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t?

^

A«

10. September 1986

29

INHALT

DOKUMENTATION

Stärke Amerikas fördert weiltweite Stabilität
- Harvard-Rede von US-Außenminister Shultz -

Das deutsch-amerikanische Verhältnis; die Bedeutung visionären Denkens
- Ansprache von US-Botschafter Richard R. Burt -

Senat verurteilt Verhaftung Daniloffs durch die Sowjets
- Resolution einstimmig verabschiedet -

HINTERGRUND

Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelamerika
- Dokumentation in vier Teilen - Teil I -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
VON

Dokumentation

4

10. September 1986

29

STÄRKE AMERIKAS FÖRDERT WELTWEITE STABILITÄT
- Harvard-Rede von US-Außenminister Shultz -

BOSTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Shultz betonte in einer Rede anläßlich des 350jährigen Bestehens der amerikanischen Universität Harvard am 5. September 1986, die wiedergewonnene militärische Stärke
der Vereinigten Staatgen fördere die weltweite Stabilität im Rahmen einer
expandierenden freien Weltwirtschaft.
Die Rede des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Harvard - diese großartige Institution steht für eine große Tradition
geistiger Offenheit, für freie Forschung und Streben nach Wahrheit. Und
weil sie die Alma Mater so vieler Präsidenten, Gouverneure, Senatoren,
Außenminister und anderer hoher Beamter war, verkörpert sie auch eine Verpflichtung an das Land - sich dem Wohlergehen der Nation und ihrer verantwortlichen Führungsrolle in der Welt zu widmen.
Ich weiß also, daß ich zum rechten Ort gekommen bin, um meinem Zorn
über die Verhaftung von Nick Daniloff Ausdruck zu verleihen, der 1956 zu
den Absolventen von Harvard gehörte.
Die zynische Verhaftung eines unschuldigen amerikanischen Journalisten
erinnert uns an etwas, was uns bereits bekannt ist: unsere Tradition der
freien Forschung und der Offenheit wird von den Sowjets verachtet. Damit
zeigt sich die Schattenseite einer Gesellschaft, die es fertig bringt,
sich auf Geiselnahme als Instrument der Politik zu verlegen. Wir sollten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir sollten keinesfalls über irgendeinen "Handel" im Fall Daniloff
sprechen. Wir, und Nick selbst, haben diese Möglichkeit ausgeschlossen.
Die sowjetische Führung muß weise genug sein, um diesen Fall so schnell
wie möglich in Übereinstimmung mit den Geboten menschlichen Anstands und
zivilisierten Benehmens unter den Nationen zu lösen.
Ich weiß also, daß ich zum rechten Ort gekommen bin, um von Besorgnissen zu sprechen, über einige beunruhigende Tendenzen, die ich in diesem
Land sehe - von einigen wichtigen Lektionen, die Amerika in den letzten
Jahren gelernt hat und von anderen, die wir offensichtlich noch nicht gelernt haben. Diese beunruhigenden Tendenzen in unserem Land erscheinen
deshalb besonders paradox, weil sie vor dem Hintergrund machtvoller positiver Kräfte auftreten, die heute in der ganzen Welt am Werk sind, Kräfte,
die uns eine außergewöhnliche Chance bieten, falls wir diese Chance nutzen.

Der Wandel und seine positiven Auswirkungen
Was ist in den 50 Jahren seit der 300-Jahrfeier von Harvard nicht alles in der Welt geschehen 1 Kriege, Revolutionen, soziale Umwälzungen und
Fortschritte - das Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit der die Ereignisse
stattfanden, erscheinen dramatischer und sogar noch mehr mit Gefahren und
Verheißungen verbunden als im Gesamtzeitraum der voraufgegangenen drei
Jahrhunderte zusammengenommen.
Wir alle wissen, daß insbesondere die Beziehungen unseres Landes zu
den anderen Ländern dieser Welt in diesen 50 Jahren dramatischsten Veränderungen unterlagen. Und in mancher Hinsicht beschleunigt sich dieser
Wandel noch. Die Diplomatie ist kein gemütlicher Beruf mehr - zumindest
für Amerikaner. Sie kann es nicht sein, wenn irgendwo in der Welt zu jeder Stunde und an jedem Tag für uns gefährliche oder auch vorteilhafte Ereignisse stattfinden. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Nachrichtenaustausch zwischen dem Außenministerium und unseren Auslandsvertretungen um ca. 5o Prozent erhöht. Und doch ist es erst 25 Jahre her, daß
Dean Rusk das Operationszentrum des Außenministeriums schuf, um uns ein
Führungs- und Kommunikationssystem an die Hand zu geben, das rund um die
Uhr im Einsatz ist. In Krisenzeiten, wenn verschiedene Regierungsbehörden
in einem "Krisenstab" zusammengefaßt werden, um die Ereignisse rund um die
Uhr zu beobachten und darüber Bericht zu erstatten, benötigen wir besondere Kommunikationseinrichtungen zu ihrer Unterstützung. Im Jahr 1980 hatten wir ein solches Zentrum; heute besitzen wir drei, und es kommt manchmal vor, daß alle drei gleichzeitig im Einsatz sind. Seit ich vor vier
Jahren mein Amt antrat, mußten wir uns 18mal solcher Einrichtungen bedienen, um uns mit Krisen wie der Entführung von Flug 847 der TWA durch Terroristen, dem Erdbeben in Mexiko und dem Regierungswechsel auf den Philippinen zu befassen.
Die Verschiedenheit dieser Beispiele spricht ebenso für sich wie die
explosive Ausweitung der Kommunikationsmittel, durch die uns all diese Geschehnisse so nah gebracht werden.
Bisweilen ordnen

�Bisweilen ordnen wir Zeitabschnitten der Geschichte Bezeichnungen im
Hinblick auf das zu, wovon sie hauptsächlich geprägt wurden. So gab es
ein Agrarisches Zeitalter, ein Zeitalter der Industriellen Revolution; es
gab ein Zeitalter der Religion und eines, das vom Aufstieg des Nationalismus geprägt war. unsere Zeit, und die der nächsten Zukunft kann jedoch
nicht mit einem einzigen Wort oder Motto erfaßt werden. Unser Zeitalter
ist von vielen scheinbar widersprüchlichen Kräften geprägt:
- obwohl unser Planet durch die Kommunikationsmittel immer kleiner
wird und die Wirtschaft unsere wechselseitige Abhängigkeit verstärkt, ist
der Nationalismus stärker als je zuvor;
- die Technologie entwickelt sich in schwindelerregendem Tempo und
trotzdem entwickelt sich die Religion überall auf der Welt wieder zu einer
mächtigen politischen Kraft.
Ein bedeutender Trend ist jedoch schon erkennbar. Die fortgeschrittenen Staaten der Welt befinden sich schon inmitten einer neuen wissenschaftlichen und technologischen Revolution - einer Revolution, von deren
gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und strategischen Folgen
wir erst die Anfänge spüren.
Das Industrielle Zeitalter geht seinem Ende entgegen; in einigen Teilen der Welt gehört es bereits der Vergangenheit an. Vor hundert Jahren
ging unser Land von der agrarischen zur industriellen Phase seiner Entwicklung über. Heute bleiben wir landwirtschaftlich und industriell produktiv. Wir können uns mehr als selbst ernähren. In den vergangenen 20
Jahren betrug der Anteil der Industrieproduktion an unserem Bruttosozialprodukt konstant 22 Prozent obwohl der Anteil von Arbeitskräften, die zur
Herstellung dieser Güter benötigt wurden, im gleichen Zeitraum von 24 auf
18 Prozent gesunken ist. Wenn wir jedoch trotzdem versuchen wollen, unserem Zeitalter einen Namen zu geben, dann müßten wir es als Zeitalter der
Information bezeichnen. Und es verspricht, die Struktur unserer Volkswirtschaften und das politische Leben auf diesem Planeten so gründlich zu
verändern, wie dies bei der Industriellen Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts der Fall war.
Ich betrachte dies als einen sehr vielversprechenden Trend. Er bildet
einen Antrieb für ein neues Zeitalter des Wachstums, eine Herausforderung,
die zu meistern die freien Nationen der Welt in der besten Ausgangslage
sind. Der Präsident erfaßte diese Grundbeziehung zwischen Freiheit und
Fortschritt als er feststellte:
"überall beginnen Menschen und Regierungen zu erkennen, daß das Geheimnis einer fortschrittlichen neuen Welt in der Kreativität des menschlichen Geistes liegt... Unsere offene Befürwortung der Freiheit als Lokomotive des Fortschritts (ist einer der) wichtigsten Wege, um eine Welt zu
schaffen, in der Wohlstand allgemein verbreitet ist, Konflikte eine Ausnahme darstellen und Menschenwürde einen Bestandteil des täglichen Lebens
darstellt."
Der schnelle

�Der schnelle technologische Fortschritt ist beunruhigend; einige der
Grundlagen, die von vergangenen Gesellschaften als selbstverständlich hingenommen wurden, sind verschwunden. Und trotzdem ist es selbst inmitten
dieses enormen Wandels möglich, einige grundlegende und unveränderte Wahrheiten zu finden, auf die man sich verlassen kann.
So ist es kein Zufall, daß wieder einmal die freien Nationen Quelle
technologischer Neuerungen sind. Wieder einmal hat sich ein Wirtschaftssystem, das freier wissenschaftlicher Forschung, unternehmerischer Risikobereitschaft und Freiheit des Konsumenten kongenial ist, als Quelle der
Kreativität und des Mechanismus für die weite Verbreitung von Neuerungen
erwiesen. Wieder einmal ist ein politisches System, dem ein freier Fluß
von Ideen und Informationen, von Menschen und Gütern über Landesgrenzen
hinweg willkommen ist, ja, das gerade deshalb so erfolgreich ist, natürlicher Nährboden des Fortschritts. Wieder einmal finden die Entwicklungsländer auf der Suche nach ihrem eigenen Weg zu einer besseren Zukunft im
Westen ihren natürlichen Partner für gemeinsame Projekte. Und wieder einmal wendet sich sogar die kommunistische Welt an den Westen als Quelle moderner Technologie.
Unsere Gegner stehen wirklich vor einem unausweichlichen Dilemma. Sie
sehen das neue nach-industrielle Zeitalter heraufziehen und sie sehen
gleichzeitig, daß der Westen gut gerüstet ist, um daraus Nutzen zu ziehen. Wenn sie sich jedoch der Revolution auf dem Informationssektor und
den aus ihr erwachsenden Vorteilen öffnen, riskieren sie die Grundlagen
ihrer politischen Macht - die Bemühungen zur Kontrolle von Gedanken und
Verhaltensweisen durch Aufrechterhaltung eines strengen Monopols über Informationen und freie Kommunikation. Sie fürchten, die Kontrolle darüber
zu verlieren, was ihre Bürger lesen und sehen. Wie kann ein System, das
Fotokopiergeräte und Vervielfältigungsapparate einer strengen Kontrolle
und Aufsicht unterwirft, die Vorteile von Videosystemen und Personal-Computern ausnutzen? Mit jeder technischen Neuerung werden die Führer der
totalitären Welt an ihr quälendes Dilemma erinnert: sie können entweder
ihre Gesellschaften den Freiheiten öffnen, die für das Streben nach technischen Fortschritt unabdingbar sind, oder sie laufen Gefahr, daß sie noch
weiter hinter den Westen zurückfallen. In Wirklichkeit mag es für sie jedoch schon zu spät sein, um den Anschluß an die Zukunft herzustellen.
Wir ziehen daraus den Schluß, daß die Revolution im Informationswesen
für Amerika sehr vielversprechend ist. Und doch ist sie nur eine der positiven Kräfte, die gegenwärtig in der Welt am Werk sind. Lassen Sie mich
Ihnen einige weitere Beispiele aus anderen Bereichen geben, von denen wir
in den letzten Jahren erfahren haben:
Erstens ist uns vor Augen geführt worden, daß Freiheit wieder eine revolutionäre Kraft ist. Diktaturen - ob rechts oder links - sind nicht von
Dauer. In Afghanistan, Angola, Kambodscha und Nicaragua haben Imperialismus, Unterdrückung und Reglementierung Widerstandsbewegungen hervorgebracht, die für die Rechte kämpfen, die ihnen von der kommunistischen
Herrschaft verweigert werden. In Südafrika steht das System der Apartheid
mehr unter Druck als je zuvor. In Lateinamerika hat die Sehnsucht nach

�Sehnsucht nach Demokratie das politische Aussehen eines ganzen Kontinents
verändert. Entgegen den Erwartungen, die viele noch vor fünf oder sechs
Jahren hegten, sind El Salvador, Honduras und Guatemala dem demokratischen
Beispiel Costa Ricas in Mittelamerika gefolgt - nur Nicaragua steht bei
dieser Entwicklung im Abseits. Auf den Philippinen hat dieselbe Sehnsucht
einen bemerkenswerten Übergang zu einer neuen Demokratie verursacht.
Thailand ist noch nicht die Aufmerksamkeit zuteil geworden, die es verdient. Scharfe politische Gegensätze haben dort kürzlich zu einer lebhaft
umkämpften Wahl geführt, deren Ergebnisse zu einer Regierungsneubildung
führten. Vor noch nicht allzu vielen Jahren wurde angenommen, daß die
Zahl demokratischer Staaten zu einer abnehmenden und belagerten Minderheit
werden würde; heute ist die Vitalität der demokratischen Idee die bedeutendste politische Realität unserer Zeit.
Und wir haben wieder einmal gelernt, daß zwischen Freiheit und wirtschaftlichem Fortschritt ein Zusammenhang besteht. Heute bestreiten nur
wenige Länder auf der Welt, daß unternehmerische Initiative in einer von
Marktkräften geprägten Umgebung die Lokomotive für Entwicklung und Wachstum darstellt. Auf den Wirtschaftsgipfeln haben alle führenden Industrieländer zur Kenntnis genommen, daß strukturelle, staatlich verordnete Unbeweglichkeit das Haupthindernis auf dem Weg zu neuem Wachstum bildet.
Während der Sondersitzung der Vereinten Nationen im Mai haben die afrikanischen Länder - darunter diejenigen, die am meisten unter Experimenten
kollektivistischer Planung zu leiden hatten - ein außergewöhnliches Dokument vorgelegt, in dem offenere Märkte und weniger staatliche Einmischung
gefordert wird. Diese Wahrheiten werden heute auch in der kommunistischen
Welt zur Kenntnis genommen, wie die Reformen in China und Ungarn zeigen.
Hier bei uns haben wir die Wahrheit wiederentdeckt, daß genauso, wie
Amerikas Schwäche die Welt zu einem gefahrvolleren Ort macht, Amerikas
Stärke Aggressionen abschreckt und Zurückhaltung sowie Verhandlungsbereitschaft fördert. Wir haben erlebt, wie der Wiederaufbau von Amerikas Verteidigung in den frühen achtziger Jahren den Sowjets einen Anreiz gab, zu
den Rüstungskontrollverhandlungen zurückzukehren. Unsere Fähigkeit, im
Ausland Machtmittel einzusetzen, hat uns dabei geholfen, unsere vitalen
Interessen zu wahren und unsere Freunde vor Subversion und Aggression zu
schützen. Unser militärischer Schlag gegen Libyen - den wir als letztes
Mittel nach Jahren des Terrorismus seitens Gadhafi unternahmen - hat gegenüber Freund und Feind ein machtvolles Zeichen gesetzt. Der Tag ist
noch nicht gekommen, an dem der Terrorismus, gleich anderen Aspekten des
Barbarentums unserer Zeit, als überwunden betrachtet werden kann. Aber
dieser Tag wird kommen - und wenn er kommt, wird die Geschichte zeigen,
daß Amerikas Entschlossenheit, gestützt durch unsere Macht, das Gleichgewicht zugunsten von Frieden und Sicherheit verändert hat.
Die letzten Jahre haben uns außerdem noch eine weitere Wahrheit ins
Gedächtnis zurückgerufen: Amerika ist eine mächtige und konstruktive
Macht für Fortschritt und menschliche Freiheit in der Welt. Während der
letzten dreieinhalb Jahrhunderte, derer wir uns heute erinnern, haben Amerikaner daran geglaubt, daß dieses Land eine moralische Bedeutung und Verantwortung hat, die unsere militärische und wirtschaftliche Macht über-

�Macht übersteigen. In unserem Nationalcharakter existiert eine unwiderstehliche Strömung, die uns dazu veranlaßt, Beispiel für Humanität und
Vorkämpfer für die Gerechtigkeit zu sein.
Dies hat teilweise mit unserer Geschichte zu tun. Unser Kampf für Gerechtigkeit und politische Freiheit begann nicht weit von hier entfernt
- mit mehr als einer Handvoll Harvard-Männern in der Vorhut. Vor etwas
über einem Jahrhundert haben wir den blutigsten Krieg unserer Geschichte
gekämpft, um dem Fluch rassisch begründeter Unterdrückung ein Ende zu setzen. Heute dauert dieser große Kampf für Gerechtigkeit in unserem eigenen
Land an. Mit der führenden Rolle, die unser Land in der Welt eingenommen
hat, besonders während der letzten fünfzig Jahre, bemühten wir uns immer
darum, dieselben hohen Maßstäbe und moralischen Ziele, die wir für uns
selbst ansetzen, auch auf unsere internationalen Bestrebungen anzuwenden.
Von der Gründung der Vereinten Nationen über den Marshall-Plan, die Bildung unserer demokratischen Bündnisse, unsere Unterstützung der Entkolonisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung bis hin zu unserer Haltung
als Vorkämpfer der Menschenrechte - diese Nation kann stolz sein auf das,
was sie in der Welt erreicht hat. Und wir sollten besondere Befriedigung
aus der Tatsache schöpfen, daß wir die von mir vorhin beschriebenen Tendenzen sehen können - die Verbreitung von Demokratie und wirtschaftlicher
Freiheit, die neue technologische Revolution -, Tendenzen, die wiederum
bedeuten, daß wir die Geschichte auf unserer Seite haben.

Tendenzen, die unsere Zukunft bedrohen
Und doch wächst heute, da wir selbst sehen können, daß eine bessere
Zukunft sich entwickeln kann, wenn - und vielleicht nur dann - Amerika daran beteiligt ist, wieder einmal der Druck in unserem Land, uns von der
Welt abzuwenden. Unheilvolle Entwicklungen drohen uns in nächster Zukunft, und nur die Wenigsten unter uns sind sich vielleicht dessen bewußt.
Und dies ist nicht das erste Mal. Unsere Nation hat sich mehr als
einmal vom Engagement in die Isolation begeben, und sogar in den Jahrzehnten, seitdem wir angeblich unsere isolationistische Vergangenheit hinter uns gelassen haben, sind wir bisweilen wieder von der Illusion verlockt worden, daß wir die Gerechtigkeit durch Selbstgerechtigkeit aus der
Isolation heraus fördern können, daß wir den Frieden schon dadurch stärken, daß wir ihn wünschen. Wir sind ein ungeduldiges Volk. Bisweilen
scheint es unsere Überzeugung gewesen zu sein, daß Probleme entweder
schnell gelöst werden sollten oder überhaupt nicht, daß wir unseren Prinzipien am besten dienen, wenn wir uns in die richtige Pose werfen oder
wenn wir etwas tun, was uns - für den Moment - ein gutes Gefühl bereitet.
Es ist Zeit für uns aufzuwachen - bevor wir die Zukunft der Welt und
unsere eigene aufs Spiel setzen. Diese Gefahren treten in verschiedenen
Formen auf, aber allen gemeinsam ist ein gedankenloser Eskapismus, ein
Rückzug aus der Verantwortung, ein Versuch, der Realität unserer Abhängigkeit von der Welt sowie der Abhängigkeit der Welt von uns zu entkommen.
Ob wir dies nun zugeben oder nicht: zusammengenommen sind sie nichts weniger als ein Rückfall in den Isolationismus, der einst die Welt wieder
einer Katastrophe entgegentreiben könnte.
Ein Anzeichen

�Ein Anzeichen von Gefahr ist das Übel des Protektionismus. Nie seit
den Tagen von Smoot-Hawley sind die Kräfte des Protektionismus im amerikanischen Kongreß so mächtig gewesen wie heute. Aus den Erfahrung von vor
fünfzig Jahren sollten wir gelernt haben, daß der Protektionismus uns und
unsere Handelspartner nur verarmen läßt, daß er unvermeidlich zu Vergeltung führt und die Antriebskräfte des Welthandels und damit des weltweiten
Wirtschaftswachstums zum Erliegen bringt.
In den frühesten Tagen unserer Nation verstanden die Gründerväter der
Vereinigten Staaten, daß der freie Handel den Schlüssel zu Wachstum und
Wohlstand bildete. Innerhalb der Grenzen unserer Nation schufen sie ein
offenes Handelssystem, und das Resultat bestand in der größten - und deshalb zugleich reichsten - Wirtschaft der Welt. Ebenso hatten die Staatsmänner, die nach dem Zweiten Weltkrieg politische Verantwortung trugen,
die Lektionen der dreißiger Jahre begriffen. Sie etablierten eine immer
offenere Weltwirtschaft, und Generationen profitierten von dem Wachstum
und der Stabilität, die daraus folgten. In der Weltwirtschaft von heute
hängt unser Wohlstand und der anderer Länder sogar noch stärker von einem
offenen Handelssystem ab.
Jetzt breiten sich jedoch Protektionismus und andere gegen den Wettbewerb gerichtete Praktiken wie etwa Subventionen spiralenförmig aus, und
gefährden einige unserer wichtigsten sicherheitspolitischen Beziehungen zu
anderen Ländern. Die jungen Demokratien auf den Philippinen und in Lateinamerika, die mit Schulden belasteten ärmeren Länder und auch viele befreundete Nationen auf der ganzen Welt, die alle ihren Weg zurück zum
Wohlstand finden wollen, sehen den vor ihnen liegenden Weg durch den Protektionismus in unserem Land bedroht. Weil unsere Wirtschaft die größte
ist - und weil wir immer eine Säule des freien Handels waren - werden wir,
wenn wir nachgeben, den auf der ganzen Welt bestehenden Hoffnungen auf
Wohlstand und Frieden unsäglichen Schaden zufügen. Und unsere eigenen zukünftigen Bürger werden uns dafür verantwortlich machen, daß wir versagt
haben, als es darum ging, die Interessen unseres Landes zu vertreten.
Eine andere Art des Auswegs stellt der selbstgerechte Moralismus dar.
Ich muß sagen, daß ich Anzeichen dafür in dem leidenschaftlichen Bemühen
um Strafmaßnahmen gegen Südafrika erkenne. In Wirklichkeit haben jedoch
die Vereinigten Staaten seit dem von Präsident Kennedy verhängten Verbot
des Verkaufs militärischer Güter im Jahr 1962 bis hin zu den zahlreichen
Maßnahmen, die mit Präsident Reagans Präsidialerlaß von 1985 verfügt wurden, fortwährend Sanktionen verhängt. Und jetzt verlangsamt der freie
Markt selbst den Schritt der südafrikanischen Wirtschaft. Aber Sanktionen
sind keine Lösung. Die Adressaten politischer Sanktionen werden zunehmend
unbeugsamer und können sich ihrer eigenen Verantwortung entziehen, indem
sie "Einflüsse von außen" zum Sündenbock erklären. Die weißen Südafrikaner müssen erkennen , daß sie das Unglück der Apartheid selbst geschaffen
haben und daß sie es auf eine tatkräftige und gesetzmäßige Art und Weise
beheben müssen, wenn ihre eigenen Interessen fortbestehen sollen. Die
jetzt im Kongress vorgeschlagene Bandbreite von Sanktionen würde Amerika
auf zweifache Art und Weise schaden; indem sie die Befürworter der Apartheid in die Lage versetzen, uns für die katastrophale Wirtschaftslage Süd- 7 -

�Wirtschaftslage Südafrikas verantwortlich zu machen und gleichzeitig unsere Präsenz, unseren Einfluß und unser Vorbild als Antriebskraft für einen wirtschaftlichen und politischen Wandel drastisch beschneiden. In der
Illusion, unseren Einfluß auf die Ereignisse zu verstärken, könnten wir
uns als Ergebnis unserer Abweseneit von der südafrikanischen Bühne schnell
am Rande wahrer Machtlosigkeit wiederfinden.
Der Übergang von der Tyrannei zur Demokratie ist ein delikater Prozeß. Manchmal funktioniert er überhaupt nicht, wie etwa im Iran oder in
Nicaragua. Manchmal ist er auch erfolgreich, wie in Spanien, Portugal,
den Philippinen oder in Lateinamerika. Wir sollten unsere Position klar
vertreten: wir sind für ein schnelles Ende der Apartheid und für einen
friedlichen Übergang zu einem demokratischen System. Es ist nicht unsere
Aufgabe, einen Rassenkrieg anzufachen oder eine Polarisierung zu beschleunigen, die diesen einleiten könnte. Unsere Moral und unsere Grundwerte
müssen sich in unserer Außenpolitik vollständig widerspiegeln. Aber wir
sollten uns vor einer selbstgerechten Moral hüten, mit der wir uns ins eigene Fleisch schneiden und die somit unseren moralischen Zielsetzungen zuwiderläuft.
Weitere Beispiele unserer Tendenz zum Rückzug liefert unsere diplomatische Ungeduld. Die Verfolgung praktischer politischer Lösungen auf dieser Welt erfordert Beständigkeit, Verständnis für Vielfalt und die Anerkennung der Notwendigkeit von Kompromissen. Nur auf dem Verhandlungswege
binden wir andere Nationen in positive Zielsetzungen ein. Aber gerade das
Konzept von Verhandlungen wird heutzutage durch eine Vielzahl von Mißverständnissen beeiträchtigt.
Diejenigen, die dringend Verhandlungen fordern, sehen oft nicht, daß
Diplomatie durch Stärke untermauert werden muß. Andere argumentieren - zu
Recht - daß wir niemals aus der Position der Schwäche heraus verhandeln
sollten und behaupten danach, daß wir es aus der Position des Stärkeren
heraus nicht nötig haben, zu verhandeln. Wieder andere sprechen uns jeglichen Einfluß ab oder wollen einseitige Zugeständnisse rechtlich verankern, manche wiederum fürchten Verhandlungen, weil sie annehmen, daß wir
dabei lediglich ausgenutzt werden. Viele verzweifeln an den Vereinten
Nationen und den ihnen innewohnenden beunruhigenden Tendenzen, aber manche
würden eher ihre Herausforderungen und Möglichkeiten ausschlagen als von
unserer Fähigkeit Gebrauch zu machen, ihre Funktionsfähigkeit zu verbessern. Wir müssen unsere Position in den Vereinten Nationen auf positive
Weise festigen, damit nicht andere, deren Interessen unseren entgegenstehen, unseren Platz einnehmen.
Gleichgültig, ob es um regionale Konflikte, Rüstungskontrolle oder
Handelsfragen geht, verbünden sich also Elemente aus allen Teilen des politischen Spektrums, wenn es darum geht, Ratschläge des Eskapismus zu erteilen. Das ist eine Verleugnung der Wirklichkeit. Realität ist, daß Bemühungen zur Lösung von Problemen zwischen Nationen unerläßlich und letztendlich unvermeidbar sind. Realität ist, daß Demokratien keine Politik
der Unnachgiebigkeit unterstützen werden. Realität ist auch, daß viele
praktische und realisierbare Ziele durch hartnäckige Verhandlungen erreicht werden können. Verhandlungen können funktionieren.
Es gibt schließlich
- 8 -

�Es gibt schließlich noch eine weitere außergewöhnliche Entwicklung:
Der Angriff des Kongresses auf den Haushalt für auswärtige Angelegenheiten. Wir sehen uns dem Abbau, ja, dem Abschlachten des wichtigsten Instruments unserer Außenpolitik gegenüber: der Fähigkeit, unsere Interessen
und Ideale in erheblichem Maße zu vertreten und zu unterstützen. Wir stehen vor einer selbstverschuldeten Krise, die, wenn sie nicht bewältigt
wird, in erheblichem Maße die Fähigkeit der Vereinigten Staaten beeinträchtigen wird, ihre Führungsrolle in der Welt aufrechtzuerhalten, die
internationale Sicherheit zu verbessern und die Sache der Freiheit, Demokratie und des menschlichen Fortschritts zu unterstützen.
Es fällt mir schwer, davon in Harvard zu sprechen, wo George C. Marshall einen Plan vorschlug, der die Vereinigten Staten mit der Zukunft Europas verband. Er sprach für eine Generation von Staatsmännern beider politischer Parteien, die die Lektionen der dreißiger Jahre gelernt hatten
und die den Vereinigten Staaten eine Verpflichtung für die Welt zuschrieben, für ein offenes Wirtschaftssystem und für die Verteidigung der Freiheit gegen die Tyrannei. Sie begründeten die Säulen des Systems der Nachkriegszeit,
- das Währungssystem von Bretton Woods, das die Welt verband,
- das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) und seine
Folgekonferenzen,
- den Marshall-Plan und die Weltbank, die Mechanismen für
internationalen Wiederaufbau und Entwicklung (der Marshall-Plan
machte damals 11 Prozent des Gesamthaushalts aus) und
- die NATO.
Die Leistungen der Politiker der Nachkriegszeit bedeuteten die Durchsetzung von Theorien, Erkenntnissen und Führungskraft, die vorher entwikkelt und auf breitester Basis angelegt waren. Sie wurden zu Grundpfeilern
der Demokratie, des Wohlstandes und der Sicherheit des Westens, wie wir
ihn heute kennen.
Im Januar dieses Jahres legte Präsident Reagan dem Kongreß einen Haushaltsentwurf für internationale Angelegenheiten im Finanzjahr 1987 vor,
den wir bereits auf ein Minimum begrenzt hatten. Er umfasste lediglich
zwei Prozent des gesamtes Bundeshaushalts. Trotzdem hat der augenblickliche Kongreßbeschluß zum Haushalt diesen minimal angelegten und wohlüberdachten Entwurf nochmals um 27 Prozent gekürzt. Und die jüngsten Maßnahmen des Kongresses würden den verbleibenden Betrag noch weiter einschränken und beschneiden.
- Diese Kürzungen werden uns, zusammen mit den Bestimmungen über die
Höhe von Hilfsleistungen an einige wenige Länder, über die Hälfte unserer
gesamten sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Unterstützung an viele Länder der Welt entziehen. Gerade dies sind Länder, die für unsere für
unsere Interessen und unsere Sicherheit eine Schlüsselposition einnehmen

�Schlüsselposition einnehmen und denen wir beim Übergang zur Demokratie und
wirtschaftlichen Freiheit helfen müssen. Die Dollars, die wir für eine
solche Untestützung ausgeben, sind das kostengünstigste Geschäft bei all
unseren nationalen Sicherheitsbemühungen.
- Das heißt, daß wir eine Reihe unserer diplomatischen Vertretungen
schließen und unser Personal im Ausland einschränken müssen - bis auf einen Personalstand, der unter demjenigen liegen wird, wie er zu den Zeiten
bestanden hat, als George C. Marshall Außenminister war.
- Es heißt weiter, daß wir unsere Mittel für die multilateralen Entwicklungsbanken, die für den wirtschaftlichen Fortschritt der Dritten Welt
sehr wichtig sind, um ein Drittel kürzen müssen,
- Das bedeutet auch einen Schlag für unsere Bemühungen um eine Einschränkung der Produktion und des illegalen Exports von Drogen aus dem
Ausland, gerade wo unsere Programme zu wirken beginnen.
- Und es bedeutet auch die Schließung amerikanischer Büchereien und
Kulturzentren im Ausland und eine Einschränkung der Sendungen der 'Voice
of America'.
Ich bin nicht nach Harvard gekommen, um Ihnen lediglich von einer weiteren bürokratischen Schlacht um den Haushalt zu berichten. Die Auswirkungen dieser Kürzungen werden zusammen mit den drastischen Einschränkungen im Verteidigungshaushalt, ausuferndem Protektionismus und dem moralischen Wunsch nach Rückzug von den Belangen der Welt für unsere auswärtigen
Beziehungen verheerend sein. Das hieße, die vergangenen fünfzig Jahre, in
denen Amerika eine positive Führungsrolle in der Welt innehatte, zunichte
zu machen; es wäre einfach gedankenlos, das gerade jetzt zu tun, wo so
viele positive Trends in der Welt sichtbar werden und so viele Möglichkeiten offen vor uns liegen.
Die Geschichte zeigt uns, daß der amerikanische Rückzug in diesem
Jahrhundert nur die weltweit bestehenden Gefahren und das Risiko von Konflikten verstärkt. Die strategischen und wirtschaftlichen Konsequenzen
des Smoot-Hawley-Zolls trugen - zusammen mit den Illusionen des Isolationismus und verminderter Verteidigungsfähigkeit - dazu bei, die internationalen Spannungen anzufachen, die zum Zweiten Weltkrieg führten. (Sogar in
den siebziger Jahren haben wir gesehen, daß unsere Gegner, deren Absichten
den von uns verfolgten Prinzipien diametral entgegenstehen, Vorteil daraus
ziehen, wenn Amerika sich auf sich selbst zurückzieht.)
Warum sollen wir also nach innen blicken, wenn andauerndes Engagement
Früchte trägt? Wir sind eine Nation von beispielloser Stärke, - sowohl
auf strategischer, als auch auf wirtschaftlicher und politischer Ebene
- und haben einmalig glückliche Voraussetzungen. Wenn unsere Wirtschaft
stark ist, wenn unsere Position in der Welt gesichert ist, vergißt man nur
zu leicht, daß viele Länder der Welt um uns herum immer noch von wenigen
Rücksichtslosen regiert sind, die nicht zögern werden, das Vakuum auszufüllen, das entsteht, wenn wir uns zurückziehen.

Ein offenes
- 10 -

�Ein offenes Fenster zur Welt
Meine Rede begann damit, daß diese bedeutende Universität der richtige
Ort ist, um darüber zu sprechen, was Amerika und die Welt in den vergangenen Jahren gelernt haben. Heute, wo wir alle uns Harvards rühmen, wo die
höhere Bildung in Amerika ihren Anfang nahm, denken wir nicht nur daran,
was Harvard als Universität bedeutet hat, sondern auch an die Bedeutung
der Institution für Amerika und für unser zukünftiges Engagement in der
Welt.
Meiner Ansicht nach ist Amerikas Vergangenheit durch das große Thema
'Offenheit' gekennzeichnet.
Bruce Catton, Historiker des Bürgerkrieges, beschrieb einmal die Gründung seiner Heimatstadt Benzonia in Michigan im Jahre 1858. Er beschrieb
die Menschen, die "daran glaubten, daß es eine Zukunft geben würde und die
daran bauten. Wenn sie sich umschauten, sahen sie Menschen statt Bäume.
Das was ihr Leben ausmachte, war nicht so sehr die Umwandlung von Baumstämmen in Bretter, sondern vielmehr die Gründung einer menschlichen Gesellschaft. (...) Benzonia wurde von den Menschen gegründet, die glaubten,
daß der Rand eines endlosen Waldes genau der richtige Ort sei, um ein College zu gründen".
Immer wieder wiederholten die Amerikaner in jedem Teil unseres Landes
diesen Akt der Schöpfung. Genauso wie das puritanische Massachusetts am
Rande der Zivilisation nicht ohne eine LehrInstitution auskommen konnte,
so haben immer wieder vorausschauende Amerikaner es ihnen gleichgetan und
sind so schließlich 1636 zu jenem prophetischen Ereignis gelangt, das die
Universität Harvard ins Leben rief.
Unsere Universitäten nehmen in der Welt eine Führungsrolle ein, weil
wir eine offene Gesellschaft haben - offen gegenüber Menschen, Ideen, Unternehmungen und Wandel.
Ich habe einen großen Teil meines Lebens an der Universität verbracht. Ich habe dort gelehrt, aber ich habe auch eine Menge gelernt.
Eine Sache, die ich gelernt habe - die sich bei meinen Reisen um die Welt
bestätigt hat - ist, daß unsere Colleges und Universitäten zu Amerikas
größten Errungenschaften zählen. Es gibt auf der ganzen Welt nichts, das
unserem Ausbildungssystem gleichkommt. Alfred North Whitehead hat 1927 in
diesem Zusammenhang gesagt, daß die Vereinigten Staaten "in der Entwicklung eine Führungsrolle übernommen haben, die sich unter entsprechender
Anleitung als einer der glücklichsten Schritte erweisen könnte, die die
Zivilisation bis jetzt unternommen hat".
Heute wendet sich die Welt uns vor allem wegen unserer Offenheit zu.
Nach Harvard kommen, wie an alle großen Universitäten, Studenten aus allen
Erdteilen auf der Suche nach neuen Dimensionen des Verständnisses und der
Analyse, neuen Trends von Theorien und Innovationen, neuen Entwicklungen
im Bereich des menschlichen Wissens. Heute studieren über 340 000 junge
Männer und Frauen aus Übersee in den Vereinigten Staaten, um nur einige
- 11 -

�nur einige Zahlen zu nennen: 21 000 kommen aus Malaysia, 18 000 aus Nigeria, 6 000 aus Großbritannien. Es ist besonders dankenswert, daß China,
eine Nation, die über so lange Zeit hinweg versucht hat, sich von der Aussenwelt abzuschließen und sich nach totalitärem Vorbild auszuformen, jetzt
mehr als 15 000 Studenten jährlich hierher schickt.
Die amerikanische Universität war immer die Heimat derjenigen Grundsätze, die Amerika geformt haben - von den theologischen Disputen des
16. Jahrhunderts bis hin zu den modernen Diskussionen über die Rolle unseres Landes in der Welt. Heute ist unser Universitätssystem Teil der Entwicklung einer besseren Weltgesellschaft.
Amerika ist durch seine großen privaten Institutionen und durch seine
Menschen unauflöslich mit der Welt verbunden - und durch deren internationale Interessen, Reisen und Verbindungen.
Wie paradox ist es demnach, daß die amerikanische Reierung jetzt möglicherweise - vielleicht unbewußt und unsicher - mit unseren nach außen
schauenden Bürgern und ihren breit gestreuten Interessen in die falsche
Richtung abgleitet.
Heute ändern sich unsere Ideen und Interessen. Wir haben die Wahl.
Ich fordere heute ein neues Bewußtsein für die Tatsache, daß Amerika - die
Regierung und die Menschen - der Welt gegenüber offen und engagiert bleiben muß, oder wir riskieren den Verfall unserer Substanz als Volk und unsere Berufung als eine Nation.
Ich glaube, daß diese berunruhigenden Trends, die ich gerade beschrieben habe, nicht repräsentativ dafür sind, was dieses Land und seine Menschen wirklich denken. Als größte Demokratie der Welt muß Amerika alle
anderen daran erinnern, daß es eine Alternative zu Tyrannei, Unterdrückung
und Verzweiflung gibt. Diejenigen, die ein College an den Rand eines endlosen Waldes gebaut haben, waren keine furchtsamen und schüchternen Menschen. Sie sind ihrer Verantwortung nicht ausgewichen. Sie waren praktisch denkende Männer und Frauen. Sie waren erdverbunden und realistisch
und ihr Leben wurde von einem Traum, einer Vision gelenkt und vom Pflichtgefühl gegenüber zukünftigen Generationen gelenkt.
Lassen Sie uns diese Tradition hochhalten Es ist eine wirklichkeitsund praxisbezogene Tradition, dem Fortschritt offenener Gesellschaftssysteme verpflichtet. Es ist eine Aufforderung an uns, Vertrauen in die
Zukunft zu zeigen, wie es nur Offenheit und Freiheit hervorbringen können.

* * * * *

- 12 -

�AMERIKA DIENST
^7

Dokumentation

C*

10. September 1986

29

DAS DEUTSCH-AMERIKANISCHE VERHÄLTNIS:
DIE BEDEUTUNG VISIONÄREN DENKENS
- Rede des amerikanischen Botschafters in Stuttgart -

STUTTGART - (AD) - Der amerikanische Botschafter, Richard R. Burt, hat
einen neuen Geist visionären Denkens und des Optimismus in den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland gefordert, der dem in der unmitteloaren Nachkriegszeit von Amerikanern und Deutschen gezeigten ebenbürtig sein solle.
In einer Rede anläßlich von Feierlichkeiten zum vierzigsten Jahrestag
der "Rede der Hoffnung" des amerikanischen Außenministers James F. Byrnes
erklärte der Botschafter, daß "dieser Tag den Beginn 'positiver' vierzigster Jahrestage symbolisiert - Gedenkfeiern zu Ereignissen und Beschlüssen, die das Fundament unserer Nachkriegswelt legten".
Nachfolgend bringen wir die Rede des amerikanischen Botschafters im
Wortlaut:
In den letzten beiden Jahren haben wir viele 40. Jahrestage bedeutender Eraignisse in Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg begangen. Die
meisten dieser Anlässe waren dem Gedenken an wichtige Schlachten oder militärische Siege gewidmet. Obwohl diese epochalen Ereignisse letztendlich
zu Hitlers Niederlage führten, forderten sie doch auch einen tragischen
Preis an Menschenleben. In Europa wie in den Vereinigten Staaten wecken
sie immer noch bittere Erinnerungen und schreckliche Bilder.
Der heutige

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�De:: heutige Tag symbolisiert den Beginn einer hoffnungsvolleren Reihe
40. Jahrestage. In der Zukunft werden wir "positive" Jahrestage begehen
können - Gedenkfeiern zu Ereignissen und Beschlüssen, die das Fundament
unsere: Nachkriegswelt legten.
Die vielleicht bedeutendste Leistung der Nachkriegszeit bestand in der
Entstehung eines neuen und demokratischen Deutschland. Die Bundesrepublik
repräsentiert die besten Traditionen der westlichen Kultur. Sie hat in
Zusammenarbeit mit der atlantischen Gemeinschaft dabei mitgewirkt, unseren
Völkern mehr Freiheit und Stabilität zu geben, als dies jemals in der jüngeren Vergangenheit der Fall gewesen ist.
Es ist bemerkenswert, daß so viele der Grundlagen dieser Gemeinschaft
in den ersten beiden Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gelegt wurden. Oft
waren sie das Ergebnis amerikanischer Initiativen, wie etwa des MarshallPlans. Andere ebenso historische Leistungen waren das Produkt des Hutes
und de: Kreativität des deutschen Volkes.
Die Berliner Kommunal wähl vom 20. Oktober 1946 ist dafür ein Beispiel. Trotz sowjetischen Zwangs statteten die Berliner die demokratischen Parteien mit einer überwältigenden Mehrheit aus und fügten den Kommunisten eine nachdrückliche Niederlage zu. Es ist eine tragische Tatsache, daß dies nach dem Zweiten Weltkrieg die einzige freie Wahl blieb,
an der alle Berliner sich beteiligen konnten. Aber es war das erste Mal
von vielen, daß die Bevölkerung von Berlin freiheitsliebenden Völkern in
der ganzen Welt Hoffnung gab.
r^ine wichtige Rolle bei der Demokratisierung Deutschlands in diesen
frühen Jahren spielten die deutschen Universitäten. In der Amerikanischen
Zone wirden sechs der sieben Vorkriegsuniversitäten Anfang 1946 wieder eröffnet. Zehntausende heimkehrender Soldaten fanden durch ein universitätsotudium den Weg zu einem neuen Leben.
Einer der frühesten und sicherlich einer der wichtigsten Schritte zum
Aufbau dieses neuen Deutschland wurde vor genau vierzig Jahren hier in
dieser großartigen Stadt Stuttgart getan. Dieses Ereignis war eine Rede
des amerikanischen Außenministers James Byrnes.
Ich bin Ministerpräsident Späth und Oberbürgermeister Rommel dankbar
für die Gelegenheit, an diesem Jahrestag hier zu sprechen. Ich fühle mich
besonders durch die Tatsache geehrt, daß Bundesaußenminister Genscher, der
hier zum 20. Jahrestag der Byrnes-Rede eine hervorragende Ansprache zur
politischen Rolle Deutschlands gehalten hat, heute hier unter uns weilen
kann, da wir ihren 40. Jahrestag begehen. Ich bin außerdem hocherfreut
über die Anwesenheit von General Dick Lawson, einer der hervorragendsten
militärischen Persönlichkeiten Amerikas.
Ich möchte versuchen, die Ansicht eines Amerikaners zum Hintergrund
und zu den Folgen dieser Rede beizutragen. Und, wichtiger noch, ich
möchte versuchen darzustellen, wie meiner Meinung nach die von James
Byrnes formulierten Ideen uns in Zukunft leiten können.
Um die Bedeutung

�Um die Bedeutung dieser Rede vollständig zu würdigen, müssen wir uns
die Lage Europas an diesem 6. September 1946 vor Augen führen.
Außenminister Byrnes hatte sich drei Monate lang fast ständig mit seinen britischen, französischen und sowjetischen Kollegen in Paris getroffen. Ihre Aufgabe bestand darin, die Gestalt des Nachkriegseuropa zu bestimmen. Wie der Minister in seinen Memoiren selbst schrieb, bestand die
wichtigste und zugleich schwierigste Aufgabe in der Zukunft Deutschlands.
Nun war Deutschland in vier Besatzungszonen geteilt. Berlin wurde von
den vier Mächten separat verwaltet. Trotz der während der letzten Kriegsmonate erzielten Vereinbarungen hatte es keine Fortschritte bei der Überwindung sowjetischer Vorbehalte gegen den Aufbau einer zentralen Verwaltung gegeben.
Diese Verzögerung hatte eine immense Wirkung auf die deutsche Bevölkerung. Die Sowjetunion blockierte Nahrungsmittellieferungen von ihrer Zone
ins übrige Deutschland. Sie verlangte eine Vereinbarung über ein weitreichendes Reparationsprogramm, einschließlich der Viermächtekontrolle
über das Ruhrgebiet, als Vorbedingung für die Lieferung von Nahrungsmitteln.
In den Westzonen existierten die meisten Bewohner von 1 000 Kalorien
pro Tag. Dies ist weniger als das zum Überleben notwendige Minimum. Amerika gab 200 Millionen Dollar jährlich aus, um die deutsche Bevölkerung
verpflegen zu helfen. Die CARE-Lieferungen begannen im August 1946 - ein
weiterer bedeutender vierzigster Jahrestag, den wir dieses Jahr begehen.
Der ursprüngliche amerikanische Plan für Deutschland hatte in der Errichtung eines wiedervereinigten, entmilitarisierten Staates bestanden.
Der entmilitarisierte Status sollte dabei von den vier Siegermächten garantiert werden. Im April 1946 schlug Außenminister Byrnes die Einführung
einer Viermächtekommission zur Ausarbeitung eines Friedensvertrages vor,
der auf diesen Prinzipien beruhen sollte. Großbritannien und Frankreich
stimmten zu. Der sowjetische Außenminister Molotow lehnte es ab, über den
Vorschlag überhaupt zu reden.
Die sowjetischen Vorschläge hinsichtlich Deutschlands waren in einer
Rede enthalten, die Molotow am 10. Juli 1946 im Rahmen der Pariser Konferenz hielt. Der sowjetische Außenminister behauptete, die UdSSR unterstütze ein vereintes Deutschland mit einer starken industriellen Basis.
Es gab jedoch sowjetische Vorbedingungen, insbesondere eine befriedigende
Zahlung von Reparationen. Am ominösesten war Molotows Argumentation, wonach der Abschluß eines Friedensvertrages "für einige Jahre" vertagt werden müsse.
In einigen wenigen entscheidenden Monaten trat somit der Umriß der
Nachkriegsentwicklung klar zutage. Man konnte beobachten, wie die ersten
Anzeichen des großen Ringens um Herz und Seele Europas, das später den
ganzen Kontinent erfaßte, sich entfalteten. Minister Byrnes brachte klar
zum Ausdruck, wie Amerika beim Aufbau der Nachkriegswelt helfen wollte.

�helfen wollte. Das sowjetische Verhalten enthüllte eine zielbewußte Kampagne zur Kontrolle, die Deutschland und Europa bis auf den heutigen Tag
in Teilung verharren läßt.
Die sowjetischen Vertreter lehnten es ab, über eine zentrale Verwaltung Deutschlands überhaupt zu diskutieren. Sie verlangten umfassende Reparationen und verwehrten dem deutschen Volk das Recht auf Selbstbestimmung. Sie stellten öffentlich und in vertraulichen Gesprächen klar, daß
ein Friedensvertrag solange aufgeschoben würde, bis nicht genau definierte
Vorbedingungen, einschließlich der Zahlung von Reparationen, erfüllt seien.
In seinen Memoiren beschrieb Minister Byrnes seine Reaktion auf Molotows Rede folgendermaßen:
"Mit dieser Erklärung wurden unsere Befürchtungen bestätigt, wonach
die Sowjetunion, wenn sie nicht durch die Weltmeinung dazu gezwungen
würde, in den kommenden Jahren einem Friedensvertrag mit Deutschland
nicht zustimmen würde. Sie würde ihr Vetorecht im Alliierten Kontrollrat sowie im Rat der Außenminister dazu benutzen, um die Annahme
ihres Konzepts einer 'demokratischen' Regierung zu sichern; um eine
teilweise Kontrolle über die deutsche Industrie zu sichern... und die
Zahlung von Reparationen in Höhe von 10 Milliarden Dollar durchzusetzen."
Einen Tag nach Molotows Rede, am 11. Juli 1946, kündigten die britischen und amerikanischen Behörden die Vereinigung ihrer Zonen zur sogenannten Bizone an. Frankreich schloß sich ihnen später an. Dieser
Schritt wurde von der Sowjetunion als Anfang der Teilung Deutschlands verurteilt. In Wirklichkeit zielte die sowjetische Politik darauf ab,
Deutschland und seine Bevölkerung als Geiseln zu halten. In zynischer
Weise sollten eine ausreichende Ernährung und der wirtschaftliche Wiederaufbau hinausgeschoben werden, bis die politischen Forderungen der Sowjets
erfüllt waren. Der Prozeß des Wiederaufbaus in den westlichen Zonen
konnte nur beginnen, wenn diese selbst den ersten Schritt taten.
Der Minister hatte ursprünglich beschlossen, eine Erklärung zur amerikanischen Politik solange aufzuschieben, bis der Rat der Außenminister
sich über die Zukunft Deutschlands im klaren war. Die Molotow-Rede veranlaßte ihn, seine Meinung zu ändern.
Byrnes entschloß sich, seine Ansprache in Stuttgart, dem Sitz des Länderrats der Ministerpräsidenten der amerikanischen Zone, zu halten. Die
amerikanischen Behörden hatten schon in Januar 1946 die ersten Kommunalwahlen organisiert. Der Länderrat bildete das sichtbarste Ergebnis der
amerikanischen Bemühungen um den Aufbau einer demokratischen Regierung in
Deutschland.
Der Minister reiste nach Stuttgart von Berlin aus, wo er sich mit General Clay beraten hatte. Er beschloß, die Reise im Zug zurückzulegen,
damit er sich aus erster Hand einen Eindruck von der völligen Verwüstung
Deutschlands machen konnte. Während seiner Reise traf er auf viele amerikanische Soldaten.
Nach seiner

�Nach seiner Ankunft in Stuttgart hielt Minister Byrnes ein Treffen mit
dem Länderrat ab. Dann begab er sich in das Württembergische Staatstheater, das zu jener Zeit der einzige noch intakte größere Versammlungsort in
Stuttgart war. Die Atmosphäre dieses Tages wurde mir von Professor
William Griffith beschrieben, einem der großen amerikanischen DeutschlandKenner, der jetzt in Bonn zu meinen Mitarbeitern gehört. Im Jahr 1946 war
er als junger Offizier bei den Besatzungsbehörden in München.
Professor Griffith erinnert sich, wie er mit einem Gefühl der Erwartung nach Stuttgart reiste. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Besatzungsmächten waren weithin bekannt. Er und seine Kollegen wußten
nicht, was die Rede enthalten würde. Wahrscheinlich hat es einige Zeit
gedauert, bis die meisten der Zuhörer sich darüber klar wurden, was für
einen Wendepunkt sie darstellte.
Der Rahmen der Veranstaltung entsprach ganz der amerikanischen Tradition. Zusätzlich zu den militärischen Vertretern saßen zwei Senatoren neben Byrnes auf dem Podium - Senator Vandenburg aus Michigan, ein Republikaner, und Senator Tom Connolly aus Texas, ein Demokrat -, um den starken
überparteilichen Konsens hinsichtlich seiner Politik zu unterstreichen.
Beide spielten in der Folgezeit eine bedeutende Rolle bei der Sicherung
der Zustimmung zu solch wichtigen Initiativen wie dem Marshall-Plan und
der NATO. Der Minister wurde von einer amerikanischen Militärkapelle eingeführt. Als er sich zum Podium begab, spielte die Kapelle den bekannten
Schlager "Stormy Weather".
Das Ziel von Byrnes bestand jedoch darin, Stürme zu vermeiden. In
dieser historischen Ansprache ging er hinsichtlich der amerikanischen Politik in Europa zwei Verpflichtungen ein:
- Erstens: Amerika würde nicht den Fehler des Ersten Weltkriegs wiederholen. "Wir haben gelernt," so erklärte er, "...daß wir in einer
Welt leben, von der wir uns nicht isolieren können. Wir haben gelernt, daß Frieden und Wohlergehen unteilbar sind und daß Frieden und
Wohlergehen nicht auf Kosten des Friedens und Wohlergehens eines anderen Volkes erkauft werden können."
- Zweitens: Amerika beabsichtigt nicht, ein besiegtes Deutschland
hart zu behandeln. Minister Byrnes beendete seine Rede mit der folgenden Ankündigung: "Das amerikanische Volk wünscht, dem deutschen
Volk die Regierung Deutschlands zurückzugeben. Das amerikanische Volk
will dem deutschen Volk helfen, seinen Wegzurückzufinden zu einem ehrenvollen Platz unter den freien und friedliebenden Nationen der Welt.
Selbst Reden eines Außenministers können die Welt nicht über Nacht
verändern. Doch wie die zwei Senatoren, die Byrnes begleiteten, demonstrierten, sprach der Minister nicht für sich allein. Diese historische Ansprache enthielt eine Verpflichtung des gesamten amerikanischen Volkes,
sich weiterhin in der Welt zu engagieren. Sie reflektierte außerdem die
in Anierika noch immer bestehende große Sympathie für das deutsche Volk.
Schon im Jahr 1946 waren wir entschlossen, Deutschland und Europa auf den
Weg ler Freiheit und des Wohlstandes zurückzuführen.
Außenminister Byrnes'
- 5 -

�Außenminister Byrnes' Rede war jedoch aus einem anderen Grund bemerkenswert. Betrachtet man das Ausmaß der Zerstörung und des Leids im
Deutschland des Jahres 1946, dann muß der Plan des Ministers zur Schaffung
eines wohlhabenden und demokratischen Deutschland vielen der damaligen Zuhörer unrealistisch - ja, sogar utopisch - erschienen sein. Fachleute
sagten zu jener Zeit voraus, daß Deutschland Jahrzehnte benötigen würde,
um bei der Industrieproduktion wieder das Vorkriegsniveau zu erreichen.
Die Wiederherstellung der Wirtschaft erschien als ferner, vielleicht unerreichbarer Traum.
Die Fachleute hatten jedoch das außer Acht gelassen, was Byrnes verstanden hatte - die Kraft visionären Denkens. Sie vergaßen, daß selbst
die außergewöhnlichsten Aufgaben verwirklicht werden können, wenn den Menschen seine Phantasie beflügelt.
Heute, da wir uns wieder in einem Zeitalter des Wandels befinden, ist
die Erinnerung an die Vision von Minister Byrnes und Menschen wie ihm von
ganz besonderer Bedeutung. Viele junge Leute scheinen zu glauben, daß die
Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg einer Zwangsläufigkeit unterlagen.
Die Führungsrolle Amerikas in der Nachkriegszeit, zum Beispiel, wird in
Deutschland heute als zwangsläufige Entwicklung dargestellt.
In Wirklichkeit waren sich viele Amerikaner in der Nachkriegszeit
nicht über ihre Rolle im klaren. Innerhalb der Truman-Administration gab
es erhebliche Diskussionen über die Behandlung Deutschlands sowie darüber,
ob man sich weiterhin in Europa engagieren sollte. Im Jahr 1946, wie auch
heute, denken Amerikaner nicht in Kategorien wie Einflußsphären oder
Gleichgewicht der Kräfte. Wir wollten Europa zur "Normalität" zurückführen und dann nach Hause gehen.
Die amerikanische Abkehr vom Isolationismus war kein leichter
Schritt. Sie wurde durch Mut und Entschlossenheit der politisch Verantwortlichen in beiden großen Parteien bewirkt. Die Rede von Außenminister
Byrnes war genauso dazu bestimmt, das amerikanische Volk vor den Gefahren
des Isolationismus zu warnen wie dazu, das deutsche Volk von unserer Politik der Versöhnung und des Heilens in Kenntnis zu setzen.
Die westliche Welt hatte deshalb Glück in jenen Jahren. Wir wurden
von Persönlichkeiten mit Vorstellungskraft und Mut regiert. Sie ließen
sich von Zerstörung und Unordnung nicht entmutigen. Stattdessen betrachteten sie die Nachwirkungen des Krieges als eine Gelegenheit zur Schaffung
einer neuen Welt - einer Welt, aus der die Bedingungen, die zum Zweiten
Weltkrieg geführt hatten, für immer verbannt waren.
In den folgenden zehn Jahren entwickelte sich unsere westliche Partnerschaft rasch. Träume wie der Marshall-PIan, die Montan-Union, der IWF
und die Weltbank sowie die OECD wurden bald zur Realität. Mit amerikanischer Unterstützung trugen die führenden Politiker aller großen Parteien
Deutschlands zur Schaffung der wohlhabenden und demokratischen Bundesrepublik bei, die Minister Byrnes in seiner Rede prophezeit hatte.
Natürlich ist

�Natürlich ist das deutsche Wirtschaftswunder wohlbekannt. Das politische und gesellschaftliche Wunder, das gleichzeitig stattfand, wird weniger gewürdigt. Im Jahr 1945 war den demokratischen Wurzeln, die in
Deutschland gewachsen waren, in zwölf Jahren der Diktatur der Nährboden
entzogen gewesen. Die Nation lag gebrochen und besiegt am Boden. Ihre
politischen Institutionen waren zerstört und diskreditiert.
Der Aufbau der Demokratie war unter den Bedingungen, die in den Nachkriegsjahren existierten, nicht leicht. Sie wurde durch die Vereinigten
Staaten und Großbritannien nicht aufgezwungen - derlei wäre auch gar nicht
möglich gewesen. Die Demokratie war in der Bundesrepublik erfolgreich wegen des Mutes, der Entschlossenheit und des Weitblicks Millionen einfacher
Bürger.
Wie ich erst kürzlich in einer in Nürnberg gehaltenen Rede feststellte, hat sich die deutsche Demokratie zu einer unglaublich erfolgreichen
staatsbürgerlichen Kultur weiterentwickelt. Freie Wahlen sind nicht der
einzige Maßstab dieser Kultur. Ein starkes Geflecht demokratischer Institutionen hat sich in allen Teilen des öffentlichen Lebens entwickelt. Die
Universitäten, die Gewerkschaften, die Nachrichtenmedien und die Unternehmen sind zum Modell für demokratische Staaten in der ganzen Welt geworden.
Werfen wir noch einmal einen Blick auf dieses demokratische Wunder,
während wir über die Lektionen der unmittelbaren Nachkriegszeit nachdenken. Unser demokratisches System wird umso mehr gedeihen, je besser wir
die Anstrengungen und den Mut verstehen, die zu seinem Aufbau notwendig
waren. Ich glaube, dieser Beitrag wird von der Nachkriegsgeneration
manchmal als selbstverständlich vorausgesetzt. Deshalb ist es von ganz
entscheidender Bedeutung, daß die jüngeren Leute auf beiden Seiten des Atlantik sich die politischen Leistungen der Nachkriegszeit in Erinnerung
rufen, insbesondere die gemeinsame politische Vision so vieler Deutscher
und Amerikaner. Es wäre eine Tragödie, wenn diese außerordentliche Periode deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit vergessen - oder, schlimmer noch,
verzerrt - würde.
Und es besteht wirklich die Gefahr solcher Verzerrungen. So hat beispielsweise ein deutscher Historiker während einer Konferenz über die
Nachkriegszeit angeblich behauptet, die amerikanische Besatzungsmacht habe
den Aufbau einer freien und demokratischen Gewerkschaftsbewegung in der
Bundesrepublik Deutschland zunichte gemacht. Diese offenkundige Verzerrung der Nachkriegsgeschichte ist ein Affront gegenüber jenen Millionen
arbeitender Frauen und Männer, die am Aufbau der freien Gewerkschaftsbewegung in Deutschland beteiligt waren und auch gegenüber meinen Landsleuten,
die an diesem Prozeß teilhatten.
Wie eine Veröffentlichung des DGB-Vorstands aus dem Jahr 1984 dokumentiert, war die deutsch-amerikanische Gewerkschaftssolidarität im Kampf gegen den Nationalsozialismus in der Zeit von 1933 bis 1945 ganz außerordentlich. Diese Zusammenarbeit intensivierte und verstärkte sich noch in
der Zeit unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs, als amerikanische
Gewerkschaften - und ihre weitblickende Führung - ihren Einfluß darauf

�Einfluß darauf verwandten, Plänen zur Entindustnalisierung Deutschlands
entgegenzutreten, eine massive Kampagne in die Wege leiteten, um deutsche
Arbeitnehmer mit Lebensmittelpaketen zu versorgen und mit Nachdruck die
Wiedergeburt freier und demokratischer Gewerkschaften unterstützten, die
zu einem Eckpfeiler des neuen Deutschland wurden.
Wie anders sähe Europa heute aus, wenn unsere gemeinsame Vision einer
demokratischen Zukunft auf dem ganzen Kontinent geteilt worden wäre. Es
ist tragisch, daß die sowjetische Führung von ganz anderen Vorstellungen
geleitet wurde - einer Gesellschaft, die sich auf Feindseligkeit und Reglementierung gründet. Diese Sichtweise machte es den Sowjets unmöglich,
die Kraft des demokratischen Ideals zu erkennen. Es führte vielmehr dazu,
Streben und Trachten des Menschen zu ignorieren und brachte eine ständige
Bedrohung des Friedens in Europa. Aus dem gleichen Grund kam die Sowjetunion ihren Verpflichtungen zu freien Wahlen in Osteuropa nicht nach und
ließ auch die Wiedervereinigung Deutschlands nicht zu.
Die Reaktion des Westens war das NATO-Bündnis. Die Präambel des Nordatlantikvertrags verdeutlicht die visionäre Natur des Bündnisses. Sie
stellt fest: Die Unterzeichnerstaaten "sind entschlossen, die Freiheit,
das gemeinsame Erbe und die Zivilisation ihrer Völker, die auf den Grundsätzen der Demokratie, der Freiheit der Person und der Herrschaft des
Rechts beruhen, zu gewährleisten." Und als die Bundesrepublik 1955 der
NATO beitrat, fanden diese Grundsätze speziell für die Zukunft der
deutschen Nation und das Ziel der Wiedervereinigung ihre Anwendung. Von
Anfang an unterstützte die NATO die deutsche Wiedervereinigung auf der Basis der freien Selbstbestimmung in beiden Teilen des Landes - und tut dies
noch immer.
Wären unsere westlichen Vorstellungen in ganz Europa Wirklichkeit geworden, wäre weder ein westliches Militärbündnis, noch die Stationierung
amerikanischer Truppen und Raketen in Europa notwendig gewesen. Denn Ursache der Spannung in Europa ist die Teilung dieses Kontinents, nicht aber
das Wettrüsten, das nur ein Symptom dieser Spannung darstellt. Hätte man
es allen Völkern in ganz Europa ermöglicht, über ihre eigene Art zu leben
zu entscheiden, so stünden wir nicht vor den gefährlichen Spannungen oder
der Notwendigkeit, große Summen für die Rüstung auszugeben.
Vierzig Jahre sind eine lange Zeit. Wenn das Begehen eines Jahrestages dieser Art überhaupt eine Bedeutung haben soll, dann muß er als ein
Leitfaden für die Zukunft dienen. Die Geschichte läßt sich nicht einfrieren. Neue Herausforderungen und neue Bedrohungen sind auf uns zugekommen. Wenn wir sie in Zukunft genauso wie in der Vergangenheit meistern
wollen, müssen wir an die Erfahrungen der vergangenen vierzig Jahre denken
und sie auf die Welt vor uns anwenden.
Die derzeitigen Herausforderungen sind um nichts weniger beängstigend
als jene, mit denen sich die Staatsmänner vor vierzig Jahren konfrontiert
sahen. In vieler Hinsicht ist die Aufgabe sogar noch schwieriger - allein
schon deshalb, weil die Konturen der Politik weit verschwommener sind.
Unsere Vorgänger waren durch das Erlebnis eines schrecklichen Krieges angetrieben.
Unsere Bemühungen

�Unsere Bemühungen heute finden vor dem Hintergrund eines vierzigjährigen Erfolges statt. Unsere Völker leben in Wohlstand und Sicherheit. Die
neuen Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind nicht immer so klarumrissen, wie jene vor vierzig Jahren. Mitunter ignorieren wir auch Bedrohungen, weil wir ihre Bedeutung für unsere Sicherheit oder unseren Wohlstand nicht sehen. Oder aber einige der neuen Probleme sind so komplexer
Natur, daß allein ihre Existenz unseren Bürgern Angst einflößt. Es ist
ein Paradox, vor dem wir stehen: Herausforderungen werden entweder unterschätzt und ignoriert, oder überschätzt und zu katastrophalen Proportionen
aufgebläht.
Diese beiden Bedrohungen - Furcht und Desinteresse - können unsere
Stärke untergraben. Die Weigerung, sich den Problemen zu stellen, kann zu
gefährlicher Immobilität führen. Befürchtungen hinsichtlich unserer
Fähigkeit, mit den neuen Herausforderungen fertigzuwerden, kann dazu führen, daß wir unserer Freunden mißtrauen und unsere Feinde beschwichtigen.
So bin ich persönlich beispielsweise besorgt darüber, daß einige amerikanische Kritiker Deutschlands behaupten, der Bundesrepublik fehle es an
dem Willen, etwas für ihre Verteidigung zu tun und dabei den gewaltigen
deutschen Beitrag zu unseren gemeinsamen Bemühungen vergessen. Umgekehrt
gibt es in Deutschland einige Leute, die in jeder amerikanischen Maßnahme
zur Stärkung des Westens einen aggressiven Plan zur Beherrschung der Welt
sehen.
Keine dieser Haltungen ist logisch, nicht einmal rational. Aber sie
zeigen, wie leicht unsere Völker in den Teufelskreis von Unwissenheit und
Mißtrauen geraten können.
Wenn unsere Leistungen in den nächsten vierzig Jahren genauso gut sein
sollen wie in den vergangenen vier Jahrzehnten, müssen wir der Offenheit
und dem Verständnis von James Byrnes nacheifern. Dies wird vor allem für
die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland von besonderer
Bedeutung sein. Unsere Stärke, unsere Stabilität und unsere geographische
Lage werden unseren beiden Ländern noch zusätzliche Lasten auferlegen, was
Weitblick und Führung anbelangt.
Angesichts ihre Lage im Zentrum Europas und als Teil eines gespaltenen
Landes ist die Bundesrepublik Zwängen ausgesetzt, wie sie noch kein anderes westliches Land erfahren hat. In Deutschland steht das demokratische
Ideal tagtäglich vor Herausforderungen. Mitunter muß es den Anschein haben, als sei die Situation der Bundesrepublik erstarrt, eingefroren. Verbesserungen scheinen in weiter Ferne zu liegen.
Nach vierzig Jahren, so ist bisweilen der Eindruck, sind die alten
Prinzipien in eine Sackgasse geraten, E S besteht die Gefahr, daß Entmutigung an die Stelle von Hoffnung als Grundprinzip des öffentlichen Lebens
tritt. Aber wir können auch optimistisch reagieren, wie dies unsere Vorgänger vor vierzig Jahren taten. Wir können die komplizierte Situation in
Deutschland und Europa als eine Gelegenheit ansehen, die Kraft des demokratischen Ideals in der neuen Phase der Geschichte, in die wir gerade
eintreten, hervorzuheben.
Das es Grund
- 9 -

�Daß es Grund zur Hoffnung gibt, läßt sich am Verlauf der Beziehungen
zwischen Ost und West verdeutlichen. Vor vier Jahren sagten viele eine
Eiszeit bei den Beziehungen zwischen Ost und West voraus. Und doch gab es
noch niemals eine solche Vielzahl von Treffen zwischen amerikanischen und
sowjetischen Repräsentanten wie gerade heute. Außenminister Shultz und
der sowjetische Außenminister Schewardnadse werden sich diesen Monat erneut treffen, um die Vorbereitungen für das nächste Gipfeltreffen zwischen
Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow fortzusetzen. Präsident
Reagan formulierte es in einer bedeutsamen Rede in Glassboro, New Jersey,
im Juni so:
"Wenn beide Seiten wirklich den Fortschritt wollen, dann sollte dies
einen Wendepunkt bei den Bemühungen markieren, aus unserem Planeten eine
sicherere und friedlichere Welt zu machen."
Aber unser Bemühen um den Frieden ist nicht auf Europa oder Nordamerika begrenzt. Eine der wichtigsten Botschaften für die Zukunft besteht darin, daß das Streben nach Demokratie sich weit über unsere beiden Staaten
hinaus entfaltet. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs haben über hundert
neue Staaten die politische Szene betreten. Diese Staaten sind mit Problemen konfrontiert, die noch weit ernsterer Natur sind als jene, vor denen Europa vor vierzig Jahren stand.
Die Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas führen einen gewaltigen
Kampf gegen Armut, Krankheit und Unterentwicklung. Sie streben auf der
Grundlage traditioneller Kulturen nach der Entwicklung moderner Gesellschaften. Frustration und Hoffnungslosigkeit sind in diesen Ländern weit
gefährlicher als in Deutschland.
Viele dieser Länder sind weit von uns entfernt, aber sie haben für unsere eigene Zukunft unmittelbare Bedeutung. Die Demokratie ist nicht so
weit verbreitet und nicht so abgesichert, als daß es sich die demokratischen Staaten erlauben könnten, die Notlage anderer sich abmühender Staaten zu ignorieren. Ich bin davon überzeugt, daß diese Staaten rascher Erfolg haben werden, wenn sie für ein offenes, demokratisches System optieren.
Wenn wir der übrigen Welt dabei behilflich sein können, das demokratische System zu verstehen und anzunehmen, werden auch unsere eigenen Ideale
gestärkt. Genau wie die Erfolge bei unserer Unterstützung der Verteidigung der Demokratie in Berlin meine eigene Nation inspirierte, so kann
auch die Gemeinschaft des Westens ihr eigenes demokratisches System stärken, indem sie anderen Staaten dabei behilflich ist, sich der Wohltaten
unseres offenen Systems zu erfreuen.
Die Herausforderung, vor der sich die Bundesrepublik Deutschland heute
befindet, besteht darin, bei der Bewältigung dieser Aufgabe eine führende
Position zu übernehmen. Vor vierzig Jahren machten es sich die Vereinigten Staaten zur Aufgabe, Deutschland bei seiner Rückkehr zur Gemeinschaft
freier Nationen zu helfen. Jetzt erwarten andere Staaten eine solche Hilfe von Deutschland. Ich finde es höchst ermutigend, wie die Bundesrepu- 10 -

�die Bundesrepublik sich dieser Herausforderung stellt. Nur wenige Staaten
tragen weltweit eine solch große Verantwortung.
Die Botschaft einer Offenen Welt ist ein kraftvolles Rezept für Erfolg. Wenn wir durch unsere Zusammenarbeit für Demokratie und Offenheit
unsere Ideale stärken, so stärken wir zugleich ihre Attraktivität in Osteuropa. Positive Entwicklungen in Asien und Lateinamerika demonstrieren
diese Attraktivität des demokratischen Ideals. Wenn wir dort auch weiterhin Erfolge erzielen, kann Osteuropa nicht für immer in der Rückständigkeit von Teilung und Unterdrückung verharren.
Zusammengefaßt: wir sollten uns diese Vision wieder zueigen machen,
wie sie Außenminister Byrnes vor vierzig Jahren formulierte. Wir sollten
keine Angst vor Träumen und vor dem Entwurf einer besseren Zukunft haben.
Und wie ich schon so oft gesagt habe: Deutschland und die Vereinigten
Staaten sollten sich in einer reifen Partnerschaft zusammenschließen, in
der jeder einen gerechten Anteil an den Lasten und an der Verantwortung
für das Wohl unserer westlichen Gemeinschaft trägt.
Sogar in unseren beiden Ländern stellen manche Leute bisweilen diese
Vision in Frage. Ihrer Meinung nach ist die Welt zu kompliziert oder zu
gefahrvoll. Ein Festhalten an unseren Idealen bedeute nur die Gefahr, andere dazu zu bringen, gegen uns zurückzuschlagen.
Für mich ist das Defätismus. Und es ist ein Rezept für Versagen.
Tatsachen sind nicht alles.
Unsere Art zu leben bezieht ihre Kraft aus unserer Hingabe. Unsere
Aufgabe besteht jetzt darin, stolz auf das von uns Geleistete zu sein und
voll Hoffnung hinsichtlich dessen, was wir in Zukunft noch tun können.
Dieser Stolz und diese Hoffnung werden den weiteren Erfolg unserer Vision
sicherstellen - unserer westlichen Vision von der Menschheit.
Wie es seiner Herkunft aus den Südstaaten entspricht, war Außenminister Byrnes ein Mann der wenigen Worte. Aber oft ist gerade Kürze besonders aussagekräftig. Und ich meine, er formulierte unsere westliche Botschaft besonders prägnant in der Schlußpassage seiner 1947 geschriebenen
Memoi ren:
"...nicht selten war ich zutiefst entmutigt. Unsere wiederholten Bemühungen, Zusammenarbeit in einer friedlichen Welt zu erreichen,
schienen immer nur auf schroffe Abweisung zu stoßen. Aber mit Geduld
und Entschlossenheit setzten wir unsere Anstrengungen fort. Ich habe
die Hoffnung nicht verloren, auch wenn ich heute Abfolge und Betonung
umkehren würde. Ich würde nämlich sagen, daß unsere Politik eine Politik der Festigkeit und der Geduld sein sollte... Mit dem Ziel eines
gerechten Friedens inspiriert uns die Vergangenheit der Freiheit und
ruft uns die Zukunft der Freiheit."

* * *

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

10. September 1986

29

SENAT VERURTEILT VERHAFTUNG DANILOFFS DURCH SOWJETS
- Resolution einstimmig verabschiedet -

WASHINGTON - (AD) - In einer am 9. September 1986 einstimmig verabschiedeten Resolution verurteilt der amerikanische Senat die Sowjetunion
"wegen der ungerechtfertigten Verhaftung und Anklage von Nicholas
Daniloff" und verlangt die "unverzügliche und bedingungslose Freilassung"
des amerikanischen Journalisten.
Die Resolution des Senats hat folgenden Wortlaut:
Die Verhaftung und Anklage von Nicholas Daniloff, Korrespondent von
U.S. News and World Report, durch die Regierung der Sowjetunion aufgrund
falscher Beschuldigungen steht in klarem Gegensatz zu den anerkannten Normen des Völkerrechts und der bürgerlichen Freiheiten.
Die Behandlung von Herrn Daniloff stellt eine unentschuldbare Verweigerung der Rechte eines Journalisten dar, seinen Beruf legitim auszuüben
und ist außerdem eine Verletzung sowjetischer Verpflichtungen in Zusammenhang mit der Schlußakte von Helsinki, insbesondere Korb III, Abschnitt 2,
Artikel (c) über die Prinzipien zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen
für Journalisten, in dem es heißt: "...die beteiligten Staaten bekräftigen, daß die legitime Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit Journalisten
weder der Gefahr der Ausweisung noch anderer Bestrafung aussetzen wird."
Die Handlungen der sowjetischen Regierung verletzen des weiteren Geist
und Buchstaben der Bestimmungen, die auf der KSZE-Folgekonferenz in Madrid

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�in Madrid im März 1983 verabschiedet wurden, insbesondere Korb III, Zusammenarbeit auf humanitärem und anderen Gebieten, wo bekräftigt wird, daß
die beteiligten Staaten "...auch nach Mitteln und Wegen suchen werden, um
Journalisten aus anderen beteiligten Staaten zu unterstützen und sie damit
in die Lage zu versetzen, praktische Probleme, mit denen sie konfrontiert
sein mögen, zu lösen..." und "...weitere Möglichkeiten zu schaffen und,
falls nötig, die Bedingungen für Journalisten aus anderen beteiligten
Staaten zu verbessern, um persönliche Kontakte und Verbindungen zu ihren
Quellen herzustellen und aufrechtzuerhalten;"
Aufgrund dieser Tatsachen beschließt der Senat der Vereinigten Staaten, daß der Senat
1. die Sowjetunion wegen der ungerechtfertigten Verhaftung und Anklage
von Nichols Daniloff verurteilt und von der Sowjetunion seine unverzügliche und bedingungslose Freilassung aus der Haft verlangt;
2. seine tiefe Sorge darüber zum Ausdruck bringt, daß das Versäumnis
der Sowjetunion, diesen Fall unverzüglich und gerecht zu lösen, die konstruktiven Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken zu untergraben droht und die Aussichten
für ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow gefährdet und
3. alle verantwortlichen Nachrichten- und Medienorganisationen, die
sowjetischen Nachrichtenorganisationen Unterstützung, Mitgliedschaft oder
sonstige Privilegien gewähren, dazu auffordert, geeignete Schritte in Erwägung zu ziehen, um die Forderung nach Daniloffs Freilassung zu unterstreichen.

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AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

V,oN *

29

10. September 1986

Wir beginnen in dieser Ausgabe mit dem Abdruck der vierteiligen Reihe
"Die Herausforderung an die Demokratie in Mittelaraerika", die sich mit
der gegenwärtigen Situation und dem weltpolitischen Kontext dieser Region
beschäftigen wird.
Die vollständige Serie erscheint Ende des Jahres als illustrierte
Broschüre.

DIE HERAUSFORDERUNG AN DIE DEMOKRATIE IN MITTELAMERIKA
Teil I

Sowjetischer Expansionisraus in Mittelamerika
In Mittelamerika steht die nationale Sicherheit aller amerikanischen
Länder auf dem Spiel. Wenn wir uns dort nicht verteidigen können, können
wir nicht erwarten, woanders zu bestehen. Unsere Glaubwürdigkeit würde
zusammenbrechen, unsere Bündnisse zerfallen, und die Sicherheit unseres
Vaterlandes wäre gefährdet. Wir haben ein großes Interesse, eine moralische Pflicht und eine ernste Verantwortung. Dies ist kein Problem der
Parteien. Es ist vielmehr eine Frage, wie wir uns selbst, unseren Freunden und der Nachwelt gegenüber unseren moralischen Verpflichtungen nachkommen. Es ist eine Pflicht, die uns allen zufällt - dem Präsidenten, dem
Kongreß und dem Volk. Wir müssen sie gemeinsam ausüben. Wer von uns würde die Verantwortung dafür tragen wollen, daß wir es nicht geschafft haben, unserer gemeinsamen Verpflichtung nachzukommen?
Präsident Ronald
Reagan vor beiden
Häusern des Kongresses im April 1983
Die Herausforderung

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die Herausforderung und ihre Entgegnung
Der kommunistische Block stellt heute eine ernste Herausforderung für
die Demokratie in Mittelamerika dar. Den Völkern dieser Region steht der
Verlust ihrer Freiheit bevor, wenn ihre Regierungen den von Kommunisten
unterstützten Guerillas zufallen sollten, die die Macht an sich zu reißen
versuchen. Die Vereinigten Staaten sehen sich wegen des sowjetischen Expansionismus ebenfalls einer Bedrohung ihrer Sicherheit und ihres wirtschaftlichen Wohlergehens ausgesetzt. Das strategische Ziel der Sowjetunion besteht darin, die Vereinigten Staaten zu zwingen, ihre politische
Aufmerksamkeit und ihre militärischen Mittel auf ihre kritische Südflanke
zu richten und damit weg von jenen Regionen der Welt, die für die Sowjets
lebenswichtig sind. IM dieses Ziel zu erreichen, bewaffnen, trainieren
und kontrollieren die Sowjets und ihre Stellvertreter, wie Kuba und Nicaragua, marxistisch-leninistische Guerillas besonders in El Salvador, aber
auch in den anderen mittelamerikanischen Ländern. Diese Guerillas verkünden, daß ein Wandel sich nur gewaltsam vollziehen kann und versuchen, Ablehnung in Rebellion zu verwandeln, indem sie die politischen, sozialen
und wirtschaftlichen Schwachpunkte ausnutzen, von denen diese Region so
lange Zeit geplagt wurde. Wenn diese Völker jedoch Hoffnung haben, Chancen erhalten und Vertrauen in ihre Zukunft zeigen, wird der Kommunismus
wenig Aussicht auf Erfolg haben. Die Erwiderung der vereinigten Staaten
auf diese kommunistische Herausforderung geht deshalb von der Annahme aus,
daß es auch die Sicherheit der Vereinigten Staaten stärken wird, wenn die
Länder Mittelamerikas die Mittel erhalten, um friedfertige, wirtschaftlich
gesunde und demokratische Gesellschaftssysteme aufzubauen, weil dann der
Kommunismus keine Wurzeln schlagen und die Sowjets mit dem strategischen
Vorteil versehen kann, nach dem sie streben.
Um den Ländern Mittelamerikas dabei zu helfen, dem sowjetischen Expansionismus entgegenzutreten, betreiben die vereinigten Staten eine Politik, die auf vier separaten, sich aber gegenseitig verstärkenden Elementen
beruht:
Demokratie ist ein zentraler Faktor dieser Politik, weil die Vereinigten Staaten glauben, daß aus Wahlen hervorgegangene Regierungen nicht nur
die Rechte ihrer Bürger respektieren, sondern auch jene ihrer Nachbarstaaten. Seit 1981 hat es in Mittel- und Südamerika mehr Wahlen gegeben
als in irgendeinem FünfJahreszeitraum in der Geschichte dieser Region.
Diese Tatsache zeigt deutlich, daß die Menschen in der Region ihre eigenen
Führer lieber selbst auswählen wollen, anstatt sie von Extremisten der
rechten oder linken Seite aufgezwungen zu bekommen. Demokratie ist aber
nicht endgültig; sie ist vielmehr ein empfindlicher Prozeß, der vorsichtig
genährt und dem dauernde Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Die Demokratie versucht, dem Volk und seinen Vertretern politische Macht einzuräumen, nicht nur den dünnen Schichten der politisch Extremen.
Wirtschaftliche Entwicklung ist unabdingbar, weil Armut und soziale
Ungerechtigkeit dem Kommunismus die Möglichkeit für Gewalt und Subversion
schaffen. Die F/itwicklungspolitik der Vereinigten Staaten zielt darauf
ab, das Leben der Menschen in der Region zu verbessern und Enttäuschung

�und Enttäuschung durch Hoffnung zu ersetzen. Aus diesem Grund sind fast
75 Cents eines jeden für die Länder Mittelamerikas ausgegebenen Dollars
der US-Hilfe in die wirtschaftliche Unterstützung geflossen. Das Ziel der
Vereinigten Staten ist es, diesen Ländern dabei zu helfen, zu einem sich
selbst erhaltenden Wirtschaftswachstum zu gelangen, um sie in die Lage zu
versetzen, Arbeitsplätze und Möglichkeiten für ihre Bürger zu schaffen.
Diplomatie geht davon aus, daß der Dialog eine Vorstufe zum Frieden
darstellt und daß Worte den Kugeln vorzuziehen sind. Aber den Worten müssen Taten folgen, und sie müssen an einen wahrhaften, dauerhaften Frieden
geknüpft sein, nicht an einen vorübergehenden Waffenstillstand, der andauernde Aggression bemäntelt. Eine friedliche Lösung für die Region kann
am besten durch den CONTADORA-Prozeß erzielt werden, ebenso wie durch den
innenpolitischen Dialog zwischen den Regierungen und den Rebellenbewegungen im jeweiligen Land. Ein echter Dialog könnte Rebellengruppen dazu
veranlassen, ihre Waffen niederzulegen und auf sicherem und fairem Wege
innerhalb eines demokratisch fundierten politischen Prozesses in Wettstreit zu treten.
Verteidigung ist notwendig, um die Länder der Region zu ihrer eigenen
Verteidigung mit Waffen und militärischer Ausbildung zu versehen. Die Militärhilfe der vereinigten Staaten ist ein Schild, hinter dem alle anderen
Elemente der Politik geschützt werden. Die Wirtschaftshilfe der Vereinigten Staten an diese Länder allein wird wenig gegen die Guerillas ausrichten, die von Kuba, Nicaragua und dem übrigen kommunistischen Block mit
großen Mengen an Waffen und Munition ausgerüstet werden.

Die sowjetische Politik
Diese vierteilige Erwiderung auf den sowjetischen Expansionismus ist
erfolgreich, aber die Herausforderung Moskaus und seiner Klienten in der
Region ist enorm. Die Sowjetunion gibt im Karibischen Raum fünfmal so
viel Geld aus wie die Vereinigten Staaten.
Seit 1980 beliefen sich die sowjetischen Lieferungen von Bombern, Panzern, Kriegschiffen, Boden-Luft-Raketen und anderem Kriegsmaterial an Kuba
auf mehr als 4 Milliarden Dollar. Darüber hinaus ist Material für etwa
600 Millionen Dollar aus dem Ostblock nach Nicaragua gegangen, also insgesamt 5 Milliarden Dollar an militärischem Gerät nur an diese beiden Länder. Diese Zahlen schließen nicht die Ausgaben für Ausbildung ein. Im
Vergleich dazu belief sich die Militärhilfe der Vereinigten Staaten an
ganz Mittelamerika in diesem Zeitraum zusammen mit der Ausbildung auf etwa
1 Milliarde Dollar. Die Militarisierung dieser Region geht also auf das
Konto Moskaus, nicht Washingtons.
Die sowjetische Wirtschaftshilfe an Kuba hat seit 1980 20 Milliarden
Dollar überschritten, während sich die amerikanische Wirtschaftshilfe an
die mittelamerikanischen Länder auf etwa 4 Milliarden Dollar belief. Die
Sowjets gewähren also mehr Wirtschaftshilfe an Kuba als an alle anderen
Hilfsempfänger auf der Welt zusammengenommen.
Trotzdem die

�Trotzdem die Last der Unterstützung an Kuba schwer wiegt, hält die
Sowjetunion die politischen, strategischen und möglichen militärischen
Vorzüge, einen Stützpunkt in der westlichen Hemisphäre aufrechtzuerhalten,
der Mühe für wert. Die Ideologie spielt bei den sowjetischen Überlegungen
eine große Holle , wie auch die Schaffung zusätzlicher kommunistischer
Staaten die Lehren des Marxismus-Leninismus bestätigt und somit die Sowjetunion selbst stützt. Die Kreml-Führer hoffen, daß die Vereinigten
Staaten letztlich so sehr um die Wirren im mittelamerikanischen und Karibischen Raum besorgt sein werden, daß sie militärisch und politisch nur
unzureichend in der Lage sind, den sowjetischen Initiativen in anderen
Schlüsselregionen der Welt entgegenzutreten.
Die Sowjets betrachten Lateinamerika und die Karibik seit langem als
die "strategische Rückseite" der Vereinigten Staaten, beklagen sich aber
dennoch über den "geographischen Fatalismus", der sie ihrer Ansicht nach
unfähig macht, auf die mögliche Achillesferse ihres Gegners Druck auszuüben (1). Im vergangenen Vierteljahrhundert haben sich die Sowjets jedoch
darum bemüht, die Schwachstellen der Region im Namen der "anti-imperialistischen" Revolution auszunutzen. Sowjetische Führer sehen in Mittelamerika eine ausgezeichnete Gelegenheit, um die Vereinigten Staaten zu beschäftigen - den "Hauptgegner" sowjetischer Strategie - und so für sich
selbst eine größere Handlungsfreiheit im Weltgeschehen zu schaffen.
Obwohl Moskau im Karibischen Becken wahrscheinlich keine direkte militärische Herausforderung gegenüber den Vereinigten Staaten aufbauen wird,
so versuchen die Sowjets doch, soviel Unruhe wie möglich in einem Gebiet
zu stiften, das die strategische Kreuzung der westlichen Hemisphäre bildet: die Meerenge von Florida, die an Kuba vorbeiführt, wäre die Hauptroute sowohl amerikanischer Truppen nach Europa wie auch der Versorgungsschiffe, die in einem Notfall in Europa 60 Prozent der Verstärkung und des
Nachschubs an die NATO liefern würden. Darüber hinaus wird fast die Hälfte der Importe und Exporte der Vereinigten Staaten durch diese Gewässer
transportiert und zwei von drei den Panamakanal durchquerenden Schiffen
tragen Güter aus den oder in die Vereinigten Staaten. Mehr als die Hälfte
des von den vereinigten Staaten benötigten Erdöls passiert diese Meerenge, über Kuba hofft die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten dazu zwingen zu können, ihre Aufmerksamkeit auf ein Gebiet zu richten, das in der
Vergangenheit kein Sicherheitsproblem war.

Die Notwendigkeit der Information
Im März 1985 veröffentlichten Außen- und Verteidigungsministerium den
Bericht über "Die sowjetisch-kubanische Verbindung in Mittelamerika und im
Karibischen Raum", um die Öffentlichkeit von dem Ausmaß der sowjetischen
und kubanischen Interventionen in der Region zu unterrichten (2). Die besprochenen Fragen sind komplexer Natur und werden wahrscheinlich kurz und
mittelfristig einen tiefgreifenden Einfluß auf die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ausüben, innerhalb einer Demokratie besteht eine fundamentale Verantwortung der Regierung darin, die Öffentlichkeit über die außenpolitischen Herausforderungen, denen sich das Land stellen muß, aufzuklären und zu informieren, wie auch über die ergriffenen Maßnahmen, um dieser

�um dieser Herausforderung zu begegnen. Aus diesem Grunde wurde auch die
vorliegende Publikation "Die Herausforderung an die Demoratie in Mittelamerika" erstellt, um die Öffentlichkeit in dieser Region von der Außenpolitik der vereinigten Staaten, den strategischen Ambitionen der Sowjets
und den möglichen Konsequenzen zu unterrichten, die sich ergeben können,
wenn sich die Erwiderung der Vereinigten Staaten gegenüber diesen Herausforderungen an die Demokratie als unzulänglich erweisen sollte.

KUBA: DER SOWJETISCHE VERTRETER IM KARIBISCHEN RAUM
Ursprünge des kubanischen AufStandes
Die neuere Geschichte Kubas beginnt mit dem 26. Juli 1953, als Fidel
Castro und seine Anhänger die Moncada-Kasernen in der im Osten Kubas gelegenen Stadt Santiago angriffen. Der Angriff schlug fehl, ein Großteil der
Truppe wurde getötet und Fidel und sein Bruder Raul inhaftiert. Ihr Leben
blieb jedoch verschont, und beide wurden unter der von der Regierung Fulgencio Batista erlassenen Amnestie im Jahr 1955 freigelassen. Die Brüder
gingen daraufhin nach Mexiko und fuhren mit ihrem Komplott zum Sturz der
Regierung Batistas fort. Im Navember 1956 verließen die Castros und ihre
Anhänger Mexiko mit der Absicht, einen Aufstand in Kuba zu initiieren.
Batistas Truppen fingen die Rebellen ab und vertrieben das Häuflein der
82 Mann innerhalb von drei Tagen nach dessen Landung am 2. Dezember 1956
im Ostteil Kubas. Die wenigen überlebenden flohen in die nahegelegende
Bergkette der Sierra Maestra, wo Castro begann, seine Guerilla-Armee wiederaufzubauen .
Castros flamboyanter Stil und sein Talent, durch den Guerillakampf die
Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ließen ihn in den Vereinigten Staaten
schnell zu einer romantischen Figur werden. Da Castro seine Ziele sogar
gegenüber einigen seiner Kampfgenossen eher vorsichtig umschrieb, wurde er
als ein potentieller Befreier betrachtet. Dieser Ruf zusammen mit
Batistas strengen Maßnahmen veranlaßten schließlich die Regierung Eisenhower dazu, Kuba die Militärhilfe zu versagen. Batistas geschwächte Truppen wurden somit demoralisiert und der Diktator floh. Castro marschierte
daraufhin am 8. Januar 1959 im Triumphzug in Havanna ein (3).
Mit der Machtergreifung Fidel Castros brach im Karibischen Becken ein
neues Zeitalter an. Während die meisten Diktatoren mit der innenpolitischen Kontrolle zufrieden gewesen waren, exportierte Castro bald seine eigenen revolutionären Methoden auch nach draußen. Die gegen die Vereinigten Staaten gerichtete Haltung des Castro-Regimes war von Anfang an beschlossene Sache. Im Frühjahr des Jahres 1959 besuchte Castro die Vereinigten Staaten, verbot jedoch seinen wirtschaftspolitischen Beratern, mit
Washington über Auslandshilfe zu sprechen, ein Thema, das seitens der Vereinigten Staaten sehr wohl zur Diskussion stand(4). Castro besprach jedoch bald eben diese Hilfe mit Moskau und nährte dabei den Mythos, daß die
feindliche Haltung der Vereinigten Staaten ihn dazu gezwungen habe, Hilfe
bei den Sowjets zu suchen. Im Dezember 1961 hielt Castro eine Rede, in
der er erklärte, daß er seine wahre politische Anschauung während seines

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�während seines Kampfes gegen Batista verborgen habe, daß er ein Marxist
und Leninist sei und es auch bis zu seinem Tod bleiben würde (5). Erst im
Januar 1984 hat Castro zugegeben, daß die Antwort der Vereinigten Staaten
auf seine Aktivitäten nur eine geringe Rolle bei seiner Annahme des Kommunismus gespielt habe und fügte hinzu, daß "wir uns unwiderruflich als
Marxisten und Leninisten betrachten" (6).
Castros Hinwendung zu Moskau verhalf ihm zu größerem internationalen
Ruhm, als er ihn jemals als kubanischer Staatsmann und lateinamerikanischer Revolutionär hätte ereichen können. Ein Beobachter Castros formulierte das so:
Es sind letztlich die Sowjets, die Castro eine Rolle auf der größeren
Bühne der Weltpolitik verschaffen, die ihm gefällt und die es ihm erlaubt, das zu verfälschen, was andernfalls eine mehr nach innen gerichtete und daher auch konstruktivere Form von kubanischem Nationalismus gewesen wäre.
Das kubanische Volk hat Castros weltpolitische Rolle mit dem Verlust
politischer Freiheit und unausgesetztem wirtschaftlichen Notstand teuer
bezahlt. Seine Söhne sind bei zahlreichen Abenteuern im Ausland ums Leben
gekommen, besonders in Angola seit 1975. Castros internationaler politischer Ehrgeiz wurde durch die sowjetische Wirtschafts- und Militärhilfe
möglich gemacht, die Moskau aus sehr praktischen strategischen Gründen zur
Verfügung gestellt hat.
Die sowjetisch-kubanische Verbindung
Das Ausmaß der sowjetischen Militärhilfe während der vergangenen zwei
Jahrzehnte hat Castros einstmals improvisierte Guerilla-Armee von etwa
4 000 Mann, die keinerlei Schlagkraft über kubanische Küsten hinaus hatte, in eine bewaffnete Armee von 297 000 Soldaten verwandelt. Ohne sowjetische Militärhilfe hätten Castros "internationalistische" Truppen dem
Ehrgeiz ihres Anführers, eine Rolle auf der weltpolitischen Bühne zu spielen, nicht genügt. Mit sowjetischer Anleitung und Hilfe hat Castro das
kubanische Volk einer unvergleichlich brutaleren Diktatur als der Batistas
unterworfen und Kuba zu einem integralen Element des sowjetischen strategischen Netzwerks gemacht. Kuba dient jetzt als Stützpunkt der Sowjetunion im Karibischen Raum, stellt in dieser Form eine Bedrohung für die
Stabilität dieser Hemisphäre dar und bildet das Zentrum von Ausbildung und
Ausrüstung für Guerillas und Terroristen - besonders solcher aus Lateinamerika.
Die Sowjets haben dabei geholfen, in Kuba eine militärische Maschinerie in Gang zu setzen, die gleich ihren eigenen Truppen organisiert ist.
Kuba hat etwa 162 000 aktive Soldaten und zusätzlich 135 000 Reservisten,
die innerhalb von zwei Tagen mobilisiert werden können. Diese Reservearmee ist gut ausgebildet und teilweise kampferprobt, weil Tausende der im
Verlauf der letzten zehn Jahre nach Afrika geschickten Soldaten der Reserve angehörten. Castro unterhält mehr Soldaten in Afrika - etwa 40 000 -,

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�etwa 40 000 als Batista in seiner gesamten Armee hatte. Castro hat die
kubanische Gesellschaft weiter militarisiert und seine Kontrolle über die
Bevölkerung weiter ausgebaut, indem er eine "territoriale Miliz" von über
einer Million Menschen ins Leben rief (bei einer Gesamtbevölkerung von
10 Millionen), die einzig dem Zweck dient, Kuba im Falle einer Invasion zu
verteidigen.
Dieser Staat hat jetzt fast 1 000 Panzer, etwa 200 modernste Bomber
und eine zunehmend schlagkräftige Marine. Die Sowjetunion hat Castro Unterseeboote, Fregatten und mit Torpedos ausgerüstete Tragflächen-Schnellboote als Patrouillenboote zur Verfügung gestellt. Die Sowjets haben seit
1969 25mal Kriegsschiffe in den Karibischen Raum geschickt und führen häufig mit Castros Marine Manöver zur See durch. Die Sowjets betrachten den
Karibischen Raum als eine mögliche Schwachstelle der Vereinigten Staaten
und haben die Gelegenheit ergriffen, Kuba in einen unsinkbaren "Flugzeugträger" zu verwandeln (8) .
Aus Kubas Sicht heraus hat seine strategische Beziehung zur Sowjetunion ihre Ursprünge in dem Urteil Castros, daß ihn seine Außenpolitik von
den Vereinigten Staaten entfremden werde und er daher einen mächtigen Verbündeten brauche. Seiner Ansicht nach verringert ein Bündnis mit Moskau
das Risiko für Kuba. Für Kuba stellt die Sowjetunion den Garanten, hinter
dessen Schutz sich Havanna sicher dabei fühlt, seinen radikalen Umbruch
der kubanischen Gesellschaft und der außenpolitischen Mission zu verfolgen, zu deren Durchführung Castro fest entschlossen ist. Von Anfang an
war Moskau eine sehr wichtige Quelle wirtschaftlicher Hilfe und Unterstützung, ohne die Kuba niemals den Kurs hätte nehmen können, den es schließlich genommen hat. Für Moskau bot Kuba die Möglichkeit, sowjetische Macht
einzusetzen und Einfluß in der westlichen Hemisphäre zu gewinnen und auch,
die Vereinigten Staaten dazu zu veranlassen, sich mehr als in der jüngsten
Vergangenheit der Sicherheit seiner eigenen Region zu widmen. Diese Beziehung zwischen Moskau und Havanna hat auch die Möglichkeit beträchtlich
erhöht, daß eine künftige Revolution in der Region, wo sie auch verwurzelt
sein mag, ost-westliche Dimensionen annehmen könnte. Daher rechnet sich
jede Seite bei dieser sowjetisch-kubanischen Verbindung Vorteile aus.
Kuba hat einen großen Bruder, der es beschützt, und die Sowjetunion hat
eine neue Möglichkeit zur Veränderung des strategischen Gleichgewichts.
Um diese Möglichkeit so gut wie möglich auszunutzen, haben die Sowjets
wenigstens 7 000 Mann an militärischem und nachrichtendienstlichem Personal auf Kuba. Sie unterhalten einen militärischen Beraterstab von 2 800
Mann, um die ungeheuer große kubanische Militärmaschinerie auszubilden und
unterhalten zu helfen. Sie haben darüber hinaus eine 2 800 Mann starke
Infanterie-Einheit in Kuba stationiert. Der militärische Einfluß des
Kreml breitet sich in Kuba, wie auch in den Staaten des Warschauer Paktes,
stärker aus. Man nimmt an, daß die Sowjetunion den Kubanern die militärische Ausrüstung und Ausbildung kostenlos zur Verfügung stellt und daß der
Gebrauch des kubanischen Stützpunktes quasi den Ausgleich schafft. Diese
Stützpunkte geben den Sowjets im Handlungsspielraum und beim Nachrichtendienst Vorteile. Der größte unmittelbare Nutzen, den Moskau aus Kuba
zieht, ist die nachrichtendienstliche Einrichtung der Sowjets in Dourdes

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�in Lourdes nahe Havanna. Von dort aus, ihrem modernsten elektronischen
Horchposten außerhalb der Sowjetunion selbst, beobachten etwa 2 100 sowjetische Nachrichtentechniker das militärische und wirtschaftliche Nachrichtennetz der Vereinigten Staaten ebenso wie die vom nahegelegenen Cape Canaveral ausgehende Kommunikation im Weltraum. Ebenso hören die Sowjets
Telephongespräche privater Bürger in den Vereinigten Staaten ab.
Eine weitere militärische Dividende, die die Sowjets aus ihrer Investition in Kuba ziehen, ist die Eähigkeit, Spionage- und Ausbildungsmissionen mit Langstrecken-Aufklärern und gegen Unterseeboote gerichteten
Flugzeugen entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten durchzuführen.
Diese Flugzeuge beobachten wichtige Verteidigungseinrichtungen der Vereinigten Staaten, die Bewegungen der Atlantischen Flotte und die AtomU-Boote der Vereinigten Staaten. Zugang zu Kuba bedeutet für die weltpolitische Strategie des Kreml einen unschätzbaren Vorzug. Sollten sich die
sowjetischen Statsmänner in Zukunft entscheiden, eine direktere und aktivere Rolle in der westlichen Hemisphäre zu spielen, würden Kubas Luft- und
Marinestützpunkte (über die Jahre hinweg mit sowjetischen Geldern und
technischer Unterstützung erbaut) eine ausgezeichnete Plattform zur Ausbreitung der sowjetischen Militärmacht darstellen.

Mittelpunkt für Subversion und Terrorismus
Ein wichtiges langfristiges Ziel der sowjetischen und kubanischen Führung ist es, die Vereinigten Staaten von einem, ihrem Glauben nach zunehmend radikalisierten und kommunistischen Lateinamerika zu entfremden.
Castro strebt bereits seit langer Zeit danach, ein Katalysator für Guerilla-Kriegsführung zu sein, die zu marxistisch-leninistischen Regierungen
in Lateinamerika führen soll. Aber die Sowjets, die in den sechziger Jahren eine andere Taktik verfolgten, rieten zur Vorsicht und legten Castro
nahe, seine eigene Machtergreifung zu sichern, bevor er andere Länder anging. Während des vergangenen Jahrzehnts haben die Sowjetunion und Kuba
jedoch zusammengearbeitet, um die Zersetzung der pro-westlichen Regierungen aktiv voranzutreiben. Sie tun dies, indem sie die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten der Region ausnutzen. Die Sowjets benutzen somit Kuba nicht nur als strategischen Stützpunkt, sondern
auch als ein Ausbildungslager und eine Bühne für potentielle Castros, und
das mit Castros enthusiastischer Hilfe.
Daß die opportunistischen Sowjets die Region als ein verlockendes Ziel
der Ausbeutung betrachten, wurde durch ein "Gesprächsprotokoll" aufgedeckt, das sich bei den 35 000 Pfund von Dokumenten befand, die von Truppen der Vereinigten Staaten und der Karibik während der Befreiungsoperation auf Grenada im Oktober 1983 beschlagnahmt wurden. Diese Akte eines
Zusammentreffens vom April 1983 zwischen dem sowjetischen Außenminister
Gromyko und dem damaligen Premierminister von Grenada, Maurice Bishop,
zeigte, daß die Sowjets die Region als "einen kochenden Kessel" betrachteten (9). Einen Monat eher sagte der sowjetische Spitzenmilitär, Marschall
Nikolai Ogarkow, seinem grenadischen Amtskollegen, daß es "über Jahrzehnte
hinweg nur Kuba in Lateinamerika gab, heute gibt es hingegen Nicaragua,

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�hingegen Nicaragua, Grenada, und es findet ferner ein ernsthafter Kampf in
El Salvador statt". Ogarkow versicherte seinem Kollegen aus Grenada des
weiteren, daß die Sowjetunion Grenada die notwendige militärische Ausrüstung zur Verfügung stellen würde (10).
Moskau hat einem sehr willigen Castro die Aufgabe übertragen, die
Mehrheit der Guerillas und Saboteure auszubilden, die die sowjetisch-kubanische Strategie durchführen sollen. Trainingslager in Kuba geben Ausländern intensiven militärischen Unterricht in der Taktik kleiner Einheiten,
für Sprengstoffanschläge und andere Elemente der Guerilla-Kriegsführung
sowie für marxistisch-leninistische Schulung. Absolventen der Ausbildungslager Castros agieren nicht nur in Lateinamerika, sondern schließen
auch Terroristen der Palästinensischen Befreiungsfront (PLO) und anderer
radikaler Gruppen der ganzen Welt ein. Aber gerade in Mittelamerika hat
Castro in den vergangenen Jahren die größten Anstrengungen unternommen.
Ein lebhaftes Beispiel für Kubas zentrale Rolle, gemeinsam mit Nicaragua die kommunistisch geleitete Rebellion in El Salvador zu inszenieren,
stellt Adin Ingles Alvarado dar, ein Offizier der Volksbefreiungstruppe
(FPL), der größten Guerilla-Einheit in El Salvador. Ingles war am Angriff
auf das Hauptquartier der Vierten Brigade der Salvadorianischen Armee am
30. Dezember 1983 beteiligt. Später war er von der Sache der Guerillas
enttäuscht und lieferte sich selbst im April 1985 den Regierungsbehörden
aus. Ingles sagte in einem in El Salvador landesweit übertragenen Fernsehprogramm über den Angriff:
Wir begannen, den Angriff auf die Vierte Brigade in Kuba zu planen,
wo sie 28 Mann nahmen, um sie speziell für die Operation auszubilden... ich war einer der 28, die in Kuba ausgebildet wurden, um diese
Operation gegen die Vierte Brigade durchzuführen. Wir unternahmen sogar KampfÜbungen, wobei ein Modell der Garnison verwendet wurde. Ich
war in der Führung der Gruppe. Gemeinsam besprachen wir die Pläne bezüglich der Durchführung des Angriffs mit den kubanischen Beratern und
den Männern, die die Operation durchführen sollten. Neben der Ausbildung erhielten wir auch alle das Material zum Einsatz gegen die Vierte
Brigade. Sprengstoff, Maschinengewehre und Munition wurden von Kuba
geschickt. Nicaragua war nur Durchgangs- bzw. Aufmarschort. Dort
wurden die Vorkehrungen zur Durchführung getroffen. Dann wurde das
Material zu den Guerillas in El Salvador weitertransportiert. Das war
die Rolle Nicaraguas.
Kubas Fähigkeit, Chaos in Mittelamerika zu schaffen, wurde durch die
Machtübernahme 1979 von Castros langjährigen Schützlingen, den Sandinisten, dramatisch erhöht. Zum erstenmal gelang es einer Regierung, die von
Marxisten-Leninisten geführt wurde, sich in Mittelamerika zu verschanzen.
Für Castro schienen sich zwanzig Jahre der Bemühungen auszuzahlen, als
nicht nur die Sandinisten in Nicaragua, sondern auch Maurice Bishops New
Jewel-Bewegung in Grenada an die Macht gelangten.

Castros Schüler

�Castros Schüler kommen an die Macht
Maurice Bishops Diktatur dauerte nur vier Jahre und endete am 19. Oktober 1983, als er durch Mitglieder seiner eigenen New Jewel-Movement-Partei umgebracht wurde. Diese Aktion hatte eine Periode der Anarchie zur
Folge, die schließlich Grenadas Generalgouverneur veranlaßte, die Vereinigten Staaten und die Länder der östlichen Karibik zu ersuchen, die Ordnung wiederherzustellen. Die darauf folgende Rettungsoperation brachte
Grenada wieder auf den Weg zu einer repräsentativen Regierung.
Bishop hatte versucht, den Weg zu verfolgen, den Castro in den sechziger Jahren gegangen war. Er versprach, die Demokratie zu fördern und die
Lebensqualität des Volkes von Grenada zu verbessern. Er hatte jedoch genausowenig die Absicht zur Realisierung der Denokratie wie Kuba. Obgleich
er sich in der Öffentlichkeit wie ein Sozialdemokrat gab, enthüllten
Bishops Erklärungen im Privatbereich etwas ganz anderes. Zu den Dokumenten, die im Oktober 1983 aufgefunden wurden, gehörte ein "vertrauliches"
Gespräch, das Bishop am 13. September 1982 hatte. In dieser "Stoßrichtungsrede" zeigte sich seine Absicht, eine marxistisch-leninistische Regierung zu schaffen. Was die Rechtmäßigkeit des Ganzen anbelangte, erklärte Bishop in grenadischem Stil:
überlegt doch nur, Kameraden, wie die Gesetze in diesem Land gemacht
werden. Die Gesetze in diesem Land werden gemacht, wenn das Kabinett
zustimmt und wenn ich ein Dokument im Namen des Kabinetts unterzeichne. Und das muß dann jeder im Land befolgen - ob es ihm paßt oder
nicht. Oder überlegt einmal, wie Menschen in diesem Land verhaftet
werden. Wir fragen nicht erst nach Abstimmungen. Man wird verhaftet,
wenn ich einen Befehl unterschreibe, nachdem ich mit dem Ausschuß der
Partei für Nationale Sicherheit oder mit einem höheren Parteigremium
gesprochen habe. Wenn ich erst einmal unterschrieben habe - ob es denen nun paßt oder nicht -, dann haben sie sich daran zu halten.
Sowjets und Kubaner waren schnell bei der Hand, um Bishop und seiner
Partei zu helfen, als diese die Macht übernahm. Im Oktober 1983 hatte das
kleine Grenada mehr Mann unter Waffen und verfügte über mehr Waffen und
Ausrüstung, als all seine Nachbarn in der östlichen Karibik zusammen - dazu noch Pläne, Grenada die größte Militärmacht der Welt in Relation zur
Bevölkerung zu geben.
Die aufgefundenen Dokumente enthüllten, daß diese Militärhilfe des
Sowjetblocks Grenada als Folge von geheimen Verträgen und Abkommen gewährt
worden war. Sowjets und Kubaner akzeptierten grenadische Delegationen
zwecks deren Ausbildung in militärischer und paramilitärischer Tätigkeit,
Propaganda, Subversion der Kirchen und allgemeiner politischer Indoktrination. Grenadiner wurden zwecks Ausbildung in die UdSSR und nach Kuba geschickt (13).
Ein wichtiges Element dieser Abkommen waren die erheblichen Geldbeträge und der Einsatz von Personal, um das Volk von Grenada hinsichtlich der
Grundlagen des Marxismus-Leninismus zu indoktrinieren. Als sich die

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�sich die Regierung Bishop im Sommer 1983 vor eine interne politische Krise
gestellt sah, reagierte sie mit der Ankündigung eines umfassenden "ideologischen Intensivkurses" für die gesamte Bevölkerung der Insel. Die Dokumente enthüllen, daß sowjetische Instruktoren an diesem "Intensivkurs" beteiligt waren (14).
Die Rettungsoperation durch die Vereinigten Staaten und die Staaten
der östlichen Karibik im Oktober 1983 wurde durch das Volk von Grenada in
überwältigendem Ausmaß unterstützt. Eine Befragung durch CBS eine Woche
nach der Operation zeigte, daß 91 Prozent der Befragten dieser Rettungsoperation absolut zustimmten(15).
Für Castro und die sowjetische Führung war die Niederlage ein erheblicher - wenn auch nur zeitweiliger - Rückschlag. In Nicaragua jedoch
hatten die Sandinisten feste Kontrolle über ein zunehmend totalitäres Regime, und die Vision einer Konsolidierung und Expansion des MarxismusLeninismus in Mittelamerika schwebte Castro, seinen Gönnern und seiner
Klientel noch immer vor.

NICARAGUA:

MARXISMUS UND MILITARISMUS

Die Ursprünge des sandinistischen Regimes
Als die Sandinistische Nationale Befreiungsfront (FSLN) und ihre Verbündeten die Dynastie Somozas, die 42 Jahre lang gewährt hatte, stürzten
und selbst am 19. Juli 1979 an die Macht kamen, ritten die Sieger auf einer Welle des nationalen und internationalen guten Willens. Allgemeiner
Eindruck in der Welt war, daß eine kleine Gruppe junger Davide - "Rock 'n'
Roll-Rebellen...(16) begeistert von Baseball, Bier und Bruce Springsteen"
- einen brutalen Goliath besiegt hatte. Die Gegnerschaft zur Somoza-Diktatur hatte sich ab Mitte der siebziger Jahre immer weiter ausgebreitet,
und die Ermordung eines der führenden Kritiker Somozas, des Herausgebers
von La Prensa, Pedro Joaquin Chamorro, löste Demonstrationen der öffentlichen Empörung aus, einschließlich eines längeren Generalsteiks. Die
Sandinisten zehrten von diesem immer stärkeren Unwillen, und der Sturm
Eden Pastoras (des Commandante Zero) auf den Nationalpalast im August jenen Jahres beflügelte die Phantasie des nicaraguanischen Volkes und der
ganzen Welt.
Ende 1978 begannen die Reihen der FSLN anzuschwellen - von gerade einigen hundert Militanten, aus denen die Front bis dahin stets bestanden
hatte, auf fast 1 000 Kombattanten (17). Im darauffolgenden Sommer war
ihre Zahl auf etwa 5 000 angewachsen(18). Obgleich zahlenmäßig kleiner
als die 14 000 Mann starke Nationalgarde Somozas, zogen die Sandinisten zu
Beginn des Jahres 1979 Nutzen aus der wachsenden Opposition zu Somozas Unterdrückung und erhielten große Mengen an Material aus dem Ausland. Zahlreiche Waffen und viel Munition kamen aus Kuba. Auch Venezuela und Panama
stellten den Sandinisten große Mengen an Waffen zur Verfügung, während
Costa Rica zustimmte, daß die Sandinisten sein Territorium als Zufluchtsort nutzten.
Im Gegensatz
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�Im Gegensatz hierzu war die Nationalgarde Somozas vom Volk isoliert
und hatte Versorgungsschwierigkeiten. Die Vereinigten Staaten hatten im
Februar 1977 ihre Militärhilfe an Somoza eingestellt. Im Juni 1979 unternahm die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) den ungewöhnlichen
Schritt, den Sturz der Regierung eines Mitgliedslandes zu unterstützen und
forderte den "definitiven Austausch" des Somoza-Regimes(19). Ohne Hoffnung auf Hilfe von außen und nach Verlust der Kontrolle über den größten
Teil des eigenen Territoriums floh Somoza am 17. Juli aus Nicaragua. Die
Nationalgarde löste sich im wahrsten Sinn des Wortes über Nacht auf; viele
der Gardisten, einschließlich des größten Teils der höherrangigen Offiziere, flohen ins Exil, während etwa 3 000 andere, meist angeworbene Leute,
von der neuen Regierung ins Gefängnis geworfen wurden(20). Heute befinden
sich noch immer 1 500 bis 2 000 dieser Gardisten in Haft.

Die sandinistische Machtübernahme
Die sandinistische Führung war für den bewaffneten Kampf von entscheidender Bedeutung, obgleich sie nur eine kleine Minderheit derjenigen ausmachte, die sich gegen die Diktatur Somozas gestellt hatten. Geschäftsleute, Bauern, Arbeiter, Studenten und Nicaraguaner aller Schichten setzten sich für den Sturz des Diktators ein. Die fast gänzliche Einstimmigkeit beim Kampf gegen Somoza und seine willkürliche Anwendung von Gewalt
führte zu großer Zerstörung und vielen Toten - und sie führte in die
Schlagzeilen der Medien der ganzen Welt. Der Sieg der Sandinisten und
ihrer Verbündeten ließ bei vielen die Hoffnung wach werden, eine neue Ära
sei für dieses Land angebrochen. Die Führung der FSLN hatte sich öffentlich verpflichtet, die Grundsätze des politischen Pluralismus, einer gemischten Volkswirtschaft und einer bündnisfreien Außenpolitik einzuhalten (21). Da diese Verpflichtung die offizielle Position der neuen Regierung zum nationalen Wiederaufbau (GRN) widerzuspiegeln schien, erfreute
sie sich breiter internationaler Unterstützung, wobei die Vereinigten
Staaten dabei führend waren, was sich in den darauffolgenden 18 Monaten in
118 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe und humanitärer Hilfe ausdrückte. Dies war mehr, als jedes andere Land dem neuen Regime zur Verfügung
gestellt hatte - und mehr, als die vereinigten Staaten Somoza in den vorangegangenen vier Jahren gegeben hatten. Auch europäische und lateinamerikanische Länder, vor allem Venezuela, schickten Hilfe in das verarmte
und vom Krieg verwüstete Nicaragua.
Obgleich die Sandinisten erheblich marxistisch-leninistisch ausgerichtet waren und ihre Führung eng mit Fidel Castro verbunden war, stellte die
FSLN noch immer nur ein Element der breiten und populären Koalition gegen
Somoza dar, die die GRN stellte. Die Vereinigten Staaten, die lateinamerikanischen und die europäischen Staaten hofften, daß der marxistischleninistische Schwung der jugendlichen Sandinistenführung durch die gemässigteren Mitglieder der Koalition etwas abgeschwächt würde.
Eins war falsch an dieser Analyse. Die Sandinisten hatten die Gewehre
und waren nicht bereit, diese oder die Macht, die der militärische Erfolg
ihnen gebracht hatte, abzugeben. Sie waren davon überzeugt, daß die

- 12 -

�daß die Rettung Nicaraguas in einer marxistischen Wirtschaft und in leninistischer Politik lag.
Fidel Castro, der Gönner der Sandinisten, warnte sie jedoch, nicht in
derselben Geschwindigkeit fortzufahren, die sie in den frühen sechziger
Jahren vorlegten, als sie die politische Orientierung des neuen Regimes
nannten. Castro wollte, daß die Sandinisten eine der seinen ähnliche kommunistische Diktatur etablierten, riet ihnen jedoch, dies mit einer Behutsamkeit zu tun, die die westlichen Länder dazu bringen würde, die finanzielle Hilfe zur Verfügung zu stellen, die für die neue Regierung notwendig war. Bayardo Arce, eines der führenden Mitglieder der FSLN, formulierte es ein paar Jahre später in einer denkwürdigen geheimen Rede so:
Unsere strategischen Verbündeten raten uns, uns selbst nicht als
Marxisten-Leninisten darzustellen... Nicaragua wird das erste Beispiel
des Aufbaus des Sozialismus mit Hilfe der Dollars des Kapitalismus
sein.
In den vergangenen sechs Jahren haben die Sandinisten nicht nur diesen
Rat befolgt, sondern haben allmählich mit ihren "strategischen Verbündeten" mitgehalten. Genau wie die Führungen in der Sowjetunion, den Staaten
Osteuropas, Vietnams und Kubas haben die Sandinisten nunmehr eine Pressezensur erlassen, einen mächtigen geheimpolizeilichen Apparat eingerichtet,
systematische Angriffe auf organisierte Religionsgemeinschaften gestartet
und eine große Militärmacht entwickelt.
Eden Pastora, der berühmte "Comandante Zero" der Zeit des Kampfes gegen Somoza und später stellvertretender Verteidigungsminister der Sandinisten, jetzt aber eine der Führungsgestalten des demokratischen Widerstandes gegen die Sandinisten, antwortete auf die Frage "Wo liegt Ihrer
Meinung nach die größte Schuld der neun Comandantes?":
Darin, daß sie die einzige Chance verspielten, die je ein Volk in der
Geschichte hatte, echte Unabhängigkeit auszuüben, denn mit all der
Hilfe, die uns die Welt damals zukommen ließ, hätten wir eine Vielzahl
von Wirtschaftspartnern haben können und Abhängigkeit von einem einzigen vermeiden können. Kein anderes Land der Welt hatte die gleiche
Chance. Peru, Kolumbien, Ecuador, Panama, Venezuela, Costa Rica, sogar die Araber halfen uns. Wir verloren alles, als wir uns zum Spießgesellen der UdSSR machten.

FUSSNOTEN
1. Committee on Foreign Affairs, U.S. House of Representatives: "The
Soviet Union in the Third World, 1980-85: An Imperial Bürden or Political
Asset?" (Washington, D.C.: Congressional Research Service, 23. September
1985), S. 284-286.
2. U.S. Department of State/Department of Defense: "The Soviet-Cuban
Connection in Central America and the Caribbean" (Washington, D.C.:
März 1985).
3. Als
- 13 -

�3. Als erschöpfende Analyse der kubanischen Geschichte mit besonderer Betonung auf Castros Kampf gegen Batista und die darauffolgende Regierung
Castro siehe Hugh Thomas: "Cuba: The Pursuit of Freedom" (New York, Harper
and Row, 1971).
4. Rolando Bonachea: "United States Policy Tbward Cuba, 1959-1961," unveröffentlichte Dissertation, Georgetown Uhiversity, 1974.
5. Thomas, S. 1373
6. Radiosendung im Madrid Dornestic Service, 5. Januar 1984. Foreign
Broadcast Information Service (FBIS), Lateinamerika, 9. Januar (-ERR0R-)Q4.
7. Mark Falcoff: "Uhscrambling Cuban Messages" (Washington, D.C.: Cuban
American National Foundation, Inc., 1983), S. 10.
8. Jerry Flint: "Cuba: Russia's Wondrous Weapon," Forbes, 28. März 983,
S. 39.
9. Ein Microfiche dieses Dokuments, dessen Original von der amerikanischkaribischen Sicherheitstruppe während der Rettungsaktion in Grenada im
Oktober 1983 entdeckt wurde, kann zur Prüfung beim National Archive in
Washington, D.C. unter der Dokumenten-Nr. DSI-83-C-004845 eingesehen
werden.

10. I b i d . , Dokumenten-Nr. DSI-83-C-004844.
11. Ingles gab diese Erklärung in einem Fernsehprogramm in San Salvador
mit dem Titel "Cuatro Comandantes", Cadena Nacional, am 11. Juni 1985 ab.
12. U.S. Department of State: Maurice Bishop's "Line of March" Speech,
13. September 1982, Grenada Occasional Papers - No. 1 (Washington, D.C:
August 1984).
13. U.S. Department of State/Department of Defense: "Grenada Documents: An
Overview and Selection, (Washington, D.C, September 1984), S. 17-1 - 17-8.
14. Paul Seabury und Walter A. McDougall, Hrsg.: "The Grenada Papers" (San
Francisco: Institute for Contemporary Studies, 1984) S. 101-104.
15. U.S. Department of State/Department of Defense: "Grenada: A
Preliminary Report (Washington, D.C, 16. Dezember 1983) S. i
16. Paul Hollander: "The Newest Political Pilgrims", Commentary,
August 1985, S. 37.
17. "Rebeis Train Tb Overthrow Somoza", Washington Post, 15. Oktober 1978.
18. "Nicaraguan Junta Assumes Rule in Jubilant Managua", Washington Post,
21. Juli 1979.
19. Organisation

- 14 -

*

�19. Organisation Amerikanischer Staaten: "Seventeenth Meeting of
Consultation of Ministers of Foreign Affairs", Resolution II, Dokument
40/79, Rev. 2, Washington, D.C., 23. Juni 1979.
20. Shirley Christian: "Nicaragua: Revolution in the Family" (New York:
Random House 1985), S. 133.
21. Organisation Amerikanischer Staaten: "Report on the Situation of Human
Rights in the Republic of Nicaragua", 30. Juni 1981, S. 4-5. Die weiteren
Unterzeichner dieses Briefes waren Daniel Ortega (der heutige Präsident
von Nicaragua), Sergio Ramirez (heute Vize-Präsident), Moises Hassan
(heute Bürgermeister von Managua) und Alfonso Robelo (heute einer der
Führer der UNO, die in Opposition zum Sandinisten-Regime steht; zusammen
mit Violetta Chamorro war Robelo eines der beiden nichtmarxistischen Mitglieder der ursprünglichen Junta.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Das Buch- und Zeitschriftenwesen in den USA (III)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die US-Zeitschriften - wirtschaftliche Seite des Verlagswesens - Auswirkungen des Fernsehens und der kürzeren Arbeitszeiten auf das Buchgeschäft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Aus der Medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Kampf gegen den Krebs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse von Tierversuchen stützen Virustheorie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Junge Amerikaner 1958"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zeitgenössisches Kunsthandwerk in New York&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower umreißt Ziele der amerikanischen Fernost-Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des Antwortschreibens Präsident Eisenhowers an Senator Theodore Green, Vorsitzender des Außenpolitischen Senatsausschusses, vom 4. Oktober 1958&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amenka dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Information
und
Dokumentation

Service

Postfach

300

Telex:08-85432

Nummer 21

1 0 . O k t o b e r 19 74

Inhalt

INFORMATION:
F o r d l e g t W i r t s c h a f t s p r o g r a m m z u r Bekämpfung d e r I n f l a t i o n v o r
- W o r t l a u t d e r B o t s c h a f t d e s P r ä s i d e n t e n an d e n US-Kongreß -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die A u s b r e i t u n g von K e r n w a f f e n muß v e r h i n d e r t w e r d e n
Von D r . F r e d C. I k l e
D i r e k t o r d e s US-Amtes f ü r R ü s t u n g s k o n t r o l l e u n d A b r ü s t u n g

WIRTSCHAFT
IWF-Ausschüsse s o l l e n w e l t w e i t e W i r t s c h a f t s f r a g e n p r ü f e n
- Lage d e r E n t w i c k l u n g s l ä n d e r u n d R e c y c l i n g a l s S c h w e r p u n k t Von u n s e r e m S o n d e r k o r r e s p o n d e n t e n
Nationale Wirtschaftskonferenz
Von Eugene B r a k e

führte

zur Klärung d e r Standpunkte

P r o j e k t 2000
U S - S o n d e r s c h a u a u f i n t e r n a t i o n a l e r U m w e l t s c h u t z m e s s e i n Graz
( 2 3 . - 2 6 . O k t o b e r 1974)

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 32 4 0

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Information

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08-85432

21/1974

FORD LEGT WIRTSCHAFTSPROGRAMM ZUR BEKÄMPFUNG DER INFLATION VOR
- Wortlaut der Botschaft

WASHINGTON -

d e s P r ä s i d e n t e n an den US-Kongreß -

(AD) - P r ä s i d e n t F o r d h a t dem Kongreß d e r V e r e i n i g t e n

am 8. O k t o b e r 1974 e i n u m f a s s e n d e s
gelegt.

Staaten

Programm z u r Bekämpfung d e r I n f l a t i o n

vor-

Die Rede d e s P r ä s i d e n t e n - d e r s i c h auch d i r e k t an d a s a m e r i k a n i s c h e

Volk r i c h t e t e - a u f e i n e r gemeinsamen S i t z u n g b e i d e r H ä u s e r d e s K o n g r e s s e s h a t
folgenden

Wortlaut:

Mr. S p e a k e r , Mr. P r e s i d e n t , h o c h v e r e h r t e G ä s t e , m e i n e l i e b e n

Freunde:

I n s e i n e r e r s t e n Rede b e i s e i n e m A m t s a n t r i t t h a t P r ä s i d e n t F r a n k l i n D.
Roosevelt g e s a g t , und i c h z i t i e r e :

"Das a m e r i k a n i s c h e Volk h a t n i c h t

versagt

. . . E s w i l l d i r e k t e , n a c h h a l t i g e Maßnahmen . . . Es h a t D i s z i p l i n u n d A n l e i t u n g
u n t e r e i n e r Führung

gefordert".

Obwohl u n s e r e w i r t s c h a f t l i c h e n S c h w i e r i g k e i t e n h e u t e n i c h t a n n ä h e r n d d i e
Ausmaße d e r K r i s e von 1933 e r r e i c h e n ,
der gleiche.

i s t d i e s e r Ruf d e s a m e r i k a n i s c h e n

I c h w e i ß , an S i e w i r d h e u t e d e r g l e i c h e Ruf g e r i c h t e t :

Volkes

Unsere

Wähler wollen Führung, unsere Wähler w o l l e n Handlung.

Wir a l l e h a b e n d i e v i e l e n Reden i n d i e s e m Raum m i t e r l e b t ,

daß d e r Kongreß

w i e d e r s e i n e n r e c h t m ä ß i g e n A n t e i l an d e r F ü h r u n g d e s L a n d e s ü b e r n e h m e n

sollte.

Ich b i e t e Ihnen j e t z t d i e s e Chance.

Der 7 3 . Kongreß h a t auf F r a n k l i n D. R o o s e v e l t s A p p e l l i n n e r h a l b v o n f ü n f
Tagen

reagiert.

�*

Ich bin sehr dankbar für die Mitarbeit des 93. Kongresses auf der Konferenz ,
über die I n f l a t i o n , die vor zehn Tagen zu Ende ging.

Mr. Speaker, v i e l e - a l l e r -

dings nicht a l l e - der Empfehlungen, die Sie im Namen I h r e r Partei vortrugen,
haben in einigen meiner heutigen Empfehlungen h i e r ihren Niederschlag gefunden.
Der hochverehrte Fraktionsführer der Demokraten im Senat hat ein Neun-PunkteProgramm u n t e r b r e i t e t .

Ich habe a l l e diese Punkte geprüft und einige seiner

Anregungen übernommen.
Ich möchte noch hinzufügen, daß ich ebenso genau den Worten meiner vielen
anderen ehemaligen Kollegen in beiden Häusern und - sowohl von der Mehrheitswie von der Minderheitspartei - zugehört habe, und ich wurde sowohl b e s t ä t i g t
als auch gewarnt.

L e t z t l i c h mußte ich mich s e l b s t entscheiden, wie dies jeder

von Ihnen tun muß, wenn es zur Abstimmung kommt.
Ich w i l l Ihre Zeit heute nicht damit in Anspruch nehmen, die Ursachen der
I n f l a t i o n und ihre nachteiligen Auswirkungen für die Vereinigten Staaten zu
erörtern.

Aber ich weiß, wo wir im Jahre 1976 stehen werden - am 200. Geburts-

tag der Vereinigten Staaten von Amerika, die weder von ihrem Weg abgekommen
sind, noch ihren Willen oder i h r Gefühl für nationale Ziele verloren haben.
Auf den Konferenzen über die I n f l a t i o n habe ich den zahlreichen wertvollen
Anregungen genau zugehört.

S e i t der Abschlußkonferenz habe ich Tag und Nacht

hunderte von Ideen ausgewertet.
Meine Schlußfolgerungen sind einfach auszudrücken.
Punkt, bei dem a l l e Berater einer Meinung sind:

Es gibt nur einen

Wir müssen die I n f l a t i o n

j e t z t , s o f o r t , besiegen.
Keine der vorgeschlagenen Maßnahmen - große oder k l e i n e , gesetzliche oder
f r e i w i l l i g e - haben eine Chance, wenn s i e nicht in einem wohl abgewogenen Paket,
in einer konzertierten Aktion, in einem großen Rahmen zusammengefaßt sind.
Ich habe die bisherigen und die derzeitigen Maßnahmen unserer Regierung
zur Förderung der Wirtschaft überprüft.

Sie reichen einfach nicht aus, noch

sind s i e umfassend genug, noch haben sie den Schwung, um der aroerikanischen
- 2 -

�amerikanischen Wirtschaft Auftrieb zu geben.
Es kann keine stabile amerikanische Wirtschaft geben, wenn sich die Weltwirtschaft in einem Chaos befindet.
dingt notwendig und lebenswichtig.

Internationale Zusammenarbeit ist unbeWährend wir jedoch Abkommen mit anderen

Ländern anstreben, müssen wir unser eigenes wirtschaftliches Haus in Ordnung
bringen.

Heute habe ich zehn Gebiete für eine gemeinsame Aktion der Exekutive und
der Legislative unserer Regierung festgelegt.

Bereich eins: Lebensmittel

Amerika ist der Hauptlebensmittelproduzent der Welt.

Die Lebensmittel-

preise und die Erdölpreise in den Vereinigten Staaten sind die wichtigsten
inflationstreibenden Faktoren.

Amerika ist bei Erdöl heute zum Teil von aus-

ländischen Lieferungen abhängig.

Aber wir können für uns mehr als genug Le-

bensmittel erzeugen.

Um den steigenden Lebensmittelpreisen Einhalt zu gebieten, müssen wir
mehr Lebensmittel produzieren.

Und ich rufe alle Farmer auf, ihre Produktion

bis an die Grenzen der Kapazität zu steigern.

Und ich sage Ihnen, diese Ad-

ministration wird alles in ihren Kräften stehende tun, um sicherzustellen, daß
die Farmer ihre gesamte Ernte zu vernünftigen Preisen verkaufen können.

Daher

ersuche ich den Kongreß, alle noch bestehenden Anbaubegrenzungen für Reis,
Erdnüsse und Baumwolle aufzuheben.

Ich versichere den amerikanischen Farmern hier und jetzt ferner, daß ich
Ihnen den benötigten Treibstoff zur Verfügung stellen werde und ich ersuche
um die Ermächtigung, ihnen alle Düngemittel zur Verfügung stellen zu können,
die sie für diese wichtige Aufgabe benötigen.

Die

�»

Die Agrarmarktbestimmungen und andere Verordnungen der Bundesregierung
werden gegenwärtig im Hinblick darauf überprüft, diejenigen Bestimmungen auf-

4

zuheben oder zu überarbeiten, die für den Preisauftrieb verantwortlich sind.
Ich habe unseren neuen Beirat für Lohn- und P r e i s - S t a b i l i t ä t angewiesen,
a l l e r e s t r i k t i v e n Praktiken, s t a a t l i c h e oder p r i v a t e , f e s t z u s t e l l e n und aufzudecken, die zu höheren Lebensmittelpreisen führen.
Die Administration wird die Lebensmittelerzeugung, die Gewinnspannen, die
Preise und die Exporte überwachen.

Wir können und werden im Inland über aus-

reichende Lebensmittelbestände verfügen, und durch Zusammenarbeit den Bedarf
unserer Handelspartner im Ausland decken können.

Am l e t z t e n Wochenende haben

wir ein f r e i w i l l i g e s Programm zur Überwachung der Getreideexporte e i n g e l e i t e t .
Der Wirtschaftspolitische Ausschuß wird für die Festlegung der P o l i t i k im
Rahmen dieses Programms verantwortlich zeichnen.

Um l e i c h t e r Bestände für den

Export abzweigen zu können, ersuche ich darüber hinaus darum, daß das Gesetz
w

Nr. 480 durch eine Bestimmung ergänzt wird, wonach wir Lebensmittel an bedürftige
und befreundete Länder liefern dürfen.

Der Präsident benötigt die Ermächtigung,

bestimmte Lieferbeschränkungen aufheben zu können, wenn dies im nationalen Inter-*
esse liegt oder aus humanitären Gründen notwendig ist.

Bereich zwei:

Energie

Die Zukunft Amerikas hängt weitgehend von Öl, Gas, Kohle, Elektrizität
und anderen Hilfsquellen ab, die man als Energie bezeichnet. Wollen wir uns
nicht täuschen - wir haben ein echtes Energieproblem.

Ein Drittel unseres Öls

- 17 Prozent der Gesamtenergie Amerikas - kommt heute aus ausländischen Quellen,
über die wir keine Kontrolle haben - zu hohen Kartellpreisen, die Sie und mich
16 Milliarden Dollar mehr kosten als noch vor etwa einem Jahr.

Die Lösung muß in der Hauptsache im eigenen Lande gefunden werden. Wenn
Sie die Verknappungen des vorigen Winters vielleicht vergessen haben, die meisten
Amerikaner haben sie nicht vergessen.
Ich
- 4-

�Ich habe heute die Reorganisation unserer nationalen Energie-Anstrengungen
und die Schaffung eines nationalen Energieausschusses angeordnet.

Der National

Energy Board wird die Aufgabe haben, eine geschlossene nationale Energiepolitik
und ein geschlossenes nationales Energieprogramm auszuarbeiten.
Ich glaube, die meisten von Ihnen werden sich freuen, wenn Sie hören, daß
unser früherer Kollege Rog Morton als Innenminister der oberste Chef unseres
gesamten nationalen Energieprogramms sein wird.

Seine Anweisungen werden da-

rauf hinauslaufen, bis Ende 1975 die Importe ausländischen Öls um 1 Million
Barrel pro Tag zu senken - entweder durch Einsparungen hier im eigenen Lande
oder durch Erhöhung unserer eigenen Produktion.

Innenminister Morton hat zusammen mit seinen anderen Zuständigkeiten auch
die Aufgabe, unsere Energieversorgung aus eigenen Quellen zu erhöhen, indem
sofort Kohlevorkommen genutzt werden und die Gewinnung einheimischen Öls, das
sich noch auf dem Boden alter Quellen befindet, gesteigert wird.

Nach der Parlamentspause werden neue Gesetzesvorlagen eingebracht werden,
die bei neuen Kraftwerken die Anwendung sauberer Verfahren zur Nutzung von
Kohle und Kernbrennstoff und die rasche Umstellung von ölbeheizten Kraftwerken
vorschreiben werden.

Ich möchte vorschlagen, daß wir uns zusammen das Ziel

setzen, bis 1980 bei der Energiebasis des Landes ölbeheizte Kraftwerke aus
der Stromerzeugung auszuscheiden.

Ich werde das Gesetz über die Verteidigungsproduktion anwenden, um für
die Energieentwicklung knappe Stoffe zuzuteilen, und ich werde Sie - das Repräsentantenhaus und den Senat - um die Abänderungen des Gesetzes ersuchen,
die sich als notwendig erweisen sollten.

Ich werde mit dem Spitzenmanagement

der Automobilindustrie zusammenkommen, um - entweder durch Übereinkommen oder
durch Gesetze - sicherzustellen, daß ein festes Programm durchgeführt wird
mit dem Ziel, innerhalb einer Frist von vier Jahren eine vierzigprozentige
Erhöhung der Kilometerleistung pro Liter Benzin zu erreichen.

Nach

�1

Nach meiner Auffassung haben folgende g e s e t z g e b e r i s c h e

Maßnahmen z u r

Erhöhung der Energieversorgung Vorrang:
1. Die lange a n g e s t r e b t e F r e i g a b e von Erdgasvorkommen,
2. d i e verantwortungsbewußte Nutzung u n s e r e r E r d ö l r e s e r v e n im Meer vor
K a l i f o r n i e n und Alaska,
3. Änderungen des Gesetzes über die Reinhaltung d e r L u f t ,

und

4. d i e Verabschiedung e i n e s Gesetzes für den Tagebau, um e i n e a u s r e i c h e n d e
Versorgung mit einem v e r n ü n f t i g e n Umweltschutz i n Einklang zu b r i n g e n .
Wenn a l l e d i e s e S c h r i t t e n i c h t a u s r e i c h e n s o l l t e n , um unsere gegenwärtigen
Z i e l e zur Energieeinsparung zu e r r e i c h e n , werde i c h n i c h t zögern, h ä r t e r e Maßnahmen zu f o r d e r n .
L a n g f r i s t i g müssen w i r i n t e n s i v e r an der Kohlevergasung a r b e i t e n .
müssen d i e Forschung auf dem Gebiete d e r Nutzung n i c h t - f o s s i l e r
m i t erneutem Nachdruck und E i n f a l l s r e i c h t u m v o r a n t r e i b e n .

Wir

Brennstoffe

Für unsere E n k e l -

k i n d e r müssen d i e Kraft des Atoms, d i e Sonnenwärme, der t i e f i n d e r Erde g e s t a u t e Dampf und d i e Kräfte des Windes und des Wassers d i e H a u p t e n e r g i e q u e l l e n
sein.

Und w i r können d i e s e r r e i c h e n .

Bereich d r e i :

Restriktive Praktiken

Um d i e P r o d u k t i v i t ä t zu erhöhen und d i e P r e i s e zu h a l t e n , müssen w i r mit
r e s t r i k t i v e n P r a k t i k e n aufhören, g l e i c h g ü l t i g , ob s i e von d e r Regierung, d e r
I n d u s t r i e , den Gewerkschaften oder anderen e i n g e f ü h r t wurden.
Ich b i n e n t s c h l o s s e n , z u r r i g o r o s e n Anwendung d e r A n t i - T r u s t - G e s e t z e
zurückzukehren.
Meine A d m i n i s t r a t i o n w i r d auf e i n e wirksamere Anwendung von Gesetzen gegen
P r e i s t r e i b e r e i e n und k ü n s t l i c h hochgehaltenen Angebote

achten.

So müssen b e i -

s p i e l s w e i s e Honorarsätze für f r e i e Berufe und Maklergebühren, d i e ohne gegen-

- 6 -

&lt;,

�g e g e n s e i t i g e Konkurrenz f e s t g e l e g t worden s i n d , a b g e s c h a f f t werden.

Vergehen

d i e s e r Art werden vom J u s t i z m i n i s t e r i u m mit der v o l l e n S t r e n g e des Gesetzes
v e r f o l g t werden.
Ich ersuche den Kongreß um d i e s o f o r t i g e Vollmacht, d i e H ö c h s t s t r a f e
für Verletzungen des A n t i - T r u s t - G e s e t z e s von 50 OOO D o l l a r auf 1 M i l l i o n D o l l a r
b e i G e s e l l s c h a f t e n und von 50 000 auf lOO OOO D o l l a r b e i E i n z e l p e r s o n e n zu e r höhen .
Auf d e r Konferenz über d i e I n f l a t i o n haben wir b e r e i t s Übereinstimmung
darüber gefunden, daß d i e Bundesregierung u n s e r e r W i r t s c h a f t zu v i e l e v e r borgene und zu v i e l e i n f l a t i o n ä r e Kosten a u f b ü r d e t .

Daher s c h l a g e i c h einen

i n v i e r Punkte g e g l i e d e r t e n Reinigungsprozeß v o r :
1. Ich habe meinen B e i r a t für Lohn- und P r e i s s t a b i l i t ä t b e a u f t r a g t ,

über

i n f l a t i o n ä r e Kosten a l l e r Regierungsmaßnahmen zu wachen.
2. Ich ersuche den Kongreß, e i n e n a t i o n a l e Kommission für e i n e Reform
des Verordnungswesens e i n z u s e t z e n , um e i n e l ä n g s t ü b e r f ä l l i g e Gesamtüberprüfung der unabhängigen weisungsbefugten Behörden vorzunehmen.

Es

wird s i c h um e i n e gemeinsame Anstrengung des Kongresses, d e r Exekutive
und p r i v a t e r S t e l l e n h a n d e l n , um d i e bestehenden Verordnungen und Erl a s s e des Bundes h e r a u s z u f i n d e n und zu b e s e i t i g e n , d i e im h e u t i g e n W i r t s c h a f t s k l i m a d i e Kosten für den Verbraucher ohne jeden v e r n ü n f t i g e n Grund
erhöhen.
3. Danach werde i c h v e r l a n g e n , daß a l l e größeren G e s e t z e s v o r l a g e n ,

Ver-

ordnungen und E r l a s s e , d i e von d e r Exekutive ausgehen, e i n e Erklärung
über I n f l a t i o n s a u s w i r k u n g e n e n t h a l t e n , d i e b e s t ä t i g t , daß w i r i h r e Auswirkungen auf das Land s o r g f ä l t i g erwogen haben.

Ich ersuche mit allem

Respekt, daß auch d e r Kongreß b e i s e i n e n eigenen G e s e t z e s a n t r a g e n e i n e
ähnliche vorherige Erklärung über die Inflationsauswirkung

verlangt.

4. S c h l i e ß l i c h

�4. Schließlich ersuche ich die einzelstaatlichen und kommunalen Behörden
nachdrücklich, ähnliche Programme einzuführen, um die inflationären
Auswirkungen ihrer Verordnungen zu verringern.
An diesem Punkt möchte ich dem Kongreß dafür danken, daß er kürzlich den
Nationalen Produktivitätsrat wieder ins Leben gerufen hat.

Er wird sich zu-

nächst auf Produktivitätsprobleme innerhalb der Regierung - auf Bundes-, Staatsund Kommunalebene - konzentrieren.

Außerhalb des Regierungsbereichs wird er

sinnvolle Vorlagen für die Kooperation zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern
auf Betriebsebene entwickeln.

Dabei sollte er sein besonderes Augenmerk auf

die Bauindustrie und den Sektor des Gesundheitswesens richten.

Der Beirat für 'Lohn- und Preis-Stabilität wird selbstverständlicn das
Lohn- und Preisverhalten auf dem privaten Sektor beobachten.

Im Rahmen dieser

Tätigkeit wird er öffentliche Anhörungen veranstalten, auf denen sowohl Preisais auch Lohnerhöhungen begründet werden müssen.

Ich möchte betonen, ja ich möchte erneut unterstreichen, daß es sich
nicht um eine zwingende Lohn- und Preiskontrollbehörde handelt.

Ich weiß, daß viele Amerikaner die Antwort in Kontrollen durch die Bundesregierung sehen. Aber die Erfahrung der Vergangenheit hat nach meiner Überzeugung gezeigt, daß Kontrollen niemals der Inflation wirklich Einhalt gebieten
- sie haben es letztes Mal nicht getan - und sie haben es auch nicht einmal
während und nach dem zweiten Weltkrieg vermocht, als die Preise, wie ich mich
erinnere, trotz strenger und gesetzlich durchsetzbarer Rationierung anstiegen.
Kontrollen in Friedenszeiten führen, wie wir aus jüngsten Erfahrungen
wissen, höchstens zu Verknappungen, dämpfen die Produktion, hemmen das Wachstum
und begrenzen die Zahl der Arbeitsplätze.

Ich ersuche nicht um solche Voll-

machten, so verlockend dies politisch auch sein mag, denn ein derartiges
Programm würde den Schwarzhändlern zu neuer Blüte verhelfen, während der anständige Bürger vor leeren Regalen und in langen Schlangen vor den Geschäften
stehen würde.
Bereich vier:

�Bereich vier; Wir brauchen mehr Kapital

Wir können nicht "unser Saatgetreide aufessen".

Unser System des freien

Unternehmertums hängt von geordneten Kapitalmärkten ab, über die die Ersparnisse unserer Bevölkerung einem produktiven Nutzen zugeführt werden.
sind unsere Kapitalmärkte in Unordnung.
herstellen.

Heute

Wir müssen ihre Lebenskraft wieder

Dabei ist eine kluge monetäre Zurückhaltung von entscheidender

Bedeutung.

Sie und das amerikanische Volk sollten jedoch wissen, daß mir der Präsident des unabhängigen Federal Reserve Board (Bundesbank) persönlich versichert hat, daß sich das Angebot von Geld und Kredit in ausreichendem Maße
ausweiten wird, um den Bedarf unserer Wirtschaft zu decken, und daß in keinem
Falle ein Kreditengpaß eintreten wird.

Die Primarate für Kredite ist im Sinken begriffen.

Um der Industrie zu helfen, daß sie mehr Maschinen kaufen und mehr Arbeitsplätze schaffen kann, empfehle ich einen liberalisierten zehn-prozentigen
Vorsteuerabzug für Investitionen.

Dieser Kredit sollte besonders kapitalinten-

siven Industrien wie Grundmetalle und öffentliche Versorgungseinrichtungen,
wo Kapitalverknappungen aufgetreten sind, helfen.

Ich ersuche den Kongreß um Verabschiedung eines Steuergesetzes, das vorsieht, daß alle Dividenden auf Vorzugsaktien, die gegen bar ausgegeben wurden,
für die herausgebende Gesellschaft voll abzugsfähig sind.

Dies würde mehr

Kapital einbringen - vor allem für Energie produzierende Werke.

Es dürfte

auch anderen Industriezweigen helfen, von der Verschuldung zu einem Ausgleich
zu gelangen und so eine gesündere Kapitalstruktur zu schaffen.

Die Steuergesetzgebung für Kapitaleinkommen muß in dem Sinne liberalisiert
werden, wie dies in der Steuerreformvorlage vorgesehen ist, die gegenwärtig
dem Haushaltsausschuß vorliegt.

Ich stelle mich hinter diese Bemühungen und

hoffe, daß das Gesetz rasch verabschiedet wird.

_
,».-,*
Bereich fünf:

�•
Bereich fünf: Hilfe für die Opfer
i

Die Konferenz über die Inflation ließ jedermann noch mehr erkennen, wer
am meisten unter der Inflation zu leiden hat.

In erster Linie sind es jene,

die ohne eigene Schuld ihren Arbeitsplatz verloren haben.

Vor drei Wochen

habe ich Mittel freigegeben, die zusammen mit früheren Maßnahmen für etwa
170 000 Arbeitssuchende eine Beschäftigung in öffentlichen Dienstleistungen
ermöglichen.

Ich möchte jetzt den Kongreß ein Zwei-Phasen-Programm vor-

schlagen, um diese Aktion weiter auszubauen.

Erstens sollte all jenen, die ihre reguläre und ihre verlängerte Arbeitslosenunterstützung voll ausgeschöpft haben, 13 weitere Wochen Sonderarbeitslosenunterstützung gewährt werden.

Und 26 Wochen Sonderarbeitslosenunterstützung

sollen jene erhalten, die zwar berechtigt sind, aber gegenwärtig nicht von
einem regulären Arbeitslosenversicherungsprogramm erfaßt werden.

Die Mittel

würden in diesem Falle aus dem allgemeinen Haushalt kommen und nicht aus den
Abgaben der Arbeitgeber, wie dies bei den üblichen Arbeitslosenprogrammen der
Fall ist.
•&gt;

Zweitens, ich ersuche den Kongreß,ein ganz neues Corps für kommunale
Sanierungsaufgaben ins Leben zu rufen, um Arbeitslosen durch nützliche kurzfristige Projekte zur Verbesserung, Verschönerung und Förderung der Umwelt
unserer Städte und Gemeinden und der Landschaft Arbeit zu verschaffen.

Dieses

Vorsorgeprogramm würde jeweils in Kraft treten, wenn die Arbeitslosigkeit
national sechs Prozent übersteigt.

Es würde eingestellt, wenn die Arbeits-

losigkeit unter die sechs Prozentmarke

sinkt.

Örtliche Arbeitsmärkte würden jeweils Anspruch auf Zuwendungen haben,
wenn ihre Arbeitslosenrate 6,5 Prozent übersteigt.

Diese Projekte würden durch einzelstaatliche und kommunale Baubehörden
überwacht, die nur solche

Personen einstellen dürften, deren Arbeitslosen-

unterstützung abgelaufen ist. Das Ziel dieses neuen Programms besteht darin,
jungen und alten Amerikanern, die keinen Arbeitsplatz finden können, eine
- 10 -

�eine konstruktivere Arbeit zu bieten.

Kurzfristige Probleme erfordern kurzfristige Maßnahmen.

Ich ersuche

daher ,daß diese Programme auf den Zeitraum von einem Jahr beschränkt bleiben.

Ich weiß, daß die Amerikaner mit niederen und mittleren Einkommen von
der Inflation am härtesten betroffen werden.

Ihr Geldbeutel ist am an-

fälligsten, da ein großer Prozentsatz ihres Einkommens auf die hochinflationierten Kosten für Ernährung, Brennstoff und medizinische Versorgung entfällt.
Die gegenwärtig dem Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses vorliegende
Steuerreformvorläge, für die ich eintrete, sieht bereits vor, daß diese
Gruppen in den Genuß von Steuererleichterungen in Höhe von schätzungsweise
1,6 Milliarden Dollar gelangen.

Zum Ausgleich sind in dieser Gesetzesvorlage

neue Einnahmen vorgesehen durch eine Steuer auf Gewinne von ölproduzenten,
die durch die Gunst der Umstände bewirkt wurden, und durch Schließung anderer
Schlupflöcher.

Wenn dieses Gesetz verabschiedet ist, wird es einen wesent-

lichen Beitrag des Kongresses zu unserer gemeinsamen Anstrengung bilden, unser
Steuersystem fairer für alle zu machen.

Bereich sechs:

Förderung des Wohnungsbaus

Es steht außer Frage, daß der Wohnungsbau vom Kredit lebt.

Die Vereinigten

Staaten leiden unglücklicherweise unter der längsten und schwersten Rezession
im Wohnungsbau seit Ende des zweiten Weltkrieges.

Die Arbeitslosenrate im Bau-

gewerbe liegt doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt.

Eine meiner ersten Handlungen als Präsident war die Unterzeichnung des
Wohnungsbau- und Gemeinde-Förderungsgesetzes von 19 74.

Ich bin seither zu

dem Schluß gekommen, daß noch weitere Hilfe notwendig ist - Hilfe, die sehr
rasch mit einem Minimum an inflationärer Auswirkung geleistet werden kann.

Ich ersuche daher den Kongreß ,noch vor seiner Vertagung ein weiteres
Gesetz zu verabschieden, durch das die meisten Wohnungsbauhypotheken für einen
- 11 -

�einen Ankauf durch eine Bundesbehörde zugelassen werden.

Die gegenwärtige

Fassung des Gesetzes bezieht sich nur auf von der Bundeswohnbaubehörde und
der Behörde für Kriegsveteranen gewährte Hypotheken, d.h. nur ein Fünftel
der Gesamtzahl der Hypotheken.

Ich freue mich, daß der Senat dank der Füh-

rung durch Senator Brooke und Senator Cranston bei dieser Vorlage bereits
einen wesentlichen Fortschritt erzielt hat.

Sobald mir das Gesetz zur Unter-

schrift vorliegt, werde ich sofort mindestens drei Milliarden Dollar für den
Ankauf von Hypotheken zur Verfügung stellen, was ausreicht, um etwa 100 000
weitere Wohnungen für Amerikaner zu finanzieren.

Bereich sieben:

Spar- und Kreditinstitute

Spar- und Kreditinstitute und ähnliche Einrichtungen werden durch die
Inflation und die hohen Zinssätze schwer getroffen.
mehr für ausreichende Einlagen.

Sie bieten keinen Anreiz

Die Exekutive muß gemeinsam mit dem Kongreß

daran gehen, dem Aufbau und dem Betrieb unserer Spar- und Kreditinstitute
die unbedingt notwendige Aufmerksamkeit zu schenken, die jetzt zum dritten
Mal in acht Jahren eine neue Periode einer ernsthaften Verknappung an Hypothekarkrediten erleben.

Die
helfen.

Verabschiedung des vorliegenden Gesetzes über Finanzinstitute wird
Aber bisher gibt es, so wie ich dies sehe, noch keine einzelne Maß-

nahme, um einen Überschuß oder einen Mangel an
zu beseitigen.

Geld für Hypothekarkredite

Ich verspreche jedoch, mit Ihnen einzeln oder gemeinsam daran

zu arbeiten, um für die Zukunft zusätzliche spezifische Programme auszuarbeiten.

Bereich acht;

Internationale Interdependenz

Die Vereinigten Staaten haben nicht nur die Verantwortung dafür, eine
gesunde Wirtschaft im eigenen Lande aufrechtzuerhalten, sondern auch politische
Maßnahmen anzustreben, die konstruktive Anstrengungen anderer ergänzen, statt
sie zu stören.

�Von wesentlicher Bedeutung für amerikanische Initiativen in dieser Richtung ist die baldige Verabschiedung eines akzeptablen Gesetzes über die Handelsreform.

Mein Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen ist heute nachmittag

nach Kanada, Europa und Japan abgereist, um unsere ausländischen Freunde über
meine Vorschläge zu unterrichten.

Wir leben in einer interndependenten Welt

und müssen daher bei der Lösung gemeinsamer Wirtschaftsprobleme zusammenarbeiten.

Bereich neun:

Bundessteuern und Bundesausgaben

Um Programme zur Steigerung der Produktion und zur besseren

Verteilung

inflationsbedingter Lasten unterstützen zu können, brauchen wir zusätzliche
Steuereinnahmen.

Ich bin mir durchaus bewußt, daß jeder Vorschlag für neue

Steuern gerade vier Wochen vor einer Wahl - um es milde auszudrücken - als
politisch unklug angesehen wird. Man hat mir nachdrücklich geraten, etwas
zu warten und über Steuern erst zu einem Zeitpunkt nach dem 5. November zu
sprechen.

Aber ich möchte in allem Ernst sagen, daß ich die Zukunft Amerikas nicht
zu einem Spielball der Politik machen werde.

Unsere gegenwärtige Inflation rührt zum großen Teil von der jahrelangen
Gepflogenheit her, teure Programme zu verabschieden, ohne genügend Einnahmen
für ihre Finanzierung sicherzustellen.

Von den 25 Jahren, in denen ich in

diesem Haus der Bundesregierung gedient habe, endeten 19 mit einem Defizit.

Bis jetzt hat fast jeder meinen Standpunkt zu einer Bundessteuer für
Benzin dargelegt.

Jetzt möchte ich es doch selbst tun.

Ich ersuche Sie nicht

um eine Erhöhung der Benzinsteuer.

Ich ersuche Sie, einen einjährigen temporären Steuerzuschlag von 5 Prozent
auf Körperschaftseinkommen und Einzeleinkommen des oberen Bereichs zu billigen.
Damit würde ganz generell jene Familien von dem Zuschlag ausgeschlossen bleiben,
deren Bruttoeinkommen unter 15 OOO Dollar pro Jahr liegt.
- 13 -

Die schätzungs-

�schätzungsweise 5 Milliarden Dollar an zusätzlichem Steueraufkommen durch
diese Inflationsbekämpfungssteuer dürften die neuen Programme finanzieren,
die ich in dieser Botschaft empfohlen habe. Dies ist die entscheidende Bewährungsprobe unserer gemeinsamen Entschlossenheit, die Inflation in Amerika
zu besiegen.

Ich würde nicht darum ersuchen, wenn nicht große Schlupflöcher

in dem Steuerreformgesetz durch den Haushaltsausschuß geschlossen würden.

Ich appelliere an Sie, noch vor ihrer Vertagung, zusätzlich zu dem
von mir gesagten, mit Ihren Stimmen einen Ausgabenplafond von 300 Milliarden
Dollar für den Bundeshaushalt 1975 zu beschließen.

Wenn der Kongreß diesem

Ausgabenlimit zustimmt, werde ich ein Paket von Maßnahmen zur Aufschiebung
und Aussetzung von Bundesausgaben unterbreiten, um dieses Ziel zu erreichen.
Ich werde die schwere Aufgabe übernehmen, bei Ihrem Entgegenkommen jene Gebiete
für Maßnahmen des Kongresses abzustecken, die nach meiner Überzeugung eingeschränkt werden können und müssen.

Dies wird eine schwere Wahl werden, aber

dabei wird keine Bundesbehörde einschließlich des Verteidigungsministeriums
unantastbar sein.

Meines Erachtens ist Haushaltsdisziplin eine notwendige Hilfe für jeden
Kampf gegen die Inflation.

Wenn dieser Ausgabenplafond auch nur ein kleiner

Schritt ist, so ist er doch ein Anfang in der richtigen Richtung.

Und wir

müssen ohne jede weitere Verzögerung auf diesen Kurs kommen.

Wir können nicht vom amerikanischen Volk verlangen, seinen Gürtel enger
3U schnallen, wenn Onkel Sam nicht bereit ist, zuerst seinen eigenen Gürtel
enger zu schnallen.

Und jetzt möchte ich, wenn ich darf, einige Worte direkt an Ihre und
meine Wähler richten.

Meine amerikanischen Mitbürger:

Vor zehn Tagen habe ich Sie ersucht, die Dinge in Gang zu bringen, indem
Sie eine Liste von zehn Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation und zur Ein-

- 14 -

�Einsparung von Energie aufstellen, Ihre Liste mit Ihren Nachbarn auszutauschen
und mir ein Exemplar zu .schicken.

Ich habe persönlich tausend und abertausend

von Briefen gelesen, die im Weißen Haus eingegangen sind.
Und ich habe auch meine Wirtschaftsexperten veranlaßt, einige dieser
Briefe zu lesen.

Wir haben alle daraus gewonnen - zumindestens ich.

Ich

möchte jedem von Ihnen dafür danken.

Einige der guten Ideen, die aus Ihrem Heim in das meinige gelangt sind,
wurden in die Empfehlungen eingearbeitet, die ich gerade dem Kongreß unterbreitet habe, sowie in die Schritte, die ich als Präsident jetzt ergreife,
um die Inflation zu besiegen.

Es hat auch deutliche Warnungen gegeben, was

die Regierung nicht tun dürfe.

Ihre besten Vorschläge für freiwillige Einschränkung und Selbstdisziplin
zeigten mir, daß in unserem großen Land bereits ein großes Maß an patriotischer
Entschlossenheit und Einmütigkeit existiert.

Ich habe den Kongreß um dringende spezifische Maßnahmen ersucht, die
nur er allein treffen kann.

Ich habe den Kongreß von den ersten Schritten unterrichtet, die ich
als Präsident ergreife.

Und nun etwas, was nur Sie tun können. Wenn nicht jeder dazu fähige
Amerikaner mitwirkt, dann können der Kongreß und ich die Aufgabe nicht erfüllen.

Wenn wir unseren Kampf gegen die Inflation und die Verschwendung gewinnen
wollen, dann gehört die totale Mobilisierung der größten Hilfsquellen Amerikas
dazu - der geistigen und der manuellen Fähigkeiten und der Willenskraft des
amerikanischen Volkes.

Und

�f

Und das ist das, was wir tun müssen, was jeder von Ihnen tun kann:
t

Um die Lebensmittelproduktion zu steigern und die Preise zu senken,
müssen wir mehr anbauen und dürfen wir nicht so viel verschwenden;

um in der Energiekrise knappen Brennstoff sparen zu helfen, müssen wir
weniger fahren und weniger heizen.

Jede Hausfrau weiß nur zu genau, wieviel sie in der vorigen Woche für
Lebensmittel ausgegeben hat. Wenn Sie keinen Pfennig von Ihrem Lebensmittelbudget einsparen können, und ich weiß, daß es viele gibt, die dies nicht
können, dann können Sie bestimmt die Menge der Lebensmittel, die Sie wegwerfen,
um fünf Prozent verringern.

Jeder amerikanische Autofahrer weiß nur zu genau, wieviel Meilen er oder
sie jeden Tag zur Arbeit oder zur Schule fahren und wieviele Meilen er oder
sie pro Jahr fahren. Wenn wir alle nur wenigstens fünf Prozent weniger Meilen
fahren, dann können wir 250 000 Barrel ausländischen Öls pro Tag einsparen.
Bis Ende 1975 werden die meisten von uns noch zu einem besseren Ergebnis als
fünf Prozent kommen können, wenn wir die Wagen gemeinsam benutzen, den Bus
nehmen, mit dem Rad fahren, oder einfach zu Fuß gehen. Wir können durch
Selbstdisziplin genug einsparen, um unser Ziel von einer Million Barrel pro
Tag zu erreichen .
Und schließlich gibt es noch etwas, was alle Amerikaner ob reich oder arm
tun können, und das ist, das Los mit anderen teilen.

Wir können Lasten ebenso wie Segnungen teilen.

Dieses teilen ist nicht

so leicht abzumessen, wie die gefahrenen Meilen und die Familienaushalte.
Aber ich bin sicher, daß fünf Prozent mehr eine Forderung ist, die nicht zu
hoch sein dürfte. Und so bitte ich Sie, alles nur mögliche zu teilen - und
ein wenig mehr und das wird unseren Geist ebenso stärken wie unsere Wirtschaft.

Ich möchte heute nicht mehr von der Zeit dieses sehr beschäftigten Kongresses
in Anspruch nehmen - denn ich erinnere m£chn°ch sehr gut an die Arbeitshäufung
- 16 -

�Arbeitshäufung vor jeder Vertagung - und die Uhr für meine spezifischen und
dringlichen Anträge auf legislative Maßnahmen läuft bereits. Aber ich erinnere mich auch, wieviel der Kongreß erledigen kann, wenn er die Schultern
in die Speichen stemmt.

Für heute in einer Woche habe ich eine seit langem ergangene Einladung
nach Kansas City, um zu den künftigen Farmern Amerikas zu sprechen - eine
hervorragende Organisation junger Menschen, deren Hilfe - mit der Millionen
anderer - von entscheidender Bedeutung für diesen Kampf ist.

Ich werde dann

darlegen, wie freiwillige Kämpfer gegen die Inflation und Energiesparer
ihre Gesamtanstrengungen weiter mobilisieren können.

Nachdem ich Miss Sylvia Porter, die bekannte Finanzexpertin, gebeten
habe, mir dabei zu helfen, eine umfassende freiwillige Mobilisierung im
ganzen Lande zu organisieren, habe ich einen Koordinator-im Weißen Haus ernannt, und mich der enthusiastischen Unterstützung und der Dienste von
etwa 17 weiteren hervorragenden Amerikanern versichert, um bei der Planung
der Beteiligung von Bürgervereinigungen und privaten Gruppen zu helfen.

Für

dieses Sofortprogramm wird es keine große Bundesbürokratie geben.

Auf Grund der freundlichen Mitarbeit von Freiwilligen aus den Gebieten
der Kommunikation und der Massenmedien wird in vielen Zeitungen morgen ein
einfaches Beitrittsformular erscheinen zusammen mit dem Symbol dieser neuen
Mobilmachung, das ich hier an meinem Rockaufschlag trage.
Es trägt das einfache Wort "siege".

Das sagt alles.

Ich appelliere

an jeden Amerikaner, sich dieser massiven Mobilisierung anzuschließen und an
ihr festzuhalten, bis wir als Nation und als Volk gesiegt haben.

Und wir

werden siegen.

Ich stehe hier an einem geschichtsträchtigen Ort. Viele Präsidenten
sind oft hierher gekommen, um den Kongreß zu gewinnen, zu schelten, zu umwerben und zu ermahnen, sie in ihrem Führungsanspruch zu unterstützen.

Und

nur selten haben Präsidenten hier gestanden und diese höchst skeptische und

- 17 -

�f
I

und gewiegte Zuhörerschaft ihrer gleichberechtigten Partner in der Regierung
wahrhaft inspiriert.

i

Eine solche gemeinsame Sitzung kommt vielleicht ein-

oder zweimal in einer Generation vor.

Ich erwarte nicht, daß dies hier

eine solche ist.
Nur zwei meiner Vorgänger sind persönlich vor dem Kongreß erschienen,
um eine Kriegserklärung zu verlangen.

Ich werde das nicht tun. Aber ich

möchte Ihnen in aller Ernsthaftigkeit sagen, daß die Inflation, unser gegenwärtiger Staatsfeind Nummer eins, - wenn wir sie nicht besiegen - unser Land,
unsere Heime, unsere Freiheiten, unser Eigentum und schließlich unseren Nationalstolz vernichten wird - so sicher wie ein wohlbewaffneter Feind in
Kriegszeiten.

Es wird kein plötzliches Pearl Härborgeben, um uns zur Einigkeit und
zum Opfer aufzurütteln.

Aber es hat genug Vorwarnungen gegeben.

Die Zeit

zum Eingreifen ist schon fast vorbei. Meine Freunde und früheren Kollegen,
werden Sie sich jetzt dem Kampf anschließen?

Meine Freunde und amerikanischen

Mitbürger, werden Sie sich jetzt dem Kampf anschließen?
4

Mit Disziplin und Entschlossenheit werden wir zusammen siegen.

Ich danke Ihnen sehr.

7 18 -

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21/1974

DIE AUSBREITUNG VON KERNWAPPEN MUSS VERHINDERT WERDEN
Von Dr. Fred C. Ikle
Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung

Die technischen Schranken für eine weitere Ausbreitung von Nuklearwaffen sind brüchig geworden.

Zwar haben Exportkontrollen für spaltbares

Material noch einen Sinn, aber ihre Wirklichkeit könnte bald verschwinden.
Was also einer Flut von Kernwaffen noch wirklich standhält, ist das politische Eigeninteresse souveräner Staaten. Was die politischen Vorstellungen
angeht, so lassen sie sich am besten durch internationale Rechtstitel - Verträge und Abkommen - untermauern.

Natürlich hängt die Frage, ob ein Land Nuklearwaffen haben wird, von
einer Kombination der Fähigkeit (sie zu entwickeln oder zu erwerben) und der
Absicht (dazu) ab. Die Fähigkeit wird im wesentlichen von zwei Faktoren bestimmt: Zugang zur Technologie der nuklearen Explosion - deren Prinzipien
weithin bekannt sind - und Zugang zu nuklearem Material wie Plutonium oder
angereichertem Uran - das immerhin einigen Kontrollen unterliegt.

Man ist bisher im wesentlichen davon ausgegangen, daß ein Land, das sich
mit der Entwicklung von Nuklearwaffen befassen wollte, Plutonium benutzen
würde, das als Nebenprodukt beim Betrieb von Kernreaktoren für die Stromgewinnung abfällt.

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, angereichertes Uran

�1
I

i
Uran zu verwenden, das mit Hilfe einer neuen Technik, der sogenannten Zentrifuge
relativ leicht gewonnen werden kann.

Eine solche Zentrifuge ist wesentlich

kleiner und also leichter zu "verstecken" als die riesigen Gasdiffusionsanlagen,
mit deren Hilfe die USA bisher große Mengen an Uran produziert haben.

Und

schließlich spricht man heute sogar von der Möglichkeit, Uran mit Hilfe von
Laserstrahlen anzureichen.
Es liegt also auf der Hand, daß Industriestaaten wie Japan, die Bundesrepublik Deutschland, Italien und Kanada technisch gesehen in relativ kurzer
Zeit beträchtliche Nukleararsenale aufbauen könnten.

Diese Länder mit der

größten technischen Kapazität haben jedoch klare politische Entscheidungen getroffen, daß sie diesen Weg nicht einschlagen werden,

und dies durch Unter-

zeichnung und Ratifizierung des Kernwaffensperrvertrages und andere politische
Erklärungen eindeutig manifestiert.

Was tun nun die Vereinigten Staaten, um eine weitere Ausbreitung der Kernwaffen zu verhindern?

Zunächst einmal unterstützen wir mit Nachdruck die

Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bei der Anwendung ihres Sicherheitsinspektionsprogramms, das die Abzweigung spaltbaren Materials für Waffenzwecke
verhindern soll.

An der diplomatischen Front suchen wir alle Länder, die den Atomsperrvertrag noch nicht unterzeichnet haben, von dem Sinn und' Vorteil dieses Vertrages
zu überzeugen.

Und schließlich bereiten wir uns auf die Konferenz zur Überprüfung des
Atomwaffensperrvertrages vor, die vertraglich vorgesehen ist und im Mai 1975
stattfinden soll.

Es steht zu hoffen, daß bis zum Zeitpunkt der Konferenz der

größte Teil der wichtigen Industrieländer Mitglied des Vertrages sein und mit
den bisherigen SignatarStaaten an der Konferenz teilnehmen werden.

Wenn dem

so sein und sich auf der Konferenz eine klar Solidarität für eine bevorzugte
Behandlung von Vertragsmitgliedern herausbilden sollte, dann würde der Vertrag
neue Bedeutung gewinnen.
Nach
- 2-

�Nach meinen Vorstellungen sollten folgende neue politische Gedanken und
Schwerpunkte in die Diskussion einfließen:
- Für die Sicherungsaufgaben der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA) sollten zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden.

- Mehr Nachdruck sollte auf die Maßnahmen der physischen Sicherung gegen
Diebstahl und Sabotage gelegt werden.

Wir haben den amerikanischen Kongreß

im Zusammenhang mit unseren Abkommen über nukleare

Unterstützung mit Ägypten

und Israel bereits über diese Fragen unterrichtet.

Physische Sicherheit ist

natürlich ursprünglich eine nationale Angelegenheit, die Internationale Atomenergiebehörde kann durch die Aufstellung von Richtlinien jedoch einen Beitrag
leisten, und vor allem auch dadurch, daß sie bei Abkommen auf entsprechenden
Sicherheitsvorbehalten besteht.

- Offensichtlich besteht ein Zusammenhang zwischen dem, was die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hinsichtlich ihrer Zurückhaltung in der
"vertikalen Proliferation" tun, und der Bereitschaft anderer Länder, auf eine
eigene nukleare Option zu verzichten.

Es ist unbedingt wichtig, daß die USA

und die Sowjetunion diesen anderen Ländern vor Augen führen können, daß sie zu
echten Begrenzungen und Verringerungen ihrer massiven Nukleararsenale fähig
und willens sind.

- Viele Länder sind heute stark an Kernreaktoren interessiert, vor allem
bei dem gewaltigen Anstieg der ölpreise.

Indem wir diesem Interesse entgegen-

kommen, können wir versuchen, eine Zusammenarbeit auf multinationaler Basis
zu fördern und dafür Sorge zu tragen, daß die Sicherheitsbestimmungen akzeptiert und wirklich eingehalten werden.

Auf lange Sicht wird es neuer Anstrengungen bedürfen, um mit der weltweiten Verbreitung der Nukleartechnologie fertig zu werden.

Wir können die

Ausbreitung von waffentechnisch nutzbaren Materialien verlangsamen, aber wir
können sie nicht gänzlich unterbinden. Wir können uns auf internationale

- 3-

�1

internationale Sicherheitsbestimmungen verlassen,- um herauszufinden, wo
Material für friedliche Zwecke zur Waffenherstellung abgezweigt wird, aber
diese Sicherheitsbestimmungen werden solche Abzweigungen nicht gänzlich verhindern können.

Wir können den Atomwaffensperrvertrag mit allem Nachdruck

unterstützen, aber wir können nicht erwarten, daß er alle Länder einschließen
und alle Risiken abdecken wird, die sich mit der Ausbreitung der Nukleartechnologie verbinden.
.

•

•

•

In ein oder zwei Jahrzehnten könnten sich also sehr viel mehr Regierungen
im Besitz von Nuklearsprengkörpern befinden als heute - ja vielleicht sogar
Nationalitätengruppen in einem Lande. Wenn Nuklearsprengkörper in einem solchen Umfang zur Verfügung stünden, dann würde dies in vielen Teilen der Welt
eine ungeheure Bedrohung oder verheerende Zerstörung bedeuten.
Wenn wir den Anbruch eines solchen neuen düsteren Zeitalters unvorstellbarer Gewalttätigkeit verhindern wollen, dann müssen wir heute mit Entschlossenheit und Weitsicht handeln.

Die Weltgemeinschaft muß sich über die Bedeutung

des Atomwaffensperrvertrages klar werden, die notwendigen zusätzlichen Institutionen schaffen und die erforderlichen Rüstungskontrollmaßnahmen treffen,
damit wir in einer Welt weitverbreiteter Nukleartechnologie auch wirklich
leben können.

+ + + + +

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21/1974

IWF-AUSSCHÜSSE SOLLEN WELTWEITE WIRTSCHAFTSFRAGEN PRÜFEN
Lage der Entwicklungsländer und Recycling als Schwerpunkt -

Von unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Das wohl wichtigste Ergebnis der Jahrestagung des
Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in der vorigen Woche war
die Einsetzung von zwei neuen Ministerausschüssen, die sich mit den vordringlichen Wirtschaftsproblemen der Welt befassen sollen.
Beide Ausschüsse werden sich aus jeweils 20 Mitgliedern zusammensetzen
- in den meisten Fällen die Finanzminister -, die direkt oder als Repräsentanten von Ländergruppen praktisch alle Mitgliedstaaten des IWF und der Weltbank vertreten. Auf diese Weise dürfte sichergestellt sein, daß ihre Empfehlungen politisch mehr Gewicht haben ,als dies bei früheren derartigen Gremien
der Fall war.

Der Gemeinsame Entwicklungsausschuß wird sich vorrangig mit der Situation
derjenigen Niedrig-Einkommenländer befassen, die am härtesten durch den Anstieg
der Erdölpreise auf das Vierfache betroffen wurden.

Unter dem Vorsitz des

Wirtschafts- und Finanzministers der Elfenbeinküste, Konan Bedie, wird der Ausschuß ferner die längerfristigen Erfordernisse der Entwicklungsländer erörtern.
Dies ist besonders wichtig, da sich die traditionellen Hilfsprogramme als immer
unzulänglicher erweisen.
3

Der
- 1 -

�Der Interims-Ausschuß unter dem Votsitz des kanadischen Finanzministers,
John N. Turner ist in gewisser Weise Nachfolger des IWF-Zwanziger-Ausschusses,
doch ist die Reform des internationalen WährungsSystems nur Teil seines Aufgabenbereichs. Auf seiner konstituierenden Sitzung am 2. Oktober beschloß
der Ausschuß, als erstes zu prüfen, welche Schritte zur Lösung des RecyclingProblems erforderlich sind - welche Investitionsmöglichkeiten sich für die
erdölexportierenden Länder anbieten, und wie die auf Grund des plötzlichen Anstiegs der ölpreise entstandenen großen Zahlungsbilanzdefizite der Verbraucherländer finanziert werden können.

Es ist möglich, daß nach Änderung der IWF-Statuten der Interims-Ausschuß
zu einem Beirat mit Entscheidungsbefugnissen umgewandelt wird.

Bis dahin

kommen ihm allerdings nur beratende Funktionen zu. Turner wies jedoch darauf
hin, daß allein schon die Tatsache, daß die Ausschußmitglieder Kabinettsrang
haben und somit an den Entscheidungen ihrer Regierungen mitwirken, gewährleisten werde, daß die Entscheidungen des neuen Gremiums politisches Gewicht
haben.

Und er zeigte sich zuversichtlich, daß die Ausschußmitglieder somit

ihre Regierungen oder die von ihnen vertretenen

Ländergruppen für die im Aus-

schuß getroffenen Entscheidungen gewinnen werden.

Bereits vor seiner Wahl hatte Turner betont, daß er dieses Amt nur übernehmen werde, wenn sicher sei, daß die führenden Industriestaaten diese Aufgabe ernst nehmen.

Und am 2. Oktober erklärte er nach seiner Wahl, er sei er-

freut, daß nicht nur die Industriestaaten, sondern auch die Entwicklungsländer
den Interims-Ausschuß als ein "wichtiges Instrument" betrachteten und sich
seinem Rat fügen würden.
Turner wie auch der IWF-Direktor

Witteveen stimmten darin überein, daß

der neue Interims-'Ausschuß sich nicht mit rein technischen Fragen befassen
werde, sondern diese den Exekutivdirektoren überlassen bleiben sollten. Ebenso sei er auch keine "Berufungsinstanz", die Beschlüsse der Exekutivdirektoren
überstimmen könne.

Der Ausschuß werde sich vielmehr ausschließlich mit wich-

tigen Fragen befassen, die Entscheidungen der einzelnen Länder erfordern.

In
- 2 -

�In einem Kommunique über die konstituierende Sitzung des Interims-Ausschusses wird festgestellt, daß das Recycling-Problem erörtert und die Exekutivdirektoren um vordringliche Erstellung eines Berichts ersucht wurden, ob die
derzeitigen privaten und staatlichen Finanzierungsvereinbarungen ausreichten
oder eine verstärkte Finanzierung durch den IWF erforderlich sei. Dieser Bericht soll auf der nächsten, für den 15. und 16. Januar in

Washington anbe-

raumten, Sitzung des Ausschusses vorgelegt werden.

Nach den Worten Turners soll im Januar ferner die Frage der IWF-Quoten erörtert werden. Verschiedene Entwicklungsländer haben dringend eine Aufstockung
der

Quoten gefordert, um ihnen eine größere Kreditaufnahme zu ermöglichen.

Auch die Vereinigten Staaten und andere Industriestaaten haben sich für erhöhte
Quoten - und damit für ein größeres Stimmrecht - vor allem der erdölexportierenden Länder ausgesprochen, was auch der schnell wachsenden wirtschaftlichen
Stärke dieser Staaten entsprechen würde.

Darüber hinaus steht zu hoffen, daß

auf der Januarsitzung des Interims-Ausschusses auch andere wichtige Fragen
zur Sprache kommen werden.

Der Gemeinsame Entwicklungsausschuß hatte seine konstituierende Sitzung
ebenfalls am 2. Oktober abgehalten und sich dann auf den 17. Januar vertagt.
Bis dahin soll ein detailliertes Arbeitsprogramm vorliegen.

Der IWF-Zwanziger-

Ausschuß hatte bereits am 14. Juni in seinem Bericht die Einsetzung dieses
Ausschusses vorgeschlagen, dem folgenden Aufgaben übertragen werden sollten:

1. Untersuchung über Höhe und Qualität der staatlichen Entwicklungshilfe;
2. Überprüfung der von multilateralen Institutionen zur Entwicklungsfinanzierung verfolgten Politik;
3. generelle Verbesserung des Zugangs zu den Finanzmärkten; und
4. internationale Finanzierungsmaßnahmen, um geordnete Verhältnisse
und stabile Preise auf den Rohstoffmärkten zu erreichen.

+ + + + +

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21/1974

NATIONALE WIRTSCHAFTSKONFERENZ FÜHRTE ZUR KLÄRUNG DER STANDPUNKTE

Von Eugene Brake

WASHINGTON

- (AD) - Die am 27. und 28. September in Washington unter dem

Vorsitz von Präsident Ford durchgeführte Nationale Wirtschaftskonferenz brachte
weitgehende Übereinstimmung über wichtige Punkte des Kampfes gegen die Inflation, aber sie ließ auch gewisse Meinungsverschiedenheiten erkennen, was
bei einer so großen Zahl von Wirtschaftsexperten aus allen Teilen des Landes
nicht anders zu erwarten war.

Die meisten Teilnehmer waren sich einig darin, daß die Eindämmung der Inflation einen langen und harten Kampf bedingt und jeder Versuch, die Inflation
rasch zu ersticken, zu schwerwiegenden wirtschaftlichen Rückschlägen führen
könnte, die sich nicht nur auf die Vereinigten Staaten, sondern genauso auch
auf die übrige Welt auswirken würden.

In seiner Schlußansprache kündigte Präsident Ford an, daß er innerhalb der
nächsten zehn Tage dem Kongreß seine Empfehlungen für ein umfassendes und abgewogenes Wirtschaftsprogramm vorlegen werde.

Gleichzeitig versicherte der

amerikanische Präsident den ausländischen Beobachtern, daß die Vereinigten
Staaten echte Lösungen anstrebten, die die Bemühungen der anderen Länder um
- 1 -

�um eine Wiedergesundung oder Stärkung ihrer eigenen Volkswirtschaften fördern
und nicht behindern.

Und er sicherte eingehende Konsultationen mit den maß-

gebenden Politikern der anderen Regierungen zu, um so die internationalen Institutionen zu stärken und vorzubeugen, daß es wieder zu weltweiten Zyklen von
Inflation und Deflation kommt.
Die einzelnen Sprecher wiesen immer wieder darauf hin, daß es angesichts
des langwierigen Kampfes gegen die Inflation wünschenswert sei, sicherzustellen,
daß die unvermeidbaren Lasten sich möglichst gleichmäßig auf alle Bevölkerungsschichten verteilen. Anderenfalls waren die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Inflation auf längere Sicht politisch nicht tragbar und die freiwillige Selbstdisziplin wäre nicht mehr gewährleistet.

Eine überraschend große Zahl von Teilnehmern sprach sich für Steuererleichterungen für Amerikaner mit geringem Einkommen aus. Eine solche steuerliche Entlastung sollte nicht nur aus humanitären Gründen, sondern auch als Bestandteil eines sozialen Paketes gawälirt werden, um die Gewerkschaften von
überhöhten Lohnforderungen abzuhalten. Aus nicht näher genannten Regierungskreisen wurde hierzu gegen Ende der Konferenz verlautet, daß Präsident Ford
diesen Gedanken wohlwollend in Erwägung ziehen wolle.

Die Notwendigkeit, die Auswirkungen der wachsenden Arbeitslosigkeit abzuschwächen, war auf den während des letzten Monats durchgeführten Vorkonferenzen
wie auch auf der Nationalen Wirtschaftskonferenz selbst immer wieder hervorgehoben worden.

Hieraus ergibt sich, daß die Regierungsausgaben aber auch die

Kreditausweitung auf Jahre hinaus einer scharfen Kontrolle unterliegen müssen.
Über das Ausmaß der Haushaltseinschränkungen, wo Kürzungen vorgenommen werden
sollten, und wie restriktiv die Anti-Inflationspolitik der Regierung sein
sollte, darüber gab es erheb-liche Meinungsverschiedenheiten unter der Konferenzteilnehmern.

So sagten zwar die demokratischen Kongreßmitglieder auf der Kon-

ferenz zu, daß ihre zu einer strengen Kontrolle der Regierungsausgaben beizutragen, doch bestritten sie heftig die von der Regierung vertretene Auffassung,
daß die zu starh« Ausweitung des Haushalts eine der Hauptursachen der derzeitige
Inflation sei. Und sie zeigten sich äußerst skeptisch, ob sich die vorgesehene

�vorgesehene Kürzung des neuen Haushalts um 5 bis 6 Milliarden Dollar entscheidend auf die Preise auswirken werde.

Die meisten Vertreter der Wirtschaft

stimmten darin überein, daß geringe Haushaltsabstriche in einem Jahr nicht umgehend auf die Inflationsrate durchschlagen würden.

Aber sie unterstützten

das Argument der Regierung, daß die vorgeschlagenen Haushaltskürzungen wegen
ihrer Auswirkungen auf die Geldmärkte und im Ahmen der ständigen Bemühungen um
eine Kontrolle des Haushalts wichtig sind.

Die meisten Vertreter der Wirtschaft aber auch zahlreiche andere Konferenzteilnehmer waren der Meinung, daß die vom Federal Reserve Board (US-Bundesbank)
verfolgte Geldpolitik in den letzten Monaten zeitweise zu restriktiv war und
sie begrüßten die Anzeichen, die auf ein Nachgeben der ungewöhnlich hohen Zinssätze hindeuten.

Vertreter der Gewerkschaften wie auch einzelne Mitglieder des

Kongresses kritisierten die vom Federal Reserve Board verfolgte Politik des
knappen Geldes und der hohen Zinsen.

Dem hielt dessen Präsident Arthur Burns,

entgegen, daß die Notenbank einen "einsamen Kampf" habe führen müssen, und
Burns warnte, daß bei einer vorzeitigen Lockerung der Geldpolitik die Inflation
erneut Auftrieb erhalten könnte.

Aber auch den Wettbewerb einschränkende - und damit den Preisauftrieb
fördernde - Maßnahmen - wie Stütztpreise für die Landwirtschaft, freiwillige
Zusagen anderer Länder zur Einschränkung des USA-Exports, Importquoten, bestimmte Kontrollen für Frachtraten und Frachtrouten sowie Kreditbeschränkungen nahmen in den Erörterungen breiten Raum ein.

Der Gemeinsame Wirtschaftsausschuß

des Kongresses hatte bereits in einem anläßlich der Konferenz veröffentlichten
Bericht die Einsetzung einer besonderen Kommission empfohlen, die die Möglichkeiten zur Beseitigung solcher Programme untersuchen soll.

Nur eine ganz kleine Zahl von Sprechern - unter ihnen der Fraktionsführer
der Demokraten im Senat, Senator Mike Mansfield, und Professor John Kenneth
Gailbraith - setzte sich für eine Rückkehr zu Preis- und Lohnkontrollen ein.
Die meisten Redner stimmten darin überein, daß derartige Kontrollen sich in
der Vergangenheit nicht bewährt haben und daher nicht wieder angewandt werden
sollten.

Erhebliche Meinungsverschiedanheiten lösten auch Vorschläge für eine
- 3-

�I
eine Zuteilung von Krediten aus - zum Beispiel die Bereitstellung eines bestimmten Prozentsatzes der Bankkredite für den Wohnungsbau.

Niemand hat von der Nationalen Gipfelkonferenz erwartet, daß sie Übereinstimmung über konkrete Empfehlungen erzielen würde.
Probleme sind eingehend erörtert worden.

Aber die einzelnen

Und Präsident Ford wurden im Laufe

der Konferenz, auf der er viele Stunden verbrachte, zahlreiche Empfehlungen
und Anregungen vorgetragen.

Der Präsident selbst hat zugesagt, daß er innerhalb von zehn Tagen seine
Empfehlungen für neue Gesetze vorlegen wird, und von Seiten des Kongresses
liegt eine Zusage vor, noch im Laufe dieses Jahres auf einer Sondersitzung
diese Empfehlungen zu prüfen.

+ + + ++

�a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

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21/1974

PROJEKT 2000
US-Sonderschau auf internationaler Umweltschutzmesse in Graz
(23. - 26. Oktober 1974)

- (AD) - Reinhaltung von Luft und Wasser sowie Lärmbekämpfung sind die
unter den verschiedensten Aspekten behandelten Themen der internationalen Umweltschutzmesse "PROJEKT 2000", die vom 23. - 26. Oktober 1974 in Graz
(Steiermark) veranstaltet wird.

Die Vereinigten Staaten beteiligen sich mit

einer vom US-Handelsministerium arrangierten Sonderschau, auf der etwa 20
amerikanische Firmen vertreten sein werden.

Parallel zur Messe läuft ein

internationaler Kongreß mit Vorträgen und Seminaren, in denen Fachleute aus
zahlreichen Ländern die Probleme und Aufgaben des Umweltschutzes in der Sicht
des Wissenschaftlers, Ingenieurs und Politikers behandeln.
Die amerikanische Sonderschau gibt einen Überblick über das gesamte
Spektrum des praktischen Umweltschutzes - vom Instrument über Verfahren bis
zu den Dienstleistungen. Neue Methoden und Geräte für die Überwachung und
die Analyse von Luft und Wasser, Reinigungsverfahren samt Ausrüstungen, Geräte für die Inspektion und Verfahren zur Reinigung kommunaler Abwässer, Ausrüstungen zur Behandlung von Wasser und Abwässern, zur Minderung der Lärmbelastung werden demonstriert.

Außerdem sind Beratungs- und Ingenieurfirmen

vertreten, die Umweltschutzverfahren für bestimmte industrielle Sektoren und

- 1-

�und Aufgabenbereiche, etwa die Endfertigung in der Metallindustrie, ausarbeiten und bis zur praktischen Anwendung vorbereiten.
Eine Anzahl der amerikanischen Aussteller, von denen 13 zum ersten Mal
in Europa in Erscheinung treten, sucht deutsche Vertreter oder Lizenznehmer.
Nähere Auskünfte über die Sonderausstellung erteilt auf Anfrage

Mr. Robert Culver,
Jirector, U.S. Exhibition, Projekt 2000
c/o Amerikanische Botschaft
Wien
Boltzmanngasse 16,
Tel.: 346611

+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ford legt Wirtschaftsprogramm zur Bekämpfung der Inflation vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Botschaft des Präsidenten an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Ausbreitung von Kernwaffen muss verhindert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dr. Fred C. Ikle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;IWF-Ausschüsse sollen weltweite Wirtschaftsfragen prüfen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Lage der Entwicklungsländer und Recycling als Schwerpunkt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nationale Wirtschaftskonferenz führte zur Klärung der Standpunkte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Projekt 2000&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Sonderschau auf internationaler Umweltschutzmesse in Graz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(23. - 26. Oktober 1974)&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1979

39
I N H A L T

DOKUMENTATION
Rede des amerikanischen Außenministers vor der Vereinigung für Außenpolitik
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- Vance überprüft die amerikanische Lateinamerika-Politik -

HINTERGRUNDMATERIAL
Präsident Carter würdigt neues Bundesministerium für Bildung
Die Renaissance des ethnischen Bewußtseins in Amerika
- Von Nathan Glazer Mehr Wettbewerb könnte Energiemarkt beruhigen
- Studie des Mellon-Instituts zur Produktivität auf dem Sektor Energie Synthetische Brennstoffe - eine Zukunftsversicherung
- US-Energieminister Duncan befürwortet massive Investitionen -

WIRTSCHAFT
Duncan bekräftigt Energiesparziele der USA
- Rede des neuen US-Energieministers in Paris Tokio-Runde verspricht europäisch-amerikanische Annäherung
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten James F. Füller -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

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Dokumcntotion
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1979

39

REDE DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS VOR DER
VEREINIGUNG FÜR AUSSENPOLITIK
- Vance überprüft die amerikanische Lateinamerika-Politik

NEW YORK - (AD) - Am 27. September 1979 gab der amerikanische Außenminister, Cyrus Vance, vor der Vereinigung für Außenpolitik in New York in einer
vielbeachteten Rede einen Überblick über die Lateinamerika-Politik seines
Landes.

Er nahm auch zu der Fähigkeit Kubas Stellung, die innenpolitischen

Spannungen seiner Nachbarländer durch seine "engen militärischen Verbindungen"
mit den Sowjets auszunützen und unterstrich, daß die amerikanischen Besorgnisse über diese sowjetisch-kubanischen militärischen Bindungen "auch von
anderen Ländern der westlichen Hemisphäre geteilt" würden.

Die Rede hat folgenden Wortlaut:

Es ist für mich ein großes Vergnügen, heute hier bei Ihnen zu sein.
Wie Carter Burgess und viele von Ihnen wissen, bewundere ich seit langem die
Rolle, die die Vereinigung für Außenpolitik Jahr für Jahr dabei spielt, das
Verständnis der Öffentlichkeit für die wichtigen internationalen Themen zu
verbessern.

Immer wieder hat die Vereinigung die Brücke gebildet zwischen

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�zwischen der Öffentlichkeit und denjenigen, die sich berufsmäßig mit Außenpolitik beschäftigen.
Ich möchte Ihnen heute für diese Anstrengungen danken.
Die Vereinigung verdient Lob dafür, daß sie sich den zentralen Themen
von morgen zuwendet und nicht nur den Schlagzeilen von heute.
Ich möchte heute über eine Region sprechen, in der die Wellen an der
Oberfläche mehr Aufmerksamkeit erregt haben als die tieferen Strömungen, durch
die jene entstehen.

Ich spreche über Lateinamerika.

Unterhalb des Konflikts

und der Kontroverse findet ein ruhigerer, aber grundlegender Wandel in dieser
Hemisphäre statt.

Er führt zu wirtschaftlichem Wachstum, zu Demokratie und zu

größerem internationalen Engagement.
Diese Trends sind weder gleichförmig noch unveränderlich. Ausgeprägte
Gegenströmungen sind ebenfalls vorhanden. Das Zusammenspiel dieser und anderer
Kräfte mag zuweilen Unruhe hervorrufen. Aber die großen Richtungen sind unverkennbar. Die Volkswirtschaften expandieren, demokratische Werte behaupten
sich eher und die internationale Rolle der lateinamerikanischen Länder erweitert und vertieft sich.
Lassen Sie mich diese grundlegenden Trends in dieser Region etwas erläutern. Was bedeuten sie für die dortigen Länder und für die Vereinigten
Staaten? Und wie gestalten wir, im Bewußtsein dieser Veränderungen, unsere
Beziehungen zu den anderen Nationen der westlichen Hemisphäre?

Lateinamerika heute
Wi rtschaftswachstum
Während der letzten Generation hat überall in dieser Region ein gewaltiges Wirtschaftswachstum stattgefunden.

,
- Seit

�- Seit 1960 expandieren die Volkswirtschaften Lateinamerikas rasch, und
als ein Ergebnis davon ist der Anteil Lateinamerikas am Welthandel um mehr
als ein Drittel gestiegen.

- Die Region produziert und exportiert eine wachsende Vielfalt von Fertigwaren sowie Rohstoffe und öl.

- Eine Reihe von Ländern in Lateinamerika zählt nunmehr zu den am meisten
industrialisierten und urbansten Ländern der Welt.

Einige treten als welt-

weite Wirtschaftsmächte auf.

Diese Lebenskraft ist eng mit unserem eigenen Wohlergehen verbunden.
In einem viel größeren Ausmaß als je zuvor ist das tägliche Leben der Bürger
von New York und Caracas, von Mexiko City und Los Angeles miteinander verbunden.

Soziale und wirtschaftliche Verhältnisse in anderen Bereichen der Hemi-

sphäre haben direkte Auswirkungen auf uns und alle unsere Lebensbereiche.

Der Strom von Menschen und von Gütern, von Technologie und Kapital in
beiden Richtungen bewegt sich auf nie dagewesenem Niveau.

Drei Länder

- Brasilien, Mexiko und Venezuela - zählen zu unseren 12 wichtigsten Handelspartnern mit der größten Wachstumsrate.

Mit der raschen Entwicklung Lateinamerikas ging eine Verschiebung in
Richtung auf eine pragmatischere Wirtschaftspolitik einher.

So gut wie alle

Planer der Hemisphäre haben dogmatische Strategien zugunsten gemischter Volkswirtschaften verworfen.

Die Regierungen erfüllen bestimmte wesentliche Funk-

tionen, aber der Privatsektor spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Der

ideologische Druck, der die Privatinvestitionen umgab, hat nachgelassen, da
sowohl die Gastländer als auch die ausländischen Investoren gelernt haben,
zum gegenseitigen Vorteil miteinander zu verhandeln.

Dies sind willkommene

Entwicklungen, denn sie ermöglichen es der amerikanischen Geschäftswelt, ihre
Dynamik derjenigen Lateinamerikas hinzuzufügen.

Sicherlich

�Sicherlich gibt es noch immer eine Menge ernster wirtschaftlicher Probleme
in dieser Region.

Die dortigen Gesellschaften spüren die Konsequenzen der

Inflation, der hohen Energiepreise und der Verlangsamung des wirtschaftlichen
Wachstums in der ganzen Welt.

Einige Staaten der Karibik beginnen gerade mit

der mühsamen Aufgabe, ihre nationale Unabhängigkeit in meßbaren Fortschritt
für ihre Völker umzusetzen.

Regionale Zersplitterung hemmt noch immer die

Entwicklung sowohl in der Karibik als auch in Mittelamerika.
Starke wirtschaftliche Ungleichheiten plagen die Region.

Die Früchte

des raschen Wachstums haben in vielen Fällen die arme Mehrheit noch nicht erreicht - und die Kluft weitet sich aus. Für zu viele bringt jeder neue Morgen
die harte Wirklichkeit des Wollens und der Vergeblichkeit.
Aber trotz bestehender Probleme bleibt die Tatsache, daß das enorme
Potential der Region sich bemerkbar zu machen beginnt.

Die Herausforderung

für das Lateinamerika der achtziger Jahre besteht darin, anhaltendes Wachstum
mit größerer Gleichheit zu verbinden.
Während Handel, Technologietransfer, Kapital ströme, Wanderbewegungen,
Fischrechte und andere Wirtschaftsthemen an die Spitze der Tagesordnung der
Hemisphäre drängen, gibt es für uns neue Möglichkeiten - und ebenso neue Ursachen der Reibung. Nationale Interessen werden auf allen Seiten nach Kräften verteidigt. Diese Interessen werden manchmal aneinanderstoßen. Während
zum Beispiel der Handel sich ausdehnt, müssen wir weiterhin sicherstellen,
daß dies auf eine Weise stattfindet, die fair für alle Handelspartner und für
alle Amerikaner ist.
Aber wenn wir mit einer realistischen Einschätzung des Interesses vorangehen, das wir am beiderseitigen Wohlergehen haben, können wir gemeinsamen
Boden finden.

Der

- 4 -

�Der demokratische Wiederaufstieg

Eine zweite Dimension der Veränderungen, die jetzt in dieser Region
stattfinden, ist die allmähliche, zwar ungleichmäßige, aber dennoch deutlich
erkennbare Bewegung hin zu mehr Demokratie und Achtung der Menschenrechte.

- Vor einem Jahr übertrug die Dominikanische Republik die Macht auf
friedliche Weise auf einen gewählten Kandidaten der Opposition - zum erstenmal in diesem Jahrhundert.
- Ekuador und Bolivien setzten kürzlich verfassungsmäßige Regierungen
ein - nach zehn Jahren Militärherrschaft.

- Peru hat eine neue Verfassung angenommen und bereitet sich auf allgemeine Wahlen im nächsten Jahr vor.

- In Mittelamerika versucht Nikaragua die Erbschaft von 40 Jahren Diktatur
zu überwinden.

Honduras wird im nächsten Frühjahr eine verfassungsgebende

Versammlung wählen.

- In Lateinamerika insgesamt haben die letzten zwei Jahre viele konkrete
Verbesserungen hinsichtlich der Menschenrechte gebracht.

Wir haben diesen

Wiederaufstieg begrüßt und unterstützt.

Aber der Wettkampf zwischen Demokratie und autoritärer Herrschaft ist
noch lange nicht vorüber.

Ungerechtigkeit, das Gefühl der Vergeblichkeit und

Furcht können Teufelskreise gewalttätiger Extreme hervorbringen und eine Polarisierung innerhalb der Länder und in der Region hervorrufen.

Repression

und Terrorismus oder ihre Narben bestehen weiter - sogar in Ländern mit einstmals stolzen demokratischen Traditionen.

Daher sind die Aussichten für Demokratie und Menschenrechte nicht überall gleich.

Aber die Strömungen bewegen sich in günstige Richtungen.

- 5-

Der

�Der Übergang zu stabileren und offeneren Systemen findet statt und gewinnt
an Schwung.
Diese Bewegungen hin zu demokratischeren und offeneren Gesellschaften
in Lateinamerika liegen eindeutig in unserem Interesse.

Die große Stärke der

Demokratie besteht in ihrer Flexibilität und ihrer Elastizität.

Sie eröff-

net die Möglichkeit für weitgestreute politische und wirtschaftliche Beteiligung.

Durch die Ermutigung' von Kompromiß und Schlichtung unterstützt sie

den evolutionären Wandel.
Kurz: die Entwicklung hin auf eine Demokratie dient unseren Interessen
in einer dynamischen Staatengemeinschaft der westlichen Hemisphäre.
•

Größeres internationales Engagement
Eine dritte Dimension der Veränderungen in Lateinamerika ergibt sich
aus der wachsenden Rolle, die die Länder dieser Hemisphäre bei der Gestaltung
regionaler und internationaler Stellungnahmen zu gemeinsamen Problemen spielen.
In der Region selbst haben Initiativen Lateinamerikas zu der durch den
Vertrag von Tlatelolco geschaffenen kernwaffenfreien Zone und dem neugeschaffenen Gerichtshof für Menschenrechte geführt. Im vorigen Monat haben die Staaten des Andenpaktes, enger zusammengeführt in ihrem gemeinsamen Streben nach
demokratischeren Systemen, die Deklaration von Quito herausgegeben, in der
sie sich verpflichten, für eine weitere Demokratisierung und für die Menschenrechte in der Region einzutreten. Die Initiative dieser südamerikanischen
Staaten - zusammen mit dem Eintreten Mexikos, Costa Ricas, Panamas und ähnlich gesinnter Länder in der Karibik - gab der Organisation der Amerikanischen
Staaten (OAS) die Möglichkeit, eine wichtige Rolle bei der Unterstützung des
politischen Umschwungs in Nikaragua zu spielen. Die OAS hat dadurch an Stärke
und Bedeutung gewonnen.
Die
- 6 -

�Die Staaten Lateinamerikas und der Karibik spielen ferner eine immer
entscheidendere Rolle bei den globalen Verhandlungen zwischen Nord und Süd.
Von den Seerechtsverhandlungen bis zur Schaffung der UNCTAD haben die Staaten Lateinamerikas ihre Führungsrolle energisch in Anspruch genommen.

Unsere Auffassungen werden zuweilen auseinander gehen - ja sogar stark
voneinander abweichen - so wie dies in unserer Einstellung zu einigen Erklärungen der Fall ist, die auf der jüngsten Konferenz der Blockfreien in
Havanna abgegeben wurden.

Aber die lateinamerikanischen Initiativen bilden

einen immer wichtigeren Bestandteil des globalen Rahmens, innerhalb dessen
wir arbeiten müssen, um zu größerer Prosperität und Sicherheit für unser
eigenes Volk zu gelangen.

Die Verwirklichung der grundlegenden amerikanischen

Ziele in der Welt - von der Gestaltung eines besser funktionierenden internationalen Wirtschaftsgefüges bis zum Stopp der unheilvollen Ausbreitung nuklearer Waffen (Nonproliferation) - wird mehr als je zuvor von unserer Fähigkeit abhängen, mit unseren Freunden in der westlichen Hemisphäre zusammenzuarbeiten.

Künftige Beziehungen zu Lateinamerika

Was bedeutet das alles für die künftigen Beziehungen zu unseren Nachbarn?

Wenn wir der Region die entsprechende Aufmerksamkeit zuwenden, können
die hier vor sich gehenden Veränderungen zu festeren und dauerhafteren Bindungen führen.

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Ländern Lateinamerikas werden auch weiterhin von den zwischen uns bestehenden Unterschieden
der Macht beeinflußt werd-en.

Das führt zu unterschiedlichen Vorstellungen

und entgegengesetzten Auffassungen über den einzuschlagenden Weg in bezug auf
viele Probleme.

Aber das Wachstum Lateinamerikas bringt ein neues Gleichge-

- 7 -

�Gleichgewicht.

Die interamerikanischen Beziehungen werden offenerer und

stärker in die Zukunft gerichtet.
Wir haben in dieser Administration von Anbeginn an eine vereinte Anstrengung unternommen, um einen Kurs abzustecken, der die neuen Realitäten
der Hemisphäre und die spezifischen Unterschiede zwischen den lateinamerikanischen Nationen und Völkern in Rechnung stellt.
Wie Präsident Carter im vorigen Jahr in seiner Rede vor der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) sagte, "werden Schlagworte nicht länger genügen,
um die Vielfalt der amerikanischen Staaten zu beschreiben, noch wird eine
einzige Formel von Nutzen sein, da unsere individuellen und unsere gemeinsamen
Interessen so eindeutig globalen Ausmaßes sind.

Die Probleme... erfordern es,

daß wir in der westlichen Hemisphäre umfassender denken und handeln."
Schon in den ersten Tagen nach Übernahme seines Amtes hat Präsident
Carter klar seine Absicht bekundet, einen neuen Panamakanal-Vertrag abzuschließen, um die Basis zu festigen, auf der der Kanal in Betrieb gehalten
und verteidigt wird und die Rechte und die Erwartungen des panamaischen Volkes
berücksichtigt werden. Die neuen Verträge treten am 1. Oktober in Kraft.
So wie Amerikaner mit Recht stolz auf unseren Erfolg beim Bau dieses
technischen Wunderwerks gewesen sind, als andere daran scheiterten, so sollen
auch wir stolz darauf sein, daß es uns gelungen ist, eine neue Partnerschaft
mit Panama aufzubauen. Denn hier wird eine neue Richtung in unserem Umgang
mit der Hemisphäre gewiesen - die auf gemeinsam getragener Verantwortung beruht, nicht auf Beherrschung oder Abhängigkeit, auf Gerechtigkeit und Anpassung, nicht auf Konfrontation.
Vor wenigen Monaten habe ich in einer Rede vor der National Urban League
die Elemente dieser neuen Einstellung und Haltung gegenüber den Entwicklungsländern ganz allgemein aufgewiesen. Gestatten Sie mir, daß ich heute diese
Haltung beschreibe, soweit sie unsere Beziehungen zu den uns am nächsten lie-

�liegenden und am stärksten industrialisierten Teil der Entwicklungswelt betrifft.

Erstens, in unseren Wirtschaftsbeziehungen sind wir bemüht, sowohl die
Mitbeteiligung als auch die Mitverantwortung der Entwicklungsländer an dem
internationalen Wirtschaftssystem zu verstärken.

Wir haben in den letzten Jahren hier einige echte Fortschritte erzielt.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist stärker geworden, besser mit Kapital ausgestattet und der Entwicklungswelt gegenüber aufgeschlossener geworden.

Die neuen Handelsbestimmungen, auf die man sich Anfang dieses Jahres

geeinigt hat, eröffnen für Länder, die sich dem Welthandelssystem anschließen,
neue Chancen und Möglichkeiten.

Eine Reihe von Einzel abkommen wurde abge-

schlossen, um die schädlichen Preisschwankungen bei bestimmten Rohstoffen
zu begrenzen.

Und wir haben Übereinstimmung über die Zusammensetzung eines

Gemeinsamen Fonds erzielt, um bei der Stabilisierung der Rohstoffpreise behilflich zu sein.

Wir haben uns auch zur Erzielung weiteren handfesten Fortschritts verpflichtet, wobei ein Themenkreis, der gerade für die Karibik und Mittelamerika
von besonderer Bedeutung ist, das ausgehandelte internationale Zucker-Abkommen
darstellt.

Wir haben zwar die Ratifizierung dieses Abkommens durch den Kongreß

noch nicht sicherstellen können, werden jedoch aufgrund seiner Bedeutung auch
weiterhin für seine Annahme wirken.

Die ständigen Veränderungen in der Weltwirtschaft erfordern ständige
Kreativität zum Ausgleich der Interessen aller Länder.
zu Mexiko sind dafür das beste Beispiel.

Unsere Beziehungen

Die Liste der unsere Beziehungen

betreffenden Themen und deren Vielfalt ist wahrscheinlich länger als die mit
jedem anderen Land der Welt, denn wir haben 2000 Meilen gemeinsame

Grenze,

wir haben die gleichen demokratischen Ideen, unsere Volkswirtschaften sind
beide stark und unabhängig - und deshalb ist Mexiko für uns eines der wichtigsten Länder in der Welt.
Wenn
- 9 -

�Wenn Präsident Carter und Präsident Lopez Portillo morgen zusammentreffen,
werden sie dies mit der beiderseitigen Erkenntnis der gemeinsamen Notwendigkeit
tun, auch weiterhin die Zusammenarbeit zwischen uns zu stärken.
reiche Abschluß der Verhandlungen über Erdgas vorige

Der erfolg-

Woche zeigt die Vorteile,

die wir beide erzielen können.
Zweitens, wir konzentrieren unsere Aufmerksamkeit und unsere Hilfsmittel
auf praktische Lösungen konkreter Entwicklungsprobleme.
Wir zielen mit unserer bilateralen Hilfe auf den drückenden täglichen
Bedarf in den ärmeren Ländern, und wir gewähren ärmeren Ländern Hilfe in Notfällen - wie der Dominikanischen Republik und Nikaragua, die beide um ihren
Wiederaufbau nach Katastrophen durch Natur und Mensch ringen.
Durch die Interamerikanische Entwicklungsbank und andere internationale
Finanzinstitutionen arbeiten wir für eine Erhöhung der Nahrungsmittel- und
Energieproduktion sowie für die Ausbreitung größerer sozialer Gleichheit in
der gesamten Hemisphäre.
Gleichzeitig verstärken wir unsere Unterstützung für die Integration
innerhalb der Region: durch den Andenpakt und den Mittelamerikanischen Gemeinsamen Markt. Als einen Schritt zu größerer Zusammenarbeit zwischen den
Ländern der Karibik haben wir und andere Geberländer uns ihnen angeschlossen,
um die Karibikgruppe für Zusammenarbeit bei der Wirtschaftsentwicklung zu
bilden.
Die meisten Armen des Kontinents leben in Ländern, deren nationales ProKopf-Einkommen gestiegen ist und die deshalb unsere bilaterale Unterstützung
nicht mehr erhalten. Dieses Dilemma betrifft, obwohl es nicht auf Lateinamerika beschränkt ist, dieses Gebiet mehr als jedes andere. Wie die Früchte
des Wachstums verteilt werden, hängt in erster Linie von nationalen Entscheidungen ab. Aber auch die internationale Gemeinschaft muß mehr dazu beitragen,
um alle Bedürftigen zu erreichen.
Diese
- 10 -

�Diese vielfältigen kooperativen Unternehmungen tragen nicht nur zum
Fortschritt Lateinamerikas bei; sie sind auch von grundlegender Bedeutung
für die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, die wir uns selbst
von den Ländern der Region wünschen.

Drittens, durch unsere beständige Unterstützung der Menschenrechte versuchen wir, auch anderen Regierungen dabei zu helfen, auf die zunehmenden
Forderungen nach Gerechtigkeit und umfassender Beteiligung am politischen
und wirtschaftlichen Leben ihrer Völker zu reagieren.

Auf welche Weise eine Gesellschaft mit dem Wandel fertig werden will,
muß sie allein entscheiden.

Aber weder können abweichende Ansichten auf

die Dauer ausgeschlossen noch kann Unterdrückung in irgendeiner Gesellschaft
beibehalten werden, ohne daß der Samen für gewalttätige Erschütterungen gesät wird.

Wir haben die Folgen autoritärer Herrschaft in Nikaragua gesehen.

Die

Herausforderung für uns besteht heute darin, uns den anderen in dieser Region
anzuschließen, um dem Volk und der Regierung von Nikaragua dabei zu helfen,
aus den Trümmern von Diktatur und Revolution

erfolgreich eine stabile, ge-

sunde und demokratische Gesellschaft zu errichten.

Die fast gänzlich ausblei-

benden Vergeltungsmaßnahmen gegen Mitglieder der Somoza-Regierung sind ein
vielversprechender Beginn für eine Entwicklung, von der wir glauben, daß sie
ein humaner Prozeß des sozialen Wandels in enger Verbindung mit den Demokratien der Hemisphäre sein wird.
Durch das Angebot unserer Freundschaft und unseres wirtschaftlichen Beistands erhöhen wir die Aussichten auf eine Demokratie in Nikaragua.

Wir

können nicht garantieren, daß sich die Demokratie dort durchsetzen wird, aber
wenn wir Nikaragua den Rücken kehren, können wir nahezu sicher sein, daß die
Demokratie scheitern wird.

Wir

�Wir werden einige Zeit brauchen, um das Vermächtnis der Vergangenheit
zu überwinden und eine Beziehung des gegenseitigen Vertrauens mit der neuen
Regierung aufzubauen.

Wir müssen geduldig, standhaft und auf unvermeidliche

Meinungsverschiedenheiten gefaßt sein. Aber solange in Nikaragua der Pluralismus gedeiht und wir ihn respektieren, bin ich sicher, daß die Beziehungen
sich günstig entwickeln werden.
Auch sonst in der Region werden wir den konstruktiven Wandel ermutigen
und unterstützen, bevor die Bindungen zwischen Regierung und Volk unwiederbringlich auseinanderbrechen und Radikalismus und Unterdrückung gemäßigte
Lösungen vertreiben.
Viertens:

wir müssen uns immer wieder daran erinnern, daß es einen we-

sentlichen Unterschied zwischen dem sozialen und politischen Wandel gibt, der
von inneren Faktoren herrührt und jenem, der das Resultat des Drucks und der
Kräfte von außen ist. Wir müssen erkennen, daß innere Zerrissenheit bei Nationen nicht notwendigerweise bedeutet, daß eine Hand von außen im Spiel ist.
Aber gleichzeitig müssen wir auf die Tatsache achten, daß innere Spannungen
einem Übergriff von außen Gelegenheit bieten.
In der Vergangenheit haben wir in diesem Zusammenhang unseren Bedenken
über Kubas Anstrengungen Ausdruck verliehen, den sozialen und politischen
Wandel bei seinen Nachbarn zu seinem eigenen Vorteil auszunützen.
Unsere Bedenken werden von anderen Ländern der Hemisphäre geteilt.

Die

Nationen Lateinamerikas sind dem Grundsatz fest verpflichtet, einer äußeren
Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten zu widerstehen.

Diese ihre Ent-

schlossenheit respektieren und unterstützen wir voll und ganz.
Kubas Fähigkeit zur Ausnutzung dieser internen Spannungen wird durch
seine engen militärischen Verbindungen zur Sowjetunion verstärkt. Die kürzliche Bestätigung der Anwesenheit einer sowjetischen Kampfeinheit hat diese
Bedenken weiter verdichtet.
Wir
- 12 -

�Wir versuchen durch diplomatische Verhandlungen mit der Sowjetunion die
durch die Anwesenheit dieser Streitkräfte aufgeworfenen Fragen zu klären.
Es stehen bedeutsame Interessen unserer gesamten Beziehung zur Sowjetunion
auf dem Spiel. Wir wünschen, jeden Teil in angemessener Perspektive zu halten.

Jedoch werden wir sicherstellen, daß unsere Interessen voll gewahrt

bleiben.
Das fünfte Element unserer Strategie ist die Unterstützung regionaler
Anstrengungen zur Lösung regionaler Konflikte. Lateinamerika ist der Schauplatz einer Anzahl latenter und potentiell explosiver territorialer Streitfragen. Allerdings wurde im Lauf des letzten Jahres bei einer Anzahl von
ihnen ein vernünftiger Fortschritt erzielt.
- Die Befürchtungen hinsichtlich eines Konfliktes in den Anden haben
stark nachgelassen.
- Im Beagle-Kanal-Streit zwischen Argentinien und Chile, obwohl noch
ungelöst, wird vermittelt.
- El Salvador und Honduras kommen sich bei der Lösung ihrer Grenzsteitigkeit näher.
Bei diesen und anderen Territorialfragen in der Region bleiben die zugrundeliegenden Meinungsverschiedenheiten.

Wir werden weiterhin die gemein-

samen Anstrengungen unterstützen, um die alte Tradition der Hemisphäre zu bewahren, ihre internationalen Streitfragen auf friedlichem Weg zu lösen.
Sechstens und abschließend, bei der Verfolgung dieser Strategie werden
wir mit jeder Nation zusammenarbeiten, die bereit ist, mit uns auf praktische
gemeinsame Ziele hinzuarbeiten.
wachsender Vielfalt.

Lateinamerika ist ein Kontinent großer und

Unser Interesse liegt nicht darin, uns dieser Vielfalt

zu widersetzen, sondern darauf zu bauen für das gemeinsame Gute.
Zusammenfassung

- 13 -

�Zusammenfassung
Wandel und Wachstum - in den Vereinigten Staaten, in Lateinamerika und
in der Welt - schaffen beides:

neue Möglichkeiten und neue Zwänge.

ben die interamerikanischen Angelegenheiten verwandelt.

Sie ha-

Heute sind diese

Beziehungen für unser Leben im eigenen Land von viel unmittelbarerer Bedeutung als je zuvor.

Die verwirrenden Dilemmas, die neuen Probleme und die

sich vergrößernden Chancen:

Dies alles erfordert neue Führung, neue Initia-

tiven und neue Wege, um den Zusammenhang herzustellen.
Wir haben einen Kurs eingeschlagen, der alle diese neuen Dimensionen in
Rechnung stellt.
- Wir werden auf eine Verbesserung des Klimas für gerechtes Wachstum hinarbeiten.
- Wir werden ökonomische und politische Vielfalt respektieren und ermutigen.
- Wir werden Lateinamerikas wachsenden Einfluß begrüßen und wir werden mit
seinen Nationen in der internationalen Arena zusammenarbeiten.
Ich glaube, daß wir mit Geduld, mit der Aufmerksamkeit, die die Region verdient, und mit angemessenem Respekt vor dem Trachten unserer Mitbürger der
Hemisphäre in den kommenden Jahren eine zunehmend schöpferische und fruchtbare
Ära der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und den Nationen
Lateinamerikas erleben werden.

+ + + + +

- 14 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

39

10. Oktober 1979

PRÄSIDENT CARTER WÜRDIGT NEUES BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter nannte die Schaffung eines neuen
amerikanischen Bundesministeriums für Bildung und Erziehung einen bedeutenden
Schritt in dem Bemühen, die Leistungsfähigkeit der Bundesregierung zu erhöhen,
In einer Erklärung, die das Weiße Haus am 27. September 1979 veröffentlichte, stellte Carter fest, daß es nun ein gesondertes Ministerium gebe,
das den Erziehungsprogrammen die notwendige Klarheit und Richtung bieten
könne.

Das Repräsentantenhaus hatte am gleichen Tag mit 215 gegen 201 Stim-

men für einen mit dem Senat ausgehandelten Gesetzeskompromiß gestimmt.

Der

Senat hatte die Gründung des Ministeriums am 24. September mit 69 gegen 22
Stimmen gebilligt.

Schon in seiner Wahlkampagne hatte Carter die Schaffung eines separaten
Erziehungsministeriums als eines seiner Ziele genannt und das Thema auch in
seinem Bericht zur Lage der Nation vor dem Kongreß im Januar 1979 wieder aufgegriffen.

Die

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�Die Errichtung des neuen Ministeriums bedeutet Carter zufolge einen
konstruktiven Beitrag der Bundesregierung zur Verbesserung der Bildung.wobei
jedoch die örtliche Kontrolle der Schulen beibehalten werden soll:

"Ich

wehre mich entschieden dagegen, kommunalen und einzelstaatlichen Gremien das
Vorrecht zu entziehen, die Lehrpläne sowie die Anstellung und Entlassung des
Lehrpersonals zu bestimmen."
James T. Mclntyre, Jr., der Direktor des Amtes für Planung und Haushalt sagte am 27. September, er erwarte eine reibungslose Reorganisation, da
die Carter-Administration bereits eine klar festgelegte Bildungspolitik betreibe.
Das neue Ministerium wird nicht nur aus den entsprechenden Abteilungen
des jetzigen Ministeriums für Gesundheit, Erziehung und Soziales bestehen,
sondern auch Aufgaben übernehmen, die bisher in die Zuständigkeit anderer
Behörden fielen, so etwa Schulen für Kinder amerikanischer Soldaten im Ausland (bisher Verteidigungsministerium) oder Ausbildung für Gastarbeiter
(bisher Arbeitsministerium).

+ + + + +

�10. Oktober 1979

39

DIE RENAISSANCE DES ETHNISCHEN BEWUSSTSEINS IN AMERIKA
- Von Nathan Glazer -

- (AD) - Was das Bewußtsein der ethnischen und rassischen Herkunft und
Mannigfaltigkeit in den Vereinigten Staaten angeht, sind wir in den letzten
zehn Jahren Zeugen einer bemerkenswerten Wandlung geworden. Es ist bekannt,
daß die Vereinigten Staaten wahrscheinlich die ethnisch vielfältigste Nation
der Erde ist. So riesig groß wie die Verschiedenartigkeit ist auch die Zahl
der Gruppen. Der Großteil der Amerikaner ist angelsächsischer Herkunft. Daneben geben 21 Millionen Amerikaner ihren ethnischen Ursprung als deutsch an,
12 Millionen als irisch, 7 Millionen als italienisch, und der Umfang von polnischen, norwegischen schwedischen, russischen, tschechischen, slowakischen,
ungarischen, griechischen, ukrainischen und anderen Gruppen beträgt jeweils
eine Million und mehr. Es gibt mehr als 23 Millionen Schwarze, 7 Millionen
Amerikaner mexikanischer Abkunft, Hunderttausende aus jedem der vielen lateinamerikanischen Länder, 3 Millionen oder mehr Asiaten (Japaner, Chinesen,
Philippinos, Inder, Koreaner, Vietnamesen) und fast eine Million amerikanischer
Indianer. Innerhalb nur weniger Jahre bildete sich eine Gruppe von mehr als
600 000 Kubanern aus Flüchtlingen aus Kuba, und von mehr als 200 000 Vietnamesen
aus Flüchtlingen von Vietnam.
Die

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�Die Entstehung einer so gemischten Nation ruft ernste Probleme hervor
und viele davon sind der Welt wohlbekannt.

Weniger gut bekannt ist die Tat-

sache, daß die Vereinigten Staaten sich gewandelt haben:

Von einem Land, in

dem durch Gesetz und Meinung von allen diesen Gruppen erwartet wurde, ihre
Sprache und ihre Gebräuche aufzugeben und Teil eines gemeinsamen amerikanischen
Volkes zu werden, zu einem Land, in dem jede Gruppe nunmehr beträchtliche
Rechte hat, bis zur Beibehaltung ihrer eigenen Sprache und ihres eigenen Erbes.
Zwei Beispiele dieses Wandels:

Bis spät in die sechziger Jahre hinein

wurde es für selbstverständlich gehalten, daß die öffentlichen Schulen in
Amerika in englischer Sprache unterrichteten.

Ja, in manchen Einzel Staaten

forderten sogar Gesetze von den Oberschulen, lediglich auf Englisch zu unterrichten - ausgenommen natürlich den Unterricht in Fremdsprachen.

Gegen Ende

der sechziger Jahre führte die Bundesregierung Programme zur zweisprachigen
Erziehung ein, um jenen, die in einer Fremdsprache erzogen worden waren, während einer Übergangszeit zu helfen.

Im Jahre 1974 erklärte der Oberste Ge-

richtshof, daß diejenigen, die kein Englisch sprachen, einen rechtlichen Anspruch darauf haben.

Viele Einzel Staaten haben seither Gesetze verabschiedet,

die die Ausbildung in der entsprechenden Sprache des Kindes verlangen.
Ein zweites Beispiel für diesen Wandel: Bis vor wenigen Jahren erforderte die Mitwirkung am politischen System Amerikas die Kenntnis der Englischen
Sprache, und es lag an dem einzelnen, der wählen wollte, Englisch zu lernen.
Aber vor einigen Jahren wurde durch Bundesgesetz festgelegt, daß in denjenigen Wahlbezirken, in denen eine beträchtliche Gruppe von Anderssprachigen
lebt, die Wahl unterlagen in diese Sprachen übersetzt werden müssen und dieser
Personenkreis bei der Wahl Beistand in der eigenen Sprache erhält.
Diese eindrucksvollen Entwicklungen warfen Fragen hinsichtlich der
ethnischen Zukunft der Vereinigten Staaten auf: Das Modell dieser Zukunft
war der "Schmelztiegel" gewesen, das Aufgehen aller dieser Völker in einem
amerikanischen Volk. Dieses Ideal wurde durch die Politik auf bestimmten Gebieten gefördert. In der Erziehung und Bildung gab es die Politik der "Ameri-

- 2 -

�"Amerikanisierung" - durch den Unterricht in Englisch, durch Verurteilung
einer doppelten Loyalität, durch die Forderung nach Loyalität allein gegenüber den Vereinigten Staaten.

Während es jeder Gruppe erlaubt war, ihre ei-

genen Sprachschulen, Zeitungen und Publikationen sowie Kirchen, Vereinigungen
und Organisationen in der fremden Sprache beizubehalten, ging man davon aus,
daß mit der Zeit eine "Assimilierung" und "Aufsaugung" der verschiedenen Elemente unserer Bevölkerung in eine englischsprechende gemeinsame Kultur stattfinden würde.

Unsere Bürgerrechtsgesetzgebung, die 1964 mit einem wirkungsvollen Gesetz zur Aufhebung der Diskriminierung bei Beschäftigung, Ausbildung, öffentlichen Einrichtungen und bei Vorhaben, die von der Regierung bezuschußt wurden, einen Höhepunkt erlebte, wurde als Geburtshelfer eines gemeinsamen Volkes
angesehen.

Aber die wachsende ethnische und rassische Bewußtwerdung und der

damit verbundene Stolz haben in den Vereinigten Staaten diese Erwartungen in
Frage gestellt.

Und die Regierung hat ihre eigene Einstellung geändert, wie

wir im Falle des Wahlrechts und der Erziehung gesehen haben.

Auch haben sich diese Entwicklungen nicht auf die Vereinigten Staaten
beschränkt.

Obgleich die Lage in jedem Land anders ist, bemerken wir dennoch,

wie mächtig und anhaltend ethnische Bindungen bei allen Nationen sind.

In den Vereinigten Staaten ist vor allem ein Thema in den Vordergrund
getreten:

der offenkundige Widerspruch zwischen den dem einzelnen garantier-

ten Rechten ungeachtet seiner Rasse, seiner Religion oder seiner Herkunft und
der häufig empfundenen Notwendigkeit, die Lage einiger Minderheitsgruppen durch
das zu verbessern, was wir "affirmative Aktion" nennen.

Zusatzartikel XIV

zur Verfassung der Vereinigten Staaten - zum Schutz der Rechte der gerade befreiten Sklaven - besagt:

"Kein Staat darf ... irgend jemandem innerhalb

seines Hoheitsbereiches den gleichen Schutz durch das Gesetz versagen".
Das Bürgerrechtsgesetz des Jahres 1964 wurde in einer Zeit erlassen, als alle
Gruppen der Meinung waren, die richtige Einstellung der Regierung zu ethnischen,
rassischen und religiösen Unterschieden bestünde darin, sie zu ignorieren, also

- 3 -

�also "farbenblind" zu sein.

Diskriminierung wegen Rasse, Religion oder Her-

kunft bei Beschäftigung und bei Programmen, die von der Bundesregierung bezuschußt werden, wurde verboten.

Aber sehr rasch begannen die Regierungstel-

len "Farbenbewußtheit" anstatt "Farbenblindheit" zu praktizieren, um die
Auswirkungen der Diskriminierung in der Vergangenheit zu korrigieren.

Diese

"Farbenbewußtheit" übernahmen auch viele Einrichtungen der höheren Bildung
und viele Arbeitgeber, um vor allem den Anteil der Schwarzen und auch anderer
unterrepräsentierter Gruppen zu erhöhen.
Bedeutete dies, daß nunmehr andere Gruppen diskriminiert wurden? So
jedenfalls argumentierte Marco Defunis, ein Jude, als er nicht zur juristischen
Fakultät der Universität von Washington zugelassen wurde: Man hätte ihm die
Aufnahme nicht verweigern dürfen, da Personen anderer rassischer und ethnischer
Zugehörigkeit mit schlechteren Qualifikationen aufgrund des "farbenbewußten"
Zulassungsprogramms der Universität von Washington angenommen worden waren.
Der Oberste Gerichtshof gelangte zu keiner Entscheidung. Allan Bakke brachte das gleiche Argument gegenüber der medizinischen Fakultät der Universität
von Kalifornien vor. In diesem Fall gelangte das Gericht mit Mühe zu einer
Entscheidung: Zwar könne er zugelassen werden, da die medizinische Fakultät
eine strenge Quote für Minoritäten festgelegt habe, um ihre Anzahl zu erhöhen; gleichzeitig stellte es jedoch fest, daß bei Zulassungen zur medizinischen Fakultät die Rasse in Betracht gezogen werden könne. Erst kürzlich
hatte ein Arbeiter, Brian Weber, seinen Arbeitgeber verklagt, da der Arbeitgeber und die Gewerkschaft ein Programm für mehr schwarze Facharbeiter erstellt hatten und man Weber, einem Weißen, die Teilnahme an diesem Programm
verweigert hatte. Das Gericht kam zu keiner einheitlichen Auffassung, fällte
aber mehrheitlich den Spruch, daß solche Programme legitim seien.
Dieses Problem erhielt die Bezeichnung "umgekehrte Diskriminierung",
Diskriminierung der Mehrheit, nicht der Minderheit. "Umgekehrte Diskriminierung" ist ein Programm, bei dem eine diskriminierende Gruppe, die im Verhältnis zu ihrer Größe keine wichtigen Posten hat, bevorzugt wird. Das kommt
nicht nur in den Vereinigten Staaten vor. Seit seiner Unabhängigkeit hat
- 4 -

�hat Indien solche "Reservate" für Mitglieder der niedrigen Kasten bei den
Bildungseinrichtungen und bei Arbeitsplätzen im Regierungsbereich.

Kanada

hat den Versuch gemacht, die Anzahl französischsprechender höherer Beamter
zu erhöhen.

Aufgrund unserer Verpflichtung zur Wahrung der Rechte des einzelnen und
der neueren Verpflichtung zur "Farbenblindheit" der öffentlichen Hand sowie
aufgrund der Vielfalt unserer ethnischen und rassischen Gruppen ist es gerade
für die Vereinigten Staaten besonders schwer, eine einheitliche und logische
Politik der "umgekehrten Diskriminierung" zu entwickeln.

Jetzt verlangen

nicht nur die Schwarzen besondere Bevorzugung, sondern auch die Amerikaner
mexikanischer Abkunft, die Puertorikaner, andere Hispano-Amerikaner, die verschiedensten asiatischen Gruppen, die amerikanischen Indianer und andere mehr.
Zudem haben wir Gesetze erlassen, die Diskriminierung auf der Grundlage von
Geschlecht, Alter und Behinderung zu verbieten.

Diese Gesetze wiederum kön-

nen von Regierungsstellen und Gerichten so interpretiert werden, daß sie ein
gewisses Maß an "umgekehrter Diskriminierung" beachten, d.h. besondere Bevorzugung derjenigen Gruppe

fordern, für deren Schutz diese Anti-Diskriminierungs-

gesetze entworfen wurden.

"Umgekehrte Diskriminierung" stellt ein Problem für Länder dar, in denen bestimmte Gruppen wegen Diskriminierung oder aus anderen Gründen zurückbleiben.

Das Problem ist vielleicht deshalb in den Vereinigten Staaten am

schwierigsten, weil wir alle in einer integrierten Gesellschaft aneinander
gebunden sind, und keine Gruppe davon träumt, sich von der Nation loszulösen,
um in einem autonomen Gebiet zu leben, wie dies viele ethnische Gruppen in
anderen Ländern tun.

Wir sind in den Vereinigten Staaten bereits so sehr ver-

mischt, daß dies nicht mehr möglich ist.

Wenn jede Gruppe ein eigenes Terri-

torium haben könnte, würde das Problem der umgekehrten Diskriminierung gar
nicht erst auftauchen:

Ethnische Forderungen würden dann in Forderungen nach

Autonomie oder Unabhängigkeit umgesetzt werden, wie dies in vielen Ländern
geschieht.

Für die Vereinigten Staaten und für andere Länder, die eine inte-

grierte Gesellschaft haben, wirft die umgekehrte Diskriminierung
gende Fragen auf, die etwa so formuliert werden können:
- 5-

beunruhi-

Können wir eine

�eine "farbenblinde" und integrierte Gesellschaften erreichen - was, wie ich
meine, die meisten Menschen in den Vereinigten Staaten wollen -, indem wir
eine Politik verfolgen, die eben nicht "farbenblind" ist?
Die Regierung ist dieser Ansicht.

Sie glaubt, Unternehmer und Arbeit-

geber dazu bringen zu können, die Rasse und die ethnische Zugehörigkeit ihrer
Arbeitnehmer statistisch festzuhalten und Personen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit zu bevorzugen, daß aber dies irgendwann einmal in Zukunft aufgehoben und abgeschafft werden kann, sobald echte Gleichheit erzielt worden ist.
Aber ich glaube, daß die Notwendigkeit, einige Gruppen zu bevorzugen, andere
Gruppen dazu bringt - und viele haben dies bereits getan -, dem Kampf und der
Forderung Vorrang zu geben.

Und wie kann man Gruppen davon überzeugen, eine

Vorzugsstellung aufzugeben, nachdem man sie ihnen erst einmal eingeräumt hat?
Meiner Meinung nach ist es so: Wenn man erst Überlegungen hinsichtlich Rasse
und ethnischer Zugehörigkeit bei Beschäftigung und Ausbildung in Rechnung
stellt, dann wird dies nur die Zahl der Gruppen erhöhen, die man in Betracht
ziehen muß, so wird es den einzelnen nur noch stärker an die Identitäten
festbinden, die gerade von der Regierungspolitik bevorzugt werden, und es wird
somit schwierig, wenn nicht unmöglich, zu einer Regierungspolitik zurückzufinden, die den Einzelmenschen ungeachtet seiner Rasse oder seines nationalen
Ursprungs behandelt.
Andere Aspekte der Regierungspolitik verstärken ebenfalls diese verschiedenen Identitäten, vor allem Erziehungsprogramme, die fremdsprachlichen Unterricht betonen, und den Unterricht über fremde Kulturen sowie die neuen Wahlrechte, die man denjenigen gewährt, die eine andere Sprache sprechen.
Das Phänomen des Ethnischen ist eine Realität; die Renaissance des
Ethnischen überall in der Welt ist nicht Ergebnis einer Mode oder ausländischer
Propaganda. Aber die Antwort der Staaten auf diese Renaissance wird von ihrer
Geschichte und ihren Hoffnungen abhängen. Wenn verschiedene Gruppen durch
ihre Geschichte hindurch eigenständig bleiben wollten und tief mit ihrer Sprache
und ihrer Kultur verwurzelt sind, bedarf es der Einfühlsamkeit, um einen gemeinsamen Staat und gemeinsame Ziele beizubehalten. Manchmal wird auch Ein-

�Einfühlsamkeit nicht helfen und Trennung bleibt als einzige Alternative.
Aber sollte bei erfolgreicher Integration und Schaffung einer gemeinsamen
Kultur diese Entwicklung rückgängig gemacht, der Sinn für unterschiedliche
Abstammung gestärkt und Rechte und Privilegien gewährt werden, die auf ethnischer und rassischer Zugehörigkeit beruhen?

Die Schaffung einer gemeinsamen Kultur, einer gemeinsamen Sprache und
gemeinsamer Loyalität aus unterschiedlichen Völkern war ein erstaunlicher
Erfolg der Vereinigten Staaten.

Ich bin besorgt darüber, daß wir von einer

Politik abgehen, die diesen Erfolg ermöglicht hat.

Die Betonung des Englischen

als unserer gemeinsamen Sprache diskriminiert gegenüber denjenigen, die es
nicht sprechen.

Die Betonung gleicher Behandlung aller bei Erziehung und Be-

schäftigung diskriminiert nicht gegenüber denjenigen, die in der Vergangenheit ungleich behandelt wurden,

besonders da viele Programme denjenigen hel-

fen, die unter unzureichender Erziehung, geringem Einkommen oder Berufen ohne
Zukunft leiden.

Und ich bin der Meinung, daß der Versuch, durch Eingriffe der

Regierung, Sprachen und Kulturen zu erhalten und einer immer längeren Liste
der Rassen und der Gruppen Sonderbehandlung zu gewähren, Uneinigkeit mit sich
bringen wird.

Dies zwingt zu einer Politik der Streitigkeiten, bei der es

kaum eine Umkehr gibt.

Das wachsende Geltendmachen des Ethnischen hat viel für sich, uriid wir
sollten ihm Verständnis entgegenbringen.

Es ist falsch, die Sprache eines

Menschen zu unterdrücken oder Menschen eine nationale Identität aufzuzwingen,
die sich dagegen wehren.

Auch die Verweigerung politischer und erzieherischer

Rechte wegen Rasse, Farbe, Herkunft und Religion ist falsch.

In der Vergan-

genheit und in vielen Ländern war dies häufig - und es kommt immer noch häufig
vor.

über diese Prinzipien sind wir uns alle einig.

Aber was schuldet eine

Regierung den verschiedenen nationalen Minderheiten, die es in vielen Ländern
gibt, außer der negativen Erfordernisse nämlich, niemanden zu unterdrücken,
niemanden zu mißbrauchen und niemanden zu benachteiligen?

Dies ist eine viel

schwierigere Frage.

Wir
- 7 -

�Wir hofften auf eine neue Gesellschaft, eine integrierte Gesellschaft,
einen neuen Menschen und ein
listische Hoffnung.

neue Kultur.

Vielleicht war es eine unrea-

Aber viele Menschen zogen die Vereinigten Staaten gerade

wegen dieser Hoffnung an.

Ist es möglich, sie zu verwirklichen und fair ge-

genüber so vielen rassischen und ethnischen Gruppen zu sein, aus denen das
amerikanische Volk besteht?

Das wird noch lange Zeit eine Herausforderung

bleiben.
•

+ + + + +

�(Kl-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1979

39

MEHK WETTBEWERB KÖNNTE ENERGIEMARKT BERUHIGEN
- Studie des Mellon-Instituts zur Produktivität auf dem Sektor Energie

WASHINGTON - (AD) - Milliarden von Dollar hätten die amerikanischen Verbraucher im Jahr 1978 an Energiekosten sparen können, wenn es ihnen möglich
gewesen wäre, sich von konkurrierenden Technologiesystemen diejenigen mit den
billigsten Dienstleistungen auszusuchen.

Zu diesem Schluß kommt eine am

20. September 1979 veröffentlichte Studie, die vom Zentrum für Energieproduktivi tat des Mellon-Instituts (Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh,
Pennsylvanien) unter der Leitung von Roger W. Sant (früher Bundesenergiebehörde der USA) ausgearbeitet wurde.

Sie basiert auf Computeranalysen, die

über den Zeitraum von acht Monaten erstellt worden sind, und trägt den Titel:
"LEAST-COST ENERGY STRATEGY:

MINIMIZING CONSUMER COSTS THROUGH C0MPETITI0N"

(Strategie für die billigste Energie: Verminderung der Verbraucherkosten durch
Wettbewerb).
Der bisher eingehaltene Weg sei unproduktiv gewesen, so heißt es in der
Studie, weil in den Vereinigten Staaten Energie als Ware mit abnehmenden Beständen anstatt als Dienstleistungsobjekt betrachtet wurde, dem sich sehr
viele miteinander in Konkurrenz stehende Unternehmen widmen könnten. Die
Analyse hebt die besondere Bedeutung des bereits in Gang gekommenen Prozesses

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�Prozesses hervor, Energie vom Wirtschaftswachstum abzukoppeln sowie EnergieDienstleistungen als Management-Aufgaben zu betrachten und die heutigen
Energieversorgungs- und Liefersysteme durch leistungsfähigere zu ersetzen.
Die amerikanische Energiepolitik sei zu sehr mit eng begrenzten Fragen
wie Verringerung der ölimporte, Ausbau der Kernenergie, Einführung verbesserter bzw. besser geeigneter Technologien, Sonnenenergie, Preiskontrollen für
öl und Gas, Einsparung, "Verzicht" und Umweltfragen beschäftigt gewesen, anstatt das Hauptproblem der Energiekrise anzupacken - nämlich Kostensenkung,
insbesondere besseres Management, als die zentrale Aufgabe zu erkennen.
Für die Richtigkeit dieser These sprächen dem Bericht zufolge überzeugende Beispiele:

Einige Sektoren der amerikanischen Industrie hätten ohne

nennenswerte Steigerung des Investitionskapitals oder Produktionseinschränkung den Energiebedarf um 10 - 30 Prozent gesenkt.

In den zwei Jahrzehnten

vor dem arabischen ölembargo von 1973 habe, wie Roger Sant hervorhebt, ein
Wirtschaftswachstum um vier Prozent generell eine vierprozentige Steigerung
des Energieverbrauchs bedeutet.

"Heute erfordert eine Zunahme des Bruttoso-

zialprodukts um 4 Prozent eine Erhöhung des Energieverbrauchs um nur zwei Prozent."
Von 1973 bis 1978 sei der Ausstoß der amerikanischen Wirtschaft an Waren
und Dienstleistungen um 12 Prozent gestiegen, während der industrielle Energieverbrauch um mehr als 10 Prozent zurückgegangen sei. Von 1973 bis 1976 hätten
außerdem die bundesstaatlichen Organisationen ihren Energieverbrauch sogar um
30 Prozent gesenkt, ohne gleichzeitig alte Ausrüstungen durch moderne zu ersetzen. Diese Fortschritte in bezug auf die Energie-Produktivität seien, wie
Sant ausführte, ohne "Opfer" oder ein allgemeines Absinken der Produktivität
in den USA erreicht worden. Sie seien vielmehr ein erster Beweis dafür, daß
entgegen der noch vor wenigen Jahren gültigen These "Energie- und Wirtschaftswachstum entkoppelt werden können".
Der Analyse zufolge könnte bei Anwendung einer Strategie der geringstmöglichen Kosten der Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten im Jahr 2010

�2010 pro Ausstoßeinheit ca. 60 Prozent weniger betragen als 1973. Wenn dabei die Amerikaner die Möglichkeit der freien "Produktwahl" hätten, könnte
diese Strategie "neue Wettbewerbskräfte freisetzen, die Wahlmöglichkeiten
der Verbraucher vervielfachen, mit der Zeit die realen Kosten von EnergieDienstleistungen auf ein niedrigeres Niveau zwingen, den Bedarf an Energielieferungen senken und einen wesentlichen Beitrag zu einer gesunden nationalen Wirtschaft und Umwelt leisten", betont Sant.
Würde man sich auf diese Strategie konzentrieren, so heißt es weiter
in der MelIon-Studie, ließe sich die Versorgung mit Energie "von einer übermäßig regulierten, in gewisser Weise monopolistischen Aktivität beim Verkauf
von Strom, öl oder Erdgas in ein faszinierendes Wettbewerbsengagement für
den Verkauf von Energie-Dienstleistungen umwandeln".

Einbezogen wären bei-

spielsweise die Wohnhausisolierung, dezentralisierte Kraftwerke, Wasserheizung mit besserem Wirkungsgrad, Umrüstung von Gebäuden, Wärmepumpen und
andere Ausrüstungen.

Der Bedarf an Importöl würde letztlich immer geringer

- ein Ergebnis der Analyse, das auch ihre Initiatoren überraschte.

Die bisherige amerikanische Energiepolitik habe, beispielsweise durch
Preiskontrollen mittels Subventionen für öl oder Beibehaltung von Benzinhöchstpreisen bei gleichzeitigen gesetzlichen Vorschriften für den Kraftstoffverbrauch, zu tiefgreifenden Verzerrungen auf dem Energiemarkt geführt.
Ein Wettbewerb mit anderen Alternativen sei dadurch erschwert oder sogar abgeblockt worden.

Jedoch seien die Risiken und Kosten einer Wettbewerbsbe-

schränkung durch Preiskontrollen auf dem Energiemarkt bedeutend größer als
die Risiken und Kosten, die sich bei freiem Wettbewerb ergeben.

Der Bürger habe, so Sant, es bisher versäumt, die große Chance individuellen Handelns wahrzunehmen, weil sich die Amerikaner daran gewöhnt hätten,
von der Regierung zu erwarten, daß sie etwas gegen das Energieproblem unternimmt.

"Dies gab der Regierung eine unangemessene Rolle auf dem Energiesektor,

wodurch das Problem sich ständig verschlimmerte", heißt es in der Studie.

+ + + + +
- 3 -

�39

10. Oktober 1979

SYNTHETISCHE BRENNSTOFFE - EINE ZUKUNFTSVERSICHERUNG
US-Energieminister Duncan befürwortet massive Investitionen

WASHINGTON - (AD) - Für eine Förderung der Produktion synthetischer Brennstoffe durch Anreize, die die amerikanische Regierung der Privatwirtschaft zur
Verringerung der Anfangsrisiken bietet, setzte sich der Energieminister der
USA, Charles W. Duncan, vor einem Senatsausschuß ein.

Schon in absehbarer

Zeit dürften in Anbetracht der heutigen ölpreise diese Brennstoffe wirtschaftlich sein, erklärte der Minister vor einem Unterausschuß des Bewilligungsausschusses des Senats, der sich gegenwärtig mit der Gesetzesvorlage Präsident
Carters über die Einführung neuer synthetischer Brennstoffe befaßt.
Im Hinblick auf die notwendige Anlaufzeit für den Bau der Anlagen liege
es eindeutig im nationalen Interesse, Entwicklung und Produktion synthetischer
Brennstoffe sofort in Angriff zu nehmen.

"Wir werden sicherstellen müssen,

daß spätestens 1990 beachtliche Mengen auf den Markt kommen können", meinte
Duncan.

"Und wir müssen die erforderliche industrielle Basis schaffen für den

Fall, daß wir uns in den neunziger Jahren gezwungen sehen, die einheimische
Produktion massiv und rasch auszuweiten."

Zwar sei die Reaktion der Amerikaner

auf die Appelle zum Energiesparen "ermutigend", doch brauche die Nation zusätzliche flüssige und gasförmige Brennstoffe, um die bereits getätigten Investitionen gut zu nutzen.
Die

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�Die von Präsident Carter vorgeschlagene Anreizpalette umfaßt u.a. Maßnahmen im Bereich der Verordnungen und der Finanzierung (z.B. Steuernachlässe, Kredite und Anleihen), um Investitionen der Privatwirtschaft für Technologien zur Gewinnung synthetischer Brennstoffe zu ermutigen.

Der Plan

sieht nicht nur die Aufhebung der Preiskontrollen für einheimisches Rohöl und
Erdgas vor, damit im Verbraucherpreis die Kosten für Energie-Ersatzbeschaffung
auch zum Ausdruck kommen, sondern außerdem die Bereitstellung von Mitteln für
Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramme, um auf diese Weise die
technischen Entwicklungen zu beschleunigen und Umweltbelastungen durch synthetische Brennstoffe zu verringern.
Laut Duncan solle die Energie-Sicherungsgesellschaft die Herstellung
synthetischer Brennstoffe und Gase sowohl durch Anleihegarantien als auch
durch Abnahmeverträge fördern. Sie könne dazu beitragen, daß bis 1990 etwa
250 000 Tonnen Mineralöl-Ersatzprodukte hergestellt werden. Zu diesen zählten Gas und flüssige Brennstoffe aus Kohle (z.B. Methan, Benzin und Heizöle),
ferner öl aus Ölschiefer sowie Flüssigbrennstoffe aus Biomassen und anderen
Energiequellen. Das gegenwärtige Programm schließe Mittel für mehrere Pilotanlagen zur Kohleverflüssigung und Kohlevergasung ein; außerdem habe das
Energieministerium Gelder für den Bau von zwei großen Demonstrationsanlagen
zur Kohleverwertung angefordert. Die Regierung der Bundesrepublik und Japans
sowie einige private amerikanische Firmen erklärten sich bereit, sich an der
Finanzierung zu beteiligen. Die Firma "Great Plains Gasification Associates"
- eine Gemeinschaft von Unternehmen zur Förderung und den Pipelinetransport
von Erdgas - habe vom US-Energieministerium für den Bau einer Anlage zur Kohlevergasung bereits ein Darlehen von drei Millionen Dollar erhalten. Es handle
sich um das einzige kommerzielle Projekt in der Welt zur Gewinnung von Gas
mit hohem Heizwert. Die Anlage dürfte die Produktion im Jahr 1983 aufnehmen.
Die seit den dreißiger Jahren bekannten Technologien zur Verflüssigung und
Vergasung von Kohle könnten nach Meldung von George Fumich, Programmdirektor
des US-Energieministeriums für fossile Energie,'die Grundlage für kommerzielle Projekte abgeben, die im Laufe der Zeit neue, wirtschaftlichere und
mit besserem Wirkungsgrad arbeitende Verfahren einsetzen werden.
Wie
- 2 -

�Wie das US-Handelsministerium Ende September 1979 bekanntgab, werden
nicht nur amerikanische Mineralölunternehmen im Inland, sondern auch ihre
ausländischen Tochterfirmen auf der Suche nach neuen Mineralölquellen die
Investitionen kräftig erhöhen.

Als Größenordnung für 1980 wird eine Anhe-

bung um 18 Prozent (1979: 12 Prozent) auf 13,2 Milliarden Dollar genannt.
Kanadische Töchter amerikanischer Firmen z.B. planten eine Erhöhung um 15
Prozent - hauptsächlich für Projekte zur Extraktion von öl aus Teersanden
und zur Gewinnung von synthetischem Rohöl. Auch Niederlassungen in der
Bundesrepublik, in den Niederlanden, in Dänemark und Australien hätten kräftige Investitionserhöhungen geplant.

- 3 -

�1

Ulirl/chofl

I

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10. Oktober 1979

39

DUNCAN BEKRÄFTIGT ENERGIESPARZIELE DER USA
Rede des neuen US-Energieministers in Paris

PARIS - (AD) - Vor den Energieministern der Mitgliedsländer des Wirtschaftsgipfels, der Europäischen Gemeinschaft und Vertretern der Internationalen Energieagentur (IEA) unterstrich der neue Energieminister der Vereinigten Staaten, Charles Duncan, am 26. September 1979 in Paris erneut die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, ihre ülimporte auf das Niveau zu beschränken, wie es auf dem Wirtschaftsgipfel im Juni in Tokio vereinbart
worden war.
Die Rede des Energieministers hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, auf meinem ersten Auslandsbesuch als Energieminister
heute hier bei Ihnen zu sein und hoffe im Laufe der kommenden Monate auf
herzliche und fruchtbare persönliche Beziehungen zu Ihnen allen.
Das Gipfeltreffen in Tokio war der jüngste Meilenstein unserer gemeinsamen Anstrengungen, mit den drängenden Energiefragen fertigzuwerden, vor
denen wir alle stehen. Für viele von uns kennzeichnete die Energiekonferenz
in Washington und die anschließende Schaffung der Internationalen Energieagentur (IEA) den ersten großen Schritt in Richtung auf einen koordinierten
Lösungsversuch der schwerwiegenden Energieprobleme, denen unsere Länder gegen-

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�gegenüberstehen.

Die IEA hat ihre ursprünglichen Zielsetzungen erreicht,

indem sie ein öl Verteilungssystem für den Notfall eingerichtet hat, sowie
ein Programm für langfristige Zusammenarbeit und ein Ziel für die öleinfuhren der Mitgliedsländer als Gruppe für das Jahr 1985.
Während des ersten Quartals dieses Jahres stellten die parallelen Anstrengungen der IEA und der Europäischen Gemeinschaft bedeutsame Faktoren
dar, um mit der Kürzung der persischen Produktion und dem schwerwiegenden
Preisdruck fertigzuwerden, der sichtbar wurde.
Obwohl diese Anstrengungen wesentlich dazu beitrugen, das Marktgleichgewicht wiederherzustellen, müssen wir uns darüber im klaren sein, daß unsere Antwort auf jede zukünftige Verknappung stärker und rascher ausfallen
muß, wenn wir maßlose Preissteigerungen verhindern wollen.

Die Entwicklung

eines wirkungsvolleren Krisenmanagements muß sowohl für die IEA als auch
die EG eine vorrangige Frage sein.
Die jährlichen Wirtschaftsgipfel sind für die Stärkung und Koordinierung
unserer Anstrengungen immer wichtiger geworden. Im Verlauf der letzten
Jahre ist das Thema Energie an die erste Stelle der Tagesordnung dieser Gipfeltreffen getreten. Auf höchster Regierungsebene wird Energiethemen nunmehr die hohe Bedeutung beigemessen, die sie eindeutig verdienen.
Für uns ist es jetzt wichtig, auf diese Liste der Errungenschaften
aufzubauen. Ich freue mich auch deshalb besonders über dieses Treffen, weil
es mir Gelegenheit gibt, Ihnen zu versichern, daß die Vereinigten Staaten
sich zu den weitreichenden Maßnahmen bekennen, über die in Tokio Übereinstimmung erzielt worden ist. Es ist für uns alle von größter Bedeutung,
den Schwung beizubehalten, den wir vor drei Monaten so wirkungsvoll erzeugten.
Gipfelkonferenzen und dazwischen liegende Treffen von ranghohen Beamten
können unseren gemeinsamen Politiken entscheidenden politischen Auftrieb und
Richtung geben - und tun dies auch.

Gleichzeitig müssen wir uns daran er-

innern, daß wir in der wichtigen Aufgabe, unsere Entscheidungen zu befolgen,
- 2 -

�befolgen, sie genau abzustimmen und sie in die Wirklichkeit umzusetzen,
nicht nachlassen dürfen und sie am besten mit Hilfe gewachsener Strukturen
erfüllen können.
Bis jetzt habe ich über unsere gemeinsamen Antworten gesprochen. Lassen
Sie mich nun auf die Lage in den Vereinigten Staaten eingehen. Kurz nach
seiner Rückkehr aus Tokio hat sich Präsident Carter in einer bedeutsamen
Energierede an das amerikanische Volk gewandt und eine Reihe mutiger neuer
Initiativen angekündigt - gedacht, um unsere Abhängigkeit von öleinfuhren
weiter zu reduzieren. Obwohl wir eine schriftliche Zusammenfassung dieser
neuen politischen Aktionen verteilt haben, würde ich doch gerne die wichtigsten Bereiche herausheben:
- Am grundlegendsten ist die deutliche Absicht des Präsidenten, sicherzustellen, daß die zukünftigen ölimporte der Vereinigten Staaten das Niveau
von 8,5 Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) nicht übersteigen werden.
- Weiterhin ist es für 1979 unsere

Absicht, die öleinfuhren auf einem

etwas geringeren Niveau von 8,2 MMB/D zu halten; im Jahr 1980 werden wir unsere Einfuhren auf 8,5 MMB/D begrenzen und zu Kontingentierungsmechanismen
greifen, falls dies notwendig sein sollte; die Vereinigten Staaten sind bereit, nachdrückliche administrative Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen,
daß unsere Ziele erreicht werden.
- Ein Energiemobilisierungsamt wird geschaffen, um die Umwege, Verzögerungen und scheinbar endlosen Hindernisse zu umgehen, die bisher wesentliche
Energieprojekte gehemmt haben.
- Eine Gesellschaft für Energiesicherung wird umfangreiche Anstrengungen
in die Wege leiten, um alternative Energiequellen zu entwickeln.
- Die öffentliche Hand wird

aufgefordert, ihren Ölverbrauch im Laufe der

nächsten zehn Jahre um 50 Prozent einzuschränken.
- Ein
- 3 -

�- Ein mutiges Einsparungsprogramm wird die Mittel und Einrichtungen
bereitstellen, um sicherzustellen, daß die Energie erheblich wirksamer genutzt wird.
Diese Verpflichtungen kommen zu der schon jetzt eindrucksvollen Reihe
von Maßnahmen hinzu, die vom Präsidenten in früheren Energiebotschaften angekündigt wurden, einschließlich der phasenweisen Freigabe der inländischen
öl- und Erdgaspreise.
Die bisherige amerikanische Leistung ist weit besser als man weithin
glaubt.

In den sechziger und frühen siebziger Jahren,stieg unser Energie-

verbrauch im direkten Verhältnis zu unserem Wirtschaftswachstum.
hat sich dieses Verhältnis beträchtlich reduziert:

Seit 1973/74

Zwischen 1976 und 1978

stieg unser Energieverbrauch mit einer jährlichen Durchschnittsrate von 2,1
Prozent, während unser Wirtschaftswachstum eine Durchschnittsrate von über
4,4 Prozent auswies.
In der ersten Hälfte dieses Jahres erreichten die Vereinigten Staaten
eine beträchtliche Minderung ihres Ölverbrauchs, verglichen mit der Leistung
von 1978: Während der Verbrauch in vielen Industrieländern in unterschiedlichem Maß anstieg, erlebten die Vereinigten Staaten einen effektiven Rückgang von über einem Prozent.
Obgleich einige dieser Einsparungen unfreiwillig waren und auf die
Zwangslage beim Verbrauch im Verlauf der persischen Förderrückgänge zurückzuführen waren, gibt es vielversprechende grundlegende Trends.
Auf dem Benzinmarkt, der für 37 Prozent des Ölverbrauchs in diesem Jahr
verantwortlich ist, sieht es so aus, als hätten wir endlich den Anstieg der
Benzinnachfrage unter Kontrolle gebracht.

Die neuesten Zahlen deuten darauf

hin, daß der amerikanische Benzinverbrauch durch Einsparung und verbesserte
Motorenleistung sich abschwächt. Während der ersten acht Monate des Jahres
1979 betrug der amerikanische Benzinverbrauch etwa 3,4 Prozent weniger als
im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.
Obgleich

�Obgleich diese Entwicklungen in Verbindung mit den Initiativen, die ich
beschrieben habe, für uns ein Erfolgserlebnis sind, kann keiner von uns hier
mit Optimismus in die Zukunft des ölmarktes blicken.
Wir müssen uns etwas Bessers einfallen lassen, als auf dem Ölmarkt nur
auf dramatische Preissprünge und periodische Rezessionen zu warten, um die
Nachfrage zu regeln.

Das bedeutet, daß wir die auf dem Tokioter Gipfel ent-

wickelten Initiativen nachdrücklich in die Tat umsetzen müssen.
Der Erfolg von Tokio spiegelte die Tatsache wider, daß sich alle wichtigen Industrieländer zum erstenmal zum gemeinsamen Handeln verpflichteten.
Ohne nationale Einfuhrziele, auf die man sich gemeinsam geeinigt hat, fehlt
jedem Land die Gewähr, daß auch alle anderen einen fairen Anteil an den Bemühungen übernehmen, was eine wesentliche Voraussetzung für eine Unterstützung
durch die Öffentlichkeit ist.
Ohne eine gemeinsame Verpflichtung zur Entwicklung alternativer Energiequellen und zur Bereitstellung öffentlicher und privater Mittel, die eine
solche Entwicklung erfordert, werden die Aktionen einzelner Länder dieser Herausforderung gegenüber unzureichend bleiben.
Der Tokioter Gipfel erkannte diese Tatsachen und handelte entsprechend.
Aber seine Entscheidungen können nur dann in die Wirklichkeit umgesetzt werden,
wenn wir uns an die Voraussetzungen erinnern, die ihnen zugrundeliegen: gemeinsame Entscheidungen, gegründet auf eine gemeinsame Einschätzung des Problems und ein gemeinsames Bewußtsein für das, was notwendig ist.
Ich sehe mit Genugtuung, daß den alternativen Energiequellen auf unserer
Tagesordnung eine vorrangige Stellung eingeräumt wurde.

Es ist für uns von

entscheidender Bedeutung, den öl exportierenden Ländern vor Augen zu führen,
daß wir uns der begrenzten Ölversorgung in dem vor uns liegenden Zeitraum bewußt sind und daß wir ernsthafte nationale Maßnahmen ergreifen, um den Druck
auf den ölmarkt zu verringern, indem wir unser eigenes Potential mobilisieren.
Wir
- 5 -

�Wir müssen auch die Fähigkeit des Marktes verbessern, mit unerwarteten
Versorgungsschwierigkeiten fertigzuwerden.

Eine der bedeutsamsten Entwick-

lungen des letzten Jahres war der Verlust der Flexibilität des Weltölmarktesaufgrund der Versorgungsgrenzen und der verminderten freien Kapazität.

Des-

halb müssen wir dort, wo es möglich ist, wieder eine größere Flexibilität herzustellen versuchen, indem wir unsere öl Vorräte klug einteilen und zur Entwicklung zusätzlicher Kapazitäten ermutigen.
Schließlich müssen wir erkennen, daß wir eine kollektive Verantwortung
teilen für eine geordnete und rechtzeitige Entwicklung eines stabilen und
sichereren Energiemarktes.

Ich bin davon überzeugt, daß wir die Mittel und

den politischen Willen haben, um uns dieser Verantwortung zu stellen.

+ + + + +

- 6-

�Wirl/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
10. Oktober 1979

39

TOKIO-RUNDE VERSPRICHT EUROPÄISCH-AMERIKANISCHE ANNÄHERUNG
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Farnes F. Füller -

Die Tokio-Runde der Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN), die wohl
kompliziertesten Verhandlungen, die auf dem Gebiet des internationalen Handels
jemals stattfanden - versprechen eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse des
Handelsabkommens, das im April dieses Jahres
nach langen und mühsamen Verhandlungen paraphiert wurde.
Die wachsende Interdependenz in der Weltwirtschaft, die rasche Ausweitung des internationalen Handels und das Entstehen regionaler Handelsblöcke
- vor allem der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft - haben im Laufe der
letzten 20 Jahre eine neue Einstellung in der amerikanischen Handelspolitik
herbeigeführt. Heute liegt der Nachdruck sehr viel mehr auf einer Ausweitung der Exporte.
Leider sind die Regierungen der Industrieländer in zunehmendem Maße
nachhaltigen Forderungen ausgesetzt, durch die Errichtung von Handelsschranken Arbeitsplätze im eigenen Lande zu retten, und es ist damit zu rechnen, daß

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�daß sich dieser Trend in den nächsten 20 Jahren verstärken wird, wenn das
wirtschaftliche Wachstum nachläßt.

Dabei hat die Zusammenarbeit zwischen

Europa und den Vereinigten Staaten in Handelsfragen beiden Seiten geholfen,
den Forderungen nach Protektionismus zu widerstehen.
Der Stellvertretende Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen der USA,
Geza Feketekuty, der für handelspolitische und Entwicklungsfragen zuständig
ist, ist der Auffassung, daß die amerikanisch-europäischen Beziehungen aufgrund der engen persönlichen Arbeitsbeziehungen, die sich während der mühsamen,
fünfjährigen Handelsverhandlungen in Genf entwickelten, auf eine "viel gesündere Basis" gestellt wurden.

Wenn die Vertreter von Ländern so lange zusammen-

arbeiten, um etwas zu erreichen, "dann wird es sehr viel schwieriger, einseitige Maßnahmen zu treffen, die anderen Ländern schaden",so betonte er.
Eine ganze Reihe der im Rahmen der MTN getroffenen Abkommen betrafen Bereiche
des potentiellen Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.

Wenn

diese Fragen ungelöst blieben, könnten sie sich zu politischen Konfrontationen
ausweiten und zu einer Verschlechterung der politischen Bindung zwischen beiden Seiten führen.
Feketekuty, der sich erst vor kurzem in Frankreich und in der Bundesrepublik Deutschland aufhielt, um über die Handelsvereinbarungen zu sprechen,
erklärte, eines dieser Gebiete des potentiellen Konflikts sei die Mauer der
Vorzugszölle, die die Europäische Gemeinschaft umgeben. In den Abkommen im
Rahmen des MTN werden die Industrieländer aufgefordert, ihre Einfuhrzölle in
den nächsten acht bis zehn Jahren um durchschnittlich 33 Prozent zu senken
- und damit die Zollmauer abzubauen und eine der Hauptursachen für die Beschwerden der amerikanischen Exporteure zu beseitigen, die sich gegenüber den
europäischen Exporteuren innerhalb der Gemeinschaft benachteiligt fühlten.
Der wohl wichtigste Erfolg der Handelsübereinkünfte ist die Vereinbarung
einer Reihe internationaler Verhaltensregeln, die die Herabsetzung von etwa
800 nichttarifären Handelsschranken zum Ziel haben, die häufig ausländische
Waren wirksamer vom inländischen Markt fernhalten als Zölle.

Durch diese

Verhaltensnormen sollen unter anderem die Export-Subventionen für Fertigwaren

�Fertigwaren durch Regierungen beseitigt werden; restriktive Normen und Zollbewertungsverfahren herabgesenkt werden; alle Zölle für den Verkauf von Zivil flugzeugen aufgehoben werden und amtliche Beschaffung für internationale Ausschreibung geöffnet werden.

Die neuen Regeln sollen auch den Handel auf einigen seit langem geschützten Agrarmä'rkten intensivieren.

Nach Auffassung Feketekutys sind diese Übereinkommen auf nichttarifärem
Gebiet ein ganz großer Erfolg, da es bisher kaum so etwas ähnliches gab.
"Wir hatten immer Zoll Senkungen, aber mit dem Abbau der nichttarifären Handelsschranken betreten wir Neuland", sagte er.

Dieser Kodex bezüglich der Subventionen ist nach Auffassung Feketekutys
für die amerikanisch-europäischen Beziehungen besonders wichtig, da es hier
um gefühlsmäßig häße Eisen gehe.

Die bisher subventionierten Erzeugnisse

stellten wichtige Gebiete der Handelsinteressen dar - wie etwa Stahl und
elektronisches Gerät.

Die Tendenz der Europäischen Gemeinschaft, zu Export-

subventionen Zuflucht zu nehmen, habe amerikanische Geschäftsleute und Farmer
immer irritiert, die sich über unfaire Wettbewerbsvorteile für die subventionierten Waren beklagten.

Der Subventionskodex wird auch die Disziplin bei der Gewährung von Binnenhandel ssubventionen erhöhen und gibt den Ländern Regeln an die Hand, Gegenmaßnahmen gegen subventionierte Erzeugnisse zu ergreifen, die ihren eigenen
Handel negativ beeinflussen.

Man kann nach Ansicht des amerikanischen Handelsbevollmächtigten die
Handelsverhandlungen insgesamt als einen Erfolg bezeichnen, jedoch gäbe es
noch wichtige Abkommen, die noch nicht vollendet seien.

Dazu gehöre der

problematische Kodex für Sicherheitsbestimmungen, mit deren Hilfe ein Land
den Zustrom ausländischer Importe, die der einheimischen Wirtschaft zu schaden drohen, abbremsen kann.
"Das
- 3 -

�"Das ist ein entscheidend wichtiges Übereinkommen", so erklärte Feketekuty,
"denn alles, was bisher ausgehandelt wurde, ist bedeutungslos, wenn die Länder
sich nicht an ein vereinbartes Verfahren halten, in dessen Rahmen sie die
Regeln in einer Notsituation außer acht lassen können.

Und derzeit besteht

ein völliges Patt zwischen den verschiedenen Gruppen bezüglich des Kodex über
Sicherheitsbestimmungen und wir müssen uns rasch bemühen, diesen toten Punkt
zu überwinden oder einen anderen Weg suchen."
Der amerikanische Handelsbevollmächtigte sieht den toten Punkt hauptsächlich in der Anwendung sogenannter selektiver Importmaßnahmen.

Nach den be-

stehenden Regeln des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) sind hohe
Zölle oder Importquoten erlaubt, aber sie müssen auf alle Länder angewandt
werden, die das bestimmte Erzeugnis liefern, statt nur auf das Land, das den
Markt überschwemmt.
"Eine Reihe von Ländern, vor allem die Europäische Gemeinschaft und
skandinavische Länder haben argumentiert, es bringe eine unnötige Verzerrung,
wenn man beispielsweise alle Schuhimporte kontrollieren wolle, wenn das Problem nur in den Importen aus ein oder zwei Ländern bestehe", so führte
Feketekuty aus.

"Sie vertreten ferner die Auffassung, daß selektive Maßnahmen

gegen Importe weniger internationalen politischen Widerstand hervorriefen."
Die europäischen Länder, so fuhr er fort, beschwerten sich darüber, daß
die Vereinigten Staaten die Nichtdiskriminierungsregeln mit Hilfe des Abkommens über geordnete Märkte umgehen könnten, durch das ein exportierendes Land
zu freiwilligen Einschränkungen der Exporte eines bestimmten Produkts veranlaßt werden kann. Die Vereinigten Staaten seien dazu leichter in der Lage,
so behaupteten die Europäer, weil den USA stärkere Hebel, wie etwa die Auslandshilfe, zur Verfügung stünden, um Druck auszuüben.
"Natürlich sind die Entwicklungsländer und die Japaner sehr gegen ein
Verfahren der selektiven Anwendung der Sicherheitsbestimmungen, da sie bei
der Anwendung dieser Bestimmungen eine Diskriminierung befürchten", so führte

- 4 -

�führte Feketekuty aus, "und sich als künftige Opfer sehen.

Auch die Vereinig-

ten Staaten zögern etwas, hier mitzumachen, da wir glauben, daß dies das gesamte Prinzip der Meistbegünstigung untergraben könnte, das während der letzten 40 Jahre das Kernstück der amerikanischen Handelspolitik darstellte."

Wie Feketekuty betonte, würden die Vereinigten Staaten die Verhandlungen
jedoch nicht wegen dieses Punktes scheitern lassen.

Man rechne damit, daß

das neue Abkommen ein gewisses Maß an selektiven Maßnahmen zulassen werde..
Der tote Punkt sei im wesentlichen zwischen den Europäern auf der einen und
den Asiaten auf der anderen Seite entstanden.

Zu anderen Verhaltensregeln, über die noch verhandelt werden muß, gehören ein Rahmenabkommen für den Agrarhandel und ein Abkommen über den Schutz
von Warenzeichen.

Das Hauptziel des Landwirtschaftsabkommens besteht darin, einen Rahmen
für Gespräche und eine erhöhte Zusammenarbeit im Rahmen des GATT zu schaffen,
um Konflikte über Agrarhandelspolitiken zu vermeiden.

Obwohl das Abkommen

in großen Zügen ausgearbeitet ist, gibt es noch wichtige Details, über die
man sich einigen muß.

Das Abkommen über den Schutz von Warenzeichen, das im wesentlichen
Warenzeichen und Handelsbezeichnungen schützen soll, steht kurz vor dem Abschluß und es müssen noch einige technische Details geklärt werden.

Mit der Verabschiedung des 1979er Gesetzes über die Handelsabkommen
hat der amerikanische Kongreß die notwendigen gesetzgeberischen Grundlagen
für die Verwirklichung der Zoll Senkungen, die Einführung neuer Regeln für
nichttarifäre Senkungen und neue Regeln für nichttarifäre Handelsschranken
geschaffen, wie sie bei den Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN) vereinbart wurden.

Andere Länder müssen jetzt ebenfalls die gesetzlichen Maßnahmen

zur Verwirklichung dieser Beschlüsse treffen.

- 5-

Man rechnet damit, daß der

�der Rat der Europäischen Gemeinschaft in Kürze über das Paket abstimmen
wird.

Viele der Abkommen sollen am 1. Januar 1980 in Kraft treten, die üb-

rigen spätestens bis 1981.

- 6 -

�</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1984

41
INHALT
DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten stehen zu Bündnis mit der Türkei
- Rede von Unterstaatssekretär Richard Burt HINTERGRUNDMATERIAL
USA unterstützen Bemühungen der CONTADORA-Staaten
- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz Rüstungskontrolle - der Stand der Dinge
- Von Kenneth Adelman -

Der Kampf gegen den Drogenmißbrauch
- Bericht des Weißen Hauses zu staatlichen und privaten Maßnahmen
in den letzten vier Jahren -

Die Wahlen in Amerika 1984
( 12 )
- Wie erreicht man das Volk? WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA für Beibehaltung des Antarktisvertrages
- Ungünstige Auswirkung veränderter Bestimmungen befürchtet -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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D 5300 Bonn 2

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�mIER1Kb

f DlEl11SU
41

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1984

VEREINIGTE STAATEN STEHEN ZU BÜNDNIS MIT DER TÜRKEI
- Rede von Unterstaatssekretär Richard Burt -

Washington -(AD)- Am 3. Oktober 1984 bekräftigte der Unterstaatssekretär für Europäische und Kanadische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium, Richard Burt, in Washington die unveränderte Entschlossenheit seiner Regierung zur weiteren engen Zusammenarbeit mit der Türkei
und zur Erfüllung ihrer Bündnisverpflichtungen gegenüber diesem Lande.
Burt äußerte dies in einer Rede auf einer Konferenz ober den Nahen Osten
in amerikanischer und türkischer Sicht, die von der Heritage Foundation,
einem politischen Forschungsinstitut, gemeinsam mit dem Außenpolitischen
Institut Ankara veranstaltet wurde.
Burts Ausführungen hatten folgenden Wortlaut:
Vor nunmehr fast vier Jahren machte sich die Reagan-Administration
daran, Amerikas militärische Stärke wiederherzustellen und unsere weltumspannenden Bündnisbeziehungen mit neuem Leben zu erfüllen. Dies war ein
entscheidend wichtiger Bestandteil unserer umfassenderen Anstrengungen,
Amerika seine Stärke und sein Selbstvertrauen zurückzugeben und ihm die
bleibenden Werte, an denen sich seine Innen- wie seine Außenpolitik

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�seine Außenpolitik orientieren muß, wieder ins Bewußtsein zu rufen.
In diesem weiteren Zusammenhang bestimmten wir auch unsere Beziehungen zu den Ländern Europas und gingen wir daran, unsere wechselseitigen
Bindungen mit der Türkei zu festigen.
Heute, im Jahre 1984, stehen die Leistungen dieser Administration im
Rahmen dieser umfassenden Anstrengungen völlig außer Frage. Die Vereinigten Staaten sind heute stärker, ihre Bündnisbeziehungen sind stabiler und
ihre Entschlossenheit ist unzweifelhafter als zu jedem anderen Zeitpunkt
während des letzten Jahrzehnts. Was nun die wichtige Aufgabe der Intensivierung unserer sicherheitspolitischen Zusammenarbeit und der Verbesserung unserer bilateralen Beziehungen mit der Türkei anbelangt, so haben
wir erhebliche Erfolge zu verzeichnen.
Wir haben den Tiefpunkt in unseren Beziehungen überwunden, der vor
einem Jahrzehnt eintrat, als die Ereignisse auf Zypern im Sommer 1974 unser bilaterales Verhältnis zum Einsturz brachten. Wie Sie sich erinnern
werden, verhängte der Kongreß damals ein Waffenembargo gegen die Türkei,
und die türkische Regierung beschränkte unsere militärischen Aktivitäten
in ihrem Lande. Das Embargo schwächte die Einsatzbereitschaft der türkischen Streitkräfte und damit auch die Fähigkeit der Türkei, ihren Verpflichtungen gegenüber der NATO nachzukommen. Ferner beraubte uns das Embargo teilweise unserer Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit der Türkei
bei der Verfolgung gemeinsamer Ziele, ohne daß es andererseits eine Lösung der Zypernfrage auch nur im mindesten nähergebracht hätte.
Ende der 70er Jahre gelang es der Carter-Administration, das Embargo
aufzuheben. Die Vereinigten Staaten und die Türkei handelten weiterhin
ein Verteidigungs- und Wirtschaftsabkommen aus. Auf dieser Grundlage hat
die Türkei seit 1981 bei der Modernisierung ihrer Streitkräfte große
Fortschritte erzielen können. Wir konnten unsererseits den Umfang unserer
verteidigungspolitischen Hilfe gegenüber 1980 um mehr als das Dreieinhalbfache hochschrauben.
Ferner arbeiten wir im Bereich der Rauschgiftbekämpfuny erfolgreich
- 2 -

�Rauschgiftbekämpfung erfolgreich zusammen, so daß ein Problem, das unsere
Beziehungen früher sehr belastet hat, heute weitgehend überwunden ist.
Gemeinsam rücken wir auch einem weiteren weltweiten und bösartigen Problem zu Leibe, nämlich dem Terrorismus. Die Vereinigten Staaten arbeiten
mit der Türkei aktiv im Rahmen eines gemeinsamen Anti-Terrorismus-Programms zusammen und werden auch weiterhin gegen die Kräfte vorgehen, die
nicht nur einzelne Staaten, sondern die Weltordnung schlechthin bedrohen.

Die Türkei ihrerseits hat die Phase des wirtschaftlichen Niedergangs,
der politischen Instabilität und des Terrorismus, in der sie sich Ende
der 70er Jahre befand, hinter sich gelassen. Sie hat bei der Konsolidierung der demokratischen Institutionen und der Menschenrechte

wichtige

Fortschritte erzielt. Die Wiederherstellung der demokratischen Institutionen, die Aufhebung des Kriegsrechts und die Abstellung von Mißständen
in den Haftanstalten schreiten beständig voran.
Im wirtschaftlichen Bereich hat die Regierung von Ministerpräsident
özal mit Unterstützung des Weltwährungsfonds, der Weltbank und befreundeter Länder ein ehrgeiziges Reformproyramm

eingeleitet. Die bisherigen

Ergebnisse waren äußerst ermutigend. Die Türkei liefert in zunehmendem
Maße ein Musterbeispiel für erfolgreiche Entwicklungspolitik.

Als Unterstaatssekretär, der sich über die Beziehungen zu einem Land
äußert, das in seinen Zuständigkeitsbereich fällt, müßte ich mich jetzt
eigentlich den Herausforderungen zuwenden, denen sich unser Verhältnis
gegenübersieht, und darlegen, warum und wie sie bewältigt werden können.
Da die Türkei für uns aber von so hoher Bedeutung ist, möchte ich statt
dessen einen umfassenderen Ansatz wählen und die Türkei in einem weiteren
strategischen Zusammenhang betrachten.

Seit dem 2. Weltkrieg ist die Sicherheit Europas stets unser strategisches Hauptanliegen gewesen. Nach dem Krieg haben die Vereinigten Staaten den Großteil ihrer Mittel zum Wiederaufbau Westeuropas eingesetzt,
und Europa war auch der Schauplatz, auf dem sich die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten einer schwerwiegenden Herausforderung seitens der
Sowjetunion und des Warschauer Pakts gegenüber sahen. Die Türkei wurde
- 3 -

�Türkei wurde schon bald in das neue westliche Verteidigungssystem eingegliedert. Die Truman-Doktrin wurde letztendlich entworfen, um den Status
der Türkei und Griechenlands als Länder der Freien Welt zu sichern und um
dem expansionistischen Druck der Sowjetunion etwas entgegenzusetzen.

Die Türkei hat aus ihrer NATO-Mitgliedschaft Nutzen gezogen, aber die
NATO hat umgekehrt auch von der türkischen Mitgliedschaft profitiert. Die
Türkei unterhält die zweitgrößten Streitkräfte innerhalb der NATO, bildet
das Rückgrat der NATO-Südflanke und bewacht die lebenswichtigen Seewege,
die das Mittelmeer mit dem Schwarzen Meer verbinden. All dies macht den
türkischen Beitrag zu einem wichtigen Bestandteil der NATO-Verteidigung.
Es wäre strategisch gesehen unsinnig, sich vorzustellen, daß man die Verteidigung Mitteleuropas von der Verteidigung der Südflanke trennen könne.

Dennoch hatten Strategen in der Vergangenheit eine gewisse Neigung,
die Bedeutung der Südflanke für die Verteidigung Europas zu übersehen.
Ihre Konzentration auf Europa führte zu einer verzerrten Sichtweise der
weltweiten strategischen Interessen Amerikas. Wenn sie ihre Aufmerksamkeit schon anderen Gebieten schenkten, dann wandten sie sie dem asiatisch-pazifischen Schauplatz zu, wo amerikanische Streitkräfte zweimal
seit dem 2. Weltkrieg in den Kampf ziehen mußten. Nur selten jedoch haben
die Strategen dem großen Gebiet, das zwischen Europa und dem asiatischpazifischen Raum liegt, besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Noch 1970 war
einigen unserer scharfsinnigsten Denker die Bedeutung Südwestasiens für
die Sicherheit des Westens keineswegs in vollem Umfang bewußt.
Seit den Gründerjahren der NATO hat sich die Welt beträchtlich verändert. Daß der Nahe Osten und Südwestasien zu dem wurden, was Zbigniew
Brzezinski die dritte strategische Zone genannt hat, gehört zu den wichtigsten Entwicklungen von weltweiter strategischer Bedeutung. Dies war
nicht nur durch die traditionelle Bedeutung dieses Raumes als Bindeglied
zwischen Europa und Ostasien, sondern auch noch durch andere Faktoren
bedingt:
- Öl- und Gaslieferungen aus einigen wenigen Ländern des Nahen Ostens
haben eine hohe Bedeutung für das wirtschaftliche Wohlergehen der
- 4 -

�Wohlergehen der Vereinigten Staaten und der anderen Industrienationen
erlangt. Obwohl sich diese Abhängigkeit seit Anfang der 70er Jahre
etwas vermindert hat, wird für die überschaubare Zukunft der Zugang
zu den Ölfeldern des Nahen Ostens ein strategischer Faktor von vielleicht ausschlaggebender Bedeutung für das weltweite Kräfteverhältnis
bleiben.

- Die Verstärkung der sowjetischen Streitkräfte in den südlichen Militärbezirken der UdSSR, der Einmarsch in Afghanistan, der sowjetische
Druck auf Pakistan, die Ausweitung des sowjetischen Einflusses auf
Aden und Äthiopien, in jüngerer Zeit die wachsende sowjetische Präsenz in Syrien und die immer gewichtigere Rolle, die Syrien im Nahen
Osten spielt - all dies droht, in der Region ein gefährliches Ungleichgewicht zu schaffen.

- Ein weiteres bedeutsames Moment bildet die Welle des islamischen Fundamentalismus, die ihre dramatischste Manifestation im Sturz der iranischen Monarchie fand, aber auch die Stabilität der Staaten der Arabischen Halbinsel und anderer Länder bedroht.
- Ferner ist der iranisch-irakische Krieg zu erwähnen, der sowohl Ausdruck der politisch-religiösen Wirren der Region als auch der seit
Menschengedenken bestehenden Gegensätze zwischen Arabern und Persern
ist. Die Gefahren für den Frieden und die Stabilität der gesamten Region, die aus diesem Krieg erwachsen, sind uns gerade in diesem Jahr
nachdrücklich vor Augen geführt worden.

Wie Albert Wohlstetter schon vor Jahren sagte, macht all dies die
Türkei zu einem regionalen Machtfaktor von hoher Bedeutung. Die Rolle der
Türkei ergibt sich sowohl aus der Geschichte als auch aus den geographischen Gegebenheiten. Im klassischen Sinne bildet die Türkei eine Brücke
zwischen Ost und West. Die Türkei übergreift zwei Kontinente und zwei
Kulturkreise und ist daher in besonderem Maße dazu qualifiziert, sowohl
zur Sicherheit der NATO-Südflanke als auch zur Stabilität im Nahen Osten
und in Südwestasien einen Beitrag zu leisten.
Die
- 5 -

Wirkungsmöglichkeiten

�Die Wirkungsmöglichkeiten der Türkei ergeben sich auch aus ihren nationalen Eigenarten, da sie sowohl ein westliches und europäisches als
auch ein nahöstliches und islamisches Land ist. Die Türkei gehört sowohl
der NATO als auch der Islamischen Konferenz an. Sie unterhält diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen mit all den unterschiedlichen Staaten an ihrer Peripherie, auch mit dem Iran und dem Irak. Für die arabische Welt ist sie zu einem wichtigen Handelspartner und zu einem Anziehungspunkt für Investitionen geworden. Sie unterhält enge Beziehungen mit
Pakistan, einem weiteren wichtigen Freund, der in der vordersten Front
des Widerstands gegen den sowjetischen Expansionismus steht. Die Türkei
ist daher in einer einmaligen Weise in der Lage, Bedrohungen der Stabilität in Südwestasien entgegenzuwirken und das Streben nach Frieden zu fördern.

Ankaras Rolle in der Region ist noch umfassender. Die Türkei war das
erste und lange Zeit das einzige moslemische Land, das diplomatische Beziehungen mit Israel unterhielt. Sie schloß sich im Jahre 1980 in Reaktion auf den Einmarsch in Afghanistan dem Boykott der Olympischen Spiele
an und nahm Tausende von Flüchtlingen aus Afghanistan auf, um ihnen eine
neue Heimat zu geben. Sie stellte uns wichtigen Anlagen zur Verfügung,
die wir zur Versorgung des amerikanischen Kontingents der multinationalen
Friedenstruppe im Libanon benötigten. Außerdem gehört die Türkei zu den
wenigen Ländern, denen es gelungen ist, sowohl mit dem Iran als auch mit
dem Irak politische und wirtschaftliche Beziehungen zu unterhalten. Die
Türkei spielt in der Region nicht nur theoretisch eine Rolle; diese Rolle
schlägt sich auch ganz konkret nieder.

Man kann jedoch die Stärke, die Wirtschaftskraft und die übrigen Möglichkeiten, derer die Türkei bedarf, um das leisten zu können, wozu sie
im Grunde bereit ist, nicht einfach als gegeben voraussetzen. Die türkische Wirtschaft wird wahrscheinlich enorme Anstrengungen unternehmen müssen, um das Kapital aufzubringen, das sie zur Entwicklung und zur Deckung
der Bedürfnisse des Volkes benötigt. Ohne unsere kräftige und stete Unterstützung dürfte es der Türkei insbesondere schwer fallen, die Modernisierung ihrer Streitkräfte voranzutreiben und ihren Aufgaben innerhalb
der NATO gerecht zu werden. Den Terrorismus hat die Türkei zwar unter
- 6 -

�zwar unter Kontrolle bekommen, aber die terroristischen Organisationen,
auf deren Konto das Chaos geht, das gegen Ende der 70er Jahre herrschte,
existieren nach wie vor.

Es ist daher wichtig, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Wenn wir
die Sicherheit der NATO besser gewährleisten und unseren türkischen Verbündeten stärken wollen, dann dürfen wir vor den Herausforderungen, denen
sich die Türkei gegenübersieht, nicht die Augen verschließen. Ein Pessimist könnte zu dem Schluß kommen, daß das Land in die politischen und
wirtschaftlichen Wirren der zweiten Hälfte der 70er Jahre zurückfallen
wird, falls seinen Experimenten mit politischen und wirtschaftlichen Reformen der Erfolg versagt bleibt und insbesondere, wenn es vom Westen
nicht hinlänglich unterstützt wird.

Ich bin kein Freund einer solch pessimistischen Sichtweise. Ich bin
zuversichtlich, daß es den Regierenden in der Türkei gelingen wird,
Schwung in die Wirtschaft zu bringen und das Land aus dem Kreislauf der
wirtschaftlichen und politischen Instabilität herauszuführen, von der es
in der Vergangenheit heimgesucht war. Zur Rechtfertigung unseres Optimismus brauchen wir nur die Bilanz der Regierung von Ministerpräsident Özal
heranzuziehen. Exporte und Investitionen ausländischer Anleger sind gestiegen. Die amerikanischen Direktinvestitionen könnten sich in diesem
Jahr gegenüber 1980 verdoppeln oder sogar verdreifachen.

Man kann gar nicht wichtig genug nehmen, was auf dem Spiel steht. Im
Jahre 2000 wird die Türkei eine Bevölkerung von rund 75 Millionen Menschen haben. Sie könnte sich daher zu einem gewichtigen Machtfaktor entwickeln, nicht nur in der Region, sondern auch darüber hinaus. Wir sind
daher zur Zusammenarbeit mit der Türkei aufgerufen, um sicherzustellen,
daß sich ihr Entwicklungspotential entfalten kann und in eine konstruktive Richtung gelenkt wird.
Da unsere Beziehungen zur Türkei so wichtig sind, können wir es uns
nicht erlauben, in unseren Bemühungen, eine optimistischere Perspektive
Wirklichkeit werden zu lassen, zu erlahmen. Ich bin davon überzeugt, daß
es wichtig ist, die Türkei auch weiterhin wirtschaftlich und Sicherheits- 7 -

�und sicherheitspolitisch nachhaltig zu unterstützen, nicht aus reiner
Menschenfreundlichkeit, sondern weil eine starke und stabile Türkei unbedingt in unserem Interesse ist.

Sicherheitspolitische Unterstützung und militärische Zusammenarbeit
reichen jedoch nicht aus. Wir müssen unsere Beziehungen zur Türkei auf
eine breitere Grundlage stellen, damit sie den unvermeidlichen vorübergehenden Rückschlägen standhalten, die in jeder Art von zwischenstaatlichen
Beziehungen im Laufe der Zeit unweigerlich auftreten. Wir sind bestrebt,
engere Wirtschaftsbeziehungen zu knüpfen, und wir sind dabei, den Kulturaustausch zu erweitern.

Vor allem aber müssen wir ein Gespür für die Eigenheiten des anderen
entwickeln. Wir müssen die Werte des anderen besser verstehen und uns mit
seiner Geschichte vertraut machen. Wir müssen das politische System des
anderen besser kennenlernen. In der Türkei haben die Entschließungsanträge, die in den letzten Wochen im amerikanischen Kongreß eingebracht worden sind, sogar Zweifel über unseren Willen zur Pflege guter Beziehungen
geweckt. Da mir bewubt ist, daß in der Türkei meine Worte Beachtung finden werden, möchte ich mich ganz klar ausdrücken. Die amerikanische Außenpolitik wird sich nicht an der tagespolitischen Opportunität orientieren. Es sollten keinerlei Zweifel daran bestehen, daß wir unsere feierlichen Verpflichtungen gegenüber der Türkei einlösen würden, wenn ihre Sicherheit bedroht wäre. Ebensowenig sollte man unsere Entschlossenheit zum
Kampf gegen die Menschheitsgeißel des Terrorismus in Zweifel ziehen.
Wir, die wir die Türkei kennen, müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um dafür zu sorgen, daß immer mehr Amerikaner die strategische
Bedeutung der Türkei und ihren Beitrag zu unserer aller Sicherheit erkennen. Viele von Ihnen, die Sie hier heute abend versammelt sind, wissen um
diese Faktoren. Sie sind daher in einzigartiger Weise dazu qualifiziert,
zur Stärkung der Bindungen zwischen unseren beiden Ländern beizutragen.
Ich kann mir wenige Unterfangen vorstellen, die wichtiger wären.

* * * * *

- 8-

�41

10. Oktober 1984

USA UNTERSTUTZEN BEMÜHUNGEN DER CONTADORA-STAATEN
-Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz

NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz verwies erneut auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten für den
Contadora-Prozeß in Mittelamerika, betonte jedoch, daß ein Unterschied

zwischen

einem

derartigen

Prozeß und einzelnen, konkreten

Vorschlägen bestehe.

Er sagte dies im Verlauf einer Pressekonferenz am 4. Oktober 1984
in New York, als er auf Anschuldigungen hin angesprochen wurde, die
Vereinigten Staaten widersetzten sich einem Vertragsentwurf, den die
Contadora-Staaten in Erwägung ziehen würden.

"Wir unterstützen den Contadora-Prozeß als einen regionalen Prozeß
mit dem Ziel, Mittelamerika größere Stabilität und Chancen für wirtschaftlichen und sozialen Fortschitt zu bringen," erklärte Shultz.
"Wir waren immer dafür und werden auch weiterhin dafür sein. Aber für
den Prozeß sein bedeutet nicht, auch für eine ganz bestimmte Sache

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Telex: 8-85432

�ganz bestimmte Sache zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt zu sein. Und
natürlich sind wir auch nicht explizit ein Teil des Contadora-Prozesses."

Shultz betonte, der Contadora-Prozeß habe "gewaltige Fortschritte"
gemacht, nämlich vom "Punkt Null" hin zu einem Abkommen über 21 Prinzipien hinsichtlich einer Verbesserung der Beziehungen und der Verringerung der Spannungen in Mittelamerika. Derzeit bemühten sich die
Contadora-Staaten darum, diese Prinzipien in die Wirklichkeit umzusetzen.

"Wir sind der Ansicht, ihre Methode ist absolut richtig, uns zu sagen, hier sei ein Vertragsentwurf und man hätte gern bis Mitte Oktober unsere Stellungnahme. So wie wir die Dinge sehen, wird es Kommentare von mehreren mittelamerikanischen Staaten in dem Sinn geben, den
Prozeß fortzuführen und ihn zu einem guten Ende zu bringen."

"Aber es gibt hier Dinge, die problematisch sind - wie es praktisch
zu einem sofortigen Ende der Sicherheitshilfe für El Salvador käme,
während kein einziger sowjetischer oder kubanischer Militärberater
Nicaragua verlassen würde."

Der Abzug solcher Berater, so Shultz, wäre Gegenstand von Verhandlungen, die innerhalb von 90 Tagen nach Vertragsunterzeichnung beginnen würden und die zeitlich nicht begrenzt sein müßten. Dies sei auch
die Vorstellung von Teilnehmerstaaten des Contadora-Prozesses.
Die vier Elemente des Vertragsentwurfes müßten allerdings mehr oder
minder gleichzeitig wirksam werden, da sie integrale Bestandteile
desselben seien. "Zudem bedarf es klarer Maßnahmen zur Verifizierung
der unternommenen Schritte." Das Schlimmste sei, "wenn man nach all
den Anstrengungen zu einem Abkommen gelangt, das dann nicht funktioniert."

Da es zwischen dem Prozeß als ganzem und einzelnen Vorschlägen

- 2-

�einzelnen

Vorschlägen

innerhalb dieses Prozesses zu unterscheiden

gelte, könne die amerikanische

Regierung

auch nicht

im vorhinein

sagen, daü jeder Vorschlag der Contadora-Staaten automatisch gut sein
müsse.

Die schärfste Kritik der amerikanischen Haltung gegenüber dem Vertragsentwurf kam von Nicaragua: Daniel Ortega, Mitglied der sandinistischen Regierung, erklärte, Nicaragua selbst habe nichts gegen eine
Unterzeichung des Entwurfes. In diesem Zusammenhang erwähnte Shultz,
daü Nicaragua für den kommenden Monat Wahlen angekündigt hat und der
Führer der Opposition, Arturo Cruz daran teilnimmt: "Die Sandinisten
haben erklärt, es gebe Versammlungsfreiheit. Aber wenn man sich um
ein Amt bewirbt, vor allem bei einem solchen Regime, dann bedarf es
eben auch des freien Zugangs zu den Medien und anderer wesentlicher
Bestandteile des demokratischen Prozesses - nicht nur des Rechts, am
Wahltag seine Stimme abzugeben. Herr Cruz dürfte etwas durch die Tatsache beunruhigt sein, daü seine Wahlveranstaltungen, zu denen eine
Menge Leute kommt, aufgelöst werden. Wb bleibt denn dann die Versammlungsfreiheit?"

Es genüge nicht, dem Prinzip der Versammlungsfreiheit zuzustimmen.
"Man muß für die Versammlungsfreiheit sein, wenn es wirklich darauf
ankommt."

Shultz verwies darauf, daü Botschafter Harry Shlaudeman, Präsident
Reagans

Sonderbotschafter

für

Mittelamerika, sich

sechs

Mal

mit

Victor Tinoco, dem Vizeauüenminister Nicaraguas getroffen habe, seit
Shultz Ende Mai in Managua mit Ortega selbst zusammengetroffen war.
Auüerdem fand zwischen Langhorne Motley, dem Unterstaatsekretär für
interamerikanische Angelegenheiten und Shlaudeman am 3. Oktober in
New York ein dreistündiges Gespräch mit Ortega statt.

"Es gab also eine ganze Reihe von Gesprächen, die insgesamt sachlich waren und offenen Charakter hatten. Dadurch wurden, wie ich
meine, die Kernprobleme offengelegt."

Die Gespräche folgten,
- 3-

�Die Gespräche
typischen

folgten, wie Shultz unterstrich, "einem

Muster.

Es

beginnt

mit

einer

Menge

ziemlich

Argumente

über

Verfahrensfragen und man braucht eine Zeitlang, um hier Klarheit zu
schaffen. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, miteinander zu
reden, kommt man auch zur Sache selbst."

- 4-

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Embassy of the United States of America

10. Oktober 1984

Rüstungskontrolle - der Stand der Dinge
-Von Kenneth Adelman-

SAN DIEGO - (AD) -Der nachfolgende Artikel stellt die wesentlichen Auszüge einer
Rede dar, die der Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Kenneth Adelman, vor der
privaten
Vereinigung
World
Affairs
Council von San Diego hielt.
Es ist Mode geworden, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen so
darzustellen, als seien sie derzeit auf dem niedrigsten Punkt in der Zeit
nach dem Zweiten Weltkrieg angelangt. Ja, das Bild will nur allzu oft
suggerieren, wir befänden uns auf dem Weg hin zu einem Atomkrieg in nicht
allzu ferner Zukunft. Aber stimmt all das denn wirklich?
Viele Worte aus Moskau waren schroff, ja, aufreizend. Die Weigerung
der Sowjets, an Kernwaffengesprächen teilzunehmen, ist beklagenswert. Das
zunehmende Auftauchen sowjetischer Unterseeboote vor den Küsten der Vereinigten Staaten ist störend, auch wenn sie sich schon seit vielen Jahren
in diesen Gewässern bewegen.
Aber sind wir

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�• Aber sind wir heute wirklich weniger sicher als früher - oder als
etwa vor vier Jahren? Ich meine, nein. Das Gegenteil vielmehr ist der
Fall.
Blicken wir 20 Jahre zurück und vergleichen wir zum Beispiel Präsident Kennedys 1 000 Tage im Amt mit den ersten 1 200 Tagen von Präsident
Reagan. An die Kennedy-Ära erinnert man sich allgemein als einer Zeit, da
die amerikanische Außenpolitik geschmeidig und geschickt gelenkt wurde.
Und doch erlebten wir in dieser kurzen Zeit das Fiasko der Schweinebucht,
ein katastrophales amerikanisch-sowjetisches Gipfeltreffen in Wien, eine
zunehmende Verstrickung der Vereinigten Staaten in Vietnam, den Bau der
Mauer in Berlin und - sicher nicht am unbedeutendsten - die kubanische
Raketenkrise. Es war dies damals eine gefährliche Zeit. Die Ereignisse
der vergangenen dreieinhalb Jahre kann man mit jenem

Krisenjahrzehnt

sicherlich nicht vergleichen.
Desgleichen gab es auch in den siebziger Jahren, als der amerikanisch-sowjetische Dialog so reichhaltig und die Hoffnung auf Entspannung
so hochgesteckt war, ernsthafte regionale Krisen. Von 1970 bis 1976 - in
einer Zeit, da die amerikanische und die sowjetische Führung sich fünfmal
zu einem Gipfel trafen und in einer ganzen Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen Kontakt miteinander hatten - half die Sowjetunion den
nordvietnamesischen Truppen bei ihrer Infiltration nach Südvietnam und
versorgte sie mit Ausrüstung, wodurch eine friedliche Lösung des Problems
unmöglich gemacht wurde. Eruptionen gab es auch im Mittleren Osten, als
die Sowjets damit drohten, mit ihren eigenen Truppen in dem Konflikt zu
intervenieren, was uns dazu veranlaßte, unsere strategischen Nuklearstreitkräfte in Alarmbereitschaft zu versetzen. Auch das war eine gefährliche Zeit.
In vieler Hinsicht war 1979 für das gesamte Jahrzehnt symbolisch.
Während des ersten Halbjahrs trafen sich Außenminister Cyrus Vance und
Botschafter Anatoly Dobrynin rund 25 mal; dann folgte das Gipfeltreffen
zwischen Carter und Breschnew in Wien, wo SALT II unterzeichnet wurde.
Und dennoch flammten regionale Krisenherde auf. Es gab die Aufregung um
- 2-

�Es gab die Aufregung um eine sowjetische Brigade auf Kuba; die falschen
sowjetischen Erklärungen, die nach der Geiselnahme in Iran noch zusätzlich Öl ins Feuer gössen; und - am folgenschwersten - die massive sowjetische Intervention in Afghanistan, die Präsident Carter die größte Krise
seit dem Zweiten Weltkrieg nannte.
Es ist doch bemerkenswert, daß von 1975 bis 1980 jedes Jahr Armeen,
die zum Größtteil von Moskau versorgt wurden, oder sowjetische Streitkräfte selbst in ein anderes Land einmarschierten oder die Kontrolle ergriffen: Südvietnam 1975, Angola 1975-76, Äthiopien 1977, Kamputschea
1978 und Afghanistan 1979.
In den vergangenen drei Jahren hat sich keine Krise dieses Ausmaßes
mehr ereignet. Und das ist gut so. Sogar ein strenger Kritiker der Beziehungen dieser Administration zur Sowjetunion hat geschrieben, daß "der
sowjetische Expansionismus verlangsamt wurde; und es ist bemerkenswert,
daß (unter der Reagan-Administration) die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen - obwohl so schwierig und so festgefahren - erstaunlich frei
von einer umfassenden Krise blieben." Und es wird darauf verwiesen, daß
von den drei größten Konflikten dieser Zeit - Iran-Irak, Libanon und
Falkland-Krise - "nicht eine zu einer Konfrontation der Supermächte
führte."
Das aber ist der zentrale Punkt: heute ist die Welt eben nicht gefährlicher. Und die Faktoren, die sie stabiler machen und die die Möglichkeit eines nuklearen Konfliktes verringern, sind aktive amerikanische
Diplomatie und Beziehungen sowie größere Abschreckungskapazität der Vereinigten Staaten.
Um sicherzugehen, müssen wir gewiß die jetzige Lage noch verbessern.
Präsident Reagan unternimmt derzeit den Versuch, genau das zu tun. Neben
der Festigung der Beziehungen zu den Verbündeten wie zu anderen Staaten
und neben der Wiederherstellung einer glaubwürdigen militärischen Starke
sowie umfassender Rüstungskontrollaktivitäten bemüht er sich aktiv um die
Wiedereröffnung und Vertiefung des amerikanisch-sowjetischen Dialogs.
In

diesem

Moment

�In diesem Moment ist es schwierig, vorauszusagen, warm und ob die
Sowjetunion sich dazu bringen wird, signifikante Begrenzungen bei den
Kernwaffen zu akzeptieren. Wir wissen nicht, ob sie umfassende Verringerungen bei den Nuklearstreitkräften akzeptieren wird. Wir wissen nicht,
ob unsere strategischen Konzepte bei ihr zu einer Einigung darüber führen
werden, wie man die bedrohlicheren Waffenarten definieren soll. Wir wissen nicht, ob die Sowjets eine echte strategische Gleichheit akzeptieren
oder damit fortfahren werden, ihre Forderung nach strategischer Überlegenheit auch weiterhin mit dem zu verschleiern, was sie "gleiche Sicherheit" nennen.
Aber wir wissen auch, daß wir nur dann mehr darüber wissen können,
wenn wir den Versuch dazu unternehmen. Wenn nach ausreichender Zeit und
bei genügend Anreizen die Antwort auf diese zentralen Fragen "nein" lautet, dann werden wir etwas ziemlich Wichtiges über die Sowjetunion und
ihre eigentlichen Absichten erfahren haben. Wenn die Antwort "ja" lautet,
werden wir einen gewaltigen Schritt in Richtung auf eine bessere und
sicherere Welt getan haben.
Ich gehöre zu denen, die hinsichtlich der Zukunft der Rüstungskontrolle Hoffnung haben. Diese Hoffnung gründet sich auf mehrere Überlegungen.
Erstens auf das schlichte Faktum der Kontinuität, die eine zweite
Amtszeit von Präsident Reagan mit sich bringt. Sie bedeutet ein beträchtliches Maß an gesammeltem Expertenwissen und an Lektionen, die sowohl im
Bereich der Rüstungskontrolle als auch hinsichtlich der Sowjets im allgemeinen gelernt wurden.
Zweitens stellt das strategische Modernisierungsprogramm des Präsidenten, das 1981 begann und sich auf eine weit gesündere amerikanische
Volkswirtschaft gründet, einen erheblich stärkeren Anreiz für die Sowjets
dar, die Probleme einer Lösung zuzuführen, als dies früher der Fall war.
Die Initiative des Präsidenten für eine Strategische Verteidigung, die
oft als "Krieg der Sterne" kritisiert wurde, stellt gleichfalls einen
solchen Anreiz dar.
Drittens gibt uns
- A_

�Drittens gibt uns die Tatsache, daß die ersten INF-Dislozierungen
schon stattgefunden haben, einen besseren Ausgangspunkt.
Viertens glaube ich, man kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß
- gleichgültig wie lang die Stagnation im Kreml noch andauert - die Sowjets ihre Führung nicht mehr so oft ändern werden, wie dies in den vergangenen vier Jahren geschehen ist. Wir können deshalb darauf hoffen, daß
die sowjetische Führung in der Lage und willens sein wird, in wirkliche
Verhandlungen einzutreten.
Schließlich sind wir zu einem soliden Geschäft und zu einem soliden
Abschlag bereit, wenn die Sowjets erst wieder einmal an den Verhandlungstisch zurückgekehrt sind. Aber sogar unter den günstigsten Umständen wird
ein Abkommen bei den strategischen Kernwaffen angesichts der unterschiedlichen Doktrin, des unterschiedlichen Kräfteverhältnisses und der unterschiedlichen Ziele beider Seiten einer Menge Arbeit bedürfen. Die Vorbereitungen hierzu werden unter der Reagan-Administration dabei schon seit
einiger Zeit getroffen. Wir haben keine Zeit vertan, nur weil die Sowjets
den Verhandlungstisch verlassen haben. Als der Präsident sagte, seine
Mannschaft sei bereit, so meinte er dies durchaus inhaltlich, nicht nur
logistisch.
Die Vereinigten Staaten müssen, angefangen beim Präsidenten, standhaft und beharrlich an ihren Zielen festhalten, wenn wir jemals das Versprechen der Rüstungskontrolle erfüllen wollen. Größere Stabilität und
umfassendere Verringerungen bei den Waffen sind die wesentlichen Ziele,
und wir sollten uns dabei auf keinen Kompromiß einlassen.

* * * * *

- 5-

�41

10. Oktober 1984

DER KAMPF GEGEN DEN DROGENMISSBRAUCH
- Bericht des Weißen Hauses zu staatlichen und privaten Maßnahmen
in den letzten vier Jahren -

WASHINGTON - (AD) - "Zun ersten Mal seit zehn Jahren steigt in Amerika die Anzahl derjenigen, die illegal Drogen nehmen, kaum mehr an, und
der Drogenkonsum bei Jugendlichen beginnt zurückzugehen", heißt es im Bericht des Weißen Hauses zu Ergebnissen der dreijährigen Kampagne der
Reagan-Administration gegen Drogenmißbrauch.

Der Bericht, der eine Über-

sicht über eine Vielzahl von Einzelpunkten in der Drogenbekämpfung auf
nationaler und internationaler Ebene gibt, wurde am 26. September 1984 in
Verbindung mit dem Dokument der "Nationalen Strategie 1984 zur Verhinderung von Drogenmißbrauch und Drogenhandel" Präsident Reagans, das dem
amerikanischen Kongreß zugeleitet wurde, veröffentlicht.

Wir geben im

Folgenden den Bericht auszugsweise wieder:

Schon in der ersten Phase seiner Amtszeit startete Präsident Reagan
eine landesweite Kampagne gegen Drogenmißbrauch mit einem Fünf-PunkteProgramm, das internationale Zusammenarbeit, Rechtsvollzug, Information

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Rechtsvollzug, Information und Vorbeugungsmaßnahmen, medizinische Entgiftung und Behandlung sowie Forschung umfaßte.

Die Bundesbehörden setzten

alles daran, mit rechtlichen Mitteln und erweiterter Zusammenarbeit mit
anderen Nationen die Verfügbarkeit illegaler Drogen auszuschalten und den
hohen Prozentsatz von Verbrechen im Zusammenhang mit Drogen zu verringern.

Vor allem wurde aber auch die Vorbeugung gegen Drogenmißbrauch als
die auf lange Sicht bedeutsamste Lösung für das Drogenproblem in den Vordergrund gestellt.

Präsident Reagan erklärte:"

So wichtig auch der Ein-

griff in den Drogenhandel sein mag - die Ergebnisse können sich nicht damit messen, die Abnehmer, die Konsumenten vom Drogengebrauch abzuhalten
und sie auf einen anderen Weg zu bringen."

Der Präsident appellierte an

Eltern, Lehrer, führende Persönlichkeiten von Bürgerschaft, Glaubensgemeinschaften und Wirtschaft als riesiges Potential freiwilliger Helfer,
um Mitmenschen zu bewegen, zu den Drogen "Nein" zu sagen und dem Verbrechen im Zusammenhang mit Drogen Einhalt zu gebieten.

Bundesprogramme zur Drogenbekämpfung wurden so orientiert und in ihren Schwerpunkten so gestaltet, daß den besonderen Erfordernissen in den
einzelnen Gemeinden, den lokalen
Rechnung getragen werden kann.

und

regionalen

Gegebenheiten

besser

Koordination und Kooperation unter Behör-

denmitarbeitern auf allen Ebenen und Einsatz von Regierungs- und Verwaltungsressourcen als Katalysator für Aktionen an der Basis erhielten besonderes Gewicht.

Heute setzen Eltern und Lehrer, kommunale Gruppen und

Regierungsbeamte, Ärzte und Apotheker, Geschäftsleute und Justizbeamte,
Jugendliche selbst und Angehörige von Bürgerinitiativen aus allen Teilen
unserer Gesellschaft alles daran, um zu einer besseren Zukunft für unsere
Kinder und unsere Nation beizutragen.

Der in den letzten drei Jahren er-

zielte Fortschritt beweist, daß wir, wenn wir zusammenarbeiten, Drogenmißbrauch überwinden können. Denn:

- Zum ersten Mal seit zehn Jahren nimmt die Zahl der Drogenkonsumenten kaum mehr zu, und die Verwicklung Jugendlicher in Drogenprobleme
beginnt zurückzugehen.

Neue Erkenntnisse

�- Neue Erkenntnisse geben uns mehr Möglichkeiten, Drogenmißbrauch bei
denjenigen, die bisher nichts mit der Drogenszene zu tun hatten, auch
künftig zu verhindern, und denjenigen, die gegenwärtig Drogen nehmen,
zu helfen, davon frei zu kommen.

- Zum ersten Mal seit Einführung von Kriminalstatistiken durch das
FBI im Jahr 1960 ging 1982 und 1983 die Anzahl der Verbrechen zurück.

- Die Regierungen der wichtigsten Produktions- und Transitländer für
Drogen versuchen mit aggressiven Maßnahmen, Drogenproduktion und Drogenhandel zu stoppen.

Dabei meistern sie kulturelle und politische

Hindernisse, die jahrelang als unüberwindbar galten.

Sie tragen da-

mit zur Lebensqualität in ihrem eigenen Land und in der übrigen Welt
bei.

- In den USA zeigen heute Einzelpersonen wie Bürgergruppen eine feste
Haltung gegenüber Drogenmißbrauch.

Viele sind sich darin einig, daß

Drogenkonsum unrecht sei und daß diejenigen, die Drogen nehmen oder
andere dazu verleiten, für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden
müßten.

Am 27. September 1984 übermittelte President Reagan dem amerikanischen Kongreß das Dokument zur Nationalen Strategie 1984 zur Verhinderung
von Drogenmißbrauch und Drogenhandel.

Diese Strategie basiert auf dem

Fünf-Punkte-Programm von 1982 und setzt die damals von der Bundesregierung unternommenen Anstrengungen in einem kontinuierlichen Langzeitplan
zur Ausschaltung von Drogenmißbrauch in den Vereinigten Staaten verstärkt
fort.

Die Strategie 1984 geht über die Aufgaben des Bundes noch hinaus

und schafft eine umfassende nationale Strategie, die jeden einzelnen, alle Betriebe, Organisationen, Behörden, die Verwaltung auf allen Ebenen,
die Ministerien und die Aktivitäten innerhalb der einzelnen Ebenen von
Verwaltung und Regierung einbezieht, sich um die Ausschaltung von Drogenmißbrauch in Familien, Gemeinwesen und Betrieben direkt zu kümmern und
entsprechende Anstrengungen in jeder Weise zu fördern.

Drogenmißbrauch

�Drogenmißbrauch verhindern
In den letzten vier Jahren haben wir die ständige Ausweitung des Drogenkonsums, wie es in den siebziger Jahren der Fall war, zum Stillstand
gebracht.

Obgleich Drogen- und Alkoholmißbrauch noch immer hoch sind,

geht jetzt der Trend nach unten und nicht mehr nach oben.
- Besonders ermutigend ist die positive Haltung junger Menschen.

Die

im Jahr 1983 landesweit unter den Oberklassen der höheren Schulen
durchgeführte Erhebung zeigte bei den jungen Menschen einen anhaltenden Rückgang im Konsum der meisten illegalen Drogen während der achtziger Jahre.

Im Jahr 1978 nahm jeder neunte täglich Marihuana, 1983

nur noch jeder achtzehnte.

Auch machten sich mehr Angehörige der

Oberstufen Gedanken über die gesundheitlichen Konsequenzen regelmäßigen Marihuana-Konsums und über die ablehnende Haltung ihrer Altersgenossen, wenn sie Marihuana rauchen.

Schüler wie Erwachsene befürwor-

teten bei Befragungen einen strikteren GesetzesVollzug im Zusammenhang mit Marihuana.
- Die positive Einstellung und neue Erkenntnisse helfen jungen Menschen, Verhaltensweisen aufzugeben, die Drogenkonsum begünstigen, und
sich positiven Zielen zuzuwenden - insbesondere Streben nach guten
Leistungen, körperlicher Fitness und persönlicher Integrität.
- In den Vereinigten Staaten gibt es derzeit mehr als 4000 Eltern-Aktionsgruppen, die Drogen- und Alkoholmißbrauch bei ihren Kindern und
innerhalb ihres Gemeinwesens unterbinden wollen. Sie haben bereits
neue Gesetze, neue politische Maßnahmen und eine Änderung der öffentlichen Meinung bewirkt.
- Mrs. Nancy Reagan hat in der Öffentlichkeit landesweit für die Eltern-Bewegung und andere Anstrengungen geworben und sich dafür eingesetzt, Drogenkonsum bei Kindern zu verhindern. Bürgerinitiativen wie
die "Mütter gegen Trunkenheit am Steuer" (Mothers Against Drunk Driv-

�Drunk Driving - MADD) spielten eine wichtige Rolle im Kampf gegen die
sinnlose Metzelei auf den Straßen durch betrunkene Autofahrer.
- In mehr als 35 Bundesstaaten wurden bereits oder werden gegenwärtig
Organisationen gebildet, um Präventivprogramme zu entwickeln und zu
koordinieren. Freiwilligen-Vereinigungen und private Organisationen
gründeten eine Nationale Koalition zur Verhinderung von Drogen- und
Alkoholmißbrauch, um entsprechende Aktivitäten zu planen, zu koordinieren und auszuweiten. Ihr gehören 35 Organisationen mit 15 Millionen Mitgliedern in aller Welt an - u. a. die "American Medical Association" (AMA - amerikanischer Ärzteverband), die internationalen
Verbände der Rotary- und Lions-Clubs, die Nationale 4-H-Vereinigung,
der Nationale Verband der Eltern und Lehrer, der Amerikanische Schulleiter-Verband, die Nationale Elternföderation für drogenfreie Jugend, die Bildungskommission der Vereinigten Staaten und der Dachverband der Juniorenliga-Vereinigungen.
- Sonderprogramme von Fernsehstationen führten in Verbindung mit
gleichzeitig durchgeführten lokalen Veranstaltungen zu regelmäßig abgehaltenen Bürgerversammlungen im ganzen Land in bisher nicht dagewesener Zahl. Mrs. Reagan setzte sich mit besonderem Engagement für
diese Kampagne ein. Die Bundesregierung stellte Informationen und
technische Unterstützung für zahlreiche von privater Seite unternommene Initiativen zur Verfügung und verpflichtete sich, die landesweiten Bürgeraktionen auch künftig zu unterstützen.
- Vom Bundesministerium für Gesundheits- und Sozialwesen wurden umfassende gesundheitspolitische Zielsetzungen bis 1990 ausgearbeitet.
Sie sollen Risikofaktoren vermindern, das Gesundheitsbewußtsein stärken und die Schutzmöglichkeiten vergrößern. Das Nationale Institut
zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch (NIDA) und das Nationale Institut
zur Bekämpfung von Alkoholmißbrauch und Alkoholismus (NIAA) setzten
sich landesweit für öffentliche Informationskampagnen ein und unterstützten zahlreiche Initiativen und Maßnahmen von privater Seite gegen den Drogenmißbrauch.
-

Das Bundes-

�- Das Bundesministerium für Erziehungswesen ließ 4500 Arbeitsgruppen
mit Vertretern von Schulen und Gemeinden ausbilden, um jugendliche
Drogenkonsumenten und Alkoholiker zu identifizieren und frühzeitig
intervenieren zu können.
- Die Bundregierung unterstützt ein umfassendes Programm der Gemeinden im ganzen Land zur Bekämpfung alkoholbedingter tödlicher Verkehrsunfälle.

Eingeschaltet sind u.a. die Präsidialkommission

die Nationale Kommission gegen Trunkenheit am Steuer.

und

Massive Auf-

klärungskampagnen in der Öffentlichkeit, verbunden mit strikter Wahrnehmung der gesetzlichen Möglichkeiten gegen Fahren im alkoholisierten Zustand, Bürgeraktionen und Programm für Teenager in jedem Bundesstaat sollen mehr Disziplin und Verantwortungsbewußtsein bewirken.
- Zahlreiche Bundesstaaten haben das Mindestalter für Alkoholverkauf
an Jugendliche angehoben - mit dem Effekt, daß die Zahl tödlicher
Verkehrsunfälle von Jugendlichen merklich zurückging. Im Juli 1984
unterzeichnete Präsident Reagan ein Gesetz, das allen Staaten empfiehlt, das Mindestalter für den Verkauf von Alkohol auf 21 Jahre
festzusetzen.

Rechtsvollzug
Auf Bundesebene hat die amerikanische Regierung massive Anstrengungen
unternommen, um den Rechtsvollzug in Verbindung mit illegalen Drogen
durchzusetzen. Im Haushaltjahr 1985 werden dafür mehr als 1,2 Milliarden
Dollar aufgewandt, das sind 75 Prozent mehr als im Jahr 1981. Wichtige
Initiativen gelten der Eindämmung des Angebots an illegalen Drogen durch
Beschlagnahmeaktionen und Festsetzung der Drogenhändler, wobei Behörden
des Rechtsvollzugs und Ankläger auf allen Ebenen von Justiz und Regierung
eng zusammenarbeiten. Schnelle und sichere Aburteilung der Täter wird
angestrebt, was sich inzwischen dadurch bemerkbar gemacht hat, daß die
Zahl von Verbrechen zurückzugehen beginnt.
- 6 -

Verhaftungen

�- Verhaftungen von führenden Organisatoren und Finanziers des Drogenhandels stiegen um 18 Prozent an - von monatlich 195 im Jahr 1981 auf
231 im Jahr 1984. Die Anzahl von Verhaftungen aufgrund von Drogendelikten beträgt im Durchschnitt etwa 1000 pro Monat.

Verurteilungen

von Personen aus allen Bereichen der Drogenkriminalität erhöhten sich
um 90 Prozent - von 485 pro Monat im Jahr 1981 auf 921 pro Monat im
Jahr 1984.

Und die Zahl der Verurteilungen von Drahtziehern und

führenden Finanziers stieg sogar um 186 Prozent - von 88 pro Monat im
Jahr 1981 auf 252 pro Monat im Jahr 1984.

- In den ersten sieben Monaten von 1984 wurden 216 Prozent mehr Kokain beschlagnahmt als während des ganzen Jahres 1981. Die beschlagnahmten Mengen an Heroin waren von Januar bis Juli 1984 um 67 Prozent, die von Marihuana um acht Prozent größer als von Januar bis Dezember 1981.

Im ersten Halbjahr 1984 wurden innerhalb der USA und in

Lateinamerika mehr als 25 Tonnen Kokain beschlagnahmt, gegenüber 3,7
Tonnen im Jahr 1981.

Angebot und Konsum von Methaqualon, im Jahr

1980 Hauptursache von schwersten Schädigungen und Todesfällen durch
Rauschmittel, sind seit 1984 praktisch ausgeschaltet.

- Ein umfassendes Kooperations- und Koordinierungsprogramm auf höchster Ebene unter Führung des Präsidenten und Vizepräsidenten, des
Justizministers

und

anderer Kabinettsmitglieder

gewährleistet

die

bestmögliche Nutzung der zahlreichen und ganz verschiedenen staatlichen Ressourcen.

Der von Präsident Reagan im Januar 1982 geschaf-

fene Kabinettsrat für Rechtspolitik bildet den Mechanismus für Weisungen auf Kabinettsebene.

- Im Januar 1982 wurde von Präsident Reagan die Arbeitsgruppe Südflorida ins Leben gerufen, die dem Vizepräsidenten untersteht.

Sie

befaßt sich vor allem mit schwerwiegenden Verbrechensproblemen, u.a.
dem massiven Drogenschmuggel und damit zusammenhängenden illegalen
Finanzaktivitäten.

Schon ein Jahr später war in diesem Raum ein

Rückgang krimineller Handlungen um 22 Prozent zu verzeichnen.
Zur
- 7 -

Bekämpfung

�- Zur Bekämpfung von organisiertem Verbrechen, illegalen Geldtransaktionen, Waffen- und Drogenhandel

wurden

nach

einer Ankündigung

Präsident Reagans am 14. Oktober 1982 unter der Leitung des amerikanischen

Justizministers

12

regionale

Einsatzgruppen

(OCDE-Task

Forces) aufgebaut, die ihre Tätigkeit vor allem auf die Bosse der
Hä'ndlerringe und Syndikate konzentrieren.

Bis Ende August 1984 waren

3194 Personen in Verbindung mit dem OCDE-Programm (OCDE - "Organized
Crime Drug Enforcement") unter Anklage gestellt, 1068 Personen bereits verurteilt worden.

Gegenwärtig wird eine 13. Einsatzgruppe für

die Region Florida-Karibik gebildet.

- Zur Unterbindung des Rauschmittel- und Drogenschmuggels an allen
Grenzen der Vereinigten Staaten setzte Präsident Reagan am 23. März
1983 das unter Leitung von Vizepräsident Bush stehende "National
Narcotics Border Interrlection System" (NNBIS) ein.

Seitdem können

dank der Mithilfe von Nachrichtendiensten und militärischer Stellen
Drogenschmuggler

früher

ausgemacht

werden.

Die

sechs

regionalen

NNBIS-Zentren beschäftigen Personal von allen einschlägigen Bundesbehörden.

- Koordinierungsausschüsse für den Rechtsvollzug (LECC - Law Enforcement Coordinating Committees), die vom amerikanischen Justizminister
in allen 94 Bundesjustizdistrikten eingerichtet wurden, nehmen unter
Einsatz der Kriminalbehörden und Staatsanwaltschaften auf Bundes-,
Staats- und Kommunalebene besonders schwerwiegende Verbrechensprobleme unter die Lupe.

Landesweit räumen sie der Aufdeckung und Unter-

bindung des Drogenhandels höchste Priorität ein.

- Das mit Vertretern von 11 Behörden besetzte "National Narcotics
Intelligence Consumers Committee" (NNICC), auf nationaler Ebene das
wichtigste Gremium zur Überprüfung und Weitergabe geheimer, zur Bekämpfung notwendiger Unterlagen, beendete eine in der Bundesstrategie
von 1982 geforderte

umfassende Überprüfung

nachrichtendienstlichen

Schätzungen.
- 8 -

von Datensystemen und

Einschneidende

Verbesserungen

�Einschneidende Verbesserungen werden gegenwärtig eingeführt.
- Ein aggressives nationales Programm unter Federführung des Bundesamtes für Drogenüberwachung (DEA) soll der Marihuana-Produktion in
den Vereinigten Staaten ein Ende machen.

Im Jahr 1984 sind ihm be-

reits 47 Bundesstaaten angeschlossen, gegenüber sieben Bundesstaaten
im Jahr 1981. Im Rahmen des Programms für 1983, an dem sich 40 Bundesstaaten beteiligten, wurden mehr als 3,7 Millionen Camabispflanzen vernichtet und 4318 Personen, die gegen die Gesetze verstießen,
verhaftet.
- Das Fahndungszentrum El Paso (El Paso Intelligence Center - EPIC)
hat die seinen Mitgliedern gewährte taktische Unterstützung verbessert. Die Mitglieder umfassen neun Bundesbehörden und die Rechtsvollzugsorganisationen von 49 Bundesstaaten. Bis Ende 1984 werden
alle 50 Bundesstaaten darin vertreten sein, fünf mehr als 1982.
- Erwiesenermaßen ist die Zusammenarbeit der 14 Bundesbehörden für
den Rechtsvollzug sehr viel wirksamer, als es die Tätigkeit der einzelnen Behörden sein könnte. Sie sind aktiv in der Bekämpfung der
Drogenkriminalität engagiert und haben entsprechend gut geschultes
Personal zur Verfolgung krimineller Handlungen u.a. in Verbindung mit
Drogenhandel und Drogenschmuggel, Erpressung, Verschwörung, Bestechung, Steuerhinterziehung, illegalen Geldtransaktionen, Verstößen
gegen das Waffengesetz, Gewaltverbrechen etc. zur Verfügung. Alle
Rechtsvollzugsbehörden des Bundes haben ihre Anstrengungen ausgeweitet, was zusätzliche Ressourcen beim Vorgehen gegen das breite
Spektrum krimineller Handlungen im Zusammenhang mit illegalen Drogen
bedeutet.

Internationale Zusammenarbeit
Präsident Reagan erfüllte sein Versprechen, "eine Außenpolitik durchzusetzen, die sich energisch um die Unterbindung und Ausschaltung illega- 9 -

�Ausschaltung illegaler Drogen bemüht, wo immer diese angebaut, verarbeitet oder umgeschlagen werden".

Die ermutigende Reaktion anderer Länder

auf die Anstrengungen der Vereinigten Staaten wird aus dem wachsenden
Verständnis dafür deutlich, daß Drogenmißbrauch ein echtes internationales Problem mit schlimmen sozialen, politischen und wirtschaftlichen
Auswirkungen auf die Ursprungs- und Transitländer ebenso wie auf die Länder darstellt, wo die Drogen konsumiert werden.

- Mitte 1984 führte die Regierung von Kolumbien unter Einsatz von
Herbiziden ein Programm zur Vernichtung von Cannabispflanzen durch ein Markstein in den internationalen Kontrollmaßnahmen für Rauschmittel.

Sie begann außerdem Untersuchungen gegen Personen, die in we-

sentlichem Umfang die Drogengesetze verletzt haben, und erklärte sich
bereit, Auslieferungsanträgen stattzugeben.

Große Mengen von Rausch-

giften wurden beschlagnahmt, getarnte Laboratorien ausgehoben, Cocaund Cannabispflanzungen vernichtet und Kontrollen über Chemikalien,
die für die Kokain-Zubereitung erforderlich sind, eingeführt.

Von

März bis Juni 1984 wurde bei Razzien in Produktionsküchen Kokain in
bisher einmalig großen Mengen, nämlich insgesamt 14 Tonnen, beschlagnahmt.

- Im Jahr 1983 verstärkte die Regierung von Mexiko nach Einführung
eines chemischen Pflanzenvernichtungsprogramms im Jahr 1976 die Vernichtungsaktionen für Schlafmohn und Cannabis als Reaktion auf die
Maßnahmen der Drogenhändler, ihre Geschäfte auszuweiten und die Anbauflächen zu tarnen und mehr zu verteilen.

Einem Bericht des mexi-

kanischen Justizministeriums zufolge wurden im Jahre des von den USA
unterstützten Programms 2472 Hektar Schlafmohn (gegenüber 1211 Hektar
im Jahr 1982) und 2674 Hektar Cannabis (gegenüber 886 Hektar im Jahr
1982) vernichtet.

In einer 13tägigen Operation im Jahr 1983 vernich-

teten die Regierungen von Belize und Mexiko mit amerikanischer Unterstützung 480 Hektar Cannabis.

Ende vergangenen Jahres erprobten die

USA gemeinsam mit Mexiko eine neuartige Spraymethode mittels eines
höher und schneller fliegenden Spezialflugzeuges.

Die
- 10 -

Regierung

�- Die Regierung Boliviens unterzeichnete im August 1983 vier Abkommen.

Langfristiges Ziel ist die Reduzierung des Cocastrauchanbaues

auf den für legale Zwecke erforderlichen Umfang.

Zu den von den USA

zu leistenden Beiträgen gehören Unterstützung bei der Coca-Erntevernichtung, Aufbau von Polizeitrupps zur Wahrung von Recht und Gesetz
in der Anbauregion Chapare und Schaffung eines Systems für die legale
Coca- und Kokainproduktion.

- Aufgrund einer Unterstützungsvereinbarung mit den Vereinigten Staaten begann die Regierung von Peru Mitte 1983 mit der Vernichtung von
Coca-Sträuchern.

Dies war das erste Abkommen nach Einführung der

neuen amerikanischen Strategie, bei dem Vollzugs- und Vernichtungsmaßnahmen mit Entwicklungshilfe gekoppelt wurden.

Bis Mitte 1984

waren mehr als 2000 Hektar Anpflanzungen vernichtet.

- Die Regierung von Jamaika gab ihre Absicht bekannt, größere Anstrengungen zu unternehmen, um bestehenden Gesetzen Geltung zu verschaffen und neue einzuführen.

Das Programm

zur Vernichtung

von

Cannabis-Pflanzungen wurde von 221 Hektar im Jahr 1982 auf mehr als
500 Hektar im Jahr 1983 erweitert; bis zum Juli 1984 waren weitere
385 Hektar vernichtet worden.

- Die pakistanische Regierung verringerte im Jahr 1983 den Anbau von
Mohn für die Opiumproduktion auf 45 - 60 Tonnen, verglichen mit 800
Tonnen im Jahr 1979.

Pakistan hat sich bereit erklärt, das Verbot

des Mohn-Anbaues in "Koppelungs"-Gebieten durchzusetzen, für die Entwicklungshilfe geleistet

wird.

Pakistan hat

außerdem

restriktive

Klauseln zum Schlafmohmnbau akzeptiert, die die Regierung verpflichten, Projektgebiete für amerikanische Entwicklungshilfe vom Schlafmohnanbau freizuhalten.

Ein neuer Plan zur Koppelung von Entwick-

lungshilfe und gesetzlichen Maßnahmen, der durch Geldmittel finanziert wird, die den Vereinten Nationen zur Verfügung gestellt werden,
dehnt das Verbot auf bisher nicht oder nur am Rande kontrollierte
Gebiete aus.

Im
- 11 -

Januar

1982

�- Im Januar 1982 beschlagnahmte die Regierung von Pakistan ein Heroinlabor im nordwestlichen Grenzgebiet gegen den bewaffneten Widerstand der dort lebenden Stämme.

Seit Dezember 1982 haben Stammesfüh-

rer nach Verhandlungen mit Regierungsbeamten im Khyber-Gebiet die
Schließung von 41 Heroinküchen beaufsichtigt.

- Die Türkei übt weiterhin eine wirksame Kontrolle über mögliche
Abzweigungen vom legalen Opiumanbau und die Verhinderung illegalen
Anbaues aus.

Die Vereinigten Staaten und andere Geldgeber unter-

stützen die Bemühungen der Türkei die Aufbereitung und den Transit
illegaler Narkotika aus Südwestasien zu verhindern.

- Die königliche Thai-Regierung nahm im Januar 1982 militärische
Operationen gegen die vereinigte Shan-Armee auf, die an der Grenze
zwischen Thailand und Burma die wichtigste Gruppe für den OpiumHandel darstellt, und setzte 1983 mit permanent eingesetzten, auf
Rauschgiftjagd spezialisierten militärischen Einheiten gegen illegale
Drogenhändlergruppen fort.

Außerdem konnte das Angebot an Chemika-

lien, die zur Umwandlung von Opium in Heroin verwendet werden, wirksam verringert werden.

- Die sozialistische Republik der Union von Burma sieht in der Ausschaltung des Opiumanbaus eine Aufgabe von höchster Priorität.
Jahr 1984 wurden mehr als 4400 Hektar Anbaufläche vernichtet.

Im

Außer-

dem kam es in den Nordprovinzen zu Einsätzen gegen Drogenhändler und
zur Zerstörung von neun Heroinlabors.
- Im Mai 1984 folgten 12 drogenproduzierende Länder einer Einladung
der Vereinigten Staaten, um Fragen wie die Ausweitung der internationalen Anstrengungen gegen den Handel mit Drogen, wichtigen Chemikalien und Ausgangsstoffen zu erörtern.

Die USA ermutigen vor allem

auch andere Industrieländer, sich an internationalen Kontrollmaßnahmen zu beteiligen, und leisteten mit 50 Prozent den höchsten Beitrag
zum UN-Fonds für die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs (UNFDAC- United
Nations Fund for Drug Abuse Control) während der ersten elf Jahre
- 12 -

�elf Jahre nach seiner Gründung.

In den letzten Jahren kamen erheb-

liche Beiträge für UNFDAC von Schweden, Norwegen, Australien, der
Bundesrepublik Deutschland und Italien.

- Während sich Italien für Kontrollprogramme beim Coca-Strauch-Anbau
engagierte, half Australien der königlichen Thai-Regierung bei der
Schaffung eines Computer-Netzes zur Drogen-Überwachung, das u.a. Programme für die Anlage von Ersatzpflanzungen und die Überwachung der
Verteilung von Schlafmohn ausarbeitet.

Die Bundesrepublik Deutsch-

land finanziert ein integriertes Entwicklungsprogramm für Landgebiete
in Pakistan, um den Anbau von Feldfrüchten als Ausgleich für den verbotenen Mohn-Anbau in bestimmten Regionen zu fördern, und um in Thailand die Bergregionen im Norden mit Saatgut zum Ausgleich für den
aufgegebenen Schlafmohn-Anbau zu versorgen.

- In zunehmendem Maße orientieren sich andere Nationen an den einschlägigen amerikanischen Gesetzen im Zusammenhang mit illegalem Drogenhandel und schließen offizielle Abkommen mit den USA, u.a. über
den Austausch von Informationen und die Auslieferung von geflüchteten
Drogenverbrechern.

Die

italienische

Regierung

verabschiedete

ein

"Anti-Mafia-Gesetz", das die Beschlagnahme und Einziehung von Gewinnen aus dem Drogengeschäft erlaubt.

Kanada hat Gesetze für ein ent-

sprechendes Programm eingebracht, Hongkong, Singapur und Thailand bereiten ähnliches vor.

Die Abkommen, die mit einer Anzahl von Ländern

in Europa und in anderen Teilen der Welt bereits geschlossen wurden,
zeitigen eindrucksvolle

Erfolge.

Weitere Verträge

werden derzeit

ausgehandelt, einige stehen vor der Ratifizierung.

Als Folge des

Vertrages über gegenseitige Unterstützung mit der Schweiz beispielsweise konnten bereits sieben große Drogenhändlerringe
werden.

zerschlagen

Mit Großbritannien wurde ein zweiseitiges Abkommen ausge-

handelt, das u.a. der amerikanischen Küstenwacht erlaubt, auf hoher
See an Bord von Schiffen des anderen Landes zu gehen und über die
Seefahrzeuge sowie über Besatzungsangehörige entsprechend den Vereinbarungen zu verfügen, wenn Beweise für eine Verletzung der Gesetze
der Vereinigten Staaten gefunden werden.
- 13 -

Eine gemeinsame Arbeits-

�gemeinsame Arbeitsgruppe gegen organisiertes Verbrechen und Drogenhandel wurde 1984 mit Italien geschlossen, um Fahndung, Untersuchung
und Strafverfolgung zu erleichtern.

- Allgemein haben die Vereinigten Staaten durch diplomatische Initiativen, technische Unterstützung, Ausbildungsprogramme

und Informa-

tionsaustausch eine international führende Rolle sowohl zur Reduzierung des Drogenangebots als auch der Nachfrage nach Drogen übernommen.

Jedes Jahr stellen das Amt für internationale Suchtstoffange-

legenheiten (Bureau of International Narcotics Matters - IMN), NIDA
und NIAA für andere Länder technische Hilfe zu wirksamen Behandlungsund Vorbeugungsprogrammen

bereit.

1982 ging diese Hilfe u.a. an

Malaysia, Pakistan, Ekuador, Peru, Thailand und Burma.

- Das Informationsamt der Vereinigten Staaten (USIA) setzt alle seine
Medien, z. B. die Stimme Amerikas, Fernseh- und Filmprogramme dafür
ein, um Erkenntnisse zu vermitteln und im Ausland die Wachsamkeit gegenüber der Drogengefahr zu schärfen.

USIA leistet außerdem finan-

zielle Beiträge an private Organisationen in Amerika, um internationale Teilnehmer zu Konferenzen über Drogenprobleme in die Vereinigten
Staaten einzuladen.

Diese durch USIA vergebenen Mittel trugen dazu

bei, gemeinsame Anstrengungen durch amerikanische und internationale
Organisationen zu fördern und die Drogenprobleme stärker in das Bewußtsein eindringen zu lassen.

An einer vor kurzem in den USA abge-

haltenen Konferenz nahmen z. B. Vertreter von 35 Ländern teil.

- Die Mitarbeiter der Vereinigten Staaten an Entscheidungen im Rahmen
der Konvention über psychotrope Substanzen und der Konvention über
Narkotika hat wesentlichen Einfluß auf den Zugang zu verschreibungspflichtigen Substanzen im internationalen Rahmen und innerhalb der
USA.
Medizinische
- 14 -

�Medizinische Entgiftung und Behandlung
Die Bundesregierung unterstützt Bemühungen um eine wirksamere Nutzbarmachung von Ressourcen im bestehenden nationalen Therapienetz.

Dazu

gehört auch die Entwicklung von Therapieprogrammen, die eher lokale Erfordernisse und spezielle Erfordernisse einer heterogenen Bevölkerung mit
Drogen- und Alkoholproblemen berücksichtigen.

Im Jahr 1982 wurde der Bundeszuschuß für Therapiemaßnahmen dem Haushaltsposten

"Alkohol-

und

Drogenmißbrauch,

Leistungen

zur

Förderung

geistiger Gesundheit" zugeschlagen, um den Bundesstaaten mehr Entscheidungsfreiheit bei spezifischen Aufgaben und der Ausarbeitung entsprechender Programme zu geben.

Der Bund befürwortet außerdem die Einbezie-

hung von Maßnahmen für Drogen- und Alkoholabhängige in das System des
allgemeinen Gesundheitsdienstes, um eine wirksamere und nutzbringendere
Behandlung zu gewährleisten.

Priorität haben die besonderen Erfordernisse der Behandlung junger
Menschen mit Drogen- und Alkoholproblemen einschließlich der damit zusammenhängenden Fragen.

Staatliche und private Therapieprogramme werden

so gefördert, daß sie auch die bestgeeignete Beratung und medizinische
Behandlung vermitteln können.

- NIDA arbeitet auch künftig mit der pharmazeutischen Industrie in
der Entwicklung neuer Medikamente gegen Suchtstoffabhängigkeit zusammen.
Nahrungs-

Im Juli 1984 wurde Naltrexone von der FDA (Bundesamt für
und

Arzneimittelkontrolle)

Narkotika-Antagonist freigegeben.

vorläufig

zur

Anwendung

als

Es wird als wichtiger neuer Prä-

paratetyp zur Behandlung von Suchtstoffabhängigkeit angesehen.

Inzwischen haben 35 Bundesstaaten

Gesetze

verabschiedet, die die

Übernahme der Kosten einer Behandlung bei Alkoholismus durch die Krankenversicherung obligatorisch machen oder dies nach Ermessen zulassen.
- 15 -

�Ermessen zulassen.

26 Staaten haben ähnliche Gesetze über die Kosten-

übernahme zur Behandlung von Drogenabhängigkeit.

Das Amt für Jugendrecht und Verhinderung von Jugendkriminalität integriert gegenwärtig Vorbeugungsprogramme gegen Drogen und Alkohol sowie
Therapieprogramme in das Jugendrecht, wobei auch eine besondere Ausbildung für Bewährungshelfer gefördert wird.

Forschung
Eine unserer wirksamsten Waffen gegen Drogenmißbrauch ist unsere Fähigkeit, den Konsumenten und potentiellen Konsumenten die Wahrheit über
Drogen zu vermitteln.

In den letzten Jahren haben Forschung und kli-

nische Erfahrungen den Wissensfundus deutlich verbessern können, der für
eine wirksame Vorbeugung, für Information und Behandlung notwendig ist.
Dazu gehören auch wichtige neue Erkenntnisse über die gesundheitlichen
Konsequenzen von Kokain und Marihuana, über die Wechselwirkungen verschiedener Drogen und Zusammenhänge zwischen Drogenmißbrauch und sozialen, psychologischen und physischen Problemen, die so vielfältig und
unterschiedlich sind wie die Menschen, die davon betroffen werden.

- Vom Nationalinstitut zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch geförderten
Forschungsarbeiten ist zu verdanken, daß mit der Identifizierung und
Isolierung von Opiatrezeptoren im zentralen Nervensystem ein Durchbruch erzielt werden konnte und die Existenz körpereigener, opiatähnlicher

Substanzen

entdeckt

wurde.

Diese Forschungen

führten

zu

grundlegenden neuen Erkenntnissen über das menschliche Gehirn und
lösten ganze Lawinen neuer Studie nicht nur auf dem Gebiet des Drogenmißbrauchs, sondern auch in bezug auf neurologische Erkrankungen,
Geisteskrankheiten, Herzfunktionen, Schmerz und Schmerzbekämpfung aus.

- Sowohl über die unmittelbaren als auch die bleibenden Auswirkungen
des Konsums von Marihuana wurden wichtige Erkenntnisse gewonnen.

Der

akute Marihuanarausch beeinträchtigt viele Aspekte geistiger Funktio- 16 -

�geistiger Funktionen, u.a. Gedächtnis, Lernvermögen und Motivation.
Die Droge hat auch schwerwiegende Auswirkungen auf Wahrnehmungsvermögen, Fahrfähigkeit und andere Gebiete menschlicher Aktivitäten.

Zu

den bekannt gewordenen oder vermuteten chronischen Auswirkungen zählen Beeinträchtigung der Lungenfunktion, des Immunsystems, der Ovulation und wahrscheinlich auch der Herzfunktion.

Große Sorge bereiten

langfristige Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen, die
auf die psychologischen und das Verhalten beeinflussenden Auswirkungen der Droge besonders empfindlich reagieren.

- Das Nationalinstitut zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch (NIDA) entwickelt derzeit neue und wirksamere Präparata, u.a. LAAM, zur Therapie Abhängiger.

Auch werden einfache, tragbare Ausrüstungen zum Dro-

gennachweis entwickelt, um die negativen Auswirkungen von Drogenmißbrauch auf Leistungen am Arbeitsplatz und bei den Streitkräften zu
reduzieren.
- Zwischen 1981 und 1984 richtete NIAA drei neue nationale Alkoholforschungszentren ein.

NIDA untersucht derzeit Möglichkeiten der Fa-

milientherapie bei Drogenmißbrauch sowie zur Mitarbeit der Schule, um
drogenabhängige Jugendliche zu identifizieren und ihnen wirksam helfen zu können.

Es wurden ganze Serien von Studien in Angriff genom-

men, mit denen man herausfinden will, welche Therapieformen für die
einzelnen Persönlichkeitstypen bei Drogenmißbrauch am besten sind.

* * * * *

- 17 -

�10. Oktober 1984

AI

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
(12)
- Wie erreicht man das Volk? -

-(AD) - Die Demokratie und die Stimme des Volkes
Als Präsident Abraham Lincoln im Jahr 1863 in seiner so Schicksalschweren
Ansprache bei Gettysburg erklärte, "daß die Regierung des Volkes durch
das Volk und für das Volk auf dieser Erde niemals zugrunde gehen wird",
tat er mehr, als den gefallenen Soldaten beider Seiten des amerikanischen
Bürgerkrieges seine Ehrerbietung zu erweisen. Er definierte zugleich die
Demokratie in den Vereinigten Staaten mit Worten, die jedermann verstehen
konnte.

Alle vier Jahre wählen die Amerikaner einen Präsidenten. Die erste
genaue Stimmauszählung gab es bei der Wahl von John Quincy Adams im Jahr
1824 (28 Jahre nach der ersten Präsidentschaftswahl), bei der 355 389
Amerikaner ihre Stimme abgaben. Bei der Wahl von Ronald Reagan im Jahr
1980 kreuzten 85 Millionen ihre Stimmzettel an. Und für den 6. November
1984 erwartet man eine noch höhere Wahlbeteiligung.

Die Präsidentschaftswahlkämpfe

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die

Präsidentschaftswahlkampfe,

parteipolitische

Schlachten, die

oft

einen temperament- und schwungvollen Verlauf nehmen, beleuchten in der
Regel die Natur strittiger Fragen ebenso wie die Unterschiede zwischen
den einzelnen Kandidaten. Wahlkämpfe stellen auch neue Ideen auf die
Probe und zwingen die Kandidaten dazu, durch Überredung und Überzeugung
Wählerstimmen zu gewinnen. Dies galt sogar für die Wahlen der Anfangsjahre, als die Präsidentschaftskandidaten auf würdevolle Distanz zu ihren
eigenen Wahlkämpfen bedacht waren, in einsamer Erhabenheit über dem "Mob"
standen und es ihren Anhängern überließen, die Botschaft an den Mann zu
bringen. Reden, Versammlungen, Pamphlete und Parteizeitungen waren die
typischen Mittel, um die breite Öffentlichkeit zu erreichen.

Erst im Wahlkampf des Jahres 1860 - dem vielleicht folgenschwersten
der amerikanischen Geschichte, da die nationale Einheit auf dem Spiel
stand -, ließ sich ein Kandidat dazu herbei, seine Sache selbst zu vertreten, indem er sich auf eine Wahlreise machte. Jener Wahlkampf wurde
zwischen zwei außergewöhnlichen Rednern ausgefochten, Stephen A. Douglas
und Abraham Lincoln, die sich bereits einige Jahre zuvor im Kampf um
einen Sitz im

Senat

in einer

Reihe von Debatten

gegenübergestanden

hatten. Douglas, der im Wettstreit um diesen Sitz die Oberhand behalten
hatte, schuf dann bei der Präsidentschaftswahl des Jahres 1860 den Präzedenzfall , als er sich auf eine Wahlreise machte, um seine Rednerkunst in
Stimmen umzusetzen. Aber die vorausgegangenen Debatten hatten Lincoln,
der bis dahin relativ unbekannt gewesen war, berühmt gemacht. Daher ging
Lincoln als Sieger aus diesen Wahlen hervor, und sie bescherten der Nation eine ihrer hervorragendsten Führungspersönlichkeiten. Dennoch veränderte der von Douglas geschaffene Präzedenzfall die Art des Wahlvorgangs
in den Vereinigten Staaten.

Nach den

Wahlen des Jahres 1860 wurde die Republikanische Partei

neben den Demokraten zur beherrschenden Kraft der politischen Landschaft
Amerikas. Seitdem sind diese beiden Parteien die wichtigsten politischen
Kräfte geblieben. Zwar gab es von Zeit zu Zeit ernstzunehmende "dritte
Parteien" - wie etwa die unabhängige Kandidatur von John Anderson im Jahr
1980 -, aber keine hat je eine Wahl gewonnen.
Wie

der

Kandidat

�Wie der Kandidat seine Botschaft vermittelt
Genau wie die Entwicklungen im Bereich der Technologie wirkten sich
auch die Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft auf die Wahlkämpfe aus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wandelten die Fortschritte in
Druck- und Eisenbahntechnik radikal die Natur der amerikanischen Wahlkämpfe.

Das gedruckte Wort konnte immer preiswerter an eine Massenleserschaft
verteilt werden. Auf Flugblättern und in kurzgefaßten politischen Abhandlungen wurden Parteiprogramme erläutert und zum Angriff auf den Gegner
geblasen. Dem gleichen Zweck dienten Zeitungen, die von politischen Parteien herausgegeben wurden. Die Presse des ganzen Landes befaßte sich in
allen Einzelheiten mit den Wahlkämpfen und ergriff zu einer Zeit, da
Unterstützung oder Verurteilung durch die Zeitungen noch eine gewaltige
Wirkung hatten, in aggressiver Form

für oder gegen einen Kandidaten

Partei.

Die Verbindung der atlantischen und der pazifischen Küste der Vereinigten
Staaten durch die Eisenbahn in der Mitte des 19. Jahrhunderts veränderte
auch die Landkarte des Präsidentschaftswahlkampfes. Während das Schienennetz ausgebaut wurde, lernten die Kandidaten, den Terminplan ihrer persönlichen Auftritte ganz auf eine Reise mit der Eisenbahn durch die
großen und kleinen Städte des Landes abzustimmen. So konnten sie bequem
an jeder Haltestelle von der Plattform am letzten Wagen des Zuges aus zu
den zusammenströmenden Bewohnern der Ortschaften sprechen. War die Rede
zu Ende, so ging es weiter zur nächsten Station. Derlei Rede-Reisen wurden als "Whistlestop"-Touren

(bei denen der Zug aufs Pfeifsignal hin

hielt und der Redner in Aktion trat) bekannt und waren für jeden Präsidentschaftskandidaten so lange die gängige Praxis, bis man dann in der
Neuzeit aufs Flugzeug umstieg.

Woodrow Wilson, der demokratische Kandidat des Jahres 1912 war der
erste, der auf diese Weise seine Wahlreden hielt und die Wahlen dann auch
gewann. Wilson, ehedem Präsident der angesehenen Princeton-Universität
und im Innern eher ein Akademiker als ein Politiker, hatte sich zunächst

�hatte sich zunächst nur zögernd auf eine bescheidene "Bildungsreise" gemacht. Allerdings besaß er die Gabe überzeugender und einfallsreicher
Rhetorik. Seine Reden gehören zu den besten der Wahlkampfgeschichte, und
sie versetzten ihn in die Lage, sozusagen auf der Schlußplattform des
Zuges zum Wahlsieg zu fahren.
Meister der Medien
Die Zeit, da das Radio begann, sich als journalistisches Medium
durchzusetzen, war auch die Zeit Franklin Delano Roosevelts (gemeinhin
als FDR bekannt), eines begabten und überzeugenden Redners, der der erste
Kandidat - und später auch der erste Präsident - war, der sich des neuen
elektronischen Mediums wirkungsvoll bediente, um Wähler zu gewinnen und
zu halten. Während der Jahre seiner Präsidentschaft wurden seine informellen Berichte aus dem Weißen Haus über die Lage der Nation eine feste
Einrichtung. "Plaudereien am Kamin" wurden sie genannt und später von
anderen Präsidenten per Radio und Fernsehen nachgeahmt - wenn auch nie
mit der gleichen Wirkung, die die Originale erzielt hatten.
Roosevelt teilte diese Meisterschaft, seine Botschaft durch die elektronischen Medien zu übermitteln, mit zweien seiner Nachfolger - den Präsidenten John F. Kennedy und Ronald Reagan. So werden sie denn alle, jeder für seine Zeit, in Erinnerung bleiben durch ihr Geschick, den Mann
auf der Straße anzusprechen - sei es unmittelbar oder mittelbar über den
Äther, wobei natürlich das entscheidende Medium für Kennedy und Reagan
das Fernsehen war.
Man ist allgemein der Auffassung, daß es Kennedy nicht gelungen wäre, ins
Weiße Haus zu kommen, wenn er nicht durch eine Reihe von Fernsehdebatten
mit seinem Gegner, Richard M. Nixon, die amerikanische Öffentlichkeit
nachhaltig beeindruckt hätte. Die meisten kritischen Betrachter jener
Zeit stimmten darin überein, daß Nixon in der Argumentation wie in der
Rhetorik - den traditionellen Fertigkeiten in einer Diskussion - besser
war. WD es jedoch darum ging, einen starken, positiven und sympathischen
Eindruck zu machen, gewann Kennedy haushoch. Mit anderen Worten: Nixon
gewann die Debatten, Kennedy die Zuschauer.
Zur gleichen Zeit,
-4 -

�Zur gleichen Zeit, da die elektronischen Medien eine zentrale Rolle
bei den Präsidentschaftswahlkämpfen in den Vereinigten Staaten einzunehmen begannen, fand noch eine weitere grundlegende Entwicklung statt.
Schon Dwight D. Eisenhower und Adlai Stevenson setzten in den fünfziger
Jahren das Flugzeug verstärkt für ihre Zwecke ein; aber erst der Wahlkampf John F. Kennedys im Jahr 1960 wurde für seine geschickte Verwendung
des Charterflugzeugs bekannt . Allein in den ersten zehn Tagen seiner
Kampagne, die am 2. September einsetzte, brachte Kennedy in dem nach seiner Tochter "Caroline" genannten Jet 27 000 Kilometer hinter sich. Acht
Jahre später war Richard Nixon der erste Kandidat, den sein Wahlkampf in
alle 50 Bundesstaaten führte - eine Leistung, die erst durch das Wjnder
des Düsenflugzeugs möglich wurde.

Der Übergang von der Eisenbahn zum Flugzeug war von mindestens gleich
großer Tragweite wie einst die Einführung des Systems der "Khistlestops".
Aber während jene Zugreisen die Kandidaten zwar zu den Menschen überall
im Lande brachten, erhielten sie erst durch die Flugreisen die zusätzliche Möglichkeit, Ort und Umstände eines Wahlauftritts zu bestimmen. Jetzt
war der Wahlkampf nicht mehr begrenzt durch die Fahrpläne der Züge; ein
Flugzeug konnte überall hinkommen. Die Folge war, daß sich die Strategie
der Wahlkämpfe änderte: ihre Aufmerksamkeit richtete sich nun weniger auf
die Eigenheiten bestimmter Regionen als auf die Interessen des Publikums
schlechthin.

Vor der Zeit der landesweiten und direkten Berichterstattung durch
Radio und Fernsehen drang das, was ein Kandidat zu sagen hatte, kaum jemals über die lokalen Zeitungen hinaus. So konnte ein Kandidat seine Aussagen der jeweiligen Zuhörerschaft anpassen - und oft genug tat er dies
auch. Unter den grellen Scheinwerfern der allgegenwärtigen Fernsehkameras
werden die Körte eines Kandidaten jedoch sofort der ganzen Nation - ja,
sogar der ganzen Walt - bekannt und können daher weder zurückgenommen
noch geleugnet werden. Alles, was ein Kandidat den Wählern in Massachusetts im Nordosten verspricht, gilt gleichzeitig auch für die Wähler in
Florida im tiefen Süden.
Das

-5 -

bringt

ein

�Das bringt ein neues Problem in die Kahlkämpfe. Durch einen Fernsehauftritt in einer Nachrichtensendung kann ein Kandidat zwar einerseits
eine Wählerstimme in New York gewinnen, dafür aber 4 800 Kilometer entfernt in Kalifornien eine andere verlieren. Das Zeitalter der Direktberichterstattung schmälert die Zugkraft eines Kandidaten, der sich nur auf
die begrenzten Interessen einzelner gesellschaftlicher Gruppierungen konzentriert. Ein erfolgreicher Kandidat des ausgehenden 20. Jahrhunderts
muß daher sein Interesse an den allgemeinen, nationalen Anliegen unter
Beweis stellen.
Die Direktberichterstattung bewirkt auch eine grundlegende Wandlung des
Wählers in Amerika. Die 173 936 000 wahlberechtigten Bürger werden tagtäglich über alle Einzelheiten des gesamten Wahlkampfes immer umfassender
informiert. So war ganz Amerika Zeuge, als die acht wichtigsten Kandidaten im Februar 1984 darangingen, sich bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei in New Hampshire um die Gunst der 450 000 dortigen Wähler zu
bemühen. Eine Woche davor berichtete eine Kabelfernsehstation über eine
WahlVeranstaltung in Iowa, indem den Teilnehmern Mikrophone angesteckt
wurden, so daß die Zuschauer im ganzen Land unmittelbar Zeuge werden
konnten, ohne daß es eines zusätzlichen Kommentars bedurft hätte.
Fernsehen und Rundfunk präsentieren den gesamten Wahlverlauf bis ins
letzte Detail wie unter einem Vergrößerungsglas, von den ersten Vorwahlen
über die Parteitage, wo die jeweiligen Bewerber der Parteien offiziell
ernannt werden, bis hin zum eigentlichen Wahlkampf, der im September beginnt und seinen Höhepunkt an dem Dienstag erreicht, der auf den ersten
Montag im November folgt, wenn der amerikanische Wähler schließlich seine
Entscheidung trifft. Die Amtseinführung des Siegers im Januar des folgenden Jahres ist einer der Höhepunkte des politischen Lebens in Amerika.
Alle Bürger feiern dann gemeinsam die erneute Bewährung des demokratischen Prinzips.

+ + + + +

�Ui//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1984

41

USA FÜR BEIBEHALTUNG DES ANTARKTISVERTRAGES
- Ungünstige Auswirkung veränderter Bestimmungen befürchtet -

- (AD) - Für die Beibehaltung des im Jahr 1959 geschlossenen Antarktisvertrages in seiner jetzigen Form setzten sich hohe Beamte des
Außenministeriums und des Handelsministeriums der Vereinigten Staaten vor
einem Unterausschuß des amerikanischen Senats ein. Der Vertrag verpflichtet die Signatarmächte, Antarktisgebiete nicht militärisch zu nutzen, die
Ergebnisse dort betriebener Forschungen mitzuteilen und sich über alle
die Antarktis angehenden Fragen sogleich zu beraten.

"Der Antarktis-Ver-

trag ist ein herausragendes und erfolgreiches Beispiel für die praktische
Anwendung der Grundsätze und Zielsetzungen der Charta der Vereinten Nationen", erklärte R. Tucker Scully, Leiter des Referats für Meeres- und Polargebiete im amerikanischen Außenministerium.

Es liege im Interesse der

Vereinigten Staaten, daß der entmilitarisierte und kernwaffenfreie Status
der Antarktis samt Verbot von Waffentests und uneingeschränkten Rechten
zur Inspektion an Ort und Stelle, der Freiheit wissenschaftlicher Forschung in der Antarktis und der gemeinsamen Teilhabe an den in Übereinstimmung mit dem Antarktis-Vertrag gewonnenen Daten sowie des Schutzes
und der Erhaltung der antarktischen Umwelt beibehalten werden.
In einer von

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In einer von Angst und Nöten geplagten Welt bedeute die Antarktis einen wesentlichen Beitrag zu internationalem Frieden und internationaler
Sicherheit, erklärte Scully.

Außerdem habe das Vertragssystem die Fähig-

keit bewiesen, Möglichkeiten zu entwickeln, um neuen Umständen gerecht zu
werden und neue Interessen zu berücksichtigen.

Aufgrund eines Antrages

der malaisischen Regierung sei das Thema Antarktis im vergangenen Herbst
auf die Tagesordnung der UN-VollVersammlung

gesetzt worden in der Ab-

sicht, eine Abänderung des Vertrags zu erreichen oder ihn durch einen anderen ersetzen zu lassen.

Die Vereinigten Staaten halten jedoch die to-

tale Einbeziehung der Antarktis in UN-Angelegenheiten für wenig nützlich.

"Es gibt bereits bemerkenswerte Arbeitsbeziehungen zwischen Teilen

des UN-Systems und dem antarktischen Vertragssystem", bemerkte Scully.
"Bemühungen um die Schaffung eines politischen Konkurrenzforums für die
Antarktis innerhalb der Vereinten Nationen wäre unzweckmäßig".

Der Gene-

ralsekretär der Vereinten Nationen lasse gegenwärtig eine Studie über die
Antarktis durchführen, der die Vereinigten Staaten und die anderen Konsultativmächte zugestimmt haben.

Der Generalsekretär werde der UN-Voll-

versammlung in diesem Herbst darüber Bericht erstatten.
John V. Byrne, der Direktor des dem amerikanischen Handelsministerium
angeschlossenen Amtes für Meere und Atmosphäre (NOAA - National Oceanic
and Atmospheric Administration), verwies darauf, daß der Antarktisvertrag
von den beiden Supermächten und vielen einflußreichen Staaten unterstützt
werde. "Die USA und die UdSSR sind
Mitglieder des UN-Sicherheitsrates
ebenso führende Entwicklungsländer,
jetzt erwies sich der Vertrag als
ment", erklärte Byrnes.

Mitglieder von Anfang an
Alle fünf
sind dem Vertragswerk beigetreten,
wie z.B. Indien und Brasilien. Bis
erfolgreiches internationales Instru-

Dies sei u.a. seiner Flexibilität, der Unterstützung durch die Supermächte, durch Regierungen mit unterschiedlichen und sogar gegensätzlichen
Standpunkten sowie dem Einfluß wissenschaftlicher Erkenntnisse und persönlicher Beziehungen zuzuschreiben. Allerdings habe es jetzt den Anschein, so Byrnes, daß Malaysia und einige andere Staaten, ohne das Ergebnis der UN-Studie abzuwarten, weiterhin auf eine radikale Umstruktu- 2 -

�radikale Umstrukturierung des antarktischen Vertragssystem drängen.
Nach Meinung von Byrnes sollten die Konsultativmächte "den öffentlichen Zugang zu wissenschaftlicher Beratung und zu Entscheidungen" über
die Antarktis fördern. Diese und andere Maßnahmen würden helfen, sicherzustellen, daß "das antarktische Vertragssystem auch künftig als ein System funktioniert". Konsultativmächte für den Antarktisvertrag sind gegenwärtig Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Japan, Neuseeland, Norwegen, Polen, Südafrika, die UdSSR und die USA. Weitere (nichtkonsultative) Mitglieder des Vertragswerkes sind Bulgarien, Dänemark, die
Deutsche Demokratische Republik, Finnland, Italien, Kuba, die Niederlande, Papua-Neuguinea, Peru, Rumänien, Schweden, Spanien, die Tschechoslowakei, Ungarn, Uruguay und die Volksrepublik China.
Gegenwärtige öffentlichte Diskussionen über Ressourcen in der Antarktis scheinen sich auf versuchsweise durchgeführten Fischfang in antarktischen Gewässern und auf eventuell bestehende Möglichkeiten für kommerziellen Fischfang zu konzentrieren. Was Minerale und petrochemische Rohstoffe angehe, so sei noch nichts darüber bekannt, ob sich eine Ausbeute
in der Antarktis lohne.
* * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten stehen zu Bündnis mit der Türkei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Unterstaatssekretär Richard Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen Bemühungen der CONTADORA-Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle - der Stand der Dinge&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Kenneth Adelman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Kampf gegen den Drogenmissbrauch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des Weißen Hauses zu staatlichen und privaten Maßnahmen in den letzten vier Jahren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;(12)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wie erreicht man das Volk? -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA für Beibehaltung des Antarktisvertrages&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ungünstige Auswirkung veränderter Bestimmungen befürchtet -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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ciniGrikci
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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10. Oktober 1990

40

DEUTSCHE EINHEIT

BUSH: USA UND DEUTSCHLAND
ALS PARTNER IN DER FÜHRUNG
Rede des Präsidenten zur deutschen Einheit
BUSH WÜRDIGT VEREINIGUNG
DEUTSCHLANDS
Erklärung bei Feierstunde

DEUTSCHAMERIKANISCHER TAG

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION
ZUM DEUTSCH-AMERIKANISCHEN TAG

KSE

BAKER: KSE WIRD NEUE EUROPÄISCHE
ORDNUNG BESCHLEUNIGEN
Pressekonferenz des Außenministers

US-AUSSENPOLITIK

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

NEUE AKZENTE IN DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Rede des Gesandten George F. Ward

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�DEUTSCHE

EINHEIT
10. Oktober 1990

BUSH: USA UND DEUTSCHLAND ALS PARTNER
IN DER FÜHRUNG
Rede des Präsidenten zur deutschen Einheit
WASHINGTON - (AD) - Zum Tag der deutschen Einheit erklärte Präsident Bush am 2. Oktober 1990, den
Vereinigten Staaten und Deutschland werde bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen und Verantwortlichkeiten der Zukunft Erfolg beschieden sein.
"Aufbauend auf unseren gemeinsamen Werten werden wir Partner in der Führung sein", stellte der Präsident
in einer Botschaft an das deutsche Volk anläßlich der Feiern zum Tag der deutschen Einheit fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Präsident Bush im Wortlaut.

Ich freue mich, Bundeskanzler Helmut Kohl und dem
deutschen Volk in diesem historischen Augenblick
meine Glückwünsche übermitteln zu dürfen. Und es ist
mir eine große Ehre, dem Volk eines vereinigten
Deutschlands eine Botschaft zu überbringen.
In Berlin und Bonn, von Leipzig im Osten bis hin zu
Städten im Westen entlang des Rheins, feiern die
Menschen den Tag, auf den ganz Deutschland 45
lange Jahre gewartet hat.
Für die Welt waren es 45 Jahre der Spannungen und
des Aufruhrs. Zu Ihrer Nation war das Schicksal
besonders grausam. Im Herzen eines geteilten Kontinents lag 45 Jahre lang ein geteiltes Deutschland.
Durch die Trennungslinie zwischen Ost und West
wurde ein Volk in zwei Welten gespalten.
Das ist vorüber. Heute wird ein neues Kapitel in der
Geschichte Ihrer Nation aufgeschlagen. 45 Jahre des
Konflikts und der Konfrontation zwischen Ost und
West liegen jetzt hinter uns. Endlich ist der Tag
gekommen. Deutschland ist vereinigt. Ganz Deutschland ist endlich frei.
Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, gemeinsam
mit Ihnen das Fundament der Freiheit gelegt zu haben,
stolz, beim Streben nach einem ung stellten und freien
Deu tschland ein verlä ßlicher Partnei gewesen zu sein.
Die Vereinigten Staaten sind stolz, sich heute und in
Zukunft zu den Freunden und Verbündeten eines
freien Deutschlands zählen zu dürfen.
AMERIKA DIENST 40

Unsere Völker sind durch gemeinsame kulturelle Bande
und ein gemeinsames Vermächtnis der Geschichte
verbunden. Niemals zuvor waren diese Bande offenkundiger als im vergangenen Jahr, während wir gemeinsam auf das Ziel der deutschen Einheit hinarbeiteten. Heute genießen wir gemeinsam die Früchte
unserer Freundschaft.
Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge einer Welt im
Wandel - für die Vereinigten Staaten, ein vereinigtes
Deutschland und für das Atlantische Bündnis, dem wir
angehören. Und selbst während Deutschland diesen
Neubeginn feiert, besteht kein Zweifel daran, daß die
Zukunft neue Herausforderungen und Verantwortlichkeiten bereithält.
Ich bin sicher, daß unsere beiden Nationen diese
Herausforderungen wie bisher auch - durch gemeinsame Freiheitsliebe vereint - bewältigen werden. Aufbauend auf unseren gemeinsamen Werten werden wir
Partner in der Führung sein.
Dieserf ür Deutschland so bedeutsame Tag ist auch für
die Welt von großer Bedeutung. Nur wenige Meter von
den Mauern des alten Reichstags, dem Schauplatz der
ersten Sitzung des gesamtdeutschen Parlaments,
entfernt, stand die Berliner Mauer - als schreckliches
Mahnmal des Konflikts und kalten Kriegs. Jahrzehntelang träumten freie Menschen überall auf der Welt
von dem Tag, an dem die Berliner Mauer fallen würde.
An dem eine Welt ohne die Mauer ein wieder ungeteiltes Deutschland bedeuten würde. An dem ein vereiSeite 1

�nigtes und souveränes Deutschland in vollem Umfang stark genug ist, den menschlichen Geist zu ersticken
als Kraft für Frieden und Stabilität am Weltgeschehen und keine Mauer je die Seele einer Nation unter sich
teilhaben würde.
begraben kann.
Heute liegt die Mauer in Trümmern. Und unsere Augen
blicken auf eine neue Welt der Hoffnung. Heute ist
Deutschland erneut vereinigt. Die Mauer spaltet eine
Nation und die Welt nicht länger in zwei Lager. Die
letzten Relikte der Mauer stehen im Herzen eines
freien Berlins - ein düsteres Monument aus Beton und
Stacheldraht - als Beweis dafür, daß keine Mauer je

Heute tritt die deutsche Nation in ein neues Zeitalter
ein. Ein Zeitalter, um die Worte Ihrer Nationalhymne
zu zitieren, von "Einigkeit und Recht und Freiheit".
Während wir in diesem feierlichen Augenblick gemeinsam mit Ihnen voller Hoffnung und Zuversicht in die
Zukunft blicken, möchte ich im Namen aller Amerikaner sagen: Möge Gott das deutsche Volk schützen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 40

�DEUTSCHE

EINHEIT
10. Oktober 1990

BUSH WÜRDIGT VEREINIGUNG DEUTSCHLANDS
Erklärung bei Feierstunde
WASHINGTON - (AD) - Anläßlich einer Feierstunde im Rosengarten des Weißen Hauses zur Vereinigung
Deutschlands und zum Deutsch-Amerikanischen Tag gab Präsident Bush am 3. Oktober 1990 folgende
Erklärung ab:

Ich habe gerade mit Bundeskanzler Helmut Kohl telefoniert. Dabei habe ich ihm an diesem ganz besonderen Tag die herzlichsten Glückwünsche des amerikanischen Volkes an alle Deutschen übermittelt. Zu
dieser Stunde, in der wir uns hier im Rosengarten
versammelt haben, feiern die Deutschen von Berlin bis
Bonn, von München bis Bremen und von den Plätzen
Leipzigs bis zu den goldenen Weinbergen am Rhein
ihre neue Einheit.
Überall in dieser erneut vereinten Nation feiern die
Deutschen einen wunderbaren Augenblick, der nahezu ein halbes Jahrhundert verzögert wurde. Als Teil
dieser Feierlichkeiten habe ich dem deutschen Volk
eine Fernsehbotschaft gesandt - Empfindungen, die
ich Ihnen hier kurz erläutern möchte.
45 Jahre lang lebte im Herzen eines gespaltenen
Kontinents ein geteiltes Volk. Eine grausame Mauer
aus Beton schnitt im wahrsten Sinne des Wortes
Nachbar von Nachbar ab, Männer von ihren Frauen,
Kindern von ihren Eltern, und eine Nation von sich
selbst. An dieser Trennungslinie des Ost-West-Konflikts wurde ein Volk in zwei Welten geteilt. Und als das
deutsche Volk diese lange Prüfung durchlitt, waren wir
Amerikaner mehr - viel mehr - als mitfühlende Beobachter. Denn wir sind durch kulturelle Bande miteinander verknüpft, die bis in die frühe Kolonialzeit zurückreichen, als Deutsche zum ersten Mal zu DeutschAmerikanern wurden.
Auf Einladung von William Penn trafen Deutsche in
Amerika ein, um ein neues Leben zu beginnen. Dieses
Leben war hart. Ihre ersten Unterkünfte waren Erdhöhlen. Aber ihre Entschlossenheit war unerschütterlich. Sie bauten eine Gemeinde auf - Germantown in

AMERIKA DIENST 40

Pennsylvania -, die weitere Millionen motivierte, ihnen
zu folgen und weiterzubauen.
Deutsch-Amerikaner gründeten Hagerstown und Frederick in Maryland, Mecklenburg County in North
Carolina, New Braunfels in meinem Heimatstaat Texas, Frankfort in Kentucky, Berlin in Wisconsin, Anaheim in Kalifornien. Sie leisteten darüber hinaus einen
Beitrag zum Bau großer Städte der Vereinigten Staaten: Philadelphia, Cincinnati, St. Louis, Milwaukee.
Und die 60 Millionen Amerikaner, die Söhne und
Töchter dieser deutschen Pioniere sind, fühlten sich wie alle Amerikaner- mit beiden deutschen Staaten tief
verbunden. Der eine war eine junge Demokratie im
Herzen Europas, der andere kämpfte um seine Freiheit.
Auch unser Land hat einmal Unterdrückung erdulden
müssen. Wir erinnern uns an John Peter Zenger,
einen jungen deutsch-amerikanischen Zeitungsredakteur, der es schon im Jahr 1734 wagte, die Staatsmacht herauszufordern. Es war derselbe deutsche
Einwanderer, der Amerika dazu verhalf, unsere am
meisten geschätzte Tradition zu verankern - die Redefreiheit.
Deshalb, Herr Botschafter Ruhfus, teilte das amerikanische Volk Ihren Widerstandsgeist, als die Bevölkerung der DDR für ihre abweichenden Meinungen bestraft wurde. Und als Deutsche erschossen wurden,
weil sie versuchten, in die Freiheit zu fliehen, teilten wir
Ihren Abscheu. Als die politisch Verantwortlichen in
der Bundesrepublik es wagten, auf ein in Freiheit
vereintes Deutschland zu hoffen, teilten wir Ihren
Traum.

Seite 1

�Wir sind heute hier zusammengekommen, um zu
bekräftigen, daß Träume bisweilen wirklich wahr werden. Deutschland ist vereinigt, Deutschland ist frei.
Dieser Tag entspricht voll und ganz den Gedanken
Konrad Adenauers, der einmal erklärte, daß die Lösung für ein geteiltes Deutschland nur mit Hilfe seiner
Freunde möglich sei. Adenauers Vision von der Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten
Staaten, zwischen Deutschland und den freien Völkern der Welt ist nach Jahrzehnten jetzt Wirklichkeit
geworden. Dieser Moment ist gekommen, weil die
Amerikaner der Bevölkerung Berlins zur Seite standen
- von den todesmutigen Piloten der Luftbrücke bis zu
einem jungen Präsidenten, der im Angesicht der Mauer
eine kühne Erklärung abgab.
Dieser Moment ist auch aufgrund der Entschlossenheit bundesrepublikanischer Politiker eingetreten,
Deutschland ungeteilt und frei zu machen. Nicht nur
Adenauer, sondern auch Ernst Reuter, Ludwig Erhard,
Willy Brandt, Helmut Schmidt und natürlich der heutige
Bundeskanzler Helmut Kohl setzten sich dafür ein.
Und dieser Tag ist gekommen, weil das deutsche Volk
im Jahr 1989 für die Freiheit standgehalten hat.
Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, Ihren Landsleuten beim Aufbau der Fundamente der Freiheit geholfen
zu haben. Stolz, bei Ihren Bestrebungen ein beständiger Partner gewesen zu sein. Die Vereinigten Staaten sind darüber hinaus stolz, sich heute und für alle
Zeit zu den Freunden und Verbündeten eines freien
Deutschlands zu zählen.
Dies war ein Jahr des Wandels für die Vereinigten
Staaten, für ein vereinigtes Deutschland und für das

laments, entfernt stand die Berliner Mauer. Jahrelang
träumten freie Menschen in der ganzen Welt von dem
Tag, an dem die Berliner Mauer nicht mehr existieren
würde. An dem eine Welt ohne die Mauer ein Deutschland bedeuten würde, das erneut ungeteilt ist. Und an
dem ein vereinigtes und souveränes Deutschland seinen
uneingeschränkten Beitrag als Kraft für Frieden und
Stabilität in die Weltpolitik einbringen würde.
Heute liegt die Mauer in Trümmern, und unsere Augen
blicken auf eine neue Welt der Hoffnung. Die letzten
Relikte der Mauer bleiben als trauriges Monument aus
Beton und Stacheldraht im Herzen des freien Berlins
stehen, zum Beweis, daß keine noch so starke Mauer
den menschlichen Geist ersticken kann. Daß keine
Mauer jemals die Seele eines Volkes zerstören kann.
Und dies ist meine Botschaft an das deutsche Volk,
und das entspricht auch dem tief empfundenen Gefühl
der amerikanischen Bevölkerung.
Bevor ich nun dieses Dokument unterzeichne, mit dem
dieser ganz besondere Deutsch-Amerikanische Tag
proklamiert wird, möchte ich noch etwas hinzufügen.
Am vergangenen Sonntag nahm ich am Weltkindergipfel der Vereinten Nationen teil. Über 70 Staats- und
Regierungschefs waren dort anwesend. Wir sprachen
über viele äußerst wichtige Probleme: Gesundheitswesen, Bildung und zahlreiche andere. Was uns aber
besonders berührte, war die Tatsache, daß wir die
Zukunft unserer Nationen in die Hände einer anderen
Generation legen müssen. Und wenn ich die heute
hier versammelten Kinder betrachte, so glaube ich die
Zukunft des neuen Deutschlands sehen zu können.
Eine Zukunft der Freiheit und Führung, des guten
Willens und der Größe.

Atlantische Bündnis, dem wir beide angehören. Ich bin

sicher, daß unsere beiden Nationen die Herausforderungen der Zukunft ebenso wie bisher als Partner in
der Führung bewältigen werden. Dieser für Deutschland so bedeutungsvolle Tag stellt auch eine Motivation für die Welt dar. Nur wenige Meter von den
Mauern des Reichstages, des ersten deutschen Par-

Ich wünsche dem Volk dieses vereinigten Deutschlands noch einmal von Herzen alles Gute. Ich kann
wirklich darauf vertrauen, für alle Amerikaner zu sprechen. Vielen Dank, daß Sie heute hierher gekommen
sind.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 40

�DEUTSCH-AMERIKANISCHER

TAG
10. Oktober 1990

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM
DEUTSCH AMERIKANISCHEN TAG 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten zum "DeutschAmerikanischen Tag" am 6. Oktober 1990 im Wortlaut.

Am 6. Oktober 1683 gingen in der Nähe von Philadelphia die ersten deutschen Einwanderer an Land. Diese
kleine Gruppe von Männern, Frauen und Kindern war
auf der Suche nach freier Religionsausübung und
einer vielversprechenderen Zukunft in der Neuen Welt
über den unendlichen, tückischen Atlantik gesegelt.
Weitere sieben Millionen Deutsche folgten ihnen. Diese
mutigen und fleißigen Menschen und ihre Nachfahren
haben maßgeblich dazu beigetragen, die Geschichte
der Vereinigten Staaten zu schreiben.

Die Wiederherstellung der deutschen Einheit gibt auch
anderen, insbesondere den baltischen Völkern, zu
Hoffnungen Anlaß, daß ein friedlicher aber entschlossener Kampf um nationale Selbstbestimmung sogar
scheinbar unüberwindbare Hindernisse aus dem Weg
räumen kann. Die Vereinigten Staaten halten an ihrer
Politik der Nichtanerkennung der Annexion der baltischen Staaten ebenso unerschütterlich fest wie an
ihrer Unterstützung der deutschen Einheit selbst in den
dunkelsten Stunden des kalten Kriegs.

Das reiche Vermächtnis, das wir jedes Jahr am
Amerikanischen Tag würdigen, besteht nicht nur aus
kulturellen, familiären und historischen Banden, sondern gründet sich auch auf gemeinsame Werte und gemeinsames Streben. Seit General Friedrich von Steuben an vorderster Front beim Kampf dieser Nation um
Freiheit und Unabhängigkeit stand, haben die deutschen Einwanderer und ihre Angehörigen - durch
Worte, Taten und Opfer - Tag für Tag ihre ungeteilte
Verpflichtung zu demokratischen Idealen unter Beweis gestellt.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stand das
amerikanische Volk bei der Bewahrung unserer Freiheit und der Förderung unserer gemeinsamen Interessen Seite an Seite mit den Bürgern der Bundesrepublik
Deutschland. Der Geist der Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland findet in
einem breiten Spektrum von Austauschprogrammen
und anderen über die Jahre hinweg geknüpften Kontakten seinen Niederschlag.

Der Deutsch-Amerikanische Tag 1990 sucht in der
Geschichte seinesgleichen, denn in diesem Jahr geht
die Gedenkfeier mit der Verwirklichung eines Ziels
einher, das Amerikaner und Deutsche seit langem gemeinsam hatten: ein vereinigtes, demokratisches und
souveränes Deutschland. Im vergangenen Jahr hat
das deutsche Volk die künstlichen Schranken niedergerissen, die sein Land schon zu lange auf grausame
Weise teilten. Die Berliner Mauer, die einstmals als
düsteres und sogar todbringendes Symbol der Teilung
stand, liegt jetzt in Trümmern - ein angemessenes
Mahnmal des diskreditierten Regimes, das ihren Bau
vor29 Jahren befahl. Heute befindet sich Deutschland
im Frieden mit seinen Nachbarn und - an diesem Tag
der deutschen Einheit - im Frieden mit sich selbst.

AMERIKA DIENST 40

Von diesem Tag an wird ein neues, vereintes Deutschland unser Partner bei der Führung sein. Wir Amerikaner - und vor allem die Amerikaner deutscher Abstammung - sind stolz auf die Rolle, die wir bei der Unterstützung der deutschen Einheit gespielt haben. Wir teilen
die Freude des deutschen Volkes an diesem Tag und
feiern die jahrhundertealten Beziehungen zwischen
Deutschen und Amerikanern.
Mit der gemeinsamen Entschließung 469 hat der
Kongreß den 6. Oktober 1990 zum "Deutsch-Amerikanischen Tag" erklärt und den Präsidenten ermächtigt
und ersucht, zur Würdigung dieses Tages eine Proklamation zu erlassen.
Aufgrund dessen erkläre ich, George Bush, Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den

Seite 1

�6.Oktober 1990 zum Deutsch-Amerikanischen Tag. Unterzeichnet am 3. Tag des Oktober, im Jahr des
Ich bitte die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, Herrn 1990 und im 215. Jahr der Unabhängigkeit der
diesen Tag mit angemessenen Feiern und Veranstal- Vereinigten Staaten von Amerika,
tungen zu begehen.
(Unterzeichnet) George Bush

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 40

�KSE
10. Oktober 1990

BAKER: KSE WIRD NEUE EUROPÄISCHE
ORDNUNG BESCHLEUNIGEN
Pressekonferenz des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge wird die Durchführung eines Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) "die Errichtung einer neuen, stabileren und rechtmäßigen europäischen Ordnung
im politischen und militärischen Bereich" beschleunigen.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus am 4. Oktober 1990 erklärte Baker ferner, KSE "wird der erste
Vertrag über konventionelle Rüstungskontrolle unter Einbeziehung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
in der Nachkriegszeit sein. ... Im Rahmen des Vertrags werden die Sowjets Zehntausende von Waffensystemen
zerstören, und er wird durch Bestimmungen über genaueste Überwachung und Inspektionen die Sicherheit in
Europa erhöhen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Außenministers im Wortlaut.

Zunächst möchte ich Ihnen vier der aus meiner Sicht
wichtigsten Auswirkungen des KSE-Vertrags nennen,
auf den wir uns jetzt grundsätzlich geeinigt haben. Wie
der Präsident gerade ausgeführt hat, können wir erstens die politischen Revolutionen des vergangenen
Herbstes in Mittel- und Osteuropa jetzt durch eine
militärische Revolution ergänzen. Die Errichtung einer
neuen, stabileren und rechtmäßigen europäischen
Ordnung im politischen und militärischen Bereich wird
durch die Durchführung dieses Vertrags beschleunigt.
Zweitens wird KSE der erste Vertrag über konventionelle Rüstungskontrolle unter Einbeziehung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in der Nachkriegszeit sein. Die bisherigen Bestrebungen, die eine
Stabilisierung des europäischen militärischen Gleichgewichts zum Ziel hatten, zogen sich über 17 Jahre
hin.
Drittens werden die Sowjets im Rahmen des Vertrags
Zehntausende von Waffensystemen zerstören müssen. Auf diese Weise wird ein sichereres und stabileres militärisches Gleichgewicht in Europa festgeschrieben.
Selbst wenn die Zukunft unsicherere Zeiten brächte,
würden viertens die im Vertrag enthaltenen Bestimmungen über genaueste Überwachung und InspektioAMERIKA DIENST 40

nen die Sicherheit in Europa erhöhen. Wo bisher
Tausende von sowjetischen Panzern für eine Offensive stationiert waren, werden jetzt Hunderte von Inspektoren stehen, und damit werden Stabilität und
eine Vorwarnzeit gewährleistet, falls sich die politischen Gegebenheiten ändern sollten.
Gestern konnten wir Ihnen bedauerlicherweise noch
keine Einzelheiten des Vorschlags nennen, da wir
noch keine Gelegenheit zu Konsultationen mit den
Verbündeten hatten. Diese Konsultationen haben
jetzt stattgefunden. Ich möchte Ihnen daher die wichtigsten Bestandteile des Vertrags erläutern.
Erstens legt er Obergrenzen für jedes Bündnis fest also für die NATO und den Warschauer Pakt. Bei
Panzern beträgt die Obergrenze 20 000, bei Artillerie
20 000, bei gepanzerten Kampffahrzeugen 30 000,
bei Hubschraubern 2 000. Wie ich bereits gestern
erwähnte, haben wir uns bei Kampfflugzeugen noch
nicht auf eine Obergrenze einigen können, da in dieser
Frage noch Gespräche mit den Verbündeten auf beiden Seiten geführt werden müssen.
Im Rahmen dieser Obergrenzen kann jedes Land des
jeweiligen Bündnisses folgende Bestände unterhalten: 13 300 Panzer, 13 700 Artilleriegeschütze, 20 000
gepanzerte Kampffahrzeuge, 1 500 Hubschrauber und
Seite 1

�5 150 Kampfflugzeuge. Bei dieser Zahl hatten wir die
größten Schwierigkeiten, uns zu einigen, und sie erforderte die meiste Zeit.
Sie können sich die Prozentsätze selbst ausrechnen.
Ich kann sie ganz kurz erwähnen, wenn Sie möchten,
denn das meinen wir, wenn wir vom "vernünftigen und
ausreichenden Niveau" sprechen. Der Prozentsatz
für Panzer beträgt 33,3 Prozent, für Artillerie 34,3, für
gepanzerte Kampffahrzeuge 33,3 und für Hubschrauber 37,5 Prozent. Für Bodengerät liegt der Prozentsatz bei 33,6 Prozent.
Frage: Diese Zahlen, das ist eher wie ...
Antwort: Ja, ich weiß, was Sie meinen. Aber die
Prozentsätze beziehen sich auf die Gesamtzahl beider
Büdnisse. Und wenn Sie es aus dieser Sicht betrachten, werden Sie feststellen, daß sie ganz genau zutreffen.
Frage: Sie haben erklärt, die sowjetischen Panzer
würden verschrottet, aber Sie haben nicht erwähnt,
was mit unserem überschüssigen Gerät geschieht.
Antwort: Wir werden nicht sehr viel beseitigen müssen, weil die Sowjets uns im Hinblick auf Zahlen enorm
überlegen sind. Die Sowjetunion wird also sehr viel
größere Verpflichtungen bezüglich der Zerstörung von
Gerät übernehmen müssen als die NATO oder irgendein NATO-Mitgliedstaat einschließlich der Vereinigten
Staaten. Wir werden im Rahmen der NATO 4 000
Panzer zerstören müssen. Der Warschauer Pakt wird
19 000 Panzer verschrotten müssen. Dies trifft auch
auf andere Kategorien zu und sieht in diesen Kategorien für uns sogar noch günstiger aus.
Frage: Wir werden sie verschrotten, und nicht an
irgendjemand weitergeben oder weiterverkaufen?
Antwort: Nein. Der Vertrag legt fest, daß das am Tag
der Vertragsunterzeichnung bestehende Gerät durch
Zerstörung beseitigt werden muß. Außer einigen
Ausnahmen wie bei Mannschaftstransportwagen, die
für zivile Zwecke umgerüstet werden können. Ein
bestimmter Teil dieses Geräts wird zur Umrüstung für
zivile Zwecke freigegeben.
Frage; Werden Sie ohne ein paktweites Abkommen
über Kampfflugzeuge nach Paris reisen? Und wann
erwarten Sie die Einigung auf ein solches Abkommen.
Antwort: Nein. Wir gehen davon aus, daß der
Abschluß eines solchen Abkommens nicht sehr lange
dauern wird. Aber offen gesagt - den Sowjets war sehr
daran gelegen, sich nicht auf eine endgültige Zahl
bezüglich des Niveaus des Warschauer Pakts zu
einigen, bevor sie nicht Gelegenheit hatten, sich intensiv mit den Warschauer-Pakt-Staaten zu beraten.
Frage: Was bedeutet das Abkommen im Hinblick auf
Truppenreduzierungen?

Seite 2

Antwort: Dieses Abkommen bezieht Truppenstärken
nicht ein. Es ist möglich und in der Tat sogar wahrscheinlich, daß wir Truppenstärken in den Folgeverhandlungen im Anschluß an dieses Abkommen über
konventionelle Rüstungen behandeln werden.
Frage: Was geschieht mit der Verlegung oder dem
Abzug sowjetischer Panzer, Artillerie und gepanzerter
Kampffahrzeuge vor der tatsächlichen Durchführung
des Vertrags? Sie verlegen Tausende dieser Waffensysteme aus den zu bestimmenden Zonen zurück in
ihr Land.
Antwort: Wir haben diese Angelegenheit mit ihnen
erörtert - und es handelt sich hierbei um die Verlegung
von durch den Vertrag abgedecktem Gerät, bevor der
Vertrag in Kraft tritt oder vor seiner Durchführung. Wir
haben um Aufstellungen gebeten, wie sie mit ihrem
Gerät verfahren werden und diese auch erhalten. Das
gleiche trifft auch auf uns zu. Wir werden einiges Gerät
an unsere NATO-Verbündeten weitergeben. Und wir
sagen den Sowjets, was wir tun, ebenso wie sie uns
sagen, was sie tun. Dies führt zu einem weiteren
wesentlichen Aspekt - einem Abkommen, auf das man
sich im Grundsatz einigt. Der Zeitplan, im Rahmen
dessen solche Verhandlungen fortgeführt werden
können, ist sehr kurz.
Frage: Ich möchte eine Frage zum Persischen Golf
stellen. Kennen Sie den Inhalt der Botschaft, die
Präsident Gorbatschows Emissär in Bagdad überbringen soll? Glauben Sie, daß die Chancen für eine
diplomatische Lösung besser oder schlechter werden?
Antwort: Ich möchte die Begriffe besser oder schlechter hier nicht verwenden. Meines Erachtens würde
nahezu jeder eine diplomatische, friedliche und politische Lösung vorziehen, und es gibt Bemühungen in
diese Richtung. Wir verbringen bei den Vereinten
Nationen eine Menge Zeit damit, über andere Dinge zu
sprechen, die im Rahmen dieses Mechanismus' getan
werden könnten.
Was die Botschaft von Herrn Primakow angeht, so
kann ich darüber nicht mehr sagen als das, was Herr
Schewardnadse gestern erklärt hat, als er meinte, sie
seien über ihre Staatsbürger dort besorgt, und das war
alles, was er dazu sagte.
Frage: Können Sie uns mitteilen, ob Präsident Mitterrand in seinem Schreiben an Präsident Bush seinen
Friedensplan erläutert hat? Und falls ja, können Sie
uns etwas über den Inhalt seiner Vorschläge sagen?
Antwort: Meines Erachtens gehen die Franzosen
davon aus, daß sich unsere Positionen decken, daß
keine Meinungsverschiedenheiten in bezug auf das
weitere Vorgehen bestehen, und das weitere Vorgehen beinhaltet die uneingeschränkte Verwirklichung
der Sanktionen des UN-Sicherheitsrats. Dies wurde

AMERIKA DIENST 40

�mir vom französischen Außenminister erklärt, und ich
vertraue darauf, daß dies der Ansicht der Franzosen
entspricht.
Frage: Bei der Erläuterung des KSE-Vertrags erwähnten Sie, einer seiner Werte bestehe darin, daß er
einen Schutz gegen negative politische Veränderungen in der Sowjetunion biete, also mehr Vorwarnzeit
und so weiter. Tag für Tag hört man Gerüchte, daß es
innerhalb der Sowjetunion Gruppen gibt, etwa das
Militär oder andere, die nach Wegen suchen, solch
negative Veränderungen mit einem Putsch oder etwas
ähnlichem herbeizuführen. Können Sie uns sagen, ob
Sie davon ausgehen, daß es solche Vorgänge wirklich
gibt? Machen Sie sich gegenwärtig über die politische
Stabilität in der Sowjetunion Sorgen?
Antwort: Nun, das entspricht nicht der Geschichte der
Sowjetunion. Und gegenwärtig haben wir keine Sorgen in dieser Hinsicht. Wir sind seit einiger Zeit besorgt
über die Stabilität in der Sowjetunion und haben dies
auch öffentlich erklärt. Wir haben die Haltung vertreten, daß Stabilität in der Sowjetunion sehr in unserem
Interesse und im Interesse der Welt liegt und daß
demgegenüber Instabilität überhaupt nicht unserem
und dem Interesse der übrigen Welt entspricht. Wir
würden es also vorziehen, wenn die recht erheblichen
und tiefgreifenden politischen und ökonomischen
Reformen in der Sowjetunion stabil ablaufen würden.
Frage: Aber gegenwärtig bestehen keine Sorgen in
bezug auf diese Frage der Instabilität?
Antwort: Sorgen wäre hier das falsche Wort. Wir
haben sensibel auf die Tatsache reagiert, daß es sich
hier um dramatische Veränderungen handelt. Wir
haben schon vor langer Zeit unsere Hoffnung und
unseren Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß sie
friedlich und stabil ablaufen. Sicherlich gibt es beträchtliche Probleme. Dabei denke ich vornehmlich an
Wirtschaftsprobleme. Ich habe aber gerade erklärt,
daß wir dabei gegenwärtig keine besondere Rolle für
das Militär sehen.
Frage: Wird die heutige Entscheidung des Kongresses über den Haushaltskompromiß Auswirkungen auf
die Außenpolitik haben? Ich beziehe mich hier nicht
auf Zwangskürzungen, sondern vielmehr auf die Tatsache, daß in einer Zeit, in der Sie diplomatisch
erfolgreich an der Neugestaltung der amerikanischen
Rolle im Zeitalter nach dem kalten Krieg arbeiten, es
gleichzeitig so aussieht, als ob die Vereinigten Staaten
ihre Wirtschaft nicht in Ordnung bringen können, insbesondere, wenn dieses Haushaltspaket scheitern
sollte. Ich denke, Sie wissen, was ich sagen will.
Antwort: Meines Erachtens ist es sehr wichtig, daß
dieses Haushaltsabkommen verabschiedet und diese
Vereinbarung gesetzlich verankert werden. Dies war
meine Meinung im Jahr 1987, als wir ein Haushaltsabkommen hatten. Es war nicht die einfachste Sache der
Welt, es zu verabschieden, und auch bei dem vorlieAMERIKA DIENST 40

genden Abkommen wird es nicht leicht sein, aber in
Anbetracht der allgemeinen internationalen Wirtschaftslage ist es wichtig. Sicherlich gibt es dabei auch eine
außenpolitische Dimension.
Frage: Sie werden morgen einige der Probleme bei
START in Angriff nehmen. Können Sie uns erklären,
warum die START-Gespräche mit Schewardnadse
den KSE-Gesprächen hinterherzuhinken scheinen?
Antwort: Das einzige Problem, zu dem wir gestern
nach Abschluß der KSE-Gespräche noch gekommen
sind, war die Nichtumgehung von START. Wir haben
Gespräche darüber aufgenommen. Dies ist eine Nuß,
die wir noch knacken müssen. START hinkt hinterher,
wie Sie es nennen, weil diese Fragen viel Zeit in
Anspruch nehmen, und wir scheinen in Zeitnot zu
geraten. Wir haben bewußt KSE zuerst behandelt - als
ich in New York war, habe ich mich dort dreimal mit
Außenminister Schewardnadse getroffen. Bei KSE ist
der Termindruck wesentlich stärker. Wir haben uns
also darauf konzentriert und werden uns morgen mit

START beschäftigen.
Frage: Sind Sie der Meinung, daß Sie jetzt die
Unterstützung der Vereinten Nationen für eine militärische Option am Golf besitzen? Haben Sie bereits eine
Resolution entworfen, die...
Antwort: Wie ich bereits andeutete, haben wir darüber nach Abschluß der KSZE-Konferenz gesprochen.
Es wäre unklug, wenn wir nicht alle Optionen erwägen
würden. Wir tun dies also. Wir untersuchen, welche
Optionen in unseren Gesprächen mit anderen Staaten
erörtert werden könnten. Und ich gehe davon aus, daß
es heute mehr Unterstützung für eine Aktion dieser Art
geben könnte als etwa bei UN-Treffen vor einer Woche
oder 10 Tagen. Eine Reihe von Ländern haben ihr
Interesse bekundet, zumindest zu prüfen, was dies
beinhalten würde, wie man es machen sollte und so
weiter. Das ist der Stand der Dinge.
Frage: Glauben Sie, daß wir heute einer diplomatischen Lösung näher sind, und ist dies der Grund für
Präsident Mitterrands...
Antwort: Das führt wiederum auf die vorige Frage
zurück. Meines Erachtens kann man diese Dinge nicht
in Stunden oder Tagen messen. Ob man einer friedlichen politischen Beilegung näher ist oder ob man
einer Lösung näher ist, bei der Gewalt angewendet
würde. Meines Erachtens neigen wir zu sehr dazu,
jeden Tag nach Signalen Ausschau zu halten. Wir
können die andere Option nicht ausschließen. Aber
wir und die meisten anderen Länder haben klargemacht, daß wir eine friedliche diplomatische und politische Lösung bei weitem vorziehen würden.
Frage: Ist dies in Mitterrands Schreiben enthalten?
Drängt er den Präsidenten, in die Richtung zu gehen,
die er vorgeschlagen hat, obwohl er die Sanktionen
befürwortet?
Seite 3

�Antwort: Ich möchte den Inhalt eines bestimmten friedlichen oder politischen Losung. Ich glaube jedoch
Briefs nicht im einzelnen kommentieren. Die Äu ßerun- nicht, da ß die Franzosen einen anderen Ansatz kategen Präsident Mitterrands vor den Vereinten Nationen gorisch und unwiderruflich ausgeschlossen haben,
beziehen sich auf Möglichkeiten einer diplomatischen,

* * * * *

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AMERIKA PIENST 40

�US-AUSSENPOLITIK
10. Oktober 1990

NEUE AKZENTE IN DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Rede des Gesandten George F. Ward
HAMBURG - (AD) - Dem Gesandten bei der amerikanischen Botschaft in Bonn, George F. Ward, zufolge haben
die revolutionären Ereignisse der jüngsten Vergangenheit "die Überarbeitung der weltpolitischen Tagesordnung
noch dringlicher gemacht. Wir können nicht länger in völlig überholten Kategorien denken."
In einer Rede in Haus Rissen in Hamburg betonte Ward am 8. Oktober 1990, dabei gebe es für die Vereinigten
Staaten "keinen wichtigeren Partner als die Bundesrepublik Deutschland. Seit 1949 sind unsere beiden Länder
durch gemeinsame Interessen, gemeinsame Werte und gemeinsame Ziele verbunden..." Die Vereinigten
Staaten seien zuversichtlich, daß das vereinigte Deutschland seine "neugewonnene Macht" zur Stabilisierung
Europas einsetzen werde.
Die Rede des Gesandten in Haus Rissen hat folgenden Wortlaut:

*

Vor fast genau einem Jahr hatte ich bereits das Privileg, vor dieser Gruppe zu sprechen. Damals erschienen die Gezeiten des Wandels als unwiderstehlich. In
ihrem Sog waren viele der vertrauten Gefahren entweder verschwunden oder traten in veränderter Form
zutage, während andernorts neue Probleme auftauchten. Angesichts dieses Umbruchs in der Weltpolitik
hatte Haus Rissen seiner Jahreskonferenz einen provokativen Titel gegeben: "Herausforderungen der
Weltinnenpolitik." Meine eigene Rede bei jener Tagung war überschrieben: "Neue Herausforderungen
für die amerikanische Außenpolitik [am Ende des
Zwanzigsten Jahrhunderts]." Sicherlich verspürten
wir alle die Notwendigkeit, uns Gedanken über die
Zukunft zu machen und die Tagesordnung der Weltpolitik zu überprüfen.
Und doch übertrafen die Ereignisse der Wochen danach alle Erwartungen. Um Vaclav Havel zu zitieren:
"die Geschichte beschleunigte sich". Wir wurden nicht
nur Zeuge des Zusammenbruchs von Regimen, sondern der rapiden Erosion einer ganzen Ordnung, von
Moskau bis nach Managua. Selten in der Geschichte
haben Frieden und Demokratie in so kurzer Zeit solch
große Fortschritte erzielt. Was Deutschland anbelangt, so trugen diese Veränderungen zur Erfüllung
eines Traumes bei: das schönste Bild unseres Zeitalters ist vielleicht das des jungen Mannes, der seine

AMERIKA DIENST 40

Freiheit feiert, indem er Betonbrocken aus der Berliner
Mauer schlägt.
Solch revolutionäre Ereignisse haben die Überarbeitung der weltpolitischen Tagesordnung noch dringlicher gemacht. Wir können nicht länger in völlig überholten Kategorien denken. Heute sind wir gezwungen
Probleme zu lösen, die es gestern noch gar nicht gab.
Wer hätte sich vor einem Jahr träumen lassen, daß im
Jahr 1990 Diplomaten über den Abzug der sowjetischen Truppen aus einem vereinigten Deutschland
verhandeln würden?
Doch selbst heute sind dem Wandel Grenzen gesetzt.
Ein amerikanischer Senator kleidete diese Tatsache in
die Formulierung, Saddam Hussein habe uns aufgeweckt. Seine Handlungsweise führt uns vor Augen,
daß Macht und die Bereitschaft, sie zu benutzen,
weiterhin wichtige Faktoren in der Weltpolitik sind. Das
gilt auch für Europa. Sicherlich, der kalte Krieg zwischen zwei ideologisch konträren Blöcken ist vorbei.
Doch die Sowjetunion ist nach wie vor eine gewaltige
und unberechenbare geopolitische Macht an der
Schwelle Europas. Osteuropa setzt sich mit uralten
inneren Streitigkeiten auseinander.
Bitte mißverstehen Sie mich nicht. Die amerikanische
Außenpolitik blickt mit Optimismus in die Zukunft.
Präsident Bush selbst hat erklärt, daß wir die NachSeite 1

�kriegszeit hinter uns lassen und über die Politik des
Containment hinausgehen. Wir verwechseln jedoch
nicht Wunsch und Wirklichkeit. Vergangenes Jahr
habe ich die These meines Kollegen Francis Fukuyama in Frage gestellt, der Sieg des demokratischen
Kapitalismus über den Marxismus bedeute das Ende
der Geschichte. Er bedeutet lediglich das Ende eines
Kapitels der Geschichte, und obwohl ich nicht behaupten kann zu wissen, was das nächste Kapitel bringen
wird, ziehen sich Konflikte wie ein roter Faden durch
die Geschichte der Menschheit. Ihr Wiederaufflammen sollte also niemanden verwundern. Aus diesem
Grund dürfen wir keine Strukturen aufgeben, die sich
bewährt haben.
Es gibt für uns keinen wichtigeren Partner als die
Bundesrepublik Deutschland. Seit 1949 sind unsere
beiden Lander durch gemeinsame Interessen, gemeinsame Werte und gemeinsame Ziele verbunden einschließlich der gemeinsamen Verpflichtung, die
Teilung des Kontinents zu überwinden. Zyniker haben
oftmals behauptet, der Westen unterstütze die Vereinigung Deutschlands nur so lange sie unmöglich sei.
Die amerikanische Politik der vergangenen zwölf Monate
beweist das Gegenteil. Für uns ist der deutsche
Wunsch nach Einheit etwas natürliches, und unser
Vertrauen in dieses Land hat niemals gewankt. Es
wurde in der Tat noch stärker, nachdem wir die bisher
unbekannten Deutschen - aus dem Osten - besser
kennenlernten und entdeckten, daß ihre Sehnsucht
nach Freiheit und persönlicher Erfüllung den amerikanischen Traum verkörperten.
Natürlich kann niemand die geopolitische Dimension
der deutschen Einheit in Abrede stellen. Seit letzter
Woche ist das politische Gewicht Deutschlands größer
geworden. Wir sind zuversichtlich, daß diese neugewonnene Macht zur Stabilisierung Europas beitragen
wird. Wir sind ebenso sicher, daß ein vereinigtes
Deutschland weiterhin die Logik von Macht und Politik
anerkennt. Wie Konrad Adenauer häufig erklärte,
kann eine Nation von der Größe Deutschlands in der
Mitte Europas nicht die passive Rolle einnehmen, die
von kleineren oder peripheren Staaten gespielt wird.
Für ein Land von der Bedeutung Deutschlands ist
selbst eine Entscheidung, nicht zu handeln, eine
Handlung mit Folgen. Aus diesem Grund fühlen sich
die Vereinigten Staaten durch die herausragende Rolle
Deutschlands in europäischen Fragen und sein zunehmendes Engagement in der Weltpolitik bestärkt. Eine
solche Tatkraft bildet die Grundlage für unsere Partnerschaft bei der Führung.
Ich möchte nun im einzelnen auf die Herausforderungen eingehen, mit denen unsere beiden Länder konfrontiert sind. Ich werde die europäische Sicherheit,
Sicherheitsfragen außerhalb Europas und andere
Angelegenheiten erörtern, die über das Thema Sicherheit hinausgehen. In jedem Bereich werde ich neue
Akzente in der amerikanischen Außenpolitik und die

Seite 2

Rolle der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit
betonen.
Europa bleibt zentraler Schwerpunkt der amerikanischen Außenpolitik. Auch wenn der Blick der Vereinigten Staaten auf den Golf gerichtet ist, heißt das nicht,
daß die politisch Verantwortlichen dort Europa übersehen. Im Gegenteil: unsere intensiven Bemühungen im
Nahen Osten leiten sich in nicht geringem Maß aus
unserem Engagement in Europa ab. Würde man
Saddam Hussein erlauben, Preis und Angebot des Öls
zu diktieren, wäre dies für Westeuropa teuer und für
Osteuropa katastrophal. InderinterdependentenWelt
von heute ist Stabilität unteilbar: die Interessen keiner
Region lassen sich von Ereignissen andernorts abschotten.
Die amerikanische Politik bleibt also eurozentrisch. In
Washington wird keine wichtige Entscheidung gefällt,
ohne die Auswirkungen auf diese Region zu berücksichtigen, die immer noch für die Sicherheit der Vereinigten Staaten am wichtigsten ist. Trotz des drastischen Rückgangs der Spannungen zwischen Ost und
West ist das amerikanische Engagement in Europa für
jegliche Hoffnung auf dauerhafte Stabilität von entscheidender Bedeutung.
Sicherlich ist die sicherheitspolitische Bedrohung in
ihrer klassischen Form verschwunden. Mit dem Vollzug der deutschen Einheit sind die Chancen für einen
dauerhaften Frieden drastisch gestiegen. Wenn den
Reformen in der Sowjetunion und Osteuropa Erfolg
beschieden ist, wird dies einen weiteren gewaltigen
historischen Schritt nach vorn markieren.
Das "wenn" ist jedoch das entscheidende Wort. Da
sich die sowjetische Wirtschaft in desolatem Zustand
befindet, ist der Erfolg der Perestrojka bei weitem nicht
gesichert. Jeder Ruf nach Reformen stößt auf einen
Chor von Kritikern: einigen gehen die Veränderungen
zu schnell, anderen zu langsam. Jeder Versuch des
Kreml, dem Föderalismus wirkliche Bedeutung zu
verleihen, führt zu neuen Forderungen nach Selbstbestimmung einzelner Nationalitäten. Zahlreiche Elemente der sowjetischen Gesellschaft, auf der Rechten
wie auf der Linken, sind über den Zusammenbruch der
russischen Macht aufgebracht; sie könnten handeln.
Gorbatschow selbst hat bereits von Notstandsgesetzen gesprochen.
Selbst wenn die Wirtschaftsreformen greifen und das
sowjetische Reich Bestand hat, ist es denkbar, daß
Anhänger des alten Denkens das Experiment torpedieren könnten, um der UdSSR in der Weltpolitik
erneut eine eher traditionelle, interventionistische Rolle
zu verschaffen.
Niemand erwartet die Wiederbelebung des Stalinismus. Das schiere Machtpotential der Sowjetunion ist
jedoch eine zentrale Tatsache der Geopolitik. Obwohl
wir die drastische Reduzierung der Streitkräfteniveaus

AMERIKA DIENST 40

�und der Vorwarnzeit begrüßen, stellt die sowjetische
Macht, wenn sie in die falschen Hände gerät, weiterhin
eine Gefahr für ihre Nachbarn und eine Quelle der
Instabilität für den gesamten Kontinent dar.
Dies gilt noch mehr, wenn die Reformen in Osteuropa
scheitern. Die amerikanische Politik engagiert sich
moralisch und materiell für ihren Erfolg. Aber die
Einführung von Demokratie und freier Marktwirtschaft
praktisch über Nacht ist ein beispielloses Experiment.
Bei vielen wird vielleicht die Realität nicht den Erwartungen gerecht, andere könnten bei diesem Prozeß zu
Verlierern werden, und ein ungleichmäßiges Reformtempo könnte innere Unruhen auslösen. Spannungen
zwischen den osteuropäischen Staaten, einschließlich
der Sowjetunion, sind nicht auszuschließen: die Landkarte ist in dieser Region unglücklich gestaltet worden,
und die Reformen führen bereits zum Wiederaufleben
alter Animositäten.
Selbstverständlich hoffen wir auf den Erfolg der Reformen. Eine kluge Politik muß jedoch Hoffnung als Ziel
und nicht als Tatsache betrachten. Darüber hinaus
sind diese Szenarien zwar keine Entschuldigung für
das Festhalten an überholten Konzepten, aber sie
erinnern uns daran, daß Stabilität Europa nicht in die
Wiege gelegt wurde. Sie ist die Folge eines Gleichgewichts, und seit 1949 ist die amerikanische Präsenz
ein entscheidender Faktor dieser Balance. Die europäische und die amerikanische Sicherheit haben gleichermaßen davon profitiert.
Es gibt sogar einen noch zwingenderen Grund, warum
die Vereinigten Staaten eine Macht in Europa bleiben
müssen und werden: sie sind per definitionem eine
europäische Macht. Die Vereinigten Staaten sind
durch ein gemeinsames Erbe, gemeinsame Werte und
Ziele mit diesem Kontinent verbunden. Ihre besten
Verbündeten beim Streben nach einer stabilen Weltordnung befinden sich hier. Einem alten Sprichwort
zufolge haben Staaten keine dauerhaften Freunde,
sondern nur dauerhafte Interessen. Die Erfahrung
lehrt uns jedoch auch, daß den vitalen Interessen
jedes Staates durch lange bestehende Freundschaften gut gedient ist.
Seit 1949 verbindet die NATO die Vereinigten Staaten
mit Europa. Es gibt keinen Grund, warum sich dies
ändern sollte. Natürlich entwickelte sich die NATO
während des kalten Krieges als Teil der Bemühungen
zur Eindämmung der sowjetischen Expansion. Aus
gutem Grund wird die Sowjetunion jedoch im Nordatlantikvertrag mit keinem Wort erwähnt. Dieser Vertrag
ist zudem unbefristet. Denn der grundsätzliche Zweck
der NATO ging über die Politik des Containment
hinaus: eine transatlantische Sicherheitspartnerschaft
sollte dem langfristigen Ziel dienen, eine stabile Sicherheitsstruktur in Europa zu gewährleisten. Die
NATO bei Verwirklichung dieses Ziels preiszugeben,
würde nicht mehr Sinn ergeben als die Abschaffung
der EG beim Aufbau des europäischen Binnenmarkts.
AMERIKA DIENST 40

Niemand bestreitet, daß sich die NATO ändern muß.
Wie Außenminister Baker erklärt hat, wird sie neue
politische Aufgaben und einen mehr politischen Schwerpunkt entwickeln. All dies ist jedoch eine Frage der
Betonung, nicht der Substanz: das westliche Bündnis
war stets eine politische Institution, ein Forum der
Koordinierung und des Dialogs von Staaten mit gemeinsamen Interessen. Die sich verändernden Bedingungen von heute bedeuten, daß neue Punkte auf
seiner Tagesordnung erscheinen werden: Verbreitung von Raketen, Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen und regionale Konflikte. Unsere Konsultationen zu Osteuropa und der Golfkrise unterstreichen
den Wert der NATO in dieser Hinsicht.
Die NATO ist jedoch mehr als ein Forum. Sie ist eine
Institution, die handeln kann. Einige behaupten gern,
die Anfangsbuchstaben des Bündnisses in Englisch
stünden für "NoAction;TalkOnly." Wiederum lehrt die
Geschichte, daß solche Zyniker zwar oft clever daherreden, aber selten im Recht sind. Nichts beweist die
Fähigkeit der NATO zum Handeln besser als der
NATO-Doppelbeschluß zu INF, mit dem der sowjetischen Führung vor Augen geführt wurde, daß es für sie
außer Verhandlungen keine Option gab. Dies öffnete
den Weg zu einer echten Annäherung zwischen Ost
und West.
Der politische Einfluß der NATO kann nicht wachsen,
wenn man ihre grundlegende militärische Komponente nicht bewahrt. Natürlich haben wir angesichts der
wachsenden Friedensaussichten damit begonnen,
unsere Truppenstärke zu verringern, Stützpunkte zu
schließen und auf die Modernisierung unserer Nuklearstreitkräfte zu verzichten. Auch die Strategie ist
nicht sakrosankt. Die Londoner Erklärung stellt eindeutig fest, daß Vomeverteidigung und flexible Reaktion der grundlegenden Überarbeitung bedürfen. Darüber
hinaus müssen die Nuklearstreitkräfte der NATO als
Waffen behandelt werden, die nur als allerletztes Mittel
eingesetzt werden.
Bestimmte militärische Elemente lassen sich jedoch
nicht reduzieren. Die US-Militärpräsenz in Europa ist
ein wichtiger Schutz vor Instabilität. Amerikanische
Nuklearwaffen geben der transatlantischen Sicherheit
Gewicht und tragen dazu bei, daß Krieg undenkbar
wird: solche Waffen müssen in der einen oder anderen
Form in Europa stationiert bleiben. Darüber hinaus
gewinnt das Bündnis seinen einzigartigen Einfluß durch
den in der Geschichte einmaligen Grad militärischer
Integration und gemeinsamer Formulierung der Politik
innerhalb der NATO. Die Umstrukturierung von NATOTruppen zu multilateralen Korps könnte diese Merkmale des Bündnisses verbessern.
Natürlich begrüßen wir die im Hinblick auf den langersehnten zweiten Eckfpeiler erzielten Fortschritte. Die
Neubelebung der WEU ist ein wichtiger Schritt in diese
Richtung, und ihre Charta verbindet sie ja mit der
NATO. Darüber hinaus wertet Washington die 1990
Seite 3

�zwischen Bonn und Paris ins Leben gerufene Initiative
für eine EG-Sicherheitsunion als weiteren Schritt in
Richtung auf einen besseren Zusammenhalt des
Westens und nicht als Alleingang.
Die Politik der Vereinigten Staaten berücksichtigt die
wachsende Bedeutung der KSZE. Hierbei handelt es
sich um einen entscheidenden Prozeß, der unterschiedlich gearteten Ländern die Möglichkeit bietet,
bei vielen - auch sicherheitspolitischen - Fragen eine
gemeinsame Basis zu finden und den Ländern Osteuropas das Gefühl vermittelt, in den Sicherheitsdialog
einbezogen zu werden. Artikel 21 und 22 der Londoner
Erklärung beschreiben neue Aufgaben, unter anderem Vertrauensbildung und Konfliktlösung. Die weitere Institutionalisierung der KSZE kann ihre Rolle als
Forum stärken.

Man soll einem alten Spruch zufolge keine offenen
Türen einrennen, und ein Vertreter der amerikanischen Regierung muß die meisten Deutschen - und
vor allem dieses Publikum - kaum auf die Bedeutung
der NATO hinweisen. Er muß sie auch nicht zur
Erhaltung der transatlantischen Bindungen auffordern.
Bundeskanzler Kohl hat unser Bündnis bei unzähligen
Gelegenheiten als unverzichtbar bezeichnet, sich gegen
einen Prozeß der vollständigen Entmilitarisierung
ausgesprochen und vor der Errichtung einer Festung
Europa gewarnt.
Dennoch ist in Europa die Versuchung groß, alle
bestehenden Strukturen als überholt zu betrachten.
Manche möchten die NATO abschaffen, andere möchten
sie als Fassade mit geringer politischer und keiner
militärischen Bedeutung behalten. Auch wenn damit
erneut ein Beispiel aus der Architektur zitiert wird, so
erinnern diese Reformeiferer an Stadtplaner, die solide alte Bauten eilig abreißen, um an ihrer Stelle neue,
aber instabile Gebäude zu errichten.

Die eigentliche Stärke der KSZE - ihr Streben nach
einem Konsens inmitten dieser Vielfalt - bedeutet, daß
nicht immer westliche Sicherheitsinteressen zum Zuge
kommen. Es liegt ein Kömchen Wahrheit in den
scherzhaften Worten des israelischen Staatsmanns
Abba Eban, bei einem Konsens sagten alle gemeinsam etwas, woran kein einzelner glaubt. Länder mit
unterschiedlichen Interessen finden oftmals nur einen
gemeinsamen Nenner, indem sie Differenzen notdürftig übertünchen. Selten werden auf der Basis eines
solch brüchigen Konsenses konkrete Maßnahmen
ergriffen, erst recht nicht im Bereich der Sicherheit.

Die Vereinigten Staaten und das vereinte Deutschland
sind Partner bei der Führung. Jedes künftige Sicherheitsgefüge braucht ihre Beteiligung und ihre Zustimmung. Wir sind zuversichtlich, daß die politische
Führung dieses Landes ihr traditionelles Engagement
für transatlantische Institutionen beibehalten und sich
einer Politik widersetzen wird, die solche Institutionen
ihrer Inhalte berauben würde.

Kurzum: bei der KSZE handelt es sich um ein Forum
für die Suche nach gemeinsamen Interessen, während die NATO ein Bündnis ist, in dem auf der Grundlage bereits bestehender gemeinsamer Interessen
gehandelt wird. Damit ergänzen sich beide Organisationen auf natürliche Weise und leisten somit beide
einen wichtigen Beitrag für die europäische Stabilität
der Zukunft.

Europa ist heute ein Abbild des Erfolgs gemeinsamer
sicherheitspolitischer Bestrebungen. Es lehrt viele
Lektionen für die Politik an anderen Orten. Denn das
Ende des kalten Krieges heißt nicht, daß die Bedrohungen für die Sicherheit verschwinden, es erfordert
und ermöglicht vielmehr neue Methoden zur Entschärfung solcher Bedrohungen. Hierfür liefert die Golfkrise
ein anschauliches Beispiel.

In der europäischen Politik werden oftmals Beispiele
aus der Architektur verwendet. Denken Sie nur an
Metaphern wie den zweiten Eckpfeiler der NATO und
Präsident Gorbatschows gemeinsames Haus. Nur
zögernd würde man noch eine weitere nennen, die
aber ein eindeutiges Bild vermittelt. Angesichts des
herannahenden Jahres 1992 ist viel von der Festung
Europa die Rede, die um den Binnenmarkt errichtet
wird. Ich werde im folgenden noch darauf eingehen,
wie wichtig der Kampf gegen den Protektionismus
schon aus wirtschaftlichen Erwägungen ist. Überdies
würde eine Mauer der Handelshemmnisse, die Amerika von Europa trennt, unweigerlich die transatlantischen Sicherheitsbeziehungen schwächen, denn wenn
in ganz Europa die Mauern fallen, wird die Errichtung
einer neuen Mauer ziemlich sinnlos. Der Schutz vor
einer solchen Mauer ist ein Ziel der institutionalisierten
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der EG und darüber hinaus Gegenstand regelmäßiger, in diesem Jahr aufgenommener Gespräche zwischen dem Rat und der Kommission.

Präsident Bush hat mit der unverzüglichen Entsendung von US-Truppen nach Saudi-Arabien den ersten
und wichtigsten Schritt unternommen, um der irakischen Aggression entgegenzutreten. Diese konkrete
Maßnahme hat jede mögliche Expansion irakischer
Macht über Kuwait hinaus vereitelt und Saddam Hussein ein unmißverständliches Signal gegeben, daß
seine Aggression ins Auge gegangen ist.

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Aber trotz der Tatsache, daß die Vorgehensweise der
Vereinigten Staaten irakischen Ambitionen schnell die
Spitze nahm, konnte und kann sie allein keine Stabilität
in der Golfregion hervorbringen. Die Amerikaner sind
vereint in ihrer Bereitschaft, der irakischen Aggression
entgegenzutreten. Dennoch mißtraut die öffentliche
Meinung einer langanhaltenden, einsamen Wacht auf
fernen Posten. Insbesondere in einer Zeit der Engpässe im Haushalt und einer offensichtlichen relativen
Abschwächung der wirtschaftlichen Stärke der Vereinigten Staaten wäre eine US-Aktion am Golf oder
andernorts in unserem Land schwer zu rechtfertigen.

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�Die Amerikaner wollen vielmehr, daß ihre Anstrengungen Teil einer gemeinsamen Reaktion sind.

i

^

Darüber hinaus hat das Ende des kalten Krieges zu
einem neuen strategischen Konzept in Amerika geführt. Angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit
eines kurzfristig angezettelten weltweiten Konflikts
wollen wir sobald wie möglich - bis 1995 - unsere
aktiven Streitkräfte um 25 Prozent reduzieren. Unsere
Strategie ist zunehmend auf schnelle Reaktion auf
regionale Konflikte ausgerichtet. Ein solcher Ansatz
vertraut auf materielle und politische Unterstützung
von Freunden und Verbündeten.
Um es mit Präsident Bushs Worten zu sagen: "Allein
können die Vereinigten Staaten viel tun - gemeinsam
mit ihren Freunden und Verbündeten können sie noch
sehr viel mehr für Frieden und Gerechtigkeit tun."
Die internationale Solidarität gegen Saddam Hussein
war und ist daher unverzichtbar. Die beste Hoffnung
auf eine Beilegung dieses Konflikts bieten die historische im vergangenen Monat in Helsinki erzielte amerikanisch-sowjetische Übereinstimmung, der Konsens
gemäßigter arabischer Staaten und die Hilfe aus
Westeuropa und Japan. Nur mit Hilfe dieser Solidarität
kann der Irak von wirtschaftlicher, militärischer und
politischer Unterstützung abgeschnitten und gleichzeitig in den Vereinigten Staaten Unterstützung für die
Operation Wüstenschild gewonnen werden.

)

i

Dieser Konsens zeigt sich deutlich bei den Vereinten
Nationen. Dieses internationale Gremium und seine
Unterorganisationen spielen seit langem eine unverzichtbare Rolle bei der Bewältigung von Krankheit,
Hunger, Armut, Analphabetentum und Flüchtlingsproblemen. Im Golfkonflikt demonstrieren sie jetzt ihre
Fähigkeit, ernsthafte sicherheitspolitische Maßnahmen zu ergreifen. Saddam Husseins Aggression ist
eine solch massive Bedrohung des Prinzips der Rechtsstaatlichkeit, daß der Sicherheitsrat mit beispielloser
Entschlossenheit gehandelt hat. Die U NO-Sanktionen
einschließlich des jetzt verhängten Luftverkehrembargos spielen eine wichtige Rolle. Die Billigung dazu,
Sanktionen gegebenenfalls mit militärischen Mitteln
durchzuführen, ist beispiellos. Präsident Bush hat es
ausdrücklich als amerikanische Politik bezeichnet, diesen
Sanktionen Geltung zu verschaffen.
Natürlich hoffen wir, daß diese Solidarität schließlich
den Bunker in Bagdad durchdringt und Saddam Hussein zum Rückzug zwingt. Dennoch liefern die UNOEntscheidungen lediglich den Rahmen für internationale Maßnahmen, sie können und dürfen kein Ersatz
für Taten sein. Wenn wir auf das internationale Gremium als ausführendes Organ der Politik gesetzt hätten, stünde Saddam Hussein heute vielleicht in Riad.
Wenn wir darauf bauen, daß die Sanktionen von allein
greifen, dann ist das eine Selbsttäuschung.
Die einzige friedliche Lösung der Krise besteht in
effektiver Abschreckung und wirksamen Sanktionen,
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beide hängen von konkreten Maßnahmen zur Durchsetzung ab, und diese Durchsetzung erfordert wiederum eine koordinierte militärische Reaktion. Die Teilung der Verantwortung ist daher entscheidend.
Die arabische Präsenz in Saudi-Arabien ist politisch
unverzichtbar und militärisch wertvoll. Wir müssen
Wege aufzeigen, wie eigene Verteidigungsfähigkeiten
von Ländern wie Saudi-Arabien und Ägypten zu steigern sind. Es gibt keine Pläne für eine NATO des
Nahen Ostens. Aber erweiterte Zusammenarbeit und
mehr Waffenverkäufe werden Sicherheit und Stabilität
am Golf fördern.
Angesichts dessen, was für die Stabilität am Golf auf
dem Spiel steht, müssen sich die Länder des westlichen Bündnisses die Verantwortung teilen. Sie verfügen über die Ressourcen, sie sind gewohnt, auf der
Basis gemeinsamer Interessen zu handeln, sie haben
Mechanismen für regelmäßige Konsultationen und
Zusammenarbeit entwickelt. Nahezu alle NATO-Länder
haben ein bestimmtes Streitkräftekontingent in der
Golf-Region. Die Türkei spielt natürlich eine besonders entscheidende Rolle in dieser Region.
Niemand schlägt eine Erweiterung des Mandats der
NATO vor. Der Operationsbereich der NATO ist der
Nordatlantik. Dennoch verbietet kein Passus im Vertrag von 1949 Konsultationen über Fragen außerhalb
dieses Gebiets, insbesondere wenn solche Bestrebungen dem übergeordneten NATO-Ziel der kollektiven Sicherheit dienen. Zumindest müssen wir zusammenarbeiten, um Streitkräfteverschiebungen auszugleichen, die Südflanke zu stärken und die Einhaltung
der Sanktionen zu überwachen.
Dieser Konflikt trifft uns an einem kritischen Punkt der
deutschen Geschichte. Man hat inzwischen Verständnis für Zeitungsredakteure: der Platz auf der Titelseite
reicht nicht aus für all die dramatischen Schlagzeilen.
Dennoch sind die deutsche Einheit und die Golfkrise
als Themen nicht so verschieden wie es scheint: mit
dem zunehmenden Gewicht Deutschlands in Europa
steigt auch sein Gewicht in der Welt. Die Golfkrise ist
eine große Herausforderung an die Weltordnung und
die wirtschaftliche Stabilität, und der Status Deutschlands als wichtige politische und wirtschaftliche Macht
macht es unvermeidlich, daß Deutschland eine Rolle
spielt.
Bonns im letzten Monat getroffene Entscheidung, den
betroffenen Ländern Wirtschaftshilfe zu gewähren und
die militärischen Bestrebungen der Vereinigten Staaten indirekt zu unterstützen, ist ein wichtiger erster
Schritt. Angesichts all der Rechnungen, die sich auf
dem Schreibtisch des Bundeskanzlers stapeln, war es
keine leichte Entscheidung, diese Mittel für den Nahen
Osten bereitzustellen.
Obwohl wir anerkennen, daß die Deutschen offiziell
den Wunsch geäußert haben, mehr tun zu können, hat
schon dieser erste Beitrag Kritik entfacht. In einigen
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�Kreisen weist man auf die Möglichkeit hin, daß der
Beitrag in Höhe von 3,3 Milliarden Mark schon das
ganze Ausmaß der deutschen Beteiligung darstellen
könnte. Solche Haltungen stehen mit Deutschlands
zunehmender Bedeutung als internationale politische
und militärische Macht wohl kaum in Einklang.
Verbündete und Nachbarn würden eine etwas größere
Rolle Deutschlands begrü ßen, um die Stabilität au ßerhalb des Einflußbereichs der NATO zu erhalten. Fragwürdige Interpretationen der Geschichte sollten es
nicht davon abhalten, multilaterale Bestrebungen zu
unterstützen, um der dreisten Agression entgegenzutreten.
Allgemein anerkannten Auslegungen der Verfassung
zufolge wäre ein solches Vorgehen verfassungswidrig, und zweifelsohne kann aktive Politik niemals die
breite Unterstützung der Bevölkerung gewinnen, wenn
nicht die überwiegende Mehrheit der Deutschen davon
überzeugt ist, daß sie im Einklang mit dem Grundgesetz steht. Aus diesem Grund haben der Bundeskanzler und zahlreiche andere politisch Verantwortliche
eine Verfassungsänderung gefordert, um ein militärisches Engagement au ßerhalb des Atlantiks zu ermöglichen. Viele unterstützen diese Änderung unter der
Voraussetzung, daß Aktionen "in bündnisfremden
Gebieten" nur im Rahmen der UNO bei Einsätzen wie
derzeit am Golf gestattet werden.
Die deutschen "Blauhelme" wären willkommen, aber
die Rolle der Friedenstruppen - wie mutig auch immer
- ist kaum entscheidend bei der Bewahrung regionaler,
ganz zu schweigen von weltweiter Stabilität. Eine "Lex
Saddam" kann daher in Frage gestellt werden. Es ist
absolut möglich, ja sogar wahrscheinlich, daß künftige
Krisen deutsche Interessen direkt betreffen werden
oder die stabile Weltordnung gefährden, an der Deutschland noch mehr interessiert ist. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß diese Einsätze solch ein einhellig unterstütztes und eindeutiges Mandat zu Handlungen
der UNO hervorbringen wie das durch die dreiste Aggression des Irak hervorgerufene. An irgendeinem
Punkt - entweder im Verlauf dieser Krise oder in
Zukunft - wird die Bundesrepublik entscheiden müssen, ob sie direkte Schritte, gegebenenfalls mit Einsatz
von Militärmacht, unternimmt.

rungen oder Ozonschwund entziehen. Niemand kann
hoffen, die Elbe oder die Ostsee alleine zu reinigen.
Die jüngsten internationalen Bestrebungen sind ermutigend. Bei der diesjährigen Londoner Ozonkonferenz
wurde die Verpflichtung des Protokolls von Montreal
aus dem Jahr 1987 verstärkt. Die Teilnehmer einigten
sich ferner darauf, den ersten internationalen Umweltfonds zu gründen. Beim Wirtschaftsgipfel im Juli in
Houston widmeten die G-7 ihre Aufmerksamkeit nicht
nur Wirtschafts- sondern auch Umweltfragen. Vertreter aus den Vereinigten Staaten und der EG kamen
bereits im vergangenen Monat überein, das bei der
Londoner Konferenz vereinbarte Ozon-Abkommen in
die Praxis umzusetzen. Darüber hinaus werden sie im
Januar Konsultationen über die energiewirtschaftlichen Aspekte der Klimaveränderungen abhalten.
Meilensteine in Europa sind die Ost- und Nordseekonferenzen sowie das von den Vereinigten Staaten und
der EG finanzierte regionale Umweltzentrum für Osteuropa in Budapest. Beim Londoner NATO-Gipfeltreffen wurde ferner eine Rolle der KSZE in Umweltfragen
vorgeschlagen.
Wir wissen, unsere Partner in Bonn wollen rasche
Fortschritte erzielen. Die Betonung der amerikanischen Politik liegt jedoch darauf, daß wirksame langfristige Lösungen für diese Probleme richtiges Verständnis ihrer Ursachen erfordern. Gemeinsame Forschung
und Datenaustausch wie wir sie auf bilateraler Ebene
haben, sind daher die vielversprechendste Form multilateraler Zusammenarbeit. Aus diesem Grund plant
Präsident Bush in diesem Winter im Weißen Haus ein
zweites internationales Ministertreffen zu Umweltfragen.
Handel ist eine der ältesten Formen von Interaktion
zwischen Staaten. Dennoch halten allzu viele noch
immer an der Illusion des Protektionismus fest, im
Glauben, sie könnten von Exporten profitieren und
gleichzeitig irgendwie wirtschaftliche Unabhängigkeit
erlangen. Sie ignorieren eine Lehre, die durch den
Zusammenbruch des Ostblocks erneut bestätigt wurde: Mauern um die Volkwirtschaft einer Nation ersticken Wachstum ebenso wie Mauern um das Volk einer
Nation die Freiheit ersticken.

Sicherheit ist nach wie vor das herausragende Thema
unserer Zeit, aber keinesfalls das einzige. Wie wir
letztes Jahr unter dem Titel "Herausforderungen der
Weltinnenpolitik" erörterten, hat eine interdependentere Welt neue Probleme aufgeworfen, die ebenfalls
multilaterale Lösungen erfordern. Ich möchte vier
davon erörtern: Ökologie, Handel, Terrorismus und
Flüchtlinge.

Multilaterale Zusammenarbeit muß darauf abzielen,
jegliche Form von Handelsbeschränkungen abzubauen. In sieben Runden hat das GATT seit 1946 die
Zollsätze drastisch um 75 Prozent gesenkt. Infolgedessen explodierte der Handel von nur 60 Milliarden
Dollar im Jahr 1950 auf einen Rekordstand von 4
Billionen Dollar 1989. Nirgendwo waren die Profite
größer als in der EG - der größten Handelseinheit der
Welt.

Die Bedrohung der Umwelt macht nicht an den Grenzen halt. Daher ist es nur angemessen, daß Ökologie
heute weit oben auf der Tagesordnung der internationalen Politik steht. Kein Land kann sich Klimaverände-

Dennoch sind weitere 1,3 Billionen Dollar an Handel
mit Gütern und Dienstleistungen durch die bestehenden Regeln nicht angemessen abgedeckt. Abbau

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�dieser Restriktionen ist das Ziel der Uruguay-Runde in
Genf.
Die Vereinigten Staaten haben bei derGATT-Runde in
Genf alle Handelspraktiken auf den Verhandlungstisch gelegt. Bedauerlicherweise könnte Europas
unbeugsamer Widerstand gegen Agrarreformen die
Runde zum Scheitern verurteilen. Mit ihrem anachronistischen Festhalten an Subventionen zahlt die EG
Landwirten, die Weizen anbauen, beispielsweise 10
Prozent pro Tonne mehr als den tatsächlichen Marktwert. Diese Intervention in den freien Handel erhöht
die Kosten für den Verbraucher und bestraft Bauern in
den Entwicklungsländern.
Die Uruguay-Runde kann die Zölle drastisch um ein
Drittel kürzen und Regeln für fairen Wettbewerb festlegen. Dennoch hängt ihr Erfolg vom schrittweisen
Abbau der Agrarsubventionen ab. Falls die Runde
scheitert, wird die Welt Millionen an erhöhter Produktion verlieren, was für einen Gro ßteil der Entwicklungsländer und Osteuropas den Ruin bedeuten könnte.
Wenn es uns darüber hinaus nicht gelingt, den Handel
multilateral zu regeln, werden viele von uns einseitige
Maßnahmen ergreifen - einschließlich des amerikanischen Kongresses, der die Macht hat, den Handelsverkehr zu bestimmen.
Es erübrigt sich, den Wert des freien Handels in Bonn
und Washington zu unterstreichen. Unsere beiden
Länder wetteifern gerade deshalb um den Titel des
größten Exporteurs der Welt, weil wir von offenen
Märkten und fairem Wettbewerb profitieren. Aus diesem Grund ist es umso zwingender für Bonn, bei der
Entwicklung einer flexibleren Haltung der EG in multilateralen Foren eine Führungsrolle zu übernehmen.
Terroristen machen sich Grenzen zunutze. Sie verüben in einem Land Terroranschläge und suchen Zuflucht hinter den Grenzen eines anderen. Gelegentlich
werden sie vom zweiten Staat gedeckt, wie in dem
Falle, als Stasi-Beamte den vermutlichen RAF-und
Nahostterroristen Schutz gewährten. Häufig wird jedoch
hinter den Bestimmungen und Praktiken eines anderen Staates Zuflucht gesucht.
Multilaterale Maßnahmen können zur Bekämpfung
dieser Bedrohung beitragen. Wir müssen vereint
Druck auf staatlich geförderten Terrorismus ausüben.
Durch koordinierte Bestrebungen müssen wir darüber
hinaus sicherstellen, daß kollidierende Wirtschaftinteressen, Rechtsvorschriften und politische Programme Terroristen nicht unbeabsichtigt ein Schlupfloch
bieten, in dem sie sich verstecken können. Gute Absichten allein sind nicht genug.
Die bis heute unternommenen internationalen Bestrebungen sind ermutigend, sie reichen jedoch noch nicht
aus. Die Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats über
Geiselnahme sind nur ein Anfang. Die unerschütterliche Haltung der Weltöffentlichkeit gegen die Aggres-

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sion am Golf gibt zu der Hoffnung Anlaß, daß sie schon
bald über die bloß formale Mißbilligung terroristischer
Aktivitäten hinausgehen wird. Entschiedenes Vorgehen in diesem Bereich wird die UNO zu einem wahrhaft
entscheidenden Faktor in den internationalen Beziehungen machen.
Kontinuierliche enge Zusammenarbeit zwischen den
G-7 und der europäischen Trevigruppe ist unabdingbar. Wir ermutigen die Europäische Gemeinschaft als
Ganzes, über koordinierte Sicherheitsmaßnahmen
hinauszugehen und entscheidende Schritte gegen
staatlich geförderten Terrorismus zu unternehmen.
Zumindest muß der Export von sicherheitsempfindlicher Technologie in Staaten wie Libyen unterbunden
werden.
Deutsch-amerikanische bilaterale Koordinierung des
Austauschs polizeilicher Erkenntnisse hat dem Terrorismus Hindernisse in den Weg gelegt und dazu beigetragen, Verdächtige wie Mohammed Hammadi vor
Gericht zu bringen. Ein vereintes Deutschland kann
jetzt in stärkerem Maße dazu beitragen, daß eine
starke EG eine feste Haltung gegenüber staatlich
gefördertem Terrorismus einnimmt. Iraks Drohung,
Terroristen einzusetzen, macht die Zusammenarbeit
noch entscheidender.
Iraks brutale Aggression wirft ein Schlaglicht auf ein
weiteres Problem, das eine multilaterale Lösung erfordert. 15 Millionen Flüchtlinge, vornehmlich Frauen und
Kinder, sind bereits in entlegenen, öden Wüstenlagern

angekommen, haben ihre jämmerlichen Boote in asiatischen Häfen festgemacht oder stiegen am Bahnhof
Friedrichstraße aus dem Zug.
Es wäre für wohlhabendere Länder moralisch inakzeptabel, einfach ihre Grenzen zu schließen. Lagerhausartige Camps sind wenig besser. Aus diesem Grund
haben die Vereinigten Staaten ihre Einwanderungsquote erhöht. Unsere Erfahrungen zeigen, daß Neuankömmlinge aus unterschiedlichen Teilen der Welt
das kulturelle Leben eines Landes bereichern und sein
Wirtschaftspotential erhöhen. Führende Politiker in
Europa haben ebenfalls eine flexiblere Einwanderungspolitik gefordert.
Dennoch benötigen wir auch internationale Bestrebungen wie die der UNO-Flüchtlingskommission und der
Internationalen Indochinakonferenz.
Die Staaten
müssen gedrängt werden, mehr legale Einwanderer
aufzunehmen, so daß die Verzweiflung nicht zur Tragödieführt. Über die Rückführung der Flüchtlinge, von
denen die Mehrheit nur den einen Wunsch hat, nach
Hause zurückzukehren, müssen Abkommen geschlossen werden.
Regionale politische Krisen und wirtschaftliche Miseren in den Entwicklungsländern sind schuld an der
Verzweiflung, die Menschen veranlaßt, aus ihrem
Heimatland zu fliehen. Letztlich wird nur die Lösung

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�dieser grundlegenden Probleme diese zweite Völkerwanderung verlangsamen. Dies ist nur umso mehr
Grund für ein intensiviertes amerikanisch-deutsches
Engagement bei den Bestrebungen, internationale
Sicherheit und Wohlstand zu gewährleisten.
Zusammenfassend erscheint die Feststellung fast wie
eine Binsenwahrheit, daß die Umgestaltung der Weltpolitik schwindelerregend war. Vielleicht waren wir
bereits durch das Tempo des Wandels benommen:
einige Ereignisse, die noch vor zehn Jahren als epochemachend erachtet worden wären, werden heute in
den Abendnachrichten nicht einmal mehr erwähnt.
Dennoch sollten wir dankbar sein, daß unsere Kinder
in dieser Welt aufwachsen und nicht in der, die wir
vierzig Jahre lang kannten: der Spielraum zur gemeinsamen Bewältigung von Problemen schien noch nie so
groß.
Angesichts der zahlreichen verbleibenden Probleme
wäre Selbstgefälligkeit jedoch fehl am Platze. Die
Tagesordnung der internationalen Politik wird viele

Punkte umfassen - teils vertraut, teils neu, teils unvorhersehbar. Die Vereinigten Staaten und Deutschland
müssen die Grundlagen der europäischen Stabilität
erhalten, auch während sie versuchen, die Herausforderungen und Probleme in den Griff zu bekommen, die
über diesen Kontinent und das Sicherheitsgefüge
hinausgehen. Sie alle erfordern unsere Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit miteinander. Denn in einer
Welt wachsender Interdependenz gibt es keine isolierten Probleme und keine einseitigen Lösungen.
Partnerschaft bei der Führung ist nicht nur ein Schlagwort, sondern eine Beschreibung der Realität. Unsere
beiden Länder üben Führungsrollen aus und unsere
sehr eng koordinierte Beziehung ist nach wie vor ein
großer Gewinn für Europa und in der Tat für die ganze
Welt. Seit vierzig Jahren hat die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit in jedem Bereich - Wirtschaft,
Politik und Verteidigung - Wohlstand, Stabilität und
Frieden hervorgebracht. Dies muß so bleiben, während wir uns der Zukunft stellen.

* * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Forschung&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Todesstaub&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schutzmaßnahmen gegen radioaktiven Ausfall auch in Friedenszeiten unerlässlich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Funkenkammer zur Untersuchung der Feinstruktur des Atomkerns&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Rassenintegration&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atlanta, Hauptstadt des tiefen Südens: Ein Musterbeispiel für die Überwindung des Rassenkomplexes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grenzen, wie sie sein sollten</text>
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                    <text>^^^

nroffltciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. November 1982

44

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan bekräftigt US-Unterstützung für Frieden in Lateinamerika
- Briefwechsel mit Bürgern Venezuelas Reagan und Shultz: Die Demokratie muß gefördert werden
- "Konferenz über freie Wahlen" in Washington -

WIRTSCHAFT
Das Welthandelssystem in der Krise: USA streben auf GATT-Konferenz
politische Lösungen an
- Von unseren Sonderkorrespondenten Robin Newman und Jon Schaffer •
USA schaffen Zusatzkapazitäten für Kohleexport

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Energiespartrend bleibt - aber mehr Strombedarf
- Leichtindustrie gewinnt immer mehr an Bedeutung -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�44

10. November 1982

REAGAN BEKRÄFTIGT US-UNTERSTÜTZUNG FÜR FRIEDEN IN LATEINAMERIKA
- Briefwechsel mit Bürgern Venezuelas -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat einer Gruppe venezolanischer
Bürger versichert, daß die Vereinigten Staaten die Bemühungen von Ländern in
Mittelamerika und der Karibik um die Verringerung von Spannungen unterstützen,
die den Frieden gefährden. Diese Erklärung ist in der Antwort auf ein Schreiben
enthalten, das etwa 200 venezolanische Bürger an den amerikanischen Präsidenten
gerichtet hatten und in dem deren Besorgnisse über die Situation in dieser
Region zum Ausdruck kommen.
Reagan verwies in seiner Antwort auf die wirtschaftliche, soziale und
politische Unterentwicklung dieses Gebietes sowie auf die Ausbeutung dieses
Zustandes durch Kuba, Nicaragua und die Sowjetunion. Dies seien die eigentlichen
Ursachen für den Konflikt in Mittelamerika.

Gleichzeitig hob er die Initiative

der USA für das karibische Becken sowie die Beteiligung Washingtons an der im
vergangenen Monat in Costa Rica abgehaltenen Konferenz über die Koordinierungsbemühungen für regionalen Frieden und Demokratie hervor.
Das Schreiben

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Schreiben der venezolanischen Bürger an Reagan hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Präsident,
angesichts der Gefühle eines breiten Sektors der Bevölkerung von Venezuela
möchten wir Ihnen gegenüber unsere tiefe Sorge über die zunehmende Gefahr eines
weiteren Weltenbrandes zum Ausdruck bringen, der - wenn er eintreten sollte die Vernichtung der Menschheit mit sich bringen und jedem alle Chancen nehmen
würde, Sieger zu sein.
Im Rahmen dieser Besorgnisse erscheint uns als Lateinamerikaner die gegenwärtig in Mittelamerika und der Karibik bestehende Situation erfüllt zu sein
mit ernsthaften Bedrohungen, die letztlich sogar den Weltfrieden gefährden
könnten. Aus diesem Grunde lehnen wir jede Form von Intervention ab, die die
Selbstbestimmung der Menschen dieser Region bedroht und ihren Fortschritt sowie
die allgemeine und demokratische Entwicklung behindert.
Dies sind die Gründe, die uns bewegen, Sie angesichts der wichtigen
Position, die Sie innehaben, zu ersuchen, sorgfältig und entschlossen der Gefahr
eines weiteren Weltkrieges entgegenzuwirken und damit die Menschheit zu retten,
die Perspektiven für eine Welt frei von Spannungen zu erhalten und es einem
jeden zu ermöglichen, den sicheren Weg des Friedens und des sozialen Fortschrittes zu gehen.

Die Antwort Präsident Reagans hat, wie vom Weißen Haus veröffentlicht,
folgenden Wortlaut:

Ich habe

�Ich habe sorgfältig das kürzlich von zahlreichen venezolanischen
Intellektuellen, führenden Politikern und anderen Personen des öffentlichen
Lebens an mich gerichtete Schreiben bezüglich der Bedrohungen des Weltfriedens
und der gegenwärtigen Situation in Mittelamerika und der Karibik gelesen.
Die Bevölkerung und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
teilen diese Besorgnisse.
Das Hauptziel meiner Administration - wie auch jeder anderen amerikanischen
Administration seit dem Zweiten Weltkrieg - ist die Verhinderung eines Atomkrieges. Zweimal in meinem Leben habe ich mitansehen müssen, wie die Welt in
Kriege gestürzt wurde, die Millionen an Menschenleben kosteten. Diese Erfahrungen
haben mich davon überzeugt, daß es die größte Aufgabe Amerikas ist, die Welt
zu ermutigen, den Weg des Friedens zu gehen, und sicherzustellen, daß unser Land
sowie alle, die unser Streben nach Frieden und Freiheit teilen, in Sicherheit
leben können.
Seit meiner Amtsübernahme habe ich mich um praktische Maßnahmen bemüht,
um das Risiko eines solchen Krieges zu vermindern und das zerstörerische Potential
und den kostspieligen Wettlauf hinsichtlich der nuklearen Arsenale zu begrenzen.
Im vorigen Jahr habe ich Präsident Brechnew geschrieben und ihn dringlich aufgefordert, sich mir bei diesem Vorhaben anzuschließen, und vorgeschlagen, daß wir
mit Verhandlungen zur Verringerung der Kernwaffen und zur Stärkung des Friedens
beginnen.
Im November vorigen Jahres habe ich den Beginn von Gesprächen mit der
Sowjetunion angeboten, um einen Weg für die Beseitigung der landgestützten
nuklearen Mittel Streckensysteme zu finden. Wir verhandeln gegenwärtig in Genf
mit der Sowjetunion über diesen Vorschlag, der die Sowjets auffordert, ihre
mehr als 600 in Stellung gebrachten derartigen Systeme abzubauen, wofür die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten zusagen würden, keine ähnlichen Systeme
in Europa zu installieren.
Im Mai

- 3 -

�Im Mai habe ich dann einen weitreichenden Ansatz in bezug auf die
nukleare Rüstungskontrolle vorgeschlagen - eine phasenweise Verminderung der
strategischen Waffen, beginnend mit denjenigen, die am gefährlichsten und am
destabilisierendsten sind, den Gefechtsköpfen auf ballistischen Raketen und insbesondere den ballistischen Interkontinentalraketen. In einer zweiten Phase
werden wir dann noch weitere Verminderungen im zerstörerischen Potential der
Nuklearstreitkräfte anstreben. Auch über diese Vorschläge verhandeln wir gegenwärtig mit der Sowjetunion in Genf.
Diese Verhandlungen sowie andere Gespräche, die entweder schon im Gange
sind oder noch von uns vorgeschlagen werden, bieten uns die historische Gelegenheit, das Rahmenwerk des Friedens zu stärken und die Kriegsgefahr zu vermindern. Mit der Unterstützung unserer Freunde und Verbündeten werden wir
alles in unserer Macht Stehende tun, um dieses Ziel zu erreichen.
Für den Konflikt in Mittelamerika gibt es zwei fundamentale Ursachen:
die wirtschaftliche, soziale und politische Unterentwicklung und die gewaltsame Ausbeutung dieser Unterentwicklung durch Kuba, Nicaragua und die Sowjetunion. Um dieser Region den Frieden zu bringen, müssen unserer Auffassung nach
beide Ursachen beseitigt werden.
Gemeinsam mit Venezuela, Kolumbien, Mexiko und Kanada versuchen wir, durch
die Initiative "Karibisches Becken" in Mittelamerika und der Karibik die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Kein regionales Ziel hat eine größere
Priorität als die Verabschiedung dieser Gesetzgebung, um Handels- und Investitionsanreize für die wirtschaftliche Entwicklung zu bieten. Unser Kongreß hat
bereits die Bereitstellung von 350 Millionen Dollar an zusätzlichen Mitteln
für den Notfall gebilligt, und diese Gelder werden gegenwärtig den Empfängerregierungen zur Verfügung gestellt.
Die Entwicklung demokratischer Institutionen als Ergänzung des wirtschaftlichen Wachstums ist ein paralleles Ziel, dem wir uns in gleicher Weise verschrieben haben. Wir haben den augenfälligen Trend zur Demokratie in Mittel-

- 4 -

\

�in Mittelamerika und der Karibik unterstützt und sind durch ihn ermutigt.
Honduras und El Salvador haben im vergangenen Jahr freie und faire Wahlen abgehalten, wie auch die traditionell demokratischen Länder Costa Rica und Kolumbien.
Die Demokratie in Venezuela ist nach unserer Beurteilung ein wertvolles Modell,
das in seiner Resonanz einfach zwingend ist. Der Trend zur Demokratie auch in
anderen Teilen der westlichen Hemisphäre - wir begrüßen die Rückkehr Boliviens
zur demokratischen Herrschaft - hat unsere volle Unterstützung.
Wir sind auch bemüht, die demokratische politische Entwicklung dadurch zu
unterstützen, daß wir unsere Mittel und Möglichkeiten in den Dienst der
Schaffung von Kernzellen der Demokratie stellen. So findet beispielsweise in
dieser Woche hier eine Konferenz über freie Wahlen statt, zu der demokratische
Vertreter aus allen Teilen der Welt eingeladen worden sind.
Unsere Diplomatie hat die Bemühungen von Ländern in dieser Region unterstützt, die auf eine Verminderung der den Frieden bedrohenden Spannungen abzielen.
Wir sind

Teilnehmer der

Konferenz,

die Costa Rica am 4. Oktober einberufen

hat, um die Bemühungen um regionalen Frieden und Demokratie zu koordinieren. Wir
hoffen, daß diese Konferenz lur Entschärfung der Spannungen in der Region beitragen wird.
Ich glaube, daß zahlreiche Venezolaner unsere Besorgnisse in dieser Hinsicht
teilen. Die Initiative Ihres Präsidenten wie auch des mexikanischen Präsidenten
Lopez Portillo war ein konstruktiver Schritt in der gleichen Richtung. Wir sind
der Auffassung, daß die regionalen Anstrengungen, mit denen auf der Konferenz von
San Jose begonnen wurde, die Sache des Friedens, die wir beide unterstützen,
voranbringen werden.
Wenn wir uns mit der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung befassen,
dann können wir nicht die legitimen Sicherheitserfordernisse von Ländern
ignorieren, die durch Unterstützung des Aufruhrs im Innern vom Ausland her
bedroht sind. Die Vereinigten Staaten gewähren den Regierungen von El Salvador

- 5 -

�von El Salvador und Honduras ein geringes Maß an militärischer Ausrüstung und
Ausbildung; rund 85 Prozent unserer Hilfe für diese Länder sind jedoch wirtschaftlicher Natur.
Die Verpflichtung zur Demokratie, eine autarke Wirtschaftsentwicklung und
die Nichteinmischung, die wir an den Tag legen, ist jedoch nicht charakteristisch
für die Handlungen Nicaraguas, Kubas und der Sowjetunion. Unterstützt von der
Sowjetunion, haben Kuba und Nicaragua den Aufständischen in El Salvador ständig
Hilfe gewährt. Sowohl Costa Rica als auch Honduras sind von terroristischen
Angriffen heimgesucht worden, die von Nicaragua aus unterstützt wurden.
Nicaragua hat ein militärisches Potential aufgebaut, das in keinem Verhältnis
zu seinen objektiven Verteidigungserfordernissen steht. Die eigentliche Ursache
der so großen Besorgnisse hinsichtlich der Region ist die Aufrüstung Kubas;
diese Aufwendungen hätten besser für die wirtschaftliche Entwicklung statt
für die Beschaffung von Waffen eingesetzt werden sollen.
Unsere beiden Völker, die Blut und Anstrengung gegeben haben, um die
Demokratie zu erlangen, zu sichern und zu fördern, wissen sehr wohl um die
Bedeutung der Demokratie und des Rechts der freien Entscheidung. Venezolaner
und Amerikaner teilen gleichermaßen den Wunsch nach Frieden und Freiheit nicht nur in dieser Region der Welt, sondern in allen Teilen der Erde. Wenn
wir unsere Anstrengungen fortsetzen, dann können wir die Sache des Friedens
voranbringen.
+ + +

�44

11. November 1982

REAGAN UND SHULTZ: DIE DEMOKRATIE MUSS GEFÖRDERT WERDEN
- "Konferenz über freie Wahlen" in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Präsident Ronald Reagan und USAußenminister George Shultz haben sich mit Nachdruck für eine Förderung der
Demokratie in aller Welt eingesetzt. Beide Politiker sprachen anläßlich einer
"Konferenz über freie Wahlen", die vom 4. bis 6. November 1982 in Washington
stattfand.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat in ihren wichtigsten Auszügen folgenden Wortlaut:
... Wir sind heute hier, um eine gemeinsame Vision zu feiern - die Vision
einer Welt, in der das Recht auf Selbstregierung offen anerkannt wird, in der
der Staat nicht als der Herr, sondern als der Diener des Menschen angesehen
wird. Insbesondere beschäftigt sich diese Konferenz mit freien Wahlen, der
eigentlichen Grundlage der Demokratie. Es gibt kein eindrucksvolleres Symbol
der Demokratie als das Bild des Bürgers, der seinen Stimmzettel abgibt, seinen
Kandidaten wählt und dabei mit über sein eigenes Geschick abstimmt. ...
Der freie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der freie Fluß der Gedanken und der offene Wettbewerb der Ideen sind die
Seele unserer freien Gesellschaften. Welch ein gewaltiger Unterschied ist dies
gegenüber jenen Staaten dieser Welt, wo das Volk keine eigene Rolle hat, sondern
in Schwäche darauf warten muß, bis eine kleine Gruppe von Menschen ihren Machtkampf hinter verschlossenen Türen beendet hat und dann herrscht, ohne auch nur
irgendjemandem verantwortlich zu sein.
*

Aber noch etwas anderes führt uns heute zusammen. Es ist die Freude, die
wir teilen über die Möglichkeiten für die Verbreitung der Demokratie, das Ge4

fühl der Hoffnung für die Zukunft. Einer meiner Vorgänger in diesem Amt hat
diese Freude geteilt. General Eisenhower schrieb in seinem Tagebuch weniger
als ein Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: "Das Wirkungsvollste, was
wir für unsere Sicherheit tun können, besteht darin, in jedem Land, wo es eine
Möglichkeit dafür gibt, eine demokratische Regierungsform zu fördern. Wir
müssen aktiv dabei helfen, andere zur Demokratie zu führen, und mehr noch:
Wir müssen ein Beispiel für den Wert der Demokratie sein."
Nun, ich weiß nicht, wie man die Herausforderung besser in Worte fassen
könnte, vor der die Teilnehmer dieser Konferenz und die freien Menschen allerorts stehen, als dies in den Worten Dwight Eisenhowers gesagt wird.
Die Abhaltung dieser Konferenz ist ein Beweis für die wachsende Kraft
der demokratischen Ideale. Ihre Ausstrahlungskraft haben mich veranlaßt, im
Juni dieses Jahres vor dem britischen Parlament davon zu sprechen, daß wir
an einem Wendepunkt angelangt sind - daß wir jetzt den Augenblick erleben, wo .
die Zeit, die Umstände und der gesunde Instinkt aufrechter und anständiger
Menschen zusammenwirken können, um der Geschichte eine neue Richtung zu geben,,
um ein neues und hoffnungsvolleres Leben für künftige Generationen zu schaffen.
Einige mögen diese Prognose als allzu optimistisch ansehen. Ich unterschätze
keineswegs die Möglichkeiten der Unterdrückung seitens der Diktaturen von links
oder rechts oder die zerstörerischen Auswirkungen des Terrorismus. Aber die
unvergänglichen demokratischen Ideale und die demokratische Bewegung - sie
sind stärker. Jedes Land, das Sie hier vertreten, zeigt ein nicht auslöschbares

- 2 -

�nicht auslöschbares Streben, sein eigenes Schicksal zu gestalten. Es ist
einfach unsere Pflicht, gegen das Böse und gegen die Grausamkeit eines Mißbrauchs der staatlichen Macht aufzustehen. Wenn wir nicht mit Nachdruck dagegen angehen, wenn wir nicht die anständigen Impulse der Menschheit und unsere
eigenen tiefsten Überzeugungen unterstützen, dann würde eine Art Auszehrung
und Verkümmerung einsetzen, und auch wir könnten dann letztlich den Glauben
an die Ausstrahlungskraft und die Stärke unserer Überzeugungen verlieren.
Diese Konferenz ist ein weiterer Schritt hinsichtlich unserer Unterstützung
der demokratischen Bewegung. Sie bietet die Gelegenheit, gegenüber der Welt
darauf hinzuweisen, daß die Demokratie dem Volk eines jeden Landes die Chance
bietet, seinen eigenen Kurs zu verfolgen. Es ist eine Gelegenheit zu zeigen,
wie freie Wahlen einem Volk das Steuer des Staates fest in die Hand geben, wie
der freie Wettbewerb der Ideen an der Wahlurne die Stabilität und Flexibilität
fördern, die so notwendig für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt
sind, wie freie Wahlen in aller Welt den sicheren Weg zur Unterstützung von
Institutionen und der Politik des Volkes bilden, wie die Verläßlichkeit gewählter
Vertreter die sicherste Garantie dafür ist, daß der Wille des Volkes respektiert
wird und daß die Früchte des Wachstums nicht nur einigen wenigen zugute kommen.
Die Verwirklichung all dieser Dinge ist ein mächtiges Gegenmittel gegenüber
jenen, die argumentieren, daß die Macht des Staates sowie die bewaffnete Macht
die einzigen Mittel für sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt darstellen.
Immer wieder haben wir gesehen, daß die demokratischen Staaten, die sich auf
die Initiativen des eigenen Volkes stützen, ihre Volkswirtschaften und ihre
Gesellschaften viel weiter entwickeln als die zentralisierten Staaten. Wir
dürfen nicht die Aufgabe unterschätzen, der wir uns bei der Unterstützung des
Wachstums der Demokratie gegenübersehen.
Demokratie kann nicht von außen auferlegt werden, und sie entwickelt sich
häufig nur nach geduldigen und allmählichen Schritten. Sie muß das Produkt freier
Institutionen sein - der Kirchen, der Gewerkschaften, einer unabhängigen Justiz
sowie der Presse. Und dieser kraftspendende und lebensverjüngende Prozeß wird

- 3 -

�Prozeß wird durch den Bürger verkörpert, der an der Wahlurne seine Stimme
abgibt - das ist das Thema dieser Konferenz. ...
Der amerikanische Außenminister führte aus:
... Präsident Reagan kündigte die Pläne für diese Konferenz in seiner
Rede vor dem britischen Parlament im vorigen Juni an. In dieser Rede bot der
Präsident an, sich allen Staaten anzuschließen, die sich in einer weltweiten
Kampagne für einen friedlichen, demokratischen Wandel einsetzen.
Heute sind hier viele Mitglieder der "Kampagne für die Demokratie" versammelt, von der der Präsident sprach - Männer und Frauen, die dazu beigetragen
haben, in ihren eigenen Ländern demokratische Institutionen zu schaffen, und
die dabei helfen wollen, daß auch andere Völker die Grundlagen für ihre
politische Freiheit legen können. Diese Konferenz wird das Erreichte begutachten
und Überlegungen darüber anstellen, was wir gemeinsam tun können, um die Ausbreitung der Demokratie zu unterstützen.
Wir sind nicht hier, um andere Länder herauszufordern, sondern um erneut
ein Angebot zu machen, unsere Erfahrungen zu teilen, die wir darin haben, wie
Freiheit funktioniert. Unser Ziel ist nicht die Kritik, sondern die Überlegung
darüber, was wir tun können, um anderen Nationen bei der Verwirklichung ihrer
demokratischen Hoffnungen zu helfen.
Betrachten wir in diesem Zusammenhang drei Aktionsbereiche: Wir sollten
jenen Ländern konkrete Hilfe geben, die an der Abhaltung freier Wahlen
interessiert sind. Wir können anderen dabei helfen, aus unseren Erfahrungen zu
lernen und die anfänglichen Hindernisse bei der Schaffung einer Demokratie
auf der Grundlage von Wahlen zu überwinden. Mehrere Regierungen und Privatorganisationen sind bereits intensiv dabei, technische Hilfe bei der Verbesserung des Wahlprozesses zu bieten. Und weitere stellen sich nunmehr der
Herausforderung.
Vor einem

�Vor einem Monat beschlossen acht Länder Mittelamerikas, der Karibik und
der Anden in San Jose, ein regionales Wahlinstitut als Teil ihres Programmes
für Frieden und Demokratie in Mittelamerika einzurichten. Andere Staaten und
andere Regionen könnten diesem Beispiel folgen. Diese Konferenz könnte Überlegungen darüber anstellen, welche zusätzlichen Programme am wirkungsvollsten
wären und wie die verschiedenen Anstrengungen zur Unterstützung der Verbreitung
freier Wahlen zu besserer wechselseitiger Wirkung gebracht werden könnten.
Zweitens müssen wir uns aktiver für das Recht auf freie Wahlen einsetzen
und immer wieder betonen, daß politische Freiheit ein Thema der Menschenrechte
ist.
Der Einzelmensch hat ein Recht darauf, am Regierungsprozeß teilzuhaben genau wie er ein Recht auf Schutz vor staatlicher Willkür hat.
Dabei geht es nicht um die Frage, wie dieses Recht gesetzt werden könnte,
denn es existiert bereits. Frage ist, wie es in der Praxis in größtmöglichem
Umfang verwirklicht werden kann.
Wir müssen die Diskussionen und die Aktivitäten im Bereich der Menschenrechte so ausweiten, daß positive Schritte zur Förderung freier Institutionen
eingeschlossen werden. Nur die freien, demokratischen Institutionen - einschließlich freier Wahlen, der Presse und der Gewerkschaften - können die
immer wiederkehrenden Menschenrechtsverletzungen überwinden, die individuelle
Freiheit sicherstellen

und das Recht auf Selbstregierung gewährleisten.

Drittens können wir mehr dabei tun, den Erfolg der Demokratie in die
Öffentlichkeit zu tragen und die Aufmerksamkeit auf den Vergleich zwischen den
Leistungen demokratischer und nichtdemokratischer Länder zu lenken.
Die Demokratien erfreuen sich - von wenigen Ausnahmen abgesehen - größeren
Friedens, größeren Wohlstands und größerer Stabilität als die Staaten, in
denen es keine Demokratie gibt. Vor allem die jungen Demokratien können eine

- 5 -

�können eine besondere Rolle dabei spielen, die anderen erkennen zu lassen,
daß eine demokratische Regierung sowohl wünschenswert als auch funktionsfähig
ist. Die Erfahrungen und der Erfolg der jungen Demokratien kann lehrreich
und ermutigend für jene sein, die noch nicht solcher politischer Freiheit
teilhaftig sind.
Meine Damen und Herren, vor Ihnen liegt eine große Herausforderung. Sie
sollen sich darüber Gedanken machen, wie die Menschen der demokratischen Welt
dazu beitragen können, die Freiheit jenen Millionen zu bringen, denen noch
nicht erlaubt ist, ihre eigene Führung selbst zu wählen. Wir hoffen auf Ihre
frischen, kreativen und konkreten Ideen, die unsere Überzeugungen in Verpflichtungen und Taten umsetzen.
+ + +

- 6 -

�^^^

4 III

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Wirt/chcift
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10, November 1982

44

DAS WELTHANDELSSYSTEM IN DER KRISE: USA STREBEN
AUF GATT-KONFERENZ POLITISCHE LÖSUNGEN AN
Von unseren Sonderkorrespondenten Robin Newman und Jon Schaffer

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten erwarten, daß auf der Ministertagung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT), die vom 24. bis 26
November in Genf stattfindet, ein entscheidender politischer Beschluß gegen
den Protektionismus im Handel getroffen und ein Arbeitsprogramm für die achtziger
Jahre verabschiedet wird, um die Handelsliberalisierung weiter zu fördern. In
amtlichen amerikanischen Kreisen rechnet man mit einer Ministererklärung zum
Abschluß der GATT-Konferenz.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wird von dem amerikanischen Sonderbeauftragten für HandelsVerhandlungen, William E. Brock, geleitet werden. Es
handelt sich um die erste GATT-Ministertagung seit 1973. Im Laufe der Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT - Kennedy-Runde und Tokio-Runde - kam es zu Abkommen über Zoll Senkungen und einen Abbau der nicht-tarifä'ren Handelsschranken.
Viele Länder schützen jedoch weiterhin ihre Binnenmärkte" gegen internationale

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gegen internationale Konkurrenz, indem sie protektionistische Maßnahmen ergreifen,
die außerhalb des GATT-Rahmens fallen oder außerhalb von GATT-Verpflichtungen
Hegen.
Nach Auffassung der amerikanischen Regierung müssen die Minister hier eine
eindeutige und nachhaltige Erklärung

abgeben, die klarstellt, daß Unternehmer

und Geschäftsleute gegen Protektionismus geschützt werden. Die Vereinigten
Staaten hoffen, daß die Minister vor allem zur Lösung der Probleme auf den
Gebieten der Sicherheitsbestimmungen,derLandwirtschaft, der Regelung von Streitfällen und der Beziehungen zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern
beitragen werden. Hier haben sich in der Vergangenheit die größten Schwierigkeiten
ergeben.
Das GATT hat bereits Regeln über die Anwendungen von Sicherheitsbestimmungen
aufgestellt, aber, so heißt es in Washington, Regierungen haben diese Regeln
nach Belieben angewandt, um Exportbeschränkungen zu verhängen. "Wir hoffen", so
erklärte ein amerikanischer Regierungsvertreter, "daß die Minister diesen Maßnahmen ein Ende bereiten und auch einen Prozeß einleiten werden, sie einer
internationalen Disziplin zu unterwerfen."
Die GATT-Regelungen bezüglich der Landwirtschaft haben sich schon immer
von denen für den industriellen Handel unterschieden, vor allem was die Exportsubvention landwirtschaftlicher Erzeugnisse anbetrifft. Hier hoffen die Vereinigten Staaten, daß es den Ministern gelingen wird, "die Regeln für die Landwirtschaft in stärkere Übereinstimmung mit den Regeln zu bringen, die für den
Handel mit industriellen Erzeugnissen gelten".
In amtlichen Kreisen in Washington ist man ferner besorgt, daß die Verfahren
und Möglichkeiten für die Beilegung von Streitfragen im GATT nicht gut funktionieren und eine Reihe von Fällen seit Jahren ansteht. "Die Minister müssen die
Anwendung der Verfahren des GATT für die Beilegung von Streitfällen verbessern
und klarmachen, daß Länder nicht einfach Berichte von Untersuchungsausschüssen
blockieren können, weil ihnen die Ergebnisse nicht gefallen", heißt es dazu in
Washington.
Sehr viel
- 2 -

�Sehr viel liegt den Vereinigten Staaten daran, die Handelsbeziehungen
zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern zu verbessern - vor allem
durch eine Nord-Süd-Verhandlungsrunde über Marktzugang. Den Entwicklungsländern
müsse ein bevorzugter Zugang zu den Märkten in den Industriestaaten geboten
werden, und die Entwicklungsländer müßten die Schranken gegen Einfuhren aus
Industriestaaten abbauen. "Die Vereinigten Staaten hoffen, daß sich die Minister
auf ein Datum für den Beginn solcher Verhandlungen über Handelsliberalisierung
einigen werden", heißt es dazu in Washington.
In Washington hofft man ferner, daß die Ministertagung eine Tagesordnung
für die künftige Arbeit des GATT aufstellen wird, wobei vor allem an drei Gebiete gedacht ist: Dienstleistungen für den Handel (Versicherungen usw.);
handelsbezogene Leistungserfordernisse und Handel mit hochtechnologischen Gütern.
"Das oberste Ziel der Vereinigten Staaten auf der kommenden Ministertagung
ist es, das multilaterale Handelssystem zu liberalisieren, indem das GATT gestärkt und gleichzeitig sichergestellt wird, daß es den Erfordernissen der Handelswelt mindestens für den Rest der achtziger Jahre entspricht", erklärte ein
Regierungsvertreter in Washington.
Im Zusammenhang mit einer Gesetzesvorläge im amerikanischen Kongreß, nach
der kein ausländisches Kraftfahrzeug in den Vereinigten Staaten verkauft werden
dürfte, wenn nicht die meisten seiner Teile und Arbeitsanteile in den USA erbracht worden sind, werden die amerikanischen Delegierten dieses Problem auf
der GATT-Konferenz zur Sprache bringen. Die Reagan-Administration hat sich entschieden gegen diese Gesetzesvorlage gewandt. Ähnliche protektionistische Versuche werden jedoch auch in anderen Ländern beobachtet. Es gibt nach einer
kürzlichen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mindestens 13 Arten von handelsbezogenen Investitionsbedingungen,
doch werden die Vereinigten Staaten auf der kommenden GATT-Konferenz nur zwei
von ihnen, die Bestimmungen über den "einheimischen Anteil" und die "Exporterfordernisse", ansprechen.
In amerikanischen

- 3 -

�In amerikanischen Regierungskreisen räumt man ein, daß man kein rechtes
Verständnis für die weltweiten HandelsVerzerrungen habe, die aus diesen
Praktiken entstehe. Amerikanische RegierungsVertreter rechnen mit zwei ernsten
langfristigen Auswirkungen, wenn diese Art von Investitions- oder Verhaltensweisen weiter ungehindert andauert.
Wenn, erstens, Länder Leistungserfordernisse verlangen, um einheimische Hersteller zu fördern, gleichgültig, ob sie diese Erzeugnisse aus dem Ausland
billiger einführen könnten, dann bedeutet dies letztlich ein verringertes
Wachstum des Welthandels und der Welterzeugung, wobei die am wenigsten entwickelten Länder den höchsten Preis bezahlen.
Zweitens, alle Entwicklungsländer werden darunter leiden, wenn alle
Industrieländer mit ähnlichen Forderungen zurückschlagen. In diesem Falle würden
die Investitionen der Industrieländer von den Niedrigkosten-Ländern in die
Verbraucherländer umgelenkt werden.
In amtlichen Kreisen in Washington wird erklärt, daß die Vereinigten Staaten
möglicherweise ein Arbeitsprogramm in drei Phasen vorschlagen werden. Als erstes
würden die GATT-Mitglieder gebeten, das Sekretariat über die Anwendung von
Leistungserfordernissen in Kenntnis zu setzen, damit eine Liste aller Arten
von Maßnahmen und des Umfangs der Maßnahmen aufgestellt werden könnte.
In der zweiten Phase würde untersucht, welche Verzerrungen des Handels durch
solche Maßnahmen hervorgerufen werden.
In der Abschlußphase würde man das gegenwärtige GATT-System daraufhin über- •
prüfen, ob es bereits Werkzeuge gibt, um mit den Fragen der handelsbezogenen
Investitionen fertigzuwerden, und ob es neuer Instrumente bedarf.
Die Verhandlungen in Genf werden nach amerikanischer Auffassung nicht ganz
leicht werden; die Vereinigten Staaten werden jedoch versuchen, zu Lösungen beizutragen, die einer Liberalisierung des Welthandels dienen.
+ + +

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4 III IC K 1

DIEl11s[J

44

Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. November 1982

USA SCHAFFEN ZUSATZKAPAZITÄTEN FÜR KOHLEEXPORT

- (AD) - Angesichts der Preissteigerungen beim Bezug von öl und Gas und
der zeitweiligen Unsicherheit» insbesondere in der Verfügbarkeit von Ol, griff
die Industrie weltweit wieder mehr auf Kohle als Energieträger zurück. Die
Vereinigten Staaten als ein Land mit überaus reichen Kohlevorkommen erwiesen
sich in dieser Situation als der zuverlässigste Kohlelieferant. Die ReaganAdministration ist bemüht, gemeinsam mit der Privatwirtschaft, den Verwaltungen
der Bundesstaaten und Kommunen für eine weitere Verbesserung der Infrastruktur
zu sorgen, um den Kohletransport im Lande zu erleichtern und die Hafenkapazitäten für die Kohleverfrachtung zu erweitern. Die Vereinigten Staaten sollen
ein führendes Kohleexportland werden - ein Land mit Reserven, die bei der
gegenwärtigen Abbauaktivität etwa 500 Jahre reichen dürften.
Für den Weltmarkt ist Kohle aus den USA schon seit langem ein wichtiger
Faktor, insbesondere für die Versorgung mit Hüttenkohle. Inzwischen konzentriert
sich aber, international gesehen, das Interesse immer mehr auf Heizkohle für
Kraftwerke und Kesselanlagen der Industrie. Der Absatz solcher Heizkohle nahm
infolge der politischen Unsicherheit in Mittelost und der Verdoppelung der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Verdoppelung der Weltölpreise im Jahr 1979 rapide zu. Obgleich auch in den
Vereinigten Staaten die Produktionskosten für Kohle in den letzten 15 Jahren
merklich anstiegen, haben sie sich jetzt stabilisiert. Gemessen an der
produzierten Wärme kostet amerikanische Kohle als "Rohstoff" nur ein Drittel
dessen, was für öl aufgewendet werden muß.
Die weltweite Rezession hat die Nachfrage nach Kohle etwas gedämpft.
Dies dürfte sich aber deutlich ändern, wenn die wirtschaftliche Erholung
erst einmal in Gang gekommen ist. Das Absacken der Kohleförderung in Polen
könnte in Verbindung mit Arbeiterproblemen bei den australischen und südafrikanischen Bergwerksunternehmen viele Länder veranlassen, ihre Kohle künftig
aus den Vereinigten Staaten als dem zuverlässigsten Lieferanten für hochwertige
Kohle zu beziehen. Dort befinden sich ca. 25 Prozent der Weltvorkommen - mit
abbauwürdigen Reserven von schätzungsweise 430 Milliarden Tonnen in den Ostund Mittelweststaaten sowie in einigen westlichen Regionen.
Daß die Privatwirtschaft mit Hunderten von Unternehmen im Kohlebergbau
auf Bedarf im Ausland rasch reagieren kann, bewies sie 1980, als die Exporte
plötzlich auf 85 Millionen Tonnen Kohle (gegenüber 62 Millionen Tonnen im Jahr
davor) anstiegen. Den Hauptanteil hatte übrigens Heizkohle - ein Anzeichen
dafür, daß Kohle Erdöl ersetzen soll. Gegenwärtig exportieren die USA etwa
12 Prozent ihrer Jahresförderung.
Für eine beträchtliche Expansion gibt es genügend Spielraum. Die Marktforschungsfirma "Predicasts, Inc." in Cleveland, Ohio, bezeichnete kürzlich
eine jährliche Wachstumsrate der amerikanischen Kohleförderung von fünf
Prozent in den Jahren von 1983 bis 1995 als realistische Erwartung. Danach
dürfte den Schätzungen des Unternehmens zufolge der Jahresausstoß fast 1,5
Milliarden Tonnen Kohle erreichen - mehr als das Doppelte als die gegenwärtige
Förderleistung im Jahr. Obgleich der Inlandsverbrauch etwa im gleichen Ausmaß
steige und 1995 bei 1,3 Milliarden Tonnen liegen dürfte, stünden bis dahin pro
Jahr 225 Millionen Tonnen Kohle für den Export zur Verfügung. Dies ist mehr als
die doppelte Menge der Kohle, die im Jahr 1981 (110 Millionen Tonnen) von den

- 2 -

�von den USA exportiert wurde. Die US-Regierung verpflichtete sich im vergangenen Jahr, "die vertraglichen Abmachungen im Kohlehandel nicht zu unterbrechen, wenn sie nicht durch einen ernsten nationalen Notstand dazu gezwungen wird". .
Vom Kohlereichtum der USA und der Leistungsfähigkeit der privaten Bergwerksunternehmen einmal abgesehen, sind das relativ gute Klima zwischen den
Sozialpartnern sowie die guten Möglichkeiten für den Transport der Kohle von
den Bergwerken und ihre Verladung auf Schiffe mitbestimmend für den guten
Ruf der Vereinigten Staaten als zuverlässiges Lieferland, Per Bahn und auf
Wasserwegen wird die Kohle in erster Linie zu den Häfen Baltimore (Maryland)
und Hampton Roads (Virginia) an der Ostküste, nach Mobile (Alabama)und New
Orleans (Louisiana) an der Golfküste sowie nach Long Beach-Los Angeles in
Kalifornien und zu anderen Häfen im Westen gebracht. Zwar seien manche Schleusenanlagen an Flüssen und Kanälen veraltet, und einige Eisenbahngesellschaften
konnten bisher wegen finanzieller Schwierigkeiten noch keine technischen Verbesserungen vornehmen, wie ein Regierungsbeamter einräumt. Jedoch seien eine
ganze Anzahl von Eisenbahngesellschaften "in aggressiver Weise" dabei,
ihre Anlagen und ihren Betrieb zu verbessern. Beim Transportwesen im Inland
ergeben sich ohnehin keine größeren Hindernisse für das Kohleexportprogramm.
Die amerikanischen Häfen werden ausgebaut. Jedoch wurde das Tempo infolge
der hohen Kosten für diese Projekte und gleichzeitig der schwächeren Kohlenachfrage aus dem Ausland vorübergehend gebremst. Von 1980 bis 1982 wurden in
wichtigen Häfen der Atlantik-, Golf- und Westküste mehr als 50 Projekte zur
Verladung oder Lagerung von Kohle angekündigt und vorgeschlagen. Im US-Schifffahrtsamt errechnete man die gegenwärtige Kapazität für die Kohleverladung auf
146 Millionen Tonnen; das US-Handelsministerium gab die Prognose, daß sich
diese Zahl bis 1985 auf mehr als 450 Millionen Tonnen erhöhen werde. Dem erwarteten Auslandsbedarf könnte damit leicht Rechnung getragen werden.

Ein Engpaß

- 3 -

�^

Ein Engpaß ergebe sich noch, wie ein Regierungssprecher erklärte, aus dem
Fehlen von Tiefwasserhäfen an der Ost- und Westküste für Kohle-Großtransportschiffe. Auch seien viele Kanäle nicht tief genug angelegt. Akut ist das Problem
vor allem im Bereich Hampton Roads-Norfolk, von wo aus die Hälfte der amerikanischen Exportkohle verschifft wird - auch die für Asien bestimmten Lieferungen.
Je stärker Japan und andere ostasiatische Importländer Kohle aus dem
Westen der Vereinigten Staaten in Anspruch nehmen, desto weniger dürfte das
Kanalproblem noch Bedeutung haben. Denn der Hafenkomplex Los Angeles-Long Beach, (
von wo aus die größten Mengen Exportkohle an der amerikanischen Westküste verschifft werden, verfügt über einen natürlichen Kanal, der auch größere Kohlenschiffe aufnehmen kann. In den nächsten fünf bis sieben Jahren dürften zumindest
einige der Ostküstenhäfen genügend große Tiefen für Großtransportschiffe erhalten. Sowohl die Regierung als auch der Kongreß suchen nach Mitteln und Wegen,
um ausreichend tiefe Schiffahrtswege für die großen Seefahrzeuge zu schaffen,
die in zunehmendem Maß im Welthandel mit Kohle eingesetzt werden. In der
Zwischenzeit wollen die Vereinigten Staaten die Kohleverladung von der Bahn
aufs Schiff vereinfachen und durch Innovationen in der Schiffskonstruktion den
Mangel an Tiefwasserhäfen vorläufig überbrücken.
Während die amerikanischen Kohleexportstellen darauf bedacht sind, mehr
Kohle schneller umzusetzen, schließt die Reagan-Administration jegliche Art von
Subventionen aus. Vielmehr werden die Kohlepreise auch weiterhin vom Wettbewerb
unter den Hunderten von Firmen bestimmt, die in der "National Coal Association"
(NCA) zusammengeschlossen sind. Carl Bagge, der Präsident der NCA, riet vor
kurzem den Partnerfirmen, ihre Exportpreise niedrig zu halten. Bruce C. Wilson
vom Verband der Kohleexporteure faßte die wichtigsten Beweggründe für den Kauf »
amerikanischer Kohle durch die Kunden in Obersee folgendermaßen zusammen: "Die
Vereinigten Staaten verfügen über die Reservebasis, über eine wettbewerbsfähige
Kohleindustrie mit der erforderlichen Technologie und den notwendigen geschulten
Arbeitskräften, die unterstützt wird von einem angemessenen Transportsystem und
vom politischen Klima - alles notwendige Dinge, um dem Weltbedarf an Kohle nachzukommen."
+ + +

- 4-

�Wi//en/chcift
und Technik

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. November 1982

44

ENERGIESPARTREND BLEIBT - ABER MEHR STROMBEDARF
Leichtindustrie gewinnt immer mehr an Bedeutung

- (AD) - Nach Meinung von Dr. James Edwards, dem bisherigen Energieminister der Vereinigten Staaten, dürfte sich das Sparverhalten auf dem Energiesektor in Amerika erst dann ändern, wenn die Wirtschaft deutliche Zeichen einer
Verbesserung der Lage erkennen läßt. Vorläufig sei auch kaum mit einer Änderung der öl preise zu rechnen.
Vor dem Nationalen Presseclub erklärte Edwards am 28. Oktober 1982,
daß die USA "noch nicht begonnen haben, auf energie-effizientere Technologien
überzugehen.

Erst im nächsten Jahrzehnt und in der Folgezeit werden wir den

Nutzeffekt zunehmend steigern.

Und je weiter die Wirtschaft ihren Verlagerungs-

prozeß von der Schwer- zur Leichtindustrie voranbringt, desto weniger Energie
benötigt die Industrie künftig zum Produzieren.

Die alte Zeit ist vorbei -

ein für allemal... Der Spartrend bleibt."
Einsparung von Energie sei der Hauptgrund dafür, daß die Energiepreise
in den Vereinigten Staaten zurückgehen, obgleich natürlich internationale Entwicklungen nicht ohne Einfluß seien.

Aber "in dem einen Jahr 1978-79 stiegen

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�1978-79 stiegen die Energiepreise um 130 Prozent - und dieser Umstand zwang
die Amerikaner, Energie zu sparen".
Edwards zitierte aus einem am 28. Oktober 1982 vom US-Energieministerium
veröffentlichten neuen Bericht, demzufolge die USA von der im Jahr 1981 verbrauchten Energie 88 Prozent selbst produzierten.

Die restlichen 12 Prozent

wurden importiert; im Jahr 1977 waren es noch 24 Prozent.
Die Studie verweist auf den Rückgang des Inlandsverbrauchs und den Anstieg der inländischen Energieproduktion.

Sie gibt eine Übersicht zur gegen-

wärtigen Energiesituation sowie zur voraussichtlichen Entwicklung bis zum
Jahr 2000:

Während in den kommenden 18 Jahren der Energieverbrauch in Amerika

um weniger als 30 Prozent steigen dürfte, sei im gleichen Zeitraum mit einer
Zunahme der inländischen Energieproduktion um etwa 35 Prozent zu rechnen.
"Stabile ölpreise haben geholfen, die Inflation zurückzuschrauben",
erklärte Edwards.

"Die Aufhebung der Preisbindung hat den amerikanischen

Glauben an den freien Markt erneuert.

Sofern es im Mittleren Osten

nicht zu

unvorhergesehenen Ereignissen kommt, dürfte in den nächsten paar Jahren der
ölpreis stabil bleiben."

Die Menge strategischer Erdölreserven sei unter der

Reagan-Administration mehr als verdreifacht worden - von 90 Millionen Barrel
im Dezember 1980 auf gegenwärtig 289 Millionen Barrel.

Diese Reserven seien

eine enorme Hilfe, den Schock einer unerwarteten künftigen Versorgungskrise
zu mildern.

Wenn es nicht zu einer solchen Unterbrechung komme, reichten die

amerikanischen und weltweiten Reserven in Verbindung mit den sich entwickelnden
Technologien aus, um auch längerfristig den geschätzten Energiebedarf zu dekken - "vorausgesetzt, daß marktbedingte Behinderungen ihre Anwendung nicht
einschränken".
Ein weiterer bedeutsamer Fortschritt sei die Öffnung der Schelfgebiete
und des Landbesitzes der öffentlichen Hand für die öl- und Gasexploration.
Das Santa-Maria-Becken vor der kalifornischen Küste besitze ein enormes Reservepotential, das bereits mit dem der Prudhoe-Bucht in Alaska verglichen werde.

- 2 -

�verglichen werde.

An Pachtgebühren für die Erschließung des Schelfgebiets

der "New Beaufort Sea" (Alaska) seien zwei Milliarden Dollar als Einnahmen
für das US-Finanzministerium zu erwarten - weitaus mehr, als zuvor angenommen.
Als wichtige Zukunftsaufgaben nannte Edwards die Preisfreigabe bei Erdgas und den Bau von mehr Kernkraftwerken.

"Je weiter die Verlagerung von der

Schwerindustrie auf hochwertige Verfahrens- und Feintecznik voranschreitet,
desto mehr wird Elektrizität als Primä'renergie gebraucht", meinte Edward.
"Wir müssen sehr leistungsfähig sein,und es gibt keine Technologie, die so
leistungsfähig oder so sauber oder so sicher wie Kernenergie ist."
Dr. James Edwards trat am 5. November sein neues Amt als Präsident der
Medizinischen Universität von Südkarolina an.

- 3 -

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Herausgeber: U.S. Inflation Service f 1 ! | # V M 1 P
Embassyofthe^t^^tesof America % J I ^ M I I J ^
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Z12462C
*
10. November 1993

45

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER BEGRUSST NEUE
RUSSISCHE MILITÄRDOKTRIN
Anhörung vor Senatsausschuß

BOSNIEN

FORDERUNG NACH BESTRAFUNG VON
KRIEGSVERBRECHERN IM EHEMALIGEN
JUGOSLAWIEN
Drängen auf kurzzeitige Friedenslösung
stellt Gefahr dar

GATT

VORBEREITUNGEN FÜR ABSCHLUSS
DER URUGUAY-RUNDE
Weiterhin erhebliche Schwierigkeiten

LUFTFAHRT

PENA ERLÄUTERT AMERIKANISCHE
LUFTFAHRTPOLITIK
Rede des Verkehrsministers

GESELLSCHAFT

DIE WELT IN EINEM STADTVIERTEL
von Jeff Lyon

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
10. November 1993

CHRISTOPHER BEGRÜSST NEUE
RUSSISCHE MILITÄRDOKTRIN
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Nach einer "ersten Prüfung"
begrüßte Außenminister Christopher mehrere Aspekte der diese Woche veröffentlichten neuen Militärdoktrin Rußlands. Christopher machte seine Ausführungen im Rahmen einer umfassenden Erörterung der
amerikanischen Außenpolitik bei einer Anhörung vor
dem Auswärtigen Ausschu ß des Senats am 4. November 1993.
Bei der Auflistung außenpolitischer Prioritäten der
Clinton-Administration setzte Christopher wirtschaftliche Sicherheit an die oberste Stelle. "Sicherheit in der
Welt nach dem Kalten Krieg wird ebenso von starken
Volkswirtschaften wie von starken Waffenarsenalen
abhängen", erläuterte er.

Jahren stattgefunden haben", antwortete Christopher
auf die Frage des Ausschußvorsitzenden, Senator
Claibome Pell, zur neuen russischen Militärdoktrin.
"Die russische Militärdoktrin versucht, mit der neuen
Realität in Rußland Schritt zu halten", stellte der Außenminister fest und fügte hinzu, es habe "eine enorme Reduzierung des russischen Militärs stattgefunden. In praktisch jeder Waffenkategorie, einschließlich der nuklearen, wurden einschneidende Kürzungen
vorgenommen."

Die Russische Föderation habe ferner "die alte Doktrin
verworfen, keinen Erstschlag mit Nuklearwaffen durchzuführen", äußerte Christopher. "Offen gesagt haben
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten die alte
Eine weitere wichtige Priorität ist seiner Ansicht nach sowjetische Doktrin nie als ernsthaften Indikator desdie Unterstützung politischer und wirtschaftlicher Re- sen gewertet, was die UdSSR tatsächlich mit ihrem
formen in Rußland und den anderen Nachfolgestaaten massiven Arsenal von Nuklearwaffen tun würde."
der ehemaligen Sowjetunion sowie in den neuen
Demokratien Mittel- und Osteuropas. Er ging ferner "In der neuen Doktrin hat Rußland im wesentlichen
auf Europa, die NATO, Asien und den Pazifik, China, festgestellt, daß es Atomwaffen nicht gegen einen
den Nahen Osten, Nichtverbreitung sowie die Verhin- atomwaffenfreien Staat einsetzen wird, der Mitglied
derung oder Bewältigung regionaler Konflikte wie in des Nichtverbreitungsvertrags ist", so der AußenminiHaiti, Somalia und Bosnien als Themen von oberster ster. "In der Tat unterscheidet sich die in dieser
Erklärung angekündigte Nukleardoktrin nicht grundlePriorität ein.
gend von unserer eigenen."
Dem Außenminister zufolge wollen die Vereinigten
Staaten "umfassende Beziehungen zu China" aufbau- Christopher verwies ferner auf das "Hauptziel" der
en, die eine Beilegung von Meinungsverschiedenhei- Doktrin, das die Beendigung des Abzugs der zur Zeit
ten in einem weitgefaßten, strategischen Kontext außerhalb Rußlands stationierten russischen Streitgestatten. "Wir arbeiten mit China auf Fortschritte in kräfte sei, die auf russisches Territorium zurückgeführt
allen Bereichen hin, die weiterhin Anlaß zur Besorgnis werden sollen.
geben, darunter Menschenrechte, Nichtverbreitung
"Wir begrüßen dies", stellte der Außenminister fest.
und Marktzugang", führte er aus. Christopher warnte
Die neue Doktrin sehe darüber hinaus vor, daß die
jedoch, "solange es keine maßgeblichen Fortschritte
russischen Truppen "in bestimmten Situationen, verbei Menschenrechten gibt, wird der Präsident im
mutlich im Rahmen der Friedenssicherung, entlang
kommenden Frühjahr nicht die Verlängerung des
der Peripherie der ehemaligen Sowjetunion operieMeistbegünstigungsstatus empfehlen können".
ren". Die Vereinigten Staaten gingen davon aus, daß
"Rußland beginnt die tiefgreifenden Veränderungen in solche Operationen "nur in Zusammenarbeit mit den
den Griff zu bekommen, die in den vergangenen drei anderen betroffenen Staaten erfolgen werden", fügte
Christopher hinzu.
AMERIKA DIENST 45

Seite 1

�"In unseren diplomatischen Gesprächen mit Rußland
haben wir betont, daß russische Operationen außerhalb Rußlands im Einklang mit allen internationalen
Normen, insbesondere der Charta der Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki stehen müssen, und die Russen haben dies bestätigt."
"Sie müssen die territoriale Integrität und Souveränität
der anderen neuen unabhängigen Staaten respektieren", stellte er fest. "Mit anderen Worten, Rußland
muß Teil der Lösung und nicht Teil des Problems im
Hinblick auf regionale Konflikte sein."

nicht alleine ein Ende der Uruguay-Runde des GATT
herbeiführen ... Die Förderung der transatlantischen
Sicherheit erfordert nicht nur eine Erneuerung der
NATO, sondern auch einen erfolgreichen Abschluß
der GATT-Verhandlungen."
Außenminister Christopher sprach im weiteren folgende außenpolitische Themen an:

Ukraine. Diese Nation "hat ihre Verpflichtungen sowie
deren Anwendbarkeit auf alle strategischen Offensivwaffen auf ukrainischem Boden erneut bekräftigt, aber
wir haben noch harte Arbeit vor uns, da in diesem Staat
Die Vereinigten Staaten entnehmen der Erklärung weiterhin Opposition gegen eine atomwaffenfreie Ukraine
femer, daß die neue Doktrin speziell auf den Abzug besteht". Präsident Krawtschuk hat zugesichert, im
aller russischen Truppen aus den Nachbarstaaten ukrainischen Parlament auf eine Ratifizierung des
Lettland und Estland Bezug nimmt, "und das sind gute START-I-Vertrags während der Sitzung im November
Nachrichten", so Christopher, der hinzufügte, er habe zu drängen.
während seines Besuchs in Moskau Ende vergangeDer ukrainische Präsident nannte Christopher keine
nen Monats entsprechende Zusicherungen erhalten.
Frist für den Beitritt seines Landes zum Nichtverbrei"Darüber hinaus hat die russische Regierung wieder- tungsvertrag (NW). "Und genau da liegen die Schwieholt bekräftigt, daß sie kein Junktim zwischem dem rigkeiten, und genau da müssen wir auf Fortschritte
Truppenabzug und der Situation der ethnischen Rus- drängen."
sen in diesen Baltenstaaten herstellt."
"Wir alle müssen ihnen klarmachen, daß sie in der
"Ich bedauere das Ende des Kalten Krieges nicht", Gemeinschaft der Nationen nicht voll akzeptiert wererklärte der Außenminister. "Wir müssen einen neuen den und keinen Anspruch auf umfassende WirtschaftsKonsens im Inland für die anhaltende Unterstützung hilfe haben, bevor sie nicht dem NW beitreten."
unseres aktiven Engagements in einer komplexeren
Haiti. "Haiti ist ein Beispiel dafür, daß zeitweilige
und interdependenten Welt erarbeiten."
Rückschläge uns nicht von der Verfolgung unserer
Während dieser Zeit müßten die Vereinigten Staaten Interessen abhalten dürfen. Wenn auf Haiti nicht die
"eine sachliche Einschätzung ihrer dauerhaften Inter- Demokratie wiederhergestellt wird, werden Unterdrücessen vornehmen, die Sicherheit ihrer Nation, den kung, Gewalt und Leiden weiterhin eine große Zahl von
Wohlstand ihres Volkes und wo immer möglich die Haitianern zur - oftmals für sie äußerst gefährlichen Förderung demokratischer Werte gewährleisten", er- Flucht veranlassen."
läuterte der Außenminister.
Haitis Probleme können einzig und allein durch demoDie NATO "mu ß innovativ sein oder sie geht das Risiko kratische Institutionen und wirtschaftliche Entwicklung
ein, in Belanglosigkeit zu verfallen", führte er aus und gelöst werden... Wir bleiben der Wiederherstellung
fügte hinzu, ihre Erweiterung sollte durch die von den von Demokratie und der Rückkehr von Präsident AriVereinigten Staaten angekündigte Initiative Partnerfür stide verpflichtet."
den Frieden in nichtdiskriminierender Weise erfolgen
und zahlreiche Staaten einbeziehen. Christopher zufolge Die Administration hat "viele Informationen über die
sei der russische Präsident Jelzin äußerst positiv Lage auf Haiti und über Präsident Aristide, und auf
gegenüber dem Konzept Partner für den Frieden ein- dieser Grundlage halten wir ihn für unterstützenswert
gestellt, das eine Erweiterung der NATO nach Osten in ... basierend auf der Tatsache, daß er demokratische
Erwägung zieht. "Sie wollen nicht von der Möglichkeit sowie erwiesenermaßen offene und freie Wahlen auf
eines Beitritts ausgeschlossen werden", so der Au- Haiti gewonnen hat".
ßenminister.
Somalia. Die Vereinigten Staaten verfolgen in Soma"Präsident Jelzin ist der beste Verbündete, den wir lia "ein hehres Ziel", das "im Einklang mit unseren
heute in Rußland haben", betonte der Außenminister. Werten und Traditionen steht... Wir haben buchstäb"Er respektiert meines Erachtens die territoriale Inte- lich Hunderttausende von Menschenleben gerettet.
grität der anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion." Jetzt verfolgen wir eine klare politische Linie und
Diejenigen, die Jelzin letzten Monat zu stürzen ver- werden durch die bereits gemachten Fortschritte
suchten, wollten Christopher zufolge das sowjetische ermutigt."
Imperium wiederherstellen.
Burundi. Das Außenministerium hat der aufgrund
des
Putsches in Burundi entstandenen Flüchtlingslage
Er richtete folgende Warnung an die europäischen
große
Aufmerksamkeit gewidmet. Die Vereinigten
Verbündeten Amerikas: "Die Vereinigten Staaten können
Seite 2

AMERIKA DIENST 45

�Staaten stehen in Kontakt mit der Organisation für
Afrikanische Einheit und den Nachbarländern Burundis. Die "beste Lösung in der gegenwärtigen (Situation) ... (ist) die Zusammenarbeit in dieser regionalen
Organisation."
Bosnien-Herzegowina. "Die amerikanische Politik
angesichts des schrecklichen Konflikts in BosnienHerzegowina trägt unserem strategischen Interesse
an der Verhinderung einer Ausweitung des Konflikts
auf die Nachbarstaaten sowie unserem humanitären
Interesse an einer Milderung des Leidens der Menschen in Bosnien-Herzegowina Rechnung."
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin auf Verhandlungen drängen, aber angesichts der großen Gefahr
für die Bosnier wegen des bevorstehenden Winters
"müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf humanitäre
Hilfsaktionen konzentrieren".
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Einrichtung
eines UN-Kriegsverbrechertribunals sowie eine Fortsetzung der Wirtschaftssanktionen gegen Serbien und
Montenegro. "Gleichzeitig haben die Vereinigten Staaten
durch Erklärungen von Präsident Clinton und mir deutlich
gemacht, daß wir nicht mit militärischen Mitteln eine
Lösung erzwingen wollen... Wenn die Bedingungen
für unsere Teilnahme erfüllt sind, wären wir zur Mitwirkung an der Herbeiführung einer Lösung in Bosnien
durch die NATO bereit, sofern alle Parteien zustimmten."
UNO-Friedenssicherung. "Wir müssen eindeutig
neue Mechanismen zur Beilegung und Verhinderung
von Konflikten in Erwägung ziehen sowie die Mechanismen zur Friedenssicherung modifizieren oder neu
gestalten." Die Rolle der Vereinigten Staaten "wird

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durch eine genaue Einschätzung der Interessen unseres Landes und anderer Staaten bestimmt".
In außenpolitischen Fragen sind Christopher zufolge
eingehende und umfassende Konsultationen mit dem
Kongreß erforderlich, insbesondere wenn die Administration eine UNO-Resolution in Erwägung zieht, die
den Einsatz amerikanischer Streitkräfte beinhalten
könnte. Es bestehe eine reale Gefahr, daß aus der
Sorge über eine Beteiligung der Vereinigten Staaten
an friedenssichernden Operationen ein Trend zu Isolationismus entstehen könnte.
"Wir dürfen nicht die Tatsache aus den Augen verlieren, daß die Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen uns in vielerlei Hinsicht bei der Erfüllung unserer
Aufgaben größere Effektivität verleiht als wenn wir im
Alleingang handeln würden."
Jedoch "müssen wir in Betracht ziehen, daß das
amerikanische Volk immer in Sorge ist, wenn USTruppen ... nicht dem operativen Kommando des
amerikanischen Militärs unterstehen."
Indien, Pakistan. Die Weiterverbreitung von Atomwaffen in Südasien ist für die Vereinigten Staaten
Anlaß zu "großer Sorge".
Die neue Regierung Pakistans sei hoffentlich aufgeschlossen für die internationalen Gespräche über Fragen
der Weiterverbreitung in der Region.
Indien werde im Zusammenhang mit seinen religiösen
Konflikten hoffentlich einen Weg zur Beschwichtigung
der Gemüter finden, die die Situation zu schüren
scheinen. "Es ist ein tragischer Rückschritt, daß
dieses Land seine Minderheitenreligionen nicht auf
positive Weise integriert."

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�BOSNIEN
10. November 1993

FORDERUNG NACH BESTRAFUNG VON
KRIEGSVERBRECHERN
IM EHEMALIGEN JUGOSLAWIEN
Drängen auf kurzzeitige Friedenslösung stellt Gefahr dar
WASHINGTON - (AD) - Botschafter Kenneth Blackwell, der ehemalige Vertreter der Vereinigten Staaten
bei der UN-Menschenrechtskommission, erklärte am
3. November 1993, es sei "von lebenswichtiger Bedeutung", daß die Anklage von Kriegsverbrechern im
ehemaligen Jugoslawien so zügig wie möglich vonstatten gehe.
In einer Arbeitsgruppe forderte Botschafter Blackwell,
Kriegsverbrecher zur Rechenschaft zu ziehen und
erklärte: "Das Drängen auf ein kurzfristiges Friedensabkommen bringt die Kriegsparteien zwar an den
Verhandlungstisch, führt jedoch auch zu einem Abkommen über gegenseitige Amnestie." Er stellte fest:
"Das dient weder der Gerechtigkeit noch dem langfristigen Frieden in der Region." Vielmehr "wird es
fortgesetzte kriegerische Auseinandersetzungen über
Generationen hinweg auslösen; die Strafverfolgung
von Kriegsverbrechern ist bei der Versöhnung auf
lange Sicht der Schlüsselfaktor".
In einer Rede vor den Vereinten Nationen am 2.
November 1993 vertrat Madeleine Albright, die UNOBotschafterin der Vereinigten Staaten, eine ähnliche
Meinung. "Die Clinton-Administration akzeptiert keine
Übereinkunft und kein Angebot, die Kriegsverbrechern
Straffreiheit gewähren - und unserer Ansicht nach wird
das auch die internationale Staatengemeinschaft nicht
tun."
Vergangene Woche gaben die Vereinten Nationen die
Ernennung von Ramon EscovarSalom, dem Justizminister Venezuelas, zum Generalstaatsanwalt beim
internationalen Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien bekannt. Auch wurde angekündigt, daß Cherif Bassiouni, der bereits der Expertenkommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen
angehört, zu deren Vorsitzenden ernannt wird.

Am heutigen Tag forderten mehrere Redner, ein
Übergangsteam aufzustellen, um diese beiden Amtsträger bei ihren Bemühungen zu unterstützen. "Obwohl diese Ankündigungen einen erheblichen Fortschritt im Hinblick auf die Rechenschaftspflicht von
Kriegsverbrechern darstellen, haben wir noch viel Arbeit
vor uns, wenn das Tribunal eine wirksame und glaubwürdige Rolle dabei spielen soll, in dieser Krisenregion
Gerechtigkeit walten zu lassen", äußerte Dr. John
Woodall, Arzt an der Harvard Medical School, der die
Arbeitsgruppe einberufen hatte.
Zu dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien im allgemeinen stellte Woodall fest, es sei offensichtlich, daß seit
dem Ende des Karten Krieges multilaterale Aktionen
das bevorzugte Instrument zur Beilegung internationaler Krisen geworden seien. Obwohl solche Aktionen
seiner Ansicht nach auch funktionieren, wies er auf
zwei Fallstricke hin: "Die internationalen Institutionen
sind zur Zeit nicht stark genug, um wirksame multilaterale Aktionen zu unterstützen" und "ein nachlassender
internationaler Wille" erschwere multilaterale Lösungen.
Blackwell stimmte dem zu und fuhr fort: "Es müssen
konkrete Schritte unternommen werden, um die institutionellen M ittel zur Förderung von globaler Sicherheit
und Rechtsstaatlichkeit zu verbessern". Zu diesem
Zweck forderte er einen internationalen Sicherheitsgipfel führender Politiker.
Die dem Kriegsverbrechertribunal angehörenden Richter sollen vom 17. November an mehrere Wochen in
Den Haag zusammentreffen, um Entwürfe für Verfahrensregeln auszuarbeiten. Mehrere Redner wiesen
darauf hin, daß ein Beginn der Verhandlungen nicht
vor Anfang kommenden Jahres erwartet wird.

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AMERIKA DIENST 36

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�GATT
10. November 1993

VORBEREITUNGEN FÜR ABSCHLUSS
DER URUGUAY-RUNDE
Weiterhin erhebliche Schwierigkeiten
WASHINGTON - (AD) - Ab dem 15. November 1993
werden Unterhändler aus über 100 Ländern zu einer
praktisch ununterbrochenen Sitzung zusammenkommen, um die sieben Jahre andauernden Handelsgespräche der Uruguay-Runde des GATT bis zum 15.
Dezember zu einem Abschluß zu bringen.
John Schmidt, der amerikanische Koordinator für die
Uruguay-Runde, bezeichnete die Aussichten auf einen erfolgreichen Abschluß der Gespräche in der
gesetzten Frist als "gut", räumte jedoch ein, daß von
Landwirtschaft und Dienstleistungen bis zu Zöllen und
Textilien noch beachtliche Hindernisse bestehen.
Auf einem Treffen von Vertretern der Wirtschaft aus
den Vereinigten Staaten und dem Ausland am 2.
November 1993 in Washington machte Schmidt auch
deutlich, im Gegensatz zu den von französischer Seite
geäu ßerten Behauptungen erwarteten weder die Vereinigten Staaten noch die meisten anderen Teilnehmer der Uruguay-Runde, daß die Gespräche über den
15. Dezember hinausgehen oder zu weniger als einem
umfassenden Abkommen über alle wichtigen Bereiche des Handels führen.
Eine der Hauptschwierigkeiten ist ihm zufolge der
Marktzugang. Die von den führenden Industrieländern
beim Wirtschaftsgipfel in Tokio im vergangenen Juli
eingegangenen Verpflichtungen zur Senkung der Zölle seien nicht erfüllt worden.

"Das Problem war die Fixierung der Europäischen
Gemeinschaft auf die Senkung aller oder praktisch
aller Spitzenzölle, wozu wir niemals bereit waren und
sind", so Schmidt. "Ganz offensichtlich werden weder
wir noch Japan oder Kanada das tun."
Schmidt argumentiert, daß die amerikanischen Textilhersteller von den Vorschlägen der Uruguay-Runde
hart betroffen werden, die einen schrittweisen Abbau
des derzeitigen weltweiten Systems von Textilquoten,
genannt Murtifaserabkommen, fordern. Ihm zufolge
würde das einer 60- bis 70prozentigen Zollsenkung
entsprechen.
Schmidt erklärte auch, das Angebot der EG zur Senkung der Zölle auf Halbleiter von 14 auf 9 Prozent
reiche in den Augen der Welt nicht aus.
Bei Finanzdienstleistungen planten die Vereinigten
Staaten die baldige Vorlage eines kontroversen Ansatzes, der tatsächlich "moderater" als vorgesehen ausgefallen sei.
Die Vereinigten Staaten hatten die Absicht, bei den
Verhandlungen über Finanzdienstleistungen nicht den
Meistbegünstigungsstatus anzubieten, weil ihrer Ansicht nach die anderen Länder die Bereitschaft zur
Öffnung ihrer Märkte vermissen lassen.

Der Meistbegünstigungsstatus hätte den Ländern mit
geschlossenen Märkten bei Finanzdienstleistungen
Das Tokioter Abkommen forderte die Abschaffung den ungehinderten Zugang zum amerikanischen Markt
tarifärerund nichttarifärer Maßnahmen bei einer Reihe gestattet, dereinigen ausländischen Anbietern bereits
von Produkten, die Harmonisierung der Zölle für che- eingeräumt wurde.
mische Produkte auf niedrigem Niveau sowie die "Wir haben vor kurzem die Auffassung geäußert, daß
Verfolgung des umfassenden Ziels einer 33prozenti- wir statt uneingeschränkter Ausnahmen beim Meistgen Zollsenkung.
begünstigungsstatus - die viele als eine Gefährdung
Ferner wird darin die Aushandlung größtmöglicher der Einbeziehung von Finanzdienstleistungen in die
Senkungen der Spitzenzölle von über 15 Prozent Uruguay-Runde oder mögliche Gefährdung des Abgefordert. Schmidt zufolge interpretiere die EG das als kommens über Dienstleistungen insgesamt ansehen 50prozentige Senkung jedes Spitzenzolls, insbeson- gewisse Ausnahmen vornehmen, die der ganzen Wert
eine grundlegende Stillhaltevereinbarung bieten, und
dere auf amerikanische Textilien.
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�wir würden ihnen garantierten Zugang zum amerikanischen Markt auf ihrem derzeitigen Niveau einräumen",
stellte Schmidt fest. "Um jedoch über ihre derzeitigen
Aktivitäten hinauszugehen, ... müßten sie die Verpflichtung eingehen, einen unserem Marktzugang
vergleichbaren Zugang zu ihren Märkten zu gestatten."
Die Vereinigten Staaten haben weiterhin Meinungsverschiedenheiten mit einigen Ländern über die Notwendigkeit einer neuen multilateralen Handelsorganisation (Multilateral Trade Organization - MTO) anstelle
des Allgemeinen Zo^ und Handelsabkommens. Schmidt
zufolge sind die Vereinigten Staaten nicht von der
Notwendigkeit einer MTO überzeugt, obwohl sie zum
Überdenken dieser Frage bereit sind, sollten alle anderen
Probleme der Uruguay-Runde gelöst sein.
"Eine neue multilaterale Handelsorganisation hat eindeutig einige politische Nachteile für uns", erklärte
Schmidt und erläuterte, alles, was die Entscheidungs-

befugnis der Vereinigten Staaten beschränke, könnte
zu politischem Widerstand im Kongreß führen.
Schmidt deutete ferner an, daß ein negatives Ergebnis
der vorläufig für den 17. November 1993 anberaumten
Abstimmung über das Nordamerikanische Freihandelslabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA) im Kongreß die Uruguay-Runde zu Fall
bringen könnte.
Schmidt zufolge würde ein negatives Abstimmungsergebnis zum NAFTA die Frage aufwerfen, wie die
übrige Weh die Vereinigten Staaten als Verhandlungspartner sieht und ob die Clinton-Administration in der
Lage ist, die Verabschiedung der Gesetzesvorlage zur
Uruguay-Runde im Kongreß durchzubringen. Solche
Zweifel könnten dazu führen, daß andere Unterhändler bei der Uruguay-Runde nicht die liberalisierenden
Maßnahmen anbieten, die zum Erfolg der Runde erforderlich sind.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 45

�LUFTFAHRT
10. November 1993

PENA ERLÄUTERT AMERIKANISCHE
LUFTFAHRTPOLITIK
Rede des Verkehrsministers
WASHINGTON - (AD) - Verkehrsminister Federico Pena zufolge liegen der Politik der Vereinigten Staaten zur
internationalen zivilen Luftfahrt vier Prinzipien zugrunde, die er in einer beim Treffen des Internationalen
Verbandes für Lufttransport in Dallas am 1. November 1993 gehaltenen Rede erläuterte.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede des Verkehrsministers.

Um Präsident Clinton zu zitieren, durchleben wir sowohl en Zeitpunkt der vollständigen Erholung unseres interin den Vereinigten Staaten als auch weltweit eine Zeit nationalen Luftfahrtmarktes prognostizieren.
"galoppierender Veränderungen" - und Spannungen Und wir Amerikaner sind uns der Belastungen äu ßerst
in der Luftfahrtindustrie.
bewußt, die Wettbewerb den Fluggesellschaften und
Ich möchte Ihnen meine Gedanken zu dieser heraus- Regierungen auf der ganzen Welt auferlegt - weil wir
fordernden Situation erläutern und unseren "Flugplan" sie selbst erlebt haben.
darlegen, der uns dabei leiten soll.
Ich bin jedoch überzeugt, daß Privatisierung, WettbeIch möchte drei Themen ansprechen. Erstens werde werb und Globalisierung durch wirtschaftliche und
ich kurz auf die wettbewerbsfördernde Politik der politische Kräfte genährte Trends sind, die letztlich
Vereinigten Staaten gegenüber den Fluggesellschaf- Bestand haben werden. Regierungen und Fluggesellten eingehen. Dann werde ich den Trend zur Globali- schaften, die sich diese Trends zu eigen machen,
sierung dieser Industrie - und die sie konfrontierenden werden definitiv den Vorsprung haben.
Hemmnisse - analysieren. Logischerweise führt mich
das zu meinem dritten Thema - wie wir in der sich Wettbewerbsfördernde Luftfahrtpolitik
abzeichnenden internationalen Welt der Luftfahrt Während andere Nationen wettbewerbsfördernde
zusammenarbeiten und wachsen können.
Maßnahmen verabschieden, könnte es sich als nützJeder hier weiß, daß sich die internationale Luftfahrtindustrie inmitten eines tiefgreifenden, häufig schwierigen Umbruchs befindet - ausgelöst durch kommerzielle Gebote und die Verbreitung der Politik freier
Marktwirtschaften. Fluggesellschaften und Regierungen auf der ganzen Welt kämpfen, um sich an den
Trend zu Privatisierung, Wettbewerb und Globalisierung anzupassen (und ihm in einigen Fällen zu widerstehen).
Wir haben keine Kristallkugel, um genau vomerzusagen, wie diese Trends die internationale Luftfahrt
beeinflussen werden. Wir können die Kreativität von
Fluggesellschaften nicht antizipieren oder den genau-

AMERIKA DIENST 45

lich erweisen, Ihnen meine Perspektive der amerikanischen Erfahrungen seit 1978 zu erläutern und einige
der Fehleinschätzungen auszuräumen, die heute
bezüglich dieser Perspektive vorherrschen.
Das Engagement für erweiterten Wettbewerb bildet
nach wie vor das Kernstück unserer Luftfahrtpolitik.
Diese Sichtweise gründet sich jedoch nicht auf den
blinden Glauben an die "unsichtbare Hand" eines
allwissenden Marktes - wie einige immer noch behaupten.
Wir müssen nochmals betonen, wer unsere Lobby ist:
Die Reisenden, Transporteure von Waren und Dienstleistungen, die Fluggesellschaften und Flugzeugher-

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�steller sowie die Städte, die Dienstleistungen zur
Wiederbelebung ihrer Volkswirtschaften wünschen.

Millionen von Reisenden und Geschäftsleuten, die
jetzt aufgrund überhöhter Preise vom Luftfahrtmarkt
vertrieben werden, könnten beflügelt werden und die
Das Abwägen der Interessen all dieser Parteien könn- Volkswirtschaften auf dem Kontinent wiederbeleben
te eine Herausforderung darstellen. Meines Erach- sowie überall in der Luftfahrtindustrie mehr Arbeitstens müssen wir jedoch versuchen, bei der Förderung plätze schaffen, nicht abschaffen.
des nationalen Interesses nicht genaue mathematische Formeln, sondern gesundes Urteilsvermögen Das war zweifelsohne unsere Erfahrung in den Vereiund Fairness walten zu lassen.
nigten Staaten. Seit 1978 ist die Beschäftigung in der
amerikanischen Luftfahrtindustrie insgesamt von
Niemand ist sich der Traumata und Belastungen des 314.000 auf 432.000 Mitarbeiter angewachsen - trotz
harten Wettbewerbs im Flugverkehr bewußter als die der sattsam bekannten Probleme einiger amerikaniAmerikaner. Die Reisenden, Mitarbeiter der Flugge- scher Fluggesellschaften. Darüber hinaus gibt es
sellschaften, die Regierung und die amerikanischen ständig neue US-Fluggesellschaften, die auf den Markt
Fluggesellschaften selbst haben sie gespürt.
drängen.
Es überrascht daher nicht, daß andere Nationen häufig
die Frage stellen, warum wir diese wettbewerbsfördernden Maßnahmen verfolgen - insbesondere angesichts der drohenden finanziellen Engpässe, mit denen sich die amerikanischen Fluggesellschaften in den
vergangenen drei Jahren konfrontiert sahen.

Es mag Sie schockieren, wenn ich sage, daß wir
diesen neuen Wettbewerb begrüßen. Wir sind sogar
der Auffassung, daß er für unsere traditionellen Fluggesellschaften gut ist.

Der Hauptgrund, warum sich amerikanische Fluggesellschaften heute eines so großen Anteils am internaWir sind durch diesen Tumult in der Tat so beunruhigt, tionalen Markt erfreuen, ist, daß sie durch den Wettbedaß ich die Gründung einer 15köpfigen nationalen werb im Inland äußerst effizient geworden sind.
Kommission zur Gewährleistung einer starken, wettbewerbsfähigen Luftfahrtindustrie uneingeschränkt Wir wissen um die Besorgnis einiger Regierungen über
diesen großen Marktanteil amerikanischer Fluggesellbefürwortet habe.
schaften.
Nach all diesen Analysen, Anhörungen und Debatten
bekräftigte die Luftfahrtkommission ein Dogma - unse- Aber statt erfolgreiche Konkurrenten einzuschränken,
re Überzeugung, daß Wettbewerb zwischen inländi- sollten Regierungen, die den Erfolg ihrer eigenen
schen Fluggesellschaften der amerikanischen Wirt- Fluggesellschaften wünschen, sie zu einer "Neuorgaschaft insgesamt enorme Vorteile verschafft.
nisation" zur Bewältigung der Herausforderungen des
Wettbewerbs auf globaler Ebene drängen.
Die Vorteile liegen auf der Hand - in Form eines
immens angestiegenen Passagieraufkommens, nied- Wettbewerb unter den Fluggesellschaften ist auch
rigeren Preisen, mehr Arbeitsplätzen bei Fluggesell- langfristig für die Flugzeug- und Düsentriebwerksherschaften sowie großen Anreizen für die amerikani- steller vielversprechend. Nichts kann mehr in ihrem
schen Städte und unsere Volkswirtschaft. Kurzum, Interesse liegen als der rasche Anstieg der Nachfrage
Wettbewerb unter Fluggesellschaften hat sich als gut nach Flugreisen und Frachttransport, den Wettbewerb
für die ihre Dienstleistungen in Anspruch nehmenden mit sich bringt.
Kunden erwiesen.
Diese Marktkräfte sind zur Aufrechterhaltung einer
Millionen amerikanischer Touristen, Geschäftsleute stabilen Auftragslage durch die Fluggesellschaften in
und Spediteure, die vor der Deregulierung durch über- der Zukunft unabdingbar. Die steigende Nachfrage
höhte Preise vom Luftfahrtmarkt vertrieben wurden, kann die Triebkraft zur Ankurbelung von Flugzeugverhaben jetzt Zugang zu einem erschwinglichen und käufen insgesamt sein - und bietet nicht nur den
wettbewerbsfähigen Angebot der Fluggesellschaften. Arbeitnehmern bei Boeing und McDonnell-Douglas,
sondern auch in der Airbus-Industrie sowie anderen
Wir sind stolz auf unsere Fluggesellschaften und wol- Flugzeug- und Düsentriebwerksherstellem auf der
len, daß sie rentabel sind. Wir vertreten ferner die ganzen Welt Arbeitsplätze.
Auffassung, daß unsere Fluggesellschaften die strategisch wichtigsten, unerläßlichsten und wertvollsten Welche andere Ursache als durch Wettbewerb und
Akteure unter unseren Dienstleistungsindustrien sind niedrigere Preise herbeigeführte steigende Verbrauund nicht nur Symbole unseres nationalen Prestiges. chernachfrage können wir uns zunutze machen, um
Handelsspannungen abzubauen und den GesamtumOffen gesagt glauben wir, daß Wettbewerb - sowohl satz der Fluggesellschaften zu erhöhen? Offenkundig
bei Preisen als auch bei Dienstleistungen - unter allen können es nicht fortgesetzte staatliche Subventionen
Fluggesellschaften im Interesse der Reisenden und auf Kosten der Steuerzahler weltweit sein.
Geschäftsleute auf der ganzen Welt - nicht nur der
Amerikaner - liegt.

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�Nachdem er unseren Glauben an die Vorteile von Hemmnisse bei wettbewerbsorientierter PreisfestsetWettbewerb bekräftigt hat, wird der neue Verkehrsmi- zung sowie Vermarktung neuer Unternehmen und der
nister sein Augenmerk vermehrt auf die Dynamik des bloße Einsatz von Marktmacht zur Schädigung des
Wettbewerbs richten und einen sorgfältigeren Ansatz Wettbewerbs werden überprüft, damit neue Firmen
als unsere Vorgänger bei dessen Verwirklichung ver- nicht vom Eintritt in den Markt abgehalten oder bestefolgen.
hende Unternehmen nicht durch wettbewerbsorientierte Praktiken geschädigt werden.
Wo es uns geeignet erscheint, sind wir sehr viel eher
- selbst in Zeiten der Deregulierung - zur Ausübung der In Zukunft werden wir darauf bestehen, daß Fusionen,
seit jeher der Regierung übertragenen gesetzlichen Beschaffungen und Verkäufe von Lizenzen für FlugBefugnis bereit, um Wettbewerb zu fördern und zu strecken gut begründet, wettbewerbsorientiert und
erhalten.
finanziell solide sind. Darüber hinaus werden wir die
Auswirkungen solcher Transaktionen auf die MitarbeiIm Rahmen des gesetzlichen Mandats zur Öffnung ter der Fluggesellschaften prüfen.
des Luftfahrtmarkts werden wir neue Bewerber und
Unternehmer zur Gründung neuer Firmen und zur Die nachhaltige Erfahrung der Konkurse von FluggeZulassung als Fluggesellschaft ermutigen.
sellschaften, Entlassungen, Arbeitskämpfe und Streiks
sind uns noch zu frisch im Gedächtnis, als daß wir die
Dies ist ein wesentlicher Teil unserer Aufgabe, da in finanziellen Exzesse der achtziger Jahre wiederholen
den Vereinigten Staaten seit dem 1. Januar 1992 nicht wollten.
weniger als 24 Passagier-, Charter und Frachtfluggesellschaften den Betrieb aufgenommen haben. Und Präsident Clinton hat Entlassungen eine neue Perbeim Verkehrsministerium sind weitere 23 Anträge für spektive gegeben, die selbst durch die besten - und
die Zulassung als Passagierfluggesellschaft anhän- notwendigsten - Maßnahmen verursacht werden können.
gigIm Hinblick auf unsere gesetzliche Verpflichtung zur
Sicherstellung der Solvenz von Fluggesellschaften
werden wir große Transaktionen etablierter Unternehmen prüfen um zu gewährleisten, daß ihre Finanzlage
nicht durch Fehlplanungen ausgehöhlt wird.
Aus unserer Sicht ist der Grund für die derzeitigen
finanziellen Schwierigkeiten der amerikanischen Luftfahrtindustrie zum Teil auf die von den bisherigen
Administrationen nicht ergriffenen klugen Schritte zur
Sanierung der Fluggesellschaften zurückzuführen,
indem mit einem zu hohen Verschuldungsgrad belastete Geschäfte nicht in Frage gestellt wurden.
Ich möchte jedoch unterstreichen, daß wir die Luftfahrtindustrie nicht wieder regulieren - oder unentgeldlich intervenieren - werden. Wir werden vielmehr mit
der Präzision eines Chirurgen sowie nur in bestimmten
Fällen und mit äußerster Sorgfalt vorgehen. Wir
streben zur Zeit keine neuen gesetzmäßigen Befugnisse an. Wir werden die Befugnisse ausüben, die
bereits während der vergangenen 10 Jahre bestanden, aber größtenteils ungenutzt blieben.
Bei Verstößen gegen das Kartellgesetz hat die neue
Administration bereits unsere Bereitschaft zu handeln
unter Beweis gestellt. Das Verkehrs- und Justizministerium prüfen das Vorgehen der Fluggesellschaften
äußerst genau.

Während wir unsere Verteidigungsindustrie abbauen
und unsere Volkswirtschaft durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und andere Vereinbarungen für Wettbewerb beim Handel öffnen, unternehmen
wir auch Schritte, um den Gemeinden und Beschäftigten bei Anpassungen - und beim Ergreifen neuer
Chancen - behilflich zu sein, indem wir das umfassendste Programm für Umschulung und lebenslanges Lernen
in der Geschichte unseres Landes anbieten.
Wir wissen, daß die Wiederherstellung der Liquidität
einiger amerikanischer Fluggesellschaften noch einige Jahre dauern wird. Und wir sind über erste Anzeichen erwirtschafteter Gewinne bei unseren Fluggesellschaften erfreut.
Das Ziel der Gewährleistung einer soliden Finanzlage
amerikanischer Fluggesellschaften ist jedoch eine
Ergänzung - nicht ein Widerspruch - wettbewerbsorientierter Maßnahmen oder ein Grund zur Tolerierung wettbewerbsorientierter Praktiken.
Kurzum: Während andere Nationen die Macht der
Regierungen zur Verhinderung von Wettbewerb einsetzen könnten, werden wir die Macht der Regierung
zum Schutz von Wettbewerb nutzen.

Warum? Weil unsere eigene Erfahrung uns von den
folgenden Binsenwahrheiten überzeugt: Wettbewerb
führt zu niedrigeren Preisen und mehr Flugreisen.
In den vergangenen 10 Monaten haben wir zweimal Mehr Flugreisen sind besser als weniger, und mehr
öffentlich die Art und Weise in Frage gestellt, in der Flugreisen schaffen nicht nur Arbeitsplätze im Fluggroße Fluggesellschaften mit kleineren Unternehmen zeugbau, sondern haben auch einen dynamischen
konkurrieren. Und wir haben eine private Überprüfung Zuwachs der Wirtschaftsaktivitäten in Städten, Regioanderer Situationen durchgeführt und vornehmlich auf nen, Nationen und der gesamten Weltwirtschaft zur
freiwillige Einhaltung gedrängt.
Folge.
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�Ich sage das nicht nur als Verkehrsminister - sondern
als ehemaliger Bürgermeister von Denver, der lange
und hart um den neuen internationalen Flughafen von
Denver gekämpft hat, der in diesem Monat eröffnet
wird und nächsten März den vollen Betrieb aufnimmt.
Ich hoffe, Sie alle werden der feierlichen Eröffnung
beiwohnen.

in Form von nichtangetretenen Flügen, nicht abgeschlossenen Kontakten und Geschäften sowie Touristen, die nicht ins Land kommen, um Geld auszugeben.
Diese vergeudeten Wirtschaftschancen und Arbeitsplätze, die entstehen könnten, sind vielleicht für einige
"unsichtbar", jedoch sehr real.

Ich weiß aus erster Hand, welche Vorteile dieser neue
Flughafen für die Wirtschaft der gesamten Region Im Gegensatz dazu verschaffen Nationen, die wettbeRocky Mountains und der Nation mit sich bringen wird. werbsorientiertere Maßnahmen und liberalere Luftfahrtabkommen verabschieden, ihren Bürgern und
Die Nebeneffekte, die er bewirkt, gehen weit über mehr Geschäftsleuten konkrete Vorteile. Eine Studie der
Arbeitsplätze für Mitarbeiter von Fluggesellschaften, Luftfahrtabkommen von 1975 bis 1989 gelangt zu der
Angestellte der Touristikbranche und andere hinaus, Schlußfolgerung: "Ein liberales Abkommen hat 46
Prozent mehr Reisen zwischen den Vereinigten Staadie direkt für die Bedienung der Reisenden und Abwicklung der Fracht zuständig sind. Es werden neue, ten und dem Ausland zur Folge sowie eine jährliche
bis dahin unvorstellbare Geschäftsabschlüsse getätigt Zuwachsrate beim Passagieraufkommen von 11 Pro- neuer Handel, neue Wirtschaftsentwicklung, die nie- zent mehr als ohne eine liberale Vereinbarung - nach
mals ohne das erweiterte Flugangebot stattgefunden Prüfung anderer landesspezifischer Faktoren..."
hätten, die dieser neue und effiziente Flughafen mit
Allein die Tourismusbranche, die jetzt zu einer weltumsich bringen wird.
spannenden Industrie mit einem Umsatz von 3,5 BillioDenver ist nur ein Beispiel dafür, warum die Liberalisie- nen Dollar geworden ist, beläuft sich auf 6 Prozent des
rung des Luftverkehrs und besserer Zugang zu Flug- gesamten Bruttosozialprodukts der Weh und beschäfhäfen die beste Art und Weise zur Verwirklichung des tigt 127 Millionen Arbeitnehmer - das ist jeder 15.
Hauptziels sein kann, nach dem alle Nationen heute Arbeitsplatz. Die Touristikindustrie erhöht jedes Jahr
streben - Wiederbelebung ihrer Volkswirtschaften und ihre neuen Kapitalanlagen um 422 Milliarden Dollar
und bezahlt 303 Milliarden Dollar an Steuern.
Schaffung von mehr Arbeitsplätzen für ihre Bürger.
Unsere Statistiken belegen, daß die Flughäfen in den
30 größten Städten der Vereinigten Staaten Wirtschaftsaktivitäten in Höhe von 250 Milliarden Dollar, 80
Milliarden Dollar an Löhnen und Gehältern sowie 4
Millionen Arbeitsplätze zur Folge haben.
Und was für Denver, Chicago oder Boston gilt, trifft
auch auf Paris, Montreal und Osaka zu - in der Tat auf
alle Städte dieses Planeten. Aus diesem Grund erhalte ich von amerikanischen Städten praktisch jeden Tag
Anträge für internationale Flugverbindungen.
Das könnte auch der Grund sein, warum das heute zu
beobachtende Wiederaufflammen von Protektionismus im Luftverkehr meines Erachtens zutiefst selbstzerstörerisch für die Nationen ist, die einen solchen
Kurs verfolgen.
Protektionismus im Luftverkehr erlegt den Reisenden
und Unternehmen in eben den Ländern enorme Kosten auf, die dies versuchen. Indem sie ineffiziente
Fluggesellschaften "schützen" statt sie zur Anpassung
anzuspornen, schaden die Regierungen jedem anderen Sektor ihrer Volkswirtschaften und lähmen die
gesamte Weltwirtschaft.
Nationen, die ineffiziente inländische Fluggesellschaften "schützen" wollen, tun dies nur auf Kosten der
Verweigerung zunehmenden Wirtschaftswachstums
für ihr Volk. Aus Angst vor kurzfristigen Entlassungen
bei Fluggesellschaften verursachen sie noch sehr viel
höhere Verluste für ihre gesamten Volkswirtschaften

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Der heute größte Industriezweig auf diesem Planeten,
die Reise- und Touristikbranche, soll Schätzungen
zufolge in den kommenden Jahren schneller wachsen
als die Weltwirtschaft als Ganzes. Das Ausmaß dieser
Industrie stellt bereits das der Luftfahrtindustrie in den
Schatten.
In einer Untersuchung des französischen Tourismusministeriums wurde beispielsweise herausgefunden,
daß auf den Luftverkehr nur 10 Prozent der gesamten
Fremdenverkehrsindustrie entfallen. Die Staaten, die
ineffiziente Fluggesellschaften schützen, schaden daher
unweigerlich einer Branche, die neunmal so groß ist
wie die Luftfahrtindustrie - und behindern dadurch
auch das Wirtschaftswachstum als Ganzes.
Ich bezweifle, daß diese wunderbare Stadt, in der wir
uns heute befinden - Dallas - so viele internationale
Unternehmen und Industrien angezogen hätte, wenn
sie nicht die konkurrenzfähigen Luftfahrtdienste anbieten könnte, über die sie seit dem Bau des Dallas-Fort
Worth Flughafens vor nahezu 20 Jahren verfügt. Ich
lade unsere internationalen Besucher dazu ein, das
Erschließungsprojekt Las Colinas zu besichtigen und
die Vorteile des erhöhten Flugaufkommens aus erster
Hand zu sehen.
Ironischerweise schaden die Staaten, die ihre Fluggesellschaften vor Wettbewerb "schützen", sogar diesen
selbst. Denn die Fluggesellschaften, die sich um
Schutz bemühen und diesen unglücklicherweise er-

AMERIKA DIENST 45

�hatten, entdecken bald, daß ein solch kurzlebiger
Schutz ihre langfristige Konkurrenzfähigkeit unterminiert.

Die Reaktionen der Fluggesellschaften und Regierungen auf diese Anforderungen unterscheiden sich stark,
aber niemand kann es sich leisten, sie zu ignorieren.

Selbstverständlich erwarten die Vereinigten Staaten
nicht von anderen Nationen, ihre nationalen Fluggesellschaften - über Nacht - zu einem Wettbewerb zu
zwingen, der ihnen das Genick brechen könnte. Wir
streben jedoch ein Ende der Subventionierung, besseren Zugang zu Flughäfen und so rasch wie möglich
eine stärkere Liberalisierung des Luftverkehrs an.

Die Globalisierung ist natürlich nicht auf die Luftfahrt
beschränkt. Sie ist ein gemeinsames Thema all jener
Branchen, in denen der Erfolg im Wettbewerb vom
Aufbau wettumspannender Netzwerke abhängt.

Es wird erwartet, daß das zukünftige Wachstum im
internationalen Passagier- und Frachtverkehr die
Nachfrage im Inland bei weitem übersteigen wird und
sich das schnellste Wachstum auf den ostasiatischen
und pazifischen Märkten ereignet.

Aufgrund der Chicagoer Konvention von 1944 basiert
der Bilateralismus auf dem Wunsch der meisten nationalen Regierungen, ihre Fluggesellschaften vor dem
Wettbewerb abzuschirmen. Er lebt als ein weltumspannendes Netz von mehr als 1.000 zwischenstaatlichen Abkommen fort, die den internationalen Luftverkehr regeln - und zunehmend behindern.

Im Bank-, Versichernngs- und Kommunikationswesen, bei den Medien und in anderen Dienstleistungsindustrien hat man bereits auf das Entstehen eines
Unserer Ansicht nach werden schnelle und bedeuten- Weltmarktes reagiert. Dasselbe gilt für die Automobilde Fortschritte in dieser Richtung nicht nur den Steu- industrie und die Flugzeughersteller, die bereits noch
erzahlern die Kosten von Subventionen ersparen, vor wenigen Jahren als ketzerisch anmutende globale
sondern weitere Fluggesellschaften dazu ermutigen, Allianzen bilden.
die Herausforderungen des Weltmarktes, denen sie
sich nicht auf immer entziehen können, anzunehmen Die gleiche Dynamik treibt immer mehr Fluggesellschaften zur Erweiterung ihrer globalen Dienstleistunund zu bewältigen.
gen an, wodurch die derzeitige Welle von grenzüberschreitenden Investitionen, strategischen Allianzen und
Globalisierung contra Protektionismus
gemeinsamer Datenübermittlung neuen Auftrieb erNun möchte ich auf mein zweites Thema zu sprechen hält.
kommen - die Globalisierung der Luftfahrtindustrie den Prozeß, durch den die Fluggesellschaften zuneh- Der Schlüssel zur Zukunft der internationalen Fluggemend gezwungen werden, über ihre nationale Umge- sellschaften ist eindeutig ihre Fähigkeit zu größerer
bung hinauszuwachsen und multinationale Unterneh- Effizienz, vermehrtem Dienstleistungsangebot und
men zu werden.
Marktzugang auf der ganzen Welt. Die Fluggesellschaften, denen keine Anpassung ihrer Operationen
Heutzutage hängt der Wohlstand - und sogar das an diese wachsende Nachfrage nach globalen DienstÜberleben - der internationalen Fluggesellschaften leistungen gelingt, werden bald weit abgeschlagen
von ihrer Fähigkeit zur Anpassung an die Globalisie- hinter den anderen zurückliegen.
rung ab. Dieser Prozeß wird von der starken Expansion des internationalen Reise- und Frachtverkehrs Das ist insbesondere der Fall, weil weder einzelne
angetrieben, der sich selbst die Regierungen kaum Fluggesellschaften noch ihre Regierungen andere
entziehen können.
Fluglinien an der Entwicklung ihrer eigenen Strategien
und Verbindungen hindern können.
In den 10 Jahren von 1982 bis 1992 haben sich die
Flugkilometer im internationalen Personenverkehr So mächtig dieser Trend zur Globalisierung auch ist praktisch verdoppelt - von 750 Milliarden Kilometer auf es wird klar, daß die Luftfahrt weit hinterherhinkt, weil
nahezu 1.5 Billionen Kilometer. Das internationale die Fluggesellschaften im Gegensatz zu anderen
Luftfrachtaufkommen ist sogar noch schneller ge- Branchen zwei großen Zwängen ausgesetzt sind.
wachsen - von etwas über 30 Milliarden auf fast 75
Der erste, den ich bereits angesprochen habe, ist das
Milliarden Flugkilometer im Frachtverkehr.
Aufflammen von Protektionismus bei einigen RegieIm gleichen Zeitraum hat sich das Passagieraufkom- rungen. Der zweite ist das veraltete System bilateraler
men zwischen den Vereinigten Staaten und Europa Luftfahrtabkommen, das in vielen Fällen zu Protektiovon 15 Millionen auf über 29 Millionen Personen beina- nismus führt.
he verdoppelt. Noch beeindruckender war der Anstieg
des Passagieraufkommens bei den Flugverbindungen Das System zur Aushandlung von Luftraumrechten ist
zwischen den Vereinigten Staaten und dem Fernen aufgrund der Zwänge der globalen - nicht der "bilateraOsten von gerade 5,4 Millionen im Jahr 1982 auf 15,4 len" - Wirtschaft derart abgenutzt, daß es einen Nährboden für Auseinandersetzungen darstellt.
Millionen im letzten Jahr.

Diese starke Nachfrage leistet der Globalisierung
Vorschub.

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�Heute ist dieses System die Ursache der ernsthaftesten Behinderungen von Chancen im Luftverkehr und
Wahlfreiheit der Konsumenten wehweit - vor allem,
weil die Regierungen in bilateralen Abkommen so oft
Schutz für ihre nationalen Fluggesellschaften verlangen, wiederum auf Kosten ihrer eigenen Reisenden.

denpaktstaaten und die Staaten an der Südspitze
Lateinamerikas.

Wir begrü ßen die von der Europäischen Gemeinschaft
erzielten Fortschritte beim Abbau der Wettbewerbshemmnisse, die seit langem die Luftfahrtgesellschaften in Europa behinderten. Wir vertrauen darauf, daß
Wir sind besonders besorgt über die Bestrebungen die EG gegenläufigem Druck widerstehen und ihre
einer Gruppe von Luftfahrtgesellschaften auf dem Arbeit fortsetzen wird - und wir sehen der baldigen
ostasiatischen Markt, den Zugang amerikanischer Aushandlung eines multilateralen Abkommens mit der
Fluglinien zu diesem am schnellsten wachsenden Markt Europäischen Gemeinschaft entgegen.
der Welt zu beschränken oder sogar zurückzuschrauben. Wir sind der Ansicht, daßdiese Bemühungen den Die Vision der Vereinigten Staaten ist die einer wirklich
Interessen der asiatischen Reisenden und Geschäfts- offenen Welt der Luftfahrt, in der die Länder den Erfolg
leute, die schwindelerregende Flugpreise zahlen, di- ihrer Luftfahrtpolitik an den Anreizen messen, die
rekt zuwiderlaufen - und deren Regierungen mit dem konkurrenzfähige Luftfahrtdienste allen Bürgern und
Volkswirtschaften anbieten - nicht nur durch das PreFeuer spielen.
stige ihrer staatlichen Luftfahrtgesellschaften.
Die Vereinigten Staaten sind der chronischen Handelsdefizite in Milliardenhöhe mit Nationen müde, deren Die Vereinigten Staaten streben eine Welt an, in der
Regierungen die Amerikaner über die Notwendigkeit die Regierungen den Worten über liberale Luftfahrtpobelehren, effizientere und gefragtere Produkte anzu- litik konkrete Taten folgen lassen, um den Zugang zu
den wichtigsten Flughäfen zu verbessern - wie wir es
bieten.
in der Vergangenheit getan haben.
Ich möchte ganz direkt sein: Die amerikanischen
Fluggesellschaften bieten genau die höchst effizien- Die Vereinigten Staaten möchten das Wachstum dieten, konkurrenzfähigen Dienstleistungen an, die die ser neuen Welt der Luftfahrt durch die Zusammenarasiatischen Konsumenten kaufen würden - wenn ihre beit mit allen Regierungen in anderen Bereichen fördern, beispielsweise bei der Harmonisierung von Normen
Regierungen es zuließen.
und strengen Vorschriften für die Sicherheit der Luftfahrt.
Wir sind jedoch zuversichtlich, daß protektionistische
Bestrebungen mit der Zeit nachlassen werden. Erstens, weil die Luftfahrtgesellschaften weltweit wach- Gerne vermitteln wir allen Nationen die Einsicht, daß
sen und globaler werden müssen. Zweitens, weil ihre die uneingeschränkte Inkraftsetzung des Globalen
Kunden, die Unternehmen und Reiseveranstalter überall Positionierungssystems zu großen Vorteilen bei der
erkennen, daß die restriktiven Praktiken ihrer eigenen Navigation, der Sicherheit und systemübergreifenden
Regierungen sie nicht "schützen", sondern ihnen sehr Effizienz führen wird.
schaden.
Wir prüfen zur Zeit die Neustrukturierung unseres
Mittlerweile könnte das derzeitige bilaterale Verhand- eigenen nationalen Flugsicherungs-Kontrollsystems,
lung ssystem durch die Konzentration nationaler Politik wie von der nationalen Luftfahrtkommission vorgeauf engstirnige, fallweise Verhandlungen zur Entste- schlagen. Wir sondieren Mittel und Wege, um ein
hung, nicht zur Verhinderung solcher kontraprodukti- effizienteres System zu schaffen, wodurch schnelle
ven Vorkommnisse beitragen. In dem jüngsten Bericht technologische Fortschritte unabhängig vom Haushalt
der amerikanischen Luftfahrtkommission wird festge- der Regierung oder bürokratischen Zwängen erzielt
stellt: Bilateralismus ist "ein Anachronismus,... wenig werden können.
mehr als ein Nullsummenspiel. Er ist zu starr, zu zeitDas wird unserer Ansicht nach zu fortgesetzten Veraufwendig und zu einschränkend.... Mit einfachen
besserungen des bereits besten - und sichersten Worten behindert das bilaterale System das WachsFlugsicherungs-Kontrollsystems der Welt führen.
tum des Weltmarktes, anstatt es zu fördern."
Aussichten für die Zukunft
Eine neue Welt der Luftfahrt
Unseres Erachtens werden wir alle - ob es uns gefällt
Die Vereinigten Staaten vertreten folgende Ansicht: oder nicht - von einem kräftigen Rückenwind wirtWenn wir ein besseres Luftfahrtsystem für dieses schaftlicher Logik in eine neue Welt der Luftfahrt
Jahrzehnt und das kommende Jahrhundert schaffen getragen. Ich habe die allgemeinen Grundsätze umwollen, müssen wir entschieden über Bilateralismus rissen, die wir für diese Welt anstreben.
hinaus zu Multilateralismus und regionalen Abkommen übergehen.
Nun möchte ich einen dritten Punkt ansprechen: Wie
die Vereinigten Staaten mit ihren Partnern beim AufViele Nationen bewegen sich zur Zeit in diese Rich- bau dieser Welt der Luftfahrt zusammenarbeiten köntung: Australien und Neuseeland im Pazifik, die An- nen.
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�Die Vereinigten Staaten verfolgen hierzu vier grundle- arbeiten, alle existierenden bilateralen Rechte der
Vereinigten Staaten entschieden verteidigen und uns
gende Strategien.
mit allen verfügbaren Mitteln gegen ausländische
Erstens werden wir aktiv unbeschränkte, multilaterale Wettbewerber stellen, deren Regierungen amerikaniAbkommen mit jenen Gruppen von Nationen anstre- sche Fluggesellschaften diskriminieren oder nicht
ben, die bereit sind, den amerikanischen Fluggesell- respektieren. Wir behalten uns das Recht auf die
schaften und der amerikanischen Wirtschaft relative Entscheidung über Zeitpunkt und Ausmaß unser AkWettbewerbsvorteile zu verschaffen.
tionen vor. Niemand sollte unsere diesbezügliche
Entschlossenheit unterschätzen.
Vor wenigen Wochen traf ich beispielsweise in Brüssel
mit dem Verkehrskommissar der Europäischen Ge- Viertens werden wir die Bildung einer globalen Koalimeinschaft zusammen und machte ihm den Vorschlag, tion gleichgesinnter, freier, marktorientierter Nationen
Gespräche über einen vollkommen unbegrenzten prüfen, die die Vorteile von erweitertem Luftverkehr für
Luftfrachtmarkt im nordatlantischen Bereich einzulei- die Bürger und Volkswirtschaften erkennen.
ten.
Unser Ziel besteht darin festzustellen, ob eine solche
Letzte Woche kam die Reaktion der EG, und wir haben Gruppe von Nationen ausreichend "kritische Masse"
uns jetzt darauf geeinigt, Arbeitsgruppen zur Durch- darstellen könnte, um ihren Fluggesellschaften und
führung dieser Verhandlungen einzurichten. Sie wer- Bürgern eine Vielzahl neuer Luftverkehrsrechte und
den ihre Arbeit wahrscheinlich im Januar aufnehmen. -dienstleistungen anbieten zu können - und unseren
eigenen vergleichbare Vorteile zu bieten.
Das ist ein großer Schritt zu Multilateralismus - und wir
hoffen, darauf aufbauen zu können.
Bei der Verfolgung dieser Strategien suchen die Vereinigten
Staaten nach zur Zusammenarbeit bereiten
Anstelle von Verhandlungen zwischen einzelnen LänPartnern,
die gemeinsam mit uns für alle Parteien
dern, die per se zu Spannungen unter den Mitgliedern
nützliche
Abkommen
ausarbeiten. Wir streben weiterder EG führen könnten, ist unserer Ansicht nach ein
es
Wachstum
der
weltweiten
Luftfahrt an und sind uns
EG-weites Abkommen ratsamer.
der Anreize bewu ßt, die ein solches Wachstum für alle
Ein Abkommen über offenen Luftfrachttransport kann Luftverkehrsgesellschaften und Volkswirtschaften
bei der Arbeit an einem Abkommen über liberal isierten darstellt.
Passagierverkehr mit der EG Vertrauen schaffen.
Schlußfolgerung
Zweitens werden wir bei den Bemühungen um multilaterale Übereinkommen auch eine Liberalisierung be- Meine Damen und Herren, wie die Gründer des Interstehender bilateraler Abkommen anstreben und dabei nationalen Verbands für Lufttransport im Jahr 1944
sicherstellen, daß jede Übereinkunft dieser Art zu einer leben auch wir zu einer Zeit, in der eine Reform der
Erhöhung des Luftverkehrsaufkommens und des Vorschriften im internationalen Flugverkehr vonnöten
Wettbewerbs führt und den bereits existierenden bila- ist. Die alte Ordnung ist wie ein zerbrochenes Thermoteralen Luftfahrtrechten weitere hinzufügt. Wir wollen meter - wir können die Glassplitter nicht zusammenkleben oder die verstreuten Quecksilberkügelchen
Fortschritt, nicht Rückschritt.
zurückbefördern.
Wir sind uns bewußt, daß die Abkommen nicht einseitig sein können und sollen. Jede Seite muß etwas Eine neue Welt der internationalen Luftfahrt ist auf dem
hinzugewinnen. Aber nur Abkommen, die den Zugang Vormarsch. Sie wird von kommerziellen und finanzielerhöhen, Wettbewerb fördern und vor allem den Luft- len Kräften angetrieben, die weder von Luftfahrtunternehmen noch von ihren Regierungen eingedämmt
verkehr ausweiten, sind die Unterschrift wert.
werden können. Die Entwicklung dieser neuen Welt
Zur Zeit streben wir solch ein liberalisiertes Abkommen der Luftfahrt mag für einige schmerzhaft sein, wird
mit Großbritannien an und erwarten, die diesbezügli- jedoch für viele andere enorme Vorteile bringen: Für
chen Gespräche bis März nächsten Jahres abzu- Reisende, Spediteure, Touristen, die Angestellten der
Fluggesellschaften und die Flugzeugbauer. Sie wird
schließen.
zu dauerhaftem Wachstum im Handel und ArbeitsplätÜbrigens sollten die Staaten, die eine Art von Bermuda zen auf der ganzen Welt führen. Sie wird die Städte
Il-Abkommen auszuhandeln hofften, wie das zur Zeit des 21. Jahrhunderts gestalten.
zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten
bestehende, solche Träume aufgeben. Wir halten das Diese neue Luftfahrtordnung gibt dem Konsumenten
Bermuda Il-Konzept für veraltet und angesichts des das Steuer in die Hand. Reisende und Spediteure zukünftigen Anstiegs beim Flugreiseaufkommen für nicht die Bürokraten in der Regierung oder die Manazu unflexibel.
ger der Luftfahrtgesellschaften, die sich hinter den
Bürokraten verstecken - werden über Erfolg oder
Drittens werden wir, während wir auf eine größere und Scheitern der Flugunternehmen entscheiden.
weniger konfrontationsanfällige Welt der Luftfahrt hinAMERIKA DIENST 45

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�Einige Regierungen und Fluggesellschaften mögen stellt wurden. Ich möchte sie an die Worte eines
der Ansicht sein, sie könnten vor dieser neuen Welt der berühmten amerikanischen Champions, Joe Louis,
Luftfahrt davonlaufen und sich verstecken. Sie seh- erinnern, der seine Gegner beim Boxen warnte: "Ihr
nen sich vielleicht nach einer lange vergangenen Zeit könnt laufen, aber ihr könnt euch nicht vor mir verstekzurück, in der "nationale Champions" groß herausge- ken."

* * * *

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*

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�GESELLSCHAFT
10. November 1993

DIE WELT IN EINEM STADTVIERTEL
von Jeff Lyon
Ein Stadtviertel in Chicago bietet dem Autor, Redakteur beim Chicago Tribüne Magazine, zufolge die
Möglichkeit, auf einem Spaziergang die ganze Welt kennenzulernen. Der Verfasser beschreibt die vielfältigen
Kulturen und ethnischen Gruppen, die entlang Chicagos Devon Avenue anzutreffen sind.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Chicago Tribüne Company, Copyright (c)
1992. Alle Rechte vorbehalten.

Möchten Sie einen Spaziergang durch die Welt machen und mit Völkern aus jedem Winkel der Erde in
Berührung kommen? Exotische Speisen essen, auf
Märkten feilschen, Straßenkultur in sich aufsaugen
und so viele fremde Sprachen hören, daß Ihnen der
Kopf brummt?

"Sagen Sie nicht, dies sei eine Nachbarschaft vieler
Kulturen", erklärt, die Nase rümpfend, llya Rudiak Autor, Filmemacher und Kunstenthusiast aus Odessa
- der einen auf Werke in russischer Sprache spezialisierten Buchladen betreibt. "Kultur ist das nicht. Das
sind ethnische Gruppen."

All das kann man in Chicago tun. Man braucht nur
einen Fahrschein bis 6400 North zu lösen, wo man ein
Stadtviertel antrifft, für das all die prosaischen und
einschränkenden Begriffe nicht ausreichen, die so oft
auf Gegenden mit einer großen Konzentration ethnisch fremder Gruppen angewandt werden - Begriffe
wie Linie Italy, Chinatown oder Spanish Hartem. Es
gibt kein Etikett, das umfassend genug wäre, um den
unbeschreiblichen Lebensraum zu benennen, wie er
sich auf der Devon Avenue von der Clark Street nach
Westen zur Kedzie Avenue erstreckt.

Aber auch wenn das pulsierende Sammelsurium von
Lebensstilen entlang der Devon Avenue Rudiaks Normen
für Kultur nicht erfüllt, würden die meisten Menschen
es doch als solche akzeptieren. Vom fensterlosen Bau
der Assyrian-American Association bis zur Synagoge
der orthodoxen Juden, der Congregation Chesed
L'Avrohom, ist die Straße einer ethnischen Prozession
vergleichbar, wie es sie in den Vereinigten Staaten
vielleicht kein zweites Mal gibt.

Nicht jeder bezeichnet die Gegend als kulturellen
Schmelztiegel.

Die Straßenschilder erzählen die Geschichte. Östlich
der Western Avenue hat man die Devon Avenue in

Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen von
Männern, Frauen und Kindern praktisch jeder erdenkDenn hier finden sich, eingezwängt in einen urbanen lichen Herkunft, gekleidet in der neuesten landestypiKorridor von lediglich 3,2 Kilometern Länge, genug schen Tracht, die etwas zu erledigen haben, eine
häufig nicht assimilierte Nationalitäten, um auch den schwindelerregende Vielfalt kleiner Restaurants, Bäckenergiegeladensten Ethnologen für den Rest seines ereien, Lebensmittelläden, Elektromärkte, Geschenkläden, Buchläden, Metzgereien, BekleidungsgeschäfBerufslebens in Atem zu halten.
te, Schönheitssalons und Arztpraxen aufsuchen, bei
Inder. Pakistaner. Juden. Russen. Syrer. Iraker. denen sich die Sprachen (und Alphabete) auf den
Iraner. Kroaten. Griechen. Koreaner. Assyrer. Türschildern, die Nachnamen der Geschäftsinhaber
Chinesen. Mexikaner. All diese Gruppen und mehr und die Art der angebotenen Waren von Häuserblock
betrachten die Umgebung der Devon Avenue, wo die zu Häuserblock verändern. Fast wie in einer TraumseGemeinden West Rogers Park und East Rogers Park quenz verschwinden Motive und tauchen anschliezusammentreffen, als ihr Zuhause.
ßend wieder auf.

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�Mohammed Ali Jinnah Way umbenannt. Westlich
davon wird sie zur Ghandi Marg. Ein Stück weiter wird
die Mozart Street zum North Croatia Drive, und noch
weiter entfernt die Troy Street zum Torah V'Chesed
Drive.

Einige der interessantesten und schmackhaftesten
Speisen der Stadt sind zu äußerst attraktiven Preisen
auf der Devon Avenue erhältlich. Restaurants wie das
Moti Mahal und das Tandoor India bieten mittags
indische und pakistanische Büffets für durchschnittlich
5,95 Dollar an, bei denen der Gast so viel essen kann,
Bisweilen scheint ein Anflug von Einheitlichkeit und ein wie er will. An jedem Tag der Woche kann man sich so
Sinn für Grenzen vorhanden zu sein. Etwa sieben an Gerichten wie Tandoor Chicken, Rogan Josh, ChikHäuserblocks westlich der Western Avenue beispiels- ken Vindaloo und allen möglichen Sorten von Nan satt
weise ist das Viertel hauptsächlich von Indern und essen. Auch die gehobenere Kategorie ist mit dem
Pakistanern bewohnt. In FairfiekJ vollzieht sich dann Viceroy of India oder, wenn man es vegetarisch voreine ziemlich abrupte Metamorphose, und die Bevöl- zieht, mit dem Natraj India vertreten.
kerung ist jüdisch geprägt. Auf der einen Straßenseite
heißt der Arzt Mansour, auf der anderen Shkolnick.
Sollte man Lust auf die Küche des Nahen Ostens
verspüren, versucht man das Garden of Eden, wo man
An anderen Stellen jedoch besteht noch nicht einmal sich an Masguf (Wels) oder Koozie (Lammkeule)
ein Anschein von Organisation, und Kombinationen, delektieren kann. Wer jüdisches Essen vorzieht, findet
die sämtlichen bekannten politischen und nationalisti- ein exzellentes Bagel-Restaurant.
schen Realitäten Hohn sprechen, gedeihen hier mehr
oder weniger in gegenseitigem Einverständnis. Da Das Essen ist jedoch nur ein Teil - ein ziemlich kleiner
befindet sich die Metzgerei Zabiha, die Ziegenfleisch Teil - der Gesamterfahrung Devon Avenue. Man sollte
feilbietet und auf arabische Kunden eingestellt ist, wirklich die Geschäfte durchstreifen, sich mit den
unmittelbar neben Moshes koscheren New Yorker
Inhabern unterhalten und sich einfach die Leute anseDelikatessen, und im gleichen Häuserblock gibt es das hen. Um sich herum sieht man Frauen in Saris,
Babylon Restaurant, Daniels Schönheitssalon (desMänner in Kaftanen und wieder andere in der dunklen,
sen Ladenschild in Koreanisch geschrieben ist) und feierlichen Kleidung orthodoxer Juden. Man entdeckt
den Schönheitssalon Athen. Das koreanische Video- junge Frauen mit Kastenzeichen auf der Stirn und
geschäft stößt an Mahboobs Frisörladen und dieser Sikhs mit Turbanen.
wiederum an Marcells Maßschneiderei.
Man trifft Leute wie Arshad Mahboob, den Inhaber von
In den fünfziger und sechziger Jahren war dieses Mahboobs Schönheitssalon für Damen und Herren. Er
Stadtviertel vorwiegend von Juden und irischen Katho- hat wahrhaft die Aufgabe eines Prometheus zu bewälliken geprägt. Der Wandel setzte in den siebziger tigen, denn er mu ß den unterschiedlichen Geschmack
Jahren ein, als die neue Welle die meisten der früheren der 15 oder mehr ethnischen Gruppen zufriedenstelBewohner und Ladeninhaber vertrieb. Ein paar alte len, die zu ihm kommen, um sich die Haare machen zu
Geschäfte haben sich jedoch gehalten.
lassen.
Auch nach all den Jahren florieren Läden wie Minkys
Fahrräder, Goldensons Apotheke und Crawfords
Warenhäuser immer noch. Verschwunden sind jedoch Institutionen wie das Bekleidungshaus Aidem &amp;
Dess, Kofieids Restaurant und Hillmans Delikatessengeschäft. Hobbymodels, seit langem ein Fixpunkt an
der Kreuzung von Devon und Western, heißt heute
Gandhi Electronics. Hillmans ist jetzt der internationale Obst- und Gemüsemarkt, wo unter einem Dach
Mortadella, Ingwer, Feta und Schmalzhering angeboten werden.
"Nicht nur die Nachbarschaft hat sich verändert, sondern die Stadt als Ganzes", meint der Apotheker Don
Goldenson, der den von seinem verstorbenen Vater
Harold 1948 gegründeten Drugstore betreibt. "Es
macht eigentlich Spaß. Wir mußten uns nur ein
bißchen auf die neuen Kulturen einstellen."
Als Beispiel zeigt er ein Fläschchen Valerian - ein
"Wundermittel"- das von russischen Einwanderern als
Beruhigungsmittel bevorzugt wird. "Heute müssen wir
so etwas im Gegensatz zu früher führen."

Seite 2

"Ich habe hier alle Nationalitäten", erläutert Mahboob
und sieht von seiner in Urdu geschriebenen pakistanischen Zeitung auf. Sein Geschäft besteht seit einem
Jahr. "Es ist ein ziemlicher Unterschied, ob man einer
Schwarzen die Haare schneidet oder einer Pakistanerin. Ich mußte lernen, es den unterschiedlichen Gruppen recht zu machen."
Der Anpassungsdruck hat Mahboob zufolge jedoch
dazu geführt, daß die jüngeren Bewohner des Viertels
mehr Einheitlichkeit bei ihrem Haarschnitt wünschen,
sehr zum Mißfallen ihrer konservativeren Eltern. Woche
für Woche strömen Jugendliche indischer, russischer,
mexikanischer oder syrischer Herkunft in den Laden
und verlangen, was Mahboob als "Bürstenschnitt"
bezeichnet: Kurz an den Seiten, oben lang und
aufrecht stehend.
Von Mahboob aus Richtung Westen kommt man zur
"Videostadt", in der die neuesten Filmhits aus Bombay
und Kalkutta gezeigt werden, wie der von Boney
Kapoor produzierte Horrorfilm "Raat" ("Sag' nicht, du
seist nicht gewarnt worden", mahnt der Poster).

AMERIKA DIENST 45

�Wenn man den Olympic Reggae Club in der Nähe der
Western Avenue hinter sich gelassen hat, kommt man
in die Straße mit den Geschenkläden, in der die
verschiedensten Geschenk- und Haushaltsgeräteläden Videorecorder, Fernseher, Koffer, Mikrowellenherde und Stereoanlagen anbieten. Zwischen den
Ladentischen wimmelt es von Kunden und Verkäufern
aller Nationalitäten. Der florierende Handel trägt der
Gewohnheit vieler Anwohner Rechnung, ungefähr alle
drei Jahre beladen mit Geschenken für die Ehern und
Geschwister einen Besuch in ihrer Heimat zu machen.
Viele der angebotenen Videorecorder werden beispielsweise mit 220 Volt betrieben, sind also für das
außerhalb der Vereinigten Staaten vorherrschende
Stromnetz ausgerüstet. Die meisten Elektroläden
bieten auch eine ziemlich zweifelhafte Dienstleistung
an: Die Umrüstung von Videokassetten vom NTSCFrequenzsystem, das bei Aufzeichnungen in den
Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada benutzt wird,
zu den in Europa und der übrigen Welt gebräuchlichen
Systemen PAL und Secam.
"Als ich den Laden vor 12 Jahren eröffnet habe,
dachten wir, es würden nur indische und pakistanische
Kunden kommen, aber heute kommen alle zu uns",
erklärt Ashok Patel von World Imports. Wie um den
kosmopolitischen Charakter des Ladens zu unterstreichen, liegen im Schaufenster Jesus darstellende Ikonen Seite an Seite mit solchen zu Ehren Wischnus.
In anderen Schaufenstern wird mit Totalausverkauf"
in Russisch und Arabisch geworben. Man schaut
hinein und feilscht ein bißchen. Niemand nimmt das
übel. Es ist total üblich.
Man läuft weiter und kommt bald in die Gegend der
Sari-Paläste und indischen Lebensmittel. Ein paar
Häuserblocks lang könnte man ebensogut in NeuDelhi sein, so aggressiv nichtwestlich ist die Kultur.
Über 1.000 Familien aus Indien und Pakistan haben
hier, der größten Ansammlung von Menschen aus
dem indischen Subkontinent in der Umgebung von
Chicago, ihre Wohnungen.
Die Lebensmittelgeschäfte duften nach dem Aroma
von Kardamon, Gewürznelken, Safran und Fenchel.
Säcke mit Basmati und anderen Reissorten lagern an
den Wänden und in den Regalen stehen Tee, Kichererbsen, Linsen, Fett, loser Curry, Gläser mit Pfefferminzsyrup und eingelegten Mangos. Es gibt Flaschen
mit Dabor-Haaröl ("Macht Ihre Haare lang, stark und
dunkel") sowie Henna und Schnupftabak. Die Kühltruhen sind mit den klassischen gefrorenen Curry-Vorspeisen gefüllt: Chicken Biryani, Lammcurry, Palak
Paneerund Reenas "Exotischem Eis" in Geschmacksrichtungen wie Safran-Pistazie, Pistazie-Honig-Rosenwasser und Rosinen-Cashewkerne.

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Die Pinnwand im Lebensmittelgeschäft ist offensichtlich nicht nur eine amerikanische Sitte. Auf einem
handgeschriebenen Zettel steht: "Suchen Sie einen
Babysitter, der sich liebevoll um Ihr Baby (jeden Alters)
kümmert, dann setzen Sie sich mit Frau Rizvi in
Verbindung".
Man hat die Nachbarschaft nicht wirklich erlebt, bis
man in einen Sari-Palast kommt. Die Mannequins
tragen eine erstaunliche Vielfalt indischer Kostüme,
aus günstig angebotenem französischen Chiffon bis
zu teuerster Seide geschnitten. Ballen bunter Stoffe
liegen in Regalen und harren der Frauen, die ihre
Kleider selbst nähen wollen.
Mafat Patel war einer der ersten Händler in dieser
Nachbarschaft. Er und sein Bruder Talashi errichteten
in der damals fast ausschließlich von Juden bewohnten Gegend den Kolonialwarenladen Patel Brothers.
Heute besitzen sie neben dem Laden ein Reisebüro,
einen Schnellimbiß, einen Videoladen und ein Geschäft für Haushaltsgeräte.
Je weiter man nach Westen kommt, desto mehr schwindet - nahezu unbemerkt - der Einfluß der Inder und
Pakistaner. Plötzlich stellt man fest, daß die SariPaläste und indischen Kolonialwarenläden den Metzgereien mit Schildern in kyrillischer Schrift gewichen
sind, darunter die Metzgerei Kashtan, die während der
vergangenen zehn Jahre von Wladimir Safir und seinem Vater Roman betrieben wurde.
Es ist ein dunkles, europäisches Geschäft, mit russischen Bildern an den Wänden und in Kisten gestapeltem Räucherfisch. Ich verkaufe kein koscheres Fleisch",
erklärt Roman, ein freundlicher älterer Mann, der schlecht
Englisch spricht. "Die Juden russischer Abstammung,
die bei mir kaufen, bleiben nicht koscher".
Ein nichtkoscherer jüdischer Laden ist in der Gegend
jedoch die Ausnahme, nicht die Regel. Typischer für
die Gegend, in der 20.000 Juden russischer Abstammung zu der bereits etablierten Bevölkerung amerikanischer Juden stießen, ist die koschere Bäckerei Kol
Tuv. Die Angestellten dort tragen Yamulkes und die
eingelegten Mangos in den Regalen sind gefilte Fisch,
Eiernudeln, Matze sowie Noahs Hundekuchen gewichen.
An den Sonntagen, nachdem sie am vorigen Tag den
Sabbath begangen haben, strömen Hunderte orthodoxer Juden zu Kol Tuv und in andere Geschäfte. Sie
gehen in Rosenblums hebräischen Buchladen und
kaufen Bücher, Karten, Gedenkkerzen und andere
notwendige Dinge.
Viele russische Juden haben ihren eigenen Lebensstil.
Ihr Weg führt sie in llya Rudiaks Laden mit russischer
Literatur. Sein Schaufenster ist mit Samowars, Pupp
chen, russischen Postern, provokativen Büchern und

Seite 3

�Videos, wie beispielsweise "Ich war Stalins Leibwächter" dekoriert.
"Die jetzt aus Rußland kommenden Juden sind mehr
russischer als jüdischer Identität", so Rudiak, der seit
zehn Jahren in den Vereinigten Staaten lebt. "Dies ist
vor allem eine russische Kultur."

Für sie verwandelt Rudiak seinen Laden häufig in ein
Theater, in das er reisende Dichter, beispielsweise
Bella Achmadulina, zu Lesungen einlädt. Einmal war
^ weltberühmte Dichter Jewgenij Jewtuschenko bei
i n m « D a s j s t k e i n Geschäft", kommt es ernsthaft durch
seinen | a n g e n &gt; ergrauenden Bart. "Das ist ein KuKurchjb
) c n ver diene nicht viel Geld, aber es macht
Spaß."

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 45

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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher begrüßt neue russische Militärdoktrin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsauschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forderung nach Bestrafung von Kriegsverbrechern im ehemaligen Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Drängen auf kurzzeitige Friedenslösung stellt Gefahr dar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorbereitungen für Abschluss der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weiterhin erhebliche Schwierigkeiten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Luftfahrt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pena erläutert amerikanische Luftfahrtpolitik &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Verkehrsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Welt in einem Stadtviertel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Jeff Lyon&lt;/em&gt;</text>
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