land ohnehin
zutrifft. Aber in ihrer Hingabe an dieses grundlegende Ziel
darf sich die Jugend nicht gestatten, sich von Emotionen leiten

12

�Emotionen leiten zu lassen.

Sie sollte die Gedanken jener

fähigen Männer und Frauen nicht einfach beiseite schieben, die
Jahrhunderte hindurch mit denselben Problemen zu kämpfen
hatten, und sie darf sich auch selbst nicht gestatten, die
Errungenschaften ihrer älteren Zeitgenossen in der
Bundesrepublik und in anderen NATO-Ländern leichtfertig
abzutun, die den Frieden in Freiheit und Wohlstand nahezu 40
Jahre hindurch zu bewahren verstanden.
Meine Damen und Herren, erlauben Sie mir, abschließend noch
einige Worte zur deutsch-amerikanischen Partnershaft zu sagen.
Ich erachte sie als von entscheidender Bedeutung für das
Überleben unserer Gesellschaften und für unser Leben als freie
Völker. Wir müssen unsere gegenseitigen Beziehungen weiter
vertiefen. Wir müssen unserer Probleme Herr werden und alle
sich bietenden Chancen dazu nutzen. Trotz mancher unglücklicher Unterbrechungen haben wir dies seit den Tagen, in denen
eine kleine Schar mutiger Deutscher vor dreihundert Jahren an
der amerikanischen Küste landete, stets mit Erfolg vermocht.
Im Gedenken an das dreihundertjährige Bestehen unserer gegenseitigen Beziehungen wollen wir deshalb stets der Tatsache
eingedenk bleiben, daß die Bewahrung von Freiheit und Frieden
für uns und unsere Kinder weitgehend von der Vitalität der
Partnerschaft zwischen dem deutschen und dem amerikanischen
Volk abhängt.

+ + + + +

13

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. November 1983

45

PRÄSIDENT REAGAN: UNSERE ZIELE IN GRENADA SIND ERREICHT
Pressegespräch anläßlich der Ernennung von Donald Rumsfeld zum
neuen Nahost-Beauftragten -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Ernennung des ehemaligen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld zu seinem neuen persönlichen Beauftragten für den
Nahen Osten, erklärte Präsident Reagan am 3. November 1983, die Vertreter der
verschiedenen Gruppierungen des Libanon hätten nunmehr bei den Genfer Verhandlungen die Chance, "zu einem nationalen Konsens zu gelangen."

In bezug auf

Grenada betonte er, das grenadische Volk habe die amerikanischen Streitkräfte
als "Befreier" begrüßt und mit der Intervention sei "eine potentielle Bedrohung aller Völker der Karibik" beseitigt worden.

Danach stellte er sich Fra-

gen von Reportern.
Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Vor der heutigen Ankündigung möchte ich Sie noch an einigen Informationen
teilhaben lassen, die ich vergangene Nacht per Telefon erhalten habe.
Verteidigungsminister Cap

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Verteidigungsminister Cap Weinberger rief mich an, um mich darüber zu
informieren, daß die Feindseligkeiten auf Grenada aufgehört hätten und daß
er unsere Kommandeure angewiesen habe, mit dem Rückzug ihrer Truppen innerhalb weniger Tage zu beginnen.
Dies bedeutet:

Die Lage ist stabil, auf der Insel gibt es keine Hecken-

schützen oder andere Arten des Widerstandes mehr.

Unsere Ziele sind erreicht,

und sobald es die Logistik erlaubt, werden die amerikanischen Soldaten sich
zurückziehen.
Ich möchte noch hinzufügen, daß die Angehörigen unserer Streitkräfte sich
gemäß bester militärischer Tradition verhalten haben.

Wir können stolz auf

den Mut und die berufliche Tüchtigkeit der Soldaten sein, die dort im Einsatz
waren.

Die amerikanischen Studenten nannten sie ihre Retter.

Grenada haben sie als Befreier gepriesen.

Die Bürger von

Ich glaube, sie alle verdienen die

Achtung und die Bewunderung unseres Landes.
Die Operation forderte ihre Kosten.

Jene, die dabei getötet oder ver-

wundet wurden, sind, so meine ich, Helden der Freiheit.

Sie retteten nicht

nur unsere Bürger, sondern sie retteten zugleich das Volk von Grenada vor
Unterdrückung und schafften eine potentielle Bedrohung für alle Völker der
Karibik aus der Welt.
Wenn man die gewaltigen Mengen sowjetischer Waffen sieht, die auf dieser
Insel gefunden wurden, dann fragt man sich, welches Übel uns durch die Befreiung von Grenada erspart blieb und für die kommenden Jahre abgewendet
wurde.
Nunmehr zu dem unmittelbaren Anliegen.

Ich freue mich, heute die Er-

nennung von Donald Rumsfeld zu meinem Sonderbeauftragten für den Nahen Osten
bekanntzugeben.

Ich kann an niemanden denken, bei dem ich die Koordination

unserer Rolle beim Friedensprozeß im Nahen Osten und bei den Libanon-Verhandlungen besser aufgehoben wüßte.
Don Rumsfeld
- 2 -

�Don Rumsfeld blickt auf eine außergewöhnliche Karriere im öffentlichen
Dienst zurück.

Er verfügt über Erfahrungen in allen Bereichen der Regierung

und der öffentlichen Politik - einschließlich des Militärdienstes als Marineflieger, Erfahrung in der Gesetzgebung als Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten und in der Exekutive, wo zu seinen vielen Tätigkeiten die
des Stabschefs im Weißen Haus, Kabinettsmitglied und amerikanischer Verteidigungsminister gehörten.
Ich bin dankbar dafür, daß er dieser speziellen Berufung zugestimmt hat
und daß die Firma G.D. Seale and Company, wo er als Präsident in leitender
Stellung tätig ist, seine Fähigkeiten wieder für einige Zeit unserem Land
zur Verfügung stellt.
Er wird sofort zu seiner Gruppe stoßen und angesichts der ernsten Aufgabe, die auf ihn wartet, sind wir glücklich, einen Mann seiner Statur so
rasch an Bord zu haben.
Botschafter Richard Fairbanks, der sich derzeit in Genf aufhält, hat
mir erklärt, er werde auch weiterhin seine Arbeit in diesem Problemkreis tun
und ich bin für seine Hingabe dankbar.

Wir wollen auch weiterhin die Fähig-

keiten unserer besten Leute dazu verwenden, im Nahen Osten einen gerechten
und dauerhaften Frieden zu erzielen.
Im September 1982 nannte ich eine Reihe von realistischen Grundsätzen,
die unserer Meinung nach am ehesten eine Lösung des arabisch-israelischen Konfliktes herbeiführen können.
vorgelegt.

Niemand hat seither einen besseren Vorschlag

Ich bin zuversichtlich, daß Fortschritte im Libanon die ernst-

haften Anstrengungen mit neuen Leben erfüllen werden, die unternommen werden,
um einen umfassenderen Frieden zu schaffen.
Wir hoffen, daß die Führer des Libanon, die derzeit in Genf verhandeln,
die Probleme der Vergangenheit aus dem Weg räumen können.
die Chance, zu einem nationalen Konsens zu gelangen.

- 3 -

Sie haben jetzt

Fortschritt bei ihren

�r.

bei ihren Gesprächen könnte zum Abzug aller ausländischen Truppen aus dem
Libanon sowie zur Einsetzung einer wirklich repräsentativen Regierung führen.
Als Amerikaner sind wir stolz auf die Rolle, die wir dabei spielen, dieser leidgeprüften Region Frieden zu bringen.

Jetzt wird Don Rumsfeld bei

dieser Anstrengung unser wichtigster Mann sein.

Ich kenne Don seit Jahren

und ich schätze seine Fähigkeiten und seine Tatkraft, die er bei diesen schwerwiegenden Problemen zum Tragen bringen kann.

Ich hoffe, daß all jene, die un-

sere ernste Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten teilen, mit unserem neuen Vertreter zusammenarbeiten werden.
Deshalb also, Don, viel Glück, unsere besten Wünsche sind mit Ihnen.

Die anschließenden Fragen und Antworten haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:
marschieren.

Nicaragua sagt, Sie hätten die Absicht, in dieses Land einzuIst das so?

ANTWORT:

Ich habe noch nie etwas von dem geglaubt, was man dort gesagt

hat, seit sie (die Sandinisten) an die Macht gekommen sind - und Sie sollten
das auch nicht.
FRAGE: Bedeutet der Erfolg von Grenada, so wie Sie es sehen, bedeutet
diese Operation, daß Sie vielleicht das Militär in ähnlichen Situationen andernorts einsetzen könnten?
ANTWORT:

Nein, ich kann mir keine Situation vorstellen, die der jetzigen

genau entspräche.

Es war genauso, wie wir dies von Anfang an gesagt haben:

Es bestand die Notwendigkeit, das Leben und die Sicherheit von etwa 1000 Amerikanern - die meisten von ihnen Studenten an der medizinischen Hochschule
auf Grenada - zu gewährleisten, und wir handelten auf ein Ersuchen eines Teils
der anderen Länder hin, die in der Ostkaribik durch einen Vertrag verbunden

- 4 -

�Vertrag verbunden sind.

Wir gewährten unsere Unterstützung bei dieser Maß-

nahme, weil diese Länder weder über die Stärke noch über die Fähigkeit für
eine solche Aktion verfügten.
FRAGE:

Wenn jemand anders Sie ersuchen würde, wären Sie dann bereit,

dies noch einmal zu tun?
ANTWORT: Wie ich schon sagte, wenn alle Gegebenheiten und Umstände die
gleichen wären, sähe ich nicht ein, warum unsere Gründe dann anders sein sollten. Aber ich sehe keinerlei derartige Situation am Horizont.
FRAGE:

Warum waren mehr als 100 Länder bei den Vereinten Nationen nicht

Ihrer Ansicht, daß dies ein nützliches Unternehmen war?
ANTWORT: 100 Länder bei den Vereinten Nationen waren bei fast allem,
mit dem sie sich befaßten und bei dem wir involviert waren, nicht unserer Ansicht, und das hat mich nicht sonderlich beeindruckt.
FRAGE:

Manche Leute erklären, wir hätten jetzt eine Menge moralischen

Bodens verloren und es gäbe keinen Unterschied zwischen dem, was wir auf Grenada
taten, und dem, was die Sowjets in Afghanistan taten. Was können Sie darauf
antworten?
ANTWORT:

Um Himmels willen! Jeder, der diese Aktion mit Afghanistan

vergleichen würde - übrigens, ich weiß, daß man jetzt häufig das Wort Invasion benutzt, aber dies war eine Rettungsaktion.

In Afghanistan jedoch -

bitte, erinnern Sie sich daran - haben die Sowjets ein Staatsoberhaupt ihrer
Wahl eingesetzt, und im Zuge des Auswechseins der Kräfte dort wurde ein amerikanischer Botschafter ermordet. Und dann haben die Sowjets gegen die Opposition des afghanischen Volkes jede verwerfliche Form der Kriegsführung angewandt, darunter chemische Kriegsführung; sie haben Frauen und Kinder getötet, was schließlich einige ihrer eigenen Soldaten veranlaßt hat, zu desertieren, weil sie einfach nicht mehr die Befehle zum Töten von Frauen und

- 5 -

�Frauen und Kindern ausführen konnten.

Und die Sowjets sind immer noch dort

- nach einer langen Zeit, die schon länger andauert, als ich im Amte bin.
Nun vergleichen Sie das einmal mit dem, was wir taten, und zwar auf ein
Ersuchen hin, das zunächst vom Generalgouverneur der Insel ausging, der unter
Hausarrest stand.

Er wandte sich an die Nachbarstaaten in der Karibik, die

dann um Unterstützung ersuchten, und wir halfen ihnen bei dieser Rettungsaktion.
Zugegeben, wir haben den größten Teil dieser Streitmacht gestellt, aber
nur weil die anderen in ihrer Fähigkeit, dies zu tun, begrenzt waren.

Dies

war eine Rettungsaktion, und es war eine erfolgreiche Rettungsaktion.

Die

Menschen, die gerettet wurden, und die Grenadier, die befreit wurden, sind
froh und glücklich, und sie bringen ihren Dank und ihre Freude unseren Soldaten gegenüber zum Ausdruck.

+ + + + +

�9. November 1983

KENNETH DAM ZEIGT ENGE VERBINDUNG GRENADAS ZUR SOWJETUNION UND KUBA AUF
- Erklärung des Stellvertretenden Außenministers vor Kongreßausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten
Staaten, Kenneth Dam, hat am 2. November 1983 darauf hingewiesen, daß die
Sowjetunion, Kuba und Nordkorea sich im Rahmen einer Reihe von Geheimabkommen, die bis zum Oktober 1980 zurückreichen, bereit erklärt hatten, dem karibischen Inselstaat Grenada große Mengen an militärischer Ausrüstung sowie
Ausbildung seiner Soldaten zur Verfügung zu stellen.

Diese kostenlose Unter-

stützung, so sagte Dam vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses, sei völlig ungewöhnlich für Waffengeschäfte Moskaus mit Ländern der
Dritten Welt.

Schon lange vor den jüngsten Ereignissen auf Grenada seien

die Vereinigten Staaten besorgt über die Entwicklungen in dem Inselstaat
gewesen.
Die Erklärung des Stellvertretenden Außenministers hat

in Auszügen -

folgenden Wortlaut: .
Die amerikanischen Maßnahmen stützten sich auf drei rechtliche Grundlagen:

Erstens, als sich diese Ereignisse abspielten, wurde uns am 24. Ok-

tober durch den Ministerpräsidenten von Barbados mitgeteilt, daß General-

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�daß Generalgouverneur Sir Paul Scoon einen vertraulichen Kanal benutzt habe,
um ein Ersuchen der Organisation Ostkaribischer Staaten (OECS) um ein Eingreifen zu übermitteln, damit die Ordnung auf der Insel wiederhergestellt
werde.

Der Generalgouverneur hat dieses Aktionsersuchen nach der Ankunft

der gemeinsamen Sicherheitsstreitkräfte bestätigt.

Diese Aufforderung, auf

die wir uns nicht berufen konnten, solange die Sicherheit des Generalgouverneurs nicht gewährleistet war, stellte sowohl rechtlich als auch politisch
ein wichtiges Element bei der Entscheidung der Vereinigten Staaten und anderer an der gemeinsamen Streitmacht beteiligter Länder dar.
Die legalen Vollmachten des Generalgouverneurs waren die einzige Stütze
einer Regierungslegitimität auf der Insel nach den tragischen Ereignissen,
von denen ich gesprochen habe.

Wir und die OECS-Länder maßen seinem Appell

außerordentliches moralisches und rechtliches Gewicht bei.

Die Aufforderung

einer rechtmäßigen Regierungsautorität stellt im Völkerrecht für ausländische
Staaten eine anerkannte Grundlage dar, um die erbetene Unterstützung zu gewähren.
Zweitens, die OECS beschloß, gemäß dem Vertrag, durch den diese Organisation 1981 ins Leben gerufen wurde, Maßnahmen zu ergreifen.

Die Artikel

drei, vier und acht enthalten Bestimmungen, die sich mit lokaler wie auch
mit ausländischer Bedrohung des Friedens und der Sicherheit befassen.

Das

Ersuchen des grenadischen Generalgouverneurs um Unterstützung durch die OECS
bot eine legitime Grundlage für kollektive Maßnahmen im Rahmen dieses regionalen Vertrages.
Sowohl die Charta der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) - in
Artikel 22 und 28 - als auch die Charta der Vereinten Nationen - in Artikel 52 erkennen die Zuständigkeit regionaler Sicherheitsgremien bei der Wahrung des
Friedens und der Stabilität der jeweiligen Region an.

Insbesondere Artikel 22

der OAS-Charta macht deutlich, daß Maßnahmen, die gemäß einem in Kraft befindlichen besonderen Sicherheitsvertrages ergriffen werden, keine Intervention und keine Anwendung von Gewalt darstellen, die sonst durch Artikel 18

- 2 -

�Artikel 18 oder 20 dieser Charta verboten sind.

Der OECS-Vertrag bildet die

regionale Sicherheitsvorkehrung der OECS-Lä'nder, von denen keines dem Vertrag
von Rio angehört.
Unter den von mir beschriebenen Umständen standen die Maßnahmen der OECS
in Übereinstimmung mit den Zielsetzungen und Prinzipien der UN-Charta und der
OAS-Charta.

Die OECS-Lä'nder waren - als sie diese rechtmäßige kollektive

Maßnahme ergriffen - berechtigt, befreundete Staaten um angemessene Unterstützung zu bitten, und es war für die Vereinigten Staaten, Jamaika und Barbados
völlig rechtmäßig, diesem Ersuchen nachzukommen.
Drittens, die Maßnahme

der Vereinigten Staaten, um die auf der Insel

gefährdeten amerikanischen Staatsbürger zu schützen und zu evakuieren, steht
in Übereinstimmung mit den üblichen Grundsätzen des Völkerrechts hinsichtlich
des Schutzes eigener Staatsbürger.

Daß die Umstände diese Maßnahmen recht-

fertigten, ist durch die zurückgekehrten Studenten genügend dokumentiert worden.

Es gibt absolut keine Bestimmung des Völkerrechts, die die Vereinigten

Staaten hätte zwingen können, eine weitere Verschlechterung der Situation abzuwarten, die eine erfolgreiche Operation gefährdet hätte.

Die Vereinigten

Staaten mußten auch nicht eine tatsächliche Gewaltanwendung gegen amerikanische
Staatsbürger abwarten, bevor diese aus den von den Studenten beschriebenen
anarchistischen und bedrohlichen Verhältnissen gerettet wurden.
Viele fragen sich, wie sich die amerikanische Aktion von den Interventionsmaßnahmen unserer sowjetischen Gegner unterscheidet?
- das darf ich sagen - sind klar und eindeutig.

Diese Unterschiede

Die Vereinigten Staaten be-

teiligten sich an einer echten kollektiven Anstrengung; die Geschehnisse
lassen die Initiative der karibischen Länder deutlich werden, die diese Maßnahme vorschlugen und sich für sie einsetzten.
Diese Maßnahme

war aufgrund eines bestehenden Vertrages und aufgrund

des ausdrücklichen Ersuchens des Generalgouverneurs gerechtfertigt.
Besorgnis hinsichtlich der Sicherheit unserer Staatsbürger war echt.

Unsere
Die tat-

sächlichen Verhältnisse auf Grenada waren außergewöhnlich und einmalig für die

�für die karibische Region - ein Zusammenbruch von Recht und Ordnung sowie
der Regierungsinstitutionen.
Unsere Ziele sind präzise und begrenzt:

nämlich die ausländischen

Staatsbürger zu evakuieren und bei der Wiederherstellung der Ordnung mitzuwirken.

Sie sehen in keiner Weise vor, daß den Grenadiern irgendeine beson-

dere Regierungsform auferlegt wird.
stitutionen entscheiden.

Die Grenadier werden frei über ihre In-

Und schließlich haben wir klargestellt, daß wir

uns zurückziehen werden, sobald die Umstände es nur irgendwie erlauben, und
in jedem Fall unverzüglich nach einem derartigen Ersuchen der grenadischen
amtlichen Stellen.
Diejenigen, die diese richtungweisenden Unterschiede nicht sehen oder
nicht sehen wollen, haben die Fakten nicht analysiert.

Wir haben keinerlei

weitreichenden Präzdenzfall für internationale Aktionen geschaffen, und wir
wollen dies auch nicht.

Wir sind der Oberzeugung, daß die Rechtfertigung un-

serer Aktion offenkundig ist und absolut den akzeptierten Konzeptionen des
Völkerrechts entspricht.
Die Ergebnisse der kollektiven, den Frieden wahrenden Operation sind
bedeutsam.
Erstens: Bis gestern abend waren mit 17 Flügen 599 Amerikaner und 121
Ausländer auf eigenes Ersuchen hin sicher evakuiert worden. Ihre Berichte
über die Verhältnisse auf Grenada und ihr Lob, das sie ihren Rettern zollten,
sprechen für sich selbst. Der angesehene grenadische Journalist Auster Hughes
sprach ganz offenkundig für die große Mehrheit der Menschen auf Grenada, für
Grenadier und Ausländer zugleich, als er im Hinblick auf die karibische Friedenstruppe erklärte: "Gott sei Dank, daß sie kamen. Wenn nicht irgend jemand
gekommen wäre und etwas getan hätte, dann möchte ich nicht wissen, wie es
jetzt auf Grenada aussehen würde."
Zweitens:

Der

�Zweitens:

Der Generalgouverneur hat uns für unsere Unterstützung ge-

dankt, die er als einen "positiven und entscheidenden Schritt auf dem Wege
zur Wiederherstellung nicht nur des Friedens und der Ordnung, sondern auch
der vollen Souveränität" bezeichnete.
Die OECS arbeitet mit dem Generalgouverneur und prominenten grenadischen
Bürgern zusammen, um eine

provisorische Regierung zu bilden, die in der Lage

ist, funktionierende Institutionen einzurichten und baldige Wahlen durchzuführen.
Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, welche Schritte die provisorische Regierung ergreifen wird.
den.

Dies müssen die Grenadier selbst entschei-

Alle Regierungen, die sich an dieser kollektiven Aktion beteiligen,

werden jedoch ihre Truppen zurückziehen, sobald die Umstände dies nur erlauben.
Damit komme ich zu einem dritten Ergebnis.

Wie ich bereits vorher er-

wähnt habe, waren die Vereinigten Staaten besorgt - und zwar lange vor dieser
Serie einzigartiger Ereignisse, die zu der kollektiven Maßnahme der karibischen
Friedensstreitmacht führte -, daß Grenada als ein Bereitstellungsraum für eine
Subversion benachbarter Länder, für eine Unterbrechung der Schiffahrtswege und
für den Transit von Truppen und Nachschub von Kuba nach Afrika und von Osteuropa und Lybien nach Mittelamerika benutzt werden könnte.
Wir wissen jetzt, daß die Sowjets, die Kubaner und die Nordkoreaner eine
militärische Beziehung zu Grenada unterhielten, die zu unterzeichneten Abkommen
über die Gewährung von 37,8 Millionen Dollar an militärischer Ausrüstung führte.
Artillerie, Flugabwehrwaffen, gepanzerte Fahrzeuge, Handfeuerwaffen und Munition in Hülle und Fülle sollten an einen Inselstaat geliefert werden, der, so
hatten es die Lieferanten gedacht, wie ein Touristenparadies aussehen sollte.
Die unterzeichneten Geheimabkommen sahen auch die Entsendung von 40 kubanischen
Militärberatern vor - davon 27 auf einer permanenten Basis, die anderen für
kurze Zeitabschnitte.
Ein Vertrag

�Ein Vertrag mit der UdSSR vom Oktober 1980 sah die kostenlose Lieferung
von unter anderem 1500 Karabinern des Kalibers 7,62 mm, 1000 Maschinengewehre
des Kalibers 7,62 mm sowie 17 Flugabwehrgeschützen vor.

Das Abkommen sah fer-

ner vor, daß grenadisches Militärpersonal in der UdSSR auf sowjetische Kosten
ausgebildet werden sollte.
Moskau war bestrebt, diese Vorkehrungen geheim zu haHen, indem es die
Grenadier dazu verpflichtete, es als Geheimsache zu behandeln, wobei die
sowjetische Ausrüstung über Kuba floß und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Grenada um 18 Monate nach Beginn der militärischen Versorgungsbeziehung verzögert wurde.
General Christ ist gerade aus Grenada zurückgekehrt - und zwar mit Einzelheiten aus erster Hand hinsichtlich der militärischen Nachschubgüter, die
dort aufgefunden wurden.
vorzuführen.

Ich möchte ihn bitten, Ihnen einige seiner Funde

Bevor dies geschieht, möchte ich jedoch darauf hinweisen, daß

die Tatsache, daß Moskau bereit war, militärische Ausrüstung und Ausbildung
kostenlos zu gewähren, ungewöhnlich ist für die meisten seiner Waffengeschäfte
mit der Dritten Welt.

Dies ist nur ein Hinweis darauf, welche Bedeutung die

UdSSR dem Vorposten beimaß, den Grenada in der östlichen Karibik bildete.
Was auf Grenada vorgefunden wurde - geheime militärische Befestigungen,
große Waffenverstecke und Fernmeldeeinrichtungen, alles kontrolliert von Nichtgrenadiern - führt in dramatischer Weise vor Augen, wie wichtig es ist, daß
Grenada über Regierungsinstitutionen verfügt, die seinem eigenen Volk verantwortlich sind.
Und das ist genau das, was die Nachbarn Grenadas sowie die Vereinigten
Staaten vor Augen hatten, als die gemeinsame Rettungsaktion eingeleitet wurde.

+ + + ++
- 6-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. November 1983

45

NATIONALER FEIERTAG ZU EHREN VON MARTIN LUTHER KING
- Erklärung des amerikanischen Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 2. November 1983 in Anwesenheit der Witwe von Martin Luther King Jr. ein Gesetz unterzeichnet, das den
dritten Montag im Januar eines jeden Jahres zu Ehren des ermordeten Baptistenpredigers zum nationalen Feiertag erklärt.

Als demokratisches Volk könnten

die Amerikaner, so sagte der Präsident, "stolz auf die Tatsache sein, daß
wir...

uns eines schweren Unrechtes bewußt wurden und Maßnahmen ergriffen,

um es wieder gutzumachen...

Wir sollten daran denken, daß in viel zu vielen

Ländern Menschen wie Dr. King niemals die Gelegenheit hatten, sich überhaupt
Gehör zu verschaffen."
Die Ansprachen des Präsidenten und von Frau King haben folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan:

Als ich über den Beitrag nachdachte, den der Mann,

den wir heute ehren, für unser Land geleistet hat, kam mir ein Wort in den
Sinn, das dem amerikanischen Dichter John Greenleaf Whittier zugeschrieben
wird:

"Jede Krise zeitigt ihre Worte und ihre Taten."

In Amerika war die

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�war die Rassendiskriminierung in den fünfziger und sechziger Jahren eine der
großen Krisen, denen wir uns gegenübersahen.

Der Mann, dessen Worte und Ta-

ten in dieser Krise unsere Nation bis ins Tiefste hinein aufwühlte, war Dr.
Martin Luther King, Jr.
Martin Luther King wurde 1929 in einem Amerika geboren, wo nahezu jeder
zehnte wegen seiner Hautfarbe ein Leben in Isolation und Ungleichheit verbringen mußte.

Die meisten schwarzen Amerikaner gingen in Schulen, wo nur

Schwarze unterrichtet wurden,

überall im Lande konnten die meisten von ihnen

nur minderwertige Stellen finden und mußten sich für geringen Lohn abmühen.
Der Zutritt zu Hotels und Restaurants wurde ihnen verwehrt, sie mußten gesonderte Einrichtungen benutzen.
In einer Nation, die Freiheit und Gerechtigkeit für alle proklamierte,
lebten viel zu viele schwarze Amerikaner ohne die eine und ohne die andere.
In einer Stadt zwang ein Gesetz alle Schwarzen, in den öffentlichen Bussen
hinten zu sitzen.

Aber 1955 sagte eine tapfere Frau namens Rosa Parks "Nein",

als man sie aufforderte, im Bus nach hinten zu gehen.

Dann organisierte ein

junger Pfarrer einer Baptistenkirche am Ort, Martin Luther King, einen Boykott der Busgesellschaft - einen Boykott, der das ganze Land verblüffte.
Innerhalb von sechs Monaten hatten die Gerichte entschieden, die Aufteilung nach Hautfarbe in einem öffentlichen Transportmittel verstoße gegen die
Verfassung. Dr. King hatte etwas Starkes und Wahres erweckt - ein Gefühl
dafür, daß wirkliche Gerechtigkeit farbenblind sein müsse und daß zwischen
weißen und schwarzen Amerikanern - so seine Worte - "ihr Geschick mit dem
unseren verknüpft und ihre Freiheit unlöslich mit unserer Freiheit verbunden
ist; wir können den Weg nicht allein gehen."
In den Jahren nach dem Busboykott machte Dr. King Rechtsgleichheit zu
seiner Lebensaufgabe.
gen und Märsche.

Im ganzen Land organisierte er Boykotte, Versammlun-

Oft wurde er geschlagen, eingesperrt, aber nie gab er auf,

Gewaltlosigkeit zu predigen.

"Arbeitet mit dem Glauben", sagte er zu seinen

- 2 -

�zu seinen Anhängern, "daß Ehre und Leiden die Erlösung bringen."

1964

wurde Dr. King der jüngste Friedens-Nobelpreisträger in der Geschichte.
Seine Arbeit führte Dr. King oft in diese Stadt.

Und an einem schwülen

Augusttag im Jahr 1963 sprach er am Lincoln-Denkmal zu einer Viertelmillion
Menschen.

Und auch dann, wenn dereinst Amerikas Geschichte nicht zwei, son-

dern 20 Jahrhunderte umfassen wird, werden seine Worte an diesem Tag nicht
vergessen sein:

"Ich träume davon, daß eines Tages auf den roten'Hügeln von

Georgia die Söhne ehemaliger- Sklaven und die Söhne ehemaliger Sklavenhalter
dazu fähig sein werden, sich gemeinsam an den Tisch der Brüderlichkeit zu
setzen."
1968 wurde Martin Luther King von einem brutalen Mörder niedergeschossen,
seinem Leben im Alter von 39 Jahren ein Ende gesetzt. Aber diese kurzen 39
Jahre hatten Amerika für immer verändert.

Das Bürgerrechtsgesetz von 1964

hatte allen Amerikanern die gleiche Nutzung öffentlicher Einrichtungen garantiert, den gleichen Zugang zu aus Bundesmitteln finanzierten Programmen und
das Recht, sich um einen Arbeitsplatz auf der Grundlage zu bemühen, daß nur
das Können des einzelnen entscheidet.
Das Wahlgesetz von 1965 stellte sicher, daß fortan alle schwarzen Amerikaner wählen konnten.
eine Gesetzesänderung.

Aber - und dies war das Wichtigste - es war nicht nur
Es war eine Veränderung der Herzen, das Gewissen

Amerikas war berührt worden.

Im ganzen Land hatten die Menschen angefangen,

einander nicht als Schwarze und Weiße zu behandeln, sondern als gleiche Mitbürger dieses Landes.

Und seit dem Tode von Dr. King haben sein Vater, Re-

verend Martin Luther King, Sr., und seine Frau, Coretta King, seine Arbeit
in Wort und Tat fortgeführt.

Auch seine Familie hat sich seiner Sache ver-

schrieben.
Jetzt hat sich unsere Nation verschrieben, Dr. Martin Luther King, Jr.,
dadurch zu ehren, daß jedes Jahr ein Tag dazu verwendet wird, sich seiner zu
erinnern und der gerechten Sache, für die er einstand. Seit Rosa Parks sich

- 3 -

�Rosa Parks sich weigerte, im Bus nach hinten zu gehen, haben wir gewaltige
Fortschritte gemacht. Als demokratisches.Volk können wir stolz auf die Tatsache sein, daß wir Amerikaner uns eines schweren Unrechtes bewußt wurden
und Maßnahmen ergriffen, um es wieder gutzumachen, und wir sollten daran denken, daß in viel zu vielen Ländern Menschen wie Dr. King niemals die Gelegenheit hatten, sich überhaupt Gehör zu verschaffen.
Aber Spuren der Bigotterie verunstalten noch immer Amerika.

Wollen wir

uns deshalb jedes Jahr am Martin Luther King-Tag nicht nur an Dr. King erinnern, sondern uns immer wieder aufs neue den Geboten weihen, an die er glaubte, und nach denen er jeden Tag zu leben suchte.

"Du sollst Deinen Gott von

ganzem Herzen lieben und Deinen Nächsten wie Dich selbst."
Und ich kann nur hoffen, daß wir alle - wenn wir alle, jung und alt, Republikaner und Demokraten alles in unserer Macht Stehende tun, um diesen Geboten gerecht zu werden - den Tag erleben werden, an dem der Traum von Dr,
King Wirklichkeit wird und - um mit seinen Worten zu sprechen - "alle Kinder .
Gottes die Worte mit neuer Bedeutung singen können:

"Land where my fathers

died, land of the pilgrim's pride, from every mountainside, let freedom ring."

+ + +
Frau King:

Alle redlich denkenden Menschen, alle redlich denkenden

Amerikaner sind heute im Geist mit uns versammelt, während Martin Luther
King, Jr. die höchste Anerkennung zuteil wird, die dieses Land verleiht einem Mann, dem auch die höchste Anerkennung zuteil wurde, die die Welt verleiht - der Friedensnobelpreis.
Mit dem Beispiel seines Lebens symbolisierte er das, was recht an Amerika
war, was am edelsten und besten, das der Mensch seit den Anfängen der Geschichte verfolgt.

Er liebte bedingungslos.

Immer verfolgte er die Wahrheit, und

wenn er sie gefunden hatte, so nahm er sie in seine Arme.

- 4 -

Seine gewaltlosen

�Seine gewaltlosen Feldzüge führten zu Versöhnung, zu Harmonie und zu Gerechtigkeit.

Er lehrte uns, daß nur friedliche Mittel einen friedlichen Zweck

erreichen, daß es unser Ziel sein müsse, eine Gemeinschaft der Liebe zu
schaffen.
Amerika ist eine demokratischere Nation, eine gerechtere Nation und
eine friedlichere Nation, weil Martin Luther King, Jr. ihr überragender gewaltloser Beherrscher war.
Martin Luther King, Jr. und sein Geist leben in uns allen.

Dank sei

Gott für die Gnade seines Lebens, seine Führerschaft und seine Hingabe.
Mögen wir einst wert sein, seinen Traum fortzuführen und die Gemeinschaft
der Liebe zu schaffen.

- 5 -

�9. November 1983

45

DONALD RUMSFELD NEUER US-SONDERBOTSCHAFTER FÜR DEN NAHEN OSTEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 3. November 1983 Donald
Rumsfeld zum neuen Sonderbotschafter und zu seinem persönlichen Beauftragten
für den Nahen Osten ernannt.

Er tritt die Nachfolge von Robert McFarlane an,

der im vergangenen Monat zum nationalen Sicherheitsberater des Präsidenten
ernannt worden war.
Mit Rumsfeld hat Präsident Reagan für diese Aufgabe einen Mann auserwählt, der auf eine langjährige Karriere im öffentlichen Dienst zurückblicken
kann und der den diplomatischen Bemühungen der USA um einen Abzug der ausländischen Truppen aus dem Libanon und um die Aushandlung eines Friedens im
Nahen Osten neuen Auftrieb geben soll.

Die neue Mission Rumsfelds stellt be-

sonders große Anforderungen an einen Mann, der in vielen Jahren erfolgreich
im Regierungsdienst der USA wie auch im Bereich der Wirtschaft gearbeitet hat.
Unter anderem war er als Verteidigungsminister, NATO-Botschafter, Kongreßabgeordneter, Präsidentenberater und zuletzt auf dem leitenden Posten einer großen amerikanischen Arzneimittelfirma tätig.
sich", hat er einmal erklärt.

"Männer und Schildkröten ähneln

"Sie kpmmen niqh^ vorwärts, wenn sie nicht wagen,

den Kopf herauszustecken."
Rumsfeld begann

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�Rumsfeld begann seine Arbeit in Washington im Jahr 1957 als Assistent
eines Kongreßabgeordneten, nachdem er die Princeton-Universität absolviert
und seinen Wehrdienst geleistet hatte.

Er bewarb sich dann selbst um einen

Abgeordnetensitz im Repräsentantenhaus, nachdem er zwischenzeitlich im Bankwesen tätig gewesen war. Als Abgeordneter der Republikanischen Partei gehörte
er vier Sitzungsperioden lang dem Repräsentantenhaus an.

Im Jahr 1969 ver-

zichtete Rumsfeld auf seinen Abgeordnetensitz, um eine Reihe von Aufgaben
in den Administrationen der Präsidenten Nixon und Ford zu übernehmen.

Sein

erster Posten war der des Leiters des Amtes zur Sicherung des wirtschaftlichen
Fortkommens; kurze Zeit danach wurde er Berater des Präsidenten mit Kabinettsrang, um dann in den Jahren 1970-1972 zunächst als Berater des Präsidenten und
später als Direktor des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms tätig zu
werden.
Erste diplomatische Erfahrungen erwarb sich Rumsfeld auf dem Posten des
Ständigen Vertreters der Vereinigten Staaten bei der NATO, auf den er 1973
als Botschafter entsandt wurde.

Doch schon im Jahr 1975 wurde er nach

Washington zurückberufen, wo er unter Präsident Ford Stabschef des Weißen
Hauses wurde.

Im Jahr 1975 wurde Rumsfeld das Amt des amerikanischen Vertei-

digungsministers übertragen - ein Posten, den er bis 1977 innehatte.

Damals

lernte er den heutigen Außenminister George Shultz näher kennen, der in diesen Jahren auf verschiedenen Kabinettsposten tätig war.
Bevor Rumsfeld 1977 in die amerikanische Privatwirtschaft zurückkehrte,
wurde ihm für seine Verdienste die amerikanische Freiheitsmedaille, eine der
höchsten zivilen Auszeichnungen der USA, verliehen.
Rumsfeld wurde am 9. Juli 1932 in Evanston im Staate Illinois geboren.
Nach dem Studium der politischen Wissenschaften in Princeton diente er bis
1957 bei den Marinefliegern

als Pilot und später als Fluglehrer.

Jo^e Pierson verheiratet; das Ehepaar hat drei Kinder.
+ + + + +

Er ist mit

�United States Information Service
Embassy of the United States of America
9. November 1983

45

USA LEISTEN SOFORTHILFE FÜR GRENADA

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben rund 3,5 Millionen
Dollar an Soforthilfe für Grenada zur Verfügung gestellt.

Aus amerikanischen

Regierungskreisen verlautete, daß die Kämpfe auf der Insel unter anderem Schäden an der Wasserversorgung für die städtischen Gebiete verursacht haben, die
umgehend behoben werden müssen.
werden.

Auch die medizinische Versorgung muß gesichert

Die Hilfsmaßnahmen für die rund 110 000 Einwohner der Insel werden

nach Angaben aus Washington noch "einige Wochen" andauern.
Der Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (AID), M. Peter
McPherson, erklärte, "unser Hauptziel ist es, die grenadische Wirtschaft
wieder zu einer normalen Aktivität zu bringen, damit die Menschen wieder für
sich selbst sorgen können." Er wies darauf hin, daß in Washington die langfristige Entwicklung wichtiger Sektoren der grenadischen Wirtschaft - wie Landwirtschaft und Tourismus - ins Auge gefaßt wird. Die Vereinigten Staaten haben für solche Aufgaben im karibischen Raum - ohne Grenada - im Jahr 1983
rund 50 Millionen Dollar bereitgestellt.
Gegenwärtig halten

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Gegenwärtig halten sich drei amerikanische Gesundheitsexperten auf
Grenada auf, um zusammen mit Fachleuten der Armee die dringenden Hilfsund Aufbauerfordernisse zu prüfen.

Eine genaue Schätzung der Schäden auf

der Insel ist deshalb schwierig, weil sich die Infrastruktur, vor allem
die Straßen, bereits vorher in einem schlechten Zustand befand.
Zu den ersten Hilfslieferungen gehörten Lebensmittel, Medikamente,
Generatoren für die Stromerzeugung und Wasserbehälter.
Neben der Regierung leisten auch karitative kirchliche Organisationen
in den Vereinigten Staaten tatkräftige Hilfe für Grenada.

+ + + + +

- 2 -

�T

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. November 1983

45

MILLIARDENUMSÄTZE DURCH NACHRICHTENSATELLITEN
- Raumtransporter fördert Weiterentwicklung -

- (AD) - Die künftige Entwicklung von Nachrichtensatelliten wird durch
den Raumtransporter ganz wesentlich beeinflußt werden.

Diese Ansicht vertrat

James Beggs, Administrator des amerikanischen Amtes für Luft- und Raumfahrt
(NASA), vor einem Unterausschuß des US-Senats.

Im nächsten Jahrzehnt, so

Beggs, dürften Dienstleistungen über Nachrichtensatelliten ein Markt mit
einer der größten Wachstumsraten sein.

Und angesichts der Möglichkeiten, un-

ter Einsatz des Raumtransporters Satelliten zusammenzubauen, zu testen, neue
Gerä'tetypen zu verwenden und die Wartung im Weltraum durchzuführen, könnte
die Raumfähre sogar das Nachrichtenwesen revolutionieren und helfen, bisher
nicht für praktikabel gehaltene Projekte zu verwirklichen.
Beggs verwies darauf, daß sich die Vereinigten Staaten in bezug auf den
Start von Satelliten wachsender Konkurrenz durch andere Länder gegenübersähen.
Japan, Kanada und westeuropäische Staaten seien dabei, entsprechende Dienstleistungen, wie sie bisher die NASA als Startorganisation für kommerzielle
Nachrichtensatelliten erbrachte, auf- und auszubauen. Schärfster Konkurrent
für Trägergeräte werde die ARIANE-Rakete der ESA (Europäische Weltraumagentur)

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�(Europäische Weltraumagentur) sein.
ist sie nur einmal verwendbar.

Wie alle bisher verwendeten Raketen

Mit ihr wurden im Juni erstmals zwei kommer-

zielle Satelliten auf Erdumlaufbahnen gebracht.
1985 vorgesehen.

Weitere 17 Starts seien bis

Die ESA plane, zwischen 1985 und 1991 insgesamt 258 nicht-

militärische Satelliten zu starten.
ARIANE sei als vollwertiger und "sehr aktiver Konkurrent anzusehen",
erklärte James Beggs.
wie wir sie bieten".

Sie biete "Dienstleistungen auf der gleichen Basis,
Letztlich sei aber der Raumtransporter ein effektiveres

und leistungsstärkeres Startsystem, das sich mit der Zeit auf dem Markt besser
behaupten werde.

Milliardengeschäft
*

Einkünfte durch kommerzielle Nachrichtensatelliten mit weltumspannenden
Verbindungssystemen belaufen sich derzeit auf annähernd drei Milliarden Dollar
- für Dienstleistungen im Telefon-, Fernseh- und Datenübermittlungsbetrieb.
Insgesamt 22 separate Nachrichtensysteme, an denen 144 Länder teilhaben, wurden bereits installiert, und 30 weitere sind geplant.

"Die Investitionen für

kommerzielle Nachrichtensatelliten dürften bis 1990 etwa zehn Milliarden Dollar
ausmachen", sagte Beggs.

Dazu kämen Umsätze in Höhe von weiteren zehn Mil-

liarden Dollar für die Lieferung der Trägerraketen und für die dazugehörigen
Dienstleistungen.

Dies alles zusammen schaffe einen enormen, finanziell

attraktiven Markt.
Die gegenwärtige Generation von Satelliten sei im Hinblick auf die Verwendung von sog. Verlustgeräten als Trägerraketen für den Start konstruiert,
erklärte Beggs.

Heute aber stelle der Raumtransporter einen wichtigen Faktor

dar, der die künftige

Auslegung von Nachrichtensatelliten und die Art und

Weise ihrer Nutzung weitgehend mitbestimme.

"Die Raumfähre vermag viel schwe-

rere Nutzlasten in eine Erdumlaufbahn zu befördern, und sie macht es möglich,
Geräte vor dem Absetzen im Orbit durchzutesten und zu überprüfen.

- 2 -

Wir werden

�Wir werden schließlich in der Lage sein, Satelliten aus dem geostationären
Orbit (d.h. aus der 36 000-km-Umlaufbahn) zurückzuholen, um sie auf der Erde
zu reparieren.

Dies ist ein großer Vorteil, da künftige Satelliten größer

und gegenüber den heutigen Geräten technisch vielseitiger und viel leistungsfähiger sind", meinte der NASA-Chef.
Der Trend in der Nachrichtentechnik gehe zu Systemen größerer Kapazität,
zu technisch eleganteren Satelliten und steter Verringerung der Servicekosten.
In den frühen neunziger Jahren dürften die herkömmlichen Dienstleistungen, wie
sie heute im Telefondienst über Satelliten üblich sind, durch die Einführung
neuer Systeme erweitert und verbessert sein.

Die Schaltzentralen für die

Weiterleitung und Aufbereitung von Meldungen und Daten werde man auf Satelliten im Weltraum verlegen, so daß komplexe erdgebundene Verbindungen überflüssig
werden.

Verbundnetze privater Firmen werden infolge der Verwendung kleinerer

Terminals, auf Dächern und größeren Parkplätzen installiert, wesentlich ausgeweitet.

Sie verbinden künftig Büros mit Prozessoren verschiedener Art

und gemeinschaftlich betriebenen Computern, übermitteln Post auf elektronischem
Weg und ermöglichen Konferenzschaltungen,

über kleine, billige Antennen auf

Privathäusern sind Fernseh- und Radioprogramme von Hochleistungssatelliten
direkt zu empfangen.
Im Verlauf der nächsten zehn Jahre, so erklärte Beggs, werde man dank
der wachsenden Kapazität von Trägergeräten für Nutzlasten immer größere Nachrichtensatelliten mit sehr viel höherem Leistungsvermögen einsetzen können.
Nach Überzeugung von NASA-Fachleuten führe dieser Trend schließlich zu einem
ständig sich ausweitenden Einsatz geostationärer Plattformen, die vollgepackt sein werden mit großen, leistungsstarken Antennen zum Abstrahlen von
Signalen. Bankverkehr, Einkaufen und viele Bürotätigkeiten ließen sich von
zu Hause aus abwickeln, indem man Computerterminals benutzt, die über Satelliten verbunden sind.

+ + + + +

- 3 -

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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. November 1983

46

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan reicht sowjetischem Volk Hand der Freundschaft
- Erklärung zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer
Beziehungen -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Invasion Grenadas war gerechtfertigt
- Von Michael D. Barnes, Kongreßabgeordneter der
Demokratischen Partei Grenada ist nicht Afghanistan
- Von Theodore L. Eliot, Jr. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Wall Street Journal
(c) Copyright Dow Jones and Ind., 1983

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gemeinschaftslabor im Weltraum
- SPACELAB eröffnet neue Möglichkeiten für Forschung
und Technologie -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

T

^ ' 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

17. November 1983

46

REAGAN REICHT SOWJETISCHEM VOLK HAND DER FREUNDSCHAFT
Erklärung zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Erklärung anläßlich des 50. Jahrestages der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR betont, Amerika sei zutiefst dem Frieden
verpflichtet und strecke dem sowjetischen Volk eine Hand der Freundschaft entgegen.

Die Erklärung wird in der neuen Ausgabe der in russischer Sprache er-

scheinenden Zeitschrift "America Illustrated" abgedruckt, die in Kürze in der
Sowjetunion in den Verkauf gelangt.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Vor 50. Jahren, im November 1933, haben die Regierungen der Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken formelle
diplomatische Beziehungen aufgenommen.

Die Errichtung unserer jeweiligen diplo-

matischen Missionen in Washington und Moskau und die Ernennung von William Bullitt
als amerikanischer Botschafter in der UdSSR und von Alexander Trojanowsky als
sowjetischer Botschafter in den Vereinigten Staaten bedeutete

eine wichtige Än-

derung in den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Wie Präsident

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wie Präsident Franklin Delano Roosevelt es damals ausdrückte, die Schwierigkeiten zwischen unseren beiden Nationen waren "ernst", aber nicht "unlösbar"
und konnten durch offene Gespräche und Verhandlungen verbessert werden. Unser Ziel war damals wie heute die Erhaltung des Friedens in der Welt.
Innerhalb weniger als eines Jahrzehnts fanden wir uns als Verbündete im
Zweiten Weltkrieg gegen den Nationalsozialismus kämpfend.

Die enormen Opfer,

die wir alle gebracht haben, überzeugten unsere beiden Länder, daß wir zur Erhaltung des Friedens zusammenarbeiten mußten, aber die Differenzen zwischen
unseren Regierungen blieben doch ernst.
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist seit langem führend in den
internationalen Bemühungen um eine Verringerung des Risikos eines Krieges.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben seit über einem Jahrzehnt
Verhandlungen über Kernwaffen geführt.

Wir sind uns darüber im klaren, daß

in diesem Zeitalter der ungeheuer zerstörerischen Kernwaffen beide Regierungen
vor der Herausforderung und der Verpflichtung stehen, einschneidende, ausgewogene und verifizierbare Verringerungen dieser Waffensysteme herbeizuführen.
Der jüngste meiner Vorschläge, die jetzt in den beiden Verhandlungsrunden in Genf auf dem Tisch liegen, ist Ausdruck einer ehrlichen und vernünftigen Haltung, die darauf angelegt ist, zwei Grundziele zu erreichen:
die Wahrscheinlichkeit zu vermindern, daß sich die eine oder die andere
Seite versucht fühlen könnte, aus Angst oder Fehleinschätzung Kernwaffen
einzusetzen, und den bestehenden Stand unserer Nukleararsenale wesentlich zu
verringern. Das sind ehrgeizige Ziele für die Lösung schwieriger und komplexer Probleme, aber es sind Ziele, die nach meiner Überzeugung unsere beiden
Länder durch ernsthafte Verhandlungen und Zusammenarbeit erreichen können.
Auf längere Sicht müssen wir jedoch von einer Situation wegkommen, in
der unsere beiden Länder für ihre Verteidigung von der Androhung eines zerstörerischen Vergeltungsangriffs abhängen, denn eine solche Strategie schließt
- 2 -

�Strategie schließt das Risiko der Vernichtung unserer beiden Gesellschaften,
ja der Bevölkerung aller Länder, ein.
Wegen meiner Besorgnisse in dieser Hinsicht habe ich unsere Regierungsexperten und wissenschaftlichen Spezialisten gebeten, neue Formen der Verteidigung gegen die Gefahren eines absichtlichen und unabsichtlichen Nuklearangriffs zu suchen.

Wir hoffen, daß auch die sowjetische Regierung zustim-

men wird, daß es in unserem gemeinsamen Interesse liegt, nach besseren Mitteln und Wegen zur Aufrechterhaltung des Friedens und eines stabilen militärischen Gleichgewichts zu suchen - parallel zu unseren Bemühungen in den
Genfer Verhandlungen, den Stand der nuklearen Konfrontation zu senken.

Wir

sind der Meinung, daß unsere beiden Regierungen weiterhin über diese wichtige
Frage sprechen sollten.
Solche fortschrittlichen Verteidigungssysteme sind natürlich eine Hoffnung für die Zukunft.

In der Zwischenzeit werden wir uns weiter verpflich-

tet fühlen, beiderseits akzeptable

Wege zu finden, um einschneidende, aus-

gewogene und verifizierbare Verringerungen der Kernwaffen durch die sowjetische Regierung und meine Regierung vorzunehmen.
Das amerikanische Volk will, wie das sowjetische Volk, den Frieden, und
unsere Regierung ist direkt und unmittelbar dem Volk verantwortlich, von dem
wir gewählt werden.

Jede Behauptung, die Vereinigten Staaten hegten feind-

selige Absichten, ist eine falsche Interpretation unserer Politik.

Das ame-

rikanische Volk und seine gewählten Vertreter sind zutiefst dem Frieden verpflichtet.

Selbst als die Vereinigten Staaten ein absolutes Monopol in Kern-

waffen besaßen, war dies der Fall.

Damals wie heute haben wir unser Bestes

getan, um unsere friedlichen Absichten erkennen zu lassen.
Wollen wir hoffen, daß unsere Bemühungen um die Aufrechterhaltung des
nuklearen Friedens von Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und uneingeschränkten Menschenrechten des einzelnen für alle Menschen begleitet werden, so daß
das Nichtvorhandensein von Krieg nicht nur internationalen Frieden, sondern

�Frieden, sondern auch Frieden im eigenen Lande bedeuten kann. Die Vereinigten Staaten sind auf dem Prinzip der Freiheit als göttliches Geburtsrecht
aller Menschen gegründet. Wir stehen heute wie im Zweiten Weltkrieg in der
Verteidigung der Freiheit. Unsere Hand ist in Freundschaft den Völkern der
UdSSR entgegengestreckt, denen wir die Segnungen des Friedens, des Wohlstandes
und der Freiheit wünschen.

+ + + + +

�17. November 1983

DIE INVASION GRENADAS WAR GERECHTFERTIGT
Von Michael D. Barnes, Kongreßabgeordneter der Demokratischen Partei

Michael D. Barnes, demokratischer Kongreßabgeordneter des Bundesstaates Maryland
und Vorsitzender des Unterausschusses des
Repräsentantenhauses für Fragen der westlichen Hemisphäre, war Mitglied einer
Gruppe von Abgeordneten, die jüngst in
Grenada waren, um sich ein Urteil über
die dortige Lage zu verschaffen.

Als ich zum erstenmal am Morgen des 25. Oktober von der Invasion Grenadas
erfuhr, war es nicht schwer, Gründe zu finden, die dagegen sprachen.

Ich war

schon immer gegen die Einstellung der Reagan-Administration, daß Gewalt ein
normales Mittel zur Gestaltung der internationalen Beziehungen sei und als solches
freiweg zur Vertretung unserer Interessen eingesetzt bzw. damit gedroht werden
sollte.
Die Administration war schon seit langem streitlustig und Grenada war ein
leichtes Ziel - ohne wirksame Streitkräfte und einer Bevölkerung, die - wie dem
Unterausschuß, dem ich Vorsitze, kürzlich gesagt wurde - in das Sportstadion einer
jeden größeren amerikanischen Universität passen würde.
Es gab vor

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Telex: 8-85432

�Es gab vor der Invasion selbst keinerlei Konsultation mit dem Kongreß.

Die

Gründe, die der Präsident an jenem Morgen für die Invasion angab, waren die
üblichen Vorwände einer militärischen Intervention: Schutz der eigenen Staatsbürger; und eine "Bitte" kleiner, in hohem Maß abhängiger "Verbündeter", deren
Autonomie fragwürdig war.
Eine Nachrichtensperre vermittelte den Eindruck, etwas ginge auf der Insel
vor sich, was die Administration verbergen wolle. Und im Kongreß wie im Land
draußen machte sich die Furcht breit, die Invasion Grenadas - gleich, wie erfolgreich sie auch verlaufen mochte - kündige nur etwas an, was offensichtlich die
törichte und höchst kostspielige Invasion Nicaraguas sein würde.
Dennoch: Ich war nicht sofort gegen die Invasion. Mein Entschluß war, mich
mit meinem Urteil zurückzuhalten, bis ich mehr über die Tatsachen wußte.

Eben

weil die Reagan-Administration der Meinung ist, wir müßten stets bereit sein,
Gewalt anzuwenden, so bedeutet dies keineswegs, daß wir niemals bereit sein
dürften, Gewalt anzuwenden.

Ich war mir selbst nicht ganz so sicher, ob ich

nicht - hätte ich an der Stelle des Präsidenten gestanden - in diesem Fall dasselbe getan hätte.
Am Tag der Invasion sagte ich, es müßte eine Antwort auf fünf Fragen gegeben
werden.
Erstens, hinsichtlich des Argumentes, Zweck der Invasion sei es gewesen,
amerikanische Bürger zu retten, galt es zu fragen: Waren diese Menschen wirklich
in Gefahr?
Zweitens, unternahmen die Vereinigten Staaten echte Anstrengungen, das Problem'
ohne kriegerische Mittel zu lösen oder griff man zur Gewalt als erstbestes Mittel?
Drittens, war diese Aktion wirklich eine Initiative der Organisation Ostkaribischer Staaten, oder wurde der Plan in Washington ausgeheckt und erst danach
eine multinationale Streitmacht herbeigeschafft?
Viertens, machte

�Viertens, machte man sich wirklich Gedanken über den Preis der Operation,
oder war sie im wesentlichen eine Übung in Gewalt, die womöglich mehr Menschenleben kostete als sie rettete?
Und fünftens, hatten wir wirklich darüber nachgedacht, ob es möglich wäre,
daß in Grenada eine demokratische Regierung an die Macht kommt oder liefen wir
Gefahr, selbst eine Regierung installieren und unterhalten zu müssen?
Die Einladung des Sprechers des Kongresses, O'Neill, über das Wochenende
an einer Informationsreise nach Grenada teilzunehmen, gab mir Gelegenheit,
Antworten auf meine Fragen zu finden.

Widerstrebend kam ich zu der Schluß-

folgerung, daß der Präsident mit seiner Aktion gerechtfertigt war.
Ich bin nunmehr überzeugt, daß die amerikanischen Bürger auf Grenada entweder
in großer körperlicher Gefahr waren oder sicherlich allen Grund hatten, zu glauben,
sie seien in Gefahr.

Jeder amerikanische Staatsbürger, den unsere Delegation auf

Grenada traf, bestätigte dies.

Unsere Diplomaten auf der Insel waren ebenfalls

der Überzeugung, unsere Bürger dort seien in Gefahr und fürchteten, eine GeiselSituation könne sich entwickeln.

Keiner der fünf Diplomaten wußte vorher von

der Invasion, aber alle berichteten uns, daß ihr erster Gedanke, nachdem sie von
der Invasion hörten, war, daß sie eine angemessene Reaktion auf die sehr gefährliche Lage gewesen sei, wie sie sie in Grenada gesehen hatten.
Die Frage danach, ob Gewalt als erstes oder als letztes Mittel eingesetzt
wurde, ist schwieriger.

Ich meine, wir begingen seit 1979 einen fundamentalen

Fehler dadurch, daß wir uns weigerten, den Versuch zu unternehmen, mit der
Regierung Bishop zu leben.

Es war dies der Zeitraum, da wir hätten versuchen

können, Bishop von Kuba abzubringen und in Richtung auf eine demokratische
Regierung zu bewegen, wie dies unsere Freunde in der Regierung versuchten.
Stattdessen war

�Stattdessen war es einseitig unsere Politik, Bishop zu isolieren, was zur
Folge hatte, daß unsere Optionen sich eherverengten als erweiterten.

Nachdem es

aber erst einmal zu dem Staatsstreich gekommen war und sich der Terror auf der
Insel ausbreitete, gab es keine Alternativen mehr zur Gewalt - dies zumindest ist
die eindeutige Aussage der vier Ministerpräsidenten der ostkaribischen Staaten,
mit denen wir auf Barbados zusammentrafen.
Diese Einschätzung wird auch von unseren Diplomaten geteilt, die auf der
Insel waren und versuchten, mit General Hudson Austin über die Evakuierung der
Amerikaner dort zu verhandeln; sie berichteten uns, daß sie am Sonntag abend
vor der Invasion zu dem Eindruck gelangt waren, Austin verhandle nicht in gutem
Glauben.
Meine dritte Frage, zu diesem Schluß bin ich gekommen, ist akademischer
Natur.

Ich glaube, daß das Ersuchen der Organisation Ostkaribischer Staaten

(OECS) echt ist, auch wenn ich zugleich der Meinung bin, die Vereinigten Staaten
waren zum Handeln bereit - schon bevor sie ein formelles Ersuchen von der OECS
erhalten hatten.

Sicher ist, daß die OECS-Staaten das Gefühl hatten, von den

Verhältnissen in Grenada bedroht zu sein und daß sie äußerst dankbar dafür waren,
daß ihnen die Vereinigten Staaten zu Hilfe kamen.
Viertens: Was den Preis angeht, so handelte es sich um eine sehr riskante
Operation und wir hatten sehr großes Glück, daß den amerikanischen Zivilisten im
Verlauf der Operation nichts geschah. Es hätte leicht zu einer Katastrophe
kommen können. Nachdem ich die Berichte der Vertreter des Außenministeriums
gehört habe, die während der Tage vor der Invasion dort waren, bin ich allerdings
zu dem Schluß gekommen, daß der Präsident stichhaltige Gründe für die Schlußfolgerung hatte, daß im Fall eines Nichteingreifens die Kosten für die amerikanischen Staatsbürger potentiell sehr hoch gewesen wären.
Es gab Verluste

�Es gab Verluste an Menschenleben und kein einziges ist bedeutungslos. Höchst
bedauerlich vor allem war die Bombardierung der Nervenklinik - wobei ich davon
überzeugt bin, daß es sich um ein wirkliches Versehen handelte.

Aber sowohl die

Grenadier als auch die Vertreter der OECS priesen rückhaltlos unsere Truppen für
ihre echten und in so großem Umfang erfolgreichen Bemühungen, Opfer unter der
Zivilbevölkerung zu vermeiden, wobei dies oft unter eigener Lebensgefahr geschah.
Es war eine sehr schwierige Entscheidung, aber angesichts der Faktoren, die der
Präsident abzuwägen hatte, um zu der von ihm getroffenen Entscheidung zu gelangen,
auch angemessen.
Schließlich wird die spätere Beurteilung dieser Aktion davon abhängen, wie
erfolgreich wir dabei sein werden, bald einen Rückzug herbeizuführen und eine
stabile, demokratische Regierung zurückzulassen.

Kurz vor seiner Amtsenthebung

sagte Premierminister Bishop in einem Interview: "Die Amerikaner könnten herausfinden, daß es leicht ist, auf Grenada zu landen - aber nicht so leicht, es wieder
zu verlassen".

Wir hoffen nicht, daß seine Worte prophetisch waren.

Aber es

besteht die ernste Gefahr, daß dem so ist, denn niemand in Grenada - und auch
keiner der Nachbarstaaten - möchte unbedingt, daß wir gehen.
Mein Besuch vermittelte mir den Eindruck, daß die östliche Karibik ein von
ihrer Natur her proamerikanisches Gebiet mit fähigen Führungen und starker demokratischer Tradition ist. Wenn wir die Dinge nicht übertreiben, können wir einen
echten Beitrag zum Aufbau lebensfähiger Gesellschaften in dieser Region leisten.
Aber mein Besuch gab mir auch einen Geschmack von der Einzigartigkeit dieses
Ereignisses.

Das Schlimmste, was wir tun könnten, wäre, die Intervention als eine

Art "Macho"-Ereignis zu betrachten und zu sagen: "Die Sache läuft; machen wir es
gleich

woanders auch".

Die Intervention in Grenada könnte ein militärischer

Triumph sein, aber sie ist in einem noch größeren Ausmaß ein Versagen der Diplomatie.
Die Lehre, die wir daraus ziehen sollten, lautet, daß es sich nicht noch
einmal ereignen darf. Mit genügend kreativer Diplomatie und tatkräftigen Wirtschaftshilfsprogrammen können wir - so hoffe ich - vermeiden, daß wir irgendwann in
Zukunft darüber diskutieren müssen, ob eine andere Aktion "ein neues Grenada" ist
oder nicht.
+ + + + +
- 5 -

�17. November 1983

46

GRENADA IST NICHT AFGHANISTAN
- Von Theodore L. Eliot, Jr. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Wall Street Journal
(c) Copyright Dow Jones and Inc., 1983

Der Autor war von 1973 bis 1978 amerikanischer Botschafter in Afghanistan und
ist heute Dekan der juristischen Fakultät
der Tufts-Universität in den USA.

Das derzeit in vielen Kreisen in der Welt betriebene Spiel, die amerikanische Beteiligung an der Intervention in Grenada mit der sowjetischen Invasion
Afghanistans zu vergleichen, ist nicht einfach eine neue Version eines alten
Spiels. Es ist der bedauerliche Versuch, sowjetische und amerikanische Werte
gleichzusetzen. Und es ist auch angesichts der kommenden Afghanistan-Debatte
in der Vollversammlung der Vereinten Nationen in gefährlicher Weise irreführend.
Es gibt Unterschiede wie auch Ähnlichkeiten in beiden Situationen.

Wollen

wir mit den Unterschieden beginnen.
Die sowjetische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die sowjetische Invasion Afghanistans ist der brutale Versuch, ein bisher
unabhängiges und blockfreies Land dem sowjetischen Imperium einzuverleiben.

Im

Dezember 1979 setzten die Sowjets eine Marionette als afghanischen Führer ein,
ließen ihn die Rote Armee einladen, während er sich noch auf sowjetischem Territorium befand, und wandten dann Gewalt an, um die bestehende Regierung zu stürzen.

Seither haben über 100 000 sowjetische Soldaten einen erbarmungslosen

Terrorkrieg gegen das afghanische Volk geführt - mit Kampfhubschraubern zur Zerstörung von Dörfern, zum Niederbrennen der Ernten, zum Abwurf von tödlichen
Fallen für Kinder und, wie man vielen Berichten entnehmen kann, für die chemische
Kriegführung.

Ober 200 000 afghanische Zivilisten sind getötet worden; über

vier Millionen Afghanen wurden gezwungen, als Flüchtlinge im benachbarten Iran
und Pakistan zu leben.

Die Rohstoffe in Afghanistan, darunter Kupfer, Eisen-

erz und Erdgas, werden in die UdSSR geschafft.

Die Energieversorgung des nörd-

lichen Afghanistan ist an das sowjetische Netz in Zentralasien angeschlossen
worden, und neue Straßen- und Eisenbahnverbindungen der voraussichtlichen Kolonie
zur Sowjetunion sind hergestellt worden.

Das sind deutliche Hinweise, daß die

Sowjets nicht daran denken, wieder abzuziehen.
Das afghanische Volk seinerseits hat sich fast ausnahmslos erhoben, um
gegen den fremden Eindringling zu kämpfen und die Unabhängigkeit des Landes
wiederherzustellen.

Unter schwersten Bedingungen und großen Opfern und mit mi-

nimaler Hilfe von außen kämpfen diese Männer mit einer unglaublichen Tapferkeit
gegen die mächtigste Armee der Welt.
Wie sieht es in Grenada aus? Die Vereinigten Staaten wurden von einer
Gruppe karibischer Staaten - alles unabhängige Demokratien - aufgefordert, mit
ihnen an einer Aktion in Grenada teilzunehmen, um in diesem kleinen Inselstaat
wieder eine demokratische Regierung herbeizuführen. Diese Aktion war darauf
angelegt, die Verluste unter der Zivilbevölkerung Grenadas so gering wie nur irgend möglich zu halten. Es wurde von Anfang an unmißverständlich erklärt, daß
die Besatzungsmacht nur so lange auf der Insel bleiben werde wie notwendig,
um die Ordnung aufrechtzuerhalten und der Bevölkerung von Grenada die Gelegenheit zu bieten, ihre eigene Regierung zu wählen.
Durch die

�Durch die Operation wurde ein Militärregime abgesetzt, das klar erkennbar
nicht die Absicht hatte, einen demokratischen politischen Prozeß zuzulassen, und
das seine militärisch hilflosen Nachbarn und Hunderte amerikanischer Zivilisten
auf der Insel bedrohte.
Die Ähnlichkeiten zwischen der Lage in Afghanistan und Grenada sind ebenso
augenfällig.

Man hat seit einiger Zeit angenommen - und es hat sich jetzt be-

stätigt -, daß die Sowjets mit ihren kubanischen - und sogar bulgarischen und
ostdeutschen - Stellvertretern damit beschäftigt waren, Grenada in einen sowjetisch-kubanischen Stützpunkt in dieser strategisch wichtigen Ecke der Karibik
zu verwandeln.

So wie die Sowjets Stützpunkte in Afghanistan errichten, die die

Seewege für den Transport des Erdöls aus dem Persischen Golf bedrohen, so würde
ein sowjetischer Stützpunkt auf Grenada die Tankerrouten von Venezuela bedrohen.
So wie die Sowjets versuchen, Afghanistan ihrem Imperium einzuverleiben, so versuchten

sie das mit Grenada.

Mit ihrer Unterstützung des Widerstandes des

afghanischen Volkes und ihrer Unterstützung der Nachbarn Grenadas handeln die
Vereinigten Staaten, um den imperialistischen Ambitionen der Sowjets Einhalt zu
gebieten.
Statt die Vereinigten Staaten zu beschimpfen und zu verurteilen, weil
sie versuchten, auf der Spitze der Bajonette die Demokratie nach Grenada zu
bringen - eine Beschuldigung, die von Senator Daniel P. Moynihan erhoben wurde,
der offensichtlich übersehen hat, wie die Demokratie in Westeuropa 1943 bis
1945 wiederhergestellt wurde - sollten sich die Kritiker Amerikas vielleicht
besser besinnen, ob es klüger sei, sich mit der sowjetischen Aggression abzufinden oder sich den Bemühungen anzuschließen, dieser Aggression zu begegnen.
Sowohl in Afghanistan wie in Grenada stehen die Vereinigten Staaten auf der Seite jener, die die Freieit wollen und den Totalitarismus ablehnen.

Manchmal

ist die Anwendung von Gewalt notwendig, um die Freiheit zu unterstützen und
die Aggression zu verhindern.
In den nächsten Wochen, das steht fest, wird sich die Politik der ReaganAdministration an den Normen messen lassen müssen, die sie sich selbst gesetzt
hat.

Die amerikanischen Streitkräfte müssen - wie in der Situation in der Do- 3 -

�in der Dominikanischen Republik - abgezogen werden, sobald eine ausreichende
Ordnung besteht, die den Beginn eines demokratischen politischen Prozesses erlaubt. Ein solcher Abzug hat bereits begonnen. Es steht zu hoffen, daß nicht
nur die anderen Staaten der Ostkaribik, sondern auch die Briten aufgrund ihrer
besonderen Beziehung zu Grenada dazu beitragen werden, um den Erfolg dieses
politischen Prozesses zu gewährleisten.
Wann wird die Sowjetunion ihre Streitkräfte aus Afghanistan abziehen
und dort einen solchen Prozeß erlauben?

+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

46

17. November 1983

GEMEINSCHAFTSLABOR IM WELTRAUM
- SPACELAB eröffnet neue Möglichkeiten für Forschung und Technologie

- (AD) - Der neuntägige Flug der Raumfähre COLUMBIA mit dem europäischen
Weltraumlabor (SPACELAB) soll nunmehr am 28. November 1983 beginnen.
Tag öffnet sich das "Startfenster" für eine Woche.

An diesem

Der bereits für den 28. Oktober

vorgesehene Starttermin mußte wegen technischer Mängel an einer der Trägerraketen
und an Ausrüstungen des Raumtransporters verschoben und die Raumfähre vom Startplatz in die Montagehalle zurückgeholt werden.
Obgleich einige Projektwissenschaftler wegen der günstigeren Lichtverhältnisse im Spätwinter eine weitere Verschiebung bis Ende Februar in Kauf genommen
hätten, einigte man sich wegen dadurch entstehender zusätzlicher Kosten und der
Störung des gesamten Zeitplans für Raumtransporterflüge im Jahr 1984 auf den jetzt
vorgesehenen Termin.

Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) und die europäische

Weltraumorganisation ESA kamen überein, Mitte 1985 eine Reihe von Experimenten zu
wiederholen, die infolge der Licht- und Wetterbedingungen Ende November und Anfang
Dezember eine zu geringe wissenschaftliche Ausbeute erwarten lassen.

So dürfte

nach Berechnungen von NASA-Wissenschaftlern ein geplantes amerikanisch-japanisches
Experiment, bei dem mittels Elektronenentladungen künstliche Polarlichter erzeugt
und von einer Spezialkamera aufgenommen werden sollen, etwa 60 Prozent an

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�60 Prozent an Effektivität einbüßen.

Bei einem europäischen Experiment zur Ermitt-

lung von Schadstoffen in der Atmosphäre muß wegen des flachen Winkels der Sonneneinstrahlung im November und Dezember wahrscheinlich auf ein Drittel der sonst
zu erwartenden Ergebnisse verzichtet werden.
Mit 38 Experimentierausrüstungen (Gesamtgewicht: ca. drei Tonnen) werden
72 meß- und Versuchsprojekte aus den Fachgebieten Biologie und Medizin, Hochenergie- bzw. Plasmaphysik, Astronomie, Erdbeobachtung und Materialforschung durchgeführt.

Fast 150 Wissenschaftler aus 11 europäischen Ländern, den Vereinigten

Staaten, Kanada und Japan haben über die beiden Nutzlastspezialisten an Bord,
Dr. Ulf Merbold und Dr. Byron Lichtenberg, zu ihren Experimenten während des
Fluges direkten "Zugang".
Die NASA erklärte sich bereit, bei künftigen Space-Shuttle-Flügen kostenlos
Raum für jene Experimente zur Verfügung zu stellen, die wegen der Terminänderung
besonders beeinträchtigt werden., Für den Jungfernflug des Weltraumlabors an Bord
der COLUMBIA werden auf Grund eines Kooperationsvertrags zwischen NASA und ESA
keine Gebühren erhoben.

Bei künftigen Einsätzen dagegen zahlt die ESA bis zu

35 Millionen Dollar an die Vereinigten Staaten.
Der bevorstehende Flug ist mit neun Tagen Dauer das bisher längste Unternehmen
im Raumtransporterprogramm, dazu das erste mit sechs Mann Besatzung.

Kommandant

ist John Young (53), der bereits fünf Weltraumflüge hinter sich hat. Mit von der
Partie sind die NASA-Astronauten Brewster Show (38), ehemaliger Luftwaffenoffizier
und Testpilot mit hohen akademischen und fliegerischen Auszeichnungen, der dem
NASA-Astronautenteam seit 1978 angehört, ferner Dr. Owen Garriott (52) und
Dr. Robert Parker (46). Als Pilot beim zweiten bemannten SKYLAB-Flug im Jahr 1973
verbrachte Garriott 59 Tage im Weltraum; in der Folgezeit leitete er als einer
der technischen Direktoren des Johnson-Raumfahrtzentrums in Houston die Abteilung
für Weltraumwissenschaften.

Parker ist Astrophysiker und lehrte an der Universität

Wisconsin, ehe er 1967 in das Astronautenteam der NASA aufgenommen wurde.
Dr. Ulf Merbold

�Dr. Ulf Merbold (42) und Dr. Byron Lichtenberg (35) dagegen, die die im
SPACELAB untergebrachten Experimente betreuen, sind die ersten Wissenschaftler an
Bord eines amerikanischen Raumschiffs, die nicht die reguläre Astronautenausbildung haben.

In einem Kurzlehrgang von knapp zwei Monaten Dauer wurden ihnen die

notwendigsten Kenntnisse über die Systeme des Raumtransporters vermittelt.

Aber

die Zeit ihrer Einarbeitung in das eigentliche SPACELAB-Programm und die damit
verbundenen wissenschaftlichen Aufgaben erstreckt sich über einige Jahre und
führte sie in Laboratorien rund um die Welt.
Ulf Merbold, geboren in Greiz (Thüringen), studierte in Stuttgart Physik.
Am dortigen Max-Planck-Institut, wo er seit Jahren tätig ist, spezialisierte er
sich auf Werkstoffwissenschaften. Flugsport, vor allem der Segelflug, ist sein
besonderes Hobby. Lichtenberg hatte zunächst Flugzeugbau studiert, wurde während
des Militärdienstes zum Jagdflieger ausgebildet und setzte danach am Massachusetts
Institute of Technology (MIT) in Boston das Maschinenbaustudium fort. Nach der
Promotion befaßte er sich mit biotechnischen Forschungsprojekten in einem der MITLaboratorien. Seine Untersuchungen zum Aufbau des Vestibularsystems im menschlichen
Innenohr, von dem aus der Gleichgewichtssinn gesteuert wird, gaben den Ausschlag,
daß die NASA vor ein paar Jahren seine Bewerbung als Nutzlastspezialist für das
künftige Raumtransporterprogramm annahm.
Vom Johnson-Raumfahrtzentrum Houston aus können die Projektwissenschaftler den
Fortgang ihrer Experimente im SPACELAB an Bord der COLUMBIA verfolgen. Merbold
und Lichtenberg arbeiten in abwechselnder 12-Stunden-Schicht, haben allerdings
bei einer Reihe von Projekten die Unterstützung der Wissenschaftsastronauten
Garriott und Parker, über Funk verständigen sie sich mit den wissenschaftlichen
Projektleitern in Houston, wenn Probleme auftauchen, Fragen zu klären sind oder
Versuchsbedingungen geändert werden sollen. Computer in der Flugleitzentrale
zeigen den jeweiligen Stand eines Experiments im SPACELAB an.
In Houston

�In Houston beobachten zwei Kollegen der Nutzlastexperten alles mit, was im
SPACELAB geschieht.

Es sind dies der holländische Kernphysiker Dr. Wubbo Ockels

von der Universität Groningen und der amerikanische Physiker Dr. Michael Lampton
von der Universität Kalifornien in Berkeley, die zusammen mit Merbold und
Lichtenberg die Ausbildung für SPACELAB absolviert haben.

Und gemeinsam mit den

Projektwissenschaftlern wurden, oft erst nach vielen Abänderungen, Programmbedingungen entwickelt, welche von den Apparaturen, Instrumenten und dem Projektaufbau her optimale Ergebnisse erwarten lassen.

Da dennoch bei der ersten Erpro-

bung des Vielzwecklabors im Weltraum mit nicht vorhergesehenen Situationen
gerechnet werden muß, haben Ockels und Lampton eine wichtige Funktion als Berater
sowohl der Projektwissenschaftler in Houston wie auch ihrer Kollegen an Bord der
COLUMBIA.

Sie sind zwischen beiden die ständig verfügbaren Kontaktpersonen, die

eine bestmögliche Zusammenarbeit garantieren.

- Wichtige Experimente Alle sechs Personen an Bord der COLUMBIA sind in eine Reihe von Studien aus
dem Gebiet der sogenannten Lebenswissenschaften (Medizin und Biologie) direkt einbezogen.

Beobachtet werden u.a. ihre Reaktionen auf Schwerelosigkeit in vielerlei

Hinsicht.

Man weiß einfach noch zu wenig über die Anpassungsfähigkeit des mensch-

lichen Organismus an den schwerelosen Zustand, über mögliche Funktionsveränderungen
von Gehirn, Kreislauf, innersekretorischen Drüsen oder auch der Zellen im Hinblick
auf die physiologischen Prozesse.
Nach den bisherigen Erfahrungen tritt die Raumkrankheit bei etwa 50 Prozent
der Astronauten auf. Wodurch wird sie ausgelöst, wie ist ihr Verlauf zu beeinflussen? Möglicherweise hat sie etwas mit der Veränderung von Flüssigkeiten im
Innenohr zu tun. Von besonderem Interesse sind Reaktionen des Gleichgewichtsorgans
und Reaktionen auf Reize, die durch die Augen erfaßt werden. Deshalb trägt eines
der Besatzungsmitglieder einen mit einer Infrarotkamera ausgerüsteten Spezialhelm
zur Überwachung der Augenbewegungen. Wissenschaftler auf der Erde erhalten auf
diese Weise Meßdaten, die Rückschlüsse auf Einflüsse der Schwerelosigkeit erlauben.

- 4 -

�Schwerelosigkeit erlauben.

Man möchte außerdem z.B. wissen, wie sich Venendruck

und Herzschlag bei Arbeiten unter Schwerelosigkeit verändern.

(Einige der Aufgaben

während des Fluges verlangen Anstrengungen, die schwerer körperlicher Arbeit entsprechen).
Und wie reagieren die Besatzungsmitglieder auf Streß, wie bewältigen sie solche
Situationen?

Wie ist die Wahrnehmung für "aufwärts" und "abwärts"?

Verändert sich

z.B. die Fähigkeit, Entfernung, Größe und Bewegung von Objekten abzuschätzen?

Dies

alles sind nur einige der zahlreichen Fragen, die bisher erst unzureichend oder
noch nicht beantwortet werden konnten.
Eine Reihe weiterer Experimente gilt der Untersuchung des Einflusses von
Schwerelosigkeit auf die Entwicklung von Zellkulturen und Pflanzen, z.B. von jungen
Sonnenblumen. Insbesondere Wachstumsgeschwindigkeit und Wachstumsrichtung sowohl
von Stengeln und Blättern als auch des Wurzelwerks sind von Interesse, außerdem
die Frage, inwieweit eventuell auch der veränderte tageszeitliche Rhythmus eine
Rolle spielt.
Den größten Komplex bildet allerdings mit 35 Experimenten die Materialforschung.

Für SPACELAB wurde sogar ein eigenes Werkstofflaboratorium entwickelt.

Es ist eine Kombination aus ganz verschiedenartigen, zum großen Teil unabhängig
voneinander zu betreibenden Apparaturen und Instrumenten, mit denen Experimente
durchgeführt werden, die in erster Linie europäische Wissenschaftler vorbereitet
haben.
Man will das Verhalten der verschiedensten Stoffe und die Wirkung bestimmter
physikalischer Kräfte bei "Mikrogravitation", d.h. in nahezu völliger Schwerelosigkeit, in gasförmigem, flüssigem und "teigigem", d.h. schon halb erstarrtem Zustand
beim Mischen und Trennen, bei Erwärmung und Abkühlung und beim Zirkulieren beobachten.

Es wird versucht, Legierungen von Metallen wie Aluminium und Blei, die

auf der Erde nicht legierbar sind, im Weltraum zu erzeugen.

Auch sollen das

Verhalten von Partikeln und Gasblasen in Schmelzen, das Kristall Wachstum von

- 5 -

�Kristall Wachstum von anorganischen und organischen Materialien, ungestörte und
gerichtete Erstarrung, die Ausbreitung von Flüssigkeiten auf Feststoffen, das
Grenzflä'chenverhalten flüssiger und gasförmiger Stoffe untersucht werden.

Alle

diese Experimente werden ergänzt durch parallel dazu auf der Erde durchgeführten
gleiche Versuche.

Bei diesen ist die normale Schwerkraft (1 g) wirksam,

übrigens

wurde für die Heizung des Schmelzofens im SPACELAB ein "optisches" Verfahren entwickelt.

Starke Lampen und zwei Spiegel sorgen für die erforderliche Wärme.

Eine 80 kg schwere Spezialkamera, die die Nutzlastexperten vor einem besonders
konstruierten Fenster in Position bringen, könnte helfen, ein automatisches
Kartierungsverfahren zu entwickeln.

Von dieser Kamera sind Aufnahmen mit erheblich

besserer Bildauflösung zu erwarten, als sie die bisher benutzten Erdbeobachtungssatelliten liefern.

Wie der Projektleiter dieses Experiments erklärt, wurden in

den letzten 100 Jahren erst 35 Prozent der Landgebiete der Erde exakt kartiert.
Die Kartierung aus dem Weltraum könnte eine rasche und sehr genaue Methode darstellen, um die noch fehlenden 65 Prozent aufzunehmen.
SPACELAB ist ein vielseitiges und immer wieder verwendbares Laboratorium mit Arbeitstischen, Computern, Apparateboxen und allem übrigen Zubehör. Es
wird zudem nach Bedarf mit Außenplattformen ausgerüstet, auf denen z.B. Teleskope,
Materialbehälter für Experimente, die im freien Weltraum durchgeführt werden
müssen, sowie Antennen und Sensoren montiert sind. Für astronomische Beobachtung
schwerer Partikel aus fernen Quellen im Universum, zur Erforschung der Wirkung
von Weltraumstrahlung auf biologisches Material sind die Plattformen eine wesentliche Voraussetzung.
Im SPACELAB, das in Modularbauweise konstruiert ist und den jeweiligen Aufgabenstellungen eines Weltraumeinsatzes angepaßt werden kann, brauchen die Wissenschaftler keine Schutzanzüge zu tragen. Für den erforderlichen Druck in Normal atmosphäre ist gesorgt. In seinem sieben Meter langen und vier Meter breiten
zylindrischen Behälter ist es in der Ladebucht des Raumtransporters fest installiert
und über einen 5.5 m langen Tunnel mit der Flugkabine verbunden, über eine

3

�über eine Luftschleuse können Experimentierausrüstungen nach draußen gebracht
werden.

Es wurde mit einem Kostenaufwand von mehr als 800 Millionen Dollar in

Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Ingenieuren aus 10 europäischen Nationen
bei der Fa. ERNO in Bremen gebaut und ist ein Beitrag der Weltraumorganisation ESA
zum amerikanischen Raumtransporterprogramm.
Das am 28. November beginnende Unternehmen STS-9 ist der fünfte Flug der
Raumfähre COLUMBIA.

Sie wird nach 143 Erdumkreisungenzurückerwartet und soll

auf einem schon mehrfach als Piste benutzten ausgetrockneten Salzsee in der
Mojave-Wüste in Kalifornien landen.

- 7 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan reicht sowjetischem Volk Hand der Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Invasion Grenadas war gerechtfertigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Michael D. Barnes, Kongressabgeordneter der Demokratischen Partei -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grenada ist nicht Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Theodore L. Eliot, Jr. -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Wall Street Journal (c) Copyright Dow Jones and Ind., 1983&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

47

2 3 . November 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Rede des US-Präsidenten vor dem japanischen Parlament
- Wortlaut Gemeinsame Erklärung von Präsident Reagan und
Ministerpräsident Nakasone in Tokio
Gemeinsame Erklärung Präsident Reagans und Präsident Chuns

Um Ubcr/cncJung von
Belegexemplaren
wifd gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. November 1983

47

REDE DES US-PRÄSIDENTEN VOR DEM JAPANISCHEN PARLAMENT
Wortlaut

TOKIO - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 11. November 1983 in einer
Rede vor dem japanischen Parlament (Reichstag) erneut den Willen der Vereinigten Staaten zur Rüstungskontrolle unterstrichen.

"Ein Atomkrieg kann niemals

gewonnen werden und darf nie stattfinden", sagte Reagan.

"Der einzige Wert

des Besitzes von Kernwaffen besteht darin, dafür zu sorgen, daß sie niemals
eingesetzt werden können."

Der amerikanische Präsident betonte, daß die Ver-

einigten Staaten bei den Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) niemals einem Abkommen zustimmen würden, das die Bedrohung durch
solche Raketen von Europa nach Asien verlagern würde.
Die Rede von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Es erfüllt mich mit großer Ehre und Achtung, wenn ich heute vor Sie trete - der erste amerikanische Präsident, der je vor dem japanischen Reichstag
gesprochen hat.
Ich bin

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�Ich bin erst zwei Tage in Ihrem Lande, aber wenn ich für mich und meine
Frau Nancy sprechen darf, so möchte ich sagen, daß Sie dafür gesorgt haben,
daß wir uns mehr als zuhause fühlen:

Die Herzlichkeit Ihrer Begrüßung hat

unsere Herzen gerührt. Wenn Sie uns begrüßen, dann ehren Sie damit 230 Millionen Amerikaner, die zu vertreten ich die Ehre habe. Von allen meinen Landsleuten möchte ich zu Ihnen allen sagen:

Die Bande der Freundschaft, die uns

verbinden, sind mächtiger als der Ozean, der uns trennt. Die japanisch-amerikanische Freundschaft ist unverbrüchlich.
Es war vor einem Dutzend Jahren, an einem Herbsttag wie diesem, daß ich
Japan zum erstenmal besuchte.

Heute wie damals spürte ich Energie, Initiative

und Betriebsamkeit wie einen mächtigen Strom des Fortschritts Ihr Land durchfließen.

Und wie damals bin ich beeindruckt von einer einmaligen Begabung des

japanischen Volkes: Sie bauen Ihre Zukunft nicht auf Kosten des Anmuts und
der Schönheit der Vergangenheit auf.
Das geschätzte Merkmal der japanischen Zivilisation ist Harmonie, und
das hat den Amerikanern schon immer gefallen. Harmonie setzt voraus, daß
Differenzen überwunden werden im Dienste höherer Ideale, von denen wir viele
gemeinsam haben. Als der frühere amerikanische Präsident Ulysses S. Grant im
Jahr 1897 Japan besuchte, entdeckte er, daß es ein bezauberndes Land ist.
Japan, so sagte er, sei über alle Beschreibungen schön.
Während seines Aufenthaltes traf er mit dem Kaiser zusammen, und ihr Gespräch wandte sich der Demokratie zu, der drängenden Frage des Tages. Präsident Grant wies darauf hin, daß Regierungen immer stabiler und Nationen immer
wohlhabender seien, wenn sie wirklich ihr Volk vertreten.
Ich bin stolz, diese ein Jahrhundert alte Tradition fortsetzen zu dürfen
- ein Treffen mit Ihrem Kaiser nach meiner Ankunft und jetzt zusammen mit
Ihnen die Feier eines großen Tages in Ihrer Geschichte: der 100. Sitzung des
Reichtags unter der neuen japanischen Verfassung. In sechs Jahren werden Sie
das 100jährige Bestehen einer repräsentativen Regierung in Japan feiern - so

- 2 -

�feiern - so wie wir die Geburt unseres Kongresses feiern.

Ich überbringe

Ihnen die besten Wünsche und herzlichen Grüße Ihrer amerikanischen Kollegen
im Kongreß der Vereinigten Staaten.
Man kann nicht hier in dieser Kammer sein, ohne sich als Teil Ihrer stolzen Geschichte der nationalen Existenz und Demokratie zu fühlen und den Geist
der Hoffnung zu spüren, der die Träume ihres freien Volkes beflügelt.

Von

all den Stärken, die wir besitzen, von all den Bindungen, die uns verknüpfen,
ist, wie ich glaube, unsere Hingabe an die Freiheit die größte.

Japan und

Amerika stehen in der ersten Reihe der freien Nationen und der freien Wirtschaften in der Welt.
Sicherlich, wir liegen 5000 Meilen auseinander.
Gebräuchen, Sprache und Tradition verschieden.
renten auf den Weltmärkten.

Wir sind sicherlich in

Und wir sind auch oft Konkur-

Aber ich glaube, daß das durch dieses stolze Par-

lament vertretene Volk und das durch meinen eigenen amerikanischen Kongreß
vertretene Volk in ihrer Hingabe an die Prinzipien unserer freien Gesellschaften eines Herzens sind.
Ich spreche von Prinzipien, die mit dem geheiligten Wert des Lebens beginnen: dem behüteten Platz der Familie; der Verantwortung von Eltern und
Schulen, Lehrer der Wahrheit, der Toleranz, der harten Arbeit, der Zusammenarbeit und der Liebe zu sein; und der Rolle unserer wichtigen Institutionen
- Regierung, Industrie und Gewerkschaften - freien Menschen die Chancen und
die Sicherheit zu bieten, eine bessere Welt aufbauen und sie ihren Kindern
und Kindeskindern hinterlassen zu können.
Amerika und Japan liegen räumlich weit auseinander, aber wir sind vereint in unserem Glauben, daß Freiheit die Hingabe an Würde, Rechte und Gleichheit der Menschen bedeutet.

Ykichi Fukuzawa, Ihr großer Lehrer aus der

Meiji-Zeit,hat es Ihnen gesagt:

Der Himmel hat keinen Menschen höher oder

keinen Menschen niedriger gemacht als irgendeinen

anderen Menschen.
Unser großes

- 3 -

�Unser großes amerikanisches Vorbild Abraham Lincoln hat uns das als politische Perspektive aufgezeigt:

Kein Mensch ist so gut, dal? er einen anderen

Menschen ohne dessen Einwilligung regieren dürfte.
Recht, eine

Wir beide schätzen das

Regierung unserer eigenen Wahl zu haben.

Regierung, daß sie dem Volke dient.

Wir erwarten von der

Wir gehen nicht davon aus, daß das Volk

der Regierung dient.
Amerika und Japan sprechen eine unterschiedliche Sprache, aber beide
sprechen, beten und wirken in der Sprache der Freiheit.

Wir verteidigen das

Recht, unsere Meinung zu äußern, unseren Dissens ohne Angst zum Ausdruck zu
bringen und den inneren Frieden durch die Verbindung zu Gott zu finden.
Wir glauben an lohnende Initiative, Ersparnisse und Risiko.

Und wir er-

mutigen jene, die ihren Blick auf die am weitesten entfernten Sterne richten
und die durch Wind und Wellen des Handels neue Wege des Fortschritts suchen.
Andere zensieren und bevormunden ihre Bürger.

Wir vertrauen auf die Frei-

heit, die Vielfalt und Kreativität nährt, die uns alle bereichern.
mit Ihrem Dichter Basho sprechen:

Ich möchte

Es gibt viele Arten von Pflanzen, und jede

triumphiert mit ihrer besonderen Blüte.
Und schließlich löst unsere Freiheit keine Angst aus, denn sie stellt
keine Bedrohung dar. Und wir werden uns von niemandem nötigen lassen. Die
Vereinigten Staaten bauen keine Mauern, um ihre Bevölkerung festzuhalten; wir
besitzen keine Armeen von Geheimpolizei, um die Menschen ruhig zu halten; wir
weisen keine Dissidenten in sogenannte Nervenkliniken ein; und wir würden niemals ein unbewaffnetes Passagierflugzeug aus heiterem Himmel abschießen. Wir
trauern mit Ihnen um diesen tragischen und unnötigen Verlust des Lebens unschuldiger Menschen.
Unsere beiden
unvollkommenen und
Japan die tiefsten
der Welt - frei zu

Länder sind alles andere als vollkommen. Aber in dieser
gefährlichen Welt verkörpern die Vereinigten Staaten und
Hoffnungen und Wünsche der Männer und Frauen überall auf
sein, in Frieden zu leben und den Reichtum der Fülle und

�Fülle und der geistigen Erfüllung zu schaffen und zu erneuern.

Ich bin nach

Japan gekommen, weil wir eine historische Chance, ja, eine historische Verpflichtung haben. Wir können zu mächtigen Partnern des Guten werden - nicht
nur in unseren eigenen Ländern, nicht nur im pazifischen Raum, sondern auf
der ganzen Welt.
Sehr verehrte Damen und Herren, meine Frage ist die:

Besitzen wir die

Entschlossenheit, die Aufgabe der Partnerschaft zu meistern und das alles
wahr zu machen?

Meine Antwort kommt ohne Zögern: Jawohl, wir besitzen sie,

und wir werden es wahr machen.
Während eines großen Teils unserer Geschichte haben wir nach innen geblickt.

Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Mit unseren Volkswirtschaften zu-

sammengenommen stellen wir die Hälfte der Produktion der freien Welt, und
wir können uns deshalb unseren globalen Verpflichtungen nicht entziehen. Unsere Industrien hängen von der Einfuhr von Energie und Rohstoffen aus fernen
Ländern ab.

Unsere Prosperität braucht ein gesundes internationales Finanz-

system und freie und offene Märkte. Und unsere Sicherheit ist untrennbar
mit der Sicherheit unserer Freunde und Nachbarn verbunden.
Es genügt nicht, einfach nur auf Weltfrieden und Prosperität zu hoffen.
Unsere beiden großen Nationen müssen in Zusammenarbeit mit anderen die Werte
und die Freiheiten bewahren, für die unsere Gesellschaften so hart gekämpft
haben.

Und wir dürfen unsere Partnerschaft für Frieden, Prosperität und

Freiheit nicht als ein Streben nach gegensätzlichen Zielen ansehen. Wir können
keinen Wohlstand haben, wenn wir nicht sicher sind.
sein, wenn wir nicht frei sind.

Wir können nicht sicher

Und wir werden bei keiner dieser Anstrengun-

gen Erfolg haben, wenn Japan und Amerika nicht in Harmonie zusammenarbeiten.
Wenn ich in Ihr Land gekommen bin, dann habe ich den tiefen Wunsch Amerikas nach Frieden mitgebracht.

Ich weiß, daß unser Wunsch von Ministerprä-

sident Nakasone und ganz Japan geteilt wird.

Wir sind Menschen des Friedens.

Wir kennen das schreckliche Trauma des menschlichen Leidens.

- 5 -

Ich habe zu

�t

hpbe zu meinen Lebzeiten vier Kriege erlebt.

Ich spreche also nicht einfach

nur als Präsident der Vereinigten Staaten, sondern auch als Ehegatte, als Vater und als Großvater.

Nach meiner Überzeugung kann es nur eine Politik für

die Erhaltung unserer kostbaren Zivilisation in der modernen Zeit geben:

Ein

Atomkrieg kann niemals gewonnen werden und darf nie stattfinden.
Der einzige Wert des Besitzes von Kernwaffen besteht darin, dafür zu
sorgen, daß sie niemals eingesetzt werden können.

Ich weiß, daß ich für Men-

schen überall auf der Welt spreche, wenn ich sage, daß es unser Traum ist, den
Tag zu erleben, an dem die Kernwaffen vom Antlitz der Erde verbannt sein werden.
Rüstungskontrolle muß Rüstungsverringerung sein. Amerika trägt das Seine
dazu bei. Wie ich vor weniger als zwei Monaten vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen zugesagt habe, werden die Vereinigten Staaten jedes gerechte, verifizierbare Abkommen annehmen, das Streitkräfte auf niedrigerem Niveau
als gegenwärtig stabilisiert.

Wir wollen bedeutsame Verringerungen, und wir

sind zu Kompromissen bereit.
Bei den Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen
(START) drängen die amerikanischen Unterhändler weiterhin die Sowjetunion
nach einer Formel, die diese Ziele erreicht. In den Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) verfolgen wir den gleichen Kurs; wir haben
sogar die Beseitigung dieser ganzen Kategorie von Waffen angeboten. Ich
bin mir unserer Verpflichtung bei diesen Verhandlungen voll und ganz bewußt,
denn es geht um Dinge, die auch die Sicherheit und das Wohlergehen des japanischen Volkes berühren. Erlauben Sie mir, eines in aller Deutlichkeit zu sagen: Wir dürfen und wir werden kein Abkommen annehmen, das die Bedrohung durch
weiterreichende nukleare Mittel Streckensysteme von Europa nach Asien verlagert.
Unsere grofe Enttäuschung war die mangelnde Bereitschaft der anderen Seite,
in gutem Glauben zu verhandeln.

Wir wollten tief einschneidende Verringerungen

unserer nuklearen Arsenale, und wir wollen das noch immer. Aber die Sowjets
blockieren die dramatischen Verringerungen, die die Welt will.

- 6 -

In unseren

�In unseren Bemühungen, die Verhandlungen in gutem Glauben voranzubringen,
haben wir neue Initiativen geboten, die wesentliche Verringerungen auf einen
gleichen Stand vorsehen - und je niedriger dieser Stand ist, desto besser.
Aber wir warten noch immer auf eine positive Reaktion.
Trotz dieses trüben Bildes werde ich mich von meinem Streben nach einem
Durchbruch nicht abbringen lassen.
renztisch niemals verlassen.

Die Vereinigten Staaten werden den Konfe-

Der Frieden ist zu wichtig.

fordert, daß wir ausharren, und wir werden ausharren.

Die Vernunft er-

Wir leben in unsicheren

Zeiten.

Es gibt Anfechtungen und Prüfungen der Freiheit, wo immer sie auf-

tritt.

Sie packen uns an wie die Tragödie über dem Japanischen Meer, wo 269

unschuldige Menschen für die Sache des sogenannten geheiligten Luftraums getötet wurden.

Sie sind so real wie die Angriffe von Terroristen auf die Füh-

rung der Republik Korea im vorigen Moant in Rangun und gegen französische und
amerikanische Angehörige der internationalen Friedenstruppe in Beirut.

Und

sie sind so beredt wie das Sicheinmauern unserer Gegner am Konferenztisch und
ihre

plumpen Versuche, alle friedliebenden Menschen unter Druck zu setzen.

Diese Bedrohung des Friedens und der Freiheit unterstreicht die Bedeutung einer engeren Zusammenarbeit unter allen freien Nationen. Sie haben ein
altes Sprichwort, das besagt, daß ein einzelner Pfeil leicht zerbrochen werden
kann, aber ein Bündel von drei Pfeilen nicht. Je stärker der Einsatz Japans,
der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten für den Frieden durch Stärke
ist, umso größer wird unser Beitrag zum Aufbau einer sichereren Zukunft sein.
Der amerikanisch-japanische Vertrag über gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit muß uns weiterhin als Grundfeste unserer Sicherheitsbeziehungen dienen.
Japan wird nicht allein die Last der Verteidigung der Freiheit tragen müssen.
Amerika ist Ihr Partner. Wir werden die Last gemeinsam tragen.
Die Verteidigung der Freiheit muß eine gemeinsam getragene Last sein.
Wir können es uns leisten, die Freiheit zu verteidigen, aber wir können es uns
nicht leisten, sie zu verlieren.

Die Segnungen Ihres Wirtschaftswunders, das

durch das Genie eines begabten, entschlossenen und dynamischen Volkes zustande

- 7 -

�Volkes zustandekam,

kann nur im sicheren Hort der Freiheit geschützt werden.

In seinem Buch "Auf der Suche nach Frieden und Freiheit" hat der frühere
Ministerpräsident Sato geschrieben:

In den 100 Jahren seit der Maiji-Restau-

ration hat sich Japan ständig bemüht, die modernsten Länder der Welt einzuholen
und schließlich zu überholen.

Ich glaube nicht, daß es Schlagzeilen bringen

wird, wenn ich sage, daß Sie nicht nur aufgeholt haben, sondern auf einigen
Gebieten in Führung gegangen sind.
entscheidender Bedeutung.

Und auch hier ist unsere Partnerschaft von

Aber in diesem Falle können Sie der Lehrer sein.

Allen denjenigen, denen es am Glauben an den menschlichen Geist mangelt, kann
ich nur sagen:

Kommt nach Japan.

Kommt in ein Land, dessen wirtschaftliche

Produktion in Kürze die der Sowjetunion übertreffen wird, was die Wirtschaft
Japans zur zweitgrößten der Welt machen wird.

Kommt, um von einer Kultur zu

lernen, die ihrem Volk einen starken Geist der Zusammenarbeit, Disziplin und
des Strebens nach dem Besten einflößt; und lernt von einer Regierungspolitik,
die geholfen hat, dieses Wirtschaftswunder hervorzurufen - nicht so sehr durch
zentrale Planung als durch Förderung des Wettbewerbs, Ermutigung der Initiative
und Belohnung des Sparens und der Risikofreudigkeit.
Unser Land hat in den letzten drei Jahren große Schritte in diese Richtung getan. Wir korrigieren Fehler der Vergangenheit. Die Hoffnung wird neu
belebt. Das Vertrauen kehrt zurück. Amerikas Zukunft sieht wieder glänzend
aus. Wir haben den Kurs der zu hohen Steuern, der zu hohen Ausgaben, der Rekordzinssätze, der hohen Inflation und des geringen Wachstums verlassen. Die
Vereinigten Staaten stehen in der ersten Phase einer industriellen Wiedergeburt,
und wir helfen anderen Ländern zu einem weltweiten Wiederaufschwung.
Aber manche Leute in meinem Lande schrecken noch immer vor der Notwendigkeit der Beschränkung der Ausgaben zurück.

Unter dem Vorwand, Defizite abbauen

zu wollen, möchten sie zu einer Politik höherer Steuern zurückkehren.
möchten die Lehre aus Japan in den Wind schlagen.

Sie

Ein Blick auf die Nach-

kriegsgeschichte Japans führt zu zwei erstaunlichen Schlußfolgerungen:

Unter

den großen Industriestaaten hatten Sie immer die niedrigsten Steuern, und Ihre

- 8 -

�und Ihre Wachstums- und Sparraten waren immer die höchsten.

Sparer in Japan

können mit sehr hohen Zinseinkommen aus der Besteuerung rechnen;
steuerung des sogenannten nicht verdienten Einkommens ist niedrig.
keine Kapitalertragssteuer auf Anlagepapiere.

Ihre BeSie haben

Und die überwältigende Mehr-

heit Ihrer arbeitenden Bevölkerung sieht sich vor dramatisch niedrigere Steuersätze

gestellt als in irgendeinem anderen Industriestaat, einschließlich meines

eigenen Landes. Anreize für jeden - das ist das Geheimnis des starken Wachstums
für eine glänzende Zukunft, erfüllt mit Hoffnung und Möglichkeiten und Anreizen
für Wachstum.

Dies - nicht Steuererhöhungen - muß auch unsere Politik in Ame-

rika sein.
Partnerschaft muß eine Zweibahnstraße sein, die auf gegenseitigem Vertrauen aufgebaut ist. Wollen wir doch jederzeit bereit sein, voneinander zu
lernen und miteinander zusammenzuarbeiten.

Wir haben allen Grund, das zu tun.

Unsere Volkswirtschaften zusammengenommen nehmen fast 35 Prozent der beiden
großen Überseehandelspartner der Welt auf.

Im vorigen Jahr hat Japan rund 10

Prozent unserer Gesamtexporte aufgenommen, und wir haben rund 25 Prozent Ihrer
Exporte gekauft.

Unser gegenseitiger Handel wird im Jahr 1983 wertmäßig 60

Milliarden Dollar übersteigen, also doppelt so viel wie vor sieben Jahren.
Auf dem Wirtschaftsgipfel in Williamsburg im Mai dieses Jahres verpflichteten sich die Führer der demokratischen Industrieländer, bei der Bekämpfung
des Protektionismus zusammenzuarbeiten.

Mein persönliches Engagement bezüg-

lich dieses Zieles basiert auf wirtschaftlichen Prinzipien, altmodischem gesunden Menschenverstand und Erfahrung.

Ich bin alt genug, um mich zu erinnern,

was schließlich das vorige Mal geschah, als Länder ihre Märkte vor Konkurrenz
schützten:

ein Alptraum, den man als Weltwirtschaftskrise bezeichnetec

Der

Welthandel ging um 60 Prozent zurück, und jeder - Arbeiter, Bauern und Hersteller - wurden getroffen.
Wollen wir doch die Klugheit aufbringen, diese Torheit nie wieder zu begehen. Wir sitzen mit unseren Handelspartnern auf der ganzen Welt in einem
Boot. Wenn einer unserer Partner ein Loch in dieses Boot schießt, ist es dann

- 9 -

�es dann sinnvoll, wenn ein anderer ein weiteres Loch in das Boot schießt?
Manche Leute meinen ja - und bezeichnen es als Festigkeit.
bezeichne es als einen Sturz ins Wasser.

Verzeihen Sie, ich

Statt Löcher zu schießen, sollten

wir zusammenarbeiten, um sie abzudichten, damit unser Boot der freien Märkte
und des fairen Handels uns zu umso größerem wirtschaftlichen Wachstum und umso größerer internationaler Stabilität tragen kann.
Ich habe mich raschen Auswegen des Protektionismus in Amerika nachhaltig
widersetzt - wettbewerbsfeindlichen Gesetzen, wie dem Gesetz über den einheimischen Arbeits- und Materialanteil von Produkten, das beispielsweise unsere einheimischen Automobil herstell er zwingen würde, einen höheren Anteil an
amerikanischem Arbeits- und Materialaufwand zu benutzen.

Es wäre ein schreck-

licher Witz, die Preise zu erhöhen, ohne Arbeitsplätze zu schützen.
weniger bei Ihnen kaufen.

Sie würden weniger bei uns kaufen.

Weltwirtschaft würde kleiner.

Wir würden

Der Kuchen der

Vergeltung und Diskriminierung würden zunehmen.

Es ist für einen gewählten Regierungsvertreter nicht einfach, die Anliegen seiner Wähler mit den höheren Interessen der Nation in Ausgleich zu
bringen. Aber das ist genau unser aller Aufgabe. Und wir brauchen Ihre Hilfe,
indem Sie freien Handel demonstrieren, um den Anliegen meines eigenen Volkes
gerecht zu werden. Die Amerikaner glauben, daß Ihre Märkte weniger offen seien
als die unsrigen. Wir brauchen Ihre Unterstützung, um die Handelsschranken
weiter abzubauen, die es vielen amerikanischen Produkten noch immer schwer
machen, auf Ihren Markt zu gelangen. Die Reihe von Maßnahmen, die Ihre Regierung kürzlich ergriffen hat, um die Handelsschranken zu verringern, sind
positive Schritte in diese Richtung. Wir hoffen sehr, daß dieser Fortschritt
anhalten und sich beschleunigen wird. Umgekehrt verpflichte ich mich, den
Kampf gegen protektionistische Maßnahmen in meinem eigenen Lande zu unterstützen.
Wenn jeder von uns nur ein bißchen gibt, dann können wir alle viel gewinnen. Als zwei große und reife Demokratien sollten wir die Überzeugung
haben, aneinander zu glauben, auf unsere lange und gute Freundschaft zu bauen

�zu bauen und unsere Partnerschaft zu erweitern. Wir sind führende Mächte in
der Weltwirtschaft. Wir und andere Industriestaaten haben eine gemeinsame Verantwortung, Kapital- und Handelsmärkte zu eröffnen, größere Investitionen im
jeweils anderen Land zu fördern, den Entwicklungsländern zu helfen und das
Durchsickern von militärischer Technologie zu einem Gegner zu stoppen, der
auf Aggression und Beherrschung aus ist.
Wir sind der Überzeugung, daß die Währung der zweitgrößten freien Marktwirtschaft der Welt die wirtschaftliche Stärke und politische Stabilität widerspiegeln muß, derer Sie sich erfreuen. Wir gehen davon aus, daß der Yen eine
größere Rolle in den internationalen Finanz- und Wirtschaftsangelegenheiten
spielen wird.

Wir begrüßen den jüngsten Trend zu einem stärkeren Yen. Und

die Welt begrüßt die zunehmend aktive Rolle Japans in globalen Angelegenheiten.
Ihre führende Rolle bei der Hilfe für Flüchtlinge und in der Wirtschaftshilfe
für verschiedene Länder war von höchster Bedeutung als Beitrag zur Schaffung
größerer Stabilität in Schlüsselgebieten der Welt.

Ihr Rat bei Initiativen

zur Rüstungsverminderung wird bei uns hoch geschätzt.
Wir mögen gelegentlich Differenzen haben, aber es herrscht kein echter
Streit zwischen uns. Der herrscht mit jenen, die die Freiheit reglementieren
wollen; die Plackerei statt dynamische Initiative wollen; künftige Verzweiflung statt Gewißheit der Besserung und die Zwangsernährung eines militärischen
Goliath statt des persönlichen Interesses an den Produkten und dem Fortschritt
von morgen.
Sie und Ihre Nachbarn sind leuchtende Beispiele für all jene, die rasche
Entwicklung suchen. Das pazifische Becken stellt heute die interessanteste
Region für das wirtschaftliche Wachstum in der Welt dar. Die Menschen Ihres
Landes strengen ihre Fähigkeiten bis zum Äußersten an, und wenn eine ganze
Nation das tut, dann geschehen Wunder. Als Kalifornier habe ich viele Wunder
gesehen, die fleißige Japaner nach unseren Küsten gebracht haben.
Im Jahr

- 11 -

�Im Jahr 1865 verließ ein junger Samurai-Schuler, Kamaye Nagasawa, Japan,
um zu erfahren, was den Westen wirtschaftlich stark und technologisch führend
gemacht hatte.

Zehn Jahre später gründete er eine kleine Weinkellerei in

Santa Rosa in Kalifornien, die den Namen Fountaingrove Round Barn and Winery
trug.

Bald wurde er zum König der Winzer in Kalifornien.

Nagasawa kam nach

Kalifornien, um zu lernen, und blieb, um unser Leben zu bereichern.

Unsere

beiden Länder verdanken diesem zum Geschäftsmann gewordenen Krieger viel.
Im Laufe der Jahre haben unsere Kontakte in erstaunlichem Tempo zugenommen.

Heute studieren rund 13 000 Ihrer besten Studenten in Amerika.

Und

eine wachsende Zahl amerikanischer Bürger kommt hierher, um alles mögliche
über Japan zu erfahren.

Firmen wie Nissan, Koycera, Sony und Toshiba haben

Tausende von Arbeitsplätzen nach Amerika gebracht.

Der Bundesstaat Kalifornien

plant den Bau eines Schnellzuges in der Art Ihrer so erfolgreichen Superschnellzüge.

Im Jahr 1985 werden sich die Vereinigten Staaten mit Japan an einer gro-

ßen Ausstellung von Wissenschaft und Technologie in Tsukulba besteiligen ein weiteres Symbol unserer Zusammenarbeit.
ich diese neue pazifische Woge.

Was mich betrifft, so begrüße

Möge sie friedlich dahinrollen und einen

zweiseitigen Austausch von Menschen und Ideen tragen, der die Barrieren des
Argwohns und des Mißtrauens überwinden und Bande der Freundschaft und des gemeinsamen Optimismus knüpfen kann.
Unsere beiden Nationen mögen einer unterschiedlichen Vergangenheit entstammen. Wir mögen an entgegengesetzten Enden der Welt leben, aber wir sind
durch unseren unüberwindlichen Geist der Entschlossenheit zusammengeführt
worden, durch unsere Freiheitsliebe und unsere Hingabe an den Fortschritt.
Wir sind wie Kletterer, die ihren Aufstieg an entgegengesetzten Seiten des
Berges beginnen. Je mehr wir uns anstrengen, je höher wir steigen, desto
näher kommen wir uns - bis zu dem Moment, da wir am Gipfel ankommen und vereint sind.
Denken Sie an das, was im vorigen Monat geschah.

Eine amerikanische und

zwei japanische Gruppen machten sich an die Besteigung des Mount Everest - die

- 12 -

�Mount Everest - die Japaner von der nepalesischen Seite und die Amerikaner
von der tibetanischen Seite aus.

Die Verhältnisse waren so schwierig und

gefährlich, daß vor Abschluß der Expedition zwei japanische Bergsteiger ums
Leben kamen.

Die tapferen Bergsteiger trafen alle zusammen und schüttelten

sich unterhalb des Gipfels die Hand.

Dann bestiegen sie gemeinsam den Gipfel,

um gemeinsam den majestätischen Augenblick des Triumphes zu genießen.
Gute und teure Freunde in Japan:

Wenn diese Bergsteiger auf dem Dach der

Welt sich die Hände schütteln konnten, dann stellen Sie sich einmal vor, wie
hoch unsere 350 Millionen Bürger steigen können, wenn wir alle als mächtige
Partner für die Sache des Guten zusammenarbeiten.

Es gibt nichts, was Japan

und die Vereinigten Staaten nicht zusammen tun könnten.

- 13 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. November 1983

47

GEMEINSAME ERKLÄRUNG VON PRÄSIDENT REAGAN UND MINISTERPRÄSIDENT NAKASONE
IN TOKIO

TOKIO - (AD) - Präsident Reagan und der japanische Ministerpräsident
Nakasone gaben am 10. November 1983 in Tokio die folgenden Erklärungen ab:
MINISTERPRÄSIDENT NAKASONE:

Es ist für das japanische Volk, die japanische

Regierung wie auch für mich selbst ein besonderes Vergnügen, den Präsidenten
der Vereinigten Staaten von Amerika und Mrs. Reagan als Staatsgäste willkommen
zu heißen.
Der Präsident und ich hatten gestern wie heute überaus produktive Treffen, wobei eine große Bandbreite von Themen angesprochen wurde.

Diese Tref-

fen bestätigten die Bedeutung dieser Fragenkomplexe für Japan und die Vereinigten Staaten - zwei Länder, die die Ideale und Werte von Freiheit und Demokratie sowie das Ziel der Förderung weiterer Zusammenarbeit in Richtung auf
Frieden und Wohlstand in dieser Welt gemeinsam haben.
Der Präsident hat eine klare Vorstellung von der Bedeutung des asiatischen
und pazifischen Raumes. Sein jetziger Besuch Japans und der für das nächste

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das nächste Jahr geplante Besuch Chinas legen eindeutig Beweis für diese Tatsache ab - zusammen mit seinem Besuch der Länder in Südostasien, der, dessen
bin ich sicher, für die nächste Zukunft wieder eingeplant werden wird.

Die

wirtschaftliche Dynamik der asiatischen und pazifischen Region ist eines der
zentralen Elemente der Expansion der Weltwirtschaft.

Daher herrscht zwischen

dem Präsidenten und mir volle Übereinkunft darüber, daß wir auch weiterhin
alle Anstrengungen zur weiteren Entwicklung der asiatischen und pazifischen
Region unternehmen sollten.
Herr Präsident, ich gab am 1. November in Tokio zusammen mit Bundeskanzler
Kohl die Tokio-Erklärung ab, die in Einklang mit dem Geist der politischen Deklaration

steht, die im Mai dieses Jahres beim Gipfel von Williamsburg verab-

schiedet wurde und in der es heißt, daß wir die Einigkeit und Solidarität zwischen den westlichen Ländern in unserem gemeinsamen Bemühen bewahren sollten,
Freiheit, Frieden und Stabilität der Weltwirtschaft sowie die Entwicklung der
Dritten Welt auch weiterhin zu verfolgen.
Angesichts der jüngsten Ereignisse zunehmender Spannung der Ost-WestBeziehungen und angesichts der Häufigkeit regionaler Dispute und Gewalt in
den verschiedensten Regionen der Welt bin ich beunruhigt darüber, daß der Weltfrieden ernsthaft bedroht ist, wenn solche Tendenzen auch weiterhin anhalten
und sich noch verstärken. Angesichts dessen bin ich der festen Überzeugung,
daß die Länder dieser Welt ihre Entschlossenheit bekräftigen sollten, Frieden,
Freiheit und Stabilität zu bewahren, damit es zu einer Wiederbelebung der Weltwirtschaft und zum Wohlstand der Völker dieser Welt kommen kann.
Ich bin zunehmend der Meinung, daß vernünftige Dialoge und Verhandlungen
geführt werden sollten, damit solche internationalen Konflikte und Streitfragen
gelöst werden können, und daß die betroffenen Parteien keine Mühe scheuen sollten, im Verfolg dieser entscheidenden Ziele schrittweise Maßnahmen zu ergreifen,
die sie dann auch mit Beständigkeit und Realismus durchführen. Dies gilt meiner
Meinung nach vor allem für die Rüstungskontrollverhandlungen.
Die westlichen

- 2 -

�Die westlichen Länder sollten fest, einig und solidarisch für Freiheit
und Frieden eintreten und nicht zögern, für ihre Sache auch die entsprechenden
Lasten zu tragen.

All diese Punkte sind in der Erklärung von Tokio enthalten.

Und es ist ja auch bezeichnend, daß Sie, Herr Präsident, dieser Erklärung während unseres Treffens Ihre volle Zustimmung gaben.
Der Präsident und ich hatten einen Meinungsaustausch über die Ost-WestBeziehungen, wobei besondere Betonung auf die Fragen der Rüstungskontrolle
und die Lage in Regionen wie Asien, dem Nahen Osten und Mittelamerika gelegt
wurde.

Insbesondere hinsichtlich der INF-Verhandlungen wurde erneut bekräf-

tigt, daß die Verhandlungen nicht zu Lasten der asiatischen Region gehen, sondern auf globaler Grundlage geführt werden sollten, wobei auch die Sicherheit
Asiens mit in Erwägung gezogen werden sollte.
Hinsichtlich der kürzlichen Bombenattentate in Burma, diesem furchtbaren
Akt des Terrorismus, waren wir beide der Ansicht, daß sie schärfstens verurteilt werden sollten als unentschuldbarer Versuch, Frieden und Ordnung dieser
Welt herauszufordern, und daß die größten Anstrengungen unternommen werden
müssen, auf der koreanischen Halbinsel Frieden und Stabilität herbeizuführen.
Hinsichtlich des Nahen Ostens brachte ich meine höchste Wertschätzung für die
Rolle zum Ausdruck, die die multinationale Friedenstruppe zur Stabilisierung
der Lage im Libanon spielt.
Die japanisch-amerikanischen Sicherheitsabkommen sind die Grundlage für
Frieden und Sicherheit Japans und des Fernen Ostens. Ich möchte zum Ausdruck
bringen, daß Japan auch weiterhin seine Anstrengungen fortsetzen wird, um die
Glaubwürdigkeit der japanisch-amerikanischen Sicherheitsvereinbarungen zu erhöhen. Hinsichtlich der Verbesserung unserer Verteidigungskapazität möchte
ich weitere Anstrengungen unternehmen, wie sie im gemeinsamen Kommunique vom
Mai 1981 zum Ausdruck kamen.
Was die Weltwirtschaft angeht, so unterstrichen der Präsident und ich
- im Einklang mit der Erklärung des Gipfels von Williamsburg - die Bedeutung,

- 3 -

�die Bedeutung, die einem anhaltenden, nichtinflationären Wachstum der Weltwirtschaft, dem Zurückdrängen von Protektionismus und einem Rückgang der
derzeitigen hohen Zinsen zukommt.

Wir halten dies zusammen mit einer erhöh-

ten finanziellen Zusammenarbeit für bedeutsam, um die Last der Entwicklungsländer etwas zu erleichtern, die unter den angehäuften Schulden leiden.
Hinsichtlich bilateraler Wirtschaftsfragen sprachen wir unsere Anerkennung für das bislang Erreichte aus und kamen überein, mit unseren Bemühungen
zur Lösung der noch ausstehenden Probleme fortzufahren.

In diesem Zusammen-

hang würdigte ich insbesondere die Verpflichtung des Präsidenten, gegen Protektionismus in den Vereinigten Staaten anzugehen.

Der Präsident und ich

sind uns auch hinsichtlich der Bedeutung der Yen-Dollar-Frage einig.

Wir

kamen überein, Konsultativforen über Fragen des Wechselkurses und Investitionen einzurichten.

Dabei drängte ich auf weitere amerikanische Anstrengun-

gen zur Senkung der amerikanischen Zinssätze.
Der Präsident und ich unterstrichen auch die Bedeutung einer Förderung
der Vorbereitungen für eine neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen,
um das Freihandelssystem zu konsolidieren und der Weltwirtschaft neues Vertrauen einzugeben. Ich bin sehr glücklich darüber, daß der Präsident in
einem so hohen Maß meiner Ansicht war. Wir beabsichtigen, auch andere Länder dazu aufzufordern, sich unseren Anstrengungen anzuschließen.
Herr Präsident, in der derzeitigen internationalen Lage ruht auf Ihren
Schultern eine gewaltige, weltweite Verantwortung. Ich werde auch meinerseits
zu Frieden und Wohlstand der Welt den mir möglichen Beitrag leisten. Vielen
Dank.

+ + +

- 4 A

�PRÄSIDENT REAGAN:

Im Namen des amerikanischen Volkes und seiner Regie-

rung möchte ich Seiner Kaiserlichen Majestät sowie Ministerpräsident Nakasone,
der Regierung und dem japanischen Volk für den großzügigen und herzlichen
Empfang danken, der meiner Frau Nancy, mir selbst und meinen Mitarbeitern während unseres Besuches in Ihren Land zuteil wurde.
Wie Sie gerade gehört haben, haben Ministerpräsident Nakasone und ich
zwei Tage überaus produktiver Gespräche über eine große Bandbreite bilateraler Fragen und weltweiter Themen beendet. Als Führer zweier großer pazifischer
Nationen sind wir Hüter einer starken, reichen und vielfältigen Beziehung.
Japan und Amerika sind durch die gemeinsamen Werte der Freiheit, der Demokratie
und des Friedens miteinander verbunden.
Wir streben in Zukunft eine noch größere Zusammenarbeit auf einem weiten
Spektrum von politischen, wirtschaftlichen, sicherheitspolitischen, bildungspolitischen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereichen an.
Ich komme als ein Freund Japans in dem Bestreben, unsere Partnerschaft
für Frieden, Wohlstand und Fortschritt zu stärken.

Ich werde Japan in der

Zuversicht verlassen, daß unsere Partnerschaft stärker denn zuvor ist, und in
der Zuversicht, daß wir am Beginn einer neuen Ära der japanisch-amerikanischen
Zusammenarbeit für den Fortschritt stehen, wobei wir aus der gewaltigen Quelle
des Talentes, der Entschlossenheit, der Energie und der Schaffenskraft unserer
freien Völker schöpfen können.
Wir begrüßen Japans ausdrückliche

Rolle als Mitverwalter von Frieden

und Fortschritt in den internationalen wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten.

Wir haben globale Themen besprochen und haben hinsichtlich der

Möglichkeiten für Zusammenarbeit in vielem die gleiche Sicht.
Die Prinzipien, die Ministerpräsident Nakasone die Erklärung von Tokio
nannte, sind Prinzipien, die ich voll unterstreiche.
Wir haben

�Wir haben zusammen keine größere Verantwortung als die, unsere Welt zu
einem sichereren Ort zu machen.

Es gibt auf der Halbinsel Korea, im Nahen

Osten, in der Karibik und über dem nordwestlichen Pazifik ernste Bedrohungen
des Friedens.

Und die Haltung unserer Gegner am Verhandlungstisch bei den

Rüstungskontroilgesprä'chen steht gleichfalls nicht in Einklang mit dem Willen
der Menschen dieser Welt, die Waffen des Krieges zu verringern und einen stabileren Frieden zu schaffen.
Ich brachte dem Ministerpräsidenten gegenüber meine Zufriedenheit darüber zum Ausdruck, daß sich unsere wechselseitigen Sicherheitsbeziehungen ohne
Schwierigkeiten entwickeln.

Japan ist Gastland für 45 000 amerikanische Sol-

daten,und unsere Stüztpunkte in Japan - ermöglicht durch den Vertrag über gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit - sind nicht nur für die Verteidigung Japans von entscheidender Bedeutung, sondern tragen auch zum Frieden und
zum Wohlstand im Fernen Osten bei. Was die Verteidigungsanstrengungen Japans
angeht, so sind die Vereinigten Staaten auch weiterhin davon überzeugt, daß
der wichtigste Beitrag, den Japan zur Sicherheit und zum Frieden in Asien
leisten kann, darin besteht, daß Japan sich um seine eigene Verteidigung bemüht und einen größeren Anteil an den Lasten unserer gemeinsamen Verteidigungsanstrengung übernimmt.
Während unseres Gespräches über die Rüstungskontrolle versicherte ich
Ministerpräsident Nakasone, daß wir die globale Verringerung der sowjetischen
Mittelstreckenraketen SS-20 auf den niedrigstmöglichen Umfang anstreben. Die
Vereinigten Staaten werden bei den INF-Verhandlungen keinerlei Schritte unternehmen, die sich nachteilig auf die Sicherheit Asiens auswirken könnten. Wir
kamen auch hinsichtlich der Dringlichkeit überein, eine Übereinstimmung bei
internationalen Sicherungsvorkehrungen herbeizuführen, um die Verbreitung von
Kernwaffen zu verhindern.
Ministerpräsident Nakasone und ich sprachen über die zwingenden internationalen Verpflichtungen Japans und Amerikas im Wirtschaftsbereich, wie dies
schon auf dem Gipfeltreffen von Williamsburg zum Ausdruck gekommen war. Ge- 6 -

�war.

Gemeinsam müssen wir auf eine weitere Liberalisierung des Welthandels

und des Finanzsystems dringen, gegen den Protektionismus ankämpfen, die wirtschaftliche Entwicklung fördern, ohne daß es dadurch wieder zu einer Inflation kommt, indem das freie Unternehmertum in der ganzen Welt ermutigt wird.
Schließlich müssen wir uns in die Verpflichtung teilen, den Entwicklungsländern zu helfen - einschließlich jener, die vor schwerwiegenden Schuldenproblemen stehen. Wir kamen auch ü'berein, die Koordination bei der Auslandshilfe
zu verstärken.
Bei den japanisch-amerikanischen Beziehungen nehmen Handelsfragen eine
herausragende Rolle ein.

Für unsere Handelsprobleme gibt es keine einfachen

Lösungen von einem Tag zum anderen; aber wir sind uns darin einig, die intensivsten Anstrengungen zu unternehmen, um diese Probleme zu lösen.
Wir begrüßen die jüngsten Maßnahmen Ihrer Regierung zum Abbau von Handelsbarrieren, und ich habe die Bedeutung weiterer Maßnahmen unterstrichen,
um den japanischen Markt für Handel und Investitionen zu öffnen.

Ich bin

nicht gekommen, um über spezielle Handelsfragen zu verhandeln; allerdings
habe ich auf bestimmte Fragen hingewiesen, die für uns von dringlichster Bedeutung sind.

Wegen ihrer Wichtigkeit sowohl für den Handel als auch für die

Verbraucher streben wir z.B. Verringerungen der hohen Zölle Japans bei bestimmten Produkten an, bei denen die Vereinigten Staaten in hohem Maß wettbewerbsfähig sind.

Auch die japanischen Quoten bei landwirtschaftlichen Produkten

sind ein ernster Grund zur Besorgnis.
Umgekehrt müssen die Vereinigten Staaten gegen Protektionismus im eigenen
Land ankämpfen, und ich habe dem Ministerpräsidenten versprochen, dies zu tun.
Ein Fortschritt bei japanisch-amerikanischen Handelsfragen kann weltweit eine
größere Handelsliberalisierung fördern - wie dies etwa die Forderung des Ministerpräsidenten nach einer neuen Runde multilateraler Handelsverhandlungen
unterstrich, die ich nachdrücklich unterstütze.
Ich verwies

�Ich verwies darauf, daß man auf die Vereinigten Staaten als verläßlichen
und langfristigen Lieferanten von Energie an Japan vertrauen könne - insbesondere von Kohle - und war erfreut darüber, daß Ministerpräsident Nakasone diese
Ansicht teilt.

Größerer Handel im Energiebereich würde mehr Arbeitsplätze für

Amerikaner und größere Sicherheit für unsere beiden Länder bedeuten.
Mit Zustimmung von Ministerpräsident Nakasone und mir selbst wird heute
eine gemeinsame Presseerklärung von Finanzminister Takeshita und Finanzminister
Regan zur Yen-Dollar-Frage und anderen Finanz- und Wirtschaftsfragen von beiderseitigem Interesse veröffentlicht.
Wir sind der Meinung, daß die in dieser Erklärung dargelegten Verpflichtungen und Maßnahmen die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan noch weiter verstärken werden.
Wir haben die Bedeutung freier und offener Kapitalmärkte in beiden Ländern für den Yen-Dollar-Wechselkurs unterstrichen. Wir betonten die Notwendigkeit enger wirtschaftlicher Konsultationen zwischen unseren beiden Regierungen. Eine Arbeitsgruppe auf Ministerebene wird eingesetzt, um den Fortschritt
auf beiden Seiten zu überwachen, der hinsichtlich der vereinbarten Maßnahmen
erzielt wird, den Wechselkurs zwischen Yen und Dollar zu verbessern.
Unsere beiderseitige Verpflichtung zu konkreten Schritten, um offene
Kapitalmärkte zu erlangen, wird es auch dem Yen ermöglichen, Japans politische
Stabilität und wirtschaftliche Stärke als zweitgrößte Volkswirtschaft der Freien Welt umfassender widerzuspiegeln.
Der Fortschritt muß allmählich kommen; aber Japan und Amerika haben begonnen, gemeinsam Schritte in diese Richtung zu unternehmen.

Es ermutigt mich,

daß - beginnend mit unserem ersten Treffen im vergangenen Januar, dann während
des Gipfels von Williamsburg und nun erneut während unseres Besuches in dieser
Woche - Ministerpräsident Nakasone und ich der gleichen Ansicht dahingehend
sind, daß unsere beiden großen Demokratien einander gegenüber und gegenüber
der ganzen Welt eine ganz besondere Verantwortung tragen.
Gehen wir
- 8 -

�Gehen wir gemeinsam weiter, indem wir Schritt um Schritt auf unserem
Fortschritt aufbauen.

Unsere Erfolge bei diesem Bemühen um den Fortschritt

müssen Meilensteine sein, die sicherstellen, daß wir unser Ziel erreichen.
Der Ministerpräsident und ich werden hierüber auch morgen noch eingehender
sprechen.
Dieser Besuch hat die Bande der Freundschaft zwischen unseren beiden
großen Nationen verstärkt.
Wir sind jetzt besser gerüstet für eine Zusammenarbeit als Partner, um
bei uns und in der ganzen Welt auf eine friedlichere und gedeihlichere Zukunft hinzuarbeiten.
müssen.

Wir wissen, was zu tun ist.

Wir wissen, wie wir es tun

Haben wir den Glauben zueinander, den Mut, das Notwendige anzupacken,

und die Entschlossenheit, es zum Ende zu führen.

- 9 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

23. November 1983

47

GEMEINSAME ERKLÄRUNG PRÄSIDENT REAGANS UND PRÄSIDENT CHUNS

SEOUL - (AD) - Der amerikanische Präsident Ronald Reagan und der koreanische Präsident Chun Doo Hwan veröffentlichten anläßlich des Staatsbesuchs
von Präsident Reagan am 13. November 1983 (Ortszeit) in Seoul eine gemeinsame
Erklärung, die folgenden Wortlaut hat:
Auf Einladung von Präsident Chun Doo Hwan statteten der Präsident der
Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan,und seine Frau Nancy der Republik Korea vom 12. bis 14. November 1983 einen Staatsbesuch ab.

Die bei-

den Präsidenten trafen am 12. und abermals am 13. November zu Gesprächen sowohl über bilaterale Fragen als auch Fragen der Weltpolitik zusammen. Die
Gespräche fanden in einer äußerst herzlichen und offenen Atmosphäre statt.
Präsident Reagan sprach vor der Nationalversammlung, besuchte Einrichtungen sowohl der koreanischen als auch der amerikanischen Streitkräfte und
traf auch mit höheren koreanischen Regierungsbeamten, koreanischen Bürgern
und einer Gruppe amerikanischer Geschäftsleute zusammen.
Präsident Chun

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Präsident Chun brachte gegenüber Präsident Reagan seine Dankbarkeit für
die standhafte Unterstützung Amerikas in der Zeit nach den Tragödien zum Ausdruck, die das Volk von Korea in jüngster Zeit durchgemacht hat: dem sowjetischen Angriff auf ein koreanisches Zivilflugzeug am 1. September und dem
nordkoreanischen Terroranschlag in Burma, der tragischerweise 17 unschuldigen
Koreanern das Leben kostete, darunter viele führende Persönlichkeiten aus den
Bereichen der Wirtschaft, der Diplomatie und der Politik.
Die beiden Präsidenten nahmen Kenntnis von der gründlichen und schlüssigen Untersuchung des abscheulichen Bombenanschlags von Rangun am 9. Oktober
durch die burmesische Regierung, die unwiderlegbare Beweise dafür erbracht
hat, daß die nordkoreanische Regierung diesen vorsätzlichen Akt des Staatsterrorismus begangen hat. Beide stimmten darin überein, daß ein derartiges
Vorgehen nicht geduldet werden kann,und forderten wirksame internationale
Sanktionen gegen Nordkorea.

Präsident Reagan bekräftigte seine Bewunderung

für die Entschlossenheit und den Mut des koreanischen Volkes und dessen Führung angesichts dieser barbarischen Vorfälle.
Präsident Chun sprach Präsident Regan und dem amerikanischen Volk sein
Beileid zu den Verlusten an Menschenleben aus, die durch den Anschlag auf
eine Unterkunft amerikanischer Marinesoldaten in Beirut vom 23. Oktober verursacht wurden. Präsident Chun und Präsident Reagan bekundeten gemeinsam
die unbeugsame Opposition des koreanischen und des amerikanischen Volkes gegenüber derartigen Terrorakten und sicherten zu, anhaltende Anstrengungen zu
unternehmen, um die Geissei des Terrorismus von der Erde zu tilgen.
Die beiden Staatschefs führten einen Meinungsaustausch über eine Reihe
internationaler Fragen von beiderseitigem Interesse.

Präsident Reagan unter-

strich die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, die Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten zu stärken, sich um eine Verminderung
der Spannungen in unstabilen Gebieten wie dem Nahen Osten zu bemühen und eine
Vereinbarung über die Verminderung der weltweiten Dislozierungen strategischer
Waffen anzustreben.
Präsident Chun
- 2 -

�Präsident Chun umriß die Sicherheitslage der Halbinsel Korea in Einzelheiten und bezog sich hierbei insbesondere auf die anhaltende Bedrohung durch
Nordkorea, die in Nordkoreas militärischem Aufbau zum Ausdruck kommt und durch
seine eigenen inneren Probleme verschärft wird.
Beide Präsidenten unterstrichen die Wichtigkeit der Aufrechterhaltung
der Abschreckungskräfte und der Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und
in Nordostasien - einem Gebiet von entscheidender strategischer Bedeutung.
Präsident Reagan erklärte, die Vereinigten Staaten würden ihre Rolle und
Verantwortlichkeiten als einer pazifischen Macht nachkommen, die sich der Aufrechterhai tung von Frieden und Stabilität in diesem Raum verpflichtet fühlt.
Präsident Reagan bekräftigte unter Hinweis darauf, daß die Sicherheit
der Republik Korea unentbehrlich für den Frieden und die Stabilität Nordostasiens sei und diese letztere!wiederum von entscheidender Bedeutung für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten seien, die anhaltende starke Verpflichtung
der Vereinigten Staaten zur Gewährleistung der Sicherheit der Republik Korea.
Die beiden Präsidenten gelobten, die Verpflichtungen aufrechtzuerhalten, die
im gegenseitigen Verteidigungsabkommen zwischen der Republik Korea und den
Vereinigten Staaten von 1953 niedergelegt sind, und sie wiesen auf den Erfolg
dieses Bündnisses und seine abschreckende Wirkung in mehr als 30 Jahren hin.
Präsident Reagan betonte, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin
amerikanische Streitkräfte in Korea belassen und deren Schlagkraft stärken
würden.

Präsident Chun bekräftigte sein Eintreten für die Präsenz amerika-

nischer Truppen in Korea als Teil der den Vereinten Nationen und dem Gemeinsamen
Kommando unterstellten Streitkräfte in Korea.
Präsident Reagan nahm zur Kenntnis, daß Korea sechs Prozent seines Bruttosozialprodukts für die Verteidigung aufwendet, und er nahm ferner Kenntnis von
den Anstrengungen der Republik Korea, ihre Verteidigungskapazitäten zu modernisieren und zu steigern.

Die beiden Präsidenten waren der übereinstimmenden

- 3 -

�der übereinstimmenden Auffassung, daß dieses Programm wichtig sei, soll der
Friede erhalten bleiben.

Präsident Reagan bekräftigte erneut, daß die Ver-

einigten Staaten auch künftig die Waffensysteme und Technologien bereitstellen werden,die notwendig sind, um die Stärke der koreanischen Streitkräfte
zu mehren.
Präsident Chun erläuterte die anhaltenden Anstrengungen der koreanischen
Regierung, die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Süd- und Nordkorea und ihre
Politik der friedlichen Wiedervereinigung unter dem Gesichtspunkt zu erreichen,
die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu vermindern und der Verwirklichung des langgehegten Wunsches des koreanischen Volkes näherzukommen, die
Wiedervereinigung in Frieden zu vollziehen.

Präsident Reagan, der die Unter-

stützung der diesbezüglichen ernsthaften und geduldigen Bemühungen der Republik Korea durch die Vereinigten Staaten zum Ausdruck brachte, verwies insbesondere auf Präsident Chuns umfassenden Vorschlag vom 22. Januar 1982, eine
demokratische Wiedervereinigung über eine nationale Aussöhnung anzustreben.
Präsident Reagan unterstrich erneut, daß die Vereinigten Staaten keine
Gespräche mit Nordkorea ohne die volle und gleichberechtigte Teilnahme der Republik Korea führen werden. Die beiden Präsidenten versicherten, daß jedwede
einseitigen Schritte seitens der Hauptverbündeten Nordkoreas zugunsten Nordkoreas, die nicht auch die Republik Korea begünstigen, der Sache der Förderung von Stabilität und Frieden in diesem Gebiet nicht dienlich wären.
Präsident Reagan gab seiner Bewunderung und Unterstützung der zunehmenden und immer aktiveren Rolle Ausdruck, die die Republik Korea in der internationalen Diplomatie spielt, und nahm Kenntnis von der Entschlossenheit der
Republik Korea, eine Politik der offenen Tür im Zwiegespräch mit allen Völkern
zu betreiben.

Die beiden Präsidenten unterstrichen die Bedeutung der Rolle

ihres jeweiligen Landes als Gastgeber für wichtige weltweite Veranstaltungen
und Ereignisse, darunter die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles und 1988
in Seoul.

Beide Länder stehen zu der Verpflichtung, Vertreter aller Nationen

zur Teilnahme an diesen internationalen Veranstaltungen zuzulassen.
In Anerkennung
- 4 - .

�In Anerkennung der zunehmenden Bedeutung des asiatisch-pazifischen Raumes
und des wachsenden Zusammengehörigkeitsgefühls unter den Pazifik-Anliegerstaaten

stimmten die beiden Präsidenten darin überein, daß die Intensivierung des

Austausches auf allen Ebenen unter den pazifischen Nationen notwendig sei, um
den regionalen Zusammenhalt zu festigen.

Sie waren sich ferner darin einig,

daß die multilateralen Beziehungen unter den Ländern dieser Region auf den Gebieten des Handels, der Finanzen, der Wissenschaft, der Technik, der Kultur
und des Tourismus verstärkt werden sollen.
Die beiden Präsidenten gaben ihrer Überzeugung Ausdruck, daß die Republik
Korea gemäß dem Prinzip der Universalität der Vereinten Nationen in diese aufgenommen werden sollte und daß der Eintritt der Republik Korea in die Vereinten Nationen zur Verminderung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel und
zur Aufrechterhaltung des internationalen Friedens beitragen würde.

Präsident

Reagan sicherte sein anhaltendes Eintreten für die Aufnahme der Republik Korea
in die Vereinten Nationen zu.
Die beiden Präsidenten unterstrichen die Bedeutung der Verteidigung und
Stärkung der Freiheit und der Institutionen, die der Freiheit, der Offenheit
und der politischen Stabilität dienen.
Präsident Chun und Präsident Reagan führten einen Meinungsaustausch über
eine Reihe von wirtschaftlichen Fragen.

Sie machten deutlich, wie wichtig es

ist,sicherzustellen, daß ein weltweiter Wirtschaftsaufschwung nicht durch eine
Rückwende zum Protektionismus behindert werde.

Präsident Reagan begrüßte

insbesondere die Maßnahmen zur Handelsliberalisierung, die die koreanische
Regierung trotz anhaltender Außenhandelsdefizite und des weltweiten Trends
zum Protektionismus unternimmt bzw. zu unternehmen plant.

Die beiden Präsi-

denten stimmten darin überein, daß Schritte dieser Art beispielgebend für positive Maßnahmen seien, die alle Handelsnationen ergreifen sollten, um das
Welthandelssystem gegen protektionistische

Angriffe zu verteidigen, und sie

konstatierten eine dringende Notwendigkeit für konzertierte diesbezügliche
internationale Anstrengungen.
Die beiden
- 5 -

�Die beiden Präsidenten nahmen mit Befriedigung von der fortgesetzten
Ausweitung des bilateralen Handels zwischen beiden Ländern Kenntnis, dessen
Volumen sich im Jahr 1982 auf mehr als 11 Milliarden Dollar bezifferte und
die Republik Korea zu einem der wichtigsten Handelspartner der Vereinigten
Staaten, dem fünftgrößten Markt für amerikanische Agrarprodukte, werden ließ,
und die Vereinigten Staaten für die Republik Korea zum größten Handelspartner
bei den Ausfuhren wie bei den Einfuhren machte.

Sie stimmten beide darin

Überein, daß das kontinuierliche Wachstum des beiderseitigen Handels Zeugnis
für die Lebenskraft der amerikanisch-koreanischen Wirtschaftsbeziehungen ablegt.
Präsident Chun gab ferner seiner Dankbarkeit für Präsident Reagans starkes Bekenntnis zum Freihandel wie auch seiner Hoffnung Ausdruck, daß den wichtigsten Exportprodukten der Republik Korea durch die Verlängerung der Berechtigung Koreas zur Inanspruchnahme von GSP-Vergünstigungen auf nicht-diskriminierender Basis größerer Zugang zum amerikanischen Markt gewährt werde.

Prä-

sident Reagan nahm Präsident Chuns Ansichten zu diesen Fragen zur Kenntnis.
In diesem Zusammenhang stellten die beiden Präsidenten Maßnahmen ihrer beiden Regierungen zum Abbau verschiedener Zollbarrieren und außertariflicher
Handelsschranken in Aussicht.
Präsident Chun erläuterte die jüngsten Anstrengungen der koreanischen
Regierung, ein günstigeres Umfeld für ausländische Investitionen in die Republik Korea zu schaffen, und forderte die Vereinigten Staaten auf, von diesen
verbesserten Möglichkeiten Gebrauch zu machen.

Die beiden Präsidenten wiesen

darauf hin, daß ein gastliches Klima für Auslandsinvestitionen in beiden Ländern auch in Zukunft zum Transfer von Technologien und zur Ausweitung der Beschäftigungsmöglichkeiten in der Republik Korea und in den Vereinigten Staaten
beitragen werde.

Die beiden Präsidenten werteten die laufende Beteiligung

amerikanischer Firmen an den wichtigsten Entwicklungsprojekten in der Republik
Korea in Gestalt der Lieferung hochqualifizierter Güter und Dienstleistungen
zu wettbewerbsorientierten

Preisen « S ein Zeichen für die starken koopera-

tiven wirtschaftlichen Bindungen, diejdie Republik Korea und die Vereinigten
Staaten miteinander verknüpfen.
Präsident Chun

�Präsident Chun und Präsident Reagan erörterten die Aussichten auf eine
weitere Verbreiterung der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Technologie und
der Energie. Sie kamen überein, Programme für die wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit auch weiterhin zu fördern.
Präsident Reagan versicherte Präsident Chun, daß die Vereinigten Staaten ein verläßlicher Lieferant von Energiestoffen und Energietechnologien
seien und insbesondere auch bemüht bleiben werden, die Republik Korea bei der
Gewährleistung einer stabilen Energieversorgung für den Fall eines Sicherheitsnotstandes zu unterstützen; in dieser Hinsicht zeigte sich Präsident Reagan
positiv von den Anstrengungen der koreanischen Regierung beeindruckt, Energievorräte für wirtschaftliche Krisensituationen anzulegen.

Präsident Chun be-

kundete seine Dankbarkeit für die amerikanische Zusicherung und das Interesse
der

Republik Koreas am Kauf von Energiestoffen und an der Entwicklung von

Energiequellen in den Vereinigten Staaten.
Präsident Chun und Präsident Reagan nahmen Kenntnis von den starken und
vielfältigen Banden der Freundschaft und Zusammenarbeit, die die Vereinigten
Staaten und die Republik Korea in den Nachkriegsjähren miteinander verbunden
haben, und kamen zu dem Urteil, daß diese Beziehungen ausgezeichnet seien.
Als Zeugnis für die zunehmende Breite und Bedeutung dieser Beziehungen informierte Präsident Reagan Präsident Chun von der Absicht der Vereinigten Staaten, in naher Zukunft ein Konsulat in Pusan zu eröffnen, Koreas zweitgrößter
Stadt und Brennpunkt auch für den amerikanisch-koreanischen Wirtschaftsverkehr.
Präsident Chun begrüßte diese Entscheidung.
Präsident Chun und Präsident Reagan sicherten zu, dafür zu sorgen, daß
alle Tagungen und Konsultationen zu Sicherhietsfragen wie auch auf den Gebieten der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaften und der Kultur, die auf
der gemeinsamen Tagesordnung anstehen, voll und ganz durchgeführt werden, um
die ohnehin ausgezeichneten Beziehungen auf diesen Teilbereichen aufrechtzuerhalten und zu vertiefen.
Die beiden

�Die beiden Präsidenten unterstrichen die Notwendigkeit einer weiteren
Förderung des gegenseitigen Verständnisses und des Austausches zwischen dem
koreanischen und dem amerikanischen Volk und kamen überein, einen erweiterten
Kultur- und Erziehungsaustausch einzuleiten. Die beiden Präsidenten zeigten
sich befriedigt über die Förderung der Amerikakunde in der Republik Korea und
auch die Förderung der Koreakunde in den Vereinigten Staaten.
Präsident Reagan und seine Frau sprachen Präsident Chun und seiner Gattin
ihre tiefe Dankbarkeit für die herzliche Aufnahme aus, die sie in der Republik
Korea fanden; sie richteten ihren tiefempfundenen Dank auch an das Volk der
Republik Korea für die Gastfreundschaft, die Freundlichkeit und den guten Willen, die es ihnen entgegengebracht hat. Die beiden Präsidenten waren sich
darin einig, daß der Austausch von Präsidenten-Besuchen zur Weiterentwicklung
der bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern beiträgt. In diesem Zusammenhang lud Präsident Reagan Präsident Chun zu einem
erneuten Besuch nach Washington zu einem geeigneten Zeitpunkt ein, und Präsident Chun nahm diese Einladung dankbar an.

+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten vor dem japanischen Parlament&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung von Präsident Reagan und Ministerpräsident Nakasone in Tokio&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung Präsident Reagans und Präsident Chuns&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. November 1983

48
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan: USA sofort zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche bereit
- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 Präsident Reagan beantwortet Schreiben der Mutter von Filderstadt
Nitze bekräftigt Bereitschaft der USA zur Fortsetzung der INFVerhandlungen
- Erklärungen in Brüssel und Genf -

HINTERGRUNDMATERIAL
Chronologie der amerikanischen und der sowjetischen Rüstungskontroll
vorschlage
IEA:

Der Schlüssel für internationale Energiesicherheit

- Von E. Allan Wendt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Arbeitsstätte "SPACELAB"
- ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen

Um Übersendung uon
Belegexemplaren
wild gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

REAGAN: USA SOFORT ZUR WIEDERAUFNAHME DER GENFER GESPRÄCHE BEREIT
- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 -

SANTA BARBARA, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 23.
November 1983 mit Nachdruck unterstrichen, daß die USA bereit seien, die von
der Sowjetunion unterbrochenen Verhandlungen über nukleare Mittelstreckenraketen in Genf sofort wieder aufzunehmen.

Gleichzeitig versicherte er in

einer in seinem Urlaubsort Santa Barbara in Kalifornien abgegebenen Erklärung, daß die Vereinigten Staaten niemals den Verhandlungstisch verlassen
würden.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bedauere zutiefst, daß sich die Sowjetunion entschieden hat, die
gegenwärtige Runde der Verhandlungen über die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) in Genf zu unterbrechen.

Wenn diese Entscheidung auch keine Ober-

raschung darstellte, so hat sie doch tiefe Enttäuschung ausgelöst.

Die Be-

mühungen um ein Abkommen über die Verminderung der Kernwaffen sind für die
Menschen in aller Welt so wichtig, daß sie nicht aufgegeben werden dürfen.
Der gesunde

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der gesunde Menschenverstand erfordert, daß wir (mit den Verhandlungen)
fortfahren.

Wir haben zwei Jahre lang verhandelt, während die Sowjets weiter-

hin ihre SS-20-Raketen disloziert haben.

Es gibt keine Rechtfertigung für

ihren Abbruch der Verhandlungen, wo jetzt die NATO damit beginnt, das Gleichgewicht wiederherzustellen.
handlungstisch verlassen.

Die Vereinigten Staaten werden niemals den VerDer Friede ist zu wichtig.

Wir sind bereit, die Verhandlungen sofort wieder aufzunehmen.

Die Ini-

tiativen, die wir am Verhandlungstisch vorgebracht haben, verfolgen nur das
eine Ziel:

ein faires Abkommen zu erreichen, das die Anzahl der Kernwaffen

verringert.

Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten sind geeint

in der Verpflichtung, zu einem Erfolg zu gelangen.
Es gibt keine höhere Priorität als die Verminderung der Kernwaffen.
Rüstungsverminderungen sind der einzig richtige Weg zu einer sichereren Zukunft.

Wir sind um vernünftige und verifizierbare Abkommen bemüht, die den

legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten gerecht werden.
Wir setzen die anderen Verhandlungen mit der Sowjetunion fort:

die Ver-

handlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START), über
die Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa (MBFR), über ein
Verbot der chemischen Waffen sowie - in Kürze - über vertrauensbildende Maßnahmen, die auf die Verhinderung militärischer Überraschungen in Europa abzielen.
Die Völker der Welt verdienen und wünschen, daß unsere Verhandlungen
Erfolg haben. Wir sehen dem Tag entgegen, da die Sowjetunion diesem Appell
folgt und an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Wir müssen Standhaftigkeit
beweisen, wenn der Sache des Friedens gedient werden soll.
+ + +

Erklärung Reagans

�ERKLÄRUNG REAGANS NACH ANDROPOW-ANKÜNDIGUNG

Nach der Ankündigung des sowjetischen Staats- und Parteichefs Andropow
vom 24. November 1983, daß die Sowjetunion eine weitere Beteiligung an den
INF-Verhandlungen in Genf als unmöglich ansieht, erklärte Präsident Reagan
in Santa Barbara:
Wir können nur bestürzt sein über die sowjetische Erklärung.

Sie steht

in krassem Kontrast zu dem erklärten Wunsch der Sowjetunion, daß ein Abkommen
ausgehandelt werden müsse.
Wenn wir auch bestürzt sind, so sind wir dennoch entschlossen, unsere
Anstrengungen zur völligen Beseitigung der landgestützten nuklearen Mittelstreckensysteme zu erneuern.

Wir werden uns auch weiterhin um Verhandlungen

in gutem Glauben bemühen.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

PRÄSIDENT REAGAN BEANTWORTET SCHREIBEN DER MOTTER VON FILDERSTADT

WASHINGTON - (AD)
Telegramms der "Mütter
Filderstadt die Sorgen
haben sollen, in einer

- Präsident Ronald Reagan hat in Beantwortung eines
für den Frieden" aus dem baden-württembergischen Ort
dieser Frauen geteilt, daß "unsere Kinder die Chance
sicheren, gesunden und friedlichen Welt zu leben".

In ihrem Telegramm, das sie am 11. November 1983 zur Weitergabe an den
Präsidenten an die amerikanische Botschaft richteten, hatten die "Mütter
für den Frieden" den Präsidenten gebeten, in Genf weiter zu verhandeln mit
dem Ziel, Europa die Nachrüstung zu ersparen, und darauf hingewiesen, daß
die Menschen in Ost und West dies mit größter Dankbarkeit aufnehmen würden.
In seinem Antwortschreiben unterstreicht der Präsident die Notwendigkeit, daß sich demokratische Nationen im Notfall verteidigen können, und verweist auf die jedes vertretbare Maß der Selbstverteidigung überschreitende
Hochrüstung der Sowjets. Diese habe schließlich zum NATO-Doppelbeschluß geführt. Präsident Reagan versichert den Frauen, daß die Vereinigten Staaten
weiterhin verhandlungsbereit sind und bleiben und daß die amerikanischen Raketen bei einem befriedigenden Abkommen mit der Sowjetunion wieder abgezogen würden.
Das Schreiben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Schreiben des Präsidenten an die "Mütter für den Frieden" in Filderstadt hat folgenden Wortlaut:
Für Ihre herzliche, tiefempfundene Botschaft zum Thema Rüstungskontrolle
danke ich Ihnen. Als Eltern und Großeltern teilen Nancy und ich Ihre Sorgen,
daß unsere Kinder die Chance haben sollen, in einer sicheren, gesunden und
friedlichen Welt zu leben.
Um aber für uns und unsere Nachkommen eine solche Welt zu gewährleisten,
müssen wir in der Lage sein, uns verteidigen zu können, wenn dies notwendig
werden sollte.

Nicht alle Staaten der Welt glauben wie wir an Freiheit, De-

mokratie und die Grundrechte des Menschen.

Die Sowjetunion hat bedauerlicher-

weise einen Kurs der Hochrüstung von beispiellosen Ausmaßen eingeschlagen und
bedroht ihre Nachbarn in Europa und in Asien mit SS-20- und anderen Atomraketen, die jedes vertretbare Maß der Selbstverteidigung übersteigen.
Als Antwort auf diese Aufrüstung der Sowjets haben die Länder der Nordatlantikvertragsorganisation im Jahr 1979 beschlossen, die NATO-Abschreckung
zu modernisieren und gleichzeitig die Sowjetunion zu Verhandlungen über eine
Abschaffung oder Verringerung dieser Waffen auf beiden Seiten zu bewegen.
Leider hat sich die UdSSR bisher nicht bereit gezeigt, auf die Besorgnisse
einzugehen, die zu diesem Beschluß geführt haben. Dementsprechend beginnt
das Bündnis Ende dieses Jahres mit der Stationierung vergleichbarer Systeme,
um einen Ausgleich für die in den letzten sechs Jahren aufgestellten SS-20Raketen zu schaffen.
Gleichzeitig gab das Bündnis im vorigen Monat ein
weiteres Programm der einseitigen Verringerung bekannt, das zusammen mit
unserem einseitigen Abzug von 1000 nuklearen Gefechtsköpfen im Jahr 1980
das Arsenal der NATO auf seinen niedrigsten Stand in über 20 Jahren bringen
wi rd.
Das Ziel des Bündnisses ist es, die Sowjets dazu zu bewegen, auf Verringerungen der weiterreichenden nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) auf
einen möglichst niedrigen Stand - am besten auf Null - einzugehen.

- 2 -

Die Ver-

�Die Verwirklichung des NATO-Doppelbeschlusses wird dazu beitragen, daß gewährleistet wird, daß in Europa niemals ein Atomkrieg ausbricht, indem die
Sicherheit der Vereinigten Staaten mit der Sicherheit Westeuropas verknüpft
wird.

Mit anderen Worten, unsere europäischen Verbündeten würden einem

sowjetischen Einschüchterungsversuch niemals allein gegenüberstehen.
Sie haben in Ihrer Botschaft gebeten, daß wir mit der Sowjetunion weiterverhandeln sollen.
nehmen.

Wir sind bereit, die Verhandlungen sofort wieder aufzu-

Die Vereinigten Staaten werden den Verhandlungstisch niemals ver-

lassen; dazu ist der Frieden zu wichtig.

Nichts hat für mich einen höheren

Rang als die Verringerung der Kernwaffen.

Wir haben zwei Jahre lang ver-

handelt, während die Sowjetunion eine SS-20-Rakete nach der anderen aufgestellt hat.

Es gibt für die Sowjetunion keine Rechtfertigung für einen Ab-

bruch der Verhandlungen, wenn die NATO jetzt beginnt, das Gleichgewicht wieder herzustellen.
Ein befriedigendes Abkommen muß die Sicherheit unserer europäischen
Verbündeten gewährleisten.

Wenn ein solches Abkommen die Stationierung

amerikanischer Raketen unnötig macht, dann können alle in Europa aufgestellten
amerikanischen Raketen wieder abgezogen werden.
Ich werde ein solches Abkommen weiterhin mit allem Nachdruck anstreben.
Es ist immer die Politik der Vereinigten Staaten gewesen - und wird es auch
weiterhin bleiben -, dafür zu sorgen, daß der Menschheit die Geissei eines
Atomkrieges erspart bleibt, bei dem es keine Sieger gäbe.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Ronald Reagan

- 3 -

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. November 1983

48

NITZE BEKRÄFTIGT BEREITSCHAFT DER USA ZUR FORTSETZUNG DER
INF-VERHANDLUNGEN
- Erklärungen in Brüssel und Genf -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Verhandlungsführer bei den Genfer
INF-Gesprächen, Paul Nitze, hat am 25. November 1983 nicht nur die Bereitschaft, sondern auch den Wunsch der US-Regierung bekräftigt, daß die Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme wieder aufgenommen werden,
wann immer Moskau dies tun wolle.
Nach seinen Darlegungen vor dem Nordatlantikrat in Brüssel gab Nitze
auf einer Pressekonferenz folgende Erklärung ab:
Ich habe vor dem NATO-Rat das tiefe Bedauern der amerikanischen Regierung über die einseitige sowjetische Aussetzung dieser INF-Verhandlungsrunde
zum Ausdruck gebracht.

Ich habe ebenfalls nicht nur die Bereitschaft, son-

dern auch den Wunsch der US-Regierung unterstrichen, daß diese Verhandlungen
fortgesetzt oder wieder aufgenommen werden sollten, wann immer die Sowjetunion dies tun will.
Wir haben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wir haben den Prozeß der engen Konsultation fortgesetzt, wie das auch
in der Vergangenheit der Fall war.

Ich glaube, Botschafter Glitman und ich

haben während des Verlaufes dieser Verhandlungen etwa alle drei Wochen den
NATO-Rat unterrichtet.

Er oder ich sind hier erschienen, um den Nordatlantik-

rat über alle Einzelheiten der Verhandlungen zu informieren, wie sie sich in
diesem Zeitraum ergaben haben.

Meiner Meinung nach ist es am besten, wenn

ich mich jetzt Ihren Fragen stelle.
Die wichtigsten Fragen und Antworten dieser Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Haben Sie während dieses Monats

der Verhandlungen mit den Sowjets

jemals das Gefühl gehabt, daß ein Abbruch verhindert werden könnte und daß
eine Lösung, ein Abkommen zu irgendeinem Zeitpunkt in Reichweite war?
ANTWORT:

Wir haben während dieser Verhandlungen immer mit der Hoffnung

gearbeitet, daß ein Abkommen erreicht werden könne vor dem tatsächlichen Beginn der Stationierung, und wir hofften auch immer, daß ein Abkommen auch
nach der Stationierung erreicht werden könne. Zu keinem Zeitpunkt haben wir
also unsere Hoffnung aufgegeben, daß wir auf irgendeine Weise zu einer Lösung
gelangen könnten.
Sie haben mich gefragt, ob wir zu irgendeinem Zeitpunkt tatsächlich
einem Abkommen nahe waren. Ohne Frage hatte ich während des Waldspazierganges das Gefühl, daß wir einem Abkommen nahe waren, aber ich war enttäuscht,
als die Sowjetunion diese Initiative voll und ganz zurückwies. Ich glaube
nicht, daß wir seither einander wieder so nahe waren, obwohl ich unterstreichen
möchte, daß wir während der letzten Wochen bei einer Anzahl von Punkten im
Hinblick auf eine Annäherung dieser Positionen reale Fortschritte machten.
Und deshalb bedauere ich besonders, daß sich die Sowjets genau zu diesem Zeitpunkt bedeutsamer Fortschritte bei bestimmten Fragen entschieden, einseitig
den Verhandlungstisch zu verlassen.
FRAGE:

- 2 -

Was höben

�FRAGE:

Was haben Sie zu der gestrigen Erklärung Andropows zu sagen, daß

die Sowjetunion ihre weitere Beteiligung an diesen Gesprächen als unmöglich
ansieht?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach ist dies eine Verhärtung des sowjetischen

Standpunktes gegenüber der Position, die sie gestern einnahmen, und umso mehr
bedauere ich das.
FRAGE:

Glauben Sie, daß dies das Ende der Gespräche bedeutet?

ANTWORT:
FRAGE:

Ich hoffe nicht.

Warum wurde dieser Waldspaziergangsvorschlag niemals vom Genfer

Verhandlungsteam der USA offiziell vorgebracht?
ANTWORT:

Die sowjetische Regierung erklärte mir offiziell - oder viel-

mehr Botschafter Kwizinski erklärte mir auf Weisung seiner Regierung -, daß
Moskau dies voll und ganz ablehne.
FRAGE:

Hatten Sie das Gefühl, daß es verschiedene Vorstellungen in

Moskau und in Genf gab?

War die sowjetische Führung in Moskau irgendwie

härter als diejenigen, die für sie in Genf verhandelten?
ANTWORT:

So etwas ist sehr schwer zu sagen.

Das mag durchaus der Fall

gewesen sein, aber persönlich habe ich keine Hinweise dafür.
FRAGE:

Welche Gründe sehen Sie dafür, daß die Russen die Verhandlun-

gen... wieder aufnehmen sollten?
ANTWORT:

Ich meine, sie hätten sehr nachhaltige Gründe dafür.

Ich

glaube, die gegenwärtige Situation ist für die Welt als Gesamtheit nicht wünschenswert, und meiner Ansicht nach gibt es starke Gründe dafür, warum es in
ihrem Interesse ist - wie auch in unserem -, daß das Verhältnis zwischen un- 3 -

�zwischen unseren beiden Ländern, wie die Situation in der Welt überhaupt,
verbessert wird.

+ + +

ERKLÄRUNG NITZES IN GENF

Bereits am 23. November 1983 hatte der amerikanische ChefUnterhändler
in Genf folgende Erklärung zu der sowjetischen Entscheidung abgegeben:
Die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst die Entscheidung der Sowjetunion,
die INF-Verhandlungen auszusetzen.

Dies ist eine ungerechtfertigte und auch

unglückliche Entscheidung.
Die Sowjetunion hat die Aussetzung dieser Verhandlungen damit begründet,
daß die Zustimmung von NATO-Parlamenten zur Dislozierung amerikanischer Raketen eine Fortsetzung dieser Gespräche unmöglich mache. Als die Vereinigten
Staaten im Jahr 1979 der Sowjetunion zum erstenmal INF-Verhandlungen vorschlugen, hatte die Sowjetunion bereits etwa 140 SS-20-Raketen global disloziert.
Die globale Gesamtzahl der SS-20 beläuft sich jetzt auf 360 Raketen, und der
sowjetische Aufbau hält an.
Diese anhaltende sowjetische Aufrüstung hat die Vereinigten Staaten nicht
daran gehindert, diese Verhandlungen weiterzuführen und jede Anstrengung zu
machen, um ein gerechtes Abkommen zu erreichen. Diese Verhandlungen sollten
fortgesetzt werden, bis ein Abkommen erreicht ist.
Der Zeitplan für die amerikanischen Dislozierungen ist zu keiner Zeit
ein Geheimnis gewesen, auch die Gründe dafür waren es nicht. Sie entsprangen

- 4 -

�Sie entsprangen dem NATO-Doppelbeschluß von 1979 als eine notwendige Antwort
auf die sowjetische Dislozierung von SS-20-Raketen. Mit dieser Entscheidung
wurde das Mandat erteilt, sich um eine Begrenzung dieser Rüstungen zu bemühen
und zwar durch Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Die Vereinigten Staaten bleiben der Erreichung einer ausgehandelten Lösung verpflichtet, die den Sicherheitserfordernissen aller Betroffenen gerecht wird.

Die amerikanische Delegation hat auf offiziellem wie inoffiziel-

lem Wege versucht, alle Möglichkeiten für einen Ausgleich der zwischen beiden
Seiten bestehenden Meinungsverschiedenheiten auszuschöpfen.

Die Vorschläge

der Vereinigten Staaten sind flexibel und sollen den von der Sowjetunion zum
Ausdruck gebrachten Bedenken Rechnung tragen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Stationierungen zu stoppen
oder zurückzunehmen, wenn ein gerechtes Abkommen über die Verminderung und
Begrenzung oder die Beseitigung der amerikanischen und der sowjetischen Raketen erreicht werden kann.
Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sind sie weiterhin bereit,
die INF-Verhandlungen fortzusetzen, bis ein Abkommen erreicht worden ist und
unsere beiden Lander damit ihre Verantwortung und Pflicht erfüllt haben, zur
Sache des Friedens beizutragen.

- 5 -

�intcrgiurv
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

30. November 1983

CHRONOLOGIE DER AMERIKANISCHEN UND DER SOWJETISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLVORSCHLÄGE

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend ein Oberblick über die Rüstungskontroll
vorschlage der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion:
Verhandlungen über weiterreichende nukleare Mittel Streckensysteme (LRINF)

Vereinigte Staaten
Dezember 1979:

Die NATO trifft den Doppelbeschluß, d.h. beschließt Ver-

handlungen über eine Verringerung des LRINF-Niveaus oder eine Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten

und Modernisierung der NATO-Streitkrä'fte als

Antwort auf die sowjetischen Dislozierungen, sollte dies notwendig sein.
November 1981:

Präsident Reagan gibt die Null-Lösung bekannt, durch die

eine gesamte Kategorie amerikanischer und sowjetischer landgestützter Mittelstreckenraketen beseitigt werden soll.

Die NATO würde keine Gegensysteme dis-

lozieren, wenn die UdSSR ihre bereits stationierten Systeme beseitigen würde.
Februar 1983:

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Februar 1983:

Die Vereinigten Staaten legen erneut die Kriterien für

ein LRINF-Abkommen dar:
1. Gleichheit der Rechte und Begrenzung zwischen den USA und der Sowjetunion:
2. Nichteinbeziehung unabhängiger nuklearer Abschreckungsstreitkräfte dritter Länder, wie die Großbritanniens und Frankreichs, in ein Abkommen;
3. die vereinbarten Grenzen müssen auf einer globalen Basis angewendet
werden; keine Verlagerung sowjetischer LRINF vom europäischen Teil nach
Asien;
4. keine Schwächung der konventionellen Abschreckungsstreitkräfte der NATO;
und
5. wirksame Verifizierungsmaßnahmen.
März 1983: Die Verteidigungsminister der NATO weisen die sowjetischen
"Zwischenbegrenzungen" zurück, weil dadurch mehr sowjetische SS-20-Raketen
verbleiben würden

als vor Beginn der Verhandlungen.

März 1983: Angesichts der sowjetischen Weigerung, die sowjetischen
LRINF-Systeme als Antwort auf eine Nichtdislozierung der Gegensysteme der NATO
zu beseitigen, wie dies in der Null-Lösung vorgeschlagen wurde, bieten die
Vereinigten Staaten eine "Zwischenlösung" an. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, die geplante Dislozierung von PERSHING II und landgestützten Marschflugkörpern wesentlich zu verringern, falls die Sowjets die Anzahl ihrer Gefechtsköpfe auf den sowjetischen Raketen auf globaler Basis auf einen gleichen
Stand reduzieren würden. Gleichzeitig unterstreichen die USA, daß sie die
Null-Null-Option als ideale letztliche Lösung des Problems vorziehen.
September 1983:

- 2 -

�September 1983: Präsident Reagan gibt in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen neue amerikanische Initiativen bekannt, mit
denen spezifischen sowjetischen Bedenken entgegengekommen werden soll:
1. Die Bereitschaft der USA, LRINF-Flugzeuge in die Verhandlungen einzubeziehen, obwohl die USA auch weiterhin die Dislozierung von SS-20-Raketen als Hauptbedrohung für die westliche Sicherheit ansehen;
2. die Bereitschaft der USA zu der Verpflichtung, im Zusammenhang mit einem
Abkommen, das gleiche globale Begrenzungen vorsieht, die sowjetische Gesamtdislozierung nicht durch amerikanische Dislozierungen in Europa auszugleichen;
3. die Bereitschaft der USA, für den Fall eines Zwischenabkommens die
amerikanischen Reduzierungen angemessen zwischen PERSHING II und Marschflugkörpern aufzuteilen.
Oktober 1983: Die Vereinigten Staaten erklären, daß der Andropow-Vorschlag Mängel enthält, weil er immer noch darauf besteht, daß die britischen
und französischen strategischen Streitkräfte angerechnet werden müssen und
daß keine amerikanischen Dislozierungen stattfinden dürften.

Der Vorschlag,

die LRINF-Raketensysteme im asiatischen Teil der Sowjetunion einzufrieren,
scheint den amerikanischen Standpunkt anzuerkennen, daß die Frage der nuklearen Mittel Streckensysteme auf globaler Basis angepackt werden muß.

Die USA

wollen weitere Einzelheiten über den sowjetischen Flugzeug-Vorschlag erfahren.

- Die USA stellen fest, daß die sowjetische Drohung mit einer Beendigung
der Verhandlungen für den Fall der Stationierung amerikanischer Raketen
in Europa ungerechtfertigt ist, da die Vereinigten Staaten seit zwei Jahren verhandelt haben, während gleichzeitig der Stand der sowjetischen
SS-20-Raketen dramatisch erhöht wurde.
- Die USA

�- Die USA geben den Abzug von 1400 taktischen Nuklearwaffen aus Europa
bekannt, womit die Anzahl der Kernwaffen der NATO in Europa gegenüber
dem Stand des Jahres 1979 um mehr als ein Drittel verringert wird, nachdem bereits im Jahr 1980 rund 1000 derartiger Waffen abgezogen worden
waren.
November 1983:

Die Vereinigten Staaten schlagen eine Zwischenobergrenze

von 420 Gefechtsköpfen bei LRINF-Raketen vor, wobei sie gleichzeitig ihre Bereitschaft unterstreichen, weitere Reduzierungsebenen in Erwägung zu ziehen.
Dieser Vorschlag entspricht einer globalen Begrenzung der sowjetischen SS-20Raketen auf 140.

Im Oktober 1983 hatte die Sowjetunion vorgeschlagen, nur

ihre SS-20-Raketen im europäischen Bereich auf 140 Trägerwaffen mit 420 Gefechtsköpfen zu begrenzen.
- Die Anlieferung der ersten landgestützten Marschflugkörper für Großbritannien beginnt.

Sowjetunion
1977:

Die Sowjetunion beginnt mit der Dislozierung von SS-20-Raketen

im europäischen Teil der UdSSR.
Dezember 1978:

70 SS-20-Raketen mit 210 Gefechtsköpfen sind im euro-

päischen und asiatischen Teil der UdSSR stationiert.
Oktober 1979:

Breschnew schlägt ein Einfrieren der SS-20-Raketen vor,

falls die NATO keine Gegensysteme aufstellt.
Juli 1980:

Die Sowjets stimmen schließlich Verhandlungen über nukleare

Mittel Streckensysteme zu, nachdem sie sich vorher immer geweigert hatten, zu
verhandeln, es sei denn, die NATO gebe ihren Doppelbeschluß auf.
Oktober 1980:

�Oktober 1980: Vorbereitende amerikanisch-sowjetische Gespräche über
INF.

Dezember 1980:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

200 SS-20-Raketen mit 600 Gefechtsköpfen stationiert.

November 1982:

Die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme

(INF) beginnen in Genf.

Dezember 1981:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

270 SS-20-Raketen mit 810 Gefechtsköpfen stationiert.

März 1982:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind jetzt

300 SS-20-Raketen mit 900 Gefechtsköpfen stationiert.

Die Sowjets verkünden

ein "Moratorium" für Dislozierungen im europäischen Teil der Sowjetunion, die
Dislozierungen gehen jedoch weiter, nachdem die im Bau befindlichen RaketenAnlagen im europäischen Teil der UdSSR fertiggestellt und einsatzbereit sind;
mit dem Bau neuer Stellungen im östlichen Teil der UdSSR, deren Raketen Ziele
der NATO treffen können, wird begonnen.

Dezember 1982: Andropow schlägt einev^Zwischenobergrenze" vor, die
es Moskau gestatten würde, LRINF-Raketen in Europa in gleicher Zahl der Anrechnung der 162 britischen und französischen strategischen Systeme zu dislozieren.

162 SS-20-Raketen mit drei Gefechtsköpfen können insgesamt 486 Ziele

treffen; 162 britische und französische Raketen können jedoch nur 162 Ziele
treffen.
rungen

Aufgrund dieses Vorschlages würde keine amerikanischeLRINF-Disloziein Europa gestattet, jedoch unbegrenzte SS-20-Dislozierungen im

asiatischen Teil der UdSSR.

März 1983:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind nunmehr

351 SS-20-Raketen mit 1063 Gefechtsköpfen stationiert.

April 1983:

- 5-

�April 1983: Außenminister Gromyko bezeichnet die amerikanische "Zwischenlösung" als unannehmbar.

Er wiederholt den sowjetischen Standpunkt, daß keine

amerikanischen Dislozierungen erfolgen dürften und daß die sowjetischen Dislozierungen an die sowjetischen Berechnungen der britischen und französischen
strategischen Systeme angebunden werden müßten.
Mai 1983: Andropow läßt die Bereitschaft erkennen, bei den Verhandlungen
Gefechtsköpfe wie auch Raketen zu zählen.

Er wiederholt, daß die Anzahl der

SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR der sowjetischen Berechnung der
britischen und französischen strategischen Systeme entsprechen müsse.

Er

lehnt es ab, sich mit der Frage der sowjetischen Dislozierungen im asiatischen
Teil zu befassen, wohin aus dem europäischen Teil der UdSSR abgezogene Raketen
mit der Möglichkeit verlegt werden könnten, sie umgehend in den europäischen
Teil zurückzuverlegen.
August 1983: Andropow schlägt die Beseitigung von Trägerwaffen und Raketen entsprechend der sowjetischen Anrechnung der britischen und französischen
Systeme vor unter der Bedingung, daß die USA auf die Stationierung von
PERSHING II und Marschflugkörpern verzichten.
Oktober 1983: Das sowjetische Verteidigungsministerium gibt bekannt, daß
Moskau die Dislozierung "taktisch-operativer" Raketen in der DDR und in der
Tschechoslowakei als Teil der "geplanten Gegenmaßnahmen" zu amerikanischen
Dislozierungen vorbereitet.
Oktober 1983: Andropow schlägt eine modifizierte Version der "Zwischenebenen" vom Dezember 1982 vor, indem er ankündigt, daß die Sowjetunion bereit
sei, die Zahl der SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR auf 140 Raketen mit 420 Gefechtsköpfen zu reduzieren, um der sowjetischen Anrechnung der
französischen und britischen Gefechtsköpfe zu entsprechen.

Andropow bietet

ferner das Einfrieren der Zahl der SS-20-Raketen im asiatischen Teil der UdSSR
an, nachdem ein INF-Abkommen über die Begrenzung der europäischen Systeme
durchgeführt ist und solange die USA keine ähnlichen Waffen in diesem Raum
- 6 -

�diesem Raum dislozieren. Andropow spricht ferner von einer

zusätzlichen Fle-

xibilität" in der Frage der INF-Flugzeuge, obwohl Einzelheiten nicht mitgeteilt werden. Andropow gibt bekannt, daß ein Beginn der Stationierung amerikanischer LRINF es unmöglich machen werde, die INF-Verhandlungen fortzuführen.
November 1983:

Im europäischen und asiatischen Teil der UdSSR sind nun-

mehr 360 SS-20-Raketen mit 1080 Gefechtsköpfen disloziert.

+ + +

Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen (START)

Vereinigte Staaten
Januar 1981: Präsident Reagan gibt bekannt, daß die Vereinigten Staaten
sich an den nichtratifizierten SALT II-Vertrag halten werden, obwohl dieser
nicht in sinnvoller Weise die destabilisierendsten strategischen Systeme begrenze.

Die Sowjets geben eine entsprechende Zusage ab.

Mai 1982: Präsident Reagan hält eine Rede vor dem Eureka-College - seine
erste umfassende Rede über die Ost-West-Beziehungen.

In dieser Rede schlägt

der amerikanische Präsident die START-Gespräche vor.
Juni 1982: Die erste Runde der START-Gespräche beginnt.

Die Vereinig-

ten Staaten schlagen eine Begrenzung auf 850 dislozierte Raketen für jede
Seite

sowie

eine Reduzierung der Zahl der Gefechtsköpfe um etwa ein Drittel

auf 5000 für jede Seite vor.

Davon sollen nicht mehr als die Hälfte auf Inter-

kontinentalraketen - ICBM - montiert werden.
- Die USA

�- Die USA schlagen ferner vor, daß die Erörterung der Flugzeugfrage sowie des Wurfgewichts der Raketen auf die zweite Phase der Verhandlungen verschoben werden sollte.
Juni 1983:

Reagan kündigt Veränderungen in der amerikanischen Position

bei den START-Verhandlungen an, mit denen die Flexibilität bei diesen Verhandlungen erhöht werden soll:
1. Eine Lockerung des Vorschlags der Begrenzung auf 850 ballistische Raketen für jede Seite; die Begrenzung von 5000 Gefechtsköpfen für jede Seite würde weiterhin das zentrale Element des Vorschlages sein;
2. die Bereitschaft, über alle strategischen Systeme zu verhandeln, statt
die erste Phase der Verhandlungen auf Raketen zu begrenzen;
3. eine gleiche Obergrenze für die Anzahl der schweren Bomber und der von
Bombern getragenen Marschflugkörper für beide Seiten und zwar unterhalb
der Zahl,die im SALT II-Vertrag gestattet wurde;
4. das Angebot,alternative Möglichkeiten zur Begrenzung der Zerstörungskapazität und des Potentials von Raketen zu erkunden. Die USA stellen
fest, daß die sowjetischen Vorschläge ungenügend seien, weil sie sich
nicht spezifisch mit landgestützten Interkontinentalraketen befaßten,
die die destabilisierendsten Systeme darstellen, und weil sie auch keine
genügenden und bedeutsamen Verringerungen vorsehen.
Oktober 1983: Die USA beziehen das "Abbau-Konzept" in ihre Verhandlungsposition bei Raketen ein, indem sie vorschlagen:
1. Eine Verbindung zwischen Verringerung und Modernisierung durch die Anwendung variabler Verhältniszahlen, mit denen klargestellt werden soll,
wie viele bestehenden Gefechtsköpfe abgezogen werden müssen, wenn neue
Gefechtsköpfe disloziert werden;
2. die Bestimmung
- 8 -

�2. die Bestimmung für einen garantierten jährlichen Abbauprozentsatz von
etwa fünf Prozent;
3. eine Bestimmung, die sicherstellt, daß die Reduzierungen entsprechend
der Tatsache erfolgen sollten, welche der beiden oben genannten Bestimmungen zu der größeren Reduzierung führen würde.
- Ferner schlagen die Vereinigten Staaten vor, gleichzeitig einen Abbau
der Bomber, zusätzliche Begrenzungen hinsichtlich der Marschflugkörper
und der amerikanischen Vorteile bei Bombern zu erörtern und zwar in einer
Weise, die jeder der beiden Seiten die größte Flexibilität in Übereinstimmung mit Bemühungen zu einem stabileren Gleichgewicht der Kräfte gibt.

Sowjetunion
1982:

Die Sowjetunion kritisiert die amerikanischen Vorschläge; sie

wollten die sowjetischen landgestützten Systeme begrenzen, während sie in nur
ungenügender Weise die amerikanischen Bomber und Marschflugkörper beschränkten.
Juni 1982: Die erste Runde der START-Verhandlungen beginnt. Die Sowjetunion schlägt vor, daß jede Seite über insgesamt 1800 Trägerwaffen verfügen
soll (ICBM-Trägerwaffen, unterseebootgestützte Trägerwaffen und strategische
Bomber). Die Sowjets schlagen ferner eine nicht näher definierte Gesamtbegrenzung für "nukleare Sprengsätze" vor (Raketengefechtsköpfe und Bomberwaffen). Sie schlagen ebenfalls ein Verbot aller Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 Kilometern vor.
Sommer 1983: Die vierte Runde der START-Verhandlungen beginnt.

Die

Sowjetunion paßt ihre Position insofern an, als sie in einigen sekundären
Fragen näher an den amerikanischen Standpunkt heranrückt.
Oktober 1983:

�Oktober 1983:

Ein autorisierter, jedoch nicht gezeichneter Artikel in

der "Prawda" kritisiert den amerikanischen "Abbau-Vorschlag", weil er in unfairer Weise die sowjetischen ICBM beschränke.

+ + + + +

- 10 -

�48

30. November 1983

IEA: DER SCHLÜSSEL FÜR INTERNATIONALE ENERGIESICHERHEIT
- Von E. Allan Wendt -

Der Autor ist stellvertretender Unterstaatssekretär für Internationale Energiepolitik im amerikanischen Außenministerium.

- (AD) - Die Ereignisse im Nahen Osten mahnen uns ständig von neuem,
unsere Energiesicherheit nicht als garantiert zu betrachten.

Gegenwärtig

ist es der Konflikt zwischen dem Irak und dem Iran, der uns zwingt, zu prüfen, ob wir auf eine mögliche Beeinträchtigung unserer Energieversorgung
vorbereitet sind.
Die Vereinigten Staaten sind meines Erachtens gut vorbereitet. Wir
haben eine strategische ölreserve (SPR) aufgebaut, die auf 360 Millionen
Barrel (1 barrel = 159 Liter) angewachsen ist; bis 1990 wollen wir sie auf
750 Millionen Barrel Rohöl aufstocken.

Auf dem Markt verfügbare Mengen plus

deren Ergänzung aus den SPR-Beständen würden uns eine erhebliche Flexibilität verleihen, wenn es zu einer Unterbrechung von Lieferungen käme.

Darüber

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�käme.

Darüber hinaus existiert im Rahmen der Internationalen Energie-

agentur (IEA) ein Mechanismus der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten,
damit den schlimmsten Auswirkungen einer Ölkrise begegnet werden kann.
Ein weiterer wichtiger Aspekt unseres Vorsorgeprogramms ist unsere Einbeziehung in das System der IEA-Notstandskontingentierung.

Unsere Teilnahme

bringt bemerkenswerte Vorteile:
Zunächst einmal ist das IEA-Nostandsprogramm ein Mechanismus, der die
wirtschaftlichen Schäden mildert, die sich durch eine Unterbrechung von ölimporten ergeben können.

Unsere Partner garantieren, daß in einer schweren

Ölkrise die Vereinigten Staaten nicht einen größeren Anteil an einer Verknappung übernehmen, als sie selbst es tun.

Eine ähnliche Verpflichtung ha-

ben auch wir übernommen.
Das System wurde nach der Sperrung von ölexporten arabischer Länder in
die USA und die Niederlande 1973/74 geschaffen.

Wir könnten in Schwierig-

keiten kommen, wenn ein solches Embargo erneut gegen uns verhängt würde.
Aber noch weitgehend ungenutzte Kapazitäten und mehr Vielfalt hinsichtlich
der Herkunft des Öls, u.a. eine umfangreiche Produktion in Ländern außerhalb
der OPEC (Organisation erdölexportierender Staaten), geben uns heute größere
Flexibilität gegenüber politisch motivierten Lieferunterbrechungen.
Zum zweiten liegt die Mitgliedschaft der USA in der IEA auch im Interesse unserer nationalen Sicherheit, die eng mit der unserer Verbündeten in
Westeuropa und im Fernen Osten verknüpft ist.

Wir haben im Lauf der Jahre

für diese Bündnisse enorme Opfer gebracht und vieles investiert.

Die Bindung

der USA an die IEA und ihr Quotensystem ist eine der kleineren Investitionen.
Die meisten unserer Verbündeten sind stärker von Importöl abhängig als
wir.

Eine Unterbrechung größerer Lieferungen könnte einen Wettbewerb um öl

zwischen uns und unseren Verbündeten heraufbeschwören, der uns spaltet.

Und

diejenigen unserer Verbündeten in Europa und in Fernost, die mehr als wir von

- 2 \

�wir von Importen abhängen, wären starkem Druck ausgesetzt, Zugeständnisse
zu machen, die zur Sicherung lebenswichtiger üllieferungen notwendig sind.
Solches Anpassungsverhalten könnte unsere Fähigkeit ernsthaft beeinträchtigen, die Situation zu meistern, und es könnte auch leicht für einige Zeit
die Ordnung unseres Bündnisses verändern.

Das IEA-Quotensystem soll unser

Bündnis in einer Energiekrise stärken und die Belastung durch Lieferunterbrechungen gerecht verteilen.
Darüber hinaus können Panikkäufe im Wettbewerb der wichtigsten Industrieländer untereinander zu übertriebenem Preisanstieg führen, der weit über dem
marktorientierten Niveau läge.

Der wirtschaftliche Schaden durch übertriebene

Preissteigerungen für uns und unsere Verbündeten könnte sehr ernster Natur
sein.

Zusammenarbeit, einschließlich Austausch von Informationen in Verbin-

dung mit Quotierung unter den wichtigen Industrieländern,könnte helfen, die
Märkte zu beruhigen und unnötigen Wirtschaftsschaden zu verhindern,

überdies

legen das IEA-Abkommen und die US-Politik großen Wert auf die Reservemengen
der einzelnen Länder.

Gegenwärtig haben die meisten IEA-Länder Importmengen

von mehr als 90 Tagen in Reserve.

Dies ist ein weiteres Element, das bei

größeren Lieferunterbrechungen einen beachtlichen Beitrag zur Preisstabilität
leisten würde.
Ein drittes wichtiges Positivum unserer Beteiligung an der IEA ist die
Chance, die sich für Konsultationen und Koordinierung unter Regierungen ergibt.

Es gibt viele Beispiele für diese Art von Zusammenarbeit - eines der

überzeugendsten aus jüngster Zeit betraf die sowjetische Gasleitung.

Ein

strittiges Problem wurde durch IEA-Bemühungen gelöst, die ihren Höhepunkt
in der vom Sekretariat der IEA und der OECD (Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung) gemeinsam durchgeführten Studie über Energiebedarf und Sicherheit fand.

Im Mai dieses Jahres befürworteten Minister der

IEA und der OECD auf der Basis dieser Studie eine Reihe politischer Schlußfolgerungen, die Grundsätze für die sichere Erschließung und Nutzung von Erdgas festlegen und einen Rahmen für die ständige Oberprüfung von Sicherheitsfragen in bezug auf Erdgas schaffen.

Dank dieser Studie und den in der Folge-

- 3 -

�der Folgezeit unternommenen Anstrengungen sind sich jetzt die OECD-Länder
erheblich mehr der Meinungsverschiedenheiten wegen der Sicherheitsfragen hinsichtlich des Gasprojekts bewußt und sind bestrebt, eine ungebührliche Abhängigkeit von einer einzelnen Versorgungsquelle zu vermeiden.
Die amerikanische Regierung ist überzeugt, daß die IEA-Mechanismen zusammen mit SPR ein gesundes System bilden, um mit den Auswirkungen einer
Energiekrise fertig zu werden.

Der kürzlich durchgeführte Test für das IEA-

Quotierungssystem (AST-4) war so angelegt, unsere Möglichkeiten zur Bewältigung von Energiekrisen zu verstärken.

Es ist wichtig, AST-4 in der rich-

igen Perspektive zu sehen, was in Schlußfolgerungen vieler Leute und vieler
Presseartikel zu dem Test nicht der Fall ist.
Vor allem sollte dies ein Test für Verfahrensweisen, nicht aber für
politische Maßnahmen sein.

Der Test kann uns beispielsweise nicht sagen, ob

wir die strategische Erdölreserve hätten in Anspruch nehmen sollen oder nicht,
oder ob wir unter amerikanischen Firmen ein System fairer Quotierung hätten
benutzen sollen.

Was er aber tun kann, ist, die Aufmerksamkeit der Öffent-

lichkeit auf diese Fragen zu lenken.
Zum zweiten ist der Test eine gute Übung. Wer mit dem IEA-System nicht
vertraut ist, muß den Umgang damit immer wieder üben. Und insofern war meines
Erachtens der Test sehr erfolgreich. Er zeigte auch eine Reihe von Problemen
und Meinungsverschiedenheiten auf. So brachte er z.B. Hinweise, auf welchen
Gebieten die Beteiligung der USA verbessert werden könnte. Sowohl hier als
auch im Ausland wurde einige Kritik an der amerikanischen Auffassung zur
Durchführung des Tests laut. Sie befaßte sich, ohne daß die Vereinigten
Staaten direkt genannt wurden, mit der Gefahr, die sich mit dem ausschließlichen Verlaß auf den Preis zur Eindämmung der Nachfragen ergeben, und zum
zweiten mit der unzureichenden Bindung an die IEA bei einer derartigen Politik.
In der Sitzung des IEA-Gouverneursrates versicherte ich daraufhin unsere Partner der festen Bindung der USA an die IEA.
- 4 -

Des weiteren bekräftigte

�weiteren bekräftigte ich das Engagement der Vereinigten Staaten zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen gegenüber der IEA in einer größeren Versorgungskrise:

Man werde den Marktkräften, falls erforderlich, durch ergänzende Ak-

tionen, beispielsweise einen Rückgriff auf die strategischen ölreserve, Geltung
verschaffen.
grüßt.

Diese Versicherungen wurden von den anderen Mitgliedstaaten be-

Ich sollte hier vielleicht anmerken, daß auf jener Sitzung auch das Ver

halten anderer IEA-Länder kritisiert wurde - insbesondere jener, die in einer
Krise die Inlandspreise unter strikter Kontrolle halten wollen.
Ich möchte hier erneut von der Überzeugung der Administration sprechen,
daß unser Vorgehen in der Energie-Krisenvorsorge von Grund auf gesund ist.
Sicherlich gibt es noch Raum für verfahrensmäßige Verbesserungen, und wir prüfen zur Zeit, wie solche Verbesserungen im Rahmen unserer primären Abstützung auf Marktkräfte vorgenommen werden könnten.

So haben z.B. die meisten

großen Mineral öl firmen der USA, auf die die IEA in einer Krise angewiesen
wäre, zu erkennen gegeben, daß sie zur Kooperation auf freiwilliger Basis nur
dann in der Lage seien, wenn ihnen garantiert würde, daß die aus einer solchen Kooperation mit der IEA erwachsende Belastung anteilmäßig von anderen
Firmen mitgetragen wird.

Die Rolle der SPR im Rahmen des auf freiwilliger

Beteiligung basierenden Verfahrens wird derzeit sorgfältig geprüft.
Die Regierung hält auch an ihrer Absicht fest, den von der IEA unter
dem Begriff "Nachfragebeschränkung" zusammengefaßten Erfordernissen zu entsprechen.

Eine Möglichkeit, dieser Verpflichtung nachzukommen, bestünde bei

Aktivierung des IEA-Systems in einem Rückgriff auf die strategische ölreserve,
um die Versorgung zu verbessern.

Eine zweite Möglichkeit wäre die systema-

tische Ermutigung der Öffentlichkeit zum freiwilligen Einsparen von Energie,
falls dies wirtschaftlich gerechtfertigt ist.
Mit der IEA wurde ein System geschaffen, in dem wir und unsere Verbündeten zusammenarbeiten können, um die Auswirkungen ernster Ölkrisen, die uns
alle oder jeden von uns treffen können, zu mildern.

Wir und die Mehrzahl

der IEA-Partner erkannten von Anfang an, daß Regierungen kommerzielle Dinge

- 5 -

�kommerzielle Dinge nicht allzu gut handhaben.

So entwickelten wir in nahezu

zehn Jahren ein System, das die Mitarbeit und die Unterstützung von Firmen gewährleistet - jener Firmen, die den internationalen Handel normalerweise abwickeln -, damit das Quotierungsverfahren funktioniert.

Für eine solche Ko-

operation brauchen die amerikanischen Firmen jedoch Schutz gegen Trust-Bildung.

EPCA (US-Gesetz für Energiepolitik und Energieeinsparung) ermächtigt

dazu, solchen Schutz auf Firmen auszudehnen, die sich am IEA-System beteiligen.
Firmen mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten haben ohne Ausnahme erklärt, daß sie sich ohne den durch EPCA gewährten Anti-Trust-Schutz nicht am
Quotierungs- und Informationssystem der IEA beteiligen würden.

Diese vom Ge-

setz gegebene Möglichkeit nicht zu beachten, würde somit bedeuten, daß sich
die Verantwortung für die Organisation zur Lieferung und zum Transport von
öl in Erfüllung amerikanischer Verpflichtungen im Rahmen der IEA-Notstandskontingenierung von den Firmen zur amerikanischen Regierung verlagern würde.
Wie ich bereits bemerkte, ist der Aufbau der strategischen Erdölreserve
ein ganz wichtiger Teil unserer verbesserten Krisenvorsorge. Das amerikanische
Energieministerium führte kürzlich einen umfangreichen Test hinsichtlich der
Planung und der Verfahrensweisen durch, die erforderlich sind, um SPR und die
Programme einzusetzen, welche zur Realisierung von Verkäufen und Lieferungen
von öl zur Deckung des nationalen Bedarfs vorgeschlagen wurden. Soweit mir
bekannt ist, beurteilte eine unabhängige Gutachtergruppe für diesen Test
das Abgabesystem als praktikabel, Ihren Empfehlungen zufolge sind noch geringfügige Verbesserungen möglich, und gewisse Änderungen bei der Verkaufsprozedur könnten, so meinen die Experten, den Erfolg der Bemühungen um die Zuführung von SPR-Öl zum Markt noch erhöhen.
Gegen die schlimmsten Auswirkungen umfangreicher Lieferunterbrechungen
sind die Vereinigten Staaten gut geschützt. Gleichzeitig bekamen wir durch
die in jüngster Zeit gemachten Erfahrungen Gelegenheit, die Vorsorgemaßnahmen
der USA auf dem Energiesektor für den Krisenfall weiter zu verbessern. Und in
Zusammenarbeit mit dem Energieministerium sind wir gegenwärtig dabei, dies zu tun.

+ + + + +
- 6-

�30. November 1983

48

ARBEITSSTÄTTE "SPACELAB"
ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen

- (AD) - Mit Begeisterung sprechen NASA-Wissenschaftler vom Weltraumlabor
SPACELAB, das an Bord des Raumtransporters COLUMBIA seit dem 28. November 1983
um die Erde kreist.

Neun Tage lang haben dort die Nutzlastexperten Dr. Ulf

Merbold (Bundesrepublik Deutschland) und Dr. Byron Lichtenberg (USA) mit den
amerikanischen Wissenschaftsastronauten Dr. Owen Garriott und Dr. Robert Parker,
dazu auf der Erde weit über hundert Projektwissenschaftler, Gelegenheit, die
Leistungsfähigkeit des Labors zu testen.
Als wissenschaftliche Arbeitsstätte außerhalb der Atmosphäre im Erdorbit,
wo die Schwerkraft fast völlig aufgehoben ist, eröffnet SPACELAB dem Forschungsal 1 tag neue Perspektiven.

Erst nach und nach wird man seine tatsächlichen

Kapazitäten erkennen und ausloten können.

Kurz vor dem Start erklärte ein NASA-

Mitarbeiter Journalisten gegenüber, er habe "noch nie ein so gut durchkonstruiertes
präzises und problemloses System gesehen".

SPACELAB repräsentiere einen "Quanten-

sprung in der Fähigkeit des Menschen, den Weltraum für friedliche Zwecke zu nutzen'
Internationale Partnerschaft

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Internationale Partnerschaft, bewährt und in den Wissenschaften von jeher
praktiziert, kennzeichnet das SPACELAB-Projekt.

Das Weltraum!abor wurde von den

deutschen Firmen ERNO (Bremen) und Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) federführend
im Auftrag der Europäischen Raumfahrtbehörde (ESA) entwickelt und gebaut, wobei
die Bundesrepublik den Kostenaufwand in Höhe von ca. einer Milliarde Dollar
(einschließlich der an 49 internationale Firmen vergebenen Unteraufträge) zu
mehr als 50 Prozent übernahm.

Das Weltraumlabor stellt eine ideale Kombination

von Raumfahrttechnik und Grundlagenforschung dar.

Dank dieser technischen Neu-

entwicklung kann man jetzt verantworten und es sich auch leisten, KarriereWissenschaftler in den Weltraum zu entsenden.

Bislang waren es ausschließlich

Karriere-Astronauten, welche gleichzeitig über eine wissenschaftliche Ausbildung
verfügten, die Experimente durchführten und Instrumente betreuten.
Bei SPACELAB 1 stehen Aufgaben aus Medizin und Biologie, Erd- und Atmosphärenforschung, Astronomie, Astro- und Sonnenphysik, Plasmaphysik sowie MaterialWissenschaften und Werkstoffproduktion im Vordergrund.

Bei späteren Einsätzen -

die Lebensdauer des Weltraumlabors ist auf etwa zehn Jahre angesetzt - werden die
Schwerpunkte auch auf anderen Gebieten liegen.

Die Modularbauweise mit zwei

zylindrischen Laborzellen, in denen Druck und Luftzusammensetzung den Werten an
der Erdoberfläche entspricht, und mit externen Plattformen für die Installation
von Beobachtungs- und Meßinstrumenten aller Art eröffnet viele und noch ungeahnte
Möglichkeiten für seine Nutzung.

Manche sehen im SPACELAB bereits ein Modell für

den Auf- und Ausbau einer selbständig operierenden wissenschaftlichen Raumstation, die, mit Energiequellen wie z.B. Solarkollektoren versehen, zeitweilig
auch unbemannt betrieben werden könnte.
Die NASA hat schon vor längerer Zeit eine zweite SPACELAB-Einheit in Auftrag
gegeben.

Ein Gerät dieses Kalibers und dieser Vielseitigkeit macht routine-

mäßige Forschungsarbeiten im Weltraum wesentlich wirtschaftlicher als alle bisher
benutzten Ausrüstungen.

Nach Angaben von NASA-Ingenieuren dürfte die Hälfte der

57 Raumtransporterflüge, die bis 1990 vorgesehen sind, in Verbindung mit einem

- 2 -

�mit einem SPACELAB erfolgen.

Und bei vielen dieser Flüge seien dann sicherlich

auch weitere Wissenschaftler aus europäischen Ländern oder aus anderen Teilen
der Welt mit von der Partie.
Mehr als 70 Experimente von Forschergruppen aus 11 europäischen Ländern,
aus den USA, Kanada und Japan stehen beim Jungfernflug auf dem Programm.

Computer

und Mikroprozessoren zählen zu den Hilfsmitteln, um Experimente zu steuern und
eine bei einem Raumfahrtunternehmen bisher nie dagewesene Datenflut zu erfassen
und zu bewältigen.

Eine große Relaisstation 36 000 km über der Erde, der im

April 1983 gestartete TDRS-Nachrichtensatelliten, sammelt und übermittelt laufend
anfallende Meßdaten (mehr als 30 Millionen "bits" pro Sekunde) zur Erde.

Ihre

Auswertung sowie die bei der Landung mitgebrachten Fotos, die Analyse und Beurteilung der biologischen und medizinischen Proben, dazu der Produkte aus der
automatisierten "Werkstoff-Fabrik" werden Wissenschaftler noch lange beschäftigen.
- Experimente bestimmen die Fluglage der COLUMBIA In zum Teil recht komplizierten Flugmanövern geben Kommandant John W. Young
und Kopilot Brewster Shaw der COLUMBIA samt dem in ihrer Ladebucht fest verankerten
Weltraumlabor jeweils die Positionen, die für bestimmte Beobachtungen und Messungen an der Erdoberfläche und im erdnahen Bereich oder in Richtung zum tiefen
Weltraum notwendig sind. Das kann z.B. bedeuten, daß magnetische Feldlinien die
Ausrichtung der COLUMBIA bestimmen. Zur Durchführung der diversen Experimente
muß häufig die Fluglage alle 20 bis 30 Minuten verändert werden. Dabei nimmt das
Manöver allein oft schon 15 bis 20 Minuten in Anspruch. Das wissenschaftliche
Arbeitsprogramm bedeutet auch sparsamsten Umgang mit den an Bord verfügbaren
Treibstoffen und verlangt erfindungsreiches Kombinieren der Triebwerkssysteme an
Bord.
Die Flugbahn ist 57 Grad zur Äquatorebene geneigt, führt also bis in die
Höhe von Nordengland und Alaska im Norden und bis Kap Hörn
amerikas auf der südlichen Halbkugel.

an der Spitze Süd-

Ein neuartiger kleiner Computer mit

- 3 -

�Computer mit Weltkartenbildschirm zeigt der Besatzung ständig an, an welchem
Bahnpunkt bzw. wo über der Erde sich die Raumfähre gerade befindet, wie weit
die nächsten Bodenstationen entfernt sind.

Gleichzeitig werden die beiden

jeweils folgenden Umläufe sowie die Tag- und Nachtgebiete auf der Erde auf den
Bildschirm projiziert.
In Rückenlage fliegend wird bei geöffneten Ladebuchttoren ein einer Luftbildkamera ähnliches Zeiss-Kamerasystem für Kartierungsaufgaben erprobt.

Es

ist an einem "optisch reinen" Fenster in der Decke der SPACELAB-Druckzelle
montiert, arbeitet weitgehend automatisch, kann aber bei Wolkenbedeckung abgeschaltet werden.

Die Kamera erreicht eine Bildauflösung, die noch 20 m große

Terrainmerkmale gut erkennen läßt.

Ihre beiden Magazine enthalten 23 cm breite

Filme, die insgesamt 1100 Aufnahmen speichern können.

Das Experiment soll helfen,

die Möglichkeiten der Landkartierung aus dem Weltraum bei unterschiedlicher
Terrainbeschaffenheit zu sondieren.

Aufnahmen von Europa sind dabei natürlich

von besonderem Interesse.
Auf der externen Plattform ist das größte Instrument der gesamten Nutzlast,
eine 230 kg schwere Sensorkombination der Staatsuniversität Utah, installiert.
Die Apparatur besteht aus fünf Spektrometern, mit denen Vorgänge in der Magnetosphäre, Ionosphäre und in tieferen Bereichen der irdischen Lufthülle untersucht
werden. Sowohl natürliche als auch künstlich ausgelöste Phänomene (die z.B.
durch den Ausstoß energiereicher Elektronen, Ionen und neutraler Gaswolken aus
der japanischen SEPAC-Apparatur entstehen) sind in einem breiten Spektralbereich
damit zu beobachten.
Der japanische Elektronengenerator SEPAC ist zehnmal leistungsstärker als
die beim dritten Raumfährenflug benutzte Apparatur. Die Teilchenstrahlen sind
energiereich genug, um in der Hochatmosphäre der Erde künstliche Polarlichteffekte hervorzurufen, die nicht nur von Bord der COLUMBIA, sondern auch von der
Erde aus mit besonders empfindlichen Fernsehsystemen zu beobachten sind. Mit
SEPAC will man u.a. herausfinden, wie Partikel strahlen mit dünnen, freien Gasen
reagieren und wie Kraftlinien des Erdmagnetfeldes verlaufen. Zugleich ergeben

- 4 -

�Zugleich ergeben sich dabei Hinweise auf elektrische Felder in der irdischen
Magnetosphäre, weil diese die Position der Partikel strahlen verändern.
Zum "optischen System" gehört eine ganze Anzahl von Instrumenten.

Dieses

bietet zum einen die Möglichkeit, selbst schwächste natürliche Lichtemissionen
aus dem Orbit zu beobachten, die auf das Vorhandensein elektrischer Felder
schließen oder Höhenwinde und andere dynamische Vorgänge in der Hochatmosphäre
vermuten lassen.

Aber auch das Zusammenwirken der ausgestoßenen Teilchen-

strahlen mit Plasma (elektrisch geladenen Gasteilchen im interplanetaren Raum)
am Orbiter selbst und die Bewegung der Strahlen um das Weltraumlabor sind eingehender Beobachtung wert.

Denn auf Grund solcher Daten bekommen die Wissen-

schaftler Anhaltspunkte dafUr, wie verbesserte Modelle für die Magnetosphäre
erarbeitet werden können.
Ein vom Max-Planck-Institut beigesteuertes Experiment gilt der Untersuchung
von Elektronen-"Echos". Sie entstehen, wenn Elektronen, in Richtung einer aufsteigenden Magnetfeldlinie geschossen, von einem elektrischen Parallelfeld
reflektiert werden. Energie und Laufzeiten der Echos können Hinweise auf elektrische Feldstärken geben. Außerdem wird der Detektor dazu benutzt, die
statische Aufladung der COLUMBIA als Folge der SEPAC-Entladungen zu überwachen.
Österreich steuerte ein Instrument bei (es ist auf der SPACELAB-Plattform installiert), mit dem das Magnetfeld unmittelbar um den Raumtransporter während
des Fluges erfaßt und in seiner Richtung analysiert werden kann. Diese Daten
helfen Forschern, die andere Aufgaben der Plasmaphysik verfolgen, eventuelle
Falschwerte in eigenen Messungen zu erkennen und Ergebnisse entsprechend zu
korrigieren.
- Test für die "Gesundheit" der Atmosphäre Im Infrarotbereich arbeitet ein französisch-belgisches Spektrometer, das
Unterlagen für eine Verbesserung der zu meteorologischen Forschungen erarbeiteten
Modelle der Atmosphäre liefern soll. Außerdem erwartet man davon Informationen

- 5 -

�davon Informationen über den Einfluß von Schadstoffen auf das natürliche Gleichgewicht der Bestandteile der Luft. Die Beobachtungen konzentrieren sich in
erster Linie auf die Stratosphäre mit ihren Konzentrationen an Ozon, Hydroxylgruppen und von chemischen Verbindungen, die in 15 bis 150 km Höhe in der Lufthülle gebildet werden.

Auf dem Umweg über die Messung der Absorption von Licht

bestimmter Wellenlängen durch die Atmosphäre bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang
sind Rückschlüsse auf atmosphärische Temperaturen und die chemische Zusammensetzung in verschiedenen Höhenbereichen möglich.

Für Untersuchungen dieser Art

wurden bisher große Sonden an Höhenballonen und in hoch fliegenden Flugzeugen
verwendet.

Die Untersuchungen aus dem Raumtransporter allein könnten Meß-Serien

mit 20 Höhenballonen ersetzen.
Bei einem weiteren französischen Experiment werden schwache, wellenartig
auftretende Leuchtphänomene in den oberen Luftschichten bei Nacht gefilmt.
infrarotnahen Spektralbereich hofft man sie gut zu erfassen.

Im

Nach bisherigen

Erkenntnissen dürften diese Leuchterscheinungen, für die Streifung oder Parallelbänder in wolkenähnlichen Strukturen von ca. 1 000 km Durchmesser typisch
in ca. 85 km Höhe entstehen.

sind,

Als Ursache werden Molekülreste, und zwar freie

Radikale der OH-Gruppe, vermutet. Man will Strukturen, Größe, Geschwindigkeiten
und Entwicklung solcher Wolken fotografieren und messen, was ein wichtiger
Beitrag sein könnte, um die Dynamik der Hochatmosphäre und deren Zusammenwirken
mit tieferen Luftschichten besser zu verstehen.
Besondere Bedeutung für Meeresforschung und Seefahrt, aber auch für die
Terrainerkundung hat ein deutscher Radar-Sensor, der als Vorläufer für ein
europäisches Fernerkundungssystem gilt. Das Instrument arbeitet aktiv durch
Aussendung von Mikrowellen im X-Band-Bereich zur Erde, die dort reflektiert,
also nach oben zurückgeworfen werden. Aus den Laufzeiten sind Höhe und Abstände
von Wellenzügen, aber auch Strukturmerkmale des überflogenen Terrains zu ermitteln. Als passives Instrument benutzt, erfaßt der Sensor über seine 2 m große
Parabolantenne Mikrowellenstrahlung vom überflogenen Terrain. Mit einem

- 6 -

�(Mit einem aktiven Radar-Höhenmeßinstrument im Meeresbeobachtungssatelliten SEASAT
wurden u.a. Höhenunterschiede in der "Topographie" der Meeresoberflächen bis
ca. 200 m ermittelt).
- Astrophysik Instrumente zur Beobachtung von Röntgenstrahlen, sehr kurzwelligem ultravioletten Licht und von Infrarotstrahlung aus kosmischen Quellen, die viele
Lichtjahre von uns entfernt sind, könnten durch neue Meßdaten Untersuchungen
erleichtern, die dem "Lebenszyklus" von Sternen wie unserer Sonne und Galaxien,
wie unserem Milchstraßensystem, gelten.

Laboratorien in den USA und in einer Anzahl

europäischer Länder haben dafür subtile Meßprogramme vorbereitet. Mit besonderem
Interesse wird allerdings das Studium der Energie-Emissionen unserer Sonne vom
sehr kurzwelligen Ultraviolett bis zum langwelligen infraroten Spektralbereich
verfolgt.

Die Sonnenenergie ist ja der Motor für die atmosphärische Zirkulation,

und sie bestimmt letztlich auch das Klima.

Exakte Sonnenbeobachtung ist außer-

halb der Erdatmosphäre besser als von stationären Observatorien aus möglich.
Variiert die solare Energieabstrahlung tatsächlich, wie durch Forschungsergebnisse
aus jüngster Zeit vermutet, oder ist sie doch konstant?

Das Unternehmen SPACELAB

könnte auch zur Klärung dieser für uns lebenswichtigen Fragen bedeutsame Beiträge
leisten.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 30.11.1983</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA sofort zur Wiederaufnahme der Genfer Gespräche bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten vom 23. November 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan beantwortet Schreiben der Mütter von Filderstadt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nitze bekräftigt Bereitschaft der USA zur Fortsetzung der INF-Verhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärungen in Brüssel und Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der amerikanischen und der sowjetischen Rüstungskontrollvorschläge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;IEA: Der Schlüssel für internationale Energiesicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von E. Allan Wendt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsstätte "SPACELAB"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- ESA-Weltraumlabor - ein Modell für wissenschaftliche Raumstationen -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zum US-Lufteinsatz im Libanon

HINTERGRUNDMATERIAL
Ein guter Tag für das Bündnis
- Von Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der Besonderen
Beratungsgruppe der NATO (SCG) -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Was macht im Weltraum krank?
- Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen biomedizinische Probleme klären Korrosionsschutzmittel in Boilern
- Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00

Tel.: 0228-339 20:

I

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. Dezember 1983

49

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM US-LUFTEINSATZ IM LIBANON

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 4. Dezember 1983 zum Einsatz amerikanischer Flugzeuge im Libanon folgende Erklärung abgegeben:
Seit einiger Zeit haben wir unbewaffnete Flugzeuge zu regulären und routinemäßigen Aufklärungsflügen im Libanon eingesetzt und zwar im Rahmen
des Schutzes und der Verteidigung unserer dort stationierten Truppen. Wir
haben die Syrer bereits vor einiger Zeit darüber in Kenntnis gesetzt und ihnen
versichert, daß diese Flugzeuge unbewaffnet seien und daß diese Einsätze ausschließlich der Aufklärung dienten.

Es hat einige Fälle gegeben, in denen von

unbekannter Seite hin und wieder auf diese Flugzeuge geschossen worden ist.
Gestern früh wurden zwei dieser Einsätze von buchstäblich Hunderten von Flugabwehrgeschützen sowie der Kombination von Boden-Luft-Raketen unter Beschuß
genommen, was seitens der Syrer von mehreren Abschußanlagen koordiniert wurde.

Heute vormittag haben wir auf diesen unprovozierten Angriff geantwortet,

indem wir die Anlagen, von denen der Angriff ausging, bombardierten.
Wir wollen

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir wollen dort keine Feindseligkeiten. Unsere Aufgabe ist nach wie
vor, zur Stabilisierung der Situation in Beirut beizutragen, bis alle ausländischen Truppen abgezogen werden können und die Regierung des Libanon die
Autorität über ihr eigenes Territorium ausüben kann. Aber wir werden unsere
Truppen dort verteidigen, und dies war der Grund und der Zweck unseres Einsatzes von heute vormittag.

+ + + + +

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

EIN GUTER TAG FÜR DAS BÜNDNIS
- Von Richard Burt Unterstaatssekretä'r für Europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der
Besonderen Beratungsgruppe der NATO (SCG)

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Washington Post vom 27. November 1983.

- (AD) - Die Abstimmung im Deutschen Bundestag am 22. November 1983 war
ein bedeutsamer Erfolg für Bundeskanzler Helmut Kohl und für das Atlantische
Bündnis insgesamt.

Diese Abstimmung hat, wie andere ähnliche Abstimmungen in

ganz Westeuropa, die feste Unterstützung für den NATO-Doppelbeschluß von 1979
bekräftigt - trotz einer intensiven vierjährigen Kampagne der Sowjets, das
Bündnis zu spalten.

Als Ergebnis beginnt jetzt die Dislozierung von PERSHING II

und Marschflugkörpern in Europa.
Diese Dislozierung stellt einen wichtigen Schritt dar, nicht weil die
Reagan-Administration oder Regierungen von Bündnisländern das so wollten, sondern weil die Sowjetunion die Frage bewußt zu einem Prüfstein ihrer Fähigkeit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�4

ihrer Fähigkeit gemacht hat, Sicherheitsentscheidungen im Bündnis beeinflussen
zu

können.

Was als sowjetischer Versuch angefangen hat, die Glaubwürdigkeit

des Westens auf die Probe zu stellen, hat auf die Glaubwürdigkeit der Sowjetunion zurückgeschlagen.
Die Antwort der Sowjets auf die Abstimmung im Deutschen Bundestag - ihre
Entscheidung, die INF-Verhandlungen in Genf zu verlassen, und Androhung von
Gegenmaßnahmen durch Juri Andropow - machen nur den ganzen Umfang der selbstverschuldeten Niederlage Moskaus deutlich.
Was die NATO erreicht hat, liegt im wesentlichen nicht in der Zahl der
dislozierten Raketen - zunächst werden es ohnehin nur einige wenige sein, und
die volle Anzahl von 572 wird erst im Laufe der nächsten fünf Jahre erreicht
werden, wenn nicht, wie die Reagan-Administration hofft, ein Rüstungskontrollabkommen diesen Prozeß stoppt oder

umkehrt.

Das Wesentliche dessen, was

die NATO erreicht hat, ist vielmehr die Demonstration der Stärke und des Zusammenhaltes des Bündnisses unter Druck und Belastung - eine Stärke und einen
Zusammenhalt, die viele Beobachter hier und in Europa bezweifelt haben.

Die

Bedeutung dieser Angelegenheit geht weit über die engen Grenzen der Frage der
nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) hinaus.
Um die Bedeutung der Dislozierungen zu verstehen, muß man erkennen, um
was es im Grunde beim Doppelbeschluß der NATO von 1979 geht.
Die Sowjetunion hat nie das Grundkonzept des Atlantischen Bündnisses
akzeptiert - daß Westeuropa das gleiche Maß an Sicherheit zusteht wie den Vereinigten Staaten.

Während die Sowjetunion, zumindest rhetorisch, bereit war,

die Vereinigten Staaten als gleichgestellte Supermacht anzuerkennen, so hat
sie 30 Jahre lang versucht, Europa zur Geisel
machen.

ihrer überlegenen Stärke zu

In der Erkenntnis, daß nur ein amerikanisches Engagement das euro-

päische Gleichgewicht stabilisieren kann, hat sich Moskau auf den Versuch
konzentriert, die militärische und politische Verbindung zwischen Europa und
Nordamerika zu durchtrennen und damit Westeuropa der sowjetischen Macht allein gegenüberstehen zu lassen.
Diese sowjetische
- 2 -

�Diese sowjetische Bemühung, eine Hegemonie über Europa zu erringen,
wurde in den siebziger Jahren durch die Dislozierung mobiler SS-20-Raketen
unterstrichen, die wegen ihrer mittleren Reichweite nicht durch amerikanisch-sowjetische Abkommen über strategische Waffen begrenzt waren, aber
eine direkte Bedrohung der Verbündeten der Vereinigten Staaten darstellten.
Zusammen mit der Tatsache, daß die Sowjets die strategische Parität mit den
Vereinigten Staaten erreicht hatten, bot das Entstehen der Bedrohung durch
die SS-20 Moskau ein mächtiges neues Instrument, um eine politische Hebel Wirkung auf die westeuropäischen Verbündeten auszuüben, indem sie deren
Sicherheit von dem strategischen Schutzschirm der Vereinigten Staaten abkoppelten.
Es war diese Bedrohung, auf die Helmut Schmidt in seiner heute berühmten Rede vom Oktober 1977 reagierte, als er eine Lösung des Problems der
potentiellen nuklearen Beherrschung Europas durch die Sowjets forderte.
Und es war eine Antwort auf diese Situation, daß das Bündnis nach eingehenden Konsultationen den sogenannten Doppelbeschluß vom Dezember 1979 faßte,
in dem einmal die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme der
NATO und zum anderen amerikanisch-sowjetische Rüstungskontroll Verhandlungen
zur Reduzierung und Begrenzung dieser Waffen vorgeschlagen wurden.
Vier Jahre lang war es das oberste Ziel der sowjetischen Außenpolitik,
die Entscheidung vom Dezember 1979 zu untergraben.

In der Erkenntnis dessen,

um was es strategisch dabei geht, hat die Sowjetunion eine steigende Mischung von Drohungen und Schmeicheleien benutzt, um die Einigkeit der NATO
zu unterminieren und ein wirksames sowjetisches "Veto" hinsichtlich der Verteidigungsprogramme des Bündnisses zu gewinnen.

Diese Kampagne der Sowjets

deckte sich mit eigenständigen Sorgen vieler Menschen im Westen über das Risiko eines Atomkriegs und versuchte, diese Besorgnisse auszuschlachten.
Als Ergebnis befindet sich der Westen nicht nur in einem strategischen
Wettstreit mit der Sowjetunion um die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen
Abschreckung in Europa, sondern auch in einem politischen Wettstreit um die

- 3 -

�4

um die Erhaltung des Zusammenhalts des Bündnisses angesichts sowjetischer
Versuche, es zu spalten.
Diese Kampagne der Sowjets, um einen Keil zwischen die Verbündeten zu
treiben, hat vielerlei Formen angenommen:
- Moskau war bemüht,

die Vereinigten Staaten von Europa zu trennen,

indem es versuchte, das INF-Programm als eine einseitige amerikanische
Initiative hinzustellen statt einer Antwort des Bündnisses auf Besorgnisse, die zuerst von europäischen Führern geäußert wurden.
- Moskau war

bemüht,

Europa von Asien zu trennen, indem es versuchte,

das Hauptaugenmerk der Genfer Verhandlungen auf Europa zu lenken, ohne
den Zuwachs seiner starken gegen Asien gerichteten Streitkräfte einzuschränken.
- Moskau hat versucht, die Nuklearmächte Europas von den Nichtnuklearmächten zu trennen, indem es die Einbeziehung der britischen und französischen Nuklearsysteme verlangte - als Vorwand für die Verhinderung
amerikam'scher Dislozierungen.
- Moskau hat versucht, die Öffentlichkeit in den westlichen Ländern von
ihren Regierungen zu trennen, indem es die Angst schürte und die Nuklearfrage zu emotionalisieren suchte.
Wie die Debatte im Deutschen Bundestag am 22. November deutlich machte,
sind diese sowjetischen Bemühungen fruchtlos geblieben.

Das transatlantische

Verhältnis ist gestärkt, nicht geschwächt worden durch die Verwirklichung des
Beschlusses vom Dezember 1979.

Wenn je ein Schritt demokratisch sanktioniert

wurde, dann die NATO-Dislozierungen.

Bei den Wahlen in diesem Jahr in der

Bundesrepublik, in Italien und in Großbritannien - den Ländern, in denen die
ersten amerikanischen Flugkörper stationiert werden -, wurden alle drei Regierungen wiedergewählt, die sich nachhaltig für das NATO-Programm einsetzen.
In den letzten Wochen haben Parlamentsdebatten in Belgien, den Niederlanden,
- 4 -

�den Niederlanden, Italien, Großbritannien und in der Bundesrepublik Deutschland diese Unterstützung nachdrücklich bestätigt.
Die Ergebnisse dieser Erfahrung mit den nuklearen Mittel Streckensystemen
sind bisher dreierlei:
1. Die strategische Einigkeit des Bündnisses ist vertieft worden. Die
Dislozierungen gewährleisten, daß die Sowjetunion weiß, daß die Vereinigten Staaten in einem Konflikt von Anfang an engagiert wären, und damit
wird die Dislozierung die Abschreckung vor einer sowjetischen Aggression und politischer Erpressung stärken.
2. Der politische Zusammenhalt des Bündnisses ist gestärkt worden. Trotz
all der Demonstrationen und Kontroversen ist das grundsätzliche Übereinkommen der NATO über kollektive Sicherheit bestärkt worden. Das berührt
alle Mitglieder des Bündnisses,einschließlich jener, die nicht an dem INFProgramm beteiligt sind, wie etwa Frankreich, das in dieser Frage der
Einigkeit des Bündnisses starke und aktive Unterstützung gewährt hat.
Darüber hinaus hat das Problem zum erstenmal zu einer Erkenntnis gemeinsamer Sicherheitsinteressen der europäischen Verbündeten und Japans
geführt.

Wie die Führer der sieben großen demokratischen Industrie-

staaten in Williamsburg im Juni dieses Jahres erklärt haben, "ist die
Sicherheit unserer Länder unteilbar und muß auf globaler Basis betrachtet werden."
3. Innerhalb des Bündnisses haben sich beispiellose Verfahren für die Konsultation über Rüstungskontrolle entwickelt.

Die Vereinigten Staaten

haben in Genf nicht für sich allein verhandelt.

Die Intimität und Inten-

sität der Konsultationen über nukleare Mittel Streckensysteme haben nicht
nur zur Einigkeit des Bündnisses beigetragen, sondern haben auch die Position des amerikanischen Unterhändlers Paul Nitze in Genf erheblich
gestärkt.
Wohin geht
- 5 -

�Wohin geht der Weg jetzt?

Zunächst einmal ist die sowjetische Entschei-

dung, die gegenwärtige Runde der Genfer Verhandlungen zu beenden, weder gerechtfertigt noch erklärlich.

Die Vereinigten Staaten haben zwei Jahre lang

mit der Sowjetunion verhandelt, während diese ihre SS-20-Streitmacht um über
300 Gefechtsköpfe vergrößert hat. Daher wird die sowjetische Behauptung, daß
die Dislozierung amerikanischer Raketen es Moskau unmöglich mache, in Genf zu
bleiben, bei der öffentlichen Meinung im Westen wenig Verständnis finden.
Einer der wichtigsten Beiträge, die die Friedensbewegung jetzt leisten könnte,
wäre es, den Sowjets die Notwendigkeit klarzumachen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Dies ist in der Tat nicht das erstemal, daß die Sowjets versuchten,
ernsthaften Verhandlungen aus dem Weg zu gehen. Die erste sowjetische Reaktion auf den Doppelbeschluß vom Dezember 1979 war die Ablehnung des Verhandlungsangebots. Aber schließlich willigte Moskau dann doch ein, nach Genf zu
gehen, weil die Sowjets erkannt hatten, daß das Bündnis an seinem Beschluß
festhalten werde. Anhaltende Entschlossenheit des Bündnisses kann also die
Sowjets an den Verhandlungstisch zurückbringen.
Als die NATO den Beschluß vom Dezember 1979 gefaßt hat, glaubte niemand,
daß seine Durchführung leicht sein werde.

Sie war auch nicht leicht. Aber

die Herausforderung,an einer umstrittenen Verpflichtung festzuhalten, hat die
gesunde Nebenwirkung gehabt, daß die Demokratien des Westens ihre gemeinsamen
strategischen Interessen wiederentdeckten.
Wie sollte das Bündnis auf diesem vorzeigbaren Erfolg weiter aufbauen?
So wichtig das nukleare Element für die Abschreckung auch ist, so muß das
Bündnis jetzt militärisch seine Bemühungen auf die Verbesserung der konventionellen Verteidigung der NATO richten.

Es kann dabei die Vorteile neuer

technologischer Entwicklungen ausnutzen, die es dem Westen ermöglichen würden, der zahlenmäßigen Überlegenheit der Sowjets zu begegnen.

Wie dies seit

langem der Fall war, besteht der beste Weg zur Verringerung des Risikos eines
nuklearen Konflikts in der Stärkung der konventionellen Kapazität der NATO.
In der
- 6 -

�In der Rüstungskontrolle muß das Bündnis, über die Verringerung und
Begrenzung von Streitkräften hinaus, Mittel und Wege finden, um das Risiko
eines Konflikts aus Zufall oder Fehleinschätzung so klein wie möglich zu
machen.

Präsident Reagan hat kürzlich bedeutsame neue Maßnahmen zu diesem

Zweck vorgeschlagen, einschließlich der Verbesserung des amerikanisch-sowjetischen "Heißen Drahtes".
Die NATO-Länder werden jetzt auf der Konferenz über Abrüstung in Stockholm, an der 35 Länder teilnehmen und die Januar 1984 beginnt, neue Maßnahmen
vorschlagen. Diese "vertrauensbildenden Maßnahmen" sollen dazu dienen, die
Sichtbarkeit militärischer Aktivitäten zu erhöhen, und damit das Risiko verkleinern, daß die eine oder andere Seite im Krisenfalle zu falschen Schlüssen
kommt. Zum erstenmal sollen sich diese Maßnahmen auf den ganzen europäischen
Kontinent bis zum Ural erstrecken.
Was Genf anbelangt, so ist die Reagan-Administration weiterhin überzeugt, daß die Sowjetunion trotz ihrer fehlgeleiteten Entscheidung, die Verhandlungen zu verlassen, genau wie die Vereinigten Staaten weiterhin ein wich
tiges Interesse an der Verringerung und Begrenzung der Kernwaffen hat.

Wenn

die Sowjetunion sich entschließt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren,
dann wird sie in den Vereinigten Staaten dort einen bereitwilligen Partner
finden.

- 7 -

�7. Dezember 1983

49

WAS MACHT IM WELTRAUM KRANK?
Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen
biomedizinische Probleme klären -

- (AD) - "Weltraumkrankheit" ist eine der wichtigsten Forschungsaufgaben im Zusammenhang mit dem ersten Flug des europäischen Vielzwecklabors
SPACELAB an Bord der amerikanischen Raumfähre COLUMBIA. Fast alle Raumfahrer
werden davon betroffen. Allerdings äußert sie sich bei etwa 60 Prozent von
ihnen nur in leichten Symptomen, während die übrigen 40 Prozent Schwindelanfälle, Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit massiv zu
spüren bekommen. Im allgemeinen tritt sie nur während der ersten zwei bis
drei Flugtage auf. Dann hat sich der Organismus auf den schwerelosen Zustand
umgestellt.
Raumkrankheit kann nicht nur die Durchführung der Arbeitsprogramme beeinträchtigen, sondern auch die Sicherheit der Astronauten gefährden. Sie
entwickelte sich eigentlich erst in den letzten Jahren zu einem Problem, seitdem wesentlich größere Raumfahrzeuge zur Verfügung stehen und die Astronauten
darin sehr viel mehr Bewegungsfreiheit haben.

Die Krankheit ist allerdings

kein auf den Weltraum beschränktes Phänomen, sondern, wie Dr. Laurence R. Young

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�.

Dr. Laurence R. Young vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) meint,
eine Variante der altbekannten Reise- oder Bewegungskrankheit. Diese macht
manchen Personen beim Fliegen, bei Auto- und Omnibusfahrten, auf Bahn- und vor
allem auf Schiffsreisen viel zu schaffen.

Nicht wenige verlieren den Mut,

überhaupt noch Reisen zu unternehmen, wenn die - meist vorbeugend - eingenommenen Medikamente nicht die erhoffte Wirkung zeigen.
Zahlreiche Experimente, die für den neunten amerikanischen Raumtransporterflug (STS-9) ausgearbeitet wurden, sollen helfen, den tatsächlichen Ursachen
der Bewegungskrankheit auf die Spur zu kommen.

Die vier Wissenschaftler an

Bord - Dr. Ulf Merbold, Dr. Byron Lichtenberg, Dr. Owen Garriott und Dr. Robert
Parker - hatten z.T. überaus rigorose Versuche auszuführen.

Die Folge

war, daß keiner der vier völlig von Symptomen der Raumkrankheit verschont blieb.
Am stärksten bekam sie am zweiten Flugtag Nutzlastspezialist Lichtenberg zu
spüren.

Er mußte den gerade laufenden Versuch abbrechen. Aber schon am nächsten

Tag trat er, offensichtlich sehr gut erholt, wieder zu seiner 12-StundenArbeitsschicht im SPACELAB an.
Zuständig für die Überwachung und Auswertung der Experimente, für die z.T.
auch neue Meß- und Beobachtungsinstrumente entwickelt worden waren, sind Dr. Young,
Dr. M.F. Reschke vom Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston und Dr. R. von Baumgarten
von der Gutenberg-Universität in Mainz.

Ober Wochen vor dem Start hatten die

Wissenschaftsastronauten für SPACELAB 1 ganze Serien flugmedizinischer Experimente über sich ergehen lassen, bei denen, gewissermaßen zur "Vorausinformation",
Symptome und verschiedene Stadien von Raumkrankheit künstlich erzeugt wurde.
Merbold und Lichtenberg trugen schon beim Start und während des ganzen Fluges
kleine Meßgeräte am Kopf, die alle Kopfbewegungen registrieren; gleichzeitig
wurden die Herzströme aufgezeichnet. Außerdem sprachen die Wissenschaftler
sofort beim Auftreten von Mißempfindungen ihre Beobachtung auf Tonband.

Die

Auswertung wird zeigen, ob und welche Zusammenhänge zwischen Kopfbewegungen
und bestimmten Symptomen von Weltraumkrankheit bestehen.

Eine systematische

Erforschung der Phänomene könnte Hilfe sowohl für Raumfahrer als auch für die

- 2 -

�für die gegen Bewegungskrankheit besonders anfälligen Personen sowie für Patienten
bringen, die an bestimmten Krankheiten des Innenohrs leiden.
Denn Bewegungskrankheit (Kinetose) tritt, wie Dr. Young auf einer Pressekonferenz in Houston erklärte, dann auf, wenn das Gleichgewichtssystem im Innenohr - jener Mechanismus, der das Gehirn zwischen "oben" und "unten" unterscheiden
läßt - die Bezugsrichtung verliert.

Der Gleichgewichts- oder Vestibularapparat

besteht aus zwei Hauptteilen, (1) dem Labyrinthvorhof mit sämtlichen Sinnesendstellen zur Gleichgewichtsempfingung, und (2) den in drei Achsen aufeinander
senkrecht stehenden Bogengängen.

Nach einer schon vor fast 140 Jahren aufge-

stellten Theorie bilden letztere das Organ zur Erfassung von Änderungen in der
Vorwärtsbewegung und in Drehbewegungen von Kopf und Körper.

Für die statischen

Funktionen wirken Lymphflüssigkeit in den Kammern und Statolithen (früher irrtümlicherweise "Hörsteine" oder auch Otolithen genannt, ihrer Natur nach winzige
Kristalle aus kohlensaurem Kalk) mit den Rezeptorzellen zusammen, mit denen die
Kammerwände ausgekleidet sind.
Wenn die Statolithen unter normaler, irdischer Schwerkraft zu den Rezeptorzellen am Boden der Kammern absinken, und wenn entsprechende Informationen
weitergeleitet und verarbeitet werden, registriert das Gehirn, daß der Körper
aufrecht steht.

Bei Schwerelosigkeit aber schweben die Statolithen ohne eine

bestimmte Ausrichtung im Innenohr, was für den Gleichgewichtsmechanismus des
Gehirns problematisch ist und, so Young, Raumkrankheit auslöse.
reagiert äußerst empfindlich darauf.

Der Organismus

So werden z.B. Blutdruck, Herztätigkeit

und Blutzusammensetzung verändert.
Wahrnehmungen über die Augen und Augenreaktionen spielen ebenfalls eine
wichtige Rolle.

Den Astronauten wurden zeitweilig die Augen verbunden, Warm-

und Kaltluft in die Ohren geblasen.

In ein schachtelähnliches Gerät, in dem

innen ein Zylinder mit verschiedenfarbigen und unterschiedlich großen Punkten
rotierte, mußte als erster Parker seinen Kopf stecken.

Während die Farbpunkte

vorüberflitzten, fotografierte eine Kamera seine Augenreaktionen - ein Versuch

- 3 -

�ein Versuch unter vielen,Zusammenhänge zwischen Augenbewegung und Gleichgewichtssinn in der Schwerelosigkeit aufzudecken.
Mit Hilfe eines von Dr. von Baumgarten entwickelten, mit Sonden vollgepackten Helmes werden beim Träger (die Wissenschaftsastronauten setzen ihn
abwechselnd auf) durch eine Mini-Fernsehkamera vom einen Auge Bewegungen und
Reaktionen auf bestimmte Reize aufgezeichnet, während gleichzeitig das andere
Auge über einen kleinen Fernsehschirm unterschiedlichen optischen Reizen ausgesetzt wird.
Lichtenberg und Garriott absolvierten spezielle Tests mit plötzlich und
unvermutet

einsetzenden Bewegungen.

In elastischen Haltebändern schwebend,

wurden sie mehrmals hintereinander in verschiedene Richtungen geschnellt.
In leichter Abwandlung dieses Tests legte man Garriott zusätzlich an einem
Bein Elektroden an und versetzte ihm leichte Stromstöße.

Den Wissenschaft-

lern im Kontroll Zentrum gaben diese Versuche Gelegenheit, Wechselwirkungen
zwischen dem Statolithenmechanismus und spinalen wie muskulären Reflexen der
Astronauten zu beobachten.

Man wußte ja bereits, daß es Labyrinthreflexe

gibt - die durch eine Reizung von Lagerezeptoren im Innenohr hervorgerufene
Zusammenziehung von Muskeln am Hals, an Rumpf und an Gliedmaßen.

Auch ruck-

artige Bewegungen der Augäpfel zählen zu solchen Reaktionen in plötzlich verändertem Schwerkraftfeld.
Wie laufen sie ab, wie werden sie gesteuert, wie sind sie zu beeinflussen? Eine Klärung dieser und vieler anderer Fragen im Zusammenhang mit den
verschiedenen Formen von Kinetose könnte auch der Allgemeinmedizin in manchen
Bereichen nützlich sein. "Wir piesacken euch ganz schön", meinte 'Mission
Control' in Houston. "Aber ihr haltet euch prächtig dort oben!"
Merbold und Parker schnallten sich für bestimmte Versuche Instrumentensätze mit Mini-Beschleunigungsmessern und einem kleinen EKG-Gerät auf den
Rücken.

Vielleicht spielen aber auch individuell unterschiedliche Reaktionen

auf veränderte Gravitationsfelder eine Rolle, ob und in welchem Ausmaß je-

- 4 -

�Ausmaß jemand "raumkrank" wird.

Dr. Young ist der Ansicht, daß unkontrol-

lierte Kopfbewegungen viel dazu beitragen, um die Raumkrankheit auszulösen.
So hatte beispielsweise Parker mit dem Kopf unter der "Schachtel" kaum Mißempfindungen, weil sein Kopf fixiert blieb.

Er konnte ihn während des Ex-

periments nicht bewegen.
Einer der Versuche galt der Prüfung einer 1914 aufgestellten Theorie,
die besagt, daß ein Gefühl von Bewegung hervorgerufen werde, wenn man das
eine Ohr erwärmt, das andere dagegen nicht. Wie Young erklärte, habe man
damals postuliert, daß die Bewegungsempfindung in den flüssigkeitsgefüllten
Innenohr-Kammern, und zwar durch Konvektionsströme (Flüssigkeitsbewegungen
unter der Wärmeeinwirkung) ausgelöst werde. Jedoch könne es unter Schwerelosigkeit keine Konvektionsströme (mit Steigen und Sinken von Flüssigkeitsschichten unterschiedlicher Dichte) geben, sagte Young. Somit dürfte auch
die Versuchsperson im All bei einem solchen Experiment (wie mit Kalt- und
Warmluft ausgeführt) nicht die Empfindung von Bewegung haben. Dr. Parker,
"Versuchskaninchen" für dieses Experiment, bestätigte das.
Inzwischen wird vermutet, daß mehr und andere Mechanismen neben den
"schwebenden Statolithen" im Spiele sind. Beispielsweise dürften Sehen und
Wahrnehmung über die Augen eine sehr viel größere Rolle spielen als bisher
angenommen, ähnlich wie das Stehen auf harter Oberfläche dem Gehirn hilft,
die Position zu ermitteln, in der sich der Körper befindet. Diese Theorie
wird erst in den letzten Flugtagen näher untersucht, wenn einige der Besatzungsmitglieder erneut den Kopf in den rotierenden Zylinder unter der Schachtel stecken. Haben sie dabei mehr Phantomempfindungen von Bewegung als zuvor, würde dies bedeuten, daß das visuelle System für den Orientierungssinn
wichtiger geworden ist als das Statolithensystem.
Wenn der Flug COLUMBIA/SPACELAB 1 weiterhin so gut verläuft wie bisher,
dürfte er um einen Tag verlängert werden.

Ursprünglich war die Rückkehr für

den 7. Dezember, 17.11 Uhr MEZ, angesetzt.

Die Raumfähre wird auf dem Flug-

hafen Edwards Air Force Base in Kalifornien landen.
+ + + + +

- 5 -

�Wi//cn/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

KORROSIONSSCHUTZMITTEL IN BOILERN
Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich

- (AD) - In Systemen zur Erzeugung und Weiterleitung von Dampf und Heißwasser werden vielfach chemische Zusätze benutzt, um Korrosionserscheinungen
zu unterdrücken. Manche dieser Zusätze können jedoch gesundheitsschädlich
sein, wie Untersuchungen in den Vereinigten Staaten zeigten. So warnte kürzlich das Komitee für Toxikologie des Nationalen Forschungsrates vor der Anwendung von Morpholin und Diäthylaminoäthanol (DEAE), wenn Dampf z.B. mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommt.
Anlaß für eine gründliche Prüfung aller verfügbaren Literatur durch den
Ausschuß für Toxikologie war eine Anfrage der amerikanischen Marine, die in
einer zentralen Heizanlage, welche auch einen marineeigenen Krankenhauskomplex
im US-Bundesstaat Illinois mit Dampf versorgt, die beiden Verbindungen einsetzen wollte. Aber die Morpholin-Herstellerfirma Texaco Chemical Co. riet davon ab, weil Tests im Jahr 1980 den Verdacht hatten aufkommen lassen, daß
Morpholin schwache mutagene Wirkungen haben könne. (Darunter sind Veränderungen der Erbanlagen unter der Einwirkung chemischer Substanzen zu verstehen.)
Die Marine hatte die Verwendung der Substanzen in einem Heizsystem beabsichtigt, das nicht nur für die Zubereitung von Speisen, sondern auch zum Anfeuch-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auch zum Anfeuchten der Luft und zur Sterilisierung chirurgischer Instrumente
benutzt wird.
Der Ausschuß fand heraus, daß sowohl Morpholin als auch DEAE Nitrosamine
bilden können - d.h. von Verbindungen, die im Verdacht stehen, beim Menschen
Krebs hervorzurufen.

Und tatsächlich wurde N-Nitrosomorpholin in Nahrungs-

mitteln gefunden.

Sie waren vermutlich mit Morpholin-behandeltem Dampf in

Kontakt gekommen.

Aufgrund seiner chemischen Struktur könnte auch DEAE, so

das Komitee, zwei bestimmte Nitrosamine bilden.

Jedoch gebe es noch keine

Unterlagen über den Umfang dieser Reaktion in DEAE-behandeltem Dampf.
Beide Stoffe gehören außerdem zu einer Gruppe von Aminen, von denen einige Verbindungen die Atmung bei Personen beeinträchtigen, die an Asthma leiden oder früher beruflich solchen Chemikalien ausgesetzt waren.

Aus diesem

Grund könnte sich für Krankenhauspatienten ein besonderes Risiko ergeben, wenn
DEAE und Morpholin verwendet werden.

Weder für kranke Personen noch für die

Allgemeinheit gebe es hinsichtlich einer fortdauernden Exposition über einen
längeren Zeitraum irgendwelche Richtlinien, erklärte der Ausschuß.

Zwar habe

das US-Amt für Arbeitsschutz Höchstwerte festgesetzt, aber diese gelten nur
für den Acht-Stunden-Arbeitstag bei einer 40-Stunden-Woche.

Die Bundesbehörde

für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erlaubt unter bestimmten Bedingungen die
Verwendung von Morpholin und DEAE bei Kontakt mit Nahrungsmitteln, solange
die Konzentrationen festgesetzte Maximalwerte nicht überschreiten.

Jedoch er-

wäge jetzt die FDA, die Genehmigung der Verwendung von Morpholin-behandeltem
Dampf wegen der Nitrosamingefahr zu widerrufen, sofern dem Dampf Nahrungsmittel ausgesetzt werden.
Weniger problematisch scheine Cyclohexylamin als Korrosionsschutzmittel
zu sein, bemerkte das Komitee, weil dabei die "Wahrscheinlichkeit zur Bildung
eines stabilen Nitrosamins geringer ist als bei Morpholin und DEAE".

Jedoch

lägen über mögliche andere Gesundheitsschäden durch diese Verbindung noch keine
Untersuchungen vor, so daß sie noch nicht empfohlen werden könne.
Der Ausschuß

�Der Ausschuß setzt sich dafür ein, in Boilersystemen nicht gleichzeitig
Morpholin und DEAE zu verwenden.
sion
ter[

Außerdem sei es ratsam, Zusätze gegen Korro-

"kontinuierlich in kleinen Mengen" zu geben anstatt jeden Tag in bestimmhöherer Dosis.

Dadurch könnten die Anfangskonzentrationen im Dampf nied-

riger gehalten werden, und die Möglichkeiten zur Bildung von Nitrosaminen
würden vermindert.
gendeiner

Behandelter Dampf aus Systemen, mit dem Menschen in ir-

Form in Berührung kommen, sollte ständig auf seine Konzentrationen

an Aminen und Nitrosaminen kontrolliert werden.

Außerdem seien weitere Stu-

dien zur Nitrosierung von Morpholin und DEAE sowie über die Langzeitauswirkungen
von Aminen bei sehr niedriger Konzentration in der Umgebungsluft erforderlich.

- 3 -

�</text>
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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung des US-Außenministeriums zu den Terrorangriffen in Kuwait

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan würdigt 30 Jahre Arbeit des US-Informationsamtes (USIA)
USA zum Protest bei Menschenrechtsverletzungen verpflichtet
- Erklärung Reagans zum Tag der Menschenrechte und zum Tag der
'Bill of Rights' -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Viel neues Material für die Forschung
- Erster SPACELAB-Einsatz großer Erfolg Biologische Schädlingsbekämpfung
- Besonders wichtig für Regionen in der Dritten Welt

Um Übcr/cn Jung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
14. Dezember 1983

50

ERKLÄRUNG DES US-AUßENMINISTERIUMS ZU DEN TERRORANGRIFFEN IN KUWAIT
WASHINGTON - AD - Das amerikanische Außenministerium erklärte am
12. Dezember 1983, die Terrrorangriffe auf die Botschaft der Vereinigten
Staaten in Kuwait und andere Einrichtungen würden Amerika "nicht von einer
kontinuierlichen Politik im Nahen Osten abbringen."

Der Stellvertretende

Pressesprecher des Außenministeriums, Alan Romberg, bedauerte ebenso wie
der Stellvertretende Pressesekretär des Weißen Hauses die Anschläge in
Kuwait, und beide sprachen ihr Mitgefühl für die Opfer aus.
Die von Romberg verlesene Presseerklärung hat folgenden Wortlaut:
Am heutigen 12. Dezember gegen 0630 GMT (0930 Uhr Ortszeit)
durchbrach ein Lastwagen das Haupttor der Anlage der amerikanischen
Botschaft in Kuwait.

Der Lastwagen fuhr noch etwa 45 Meter weiter zu

einem Anbau der Botschaft, wo eine große Bombe zur Explosion gebracht
wurde.

Durch die Explosion stürtzte ein Teil des Anbaus zusammen, und

es entstand großer Sachschaden an der Kanzlei und anderen Gebäuden auf
dem Gelände.
Die Information über die Zahl der Verluste ist noch unvollständig.
Nach ersten Berichten wurden vier Personen getötet und 37 verletzt;
zwei Personen werden noch vermißt. Zwei der Toten wurden als ausländische
der für die Wartung zuständigen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wartung zuständigen Abteilung der Botschaft gearbeitet haben.
Die beiden anderen Toten wurden noch nicht identifiziert.
Von den 37 verletzten Personen waren 20 örtliche Arbeitnehmer der
Botschaft (Foreign Service Nationais), die anderen waren 17 Besucher der
Botschaft oder auf Kontrakt arbeitende Privatpersonen.

Einige der verletzten

örtlichen Arbeitnehmer befinden sich in einem ernsten Zustand.
Alle Amerikaner sind zur Stelle, und obwohl einige amerikanische
Bedienstete Verletzungen erlitten, mußte keiner ins Krankenhaus gebracht
werden.

Die Aufräumungsarbeiten gehen weiter.

Wir haben Berichte über andere Bombenanschläge in Kuwait erhalten.
Die Informationen sind unvollständig; zu den Zielen gehörten jedoch die
französiche Botschaft und der Tower des Flughafens von Kuwait. Berichten
zufolge wurden weiter das nahegelegene SAS-Hotel sowie die Büros der Raytheon
Corporation
betroffen. Das Ausmaß des Schadens und der Verluste ist nicht
bekannt. Eingehendere Informationen müssen von der Regierung von Kuwait
kommen.
Wir bedauern all diese Angriffe zutiefst.

Sie werden uns jedoch nicht

von einer kontinuierlichen Politik im Nahen Osten abbringen.
Was die Verantwortung für die Anschläge angeht, so liegen uns Berichte
der Medien vor, nach denen eine Gruppe, die sich selbst als "Islamic Jihad"
(Islamischer heiliger Krieg) bezeichnet, die Verantwortung für den Angriff
übernommen hat. Wir besitzen keine eigene Bestätigung dieser Berichte.
Eine Organisation, die sich als Islamic Jihad bezeichnet, hat neben
anderen Organisationen auch die Verantwortung für die Bombenanschläge in
Beirut übernommen. Wir wissen nicht, ob hier ein Zusammenhang besteht.
Es gab

�Es gab keine Vorwarnung vor diesem Angriff.

Die Botschaft hat in

der Vergangenheit mehrere Drohungen gegen ihre Sicherheit erhalten und hat
versucht, geeignete Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, vor allem nach den
kürzlichen Bombenaschlägen in Beirut.
Da die Botschaften ihrer Natur nach für die Öffentlichkeit zugänglich sein müssen, können sie nicht in bewaffnete Festungen verwandelt werden.

Das setzt den Schutzmaßnahmen, die getroffen werden können, Grenzen.
In Kuwait befinden sich etwa 3000 amerikanische Staatsbürger.

An

der Botschaft sind etwa 65 Amerikaner tätig, die 237 Familienangehörige
haben.
Ich möchte bemerken, daß der Stellvertretende Ministerpräsident
und Außenminister von Kuwait, Scheik Sabah AI-Ahmad AI Sabah, kurz nach
der Explosion zum Gelände der Botschaft kam, um im Namen des Emirs von
Kuwait, des Kronprinzen und der kuwaitischen Regierung sein Mitgefühl zum
Ausdruck zu bringen. Der Außenminister bot der Botschaft die uneingeschränkte Mitarbeit und Unterstützung seiner Regierung an.

- 3 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

REAGAN WÜRDIGT 30 JAHRE ARBEIT DES US-INFORMATIONSAMTES (USIA)

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Botschaft
anläßlich des 30jährigen Bestehens die Arbeit des amerikanischen Informationsamtes - United States Information Agency (USIA) - im Dienste der Wahrheit und der Freiheit des Menschen gewürdigt.

In der auf Tonband aufge-

nommenen Botschaft, die bei den Feierlichkeiten am 9. Dezember 1983 abgespielt wurde, heißt es, daß USIA in all den Jahren höchste professionelle
Qualität gezeigt "und voll, genau und fair die Wahrheit berichtet" habe,
während andere Regierungen ihre Kommunikationskanäle dazu benutzt hätten,
um irreführende Propaganda und ausgesprochene Falschmeldungen zu verbreiten.

USIA habe durch seinen im Ausland tätigen US-Informationsdienst(USIS)

ein ehrliches Bild des amerikanischen Lebens und der amerikanischen Politik
und darüber hinaus auch des Weltgeschehens verbreitet.
Der Direktor des Amtes, Charles Z. Wick, erklärte anläßlich der Feier
in Washington

vor dem neuen USIA-Gebäude, die Aufgabe seiner Behörde,

"Tel 1ing America's story to the world" - die Darstellung Amerikas in der
Welt - die heute oft als "öffentliche Diplomatie bezeichnet wird, nimmt
einen immer wichtigeren Platz in der Verwirklichung der amerikanischen Außen-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�amerikanischen Außenpolitik ein".

Niemals in der Geschichte der Vereinig-

ten Staaten sei es wichtiger gewesen, "daß wir uns darstellen und daß andere
Nationen verstehen, was wir zu sagen versuchen".
Wick verwies darauf, daß in seinem Amt, beispielsweise bei der ihm
angeschlossenen "Stimme Amerikas", die modernste Technologie herangezogen
werde, um in der Welt Gehör zu finden.

Auch das neu eingeführte "Euronet",

eine über Satellit nach Europa übertragene Fernsehpressekonferenz, sei ein
gutes Beispiel.
Zu den Aufgaben von USIA gehört auch ein großangelegtes Austauschprogramm, das jetzt an die internationale Jugendaustausch-Initiative des
Präsidenten angegliedert worden ist.

Dadurch, so berichtete Wick, werde

eine "dramatische Steigerung" dieses Programms erreicht.
Ferner nimmt einen breiten Raum in der Informationsarbeit von USIA
das Bücherei-Programm ein, das in fast allen Ländern der Erde Fachbibliotheken unterhält und über einen Computer-Dienst amerikanische Veröffentlichungen beschaffen kann.
An den Feierlichkeiten in Washington nahm auch die amerikanische
Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane Kirkpatrick, teil, die ebenfalls den hohen Wert der USIA-Arbeit hervorhob. Sie selbst, so betonte sie,
habe an dem Vortragsprogramm des US-Informationsdienstes teilgenommen, weil
sie zutiefst an diese Arbeit glaube. "Ich glaube," so erklärte sie wörtlich, "daß Information das wichtigste Instrument der amerikanischen Außenpolitik ist". Dies gelte vor allem in der heutigen Zeit, in der immer mehr
Menschen sich in der Politik engagieren. Sie zitierte in diesem Zusammenhang den sowjetischen Dissidenten Solschenizyn: "Gewalt ist in unserer Zeit
unausweichlich mit der Lüge verbunden".
Die Botschaft von Präsident Reagan zum 30jährigen Bestehen von USIA
hat folgenden Wortlaut:
In diesem
- 2 -

�In diesem Jahr begehen wir den 30. Jahrestag eines Amtes, das ich
immer zu den wichtigsten der amerikanischen Regierung gerechnet habe - das
amerikanische Informationsamt (USIA).

In 30 Jahren hat sich USIA einen

höchst eindrucksvollen Ruf geschaffen, ja, viele große Ereignisse im Journalismus und im Medienbetrieb in Amerika haben mit USIA zu tun gehabt.
In all den Jahren hat USIA immer die höchste professionelle Qualität
bewahrt und voll, genau und fair die Wahrheit berichtet, während andere Regierungen ihre Kommunikationskanäle für irreführende Propaganda und ausgesprochene Falschmeldungen benutzt haben.
USIA hat seinen Ruf bewahrt, der Welt ein ehrliches Bild nicht nur
des amerikanischen Lebens und der amerikanischen Politik, sondern auch des
Weltgeschehens selbst zu geben - eines Geschehens, das viele niemals erfahren oder begreifen würden, gäbe es nicht USIA.

Wie wichtig

die Arbeit von

USIA ist, ist nie deutlicher geworden als bei der ausgezeichneten Berichterstattung kürzlich über die Enthüllungen und Darstellung des abscheulichen
Angriffs auf ein koreanisches Zivilflugzeug, den damit verbundenen tragischen
Verlust von Menschenleben und die verzweifelten Versuche, die Wahrheit zu
vertuschen.
Innerhalb von Minuten nach dem Bericht über die Vernichtung des
Düsenflugzeuges durch die Sowjets verbreitete die "Stimme Amerikas" das Ereignis in ihren Nachrichtensendungen. Jede sowjetische Erklärung und Gegenerklärung - angefangen von den ersten Dementis über all die mühsamen Änderungen und Widersprüche in den Darstellungen der Sowjets bis hin zu der
Erklärung des sowjetischen Delegierten bei den Vereinten Nationen, in der
er den Abschuß noch bestritt, während seine eigene Regierung ihn bereits zugegeben hatte - wurden von der "Stimme Amerikas" und anderen USIS-Publikationen voll wiedergegeben.
Für mich ist das ein weiteres Beispiel, wie die Arbeit von USIA im
Dienste der Sache der Wahrheit auch die Sache der menschlichen Freiheit fördert. Aus diesem Grunde ist es auch keine Propaganda, wenn USIA über die
- 3 -

�über die Unterdrückung der Freiheit berichtet, sondern das ist die wichtigste Nachricht unserer Zeit, so wie es die größte Tragödie unserer Zeit
ist - nämlich der Angriff auf die Menschenwürde durch jene, die die Macht
des totalitären Staates predigen.
Neben all jenen, die für die erstklassigen Nachrichtensendungen und
die zupackenden, gut geschriebenen, aber klar als solche erkenntlich gemachten Kommentare verantwortlich sind, arbeiten noch viele engagierte Männer
und Frauen als USIA-Bedienstete überall in der Welt - sie bieten Eindrücke
der amerikanischen Kultur, erläutern die amerikanische Politik und bringen
uns damit den Völkern anderer Länder näher und fördern die Sache des Weltfriedens.
Und so möchte ich heute Ihnen und Ihrem Direktor, Charles Z. Wick,
meine herzlichsten Glückwünsche
haben.

für das übermitteln, was Sie geleistet

Aber ich möchte auch, daß jeder von Ihnen weiß, daß nicht nur Ihr

Präsident, sondern alle

Amerikaner dankbar sind für das berufliche Können

und das Engagement, das Sie für Ihre Arbeit mitbringen.
Ich bin sicher, Sie hören diese schönen Worte fast so oft, wie Sie
sie verdienen, aber ich möchte im Namen des amerikanischen Volkes Ihnen meine
Geburtstagswünsche übermitteln und sagen:

Dankeschön!

Machen Sie so weiter, und Gott segne Sie.

+ + + + +

- 4 -

Wir sind dankbar.

�14. Dezember 1983

50

USA ZUM PROTEST BEI MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN VERPFLICHTET
• Erklärung Reagans zum Tag der Menschenrechte und zum Tag der
'Bill of Rights'-

WASHINGTON - (AD) - Zum 192. Jahrestag der amerikanischen "Bill of
Rights"- der in der Verfassung verbrieften Rechte des einzelnen - sowie zum
35. Jahrestag der Universellen Menschenrechterklärung durch die Vereinten
Nationen wurde der 10. Dezember in den Vereinigten Staaten zum "Tag der Menschenrechte" und die sich hieran anschließende Woche zur "Woche der Menschenrechte" sowie der 15. Dezember zum "Tag der Bill of Rights" erklärt.
In seiner Ansprache anläßlich der Unterzeichnung der Proklamation
verwies Präsident Reagan darauf, daß "wir in den freien Ländern manchmal
den Reichtum dieses kostbaren Besitzes"der Menschenrechte vergessen, während
es doch "unsere Verantwortung ist, unsere Stimme gegen die offenkundigen
Beleidigungen der Menschenrechte zu erheben", wie diese in der Sowjetunion,
in Polen, in Afghanistan, in Südafrika, im Iran und in Mittelamerika zu beobachten seien:
Reagan betonte,

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Telex: 8-85432

�Reagan betonte, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin eine starke
Verteidigung als notwendiges Bollwerk gegen den Totalitarismus aufrechterhalten würden, doch bestehe "eine gleichstarke Waffe gegen die Tyrannei darin,
die Wahrheit zu verkünden."

Daher sei es eines der "großen Versäumnisse"

Washingtons gewesen, es den linken Diktaturen zu ermöglichen, "in der internationalen Debatte die Initiative zu ergreifen."

Um dies zu ändern,sei

nunmehr "Unterstützung der Demokratie ein zentrales Ziel der amerikanischen
Außenpolitik," wobei gerade auch die internationalen Rundfunksendungen der
Vereinigten Staaten, wie die "Stimme Amerikas","Radio Freies Europa" und ähnliche Einrichtungen, gestärkt werden sollen.

"Wir können," so sagte der Prä-

sident, "zuversichtlich sein, daß der Gang der Geschichte auf die Freiheit
gerichtet ist."
Die Proklamation selbst verwies auf die beiden historischen Daten der
Unterzeichnung:

"Am 15. Dezember 1791 erfreuten sich unsere Gründerväter

der Ratifizierung der ersten 10 Zusätze der Verfassung der Vereinigten Staaten - einer Bill of Rights, die dazu beigetragen hat, allen Amerikanern die
Freiheit zu garantieren, die wir so schätzen.
157 Jahre später, am 10. Dezember 1948, stimmten die Vereinten Nationen
der Universellen Menschenrechtserklärung zu - einem Bemühen, das darauf gerichtet war, die grundlegenden Menschenrechte für die Menschen aller Staaten zu
sichern."
Die Proklamation weist auf Ähnlichkeiten wie auf Unterschiede zwischen
"Bill of Rights" und "Universeller Menschenrechtserklärung" hin:

"Beide

große Menschenrechtsdokumente wurden in den Nachwehen eines bitteren Krieges
verabschiedet.

Beide stellen sich eine Gesellschaft vor, in der Herrscher

und Beherrschte an die Gesetze des Landes gebunden sind und wo die Regierung
auf der Zustimmung der Regierten ruht, wo sie in ihrer Macht begrenzt ist und
ihr Hauptzweck im Schutz der Freiheit des einzelnen liegt."
Aber während

�Aber während der "Bill of Rights" von einer Nation zugestimmt wurde,
die bereits blühende freie Institutionen besaß, fehlten vielen der Länder,
die die Universellen Menschenrechtserklärung annahmen, freie Institutionen.
Gerade indem sie sich zu wortreichen Verfechtern der Menschenrechte aufspielten, hofften noch immer viele Regierungen - und die Proklamation nennt in diesem Zusammenhang Polen, wo die Regierung nur von "der Illusion der Menschenrechte" spricht -, ihre eigenen Menschenrechtsverletzungen verschleiern zu
können.
Die Proklamation fordert denn auch dazu auf, "uns heute erneut der
Achtung vor diesen Rechten in unserem Land zu widmen und uns dafür einzusetzen, daß die Worte der

Universellen Menschenrechtserklärung lebendige Wirk-

lichkeit für die ganze Menschheit werden."
Am selben Tag veröffentlichte auch das amerikanische Außenministerium
eine Erklärung von Außenminister Shultz, in der es heißt:

"In diesen Zeiten,

da die Menschenrechte von Regierungen angegriffen werden, die sich weigern,
sich selbst dem frei bekundeten Willen der Völker zu unterwerfen, sind wir
und unsere Freunde uns in zunehmendem Maß der Notwendigkeit bewußt, die Freiheit zu schützen.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin ihre Mittel zur Unterstützung des Wachstums von Demokratie und Menschenrechten verwenden. Dabei
fordern wir die Führer überall in der Welt zu der Einsicht auf, daß die Menschenrechte von jeder Regierung anerkannt werden müssen, die vom eigenen Volk
getragen werden will."

+ + + + +

- 3 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14. Dezember 1983

50

VIEL NEUES MATERIAL FÜR DIE FORSCHUNG
Erster SPACELAB-Einsatz großer Erfolg

- (AD) - Im Johnson-Raumfahrtzentrum von Houston waren sich alle
einig:

Roboter oder noch so gut ausgeklügelte Fernsteuerungstechniken ver-

mögen den Menschen im Weltraum nicht zu ersetzen.

Die sechs Männer an Bord

der Raumfähre COLUMBIA machten immer wieder diese Erfahrung.

Und auf eine

entsprechende Frage von Forschungsminister Riesenhuber aus der Bundesrepublik
antwortete ihm Dr. Ulf Merbold in einem Funkgespräch:
besser als ein Computer.

"Der Mensch ist viel

Der Mensch ist flexibel und besitzt Fantasie.

Davon machten sowohl die beiden Flugastronauten Young und Shaw als
auch die vier Wissenschaftsastronauten während des Zehn-Tage-Fluges (28.
November bis 8. Dezember 1983),in dem das europäische Weltraumlabor SPACELAB
erprobt wurde, ausgiebig Gebrauch.

Pannen an Experimentiergeräten und Bord-

ausr'üstungen wurden behoben, manche Versuche anders durchgeführt als ursprünglich vorgesehen.

Ein Computer, über den Experimente auf der externen Palette

mit dem SPACELAB verbunden waren, begann zu streiken.

Aber weshalb?

Schließlich wurde die Ursache gefunden - er funktionierte nicht mehr, sobald er überhitzt war.

Die Astronauten improvisierten eine Lösung:

Sobald

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�Lösung:

Sobald dieser Computer aktiviert werden mußte, wurde die Raumfähren-

position zur Sonne so verändert, daß er auf die Schattenseite kam.

Von da an

machte der Computer keine Schwierigkeiten mehr, obgleich es während der letzten
Flugtage für den Raumtransporter im Orbit keine "Nacht" mehr gab.

Die der Sonne

zugekehrte Seite der COLUMBIA spendete Schatten genug für eine ausreichende
Kühlung.
Das wissenschaftliche Programm erfuhr etwa 200 Umplanungen.

Sie wurden

von den Nutzlastexperten Merbold (Max-Planck-Institut für Festkörperphysik in
Stuttgart) und Lichtenberg (Massachusetts Institute of Technology in Boston)
sowie den Wissenschaftsastronauten Garriott und Parker aufs Beste bewältigt.
Kommandant Young und Kopilot Shaw hatten für dieses Programm weit über 200
Umsteuerungsmanöver zu unternehmen - 30 mehr als ursprünglich vorgesehen.
Und in 90 Fällen mußte über das jeweils durchzuführende Manöver gesondert entschieden werden.

Die Zahl der Einzeldaten, die über den Ablauf der 72 SPACE-

LAB-Experimente zur Erde gefunkt wurden, geht in die Billionen.
Ihre Auswertung sowie die Untersuchungen an den zurückgebrachten Proben
werden die über 200 Experimentatoren, von denen viele im Kontroll Zentrum
Houston den Flug verfolgten, noch lange beschäftigen. Aber es gilt z.B. auch
zu klären, was hinter der rätselhaften Leuchterscheinung steckt, die Owen
Garriott am Heck der COLUMBIA beobachtete: Seltsamerweise verstärkte sich
das Leuchten immer dann, wenn nach einem neuen Feuerstoß zum Manövrieren die
Triebwerke abgeschaltet wurden. Zwar sind Leuchtphänomene an Außenflächen
des Raumtransporters nichts Neues. Jedoch wurden sie noch nie am Heck und
nicht unter den geschilderten Bedingungen beobachtet. So bat das Kontrollzentrum, Film- und Fernsehaufnahmen davon zu machen.
Auch die quietschenden und knarrenden Geräusche, die im Orbit bei Tests
zur thermischen Belastung der Raumfähre von der Besatzung gehört wurden, sind
noch nicht geklärt. Ingenieure der NASA (US-Amt für Luft und Raumfahrt) begannen sofort nach der Landung der COLUMBIA mit der "Fahndung" nach möglichen
Ursachen. Alles in allem schien der Raumtransporter seinen jüngsten Einsatz

- 2 -

�jüngsten Einsatz im Weltraum, wie erste Außeninspektionen zeigten, sehr gut
überstanden zu haben.

Nur am Heck waren ein paar dunkle Flecke zu erkennen

- woher sie stammen, steht noch nicht fest.
Während die beiden Flugastronauten schon bald nach der Landung in der
kalifornischen Wüste nach Houston weiterflogen, unterzogen sich in Kalifornien
die vier Wissenschaftler noch tagelang gründlichen medizinischen Untersuchungen. Denn viele davon mußten sofort nach der Rückkehr durchgeführt werden,
will man Fragen der Auswirkungen von Schwerelosigkeit auf den menschlichen
Organismus, die nach wie vor offen sind, zufriedenstellend klären. Die Weltraumkrankheit ist ja keineswegs das einzige Problem. Dr. Carolyn Leach, die
Leiterin der biomedizinischen Laboratorien der NASA, arbeitet mit Dr. E. W.
Voss (Universität Illinois) und Dr. Karl Kirsch (Freie Universität Berlin) zusammen, um beispielsweise herauszufinden, weshalb und wie das Blutvolumen durch
einen Raumflug verringert und die gesamte Blut-"Chemie" verändert wird.
Die SPACELAB-1-Wissenschaftler nahmen sich während der Mission gegenseitig mehrmals Blutproben ab, die sofort eingefroren wurden.

Die Analyse

und der Vergleich mit dem bereits vor dem Flug und nach der Rückkehr abgenommenen Blut zeigt u.a. Veränderungen des Erythropoetin-Spiegels.

Dies ist

ein vorwiegend in den Nieren und in der Leber gebildetes Hormon, das die Produktion roter Blutkörperchen anregt.

Man will u.a. klären, ob das Blutvolumen

reduziert wird, weil rote Blutzellen zugrundegehen, oder aber weil in der
Schwerelosigkeit weniger davon neu gebildet werden.

Auch sucht das Team in

den Proben nach jungen roten Blutzellen aus dem Knochenmark, was über den Umfang der Blutbildung unter anderen Schwerefeld-Bedingungen Auskunft geben
könnte.
Jedesmal vor der Blutentnahme an Bord wurde auch der
Betreffenden gemessen.

Blutdruck des

Denn im normalen Schwerefeld auf der Erde werde, wie

Dr. Kirsch in einem Interview sagte, Blut zu den Beinen gezogen.

Unter ver-

minderten oder fehlender Gravitationskraft dagegen sei die Blutverteilung im
Körper anders, und zwar konzentriere sich mehr im gesamten Oberkörper.

- 3 -

Dies sei

�Dies sei auch der Grund, weshalb das Gesicht eines Astronauten während des
Raumflugs etwas aufgedunsen erscheine.

Hier bestehe eine gewisse Ähnlichkeit

mit Symptomen bei bestimmten Krankheitsbildern, etwa mit jenen einiger Nierenkrankheiten.

Auch könne die andere Verteilung von Körperflüssigkeiten ein

Faktor sein, der zur Raumkrankheit beiträgt.

Darauf läßt auch das vorläufige

Ergebnis eines während des Zehn-Tage-Flugs vorgenommenen Experiments schließen:
Wurden mit Hilfe einer Spezialausrüstung die Füße unter Druck gehalten, verringerte sich bei den Astronauten die durch die Schwerelosigkeit verursachte
Desorientierung.
Nach Ansicht von Dr. Leach könnten ihre Untersuchungen vielleicht auch
eine Hilfe sein, um bessere Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Anämie
zu finden.

Bei Anämie ist die Gesamtmenge von Erythrozyten und dem darin ent-

haltenen roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) vermindert.

Die Wissenschaftlerin

hofft, daß durch die Blutzellenexperimente an der SPACELAB-Mannschaft mehr Erkenntnisse zur Physiologie der Produktion roter Blutzellen zu gewinnen sind.
Dr. Voss und Mitarbeiter interessieren vor allem die Auswirkungen von
Schwerelosigkeit auf die weißen Blutkörperchen, die für das Immunsystem des
menschlichen Organismus so wichtig sind.

Es gibt darüber nur sehr wenig Stu-

dien - vor allem fehlen präzise Messungen über den Umfang, in dem sich in der
Schwerelosigkeit die Produktion weißer Blutkörperchen verringert.

Mehr Erkennt-

nisse über das Immunsystem geben der Medizin, so sagte Dr. Voss, auch allgemein die Möglichkeit, viele schwere Erkrankungen in ihren Zusammenhängen besser zu verstehen.
Glückwünsche aus aller Welt trafen zu dem so erfolgreichen Verlauf des
ersten SPACELAB-Fluges in Houston und in den europäischen Raumfahrtzentren
ein - eines Fluges, der, wie es der Direktor der Europäischen Weltraumorganisation ESA formulierte, "neue Horizonte eröffnet hat". Die ESA vertraut darauf, künftig mit den Vereinigten Staaten in der Raumfahrt eng zusammenzuarbeiten. Und die deutsche Bundesregierung bekundete bereits großes Interesse für
eine Beteiligung der Bundesrepublik am Bau einer amerikanisch-europäischen
Raumstation.
Zu den
- 4 -

�Zu den wichtigsten Ergebnissen zählen, soweit diese bisher bekannt
wurden:
- Entdeckung von Deuterium (schwerer Wasserstoff), von Kohlendioxid
und Methan in der irdischen Hochatmosphäre;
- Züchtung von "Superkristallen" für die Halbleitertechnik, Produktion
einer hochfesten Legierung aus Aluminium und Zink ,(Metalle, die im irdischen
Schwerefeld kaum legierbar sind), sowie Experimente zur Züchtung von Kristallen aus nichtmetallischem Material für Supraleiter und von einem Protein, welches der Forschung helfen könnte, die Struktur eines für die Galaktoseverwertung wichtigen Enzyms exakter zu bestimmen (mangelnde Verwertung führt beim
Neugeborenen zur Unverträglichkeit von Milch, und, als Folge davon, zu schweren Gesundheitsschäden);
- wichtige Erkenntnisse über die Rolle, die die Oberflächenspannung bei
der Bewegung von Flüssigkeiten spielt;
- Vorhandensein schwerer Elemente, vermutlich Eisen, in einem weit entfernten Neutronenstern, der Röntgenstrahlung aussendet, und von mineralbildenden Elementen in einer Supernova (Überreste eines explodierten Sterns);
- detaillierte Aufnahmen von 43 Gebieten der Erde mit einer Spezialkamera für die Landkartierung , u.a. von China (in Zusammenarbeit mit chinesischen Wissenschaftlern), von Inseln in der Karibik, im Indischen Ozean,
Ländern des Nahen und Mittleren Ostens und einzelnen Gebieten in den Vereinigten Staaten.
Den Ursachen der verschiedenen technischen Pannen, einschließlich des
Versagens von zwei der fünf Computer für die Sicherung der Rückkehrphase, wird
jetzt nachgegangen. Weitere Unternehmen mit SPACELAB sind bereits geplant
- das nächste für November 1984 mit sieben Mann an Bord.

+ + + + +
- 5 -

�14. Dezember 1983

50

BIOLOGISCHE SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG
- Besonders wichtig für Regieren in der Dritten Welt

- (AD) - Ein Groüteil der von amerikanischen Behörden und Organisationen
der Vereinten Nationen geförderten landwirtschaftlicher, Forschung in internationalen Zentren rund um die Welt ist auf die Bedürfnisse, die Lebens- und
Arbeitsbedingungen kleiner Bauern abgestellt, die in Armut ihr Dasein fristen
müssen.

Auf einer einwc'chigen Tagung der Beratergruppe für internationale

Agrarforschung (CGIAR - Consultative Group on International Agricultural
Research) in Washington erörterten kürzlich die Direktoren von 13 Forschungszentren, die von der CGIAR finanziert v/erden, den gegenwärtigen Stand, die
Probleme und Zukunftspläne der Arbeit ihrer Institute.
Die größten Erfolge brachte zweifellos die Entwicklung der "Wundersorten"
von Weizen und Reis - Sorten, welche besonders gut auf künstliche Bewässerung
oder Kunstdünger ansprechen.

Sie machen derzeit etwa ein Drittel des Weizen-

und Reisanbaues in Entwicklungsländern aus.

Die durch sie erzielten Ertrags-

steigerungen werden laut CGIAR auf ca. fünf Milliarden Dollar im Jahr geschätzt.
Besonderes Interesse aber verdienen Arbeiten aus jüngster Zeit, die der
Entwicklung anspruchsloser Sorten gelten.

Solche Sorten gedeihen selbst bei

einem Minimum an Wasser und Mineraldünger.

Außerdem benötigen sie sehr viel

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�sehr viel weniger Mittel zur Schädlingsbekämpfung.
auch die ärmsten Bauern Nutzen haben.

Das bedeutet, daß davon

Denn diese können sich umfangreiche

Bewässerung, größere Mengen von Mineraldünger oder Insektiziden nicht leisten
oder verfügen, selbst wenn sie es könnten, nur über unzureichende Versorgungsmöglichkeiten.
- Suche nach genetischen Lösungen "Wo immer möglich versuchen wir eine genetische statt eine chemische Lösung
zu finden", sagt John Nickel, Direktor des Internationalen Zentrums für Landwirtschaft in den Tropen (CIAT) in Cali (Kolumbien).

In seinem Institut gehe es

in erster Linie darum, die Kosten für Nahrungsmittel niedrig zu halten - "denn
Hunger ist ein Problem von Armut.

Eine zu aufwendige Technologie verwehrt den

Armen den Zugang zu Nahrungsmitteln".

In der von diesem Institut betreuten

Region befasse man sich intensiv mit der Züchtung neuer, schädlingsresistenter
Bohnensorten.

Bohnen seien, so Nickel, "Risikopflanzen", weil sie gegen Schädlinge

und Krankheiten außerordentlich anfällig seien. Man habe inzwischen wichtige
Fortschritte gemacht - einige der Neuzüchtungen hätten ohne Verwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln sogar einen höheren Ertrag als die üblichen Sorten nach
sechsmaliger Insektizid-Behandlung.
Ein weiteres Beispiel für Fortschritte bei CIAT sei, wie Nickel weiter
berichtet, die Entwicklung neuer Gräser, die auf sauren Böden gedeihen, keinen
Mineraldünger und nur wenig Wasser benötigen. Solche Gräser seien für ausgedehnte
Weideflächen in Süd- und Mittelamerika geeignet, wo schlechte, saure Böden von
jeher mit viel Kalk und Kunstdünger behandelt werden mußten, damit sie überhaupt
etwas hergeben konnten. Man sei u.a. dazu übergegangen, die Gräser mit Schmetterlingsblütlern zu mischen, die Stickstoff binden und bewirken, daß weniger Stickstoffdünger gebraucht werde. Dieses billige Verfahren zur Verbesserung von Weideland in der Savanne könne dazu beitragen, die Zunahme des Lebendgewichts von Weidevieh um mehr als den Faktor zehn zu steigern - "gleichbedeutend mit einem
'Quantensprung' in der Nahrungsmittelproduktion".
In Afrika

- 2 -

�In Afrika gelten umfangreiche Studien und Versuche des Internationalen
Instituts für Landwirtschaft in den Tropen (UTA - International Institute of
Tropical Agriculture) in Ibadan (Nigeria) der Bekämpfung der Schildlaus und der
grünen Spinnmilbe, die den für die Ernährung der Bevölkerung so wichtigen Maniokstrauch attackieren.

Diese Insekten kamen vor etwa einem Jahrzehnt infolge

Unachtsamkeit in dem Frachtgut einer Schiffsladung aus Lateinamerika nach Afrika,
wo sie keine natürlichen Feinde haben. Die durch die Insekten verursachten
Verluste allein im Jahre 1982 werden auf zwei Milliarden Dollar geschätzt, denn
die Schädlinge dürften die Maniok-Produktion in Afrika um gut ein Drittel verringert haben.

Die Maniok-Schildlaus dringt jährlich um etwa 500 km weiter vor

und hat bereits ein Gebiet, so groß wie die Vereinigten Staaten, erfaßt.
Mit einem "aggressiven" Programm der Züchtung natürlicher Feinde dieser
Schädlinge versuche U T A jetzt sie zu bekämpfen, berichtet Direktor Ermond Hartmans.
Man züchte eine in Lateinamerika heimische kleine Wespenart und einen ebenfalls
von dort geholten Käfer, Insekten, die hauptsächlich von der Schildlaus leben.
In Nigeria wurden sie bereits erfolgreich eingesetzt, und viele andere Länder in
dieser Region hätten bereits um die Aussetzung dieser Insekten in ihren ManiokAnbaugebieten ersucht.

Da sie nur von den Maniokstrauch-Schädlingen leben,

bestehe auch so gut wie keine Gefahr, daß sie selbst zu einem Problem werden
können.

Denn mit einer Dezimierung der Schädlinge verringere sich auch auto-

matisch ihre Zahl.
Ähnliche Erfolge bei der Bekämpfung der grünen Spinnmilbe stehen noch aus,
obgleich intensiv an der Entwicklung entsprechender Verfahren gearbeitet werde,
sagte Hartmans. Zur Zeit konzentriere man sich auf die Suche nach anderen
natürlichen Feinden dieser Milbenart in Lateinamerika.

Laut Hartmans sei für

diese Methode der biologischen Schädlingsbekämpfung eine einmalige Investition
von ca. 30 Millionen Dollar zu veranschlagen, eine Lappalie im Vergleich zu den
jährlichen Schäder durch Ernteausfälle in Milliardenhöhe.
Das Internationale

- 3 -

�Das Internationale Forschungsinstitut für die semi-ariden Tropengebiete
(ICRISAT) in der Nähe von Hyderabad (Indien) hat sich auf bestimmte Hirsearten
spezialisiert.

Wie Direktor Leslie Swindale berichtet, sei kürzlich ein afri-

kanisches Schwesterinstitut in der Nähe von Niamey (Niger) eingerichtet worden,
wo man sich hauptsächlich mit Rispenhirse und Erdnüssen sowie mit Anbauverfahren
befasse, die Feldfrüchte der südlichen Sahel-Zone einbeziehen.

Dieser Art

Forschungsarbeit komme besondere Bedeutung zu, da in der genannten Region der
jährliche Niederschlag zu 70 Prozent innerhalb von fünf Wochen erfolge, Bodentemperaturen 60 Grad Celsius erreichen können und der Boden zu 92 Prozent aus
Sand bestehe.

Rispenhirse werde in erster Linie Studienobjekt sein, da diese

normalerweise in Trockengebieten wächst, wo nur wenige andere Getreidearten
lebensfähig sind.
Menschen.

Sie bildet eine Hauptnahrungsquelle für etwa 300 Millionen

Sechzig Prozent des Hirseanbaues in der Welt entfällt auf die Sahel-

Zone, Heimatgebiet überaus armer bäuerlicher Bevölkerung.
Im vergangenen Jahr (1982) verteilte ICRISAT in Indien Saatgut für eine
gegen Krankheiten resistente, ertragreiche neue Art von Rispenhirse, die 1983
als erste vom Institut vermittelte Getreideart bereits kommerziell angebaut wurde.
Eine vielversprechende neue Zuckerhirseart, die auch auf schlechten Böden gedeiht
und keine Pestizide benötigt, dürfte in Kürze freigegeben werden.
Weitere landwirtschaftliche Forschungszentren befinden sich u.a. in Mexiko
(Weizen und Mais), auf den Philippinen (Reis), in Peru (Kartoffeln), Syrien
(Feldfrüchte für Trockengebiete), Äthiopien (Viehzucht) und in Kenia (Tierkrankheiten). Etwa 55 Prozent der Mittel, die der Beratergruppe zur Verfügung stehen,
werden auf Feldfrüchte verwandt, die von bäuerlicher Bevölkerung mit sehr
niedrigem Einkommen angebaut und konsumiert wird. Im Jahr 1982 betrug das Gesamtbudget der 13 Forschungszentren 140 Millionen Dollar. Das entspricht sieben
Prozent der Mittel, die von allen Entwicklungsländern zusammengenommen für landwirtschaftliche Forschung aufgewendet wurden.

+ + + + +

- 4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministeriums zu den Terrorangriffen in Kuwait&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan würdigt 30 Jahre Arbeit des US-Informationsamtes (USIA)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA zum Protest bei Menschenrechtsverletzungen verpflichtet&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Reagans zum Tag der Menschenrechte und zum Tag der 'Bill of Rights' -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Viel neues Material für die Forschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erster SPACELAB-Einsatz großer Erfolg -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Biologische Schädlingsbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Besonders wichtig für Regionen in der Dritten Welt -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

21. Dezember 1983

51
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan:

USA suchen keine Konfrontation im Nahen Osten

- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 14. Dezember 1983
Amerikas Streben nach Frieden
- Ansprache des US-Gesandten Hans N. Tuch in Hamburg -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanischen Friedensanstrengungen im Nahen Osten 1967-1983
- Chronologie -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zehn Raumtransporter-Flüge im Jahr 1984 geplant
Amerika und seine Nobelpreisträger
- Das besondere Forschungsklima für eine internationale Elite

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�51

21. Dezember 1983

REAGAN: USA SUCHEN KEINE KONFRONTATION IM NAHEN OSTEN
Auszüge aus der Pressekonferenz vom 14. Dezember 1983

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 14. Dezember 1983
betont, daß die amerikanischen Truppen im Libanon das Feuer erwidern werden,
wenn sie angegriffen würden. Gleichzeitig stellte der amerikanische Präsident auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz jedoch klar, daß
Washington keine Konfrontation in diesem Raum wolle.
Die wichtigsten Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
FRAGE: Herr Präsident, Ihr Verteidigungsminister hat erklärt, daß
Syrien den Angriff auf die Soldaten des amerikanischen Marinekorps im Oktober
gefördert und dirigiert habe. Und viele Regierungsvertreter sprechen privat
davon, daß der Iran hinter den Angriffen in Kuwait und im Libanon stand. Meine
Frage ist: Werden wir Vergeltung üben gegen die Regierung Syriens und des
Iran?
ANTWORT:

Nein.

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�*

ANTWORT:

Nein.

Unsere Politik ist, daß wir nicht dort sind, um als

erster zu schießen oder in Kampfhandlungen einzutreten.

Aber ich werde un-

sere Soldaten niemals irgendwo hinschicken, wo es ihnen nicht erlaubt wäre,
sich zu verteidigen.
Und es ist auch unsere Politik gewesen, daß sie sich im Falle eines
Angriffes verteidigen.

Wir haben diese Fälle ja erlebt, und wir haben so eng

wie nur möglich gegen diejenigen zurückgeschlagen, von denen der Angriff wirklich ausging.

Wir wollen keinen Konflikt mit Syrien, und ganz gewiß sind

wir nicht dort, um in einen Krieg einzutreten.

Wir sind weiterhin um Kommu-

nikations- und Verhandlungsmöglichkeiten bemüht, um sie wissen zu lassen,
daß es keinerlei Probleme zwischen uns geben wird, wenn sie die Schießereien
auf uns einstellen.
FRAGE:

Aber wenn die iranische Regierung, der Ayatollah, hinter einigen

dieser Sachen steht, wie wollen wir dann den Iran davon überzeugen, dies einzustellen?
ANTWORT:

Man kann natürlich nicht vor Gericht gehen und sagen, daß Khomeni

dies angeordnet habe.

Wir wissen allerdings, daß eine Gruppe, die für diese

Angriffe die Verantwortung übernommen hat und dies auch im Hinblick auf zahlreiche andere Angriffe behauptet, ziemlich umfangreich zu sein scheint und
definitiv Verbindung zum Iran hat.

Ob da nun eine Verbindung zur Regierung

besteht oder ob es sich nur um Iraner handelt - nun, sie sagen Dinge, die
darauf hinweisen, daß sie an einer Art heiligem Krieg interessiert sind.

Sie

stellen eine Sekte in der islamischen Welt dar.
FRAGE:

Sie haben in Ihrer Rundfunkansprache vom vergangenen Samstag

gesagt, daß die Marinesoldaten im Libanon bleiben würden, bis das Land über
eine innere Stabilität verfügt.

Ist das nicht eine Verpflichtung ohne Ende,

bedeutet das nicht, daß dort immer mehr Soldaten sterben und daß Amerika
über viele Jahre hinweg dort involviert bleibt?
ANTWORT:

Nein.

�ANTWORT:

Nein.

Ich meine, wir machen dort größere Fortschritte, als

dies nach außen hin aussieht.

Das ursprüngliche Ziel war der Abzug der frem-

den Truppen und dann die Wiedereinsetzung der libanesischen Regierung, der
wir dann helfen - wie dies ja schon der Fall ist -, eine Streitmacht aufzustellen und auszubilden, die die Kontrolle über das eigene Territorium ausüben
kann...

Dieses Ziel besteht weiterhin, und wir sind bemüht, es zu verwirk-

lichen.
Es hat Fortschritte in Genf gegeben, wo die einzelnen opponierenden
Gruppen des Landes die Regierung Gemayel anerkannten und Einigung in bezug
auf diese Regierung erzielten.

Was nun die multilaterale Friedenstruppe an-

geht, so gibt es zwei Wege, um ihren Abzug zu erreichen.
wir unser Ziel verwirklichen können.

Der eine wäre, wenn

Der zweite wäre natürlich ein solcher

Zusammenbruch der Ordnung, daß man mit absoluter Sicherheit eine Lösung des
Problems ausschließen könnte.

Dann gäbe es keinen Grund mehr, daß diese

Truppe dort noch verbleibt.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, Herr Präsident, daß Sie einen Abzug

der Marinesoldaten in Erwägung ziehen würden, wenn es so aussieht, als ob
die Regierung Gemayel ihre Autorität nicht über Beirut hinweg ausdehnen und
keine wie auch immer geartete Lösung anbieten könne?
ANTWORT:

Das ist eine hypothetische Frage.

Ich sage lediglich:

Wenn

es dort einen völligen Zusammenbruch gäbe und keine Möglichkeit für die Wiederherstellung der Ordnung bestünde, dann hätte die multinationale Friedenstruppe keinen Sinn mehr.

Ich möchte Sie jedoch darauf hinweisen, daß nicht

nur wir, sondern auch alle anderen in dieser Friedenstruppe vertretenen Länder
erst kürzlich ihre Überzeugung bekräftigt haben, daß unser Auftrag dort sinnvoll ist und daß wir alle dort bleiben werden.
FRAGE: Herr Präsident, gibt es nicht für Sie einen wachsenden politischen Druck, unsere Soldaten dort recht bald abzuziehen, und haben wir
nicht unsere Rolle als Friedensstifter verloren; sind wir nicht in die Rolle

- 3 -

�.

die Rolle der eskalierenden Gewalt geraten?

Meine Frage bezieht sich auf

Berichte, wonach Sie die Truppen vor dem Beginn der Nationalkonvente (der
Republikaner und der Demokraten) im kommenden Sommer abziehen werden?
ANTWORT:

Ich habe diese Berichte auch gesehen - keine Quellenangabe.

Aber jetzt haben Sie eine Quelle, und ich sage Ihnen eines:

Keine Entschei-

dung, die ich in dieser Hinsicht treffen werde, hängt mit der Wahl zusammen
oder mit den Konventen oder einer parteipolitischen Frage.

Ich habe im Ka-

binett immer wieder betont, daß ich von irgendwelchen parteipolitischen Verästelungen in so wichtigen Fragen nichts hören möchte.

Und was nun diese

Frage anbetrifft, so möchte ich sagen, daß es keine schwierigere Aufgabe
gibt, als unsere Soldaten an Orten einzusetzen, wo sie gefährdet sein könnten.

Und was wir in diesem Zusammenhang tun, stützt sich ganz gewiß nicht

auf parteipolitische Erwägungen.
FRAGE: Herr Präsident, eine Frage zur Rüstungskontrolle. Werden Sie
irgendetwas tun, irgendeine positive Maßnahme ergreifen, um die Sowjets an
den Verhandlungstisch zurückzubringen?
ANTWORT: Ja, wir versuchen, mit ihnen in Verbindung zu bleiben. Und
ich muß annehmen, daß sie zurückkommen werden, weil dies zu ihrem Vorteil
ist. Durch ihre Rückkehr an den Verhandlungstisch können sie doch nur gewinnen. Wir sind also weiterhin zu einer Rüstungsverminderung entschlossen,
insbesondere bei den Kernwaffen. Und ich bin büerzeugt, daß wir bei konsequenter Verfolgung dieses Weges zu der Erkenntnis kommen werden, daß diese
Waffen weltweit ein für allemal geächtet werden sollten.
FRAGE:
ANTOWRT:

Wird es 1984 vielleicht zu einem Gipfeltreffen kommen?
Wollen Sie damit fragen, ob ich 1984 sehr beschäftigt sein

werde oder nicht?
nach dem Zeitpunkt.

Wenn die Zeit als solche reif ist, dann fragt man nicht
Wenn es die Chance und die Hinweise gibt, daß wir etwas

erreichen können, daß es eine Tagesordnung gibt, mit der für beide Seiten

- 4 -

�beide Seiten etwas herauskommt, dann haben Sie eine Gipfelkonferenz.

Aber

man setzt ein solches Treffen nicht an, nur um dann sagen zu können, wir
hatten eine Gipfelkonferenz, weil dann zu viele Leute enttäuscht wären.

r

- 5 -

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

51

21. Dezember 1983

AMERIKAS STREBEN NACH FRIEDEN
Ansprache des US-Gesandten Hans N. Tuch in Hamburg •

HAMBURG - (AD) - Der Gesandte an der amerikanischen Botschaft in Bonn,
Hans N. Tuch, Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten, hat am 12. Dezember 1983 die Bemühungen der Vereinigten Staaten um den Frieden unterstrichen
und betont, daß der Frieden in Europa und Amerika kein Zufallsprodukt der Geographie, einer bestimmten Nationalität oder irgendeines sonstigen zufälligen
Faktors sei. Er sei vielmehr das Ergebnis einer bewußten, gezielten und erfolgreichen Politik der Länder des Atlantischen Bündnisses, sagte der Gesandte
in einer Ansprache im Haus Rissen.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Wenn wir die heutige Welt betrachten, dann scheint der Frieden ein ferner Traum zu sein.

Im Nahen Osten liegt der Libanon in den Wehen eines schreck-

lichen Bürgerkrieges, und der Iran und der Irak liegen seit Jahren in einem
tödlichen Kampf.

In Afrika überzieht der fanatische Oberst Gadhafi alles mit

Terror und Subversion.
ungelöst.

Der Namibia- und der Angola-Konflikt sind noch immer

Die Hunderttausende von hungernden Flüchtlingen in Somalia spüren

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Somalia spüren vom Frieden nichts.
zung Afghanistans an.
ohne Frieden.

In Asien dauert die Invasion und Beset-

In Kampuchea leben die Menschen seit über 15 Jahren

In Mittelamerika werden Länder wie El Salvador und Nicaragua

von Leidenschaft und Terror vpn links und rechts heimgesucht.

Europa und

Nordamerika sind praktisch die einzigen Gebiete der Welt, wo es so etwas wie
Frieden gibt.

In der Tat:

In einer Welt, in der Aufruhr an der Tagesordnung

ist, erfreuen wir uns seit über 35 Jahren eines stabilen Friedens.
Frieden ist keine Politik,

sondern das Ziel der Politik.

Der Frie-

den in Europa und Amerika ist kein Zufallsprodukt der Geographie, einer bestimmten Nationalität oder irgendeines sonstigen zufälligen Faktors.

Er ist

das Ergebnis einer bewußten, gezielten und, ich möchte sagen, erfolgreichen
Politik der Länder des Atlantischen Bündnisses.

Wir haben nicht nur den

Frieden bewahrt, sondern es ist uns auch gelungen, unsere demokratischen
Systeme und unsere persönlichen Freiheiten zu erhalten.

Das ist eine der

großen Leistungen unserer Zeit.
Keine Nation kann diesen Erfolg für sich allein beanspruchen. Während
der letzten drei Jahrzehnte haben alle Mitglieder des Bündnisses ihren Beitrag geleistet. In letzter Zeit hört man jedoch immer mehr Stimmen, die behaupten, die Vereinigten Staaten hätten einen Kurs der Konfrontation eingeschlagen, der die Erhaltung des Friedens gefährde. Man spricht von einer
expansionistischen Politik Amerikas, von einer verantwortungslosen Politik,
sowie davon, daß wir uns in unseren nationalen Ambitionen und Praktiken als
Supermacht nicht sehr von der Sowjetunion unterscheiden.
Als Vertreter meines Landes in der Bundesrepublik Deutschland und als
jemand, der sich fast 35 Jahre lang mit dem deutsch-amerikanischen Verhältnis befaßt hat, halte ich es für meine Pflicht, dazu beizutragen, daß man
hier die amerikanische Außenpolitik kennen- und verstehen lernt, vor allem
in der jüngeren Generation der Deutschen, die die neue Führungsschicht in
Ihrer Gesellschaft bilden, und dadurch klarzustellen, für wie wichtig wir
unsere Partnerschaft für die Erhaltung von Frieden und Freiheit in unseren

- 2 -

�in unseren beiden Ländern betrachten.

Ich möchte daher heute abend über

das Streben Amerikas nach Frieden sprechen.
Ich bin mir zweier Faktoren bewußt, die meine Aufgabe erschweren:
Der erste ist, daß ich gelernt habe, daß es fast unmöglich ist, persönliche
Erfahrungen von einer Generation an die andere weiterzugeben.

Meine Genera-

tion fand es ebenso schwierig, Ereignisse und Entwicklungen zu begreifen, die
wir

nicht wie unsere Eltern persönlich erlebt hatten.

In ähnlicher Weise

fällt es der heutigen Generation junger Amerikaner und Deutscher schwer, Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau Deutschlands, die
Berliner Luftbrücke 1948 und 1949, den Aufstand in Ostdeutschland 1953 oder
den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO - um nur einige wenige
Beispiele zu nennen - so zu "verspüren", wie meine Zeitgenossen und ich dies
taten, die das persönlich

erlebt und erfahren haben.

Wir müssen das als

gegebene Tatsache akzeptieren und dürfen nicht unsere Enttäuschung über die
jungen Menschen wegen derer Interesselosigkeit und Unerfahrenheit in den
Fragen, mit denen sie sich in ihrer Zeit nicht auseinandersetzen mußten,
die Oberhand gewinnen lassen.
Jede Generation muß sich jedoch den Fragen und Problemen ihrer Zeit
stellen, muß versuchen, mit ihnen fertig zu werden, und sie nach ihren besten
Fähigkeiten lösen, wenn sie ihren Hoffnungen und Idealen gerecht werden will.
Ich bin überzeugt, daß die jungen Menschen der heutigen Generation das tun
wollen.

Ich bin gleichermaßen überzeugt, daß sie ihre eigenen Fragen und

Probleme leichter lösen könnten, wenn sie zurückblickten und sich mit dem
vertraut machten, was vor ihnen geschehen ist; wenn sie Ursachen und Wirkungen vergangener Ereignisse analysieren, die sie heute noch berühren - nicht,
daß sie Lösungen von gestern übernehmen sollten, sondern sie sollten aus
ihnen lernen.

Ich lehne die Theorie ab, daß man aus der Geschichte nichts

lernen könne - eine Theorie, die auch von einigen jungen amerikanischen Aktivisten Ende der sechziger Jahre eine kurze Zeit lang vehement vertreten
wurde.

Die Geschichte wiederholt sich zwar nicht, aber wir können aus ihr

lernen, und wir tun uns einen schlechten Gefallen, wenn wir uns den Lehren

- 3 -

�den Lehren verschließen, die sie uns vermitteln kann.
Ich habe, ganz offen gesagt, den Eindruck, daß viele intelligente
junge Menschen nicht ausreichend bedacht haben, was die Geschichte uns
lehren kann; und sie haben nicht genügend geistige Anstrengung darauf verwandt, Lehren aus der Geschichte zu ziehen.
Die zweite Schwierigkeit, die meine Aufgabe erschwert, ist die, daß
viele junge Menschen, mit denen ich gesprochen habe, entweder wenig über
die Vergangenheit Amerikas wissen oder ein verzerrtes Bild von den Zielen
und der Politik Amerikas haben, weil sie die amerikanische Geschichte
nicht richtig kennen.
Wenn wir also die Vereinigten Staaten für die Europäer von heute verständlich machen wollen, dann ist es meiner Meinung nach nützlich, einmal
zu untersuchen, was uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind.
Die Geschichte Amerikas ist relativ kurz. Es ist weniger als 190
Jahre her, daß der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
George Washington, nach Ablauf seiner Amtszeit im Jahre 1796 die neue Nation vor "verstrickenden Bündnissen" warnte - mit anderen Worten, wir sollten uns aus Europa heraushalten und uns auf die Entwicklung unseres eigenen gewaltigen Territoriums konzentrieren. Und - auch das sollte man
nicht vergessen - es gab 1923 die sogenannte Monroe-Doktrin, die Europa
warnen sollte, sich aus Amerika herauszuhalten. Fast das ganze 19. Jahrhundert überwog diese Isolation von Europa und Asien, und die amerikanische
Außenpolitik bestand im wesentlichen darin, keine Außenpolitik zu haben.
Das war auch - und das sollte man ebenso wenig vergessen - die Periode der
europäischen Expansion und des Kolonialismus in Afrika, Mittel- und Südostasien und die Zeit, als Armenien, Georgien, Aserbeidschan, Kasachstan,
Kirgisien, Turkestan und Usbekistan dem russischen Reich einverleibt wurden.
Der relative

�Der relative Mangel an einem Interesse Amerikas an den Geschicken
anderer Länder erklärt auch die Tatsache, daß die meisten amerikanischen
Präsidenten im 19. Jahrhundert - nach John Adams, Thomas Jefferson und
John Quincy Adams - wenig Erfahrungen in der Außenpolitik und Diplomatie besaßen.

Das war auch keine erforderliche Qualifikation für amerikanische

Präsidenten, die sich hauptsächlich Anliegen im Innern zuwandten, also der
Ausdehnung und Entwicklung der Vereinigten Staaten innerhalb ihrer eigenen
Grenzen.

Und das mag auch erklären, warum selbst in diesem Jahrhundert

viele der Männer, die zum Präsidenten gewählt wurden, vor ihrem Amtsantritt
wenig Erfahrung in der Außenpolitik hatten.
Unsere Tradition des Isolationismus wurde erstens bei Anbruch des
Ersten Weltkrieges unterbrochen - und dann nur kurz.

Woodrow Wilson, Ame-

rikas erster Präsident mit einer echten internationalen Perspektive - wie
man heute sagen würde - sah seinen Traum zerstört - den Traum einer internationalen Organisation, die Streitfälle beilegen und in der Zukunft solche
Ausbrüche der Gewalt verhindern würde, wie sie Europa fast vernichtet hatten.

Amerika war noch immer nicht bereit, seine isolationistische Tradition

aufzugeben.

Es gibt viele Menschen in meinem Lande, die heute noch diese

isolationistische Haltung in den zwanziger und in den dreißiger Jahren zumindest zum Teil für die Blindheit der westlichen Demokratien gegenüber dem
raschen und erfolgreichen Aufstieg der nationalsozialistischen Diktatur
Hitlers verantwortlich machen.
Aus dem Zweiten Weltkrieg gingen die Vereinigten Staaten als mächtigste Nation hervor.

Sie verfügten über ein gewaltiges militärisches Po-

tential; ihre Industrie war vom Krieg unbeschadet, und sie allein besaßen
die Atombombe.

Wenn die Vereinigten Staaten expansionistische Ambitionen

gehabt hätten, wenn sie nach der Weltherrschaft gestrebt hätten, dann hätte

sie niemand aufhalten können. Es ist wichtig, daß die heutige Generation

junger Europäer sich über diese Tatsache im klaren ist. Wir dachten weder
an Weltherrschaft noch wollten wir unsere Ideologie irgend jemandem aufzwingen.

Das gehörte damals nicht zum amerikanischen Wesen, noch gehört

es heute dazu.
Wenn wir

�Wenn wir solche Ambitionen gehabt hätten, dann hätten die Vereinigten
Staaten nicht ihre Streitkräfte bis 1948 auf ein Zehntel der Stärke von 1945
reduziert.

Und ebenso wenig hätten wir angeboten, unser Atommonopol aufzu-

geben und es einer strikten internationalen Kontrolle zu unterstellen, wie
wir das 1946 getan haben.

Ich bitte meine jungen europäischen Freunde, die

die Motive und Handlungen der beiden Supermächte gleichsetzen möchten, über
diese wichtige Tatsache nachzudenken und sie mit der Handlungsweise der Sowjetunion gegenüber den Völkern Litauens, Lettlands, Estlands, Polens, Ungarns,
der Tschechoslowakei, Rumäniens und ihren 17 Millionen Mitbürgern in der DDR
zu vergleichen.

Und ich bitte Sie um Verständnis dafür, daß viele Amerikaner

über die Stimmen aus Europa beunruhigt sind, die die Vereinigten Staaten der
Rücksichtslosigkeit und des Imperialismus beschuldigen und die Motive eines
Landes schmälern, das zweimal gekommen ist, um die Freiheit in Europa wiederherzustellen und heute in der Verpflichtung hier steht, diese Freiheit bewahren zu helfen.
Die Einsicht der amerikanischen Öffentlichkeit, daß die Vereinigten
Staaten eine große Verantwortung für eine neue Weltordnung übernehmen mußten - wie sie mit der Gründung der Vereinten Nationen ins Auge gefaßt wurde und daß sie den Mantel einer großen Weltmacht auf ihre Schultern nehmen mußten kam nicht über Nacht. Noch hat sich Amerika in diesem Mantel gefallen das gilt bis zum heutigen Tage. Wir haben viele Fehler gemacht und machen
heute noch welche, denn der Status einer Supermacht ist für viele meiner Mitbürger noch lange keine Selbstverständlichkeit. Lassen Sie mich nur ein Beispiel zitieren von dem, was ich hier meine. Wir Amerikaner müssen in vielen
Sachen die Haltung der Europäer besser begreifen. Es ist mir klar, daß wir
die anhaltenden Auswirkungen des zerstörerischen Zweiten Weltkrieges auf die
Haltung der jungen Europäer, und insbesondere junger Deutscher, manchmal
nicht richtig zu würdigen wissen. Eine Generation von Deutschen, der beigebracht wurde, der deutsche Militarismus und die deutsche Aggression hätten
Ihrem Lande Zerstörung, Schande und die anhaltende Teilung beigebracht, reagiert auf eine Nachrüstung mit verständlicher Bestürzung. Wir Amerikaner
müssen in solchen Fragen Einführungsvermögen und Nachsicht an den Tag legen.

- 6 -

�gen, die darin ^ ^ VerStandnis für die Ir°m'e der Geschichte aufbrinfordern, ihre m i m s ' ^ "^ DeUtSChe ' insbesondere junge Deutsche, aufAnStrengun en
sehen, daß es dln\*rThm
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zu verstärken. Wir müssen eind
ie These zu akzü [
^ ™ L1cht ihrer Geschichte nicht leicht fällt,
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helfen und die zu unterstützen, die früher
von ihnen abhängig waren.
Ich habe hohe Achtung vor den Führungsqualitäten von Präsident Truman
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staatsmännisches Können und sein gesunder Menschenstan gaben ihm die Klugheit und die Stärke, die Vereinigten Staaten in
Mittelpunkt der weltpolitischen Bühne zu rücken und eine wesentliche
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fÜr die westlichen
Demokrat!erz
u
^ der
' ^Unterstützung
^ Fre1he1t und
en zu spielen.
Er schuf^ mit
Zusammenarbeit
einiger kluger und entschlossener Männer und Frauen im amerikanischen Kongre
eine neue überparteiliche Außenpolitik für die Vereinigten Staaten, die der
neuen Position Amerikas als Weltmacht entsprach. Diese Außenpolitik besteht
aus fünf Hauptelementen:

Erhaltung des Friedens in der Welt,
Stärkung der Freiheit der Völker und der persönlichen Menschenrechte,
- Verhütung der

�- Verhütung der Kriegsdrohung durch nukleare Rüstungskontrolle und
Abrüstung,
- Widerstand gegen sowjetische Aggression und Expansion mittels Gewalt
oder Subversion,
- Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung jener, die sie brauchen
und wollen.
Ich darf wohl behaupten, daß diese fünf Konzepte unsere kontinuierliche Politik seit 35 Jahren sind.

Sie waren Richtschnur jeder Administra-

tion und standen im Mittelpunkt des amerikanischen Engagements in diesem
Zeitraum - sei es in Berlin, Korea, Santo Domingo, El Salvador, Grenada, im
Libanon, ja sogar, meine Damen und Herren, in Vietnam, wo wie ein Trauma wegen unseres eigenen Versagens davontrugen.
Natürlich hat sich die Welt in diesen 35 Jahren geändert, auch wir
haben uns geändert.

Die Drohung der Kernwaffen ist mit den Forschritten in

der Technologie gewachsen.

Die relative wirtschaftliche und militärische

Stärke der Staaten dieser Welt sowie unsere Fähigkeit zur Beeinflussung der
Entwicklungen in anderen Teilen der Welt haben sich verändert.

Aber was

sich nicht geändert hat, sind die Motive und Ziele der Vereinigten Staaten.
Heute abend würde ich gerne - im geschichtlichen Rahmen der amerikanischen Außenpolitik - kurz auf einen Aspekt dieser Politik näher eingehen:
Unsere Anstrengungen, den Frieden durch die Kontrolle der Atomwaffen und
durch Abrüstung zu bewahren.
Wie ich bereits erwähnte, besaßen die Vereinigten Staaten am Ende des
Zweiten Weltkrieges ein Monopol bei den Kernwaffen. Im Bewußtsein der furchtbaren Bedrohung, die die Atomwaffen für die Stabilität der Welt bedeuten
konnten, boten die Vereinigten Staaten im Jahr 1946 über den sogenannten
Baruch-Plan an, die Gewalt des Atoms unter internationale Kontrolle zu stel- 8 -

�Kontrolle zu stellen.

Die Vereinigten Staaten schlugen die Schaffung einer

Internationalen Atomenergie-Entwicklungsbehörde vor, die die Vollmacht erhalten sollte, ihre Vertreter in Staaten zu entsenden, um dort umfassende Inspektionen hinsichtlich der Verletzung des Vertrages durchzuführen.

Entschei

düngen der Behörden sollten nicht dem Veto im Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen unterworfen sein.

Dieser Vorschlag zu einer ersten und umfassenden

Kontrolle der Kernwaffen wurde von der Sowjetunion zurückgewiesen.
Präsident Eisenhower fühlte sich gleichfalls der Kontrolle der Kernwaffen verpflichtet.

Im April 1953 schlug er vor, daß die Staaten Grenzen

hinsichtlich jenes Anteils an der Gesamtproduktion von strategischen Materialien setzen sollten, der für militärische Zwecke vorgesehen war.

Er machte

außerdem den Vorschlag, daß die sich daraus ergebenden Einsparungen einem
Fonds zugute kommen sollten, der für Welthilfe und Wiederaufbau gedacht war.
Schließlich präsentierte er am 8. Dezember 1953 der Vollversammlung
der Vereinten Nationen seinen Plan "Atome für den Frieden", der die Schaffung einer internationalen Atomenergiebehörde forderte, die Beiträge von
solchen Staaten erhalten sollte, die Nuklearmaterial besaßen, die sie dann
zu friedlichen Zwecken verwenden sollte.
Bei einem Zusammentreffen mit den Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und der UdSSR in Genf im Juli 1955 unterbreitete Präsident
Eisenhower seinen Vorschlag der "Offenen Himmel", der dazu dienen sollte,
die Staaten vor militärischer Aufrüstung und vor Überraschungsangriffen zu
schützen.

Er schlug vor, daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten

übereinkommen sollten, sofort Kopien ihrer militärischen Anlagen auszutauschen und einander Möglichkeiten zur Luftaufklärung zur Verfügung zu stellen - als Sicherheit für beide Seiten gegen einen Überraschungsangriff.
Diesem Vorschlag fügte er im März 1956 eine Erklärung hinzu, wonach die
Vereinigten Staaten bereit waren, mit anderen Staaten die entsprechenden
Schutzvereinbarungen auszuarbeiten, damit die künftige Produktion von spaltbarem Material - gleich, an welchem Ort der Welt - nicht mehr dazu benützt

- 9 -

�dazu benutzt werden könnte, die Arsenale an Sprengmaterial zu vergrößern.
Präsident Kennedy verfolgte die amerikanischen Bemühungen um die
Rüstungskontrolle weiter.

Im September 1961 legte er den Vereinten Natio-

nen einen neuen amerikanischen Plan für eine allgemeine und vollständige
Abrüstung vor.

Der Präsident forderte erstens die sofortige Unterzeichnung

eines Teststoppvertrages, unabhängig von anderen Abrüstungsverhandlungen;
zweitens die Einstellung der Produktion von Kernwaffen und Verhinderung
ihrer Weitergabe an Nichtnuklearstaaten; drittens die Verhinderung eines
Transfers der Kontrolle von Kernwaffen an Nichtnuklearstaaten; viertens
ein Verbot von Kernwaffen im Weltraum; fünftens die schrittweise Vernichtung der vorhandenen Kernwaffen und die Übergabe des Nuklearanteils zur
friedlichen Verwendung; sechstens Einstellung der Erprobung und der Herstellung von Trägern für strategische Kernwaffen und schrittweise Zerstörung
der vorhandenen; und siebtens die Benennung nationaler Streitkräfte zur Abberufung durch die Vereinten Nationen, um die friedensbewahrenden Pflichten der Vereinten Nationen zu erfüllen und die Funktionsweise der friedenserhaltenden Maschinerie der Weltorganisation zu verbessern.
Meine Damen und Herren, ich könnte mit der Liste dessen, was geschichtliche Tatsachen sind, noch lange fortfahren - eine Liste, die zeigt, wie
Amerika immer wieder für die Kontrolle und die Verringerung der Atomwaffen
eingetreten ist. Und ich kann auch auf eine Reihe bedeutsamer Abkommen mit
der Sowjetunion verweisen: Das begrenzte Teststoppabkommen von 1963; das
amerikanisch-sowjetische Abkommen über einen Heißen Draht des Jahres 1963;
der Nichtweiterverbreitungsvertrag vom Juli 1968, wobei sich die Ratifizierung durch die Vereinigten Staaten wegen der sowjetischen Invasion der
Tschechoslowakei im August 1968 bis zum März 1969 verzögerte; SALT I im
Jahr 1972; das Abkommen über die Abwehr ballistischer Raketen von 1972; und
der "ertrag über die Begrenzung von unterirdischen Atomwaffenversuchen im
Jahr 1974.
Gegen Ende

- 10 -

�Gegen Ende der sechziger und zu Beginn der siebziger Jahre sahen die
Vereinigten Staaten tatsächlich eine Chance zur Begrenzung der immer stärker
zunehmenden Kernwaffenarsenale.

Wir waren der Ansicht, eine neue Ära der

Nachkriegsgeschichte erreicht zu haben - eine Ära, in der die beiden Supermächte doch noch ein Übereinkommen hinsichtlich des Umfangs der Rüstungen
abschließen würden, in der die Atomwaffenversuche eingestellt würden und womöglich sogar mit einer Verringerung des Rüstungsniveaus begonnen würde.
Aber es war gerade in den siebziger Jahren, daß die Sowjetunion sich auf
einen Weg der beschleunigten Aufrüstung bei Kern- wie konventionellen Waffen begab - der massivsten militärischen Aufrüstung, die es je in der Geschichte gab.
Ich möchte hier nicht all die möglichen Motive untersuchen, die als
Gründe für das sowjetische Verhalten genannt worden sind. Lassen Sie mich
nur drei nennen, die meiner Ansicht nach zu den wahrscheinlichsten gehören:
- Erstens, die Geschichte der Expansion des russischen Kaiserreiches
während des 18. und 19. Jahrhunderts, die sich auch nicht unter den
neueren sowjetischen Regierungen beändert hat;
- zweitens, die Dogmen des internationalen Kommunismus, die eine Verbreitung der kommunistischen Ideologie

mit allen Mitteln - ein-

schließlich militärischer Gewalt und Subversion - fordern; und
- drittens, eine Angst - die meiner Meinung nach übertrieben ist und
ans Paranoische grenzt - vor Angriffen und dem daraus resultierenden
Wunsch nach absoluter Sicherheit, der die Sicherheitsbedürfnisse anderer ignoriert und die Form exzessiver Aggressivität annimmt, wo immer sich die Gelegenheit dazu bietet.
Gleich, welche dieser Motive - oder welch andere - für das sowjetische
Handeln man akzeptiert oder verwirft, so gibt es doch Tatsachen, die man in
Erwägung ziehen muß:
Es wird
- 11 -

�Es wird Jahre dauern, bevor wir mit der Dislozierung der MX beginnen,
unserer ersten neuen Interkontinentalrakete seit 16 Jahren; aber seit der
Unterzeichnung des SALT I-Abkommens im Jahr 1972 haben die Sowjets drei neue
Typen von ballistischen Interkontinentalraketen entwickelt und disloziert die SS-17, SS-18 und SS-19 - die alle die Fähigkeit zu einem Erstschlag haben.
Die Indienststellung des ersten amerikanischen TRIDENT-Unterseeboots
im Jahr 1982 markierte das Ende eines Zeitraums von 15 Jahren, innerhalb
dessen die Vereinigten Staaten nicht ein einziges neues Unterseeboot mit
ballistischen Raketen bauten;die UdSSR jedoch hat seit 1972 Unterseeboote
in vier neuen oder verbesserten Klassen hergestellt, die Raketen abfeuern
können.
Seit 1977 haben die Sowjets 369 neue nukleare Mittelstreckenraketen
des Typs SS-20 mit über 1100 Gefechtsköpfen und mehr als 150 moderne Bomber
gebaut, die die Fähigkeit zu einem interkontinentalen Angriff haben. In
demselben Zeitraum ist nicht eine einzige vergleichbare amerikanische Rakete
und auch kein einziger Bomber disloziert worden.
Dies ist natürlich nur die Spitze des Waffeneisbergs, den die Sowjetunion geschaffen hat. Die Beweise - sowohl bei der konventionellen wie bei
der nuklearen Aufrüstung - sind deutlich und werden auch von der UdSSR nicht
abgestritten. Sie stellen eine beständig sich ausweitende sowjetische Militarisierung während eines Zeitraums dar, da die Verteidigungsausgaben einen
immer kleiner werdenden Anteil des Gesamthaushaltes der Vereinigten Staaten
ausmachten - eine Zeit, da sich die Vereinigten Staaten Zurückhaltung bei
der Entwicklung und Dislozierung neuer Waffen auferlegten - in der Hoffnung,
am Verhandlungstisch weitere Erfolge zu erzielen. Tatsächlich wurde das
von den Vereinigten Staaten unterhaltene nukleare Arsenal gegenüber seinem
Umfang im Jahr 1967 um ein Drittel verringert.
Natürlich bin ich mir der Tatsache bewußt, daß die Frage, die sich
jedermann am dringlichsten stellt, jene der Dislozierung neuer amerikanischer

- 12 -

�neuer amerikanischer nuklearer Mittelstreckenraketen in Europa ist, mit der
eben begonnen wurde.

Ich weiß auch, daß alle hier Anwesenden völlig mit den

Gründen für diese Dislozierung vertraut sind, genau wie mit den Umständen,
unter denen sie zustande kam.

Seit 1979, als der Doppelbeschluß vom NATO-

Bündnis einstimmig angenommen wurde, haben wir uns darum bemüht, eine Verhandlungslösung für das bestehende Ungleichgewicht bei diesen Systemen zu
erreichen.

Unsere einzige Absicht war es, dieses Ungleichgewicht zu besei-

tigen, vorzugsweise,

indem alle Raketen dieser Klasse eliminiert werden.

Wir haben den Sowjets - und, wie ich hinzufügen möchte, unseren Kritikern
in Europa - immer wieder gesagt, daß der Weg zur Verhinderung der Dislozierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen in Europa der ist, daß
die Sowjets einer Beseitigung ihrer Raketen, der SS-20, zustimmen, die auf
europäische Ziele gerichtet sind.

Da dies nicht zu erreichen war, strebten

wir eine Zwischenlösung an, die als Ergebnis den niedrigstmöglichen Umfang
von nuklearen Mittel Streckenwaffen auf beiden Seiten gehabt hätte.
Sowjets lehnten alle diese Vorschläge ab.

Die

Die Haltung der Sowjetunion blieb

im wesentlichen während der ganzen Verhandlungen stets die gleiche:

"Die

Halb-Null-Lösung" - eine große Anzahl - ein Monopol - von SS-20 für die sowjetische Seite; keine vergleichbaren Raketen - Null - für die NATO.
Wir bedauern zutiefst den einseitigen sowjetischen Abbruch der INFVerhandlungen in Genf.

Während des gesamten Verhandlungszeitraums der ver-

gangenen zwei Jahre setzten die Sowjets die Dislozierung der SS-20 fort.
Wir haben den Verhandlungstisch nicht verlassen.

Ihr Verhandlungsabbruch

zu Beginn der NATO-Dislozierung ist völlig ungerechtfertigt.

Unsere Bereit-

schaft, am Verhandlungstisch zu bleiben, steht in Einklang mit der Geschichte
unserer Rüstungskontrollanstrengungen.
Präsident Reagan hat jüngst bei verschiedenen Gelegenheiten gesagt,
daß "ein Atomkrieg niemals gewonnen werden kann und nie geführt werden darf."
Der kürzliche Abschuß eines unbewaffneten koreanischen Zivilflugzeuges mit
seinen 269 Passagieren und die anhaltende Aggression von über 100 000 sowjetischen Soldaten in Afghanistan sind nur zwei Beispiele, die erneut die Dring-

- 13 -

�die Dringlichkeit bestätigen, ausgewogene und verifizierbare Rüstungskontroi 1abkommen mit der Sowjetunion zu erreichen.

Die Sowjets haben sich als die

wirklich "Schießwütigen" dieser Welt erwiesen - als diejenigen, die zu Gewalt und Zwang greifen.

Nach dem Vorfall mit der koreanischen Maschine ver-

sicherte Präsident Reagan der Welt, daß seine Rüstungskontrollinitiativen bei START, INF und in anderen Foren
wortungslosen Verhaltens der Sowjets.
kundig.

weitergehen werden - trotz des verantDie Notwendigkeit hierfür ist offen-

Wir wollen die Gefahr einer nuklearen Konfrontation verhindern, wenn

die Sowjets das nächstemal beschließen, erst zu schießen und dann Fragen zu
stellen.
Präsident Lincoln sagte einmal: "Wir können der Geschichte nicht entrinnen. Wir... werden auch trotz unserer selbst in Erinnerung bleiben. Keinerlei Bedeutsamkeit oder Bedeutungslosigkeit des einzelnen wird diesen oder jenen von uns davon ausnehmen. Die Feuerprobe, durch die wir gehen, wird uns
in Ehre oder Ehrlosigkeit bis zur letzten Generation verfolgen. Wir, sogar
wir hier, haben die Macht und tragen die Verantwortung." Viele, einschließlich jener, die gegen die Kernwaffen demonstrieren, sind Widerhall dieser
Worte, wenn sie sagen, sie wollen nicht die Fehler ihrer Großväter wiederholen, die die drohenden Warnungen vor dem kommenden Unglück ignorierten.
Manche Menschen in unseren beiden Ländern meinen, der Weg zur Wahrung des
Friedens sei der, die drohende Aufrüstung der Sowjetunion zu ignorieren.
Auch wir fürchten die Kernwaffen und ihr schreckliches Potential für die
Menschheit. In dem Film "The Day After" (Der Tag danach) ist es nicht eine
europäische Stadt, sondern meine Heimatstadt Kansas City, die in einem nuklearen Holocaust zerstört wird. Hätten wir die Wahl, so würden wir es vorziehen, weder in Europa noch sonstwo neue Raketen stationieren zu müssen, ja
wir würden vorziehen, daß es überhaupt keine dieser Waffen gäbe. Aber wir
stehen nicht vor dieser Wahl. Unsere Aufgabe besteht darin, einen Weg auf
dem schmalen Grat zu finden, auf dem wir gehen, damit wir auf keiner Seite
in den Abgrund stürzen - weder in den Abgrund der nuklearen Zerstörung, noch
in den Abgrund der Unterdrückung und des Totalitarismus. Wir wollen den
kommenden Generationen weder eine Welt in Furcht vor der nuklearen Zerstörung noch eine Welt ohne Freiheit übergeben.
Die Sicherheitspolitik
- 14 -

�Die Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten ist über fast 40 Jahre
hinweg sowohl unter demokratischen als auch republikanischen Regierungen
konstant geblieben.

Sie stützte sich fest auf zwei Elemente:

Erstens kon-

zentrierten wir uns darauf, eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten.

Dies bedeutet, daß unsere Gegner erkennen und begreifen, daß ein An-

griff auf die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sofortige Vergeltung
nach sich ziehen würde und daß daher ein Erstschlag scheitern müsse. Zweitens haben wir unsere Energien in aufrichtiger Weise darauf verwendet, nukleare Rüstungskontrolle herbeizuführen, die die Stabilität fördern und die Aussichten auf echte Abrüstung verbessern würden.
Diese Politik hat dem amerikanischen Volk schwere Lasten auferlegt.
Wir haben Milliarden für Verteidigung und Abschreckung ausgegeben; wir mußten amerikanische Truppen Tausende von Meilen von ihrer Heimat entfernt unterhalten, und wir mußten - wie Sie - lernen, mit den Gefahren und Bedrohungen
zu leben, die gegen uns gerichtet sind, während wir für die Verteidigung
der Werte einstehen, die wir gemeinsam haben: nämlich, unsere Menschenrechte als Einzelmenschen, unsere Herrschaft des Rechts als demokratische Gesellschaften und unsere Freiheit als Nationen.

Und wenn wir mit jenen

sprechen, die gegen die Strategie der nuklearen Abschreckung demonstrieren
und sich für einseitige Abrüstung einsetzen, dann tun wir gut daran, sie
daran zu erinnern, daß unsere Politik den Frieden und die Freiheit für uns
alle im Atlantischen Bündnis nahezu zwei Generationen lang erfolgreich gewährleistet hat.
Erlauben Sie mir, mit etwas zu schließen, was für mich eine grundsätzliche Frage ist:

nämlich das Problem des Vertrauens.

Die Frage der Kern-

waffen zur Massenvernichtung ist teilweise eine emotionale Frage, eine Frage
der tiefverwurzelten Angst. Viele Menschen haben auch Angst, sich auf die
Vereinigten Staaten zu verlassen.

Wir können das nicht bestreiten.

läßt sich nie ganz rational erklären.

Das müssen wir einsehen.

Angst

Auch Ver-

trauen ist kein rationales Konzept, aber es kann eher rational erklärt und
begründet werden.

Die Grundfrage, die sich Deutsche heute stellen müssen,

- 15 -

�stellen müssen, ist die - wem sie vertrauen wollen. Auf der einen Seite
haben Sie einen Partner, die Vereinigten Staaten und das amerikanische Volk,
zu dem Sie 35 Jahre lang enge und beiderseits vorteilhafte Beziehungen hatten; der Ihnen geholfen hat, nach dem Zweiten Weltkrieg Ihr Land wieder aufzubauen; der die Bevölkerung von Berlin gerettet hat, die sonst zwischen
Verhungern oder Unterwerfung zu wählen gehabt hätte; der rund 250 000 Soldaten auf Ihrem Boden unterhält als Beweis für seine Verpflichtung zur gemeinsamen Verteidigung Europas; der durch dick und dünn Ihr Freund und Verbündeter war. Auf der anderen Seite haben Sie einen Staat, der einen großen
Teil Europas, darunter 17 Millionen Ihrer Landsleute, unterworfen hat; der
die Weltrevolution predigt, aber alle einkerkert, die frei reden oder beten
wollen; ein Staat, der in wehrlose Nachbarländer einmarschiert und Ihr Land
mit einer verheerenden Rüstung bedroht.
Selbstverständlich kann nur das deutsche Volk als freie Einzelmenschen
und kollektiv als Nation darüber entscheiden, wem es vertrauen will, wer
seine Freunde sind. Die Bundesrepublik Deutschland hat ihre Wahl getroffen,
sich uns in einem Bündnis anzuschließen, das in dem Grundziel des Friedens
in Freiheit vereint ist - und wir sind stolz, die Bundesrepublik Deutschland
als gleichen und souveränen Partner zu haben.
Wenn unsere beiden Völker sich jetzt dem Ende des Jahres nähern, in
dem wir der Beziehungen unserer beiden Völker nicht nur seit 35 Jahren,
sondern seit 300 Jahren gedachten, dann sollten wir einen Moment innehalten
und an die historische Bedeutung dieser Beziehung denken. Diese Verbindung seit 300 Jahren kann nicht allein rational erklärt werden. Es geht hier
auch um eine gefühlsmäßige Erfahrung - eine Erfahrung, die uns in Verwandtschaft und Freundschaft fest verbindet. Wollen wir uns darauf besinnen, daß
wir unseren Kindern und Kindeskindern die Erhaltung dieser Beziehung schulden.
Erlauben Sie mir, mit einem Satz aus der Heiligen Schrift zu schließen
"Wo keine Vision ist, wird das Volk untergehen".
Wollen wir
- 16 -

�Wollen wir in gemeinsamer Vision uns u n ^ v ^
schreiben. « , c h derE r h a l t u n g von
^
tion und die kommenden Generationen.

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Genera

�21. Dezember 1983

51

DIE AMERIKANISCHEN FRIEDENSANSTRENGUNGEN IM NAHEN OSTEN 1967-1983
Chronologie

WASHINGTON - (AD) - Jede amerikanische Regierung seit 1948 hat sich aktiv um einen Frieden zwischen Israel und den arabischen Staaten bemüht. Die
nachfolgende Chronologie zeigt anhand wichtiger Ereignisse, Erklärungen und
Dokumente diese Bemühungen seit dem Krieg vom Juni 1967.
Juni 1967: Präsident Lyndon B. Johnson legt Prinzipien für einen Frieden im Nahen Osten fest:

Nach Abschluß des Sechstagekrieges zwischen Israel

und seinen arabischen Nachbarn (5. bis 11. Juni 1967) hatten israelische Truppen ein doppelt so großes Gebiet besetzt wie das innerhalb der Vorkriegsgrenzen Israels - die gesamte Sinai-Halbinsel bis zum Suezkanal, den Gaza-Streifen,
das Gebiet am Westufer
Höhen.

des Jordan (West Bank), Ostjerusalem und die Golan-

Während des Konflikts hatten sich die Vereinigten Staaten in den Ver-

einten Nationen um einen Waffenstillstand bemüht und legten am 8. Juni im
Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vor, in dem Gespräche der Beteiligten
durch die Heranziehung eines Drittlandes oder der Vereinten Nationen gefordert wurde, um einen stabilen und dauerhaften Frieden im Nahen Osten herbeizuführen.

In einer Rede am 19. Juni zeigte Johnson die Grundlagen für einen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�für einen solchen Frieden auf:

Anerkennung der nationalen Existenz, freie

Durchfahrt durch den Suezkanal, Begrenzung des Wettrüstens und Achtung der
politischen Unabhängigkeit und territorialen Integrität.
Juli 1967: Botschafter Arthur Goldberg gibt vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen eine Erklärung zur Jerusalem-Frage ab.
Am 28. Juni 1967 hatte Israel die Schaffung einer vereinten zentralen
Verwaltung für die Stadt Jerusalem bekanntgegeben.

Das amerikanische Außen-

ministerium gab sofort eine Erklärung heraus, in der darauf hingewiesen wurde,
daß einseitige Handlungen nicht den zukünftigen Status der Stadt präjudizieren könnten.

Bei der Abstimmung über Resolutionen, die auf der Sondersit-

zung der Vollversammlung der Vereinten Nationen eingebracht und in denen die
Handlungen Israels verurteilt wurden, enthielten sich die Vereinigten Staaten
wegen Differenzen über Formulierungen der Stimme.

In der Begründung der Stimm-

enthaltung durch Botschafter Goldberg am 14. Juli wurde eine Reihe amtlicher
amerikanischer Stellungnahmen zusammengefaßt.

Die Vereinigten Staaten, so er-

klärte er, seinen nicht der Auffassung, daß das Jerusalem-Problem für sich allein und getrennt von den anderen Elementen einer friedlichen Lösung im Nahen
Osten behandelt werden könne.

Dieser Standpunkt wurde von der Nixon- und der

Carter-Administration bekräftigt.
August-September 1967: Die Konferenz der arabischen Staatschefs in
Khartum (29. August bis 1. September) verabschiedet eine Resolution.

Während

sich die Großmächte weiterhin um eine Resolution des Sicherheitsrates bemühten, die einen Abzug Israels im Rahmen der Anerkennung und des Friedens vorsehen sollte, faßten mehrere arabische Staatschefs in Khartum den Beschluß:
Keinen Frieden mit Israel, keine Anerkennung Israels und keine Verhandlungen
mit Israel.
November 1967: Am 22. November 1967 wird die Sicherheitsresolution
Nr. 242 einstimmig verabschiedet.

Sie ist die Krönung von sechsmonatigen

Verhandlungen unter den Großmächten, Israel und mehreren arabischen Staaten

- 2 -

�arabischen Staaten und ein ausgewogener Kompromiß.

Die Vereinigten Staaten

hatten am 7. November einen Resolutionsentwurf eingebracht, der jedoch nicht
die erforderliche Unterstützung fand; daher unterstützten sie dann den britischen Resolutionsentwurf.

Die Resolution 242 fordert unter anderem den Ab-

zug Israels aus den im jüngsten Konflikt besetzten Gebieten und Einstellung
aller kriegerischen Ansprüche und des Kriegeszustandes sowie die Anerkennung
der Souveränität, der territorialen Integrität und der politischen Unabhängigkeit aller Staaten des Gebietes.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen

ernannte den schwedischen Diplomaten Gunnar Jarring zum Sonderbeauftragten für
die Erfüllung der Resolution.
Juli 1969:

In der Jerusalem-Frage stimmen die Vereinigten Staaten für

die Sicherheitsratsresolution Nr. 267.
Nach weiteren israelischen Maßnahmen zur Eingliederung Ostjerusalems
stimmten die Vereinigten Staaten für die am 3. Juli einstimmig verabschiedete
Resolution und bekräftigten den nach dem Juni-Krieg von der Johnson-Administration eingenommenen Standpunkt. In der Resolution werden alle Maßnahmen für
eine Änderung des Status der Stadt verurteilt und Israel aufgefordert, alle
getroffenen Maßnahmen aufzuheben.
Dezember 1969: Außenminister Rogers legt einen Friedensplan vor.
Im Frühjahr 1969 traten die Vereinigten Staaten in vierseitige Verhandlungen mit Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion sowie in bilaterale Verhandlungen mit der Sowjetunion ein, um eine vereinbarte Auslegung
der Resolution 242 zu finden, die der Sonderbeauftragte Gunnar Jarring benutzen könnte. Die Rede von Außenminister Rogers vom 9. Dezember 1969 ließ die
amerikanische Haltung in dieser Verhandlung erkennen und bot Formeln für eine
Lösung des ägyptisch-israelischen Teils des Streits.
Rogers erklärte: "Unsere Politik ist es, die Araber zu ermutigen,
einen ständigen Frieden auf der Grundlage bindender Abkommen zu akzeptieren

- 3 -

�zu akzeptieren und die Israelis zum Abzug aus den besetzten Gebieten aufzufordern, wenn die territoriale Integrität im Sinne der Resolution des Sicherheitsrates gewährleistet ist."
August 1970:

Das Waffenstillstands/Stillhalteabkommen:

Die Kämpfe am

Suezkanal nahmen im Frühjahr 1970 wieder rasch zu, als Ägypten sowjetische
Boden-Luft-Raketen installierte und Israel eine Reihe weit in ägyptisches Gebiet hineinreichende Luftangriffe durchführte.

Im Juni ergriffen die Vereinig-

ten Staaten eine Friedensinitiative, die auf einen Waffenstillstand und die
Wiederaufnahme der Jarring-Gespräche abzielte.

Ende Juli nahmen die Vereinig-

ten Arabische Republik, Jordanien und Israel den amerikanischen Vorschlag an;
das WaffenstilIstandsabkommen trat am 7. August 1970 in Kraft.
Februar 1971: Die Jarring-Mission: Die Wiederaufnahme der JarringGespräche verzögerte sich um einige Monate, da sich Israel und Ägypten gegenseitig Verletzungen des Waffenstillstands/Stillhalteabkommens vorwarfen.
Schließlich konnte Jarring im Januar 1971 seine Mission wieder aufnehmen,
und am 8. Februar übermittelte er der israelischen und der ägyptischen Regierung gleichlautende Aide-Memoires, in denen parallele und gleichzeitige
Verpflichtungen bezüglich des Friedens, des Abzuges und anderer Fragen verlangt wurden, um den toten Punkt zwischen beiden Seiten zu überwinden. Die
Antwort Ägyptens vom 15. Februar ließ zum erstenmal eine Bereitschaft erkennen, unter bestimmten Bedingungen ein Friedensabkommen mit Israel abzuschließen. Am 26. Februar teilte Israel mit, daß es die meisten Bestimmungen des
Jarring-Memorandums akzeptiere, bedang sich jedoch aus, sich auf sichere,
anerkannte und vereinbarte in einem Friedensvertrag festzulegende Grenzen
zurückzuziehen und nicht auf die Grenzen von vor dem 5. Juni 1967. Nach diesen Mitteilungen kam Jarring weiter mit den Parteien zusammen, konnte aber
die Verhandlungen nicht voranbringen.
Februar 1971: Amerikanische Friedensbemühungen:

Präsident Nixon be-

kräftigte in einem außenpolitischen Bericht an den Kongreß die amerikanischen
Grundsätze für einen Frieden im Nahen Osten und faßte die Friedensbemühungen
der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen zusammen.
- 4 -

"Die Suche nach

�"Die Suche nach Frieden - vor allem eine arabisch-israelische Regelung - und
das Streben nach einem stabilen amerikanisch-sowjetischen Verhältnis, das zur
Erhaltung der Unabhängigkeit und Integrität

jeder Nation

in diesem Gebiet

beiträgt, werden unsere oberste Priorität bleiben".
Oktober 1973: Der Oktober-Krieg und die Sicherheitsresolution 338:
Am 6. Oktober 1973 führte Ägypten einen Überraschungsangriff über den
Suezkanal hinweg gegen israelische Streitkräfte an der Bar Lev-Linie. Gleichzeitig griff Syrien israelische Stellungen auf den Golan-Höhen an.

Während

der Kämpfe bemühten sich die Vereinigten Staaten in den Vereinten Nationen um
einen Waffenstillstand und flogen militärische Nachschubgüter nach Israel,
nachdem die Sowjetunion begonnen hatte, solchen Nachschub nach Syrien und
Ägypten einzufliegen. Außenminister Henry Kissinger besuchte am 20. Oktober
Moskau, und am folgenden Tag brachten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gemeinsam im Sicherheitsrat einen Resolutionsentwurf ein, in dem ein
Waffenstillstand und die Verwirklichung der Resolution 242 gefordert wurde.
Am 22. Oktober wurde der Entwurf als Resolution 338 angenommen.
November 1973: Ägyptisch-israelisches Waffenstillstandsabkommen:
Trotz der Annahme der Sicherheitsresolution 338 gingen die Kämpfe an
der ägyptisch-israelischen Front weiter. Außenminister Kissinger arbeitete
auf seinen Reisen nach Kairo und Jerusalem am 7. und 8. November die Einzelheiten eines Waffenstillstandes aus. Das in dem Schreiben Kissingers an den
Generalsekretär der Vereinten Nationen enthaltene Abkommen

wurde am 11. No-

vember von Vertretern Israels und Ägyptens am Kilometer 101 der Straße entlang des Suezkanals unterzeichnet.
Dezember 1973: Die Genfer Friedenskonferenz:
Am 21. November 1973 schlug Außenminister Kissinger eine Friedenskonferenz für den folgenden Monat vor, an der die Vereinigten Staaten, die Sowjet-

- 5 -

�die Sowjetunion sowie Vertreter der kriegführenden Parteien und der Generalsekretär der Vereinten Nationen teilnehmen sollten.

Die Konferenz sollte

die Differenzen zwischen den Parteien einengen, um eine Verwirklichung der
Resolution 242 zu ermöglichen.
in Genf.

Die Konferenz begann am 21. Dezember 1973

Vertreten waren die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Israel,

Ägypten, Jordanien und die Vereinten Nationen; Syrien weigerte sich teilzunehmen.

Man einigte sich auf Gespräche über ein Auseinanderrücken der is-

raelischen und ägyptischen Truppen am Suezkanal.
Januar 1974: Das erste ägyptisch-israelische Entflechtungsabkommen:
Zwischen dem 11. und 17. Januar 1974, reiste Außenminister Kissinger
zwischen Assuan und Jerusalem hin und her und erreichte ein ägyptisch-israelisches Abkommen über ein Auseinanderrücken der Streitkräfte.

Zwischen

die Truppen sollte eine Friedensstreitmacht der Vereinten Nationen rücken.
Die Vereinigten Staaten übernahmen die Rolle des Nahost-Friedensvermittlers.
Mai 1974: Das israelisch-syrische Entflechtungsabkommen:
Zwischen dem 28. April und 30. Mai 1974 reiste Außenminister Kissinger
zwischen Damaskus und Tel Aviv hin und her und erreichte ein israelischsyrisches Abkommen über ein Auseinanderrücken ihrer Streitkräfte auf den Golan
Höhen. Am 31. Mai 1974 unterzeichneten Vertreter Israels und Syriens das formelle Abkommen, in dem die Sicherheitsresolution 338 als Grundlage für einen
Frieden anerkannt wurde. Dies wurde als erste indirekte syrische Anerkennung
der Resolution 242 angesehen. Die Zerstörung der Stadt Kuneitra durch die
Israelis vor dem Abzug verschärfte jedoch das ohnehin gespannte Verhältnis
zwischen beiden Staaten.
Oktober 1974: Die Gipfelkonferenz der Arabischen Liga unterstützt die
PLO (Kommunique vom 29. Oktober):
Das Interesse

�Das Interesse daran, ein Abkommen über ein Auseinanderrücken entlang
der israelisch-jordanischen Front zu erzielen, führte dazu, daß sich die Aufmerksamkeit auf die Frage einer palästinensischen Repräsentation bei möglichen
Verhandlungen konzentrierte.

In Rabat erklärten die arabischen Führer, daß

die Palästinensische Befreiungsorganisation "der einzige legitime Vertreter
des palästinensischen Volkes" sei. Einige Wochen später bekräftigte Außenminister Kissinger erneut die amerikanische Position hinsichtlich der PLO.
Der Außenminister erklärte:

"Es ist den Vereinigten Staaten unmöglich, Ver-

handlungen mit der PLO zu empfehlen, solange die PLO nicht die Existenz Israels als eines legitimen Staates akzeptiert.

Solange die PLO-Vorschläge,

in welcher Form auch immer, die Zerstörung Israels beinhalten, sehen wir nicht
viel Hoffnung für Verhandlungen mit der PLO."
September 1975: Zweites ägyptisch-israelisches Truppenentflechtungsabkommen:
Während die Genfer Verhandlungen hinsichtlich der Frage der Repräsentation der Palästinenser in der Schwebe blieb, leiteten die Vereinigten Staaten eine größere Anstrengung in die Wege, um zwischen Ägypten und Israel ein
zweites Entflechtungsabkommen zu erreichen. Außenminister Kissinger besuchte zwischen dem 10. und 15. Februar 1975 sowie zwischen dem 8. und 23. März
1975 den Nahen Osten. Präsident Gerald Ford traf sich am 1. Juli in Salzburg mit Präsident Anwar Sadat und später im Monat mit Premierminister Yitzhak
Rabin in Washington. Außenminister Kissinger traf auch weiterhin mit israelischen Regierungsvertretern zusanmen und begann am 20. August eine weitere Mission in den Nahen Osten. Arr 1. September wurde ein zweites Entflechtungsabkommen angekündigt, am 4. September wurde das Abkommen förmlich unterzeichnet. Unter anderem sah das Abkonmen eine freie Durchfahrt für Israel
durch den Suezkanal, die Rückgabe der Sinai-Ölfelder und aller strategischen
Pässe an Ägypten, eine Verpflichtung zur Einhaltung des Friedens für drei Jahre sowie die Errichtung eines FrühwarrSystems im Sinai vor. Am 16. September wurden die Texte von drei bislang t^heimen Dokumenten im Zusammenhang mit
den Abkommen veröffentlicht. Diese umfaßten Vereinbarungen zwischen den Ver-

- 7 -

�den Vereinigten Staaten und Israel hinsichtlich der Ölversorgung und die vorgeschlagene Wiederaufnahme der Genfer Konferenz sowie Zusicherungen der Vereinigten Staaten gegenüber Israel und Ägypten.

Am 16. Oktober nahm der Kongreß

eine Gemeinsame Resolution an, die die Stationierung amerikanischer Techniker
bei der Frühwarnstation im Sinai genehmigte.
Dezember 1975:

Forderung nach Wiederaufnahme der Genfer Friedenskonfe-

renz:
Am 8. November 1975 schlug die Sowjetunion die Wiederaufnahme der Genfer
Konferenz unter voller Beteiligung der Palästinensischen Befreiungsorganisation vor.

Die amerikanische Antwort vom 1. Dezember empfahl, ein vorbereiten-

des Treffen abzuhalten, auf dem eine mögliche PLO-Beteiligung an einer späteren Konferenz diskutiert werden könnte, wobei hierfür die Zustimmung aller
Parteien nötig sein würde und eine Beteiligung auf der Grundlage der Resolution 242 und 338 des Sicherheitsrates zu erfolgen hätte.

Am 18. Dezember

lehnte die Sowjetunion formell den amerikanischen Vorschlag ab.
Januar 1976:
Frieden:

Anstrengungen zur Überprüfung der Grundlagen für den

Am 12. Januar begann der UN-Sicherheitsrat mit seinen Erörterungen
der arabisch-israelischen Frage und erlaubte per Abstimmung der Palästinensischen Befreiungsorganisation die Teilnahme an der Debatte. Am 26. Januar
legten die Vereinigten Staaten ihr Veto gegen einen Vertragsentwurf ein, der
praktisch die Resolution 242 als Grundlage für eine Lösung des Nahostproblems
ersetzt hätte.
März 1977:

Unterstützung Carters für ein palästinensisches "Heimat-

land":
In einer Ansprache Präsident Carters in Clinton, Massachusetts, am
16. März 1977 war die erste Unterstützung eines amerikanischen Präsidenten

- 8 -

�amerikanischen Präsidenten für ein palästinensisches "Heimatland" enthalten.
Carter wies am 12. Juli 1977 darauf hin, daß er es persönlich vorzöge, "daß
dieses palästinensische'Gebilde'... an Jordanien angebunden und nicht unabhängig sein sollte."
Dezember 1977: Die PLO weist die Sadat-Initiative zurück:
Der aufsehenerregende Besuch von Präsident Sadat in Jerusalem vom 19.
bis 21. November 1977 änderte den Verlauf der Friedensbemühungen. Das amerikanische Interesse an einem Neuzusammentritt der Genfer Konferenz wurde durch
die Anstrengungen ersetzt, den Friedensprozeß auf der Grundlage der SadatInitiative voranzutreiben. Die PLO und ablehnende arabische Staaten trafen
sich vom 2. bis 5. Dezember in Tripolis.um die Initiative zu verwerfen. Die
während des Treffens am 4. Dezember veröffentlichte PLO-Erklärung verurteilte
nicht nur den Sadat-Besuch, sondern lehnte auch die Resolutionen 242 und 338
als Grundlage für Verhandlungen ab.
September 1978: Die Camp-David-Abkommen:
Nach Monaten der erfolglosen amerikanischen Bemühungen, zwischen
Ägypten und Israel eine Grundlage für eine Einigung zu erreichen, ludt Präsident Carter Ministerpräsident Begin und Präsident Sadat ein, sich mit ihm
in Camp David, Maryland, dem Wochenendsitz des Präsidenten, zu treffen.

Vom

5. September 1977 an trafen sich 12 Tage lang ägyptische, israelische und
amerikanische Regierungsvertreter in aller Heimlichkeit.

Am späten Abend

des 17. September flogen die drei Staatsmänner ins Weiße Haus zurück, um
zwei Rahmenabkommen zu unterzeichnen, die während der Verhandlungen erarbeitet worden waren.

Eine Reihe von Begleitschreiben zeigte die amerikanischen

Positionen hinsichtlich mehrerer Fragen auf - einschließlich der Sinai-Regelungen, der Jerusalem-Frage, der Sinai-Flugplätze und eines umfassenden Friedens.
Die beiden Abkommen hießen "Rahmenbedingungen für den Frieden im Nahen
Osten, vereinbart in Camp David" und "Rahmenbedingungen für den Abschluß
- 9 -

�den Abschluß eines Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel."
März 1979:

Der ägyptisch-israelische Friedensvertrag:

Die Verhandlungen für den ägyptisch-israelischen Friedensvertrag begannen am 12. Oktober 1978 in Washington und dauerten mit Unterbrechungen
die nächsten fünfeinhalb Monate an.

Während dieser Zeit unternahmen Außen-

minister Cyrus Vance und andere hohe amerikanische Regierungsvertreter mehrere Reisen in den Nahen Osten; im Bemühen, ein Abkommen zu erreichen, wurde
auch in Camp David ein Ministertreffen abgehalten.
Nach dem Scheitern dieses Treffens in Camp David schaltete sich Präsident Carter noch einmal persönlich in den Friedensprozeß ein.

Durch eine

Reihe von Gesprächen zwischen Carter und Begin in Washington, zwischen Carter
und Sadat in Kairo sowie zwischen Carter und Begin in Jerusalem gelang es,
aus der Verhandlungssackgasse herauszukommen.

Am 26. März 1979 wurde in

Washington der Friedensvertrag unterzeichnet.

Auch hier begleitete eine Reihe

erklärender Schreiben und ergänzender Memoranda den Abschluß des grundlegenden Abkommens.
Mai 1979: Palästinensische Autonomiegespräche:
Am 25. Mai 1979 trafen sich ägyptische und israelische Regierungsvertreter in Beersheba in Israel, um Gespräche über eine palästinensische Autonomie zu beginnen, wie dies in einem Briefwechsel vorgesehen war, der dem
ägyptisch-israelischen Friedensvertrag beigefügt war. Jordanien lehnte eine
Einladung zur Teilnahme an den Gesprächen ab. Außenminister Cyrus Vance
nahm an der Eröffnungssitzung teil. Die Autonomiegespräche dauerten mit Unter
brechungen die nächsten zwei Jahre an, brachten jedoch keinen nennenswerten
Fortschritt.
Juni 1981:

Israelische Flugzeuge bombardieren einen irakischen Reaktor:
Am 7. Juni
- 10 -

�Am 7. Juni zerstörten israelische Kampfflugzeuge "Osirak", den Kernreaktor des Irak in der Nähe von Bagdad.

Auch die Vereinigten Staaten gehör-

ten zu den Ländern, die diesen Angriff verurteilten, desgleichen die Sowjetunion und Frankreich, das dem Irak den Reaktor verkauft hatte.

Israel wies

die Kritik aus Sicherheitsgründen zurück.
August 1981: Multinationale Streitkräfte und Beobachter im Sinai:
Im Frühjahr 1981 lehnten es die Vereinten Nationen ab, die zur Aufrechterhai tung des Friedens nötigen Truppen bereitzustellen, die - laut
Forderung des ägyptisch-israelischen Vertrages - im Sinai zwischen den
ägyptischen und israelischen Streitkräften staioniert werden sollten.

Dar-

aufhin organisierten die Vereinigten Staaten die multinationalen Streitkräfte
und die entsprechenden Beobachter.

Am 3. August 1981 unterzeichneten der

ägyptische und der israelische Botschafter in den Vereinigten Staaten das
Protokoll - von den Vereinigten Staaten als Zeuge gleichfalls unterzeichnet -.mittels dessen die Sinai-Streitmacht aufgestellt wird.

Dadurch wurde

der Weg für den abschließenden Rückzug Israels aus dem Sinai am 25. April
1982 geebnet.
Dezember 1981:

Israel annektiert die Golan-Höhen:

Die Regierung von Ministerpräsident Begin stimmte am 14. Dezember einem
Gesetz zu, durch das die 1967 besetzten Golan-Höhen Syriens annektiert wurden.
Begin erklärte seinen Entschluß, seine seit langem bestehende Absicht auszuführen, damit, daß Syrien in jüngster Zeit eine immer "extremistischere" Position eingenommen habe.

Die Reagan-Administration erklärte sofort, die

Annektierung verletze die Camp-David-Vereinbarungen.
Juni 1982:

Die israelische Invasion des Libanon:

Am 6. Juni begann die Invasion der israelischen Streitkräfte im Libanon,
nachdem dieser Artilleriegefechte mit der PLO in den südlichen Grenzgebieten

- 11 -

�südlichen Grenzgebieten vorausgegangen waren;rasch stießen die Truppen nordwärts vor, um Beirut zu belagern.

Ziel war, die PLO und Truppen der Syrer

aus dem südlichen Libanon zu vertreiben.

Innerhalb einer Woche hatte Israel

praktisch die Kontrolle über die südlichen 40 Prozent des Landes.

Am 11.

Juli handelte Botschafter Philip Habib, Präsident Reagans Sonderbotschafter,
einen Waffenstillstand aus - den ersten in einer ganzen Reihe bis hin in den
August.
August 1982: Abzug der PLO wird ausgehandelt:
Gegen Ende August endete die israelische Belagerung von Beirut mit
der Evakutierung der PLO aus der Stadt gemäß einem von Botschafter Habib
ausgehandelten Abkommen.

Eine multinattionale Streitmacht (MNF) aus amerika-

nischen, französischen, italienischen und britischen Truppenkontingenten überwachte die Evakuierung.
September 1982:

Die Friedensinitiative Präsident Reagans:

Die israelische Invasion des Libanon im Juni lenkte die amerikanischen
Friedensbemühungen auf das Ziel, einen Waffenstillstand für dieses Land zu
erreichen und einen Truppenabzug zu vereinbaren. Die Friedensinitiative von
Präsident Reagan, in einer Rede am 1. September 1982 dargelegt, konzentrierte
ihre Bemühungen auf eine umfassende Regelung. Indem er auf einen Neubeginn
bei den Friedensverhandlungen drängte, erklärte der Präsident, die folgenden
Punkte seien von zentraler Bedeutung: Selbstverwaltung der Palästinenser im
Westjordanland und im Gazastreifen in Assoziation mit Jordanien; Einfrieren
der Siedlungspolitik der Israelis; Garantien für die Sicherheit Israels; ein
ungeteiltes Jerusalem, wobei dessen endgültiger Status auf dem Verhandlungsweg zu entscheiden sei. Obgleich alle an dem Disput beteiligten Parteien
positive Elemente in der Initiative erblickten, wurde sie dennoch bislang
nicht als Grundlage von Verhandlungen akzeptiert. Die israelische Regierung
wies die Initiative mit dem Argument zurück, sie stehe im Widerspruch zu den
Camp David-Vereinbarungen. Auf dem Gipfeltreffen der Arabischen Liga eine Woche

- 12 -

�eine Woche später in Fes wurde kein Kommentar dazu abgegeben.

König Hussein

von Jordanien akzeptierte die Vorstellungen von einem gemeinsamen palästinensisch-jordanischen Ausschuß als einen Schritt in Richtung auf eine künftige formelle Beziehung zwischen dem Westjordanland und Jordanien.
September 1982:

Die Gipfelkonferenz der Arabischen Liga billigt Frie-

densplan:
Die Gipfelkonferenz der Arabischen Liga in Fes in Marokko kündigte am
9. September einen 8-Punkte-Friedensplan an, der an den erinnerte, den der
ehemalige saudische Kronprinz (und jetzige König) Fahd im August 1981 vorgelegt hatte.

Zu den Grundlagen des Planes gehörte der Abzug der israelischen

Streitkräfte aus allen 1967 besetzten Gebieten, Beseitigung der nach 1967
auf arabischen Territorien errichteten Siedlungen, Schaffung eines unabhängigen palästinensischen Staates und Friedensgarantien des Sicherheitsrates
"für alle Staaten der Region."
September 1982:

Massaker in den Beiruter Flüchtlingslagern und erneuter

Einsatz der multinationalen Friedenstruppe:
Die multinationale Friedenstruppe hatte ihren Abzug aus dem Libanon
nach der Evakuierung der PLO gerade beendet, als sich die Lage sofort verschlechterte.

Am 14. September wurde der zum Präsidenten des Libanon gewähl-

te Bashir Gemayel ermordet,und schon am nächsten Tag marschierten israelische
Truppen in Beirut ein.

Angehörige der Christlichen Milizen stürmten in die

Flüchtlingslager von Sabra und Shatila und töteten vom 16. bis zum 18. September Hunderte der Bewohner.

Auf entsprechende Bitten hin sandte Präsident

Reagan am 20. September amerikanische Truppen in den Libanon zurück, um dabei
zu helfen, die vor einer Woche abgezogene multinationale Friedenstruppe wieder einzusetzen.
Oktober 1983:

Mandat der UN-Truppen wird verlängert:
Der Sicherheitsrat
- 13 -

�Der Sicherheitsrat verlängerte das Mandat der UN-Interims-Friedenstruppe (UNIFIL) im Libanon für weitere sechs Monate.

Die Truppe wurde im

März 1978 nach der ersten israelischen Invasion des Libanon aufgestellt, um
den Abzug der Israelis zu überwachen und der libanesischen Regierung dabei
behilflich zu sein, ihre Autorität auch wieder auf den Süden auszudehnen.
November 1983:

Das Mandat für die UN-Beobachter wird erneuert:

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erneuerte das Mandat der
UN-Beobachter für die Entflechtungsmaßnahmen (UNDOF) für weitere sechs Monate bis zum 31. Mai 1984.

Eingesetzt im Jahr 1974, überwachen diese den

Waffenstillstand und das Entflechtungsabkommen zwischen Israel und Syrien
auf den Golan-Höhen.

+ + + + +

- 14

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
21. Dezember 1983

51

ZEHN RAUMTRANSPORTER-FLÜGE IM JAHR 1984 GEPLANT

- (AD) - Die amerikanische Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) plant
für 1984 zehn Flüge mit Raumtransportern, von denen dann bereits drei Geräte
zur Verfügung stehen werden.

Wie James M. Beggs, der Administrator der NASA,

jetzt in Washington vor Journalisten erklärte, sei im Herbst der zweite Einsatz
des europäischen Weltraumlabors SPACELAB vorgesehen.
Eine wichtige Aufgabe sei, so Beggs, das Rendezvous mit dem Forschungssatelliten SOLARMAX, der im Jahr 1980 zur Beobachtung von Gas- und Strahlungsausbrüchen auf der Sonne gestartet wurde, jedoch funktionsunfähig geworden ist.
Er soll von einem Astronauten, der sich mit Hilfe eines mit kleinen Rückstoßraketen arbeitenden Manövriergeräts zu dem Satelliten begibt, stabilisiert und
dann mit dem Robotarm des Space Shuttle an Bord geholt werden.

Nach der Reparatur

der eingetretenen Schäden wird das Forschungsgerät vermutlich wieder im Weltraum
abgesetzt.

Bei SOLARMAX handelt es sich wegen der neuen Untersuchungen zu

Problemen der Sonnenaktivität um einen sehr wichtigen Satelliten.

Bei dem

Ausstiegsmanöver wird sich der Astronaut zum ersten Mal völlig frei bewegen
und nicht am Raumtransporter "angehängt" sein.

Wie schon mehrfach geschehen,

werden auch im nächsten Jahr wieder Nachrichtensatelliten mit dem Raumtransporter
in eine Erdumlaufbahn transportiert und dort zur Stationierung an ihrem Standort
im Weltraum abgesetzt.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sechs der acht Astronautinnen im Team der NASA nehmen an einigen der
Flüge teil.

So wird beispielsweise im August Dr. Sally Ride, die bereits im

Juni 1983 bei STS-7 dabei war, gemeinsam mit ihrer Kollegin Kathryn Süllivan,
einer Geologin, ein Spezialverfahren zum Auftanken von Satelliten erproben.
Bei diesem Einsatz soll K. Süllivan als erste Frau ein Außenbordmanöver
unternehmen.
Für den nächsten Raumtransporterflug, der Ende Januar 1984 starten soll,
sieht Beggs trotz des Ausfalls von zwei der fünf Computer beim COLUMBIASPACELAB-Einsatz im Dezember 1983 und des Brandes an einem Hilfstriebwerk bei
der Landung nicht die Gefahr einer Terminverschiebung.

Der Brand sei offenbar

die Folge des Aussickerns von Hydrazin-Treibstoff an einem der drei Hilfstriebwerke gewesen, die hydraulischen Druck erzeugen.

Bei einem Computer wird

das Versagen auf einen Programmierfehler zurückgeführt, beim zweiten ist man
sich über die Ursache noch nicht im klaren.
In den nächsten 25 Jahren beabsichtige die NASA, so Beggs, eine Reihe von
Projekten in erdnahen Umlaufbahnen durchzuführen, die u.a. meteorologische
Probleme und die Emission von Schadstoffen betreffen. Man wisse beispielsweise,
daß große Mengen von Kohlendioxid in die Erdatmosphäre gelangen, jedoch sei über
die langfristigen Auswirkungen von CO2 sehr wenig bekannt. Auch fürchte man,
daß die Zerstörung der Regenwälder durch den Menschen der Atmosphäre schadet.
Zwischen den längeren Perioden in der Sonnenaktivität und dem Wettergeschehen
auf der Erde scheine eine enge Beziehung zu bestehen. Verstünde man diese
besser, seien auch genauere Wettervorhersagen zu erwarten.
Für Astronomie-Forschungen möchte die NASA künftig Instrumente einsetzen,
die sehr detaillierte Untersuchungen zulassen und rund um die Uhr die Sterne
beobachten.

Beggs erwähnte,daß inzwischen mindestens 50 Sterne mit einem

eigenen Planetensystem bekannt seien.
Anfang 1984

�Anfang 1984 beabsichtigt die US-Regierung, Richtlinien über die Zulassung
von Nicht-Astronauten zu Raumflügen zu veröffentlichen.

Diese Personen sollen

als Beobachter an Space-Shuttle-Unternehmen teilnehmen können.

In der weiteren

Zukunft werde man auf Raumstationen als Startplattform für Unternehmen zur
genaueren Erforschung der Planeten, zunächst des Mars, nicht verzichten können.
Die Industrie zeigt immer mehr Interesse an einer Beteiligung an Raumfahrtprojekten, erklärte Beggs. Die NASA unternehme ihrerseits große Anstrengungen,
einen Technologie-Transfer von der Raumfahrttechnik in die Privatwirtschaft zu
erleichtern.

Gegenwärtig halte sie jeden Monat Konferenzen mit Industriever-

tretern ab, auf denen die wissenschaftlichen Studien erörtert werden, die die
NASA durchführt.

+ + + ++

- 3

�21. Dezember 1983

51

AMERIKA UND SEINE NOBELPREISTRÄGER
Das besondere Forschungsklima für eine internationale Elite -

- (AD) - Am 10. Dezember 1983 nahmen in Stockholm fünf Amerikaner Nobelpreise entgegen - Barbara McClintock den Preis für Medizin, William Fowler
und Subrahmanyan Chandrasekhar den Preis für Physik, Henry Taube den Preis für
Chemie und Gerard Debreu den Preis für Wirtschaftswissenschaften.

Als ein

paar Monate zuvor bekannt wurde, wer 1983 ausgezeichnet wird, nahmen viele
Amerikaner mit Stolz zur Kenntnis, daß alle Nobelpreise für wissenschaftliche
Leistungen an Forscher in den Vereinigten Staaten gefallen waren.

Auch wurde

auf die Tatsache verwiesen, daß drei von ihnen, nämlich Chandrasekhar, Taube
und Debreu, keine gebürtigen Amerikaner sind.
Schon einige Jahrzehnte lang bedarf es kaum mehr irgendwelcher Spekulationen, ob Nobelpreise in die USA vergeben werden.

Seit 1950 gingen 23

Preise für Physik, 15 für Chemie und 26 für Medizin oder Physiologie an Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten.
Bürger der USA.

Viele von ihnen sind naturalisierte

Der erst 1969 geschaffene Preis für Wirtschaftswissenschaften

wurde inzwischen an 12 Amerikaner verliehen.

Auch von diesen Laureaten sind

einige keine gebürtigen Amerikaner - drei erwarben erst nach Abschluß ihres

Postfach 20 03 00 Tel 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Abschluß ihres Studiums im Ausland die amerikanische Staatsbürgerschaft, der
vierte war als Kind in die Vereinigten Staaten gekommen.
Der Erfolg von 1983 belebte erneut die Diskussion um zwei Fragen:

Wie

kommt es, daß so häufig Amerikaner mit dieser hohen Auszeichnung bedacht werden?

Und weshalb sind unter den ausgezeichneten Wissenschaftlern so viele

naturalisierte Bürger der USA?
Obleich es kaum präzise Antworten dazu geben kann, sind doch die meisten
überzeugt, daß Amerika eine "Atmosphäre" besitzt, in der Wissenschaftler ihr
Bestes geben können, und in der man ihre Anstrengungen zu würdigen weiß und
unterstützt.
In einer vor kurzem vom "Wall Street Journal" durchgeführten Untersuchung
wurde festgestellt, daß Forschen in den Vereinigten Staaten weniger durch hochmoderne Apparaturen und Laboratorien - auf die die USA ohnehin kein Monopol
haben -, sondern durch den offenen Wettbewerb um Forschungsgelder, die verhältnismäßig geringe bürokratische Kontrolle und die Bereitschaft amerikanischer
Wissenschaftler, auch gegenüber Vorgesetzten abweichende Meinungen zu vertreten, erleichtert wird.
Dies alles dürfte zu dem beitragen, was wohl ein Schlüssel für Innovationen ist - d.h. zu einer geistigen Umwelt, die Forscher anregt, sich voll
und ganz neuen und erregenden Problemen zu widmen, welche eigentlich erst bei
offenem Ideenaustausch zutage treten. Die Zeitung zitiert einen Wissenschaftler aus der Bundesrepublik, der in den Vereinigten Staaten arbeitet und ein
attraktives Angebot aus Europa ablehnte, weil, wie er sagte, "nur Amerika die
richtige Atmosphäre gibt, um gute wissenschaftliche Forschung zu betreiben".
Andere in dem "Wall Street Journal"-Artikel zitierten Wissenschaftler
sehen diese Atmosphäre als eine Folge der Aufgeschlossenheit in den Departments
von Universitäten, im interuniversitären Bereich und im Austausch zwischen akademischer und industrieller Forschung. So empfand es der französische Wissen-

9
-

i-

�\

^

französische Wissenschaftler Guy Mayer regelrecht als "Schock" bei seinem
ersten Besuch in den Vereinigten Staaten, als berühmte Autoritäten nicht
nur bereit waren, einen Besucher zu empfangen, sondern ihm sogar freie Zeit
für zwanglose Gespräche zu widmen.
Der Wirtschaftswissenschaftler John Kendrick (George Washington-Universität) spricht davon, wie wichtig eine geistig anregende Atmosphäre, aber
auch die Tatsache sei, "daß wir uns herausfordern lassen und selbst herausfordern".

Eine solche Atmosphäre werde zielbewußt durch die häufigen Zusam-

menkünfte, Tagungen und Seminare gefördert, wo Gelehrte und Forscher Ideen
austauschen können.

Das "National Bureau of Economic Exchange" in New York

sei speziell zur Unterstützung eines solchen Austauschs ins Leben gerufen
worden.

"Es gibt eine gewisse kritische Masse (von Ideen)", meint Kendrick,

"die für den Fortschritt notwendig ist, und die amerikanische Institutionen
bewußt zu schaffen suchen".
Dr. Arno Penzias, Vizepräsident für Forschung der AT &amp; T Bell-Laboratorien, zeigt einen weiteren Aspekt auf:

Penzias, selbst Nobelpreisträger

für Physik, beschränkt sich nicht auf die Forschungsarbeit in den Bell-Laboratorien.

Er nimmt auch Lehraufträge an der Harvard-Universität und der

Princeton-Universität, an der Universität von Pennsylvanien und der Staatsuniversität New York in Stony Brook wahr.

Seine Tätigkeit ist ein Beispiel

für den Brückenschlag zwischen der Welt der Universitäten und der Welt der
Industrie.
In einem Interview, das Penzias kürzlich einem Journalisten vom USInformationsamt (USIA) gab, verwies er darauf, daß der besondere Vorteil
dieses Brückenschlages darin liege, dem Wissenschaftler die Möglichkeit zur
Auseinandersetzung mit neuen Ideen und neuen Meinungen zu geben.

Der Austausch

zwischen Universität und Industrie sei von sehr praktischer Bedeutung, denn
durch ihn werden "die Dinge gemischt", und er verhindere die Isolierung des
Wissenschaftlers.

"Was in Universitäten und in der Industrie gebraucht wird,

sind Ideen", meinte er.

Diese Tatsache habe man in der pragmatischen ameri-

kanischen Weise erkannt; schließlich sei Pragmatismus ein weiterer Schlüssel
- 3 -

�!

weiterer Schlüssel für das, was Amerika erreicht habe.

Der Wissenschaftler-

austausch zwischen Universitäten und Industrie werde durch diesen Pragmatismus ermöglicht, weil in einem solchen Umfeld "nicht das zählt, was man in der
Vergangenheit war oder getan hat, sondern was man jetzt ist und jetzt tun
kann".
Auch entspreche die angebliche Spannung zwischen Grundlagenforschung
und angewandter Forschung nicht den Tatsachen, erklärt Penzias, und e s sei
tödlich, die beiden voneinander scheiden zu wollen.

Amerikaner Pragmatismus

habe die Scheidung verhindert, weil er erkenne, daß das wirklich Wichtige in
der Wissenschaft weniger in der Lösung von Problemen liegt, sondern darin,
die richtigen Probleme zu finden, an denen gearbeitet werden muß.

Die Wissen-

schaftler in Amerika sehen in reiner und angewandter Forschung eher ein weiterführendes Ganzes als etwas Gegensätzliches, und die Tätigkeit von Wissenschaftlern einmal auf dem einen und einmal auf dem anderen Gebiet, ja ihre oft gleichzeitige Arbeit in beiden Gebieten, trage dazu bei, vielversprechende Probleme
ausfindig zu machen.

Und daraus entsteht laut Penzias eine erregende For-

schungsatmosphäre.
Nobelpreisträger Arno Penzias wurde in Deutschland geboren und kam als
Kind in die Vereinigten Staaten.

Auf die Frage, weshalb unter Nobelpreis-

trägern so viele naturalisierte Bürger zu finden seien, nennt er zwei Gründe:
Entwurzelung, und Entfaltungsmöglichkeiten.

Schmerzlich sei die "Entwurzelung".

Einwanderer ließen, so sagt Penzias, vieles zurück - Heimat, viele ihrer Traditionen, ihren Platz in einer anderen Gesellschaft, und sogar ihre Muttersprache.

So konzentrierten sie wohl eher ihre Kräfte auf Gebiete, wo es keine

Sprach- oder Kulturschranken gebe, und hier seien die physikalischen Wissenschaften ein ideales Feld.

Ähnlich mag auch das Bewußtsein, entwurzelt zu

sein, manche Einwanderer veranlassen, noch härter zu arbeiten, um Hervorragendes zu leisten, als sie es sonst tun würden.

Gegenwärtig scheine sich bei

den Flüchtlingen aus Südostasien diese Erfahrung, die früher Flüchtlinge aus
Europa, insbesondere jüdische Flüchtlinge, gemacht haben, zu wiederholen.
Aber es
- 4 -

�I

Aber es gebe auch einen positiven Aspekt, meint Penzias - und zwar die
Chancen, die Amerika den Flüchtlingen bot.

Dem Streben der Einwanderer nach

Erfolg kamen die Möglichkeiten, Erfolg zu haben, entgegen.

Da war z.B. das

System der öffentlichen Schulen, und da waren Universitäten, die allen offenstanden.
Auch Nobelpreisträger Dr. Eugene Paul Wigner ist überzeugt, daß die
amerikanische Gesellschaft selbst, nicht nur die darin lebenden Wissenschaftler, eine wichtige Rolle spielen. Professor Wigner, der an der PrincetonUniversität lehrt, stammt aus Ungarn, studierte in Deutschland und ging 1930
in die Vereinigten Staaten. Im Jahr 1963 erhielt er den Nobelpreis für Physik.
Auf die Frage, weshalb seiner Meinung nach Amerikaner und Einwanderer im Besonderen in der Forschung so erfolgreich seien, erwähnt er die geistige Anregung durch amerikanische Universitäten und die - betrübliche - Tatsache,
daß Einwanderer, von ihren Familien und früheren Bindungen getrennt, mehr
Zeit hätten, sich der Forschung zu widmen. Aber laut Wigner sei geistige Anregung in vielen Ländern zu finden. In seinem Fall zumindest sei ein besonders wichtiger Punkt die soziale Gleichberechtigung gewesen. "Gleichberechtigung inspiriert - Gleichberechtigung und Freiheit... die Freiheit, das zu tun,
was man tun möchte", sagt Wigner.
Die Überzeugung, daß wissenschaftliche Leistungen letztlich auch aus
der Gesellschaft als Ganzem, nicht nur aus den Kreisen der Wissenschaft
kommen, teilt auch der Soziologe Michael Novak.

In seinen Augen ist "prak-

tische Kreativität" ein Grundziel der amerikanischen Kultur.

Das Geheimnis

liege darin, daß die amerikanische Gesellschaft um Kreativität aufgebaut sei,
vor allem um jene Art von Kreativität, die sofort dem Menschen zugute komme.
Dies bedeute Anziehungskraft für Millionen von Menschen, in die Vereinigten
Staaten zu kommen, wo sie Ermutigung und Chancen für ihre eigene Kreativität
sehen.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA suchen keine Konfrontation im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 14. Dezember 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Streben nach Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Gesandten Hans N. Tuch in Hamburg -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Friedensanstrengungen im Nahen Osten 1967-1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Chronologie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zehn Raumtransporter-Flüge im Jahr 1984 geplant&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika und seine Nobelpreisträger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das besondere Forschungsklima für eine internationale Elite -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>4. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zum vierten Jahrestag der sowjetischen Invasion
Afghanistans
HINTERGRUNDMATERIAL
Shultz: Jahrelange Bemühungen der USA um Tendenzwende bei der UNESCO
- Schreiben des US-Außenministers an den Generalsekretär der UNESCO KVAE soll Risiko eines Überraschungsangriffes vermindern
Glaubwürdigkeit ist die Grundlage amerikanischer Auslandssendungen
- Auszüge aus einer Ansprache des Direktors von RFE und RL Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- 2. Halbjahr 1983 WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Industrie steigert Forschungsausgaben
Superplastische Verformung mit Infrarot!icht

Um Über/endung von
DclegcKcmploicn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Januar 1984

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM VIERTEN JAHRESTAG DER SOWJETISCHEN INVASION AFGHANISTANS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 27. Dezember 1983 die Sowjetunion
aufgefordert, für Afghanistan eine Lösung herbeizuführen, die dem Lande seine
Unabhängigkeit und Blockfreiheit wiedergibt.

In einer Erklärung anläßlich des

vierten Jahrestages der sowjetischen Invasion Afghanistans betonte der Präsident,
die Vereinigten Staaten würden alles in ihrer Kraft Stehende tun, um zu einer
friedlichen Regelung dieses Problems beizutragen.

Der vierte Jahrestag sei ge-

kennzeichnet durch Traurigkeit und anhaltende Empörung.
Die vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung des amerikanischen Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Wenn wir Amerikaner während dieser Feiertage dankbar sind für die Segnungen
des Friedens, so vergessen wir doch nicht, daß der tragische Krieg in Afghanistan
fortdauert.

Vier Jahre lang hat die Sowjetunion dieses unglückliche Land jetzt

schon besetzt. Aber vier Jahre lang hat sich das tapfere afghanische Volk gegen
die sowjetische Besatzungsmacht zur Wehr gesetzt.

Diese islamischen Freiheits-

kämpfer in einem fernen Land haben den Worten Mut, Entschlossenheit und Stärke
einen neuen Sinn gegeben.

Sie haben ein Zeichen gesetzt für diejenigen in aller

Welt, die die Freiheit und Unabhängigkeit hochhalten.
Die afghanischen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�Die afghanischen Freiheitskämpfer - die Widerstandskämpfer oder Mujahedin stellen eine einheimische Kraft dar, die das ganze Bergland erfaßt hat und einer
fremden Militärmacht entgegentritt, die ihre Religion und ihre ganze Lebensart
bedroht.

Die große Mehrheit des afghanischen Volkes hat trotz der Tatsache, daß

sie über nur wenige Waffen und eine schwache Organisation verfügt, bewiesen, daß
sie sich nicht beherrschen lassen will und daß sie bereit ist, ihr Leben für die
Unabhängigkeit und die Freiheit einzusetzen.
gezahlt hat, ist überhaupt nicht abzuschätzen.

Der Preis, den sie so bereitwillig
Wenn wir auch weiterhin unseren

Teil dazu beitragen werden, den amerikanisch-sowjetischen Dialog aufrechtzuerhalten
und zu verbessern, so können wir doch angesichts der Tragödie Afghanistans nicht
schweigen.

Es kann keine Frage sein, daß die sowjetische Besetzung Afghanistans

schwere internationale Spannungen hervorgerufen hat.

Es sind nicht nur die

Afghanen, die die sowjetische Besetzung ihres Landes ablehnen, sondern praktisch
die gesamte Völkergemeinschaft.
Dies hat sich ganz deutlich bei fünf aufeinander folgenden Abstimmungen in
der Vollversammlung der Vereinten Nationen erwiesen, als die überwältigende Mehrheit der Länder der Welt die Sowjetunion immer wieder aufforderte, die Besetzung
zu beenden und die Unabhängigkeit sowie den blockfreien Status Afghanistans
wieder herbeizuführen. Ja, die jüngste Resolution der Vereinten Nationen wurde
am 23. November sogar mit der bisher größten Mehrheit - 116 zu 20 Stimmen verabschiedet.
Anfang dieses Jahres hatte ich den Vorzug, im Weißen Haus eine Gruppe von
sechs afghanischen Freiheitskämpfern empfangen zu können. Ihre einfache Würde,
ihr Stolz und ihre Entschlossenheit, den Kampf um die Unabhängigkeit fortzusetzen,
haben mich sehr bewegt. Diese tapferen Männer haben inzwischen ihren Kampf fortgesetzt.
Der Kampf um ein freies Afghanistan dauert an, nicht weil es irgendeine
Manipulation von außen gibt, sondern weil es der Wunsch des afghanischen Volkes

- 2 -

�afghanischen Volkes ist, frei zu sein.

Und dieser Kampf wird fortdauern, bis

eine am Verhandlungstisch erzielte, politische Lösung gefunden werden kann, die
es dem afghanischen Volk gestattet, frei über sein eigenes Schicksal zu bestimmen.
Unser Ziel ist es, alles in unseren Kräften Stehende zu tun, um am Zustandekommen
einer friedlichen Lösung mitzuwirken, durch die die sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan abgezogen, die Qual und die Zerstörung des afghanischen Volkes beendet
sowie die Unabhängigkeit und die Blindnisfreiheit des Landes wiederhergestellt
werden.

Ein neutrales und blockfreies Afghanistan wäre ganz sicher keine Bedro-

hung für den mächtigen sowjetischen Nachbarn.
Der vierte Jahrestag der sowjetischen Invasion ist zwar durch Traurigkeit
und anhaltende Empörung gekennzeichnet, aber wir sind davon überzeugt, daß eine
Regelunc möglich ist, und wir sind erfreut darüber, daß die Konsultationen im
Rahmen indirekter Gespräche der Vereinten Nationen weitergehen.

Wir fordern die

Sowjetunion auf, eine Lösung dieser Krise herbeizuführen, die Afghanistan seine
Freiheit, seine Unabhängigkeit und seine Blockfreiheit wiedergibt.
Wir alle, die wir in freien Ländern leben oder davon träumen, sollten uns
von dem Geist und dem Mut der afghanischen Patrioten inspirieren lassen.
Vertrauen wir entschlossen darauf, daß ihr Streben nach Freiheit obsiegen und
daß Afghanistan wieder ein unabhängiges Mitglied der Völkerfamilie wird.

+ + + + +

- 3 -

�4. «Januar 1984

1

SHULTZ: JAHRELANGE BEMÜHUNGEN DER USA UM TENDENZWENDE BEI DER UNESCO
- Schreiben des US-Außenministers an den Generalsekretär der UNESCO •

WASHINGTON - (AD) - In einem Schreiben an den Generaldirektor der UNESCO,
Amadou-Mahtar M'Bow, in dem die Entscheidung der Vereinigten Staaten hinsichtlich
ihres Austritts aus dieser Tochterorganisation der Vereinten Nationen erläutert
wird, erklärte der amerikanische Außenminsiter George Shultz, die USA seien
"besorgt darüber, daß Trends in Management, Politik und Haushaltsführung der
UNESCO die Effizienz der Organisation schmälern".
Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Generaldirektor,
Zweck dieses Briefes ist es, Sie gemäß der Bestimmungen von Artikel II Absatz 6
der Satzung davon zu benachrichtigen, saß meine Regierung mit Wirkung vom
31. Dezember 1984 aus der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur
(UNESCO) austreten wird.
Sie dürfen versichert sein, daß die Vereinigten Staaten gemäß den Bestimmungen der Satzung bestrebt sein werden, allen ihren vereinbarten finanziellen
Verpflichtungen nachzukommen.
Die Regierung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Regierung der Vereinigten Staaten glaubt - wie das amerikanische Volk
insgesamt - an die hehren Grundsätze, wie sie die Satzung der UNESCO zum Ausdruck
bringt.

Heute - wie auch in den Jahren der Organisation - rufen uns diese

Prinzipien zu der Verpflichtung auf, unsere Anstrengungen und Mittel dazu zu
verwenden, einen stabilen und dauerhaften Rahmen für den Frieden in der Welt
zu schaffen.

Heute - genau wie in den ersten Jahren - sind wir davon überzeugt,

daß Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation bedeutsame, ja entscheidende,
Elemente dabei sind, eine friedliche Welt zu errichten.
Aber während die Vereinigten Staaten auch weiterhin beträchtliche Mittel
zur Erreichung dieser Ziele bereitstellen, müssen sie doch auch sorgfältig die
richtigen Methoden und Mittel auswählen, die zur Verwendung dieser Mittel eingesetzt werden. Es gibt eine Vielzahl von Gruppierungen und Organisationen, mit
deren Zielsetzung wir übereinstimmen, denen es jedoch an Effizienz mangelt, wenn
es darum geht, jene Art der internationalen Zusammenarbeit zu realisieren, die
dazu beitragen würde, eine friedliche Welt zu schaffen. Gute Absichten allein
sind nicht genug.
Seit einer Reihe von Jahren schon sind wir - wie Sie aus den Erklärungen
wissen, die wir innerhalb der Generaldirektion und andernorts abgegeben haben besorgt darüber, daß Trends in Management, Politik und Haushaltsführung der
UNESCO die Effizienz der Organisation schmälern. Wir sind der Oberzeuguno, daß
diese Trends die UNESCO von den anfänglichen Grundsätzen ihrer Satzung wegführen,
Wir hatten das Gefühl, daß sie in ihrer Tendenz - absichtlich oder unabsichtlich,
jedenfalls aber in unzulässiger Weise -, den politischen Absichten einiger weniger
Mitgliedstaaten dienen. Während dieser Zeit arbeiteten wir mit aller Energie
daran, die Organisation dazu zu ermutigen, diese Trends umzukehren und wieder zu
den Zielen der Gründungszeit zurückzufinden; mit aller Kraft zu vermeiden,
Diener der einen oder anderen nationalen Politik zu werden und sich so zu organisieren, daß Effizienz belohnt, furchtlose Programmbewertung gefördert und solchen
Prioritäten gefolgt würde, die sich an dem Wert eines Programms orientieren und nicht an Gewohnheiten der Vergangenheit, an politischer Zweckdienlichkeit
oder an irgendwelchen anderen wesensfremden Überlegungen.
Gleichzeitig sahen
- 2 -

�Gleichzeitig sahen wir - und brachten unsere größten Bedenken dagegen zum
Ausdruck -, daß dieser Druck dazu führte, daß die UNESCO auf politisch motivierte
Zielsetzungen hin abgelenkt wurde, die ihren Ursprung in einzelnen Mitgliedstaaten hatten - und weniger der Organisation selbst entstammten.

Wir bemühten

uns innerhalb der Generaldirektion und bei Vollversammlungen darum, den sich
hieraus ergebenden politischen Inhalt - tendenziös und parteiisch wie er war - so
gering wie möglich zu halten oder ihn ganz aus den Entschließungen und Programmen
der UNESCO herauszulassen.
Viele dieser Anstrengungen - die Ihrigen wie die unsrigen - waren produktive,
zumindest relativ gesehen. Die Ergebnisse der letzten Vollversammlung sind hierfür Beweis, und wir würdigen die Rolle, die Sie für das Ergebnis dieser Konferenz
spielten.
In größerem Zusammenhang gesehen, zeigt die Vollversammlung jedoch etwas
anderes: Wenn die Ergebnisse der Konferenz Beweis für das Beste sind, das man
von der Organisation erwarten kann, so wie sie sich derzeitig darstellt und sie
sie sich derzeit selbst regiert, dann gibt es nur wenig Hoffnung auf eine wirkliche und überzeugte Umkehr der Organisation hin zu den Prinzipien der Anfangszeit.
Für die Vereinigten Staaten ist diese Schlußfolgerung unausweichlich. Die
Verantwortung, in Reaktion hierauf zu handeln, ist ebenfalls unausweichlich.
Sie, Herr Generaldirektor, haben unsere Wertschätzung und unsere Hochachtung,
sowie unsere Verpflichtung zur umfassenden Zusammenarbeit, damit das Jahr zwischen
diesem Brief und dem Datum unseres Austritts so harmonisch wie möglich wird. Wir
sind der Überzeugung, daß Sie auch weiterhin alles in Ihrer Macht Stehende tun
werden, um unter den schwierigen Umständen, in denen Sie tätig sind, die Arbeit
der UNESCO eine produktive sein zu lassen, die den Bedürfnissen dieser Welt,
unbefriedigt wie sie noch sind, gerecht wird.

Was uns anbelangt, so sind wir

davon überzeugt, daß wir andere Mittel und Wege der Zusammenarbeit bei Erziehung

- 3 -

�bei Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation finden werden, die den
Prinzipien besser gerecht werden, denen sich die UNESCO vor vielen Jahren verpflichtet hat.

Wir sind davon überzeugt, daß eine solche Zusammenarbeit nicht

dadurch vermindert zu werden braucht, daß man ihr politische Zielsetzungen beimengt, die jenseits ihres eigentlichen Wirkungsfeldes liegen; daß ihre Autorität
nicht geschwächt zu werden braucht durch Kompromisse bei solch klaren und erhabenen Zielen wie den Rechten des Einzelmenschen und dem ungehinderten Fluß von
Informationen.

Man könnte dann durchaus zu der Einsicht gelangen, daß unsere

gemeinsamen Ziele dadurch wirksam hätten erreicht werden können, daß man sich
an den Grundsatz hält, demzufolge einige wenige, gutgemachte Dinge mehr Wirkung
haben als die oberflächliche Untersuchung aller Übel dieser Welt.
Es ist wahrscheinlich, daß die Mittel, die wir derzeit der UNESCO zur Verfügung stellen, verwendet werden, um eine solche Zusammenarbeit zu fördern.
Alle alternativen Programme, die die Vereinigten Staaten entwickeln werden,
könnten im Prinzip als Grundlage einer künftigen Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und der UNESCO dienen, falls beide Parteien dies als vorteilhaft erachten sollten.

Wir würden eine solche Möglichkeit gerne zu einem ange-

messenen Zeitpunkt in Betracht ziehen.
Hochachtungsvoll,
gez. George P. Shultz

+ + + + +

�4. Januar 1984

KVAE SOLL RISIKO EINES ÜBERRASCHUNGSANGRIFFES VERMINDERN

Der nachfolgende Artikel erschien kürzlich
in "Gist", einer Veröffentlichung des
US-Außenministeriums, die in unregelmäßiger
Folge erscheint und sich mit aktuellen
außenpolitischen Themen befaßt.

- (AD) - Am 17. Januar 1984 kommen die Vereinigten Staaten, Kanada sowie
33 europäische Länder, darunter die Mitglieder der NATO, des Warschauer Paktes
und neutrale, blockfreie Staaten, in Stockholm zur ersten Phase der "Konferenz
für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa" (KVAE)
zusammen.

Von Frankreich im Jahre 1978 vorgeschlagen und von den anderen Staaten

unterstützt, ist dieses Treffen ein Ergebnis der kürzlich beendeten KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid (1980-1983), der zweiten solcher Zusammenkünfte, die
sich mit der Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki aus dem Jahre 1975
befaßte.
Die erste Phase der Stockholmer Konferenz soll sich auf Verhandlungen über
Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und deren Annahme
konzentrieren, um das Risiko eines Überraschungsangriffes in Europa zu vermindern

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zu vermindern und die in der Schlußakte von Helsinki vorgesehenen begrenzten
Maßnahmen dieser Art zu stärken und zu erweitern.

Vertrauensbildende Maßnahmen

betreffen nicht direkt den Umfang der Waffenarsenale oder die Struktur der
Streitkräfte eines Staates. Sie sollen vielmehr die gegenseitigen Kenntnisse
und Erkenntnisse bezüglich militärischer Aktivitäten wie Manöver, Einberufungen
von Reservisten oder Alarme vertiefen und damit die Möglichkeit eines Konfliktes
reduzieren, der aus Zufall, falscher Einschätzung der Situation oder Mißverständnissen entstehen könnte.
Die amerikanische Position
Die Vereinigten Staaten bestanden auf vier Kriterien, bevor Washington die
französische Initiative unterstützte:
-

Die Stockholmer Konferenz müsse ein integraler Teil des KSZE-Prozesses bleiben,

damit ein angemessenes Gleichgewicht zwischen Menschenrechten und Sicherheitsanliegen gewahrt werde.
-

Die erste Phase der Stockholmer Konferenz solle auf Vertrauens- und sicher-

heitsbildende Maßnahmen begrenzt werden.

Weiterhin - und damit wurde die

französische Ansicht unterstützt - solle im Rahmen dieser Konferenz nicht über
nukleare Fragen verhandelt werden.
-

Die Stockholmer Konferenz dürfe sich nicht in irgendeine andere Rüstungs-

kontroi 1verhandlung einmisehen.
-

Die Vertrauens- und sicherheitsbildenden Maßnahmen müßten militärisch signifi-

kant, politisch bindend, verifizierbar und auf ganz Europa vom Atlantik bis zum
Ural anwendbar sein.
Das Mandat von Madrid unterstützt die amerikanische Position hinsichtlich
der Abhaltung der Konferenz und der Art der Maßnahmen, die dort zur Sprache
kommen sollen.

Die Konferenz wird sich mit Aktivitäten in ganz Europa befassen,

einschließlich des europäischen Teils der Sowjetunion bis hin zum Ural.

Die

vertrauensbildenden Maßnahmen, über die in Helsinki verhandelt wurde, erstreckten
sich nur auf ein Gebiet, das bis zu 250 Kilometer in die Sowjetunion hineinreicht.
Die USA

�Die USA und ihre NATO-Verbündeten hoffen, daß sie in Stockholm eine Reihe
von Vorschlägen auf den Verhandlungstisch legen können, die folgendes erreichen
sollen:
-

Verminderung des Risikos eines Überraschungsangriffs in Europa.

Die Transpa-

renz oder Offenlegung militärischer Aktivitäten soll deshalb gefördert werden;
-

eine bessere und größere Voraussagbarkeit in bezug auf friedliche militärische

Manöver, um Abweichungen von der Norm feststellen zu können;
-

Verbot jeglicher militärischer Einschüchterung oder militärischen Drucks gegen

irgendein europäisches Land;
-

Verbesserung der Krisenkommunikation.

Im Oktober 1983 fand in Helsinki ein Treffen zur Vorbereitung der Stockholmer
Konferenz statt. Auf dieser Zusammenkunft bekräftigten die KSZE-Mitglieder den
Zusammenhang zwischen der KVAE und der KSZE sowie die Notwendigkeit, daß die
Vorschläge von Stockholm die in dem Madrider Mandat festgelegten Kriterien
erfüllen müßten.
Die nächste KSZE-Folgekonferenz ist für 1986 in Wien geplant und soll sich
mit dem auf der Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen
erzielten Fortschafritt befassen. Auf diesem Treffen in Wien soll auch entschieden werden, ob die Arbeit auf diesem Gebiet fortgesetzt oder ob das Mandat
für eine zweite Phase erteilt werden soll, um über zusätzliche Schritte zur
Verbesserung der Sicherheit in Europa zu beraten.
KVAE und Rüstungskontrolle
Die amerikanische Beteiligung an der Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa ergänzt die Bemühungen der USA
in anderen Verhandlungsforen um die Erreichung von Abkommen, mit denen das
Risiko eines Überraschungsangriffes und eines Krieges aus Zufall vermindert
werden soll.

Hierzu gehören die Vorschläge für vertrauensbildende Maßnahmen,

die wir bei den Gesprächen über die Verminderung der strategischen Rüstungen

- 3 -

�strategischen Rüstungen (START), bei den Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) und bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa (MBFR) auf den Tisch gelegt haben, wie
auch unsere Bemühungen um eine Verbesserung des "Heißen Drahtes" und die Schaffung
zusätzlicher direkter Kommunikationsverbindungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion.

Wenn die USA darauf bestehen, daß die KVAE sich auf spezi-

fische und feste Kriterien stützen muß - wie in dem Mandat vorgesehen -, dann
geschieht dies, um sicherzustellen, daß eine erfolgreiche Konferenz dieser Art
einen sinnvollen und bedeutsamen Beitrag zur Sicherheit in Europa leistet, statt
sich in leerer Propaganda und bedeutungslosen Erklärungen guter Absichten zu
ergehen.

+ + + + +

- 4-

�4. Januar 1984

GLAUBWÜRDIGKEIT IST DIE GRUNDLAGE AMERIKANISCHER AUSLANDSSENDUNGEN
- Auszüge aus einer Ansprache des Direktors von RFE und RL -

ROM - (AD) - Der Präsident der amerikanischen Rundfunksender Radio
Free Europe (RFE) und Radio Liberty (RL), James Buckley, hat in einer Ansprache
in Rom darauf hingewiesen, daß die Grundlage der an das Ausland gerichteten
Sendungen dieser Stationen die Glaubwürdigkeit sei. Vor dem amerikanischen Club
in Rom betonte Buckley am 13. Dezember, die beiden Sender erreichten rund 300
Millionen Hörer, vor allem in der UdSSR und in Osteuropa.
Die wesentlichen Auszüge aus der Ansprache haben folgenden Wortlaut:
Ich erinnere mich noch meiner amüsierten Überraschung über die Reaktion
Moskaus auf die Bekanntgabe meiner Ernennung zum Präsidenten von Radio Free
Europe und Radio Liberty im vorigen Jahr.

Die Bekanntgabe löste eine Lawine

von Artikeln und Kommentaren in der Prawda und bei TASS aus.

Ich wurde als

ein "Falke" und ein "Obskurant" bezeichnet - was immer letzteres ist - und
als ein Feind der Demokratie und der Entspannung.

Die über 1000 pflichtbe-

wußten Männer und Frauen, die für die genannten Sender in München arbeiten,

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�München arbeiten, wurden pauschal als eine "Bande von Radiosaboteuren" bezeichnet und die Sender selbst als "wahre Schlangennester" und subversive Instrumente des amerikanischen Imperialismus. Diese Angriffe haben sich mittlerweile ausgeweitet und schließen heute nicht nur RFE und RL ein, sondern
auch britische, deutsche und französische internationale Rundfunksendungen.
Warum diese Hysterie?

Warum betrachten es die Sowjets als notwendig,

150 Millionen Dollar und mehr pro Jahr für die Störung westlicher Sendungen
auszugeben?

Und warum übrigens betrachten es finanziell sicherlich ange-

spannte Regierungen in Großbritannien, der Bundesrepublik Deutschland, Kanada,
den Niederlanden, den Vereinigten Staaten und anderswo als so wichtig, die beträchtlichen Summen aufzuwenden, um ausländische Hörer zu erreichen?
Es steht außer Frage, internationale Rundfunksendungen sind eine ernsthafte Sache. Wir im Westen sind der Vorstellung verpflichtet, daß Menschen
das unveräußerliche Recht haben "zu wissen"; das Recht, Informationen und
Ideen "zu suchen, zu empfangen und weiterzugeben, durch und über jedes Medium
und über alle Grenzen hinweg".

So steht es jedenfalls in der Allgemeinen

Menschenrechtserklärung, die auch die Sowjetunion unterzeichnet hat.
Darüber hinaus betrachten wir das als mehr als nur ein abstraktes
Recht.

Wir halten seine Ausführung und Verwirklichung für einen fundamentalen

Stabilisator in den menschlichen Angelegenheiten und für die beste Garantie
gegen Bedrohungen des Friedens, die aus massiven Verzerrungen der Wahrheit
entstehen.
Es ist diese ausdrückliche Erkenntnis der Notwendigkeit und der sich
ergebenden Vorteile eines offenen Kommunikationsflusses unter Völkern - im
Unterschied zu ihren Regierungen - die erklärt, warum der Westen so großen
Wert auf den sogenannten Korb 3 der Schlußakte von Helsinki legt.
Natürlich ist niemand überrascht, daß die Sowjets eine solche beharrliche Feindseligkeit gegenüber dem Medium aufbringen, das in der Lage ist,

- 2 -

�Lage ist, ihre anhaltenden Bemühungen in Frage zu stellen, eine hermetisch
abgeschlossene Gesellschaft zu schaffen, innerhalb derer man die Wahrheit
manipulieren kann. Und es dürfte auch niemanden überraschen, daß ihre größte
Feindseligkeit Radio Free Europe und Radio Liberty gilt.
Alle westlichen Sendungen nach der Sowjetunion und nach Osteuropa haben
eine gemeinsame Verpflichtung zur Objektivität in Berichten und Nachrichten
- aber es sind eigentlich nur RFE und RL, die als Ersatz für freie Rundfunksender in jenen Ländern dienen, welche der Bevölkerung dort verwehrt werden.
Das ist ein grundsätzlicher Unterschied in der Funktion.

So besteht beispiels-

weise die Hauptaufgabe der Stimme Amerikas - ebenso wie die anderer offizieller
Rundfunkstationen von Regierungen - darin, aus der nationalen amerikanischen
Perspektive zu berichten und das eigene Land der übrigen Welt vertraut zu
machen.
Im Gegensatz dazu sind Radio Free Europe und Radio Liberty - obwohl
durch vom amerikanischen Kongreß bewilligte Mittel finanziert - im wesentlichen unabhängige Einrichtungen mit einer Aufgabe, die durch ihre Rolle als
Ersatz einheimischer Sender für die 21 Nationalitäten in Osteuropa und in
der Sowjetunion definiert sind, für die sie senden.

Es ist ein Zeichen ihres

Erfolges, daß sie von ihren Hörern oft als "unsere" Sender bezeichnet werden.
Ihre Hauptaufgabe besteht darin, über Ereignisse in den Ländern zu berichten,
in die sie senden, und Programme zu gestalten, die die besonderen Interessen
der Bürger dieser Länder ansprechen.
RFE und RL sind, kurz gesagt, darauf ausgerichtet, den informatorischen
und kulturellen Bedarf von über 300 Millionen Menschen zu befriedigen, die in
Gesellschaften gefangen sind, in denen der Staat die alleinige Kontrolle über
jedwede normale Quelle der Information ausübt - ein Monopol also, das an jedem Tag des Jahres in Frage zu stellen unsere Aufgabe ist. Daher verwenden
wir mehr Stunden am Tage für unsere Zuhörerschaft in Polen, der Tschechoslowakei,
Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Sowjetunion auf und senden in mehr Sprachen
- 21 - als irgendein anderer westlicher Sender.
Während beispielsweise
- 3 -

�Während beispielsweise die BBC nur in zwei Sprachen - Russisch und
Englisch - nach der UdSSR sendet, strahlen wir in 15 Sprachen aus, einschließlich sieben, die in den immer wichtiger werdenden islamischen Regionen der
Sowjetunion gesprochen werden.
Wir können effektiv arbeiten, weil wir ständig Informationen aus Osteuropa und der Sowjetunion erhalten und analysieren.

Wir hören ihre Rund-

funksendungen ab und interviewen Emigranten und Besucher.

Unsere Forschungs-

abteilungen, die Hunderte von osteuropäischen und sowjetischen Publikationen
halten, stellen unseren Programmgestaltern laufende, aktuelle Analysen der
Entwicklungen in Wirtschaft, Politik und Kultur sowie anderen wichtigen Aspekten des Lebens in unseren Hörergebieten zur Verfügung.

Wir besitzen tat-

sächlich die reichsten Archive über die Nachkriegsentwicklungen in Osteuropa
und der Sowjetunion, die es im Westen gibt.
Wir sind, kurz gesagt, für unsere Hörer die zuverlässigste Quelle von
Nachricjiten und Analysen, und unsere Hörer haben das erkannt. Darüber hinaus
dienen unsere Programme dazu, die amtlichen Versuche in den Empfängerländern
in Frage zu stellen, die Geschichte zu verfälschen oder kulturelle Lähmung
zu verbreiten. Wir bringen die Werke verbotener Autoren, stellen geschichtliche Ereignisse in den richten Zusammenhang, bieten ausführliche religiöse
Programme und erinnern unsere Hörer an ihr nationales und geistiges Erbe,
das über tausend Jahre älter ist als Marx - und sie mit dem reichen kulturellen Leben der westlichen und der islamischen Welt verbindet. Und schließlich
gewähren wir den Dissidenten ein Forum. Wir berichten über ihre Tätigkeiten,
zitieren aus ihren Untergrundpublikationen und bringen damit etwas zustande,
was einer Debatte über wichtige öffentliche Angelegenheiten zumindest gleicht.
Es ist diese einzigartige Identifizierung mit allen unseren Hörern und unser
Ruf der Genauigkeit, die uns einen solchen Zugang zu ihnen verschaffen. Wenn
man von den Angriffen der Regime in der Sowjetunion und in den osteuropäischen
Staaten gegen RFE und RL ausgeht, dann kommt es auf das Wort "Genauigkeit"
an. Ich glaube, man kann ohne weiteres sagen, daß - wenn überhaupt - nur wenige journalistische Unternehmen eine so große Sorgfalt auf die Auswahl dessen

_ 4 _

�Auswahl dessen verwenden, was wir als Tatsachen senden.

Schließlich ist die

Glaubwürdigkeit unser eigentliches Markenzeichen, ja die Grundlage des Vertrauensverhältnisses, das wir zu Millionen unserer Hörer hergestellt haben.
Wir dürfen nicht den Versuchen der Übertreibung unterliegen und uns auf Verzerrungen oder falsche Darstellungen einlassen, denn das würde unser Vertrauensverhältnis zerstören.
Was uns angeht, so existiert die Wahrheit auf zwei Ebenen.

Die erste

bezieht sich auf Tatsachen, und unsere Aufgabe besteht darin, diese genau
und objektiv zu beschreiben.
frage:

Hier geht es um die klassische Journalisten-

"Wer, was, wann, wo?" Aber RFE und RL sind mehr als nur journalisti-

sche Unternehmen.

Unsere Verpflichtung zur Objektivität bei der Berichter-

stattung darf aber nicht mit Neutralität bezüglich der menschlichen Werte
verwechselt werden.

Im Gegenteil, durch unser Statut sind wir zur Achtung

der Menschenwürde, der Herrschaft des Rechts und der Prinzipien der politischen,

sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Freiheit verpflichtet,

die das Fundament der Demokratie sind.

Kurz gesagt, es gehört zu unserer

Aufgabe, als Vertreter, oder besser gesagt als Zeugen, für die Werte aufzutreten, die von so zentraler Bedeutung für uns sind.
Unser polnischer Dienst ist ein dramatisches Beispiel unserer Wirksamkeit in jüngster Zeit.

Nach dem Aufstieg der Gewerkschaft Solidarität nach

August 1980 begannen wir, einen Großteil unserer täglichen Sendezeit von 19
Stunden

in polnischer Sprache auf die innere Lage in Polen zu konzentrieren,

und waren für unsere Hörer oft die einzige Quelle der vollen und genauen Information über die Ereignisse in ihrem eigenen Lande. Obwohl die Störungen
unserer Sendungen rapide zunahmen, erhöhte sich unsere Hörerschaft von
wöchentlich 54 Prozent der erwachsenen Bevölkerung im Jahr 1979 auf 66 Prozent im Jahr 1981.
Aber Statistiken über Hörerzahlen sind nur die eine Seite der Medaille.
Information trägt unausweichlich zur Gestaltung von Ereignissen bei.

Kol-

lektive Handlungen setzen kollektive Kenntnisse voraus. Die ersten Streiks,

- 5 -

�ersten Streiks, die zur Gründung der Solidarität führten, wurden von den polnischen Medien völlig ignoriert.

Es war weitgehend der Berichterstattung von

RFE über scheinbar isolierte Maßnahmen zuzuschreiben, daß die Führung der Solidarität das nationale Ausmaß der Proteste erkannte, die stattfanden.
es ein Publizist formulierte:

Wie

"Ohne diese Programme wären die Polen sicher-

lich nicht über den Aufschwung der Arbeiterbewegung in der Solidarität informiert gewesen, noch hätten andere Osteuropäer davon etwas erfahren."
|

Es ist ebenso wahr, daß die Sendungen von RFE in polnischer Sprache zur
Stabilität beigetragen haben.

Indem wir die Situation dargestellt haben, in

der sich unsere Hörer befanden - und zwar gründlich und sorgfältig und ohne
Übertreibungen oder Auslassungen - und indem wir Gerüchten und Entstellungen
durch harte Tatsachen begegnet sind, haben die Sendungen der RFE den Hörern
die volle Information geboten, die sie für eine gesunde Beurteilung der Lage
und ein verantwortliches Handeln brauchten.
Wir bestreiten die Behauptung, man könne unseren Hörern kein eigenes
Urteil und keine eigene Entscheidung zutrauen, wie sie handeln und welche Risiken sie eingehen sollten in dem Versuch, einen Wandel herbeizuführen. Unsere Grenze ist dort, wo wir ihnen sagen würden,was sie tun sollten. Schließlich sind sie es, und nicht wir, die mit den Folgen ihres Handelns leben
müssen.
Es versteht sich von selbst, daß diese Zurückhaltung im Kreml auf keine
Gegenliebe stößt, da dieser in wachsendem Maße über die Fähigkeit internationaler Rundfunksendungen besorgt ist, die gegen unzensierte Information errichteten Schranken zu überwinden.

Als Folge haben die Sowjets nicht nur ihre

Störungen intensiviert, sondern sie haben auch eine zähe Kampagne begonnen, um
rechtliche Einschränkungen westlicher Sender und eine Begrenzung ihrer physischen Reichweiten zu erreichen.
Ein Gebiet der Angriffe zielt auf die grundlegendste Voraussetzung einer
freien Presse:

die Freiheit, Information zu sammeln, und die Freiheit, sie zu

�sie zu verbreiten.

Seit Jahren haben nun schon die Sowjets die Delegierten

aus der Dritten Welt in der UNESCO angeregt, eine Monstrosität zu verabschieden, die sich "Neue Weltinformationsordnung" nennt.

Wenn sie verabschiedet

würde, dann würde sie benutzt, um die Zulassung von Reportern zu begrenzen,
die den internationalen Medien zur Verfügung gestellten Nachrichten einzuschränken und die Störung von Rundfunksendungen aus dem Ausland zu rechtfertigen.
Einer der faszinierendsten Aspekte dieser Kampagne gegen westliche Sender ist die rührende Besorgnis der Sowjets um rechtliche Mäntelchen. So
wie die Dinge liegen, steht ihre Störtätigkeit in so eklatantem Widerspruch
zu ihren Verpflichtungen im Rahmen der Allgemeinen Menschenrechtserklärung,
der Schlußakte von Helsinki und anderen internationalen Vereinbarungen, daß
sie es sich noch nicht einmal leisten können, diese Störungen einzugestehen
- obwohl ihre über 2500 Störsender heute eine solche elektronische Verschmutzung hervorrufen, daß rund 80 Prozent des Kurzwellenspektrums während der
Hauptsendezeit am Abend in Europa beeinträchtigt werden.
An einer anderen Front versuchen die Sowjets, über internationale Foren
die Benutzung von Satelliten für Sendungen in Länder verbieten zu lassen,
deren Regierungen erklären, daß sie solche Sendungen nicht wollten.

Vor einem

Jahr ist es ihnen gelungen, in der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine
nicht bindende Abstimmung herbeizuführen, die die vorherige Zustimmung der Regierung des Empfängerlandes erfordert, bevor Fernsehsendungen über Satellit
dorthin übertragen werden dürfen. Wie man zwischen Signalen unterscheiden will,
die von der Ionosphäre reflektiert werden, und jenen, die über einen Satelliten übertragen werden, weiß ich nicht.

Aber wenn sich der Westen der Verhän-

gung eines solchen Veto-Rechtes unterwirft, dann begibt er sich eines der
vielversprechendsten Mittel für die Zukunft, um Kommunikationskanäle zwischen
unterschiedlichen Gesellschaften offen zu halten - wenn notwendig über die
Köpfe ihrer Machthaber hinweg.
Entgegen der..

- 7 -

�Entgegen der Auffassung der sowjetischen Machthaber sind die westlichen
Sender keine destabilisierenden Faktoren, denn selbst wenn diese Sender nicht
existierten, würden die sowjetischen Bürger nach einem größeren Maß an Freiheit streben, als ihnen der Kreml zuzugestehen bereit ist. Und die Osteuropäer würden trotzdem ihre Regierungen und die Regime, unter denen sie zu leben gezwungen sind, als illegal betrachten. Es ist wirklich nicht die offene
Übermittlung von Informationen und Ideen, die heute destabilisierend wirkt,
sondern ihre Unterdrückung - eine Unterdrückung, die in geschlossenen Gesellschaften die friedliche Erörterung des Wandels und damit den friedlichen Wandel selbst unmöglich macht.

- 8 -

�4. Januar 1984

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- 2. Halbjahr 1983 -

(Siehe Amerika Dienst Nr. 35
vom 31. August 1983)

(AD) 18. August 1983
Drei der sechs wichtigsten afghanischen Mujahedin-Gruppen mit Stützpunkten in Peshawar in Pakistan beendeten in Rom ein viertägiges Treffen mit Vertretern des früheren afghanischen Königs Mohammad Zahir Schah - 1973 gestürzt
und nunmehr in Rom lebend - und anderen afghanischen Führern im Exil.

Presse-

berichten zufolge kam man überein, die Bildung einer Afghanischen Verfassunggebenden Versammlung zu planen.

Die Versammlung soll den Versuch unternehmen,

alle afghanischen Parteien und Widerstandskämpfer, die sich in Opposition zum
Kabuler Regime des Babrak Karmal und zur sowjetischen Besatzung befinden, formell zu vereinen.
22. August 1983

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�22. August 1983
Der ehemalige König Mohammad Zahir Schah teilte in Rom mit, er habe
von den in der vergangenen Woche dort zusammengetroffenen afghanischen Gruppen
ein Mandat erhalten, hinsichtlich der Sache der afghanischen Widerstandsbewegung politische Kontakte auf internationaler Ebene zu knüpfen.

Der ehemalige

König, der jegliche Absicht hinsichtlich einer Rückkehr auf den Thron in Abrede stellte, half bei der Vorbereitung des Treffens verschiedener afghanischer
Gruppen in Rom.
6. September 1983
Die Unterkommission der Vereinten Nationen über die Verhütung von
Diskriminierung und den Schutz von Minderheiten nahm in Genf eine Resolution
an, die den Einsatz eines Sonderberichterstatters empfahl, "um die Menschenrechtslage in Afghanistan zu untersuchen."

Die Resolution, die über die bis-

herigen, von den Menschenrechtskörperschaften der Vereinten Nationen hinsichtlich Afghanistan verabschiedeten hinausgehen soll, wird Anfang 1984 der gesamten Kommission zur Zustimmung vorgelegt werden, wenn diese ihre Jahrestagung abhält.
15. September 1983
Das Kabul er Regime gibt die Ausweisung zweier Diplomaten der amerikanischen Botschaft - des 2. Sekretärs Hugh Turner und des Attaches Robert
Blackburn - unter der Beschuldigung der Spionagetätigkeit bekannt:

beide

hätten sich "der Aufhetzung einer Reihe konterrevolutionärer Elemente" und
ähnlicher Aktivitäten schuldig gemacht.
16. September 1983
Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums in Washington nennt
die Anschuldigungen des Kabul er Regimes gegen die beiden amerikanischen Diplomaten, die ausgewiesen worden waren, "ungeheuerlich" und "absurd".
20. September 1983
Pakistan beschuldigt das Kabuler Regime, seinen Luftraum innerhalb der

- 2 -

�innerhalb der letzten zwei Tage zehnmal verletzt zu haben.

Die Bombardierung

eines Grenzdorfes in der Nähe von Parachinar - einem Gebiet, wo viele afghanische
Flüchtlinge leben - durch sowjetische MIG-Flugzeuge führte zur Verwundung von
sechs Menschen.

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, es habe seit dem

1. August insgesamt 23 Verletzungen des Luftraums gegeben.
Westlichen diplomatischen Kreisen in Islamabad zufolge fanden in diesem
Monat vier Angriffe der Mujahedin statt, wobei eine große Zahl sowjetischer
Soldaten und Angehöriger der Truppen des Kabuler Regimes umgekommen sind;
außerdem seien zumindest zwei MIG-Flugzeuge, drei Hubschrauber, fünf Panzer
und eine größere Anzahl von Lastwagen zerstört worden. Ziele waren ein Treibstoffkonvoi im Bereich des Salang-Tunnels, der im Norden gelegene Maraz-eSharif-Flugplatz, sowjetische Truppen in der Shomali-Region nördlich von Kabul
und ein Militärkonvoi von 100 Lastwagen in der Logar-Provinz.
21. September 1983
Trotz Einspruches der Sowjetunion genehmigte der Lenkungsausschuß der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, daß es über das Thema "Die Lage in
Afghanistan und ihre Auswirkungen auf den internationalen Frieden und die
internationale Sicherheit" zu einer Generaldebatte kommen solle.

Die Ver-

sammlung, die ihre Jahressitzung am 20. September eröffnete, verabschiedete
vier Resolutionen, die die Sowjetunion seit ihrer Invasion Afghanistans im
Jahr 1979 verurteilten.
29. September 1983
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Javier Perez de Cuellar,
veröffentlichte einen Bericht über die indirekten Gespräche, die es dieses Jahr
in Genf unter Leitung der Vereinten Nationen mit Vertretern Pakistans und
des Kabuler Regimes gab. Obgleich, so der Generalsekretär, "wertvoller und
ausdrücklicher" Fortschritt erzielt worden sei, "kann ich dennoch nicht meine
tiefe Sorge über den langsamen Fortgang der Verhandlungen und die Schwierigkeiten verbergen, die es hinsichtlich der Überwindung der bestehenden Hindernisse gab."

Die Hindernisse nannte er dabei nicht. Weitere Gespräche mit

- 3 -

�Gespräche mit den Beteiligten sollen vom persönlichen Stellvertreter des
Generalsekretärs, Diego Cordovez, während der laufenden Sitzung der Vollversammlung geführt werden.

Cordovez leitete auch die Genfer Gespräche.

4. Oktober 1983
Sahabzada Yaqub Khan, der Außenminister Pakistans, erklärte vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, es habe im vergangenen Jahr bei den
von den Vereinten Nationen unterstützten Afghanistan-Verhandlungen "konkreten
Fortschritt"
gegeben.

bei der Erarbeitung der Elemente für eine umfassende Regelung

Allerdings, so der Außenminister, "steht noch immer eine Reihe ent-

scheidender Fragen - insbesondere der zeitliche Rahmen für einen Abzug der
ausländischen Streitkräfte - zur Lösung an."
6. Oktober 1983
Kabuls Außenminister Schah Mohammad Dost erklärte vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen, "die bewaffnete Intervention gegen die Demokratische Republik Afghanistan

von pakistanischem Territorium aus ist die Wur-

zel und die Ursache des afghanischen Problems.

Daher sollte das Hauptziel

der Verhandlungen eine Beendigung dieser Intervention sein."
18. Oktober 1983
Westlichen diplomatischen Quellen in Neu Delhi zufolge unternahmen
sowjetische Truppen und Streitkräfte des Kabul er Regimes kürzlich umfangreiche Offensiven in sechs afghanischen Provinzen sowie eine umfassende
Durchkämmungsaktion in einer siebenten. Am schwersten von diesen intensiven
Luft- und Bodenbombardements betroffen war die historische Stadt Istalef in
der nördlich von Kabul gelegenen Shomali-Region: 40 Prozent der Gebäude des
Ortes wurden seit Beginn des Angriffs am 12. Oktober zerstört, verwundete Zivilisten und Flüchtlinge strömten danach nach Kabul (einer diplomatischen
Quelle vom 25. Oktober zufolge wurden mehrere Hundert Zivilisten getötet).
28. Oktober 1983
Die Regierung der Schweiz informierte darüber, daß ein von der afgha-

- 4 -

�afghanischen Widerstandsbewegung gefangener sowjetischer Pilot gemäß einer
Vereinbarung zwischen dem Schweizer Internationalen Ausschuß des Roten Kreuzes,
sowjetischen Regierungsvertretern und der afghanischen Widerstandsbewegung
zwecks Internierung in der Schweiz eingetroffen sei. Dem Bericht zufolge
hatte die Schweiz in Einklang mit ihrer Neutralität bis dahin bereits insgesamt acht sowjetische Kriegsgefangene als "humanitäre Geste" akzeptiert.
2. November 1983
Amnesty International, London, veröffentlichte eine Erklärung, in der
acht Zentren in Kabul genannt wurden, wo Sicherheitspolizei politisch Verdächtige gefoltert hatte; die Aussage
maliger Gefangener.

stützte sich auf Zeugenaussagen ehe-

In einigen Fällen, so der Bericht, starben die Gefangenen

nach der Folter oder erlitten schwere Verletzungen.
6. November 1983
Das Internationale Afghanistanbüro, eine private, freiwillige Gruppe in
Paris, kündigte seine Absicht an, eine Untersuchungskommission einzuberufen,
um die humanitären Probleme von Hunderttausenden von Afghanen zu untersuchen,
die als Flüchtlinge oder Vertriebene außerhalb ihres Landes leben.

Dies wurde

zum Abschluß eines dreitägigen Seminars angekündigt, das von dem Büro an der
Genfer Universität abgehalten wurde.
15. November 1983
Diplomatischen Quellen in Neu Delhi und Islamabad zufolge wurden am
8. oder 9. November in der Shomali-Region nördlich von Kabul 50 bis 80
afghanische Mujahedin getötet, als sie von sowjetischen Flugzeugen und Hubschraubern in der Nähe von Farza auf offenem Gelände entdeckt wurden. Die
Region, durch die eine äußerst wichtige Verbindungsstraße zur Sowjetunion verläuft, wurde Mitte Oktober schwer bombardiert; auch zu Beginn dieses Monats
begann noch ein weiterer sowjetisch-kabulischer Angriff.
22. November 1983
Zeitungsberichten aus Neu Delhi und Islamabad zufolge, die sich auf

- 5 -

�sich auf diplomatische Quellen beriefen, wurde der Kommandeur der 8. Heeresdivision des Kabul er Regimes, Generalmajor Mohammad Abdul Azim, sowie ein
Dutzend sowjetischer und Kabuler Regierungsvertreter getötet, als ihr Flugzeug am 15. November südlich von Kabul abstürzte, nachdem es von Schützen
der Mujahedin getroffen worden war.
23. November 1983
Zum fünftenmal seit der sowjetischen Invasion 1979 stimmte die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit der bislang größten Mehrheit einer Resolution zu, die "den sofortigen Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan"
sowie eine politische Lösung der Krise forderte.

Das Abstimmungsergebnis

brachte 116 Stimmen für und 20 Stimmen gegen die Resolution bei 17 Enthaltungen.
Von Pakistan im Namen von 44 weiteren Staaten eingebracht, verwies die Resolution auf "die Initiativen der Organisation der Islamischen Konferenz und die
Anstrengungen der Bewegung der blockfreien Staaten für eine politische Lösung der Situation."

Die Resolution forderte außerdem den Generalsekretär

auf, seine Anstrengungen zur Förderung einer politischen Regelung fortzusetzen.
30. November 1983
Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Javier Perez de Cuellar,
erklärte, daß Diego Cordovez, sein persönlicher Vertreter für die AfghanistanFrage voraussichtlich im April 1984 Konsultationen aufnehmen werde. Dabei
will er nach Islamabad, Kabul und Teheran reisen. In der Sitzungsperiode
1982-83 besuchte Cordovez das Gebiet zweimal und führte dreimal in Genf indirekte Gespräche mit Vertretern Pakistans und des Kabul er Regimes.
6. Dezember 1983
Mehrere tausend sowjetischer Soldaten begannen am 2. Dezember mit einem
Rückzug aus dem Guldara-Tag in der Shomali-Region, nachdem sie sieben Tage
lang gegen einen Verband afghanischer Widerstandskämpfer gekämpft hatten.
Westliche diplomatische Quellen erklärten, die Mujahedin - aus allen wesentlichen Widerstandsgruppen des Gebietes zusammengesetzt - hätten beim Zurück-

- 6 -

�beim Zurückschlagen der Offensive eine ganz außergewöhnlich starke und koordinierte Aktion gezeigt.

Die Verluste der Sowjets seien "schwer", die d

Mujahedin "beträchtlich" gewesen.

Die afghanische Widerstandsbewegung gab

zudem die Gefangennahme von über 20 sowjetischen Soldaten bekannt.

- 7 -

�Uli//cn/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

4. Januar 1984

US-INDUSTRIE STEIGERT FORSCHUNGSAUSGABEN

- (AD) - Wie Umfragen der amerikanischen Nationalen Forschungsstiftung (NSF)
bei Unternehmen in den Vereinigten Staaten ergaben, ist zu erwarten, daß die
Industrie im Jahr 1984 ca. 48 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung
("F &amp; E") aufwenden wird.

Das sind 11 Prozent mehr als im abgelaufenen Jahr 1983,

wo insgesamt 44 Milliarden Dollar erreicht worden sein dürften.

Wie ein Mitte

Dezember 1983 veröffentlichter Bericht der NSF vermerkt, sei angesichts der für
1984 zu erwartenden positiven Geschäftsentwicklung in bestimmten Branchen anzunehmen, daß z.B. auf dem Sektor Maschinenbau die Steigerung von Ausgaben für
Forschung und Entwicklung 1983/84 im Durchschnitt 17 Prozent, und bei Computerfirmen 19 Prozent betragen werden; Gesamtaufwendungen 1984: ca. 9,8 Milliarden
Dollar.
Der ständig beschleunigte Fortschritt in der Technologie, die immer größere
Vielfalt bei der Anwendung von Computern in der amerikanischen Industrie und die
wachsende ausländigsche Konkurrenz zwangen die Computerfirmen zur Erhöhung ihres
"F &amp; E"-Etats, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Im Gegensatz dazu dürfte bei Unter-

nehmen mit Produktionsprogrammen außerhalb des Computerbereichs (u.a. landwirtschaftliche Maschinen, Hydraulikausrüstungen, Werkzeugmaschinen) im günstigsten
Fall eine nur geringfügige Steigerung der F&amp;E-Aufwendungen gegenüber 1983 zu
erwarten sein, da infolge der Rezession der Absatz stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.
Unternehmen für

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�Unternehmen für Elektrotechnik und nachrichtentechnische Systeme beabsichtigen
eine Steigerung ihrer F&amp;E-Mittel um ca. 11 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar.
Im Mittelpunkt stehen dabei Neuentwicklungen auf dem Gebeit der Halbleiter, insbesondere leistungsstarker Halbleiter, und der Fernmeldetechnik.

Die Computer-

und Elektronikindustrie sind, was die Technologie angeht, aufeinander angewiesen.
Dies führte bereits zu Verflechtungen auf zahlreichen Gebieten der Forschung, aber
auch zum Zusammengehen mit Firmen der Zulieferindustrie. Angesichts der Vielfalt
und der in immer rascherem Tempo voranschreitenden Entwicklungen der Spitzentechnologie sehen sich viele Firmen zu enger Zusammenarbeit in Forschung und
Entwicklung mit anderen Unternehmen gezwungen.

Die im abgelaufenen Jahr ge-

gründete "Microelectronics and Computer Technology Corporation" dürfte das bekannteste Beispiel für gemeinsame E&amp;F-Programme sein. Jedoch gibt es eine ganze
Anzahl weiterer Fälle, in denen Computerfirmen, Halbleiterfirmen und solche für
Nachrichtensysteme sich zusammentun, um F&amp;E-Programme aufzubauen und Technologie
auszutauschen.

Nach dem Kommentar eines Unternehmens, das sich an der Umfrage

beteiligte, ist dies "eindeutig eine der bemerkenswertesten Tendenzen zu Beginn
der achtziger Jahre - und sie wird bleiben".
Auch bei der chemischen Industrie, einschließlich der pharmazeutischen
Industrie und bei Herstellern von Drogerieartikeln, ist für 1983/84 eine Steigerung der F&amp;E-Aufwendungen um ca. 11 Prozent auf insgesamt 7,2 Milliarden Dollar
anzunehmen, wobei auf dem Sektor Drogerieartikel mindestens 16 Prozent mehr
F&amp;E-Mittel verfügbar gemacht werden dürften. In Stellungnahmen der pharmazeutischen Industrie hieß es, daß man auf Grund von Entdeckungen in Verbindung mit
neuen und noch in der Entwicklung befindlichen Technologien Chancen sehe
und
daß das künftige Wachstum ihrer Unternehmen davon abhänge, Forschung und Entwicklung ständig als Schwerpunktprogramm zu behandeln.
Auf anderen Sektoren der chemischen Industrie sind die Aufwendungen für
F&amp;E unterschiedlich: Unternehmen mit Projekten aus dem Gebiet der Gen-Technologie
werden sie steigern, insbesondere im Hinblick auf vielversprechende Durchbrüche
im Bereich landwirtschaftlicher Produkte, Pflanzengenetik und Fermentation.
Dagegen gaben Unternehmen mit herkömmlicher Produktpalette wegen der Absatz- und

- 2 -

�Absatz- und Gewinneinbußen allgemein weniger für Forschung und Entwicklung aus.
Alles in allem ist hier mit einer Steigerung der Aufwendungen von 9 bis 10 Prozent
zu rechnen.
In der Kraftfahrzeugindustrie wurde 1983 ein Prozent mehr für F&amp;E als 1982
ausgegeben; für 1984 dagegen werden fünf Prozent mehr als 1983 (insgesamt ca.
4,5 Milliarden Dollar) erwartet.

Einzelne Firmen unternehmen große Anstrengungen,

um sich gegenüber der in- und ausländischen Konkurrenz zu behaupten.

Durch die

Einführung hochqualifizierter neuer Verfahren wie CAD (computergestützte Konstruktion) und die Straffung ihrer Forschungsprogramme sehen sich die Unternehmen jetzt
eher in der Lage, neue Programme in Angriff zu nehmen.
Die Luftfahrtindustrie wies in ihren Etats von 1983 etwa 13 Prozent mehr
als im Jahr zuvor für Forschung und Entwicklung aus.

Im Jahr 1984 ist eine

Steigerung in der gleichen Größenordnung vorgesehen (Gesamtaufwendungen: ca.
4,3 Milliarden Dollar).

Die Firmen sind vor allem um Modell Verbesserungen bei

Verkehrsflugzeugen, Frachtflugzeugen und Düsentriebwerken sowie Verbesserungen
bei Verbundwerkstoffen bemüht. Jedoch ist der Forschungsaufwand bei den einzelnen
Herstellern sehr unterschiedlich; er zeigt eher den jeweiligen Stand in den
längerfristigen Forschungsprogrammen des Unternehmens.
Beim Instrumentenbau erhöhten sich 1983 F&amp;E-Aufwendungen um 12 Prozent, für
1984 ist eine weitere Steigerung um 15 Prozent (auf insgesamt 4,9 Milliarden
Dollar) vorgesehen.

Dies sind Durchschnittswerte, denn Hersteller medizinischer

und anderer wissenschatlich-technischer Instrumente liegen mit Steigerungsbeträgen von 23 Prozent sowohl für 1983 als auch 1984 mit Abstand an der Spitze.
Auf dem Sektor Fotografie und fotografische Ausrüstungen betragen die Steigerungsraten 9 bzw. 12 Prozent für die beiden Jahre, wobei die rasche Veraltung von
Produkten und die starke internationale Konkurrenz nach wie vor die wichtigsten
Motive für eine Forschungsförderung sind.
Die seit 1981

- 3 -

�Die seit 1981 der US-Industrie gewährten Steuervergünstigungen zur Förderung
von F&amp;E-Projekten, die bis Ende 1985 laufen, bedeuten in zahlreichen Fällen einen
beachtlichen Anreiz, Forschungsetats zu erhöhen. Auch zeigte die NSF-Umfrage,
daß manche Unternehmen dank der Steuererleichterungen bestimmte Forschungsprojekte
überhaupt erst in Angriff nehmen konnten, die wegen Geldmangels in der Rezession
zurückgestellt worden waren.

- 4 -

�4. Januar 1984

1

SUPERPLASTISCHE VERFORMUNG MIT INFRAROTLICHT

- (AD) - Infrarot!icht von Quarzlampen benutzen Ingenieure in einem kalifornischen Werk der Fa. McDonnell Douglas für komplizierte Formgebungen von Flugzeugteilen aus Titan.

Für die sog. superplastische Verformung waren bisher hoher

Druck und Preßtemperaturen von mehr als 900 Grad Celsius erforderlich.

Dazu

kam für die Prtsse eine Vorwärmzeit von ca. 24 Stunden - hoher Energieverbrauch
war die Regel.

Beim Verformungsprozeß mit der Wärmestrahlung aus Quarzlampen

dagegen werden nur das zu verformende Metall und das Werkzeug zur unmittelbaren
Bearbeitung erhitzt, während alle übrigen Teile der Ausrüstung Raumtemperatur
behalten.

Das neue Verfahren spart nicht nur Energie, sondern auch sehr viel

Zeit.

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Telex: 8-85432

�</text>
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                    <text>11. Januar 1984

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan bekräftigt Unterstützung für KVAE

HINTERGRUNDMATERIAL
Menschenrechte in der UdSSR
- Eine Dokumentation des US-Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kohlendioxid - eine "Heizdecke" in der Atmosphäre
- Neue US-Studien empfehlen Anpassungsstrategie für
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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11. Januar 1984

REAGAN BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG FÜR KVAE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 6. Januar 1984 die Unterstützung
der Vereinigten Staaten für die Stockholmer Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) bekräftigt. Reagan war
an diesem Tage mit Außenminister Shultz und dem amerikanischen Delegationschef
auf dieser Konferenz, Botschafter James Goodby, zu einer Überprüfung der Weisungen
der amerikanischen Vertretung zusammengekommen.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich bin heute mit Botschafter James E. Goodby zusammengetroffen, dem amerikanischen Delegationschef auf der Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa, allgemein als KVAE bekannt.

An dieser

neuen Konferenz beteiligen sich die Vereinigten Staaten, Kanada sowie 33 Staaten
West- und Osteuropas.

Sie ist Teil des Ost-West-Dialogs, der aus der Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) erwuchs, die die Schlußakte
von Helsinki im Jahre 1975 hervorbrachte.
Außenminister Shultz war bei der heutigen Besprechung zugegen.

Er sowie

andere Außenminister der NATO werden an der KVAE-Eröffnungssitzung am 17. Januar
in Stockholm teilnehmen.

Ihre Anwesenheit bekräftigt die Bedeutung, die der

Westen der KVAE und einem produktiven Ost-West-Dialog beimißt.
Ich habe

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�Ich habe gemeinsam mit Botschafter Goodby die Weisungen für die amerikanische
Delegation überprüft und meine endgültige Zustimmung erteilt.

Ich brachte ihm

gegenüber meine nachhaltige Unterstützung für die Ziele des Westens auf der KVAE
zum Ausdruck, nämlich die Gefahr eines Überraschungsangriffs in Europa zu vermindern und den Einsatz von Waffen für den Krieg oder zur Einschüchterung zu
unterbinden.
Die Stärke und die Einheit des Westens haben den Frieden in Europa seit dem
Zweiten Weltkrieg bewahrt, und die Diplomatie des Westens im Rahmen des "HelsinkiProzesses" war entscheidend wichtig für die Förderung des Ost-West-Dialogs. Wir
alle wünschen Botschafter Goodby sowie den europäischen und kanadischen Vertretern
Erfolg und Gottes Segen bei der Fortführung dieser lebenswichtigen Aufgabe.
Botschafter Goodby gab in diesem Zusammenhang folgende Erklärung ab:
Der Präsident hat die Weisungen für die amerikanische Delegation auf der KVAE,
die am 17. Januar in Stockholm beginnt, überprüft und gebilligt. Im wesentlichen
beinhalten diese Instruktionen, daß die amerikanische Delegation sich um Abkommen
über konkrete, praktische Maßnahmen zur Verringerung des Risikos eines Krieges
in Europa bemüht, der aus einem Überraschungsangriff oder einer falschen Einschätzung entsehen könnte. Die Weisungen machen deutlich, daß die amerikanische
Delegation ihre Arbeit in Übereinstimmung mit dem von Botschafter Kampelman auf
der KSZE-Folgekonferenz von Madrid ausgehandelten Mandat erfüllen wird, die ihre
Tätigkeit in Madrid im Herbst letzten Jahres beendete. Dieses Mandat sieht vor,
daß die auszuhandelnden Maßnahmen militärisch bedeutsam, verifizierbar, politisch
bindend und auf den gesamten europäischen Kontinent anv/endbar sein müssen. Diese
Konferenz sollte nur als ein Aspekt des KSZE-überprüfungsprozesses gesehen werden,
der sich ebenfalls mit der Zusammenarbeit der beteiligten Staaten auf dem Gebiet
der Menschenrechte sowie in anderen Bereichen befaßt.
Die aktive

- 2 -

�Die aktive Beteiligung von Außenminister Shultz sowie anderer Außenminister
ist ein Beweis dafür, daß sie sich ernsthaft dieser Konferenz verpflichtet
fühlen, und sollte gewährleisten, daß diese Verhandlungen einen geziemenden Start
haben.
Die amerikanische Delegation wird eng mit den westlichen Demokratien zusammenarbeiten, um Abkommen über solche Maßnahmen zu erreichen wie die Vorausmitteilung militärischer Manöver, die Beobachtung solcher Übungen und Schritte zur
Verbesserung der Kommunikation zwischen den an der Stockholmer Konferenz beteiligten Staaten.

Ausgangspunkt dieser Vorschläge ist das übereinkommen von

Helsinki vom Jahre 1975, aber unsere Vorschläge werden weit über diese Absprachen
hinausgehen.

Gleichzeitig ist es meiner Meinung nach notwendig, darauf hinzu-

weisen, daß auf der Tagesordnung dieser Konferenz Punkte stehen, die sich von
anderen Rüstungskontroll Verhandlungen unterscheiden.

Ernsthafte Anstrengungen,

über beiderseits annehmbare vertrauensbildende Maßnahmen zu verhandeln, sind
kein Ersatz für andere RüstungskontrollVerhandlungen; sie sollten diese Verhandlungen vielmehr ergänzen.
Präsident Reagan hat in einer seiner ersten außenpolitischen Entscheidungen
nach seinem Amtsantritt darauf hingewiesen, daß die Vereinigten Staaten sich an
einer Konferenz über Abrüstung in Europa beteiligen würden, vorausgesetzt, diese
Konferenz befasse sich mit Maßnahmen, die militärisch bedeutsam, verifizierbar,
politisch bindend und auf den gesamten europäischen Kontinent anwendbar seien.
Diese Vorstellungen sind nunmehr Teil des Mandates, das den Unterhändlern in
Stockholm übertragen worden ist.

Zum allgemeinen Thema der vertrauensbildenden

Maßnahmen hat sich der Präsident sowohl in Europa als auch vor den Vereinten
Nationen geäußert, wobei er die Bedeutung solcher Maßnahmen im Sinne der Wahrung
des Friedens und der Sicherheit unterstrichen hat.
ohne Zweifel zutiefst am Herzen liegen.

Dies sind Fragen, die ihm

Ich rechne mit der starken Unterstützung

des Präsidenten bei der Aushandlung von Maßnahmen, die in Übereinstimmung mit den
von ihm bei früheren Gelegenheiten definierten Zielen stehen.

+ + + + +

�11. Januar 1984

MENSCHENRECHTE IN DER UdSSR
- Eine Dokumentation des US-Außenministeriums

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat zum Jahresende 1983 einen Überblick über die Entwicklung und den Stand der Menschenrechte
in der Sowjetunion herausgegeben.

Darin wird aufgezeigt, daß trotz aller Be-

mühungen der sowjetischen Machthaber immer wieder einzelne Bürger und Gruppen
in der UdSSR ihren Dissens zum Ausdruck bringen und ihre eigene Meinung vertreten.

Die sowjetische Regierung hat jedoch auch immer wieder gezeigt, daß

sie nicht gewillt ist, sich an ihre eigenen Gesetze und an internationale Verpflichtungen zu halten, wenn es gilt, Dissidenten zu unterdrücken.
Die systematische Unterdrückung unter Breschnew und Andropow hat die Reihen der aktiven Dissidenten gelichtet, und die Auflösung der Helsinki-Gruppe
in Moskau beendete ein Jahrzehnt aktiver Bemühungen um die Menschenrechte.
Aber trotz Unterdrückung und Emigration lebt die Menschenrechtsbewegung in
der Sowjetunion weiter.
Lenin, Stalin

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�Lenin, Stalin und Chruschtschow:

Anwendung von Terror

Seit der kommunistischen Revolution im Jahr 1917 wurde die Einstellung
des sowjetischen Regimes gegenüber den politischen und gesetzlichen Rechten
des Sowjetbürgers von der Entschlossenheit getragen, um jeden Preis die Macht
zu behalten, Opposition im eigenen Lande auszuschalten und die Gesellschaft
nach den Geboten Lenins umzugestalten.

Lenin und seine Genossen billigten die

Anwendung von Terror bei Gegnern der Revolution und setzten ihn während des
Bürgerkrieges und in den ersten Jahren des Regimes auch ohne jede Rücksicht
ein.
Zu diesem Zweck richtete Lenin - mit dem Erlaß vom 15. April 1919 - Zwangsarbeitslager ein und genehmigte - mit dem Erlaß vom 21. März 1921 - die Verhaftung und Deportation von Personen, "die als gefährlich für die Sowjetmacht erkannt werden", durch Behördenorgane, d.h. ohne ordentliche Gerichte.

In einem

Kommentar zu dem in Arbeit befindlichen Strafgesetzbuch schrieb Lenin im Mai
1922, daß "der Paragraph über Terror so allgemein wie möglich formuliert werden
muß, da nur ein revolutionäres Gerechtigkeitsgefühl...
Anwendung festlegen kann."

die Bedingungen seiner

Sein erster Entwurf für diesen Paragraphen diente

als Grundlage für die Anwendung repressiver Gewalt im sowjetischen Strafrecht:
Propaganda oder Agitation oder die Mitwirkung in einer Organisation
oder die Zusammenarbeit mit Organisationen, die dazu dienen, auch
nur in geringster Weise der internationalen Bourgeoisie zu helfen,
die die gleichen Rechte des kommunistischen Systems nicht anerkennt...
und die dessen Umsturz mit Gewalt anstrebt,... ist mit dem Tode oder
mit Haft zu bestrafen. (Lenin, V.l., Sobr. soch. 3. Ausgabe Band 27,
S. 296, Moskau 1935-37).
Stalin wandte den Terror routinemäßig an, um seine politischen Gegner
zu vernichten, ganze Gesellschaftsklassen auszurotten und ein Reservoir an Arbeitssklaven zu schaffen, mit dessen Hilfe er Projekte in abgelegenen Landesteilen verwirklichte.

Die Zahl seiner Opfer geht in die Millionen.
- 2 -

Sein Tod

�Sein Tod im März 1953 verhinderte eine geplante neue Säuberungswelle und eine
antisemitische Kampagne.
kürliche Terror auf.

Unter Chruschtschow hörte der großangelegte, will-

In den Jahren 1954 bis 1956 wurden sieben bis acht Mil-

lionen politische Gefangene aus Arbeitslagern entlassen.

In seiner berühmten

"Geheimrede" auf dem 20. Parteitag der KPdSU im Februar 1956 verurteilte
Chruschtschow Stalin als einen Despoten, der loyale Mitarbeiter durch gelenkte
Säuberungswellen vernichtet habe. Aber das Regime suchte sich der Verantwortung zu entziehen, indem das ganze Ausmaß des Terrors verheimlicht und alle
Schuld Stalin aufgebürdet wurde.
Die Entstalinisierung führte zur Rehabilitierung einiger Politiker, die
in Ungnade gefallen waren; die Macht der Sicherheitsbehörden wurde eingeschränkt;
der Rechtsprechung wurde wenigstens ein Anschein der Legalität zurückgegeben;
und zu kontrollierten Kontakten mit Ländern außerhalb des kommunistischen Blocks
wurde ermutigt. Obwohl die Partei selbstverständlich das Machtmonopol in ihren
Händen behielt, wurde ein gewisses Maß an Diskussion und Debatte innerhalb der
Partei erlaubt.

Chruschtschow lehnte jedoch niemals die repressive Taktik

Stalins ab; so führte beispielsweise seine Kampagne gegen die Religion zu einem
starken Rückgang der Zahl der Kirchen und Geistlichen in der UdSSR.

Die Rolle der Schriftsteller und Intellektuellen
In dem gelockerten Klima der nachstalinschen Ära mangelte es der sowjetischer
Gesellschaft zwar noch immer an den direkten Mitteln, Meinungen öffentlich zum
Ausdruck zu bringen, aber Schriftsteller und Intellektuelle in der UdSSR fanden,
daß sie akute Fragen auch im Mantel der literarischen Verbrämung aufgreifen
könnten.

Die literarische Zensur war nicht mehr umfassend, da die Grenzen

zwischen dem Erlaubten und Verbotenen durch den Entstalinisierungsprozeß doch
etwas verwischt worden waren. Die sich daraus ergebende - wenn auch kleine Chance führte zum Aufstieg vieler begabter junger Schriftsteller, von denen einige später prominente Figuren in der sowjetischen Menschenrechts- und Dissidentenbewegung wurden.

Die Literaturzeitschriften entwickelten Individualität

- 3 -

�entwickelten Individualität und zogen gl eichgesinnte Schriftsteller an - so
beispielsweise Novyy Mir unter dem Herausgeber Alexsander Twardowskiy.
Die Entstalinisierung bereitete auch den Weg für die Entstehung einer
sogenannten "Gegenkultur" der Intellektuellen, die sich - von der offiziellen
Ideologie enttäuscht - in der Suche nach Inspirationen dem Westen zuwandten.
Damit zeigten die neuen Strömungen in der Literatur den Weg für das Auftreten
anderer Einstellungen zur Politik des Regimes auf, und das wiederum diente als
Basis für das Entstehen einer öffentlichen Meinung, die sich zu Fragen der
sowjetischen Gesellschaft äußerte.
Die Chancen der freieren Meinungsäußerung tendierte*! jedoch dazu, unberechenbar zu werden.

Der Schreck nach dem Ungarnaufstand im Oktober 1956

hatte bereits die Entscheidung des Staates beeinflußt, Boris Pasternaks
Doktor Schiwago nicht zu veröffentlichen.

Ein amtlicher Sprecher versicherte

auf dem Zweiten Kongreß der sowjetischen

Schriftsteller im Dezember 1956,

daß die Vorstellung, man könne Literatur

getrennt vom Kampf des Kommunismus

betrachten, nicht mehr zur Diskussion stehe.

Die Veröffentlichung des Doktor

Schiwago im Ausland im November 1957 ärgerte das Regime in Moskau und setzte
einen Präzedenzfall für das Verbot anderer Schriftsteller, deren Werke als
ideologisch unannehmbar angesehen wurden.

Trotzdem ermöglichte es der Ent-

stal inisierungsprozeß, daß im Jahr 1962 in der UdSSR "Ein Tag im Leben des
Iwan Denisowitsch" von Alexander Solschenizyn erscheinen konnte.

Dieses

Buch zeigt erschreckende Details des Lebens in einem Arbeitslager auf und
führte zu weiteren Enthüllungen.

Das Regime wurde unruhig, und Chruschtschow

schlug eine weniger liberale Politik ein.

Der Vorsitzende der Ideologie-

kommission des Zentralkomitees warnte Schriftsteller, nicht von der Annahme
auszugehen, daß,"weil der Willkür in unserem Lande ein Ende gesetzt wurde
und die Menschen nicht mehr wegen politischen Dissens verhaftet werden, jetzt
alles erlaubt ist und es keine Grenzen für die eigenen Wünsche gibt."

Kurz

vor seiner Absetzung im Jahr 1964 gab Chruschtschow bekannt, es werde keine
weiteren Enthüllungen über die Stalinzeit geben..
Unter Breschnew

�Unter Breschnew setzte das Regime zunächst den Kurs Chruschtschows fort,
Schriftsteller und Intellektuelle mit einer Kombination von Wohlwollen und
Repression zu behandeln, aber mit der Zeit gewann die Repression die Oberhand.
Das Breschnew-Regime unternahm einige Anstrengungen, um den Schaden am Bilde
Stalins zu reparieren, aber das wurde durch das Erscheinen von Alexander
Solschenizyns "Archipel GULAG" im Ausland erschwert, denn hier wurden die wahren Zustände in den Arbeitslagern Stalins enthüllt.

Solschenizyn wurde 1974

aus der UdSSR ausgewiesen, und zwar ohne Gerichtsverfahren; die Bürgerrechte
wurden ihm aberkannt.
Die Bemühungen Moskaus, seit Mitte der fünfziger Jahre die Verbreitung
schreibmaschinengeschriebener Manuskripte, der sogenannten Samizdat, und deren
Publikation im Ausland zu unterbinden, warfen die Frage der geistigen Freiheit
im rechtlichen wie im politischen Sinne auf.

In einer Reihe berühmt gewordener

Prozesse versuchte das Regime, die unbequemen Schriftsteller zum Schweigen
zu bringen:

Alexander Ginsburg (1958 und 1967), Jesef Brodski (1963), Andrei

Sinjawski und Juli Daniel (1966) und andere.

Die Behörden gingen beispiels-

weise gegen Brodski, einen nichtkonformistischen Dichter, so vor, daß sie ihm
jeden Broterwerb verwehrten und ihn dann wegen "Parasitentums"verurteilten,
weil er angeblich keiner Arbeit nachging.

Sinjawski, Mitglied des Schrift-

stellerverbandes, hatte seit 1956 im Ausland unter einem Pseudonym Arbeiten
veröffentlicht, und er war der erste prominente Intellektuelle, der nach Stalins
Tod verhaftet wurde.

Da eine Veröffentlichung im Ausland nach sowjetischem

Gesetz nicht verboten ist, wurde er der "anti-sowjetischen Agitation und Propaganda" beschuldigt und zusammen mit Juli Daniel, der ebenfalls im Ausland
publiziert hatte, vor Gericht gestellt.
Da die stalinschen Methoden abgeschafft waren, mußten die Behörden in
vielen Fällen vor Gericht gehen.

Anders als die Angeklagten in den stalinschen

Schauprozessen bestritten die angeklagten Schriftsteller ihre Schuld und verteidigten sich nachhaltig.

Einige fanden sogar die Unterstützung mutiger An-

wälte, die sich auf die verfassungsmäßigen Rechte ihrer Mandanten beriefen.
Um doch

�Um doch zu Verurteilungen zu gelangen, verletzte der Staat die Prozeßordnung, was zu offenen Protesten im eigenen Lande führte und der Sowjetunion
im Ausland einen schlechten Ruf einbrachte.

Die sowjetischen Intellektuellen

griffen die Frage der Legalität auf und nutzten die Publizität, um die Rechtsübergriffe der Behörden herauszustellen.

So diente das Streben der sowjetischen

Schriftsteller als Ausgangspunkt für andere, gleichfalls darauf zu bestehen,
daß die Sowjetunion ihnen das Recht zugestehe, das zu tun, was entweder vom Gesetz gestattet oder nicht ausdrücklich verboten sei.

Die Menschenrechtsbewegung
Die Verfechter der Menschenrechte in der Sowjetunion waren in erster
Linie um den Stand der Rechte überhaupt besorgt; es ging ihnen nicht, wie anderen, darum, solche Rechte zu nutzen, um bestimmte Auffassungen oder Interessen
zu vertreten. Ende der sechziger Jahre schlössen sich Menschenrechtsgruppen
in organisierten Komitees zusammen, nachdem Sympathisanten Petitionen verteilt
und die Unterstützung für verhaftete Schriftsteller und Intellektuelle mobilisiert hatten. Wurden solche Aktivisten verhaftet, dann fanden sie in ihrem
Schicksal Unterstützung; damit wiederum wuchs die Gruppe,und die gemeinsamen
Bemühungen wurden immer besser organisiert. Als im April 1968 eine neue
Samizdat-Zeitschrift, Chronik der aktuellen Ereignisse, erschien, erhielt die
Bewegung eine Stimme und einen Sammelpunkt für die verschiedenen Gruppen,
über zehn Jahre lang berichtete die Chronik ohne Kommentar oder politische
Stellungnahme über die Tätigkeiten der verschiedenen Gruppen und die repressiven Maßnahmen des Staates gegen sie.
In den Anfängen der Bewegung glaubten viele Intellektuelle an die Möglichkeit einer "Demokratisierung" des sowjetischen Systems. Schriftsteller
und Wissenschaftler, wie Valentin Turchin, Andrei Sacharow, Roi Medwedew und
Alexander Solschenizyn richteten offene Briefe an die sowjetischen Machthaber
mit Empfehlungen für Reformen. Auf all diese Versuche eines Dialogs antwortete der Staat mit Repression oder Schweigen.
Auch Entwicklungen
- 6 -

�Auch Entwicklungen außerhalb der Sowjetunion beeinflußten diese Bewegung.

Der Sieg Israels im Juni-Krieg 1967 trug dazu bei, bei den Juden in

der Sowjetunion ein Gefühl der Gruppenidentitä't zu schaffen und ihr Interesse
an einer Auswanderung zu steigern. Die Ereignisse in der Tschechoslowakei
1968 ermutigten zunächst, dämpften dann aber die Hoffnungen, daß moralischer
Protest zu einer Reform des sowjetischen Systems führen könnte.

Eine zwar

kleine und rasch gesprengte, aber doch sichtbare Protestdemonstration auf dem
Roten Platz gegen den sowjetischen Einmarsch in der Tschechoslowakei im August
1968 wurde ein Meilenstein in der Geschichte des Dissens in der UdSSR.
Das Hauptanliegen der Menschenrechtsaktivisten war nicht die politische
Aktion, sondern die Rolle des Rechts im sowjetischen Leben. Sie bezeichneten
sich selbst als "Bewegung zur Verteidigung der Legalität" - und sahen ihre
Funktion darin, das öffentliche Bewußtsein für Rechtsfragen in der UdSSR und
gegenüber Mißbräuchen der Behörden zu wecken, sowie die Unterdrückung rechtmäßigen Handelns durch das Regime an den Tag zu bringen. Zunächst schien
das Regime nicht recht zu wissen, wie es auf jene reagieren solle, die das
sowjetische Gesetz den sowjetischen Behörden als Norm anlegten und die darauf
bestanden, sowjetische Staatsvertreter hätten genau wie der einfache Bürger
das sowjetische Recht zu achten.
Im Mai 1969 war die Aktionsgruppe für die Verteidigung der Menschenrechte in der UdSSR die erste Menschenrechtsgruppe, die sich in dieser Form
in der Sowjetunion bildete. Von den 15 Gründungsmitgliedern waren nach einem
Jahr nur noch acht frei.

Im November 1970 gründete eine Gruppe von Physikern

- Andrei Sacharow, Valeri Tschaiidse und Andrei Twerdokubow - in Moskau das
Komitee für Menschenrechte. Das Komitee erklärte seine Absicht, in Übereinstimmung mit den sowjetischen Gesetzen und der Allgemeinen Menschenrechtserklärung zu handeln.
Der Ausschuß brachte seine Anerkennung dafür zum Ausdruck, daß das Regime
mit den Exzessen des Stalinismus Schluß gemacht hatte, und bot seine Hilfe dabei an, diese Tatsache noch deutlicher ins Licht zu rücken. Allerdings setzte

- 7 -

�Allerdings setzte er sich auch für die Sache jener Dissidenten ein, die in
psychiatrische Kliniken eingesperrt waren, brachte Menschenrechtsverletzungen,
wie jene gegenüber nationalen Gruppen wie den Krimtataren, an die Öffentlichkeit und drängte auf die Einhaltung internationaler Rechtsnormen für Geisteskranke.
Die Mitglieder und Sympathisanten beider Ausschüsse sahen sich rasch
Repressalien ausgesetzt.

Wladimir Bukowski wurde wegen seiner Versuche, die

Mißstände in den psychiatrischen Kliniken der Sowjetunion ans Licht zu bringen,
zu Arbeitslager verurteilt.

Tschaiidse wurde gezwungen, das Land zu verlassen.

Der sowjetische Geheimdienst KGB verstärkte seine Bemühungen, die SamizdatLiteratur aus der Welt zu schaffen, indem er deren Autoren verhaftete und das
Verbreitungsnetz zerstörte.

Um den Schaden so gering wie möglich zu halten,

den ihre repressive Innenpolitik auf ihre außenpolitischen Zielsetzungen hatte,
gestatteten die sowjetischen Behörden einigen der Aktivisten, zu emigrieren
- oder zwangen sie dazu.

Dennoch wurde die Arbeit des Ausschusses allmählich

auch in der sowjetischen Öffentlichkeit bekannt, wobei die Publizität, die sich
diese Ausschüsse im Ausland verschafften, bisweilen auch die Behörden zur Zurückhaltung veranlaßte und möglicherweise zum Entschluß der sowjetischen Regierung beitrug, im September 1973 die Internationale Konvention der Vereinten
Nationen über bürgerliche und politische Rechte zu ratifizieren.

Die Helsinki-Gruppe
Die formelle Verpflichtung der UdSSR im August 1975, sich an die Menschenrechtsbestimmungen der Schlußakte von Helsinki zu halten, ermöglichte
es den Dissidenten, ihre Aktivitäten auf eine klare Tatsache hin zu konzentrieren: Unterdrückung von Widerspruch im Lande selbst bedeutete nunmehr eine
Verletzung der internationalen Verpflichtungen Moskaus. Eine neue Gruppe von
Aktivisten nutzte diese Möglichkeit, den westlichen Druck auf die UdSSR zu
verstärken, indem sie die sowjetischen Verletzungen der Menschenrechtsbestimmungen der Schlußakte von Helsinki an die Öffentlichkeit brachten.
Im Mai 1976

�Im Mai 1976 gründeten Juri Orlow - der 1973 einer der Gründer der Moskauer
Gruppe von Amnesty International gewesen war -, Jelena Bonner - die Frau von
Andrei Sacharow -, Alexander Ginsburg zusammen mit anderen die sogenannte öffentliche Gruppe zur Förderung der Einhaltung der Helsinki-Vereinbarungen in der
UdSSR.

Innerhalb eines Jahres tauchten "Helsinki-Gruppen" in der Ukraine (No-

vember 1976), in Litauen (November 1976),in Georgien (Januar 1977) und in Armenien (April 1977) auf.

Im November 1976 organisierte Alexander Podrabined die

Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Verwendung der Psychiatrie zu politischen
Zwecken, um damit die Arbeit der Helsinki-Gruppe von Moskau zu ergänzen.
Zunächst zögerten die sowjetischen Behörden.

Einige Monate lang konnten

diese Gruppen recht unbehindert arbeiten, insbesondere in Moskau.

Nachdem man

durch ausländische Rundfunksendungen über sie gehört hatte, wandten sich auch
andere sowjetische Bürger wegen Hilfe an sie oder gaben den Gruppen Informationen über Menschenrechtsverletzungen.

Während ihres Bestehens brachte die

Moskauer Gruppe fast 200 Berichte heraus, die solche Menschenrechtsverletzungen
dokumentierten:

Schauprozesse, Post- und Telefonüberwachung, Mißhandlung poli-

tischer Gefangener, Verfolgung von Andersdenkenden, Zwangstrennung von Familien,
Verweigerung des Rechtes auf Emigration sowie Einschüchterung von Arbeitern,
die den Versuch unternahmen, eine unabhängige Gewerkschaft zu bilden.
Die Festnahme von Juri Orlow und Anatol Schtscharanski im Jahr 1977 signalisierte einen Wandel der offiziellen Reaktion;

nun begann eine Reihe von Fest-

nahmen und Prozessen, die sich über mehrere Jahre hinzog.

Schließlich wurden

fast alle Mitglieder der Helsinki-Gruppe des Psychiatrie-Ausschusses zu langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt oder in die Emigration gezwungen.

Die

wenigen verbliebenen Mitglieder der Moskauer Gruppe erkannten schließlich die
Nutzlosigkeit weiterer Bemühungen und kündigten im September 1982 ihre Auflösung an.

Diese Entscheidung bildete das Ende einer bedeutsamen Phase in der

Entwicklung der Dissidentenbewegung in der Sowjetunion und kennzeichnete das
vergebliche Bemühen, die Machtausübung des Regimes dadurch zu begrenzen, daß
auf sowjetisches Recht und auf internationale Verpflichtungen verwiesen wurde.
Die Moskauer

�Die Moskauer Helsinki-Gruppe war jedoch darin erfolgreich, die Welt über
die Lage der Menschenrechte in der UdSSR zu informieren, internationale Unterstützung für die sowjetischen Aktivisten zu mobilisieren und den gesamten Problemkreis zu einer entscheidenden Frage der Ost-West-Beziehungen zu machen.
Die Berichte der Psychiatrie-Kommission spielten eine wichtige Rolle dabei,
die gesamte sowjetische Psychiatrie auch international in einen solch schlechten Ruf zu bringen, daß die sojwetischen Psychiater es im Februar 1983 vorzogen, sich aus der Internationalen Psychiatrievereinigung zurückzuziehen, Statt
das Risiko einzugehen, nur einige Monate später ausgeschlossen zu werden.

Das Spektrum des Dissidententums
Die Dissidenten spiegelten eine ganze Bandbreite politischer Einstellungen wider:

Russische Nationalisten anti-sowjetischer Prägung sahen in der

sowjetischen Periode ein Unglück für die russische Nation und setzten sich
für eine Rückkehr zu den traditionellen Werten der russischen Kultur und zur
Rechtgläubigkeit ein: westlich ausgerichtete Vertreter waren dagegen für
einen Übergang zu einem pluralistischen, repräsentativen, demokratischen System;
marxistisch-sozialistischen Vertretern ging es um innere Reform und um die Demokratisierung des bestehenden Systems.
Der russische Nationalismus erwies sich für die Regierung als eine besonders problematische Frage, da von ihm die Gefahr ausging, das ethnische
Gleichgewicht der Sowjetunion durcheinander zu bringen.

Das Sowjetregime

hatte einige Aspekte und historische Interessen des russischen Zarenreichs
übernommen, einschließlich dessen territoriale Ziele und Großmachtansprüche.
Als Grundlage für die Entwicklung einer homogenen "sowjetischen" Kultur hatte
es mit Vorbedacht ausgewählte Elemente der russischen Kultur gefördert. Zudem tolerierte es Äußerungen des großrussischen Chauvinismus und verlangte
von allen Bürgern das Erlernen des Russischen als gemeinsamer Sprachgrundlage in einem multinationalen Staat.

Diese Politik begünstigte natürlich

antirussische Ressentiments in den nicht-russischen Republiken und förderte
- 10 -

�und förderte während der sechziger und siebziger Jahre - insbesondere in der
Ukraine, in den baltischen Staaten und im Kaukasus - ein Wiederaufleben des
Nationalismus, einschließlich des Gedankens an eine Loslösung und an nationale
Unabhängigkeit.

In gewissem Maße war die Entwicklung dieser nationalen Bewe-

gungen auch eine Reaktion auf die Verletzung der verfassungsmäßigen Garantien
des Regimes für nationale

und bürgerliche

Rechte

innerhalb der sowjetischen

Staatsstruktur.
Strafmaßnahmen gegen einige sowjetische Nationalitäten während des Zweiten Weltkrieges raubte diesen auf höchst wirksame Weise ihre überlieferten
Territorien, ihren autonomen National Status und die Möglichkeit zur Beibehaltung ihrer kulturellen und ethnischen Identität. So wurden etwa Volksdeutsche
und Krimtataren nach Mittelasien deportiert und ihnen die Rückkehr in ihre angestammte Heimat verweigert. Die Volksdeutschen reagierten darauf - wie die
Juden - mit dem Versuch der Emigration. Da die Krimtataren außerhalb der UdSSR
keine andere Heimat haben, versuchen sie auch weiterhin, ihre nationalen Rechte
wiederherzustellen. Aktivisten beider Gruppen bezahlen dafür mit Einschüchterung, Verhaftungen und langen Freiheitsstrafen.
Die Taktik der aus religiösen Gründen Unzufriedenen glich jener der Menschenrechtsaktivisten.

Sie forderten die Gläubigen auf, sich gegen die anti-

religiöse Politik zu wenden,und trugen dazu bei, das öffentliche Interesse an
der Religion wieder zu beleben. Gerade in jüngster Zeit wurde die zunehmende
Identifikation von Religion und nationalen Anliegen - vor allem in Litauen, in
der Ukraine und im Kaukasus - zu einem erheblichen Problem für das Regime.

Die

sowjetischen Behörden reagieren darauf mit verstärkter anti-religiöser Propaganda, mit der Einweisung von Aktivisten in Arbeitslager oder in psychiatrische
Anstalten; nicht amtlich eingetragene (und somit illegale) Kirchengemeinden
werden unter Drück gesetzt, um die Einhaltung jener sowjetischen Gesetze zu
erzwingen, die die Ausübung der Religion eingrenzen.
Seit Ende der sechziger Jahre begannen Aktivisten der russisch-orthodoxen Kirche damit, die Unterdrückung der Religion in der UdSSR zu dokumentieren.

- 11 -

�zu dokumentieren.

Daneben protestierten sie auch gegen die Unterwerfung des

Patriarchats unter das Regime und sein Versagen dabei, die Kirche und die
orthodoxen Gläubigen gegenüber den illegalen und willkürlichen Maßnahmen der
Behörden zu verteidigen.

Im Dezember 1976 gründete der Pfarrer Gleb Yakunin

den Christlichen Ausschuß zur Verteidigung der Rechte der Gläubigen, während
junge Intellektuelle christliche Seminare durchführten, um Gläubigen die Möglichkeit zu religiösen Studien zu bieten.
dieser Aktivisten verhaftet.

Im Lauf der Zeit wurden die meisten

Der Christliche Ausschuß hingegen lebt im Unter-

grund weiter; im Juli 1983 schickte er eine Botschaft an die 6. Konferenz des
Weltkirchenrates in Vancouver und beschrieb darin die zunehmende Unterdrückung
der Religion in der UdSSR und ersuchte um Hilfe.
Einige religiöse Gruppen - die Pentakostalisten, die Adventisten und andere - weigerten sich, die Einschränkungen zu akzeptieren, die das sowjetische
Gesetz über Glaubensvereinigungen ihnen auferlegte - insbesondere die Einschränkungen hinsichtlich des Predigens, des Bekehrens und der religiösen Unterweisung von Kindern.

Sie zogen es vor, außerhalb des Gesetzes zu arbeiten, indem

sie sich weigerten, sich bei den Behörden zu melden.

Die Baptisten spalteten

sich über dieserFrage in zwei Gruppen, die "offizielle" und "nicht-offizielle".
Teile der ukrainischen Ostkirche (Uniaten) leben inzwischen im Untergrund weiter, nachdem ihnen von staatlicher Seite nach dem Zweiten Weltkrieg eine Verbindung ihrer Kirche mit der Russisch-Orthodoxen Kirche aufgezwungen worden war.
Katholische Aktivisten in Litauen hatten außergewöhnlichen Erfolg damit,
sowohl die Geistlichkeit als auch die Gläubigen dabei zu mobilisieren, sich
dem offiziellen Druck zu widersetzen.

Die Gründung der nicht-offiziellen

Chronik der litauischen Katholischen Kirche im Jahr 1972 und der Katholische
Ausschuß zur Verteidigung der Rechte von Gläubigen im Jahr 1976 dienten dazu,
die Aktivisten noch stärker zusammenzubinden und zu motivieren.

Die Rolle der

litauischen Kirche - mit ihren militanten Priestern, ihren gutorganisierten
Gläubigen und ihren engen Beziehungen zur litauisch-nationalistischen Bewegung - ähnelt stark derjenigen der Kirche in Polen.
Die Bewegung
- 12 -

�Die Bewegung unter den sowjetischen Juden, ihr religiöses und kulturelles Erbe zu bewahren und ihr Recht auf Auswanderung

sicherzustellen, begann

Ende der fünfziger Jahre und verstärkte sich rasch.

Die stalinistische Poli-

tik gegenüber den Juden schwankte zunächst zwischen Assimilation und widerwilliger Anerkennung der jüdischen nationalen Identität, ging dann jedoch in den
Nachkriegsjahren zu offenem Antisemitismus über.
Die Behörden sahen in dem Wunsch nach Emigration den Beweis für eine Treulosigkeit, die an Verrat grenzte.

Das sowjetische Gesetz kennt nicht das Recht

des sojwetischen Bürgers, nach eigenem Gutdünken auszuwandern.

Die Auswande-

rungspolitik wird daher eher durch die Behörden als durch das Gesetz betimmt;
Familienzusammenführung und Heirat eines Ausländers sind daher die einzig anerkannten Gründe für einen Daueraufenthalt im Ausland.

Dennoch brachten Druck

im Innern und außenpolitische Erwägungen Moskau dazu, in den vergangenen 15
Jahren etwa 250 000

sowjetische Juden auswandern zu lassen.

Mit Beginn der

achtziger Jahre wurde dieser Exodus allmählich auf das derzeitige Niveau von
weniger als 200 je Monat zurückgeschraubt.
Das Regime ermutigt zudem immer offener den Antisemitismus - der ziemlich dürftig als "Anti-Zionismus" getarnt wird - und hat auch die Diskriminierung von Juden bei Ausbildung, Arbeitsplätzen und Beförderung ausgeweitet.

Es

unterdrückt alle Versuche von Juden, inoffizielle kulturelle und religiöse Aktivitäten zu organisieren, Hebräisch zu studieren oder ihre Anstrengungen um
Auswanderung öffentlich bekannt zu machen.

Als einzige der anerkannten reli-

giösen Gemeinschaften in der UdSSR haben die Juden keine Akademie um Geistliche auszubilden, keine genehmigten religiösen Zeitschriften, keine landesweiten religiösen Organisationen und keine bewilligten Verbindungen zu Glaubensgenossen im Ausland.
Ein offiziell genehmigter "Antizionistischer Ausschuß der sowjetischen
Gesellschaft", im April 1983 gegründet, der vorgibt, die Ansichten der sowjetischen Juden zu repräsentieren, erklärte, die Emigration sei deshalb bis auf
ein Mindestmaß zurückgegangen, weil alle Juden, die den Wunsch gehabt hätten,

- 13 -

�gehabt hätten, das Land zu verlassen, dies auch schon getan hätten.

Offen

antisemitische Artikel und Bücher werden nicht nur weiterhin veröffentlicht,
sondern werden auch in der zentralen Presse günstig besprochen.

Die Behörden

warnen die jüdischen Aktivisten vor weiteren Kontakten mit ausländischen
Sympathisanten und belästigen Besucher aus dem Westen, die während eines
UdSSR-Aufenthaltes zu Juden in Kontakt treten.
Neben den politischen, nationalistischen und religiösen Aktivisten haben in der Sowjetunion auch schon andere gelegentlich den Versuch unternommen,
ihre Interessen durch organisierte unabhängige Gruppen zu vertreten; das geht
von Künstlern, die zeitgenössische Kunst dem "sozialistischen Realismus" vorziehen, bis zu Behinderten, die den Versuch machen, um verbesserte medizinische
und soziale Versorgung zu kämpfen.

Viele Gruppen sind völlig unpolitisch und

gelten nur deshalb als Dissidenten, weil die Behörden sie als solche ansehen.
Verschiedeneiche Versuche in der jüngsten Zeit, eine unabhängige Gewerkschaft
zu organisieren, trafen auf einen besonders empfindlichen Nerv des Regimes,
dessen Empfindlichkeit durch das Entstehen der Gewerkschaft Solidarität in Polen
noch verstärkt wurde.

Einer der ersten Gewerkschafts-Aktivisten, Wladimir

Klebanow, wurde in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen und seine Organisation zerstört.

Die jüngste nicht offizielle Gewerkschaftsgruppe - SMOT

(Freie interprofessionelle Arbeiterassoziation) - überlebt anscheinend auf
irgendeine Weise im Untergrund, obgleich einige ihrer Führer im ersten Halbjahr 1983 vor Gericht gestellt und verurteilt wurden.

So wurde der SMOT-

Aktivist Viktor Gerschuni in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, nachdem er im April wegen Verunglimpfung des sowjetischen Systems verurteilt worden war.

Dissidententum und sowjetisches Recht
Von Anbeginn an sah das Sowjetregime in den Versuchen der Menschenrechtsaktivisten, die Herrschaft des Rechts zu stärken, eine politische Unternehmung,
die darauf abzielte, die Regierungsautorität zu untergraben.

- 14 -

Es reagierte

�Es reagierte darauf mit einer Unterdrückungskampagne, deren Absicht es war,
die Kritiker zum Schweigen zu bringen und zur Einhaltung der Regimenormen zu
zwingen.

Die hierbei am meisten angewandten Methoden waren Arbeitsverweis,

körperliche Angriffe, Einweisung in psychiatrische Kliniken, Ausschluß von
Lehranstalten und rechtliche Sanktionen.
Den Behörden stehen dabei eine ganze Anzahl vage formulierter Artikel
der Strafgesetze der Sowjetrepubliken zur Verfügung, die die Ausübung grundlegender politischer, religiöser und bürgerlicher Rechte - einschließlich jener, die die sowjetische Verfassung wiederum garantiert - erheblich einschränken.

Zu den regelmäßig gegen Menschenrechtsaktivisten und andere Dissidenten

eingesetzten Artikeln des Strafgesetzbuches gehören der Artikel 70 (antisowjetische Agitation und Propaganda), Artikel 190,1 (die mündliche oder schriftliche Weiterverbreitung absichtlicher Lügen zum Schaden des sowjetischen Staates und seines Gesellschaftssystems), Artikel 209 (Parasitentum, kein Broterwerb), Artikel 162 (Betreiben eines verbotenen Handels) und Artikel 227 (Verletzung von Bürgerrechten unter der Vortäuschung von religiösen Zeremonien).
Artikel 64 (Verrat) und Artikel 71 (Tätigkeit in aktisowjetischen Organisationen)
werden bei besonders schwerwiegenden Fällen angewandt.
Die Behörden benützen oft genug legale Vorwände, wenn sie sich einmal
dazu entschieden haben, gegen einen Aktivisten vorzugehen.

Aus diesem Grund

geht in manchen Verfahren die politische Motivation gar nicht aus den formellen
Anklagen wegen kriminellen Verhaltens hervor - wie etwa ordnungswidriges Benehmen ("Hooliganismus"

"Rowdytum"), tätliche Beleidigung, Unterschlagung oder

Diebstahl von staatlichem Eigentum.

Regelmäßig kommt es dabei zu Verfahrens-

widrigkeiten durch die sowjetischen Behörden, um einen Dissidenten verurteilen
zu können.

So ist es z.B. bei Verfahren über eine Anklage gemäß Artikel 190,1

der Verteidigung nicht erlaubt, Beweise darüber vorzulegen, ob eine angeblich
verleumderische Erklärung tatsächlich zutrifft und richtig ist.

Dokumente,

die angeblich eine Verleumdung enthalten, werden normalerweise während des Verfahrens nicht vorgelegt oder vorgelesen; das Gericht akzeptiert lediglich ihre
Charakterisierung durch den Staatsanwalt, wenn dieser sie als verleumderisch

- 15 -

�als verleumderisch bezeichnet.

Eine Verurteilung ergibt sich dann erst im

Lauf des Verfahrens.
Die besonders harte Behandlung, die veruteilte Aktivisten in den Gefängnissen oder Arbeitslagern erfahren, die Tatsache, daß sie als unwürdig für eine
Begnadigung oder eine Amnestierung angesehen werden, sowie die Praxis, daß
prominente Aktivisten in besonderen Lagern abgesondert werden, widersprechen
den offiziellen Behauptungen, daß es in der Sowjetunion keine politischen Gefangenen gäbe - weder nach dem Gesetz noch als eine besondere Kategorie unter
den Strafgefangenen.

Die Verbannung Sacharows nach Gorki im Januar 1980, wo er

ohne gerichtliche Anklage praktisch unter Hausarrest lebt, ist nur eines der
vielen Beispiele für die Mißachtung der Menschenrechte und der Bestimmungen
des sowjetischen Rechtswesens seitens des Regimes.

Dissens während des Übergangs:

Breschnew und Andropow

Seit dem Tode Breschnews wurde durch personelle Veränderungen im KGB
und in der Parteiführung die Kampagne gegen die Dissidenten noch intensiviert;
dies scheint jedoch eher das gewachsene institutionelle Prestige des KGB und
dessen erhöhten Status widerzuspiegeln als eine Änderung der Politik.

Die ge-

genwärtige Kampagne gegen die Dissidenten begann schon während der letzten Jahre der Führerschaft Breschnews.

Obwohl Andropow persönlich eine wesentliche

Rolle bei der Formulierung der Politik Moskaus gegenüber den Dissidenten spielte - sowohl als Vorsitzender des KGB über 16 Jahre lang wie auch als Nachfolger
Breschnews im Amte des Generalsekretärs der Partei - liegen die Gründe für diesen überaus starken Druck jedoch in erster Linie in der Reaktion der sowjetischen Führung auf verschiedene wichtige Entwicklungen:
- Die Verschlechterung der Ost-West-Beziehungen, die den Behörden größere
Ellbogenfreiheit gegenüber den Aktivisten gab, ohne Rücksicht auf die
öffentliche Meinung im Westen nehmen zu müssen.
- Die größer

- 16 -

�- Die größer werdenden innenpolitischen Probleme, einschließlich der
Lebensmittelknappheit, der Unzufriedenheit der Arbeiter und der wirtschaftlichen Stagnation, die zu einer schlechteren öffentlichen Moral
und zu möglicher sozialer Unruhe führt.
- Die Ereignisse in Polen mit einem potentiellen übergreifen auf die
UdSSR.
Die Besorgnisse auf höchster Ebene haben ihren Ausdruck in öffentlichen
Erklärungen gefunden. So äußerte beispielsweise das Politbüromitglied und
Parteisekretär Konstantin Tschernenko, der damals als möglicher Nachfolger
Breschnews galt und immer noch ein prominentes Mitglied der Führung ist, in
der Zeitschrift des Zentralkomitees (Kommunist, Nr. 13, 1981) seine Bedenken
darüber, daß falsche Prioritäten, fehlende zeitgerechte Maßnahmen oder das
Unvermögen, die "einzigartigen Interessen einer jeden Klasse und einer jeden
Schicht der sowjetischen Gesellschaft" widerzuspiegeln, das Regime der Unterstützung durch die Massen berauben könnten, wodurch "die Gefahr der sozialen
Spannung und der sozio-ökonomischen Krise entsteht."

In der Ausgabe Nr. 14,

1981 des Kommunist unterstrich der Erste Stellvertretende Vorsitzende des KGB,
Zwigun, die Bedeutung der Bekämpfung der Dissidenten:

"Als Ergebnis der vom

KGB ergriffenen Maßnahmen, die in strikter Übereinstimmung mit dem Gesetz
durchgeführt wurden..., gelang es den antisozialen Elementen trotz der beträchtlichen materiellen und moralischen Unterstützung des Westens nicht, einen organisierten Zusammenhalt auf der Grundlage eines Antisowjetismus zu erreichen."
Gleichzeitig rief Zwigun

zu vermehrter Wachsamkeit gegen neue und noch

gefährlichere Formen der Subversion auf.
Besorgnisse wurden auch in politischen Erklärungen Andropows und seiner
Mitarbeiter deutlich, die die Bedeutung einer Prüfung der Beziehungen und der
Erfordernisse der Arbeiter auf nationaler Ebene unterstrichen, um Beschwerden
und Mißstände auszuräumen; ebenso wird jedoch darauf hingewiesen, daß der harte
Kurs im Hinblick auf die Menschenrechte und gegenüber religiös Gläubigen fort-

- 17 -

�Gläubigen fortgesetzt werde.

Andropow kritisierte insbesondere die Tatsache,

daß auf das .owjetische Recht zurückgegriffen werde, um den Menschenrechten
Nachdruck zu verleihen.

In seinem ersten theoretischen Artikel über den Mar-

xismus, erschienen in Nr. 3 des Kommunist, 1983, hob er die "Priorität des
öffentlichen Interesses" gegenüber den "Interessen des einzelnen" hervor.
In seiner Rede auf der Vollsitzung des Zentralkomitees der KPdSU am
15. Juni 1983 wies Tschernenko darauf hin, daß die "Arbeit" mit religiös
Gläubigen "nicht vernachlässigt werden darf", weil ideologische Zentren im
Ausland Behauptungen über "Verletzungen der Gewissensfreiheit in der UdSSR"
verbreiteten, um "religiöse Gefühle zu nähren und ihnen eine antisowjetische
und nationalistische Richtung zu verleihen".

"Wenn wir auf Verletzungen so-

zialistischer Gesetze und auf eine subversive politische Aktivität stoßen, die
sich hinter der Religion verbergen", so schloß er, "dann werden wir in Übereinstimmung mit den Forderungen unserer Verfassung handeln."
Die Zahl der Personen, die sich wegen angeblicher politischer oder religiöser Delikte in Gefängnissen, Arbeitslagern oder psychiatrischen Kliniken
befinden, wird - obwohl dies nicht mit Sicherheit bekannt ist - auf etwa 10 000
geschätzt.

Allerdings gleicht diese Zahl noch die Ges-mtzahl der sowjetischen

Strafgegangenen von rund vier Millionen (darunter zwei Millionen in Arbeitslagern und weitere zwei Millionen nichtinhaftierter Zwangsarbeiter) nicht der
Zahl der GULAG-Gefangenen unter Stalin, und auch die Bedingungen in den Lagern
sind nicht so brutal.

Das sowjetische Verhalten

und die Bilanz im Hinblick

auf die Menschenrechte stehen jedoch in krassem Gegensatz zu dem Bild der
sowjetischen Gesellschaft, die als fortschrittlich, aufgeklärt und human hingestellt wird.

Wie schon Solschenizyn geschrieben hat:

seln, das Archipel bleibt."

+ + + + +

- 18 -

"Die Machthaber wech-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
11. Januar 1984

KOHLENDIOXID - EINE "HEIZDECKE" IN DER ATMOSPHÄRE
Neue US-Studien empfehlen Anpassungsstrategie für mögliche Klimaänderung

- (AD) - Die Erde wird im 21. Jahrhundert höhere Durchschnittstemperaturen
haben. Sie werden verursacht von einer "Heizdecke", nämlich dem steigenden
Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre. Kohlendioxid (C0~) läßt zwar die von der Sonne
kommende energiereiche Strahlung durch, spiegelt jedoch die von der Erde abgegebene Wärmestrahlung wieder zur Oberfläche zurück. Der C02-Gehalt der Lufthülle
dürfte sich bis zum Jahr 2065 nahezu verdoppeln - von gegenwärtig 340 ppm ( d.h.
340 C02-Molekülen in 1 Million Luftmolekülen) auf etwa 600 ppm. Damit ginge
ein Anstieg der Temperatur an der Oberfläche und in den unteren Luftschichten um
1,5 bis 4,5 Grad Celsius einher. Und es gibt angesichts der Wirtschafts- und
Bevölkerungsentwicklung auf der Erde praktisch keine Möglichkeit, dies zu verhindern,
Zu diesem Ergebnis kamen unabhängig voneinander drei amerikanische Forschergruppen,
die im Auftrag von Regierung, Kongreß und der Umweltschutzbehörde EPA eingehende
Untersuchungen durchführten und anhand mathematischer Modelle Klimaprognosen
ausarbeiteten. Die Berichte wurden im Oktober und Dezember 1983 veröffentlicht.
Welche Rolle

Postfach 20 03 OO Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Welche Rolle Kohlendioxid in der Atmosphäre spielt, ist seit mehr als
100 Jahren bekannt.

Seit 1958 werden die COo-Konzentrationen systematisch und

mit ständig verbesserten Methoden gemessen.
in der Luft vorhanden.

Zwar ist Kohlendioxid von Natur aus

Jedoch steigt durch den Energieverbrauch, und das heißt

in erster Linie die Nutzung fossiler Brennstoffe, der COp-S'negel in der Lufthülle in einem Maße an, daß mit einschneidenden Veränderungen der klimatischen
Verhältnisse rund um den Erdball schon gegen Ende des nächsten Jahrhunderts
gerechnet werden muß. Hinzu kommt, daß neben dem Kohlendioxid auch Gase wie

'

Fluorchlorkohlenwasserstoffe, Stickoxide und Methan zu dem sog. Treibhauseffekt
beitragen.

'

Es sei unrealistisch, anzunehmen, daß die Erwärmung durch energiepolitische
Maßnahmen zu verhindern oder merklich zu verzögern ist, heißt es im Bericht des
Nationalen Forschungsrates (NRC).

Statt dessen sollten Wissenschaftler und

Politiker ihre Anstrengungen darauf richten, herauszufinden, wie sich Mensch und
Gesellschaft den neuen Gegebenheiten anpassen könnten und wie sich die veränderten
Klimabedingungen vermutlich auf landwirtschaftliche Produktion und Böden, auf die
Wasserversorgung, den Meeresspiegel Und wirtschaftliche Aktivitäten auswirken.
Gegenwärtig bestehe kein Grund zur Panik - aber Wachsamkeit sei geboten.
Die Prognosen seien, so wird betont, mit zu vielen Unsicherheitsfaktoren
sowohl hinsichtlich der Klimaänderungen durch C0 ? als auch künftiger Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft behaftet, als daß sofortige politische
Gegenmaßnahmen empfohlen oder gar gefordert werden könnten. Es wird darauf verwiesen, daß sich die Erdtemperatur in den letzten 1 000 Jahren um zwei Grad Celsius,,
im Ablauf der letzten Millionen Jahre um 6 bis 7 Grad Celsius verändert habe.
Gemessen an diesen Zeiträumen bedeuten die für das kommende Jahrhundert proghosti- .
zierten Veränderungen für unseren Planeten "größtenteils unbekanntes Territorium".
Man wisse nicht, wie eine Temperaturänderung um zwei Grad die Witterunesverhältnisse verändere, die wiederum den Wasserhaushalt, Landwirtschaft, das Leben
in den einzelnen Regionen und letztlich die We'tpolitik beinflußten.

- 2 -

Es sei zu

�Es sei zu vermuten, daß der Temperaturanstieg in den Polargebieten größer sein
werde als anderswo.

Temperaturerhöhungen um 3 bis 4 Grad hätten einen Anstieg

des Meeresspiegels um ca. 70 cm zur Folge.
trockenere Sommer zu erwarten.

In den mittleren Breiten wären

Niederschlag, Wasserversorgung und Landwirtschaft

dürften in den einzelnen Regionen unterschiedlich beeinflußt werden.

Jedoch sei,

weltweit gesehen, das Problem zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon deshalb nicht
wirksam anzupacken, weil man sich bei den Prognosen nur auf Schätzungen stützen
konnte.

Das gelte für die Entwicklung der Wirtschaft ebenso wie für die Brenn-

stoffnutzung und den Energieverbrauch, für die Kohlendioxidanreicherung durch
fossile Brennstoffe und die Menge des tatsächlich in der Luft verbleibenden COp»
von dem ja die Meere einen großen Teil, vielleicht die Hälfte, aufnehmen, und für
die Auswirkungen sowohl von CO« als auch der anderen "Treibhausgase" auf Atmosphäre
und Klima.

Man wisse einfach noch zu wenig von allen diesen Prozessen, um sie

voll verstehen zu können.

Auch sei noch unklar, wie empfindlich die Atmosphäre

wirklich ist.
Deshalb sollte zumindest für die nächste Zukunft die Parole lauten: Mehr
Forschen und Messen, wachsam sein und aufgeschlossen für Entwicklungen, die eine
Umstellung von fossilen Brennstoffen auf andere Energiequellen ermöglichen, falls
dies notwendig werde. Und wachsam sein bedeute zunächst einmal sorgfältige Überwachung der Kohlendioxid-Konzentrationen, dazu kontinuierliche wissenschaftliche
Beobachtung der verschiedenen Komponenten für die Abgabe von C0 2 an die Luft, die
Ermittlung und Überwachung der (^-Konzentrationen in der gesamten Atmosphäre.
Immer wieder müsse man versuchen, zu klären, ob sich Klimaänderungen anbahnen oder
im Gange sind, welche Auswirkungen sie auf Umwelt und Gesellschaft haben, wie
diese reagieren.
Die für die EPA arbeitende Forschergruppe kam durch Modellrechnungen u.a.
zu dem Schluß, daß beispielsweise eine weltweite Supersteuer auf fossile Brennstoffe, die den Preis vervierfachte, den bis zum Jahr 2040 erwarteten Temperaturanstieg am 2°C nur um fünf Jahre verzögern würde.

Und eine bis zum Jahr 2100

angenommene Temperaturerhöhung um 5°C würde bestenfalls 15 Jahre hinausgeschoben,

- 3 -

�15 Jahre hinausgeschoben, wenn vom Ende dieses Jahrhunderts an keine Kohle mehr
verbraucht würde.
hin utopisch.

Ein internationales Verbot der Verwendung von Kohle sei ohne-

Die 1981 in Auftrag gegebene Studie sollte klären helfen, ob durch

eine Änderung der Energiepolitik hinsichtlich der Verwendung fossiler Brennstoffe
die COp-Emissionen soweit unter Kontrolle gebracht werden könnten, daß die vorausgesagte Erwärmung verhindert würde. Vorgeschlagen wird verstärkte Forschung, um
geeignete nationale Strategien zur Anpassung zu entwickeln.
«

Die dritte Studiengruppe, bestehend aus Ingenieuren und Wirtschaftlern der
Stanford-Universität und des Massachusetts Institute of Technology (MIT), hält
allein schon im Hinblick auf "sauren Regen" und andere Beispiele eine weltweite
gründliche Erörterung des Treibhauseffekts für dringend erforderlich.

Sie räumt

ein, daß wegen der unterschiedlichen Stadien der Industrialisierung, unterschiedlicher Verfügbarkeit von Ressourcen, auch wegen unterschiedlicher Auffassungen
über klimatologischen und wirtschaftlichen "Gewinn" oder "Verlust" ein Konsens
auf globaler Basis nicht erreichbar sei - dennoch müsse das Problem international
diskutiert und, wo immer möglich, auch angegangen werden.
Wichtig seien eingehende Untersuchungen auf dem Gebiet der elektrischen
Energie mit dem Ziel, durch technologische Verbesserungen und Durchbrüche Systeme
mit höherem Wirkungsgrad und größerer Flexibilität zu entwickeln, Stromverbrauch
und Stromkosten zu senken und auf diesem Wege Umweltbelastungen zu verringern.
Energieeinsparung (von etwa einem Prozent pro Jahr) sei ohne Schaden für die
Wirtschaft wegen der langfristig wirksamen technologischen Verbesserungen und
des Ersatzes von Systemen möglich - "eine Verbesserung, die in allen Regionen
und Sektoren erreichbar erscheint". Darin liege die wichtigste Chance, die Anreicherung von Kohlendioxid zu bremsen, und man gewinne Zeit und mehr Erfahrungen .
bei der Entwicklung und im Umgang mit Systemen, die alternative Energiequellen
nutzen.
+ + + + +

- 4 -

�</text>
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                    <text>16. Januar 1984

DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
Ansprache von Präsident Reagan am Vorabend der KVAE -

SPERRFRIST: Montag, 16. Januar 1984, 16.00 Uhr MEZ

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am Vorabend der
Konferenz für Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in
Europa (KVAE) am 16. Januar 1984 einen Überblick über das amerikanisch-sowjetische Verhältnis und zugleich seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, daß ein echter Fortschritt im Sinne des Friedens erzielt werden kann.

Nach seiner Auf-

fassung seien die Vereinigten Staaten 1984 in "ihrer stärksten Position seit
Jahren, um eine konstruktive und realistische Arbeitsbeziehung zur Sowjetunion
herzustellen".
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In den ersten Tagen des Jahres 1984 möchte ich mit Ihnen - und
den Menschen in der ganzen Welt - meine Gedanken über ein Thema teilen, das
von großer Bedeutung für die Sache des Friedens ist - die Beziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
Morgen werden die Vereinigten Staaten mit der Sowjetunion und 33
anderen Staaten an einer europäischen Abrüstungskonferenz teilnehmen. Die Konferenz wird nach praktischen und bedeutsamen Mitteln und Wegen suchen, die
europäische Sicherheit zu erhöhen und den Frieden zu erhalten. Wir werden mit
den tiefempfundenen Wünschen unseres Volkes nach echtem Fortschritt nach Stockholm kommen.
Wir leben in einer Zeit der Herausforderungen des Friedens, aber
auch großer Chancen für den Frieden.

Durch Zeiten der Schwierigkeit und der

Enttäuschung hindurch sind die höchsten Hoffnungen und Erwartungen Amerikas
nie schwankend geworden:

Wir haben - und das werden wir auch weiterhin tun -

um einen dauerhaften Frieden gekämpft, der die Würde der Männer und Frauen
überall zur Geltung bringt.

Ich bin überzeugt, daß das Jahr 1984 den Vereinig-

- 2 -

�den Vereinigten Staaten in ihrer stärksten Position seit Jahren vorfindet,
um eine konstruktive und

realistische Arbeitsbeziehung zur Sowjetunion her-

zustellen.
Wir haben seit den siebziger Jahren viel erlebt - Jahren, in denen die
Vereinigten Staaten von Zweifeln an sich selbst und einer Vernachlässigung der
Verteidigung erfüllt zu sein schienen, während die Sowjetunion ihre militärische
Macht ausbaute und ihren Einfluß durch Waffengewalt und Drohungen auszudehnen
suchte.

Im Laufe der letzten zehn Jahre haben die Sowjets einen doppelt so

großen Anteil ihres Bruttosozialproduktes für Militärausgaben aufgewandt wie
die Vereinigten Staaten; sechsmal so viel Interkontinentalraketen gebaut; viermal so viel Panzer und doppelt so viel Kampfflugzeuge.

Und sie begannen die

SS-20-MittelStreckenraketen zu einem Zeitpunkt zu dislozieren, als die Vereinigten Staaten keine vergleichbare Waffe besaßen.
Die Geschichte lehrt uns, daß Kriege beginnen, wenn Regierungen glauben, daß der Preis

einer Aggression niedrig ist.

Um den Frieden zu erhalten,

müssen wir und unsere Verbündeten stark genug sein, jeden potentiellen Aggressor überzeugen zu können, daß Krieg keinen Vorteil, sondern nur die Katastrophe
bringen würde.

Als wir daher unsere Verteidigung vernachlässigten, wuchsen

die Risiken einer ernsten Konfrontation.
Vor drei Jahren erhielten wir vom amerikanischen Volk ein Mandat, den
Kurs zu ändern, und wir haben ihn geändert.

Mit der Unterstützung des amerika-

nischen Volkes und des Kongresses haben wir dem Niedergang Amerikas Einhalt
geboten.

Unsere Wirtschaft befindet sich heute mitten im besten Aufschwung

seit den sechziger Jahren.

Unsere Verteidigung wird wieder aufgebaut.

Un-

sere Bündnisse sind fest, und unsere Verpflichtung zur Verteidigung unserer
Werte ist niemals klarer zum Ausdruck gekommen.
Der Aufschwung Amerikas hat die sowjetischen Führer vielleicht überrascht. Sie haben womöglich damit gerechnet, daß wir uns auch weiterhin selbst
schwächen würden. Sie haben jahrelang erklärt, daß unser Ahlfihen unausweich- 3 -

�Ableben unausweichlich sei. Sie haben das so oft erklärt, daß sie wahrscheinlich anfingen, es selbst zu glauben.

Wenn dem so ist, dann können sie jetzt,

so meine ich, sehen, daß sie unrecht hatten.
Das mag der Grund sein, warum wir seitens des Kreml in der letzten Zeit
so geharnischte Worte gehört haben.

Diese harten Worte haben manche Leute ver-

anlaßt, von einer erhöhten Unsicherheit und einer verschärften Konfliktgefahr
zu sprechen.

Das ist begretflich, aber im tiefsten Sinne falsch.

hinter die Worte blickt, dann ragt eine Tatsache heraus:

Wenn man

Die Abschreckung

Amerikas ist glaubwürdiger, und sie macht die Welt zu einem sichereren Ort sicherer, weil heute weniger die Gefahr besteht, daß die sowjetische Führung
unsere Stärke unterschätzt

oder unsere Entschlossenheit in Frage stellen wird.

Jawohl, wir leben heute sicherer.

Aber wenn wir sagen, daß unsere wieder-

hergestellte Abschreckung die Welt sichererer gemacht hat, dann besagt das
nicht, daß sie sicher genug ist. Wir erleben in vielen Teilen der Welt tragische Konflikte.

Die Nukleararsenale sind bei weitem zu groß. Und unsere

Arbeitsbeziehungen zur Sowjetunion sind nicht so, wie sie sein sollten.

Es

gibt Bedingungen, die angepackt und verbessert werden müssen.
Die Abschreckung ist von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung
des Friedens und den Schutz unserer Lebensform, aber die Abschreckung ist
nicht Anfang und Ende unserer Politik gegenüber der Sowjetunion.

Wir müssen

und werden die Sowjets in einen Dialog einbinden, der so ernsthaft und konstruktiv wie möglich ist und der der Förderung des Friedens in den Unruhegebieten
der Welt dienen, den Stand der Rüstungen verringern und ein konstruktives Arbeitsverhältnis schaffen wird.
Weder wir noch die Sowjetunion können die Unterschiede zwischen unseren
beiden Gesellschaften und unseren Weltanschauungen wegzaubern.
ten niemals vergessen, daß wir gemeinsame Interessen haben.

Aber wir soll-

Und das oberste

dieser Interessen ist die Vermeidung eines Krieges und die Verringerung des
Standes der Rüstungen.

Es gibt keine vernünftige Alternative, als einen

- 4 -

�als einen Kurs zu steuern, den ich als glaubwürdige Abschreckung und friedlichen Wettstreit bezeichnen möchte.

Und wenn wir diesen Kurs einschlagen,

dann werden wir möglicherweise Gebiete finden, auf denen wir in eine konstruktive Zusammenarbeit eintreten können.
Unsere Stärke und unsere Vision des Fortschritts bieten die Grundlage,
mit gleicher Überzeugung unsere Verpflichtung zu demonstrieren, unsere Sicher- .
heit zu bewahren und friedliche Lösungen für Probleme auf dem Verhandlungswege zu finden.

Darum ist 1984 ein Jahr der Chancen für den Frieden.

*

Aber wenn die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion den vor uns liegenden Herausforderungen gerecht werden und die Chancen für den Frieden nutzen wollen, müssen sie mehr tun, um Gebiete des gemeinsamen Interesses zu finden und dann auf ihnen aufzubauen.

Ich schlage vor, daß unsere Regierungen

eine große Anstrengung unternehmen, um herauszufinden, ob wir in drei großen
Bereichen einen Fortschritt erzielen können.
Erstens, wir müssen Mittel und Wege finden, um die Androhung und die Anwendung von Gewalt bei der Lösung internationaler Streitigkeiten zu verringern - und schließlich zu beseitigen.
Die Welt hat allein seit Ende des Zweiten Weltkrieges über 100 große
Konflikte erlebt. Heute gibt es bewaffnete Konflikte im Nahen Osten, in
Afghanistan, in Südostasien, in Mittelamerika und in Afrika. In anderen Regionen stehen unabhängigen Nationen schwerbewaffnete Nachbarn gegenüber, die
versuchen, sie dadurch zu beherrschen, daß sie ihnen mit einem Angriff oder
mit Subversion drohen.
Die meisten dieser Konflikte haben ihren Ursprung in örtlichen Problemen,
aber viele sind von der Sowjetunion und ihren Stellvertretern ausgenutzt worden
- wobei Afghanistan sogar unter einer direkten sowjetischen Invasion leidet.
Wenn man regionale Konflikte anheizt und Gewalt exportiert, dann kann das nur
örtliche Spannungen verschärfen, das Leiden erhöhen und die Lösung der wirk-

- 5 -

�der wirklichen sozialen und wirtschaftlichen Probleme erschweren.

Darüber

hinaus birgt ein solches Handeln das Risiko größerer Konfrontationen in sich.
Wäre es nicht besser und sicherer, wenn wir zusammenarbeiten könnten,
um Völkern in Konfliktgebieten zu helfen, friedliche Lösungen ihrer Probleme
zu finden?

Das sollte unser gemeinsames Ziel sein.

Aber wir müssen erkennen,

daß die Kluft zwischen amerikanischen und sowjetischen Vorstellungen und Politiken so groß ist, daß unser Nahziel bescheidener zu sein hat. Als ersten
Schritt sollten unsere Regierungen gemeinsam konkrete Maßnahmen prüfen, die wir
beide unternehmen können, um das Risiko einer amerikanisch-sowjetischen Konfrontation in diesen Gebieten zu verringern.

Und wenn uns das gelingt, dann dürften

wir in der Lage sein, über dieses Nahziel hinauszugehen.
Unsere zweite Aufgabe sollte sein, Mittel und Wege zur Verringerung
der gewaltigen Rüstungsarsenale in der Welt zu finden.
Es ist tragisch zu erleben, daß die Entwicklungsländer der Welt pro Jahr
über 150 Milliarden Dollar für ihre Streitkräfte ausgeben - rund 30 Prozent
ihrer Staatshaushalte.

Wir müssen Mittel und Wege finden, um diesen Teufels-

kreis der Drohung und Gegendrohung zu durchbrechen, der das Wettrüsten überall anheizt, wo er zu finden ist.
Was die Kernwaffen anbetrifft, so ist die Wahrheit einfach die, daß das
Gesamtnukleararsenal Amerikas kleiner geworden ist. Wir besitzen heute weit
weniger Kernwaffen als vor 20 Jahren. Und gemessen an der Gesamtzerstörungskraft ist unser Nukleararsenal auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren angelangt.
Erst vor drei Monaten kamen wir und unsere Verbündeten überein, 1400
Kernwaffen aus Westeuropa abzuziehen.

Das erfolgt nach dem Abzug von 1000

Kernwaffen aus Europa vor drei Jahren.

Selbst wenn alle unsere geplanten

Mittelstreckenraketen in den nächsten fünf Jahren disloziert werden müssen und wir hoffen, daß dies nicht notwendig sein wird - dann werden wir für jede
- 6 -

�für jede neu dislozierte Waffe fünf vorhandene Kernwaffen beseitigt haben.
Aber das ist noch nicht genug.

Wir müssen unsere Anstrengungen verstär-

ken, um zu Abkommen zu gelangen, die die Nukleararsenale wesentlich verringern,
größere Stabilität herstellen und Vertrauen schaffen.
Unsere dritte Aufgabe ist es, ein besseres Arbeitsverhältnis zueinander

«

herzustellen, ein Verhältnis, das durch stärkere Kooperation und bessere Verständigung gekennzeichnet ist.

*

Kooperation und Verständnis beruhen auf Taten, nicht auf Worten.
Einhaltung von Abkommen nützt;

ihre Verletzung schadet.

Die

Die Achtung vor den

Rechten des einzelnen Bürgers stärkt das Verhältnis; die Verwehrung dieser Rechte schadet ihm.

Verstärkte Kontakte über die Grenzen hinweg und die Erlaubnis

eines freien Austauschs von Informationen und Ideen stärken das Vertrauen;
die Abschottung des eigenen Volkes von der übrigen Welt schwächt es.

Fried-

licher Handel hilft; aber organisierter Diebstahl von Industriegeheimnissen
schadet sicherlich.
Kooperation und Verständigung sind bei der Rüstungskontrolle besonders
wichtig. In den letzten Jahren hatten wir ernsthafte Sorgen über die sowjetische
Einhaltung von Abkommen und Verträgen. Die Einhaltung ist wichtig, denn wir
streben nach wirklich wirksamer Rüstungskontrolle. Es gab jedoch zunehmend
Beweise dafür, daß Bestimmungen von Abkommen verletzt wurden und daß aus Unklarheiten in unseren Abkommen Vorteil gezogen wurde.
In Erfüllung eines Auftrages des Kongresses wird in den nächsten Tagen
ein Bericht vorgelegt werden. Es liegt auf der Hand, daß wir nicht einfach
davon ausgehen können, daß ausgehandelte Abkommen eingehalten werden. Sowohl
bei der Entwicklung unserer Verteidigungsprogramme als auch bei unserer Einstellung zur Rüstungskontrolle müssen wir unsere Erfahrungen mit der sowjetischen Einhaltung von Abkommen in Rechnung stellen. In unseren Gesprächen
mit der Sowjetunion werden wir uns bemühen, die Hindernisse zu beseitigen, die
- 7 -

�beseitigen, die bestehende Abkommen zu untergraben drohen, und den Rüstungskontroi Iporzeß auszuweiten.
Die von mir zitierten Beispiele lassen erkennen, warum unser Verhältnis
zur Sowjetunion nicht so ist, wie es sein sollte. Wir haben einen langen Weg
vor uns, aber wir sind entschlossen, es immer und immer wieder zu versuchen.
Wir müssen vielleicht mit kleinen Schritten beginnen, aber wir müssen anfangen.
Zur Bewältigung von Problemen muß sich unser Handeln von drei Hauptprinzipien leiten lassen:

von Realismus, Stärke und Dialog.

Realismus bedeutet dabei, daß wir mit einem klarsichtigen Verständnis
der Welt beginnen müssen, in der wir leben. Wir müssen erkennen, daß wir in
einem langfristigen Wettbewerb mit einer Regierung stehen, die weder unsere
Vorstellungen von den individuellen Freiheiten im Innern noch die des friedlichen Wandels draußen teilt. Wir müssen in aller Offenheit unsere Unterschiede
begreifen und furchtlos für unsere Werte eintreten.
Um mit Erfolg im Sinne unserer Interessen handeln und diese schützen zu
können, ist Stärke von entscheidender Bedeutung.
reichen wir keines von beidem.
Macht.

Wenn wir schwach sind, er-

Stärke bedeutet mehr als nur militärische

Von entscheidender Bedeutung ist auch die wirtschaftliche Stärke, und

die Wirtschaft Amerikas ist dabei, die Welt in den Wiederaufschwung zu führen.
Schließlich ist auch unsere geistige Stärke von gleicher Bedeutung, die Einigkeit in unserem eigenen Volk sowie Einigkeit mit unseren ausländischen Verbündeten.

In allen diesen Bereichen sind wir heute stärker als vor drei Jahren.
Unsere Stärke ist notwendig, um vor einem Krieg abzuschrecken und Lö-

sungen auf dem Verhandlungswege zu erleichtern.

Die sowjetische Führung weiß,

daß ein Kompromiß nur dann Sinn hat, wenn sie etwas dafür bekommt.

Jetzt aber

kann Amerika etwas geben.
Stärke und Dialog

- 8 -

�Stärke und Dialog gehen Hand in Hand.

Wir sind entschlossen, uns mit

unseren Meinungsverschiedenheiten auf friedlichem Wege, über Verhandlungen
auseinanderzusetzen.

Wir sind bereit, die uns trennenden Probleme zu disku-

tieren und auf der Grundlage des gegenseitigen Kompromisses auf praktische,
faire Lösungen hinzuarbeiten.

Wir werden niemals vor Verhandlungen davon-

laufen.
Ich habe meine Ansicht über das sowjetische System offen zum Ausdruck
gebracht.

Ich weiß nicht, warum dies für die sowjetischen Führer eine Über-

raschung sein sollte, die nie davor zurückgescheut sind, ihre Ansicht über
unser System zum Ausdruck zu bringen.
nicht miteinander verhandeln können.

Aber das bedeutet doch nicht, daß wir
Wir verweigern ja auch nicht das Ge-

spräch, wenn die Sowjets uns "imperialistische Aggressoren" oder Schlimmeres
nennen oder weil sie der Phantasievorstellung eines kommunistischen Triumphes
über die Demokratie anhängen.

Die Tatsache, daß keiner von uns das System

des anderen mag, ist noch kein Grund, das Gespräch zu verweigern.

Die Tat-

sache, daß wir in einem Nuklearzeitalter leben, zwingt uns einfach dazu, miteinander zu reden.
Unsere Verpflichtung zum Dialog ist fest und unerschütterlich. Aber
wir bestehen darauf, daß sich unsere Verhandlungen mit echten Problemen beschäftigen, nicht nur mit atmosphärischen Dingen.
Bei unserer Verhandlungsführung ist die oberste Priorität, die Gefahr
eines Krieges - und insbesondere eines Atomkrieges - zu verringern.

Ein

nuklearer Konflikt könnte durchaus der letzte der Menschheit überhaupt sein.
Aus diesem Grund habe ich vor über zwei Jahren die "Null-Lösung" für die Mittelstreckenraketen vorgeschlagen.

Es war und ist auch weiterhin unser Ziel,

eine ganze Klasse von Kernwaffen zu beseitigen.
Ja, ich unterstützte eine Null-Lösung für alle Kernwaffen.
schon gesagt habe:

Wie ich

Mein Traum ist es, den Tag zu erleben, an dem alle Atom-

waffen vom Antlitz dieser Erde verbannt sind.
Im vergangenen

�Im vergangenen Monat erklärte der sowjetische Verteidigungsminister,
daß sein Land alles tun werde, um die Gefahr eines Krieges zu verhindern.
Dies sind ermutigende Worte. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, um den Worten
Taten folgen zu lassen.

Die Möglichkeit zum Fortschritt bei der Rüstungskontrolle existiert; die
sowjetische Führung sollte sie nützen.

Wir haben eine Reihe von Initiativen

vorgeschlagen, die die nuklearen Arsenale um ein Beträchtliches abbauen und
damit die Gefahr einer nuklearen Konfrontation verringern würden.

Die ganze Welt - und ganz gewiß auch wir - bedauern es, daß die Sowjetunion die Verhandlungen über nukleare Mittel Streckenwaffen abgebrochen und
noch keinen Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Verhandlungen über strategische Waffen und über konventionelle Streitkräfte in Europa genannt hat.
Unsere Unterhändler sind bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren,
um auf Abkommen bei INF, START und MBFR hinzuarbeiten.
Glauben verhandeln.

Wir werden in gutem

Wann immer die Sowjetunion bereit ist, das Gleiche zu

tun, werden wir ihr auf halbem Wege entgegenkommen.

Wir sind bestrebt, die nuklearen Arsenale zu verringern und die Möglichkeit gefährlicher Mißverständnisse und Fehleinschätzungen einzuschränken.
Deshalb haben wir Vorschläge für das vorgelegt, was wir "vertrauensbildende
Maßnahmen" nennen.

Diese decken einen weiten Bereich von Aktivitäten ab.

So haben wir bei den Genfer Verhandlungen vorgeschlagen, Vorausinformationen
von Raketenversuchen und von größeren militärischen Manövern auszutauschen.
Aufbauend auf Vorschlägen des Kongresses haben wir zudem eine Reihe von Wegen
vorgeschlagen, um direkte Kommunikationskanäle zu verbessern.

Vergangene

Woche hatten wir produktive Gespräche mit den Sowjets hier in Washington, um
die Kommunikation zu verbessern, einschließlich des "heißen Drahtes".

Diese bilateralen Vorschläge werden auf der Konferenz in Stockholm noch
ausgeweitet.

Wir arbeiten mit unseren Verbündeten daran, praktische, sinn-

volle Mittel und Wege zur Verringerung der Unsicherheit und der Möglichkeit

- 10 -

�der Möglichkeit von Fehlinterpretationen auszuarbeiten, von denen militärische
Aktivitäten umgeben sind, um dadurch die Gefahren eines Überraschungsangriffes
zu verringern.
Die Rüstungskontrolle ist schon seit langem der sichtbarste Bereich
amerikanisch-sowjetischen Dialogs gewesen.

des

Aber ein dauerhafter Frieden er-

fordert von beiden Seiten, die Spannungen und regionalen Konflikte abzubauen.
Lassen Sie mich den Nahen Osten als Beispiel nehmen.

Jedermanns Inter-

essen wäre durch Stabilität in dieser Region gedient, und unsere Bemühungen
sind auf dieses Ziel gerichtet.

Die Sowjets könnten zur Verringerung der dor-

tigen Spannungen beitragen, anstatt die modernsten Waffen in dieses Gebiet zu
liefern.

Das würde es uns sicherlich erleichtern, positiver auf andere Aspek-

te unserer Beziehungen einzugehen.
Ein weiteres großes Problem unserer Beziehungen zur Sowjetunion sind
die Menschenrechte.

Die sowjetischen Praktiken in diesem Bereich haben wie

in keinem anderen das Mißtrauen und den schlechten Willen hervorgebracht, die
über unseren Beziehungen liegen.
Allein schon moralische Erwägungen zwingen uns dazu,unsere tiefe Besorgnis hinsichtlich jener zum Ausdruck zu bringen, die aus Gewissensgründen gefangengehalten werden,sowie hinsichtlich der Tatsache, daß es für Juden, Armenier und andere, die mit ihren Familien im Ausland zusammenleben wollen,
praktisch keine Möglichkeit der Auswanderung mehr gibt.
Unsere Forderung ist einfach und direkt. Die Sowjetunion sollte den
Verpflichtungen nachkommen, die sie freiwillig in internationalen Vereinbarungen
eingegangen ist - insbesondere ihren Verpflichtungen gemäß der Schlußakte von
Helsinki. Die Erfahrung zeigt, daß größere Achtung der Menschenrechte zu Fortschritt in anderen Bereichen der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen beitragen kann.
Die Interessensgegensätze
- 11 -

»
'

�Die Interessensgegensätze zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind realer Natur. Aber wir können und müssen den Frieden zwischen unseren
beiden Ländern bewahren und die Welt für die ganze Menschheit besser und friedlicher machen.
Unsere Politik gegenüber der Sowjetunion, eine Politik der glaubwürdigen
Abschreckung, des friedlichen Wettbewerbs und der konstruktiven

Zusammenarbeit,

wird unseren beiden Nationen wie auch den Menschen überall auf der Welt dienlich
sein.

Es ist eine Politik nicht nur für dieses Jahr, sondern für eine lange

Zeit.

Für uns Amerikaner ist das eine Herausforderung.

Sowjets eine Herausforderung.

Und es ist für die

Wenn sie uns nicht auf halbem Wege entgegenkom-

men können, werden wir willens sein, unsere Interessen sowie die unserer Freunde
und Verbündeten zu schützen. Aber wir wollen mehr als Abschreckung; wir streben echte Zusammenarbeit an; wir erstreben Fortschritt für Frieden.
Die Zusammenarbeit beginnt mit der Kommunikation.
che Kommunikation.

Wir wollen eine sol-

Wie ich schon gesagt habe: Wir werden in Genf und in Wien

am Verhandlungstisch bleiben. Zudem wird Außenminister Shultz diese Woche in
Stockholm mit dem sowjetischen Außenminister Gromyko zusammentreffen.

Diesem

Treffen sollten andere folgen, damit Konsultationen auf höchster Ebene eine
regelmäßige und normale Komponente der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
werden.
Unsere Herausforderung ist friedlicher Natur. Sie wird das Beste aus
uns hervorbringen.

Sie fordert auch von der Sowjetunion das Beste.

Wir bedrohen die Sowjetunion nicht. Die Freiheit stellt keine Bedrohung dar, sie ist die Sprache des Fortschritts. Wir erbrachten hierfür den
Beweis vor 35 Jahren, als wir das Monopol bei den Kernwaffen hatten und den
Versuch hätten unternehmen können, die Welt zu beherrschen. Aber wir taten
es nicht.

Stattdessen

verwandten wir unsere Macht dazu, ein neues Kapitel

in der Geschichte der Menschheit zu schreiben. Wir halfen, die vom Krieg verwüsteten Volkswirtschaften in Europa und im Fernen Osten wieder aufzubauen

- 12 -

�wieder aufzubauen - einschließlich jener von Staaten, die unsere Gegner gewesen waren.

Ja, jene ehemaligen Gegner gehören heute zu unseren besten Freunden.

Wir können nicht voraussagen, wie die sowjetische Führung auf unsere
Herausforderung reagieren wird.

Aber die Menschen unserer beiden Länder teilen

mit der gesamten Menschheit den Traum der Beseitigung der Gefahr eines Atomkrieges.

Das ist kein unmöglicher Traum, denndie Beseitigung dieser Gefahren liegt

auf eine so offenkundige Weise im lebenswichtigen Interessen von uns allen.
Unsere beiden Länder haben nie gegeneinander gekämpft; es gibt keinen Grund,
warum wir dies jemals tun sollten.
gegen gemeinsame Feinde gekämpft.

Ja, wir haben im Zweiten Weltkrieg

sogar

Heute sind unsere gemeinsamen Feinde Armut,

Krankheit und vor allem Krieg.
Vor über 20 Jahren umriß Präsident Kennedy eine Möglichkeit des politischen Handelns, die heute noch den gleichen Wert hat wie damals, als sie
verkündet wurde:
"Seien wir nicht blind gegenüber unseren Unterschieden," sagte er, "aber
lenken wir zugleich die Aufmerksamkeit auf unsere gemeinsamen Interessen und
auf die Mittel, durch die jene Unterschiede beseitigt werden können."
Nun, diese Unterschiede sind Unterschiede der Regierungsform wie der
Weltanschauung.

Die gemeinsamen Interessen beziehen sich auf die Dinge des

täglichen Lebens der Menschen überall.
Nehmen wir einmal für einen Moment an, Iwan und Anja träfen in einem
Wartesaal auf Jim und Sally oder suchten zusammen mit ihnen vor dem Regen
Schutz.

Wenn es keine Sprachbarrieren gäbe, die eine Bekanntschaft erschweren

würde:

Würden sie dann die Unterschiede zwischen ihren jeweiligen Regierungen

besprechen?

Oder würden sie lieber über ihre Kinder reden und darüber, was

sie tun, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen?
Bevor sie

- 13 -

�Bevor sie wieder auseinandergingen, hätten sie wahrscheinlich über ihre
Pläne, ihre Hobbies gesprochen; darüber, welche Ziele sie für ihre Kinder haben,und über die Schwierigkeiten, mit dem Geld auszukommen.

Und wenn sie dann

jeder ihrer Wege gingen, würde Anja wahrscheinlich zu Iwan sagen:
nicht nett?

Sie unterrichtet auch Musik."

"War sie

Und Jim würde Sally erzählen, was

Iwan an seinem Chef mag und was nicht. Womöglich würden sie sogar beschließen,
bald einmal zu einem Abendessen zusammenzukommen.
Vor allem aber hätten sie den Beweis dafür erbracht, daß Menschen keine
Kriege machen. Menschen wollen ihre Kinder in einer Welt ohne Furcht und ohne
Krieg aufziehen. Sie wollen etwas von jenen guten Dingen haben, die über das
Existenzminimum hinausgehen und die das Leben erst lebenswert machen. Sie
wollen ein Handwerk, einen Handel betreiben oder sonst einem Beruf nachgehen,
der ihnen Befriedigung und ihnen ein Gefühl der Nützlichkeit verschafft. Ihre
gemeinsamen Interessen gehen über alle Grenzen hinweg.
Wenn die sowjetische Regierung Frieden will, wird es Frieden geben.
Gemeinsam können wir den Frieden stärken, das Ausmaß an Waffen verringern und
wissen, daß wir, indem wir dies tun, dazu beitragen, die Hoffnungen und Träume
jener zu erfüllen, die wir vertreten und, in der Tat, aller Menschen auf dieser Welt.

Laßt uns jetzt damit beginnen.

+ + + + +

- 14 -

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