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                    <text>AMERIKA DIENST&#13;
^7&#13;
&#13;
C*&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
1 . J u l i 1987&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
INFORMATION&#13;
&#13;
zum Tode von Arthur F, Burns&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
&#13;
Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&#13;
- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&#13;
&#13;
HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
&#13;
Neuester Stand der amerikanischen Rflstungskontrollinitiativen&#13;
- Sonderveröffentlichung des US-Aussenministeriums -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
&#13;
Neue Normen fOr Pestizidanwendung gesucht&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'VON&#13;
&#13;
Information&#13;
&#13;
4&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
ZUM TODE VON ARTHUR F. BURNS&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Aus Anlaß des Todes von Arthur F. Burns am 26. Juni 1987,&#13;
dem ehemaligen Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik&#13;
Deutschland, veröffentlichen wir im folgenden den Nachruf von Botschafter Burt.&#13;
&#13;
Gemeinsam mit Millionen Deutschen&#13;
und Amerikanern trauere ich um Arthur&#13;
F. Burns, den außergewöhnlichen Botschafter&#13;
in&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland&#13;
und großen Staatsmann.&#13;
Er war ein persönlicher Freund und&#13;
Mentor.&#13;
Als&#13;
kluger&#13;
Ratgeber&#13;
war&#13;
mir&#13;
Arthur Burns während meiner Dienstzeit als Unterstaatssekretär für Europäische&#13;
Angelegenheiten&#13;
in&#13;
Washington in hohem Maße behilflich.&#13;
Als ich zum Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik er-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
nannt wurde, habe ich ihn viele Male&#13;
um Rat ersucht.&#13;
Arthur Burns war in allem, was er&#13;
während seines langen und erfüllten&#13;
Lebens vollbrachte, stets ein herausragendes Vorbild. Am 27. April 1904&#13;
in Stanislau im damaligen Kaiserreich&#13;
Österreich-Ungarn geboren, emigrierte&#13;
er im Mai 1914 mit seinen Eltern in&#13;
die Vereinigten Staaten.&#13;
Er begann&#13;
bereits im Alter von zehn Jahren zu&#13;
arbeiten und im Verlauf seines Lebens&#13;
wurde er ein überragender Gelehrter,&#13;
Wirtschaftswissenschaftler, Präsiden-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tenberater und Diplomat.&#13;
Kurz bevor er im Jahr 1985 seinen&#13;
Abschied von Bonn nahm, wurde Botschafter Burns in einem interview gefragt, ob er vorhabe, sich in den&#13;
Ruhestand zurückzuziehen. Er antwortete, daß er sich niemals zur Ruhe&#13;
setzen würde, daß er seit seinem&#13;
zehnten Lebensjahr&#13;
gearbeitet habe&#13;
und daß er sicherlich "mitten in der&#13;
Arbeit aus dem Leben gerissen" werde.&#13;
In der Tat sagte er häufig, daß seine&#13;
Arbeit ihm Kraft verleihe. Nicht zuletzt gelang ihm dies dank Helen&#13;
Burns Unterstützung und Ermutigung.&#13;
3ie war der wichtigste Mensch in seinem Leben.&#13;
Arthur Burns liebte die Deutschen&#13;
und ihr Land und er war ein großer&#13;
Bewunderer&#13;
ihres&#13;
Charakters,&#13;
der&#13;
Strebsamkeit&#13;
und des unermüdlichen&#13;
Fleißes der Deutschen. Und sie verehrten ihn.&#13;
Während&#13;
seiner Jahre als Botschafter in Bonn hat Arthur Burns&#13;
sich viele Male zu bedeutenden bilateralen und internationalen Themenkomplexen geäußert.&#13;
In einer Rede&#13;
vor der Gesellschaft für Auslandskunde in München im November 1983 sprach&#13;
Botschafter&#13;
Burns&#13;
einmal&#13;
von&#13;
den&#13;
"Herausforderungen der Demokratie in&#13;
Deutschland und Amerika".&#13;
&#13;
"die Bundesrepublik&#13;
Deutschland&#13;
in&#13;
den vergangenen 35 Jahren bewiesen&#13;
hat, daß ihre Bürger eine Gesellschaft zu würdigen wissen, die sich&#13;
fest auf das Prinzip der Demokratie&#13;
gründet". Er rief die Menschen ebenfalls dazu auf, die starke deutschamerikanische Partnerschaft zu pflegen. Er erklärte: "Ich betrachte sie&#13;
als entscheidend für das überleben&#13;
unserer jeweiligen Gesellschaften&#13;
für unser Leben als freie Menschen".&#13;
Diese weisen Worte sind ein bedeutendes Vermächtnis, das wir alle&#13;
im Gedächtnis bewahren sollten.&#13;
Er war ein enger Freund und Lehrmeister und Gahl und ich sind über&#13;
sein Dahinscheiden von tiefer Trauer&#13;
erfüllt. In dieser Zeit des schmerzlichen Verlustes möchten wir Helen&#13;
Burns&#13;
unser&#13;
aufrichtiges&#13;
Beileid&#13;
übermitteln. Wir alle haben den Verlust&#13;
eines&#13;
großen&#13;
amerikanischen&#13;
Staatsmannes und wahren Freundes der&#13;
Deutschen und ihres Landes zu beklagen.&#13;
&#13;
Er erklärte, daß "jede Generation&#13;
sich den Themen und Problemen, mit&#13;
denen sie sich in ihrer Zeit konfrontiert sieht, stellen muß... Eine der&#13;
Lektionen, die uns die Geschichte&#13;
lehrt, ist, daß in einer reifen Demokratie Extremismus dahin tendiert,&#13;
die Menschen abzustoßen". Er forderte die jungen Menschen in Amerika und&#13;
Deutschland&#13;
auf, den&#13;
Lehren, die&#13;
durch die Geschichte vermittelt werden können, mehr Aufmerksamkeit zu&#13;
widmen.&#13;
Und er verwies darauf, daß&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
Dokumentation&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
AMERIKANER GEDENKEN DES HÖCHSTEN GUTES DER FREIHEIT&#13;
Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag •&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan erklärte, daß die Amerikaner am 4.&#13;
Juli "des höchsten Gutes der Freiheit gedenken werden - ein Gut, das unsere&#13;
Mitbürger stets verfochten und verteidigt haben.&#13;
"Dieses&#13;
Gut der Freiheit&#13;
ist eindrucksvoll&#13;
und weise&#13;
durch die&#13;
Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung belegt, deren 200jähriges Bestehen&#13;
wir in diesem Jahr begehen" erläuterte der Präsident in seiner jährlichen&#13;
Ansprache zum Unabhängigkeitstag.&#13;
Nachfolgend drucken wir die am 29. Juni vom Weißen Haus veröffentlichte&#13;
Rede Präsident Reagans im Wortlaut:&#13;
&#13;
An diesem 4. Juli werden die Amerikaner wie in den vergangenen Jahren&#13;
die Unabhängigkeitserklärung und den&#13;
211. Jahrestag der Gründung unserer&#13;
Nation feiern. Aus diesem Anlaß werden Paraden im Stadtzentrum, Feiern&#13;
in den Rathäusern sowie Gedenkgottesdienste in Kirchen und Synagogen abgehalten, und unsere Bürger werden&#13;
ihre patriotische Gesinnung bei Picknicks, Feuerwerken und Baseballspielen unter Beweis stellen. Die Amerikaner im Ausland gedenken ihrer Heimat und dessen, was unser Land ihnen&#13;
bedeutet. wir alle sind von Staunen&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
erfüllt und erinnern uns voller Dankbarkeit, daß wir des höchsten Gutes&#13;
der Freiheit gedenken - ein Gut, das&#13;
unsere Mitbürger stets verfochten und&#13;
verteidigt haben.&#13;
Dieses Gut der Freiheit ist eindrucksvoll und weise durch die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung belegt, deren 200jähriges Bestehen wir in diesem Jahr begehen. Die&#13;
Unabhängigkeitserklärung&#13;
bestätigt&#13;
unseren feste Überzeugung, daß es die&#13;
vornehmste Pflicht einer jeden Regierung ist, uns das von Gott gegebene&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'Sr,oN^&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
l.Juli 1987&#13;
STRAFVERFAHREN GEGEN HAMADEI WIRD TATKRÄFTIG BETRIEBEN&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&#13;
&#13;
HAMBURG - (AD) - Nach der Entscheidung der Bundesrepublik Deutschland,&#13;
Mohammed Hamadei statt seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten vor&#13;
deutschen Gerichten wegen Flugzeugentführung, Mordes und anderer Vergehen anzuklagen, gab der amerikanische Justizminister Meese am 24. Juni eine Pressekonferenz in Hamburg.&#13;
Meese erklärte, ihm sei von bundesdeutscher Seite versichert worden, Hamadei "würde im vollem Umfang und mit Nachdruck aller Punkte angeklagt, für die&#13;
er auch in den Vereinigten Staaten vor Gericht gestellt worden wäre". Der Justizminister&#13;
bemerkte&#13;
ferner,&#13;
"diese&#13;
Handlungsweise&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland verweist auf die bindende Verpflichtung dieser Regierung gegenüber&#13;
dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit bei&#13;
der Terror ismusbekämpfung".&#13;
Nachfolgend drucken wir den Text der Pressekonferenz im Wortlaut:&#13;
&#13;
Justizminister Meese: Guten Tag,&#13;
meine Damen und Herren.&#13;
Nach einer&#13;
kurzen Stellungnahme werde ich gern&#13;
auf ihre Fragen eingehen.&#13;
Die Regierung der Bundesrepublik&#13;
Deutschland hat heute erklärt, daß&#13;
Mohammed Hamadei in der Bundesrepublik wegen Flugzeugentführung, Mordes&#13;
und anderer Vergehen vor Gericht gestellt werden wird. Mit dieser Entscheidung&#13;
nimmt die&#13;
Bundesrepublik&#13;
ihre gesetzmäßigen Rechte wahr, die&#13;
unter diesen Umständen verlangen, daß&#13;
ein Angeklagter entweder hier vor Ge-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
richt gestellt oder an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird.&#13;
Von&#13;
der Bundesregierung wurde versichert,&#13;
Hamadei würde im vollem Umfang und&#13;
mit Nachdruck aller Punkte angeklagt,&#13;
für die er auch in den Vereinigten&#13;
Staaten vor Gericht gestellt worden&#13;
wäre, einschließlich&#13;
einer&#13;
Anklage&#13;
wegen Besitzes von Sprengstoff, die&#13;
nur&#13;
nach&#13;
deutscher&#13;
Rechtsprechung&#13;
möglich ist. Wir haben der Staatsanwaltschaft seitens der Regierung der&#13;
Vereinigten Staaten und besonders von&#13;
Seiten des Justizministeriums unsere&#13;
volle Unterstützung bei der Vorberei-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�tung&#13;
ihres Falles&#13;
zugesagt.&#13;
Die&#13;
Handlungsweise&#13;
der&#13;
Bundesrepublik&#13;
Deutschland verweist auf die bindende&#13;
Verpflichtung dieser Regierung gegenüber dem Prinzip der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung.&#13;
Ich möchte&#13;
antworten.&#13;
&#13;
jetzt ihre Fragen be-&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Sie&#13;
haben&#13;
gestern&#13;
in&#13;
Bonn erklärt, die amerikanische Regierung sei in der Lage, eindeutige&#13;
Beweise gegen Hamadei vorzulegen. Um&#13;
welche Art von Beweisen handelt es&#13;
sich, und wann würden Sie diese unterbreiten?&#13;
Antwort:&#13;
Wir&#13;
werden alle uns&#13;
vorliegenden&#13;
Beweise&#13;
zur Verfügung&#13;
stellen, einschließlich der&#13;
Zeugen&#13;
und aller Unterlagen, mit denen wir&#13;
einen Beitrag leisten können, und wir&#13;
werden diese dann unterbreiten, wenn&#13;
die Staatsanwaltschaft sie zur Vorbereitung und Verhandlung ihres Falles&#13;
benötigen.&#13;
Frage:&#13;
Sprechen Sie&#13;
gieren des TWA-Fluges?&#13;
&#13;
von&#13;
&#13;
Passa-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Da es sich&#13;
um ein&#13;
schwebendes Verfahren handelt, möchte&#13;
ich über den spezifischen Charakter&#13;
der Beweise nichts sagen. Wir haben&#13;
unsere volle Unterstützung bei der&#13;
Beweisaufnahme zugesagt.&#13;
Frage:&#13;
Glauben Sie, daß dies&#13;
einen politischen Schatten auf die&#13;
Beziehungen&#13;
zwischen Bonn und Washington werfen wird?&#13;
Antwort:&#13;
Ganz und gar nicht.&#13;
Wie Präsident Reagan erklärte, sind&#13;
wir über die Tatsache erfreut, daß&#13;
die Bundesrepublik Deutschland sich&#13;
&#13;
durch&#13;
ihre Verpflichtung&#13;
auf&#13;
das&#13;
Recht ausgezeichnet hat; das Recht&#13;
stellt es in das Ermessen der Bundesrepublik, ob sie den Fall hier verhandeln oder den Angeklagten an die&#13;
Vereinigten Staaten übergeben will,&#13;
damit dort das Verfahren gegen ihn&#13;
eröffnet wird.&#13;
In diesem Fall hat&#13;
man entschlossen, ihn - wie ich bereits erwähnte - hier wegen all der&#13;
Anklagepunkte vor Gericht zu stellen,&#13;
wegen derer wir ihn auch in den Vereinigten Staaten hätten belangen können, einschließlich der zusätzlichen&#13;
Anklage hier in der Bundesrepublik&#13;
wegen des Besitzes von Sprengstoff.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Justizminister,&#13;
wie würden die Vereinigten Staaten&#13;
reagieren, wenn Hamadei schon kurz&#13;
nach dem Prozeß freigelassen würde?&#13;
Es kursieren bereits Gerüchte, daß er&#13;
nur einen Teil seiner Strafe verbüssen könnte. Wie würden die Vereinigten Staaten dann reagieren?&#13;
Antwort:&#13;
Die Zusagen, die wir&#13;
von der Bundesrepublik Deuschland erhalten haben - und ich glaube auch&#13;
die im Rahmen der heute abgehaltenen&#13;
Pressekonferenz abgegebene Erklärung&#13;
- besagt, daß eine solche Situation&#13;
in keiner Weise in Erwägung gezogen&#13;
wird.&#13;
Frage: Sind Sie mit&#13;
gerung zufrieden?&#13;
&#13;
dieser&#13;
&#13;
Fol-&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Wir&#13;
sind&#13;
zufrieden,&#13;
daß von der Bundesregierung die Bestimmungen des Gesetzes vollständig&#13;
erfüllt und die Zusammenarbeit bei&#13;
der Terrorismusbekämpfung vollständig&#13;
verwirklicht worden ist.&#13;
Frage:&#13;
Können Sie die letzten&#13;
24 Stunde der Verhandlungen in Bonn&#13;
beschreiben?&#13;
&#13;
- ? -&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
handelte&#13;
&#13;
sich&#13;
&#13;
�nicht um Verhandlungen, sondern vielmehr um Diskussionen, die uns die in&#13;
Erwägung gezogene Absicht und inzwischen&#13;
getroffene&#13;
Entscheidung&#13;
der&#13;
Bundesrepublik Deutschland umfassend&#13;
erläutern&#13;
sollten.&#13;
Entsprechend&#13;
sollte ihr unsere Haltung verständlich gemacht werden und insbesondere&#13;
die Tatsache, daß wir auf jede nur&#13;
mögliche Art und Weise mit allen Beweisen zur Unterstützung bereit sind,&#13;
die sich in der Obhut der amerikanischen Behörden befinden.&#13;
Frage:&#13;
Was&#13;
ihr persönliches&#13;
gewinnen?&#13;
&#13;
hofften 3ie durch&#13;
Erscheinen hier zu&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Es&#13;
handelt&#13;
sich&#13;
um&#13;
eine&#13;
langfristig&#13;
geplante&#13;
Reise.&#13;
Seit einigen Wochen hatte ich hier&#13;
ein Gespräch mit Regierungsvertretern&#13;
vorgesehen. Zum ersten Mal hatte ich&#13;
die Gelegenheit, in Bonn mit meinem&#13;
Kollegen,&#13;
Innenminister&#13;
Zimmermann,&#13;
zusammenzutreffen und natürlich auch&#13;
mit Minister Engelhard, der in seinem&#13;
Amt als Justizminister noch relativ&#13;
neu ist.&#13;
Frage:&#13;
Bestand in diesen vergangenen Tagen Hoffnung auf eine Auslieferung?&#13;
Antwort:&#13;
Die&#13;
Absicht&#13;
bestand&#13;
darin, die von der Bundesregierung zu&#13;
treffende Entscheidung zu erörtern.&#13;
Mein Vorhaben bestand darin, sicherzustellen, daß - wie Präsident Reagan&#13;
es formulierte - Hamadei in allen&#13;
Punkten angeklagt wird. Ich bin der&#13;
Überzeugung, daß dies erfolgen wird,&#13;
und deshalb sind wir mit dem Ergebnis&#13;
sehr zufrieden.&#13;
Frage:&#13;
Herr&#13;
Justizminister,&#13;
haben sie von der Regierung in Bonn&#13;
irgendwelche Garantien erhalten, daß&#13;
Hamadei nicht kurz nach dem Gerichtsverfahren freigelassen wird? Gibt es&#13;
&#13;
irgendwelche Garantien, die Sie...&#13;
Antwort:&#13;
ich glaube, wir müssen hier einen Schritt nach dem anderen betrachten.&#13;
Er wird mit aller&#13;
Kraft&#13;
des&#13;
Gesetzes&#13;
strafrechtlich&#13;
verfolgt werden.&#13;
Ich bin der Überzeugung, daß Herr Schäuble dies zweifelsohne&#13;
heute&#13;
bereits&#13;
ausgeführt&#13;
hat, und es wurde uns wiederholt die&#13;
Zusage gegeben, daß in allen Punkten&#13;
und mit Nachdruck Anklage gegen ihn&#13;
erhoben wird.&#13;
Ich erwarte demnach&#13;
nicht, daß er zu irgendeinem Zeitpunkt&#13;
freigelassen&#13;
wird,&#13;
und&#13;
ich&#13;
glaube, daß ihm nach deutschem Recht&#13;
bei einer Verurteilung eine lebenslange&#13;
Freiheitsstrafe&#13;
bevorstünde.&#13;
Ich bin also nicht der Ansicht, daß&#13;
der von Ihnen angesprochene Fall eintreten wird.&#13;
Frage:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
gehört, Sie&#13;
haben an einer Konferenz der Polizeichefs hier in Hamburg teilgenommen.&#13;
Antwort:&#13;
&#13;
Ja.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Was&#13;
ist mit&#13;
der Abschreckung, über die Sie immer wieder&#13;
gesprochen haben, daß nur Abrchrekkung eine Waffe zur Bekämpfung der&#13;
Terroristen sein könnte.&#13;
Wenn Sie&#13;
diese Art von Handel eingehen...&#13;
Antwort:&#13;
Einen&#13;
Moment&#13;
mal.&#13;
Hier gibt es überhaupt keinen Handel.&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Doch, es gibt einen...&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Nein, es gibt keinen&#13;
Handel, gleich welcher Art. Absolut&#13;
keinen Handel.&#13;
Frage:&#13;
Aber das heißt,&#13;
nicht ausgeliefert wird...&#13;
&#13;
daß&#13;
&#13;
er&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Das Gesetz sieht zwei&#13;
Alternativen vor. Und diese Alternative liegt einzig im Ermessen der Re-&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�gierung, gleichgültig, um welche Regierung es sich handelt - in diesem&#13;
Fall ist es die Bundesrepublik Deutschland.&#13;
Der Regierung, in deren&#13;
Gewahrsam sich der Häftling befindet,&#13;
obliegt die Entscheidungsbefugnis darüber, wo ihm der Prozeß gemacht&#13;
wird. Hier, wenn die Regierung über&#13;
eine angemessene Rechtsprechung verfügt - was sie tut - oder ob das Verfahren gegen ihn in den Vereinigten&#13;
Staaten eröffnet wird. Es gibt hier&#13;
absolut keinen Handel.&#13;
In der Tat&#13;
wurde seitens der Bundesregierung die&#13;
bindende Zusage gegeben, daß es keinen Handel mit irgendjemandem geben&#13;
wird.&#13;
Frage:&#13;
Sie sind also nicht darüber besorgt, daß die Deutschen zu&#13;
irgendeinem Zeitpunkt Hamadei im Gegenzug für die Freilassung der deutschen Geiseln austauschen werden?&#13;
Antwort:&#13;
Ich mache mir keine&#13;
Sorgen.&#13;
Sie haben uns die bindende&#13;
Zusage gegeben, daß sie mit der Anklageerhebung beginnen werden.&#13;
Frage:&#13;
Verstehen Sie die&#13;
lungsweise der Bundesregierung?&#13;
Antwort:&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Hand-&#13;
&#13;
Ob ich sie verstehe?&#13;
Politisch gesehen.&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich verstehe das Vorgehen, denn wenn wir in den Vereinigten Staaten&#13;
in derselben Position&#13;
wären, mit einem Häftling, der unserer&#13;
Gerichtsbarkeit&#13;
unterliegt und&#13;
gegen den wir tatsächlich in mehr&#13;
Punkten Anklage erheben könnten als&#13;
das andere Land, würden wir uns wahrscheinlich für ein Verfahren bei unseren Gerichten in den Vereinigten&#13;
Staaten entscheiden. Deswegen möchte&#13;
ich nochmals betonen, daß dieses Vorgehen in vollem Einklang mit den Bestimmungen des Gesetzes steht.&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Erwarten&#13;
Sie&#13;
Problem&#13;
mit dem Kongreß wegen dieser Vorgehensweise&#13;
bei der Bewältigung&#13;
des&#13;
Problems?&#13;
Antwort:&#13;
Nun, der Kongreß hat&#13;
mit dieser Angelegenheit nichts zu&#13;
tun.&#13;
Dies ist ausschließlich eine&#13;
Regierungsangelegenheit, die im hochsten Ermessen des Präsidenten und der&#13;
offiziellen&#13;
Behörden der&#13;
Exekutive&#13;
liegt.&#13;
ich sehe also nicht, welche&#13;
Rolle der Kongreß hier spielen sollte.&#13;
Frage:&#13;
Wie Sie wissen, wurden&#13;
im Kongreß zahlreiche Stimmen laut,&#13;
daß Hamadei ausgeliefert werden sollte.&#13;
Antwort:&#13;
Das&#13;
entscheidende&#13;
Kriterium&#13;
für diejenigen, die mit&#13;
diesen Rechtsangelegenheiten vertraut&#13;
sind, ist offensichtlich, daß Anklage&#13;
gegen ihn erhoben und er verurteilt&#13;
werden muß, und das ist genau das,&#13;
was hier geschieht.&#13;
Frage:&#13;
Haben Sie bereits&#13;
Präsident Reagan gesprochen?&#13;
&#13;
mit&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
Ich&#13;
habe&#13;
nicht&#13;
mit&#13;
Präsident Reagan gesprochen. Ich habe im Verlauf des heutigen Tages mit&#13;
anderen Vertretern im Weißen Haus gesprochen. Es ist noch ziemlich früh&#13;
in Washington...&#13;
Frage:&#13;
&#13;
Was haben sie gesagt?&#13;
&#13;
Antwort:&#13;
...und wir haben das&#13;
vollständige Einverständnis aller Regierungsvertreter, denen eine Verantwortung in dieser Angelegenheit zukommt, ja?&#13;
Frage:&#13;
Inwieweit&#13;
entsprechen&#13;
die Vermutungen der Wahrheit, daß die&#13;
Entführung von Charles Glass mit diesem Fall in Verbindung stehen könnte?&#13;
&#13;
l&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
�Antwort:&#13;
ich habe hierzu überhaupt keinen Kommentar abzugeben und&#13;
auch keinen Grund zu irgendwelchen&#13;
Vermutungen. Noch weitere Fragen?&#13;
&#13;
«&#13;
&#13;
Frage:&#13;
Ihrer Ansicht nach gibt&#13;
es also überhaupt keine Mißstimmungen&#13;
in den Beziehungen zwischen Bonn und&#13;
Washington soweit es diesen Fall betrifft?&#13;
Antwort:&#13;
Die Beziehungen&#13;
zwischen Bonn und Washington sind immer&#13;
gut gewesen, und ich bin davon überzeugt, daß die Offenheit und das&#13;
vollständige Vertrauen, von denen unser Meinungsaustausch gekennzeichnet&#13;
war, diesen Beziehungen im Verlauf&#13;
der vergangenen Tage nur zuträglich&#13;
gewesen&#13;
ist.&#13;
Und natürlich trägt&#13;
diese Vorgehensweise, die in vollem&#13;
Einklang mit dem Gesetz steht, noch&#13;
dazu bei. Vielen Dank.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
�AMERIKA DIENST&#13;
'4-&#13;
&#13;
-""•&#13;
&#13;
ck&#13;
&#13;
Hintergrundmaterial&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
NEUESTER STAND DER AMERIKANISCHEN RÜSTUNGSKONTROLLINITIATIVEN&#13;
- Sonderveröffentlichung des Außenministeriums -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Sonderveröffentlichung "Neuester Stand&#13;
der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen" wurde jetzt vom amerikanischen&#13;
Außenministerium herausgegeben.&#13;
Nachfolgend drucken wir den Bericht im Wortlaut:&#13;
Generalsekretär Gorbatschow im vergangenen Oktober in Reykjavik ÜberStrategische Offensivwaffen&#13;
einstimmung erzielt hatten, sieht auf&#13;
beiden Seiten den 50prozentigen Abbau&#13;
Am 8. Mai 1987 legten die Verbis auf 1 600 strategische Trägersyeinigten Staaten bei den Verhandlunsteme und 6 000 Gefechtsköpfe vor,&#13;
gen über Kern- und Weltraumwaffen in&#13;
mit angemessenen Untergrenzen und in&#13;
Genf den Entwurf zu einem Vertragseinem Zeitraum von sieben Jahren nach&#13;
text für Verhandlungen über die VerInkrafttreten des Vertrages.&#13;
ringerung&#13;
strategischer&#13;
Rüstungen&#13;
(START) vor, der einen 50prozentigen&#13;
Der amerikanische Vertragsentwurf&#13;
Abbau amerikanischer und sowjetischer&#13;
setzt zusätzlich zu den Obergrenzen&#13;
strategischer&#13;
Offensivwaffen&#13;
vorbestimmte Beschränkungen bei den desieht.&#13;
Der&#13;
Vertragsentwurf, der&#13;
stabilisierendsten und gefährlichsten&#13;
grundsätzlich die Bereiche widerspieNuklearsystemen fest - den schnell&#13;
gelt, in denen Präsident Reagan und&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�fliegenden ballistischen Raketen, besonders den sowjetischen schweren Interkontinentalraketen&#13;
(ICBMs).&#13;
in&#13;
diesem Bereich haben wir Grenzen und&#13;
Untergrenzen für Gefechtsköpfe auf&#13;
ballistischen Raketen, Raketen-Wurfgewichte und schwere ICBMs vorgeschlagen. Unser Vorschlag umfaßt detaillierte Bestimmungen, die darauf&#13;
abzielen, jeden Zweifelsfall bei den&#13;
bereits vereinbarten Punkten auszuschalten sowie ausführliche Bestimmungen zur Verifizierung, einschließlich Inspektionen vor Ort, mit denen&#13;
sichergestellt werden soll, daß jede&#13;
Seite auf die vollständige Einhaltung&#13;
des Abkommens durch den Vertragspartner vertrauen kann.&#13;
Mit der Vorlage dieses Vertragsentwurfs versuchen die Vereinigten&#13;
Staaten auf den bei START bereits erzielten&#13;
erheblichen&#13;
Fortschritten&#13;
aufzubauen und die Lösung noch ausstehender Fragen, besonders zur Notwendigkeit - zum Zweck der Sicherung&#13;
strategischer Stabilität - von Untergrenzen bei Gefechtsköpfen auf ballistischen&#13;
Raketen&#13;
voranzutreiben.&#13;
Leider wurde der Fortschritt durch&#13;
die beharrliche sowjetische Haltung&#13;
verzögert, ein Abkommen bei START mit&#13;
Maßnahmen koppeln zu wollen, mit denen die Strategische Verteidigungsinitiative&#13;
(SDI) effektiv beendet&#13;
würde. Die Vereinigten Staaten werden keinerlei Maßnahmen akzeptieren,&#13;
die das SDI-Programm lähmen oder zunichte machen würden. Das SDI-Programm ist aufgrund der von ihm gebotenen Aussicht auf ein sichereres&#13;
Mittel zur Abschreckung lebenswichtig&#13;
für die zukünftige Sicherheit der&#13;
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der&#13;
Ansicht, daß der Vertragsentwurf für&#13;
START eine solide Grundlage für die&#13;
Schaffung eines gerechten und dauer- 2&#13;
&#13;
haften Abkommen bietet, das - zum&#13;
ersten Mal in der Geschichte - einschneidende Reduzierungen in den Arsenalen strategischer Waffen sowohl&#13;
der Vereinigten Staaten als auch der&#13;
Sowjetunion herbeiführen würde. Die&#13;
Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Beitrag zur Erreichung eines solchen Abkommens zu leisten und hoffen,&#13;
daß die Sowjets die gleiche Entschlossenheit an den Tag legen.&#13;
&#13;
Mittelstreckenwaffen (INF)&#13;
Die Entschlossenheit des Westens,&#13;
zu dem als Reaktion auf die sowjetische Stationierung der SS-20 getroffenen "Doppelbeschluß" der NATO&#13;
von 1979 zu stehen, zahlt sich jetzt&#13;
aus. Der Entschluß der NATO, das bei&#13;
INF bestehende Ungleichgewicht durch&#13;
eine&#13;
Stationierung&#13;
amerikanischer&#13;
Mittelstreckenraketen längerer Reichweite&#13;
(LRINF)&#13;
zu beseitigen und&#13;
gleichzeitig zu versuchen, mit den&#13;
Sowjets Verhandlungen über die Erlangung eines Gleichgewichts bei INF auf&#13;
dem niedrigsten möglichen Niveau anzustreben, hat uns zu dem Punkt geführt, an dem gute Aussichten für ein&#13;
amerikanisch-sowjetisches&#13;
Abkommen&#13;
über bedeutende Reduzierungen von INF&#13;
bestehen.&#13;
Am 4. März 1987 haben die Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen&#13;
über&#13;
Kern- und Weltraumwaffen&#13;
(NST) in Genf einen Entwurf für einen&#13;
Vertragstext über INF vorgelegt. Die&#13;
Grundstruktur eines INF-Abkommens&#13;
die Art und das Niveau der Reduzierungen bei LRINF - wurden von Präsident&#13;
Reagan&#13;
und&#13;
Generalsekretär&#13;
Gorbatschow im vergangenen Oktober in&#13;
Reykjavik vereinbart und findet auch&#13;
im amerikanischen Vertragstext ihren&#13;
Niederschlag.&#13;
Dieser fordert Reduzierungen auf eine vorläufige weltweite obergrenze von jeweils 100 Ge-&#13;
&#13;
�fechtsköpfen auf LRINF auf amerikanischem und sowjetischem Territorium&#13;
- wovon sich keine in Europa befinden&#13;
sollen. Die Vereinigten Staaten und&#13;
unsere NATO-Verbündeten ziehen jedoch&#13;
weiterhin eine Null-Lösung bei LRINF&#13;
vor - die weltweite Abschaffung dieser gesamten Kategorie von Raketen und werden weiterhin die Sowjetunion&#13;
zur Aufgabe ihrer beharrlichen Haltung bei der Beibehaltung der verbleibenden LRINF drängen.&#13;
Als Reaktion darauf legte die Sowjetunion am 27. April ihren Vertragsentwurf zu INF vor, der die in&#13;
Reykjavik&#13;
zur&#13;
LRINF&#13;
vereinbarten&#13;
Punkte grundsätzlich aufnimmt.&#13;
Eine&#13;
Reihe von Kernproblemen müssen noch&#13;
gelöst werden. Das wichtigste dieser&#13;
Probleme betrifft die Verifizierung.&#13;
Jedes INF-Abkommen muß wirksam verifizierbar sein, wenn es die Stabilität verbessern und die Sicherheit der&#13;
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten erhöhen soll.&#13;
Die Vereinigten&#13;
Staaten haben umfassende Verifizierungsmaßnahmen zur Verbesserung der&#13;
Einhaltung&#13;
vorgeschlagen.&#13;
Die Sowjets haben angemerkt, daß sie in&#13;
einigen grundlegenden Bereichen eine&#13;
Verifizierung anstreben, in denen wir&#13;
eine solche gefordert haben und die&#13;
Herr Gorbatschow im Prinzip in Reykjavik akzeptiert hat.&#13;
Dazu zählen&#13;
zum Beispiel der Austausch von Zahlenmaterial, Vor-Ort-Beobachtung der&#13;
Zerstörung, wirkungsvolle Überwachung&#13;
der verbleibenden Bestände von LRINF&#13;
und der dafür erforderlichen Einrichtungen&#13;
sowie&#13;
Vor-Ort-Inspektionen.&#13;
Sie müssten jedoch noch die notwendigen Einzelheiten vorlegen.&#13;
&#13;
einem ersten INF-Abkommen stehen sowie wirksam verifizierbar sein muß&#13;
und einen weltweiten Gleichstand hervorbringen sollte.&#13;
Sowjetische Bestrebungen zur Einbeziehung der Systeme anderer Länder außer den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion&#13;
in ein INF-Abkommen sind nicht akzeptabel.&#13;
Die Lösung dieser&#13;
und anderer&#13;
noch ausstehender Probleme wird sehr&#13;
harte Verhandlungen erfordern.&#13;
Die&#13;
Vereinigten Staaten leisten auch weiterhin ihren Beitrag, um diese Probleme zu lösen und sich einem INF-Abkommen anzunähern.&#13;
Es ist jetzt an&#13;
der Sowjetunion, dasselbe Engagement&#13;
für wahrhafte Fortschritte zu demonstrieren.&#13;
&#13;
Verteidigung im Weltraum&#13;
Sowohl bei den im April abgehaltenen&#13;
Treffen&#13;
von&#13;
Außenminister&#13;
Shultz in Moskau als auch im Anschluß&#13;
daran&#13;
bei&#13;
den&#13;
Verhandlungen&#13;
über&#13;
Kern- und Weltraumwaffen in Genf legten die Vereinigten Staaten einen&#13;
neuen Vorschlag zu Problemen der Verteidigung im Weltraum vor.&#13;
Dieser&#13;
neue Vorschlag umfaßt folgende Bestandteile:&#13;
&#13;
Ein weiteres Problem betrifft die&#13;
Kurzstreckensysteme (3RINF). Wir beharren gemeinsam mit unseren Verbündeten auch weiterhin darauf, daß ein&#13;
Abkommen über diese Systeme bilateralen Charakter haben, im Einklang mit&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
- die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion würden die Verpflichtung&#13;
eingehen, sich&#13;
bis&#13;
1994&#13;
nicht vom ABM-Vertrag zurückzuziehen.&#13;
- Diese Verpflichtung wäre abhängig&#13;
von der Anwendung der bei START&#13;
vereinbarten&#13;
Reduzierungen, das&#13;
heißt einem 50prozentigen Abbau&#13;
zum Gleichstand von 1 600 strategischen Trägersystemen und 6 000&#13;
Gefechtsköpfen&#13;
mit&#13;
angemessenen&#13;
Untergrenzen.&#13;
&#13;
�- Das Abkommen würde nicht die Souveränitätsrechte der Parteien abändern, wie sie nach internationalem Gewohnheitsrecht bestehen.&#13;
Die Vertragspartner könnten sich&#13;
im Falle eines erheblichen Bruchs&#13;
des Abkommens oder bei Gefährung&#13;
ihrer entscheidenden Interessen&#13;
zurückziehen.&#13;
- Nach 1994 könnte jede Seite Verteidigungssysteme&#13;
eigener&#13;
Wahl&#13;
stationieren, sofern nicht anders&#13;
vereinbart.&#13;
Um gegenseitiges Vertrauen durch&#13;
eine Verbesserung der Vorhersehbarkeit im Bereich der strategischen&#13;
Verteidigung aufzubauen und als Reaktion auf die vorgebrachten sowjetischen Anliegen schlugen die Vereinigten Staaten ferner vor, daß sie&#13;
selbst und die Sowjetunion jährlich&#13;
Zahlen über ihre geplanten Aktivitäten im Bereich der strategischen Verteidigung austauschen sollten. Darüber hinaus bemühen wir uns darum,&#13;
daß die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion&#13;
gegenseitige&#13;
Informationsgespräche über ihre jeweiligen&#13;
Bemühungen bei der strategischen Verteidigung und Besichtigungen der damit in Zusammenhang stehenden Einrichtungen durchführen, wie wir dies&#13;
bereits mit unserer Initiative der&#13;
offenen Labors vorgeschlagen haben.&#13;
Schließlich haben wir vorschlagen,&#13;
gemeinsam vereinbarte Verfahrensweisen für die gegenseitige Beobachtung&#13;
der Erprobung im Bereich der strategischen Verteidigung anzuwenden.&#13;
&#13;
wicklung, Herstellung, des Gebrauchs,&#13;
Transfers und der Lagerung chemischer&#13;
Waffen mit verschiedenen Mitteln zu&#13;
verifizieren sucht und damit sofortige und obligatorische Vor-Ort-Inspektionen in Zweifelsfällen verbindet.&#13;
Beim Genfer Gipfeltreffen vom November&#13;
1985&#13;
vereinbarten&#13;
Präsident&#13;
Reagan und Generalsekretär Gorbatschow die Intensivierung bilateraler&#13;
Gespräche über alle Aspekte eines umfassenden weltweiten Verbots chemischer Waffen und dessen Verifizierung. Seitdem haben wir fünf Runden&#13;
bilateraler Gespräche zu einem Vertrag über chemische Waffen abgehalten. Eine sechste Runde ist für den&#13;
Sommer 1987 vorgesehen.&#13;
&#13;
Chemische Waffen&#13;
&#13;
Obwohl die bilateralen Vertragsgespräche einige Meinungsverschiedenheiten&#13;
abgebaut&#13;
und die Sowjets&#13;
schließlich im März 1987 den Besitz&#13;
chemischer Waffen zugegeben haben,&#13;
bestehen bei einer Reihe von Kernproblemen noch große Differenzen. Zum&#13;
Beispiel haben die Vereinigten Staaten bei der wesentlichen Frage einer&#13;
Verifizierung der Einhaltung des Vertrages obligatorische "lnspektionen&#13;
in Zweifelsfällen" gefordert, um vermutete Verletzungen zu untersuchen.&#13;
Die Sowjets bestehen weiterhin darauf, daß die Zustimmung zu solchen&#13;
Inspektionen freiwillig erfolgen müßte.&#13;
Trotz ihres jüngst erfolgten&#13;
Hinweises, daß die Durchführung obligatorischer Inspektionen im Zweifelsfalle bei bestimmten Fällen zutreffen&#13;
könnte, bestehen sie weiterhin auf&#13;
einem Verweigerungsrecht, das eine&#13;
Konvention&#13;
über&#13;
chemische&#13;
Waffen&#13;
schwächen und die Möglichkeit zur Irreführung erhöhen würde.&#13;
&#13;
Im April 1984 haben die Vereinigten Staaten bei der Genfer Abrüstungskonferenz, an der 40 Nationen&#13;
teilnahmen, einen umfassenden Vertrag&#13;
vorgelegt, der das Verbot der Ent-&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den Vertragsgesprächen arbeiten wir mit Verbündeten und&#13;
anderen befreundeten Nationen sowie&#13;
mit den Sowjets zusammen, um die Weiterverbreitung chemischer Waffen zu&#13;
&#13;
- 4&#13;
&#13;
�verhindern.&#13;
Besonders als Reaktion&#13;
auf die andauernde Verwendung chemischer Waffen im Krieg zwischen Iran&#13;
und Irak haben die Vereinigten Staaten und 17 andere westliche Industrienationen seit 1985 Konsultationen abgehalten, um Exportkontrollen&#13;
für mit chemischen Waffen in Verbindung zu bringenden Artikeln abzustimmen und andere Mechanismen zu entwikkeln, die der illegalen Verwendung&#13;
chemischer Waffen und deren gefährlicher Verbreitung in anderen Ländern&#13;
Einhalt zu gebieten. Wir haben ebenfalls in den beiden mit den Sowjets&#13;
im Jahr 1986 abgehaltenen bilateralen&#13;
Gesprächen Exportkontrollen und politische Schritte&#13;
überprüft, um die&#13;
Verbreitung chemischer Waffen einzuschränken.&#13;
&#13;
Atomtests&#13;
Die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
verpflichten&#13;
sich weiterhin voll und&#13;
ganz zu Bestrebungen um wirkungsvolle&#13;
und verifizierbare Abkommen mit der&#13;
Sowjetunion&#13;
über die Einschränkung&#13;
von Atomtests.&#13;
Dazu hat der Präsident ein praktisches, Schritt für&#13;
Schritt durchführbares Verfahren vorgeschlagen.&#13;
Sein Vorschlag besagt,&#13;
daß die Vereinigten Staaten und die&#13;
Sowjetunion Verhandlungen über Atomtests aufnehmen sollten. Die Tagesordnung dieser Verhandlungen bestünde&#13;
zunächst&#13;
darin,&#13;
im&#13;
bestehenden&#13;
Schwellenvertrag (TTBT) und dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen&#13;
Zwecken&#13;
(PNET) Bestimmungen&#13;
zur Verifizierung zu verbessern. Sobald diesem Anliegen der Verifizierung entsprochen worden ist und die&#13;
Verträge ratifiziert sind, würden die&#13;
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sofort in Verhandlungen über&#13;
Möglichkeiten eintreten, um Schritt&#13;
für Schritt - in Zusammenhang mit&#13;
einem Programm zum Abbau und zur&#13;
&#13;
letztlichen Abschaffung aller Atomwaffen - ein parallel laufendes Programm anzuwenden, das auf die Begrenzung und letztlich die Beendigung von&#13;
Atomtests abzielt.&#13;
Die&#13;
Vereinigten&#13;
Staaten&#13;
haben&#13;
konkrete&#13;
und praktische Vorschläge&#13;
unterbreitet, um Fortschritte bei den&#13;
Begrenzungen von Atomtests zu erzielen.&#13;
Im Juli 1985 lud der Präsident&#13;
sowjetische Experten zu einem Besuch&#13;
amerikanischer Testgelände ein, damit&#13;
sie bei den dort durchgeführten Erprobungen&#13;
den&#13;
Detonationswert&#13;
mit&#13;
jeglichen, ihnen notwendig erscheinenden Geräten messen.&#13;
Im Dezember&#13;
1985 schlug er ein Treffen für offizielle amerikanische und sowjetische&#13;
Techniker vor, bei dem über Verifizierung gesprochen werden sollte. Im&#13;
März 1986 lud er sowjetische Experten&#13;
nach Nevada ein, um die CORRTEX-Methode (Continuous Reflectrometry for&#13;
Radius versus Time Experiment - hydrodynamische Meßmethode zur Bestimmung des atomaren Detonantionswertes,&#13;
der die Ausbreitung der unterirdischen&#13;
Druckwelle&#13;
einer&#13;
Explosion&#13;
mißt) zur Messung des Detonationswerts zu untersuchen, einer Präsentation des Systems CORRTEX beizuwohnen&#13;
und einen amerikanischen Test zu messen.&#13;
Schließlich haben die Sowjets im&#13;
Sommer 1986 zugestimmt, daß Experten&#13;
beider Seiten zu Diskussionen zusammenkommen&#13;
sollten, um&#13;
das&#13;
breite&#13;
Spektrum der sich im Bereich von&#13;
Atomtests ergebenden Fragen ohne Vorbedingungen zu besprechen.&#13;
Die Experten trafen sich im Juli, September&#13;
und November 1986 und im Januar und&#13;
Mai 1987 in Genf. Die Gespräche beschäftigten&#13;
sich hauptsächlich&#13;
mit&#13;
Verfahrensweisen der Verifizierung besonders bei CORRTEX - und auch mit&#13;
der Tagesordnung für formelle Verhandlungen über Atomtests.&#13;
Während&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�des Besuchs von Außenminister Shultz&#13;
im April in Moskau vereinbarte er mit&#13;
dem&#13;
sowjetischen&#13;
Außenminister&#13;
Schewardnadse, daß die Experten gemeinsame Aktivitäten zur Verifizierung untersuchen sollten, die möglicherweise eine Bewertung der Wirksamkeit von Verfahrensweisen unterstützen könnten.&#13;
&#13;
samen Vertragsentwurf zur Errichtung&#13;
von Zentren zur nukleren Risikoverringerung in ihren jeweiligen Hauptstädten. Dieses Abkommen stellt als&#13;
direktes Ergebnis amerikanischer Initiative eine praktische Maßnahme zur&#13;
Stärkung der internationalen Sicherheit dar und baut gleichzeitig das&#13;
sich durch Zufälle, Fehlinterpretationen oder falsche Berechnung möglicherweise&#13;
ergebende Risiko eines&#13;
Konflikts&#13;
zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der Sowjetunion ab. Die&#13;
Zentren würden beim Austausch von Informationen&#13;
und&#13;
Benachrichtigungen,&#13;
wie sie bestehende und in der Zukunft&#13;
mögliche Abkommen&#13;
zur Rüstungskontrolle&#13;
und&#13;
für&#13;
vertrauensbildende&#13;
Maßnahmen erfordern, eine Rolle spielen.&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende Maßnahmen und&#13;
Abrüstung in Europa (KVAE)&#13;
Die&#13;
Stockholmer&#13;
KVAE-Konferenz&#13;
mit&#13;
35&#13;
Teilnehmerstaaten&#13;
fand&#13;
schließlich&#13;
am 22. September&#13;
1986&#13;
statt. Es wurden eine Reihe konkreter Maßnahmen verabschiedet, die Offenheit&#13;
und Vorhersehbarkeit militärischer Aktivitäten in Europa verbessern sollten. Diese auf Vorschläge der NATO zurückgehenden Maßnahmen&#13;
sehen die vorherige Benachrichtigung&#13;
über alle militärischen Aktivitäten&#13;
oberhalb&#13;
einer&#13;
Größenordnung&#13;
von&#13;
13 000 Soldaten oder 300 Panzern vor,&#13;
sowie die Beobachtung militärischer&#13;
Aktivitäten oberhalb einer Grenze von&#13;
17 000 Soldaten und die jährliche&#13;
Vorhersage&#13;
bevorstehender&#13;
militärischer&#13;
Aktivitäten.&#13;
Das&#13;
Abkommen&#13;
enthält&#13;
ebenfalls Bestimmungen&#13;
für&#13;
Vor-Ort-Inspektionen in der Luft und&#13;
auf der Erde zwecks Verifizierung.&#13;
Trotz&#13;
ihres&#13;
bescheidenen&#13;
Umfangs&#13;
stimmen die Sowjets damit zum ersten&#13;
Mal einer Inspektion auf ihrem eigenen&#13;
Territorium&#13;
zur&#13;
Verifizierung&#13;
eines internationalen Sicherheitsabkommens zu.&#13;
&#13;
Bilaterale Vertrauensbildende Maßnahmen&#13;
Am 4. Mai 1987 erzielten amerikanische und sowjetische Unterhändler&#13;
eine Übereinkunft über einen gemein-&#13;
&#13;
Beiderseitige und Ausgewogene&#13;
penreduzierungen (MBFR)&#13;
&#13;
Trup-&#13;
&#13;
Am 5. Dezember 1985 legte die&#13;
NATO eine neue Initiative vor, die&#13;
auf Anliegen des Ostblocks eingeht.&#13;
Der Vorschlag stellt den Wunsch des&#13;
Westens nach einer Übereinkunft über&#13;
den&#13;
augenblicklichen&#13;
zahlenmäßigen&#13;
Stand der Streitkräfte noch vor Unterzeichnung&#13;
des Vertrages&#13;
zurück.&#13;
Die Sowjets hatten geltend gemacht,&#13;
daß diese westliche Forderung das&#13;
Haupthemmnis für ein Abkommen sei.&#13;
Der Vorschlag forderte ferner einen&#13;
zeitlich begrenzten, in einer ersten&#13;
Phase durchgeführten Abzug von 5 000&#13;
amerikanischen&#13;
und&#13;
11 000&#13;
sowjetischen Soldaten, dem eine dreijährige Verpflichtung aller dort Truppen&#13;
unterhaltenden Parteien folgen sollte, ihre Truppenstärke nicht zu erhöhen.&#13;
Im diesem Zeitraum würden die&#13;
Reststreitkräfte&#13;
durch&#13;
nationale&#13;
technische Maßnahmen verifiziert, sowie durch vereinbarte Ein- und Ausgangspunkte, den Austausch von Zahlen&#13;
und 20 jährliche Vor-Ort-Inspektio-&#13;
&#13;
- 6-&#13;
&#13;
�nen.&#13;
Bis jetzt haben die Sowjets&#13;
nicht konstruktiv auf die Initiative&#13;
des Westens reagiert.&#13;
&#13;
NATO-Arbeltsgruppe auf höchster&#13;
Ebene für konventionelle Rüstungskontrolle&#13;
Diese&#13;
Arbeitsgruppe&#13;
legte&#13;
dem&#13;
Nordatlantikrat am 11. Dezember 1986&#13;
ihren Bericht über Tendenzen der konventionellen&#13;
Rüstungskontrollpolitik&#13;
der NATO vor.&#13;
Bei dieser Sitzung&#13;
verabschiedeten die NATO-Minister die&#13;
"Erklärung von Brüssel", in der die&#13;
Bereitschaft der NATO zu neuen Verhandlungen mit dem Warschauer Pakt&#13;
dargelegt wird, die darauf ausgerichtet sind, ein "verifizierbares, umfassendes und stabiles Gleichgewicht&#13;
konventioneller&#13;
Streitkräfte&#13;
auf&#13;
niedrigerer Ebene" in ganz Europa vom&#13;
Atlantik bis zum Ural herzustellen.&#13;
Im Februar 1987 nahm die NATO Gespräche zur Erarbeitung eines Mandats für&#13;
neue Verhandlungen auf.&#13;
Die Erklärung von Brüssel fordert ebenfalls&#13;
getrennte Verhandlungen, die sich auf&#13;
die Ergebnisse der Konferenz über&#13;
Vertrauens- und&#13;
Sicherheitsbildende&#13;
Maßnahmen&#13;
und Abrüstung&#13;
in Europa&#13;
(KVAE) stützen und diese erweitern&#13;
sollen.&#13;
&#13;
Nichtverbreitungsvertrages sowie des&#13;
beiderseitigen Wunsches der Vereinigten Staaten und der UdSSR zur Stärkung der Internationalen Atomenergiebehörde.&#13;
Diese Konsultationen sind&#13;
keine Verhandlungen sondern eher Gespräche&#13;
zur&#13;
Überarbeitung&#13;
unterschiedlicher Themen, die zu gemeinsamer Besorgnis Anlaß geben. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion&#13;
sind beide außerordentlich daran interessiert, die gefährliche Verbreitung nuklearer Waffen zu verhindern&#13;
und haben sich darauf geeinigt, diese&#13;
Konsultationen als Forum für Gespräche und einen Meinungsaustausch zu&#13;
benutzen.&#13;
&#13;
Nichtverbreitungsvertrag&#13;
Vom 15. - 18. Dezember 1986 kamen&#13;
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion in Washington zur achten&#13;
Runde einer&#13;
andauernden Serie von&#13;
Konsultationen über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen zusammen, die&#13;
im Dezember&#13;
1982 begonnen hatten.&#13;
Diese Konsultationen&#13;
umfassten ein&#13;
breites Spektrum von Themenkomplexen&#13;
einschließlich der vorgesehenen Förderung der internationalen Nichtverbreitungstheorie,&#13;
Unterstützung&#13;
des&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Chronologie:&#13;
&#13;
1. Januar 1986 - 1. Juni 1987&#13;
&#13;
AMERIKANI3CH-30WJETI3CHE RÜ3TUNG3KONTROLLVERHANDUJNGEN&#13;
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&#13;
Rande&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
IV&#13;
V&#13;
VI&#13;
VII&#13;
&#13;
Runde VIII&#13;
&#13;
16. Januar - 4. März 1986&#13;
8. Mai - 26. Juni 1986&#13;
18. 3eptember - 13. November 1986&#13;
15. Januar - 6. März 1987&#13;
(INF dauerten bis 26. März)&#13;
Aufnahme am 23. April (INF) und 5. Mai 1987&#13;
(3TART und Gespräche über Verteidigung im&#13;
Weltraum)&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen&#13;
und Abrüstung in Europa (multilateral)&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
IX:&#13;
X:&#13;
XI:&#13;
XII:&#13;
&#13;
28.&#13;
15.&#13;
10.&#13;
19.&#13;
ein&#13;
&#13;
Januar April Juni&#13;
August Abkommen&#13;
&#13;
15. März 1986&#13;
23. Mai 1986&#13;
18. Juli 1986&#13;
19. September 1986 wurde geschlossen&#13;
&#13;
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa&#13;
Erste Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
4. November - 20. Dezember 1986&#13;
Zweite Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
27. Januar&#13;
- 11. April 1987&#13;
Dritte Runde der Nachfolgekonferenz:&#13;
4. Mai&#13;
- 23. Juli 1987&#13;
(vorgesehener Abschlußtermin)&#13;
&#13;
Abrüstungskonferenz&#13;
&#13;
(multilateral)&#13;
&#13;
Rumpfsitzung des Ausschusses für chemische Waffen:&#13;
13. - 31. Januar 1986&#13;
Frühjahrssitzung:&#13;
4. Februar - 25. April 1986&#13;
Sommersitzung:&#13;
10. Juni&#13;
- 29. August 1986&#13;
Konsultationen der Vorsitzenden des Ausschusses für&#13;
chemische Waffen:&#13;
24. November - 17. Dezember 1986&#13;
RumpfSitzung des Ausschusses für chemische Waffen:&#13;
6. - 30. Januar 1987&#13;
Frühjahrssitzung:&#13;
2. Februar - 30. April 1987&#13;
&#13;
- 8-&#13;
&#13;
�Beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
Runde&#13;
&#13;
38&#13;
39&#13;
40&#13;
41&#13;
42&#13;
&#13;
30. Januar&#13;
15. Mai&#13;
25. September&#13;
29. Januar&#13;
14. Mai&#13;
(vorgesehener&#13;
&#13;
(multilateral)&#13;
&#13;
- 20. März 1986&#13;
- 3. Juli 1986&#13;
- 4. Dezember 1986&#13;
- 19. März 1987&#13;
- 2. Juli 1987&#13;
Abschlußterminj&#13;
&#13;
Zentren zur nuklearen Risikoverringerung&#13;
Runde I:&#13;
Runde II:&#13;
&#13;
13. Januar 1987&#13;
3. - 4. Mai 1987 ein Abkommen wurde ad referendum geschlossen&#13;
&#13;
AMERIKANISCH-SOWJETISCHE RUSTUNGSKONTROLLSITZUNGEN AUF&#13;
EXPERTENEBENE&#13;
Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen&#13;
11. - 12. August 1986 in Moskau&#13;
5. - 6. September 1986 in Washington&#13;
2. - 5. Dezember 1986 in Genf auf Unterhändlerebene&#13;
&#13;
Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen&#13;
6. - 7. August 1986 in Moskau&#13;
10. - 11. September 1986 in Washington&#13;
&#13;
Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und&#13;
Abrüstung in Europa&#13;
14. - 15. August 1986 in Stockholm&#13;
&#13;
Gespräche über den Vertrag über chemische Waffen&#13;
28.&#13;
15.&#13;
1.&#13;
28.&#13;
16.&#13;
&#13;
Januar - 3. Februar 1986 in Genf&#13;
- 25. April in Genf&#13;
- 18. Juli 1986 in Genf&#13;
Oktober - 18. November 1986 in New York&#13;
Februar - 5. März 1987 in Genf&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�Konvention über biologische und toxische Waffen&#13;
Expertensitzung: 31. März - 15. April 1987 in Genf&#13;
&#13;
Gespräche über die Nichtverbreitung von chemischen Waffen&#13;
5. 4. -&#13;
&#13;
6. März 1986 in Bern&#13;
5. September 1986 in Bern&#13;
&#13;
Atomtests&#13;
Erste Sitzung:&#13;
Zweite Sitzung:&#13;
Dritte Sitzung:&#13;
Vierte Sitzung:&#13;
&#13;
Fünfte Sitzung:&#13;
&#13;
25. Juli - 1. August 1986 in Genf&#13;
4. - 18. September 1986 in Genf&#13;
13. - 25. November 1986 in Genf&#13;
22. Januar 1987, am 9. Februar unterbrochen,&#13;
am 16. März wieder aufgenommen, am 20. März&#13;
in Genf beendet&#13;
18. - 29. Mai 1987 in Genf&#13;
&#13;
Zentren zur nuklearen Risikoverringerung&#13;
5. - 6. Mai 1986 in Genf&#13;
25. August 1986 in Genf&#13;
&#13;
Gespräche über die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen&#13;
15. - 18. Dezember 1986 in Washington&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�«fc° s *&lt;&#13;
&#13;
%^ON&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST&#13;
^&#13;
&#13;
Wissenschaft und Technik&#13;
&#13;
1. Juli 1987&#13;
&#13;
24&#13;
&#13;
NEUE NORMEN FÜR PESTIZIDANWENDUNG GESUCHT&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Zur Ausschaltung&#13;
von durch&#13;
landwirtschaftliche&#13;
Pestizide in Nahrungsmitteln verursachte Krebsrisiken, sind einem Bericht des Nationalen Forschungsrates&#13;
(NRC) zufolge striktere Vorschriften&#13;
der&#13;
US-Bundesregierung&#13;
notwendig.&#13;
Zwar seien im Vergleich zu anderen&#13;
bekannten krebsverursachenden Faktoren diese Gefahren überaus gering.&#13;
Jedoch gebe es wegen der weitverbreiteten Anwendung von Insektiziden bei&#13;
Getreide und anderen agrarwirtschaftlichen Nutzpflanzen, von Herbiziden&#13;
zur Unkrautvernichtung und von Fungi-&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
ziden zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten immer größere Bedenken.&#13;
In dem 270 Seiten umfassenden Bericht&#13;
an&#13;
die&#13;
US-Umweltschutzbehörde&#13;
EPA&#13;
wird die einheitliche Einführung einer Norm für einen "unerheblichen Risikofaktor" gefordert.&#13;
Dieser Risikofaktor soll bei Frisch- und Fertigprodukten sowie alten und neuen Pestiziden Anwendung finden, die bei der&#13;
Erzeugung&#13;
von&#13;
Nahrungsmitteln&#13;
und&#13;
Tierfutter benutzt werden.&#13;
&#13;
wird&#13;
&#13;
Der&#13;
"unerhebliche&#13;
Risikofaktor"&#13;
in der Weise definiert, daß un-&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2035&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�ter je einer Million Menschen, die&#13;
der&#13;
chemischen&#13;
Substanz&#13;
ausgesetzt&#13;
sind, nicht mehr als ein zusätzlicher&#13;
Fall von Krebs auftreten dürfe. NRC&#13;
empfahl, jedes Pestizid zu verbieten,&#13;
durch dessen Anwendung bei Nahrungsmitteln&#13;
diese&#13;
Risikogrenze&#13;
überschritten werde.&#13;
Vor Journalisten erläuterte der&#13;
Präsident&#13;
der Universität Arkansas&#13;
und Vorsitzender des 17köpfigen NRCGremiums, Ray Thornton, das gegenwärtig gültige Gesetz. Dieses bewertet&#13;
Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln&#13;
im Rohzustand nach weniger strengen&#13;
Maßstäben&#13;
als bei Fertigprodukten.&#13;
Jedoch sei seine praktische Anwendung&#13;
schwierig und biete nicht den besten&#13;
Schutz für die Gesundheit der Bevölkerung, erklärte Thornton.&#13;
Das Bundesgesetz vom Jahr 1954&#13;
für Nahrungs- und Arzneimittel&#13;
und&#13;
für kosmetische Präparate läßt onkogene (krebsverursachende) Rückstände&#13;
in Frischnahrungsmitteln nur zu, wenn&#13;
die Vorteile&#13;
der&#13;
Pestizidanwendung&#13;
schwerer&#13;
wiegen&#13;
als&#13;
die&#13;
Risiken.&#13;
Gleichzeitig&#13;
ist&#13;
es&#13;
aufgrund&#13;
der&#13;
"Delaney-Klausel" im Gesetz der Regierung untersagt, Toleranzwerte oder&#13;
zulässige&#13;
Höchstkonzentrationen&#13;
für&#13;
Pestizide festzusetzen, die sich in&#13;
verarbeiteten Nahrungsmitteln anreichern und bei Mensch und Tier krebsauslösend wirken können.&#13;
Thornton&#13;
zufolge gebe es aber&#13;
keinen wissenschaftlichen Grund, Pestizidrückstände&#13;
in&#13;
unverarbeiteten&#13;
Nahrungsmitteln rechtlich anders zu&#13;
behandeln&#13;
als&#13;
in&#13;
Fertigprodukten.&#13;
Hielte&#13;
man&#13;
sich&#13;
strikt&#13;
an&#13;
die&#13;
Delaney-Klausel, würde man nur etwa&#13;
die Hälfte der potentiellen onkogenen&#13;
Risiken ausschalten, die von den 28&#13;
von der Kommission untersuchten Pestiziden ausgehen könnten. Im Gegensatz dazu eliminierte man bei Anwen- 2&#13;
&#13;
dung einer einheitlichen "Norm für&#13;
den unerheblichen Risikofaktor" fast&#13;
alle potentiell krebsauslösenden Gefahren&#13;
durch&#13;
Pestizidrückstände&#13;
in&#13;
der Nahrung. Allerdings seien Fungizide (Präparate gegen Pilzbefall) ein&#13;
Sonderfall.&#13;
Wie Thornton erklärte,&#13;
erwiesen sich bei Tierversuchen im&#13;
Labor fast alle als onkogen. Jedoch&#13;
seien sie für eine wirtschaftliche&#13;
Erzeugung vieler Obst- und Gemüsearten von großer Bedeutung, und zur&#13;
Zeit würden nur wenige wirksame Alternativpräparate&#13;
entwickelt.&#13;
Die&#13;
NRC-Kommission empfiehlt, daß die EPA&#13;
über&#13;
Fungizide&#13;
als&#13;
Präparatgruppe&#13;
nach&#13;
Getreideart&#13;
entscheidet,&#13;
anstatt, wie bisher, von Fall zu Fall&#13;
Einzelpräparate&#13;
zu genehmigen oder&#13;
abzulehnen.&#13;
Alles in allem ist die Gefahr,&#13;
durch Pestizidrückstände in Nahrungsmitteln an Krebs zu erkranken, außerordentlich&#13;
gering.&#13;
Darauf verwies&#13;
das NRC-Mitglied Arthur Upton vom&#13;
Klinikum der Universität New York.&#13;
In den Vereinigten Staaten sterben&#13;
jährlich&#13;
etwa 450 000 Menschen an&#13;
Krebs, verursacht durch andere onkogene&#13;
Faktoren&#13;
- allein&#13;
mehr&#13;
als&#13;
100 000 an Krebs als Folge von Zigarettenrauchen.&#13;
Demgegenüber&#13;
ergebe&#13;
"eine grobe Schätzung des kumulativen&#13;
Risikos&#13;
durch&#13;
Pestizide&#13;
vielleicht&#13;
einen&#13;
Fall&#13;
auf&#13;
1000&#13;
als&#13;
obere&#13;
Grenze", meinte Upton. Ohnehin seien&#13;
die Schätzungen im Bericht zum Krebsrisiko wegen der vielen Unsicherheiten beim onkogenen Potential von Pestiziden, den Gewohnheiten beim Nahrungsmittelkonsum und der gegenwärtigen&#13;
Pestizidtoleranz&#13;
hypothetischer&#13;
Art. Jedoch gelte es, den Umfang der&#13;
Schädlingsbekämpfung mit nichtchemischen Mitteln immer mehr auszuweiten,&#13;
sofern sich dies als praktikabel erweise.&#13;
Mit dem Bericht wurde eine&#13;
&#13;
zwei-&#13;
&#13;
�jährige Studie abgeschlossen, an der&#13;
Toxikologen,&#13;
Juristen,&#13;
Mediziner,&#13;
Wirtschaftler und Agrarexperten mitarbeiteten.&#13;
&#13;
* * * * * *&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�</text>
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            <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                    <text>1 INFORMATION&#13;
- zum Tode von Arthur F, Burns&#13;
- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt &#13;
&#13;
2 DOKUMENTATION&#13;
- Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&#13;
- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&#13;
- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg &#13;
&#13;
3 HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
- Neuester Stand der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen&#13;
- Sonderveröffentlichung des US-Aussenministeriums&#13;
&#13;
4 WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
- Neue Normen for Pestizidanwendung gesucht&#13;
- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors </text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Tode von Arthur P. Burns&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Burt würdigt seinen Vorgänger im Amt -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner gedenken des höchsten Gutes der Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Präsident Reagans zum Unabhängigkeitstag -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strafverfahren gegen Hamadei wird tatkräftig betrieben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von Justizminister Meese in Hamburg -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuester Stand der amerikanischen Rüstungskontrollinitiativen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sonderveröffentlichung des US-Außenministeriums -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Normen für Pestizidanwendung gesucht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Es geht um Verringerung des Krebsrisikofaktors -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

26

I.Juli 1992
t**»**

uo*'-'»

Aue 29

5300Bo" n &lt; :

USA-DEUTSCHLAND

GENERALKONSULAT UND AMERIKA HAUS
IN LEIPZIG ERÖFFNET
Rede von Botschafter Kimmitt

START

BAKER: START KANN "NUKLEARE UHR"
ZURÜCKDREHEN
Rede des Außenministers vor dem auswärtigen
Ausschuß des Senats

WELTPOLITIK

GUTES WIRTSCHAFTLICHES EINVERNEHMEN
ZWISCHEN NATIONEN UNABDINGBAR FÜR
WELTFRIEDEN
Rede von Botschafter Seitz

SOZIALES

SOZIALGESETZGEBUNG SPIEGELT PRINZIPIEN
DER GRÜNDERVÄTER WIDER
Großer Anteil des US-Haushalts
entfällt auf Sozialausgaben

UMWELT

DAS MEINUNGSBILD ZU UMWELTFRAGEN IN
22 LÄNDERN
Ergebnisse amerikanischer Meinungsumfragen

AIDS

AIDS HINDERNIS FÜR ENTWICKLUNG
Auszüge aus dem AIDS-Jahresbericht des USAID

WAHLEN '92

POLITISCHE PARTEIEN VERLIEREN
DIE UNTERSTÜTZUNG DER WÄHLER
Stimmung begünstigt unabhängige Kandidaten

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1992

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-DEUTSCHLAND
I.Juli 1992

GENERALKONSULAT UND AMERIKA HAUS
IN LEIPZIG ERÖFFNET
Rede von Botschafter Kimmitt
LEIPZIG - (AD) -Anläßlich der Eröffnung des Amerikanischen Generalkonsulats undAmerika Hauses in Leipzig
hielt Botschafter Robert M. Kimmitt am 30. Juni 1992 folgende Ansprache, die wir im Wortlaut veröffentlichen.

Herr Ministerpräsident Dr. Biedenkopf,
Herr Ministerpräsident Dr. Vogel,
Herr Oberbürgermeister Dr. Lehmann-Grube,
meine Damen und Herren,
die Eröffnung unseres Generalkonsulats und Amerika
Hauses in Leipzig bedeutet mehr als eine offizielle
Ankündigung, daß die Vereinigten Staaten nach über
50 Jahren hier wieder der Öffentlichkeit zugänglich
sind. Sie ist Ausdruck der Verpflichtung des amerikanischen Volkes gegenüber dem deutschen Volk, daß
wir seine Zukunft aktiv mitgestalten möchten.
Meine Herren Ministerpräsidenten und Herr Oberbürgermeister, durch Ihre Anwesenheit fühlen wir uns
sehr geehrt. Jeder einzelne von Ihnen ist mit seinen
Bemühungen entscheidend an der demokratischen
Umgestaltung Sachsens und Thüringens beteiligt. Ihre
Teilnahme an dieser Zeremonie und Ihre Unterstützung für unsere Bemühungen sind uns besonders
wichtig.
Mit der Einrichtung dieses Generalkonsulats und Amerika
Hauses verbinden wir jedoch noch ein weiteres Motiv.
Wir möchten, daß die Menschen in Sachsen und
Thüringen uns besser kennen- und verstehen lernen.
Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß das Image
Amerikas, das den Menschen der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten vermittelt wurde, nicht gerade
schmeichelhaft war.
Ich behaupte nicht, mein Land sei perfekt. Aber unsere
Ambitionen und Ideale sind perfekt, und Amerika hat
seinen Anspruch auf Führerschaft stets auf Ideen und
Ideale gegründet, nicht auf wirtschaftliche Stärke oder
militärische Macht.
Amerika ist ein Land der Widersprüche. Das ist
vielleicht unvermeidbar, wenn man seine Größe, Offenheit und das dort herrschende Maß individueller
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Freiheit betrachtet. Es ist möglich, Tausende von
Fakten über das Land zu kennen, und es dennoch nicht
zu verstehen.
Um den Menschen in Sachsen und Thüringen ein
Fenster nach Amerika und seinen Menschen zu geben, haben wir dieses Generalkonsulat und das Amerika
Haus eröffnet. In gewisser Weise stehen diese für den
amerikanischen Geist - einen Geist, der viel mit dem
gemein hat, was gegenwärtig in Mittel- und Osteuropa
stattfindet.
Amerika hat eine lange Tradition der "Frontier", der
Suche nach neuen Herausforderungen und der Hilfe
für andere. Wir möchten Teil der Handlung sein, wo
immer sie sich abspielt und wie sie auch beschaffen
sein mag. In dieser Tradition richten wir diesen Außenposten an der "Frontier" von Mitteleuropas neuer Zukunft
ein, als praktische Antwort auf die dramatischen und
positiven Veränderungen in dieser Region in den vergangenen drei Jahren.
Dies ist Teil eines kontinuierlichen Engagements, das
wir seit dem Zusammenbruch des Kommunismus
entwickelt haben. Dazu möchte ich Ihnen einige
weitere Beispiele aufzählen:
In den vergangenen zwei Jahren haben wir
knapp fünfzig Stipendien an Persönlichkeiten
aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur
in Sachsen und Thüringen für Reisen in die
Vereinigten Staaten vergeben. Ich freue mich
besonders, daß viele dieser Stipendiaten zur
heutigen Eröffnung gekommen sind.
Wir haben veranlaßt, daß Gastprofessoren an
den hiesigen Universitäten lehren und über ein
Dutzend Wissenschaftler aus Leipzig ein Jahr
an amerikanischen Universitäten verbringen
können.
Seite 1

�Wir haben amerikanische Universitäten zur
Aufnahme neuer direkter Verbindungen mit den
Universitäten in dieser Region ermutigt. Mit Unterstützung des Freedom Forum und des US-Informationsamts arbeitet die Ohio University an
der Erweiterung von Austauschprogrammen und
der Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig. Und ich freue mich, daß Professor Ralph
Izard von der Ohio University heute abend hier
anwesend ist.

I

|n Zusammenarbeit mit örtlichen kulturellen
Institutionen und Organisationen hat das Amerika Haus Hunderte von Ausstellungen, Filmvorführungen und Literaturlesungen gefördert.
Wir haben auch Fortbildungsseminare für über
300 Englischlehrer abgehalten.
In diesem Amerika Haus haben wir eine öffentliche Bibliothek mit über 5.000 Bänden eingerichtet. Besucher haben darüber hinaus Zugang zu den Büchern aller Amerika Häuser in
Deutschland mit insgesamt über 30.000 Bänden und in Kürze wird das Amerika Haus über
eine On-Iine-Computerverbindung mit Zugang
zu über 500 Datenbanken in den Vereinigten
Staaten verfügen.
Aus dem Westen Deutschlands abziehende
amerikanische Militäreinheiten haben acht Bibliotheken in Sachsen und Thüringen über
100.000 englischsprachige Bücher gespendet.
Die heutige offizielle Eröffnung des Amerika Hauses
wird die Fortsetzung - und Erweiterung - dieser Bemühungen erleichtern und zum besseren Verständnis
Amerikas hier im Osten beitragen.
Darüber hinaus bestehen zahlreiche private Initiativen, die die deutsch-amerikanischen Beziehungen mit
Leben und Wärme erfüllen. Als ein herausragendes
Beispiel möchte ich die nennenswerte Spende der
"American Women's Group" in Bonn an das Kinderheim der Stadt Ermlitz bei Leipzig erwähnen.
Schließlich ist es besonders wichtig, das intensive
Engagement amerikanischer Firmen in Thüringen und
Sachsen gebührend hervorzuheben. Ihre Präsenz ist
ein konkreter Ausdruck des Engagements des amerikanischen Volkes zur aktiven Mitwirkung an der Zukunft Deutschlands. Diese Firmen können darüber

hinaus eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines
gesamteuropäischen Marktes und der Umstrukturierung der Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa
spielen.
Um die geschäftlichen Aktivitäten amerikanischer
Unternehmen in den neuen Ländern besser fördern zu
können, haben wir in diesem Gebäude ein Büro des
Auswärtigen Handelsdienstes der Vereinigten Staaten
eingerichtet.
Die Investitionen amerikanischer Firmen belaufen sich
heute auf über drei Milliarden D-Mark und haben in den
neuen Ländern mehr als 25.000 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen. Einhundertfünfzig amerikanische Firmen sind heute in den neuen Ländern
tätig, von Görlitz bis Eisenach, von dem amerikanischen Großunternehmen General Motors/Opel, bis zu
kleinen Betrieben wie McCain-Brehmer-Buchbindereimaschinen. Auch amerikanische Firmen knüpfen in
wachsendem Maße an die hiesigen Traditionen des
Osthandels an: So hat die Chrysler-Vertretung in
Leipzig ihre Tätigkeit bereits in Richtung Baltikum und
Rußland ausgedehnt.
Freie Menschen in unserer Welt mögen unterschiedliche Meinungen vertreten, aber sie können diese Meinungsverschiedenheiten im Geiste gegenseitiger
Achtung und des "Give and Take" austragen. Mit der
Eröffnung dieses Generalkonsulats machen wir gleichzeitig ein Fenster zwischen unseren beiden Gesellschaften auf.
Und durch dieses Fenster werden Sie auf ein Amerika
blicken, das selbst eine pluralistische multikulturelle
Gesellschaft ist. Es ist diese Eigenschaft Amerikas, so
vielfältig und vielschichtig zu sein, die es uns leichter
macht, anderen Völkern und Kulturen die Hand zu
reichen. So verstehen wir uns in unseren Beziehungen
zu anderen als Bestandteile gemeinsamer Bindungen
freier Völker, die im Interesse von Frieden und Wohlstand handeln und wandeln.
Bevor die Bindungen jedoch fester geknüpft werden
können, muß zunächst dieses Band zerschnitten werden.
Erlauben Sie mir deshalb, mit dem feierlichen Akt der
Zerschneidung des Bandes das Generalkonsulat und
Amerika Haus Leipzig für eröffnet zu erklären.
Ich darf also Sie, meine Herren Ministerpräsidenten
und Herrn Oberbürgermeister einladen, mit mir das
Band zu zerschneiden.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 26

�START
I.Juli 1992

BAKER: START KANN "NUKLEARE UHR"
ZURÜCKDREHEN
Rede des Außenministers vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) -Außenminister Bakerforderte am 23. Juni 1992 den Senat zur Ratifizierung des Vertrags
über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) mit der Begründung auf, diese Vereinbarung sei
"entscheidend für die Beendigung des nuklearen Rüstungswettlaufs".
"In sehr realer Weise ist START ein Mittel, mit dem wir anfangen können, die nukleare Uhr zurückzudrehen - da
er sowohl strategische Stabilität als auch Berechenbarkeit fördert", erklärte Baker in seinen Ausführungen vor
dem auswärtigen Ausschuß des Senats.
Baker warnte, bei einer Nichtratifizierung von START würde das neue, am 16. Juni 1992 erzielte russischamerikanische Abkommen zum drastischen Abbau von Nuklearwaffen auf bisher undenkbare Niveaus "bedeutungslos, unsere Sicherheit weniger gewährleistet und die Aussichten für einen erneuten nuklearen Wettbewerb
sowie zunehmende Verbreitung von Kernwaffen wahrscheinlicher".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Vor einer Woche haben Präsident Bush und Präsident
Jelzin das nukleare Zeitalter revolutioniert. Im Rosengarten des Weißen Hauses gaben sie bekannt, daß
Rußland und die Vereinigten Staaten im Verlauf der
nächsten zehn Jahre Nuklearwaffen auf bisher undenkbare Niveaus drastisch reduzieren werden. Mit
diesem Abkommen werden ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen - die einer Hydra gleichenden Monster,
die unsere strategischen Beziehungen zu destabilisieren drohten - beseitigt. Während wir die Nuklearwaffen
auf das zur Gewährleistung unserer Sicherheit erforderliche Niveau reduzieren, werden sich Rußland und
die Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Verbündeten und Freunden auch für einen - so hoffen wir konstruktiven Dialog zur Erarbeitung eines Konzepts
für die Stationierung eines weltweiten Schutzsystems
gegen begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen
auf unsere Völker, Freunde und Verbündeten engagieren.
Historiker können zu Recht den vergangenen Dienstag als das Ende des Kalten Kriegs des Wettbewerbs
mit Nuklearwaffen bezeichnen. Die Geschichte des
Endes des Rüstungswettlaufs ist jedoch erst vollendet,
wenn Sie eines der wichtigsten letzten Kapitel abgeschlossen haben: wenn Sie ihre verfassungsmäßige
Pflicht erfüllen und Ihre Zustimmung zu der Ratifizierung des Vertrags über die Verringerung strategischer
Rüstungen (START) geben.
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Ich nehme an, Sie stimmen mir zu, daß START
entscheidend für die Beendigung des nuklearen Rüstungswettlaufs ist. Zum ersten Mal seit Anbruch des
Atomzeitalters haben wir uns auf echte zahlenmäßige
Verringerungen unserer Nuklearwaffen geeinigt, statt
nur Begrenzungen für ihre Zuwachsrate zu setzen. In
sehr realer Weise ist START ein Mittel, mit dem wir
anfangen können, die nukleare Uhr zurückzudrehen da er sowohl strategische Stabilität als auch Berechenbarkeit fördert.
Und während er das Ende des Kalten Kriegs festschreibt, spricht START auch die vielleicht wichtigste
Herausforderung für die Sicherheit unserer Zeit an Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen - denn er ist ein
rechtlich bindendes Protokoll.
Darüber hinaus schreibt er diese Errungenschaften
mit dem umfangreichsten und tiefgreifendsten Verifikationsregime aller Zeiten fest und institutionalisiert
durch seine rechtlich bindenden Verfügungen eine
sicherere Welt.
Mit der Ratifizierung von START wird die Grundlage für
eine sicherere Welt gelegt und die Aussicht auf einen
Atomkrieg für immer ausgeschlossen. Sollte START
jedoch nicht ratifiziert werden, wäre das Abkommen
vom vergangenen Dienstag bedeutungslos, unsere
Sicherheit weniger gewährleistet und die Aussichten
für einen erneuten nuklearen Wettbewerb sowie zuSeite 1

�nehmende Verbreitung von Kernwaffen wahrscheinlicher. Denn wie Präsident Bush und sein Amtskollege
Jelzin eindeutig klargestellt haben, geht das neue
Abkommen für weitere Reduzierungen davon aus,
daß der START-Vertrag - mit seinem effektiven Verifikationsregime - ratifiziert und durchgeführt wird. Und
natürlich werden wir so schnell wie möglich das
Abkommen der vergangenen Woche in einem Vertrag
kodifizieren.
Heute möchte ich mit Ihnen, Herr Vorsitzender, kurz
die wesentlichen Bestimmungen des Vertrags erörtern, die Bedeutung des Protokolls erläutern und darlegen, wie die START-Ratifizierung ein entscheidender Schritt zum Aufbau des demokratischen Friedens
ist, den wir mit Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten anstreben.
START: Verankerung von Stabilität und Berechenbarkeit
Eines der grundlegenden Ziele von START ist die
Verringerung des Risikos eines Atomkriegs durch die
Verbesserung von Stabilität und Berechenbarkeit,
insbesondere in Krisenzeiten.
Als erstes wird START das Risiko eines Atomkriegs
durch den Abbau der strategischen Streitkräfte in
stabilisierender Art und Weise verringern. Um die im
Rahmen von START vorgenommenen Reduzierungen im Zusammenhang zu sehen, muß man sich
folgendes vor Augen führen: Um die Begrenzungen
von START zu erfüllen, muß während der ersten
sieben Jahre der Durchführung durchschnittlich alle 68
Stunden ein ICBM-Trägersystem, eine SLBM-Abschußvorrichtung oder ein schwerer Bomber aus den ehemaligen sowjetischen Arsenalen zerstört werden.
Das Abkommen der vergangenen Woche zur Beseitigung aller ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen ist der
logische Höhepunkt eines von START eingeleiteten
Prozesses zur Beseitigung von Waffen, deren Verletzbarkeit und Wirksamkeit das Risisko mit sich brachten,
beide Seiten an den Rand einer Auseinandersetzung
zu treiben. Die Abschaffung dieser Waffen, die man im
Ernstfall einsetzen müßte, bevorder Gegner sie zerstören würde, beseitigt praktisch jeden Grund für einen
Erstschlag in einer Krise.
Schwere mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückte ICBMs
wurden zum Symbol der sowjetischen Bedrohung.
Heute hat das demokratische Ru ßland der endgültigen
Verschrottung aller ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen bis spätestens 2003 zugestimmt - und hoffentlich
bis zum Jahr 2000, falls dies technisch und mit Hilfe der
Vereinigten Staaten finanziell bewerkstelligt werden
kann.
Strategische Stabilität wird durch die Berechenbarkeit
verstärkt, die START mit den Bestimmungen zu Offenheit und Transparenz zwingend vorschreibt. START
institutionalisiert die umfassendsten je ausgehandelSeite 2

ten Regime zu Notifizierung, Inspektion, Überwachung
und Datenaustausch. Die Verwirklichung dieser Regime
wird bisher undenkbare militärische Transparenz und
Offenheit schaffen. Diese Regime sind ferner eine
entscheidende Voraussetzung für das Abkommen der
vergangenen Woche.
Ich möchte betonen, daß eine solche Transparenz und
Offenheit durch die Forderungen des Vertrags sichergestellt wird. Beispielsweise wird mit der Ratifizierung
von START die historische Neigung der Sowjets zu
Geheimhaltung telemetrischer Daten beendet, weil
START die Verschlüsselung dieser Daten zwingend
aufhebt. Eine - einst undenkbare - große Leistung des
Vertrags ist, daß er den Parteien mit nur wenigen
Ausnahmen uneingeschränkten Zugang zur Telemetrie der anderen Seite gewährt. Dieser Zugang gestattet uns eine sorgfältigere Überwachung von Raketentests als je zuvor und hilft uns, die Begrenzungen des
Vertrags für Raketen-Gefechtsköpfe und Wurfgewicht,
das Verbot neuer Typen schwerer ICBMs und anderer
Bestimmungen zu verifizieren. Darüber hinaus erhalten wir jedes Jahr Pläne für die Beseitigung strategischer Offensivwaffen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Und wir werden kontinuierlich über
die Bewegungen und Disposition dieser strategischen
Offensivwaffen informiert.
Herr Vorsitzender, mit der Verwirklichung des STARTVertrags gewährleisten wir das Recht zum grundlegenden Gleichstand der Streitkräfte. Die generellen
Obergrenzen von START finden gleichermaßen auf
die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der ehemaligen Sowjetunion Anwendung, während sie die
Flexibilität und Zusammensetzung der Streitkräfte
aufrechterhalten. Gleichzeitig verhindert der Vertrag
nicht die Entwicklung und Stationierung nichtnuklearer
Technologien wie konventioneller Marschflugkörper,
deren Wirksamkeit und Wert für unsere Streitkräfte im
Golfkrieg unterstrichen wurde.
Das START-Protokoll
Ich möchte mich nun dem Protokoll zum STARTVertrag zuwenden, das wir in Lissabon unterzeichnet
haben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erkannte
dieser Ausschuß, daß die Frage, wer genau unser
Vertragspartner sein würde, ein entscheidendes Problem für START war.
Bei mehreren Diskussionen habe ich Sie der festen
Überzeugung des Präsidenten und meiner selbst versichert, daß die vier neuen Staaten mit strategischen
Offensivwaffen und erklärten vertragsrelevanten Einrichtungen auf ihrem Territorium - Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine - rechtlich verpflichtet
werden müssen, den START-Vertrag zu befolgen und
zu verwirklichen. Gleichzeitig wollten wir die sichere
Kommando- und Verfügungsgewalt über die Nuklearstreitkräfte der ehemaligen Sowjetunion gewährleisten und sicherstellen, daß das Entstehen neuer Staa-

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�ten in Eurasien nicht auch zu einer Vermehrung neuer
Nuklearmächte führen würde. Das Protokoll leistet all
dies und noch mehr.
Das Protokoll verpflichtet Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine rechtlich, als Vertragsparteien
den START-Vertrag zu befolgen und zu verwirklichen.
Mit dem Protokoll fördert die Ratifizierung und Umsetzung des START-Vertrages jetzt unsere grundlegenden Ziele der Nichtverbreitung. Es gewährleistet, daß
die Zahl der Kernwaffenstaaten trotz des Zerfalls der
Sowjetunion nicht zunimmt.
Das Protokoll erweitert deshalb die Rolle des Vertrags,
indem es Belarus, Kasachstan und die Ukraine verpflichtet, dem Nichtverbreitungsvertrag als Nichtkernwaffenstaaten beizutreten. In Zusammenhang mit
den rechtlich bindenden Verpflichtungen, die in Zusatzschreiben der Staatschefs jedes dieser Staaten
niedergelegt sind, bedeutet die Durchführung des
START-Vertrags, daß sieben Jahre nach dem Inkrafttreten keine Kernwaffen oder stationierten strategischen Offensivwaffen in Belarus, Kasachstan und der
Ukraine zurückbleiben werden. Diese Streitkräfte
stellen gegenwärtig ein Viertel der erklärten strategischen nuklearen Gefechtsköpfe des ehemaligen
sowjetischen Militärs.
Belarus, Kasachstan und die Ukraine haben START
als Mittel betrachtet, um kernwaffenfreie Zonen auf
ihren Staatsgebieten einzurichten, ihr Ansehen als
souveräne, unabhängige Staaten zu festigen und der
Welt zu zeigen, daß sie verantwortungsbewußt handeln können und deshalb die vollständige Einbeziehung in die internationale Staatengemeinschaft verdienen. In diesem Sinne hoffe ich, daß der Ausschuß
- ebenso wie der Präsident es getan hat - die Regierungen von Belarus, Kasachstan und der Ukraine zu den
wichtigen Verpflichtungen beglückwünschen wird, die
sie im Interesse des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit eingegangen sind. Durch ihren Verzicht
auf den Besitz von Kernwaffen haben sie ein Beispiel
gesetzt, das andere Staaten befolgen sollten.
Damit dient START als konkretes Beispiel für unsere
Entschlossenheit, unsere Vepflichtungen gemäß Artikel VI des Vertrags über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen (NPT) zu erfüllen. Dieser Artikel fordert
jede Vertragspartei auf, Verhandlungen über wirksame Maßnahmen anzustreben, die die Einstellung des
nuklearen Rüstungswettlaufs sowie die nukleare Abrüstung zum Ziel haben.
START und ein demokratischer Frieden
Herr Vorsitzender, der START-Vertrag ist ein Produkt
des Kalten Krieges, aber er ist keineswegs ein Relikt.
Statt dessen ist START ein Tor zu diesem neuen
Zeitalter der Zusammenarbeit, das dazu beitragen
wird, die militärischen Überreste des Kalten Krieges zu

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kontrollieren und zu zerstören. Diese Bemühungen
ergänzen die gegenwärtig stattfindenden Anstrengungen zum Aufbau von Demokratie und freien Marktwirtschaften in den neuen unabhängigen Staaten und zur
Schaffung eines demokratischen Friedens mit ihnen.
Das Inkrafttreten des START-Vertrages ergänzt ferner unsere neuen, praktischen Schritte, um Belarus,
Kasachstan, Rußland und der Ukraine dabei zu helfen,
Kernwaffen unbrauchbar zu machen und zu demontieren. Es steht im Einklang mit unseren Bemühungen,
internationale Wissenschaftszentren in Rußland und
der Ukraine einzurichten, die Waffenspezialisten in der
ehemaligen Sowjetunion dazu ermutigen werden, ihre
Talente für friedliche Zwecke einzusetzen anstatt ihre
todbringenden Fähigkeiten meistbietend im Ausland
anzubieten. Kollektiv werden diese Bemühungen
praktische Vorteile nicht nur bei der Beseitigung der
Folgen des Kalten Krieges zeitigen, sondern uns auch
dabei helfen, einige der drängendsten Herausforderungen zu behandeln, die sich aus dem Ende des
Kalten Krieges ergeben.
Und während er einen Rahmen für die nächsten Schritte zu noch einschneidenderen Reduzierungen liefert,
gewährleistet der Vertrag darüber hinaus, daß erhebliche Kürzungen schon heute beginnen, da Rußland
und die Vereinigten Staaten noch die Kodifizierung der
vergangene Woche erzielten Übereinkunft anstreben.
Ich hoffe, Sie werden jeder Versuchung widerstehen,
die Ratifizierung von START bis zur schriftlichen Niederlegung des Vertrags über die Beseitigung von
Mehrfachgefechtsköpfen zu verzögern. Wir müssen
START jetzt in die Tat umsetzen.
Schließlich möchte ich einen zusätzlichen Aspekt der
Verwirklichung von START hinzufügen, der mit unseren vier Vertragspartnern zu tun hat. Obwohl kontinuierliche bedeutsame Fortschritte beim Aufbau demokratischer Regierungen in Belarus, Kasachstan, Rußland und der Ukraine und bei der Entwicklung stabiler
Beziehungen zwischen ihnen erzielt werden, besteht
aufgrund der enormen wirtschaflichen Belastung für
diese Staaten und Gesellschaften Unsicherheit über
die Zukunft.
Wenn Sie über diese Ungewißheit besorgt sind, ratifizieren Sie START. START liefert eine rechtlich bindende Grundlage, die stabilisierende Veränderungen
festschreibt. Mit der Durchführung von START besitzen wir ein mächtiges Instrument, um den Wandel
unter nahezu allen Umständen sicher zu bewältigen
und zu gewährleisten, daß unsere Interessen geschützt werden. Ohne START jedoch werden wir der
bereits bestehenden erheblichen wirtschaftlichen und
politischen Unsicherheit noch strategische Unsicherheit hinzufügen und damit nicht nur den Staaten der
ehemaligen Sowjetunion, sondern - schlimmer noch auch dem amerikanischen Volk einen Bärendienst
erweisen.

Seite 3

�Zusammenfassung
Kurzum, Herr Vorsitzender, START ist ein gutes
Abkommen - tatsächlich sogar ein historisches. Ebenso wichtig wie die Begrenzungen, die Zeitpläne und die
Verifizierungsregeln ist jedoch der Geist, der unseren
Beziehungen zu den neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion zugrundeliegt.
Sie haben in der vergangenen Woche gesehen, wie
Boris Jelzin diesen Geist verkörpert: Es ist der Geist
des neuen, demokratischen Rußland. Es ist ein Geist,
der Millionen vom Kommunismus Versklavten und
Verarmten die Hoffnung auf Freiheit und Wohlstand
bringt. Und es ist der Geist, der uns die Hoffnung
verleiht, daß wir einen echten demokratischen Frieden
aufbauen können - auf der Grundlage gemeinsamer
Werte, nicht des Gleichgewichts des Schreckens - für
uns und für künftige Generationen von Amerikanern.
Denn, wie Präsident Bush einmal so treffend erklärt

hat: "Demokraten im Kreml können unsere Sicherheit
auf eine Weise sicherstellen, wie es Atomraketen
niemals vermochten."
Durch START und das Freedom Support Act können
wir zur Gewährleistung dieser Sicherheit beitragen und zur Förderung dieses Geistes.
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses: Wir
stehen an einem historischen Wendepunkt. Mit dem
START-Vertrag beginnen wir, ein tragisches 40jähriges Kapitel des nuklearen Wettlaufs zu beenden. Und
mit dem Freedom Support Act können wir beginnen,
ein weiteres Kapitel zu aufzuschlagen - ein Kapitel der
Partnerschaft und Freundschaft mit Rußland und den
unabhängigen Staaten.
Ich bitte den Senat, seine feierliche Pflicht zu erfüllen
und die Geschichte durch umgehende Verabschiedung von beiden vorwärts zu bewegen.

* * * * *

Seite 4

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�WELTPOLITIK
I.Juli 1992

GUTES WIRTSCHAFTLICHES EINVERNEHMEN
ZWISCHEN NATIONEN UNABDINGBAR
FÜR WELTFRIEDEN
Rede von Botschafter Seitz
LONDON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom amerikanischen Botschafter in Großbritannien,
Raymond G H . Seitz, am 22. Juni 1992 vor der London School of Economics gehaltene Rede im Wortlaut.

Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Jahre seit
Beendigung des Zweiten Weltkriegs ist die Verbreitung internationaler Organisationen und Institutionen.
Einige entstanden unmittelbar nach dem Krieg, um
sich mit den verheerenden Konsequenzen dieses
schrecklichen Konflikts zu befassen. Einige wurden
später ins Leben gerufen und hatten eher regionalen
CharaMer, jedoch eine ähnliche Struktur zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Nationen.
Diese Institutionalisierung internationaler Angelegenheiten könnte sich als eine der dauerhaftesten Entwicklungen der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erweisen. Insgesamt gesehen, ist sie einzigartig in unserem Zeitalter. Nach früheren Kriegen
wurden Imperien und Bündnisse häufig neu strukturiert, aber echte Institutionen gab es wenige. Das
europäische Konzert im neunzehnten Jahrhundert war
alles andere als symphonisch. Der Völkerbund war
von Anfang an hohl und endete als Farce.
Ich weiß nicht genau, warum unsere Nachkriegsgeneration sich als so geschickt beim Aufbau von Institutionen erwiesen hat. Vielleicht sitzt im tiefsten Inneren
der Seele des Menschen der konstante, pochende
Drang nach Besprechungen. Mit modernen Kommunikationsmitteln und Flugreisen ist dies heute in einer
nie dagewesenen Weise möglich.
Die größten 25 Flughäfen der Welt fertigen eine halbe
Milliarde Passagiere pro Jahr ab. Der amerikanische
Außenminister scheint die Hälfte seiner Zeit im Flugzeug zu verbringen, und Douglas Hurd müßte Ehrenpräsident des britischen Vielfliegerclubs sein. Um in
Washington oder Brüssel zu leben, bedarf es einer
besonderen Toleranz für Wagenkolonnen und Verkehrsstaus, da die Staats- und Regierungschefs der
Welt diese Städte konstant besuchen.
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Woodrow Wilson war der erste Präsident, der während
seiner Amtszeit amerikanischen Boden verließ. In
diesem Sommer werden sich der amerikanische Präsident und der britische Premierminister im Verlauf von
sechs Wochen viermal sehen - in Washington, in Rio,
in München und Helsinki.
Vielleicht spiegelt die Gründung internationaler Institutionen den Fortschritt der Demokratie auf der Welt
wider - so unterschiedlich oder stockend er auch sein
mag. Per definitionem fordert Demokratie, daß Menschen zusammenkommen, diskutieren, Kompromisse
schließen. In Demokratien gleich welcher Couleur
spielen die Regierungsbehörden heute eine größere
Rolle in unserem täglichen Leben als je zuvor und es
überrascht nicht, daß dieses innenpolitische Phänomen international Niederschlag findet. Und weil die
meisten dieser internationalen Organisationen demokratischen Charakter haben, sind sie solider, anpassungsfähiger und dauerhafter.
Viele dieser Institutionen reflektieren die in der Vergangenheit gezogenen Lehren. Wir haben beispielsweise
gelernt, daß wirkliche Sicherheit nicht leicht teilbar ist
und besser kollektiv als individuell gewährleistet wird.
Dies ist zweifelsohne die der NATO zugrundeliegende
Erkenntnis. Wechselseitige Sicherheit ist eine umfassend in die amerikanische Außenpolitik eingegangene
Lehre, und während wir jetzt vielleicht den Umfang
unseres internationalen Engagements anpassen, ist
es wenig wahrscheinlich, daß wir die Lektion als nicht
länger anwendbar verwerfen. Intuitiv hege ich den
Verdacht, daß dieser neue Multilateralismus der Sicherheit nicht zufällig mit einem anderen herausragenden Charakteristikum unseres Zeitalters zusammenfällt - der Entwicklung von Nuklearwaffen - das den
gesunden Menschenverstand der gemeinsamen Verteidigung unterstrichen hat.
Seite 1

�Andere auf die Stärkung des geographischen oder
historischen Zusammenhalts ausgerichtete Organisationen haben ihre eigenen Sekretariate und Tagesordnungen geschaffen: die Organisation für Afrikanische
Einheit OAU und die Organisation Amerikanischer
Staaten OAS, die Arabische Liga und das Commonwealth.
Die Zunahme internationaler Institutionen ist bei dem
globalen Streben nach internationalem Wohlstand
ebenso offenkundig. Hier können wir am besten
sehen, wie die internationalen Handels- und Finanzsysteme Früchte tragen, die aus den Ruinen des
Zweiten Weltkriegs enstanden sind. Die BrettonWoods-Abkommen, die Weltbank, der Internationale
Währungsfonds, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen haben der Weltwirtschaft ein gemeinsames Vokabular verliehen. Andere Organisationen mit
begrenzterer Mitgliederzahl und enger umrissener
Zielsetzung wie etwa die OECD, der Verband Südostasiatischer Nationen ASEAN, die Karibische Gemeinschaft CARICOM und die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten ECOWAS sind vertraute Abkürzungen auf der internationalen Bühne. Mit
der Gründung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBWE gibt es jetzt vier regionale
Entwicklungsbanken mit einem Gesamtkapital von 75
Milliarden Dollar.
Spezialisierte Behörden wie die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation in Montreal und die Internationale
Seeschiffahrts-Organisation in London oder die Internationale Atomenergie-Organisation in Wien regeln im
Stillen bestimmte Bereiche der Wirtschaftstätigkeit auf
internationaler Ebene und im Einklang mit einer Reihe
vereinbarter internationaler Regeln. Es scheint, daß
die Welt - was ein Engländer in seinen kühnsten
Träumen nicht zu hoffen gewagt hätte - plötzlich klubfähig geworden ist.
Das geschieht nicht ohne Probleme. Die Europäische
Gemeinschaft hat versucht, ihre internen Wirtschaftsangelegenheiten zum grö ßeren Nutzen aller Mitglieder
zu harmonisieren, und ihr politisches Prgramm hat
versucht, die Bedeutung nationaler Grenzen zu verwässern, die historisch gesehen dem europäischen
Kontinent soviel Kummer bereitet haben. Aber die
Vermischung verschiedener Souveränitäten kann eine
brüchige Legierung hervorbringen. Die Formel muß
genau richtig und die Temperatur entsprechend reguliert sein. Demokratien erfordern strukturelle Elastizität bei solchen Experimenten.
Ob Maastricht die richtige Formel ist oder nicht, müssen die EG-Mitgliedstaaten herausfinden. Als umfassenden Vorschlag haben die Vereinigten Staaten jedoch stets den Prozeß der europäischen Integration
unterstützt, in welcher Form und in welchem Tempo er
auch vereinbart werden kann, vorausgesetzt, der Prozeß
berücksichtigt die Interessen anderer fair und offen.

Seite 2

So wie die Dinge jedoch liegen, steht die Europäische
Gemeinschaft bereits als die abenteuerlustigste dieser
neuen Organisationen da.
Während die Gemeinschaft nun ihren Weg durch all
diese Probleme sucht, hoffe ich, daß sie sich nicht allzu
sehr verzettelt oder nur mit sich selbst beschäftigt,
insbesondere bei den Themen, die von der britischen
Präsidentschaft angeschnitten wurden, wie etwa eine
Erweiterung der EG.
All diese Organisationen entstanden in einer Welt, die
durch den Kalten Krieg tief gespalten war. Einige
waren ein Ausdruck dieses Kampfes, andere gediehen
ihm zum Trotz. Aber alle entwickelten sich in einer
Welt mit einem mehr oder weniger gemeinsamen
Rahmen.
Obwohl er Gefahren und Schwächen barg, hatte der
Kalte Krieg den perversen Effekt, gemeinsame Bezugspunkte zu schaffen, eine Methode der Auswertung, und-zumindest für die Vereinigten Staaten-eine
Analyse für das erforderliche Vorgehen vorzunehmen.
Marktwirtschaften bildeten ein Gegengewicht zu Planwirtschaften und Demokratien zu totalitären Regimen.
Darüber hinaus förderte der Kommunismus seine eigene
ideologische Universalität in dem Wissen, wie sehr die
Menschheit versucht ist, Schlangengift als Heilmittel
für alle Gebrechen zu kaufen. Weil die Spaltung so tief
war, vereinfachte sie die Strukturen der Politik und trug
zur Erklärung ansonsten komplexer Gegebenheiten
der Welt bei.
All dies ist jetzt Vergangenheit. Der Kommunismus
löste sich dank seiner eigenen moralischen Korruption
und Unfähigkeit auf. Aber während wir triumphierend
den Kalten Krieg hinter uns ließen, gaben wir auch das
Grundmuster unserer Denkweise auf. Selbst das
Grundvokabular der Vergangenheit - Begriffe wie "die
Sowjetunion" und "Neutralität", "blockfrei" und "Dritte
Welt" - bedarf der Überarbeitung. Statt Klarheit haben
wir Doppeldeutigkeit und eine einigende Bedrohung
wurde durch eine verschwommenere Welt ersetzt, die
vielleicht für uns eine weniger unmittelbare Bedrohung
birgt, jedoch auch weniger sicher und berechenbar ist.
Die alte Welt enthielt eine perverse Ordnung, in der
wenige Regeln als verläßlich angesehen werden konnten und praktisch unveränderlich waren. Darüber
hinaus hatte die alte Welt eine eindeutig moralische
Dimension, die in vertrauten Begriffen artikuliert wurde, und uns wie auch immer ein Gefühl der Verantwortung und des Pflichtbewußtseins verlieh.
Der Zusammenbruch des alten Gefüges vollzog sich
so plötzlich und vollständig, daß die Staubwolken die
Zukunft vernebeln. In den Vereinigten Staaten, die
sich inzwischen seit langem an ein umfassendes
Engagement in den entferntesten Bereichen internationaler Angelegenheiten gewöhnt haben, produzieren

AMERIKA DIENST 26

�die Ministerien und renommierten Denkfabriken gedankenschwere Studien und gelehrte Artikel als hastiges Gerüst für ein schwankendes internationales
Gebäude.
Mit dem Ende des Kalten Kriegs haben wir einen
Kontext verloren und noch keinen angemessenen
Ersatz gefunden. Man kann ohne Übertreibung sagen,
daß wir alle entschlossen sind, das Ende des Kalten
Kriegs nicht zu einer Rückkehr zu vergangenen Zeiten
werden zu lassen - was Yogi Berra, der große Philosoph des amerikanischen Baseball als "neues Dejavu-Erlebnis" bezeichnet hat. Nur Narren würden eine
Rückkehr zu der Vorkriegszeit des konkurrierenden
Nationalismus, geizigen Protektionismus und des
Aufstiegs eines totalitären Imperialismus wünschen,
als wäre der Kalte Krieg ein Irrweg gewesen, von dem
wir keine dauerhaften Lehren oder einen Nutzen ziehen können.
Und hier möchte ich zu der Vielzahl internationaler
Institutionen zurückkommen, die während des Kalten
Kriegs entstanden und eines der großen Vermächtnisse dieser Ära sind. Während wir versuchen, den
Globalismus neu zu definieren und seine plötzliche
Abwesenheit auszugleichen, könnte es sich als nützlich erweisen, hier zu beginnen.
Der erste Gedanke gilt den Vereinten Nationen, einer
anfänglich so vielversprechenden Institution, die durch
die Dichotomie des Kalten Kriegs so rasch frustriert
wurde. Trotz ihrer über Jahrzehnte hinweg offenkundigen Mängel haben sich die Vereinten Nationen als
das einzige Forum der Welt mit anerkannter Legitimität
zur Beilegung von Konflikten erwiesen, zumindest
dann, wenn sich die Parteien geeinigt haben, daß eine
Beilegung wünschenswert ist. Und während Vasallentum der Großmächte in internationalen Angelegenheiten jetzt weniger charakteristisch ist, hat sich der
Handlungsspielraum für UN-Aktionen erweitert.
Dies konnten wir in Angola, Nicaragua und Afghanistan und dem riskanten Unternehmen in Kambodscha
beobachten. Auch der Wegfall sowjetischer Vasallen
hat somit den Weg für die freimütige Reaktion auf die
irakische Invasion in Kuwait bereitet. Selbst wo Staaten dem Willen der internationalen Meinung widerstanden haben, hat die UN durch konzertierte Sanktionen
- gegen Libyen, Jugoslawien und erneut den Irak rasch Druck ausgeübt, obwohl es nicht sicher ist, ob er
den gewünschten Effekt hat. Zumindest herrscht in
den Vereinten Nationen ein neuer Geist, eine neue
Bereitschaft zu handeln und ein neues Potential.
Dennoch bestehen weiterhin strukturelle Mängel.
Friedenssicherung ist ein teures Unterfangen, und die
Außenstände bei den Vereinten Nationen belaufen
sich bereits auf 1 Milliarde Dollar - mein Land ist einer
der Delinquenten, obwohl wir mit 30 Prozent der
Rechnung für die Friedenssicherung bei unseren

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Verpflichtungen aufholen. Während sich der Verantwortungsbereich der UN erweitert, werden unsere
Ressourcen jedoch knapper.
Die Frage ist angebracht, ob die ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat die Realitäten der neuen Welt
in angemessener Weise widergibt. Es scheint widersprüchlich, von Japan größere Verantwortung für die
Verwaltung des internationalen Systems zu erwarten,
wenn ihm ein ständiger Sitz in diesem zentralen Rat
verweigert wird. Und wenn Deutschland aufgenommen würde, wäre es merkwürdig, daß Europa vier
ständige Sitze zugeteilt würden.
Die Vereinten Nationen werden sich weiterhin mit der
Frage beschäftigen, wie ihr Mandat die inneren Angelegenheiten eines Staates beeinflussen kann oder
sollte und, falls ja, nach welchen Normen und unter
welchen Umständen es einzusetzen ist. In diesem
Bereich wurden einige wichtige Fortschritte erzielt,
insbesondere bei der vorherrschenden Meinung, daß
Souveränität nicht länger automatisch Immunität
gewährt, wenn die Menschenrechte von Einzelpersonen oder Minderheiten auf ungeheuerliche Art und
Weise verletzt werden.
Dies ist unsicheres Terrain, aber in dieser turbulenten
neuen Welt ist es ebenso wahrscheinlich, daß Konflikte und Auseinandersetzungen im Inland dem Charakter nach ebenso mörderisch sind wie grenzüberschreitende. Die Formalität einer Grenze wird wahrscheinlich für das Problem der Ordnung ebenso wenig Relevanz besitzen wie die technische Unterscheidung
zwischen Vertriebenen und Flüchtlingen zunehmend
als künstlich erscheint. Während wir unseren Weg in
die neue Welt ertasten, wird die institutionelle Anpassungsfähigkeit der Vereinten Nationen entscheidend
für eine neue Ordnung sein.
Mit dem Ende des Kalten Krieges müssen auch die
Sicherheitsarrangements, die uns in der Vergangenheit solch gute Dienste geleistet haben, einer tiefgreifenden Umstrukturierung unterzogen werden. Der
Warschauer Pakt allerdings ist ohne Salut abgetreten.
Für den Westen ist Sicherheit heutzutage wesentlich
schwieriger zu definieren. Die monolithische Bedrohung der Vergangenheit ist zerbrochen, und mit ihr ist
auch die schreckliche Aussicht auf einen nuklearen
Holocaust verschwunden, die während des Kalten
Krieges wie ein Damoklesschwert über uns schwebte.
Das vergangene Woche zwischen Präsident Bush und
Präsident Jelzin vereinbarte Rüstungskontrollabkommen bedeutet eine echte strategische Revolution.
In den Vereinigten Staaten findet bereits eine Debatte
über unser künftiges sicherheitspolitisches Profil statt.
Extreme Optionen werden mit Publizität bedacht, aber
diese liegen außerhalb der Bereiche, in denen Entscheidungen gefällt werden. Der Präsident hat einen

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�vernünftigen Plan vorgelegt, um unsere Streitkräftestruktur in den nächsten fünf Jahren um 25 Prozent zu
verringern, und ein Großteil dieses Abbaus ist bereits
im Gange. Jede Woche verlassen eintausend amerikanische Soldaten Europa. Im Pazifik wurde der
Luftwaffenstützpunkt Clark geräumt, und Subic Bay
wird nächstes Jahr endgültig geschlossen. Wir sind
jedoch ein Land der zwei Ozeane, und der grö ßere Teil
dieser Reduzierungen wird auf unsere Landstreitkräfte
entfallen, während die globale Reichweite unserer
Marine und Luftwaffe aufrechterhalten wird.
Während wirdieses Unterfangen fortsetzen, ist uns ein
sicherheitspolitisches Thema bewußt geworden, das
allen unseren Diskussionen gemeinsam zu sein scheint,
nämlich, daß die amerikanische Präsenz in Übersee
stets eine Art von unausgesprochener Stabilität geliefert hat, die nicht von einer äußeren Bedrohung abhing
und daß eine anhaltende amerikanische Präsenz selbst
auf reduziertem Niveau wünschenswerter Bestandteil
der demokratischen Ordnung in einer Periode ist, in
der die Machtverhältnisse so sehr im Fluß sind und in
der sich die Beziehungen zwischen den Ländern verlagern.
Diese Botschaft vernehmen wir sowohl in Europa als
auch in Asien. Da regionale Sicherheitsbeziehungen
in der neuen Welt noch nicht fest verankert sind,
werden die Vereinigten Staaten als eine Art Sicherheitskompaß betrachtet, der allein durch seine Anwesenheit in einer fließenden Periode des Wandels Stabilität und Zusammenhalt bieten kann. Dies ist eine
Rolle, die unserer Öffentlichkeit schwer zu vermitteln
und gegenüber unserem Kongreß schwer zu rechtfertigen ist.
Ebenso besteht jedoch in Amerika selbst keine Neigung dazu, den Weltpolizisten zu spielen, der die
internationalen Gassen auf Wacht gegen die neuen
Hooligans und Wegelagerer unserer Zeit patrouilliert.
Es gibt eine weitverbreitete Annahme, demzufolge die
Vereinigten Staaten als verbleibende Supermacht der
Welt heute mehr Spielraum für einseitiges Handeln zur
Erlangung sicherheitspolitischer Ziele haben. Meines
Erachtens trifft jedoch eher das Gegenteil zu, nämlich,
daß multilaterales Vorgehen verstärkt zur Vorbedingung amerikanischen Handelns wird, sei es nun von
den Vereinten Nationen, regionalen Organisationen
oder Ad-hoc-Koalitionen sanktioniert wie im Falle des
Golfkrieges. Alleingänge werden für Amerika weniger
und nicht mehr Anziehungskraft haben.
Mit der Entwicklung alternativer aber ergänzender
Sicherheitssysteme baut Europa bereits auf einer starken
institutionellen Basis für diese neue Welt auf und
scheint auf dem richtigen Weg zu sein, um einen
multilateralen Ansatz in der Sicherheitspolitik zu gewährleisten. Die NATO, die für eine fortdauernde
amerikanische Präsenz entscheidend bleibt, hat ihren
Aktionsradius durch den neuen Kooperationsrat mit

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den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten nach Osten
erweitert. Die Westeuropäische Union wird mit Substanz angefüllt, damit ein gänzlich europäischer Mechanismus unabhängig funktionieren kann, ohne
die Grundfesten der NATO auszuhöhlen. Das konzeptionell verschwommenere deutsch-französische Korps
könnte ebenfalls hier eingepaßt werden. Und die neu
vereinbarten Beziehungen zwischen der NATO und
der KSZE mögen zwar noch genauerer Definition
bedürfen, aber sie sind ein bemerkenswerter Schritt
zur Anpassung der europäischen Sicherheitsinstitutionen an das Umfeld nach dem Kalten Krieg.
Diese Weiterentwicklung von Organisationen deutet
darauf hin, daß Europa zumindest ein Spektrum von
Sicherheitsinstrumenten zur Verfügung stehen wird,
das in flexiblen Kombinationen eingesetzt werden kann,
um speziellen Erfordernissen gerecht zu werden, entweder der Friedensbewahrung oder sogar der Schaffung von Frieden innerhalb und außerhalb Europas.
Aber während wir all diese glänzenden neuen Utensilien auf den europäischen Sicherheitstjsch legen, bedarf
es lediglich eines Blicks über die Schulter auf die
Brutalität und Barbarei in Bosnien, um sich zu fragen,
ob diese Institutionen bereits gerüstet sind, um die Art
von Konflikten effektiv zu lösen, mit denen Europa in
den kommenden Jahren voraussichtlich konfrontiert
sein wird.
Kein Ereignis hat das Ende des Kalten Krieges so
dramatisch unterstrichen wie der Beitritt der Bestandteile der ehemaligen Sowjetunion zu den internationalen Finanzinstitutionen. Von allen internationalen
Gremien, die in unserer Generation geschaffen wurden, sind die Weltbank und der Internationale Währungsfonds entscheidende Mittel zur Überwindung der
zahlreichen Teilungen der Vergangenheit. Dauerhafte
politische Reformen in den riesigen Gebieten der
eurasischen Landmasse werden in starkem Maß vom
Erfolg ihrer wirtschaftlichen Umgestaltung abhängen.
Bank und Fonds sind nie zuvor auf Herausforderungen
von solchen Dimensionen oder Erwartungen solchen
Ausmaßes gestoßen.
Doch die internationalen Finanzinstitutionen geraten
häufig in eine ausweglose Situation: was wirtschaftlich
erforderlich ist, wird politisch nicht umgesetzt, und was
politisch umgesetzt wird, kann wirtschaftlich unzureichend sein. Besonders der IWF sieht sich häufig dem
klassischen Dilemma von Botschaft und Überbringer
ausgesetzt, und dies könnte sich auch wiederum im
Osten erweisen. Tatsache ist, wenn Regierungen eine
Verzögerungstaktik anwenden, verschieben sie lediglich die Anpassungen, die unvermeidlich so oder so
kommen müssen. Angesichts des durch den Zusammenbruch der Sowjetunion geschaffenen enormen
Vakuums hat der IWF seinen Wirkungsbereich mit
echter Flexibilität und Phantasie erweitert, aber letzten
Endes ist es doch der politische Wille in den neuen
Republiken, der über ihre Zukunft entscheidet.

AMERIKA DIENST 26

�Ebenso wichtig ist es, daß diese Finanzinstitutionen
nicht zu einem Vehikel für eine Art internationaler
Sozialhilfe werden oder Gremien, die lediglich als
Kanäle für den ewigen Transfer von Ressourcen betrachtet werden. Für reich und arm gleichermaßen
besteht der Weg nach vorn in dauerhafter Entwicklung
und Wachstum. Weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene gibt es einen erfolgreichen Ersatz für
den Privatsektor, und die Rolle dieser Institutionen
muß darin bestehen, schwache Volkswirtschaften zu
stabileren Wachstumsmustern hinzuführen - durch
Zahlungsbilanzhilfe, Schuldenmanagement und Strukturkredite - und nicht zu einem System bodenloser
Abhängigkeit.
Und damit kommen wir zu einer der bemerkenswertesten Maßnahmen der Globalisierung in der Nachkriegszeit. Zwischen 1960 und 1990 stieg die Weltproduktion um das Dreifache. Die Vermögenswerte der
führenden 100 multinationalen Unternehmen belaufen
sich auf rund 3,2 Billionen Dollar, und sie beschäftigen
etwa 14 Millionen Menschen. Die führenden fünfzig
internationalen Banken halten insgesamt Vermögenswerte von etwa 10 Billionen Dollar, und der Wert des
Welthandels ist von rund 60 Milliarden Dollar im Jahr
1950 auf nahezu 3,5 Billionen Dollar im Jahr 1990
gestiegen. Telekommunikation und Informationstechniken haben ein neues ineinandergreifendes weltweites Netz geschaffen, und heute gibt es eine sichtbare
Gemeinschaft des weltweiten Finanzwesens und
weltweit operierender Unternehmen, in denen die
Nationalität aus unternehmerischer Sicht keine Rolle

spielt.
Das Verhältnis zwischen Handel und Wachstum und
die rapide Internationalisierung der Märkte könnten
nicht drastischer vor Augen geführt werden. Allein für
die Vereinigten Staaten ist das Exportvolumen seit
Mitte der achtziger Jahre um 13 Prozent jährlich gestiegen. Dreißig Prozent unserer landwirtschaftlichen
Produkte und 20 Prozent unserer Industrieerzeugnisse gehen heute nach Übersee. Wir sind heute die
größte Handelsnation der Welt.
Dieses Phänomen ist zum größten Teil der vielleicht
zähesten aller internationalen Institutionen zu verdanken: dem GATT. Seit seiner Gründung im Jahr 1947
sind die Durchschnittszölle von rund 40 Prozent auf 5
Prozent gesunken. Von den zahlreichen im Lauf der
Jahrzehnte quälend ausgehandelten Runden ist keine
lebenswichtiger oder ehrgeiziger als die laufende
Uruguay-Runde.
Ihr Ziel ist nicht allein der weitere Abbau existierender
Schranken, sondern die Einbeziehung jener expandierenden Sektoren des Handels unter dieses multilaterale Dach der Handelsregeln, die aus dem System
herausgefallen sind, was insbesondere auf Dienstleistungen zutrifft, sowie Ausgleich oder Beseitigung von
Verzerrungen im internationalen Handel, die grund-

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sätzlich innenpolitischer Natur sind, insbesondere der
Agrarsubventionen. Die Verantwortung liegt hier im
großen und ganzen bei den Vereinigten Staaten, der
Europäischen Gemeinschaft und Japan, die zusammengenommen zwei Drittel des Bruttosozialprodukts
der Welt und 61 Prozent des Welthandels repräsentieren.
Bei einem Scheitern der Uruguay-Runde würde eine
besondere Gelegenheit für überproportionales Wachstum der Weltwirtschaft verpaßt. Noch schwerer wiegt,
daß die Welt sich dann sicherlich auf den abschüssigen Weg von Gegenmaßnahmen und Vergeltung
begeben würde, da die Staaten dann einseitige Maßnahmen zur Bewältigung multilateraler Probleme ergreifen würden. Kein einzelner Schritt könnte mehr als
eine erfolgreiche Uruguay-Runde leisten, um die Vielzahl der Themen positiv zu beeinflussen, die heute die
Kommentarseiten unserer Zeitungen beherrschen:
Wachstum in den Entwicklungsländern, Sicherstellung politischer Reformen im Osten, der Umgang mit
der Umwelt, Aufrechterhaltung der Verteidigungshaushalte, Beendigung der weltweiten Rezession und so
weiter. Die Uruguay-Runde bietet eine Gelegenheit,
die nicht von äußeren Faktoren abhängt. Sie ist für
unsere politischen Entscheidungsträger in greifbare
Nähe gerückt.
Wenn wir diese reichhaltige institutionelle Landschaft
betrachten, müssen wir sorgfältig die Möglichkeit eines Bruchs zwischen unseren gemeinsamen sicherheitspolitischen und unseren gemeinsamen ökonomischen Zielen beachten. Während des Kalten Krieges
wurden Wirtschaftsinteressen häufig zugunsten dringenderer sicherheitspolitischer Fragen verdrängt oder
letzteren untergeordnet. Heute jedoch ist Wohlstand
zu einer vordringlichen Definition von Sicherheit geworden.
Wenn wir auf der einen Seite danach streben, Einflußbereich und Legitimität unserer multilateralen Sicherheitsinstitutionen, beispielsweise in der NATO oder
der UNO - zu erweitern und auf der anderen Seite
einseitige Vorteile in Handelsfragen suchen - zum
Beispiel im GATT oder in separaten Sonderabkommen -, werden wir wahrscheinlich das Fundament
eines neuen internationalen Rahmens untergraben.
Die natürliche Spannung zwischen multilateraler Sicherheits- und einseitiger Wirtschaftspolitik kann nicht
schadlos fortbestehen.
Die internationalen Institutionen, die seit dem Kriege
enstanden sind, geben uns ein Forum zur Aussöhnung
dieser Interessen oder zumindest zur Bewältigung von
Meinungsverschiedenheiten. Sie sind kein Ersatz für
nationales Interesse oder nationale Bestrebungen.
Sie sind nicht perfekt und können im großen und
ganzen nicht mehr zum Ausdruck bringen als den
kollektiven Willen der beteiligten Staaten. Bisweilen
können sie zu überheblich und zu isoliert von der

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�Öffentlichkeit sein, der zu dienen sie geschaffen wurden, und manchmal können sie eine Entschuldigung
für Untätigkeit sein.
Und doch ist dieses institutionelle Phänomen ein
besonderes Merkmal unserer Zeit. Gemeinsam kön-

nen diese Organisationen als Gegengewicht zu der
beunruhigenden Wiederkehr politischer Zersplitterung
und ethnischen Chauvinismus' dienen. Gemeinsam
können sie Normen für eine bessere, sicherere Welt
s c n a f fen, u n d gemeinsam können sie zwischen uns
u n d e j n e m w e j t e r e Deja-vu-Erlebnis stehen.

* * * * *

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�SOZIALES
I.Juli 1992

SOZIALGESETZGEBUNG SPIEGELT PRINZIPIEN
DER GRÜNDERVÄTER WIDER
Großer Anteil des US-Haushalts entfällt auf Sozialausgaben
WASHINGTON - (AD) - "Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich
geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß
dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören..."

Diese von Thomas Jefferson so beredt in der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 zum Ausdruck
gebrachten Konzepte gehörten zu den Leitprinzipien
der Amerikanischen Revolution.
In den folgenden Jahren wurden sie zum integralen
Bestandteil amerikanischen Lebens und amerikanischer Kultur. Es war die Achtung solcher Prinzipien,
die der Abschaffung der Sklaverei, dem Verbot der
Kinderarbeit und sowohl der Gewerkschafts- als auch
der Bürgerrechtsbewegung den Weg bereiteten.
Heute finden die von Jefferson dargelegten Ideale
darüber hinaus in einem breiten Spektrum von Sozialversicherungsprogrammen ihren Niederschlag, die
gemeinsam ein Sicherheitsnetz schaffen, das die meisten Amerikaner vor den von Präsident Franklin Roosevelt so genannten "Risiken und Wechselfällen des
Lebens" schützt.
Viele dieser Programme entstammen dem historischen Sozialversicherungsgesetz von 1935, das auf
dem Höhepunkt der Großen Depression von Roosevelt und dem Kongreß verabschiedet wurde, um Arbeitnehmer oder deren Familien vor Einkommensverlust aufgrund von unverschuldeter Arbeitslosigkeit,
Eintritt in den Ruhestand, Invalidität oder Tod abzusichern.
Zu den Programmen, die seit damals erfolgreich fortgesetzt wurden, gehören die Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung, die Arbeitslosenversicherung für
diejenigen, die ohne eigenes Verschulden ihren Arbeitsplatz verlieren, Zuschüsse für Einkommensschwache, Senioren und Behinderte, die keinen Rentenanspruch vorweisen können sowie die Hilfe für Familien
mit unterhaltsberechtigten Kindern.

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Roosevelt war zu Recht davon ausgegangen, daß
diese Programme dazu beitragen würden, die Auswirkungen künftiger Rezessionen abzuschwächen, indem sie amerikanischen Arbeitnehmern und deren
Familien eine Grundversorgung zur Verfügung stellten, die "die Höhen und Tiefen von Inflation und
Deflation ausgleichen" würde.
Allein die Ausgaben für die Rentenversicherung betragen heute 25 Prozent des Bundeshaushalts. Im Jahr
1992 werden schätzungsweise 41 Millionen Amerikaner Rentenversicherungszahlungen in Gesamthöhe
von 285 Milliarden Dollar erhalten.
Die meisten amerikanischen Arbeitnehmer, die arbeitslos werden, können Arbeitslosengeld beantragen, das für gewöhnlich ein Drittel bis die Hälfte ihres
letzten Einkommens beträgt und bis zu 26 Wochen
lang gezahlt wird. In Zeiten außergewöhnlich hoher
Arbeitslosigkeit können diese Leistungen abhängig
vom Ausmaß der Arbeitslosigkeit im Heimatstaat oder
am Wohnort des Arbeitslosen um weitere 13 bis 26
Wochen verlängert werden.
Im Jahr 1991, dem letzten statistisch vollständig erfaßten Jahr, erhielten schätzungsweise 10,4 Millionen
Amerikaner Arbeitslosengeld in Gesamthöhe von 25,3
Milliarden Dollar.
Zuschüsse für Einkommensschwache (SSI) werden in
Form fester monatlicher Bargeldleistungen für Kinder
und Erwachsene gewährt, die arbeitsunfähig oder
blind sind und festgelegte Einkommens- und Vermögensgrenzen nicht überschreiten.
Im Jahr 1991 erhielten etwa 4,9 Millionen Amerikaner
SSI-Leistungen des Bundes in Gesamthöhe von über
15,7 Milliarden Dollar, während die einzelnen Bundes-

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�Staaten weitere Dienstleistungen und Bargeldzahlungen von rund 3,8 Milliarden Dollar gewährten.
Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern
(AFDC), allgemein als "Sozialhilfe" ("Weifare") bezeichnet, unterstützt Familien, in denen ein Elternteil
verstorben ist, die Familie verlassen hat, arbeitsunfähig geworden ist oder - in rund der Hälfte der 50
Bundesstaaten - arbeitslos geworden ist.
Im Jahr 1991 erhielten etwa 12,5 Millionen Amerikaner
AFDC-Leistungen im Gesamtwert von 20 Milliarden
Dollar. Darin sind Lebensmittelmarken, medizinische
Leistungen und Wohngeld nicht enthalten.
Weitere amerikanische Sozialhilfeprogramme haben
ihre Wurzeln in Präsident Johnsons "Krieg gegen die
Armut" Mitte der sechziger Jahre. Zu dieser Kategorie

gehören die Krankenversicherung für Senioren und
Behinderte (Medicare), die Krankenversicherung für
Einkommensschwache (Medicaid), Sozialwohnungen
für Einkommensschwache, Head Start, das Vorschulkindern aus Familien, in denen das Einkommen unter
der vom Bund jedes Jahr festgelegten Armutsgrenze
liegt, nahrhafte Mahlzeiten und Betreuung zur Verfügung stellt sowie kostenlose oder preisreduzierte
Frühstücks- und Mittagsmahlzeiten für Kinder, die
öffentliche Schulen besuchen.
Das US-Gesundheitsministerium schätzt, daß im Jahr
1991 etwa 35 Millionen Amerikaner Medicare-Leistungen im Gesamtwert von 113 Milliarden Dollar in Anspruch nahmen. Im selben Jahr erhielten 27,5 Millionen Medicaid-Leistungen im Gesamtwert von 89 Milliarden Dollar.

* * * * *

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�UMWELT
1. Juli 1992

DAS MEINUNGSBILD ZU UMWELTFRAGEN
IN 22 LÄNDERN
Ergebnisse amerikanischer Meinungsumfragen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Zusammenfassung gibt einen Überblick über Ergebnisse von Meinungsumfragen, die im Auftrag von Gallup von Januar bis März 1992 in 22 Ländern durchgeführt
wurden.
Besorgnis über Umwelt am größten in Rußland
und Polen
Die Besorgnis über Umweltprobleme wurde in nahezu
jedem Land von wirtschaftlichen Sorgen übertreffen.
Eine Ausnahme bilden die Niederlande, in denen
umweltpolitische Anliegen überwogen.
Gallup stellte Teilnehmern in jedem Land acht getrennte Fragen, um die unterschiedlichen Facetten ihrer
Besorgnis über Umweltprobleme zu messen. So
bewerteten in Rußland und Polen vier Fünftel der
Befragten die Umwelt in ihrem Land als "schlecht" und
gaben an, dies habe nachteilige Auswirkungen auf ihre
Gesundheit. Dagegen hatte nurein Fünftel der Befragten in Dänemark, Norwegen und Finnland diese Besorgnis.

Amerikaner brachten mehr Besorgnis über die Umwelt
zum Ausdruck als die Bürger der meisten anderen
untersuchten Industriestaaten oder die Befragten in
einigen Entwicklungsländern. (US-Öffentlichkeit: 46
Prozent gaben an, die Umwelt ihres Landes sei "schlecht",
67 Prozent erklärten, Umweltprobleme wirkten sich
zumindest "ziemlich stark" auf ihre Gesundheit aus.)
Wasserverschmutzung und Verlust von Regenwäldern gelten als Hauptprobleme
Gallup bat die Teilnehmer in jedem Land, die Bedeutung von sieben "die Welt als Ganzes" betreffenden
Umweltproblemen zu gewichten. Nachfolgend der
Durchschnittsprozentsatz aller 22 Länder derjenigen,
die mit "besonders schwerwiegend" antworteten:
Umweltprobleme der Welt

Insgesamt ist die Besorgnis über Umweltprobleme
innerhalb der untersuchten ehemaligen kommunistischen Länder (Rußland, Polen, Ungarn) größer als in
acht Entwicklungsländern (Brasilien, Chile, Indien,
Mexiko, Philippinen, Südkorea, Türkei und Uruguay)
and wesentlich stärker als in 11 Industriestaaten
(Vereinigte Staaten, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Irland, Japan, Kanada, Niederlande, Norwegen, Schweiz), in denen Gallup Umfragen durchführte.
So gaben in den ehemaligen kommunistischen Staaten 83 Prozent der Befragten an, die Umwelt in ihrem
Land sei "sehr schlecht" oder "ziemlich schlecht",
während in den Entwicklungsländern 54 Prozent und in
den Industriestaaten 30 Prozent diese Meinung vertraten. In den ehemals kommunistischen Staaten meinten darüber hinaus 75 Prozent, Umweltprobleme wirkten sich "sehr stark" oder "ziemlich stark" auf ihre
Gesundheit aus, während dies nur auf 63 Prozent in
den Entwicklungsländern und 39 Prozent in den Industriestaaten zutraf.
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Durchschnittswert für
22 Länder
(% "besonders schwerwiegend")

Verlust von Regenwäldern und Dschungeln 68%
Verschmutzung von Flüssen, Seen
und Meeren

66%

Luftverschmutzung und Smog

62%

Zerstörung der Ozonschicht

62%

Verlust von Tier- und Pflanzenarten

57%

Treibhauseffekt

53%

Bodenerosion, Landverschmutzung
und Verlust von Ackerflächen

52%

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�Die als besonders schwerwiegend eingestuften Probleme unterschieden sich je nach Art des Landes, in
dem die Erhebung durchgeführt wurde.
So wurde in den Industriestaaten der Schwund der
Regenwälder als wichtigstes Problem betrachtet, gefolgt von Wasserverschmutzung und dem Abbau der
Ozonschicht. In den Entwicklungsländern gab die
Mehrheit an, das schwerwiegendste Problem sei die
Luftverschmutzung, während der Schwund der Regenwälder und die Wasserverschmutzung auf den
Plätzen zwei und drei folgten. In den ehemals kommunistischen Staaten wiederum stand an erster Stelle die
Wasserverschmutzung, gefolgt von Luftverschmutzung und dem Schwund der Regenwälder.
Industrie- und Entwicklungsländer werden gleichermaßen verantwortlich gemacht
Die Bürger reicher und armer Länder vertraten keine
gegensätzlichen Meinungen zu der Frage wer "mehr
für die heutigen Umweltprobleme der Welt verantwortlich ist". Nahezu keine der von Gallup befragten
Bevölkerungsgruppen wies die Schuld hauptsächlich
der "anderen Seite" zu.
In lediglich einem von acht untersuchten Entwicklungsländern, nämlich der Türkei, vertrat eine
Mehrheit der Befragten die Meinung, die Industriestaaten seien hauptsächlich für die weltweiten Umweltprobleme verantwortlich. In sechs Entwicklungsländern
wurden Entwicklungsländer und Industriestaaten
überwiegend als "gleich verantwortlich" betrachtet. In
Südkorea hielt die Mehrheit die Entwicklungsländer
selbst für verantwortlich.
In fünf von elf untersuchten Industriestaaten
(Dänemark, Deutschland, Finnland, den Niederlanden
und Norwegen) machte die Öffentlichkeit hauptsächlich die Industriestaaten für die heutigen Umweltprobleme der Welt verantwortlich. In den anderen sechs
Industriestaaten (darunter die Vereinigten Staaten)
wies die Öffentlichkeit den Industriestaaten und den

*

Seite 2

Entwicklungsländern ein gleiches Maß an Schuld zu.
Insgesamt waren die Befragten in den Industriestaaten eher als die in anderen Ländern bereit, die Industriegesellschaften für weltweite Umweltprobleme
verantwortlich zu machen.
Unterschiedliche Meinungen über die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt
Es überrascht nicht, daß der Abbau der Schulden von
den Entwicklungsländern stärker unterstützt wurde als
von den Industrienationen. Gleichzeitig "befürwortete"
eine eindeutige Mehrheit in den meisten Entwicklungsund Industrieländern "stark" die Bereitstellung von
Informationen zu Umweltschutz und Familienplanung
in sich entwickelnden Gesellschaften. Die ehemaligen
kommunistischen Länder waren dem Informationsaustausch zu Familienplanung am wenigsten geneigt.
In allen Ländern wurden die Befragten um ihre Stellungnahme zu unterschiedlichen Aktionen der Industrienationen zum Schutz der Umwelt in den Entwicklungsländern gebeten.
Folgende Maßnahmen der Industrienationen zum Schutz
der Umwelt in den Entwicklungsländern wurden "stark
befürwortetet": Bereitstellung von Ausbildungsmaterial: in den Industrienationen von 61 %, in den Entwicklungsländern von 75%, in den ehemaligen kommunistischen Ländern von 56%. Bereitstellung von Geräten und Technologie zur Kontrolle der Umweltverschmutzung: in den Industrienationen von 53%, in den
Entwicklungsländern von 73%, in den ehemaligen
kommunistischen Ländern von 62%. Bereitstellung
von Informationen über Familienplanung zur Verringerung der Geburtenrate: in den Industrienationen von
57%, in den Entwicklungsländern von 61%, in den
ehemaligen kommunistischen Ländern von 33%. Erlaß von Schulden der Entwicklungsländer und Verwendung dieser Gelder zum Schutz der Umwelt: in
den Industrienationen von 34%, in den Entwicklungsländern von 64%, in den ehemaligen kommunistischen
Ländern von 44%.

* * *

*

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�AIDS
I.Juli 1992

AIDS HINDERNIS FÜR ENTWICKLUNG
Auszüge aus dem AIDS-Jahresbericht des USAID
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Amt für Internationale Entwicklung (USAID) zufolge ist das HIV-Virus, das
AIDS-Erkrankungen verursacht, zur Pandemie geworden und zeitigt die schwersten Auswirkungen in den
Entwicklungsländern.
In einem am 19. Juni 1992 veröffentlichten Bericht des USAID an den Kongreß wird festgestellt, AIDS sei "nicht
nur eine massive Herausforderung an das öffentliche Gesundheitswesen, sondern auch eine ernste Bedrohung
kontinuierlicher sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung".
Der Bericht prognostiziert, daß bis zum Jahr 2000 40 Millionen Menschen mit dem Hl V-Virus infiziert sein werden,
über dreimal soviel wie die 12 Millionen Infizierten des Jahres 1991.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Zusammenfassung des USAID-Berichts im Wortlaut.
Vor einem Jahrzehnt praktisch unbekannt, hat sich
HIV/AIDS heute zur Pandemie entwickelt. Die Entwicklungsländer sind davon am stärksten betroffen. In
zahlreichen Entwicklungsländern ist AIDS nicht nur
eine massive Herausforderung an das öffentliche
Gesundheitswesen, sondern auch eine ernste Bedrohung kontinuierlicher sozialer und wirtschaftlicher
Entwicklung.

das USAID weltweit voraussichtlich 400 Millionen Dollar
für HIV/AIDS-Präventionsmaßnahmen ausgeben.
Die in den vergangenen vier Jahren vor Ort durchgeführten USAID-Maßnahmen und Forschungsarbeiten
haben gezeigt, daß für die Reduzierung der Verbreitung von HIV durch Geschlechtsverkehr erforderliche
Verhaltensänderungen durch geeignete Interventionen verwirklicht werden können.

HIV-Infektionen und AIDS-Fälle
(geschätzte Gesamtzahl in Millionen)
1989 1991 2000 (Prognose)
HIV-Infektionen

6,0

12,0 40,0

AIDS-Fälle

0,6

2,0 10,0

a) nur Erwachsene, alle anderen Zahlen beziehen sich
auf Erwachsene und Kinder.
Das USAID engagiert sich seit 1987 für die Prävention
und Kontrolle von HIV/AIDS. Es hat bei der HIV-AIDSPrävention in über 70 Entwicklungsländern Pionierarbeit geleistet und dort über 700 Interventionsmaßnahmen eingeleitet.
Seit 1987 hat das USAID rund 358 Millionen Dollar für
Maßnahmen zur AIDS-Prävention durch bilaterale Hilfe,
Unterstützung des globalen AIDS-Programms der
Weltgesundheitsorganisation sowie Unterstützung für
basisorientierte und andere Nichtregierungsorganisationen ausgegeben. In den nächsten fünf Jahren wird

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Schätzungsweise 12 Millionen Erwachsene etwa einer von 250 Erwachsenen weltweit - sind
mit HlV-infiziert. Eine Million neuer Infektionen
sind im vergangenen Jahr aufgetreten.
Bis zum Jahresende wird die Gesamtzahl neuer
HIV-Infektionen nahezu zwei Millionen erreichen. Das bedeutet, daß in den nächsten 24
Stunden 5.000 Personen mit HIV infiziert werden, 150.000 in diesem Monat.
Auf Frauen entfällt heute ein Drittel aller HIVInfektionen. Verheiratete und unverheiratete
Frauen aller sozioökonomischen Schichten
werden durch sexuelle Kontakte mit einem infizierten Partner immer häufiger selbst mit dem
HIV-Virus infiziert.
Menschen in den Entwicklungsländern werden
schon bald nahezu 90 Prozent der weltweiten
HIV-Infektionen repräsentieren. Achtzig Prozent dieser Infektionen werden sexuell übertragen.

Seite 1

�I. Auswirkungen in der Dritten Welt
HIV/AIDS greift den Kern der Gesellschaft an, indem
es Menschen auf der Höhe ihrer produktiven Jahre
befällt. Das UN-Entwicklungsprogramm hat berichtet,
daß die Epidemie in den am stärksten betroffenen
Ländern "entscheidende Teile der Erwerbsbevölkerung dezimieren, die Handlungsfähigkeit des Staates
aushöhlen, zu sozialen und bürgerlichen Unruhen
führen sowie jeden Teilbereich der Wirtschaft einschließlich von Landwirtschaft und Verkehrswesen
beeinträchtigen könnte".
Kein Gesundheitssystem in der Dritten Welt ist
derzeit in der Lage, die notwendige medizinische Betreuung für die konstant eskalierende
Zahl von Menschen zu verwalten oder finanzieren, die an AIDS und mit AIDS zusammenhängenden Krankheiten leiden.
HIV-Infektionen schwächen das Immunsystem
und erhöhen das Risiko der Erkrankung an
anderen ansteckenderen Infektionskrankheiten,
wie etwa der Tuberkulose. In zahlreichen Entwicklungsländern erreicht die steigende Zahl
klinischer Tuberkulosefälle bereits epidemische
Ausmaße, die mit HIV/AIDS vergleichbar sind.
Über 50 Prozent der HlV-infizierten Erwachsenen leben im Afrika südlich der Sahara, nahezu
25 Prozent in Asien und rund 17 Prozent in
Lateinamerika und der Karibik.
Afrika
Im Afrika südlich der Sahara sind über sechs Millionen
Erwachsene oder einer/eine von 40 Männern und
Frauen HlV-infiziert. Bis zum Ende des Jahrzehnts
wird sich die Sterbequote bei Erwachsenen in einigen
Gebieten erwartungsgemäß verdreifachen.
Bis zu 8 Millionen HlV-infizierte Kleinkinder könnten
bis zum Jahr 2000 in Afrika zur Welt kommen, und
dadurch könnten Forschritte bei der Bekämpfung der
Kindersterblichkeit verringert oder zunichte gemacht
werden. Zehn Millionen nichtinfizierte Kinder werden
bis zum Jahr 2000 einen oder beide Elternteile durch
HIV/AIDS verlieren.
In diesem Jahrzehnt werden die Folgen von HIV/AIDS
besonders stark in den städtischen Gebieten Ost- und
Zentralafrikas zutage treten, wo bis zu 33 Prozent aller
Erwachsenen bereits infiziert sind oder noch infiziert
werden. In einigen städtischen Großkliniken sind bis
zu 80 Prozent aller stationären Patienten HlV-infiziert,
über das Doppelte des Prozentsatzes im Jahr 1990.
Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte sich die Erwachsenensterblichkeit in diesen Gebieten verdreifachen.
Die Emährungs- und Landwirtschaftsorganisation der
Vereinten Nationen schätzt, daß 25 Prozent der Farmen in den am stärksten betroffenen Ländern Afrikas

Seite 2

südlich der Sahara wegen der Dezimierung der Bevölkerung durch HIV/AIDS aufgegeben werden müssen.
Asien

,

Eine Million Erwachsene in Süd- und Südostasien sind
HlV-infiziert, und es wird erwartet, daß sich die Infektionsrate bis 1995 verdreifachen wird. Ohne effektive
Interventionen werden Jahr für Jahr bald schätzungsweise mehr Asiaten als Afrikaner angesteckt werden.
In Thailand, Indien und auf den Philippinen besteht
eine fest verankerte kommerzielle Sexindustrie. In
großen Städten werden Prostitutierte regelmäßig von
einer großen Zahl einheimischer und ausländischer
Kunden aufgesucht. Damit steigt das Risiko der
regionalen und internationalen Verbreitung des HIVVirus. Schätzungsweise 20 Prozent der 300.000 in
Bombay tätigen Prostituierten sind HlV-infiziert.
Thailand gibt an, 30 Prozent der 800.000 Prostituierten
des Landes seien infiziert. Dasselbe gelte für 3 Prozent der 20-21 jährigen Männer, die für den Militärdienst rekrutiert werden sowie 1 Prozent der Frauen,
die medizinische Betreuung bei Schwangerenberatungsstellen in Anspruch nehmen. Thailändische
Prognosen gehen von 4 Millionen HIV-Infektionen bis
zum Ende des Jahrzehnts aus.
Lateinamerika und Karibik
Die Zahl der HIV-Infektionen in Lateinamerika und der
Karibik übersteigt heute eine Million, darunter 10.000
infiziert geborene Kleinkinder. Diese Zahl ist doppelt
so hoch als vor einem Jahr geschätzt wurde.
Schätzungen zufolge sind bis zu 60 Prozent der Prostituierten in Haiti infiziert, und Untersuchungen haben
bei mehreren hundert Prostituierten in Honduras eine
HIV-Verbreitung von bis zu 35 Prozent festgestellt.
II. Rolle/Reaktion von USAID
Das USAID steht seit jeher an vorderster Front der
weltweiten Schlacht gegen die Krankeit. Dies wurde
auf zweifache Art und Weise geleistet: Hilfe durch
USAID-Missionen in Ländern mit hohen und wachsenden HIV-Infektionsraten sowie durch Unterstützung
des und Abstimmung mit dem globalen Programm
gegen AIDS der Weltgesundheitsorganisation (WHO/
GPA).
Im Jahr 1986 rief die WHO mit Hilfe der Vereinigten
Staaten das Sonderprogramm zu AIDS ins Leben, um
Möglichkeiten zur Bewältigung der wachsenden Bedrohung zu sondieren. Das Programm wurde im Jahr
1988 zum WHO/GPA mit dem Mandat erweitert, eine
weltweite Strategie technischer und finanzieller Unterstützung zur Bekämpfung der Krankheit zu entwickeln.
Das USAID war und ist ein konsequenter Förderer und
Partner der WHO/GPA-Bemühungen. Über die Finanzierung hinaus ist das USAID ein aktives Mitglied im

AMERIKA DIENST 26

�Verwaltungsausschuß des WHO/GPA und wichtiger
Teilnehmer im WHO/GPA-Lenkungsausschuß.
Das USAID hat Computermodelle zur Untersuchung und Beobachtung der Epidemie entwikkelt.
Das USAID unterstützt ein auf drei Jahre angelegtes Projekt des Peace Corps, um afrikanischen Ländern bei der Planung und Durchführung von HIV/AIDS-Informationsmaßnahmen zu
helfen, die sich auf Jugendliche innerhalb und
außerhalb der Schulen, Ärzte und Pflegepersonal, Frauen mit hohem Risiko und die Öffentlichkeit im allgemeinen konzentrieren.

den Sexualpartnern auf, die keine Kondome benutzen
und mit einer anderen Geschlechtskrankheit infiziert
sein können oder einen infizierten Partner haben.
IV. Die Ergebnisse
In den vergangenen vier Jahren hat das USAID die
Erfahrung gemacht, daß HIV/AIDS verhindert werden
kann, daß sich informierte Menschen dafür entscheiden, mit Risiken behaftete Verhaltensweisen einzuschränken und daß eine starke nationale Führung für
den Erfolg solcher Programme unabdingbar ist.
USAID-Untersuchungen vor Ort zeigen, daß
eine Verstärkung von Kommunikationsprogrammen gepaart mit auf bestimmte Gruppen ausgerichteten Informationsmaßnahmen sowie aggressiven Kampagnen zur Verbreitung von
Kondomen erfolgreich waren. Interventionsprogramme in Afrika, Asien, Lateinamerika und
der Karibik haben Millionen von Männern und
Frauen erreicht. Weitere Millionen müssen noch
erreicht werden.

Inzwischen werden drei Ziele als grundlegend angesehen, um die Ausbreitung von HIV/AIDS zu verlangsamen, und diese Ziele bilden die Grundlage aller Präventivmaßnahmen des USAID in den nächsten fünf
Jahren.
Diese Ziele sind:
Reduzierung der Zahl von Sexualpartnern;

Maßnahmen zur Förderung der Verwendung
von Kondomen waren in zahlreichen Ländern
Afrikas und Lateinamerikas erfolgreich. Kondomlieferungen des USAID nach Afrika erreichten im Jahr 1991 über 130 Millionen Stück, ein
Anstieg um nahezu 400 Prozent seit 1987 - über
500 Millionen Kondome wurden bisher allein
nach Afrika geliefert.

Verbesserung von Diagnose, Behandlung und
Prävention sexuell übertragener Krankheiten;
größere Verfügbarkeit und Anwendung von
Kondomen.
III. Die Lehren
Wegen des Fehlens eines wirksamen, bezahlbaren
und allgemein verfügbaren Impfstoffs müssen sich
künftige HIV/AIDS-Präventionsprogramrne auf Strategien konzentrieren, die wirksam zum Abbau der
sexuellen Übertragung von HIV/AIDS beitragen. Zu
diesen Strategien zählen: eine Reduzierung der Zahl
von Sexualpartnern, verbesserte Diagnose, Behandlung und Prävention sexuell übertragener Krankheiten
sowie größere Verfügbarkeit und Anwendung von
Kondomen.

Dieser Anstieg geht direkt mit einer gestiegenen Nachfrage einher. Aufgrund des Erfolges einer Reihe
sozialer Vermarktungsprogramme in mehreren Entwicklungsländern gehen derzeit viele politische Entscheidungsträger auf lokaler Ebene dazu über, die
energische Vermarktung von Kondomen zu unterstützen.
Die Investitionen des USAID in HIV/AIDS-Präventions- und Kontrollmaßnahmen werden sich
in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppeln.

Groß angelegte, umfassende Interventionsprogramme, die von den politisch Verantwortlichen, dem Privatsektor und anderen Nichtregierungsorganisationen
uneingeschränkt unterstützt werden, haben in Ländern mit hohen oder rasch ansteigenden HIV-Raten
den größten Effekt. Sorgfältig ausgerichtete Programme für besondere Zielgruppen können am effektivsten
in Ländern mit niedrigen HIV-Raten sein.

Technische Präventionsprogramme allein können die HIV/AIDS-Flut nicht eindämmen. Starke staatliche Unterstützung innerhalb der Entwicklungsländer ist unerläßlich. Das USAID
wird seine Unterstützung von Bemühungen
fortsetzen, um zu der starken politischen Führung zu ermutigen, die für erfolgreiche HIV/
AIDS-Präventionsprogramme erforderlich ist.

Die meisten durch Geschlechtsverkehr übertragenen
Infektionen treten bei Menschen mit häufig wechseln-

* * * *

AMERIKA DIENST 26

*

Seite 3

�WAHLEN '92
I.Juli 1992

POLITISCHE PARTEIEN VERLIEREN DIE
UNTERSTÜTZUNG DER WÄHLER
Stimmung begünstigt unabhängige Kandidaten
WASHINGTON - (AD) - Die beiden wichtigsten Parteien, Demokraten und Republikaner, haben die politische Landschaft Amerikas seit so vielen Jahren definiert und gestaltet, daß sie fast als selbstverständlich
hingenommen wurden - bis zu diesem Jahr.
Zumindest auf der Ebene der Präsidentschaftswahlen
sind viele Wähler nicht zufrieden mit den Kandidaten
beider Parteien oder der von ihnen wahrgenommenen
Parteipolitik, und sie sehen sich nach Alternativen um,
erklärt der bekannte Politikwissenschaftler Richard
Smolka von der American University.
"Deshalb hat der (bisher unerklärte und unabhängige)
Kandidat Ross Perot soviel Erfolg," erklärt Smolka,
verweist aber darauf, daß die Zahl der potentiellen
Perot-Wähler in den Vereinigten Staaten insgesamt
niedriger ist als die Zahl derjenigen, die sich als AntiDemokraten oder Anti-Republikaner bezeichnen.
Dies deutet Smolka zufolge darauf hin, daß die Rolle
der Parteien beim Prozeß der Auswahl des Präsidenten schwindet, was er auf verschiedene Faktoren
zurückführt, einschließlich der zurückgehenden Loyalität der Wähler, der stetig steigenden Zahl der Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten und des Einflusses der Massenmedien.
Aber er verweist auch darauf, trotz der bei den Wählern
zu beobachtenden Illoyalität - und dem damit umschriebenen schwindenden Einfluß der Parteien, "trifft
dies nicht für Parteifunktionäre oder gewählte Vertreter in den Bundesstaaten und Kommunen zu". Bei
diesen Loyalen ist die Anbindung an ihre Partei so
stark wie eh und je. Als Beispiel führt er Kongreßabgeordnete an, die mit ihren Parteiführungen zugunsten
einer besonderen Sache stimmen, auch wenn dies
lokalen Interessen zuwiderläuft.
Die Unzufriedenheit der Wähler mit dem Kongre ß zeigt
sich dieses Jahr auch angesichts solcher Skandale
wie der Ausstellung zahlreicher ungedeckter Schecks
bei der Bank des Repräsentantenhauses. Im ganzen
Land, so Smolka, stehen amtierende Parlamentarier
unter stärkerem Konkurrenzdruck sowohl innerhalb
des Zweiparteiensystems als auch im Hinblick auf unAMERIKA DIENST 26

abhängige Kandidaten. Er erklärt jedoch: "Die Ironie
liegt darin, daß die daraus resultierende Spaltung der
Opposition dem Amtsträger entgegenkommt."
Smolka konstatiert, daß die Parteien als Institutionen
stark sind, weil sie in den Bundesstaaten über Millionen von Dollar verfügen, die sie für die Arbeit an der
Basis ausgeben können - um Berater einzustellen,
politische Anzeigen zu finanzieren und bei den Wahlkämpfen entstehende Reisekosten zu decken. Darüber hinaus verfügen sie über die Organisation, um
Kandidaten zu helfen. "Dies sind Kandidaten, die sich
der Partei bedienen und die nicht von der Partei
ausgesucht werden," erklärt Smolka. "In unserem
System gilt die Eigennominierung, womit es sich von
fast jedem anderen System auf der Welt unterscheidet."
Es ist diese Art System, die es einem unabhängigen
Kandidaten wie Perot gestattet, in einen Wahlkampf
einzutreten. Aber nicht allzuviele unabhängige Kandidaten sind insbesondere auf der Ebene der Bundesstaaten und Kommunen erfolgreich, erklärt Smolka,
weil sie nicht so gut organisiert sind wie die wichtigsten
Parteien.
Das Phänomen Perot könnte mehr beeinflussen als
lediglich die Wahlen 1992. "Es hängt viel davon ab,
welchen Erfolg er hat," erklärt Smolka. "Wenn er im
November über 5 Prozent der Wählerstimmen erlangt
- was augenblicklich als wahrscheinlich gilt - wird er
sich 1996 für Wahlmittel der Bundesregierung qualifizieren und damit für die Zukunft eine Basis schaffen."
Sobald sein Name auf einer Liste steht, mu ß Perot eine
Organisation gründen, auch wenn es sich dabei nur um
seinen eigenen Namen handelt, und diese Organisation hätte dann einen Anspruch auf Wahlmittel, auch
wenn sie später jemand anderes als Perot ins Rennen
schicken würde. "Der Bundeswahlausschuß würde
ihm oder jemand anderem die Mittel zur Verfügung
stellen", erklärt Smolka. "Die Chance besteht, und es
ist eine große Chance."
Auf nationaler Ebene, so Smolka, ist es noch nicht sehr
lange her, daß Parteiführer sich in "rauchgeschwänSeite 1

�gerten Hinterzimmern" hinter verschlossenen Türen
trafen und den Präsidentschaftskandidaten oder
zumindest die Delegierten für den nationalen Nominierungskonvent eines Bundesstaates auswählten. Das
hat sich jedoch geändert, da immer mehr Bundesstaaten Vorwahlen abhielten und Delegierte für die Konvente auswählten, die sich zu einem bestimmten Kandidaten bekannten, den die Partei nicht vorschreiben
konnte. Im Hinblick auf die Aufstellung von Namen auf
Listen oder die Auswahl von Delegierten für die Konvente gehen die Bundesstaaten oder Parteien jedoch
nicht einheitlich vor, und Smolka erklärt, er betrachte
die unterschiedlichen Prozesse als "nicht fair den
Wählern oder Kandidaten gegenüber".

Die Wurzeln der demokratischen Partei gehen zurück
ins frühe 19. Jahrhundert, zu den Präsidenten Thomas
Jefferson und Andrew Jackson, und ein Großteil der
gegenwärtigen Sozialgesetze und der Unterstützung
für Arbeitnehmer und Minderheiten verdanken wir Franklin D. Roosevelt.
Abraham Lincoln war 1860 der erste republikanische
Präsident, und traditionell hat seine Partei mehr Unterstützung von Landbesitzern und wohlhabenderen
Bürgern erfahren. Die republikanische Partei wurde
1964 neu organisert und vom konservativen Flügel
übernommen, als Barry Goldwaterden moderat liberalen Nelson Rockefeiler bei der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten schlug. Goldwater verlor,
bereitete aber den Weg für die späteren Erfolge der
Konservativen mit Ronald Reagan.

Bei den Konventen wird nicht mehr viel entschieden,
und dieses Jahr haben die Fernsehgesellschaften
angekündigt, sie würden ihre Berichterstattung reduzieren und nicht mehr rund um die Uhr live berichten.
Smolka verweist darauf, daß die Parteien ihre Konvente als "gigantische nationale Versammlungen betrachten, aber die Medien sind nicht daran interessiert, auf
diese Weise über sie zu berichten."

Die Illoyalität läßt sich Smolka zufolge bis in die Nachkriegszeit zurückverfolgen, als der Republikaner Dwight
Eisenhower parteiübergreifenend an die Wähler appellierte und ins Jahr 1964, als die Demokraten aus
dem Süden von Lyndon Johnson zu Goldwater überliefen.

Da das Femsehen bei den Wahlkämpfen eine immer
größere Rolle spielt, sind die Kandidaten in der Lage,
an den Parteiführern vorbeizugehen und sich direkt an
die Wähler zu wenden. Parteisprecher erhalten
Sendezeit, um ihre Meinung zu verkünden, erklärt
Smolka, aber sogar in diesen Fällen haben die Fernsehkommentatoren das letzte Wort mit ihrer Analyse
des Ausgesagten. "Aber dies geschieht nicht nur im
Fall der politischen Parteien", so Smolka. "Die Regierung, die Kirche, alle Institutionen sind solchermaßen
betroffen."

Heute, so Smolka, erklären beide Parteien den Wunsch
nach einer breit gefächerten Wählerschaft, sprechen
aber nach wie vor dieselben Gruppen an. Und beide
haben ein Problem, bei Verfechtern einer kontroversen einzelnen Sache anzukommen. Smolka zieht als
Beispiel die Abtreibung heran, von der er sagt, "sie
steht nicht im Zusammenhang mit anderen wirtschaftlichen oder politischen Problemen, ist aber ein großes
Thema, und beide Parteien verlieren darüber Wähler".
Die Verfechter von "Pro life" erklären, keine Kandidaten unterstützen zu wollen, die "Pro choice" sind und
umgekehrt.

Das Fernsehen hat in diesem Jahr einen neuen Aspekt
in den Präsidentschaftswahlkampf gebracht, da die
Kandidaten tagsüber in Talkshows auftreten. Dies
bietet "einen weiteren Zugang", so Smolka, aber für
"ein anderes Publikum". Er erklärt, "viele Menschen,
die man auf diese Weise erreicht, sehen sich keine
Nachrichten an" und umgekehrt sehen viele, die die
Nachrichten anschauen, keine Talkshows.

Im Hinblick auf die Zukunft der politischen Parteien in
den Vereinigten Staaten erklärt Smolka: "Es ist schwierig zu sehen, wie sie sich schärfere ideologische
Konturen geben könnten. Sie müssen sich unter den
Wählern eine breite Basis schaffen." Aber trotz aller
Kritik an ihnen sind sie Smolka zufolge flexibel genug,
um auf interne Meinungsverschiedenheiten zu reagieren, und es ist unwahrscheinlich, daß sie in Amerika
von der Bildfläche verschwinden.

In Wirklichkeit sind die beiden wichtigsten Parteien auf

nationaler Ebene kaum mehr als Dachorganisationen
der Organisationen auf Bundesstaatsebene.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 26

�THEMENINDEX
I.Juli 1992

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1992
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1992) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

Amerika Heute

7

Atomtests

24

Außenpolitik

17

Bericht zur Lage der Nation

4

Demographie

22

Deutsch-Amerikanische Beziehungen 3
Drogen

EBWE

1,2,8

15

Einwanderer6
Erdgipfel

24

Flüchtlinge

12

Fulbright-Stiftung

14

GATT

1

GUS

6, 7, 14

GUS-Handel

17

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�GUS-Hilfe

4,6,9,15,21,
Sonderdienst, 2.April

GUS-Nuklearwaffen

12

GUS-Wissenschaftler

10,11

Gesundheitswesens
Golfkrieg

3,16

Handel

1,5,9,15

Haushalt

5

IWF

17

Jugoslawische Republiken

14

KSZE

13,14,19, 21

Kolumbus

8

Kongreß

23,24

Landwirtschaft

13

Lastenteilung

14

Libyen

4,13

Martin Luther King

2,3

Menschenrechte

5,8

Minderheiten

18

Mittel-/Osteuropa

11

NAKR

10

NATO

23,24

Nichtverbreitung

15

Porträt

1,4,9

RIAS Berlin Kommission

20

Rassenbeziehungen

21

Rüstungskontrolle

16

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�Senioren

23

Sicherheit

14

Soziales

5

Sozialpolitik

20, 21, 22, 23

UNO

13

US-Außenpolitik

2, 11, 13, 22

US-Weltrolle

18, 23

USA-Deutschland

8, 16, 18, 21

USA-Europa

10, 19, 24

USA-GUS

8,22

USA-Rußland

25

Umwelt

1,6,7 ,9, 13, 18, 19,20,22

Unruhen in Los Angeles

18, 19, 25

VII.Korps

12

VSBM

10

Vereinte Nationen

5

Verteidigung

5

Wahlen '92

"
2, 3,7 ,8, 9, 10,11,12,
15,16

18, 19, 20,21 ,22,23,
Wehrkundetagung

6

Weiterverbreitung

3, 13

Weltwirtschaft

2

Wirtschaft

17

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

^rioN ^

Z12462 C

13

ELEKTRONISCHER HANDEL

I.Juli 1998

DALEY KRITISIERT VORSCHLAG DER EU
ZU ELEKTRONISCHEM HANDEL
Rede des Wirtschaftsministers

LUFTBRÜCKE

DER 50. JAHRESTAG DER
BERLINER LUFTBRÜCKE
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

USA-DEUTSCHLAND

50 JAHRE DEUTSCH-AMERIKANISCHE
PARTNERSCHAFT
von Botschafter John C. Kornblum

WÄHRUNG

DER 50. GEBURTSTAG DER D-MARK
Ansprache von Botschafter Kornblum

HUMANITÄRE HILFE

HUMANITÄRE HILFE ZWISCHEN
ANSPRUCH UND WIRKLICHKEIT
Rede von Botschafter John C. Kornblum

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�£

VEREINTE NATIONEN

GEMEINSAM WENN MÖGLICH, ALLEIN WENN
NÖTIG: DIE VEREINIGTEN STAATEN UND
DIE VEREINTEN NATIONEN
Rede des Gesandten Michael C. Polt

WEITERVERBREITUNG

USA BEDAUERN VERHÄNGUNG VON
SANKTIONEN GEGEN INDIEN UND PAKISTAN
Rede von Karl Inderfurth

�ELEKTRONISCHER

HANDEL
I.Juli 1998

Daley kritisiert Vorschlag der EU
zu elektronischem Handel
Rede des Wirtschaftsministers

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Wirtschaftsminister William Daley am 22.
Juni 1998 vor dem Weltkongreß über Informationstechnologie in Fairfax County (Virginia) gehalten hat.

Ich bin heute hier, um über den amerikanischen Markt
zu sprechen. Das ist eine angenehme Aufgabe, denn
wir haben eine sehr gesunde Volkswirtschaft. Seit
dem Amtsantritt von Präsident Clinton wurden 16
Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Wir haben die
niedrigste Arbeitslosenquote seit 28 Jahren und den
kleinsten Bundeshaushalt seit 35 Jahren.
Ich sprach kürzlich mit einigen Praktikanten, die uns in
den Sommermonaten aushelfen und stellte fest, daß
ich selbst Praktikant war, als unser Land zum letzten
Mal einen Haushaltsüberschuß hatte.
Ich weiß, daß sich einige unserer internationalen
Besucher über die Stärke unserer Volkswirtschaft
wundern. Wir haben sie durch die bittere Medizin des
Abbaus und der Streichung von Programmen gestärkt,
und dem Patienten ging es bald besser. Wir hielten
dieses eine Mal die volkswirtschaftlichen Regeln ein,
und der Markt spürte, daß wir es ernst meinten.
Aber Ihnen gebührt ein großer Teil des Verdienstes.
Sie brauchen bloß Business Week oder Fortune zu
lesen - alle schreiben, daß sich die digitale Wirtschaft
in rasantem Tempo entwickelt und das Internet jedes
Unternehmen und die gesamte Industrie in Amerika
verändern wird. Die Absolventen dieser Universität
werden eine Unternehmensgründung wahrscheinlich
mit der Einrichtung einer Webseite anstatt mit der
Anmietung von Büroraum beginnen.
Ich möchte dies mit einigen Graphiken illustrieren. In
den letzten fünf Jahren fand mehr als ein Viertel des
realen Wirtschaftswachstums im Informationstechnologiebereich statt. Ich wiederhole: Während dieses
Zeitraums entfiel mehr als ein Viertel des Wachstums

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auf die Informationstechnologien.
dafür.

Ich danke Ihnen

Wie Sie sehen, macht dieser Industriezweig bereits
mehr als acht Prozent unserer Volkswirtschaft aus doppelt so viel wie vor 20 Jahren.
An dieser Graphik sehen Sie, daß Investitionen in
Informationstechologien 45 Prozent aller Ausrüstungsinvestitionen ausmachen - gegenüber drei Prozent in
den sechziger Jahren.
In Branchen wie
Kommunikations- und Versicherungswesen sowie
Immobilienhandel stellen sie drei Viertel der Ausrüstungsinvestitionen dar.
Hier sehen Sie, daß die fallenden Preise für Informationstechnologieprodukte die Inflationsrate um einen
ganzen Prozentpunkt gesenkt haben. Ich möchte
betonen, wie wichtig das ist: Die Inflationsrate ist so
niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr.
Aus der letzten Graphik ersehen Sie, daß dies sehr gut
bezahlte Arbeitsplätze sind: Das Einkommen liegt 64
Prozent über dem Durchschnittseinkommen des
Privatsektors. Der durchschnittliche Arbeitnehmer im
Informationstechnologiebereich hat ein Jahreseinkommen von nahezu 46.000 Dollar.
Vor fast einem Jahr baten mich Präsident Clinton und
Vizepräsident Gore zu prüfen, wie unser weiteres
Vorgehen beim elektronischen Handel (E-Commerce)
aussehen sollte. Der Präsident möchte nicht, daß die
Regierung durch ihr Vorgehen diesen Erfolg in irgendeiner Weise beeinträchtigt. Infolgedessen beschlossen wir im letzten Jahr, daß der Privatsektor die
Führungsrolle übernehmen soll.

Seite 1

�Offen gesagt ist es auch die Pflicht einer Regierung
sicherzustellen, daß sich die Unternehmen richtig
verhalten. Wir müssen die Verbraucher schützen.
Wir müssen die Kinder schützen. Unternehmen, die
das nicht verstehen, sind kurzsichtig.
Ich werde dem Präsidenten im kommenden Monat
über unsere Fortschritte berichten.
Die Zeit wird knapp. Und es könnten sich noch Dinge
ereignen, die meine Entscheidungen beeinflussen hoffentlich positive Dinge. Ich möchte dem, was ich
dem Präsidenten berichte, also nicht vorgreifen.
Gestatten Sie mir jedoch, einige Bereiche anzusprechen, mit denen wir uns befaßt haben.
Erstens, Schutz der Privatsphäre - der entscheidende
Punkt. Wenn die Verbraucher den Eindruck bekommen, daß andere Einblick in ihre Transaktionen
erhalten, wenn sie ein Flugticket oder Aktien kaufen,
haben sie meines Erachtens zum letzten Mal
Geschäfte über das Internet getätigt.
Morgen werden wir einen Gipfel zu dieser Frage
veranstalten. Wir werden Bilanz ziehen. Ich werde
einige Maßstäbe vorgeben. AI Westin und Harris
werden eine Umfrage veröffentlichen, die - wieder
einmal - zeigt, wie besorgt die Amerikaner über dieses
Thema sind.
Ich will ganz offen sein: Kürzlich habe ich meiner
Besorgnis Ausdruck verliehen, daß die Industrie zu
langsam handelt. Der Gipfel wird ihr eine Gelegenheit
bieten, uns ihre Produkte zu zeigen.
Heute Morgen traf ich mit den Mitgliedern des Bündnisses für den Schutz der Privatsphäre zusammen.
Das Bündnis vertritt 50 Unternehmen und Verbände.
Wir werden seinen Vorschlag in den nächsten Tagen
eingehend prüfen.
Mein erster Eindruck war, daß das Bündnis dem
Schutz der Privatsphäre von Kindern besondere
Aufmerksamkeit widmet - was mir gefällt. Man stimmte
überein, daß von Kindern unter 13 Jahren ohne

Zustimmung der Eltern keine Informationen eingeholt
werden dürfen. Und das Bündnis stimmte zu, daß die
Verbraucher eine Weitergabe ihrer persönlichen Daten
ausschließen können.
Heute Morgen informierten mich die Vertreter des
Bündnisses, daß sie bis zum 15. September brauchen
werden, um einen Vorschlag über die Durchsetzung
der Beschlüsse auszuarbeiten. Offen gesagt bin ich
enttäuscht, daß ich noch warten muß, bevor ich
erfahre, wie die Industrie eine Selbstkontrolle vornehmen will. Ich teilte den Vertretern des Bündnisses mit,
daß es nicht ausreicht, Prinzipien zu formulieren - um
erfolgreich zu sein, braucht man einen besseren Weg

Seite 2

zu ihrer Durchsetzung, damit die Verbraucher Vertrauen haben können. Sie stimmten dem zu.
Alles in allem war das ein Schritt in die richtige Richtung. Viele weitere Schritte werden sich als erforderlich erweisen. Beim morgigen Gipfel werden wir hören,
was andere unternehmen. Beispielsweise habe ich
erfahren, daß das Better Business Bureau heute ein
Programm zum Schutz der Privatsphäre ankündigen
wird. Und ich weiß, daß TRUSTe, das sehr gut
umgesetzt wird, ebenfalls strenge Prinzipien zum
Schutz des Privatsphäre verabschiedet.
Zweitens bin ich besorgt über den unzureichenden
Schutz geistigen Eigentums online. Es ist undenkbar,
daß eines Tages jeder, der einen Computer hat,
sämtliche je gesungenen Lieder, alle je gedrehten
Filme, jede je geschaffene kreative Arbeit herunterladen kann. Und das wird möglich sein, ohne daß die
hinter dieser Arbeit stehende Begabung je einen
Pfennig dafür bekommt.
Wir haben zwei Verträge ausgehandelt, die internationale Standards für den Schutz von urheberrechtlich
geschützten Arbeiten, musikalischen Darbietungen
und Tonbandaufnahmen aufstellen. Sie legen die
Regeln fest.
Vor kurzem verabschiedete der Senat die Gesetze
über die Durchführung mit 99 zu 0 Stimmen. Derzeit
werden sie im Repräsentantenhaus debattiert, und ich
rufe den Kongreß auf, seine Arbeit schnell zu beenden.
Drittens benötigen wir meines Erachtens Standards für
die Authentifizierung von über das Internet abgewickelten Transaktionen. Wie können Sie wissen, wer der
Absender einer E-Mailnachricht wirklich ist? Oder
können Sie sicher sein, daß eine dritte Partei die
Nachricht nicht geändert hat? Unternehmen müssen
wissen, daß die Person, die das Geschäft tätigt,
wirklich diese Person ist.
Die Technologien zur Lösung dieses Problems stehen
zur Verfügung - und es werden mehr. Was die
Menschen benötigen, ist ein berechenbarer rechtlicher
Rahmen. Einige - insbesondere unsere Freunde in
Europa - möchten detaillierte Gesetze. Meine Sorge
ist, daß wir nicht genug über die Entwicklung dieses
Marktes wissen, um zu wissen, wie diese Gesetze
lauten sollten.
Daher haben wir eine internationale Konvention
vorgeschlagen, die die durch den Papierkrieg entstandenen Hindernisse für elektronisch ausgeführte
Transaktionen beseitigen würde. Und sie würden den
Parteien die Befugnis verleihen, rechtlich durchsetzbare grenzüberschreitende Transaktionen in die Wege
zu leiten. Wir hoffen, daß andere Länder zustimmen,
diese Bestrebungen in diesem Monat in den Vereinten
Nationen weiterzuverfolgen.

AMERIKA DIENST 13

�Viertens möchte ich einen weiteren Punkt mit meinen
europäischen Kollegen besprechen.

2000 wird es die volle Verantwortung übernehmen,
und wir gehen in den Ruhestand.

Im Februar unterbreitete die Europäische Kommission
den Vorschlag, daß die Regierungen eine internationale Charta verabschieden, um einen Rahmen für
die Koordinierung des globalen Kommunikationswesens, insbesondere des elektronischen Handels, zu
schaffen.

Siebtens haben wir als Nebenprodukt unserer starken
Wirtschaft eine interessante Chance: Es gibt mehr
Computer-Arbeitsplätze als Menschen mit den dafür
erforderlichen Qualifikationen. In den nächsten 10
Jahren benötigen wir 1,3 Millionen neue Arbeitnehmer
in der Informationstechnologie.

Der Vorschlag war äußerst provozierend. Ich freue
mich, daß ich ihn heute Morgen mit Kommissar
Bangemann erörtern konnte. Offen gesagt, enthält er
viele Probleme. Er sieht Mandate für mehr staatliche
Lösungen vor - statt der Industrie und dem Markt die
Führung zu überlassen.

Meiner Ansicht nach kann die Regierung das Problem
schlaglichtartig beleuchten. Aber - um es nochmals zu
wiederholen - meines Erachtens müssen die Unternehmen das in Angriff nehmen. Sie müssen den Menschen behilflich sein, den Übergang zu sich wandelnden Arbeitsplätzen zu schaffen. Sie müssen zusammenarbeiten, um die Arbeitnehmer umzuschulen.
Sie müssen enger mit führenden Universitäten wie der
George Mason University zusammenarbeiten.

Meines Erachtens haben wir bereits genügend Orte,
an denen internationale Aktivitäten koordiniert werden.
Wir haben die Gremien für internationale Standards,
die OECD, die Vereinten Nationen. Was wir brauchen,
ist eine Industrie, die diese Organisationen aktiver
unterstützt - keine neue Organisation.

Wenn Geschäftsführer Aufträge ablehnen müssen,
weil sie nicht die richtigen Leute finden können, dann
muß es ihnen mit Veränderungen ernst sein.

Im Oktober wird die OECD das Ministertreffen über
E-Commerce in Ottawa einberufen. Das ist der Ort, an
dem die Probleme bei der Besteuerung, dem Schutz
der Privatsphäre sowie die Auswirkungen von ECommerce auf die globale Wirtschaft angesprochen
werden sollten.

Achtens und letztens möchte der Präsident unsere
Computer besser vor Angreifern des Cyberspace
schützen - seien es organisierte Verbrecher, Insider
oder Hacker. Vergangenen Monat hat der Präsident
das Büro zum Schutz entscheidender Infrastruktur ins
Leben gerufen.

Fünftens habe ich vor kurzem über die Kryptographiepolitik unserer Regierung gesprochen. Ich unterstütze
Präsident Clintons Ziel eindeutig. Er möchte ein
Gleichgewicht zwischen Strafverfolgung, nationaler
Sicherheit, Schutz der Privatsphäre und kommerziellen
Interessen herstellen. Aber seit viel zu langer Zeit
haben wir keine Einigung erzielt, wie wir dieses
Gleichgewicht erreichen können.

Das ist keine Schlacht, in der Soldaten das Schlachtfeld kontrollieren. 90 Prozent unserer ComputerInfrastruktur ist in Händen des Privatsektors. Um es
nochmals zu wiederholen: Ich hoffe, Sie werden eine
aktive Rolle spielen. Und das Wirtschaftsministerium und ich persönlich - werden bei der Zusammenarbeit
mit Ihnen eine Führungsrolle übernehmen.

In den vergangenen beiden Monaten haben wir
konstruktiv mit der Industrie, dem Privatsektor und
Vertretern der Strafverfolgungsbehörden zusammengearbeitet, um eine ausgewogene Lösung zu finden.
Ich war erfreut, daß Justizministerin Reno und FBIDirektor Freeh kürzlich mit Vertretern der Industrie
zusammengetroffen sind, um dies voranzubringen.
Die Industrie und die Strafverfolgungsbehörden
müssen eng zusammenarbeiten, um Lösungen zu
finden, die den Erfordernissen der Strafverfolgung und
der nationalen Sicherheit gerecht werden. Ich hoffe,
daß wir bis zum Herbst ein Abkommen erzielen.
Sechstens haben wir Anfang dieses Monats bekanntgegeben, daß wir die staatliche Einflußnahme auf
Internetadressen beenden.
Wir legen sie in die
Hände, in die sie gehört: private. Wir hoffen, daß bis
Oktober ein neues, vom Privatsektor geschaffenes
Unternehmen den Betrieb aufnimmt. Und bis zum Jahr

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Ich habe heute über viele Initiativen gesprochen. Und
es gibt noch mehr. Wir arbeiten an der Abschaffung
von Zöllen und der Zollfreiheit für das Internet. Wir
unterstützen die Entwicklung von technischen Standards durch den Privatsektor.
Unsere Forscher sind der Industrie bei der Verbesserung der Kompatibilität von Technologien und
der Entwicklung der nächsten Generation des Internet
behilflich.
Und ich möchte hinzufügen, daß wir im Wirtschaftsministerium uns meines Erachtens immer wieder mit
den Beschwerden der Industrie über den Schutz der
Privatsphäre, den Personalmangel, die Internetadressen befaßt haben. Um ehrlich zu sein, habe ich
dafür gelegentlich Kritik geerntet.
Manche denken, die Industrie tanzt auf allen Hochzeiten, geht den wirklichen Problemen aus dem Weg,

Seite 3

�spielt auf Zeit - und die Regierung sollte sich der
Sache annehmen.

einmischen, dann muß die Industrie eine Führungsrolle
übernehmen - und zwar eine echte.

Aber schlechte Gesetze lähmen Innovationen. Jeder,
der Washington kennt, weiß, wenn es ein Problem gibt,
wird es besser von Unternehmern gelöst als von
Gesetzgebern. Deswegen sage ich ein letztes Mal,
wenn Sie möchten, daß wir in der Regierung uns nicht

Die Uhr tickt. Schon bald werde ich dem Präsidenten
Bericht erstatten, der wiederum dem amerikanischen
Volk Bericht erstattet. Ich hoffe aufrichtig, daß die
Industrie sich der Sache annimmt,

* * * * *

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AMERIKA DIENST 13

�LUFTBRÜCKE

I.Juli 1998

Der 50. Jahrestag der Berliner Luftbrücke
Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Stellvertretende Verteidigungsminister John
Hamre am 27. Juni 1998 aus Anlaß des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke bei der Eröffnung des
AlliiertenMuseums gehalten hat.

Diese Woche vor 50 Jahren, als Joseph Stalins
Eiserner Vorhang um ein freies Berlin fiel, wurde das
letzte Schlachtfeld eines Weltkriegs das erste
Schlachtfeld des Kalten Kriegs.

beeindruckend. Denn hier sehen wir Exponate von
der Schlacht der Ideen, die unser Jahrhundert definierte. Wir sehen historische Relikte eines Kampfes,
der unser Leben definierte.

In den frühen Tagen der Blockade sagte der Berliner
Bürgermeister Ernst Reuter: "Völker der Welt, schaut
auf Berlin."

Als wir Kinder waren, war der Motorenlärm der Berliner
Luftbrücke gerade am verebben. Während des langen
Kampfes im Zwielicht zwischen Tyrannei und Freiheit,
den Berlin verkörperte, wurden wir erwachsen.

Die Welt schaute in der Tat auf Berlin. Und was sie
sah, war nicht nur eine Stadt, sondern ein Symbol - ein
Symbol der Entschlossenheit, ein Symbol des Widerstands und letztlich ein Symbol der Freiheit.
Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Berliner, die
sich fast unüberwindbaren Schwierigkeiten gegenübersahen, Felder zu Rollbahnen machten und die
Lebensmittel und das Feuer der Freiheit von einer
Brücke in der Luft entluden.

Wir erinnern uns, daß wir Teenager waren, als Präsident Kennedy vor der Mauer stand und voller
Vertrauen erklärte, daß er sich auf den Tag freue, "an
dem alle die Freiheit haben und Ihre Stadt und Ihr Land
wieder vereint sind, wenn Europa geeint ist und
Bestandteil eines friedvollen und zu höchsten Hoffnungen berechtigten Erdteils ist". Wir erinnern uns
daran, daß Präsident Reagan sagte: "Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder."

Als die Welt auf Berlin schaute, sah sie die Verpflichtung der Verbündeten zu einem freien Deutschland. Eine Verpflichtung, die durch den Motorenlärm
ununterbrochener Flüge Realität wurde. Durch über
277.000 Flüge, mit denen mehr als 2,3 Millionen
Tonnen Nahrungsmittel, Brennstoff und Medikamente
geliefert wurden.

Der Tag, auf den Kennedy sich freute, ist jetzt vorüber.
Die von Präsident Reagan geforderte Tat wurde
Wirklichkeit. Die Hoffnungen aller freiheitsliebenden
Menschen auf der Welt wurden erfüllt. Und wir stehen
heute in diesem wunderschönen Museum, um den
Triumph dieser Hoffnungen zu feiern und all denen zu
danken, die diesen Tag möglich gemacht haben.

Die Feierlichkeiten in dieser Woche führen uns zurück
zu dem historischen Augenblick, als einige der dunkelsten Tage der Freiheit zu den größten Triumphen der
Freiheit gemacht wurden.

Heute schauen die Menschen auf der Welt immer noch
auf Berlin nicht nur als eine Stadt. Die neue Hauptstadt eines vereinigten Deutschlands ist weiterhin ein
Symbol der Freiheit. Und dieses Museum wird
künftige Generationen daran erinnern, daß Freiheit
niemals umsonst ist. Es wird Zeugnis für die Tatsache

Dieses Museum ist für uns alle etwas Besonderes,
aber für meine Generation ist es auf besondere Weise

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�ablegen, daß der Geist der Freiheit die machtigsten
Mauern der Unterdrückung niederreißen kann.
Heute lebt dieser Geist fort, inspiriert und nährt das
transatlantische Bündnis und verstärkt unsere Bemühungen, das Europa der Zukunft zu gestalten. Er ist
lebendig während wir neue Brücken bauen und
Ungarn, Polen und der Tschechischen Republik die
Hand der NATO-Mitgliedschaft reichen. Er ist lebendig
in der Partnerschaft für Frieden und in unseren
Bestrebungen, Grundlagen der Zusammenarbeit mit
Ländern im Übergang - wie Rußland und der Ukraine aufzubauen. Und er ist lebendig während wir gegen
den Haß in Bosnien angehen und versuchen, eine
Eskalation im Kosovo zu verhindern. In der Tat hilft
uns der Geist von Berlin - der Geist der Freiheit - alte
Trennlinien zu überwinden und ein neues Europa für
ein neues Jahrhundert aufzubauen.
In diesem Museum gibt es viele Erinnerungen an
diesen Geist. Eines der Symbole, das einen besonderen Platz in den Herzen der Amerikaner und aller
Verbündeten hat, ist das Wachhaus, das einst der
Checkpoint Charlie war - der letzte Kontrollpunkt auf

der Straße vom Amerikanischen Sektor nach Ostberlin. "Sie verlassen jetzt den Amerikanischen Sektor"
stand auf dem Schild neben dem Kontrollpunkt. An
anderen Übergängen der Alliierten las man: "Sie
verlassen jetzt den Britischen Sektor" oder "Sie
verlassen jetzt den Französischen Sektor.
Jahrzehntelang symbolisierten der Checkpoint Charlie
und andere alliierte Kontrollpunkte sowohl die letzte
Verteidigung gegen Tyrannei als auch den Weg in die
Freiheit. Der Checkpoint Charlie ist jetzt in diesem
Museum zu sehen - seine Arbeit als Wachhaus ist
getan.
Jetzt wollen wir uns zum Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem wir keine Checkpoint Charlies
benötigen. Wir wollen uns zum Aufbau eines Europas
verpflichten, in dem es keine Notwendigkeit für
Betonmauern und Stacheldraht gibt, um die Menschen
im Land und die Ideen herauszuhalten. Wir wollen uns
zum Aufbau eines Europas verpflichten, das selbst der
Weg zu Offenheit und Freiheit für die ganze Menschheit ist. Und wir wollen uns immer an Berlin als
mächtigstes Symbol dieser Freiheit erinnern.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 13

�USA-DEUTSCHLAND
I.Juli 1998

50 Jahre deutsch-amerikanische Partnerschaft
von Botschafter John C. Kornblum

FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Botschafters der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, bei einem Empfang am 23. Juni 1998 in
Frankfurt am Main aus Anlaß des 50. Jahrestages der Steuben-Schurz-Gesellschaft und der Partnerschaft
zwischen Frankfurt am Main und den Vereinigten Staaten.

Wir sind heute hier, um zwei besondere Aspekte der
deutsch-amerikanischen Freundschaft zu feiern: Den
50. Jahrestag der Steuben-Schurz-Gesellschaft und
die 50-jährige Partnerschaft zwischen Frankfurt am
Main und den Vereinigten Staaten.
Diese beiden Aspekte haben die Partnerschaft zwischen unseren Ländern in praktischer Weise bereichert. Ich bin überzeugter denn je, daß die deutschamerikanische Freundschaft voller Leben und Enthusiasmus ist. Letzten Monat, als Präsident Clinton in
Deutschland war, haben wir deutlich gespürt, welch
großes Interesse Deutsche und Amerikaner aneinander haben. Der Präsident hat die besondere
Bedeutung der deutsch-amerikanischen Partnerschaft
beschrieben, als er sagte: "Es ist schwer, sich einen
besseren Freund oder Verbündeten vorzustellen als
die Bundesrepublik Deutschland."
Das hohe Maß an Verständnis zwischen unseren
Ländern haben wir in vielerlei Hinsicht dem Engagement von Organisationen wie der Steuben-SchurzGesellschaft und den persönlichen Kontakten zwischen Deutschen und Amerikanern hier in Frankfurt zu
verdanken. Ihr Engagement ist eine Verkörperung
unserer Beziehungen - der zwischenmenschlichen
Bande, die unsere beiden Länder in Freundschaft und
Einvernehmen verbinden.
Eine Errungenschaft möchte ich hervorheben:
Dieses Jahr feiern Sie den 50. Geburtstag der
Steuben-Schurz-Gesellschaft. Es gibt keinerlei Anzeichen für eine "Midlifecrisis". Im
Gegenteil: Sie setzen es sich weiterhin zum

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Ziel, die Freundschaft zwischen unseren
Ländern zu fördern und zu festigen.
Meine Damen und Herren, das Fundament der
deutsch-amerikanischen Partnerschaft war nie stärker.
Deutschland und Amerika sind aus verschiedenen
Gründen natürliche Partner geworden. Wir haben in
den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam
eine neue Friedensstruktur in Europa geschaffen - eine
Struktur, die auf der Grundlage neuer Beziehungen
über den Atlantik hinweg ruht.
Die Vereinigten Staaten unterhalten natürlich enge,
kooperative Beziehungen zu zahlreichen Verbündeten
in Europa. Aber es war Deutschland, mit dem wir die
neue Nachkriegsdefinition unserer Welt erarbeiteten.
Deutschland hatte sogar vor 1945 viel mit den Vereinigten Staaten gemein. Unsere natürliche Freundschaft war jedoch von den Nazis zerstört worden und
in einem grausamen Krieg untergegangen. Nach 1945
war es nicht möglich, einfach dort weiterzumachen, wo
wir aufgehört hatten. Wir mußten etwas völlig Neues
schaffen.
Jeder von uns hatte eine wichtige Rolle. Amerika bot
die Vision, die Mittel und die Verpflichtung, sich in der
neuen atlantischen Gemeinschaft weiterhin zu engagieren, die aus dem alten europäischen Gleichgewicht
entstanden war, das durch den Zweiten Weltkrieg
zerstört wurde. Deutschland brachte Energie, Mut und
eine Vision von Demokratie in Deutschland und
Europa ein, die aus der dauerhaften Gemeinschaft
über den Atlantik hinweg erwuchs.
Eine weitere treibende Kraft war, wie Sie wissen,
emotionaler Natur. Kurz nach dem Krieg entdeckten

Seite 1

�wir die große Übereinstimmung von Einstellung und
Ansatz unserer beiden Länder wieder. Deutschland
und Amerika gingen aufgrund der starken Ähnlichkeit
unserer Völker und Gesellschaften eine natürliche
Partnerschaft ein.
Eine historische Errungenschaft dieser Partnerschaft
war die Wiedervereinigung Deutschlands. Die Rückkehr der Freiheit nach ganz Deutschland schloß ein
leidvolles Kapitel der deutschen und europäischen
Geschichte. Gleichzeitig war dies ein charakteristisches Moment einer neuen und sogar noch hoffnungsvolleren Phase unserer Bestrebungen, eine sogar
noch kraftvollere transatlantische Gemeinschaft
aufzubauen.
Amerika war aus zweierlei Gründen ein wesentliches
Element bei der Wiedervereinigung: Wir glaubten
unbeirrt an das Ziel eines geeinten Deutschlands, und
wir hatten die Mittel, dazu einen Beitrag zu leisten.
Unsere Vision von Deutschland und Europa war nicht
von historischen Ressentiments oder Konkurrenzdenken verdunkelt.
Deutschland und die Vereinigten Staaten sind offene
Gesellschaften, die am Scheideweg des Wandels
stehen. Wir sind, jeder auf seine Weise, ein Magnet
für die neuen und oftmals beunruhigenden Tendenzen
auf der ganzen Welt. Jeder von uns hat die Fähigkeit,
diese Veränderungen zu verarbeiten und sich daran
anzupassen. Wir sind Meister darin, neue Lösungen
vorzuschlagen.
Wir sind nicht immer derselben Meinung. Aber in den
meisten Fällen sind es Deutschland und Amerika, die

bei der Lösung des Problems eine zentrale Rolle
spielen. Wenn unsere beiden Länder diesen pragmatischen Ansatz wählen, können wir beim Umgang mit
den neuen Herausforderungen auf kooperativer Basis
helfen, selbst wenn wir nicht in allen Einzelheiten
übereinstimmen.
Jetzt ist es an der Zeit, über neue Aktivitäten zur
Stärkung unserer zwischenmenschlichen Kontakte und
Ausweitung unserer Vereine und Freundschaften
nachzudenken. Insbesondere jetzt, da die Bürger sich
aufgerufen fühlen, Eigeninitiative zu ergreifen, anstatt
auf eine Führungsrolle ihrer Regierung zu warten,
nimmt die Rolle von Privatinitiativen an Bedeutung zu.
Ich rufe Sie auf, Ihre erfolgreiche Arbeit fortzusetzen,
indem sie neue Möglichkeiten für die Bereicherung der
deutsch-amerikanischen Freundschaft finden.
Heute müssen wir unsere Aufmerksamkeit vor allem
auf die Zukunft richten. Das heißt jedoch nicht, daß wir
die Vergangenheit vergessen sollten. Ich würde mir
wünschen, daß wir uns auf unsere gemeinsamen
Interessen und Werte konzentrieren und gleichzeitig
neue Wege suchen.
Wie Carl Schurz 1881 in einer Rede vor der Chamber
of Commerce in New York erklärte, ruhen die Beziehungen zwischen der Alten und der Neuen Welt "auf
einer sehr einfachen, natürlichen und soliden Basis".
Diese Basis wurde in den vergangenen 50 Jahren in
hohem Maße durch das Interesse verstärkt, das
unsere Länder und unsere Bürger aneinander zeigen.
Wir haben eine starke Grundlage. Darauf müssen wir
aufbauen.
Ich danke Ihnen.

*

Seite 2

* * *

*

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�WAHRUNG
I.Juli 1998

Der 50. Geburtstag der D-Mark
Ansprache von Botschafter Kornblum

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, am 19. Juni 1998 bei einem Festakt aus Anlaß
des 50. Geburtstags der D-Mark gehalten hat.

Vielen Dank für die Gelegenheit, an der heutigen
Veranstaltung teilzunehmen. Einige von Ihnen mögen
sich fragen, warum ein amerikanischer Botschafter den
Feiern zum 50. Geburtstag der D-Mark beiwohnt.

sie auf die Fähigkeit hin, sich auf pragmatische
Ansätze zu einigen.

Ich habe erst vor kurzem einige interessante Einzelheiten über die Rolle der Vereinigten Staaten bei

Die deutsch-amerikanische Partnerschaft, die im Lauf
der Jahre gereift ist, beinhaltet viele Beispiele für
pragmatische Lösungen schwieriger Probleme. Wenn
wir mit schwierigen Herausforderungen konfrontiert

der Einführung der D-Mark erfahren:

waren, konnten wir unglaubliche Harmonie zeigen.

wie 1947 und 1948 die ersten Banknoten in
den Vereinigten Staaten gedruckt wurden und
den heutigen 50-Dollar-Scheinen stark ähnelten,
wie sie im Rahmen einer Operation mit dem
Decknamen "Bird Dog" tonnenweise nach
Frankfurt transportiert wurden
und wie ein junger amerikanischer Luftwaffenoffizier namens Tenenbaum der D-Mark nicht
nur ihren Namen gab, sondern auch die
Zweifler unter den Alliierten und Deutschen
davon überzeugte, daß eine radikale und
umfassende Währungsreform Deutschland
Wohlstand bringen würde.
Die Einführung der D-Mark war ein kontroverser
Schritt. Sie stellte den Wendepunkt in der Entwicklung
der Bundesrepublik dar, denn sie beendete die
Rationierung und zentrale Planung und bot fast von
einem Tag auf den anderen Anreize zur Herstellung
von Gütern, die für echtes Geld verkauft werden
konnten. Sie machte das deutsche Wirtschaftswunder
möglich.
Die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit bei der
Währungsreform 1948 war Vorbote bestimmter
Ereignisse in unseren Beziehungen. Vor allem deutete

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Und diese Harmonie ermöglichte uns, die Arbeit zu
tun.
Die Berliner Luftbrücke ist hierfür ein wunderbares
Beispiel. Jeder wußte, was notwendig war. Jeder
wußte, was getan werden mußte.
Deutschland ist stolz auf den Erfolg der D-Mark. Diese
Erfolgsgeschichte geht Hand in Hand mit der Schaffung von Frieden und Wohlstand in Europa. Und es
sind Frieden und Wohlstand, die es Europa ermöglicht
haben, Schritte zur weiteren Integration zu unternehmen.
Derzeit bereiten Sie mit der Einführung des Euro einen
weiteren mutigen Schritt zur europäischen Integration
vor. Das ist kein Bruch mit der Vergangenheit.
Vielmehr ist es ein Anzeichen von Kontinuität.
Die Integration Europas endet nicht mit der Einführung
des Euro. Die Vollendung Europas steht auf der
Tagesordnung, und das bedeutet die Erweiterung der
Union. Im Idealfall bezieht diese Erweiterung so viele
Länder wie möglich ein. Denn die europäische
Geschichte des letzten halben Jahrhunderts hat
gezeigt, daß das beste Mittel zur Ausweitung von
Freundschaft und Wohlstand unter den Menschen
Europas die Schaffung gemeinsamer Interessen und
Ziele ist. Wie Präsident Clinton letzten Monat in Berlin
erklärte, haben Europa und Amerika "ein gemein-

Seite 1

�sames Schicksal, weil wir uns logischerweise auf eine
gegenseitige Abhängigkeit zubewegen, die für beide
Seiten von Vorteil ist; jede Nation wird stärker und
wohlhabender aufgrund des Erfolgs seiner Nachbarn
und Freunde".
Deutschland kommt eine besondere Rolle zu.
Deutschland hat die einzigartige Fähigkeit, eine Brücke
zwischen Ost und West zu schlagen. Deutschland ist
ein Modell, weil es die unglaubliche Fähigkeit gezeigt
hat, sich zu wandeln und zu erneuern - sei es 1945

oder 1989. Und schließlich hat Deutschland sehr
großes Interesse daran, daß diese Länder prosperieren und sich zu starken Demokratien entwickeln.
Am 50. Geburtstag der D-Mark blicken wir mit Stolz auf
das zurück, was wir trotz aller Schwierigkeiten erreicht
haben und sehen hoffnungsvoll auf alles, was wir noch
leisten können.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�HUMANITÄRE

HILFE
I.Juli 1998

Humanitäre Hilfe zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Rede von Botschafter John C. Kornblum

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, John C. Kornblum, bei der vom Deutschen Roten Kreuz am 17. Juni
1998 in Berlin veranstalteten Konferenz über humanitäre Hilfe gehalten hat.

Es ist mir eine Ehre und eine Freude, heute Abend zu
Ihnen sprechen zu dürfen. Als Diplomat bewundere
ich oft die Arbeit des Roten Kreuzes in Krisengebieten
auf der ganzen Welt. Als Vermittler mit beträchtlicher
Erfahrung im Krisenmanagement habe ich oft von den
Instrumenten profitiert, die Sie während der letzten 130
Jahre entwickelt haben. Und als Bürger bin ich immer
wieder beeindruckt von der Selbstlosigkeit und
Einsatzbereitschaft, die Sie oft angesichts großen
Elends zeigen.
Dieses Jahr markiert den 50. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der
heutige Tag den 45. Jahrestag der Massendemonstrationen in der DDR - Demonstrationen, die mit
sowjetischen Truppen und Panzern beantwortet
wurden. Dies ist daher ein angemessener Tag,
darüber zu sprechen, wie Menschenrechte in den
Mittelpunkt internationaler Beziehungen gerückt sind
und wie die internationale Staatengemeinschaft am
besten ihre Mittel zum Schutz der Menschenrechte
einsetzen kann.
Ich möchte bei meinen heutigen Ausführungen auf
meine Erfahrungen zurückgreifen. Unser Thema
heute lautet "humanitäre Hilfe zwischen Anspruch und
Wirklichkeif. Allein durch diesen Titel wird das Thema
schwierig. Was ist humanitäre Hilfe? Sind es Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten für die
Opfer von Flutkatastrophen oder ist es Flüchtlingshilfe
in Kriegszeiten? Ist es die Vermittlung zwischen
Konfliktparteien oder Finanzhilfe für Katastrophenopfer?
All diese Definitionen sind zutreffend, aber das Thema
ist weitaus umfassender. Insbesondere seit dem Ende

AMERIKA DIENST 13

des Kalten Krieges ist die sogenannte humanitäre
Seite internationaler Angelegenheiten bis zur Unkenntlichkeit erweitert worden. Mitarbeiter des Roten
Kreuzes können ganze Bücher über die schwierigen
Situationen schreiben, denen sie sich an Orten wie
Bosnien oder Tschetschenien gegenübersahen und
wo traditionelle Definitionen nicht mehr greifen.
Es gibt gute Gründe für diese dramatische Ausweitung
des Themas. In einer Welt, die in internationaler
Konfrontation erstarrt war, reduzierten sich die sogenannten "menschlichen" Anliegen der Außenpolitik
oftmals darauf, den Notleidenden zu helfen. Tieferliegende Fragen der menschlichen Lebensbedingungen
und Konflikte waren unter der Decke der Ost-WestKonfrontation verborgen.
Das Tauwetter begann Anfang der siebziger Jahre.
Obwohl die Kodifizierung des humanitären Völkerrechts im 19. Jahrhundert begonnen hatte, war dessen
Anwendung bis zum Beginn des Zeitalters der Entspannung fast ausschließlich rhetorischer Natur.
Nach dem Einmarsch der Sowjetunion in der Tschechoslowakei erkannten Ost und West, daß eine
weitere Verschärfung der Spannungen zu einer
Katastrophe führen könnte. Im vorausgegangenen
Jahrzehnt war in Berlin und Kuba nahezu der Krieg
ausgebrochen. Beide Seiten waren zu einer Entschärfung der Situation bereit.
Neuanfang in Berlin
Die ersten Schritte wurden hier in Berlin gemacht. Ich
hatte die Ehre, an den Viermächte-Verhandlungen
über Berlin teilzunehmen. Dies waren wahrhaftig

Seite 1

�humanitäre Gespräche. Der Hauptgegenstand dieser
Verhandlungen war, die Bedingungen für Ostberliner
zu verbessern und Reisen von Berlin in den Westen zu
erleichtern. Es ist nicht übertrieben zu sagen, daß die
Berliner Verhandlungen eine neue Ära der Außenpolitik einläuteten. Zum ersten Mal in der Geschichte
waren humanitäre Aspekte zentrales Thema von
Verhandlungen der Großmächte.
Die darauf folgenden Jahre zeugten von einem
Strukturaufbau zur Anwendung der Normen des
internationalen humanitären Rechts auf die Gesamtheit
der Beziehungen zwischen Nationen und - was noch
dramatischer war - innerhalb der Nationen selbst.
Der Fortschritt kam nicht über Nacht. Es dauerte mehr
als zehn Jahre, bis man übereinkam, daß humanitäre
Gesichtspunkte ein legitimer Aspekt internationalen
Lebens seien. Der wesentliche Durchbruch kam mit
der Unterzeichnung der KSZE- Schlußakte beim Gipfel
von Helsinki im August 1975.
Dieses Dokument legte nicht nur das Menschenrechtskonzept des Westens fest; es bildete auch ein direktes
Bindeglied zwischen militärischer Sicherheit, wirtschaftlichem Austausch und der Einhaltung anerkannter Normen der Menschenrechte. Die "Operationalisierung" der Menschenrechte, wie wir es in Amerika
nennen würden, war beispiellos.
Wissenschaftler, die das Geheimnis des Zusammenbruchs des Totalitarismus zu enthüllen versuchen,
können durchaus die Schlußakte von Helsinki als
befreiendes Dokument bezeichnen. Sie sandte ein
Schauern durch die sowjetische Welt. Binnen einer
Woche nach der Veröffentlichung der Schlußakte in
Neues Deutschland erhöhte sich beispielsweise die
Zahl der Ausreiseanträge aus der DDR um 200.000.
Verlagerung des Konflikts
Als in den frühen neunziger Jahren der Zerfall der
Sowjetunion begann, zollte sogar der russische
Außenminister Andreij Kosyrew der KSZE und ihrer

Es war, als habe der Kalte Krieg die Welt in dem
Glauben hypnotisiert, die Geschichte sei tatsächlich an
einem Endpunkt angelangt. Sein Ende brach den
Bann. Die Opfer waren nicht die Großmächte. Es
waren die Menschen in weit entfernten, oft entlegenen
Teilen der Welt, die den Schmerz spürten.
Präsident Bush sprach 1989 mutig von der "Neuen
Weltordnung". Keine zwei Jahre danach wurde
schmerzhaft klar, daß die Welt bei weitem nicht bereit
war für die neue Freiheit nach dem Kalten Krieg. Ein
neuer Begriff tauchte auf - die internationale Gemeinschaft. Dieser Terminus, der nicht im entferntesten
klar definiert war, signalisierte eher Hilflosigkeit als
Macht, eher Konfusion als Entschlossenheit. Von
Bosnien bis Somalia, von Afghanistan bis Tschetschenien spielten humanitäre Belange eine zentrale
Rolle.
Auf der Suche nach Antworten
Es ist wichtig zu beachten, daß die internationale
Gemeinschaft angesichts dieser Herausforderungen
nicht untätig geblieben ist. Sowohl bei den Vereinten
Nationen als auch von regionalen Organisationen wie
der NATO, OSZE, der Organisation Amerikanischer
Staaten und der Organisation für Afrikanische Einheit
wurden zahlreiche Instrumente geschaffen, um mit
dieser neuen Art von Konflikt umzugehen. Humanitäre
Organisationen wie das Rote Kreuz waren ebenfalls
kreativ bei der Anpassung an die neue Situation. Auch
die wichtige Rolle der Nichtregierungsorganisationen
bei diesen Anstrengungen möchte ich hervorheben.
Nichtregierungsorganisationen haben in vielen Bereichen unerschrocken humanitäre Diplomatie betrieben,
wo Regierungen nicht tätig werden konnten.
Die Erfahrungen sind gemischt. Auf jeden Erfolg, wie
etwa in El Salvador oder Bosnien, kamen auch
Niederlagen. Neue Instrumente werden oft von denen
abgelehnt, für deren Hilfe sie gedacht waren. Und
bedauerlicherweise verhindern häufig die Zänkereien
zwischen größeren Mächten die Lösungen für die, die
sie am meisten brauchen.

Botschaft der Menschenrechte Anerkennung für den

Zusammenbruch des Kommunismus. Als das neue
Jahrzehnt begann, bestand die Hoffnung, daß das
Ende des Kalten Krieges schließlich auch das Ende
der Konflikte auf der ganzen Welt bringen würde.
Tragischerweise wurde der Konfliktschwerpunkt
verlagert. Ohne die Furcht vor nuklearer Vernichtung
fühlten sich Gruppierungen auf der ganzen Welt
ermutigt, lang unterdrückten Groll wiederzubeleben.
Das Resultat steht uns nur zu deutlich vor Augen.
Plötzlich begannen Gruppierungen und Nationen, alte
Rechnungen zu begleichen, Grenzlinien neu zu ziehen
und Vorteile einzufordern, von denen sie meinten, daß
sie ihnen seit langem zustünden.

Seite 2

Ein Großteil des Problems besteht in der Definition.
Nachdem wir mehr als ein Jahrzehnt darauf verwendet
haben, humanitäre Belange als legitime Aspekte
internationaler Beziehungen anzuerkennen, werden
wir nun mit einer explosionsartig zunehmenden Zahl
von Herausforderungen konfrontiert. Ein Großteil ist
kaum definiert.
Die humanitäre Arbeit des Roten Kreuzes
steht zunehmend mit ethnischen oder regionalen Konflikten im Zusammenhang. Massenmorde in Bosnien waren sowohl Verbrechen
als auch humanitäre Krisen. Der Krieg in
Tschetschenien wurde von Rußland als innere
Angelegenheit bezeichnet. Dasselbe be-

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�hauptet Belgrad vom gegenwärtigen Konflikt
im Kosovo. Zunehmend werden humanitäre
Hilfsleistungen durch militärische Auseinandersetzungen beeinträchtigt.

Salvador sowie die Albanien-Mission unter Leitung
Italiens zeigten, wie die wohlüberlegte Anwendung
militärischer Stärke einen wichtigen Beitrag leisten
kann.

Als OSZE-Hochkommissar für nationale
Minderheiten hat Max van der Stoel hervorragende Arbeit geleistet. Aber er wird oft
an der Einreise in ein Land mit Minderheitenproblemen gehindert, weil die Landesregierung diese Definition des Problems ablehnt.
So ist das Erreichen eines Konsenses über
die Natur ethnischer und religiöser Konflikte
eine weitere wesentliche Aufgabe.

Es gab jedoch auch deutlich sichtbare Fehlschläge.
Obwohl die Entsendung der UNPROFOR nach
Jugoslawien von wohlmeinenden Absichten getragen
war, erwies sie sich als unbefriedigend sowohl für die
Schutzbedürftigen als auch für die Beschützer selbst.
Obwohl die UNPROFOR aus Streitkräften zusammengesetzt war, war ihre Struktur nicht auf die Erfüllung
einer Militärmission ausgerichtet. Das Ergebnis war
Konfusion und im Falle von Srebrenica eine Tragödie.

Gleiches gilt auch für Flüchtlinge. Ein krasses
Beispiel ist die Weigerung Kroatiens, aus der
Krajina geflohene Serben weder als Flüchtlinge noch als Vertriebene zu definieren. Die
Situation in Zentralafrika entzieht sich jeglichem Verständnis.

Wenn eine Streitmacht erst einmal entsandt ist, stellt
sich die Definition der laufenden Mission als sehr
schwierig dar. Ich war unmittelbar an der Definition der
IFOR-Mission in Bosnien beteiligt. Wir hatten keine
genauen Informationen über die militärische Bedrohung und die Einsatzbedingungen. Die IFORMission begann mit der konkreten Arbeit der Truppenentflechtung. Sie ging schnell zu Aufgaben im
Bereich der öffentlichen Ordnung und des Schutzes
von Flüchtlingen über. Im September 1996 konnte die
IFOR eine zentrale Rolle bei den Wahlen in Bosnien
übernehmen, die vom Daytoner Abkommen vorgeschrieben wurden. Die Rolle der SFOR beinhaltet in
zunehmendem Maße auch allgemeine wirtschaftliche
und humanitäre Aufgaben.

Langsam geht man daran, dieses Problem der gemeinsamen Definitionsfindung zu lösen. Nach einem
fast zehn Jahre dauernden Konflikt über NagornyKarabach scheinen die beteiligten Parteien bereit, eine
gemeinsame Diskussionsgrundlage zu akzeptieren.
Trotz seiner Behauptung, der Tschetschenien-Konflikt
sei eine innere Angelegenheit, gestattete Rußland der
OSZE, eine Vermittlerrolle zu spielen.
Es werden Instrumente erarbeitet. Die OSZE hat bei
der Weiterentwicklung von Methoden der Konfliktprävention und des Krisenmanagements eine Führungsrolle übernommen. Ihre Konfliktpräventionsmissionen erfüllen in mehr als zehn Ländern wichtige
Aufgaben. Ihre Rolle in Bosnien beinhaltete die
Veranstaltung von Wahlen, die Durchführung von
Rüstungskontrollverhandlungen und die Etablierung
von Standards für Menschenrechte. Die UN-Hochkommissarin für Flüchtlingsfragen ist gleichfalls kreativ
gewesen, was den Einsatz ihrer Möglichkeiten für
positive Zwecke betrifft.
Die Rolle der Friedenssicherung
Im Zuge der Intensivierung dieser Konflikte waren die
Parteien bestrebt, sich zum Erhalt der Ordnung auf das
Militär zu stützen. Traditionelle Konzepte der Friedenssicherung entwickelten sich rasch zu einer
Vielzahl militärischer Aufgaben. Die meisten davon
sind neu. Unsere führenden Militärs sind noch nicht
mit ihnen vertraut und zögern, sich auf nicht erprobte
Missionen einzulassen. Die derzeitigen Rollen der
Friedenssicherung variieren - von normaler Beobachtung und Präsenz zu konkreten Kampffunktionen.
Es gab mehrere wichtige Erfolge. Die IFOR/SFOR in
Bosnien, die UN-Truppen in Kambodscha und El

AMERIKA DIENST 13

Dennoch ist ihre Rolle weiterhin umstritten. Die
legitime Funktion der SFOR im Hinblick auf Kriegsverbrecher war kompliziert und kontrovers. Die jüngsten
Erfolge zeigen, daß solche Aufgaben ebenfalls erfüllt
werden können - jedoch nur, wenn sie militärisch
möglich sind.
Die Frage der Kriegsverbrecher veranschaulicht eine
der ständigen Debatten über die Friedenssicherungstruppen. Die führenden Politiker finden es oft nützlich,
die Streitkräfte für verschiedene Aufgaben einzusetzen. Es ist jedoch nicht vertretbar, das Militär zu
Aufgaben heranzuziehen, die nicht innerhalb seiner
Richtlinien erfüllt werden können. Ich weiß, daß
humanitäre Organisationen sich oft eine noch umfassendere militärische Unterstützung wünschen. Ich
kann nicht vorhersagen, wie sich die Rolle des Militärs
entwickeln wird. Wir können von unseren Truppen
jedoch keine Dinge erwarten, die nicht ihren von ihnen
definierten Fähigkeiten entsprechen.
Die zunehmende Integration militärischer und diplomatischer Bestrebungen wirft auch Fragen über die
Legitimität der Truppenentsendung auf. Wann stellen
militärische Aktivitäten eine Aggression dar - wie es
nach Ansicht der internationalen Staatengemeinschaft
in Bosnien der Fall war und jetzt im Kosovo? Und
wann ist die Anwendung von Gewalt zur Selbstverteidigung oder aus Sicherheitsgründen legitim? Die

Seite 3

�Serben definieren ihre militärische Rolle in Bosnien
und im Kosovo zweifelsohne anders als wir.

erneut die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
ein internationales Strafgericht.

Oder was ist mit der Anwendung oder Androhung von
Gewalt durch die Vereinigten Staaten, Großbritannien
und andere Verbündete, einschließlich Deutschlands,
während der Konfrontation mit Saddam Hussein im
letzten Winter? Es ist offenkundig, daß die Diplomatie
manchmal nur erfolgreich ist, wenn sie vom Einsatz
von Gewalt begleitet wird. Aber welche Maßstäbe
sollen in solchen Fällen angelegt werden?

Nach Ansicht der Vereinigten Staaten ist der internationale Strafgerichtshof ein Tribunal, das sich vorwiegend auf Massenmord und andere, in großem Stil
verübte Greueltaten konzentrieren sollte. Der Gerichtshof soll sich mit den Verbrechen befassen, für
deren Ahndung er geschaffen wird. Darüber hinaus
sollte er nur in den Ländern tätig werden, die nicht über
ein zuverlässiges, funktionierendes Rechtssystem
verfügen. Länder, die die Bereitschaft und Fähigkeit
besitzen, gerichtlich gegen Personen vorzugehen, die
sich dieser Verbrechen schuldig machen, dürfen diese
auch vor Gericht stellen.

Und hier schließt sich der Kreis. Die wesentliche
Verbindung zwischen Demokratie und Sicherheit, die
erstmals in der Schlußakte von Helsinki hergestellt
wurde, dient uns als Maßstab. Der Umgang mit
sogenannten verbrecherischen Staaten ist eine
Aufgabe für alle Demokratien. Er kann jedoch nur
erfolgreich sein, wenn diese Demokratien bei den von
ihnen in solchen Konflikten angelegten Maßstäben
selbst Vorsicht walten lassen.
Aus diesem Grund errichteten die Vereinten Nationen
nach der Tragöde in Bosnien ein Kriegsverbrechertribunal zur Untersuchung und Bestrafung der verübten Verbrechen. Das Mandat wurde später auf
Zentralafrika ausgeweitet. Die Arbeit des Tribunals ist
grundlegend, um diese entsetzlichen Geschehnisse
aufzuklären.

Die Vereinigten Staaten halten es für unklug, den UNSicherheitsrat von der Arbeit des Gerichts auszuschließen. Wir vertreten schon seit langem die
Ansicht, daß der Gerichtshof so beschaffen sein sollte,
daß der Sicherheitsrat Bedrohungen des internationalen Friedens und der Sicherheit die Stirn bieten
kann, wie in der UN-Charta gefordert. Die Arbeit des
Sicherheitsrats und des ständigen Gerichtshofs muß
abgestimmt werden und sich ergänzen. Am wichtigsten ist, daß der Sicherheitsrat das Organ für die
Vollstreckung der Beschlüsse des Gerichts darstellt.
Der Sicherheitsrat kann dem Kläger die politische
Autorität geben, die zur wirksamen strafrechtlichen
Verfolgung von Kriegsverbrechern erforderlich ist.

Der internationale Strafgerichtshof
Das 20. Jahrhundert hat viele Bestrebungen zur
Einführung offizieller Mechanismen zur Konfliktschlichtung gesehen. Es gibt sie jetzt bereits in einer
Vielzahl von Organisationen.
Der Internationale
Gerichtshof in Den Haag und die Konfliktschlichtungsmechanismen der OSZE in Genf sind vertraglich
festgelegte Instrumente, die praktisch nie genutzt
werden.
Das bedeutet nicht, daß wir es nicht versuchen sollten.
Die internationalen Kriegsverbrechertribunale in Den
Haag und Arusha erfüllen eine wesentliche Funktion.
Diese Woche haben in Rom Verhandlungen über
einen ständigen internationalen Strafgerichtshof
begonnen.
Die Errichtung eines internationalen Strafgerichtshofs
stellt fine Priorität der Clinton-Administration dar. Die
Clinton-Administration unterstützt - ebenso wie viele
andere Nationen - bereits seit Aufnahme der Gespräche über dieses Thema bei den Vereinten
Nationen Anfang 1995 einen starken und effektiven
internationalen Strafgerichtshof.
Im vergangenen
September forderte der Präsident in einer Rede vor
der UN-Generalversammlung die Errichtung eines
solchen Strafgerichtshofs bis Ende dieses Jahrhunderts. Und im Frühjahr bekräftigte er in Kigali

Seite 4

Schließlich darf der ständige Strafgerichtshof kein
politisches Forum werden, in dem strittige Aktionen
verantwortungsvoller Regierungen in Frage gestellt
werden, indem ihr militärisches Personal zur Zielscheibe von Ermittlungen und Strafverfolgung wird.
Amerika schreckt nicht vor seiner Rechenschaftspflicht
zurück, aber wir wehren uns gegen politisch motivierte
oder nicht ernst zu nehmende Klagen gegen unsere
Streitkräfte.
Auf dem Weg zu einer neuen Friedensdisziplin
Die Debatte, die in dieser Woche über den Einsatz
militärischer Mittel im Kosovo geführt wird, zeigt das
Dilemma unseres neuen Zeitalters. Ethnische und
religiöse Konflikte führen häufig zum Zerfall der
öffentlichen Ordnung und dem Zusammenbruch
humanitärer Hilfssysteme. Neue Sicherheitsherausforderungen sind häufig eine Kombination wirtschaftlicher, politischer, militärischer und humanitärer Faktoren. Weder für die Probleme noch für die Verantwortlichkeiten gibt es eine klare Definition. Es gibt
keine Befehlskette. Das heißt, daß immer noch
Kontroversen darüber bestehen, wie Entscheidungen
getroffen werden sollten.
Dieses Problem stellt sich der ganzen Welt, ist aber für
die Vereinigten Staaten häufig das schwierigste. Wir
werden als die einzige Supermacht der Welt bezeich-

AMERIKA DIENST 13

�net. Ein Resultat daraus ist die Tatsache, daß man
häufig von uns erwartet, die Rolle eines Polizisten zu
spielen, während gleichzeitig die speziellen Empfindlichkeiten der beteiligten Länder berücksichtigt werden
sollen. Wenn Verhandlungen scheitern, sind wir es,
von denen man die Wiederherstellung der Ordnung
erwartet. Aber unsere militärische Rolle wird oft von
denen kritisiert, deren Interessen nicht mit den unseren
übereinstimmen.
Das ist ein Grund, warum die Vereinigten Staaten
führend darin sind, Strukturen zu entwickeln, die
sowohl Frieden garantieren als auch Instrumente zur
Konfliktbewältigung bieten. Die Entwicklung der NATO
in den vergangenen zehn Jahren war dramatisch.
Neben dem Erhalt seiner militärischen Strukturen ist
das Bündnis zunehmend darauf ausgerichtet, Sicherheit und Kooperation auf die ehemals kommunistischen Gebiete Europas zu übertragen. Konsultationen, gemeinsame Manöver und Friedensmissionen
spielen eine wesentliche Rolle bei der Definitionsproblematik, die ich vorhin erwähnte.
In Europa fällt der OSZE eine Schlüsselrolle zu. Ihre
Kreativität bei der Entwicklung von Instrumenten zur
Konfliktprävention habe ich bereits erwähnt. Die
Konsultationsmechanismen sind ganz wichtig, um die
Kommunikation aufrechtzuerhalten. Die OSZE ist aber
häufig Druck ausgesetzt. Ihre Hilfe wird von denen
abgelehnt, die sie am dringendsten benötigen. Andere
dagegen streben danach, sie zu einem formellen
Durchsetzungsmechanismus zu machen und berauben sie so ihrer lebenswichtigen flexiblen, politischen
Grundlagen.
Die Vereinigten Staaten vertreten hierzu einen von
Prinzipien geleiteten Standpunkt. Organisationen wie
die UNO und die NATO haben formelle Durchsetzungsbefugnisse. Die OSZE formuliert die wesentlichen Standards und Wertegrundlagen, die so interpretiert werden können, daß sie individuellen Bedürfnissen entsprechen. Sie sorgt für einen Entwicklungsprozeß, der durch regelmäßige Durchsetzungsrevisionen überprüft werden kann.
Oft erstaunen mich diejenigen, die mehr Macht für die
OSZE fordern, aber dann das mächtigste Instrument
überhaupt ignorieren - die Vision der Freiheit. Dieses
Problem betrifft insbesondere eine Reihe europäischer
Länder, sowohl im Osten als auch im Westen, die
dieses neue Zeitalter noch nicht verstanden haben.
Unsere Suche nach einer neuen Friedensdisziplin muß
mit grundlegenden Prinzipien beginnen. Komplexe
Strukturen, Verträge oder sogar militärische Mittel
können nicht mit dem Wunsch konkurrieren, ein
selbstbestimmtes Leben zu definieren. Die Sowjetunion hatte diese Lektion zu spät gelernt.

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Durchsetzung kontra Empowerment
Meines Erachtens ist das der Schlüssel zur Beantwortung der bei dieser Konferenz aufgeworfenen
Frage. Eine neue Disziplin des Friedens muß den
Bedürfnissen der Völker gerecht werden, die diese
definieren.
Diese Bedürfnisse sind nicht immer
friedlich oder demokratisch. Sie führen oft zu Konflikten. Aber sämtliche Bestrebungen, eine Beilegung
dieser Konflikte zu erzwingen, sind zum Scheitern
verurteilt.
Erforderlich ist ein neues Konzept. Durchsetzung muß
nach und nach dem Empowerment weichen. Das ist
für viele Europäer ein kompliziertes Wort. Der Begriff
hat etwas leicht Subversives, als ob Kontrollstrukturen
angegriffen würden. Empowerment bedeutet Hilfe zur
Selbsthilfe, was an Aktivitäten an der Basis denken
läßt und daran, wie Bürger entdecken, daß sie auch
auf den Gebieten ein Mitspracherecht haben, die
vorher der politischen Elite vorbehalten schienen.
Empowerment beinhaltet auch, daß die Sicherheit
nicht mehr ausschließlich von den einflußreichen
Staaten bestimmt wird. Jeder Bürger und jeder Staat
hat ein Interesse und ein Mitspracherecht an unserer
gemeinsamen Zukunft.
Präsident Clinton hat von Empowerment als dem
Gegenteil von Durchsetzung gesprochen. Das Ziel ist
das gleiche. Sichere, wohlhabende und freie Gesellschaften. Völker, die in Harmonie miteinander leben.
Traditionell haben politische Systeme versucht, die
Ordnung zu bewahren, indem sie Verhaltensnormen
durchsetzen.
International haben Verträge und
Armeen den Frieden bewahrt.
Moderne Technologie und Kommunikation haben
Durchsetzung in dem Sinn unmöglich gemacht, daß
Ideen nicht kontrolliert und Währungstransfers an
Grenzen nicht gestoppt werden können sowie Nachrichten und Kultur zu jeder Zeit überall verfügbar sind.
Die Gesellschaften, die eine Definition von Kultur oder
Gesellschaft durchzusetzen versuchen, werden
zwangsläufig auf größere Schwierigkeiten stoßen.
Eine Reihe neuer Demokratien in Europa hat diese
Dynamik verstanden. Neue Währungen sind an
stärkere gebunden. Sicherheit wird durch das Streben
nach Solidarität mit anderen erreicht. Kultur wird als
Selbstzweck entwickelt, nicht als Reaktion auf andere.
Das Rote Kreuz hat dieses Konzept praktisch erfunden. Sie verhindern Konflikte, indem sie den Menschen das Empowerment verleihen, ihre eigenen
Bedürfnisse zu erfüllen, in Kontakt miteinander zu
bleiben oder über Grenzen hinweg zu kommunizieren.
Ihr Ansatz führt wegen seines grundlegenden Vertrauens in den Menschen oft zu Konflikten mit den
Behörden.

Seite 5

�Bei internationalen Angelegenheiten mangelt es in
vielerlei Hinsicht noch an Vertrauen. Empowerment
von Völkern ist für viele Menschen beunruhigend. Es
scheint zu unstrukturiert und staatlicher Kontrolle nicht
zugänglich zu sein. Bis wir - die Regierungen - die
Lektionen lernen, die Sie seit mehr als 130 Jahren

zusammengetragen haben, können wir diese neue
Disziplin des Friedens nicht erfolgreich definieren,
Ich kann Sie nur ermutigen, Ihre Bestrebungen
fortzusetzen. Wir können viel von Ihnen lernen. Ich
bin sicher, daß wir Ihnen aufmerksam zuhören werden.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 13

�VEREINTE

NATIONEN
I.Juli 1998

Gemeinsam wenn möglich, allein wenn nötig:
Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen
Rede des Gesandten Michael C. Polt

KÖLN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Gesandte der Botschaft der Vereinigten Staaten
von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Michael C. Polt, am 18. Juni 1998 in Köln bei der Konferenz
"Multilateralismus in der Krise? Zur Rolle der USA und Europas in den Vereinten Nationen" gehalten hat.

Ich freue mich sehr, bei der heutigen Konferenz eine
Rede halten zu dürfen, denn es geht hier um ein
äußerst wichtiges Thema. Wir haben die Gelegenheit,
eine Reihe von Fragen über das internationale Engagement der Vereinigten Staaten und Europas zu
erörtern. Obwohl das Ende des Kalten Krieges fast
zehn Jahre zurückliegt, ist der Anpassungsprozeß an
die Welt nach dem Kalten Krieg noch nicht abgeschlossen. Es geht hier nicht nur einfach darum, daß
es keine Konfrontation verschiedener Systeme mehr
gibt. Es gibt eine Vielzahl neuer oder lange vernachlässigter Fragen. Jetzt können wir uns den Luxus
leisten - oder sehen die Notwendigkeit - diese Fragen
auf regionaler oder globaler Basis anzugehen.
Die Natur der Außenpolitik hat sich verändert. Die
Amerikanische Botschaft beteiligt sich an Diskussionen
über die Rentenreform, die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Herausforderungen lebenslangen
Lernens - Themen, die traditionell kein Bestandteil der
Außenpolitik sind. Die Diskussionen, die normalerweise innerhalb eines Staates stattfinden, werden jetzt
zwischen den Staaten geführt - insbesondere in der
transatlantischen Gemeinschaft.
Das ist ein Anzeichen für Fortschritte in unseren
Beziehungen. Es ist auch ein Trend, der sich in
Zukunft fortsetzen wird. Wir werden mit denselben
innenpolitischen Herausforderungen konfrontiert - und
konzentrieren uns darauf. Wir entdecken, daß wir
davon profitieren, wenn wir aus den nationalen
Erfahrungen eines anderen Landes lernen. Alle
unsere Regierungen stehen unter Druck, den Haushalt
und den Regierungsapparat möglichst klein zu halten.
Ferner sehen wir, daß unsere Länder auf vielen
Gebieten enger zusammenarbeiten können; die

AMERIKA DIENST 13

Weltraumforschung ist hierfür ein interessantes
Beispiel.
Das Informationszeitalter hat unsere
Kommunikations- und Arbeitsweise verändert. Hier
und weltweit beobachten wir einen einschneidenden
Öffnungsprozeß.
Das ist der neue globale Kontext. Welche Auswirkungen hat er auf unsere bilateralen und multilateralen Beziehungen und die Arbeitsweise der Vereinten
Nationen und anderer multilateraler Organisationen?
Hierzu könnte man eine Vielzahl von Themen anschneiden. In meinen heutigen Ausführungen möchte
ich mich jedoch auf drei Fragen konzentrieren:
Erstens: Welcher Natur ist der Einfluß der
Vereinigten Staaten bei globalen Angelegenheiten?
Zweitens: Welche Einstellung haben die
Vereinigten Staaten derzeit zu den Vereinten
Nationen?
Und drittens: Wie kann die transatlantische
Gemeinschaft besser zusammenarbeiten?
Die Natur des amerikanischen Einflusses
Wie passen die Vereinigten Staaten in den internationalen Kontext der Zeit nach dem Kalten Krieg? Im
vergangenen Jahr hatte Der Spiegel ein Titelblatt, das
zwei Beine zeigte, die lässig gekreuzt auf einem
Globus ruhen. Sie stecken in Cowboystiefeln, die wie
die amerikanische Flagge gemustert sind - Stars and
Stripes.

Seite 1

�Das ist ein interessantes Klischee. Eine ganz andere
Charakterisierung fand sich vor zehn Jahren auf der
Titelseite des New York Times Magazine: Ein Adler,
der mit unzufriedenem Gesicht in den Spiegel blickt
und sich aufzuplustern versucht.
Die Natur des weltweiten Einflusses der Vereinigten
Staaten hat viele Facetten. Wir sind weder der
Cowboy der Welt noch der unsichere Adler. Aber wir
sind die einzige Macht, die über die vier Attribute einer
Supermacht verfügt: globale militärische Reichweite,
globaler wirtschaftlicher Einfluß, globale kulturelle und
ideologische Attraktivität und globale politische Macht.
Infolgedessen sind wir oft in der Lage, auf eine Weise
und mit einer Geschwindigkeit zu handeln, wie es
anderen Ländern nicht möglich ist. Das beinhaltet
Einfluß, aber auch Verantwortung. Und es bringt uns
viel Kritik ein - entweder wegen unseres Handelns,
oder weil wir nicht handeln. Auf jeden Fall findet sich
eine beliebige Zahl von Ländern und Regierungen, die
sich gerne hinter Taten oder Untätigkeit der Vereinigten Staaten verstecken und somit vermeiden,
selbst Position zu beziehen.
Der Titel meiner heutigen Ausführungen macht
deutlich, daß sogar die Vereinigten Staaten multilaterales Vorgehen vorziehen, wenn nötig aber auch zu
unilateralem Handeln bereit sind, um ein für sie
wichtiges Ziel zu erreichen. Unilateralismus ist nicht
unbedingt mit einseitigen Vorteilen für die Vereinigten
Staaten gleichzusetzen. Im Gegenteil: Es gibt viele
Beispiele dafür, daß die Vereinigten Staaten zur
Vermeidung einer internationalen Krise die Führungsrolle übernahmen - und keine Unterstützung bekamen.
Ich will nur ein Beispiel nennen: Die Imia/Kardak-Affäre
im Januar 1996, als die Vereinigten Staaten äußerste
Anstrengungen unternahmen, um die Spannungen
zwischen Griechenland und der Türkei wegen einer
winzigen Insel in der Ägäis beizulegen. Die Insel - von
den Griechen "Imia", von den Türken "Kardak" genannt
und lediglich von einigen Wildgänsen bewohnt drohte, zu einer Quelle von Konflikten zwischen zwei
NATO-Mitgliedstaaten zu werden. Manche vertraten
die Ansicht, der Konflikt würde in wenigen Stunden
ausbrechen. Es war die diplomatische Intervention der
Vereinigten Staaten, die eine Eskalation der Spannungen verhinderte. Zur damaligen Zeit formulierte es
jemand folgendermaßen: Die Amerikaner arbeiteten
die Nacht durch, und die Europäer schliefen in dieser
Nacht tief und fest.
Die festgefahrene Situation zwischen dem Irak und
den Waffeninspektoren der Vereinten Nationen Anfang
dieses Jahres ist ein weiteres Beispiel für unilaterale
Drohungen im Dienste des Gemeinwohls. Die Vereinigten Staaten waren zum Einsatz militärischer
Gewalt bereit, um eine Befolgung der UN-Resolutionen
durch den Irak zu erzwingen, obwohl sie keine umfassende multinationale Unterstützung erhielten. Gleichzeitig schlössen sie jedoch nicht die Tür zu bilateraler
oder multilateraler Diplomatie. Die Androhung von

Seite 2

Gewalt ermöglichte Kofi Annan, dem Irak die Zustimmung zu ungehindertem Zugang für alle Inspektoren abzuringen. Unsere andauernde Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt ist weiterhin wesentlich,
um die Befolgung der Resolutionen durch den Irak
sicherzustellen.
Weitere Beispiele finden sich im wirtschaftspolitischen
Bereich, und sie sind noch kontroverser. Das amerikanische Gesetz über die Bekämpfung korrupter Praktiken war ein unilaterales Gesetz, das in den siebziger
Jahren in den Vereinigten Staaten erlassen wurde. Es
verbot die Bestechung von Regierungsvertretern
anderer Länder bei internationalen Wirtschaftstransaktionen. Damals standen ihm viele Menschen sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in anderen
Ländern - kritisch gegenüber und bezeichneten es als
nicht durchsetzbar und naiv.
Tatsächlich erwies sich das Gesetz jedoch in vielerlei
Hinsicht als ein Segen. Multinationale amerikanische
Firmen konnten auf das Gesetz verweisen, um Bitten
um Bestechungsgelder aus dem Ausland abzulehnen.
Infolgedessen förderte das Gesetz eine Atmosphäre
der Integrität in amerikanischen Firmen. Noch wichtiger: Dieses Gesetz war der Vorläufer multilateraler
Bestrebungen zur Bekämpfung der Korruption - die
OECD-Konvention zur Bekämpfung von Bestechung.
Die Konvention wurde letztes Jahr unterzeichnet.
Deutschland leistete bei dieser Initiative wertvolle
Unterstützung. Bislang haben 33 Nationen dem Erlaß
von Strafgesetzen zugestimmt, die sich eng an die
Verbote in unseren Bestimmungen anlehnen. Nach
ihrer Ratifizierung und Durchsetzung wird diese
Konvention eine große Errungenschaft der internationalen Rechtsstaatlichkeit darstellen.
•

Ein weiteres Beispiel für unilaterales Beharrungsvermögen, das einen besseren multilateralen Ansatz
ermöglichte, fand sich vergangenes Jahr beim Klimagipfel in Kyoto. Ich weiß, daß die amerikanische
Position hier in Deutschland und andernorts in Europa
so dargestellt wurde, als würden wir den Fortschritt
aufhalten, anstatt ihn voranzutreiben. Ich möchte
diese Ansicht jedoch in Frage stellen. Die Idee
marktgestützter Mechanismen zur Verringerung von
umweltschädigenden Emissionen faßt immer stärker
Fuß, denn die Menschen erkennen, daß es sich hier
nicht um einen Vorwand, sondern um einen effektiveren Weg zum Schutz der Umwelt handelt.
Indem die Vereinigten Staaten auf einer substantiellen
Beteiligung der Entwicklungsländer bestehen, versuchen sie sicherzustellen, daß das Wachstum in den
Entwicklungsländern sauberes Wachstum ist. Wir
versuchen nicht, irgend jemanden zurückzuhalten.
Derzeit entfallen ungefähr 60 Prozent der Gesamtemissionen auf die Industrieländer. Aber die Emissionen der Entwicklungsländer steigen schnell an und
werden im Jahr 2020 mehr als die Hälfte der weltweiten Emissionen ausmachen. Während der kommenden 15 Jahre wird China - derzeit bereits der

AMERIKA DIENST 13

�zweitgrößte Verschmutzer weltweit - die Vereinigten
Staaten überrunden, die derzeit bedauerlicherweise
noch für die meisten Emissionen verantwortlich sind.
Daher ist es geboten, daß in Zukunft jeder Schritt die
Industrie- und Entwicklungsländer gleichermaßen
einbezieht.
Die globale Interdependenz ist eine Tatsache, und das
zeigt sich immer deutlicher, je mehr die traditionellen
physischen Hindernisse überwunden werden. Es ist
wichtig für jede Nation - einschließlich der Vereinigten
Staaten - mit anderen Ländern an gemeinsamen
Lösungen für regionale und globale Probleme zusammenzuarbeiten. Es gibt in der amerikanischen
Politik viele Beispiele für eine erfolgreiche multilaterale
Zusammenarbeit - seien es die multilateralen Bestrebungen zur Befreiung von Kuwait, unsere Rolle in
globalen und regionalen Handelsstrukturen oder
unsere Mitwirkung in den Vereinten Nationen.
Die Einstellung der USA zur UNO
Das führt mich zu meinem zweiten Thema: Welche
Einstellung gegenüber den Vereinten Nationen ist
derzeit in der US-Regierung und unter den Bürgern der
Vereinigten Staaten vorherrschend? Welche Bedeutung haben die Vereinten Nationen für den außenpolitischen Ansatz der Vereinigten Staaten?
Hier sind mehrere Trends zu beobachten. Einerseits
haben die Amerikaner eine sehr hohe Meinung von
den Vereinten Nationen. Diese verkörpern Ideale, die
den Amerikanern und ihrem Regierungssystem zur
zweiten Natur geworden sind. Die Amerikaner sind
sich bewußt, daß die von den Vereinten Nationen
übernommene globale Rolle im Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
Andererseits sind auch Stimmen zu hören, die scharfe
Kritik an der gegenwärtigen Arbeitsweise der Vereinten
Nationen üben. Diese Kritik ist in den meisten Fällen
auf eine Reform des UN-Systems und sein effektiveres
Funktionieren ausgerichtet - damit es sich effektiver für
die Ideale einsetzen kann, die vor 53 Jahren in San
Francisco in die UN-Charta aufgenommen wurden.
Sehr kritische Äußerungen stammen von Abgeordneten des Repräsentantenhauses und von Senatoren. Sie spielen eine besondere Rolle bei unserer
Einstellung zur UNO. Der Kongreß kontrolliert die
Ausgaben, und die Gesetzgeber verspüren die
Verpflichtung, die Interessen der amerikanischen
Steuerzahler zu vertreten. Und diese Steuerzahler
müssen einen großen Teil des Haushalts der Vereinten Nationen finanzieren. Unsere Regierung steht
immer unter Druck zu beweisen, daß sie effektiven und
effizienten Gebrauch von öffentlichen Geldern macht.
Die Bürokratie unserer Regierung ist seit Jahren einem
strengen Regime von Haushaltskürzungen unterworfen. Aus Sicht vieler Abgeordneter des amerikanischen Kongresses muß die UN-Bürokratie ebenfalls
schlanker und effektiver werden. Und diese Effektivität

AMERIKA DIENST 13

wiederum bestimmt unsere Neigung, gemeinsam mit
der UNO oder getrennt von ihr zu arbeiten.
Welche Art von Reformen möchten die Vereinigten
Staaten in der UNO durchführen?
Erstens sehen wir die Notwendigkeit, doppelt
vorhandene Funktionen zu kombinieren und
zusammenzulegen - Funktionen, die im Lauf
der Jahre als Reaktion auf spezifische Bedürfnisse entstanden, jetzt aber effektiver erfüllt
werden könnten, wenn sie zusammengelegt
würden.
Zweitens. Anstatt jede globale Frage anzugehen, muß das Hauptaugenmerk auf die
Aktivitäten von hoher Priorität gelegt werden,
die die UNO am besten durchführen kann.
Drittens besteht die Tendenz, ein Wachstum
des UN-Haushalts ohne große Finanzdisziplin
zu gestatten. Der Haushalt der Vereinten
Nationen muß dieselbe Disziplin aufweisen
wie die Haushalte der nationalen Regierungen.
Wir bemühen uns um eine Verringerung der Verwaltungsausgaben - laufende Geschäftskosten,
Wartung der Zentrale und Ausgaben für Konferenzen.
Wir befürworten Kürzungen bei allen großen Organisationen der Vereinten Nationen im Umfang von fünf
Prozent.
Unseres Erachtens sollten die dezentralisierten UN-Organisationen denselben Reformprozeß durchlaufen wie die Zentrale in New York.
Entwicklungsprojekte in den Vereinten Nationen sollten
nicht politisiert werden. Ausgaben und Finanzhilfe der
UNO basieren auf Bedürftigkeit, und das sollte unserer
Meinung nach so bleiben. Gleichzeitig sollten wir
internationale Bestrebungen besser koordinieren. Die
großen Geberländer wie Deutschland und die Vereinigten Staaten, die UN-Organisationen sowie
internationale Finanzinstitutionen müssen Duplizität
vermeiden. Wir benötigen umfassende gemeinsame
anstatt separater Strategien.
Eine Reform der Vereinten Nationen wird auch die
Ausgaben für Hilfsprogramme zugunsten der Entwicklungsländer erhöhen. Wir versuchen nicht, Geld auf
Kosten von Entwicklungsprogrammen zu sparen:
Einsparungen bei den allgemeinen Unkosten sollten
für Hilfsleistungen verwendet werden. Generalsekretär
Annan machte den Vorschlag, die Verwaltungskosten
von 38 auf 25 Prozent zu kürzen und die Ersparnisse
in Hilfsprogramme fließen zu lassen. Die Vereinigten
Staaten begrüßen diesen Vorschlag.
Im Zusammenhang mit der Frage des UN-Haushalts
möchte ich das Thema der amerikanischen Außenstände bei der UNO ansprechen. Die Clinton-Administration nimmt diese Frage sehr ernst. Die Tilgung
unserer Schulden steht ganz oben auf der Liste
unserer außenpolitischen Prioritäten. Der Präsident

Seite 3

�erklärte in seinem Bericht zur Lage der Nation im
Januar: "Schließlich ist es höchste Zeit, unsere
Schulden bei den Vereinten Nationen zu begleichen."
Die Administration setzt sich für die Ideen des sogenannten "Helms-Biden"-Gesetzespakets ein benannt nach den Senatoren Jesse Helms und Joseph
Biden. Diese Gesetze befassen sich sowohl mit
Außenständen als auch mit Reformen. Sie waren Teil
eines Gesetzespakets, das sowohl vom Senat als
auch vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde.
Aber - und das ist einfach die Funktionsweise der
amerikanischen Gesetzgebung - das Gesetzespaket
beinhaltet jedoch auch Bestimmungen zu ganz
anderen Fragen, die die Clinton-Administration nicht
unterstützen kann. Der Präsident hat erklärt, er werde
sein Veto gegen dieses Gesetz einlegen, falls es auch
vom Senat angenommen wird.
Vor diesem Hintergrund suchen wir nach einer Lösung
und werden sie auch finden. Wir haben jetzt einen
Punkt erreicht, an dem unsere Möglichkeiten zur
Durchführung von unseres Erachtens notwendigen
Reformen durch unsere Zahlungsversäumnisse
gefährdet werden.
Das beeinflußt die objektive
Einstellung der Menschen zu Reformen und veranlaßt
sie, unsere Beweggründe in Frage zu stellen.
Ein anderes Reformthema, das hier in Deutschland auf
besonders großes Interesse stößt, ist die Erweiterung
des UN-Sicherheitsrats. Die Vereinigten Staaten
unterstützen eine ständige Mitgliedschaft Japans und
Deutschlands im Sicherheitsrat und sind bereit, drei
zusätzliche Sitze für Entwicklungsländer aus Afrika,
Asien und Lateinamerika zu akzeptieren. Die Vereinigten Staaten sähen es gerne, wenn regionale
Gruppen entscheiden würden, ob der ihrer Region
zugewiesene Sitz auf Rotationsbasis besetzt oder
dauerhaft von einer einzigen Nation eingenommen
werden sollte. Der Sicherheitsrat sollte auf maximal 20
oder 21 Länder beschränkt werden, damit er weiterhin
effektiv arbeiten kann.
Was die Frage des Vetorechts betrifft, haben die
Vereinigten Staaten noch keine Haltung zum Vetorecht
für irgendein vorgeschlagenes neues ständiges
Mitglied bezogen. Unseres Erachtens sollte diese
Frage erst dann beantwortet werden, wenn eine
endgültige Entscheidung über die Erweiterung des
Sicherheitsrats getroffen ist. Wir sind entschieden
gegen Veränderungen des Vetorechts der jetzigen
ständigen Mitglieder.
Zusammenfassend kann man sagen, daß die Vereinigten Staaten die Vereinten Nationen, einschließlich
ihrer dringend benötigten Reformen, entschieden
unterstützen. Eine Modernisierung des UN-Systems
wird die UNO stärker und effektiver machen.

Wie kann die transatlantische Gemeinschaft besser
zusammenarbeiten?
Die Gründungsprinzipien der Vereinten Nationen sind
das Produkt der besten und nobelsten Gedanken in
Europa und Amerika während der letzten beiden
Jahrhunderte. Aus diesem Grund sollte es uns zur
zweiten Natur werden, auch außerhalb des UNSystems instinktiv auf gemeinsame Aktionen zurückzugreifen, wenn die Demokratie gefährdet und die
Menschenrechte bedroht sind. Während unsere
Instinkte jedoch auf die gleichen Dinge negativ reagieren, haben wir manchmal unterschiedliche Ansichten
darüber, wie diese Herausforderungen am besten
bewältigt werden können.
Ich weiß, daß man sich auf dieser Seite des Atlantiks
Sorgen macht, einen Teil der Lasten zu übernehmen,
die derzeit überwiegend von den Vereinigten Staaten
getragen werden. Das Beispiel Bosnien wird immer
wieder als Beweis für zwei Dinge angeführt: Die
Notwendigkeit der Aufrechterhaltung der amerikanischen Präsenz in Europa und die Notwendigkeit, daß
die Europäer schnell und entschlossen einen Konsens
bilden und Handlungsfähigkeit zeigen.
Bosnien ist nicht das einzige Beispiel: Bei der Krise in
Albanien im vergangenen Jahr wollten die Vereinigten
Staaten und Rußland die OSZE als allgemeinen
Rahmen nutzen. Ein hochrangiger europäischer
Staatsmann wurde als Leiter der OSZE-Bestrebungen
ausgewählt. Anstatt mit der Arbeit zu beginnen,
verbrachten wir einen Monat mit Debatten, ob die
Europäische Union einen OSZE-Rahmen akzeptieren
oder ob sie - ohne Beteiligung der Vereinigten Staaten
und Rußlands - die Führungsrolle beanspruchen
würde.
Die Ereignisse werden der EU nicht immer die Zeit
geben, den perfekten Mechanismus für eine Konsensbildung zu entwickeln. Ich unterschätze nicht die
Schwierigkeiten der Konsensbildung innerhalb der
Europäischen Union oder in den größeren europäischen und internationalen Gemeinschaften. Aber
beim Umgang mit Krisen und Herausforderungen an
unsere Grundprinzipien muß unsere Aufmerksamkeit
auf Taten und Ergebnissen liegen, nicht auf Arbeitsweise, Prestige oder verpaßten wirtschaftlichen
Chancen.
Die derzeitige Situation im Kosovo stellt uns erneut auf
die Probe. Als Außenministerin Albright im März an
Zusammenkünften über den Kosovo teilnahm, sprach
sie sich dafür aus, Präsident Milosevic eine klare und
überzeugende Botschaft zu übermitteln. Wir verloren
wertvolle Zeit, indem wir im Zweifelsfall zu seinen
Gunsten entschieden. Jetzt versuchen wir das
Versäumte aufzuholen - in einer sich schnell verschlechternden Situation.
Die Bedrohung durch den Irak steht weiterhin auf
unserer gemeinsamen internationalen Agenda. Wir

Seite 4

AMERIKA DIENST 13

�sollten uns bessere Möglichkeiten für die Bewältigung
der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen in
den Händen verbrecherischer Staaten überlegen,
anstatt über theoretische Herausforderungen an die
praktischen Interessen von Partnern und Freunden zu
argumentieren.
Herausforderungen von außerhalb der transatlantischen Gemeinschaft sind historisch gesehen am
schwierigsten zu meistern. Ich bin jedoch zuversichtlich, daß wir bessere Wege zur Überbrückung der Kluft
finden, die sich manchmal ergibt, wenn wir uns zwar

*

AMERIKA DIENST 13

*

über die Natur des Problems einig sind, aber unterschiedliche Meinungen über die Vorgehensweise bei
seiner Lösung haben.
Letzten Endes sind für uns konkrete Ergebnisse
wichtig und nicht einfach nur die Beteiligung an einem
"ermutigenden" Prozeß der Erörterung möglicher
Ergebnisse. Die Probleme lösen sich nicht von alleine.
Und sie warten auch nicht unsere Beratungen ab. Wir
können sie gemeinsam oder alleine lösen, aber
niemals durch Untätigkeit.
Ich danke Ihnen.

*

*

Seite 5

�WEITERVERBREITUNG

I.Juli 1998

USA bedauern Verhängung von Sanktionen
gegen Indien und Pakistan
Rede von Karl Inderfurth

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Abteilungsleiter für südasiatische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Karl Inderfurth, am 18. Juni 1998 vor dem Unterausschuß für Nahostund Südasienfragen des Repräsentantenhauses gehalten hat.

Herr Vorsitzender, ich habe zum letzten Mal vor acht
Monaten, am 22. Oktober 1997, vor diesem Unterausschuß eine Rede gehalten. Damals konzentrierten wir
uns auf die Ausweitung und Verstärkung unseres
Engagements in der südasiatischen Region unter
besonderer Betonung unserer Zusammenarbeit mit
Indien und Pakistan auf den Gebieten Handel und
Investitionen, Wissenschaft und Technologie sowie
Umwelt und Gesundheit. Seit damals hat sich die
Situation in Südasien dramatisch verändert - und zwar
zum Schlechteren. Am 11. Mai nahmen die Ereignisse
in dieser Region eine gefährliche Wende, als Indien
mehrere Atomversuche durchführte, die entsprechende Tests in Pakistan und die Verhängung weitreichender Sanktionen gegen beide Länder durch die Vereinigten Staaten nach sich zogen. Die internationale
Staatengemeinschaft schloß sich den Vereinigten
Staaten bei der Verurteilung dieser Aktionen an, die
eine ernsthafte Gefährdung des globalen Nichtverbreitungsregimes darstellen, die Besorgnis über die
Stabilität in der Region verstärken und das Gefahrenpotential von Spannungen zwischen Indien und
Pakistan beträchtlich erhöhen.
Die Verhängung von Sanktionen
In den sechs Wochen seit den indischen Atomtests
haben wir die benötigten Informationen gesammelt, die
erforderlichen Mechanismen in Gang gesetzt und die
notwendigen Entscheidungen getroffen, um ein
Sanktionsregime gegen Indien und Pakistan gleichermaßen zu verhängen. Wir haben uns bemüht sicherzustellen, daß die Durchsetzung der Sanktionen im
Rahmen des Glenn-Zusatzartikels und anderer
gesetzlicher Bestimmungen entschlossen und korrekt

AMERIKA DIENST 13

erfolgt, daß die Sanktionen von den Regierungen, die
diese Schritte unternommen haben, ihren Preis fordern
aber nicht die Bestrebungen unterhöhlen, grundlegende humanitäre Bedürfnisse zu decken und den
amerikanischen Geschäftsinteressen keinen größeren
Schaden zufügen. Damit senden wir eine überzeugende Botschaft an jeden anderen Staat, der den Besitz
von Nuklearwaffen anstrebt.
Gleichzeitig möchten wir betonen, daß der Zweck
dieser Sanktionen darin besteht, das Verhalten Indiens
und Pakistans zu beeinflussen und nicht, sie um der
Strafe willen zu bestrafen. Wir möchten keines der
beiden Länder isolieren, sondern sie vielmehr zu
Schritten ermutigen, ihr entschlossenes Engagement
für globale Nichtverbreitungsnormen unter Beweis zu
stellen und ihre Beziehungen zueinander zu verbessern.
Der Stellvertretende Außenminister Talbott leitet
derzeit ein Treffen im Außenministerium, bei dem die
wichtigsten Richtlinien für unser Regime zur Durchsetzung von Sanktionen offiziell bekanntgegeben werden.
Der Kern dieser Ankündigung findet sich in einer
Übersicht über die Sanktionsbestrebungen, die ich
Ihnen gerne zur Verfügung stelle. Ich bitte darum, sie
auch ins Protokoll aufzunehmen. Darüber hinaus
erarbeiten die betreffenden amerikanischen Behörden
und Ministerien, einschließlich
des
Finanz-,
Wirtschafts- und Verteidigungsministeriums - um nur
einige zu nennen - detaillierte Aufstellungen über die
technischen Aspekte der Sanktionen. Wir werden
Ihnen diese Papiere zukommen lassen, sobald sie
verfügbar sind. Innerhalb des Außenministeriums
werden unser Staatssekretär für wirtschaftliche,

Seite 1

�unternehmerische und landwirtschaftliche Angelegenheiten, Stuart Eizenstat, und der amtierende Staatssekretär für Rüstungskontrolle und internationale
Sicherheitsangelegenheiten, John Holum, weiterhin die
Führungsrolle im Hinblick auf die Wirtschafts- und
nationalen Sicherheitsaspekte unserer Sanktionspolitik
übernehmen.
Nebenbei gesagt, Herr Vorsitzender, war ein Ergebnis
unserer Verhandlungen über die Durchsetzung von
Sanktionen die klare Erkenntnis, daß diese obligatorischen Sanktionen vorwiegend als Abschreckung
dienen sollen; wir hatten gehofft, daß sie nicht durchgesetzt werden müssen. Wir mußten auf unserem
Weg eine Vielzahl von Problemen behandeln und
Entscheidungen darüber treffen, wie die Sanktionen
bei verschiedenen Programmen und Aktivitäten
Anwendung finden, und werden mit der Tatsache
konfrontiert, daß die Sanktionen unbeabsichtigte,
negative Konsequenzen haben können und es keine
Beendigungsklausel gibt. Obwohl wir erst noch sehen
müssen, welche konkreten Schritte Indien oder
Pakistan unternehmen, die uns Fortschritte gestatten,
möchte ich darauf hinweisen, daß wir beträchtlich in
unserer Fähigkeit eingeschränkt sind, auf zukünftigen
Fortschritt oder positive Schritte dieser Länder zu
reagieren. Wir verfügen auch über wenig Flexibilität
zur Abwandlung der Anwendung von Sanktionen für
den Fall, daß ihre Durchsetzung unbeabsichtigte,
negative Folgen hat. Wir sind uns bereits bewußt, daß
die Sanktionen die Einstellung der Kredite für den
Verkauf von Agrarprodukten beinhalten, was zweifelsohne den humanitären Bestimmungen des Gesetzes
widerspricht.
Jüngste Entwicklungen in der Region
Unmittelbar nach den von Indien und Pakistan durchgeführten Tests machten wir uns ziemliche Sorgen
über die gespannte Atmosphäre in der Region sowie
über provokative Äußerungen und Aktionen von
Regierungsmitgliedern beider Länder, die anscheinend
nur darauf angelegt waren, das Feuer zu schüren. In
einem solchen Umfeld besteht ein besonders hohes
Risiko von Fehlkalkulationen oder dem Bestreben,
dem anderen immer um eine Nasenlänge voraus zu
sein - mit möglicherweise verheerenden Konsequenzen. Vor diesem Hintergrund drängten die Vereinigten
Staaten - mit dem Präsidenten und der Außenministerin an der Spitze - bei beiden Regierungen und in der
internationalen Staatengemeinschaft auf eine Entschärfung der Spannungen.
In den letzten Tagen haben wir eine Mäßigung der
Rhetorik von Seiten Islamabads und Neu-Delhis
beobachtet und aus beiden Hauptstädten die Aufforderung zur Wiederaufnahme des direkten Dialogs
vernommen. Beide Länder haben ein Moratorium für
weitere Atomtestversuche angekündigt und im Hinblick
auf weitere Entwicklungen ihrer Nuklear- und Raketen-

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Programme einen vorsichtigeren Weg eingeschlagen.
Indien hat positive Erklärungen über seine Bereitschaft
abgegeben, an Verhandlungen über einen Vertrag
über das Verbot der Produktion von spaltbarem
Material teilzunehmen. Wir hoffen, daß Pakistan
diesem Beispiel folgt. Obwohl wir uns bewußt sind,
daß die Wiederaufnahme direkter Kontakte auf hoher
Ebene mehr Zeit beanspruchen könnte als wir möchten, ist es unseres Erachtens äußerst wichtig, daß
beide Seiten ihre öffentlichen Erklärungen in einem
verantwortungsbewußteren Ton halten, und darauf
drängen wir.
Der amerikanische Ansatz
Neben unseren fortgesetzten Bestrebungen zur
Bewältigung der Krise, Verhinderung weiterer Tests
und Ermutigung der Einstellung provokativer Erklärungen und Aktionen unternehmen wir auch
konzertierte Anstrengungen, den Rahmen für die
Beendigung des nuklearen und Rüstungswettlaufs in
der Region zu schaffen und die tieferliegenden
Ursachen der Spannungen zwischen den beiden
Widersachern anzusprechen. Wir arbeiten hierbei
aktiv mit der internationalen Staatengemeinschaft
zusammen, denn es ist entscheidend, eine Vielzahl
von Regierungen, Institutionen und Organisationen
einzubeziehen. Es haben bereits zwei wichtige
internationale Zusammenkünfte unter Teilnahme der
US-Außenministerin stattgefunden, denen ich beiwohnte - eine mit den fünf Ständigen Sicherheitsratsmitgliedern in Genf, die andere mit den Außenministern
der G 8 in London. Auf beiden Treffen wurden wesentliche Fortschritte bei der Erarbeitung eines gemeinsamen Ansatzes gemacht, wie die Krise eingedämmt,
weitere Tests und ein Rückfall in einen Rüstungswettlauf verhindert und - was noch grundlegender ist - wie
die Spannungen zwischen den beiden Parteien
beseitigt und sie wieder zur Einhaltung von Nichtverbreitungsnormen veranlaßt werden können. Zusätzlich
verabschiedete der UN-Sicherheitsrat eine scharf
formulierte Resolution, die das Kommunique der P 5
unterstützt und im Einklang mit dem Ansatz der P 5
und der G 8 steht. Ich stelle dem Ausschuß Kopien
der Kommuniques beider Treffen zur Verfügung und
bitte um Ihre Erlaubnis, sie in das Protokoll dieses
Treffens aufzunehmen.
Der vor uns liegende Weg
Wie ich bereits andeutete, Herr Vorsitzender, können
wir nicht einfach Sanktionen verhängen, uns dann
zurückziehen und Indien und Pakistan signalisieren,
daß wir nur auf ihre Bestrafung aus sind. Wir müssen
engagiert bleiben, und obwohl Sanktionen ihren Preis
haben, müssen wir mit beiden Regierungen einen Weg
für die Zukunft ausarbeiten. Diese Zukunft wird im
Idealfall konkrete Maßnahmen beider Regierungen
umfassen, die deren entschiedenes Engagement für
Zurückhaltung bei Nuklearwaffen und Raketen sowie

AMERIKA DIENST 13

�für die Verringerung regionaler Spannungen unter
Beweis stellen. Diese Maßnahmen sollten folgendes
beinhalten: Die bedingungslose Unterzeichnung und
Ratifizierung des CTB-Vertrags, den Verzicht auf
Raketentests, die Zustimmung, keine Raketensysteme
mit Waffen zu bestücken oder zu dislozieren, die
Einstellung der Produktion von spaltbarem Material,
die konstruktive Beteiligung an Verhandlungen über
einen Vertrag zur Einstellung der Produktion von
spaltbarem Material, das Festschreiben bestehender
Zusagen, keine nukleare oder ballistische Raketentechnologie oder Fachkenntnis zu exportieren oder
weiterzugeben sowie - im Interesse von Stabilität und
Wohlstand in der Region - die Wiederaufnahme des
direkten Dialogs zur Beseitigung der Wurzeln der
Spannungen, einschließlich Kaschmir.
Die Vereinigten Staaten haben großes Interesse an
einer Fortsetzung der Kommunikation mit Indien und
Pakistan. Der Stellvertretende Außenminister Talbott
traf letzte Woche im Außenministerium mit Jaswant
Singh, dem Stellvertretenden Vorsitzenden der
indischen Planungskommission und einem engen
Berater und Vertrauten des indischen Ministerpräsidenten Vajpayee zusammen. Das Treffen wurde
vom US-Außenministerium als "konstruktiv" und "eine
breite Palette von Themen von beidseitigem Interesse
umfassend" beschrieben. Mit anderen Worten: Nach
sechswöchiger Pause führen die Vereinigten Staaten
und Indien wieder Gespräche auf hoher Ebene über
unser weiteres Vorgehen. Derzeit bemühen wir uns,
ähnliche Zusammenkünfte mit einem hochrangigen
pakistanischen Gesandten zu arrangieren.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten müssen
sich auch entschlossen dafür einsetzen, daß sich die
Staatengemeinschaft konzentriert und produktiv mit
diesen Fragen befaßt. Die P 5- und G 8-Treffen waren
kein einmaliges Unternehmen, und wir werden weiterhin mit diesen Institutionen arbeiten und andere
Nationen und Organisationen zur Mitarbeit ermutigen.
Beispielsweise ist es wichtig, mit Ländern zusammenzuarbeiten, die Nuklearwaffenfähigkeiten besaßen,
jedoch darauf verzichteten - wie Argentinien, Brasilien,
die Ukraine und Südafrika. Diese Länder wurden
zusammen mit China und den Philippinen zu einem
Mittagessen beim G 8-Gipfel in London eingeladen.
Ferner beabsichtigen wir eine enge Zusammenarbeit
mit Deutschland und Japan - zwei Ländern, deren
ständige Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat wir aktiv
unterstützen und die ihren Status als Weltmacht nicht
durch Atomwaffenversuche erlangten. Wir werden uns
weiterhin auf regionale und Sicherheitsorganisationen
wie die NATO, ASEAN, OAU und die NAM konzentrieren, um nur einige zu nennen. Und wir werden
nach wie vor die Vielzahl unserer bilateralen Austauschprogramme nutzen, wie wir es beim Besuch des
französischen Premierministers in Washington getan
haben und mit Präsident Clintons geplanter Chinareise
fortsetzen.

AMERIKA DIENST 13

Diese Art des Engagements ist nötig, um unsere
fortgesetzte internationale Entschlossenheit zu
demonstrieren, Indien und Pakistan Beispiele für den
Lohn alternativer Vorgehensweise zu geben und die
Kontinuität der an beide Länder gesendeten Botschaften sicherzustellen. Beispielsweise haben wir
uns die bislang abgehaltenen Treffen zunutze gemacht, um in den internationalen Finanzinstitutionen
einen Konsens über das Verhalten gegenüber Indien
und Pakistan zu bilden, der mit unserem eigenen
Ansatz im Rahmen des Sanktionsregimes in Einklang
steht. Die G 8 wird sich weiterhin kollektiv für die
Aufschiebung der Kreditvergabe an beide Länder
einsetzen - mit Ausnahme der zur Deckung humanitärer Bedürfnisse erforderlichen. Allein im Fall Indiens
wurden bislang Darlehen im Wert von mehr als einer
Milliarde Dollar eingefroren, was Auswirkungen auf die
indische Volkswirtschaft hat und das Vertrauen der
Investoren schmälert. Ich muß hinzufügen, daß das
eigentlich nicht das Ziel unserer Interaktion mit Indien
war, die ich am Anfang meiner heutigen Ausführungen
angesprochen habe. Wir hatten auf den Aufbau
starker Wirtschaftsbeziehungen zu Indien und Pakistan
gleichermaßen auf der Grundlage wachsenden
Handelsvolumens und der Bedürfnisse dieser Länder
in den Bereichen Infrastruktur und Investitionen
gehofft. Diesen Hoffnungen wurde ein schwerer
Schlag versetzt.
Herr Vorsitzender, wir müssen in absehbarer Zukunft
unsere Sanktionspolitik entschlossen fortsetzen.
Gleichzeitig müssen wir bereit sein, Indien und Pakistan beim Abbau der Spannungen zu helfen, falls sie
dazu bereit sind. Die Vereinigten Staaten und unsere
Partner in der P 5 und der G 8 haben zugesagt,
unserer Verpflichtung zur Verhinderung destabilisierender Transfers von Waffen und sicherheitsempfindlichen Technologien nach Südasien nachzukommen.
Wir sind bereit, unser Fachwissen und unsere Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, um Indien und Pakistan bei der Überwachung militärischer Aktivitäten und
der Vermeidung von Fehlkalkulation zu helfen - und
vor allem, um beide Länder bei der Beilegung ihrer
Differenzen zu unterstützen. Wir sehen dem im Juli in
Colombo anberaumten Treffen der südasiatischen
Vereinigung für regionale Zusammenarbeit erwartungsvoll entgegen, das den Ministerpräsidenten
Vajpayee und Sharif die Gelegenheit zu persönlichen
Gesprächen unter vier Augen geben könnte. Wir
fordern die beiden Ministerpräsidenten auf, diese
Gelegenheit zu nutzen, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen oder andere Übereinkünfte
anzustreben. Zum Abschluß möchte ich noch einen
wesentlichen Punkt anbringen: Obwohl wir die von
Indien und Pakistan angeführten Erklärungen für den
Besitz von Nuklearwaffen und die Atomtests nicht
akzeptieren und der Überzeugung sind, daß die
Versuche die Sicherheit dieser Länder untergraben,
müssen wir weiterhin anerkennen, daß Indien und
Pakistan als souveräne Staaten legitime Sicherheits-

Seite 3

�belange und -interessen haben und dies bei unserem
weiteren Vorgehen berücksichtigen. Für uns stehen

so viele nationale Interessen auf dem Spiel, daß wir
uns zu diesen Bedingungen engagieren müssen.
Vielen Dank.

* * * * *

»

Seite 4

AMERIKA DIENST 13

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                <text>&lt;p&gt;Meereskunde und Tiefseeforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aufgaben des Internationalen Geophysikalischen Jahres&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gelingt es, die Malaria auszurotten?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wahrheit über Kardinal Mindszenty (Schluss)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Mutter durchbricht die Mauer des Schweigens&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Joseph Vecsey&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Die kernphysikalische Forschung&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomzertrümmerer erforschen das Innerste der Materie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Leitsätze von gestern müssen neuer Erkenntnis weichen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Robert K. Plumb&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Politik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Feinde des Regimes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Minderheiten machen Peking zu schaffen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von James W. Berner III. Teil und Schlus&lt;/em&gt;s&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Schallplatte im Bücherschrank&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die neuesten literarischen Aufnahmen in den USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Starkes Interesse für Erwachsenenbildung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Katalog zum amerikanischen Pavillon&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles: Entwicklungen in Nahost unterstreichen Notwendigkeit der Auslandshilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wortlaut der Erklärung vom 18. Juli 1958)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Briefwechsel zur Frage einer Gipfelkonferenz über die Situation im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Antwortschreiben Präsident Eisenhowers vom 22. Juli 1958 auf das Schreiben Ministerpräsident Chruschtschows vom 19. Juli 1958, beide Schreiben im Wortlaut)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zusammenarbeit zwischen Euratom und USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wortlaut einer Erklärung von C. Douglas Dillon vom 22.07.1958)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenminister ersucht Kongress um Befugnis zur Verminderung von Auslandsreisen amerikanischer Kommunisten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wortlaut einer Erklärung von Robert D. Murphy vom 16.07.1958)&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Nummer

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Doku mentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

1. August 1973

29

Inhalt

DOKUMENTATION:

Botschafter Greenwald bekräftigt Unterstützung der europäischen
Integration
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Konferenz des Zwanziger-Ausschusses endete in optimistischer Atmosphäre
Von Eugene Brake
Eberle: USA lassen über Agrarimporte mit sich reden
Von John Holway
US-Handelsministerium gibt weitere Einzelheiten des Lizenzierungssystems bekannt
-WortlautDie wirtschaftliche Entwicklung in den USA im Juni
-Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Dokumentation

Service

Postfach

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T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

29/1973

BOTSCHAFTER GREENWALD BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG PER EUROPÄISCHEN INTEGRATION
-AuszügeDUBLIN --(AD)-- Der amerikanische Vertreter bei den Europäischen Gemeinschaften, Botschafter Joseph A. Greenwald, hat am 27. Juli in einer Rede vor
der US-Handelskammer in Irland erneut die Unterstützung der europäischen In
tegration durch die Vereinigten Staaten bekräftigt. Die wesentlichen Teile
der Rede des Botschafters haben folgenden Wortlaut:
"Meine Regierung hat von Anfang an die Schaffung, Stärkung und Erweiterung der europäischen Institutionen unterstützt. Pie Zusammenarbeit zwischen
den europäischen Ländern war ein unerläßliches Element für den Erfolg des
Marshall-Planes. Seit 25 Jahren haben die Vereinigten Staaten^- unter demokratischen wie auch republikanischen Regierungen, die europäische Integration
- die Kohle- und Stahlgemeinschaft, den Gemeinsamen Markt, EURATOM, das
Europäische Parlament und den Gerichtshof - als in ihrem eigenen wie auch
im gemeinsamen Interesse unserer Atlantischen Völkergemeinschaft liegend erachtet
Diese Unterstützung ist von Präsident Nixon bekräftigt
;

Ausführungen am 23 April zum Jahr Europas

worden. In seinen

hat Dr. Kissinger den Zusammen-

hang zwischen unserer seit langem befolgten Europa-Politik und den wirtschaftlichen, politischen und militärischen Veränderungen aufgezeigt, die in
den letzten 10 oder 15 Jahren eingetreten sind. Er hat gemeinsame amerika
nisch-europäische Anstrengungen gefordert, um unsere gemeinsamen Absichten

-1-

�1
\

Absichten und Zielsetzungen neu zu formulieren. Eine solche auf den heutigen
Stand gebrachte politische Deklaration würde den Rahmen geben, in dem wir die
Meinungsverschiedenheiten leichter beilegen könnten, die sich zu einem großen
Teil aus den engen Wechselbeziehungen innerhalb der freien Welt ergeben.
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin überzeugt, daß ein starkes,
geeintes Europa uns allen mehr zum Vorteil gereicht als ein schwaches gespaltenes Europa. Wir waren ermutigt durch den bedeutenden Schritt, den die Vertreter Irlands und der übrigen acht Länder der Europäischen Gemeinschaft im
Oktober letzten Jahres getan haben, als sie sich feierlich zum Fortschritt
in Richtung auf eine Europäische Union bekannten. In einer Würdigung der
Gipfelerklärung der Neun hat Präsident Nixon betont, daß die amerikanische
Regierung voll und ganz die Ziele der EG-Mitgliedsstaaten teile, auf eine
Reform des Weltwirtschaftssystems .. hinzuarbeiten, und zwar in einer Weise,
durch die eine Freiheit des Welthandels, eine neue Gerechtigkeit im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme
der Entwicklungswelt erreicht werden4.

Handels - und Währungsreform
Damit komme ich zu der zweiten grundlegenden Politik. Die Vereinigten
Staaten haben während der gesamten Nachkriegszeit stets die Führung bei den
Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels und des Zahlungsverkehrs übernommen. Zum Teil als Folge der veränderten Position der USA in der Weltwirtschaft haben in Amerika die protektionistischen Strömungen zugenommen. Trotz
dieser Tendenz hat Präsident Nixon bei zahlreichen Anlässen immer wieder
unterstrichen, daß er sich weiterhin dem Ziel eines freieren Waren-und Kapitalverkehrs verpflichtet fühlt. Weit wichtiger noch, er hat den mutigen
Schritt getan und dem Kongreß ein umfassendes Handelsgesetz vorgelegt. Pie
von ihm geforderten Verhandlungsvollmachten werden die Vereinigten Staaten

~2~

'

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i

Staaten in die Lage versetzen, an der gemeinsam von den USA, der EG und Japan im Februar 1972 vorgeschlagenen neuen Runde von Handelsgesprächen teilzunehmen .
Obwohl es in der Vergangenheit Abweichungen und Warnungen gegeben hat,
und dies auch weiterhin der Fall sein wird, die Zweifel an der Beständigkeit
unserer europäischen und internationalen Wirtschaftspolitik aufkommen lassen
könnten, so glaube ich, ist auf lange Sicht die Richtung klar. Und unter der
Voraussetzung, daß wir zu einer neuen gemeinsamen Grundlage finden können,
wird nach meiner Auffassung die auf einer atlantischen Zusammenarbeit basierende Zukunft voller Verheißungen sein.

Landwirtschaft
Es ist jetzt an der Zeit, daß wir von allgemeinen Formulierungen weg zu
te

konkreten Fragen übergehen. Ich habe das Thema Landwirtschaft

aus drei Grün-

den angeschnitten: einmal ist es von entscheidender Bedeutung für den Erfolg
der multilateralen Handelsverhandlungen; zweitens ist es in Form einer gemeinsamen Agrarpolitik ein notwendiges Element - besonders für Irland der gegenwärtigen Europäischen Gemeinschaft; und drittens bedeuten die von
einigen in der letzten Zeit ergriffenen Schritte eine grundlegende Veränderung der internationalen Situation von Angebot und Nachfrage. Lassen Sie mich
diese Punkte jetzt der Reihe nach aufgreifen.

Multilaterale Handelsverhandlungen
Im weiteren Verlauf dieses Jahres werden die EG, die Vereinigten Staaten
und weitere Handelsländer eine neue wichtige Runde von Verhandlungen aufneh,
men,um im Rahmen des GATT die Handelsschranken abzubauen. Seit Ende der
Kennedy-Runde sind jetzt sechs Jahre verstrichen. In dieser Zeit haben sich

�sich Meinungsverschiedenheiten in Handelsfragen ergeben, und in einigen Fällen
sind sie zu echten Ärgernissen in unseren allgemeinen Baziehungen geworden,
weil es keine gemeinsamen Liberalisierungsanstrengungen gab. Die Teilnahme
an den multilateralen Verhandlungen sollte diese Situation korrigieren und
Meinungsverschiedenheiten in dem umfassenderen Rahmen beiderseitiger Konzessionen leichter lösbar machen. Neue Verhandlungen sind ferner deswegen notwendig, um zu vermeiden, daß einzelne Teilnehmer dem innenpolitischen Druck nach
Entliberalisierung nachgeben.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Verhandlungen gute Aussicht auf
Erfolg haben. Wir haben mit der EG und Japan vereinbart, daß die Verhandlungen auf Gegenseitigkeit basieren müssen. Für die großen Exportländer wie die
Vereinigten Staaten bedeutet Gegenseitigkeit, daß Gebiete, auf denen wir
einen Wettbewerbsvorteil halten - wie zum Beispiel die Landwirtschaft - in
einer wirklich bedeutungsvollen Weise einbezogen sind. Natürlich war der
Agrarsektor durch soziale und politische Erwägungen belastet. Aber andere politische - und wirtschaftliche - Faktoren fordern eine Verbesserung des
Agrarhandels.
»
Gemeinsame Agrarpolitik
In der gesamten industrialisierten Welt - und noch mehr in den Entwicklungsländern - wies das Problem der Landwirtschaft auf einen Wirtschaftssektor hin, der vernachlässigt worden war. Die landwirtschaftlichen Einkommen
waren im allgemeinen niedriger als die der städtischen Bevölkerung, und innerhalb der Landwirtschaft selbst gab es deutliche Einkommensunterschiede.
In zahlreichen Ländern, unter anderem auch in den USA, haben die Regierungen
besondere Programme für die Bauern durchgeführt. So überrascht es nicht, daß
einer der ersten Schritte der sich entwickelnden Europäischen Gemeinschaft
eine gemeinsame Agrarpolitik (CAP) war.
Ich möchte jedoch hoffen, wie auch Sir Ghristopher Soames dies kürzlich
in Straßburg sagte, daß die CAP nicht für alle Zeiten in ihrer gegenwärtigen
Form als eingefroren betrachtet wird. Wir haben aus unseren Fehlern in der

-4-

i

�der Agrarpolitik gelernt, und vielleicht kann die Europäische Gemeinschaft
von unseren Erfahrungen ebenfalls profitieren.
Die sozialen und politischen Ziele der amerikanischen Landwirtschaftsprogramme sind durch Stützung hoher Binnenmarktpreise nicht erreicht worden.
Marktkräfte und Druck der Verbraucher in jüngster Zeit wirkten sich auf den
Kongreß aus und beeinflußten die Haltung der Regierung wesentlich. Die hohen
Preise für Agrarprodukte beeinträchtigten ferner den amerikanischen Export
und schufen Probleme für die amerikanische Industrie. Unter diesen Umständen
sind wir von dem System der Preisstützung abgegangen.
Bis jetzt haben die Europäer zahlreiche ähnliche Erfahrungen gemacht
wie wir. Und es scheinen einige Zweifel an der Wirksamkeit der CAP zu bestehen. Wenn jetzt die europäischen Produzenten und Verbraucher immer mehr Erfahrungen mit der Praxis der gemeinsamen Agrarpolitik sammeln, wird die Europäische Gemeinschaft entscheiden können, ob die derzeitigen oder andere Vereinbarungen den europäischen Zielen am besten gerecht werden. Es gibt verschiedene Techniken, die gegenwärtig im Rahmen der CAP angewandt werden, unter anderem Direktzahlungen bei besonderen sozialen Problemen, und die Kommission
ist dabei, ihre eigene Bewertung und ihre eigenen Empfehlungen auszuarbeiten.
Obwohl es kein Geheimnis ist, daß wir nicht immer mit allen Aspekten
der die amerikanischen Interessen berührenden CAP einverstanden waren, so war
und ist es doch der eindeutig umrissene Standpunkt meiner Regierung, daß wir
nicht die gemeinsame Agrarpolitik zu Fall bringen wollen. Genauso wenig halte ich es für angebracht, irgend jemandem zu raten, welche Richtung dieses
Programm einschlagen sollte. Wenn ich jedoch sehe, welche überragende Bedeutung Weidewirtschaft und tierische Erzeugnisse für die irische Landwirtschaft
haben, so scheint es mir, daß eine Politik mit dem Ziele, die europäischen
Preise für Futtermittel niedrig zu halten, Irland großen Nutzen bringen
würde.
Die

-5-

�Die derzeitige Futtermittelkrise

Aufgrund der von den Vereinigten Staaten verfügten Exportkontrollen für
Sojabohnen und andere Produkte sind grundlegende Fragen aufgeworfen worden,
die die Handelsverhandlungen und vielleicht sogar die gegenwärtige Agrarpolitik überschatten könnten. Die sich schnell entwickelnde Proteinknappheit
hat zu einigen übereilten Schlußfolgerungen geführt - zum Beispiel, daß die
Vereinigten Staaten nicht mehr ein zuverlässiger Lieferant seien und Europa
nach Selbstversorgung streben müsse. Bevor ich zu diesen Fragen Stellung nehme,
möchte ich kurz aufzeigen, wie es zu dieser Situation kam und was wir zu tun
versuchen.
Unsere Prüfung der Situation bei Futtermitteln im Juni zeigte, daß bei
diesen Erzeugnissen Kontrakte über die Lieferung größerer Mengen aus der vorjährigen Ernte sowie aus Reservebeständen abgeschlossen worden waren, als
tatsächlich vorhanden sind. Zu der Verknappung und zu den höheren Preisen kam
es nicht aufgrund eines gestiegenen amerikanischen Verbrauchs, sondern aufgrund
verschiedener ausländischer Faktoren - eine starke Zunahme der Auslandsnachfrage nach proteinhaltigen Futtermitteln, die langfristige Bevölkerungszunahme,
die geringeren Fischfänge in Peru und die ungünstige Witterung in zahlreichen
Gebieten. Die vorjährige amerikanische Sojabohnenernte brachte einen Rekordertrag, doch der inneramerikanische Bedarf stieg nicht wesentlich. Praktisch
ging der gesamte Mehrertrag in den Export. Und im Rahmen der während der Sommer
monate bis zur Einbringung der neuen Ernte gültigen Zuteilungssystems werden
wir weiterhin unsere ausländischen Kunden bedienen. Wir sind uns unserer Verpflichtung durchaus bewußt, einen großen und wachsenden Weltmarkt mit Sojabohnen zu beliefern, und wir tun unser Bestes, um dieser Verpflichtung nachzukommen .
Im letzten Jahr hat die amerikanische Regierung für den Anbau von Getreide und Sojabohnen über 16 Millionen Hektar Land zusätzlich freigegeben, was
etwa der gesamten bestellten Landfläche in Frankreich entspricht. Die vom

-6-

�,t

vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium Anfang Juli veröffentlichten
Erntevoraussagen, die auf den Anfang Juni eingegangenen Berichten basieren,
deuten auf eine potentielle Ertragssteigerung der Sojabohnenernte im September hin sowie auf einen zwar nicht ganz so großen, aber doch beträchtlichen
Mehrertrag bei der Getreideernte. Wenn das Wetter weiter günstig bleibt,
werden die Aussichten recht gut sein. In der letzten Woche sind aus der amerikanischen Bodenreserve weitere 7,6 Millionen Hektar für die Bestellung
freigegeben worden, was etwa der gesamten bestellten Landfläche in der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Dieser Schritt wird 1974 zu einer weiteren Steigerung der verfügbaren Ernteerträge führen.
Nun zurück zu den Zweifeln, die angesichts der kürzlichen amerikanischen
Maßnahmen aufgekommen sind. Da die Launen des Wetters und die peruanischen
Fischfänge schlecht vorauszusehen sind, bezweifele ich es, daß irgend jemand
voraussagen kann, ob wir nun in eine Zeit chronischer Verknappungen in der

Landwirtschaft eingetreten sind oder nicht. Der stabilisierende Faktor in
der Nachkriegszeit scheinen die von den Vereinigten Staaten eingelagerten Vorräte gewesen zu sein. Wir glauben jedoch, daß die derzeitig offensichtliche
Verknappung

des Angebots kurzfristiger Natur sein wird. Wenn man über die

Zuverlässigkeit von Lieferanten spricht, so muß man auch die Zuverlässigkeit
der Kunden in Rechnung setzen. Beide Seiten müssen mit Vertrauen zueinander
arbeiten können.
Angenommen,wir sehen uns einer langfristigen strukturellen Veränderung
- auf kommerzieller Basis - von Angebot und Nachfrage auf der Welt gegenüber.
Meines Erachtens ist es dann Unsinn, wenn die heute hochindustrialisierten
Länder in der Landwirtschaft oder auf anderen Gebieten an eine neue Art von
Autarkie denken. Es scheint mir ganz unmöglich, die Uhr zurückzudrehen, selbst
auf der Basis einer erweiterten Europäischen Gemeinschaft, bis wir wieder
weit zurück in einer vor der Interdependenz liegenden Zeit sind. Ob wir es
gerne sehen oder nicht, unsere Volkswirtschaften sind so miteinander ver-

�verflochten, daß Selbstversorgung weder in der Landwirtschaft noch in der
Industrie, im Handel, auf dem Währungssektor oder bei Investitionen möglich
ist und daß es auf internationaler Ebene auch nicht möglich ist, sich bestimmte genehme Sektoren für einen langfristigen Schutz oder eine Selbstversorgung
herauszusuchen.

Internationale Investitionen

Ich möchte mich jet;zt Zweifeln zuwenden, die hinsichtlich des freien Kapitalflusses über die nationalen Grenzen hinweg geäußert worden sind. Die bewährten Prinzipien, die für den Abbau der Handelsschranken, sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft, sprechen, gelten auch für den Kapitalverkehr. Dieser Faktor der Gütererzeugung wird am wirksamsten zum Tragen gebracht,
wenn ein freier Verkehr auf der Basis der Marktkräfte möglich ist. In dem
Maße, wie Regierungen den Markt für internationale Kapitalbewegungen verzerren,
gehen auch die Möglichkeiten zurück, die wirtschaftlichen Hilfsquellen für
alle auf die wirksamste Weise einzusetzen.
Aus politischen und sozialen Gründen müssen Regierungen in demokratischen Ländern manchmal von rein volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten abgehen.
Auf dem Investitionssektor besteht ein Druck in beiden Richtungen. In unserem
Falle haben die Vertreter der Gewerkschaften versucht, amerikanische Firmen
von Neugründungen im Ausland abzuhalten mit der Behauptung, daß damit amerikanischen Arbeitern Arbeitsplätze verloren gingen. Dieses Argument wird von
der amerikanischen Industrie heftig bestritten, und die Regierung hat für
eine stetige und offene Politik zusammen mit Steuervorschlägen optiert, um
sicherzustellen, daß der Kapitalverkehr nicht aufgrund künstlicher Anreize
stattfindet.
Manchmal erachten es Regierungen für notwendig, Kapitalflüsse aus Zahlungsbilanzgründen zu unterbinden. So haben die Vereinigten Staaten mehrere
Jahre lang eine Zinsausgleichssteuer auf aus den USA nach anderen Ländern

-8-

�Ländern abfließendes Kapital erhoben. Diese Steuer gilt sowohl für amerikanischeswie auch für ausländisches Kapital. Dm den Anreiz zu steigern und um
den Investanten zu versichern, daß sie bei einer späteren Rückführung ihrer
aus den USA abgezogenen Gelder nicht bestraft werden, hat Finanzminister Shultz
im Februar dieses Jahres angekündigt, daß die Zinsausgleichssteuer Ende 1974
auslaufen wird.
Einige Regierungen haben die Bedingungen auf dem internationalen Investitionsmarkt auf andere Weise geändert, indem sie den eigenen und den ausländischen Geschäftsleuten beträchtliche Anreize boten. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß es genauso wichtig ist, für internationale Investitionen eine gleiche Behandlung sicherzustellen wie beim Welthandel. Aus
diesem Grunde haben wir in der Organisation für Europäische Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) auf die Durchführung einer Studie über die verzerrenden
Auswirkungen der Investitionspolitik von Regierungen gedrängt, die zu Richtlinien für steuerliche und sonstige Anreize führen würde, die von den Regierungen beachtet werden müßten, wenn sie ausländisches Kapital anziehen und
lenken wollen.
Besondere umstände können besondere Lösungen erfordern. Ich möchte annehmen, daß, genauso wie die GATT-Bestimmungen außergewöhnliche Maßnahmen in
außergewöhnlichen Situationen vorsehen, bei den Verhaltensnormen für internationale Investitionen das gleiche gilt. Solange es solche internationalen Normen noch nicht gibt, steht jedoch der Weg für den Wettbewerb um ausländisches
Kapital offen. Bei einem solchen Wettbewerb können sowohl die Kapitalgeber
wie die Kapitalnehmer Schaden leiden. Regierungen werden vielleicht feststellen, daß die von ihnen gewährten Konzessionen größer als die erzielten Vorteile sind, während die privaten Investoren vielleicht feststellen werden, daß
ihre langfristigen Kalkulationen auf falschen Annahmen basieren.

Schlußfolgerungen

�Schlußfolgerungen
Ich sollte am Ende noch einen weiteren kontroversen Punkt anschneiden,
der

sich hinter dem Schlagwort 'Globalisierung' verbirgt. In unserer Umgangs-

sprache sind damit die angeblichen amerikanischen Bemühungen gemeint, alle
Aspekte unserer Beziehungen zu Europa in ein großes Verhandlungspaket zu
packen. Das ist jedoch nicht das, worauf sich Dr. Kissinger bezog, als er
betonte, daß der amerikanisch-europäische Handel, monetäre, politische und
Sicherheitsfragen aufgrund der Realitäten eng miteinander verknüpft sind.
Er hat nicht vorgeschlagen, daß sie alle in einer einzigen Verhandlungsrunde
behandelt werden sollten.
Die am meisten ins Auge fallenden Bindeglieder auf wirtschaftlichem Gebiet sind Handel und Geld. Handelsbilanzen wirken sich auf den internationalen
Wert der Währungen aus, und Änderungen der Wechselkursparitäten wirken sich
auf den Handel aus. Es ist ermutigend, daß unsere europäischen Partner diese
Konzeption nur 18 Monate später akzeptiert haben, nachdem wir den Gedanken
engerer Beziehungen zwischen Handels-und Währungsverhandlungen ins Gespräch gebracht hatten.
Ich habe einige weitere Bindeglieder angedeutet. Es ist nicht möglich,
ausgewogene und auf Gegenseitigkeit beruhende Handelsverhandlungen ohne Einbeziehung des Agrarsektors zu führen. In gleicher Weise muß jedes lebensfähige
internationale Wirtschaftssystem vereinbarte Regeln über Maßnahmen einschliessen, die sich auf den Fluß von Investitionen auswirken.
Im größeren Rahmen lassen sich Frieden und Sicherheit auf der Welt -innerhalb oder außerhalb von Bündnissen - kaum ohne gleiche und praktisch durchführbare Bestimmungen für das Wirtschaftsgeschehen aufrechterhalten. In diesem Sinne ist 'Globalisierung* ein relevanter Begriff..."

-10-

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29/1973

KONFERENZ DES ZWANZIGER-AUSSCHUSSES ENDETE IN OPTIMISTISCHER ATMOSPHÄRE
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-- Die zweitägigen Gespräche der Finanzminister und Notenbankpräsidenten der im Zwanziger-Ausschuß vertretenen Länder, die am 30
und 31. Juli in Washington stattfanden, haben alle Teilnehmer davon überzeugt, daß der Wille vorhanden ist, tragbare Kompromisse bei den entscheidenden Fragen zu finden, die noch den Weg zu einem neuen internationalen Währungssystem versperren.
Dies zeigen übereinstimmend erste Äußerungen einzelner Konferenzteilnehmer. So erklärte ein europäischer Notenbankpräsident, er sei mit sehr geringen Erwartungen zu der Konferenz gekommen, habe jedoch jetzt das Gefühl, daß
eine Beilegung der noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten möglich sei.
Damit könne dann mit der Ausarbeitung der Artikel eines neuen Abkommens bereits im kommenden Frühjahr begonnen werden.
Per Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul
Volcker, wollte sich nicht ganz so spezifisch äußern. Nach Abschluß der Konferenz sagte er vor Korrespondenten, unter den Teilnehmern habe allgemein
die Auffassung bestanden, daß es nunmehr möglich sei, weiter voranzugehen,
und daß für die Probleme, die in den bisherigen Verhandlungen aufgetreten
seien, praktikable Lösungen gefunden werden könnten.
Vor

�Vor allem bei zwei eng miteinander verbundenen Problemen, die für eine
Feform des internationalen Währungssystems von entscheidender Wichtigkeit sind
- der Anpassungsprozeß und die Konvertierbarkeit - , konnten Fortschritte in
Richtung auf eine Annäherung der Standpunkte erzielt werden. Offensichtlich
sind die einzelnen Delegationen jetzt befriedigt darüber, daß die Vereinigten
Staaten kein vollautomatisches Anpassungssystem vorschlagen - ein System, das
Überschußländer zu bestimmten Maßnahmen zwingen würde, sobald ihre Reserven
eine bestimmte Höhe erreicht haben. Diese Möglichkeit hat Volcker ganz ausgeschlossen. Gleichzeitig wurde in immer stärkerem Maße die Nützlichkeit eines
objektiven Indikators anerkannt, der zur Korrektur von Ungleichgewichten in
den internationalen Zahlungsbilanzen beitragen soll. Und man war sich auch da~
rüber im klaren, daß eine Möglichkeit gegeben sein muß, auf Überschußländer
einen gewissen Druck ausüben zu können, wenn das System "symmetrisch" sein
soll.
Bei Defizitländern besteht, wie Volcker betonte, ganz naturgemäß ein
Druck, Maßnahmen zur Korrektur von Zahlungsbilanzungleichgewichten zu ergreifen. Defizitländern bleibt keine andere Wahl, als Veränderungen ihrer Wechselkurse zuzulassen oder andere korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, wenn sie
mit ihren Reserven oder Kreditmöglichkeiten am Ende sind. Nunmehr gehe es darum, einen Weg zu finden, um einen ähnlichen Druck auch auf Überschußländer
auszuüben. Den europäischen Vorschlag, eine Art Steuer auf Überschußreserven
eines Landes zu erheben, ist nach den Worten Volckers ein Versuch zur Lösung
dieses Problems.
Volcker unterstrich jedoch zugleich, daß weder die Vereinigten Staaten
noch irgendein anderes Land ein neues internationales Währungssystem wünschten,
das weitgehend auf Druck oder Sanktionen basiere. Das Ziel sei vielmehr, klar
umrissene Verhaltensnormen festzulegen, an die die Länder sich zu halten haben..
Nur wenn sie dies nicht tun, könnten Strafen angewandt werden, aber es sei
wichtig, wie Volcker sagte, daß die Möglichkeit eines internationalen Druckes

�Druckes im Hintergrund stehe.
Die Fragen der Konvertierbarkeit und der A n p a s s u n g stehen In einem engen
Zusammenhang zueinander und nach Auffassung der Vereinigten Staaten ist ein
striktes Konvertierbarkeitssystem

- bei dem die Vereinigten S t a a t e n zur Ein-

w e c h s l u n g v o n D o l l a r , die sich im Besitz anderer Notenbanken befinden, in a n dere R e s e r v e n m e d i e n bereit sein m ü ß t e n - für sie nicht tragbar, sofern nicht
auch der A n p a s s u n g s p r o z e ß so strikt gehandhabt w i r d , daß ein Entstehen

großer

Defizite oder Überschüsse in den Zahlungsbilanzen der einzelnen L ä n d e r verhindert w i r d . Die Konvertierbarkeitsfrage
jedoch ein anderes Gesicht, w e n n ein

erhält nach den W o r t e n V o l c k e r s

" M u l t i w ä h r u n g s s y s t e m " für I n t e r v e n t i o -

nen angenommen w ü r d e , bei dem die einzelnen R e g i e r u n g e n bei ihren M a ß n a h m e n
zur Stabilisierung der W e c h s e l k u r s e statt w i e bisher nur Dollar k ü n f t i g ein
Paket verschiedener W ä h r u n g e n benutzen w ü r d e n .
A u c h die Frage eines Zusammenhanges zwischen der Reform des internationalen Währungssystems und der E n t w i c k l u n g s h i l f e

ist auf der Sitzung eingehend er-

örtert w o r d e n . Nach den W o r t e n Volckers hat sich der amerikanische

Standpunkt

in dieser Frage nicht g e ä n d e r t . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n , so erklärte V o l c k e r ,
begrüßten und gewährten E n t w i c k l u n g s h i l f e , hielten jedoch eine Abgrenzung gegenüber M a ß n a h m e n für erforderlich, die das internationale

Währungssystem

funktionsfähig erhalten sollen.Die Entwicklungsländer w ü r d e n am m e i s t e n v o n
einem internationalen Währungssystem p r o f i t i e r e n , das w i r k s a m und

reibungslos

a r b e i t e , einen o f f e n e n Handel gewährleiste und eine Prosperität ihrer Volksw i r t s c h a f t e n ermögliche.
II I

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29/1973
EBERLE: USA LASSEN ÜBER AGRARIMPORTE MIT SICH REDEN
Von John Holway
WASHINGTON -~(AD)~~ Die Vereinigten Staaten sind bereit, über eine Senkung
der Schranken für Agrarimporte zu sprechen, wenn dafür ein besseres "Management" ähnlicher Schranken in Europa und anderswo zugesagt wird. Dies erklärte der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,
Botschafter William Eberle, am 25. Juli vor amerikanischen Landwirtschaftsattaches in Washington.
Eberle, der die amerikanische Delegation bei den internationalen Handelsverhandlungen führen wird, die im September in Tokio beginnen sollen,
gab in großen Zügen einen Überblick über seine Verhandlungsposition. Nach
den Worten Eberles zielen die Vereinigten Staaten auf eine Stärkung der
Marktmechanismen ab und wollen im Agrarhandel von Subventionen, Zöllen und
anderen verzerrenden Maßnahmen wegkommen. Wenn die Europäische Gemeinschaft
erkläre, daß ihre Gemeinsame Agrarpolitik (CAP) nicht Verhandlungsgegenstand sein könne, so sagte Eberle weiter, dann sei es nicht allzu schwierig
für die USA, das zu akzeptieren. Amerika verlange nicht von Europa, daß es
sein System aufgeben solle, aber es gebe genügend Spielraum, über die Anwendung des Systems zu verhandeln. Man müsse sich auf die Gebiete konzentrieren, auf denen die Anwendung der Gemeinsamen Agrarpolitik verbessert werden
könne .
Als ein weiteres Gebiet, über da^s man sprechen könne« nannte Eberle die
Exportsubventionen. Die beste Gelegenheit, diese Subventionen abzubauen, sei

-1-

�sei eine Zeit hoher Preise. Auch über die Abschöpfungen könne man verhandeln,
denn es sei immerhin bedeutsam, ob diese variablen Abgaben 100 Prozent des
Importpreises ausmachten oder nur 60 Prozent.
Wie Eberle betonte, würde ein Abbau der Schranken zur Bekämpfung der
Inflation beitragen und dem Verbraucher zugutekommen. Das gelte auch für Japan.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits prüfen nach den Ausführungen Eberles
Möglichkeiten, ihrerseits Schranken abzubauen. So habe das amerikanische Landwirtschaftsministerium eine Studie über mögliche Auswirkungen der Abschaffung
aller Restriktionen für die Einfuhr von Molkereiprodukten in den Jahren zwischen 1972 und 1980 erstellen lassen. Nach der Studie könnte dies zu einem
Rückgang der amerikanischen Milcherzeugung um zehn Prozent führen; dieser
Verlust würde jedoch durch die Steigerung der Produktion auf anderen Agrargebieten mehr als ausgeglichen. Diese Studie sei nur eine von vielen, die gegenwärtig durchgeführt würden. Sie sei, so betonte Eberle, "keine Verhandlungs
basis, aber wir suchen nach Ideen." Eberle wies weiter darauf hin,» daß Japan
mehr Orangen nach den USA verkaufen wolle, die Entwicklungsländer mehr tropische Früchte, Australien mehr Weizen und Wolle und Kanada mehr Früchte und
Gemüse. "Wir sind bereit, über diese Dinge zu sprechen in dem Sinne: Wie kommen wir zu einer besseren Handelsbilanz?", so betonte Eberle. ,
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten wies darauf hin, daß Europa über
hohe amerikanische Industriezölle sprechen wolle, und das sei durchaus legitim
Aber es müsse sowohl auf dem Industriesektor wie auch auf dem Agrarsektor ein
Fortschritt erzielt werden. Er bekräftigte erneut, daß die Vereinigten Staaten
danach streben, das System der M^istbegünstigungsklausel auf das Sonderpräferenzsystem des Gemeinsamen Marktes angewendet zu sehen. Amerika begreife zwar,
daß es besondere kulturelle und historische Bindungen gebe, aber es sei zu
fragen, ob das für 55 Länder gelte.
Eberle

-2-

�Eberle räumte ein, daß auch über Exportkontrollen, wie etwa die amerikanische Kontrolle für die Ausfuhr von Sojabohnen und Schrott gesprochen werden müsse. Auf der anderen Seite brauche es die Welt nicht zu schockieren,
wenn ein Land bei Verknappungen einzelner Agrarprodukte ein System von Kontrollen benötige. Dies könne sogar vorteilhaft sein. Wenn manche Länder über
dieses Problem sprechen wollten, dann seien die USA jedoch nicht negativ eingestellt.
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten unterstrich ferner die Parallelität
der Handelsverhandlungen und der im September in Nairobi beginnenden Weltwährungsgespräche. Handels-, Währungs-*und Investitionssysteme machten zusammen ein besseres Gesamtwirtschaftssystem aus, so sagte er. Die Handelsgespräche sollten auf jeden Fall fortgeführt werden, auch wenn es noch kein Übereinkommen in den gegenwärtigen Gesprächen über Kompensationen der USA für Handelsverluste durch den Beitritt Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt gebe. Er
hoffe jedoch,daß ein solches Übereinkommen bis September erreicht werde.

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29/1973

US-HANDELSMINISTERIUM GIBT WEITERE EINZELHEITEN DES LIZENZIERUNGSSYSTEMS
BEKANNT
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das amerikanische Handelsministerium hat am 27. Juli
weitere Einzelheiten des Lizenzierungssysteros für die 41 Agrarprodukte bekanntgegeben, für deren Ausfuhr aufgrund der Ankündigung vom 5. Juli vorübergehend Lizenzen ausgestellt werden müssen. Die Bekanntgabe des Handelsministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Am 5. Juli hat das Handelsministerium ein Lizenzierungssystem für 41
Agrarprodukte, darunter eßbare Öle, tierische Fette und proteinhaltiges Viehfutter, bekanntgegeben.
Aufgrund der die 41 Agrarprodukte betreffenden Bekanntgabe vom 5. Juli
sind Lizenzen für Aufträge ausgestellt worden, die am oder vor dem 13. Juni
1973 für Exporte vor dem 1. Oktober 1973 angenommen worden sind. Heute
(27. Juli) hat das Handelsministerium ein Lizenzierungssystem für den Export
dieser Agrarprodukte aufgrund von Aufträgen bekanntgegeben, die nach dem
13. Juni angenommen worden sind, aber noch vor dem 1. Oktober ausgeführt
werden sollen. Es hat ferner die beschlossenen Verfahren für Erdnußmehl und
Baumwollsaatmehl, die Aflotoxin enthalten, verkündet.
Erstens werden für die neun Agrarprodukte, Sojabohnen und Baumwollsaatöl usw., Lizenzen für die Ausfuhr vor dem 1. Oktober zu 100 Prozent ausgestellt .solange noch ein Rest an nicht ausgeführten Aufträgen besteht, die

-1

�die am oder vor dem 20. Juli angenommen und gemeldet worden waren

Dies ist

der letzte Meldetermin für die bisherige Fortschreibung der Statistiken über
die veranschlagten Gesamtexporte.
Das Handelsministerium warnt die Exporteure davor, irgendwelche Schlüsse
bezüglich eines Lizenzierungssystems für Exportaufträge bei diesen neun AgrarProdukten zu ziehen, die nach diesem Termin gemeldet worden sind.
Zweitens werden Lizenzen für die 32 anderen Agrarprodukte ausgestellt
und zwar unter Berücksichtigung der Mengen, die jeder Exporteur von diesen
Agrarprodukten jeweils in den Monaten Juli bis September 1972 ausgeführt hat.
Praktisch wird der Exporteur eine Quote auf der Basis der bisherigen Ausfuhren
bei jedem dieser Agrarprodukte erhalten. Gegen diese Quote werden alle Exportlizenzen für Aufträge aufgerechnet, die am oder vor dem 13. Juni angenommen worden sind. Sofern diese Ausfuhren die Quote nicht übersteigen, kann für
den Rest eine Lizenz auf nach dem 13. Juni angenommene Aufträge für eine Ausfuhr vor dem 1. Oktober ausgestellt werden.
Für alle diese 32 Agrarprodukte, ausgenommen Talg, der nicht für menschlichen Genuß bestimmt ist, wird die Quote jeweils 100 Prozent der Exporte
in den Monaten Juli bis September 1972 betragen. Bei Talg, der nicht für den
menschlichen Genuß bestimmt ist, wird die Quote auf 90 Prozent der früheren
Ausfuhren des Exporteurs festgelegt. Es werden Lizenzen auf dieser Basis von
100 Prozent der nicht ausgeführten Aufträge, die nach dem 13. Juni angenommen wurden, solange ausgestellt, bis die Quotenhöchstgrenze erreicht ist.
Darüber hinaus hat das Handelsministerium bekanntgegeben, daß es die
noch nicht ausgeführten Teile aller angenommenen Exportaufträge auf Lieferung von für den menschlichen Genuß geeigneten Erdnüssen zu 100 Prozent lizenzieren wird, gleichgültig wann diese Aufträge angenommen wurden. Allerdings muß der Exporteur bei der Ausfuhr der Zollstelle eine Bescheinigung des
US-

••;.' . "

-2-

�US-Landwirtschaftsministeriums vorlegen, daß es sich um Erdnüsse handelt, die
für den menschlichen Genuß geeignet sind.
Bei Erdnußmehl, das 25 ppm Aflatoxin enthält, wird das Handelsministerium
die noch nicht ausgeführten Teile aller angenommenen Aufträge zu 100 Prozent
lizenzieren, gleichgültig zu welchem Zeitpunkt der Auftrag angenommen wurde.
Allerdings muß bei der Ausfuhr eine Bescheinigung des US-Landwirtschaftsministeriums über den Aflatoxingehalt vorgelegt werden.
Ferner teilt das Handelsministerium mit, daß zwar kein Lizenzierungssystem für aflatoxinhaltiges Baumwollsaatmehl geschaffen worden ist, daß jedoch
Exporteure, die eine Lizenz für solche Exporte erhalten wollen, diese unter Berufung auf die Härteparagraphen der Exportkontrollbestimmungen, die am 10.
Juli 1973 veröffentlicht worden sind, beantragen sollen."

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29/1973
DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN USA IM JUNI
- Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates WASHINGTON --(AD)— Der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten hat am 26. Juli
seinen Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten im Juni dieses Jahres veröffentlicht, in dem es unter anderem heißt:
Die im Juli veröffentlichten Statistiken für den Monat Juni und davor
zeigen ungewöhnlich scharfe Kontraste in der Wirtschaft.
1.

Die Inflation hat weiterhin rasch zugenommen bis zu dem Zeitpunkt, als

am 13. Juni der Preisstopp angeordnet wurde. Trotz der Inflation waren jedoch die Realeinkommen der Verbraucher nach Anpassung an die Preise hoch
und zeigten eine steigende Tendenz.
2.

Die Expansionsrate in der Wirtschaft hat sich verlangsamt, Produktion

und Beschäftigung waren jedoch hoch, und die Arbeitslosigkeit ging zurück.
3.

Unsere internationale Handelsbilanz hat sich verbessert, der Wert des

Dollar an den ausländischen Devisenmärkten ging jedoch zurück.
Das überragende Problem, was die Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit und Regierung angeht, war die Inflation.
Die überragende Tatsache, was die Lebensbedingungen der amerikanischen
Bevölkerung angeht, war der hohe Stand der realen Einkommen und des realen
Verbrauchs.
Der
-1-

�Der Index der Verbraucherpreise stieg von Mai bis Juni um 0,6 Prozent.
Dieser Anstieg trat fast ausschließlich vor dem Preisstopp II ein. über das
Verhalten der Preise während des Preisstopps liegen noch keine statistischen
Unterlagen vor.
Der Anstieg der Verbraucherpreise im Juni um 0,6 Prozent war der gleiche wie im April und im Mai. Die Zunahme während dieser drei Monate war etwas
geringer als in den vorangegangenen drei Monaten. Die Jahresrate der Zunahme
des Verbraucherpreis-Indexes ging von 8,6 Prozent in den ersten drei Monaten
des Jahres auf 7,4 Prozent im zweiten Quartal zurück. Diese leichte Verlangsamung der Inflationsrate war auf einen Rückgang der Inflationsrate bei den
Lebensmittelpreisen zurückzuführen, die jedoch selbst nach dem Rückgang außerordentlich hoch blieben...
Ziemlich weitverbreitet war die Zunahme der Verbraucherpreise außerhalb
des Lebensmittelsektors. Außergewöhnlich starke Zunahmen traten bei Benzin
und Gebrauchtwagen auf. Zu der Beschleunigung der Preisbewegung trugen auch
wesentlich Kleidung und Dauergüter für den Haushalt bei.
Ein wichtiges Element der Preissteigerungen in diesem Jahr war der scharfe Anstieg der Importpreise, was zum Teil auf den Weltboom und zum Teil auf
die Abwertung zurückzuführen war. Obwohl der Anteil dieses Faktors schwer zu
erfassen ist, läßt sich der Umfang aus der Tatsache ermessen, daß der Preisindex für Importe (in den Berechnungen des Bruttosozialproduktes) zwischen dem
ersten und dem zweiten Quartal dieses Jahres mit einer Jahresrate von 41 Prozent gestiegen ist. Die Preise der in den Großhandelspreisindex aufgenommenen
importierten Industriegüter stiegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit einer Jahresrate von 39 Prozent...
Das zweite Quartal 1973 brachte eine deutliche Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz. Auf der Basis eines Indikators überstiegen die Exporte in diesem Quartal etwas die Importe, verglichen mit einem Importüber-

-2-

�Importüberschuß von 1,5 Milliarden Dollar vor zwei Quartalen. Auf der Basis
eines anderen Indikators war im zweiten Quartal 1973 noch immer ein Delizit
von rund 300 Millionen Dollar vorhanden gegenüber einem Defizit von 1,7
Milliarden Dollar vor zwei Quartalen. Nach den Statistiken des Bruttosozialproduktes änderten sich unsere Nettoexporte an Gütarn und Dienstleistungen
von einem Defizit auf Jahresbasis von 5,7 Milliarden Dollar vor einem Jahr
in einen Überschuß - auf Jahresbasis - von 1,7 Milliarden Dollar im zweiten
Quartal 1973. Diese BSP-Statistiken sind jedoch erst vorläufig...
Die Statistiken für das erste Halbjahr zeigen das Bild einer Wirtschaft;
mit großen Leistungen - in Produktion, im Realeinkommen, in der Beschäftigung
und in der Handelsbilanz.Es trat eine notwendige und wünschenswerte Verlangsamung der Expansionsrate ein, ohne daß jedoch irgendwelche Anzeichen von
Störungen sichtbar wurden. Die Wirtschaft kämpfte mit einem großen Inflationsproblem. Ein Element in diesem Kampf war die Anstrengung der Regierung, die
Ausgaben zu beschränken.
Im Finanzjahr 1972/73 betrugen die Bundesausgaben 246 Milliarden Dollar,
was wesentlich unter den ursprünglichen Haushaltsvoranschlägen lag. Die Zunahme des Geldumlaufs im ersten Halbjahr lag bei einer Jahresrate von rund
sechs Prozent, verglichen mit einer Jahresrate von acht Prozent im Jahre 1972.
Ende des ersten Halbjahres wurde eine Intensivierung der antiinflationären
Anstrengungen bekanntgegeben. Das System der Lohn-Preis-Kontrollen soll wesentlich verschärft werden. Eine Politik der monetären Zurückhaltung soll fortgesetzt werden. Das Ziel der Politik soll ein restriktiverer Haushaltsansatz
sein, um das Budget für das Finanzjahr 1973/74 auszugleichen. Auf diese Weise
will die Regierung versuchen, die Inflation einzudämmen und gleichzeitig den
Wohlstand des Landes aufrechtzuerhalten.

i""l '(*

�</text>
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und
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1. August 1979

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G. William Miller: Neuer Finanzminister der USA
Paul Adolph Volcker:

Der neue Präsident des amerikanischen Zentralbank-

rates (Bundesbankpräsident)
Charles W. Duncan:

Der neue Energieminister der USA

Benjamin R. Civiletti:

Der neue Justizminister der USA

Patricia Roberts Harris:

Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialministerin

Der neue Verkehrsminister der USA:

Neil Goldschmidt

Der neue Minister für Wohnungsbau und Städteplanung:

Moon Landrieu

DOKUMENTATION
Vance und Seignious sprechen über Einstellung der NATO-Verbündeten zu
SALT II

HINTERGRUNDMATERIAL
Erneuerungsfähige Energiequellen
USA:

Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Solarzellen nach neuem Herstellungsverfahren
Neue thermische Batterie zum Speichern von Wärme

Um Übef/encJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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1. August 1979

G. WILLIAM MILLER: NEUER FINANZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - G. William Miller, der bisherige Präsident des
amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident), ist am 19. Juli 1979
von Präsident Jimmy Carter zum neuen Finanzminister - Secretary of the
Treasury - ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von W. Michael Blumenthal
an.
Wie sein Vorgänger wird Miller zu den "gemäßigten" Demokraten gerechnet,
und beide haben sich aus kleinen Verhältnissen bis in die Spitze großer
Konzerne hochgearbeitet.

Beide sind auch der Auffassung, daß die Inflation

das wirtschaftliche Problem Nummer Eins der Vereinigten Staaten ist und die
Regierungsausgaben straff gezügelt werden müssen, wenn man der Inflation
entgegenwirken will.

Und schließlich treten beide für ein gemäßigt hohes

Zinsniveau, freiwillige Lohn- und Preisbeschränkungen und einen ausgeglichenen
Staatshaushalt ein.
Bevor Miller den Posten als Bundesbankpräsident übernahm, war er
Präsident der "Textron Inc.", eines Mischkonzerns, der seinen Hauptsitz
in Providence (Rhode Island) hat und 280 Betriebe und Fabrikanlagen in den

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�den Vereinigten Staaten und im Ausland umfaßt.

"Textron" beschäftigt

65 000 Personen und hatte im Jahre einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig bekleidete Miller den Posten des Direktors der Landeszentralbank von Boston und war Vorsitzender der Nationalen Unternehmervereinigung.
Miller stammt aus Oklahoma.

Er wurde am 9. März 1925 in Sapulpa

geboren, studierte an der Akademie der amerikanischen Küstenwache und
diente als Offizier im Pazifik und in Fernost.
Im Jahre 1952 schloß er sein juristisches Studium an der Universität
von Kalifornien ab und arbeitete als Anwalt in New York.
Im Juni 1960 wurde Miller zum Präsidenten des "Textron"-Konzerns
gewählt und übernahm 1968 in diesem Konzern den Posten des Generaldirektors;
im Jahre 1974 wählte man ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden.
Miller war außerdem Ko-Vorsitzender im amerikanisch-sowjetischen
Handels- und Wirtschaftsrat und im polnisch-amerikanischen Wirtschaftsrat und führte seit 1977 den Vorsitz im Industrie- Beratungskomitee des
Präsidialausschusses für Chancengleichheit am Arbeitsplatz.
Er ist mit Ariadna Rogojarsky verheiratet.

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1. August 1979

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PAUL ADOLPH VOLCKER:

DER NEUE PRÄSIDENT DES AMERIKANISCHEN ZENTRALBANKRATES
(BUNDESBANKPRÄSIDENT)

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Carter hat Paul Adolph Volcker, den

bisherigen Präsidenten der Landeszentralbank in New York, als Nachfolger von
C. William Miller, der nach der Kabinettsumbildung als Leiter des Finanzministeriums vorgeschlagen wurde, zum Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident) ernannt.
Präsident Carter hob in einer Erklärung die Verdienste Volckers hervor:
'Er ist ein Mann mit umfassender Erfahrung im Wirtschafts- und Finanzbereich
und genießt höchstes Ansehen im Ausland.

Er teilt meine Entschlossenheit, die

Schlacht gegen die Inflation im eigenen Lande energisch fortzuführen und im
Ausland die Stärke und die Stabilität des Dollar sicherzustellen."
In das vielfältige positive Echo auf die Ernennung stimmten so bekannte
Persönlichkeiten wie George Shultz, ehemaliger Finanzminister, Arthur F.
Burns, einer der Amtsvorgänger Volckers und David Rockefeller, der Vorsitzende
der Chase Manhattan Bank, ein sowie Senator William Proxmire, der Vorsitzende
des Bankenausschusses des Senats, der bemerkte: "Der Präsident hat eine

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�eine hervorragende Wahl getroffen.

Paul Volcker ist ein Mann von hoher

Intelligenz und bewiesenen Führungseigenschaften."
Die größte Gefahr für die amerikanische Wirtschaft geht nach Volcker
noch immer von der Inflation aus.

In einer Rede am 6. März 1979 erklärte er:

"Die Hauptrisiken für die grundlegenden Aussichten unserer Wirtschaft - und
ich denke nicht nur an 1979, sondern darüber hinaus - rühren von der Unsicherheit her, die durch die Inflation und den schwachen Dollar verbreitet
wird."
Der neue Bundesbankpräsident bringt einen reichen Erfahrungsschatz ins
Amt: Am 5. September 1927 geboren, studierte Volcker an den Universitäten
Princeton,Harvard und an der London School of Economics. Im Jahre 1952 kam
er als Wirtschaftswissenschaftler zur New Yorker Landeszentralbank und ging
fünf Jahre später als Finanzwirtschaftler zur Chase Manhattan Bank in New
York. Im Jahre 1962 wurde er Direktor für Finanzanalyse im Finanzministerium
und stieg ein Jahr später zum Stellvertretenden Staatssekretär für Monetäre
Angelegenheiten auf. Von 1965 bis 1969 war er Vizepräsident der Chase
Manhattan Bank und kehrte dann wieder ins Finanzministerium zurück, bis er
1975 Präsident der New Yorker Landeszentralbank wurde.
*

Der Zwei-Meter-Mann wurde in seinen Jahren als Staatssekretär im Finanzministerium auch mit der internationalen Szene wohlvertraut, als er in der
turbulenten Zeit, als das alte Bretton-Woods-System zusammenbrach und die
Aera der frei fluktuierenden Wechselkurse begann, im Zentrum des Geschehens
stand.
Paul A. Volcker ist verheiratet mit der ehemaligen Barbara Marie
Bahnson, hat zwei erwachsene Kinder, Janice und James, und zu seinen Hobbies
gehören die Gartenarbeit, das Fischen und Weinmachen, sowie eine gute
Zigarre.
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CHARLES W. DUNCAN:

DER NEUE ENERGIEMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Charles W. Duncan, der neue Energieminister, beschäftigte sich bereits vor 32 Jahren mit Energie: In seinem Heimatstaat Texas hob
er Gräben für die Verlegung einer Erdgasleitung aus, nachdem er als Chemieingenieur von der Universität abgegangen war. Seither war er Präsident von Coca
Cola, Chef einer großen Investmentfirma und schließlich zweiter Mann im Verteidigungsministerium. Schon seine Ernennung zum Stellvertretenden Verteidigungsminister war von einem langjährigen Berater Präsident Carters, Charles
Kirbo, plausibel erklärt worden: "Jimmy wollte einen guten Geschäftsmann im
Verteidigungsministerium". Und als ihn Carter am 20. Juli auswählte, an die
Spitze des schwierigen Energieministeriums zu treten, war auch hier seine Antwort die eines Geschäftsmannes: Reportern teilte er mit, er werde versuchen,
das Ministerium "im besten unternehmerischen Stil" zu führen,und sehe in der
Reorganisation und in einer straffen Führung der Energiebehörde seine erste
Aufgabe.
"Fair und praktisch" wurde er auch vom derzeitigen Chef der Firma Coca
Cola eingestuft und TIME nannte ihn "einen zähen Geschäftsmann mit wenig Geduld für die Art von Bürokraten:

Geben Sie mir eine klare Antwort - ja oder

nein", verlangt er von seinen Mitarbeitern.
Duncan

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�Duncan wurde am 9. September 1926 in Houston, Texas, geboren, erwarb
an der Rice-Universität den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und
studierte an der Universität Texas weiter.
Er arbeitete zunächst ein Jahr bei der Humble Oil and Refining Company
und trat dann in den väterlichen Lebensmittel betrieb, Duncan Foods Company,
ein, deren Präsident er wurde.

Im Jahre 1958 wurde seine Firma von Coca Cola

übernommen, und er selbst trat ebenfalls in den Dienst der weltweiten Getränkefirma, deren Präsident in der Zentrale in Atlanta er 1971 wurde und wo er
auch den damaligen Gouverneur Jimmy Carter traf.
Er ist in zweiter Ehe mit Anne Smith verheiratet; das Ehepaar hat einen
Sohn und eine Tochter.

Auf seiner Farm in Wyoming geht er dem Angeln und der

Jagd nach und spielt Tennis.

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BENJAMIN R. CIVILETTI:

DER NEUE JUSTIZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - "Ben Civiletti war ein Bollwerk der Unterstützung",
sagte der bisherige Justizminister Griffin B. Bell über seinen Stellvertreter
- den Mann, den Präsident Carter zu dessen Nachfolger ernannt hat.
Der 44jährige Benjamin Richard Civiletti kam zum erstenmal im März 1977
ins Justizministerium als Unterstaatssekretär, zuständig für die Kriminalabteilung.

Zu jener Zeit war er Partner im Anwaltsbüro Venable, Beatier und

Howard in Baltimore, nachdem er vorher in derselben Stadt als Stellvertretender
Staatsanwalt tätig gewesen war.
Er fungierte als Mitglied verschiedener Spezialabteilungen und Ausschüsse an Bundesgerichten und einzelstaatlichen Gerichten.

An der Universität

von Maryland hielt er Vorlesungen zum Thema Verfahrenspraktiken und Prozeßtechniken.
Im August 1977 wurde er Mitglied der Amerikanischen Vereinigung der
Strafverteidiger. Als Anwalt und als Verwaltungsmann ist Civiletti

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�Civiletti als "Technokrat" mit scharfem Rechtsverstand bekannt.

Als

Carter ihn am 19. Juli an die Spitze des Justizministeriums berief,
beschrieb er sich selbst vor der Presse als eine Person "mit wenig
Humor und Brillanz".
Für das Justizministerium wurde er zum erstenmal vor zwei Jahren
von Charles Kirbo vorgeschlagen, einem engen Berater Präsident Carters,
der vorher Teilhaber des Anwaltsbüros Bell in Atlanta gewesen war.
Im Verlauf eines halbstündigen Treffens am 19. Juli im Weißen Haus
bat ihn der Präsident ausdrücklich - so Civiletti -, die Politik seines
Vorgängers fortzuführen und das Justizministerium von parteipolitischem
Einfluß freizuhalten.
Als Stellvertretender Justizminister war er unmittelbar für die Überwachung des Bundeskriminalamtes (FBI) zuständig, sowie für die Drogenabteilung, die Strafvollzugsbehörde, die Abteilung für Gefängnisse und
viele andere Abteilungen.
Civiletti absolvierte die Johns Hopkins Universität und schloß im
Jahre 1961 seine Studien an der Juristischen Fakultät der Universität von
Maryland ab. Er wurde in Peekskill im Staate New York geboren und ist
mit der beborenen Gaile Lundgren aus Baltimore verheiratet. Das Ehepaar
hat drei Kinder.

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1. August 1979

PATRICIA ROBERTS HARRIS: GESUNDHEITS-, ERZIEHUNGS- UND SOZIALMINISTERIN

WASHINGTON - (AD) - Zur neuen Gesundheits-, Erziehungs- und
Sozialministerin der Vereinigten Staaten hat Präsident Carter am 19. Juli 1979
die bisherige Wohnungsbauministerin seines Kabinetts, Patricia Roberts
Harris, ernannt. Mrs. Harris, die die erste schwarze Botschafterin der
Vereinigten Staaten war, tritt die Nachfolge von Joseph A. Califano an.
Sie hat sich als Juristin seit langem für soziale Belange der Bevölkerung
eingesetzt.
Patricia Harris wurde am 3. Mai 1924 in Mattoon, Illinois, als
Tochter eines Speisewagenkellners geboren. Sie wuchs in Chicago auf und
besuchte dort eine höhere Schule. Beim Schulabgang wurden ihr fünf
Universitätsstipendien angeboten; sie entschied sich für die HowardUniversität in Washington, die vorwiegend von Schwarzen besucht wird.
Nach Beendiguno ihres Studiums, das sie als Bachelor of Arts mit summa
cum laude abschloß, kehrte sie für zwei Jahre nach Illinois zurück, wo
sie an der Universität von Chicago tätig war. Washington lockte jedoch
wieder; 1949 ging sie an die dortige American University. Gleichzeitig
hatte sie den Posten eines Stellvertretenden Direktors des Amerikanischen

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�Amerikanischen Rates für die Menschenrechte inne.

Von 1953 - 1959 war

Mrs. Harris als Exekutivsekretär einer Negerstudentinnen-Verbindung
tätig.

Im Jahre 1955 heiratete sie einen Washingtoner Juristen, William

Bealey Harris, der damals zum Lehrkörper der Howard-Universität gehörte.
Zum Teil auf Drängen ihres Ehemannes und zum Teil aufgrund ihres
wachsenden Interesses an der Jurisprudenz schrieb sie sich an der
juristischen Fakultät der .George Washington-Universität ein.

Im Jahre

1960 schloß sie ihr Jurastudium als Beste in einer Klasse von 94 ab.
Nach einjähriger Tätigkeit als Staatsanwältin im amerikanischen
Justizministerium schloß sie sich dem Lehrkörper der Howard-Universität an
und erhielt eine Professur für Rechtswissenschaften.
Unter den Administrationen Kennedy und Johnson gehörte Mrs. Harris
verschiedenen Kommissionen an, die für die Förderung der Frauenrechte eintraten. Im Jahre 1965 ernannte sie Präsident Johnson dann zur amerikanischen
Botschaft«rin im Großherzogtum Luxemburg; damit wurde Mrs. Harris die erste
schwarze Botschafterin der USA. Nach zwei erfolgreichen Jahren in
Luxemburg, wo auch ihr Ehemann als Rechtsberater des State Department
tätig war, kehrte das Paar nach Washington zurück. Mrs. Harris nahm
ihre Lehrtätigkeit wieder auf, die allerdings nach kurzer Zeit schon
wieder unterbrochen wurde, als Präsident Johnson sie zum Mitglied der
amerikanischen Delegation bei den Vereinten Nationen ernannte.
An die Howard-Universität zurückgekehrt, wurde sie 1969 Dekan der
juristischen Fakultät, trat von diesem Posten jedoch schon nach einem
Monat zurück, weil sie sich den Forderungen schwarzer Studenten nach einer
größeren Mitspracherolle nicht beugen wollte.
Mrs. Harris war Mitglied der Washingtoner Anwaltsfirma Fried, Frank,
Harris, Shriver und Kampelmann.

Sie ist Inhaberin von 30 Auszeichnungen.
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1. August 1979

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DER NEUE VERKEHRSMINISTER DER USA:

NEIL GOLDSCHMIDT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Bürgermeister
der Stadt Portland im Staate Oregon, Neil Goldschmidt, im Rahmen seiner
Kabinettsumbildung zum neuen Verkehrsminister der Vereinigten Staaten
ernannt.
Neil Goldschmidt ist seit 1972 Bürgermeister von Portland.
Er war Delegierter der USA auf der Konferenz über "öffentliches
Transportwesen und Umwelt", die im Rahmen der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) abgehalten wurde.
Er ist einer der Vorsitzenden des Arbeitsstabs für Energie des
amerikanischen Städtetages und war vorher Vorsitzender des Verkehrsausschusses der amerikanischen Bürgermeisterkonferenz. Außerdem ist er
Mitglied des Beirats für Probleme der einzelstaatlichen und kommunalen
Verwaltung an der John F. Kennedy School of Government der HarvardUniversität.
Nach

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�Nach seiner Bestätigung durch den Senat wird Goldschmidt Brock Adams
ablösen.

Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jody Powell, teilte Reportern

mit, Präsident Carter betrachte Goldschmidt als "einen streitbaren Bürgermeister mit Gespür für Neuerungen und hervorragenden Verwaltungsfähigkeiten".
Auch verstehe er "aus eigener Erfahrung die Verkehrsprobleme" der Nation.
Goldschmidt wurde am 16. Juni 1940 in Eugene, Oregon geboren.

Seine

Ausbildung schloß ein Studium der Politischen Wissenschaften an der Universität
von Oregon sowie an der Universität von Kalifornien in Berkeley ein.
1965 Ist er mit der ehemaligen Margaret Wood verheiratet.
Kinder.

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Seit

Sie haben zwei

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1. August 1979

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DER NEUE MINISTER FÜR WOHNUNGSBAU UND STÄDTEPLANUNG: MOON LANDRIEU

WASHINGTON - (AD) - Als Präsident Carter Moon Landrieu zum Minister
für Wohnungsbau und Städteplanung ernannte, stellten Beobachter fest, daß
er einen tatendurstigen und ungemein populären Großstadt-Bürgermeister ausgesucht hatte.
Landrieu, 49 Jahre alt, war von 1970 bis 1978 Bürgermeister von New
Orleans und zeichnete verantwortlich für die Errichtung der gigantischen
"Superdome" Sportarena, belebte das Zentrum der Stadt neu, erneuerte das
historische französische "Quartier" und nahm Farbige in hohe Positionen
der Stadtverwaltung auf.
Bei der Ernennung sagte Präsident Carter:

"Bürgermeister Landrieu

genießt landesweite Achtung als fortschrittlicher Bürgermeister und
starker Verwaltungsmann sowie als respektierter und wirkungsvoller Sprecher
für die Kommunal Verwaltung."
Landrieu wurde auch hohes Lob von seiner Vorgängerin, Frau Patricia
Roberts Harris, zuteil, die von Carter als Gesundheitsministerin eingesetzt

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�eingesetzt wurde und die ihn als "einen ideenreichen Führer und begabten
Verwaltungsmann" bea'chnete und fortfuhr: "Er ist dem Dienst an denjenigen
verpflichtet, die nur wenig haben,und den großen und kleinen Kommunen im
ganzen Land, die Not leiden".
Als Sohn eines Ladenbesitzers hat Landrieu fast sein ganzes Leben der
Politik verschrieben.

Im Jahre 1960 wurde er zum erstenmal in das Abge-

ordnetenhaus von Louisiana gewählt und 1964 wiedergewählt.

Seiner Zeit oft

voraus, stimmte Landrieu einmal als Verfechter der Rassengleichheit als
einziger gegen die Rassentrennung, während 99 seiner Kollegen sich anders
entschieden.
Im Jahre 1966 wurde Landrieu zum Stadtratsmitglied von New Orleans
gewählt, vier Jahre später zum Bürgermeister. Außerdem war er Präsident
der amerikanischen Konferenz der Bürgermeister, M-tglied des Beirats der
Nationalen Städteliga und Mitglied des Aufsichtsr&lt;its der Nationalen
Städtekoalition, einer überparteilichen Organisation mit dem Ziel der
Verbesserung des Schicksals der Schwarzen und anderer Minderheiten in
den Vereinigten Staaten.
Am 23. Juli 1930 in New Orleans geboren, studierte er Verwaltung und
Recht an der Loyola-Universität von New Orleans und diente nach Abschluß
seiner Studien drei Jahre lang in der Armee, bevor er in einer Anwaltsfirma
in New Orleans tätig wurde und danach einen Platz im Abgeordnetenhaus von
Louisiana errang.
Er ist mit der ehemaligen Verna M. Satterlee verheiratet. Sie haben
5 Töchter und 4 Söhne, deren Vornamen alle mit "M' anfangen. Ursprünglich
hieß Landrieu mit Vornamen Maurice, jedoch ließ er ihn amtlich in "Moon"
abändern.

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1. August 1979

VANCE UND SEIGNIOUS SPRECHEN ÜBER EINSTELLUNG DER NATO-VERBÜNDETEN
ZU SALT II

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance und
der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), General
George M. Seignious, äußerten sich am 30. Juli 1979 vor dem Militärausschuß
des Senats über die Einstellung der NATO-Verbündeten zum SALT II-Vertrag.
Die Ausführungen von Außenminister Vance zu diesem Thema haben folgenden
Wortlaut:
SALT II ist auch eine Angelegenheit von großer Bedeutung für unsere Verbündeten in der NATO und anderswo. Sie unterstützen den Vertrag nachdrücklich,
Denn er erhöht ihre Sicherheit zusammen mit der unsrigen.
- Der Vertrag trägt dazu bei, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das für die Glaubwürdigkeit unserer gemeinsamen Verteidigung lebenswichtig ist.

Der

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�- Der Vertrag trägt zur Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen in
Europa und anderswo bei.
- Der Vertrag erleichtert unsere kollektive Anstrengung, die konventionellen Streitkräfte und die nuklearen Gefechtsfe'ldstreitkräfte des Bündnisses
zu stärken.
- Der Vertrag entspricht ihren (der Verbündoten) seit langem bestehenden
Interessen, eine starke Verteidigung durch wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen
zu ergänzen.
Unsere Verbündeten sind befriedigt, daß diese Vorzüge verwirklicht werden
können, ohne in die bestehenden Verfahren der nuklearen und konventionellen
Zusammenarbeit im Bündnis einzugreifen.
Um klarzustellen, daß nichts in dem Vertrag die weitere Zusammenarbeit
in Waffentechnologie und Waffensystemen verhindern würde, haben wir am 29.
Juni im Nordatlantikrat eine detaillierte Erklärung abgegeben - eine Erklärung, über die wir uns im voraus eng konsultiert hatten. Wir unterstrichen,
daß wir keine Verpflichtung bezüglich der NichturTgehung über die grundlegenden
Lehrsätze des internationalen Rechts hinaus eingegangen sind und daß der Vertrag die bestehenden Verfahren der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
nicht berühren wird. Ebensowenig wird er die Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Modernisierung verhindern.
Und um klarzustellen, daß SALT II künftige Optionen sowohl hinsichtlich
der Rüstungskontrolle als auch der Modernisierung von nuklearen Gefechtsfeldwaffen nicht ausschließt, haben wir erklärt, daß alle künftigen Begrenzungen
für amerikanische Systeme, die hauptsächlich für Sefechtsfeidaufgaben vorgesehen sind, von angemessenen Begrenzungen sowjetischer Gefechtsfeldsysteme
begleitet sein müssen.
Auf

- 2 -

�Auf der gleichen Sitzung des Nordatlantikrates gaben unsere NATO-Verbündeten eine formelle Erklärung ab, in der sie sich hinter den Vertrag stellen
und sein baldiges Inkrafttreten fordern.
Während unsere Verbündeten den Vertrag als eine positive Entwicklung begrüßt haben, haben sie auch ihre tiefe Besorgnis über die Folgen zum Ausdruck
gebracht, wenn der Vertrag abgelehnt würde.

So wie die Abkühlung der amerika-

nisch-sowjetischen Beziehungen in der Vergangenheit zu einer Verschärfung der
Spannungen in Europa geführt hat, so würde eine neue Runde des strategischen
Wettstreits einen Frosteinbruch in Europa bringen.
Wenn also SALT fehlschlagen sollte, wäre unseren Verbündeten und unseren
Bündnissen in der ganzen Welt schlecht gedient. Unsere Verbündeten erwarten
von uns militärische Stärke. Sie erwarten von uns, daß wir in dem Streben nach
größerer Stabilität und Frieden die Führung übernehmen. Eine Ablehnung dieses
Vertrages wäre ein Schock für das Gefühl der gemeinsamen Zielsetzung, das uns
zusammenhält.
Die Ausführungen des Direktors des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung, George Seignious, haben folgenden Wortlaut:
Das NATO-Bündnis erwartet von den Vereinigten Staaten grundsätzlich die
Erfüllung der folgenden zwei Aufgaben:
- die Aufrechterhaltung einer starken Abschreckung und einer starken Verteidigung sowie
- die Führungsrolle in den Ost-West-Beziehungen, um einen Krieg zu vermeiden, der die Länder Europas genauso vernichten würde wie unser eigenes.
SALT II trägt zu beidem bei.
Im

- 3 -

�Im Jahre 1944 setzte ich zum erstenmal meinen Fuß auf europäischen Boden als Angehöriger der 10. Panzerdivision.

Während der Krise im Zusammenhang

mit dem Bau der Berliner Mauer in den Jahren 1961-63 befehligte ich ein Kavallerieregiment am Eisernen Vorhang.

Im Jahre 1969 befehligte ich die 3. In-

fanteriedivision, und 1970 war ich US-Oberbefehlshaber in Berlin.

Ich bin der

Überzeugung, daß die grundlegenden Sicherheitsinteressen der NATO sich nicht
von den unsrigen unterscheiden:

Stabilität, Verhinderung eines Nuklearkriegs

und Erhaltung des strategischen und konventionellen militärischen Gleichgewichts.

Das 20. Jahrhundert hat Europa, genauso wie jede

andere

Region der

Erde die zerstörerische Gewalt des Krieges, die Vorteile der Stabilität und die
Notwendigkeit einer starken Verteidigung gelehrt.
Stabilität ist besonders wichtig für Europa, wo starke militärische Kräfte
in geringer Entfernung voneinander konzentriert sind, wo Tausende von Nuklearwaffen disloziert sind und wo ein Schauplatz der historischen Konfrontation
auch heute noch von höchstem Sicherheitsinteresse für jede der Supermächte ist.
Das Risiko eines Nuklearkriegs ist für Europäer genauso groß wie für Amerikaner,
und Stabilität ist ein Grunderfordernis und kein Luxus.
Für die europäische Sicherheit ist die Bewahrung des amerikanisch-sowjetischen nuklearstrategischen Gleichgewichts von grundlegender Bedeutung.
SALT II wird es uns im Zusammenhang mit unseren eigeien Verteidigungsprogrammen
ermöglichen, dieses Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Ebenso grundlegend ist die, Aufrechterhaltung des Gleichgewichts auf dem
Gefechtsfeld in Europa. Die NATO hat gegenwärtig mit einem ehrgeizigen und
teuren Programm zur Verbesserung ihrer Streitkräfte Degonnen. Ich bin der Ansicht, daß dieses Programm, das so wichtig für die ejropäische Sicherheit ist,
viel schwieriger durchzuführen wäre, wenn unsere Aufmerksamkeit und unsere
Mittel sich stattdessen auf ein ungehemmtes strategisch-nukleares Wettrüsten
konzentrieren würden.
SALT II

�SALT II engt in keiner Weise unsere Zusammenarbeit mit der NATO ein und
ist kein Ausverkauf der Interessen unserer Verbündeten:
- Wir haben unsere Verbündeten ausführlich konsultiert.

Zum Beispiel hatten

wir etwa 40 Zusammenkünfte mit dem Nordatlantikrat, um über SALT II zu sprechen; die Hälfte davon fand innerhalb der letzten zwei Jahre statt.
- Wir haben bei unseren Verhandlungepositionen die Sicherheitsbedenken
unserer Verbündeten mit in Rechnung gezogen. Zum Beispiel sieht SALT II keinerlei Beschränkungen der in Europa dislozierten Kernwaffensysteme vor.
- SALT II behindert nicht die traditionellen Verfahren der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, einschließlich der Weitergabe von Waffensystemen und anderer fortschrittlicher Technologie.

Die Sowjets schlugen zu Be-

ginn von SALT II qine strikte Klausel gegen den Transfer vor.
se und ähnliche sowjetische Vorschläge zurück.

Wir wiesen die-

Es gibt in SALT II keine Be-

stimmung gegen den Transfer.
- Und wie ich bereits sagte werden die Beschränkungen im Protokoll hinsichtlich land- und seegestützter Marschflugkörper auslaufen, bevor wie soweit sind, sie dislozieren zu können. Wir werden genügend Zeit haben, um sorgfältig und in Einklang mit unseren europäischen Verbündeten zu planen, wie wir
unsere Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte in der NATO am besten modernisieren
können. Und dieser Prozeß hat bereits begonnen.
Nach dem Gipfeltreffen in Wien kehrte ich über den Nordatlantikrat in
Brüssel nach Hause zurück, nachdem ich auch in Genf und in London Station gemacht hatte. Jedesmal informierte ich die Verbündeten.

Ich kann sagen, daß

alle ohne jede Ausnahme SALT II ihre äußerste Unterstützung zusagten.
In diesem Punkt sagen Worte von Europäern jedoch mehr als die Zusicherungen, die ich geben kann.

Im Juni sagte es Bundeskanzler Helmut Schmidt

klar und deutlich: (7. Juni, Harvard)
"SALT II

�"SALT II ist natürlich nicht nur eine innenpolitische Angelegenheit der
Amerikaner.

Deshalb informierte die amerikanische Regierung ihre Verbündeten

über den Fortschritt der Gespräche und konsultierte s,ie auch.
ist ein Stück Weltgeschichte.

Dieser Vertrag

Er ist auch ein Stück Weltsicherheit und ein

Stück der Sicherheit meines eigenen Landes.
punkt kooperativer Rüstungsbegrenzung.

Im Augenblick ist es ein Höhe-

Die Bundesrepublik Deutschland unter-

stützt den SALT Il-Vertrag und hofft, daß er bald durch Washington und Moskau
ratifiziert werden wird."

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1. August 1979

ERNEUERUNGSFÄHIGE ENERGIEQUELLEN
USA:

Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant

- (AD) - Amerika ist entschlossen, erneuerungsfähige Energiequellen in
einer Weise zu erschließen und weiterzuentwickeln, daß sie im Jahr 2000 etwa
20 Prozent des Energiebedarfs decken.

Gegenwärtig sind diese nur zu fünf Pro-

zent an der Energieproduktion beteiligt, wobei der Hauptanteil auf Wasserkraft entfällt.

Regierungsbeamte sind überzeugt, daß man heute vorhandene

technische und finanzielle Probleme werde lösen können, um z.B. ein Drittel
der erwähnten 20 Prozent aus der direkten Nutzung von Sonnenenergie zu gewinnen.

Für den Rest kommen Wasserkraft, Umwandlung von Biomassen, Windkraft,

Methan aus Kohlefeldern und weitere unkonventionelle Quellen in Frage.

Der "Verband der solartechnischen Industrie" (SEIA = Solar Energy Industries
Association) ist optimistisch hinsichtlich der Möglichkeiten, das gesteckte
Ziel zu erreichen.

Die 1974 gegründete Vereinigung, die mit sechs Mitgliedern

begann und inzwischen mehr als 1000 zählt, hat viel dazu beigetragen, daß in
den Vereinigten Staaten bereits über 20 000 Solaranlagen aller Größenordnungen
in Betrieb sind.

Diese Zahl soll, sobald im Oktober 1980 die von Präsident

Carter vorgeschlagene "Sonnenbank" ihre Tätigkeit aufnimmt, im Verlauf eines
Jahres schon auf etwa 100 000 anwachsen.
Mehr

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�Mehr als 150 amerikanische Firmen, die sich mit der Entwicklung von
Solaranlagen befassen, sind an der Börse vertreten.

Einige von ihnen bezie-

hen die Hälfte ihrer Einkünfte aus dem Absatz von solartechnischen Ausrüstungen, während bei Großfirmen wie EXXON, IBM oder Xerox dieses Geschäft mit erst
knapp einem Prozent zu Buche schlägt. Aber auch sehr kleine Unternehmen - man
schätzt ihre Zahl auf 150 bis 200, die zu klein sind, um z.B. Aktien auszugeben - sind maßgeblich in der solartechnischen Forschung und auf dem Verkaufssektor engagiert.

Und neben diesen Firmen gibt es noch eine Anzahl von Orga-

nisationen wie die "Zentrale für erneuerungsfähige Ressourcen" und die "SolarLobby" zur Förderung der Sonnenenergie-Technik in Washington, die in Fragen
der Sonnenenergie vor allem mit den Kommunen zusammenarbeiten.

Sie setzen

sich mit Ausdauer für geeignete Maßnahmen auf allen Ebenen ein und bemühen sich
darum, finanzielle Mittel zu mobilisieren und die öffentliche Aufmerksamkeit
auf Solarprogramme zu lenken.
Das amerikanische Energpeministerium hat, analog zu dem bewährten
"Extension Service" des Landwirtschaftsministeriums, einen Förder- und Beraterdienst für den Energiesektor eingerichtet. Er so'1 die einzelnen Bundesstaaten bei Sparmaßnahmen unterstützen und gemeinsam mit Ihnen Energieprogramme
entwickeln, die den jeweiligen regionalen und örtlichen Gegebenheiten angepaßt sind. Nicht nur für Großverbraucher, sondern ebenso für Kleinverbraucher
wie Hauseigentümer, Krankenhäuser und Schulen gibt es besondere Beratungsteams.
Andere Abteilungen des Ministeriums verfolgen langfristige Entwicklungen in
der Solar- und Erdwärmetechnik sowie auf dem Gebiet der Fusions- und Brüterreaktoren. Die US-Regierung wünscht, daß auf allen Gebieten sondiert wird und
so viele Erfahrungen und Informationen wie nur irgend möglich gesammelt werden,
damit später notwendige Entscheidungen leichter und ohne Verzögerung gefällt
werden können.
Kürzlich veröffentlichte die Zeitschrift TIME eine Obersicht über aussichtsreiche Alternativquellen für Energie.

Neben Ölschiefer, Teersanden und

Kohle für Umwandlungsprozesse sind als regenerative llnergiequellen besonders
hervorgehoben:
1) Sonnenenergie
- 2 -

�1) Sonnenenergie - Mit Hilfe der Solartechnik wird heute noch nicht einmal ein Prozent des Energiebedarfs der USA gedeckt.

Bei den meisten Anlagen,

die 95 Prozent des Umsatzes ausmachen, handelt es sich um flache solarthermische
Ausrüstungen, die auf Hausdä'chern installiert werden, um Wasser aufzuheizen.
Als für die Zukunft besonders verheißungsvoll werden jedoch die photovoltaischen
Zellen zur direkten Umwandlung von Licht in elektrischen Strom durch Siliziumkristallscheibchen angesehen, die auf Sammlerplatten montiert sind.

Die gegen-

wärtig noch viel zu hohen Kosten sollen, wie aus dem Energieministerium verlautet, bis 1990 so stark gesenkt werden, daß dieses Verfahren zur Stromgewinnung
mit anderen Methoden ohne weiteres konkurrieren könnte.

2) Biomasse - Hausbesitzer, kommunale Versorgungsunternehmen, Fabrikanten
und Stadtverwaltungen experimentieren mit den verschiedenen Naturprodukten
wie Abfällen aus der Landwirtschaft, insbesondere dem Maisanbau, mit Sägemehl,
organischem Dünger oder Stadtmüll, um daraus Energie zu gewinnen.

Nach Be-

rechnungen des Energieministeriums decken sie z. Zt. damit ca. ein Prozent des
Bedarfs.

Als Rohstoff spielt vorläufig Holz die wichtigste Rolle.

Der Ver-

brauch ist in den letzten neun Jahren um das Sechsfache gestiegen, vor allem
in den Neuenglandstaaten, wo etwa ein Fünftel aller Eigenheime mit Holz beheizt wird.

Ungefähr 150 Papier- und Zellstoffwerke verbrennen Holzabfälle

und Ablaugen für die Stromerzeugung.

Sie geben sogar Strom an die lokale In-

cjustrifl ab. was z.Zt. Erdöleinsparungen von fünf Millionen Barrel jährlich ermöglicht.

Und die Mehrzahl der Müllkraftwerke in Großstädten wie New York,

Chicago und New Orleans ist so ausgerüstet, daß Rohstoffe wie Glas und Nichteisenmetalle zurückgewonnen werden können.

3) Erdwärme - Untersuchungen des amerikanischen Energieministeriums zufolge könnten viele Weststaaten der USA dem Beispiel Islands folgen und einen
großen Teil ihres Energiebedarfs aus Erdwärme decken.

Sie läßt sich nutzen,

wenn man Bohrungen in durchschnittlich 700 m tief liegende Heißwasser- und
Dampfschichten im Gestein vortreibt.
relativ hoch in der Erdkruste liegen.

Die Wärme liefern Magmataschen, die dort
Daß mit dem Dampf aus solchen Quellen

Kraftwerksturbinen angetrieben werden können, demonstriert die Union Oil Company

- 3 -

�Company (Kalifornien) schon seit einigen Jahren.

Ihr geothermisches Kraft-

werk in der Nähe von San Francisco deckt zwei Prozent des Strombedarfs von
Kalifornien.
4) Wasserkraft - Vor einem halben Jahrhundert wurde in den Vereinigten
Staaten ein Drittel des Kraftstroms an Talsperren erzeugt.

In der Ära des

billigen Öls hat man eine Anzahl von Wasserkraftwerken stillgelegt oder abgerissen.

Aber jetzt kommt Wasserkraft wieder in Mode.

Die günstigsten Stand-

orte - Talsperren mit hohen Dämmen oder Flußläufe irit starker Strömung und
viel Wasser - sind natürlich längst besetzt und wurden auch nicht aufgegeben.
Heute besinnt man sich jedoch auf die Möglichkeiten, die kleine Dammbauwerke
- m i t Dammkronen von 22 m Höhe und darunter - für die Stromversorgung der unmittelbaren Umgebung bieten können.
5) Wind - Analysen zufolge könnten Windkraftwerke bis zum Jahr 1990 zwei
Prozent zur Deckung des Strombedarfs in den USA beitragen.

Ihr Nachteil, nur

bei Wind Strom zu erzeugen, würde vor allem in abgelegenen ländlichen Gebieten,
wo Energie besonders teuer ist, durch die geringen Produktionskosten mehr als
aufgewogen.

Die größte Windturbine für Demonstrationszwecke wurde kürzlich in

Boone (Nordkarolina) in Betrieb genommen.

Bei Windgeschwindigkeiten von 40 km/

Stunde und mehr erzeugt sie 2000 kW Strom.
6) Meeresenergie - Strömungen, Gezeiten, Wellen und Temperaturunterschiede
bilden die Hauptquellen,die zu nutzen wären. Mit einem Zuschuß des Energieministeriums wird gegenwärtig die Nutzbarmachung vcn Strömungsenergie vor den
Küsten Floridas untersucht. Mit der Umsetzung von Wärmeenergie der Ozeane befaßt man sich schon seit den dreißiger Jahren. Entsprechende Versuchsapparaturen nutzen das starke Gefälle zwischen dem warmen Cberflächenwasser und dem
kalten Tiefwasser in tropischen Meeren. Daß die Icee richtig ist, wurde bereits demonstriert. Aber das Verfahren ist noch nicht soweit entwickelt, daß
an eine kommerzielle Anwendung zu denken wäre.

Die

�Die Experten sind in der Frage, welche Alternativenergien die besten
Zukunftschancen haben, verschiedener Meinung. Im Rahmen des neuen Energieplans der Regierung sind jedoch bessere Möglichkeiten gegeben, Kosten, Technologien und Anwendung gründlich genug zu sondieren, um aufgrund erfolgversprechender Resultate die Privatwirtschaft auch für längerfristige Entwicklungen zu interessieren. Die meisten Befürworter findet gegenwärtig - auch
in der Presse - die Sonnenenergie. Eine Reihe von Firmen hat die Chancen im
Zusammenhang mit ihrer Erschließung erkannt und schon in kurzer Zeit gut genutzt. So ist heute, nur fünf Jahre nach ihrer Gründung, die Solarex Company
in Rockville (Maryland) der Welt größter Produzent für Solarzellen. Ihr Umsatz lag im Jahr 1978 bei über 10 Millionen Dollar; mehr als die Hälfte der
Produktion ging in den Export. In Kooperationsvereinbarungen mit Firmen in
Frankreich und Italien liefert Solarex die Solarzellen, der ausländische
Partner die Anwendungstechnik. Die Produkte reichen von Solarelektropumpen
für abgelegene Dörfer in Afrika bis zu Relais- und Verstärkerstationen der
Nachrichtentechnik für Abnehmer in vielen Teilen der Welt.

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SOLARZELLEN NACH NEUEM HERSTELLUNGSVERFAHREN

- (AD) - Ein neues Verfahren, das die Herstellung von integrierten
Schaltkreisen und Solarzellen revolutionieren könnte, wurde von Wissenschaftlern
des "Massachusetts Institute of Technology" (MIT) in Boston entwickelt. Die
dabei angewandte Technik, Graphoepitaxie genannt, ermöglicht bei erheblichen
Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen Verfahren das "Züchten" ausgerichteter Siliziumkristalle in einer dünnen Schicht auf der Oberfläche eines nichtkristallinen Trägers. Gegenwärtig werden Siliziumkristalle, mit bestimmten Zusatzstoffen "dotiert", in einem teuren und energieintensiven Verfahren hergestellt, um dann ihre Funktion in Solarzellen und den zahlreichen Instrumenten
und Ausrüstungen der Mikroelektronik erfüllen zu können. Aus einer Schmelzmasse werden große Einkristalle gezogen und anschließend in dünne Plättchen
gespalten.
Für das Graphoepitaxie-Verfahren dagegen sind eine Platte aus Quarzglas,
in die feine, parallel laufende Rillen eingeätzt sind, dazu ein dünner Film
nichtkristallinen Siliziums und Laser-Licht erforderlich, mit dem aus den
Siliziummolekülen Kristalle in der Orientierung der Rillen "geformt" werden.
Der Erfinder des Verfahrens, Prof. Henry I. Smith, ist überzeugt, daß auf diese Weise eine billige Massenproduktion von Solarzellen ermöglicht wird. Die
Idee dazu verdankt er einem Zufall: Vor etwa zehn Jahren entdeckte er an der

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�der Windschutzscheibe seines Autos, daß sich bei starker Winterkälte Eiskristalle stets entlang feiner Kratzer ausbildeten, die man mit bloßem Auge
bei Wärme gar nicht zu erkennen vermochte.

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NEUE THERMISCHE BATTERIE ZUM SPEICHERN VON WÄRME

- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohl Stäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

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- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
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Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohl Stäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
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aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
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Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt.

Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

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Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die

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aus Chlorcalciumhexadydrat.

Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller

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Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle

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                    <text>nrormcHion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1 . August 1984

31

INHALT

DOKUMENTATION
USA zu Weltraumwaffenverhandlungen ohne Vorbedingungen bereit
- Erklärungen des Weißen Hauses und des Außenministeriuias HINTEIGRLJtll^lArEKLAL
Die Wahlen in Amerika 1984

( 7 )
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei Die kommunistische Bedrohung der Freiheit in Lateinaiaerika
- Von Max Kampelman Bericht über die Lage in El Salvador
- Zusammenfassung Medizinische Versorgung in Afghanistan katastrophal
- Bericht eines amerikanischen Arztes WIRTSCHAFT
Die Erdölreserve als Mittel zur Preisregulierung
- IEA-Länder beschließen raschen Einsatz bei Versorgungsschwierigkeiten -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

1. August 1984

31

USA ZU WELTRAUMWAEEm^ÄNTXJJfcGEN CHNE VORBEDINGUNGEN BEREIT
- Erklärungen des Weißen Hauses und des Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben die Behauptungen
der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS, wonach die USA nicht bereit
seien, in Wien über Weltraumwaffen zu verhandeln, zurückgewiesen.

In

Erklärungen des Weißen Hauses - vom 27. Juli 1984 - und des amerikanischen Außenministeriums - vom 28. Juli - wird nachdrücklich betont, daß
die Vereinigten Staaten bereit sind, im September in Wien "ohne Vorbedingungen" über Weltraumwaffen zu verhandeln.

Die Erklärung des Weißen Hauses, die von dessen Sprecher Larry
Speakes verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:

Die TASS-Meldung von heute vormittag interpretiert unsere Haltung
falsch, d.h. wir haben den sowjetischen Vorschlag für Verhandlungen in
Wien im September ohne Vorbedingungen akzeptiert.

Unsere Vorbereitungen

laufen auf Hochdruck, und wir gehen davon aus, nach Wien zu kommen. Wir
sind nicht der Meinung, daß solche Verhandlungen unmöglich seien, und wir

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�und wir behandeln dieses Thema auf vertraulichem diplomatischem Wege
weiter.
Die Vereinigten Staaten betrachten es als sehr beunruhigend, daß die
Sowjets die USA als verantwortlich für den Abbruch der Iluklearverhandlungen in Genf darstellen wollen, da die ganze Welt weiß, daß die Sowjets
diese Verhandlungen verlassen haben.

Bereits vorhandene Nuklearsysteme

bedürfen unserer dringenden Aufmerksamkeit. Wenn es die Sowjets vorziehen, unsere Auffassungen zu diesem Thema nicht anzuhören, so brauchen sie
das nicht, aber für uns und für die ganze Menschheit ist dieses Thema zu
wichtig, als daß man es einfach außer acht lassen könnte.

Diese amerikanische Auffassung stellt keine Vorbedingung dar.

Wir

werden alles, was die Sowjets zu Antisatelliten-Waffen zu sagen haben,
ernsthaft anhören und konstruktiv antworten. Wir wollen lediglich darauf
hinweisen, daß wir den Gedankenaustausch über das Thema offensive Kernwaffen wiederherstellen möchten.

Die Welt hat ein Recht, von der UdSSR

und den Vereinigten Staaten einen solchen Meinungsaustausch zu erwarten.

* * *

Die Erklärung

des

amerikanischen Außenministeriums hat

folgenden

Wortlaut:

Wir äußern uns nicht zu Botschaften über diplomatische Kanäle, aber
unser Standpunkt ist klar. Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Speakes,
gestern erklärte, haben wir den sowjetischen Vorschlag angenommen.
ist uns ernst mit sachlichen Verhandlungen in Wien.

Es

Wir sind bereit,

dorthin zu gehen und über den Weltraum, einschließlich von den

Antisa-

telliten-Waffen, zu sprechen, und wir haben keine Vorbedingungen.

Wir

sind der Meinung, daß der amerikanisch-sowjetische Meinungsaustausch über
dieses Thema in vertrauliche diplomatische Kanäle zurückgeführt werden
sollte.
Wir

sind

�Wir sind nicht der Meinung, daß die Wiener Verhandlungen "unmöglich"
sind, wenn die Sowjets ernsthaft an Verhandlungen interessiert sind.

Heute hat unsere Botschaft in Moskau eine amerikanische Antwort auf
die jüngste sowjetische Note übergeben. Aufgrund der zeitlichen Verhältnisse liegt es auf der Hand, daß die öffentlichen Erklärungen der Sowjets
heute Vormittag unsere jüngste Note nicht berücksichtigt haben.

* * * * *

- 3-

�1. August 1984

31

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 7 )
- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei -

SAN FRANCISCO - (AD) - Die Demokratische Partei hat auf ihrem Nationalkonvent in San Francisco vom 16. bis 19. Juli 1984 ein umfangreiches
Wahlprogramm diskutiert und verabschiedet.

Die herausragenden Punkte des

am 17. Juli gebilligten Programms sind Demokratie, Menschenrechte und
Bündnistreue.

In dem außenpolitischen Kapitel unter dem Titel "Frieden,

Sicherheit und Freiheit" heißt es, ein neuer demokratischer Präsident und
seine Administration treten für eine starke nationale Verteidigung und
nachhaltig für nukleare Rüstungskontrolle ein.

Es werden ein baldiges

amerikanisch-sowjetisches Gipfeltreffen und danach regelmäßige Gipfeltreffen sowie beiderseitige Moratorien für die Erprobung von Kernwaffen
und die Erprobung und Stationierung von Weltraumwaffen und Interkontinentalraketen sowie seegestützten Marschflugkörpern vorgeschlagen.

Die ab-

solute Verpflichtung zur Verteidigung wird aufrechterhalten.

Die wesentlichen Auszüge aus dem außenpolitischen Kapitel des Wahl-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�des Wahlprogramms - der sogenannten platform - haben folgenden Wortlaut:

Der nächste amerikanische Präsident wird einer Periode des historischen Wandels im internationalen System vorstehen.

Die relativ stabile

Weltordnung, die seit dem Zweiten Weltkrieg geherrscht hat, wird von den
mächtigen Kräften des Wandels - der Weiterverbreitung von nuklearen und
konventionellen Waffen, der unaufhörlichen sowjetischen Aufrüstung, der
Erreichung der annähernden nuklearen Parität zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten, der wachsenden Interdependenz der internationalen Wirtschaftsordnung, der Wiedergesundung und den Aufschwung europäischer und asiatischer Mächte aus den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und der Suche nach einem neuen politischen Konsens in Amerika im Gefolge von Vietnam und Libanon und im Schatten einer regionalen Krise in
Mittelamerika - aus allen Nähten gedrängt.

Das wichtigste außenpolitische Gebot der Demokratischen Partei und
des nächsten Präsidenten ist, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen
und sich diesen Kräften anzupassen, statt ihnen Widerstand zu leisten
oder sie zu ignorieren.

Obwohl wir die sowjetische Bedrohung nicht un-

terschätzen wollen, so können wir es uns nicht länger leisten, für alle
unsere Probleme in übervereinfachter Form eine einzige "Quelle des Übels"
verantwortlich zu machen, denn die Ursachen des internationalen Wandels
liegen tiefer als die Ursachen des Wettstreits der Supermächte. Wir müssen den Wandel als Chance und als Herausforderung begreifen.

Die Demokratische Partei hat eine konstruktive und vertrauensvolle
Vorstellung von der Fähigkeit Amerikas, alle unsere wirtschaftlichen, politischen und militärischen Ressourcen einzusetzen, um unsere weitreichenden Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen in einer mannigfaltigen
und sich ändernden Welt zu verfolgen.

Wir glauben an eine verantwor-

tungsbewußte Verteidigungspolitik, die unsere nationale Sicherheit erhöhen wird.

Wir glauben an eine Außenpolitik, die unsere Verbündeten re-

spektieren, Demokratien aufbaut und die Sache der Menschenrechte fördert.
Wir glauben, daß unsere wirtschaftliche Zukunft in unserer Fähigkeit
liegt,

vor

der

Herausforderung

des

- 2 -

internationalen

wirtschaftlichen

�internationalen wirtschaftlichen Wettbewerbs zu bestehen, indem wir unsere eigenen Industrien wettbewerbsfähiger machen.

Vor allem glauben wir,

daß unsere Sicherheit das direkte, persönliche Engagement des Präsidenten
der Vereinigten Staaten erfordert, die militärische Bedrohung durch die
Sowjets einzugrenzen und die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern.

Die demokratische Alternative; Eine sicherere Zukunft für unser Land und
die Welt
Für die Demokratische Partei gibt es kein höheres Ziel als die Gewährleistung der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Das be-

deutet eine starke nationale Verteidigung, nachhaltiges Streben nach nuklearer Rüstungskontrolle und eine Außenpolitik, die sich in einer Periode des globalen Übergangs der Förderung der Interessen Amerikas und der
Kräfte der Freiheit und Demokratie verschrieben hat.

Das wird eine neue

Führung, starke Bündnisse, geschickte Diplomatie, wirksame wirtschaftliche Zusammenarbeit und eine Außenpolitik erfordern, die von der Stärke
und den Idealen Amerikas getragen wird.

Wenn unsere Führer die Unter-

stützung des amerikanischen Volkes genießen wollen, dann müssen sie auch
sorgfältig und maßvoll im Umgang mit der Macht sein.

Die Demokratische Partei hat sich einer starken nationalen Verteidigung verschrieben.

Demokraten wissen, daß eine unaufhörliche sowje-

tische Aufrüstung - weit über die Verteidigungserfordernisse hinaus - die
Sicherheit der Welt, unsere demokratischen Werte und unsere freien Institutionen direkt herausfordert. Über die Natur der sowjetischen Bedrohung
und die wesentlichen Fragen der Sicherheit unseres Landes sind sich die
Amerikaner einig. Über das gemeinsame Interesse am Überleben der Menschheit sind sich das amerikanische und das sowjetische Volk einig.

Die Aufrechterhaltung starker und wirksamer Streitkräfte ist für die
Erhaltung des Friedens und die Gewährleistung der Freiheit wesentlich.
Unsere Verbündeten und unsere Gegner dürfen niemals an unserer militärischen Stärke zweifeln, noch an unserem Willen, unsere lebenswichtigen
- 3 -

�unsere lebenswichtigen Interessen zu verteidigen.

Zu diesem Zwecke ver-

pflichten wir uns zu einer starken Verteidigung - aufgebaut im Einklang
mit unseren Verbündeten, basierend auf einer kohärenten Strategie und gestützt von einer gesunden Wirtschaft.

In einer Zeit, in der es etwa 50 000 Kernwaffen gibt, sind jedoch nukleare Rüstungskontrolle und Verringerung ebenso wesentlich für unsere
eigene Sicherheit.

Die höchste und feierliche Verpflichtung eines Präsi-

denten besteht darin, daß er oder sie verhindert, daß auch nur eine einzige Kernwaffe zum Einsatz gelangt. Die Demokraten sind der Überzeugung,
daß beiderseitige und verifizierbare Kontrollen der Kernwaffen ein ernsthafter und integraler Bestandteil der nationalen Verteidigung sein können
und sein müssen.

Echte nationale Sicherheit erfordert dringende Maßnah-

men, um das Wettrüsten einzufrieren und umzukehren - nicht das Streben
nach dem Phantom nuklearer Überlegenheit oder eitlen Plänen für einen
Krieg der Sterne.

Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß die Aufgabe der
Kernwaffen darin besteht, vor einem Krieg abzuschrecken, nicht ihn zu
führen.

Die Demokraten glauben, daß Amerika die Stärke und Zähigkeit

besitzt, nukleare Rüstungskontrollabkommen auszuhandeln, die das Risiko
eines Atomkrieges verhindern und unsere militärische Sicherheit bewahren.

Wir stehen heute an einem der entscheidendsten Kreuzwege im Wettrüsten seit der Explosion der ersten Atombombe.
für die Kriegführung öffnen.

Reagan möchte die Himmel

Sein Vorschlag für den Krieg der Sterne

würde einen verwundbaren und provokativen "Schild" schaffen, der unsere
Nation in ein falsches Gefühl der Sicherheit wiegen würde.

Er würde un-

sere Verbündeten zu der Annahme führen, daß wir uns von ihrer Verteidigung zurückzögen.

Er würde das Ende des ABM-Vertrages bedeuten - des er-

folgreichsten Rüstungskontrollvertrages in der Geschichte -, und dieses
Billionen-Dollar-Programm würde ein gefährliches offensives und defensives Wettrüsten hervorrufen.

Wenn wir und unsere Verbündeten unsere Bevölkerung wirksam gegen ei- 4 -

�gegen einen Atomkrieg verteidigen könnten, dann wäre die Demokratische
Partei die erste, die sich hinter einen solchen Plan stellen würde.
Leider sind sich unsere besten Wissenschaftler darüber einig, daß ein
wirksamer Schutz der Bevölkerung wahrscheinlich unmöglich ist.

Deshalb

müssen wir uns einem Wettrüsten widersetzen, für das der Himmel keine
Grenze mehr ist.

Rüstungskontrolle und Abrüstung

Ronald Reagan ist der erste amerikanische Präsident in über 20 Jahren, der kein bedeutsames Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion
erreicht hat, und er ist der erste in über 50 Jahren, der nicht persönlich mit sowjetischen Führern zusammengetroffen ist.

Der ungerechtfer-

tigte Auszug der Sowjets aus wichtigen nuklearen Verhandlungen ist keine
Entschuldigung für das Versagen der Administration auf dem Gebiet der
Rüstungskontrolle.

Um den Dialog wieder zu eröffnen, wird ein demokratischer Präsident
ein baldiges Gipfeltreffen mit anschließenden

regelmäßigen

jährlichen

Gipfeltreffen mit den sowjetischen Führern sowie Zusammenkünften zwischen
leitenden zivilen und militärischen Regierungsvertretern vorschlagen, um
die Spannungen abzubauen und die Möglichkeiten formeller Abkommen zu sondieren.

In einer demokratischen Administration werden die Supermächte

nicht über ein Megaphon miteinander sprechen.

Eine neue demokratische Administration wird eine Strategie des Friedens verfolgen, die Rüstungskontrolle zu einem integralen Bestandteil der
nationalen Sicherheitspolitik macht.

Wir müssen die Welt wegführen vom

Abgrund der nuklearen Katastrophe und eine neue Richtung zu einem dauerhaften Frieden einschlagen, in dem niedrigere Verteidigungsausgaben möglich sein werden.

Unser letztliches Ziel muß die Abschaffung aller Kern-

waffen in einer für Frieden und Freiheit sicheren Welt sein.

Dies erfordert sofortige Schritte, um dem nuklearen Wettrüsten Ein-

�Wettrüsten Einhalt zu gebieten, mittelfristige Maßnahmen, um die Kriegsgefahr zu verringern, und langfristige Ziele, um die Welt auf einen neuen
und friedlichen Kurs zu bringen.

Der erste praktische Schritt besteht darin, am 20. Januar 1985 die
Initiative zu ergreifen und die Sowjets herauszufordern, das Wettrüsten
rasch anzuhalten.

Wie es Präsident Kennedy 1963 erfolgreich gelang,

überirdische Kernexplosionen zu stoppen, so wird ein demokratischer Präsident temporäre, verifizierbare und beiderseitige Moratorien einleiten,
die für einen festgelegten Zeitraum, in denen Verhandlungen stattfinden,
gelten sollen, solange die Sowjets das gleiche tun, und zwar für die unterirdische Erprobung von Kernwaffen und Antisatelliten-^Waffen; für die
Erprobung und Dislozierung aller Waffen im Weltraum; für die Erprobung
und Dislozierung neuer strategischer Paketen, die sich jetzt in der Entwicklung befinden; und

für die Dislozierung

nuklearer

seegestützter

Marschflugkörper.

Diese Schritte sollten sofort zu Verhandlungen über ein umfassendes,
beiderseitiges und verifizierbares Einfrieren der Erprobung, Herstellung
und Dislozierung aller Arten von Kernwaffen führen.
Auf dieser Initiative aufbauend, wird der demokratische Präsident:

- den SALT II-Vertrag ergänzen und dem Senat erneut zur Billigung und
Zustimmung (Ratifizierung) vorlegen;

- weitgehende, stabilisierende Verringerungen der nuklearen Arsenale
im Rahmen von SALT II anstreben und bis dahin die Grenzen von SALT II
einhalten und darauf beharren, daß die Sowjets das gleiche tun;

die Zusammenlegung der Verhandldungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) und der Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen (START) vorschlagen, wenn der Präsident zu der
Überzeugung kommt, daß dies einem umfassenden Rüstungsbegrenzungsabkommen mit der Sowjetunion dienlich wäre;
-

dem

Senat

�- dem Senat sofort den Schwellen-Teststoppvertrag von 1974 und den
Vertrag über friedliche Kernexplosionen von 1976 erneut zur Billigung
und Zustimmung (Ratifizierung) vorlegen;

- einen verifizierbaren und umfassenden Vertrag über das Verbot von
Kemversuchen abschließen;

- unser Festhalten am ABM-Vertrag erneut bestätigen und die Einhaltung von amerikanischer Seite zusichern und nachdrücklich Antwort auf
Fragen der sowjetischen Einhaltung über die Ständige Konsultativkommission und andere geeignete Gremien einholen;

- aktiv einen verifizierbaren Vertrag über Antisatelliten-Waffen und
ein Verbot über Waffen im Weltraum anstreben;
- ein verifizierbares Abkommen über die Produktion von waffentauglichem Nuklearmaterial für Raketen, wie etwa Plutonium und angereichertem Uran, anstreben;

- alle nur möglichen Anstrengungen unternehmen, um die Weiterverbreitung (Proliferation) von Kernwaffen zu unterbinden;

- die Produktion der MX-Rakete und des B-1-Bombers einstellen;

- die Produktion von Nervengas verbieten und an einem verifizierbaren
Vertrag über das Verbot chemischer Waffen arbeiten;

- amerikanisch-sowjetische Zentren zur Senkung des nuklearen Risikos
und andere verbesserte Kommunikationsmittel für eine Krise einrichten;

- die bedeutsamsten Mitglieder der wissenschaftlichen Gemeinschaft
einladen, um das weltweite menschliche Leiden und die langfristigen
Umweltschäden, die in den Tagen nach einem Atomkrieg auftreten würden, zu untersuchen und zu berichten, und die Ergebnisse einer sol- 7 -

�einer solchen Studie so weit wie möglich bei der Formulierung unserer
Politik bezüglich der Kernwaffen und Rüstungskontrolle in Rechnung
stellen;

- die breite langfristige Unterstützung der Öffentlichkeit für die
Rüstungskontrolle durch eine enge Zusammenarbeit mit Gruppen aus den
Gemeinden, Bürgergruppen, Frauengruppen, Gewerkschaften, Unternehmerverbänden, Religionsgemeinschaften und Gruppen freier Berufe, einschließlich Physikern, Naturwissenschaftlern, Rechtsanwälten und Lehrern stärken;

- nationale Führung bei wirtschaftlichen Anpassungen in betroffenen
Gemeinden und Industriezweigen gewähren und für die Umschulung von
Personen sorgen, die in der Verteidigungsindustrie gearbeitet haben
und durch die Einstellung oder Kürzung von Waffenprogrammen arbeitslos geworden sind;

- in enger Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten eine Strategie
des Friedens in Europa in die Wege leiten, einschließlich:

- der Herbeiführung einer

Ausgewogenheit der konventionellen Streit-

kräfte, um die Abhängigkeit von Kernwaffen zu verringern und es dem
Atlantischen Bündnis zu ermöglichen, bei der Einführung einer "Nichtersteinsatz"-Politik Fortschritte zu machen;

- der beiderseitigen Rücknahme von Gefechtsfeld-Kernwaffen von den
Frontlinien in Europa, um die Notwendigkeit zu vermeiden, die Wahl
treffen zu müssen, "sie einzusetzen oder sie zu verlieren", wenn
Feindseligkeiten in Europa ausbrechen sollten;

- Verhandlungen über neue Vorstellungen bezüglich einer Begrenzung
nuklearer Mittelstreckensysteme entsprechend den Ideen des "Waldspaziergangs "-Vorschlages (in Genf) und anschließender Bemühungen, der
Null-Lösung bei der Dislozierung von nuklearen Mittelstreckensystemen
(INF) der Vereinigten Staaten und der UdSSR näher zu kommen;
Verhandlungen
- 8 -

�- Verhandlungen über wesentliche beiderseitige und ausgewogene Verringerungen der konventionellen Streitkräfte der NATO und des Warschauer Paktes und über vertrauensbildende Maßnahmen zur Verringerung
der Gefahr eines Überraschungsangriffs.

Wir machen uns keine Illusionen, daß diese Rüstungskontrollvorschläge
leicht zu verwirklichen sein werden.

Die meisten werden Geduld und Aus-

dauer verlangen und vor allem eine Führung im Streben nach Frieden, Freiheit und Sicherheit. Die Sowjets sind harte Verhandlungspartner und versuchen nur zu oft, RüstungskontrollVerhandlungen für ihre eigenen Propagandazwecke zu nutzen.

In dieser Frage - Verhütung eines Atomkrieges -

muß Amerika die Führung übernehmen, und die Demokratische Partei hat die
Absicht, diese Führung zu übernehmen.

Verteidigungspolitik

Die Reagan-Administration mißt militärische Macht mit ausgegebenen
Dollar.

Die Demokratische Partei strebt eine kluge Verteidigungspolitik

an, die auf einer gesunden Planung und einer realistischen Beurteilung
der Bedrohung basiert. Auf dem Gebiet der Verteidigungspolitik wird eine
demokratische Administration:

- mit unseren Verbündeten in der NATO und anderen Verbündeten zusammenarbeiten, um unsere kollektive Sicherheit zu gewährleisten, vor
allem durch die Stärkung unserer konventionellen Verteidigung, um
damit die Notwendigkeit zu verringern, sich auf Kernwaffen zu verlassen, und dies durch erhöhte Ausgaben zu erreichen suchen, wobei die
Ausgaben weiterhin auf einem Stand gehalten werden sollen, der unserer kollektiven Sicherheit angemessen ist.

Dies erfolgt

in der

festen Hoffnung, daß erfolgreiche Schritte zum Abbau der Spannungen
und zur Erreichung von umfassenden und verifizierbaren Rüstungskontrollabkommen unserer Nation sowohl militärische Sicherheit als
auch haushaltsmäßige Erleichterungen bringen werden;

destabilisierende

�- destabilisierende und sich überschneidende Waffensysteme aufgeben,
jedoch

mit

der

notwendigen

Modernisierung

unserer

strategischen

Streitkräfte fortfahren, solange angemessene Rüstungskontrollabkommen
fehlen;

- den Bau großer, teurer und verwundbarer Nuklearflugzeugträger einschränken;

- unsere konventionellen Streitkräfte durch eine Ausgewogenheit in
der Beschaffung von neuem Gerät mit ausreichenden Mitteln für Ausbildung, Treibstoff, Munition, Wartung, Ersatzteilen und Luftbrückenund Seebrückenkapazität modernisieren, um unsere Einsatzbereitschaft
und Mobilität zu gewährleisten, sowie durch die Beschaffung von besserem Gerät für unsere Reserveeinheiten und unsere Nationalgarde;

- Das Management des Pentagon (US-Verteidigungsministerium) reorganisieren und das System des Gemeinsamen Stabes (JCS) stärken, um Rivalitäten zwischen den Teilstreitkräften zu verringern, der militärischen Führung Vorrang vor bürokratischer Geschicklichkeit zu geben,
die wirksame Umsetzung politischer Richtlinien und Entscheidungen zu
verbessern, eine bessere Planung auf mehrere Jahre auf der Basis realistischer Darstellungen der verfügbaren Mittel zu ermöglichen und
um einen Interessenkonflikt abzubauen;

- ein offenes und faires Ausschreibungssystem für die Beschaffung des
notwendigen Geräts und der notwendigen Teile sicherstellen und ein
System der wirksamen, unabhängigen Erprobung von Waffen unter Gefecht sbedingungen einrichten;

- ein Programm der militärischen Reform durchführen; unsere Streitkräfte müssen einsatzbereit sein; unsere Doktrinen müssen darauf ausgerichtet sein, unseren Gegnern geistig voraus zu sein und sie auszumanövrieren, und unsere politischen Richtlinien müssen die militärische Organisation und den Zusammenhalt in den Einheiten stärken;

unsere euro- 10 -

�- unsere europäischen Verbündeten drängen, ihre Beiträge zur NATOVerteidigung auf einen Stand der Anstrengungen zu erhöhen, der dem
unseren vergleichbar ist - eine Einstellung, die die jetzige Administration unterlaufen hat, indem sie das von ihren demokratischen
Vorgängern abgeschlossene NATO-weite Übereinkommen aufgegeben hat -,
und verbesserte transatlantische wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Koordination der Waffenbeschaffung anstreben;

- die Wichtigkeit der Geheimdienste anerkennen und den Nachdruck ihrer Aufgaben darauf legen, daß sie sich rechtzeitig Sammlung und Analyse von Informationen und Daten widmen; eine demokratische Administration wird auch auf die dringende Notwendigkeit eingehen, die Geheimdienste zu entpolitisieren und ihre professionelle Leitung wiederherzustellen ;

- sich der Wehrdienstpflicht in Friedenszeiten oder einer Registrierung zu diesem Zweck widersetzen; und

- Programme wie VISTA, Umweltschutzprogramme jugendlicher Erwachsener
und Friedenskorps auszuweiten suchen.

Diese und andere qualitativen Verbesserungen werden eine wirksame
amerikanische Stärke zu vertretbaren Kosten sicherstellen.

Mit dieser

Stärke werden wir das Vertrauen unserer Mitbürger und unserer Verbündeten
wiederherstellen; werden wir in der Lage sein, eine wirksame konventionelle Verteidigung aufzustellen, und werden wir unsere Gegner vor eine
glaubwürdige Fähigkeit zur Abschreckung vor einem Krieg stellen.

Außenpolitik

Eine demokratische Administration wird davon ausgehen, daß die größten politischen und sicherheitspolitischen Gefahren in der Entwicklungswelt aus Verhältnissen entstehen, die die Qiancen für die Sowjetunion und
ihre Stellvertreter eröffnen:

Armut, Unterdrückung und Verzweiflung.
- 11 -

�und Verzweiflung.
grenztem Wert.

Gegen Feinde wie diese ist militärische Macht von be-

Die leitenden Elemente unserer Präsenz und die Hauptih-

strumente des amerikanischen Einflusses in den Entwicklungsländern müssen
Wirtschaftshilfe, wirtschaftliche und politische Reform und die Unterstützung demokratischer Werte sein, indem unter anderem Stipendien zum
Studium

an

amerikanischen

Hochschulen

und

Universitäten

finanziert

werden...

Zu diesem

Zweck wird ein demokratischer

Präsident den Auswärtigen

Dienst stärken, die Praxis der Ernennung unqualifizierter

Personen

zu

Botschaftern beenden, die Programme unseres Bildungs- und Kulturaustausches ausbauen und in dem Streben nach Frieden die besten Köpfe unseres
Landes heranziehen.

Eine demokratische

Administration

wird

eine

Friedensakademie

ein-

richten. ..

Ein demokratischer

Präsident

wird die automatische

Militarisierung

der Außenpolitik in das Gegenteil verkehren und die Ursachen eines Konflikts prüfen, um herauszufinden, ob sie von innen oder von außen stammen
und ob sie politischer oder in erster Linie sozialer und wirtschaftlicher
Natur sind...

Ein demokratischer

Präsident

wird bereit

sein, militärische

Macht

einzusetzen, wenn lebenswichtige amerikanische Interessen bedroht sind,
vor allem im Falle eines Angriffs auf die Vereinigten Staaten oder ihre
unmittelbaren Verbündeten.

Aber er oder sie wird kein

amerikanisches

Leben aufs Spiel setzen oder sich einseitig militärisch engagieren:

- wenn unsere Ziele nicht klar sind;

- solange nicht alle angemessenen Instrumente der Diplomatie und der
nichtmilitärischen Einwirkung erschöpft sind;

- wo unsere Ziele mit unannehmbaren Kosten oder unvernünftig hohem
Einsatz militärischer Macht verbunden sind;
- 12 -

wc&gt;

die

�- wo die unterstützten lokalen Kräfte nicht an der Lösung der Ursachen des Konfliktes arbeiten;

- wo multilaterale oder alliierte Optionen zur Lösung des Konflikts
zur Verfügung stehen...

Europa und das Atlantische Bündnis;

Die amerikanische Führung ist

nicht dabei, gegen unsere Freunde einzustehen.
und für sie einzustehen.

Sie ist dabei mit ihnen

Wenn wir Verbündete haben wollen, dann müssen

wir wie ein Verbündeter handeln.

Die Aufrechterhaltung eines starken Bündnisses ist von entscheidender
Bedeutung.

Wir bleiben absolut der Verteidigung Europas verpflichtet,

und wir werden darauf hinarbeiten, daß unsere Verbündeten ihren fairen
Anteil an der Last der gemeinsamen Verteidigung tragen.

Eine demokra-

tische Administration wird sich umgekehrt zu verstärkter Konsultation in
Sicherheitsfragen verpflichten. Wir müssen daran arbeiten, die Einigkeit
des Westens aufrechtzuerhalten und zu stärken.

Wir müssen die nächste Generation von

Europäern überzeugen, daß Ame-

rika seine Macht verantwortungsbewußt in Bartnerschaft mit ihr einsetzen
wird. Wir Demokraten bekräftigen, daß die Sicherheit des Westens unteilbar ist. Wir haben ein vitales Interesse an der Sicherheit unserer Verbündeten in Europa.

Und es muß immer klar bleiben, daß ein Angriff auf

sie das gleiche ist wie ein Angriff auf uns - vom Vertrag und von der
Wirklichkeit her.

Ein starkes westliches Bündnis setzt offene Diskussionen unter Freunden über Fragen voraus, die uns von Zeit zu Zeit entzweien.

So müssen

wir beispielsweise in sinnvolle Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft eintreten, um deren ExportSubventionen für landwirtschaftliche
Erzeugnisse abzubauen, die in unfairer Weise die Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Agrarerzeugnisse auf Märkten von Drittländern bedrohen...

Amerikanisch- 13 -

�Amerikanisch-sowjetische Beziehungen;

Die Beziehungen der Vereinig-

ten Staaten zur Sowjetunion sind ein entscheidendes Element unserer Sicherheitspolitik.

Alle Amerikaner erkennen die Bedrohung, die die Sow-

jetunion für den Weltfrieden darstellt. Die UdSSR ist der einzige Gegner
mit der Fähigkeit, die Vereinigten Staaten zu zerstören.

Darüber hinaus

sind die Amerikaner ganz allgemein über das gefährliche internationale
Verhalten der sowjetischen Führung und die totalitäre Natur des sowjetischen Regimes besorgt.

In den letzten Jahren haben die Sowjetunion und ihre Verbündeten eine
aggressivere Rolle in Ländern in der ganzen Welt gespielt.

Gleichzeitig

übersteigt das sowjetische nukleare und konventionelle Arsenal alle Erfordernisse der Verteidigung.

Und doch erkennen wir auch, daß die Sowjets ein gemeinsames Interesse
am Überleben haben.

Auch sie haben keine Verteidigung gegen einen Atom-

krieg. Unsere Sicherheit und ihre Sicherheit kann nur durch

Verhandlun-

gen und Kooperation gestärkt werden.

Um eine Politik zu gestalten, die sowohl fest als auch klug ist, müssen wir zunächst Vertrauen in uns selbst haben und dürfen niemals den
Ausgang eines Wettbewerbs unserer beiden Systeme fürchten.

Wir müssen

die Sowjetunion so sehen, wie sie ist - weder die Bedrohungen, die die
sowjetische Macht und Politik für die amerikanischen Interessen darstellen, verkleinern, noch die Stärke eines sowjetischen Regimes überschätzen, das von wirtschaftlicher Stagnation heimgesucht und von einer bankrotten und sterilen Ideologie beherrscht wird.

Wir müssen gemeinsam mit

unseren Verbündeten und Freunden eine wirksame Abschreckung gegen die
sowjetische Macht aufrechterhalten.

Wir müssen eine klare, konsequente

und feste Politik des friedlichen Wettbewerbs gegenüber der Sowjetunion
betreiben - eine stetige und pragmatische Einstellung an den Tag legen,
die weder sowjetische Aggression und Repression toleriert, noch die
sowjetische Paranoia anheizt.

Die Demokratische Partei verurteilt die Verfolgung von Dissidenten
- 14 -

�von Dissidenten und Verweigerern in der Sowjetunion, die den Nobelpreisträger Andrei Sacharow und seine Frau Jelena Bonner im inneren Exil in
Gorki an den Rand des Todes gebracht hat.

Wir werden nicht schweigen,

wenn sowjetische Maßnahmen wie die Inhaftierung von

Anatol Schtscha-

ranski und Ida Nudel und Tausende andere die grundsätzlich repressive und
antisemitische Natur des sowjetischen Regimes aufzeigen...

Osteuropa;

Wir müssen auf die Erwartungen und Hoffnungen der Völker

in Osteuropa reagieren und, wo immer möglich, die Kräfte des Wandels und
des Pluralismus ermutigen, die die Freiheit dieser Völker von der sowjetischen Tyrannei und der kommunistischen Diktatur vergrößern werden. Wir
sollten die osteuropäischen Länder ermutigen, eine unabhängige Außenpolitik zu verfolgen und eine größere Liberalisierung in innenpolitischen Angelegenheiten zu erlauben, und wir sollten unabhängige Beziehungen anstreben, um diese Ziele mit ihnen zu fördern...

Der Nahe und Mittlere Osten:

Die Demokratische Partei ist der Über-

zeugung, daß die Sicherheit Israels und das Streben nach Frieden im Nahen
und Mittleren Osten zu den fundamentalen Prioritäten der amerikanischen
Außenpolitik gehören.

Israel ist und bleibt mehr, als ein vertrauter

Freund, ein stetiger Verbündeter und eine Schwesterdemokratie. Israel ist
für die Vereinigten Staaten strategisch wichtig, und wir müssen in eine
bedeutsame strategische Zusammenarbeit eintreten.

Die Vereinigten Stataen und unsere Verbündeten haben lebenswichtige
Interessen im Persischen Golf. Wir müssen bereit sein, mit unseren Verbündeten in der Verteidigung dieser Interessen zusammenzuarbeiten.

Wir

sollten zu unserer historischen Unterstützung des Prinzips der Freiheit
der Meere stehen. Gleichzeitig sollten wir und unsere Verbündeten aktive
Diplomatie betreiben, um zur frühestmöglichen Beendigung des iranischirakischen Konflikts beizutragen.

Die westliche Hemisphäre;

Die westliche Hemisphäre liegt im argen.

Es ist höchste Zeit, dieser Hemisphäre Priorität einzuräumen. Wir müssen
Beziehungen entwickeln, die auf gegenseitige Achtung und gegenseitigem
- 15 -

�und gegenseitigem Wohl beruhen.

Über wesentliche

Sicherheitsanliegen

hinausgehend, müssen diese Beziehungen den Nachdruck

auf Diplomatie,

wirtschaftliche Entwicklung und Achtung der Menschenrechte legen.

Vor

allem müssen wir die Demokratie unterstützen...

Die Nationen der Hemisphäre müssen gemeinsam nach akzeptablen Lösungen streben, wobei Urteil und Maßnahmen auf Kriterien basieren müssen,
die auf alle angewandt werden.

Wir müssen Verletzungen der Menschen-

rechte, Aggression und Vorenthaltung der Grundfreiheiten verurteilen, wo
immer sie auftreten...

Die strategische Bedeutung Mittelamerikas steht außer Frage ebenso
wie die Tatsache, daß die Sowjetunion, Kuba und Nicaragua die Instabilität gefördert und die Revolution in der Region unterstützt haben.

Was

der Präsident jedoch außer acht läßt, sind die einheimischen Ursachen der
Unruhe.

Mittelamerika ist in seiner Geschichte mit verbreitetem Hunger

und verbreiteter Krankheit behaftet gewesen.

Und das historische Muster

des konzentrierten Reichtums hat wenig dazu beigetragen, stabile demokratische Gesellschaften hervorzubringen...

Amerika muß eine neue Einstellung finden.

Nur allzu oft denken die

Vereinigten Staaten in dem Sinne, was sie für die Länder Lateinamerikas
und der Karibik tun könnten.

Sie denken selten in dem Sinne, was sie

zusammen mit diesen Ländern tun könnten. Selbst bei besten Absichten ist
das mehr als nur ein Unterschied in Worten, denn Patemalismus läßt sich
niemals verbergen und wird immer abgelehnt - ob man ihn mit dem Etikett
einer "besonderen Beziehung" oder mit dem Etikett "Verteidigungsschild"
versieht...

Afrika;

Die Demokratische Partei wird für eine Reihe kühner neuer

Initiativen für die Länder der Dritten Welt im allgemeinen und Afrika im
besonderen eintreten.

Hunger, Dürre und Unterernährung haben für Mil-

lionen von Menschen in Afrika unermeßliches Leid gebracht. Dieses menschliche Elend - und die Armeen der Heimatlosen - erfordern eine Politik der
wesentlichen Erhöhung der humanitären Hilfe, einen starken Anstoß des

- 16 -

�Anstoß des landwirtschaftlichen Technologietransfers und eine Einstellung
der unglücklichen Tendenz, solche Hilfe zum Faustpfand der Ost-West-Konfrontation oder anderer geopolitischer Ziele zu machen.

Die Vereinigten

Staaten müssen auch wesentlich mehr Wirtschaftshilfe gewähren...

Ein de-

mokratischer Präsident wird zusammen mit unseren Freunden innerhalb und
außerhalb des Kontinents für die volle Achtung der Souveränität und territorialen Integrität aller afrikanischen Staaten eintreten...

Ein demokratischer Präsident wird die verfehlte Politik des "konstruktiven

Engagements" der

Reagan-Administration

nachdrücklich und eindeutig dem Apartheid-Regime

umkehren

und

sich

in Südafrika wider-

setzen. ..

Asien;

Unser Verhältnis zu den Ländern Asiens und des Pazifischen

Beckens wird weiterhin zunehmende Bedeutung gewinnen.

Die politischen,

kulturellen, wirtschaftlichen und strategischen Bindungen der Vereinigten
Staaten mit dieser Region dürfen nicht außer acht gelassen werden.

Mit unseren asiatischen Freunden und Verbündeten verbindet uns die
gemeinsame Sache der Erhaltung der Sicherheit und der Förderung der Demokratie in der Region.

Mit unseren asiatischen Handelspartnern verbindet uns ein gemeinsames
Interesse an der Ausweitung des Handels und eines fairen Handels untereinander, wie sich aus der Tatsache ergibt, daß 33 Prozent des amerikanischen Gesamthandels heute mit diesen Ländern abgewickelt wird.
Und mit der wachsenden Zahl von Amerikanern asiatischer und pazifischer Abkunft begrüßen wir die Stärke und Lebenskraft, die verstärkte
kulturelle Beziehungen unserem Lande bringen.

Unsere Beziehung zu Japan ist ein Schlüssel zur Aufrechterhaltung von
Frieden, Sicherheit und Entwicklung in
gion.

Asien und in der pazifischen Re-

Gegenseitige Achtung, verstärkte Zusammenarbeit und ruhige Diplo-

matie müssen unseren Umgang mit Japan bestimmen. Gleichzeitig müssen wir
- 17 -

�müssen wir als Verbündete und Freunde an der Lösung von unterschiedlichen
Auffassungen arbeiten.

Ein demokratischer Präsident wird daher auf einen

verstärkten Zugang zu japanischen wie auch anderen asiatischen Märkten
für amerikanische Firmen und Produkte drängen.

Und schließlich wird ein

demokratischer Präsident von Japan erwarten, daß es sich weiterhin bemüht, seinen fairen Anteil an der Last der kollektiven Sicherheit zu
übernehmen - in der Selbstverteidigung wie in der Auslandshilfe und demokratischer Entwicklung.

Unsere Sicherheit in der pazifischen Region ist auch eng mit dem
Wohlergehen unserer alten Verbündeten Australien und Neuseeland verknüpft.

Ein demokratischer Präsident wird unsere Sicherheitsverpflich-

tungen im Rahmen des ANZUS-Paktes wie auch gegenüber anderen Freunden in
Südostasien achten und stärken.

Auch unsere Beziehungen zur Volksrepublik China müssen genährt und
gestärkt werden. Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß unsere Entwicklungsbeziehungen zur Volksrepublik China eine historische Chance bieten, ein Viertel der Menschheit in die Gemeinschaft der

Völker zu

führen, ein Gegengewicht zum sowjetischen Expansionismus zu stärken und
wirtschaftliche Beziehungen zu fördern, die ein großes Potential zum beiderseitigen Vorteil bieten.

Gleichzeitig erkennen wir unsere histori-

schen Bindungen zur Bevölkerung von Taiwan an, und wir werden weiterhin
unsere Verpflichtungen ihr gegenüber einhalten, wie es im Gesetz über die
Beziehungen zu Taiwan niedergelegt ist...

Wir müssen uns weiterhin der sowjetischen Aggression in Afghanistan
widersetzen. Wir sollen die Anstrengungen der afghanischen Freiheitskämpfer materiell unterstützen.

Weltweite Verschuldung und Entwicklung

Die Demokratische Partei wird eine Politik der wirtschaftlichen Entwicklung, der Hilfe und des Handels verfolgen, die den Ansprüchen der
- 18 -

�Ansprüchen der Völker der Entwicklungswelt entgegenkommt und die unseren
eigenen nationalen Interessen dient. Der nächste demokratische Präsident
wird eine Entwicklungspolitik unterstützen, die die Grundansprüche der
Armen auf Nahrung, Wasser, Energie, medizinische Versorgung und Unterkunft erfüllt, statt einer Gießkannenpolitik, die niemals jene ganz unten
erreicht.

Die nächste demokratische Administration wird mit ihrer Aus-

landshilfe Ländern mit demokratischen Institutionen und Achtung vor den
Menschenrechten den Vorzug geben.

Ein demokratischer Präsident wird eine Senkung des amerikanischen Rekorddefizits und der Rekordzinsen nicht nur um unseres eigenen wirtschaftlichen Wohlergehens willen anstreben, sondern auch um die Wirtschaftskrise zu mildern, vor der so viele Industriestaaten wie Entwicklungsländer stehen...

Die soziale und politische Stabilität dieser Entwicklungsländer wird
durch die Schuldenkrise ernsthaft'bedroht.

Angesichts der Interdependenz

der internationalen Wirtschaft bedroht die Krise auch die Grundlagen des
internationalen Finanzsystems selbst.

Um diesen Gefahren zu begegnen,

wird die demokratische Administration:

- sofortige Verhandlungen über die Verbesserung des Funktionierens
der internationalen Währungssysteme und über die Entwicklung eines
umassenden langfristigen Planes zur Lösung des internationalen Schuldenproblems fordern;

- das Finanzministerium anweisen, zusammen mit der amerikanischen
Bundesbank, amerikanischen BarikaufSichtsbehörden, wichtigen Privatbanken und den Finanzministern und Zentralbankpräsidenten Europas und
Japans ein kurzfristiges Programm zum Abbau der Schuldenbedienungsverpflichtungen der weniger entwickelten Länder auszuarbeiten, wobei
1. die Sicherheit und Gesundheit des internationalen Bankensystems
erhalten und 2. gewährleistet werden muß, daß die Kosten für das Programm gerecht unter allen Partnern der bestehenden und umgeschuldeten
Schulden aufgeteilt werden;
eine
- 19 -

Erhöhung

�- eine Erhöhung der Kreditvergabekapazität der Weltbank wie auch eine
Erhöhung der Kreditvergabekapazität der amerikanischen Export-ImportBank empfehlen, um zu gewährleisten, daß die Schuldnerländer ausreichendes Kapital für Investitionen in Exportindustrien erhalten;

- internationale Handelsschranken überprüfen, die die Fähigkeit dieser Länder einschränken, Devisen zu verdienen.

Sicherheitsunterstützung

kann

unter

geeigneten

Itaständen

unseren

Freunden helfen, legitime Verteidigungserfordernisse zu erfüllen.

Aber

eine Verlagerung des Schwerpunktes von Wirtschaftshilfe auf militärische
Verkäufe, wie dies in den letzten dreieinhalb Jahren der Fall war, bringt
einen Rückschritt für die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit, heizt
regionales Wettrüsten an und gibt moderne Waffen in die Hände jener, die
sie eines Tages gegen uns und unsere Freunde und Verbündeten richten
könnten.

Die Demokratische Partei strebt heute, wie in der Vergangen-

heit, wirksame internationale Abkommen zur Begrenzung und Verringerung
des Transfers konventioneller Waffen an...

Menschenrechte und demokratische Solidarität

Ein demokratischer Präsident wird eine Außenpolitik betreiben, die
die bürgerlichen und politischen Grundsätze schützt - Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Freiheit des Denkens, Religionsfreiheit, Recht der
Freizügigkeit, Integrität der Person und Verbot der Folter, der willkürlichen Inhaftierung und grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung - und die gleichzeitig versucht, wirtschaftliche, soziale und
kulturelle Grundrechte zu erreichen.

Das Anliegen eines demokratischen

Präsidenten muß sich von dem russischen GULAG bis zu den Gefängnissen
lateinamerikanischer Generäle erstrecken.

Die Verbannung südafrikani-

scher Schwarzer ist ebenso unannehmbar wie das Mundtotmachen kubanischer
Dichter.

Ein demokratischer Präsident wird die amerikanische Unterstüt-

zung für Diktatoren in der ganzen Welt, von Haiti bis zu den Philippinen,

- 20 -

�den Philippinen beenden.

Er oder sie werden die Einhaltung der Grund-

rechte des Menschen, wie sie in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung
und der Schlußakte von Helsinki niedergelegt sind, unterstützen und verteidigen.

Er oder sie werden durch stille Diplomatie und öffentliche

Maßnahmen die Freilassung von politischen Gefangenen und die freie Auswanderung verfolgter Personen und Völker auf der ganzen Welt anstreben.
Er oder sie werden die amerikanische Ratifizierung der Konvention über
Völkermord, der internationalen Menschenrechtsverträge und der amerikanischen Menschenrechtskonvention wie auch die Einsetzung eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte anstreben.

Er oder sie werden den Geist

und den Buchstaben unserer Gesetze einhalten, die Militär- und Wirtschaftshilfe an Regierungen verbieten, die die Menschenrechte verletzen.

Die Demokratische Partei ist der Überzeugung, daß die Außenpolitik
der Vereinigten Staaten - ob als Antwort auf Total itarismus in der Sowjetunion oder auf Unterdrückung

in Lateinamerika oder Ostasien, auf

Apartheid in Südafrika oder auf Kriegsrecht in Polen, auf Terrorismus in
Libyen oder Terrorherrschaft im Iran oder auf barbarische Aggression in
Südostasien und Afghanistan - unmißverständlich auf der Seite jener sein
muß, die die Freiheit lieben.

Als Demokraten und als Amerikaner werden wir die Unterstützung der
Demokratie, der Menschenrechte und der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit zum Eckstein unserer Politik machen.
tionärsten Ideen auf unserem Planeten.

- 21 -

Dies sind die revolu-

�31

1. August 1984

DIE KOMJNISTISCHE BEDECKUNG DER FREIHEIT IN LATEINAMERIKA
- Von Max Kampelman -

- (AD) - Botschafter Max Kampelman
leitete die amerikanische Delegation
auf dem zweiten Folgetreffen der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Madrid;
diese Folgekonferenz von 1980-83 diente
der Überprüfung der Schlußakte von
Helsinki aus dem Jahr 1975.

Von 1960 bis Mitte der siebziger Jahre ermutigte die Sowjetunion die
ertlichen kommunistischen Parteien, sich in den jeweiligen Ländern breite
gefächerten Wahlbündnissen anzuschließen.

Dazu gehörten auch Bemühungen

um die Entwicklung enger Beziehungen zu etablierten militärischen Kräften
in Lateinamerika, da die sowjetischen Parteitheoretiker damals der Ansicht waren, daß das Militär die einzige stabile Institution in einem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�in einem sonst oftmals chaotischen politischen Umfeld sei. Diese Bemühungen schlugen jedoch fehl, und das Kuba Castros fand sich plötzlich in
zunehmendem Maße ebenfalls in einer isolierten Situation.

Mitte der siebziger Jahre wurde das Vorgehen deutlich: Moskau finanzierte und unterstützte über Kuba und seine osteuropäischen Satelliten
örtliche Terroristengruppen.

Kuba wurde bei dieser Aggression als vor-

geschobener Stützpunkt benutzt, wobei man auf ein aktives Programm der
Guerilla-Ausbildung, des Waffenschmuggels, des Drogenhandels, der direkten militärischen Präsenz und verdeckter Geheimdienstaktivität zurückgriff.

Die wirtschaftlichen,

sozialen und politischen Verzerrungen ver-

schlimmerten sich aufgrund dieser Aggression, der gleichzeitig steigenden
Energiekosten und der bekannten strukturellen Probleme, was dann zu einer
sich ständig verschlimmernden Krise in der Region führte. Das wirtschaftliche Wachstum kam zum Erliegen, die großen Handelsdefizite traten immer
stärker zu Tage, die Arbeitslosigkeit wuchs, die Inflationsraten schnellten in die Höhe, Kapital- und Geschäftsinvestitionen wurden angesichts
der Unruhen immer geringer und die sozialen Probleme nahmen zu. Dies alles fiel mit einem wohldurchdachten Programm militärischer Aktivitäten
der Sowjetunion zusammen, die gegen die Randgebiete der Entwicklungswelt
gerichtet waren.

In einem Artikel von General Schawrow, dem Leiter der sowjetischen
Generalstabsakademie wurde 1975 eine solche Aktivität angekündigt.

Eine

militärische Unterstützung seitens der Sowjetunion bei örtlichen kriegerischen Auseinandersetzungen, so hieß es dort, sei für die sowjetischen
Interessen von entscheidender Bedeutung.

Der Aufbau einer sowjetischen

Hochseeflotte und eine immer größer werdende Luftbrückenkapazität Moskaus, so schrieb der General, erlaube es der Sowjetunion, in regionalen
Konflikten eine wesentliche Rolle zu spielen.

Kuba wurde ein integraler Teil der strategischen Planung Moskaus. Man
erlebte, wie eine gegnerische Flotte in die Karibik eindrang.

Der Bau

�Der Bau einer Dockanlage für Atomunterseeboote im Süden der Insel bot
die Möglichkeit für die Wartung solcher Unterseeboote, die damit vor
den Küsten der Vereinigten Staaten operieren können, und zwar mit einer
Reichweite, die sich über die Hälfte des Landes erstreckt.

Die gesamte Wirtschaft Kubas beruht heute auf der Energieversorgung
seitens der Sowjetunion zu subventionierten Preisen.

Der Zuckerexport

Kubas geht zum größten Teil in die Länder des Ostblocks - ebenfalls zu
subventionierten Preisen.

So besteht heute eine totale wirtschaftliche

wie auch militärische Abhängigkeit Kubas.

Kuba, das einmal von den sowjetischen Theoretikern als "Bruderstaat",
dann als Mitglied des "sozialistischen Systems der Welt" gesehen wurde,
wird heute als eines der Mitglieder der "sozialistischen Gemeinschaft"
geführt. Mit dieser Bezeichnung wird die Insel in den Schutz der destabilisierenden Breschnew-Doktrin gerückt.

In jedem Jahr erreichen Zehn-

tausende von Tonnen militärischer Güter Kuba.

Die militärischen Anlagen

auf Kuba sowie die Mannschaftsstärke seiner Streitkräfte sind heute größer als die aller anderen karibischen Länder zusammengenommen.

Kuba verfügt heute über genügend Land-, See- und Luftstreitkräfte, um
innerhalb von 24 Stunden in jedes Gebiet der Karibik vordringen zu können.

Es besitzt eine bedeutende Anzahl von großen Raketen, die mit nu-

klearen Gefechtsköpfen ausgerüstet werden können.

Die von der Sowjet-

union gelieferten Flugzeuge vom

Typ MIG-27 können konventionelle wie

auch nukleare Nutzlasten tragen.

Auf den Flugplätzen der Insel können

jetzt schwere sowjetische Interkontinentalbomber landen.

Mit seiner von der Sowjetunion gestützten enormen Militärmacht ist
die Insel ganz offen zu einer Basis für die Unterstützung terroristischer
Bewegungen in Mittelamerika und der Karibik geworden.

Terroristische

Gruppen aus nahezu jedem Land des Karibischen Beckens und anderen Teilen
der Welt, einschließlich der baskischen ETA, wurden und werden auf Kuba
sowie in Osteuropa ausgebildet.

Die

Sandinisten

�Die Sandinisten haben bereits 1979 ihren "revolutionären Internationalismus" sowie ihre Identifizierung mit sowjetischen Zielen proklamiert
-

zu einem Zeitpunkt also, als die Vereinigten Staaten Nicaragua be-

trächtliche Wirtschaftshilfe gewährten.

Der Aufbau einer sandinistischen

Militärmaschine, die allen anderen Ländern in der Region zusammengenommen
weitaus überlegen ist, begann, bevor irgendeine bedeutsame innere Opposition vorhanden war, ja, während viele der Männer, die heute eine aktive
Opposition betreiben, noch hohe Regierungsämter besetzt hielten.

Im Juni 1980 begannen die Sandinisten mit ihrer aktiven Einmischung
in die inneren Angelegenheiten El Salvadors, indem sie die salvadorianischen Guerilleros aufforderten, ihr Hauptquartier in Nicaragua zu errichten.

Über eine massive Luftbrücke wurden Waffen und Nachschubgüter

geliefert. Die Sabotageanschläge wurden immer intensiver.

Die Bemühungen El Salvadors, eine echte, auf Wahlen beruhende Demokratie als wichtigen ersten Schritt zur Erreichung einer gewissen wirtschaftlichen Stabilität und sozialen Gerechtigkeit zu schaffen, führten
zu heftiger Einmischung der von den Sandinisten unterstützten Terroristen.

Um die Wahlen zu stören, wurden Straßen vermint, Bomben gezün-

det, Menschen bedroht, die Stromversorgung unterbrochen - das alles, um
freie Wahlen unmöglich und den terroristischen Aufstand erfolgreich zu
DBChflQ«

El Salvador war nicht das einzige Opfer der sandinistischen Aggression.

Anfang 1981 fingen die Sandinisten damit an, die vertraglichen

Rechte Costa Ricas zu verletzen und die Handelsschiffe dieses Landes zu
behindern.

Diese Einschüchterungsversuche gingen weiter, wobei man sich

vor Augen halten muß, daß Costa Rica, das eine gemeinsame Grenze von 180
Meilen mit Nicaragua hat, über keine Streitkräfte verfügt.

Vor etwa zwei Jahren drangen die Sandinisten in Honduras ein - ein
erster Schritt, um die dortige Regierung zu untergraben.
jaahr als 200 Grenzzwischenfälle gegeben.

Seither hat es

Sandinistische Truppen haben

internationale Grenzzeichen zwischen Nicaragua und Honduras entfernt und

�entfernt und dann diese Landstreifen besetzt.

Das sind die Tatsachen.

Es ist also nicht verwunderlich, daß es in

der Moskauer Publikation "Neue Zeiten" am 19. August vorigen Jahres prahlend hieß, die Sandinisten hätten den Vereinigten Staaten "im Rücken" eine "strategische" Niederlage beigebracht. Wen wundert es dann noch, daß
der ideologische Status Nicaraguas in der sowjetischen Literatur der einer "Volksdemokratie" ist - ein Etikett, das unmittelbar nach dem Krieg
nur den Regimen in Osteuropa verliehen wurde.

Es ist auch nicht verwun-

derlich, daß ein sowjetischer Wissenschaftler kürzlich schrieb, Nicaragua
sei "der Beginn eines neuen Abschnittes im Kampf um den gesamten Kontinent."

Und es wundert somit auch niemanden, wenn es in autorisierten

sowjetischen Artikeln - so in der Iswestija am 6. Januar 1984 - ganz
deutlich heißt, daß die nächsten Ziele Guatemala, Honduras und Costa Rica
seien.

Es ist allerdings für viele in unserem Lande verwunderlich, daß zahlreiche Menschen guten Willens, die zutiefst an die demokratischen Werte
glauben, die ernsthafte Bedrohung dieser Werte gerne ignorieren oder als
unbedeutend hinstellen möchten - eine Bedrohung, die, wäre sie erfolgreich, für Millionen von Menschen den Verlust von Freiheit und Menschenwürde nach sich zöge.

Viele Leute sind der Ansicht, die Vereinigten Staaten sollten nicht
so sehr den kommunistischen Einfluß herausstellen, sondern vielmehr auf
die örtlichen sozialen und wirtschaftlichen Faktoren blicken, die der Reform bedürfen, anstatt militärischer Lösungen.

Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß die politischen Unruhen in
Mittelamerika auf tiefverwurzelten sozialen und wirtschaftlichen Problemen beruhen. Wir wissen, daß dort, wo es Hunger, unzureichende Wohnverhältnisse und Analphabetentum gibt, keine Stabilität herrschen kann.

All

das ist richtig, und wir bemühen uns naclidrücklich, auf diese Erfordernisse einzugehen.

Wir wissen aber auch, daß die Kommunisten...

die Un-

gerechtigkeit und Armut für ihre Zwecke auszuschlachten suchen, zwar nur
- 5 -

�zwar nur eine kleine Gruppe darstellen, dieser Nachteil für sie voll und
ganz ausgeglichen wird durch die Waffen-, Finanz- und andere praktische
Hilfe, die sie von ihren sowjetischen Hintermännern erhalten.

Wir alle stimmen mit der Vorstellung überein, daß militärische Lösungen nicht die besten sind und mit allem Nachdruck vermieden werden sollten. Deshalb setzen wir uns so nachhaltig für Verhandlungen ein und bieten unsere Mitarbeit im Rahmen des CQNTADORA-Prozesses an. Aber wir würden doch die Augen vor unserer Verantwortung verschließen, wenn wir nicht
einräumen würden, daß militärische Lösungen angesichts der militärischen
Aggression und des bewaffneten Terrorismus manchmal die einzig möglichen
Lösungen sind.

Amerika hat sowohl Castro als auch die Sandinisten unterstützt, als
sie die Macht übernahmen. Unsere Regierung gewährte diese Unterstützung,
weil wir uns der sozialen und wirtschaftlichen Mißstände bewußt waren,
die dort herrschten.

Wir waren uns ebenfalls unserer eigenen histori-

schen Fehler bewußt, die zu diesen Problemen beitrugen.

Wir wollten

glauben, daß die Worte von Demokratie echt waren, die von diesen neuen
revolutionären Kräften geäußert wurden.
handelten wir entsprechend.

Weil wir dies glauben wollten,

Wir begingen den Fehler, die Hinweise zu

ignorieren, daß diese "revolutionären Kräfte" sich in erster Linie auf
den komraunisstischen Totalitarismus statt auf Freiheit und

emokratie

festgelegt hatten.

In dem echten Bestreben, die Demokratie in Nicaragua zu fördern und
zu stärken, unterstützten wir die Bemühungen, Somoza su stürzen.
halfen bei den Verhandlungen über seine Abreise mit.

Wir

Wir setzten uns

für die Resolution der Organisation Amerikanischer Staaten (QAS) ein, die
seine Amtsenthebung forderte.

In der ersten

Woche der Machtübernahme

durch die Sandinisten stellten wir 25 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhilfe und medizinischer Unterstützung zur Verfügung.

Wir gewährten wei-

tere 115 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe. Wir befürworteten nicaraguanische Anleihen bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Während

der ersten beiden Jahre der sandinistischen Kontrolle gewährten wir dem

�wir dem neuen Regime mehr Wirtschaftshilfe, als die Somoza-Regierung in
den 20 Jahren davor erhalten hatte.

In El Salvador unterstützten die Vereinigten Staaten die Bestrebungen, die die dortige Militärdiktatur im Oktober 1979 zur Aufgabe zwangen
und die Christdemokraten an die Macht kommen ließen.

Wir förderten die

Landreformen, die durch Spezialisten des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO entworfen wurden. Wir haben in der Folgezeit den Prozeß der demokratischen Entwicklung in diesem Land ermutigt und unterstützt, so daß die Kräfte der Demokratie dort einen gewissen Spielraum
haben.

Die Bevölkerung in El Salvador ging an die Wahlurnen und lehnte

den Terrorismus ab. Um ihre Stimme für die Demokratie abzugeben, gingen die Menschen meilenweit zu den Wahllokalen und standen stundenlang an
trotz aller Drohungen und Schießereien.
Wir halten es nicht für moralisch, kleine Länder und hilflose Menschen gegenüber Terroristen im Stich zu lassen, die von Kommunisten oder
irgendeiner anderen diktatorischen Gruppe ausgebildet werden.

Wir sehen

in der Darstellung der sowjetischen Militärmacht in der westlichen Hemisphäre eine Bedrohung unserer Sicherheit und unserer Werte.

Der Grund-

satz, der die Politik unseres Landes geleitet hat und weiterhin leiten
wird, ist, daß wir immer dort Hilfe gewähren werden, wo diese Hilfe effektiv sein kann und die nach Freiheit strebenden Menschen befähigt, in
Freiheit zu leben. Wir sind uns darüber im klaren, daß weder Demokratie
noch Menschenrechte Produkte "Made in America" sind, die einfach ins Ausland exportiert werden können. Doch dies schließt nicht aus, daß wir uns
mit diesen Rechten aktiv identifizieren und uns mit jenen assoziieren,
die diese Rechte gegenüber allen Angriffen verteidigen wollen.

Wir sind

davon überzeugt, daß der Widerstand gegen militärische Aggression unverzichtbar ist für die Bewahrung unserer Werte der Menschenwürde und für
die Verwirklichung unseres Zieles einer demokratischeren, gerechteren und
stabileren Hemisphäre.

Es ist gelegentlich enttäuschend, wenn Freunde, die es eigentlich
besser wissen müßten, anscheinend mehr Sympathie für jene haben, die den

�die den Frieden, die Unabhängigkeit und die Freiheit ihrer Nachbarn bedrohen, als für die Nachbarn selbst. Es scheint manchmal mehr "Verständnis" für die Anwesenheit von vielen tausend Militärberatern aus Kuba und
dem Ostblock in Nicaragua zu bestehen als für die etwa 37 amerikanischen
Militärberater in El Salvador. Es hat für viele von uns zuweilen den Anschein, als ob einige unserer Freunde geneigt sind, den Mindesteinsatz
begrenzter Macht seitens der USA zur Verteidigung der Selbstbestimmung
der dort lebenden Menschen übertrieben darzustellen und den systematischen Einsatz brutaler Macht zur Unterjochung hilfloser Völker der Dritten Welt durch den Sowjetblock herunterzuspielen.

Eine solche unbegreifliche, kurzsichtige Entstellung der Realität
kann für alle von uns gefährlich sein. Was die Sicherheit in der Karibik
und in Mittelamerika anbetrifft, so steht für uns alle viel auf dem
Spiel.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten sind sich über die

strategische Bedeutung dieser Region im klaren.

Es ist an der Zeit, daß

unsere Freunde in Europa und anderswo in der Welt diese Bedeutung für uns
- ihrem Freund und ihrer Schwesterdemokratie - und für sich selbst richtig einschätzen.

Der größte Teil des Erdöls und anderer wichtiger strategischer Materialien, die die Vereinigten Staaten in einem Ernstfall nach Europa verschiffen würden, geht über die karibischen Seewege.

Andererseits machen

die Sowjets kein Geheimnis daraus, daß es ihr Ziel ist, die Vereinigten
Staaten durch militärische und politische Verpflichtungen so an die westliche Hemisphäre zu binden, daß es schwerer für uns ist, auf Ernstfälle
in Europa, Asien oder anderswo zu reagieren.

Es ist an der Zeit, daß die Demokratien in aller Welt moralische und
politische Festigkeit und Entschlossenheit zeigen. Wir, die wir uns mit
Demokratie und menschlicher Freiheit identifiziert haben, haben eine Verantwortung gegenüber der Geschichte und gegenüber zukünftigen Generationen.
* * * * *

- 8-

�31

1 .August 1984

Bericht über die Lage in El Salvador
-Zusammenfassung-

Washington (AD) Ein Bericht des amerikanischen Außenministeriums zur
Vorlage beim Kongreß, der am 13. Juli 1984 den Medien zugänglich gemacht
wurde, "hat die Absicht, dem Kongreß und der amerikanischen Öffentlichkeit eine umfassende Beurteilung der Situation in El Salvador zur Verfügung zu stellen."

Die zusammenfassende Darstellung des Berichtes hat folgenden Wortlaut
Jose Napoleon Duarte, der erste demokratisch gewählte Präsident in El
Salvador seit 5o Jahren wurde am 1. Juni 1984 in sein Amt eingeführt. Die
von ihm am 6. Mai gewonnenen Wählen waren die dritten freien und offenen
Wahlen innerhalb von zwei Jahren und bildeten eine Wasserscheide bei der
Stärkung des institutionellen Rahmenwerkes für politische Reform in El
Salvador.

Präsident Duarte steht vor gewaltigen Herausforderungen: Die gewalt-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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�Die gewalttätige Geschichte des Landes, eine entschlossene marxistische
Aufstandsbewegung mit starken Bindungen und mit materieller Unterstützung
Nicaraguas und des kubanisch/sowjetischen Blocks, eine stark angeschlagene Volkswirtschaft sowie schwache Institutionen der öffentlichen Verwaltung und der Justiz. Die neue Regierung hat sich dazu verpflichtet,
sich aktiv für ein Ende der Gewalt von rechts wie von links einzusetzen,
die Herrschaft des Rechts zu starken, den Dialog innerhalb des demokratischen Prozesses zu fördern sowie das wirtschaftliche Wachstum voranzutreiben und dabei gleichzeitig die sozialen Reformen zu schützen.

Der Rückgang der Zahl politisch motivierter Gewalttaten innerhalb der
letzten drei Jahre dauerte auch im ersten Halbjahr 1984 an. Nach Zusammenstellungen von Presseberichten gab es in den ersten fünf Monaten des
Jahres 1984 durchschnittlich 93 gegenüber durchschnittlich 14o politischen Morden je Monat im Jahr 1983. Es wird großer Anstrengungen bedürfen, um diese Vorkommnisse politischer Gewalt in El Salvador weiter zu
verringern. Insbesondere bedarf der Prozeß der Errichtung eines wirksamen
Justizsystems in El Salvador einer anhaltenden Anstrengung über die nächsten Jahre hinweg. Aufbauend auf der im Mai erfolgten Verurteilung der
Mörder der amerikanischen Nonnen hat Präsident Duarte tatkräftige Schritte unternommen, um an die Spitze der Sicherheitskräfte des Landes ehrenhafte Offiziere zu stellen, diese Sicherheitskräfte einer zentralen Kontrolle zu unterwerfen und die unter Verdacht stehenden Sondereinheiten
der Polizei aufzulösen. Eine Einheit für Rechtsschutz -die anfänglich
eine amerikanische Ausbildung erhielt- erfüllte ihre erste große Aufgabe
beim Schutz von Richtern und Geschworenen im Fall der Nonnen, und es gibt
derzeit auch Bemühungen, um die Untersuchungsbehörden sowie die beruflichen Fähigkeiten der dort Tätigen zu verbessern, damit Beweismaterial
zur Verfolgung von Terroraktivitäten von links und rechts erstellt werden
kann.

Die Salvadorianisehen
fassung und

beweisen

Streitkräfte zeigen eine bessere Dienstauf-

im Kampf

verstärkte Angriffsbereitschaft.

Seit

Januar zeigt sich eine eindrucksvolle Erfolgsrate. Der Verlust militärischer Ausrüstung an die Insurgenten hält sich innerhalb akzeptabler Gren- 2 -

�akzeptabler Grenzen. Dennoch erhielt die Guerilla trotz mangelnder Unterstützung in der Öffentlichkeit (was zu verstärkter Zwangsaushebung führte) auch weiterhin beträchtliche Hilfe aus dem Ausland und behält dadurch
die Fähigkeit zur Durchführung sporadischer, doch spektakulärer Aktionen.
Es gibt Anzeichen einer größeren Guerilla-Offensive für die zweite Jahreshälfte. Ohne verstärkte amerikanische Militärhilfe dürfte das sich
hinziehende Patt zwischen dem Militär und der Guerilla wahrscheinlich andauern, wobei letztere ihre Strategie der Zerstörung der salvadorianischen Volkswirtschaft noch stärker betonen würde.
Während und seit seiner Präsidentschaftskampagne hat Präsident Duarte
immer wieder
Marti

seine Bereitschaft betont, mit Vertretern der Farabundo

Nationalen

Befreiungsfront/Revolutionären

Demokratischen

Front

(FMLN/FDR) Z U sprechen. Aber er ist nicht bereit, der Guerilla einen Anteil an der politischen Macht als Alternative zu ihrer Teilnahme am demokratischen Prozeß zu gewähren.

El Salvador erlebte 1983 in seiner jüngeren Geschichte das erste Jahr
ohne wirtschaftlichen Rückgang. Dennoch steht die Wirtschaft auch weiterhin unter erheblichem Druck - das Bruttosozialprodukt ist gegenüber jenem
Mitte der siebziger Jahre um mehr als ein Drittel zurückgegangen und das
große Ausmaß an Arbeitslosigkeit wird noch durch die Kriegsschäden verstärkt. Eine zusätzliche Belastung ist die große Zahl der vor dem Konflikt Fliehenden und die Versuche der Guerilla, sich mittels Zwang zu
verstärken. Anstrengungen dauern an, die organisatorischen Fähigkeiten
und die Produktivität der Kooperativen im Rahmen der ersten Phase der Bodenreform zu verbessern. Denjenigen, die sich gemäß der dritten Phase
("Land für die Ackerbauern") um Land bewarben, wurde garantiert, daß ihre
Anträge nicht dadurch beeinträchtigt werden, daß die Frist für derlei Anträge am 30. Juni abgelaufen ist. Durch die Ernennung älterer Repräsentanten der Campesinos in leitende Funktionen des Landwirtschaftsministeriums und der Leitung des Instituts für Agrarreform erhielten die Campesino-Gruppen die Möglichkeit, diejenigen Institutionen direkt zu beeinflussen, die die Agrarreform verbessern und konsolidieren können.

Dieser

Bericht

�Dieser Bericht hat die Absicht, dem Kongreß und der amerikanischen
Öffentlichkeit eine umfassende Beurteilung der Situation in El Salvador
zur Verfügung zu stellen. Er geht auf alle Punkte ein, wie sie das
Öffentlichkeitsgesetz

98-332

erfordert:

Wahlen,

Versammlungsfreiheit,

Rechtssystem, Bodenreform, Entwicklung eines Systems der medizinischen
Ausbildung, Ausbildung der Streitkräfte, Verluste bei Waffen und kampfunterstUtzendem Material (Quantifizierung), Ausgaben für Munition (quantifiziert in einem gesonderten Bericht), Bereitstellung von unterstützendem und taktischem Fernmeldegerät sowie umfang des Einsatzes von Ersatzteilen. Um diese Punkte noch zu vertiefen, geht der Bericht auch ein
auf
Erwägungen hinsichtlich der Menschenrechtslage;
Mordfälle an amerikanischen Bürgern;
allgemeine wirtschaftliche Fragen und Beurteilung der amerikanischen
Wirtschaftshilfsprogramme;
die derzeitige militärische Lage;
die Lage der Flüchtlinge und Vertriebenen.

*****

Der volle Wortlaut des Berichtes in englischer Sprache kann angefordert
werden bei:

Amerika Dienst
Postfach 200 300
5300 Bonn 2

- 4 -

�1. August 1984

31

Medizinische Versorgung in Afghanistan katastrophal
-Bericht eines amerikanischen Arztes-

Washington - (AD) - Auf einem, von Mitgliedern des amerikanischen Repräsentantenhauses veranstalteten Forum berichtete der Arzt Dr. Robert R.
Simon über seine persönlichen Erfahrungen in Afghanistan. Der an der Universität von Kalifornien tätige Mediziner, der einer aus dem Libanon in
die USA eingewanderten Familie entstammt und selbst Moslem ist, erlebte
ein Jahr in Afghanistan unter Kampfbedingungen in einer der im Geheimen
tätigen Kliniken und beabsichtigt nunmehr, acht mobile Operationseinheiten, von Amerikanern betrieben, aufzustellen, um damit den Cpfern der
sowjetischen Besetzung zu helfen.

"In Afghanistan verwundet zu werden ist gleichbedeutend mit dem Tod,"
erklärte der 34 Jahre alte Arzt. "Die medizinische Lage allgemein wie
auch speziell die chirurgische ist katastrophal."

Seiner Schätzung zufolge stehen in 80 Prozent des Landes den Mujahedin der afghanischen Widerstandsbewegung sowie deren Sympathisanten in

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Tel.: 0228-339 2035
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�Sympathisanten in der Zivilbevölkerung keinerlei medizinische Einrichtungen zur Verfügung. Das Gesundheitsnetz der Vorkriegszeit wurde zerstört, die sowjetischen Flugzeuge bombardieren alle krankenhausähnlichen
Einrichtungen, derer sie ansichtig werden.

Die Diapositive, die Dr. Simon von seiner Reise nach Afghanistan zurückbrachte, vermittelten den Teilnehmern des Forums einen Einblick in
das Leiden von Männern, Frauen und Kindern im Gefolge von Bombenabwürfen,
Maschinengewehr feuer sowie Tret- und Tarnminen, die von den Sowjets und
dem Regime Babrak Karmal im Land verlegt werden.

"Eine größere Wunde -etwa im Unterleib oder in der Brust- ist tödlich," so Dr. Simon, denn ein Verwundeter muß erst auf dem Rücken eines
Esels durch unwirtliches Gelände über große Entfernungen zu einem Krankenhaus jenseits der Grenze nach Pakistan gebracht werden.

Die intensiven, systematischen Bombardements der Sowjets auf Dörfer,
Felder und Bewässerungsanlagen sowie das Erschießen von Vieh in Gegenden,
wo die Mujahedin aktiv sind oder sich verborgen halten, haben zu akuter
Lebensmittelknappheit geführt. So ernähren sich die Mujahedin und die Zivilbevölkerung häufig nur noch von Getreidekörnern, Beeren, Tee und dem,
was durch einen Überfall auf einen Versorgungslastwagen der Sowjets beschafft werden konnte.

"Unterernährung grassiert," berichtet Dr. Simon. "Ich sah zum ersten
Mal in meinem Leben Fälle von Skorbut." Außerdem behandelte er Kranke,
viele davon Kinder, die an Malaria, Tuberkulose, Lungenentzündung, Masern
und Keuchhusten litten.

Durch seine afghanischen Patienten hatte der amerikanische Arzt Einblick in das Land: "Kein Zweifel", so Dr. Simon, daß die Truppen der Sowjets und des Karmal-Regimes chemische Kriegführung betreiben. "Ich verstehe nicht, wie jemand daran zweifeln kann." Dr. Simon stellt sich damit
gegen die Skepsis mancher Kreise, die dem keinen Glauben schenken wollen.
Die von ihm erkannten Symptome lassen den Schluß zu, daß zwei giftige
- 2 -

�zwei giftige Substanzen -Phosgen und Diphosgen- eingesetzt wurden.

Der Bericht von Dr. Simon über die medizinische Lage in Afghanistan
deckt sich praktisch mit dem der afghanischen Ärzte in Pakistan und dem
zweier in Paris ansässiger Organisationen -Aide Medicale Internationale
und Medecins Sans Frontieres-.

Der Arzt zeigte auch Bilder von Opfern dessen, was er "russische Folter" nannte - Versuche, von Dorfbewohnern Informationen über die Mujahedin zu erhalten. So war unter seinen Patienten ein Junge, dem russische
Soldaten in Anwesenheit der Eltern Kerosin über die Arme gegossen und
dann entzündet hatten, nachdem jene sich weigerten, die entsprechenden
Informationen zu geben. Ein weiteres Mittel zu diesem Zweck besteht
darin, Dorfbewohner dazu zu zwingen, bei eisigen Temperaturen barfuß im
Schnee zu stehen - ein Mann, den Dr. Simon behandelte, hatte auf diese
Weise alle Zehen verloren.

Kranke und Verwundete behandelte Dr. Simon in einem kleinen, temporären Behelfskrankenhaus, das in einem Tal in der noröstlichen KonarhaProvinz, 65 Kilometer von der pakistanischen Grenze entfernt, errichtet
worden war. Unterstützt von der Union afghanischer Mujahedin-Ärzte in
Peshawar, einem Zentrum afghanischer Flüchtlinge, überquerten Dr. Simon
und eine Gruppe Afghanen mit medizinischer Ausrüstung im Rucksack zu Fuß
die Grenze und marschierten durch die über 2 loo Meter hohen Berge, um
das Tal zu erreichen.

Das temporäre Krankenhaus bestand aus wenig mehr als einer aus Lehm,
Stein und Zeltleinwand konstruierten Behausung, die sich an den Fuß eines
Berges anlehnte. Der Amerikaner und seine Helfer empfingen ihren ersten
Patienten früh um halb sechs, den letzten abends gegen neun Uhr.

In Peshawar besprach Dr. Simon seinen Plan zur Einsetzung von acht
medizinisch-chirurgischen Einheiten in Afghanistan mit afghanischen Ärzten und Vertretern der Mujahedin; außerdem hat er zu diesem Zweck die
"World Medical Corps Organization" ins Leben gerufen. Spenden sollen die
- 3 -

�Spenden sollen die Einheiten, von denen jede etwa 40 000 Dollar kosten
wird, finanzieren. Weitere 12 000 Dollar sind für den Transport von Ärzten und Krankenschwestern sowie Medikamenten und medizinischen Geräten
notwendig.

Dr. Simon teilte mit, daß sich bereits eine ganze Reihe amerikanischer Ärzte und Krankenschwestern freiwillig hierfür gemeldet hätten. Für
ihn selbst erfüllt sich damit der Wunsch, einem unterentwickelten Land zu
helfen, in dem "die größte Not" herrscht und das unter "Aggression von
außen"

leidet.

*

- 4 -

�1. August 1984

31

DIE ERDOLRESERVE ALS MITTEL ZUR PREISREGULIERUNG
- IEA-Länder beschließen raschen Einsatz bei Versorgungsschwierigkeiten -

- (AD) - Was die Vereinigten Staaten bereits Anfang 1984 als ihre
politische Linie umrissen, nämlich die frühzeitige Inanspruchnahme der
strategischen Erdölreserve bei

schwerwiegenden Versorgungsschwierigkei-

ten, wurde Mitte Juli von der Internationalen Energieagentur (IEA) für
alle 21 Mitgliedstaaten vereinbart.

Nach Beendigung der Konferenz des

Gouverneursrates der IEA am 11. Juli 1984 in Paris hatte der amerikanische Energieminister Donald Hodel das beabsichtigte Vorgehen der Vereinigten Staaten nochmals erläutert und erklärt, daß man auf diese Weise
Angebot und Nachfrage für Öl in Krisenzeiten ins Gleichgewicht bringen
wolle.

Er begrüßte die grundsätzliche Zustimmung der IEA-Länder zu den

amerikanischen Plänen und zu weiteren Aktionen zur gegenseitigen Hilfe
als wesentliche Elemente, um den wirtschaftlichen Schaden durch Unterbrechungen der Ölversorgung so gering wie nur irgend möglich zu halten.

Die Partnerländer der IEA sollen laut Hodel ermutigt werden, alles zu

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
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Telex: 8-85432

�alles zu tun, um auch ihre eigene Position in der Reservehaltung von Öl
zu stärken.

Dies sei eine wichtige Voraussetzung für eine gerechte Ver-

teilung von Lasten, die sich für die Vereinigten Staaten und ihre Partner
im Fall schwerwiegender Störungen von Öllieferungen ergeben könnten.
Hodel verwies darauf, daß die USA in den letzten drei Jahren ihre strategische Ölreserve nahezu vervierfacht hätten und z. Zt. über Vorräte von
mehr als 410 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) verfügten.

Das

zweite, inzwischen ebenfalls erreichte Ziel war die Schaffung geeigneter
Mechanismen innerhalb der USA, um Notstandspläne für den Fall schwerwiegender Unterbrechungen in der Ölversorgung in Aktion zu setzen und die
Funktionsfähigkeit des Systems der strategischen Erdölreserve zu gewähr-

&gt;

leisten.

Allen E. Wendt, Stellvertretender Unterstaatssekretär für internationale Energiepolitik im amerikanischen Außenministerium, gab am 25. Juli
vor der Auslandspresse in Washington weitere Abmachungen mit den Partnernländern in der IEA bekannt. So könne beispielsweise eine neugeschaffene Konsultativgruppe, die zur Freigabe von Vorräten berechtigt sei, eine "rechtzeitige, koordinierte Inanspruchnahme der Erdölreserven" in Krisenzeiten einleiten. Diese Gruppe, die allen Mitgliedern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) offenstehe,
stelle ein Forum für die wichtigsten Energieverbraucher dar, um rasch und
informell

Beratungen aufzunehmen.

(Gegenwärtig

Frankreichs alle IEA-Mitglieder der OECD an.)

gehören mit Ausnahme

Länder, in denen es keine

regierungseigenen Reservehaltung von Kohöl gebe, würden entsprechend der
vom IEA-Gouvemeursrat verabschiedeten politischen Richtlinien ermutigt,
auf Reserven in Privateigentum zurückzugreifen. Und von solchen Ländern,
in denen für die Gemeinschaft verwertbare Erdölreserven nicht vorhanden
seien, erwarte man entsprechende andere Beiträge, etwa durch äußerste Zurückhaltung bei der Inanspruchnahme von Importöl.

Im Fall einer völligen Einstellung von Ölexporten durch den Persischen Golf könnte, wie Wendt erklärte, der Verlust weitgehend dadurch
ausgeglichen werden, daß die USA ihrer strategischen Erdölreserve etwa
zwei Millionen Barrel pro Tag, die anderen IEA-Länder gleichzeitig entsprechende weitere Mengen ihren eigenen Reserven entnehmen.
- 2 -

"Eine koor-

*

�"Eine koordinierte Inanspruchnahme in der vom IEA-Gouverneursrat vorgesehenen Form würde dem Markt eindeutig signalisieren, daß die Regierungen
entschlossen und verantwortungsbewußt handeln, um Versorgungslücken zu
überbrücken."

Dies wiederum würde dazu führen, daß die Märkte beruhigt

und Spekulationskäufe oder Panikkäufe vermeiden würden.

Nach den Auskünften von Donald H. Pearlman vom amerikanischen Energieministerium liegt die Menge, die der Erdölreserve der USA über einen
längeren Zeitraum entnommen werden könne, bei maximal
Barrel pro Tag.

2,1 Millionen

Allerdings sei dafür zunächst eine Verfügung des Präsi-

denten zur Inanspruchnahme der Ölreserve erforderlich, und dann müsse das
Öl an kommerzielle Abnehmer zu den jeweils üblichen Marktpreisen versteigert werden.

Nach gegenwärtigen Schätzungen dürften 20 bis 24 Tage ver-

gehen, bis die ersten Lieferungen den Markt erreichten. Für das Gros der
Ölmengen mit 2,1 Millionen Barrel pro Tag seien aber angesichts der erforderlichen organisatorischen Maßnahmen bei den Aufkäufern Fristen bis
zu 45 Tagen zu erwarten.

Bei besonders schwerwiegenden Versorgungsstö-

rungen würden die Vereinigten Staaten, so Pearlman, zusätzlich zu den Regierungsmaßnahmen die Privatwirtschaft ermutigen, freiwillig Energie zu
sparen und auf andere Brennstoffe umzuschalten.

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA zu Weltraumaffenverhandlungen ohne Vorbedingungen bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses und des Außenministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(7)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die kommunistische Bedrohung der Freiheit in Lateinamerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Max Kampelman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bericht über die Lage in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zusammenfassung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Medizinische Versorgung in Afghanistan katastrophal&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht eines amerikanischen Arztes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erdölreserve als Mittel zur Preisregulierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- IEA-Länder beschließen raschen Einsatz bei Versorgungsschwierigkeiten -&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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«v

a

I.August 1990

30
*

SUDOSTASIEN

BAKER: USA WOLLEN UMFASSENDEN
FRIEDENSSCHLUSS IN KAMBODSCHA
Erklärung bei Konferenz mit
Außenministern der ASEAN-Staaten

APEC

GÜNSTIGE WIRTSCHAFTSPROGNOSEN FÜR
ASIATISCH-PAZIFISCHEN RAUM
Eröffnungsansprache von
Außenminister Baker beim APEC-Treffen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2366
Telex: 8-85432

�SUDOSTASIEN

1 . August 1990

BAKER: USA WOLLEN UMFASSENDEN
FRIEDENSSCHLUSS IN KAMBODSCHA
Erklärung bei Konferenz mit Außenministern der ASEAN-Staaten
JAKARTA - (AD) - Außenminister Baker zufolge müssen sich die Vereinigten Staaten voll und ganz auf "die
Erlangung eines gerechten, dauerhaften und umfassenden Friedensschlusses in Kambodscha" konzentrieren.
Bei der Sechs-plus-Sechs-Konferenz mit den Außenministem der ASEAN-Staaten erklärte Baker am 27. Juli
1990 in Jakarta, daß "der Krieg in Kambodscha weiterhin die Kräfte eines Volkes zermürbt, das schon zu lange
und zu viel gelitten hat". Darüber hinaus betonte er, daß die Vereinigten Staaten "eine pazifische Macht sind
und bleiben werden" und die "historischen und kulturellen Bindungen zu dieser Region seit langem bestehen und
tiefverwurzelt" sind.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Erklärung im Wortlaut.

Bei unserem letzten Treffen in Brunei im vergangenen
Jahr hätte niemand unter uns den politischen Umbruch
vorhergesagt, der heute den europäischen Kontinent
erschüttert und die Ost-West-Beziehungen umgestaltet. Militärisch, politisch und wirtschaftlich erhält Europa ein neues Gesicht. Dasselbe gilt übrigens auch für
Asien.
Während Osteuropa dramatische und plötzliche Fortschritte machte, hatten - wie ich bereits bei unserem
Treffen vor einem Jahr betonte - die beiden Hand in
Hand gehenden Revolutionen von heute, Demokratie
und wirtschaftliche Freiheit, in Ostasien und dem Pazifik
schon begonnen. In den vergangenen Jahren befanden
sich die Freiheit des einzelnen und die Privatinitiative in
dieser Region im Aufschwung. Weitere Fortschritte
werden jedoch noch intensivere Anstrengungen und
eine gestärkte Partnerschaft in der Region erfordern.
Hier wie auch in anderen Regionen haben wir es auf dem
Weg zu größeren Fortschritten mit drei grundlegenden
Herausforderungen zu tun: Erstens der Gewährleistung
regionaler Sicherheit und Stabilität, zweitens der Konsolidierung der weiteren Demokratisierung und Achtung
der Menschenrechte sowie drittens der Festigung wirtschaftlichen Wohlstands.

AMERIKA DIENST 30

Unsere Aufgabe bei dieser Konferenz hier in Jakarta
im Anschluß an das Treffen der Außenminister der
ASEAN-Staaten besteht darin, unsere transpazifische Partnerschaft zu verbessern, um diese Herausforderungen in den Bereichen Sicherheit, Demokratie und Wohlstand zu bewältigen.
Die dritte Herausforderung - wirtschaftlicher Wohlstand - wird von uns allen einzeln, bilateral und in
anderen Foren, etwa bei der Uruguay-Runde und
den Gesprächen im Rahmen der asiatisch-pazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit (APEC) aktiv
behandelt. Ich möchte heute darauf eingehen, wie
wir am besten Sicherheit gewährleisten, Demokratie
fördern und ein großes humanitäres Anliegen bewältigen können. Die beiden schwierigsten Probleme in
der Region heute - der Kambodscha-Konflikt und die
Indochina-Flüchtlinge - sind augenfällige Beispiele
dieser Herausforderungen und zeigen ebenso deutlich die Notwendigkeit anhaltender Kooperation auf.
Die Vereinigten Staaten sind und bleiben eine pazifische Macht. Trotz unserer Aktivitäten und Verantwortlichkeiten in Europa haben wir uns aktiv bei der
Gestaltung der Nachkriegsordnung in Asien enga-

Seite 1

�giert. Dies ist bereits meine vierte Pazifikreise in den
18 Monaten seit der Amtsübernahme meiner Administration. Unsere historischen und kulturellen Bindungen zu dieser Region bestehen seit langem und sind
tiefverwurzelt.
Unsere gemeinsamen Interessen
wachsen in dem Maß, in dem die gegenseitige transozeanische wirtschaftliche und politische Abhängigkeit zunimmt. Wir wissen, daß unsere Sicherheit eine
gemeinsame Herausforderung ist, und wir bleiben
einer vornestationierten strategischen Präsenz verpflichtet, um Stabilität und Sicherheit in der gesamten
pazifischen und ostasiatischen Region zu gewährleisten.
Unsere auf Vornestationierung beruhende Strategie
wird sich weiterhin auf kooperative Sicherheitsvereinbarungen stützen. Wir begrüßen die Ausweitung der
kooperativen Sicherheitsverbindungen mit Singapur,
die unsere Stützpunktvereinbarungen mit den Philippinen ergänzen werden. Darüber hinaus hoffen wir, daß
unsere gegenwärtigen Gespräche mit der philippinischen Regierung über die Zukunft unserer Beziehungen zu beiderseitig vorteilhaften Arrangements führen
werden, die unserer seit langem bestehenden Freundschaft ebenso wie den neuen Realitäten Rechnung
tragen.
Unser dringlichstes Sicherheitsproblem betrifft Indochina, jenen scheinbar ewigen Konfliktherd. Der Krieg
in Kambodscha zermürbt weiterhin die Kräfte eines
Volkes, das schon zu lange und zu viel gelitten hat.
Unsere gemeinsame Haltung zu Kambodscha konzentriert sich schon seit über zehn Jahren auf drei
Ziele: 1. Einen überprüfbaren Abzug der vietnamesischen Truppen; 2. Die Verhinderung einer Rückkehr
der Roten Khmer an die Macht; 3. Echte Selbstbestimmung des kambodschanischen Volkes durch freie
Wahlen. Dies sind heute unsere gemeinsamen Ziele,
und das waren sie auch bei unserem letzten Treffen
vor einem Jahr. Heute besteht die Herausforderung
und unsere gemeinsame Chance darin, sie bis zu
unserem nächsten Treffen im kommenden Jahr einer
Lösung näherzubringen.
Im vergangenen Jahr konnten wir beispiellose diplomatische Aktivitäten bei der Suche nach einer politischen Lösung beobachten: in Paris, Jakarta, Tokio
und den Vereinten Nationen. Durch Zusammenarbeit
haben wir zum Abzug der regulären Kampfeinheiten
Vietnams aus Kambodscha beigetragen. Das ist ein
bemerkenswerter Erfolg. Dies sollte jedoch weder
unsere letzte Errungenschaft noch der Höhepunkt
unserer gemeinsamen Bestrebungen sein.
Wir müssen jetzt mit Weitblick handeln. Wir müssen
unser Augenmerk auf die Erlangung eines gerechten,
dauerhaften und umfassenden Friedensschlusses in
Kambodscha lenken. Wir werden uns und den Kambodschanern einen schlechten Dienst erweisen, wenn
wir diese Vision dadurch vereiteln, daß wir die Augen

Seite 2

vor den kontinuierlichen, bedrohlichen Aktionen brutaler Dschungelkämpfer verschließen.
Unser drittes Ziel - Selbstbestimmung durch Wahlen darf daher nicht unabhängig von unserem zweiten Verhinderung der Rückkehr an die Macht der Roten
Khmer - verfolgt werden. Kann irgendein Zweifel
daran bestehen, daß die Rückkehr der Roten Khmer
an die Macht auf dem Wege der Gewalt all unsere
Bestrebungen in Kambodscha als blanken Hohn erscheinen ließe?
Wir sehen uns mit neuen Gegebenheiten konfrontiert
- nicht nur aufgrund der zunehmenden Gefahr durch
die Roten Khmer, sondern auch aufgrund neuer
Möglichkeiten, unterschiedliche diplomatische Lösungen zu erarbeiten. Angesichts der jüngst bei den
Gesprächen der Ständigen Fünf erzielten Fortschritte
- bei denen sowohl die Sowjetunion als auch die
Volksrepublik China ein gewisses Maß an Flexibilität
gezeigt haben - vertreten die Vereinigten Staaten die
Auffassung, daß wir die Chancen für politisches Engagement vergrößern müssen.
Bei unseren Bemühungen, das Streben nach Frieden
voranzutreiben und zu intensivieren, haben wir uns für
einen aktiven Dialog mit Hanoi über Kambodscha
entschieden - ein Schritt, den viele, wenn nicht alle von
Ihnen bereits unternommen haben. Anhand der abgezogenen vietnamesischen Truppen können wir sehen,
ob Hanoi jetzt bereit ist, einen Prozeß politischer
Aussöhnung in Kambodscha zu unterstützen, der in
freien und fairen Wahlen seinen Höhepunkt findet.
Darüber hinaus erwägen wir Kontakte mit dem Phom
Penh-Regime, obwohl wir diese erst in die Wege leiten
werden, wenn wir zu dem Schluß gelangt sind, daß
auch sie unserem Ziel freier Wahlen förderlich sind.
Diese Bestrebungen werden unsere Zusammenarbeit
mit der Sowjetunion bei der Umwandlung der Spannungen zwischen Ost und West in gemeinsame konstruktive Maßnahmen sowie unsere anhaltende Unterstützung nichtkommunistischer Regierungen ergänzen.
Diese diplomatische Öffnung muß mit erweiterten
Bestrebungen zur Kontrolle der militärischen Bedrohung durch die Roten Khmer einhergehen - so daß der
Konflikt vom Schlachtfeld zur Wahlurne verlagert wird.
Aus diesem Grund werden wir die Koalitionsregierung
des demokratischen Kampuchea als Inhaber des Sitzes bei den Vereinten Nationen nicht länger unterstützen, wenn diese Koalition die Roten Khmer einbezieht.
Anhaltende Unterstützung der Koalition durch die
Vereinten Nationen liefert den Roten Khmer nur die
diplomatische Rückendeckung für ihre militärischen
Manöver.
Sowohl die Koalitionsregierung des demokratischen
Kampuchea als auch die Volkrepublik Kampuchea
sind Relikte der Vergangenheit - polare Gebilde der
Invasion und Besetzung. Statt uns in müßigen Debat-

AMERIKA DIENST 30

�ten über diese Relikte zu ergehen, sollten wir uns der
Zukunft widmen, die wir schaffen wollen. Das bedeutet, daß Kambodschas UNO-Sitz einer frei gewählten
Regierung zusteht - oder, als Übergangslösung,
Kambodschanern, die sich freien und fairen Wahlen im
Zusammenhang mit einer umfassenden Beilegung
des Konflikts verschrieben haben, der einen Waffenstillstand und die Unterbindung von Gewaltakten gegen
Zivilisten beinhaltet.
Wenn es uns mit dem Ziel der Selbstbestimmung
Kambodschas ernst ist, müssen wir den Bestrebungen
der Ständigen Fünf Dynamik verleihen und auf die
Gründung eines Obersten Nationalen Rats (SNC)
sowie von durch die UNO organisierte Wahlen drängen. Diese Dynamik kann durch das Angebot neuer
diplomatischer Anreize und die Verweigerung jeglicher
Toleranz gegenüber dem Todesdialog der Roten Khmer
entstehen.
Wir wissen sehr wohl, daß die Chancen zur Verwirklichung der Selbstbestimmung Kambodschas bei gleichzeitiger Verhinderung des militärischen Wiederauflebens der Roten Khmer sehr viel besser stehen, wenn
wir zusammenarbeiten. Daher freue ich mich, daß der
von mir umrissene Ansatz dem in der gemeinsamen
Erklärung der ASEAN-Länder vom 23. Juli 1990 sehr
nahe kommt. Ich möchte nochmals wiederholen unsere gemeinsamen Ziele bleiben gleich - und unser
Ansatz zu deren Verwirklichung unterscheidet sich nur
geringfügig.
Bevor wir das Problem der vietnamesischen Boat
People erörtern, möchte ich einige Worte zu Burma
sagen. Wir haben die dort am 27. Mai abgehaltenen
Wahlen begrüßt. In den vergangenen Wochen konnten wir jedoch beunruhigende Anzeichen beobachten,
daß das Militärregime beabsichtigt, Bedingungen aufzuerlegen, die die Übergabe der Macht an eine gewählte Zivilregierung beträchtlich verzögern, wenn nicht
gar in ungewisse Ferne verschieben würden. Es
scheint, daß die Machthaber in Burma nicht nur mit der
weltweiten Bewegung zur Demokratie nicht Schritt
halten, sondern auch den Wünschen des burmesischen Volkes keine Beachtung schenken.
Wir sind besorgt, daß wachsende Ungeduld der Öffentlichkeit mit der Verzögerungstaktik und offensichtlichen Mißachtung der Wahlvorschriften durch das
Regime zu erneuter allgemeiner Unzufriedenheit und
weiterer militärischer Unterdrückung führen könnte.
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
wir alle an der Freilassung politischer Gefangener
mitarbeiten und dem burmesischen Volk bei seinen
Bestrebungen zur Verwirklichung einer repräsentativen Zivilregierung auf der Grundlage der Wahlergebnisse vom Mai behilflich sein sollten.
Die in den letzten Jahren zu beobachtende Flut von
Flüchtlingen stellt uns vor eine überwältigende humanitäre Herausforderung. Gemeinsam arbeiten wir an

AMERIKA DIENST 30

der vorübergehenden Unterbringung und Umsiedlung
von etwa zwei Millionen Vietnamesen und Kambodschanern, die vor Krieg und Unterdrückung in ihrer
Heimat geflohen sind. Wenn die Geschichte dieses
Jahrhunderts geschrieben wird, müssen darin die Opfer
angemessene Berücksichtigung finden, die von den
ASEAN-Staaten gebracht wurden, um das Recht auf
Asyl gewähren zu können.
Als freien und grundlegenden Menschenrechten verpflichtete Nationen müssen wir die Praxis der Gewährung von Asyl beibehalten. Auch in diesem Bereich
stehen wir vorder Herausforderung, erneut gemeinsame Ziele zu verwirklichen. Dabei müssen wir Ihrem
Opfer für unsere Mitmenschen Anerkennung und
Respekt zollen.
In Anerkennung unserer gemeinsamen Verantwortung haben unsere Länder einen Umfassenden Aktionsplan (Comprehensive Plan of Action - CPA) entwickelt. Er legt die Vorteile und Verpflichtungen aller
Parteien im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel fest.
Mein Land ist der Auffassung, daß dieses Engagement erhaltenswert ist.
In jüngster Zeit ist vielfach ein anderer Ansatz vorgeschlagen worden - der Weg des erhobenen Zeigefingers -wobei hier die kollektiven, umfassenden Bestrebungen infrage gestellt werden, mit denen soviel erreicht worden ist. Unserer Ansicht nach wäre dies ein
Fehler: die Länder dieser Region müßten einen Wirbelwind humanitärer Hilfe ohne internationale Unterstützung bewältigen.
Aber wenn wir diesen Weg gehen, sollte jeder von uns
bereit sein, zunächst selbstkritisch zu prüfen. Was hat
jeder von uns getan? Was wird jeder tun? Die
Tatsachen zeigen, daß die Vereinigten Staaten ihre
Verpflichtungen erfüllt haben.
Zunächst haben wir unser finanzielles Engagement
erfüllt, indem wir dem UNHCR aus einem Gesamtfonds von 53 Millionen Dollar 21 Millionen Dollar versprochen haben. Zweitens sind wir unserem Zeitplan
bei der Umsiedlung derjenigen Flüchtlinge voraus, die
zu einem bestimmten Termin nicht mehr rechtzeitig
vermittelt werden konnten. Wir werden davon innerhalb von drei Jahren 18 500 Flüchtlinge - von insgesamt 46 000 - übernehmen, wovon wir bereits 12 000
umgesiedelt haben. Drittens verpflichten wir uns, die
Hälfte aller neu registrierten Flüchtlinge zu übernehmen. Tatsächlich haben wir zwei Drittel der bis jetzt
relativ geringen Anzahl übernommen. Und wir werden
dieses Versprechen halten, wenn die asylgewährenden Länder ihr Registrierungsverfahren aufnehmen
und mehr Flüchtlinge identifizieren. Viertens sind
diese Verpflichtungen für die Vereinigten Staaten nicht
neu. Seit 1975 haben wir 900 000 von 1,7 Millionen
südostasiatischen Flüchtlingen bei uns angesiedelt
und 120 000 im Rahmen des Ausreiseprogramms mit
Vietnam aufgenommen.

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�Offen gesagt sind wir der Ansicht, daß CPA funktioniert. In den letzten zwölf Monaten sind mehr als 3 000
Menschen freiwillig von Hongkong nach Vietnam zurückgekehrt - und die Zahl der Neuankömmlinge in
Hongkong ist erheblich gesunken. Da andere Länder
ihre Programme zur freiwilligen Rückkehr ausbauen
und da der UNHCR sein Informationsprogramm innerhalb Vietnams erweitert, vertreten wir die Auffassung,
daß die Flucht von Vietnamesen in ASEAN-Staaten
abnehmen wird. Tatsächlich gibt es bereits ein gewisses Kontingent an Rückkehrwilligen.
Trotzdem sind wir der Meinung, daß umfassende
multilaterale Bestrebungen den Anliegen aller Beteiligten gerecht werden müssen. Deshalb sind wir bereit,
auf die Vorschläge des Hohen Flüchtlingskommissars
der Vereinten Nationen Stoltenberg einzugehen und
bestimmte Anpassungen bei den Verfahrensweisen
vorzunehmen. Insbesondere sind wir zwar weiterhin
gegen zwangsweise Umsiedlung, aber dennoch bereit, den UNHCR-Vorschlag für eine neue Kategorie
von Flüchtlingen zu unterstützen - "diejenigen, die sich
nicht widersetzen". Ferner sind wir bereit, uns gemeinsam mit anderen dafür zu engagieren, daß alle Asylsuchenden bis Ende 1992 neu angesiedelt werden oder
zurückkehren können. Dies sind bedeutsame Schritte
- insbesondere weil Vietnam wiederholt erklärt hat, es
werde keine Zwangsrückführung akzeptieren. Der
CPA-Ansatz bleibt mit diesen Veränderungen im System
der Repatriierung der einzig durchführbare Ansatz.
Um es ganz offen zu sagen: Die Vereinigten Staaten
haben ihre Kompromißbereitschaft demonstriert, die

*

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UNHCR-Bestrebungen zur Aufrechterhaltung des CPA
zu unterstützen. Wir erkennen, daß viel mehr erreicht
werden kann, wenn wir zusammenarbeiten. Wir wissen, daß die Alternative inhumanes Chaos oder Verlust von Menschenleben lautet. Wir hoffen und fordern, daß wir den Weg des erhobenen Zeigefingers
verlassen und vielmehr mit dem UNHCR zusammenarbeiten können, um den CPA zu stärken - oder ihn
zumindest nicht vorzeitig zu beenden oder zu mißachten.
Schließlich müssen wir erkennen, daß der CPA sich
nur mit den Symptomen des Flüchtlingsproblemsü
beschäftigt. Die Ursache liegt in Vietnam begründet,
in gescheiterten wirtschaftlichen, politischen und sozialen Maßnahmen. Langfristig müssen wir sicherstellen, daß Vietnam seinen humnitären Verpflichtungen
ebenso nachkommt wie seinen Verpflichtungen, zu
einer stabilen politischen Lösung des Kambodschakonflikts beizutragen. Eine endgültige Lösung dieser
doppelten Herausforderung durch Kambodscha und
die Asylsuchenden bedingt, daß Vietnam seine Isolation beendet und sich den vorherrschenden Tendenzen unserer Zeit anpaßt.
Abschließend möchte ich meiner Freude darüber
Ausdruck verleihen, heute bei Ihnen sein zu dürfen.
Zweifellos haben wir wichtige Arbeit zu leisten. Unsere
gemeinsame Herausforderung zeigt deutlich, daß uns
zwar ein Ozean trennt, wir aber durch gemeinsame Interessen - in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft, Demokratie und Menschenrechte - zusammengeführt
werden. Und genau das macht den Dialog aus.

* * *

*

AMERIKA DIENST 30

�APEC
I.August 1990

GÜNSTIGE WIRTSCHAFTSPROGNOSEN FÜR
ASIATISCH-PAZIFISCHEN RAUM
Eröffnungsansprache von Außenminister Baker beim APEC-Treffen
SINGAPUR - (AD) - Außenminister Baker zufolge sind die Prognosen für die Weltwirtschaft allgemein und den
asiatisch-pazifischen Raum im besonderen weiterhin günstig. Bei der Eröffnung des Ministertreffens für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) erklärte Baker am 30. Juli 1990: "Ich hoffe, die
Arbeit der APEC beim Abbau von Wachstumshemmnissen wird sich als Katalysator für weiteren Aufschwung
und Wohlstand - zunächst in der Region und mit dem wachsenden Einfluß dieser Region letztlich für die
Weltwirtschaft insgesamt - erweisen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Außenminister Baker im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, am zweiten
Treffen im Rahmen der asiatisch-pazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit in Singapur teilnehmen
zu können. Seit Canberra haben wir im Wege gemeinsamer Bemühungen beachtliche Fortschritte bei der
Erarbeitung eines ehrgeizigen Programms für diese
neue Gruppe erzielt.
Im vergangenen Jahr haben wahrhaft historische
Veränderungen ein neues Zeitalter in der Weltpolitik
und -Wirtschaft eingeleitet. Wir können das Entstehen
von wirtschaftlicher Freiheit und marktwirtschaftlichen
Prinzipien beobachten. Hand in Hand mit ökonomischer Freiheit schlägt die Demokratie weltweit Wurzeln.
Ich bin mir bewußt, daß viele unter Ihnen besorgt über
das Ausmaß an Aufmerksamkeit sind, das Mittel- und
Osteuropa sowie die Sowjetunion im vergangenen
Jahr auf sich gelenkt haben. Es trifft zu, daß sich
unsere diplomatischen Bestrebungen vorwiegend auf
diese Region konzentriert haben - aber Tempo und
Bandbreite der Ereignisse haben dies erforderlich
gemacht.
Mit unseren weltweiten Bestrebungen helfen wir jedoch auch dem asiatisch-pazifischen Raum. Jeder der
hier Anwesenden wird von unseren Errungenschaften
in Europa profitieren. Der Abbau militärischer und
politischer Spannungen wird beispielsweise den Fluß
zusätzlicher Ressourcen in produktivere Bereiche

AMERIKA DIENST 30

gestatten. In den Vereinigten Staaten werden wir
besser in der Lage sein, unsere Haushaltsdefizite
abzubauen. Beim Gipfeltreffen in Houston haben wir
hart gearbeitet, um bindende Aussagen zur Bewältigung der Agrarprobleme bei der Uruguay-Runde zu
erhalten. In der Tat ist der Erfolg der Uruguay-Runde
die höchste Priorität der Vereinigten Staaten in der
internationalen Wirtschaftspolitik. Davon wird die
Weltwirtschaft insgesamt ebenso profitieren wie der
asiatisch-pazifische Raum.
Die in dieser Region vollbrachten Leistungen stehen
als anschauliches Beispiel und Stimulans für Veränderungen in anderen Teilen der Welt. Die asiatischen
und pazifischen Volkswirtschaften sind in relativ hohem Maße offen für Marktkräfte und haben seit langem
beeindruckende Ergebnisse erzielt.
Ich möchte unser festes Engagement für den asiatisch-pazifischen Raum nachhaltig unterstreichen. Wie
ich bereits am vergangenen Freitag in Jakarta erklärt
habe, sind und bleiben die Vereinigten Staaten ein
Partner für Sicherheit, Demokratie und Wohlstand im
Pazifik. Die Zusammenarbeit in der Region wird sich
in dem Maße verfestigen, wie wir unsere bilateralen
Bindungen und multilateralen Institutionen stärken.
Wir sehen in ASEAN das Kernstück für politische und
wirtschaftliche Zusammenarbeit in Südostasien.
Nachdem wir gerade eine au ßerordentlich erfolgreiche
Konferenz im Anschluß an das Treffen der Außenmi-

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�nister der ASEAN-Staaten beendet haben, sehen wir
der weiteren Zusamenarbeit mit ASEAN im Rahmen
der APEC-Treffen heute und morgen erwartungsvoll
entgegen. Unseres Erachtens ist APEC ein bedeutendes neues multilaterales Forum der Zusammenarbeit
für uns alle, um Wirtschaftswachstum und politische
Stabilität in der Region zu fördern.
APEC bietet unseren außerordentlich interdependenten Volkswirtschaften die Möglichkeit zum Erfahrungsund Informationsaustausch, zur Verbesserung des
gegenseitigen Verständnisses und zum Engagement
für gemeinsame Aktivitäten. Wir sind eine relativ
erfolgreiche Ländergruppe, und zweifelsohne machen
wir sehr viel richtig, so daß ein Erfahrungsaustausch
für alle von uns großen Nutzen birgt. Wir können auf
multilateraler Ebene Wege zur Überwindung makroökonomischer Hemmnisse erarbeiten, um einen effizienteren Fluß von Kapital, Handel und Technologie zu
gewährleisten. Wenn wir Erfolg haben, können wir das
Wirtschaftswachstum in unseren jeweiligen Ländern
verbessern und den Lebensstandard erhöhen.
Vor nur neun Monaten sind wir in Canberra zusammengekommen, um den APEC-Prozeß ins Leben zu
rufen. Den führenden Vertretern der APEC, die innerhalb sehr kurzer Zeit ein Sieben-Punkte-Arbeitsprogramm erstellt haben, das zur Zeit in die Tat umgesetzt
wird, gebührt unser Lob. Unseres Erachtens sollte das
Arbeitsprogramm dazu dienen, die Maßnahmen zu
identifizieren, die das Wirtschaftswachstum und die
Entwicklung der Region am stärksten beeinflussen
können. Wir sind besonders davon angetan, daß
Bereiche wie Humanressourcen, Energie und Telekommunikation darin einbezogen sind.
Mit im Rahmen des Programms zu ergreifenden
Maßnahmen sollten folgende Ziele verwirklicht werden: verstärkter Informationsfluß, Identifizierung von
Hemmnissen für engere Zusammenarbeit und verbesserte Leistungsfähigkeit sowie Erleichterung von Aktivitäten des Privatsektors, der die bei weitem wichtigste
Quelle von Kapital und Technologie ist.
Wir verfolgen bei diesem Ministertreffen drei Ziele.
Erstens hoffen wir, dem Arbeitsprogramm neue Impulse verleihen zu können, insbesondere beim Thema
Verkehrswesen, das unserem Vorschlag zufolge in
dieses Programm aufgenommen werden sollte.
Zweitens möchten wir, daß die APEC ein eindeutiges
Votum für einen fristgerechten und erfolgreichen
Abschluß der Uruguay-Runde abgibt.
Drittens erwarten wir eine breitgefächerte Diskussion
über die Wirtschaftsaussichten der Region im heutigen weltweiten Zusammenhang, und auf dieses Thema möchte ich im folgenden näher eingehen.

* *

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Regionale Wirtschaftsentwicklungen
Wir gehen davon aus, daß die globalen Wirtschaftsaussichten für die Volkswirtschaften des asiatischpazifischen Raums allgemein günstig sind. Das
Wachstum in den Industriestaaten insgesamt wird
niedriger als in den Jahren 1988 und 1989 ausfallen.
Voraussichtlich wird es jedoch trotz relativ geringen
Wachstums in den Vereinigten Staaten in den Jahren
1990 und 1991 immer noch bei etwa drei Prozent
liegen. Unserer Meinung nach werden die Industriestaaten also weiterhin eine solide Grundlage für den
wirtschaftlichen Aufschwung der Entwicklungsländer
bieten, während der Welthandel gleichzeitig auf hohem Niveau verbleibt. Während sich die Länder Mittelund Osteuropas in einer schwierigen Übergangsphase zu demokratischen, marktorientierten Systemen
befinden, wird sich ihre Umgestaltung mittelfristig
vorteilhaft sowohl auf die Weltwirtschaft als auch auf
diese Staaten selbst auswirken. Langfristig dürften
auch die sowjetischen Wirtschaftsreformen der Weltwirtschaft positive Impulse geben. Es ist jedoch unklar, welche kurzfristigen Auswirkungen die sowjetischen Reformen haben werden.
Im Hinblick auf die Inflation in den Industriestaaten
haben wir das Schlimmste wahrscheinlich hinter uns.
Wir bleiben jedoch weiterhin einer wachsamen und
festen Haltung in diesem Bereich verpflichtet. In den
Vereinigten Staaten, Japan und Kanada sind die Inflationsraten rückläufig. Dieser Fortschritt geht sowohl
auf solide antiinflationäre Maßnahmen als auch auf
den Wegfall einiger Sondereinflüsse zurück, die zur
Überbewertung unterschwelligen inflationären Drucks
führten.
Ich gebe zu, daß sich einige Entwicklungsländer in
Asien über hohe Inflationsraten große Sorgen ma-.
chen, und ich freue mich feststellen zu können, daß
geeignete Schritte zu ihrer Begrenzung unternommen
werden. Die äußeren Ungleichgewichte sind erheblich
korrigiert worden, wobei die Ungleichgewichte zwischen den Vereinigten Staaten und Japan nun etwa 2
Prozent des Bruttosozialprodukts betragen. Jedoch
sind weitere Reduzierungen vonnöten. Dazu sind
Maßnahmen sowohl der Überschuß- als auch der
Defizitländer erforderlich.
Unsere grundlegende Schlußfolgerung lautet, daß zwar
weltweit noch einige makroökonomische Probleme
bestehen, diese jedoch zu bewältigen sind. Die Aussichten für die Weltwirtschaft bleiben günstig. Das
gleiche gilt für die Aussichten dieser Region. Ich hoffe,
die Arbeit der APEC beim Abbau von Wachstumshemmnissen wird sich als Katalysatorfür weiteren Aufschwung und Wohlstand - zunächst in der Region, und
mit dem wachsenden Einfluß dieser Region für die
Weltwirtschaft insgesamt - erweisen.
* *

*

AMERIKA DIENST 30

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