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                    <text>omcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Emfcassy

27

Daichmanns Aue 29
5300

10. Juli 1991

Bonn 2

VERTEIDIGUNG

BUSH STREBT SICHERHEIT ZU
MÖGLICHST GERINGEN KOSTEN AN
Rede des Präsidenten vor
verteidigungspolitischer Gruppe

JUGOSLAWIEN

EAGLEBURGER FORDERT FRIEDLICHE
VERHANDLUNGEN IN JUGOSLAWIEN
Interview mit dem
StellvertretendenUS-Außenminister

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

WIRTSCHAFTSPOLITISCHE ZIELE DER USA
BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN LONDON
Eine Übersicht des Weißen Hauses

KATZ: TATEN STATT WORTE ZUR
BEENDIGUNG DER URUGUAY-RUNDE
ERFORDERLICH
Hintergrundinformation zum Londoner
Weltwirtschaftsgipfel

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�VERTEIDIGUNG
10. Juli 1991

BUSH STREBT SICHERHEIT ZU
MÖGLICHST GERINGEN KOSTEN AN
Rede des Präsidenten vor verteidigungspolitischer Gruppe
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 9. Juli 1991 sein Engagement für einen Verteidigungshaushalt
bekräftigt, der die Sicherheit der Vereinigten Staaten "zu möglichst niedrigen Kosten" garantiert.
In einer Ansprache vor der American Defense Preparedness Association gelobte Bush, wenn der Kongreß "mir
einen unzureichenden Verteidigungsetat vorlegt, der keine Mittel für notwendige Programme vorsieht und Geld
auf Kosten der militärischen Schlagkraft verschwendet... werde ich dagegen mein Veto einlegen".
Bush erinnerte an seinen im vergangenen August verkündeten Vorschlag zur Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte, der einigen grundlegenden Tatsachen Rechnung trägt:
Die Vereinigten Staaten haben keinen "Blankoscheck für die Verteidigung... Wir müssen innerhalb
unseres Finanzrahmens bleiben."
Instabile Verhältnisse in der ganzen Welt bedrohen die Vereinigten Staaten, und zahlreiche Länder haben
Massenvernichtungswaffen erworben. Wenn Despoten wie der irakische Präsident Saddam Hussein
"moderne Waffen und traditionelle Ambitionen vereinen, bedrohen sie uns alle".
Die Vereinigten Staaten benötigen die richtige Art von Militär. Unsere Streitkräfte müssen hier und im
Ausland die Stärke besitzen, um Aggression abzuschrecken und die Mobilität, um unerwarteten Herausforderungen zu begegnen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten im Wortlaut.

Ich bin heute zu Ihnen gekommen, um über unsere
gemeinsame Pflicht zur Aufrechterhaltung einer effektiven nationalen Verteidigung zu sprechen. Wie Sie
alle wissen, hat der Senat damit begonnen, unseren
Verteidigungshaushalt unter die Lupe zu nehmen.
Seine Beratungen könnten grundsätzliche Auswirkungen auf unsere künftige nationale Sicherheit haben.
In Anbetracht des sich verändernden internationalen
Umfelds und unter Berücksichtigung innenpolitischer
Haushaltsengpässe hat unsere Administration einen
durchgreifend gestrafften Verteidigungshaushalt vorgelegt. Man muß kein ausgebildeter Buchhalter sein
oder die Brust voller Orden haben, um zu verstehen,
daß unter den gegebenen Umständen jeder Pfennig,
den wir für unnötige Rüstungsgüter ausgeben, zu
Lasten der militärischen Schlagkraft geht.
Ich weiß, daß Haushaltskürzungen weh tun werden.
Sie werden auch einigen der hier Versammelten weh
AMERIKA DIENST 27

tun, und ich verstehe das. Wir werden jedoch neue
Prioritäten setzen und uns lediglich auf unsere wichtigsten, absolut entscheidenden Programme konzentrieren müssen. Als Präsident ist es meine Pflicht, den
nationalen Interessen zu dienen, und unsere nationalen Interessen erfordern einen Verteidigungshaushalt,
der unsere Sicherheit zu möglichst niedrigen Kosten
garantiert.
Im vergangenen August habe ich einen Plan angekündigt, um unsere Streitkräfte angesichts des Endes des
kalten Krieges und der Entstehung einer Welt neuen
Zuschnitts umzustrukturieren. Ich möchte dazu sagen, daß dieser Vorschlag von den führenden Leuten
im Pentagon sorgfältig durchdacht war - nicht nur von
den Vereinigten Stabschefs sondern auch von anderen, von Leuten, die mein großes Vertrauen besitzen.
Dieser Vorschlag trug einigen grundsätzlichen Tatsachen Rechnung: Erstens, wir besitzen keinen Blankoscheck für die Verteidigung - das war nie der Fall. Wir
Seite 1

�müssen innerhalb unseres Finanzrahmens bleiben.
Zweitens, instabile Verhältnisse in der ganzen Welt
bedrohen die Vereinigten Staaten, und zahlreiche Länder
haben Massenvernichtungswaffen erworben. Wenn
Despoten wie Saddam Hussein moderne Waffen und
traditionelle Ambitionen vereinen, bedrohen sie uns
alle. Und Saddam Hussein ist weder der einzige
Despot in der Welt, noch ist er bedauerlicherweise der
letzte.
Die Sowjetunion ist nach wie vor eine militärische
Supermacht mit einem zunehmend modernen Kriegsapparat und einem Programm zur Modernisierung
einer Reihe ihrer Waffensysteme.
Drittens benötigen wir die richtige Art von Militär.
Unsere Streitkräfte müssen im In- und Ausland über
die Stärke zur Abschreckung von Aggression, die
Mobilität zur Handhabung unerwarteter Herausforderungen und die Flexibilität zur Bewältigung sämtlicher
Probleme von ICBMs über regionale Konflikte bis hin
zu Geiselnahmen verfügen.
Diese Erwägungen bilden das Kernstück des Verteidigungsprogramms der Administration. Und gegen jeden
Verteidigungshaushalt, der sie nicht einbezieht, werde
ich mein Veto einlegen.
Vor diesem Hintergrund möchte ich beginnend mit
dem B-2-Stealth-Bomber einige Themen ansprechen,
die ich für absolut entscheidend halte. Ich habe 75 B2-Bomber gefordert - hierbei handelt es sich um das
revolutionärste Militärflugzeug in der Geschichte unseres Landes. Und wenn Sie die Beschwerden einiger
Kongre ßabgeordneten über die Kosten des B-2 hören,
dann sollten Sie sich vor Augen führen, daß ein einziger B-2 im wahrsten Sinne des Wortes die Arbeit von
Dutzenden von Flugzeugen, Panzern, Überwachungsflugzeugen und anderen Bombern verrichtet. Und
wenn einige schüchtern das Argument vorbringen,
daß wir nur einige wenige B-2-Bomber benötigen, weil
sie technologisch so weit entwickelt sind, dann stellen
Sie sich die Frage: Sollten wir unsere Sicherheit, das
Leben unserer Söhne und Töchter oder unsere nationale Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen, nur weil einige
den revolutionären Vorteil, den dieses Waffensystem
unserer Nation verschaffen wird, nicht eingestehen
wollen? Sollten wir im Vertrauen auf einen in den
vierziger Jahren entworfenen und in den fünfziger
Jahren gebauten Bomber ins 21. Jahrhundert eintreten? Nein. Der B-2 kombiniert die Reichweite und
Nutzlast des B-52 mit den enormen erwiesenen Vorteilen der Tarntechnologie. Und nicht zuletzt bietet er nukleare und konventionelle - Abschreckung über das
gesamte Spektrum hinweg.
Denken Sie an die Kosten, die militärischen Operationen, denken Sie an unsere langfristigen Sicherheitsbedürfnisse, und Sie werden zu der Schlußfolgerung
gelangen, daß wir in der Tat zwei volle Geschwader
des B-2 benötigen.

Seite 2

Einige scheinen auch zu zögern, Geld für den Schutz
der Amerikaner vor zufälligen oder beabsichtigten
Angriffen ballistischer Raketen auszugeben. Wir haben
den Kongreß gebeten, das GPAL-System - das bedeutet den weltweiten Schutz vor begrenzten Angriffen (Global Protection Against Limited Strikes) - zu
unterstützen. Jeder der davon ausgeht, daß wir uns
nicht ernsthafteren Bedrohungen als derSCUD-Rakete ausgesetzt sehen, gibt sich einer Selbsttäuschung
hin. Wenn wir uns schützen und Aggression abwenden wollen, tragen wir die Verantwortung zur Entwicklung von Verteidigungstechnologien wie "brillant pebbles", die in greifbare Nähe gerückt sind. Dies beinhaltet auch GPALs.
Während wir uns auf die Zukunft vorbereiten, müssen
wir auch die Frage stellen, welche Art von Streitkräftestruktur wir benötigen. Unsere Erfahrungen im Golfkrieg haben die wertvolle Rolle unterstrichen, die
Reservisten spielen können. Darüber hinaus haben
sie belegt, daß wir die Art von Reservistenprogrammen nicht benötigen, auf deren Beibehaltung das
Repräsentantenhaus besteht. Ginge es nach der
Verteidigungsvorlage des Repräsentantenhauses, so
würden in den nächsten fünf Jahren nahezu 12 Milliarden Dollar für unnötige Programme und Operationen
der Reservisten aufgewendet. Offen gesagt, würde
dieses Geld auf Kosten von Programmen ausgegeben, die all unsere Streitkräfte - aktive und Reservisten
- benötigen werden.
Im Golf krieg haben wir sehr viel gelernt - einges davon
habe ich bereits in meiner Rede zur Verteidigung vom
2. August vergangenen Jahres vorweggenommen, die
ironischerweise genau auf den Tag fiel, an dem Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte. Wir haben
gelernt, daß die Nationen der Welt kollektiv handeln
können und werden, um Aggression abzuwehren. Sie
werden erst die Mittel der Diplomatie ausschöpfen, wie
wir es tun sollten und getan haben und militärisches
Vorgehen nur als letztes Mittel einsetzen. Wir haben
gelernt, daß die Vereinigten Staaten allein die internationale Staatengemeinschaft mobilisieren und sie durch
solche Bestrebungen anführen können. Diese Führungsrolle war nicht nur ein Zufall oder ein Vergnügen
sondern die Voraussetzung für unseren kollektiven
Erfolg. Und ich möchte diejenigen im Land beglückwünschen, die diese Führungsrolle übernommen haben.
Wir haben gelernt, daß Hochtechnologiewaffen nicht
kostspieliges "Spielzeug" sind, wie Kritiker seit Jahren
behaupten. Sie begrenzen die Verluste unter der
Zivilbevölkerung auf ein Minimum, maximieren den
Schaden für militärische Ziele, verkürzen Kriege, retten Leben - das Leben der Amerikaner und in diesem
Fall auch das Leben der Koalitionsstreitkräfte und
sogar des Gegners. Wir dürfen niemals vergessen,
daß jedes unnötig gelassene Leben eine Tragödie ist,
insbesondere in Zeiten des Krieges.

AMERIKA DIENST 27

�i

Es wäre eine Schande, wenn wir so kurz nach diesem
Krieg diese Lektionen mißachten würden. Und es
wäre blanker Hohn, Geld für Verteidigungssysteme zu
verschwenden, die uns im Golfkrieg nicht geholfen
haben und nicht dazu beitragen, unseren zukünftigen
Herausforderungen zu begegnen.

lichung der von mir dargelegten Ziele außerordentlich
hilfreich sein können.

Wenn der Senat seine Erörterungen aufnimmt, bitte
ich inständig, daß er einen Haushalt verabschiedet,
der die Menschen verteidigt, der uns den nächsten und
nicht den letzten Krieg führen läßt und der unsere
nationale Sicherheit fördert - Punkt.

Ich möchte mit einem Punkt schließen, der nicht
unmittelbar mit unserem Verteidigungsprogramm
zusammenhängt. Gestern habe ich verschiedenen
Journalisten ein Interview gegeben. Ich werde bald
eine längere Auslandsreise antreten und habe mich
mit Journalisten aus vielen Ländern getroffen, die ich
bereisen werde.

Wenn mir der Kongreß einen unzureichenden Verteidigungsetat vorlegt, der keine Mittel für notwendige
Programme vorsieht und Geld auf Kosten der militärischen Schlagkraft verschwendet, werde ich dagegen
mein Veto einlegen - egal, wie umfangreich oder
dringend der Entwurf ist.
Sie sehen, wir haben uns angestrengt, versucht, die
Bundesregierung zum Maßhalten zu bewegen und
das Amt des Präsidenten einzusetzen, um Entscheidungen zu treffen, die - verständlicherweise - den
Abgeordneten oder Senatoren zu schmerzlich erscheinen. Ich verstehe, warum das so ist. Ich selbst war
Mitglied des Kongresses der Vereinigten Staaten, und
ich kenne den starken Druck auf Kongreßabgeordnete, die Interessen ihres Wahlbezirks oder Staats zu
vertreten.
Vor dreißig Jahren hat Dwight Eisenhower in seiner

Abschiedsrede an die Nation mehrere Themen angesprochen, die heute noch Gültigkeit haben. "Ein
unabdingbares Element zur Erhaltung des Friedens ist
unser militärischer Apparat", erklärte Eisenhower.
"Unsere Waffen müssen schlagkräftig und schnell
einsatzbereit sein, damit kein potentieller Aggressor
versucht ist, seine eigene Zerstörung zu riskieren."
Dennoch warnte Eisenhower auch, daß unsere Bestrebungen nationalen Interessen und nationalen
Bedürfnissen dienen müssen - und nicht den beschränkten Interessen einzelner Industriezweige oder
Interessengruppen.
t

&gt;

Eine neue Weltordnung erfordert eine neue Reihe von
Verteidigungsprioritäten. Gemeinsam können wir diese
Prioritäten verwirklichen. Da sich die Aufmerksamkeit
nunmehr auf den Senat richtet, bitte ich Sie um Hilfe bei
der Schaffung eines Militärs, das stark genug ist, um
unsere Interessen zu schützen, aber klein genug, um
den Glauben der Öffentlichkeit an die Regierung zu
erhalten.
Ich freue mich über diese Gelegenheit, für die Experten in diesem Bereich zu sprechen, die bei der Verwirk-

*

AMERIKA DIENST 27

Ich danke Ihnen für alles, was Sie getan haben. Vielen
Dank für ihre anhaltenden Bestrebungen, Amerika
sicher und stark zu erhalten.

Einer der Anwesenden fragte mich nach dem Krieg
gegen Saddam Hussein. Die Frage lautete im Hinblick
auf die Ereignisse nach dem Sieg: Hat es sich Ihrer
Ansicht nach gelohnt? Denken Sie als Land, nicht als
Einzelperson, daß es die Sache wert war? So lautete
wohl die Frage. Ich antwortete, ich sei niemals überzeugt gewesen, daß sich unsere Aktion gelohnt hat.
Manche setzen die Ziele neu. Andere versuchen, neu
zu definieren, worum es in diesem Krieg eigentlich
ging. Ging es um sofortige Demokratie in Kuwait? Um
den totalen Niedergang von Saddam Hussein? Darum
wohl nicht.
Eine internationale Koalition formte sich. Wir haben
die Vereinten Nationen auf eine nie dagewesene Weise
benutzt, die vielleicht den Vorstellungen ihrer Gründer
entsprach. Und wir haben entschieden, daß die Aggression keinen Bestand haben würde. Einer der
Gründe, warum wir der Welt erfolgreich bewiesen
haben, daß die Aggression keinen Bestand haben
würde, lautete, daß wir über die Streitkräfte, das Gerät
und dieTechnologie verfügen, um unseren warnenden
Worten Gehör zu verschaffen.
Ich bin absolut davon überzeugt, daß dieses überall
vernehmbare revisionistische Denken ganz falsch ist,
weil wir meiner Ansicht nach dank eines phantastischen Militärs, Geräts und dank der großartigen
Menschen etwas Gutes getan haben. Wir haben die
Aggression gegen Kuwait zunichte gemacht und dem
Aggressor erklärt, die internationale Staatengemeinschaft und das Völkerrecht würden diese Art Verhalten
in Zukunft nicht dulden. Genauso lautete die Botschaft. Sie ist ernstzunehmen und aussagekräftig.
Deshalb bin ich so entschlossen, in Zukunft einen
Verteidigungshaushalt und eine Verteidigungsfähigkeit zu haben, die uns gegebenenfalls gestatten, jedem Aggressor klarzumachen, daß sich Aggression
nicht auszahlt.
Ich danke Ihnen. Gott schütze unser Land.

* * *

*

Seite 3

�JUGOSLAWIEN
10. Juli 1991

EAGLEBURGER FORDERT FRIEDLICHE
VERHANDLUNGEN IN JUGOSLAWIEN
Interview mit dem Stellvertretenden US-Außenminister
WASHINGTON - (AD) - In der Fernsehsendung MacNeil/Lehrer Newshour forderte der Stellvertretende USAußenminister Lawrence Eagleburger am 2. Juli 1991 die am Konflikt in Jugoslawien beteiligten Parteien auf,
"sich zusammenzusetzen und friedlich zu verhandeln".
In Slowenien, Kroatien und Serbien gibt es Menschen, "die erkennen, daß sie auf einen Abgrund zusteuern, in
den niemand stürzen will", erklärte Eeagleburger. "Ich denke, es besteht immer noch Hoffnung, aber diese
Hoffnung wird sich nicht konkretisieren lassen, wenn sich die einzelnen Republiken nicht zusammensetzen und
friedlich verhandeln."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview in wesentlichen Auszügen. (Copyright (c) 1991 Educational
Broadcasting Corporation and GWETA).

Jim Lehrer: Jetzt hören wir die offizielle Meinung der
US-Regierung zur Krise in Jugoslawien von der Nummer
Zwei im US-Außenministerium, dem Stellvertretenden
Außenminister Lawrence Eagleburger. Er war von
1977 bis 1981 Botschafter in Jugoslawien. Es freut
mich, Sie hier begrüßen zu dürfen, Herr Minister. Wem
unterstehen Ihrer Meinung nach gegenwärtig die Streitkräfte? Sind Sie außer Kontrolle geraten?

sprechen. Bis jetzt hat das nicht funktioniert, aber das
ist offensichtlich der Weg, den wir nach Möglichkeit
verfolgen müssen, denn wenn es nicht funktioniert,
wird es viele Tote geben und zu einer schrecklchen
Tragödie kommen.

Eagleburger: Ich würde nicht unbedingt sagen, sie
sind außer Kontrolle geraten, aber ich nehme an - und
das galt auch schon vergangene Woche -, daß sie
zwar ursprünglich von der Zentralregierung zum Schutz
oder zur Sicherung der Grenzen entsandt wurden.
Meiner unbewiesenen Meinung nach handeln die Streitkräfte jedoch über das Maß des von der Zentralregierung Erlaubten hinaus, und wie es aussieht, tun sie das
weiterhin. Das ist eine ziemliche Dummheit.

Antwort: In der internationalen Staatengemeinschaft
besteht dazu ein Konsens auf breiter Ebene.

Frage: Das ist tatsächlich eine Dummheit, aber ist es
aufzuhalten?
Antwort: Ich wei ß es nicht. Ich weiß nicht, ob man es
aufhalten kann. Natürlich wird das KSZE-Treffen
morgen etwas bewirken. Bei all dem Chaos, das sich
in Jugoslawien entwickelt, bestand immer die Hoffnung, daß wir die Parteien bewegen können, nicht
mehr aufeinanderzu schießen sondern zu verhandeln.
Sie müssen sich zusammensetzen und miteinander

AMERIKA DIENST 27

Frage: Wo bleiben die Kräfte des Friedens? Wer tut
etwas für den Frieden in Jugoslawien?

Frage: Das übrige Europa ist sich mit den Vereinigten
Staaten einig?.
Antwort: Von Anfang an waren wir der Auffassung,
daß die Hoffnung auf einen Zusammenschluß der
Kräfte des Friedens immer mehr schwindet, je länger
der Prozeß in seiner jetzigen Form andauert. Es gibt
immer noch solche Kräfte. Ganz sicher gibt es Menschen in Slowenien, Kroatien und auch in Serbien auch wenn sie schwer zu finden sind -, die erkennen,
daß sie auf einen Abgrund zusteuern, in den niemand
stürzen will. Ich denke, es besteht immer noch Hoffnung, aber diese Hoffnung wird sich nicht konkretisieren lassen, wenn sich die einzelnen Republiken nicht
zusammensetzen und friedlich verhandeln. Das war
von Anfang an der Tenor der amerikanischen Haltung.
Außenminister Baker hat das bei jeder sich bietenden

Seite 1

�Gelegenheit erklärt. Das ist auch weiterhin unsere
Politik.
Frage: Was die Politik der Vereinigten Staaten anbelangt, schien es letzte Woche, daß sie gegen irgendeine Form der Unabhängigkeit für Slowenien und Kroatien war. Heute scheint das Gegenteil der Fall zu sein.
Erklären Sie uns, was passiert ist.
Antwort: Ich denke, nichts ist passiert, und obwohl ich
nicht gern vorbereitete Stellungnahmen verlese, möchte
ich doch eine kurze Erklärung des US-Außenministeriums verlesen, die am 24. Mai im Auftrag des Außenministers veröffentlicht wurde. Ein Satz darin lautet:
"Die Vereinigten Staaten werden keine Spaltung fördern oder belohnen. Sie wird jeden Rahmen - föderalistisch, als Staatenbund oder andere Formen - akzeptieren, über den das jugoslawische Volk friedlich und
demokratisch entscheidet." Dies ist unsere Haltung,
wie sie im Mai verkündet wurde. Das war immer
unsere Haltung, und die Meinung, wir hätten unsere
Haltung geändert, stimmt ganz einfach nicht.
Es ist klar, daß wir aus der Sicht der Vereinigten
Staaten glauben, zum Vorteil des jugoslawischen Volkes
in Zukunft sei eine friedlich hervorgebrachte Form der
Einheit - ein Staatenbund oder was auch immer - die
beste Lösung. Wir haben jedoch auch deutlich gemacht, daß wir mit allen Entscheidungen über eine
demokratische und friedliche Form des Zusammenschlusses leben werden. Wir werden jedoch keine
einseitigen Erklärungen akzeptieren, die in eine Richtung führen, wie wir sie in der letzten Woche oder in den
vergangenen vierzehn Tagen beobachten konnten.
Es besteht ganz eindeutig die Gefahr eines Bürgerkriegs, und das muß sich jeder vor Augen führen. Und
es wird ein schrecklicher Bürgerkrieg werden, wenn er
stattfindet.
Frage: Aber was sagen Sie zu den Slowenen und
Kroaten, die erklären: "Wenn die Vereinigten Staaten
einen Bürgerkrieg verhindern wollen, dann verhelft uns
zur Unabhängigkeit. Gibt es hier kein Zurück?"
Antwort: Wir vertreten die Ansicht, wenn sie ihre
Unabhängigkeit einseitig herbeiführen und nicht durch
eine friedlich mit den anderen Republiken ausgehandelte Lösung, dann wird es einen Bürgerkrieg geben dessen Beginn wir jetzt beobachten konnten. Wir
befürchten stark, daß einseitiges Vorgehen genau die
Art von Ereignissen zur Folge haben wird, die wir jetzt
gesehen haben - nur noch entschieden schlimmer.
Und an den Händen von irgendjemand wird Blut kleben. Die Position der Vereinigten Staaten lautet, der
einzige Weg zur Lösung dieses Problems zum Nutzen
des gesamten jugoslawischen Volkes ist, sich zusammenzusetzen und friedlich zu verhandlen.
Frage: Wer ist für das Blutvergießen verantwortlich?
Antwort: Erstens besteht meines Erachtens kein
Zweifel - und wir haben dies hinlänglich klargestellt -,
Seite 2

daß der übermäßige Einsatz von Gewalt durch die
jugoslawische Volksarmee von Anfang an falsch war.
Dies muß verurteilt werden. Und sicherlich hat sie viel
zu dem Blutvergießen beigetragen. Andererseits muß
ich betonen - und wir sagen dies seit Monaten -, daß
einseitige Entscheidungen, den Staatenbund zu verlassen, ebenfalls bei den jetzt von uns beobachteten
Ereignissen eine Rolle spielen können und gespielt
haben.
Frage: Der slowenische Regierungsvertreter hat Judy
(Woodruff) gerade gesagt, es handle sich hierbei in
Wirklichkeit um einen Kampf zwischen Demokratie
und Kommunismus. Stimmen Sie dem zu?
Antwort: Ich wünschte, es wäre so einfach. Zweifelsohne - und ich kann und würde dies keinen Moment
bestreiten - haben das slowenische und kroatische
Volk demokratisch gewählte Regierungen, die eindeutig den Staatenbund verlassen wollen. Daran hegen
wir keinen Zweifel. Noch bestreiten wir die Tatsache,
daß es sich um demokratisch gewählte Regierungen
handelt. Unsere Position ist und war seit Monaten,
wenn sie den Wunsch haben, aus dem Staatenbund
auszutreten, sollte dies auf dem Verhandlungswege
geschehen. Wenn sie den Wunsch nach einer anderen Form des Zusammenschlusses hegen, muß dies
friedlich verhandelt werden. Und jeder andere Versuch einer Lösung - es handelt sich nicht um einen
Kampf zwischen Kommunismus und Demokratie
sondern vielmehr darum, daß das jugoslawische Volk
in einen Bürgerkrieg verwickelt wird, in dem Tausende
von Menschen getötet werden. Ich kann dies nicht
genug betonen. Und jeder kleinste Beweis deutete in
der vergangenen Woche und im Verlauf der letzten 50
Jahre in der jugoslawischen Geschichte darauf hin,
daß genau das passieren wird.
Frage: Nun, es ist eine Tatsache, daß die Zentralregierung kommunistisch ist und die anderen Regierungen nicht. Heißt das...
Antwort: Das bedeutet nicht, daß sie sich nicht
zusammensetzen und friedlich um einen neuen Staatenbund in der einen oder anderen Form verhandeln
können. Ich bestreite nicht, daß sie Kommunisten und
Demokraten sind - das ist eindeutig der Fall. Ich stelle
fest, der einzige Weg, das sich Abzeichnende zu
verhindern, sind friedliche Verhandlungen zwischen
den einzelnen Parteien und Republiken. Jeder andere
Weg wird zu einem heillosen Chaos führen.
Frage: Werden die Vereinigten Staaten dazu gehört?
Antwort: Meines Erachtens hört man uns wie auch
die Europäer in Jugoslawien bis zu einem gewissen
Grad an. Aber - und dies möchte ich nochmals
betonen -, die Gefahr besteht darin, je länger man in
der Weise vorgeht wie in der vergangenen Woche,
desto weniger Rationalität und desto mehr Emotionalität wird vorherrschen. Unter diesen Umständen

AMERIKA DIENST 27

�möchte ich die Konsequenzen nicht vorhersagen, außer,
daß sie schrecklich sein werden.
Frage: Heute abend sieht es ziemlich erschreckend
aus, oder nicht?

&gt;

Antwort: Wenn die Generale tatsächlich die von
ihnen beabsichtigte Haltung eingenommen haben,
dann ist dies ein weiterer dummer Akt des jugolawischen Militärs. Dies ist nicht der richtige Weg, das
Problem anzugehen und beweist aus unserer Sicht
erneut, daß es in Belgrad, Ljubljana und Zagreb eine
Reihe von Leuten gibt, die erst einmal tief Luft holen,
sich zurücklehnen und sagen müssen: "Wir müssen
uns an den Verhandlungstisch begeben." Dies ist der
einzige Weg zur Bewältigung dieses Problem.
Frage: Herr Außenminister, wenn wir uns einen
Moment dem schlimmsten Szenarium zuwenden - wer
hat die meisten Gewehre? Wer wird wahrscheinlich
übrig bleiben, wenn es einen totalen Bürgerkrieg gibt?
Antwort: Sollte es einen totalen Bürgerkrieg geben,
ist es eine Frage - und dies ist eines der Themen, bei
denen ich nicht mit dem slowenischen Regierungsvertreter übereinstimme. Dies ist potentiell ein größerer
Nationalitätenkonflikt. Tausende von Serben leben in
Kroatien. In vieler Hinsicht ist es ein heterogenes
Land, und wenn diese Republiken sich zu lösen begin-

nen, wird es unter den einzelnen Nationalitäten zu
einem wahren Chaos kommen. Ich weiß nicht, wer
gewinnen wird. Ich kann Ihnen sagen, wer verlieren
wird - die unschuldigen Menschen in den jeweiligen
Republiken Jugoslawiens, die dabei ums Leben kommen. Ich kann Ihnen wirklich nicht sagen, wer gewinnen wird. Aber wir könnten uns mit einem wahren
Chaos auf dem Balkan und in Europa konfrontiert
sehen, zu einer Zeit, in der sich alles in Europa in die
richtige Richtung und hoffentlich zur Demokratie wendet.
Frage: Wo sind all die Gewehre hergekommen, Herr
Außenminister?
Antwort: Meines Erachtens gibt es eine Reihe von
Erklärungen dafür. Im Hinblick auf die jugoslawische
Volksarmee gibt es wohl keine Frage. Sie ist seit
Jahren beliefert worden. Ich weiß nicht genau, woher
die Gewehre in Slowenien gekommen sind, man muß
sich jedoch vor Augen führen, daß die Jugoslawen seit
Jahren Waffen in unterschiedlichen Verstecken in den
einzelnen Republiken in dem Gedanken an einen
Partisanenkrieg wie während des Zweiten Weltkriegs
gehortet haben, damit diese für die Partisanen bereit
wären. Ein Teil der Waffen kam sicherlich von dort. Ein
anderer offensichtlich von Lieferanten außerhalb Jugoslawiens.

* *

AMERIKA DIENST 27

*

Seite 3

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
10. Juli 1991

WIRTSCHAFTSPOLITISCHE ZIELE DER USA
BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL IN LONDON
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentliche Übersicht wurde am 8. Juli 1991 vom US-Außenministerium herausgegeben. Sie beschreibt die wirtschaftspolitischen Ziele der Vereinigten Staaten beim Weltwirtschaftsgipfel vom 15. bis 17. Juli, an dem die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den Vereinigten Staaten sowie Vertreter der EG teilnehmen.

1.
Uruguay-Runde: Wir werden auf einen umfassenden Abschluß der Runde in den Bereichen Landwirtschaft, Investitionen, Dienstleistungen und geistiges Eigentum drängen. Das hat Priorität, denn wenn
kein Abkommen zustande kommt, werden protektionistische Bestrebungen auf der ganzen Welt gefördert.
Eine erfolgreiche Runde wird den aufstrebenden Volkswirtschaften Mittel- und Osteuropas ebenso wie den
Entwicklungsländern neue Möglichkeiten im Handel
eröffnen.
2.
Wirtschaftswachstum: Beim Gipfel werden
die Notwendigkeit einer starken wirtschaftlichen Gesundung und anhaltendes Wachstum bei stabilen Preisen
erörtert werden. Ferner wird eine wachstumsorientierte Geld- und Finanzpolitik gefördert. Wir möchten
größere Handelsmärkte schaffen, was insbesondere
für die neuen Demokratien und Märkte Mittel- und
Osteuropas von Bedeutung ist.
3.
Mittel- und Osteuropa: Der Ausbau der Exporte ist entscheidend, um den Verlust des sowjetischen Markts auszugleichen und notwendige wirtschaftliche Anpassungen zu erleichtern. Dies erfordert in diesen Ländern tiefgreifende Strukturreformen,
Maßnahmen zur Verbesserung des Klimas für Auslandsinvestitionen, die Förderung des privaten Kapitäflusses und den Ausbau des Marktzugangs im Westen.
4.
Umwelt: Der Londonder Gipfel soll auf den
Initiativen von Houston aufbauen, insbesondere dem
Abkommen zum Schutz der Wälder; er soll dem EinAMERIKA DIENST 27

satz der G-7 für einen erfolgreichen Abschlu ß der 1992
stattfindenden UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung Rechnung tragen; die Tatsache berücksichtigen, daß alle Länder Verantwortung für den Umweltschutz teilen und die Bedeutung der internationalen
Zusammenarbeit bei der Lösung umweltpolitischer
Probleme betonen. Darüber hinaus sollten wir uns der
Notwendigkeit bewußt sein, Mittel zur Einbeziehung
umweltpolitischer Ziele in wirtschaftliche Entwicklung
und Wachstum zu entwickeln und die zunehmende
Verflechtung von Fragen des Handels und der Umwelt
zu erkennen.
5.
Sowjetunion: Die Einladung an Gorbatschow
zu einem Treffen mit den Gipfelteilnehmern sendet ein
starkes Signal der Unterstützung für seine Bestrebungen um politische und wirtschaftliche Reformen in der
Sowjetunion aus. Der Westen muß eine entschiedene, neue und funktionsfähige Marktreformpolitik fordern und seine Bereitschaft signalisieren, die Sowjetunion in einen schrittweisen Prozeß von Dialog und
Kooperation einzubinden. Charakter und Ausmaß
dieses Prozesses hängen davon ab, daß die Sowjets
konkrete Schritte zu Wirtschaftsreformen und politischen Veränderungen treffen. Wir zielen ganz allgemein darauf ab, auf allen Ebenen positive Veränderungen in Richtung auf eine marktwirtschaftlich orientierte
Demokratie zu stützen und die Integration der Sowjetunion in die Weltwirtschaft zu fördern. Wir halten es für
wichtig, daß die Probleme der Sowjetunion nicht den
Gipfel beherrschen, weil die Staats- und RegierungsSeite 1

�chefs der G-7 noch verschiedene andere Themen zu
erörtern haben werden.
6.
Entwicklung: Die Vereinigten Staaten und
andere Mitglieder der G-7 setzen sich dafür ein, den
Entwicklungsländern zu helfen, ihre Wirtschaftspolitik
und den Lebensstandard allgemein zu verbessern.
Hilfe für Mittel- und Osteuropa wird die Aufmerksamkeit der G-7 nicht von den Bedürfnissen der Entwicklungsländer ablenken. Wirtschaftspolitische Reformen, die diesen Ländern langfristig funktionierende
Märkte bringen, werden ein wichtiger und integraler
Bestandteil dieser Hilfe sein. Die G-7 werden durch
geeignete Behörden daran arbeiten, den Entwicklungsländern bei der Bewältigung ihrer Schuldenlast
zu helfen. Der Pariser Club wird Ausgangspunkt
derartiger Bestrebungen sein.

zeugende Drogen verzichten müssen. Die Arbeitsgruppe für finanzielle Transaktionen arbeitet mit Regierungen auf der ganzen Welt zusammen, um zu
verhindern, daß Banken und andere Finanzinstitutionen benutzt werden, um Gewinne aus dem Drogenhandel zu waschen.
8.
Energie: Wir wollen das effektive Funktionieren der Energiemärkte verbessern. Dieses Ziel wird
am besten erreicht, indem Schranken für Handel mit
und Investitionen in Energie abgebaut und die Anfälligkeit für Versorgungsengpässe durch Entwicklung
angemessener staatlich kontrollierter Vorräte redu
ziert werden.

Ein weiteres Ziel ist die Förderung hoher weltweiter
Standards und verbesserter Energieausnutzung. In
diesem Zusammenhang sind wir uns bewußt, daß
7.
Drogen: Die Arbeitsgruppe für die Verbreitung Kernenergie - vorbehaltlich größtmöglicher Sicherchemischer Stoffe beim Gipfel empfiehlt, daß Regie- heits- und Umweltstandards - eine wichtige Rolle spierungen und Industrie wirksame Maßnahmen ergreifen, len sollte, um Energiequellen zu verteilen und den
um zu verhindern, daß der legale internationale Handel Treibhauseffekt zu verringern.
mit chemischen Stoffen in die Herstellung illegaler
Drogen mündet. Effektive weltweite Zusammenarbeit, Wir messen der Integration der sowjetischen und
mit der die Umleitung wichtiger Chemikalien zur Her- osteuropäischen Energiesektoren in die Weltmärkte
stellung von Kokain, Heroin und anderer Drogen ver- große Bedeutung bei. Wir werden aktiv zusammenarhindert wird, gewährleistet, daß Drogenhändler auf beiten, um dies zu verwirklichen.
wichtige Produktionsmittel für gefährliche und suchter-

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
10. Juli 1991

KATZ: TATEN STATT WORTE ZUR BEENDIGUNG
DER URUGUAY-RUNDE ERFORDERLICH
Hintergrundinformation zum Londoner Weltwirtschaftsgipfel

WASHINGTON - (AD) - Beim Londoner Weltwirtschaftsgipfel Mitte Juli werden die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen
voraussichtlich politische Verpflichtungen zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde multilateraler
Handelsgespräche eingehen.
Dies hatten sie zwar bereits bei ihrem Treffen in
Houston im vergangenen Jahr getan, aber "selbst das
reichte nicht aus, um Ergebnisse herbeizuführen",
erklärte der Stellvertretende Handelsbeauftragte Julius Katz.
"Die im vergangenen Jahr eingegangenen Verpflichtungen zum erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde
waren sehr weitreichend", stellte Katz in einem Interview mit dem US-Informationsamt (USIA) fest. "Es
mangelt nicht an politischem Engagement. Was fehlt,
ist die Durchführung."

i

Die Uruguay-Runde und Maßnahmen zur Öffnung der
Märkte der Industrienationen für Waren aus Osteuropa werden voraussichtlich die beiden wichtigsten
Handelsthemen sein, wenn die Staats- und Regierungschefs aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, den Vereinigten Staaten
und führende Vertreter der Europäischen Gemeinschaft vom 15. bis 17. Juli zusammentreffen.
Der EG-Kommissar für Auswärtige Angelegenheiten
Frans Andriessen erklärte am 2. Juli 1991 vor Journalisten in Washington, er habe mit amerikanischen
Regierungsvertretern erörtert, wie die Gipfelteilnehmer dem Abschluß der Uruguay-Runde "neue politische Betonung" verleihen könnten.
Katz, der die amerikanische Teilnahme sowohl an der
Uruguay-Runde als auch an den Verhandlungen über
das Nordamerikanische Freihandelsabkommen beAMERIKA DIENST 27

aufsichtigt, stellte jedoch fest, jetzt seien nicht länger
Worte sondern konkrete Taten seitens der Europäischen Gemeinschaft zur Agrarreform erforderlich.
Angeführt durch die Opposition Frankreichs hat die EG
in den vergangenen vier Jahren der Verhandlungen
zur Uruguay-Runde Reformen im Agrarbereich verzögert. Die Gespräche hätten letzten Dezember beendet
werden sollen, gerieten jedoch in Brüssel in eine
Pattsituation, als einige der rund 100 Teilnehmer keine
Einigung zum Abbau staatlicher Subventionen für die
drei entscheidenden Agrarhandelsbereiche erzielten:
Exportsubventionen, interne Stützungsmaßnahmen
und Marktzugang. Im vergangenen Februar stimmte
die EG schließlich zu, über einen Abbau in jedem
dieser Bereiche zu verhandeln.
Katz erklärte, die kürzlich vom EG-Agrarkommissar
Ray MacSharry vorgelegten Vorschläge seien ein
entscheidender Schritt zur Reform der Gemeinsamen
Agrarpolitik der EG.
"Sie stellen keine Umkehr der Politik dar, sind jedoch
ein Anfang", so Katz. "Dank dieser Vorschläge werden die Preise beträchtlich gesenkt und Produktionsanreize abgebaut. Dies ist ein beachtlicher Schritt in
die richtige Richtung."
Er fügte hinzu, die EG-Kommission könnte in der
zweiten Juliwoche über ein Paket interner Agrarreformen abstimmen, das dann dem Ministerrat in der
Woche vom 15. Juli - zum gleichen Zeitpunkt, an dem
der Londoner Weltwirtschaftsgipfel stattfindet - zu
einer ersten Erörterung zugeleitet wird.
Nach der Sommerpause in Europa im August würden
die EG-Agrarminister die Vorschläge im September
einer weiteren Überprüfung unterziehen.

Seite 1

�"Sie vertreten die Position, sie seien nicht bereit, die
internationalen Verhandlungen aufzunehmen, bevor
sie nicht eine gewisse Distanz zur Binnenreform
gewonnen haben", stellte Katz fest. "Also warten wir
immer noch auf die Aufnahme der Agrarverhandlungen."
Sowohl europäische als auch amerikanische Regierungsvertreter haben erklärt, die Verhandlungen der
Uruguay-Runde sollten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Und beide Seiten vertreten die Auffassung, die Verhandlungen bis ins nächste Jahr hinauszuzögern, bedeute den vollständigen Zusammenbruch
der Gespräche. Im Jahr 1992 würden die Verhandlungen von Wahlen in Großbritannien, Deutschland und
den Vereinigten Staaten sowie der wachsenden Frustration der Teilnehmerstaaten über mangelnde Erfolge bei den Handelsgesprächen überschattet, räumte
Katz ein.
Doch der Zeitplan der EG für interne Reformen innerhalb der EG läßt einen Abschluß der Uruguay-Runde
bis zum Jahresende immer unwahrscheinlicher werden.
Beim Ministertreffen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im
Juni stellte die US-Handelsbeauftragte Carla Hills fest,
ein Abschluß der Uruguay-Runde bis Dezember erfordere von den wichtigsten an diesen Verhandlungen
beteiligten Ländern bis Ende Juli das Eingehen fester
Verpflichtungen in der Landwirtschaft und mehreren
anderen Schlüsselbereichen.
Katz zufolge scheint es heute klar, daß die Meinungsverschiedenheiten über die Reform der Landwirtschaft
nicht bis Juli ausgeräumt werden können.
"Ich habe keinen Grund, um Optimismus zu verbreiten, aber ich werde es auch nicht ausschließen",
erklärte Katz.
Das Problem bestehe darin, daß nicht nur über das
Ausmaß der Kürzungen in den drei Schlüsselbereichen, sondern auch über die Techniken für die Vornahme dieser Reduzierungen verhandelt werden müsse.
So müßten etwa beim Bereich der Exportsubventionen die Unterhändler entscheiden, was Exportsubventionen überhaupt sind und ob Kürzungen dieser Subventionen auf der Grundlage der Quantität oder des
Ausgabenniveaus sowie für einzelne Erzeugnisse oder
Produktgruppen erfolgen sollten.
Die Agrarunterhändler bei der Uruguay-Runde werden
sich in der dritten Juliwoche in Genf treffen, um diese
und andere Möglichkeiten für die zu treffenden Ent-

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Seite 2

*

Scheidungen zu diskutieren. Katz bleibt jedoch skeptisch im Hinblick auf mögliche wichtige Entscheidungen bei diesem Treffen.
Ein Fehlschlag in der Landwirtschaft würde wahrscheinlich auch einen Rückschritt fürdie substantiellen
Fortschritte bedeuten, die in anderen Verhandlungsbereichen erzielt wurden, etwa bei geistigem Eigentum
oder dem Handel mit Dienstleistungen, erklärte Katz.
"Es stellt sich die Frage, wie lange man so weitermachen kann. Es dauert nun schon fünf Jahre an, und die
Leute werden müde, gelangweilt und frustriert."
Er warnte davor, das Ausbleiben eines Abkommens
berge "erhebliche Bedrohungen für das multilaterale
Handelssystem". Probleme wie die in der Landwirtschaft seien wenig geeignet, um durch regionale
Handelsarrangements gelöst zu werden.
Von den Gipfelteilnehmern werden femer Überlegungen erwartet, welche weiteren Maßnahmen sie treffen
können, um ihre Märkte für Waren aus Ost- und Mitteleuropa und der Sowjetunion zu öffnen.
Amerikanische Regierungsvertreter gehen davon aus,
daß ein Großteil der Maßnahmen in diesem Bereich
von den EG-Ländern kommen muß, da sie geographisch nahe an Osteuropa liegen und weil die EGSchranken gegen Produkte aus der Region weiterhin
hoch sind.
Die Vereinigten Staaten könnten Katz zufolge in der
Lage sein, einige Importquoten für Textilien zu erhöhen und technische Hilfe zur Verfügung zu stellen. Sie
könnten jedoch kaum mehr tun, da die amerikanischen
Importschranken bereits äußerst niedrig seien.
Für die meisten osteuropäischen Länder gelten gegenwärtig die niedrigsten Zollsätze, die von den Vereinigten Staaten im Rahmen des Allgemeinen Präferenzsystems eingeräumt werden, stellte Katz fest.
Obwohl die Vereinigten Staaten Beschränkungen auf
Stahl, Textilien und Milchprodukte aufrechterhielten,
würden Katz zufolge die den osteuropäischen Ländern
zugestandenen Quoten in den meisten Kategorien bei
Stahl und Textilien nicht vollständig in Anspruch genommen, in einigen Fällen um über 50 Prozent.
Die amerikanischen Beschränkungen für Stahl werden im nächsten März aufgehoben und es gebe keine
Absicht, sie zu erneuern. Die Administration habe
jedoch zur Zeit wenig Spielraum für eine Aufhebung
der Beschränkungen auf Milchprodukte, räumte Katz
ein.

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*

AMERIKA DIENST 27

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                <text>&lt;strong&gt;1. Verteidigung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush strebt Sicherheit zu möglichst geringen Kosten an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor verteidigungspolitischer Gruppe&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Jugoslawien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger fordert friedliche Verhandlungen in Jugoslawien &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem Stellvertretenden US-Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Weltwirtschaftsgipfel&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Wirtschaftspolitische Ziele der USA beim Weltwirtschaftsgipfel in London&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Katz: Taten statt Worte zur Beendigung der Uruguay-Runde erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundinformation zum Londoner Weltwirtschaftsgipfel&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
10. Juli 1996

13

NATO

PERRY: NATO-ERWEITERUNG IM
21. JAHRHUNDERT
Bündnis muß Verteidigungsfähigkeit beibehalten

DAS INTERESSE DER USA AN EINER
NATO-ERWEITERUNG
von Botschafter Donald Blinken

AUSSENPOLITIK

DIE USA: DIE EINSAME SUPERMACHT AUSSENPOLITISCHE UND WIRTSCHAFTLICHE
HERAUSFORDERUNGEN
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

4. JULI

220 JAHRE UNABHÄNGIGKEIT
Proklamation des Präsidenten zum 4. Juli

DATENAUTOBAHN

GRUNDPRINZIPIEN FÜR DIE BESCHLEUNIGTE
ENTWICKLUNG DER GLOBALEN INFORMATIONSINFRASTRUKTUR
von Vizepräsident AI Gore

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�RASSISMUS

KOMMENTARE ZU BRANDANSCHLÄGEN AUF
KIRCHEN IN DEN USA
Verurteilung in den meisten Zeitungen

DROGEN

NEUE DROGENBEKÄMPFUNGSKAMPAGNE
ZUR UNTERSTÜTZUNG JUGENDLICHER
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

•

�NATO
10. Juli 1996

Perry: NATO-Erweiterung im 21. Jahrhundert
Bündnis muß Verteidigungsfähigkeit beibehalten

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Perry erklärte am 27. Juni 1996, die "Erweiterung vollzieht sich wie
geplant" und mit den Nationen der Partnerschaft für den Frieden (PFF), die an einem NATO-Beitritt interessiert
seien, würden intensive Konsultationen geführt, "um sie auf die Erfüllung der Kriterien und Pflichten der
Mitgliedschaft vorzubereiten".
Dem Verteidigungsminister zufolge müssen die Streitkräfte prospektiver neuer Mitglieder "zu effektiven
Operationen mit den NATO-Streitkräften fähig sein". Darüber hinaus müssen potentielle neue Mitglieder "für
Demokratie und freie Marktwirtschaft eintreten", die Menschenrechte innerhalb und die Souveränität außerhalb
ihrer Grenzen respektieren, und "ihre Streitkräfte müssen demokratischer, ziviler Kontrolle unterstehen".
In einer Rede bei dem vom Obersten Alliierten Befehlshaber Atlantik in Norfolk (Virginia) veranstalteten Seminar
stellte Perry fest, die NATO-Vertreter begrüßten die Beteiligung Rußlands an der PFF und hofften, das Land
werde in der Partnerschaft eine führende Rolle im Einklang mit seiner Bedeutung als Großmacht übernehmen.
Er äußerte ferner, die kooperativen Beziehungen der NATO zu Rußland "sollten die Beteiligung Rußlands an der
PFF ergänzen und davon unabhängig sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister Perry im Wortlaut.

Im Juni 1995, vor nur einem Jahr, nahm ich am
Verteidigungsministertreffen in Brüssel teil. Ohne
Frage war dies das bedrückendste NATO-Treffen, an
dem ich je teilgenommen habe. Diejenigen unter
Ihnen, die dort waren, werden meine Meinung wahrscheinlich teilen. Bosnien wurde von unaussprechlichen Greueltaten heimgesucht. Die Vereinten Nationen wurden gedemütigt, als ihre Soldaten an ein
bosnisch-serbisches Radar angekettet wurden. Die
europäischen Nationen und die Vereinigten Staaten
hatten sich völlig überworfen. Bei dieser Zusammenkunft drängten die Vereinigten Staaten auf entschlossene Luftangriffe, um die Serben für die Verletzung der
UN-Sanktionen zu bestrafen, und die europäischen
Nationen, die Truppen auf dem Boden stationiert
hatten, fürchteten, solche Aktionen würden ihre
Soldaten in Gefahr bringen.
Infolgedessen erwies sich die NATO - die wie gelähmt
schien - als unfähig zur Bewältigung der bosnischen
Krise. Bei dem Treffen stellten wir zu Recht kritische
Fragen. Wenn die NATO nicht relevant für Bosnien -

AMERIKA DIENST 13

die größte Sicherheitskrise in Europa seit dem Ende
des Zweiten Weltkriegs - ist, wofür ist sie dann relevant? Mit anderen Worten, bei dem Treffen schien mir,
als befände sich die NATO in einem Prozeß des
Verfalls.
Was für einen Unterschied ein Jahr bewirkt. Vor zwei
Wochen nahm ich am Verteidigungsministertreffen in
Brüssel teil. In diesem Jahr war es eine von Stärke
und Hoffnung geprägte Zusammenkunft. Das Bündnis
strotzte vor Vitalität und Selbstbewußtsein.
Die
Vereinigten Staaten und die europäischen Nationen
arbeiteten harmonisch zusammen, und die NATO
führte mit großem Erfolg ihre erste militärische Operation durch.
In dieser berauschenden Atmosphäre kamen die
Verteidigungsminister zusammen - nicht 15, sondern
16. Minister aus 26 Nationen der Partnerschaft für den
Frieden, einschließlich Rußlands, waren ebenfalls
anwesend. Wir alle waren uns bewußt, daß 1996
bereits ein Jahr wirklich historischer Veränderungen

Seite 1

�für die NATO war. Wir setzten den Prozeß des
Wandels bei dieser Zusammenkunft fort, indem wir
Aktionen in die Wege leiteten, mit denen eine NATO
aufgebaut wird, wie sie Europa zur Bewältigung der
Herausforderungen des 21. Jahrhunderts benötigt.
Auf der Grundlage des Brüsseler Treffens möchte ich
Ihnen daher heute sechs Postulate darüber darlegen,
wie die NATO des 21. Jahrhunderts aussehen wird.
Das erste Postulat lautet, daß die NATO selbst stärker
und geeinter sein wird.
Die IFOR ist die erste größere Militäraktion in der
Geschichte der NATO und hat das Bündnis wiederbelebt. Sie hat bewiesen, daß die NATO-Nationen,
die auf jahrzehntelange Erfahrungen mit gemeinsamen
Übungen und Ausbildung zurückblicken sowie gemeinsame Doktrinen und Standards haben, zusammen
operieren können - und zwar mit großer Effektivität.
Aufgrund der durch die IFOR umgesetzten Bestrebungen der NATO erleben die Nationen des ehemaligen
Jugoslawiens das erste friedliche Frühjahr seit fünf
Jahren. Trotz aller noch bestehenden Probleme in
Sarajevo und Mostar kann man heute dorthin reisen
und Leute in Straßencafes Kaffee trinken sehen, statt
vor Grananten und Artilleriegeschossen Schutz zu
suchen. Dieser Geist der Solidarität beflügelte das
Treffen in Brüssel, bei dem wir auch zum ersten Mal
seit 30 Jahren die uneingeschränkte Beteiligung
Frankreichs an einer offiziellen Zusammenkunft der
NATO-Verteidigungsminister begrüßen konnten.
Das zweite Postulat lautet, daß die NATO durch die
Partnerschaft für den Frieden weiterhin eine Zone der
Stabilität auf dem gesamten Kontinent aufbauen wird.
Die Partnerschaft für den Frieden, die ich kurz PFF
nennen möchte, ist jetzt richtig in Schwung gekommen.
Allein im Jahr 1996 werden wir 15 größere Übungen
und vielfältige andere Aktivitäten im Zusammenhang
mit der PFF durchführen. Diese Übungen und Aktivitäten sind uns nicht nur dabei behilflich, solche militärischen Missionen der Zeit nach dem Kalten Krieg
wie Friedenssicherung, humanitäre Hilfe sowie Suchund Rettungsübungen in Angriff zu nehmen, sondern
auch dabei, Vertrauen und Zusammenarbeit zwischen
Ost und West sowie unter den Partnernationen selbst
hervorzubringen.
In Brüssel haben wir versucht, die PFF zu stärken und
sicherzustellen, daß sie ein permanenter Pfeiler der
europäischen Sicherheitsarchitektur wird. Wir vereinbarten die verstärkte Beteiligung der Partner an der
Planung von Übungen, selbst für den Spannungsfall.
Und aufbauend auf den Erfahrungen der PFF-Nationen in der IFOR stimmten wir der Erhöhung der Anzahl
und Komplexität der PFF-Übungen zu.

Seite 2

In meinen Ausführungen vor meinen Kollegen habe ich
die Notwendigkeit unterstrichen, daß einige NATOLänder als Mentor für einzelne Partnerländer fungieren
sollten, insbesondere für diejenigen, deren Ressourcen ihr Vorgehen in der Partnerschaft begrenzen
könnten. Ich habe beispielsweise vorgeschlagen, daß
ein NATO-Land oder eine Gruppe von Ländern das
polnisch-ukrainische Friedenssicherungsbataillon in
derselben Weise sponsern sollte wie die Dänen das
baltische Friedenssicherungsbataillon sponsern. Andere könnten der Mentor der südlichen Balkan-Nationen bei der Umsetzung von Zielen sein, die das
Ergebnis des jüngsten Treffens der Minister des
südlichen Balkans waren, oder Partnerländern bei der
Erstellung des Verteidigungshaushalts und strategischer Planung besondere Hilfe leisten. Diese Aktivitäten "im Geiste der PFF" stärken nicht nur die Partnerschaft, sondern auch die NATO und die Sicherheit
Europas.
Das dritte Postulat lautet, daß die NATO größer sein
wird.
Die Erweiterung vollzieht sich wie geplant. Im Herbst
vergangenen Jahres beendete die NATO ihre Studie
über das "Wie" und "Warum" der Erweiterung, und wir
befinden uns jetzt in der zweiten Phase - intensiven
Konsultationen mit den Partnerländern, die an einem
NATO-Beitritt interessiert sind - um sie auf die Erfüllung der Kriterien und Pflichten der Mitgliedschaft
vorzubereiten. Ich möchte kurz auf diese Kriterien
eingehen.
Zunächst einmal möchte ich darauf hinweisen, daß die
NATO kein sozialer Verein ist. Sie ist keine Zunft. Sie
ist ein Militärbündnis. Daher müssen ihre potentiellen
Mitglieder zur Verteidigung des Bündnisses bereit sein
und über die hierzu erforderlichen professionellen
Streitkräfte verfügen. Die NATO muß ihre Arbeit
weiterhin auf Konsens aufbauen, ungeachtet dessen,
ob sie 16, 18 oder 20 Mitglieder hat. Die neuen
Mitgliedstaaten müssen diese Tradition respektieren,
die sich in der Vergangenheit als so wirksam erwiesen
hat.
Die Streitkräfte der neuen Mitglieder müssen zu
effektiven Operationen mit den NATO-Streitkräften
fähig sein. Das bedeutet nicht nur eine gemeinsame
Doktrin, sondern auch Interoperabilität der Ausrüstung,
insbesondere bei der Kommunikation. Die potentiellen
neuen Mitglieder müssen auch für Demokratie und
freie Marktwirtschaft eintreten, die Menschenrechte
innerhalb und die Souveränität außerhalb ihrer Grenzen respektieren. Ihre Streitkräfte müssen demokratischer, ziviler Kontrolle unterstehen.
Immer wenn ich mit Vertretern einer Partnernation
zusammentreffe, die eine Bündnismitgliedschaft
anstrebt, sage ich ihnen: "Dies streben Sie an. So
werden Sie beurteilt, wenn die NATO-Minister zu-

AMERIKA DIENST 13

�sammentreffen und entscheiden, welche Anwärter für
einen Beitritt in Frage kommen." Diese Grundsätze
sind keine Hürden für eine NATO-Mitgliedschaft,
sondern vielmehr Garantien dafür, daß das Bündnis
auch in den nächsten 50 Jahren so effektiv und
leistungsfähig bleibt wie in den vergangenen nahezu
50 Jahren. Viele Partnernationen haben bereits große
Fortschritte erzielt, diesen Grundsätzen zu entsprechen, und die derzeit geführten intensiven Konsultationen werden ihnen helfen, noch mehr zu erreichen.
Mein viertes Postulat ist, daß die NATO kooperative
Beziehungen zu Rußland aufbaut.
Rußland ist seit mehr als 300 Jahren eine Schlüsselfigur für die europäische Sicherheit und wird das auch in
den kommenden Jahrzehnten bleiben. Die Frage ist
nur, ob das Land eine positive oder eine negative Rolle
spielen wird. Natürlich wünschen wir, daß Rußland
eine positive Rolle übernimmt. Rußland tat den
richtigen Schritt, als es sich für eine Teilnahme an der
Partnerschaft für den Frieden entschied. Wir begrüßen die Beteiligung Rußlands und hoffen, daß es im
Einklang mit seiner Bedeutung als Großmacht eine
führende Rolle übernehmen wird.
Die kooperativen Beziehungen des Bündnisses zu
Rußland sollten die Beteiligung Rußlands an der PFF
ergänzen und davon unabhängig sein. Ironischerweise entstammt der Entwurf für diese kooperativen
Beziehungen der Zusammenarbeit in Bosnien. Vor
kurzer Zeit besuchte ich die amerikanische Division in
Bosnien, die auch eine russische Brigade umfaßt, und
traf mit allen Brigadekommandeuren, einschließlich
des russischen Brigadekommandeurs zusammen. Ich
kann berichten, daß die Operation reibungslos vonstatten geht und die Brigadekommandeure - aus
Amerika, Rußland, den nordischen Ländern und der
Türkei - alle gemeinschaftlich zusammenarbeiten.
Nächste Woche, wenn ich unsere Truppen und die
anderer Nationen an unserem Unabhängigkeitstag am
4. Juli in Bosnien besuche, werde ich eine weitere
Gelegenheit haben, mir einen Eindruck von den
Operationen zu verschaffen.
Durch seine Beteiligung an der IFOR demonstriert
Rußland sein Engagement für die Teilnahme am
Aufbau der künftigen europäischen Sicherheitsarchitektur. In Brüssel bauten wir auf diesem Engagement auf, als die Verteidigungsminister der NATOMitgliedstaaten mit dem russischen Verteidigungsminister zu 16-plus-1-Gesprächen zusammentrafen.
Bei diesem Treffen einigten wir uns im wesentlichen
darauf, russische Truppen im Obersten Hauptquartier
der Alliierten Streitkräfte in Europa (SHAPE) zu
stationieren und dem NATO-Befehl zu unterstellen.
Und Rußland stimmte zu, daß wir NATO-Offiziere zum
russischen Generalstab nach Moskau entsenden.
Diese Vereinbarungen institutionalisieren im wesentlichen das bereits ad hoc geschlossene Abkommen

AMERIKA DIENST 13

über Zusammenarbeit bei der Durchführung der IFOROperation.
Mein fünftes Postulat zur NATO im 21. Jahrhundert
lautet, daß das Bündnis flexibler und effizienter wird.
Während die NATO das Szenarium einer einzigen
Bedrohung hinter sich läßt, das nahezu 50 Jahre lang
ihre Reaktionsfähigkeit und Befehlsstruktur bestimmte,
macht sie sich einen Mechanismus zu eigen, der ihre
neue Flexibilität bei der Reaktion auf neue Herausforderungen widerspiegelt - die alliierten Streitkräftekommandos (Combined Joint Task Force - CJTF). Wir
arbeiten hart an der Vervollständigung des CJTFKonzepts, haben es in Bosnien jedoch bereits in die
Tat umgesetzt. Somit brauchen wir nicht zuviel Zeit mit
theoretischen Überlegungen zum Wesen alliierter
Streitkräftekommandos verbringen. Eines funktioniert
heute bereits in der Praxis, und unsere Arbeit besteht
jetzt lediglich darin, eine bereits erfolgreich operierende CJTF auf eine allgemeine Formel zu bringen.
Die NATO wird nicht nur flexibler, sondern ist sich
auch der Notwendigkeit einer Effizienzsteigerung
bewußt. In vielerlei Hinsicht war die Struktur der
NATO für die Bosnien-Mission nicht geeignet. Unsere
Befehls- und Entscheidungsfindungsstrukturen waren
fast ausschließlich auf die Durchführung eines bekannten Plans mit bereits bestimmten Streitkräften konzentriert, der sich gegen einen bekannten Gegner richtete.
Die IFOR wiederum beinhaltete weitaus mehr Unsicherheit und unterstrich die Notwendigkeit einer
Umstrukturierung und Modernisierung des Bündnisses. Im Herbst werden unsere Militärbehörden
einen Bericht mit Empfehlungen veröffentlichen, wie
die Befehlsstruktur reaktionsschneller und flexibler
gestaltet und die Verteidigungsplanungsprozesse
angepaßt werden können.
Ferner ergreifen wir
Maßnahmen zur Vereinfachung und Beschleunigung
des gesamten Entscheidungsfindungsprozesses durch
die Schaffung einer politischen Koordinierungsgruppe
sowie der Kapazitätenkoordinierungszelle. Ich muß
sagen, daß ich einige Zweifel an der Fähigkeit dieser
bürokratischen Organisationen hege, das Bündnis zu
modernisieren. Aber denken Sie einmal kurz darüber
nach. Das Ziel ist klar, selbst wenn der Mechanismus
zur jetzigen Zeitpunkt noch etwas unsicher ist.
Ich möchte eindeutig klarstellen, daß das Ziel des
Bündnisses, flexibler und effizienter zu werden, allen
Verbündeten eine effektivere Zusammenarbeit erlauben soll. Es wird nicht angestrebt, dies ohne die
umfassende Beteiligung der Vereinigten Staaten zu
erreichen. Wir müssen zunächst mit 16 Mitgliedern
besser operieren können, bevor wir auch nur in
Erwägung ziehen, mit weniger als 16 besser zu
operieren.

Seite 3

�Dies führt mich zu meinem sechsten und letzten
Postulat zur Zukunft der NATO. Die NATO wird ein
wahrhaft transatlantisches Bündnis bleiben.
Meines Erachtens haben wir in Bosnien die klare
Lektion gelernt, daß die NATO als transatlantisches
Bündnis am besten operieren kann, wenn wir alle
zusammen sind. Ich hoffe, daß alle auf beiden Seiten
des Atlantiks diese Lektion gelernt haben und die
NATO weiterhin bei allen größeren Missionen geschlossen vorgeht. Die Sicherheit Europas ist auch in
Zukunft von elementarer Bedeutung für die Sicherheit

*

Seite 4

der Vereinigten Staaten. Und Amerikas Engagement
in Europa bleibt entscheidend für die Sicherheit
Europas. Vor 49 Jahren legte George Marshall eine
Vision für das Europa der Zukunft dar - ein vom
Atlantik bis zum Ural in Frieden, Freiheit und Demokratie geeintes Europa. Es ist an uns, diese Vision
Realität werden zu lassen. Diese Vision kann nur
durch eine starke, lebensfähige, transatlantische
Partnerschaft verwirklicht werden.
Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 13

�NATO
10. Juli 1996

Das Interesse der USA an einer NATO-Erweiterung
von Botschafter Donald Blinken

BUDAPEST - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen vom Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika
in Ungarn, Donald Blinken, verfaßten Artikel.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Wall Street Journal, © 1996 Dow Jones
&amp; Co., Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Am Neujahrstag erhob der ungarische Präsident Arpad
Göncz sein Glas und brachte einen geistreichen und
amüsanten Toast auf 1995 aus als "das Jahr, in dem
die NATO Ungarn beitrat". Er verlieh damit natürlich
dem starken Wunsch Ungarns und seiner Nachbarstaaten nach einer NATO-Mitgliedschaft Ausdruck.
Aber er wies auch darauf hin, daß das Bündnis durch
die Stationierung seiner Truppen für den BosnienEinsatz im südlichen Ungarn tatsächlich bereits den
Erweiterungsprozeß begonnen hatte.
Die NATO-Erweiterung ist sowohl für Amerika als auch
für die neuen Demokratien in Zentraleuropa von
elementarer Bedeutung. Die Vereinigten Staaten
lernten mühsam die Lektion, daß sie keine Kontrolle
darüber haben, wann und wo auf dem europäischen
Kontinent Konflikte ausbrechen. Die NATO erwies sich
als die politisch am stärksten zusammenhängende,
kostengünstigste und vor allem in militärischer Hinsicht
reaktionsfähigste Institution, die es je gab - die Stütze
eines stabilen, demokratischen Europas. Zweifelsohne ist es für die Vereinigten Staaten von Vorteil, die
Grenzen von Stabilität und Demokratia weiter nach
Osten zu erweitern.
Die Prioritäten der neuen Demokratien Zentraleuropas
sind ein Spiegel der strategischen Interessen Amerikas. Niemand ist sich der Gefahren politischer und
militärischer Instabilität stärker bewußt als die Menschen in dieser Region, in der zwei Weltkriege begannen. Nach ihrem Sieg im Kalten Krieg haben die
Vereinigten Staaten eine moralische Verpflichtung, den
Satellitenstaaten der ehemaligen Sowjetunion beim
Übergang zu einer stabilen Demokratie Beistand zu

AMERIKA DIENST 13

leisten. Die Osterweiterung der NATO würde diesen
seit kurzer Zeit freien Nationen dieselben Vorteile
gewähren, die das Bündnis den westeuropäischen
Nationen vor nahezu einem halben Jahrhundert bot:
Die für Demokratie, freie Marktwirtschaft und Frieden
unerläßliche Sicherheit. Die Menschen in Zentraleuropa wissen, daß Sicherheit mehr ist als nur ein
Militärbündnis. Sie hat auch politische, wirtschaftliche,
soziale, umweltpolitische und Menschenrechtskomponenten.
Mit anderen Worten: Sicherheit
beinhaltet die umfassende Beachtung westlicher
Werte.
Aber obwohl es nicht schwer ist, triftige Gründe für
eine NATO-Erweiterung vorzulegen, stellt die tatsächliche Vorbereitung neuer Mitglieder eine Herausforderung dar. Vergangenen September schloß die
NATO eine Studie über die mit einer Erweiterung
zusammenhängenden Fragen ab, in der die grundlegenden Voraussetzungen für eine Bündnismitgliedschaft definiert werden. Obwohl es keine offiziellen
Kriterien sind, wurden diese Erfordernisse de facto zu
einem Maßstab, an dem potentielle neue Mitglieder
gemessen werden. Um für eine NATO-Mitgliedschaft
in Frage zu kommen, muß ein Land folgendes erreicht
haben oder bekunden:
Ein wirklich demokratisches Regierungssystem mit entsprechenden Institutionen, ein
stabiles politisches System sowie Achtung der
Menschenrechte.
Umfassende marktwirtschaftliche Reformen,
einschließlich Privatisierung, eine funktionie-

Seite 1

�rende Marktwirtschaft sowie Strukturreformen.
Zivile Kontrolle des Militärs auf rechtlicher
Grundlage.
Die Absicht zur Pflege guter - wirtschaftlicher,
politischer, militärischer und kultureller Beziehungen zu seinen Nachbarn.
Die Fähigkeit zu enger und effektiver Zusammenarbeit mit der NATO bei allen Aspekten der Militärdoktrin und ihrer Umsetzung.
Ungarn erfüllt heute die ersten vier Kriterien und ist auf
dem Weg, dem fünften Punkt gerecht zu werden. In
Ungarn herrscht nach den freien Wahlen von 1990 und
1994 Demokratie. Die Institutionen sind stabil, und die
Rechtstaatlichkeit hat Fuß gefaßt. Über 70 Prozent
der ungarischen Wirtschaft sind jetzt in privater Hand.
Ausländische Investitionen sind willkommen: Rund 15
Milliarden Dollar aus dem Ausland wurden in Ungarn
investiert.
Strukturreformen, insbesondere des
Sozialwesens, werden durchgeführt.
Die zivile
Kontrolle des Militärs - ein neues Konzept in Zentraleuropa - wird eingeführt, während sich die Zivilisten
über militärische Fragen informieren. Und Ungarn
unterhält gute Beziehungen zu allen sieben Nachbarstaaten, von denen fünf in ihrer jetzigen Staatsform
noch vor fünf Jahren nicht existierten.
Ebenso wie ihre zentraleuropäischen Nachbarn
müssen die Ungarn noch die "Interoperabilität" der
NATO einführen: Den Lehrplan ihrer Militärakademien
überarbeiten, mit der Modernisierung des militärischen
Geräts beginnen und eine militärische Struktur aufbauen, die nach dem westlichen Modell funktioniert.
Die von der Clinton-Administration geförderte Partnerschaft für den Frieden, ein zwei Jahre altes Programm,
das den Nationen des ehemaligen Ostblocks militärische Ausbildung und andere Verbindungen zu

NATO-Mitgliedstaaten bietet, hat sich für Ungarn und
seine Nachbarn als äußerst hilfreich bei der Festsetzung praktischer, greifbarer Ziele und bei der Schaffung der dafür erforderlichen Wissensgrundlage
erwiesen.
Wenn den zentraleuropäischen Nationen im nächsten
oder übernächsten Jahr die NATO-Mitgliedschaft
angeboten würde, ohne daß sie die Vorteile der
Beteiligung an der PFF genossen hätten, wäre ihre
Fähigkeit zur Übernahme aller Pflichten einer NATOMitgliedschaft äußerst fraglich. Statt dessen ist es
eher wahrscheinlich, daß Ungarn ebenso wie Polen
und die Tschechische Republik bald bereit sein
werden. Und die Evolution der PFF wird sicherstellen,
daß selbst Nationen, die der NATO nicht frühzeitig
oder überhaupt nicht beitreten, starke und dauerhafte
Bande zum Bündnis entwickeln können.
Die NATO-Erweiterung geht wie geplant vonstatten.
Außenminister Warren Christophers Rede vom März in
Prag spiegelte den soliden Konsens unter den NATOVerbündeten wider, daß die Erweiterung stattfinden
sollte und wird. Und einige russische Politiker, darunter Boris Jelzins nationaler Sicherheitsberater
Alexander Lebed, haben offensichtlich ihren Widerstand aufgegeben.
Jede europäische Nation sollte die Chance zur
Gewährleistung ihrer Sicherheit innerhalb einer
kooperativen Struktur haben, die nicht nur eine
wiederbelebte NATO beinhaltet, sondern auch eine
erweiterte Europäische Union, eine gestärkte Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa,
konstruktive Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland sowie eine dauerhafte Partnerschaft für den
Frieden. Für die Vereinigten Staaten ist ein solcher
Ansatz das beste Mittel zum Schutz ihrer Interessen
und Werte in einer unberechenbaren und häufig
gefährlichen Welt.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 13

�AUSSENPOLITIK
10. Juli 1996

Die USA: Die einsame Supermacht Außenpolitische und wirtschaftliche Herausforderungen
Rede des Gesandten J.D. Bindenagel

BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Gesandten der Botschaft der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland am 12. Juni 1996 im Auswärtigen Amt gehaltene Rede.

Sehr geehrte Damen und Herren,
es freut mich, heute Gelegenheit zu haben, mit Ihnen
als angehende Kollegen aktuelle Fragen der amerikanischen Außenpolitik zu diskutieren.
Ich werde mich in meinen Ausführungen nicht nur auf
die anstehenden Herausforderungen konzentrieren,
sondern auch auf die Wertmaßstäbe zu sprechen
kommen, die unsere Politik prägen.
Doch bevor ich mit Ihnen über die amerikanischen
Vorstellungen zur Öffnung der NATO nach Osten
diskutiere, unsere Überlegungen zu einem konstruktiven Verhältnis zu Rußland erörtere und über die
Zukunft der transatlantischen Zusammenarbeit
spreche, möchte ich einige Worte zur Ausbildung
amerikanischer Diplomaten sagen.
Im Gegensatz zu der ein- beziehungsweise zweijährigen Ausbildungszeit in der Bundesrepublik werden
bei uns die Nachwuchsdiplomaten nach einer
mehrmonatigen Orientierungsphase ins kalte Wasser
geworfen. Mit dem "on the job training" am ersten
Verwendungsort fängt die diplomatische Karriere an.
Von der Pike auf lernt man dann, was es bedeutet,
sein Land zu vertreten. Und sie müssen sich anstrengen bei einer vierjährigen Probezeit! Mich hat
man nach Korea versetzt. Ein Posten mit Potential:
Dort habe ich die Grundlage für meine berufliche
Karriere gelegt.
Vielleicht sollte ich auch noch eine weitere Besonderheit des Auswärtigen Dienstes erwähnen. Bei uns
müssen sich die angehenden Diplomaten entscheiden,
ob sie lieber politische und wirtschaftliche Fragestel-

AMERIKA DIENST 13

lungen in ihrem Berufsleben bearbeiten wollen oder
aber sich mit Fragen der "public diplomacy" und den
kulturellen Beziehungen beschäftigen möchten.
Erstere gehen zum State Department, letztere zu
USIA, dem amerikanischen Informationsamt.
Die Umgestaltung unseres außenpolitischen Apparats
ist eine Facette eines größeren Transformationsprozesses. Man könnte sie auch als einen Prozeß der
Neuorientierung betrachten. Eine Neuorientierung,
nachdem das politische, militärische und ideologische
Korsett des Kalten Krieges von uns abgefallen ist.
Wie andere Staaten auch stehen die Vereinigten
Staaten nach dem Ende des Ost-West-Konflikts vor
der Aufgabe, ihre Rolle als "global player" neu zu
definieren.
Die Rollendefinition ist ein mühsames Geschäft. Die
Nachwirkungen des Kalten Krieges sind noch zu
spüren. Wir alle hatten uns geistig an die Bedingungen des Kalten Krieges gewöhnt; nun aber - und dies
schon seit geraumer Zeit - stehen wir vor komplexen
Herausforderungen. Herausforderungen, die durchaus mit den profunden Fragestellungen vergleichbar
sind, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zu
beantworten waren. Wie damals werden wir auch jetzt
wieder erfolgreich sein!
Warum ich mir so sicher bin, werden Sie sich vielleicht
fragen?
Abgesehen davon, daß wir Amerikaner in der Regel
eine optimistische Ader haben, bin ich davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin eine

Seite 1

�machtvolle, verantwortungsbewußte und vorausschauende Außenpolitik betreiben werden.
Sie sollten sich nicht durch die kritische Berichterstattung in den Medien verunsichern lassen: Die
Transparenz der politischen Auseinandersetzungen im
amerikanischen Regierungssystem verleitet viele
Kommentatoren zu der Annahme, die Vereinigten
Staaten wären nicht mehr in der Lage, eine ihrer
Bedeutung angemessene Politik zu betreiben.

Nun werden einige von Ihnen sicherlich denken, daß
dieser Aspekt unseres Verständnisses von Außenpolitik nur eine Seite der Medaille ist. Die andere Seite
ist die Tendenz zu Isolationismus - oder was dafür
gehalten wird.

Diese Bewertung übersieht den nach wie vor bestehenden überparteilichen Konsens, was die philosophischen Grundlagen unserer Außenpolitik angeht.

Einen klassischen, reinen Isolationismus gab es nie.
Was es gab, waren isolationistische Phasen. Die
Frage nach unserem außenpolitischen Engagement
muß immer auch in Bezug zu den innenpolitischen
Notwendigkeiten gesetzt werden. Und es ist offensichtlich, daß sich in einer interdependenten Welt die
innenpolitischen Interessen nicht von den außenpolitischen trennen lassen.

Nach wie vor gilt, daß es unveräußerliche Rechte des
einzelnen gibt, die bedauerlicherweise nicht überall auf
der Welt respektiert und geachtet werden. Die Freiheitsrechte sind - wie Sie wissen - der Kern der
amerikanischen Verfassung.
Damals galten die
Prinzipien, die Thomas Jefferson in der Unabhängigkeitserklärung von 1776 festschrieb, als geradezu
revolutionär: "... all men are created equal".

Auch der Kongreß hat kein Interesse an einer Schwächung der amerikanischen Führungsrolle. Auch der
Kongreß weiß, wie wichtig unsere auswärtigen Beziehungen sind, um unsere außenwirtschaftlichen
Interessen zu verwirklichen. Es besteht beispielsweise
kein Disput darüber, daß der Aufbau eines freien und
fairen Welthandelssystems an erster Stelle unserer
außenpolitischen Prioritätenliste steht.

Die Grund- und Menschenrechte spielen seit der
Staatsgründung eine nicht zu unterschätzende Rolle in
der amerikanischen Gesellschaft. Sie prägen auch
unsere Auffassung, was die Zielsetzung unserer
Außenpolitik angeht.

Wenn es Auseinandersetzungen gibt, dann über
Fragen der richtigen Vorgehensweise, wie unsere
Führungsrolle auch in Zukunft angemessen und
wirkungsvoll vertreten werden soll. Ob stärker in
einem multilateralen Rahmen, wie es der Präsident
befürwortet, oder eher in einem bi- oder unilateralen
Rahmen, wie es Teile des Kongresses wünschen.

Mit missionarischem Eifer wurden die philosophischen
Glaubenssätze verinnerlicht und verbreitet.
Die
konfliktreichen Begleitumstände der Staatsgründung angefangen von der Vertreibung marokkanischer
Piraten vor der amerikanischen Küste bis zu den
Auswirkungen der Napoleonischen Kriege sowie dem
Krieg mit Mexiko - wurden zum Prüfstein der amerikanischen Überzeugungen.
Am Ende des 19. Jahrhunderts waren die Außengrenzen gesichert, der innenpolitische Konflikt über die
Sklaverei beendet und die demokratischen Prinzipien
zum Leitmotiv politischen Handelns im Inneren wie im
Äußeren erhoben.
Nur widerstrebend nahmen die Vereinigten Staaten am
Ersten Weltkrieg teil; nicht zuletzt, um die eigene
Sicherheit zu bewahren, aber auch, um den Prinzipien
der Selbstbestimmung und der Demokratie in Europa
zum Durchbruch zu verhelfen. Präsident Woodrow
Wilsons "to make the world safe for democracy" traf
den Kern des amerikanischen Engagements, das nicht
idealistisch war, sondern amerikanische Ideale
verfolgte.
Angesicht dieser beständigen Überzeugungen ist es
leicht nachzuvollziehen, warum die amerikanische
Regierung die Demokratisierung in den Staaten Mittelund Osteuropas nachhaltig unterstützt.

Seite 2

Diese Auseinandersetzungen sind keine Neuauflage
einer Debatte über Isolationismus, wie viele glauben.
Der Isolationismus reflektierte eine außenpolitische
Periode im ausgehenden 19. Jahrhundert, die spätestens mit der Kriegserklärung Deutschlands und
Italiens an die Vereinigten Staaten am 11.12.1941 ihr
Ende fand.
Wenn man sich heute die Diskussionen über eine
Neuordnung der europäischen Staatengemeinschaft in
der unmittelbaren Nachkriegszeit betrachtet, kann man
ganz deutlich erkennen, wie sich die amerikanische
Regierung zu einem europäischen Akteur entwickelt
hat. Eine Abwendung von Europa war nach den
leidvollen Erfahrungen der beiden Weltkriege nicht
mehr denkbar.
Vor diesem Hintergrund sollten Sie unser ausgeprägtes Engagement zum Aufbau einer stabilen
Friedensordnung in Europa nach dem Ende des Kalten
Krieges betrachten. Deshalb finden Sie in den Vereinigten Staaten die treibende Kraft für eine Öffnung
der NATO nach Osten.
Es scheint mir in diesem Zusammenhang fast überflüssig darauf hinzuweisen, daß es im ureigensten
Interesse der Vereinigten Staaten liegt, wenn Europa
zusammenwächst, Ost und West eine institutionelle

AMERIKA DIENST 13

�Einheit bilden und für die Vereinigten Staaten ein
verläßlicher und starker Partner werden.
Im Nachkriegseuropa fiel es vielen schwer, sich
vorzustellen, daß Deutschland friedlich mit seinen
Nachbarstaaten zusammenlebt. Fünfzig Jahre nach
Kriegsende unterhält Deutschland zu seinen Nachbarstaaten überaus freundschaftliche Beziehungen
und ist voll in die europäische Staatengemeinschaft
integriert.
Diese Entwicklung sollte all jene inspirieren, die heute
mutlos in die Zukunft blicken, voller Zweifel über die
Tragfähigkeit der neuen Strukturen sind und sich nicht
vorstellen können, wie sich Europa zu einem starken
Machtfaktor im Geflecht der internationalen Beziehungen entwickelt.
Die Vereinigten Staaten setzen große Hoffnungen in
die Fähigkeit der deutschen Außenpolitik, die europäische Integration voranzutreiben. Mit der Erlangung
der uneingeschränkten Souveränität im Verlauf der
friedlichen Vereinigung hat Deutschland an politischem
Gewicht und Verantwortung gewonnen.
Das Ende der Teilung Europas bestätigte den Erfolg
der westlichen Politik gegenüber den Staaten des
Ostblocks; die Defizite der kommunistischen Regime in
den Bereichen persönliche Freiheit, Rechtsstaatlichkeit
und wirtschaftliche Chancen für den einzelnen haben
sich im Laufe der Zeit als übermächtig erwiesen.
Amerikas Einstellung gegenüber Europa am Ende des
20. Jahrhunderts ist nicht nur von diesen erfreulichen
Veränderungen geprägt, sondern basiert natürlich
auch auf der soliden Grundlage der transatlantischen
Partnerschaft.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin
Streitkräfte in Europa unterhalten. Und dies sowohl
aus militärischen Gründen, als auch wegen der
politischen Symbolik. Die Vereinigten Staaten verstehen sich, wenn es um Europa geht, als eine
europäische Macht.
Die Sicherheit Europas ist auch unsere Sicherheit.
Das klingt sehr einfach, entspricht aber den historischen Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Die Vereinigten Staaten werden deshalb nicht weniger
als 100.000 Soldaten in Europa stationiert lassen;
davon etwa 75.000 allein in Deutschland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg sind Institutionen entstanden, die Stabilität und Sicherheit, Frieden und
Wohlstand in Europa begünstigt haben. Das transatlantische Verteidigungsbündnis - die NATO - ist für
uns Amerikaner das wichtigste Bindeglied über den
Nordatlantik.

AMERIKA DIENST 13

Für uns ist die Allianz aber weit mehr als nur ein
Verteidigungsbündnis, in dem wir eine gewichtige
Rolle spielen. Auch wenn dies vielfach in Vergessenheit geraten ist - zu Beginn der transatlantischen
Partnerschaft war ein breites Themenspektrum an
Zusammenarbeit vorgesehen.
Ein Blick in den
Washingtoner Vertrag zeigt, daß die NATO nicht als
reines Verteidigungsbündnis konzipiert war. Nur - im
Laufe der Zeit haben andere Organisationen bestimmte Aufgaben übernommen, und die weltpolitische
Lage im Kalten Krieg machte es erforderlich, daß sich
die NATO-Mitgliedstaaten auf die Bewahrung ihrer
Sicherheit und Freiheit konzentrierten.
Aus unserer Perspektive ist es konsequent, wenn wir
nun Staaten Mittel- und Osteuropas an dieser Sicherheitsgemeinschaft, den bewährten Verfahren der
Zusammenarbeit und den politischen Konsultationen
teilhaben lassen. Die politischen wie auch moralischen Argumente für eine Beteiligung dieser jungen
Demokratien sprechen eindeutig für die Aufhebung der
durch den Kalten Krieg bedingten Ausgrenzung.
An zweiter Stelle unserer außenpolitischen Prioritätenliste steht folglich der Aufbau einer stabilen Friedensordnung in Europa. Lassen Sie mich die wichtigsten Bestandteile dieser Sicherheitsarchitektur kurz
ansprechen:
Der erste Aspekt zielt auf die ökonomische Dimension.
Die Erfolge der Europäischen Union seit ihren Anfängen sind beachtlich. Die amerikanische Regierung
unterstützt die europäische Integration ohne Vorbehalt.
Die wachsende Interdependenz zwischen West- und
Osteuropa führt früher oder später zu einer Osterweiterung der EU, was wir begrüßen werden. Politische Stabilität in Europa ist nicht ohne wirtschaftlichen
Wohlstand bei allen Beteiligten denkbar!
Die Europäische Union ist nicht die einzige Institution,
die wir unterstützen, um in Europa Stabilität und
Sicherheit zu bewahren. Angesichts unserer außenwirtschaftlichen Interessen versteht es sich von selbst,
daß wir der neuen Welthandelsorganisation (WTO)
große Bedeutung beimessen. Auch die OECD ist zu
nennen, die eine entscheidende Rolle bei den Wirtschaftsreformen in Mittel- und Osteuropa spielt. Sie
stellt wichtige Informationen und Fachwissen für die
neuen Demokratien bereit.
Der zweite Aspekt zielt auf Verfahren ab, die stabilitätsfördernd sind. Wir befürworten eine Stärkung der
OSZE und deren Mandat. Die KSZE hat eine wichtige
Rolle bei der Überwindung der politischen Systeme im
Osten gespielt. Heute ist die Nachfolgeorganisation
dazu prädestiniert, "präventive" Diplomatie zu betreiben.
Das ist zwar ein überaus schwieriges Thema, aber
gerade deshalb kann es nicht ignoriert werden.

Seite 3

�Präventive Diplomatie erfordert Fachwissen über Land
und Leute, deren Geschichte, traditionelle Konfliktlösungsverfahren und natürlich couragierte Voraussicht.
Eigenschaften, die Sie als angehende Diplomaten
noch brauchen werden.
Wir wollen aus der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa ein wirkungsvolles Instrument zur Beilegung von Streitigkeiten und Friedenserhaltung machen. Friedenserhaltende Maßnahmen, mit oder ohne Truppen, ob in Tschetschenien
oder andernorts, können einen wichtigen Beitrag
leisten, um Konflikte zu lösen oder sie erst gar nicht
entstehen zu lassen.
Dem dritten Aspekt einer stabilen europäischen
Friedensordnung wird die größte Aufmerksamkeit
geschenkt: Der Öffnung der NATO nach Osten. Für
die potentiellen Mitgliedstaaten in Mittel- und Osteuropa stellt die NATO die Möglichkeit sicherheitspolitischer Stabilität und Aufnahme in die westliche
Staatengemeinschaft dar.
Ich brauche Ihnen nicht darzulegen, daß die NATO
keinen Staat bedroht. Und es versteht sich von selbst,
daß eine Öffnung der NATO ostwärts nicht geplant ist,
um Rußland zu isolieren.
Der Prozeß der Öffnung der NATO erfolgt in parallelen
Schritten. Das Programm "Partnerschaft für den
Frieden" ist der institutionelle Rahmen, in dem potentielle Mitgliedstaaten an das Bündnis herangeführt
werden. Alle interessierten OSZE-Mitgliedstaaten
können sich daran beteiligen und den Umfang der
militärischen Zusammenarbeit selbst bestimmen. Es
gibt, wie Ihnen bekannt ist, keine Rangordnung unter
den beteiligten Staaten. Alle werden gleich behandelt.
Jeder Staat muß individuell unter Beweis stellen, daß
er bereit und in der Lage ist, mit der NATO zusammenzuarbeiten. Dies ist ein wichtiges Element im Aufnahmeprozeß.
Es wird kein Vetorecht geben, aber wir haben ein
überaus großes Interesse, die Osterweiterung im
Einvernehmen mit Rußland zu realisieren.

Zum Dialog mit Rußland gibt es keine Alternative und
ich sehe positive Zeichen, daß Rußland zunehmend
bereit ist, die Argumente für eine Ostöffnung der NATO
als Stabilitätsfaktor für ganz Europa - Rußland inbegriffen - anzunehmen.
Denken Sie nur an das nach wie vor enorme Nuklearwaffenpotential, das zuverlässig gesichert sein muß,
um keinen Schaden anzurichten. Wie Sie wissen,
befindet sich der Themenkomplex "Nonproliferation"
an vierter Stelle der außenpolitischen Prioritätenskala
der Clinton-Administration.
Nur in kooperativer
Zusammenarbeit wird es möglich sein, die Gefahren

Seite 4

einer unkontrollierbaren Weitergabe von Massenvernichtungswaffen zu reduzieren.
Wo ich gerade beim Komplex "Nonproliferation" bin,
möchte ich Sie auf die Ernsthaftigkeit hinweisen, mit
der meine Regierung das Problem der regionalen
Proliferation angeht. Präsident Clinton hat gegen den
Iran ein vollständiges Handelsembargo verhängt.
Amerikanische Unternehmen sind davon betroffen.
Der Iran versucht durch den Kauf russischer Atommeiler eine Nuklearkapazität aufzubauen, die längerfristig zu einer ernstzunehmenden Bedrohung des
Nahen Ostens wie auch Europas führen wird.
Was die Angelegenheit aus unserer Sicht verschärft,
ist die iranische Unterstützung von Terrorgruppen, die
gegen Israel Anschläge verüben. Wie man an den
unzähligen Missionen Warren Christophers ablesen
kann, ist es ohnehin schwer genug, in dieser Region
Frieden zu stiften. Terrorismus, Bombenanschläge
und die Störung der öffentlichen Ordnung tragen nicht
dazu bei, den Friedensprozeß zu fördern. Der Iran
muß sein Verhalten ändern und sich wie ein zivilisierter
Staat verhalten.
Wirtschaftssanktionen haben sich zwar in der Vergangenheit nicht immer als wirksam erwiesen. Im
Rahmen einer präventiv angelegten Diplomatie sind
sie aber geeignet, ein Zeichen unserer Mißbilligung zu
setzen.
Jetzt kommt es darauf an, unseren Bündnispartnern zu
verdeutlichen, welche langfristigen Implikationen eine
weitere Nuklearisierung des Nahen Ostens hat.
Unsere Verbündeten in Europa sollten dieses sicherheitspolitische Problem nicht auf die leichte
Schulter nehmen! Kurzfristige Handelsvorteile sind
zwar verlockend, aber die Sache ist zu ernst, um
leichtfertig darüber hinwegzugehen.
Ich nehme an, daß sich die Bundesregierung unserer
Position annähern wird. Wir müssen auch dann
zusammenarbeiten, wenn wir unterschiedliche Auffassungen vertreten.
Lassen Sie mich zum Schluß noch einige Sätze zum
transatlantischen Verhältnis sagen. In letzter Zeit kann
man oft die These hören, die Allianz verliere ihren
Zusammenhalt, nachdem der Kalte Krieg zu Ende
gegangen und die Bindewirkung der externen Bedrohung weggefallen ist.
Ich für meinen Teil kann nicht erkennen, daß die
Allianz vor dem "Aus" steht. Das Gegenteil ist richtig:
Wir stehen vor großen Aufgaben und Herausforderungen. Ohne einen institutionellen Rahmen wie das
Bündnis können sie kaum in Angriff genommen
werden. Oder können Sie sich vorstellen, wie Europa -

AMERIKA DIENST 13

�und ich meine dabei Ost und West - seine Friedensordnung ohne das transatlantische Bündnis gestaltet?
Letzte Woche in Berlin haben alle 16 Mitgliedstaaten
der NATO eine klare Antwort auf diese Frage gegeben.
Die NATO-Außenminister entschieden sich für die
Schaffung eines flexibleren Verteidigungssystems, in
dem Europa eine größere Rolle übernehmen soll.
Bosnien hat bewiesen, wie die Vereinigten Staaten und
Westeuropa bei einer ungewohnten Aufgabe effektiv
und flexibel zusammenarbeiten können, solange der
Wille stark genug ist. Die unglückliche Erfahrung der
UN-Mission in dieser Region hat auch demonstriert,
wie negativ die Konsequenzen sein können, wenn die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten aus dem
Tritt geraten. Diese Lektion haben wir beide gelernt.
Aber die NATO ist nicht alles.
Im Dezember vergangenen Jahres unternahmen die
Vereinigten Staaten und Europa in Madrid bedeutende
Schritte zur Erweiterung und Vertiefung dieser Beziehungen, indem sie eine neue Tagesordnung der
politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
vereinbarten.
Diese neue transatlantische Tagesordnung unterstreicht das breite Spektrum der Beziehungen und
befaßt sich nicht nur mit traditionellen Handelsfragen,
sondern auch mit einer großen Bandbreite politischer
und wirtschaftlicher Initiativen auf der ganzen Welt.

Wir haben uns bezüglich der andauernden Notwendigkeit geeinigt, Brücken über den Atlantik zu schlagen,
die bessere Kommunikation zwischen unseren
Bürgern, Wissenschaftlern, Lehrern, Forschungsinstitutionen und unseren Gesellschaften fördern.
Insgesamt gesehen hoffen wir, daß diese neue
transatlantische Tagesordnung den Rahmen und die
erforderliche Disziplin bietet, um unsere Zusammenarbeit effektiver und kohärenter zu gestalten. Sie wird
die EU für amerikanische Politiker transparenter
machen und das erste Mal markieren, an dem wir uns
umfassend mit der Europäischen Union auseinandergesetzt haben, nicht nur als politische Kraft mit
dem Potential, als Partner an der Seite der Vereinigten
Staaten bei einer Vielzahl außenpolitischer und
diplomatischer Initiativen zu stehen.
Wir glauben, daß eine Vertiefung der Zusammenarbeit
über den Atlantik hinweg sowohl für die Europäische
Union wie auch für die Vereinigten Staaten von Vorteil
ist.
Es gibt - wie Sie sehen - eine ganze Palette von
Themen, die sich schwerlich "national" lösen lassen.
Folglich werden die Vereinigten Staaten auch weiterhin
eine internationale Macht bleiben und gemeinsam mit
ihren Verbündeten ihre Interessen wahrnehmen.
Ich danke Ihnen.

* * *

AMERIKA DIENST 13

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�4. J U L I
10. Juli 1996

220 Jahre Unabhängigkeit
Proklamation des Präsidenten zum 4. Juli

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton forderte in seiner Proklamation zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli
seine Mitbürger dazu auf, gemeinsam ein Amerika zu schaffen, "das weltweit die stärkste Kraft für Frieden,
Gerechtigkeit und Freiheit bleibt".
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text.

Ich freue mich, zusammen mit meinen Mitbürgern im
ganzen Land und auf der ganzen Welt den Unabhängigkeitstag zu feiern.

Chancen - wir halten diese Werte immer noch in Ehren
und müssen sie auch in Zukunft jeden Tag erneut
bekräftigen.

Jedes Jahr kommen wir an diesem Tag mit unseren

Amerika entwickelt sich immer noch weiter,

Familien und Freunden zusammen, um den Jahrestag
der Unterzeichnung unserer Unabhängigkeitserklärung
zu feiern. Mit Weitblick und Mut erklärten unsere
Gründerväter der Welt gegenüber unmißverständlich:
"Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: Daß alle Menschen gleich geschaffen sind,
daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, daß dazu
Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören."
Das waren wahrhaft revolutionäre Gedanken, die den
Verlauf der menschlichen Geschichte grundlegend
veränderten.

während Jahrzehnten der Herausforderungen und des
Wandels waren wir bestrebt, das zu verwirklichen, was
sich unsere Gründerväter an unserem ersten Unabhängigkeitstag vorstellten.
Auch bei unseren
weiteren Bestrebungen wollen wir zusammenarbeiten,
um ein Amerika zu schaffen, das weltweit die stärkste
Kraft für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit bleibt. Wir
wollen uns für ein Amerika einsetzen, das nicht durch
Verschiedenartigkeit getrennt, sondern vielmehr durch
gemeinsame Werte und die Achtung unserer Vielfalt
geeint ist. Wir wollen uns für ein Amerika einsetzen, in
dem jeder einzelne ungeachtet seiner Rasse, seiner
Religion, seines Geschlechts oder seiner gesellschaftlichen Stellung seine Träume verwirklichen kann.
Auf diese Weise bezeugen wir am besten unsere
Hochachtung für diejenigen, die vor 220 Jahren ihr
Leben, ihr Hab und Gut und ihre Ehre für unsere
Freiheit gaben.

Heute durchleben wir wieder eine Zeit tiefgreifenden,
historischen Wandels im Hinblick darauf, wie wir
arbeiten, leben, miteinander und mit der übrigen Welt
verbunden sind. Die in unserer Unabhängigkeitserklärung niedergelegten Wahrheiten sind jedoch
unabänderlich und weisen weiterhin unseren Weg zu
den Herausforderungen und Chancen der Zukunft.
Gleichberechtigung, Rechte des einzelnen, Freiheit,

und

Mit den besten Wünschen für einen schönen 4. Juli.

* * * * *

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�DATENAUTOBAHN
10. Juli 1996

Grundprinzipien für die beschleunigte Entwicklung
der globalen Informationsinfrastruktur
von Vizepräsident AI Gore

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel von Vizepräsident AI Gore, der erstmals in
der Sonderbeilage zu Telekommunikation in Die Welt vom 13. Juni 1996 erschien.

Die globale Informationsinfrastruktur (Global Information Infrastructure - Gll) - ein dichtes Netz von Kommunikationsnetzen - verändert für immer die Art und
Weise, in der Bürger auf der ganzen Welt leben,
lernen, arbeiten und kommunizieren.
Dieses globale Netz gestattet auch dem entlegendsten
Dorf, in der modernsten Bibliothek zu stöbern. Es
erlaubt Ärzten auf einem Kontinent, Patienten auf
einem anderen zu untersuchen. Es kann einer Familie
in der nördlichen Hemisphäre helfen, mit ihren Verwandten in der südlichen Hemisphäre in Verbindung
zu bleiben. Und es schärft das Bewußtsein der Bürger
überall auf der Welt, daß wir alle Hüter unseres kleinen
Planeten sind.
Industriestaaten und Entwicklungsländer haben bei
einer Reihe verschiedener internationaler Zusammenkünfte den Konsens erarbeitet, daß das beste
Informationsnetz auf fünf Hauptprinzipien gründen
würde: Privatinvestitionen, Wettbewerb, flexiblen
Bestimmungen, offenem Zugang und Universalität der
Dienste. Ziel dieser Leitlinien ist die beschleunigte
Entwicklung der Gll sowie die Gewährleistung ihrer
Langlebigkeit.
Diese Prinzipien wurden vor zwei Jahren in Buenos
Aires bei der Konferenz der internationalen Fernmeldegewerkschaft angenommen und vergangenes Jahr
beim Ministertreffen der G-7 über das Telekommunikationswesen in Brüssel bestätigt. Ferner wurden sie in
einer Vielzahl regionaler und multilateraler Foren
erneut bekräftigt - der Zusammenkunft des Forums für
asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(APEC), dem gesamtamerikanischen Gipfel, und sie

AMERIKA DIENST 13

wurden bei der Konferenz über Informationsgesellschaft und Entwicklung festgehalten.
Alle fünf Grundsätze sind eng miteinander verknüpft
und voneinander abhängig. Wir sollten uns darüber
Gedanken machen, wie sie sowohl den Interessen
einzelner Nationen als auch den gemeinsamen
Interessen aller Bürger der Welt förderlich sein können.
Ich möchte auf die wichtigsten Grundsätze eingehen.
Privatinvestitionen und Wettbewerb. Präsident Clinton
unterzeichnete 1996 das Gesetz über die Reform des
Telekommunikationswesens, das unsere Kommunikationsmärkte für Wettbewerb zwischen einer Vielzahl
von Unternehmen öffnet. Unseres Erachtens hat freier
Wettbewerb zwischen Privatunternehmen sich immer
wieder als die beste Methode erwiesen, Kreativität zu
fördern, Arbeitsplätze zu schaffen, Gewinne zu
erhöhen und den Verbrauchern ein breites Spektrum
neuer Dienste anzubieten.
Dies ist eine enorme Chance für den Privatsektor - wie
wir in Südamerika, Asien und jetzt in Teilen Afrikas
sehen. Aber Privatinvestitionen - wo immer sie auch
getätigt werden - müssen von gesundem Wettbewerb
begleitet sein.
In den Vereinigten Staaten haben wir diese Lektion
gelernt. Als ein Bundesrichter das weltweit größte
Telefonmonopol von AT&amp;T aufbrach, überraschte das
Resultat selbst die vehementesten Verfechter der
Deregulierung. Die Kosten für ein Ferngespräch
sanken drastisch. Neue Unternehmen mit neuen
Arbeitsplätzen schössen wie Pilze aus dem Boden.

Seite 1

�Und AT&amp;T wurde letzten Endes ein stärkeres Unternehmen - konkurrenzfähiger und innovativer.
Die Entwicklung in Chile stellt ebenfalls die Vorteile
von Privatinvestitionen und offenem Wettbewerb unter
Beweis. 1994 führte Chile stark wettbewerbsfördernde
Bestimmungen ein. Die Zahl der Fernmeldegesellschaften in Chile stieg von einer auf zwölf. Der Anteil
der Haushalte mit Telefonanschluß erhöhte sich um
mehr als 50 Prozent. Und die Preise sanken von etwa
zwei Dollar pro Minute auf ungefähr 20 Cents pro
Minute. Die Einnahmen der Branche stiegen ebenfalls
- ungefähr doppelt so schnell wie die der gesamten
Volkswirtschaft.
Privatinvestitionen und Wettbewerb sind für die
Entwicklung der globalen Informationsinfrastruktur von
unerläßlicher Bedeutung.
Dasselbe gilt für vernünftige, flexible Bestimmungen.
Damit Investoren Risiken eingehen und der Wettbewerb Fuß fassen kann, müssen die Bestimmungen
Stabilität, Freiheit und Flexibilität gewährleisten und
gleichzeitig den Verbrauchern faire Preise und eine
große Auswahl bieten.
In den Vereinigten Staaten lenken wir viele Branchen
im Kommunikationsbereich durch eine unabhängige
Fernmeldebehörde, die Federal Communications
Commission (FCC). Dieses Expertenforum verfügt
über das Wissen, die Technik betreffende Entscheidungen zu fällen. Und zusammen mit anderen
Gremien im Justiz- und Wirtschaftsministerium verfügt
die FCC über die Fähigkeit zur Überwachung sich
wandelnder Marktbedingungen.
Ebenso wie diese neuen Technologien die alte
Wirtschaftsordnung radikal verändern, müssen wir in
der Regierung die veralteten Bestimmungen abschaffen und gleichzeitig den ihnen zugrundeliegenden Werten und Idealen treu bleiben.
Ein weiteres, eng mit den Grundsätzen Privatinvestitionen, Wettbewerb und Flexibilität der Bestimmungen
verbundenes Kernprinzip ist offener Zugang. Alle
Nationen und alle Parteien müssen mit der Gll vernetzt
werden können.
Der Grund wird zum Teil durch ein Prinzip illustriert,
das in der Computerwissenschaft als Metcalfes Gesetz
bekannt ist. Metcalfes Gesetz besagt, daß sich ein
Computernetz ungefähr im Quadrat im Verhältnis zur
Anzahl der Menschen vergrößert, die an ihm arbeiten.

Aus diesem Grund wächst das Internet so schnell. Je
mehr Menschen sich einloggen, desto mehr Menschen
verspüren den Wunsch dazu. Verdoppelt man die

Seite 2

Anzahl der Menschen online, vervierfachen sich die
Möglichkeiten, Menschen miteinander zu verbinden
und ihre Begabungen und Ideen zu kombinieren.
Aus diesem Grund ist offener Zugang so wichtig.
Wenn man die Menschen von den Netzen fernhält,
verlieren sie ihren Wert. Wenn die Menschen Zugang
erhalten, steigt der Nutzen für jeden einzelnen.
Deshalb müssen die Besitzer von Netzwerken nichtdiskriminierende Preise für den Zugang zu ihren
Netzen berechnen. Der einzige Weg, das echte
Versprechen der Gll zu verwirklichen, besteht darin
sicherzustellen, daß jeder, der sich einloggt, Zugang
zu Tausenden unterschiedlicher Informationsquellen
hat - von der Videoprogrammierung über elektronische
Zeitungen bis zum Computer-Bulletin-Board - Menschen aller Nationen und jeder Sprache.
Der fünfte und letzte Grundsatz ist vielleicht am
wichtigsten - Universalität der Dienstleistungen.
Unseres Erachtens können universelle Dienste eine
natürliche Folge der ersten vier Grundsätze sein. Die
Kombination von offenem Zugang, flexiblen Bestimmungen, Wettbewerb und Privatinvestitionen wird
uns zweifelsohne in diese Richtung ziehen. Jedes
Prinzip für sich wird uns jedoch nicht ganz zu diesem
Ziel bringen.
Daher haben Präsident Clinton und ich den Privatsektor unserer Nation aufgefordert, bis zum Ende
dieses Jahrzehnts zur Vernetzung jeder Schule in
Amerika mit der Datenautobahn beizutragen. Und
deshalb wiederhole ich meine Forderung zur Einrichtung einer globalen digitalen Bibliothek, damit alle
Bürger der Welt schnelleren und besseren Zugang zu
allen Informationen der Welt haben.
Natürlich werden sich die genauen Konturen der
universellen Dienstleistungen in allen Nationen
unterscheiden. Ihre Grundzüge sollten sich jedoch an
den meisten Orten ähneln: Beispielsweise die Bereitstellung grundlegender Dienstleistungen zu Preisen,
die sich Menschen aller Einkommensschichten leisten
können, die Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger
Dienste unabhängig vom Wohnort oder den physischen Fähigkeiten einer Person sowie die Unterrichtung der Anwender in der effektiven Nutzung dieser
Technologien.
Die Gll ist ein historisches Unterfangen. Sie wird
gestärkt durch Beteiligung, unterstützt durch Offenheit
und untermauert durch starke Nationen und talentierte
Menschen, die den Traum von einer besseren Zukunft
verwirklichen wollen.
Helfen Sie mir, die erste große Leistung des 21.
Jahrhunderts zu erbringen.

AMERIKA DIENST 13

�RASSISMUS
10. Juli 1996

Kommentare zu Brandanschlägen
auf Kirchen in den USA
Verurteilung in den meisten Zeitungen

WASHINGTON - (AD) - Landesweit verurteilten die Zeitungen in Amerika die jüngsten Brandanschläge auf
vorwiegend afroamerikanische Kirchen im Süden der Vereinigten Staaten. Während die Leitartikel die Täter
öffentlich brandmarkten, erwähnten sie lobend, daß religiöse, philanthropische und kommunale Gruppen
zusammengekommen seien, um die Kirchen wiederaufzubauen und den von den Brandanschlägen betroffenen
Gemeinden zu helfen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus den Leitartikeln.

The Christian Science Monitor
Im Zusammenhang mit der Serie von Brandanschlägen auf Kirchen der schwarzen Bevölkerung im Süden
der Vereinigten Staaten äußerte der Überlebende des
Holocaust und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel:
"Es sollte einen Aufschrei der Entrüstung geben, der
diese Menschen zum Schweigen bringt."
Bis jetzt ist den Tätern noch nicht das Handwerk gelegt
worden. Es gab jedoch einen "Aufschrei der Entrüstung" seitens der Regierung, der Kirchen und der
Öffentlichkeit. Während der Präsident und der Kongreß zahlreiche Schritte unternommen haben, um den
Brandanschlägen auf die Kirchen Einhalt zu gebieten,
gab es auch konkrete Hilfsangebote anderer, zum
Beispiel:
Der nationale Kirchenrat, das amerikanischjüdische Komitee und die nationale Konferenz
katholischer Bischöfe haben gemeinsam
Spenden in Höhe von 4 Millionen Dollar für
den Wiederaufbau der niedergebrannten
Kirchen aufgebracht.
Sieben führende philanthropische Gruppen
taten sich zusammen und spendeten 2,5
Millionen Dollar für den Wiederaufbau der
Kirchen.

AMERIKA DIENST 13

Wenn das Land bei der Verurteilung dieser
Akte mit einer Stimme spricht, ist dies ein
entscheidender erster Schritt. Wie der Stellvertretende Justizminister Deval Patrick
erklärte, könnte "dies der Triumph sein, der
dieser Tragödie folgt".
The Commercial Appeal (Memphis, Tennessee)
Eines der ermutigendsten Zeichen dieser langanhaltenden Empörung ist, daß viele Amerikaner, schwarze
und weiße, zusammengekommen sind, um die
Brandanschläge zu verurteilen und den Betroffenen
beim Wiederaufbau zu helfen.
Die vorwiegend aus Weißen bestehende Christliche
Koalition, die für gewöhnlich mit konservativen politischen Belangen in Verbindung gebracht wird, die nicht
viele der Betroffenen teilen, kündigte eine Spendenkampagne an, um 1 Million Dollar für den Wiederaufbau der von Brandstiftern niedergebrannten Kirchen
aufzubringen.
"Wir hoffen, vertrauen und beten, daß Gott unsere
beim Kampf gegen diesen Terror geschaffenen
Beziehungen und unser Vertrauen nutzen wird, um
neue Chancen der Zusammenarbeit bei zahlreichen
anderen Problemen zu eröffnen", äußerte Ralph Reed,
der Anführer der Koalition vor einer kleinen Versammlung schwarzer Pastoren und Bürgerrechtler in Atlanta.

Seite 1

�Die Reaktionen innerhalb der betroffenen Gemeinden
berühren jedoch am meisten.
Nachdem zwei Kirchen der schwarzen Gemeinde in
Kossuth (Mississippi) niedergebrannt wurden, kamen
die Einwohner einer multirassischen religiösen Gruppe
zusammen um bekanntzugeben, daß sie über 22.750
Dollar aus Spenden der Gemeinde für einen Wiederaufbaufonds gesammelt hatten.
Rund 50 Beauftragte der Bundesbehörden werden
nach Corinth (Mississippi) und Kossuth kommen, um
Beweise in der Asche der niedergebrannten Kirchen
zu sichern und mit möglichen Zeugen zu sprechen.
James Cavanaugh vom US-Büro für Alkohol, Tabak
und Feuerwaffen, der die Ermittlungen bei den 13
Brandanschlägen in Mississippi und Alabama leitet,
appellierte jedoch an die mächtigste Waffe: Die Hilfe
der Öffentlichkeit.
"Wir brauchen Informationen der Öffentlichkeit",
erklärte Cavanaugh. "Jeder Amerikaner muß darüber
nachdenken, was hier vor sich geht. Es ist empörend."
Eine weitere Erklärung wurde von Senator Thad
Cochran (Republikaner aus Mississippi) abgegeben,
der den Senat zur Verabschiedung einer Gesetzesvorlage drängte, die der Bundesregierung die Ermittlungen bei den Brandanschlägen erleichtert. Das
Repräsentantenhaus stimmte seiner Version des
Gesetzentwurfs mit 422 zu 0 Stimmen zu.
Post-Gazette (Pittsburgh, Pennsylvania)
Die Bürgerrechtsbewegung erreichte ihren Höhepunkt
vor drei Jahrzehnten, aber die seitdem erzielten
Fortschritte an den Frontlinien des Rassenkampfes in
Amerika reichten nicht aus. Die Brandanschläge auf
Kirchen der schwarzen Gemeinden im Süden sind
Beweis der noch vorherrschenden Intoleranz. Der
Kongreß unternimmt zu Recht Schritte zur Verbesserung der Befugnisse der Bundesregierung bei der
Ermittlung solcher Greueltaten.
Wie kein Geringerer als der Verfechter der Rechte des
Staates, der Sprecher des Repräsentantenhauses
Newt Gingrich, bemerkte, treffen diese abscheulichen
Akte den Kern eines Bundesrechts. Die amerikanische Verfassung garantiert religiöse Freiheit. Die
Zerstörung von Kirchen verletzt dieses Recht.
Haßverbrecher haben immer die schwarzen Gemeinden angegriffen, indem sie ihre Kirchen zerstörten. Was die für diese Brandanschläge Verantwortlichen nicht verstehen, ist, daß solche Empörung
verbindet, statt eine belagerte Gemeinde auseinanderzureißen. Wenn die Absicht dieser Anschläge darin
besteht, die schwarze Gemeinde hilflos zu machen, ist
sie bereits zunichte gemacht worden.

Seite 2

The Atlanta Journal and Constitution
Die Agitatoren und Feiglinge, die Anschläge auf
Kirchen verüben, wollen den in diesen Gotteshäusern
herrschenden Geist der Nächstenliebe und Brüderlichkeit zerstören. Sie wären enttäuscht zu sehen,
welchen Zusammenhalt der Gläubigen ihre skrupellosen Brandanschläge hervorrufen.
Die Antidiffamierungsliga veröffentlichte Zeitungsanzeigen, in denen sie ihre Anhänger bat, die Wiederaufbauarbeit ganz besonders zu unterstützen. "Wir
werden alle ein Raub der Flammen des Hasses", heißt
es in der Anzeige in The New York Times. "Helft uns,
es jetzt zu löschen." Obwohl die Antidiffamierungsliga
sich meistens für Anliegen der jüdischen Gemeinde
einsetzt, ist sie auch ein standhafter Verfechter von
Religionsfreiheit für alle.
Bei ihrem jährlichen Treffen führte die Southern Baptist
Convention eine Sonderkollekte für den Wiederaufbau
der zerstörten Kirchen durch. Es war die erste Kollekte bei einer Jahresversammlung seit 1986. "Die
afroamerikanische Gemeinde muß wissen, daß wir ihr
zur Seite stehen", erklärte Richard Land, der Präsident
der Southern Baptist Christian Life Commission.
Diese Unterstützung aus vielen Kreisen ist eine
bemerkenswerte Geste der Ablehnung der erbärmlichen und entarteten Feiglinge, die Kirchen niederbrennen. Sie sollte auch als Erinnerung daran dienen,
daß jeder einzelne von uns die Pflicht hat, sich den
Stimmen des Hasses und der Spaltung entgegenzusetzen.
The State Journal-Register (Springfield, Illinois)
Rationale Menschen erörtern Fragen wie berufliche
Gleichstellung, illegale Einwanderung, Reform des
Sozialwesens und Rechte von Homosexuellen. Die
Amerikaner haben hierzu unterschiedliche Meinungen,
und der daraus resultierende nationale Dialog ist
wichtig für die Gestaltung der Politik.
Für einige Irrationale besteht die Antwort auf diese
Fragen jedoch in Gewaltanwendung gegen alle, die sie
hassen. Die öffentliche Debatte wird für sie zu Zündstoff, der ihre konfusen Überzeugungen schürt und sie
zu gewalttätigen, gesellschaftsfeindlichen Akten wie
Brandanschlägen auf Kirchen veranlaßt.
Natürlich muß der nationale Dialog über soziale
Fragen fortgeführt werden. Aber rationale Menschen
auf allen Seiten müssen jeden gewalttätigen Akt der
Intoleranz lautstark verurteilen. Die wenigen irrationalen Menschen, die Kirchen niederbrennen,
müssen wissen, daß ihr Haß für alle Amerikaner
inakzeptabel ist. Sie dürfen keine Zuflucht finden.
Haß, Selbstgerechtigkeit und Intoleranz müssen von
allen als unmoralisch erachtet werden.

AMERIKA DIENST 13

�Die Brandstifter des Hasses werden scheitern.
Tatsächlich werden sie schwarze Gemeinden inmitten
von Vielfalt stärken und den Amerikanern beim
Umgang mit Vorurteilen helfen. Es wird ihnen lediglich
gelingen, die Opposition gegen die Feuer der Intoleranz zu stärken.
The San Francisco Chronicle
Die Brandanschläge auf Kirchen schwarzer Gemeinden senden eine allgemeine und erschreckende
Botschaft des Schreckens und der Intoleranz.

Die Zerstörung dieser heiligen Strukturen ist kein
Haßverbrechen. Sie ist ein feiges Verbrechen.
Es reicht nicht aus, die Brandstifter zu finden und zu
verurteilen. Die Gesellschaft muß angesichts solch
feiger Akte genug Entschlossenheit zeigen, damit der
nächste Verrückte, dem es in den Sinn kommt, mitten
in der Nacht mit einer Gasflasche und Streichhölzern
in eine Kirche zu schleichen, von zwei mächtigen
Gefühlen überwältigt und letztlich abgeschreckt wird:
Angst. Und Sinnlosigkeit.

Dieser Botschaft muß man sich zornig widersetzen.

The Baltimore Sun

In dieser Nation ist nichts heiliger als die Fähigkeit von
durch Glauben und ein Gemeinschaftsgefühl verbundenen Menschen, Gotteshäuser zu bauen.

Präsident Clinton hat das Justiz- und Finanzministerium angewiesen, eine gemeinsame Arbeitsgruppe
"Brandanschläge auf Kirchen" zu bilden, die ihm direkt
Bericht erstattet. Justizministerin Janet Reno traf mit
vielen Pastoren der zerstörten Kirchen zusammen und
versicherte Ihnen, daß die Behörden alle erforderlichen
Mittel einsetzen werden, um diese Fälle zu lösen und
die Brandstifter vor Gericht zu bringen. Einige Pfarrer
waren aufgebracht, weil Mitglieder ihrer Gemeinden
befragt wurden, als wären sie Verdächtige. Aber sie
sollten sich mit dem Wissen trösten, daß die Behörden
bei ihrer Suche nach Antworten nichts unversucht
lassen.

Die Kirchen geben ihren Gemeindemitgliedern - sogar
ganzen Städten - ein Gefühl von Kontinuität und
Stabilität. Die Gemeinde verkörpert ihre Arbeit, ihr
Geld und ein übergeordnetes Gefühl für Aufgabe und
Gottheit.
Insbesondere für viele afroamerikanische Gemeinden
ist die Kirche weitaus mehr als ein Ort des Glaubens.
Sie ist eine Institution, die auch außerhalb der Kirchenmauern unschätzbare geistige und materielle
Unterstützung gewährt.

*

AMERIKA DIENST 13

* * *

*

Seite 3

�DROGEN
10. Juli 1996

Neue Drogenbekämpfungskampagne
zur Unterstützung Jugendlicher
Rede von Gesundheitsministerin Donna Shalala

WASHINGTON - (AD) - Gesundheitsministerin Donna Shalala rief eine ehrgeizige Drogenbekämpfungskampagne zur Aufklärung der Öffentlichkeit und Eindämmung des jüngsten Anstiegs beim Marihuanakonsum
Jugendlicher ins Leben.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Gesundheitsministerin Shalala aus Anlaß
des 100. Jahrestages des Eltern-Lehrer-Verbands (Parent-Teacher Association - PTA) am 24. Juni 1996.

Es ist mir eine große Ehre, aus Anlaß Ihres 100.
Jahrestages mit Ihnen zusammenzutreffen.
Seit 100 Jahren ist die PTA eine der wichtigsten
Basisorganisationen in Amerika. 100 Jahre lang
rettete sie Leben, förderte Bildung und eröffnete
Zukunftsperspektiven. Und 100 Jahre lang führte sie
Eltern, Lehrer und Gemeinden bei der Aufgabe
zusammen, unsere größte Ressource zu schützen unsere Kinder.
Das war nie wichtiger als heute.
Denn jeden Tag sterben in Amerika 16 Kinder bei mit
Schußwaffen verursachten Unfällen, durch Mord und
Selbstmord.

Ein Bericht jüngeren Datums an den Präsidenten
belegte, daß jede Stunde mindestens ein
amerikanischer Teenager mit HIV infiziert wird.
Ferner ist ein erneuter Anstieg des MarihuanaKonsums bei den 12-17jährigen zu beobachten - der
monatliche Konsum hat sich seit 1991 nahezu
verdoppelt.
Wir sollten uns nichts vormachen: Wenn wir nicht
schnell handeln, könnten wir eine ganze Generation
verlieren.

Jeden Tag bekommen mehr als 1.000 Jugendliche
uneheliche Kinder.

Das war die Botschaft eines umfassenden Berichts der
Carnegie Corporation in New York von letztem Herbst,
der die Schlußfolgerung enthielt, daß mindestens die
Hälfte unserer Teenager aufgrund riskanten
Verhaltens gefährdet ist, das ihr Leben ernsthaft
verkürzen könnte.

Jeden Tag fangen über 3.000 junge Menschen das
Rauchen an.

Das sind nicht anderer Leute Kinder, das ist nicht
anderer Leute Problem.

Jeden Tag brechen mehr als 1.000 Jugendliche die
weiterführende Schule ab.

Dies ist unser Problem - ein amerikanisches Problem,
das das Leben jeder Familie beeinflußt, ungeachtet der
Rasse, Religion, Region und finanziellen Situation.

Und über 2 Millionen 12-17jährige nehmen mindestens
fünf alkoholische Getränke zu sich.

AMERIKA DIENST 13

Aberglauben Sie mir nicht einfach, wenn ich sage, daß
etwas getan werden muß. Wir wollen es aus erster
Hand, von den Experten selbst hören:

Seite 1

�Eine 16jährige erklärt: "Ich möchte Fotomodell werden.
Rauchen verbrennt eine Menge Kalorien."

Ich brauche wohl keinem von Ihnen zu erzählen, unter
welchem Druck Eltern heute stehen.

Ein College-Student äußert: "Ich bin kein starker
Trinker, aber jedes Mal, wenn ich etwas trinke,
betrinke ich mich."

Eltern arbeiten länger an unsichereren Arbeitsplätzen
und haben weniger Zeit für Ihre Kinder. Es ist für sie
schwieriger, die Lebenshaltungskosten zu bestreiten
und gleichzeitig für die Ausbildung ihrer Kinder zu
sparen. Es gibt mehr Alleinerziehende, mehr Familien,
in denen beide Eltern berufstätig sind, und immer mehr
Familien, die sich nicht einer starken, sie
unterstützenden Gemeinde zugehörig fühlen. Und die
Aufmerksamkeit unserer Kinder wird von immer mehr
Seiten beeinträchtigt.

Ein Schüler im ersten Jahr an der High School stellt
fest: "Mir gefällt Gewalt. Ich sehe gerne Gewalt. Es
gefällt mir wirklich, Zeuge von Gewalt zu sein, vor
allem bei Videospielen."
Warum kommen junge Amerikaner, die jahrelang auf
dem rechten Weg waren, vom Kurs ab und vergeuden
ihr Leben? Es gibt viele Gründe.
Teilweise sind es Armut und Mangel an Chancen Frühindikatoren für die künftige Gesundheit eines
Kindes und seine künftigen Lebenschancen in diesem
Land.
Teilweise sind es die gefährlichen Botschaften, die
unsere Kultur den jungen Menschen sendet,
beispielsweise: "Rauchen ist toll." "Marihuana ist
cool." "Jeder hat Sex." "Eine Waffe verschafft Dir
Respekt."
Teilweise ist es darauf zurückzuführen, daß wir eine
bessere Aufklärung brauchen und jede neue
Generation dazu anleiten müssen, ein gesundes
Leben zu führen. Damit dürfen wir nie aufhören.
Noch etwas anderes ist ebenfalls von entscheidender
Bedeutung.
Ich habe eine aus Teenagern
zusammengesetzte Beratungsgruppe - 17 junge
Menschen aus allen sozialen Schichten, mit denen ich
mich einmal monatlich treffe. Und ob wir über die
Verhinderung von Drogenkonsum oder Depressionen,
über Rauchen oder Sex reden - sie sagen alle
dasselbe.
Sie sagen, ihre Eltern seien bei weitem die
einflußreichsten Menschen in ihrem Leben.
Sie sagen, Eltern und Familien könnten das meiste zu

Kindererziehung wird folglich für Eltern immer
schwieriger - genau zu dem Zeitpunkt, an dem Kinder
ihre Eltern - und andere fürsorgliche Erwachsene mehr denn je brauchen.
Kein Wunder, daß so viele Eltern solche Angst haben.
Eine Mutter in einem Vorort von Virginia formulierte es
am besten: "Früher wollte ich, daß mein Sohn den
Nobelpreis bekommt. Heute will ich nur noch, daß er
überlebt."
Als Gesellschaft müssen wir im Schuiterschluß dieser
Mutter und allen Eltern helfen. Aus diesem Grund
haben wir eine neue Strategie für die öffentliche
Gesundheit Heranwachsender mit dem Namen
"sicheres Geleit" entwickelt.
"Sicheres Geleit" ist unser umfassender Ansatz zum
Umgang mit schwierigen Herausforderungen wie
Suchtstoffmißbrauch,
Tabakkonsum,
TeenagerSchwangerschaften, sexuell übertragbare Krankheiten,
Gewalt, Ernährung und Sport.
Es geht hierbei um partnerschaftliche Zusammenarbeit
mit der PTA und allen anderen Erwachsenen und
Institutionen, die im Leben Jugendlicher eine Rolle
spielen, um ihnen dabei zu helfen, unsere wertvollen
jungen Menschen durch die bisweilen felsigen Wasser
der Jugend zu geleiten.

ihrer Rettung unternehmen.

Und trotz der Aura der Unabhängigkeit, die Teenager
so gut vermitteln, erklären sie, die meisten jungen
Menschen brauchten und wünschten sich jeden Tag
Liebe, Aufmerksamkeit, Einbeziehung und tatsächlich
auch Strenge von Seiten ihrer Eltern.
Wir alle wissen, daß meine Teenager-Berater recht
haben: Die Familie ist die wichtigste Institution in
diesem Land, und dennoch haben wir uns zu einer
Gesellschaft entwickelt, in der schwierige Umstände
Mütter und Väter daran hindern, ihre Kinder so zu
erziehen, wie sie gerne möchten.

Seite 2

Das ist nicht der alte, von oben gelenkte, allzu
programmatische Ansatz der Bundesregierung zur
Lösung von Problemen.
Statt dessen definieren wir die staatliche Rolle klarer:
Sie soll unsere jeweiligen Partner zusammenhalten
und ihnen Befugnisse verleihen sowie Lücken füllen,
die ohne unsere kollektiven Bestrebungen ein
klaffendes Loch würden.
Was bedeutet "sicheres Geleit" also im einzelnen?
Es bedeutet die Verbesserung unserer Fähigkeit zur
Unterstützung umfassender Forschung in allen
Bereichen der Gesundheit
und
Entwicklung

AMERIKA DIENST 13

�Jugendlicher - von HIV-Infektion bis zu Gewalt und von
der Verhinderung von Teenager-Schwangerschaften
bis zum Verständnis der sich abzeichnenden
Bedürfnisse
besonders
anfälliger
Bevölkerungsgruppen.
Es bedeutet die Finanzierung wichtiger nationaler
Kampagnen zur Gesundheitsfürsorge in Bereichen wie
Rauchen, Verhinderung von Drogenkonsum, Sport
und Nahrungsmittelkennzeichnung - um Teenager und
ihre Eltern mit den für eine gesunde Lebensführung
entscheidenden Informationen zu versorgen.
Ich freue mich, heute eine neue nationale
Aufklärungskampagne der Öffentlichkeit bekanntgeben
zu können, mit der der zunehmende Konsum von
Marihuana unter Teenagern bekämpft werden soll, der
seit 1991 zu beobachten war.

das Rauchen aufzunehmen - im Namen der
öffentlichen Gesundheit und im Namen unserer Kinder.
Ich bin stolz darauf - und ich weiß, daß auch Sie stolz
darauf sind.
Insgesamt besteht unser Ziel darin, binnen sieben
Jahren den Zigarettenkonsum von Kindern und
Jugendlichen um die Hälfte zu reduzieren.
Und um das zu tun, hat der Präsident einige der
mutigsten Vorschläge im Bereich der öffentlichen
Gesundheit unterbreitet, die es je in diesem Land
gegeben hat.

Es ist an der Zeit für eine Bestandsaufnahme - und so
nennen wir diese neue Kampagne.

Um die Anziehungskraft des Rauchens für Kinder
einzuschränken, schlagen wir vor, ihnen den Zugang
zu Zigaretten zu erschweren, Zigarettenreklametafeln
mindestens 300 Meter entfernt von den Schulen
unserer Kinder anzubringen, den Malboro-Mann und
Joe Camel aus den Zeitschriften zu verbannen, die
von Millionen Kindern gelesen werden und den
Zigarettenunternehmen zu verbieten, als Sponsor von
Veranstaltungen
die
Anziehungskraft
ihres
Markennamens einzusetzen.

Von neuen öffentlichen Bekanntmachungen bis zu
neuen Unterrichtsmaterialien geht es bei dieser
Kampagne darum, den Eltern Informationen
zu
vermitteln und sie anzuregen, häufig und frühzeitig mit
ihren Kindern über Suchstoffmißbrauch zu sprechen.

Vom Küchentisch über die Fußballfelder bis zu den
Kinos müssen wir den Kindern die gegen das Rauchen
gerichtete Botschaft senden - dort, wo sie leben, wo
sie lernen und wo sie ihre Freizeit verbringen - in
Worten und Bildern, die sie verstehen.

Wir wollen ihnen behilflich sein, ihren Kindern zu
verdeutlichen, daß Drogen illegal, gefährlich und
schlecht sind.

Aus diesem Grund arbeiten wir mit der nationalen
Frauenfußballmannschaft zusammen und setzen
wichtige Bekanntmachungen ein, um Millionen von
Kindern eine deutliche Botschaft zu senden: Rauchen
und Fitness passen ebensowenig zusammen wie Öl
und Wasser.

Zu viele Teenager denken heute, Marihuana würde
nicht ihre Gesundheit oder ihr Leben ruinieren.

Wir wollen den Eltern behilflich sein, sich mit ihren
Kindern an den Küchentisch zu setzen und ihnen
klarzumachen, daß sie gegen deren Konsum von
Drogen, Alkohol oder Zigaretten sind.
Ein Schlüsselelement der Bestandsaufnahme ist die
Publikation Eine drogenfreie Jugend, die dank der
PTA Millionen von Familien erreicht, die Kinder im Alter
zwischen 7 und 13 Jahren haben.
Wenn Sie diese Broschüre aufschlagen, werden sie
keine tollen Statistiken und Graphiken finden. Sie
werden jedoch folgendes vorfinden: Praktische
Ratschläge und praktische Informationen, um Ihre
Kinder zu erreichen, bevor es der Suchtstoffmißbrauch
tut. Und mit Ihrer Hilfe wird es uns gelingen.
Die Bestrebung der Administration, die unsere
Strategie des "sicheren Geleits" vielleicht am
deutlichsten widerspiegelt, ist unsere Initiative "Kinder
und Rauchen", bei der es letztlich darum geht, den
Eltern die Befugnisse zurückzugeben.
Nie zuvor in der Geschichte hat ein Präsident den Mut
und die Überzeugung besessen, den Kampf gegen

AMERIKA DIENST 13

Aus diesem Grund treten wir an Führungskräfte der
Medien und der Unterhaltungsindustrie heran - und
stellen sie vor die Herausforderung, Charaktere zu
entwerfen, die in und cool genug sind, nicht zu
rauchen.
Und aus diesem Grund möchte ich Ihnen allen für die
Arbeit danken, die sie zusammen mit uns für das
Video-Aufklärungsprogramm "Stoppt den Verkauf verhindert die Sucht" geleistet haben.
Mit der Verteilung von Tausenden Videos für PTAVersammlungen im ganzen Land klären Sie die Eltern
und Lehrer über das Problem des Rauchens bei
Jugendlichen auf - und was sie tun können, um es zu
beheben.
Einige mögen sagen: "Können sich die Eltern nicht um
ihre Kinder kümmern?" Die Antwort lautet, natürlich
können sie. Das ist genau der Punkt, auf den unser
Vorschlag abzielt - sicherzustellen, daß die Kinder die
Informationen über das Rauchen von den Eltern und

Seite 3

�anderen fürsorgenden Erwachsenen erhalten - nicht
von Joe Camel.

Es gibt keine schwierigere, wichtigere und forderndere
Aufgabe als die Erziehung unserer Kinder.

Aus diesem Grund stehen wir den Eltern zur Seite und
sagen: "Ja, wir helfen Euch, Eure Kinder zu schützen."

Und es gibt kein besseres Sicherheitsnetz in diesem
Land als Eltern, die ihre Kinder lieben, leiten und
unterstützen.

Ja, wir werden unsere
Eigeninteressen stellen Zigarettenindustrie.

Interessen
nicht nur

vor
die

die
der

Wir sind ein sichereres Land wegen des BradyGesetzes über das Verbot von Handfeuerwaffen - und
der Präsident wird nicht zulassen, daß es abgeschafft
wird.
Wir sind ein gesünderes Land, weil wir unseren
Standpunkt behauptet und die historische Garantie von
Medicaid - Gesundheitsfürsorge für unsere anfälligsten
Kinder - durchgesetzt haben.
Und wir werden ein klügeres Land sein, wenn die
Eltern die Vorteile einer Vorrichtung zur Sichtung von
Fernsehsendungen
und
des
mit
der
Unterhaltungsindustrie ausgearbeiteten freiwilligen
Kontrollsystems nutzen können, um das Ausmaß an
Gewalt zu kontrollieren, dem unsere Kinder im
Fernsehen ausgesetzt sind.

Es mag einfach klingen - aber das gilt für die meisten
Dinge, die man mit gesundem Menschenverstand tut.
Die Eltern müssen die Zeit finden - sich die Zeit
nehmen - wirklich mit ihren Kindern zu sprechen, ihnen
bei den Hausaufgaben zu helfen und ihnen vom ersten
Tag an die Unterscheidung zwischen Gut und Böse
beizubringen.
Und wir brauchen Eltern, die ihren Kindern das
Vertrauen geben und ihren Charakter prägen, damit
sie die richtigen, die klugen - die gesunden Entscheidungen bezüglich des einzigen Lebens treffen
können, das sie je haben werden.
Wenn wir das tun, werden wir ein Ergebnis erzielen,
das
kein
anderes
Regierungsprogramm
je
hervorbrachte: Die Eltern werden ihre Stimme in
diesem Land weit über die Lautstärke von CDs, Filmen
und Fernsehsendungen erheben. Es sind die Eltern,
die gehört werden.

Aber die Regierung kann dies nicht alleine tun.
Wir alle müssen uns beteiligen - die Medien, Eltern,
Großeltern, ältere Geschwister, Ärzte und Lehrer,
Trainer, Berater und Kirchenvertreter, Angehörige des
öffentlichen Gesundheitswesens und Unternehmer.

Franklin D. Roosevelt hat einmal gesagt: "Wir können
nicht immer die Zukunft für unsere Jugend gestalten,
aber wir können immer unsere Jugend auf die Zukunft
vorbereiten."
Und genau das werden wir gemeinsam tun.

Offen gesagt, Sie müssen sich beteiligen.
Ich danke Ihnen.
Denn der richtige Weg zu Gesundheit und Hoffnung für
unsere Kinder muß immer an demselben Ort beginnen
und enden - bei den Eltern.

*

Seite 4

* * *

*

AMERIKA DIENST 13

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                    <text>s

I

Information
und
pT]!(ijn"iT7?r

i

United States Information Service

22

10. August 1977

INHALT

DOKUMENTATION
USA zur Vorneverteidigung in Deutschland verpflichtet
- Stellungnahmen des Weißen Hauses, des Außenministeriums und des
Verteidigungsministeriums
Sonderbotschaft Präsident Carters zum Drogenproblem
WIRTSCHAFT
Keine Nervosität wegen des Dollar
Von Dr. Walter W. Heller
HINTERGRUNDMATERIAL
AWACS: Das fliegende Frühwarn- und Fliegerleitsystem
- Verkauf an den Iran umstritten WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kontinuierliche Luft-Oberwachung mit Laser

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�I
I a

Dokumentation
United States Information Service

10. August 1977

22

USA ZUR VORNEVERTEIDIGUNG IN DEUTSCHLAND VERPFLICHTET
Stellungnahmen des Weißen Hauses, des Außenministeriums
und des Verteidigungsministeriums -

Washington - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind zu einer "Vorneverteidigung" Westeuropas verpflichtet, die auch den möglichen Einsatz von
taktischen und strategischen Kernwaffen vorsieht. Dieser Standpunkt wurde
am 3. August in Washington vom Weißen Haus, dem Außenministerium und von
Verteidigungsminister Harold Brown nachdrücklich bekräftigt.
Ausgelöst wurde diese Stellungnahme durch einen Artikel in der amerikanischen Zeitung "Herald Tribüne" vom 3. August 1977, in dem die Verfasser Evans und Novak behaupten, in einer strategischen Studie für den
Präsidenten (PRM-10) werde für den Verteidigungsfall der Verlust von einem
Drittel der Bundesrepublik Deutschland hingenommen.

Die amerikanische

Regierung, so die Verfasser des Artikels, wolle dann mit Hilfe des Drucks
der Weltöffentlichkeit, etwa der Vereinten Nationen oder anderer Organisationen, den Sowjetblock zur Aufgabe besetzten Territoriums bewegen.
"Der Gedanke,

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�«

"Der Gedanke, daß unsere Politik eine sowjetische Besetzung von NATOTerritorium dulden würde, ist schlicht und einfach falsch", so erklärte
der Sprecher des Weißen Hauses, Jody Powell.

Für eine Abschreckung vor

einem Angriff des Warschauer Paktes, so fuhr Powell fort, stütze sich
die amerikanische Regierung auf eine Doktrin der "flexiblen Antwort (flexibl
response) und der Vorneverteidigung, wozu konventionelle Waffen, Gefechtsfeldnuklearwaffen und strategische Nuklearwaffen sowie politische Optionen
gehören."
Auf entsprechende Fragen wies der Sprecher des Weißen Hauses darauf hin,
daß in Konsultation mit den westeuropäischen Verbündeten die"Vorneverteidigung Westeuropas" die Politik der Vereinigten Staaten sei.

Diese Poli-

tik, so versicherte er immer wieder, "ist insgesamt unverändert."
Die Regierung Carter, so betonte Powell, "hat sich verpflichtet, im
Zusammenwirken mit unseren Verbündeten die Kapazität aufrechtzuerhalten,
um jeden Angriff des Warschauer Paktes so rasch wie möglich aufhalten und
die Vorkriegsgrenzen wiederherstellen und damit das Territorium der
NATO aufrechterhalten zu können."
Die Streitkräfte der NATO hätten nach der Überzeugung der amerikanischen
Regierung die Fähigkeit, jedes bei einem ersten Angriff verlorene Gebiet
wiederzugewinnen. Powell wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß
Präsident Carter auf der Tagung des Nordatlantikrates auf Gipfel ebene in
London lang- und kurzfristige Vorschläge unterbreitet - und akzeptiert habe, um die Verteidigungsfähigkeit der NATO zu verbessern. Der Präsident
habe speziellen Nachdruck auf die Stärkung der konventionellen Streitkräfte
der NATO gelegt.
Besonders bohrende Fragen stellten Korrespondenten dem Sprecher des
Weißen Hauses im Zusammenhang mit dessen Formulierung "Wiederherstellung
der Grenzen", was so gedeutet werden könne, daß Washington bei einer
Invasion von Truppen des Warschauer Paktes mit Geländeverlusten rechne.

�rechne.

"Vom logischen Standpunkt", so erwiderte Powell, "bedeutet ein

Angriff auf kurze Sicht einen Geländeverlust,so laß also eine Notwendigkeit besteht, Boden wiederzugewinnen."

Wenn bei einem ersten Angriff

kein Gelände verloren gehe, dann habe seine Formulierung natürlich keine
Bedeutung.

Schon von der Definition her bedeute jedoch der Begriff

Invasion zumindest einen zeitweiligen Geländeverlust.

Die Frage sei

jedoch, ob die amerikanische Regierung eine "Pattsituation" akzeptieren
wolle, die dem Warschauer Pakt Gelände überlassen würde.

"Unsere Antwort

auf eine solche Situation wäre etwas anderes als Worte", so erklärte
Powell.
Der Stellvertretende Sprecher des amerikanischen Außenministeriums,
John Trattner, unterstrich ebenfalls, daß die "amerikanische Politik in
der Vorneverteidigung in ganz Westeuropa besteht." Ebenso wie der
Sprecher des Weißen Hauses hob Trattner hervor, daß sich an dieser seit
langem im Einvernehmen mit den NATO-Verbündeten ausgearbeiteten Politik
insgesamt nichts geändert habe.
Wie Trattner mitteilte, sind die von den Verfassern des Artikels in
der Herald Tribüne dem Sicherheitsberater Präsident Carters, Zbigniew
Brzezinski, zugeschriebenen Äußerungen "unvollständig, unrichtig und beziehen sich nur auf einen Aspekt der Gesamtverteidigungsstrategie, die
im Falle eines Angriffs auf Westeuropa angewandt würde."
Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown bezeichnete die
in dem Artikel dargelegte Verteidigungspolitik als "in völligem Gegensatz"
zu den amerikanischen Plänen stehend.

Er würde niemals einer Politik zu-

stimmen, "die von den Vereinigten Staaten verlangen würde, in Europa einen
Verlust oder eine Niederlage hinzunehmen."
Verteidigungsminister Brown gab vor dem Militärausschuß des amerikanischen Senats eine Stellungnahme ab, die wir in wesentlichen Auszügen
wiedergeben (inoffizielle Niederschrift mit geringfügigen Auslassungen, wo
- 3 -

�wo Worte akustisch unverständlich waren):
Senator Nunn: Herr Minister, ich habe in dieser Angelegenheit nichts
gehört oder gelesen bis in der Zeitung heute morgen... in dem Artikel von
Evans und Novak in der Presse heute morgen.

Ich möchte nicht von der

Annahme ausgehen, daß das seine Richtigkeit habe.

Aber es steht so

diametral und so völlig im Gegensatz zu Ihrer Erklärung, daß ich glaube,
Ihnen einige Fragen dazu stellen zu müssen.

Und ich möchte zitieren.

Und das ist ein Zitat aus dem Artikel, in dem Brzezinski wie folgt
zitiert wird: "Es ist unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen
nicht möglich, in den Vereinigten Staaten eine Unterstützung für die Beschaffung der konventionellen Streitkräfte zu erhalten, die notwendig
wären, um zu gewährleisten, daß die NATO die territoriale Integrität
aufrechterhalten könnte, wenn die Abschreckung versagen sollte.

Wir sollten

deshalb zu einer Strategie des 'Patt' übergehen, das heißt zu einer
Strategie des Zurückfallens, in der die Sowjets der Situation ausgesetzt
wären, sich den politischen Folgen ihrer Aggression stellen zu müssen."
Entspricht dies der Politik der Administration und des Verteidigungsministeriums hinsichtlich der konventionellen Verteidigungsposition der
NATO?
Brown:

Wie Sie bereits angedeutet haben, Herr Vorsitzender, ist dieser

Artikel weder richtig,noch stehen irgendwelche der Zitate im richtigen
Zusammenhang.

Das ist nicht die Politik der Administration.

die Politik des Verteidigungsministeriums.

Es ist nicht

Es ist völlig unvereinbar mit

unseren Plänen, wie sie in unserem Budget und in unseren Erörterungen mit
unseren NATO-Verbündeten zum Ausdruck kommen, die dahin gehen, die Beschaffung von militärischem Gerät für die NATO zu erhöhen, unsere Streitkräfte neu zu gliedern, unsere Fähigkeit zur Vorneverteidigung zu verbessern.

Die Strategie bleibt eine Strategie der Vorneverteidigung.

Die

Frage, was die Unterstützung des Kongresses oder der Parlamente anderer
Länder finden wird, bleibt abzuwarten.

Ich bin bisher über die Reaktionen

unseres Kongresses ermutigt.
Senator Nunn:

�Senator Nunn: ...Ich möchte nochmal aus dem Artikel zitieren, in dem
Brzezinski wie folgt zitiert wird: "Wir sind uns darüber einig, daß es
eine Lücke geben muß zwischen unserer erklärten Strategie und unseren tatsächlichen Fähigkeiten.
nicht bekanntgeben."

Wir können aus politischen Gründen unsere Strategie

Entspricht das Ihrem Verständnis von der Politik

der Administration?
Brown:

Ich habe erklärt, was unsere Strategie ist.

Was unsere Fähig-

keiten anbetrifft, so hängen sie davon ab, wie weit wir in der Lage

sind,

militärisches Gerät zu beschaffen, das darauf abzielt, daß wir unsere
Strategie ausfüllen können.
Senator Nunn: Senator Bartlett und ich haben darauf hingewiesen, daß
zwischen unserer Strategie in der NATO und unseren derzeitigen Fähigkeiten
zur Zeit eine Lücke besteht und daß diese Lücke schon seit einiger Zeit vorhanden ist. Das aber ist etwas ganz anderes, als wenn man sagt, daß wir
eine Politik verfolgen, die diese Lücke beibehält. Und ich darf wohl annehmen, daß Sie dieser Erklärung nicht zustimmen, wenn Sie sagen, daß
Ihre Erklärung dazu in diametralem Gegensatz steht. Ist das eine richtige
Annahme?
Brown:

Das ist sie in der Tat, und ich bin der Meinung, daß sich unsere

Politik voll in unserem Haushaltsvo»anschlag für den Kongreß und unserer
militärischen

Planung in der NATO widerspiegelt.

Senator Nunn:

Ich werde Ihnen ein anderes Zitat aus diesem speziellen

Artikel vorlesen ... (unhörbar) ... "Diese vier Optionen sind gemäß PRM-10
nicht 'geplant', um einen 'entschlossenen konventionellen Angriff des Warschauer Paktes zu stoppen

Wenn die Sowjets an ihrem Angriff festhalten,

ist eine konventionelle Niederlage der amerikanischen und der NATO-Streitkräfte in Mitteleuropa wahrscheinlich.'
nicht leichtfertig verworfen.

Doch werden diese Optionen gewiß

'Viele der nachteiligen politischen

Implikationen' der reduzierten Verteidigungsoptionen (wie beispielsweise eine
- 5 -

�eine unabhängige deutsche Wiederaufrüstung oder - umgekehrt - eine
europäische Anpassung an Moskau) 'könnten wahrscheinlich vermieden werden,
wenn die Vereinigten Staaten weiterhin die derzeitige Strategie öffentlich unterstützten.

Nachteilige Raktionen von Seiten Westeuropas

'könnten erheblich gedämpft werden....wenn die Vereinigten Staaten jede
Art von Erklärungen vermeiden würde, die einen Verlust von NATO-Territorium als akzeptabel erscheinen ließe.'" Gemäß dem Gewicht, das dies
hat, meine ich, daß wir die Frage stellen müssen

ist die Zielrichtung

dieser Serie allgemeiner Erklärungen und Zitate korrekt,insofern sie
für die Administration repräsentativ ist?
Brown:

Herr Vorsitzender, ich finde diese Passage noch schleier-

hafter und verwirrender... und nicht wegen der Art,wie Sie sie verlesen
haben, möchte ich hinzufügen... (Gelächter).
Senator Nunn:
Brown:

Nun, wenn man es als Zitat hat, ist es wichtig...

Sicherlich, ich meine aber, daß es sehr schwer ist zu sagen,

welche Zielrichtung das hat.

Die Verbündeten und wir einigen uns darüber,

welches unsere Strategie sein soll.

Für mich wäre es sehr schwer zu

sagen, daß im Falle eines massiven sowjetischen Angriffs... die Streitkräfte der NATO in der Lage wären, ihren Kampf gänzlich auf der anderen
Seite des Eisernen Vorhangs zu führen.
wenn das der Fall sein sollte.

Ich wäre vielmehr überrascht,

Natürlich besteht keinerlei Absicht zu

einer Aggression., (unhörbar)... keine Verwirrung deswegen.

Wir planen,

zur Führung eines harten konventionellen Krieges imstande zu sein.

Den

Ausgang des Krieges kann jedoch, wie ich meine, niemand voraussagen.
Und ich möchte sagen - wie ich es auch schon früher gesagt habe - daß im
Falle eines massiven Angriffs des Warschauer Pakts auf die NATO, es eine
sehr große... daß die Sowjets mit sehr großer Wahrscheinlichkeit mit der
Möglichkeit rechnen müßten, daß es zu einer Eskalation des Krieges kommt
und er in einem Nuklearkrieg endet... (unhörbar)
Senator Byrd:
- 6 -

�Senator Byrd:

Der Evans und Novak Artikel... würden Sie sagen, daß

er völlig oder daß er nur zum Teil unrichtig ist?
Brown:

In ihm werden einige Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates

richtig beim Namen genannt.

Er enthält falsche Daten, falsche Themen,

falsche Erklärungen... Ich bin jedoch sicher, daß einige Worte darin
richtig sind...
Senator Nunn: ... Das andere, was mich beunruhigt, ist die Tatsache,
daß es eine undichte Stelle im Nationalen Sicherheitsrat geben könnte...
(unhörbar)... Das hat tiefgreifende Auswirkungen... (unhörbar)... daß es
Leute gibt, die Zitate, wie diese, in Umlauf bringen, das ist, so scheint
mir, eine sehr ernste Angelegenheit für unsere nationale Sicherheit.
Brown:

Herr Vorsitzender, sicher hat es eine undichte Stelle gegeben.

Die Tatsache, daß das, was da herausgelangte, die Politik nicht richtig
widerspiegelt, macht es nur umso schlimmer.

Die undichte Stelle wird

darum um nichts weniger... (unhörbar).
Senator Helms: ... (unhörbar)... im Verlauf der Jahre... (unhörbar)...
wurden Presseberichte dementiert, um dann später bestätigt zu werden.
Ich hoffe, daß das diesmal nicht der Fall ist.
Brown: Ich habe keine allgemeinen Erklärungen abgegeben, Senator Helms,
aber es gab in der Tat zu diesem Thema zu den angegebenen Daten keine
Besprechungen. Es sind da einige offensichtliche Unrichtigkeiten
Senator Helms:
waren die Daten?

Das wäre meine erste Frage, Herr Minister, welches

Brown:

�Brown:

Die Daten für diese Besprechungen waren der 7. und 8. Juli...

und tatsächlich gingen die Besprechungen weit über die NATO hinaus...
(unhörbar)... ich glaube, es mag noch eine Besprechung am 11. Juli stattgefunden haben.

Eine Organisation wie den Senior Coordinating Council

gibt es nicht, die Anfangsbuchstaben sind richtig aber die Bezeichnung
ist falsch

(unhörbar)...

Senator Helms: Wissen Sie es wirklich als eine Tatsache, Herr Minister,
daß Brzezinski diese Erklärungen in der Tat nicht abgegeben hat?...
(unhörbar)...
Brown:

Ich habe über solche Besprechungen keine ins Einzelne gehende

Aufzeichnungen.

Daß die Themen zur Sprache kamen, erörtert wurden, das

habe ich, glaube ich, schon gesagt
Frage...(unhörbar)
Falls diese Politik
breitet würde, würden Sie sie dann ablehnen?
Brown:

dem Präsidenten unter-

Ich würde eine Politik nicht befürworten und auch nicht

unterstützen, die von den Vereinigten Staaten fordert, einen Verlust oder
eine Niederlage in Europa hinzunehmen.
Frage: So stimmen Sie mit den Implikationen der Erklärung von Senator
Nunn überein
? Ist das richtig?
Brown:

Ich glaube, es wäre erbärmlich.... Ich glaube, daß eine

Täuschung nicht nur eine erbärmliche Politik wäre, sondern, auch unannehmbar als eine Form der Regierungsführung.

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- 8-

(Ende der Auszüge)

�Dokumentation
United States Information Service

10. August 1977

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SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT CARTERS ZUM DROGENPROBLEM

Washington - (AD) - In einer Sonderbotschaft, die dem amerikanischen
Kongreß am 2. August 1977 zugeleitet wurde, zieht Präsident Carter eine
erste Bilanz der Ergebnisse im Kampf der Vereinigten ctaaten gegen Drogenmißbrauch und internationalen Rauschgifthandel seit seiner Amtsübernahme.
Der Präsident hebt das besondere Engagement seiner Regierung hervor, den
Drogenmißbrauch und die damit zusammenhängenden sozialen, wirtschaftlichen
und gesundheitlichen Probleme anzugehen und alles zu tun, damit die
Produktion von Rauschmitteln eingedämmt wird. Diplomatischen Initiativen
Amerikas in Mexiko, Burma, Thailand und neuderdings auch in Kolumbien
ist eine erhebliche Beschränkung des illegalen Drogenhandels zu verdanken.
Als eine Folge davon gibt es z. B. in vielen amerikanischen Städten kein
reines Heroin mehr; der Heroin-Gehalt der angebotenen Drogen beträgt nur
noch 4,9 Prozent.
Für Drogen, die wie Heroin oder Kokain außerhalb der USA aus Pflanzen
gewonnen werden, stellen laut Präsident Carter die auf diplomatischem Wege
erzielten Vereinbarungen über die Kontrolle von Anbau und Handel den
Schlüssel zu einer erfolgreichen Strategie dar.

Unter diesem Aspekt sind

jetzt einzelne Bundesbehörden wie Außenministerium, Bundesamt für Inter-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Internationale Entwicklung (AID), Nachrichtendienst und alle Verbindungsstellen zu internationalen Organisationen gehalten, noch wirksamere Maßnahmen in die Wege zu leiten und bestimmten Prioritäten und Richtlinien
zu folgen.

Der amerikanische Kongreß wird ersucht, Gesetze zu verab-

schieden, die die Verwirklichung der internationalen Konvention über
psychotrope Substanzen ermöglichen.

Durch die Ratifizierung des Vertrages

durch den amerikanischen Senat würden die internationalen Kontrollen über
die Herstellung von Präparaten verbessert, die in der Medizin ihren berechtigten Platz haben, bei mißbräuchlicher Verwendung jedoch viel Schaden anrichten können.
Nachfolgend Auszüge aus der Sonderbotschaft Präsident Carters:
"Drogenmißbrauch ist nach wie vor ein ernstes soziales Problem in
Amerika.

Hunderttausende von Menschen leiden unter ihrer Drogenabhängigkeit.

Vielerorts lebt man wegen der durch Rauschgift verursachten Kriminalität
noch immer gefährlich, und die immensen Profite, die der illegale Drogenhandel bringt, verhelfen dem organisierten Verbrechertum zu noch mehr Macht
und Einfluß. Unter jungen Amerikanern im Alter von 18 bis 24 Jahren sind
Drogen die vierthäufigste Todesursache. ...Die Kosten des Drogenmißbrauchs
in Amerika werden auf mehr als 15 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt.
Unter einigen Minderheitengruppen sind Rauschgiftsucht und die dadurch
verursachten Schäden unverhältnismäßig hoch.
Von Drogenabhängigkeit, die in den letzten Jahren als ein speziell
amerikanisches Problem betrachtet wurde, sind heute Menschen in aller Welt
betroffen. Es darf nicht länger unsere Hauptsorge sein, illegale Drogen
von den Vereinigten Staaten fernzuhalten, sondern wir müssen gemeinsam mit
anderen Nationen dieses weltweite Problem angehen, indem wir Drogenhändler
bekämpfen und unser Wissen und unsere Hilfsquellen mit den anderen teilen,
um Drogenabhängigkeit überall dort, wo sie auftritt, behandeln zu helfen.
Wir müssen realistische Ziele setzen, indem wir in unserem Lande jenen
Drogen die größte Aufmerksamkeit widmen, die die Gesundheit und unsere Mög- 2 -

�Möglichkeiten zur Eindämmung von Verbrechen am stärksten bedrohen. Da
Heroin, Barbiturate und andere Präparate mit sedativer oder hypnotischer
Wirkung für 90 Prozent der Todesfälle durch Drogenmißbrauch verantwortlich
sind, müssen wir uns mit ihnen in erster Linie befassen.
Mein Ziel ist es, in Amerika von Drogenmißbrauch jeglicher Form abzuschrecken - ebenso vom übermäßigen Alkohol- und Tabakgenuß - und den
Schaden auf ein Mindestmaß zu reduzieren, den der Mißbrauch von Drogen
verursacht. Um diese Ziele mit den verfügbaren Hilfsmitteln zu erreichen,
bedarf es wirksamer Maßnahmen und wirksamer Führung. Da die Anstrengungen
seitens der Bundesregierung derzeit auf mehr als 20 verschiedene, teilweise
miteinander konkurrierende Behörden verteilt sind, habe ich meinen Stab
angewiesen, Maßnahmen des Bundes zu koordinieren und eine umfassende
nationale Politik auszuarbeiten. Damit wird auch der seit langem bestehenden
Zersplitterung unserer internationalen Programme, der Unterschiede im
Rechtsvollzug auf dem Drogengebiet sowie in der Behandlung und Rehabilitation,
in der Vorbeugung und bei den über den Verordnungsweg durchgeführten Maßnahmen ein Ende gemacht. Ich werde mich auch in allen Fragen der gegen
den Drogenmißbrauch einzuschlagenden Politik, für die erneut ein Aktionsrat für Drogenmißbrauch zuständig sein soll, von Mitgliedern des Kabinetts
und Leitern wichtiger unabhängiger Behörden beraten lassen und mich um ihre
aktive Mitarbeit bemühen. Mein Stab wird die Funktionen der verschiedenen,
auf diesem Gebiet tätigen Behörden prüfen und mir Empfehlungen zu jedweden
geeigneten organisatorischen Veränderungen vorlegen.
Internationale Zusammenarbeit
Bei gewissen Drogen, die von außerhalb der Vereinigten Staaten angelegten
Pflanzenkulturen stammen, insbesondere bei Heroin und Kokain, sind diplomatische Vereinbarungen gegen Anbau und Handel unerläßlich. Die Türkei einst praktisch die einzige Quelle für das in die USA verbrachte Heroin ist heute als Folge einer solchen Vereinbarung vom illegalen Markt verschwunden. Die enormen Profite, die mit dem illegalen Rauschgifthandel er- 3 -

�erzielt werden, verzerren die Wirtschaft in vielen der kleineren Länder,
verschlimmern die Inflation und schmälern die Steuereinnahmen.

Sie

sind auch eine Wurzel der Korruption und nagen an politischer Stabilität.
Wir müssen eng mit anderen Regierungen zusammenarbeiten, um diese in ihren
Anstrengungen zu unterstützen, dem Anbau von Drogenpflanzen ein Ende zu
machen, und der in bitterer Armut lebenden bäuerlichen Bevölkerung, die
seit Generationen solche Stoffe wie Opium produzierte und verkaufte,
legitime andere Einkommensquellen zu erschließen.
Wir haben in den letzten paar Monaten bemerkenswerte Fortschritte erzielt.

Im Februar erörterte ich mit Präsident Lopez-Portillo von Mexiko

meine tiefe Besorgnis über den illegalen Anbau von Opiumpflanzen in seinem
Lande.

Unter seiner starken Führung wurde das Vernichtungsprogramm intensi-

viert und zeitigt jetzt dramatische Ergebnisse, wodurch die Heroinangebote
in vielen amerikanischen Städten stark zurückgeganger sind. Auch Präsident
Ne Win von Burma und Ministerpräsident Thanin von Thailand haben eine feste
Entschlossenheit gezeigt, den Anbau von Drogenpflanzen in ihrem Lande und
den Rauschgifthandel zu kontrollieren. Und in jüngster Zeit erhielt ich von
Präsident Lopez-Michelsen von Kolumbien bindende Zusagen, daß er beabsichtige, dem Problem des Rauschgifthandels höchste Priorität einzuräumen.
Wir sind dabei, eine Kommission aus Regierungsbeamten beider Länder zu
bilden, die intensivierte Bemühungen koordinieren soll, um mit den einflußreicheren internationalen Händlerringen für Kokain und Marihuana in unseren
beiden Ländern und mit den verheerenden wirtschaftlichen Folgen dieses
Handels fertig zu werden.
Dank dieser Anstrengungen und der Maßnahmen des US-Bundesamtes für
Drcgenüberwachung (Drug Enforcement Administration - DEA) ging in unserem
Lande während der letzten sechs Monate der Reinheitsgrad von Heroin euf
4,9 Prozent zurück - das ist der niedrigste Stand seit vier Jahren.
Aber wir können noch mehr tun:
1.
- 4 -

Ich weise

�1.

Ich weise den Außenminister an, das internationale Rauschmittel-

Kontrollprogramm mit noch mehr Nachdruck zu verfolgen und gegenüber anderen
Regierunnen erneut unseren festen Wunsch zu betonen, Produktion und Handel
mit illegalen Drogen zu beschneiden.
2. Um dies zu erreichen, weise ich den Administrator des US-Bundesamtes für Internationale Entwicklung (AID) an, in seine Entwicklungsprogramme
für Länder, in denen Drogenpflanzen illegal angebaut werden, Maßnahmen einzubeziehen, mit denen solche Kulturen durch die Arlage anderer Bepflanzungen
ersetzt und neue Einkommensquellen erschlossen werden. Ich erwarte vom
Außenminister, daß er weiterhin mit anderen Behörden und Ministerien,
beispielsweise mit dem Bundesamt für Drogenüberwachung, der Bundeszollbehörde, dem US-LanrS/irtschaftsministerium und dem Nationalen Institut für
Drogenmißbrauch Verbindung hält, um unter Einsatz der speziellen Sachkenntnisse der jeweiligen Benörde das internationale Kontrollprogramm für Suchtstoffe zu unterstützen.
3.

Ich gebe den Angehörigen des Nachrichtendienstes Anweisung, auf

die Sammlung und Analyse von Informationen, die mit dem internationalen
Rauschgifthandel in Zusammenhang stehen, besonderen Wert zu legen.
4. Ich setze mich besonders ein für die Unterstützung der Arbeit des
UN-Fonds zur Kontrolle von Drogenmißbrauch (UNFDAC), der UN-Sichtstoffkommission, des internationalen Gremiums für Suchtstoffkontrolle, der
Weltgesundheitsorganisation sowie anderer Institutionen, die innerhalb der
Vereinten Nationen tätig sind und deren Anstrengungen unterstützen, drogenproduzierenden Länder zu anderen Anbauprodukten zu verhelfen, Maßnahmen zur
Drogenkontrolle zu verbessern und Behandlungsmöglichkeiten zu schaffen.
5.

Die Vertreter der Vereinigten Staaten in den Kreditausschüssen der

Regionalen Entwicklungsbanken und anderen internationalen Finanzinstitutionen
weise ich an, ihre Stimme und ihren Einfluß geltend zu machen, um in
Ländern, die heute gefährliche Drogen produzieren, gut geplante Projekte zur
- 5 -

�zur Landentwicklung und zur Schaffung neuer Einkommensquellen in die Wege
zu leiten und sicherzustellen, daß die Hilfe nicht dazu benutzt wird,
den Anbau von Kulturen wie Schlafmohn und Kokasträuchern zu fördern.
6.

Wegen der Notwendigkeit der Verbesserung der internationalen

Kontrollen über gefährliche Drogen mit legitimer medizinischer Verwendung,
beispielsweise bei Barbituraten und Amphetaminen, richte ich den dringenden
Appell an den Kongreß, Gesetze zur Inkraftsetzung der Konvention über
psychotrope Substanzen zu verabschieden, und ich appelliere dringend an
den Senat, diesen Vertrag umgehend zu ratifizieren.
7.

In meinen Kontakten mit ausländischen Staatsmännern werde ich die

internationale Zusammenarbeit u n t r den Vollzugsbehörden zur Rauschgiftbekämpfung besonders hervorheben, damit Informationen und technische Möglichkeiten allen zugute kommen können.

Ich werde sie ermutigen, Vollzugsbeamte

zu entsenden, damit diese mit uns zusammenarbeiten, um das Durchschleusen
von Rauschgift durch andere Länder zu stoppen.

Diese Art der Zusammenarbeit

hat in Bangkok zwischen französischen, deutschen, britischen, niederländischen, amerikanischen und thailändischen Beamten bereits begonnen.
Ich werde außerdem den internationalen Austausch von Kenntnissen und
Sachverstand in der Behandlung des Komplexes nrogenmißbrauch fördern. Wir
werden besondere Anstrengungen unternehmen, um vor allem mit jenen Nationen,
die schwerwiegende Drogenprobleme haben und mit uns im Bemühen um die
Kontrolle der Rauschgiftquellen und die Verhinderung des Drogenmißbrauchs
zusammenarbeiten, unsere Erfahrungen austauschen. Unser Programm wird
Ausbildungs-, Forschungs- und technische Hilfsprojekte umfassen; zu
letzteren zählt auch die Entsendung amerikanischer Experten als Berater.
Vollzug
Wir müssen energisch unsere Gesetze gegen den Drogenhandel bzw. die
Drogenhändler zur Anwendung bringen, damit die Verlockung großer Profite
- 6 -

�Profite geringer wird als das Risiko des Gefaßtwerdens und der Wahrscheinlichkeit der Verurteilung. Aufgabe der Bundesregierung ist es, von
illegalem Import und dem Handel im großen Stil mit kontrollierten Substanzen abzuschrecken und nach Möglichkeit überhaupt zu verhindern.
Häufig kommen Großfinanziers des illegalen Drogenhandels mit den Drogen
selbst gar nicht in Berührung.

Durch die gemeinsamen Anstrengungen der

verschiedenen, mit diesem Aufgabenkomplex befaßten Behörden werden wir die
Finanzquellen dieser Händler aufs Korn nehmen, aus denen sie die Gelder
beziehen, mit denen das Einschmuggeln von Rauschgift in ein Land unterstützt wird.

Drogenhändler müssen begreifen, daß sie schnelle, sichere

und ernste Bestrafung riskieren. Und unsere Justiz und der Rechstvollzug
müssen entsprechende Mittel an der Hand haben, damit dies keine leere
Drohung bleibt, sondern sich als eine höchst reale Gefahr erweist.
Wir müssen unsere Hilfsquellen klug einsetze, notfalls das StrafSystem
ändern, um uns auf die gefährlichsten Aktionen (und Drogen) zu konzentrieren,
und wir müssen das Justizwesen verbessern.
Marihuana
Marihuana ist weiterhin ein emotionales und kontroverses Problem.

Nach

vier Jahrzehnten haben Bemühungen, seine Anwendung durch strenge Gesetze
zu entmutigen, noch immer keinen Erfolg zu verzeichnen. Mehr als
45 Millionen Amerikaner haben irgendwann einmal Marihuana probiert, und
schätzungsweise 11 Millionen nehmen es regelmäßig.
Strafen für den Besitz einer Droge sollten für den einzelnen nicht
zerstörender sein als die Gefahr, die sich aus dem Genuß der Droge ergibt.
Sofern sie aber schlimmer sind, sollte man sie ändern.

Nirgends kommt

dies deutlicher zum Ausdruck als in den Gesetzen gegen den privaten Besitz
von Marihuana, das für den persönlichen Gebrauch bestimmt ist. Wir können
und sollten auch weiterhin den Gebrauch von Marihuana entmutigen.

Aber

dies kann in einer Weise geschehen, die den Haschischraucher nicht als_
- 7 -

�als Kriminellen brandmarkt.

Bundesstaaten wie Oregon und Kalifornien,

die den Gebrauch von Marihuana nicht mehr strafrechtlich verfolgen, haben
keinen bemerkenswerten Anstieg des Haschischrauchens zu verzeichnen.
Schon vor fünf Jahren kam die Nationale Kommission für Marihuana und
Drogenmißbrauch zu dem Schluß, daß Marihuana entkriminalisiert werden
sollte.

Und ich glaube, es ist an der Zeit, diesen grundlegenden Empfeh-

lungen zu folgen.
Deshalb unterstütze ich Abänderungsanträge für Bundesgesetze, mit denen
für den Besitz von Marihuana bis zu einer Unze (28 Gramm) die strafrechtliche Verfolgung nach Bundesrecht aufgehoben wird.
sierung bedeutet keine Legalisierung.

Diese Entkriminali-

Sie bedeutet nur, daß die Strafen

nach Bundesrecht auf den Besitz reduziert würden und die betreffende Person
nur mit einer Geldbuße anstatt mit einer Strafe nach dem Kriminal recht
belegt würde. Für den Handel mit Marihuana würde jedoch das Bundesstrafrecht in Kraft bleiben; den einzelnen Bundesstaaten stünde es frei, bei
der Behandlung von Marihuana-Rauchern jeweils die Gesetze anzuwenden, die
sie für richtig halten.

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Wirt/chcift
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10. August 1977

KEINE NERVOSITÄT WEGEN DES DOLLAR
von Dr. Walter W. Heller

Dr. Walter Heller, Professor für
Wirtschaftswissenschaft an der Universität von Minnesota, war Vorsitzender der
Haushaltsarbeitsgruppe der Organisation
für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD), Mitglied des
Ausschusses für Internationale Wä'hrungsangelegenheiten des amerikanischen
Finanzministeriums, Präsident der amerikanischen Gesellschaft für Wirtschaftswissenschaft und Berater der Vereinten
Nationen.

Von 1961 bis 1964 war er

Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des
amerikanischen Präsidenten unter den
Präsidenten Kennedy und Johnson.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des "Wall Street Journal"
Copyright (c) 1977, Dow Jones and Company, Inc., alle Rechte vorbehalten
Es ist

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�Es ist heute große Mode, die Hände zu ringen und Schreckensrufe wegen
des "zusammenbrechenden Dollar" und des "gewaltigen amerikanischen Handelsdefizits" auszustoßen.

Ist das angebracht?

Und was sollten wir in dieser

Sache tun - oder nicht tun?
Ende Juli war der Dollar gegenüber seinem Höchststand im Januar (im
Vergleich zu den Währungen unserer zehn wichtigsten Handelspartner) um
fast drei Prozent gefallen.

Zwei Drittel dieses Verlustes traten im Juli

auf.
Bevor man zu dem Schluß kommt, daß dies die "Integritvt des Dollar"
gefährde, sollte man doch folgende Überlegungen anstellen:
- Der Dollar ist heute stärker als vor einem Jahr.
- Er ging von seinem Höchststand im Jahre 1977 hauptsächlich wegen
eines zehnprozentigen Anstiegs des Yen und eines vierprozentigen Anstiegs
der Deutschen Mark gegenüber dem Dollar zurück. Aber das war genau das
richtige. Es wird dazu beitragen, die gewaltigen Handelsüberschüsse abzubauen, die Japan und die Bundesrepublik Deutschland weiterhin zu verzeichnen haben.
- Der leichte Rückgang des Dollarwertes war keineswegs das Ergebnis
einer großen Bärenhatz beunruhigter privater Händler, sondern eine direkte
Reaktion auf die Einladung von Finanzminister Michael Blumenthal, den Yen
und die DM vor allem gegen den Dollar floaten zu lassen.
- Es besteht kein Anlaß zu glauben, daß die Abwärtsbewegung des Dollar
sich sehr weit fortsetzen würde oder daß irgend etwas in der Art einer
früheren "Währungskrise" bevorstehe.
- Obwohl

- 2 -

�- Obwohl die Schwächung des Dollar einen unangenehmen Beigeschmack hat,
so steht auf der anderen Seite der Medaille eine "Stärkung unserer Handelsposition".

Je weniger Yen, DM, Franken usw. man braucht, um einen Dollar

zu kaufen, desto billiger werden amerikanische Exporte für ausländische
Käufer.

Die daraus resultierende Aufwärtsbewegung der Exporte gibt unserer

Handelsbilanz und unserem Bruttosozialprodukt einen gewissen Aufschwung.
Da ein Dollar jetzt etwas weniger Yen, DM usw. kaufen kann, werden die
Importe ein wenig teurer.

Auch das hilft unserer Handelsbilanz.

Es

trägt auch ein bißchen zur Inflation bei, und jedes kleine bißchen tut weh.
Aber per saldo wird der leichte Abfall im Wert des Dollar der amerikanischen
Wirtschaft mehr nützen als schaden.
Aber wie sieht es mit der Auswirkung im Ausland aus?

Wird nicht der

Wertanstieg der DM und des Yen die Expansion der deutschen und der japanischen
Wirtschaft verlangsamen, indem die Exportnachfrage nach ihren Erzeugnissen
verringert wird?

D-\a. Antwort ist, Ja, aber nur wenn diese beiden Länder

keine ausgleichenden Schritte unternehmen - durch eine etwas expansivere
Fiskal- und Währungspolitik - um die Lücke auszufüllen.

Aha, wird man

sagen, dann exportieren wir also die Inflation in diese Länder?

Keineswegs!

Ihr Wiederaufschwung hängt so weit hinter den Erwartungen zurück, daß
sie beide einen großen Rückstand auf ihren Arbeits- und Produktionsmärkten
haben.

Die Organisation r ür "nrtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

(OECD) hat sich in ihrem Mittjahresbericht an die Mitgliedstaaten außer
den Vereinigten Staaten gewandt und die nachhinkenden Länder aufgefordert,
fiskalische und währungspolitische Anreize zu benutzen, um ihren "bescheidenen
und zögernden Wiederaufschwung" zu verstärken, und ihnen erklärt, daß
dies "ohne eine Verschlimmerung der Aussichten für die Inflation" getan
werden könne.
Das deutet auf eine vernünftige Doppel Strategie vor allem für die Bundesrepublik Deutschland und Japan hin: Erstens höhere Bewertung ihrer Währungen,
- 3 -

�Währungen, um ihre gewaltigen Überschüsse durch eine Erhöhung der Importpreise im Verhältnis zu den Exportpreisen abzubauen, und zweitens,
flankierende Maßnahmen zur Steigerung der Nachfrage im eigenen Lande, um
die höheren Importkosten aufzufangen und die Binnenproduktion zu steigern.
Aber wird die Erosion des Dollar nicht die OPEC-Potentaten in Versuchung führen, ihre "Kaufkraft" durch eine Erhöhung der öl preise zu
erhalten?

Vielleicht.

Aber es scheint doch ein wenig weit hergeholt

zu glauben, daß ein geringfügiges Nachgeben des Dollar, das dessen Wert
noch immer über dem vor einem Jahr erhält, ein entscheidender Grund - ja
selbst eine plausible Entschuldigung - für eine solche Maßnahme wäre.
Aber wie sieht es mit usnerer sich verschlechternden Handelsbilanz aus?
Hat der Londoner Economist recht, wenn er behauptet, daß "die frühere
Haltung der Carter-Administration, ihr Handelsdefizit einfach zu ignorieren,
richtig ist"?

Die Zahlen sind groß genug, daß man Bedenken bekommt.

Unser Warenhandelsdefizit im ersten Halbjahr 1977 belief sich auf einer
Jahresrate von 25 Milliarden Dollar, ein gewaltiger und unerwarteter Umschwung von einem Überschuß von 11 Milliarden Dollar im Jahre 1975 und
einem Defizit von sechs Milliarden Dollar im Jahre 1976.
Die übrige Welt begrüßt unser großes Handelsdefizit. Unsere rasch
ansteigenden Importe tragen dazu bei, ihren verzögerten Wirtschaftsaufschwung anzuheizen. Und wer könnte besser den Löwenanteil an dem internationalen Defizit tragen, das irgend jemand verkraften muß, - um den
jährlichen Überschuß der OPEC von 35 Milliarden Dollar auszugleichen, als
die Vereinigten Staaten - die stärkste Volkswirtschaft und der größte ölverbraucher der Welt.
Auf der binnenwirtschaftlichen Seite sind drei relevante Tatsachen
recht tröstlich:
- Erstens,

- 4 -

�- Erstens, es wird uns nicht schwerfallen das Defizit zu finanzieren.
Etwa zwei Fünftel davon werden durch Erträge aus unseren Auslandsinvestitionen und anderen Dienstleistungen abgedeckt.

Und solange die ameri-

kanische Wirtschaft stark und wettbewerbsfähig bleibt, wird der Rest des
Defizits auf laufenden Konten von vielleicht 15 Milliarden Dollar ohne
weiteres durch den Zustrom von ausländischen Investitionen finanziert, die
in Amerika eine sichere Anlage und gesunde Erträge suchen.
- Zweitens, wenn wir unsere Erdölimporte abziehen - die sich im ersten
Halbjahr 1977 auf eine Rate von 38 Milliarden Dollar beliefen - dann
könnten wir in diesem Zeitraum einen Handelsüberschuß mit einer Jahresrate
von 13 Milliarden Dollar aufweisen.
- Drittens, wenn der wirtschaftliche Aufschwung in den Vereinigten
Staaten nicht mit dem anderer Industriestaaten "außer Tritt" wäre, dann
würde ein Großteil unseres Handelsdefizits verschwinden. Hier ist tatsächlich der Fall eingetreten, daß "alle den falschen Tritt haben, außer
uns". Weil ihr Wiederaufschwung hinter dem unsrigen - und hinter ihren
eigenen Zielsetzungen auf der Londoner Gipfelkonferenz - zurückhängt,
kaufen andere Länder weniger von uns, als sie sollten, während wir in
einem raschen Tempo Importe von ihnen aufnehmen.
Während diese Überlegungen verdeutlichen, daß kein Anlaß besteht, irgendeinen Alarmknopf zu drücken, so liegt doch auf der Hand, daß wir unseren
Anteil an der Arbeit zu leisten haben.
Erstens und vordringlich müssen wir ein hartes Energieprogramm in
Gang bekommen, um den Energieverbrauch einzudämmen, die Produktion im
eigenen Lande anzukurbeln und unser Oldefizit abzubauen.

Solange wir das

nicht tun, wird unser extravaganter Ölverbrauch unser verwundbarster
Punkt in den Beziehungenzu unseren Handelspartnern bleiben.
Zweitens,

�Zweitens, wir müssen sie weiterhin an ihrem verwundbarsten Punkt,
nämlich dem stagnierenden Wiederaufschwung packen.

Um den Wiederauf-

schwung wieder in die Harmonie zu bekommen, dürfen wir, das hat die Erfahrung gezeigt, nicht unseren eigenen verlangsamen, sondern sie müssen
den ihrigen beschleunigen.

Nicht daß wir unseren Anteil an dem Zahlungs-

bilanzdefizit abschütteln sollten, den die Welt tragen muß, um den Überschuß der OPEC auf laufenden Konten in diesem Jahr von insgesamt
40 Milliarden Dollar auszugleichen, aber andere müssen anfangen, ihren
eigenen fairen Anteil zu tragen.
Das soll nicht heißen, daß der Teil unseres Handelsproblems, der
nichts mit öl zu tun hat, einfach als zyklisches Phänomen abgetan werden
könnte.

Unsere Nichtbrennstoff-Importe sind in den letzten zwei Jahren

real um 50 Prozent hochgeschnellt.

Dagegen stagnieren die Exporte

amerikanischer Hersteller seit über einem Jahr.
Es ist richtig, daß die amerikanischen Einfuhren sich traditionell
auf Verbrauchsgüter konzentrieren,und der Wiederaufschwung hat den
Verbrauch stark in die Höhe getrieben. Und da amerikanische Exporte sich
auf Kapitalgüter konzentrieren, ist es auch nicht überraschend, daß sie
unter der doppelten Dosis des langsamen Wachstums im Ausland und einer
weltweiten Stagnation in der Kapitalbildung leiden. Und so hat in der
Tat der Wirtschaftsbeirat (des Präsidenten) in seinen Aussagen vor dem
Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses Anfang Juli dargelegt, daß
mit Ausnahme von zwei außergewöhnlich hohen Quartalen im Jahre 1975 der
amerikanische Anteil am Weltexport von Fertigwaren "in den letzten drei
oder vier Jahren in etwa konstant geblieben ist".
Aber das Handelsministerium, das das Handelsdefizit regional und nach
Warengattungen genauer untersucht und das protektionistisehen Forderungen,
die aus spezifischen Importsteigerungen erwachsen, direkter ausgesetzt ist,
äußert sich etwas beunruhigter. Trotz klarer Hinweise, daß amerikanische
Löhne und Arbeitskosten in den letzten zehn oder zwölf Jahren weniger rasch
- 6 -

�rasch gestiegen sind

als die aller unserer großen Handelspartner, haben

sich einige Vertreter des Handelsministeriums laut Sorgen gemacht, daß
sich unser wachsendes Handelsdefizit in einem gewissen Verlust an
Wettbewerbsfähigkeit ausdrücken und protektionistische Gefühle stärken
könnte.
Das führt uns zu dem dritten großen Gebiet der Reaktion der amerikanischen
Politik auf Dollarschwäche und Handelsdefizite, nämlich die verdoppelten Anstrengungen, um die amerikanische Wirtschaft wettbewerbsfähig, expandierend
und offen zu erhalten. Das zeigt zusätzliche Maßnahmen der Wirtschaftspolitik auf, die wir tun dürfen und die wir nicht tun dürfen.
Wir dürfen nicht protektionistisch werden. Das würde nur die Kosten
und Preise im eigenen Lande in die Höhe treiben, zur Vergeltung im Ausland
einladen und die ganze Weltwirtschaft weniger leistungsfähig machen.
Wir dürfen nicht die Zinssätze in die Höhe treiben. Knapperes Geld
und höhere Zinssätze wären genau die falsche Reaktion auf unser Handelsdefizit und einen schwächeren Dollar. Es würde die Kapital ausgaben abschrekken, die uns helfen, die Kosten zu senken, die Produktivität zu steigern und
die Kapazität auszuweiten - all das, was unsere Außenhandelsposition stärkt.
Es würde die Expansion in den USA verlangsamen und damit die Attraktivität
für ausländische Investoren verringern. Und es würde andere Länder in die
Versuchung führen, ihre Zinssätze ebenfalls zu erhöhen. Ganz sicher brauchen
wir die unsrigen nicht in die Höhe zu treiben, um ausländisches Kapital
anzuziehen. Die amerikanische Wirtschaft als die sicherste und stärkste
wirtschaftliche Bastion der Welt zieht große Mengen ausländischer Mittel
in Bankkonten, Wertpapiermärkten und Immobilien an.
Wir müssen kostensenkende und kapazitätsausweitende Investitionen sowohl durch Steuerreform als auch durch monetär-fiskalische Maßnahmen stimulieren, die ein anhaltendes Wachstum und eine anhaltende Nachfrage gewährleisten, um die wachsende Produktion aufzunehmen.
- 7 -

Wie der Mittjahres-

�Mitjahresbericht der OECD aufzeigt, werden expansive fiskalisch-monetäre
Maßnahmen dazu beitragen, "einen Anreiz für kapital ausweitende Investitionen
zu bieten" und auch einen stärkeren Wiederaufschwung herbeiführen und
dabei mithelfen, die Arbeitskosten pro Einheit im Griff zu halten und die
Gewinnspannen zu erhöhen.
Wir müssen die Kosten-Preis-Inflation aggressiver bekämpfen.

Das

erfordert solche Maßnahmen wie Deregulierung, das Aufspüren von Engpässen,
den Aufbau von Ausgleichsvorräten, die Offenhaltung der Wirtschaft für
die belebende Brise der ausländischen Konkurrenz und eine sorgfältige
Bereinigung der eigenen inflationären Untaten und Vergehen der Regierung.
Aber darüber hinaus muß das Weiße Haus effektivere Wege suchen, um das Big
Business und Big Labor (die großen Gewerkschaften) von dem Lohn-PreisKarussill herunterzubekommen, das einen fünf- bis sechsprozentigen Unterbau
unter die amerikanische Inflationsrate schafft.

Ein schärferer Angriff

auf die Inflation von der Kosten- und Angebotsseite ist nicht nur für die
binnenwirtschaftlichen Ziele unseres Landes von lebenswichtiger Bedeutung,
sondern auch für seine internationalen wirtschaftlichen Ziele.
Zusammengefaßt steht es uns schlecht an, unsere kühle Haltung zu verlieren oder eine wohlwollende Selbstzufriedenheit zu praktizieren.
Sicherlich wäre es absolut unpassend, in einem Lande, das in dem wirtschaftlichen Wiederaufschwung der Welt führt und zu den führenden Ländern
bei der Bekämpfung der Inflation gehört, einem Land, das 11 Milliarden Dollar
im Jahr aus seinen Auslandsinvestitionen erlöst und gleichzeitig Oberschußmittel und nervöses Kapital aus allen Ecken der Welt anzieht, jetzt das
große Zittern um den Dollar und das Handelsdefizit zu bekommen und völlig
törichte protektionistische Maßnahmen zu ergreifen oder die Expansion auf
Kosten unserer Handelspartner einzudämmen.
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�10. August 1977

22

AWACS: DAS FLIEGENDE FRÜHWARN- UND FLIEGERLEITSYSTEM
- Verkauf an den Iran umstritten -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Kongreß und die Carter-Administration sind sich nicht einig über den Verkauf eines hochmodernen und -komplizierten Radarwarn- und Kontroll Systems an den Iran. Im Mittelpunkt dieser
Kontroverse steht AWACS: das fliegende Fr'ühwarn- und Fliegerleitsystem der
amerikanischen Luftstreitkräfte, das mit modernsten Radargeräten und Computern
ausgerüstet ist und Kampfziele von anderen Objekten zu trennen vermag, die
häufig auf den herkömmlichen Radarschirmen Verwirrung stiften. Neben dem Iran
erwägt auch die NATO die Anschaffung von etwa 20 AWACS, die zusammen mit der
britischen NIMROD ein effektives NATO-Frühwarnsystem bieten sollen.
Was ist nun AWACS?
Das Kernstück dieses Systems ist die E-3A, eine modifizierte Boeing 707,
die mit einer 10 Meter großen rotierenden Radarscheibe auf dem Flugzeugrumpf
versehen und mit zahlreichen komplizierten überwachungs-, Navigations- und
Datenverarbeitungsgeräten ausgerüstet ist.

Um diese Extrabelastung tragen zu

können, wurde die Maschine mit besonderen Strahltriebwerken ausgestattet., Nach

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�Nach den Angaben der amerikanischen Luftstreitkräfte besitzt sie aufgrund
ihrer Ausrüstung die Fähigkeit, "in niedrigen Höhen operierende gegnerische
Kräfte über jedem Terrain aufzuspüren und zu verfolgen und gleichzeitig befreundete Maschinen, die im selben Raum operieren, genau zu identifizieren."
Durch ihre große Beweglichkeit könne die E-3A bei militärischen Aktionen der
unterschiedlichsten Intensität eingesetzt werden.

In Friedenszeiten, so er-

klärten die US-Luftstreitkräfte weiter, könne AWACS eine entscheidende Rolle
bei der Aufrechterhaltung einer echten Abschreckung spielen, indem gegnerische
Flugzeuge und notfalls auch die Bewegung von Überwasserschiffen überwacht werden können.

Gleichzeitig werde die Ausbildung der eigenen taktischen und

Luftverteidigungsstreitkräfte gefördert.
Der Verkauf dieses Systems an den Iran ist nun im amerikanischen Kongreß
auf wachsenden Widerstand gestoßen, der in erster Linie von den Mitgliedern
ausgeht, die sich Sorge um die nationale Sicherheit sowie über die Rolle des
Kongresses in der Außenpolitik machen.
Die Regierung des Iran entschied sich für das fliegende Frühwarn- und
Fliegerleitsystem (AWACS) für den Ausbau des iranischen Verteidigungspotentials,
nachdem eine entsprechende Studie ergeben hatte, daß der Aufbau eines BodenRadarsystems zu kostspielig sein würde.
Seit Jahren hatte die iranische Regierung mit technischer Unterstützung
durch die USA an einem Plan für ein nationales Frühwarn- und Leitsystem gearbeitet, der sich auf ein ausgedehntes Netz von weitreichenden Boden-Radarstationen stützte. Um eine Radarüberwachung des gesamten Landes zu gewährleisten,
wäre dazu die Errichtung von hochgelegenen Radarstationen in unbewohnten und
praktisch unzugänglichen Gebieten des Iran notwendig gewesen.
Der Nachteil eines solchen Systems bestand nach einer vom amerikanischen
Außenministerium veröffentlichten Studie darin, daß sich aufgrund des zerklüfteten Berggeländes und der ungewöhnlichen Temperaturschwankungen im Gebiet
- 2 -

�Gebiet des persischen Golfes ernsthafte Stör- und Ablenkungsprobleme für
die Radarstrahlen ergaben.
Bei diesen Ablenkungen handelt es sich um eine durch bergiges Gelände
verursachte Streuung der Radarstrahlen und um die thermischen Effekte der
Luftströmungen im persischen Golf, die ebenfalls eine Verzerrung der Radarsignale bewirken«
Außer den ungewöhnlich hohen Kosten ergaben sich für das Boden-Radarsystem noch erhebliche technische Probleme und Schwierigkeiten für die Logistik.
Faktisch wären die Gesamtkosten nach Schätzungen der Regierung des Iran
durch die notwendige Erschließung der kaum bevölkerten Gebiete und den Bau
von Verbindungswegen zu den einzelnen Radarstationen für die zehnjährige
Entwicklungs- und Bauperiode mit mehr als 15 Milliarden Dollar anzusetzen
gewesen.
Ein weiterer erschwerender Faktor für die Durchführung des Projekts
war die Notwendigkeit, eine große Zahl ausgebildetes Personal verfügbar zu
machen - etwa 6500 an Radarstationen ausgebildete Techniker und mehr als
20 000 Mann ohne eigentliche technische Ausbildung wären notwendig gewesen
- wozu noch das Bodenpersonal der amerikanischen Kontraktfirmen gekommen
wäre.
Aus diesen Erwägungen steuerte die iranische Regierung ein kostenwirksameres Konzept für die Luftverteidigung des Landes an, das eine Kombination
von Boden-Radarstationen - die auch für die Leitung des Luftverkehrs notwendig sind - und von E-3A-Boeing-Flugzeugen - das fliegende Frühwarn- und
Fliegerleitsystem (AWACS) - darstellen würde. Dieses würde den für die
Luftverteidigung gestellten Ansprüchen gewachsen sein. Nach Auffassung des
amerikanischen Verteidigungsministeriums würden etwa 9 AWACS im Zusammenwirken mit etwa 20 Radar-Bodenstationen des derzeitigen Typs den im Iran ge- 3 -

�gestellten Anforderungen genügen.
Der Iran ersuchten daraufhin Präsident Ford um die Lieferung von 10
AWACS.

Die Entscheidung über dieses Ersuchen blieb bis zum Amtsantritt

Präsident Carters offen.

Die Administration Carters billigte dann den Ver-

kauf von sieben AWACS-Systemen, eine Zahl, die nach Ansicht des amerikanischen Außenministeriums gerade ausreichend wäre, um eine Reduzierung des
Bodenradarnetzes zu ermöglichen und dennoch ein wirksames Luftverteidigungssystem aufzubauen, das eine ausreichende Vorwarnzeit gewährleisten würde.
Die Kosten für die 7 AWACS mit Ersatzteilen und Wartungsdienst belaufen sich nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums auf 1,2 Milliarden Dollar. Mit den dazugehörigen Radar-Bodenstationen und der Einrichtung
von 10 - 20 weiteren Radaranlagen würde sich das kombinierte Luftkontrollund Verteidigungssystem auf etwa 3 Milliarden Dollar belaufen. Bei diesem
Projekt ließe sich der Personal aufwand auf 3000 technische Spezialisten und
knapp 7000 Mann zusätzliches Personal reduzieren.
Der Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA), Admiral
Stansfield Turner, meldete jedoch Bedenken an

und wies auf die Risiken hin,

die entstehen könnten, wenn die an den Iran angrenzende Sowjetunion in den
Besitz der elektronischen Ausrüstung von AWACS gelangte..
Ein Ausschuß des Repräsentantenhauses befürwortete dann mit knapper Mehrheit eine Resolution, die den Verkauf des Frühwarnsystems blockiert hätte.
Präsident Carter vermied daraufhin eine Konfrontation mit dem Kongreß,

indem

er seinen Vorschlag für den Verkauf von AWACS an den Iran bis zum September
hinausschob.

Nach Mitteilung der amerikanischen Regierung will Präsident

Carter seinen Vorschlag - allerdings mit gewissen Änderungen und Auflagen für
den Iran - dem Kongreß gleich nach der Sommerpause erneut unterbreiten.

+ + + + +

- 4 -

�1

Wi/zen/chaft
und Technik

I

United States Information Service

10. August 1977

22

KONTINUIERLICHE LUFT-OBERWACHUNG MIT LASER

- (AD) - Chemiker am Massachusetts Institute of Technology (MIT)
in Boston haben ein zuverlässiges Verfahren zur kontinuierlichen Überwachung von Luftverunreinigung entwickelt, das selbst extrem niedrige
Konzentrationen erfaßt. Das neue System LOLA (Abkürzung für "Long Path
Laser Absorption" - Langstrecken-Laserabsorption) eignet sich besonders
gut für die Beobachtung der Ansammlung toxischer Substanzen in hermetisch
abgeschlossenen Räumen, beispielsweise in einem U-Boot oder in einem Raumschiff, sowie zur Registrierung von Schadstoff-Konzentrationen in Werkshallen oder auch in der nächsten Umgebung von Industriebetrieben. Es
meldet Verunreinigungen bereits bei Konzentrationen, die weit unter den
Werten liegen, die vom Ausschuß für Toxikologie der amerikanischen
Nationalen Akademie der Wissenschaften und vom Nationalen Forschungsrat
als gesundheitsschädlich ermittelt wurden.
Das System LOLA arbeitet nach folgendem Prinzip: Von einem geeigneten
Laser, beispielsweise einem Kohlendioxid-Laser, wird ein Lichtstrahl über
eine 10 m lange Strecke geschickt.

Bei jeder der 52 Irequenzen, die

der Laser erzeugen kann, wird sorgfältig gemessen, wieviel Lichtenergie
entlang des Weges durch die Luft absorbiert wurde.

Zusammen mit den be-

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�bekannten Absorptionsmerkmalen des Schmutzstoffes ergeben die Meßwerte
den jeweiligen Wert für dessen Konzentration.
LOLA hat eine Reihe wichtiger Vorteile gegenüber anderen Verfahren
der Luftüberwachung.

Es ist empfindlich, zuverlässig und schnell, und

die Ausrüstung hat nur wenig Gewicht.

Alle 5 bis 10 Minuten können ganz

Gruppen von Verunreinigungsstoffen durchgemessen werden, und Angaben über
bestimmte Verunreinigungen sind sogar zweimal pro Minute zu erzielen.
Wissenschaftler des MIT messen mit diesem Verfahren z. B. die Konzentrationen
von Vinylchlorid, für das, da es Krebs verursachen kann, der Ausschuß für
Toxikologie extrem niedrige Maximalkonzentration festgesetzt hat.

Bei der

Erprobung des LOLA-Verfahrens in Industriebetrieben zeigte sich, daß in
Werkshallen die Absorptionsstrecke auf 100 m verlängert werden kann, ohne daß
die Empfindlichkeit beeinträchtigt wird, um das Vorhandensein von Vinylchlorid in Konzentrationen auch unterhalb der Gefahrenschwelle anzuzeigen.
Luftverunreinigungen in U-Booten oder Raumschiffen können z. B. als Folge
biologischer Prozesse oder auch dadurch verursacht werden, daß durch
irgendwelche undichten Stellen an Leitungen oder Tanks Flüssigkeiten
aussickern und daß in Feststoffen gebundene Gase langsam freigesetzt
werden. Manche dieser Substanzen schaden normalerweise überhaupt nicht,
können aber in höherer Konzentration gefährlich werden. Ein Beispiel:
Bei dem 84-Tage-Flug der letzten SKYLAB-Gruppe, der im Februar 1974 zu Ende
ging, hatten sich im Holzkohlefilter an Bord 80 verschiedene Substanzen aus
der Kabinenluft angesammelt. Aber es gab während des Fluges keinerlei
Hinweise auf ihre Konzentration. Die Astronauten wären nicht gewarnt worden,
wenn ihnen die eine oder andere Substanz wegen Überschreitung eines "Schwellenwertes" gefährlich geworden wäre.

+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA zur Vorneverteidigung in Deutschland verpflichtet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stellungnahmen des Weißen Hauses, des Außenministeriums und des Verteidigungsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Carters zum Drogenproblem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Keine Nervosität wegen des Dollar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Dr. Walter W. Heller&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AWACS: Das fliegende Frühwarn- und Fliegerleitsystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verkauf an den Iran umstritten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kontinuierliche Luft-Überwachung mit Laser</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
10. August 1983

32
INHALT
DOKUMENTATION
Shultz:

Vereinigte Staaten streben "dauerhaften Frieden" in

Mittelamerika an
- Erklärung des US-Außenministers vor Senatsausschuß Burt:

Fortschritte im Ost-West-Verhä'ltnis, aber kein Durchbruch

- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs im Kongreß Unterstaatssekretär Abrams zur Situation der Menschenrechte in
Mittelamerika
- Aussage vor Kongreßausschüssen INFORMATION
Sondertarife im Flugverkehr sollen deutsch-amerikanischen
Jugendaustausch fördern
HINTERGRUNDMATERIAL
Internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft
- Politisches Klima für amerikanisch-sowjetische Beziehungen
nach wie vor bedeutsam Erläuterungen zu Zöllen und Quoten für Spezialstähle in den USA
- Nicht alle Wünsche der US-Stahlindustrie erfüllt WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CHALLENGER-Start verschoben
Meeresweichtiere als Modell für Herzfunktionen
- Energiestoffwechsel ohne Sauerstoff -

Um Über/endung uon
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

lo. August 1983

32

SHULTZ: VEREINIGTE STAATEN STREBEN "DAUERHAFTEN FRIEDEN" IN
MITTELAMERIKA AN
- Erklärung des US-Außenministers vor Senatsausschuß -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
erklärte am 4. August 1983 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats,
die Vereinigten Staaten seien auch weiterhin bestrebt, in Mittelamerika
"eine größere Krise zu verhindern und einen dauerhaften Frieden herbeizuführen."
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit, mit Ihnen die Entwicklungen in Mittelamerika zu besprechen.
Unsere Politik hinsichtlich Mittelamerikas ist genau so, wie sie
der Präsident am 27. April auf einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses
der Nation vorgelegt hat. An jenem Abend nannte er unsere Zielsetzungen:
Eine größere Krise zu verhindern und einen dauerhaften Frieden herbeizuführen.

Um dies zu erreichen, nannte der Präsident vier Tätigkeitsbereiche,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�vier Tätigkeitsbereiche, denen wir uns verpflichtet haben:

Unterstützung

der Demokratie, der Reform und der Menschenrechte; Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung; Unterstützung von Dialog und Verhandlungen zwischen den Ländern der Region und innerhalb eines jeden Landes; schließlich
Unterstützung für die Sicherheit der bedrohten Nationen dieser Region als
Schild für Demokratisierung, Entwicklung und Diplomatie.
Jeder seither unternommene Schritt steht in Einklang mit dieser umfassenden Strategie.

Lassen Sie mich jedes dieser Elemente so zusammenfas-

sen, wie es sich derzeit darbietet und in welcher Beziehung es zu den anderen sowie zum Ganzen steht.
Zuvor lassen Sie mich sagen, daß ein entscheidender Aspekt der Erklärung des Präsidenten vom 27. April seine Bitte um eine

überparteiliche

Unterstützung gegenüber der zunehmenden Bedeutung Mittelamerikas war.

Mit

dem Rat und mit der Unterstützung vieler Mitglieder des Kongresses hat der
Präsident nunmehr eine überparteiliche Nationale Kommission für Mittelamerika eingesetzt, die von Henry Kissinger geleitet wird.

Man hat in Amerika

angefangen, zu begreifen, daß wir unserer eigenen Nachbarschaft mehr Aufmerksamkeit widmen müssen.

Seit langem schon bedarf es einer Anstrengung,

in die Zukunft zu schauen - und dies in einem überparteilichen Geist zu
tun.

Ich hoffe, daß jedermann der Kommission so viel Beistand wie möglich

zuteil werden läßt, wenn sie mit ihrer Arbeit beginnt.
Heute jedoch möchte ich über die jetzige Stoßrichtung unserer vierteiligen Politik sprechen.
•

Erstens, und dies gehört an erste Stelle:
kratie, Reform und Menschenrechten.

Unterstützung von Demo-

Was wir anstreben, ist ein Mittelamerika, das mehr Costa Rica als
Kuba ähnlich ist. Wir streben eine echte Demokratie an - keine totalitäre
Scharade, sondern Achtung der Menschenrechte und der Herrschaft des Rechts,

- 2 -

�des Rechts, keine Unterdrückung, sondern Regierungen, die sich dem Wohlergehen ihres eigenen Volkes verpflichtet fühlen.
Im vorigen Jahr waren wir bewundernd Zeuge von Costa Ricas in so
typischer Weise begeisternden und doch peinlich korrekten Wahlen.

Heute

arbeiten wir mit der Regierung Costa Ricas zusammen, mit seinem angesehenen
Obersten Wahltribunal und mit seinem neuen regionalen Zentrum für Wahlhilfe,
durch das andere Länder Hilfe dabei bekommen sollen, ihre Wahlsysteme zu
verbessern.
1981 und 1982 haben wir den Übergang zur Demokratie in Honduras unterstützt.

Heute ist die Verteidigung der konstitutionellen demokratischen

Ordnung ein Hauptziel.
En El Salvador war die Wahl für eine Verfassungsgebende Versammlung
im vergangenen März ein eindrucksvoller Erfolg, der zeigte, daß sich Demokratie sogar angesichts von Guerilla-Gewalt entwickeln kann.
Um bei den nächsten salvadorianischen Wahlen Hilfestellung zu leisten,
kamen im Mai zwei prominente Wahlexperten nach El Salvador, begleitet von
Beamten des Außenministeriums und von Mitarbeitern des Amtes für Internationale Entwicklung (AID).

Wir haben nunmehr ein Projekt entwickelt, um tech-

nische Hilfe und internationale Beobachter einzubringen, durch die die bevorstehenden Wahlen unterstützt werden sollen.

Es ist unser Ziel, dem sal-

vadorianischen Volk dabei zu helfen, auf dem Erfolg vom März 1982 aufzubauen - und dies nicht nur für dieses eine nächste Mal, sondern für viele
Male in der Zukunft.
Wir sind außerdem dabei, El Salvador beim Wiederaufbau der so tragisch unzulänglichen Strafgerichtsbarkeit zu helfen.

Der Besuch des Justiz-

ministers im April unterstrich die Bedeutung, die wir der Rechtsreform bei
der Entwicklung einer funktionsfähigen Demokratie beimessen.

Rechtsexper-

ten einer ganzen Reihe amerikanischer Behörden werden nachfolgen - und haben
- 3 -

�und haben bereits Honduras, Costa Rica

wie auch El Salvador besucht.

Zudem führt auf meine Anregung hin Richter Harold G. Tyler eine Überprüfung aller uns zur Verfügung stehenden Materialien durch, die die Ermordung von vier amerikanischen Nonnen im Jahr 1980 in El Salvador

betreffen;

er wird diejenigen weiteren Maßnahmen vorschlagen, die wir zu treffen haben werden, um die strafrechtliche Verfolgung jener zu fördern, die für
dieses Verbrechen verantwortlich sind.
Demokratie ist im größten Teil Mittelamerikas nicht die historische
Norm - und ihr Aufbau wird nicht leicht sein. Aber die Amnestie in El
Salvador, die terminliche Festlegung der Wahlen für eine Verfassungsgebende Versammlung in Guatemala, das pulsierende Leben der Demokratie in Costa
Rica und Honduras - all dies sind Hinweise des Fortschritts in Mittelamerika.
Was in Mittelamerika geschieht, wird des weiteren durch die Demokratie-Initiative des Präsidenten gefördert,werden. Wir haben mit Konsultationen begonnen - überparteilich, hier im Land wie im Ausland -, um Unterstützung für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den politischen Parteien und anderen Gruppen zu schaffen, die der Demokratie verpflichtet sind.
Zweitens, Wirtschaftliche Entwicklung:
Zwischen 1960 und 1979 hatten die Nationen Mittelamerikas ein hohes
Pro-Kopf-Wachstum.

Aber erhöhte Erwartungen stießen sich an politischen

Institutionen, die überaltert waren und nicht mehr auf diese Erwartungen
reagieren konnten; dann brachte die wirtschaftliche Drosselung zusätzlichen
Konflikt und weitere Instabilität.

In den letzten Jahren haben die fallen-

den Preise für Export-Rohstoffe, steigende Preise der Importe,die Strategie
des "Herrschens oder Zerstörens" der Guerilla in El Salvador und die wachsende Unsicherheit, die durch Nicaraguas Politik verursacht wurde, eine akute Wirtschaftskrise geschaffen, die die Verletzbarkeit der Region gegenüber
kommunistischen Strategien nur noch verstärkt hat.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten haben auf diese ursächlichen wirtschaftlichen
Probleme großzügig und einfallsreich reagiert.

Ein großer Teil der 610

Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe, die in diesem Haushaltsjahr für Mittelamerika im Budget ausgewiesen sind, konzentriert sich auf Stabilisierungsanstrengungen, um harte Devisen für die entscheidenden Importe bereitzustellen, damit Produktion und Beschäftigung aufrechterhalten werden. Mit dem
übrigen Geld unterstützt das Amt für Internationale Entwicklung (AID) etwa
120 einzelne Entwicklungsprojekte.
nennen:

Um nur einen kritischen Bereich zu

Bei der Agrarreform in El Salvador hat unsere Hilfe dazu beige-

tragen, daß das Programm über 500 000 Personen - oder rund jedem zehnten
Salvadorianer - geholfen hat. Andere AID-Projekte sollen die nördlichen
Gebiete Costa Ricas entwickeln, die Forstwirtschaft und Viehzucht von Honduras
verbessern und Guatemalas Hochland-Indianern helfen.

In der ganzen Region

ist die amerikanische Wirtschaftshilfe dreimal höher als unsere militärische
Hilfe.
Schließlich haben wir intensiv mit anderen Staaten und mit Ihnen im
Kongreß zusammengearbeitet, um bei der Unterstützung der wirtschaftlichen
Entwicklung eine neue Methode zu erarbeiten - die Initiative für das Karibische Becken (IKB).

Die IKB bietet für 12 Jahre Freihandelsgarantien

und Anreize für Investitionen in Mittelamerika und in der Karibik an.
Sie wird ein machtvolles, langfristiges Instrument für die Entwicklung
und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze sein.

Der Kongreß hat das Ge-

setz gerade vor einigen Tagen verabschiedet; der Präsident wird es in
Kürze unterzeichnen.

Die IKB ist ein gutes Beispiel überparteilicher Zu-

sammenarbeit im nationalen Interesse.

Ich bin zuversichtlich, daß ihr Bei-

trag sich als dauerhaft erweisen wird.
Drittens, Dialog und Verhandlungen:
Unsere Politik ist so angelegt, daß sie bei der Entwicklung politischer Lösungen für Mittelamerikas nationale und regionale Probleme behilflich ist.

In Nicaragua reagierte das neue Sandinisten-Regime nicht auf
- 5 -

�nicht auf die amerikanischen Anstrengungen zu einem "konstruktiven Engagement".

Daraufhin waren wir bemüht, unsere Meinungsverschiedenheiten

per Dialog zu bereinigen.

Und als die bilateralen Versuche 1981 und 1982

sich als fruchtlos erwiesen, nahmen wir an dem multilateralen Friedensprozeß teil, der vergangenen Oktober in San Jose begonnen wurde.

Dieses Jahr

haben wir von Anfang an die Anstrengungen Kolumbiens, Mexikos, Panamas und
Venezuelas - der CONTADORA-Gruppe - unterstützt.

Diese Unterstützung

dauert auch heute noch an.
In El Salvador haben wir beständig und systematisch versucht, die
Versöhnung zwischen jenen innerhalb der Guerilla und ihren Anhängern zu
erleichtern, die gegebenen^]Is len Willen zeigen würden, in ehrlichen
Wahlen zu prüfen, welchen Anklang sie finden. Wir unterstützen derzeit
aktiv die Anstrengungen der Friedenskommission von El Salvador, einen
Dialog mit der Demokratisch-Revolutionären Front (FDR) - dem politischen
Arm der Guerilla - zu beginnen, um die sichere Teilnahme aller Parteien
an dem demokratischen Prozeß zu gewährleisten.
Seit seiner Ernennung durch den Präsidenten im vergangenen April
hat Ihr früherer Kollege - der jetzt meiner ist - Dick Stone hart gearbeitet, um zu einem Dialog innerhalb El Salvadors und in der Region insgesamt anzuregen.

Er hat sich wiederholt mit Führern aller im CONTADORA-

Prozeß involvierten Länder getroffen, einschließlich Nicaraguanern.
Vergangenes Wochenende hatte Botschafter Stone - mit Hilfe Präsident
Betancours von Kolumbien - einen ersten Kontakt zu politischen Repräsentanten der salvadorianischen Guerilleros.

Wir hoffen, daß es zu weiteren

Kontakten kommen wird und daß sie einen direkten und detaillierten Dialog
zwischen der Guerilla und der salvadorianischen Friedenskommission erleichtern werden.
Lassen Sie mich gleichzeitig betonen, daß es wichtige Bereiche der
Übereinstimmung zwischen der Erklärung der CONTADORA-Präsidenten vom 17.
Juli in Cancun und den Grundsätzen gibt, denen sich die Vereinigten Staaten
- 6 -

�Vereinigten Staaten letzten Herbst in der Schlußakte von San Jose verschrieben haben.

Der regionale Dialog - wenn er auch noch immer schwie-

rig ist - beginnt allmählich, die entscheidenden Bedingungen für Demokratie und Frieden klarzulegen.
Und viertens, militärische Hilfe und Zusammenarbeit:
Wir streben einen Sicherheitsschild an - nicht als einen Nutzen an
sich, sondern um den notwendigen Schutz für die politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Ziele zu bieten, die ich eben beschrieben habe.
Die militärischen Komponenten der Politik des Präsidenten sind sorgfältig kalkuliert, um eben dies zu tun.

Dabei geht es um zweierlei Akti-

vitäten - einmal um Aktivitäten, um anderen dabei zu helfen, sich selbst
zu verteidigen; dann um Aktivitäten, um unsere eigene Abschreckungskapazität zu unterstreichen.
Militärische Hilfe gründet sich auf die offenkundigen Erfordernisse
eines jeden Landes entsprechend der Bedrohung der Sicherheit des betreffenden Landes. Die Forderungen der Administration für das Haushaltsjahr 1984
sind die folgenden: Für Belize 500 000 Dollar sowie 100 000 Dollar für
Ausbildung; für Costa Rica 2 Millionen Dollar sowie 150 000 Dollar für Ausbildung; für El Salvador 55 Millionen Dollar sowie 1,3 Millionen Dollar für
Ausbildung plus 30 Millionen Dollar Warenkredite; für Guatemala 250 000
Dollar für Ausbildung und 10 Millionen Dollar Kredite; für Honduras 40 Millionen Dollar sowie eine Million Dollar für Ausbildung.
Unsere Bereitschaft und Abschreckungskapazität werden durch die gemeinsamen und kombinierten Manöver erhöht werden, die mit den honduranischen
Streitkräften unter dem Namen "Big Pine II" in Verbindung mit Flotteneinheiten stattfinden werden.
Diese Übungen

�Diese Übungen werden zwei

miteinander in Verbindung stehenden Ziel-

setzungen dienen:
- Verbesserung der Ausbildung und der Einsatzbereitschaft unserer
eigenen Streitkräfte und derjenigen von Honduras.; und
- Abgabe einer glaubwürdigen Versicherung an alle Parteien, daß die
Vereinigten Staaten die Fähigkeit haben, angesichts jeglicher Herausforderung des interamerikanischen Systems und unserer internationalen legalen Verpflichtungen einen Schutzschild aufzubauen.
Das sind die Elemente unserer Politik.
Strategie überaus wichtig.

Alle vier sind für unsere

Und gerade weil sie miteinander verwoben sind,

verleihen sie uns sowohl die Stärke als auch die Flexibilität, um Resultate
zu erzielen.
Unsere Unterstützung für die Demokratie zeigt langsam Wirkung. Es
ist die Grundlage geschaffen worden für ein erneuertes und gerechteres
wirtschaftliches Wachstum, wenn die Schießereien einmal aufhören. Und ein
kritisches Zusammenwirken der militärischen und diplomatischen Aspekte
unserer Politik ist eingeleitet worden.
Staaten wie auch die Menschen brauchen Anreize und Hinweise, um ihr
Verhalten zu ändern.

Zumindest bis vor kurzem gab es keinen Hinweis für

die Sandinisten, keinen Hinweis für die salvadorianischen Guerilleros,
keinen Hinweis für Fidel Castro und keinen Hinweis für die Sowjets, der sie
hätte glauben lassen, daß irgendetwas Glaubwürdiges, irgendetwas Schwieriges im Wege stünde, in El Salvador und im übrigen Mittelamerika durch bewaffnete Gewalt eine kommunistische Herrschaft aufzuzwingen.

Aus welchen Grunde

also sollten die weit links stehenden Salvadorianer an einer Teilnahme am
politischen Prozeß interessiert sein?

Warum sollten die Sandinisten unter

diesen Umständen auf ihre "Revolution ohne Grenzen" verzichten?

Warum sollte

Kuba sich in Mittelamerika anders verhalten als in Afrika?
Aber irgendetwas
- 8 -

�Aber irgendetwas ist nicht so abgelaufen.

Der Beweis ist da:

Man

sieht ihn am Interesse der salvadorianischen Guerilleros am Dialog; ja sogar an den Worten Ortegas und Castros.

Es sind Zeichen gesetzt worden -

durch die Solidarität der mittelamerikanischen Demokratien, durch die Länder der CONTADORA-Gruppe, durch vertrauliche Vorbehalte und Einwendungen
der Helfer Nicaraguas auf internationaler Ebene, durch inneren, vom Volke
unterstützten Aufruhr in Nicaragua, durch kürzliche Erfolge der salvadorianischen Streitkräfte und durch die Vereinigten Staaten von Amerika.
Das Wesentliche dieser Zeichen und Botschaften ist dies:

Ein Sieg

der ganz Linken und ihrer ausländischen Helfer ist nicht möglich.

Die Men-

schen in Mittelamerika sind mit allem Nachdruck darauf bedacht, dieser Gewalt zu widerstehen.

Sie sind in immer größerem Maße dazu fähig - auf-

grund ihrer eigenen Anstrengungen und aufgrund der Hilfe der Vereinigten
Staaten.

Die USA und Honduras zeigen durch die gegenwärtigen Manöver,

was kooperative Ausbildung und Abschreckung wirklich bedeuten.
Die Optionen unserer Gegner,die bisher die Gewalt betont haben,
müssen eingeengt werden in Richtung auf Verhandlung und Dialog.

Und ich

glaube, daß es die Verantwortung dieser Administration und des Kongresses
ist, sicherzustellen, daß nichts geschieht, was diese zum Erfolg führenden
Instrumente schwächen könnte.
Unsere Strategie ist auf die Probleme ausgerichtet, denen wir uns
gegenübersehen.

Sie ist auf die heutigen Gegebenheiten eingestellt, rea-

listisch und flexibel, und sie zeitigt Ergebnisse.
Unterstützung und die des amerikanischen Volkes.

+ + + + +

- 9-

Sie verdient Ihre

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

10. August 1983

BURT: FORTSCHRITT IM OST-WEST-VERHÄLTNIS, ABER KEIN DURCHBRUCH
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs im Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Richard Burt, hat vor einem Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 1. August 1983 erklärt, es gäbe in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen einige kleine, ermutigende Fortschritte, jedoch keinen "größeren Durchbruch".
Auf Fragen der Abgeordneten warnte Burt vor einem "Überoptimismus und einem
Oberpessimismus".

Es bestehe die potentielle Möglichkeit für Fortschritte,

denn die Sowjetunion habe eingesehen, daß sie mit den Vereinigten Staaten
verhandeln und Kompromisse machen müsse.

Allerdings, so betonte der Unter-

staatssekretär, käme ein Gipfeltreffen nicht in Frage, ehe die Sowjets nicht
in einer Reihe "wichtiger Fragen" einen wesentlichen Fortschritt ermöglicht
hätten.

Natürlich werde die amerikanische Politik nicht "gelähmt" sein,

auch wenn manche Forderungen nicht erfüllt würden.
Die vorbereitete Erklärung des Unterstaatssekretärs vor dem Außenpolitischen Ausschuß hat folgenden Wortlaut:
Wenn ich

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Telex: 8-85432

�Wenn ich mich nicht irre, erscheine ich heute zum drittenmal in
meiner Eigenschaft als Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
vor diesem Unterausschuß.

Meine früheren Erfahrungen haben sich als wert-

volle Gelegenheiten erwiesen, den Standpunkt der Administration darzulegen
und einen besseren Eindruck von den Anliegen und Auffassungen des Kongresses
zu gewinnen.

Ich betrachte mein heutiges Erscheinen als Fortsetzung dieses

nützlichen Prozesses.
Ich möchte heute mehrere Aspekte der amerikanisch-europäischen Beziehungen ansprechen:

Unsere Beziehungen zur Sowjetunion, den Stand der

Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz und die Aussichten für unsere großen
Rüstungskontroi 1verhandlungen.
Außenminister Shultz erschien vor einigen Wochen vor Ihren Kollegen
im Senat, um über unsere Politik gegenüber der Sowjetunion zu sprechen.
So wie damals können auch heute unsere Beziehungen zu Moskau nur als gespannt bezeichnet werden.

Die gegensätzlichen Ziele und Denkweisen unserer

Systeme werden nicht so bald verschwinden, aber unser fundamentales gemeinsames Interesse, einen Krieg zu vermeiden, zwingt uns, auf ein Verhältnis
mit den Sowjets hinzuarbeiten, das eine sichere und stabile internationale
Umwelt schafft.
Die Schwierigkeiten, die es bei der Herstellung eines stabileren und
konstruktiveren amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses gibt, sind vielfältig. Sie erinnern uns daran, daß Frieden auf Stärke aufgebaut sein muß.
Wir sind der Überzeugung, daß die Administration in den letzten zweieinhalb
Jahren einen beachtlichen Erfolg beim Wiederaufbau unserer militärischen,
wirtschaftlichen und moralischen Stärke und der Festigung unserer Bündnisbeziehungen hatte. Wir sind der Meinung, daß wir eine solide Basis geschaffen haben, auf der wir die Lösung offener politischer Fragen anstreben können. Wir akzeptieren keineswegs, wie schon der Außenminister betonte, die
Aussicht auf eine endlose, gefährliche Konfrontation mit der Sowjetunion
als unausweichlich.
Im letzten
- 2 -

�Im letzten Halbjahr sind wir mit der Sowjetunion in einen intensiven
Dialog über alle Aspekte des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses einge- '
treten - mit Botschafter Dobrynin und seiner Botschaft hier in Washington;
durch unseren Botschafter Arthur Hartman in der Sowjetunion sowie über eine
Reihe anderer bilateraler Kanäle, einschließlich der etablierten Rüstungskontrollforen in Genf und Wien.

Durch diesen Dialog haben wir versucht,

der neuen sowjetischen Führung unsere Besorgnisse über unannehmbare Aspekte
des sowjetischen Verhaltens nahezubringen und auf die Hindernisse hinzuweisen, die diese einer Verbesserung der Ost-West-Beziehungen in den Weg
gelegt haben.

Gleichzeitig waren wir bestrebt,unsere Bereitschaft zu de-

monstrieren, nach konstruktiven Lösungen für unsere Meinungsverschiedenheiten
und nach konkreten Wegen zu suchen, um die Gebiete der bilateralen Zusammenarbeit auf der Basis der Gegenseitigkeit und des beiderseitigen Interesses
auszuweiten.

Unser Ziel bestand, kurz gesagt, darin, die Bereitschaft der

neuen Führung zu sondieren, die politischen Anpassungen vorzunehmen, die
für eine dauerhafte Wende zum Besseren in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen notwendig sind.
Dieser Dialog war außerordentlich

offen und weitreichend und er-

streckte sich auf Rüstungskontrolle, regionale Konflikte, bilaterale politische und wirtschaftliche Fragen und die Menschenrechte,

Bisher hat es

einige wenige kleine, wenn auch ermutigende Entwicklungen gegeben - wie
beispielsweise die Annahme der spanischen Kompromißformel auf der KSZENachfolgekonferenz in Madrid durch die Sowjets, bescheidene Anpassungen
bei einer Reihe von Positionen bei den START-Verhandlungen und bei den
MBFR-Verhandlungen, die Freilassung der Pentekostalisten - aber keine großen
Durchbrüche.

Wir haben selbstverständlich keine sofortigen und raschen

Veränderungen in der seit langem verfolgten sowjetischen Politik erwartet.
Aber wir sind und bleiben hoffnungsvoll, daß im kommenden Jahr ein Fortschritt erzielt werden kann.

Was uns angeht, so wird die amerikanische Po-

litik grundsatztreu, praktisch und geduldig bleiben.

Außenminister Shultz

wird auf der Vollversammlung der Vereinten Nationen in diesem Herbst mit
Gromyko zusammentreffen, um unseren Dialog auf Ministerebene fortzusetzen,

- 3 -

�Ministerebene fortzusetzen, und es kann durchaus zu einer früheren Begegnung anläßlich der Unterzeichnungsfeierlichkeiten im Rahmen der KSZE in
Madrid kommen. Die Ergebnisse dieser Zusammenkünfte werden dazu beitragen,
die Richtung zu bestimmen, in der sich das Verhältnis entwickeln wird.

Die Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz
Das erfolgreiche Erreichen einer Übereinkunft zwischen Ost und West
auf der Madrider KSZE-Nachfolgekonferenz ist der Höhepunkt von fast dreijährigen schwierigen Verhandlungen.

Wie der Präsident erkennen ließ, han-

delt es sich um ein Resultat, mit dem die Vereinigten Staaten zufrieden sein
können.

Aber so wie bei der Schlußakte von Helsinki selbst ist es ein Ge-

bot, der entscheidenden Frage der Durchführung ständige Aufmerksamkeit zu
widmen.
Das Ergebnis von Madrid spiegelt die enge Zusammenarbeit zwischen
den Vereinigten Staaten und unseren europäischen Verbündeten während der
ganzen Marathon-Sitzung wider. In jedem Stadium - von der Ausarbeitung
der ursprünglichen westlichen Positionen über die Diskussion bezüglich der
Verwirklichung früherer Übereinkommen bis zu den Verhandlungen über das
Schlußdokument dieser Konferenz - gab es eine solide, produktive Beziehung
zu unseren Verbündeten - eine Beziehung, die uns in die Lage versetzt hat,
fest zu Grundsatzpositionen zu stehen. Diese enge Zusammenarbeit war besonders wichtig angesichts der gespannten internationalen Atmosphäre, die während des Verhandlungszeitraums herrschte. Die Verhängung des Kriegsrechts
in Polen hatte eine wesentliche Auswirkung auf die Konferenz und verursachte
eine längere Unterbrechung der Verhandlungen. Die sowjetische Besetzung
Afghanistans dauerte an. Und der sowjetische Druck in der INF-Frage, der
dazu dienen sollte, den NATO-Beschluß aufzuheben und das sowjetische Monopol an nuklearen Mittel Streckensystemen zu erhalten, war sehr intensiv.
Unter solchen Umständen war Einigkeit von entscheidender Bedeutung.
Das Madrider
- 4 -

�Das Madrider Dokument ist auch Ausdruck der großen Beiträge der neutralen und blockfreien Staaten, die den grundlegenden Text ausarbeiteten,
auf dessen Basis die Verhandlungen geführt wurden.

Das Schlußdokument läßt

ferner eine realistische Beurteilung der Notwendigkeit, dieses Mal zu einer
Übereinkunft mit dem Westen zu kommen, seitens der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten erkennen.

Wenn man davon ausgeht, daß die in letzter Minute

durch die Weigerung Maltas, dem Konsens beizutreten, geschaffenen Probleme
überwunden werden können, dann wir das Schlußdokument der Madrider Konferenz auf einem Treffen der Außenminister vom 7. - 9. September in Madrid
unterzeichnet werden.
Wir sollten die Bedeutung des Übereinkommens zwar nicht übertreiben,
aber wir sollten sie auch nicht verkleinern.

Die Madrider Übereinkunft

wird die Schlußakte von Helsinki stärken und erweitern.

Die neuen Bestim-

mungen, die sie enthält, behandeln die Rechte der Arbeiter, sich zu organisieren, Menschenrechte, Helsinki-Überwachungsgruppe, religiöse Freiheiten,
menschliche Kontakte und Familienzusammenführung, Zugang zu diplomatischen
und konsularischen Missionen, freien Informationsfluß, Rechte für Journalisten sowie Maßnahmen gegen den Terrorismus.
Die Übereinkunft sieht auch die Einberufung einer Konferenz über Vertrauensbildende Maßnahnen und Abrüstung in Stockholm im kommenden Jahr vor.
Auf dieser Konferenz werden wir versuchen, detaillierte Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr eines Überraschungsangriffs auszuarbeiten.

Ein wich-

tiges neues Element dabei ist, daß die in Stockholm zu erörternden Maßnahmen für den ganzen europäischen Teil der Sowjetunion bis zum Ural gelten
sollen und nicht nur für die 250 km-Zone, wie sie in der Schlußakte von
Helsinki vorgesehen ist. Die auf der Konferenz erörterten Maßnahmen dürften daher für die wirkliche Sicherheitslage in Europa relevanter sein, die
ganz offensichtlich durch die Stärke und die Kapazität der sowjetischen
Streitkräfte westlich des Ural beeinflußt wird.

Wir sind der Überzeugung,

daß diese Konferenz einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit Europas leisten
kann, und wir werden mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um eine aktive
- 5 -

�eine aktive und konstruktive Haltung zu dieser Konferenz zu entwickeln.
Darüber hinaus sieht das Übereinkommen von Madrid im Laufe der nächsten
drei Jahre eine Reihe von Konferenzen vor über Menschenrechte, menschliche
Kontakte und die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, ein Kulturforum
sowie ein Seminar über wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle
Zusammenarbeit im Mittelmeerraum.

Die Signatarstaaten werden sich ferner

1985 in Helsinki versammeln, um des 10. Jahrestages der Unterzeichnung der
Schlußakte zu gedenken.

Und schließlich sieht das Madrider Dokument die

Fortsetzung des KSZE-Prozesses durch die Abhaltung einer weiteren Nachfolgekonferenz in Wien im November 1986 vor.
Die vor uns liegende Aufgabe ist schwer.

Kein Teilnehmer am KSZE-

Prozeß kann sich dem tiefen Ernst der Widersprüche zwischen dem sowjetischen Totalitarismus und dem System der persönlichen Freiheit und Würde
entziehen, das die demokratischen Regierungen kennzeichnet.

Kein Überein-

kommen - weder das in Helsinki noch das, welches wir im kommenden Monat in
Madrid abzuschließen hoffen - kann diese Unterschiede verwischen oder wunderbare Änderungen der Bedingungen in der Sowjetunion und in Osteuropa herbeiführen.

Niemand sollte sich einbilden, der KSZE-Prozeß sei eine Sache

von heute auf morgen.
Was die Sowjetunion und Osteuropa bezüglich der Menschenrechte und
der nationalen Souveränität vorzuweisen haben, ist kläglich. In Madrid haben
wir und unsere Verbündeten diesen Zustand scharf, gezielt und wiederholt
kritisiert. Und das Schlußdokument bekräftigt die Bedeutung der Verpflichtungen, die alle 35 Signatarstaaten hinsichtlich aller Prinzipien der Schlußakte von Helsinki eingegangen sind. Wir werden in der Lage sein, unsere
Anliegen in den Konferenzen der Experten für Menschenrechte und menschliche
Kontakte, wie sie das Schlußdokument vorsieht, weiter zur Geltung zu bringen, und ebenso auf der Gedächtniskonferenz 1985 in Helsinki und natürlich
auf der Nachfolgekonferenz in Wien 1986c Wir unternehmen ferner Schritte,
um zusammen mit unseren Verbündeten zu gewährleisten, daß die Aufmerksamkeit

- 6-

�die Aufmerksamkeit bezüglich bestimmter Fragen der sowjetischen Einhaltung
von Übereinkommen nicht nachläßt und daß internationale Besorgnisse in dem
Zeitraum zwischen diesen Konferenzen wirksam zur Geltung gebracht werden
können.

Rüstungskontrolle
Die vierte Runde der START-Verhandlungen geht morgen, am 2. August,
zu Ende.

Unsere Delegation hat während dieser Runde eine Reihe von Schrit-

ten unternommen, um die Verhandlungen weiterzubringen und die Flexibilität
zu demonstrieren, die Präsident Reagan am 8. Juni angekündigt hat.
- Wie der Präsident ankündigte, haben wir unseren Vorschlag für eine
Grenze von 850 dislozierten Raketen modifiziert, um unseren Vorschlag
in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Scowcroft-Kommission zu
bringen und ihn der von den Sowjets vorgeschlagenen Begrenzung auf
1800 Raketen und Bomber anzunähern.
- Unsere Delegation hat die amerikanische Flexibilität hervorgehoben,
wenn es um Mittel und Wege geht, dafür zu sorgen, daß ein STARTAbkommen wesentliche Verringerungen des Zerstörungspotentials der
strategischen Raketenstreitmacht bringt.
- Wir haben ferner den Entwurf für einen START-Vertrag vorgelegt, in
dem wir unsere Bereitschaft demonstriert haben, von Anfang an gleiche
und niedrigere Begrenzungen der Zahl der schweren Bomber und der luftgestützten Marschflugkörper zu akzeptieren.
Die Sowjets haben während dieser Verhandlungsrunde einige kleine Anpassungen ihrer Position vorgenommen und einige offene Punkte ihres ursprünglichen Vorschlags geklärt.

Für sich allein haben diese Schritte wenig dazu

beigetragen, die grundlegenden Unterschiede in den Standpunkten beider Seiten

- 7 -

�beider Seiten einander anzunähern oder unsere speziellen Besorgnisse hinsichtlich den Asymmetrien in den Kapazitäten der Raketen zu zerstreuen.
Trotzdem sind wir ermutigt, daß die Sowjets begonnen haben, ein gewisses
Nachgeben in ihrer Position zu zeigen, und wir hoffen, daß wir eine weitere
sowjetische Flexibilität in den zentralen Fragen in der nächsten STARTVerhandlungsrunde erleben werden.

INF
Das wichtigste Einzelproblem in den amerikanisch-europäischen Beziehungen für dieses Jahr dürften die nuklearen Mittel Streckensysteme - INF sein.

Auf der einen Seite haben die Gegner des NATO-Doppelbeschlusses er-

kennen lassen, daß sie große öffentliche Demonstrationen planen, um Regierungen von Bündnisländern umzustimmen.

Die Sowjets werden einen maximalen

Propagandadruck ausüben - einschließlich der Drohung der Dislozierung zusätzlicher Raketen, die auf unsere Verbündeten gerichtet sind.
Auf der anderen Seite sind wir und unsere Verbündeten heute in einer
viel stärkeren Position, beide Teile des Doppelbeschlusses vom Dezember
1979 über Rüstungskontrolle und Modernisierung durchzuführen als irgendwann in den letzten drei Jahren. Unsere Position bei den Verhandlungen
wird als ernsthaft und flexibel anerkannt; unsere Vorbereitungen für eine
Dislozierung - sollte diese notwendig werden - gehen in allen Stationierungsländern reibungslos vor sich; und in den Kommuniques der NATO und in Williamsburg wurde die Einigkeit des Bündnisses fest bekräftigt.
Die Vereinigten Staaten bleiben verpflichtet, bei den INF-Verhandlungen ein gerechts Abkommen zu erreichen, das entweder die ganze Klasse
amerikanischer und sowjetischer landgestützter LRINF-Raketen beseitigen
würde - unser "Null-Null-Vorschlag" - oder zu einem wesentlich

niedrigeren

gleichen Stand von LRINF-Gefechtsköpfen für die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion führen würde.

Unsere Verbündeten stehen voll und ganz
- 8 -

�und ganz hinter dieser Verhandlungsposition.
Gleichzeitig haben sich unsere Verbündeten verpflichtet, Ende dieses
Jahres mit der Dislozierung von landgestützten Marschflugkörpern und
PERSHING II-Raketen zu beginnen, wie dies im NATO-Doppelbeschluß von 1979
vorgesehen ist, wenn es zu keinem Abkommen kommt, das eine solche Dislozierung unnötig macht. Wir müssen nachdrücklich an dem Dislozierungsteil
des Doppelbeschlusses festhalten, um den Sowjets einen Anreiz zu bieten, in
Genf ernsthaft zu verhandeln, und um ihr destabilisierendes Monopol an
LRINF-Raketen aufzuheben, wenn kein Abkommen erreicht werden kann.
Leider wird der Fortschritt bei den Genfer Verhandlungen durch die
sowjetische Weigerung blockiert, die legitimen Sicherheitsinteressen der
NATO in Rechnung zu stellen, die überhaupt erst zu dem Doppelbeschluß von
1979 geführt haben.

Obwohl die Sowjets bei den Verhandlungen einige kleine

taktische Züge getan haben, bleibt ihr Ziel doch das gleiche wie zu Beginn
der Verhandlungen:
macht.

die Beibehaltung eines großen Teils ihrer SS-20-Streit-

Gleichzeitig verweigert sie der NATO das Recht, dieser Gefahr durch

entsprechende eigene Dislozierung zu begegnen.
Der Kern der Verhandlungsposition der Sowjets ist ihre Forderung nach
einer Anrechnung der unabhängigen britischen und französischen strategischen Abschreckungsstreitkräfte.

Hinter dieser Forderung steht der Ver-

such, amerikanische Dislozierungen zu blockieren und das sowjetische LRINFMonopol zu erhalten.
ab.

Unsere Verbündeten lehnen diese Forderung einstimmig

Wie die Sowjets sehr wohl wissen, dienen die britischen und französischen

Streitkräfte als nationale Abschreckung, die sich in Art und Aufgabe von
den amerikanischen und sowjetischen LRINF völlig unterscheiden.

Die bri-

tischen und französischen Systeme können weder für den Schutz der Nichtnuklearstaaten der NATO sorgen noch die lebenswichtige Verbindung zum amerikanischen strategischen Schutzschirm herstellen, der von so zentraler Bedeutung für die Fähigkeit der NATO ist, vor einem Krieg abzuschrecken.
Darüber hinaus besitzt die Sowjetunion bereits sehr viel mehr Gefechtsköpfe

- 9 -

�mehr Gefechtsköpfe als Großbritannien und Frankreich.

Es ist einfach ab-

surd, wenn die Sowjets behaupten, sie brauchten die SS-20-Raketen, um ein
Gegengewicht gegen die kleinen britischen und französischen Streitkräfte
zu schaffen.
Sie haben sicherlich Berichte über den sogenannten "Waldspaziergang"
gelesen.

Viele dieser Berichte waren unrichtig, zum Teil wegen der Bemü-

hungen der Sowjets, ihre eigene Unnachgiebigkeit zu vertuschen und die Verantwortung für die Schließung dieses informellen Kanals auf unsere Schultern
zu bürden statt auf ihre eigenen, wo sie gehört.

Aus diesen Gründen möchte

ich ein paar Worte zu diesem "Waldspaziergang" sagen.
Das Paket enthielt Gedanken, die auf einer informellen, sondierenden
Basis von Botschafter Nitze mit seinem sowjetischen Partner im Juli vorigen
Jahres entwickelt wurden.

Wir unsererseits hatten Probleme mit dem Vor-

schlag in der vorliegenden Form - einschließlich der Tatsache, daß er uns
gezwungen hätte, auf die PERSHING II zu verzichten, wodurch wir ohne eine
Rakete als Gegengewicht gegen die SS-20 wären und das NATO-Dislozierungsprogramm in der Bundesrepublik Deutschland unterminierten, das mit der
PERSHING II beginnt.

Trotzdem entschieden wir uns, diesen Kanal offen zu

halten, und haben unseren Botschafter entsprechend angewiesen.

Die sowje-

tische Reaktion hingegen war, den Vorschlag in der Sache und die Möglichkeit solcher Gespräche abzulehnen.

Der sowjetische Verhandlungsführer mach-

te deutlich, daß er kein Abkommen akzeptieren könne, das eine amerikanischsowjetische Gleichheit vorsah oder eine amerikanische Dislozierung akzeptierte, und er fügte hinzu, daß er einen Tadel erhalten habe, weil er solche Gespräche überhaupt geführt hatte.
Die nächste Verhandlungsrunde beginnt am 6. September. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin nach Mitteln und Wegen suchen, um die Verhandlungen voranzutreiben und Ergebnisse zu erzielen, die den Grundprinzipien
unserer eigenen Sicherheit und der unserer Verbündeten entsprechen. Wir
hoffen, daß die Sowjets endlich die Notwendigkeit ernsthafter Verhandlungen
- 10 -

�ernsthafter Verhandlungen erkennen.

Wir betrachten diese nächste Runde

keineswegs als die letzte, wie manche Leute meinen.

Wenn Dislozierungen

notwendig werden, dann gehen wir davon aus, daß die Verhandlungen nach
ersten amerikanischen Dislozierungen fortgesetzt werden - wie sie auch angesichts der laufenden und fortgesetzten sowjetischen Dislozierungen weitergingen.

Und, wie Vizepräsident Bush auf seine Europareise vor einigen Mo-

naten erklärte, "Was man hineinsteckt, das kommt heraus". Wir sind absolut
bereit, den Stand unserer dislozierten Systeme jedem Abkommen anzupassen,
das erreicht würde.

MBFR
Obwohl die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa - MBFR - wenig Schlagzeilen machen, ist es
doch angebracht, auf ihre Bedeutung hinzuweisen, denn wir und unsere Verbündeten sind in zunehmendem Maße daran interessiert, die Verhandlungen zu
ihrem ursprünglichen Ziel zu bringen, nämlich der Parität der Streitkräfte
in Mitteleuropa. Die Bedeutung eines Abbaus der massiven sowjetischen Überlegenheit an konventionellen Streitkräften im Herzen des Kontinents hat sich
im Laufe der Zeit nicht verringert.
Leider haben sich die Sowjets und ihre Verbündeten konstant geweigert,
sich auf die Größe ihrer Streitkräfte in diesem Gebiet zu einigen oder auf
die Art von Verifizierungsmaßnahmen, die für ein wirksames Abkommen notwendig sind.

Der jüngste Vertragsentwurf, den der Osten im vorigen Monat unter-

breitete, kommt unseren Verifizierungsforderungen etwas entgegen.

Er bleibt

jedoch weit hinter dem zurück, was für einen wirksamen Vertrag notwendig
ist.

Wir werden gemeinsam mit unseren Verbündeten überlegen, welche Antwort

wir auf den östlichen Vorschlag geben werden.

+ + + + +

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. August 1983

32

UNTERSTAATSSEKRETÄR ABRAMS ZUR SITUATION DER MENSCHENRECHTE
IN MITTELAMERIKA
- Aussage vor Kongreßausschüssen -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretä'r für Menschenrechte und
humanitäre Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Elliott
Abrams.hat am 3. August 1983 vor zwei Unterausschüssen des Repräsentantenhauses über die Menschenrechtssituation in Mittelamerika berichtet und dabei unterstrichen, daß die Förderung der Menschenrechte in dieser Region
ein Hauptziel der amerikanischen Regierung bleibe.
Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
Ich bin dankbar, daß ich erneut die Gelegenheit habe, vor Ihnen die
Menschenrechtsaspekte der amerikanischen Politik in El Salvador und - weitergefaßt - in Mittelamerika zu erörtern.
Die Förderung der Menschenrechte in Mittelamerika bleibt ein Hauptziel der amerikanischen Regierung. Wir verfolgen dieses Ziel auf zwei Wegen, und beide sind überaus wichtig. Einmal drängen wir die Regierungen

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�die Regierungen darauf, spezifische Mißstände abzustellen, und wir tun
dies mit allem Nachdruck.

Aber das reicht nicht aus. Sowohl die Reagan-

Administration als auch ihre Kritiker wissen, wie frustrierend dieses Bemühen ist, wenn dies alles ist, was wir tun.

Es ist deshalb frustrierend,

weil wir uns dann im Grunde nur mit Symptomen befassen - Symptomen von
größter Bedeutung zwar für das Leben der Menschen - aber nicht mit den Ursachen.
Daher versuchen wir auch, die grundlegenden Dinge dieser Situation
anzupacken, die die massiven Menschenrechtsverletzungen in El Salvador verursachen.

Wir tun dies auf mehrfache Weise.

Erstens, durch wirtschaftliche

Unterstützung und wirtschaftliche Reformen hoffen wir, das salvadorianische
Volk vor der Verzweiflung bewahren, den Landbesitz auf größere Gruppen verteilen und die Grundlage für wirtschaftliche Stabilität und wirtschaftliches
Wachstum legen zu können, was zum politischen Fortschritt beitragen wird.
Zweitens, durch militärische Ausbildung formen wir die salvadorianischen
Sicherheitsstreitkräfte zu einer Berufsarmee um.

Dieser Prozeß der Pro-

fessional isierung wird unserer Ansicht nach zu einer größeren Disziplin
und einem exakteren Verhalten gegenüber Zivilisten führen.

Drittens, und

das ist am wichtigsten, fördern wir die Entwicklung eines sicheren demokratischen Systems in El Salvador.

Wie auch anderswo auf der Welt bietet

nur die Demokratie eine echte Garantie für die Achtung der Menschenrechte.
Wir waren also überaus aktiv auf dem Gebiete der Menschenrechte.

Wie

Sie wissen, benutzten wir unseren Einfluß, um auf freie Wahlen und eine Zivilregierung in Honduras zu drängen.

Wir haben viel Zeit darauf verwendet,

die Menschenrechtsverbesserungen in El Salvador zu unterstützen.

Diese

erfolgten zwar langsam, aber, wie Außenminister Shultz in seinem Begleitschreiben zum Bestätigungsbericht feststellte, "... unsere Enttäuschung
über das Tempo des Wandels sollte nicht den Blick dafür trüben, daß es tatsächlich einen solchen Wandel gibt". Wir sind bei der Regierung von Guatemala
wegen der geheimen Gerichte vorstellig geworden, die jetzt keine Todesurteile mehr verhängen und die von der Regierung reformiert oder abgeschafft

- 2 -

�oder abgeschafft werden, und haben auf die Festsetzung eines Wahldatums
gedrängt, was jetzt geschehen ist. Wir haben ferner die Regierung und das
Volk von Costa Rica bei den Bemühungen unterstützt, die Demokratie zu wahren, die ein Modell für ganz Mittelamerika ist.
Herr Vorsitzender, viele von uns sind enttäuscht über das Tempo des
Fortschrittes auf dem Gebiete der Menschenrechte in Mittelamerika.

Dieses

Tempo hängt natürlich von zahlreichen Faktoren ab, darunter auch das Gewicht der Geschichte.

Aber es gibt gegenwärtig einen besonderen Faktor,

auf den wir verweisen sollten - nämlich die Rolle Nicaraguas.
daher folgende Frage stellen:

Ich möchte

Wie würde die Menschenrechtssituation in

Mittelamerika heute wohl aussehen, wenn die Regierung Nicaraguas eine friedliche, demokratische Regierung wäre?
Ich meine, daß diese Situation dann wesentlich besser wäre.

Vor

allem anderen wäre der Wunsch nach Demokratie in Nicaragua, der zum Sturz
Somozas führte, erfüllt statt unterdrückt.

Die Regierung Nicaraguas würde

die Menschenrechte aller Nicaraguaner schützen und gleichzeitig ein Modell
für ihre Nachbarn darstellen - vielleicht in der Art, wie dies mit Costa Rica
der Fall ist.

Nicaragua würde darüber hinaus nicht die leninistische Guerilla

in El Salvador unterstützen und damit die Auseinandersetzungen um die Menschenrechte in diesem Land zurückschrauben, genauso wie es dann keine Subversion
in Honduras betreiben würde.
Ich glaube, es ist kein Zufall, daß die enorme Zunahme an Gewalttätigkeiten in El Salvador seit 1979 erfolgt ist - genau zu dem Zeitpunkt,
an dem die Sandinisten in Nicaragua die Macht übernahmen.

Und es ist auch

kein Zufall, daß die Armeen von El Salvador und Honduras in diesem Zeitraum
so angewachsen sind - in El Salvador zum Teil als Reaktion auf vermehrte
Stärke der Guerilla im Innern, in Honduras als Antwort auf die nicaraguanische Aufrüstung.

Wie kann man denn mit wirtschaftlichen Reformen voran-

kommen, wenn die Wirtschaft zu umfangreichen Militärausgaben gezwungen wird
oder unter dem Druck von Guerilla-Angriffen steht?

- 3 -

Wie kann denn die Kontrolle

�die Kontrolle ziviler demokratischer Einrichtungen über das Militär verstärkt werden, wenn die Subversion es für eine Gesellschaft erforderlich
macht, solche massiven Anstrengungen auf die Selbstverteidigung zu konzentrieren?

Würde Nicaragua einen Kurs des Pluralismus verfolgen und die sub-

versiven Handlungen gegenüber seinen Nachbarn einstellen, dann würde nicht
nur die Chance für die Demokratie, sondern auch das tatsächliche Erreichen
einer Demokratie und die Respektierung der Menschenrechte in Mittelamerika
weitaus mehr gefördert werden, als wir das heute erleben.
Die Verteidigung der Menschenrechte erfordert häufig mehr als nur
diplomatischen Druck, mehr als wirtschaftliche Hilfe und mehr als Ausbildungsprogramme.

Manchmal erfordert sie einen militärischen Schild, in des-

sen Schutz sich die Demokratie entwickeln kann.

Denken wir doch daran,

daß im Nachkriegseuropa der Marshall-Plan nicht unsere einzige Anstrengung
war, um den Europäern bei der Erlangung von Stabilität und Demokratie zu
helfen.

Der andere Pfeiler unserer Politik war die NATO - der militärische

Schild, hinter dem die europäischen Demokratien sich wieder verwirklichen
konnten - sicher vor Aggression von außen oder vor Subversion.

Diese Po-

litik war erfolgreich, und Westeuropa hat nahezu vier Jahrzehnte des Friedens, des wirtschaftlichen Wachstums und der Demokratie erlebt - die erst
kürzlich und nach Jahrzehnten der Diktatur auch auf Spanien und Portugal
ausgedehnt wurde. Natürlich ist Mittelamerika nicht Europa, denn Europa
hatte tiefe demokratische Wurzeln, auf die in der Zeit nach dem Kriege zurückgegangen werden konnte.

Die Wiedererrichtung der Demokratie ist schon

eine schwere Aufgabe, aber die Schaffung demokratischer Institutionen und zwar zum erstenmal - ist eine noch schwierigere Aufgabe, insbesondere
wenn sich eine Region im Konflikt befindet.
Der Übergang zur Demokratie ist für jedes Land ein überaus schwieriges Unterfangen, und sie in einer Zeit der Konflikte zu erreichen, ist
ein noch weitaus schwierigeres Vorhaben. Unsere Bemühungen, in Mittelameri
den Frieden zu sichern, und unsere Anstrengungen, dort die Menschenrechte
zu fördern, gehen Hand in Hand, denn wir wissen, daß die Respektierung der

�Respektierung der Menschenrechte und der demokratischen Institutionen
schwer zu erreichen sein wird, während dort ein Konflikt tobt. Wir sind
fest davon überzeugt, daß unsere Unterstützung der wirtschaftlichen und
sozialen Reformen, unser Drängen auf Fortschritte in der Sache der Menschenrechte und beim Aufbau demokratischen Institutionen sowie unsere Bemühungen um eine Beendigung des regionalen Konfliktes in Mittelamerika - zusammengenommen - den hoffnungsvollsten Weg für eine friedliche und demokratische
Zukunft aufzeigen.

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10. August 1983

SONDERTARIFE IM FLUGVERKEHR SOLLEN DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
JUGENDAUSTAUSCH FÖRDERN

- (AD) - Zur Förderung des deutsch-amerikanischen Schüler-, Jugendund Studentenaustausches sind für den Flugverkehr zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika Sondertarife für
Teilnehmer an offiziell anerkannten Austauschprogrammen eingeführt worden.
Die Tarife werden von der Lufthansa, PANAM und Trans World Airways angeboten.

Sie sehen eine Ausweitung des sehr günstigen, bisher aber nur auf

Aufenthalte zwischen zwei Wochen und drei Monaten anwendbaren Holiday-Tarife vor und räumen je nach Fluggesellschaft, Alter der Teilnehmer und Art
des Austauschprogramms weitere Vergünstigungen ein, die bis zu 33 Prozent
des Holiday-Tarifs ausmachen können.

Die Kosten zahlreicher Austauschpro-

gramme, für die die Flugpreise ein wesentlicher Faktor sind, können damit
spürbar vermindert werden.
Die Genehmigung der Sondertarife durch das Bundesverkehrsministerium
geht auf eine Initiative der von der Bundesregierung und der amerikanischen
Regierung eingesetzten Koordinatoren für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit zurück, die von den drei Fluggesellschaften aufgegriffen und vom Auswärtigen Amt und dem Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit
sowie vom US-Außenministerium und vom US-Informationsamt (USIA) unterstützt
wurde.

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�10. August 1983

INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT IN DER WISSENSCHAFT
Politisches Klima für amerikanisch-sowjetische Beziehungen
nach wie vor bedeutsam -

WASHINGTON - (AD) - Das politische Klima hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluß auf die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten in Wissenschaft und Technologie mit anderen Ländern.

Darauf verwies William Schneider.

Staatssekretär für Sicherheitshilfe im amerikanischen Außenministerium,am
2. August 1983 in einer Stellungnahme vor Vertretern des außenpolitischen
Ausschusses des US-Repräsentantenhauses.

Dies sei u.a. ein wichtiger Punkt

im Hinblick auf die Rückkehr zu Programmen mit der Sowjetunion in dem Umfang,
der etwa Mitte der siebziger Jahre üblich gewesen sei.
Schneider vermittelte eine allgemeine Obersicht über die amerikanische
Politik der Zusammenarbeit und die internationalen Programme und stellte besonders heraus, daß
- Präsident Reagan bilateralen Programmen, insbesondere jenen mit Brasilien, China und Indien, große Aufmerksamkeit widmet;
- wissenschaftliche

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�- wissenschaftliche Programme der Raumfahrt nach wie vor ein bedeutsames
Gebiet internationaler Zusammenarbeit darstellen;
- die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion auf den Gebieten Gesundheitswesen, Umweltschutz und Sicherhehit im Alltag trotz der erheblichen
Einschränkung anderer Kontakte weitergeht.
Wir bringen im folgenden die Darlegungen William Schneiders in Auszügen:
Präsident Reagan legt großen Wert auf unsere bilateralen Programme
zur Zusammenarbeit und verfolgt sie speziell im Hinblick auf bestimmte Länder sehr aufmerksam.

Besondere Bedeutung wird Brasilien, der Volksrepublik

China und Indien beigemessen.

Er hat hierbei die Initiative ergriffen,

weil diese Länder auf einigen Gebieten für eine fruchtbare Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten genügend fortgeschritten sind

und weil eine

wissenschaftliche Zusammenarbeit auch in einer mehr allgemeinen Sicht Zielen der amerikanischen Außenpolitik dient...
Bei dem Besuch Präsident Reagans in Brasilien im Dezember vergangenen
Jahres spielten Wissenschaft und Technik eine wichtige Rolle. Die Außenministerien der beiden Länder haben inzwischen eine Arbeitsgruppe für Wissenschaft und Technik eingesetzt. Dieses Gremium strebt die Erneuerung des
Abkommens über Wissenschaft und Technologie zwischen unseren beiden Ländern
auf Regierungsebene an. Um das Vorhaben zu unterstützen, organisierten wir
für April dieses Jahres eine Konferenz zur Zusammenarbeit zwischen Amerika
und Brasilien in Wissenschaft und Technik auf dem privaten Sektor. Dabei
sollten Mittel und Wege ausfindig gemacht werden, wie die neue zwischenstaatliche Vereinbarung genutzt werden könne, um in Brasilien und in den
Vereinigten Staaten die Produktivität der Industrie zu verbessern.
Wissenschaftliche Zusammenarbeit mit China wird unter einer im Jahr
1979 unterzeichneten Rahmenvereinbarung durchgeführt. Wir haben seitdem

- 2 -

�haben seitdem in 21 Gebieten, u.a. in der Landwirtschaft, Raumfahrttechnologie sowie für den Studenten- und Wissenschaftleraustausch, technische
Protokolle abgeschlossen und Zusammenarbeitsprojekte in Angriff genommen.
Vier dieser Vereinbarungen wurden im Mai unterzeichnet.

Eine gemeinsame

Kommission leitet und koordiniert das gesamte Programm.

Die Chinesen le-

gen großen Wert auf wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit
mit den Vereinigten Staaten, wie wir es umgekehrt ebenfalls tun.
Wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit Indien wurde anläßlich des
Besuchs von Premierministerin Indira Gandhi im Juli 1982 in Washington besondere Beachtung geschenkt. Am Ende dieses Besuches gaben Frau Gandhi
und Präsident Reagan die Bildung einer Kommission aus angesehenen Wissenschaftlern beider Länder bekannt, die Pläne für intensivere Anstrengungen
zur Durchführung gemeinsamer Forschungsprojekte ausarbeiten soll.
Kommission wird ihrem Auftrag nachkommen.

Diese

Und ich bin überzeugt, daß ihre

Tätigkeit unsere Zusammenarbeit auf wissenschaftlichem Gebiet mit der
zweitgrößten Nation der Erde verbessern wird...
Ein Gebiet beachtlicher internationaler Zusammenarbeit ist die Weltraumforschung.

Wichtige zivile Projekte sind u.a. das Projekt zur Beobach-

tung der Periode maximaler Sonnenaktivität, das internationale Projekt zur
Entsendung eines die Pole der Sonne überfliegenden Forschungssatelliten,
das Weltraumteleskop, der Astronomiesatellit für Untersuchungen im Infrarotbereich des Spektrums und das Projekt GALILEO mit Orbiter und Atmosphärensonde zur Beobachtung des Planeten Jupiter.

Großbritannien, die Bundesre-

publik Deutschland und die Niederlande stellten Instrumente für das SOLARMAXProjekt zur Verfügung.

Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) sowie die

Europäische Weltraumbehörde werden das Fluggerät und Instrumente für das Sonnenpol-Unternehmen stellen.

Am Infrarot-Astronomie-Projekt sind die NASA,

die Niederlande und Großbritannien beteiligt, während es sich bei GALILEO
um ein Gemeinschaftsunternehmen der USA und der Bundesrepublik Deutschland
handelt.

Von den Kürzungen im NASA-Budget wurde die internationale Sonnen-

pol-Mission am stärksten betroffen.

In dem im Jahr 1979 zwischen. NASA und

Europäischer Weltraumbehörde unterzeichneten Memorandum war ursprünglich
- 3 -

�war ursprünglich vorgesehen, zwei Geräte - ein europäisches und ein amerikanisches - zu starten, um gleichzeitig

Beobachtungen der nördlichen und der

südlichen Hemisphäre unseres Sonnensystems zu ermöglichen.

Im Herbst 1981

kam die NASA jedoch zu dem Schluß, daß angesichts der damals gegebenen und
voraussehbaren Beschränkungen der Haushaltmittel eine komplette Doppelmission nicht durchführbar sei. Die Partnerstaaten der Europäischen Weltraumbehörde äußerten sich damals gegenüber dem amerikanischen Außenministerium
sehr besorgt über die daraus sich ergebende Eingrenzung und Änderung dieses
Programms.
Das Ministerium, das die Entwicklungen aufmerksam verfolgte, unterbreitete diese Besorgnisse den zuständigen Stellen innerhalb der Exekutive
und bemühte sich zusammen mit der NASA und den europäischen Ländern,einen
optir.ie.len Modus für die Mission im Rahmen der gegenwärtigen finanziellen Beschränkungen zu finden. Wir kamen schließlich überein, sie mit nur einem
Gerät, das in Europa gebaut wird, durchzuführen.

Die NASA übernimmt den

Start, die Bahnbeobachtung, das Sammeln der Daten und andere Dienstleistungen,
wie im Memorandum von 1979 vereinbart.
jetzt zum größten Teil hinter uns haben.

Ich meine jedoch, daß wir das Problem
Das Projekt geht, wenn auch in

etwas anderer Form, weiter, und die Vereinigten Staaten und die Europäer
setzen die Zusammenarbeit bei einer Reihe anderer Projekte sowie in der Definierung künftiger Programme fort...
Austausch auf den Gebieten von Wissenschaft und Technologie zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ist natürlich ein Punkt, der
uns alle hier in Washington besonders beschäftigt. Die Geschichte dieser
Austauschaktivitäten hat im wesentlichen drei bestimmte Zeitabschnitte. In
der ersten Periode, von 1954 bis 1972, kam es zu einem stetigen Anwachsen
des Umfangs von Austauschaktivitäten und zu einer Ausweitung der Forschungsthemen. Die zweite Periode von 1972 bis 1979 war gekennzeichnet durch den
Abschluß von elf offiziellen bilateralen Vereinbarungen zwischen den beiden Regierungen. Sie umrissen eindeutiger die Austauschaktivitäten und gaben ihnen spezielle Zielsetzungen. In der dritten Periode, seit 1980, wurde

�1980, wurde Austausch wegen der sowjetischen Intervention in Afghanistan
und der Verhä'ngung des Kriegsrechts in Polen stark eingeschränkt.

Gegen-

wärtig gibt es ihn nur in sehr begrenztem Rahmen.
Der tatsächliche Umfang von Austauschaktivitäten in der ersten Periode
war unterschiedlich, jedoch kamen, was bedeutsamer ist, neue Forschungsgebiete mit entsprechenden Technologien hinzu.

Diese beide Seiten gleicher-

maßen interessierenden Gebiete dienten im wesentlichen als eine Grundlage
für die elf offiziellen Abkommen, die Mitte der siebziger Jahre ausgearbeitet
wurden.

Die Sowjetunion war speziell an einer Ausweitung des Austauschs auf

Gebiete angewandter Technologie interessiert, während die Vereinigten Staaten
sich eher auf Grundlagenforschung und auf Medizin konzentrierten.

Diese

Interessenunterschiede blieben bei den Austauschaktivitäten die meiste Zeit
hindurch bestehen.
Die offiziellen bilateralen Vereinbarungen wurden unter der Regierung
Nixon mit dem Ziel abgeschlossen, sie für langfristige politische Ziele zu
nutzen.

Da nach Meinung amerikanischer Wissenschaftlerkreise wissenschaft-

licher Austausch mit der Sowjetunion als vorteilhaft für die Vereinigten
Staaten galt, begann die Nixon-Administration,mit den Sowjets über konkrete Austausch-Abkommen zu verhandeln, die für die Wissenschaft von Nutzen
waren, aber auch Absicherungen gegen ungleichen Vorteilsgewinn enthielten.
Die meisten Aktivitäten ergaben sich in der zweiten Periode von 1972
bis 1979. Höhepunkt war das Jahr 1975, als aufgrund des bilateralen Abkommens die Besucherzahl im Rahmen der Austauschvorhaben beider Länder 2284
Personen erreichte und im Juli jenes Jahres das APOLLO-SOYUS-Unternehmen verwirklicht wurde.

Während dieser ganzen Periode ergaben sich die regsten

Austauschaktivitäten unter den Vereinbarungen zu Umweltschutz, Wissenschaft
und Technologie sowie Gesundheitswesen.

Im Jahr 1979 jedoch ging das Aus-

maß der Austauschvorhaben im Rahmen der bilateralen Vereinbarungen merklich
zurück.

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjet-

union wurden gespannter, und viele amerikanische Wissenschaftler boykottierten
- 5 -

�Wissenschaftler boykottierten wegen der Prozesse gegen Orlow und Schtscharansky
die Austauschprogramme.

Der härteste Schlag wurde diesen jedoch durch die

sowjetische Intervention in Afghanistan im Dezember 1979 versetzt.
Die jüngste Periode von Austauschaktivitäten - d.h. von 1980 bis heute ist durch eine anhaltende Reduzierung von Kontakten zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gekennzeichnet.

Wegen der sowjetischen Invasion

Afghanistans und der Verbannung Dr. Sacharows nach seinem Protest gegen die
Invasion sind als Reaktionen der Regierung Carter zu verzeichnen:
- Verbot der Teilnahme von Amerikanern an Gesprächen auf hoher Ebene
mit den Sowjets über Austauschprogramme;
- Wissenschaft und Technologie durften nur noch auf humanitärem Gebiet
oder auf Gebieten weiterverfolgt werden, wo sich direkte Vorteile für die
amerikanische Seite ergaben;
- Jegliche Austauschaktivität mußte von Fall zu Fall überprüft werden,
um festzustellen, ob sie zulässig sei.
Die Regierung Carter wollte damit den Umfang der Austauschprogramme
verringern, aber das Gerüst der Abmachungen erhalten, um eine Wiederaufnahme der Austauschaktivitäten zu ermöglichen, sobald die politische Lage
dies zuließ.
Ende 1981 mußte über die Verlängerung der ergiebigeren Vereinbarungen
(Gesundheitswesen, künstliches Herz, Umweltschutz und Meeresforschung) entschieden werden.

Sie wurde unter Berücksichtigung der Vorteile für die Ver-

einigten Staaten genehmigt.

Jedoch waren schon nach wenigen Wochen die

bilateralen Vereinbarungen von den Entwicklungen im Ostblock stark betroffen.

Die Verhängung des Kriegsrechts in Polen war ein neuer Schlag gegen

die bilateralen amerikanisch-sowjetischen Abkommen, als infolge jenes Ereignisses diese Administration ankündigte, die Wissenschafts- und Technolo-

- 6-

�und Technologievereinbarung, die Energievereinbarung oder das Mitte 1982
auslaufende Raumfahrtabkommen nicht verlängern zu wollen.

Die Regierung zog

auch die Genehmigung der Landerechte für AEROFLOT-Maschinen in den Vereinigten Staaten zurück, wodurch die Realisierung der Austauschaktivitäten noch
mehr kompliziert wurde.
Der Umfang kooperativer Wissenschafts- und Technologieprogramme
unter den noch bestehenden acht Vereinbarungen ist auf etwa 20 Prozent des
Standes von 1979, als alle elf Abkommen in Kraft waren, zurückgegangen. Gegenwärtig befassen wir uns mit Aktivitäten, die für die Vereinigten Staaten
besonders vorteilhaft sind, vor allem auf den Gebieten Gesundheitswesen, Umweltschutz und Sicherheit im Alltag. Wir haben auf den meisten Gebieten die
Struktur wissenschaftlicher Zusammenarbeit intakt gehalten, so daß vorteilhafte Austauschaktivitäten ausgeweitet werden könnten, sobald die politische
Situation dies zuläßt. GemäE &gt; am Standpunkt haben wir seit 1979 spezielle
Vereinbarungen über Zusammenarbeit in der Ozeanographie, Medizin und im öffentlichen Gesundheitswesen, bei Forschung und Entwicklung für das künstliche
Herz, beim Umweltschutz und in der Landwirtschaft erneuert.
Das wichtigste Kriterium für die Auswahl jener Vereinbarungen, die
nicht erneuert wurden, war der Zeitpunkt ihres Ablaufs - in allen Fällen
Mitte 1982. Sie konnten somit rasch beendet werden, sofern das sowjetische
Verhalten ihre Weiterführung nicht als gerechtfertigt erscheinen ließ.
Dieser Entscheidung lagen natürlich die Besorgnisse dieser Administration
über mögliche Technologieeinbußen durch die Kooperationsvereinbarung zugrunde, aber sie waren nicht der ausschlaggebende Faktor.
Alles in allem vermitteln die kooperativen Austauschaktivitäten in
Wissenschaft und Technik den Vereinigten Staaten allgemein Informationen
über die Leistungsfähigkeit der sowjetischen Wissenschaft, in mancher Hinsicht auch Einblicke in Gebiete, wo der Leistungsstand höher ist als bei
uns, und mehr Wissen und Verstehen auf Seiten unserer wissenschaftlichen
Institutionen nicht nur im Hinblick auf die Wissenschaft in der Sowjetunion,

- 7 -

�der Sowjetunion, sondern auch auf die Innen- und Außenpolitik der UdSSR.
Darüber hinaus erhalten wir durch unsere bilateralen Aktivitäten Zugang
zu einer einflußreichen Schicht in der modernen sowjetischen Gesellschaft nämlich zum wissenschaftlichen Sektor -, die sich häufig gegenüber unseren
Anstrengungen, den amerikanischen Standpunkt darzulegen, aufgeschlossen
zeigt.
Dennoch kann ich in nächster Zukunft keine Rückkehr zu einer Zusammenarbeit mit der Sowjetunion in einem Umfang erkennen, der dem in der Mitte
der siebziger Jahre entspräche, und ganz ge' iß nicht,

solange sich das

politische Klima nicht verbessert, das zu einer Verringerung der Zusammenarbeit führte.

Wir beabsichtigen auch weiterhin sehr sorgfältig zu prüfen,

auf welchem Niveau Zusammenarbeit wünschenswert sei.

Ich habe nicht den

Eindruck, daß diese Regierung verstärkte Zusammenarbeit in erster Linie nur
deshalb anstrebt, um den Anschein von Zusammenarbeit zu wahren.

Jedes Pro-

jekt soll sich in wissenschaftlicher und technologischer Sicht lohnen, soll
in Zusammenarbeit mit den Sowjets aufgrund ihrer besonderen oder wichtigen
Fähigkeiten auf dem betreffenden Gebiet durchgeführt und sorgfältig geplant
werden, um den Technologietransfer zu kontrollieren.

Die von jeder Seite

zu einem Programm geleisteten Beiträge müssen sorgfältig analysiert und im
Gleichgewicht gehalten werden.

Die Arbeit verlangt sorgfältige Überwachung,

um zu gewährleisten, daß jede Seite ihren Verpflichtungen gewissenhaft nachkommt .

+ + + + +

�32

10. August 1983

ERLÄUTERUNGEN ZU ZÖLLEN UND QUOTEN FÜR SPEZIALSTAHLE IN DEN USA
- Nicht alle Wünsche der US-Stahlindustrie erfüllt -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 5. Juli 1983
Beschränkungen für die Einfuhr von Spezialstahl

nach den Vereinigten Staa-

ten bekanntgegeben, die inzwischen in Kraft getreten sind.

Von den auf

vier Jahre - ein Jahr weniger als die amerikanische Stahlindustrie gefordert hatte - festgesetzten Zöllen und Quoten sind vor allem Lieferanten
in Japan, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Schweden, Spanien,
Großbritannien, Italien, Brasilien, Kanada und Südkorea betroffen.
Zölle wurden für zwei Arten von Walzstahl eingeführt - Stahlbleche
und Bandstahl sowie Stahl platten - die etwa 55 Prozent der Einfuhren von
Spezialstahl ausmachen.

Die zusätzlichen Zölle für Stahlbleche und Band-

stahl beginnen mit 10 Prozent im ersten Jahr und gehen auf 4 Prozent im
vierten Jahr zurück.

Die Zusatzzölle für Stahlplatten beginnen mit 8 Pro-

zent und gehen ebenfalls auf 4 Prozent im letzten Jahr zurück.
Für andere Spezialstähle wurden Quoten eingeführt.

Die Quote für

Rundstahlimporte aus allen Ländern wurde für das erste Jahr auf 11 000

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�auf 27 000 Tonnen festgesetzt, und diese steigert sich im vierten Jahr auf
29 500 Tonnen.

Die Quoten für Stahldraht wurden für das erste Jahr auf

19 100 Tonnen und 20 900 Tonnen im vierten Jahr festgelegt; bei legiertem
Werkzeugstahl auf 22 400 Tonnen im ersten und 24 500 Tonnen im vierten Jahr.
Diese Quoten stellen zwar eine wesentliche Kürzung der Einfuhren
gegenüber dem Vorjahr dar, jedoch liegen sie weit höher, als von der amerikanischen Stahlindustrie gefordert.

So hatte die Industrie beispielsweise

eine Kürzung der Stahldrahtimporte auf 3941 Tonnen vorgeschlagen - verglichen mit der tatsächlichen Quote von 19 100 Tonnen.

Aus Kreisen der

amerikanischen Stahlindustrie wurde Enttäuschung über die Entscheidung von
Präsident Reagan geäußert, da sie nicht weitgehend genug sei. Man fürchtet
in Industriekreisen in Amerika, daß die Erhöhung der Zölle für Edelwalzstahl von den Regierungen der Exportländer durch erhöhte Subventionen der
Erzeuger von Spezialstahl umgangen werden könnte.

Industrie und Gewerk-

schaften in den USA hatten auch für Walzstahl die Einführung von Quoten
verlangt.
Die Entscheidung des Präsidenten entspringt einer Reihe von Überlegungen. An erster Stelle stand die Tatsache, daß sich die SpezialStahlindustrie in Amerika - trotz großer Modernisierungsanstrengungen - nicht mehr
in der Lage sah, mit ausländischen Firmen zu konkurrieren, die für ihre Erzeugung und ihren Export hohe Subventionen ihrer Regierung erhalten. Der
amerikanische Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter
Brock, stellte am 7. Juli fest, daß es in diesem Industriezweig keinen offenen Handel mehr gebe. Seit 10 oder 15 Jahren befänden sich die Vereinigten Staaten in einer Position, auf einem Weltmarkt konkurrieren zu müssen,
wo Subventionen üblich und Regierungsinterventionen häufig seien und in
einem Teil der Welt nach dem anderen sich diese Industrie zu einem Kartell
zusammengeschlossen hätte.
Die gesunde amerikanische Industrie sei durch
diese weitgehend unfairen Mittel geschädigt worden.
Die Wurzel

�Die Wurzel des Problems liegt in der Tatsache, daß die Weltkapazität
für die Erzeugung von Edelstahl während des letzten Jahrzehnts Jahr für Jahr
gestiegen ist - und zwar angesichts eines ziemlich stab.ilen Weltmarktes.
Ein Großteil dieses Zuwachses ist darauf zurückzuführen, daß Regierungen
zunächst mit hohen Subventionen eingegriffen haben, um Produktionskapazität zu schaffen, und dann die Erzeugung und den Verkauf des Produkts weiter
subventioniert haben. -Im Gegensatz dazu ist die ameri-kafiische. Rohstahl-n-.^
Produktion während des letzten Jahrzehnts um etwa ein Drittel zurückgegangen.
Diese Erhöhung der Weltproduktion hatte zwei nachteilige Auswirkungen
für alle Erzeuger.

Es traten ein sehr instabiler Stahlmarkt mit starken

Preisschwankungen und ein Verfall der realen Preise ein, die es Firmen unmöglich machten, genügend Gewinne zu erzielen, um den Betrieb modernisieren
und damit konkurrenzfähig machen zu können.

Das Ergebnis dieses unfairen Wett-

bewerbs war eine Katastrophe für die Spezialstahl herstell er in den USA.
Dieser Industriezweig mit 14 000 Arbeitskräften, der wertmäßig etwa 10 Prozent der amerikanischen Stahlerzeugung ausmacht, hat eine Arbeitslosenrate
von 25 Prozent, und die Betriebe arbeiten nur mit etwa 50 Prozent ihrer Kapazität.

Hingegen gingen die Importe an Spezialstahl in den letzten zwei

Jahren von 131 000 Tonnen 1980 um fast 50 Prozent auf 203 000 Tonnen im
Jahr 1982 in die Höhe.
Selbst in Zeitungen in Westeuropa wurde bei aller Kritik an der Entscheidung von Präsident Reagan anerkannt, daß sie im Einklang mit amerikanischem Recht und den Regeln des GATT steht. Ziel der Maßnahmen Washingtons
ist nicht, neue Handelsschranken zu errichten, sondern den unfairen Handelspraktiken ein Ende zu setzen, die zu dieser Entscheidung zwangen. Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die getroffenen Maßnahmen alle Länder anregen
werden, sich mit den eigentlichen Problemen zu befassen und vernünftigere
Regelungen anzustreben.
Die Vereinigten Staaten haben sich streng an die Regeln des GATT und
anderer internationaler Verpflichtungen gehalten. Andere Länder hatten aus- 3 -

�hatten ausführliche Gelegenheit, während der langen Untersuchung durch
die Internationale Handelskommission der USA ihren Standpunkt darzulegen.
Botschafter Brock ist bereit, mit allen Regierungen, die dies wünschen,
in Verhandlungen über die von den Quoten betroffenen Erzeugnisse einzutreten. Die Einführung der Quoten soll sicherstellen, daß kein Land unfair behandelt wird. Gleichzeitig werden die USA versuchen, gegenüber jenen Ländern, bei denen keine Regierungssubventionen gewHhrt, deren Interessen jedoch von dieser Entscheidung berührt werden, so flexibel wie möglich zu handeln.

+ + + + +

�10. August 1983

32

CHALLENGER-START VERSCHOBEN

- (AD) - CHALLENGER steht seit ein paar Tagen auf der Abschußrampe
am Kap Canaveral.

Jedoch wurde der Starttermin für den dritten Flug des

zweiten Raumtransporters der USA vom 20. auf den 30. August verschoben.
Grund:

Für das Durchprüfen und Erproben des TDRS-Nachrichtensatelliten,

der nach einer langwierigen Prozedur Ende Juni auf den vorgesehenen Standort in 36 000 km Höhe über dem Äquator vor der Küste Brasiliens eingesteuert
werden konnte, wird noch Zeit benötigt.

Vor allem soll das Personal der

Bodenstation White Sands (New Mexico), die für die Funkverbindungen mit
anderen unbemannten wie mit bemannten Satelliten über TDRS zuständig ist,
Gelegenheit haben, noch mehr Erfahrungen zu sammeln. Als Testobjekte dienen gegenwärtig einige amerikanische Forschungs- und Anwendungssatelliten
sowie der Erderkundungssatellit LANDSAT 4. Bei diesem Gerät haben sich
seit dem Start am 16. Juli 1982 verschiedene technische Mängel eingestellt.
Jetzt wird in der NASA erwogen, ihn auf eine niedrigere Umlaufbahn zu bringen, damit er - ähnlich wie für April 1984 bei dem SOLARMAX-Satelliten vorgesehen - nach einem Rendezvous-Manöver des Raumtransporters an Bord geholt und repariert werden kann.

Dies könnte 1985 oder 1986 geschehen.
Da beim

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Da beim ersten Flug eines Raumtransporters mit dem europäischen Weltraumlabor SPACELAB nur ein TDRS-Satellit zur Verfügung steht (der Start
des zweiten Geräts wurde bis zur Klärung der Ursache des Versagens seiner
zweiten Trägerstufe verschoben), ist die Einsatzfähigkeit dieser Relaisstation im Weltraum und der neuen zentralen Bodenstation White Sands besonders wichtig.

Denn SPACELAB braucht zur Datenübermittlung die Verbin-

dung über den TDRS-Satelliten, wenn die vorgesehenen zahlreichen Meß- und
Forschungsprogramme nicht drastisch reduziert und beeinträchtigt werden
sollen.
CHALLENGER soll den jetzigen Plänen zufolge am 30. August zwei Stunden nach Mitternacht um 2.15 Uhr Ortszeit (8.15 Uhr MEZ), am Kap Canaveral
starten und am 4. September auf dem Edwards-Flughafen in Kalifornien landen.

Der Start der umgebauten COLUMBIA mit SPACELAB wurde vom 30. Septem-

ber auf den 28. Oktober verschoben.

.

+ + + + +

. '

�Uli/zen/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

32

10. August 1983

MEERESWEICHTIERE ALS MODELL FÜR HERZFUNKTIONEN
- Energiestoffwechsel ohne Sauerstoff -

- (AD) - Durch die Untersuchung der Herzfunktionen bei Weichtieren
(Schnecken und Muscheln) mit Hilfe der Kernspinresonanz-Methode (NMR Nuclear Magnetic Resonance) hofft man herauszufinden, weshalb das Herz dieser Tiere auch bei Sauerstoffmangel funktionsfähig bleibt.

Dr. W. Ross

Ellington, Physiologe an der Staatsuniversitä't des amerikanischen Bundesstaates Florida, benutzt das Herz solcher Tiere für eingehende Stoffwechselstudien.

Schlüsselelemente sind dabei phosphorhaltige Verbindungen.

Das NMR-Verfahren erlaubt das Studium chemischer und physikalischer Prozesse in lebenden Organismen und Zellen, ohne daß dabei das Gewebe zerstört wird.
Dr. Ellington, dessen Projekt von der "Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten finanziert wird, wählte deshalb Weichtierherzen, weil sie in der Anlage und in den Grundfunktionen dem menschlichen Herzen und den Herzen der Säugetiere ähnlich sind.

Sie besitzen

mehrere Kammern, und der Blutstrom wird durch Klappen zwischen jeder Kammer gesteuert.

In bezug auf die biochemischen Prozesse besteht jedoch im

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�jedoch im Zusammenhang mit der Herzmuskelkontraktion ein grundlegender
Unterschied:

Während beim Säugetier und beim Menschen der Energiestoff-

wechsel - die Aufspaltung von Brennstoffen, d.h. von Fetten und Kohlehydraten - unter der durch das Blut besorgten Sauerstoffzufuhr die Voraussetzung für die normale Herzmuskelkontraktion ist, scheint das Herz
bestimmter Meeresschnecken und Meeresmuscheln auch längerfristig ohne jegliche Sauerstoffzufuhr eine gewisse Kontraktionsfähigkeit zu behalten.
Als Versuchstiere dienen Schnecken und Muscheln, die bei Ebbe regelmäßig der Luft ausgesetzt sind.

In dieser Zeit werden ihre Kiemen

nicht von Wasser bespült. Als Folge davon sinkt der Sauerstoffspiegel im
Blut ab.
mangel.

Für die Gewebe im Organismus besteht somit periodisch SauerstoffEllington möchte, wie er erklärte, den besonderen Prozessen im

Energiestoffwechsel dieser Tiere auf die Spur kommen, die die Kontraktionsfähigkeit ihres Herzens auch in Abwesenheit von Sauerstoff erhalten.
"Beim Säugetier und beim Menschen scheint das Versagen des Herzens
unter Sauerstoffmangel zwei Ursachen zu haben", meint

Dr. Ellington.

"Erstens ist der Bedarf des Herzmuskels an chemischer Energie weitaus höher
als die Fähigkeit zur Energieproduktion.

Zweitens wird in Abwesenheit von

Sauerstoff chemische Energie durch Reaktionen produziert, die den Säurespiegel im Gewebe ansteigen lassen."
Aus seinen bisherigen Untersuchungen an den aus den Organismen isolierten Herzen, die an Schläuche angeschlossen sind und Salzwasser als
Blutersatz pumpen, geht hervor, daß die chemische Energie in diesen Herzen
durch chemische Reaktionen erzeugt wird, deren Nutzeffekt etwas größer ist
als jener der entsprechenden Reaktionen im Herzmuskel der Säugetiere. Das
Ungleichgewicht zwischen Energiezufuhr und Energiebedarf während des Sauerstoffmangels sei deshalb geringer, ebenso der tatsächliche Sauerstoffbedarf, erklärte der Forscher. Das Projekt solle dazu beitragen, die physiologischen Prozesse im Herzen von Säugetieren und beim Menschen besser analysieren und zu verstehen.
+ + + + +

- 2 -

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                    <text>AMERIKA DIENST

1 0 . A u g u s t 1988

29

I N H A L T
DOKUMENTATION
Carlucci bezweifelt sowjetische Behauptung defensiver Strategie
- US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs
Vereinigte Staaten geben Produktionsorte für chemische Waffen bekannt
- Rede des amerikanischen Vertreters bei der
Genfer Abrüstungskonferenz -

INFORMATION
Finanzminister Bakers Nachfolger heißt Nicholas Brady
- Ankündigung des Weisen Hauses -

HINTERGRUNDMATERIAL
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988
Bush verspricht Unterstützung für Raketenabwehr im Weltraum
- Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee -

WIRTSCHAFT
Was steht im neuen Handelsgesetz?
- Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AIDS-Seuche hemmt Entwicklungspolitik
- Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe

Themenindex AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'V,oN *&lt;

10. August 1988

29

CARLUCCI BEZWEIFELT SOWJETISCHE BEHAUPTUNG DEFENSIVER STRATEGIE
- US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs -

MOSKAU - (AD) - Verteidigungsminister Carlucci zufolge haben die Vereinigten Staaten Schwierigkeiten, eine angeblich die Verteidigung betonende sowjetische Militärdoktrin mit einer Streitkräftestruktur und operativen Strategie
in Einklang zu bringen, bei der "die Betonung auf der Offensive liegt - insbesondere auf Überraschung und Beweglichkeit. Zu Beginn einer viertägigen Besichtigungstour militärischer Einrichtungen in der Sowjetunion erklärte
Carlucci am 1. August 1988, die sowjetischen Regierungsvertreter seien "ausgesprochen bereit, sogar geradezu begierig" darauf gewesen, mit ihm "eine Verlagerung der sowjetischen Militärdoktrin hin zu einer defensiven Strategie und
Kräfteverteilung" zu erörtern.
Nachfolgend
Wortlaut.

bringen wir die Rede von Verteidigungsminister Carlucci im

Es ist mir eine Ehre, heute in
Moskau vor Ihnen sprechen zu dürfen
und damit den Dialog, in dem sich unsere beiden Länder befinden, einen
weiteren Schritt voranzubringen. Ich
möchte insbesondere meinen Gastgebern
für diese Gelegenheit zu einer Ansprache vor der Akademie des Generalstabs danken. Dies ist bereits mein
zweiter Besuch in Moskau in den vergangenen zwei Monaten. Ich gehe davon aus, daß die in den nächsten Tagen stattfindenden Gespräche mit Verteidigungsminister Jasow sowie die
anderen auf der Tagesordnung vorgesehenen Veranstaltungen zu meinem Verständnis der sowjetischen Einstellung
zu Sicherheitsangelegenheiten in den
Beziehungen mit den Vereinigten Staaten beitragen werden - und gleichzeitig mein Verständnis des sowjetischen
Systems vertiefen werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Ich habe die Absicht, heute über
die Aussichten für unseren Dialog
über Verteidigungs- und Sicherheitsproblemen zu sprechen - wo wir heute
stehen und welche Entwicklungen wir
von diesem Dialog erwarten können.
Angesichts der Einblicke, die ich im
Verlauf meines Besuchs in das sowjetische System erhalten werde, möchte
ich meine heutigen Ausführungen damit
beginnen, Ihnen einige von mir angestellte Beobachtungen über das amerikanische System sowie die Ideale und
Interessen, von denen die amerikanische Politik geprägt ist, darzulegen.
Ich weiß nicht, wie viele unter
Ihnen Zeit darauf verwandt haben, das
amerikanische System und seine Funktionsweise zu studieren.
Ich beglückwünsche Sie, wenn Sie sich die-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ser Mühe unterzogen haben. Selbst in
meiner Position als Regierungsmitglied mit mehr als 30jähriger Erfahrung lerne ich noch immer jeden Tag
aufs neue, wie das amerikanische System funktioniert.
Am augenfälligsten ist wohl die
Vielzahl der "Spieler" - wie wir sie
in Washington zu bezeichnen pflegen
-, die an dem Prozeß beteiligt sind.
Es gibt den Präsidenten, das Kabinett, den Kongreß, das Gerichtssystem; es gibt Berater, unabhängige
Behörden, Ausschüsse und Unterausschüsse und - natürlich - die Bürokratie. Außerhalb der Regierung gibt
es die Oppositionspartei, organisierte Lobbyisten und Interessenverbände,
Fürsprecher und Experten aller Art.
Dann gibt es die Presse - sie berichtet, erklärt, kommentiert und stellt
jede politische Entscheidung in Frage, die getroffen wird, oder erst
noch im Werden ist. Die Formulierung
einer bestimmten Politik kann sehr
häufig ein Dutzend unterschiedlicher
Institutionen und Hunderte von Personen beschäftigen.
Und selbst wenn
eine Entscheidung gefällt worden ist,
scheint es, als ob die Probleme niemals bewältigt werden können.
Aber der Schein, im amerikanischen System befänden sich die Angelegenheiten normalerweise im Fluß,
kann trügen.
Das System wird der
Aufgabe gerecht, für die es entworfen
wurde und es ist - vor allem - offen: Es gibt unbegrenzte Möglichkeiten, absolut alle Meinungen und Aspekte vorzubringen und darauf zu reagieren. Und diese Offenheit ist das
Kernstück des demokratischen Systems.
In jedem System, abgesehen von
einer Ein-Mann-Diktatur, gibt es Diskussionen unter den Regierungsmitgliedern über das generelle Vorgehen
- obwohl diese Diskussion leicht vor
der Öffentlichkeit verborgen werden
kann. Wenn das Volk regiert, wird
die Öffentlichkeit zu einem offenen
Forum, in dem die Geschicke des Landes entschieden werden. Vor über 150
Jahren kam ein höchst weitsichtiger
Student der politischen Wissenschaf-

ten mit Namen Alexis de Tocqueville
nach Amerika, um die Demokratie in
der Praxis zu sehen. Die erste Notiz
in seinem Reisebericht war der ständige Tumult, den er in Amerika beobachtete. Wohin er auch ging, überall
waren Menschen in öffentliche Diskussionen vertieft und äußerten ihre
Meinungsverschiedenheiten
lautstark.
Mit der Zeit erkannte Tocqueville,
daß es sich hierbei in Wirklichkeit
um demokratische Debatten handelte die Stimme des Volkes, das sich
selbst regiert - und nicht um den Beweis für ein zutiefst zerstrittenes
und in Auflösung begriffenes Volk,
wie er zunächst angenommen hatte.
Unbestreitbare Tatsache ist, daß
das amerikanische System bei all seiner Vielfältigkeit eine gemeinsame
Wurzel hat - die Freiheit, die jedem
Einzelnen zusteht.
Freiheit ist das Grundprinzip,
das Demokratie definiert und der amerikanischen
Politik
die
Richtung
weist.
Unsere
Sicherheitspolitik
gründet sich auf unsere Verpflichtung, unsere Freiheit im Verbund mit
anderen freien Nationen zu erhalten.
Unsere Außenpolitik wird von der Wahrung der Grundrechte und Freiheiten
der Menschen überall auf der Welt geleitet.
Amerika
ist
militärisch
nicht aggressiv, denn Demokratie ist
keine Doktrin, die mit Gewalt aufgezwungen werden kann. In dem Maße, in
dem ein demokratisches Volk seine
Wahl treffen kann, wird es nichts
sehnlicher wünschen, als in Frieden
zu leben und die Freiheiten auszuleben, die es genießt. Aber es kann
und wird alles Erforderliche tun, um
sicherzustellen, daß diese Freiheiten
nicht in Gefahr geraten.
Vielleicht werden einige oder alle von Ihnen eines Tages die Gelegenheit haben, Amerika mit eigenen Augen
zu sehen und sich selbst aus erster
Hand einen Eindruck von seinem System
und seinem Volk zu verschaffen. Ich
hoffe, den amerikanischen Offizieren
wird in der Sowjetunion eine ähnliche
Möglichkeit geboten.
Das von Marschall Achromejew und Admiral Crowe

�entworfene Austauschprogramm zwischen
hohen Offizieren ist ein vielversprechender Anfang.
Ich selbst bin hier in Moskau als
eine Art Beobachter der Tagespolitik
in der UdSSR. Soweit ich sehen kann,
findet hier ein höchst bedeutender
Prozeß des Wandels statt. Ich hoffe,
in den nächsten Tagen mehr über die
Veränderungen erfahren zu können, die
sich jetzt vollziehen.
Als
Verteidigungsminister
habe
ich vorrangiges Interesse daran, welchen Einfluß dieser Prozeß auf die
sowjetische Militärmacht haben könnte
sowohl auf ihre Fähigkeiten als
auch auf die Mittel und Wege, mit denen diese Fähigkeiten eingesetzt werden.
Ich werde mit Interesse beobachten,
- ob durch Glasnost die das sowjetische Militär umgebende Geheimhaltung gelockert wird, wie dies
in anderen Bereichen des sowjetischen Lebens ansatzweise geschehen ist,
- ob Perestrojka zu einer Umverteilung der Ressourcen von der militärischen Produktion zum zivilen
Bedarf führen wird,
- und, ob das gegenwärtig vorherrschende "neue Denken" in der
UdSSR eine Neugestaltung der sowjetischen
Militärdoktrin
und
Streitkräftestruktur sowie dauerhafte Veränderungen der Art und
Weise bedeutet, wie die Sowjetunion ihre Beziehungen zu anderen
Ländern unterhält.
Im Augenblick sind dies interessante - aber im großen und ganzen
noch offene Fragen. Wir in den Vereinigten Staaten werden abwarten und
beobachten - und wir werden konstruktive Veränderungen begrüßen, wenn sie
sich uns konkret darstellen.

haft anführen. Verteidigungsminister
Jasow und viele andere sowjetische
Regierungsvertreter, mit denen ich
gesprochen habe, waren ausgesprochen
bereit - sogar geradezu begierig -,
Gespräche über eine Verlagerung der
sowjetischen Militärdoktrin hinzu eine Defensivstrategie und Kräfteverteilung zu führen. Dennoch gibt es
meiner Meinung nach noch eine Reihe
unbeantworteter Fragen bezüglich einer Verlagerung der sowjetischen Militärdoktrin.
Erstens haben wir Schwierigkeiten
damit, eine defensive Doktrin mit dem
in Einklang zu bringen, was wir bei
der sowjetischen Streitkräftestruktur
und bei der Einsatzstrategie als
Schwergewicht auf der Offensive wahrnehmen - insbesondere auf Überraschung und Beweglichkeit.
Ich verweise zum Beispiel auf das Einsatzkonzept, vorne stationierte Brückenlegeeinheiten und die starke Betonung
auf Panzern und Artillerie. Gleichzeitig beobachten wir keine Verlagerung
des
Schwergewichts auf die
Streikträftearten, die man gemeinhein
mit Verteidigung in Verbindung bringt.
Wir haben ferner Schwierigkeiten,
das sowjetische Versprechen zu keinem
Ersteinsatz von Nuklearwaffen mit Ihrer anhaltenden Betonung schwerer Interkontinentalraketen
(ICBMS),
wie
etwa der SS-18, in Einklang zu bringen. Diese Raketen sind unserer Ansicht nach am besten für einen Erstschlag gegen amerikanische silogestützte Systeme geeignet - eine Fähigkeit, die eher auf eine Militärdoktrin zutrifft, die einen Präventivschlag mit Nuklearwaffen betont.
Ich bin mir natürlich darüber im
klaren, daß die Durchführung erheblicher Veränderungen bei der Streitkräftestruktur Zeit erfordert - aber
ich bin ebenso sicher, Sie sind sich
darüber im klaren, daß kein vernünftiger Soldat sein eigenes Einsatzkonzept aufgibt, solange ihm keine Beweise für echte Veränderungen vorliegen.

Ich möchte hier das Problem der
sowjetischen Militärdoktrin beispiel- 3 -

�Ich bin von ihrer Führung auch
gedrängt worden, militärische Übungen
in der Sowjetunion auf Anzeichen einer neuen Betonung der Verteidigung
hin zu überprüfen. Es stimmt natürlich, daß wir von Ihren Übungen lernen, ebenso wie Sie von unseren Übungen lernen können. Gegenwärtig sind
jedoch trotz zahlreicher Veränderungen die Anzeichen dafür mehrdeutig.
Wir haben Übungen beobachtet, bei denen sowjetische Streitkräfte einen
Angriff abwehren, bevor sie in die
Offensive gehen.
Dennoch ist es
schwierig, den Unterschied zwischen
offensiven Streitkräften, die auf die
Durchführung eines Angriffs angelegt
sind und denen zu bestimmen, die eine
Gegenoffensive durchführen sollen ein Punkt, auf den von einigen sowjetischen Strategen verwiesen wird.
Wir stehen der Beobachtung sowjetischer Übungen in Zukunft natürlich
aufgeschlossen gegenüber.
Lassen Sie mich an diesem Punkt
eindeutig klarstellen, daß die Vereinigten Staaten überhaupt kein Interesse daran haben, sich im Hinblick
auf militärische Umgestaltungen der
Sowjets unrealistischen Erwartungen
hinzugeben.
Wir erkennen, daß die
Sowjetunion einen legitimen Bedarf an
Verteidigung hat, und wir sind uns
der Leiden bewußt, die Ihr Land in
der Vergangenheit erduldet hat. Niemand spricht Ihnen die Notwendigkeit
einer starken und fähigen Armee ab.
Wir sind besorgt, wenn die UdSSR mit
der Fortsetzung der Entwicklung von
Streitkräften ihren Verteidigungsbedarf weit übersteigt - insbesondere,
wenn diese neu hinzugefügte Stärke
sich auf Streitkräfte konzentriert,
die massive offensive Einsätze durchführen können, um Territorium zu erobern und zu halten.
Bei der gegenseitigen Beurteilung
unserer Streitkräfte müssen wir uns
die
geostrategischen
Unterschiede
zwischen unseren beiden Ländern vergegenwärtigen.
Die Sowjetunion ist
eine Landmacht, die im Hinblick auf
strategische Ressourcen und Materialien nahezu autark ist. Im Gegensatz
dazu ist Amerika eine Insel, die sich

nicht allein mit Ressourcen versorgen
kann und aus diesem Grund eine Interessengemeinschaft mit anderen Ländern
braucht, um Erfolg zu haben und zu
überleben.
Die Vereinigten Staaten
brauchen eine starke Marine, um Amerikas Zugang zu den Schiffahrtslinien
zu gewährleisten, die unsere lebenswichtige Verbindung zu den Handelspartnern bildet, um Aggression abzuschrecken und zur Verteidigung der
gemeinsamen Interessen mit unseren
Verbündeten und Freunden in Übersee
beitragen zu können.
Ihre Führung
drängt uns zur Reduzierung unserer
Seestreitkräfte. Aber die Aufforderung an die Vereinigten Staaten zur
Reduzierung ihrer Fähigkeit auf See
käme der Aufforderung an die UdSSR
gleich, ihre Straßen- und Schienennetze zu zerstören. Angesichts unserer
geopolitischen
Gegebenheiten
könnte sich niemand von uns die Zerstörung dieser lebenswichtigen Verbindungen leisten.
Angesichts der von sowjetischer
Seite erfolgenden Entwicklung ihrer
Angriffs-U-Boote und des Ausbaus ihrer Fähigkeiten in der Luft über den
Weltmeeren, müssen die Vereinigten
Staaten ihre eigenen Fähigkeiten auf
See verbessern und Schritte zu deren
Schutz unternehmen, zum Beispiel mit
Hilfe von Waffen wie etwa der seegestützten Marschflugkörper. Und dennoch stellt unsere Marine keine Bedrohung für irgendein Land dar, das
uns seinerseits nicht bedroht.
Unsere Politik heißt Abschrekkung. Ich weiß, daß dieser Begriff
in der militärischen Terminologie der
Sowjetunion
abschätzig
verwendet
wird, und ich möchte daher offen sagen, was der Begriff im Sprachgebrauch amerikanischer Strategen bedeutet. Abschreckung ist einzig und
allein unserer Ziel, um einen Gegner
davon zu überzeugen, daß ein Angriff
auf uns einen zu hohen Preis hat und
nicht erfolgreich sein kann - und im
Grunde am besten nicht ausgeführt
werden sollte. Diese Auffassung von
Abschreckung ist so weit wie möglich
von einer Strategie des Erstschlags
entfernt, die andere Länder zu Recht

- 4 -

�bedrohlich finden würden.
Unsere Streitkräftestruktur liegt
für alle offen zutage. Obwohl wir
eine starke Marine haben, ist sie
zahlenmäßig kleiner als Ihre. Unsere
Armee verfügt über weit weniger Panzer, unsere Luftwaffe über weniger
Kampfflugzeuge, und wir sind in starkem Maße von Reservestreitkräften abhängig, deren erforderliche Mobilisierung
einen
Überraschungsangriff
nahezu unmöglich machen.
Und die
Vereinigten Staaten haben - im Gegensatz zur Sowjetunion - ein begrenztes
Programm zur zivilen Verteidigung und
kein
vergleichbares
unterirdisches
System von Bunkern, Tunnels und Wegen, um in einem lang andauernden
Nuklearkrieg Schutz zu gewähren.
Bei der Einschätzung amerikanischer Macht sollten Sie ferner die
Offenheit beachten, mit der Einzelfragen unserer Verteidigungshaltung
diskutiert werden.
Die Wiederherstellung einer starken amerikanischen
Verteidigung zu Beginn der achtziger
Jahre ist in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert worden - ebenso
bleibt die Tatsache, daß der amerikanische Verteidigungshaushalt nunmehr im vierten Jahr geringer ausfällt, der Öffentlichkeit nicht verborgen. Vor einem Jahr hat Präsident
Reagan die Sowjetunion in seiner Ansprache vor amerikanischen und sowjetischen Teilnehmern bei der Chautauqua-Konferenz aufgefordert, ihre eigenen militärischen Prozesse offenzulegen - einen gültigen Militärhaushalt zu veröffentlichen, den Umfang
und Aufbau der sowjetischen Streitkräfte zu enthüllen und im Obersten
Sowjet den Kurs der wichtigsten militärischen Entscheidungen und die Waffensysteme öffentlich zu erörtern.
Sowohl Ihr Generalsekretär wie
auch Ihr Verteidigungsminister haben
angedeutet, daß sie die Möglichkeit
einer öffentlichen Bekanntgabe Ihres
Militärhaushalts prüfen.
Dies wäre
in unserem andauernden Dialog eine
sehr willkommene Entwicklung. Gegenwärtig müssen wir jedoch die sowjetische Rüstungsproduktion als Maßstab

nehmen, und
nach unseren besten
Schätzungen belaufen sich die sowjetischen Militärausgaben weiterhin auf
volle 15 bis 17 Prozent Ihres Bruttosozialprodukts und steigen von Jahr
zu Jahr weiter an. Demgegenüber verwenden die Vereinigten Staaten 5,7
Prozent ihres nationalen Reichtums
für die Verteidigung. Ich gebe zu,
daß unser Bruttosozialprodukt größer
ist, aber quantitativ übertrifft Ihre
Rüstungsproduktion die unsrige bei
weitem.
Ich bin bereit anzuerkennen, daß
die Vereinigten Staaten in vielen Bereichen einen technologischen Vorsprung gegenüber der Sowjetunion besitzen - und ich erkläre zusätzlich,
daß '-rir auf jeden Fall unsere technologischen Fähigkeiten weiter verbessern werden. Wir können es uns einfach nicht leisten, etwas anderes zu
tun. Wenn wir zum Beispiel die technologischen Möglichkeiten einer Verteidigung gegen strategische Raketen
sehen, dann müssen wir die Gelegenheit in der Hoffnung ergreifen, eines
Tages ein stabileres, defensives Abschreckungspotential zu entwickeln.
Wir wissen um die Bedeutung, die
Sie der Verteidigung Ihrer Heimat
beimessen - und dieses Interesse wird
durch Ihre eigene intensive Arbeit an
modernen Raketenabwehrsystemen unterstrichen, die in vieler Hinsicht mit
unserer Strategischen Verteidigungsinitiative vergleichbar sind. Dieses
Interesse an der Entwicklung von Verteidigungssystemen ist verständlich
und wird von uns geteilt. Ich kann
Ihnen versichern, daß SDI rein defensiv ist und nicht die geringste Bedrohung für die UdSSR darstellt. Sie
dient einzig und allein einem Zweck:
Systeme zu entwickeln, die gegen uns
abgefeuerte Raketen zerstören können.
Tatsächlich sind wir der Ansicht,
daß die von uns gegenwärtig erforschten Verteidigungssysteme uns eines
Tages dazu verhelfen könnten, zu einer stabileren strategischen Regelung
überzugehen, die auf einer ausgewogenen Kombination von Verteidigung und
Offensive beruht.
Sicherlich würde

- 5 -

�ein System, das eine Verteidigung gegen einen Raketenangriff beinhaltet,
bei weitem einem solchen überlegen
sein, das sich für alle Zeiten auf
das "Gleichgewicht des Schreckens"
verläßt und allein auf offensiven
Atomwaffen beruht.
Ich hege die Hoffnung, daß unsere
gegenwärtig in Genf stattfindenden
Verhandlungen uns diesem Ziel näher
bringen werden. Wer hätte noch vor
fünf Jahren angenommen, daß wir heute
das erste Abkommen der Welt über die
Beseitigung von Atomwaffen - den INFVertrag - in die Tat umsetzen und daß
wir uns auf dem Weg zu einem noch
weitreichenderen Abkommen zur Reduzierung der strategischen Atomwaffen
um 50 Prozent befinden würden? Sicher müssen noch einige Probleme gelöst werden, aber diese sind keineswegs unüberwindbar.
Der Schlüssel
liegt darin, daß unser militärisches
Establishment auf beiden Seiten die
Vorteile eines Abkommens erkennt, das
zu einem stabileren strategischen
Gleichgewicht auf reduzierten Stärkeniveaus führt. Wenn wir die RUstungskontrollgespräche
mit
diesem
Ziel im Kopf angehen, dann bin ich
zuversichtlich, daß ein Abkommen geschlossen werden kann.
Ich spreche heute offen vor Ihnen, da ich überzeugt bin, daß Offenheit konstruktiv ist.
Schließlich
ist der Dialog allein kein Wert an
sich - er ist es nur insoweit, wie
er unsere Sicherheit verbessert. Und
das ist ein Argument dafür, die sehr
realen Unterschiede deutlich auszusprechen, die unsere Nationen voneinander trennen, selbst dann, wenn wir
Spannungen abzubauen und unsere Beziehungen zu verbessern suchen.
Der Weg zur Förderung des amerikanisch-sowjetischen Dialogs besteht
nicht darin, unsere Unterschiede zu
verwischen, sondern darin, sie offen
zur Kenntnis zu nehmen, nach Gemeinsamkeiten zu suchen und darauf aufzubauen.
Ich möchte mich auf einige gemeinsame Interessen konzentrieren,

bei denen Fortschritte möglich sind:
- Wir müssen weiterhin bei der Suche nach Wegen zur Verhinderung
gefährlicher militärischer Zwischenfälle zusammenarbeiten, die
eine von keiner Seite gewünschte
Konfrontation auslösen könnten.
- Wir müssen weiterhin unser Verständnis der Sicherheitsanliegen
beider Seiten durch Kontakte zwischen den Militärs verbessern.
- Wie ich schon erwähnte, müssen
wir weiterhin auf Rünstungskontrollabkommen
hinarbeiten,
die
Stabilität auf niedrigerem Niveau
schaffen - sowohl bei den atomaren wie bei den konventionellen
Streitkräften.
Schließlich besteht zusätzlich zu
diesen Bereichen in unseren Gesamtbeziehungen ein gemeinsames Interesse
am Abbau von Spannungen, und das ist
der zentrale Grund dafür, daß der von
uns ins Leben gerufene Dialog - über
regionale Konflikte und Menschenrechte wie auch über militärische Fragen
- weitere Fortschritte machen muß.
Allein die Tatsache, daß ich heute In der Akademie des sowjetischen
Generalstabs zu Gast bin, ist ein
Hinweis darauf, wie weit dieser Dialog schon gediehen ist. Trotz dieser
Fortschritte sollte es jedoch klar
sein, daß dies kein Höhepunkt, sondern nur ein Anfang ist. Was dieser
Dialog bietet, ist eine Chance, auf
der Grundlage von Realismus und Gegenseitigkeit
weiterhin
Spannungen
abzubauen und
bessere Beziehungen
zwischen unseren Ländern aufzubauen.
Das ist das Ziel, das mich nach Moskau geführt hat und für dessen Förderung ich während meines Aufenthalts
hier mein Bestes tun werde.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. August 1988

29

VEREINIGTE STAATEN GEBEN PRODUKTIONSORTE FÜR CHEMISCHE WAFFEN BEKANNT
- Rede des amerikanischen Vertreters bei der Genfer Abrüstungskonferenz GENF - (AD) - Mit der Bekanntgabe ihrer fünf Produktionsstätten für chemische Waffen vor der Genfer Abrüstungskonferenz (CD) haben die Vereinigten
Staaten am 28. Juli 1988 einen "weiteren entscheidenden Schritt zu größerer
Offenheit" getan. Der amerikanische Vertreter bei den Gesprächen über chemische Waffen, Max L. Friedersdorf, unterbreitete den Delegierten der CD ein
siebenseitiges Dokument, das eine Landkarte mit den folgenden fünf Produktionseinrichtungen enthält: Rocky Mountain Arsenal, Colorado; Newport Army
Ammunition Plant, Indiana; Pine Bluff Arsenal, Arkansas; Muscle Shoals,
Alabama; Aberdeen Proving Ground, Maryland.
"Wir hoffen, daß dieses Papier (über die Produktionsstätten) sowohl zu
größerem Vertrauen als auch zur Verhandlung von weiteren Verfügungen im Rahmen
der Konvention beitragen wird," erklärte Friedersdorf, dessen Äußerungen wir
nachfolgend in Auszügen veröffentlichen:
Herr Präsident, am Ende der Frühjahrssitzung der CD habe ich vor dem
Plenum zwei Erklärungen zum Stand der
Verhandlungen über chemische Waffen
abgegeben. Am 14. April kommentierte
ich die bis zum damaligen Zeitpunkt
in der Sitzungsperiode 1988 erzielten
Fortschritte. Meine Erklärung am 19.
April befaßte sich mit den Aussichten
für den Sommer der diesjährigen Sitzungsperiode. Heute möchte ich mich
erneut dem wichtigen Thema des Verbots chemischer Waffen widmen. Seit
meiner letzten Rede bei der Konferenz
zu dieser Frage ist viel geschehen.
In den vergangenen Monaten ist
das Verbot chemischer Waffen mehrmals
Gegenstand hochrangiger bilateraler
Gespräche zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gewesen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wie ich bereits feststellte, haben
die beiden führenden Politiker der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wichtige und weitreichende Diskussionen über Rüstungskontrollfragen
geführt, auch über ein Verbot der
chemischen Waffen. Weiterhin wurden
mehrere Treffen auf Ministerebene abgehalten.
Beim Moskauer Gipfel haben Präsident
Reagan
und
Generalsekretär
Gorbatschow die Bedeutung von Bemühungen bekräftigt, die einzigartige
Herausforderung eines Verbots chemischer Waffen und die Erlangung einer wirksamen Konvention als Angelegenheit von äußerster Dringlichkeit
zu behandeln. Sie betonten die bisher in den Gesprächen erzielten Fortschritte
sowie
die
verbleibenden

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�schwierigen Probleme im Hinblick auf
die effektive Überwachung des weltweiten Verbots chemischer Waffen und
des Nichtgebrauchs von mehrfach verwendbaren Wirkstoffen für chemische
Waffen.
Ferner betonten die beiden
Politiker Probleme der Sicherstellung
einer wirksamen Verifizierung und unverminderter
Sicherheit
für
alle
Teilnehmer der Konvention.
Beide Seiten waren sich ferner
einig über die entscheidende Bedeutung von größerer Offenheit aller
Staaten als Weg zur Vertrauensbildung
und Stärkung der Grundlage einer
wirksamen Konvention.
Die beiden
führenden Politiker betonten ferner
die Notwendigkeit enger Koordinierung
auf multilateraler Basis, um die Beteiligung aller Staaten, die chemische Waffen besitzen oder zu ihrer
Herstellung in der Lage sind, an der
Konvention sicherzustellen.
Meiner
Ansicht nach entspricht dies auch der
Haltung der internationalen Staatengemeinschaft.
Auf multilateraler Ebene erhielt
ein Text, in dem die anhaltende
Dringlichkeit
eines
Verbots
chemischer Waffen zum Ausdruck kommt,
breite Unterstützung - auch durch die
Vereinigten Staaten - im Rahmen der
SSOD-III. Herr Präsident, all diese
Positionen finden sich auch in den
Instruktionen
meiner
Delegation.
Wenn diese Verpflichtung in den Anweisungen der anderen Delegationen
ebenfalls ihren Niederschlag finden,
dann sind meiner Auffassung nach die
Aussichten auf weitere Fortschritte
gut. Ich komme nun zur Substanz der
Verhandlungen. Dabei möchte ich drei
entscheidende Punkte behandeln, auf
die in der gemeinsamen amerikanischsowjetischen Erklärung Bezug genommen
wird:
- Die entscheidende Bedeutung grösserer Offenheit;
- das
schwierige
Problem
einer
wirksamen Überwachung der chemischen Industrie; und

- die Sicherung der Beteiligung aller Staaten an der Konvention,
die chemische Waffen besitzen
oder zu deren Herstellung in der
Lage sind.
Die an den Verhandlungen Beteiligten haben zunehmend die entscheidende Bedeutung größerer Offenheit
aller Staaten in bezug auf ihre Fähigkeiten zur Herstellung chemischer
Waffen und ihre chemischen Industrien
erkannt.
Die amerikanische Delegation selbst hat in diesem Bereich
wichtige Beiträge geleistet. In dem
im Juli 1986 vorgelegten Dokument
CD/711 haben die Vereinigten Staaten
zum Beispiel detaillierte Informationen über ihr Arsenal chemischer Waffen geliefert, einschließlich der Depotstandorte.
Ferner haben wir in
dem im letzten April vorgelegten Dokument CD/830 weitere Einzelheiten
über die chemischen Waffen an sich
bereitgestellt.
Heute unternimmt die amerikanische Delegation einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung auf
größere Offenheit.
Wir geben den
Standort jeder unserer Produktionseinrichtungen für chemische Waffen
bekannt.
In dem heute vorgelegten
Arbeitspapier mit dem Titel "Vernichtung von Produktionseinrichtungen für
chemische Waffen" ist eine Karte der
jeweiligen Standorte enthalten. Wir
hoffen, daß dieses Papier sowohl zu
größerem Vertrauen als auch zur Verhandlung von weiteren Verfügungen im
Rahmen der Konvention beiträgt.
Die von uns heute abgegebene Erklärung sucht in der Geschichte ihresgleichen.
Kein anderes Mitglied
der Konferenz hat Informationen über
seine Produktionsstätten
für chemischen Waffen zur Verfügung gestellt. Wir fordern die anderen Länder mit solchen Einrichtungen auf,
den Standort ihrer Produktionsstätten
bekanntzugeben und zu darzulegen, wie
diese Einrichtungen vernichtet werden
könnten.
Herr Präsident, in den vergange-

- 2 -

�nen Monaten hat die Konferenz bei der
Lösung permanenter Probleme im Zusammenhang mit Produktionsstätten für
chemische Waffen entscheidende Fortschritte erzielt. Eine übereinstimmende Definition ist in greifbare Nähe gerückt. Wir sind uns einig, daß
all diese Einrichtungen zerstört werden müssen.
Entsprechende Veränderungen werden bereits im Vertragstext
der zukünftigen Konvention vorgenommen. Während Übereinstimmung darüber
besteht, daß die Produktionsstätten
für chemische Waffen vernichtet werden müssen, liegen der Konferenz nur
spärliche Informationen darüber vor,
wie dies verwirklicht werden könnte.
Das Thema ist in diesem Sommer bereits in Arbeitsgruppe B erörtert
worden. Um die Verhandlungen zu erleichtern, umreißt unser Arbeitspapier in groben Zügen, wie die Vereinigten Staaten die Vernichtung ihrer Produktionseinrichtungen angehen
werden.
Offenheit war natürlich nicht
ausschließlich einigen wenigen Delegationen vorbehalten.
Wir werden
durch die Tatsache ermutigt, daß das
Prinzip des multilateralen Datenaustausch^ in den vergangenen ein oder
zwei Jahren zur gängigen Praxis geworden ist. In Erklärungen vor dem
Plenum oder in Arbeitspapieren haben
zahlreiche Delegationen unerläßliche
Informationen zur Verfügung gestellt.
Zweifelsohne werden in den verbleibenden Wochen dieser Sitzungsperiode
noch zusätzliche Informationen erarbeitet.
Unseren Unterlagen zufolge
haben ungefähr ein Dutzend Mitglieder
der Konferenz bisher noch nicht bekanntgegeben, ob sie im Besitz chemischer Waffen sind oder nicht. Wir
fordern sie dringend auf, dies noch
in diesem Sommer zu tun.
Bevor ich mich einem anderen Thema zuwende, möchte ich eine vorsichtige Warnung aussprechen.
Die der
Konferenz vorgelegten Informationen
können die Verhandlungen nur dann erleichtern, wenn sie präzise sind.
Ungenaue Erklärungen werden jedoch
das Vertrauen schmälern und den Ver-

such eines Verbots chemischer Waffen
komplizieren.
Bedauerlicherweise
sind unserer Ansicht npch bereits Erklärungen abgegeben worden, daß man
nicht im Besitz chemischer Waffen
sei, die höchstwahrscheinlich einen
solchen Effekt haben werden. So gravierend
die
Auswirkungen
bereits
jetzt sein könnten, hätten unpräzise
Erklärungen nach Inkrafttreten womöglich eine Reihe von Ad-hoc-Inspektionen zur Folge, die politische Konsequenzen nach sich ziehen würden.
Wahrheitsgetreue Erklärungen sind für
den gesamten Prozeß eines Verbots
chemischer Waffen unabdingbar.
Herr Präsident, die Konferenz hat
sich seit einiger Zeit mit dem
schwierigen Problem einer wirksamen
Überwachung der chemischen Industrie
auseinandergesetzt. Der Bericht des
Ad-hoc-Kommittes für chemische Waffen
von Ende April (Dokument CD/831) belegt eindeutig, daß beträchtliche
Fortschritte
erzielt worden sind.
Der Bericht stellt jedoch auch klar,
daß komplizierte und heikle Themen
noch zu erörtern sind. Die Lösung
dieser Themenkomplexe erfordert nicht
nur einen kreativen Ansatz, sondern
auch eingehendes Verständnis der Gegebenheiten in der zivilen chemischen
Industrie.
Unsere Delegationen sind der Auffassung, daß die Vertreter der chemischen Industrie entschieden zu den
Verhandlungen beitragen können. Diese Überzeugung erwächst aus den engen
und seit langem bestehenden Kontakten
zwischen unseren Unterhändlern und
den politischen Entscheidungsträgern
einerseits und den Vertretern der
amerikanischen chemischen Industrie
andererseits.
Wir
haben
festgestellt, daß die Industrie unser Ziel
eines umfassenden, wirksam verifizierbaren und wirklich weltweiten
Verbots chemischer Waffen teilt. Gestatten Sie mir, eine kürzlich von
Mr. Robert Roland, dem Präsidenten
des amerikanischen Verbands der Chemieindustrie, abgegebene Erklärung zu
zitieren.
Dieser Industrieverband,
kurz CMA genannt, vertritt Unterneh-

- 3 -

�men, die mehr als 95 Prozent der chemischen Produktionskapazität der Vereinigten Staaten ausmachen.
In seiner Erkärung von 28. April
1988 forderte Mr. Roland einen "starken, wirksamen, internationalen Vertrag" für ein Verbot chemischer Waffen.
Seinen Ausführungen zufolge
hatten amerikanische, kanadische, japanische und europäische Vertreter
der chemischen Industrie mehrere Monate an einem Satz von Empfehlungen
gearbeitet, die nach Meinung der CMA
ein Abkommen über ein Verbot chemischer Waffen erleichtern könnten.
Wenn diese Empfehlungen verabschiedet
worden sind, erklärte Mr. Roland,
"werden sie unseren Unterhändlern zusammen mit dem Versprechen unseres
Industrieverbands
zugeschickt,
daß
wir alles in unserer Macht stehende
tun werden, um einen solchen Vertrag
zu verwirklichen."

Ihr technisches Urteilsvermögen und
ihre praktische Erfahrung erweisen
sich bei der Lösung der zahlreichen
im Rahmen der Diskussion behandelten
gemeinsamen Probleme als sehr wertvoll.
Eine weitere positive Entwicklung
ist der Vorschlag zur Aufnahme multilateraler Bemühungen zur Entwicklung
und Erprobung von Verfahrensweisen,
mit deren Hilfe Inspektionen von Einrichtungen der chemischen Industrie
vorgenommen werden können. Zu Beginn
hielt sich meine Delegation mit ihrer
Meinung zu diesem Vorschlag zurück,
bis dieser besser ausgearbeitet war.
Angesichts der von der sowjetischen
Delegation gelieferten durchdachten
Einzelheiten akzeptieren die Vereinigten Staaten das Konzept eines
solchen
multilateralen
Experiments
und sind zu einer Teilnahme daran bereit.

Außerdem möchte ich darauf hinweisen, daß der Vorstand der CMA soeben seine einhellige Unterstützung
für einen Vertrag über chemische Waffen versichert und gefordert hat, daß
die chemischen Industrien aller Länder einen Konsens über technische
Fragen erarbeiten.
Unsere Überzeugung über die Bereitschaft der Industrie zur Förderung der Verhandlungen
wurde durch die mit Vertretern der
Industrie in der letzten Woche hier
in Genf abgehaltenen informellen Gespräche bestärkt. Wir werden durch
den ernsthaften
und konstruktiven
Austausch zwischen den Unterhändlern
und den Experten aus der Industrie
ermutigt.

Für den Erfolg des Experiments
ist die Teilnahme all der Staaten von
entscheidender Bedeutung, in denen
sich chemische Werke befinden, die
der Konvention zufolge Routineinspektionen unterworfen werden.
Ferner ist die Teilnahme anderer
Staaten in höchsten Maße wünschenswert. Unserer Ansicht nach ist nicht
nur die Erklärung der Verhandlungspartner wichtig, ob sie chemische
Waffen besitzen oder nicht - wichtig
ist auch die Erklärung, ob sie im zivilen Bereich chemische Werke besitzen, die inspiziert werden würden.
In den Vereinigten Staaten befinden
sich natürlich solche Werke.

Dieser
Austausch
verdeutlichte
die Notwendigkeit, daß den Bestimmungen zum Schutz vertraulicher Geschäftsinformationen größere Aufmerksamkeit gewidmet werden muß. Er betonte ebenfalls die Notwendigkeit der
genauen Darlegung, welche Informationen als vertraulich betrachtet werden
müssen. Wir sprechen den Vertretern
der Industrie, die sich in Genf eingefunden haben wie auch den Organisatoren der Gespräche unseren Dank aus.

Wir stimmen dem Vorschlag vom 26.
April über eine phasenweise Durchführung des Experiments zu. Vor Aufnahme der Entwicklung und Erprobung auf
internationaler Ebene müssen einzelne
Staaten jedoch Experimente auf nationaler Ebene durchführen und die Ergebnisse der CD vorlegen. Die amerikanische Regierung arbeitet bereits
mit dem Verband der amerikanischen
Chemieindustrie an der Entwicklung
und Erprobung von Verfahrensweisen

- 4 -

�zur Inspektion.
Wir fordern die Sowjets und andere auf, uns anzuzeigen, was sie dazu
unternehmen.
Im Rahmen der CD müssen viele Gespräche und Planungen erfolgen, um
dieses Experiment zu relalisieren.
Diese Konzeption ist gut, muß aber
noch an Substanz gewinnen.
Viele
Fragen zur Vorgehensweise müssen noch
beantwortet werden. Wie können zum
Beispiel sensible Geschäftsinformationen unter solchen Umständen geschützt werden, wo es keine rechtsverbindlichen Vorschriften zur Geheimhaltung gibt? Wir erwarten, daß
die sowjetische Delegation bei der
Erarbeitung von Antworten die Führungsrolle übernimmt.

tiven Vorschlag der ägyptischen Delegation, daß eine Möglichkeit gefunden
werden muß, um Beratungen mit wichtigen Staaten, die sich nicht an den
Verhandlungen beteiligen, abzuhalten.
Ähnliche Ideen sind von den Botschaftern Selesby (Vereinigtes Königreich)
und Rose (Deutsche Demorkatische Republik) geäußert worden.
Wir teilen die Ansicht, daß Konsultationen zur Förderung der wünschenswerten Allgemeingültigkeit beitragen würden. Wir versichern unsere
Zusamamenarbeit mit der ägyptischen
Delegation und anderen betroffenen
Staaten, um diesen Vorschlag zu verwirklichen.

* * * * * *

Zum Schluß, Herr Präsident, möchte ich noch die Notwendigkeit eines
weltweiten Verbots chemischer Waffen
hervorheben. Der Sicherheit in Europa ist viel Aufmerksamkeit gewidmet
worden.
Aber die Ereignisse der
letzten Jahren weisen eindeutig darauf hin, daß das größte Risiko für
den Einsatz chemischer Waffen außerhalb Europas liegt - wie es sich im
nahen Osten gezeigt hat. Wir teilen
die am 26. April im Plenum vorgetragene Auffassung des Vertreters von
Ägypten, Botschafter Elaraby, daß die
Konvention universellen Charakter haben sollte.
Eine Konvention, die
sich nicht
wirkungsvoll mit der
schrecklichen Realität auseinandersetzt, daß die Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen weitverbreitet
ist, kann nicht als erfolgreich betrachtet werden.
Wir verfolgen ein sehr ehrgeiziges Ziel - wir wollen die Beteiligung
aller Länder, die im Besitz chemischer Waffen oder zu deren Herstellung befähigt sind, gewährleisten.
Die Pessimisten argumentieren, daß
dies unmöglich ist und deshalb die
Länder
ihre
Ambitionen
herunterschrauben sollten.
Dem können wir
nicht zustimmen.
Wir unterstützen
vielmehr den konstruktiven und krea- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Information

4

10. August 1988

29

FINANZMINISTER BAKERS NACHFOLGER HEISST NICHOLAS BRADY
- Ankündigung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat den Rücktritt von James Baker als
Finanzminister erklärt und seine Absicht bekundet, den New Yorker Investment
Banker Nicholas Frede.rick Brady für die noch verbleibende Amtszeit de.r ReaganAdministration für dessen Nachfolge zu nominieren.

Baker
wird
für
Vizepräsident
George Bush die Präsidentschaftswahlkampagne leiten. Sein Rücktritt als
Finanzminister wird zum 17. August in
Kraft treten, wenn Bushs Nominierung
als Präsidentschaftskandidat der republikanischen Partei beim nationalen
Parteikonvent bestätigt wird.
Der
Stellvertretende
Finanzminister M. Peter McPherson wird bis
zur Bestätigung von Bradys Nominierung durch den Senat als Finanzminister amtieren.
Bei einem Informationsgespräch am
5. August im Weißen Haus, an dem auch
Reagan und Brady teilnahmen, erklärte
Baker, er betrachte seinen Wechsel
zur Kampagne von Bush als beste Möglichkeit, um das Fortbestehen des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Reagan-Erbes zu sichern.
Der Präsident lobte Bakers Arbeit
in Reagans beiden Amtszeiten zunächst
als Stabschef und dann als Finanzminister und verwies insbesondere auf
Bakers Rolle bei der Verwirklichung
der Steuerreform, bei der Einführung
eines Koordinierungssystems zwischen
den wichtigsten Industrieländern und
beim Abschluß des Freihandelsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada.
"Sie waren das Geheimnis unseres
Erfolges", erklärte Reagan, "Verhelfen Sie jetzt George dazu, Jim."
Reagan bemerkte
zu Brady, daß
"ich mir niemanden vorstellen kann,
der besser geeignet wäre, die Rolle

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�des Finanzministers
zu übernehmen,
und wenn er seine Bestätigung erhält,
wird er der Hauptsprecher meiner Administration
zu
Wirtschaftsfragen
werden." Bradys Präsenz würde Reagan
zufolge "die stetige Fortsetzung der
Wirtschaftspolitik gewährleisten, mit
der das längste Wirtschaftswachstum
in unserer Geschichte hervorgebracht
wurde".

die Tatsache, daß er bereits Senator
war, wird erwartungsgemäß den Prozeß
seiner Bestätigung beschleunigen.

Brady
zufolge
haben
die Vereinigten Staaten mit "Jim Bakers fester Hand ihre Führungsrolle in den
Finanzkreisen der Welt zurückerobert.
Ich möchte diesen Prozeß fortsetzen
und
Ihnen
sowie auch
dem amerikanische Volk dienen."

Brady
trat 1954 in die Firma
Dillon und Read ein, wo er schließlich
Firmenvorsitzender
und
Geschäftsführer wurde, bevor er seinen
Sitz im Senat erhielt.
Seit vielen
Jahren
ist er bei der Republikanischen Partei im Hintergrund aktiv.
Er ist ein langjähriger Freund von
Vizepräsident Bush - beide sind Absolventen von Yale - und hat Bush bereits bei der Präsidentschaftswahlkampagne 1980 unterstützt.

In einer nach dem Informationsgespräch veröffentlichten Stellungnahme
erklärte der Vorstandsvorsitzende der
US-Bundesbank, Alan Greenspan:
"Jim
Baker war einer der erfolgreichsten
Finanzminister in der Geschichte unseres
Landes.
Es
wird
schwierig
sein,
seine
Nachfolge
anzutreten.
Senator Brady ist jedoch von all den
mir bekannten Kandidaten der geeigneteste."
Brady ist gegenwärtig einer der
Vorsitzenden
der
Investmentbank
Dollin, Read und Company.
Er war
Vorsitzender einer von Reagan im vergangenen Jahr eingesetzten Kommission
zur Untersuchung des Börsenkrachs vom
vergangenen Oktober.
Der im Januar
veröffentlichte Bericht der Kommission empfahl eine Reihe von Maßnahmen, um die Vorschriften auf dem Aktienmarkt zu verschärfen - Empfehlungen, die bei Wertpapierhändlern der
Aktien und anderen Proteste hervorriefen und die sich auch die Administration zueigen machte.
Im April 1982 wurde Brady vom
Gouverneur von New Jersey zum Nachfolger
von
Senator
Harrison
A.
Williams bestimmt, der wegen eines
Skandals zum Rücktritt gezwungen war.
Seine Amtszeit betrug weniger als ein
Jahr, da im November 1982 ein neuer
Senator
gewählt
wurde,
woraufhin
Brady im Dezember zurücktrat.
Aber

Der Senatsausschuß, der über die
Kandidaten für das Amt des Finanzministers befindet - der Finanzausschuß
- wird von Lloyd Bentsen, dem demokratischen Vizepräsidentschaftskandidaten geleitet.

Brady ist ebenfalls im Sport aktiv. Er war Vorsitzender des Jockey
Club, der die Pferderennen im Staat
New York kontrolliert, und gilt als
ausgezeichneter Tennis- und Golfspieler.
Die
Familie
wohnt
in
New
Jersey.
Brady
und
seine
Frau
Katherine Douglas Brady haben vier
Kinder.
Nicholas Brady ist am 11.
April 1930 in New York City geboren.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Hintergrundmaterial

10. August 1988

29
DIE WAHLEN IN AMERIKA 1988

BUSH VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG FÜR RAKENTABWEHR IM WELTRAUM
- Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee WASHINGTON - (AD) - Nachstehend bringen wir einen vom US-Informationsamt
(USIA) herausgegebenen Beitrag im Rahmen einer Reihe von Veröffentlichungen,
in denen die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 1988 ihre
Positionen zur Außenpolitik und anderen Themen von internationalem Interesse
in ihren eigenen Worten darlegen. Die heutige Ausgabe enthält Auszüge aus
einer am 2. August 1988 vor dem Mid-America Committee in Chicago gehaltenen
Rede des republikanischen Präsidentschaftskandidaten George Bush, in der er
seine außenpolitischen Grundsätze erläutert und seine Unterstützung für eine
weltraumgestutzte Raketenabwehr verspricht. Ferner erklärt er, im Falle seiner Wahl werde er Bemühungen, die Verbreitung ballistischer Raketen in der
Dritten Welt einzudämmen, mehr Gewicht verleihen und danach streben, multinationale Kontrollen über die Verbreitung solcher Waffen einzuführen.
Die Auszüge haben folgenden Wortlaut:

Mein Programm für die neunziger
Jahre besteht aus sieben Elementen:
Der Präsident ist der Oberkommandierende. Sein erstes Augenmerk muß
der nationalen Sicherheit gelten.
Das heißt, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen müssen auf unserer
außenpolitischen
Tagesordnung
ganz oben angesiedelt sein, solange
die Sowjetunion die Macht zur Zerstörung unserer Zivilisation besitzt.
Wir begrüßen die Entwicklungen in
der Sowjetunion - aber wir sollten
uns von unseren Hoffnungen nicht dazu
verleiten lassen, unsere praktischen
Erfahrungen zu verdrängen. Die sowjetische Ideologie hat sich als
Bankrotterklärung erwiesen - aber die
Sowjetunion bleibt eine enorme Mili-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

tärmacht.
Wir begrüßen, was Herr
Gorbatschow sagt - ich bin beeindruckt von den Schritten, die er in
Richtung auf größere Offenheit und
mehr Reformen unternommen hat, aber
letztlich wird die Sowjetunion an ihren Taten gemessen werden - bei der
Reduzierung der konventionellen und
chemischen Waffen, beim Abbau regionaler Spannungen und der Zügelung aggressiver
sowjetischer
Satellitenstaaten, bei den Menschenrechten und
der Auswanderung sowie bei der Ablehnung der Breschnew-Doktrin in Osteuropa. Dies sind die Maßnahmen für
bedeutsame Veränderungen.
Mein Programm würde Pendelbewegungen
zwischen
ungerechtfertigter
Euphorie und übertriebenem Pessimismus vermeiden. Ich weiß, daß wir ge-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�meinsame Probleme realistisch in Angriff nehmen können, wenn wir ohne
Illusionen zusammenarbeiten.

zierung der Gefahr bedeuten muß. Das
Kräfteverhältnis muß zu mehr und
nicht zu weniger Stabilität führen.

Das zweite Element ist Rüstungsreduzierung und -kontrolle, ein Prozeß, der primär die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betrifft und
sich doch - angesichts der neuen Gegebenheiten - zunehmend auch auf andere auswirkt.

Meine Politik wird der Tatsache
Rechnung tragen, daß trotz des Dramas
der Atomwaffen das Ungleichgewicht
bei den konventionellen Waffen ein
Hauptgrund für die Stabilität in Europa ist. Seit über 40 Jahren unterhält die Sowjetunion ein riesiges
vorne stationiertes Heer. Wenn der
Wandel in der sowjetischen Haltung
aufrichtig ist, dann sollte die UdSSR
den in naher Zukunft von der NATO zu
unterbreitenden Vorschlag annehmen,
die Streitkräfte der NATO und des
Warschauer Pakts bei Panzern und Artillerie auf niedrigere Niveaus zu
verringern, vom Atlantik bis zum Ural
- dies sind die Waffen, die einen Angriff als denkbar erscheinen lassen.
Wir sollten sie so reduzieren, daß
die Kriegsgefahr verringert, die Abschreckung gestärkt und der Frieden
gesichert wird.

In diesem Bereich ist unsere Erfahrung mit den Mittelstreckenraketen
lehrreich. Ich habe im Jahr 1983 eng
mit den führenden Politikern der NATO
zusammengearbeitet, als die Verbündeten in den sauren Apfel bissen - angesichts der geballten Macht, die von
der Friedensbewegung ins Feld geführt
wurde - und trotz beispiellosen sowjetischen Drucks an der geplanten
Stationierung festhielten. Wiederum
standen wir erfolgreich zusammen, als
Gorbatschow endlich Ronald Reagans
Angebot aufnahm, all diese Raketen zu
verschrotten.
Die Lektion ist unmißverständlich: ein wirklicher Rüstungsabbau,
echte Verbesserungen in den Ost-WestBeziehungen und tatsächliche Sicherheit können nur durch Stärke und Konsequenz erreicht werden. Wir können
hartnäckig Verhandlungen führen und
gleichzeitig die militärischen Maßnahmen treffen, um unsere Sicherheit
zu garantieren.
Die Modernisierung
unseres strategischen Abschreckungspotentials zu stoppen bedeutet, einseitig abzurüsten - die Vereinigten
Staaten zunehmend verwundbar zu machen und die Anreize für ernsthafte
Verhandlungen der Sowjets abzubauen die übrigens selbst ein schnell fortschreitendes
Modernisierungsprogramm
durchführen.
Meine Politik wird in weiterer
Modernisierung bestehen, während wir
gleichzeitig ein verifizierbares und
stabilisierendes Abkommen zur Reduzierung des strategischen Arsenals
jeder Seite um 50 Prozent verfolgen,
eingedenk der Tatsache, daß eine Reduzierung der Waffen auch eine Redu-

Meine Politik wird darin bestehen, ein tragfähiges strategisches
Abwehrsystem zu entwickeln, einen Ableger des SDI-Forschungsprogramms, um
unser Volk vor einem Angriff mit ballistischen Raketen zu schützen. Tatsache ist, daß diese Stadt, Chicago,
wie jede andere Stadt in den Vereinigten Staaten, absolut keine Verteidigung gegen einen Angriff besitzt. Selbst wenn nur eine Rakete
gegen uns abgefeuert würde, hätte der
Präsident keine andere Wahl, als zuzusehen, wie Millionen Amerikaner der
Zerstörung ausgesetzt werden - ohne
Mittel, sie zu verteidigen.
Die erste Phase einer weltraumgestützten SDI-Technologie kann jetzt
die
Versuchslabors
verlassen
und
praktisch vorgeführt werden.
Das
Problem liegt nicht bei der Technologie, die schneller vorankommt, als
sich ihre heftigsten Befürworter jemals vorgestellt haben - es sind
vielmehr die Demokraten im Kongreß,
die Verzögerungen zum Beispiel hervorrufen, indem sie die Mittel für
das
weltraumgestutzte
Abfangsystem

- 2 -

�von über 300 Millionen auf 85 Millionen Dollar kürzen und sich damit brüsten, dem "Krieg der Sterne die Sterne genommen zu haben".
Ich bin zuversichtlich, daß wir
einen besseren Weg finden können als
die gegenseitig gesicherte Zerstörung
mit all ihren zugegebenermaßen vorhandenen Schwächen.
Ich engagiere
mich für die Stationierung von SDI,
sobald es einsetzbar ist und werde
die genaue Zusamensetzung des Systems
in meiner ersten Amtszeit bestimmen,
wenn die Technologie erprobt wird.
Als Präsident werde ich kein Amerika
ohne Verteidigung gegen ballistische
Raketen zulassen.
Eben wegen der Verbreitung gefährlicher militärischer Technologien
müssen wir den Rüstungskontrollprozeß
über die enggezogenen Grenzen der Supermächte hinaus erweitern.
Länder
wie der Iran, Syrien, der Irak und
Libyen arbeiten an der Entwicklung
von Fähigkeit zur Herstellung chemischer Waffen und bemühen sich um den
Erwerb - und in einigen Fällen um die
Herstellung - von ballistischen Raketen als deren Träger. Es beteht eine
reale Gefahr, und wir müssen jetzt
aktiv werden, wenn wir eine Katastrophe vermeiden wollen.
Wir müssen einen Anfang machen,
indem wir multinationale Programme
zur
Beschränkung
dieser
modernen
Geißeln neu beleben.
Mein Programm umfaßt eine Kampagne zum Verbot der Herstellung chemischer Waffen und zur Schaffung eines
umfassenden Verifizierungssystems zum
Schutz gegen Verletzungen.
Jeder,
der die Bilder vom Golfkrieg gesehen
hat - Bilder von Frauen und Kindern,
die durch Giftgas getötet wurden weiß, daß wir diesem schrecklichen
Übel Einhalt gebieten müssen.
Wir müssen ebenfalls mehr Druck
ausüben, um die Verbreitung von Nuklearwaffen einzudämmen.
Ich werde
mich dafür einsetzen, die weltweite
Einhaltung
des
Atomwaffensperrver-

trages sicherzustellen und die Internationale Atomenergiebehörde zu stärken.
Aber das reicht nicht aus. Wir
müssen ebenfalls der Verbreitung ballistischer Raketen und der Technologie für ballistische Raketen Einhalt
gebieten. Es gibt wenige Dinge, die
furchterregender sind als die Vorstellung, unsichere und manchmal irrationale Regime der Dritten Welt
brauchten nur einen Knopf zu drücken
und könnten schreckliche Waffen über
große Entfernungen hinweg abschießen.
Ich werde daran arbeiten, das
Kontrollsystem für Raketentechnologie
den Mechanismus, der geschaffen
wurde, um die Verbreitung der Raketentechnologie aufzuhalten - wiederzubeleben, voranzutreiben und effektiv wirken zu lassen.
Diejenigen,
die eine Teilnahme daran verweigern
oder seine Grundsätze verletzen, müssen wissen, daß sie den Preis dafür
werden zahlen müssen.
Neue Gegebenheiten erfordern eine
neue

Richtung.

Ich

möchte

einen

hochrangigen Beamten mit dem Problem
der ballistischen Raketen beauftragen
und ihm die Verantwortung übertragen,
um die notwendigen nachrichtendienstlichen, militärischen, technischen,
diplomatischen und wirtschaftlichen
Ressourcen
zusammenzutragen.
Aber
wir müssen ebenfalls mit der Realität
fertigwerden, daß ballistische Raketen schon zu weit verbreitet sind und
daß zum Beispiel bereits Israel davon
bedroht wird. Aus diesem Grunde bin
ich stolz darauf, daß wir gemeinsam
mit Israel ein System zur Abwehr taktischer ballistischer Raketen (ATBM)
entwickeln - ein Zweig der SDI-Forschung - um das Land vor einem Angriff ballistischer Raketen zu schützen. Es ist eine Sache, sein Engagement für die Sicherheit Israels zu
erklären, aber wenn man sich im Zeitalter ballistischer Raketen gegen Defensivsysteme wie SDI ausspricht, hat
diese Erklärung nur geringe Bedeutung.
Der

dritte

Bestandteil

meines

�Programms ist eine Strategie, mit deren Hilfe regionale Konfliktherde, an
denen die Waffen verwendet werden
könnten, entschärft werden.
Waffen
rufen keine Kriege hervor und Rüstungskontrolle allein kann keinen
Frieden sichern. Durch Konflikte im
Nahen Osten, Südafrika, Mittelamerika
und SUdasien könnte sich Gewalt und
Zerstörung weiter ausbreiten - und
Beteiligung von außen entfachen.
Wir können und sollten mit anderen Ländernn bei der Beilegung dieser
Dispute
zusammenarbeiten.
Dennoch
gibt es letztlich keinen Ersatz für
uns, und wir müssen die FUhrungsrolle
bei der Suche nach Lösungen übernehmen, die auf dem Verhandlungswege erzielt werden.
Unsere Führungsrolle wird sich in
einem System von Strategien widerspiegeln, das sich von dem unserer
Kritiker unterscheidet, deren ständige Zurückhaltung darauf hinausläuft,
daß sie sich der Diplomatie bedienen
und sie gleichzeitig ihrer Instrumente berauben. Wir werden jedes verfügbare und angemessene politische
Instrument in ein vielseitiges Konzept integrieren. Dies bedeutet den
Einsatz von Verhandlungen, Intelligenz, wirtschaftlicher Stärke und Unterstützung,
Öffentlichkeitsarbeit
und sogar militärischer Macht.
So ist zum Beispiel die Entsendung unserer Flotte in den Persischen
Golf, unterstützt von fünf europäischen Seestreitkräften, keine militärische Lösung, wir gelegentlich von
denjenigen mit einem begrenzten aussenpolitischen Blickwinkel behauptet
wird.
Wir setzen vielmehr militärische Macht ein, um unsere Fähigkeit
zur Erlangung zufriedenstellender politischer Ergebnisse zu verbessern.
Und Sie können versichert sein, daß
die amerikanische Militärpräsenz im
Golf, unsere Bereitschaft zu deren
Einsatz sowie unsere Weigerung, sich
der Gewalt zu beugen, die iranische
Führung ernüchtert und zu den Bedingungen beigetragen haben, die nun
endlich das Ende des Golfkriegs in

greifbare Nähe gerückt zu haben
scheinen. Vor den Vereinten Nationen
habe ich den Iranern vor nicht allzu
langer Zeit in deutlichen Worten gesagt, was für den weiteren Verlauf
des
Friedensprozesses
erforderlich
sei - und nun ist es Wirklichkeit geworden.
Das vierte Element besteht darin,
die demokratische Revolution weiterzuverbreiten und ihr Auftrieb zu verleihen.
Vielerorts auf der Welt
leuchtet ihr Licht hell, aber zahlreiche andere Regionen bleiben im
Dunkeln. Aus Erfahrung wissen wir,
daß der Weg zur Demokratie von Rückschlägen, aber dennoch von ständigem
Fortschritt gekennzeichnet ist. Die
Förderung der Freiheit und die Befreiung anderer Nationen aus der inneren wie äußeren Unterdrückung stehen an oberster Stelle unserer Vorsätze. Ferner müssen wir die echten
Freiheitskämpfer unterstützen und den
aufstrebenden Demokratien beistehen.
Und bei alledem dürfen unsere Aktionen nicht das helle Licht des traditionsreichen amerikanischen Experiments und Beispiels verdunkeln. Wir
sind das Leuchtfeuer auf dem Hügel.
Letzten Endes hängt die Demokratie
vom Innersten eines Volkes ab, und
das amerikanische Leuchtfeuer kann
nur dann Soweit in die Ferne reichen,
wenn wir es stark und hell leuchten
lassen.
Der fünfte Punkt meines Programms
ist ein internationales Bündnis gegen
die Geißeln Drogen und Terrorismus.
Wir sehen uns mit hochentwickelten
Banden des Todes konfrontiert, die
teils gemeinsam und teils unabhängig
voneinander operieren.
Im Kern ist
dies ein Krieg gegen die Menschheit,
der jung und alt vernichtet. Um so
effektiv wie möglich vorgehen zu können, müssen wir unseren Zorn in einen
breitangelegten
Gegenschlag
münden
lassen und gemeinsam mit anderen Nationen von einer soliden Grundlage
aus diese Übel bekämpfen. Dies bedeutet zusätzliche Unterstützung bei
der Beschaffung von Nachrichten, Vernichtung der Nachschubs und der Ur-

�Sachen, Abfangen der Drogenschmuggler
und Händler und unverzügliche juristische Maßnahmen im Gefolge.
Insbesondere im Bereich der Drogen werden
wir niemals gewinnen, solange nicht
das gesamte amerikanische Volk das
wahre Gesicht des Feindes erkennt durch Ausbildung, Vorbeugen, Behandlung und - vor allem - eine neue Einstellung der Öffentlichkeit, die Drogen nicht duldet.
Das sechste Element ist die Weltwirtschaft - ein Faktor von zunehmender Bedeutung in unseren internationalen Beziehungen.
Unsere in den
vergangenen acht Jahren geleistete
Arbeit hat zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft nach 1945 beigetragen.
Wir haben die Welt erneut in Wohlstand geführt, sowohl durch unsere
wirtschaftliche Gesundung im eigenen
Land als auch ein Netz von Initiativen, das die Weltwirtschaft umspannt.

ger Steuern, Deregulierung und Unternehmertum stützt. Dies ist der einzig
realistische
Ansatz, um den
Schuldnerländern bei der Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaften behilflich zu sein, damit sie langfristige Investitionen aufnehmen können.
Siebtens und letztens muß jede
erfolgreiche amerikanische Außenpolitik sich auf Unterstützung im Inland
gründen, und zwar wirtschaftlich wie
auch politisch. Unseren wohlhabenden
Nationen könnte es noch besser gehen.
Wir können eine neue Ära der Leistung
hervorbringen - von der Regierung unterstützt und nicht diktiert - durch
niedrige Steuern, Chancen für die Unternehmer und kleinen Geschäftsleute
mit hochfliegenden Ideen, einer dezentralisierten Regierung, die Experimentierfreude ermutigt, einem guten, breitgefächerten Ausbildungssystem und Vertrauen in die Märkte.

Mein Programm würde diese neue,
hochentwickelte amerikanische Führung
den modernen Zeiten anpassen und darauf aufbauen. Eine der ersten Prioritäten der Bush-Administration wird
sein, auf das amerikanisch-kanadische
Freihandelsabkommen aufzubauen, indem
wir den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen auf der ganzen Welt mit
Vehemenz vorantreiben.
Wir werden
auf den Westen blicken, auf unsere
Verbündeten in der Europäischen Gemeinschaft - und sie davon überzeugen, daß der für 1992 geplante Europäische Binnenmarkt auch seinen Weg
über den Nordatlantik finden sollte.
Wir werden nach Osten blicken, nach
Japan und den aufstrebenden Volkswirtschaften im Pazifischen Becken
und sie in ein neues Wirtschaftssystem integrieren, das sich eher auf
Kooperation als auf Handelskriege
gründet. Wir werden nach Süden blikken, um mit Mexiko eine homogene
wirtschaftiche Einheit zu schmieden,
die für die besonderen Bedürfnisse
und Belange ihrer Völker empfänglich
ist. Gleichzeitig werden wir weiterhin an dem Programm für anhaltendes
Wachstum weiterarbeiten - das sich
auf das amerikanische Modell niedri- 5 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VOM

Wirtschaft

«*

10. August 1988

29

WAS STEHT IM NEUEN HANDELSGESETZ?
- Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz

WASHINGTON - (AD) - Mit dem vom amerikanischen Kongreß am 3. August 1988
verabschiedeten 1 128 Seiten umfassenden Handelsgesetz wurde die radikalste
Reform der amerikanischen Handelspolitik durchgeführt, die jemals stattgefunden hat.
Nachfolgend
Gesetzes:

veröffentlichen

wir

einige

Verhandlungsbefugnis
- Der Präsident ist bis einschließlich 31. Mai 1993 berechtigt,
Verhandlungen über bilaterale und
multilaterale Handelsabkommen zu
führen, einschließlich
der aus
der Uruguay-Runde hervorgehenden.

der

wichtigsten

Bestimmungen

des

bezieht sich auf den Zeitraum bis
zum 31. Mai 1991, mit einer Verlängerung bis zum 31. Mai 1993,
wenn der Präsident eine Verlängerung beantragt oder wenn entweder
Repräsentantenhaus oder Senat das
Gesetz ausdrücklich ablehnen.

- Der Präsident ist generell berechtigt, Zölle ohne die Zustimmung des Kongresses um bis zu 50
Prozent zu senken.

Der Kongreß kann den "schnellsten
Weg" immer dann aufheben, wenn
beide Häuser innerhalb von 60 Tagen Resolutionen zur "Abkehr vom
schnellsten Weg" verabschieden.

- Der Kongreß muß gesetzliche Bestimmungen
berücksichtigen,
im
Rahmen derer Handelsabkommen "auf
dem schnellsten Wege" durchzuführen sind, das heißt, innerhalb
vorgeschriebener Fristen und ohne
Abänderung. Der "schnellste Weg"

Die Vereinigten
Staaten
würden
die Beteiligung
von Staatshandelsländern wie der Sowjetunion
am Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) effektiv verhindern, wenn diese nicht dem Handel
auf marktwirtschaftlicher
Grund-

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�läge zustimmen.
- Der Präsident muß im Rahmen von
Verhandlungen über Handelsabkommen mit einem Land, daß seine
Währung manipuliert, mit diesem
Land auch Verhandlungen über den
Wechselkurs aufnehmen.

Das System der Harmonisierung
Mit Wirkung vom 1. Januar 1989
werden sich die Vereinigten Staaten
am Harmonisierten System, einem einheitlichen
weltweiten
System
zur
Klassifizierung von Zoll en auf Handelsgütern, betei ligen.
Nahezu alle
Handelspartner de r Vereinigten Staaten haben dieses System vor einem
Jahr eingeführt.

Reaktion auf unfaire Handelspraktiken (Abschnitt 301)
(Abschnitt 301 des Handelsgesetzes von 1974 gestattet dem Präsidenten den Einsatz von Zöllen und Quotierungen
als
Vergeltungsmaßnahmen
gegen unfaire Handelspraktiken anderer Länder.)
- Nach dem neuen Handelsgesetz geht
die
Entscheidungsbefugnis
über
unfaire Handelspraktiken vom Präsidenten auf das Büro des Amerikanischen
Handelsbeauftragten
(USTR) über, wenn der Präsident
dies verfügt. Durch die verbesserte Stellung des USTR als federführender
Behörde hofft der
Kongreß, die Handelspolitik von
der Außen- und Verteidigungspolitik und anderen Überlegungen abzukoppeln.
- Gemäß
einer
Zusatzbestimmung
("Super 301") muß der USTR muß
1989 und 1990 eine Reihe von Fällen
unfairer
Handelspraktiken
aufgreifen.
Zunächst sind vom
USTR die unfairen Handelshemmnisse zu bestimmen, deren Abschaffung
amerikanische
Exporte
am
meisten begünstigen würden. Dann

müssen den Ländern je nach Umfang
und Intensität der unfairen Handelspraktiken
Prioritäten
zugewiesen werden.
Schließlich muß
sich der USTR im Zeitraum von
drei Jahren um Verhandlungen zur
Abschaffung der unfairen Praktiken dieser
Länder bemühen und
wenn diese Bemühungen erfolglos
bleiben eine Überprüfung vornehmen, die in Vergeltungsmaßnahmen
münden könnte.
- Bei der Verletzung von Handelsabkommen oder internationalen Gesetzen sind Vergeltungsmaßnmahmen
für "ungerechtfertigte" Handelspraktiken zwingend erforderlich,
außer bei fünf eindeutig definierten
Ausnahmen:
wenn
eine
GATT-Kommission entscheidet, daß
den
Vereinigten
Staaten
keine
Nachteile entstanden sind; wenn
die ausländische Regierung einer
Abschaffung
der
Praktiken
zustimmt; wenn die ausländische Regierung
den Vereinigten
Staten
eine Entschädigung gewähren will;
wenn
Vergeltungsmaßnahmen
den
Vereinigten
Staaten mehr wirtschaftliche Nachteile als Vorteile bringen oder wenn Vergeltungsmaßnahmen die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden.
- Vergeltungsmaßnahmen bleiben "unzumutbaren"
Praktiken
vorbehalten, die nicht unbedingt illegal,
aber dennoch unfair sind sowie
"diskriminierenden"
Praktiken,
die keine Gleichbehandlung amerikanischer Waren, Dienstleistungen
und Investitionen gewährleisten.
- In die Liste "unzumutbarer" Handelspraktiken sind gezielte Exportoffensiven, Verweigerung von
Rechten für Arbeitnehmer und ausländische Kartelle neu aufgenommen
worden.
Exportoffensiven
sind koordinierte staatliche Maßnahmen zur Verbesserung des Wettbewerbs im Export.
Zu den Rechten für Arbeitnehmer gehören Versammlungsfreiheit,
das
Recht,
sich zu organisieren und Tarif-

�Nach zwei Jahren kann der Präsident die Unterstützugnsmaßnahmen
abändern oder aufheben, wenn bei
dem Industriezweig keine Anpassungsprozesse
stattfinden.
Hilfsmaßnahmen können nicht länger als acht Jahre gewährt werden.

Verhandlungen zu führen, der Verzicht auf Zwangsarbeit, ein Mindestalter
bei der
Kinderarbeit
und Vorgaben
für Mindestlöhne,
Arbeitszeit
und Sicherheit und
Gesundheit am Arbeitsplatz. Ausländische Kartelle sind staatlich
kontrollierte Betriebe, die den
Erwerb amerikanischer Waren beschränken.

Zusätzlich zu den Zöllen und Quoten kann der Präsident als Hilfsmaßnahmen Verhandlungen auf internationaler Ebene, versteigerte
Quoten und andere in seiner Macht
stehende Maßnahmen anbieten.

Vergeltungsmaßnahmen
können
bei
Aufgabe
der
unfairen
Praktiken
verändert oder eingestellt werden. Nach vier Jahren werden sie
automatisch eingestellt.
Der USTR unterliegt bei der Überprüfung unfairer Handelspraktiken
neuen zeitlichen Beschränkungen.
Er muß bestimmen, ob eine Handelspraxis unfair ist und entscheiden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind - innerhalb von 12
Monaten bei Fällen von Subventionen und Fällen, die von keinem
Handelsabkommen abgedeckt werden
und innerhalb von 18 Monaten bei
Fällen, die keine
Subventionen
betreffen und unter das Handelsabkommen fallen.
Der USTR muß
daraufhin alle beschlossenen Maßnahmen - mit bestimmten Ausnahmen
- innerhalb von 30 Tagen durchführen.

Das Gesetz verfügt für den Notfall Hilfen für verderbliche Agrarprodukte und - bei "wichtigen
Umständen" - für jeden betroffenen Industriezweig (wenn Importwellen über einen kurzen Zeitraum
erfolgen).

Dumping und Subventionen
(Anti-Dumping-Gesetze gelten für
Waren, die unter ihrem eigentlichen
Wert verkauft werden, unter
ihren
Produktionskosten
oder
unter
dem
Preis in ihrem Ursprungsland oder in
einem Drittland.
Gesetze über Ausgleichszölle beziehen sich auf unfaire staatliche Subventionen).

Kompensation für Importe
(Abschnitt 201)
(Nach den gültigen Gesetzen kann
jeder
amerikanische
Industriezweig,
der durch eine Importwelle geschädigt
wird, vorübergehende
Zölle, Quoten
und Hilfen für handelsbedingte Anpassungsprozesse
verlangen, auch wenn
der Handel im Hinblick auf die Importe fair abläuft.
- Nach dem neuen Handelsgesetz unterliegt ein Industriezweig zum
ersten Mal der Beweispflicht, daß
Hilfe gemäß Abschnitt 201 für ihn
"positive Anpassungsprozesse" bedeutet und er dadurch konkurrenzfähiger oder produktiver wird.
- 3 -

- In einem internationalen Konsortium wie der Europäischen AirbusIndustrie finden sowohl die direkten Subventionen als auch die
Subventionen jedes einzelnen Landes bei der Berechnung der Ausgleichzölle Eingang in das neue
Handelsgesetz.
- Bei Fällen von Dumping sieht das
Gesetz eine Methode zur Berechnung des Marktwertes von Waren
aus
nicht
marktwirtschaftlich
orientierten
Volkswirtschaften
vor.
- Es sieht neue Verfahren für die
Anwendung von Anti-Dumping-Gesetzen bei Dumping in Drittlänern
vor.

�- Es erfordert verschärfte AntiDumping-Untersuchungen über kurzlebige Produkte in Wiederholungsfällen (bei mehr als zwei Verstößen in acht Jahren).
- Das Gesetz kann die Umgehung von
Anti-Dumping Gesetzen und Gesetzen
über
Ausgleichzölle
durch
Endmontage oder Fertigstellungsverfahren
in
den
Vereinigten
Staaten
oder
Drittländern
und
durch geringfügige Veränderungen
von Produkten besser verhindern.
- Das Gesetz sieht die Überwachung
von Täuschungen beim Dumping vor
- den Import von Materialien und
Teilen zur Umgehung von Zöllen
auf zu Dumpingpreisen verkauften
Waren.
- Um die Umgehung des Abkommens zur
freiwilligen
Beschränkung
(VRA)
von Stahlimporten
in die Vereinigten Staaten zu verhindern,
gestattet das Gesetz Beschränkungen auf Stahlimporte aus Ländern,
die sich nicht an das VRA halten,
wenn der Stahl in einem Land, das
die VRA anerkennt, geschmolzen
und gegossen wurde.

Das Recht auf geistiges Eigentum
- Das neue Gesetz verlangt, daß der
USTR Länder auflistet, die amerikanische Patente, Copyrights und
Marken nicht angemessen schützen
und in den schlimmsten Fällen Untersuchungen wegen unfairer Handelspraktiken einleitet.
- Um einen Importstopp herbeizuführen, unterliegt ein Unternehmen
nicht mehr der Beweispflicht über
entstandene wirtschaftliche Nachteile,
sondern
lediglich
über
eine Patentverletzung.
- Ein
heimischer
Produzent
kann
nicht
nur
Importbeschränkungen
verlangen, sondern auch eine Wiedergutmachung des ihm durch die
illegale Verwendung seiner paten- 4

tierten
Verfahren
Schadens.

entstandenen

Telekommunikation
- Binnen fünf Monaten muß der USTR
die Länder
der Priorität nach
prüfen, die ihre Märkte gegen
amerikanische TelekommunikationsImporte abschotten.
- Sollte es dem USTR nicht gelingen, mit einem Land binnen einer
bestimmten Frist (18 Monaten bis
zu dreieinhalb Jahren, je nach
Fortschritt
der
Verhandlungen)
eine Beendigung dieser unfairen
Praktiken auszuhandeln, ist der
Präsident aufgefordert, aus einer
umfangreichen Liste Vergeltungsmaßnahmen zu verhängen.

Sanktionen gegen Toshiba und
Kongsberg
- Als Reaktion auf den illegalen
Verkauf von Technologie an die
sowjetische Marine verbietet das
Gesetz der Toshiba Corporation in
Japan und der Kongsberg Vaapenfabrikk in Norwegen drei Jahre
lang den Verkauf von Produkten an
die amerikanische Regierung, mit
begrenzter
Ausnahme
von
militärisch anwendbaren Produkten und
handelsüblichen Ersatzteilen, die
anderweitig nicht verfügbar sind.
- Die
Tochtergesellschaften
von
Toshiba und Kongsberg sind für
den illegalen Verkauf direkt verantwortlich und es ist ihnen drei
Jahre lang untersagt, Produkte in
den Vereinigten Staaten zu verkaufen.
- Das Gesetz sieht obligatorische
Importverbote von zwei bis fünf
Jahren für ausländische Unternehmen vor, die in Zukunft internationale Exportkontrollen verletzen.

�Reform der Exportkontrolle
(Der
Koordinierungsausschub
für
Ost-West-Handel [COCOM], der sich aus
Japan und allen Mitgliedsstaaten der
NATO außer Island zusammensetzt, versucht zu verhindern, daß militärisch
anwendbare westliche Technologie die
Länder des Ostblocks erreicht).
- Das Handelsgesetz hebt Ausfuhrgenehmigungen in COCOM-Länder für
Produkte auf, deren Export in die
Volksrepublik China derzeit gestattet ist.
- Nach dem Gesetz sind für diejenigen COCOM-Länder, die erwiesenermaßen
über wirksame Exportkontrollsysteme verfügen, keinerlei
Genehmigungsverfahren mehr erforderlich. Der Präsident muß diese
Länder binnen drei Monaten benennen.
- Für die Wiederausfuhr von Produkten durch COCOM-Länder sind amerikanische
Genehmigungen
nicht
länger
erforderlich.
Für alle
anderen Länder werden Genehmigungen nicht mehr benötigt, wenn
amerikanische Bauteile und Komponenten 25 Prozent oder weniger
von im Ausland hergestellten Produkten ausmachen.
- Länge und Umfang der amerikanischen Exportkontroll-Liste wird
durch die Streichung von Niedrigtechnologie-Produkten
gekürzt.
Das Handelsgesetz hebt einseitige
Kontrollen im Bereich der nationalen Sicherheit mit Ausnahme der
Produkte auf, die ausschließlich
in den Vereinigten Staaten hergestellt werden oder den COCOM-Verhandlungen unterliegen.

Agrarsektor
- Mit dem Handelsgesetz wird das
Exportsteigerungsprogramm
des
amer ikanischen Landwirtschaftsministeriums
(USDA) bis zum Jahr
1990 verlängert, das einen Bonus
- 5 -

an Uberschußgütern für Exporteure
vorsieht, um amerikanische Agrarexporte auf Drittmärkten konkurrenzfähiger gegenüber subventionierten Erzeugnissen zu machen,
insbesondere solchen aus der Europäischen
Gemeinschaft.
Die
Obergrenze der Ausgaben wird von
1,5 Milliarden auf 2,5 Milliarden
Dollar angehoben.
Die Finanzierung
des gezielten
Exportförderungsprogramms
des
USDA wird für 1988 von 110 Millionen Dollar auf 215 Millionen
Dollar
aufgestockt.
In dieser
Summe sind Finanzmittel oder Erzeugnisse
zur
Markterschließung
und -förderung für Vereinigungen
amerikanischer
Produzenten
und
der
weiterverarbeitenden
Industrie enthalten.
Das Gesetz
führt ein Programm
"zur automatischen Einführung von
Vertriebskrediten" für bestimmte
Handelsgüter
ein.
Sollten
die
Agrarverhandlungen des GATT bis
zum 1. Januar 1990 keine entscheidenden Fortschritte beim Abbau von Agrarsubventionen erzielen,
würden
automatisch
Vertriebsanleihen für die Ernten von
Weizen, Futtergetreide und Sojabohnen des Jahres 1990 in die Wege geleitet, es sei denn, der
Präsident
erklärt, solche
Programme seien weiteren Verhandlungen abträglich.
Wenn das Programm durchgeführt wird, muß das
USDA auch ein Preisstützungsprogramm für die Ernten von Sonnenblumenkernen
und
Baumwollsamen
des Jahres 1990 verabschieden.
Sollte das USDA feststellen, daß
andere
Länder
amerikanische
Fleischimporte
durch
unfaire
Prüfnormen verhindern, ermächtigt
das
Gesetz
den
Präsidenten,
Fleischimporte aus diesen Ländern
zu untersagen.
Um die Effektivität von Marktordnungen nicht durch Importe zu gefährden, kann das USDA Marktord-

�nungen für bestimmte Erzeugnisse
um 35 Tage verlängern.
Das Gesetz definiert HoJ.z und
Holzprodukte als Agrargüter, wodurch sie in Markterschließungsprogrammen und Programmen für Exportkreditgarantien
eingesetzt
werden können.

rung aus einen Land, das amerikanischen Unternehmen nicht die
gleichen Rechte gewährt.
Diese
Bestimmung betrifft insbesondere
Japan und tritt nach einem Jahr
in Kraft, womit anderen Ländern
Zeit eingeräumt wird, ihr jeweiliges System zu ändern.
Die
strengen
Bestimmungen
der
amerikanischen
Bundesbank
für
bankeigene Exporthandelsunternehmen werden gelockert.

AuslandsInvestitionen
- Im Rahmen des Exon-Florio-Zusatzartikels
zum Handelsgesetz
ist
der
Präsident
ermächtigt,
die
Übernahme oder Fusion eines amerikanischen durch oder mit einem
ausländischen unternehmen zu unterbinden, falls ein solches Vorgehen eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellt.

Internationales Finanzwesen
- Aufgrund des Gesetzes sind die
Vereinigten Staaten verpfichtet,
auf multilateraler Ebene mit den
anderen führenden Industrienationen Verhandlungen zur Verbesserung des Gleichgewichts im Welthandel und der Wechselkursstabilität durch bessere Koordinierung
makroökonomischer
Maßnahmen
zu
führen.
- Das amerikanische Finanzministerium ist aufgefordert, bilaterale
Verhandlungen mit den Ländern in
die Wege zu leiten, die gegenüber
den Vereinigten Staaten zum Teil
durch Manipulation ihrer Währungen entstandene Handelsüberschüsse haben. Diese Bestimmung gilt
für Südkorea, Taiwan und Hongkong
und hebt Verhandlungen aus Gründen der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit auf.
- Das Gesetz untersagt der Bundesbank (Federal Reserve) die Lizenzerteilung
an jedes ausländische Unternehmen als Haupthändler (primary dealer) von Wertpapieren der amerikanischen Regie- 6

Verschuldung der Dritten Welt
- Aufgrund des Gesetzes ist das Finanzministerium verpflichtet, mit
anderen Ländern die Gründung einer Einrichtung zur Bewältigung
der internationalen Verschuldung
zu erörtern, die als Mittlerinstitution
zwischen
Privatbanken
und
den
Schuldnerländern
der
Dritten Welt dient.
- Sollte
das
Finanzministerium
feststellen, daß eine solche Diskussion Gefahr läuft, den schuldenwert zu verringern, den Schuldendienst
zu unterbrechen oder
Zahlungsverzug zur Folge zu haben, braucht das Finanzministerium dem Kongreß nach sechs Monaten oder einem Jahr nur einen Bericht zu diesem Problem vorzulegen.
- Das
Finanzministerium
muß
die
Möglichkeit einer einmaligen Ausgabe
von
Sonderziehungsrechten
(SDR) durch den Internationalen
Währungsfonds (IWF) zur Verringerung der
Schulden der ärmsten
Länder prüfen.

Zweckgebundene Entwicklungshilfeprogramme
(Zweckgebundenen Entwicklungshilfe ist eine Form der Auslandshilfe,
die Finanzhilfe mit Exportfinanzierung kombiniert).

�- Das Gesetz überträgt die Hauptverantwortung für zweckgebundene
Entwicklungshilfe von der amerikanischen Behörde für internationale Entwicklung (A.I.D.) auf das
internationale Handels- und Entwicklungsprogramm der Behörde für
Internationale EntwicklungsZusammenarbeit (TDP) . Es hält die bestehende Verfügung
jedoch aufrecht, daß jeglicher Einsatz von
zweckgebundenen
Entwicklungshilfefonds der einstimmigen Genehmigung des Nationalen Beirats bedarf.
- Die "Kriegskasse" der Export-Import-Bank wird durch das Gesetz
bis
1989
aufgestockt.
Diese
"Kriegskasse" wurde eingerichtet,
um die Verwendung von zweckgebundener Entwicklungshilfe durch andere Länder - insbesondere Frankreich - als Mittel zur Erschliessung ausländischer Märkte zu bekämpfen.

- Das Verkehrsministerium muß den
Zeitraum, in dem es zu Beschwerden
amerikanischer
Luftfahrtgesellschaften
gegen
diskriminierende Praktiken anderer
Länder
oder Fluggesellschaften Stellung
zu nehmen hat, von sechs auf drei
Monate verringern.

Exportförderung
- Die ursprünglich
auf Anordnung
des Präsidenten im Jahr 1980 als
Teil der Internationalen Handelsbehörde
im
Handelsministerium
eingerichtete Behörde für Binnenund Außenhandel (U.S. and Foreign
Commercial
Service) wird
durch
das Handelsgesetz zu einer Dauereinrichtung.
- Das Gesetz verlangt, daß der Handelsminister
den
amerikanischen
Direktoren
multilateraler
Entwicklungsbanken Beamte beiordnet.
Diese
Beamten
sollen
amerikanische Exporte fördern.

See- und Luftverkehr
- Der
Bundes-Schiffahrtskommission
(FMC) ist es gestattet, Vergeltungsmaßnahmen gegen ein anderes
Land zu ergreifen, das unfair den
Zugang
für amerikanischen
Seetransportgesellschaften
(im Gegensatz
zu
Massengutfrachtern)
einschränkt, jedoch nur, wenn die
Vereinigten Staaten den Schiffen
dieses Landes keine entsprechenden
Restriktionen
auferlegen.
Vergeltungsmaßnahmen
können
Begrenzung der Schiffahrt, Aufhebung von Zoll- und anderen Abkommen sowie eine Gebühr von bis zu
1 Million Dollar pro Fahrt beinhalten. Der Präsident kann solche Vergeltungsmaßnahmen aufheben.
- Das Handelsgesetz gestattet der
FMC,
selbständig
Überprüfungen
vorzunehmen und verpflichtet das
FMC zur abschließenden Überprüfung und Vorlage einer Entscheidung binnen vier Monaten.
- 7

- Das Handelsministerium wird ermächtigt, ein Programm zur Erschließung
ausländischer
Märkte
für nichtlandwirtschaftliche amerikanische Produkte einzurichten
(das
Landwirtschaftsministerium
unterhält gegenwärtig ein solches
Programm für landwirtschaftliche
Produkte).
Es erhält die Vollmacht, in den Vereinigten Staaten
auf
ausländische
Käufer
ausgerichtete Messen und Ausstellungen
zu fördern.
- Das Gesetz schafft eine dem Handelsministerium
eingegliederte
Nationale
Handelsdatenbank,
um
Daten
zur
Exportförderung
und
über
die
internationale
Wirtschaft bereitzustellen.

Exportsteigerung
- Das auf Anordnung des Präsidenten
zur Förderung amerikanischer Exporte zugunsten von Entwicklungs-

�Projekten im Ausland ins Leben
gerufene
Handels- und
Entwicklungsprogramm
(TDP) der Behörde
für Internationale Entwicklungszusammenarbeit
wird
durch
das
Handelsgesetz zu einer dauernden
Einrichtung.
Die
kumulative
Obergrenze
für
Kreditgarantien der Gesellschaft
für
Private
Investitionen
in
Übersee (einer Regierungsbehörde,
die Kredite, Kreditgarantien und
eine
Versicherung
gegen
politische Risiken an amerikanische
Firmen vergibt, die in Entwicklungsländern
investieren)
wird
von 750 Millionen auf 1 Milliarde
Dollar erhöht. Die jährliche Untergrenze
für
Kreditgarantien
wird von 150 auf 200 Millionen
Dollar angehoben.
Die jährliche
Untergrenze für Direktkredite erhöht sich von 15 auf 25 Millionen
Dollar.
Das Ministerium
für Gesundheit
und Soziales ist dem Gesetz zufolge verpflichtet, mit Ländern,
die Nahrungsmittel in die Vereinigten
Staaten
exportieren,
Vereinbarungen über die Lieferung
von Informationen bezüglich der
Anwendung
von Pestiziden anzustreben.

Hilfen für handelsbedingte
Anpassungsprozesse (TAA)
(Das TAA-Programm gewährt Arbeitnehmern, die aufgrund verstärkter Importe ihren Arbeitsplatz verloren haben,
Arbeitslosengeld
und
Umschulungshilfen.)
- Das TAA-Programm wird um zwei
Jahre bis zum 30. September 1993
verlängert und auf Beschäftigte
der
öl- und Gasindustrie
sowie
"Zulieferarbeitskräfte", die von
Importen geschädigten Primärindustrien Waren und Dienstleistungen
liefern, ausgedehnt.

Während es gegenwärtig nur im
Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel in Anspruch genommen
werden kann, wird das Umschulungsprogramm des TAA dem neuen
Handelsgesetz zufolge jedem Arbeitnehmer zustehen, der die Bedingungen erfüllt.
Der Präsident wird aufgefordert,
mit dem GATT Verhandlungen über
die Einführung einer Importgebühr
von 0,15 Prozent aufzunehmen, die
für
das TAA-Programm
verwendet
werden soll.
Sollten diese Verhandlungen
scheitern, steht es
dem Präsidenten frei, die Gebühr
trotzdem einzuführen.

Umschulung und Weiterbildung von
Arbeitnehmern
- Das Gesetz genehmigt die Vergabe
von 980 Millionen Dollar im Jahr
1989, dem ersten Jahr eines Neuorientierungsprogramms
für
Arbeitnehmer,
das
umfassende
Dienstleistungen für "umgesetzte
Arbeitnehmer"
bereitstellt,
die
ihren Arbeitsplatz verloren haben.
- Es bewilligt ferner Ausgaben für
mehrere neue Programme, die auf
die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Arbeitnehmer durch Verbesserung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten abzielen. Dazu gehören drei Alphabetisierungsprogramme sowie Unterricht in Mathematik, Naturwissenschaften, Fremdsprachen, Maschinenbau,
EDV
und
grundlegendem
Allgemeinwissen, wie es an einer
High School vermittelt wird.

Technologische Wettbewerbsfähigkeit
- Kraft dieses Gesetzes wird das
Nationale Büro für Normen im Handelsministerium in Nationales Institut für Normen und Technologie
(NIST) umbenannt und dessen Zuständigkeitsbereich
erweitert.
Es wird somit zur führenden Re-

�gierungsbehörde bei der Entwicklung von Technologien, mit deren
Hilfe die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Industrieerzeugnisse
verbessert
werden sollen.
- Es autorisiert die Vergabe von 5
Millionen Dollar zur Gründung von
zwei oder drei regionalen Zentren
für den Transfer von im Rahmen
des NIST entwickelter Technologie
an kleine und mittlere Unternehmen, wobei der Schwerpunkt auf
automatisierter Herstellung liegt.
- Das NIST soll technische Unterstützung für staatliche Programme
leisten sowie ein Programm zur
Förderung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Industrie bei der
Entwicklung moderner Technologien
ins Leben rufen und gemeinsame
Forschungs- und
Entwicklungsprogramme ermutigen.
- Das Gesetz etabliert eine Politik
zur
Aushandlung
internationaler
Vereinbarungen, um in den Vereinigten Staaten ansässigen Personen
Zugang
zu
ausländischen
Forschungsmöglichkeiten
in
demselben Ausmaß zu garantieren, wie
er Ausländern in den Vereinigten
Staaten gewährt wird. Das Außenministerium ist gehalten, jedes
Jahr einen Bericht über "symmetrischen Zugang" mit den Haupthandelspartnern zu erstellen.

Sonstige Vorschriften
- Die
im Jahr
1980
eingeführte
Steuer
auf unerwartete
Gewinne
(windfall profits) bei heimischem
Rohöl wird abgeschafft.
- Das Gesetz verringert den Zeitraum, in dem das Handelsministerium mitteilen muß, ob ein importiertes Produkt die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten
gefährdet, von einem Jahr auf 270
Tage.

- 9 -

- Gemäß dem "Buy American Act" wird
es der amerikanischen Regierung
untersagt, Waren und Dienstleistungen von Firmen
in solchen
Ländern zu erwerben, die amerikanischen Firmen nicht dieselben
Möglichkeiten
einräumen.
Diese
Vorschrift betrifft nicht die "am
wenigsten entwickelten" Staaten.
Unter gewissen Umständen kann der
Präsident diese Bestimmung außer
Kraft setzen.
- Einige Bestimmungen des Gesetzes
über Ausländische Korrupte Praktiken werden gelockert. Dem bestehenden Gesetz zufolge können
Angehörige amerikanischer Unternehmen belangt werden, wenn sie
"Grund zur Annahme" haben, daß
durch
Dritte
Bestechungsgelder
oder andere nicht zulässige Zahlungen an ausländische Beamte geflossen sind.
Dem neuen Gesetz
zufolge
könnten diese Personen
nur für das "Wissen" um solche
Gesetzesbrüche
belangt
werden.
Normen im Hinblick auf die Verantwortlichkeit bei direkten Zahlungen
an
ausländische
Beamte
bleiben demgegenüber unverändert
bestehen.
- Ein Rat über Maßnahmen zur Wettbewerbsfähigkeit wird eingerichtet, der Empfehlungen zur Verbesserung der industriellen Produktivität und internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten
Staaten
ausarbeiten
soll.
Der
Rat wird für die Jahre 1989 und
1990 jeweils mit 5 Millionen Dollar ausgestattet.
- Das Außenhandelsbüro der Behörde
zur Förderung kleiner und mittlerer
Unternehmen wird
erweitert
und ermächtigt, zusätzliche Mittel für die Förderung von Exporten dieser unternehmen auszugeben.
- Ein Verbot der Einfuhr sowjetischer Felle wird aufgehoben.
- Mit der Initiative
bische Becken wird

für das Karider Präsident

�ermächtigt,
bestimmter
auszusetzen
anstatt ihn
gänzlich von
schließen.

die Zollfreistellung
Posten
aufzuheben,
oder
zu begrenzen,
zu zwingen, ein Land
dem Programm auszu-

- Die Vereinigten Staaten werden
ermächtigt, das Nairobi-Protokoll
zum Florenzer Abkommen umzusetzen, das die Zollfreistellung für
nicht auf Gewinn gerichtete Materialien für Bildung, Wissenschaft
und Kultur gestattet.
- Die Vereinigten
Staaten werden
ermächtigt, Zollsenkungen durchzuführen, um die Vereinbarung zur
Beendigung
ihrer
langwierigen
Auseinandersetzung mit der Europäischen
Gemeinschaft über den
Handel
mit
Zitrusfrüchten
und
Teigwaren zu erfüllen.
- Die Vereinigten
Staaten werden
ermächtigt, ihre Beteiligung am
Internationalen
Kaffeeabkommen
bis zum 30. September 1989 zu
verlängern.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

4

VON

29

10. August 1988

AIDS-SEUCHE HEMMT ENTWICKLUNGSPOLITIK
- Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe -

- WASHINGTON - (AD) - "Viele Fortschritte, die in Entwicklungsländern in
den letzten Jahren erzielt wurden, können durch die AIDS-Epidemie gefährdet
oder sogar zunichte gemacht werden", befürchtet Bradford Langmaid, Mitarbeiter
des amerikanischen Bundesamtes für Internationale Entwicklung (A.I.D.). Bei
Anhörungen vor einem Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses begründete er dies mit dem Hinweis, daß, weltweit gesehen, 75 bis 90 Prozent der HIV
(Immunschwächevirus)-Infizierten und der bereits manifest gewordenen AIDS-Fälle unter Personen der Altersgruppe von 20 bis 40 Jahren diagnostiziert wurden.
So erwiesen sich beispielsweise bei Untersuchungen von männlichen Facharbeitern in einer Bergarbeiterstadt Zentralafrikas im Jahr 1986 69 Prozent als
HIV-positiv.
Die Situation in den Städten vieler Entwicklungsländer sei kritisch,
sagte Langmaid.
Gleichzeitig fehle
es auf dem Lande in abgelegenen Gebieten an Arbeitskräften - dort seien
oft nur noch Kinder und alte Leute zu
finden. Als hoffnungsvolles Zeichen
sei jedoch zu werten, daß die Ausbreitungsgeschwindigkeit von AIDS auf
dem Lande viel geringer zu sein
scheine als in Städten. Wenn es gelänge, diesen Trend zu erhalten,
dürfte auch die Nahrungsmittelproduktion nicht zu stark gefährdet sein.
Glücklicherweise werde sich die Bevölkerung in manchen afrikanischen
Ländern, u.a. in Ruanda und Uganda,
der Gefahren durch AIDS immer mehr
bewußt.
Welche

Art

von

Schwierigkeiten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

aber zu erwarten sind, wenn dies
nicht der Fall ist, beschreibt der
vor kurzem veröffentlichte A.I.D.-Bericht zum Problem AIDS. Darin heißt
es u.a.:
- "Impfprogramme, die jährlich Millionen von Kindern das Leben retten, sind bedroht, weil die Menschen den Gebrauch von Spritzen
mit AIDS in Verbindung bringen."
Obgleich keine Beweise dafür vorlägen, daß HIV durch Verwendung
nichtsteriler Nadeln bei Impfungen übertragen werde, könne die
Furcht davor bewirken, daß die
Leute nicht zum Impfen kommen.
- Das Stillen der Babies sei infolge der Angst gefährdet, daß die
Kinder durch Muttermilch infi-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�ziert werden könnten. Fachleute
für
Entwicklungspolitik
haben
sich aber stets für Stillprogramme eingesetzt, weil diese eine
bessere Ernährung der Babies gewährleisten, und weil durch Stillen über längere Zeit die Häufigkeit von Schwangerschaften verringert wird.
- Auch die Bekämpfung der durch
Fehlernährung oder Malaria und
andere
parasitäre
Krankheiten
verursachten Anämien wird durch
HIV-Infektionen
beeinträchtigt:
Kinder mit schwerer Anämie brauchen Bluttransfusionen, um überleben zu können. In den Blutbanken von Entwicklungsländern, insbesondere außerhalb der Hauptstädte, finden sich jedoch häufig
Blutkonserven, die HlV-verseucht
sind.
(In Zentralafrika sind
fünf bis 18 Prozent der Blutspender mit dem Virus infiziert.)
Mit dem 1987 von der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) begonnenen
AIDS-Programm für Entwicklungsländer,
für das 75 Millionen Dollar bereitgestellt wurden (Beitrag der USA im
laufenden Haushaltjähr: 15 Millionen
Dollar), soll nun soweit wie möglich
versucht werden, die Probleme anzugehen. Denn wie z.B. Dr. James Chin
von der WHO dem Ausschuß berichtete,
sind in manchen Städten von Zentralund Ostafrika zehn bis 20 Prozent der
sexuell aktiven Bevölkerungsgruppen
HlV-infiziert.
Bei
Krankenhauspatienten liege der Anteil sogar bei 25
bis 50 Prozent. Mancherorts dürfte
die hohe Infektionsrate von Frauen im
gebärfähigen Alter eine Erhöhung der
Kindersterblichkeit um bis zu 50 Prozent zur Folge haben.
Solche Statistiken haben inzwischen in einigen Ländern der Dritten
Welt, die anfangs von den Berichten
über die Gefährdung ihrer Wirtschaft
und Bevölkerung durch die AIDS-Seuche
nichts wissen wollten, ein Umdenken
bewirkt. Das gelte, so Chin, beispielsweise für Uganda, das jetzt
"entschlossen ist, eine energische

und aufgeklärte Politik im Kampf gegen AIDS zu verfolgen". Dabei seien
exakte Informationen mit gesundheitlicher Aufklärung und Erziehung die
wichtigsten Waffen, was u.a. der UNBotschafter von Uganda bestätigte.
Allerdings machte er auch darauf aufmerksam, daß "dem Lande kostbare Arbeitskraft und Geldmittel für wichtige Entwicklungsprojekte
auf wirtschaftlichem Gebiet entzogen werden,
je mehr Ressourcen man für den Kampf
gegen AIDS abzweigt".

Einfacher HIV-Test im Laborund Feldversuch
Einen wichtigen Beitrag zum WHOProgramm gegen die Weiterverbreitung
von AIDS in Entwicklungsländern könnte vielleicht ein neuer Bluttest leisten, den eine Gruppe amerikanischer
Wissenschaftler unter der Leitung von
Dr. Thomas Quinn entwickelt hat.
Quinn und Mitarbeiter sind an den
"National Institutes of Health" (NIH)
in Bethesda und am Klinikum der Johns
Hopkins-Universität
in
Baltimore
(Maryland) tätig. In der Zeitschrift
der "American Medical Association"
(JAMA - Ausgabe v. 22. Juli 1988) berichteten sie über ihr neues Verfahren.
Während in den Industrieländern
Spenderblut vor der Freigabe routinemäßig mit höchst exakten Methoden auf
HIV geprüft wird, sind die dabei benutzten Verfahren in den Entwicklungsländern wegen der Kostspieligkeit der Instrumente,der kurzen Haltbarkeit des Testmaterials und der
Notwendigkeit, es bei tiefen Temperaturen zu halten, kaum anwendbar.
Außerdem bedeuten die hohen Kosten
und der Zeitaufwand von eineinhalb
bis dreieinhalb Stunden pro Test ein
großes Hindernis.
Der neue Test
könnte, wie
Quinn
meint, diese
Schwierigkeiten zum großen Teil ausschalten.
Bei dem von der Firma "Cambridge
BioScience Corporation" in Hopkinton
(Massachusetts) zur Anwendungsreife

- 2 -

�entwickelten Test wird auf einem
Glasplättchen als Objektträger eine
geringe Blutmenge mit winzigen LatexKügelchen zusammengebracht, die einen
speziellen
Antigen-Uberzug
haben.
Bei diesem handelt es sich um eine
künstlich produzierte Substanz nach
dem "Modell" eines Teiles der HlV-Virushülle.
Das Blut-LatexkügelchenGemisch wird zwei bis fünf Minuten
lang leicht gerüttelt und dann visuell geprüft. War der Patient bzw.
Blutspender
dem
Immunschwächevirus
HIV ausgesetzt, heften sich Antikörper (d.h. Substanzen im Blut, die das
körpereigene Immunsystem zur Abwehr
der eindringenden Viren produzierte)
an den Antigenüberzug des Latex-Materials. Die Kügelchen verklumpen dadurch - ein Zeichen, daß eine HIV-Infektion stattgefunden hat.
In den Universitätslaboratorien
in Baltimore wurden Blutserum-Proben
von 1 220 Personen aus den verschiedensten Regionen - Nordamerika, Europa, Afrika, Karibik und Südamerika sowohl nach dem neuen Verfahren als
auch nach den kostspieligen Verfahren
getestet, die in den Industrieländern
üblich sind. Ferner wurde am Mama
Yemo-Hospital in Kinshasa (Zaire) von
entsprechend geschulten einheimischen
Laboranten das Blut von 1 600 potentiellen Blutspendern nach der neuen,
als
"Glasplättchen-Latex-Agglutinationstest" bezeichneten Methode geprüft.
In jedem Fall wurden dann
Kontrolltests nach mindestens einer
der teuren Methoden durchgeführt. In
Baltimore wie in Kinshasa stimmten
Quinn zufolge die positiven Ergebnisse, die mit dem einfachen Agglutinationstest erzielt wurden, zu mehr als
99 Prozent mit den als HIV-positiv
bewerteten Bluttests überein, die
nach den anderen Methoden erzielt
wurden. Bei einem Feldtest in Kinshasa an 8 000 Spenderblut-Proben nach
dem neuen Schnellverfahren lag die
Übereinstimmung jedoch nur bei 71
Prozent.

andere Schnelltests bessere Ergebnisse gebracht hätten - nämlich 85 bis
99 Prozent Übereinstimmung. Die Diskrepanzen bestätigten jedenfalls die
Notwendigkeit weiterer vergleichender
Messungen und der Qualitätskontrolle
für Laborarbeiten unter Bedingungen,
wie sie außerhalb eines großen Krankenhauses gegeben seien.
Auch Quinn und Mitarbeiter verweisen darauf, daß der kritischste
Punkt bei der Durchführung ihres
Schnelltests das Können und die Erfahrung der Laboranten sei, die ja
jeden Test subjektiv interpretieren
müßten.
Intensives Training über
mehrere Tage unter Verwendung HIV-positiver und HIV-negativer Blutproben
sowie Beurteilung der Probe mit Lupe
und guter Lichtquelle sollte jedoch
die Fähigkeit des Personals zur richtigen Bewertung erheblich verbessern
können.
Die Schlußfolgerung Quinns, die
neue Schnelltest-Methode
könne in
vielen Entwicklungsländern die Weiterverbreitung von HIV infolge der
Transfusionen mit verseuchtem Blut
oder verseuchten Blutprodukten unmittelbar
unterbinden,
schränkt
der
JAMA-Leitartikel
außerdem mit der
Warnung ein, daß in manchen Gebieten
ihre Bedeutung begrenzt sei:
"In
Ländern, wo auf die heterosexuelle
Übertragung bis zu 90 Prozent aller
HIV-Infektionen entfallen, würden generelle Bluttests auf HIV die Zahl
der zu erwartenden neuen Fälle nur um
fünf Prozent verringern. Aus diesem
Grunde müssen sich die gegenwärtigen
Vorbeugungs- und
Kontrollmaßnahmen
weiterhin weitgehend auf Aufklärung
und Anpassung des Sexualverhaltens
stützen".
Bei der FDA (US-Behörde für Lebens- und Arzneimittelkontrolle) befinden
sich derzeit
einige HIVSchnelltests in der Prüfung. Keiner
davon wurde bisher für die USA zugelassen.

Der Verfasser eines Leitartikels
in der gleichen Ausgabe der JAMAZeitschrift bemerkte dazu, daß vier
- 3 -

* * * * * *

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988)

Nachstehend eine Liste der Themen, die im AMERIKA DIENST (1. Halbjahr 1988) erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise. Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in
der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

Afghanistan

1, 15, 16

Mittelamerika

1, 4, 12, 13

Ost-West-Beziehungen,
sicherheitspolitische Themen
Ost-West-Beziehungen allg.
Reagan-Gorbatschow-Treffen Moskau
Nuklear- und Weltraumwaffen
Sicherheitsstrategie
Rüstungskontrolle
Konventionelle Rüstung
SDI
INF
NATO
START
Desinformationen

17, 20, 23, 25
20, 21, 22
3, 6, 25
3, 4
11, 18
10
15
5, 9, 17, 19
9, 10, 18
13
15

Vereinigte Staaten
Bericht zur Lage der Nation
Präsident Reagans Haushaltsvorlage
Jahreswirtschaftsbericht des Präsidenten
Wirtschaft
Die Wahlen in Amerika 1988
Präsidentschaftskandidaten
Nominierungen
Preisverleihungen

- 1 -

4
8
8
2,
1,
5,
2,

10, 13, 14, 16, 23
15, 16, 20, 23, 24
6
23

�Internationale Probleme
6, 7, 9
12, 14, 16
10
20
5, 18
10

Außenpolitik
Naher Osten/Golf
KSZE
OECD
Drogen
AIDS
Ozon
Antarktis

8

Wissenschaft und Technik
Forschung

1, 2, 7, 9, 11, 14, 15,
16, 19, 22, 24
11
3, 9, 14
8

Krebs
NASA/Shuttle-Programm
Raumfahrt

2-

�Reden, Artikel und Erklärungen des amerikanischen Botschafters
Richard R. Burt
20. Januar 1988
Der INF-Vertrag:
AD Nr. 3

Die richtigen Lehren ziehen

24. Februar 1988
Singularisierung:
AD Nr. 8

Ein Produkt der Phantasie

13. April 1988
Die Sicherheitspolitik des Bündnisses im Zeitalter sich wandelnder
Ost-West-Beziehungen
Rede vor den Delegierten beim außenpolitischen Kongreß der CDU
(Sonderdienst)

SONDERDIENSTE
4. Mai 1988
Die sowjetische Militärmacht 1988
- Siebte Dokumentation des amerikanischen Verteidigungsministeriums

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carlucci bezweifelt sowjetische Behauptung defensiver Strategie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Verteidigungsminister vor der Moskauer Akademie des Generalstabs&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten geben Produktionsorte für chemische Waffen bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des amerikanischen Vertreters bei der&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Finanzminister Bakers Nachfolger heißt Nicholas Brady&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ankündigung des Weisen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1988&lt;br /&gt;Bush verspricht Unterstützung für Raketenabwehr im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede vor dem Mid-America Committee&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was steht im neuen Handelsgesetz?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ein Überblick über das jetzt vom Kongreß verabschiedete Gesetz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS-Seuche hemmt Entwicklungspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aufklärung und exakte Informationen als wichtige Waffe&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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VON

Sonderdienst

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10. August 1990
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BUSH ENTSENDET AMERIKANISCHE
STREITKRÄFTE NACH SAUDI-ARABIEN
Erklärung des Präsidenten

BUSH: TRUPPEN DIENEN DER
VERTEIDIGUNG SAUDI-ARABIENS
Pressekonferenz des Präsidenten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�SONDERDIENST
10. August 1990

BUSH ENTSENDET AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE
NACH SAUDI-ARABIEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat amerikanische Militäreinheiten entsandt, "die in Saudi-Arabien
defensive Stellungen beziehen sollen", um der saudiarabischen Regierung nach der irakischen Invasion Kuwaits
Beistand zu leisten.
In einer weltweit übertragenen Fernsehansprache erklärte Präsident Bush am 8. August 1990, die amerikanische Politik sei von vier Prinzipien geleitet:
"Erstens streben wir den sofortigen, bedingungslosen und vollständigen Abzug aller irakischen Streitkräfte aus Kuwait an.
Zweitens muß die legitime kuwaitische Regierung wieder anstelle des Marionettenregimes eingesetzt
werden.
Drittens ist meine Regierung ... der Sicherheit und Stabilität am Persischen Golf verpflichtet.
Und viertens bin ich entschlossen, das Leben amerikanischer Staatsbürger im Ausland zu schützen."
Die Vereinigten Staaten suchen weder Konflikt, erklärte Bush, "noch wollen sie die Geschicke anderer Nationen
lenken. Aber die Vereinigten Staaten werden ihren Freunden zur Seite stehen. Die Mission unserer Truppen
ist rein defensiv."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Bush im Wortlaut.

Als Nation obliegt es uns, herauszufinden, wer wir sind
und an was wir glauben. Gelegentlich sind solche
Entscheidungen nicht einfach. Heute bitte ich als
Präsident jedoch um Ihre Unterstützung einer Entscheidung, die ich getroffen habe, um für das Richtige
einzustehen und das Falsche zu verurteilen - um der
Sache des Friedens willen.
Auf meine Anweisung treffen heute Einheiten der 82.
Luftlandedivision und Schlüsseleinheiten der US-Luftwaffe in Saudi-Arabien ein, um defensive Stellungen
zu beziehen. Ich habe diese Maßnahmen ergriffen,
um der saudiarabischen Regierung bei der Verteidigung ihres Landes zur Seite zu stehen.
Niemand verpflichtet die amerikanischen Streitkräfte
leichten Herzens zu einer gefährlichen Mission. Nach
beispiellosen internationalen Konsultationen und
Sondierung aller Alternativen war dieses Vorgehen

unumgänglich. Lassen Sie mich die Gründe hierfür
darlegen.
Vor nicht ganz einer Woche, in den Morgenstunden
des 2. August, marschierten irakische Streitkräfte ohne
vorherige Provokation oder Warnung in das friedliche
Kuwait ein. Angesichts des von dem sehr viel kleineren Nachbarstaat geleisteten unbedeutenden Widerstands stürmten irakische Panzer in wenigen Stunden
blitzkriegartig durch Kuwait. Irak hält Kuwait jetzt mit
über 100 000 Mann, Panzern, Artillerie und BodenBoden-Raketen besetzt.
Diese Aggression erfolgte nur Stunden nachdem
Saddam Hussein zahlreichen Ländern in der Region
ausdrücklich versichert hatte, es würde keine Invasion
stattfinden. Es gibt keinerlei Rechtfertigung für diesen
verabscheuungswürdigen und brutalen Akt der Aggression.

Seite 1

�Ein von außen aufgezwungenes Marionettenregime
ist inakzeptabel. Die Annexion von Territorium ist
inakzeptabel. Niemand - Freund oder Feind - sollte
unseren Wunsch nach Frieden in Frage stellen, und
niemand sollte unsere Entschlossenheit unterschätzen, der Aggression zu begegnen.
Unsere Politik ist von vier einfachen Prinzipien geleitet.
Erstens streben wir den sofortigen, bedingungslosen
und vollständigen Abzug aller irakischen Streitkräfte
aus Kuwait an. Zweitens mu ß die legitime kuwaitische
Regierung wieder anstelle des Marionettenregimes
eingesetzt werden. Drittens ist meine Regierung - wie
es seit Präsident Roosevelt bis hin zu Präsident Reagan bei jedem Präsidenten der Fall war - der Sicherheit
und Stabilität am Persischen Golf verpflichtet. Und
viertens bin ich entschlossen, das Leben amerikanischer Staatsbürger im Ausland zu schützen.
Unmittelbar nach der irakischen Invasion habe ich ein
vollständiges Handelsembargo gegen den Irak verhängt und zusammen mit zahlreichen anderen Nationen Sanktionen angekündigt, mit denen gleichzeitig
alle irakischen Vermögenswerte eingefroren und die
kuwaitischen Guthaben geschützt werden. Das Risiko
ist hoch. Der Irak ist bereits ein reiches und mächtiges
Land, das über die zweitgrößten Ölreserven der Welt
verfügt und über eine Million Soldaten unter Waffen
hat. Der Irak ist die viertgrößte Militärmacht der Welt.
Unser Land importiert heute fast die Hälfte seines
Ölverbrauchs und könnte sich einer gravierenden
Bedrohung seiner wirtschaftlichen Unabhängigkeit
ausgesetzt sehen. Viele Länder der Welt sind noch
abhängiger von Ölimporten und den irakischen Bedrohungen gegenüber noch anfälliger.
Unser Kampf für Freiheit in Europa war von Erfolg
gekrönt, weil wir und unsere Verbündeten unerschütterlich waren. Die Bewahrung des Friedens im Nahen
Osten erfordert nicht weniger. Wir treten in ein neues
Zeitalter ein. Dieses neue Zeitalter kann sehr vielversprechend sein. Ein Zeitalter der Freiheit, eine Zeit des
Friedens für alle Völker. Aber wenn die Geschichte
uns etwas gelehrt hat, dann daß wir Aggression widerstehen müssen, sonst wird sie unsere Freiheit zerstören. Appeasement - eine Beschwichtigungspolitik funktioniert nicht. Wie in den dreißiger Jahren sehen
wir in Saddam Hussein einen aggressiven Diktator, der
seine Nachbarländer bedroht. Vor nur 14 Tagen hat
Saddam Hussein seinen Freunden versprochen, er
würde nicht in Kuwait einmarschieren. Und vor vier
Tagen hat er der Welt den Abzug seiner Truppen
versprochen. Zweimal konnten wir beobachten, was
seine Versprechungen wert sind. Sie bedeuten nichts.
In den vergangenen Tagen habe ich mit den politisch
Verantwortlichen im Nahen Osten, Europa, Asien,
Nord- und Südamerika gesprochen und bin mit Premierministerin Thatcher, Premierminister Mulroney und
NATO-Generalsekretär Wörner zusammengetroffen.

Seite 2

Sie alle stimmen überein, daß der Irak nicht von seiner
Invasion in Kuwait profitieren darf.
Wir sind einer Meinung, daß dies nicht ein Problem der
Vereinigten Staaten, Europas oder des Nahen Ostens
ist. Hierbei handelt es sich um ein Problem, das die
ganze Welt angeht. Und aus diesem Grund hat der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unmittelbar nach
der Invasion den Irak einmütig verurteilt und den
sofortigen, bedingungslosen Abzug seiner Truppen
aus Kuwait gefordert.
Die arabische Welt hat durch die Arabische Liga und
den Golf-Kooperationsrat mutig ihre Verurteilung der
irakischen Aggression zum Ausdruck gebracht. Japan, Großbritannien, Frankreich und andere Regierungen der Welt haben einschneidende Sanktionen
verhängt. Die Sowjetunion und China haben alle
Waffenverkäufe an Irak unterbunden.
Am vergangenen Montag, dem 6. August, hat der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum ersten Mal
seit 23 Jahren obligatorische Sanktionen gemäß Kapitel
VII der Charta der Vereinten Nationen verabschiedet.
Diese Sanktionen sind jetzt völkerrechtlich verankert
und kraft Gesetzes können dem Irak die Früchte seiner
Aggression bei gleichzeitiger gravierender Einschränkung seiner Möglichkeiten, irgendetwas von Wert insbesondere Öl - zu importieren oder zu exportieren,
verweigert werden.
An dieser Stelle gelobe ich, daß die Vereinigten Staaten ihren Teil zur Durchsetzung dieser Sanktionen
beitragen und den Irak davon überzeugen werden,
unverzüglich aus Kuwait abzuziehen.
Wir müssen uns jedoch vor Augen führen, daß der Irak
nicht auf den Einsatz von Gewalt verzichten wird, um
seine ehrgeizigen Ambitionen voranzutreiben. Der
Irak hat eine enorme Kriegsmaschinerie an der saudiarabischen Grenze aufgefahren, die ohne weitere oder
mit nur geringer Vorbereitung Feindseligkeiten auslösen kann. Angesichts der irakischen Geschichte von
Aggression gegen seine Bürger und Nachbarn wäre es
unklug und unrealistisch, davon auszugehen, der Irak
würde nicht wieder angreifen.
Nach Konsultationen mit König Fahd habe ich daher
Verteidigungssminister Cheney zur Erörterung der
gemeinsam zu ergreifenden Maßnahmen entsandt.
Im Anschluß an diese Gespräche hat uns die saudiarabische Regierung um Hilfe ersucht. Und ich habe
auf diese Bitte reagiert, indem ich die Entsendung
amerikanischer Luft- und Landstreitkräfte in das Königreich Saudi-Arabien verfügt habe.
Lassen Sie mich eindeutig feststellen, daß die souveräne Unabhängigkeit Saudi-Arabiens von entscheidendem Interesse für die Vereinigten Staaten ist.
Diese von mir gemeinsam mit der Führung des Kongresses getroffene Entscheidung entstammt der langjährigen Freundschaft und dem Sicherheitsgefüge

�zwischen den Vereinigten Staaten und Saudi-Arabien.
Die amerikanischen Streitkräfte werden mit denen
Saudi-Arabiens und anderer Nationen zusammenarbeiten, um die Integrität Saudi-Arabiens zu bewahren
und weitere irakische Aggressionen abzuschrecken.
Diese multinationale Streitmacht wird durch ihre Präsenz ebenso wie dank ihrer Ausbildung und Übungen
die saudiarabischen Streitkräfte bei der Verteidigung
des Königreichs verstärken.
Ich möchte keinen Zweifel daran lassen, was wir tun
und warum. Die Vereinigten Staaten suchen weder
Konflikt noch wollen sie die Geschicke anderer Nationen lenken. Aber die Vereinigten Staaten werden
ihren Freunden zur Seite stehen. Die Mission unserer
Truppen ist rein defensiv. Sie werden hoffentlich nicht
allzu lange benötigt. Sie werden keine Feindseligkeiten auslösen, aber sie werden sich selbst, das Königreich Saudi-Arabien und andere Freunde im Persischen Golf verteidigen.
Wir arbeiten rund um die Uhr, um irakische Aggression
abzuschrecken und die UNO-Sanktionen durchzusetzen. Ich führe meine Gespräche mit den politisch
Verantwortlichen der Welt fort. Verteidigungsminister
Cheney ist gerade von fruchtbaren Konsultationen mit
dem ägyptischen Präsidenten Mubarak und König
Hassan von Marrokko zurückgekehrt. Außenminister
Baker hat seine Amtskollegen in zahlreichen Nationen
einschließlich der Sowjetunion konsultiert. Und heute
reist er zu Gesprächen mit dem türkischen Präsidenten Özal nach Europa, einem getreuen Freund der
Vereinigten Staaten. Im Anschluß daran wird er mit
den NATO-Außenministern konferieren.
Ich werden die ölproduzierenden Länder auffordern,
alles in ihrer Macht Stehende zur Aufstockung der

*

Ölproduktion zu tun, um die Auswirkungen der gedrosselten Öllieferungen auf die Weltwirtschaft so gering
wie möglich zu halten. Und ich werde eruieren, ob wir
und unsere Verbündeten unsere strategischen Ölreserven anzapfen sollten. Auch Energiesparmaßnahmen können helfen. Die Amerikaner müssen überall
auf der Welt ihren Teil dazu beitragen. Und noch
etwas. Ich bitte die Ölgesellschaften, ihren Teil zu
leisten. Sie sollten Zurückhaltung üben und nicht die
heutigen Unwägbarkeiten zur Erhöhung der Preise
nutzen.
Uns zu unseren Prinzipien zu bekennen, wird nicht
leicht sein. Es wird Zeit erfordern und wahrscheinlich
viel kosten. Aber wir fordern von allen nur soviel wie
von den tapferen jungen Männern und Frauen unserer
Streitkräfte und deren Familien. Und ich bitte, daß in
den Kirchen im Land für diejenigen gebetet wird, die
sich dem Schutz und der Verteidigung der amerikanischen Interessen verschrieben haben.
Uns zu unseren Prinzipien zu bekennen, ist eine
amerikanische Tradition. Wie so viele Male zuvor,
kann es Zeit und außerordentliche Anstrengung erfordern. Vor allem aber erfordert es, daß wir uns über den
Zweck einig sind.
Wie ich zeit meines Lebens sowohl in Kriegs- als auch
in Friedenszeiten erleben konnte, haben sich die Vereinigten Staaten niemals beirren lassen, wenn ihr
Zweck von Prinzipien geleitet war. Und an diesem
Augusttag weiß ich, daß sie dem voll und ganz gerecht
werden.

Ich danke Ihnen. Gott schütze die Vereinigten Staaten
von Amerika.

* * *

*

Seite 3

�SONDERDIENST
10. August 1990

BUSH: TRUPPEN DIENEN DER VERTEIDIGUNG
SAUDI-ARABIENS
Pressekonferenz des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer Pressekonferenz hat Präsident Bush am 8. August 1990 die Faktoren
erläutert, die seinem Entschlu ß zur Entsendung amerikanischer Streitkräfte nach Saudi-Arabien zugrundelagen.
Dabei betonte der Präsident, daß dieser Schritt nach der Besetzung und Einverleibung Kuwaits durch den Irak
der Verteidigung Saudi-Arabiens diene. Er hoffe, die amerikanische Truppenpräsenz in Saudi-Arabien werde
"weitere Abenteuer gegen jeden anderen Staat am Golf abschrecken".
Das "übergeordnete Ziel" sei der Abzug des Iraks und die Wiedereinsetzung des "rechtmäßigen Regimes" in
Kuwait.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz von Präsident Bush im Wortlaut.

Frage: Wieviele amerikanische Soldaten haben Sie
nach Saudi-Arabien entsandt? Für wie lange verpflichten Sie sich, sie dort zu stationieren? Und warum
setzen Sie sie nicht ein, um die irakischen Truppen aus
Kuwait zu vertreiben?
Antwort: In einer Stunde wird eine diesbezügliche
Unterrichtung im Pentagon stattfinden, in deren Rahmen die Zahlen bekanntgegeben werden. Wahrscheinlich wird man aus naheliegenden Gründen in
bezug auf die Bekanntgabe detaillierter Zahlen gegenwärtig etwas zurückhaltend sein.
Wie Sie meiner Erklärung entnehmen konnten, sind
sie dort zur Zeit in einer defensiven Rolle. Es ist
deshalb nicht ihr Auftrag, die Irakis aus Kuwait zu
verleiben. Es gibt Wirtschaftssanktionen, die, wie ich
hoffe, effektiv zu diesem Ziel beitragen werden, und ich
weiß nicht, wie lange sie dort bleiben werden. Sie
kommen ja gerade erst dort an.
Frage: Ist dies eine zeitlich unbegrenzte Verpflichtung? Ich meine, könnte sich dies über Jahre hinziehen?
Antwort: Nichts ist zeitlich unbegrenzt, aber ich
mache mir darüber überhaupt keine Sorgen. Zur Zeit
beschäftige ich mich nur damit, sie dorthin zu verlegen
und dort zu tun, was ich in meiner Rede als notwendig
bezeichnet habe: die Verteidigung der Saudis und das

Bemühen, diese Aggression durch international konzertierte Maßnahmen zunichte zu machen.
Frage: Befinden wir uns im Krieg? Welche anderen
Staaten haben sich bereit erklärt, unseren Streitkräften bei der Verteidigung Saudi-Arabiens zur Seite zu
stehen? Ich nehme an, Sie haben auch andere GolfStaaten in unseren Schutz einbezogen?
Antwort: Wir befinden uns nicht im Krieg. Wir haben
Streitkräfte zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsandt.
Was andere Staaten angeht, so werde ich Ankündigungen über die Maßnahmen anderer Länder den
Saudis überlassen. Ich gehe jedoch davon aus, daß
Margaret Thatcher nach Gesprächen mit König Fahd
erklärt hat, Streitkräfte dorthin entsenden zu wollen,
und es wird sicherlich noch andere Maßnahmen dieser
Art geben. Ich werde dies jedoch Saudi-Arabien
überlassen, denn es geht ja um dieses Land.
Frage: War denn Cheneys Mission zur Erlangung von
Unterstützung durch Ägypten und Marokko erfolgreich?
Antwort: Ich habe selbst zweimal mit Mubarak gesprochen und denke, daß wir uns in enger Übereinstimmung mit ihm befinden. Marokko unterstützt die
Saudis und unsere allgemeine Haltung zum Nahen
Osten sehr energisch. In dieser Hinsicht bin ich sehr
zufrieden mit der Cheney-Mission.
Seite 1

�I

Frage: Zur Zeit scheint mehreren Dutzend Amerikanern in Bagdad und vielleicht mehreren Hundert in
Kuwait sowie an anderen Orten im Irak die Ausreise
verwehrt zu werden. Angesichts der geschärften
politischen Sensibilität der Amerikaner gegenüber dem
gesamten Geiselkomplex, könnte da Saddam Hussein
nicht jetzt zu dem Schluß kommen, daß er gegenüber
den Vereinigten Staaten über die besten Karten verfügt?
Antwort: Ich fühle mich dadurch ermutigt, daß es
Ankündigungen gab, wonach diese Personen ausreisen können. Ich möchte also jetzt keine Spekulationen
anstellen. Natürlich möchte ich, daß sie das Land
verlassen. Was er jedoch tut, ist in gewissem Maß
unberechenbar. Ich möchte aber die Spannungen
dadurch nicht erhöhen, daß ich auf hypothetische
Fragen antworte, die über ihre Frage hinausgehen.
Frage: Ich frage mich nur, welche Zusicherungen Sie
vielleicht geben können, daß unsere Politik in diesem
Fall nicht von einem Geiselproblem bestimmt wird, wie
dies in der Vergangenheit der Fall war.
Antwort: Ich kann nur versichern, daß ich den Schutz
amerikanischen Lebens als grundlegenden Bestandteil meiner Tätigkeit und Verantwortlichkeit als Präsident betrachte.
Frage: Die Frage der chemischen Waffen. Berichten
zufolge wurden die Iraker dabei beobachtet, wie sie
Flugzeuge mit chemischen Waffen bestückten. Wie
groß ist Ihre Besorgnis, daß er sie gegen unsere dort
anwesenden Truppen einsetzen könnte?
Antwort: Nun, wann immer Sie es mit jemandem zu
tun haben, der chemische Waffen auf dem Gefechtsfeld eingesetzt hat, sind Sie darüber besorgt, und ich
nehme an, daß er sich angesichts der Weltmeinung
zum Einsatz chemischer Waffen der Tatsache bewu ßt
ist, daß dies nicht hinnehmbar wäre und sehr, sehr
ernste Konsequenzen hätte. Ich hoffe, daß keine
chemischen Waffen eingesetzt werden.
Frage: Ich habe von Gerüchten aus Dschidda gehört,
denenzufolge Saddam Hussein tot ist. Haben Sie
etwas derartiges gehört?
Antwort: Nein, das habe ich nicht.

Frage: Werden die Saudis die Pipeline stillegen...
Antwort: Diese Frage wird sicherlich angesprochen
werden, und ich weiß, daß die Saudis in völliger
Übereinstimmung mit den durch die Vereinten Nationen nach Kapitel VII verhängten Maßnahmen handeln. Wir haben jedoch in dieser Hinsicht nichts mit
ihnen vereinbart.
Frage: Es ist für uns schwierig, Informationen aus
Saudi-Arabien zu bekommen. Ein Grund dafür liegt in
der Tatsache begründet, daß es amerikanischen
Medienvertretern nicht erlaubt wurde, amerikanische
Truppen nach Saudi-Arabien zu begleiten. War das
Ihre Entscheidung oder die König Fahds?
Antwort: Das war nicht meine Entscheidung. Es
befinden sich aber zur Zeit zahlreiche Reporter in
Saudi-Arabien.
Frage: Sollte es Ihrer Meinung nach einen PentagonPool geben wie im Falle Panamas?
Antwort: Darüber müßte ich mit dem Verteidigungsminister sprechen. Ich bin froh, daß viele Truppen
ohne große Vorwarnung und deshalb ohne größeres
Risiko für Saudi-Arabien oder diese Truppen verlegt
werden konnten.
Frage: Gab es irgendeinen besonderen Faktor, der
sie dazu veranlaßt hat, amerikanische Truppen und
Flugzeuge nach Saudi-Arabien zu entsenden? Und
zweitens, in welchem Maß haben die Sowjets Ihre
Entscheidung unterstützt?
Antwort: Es gab meines Wissens keinen einzelnen
Faktor, aber als König Fahd um diese Unterstützung
bat, haben wir umgehend darauf reagiert. Ich kann
jedoch keinen einzelnen speziellen Anlaß nennen.
Wenn es einen gäbe, dann vielleicht den, daß die Irakis
weiter nach Süden vordrangen, als sie behaupteten,
sie wären auf dem Rückzug. Als sie bis zur Grenze
zwischen Kuwait und Saudi-Arabien vorstießen, während sie gleichzeitig ihr Wort gegeben hatten, daß sie
abziehen würden. Das hat unsere Besorgnis verschärft.
Frage: Wie stark haben die Sowjets ihren Entschluß
unterstützt?

Frage: Wissen Sie, ob die Saudis dem Beispiel der
Türkei folgen und die irakische Pipeline im Süden
schließen werden? Haben Sie von den Saudis oder
anderen ölproduzierenden Ländern Zusicherungen
erhalten, daß diese ihre Produktion erhöhen werden,
um die Engpässe wettzumachen?

Antwort: Die Sowjets haben sich meines Erachtens
sehr verantwortungsbewu ßt verhalten. Sie haben sich
den Vereinten Nationen bei dieser Resolution angeschlossen, und Jim Baker hat erst gestern nachmittag
oder abend erneut mit Schewardnadse gesprochen.
Wie Sie wissen, kann ich keine bessere Antwort verlangen als die, die ich erhalten habe.

Antwort: Ich glaube, die Venezolaner haben eine
bedeutende Produktionserhöhung angekündigt, und
ich erwarte, daß andere diesem Beispiel folgen werden.

Frage: Beabsichtigen Sie, allein durch wirtschaftlichen Druck den Irak aus Kuwait zu vertreiben? Sind
Sie bereit, mehrere Monate zu warten, denn solange

Seite 2

�!

könnte es dauern, bis die Wirtschaftssanktionen schwerwiegende Folgen nach sich ziehen?
Antwort: Wir haben diesen ersten wichtigen Schritt
zur Verteidigung Saudi-Arabiens unternommen. Die
Wirtschaftssanktionen werden sich schon sehr bald
auswirken. Weitere Maßnahmen werden ergriffen um
sicherzustellen, daß sie voll wirksam werden, und
dann werden wir abwarten und sehen, was geschieht.
Aber bis jetzt sind wir noch nicht so weit. Natürlich
machen wir Pläne für verschiedene Eventualitäten,
aber das ist immer der Fall und sollte klugerweise auch
getan werden.
Frage: Ich verstehe, daß es den einzelnen Ländern
überlassen werden sollte, ihre Absichten im Hinblick
auf die multinationale Streitmacht bekanntzugeben.
Meines Wissens wollten die Saudis aber eine arabische Komponente in dieser Streitmacht. Ist das wirklich der Fall, und wird es eine solche Komponente
geben?
Antwort: Sie haben uns das nicht gesagt, aber es
wäre überhaupt keine Überraschung, wenn es eine
arabische Komponente in dieser Streitmacht gäbe.
Frage: Aber gegenwärtig gibt es sie nicht?
Antwort: Ich möchte dazu keinen Kommentar abgeben - weil meines Erachtens die Bekanntgabe aller
Komponenten von den beteiligten Ländern erfolgen
sollte.
Frage: Würden Sie es nicht im weitesten Sinne als
arabisch definieren, wenn sie kein Land nennen wollen?
Antwort: Nein, ich habe Ihnen bereits gesagt, daß es
mich nicht überraschen würde, aber es wäre mir lieber,
wenn die Erklärungen von anderen kämen. Meiner
Ansicht nach ist es wichtig, daß der Schwerpunkt auf
Saudi-Arabien und auf dem Verteidigungscharakter
der Maßnahme liegt, die wir mit diesen Streitkräften
ergriffen haben.
Frage: Sie haben uns mehrmals von Saddam Husseins Lügen gegenüber anderen Staatsmännern und
den Vereinigten Staaten im Hinblick auf seine Absichten berichtet. Warum glauben Sie nun die Stellungnahmen der irakischen Regierung, sie würden Amerikaner gehen lassen, wenn es keine Anzeichen dafür
gibt?
Antwort: Ich bin nicht sicher, ob ich Ihnen glauben
soll. Ich hoffe, sie sagen die Wahrheit.
Frage: Liegen Ihnen Hinweise aus geheimdienstlichen oder irgendwelchen anderen Quellen vor, die auf
Bewegungen von Amerikanern oder anderen (...) hindeuten.

Antwort: Ich bin über den Transport einiger Ausländer
informiert worden und hoffe, daß es sich um Amerikaner handelt.
Frage: Herr Präsident, Sie haben heute morgen in
Ihrer Rede erklärt, daß weder die Marionettenregierung in Kuwait noch die Annexion von Territorium
akzeptabel ist. Gleichzeitig haben Sie jedoch darauf
verwiesen, daß die Stationierungen insgesamt defensiven Charakter haben. Die Frage ist, wie wollen Sie
Hussein zum Abzug aus Kuwait zwingen?
Antwort: In diesem Falle können Wirtschaftssanktionen, wenn sie in vollem Umfang angewendet werden,
sehr, sehr wirkungsvoll sein. Im Hinblick auf die
Ölvorkommen ist dies ein reiches Land. Sie sind aber
auch in gewisser Weise ein armes Land, weil er einen
Großteil der Ressourcen für die Militärmacht verschwendet, und es liegen Anzeichen dafür vor, daß er
den Engpaß zu spüren beginnt. Niemand kann auf
Dauer mit großen wirtschaftlichen Entbehrungen leben.
Frage: Dazu habe ich noch eine kurze Frage. Können
Sie - wollen Sie Präventivschläge gegen Irak ausschließen?
Antwort: Ich möchte hier keine Hypothesen aufstellen. Wir haben darauf geachtet, das nicht zu tun, und
ich werde darauf nicht antworten.
Frage: Herr Präsident, könnten Sie uns die genaue
militärische Zielsetzung dieser Mission erläutern?
Werden die US-Streitkräfte nur dort bleiben, bis Saddam Hussein seine Truppen von der saudiarabischen
Grenze abzieht?
Antwort: Das kann ich nicht beantworten, weil wir mit
diesen Truppen ein bestimmes Ziel verfolgen, das in
der Verteidigung Saudi-Arabiens besteht. Es geht also
um mehr als um die Frage von Panzern an der Grenze.
Umfangreiche Luftstreitkräfte, zum Beispiel.
Frage: Bereiten Sie sich auf einen längeren Landkrieg
am Persischen Golf vor?
Antwort: Ich bereite mich nicht auf einen längeren
Landkrieg im Persischen Golf vor. Jetzt findet dort
überhaupt kein Krieg statt.
Frage: Ich möchte nur fragen, ob Sie dem amerikanischen Volk erklären können, wie Ihre militärische
Zielsetzung im einzelnen aussieht?
Antwort: Mein militärisches Ziel gilt der Verteidigung
Saudi-Arabiens - das militärische Ziel. Unser übergeordnetes Ziel besteht darin, daß Saddam Hussein das
Land verläßt und das rechtmäßige Regime Kuwaits
wieder eingesetzt wird.

Seite 3

�;
Frage: Herr Präsident, können Sie uns sagen, was
den US- und den saudischen Truppen gegenübersteht? Sie haben Boden-Boden-Raketen erwähnt und
bereits auf die Fähigkeit der Irakis zum Einsatz chemischer Waffen hingewiesen. Mit was müssen Sie
rechnen? Und der zweite Teil meiner Frage lautet, ob
wir Saddam Hussein mißverstanden haben? Vor
einigen Monaten hat sich die Administration beim
Kongreß gegen Schritte verwandt, die auf Sanktionen
gegen den Irak abzielten.

Frage: Herr Präsident, hat diese Situation im Mittleren
Osten irgendwelche nationalen Auswirkungen auf die
Haushaltsverhandlungen, das Defizit, die Mineralölsteuer oder andere Bereiche?

Antwort: Ich werde die Frage zu Details des militärischen Problems nicht beantworten, weil wir darüber
vom Pentagon eingehend informiert werden - meiner
Ansicht verfügt man dort über die besseren Mittel, um
diese Details abzuhandeln.

Frage: Herr Präsident, die nationalen Sicherheitsexperten erklären, daß diese Krise einmal mehr die
Verwundbarkeit - die kontinuierliche Verwundbarkeit der Ölfelder im Mittleren Osten demonstriert. Deutet
das nicht darauf hin, daß diese jetzt von Ihnen entsandten Streitkräfte - oder zumindest Teile davon einige Zeit dort bleiben werden, um den Öltransport
sicherzustellen?

Zweifelsohne haben wir im Hinblick auf Saddam Hussein alles versucht, um herauszufinden, ob nicht eine
Möglichkeit für etwas bessere Beziehungen besteht.
Ich bedaure nicht, Gespräche angestrebt zu haben,
die zu einem besseren Verhältnis führen sollten. Aber
sie mußten in dem Moment beendet sein, als die
Aggression stattfand. Abertrotz der Tatsache, daß wir
alles versucht haben, um das Verhältnis in den letzten
Jahren zu verbessern, sind wir in bezug auf seine
Absichten sehr argwöhnisch.
Frage: Aber hat unser Geheimdienst versagt - oder
wußten Sie, was passieren würde? Wann haben Sie
erste Hinweise erhalten? Auf den Angriff auf Kuwait
und das übrige?
Antwort: Ich fühle mich nicht vom Geheimdienst im
Stich gelassen. Wenn man einen Angriff im Stil eines
Blitzkriegs um 2 Uhr morgens plant, ist es schwierig,
damit aufzuhören, insbesondere, wenn sie gerade das
Ehrenwort der Beteiligten erhalten haben, zu einem
solchen Angriff werde es nicht kommen. Meiner
Ansicht nach gebührt dem Geheimdienst Lob für seine
Informationen über die umfangreiche Aufrüstung. Diese
Informationen wurden den entsprechenden Stellen
übermittelt, aber es ging alles so schnell, daß es
schwierig war, es aufzuhalten. Ich kann unserem
Geheimdienst wirkich keinen Vorwurf machen.
Frage: Herr Präsident, Sie haben heute morgen
erklärt, unsere Soldaten würden auch andere Freunde
im Golf verteidigen. Betrachten wir die US-Streitkräfte
als Garant für den Frieden im Golf?
Antwort: Unserer Ansicht nach sollen sie SaudiArabien verteidigen, und ihre Präsenz wird hoffentlich
weitere Abenteurer gegen jeden anderen Staat am
Golf abschrecken.
Frage: Welche anderen Länder sind wir bereit, im Golf
zu verteidigen?
Antwort: Ich werde Ihnen keine Liste vorlegen, aber
wir sind sicherlich an der Freiheit und Unabhängigkeit
aller Länder im Golf-Kooperationsrat interessiert.

Seite 4

Antwort: Eine Operation dieser Art ist äu ßerst kostenintensiv. Ich habe bereits um Voranschläge der entsprechenden Kosten gebeten, aber wie diese auch
ausfallen mögen - wir müssen sie zahlen. Aber Zahlen
liegen mir noch nicht vor.

Frage: Sie können das so interpretieren. Ich möchte
nicht sagen, daß dies meiner Ansicht nach das Ergebnis sein wird, denn wenn es diesen Rückzug gibt, den
die Welt fordert, wenn die Sanktionen Wirkung zeitigen, würde man damit das Risiko künftigen Abenteuerfilms begrenzen.
Frage: Was Ihre Forderung an die ölproduzierenden
Länder, die Fördermenge zu erhöhen, betrifft - denken
Sie, daß sie dies sofort tun werden?
Antwort: Meiner Ansicht nach wird es sehr bald dazu
kommen. Ich weiß nicht, wie es heute ...
Frage: Können wires uns angesichts einer Wirtschaft,
die am Rande der Rezession steht, leisten, die Steuern
zu erhöhen oder die Ausgaben zu beschränken? Würde
damit nicht das Risiko für eine scharfe Rezession
steigen?
Antwort: Meiner Meinung nach ist es absolut erforderlich, zu einer Einigung beim Haushalt zu kommen,
und dazu werden zahlreiche Kompromisse und viele
prinzipielle Erwägungen erforderlich sein. Aber wie
Sie wissen, will ich meine Haltung zum Haushalt hier
nicht darlegen, nicht, weil ich mich nicht an eine
Übereinkunft gebunden fühle, sondern weil ich Ihnen
vermitteln möchte, sie sehr mir daran liegt. Aber das
möchte ich nicht hier und heute erörtern. Ich möchte
dazu nicht in dieser Pressekonferenz Stellung nehmen, weil hier die Sorge der Welt über den Mittleren
Osten im Vordergrund stehen soll. Aber ich fühle mich
als freier Mensch. Ich fühle mich nicht gebunden an...
Frage: Warum nicht?
Antwort: Darf ich meinen Satz zuende führen? Ich
fühle mich nicht an ein Abkommen gebunden, das
nicht länger gültig ist, was ich auch den Abgeordneten
im Kongreß erklärt habe. Wir haben eine Meinung
dazu gehört, hauptsächlich von den Demokraten im
Kongreß. Und jetzt wollen Sie die andere Meinung

�hören, aber das kann nicht heute sein. Sie müssen
dranbleiben.

Staaten haben eindeutig Position bezogen, und wir
bekommen dafür weltweite Unterstützung. Darüber
bin ich sehr erfreut. Aus großen und kleinen Ländern.
Die Reaktion der ganzen Welt war ausgezeichnet.
Und ich hoffe, daß es dazu führt, da ß Saddam Hussein
oder besonnenere Köpfe im Irak verstehen, daß dieses Verhalten einfach inakzeptabel ist und erkennen,
wohin das führt.

Frage Herr Präsident, um aut das Thema zurückzukommen, sind Sie der Ansicht, daß die infolge der
Probleme im Persischen Golf gestiegenen Ölpreise
unser Land in die Rezession treiben könnten?

•»

'

Antwort: Dazu liegen mir noch keine Informationen
vor. Ich hoffe, daß das nicht der Fall ist, und ich hoffe,
daß die Ölpreise wieder sinken, wenn klarwird, daß es
keine Engpässe gibt. Gegenwärtig gibt es auf dem
Markt - gottseidank - Öl im Überf lu ß. Wir verfügen über
eine Ölreserve für Strategische Zwecke, auf die wir
zurückgreifen können. Andere Länder haben etwas
Ähnliches. Und ich hege die Hoffnung, daß dieser
schnelle Anstieg der Ölpreise nicht permanenten
Charakter bekommt, und ich denke, wenn die Welt
Zusicherungen bekommt, daß es keine dramatischen
Engpässe gibt - oder Ölkrisen - die Dinge auf dem
Markt wieder ihren normalen Lauf nehmen werden.

Frage: Wenn ich das richtig verstehe, liefern wir die
meisten Nahrungsmittel an den Irak, mit Hilfe langfristiger und kurzfristiger Zahlungsbedingungen und Subventionen, auch Krediten. Das heißt, sie haben von
unseren Farmern zu vielleicht günstigen Bedingungen
Nahrungsmittel und viele andere Produkte bekommen, mit Hilfe des Landwirtschaftsministeriums. Könnten
Sie vielleicht auf die Auswirkungen unseres Embargos
eingehen? Was schulden uns die Irakis für diese
Nahrungsmittel?
Antwort: Ich weiß nicht, wieviel sie uns für Nahrungsmittel schulden, aber ich weiß, daß dieses Embargo,
wenn es Erfolg zeitigen soll, alles einbeziehen muß.
Wenn damit ein humanitäres Problem verbunden ist hungernde Kinder oder andere Probleme - dann werde
ich es überdenken. Aber ansonsten wird cieses Embargo
umfassend sein und auch Nahrungsmittel beinhalten.
Ich weiß nicht genau, wieviel uns der Irak für Nahrungsmittel schuldet. In normalen Zeiten sind wir
immer davon ausgegangen, daß Nahrungsmittel Getreide, Weizen - von anderen Wirtschaftssanktionen unberührt bleiben. Aber diesmal ist es allumfassend, und die UNO-Resolution spricht eine deutliche
Sprache.

Frage: Angenommen, wir erreichen das Ziel eines
Abzugs irakischer Truppen aus Kuwait, dann steht
Saddam Husein immer noch an der Spitze einer Armee
von Millionen Soldaten, die er auch einsetzen möchte.
Was wird langfristig geschehen, und wird es möglich
sein, Saddam Hussein die Macht zu entreißen?
Antwort: Wenn diese internationale Lektion Früchte
trägt, wird Saddam Hussein sich in Zukunft anders
verhalten. Und deshalb ist die konzertierte Aktion der
Vereinten Nationen so wichtig. Außerdem ist sie seit
23 Jahren nicht mehr dagewesen.
Wir sehen zwar vielleicht noch kein Licht am Horizont,
aber wir haben eine Grenze gezogen. Die Vereinigten

* *

*

Seite 5

�</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

10. August 1994

31

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER SIEHT "ÄUSSERST ERNSTE
VERHANDLUNGEN" IM NAHEN OSTEN
VORAUS
Radiointerview des Außenministers

MENSCHENRECHTE

HELSINKI-MENSCHENRECHTSTAG 1994
Proklamation des Präsidenten

NICHTVERBREITUNG

USA STREBEN UNIVERSELLE BEFOLGUNG
DES VERTRAGS ÜBER DAS VERBOT VON
ATOMVERSUCHEN AN
Ansprache von ACDA-Direktor Holum

NÄCHSTER SCHRITT FÜR UKRAINE IST
BEITRITT ZUM NICHTVERBREITUNGSVERTRAG
Erklärung von Staatssekretärin Davis

OSTEUROPA

KONZENTRATION AUF OFFENE
GESELLSCHAFTEN IN OSTEUROPA
ERFORDERLICH
Anhörung von George Soros

LANDESKUNDE

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

IM TAL DER SONNE
von Maggie Wilson

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
10. August 1994

CHRISTOPHER SIEHT "ÄUSSERST ERNSTE
VERHANDLUNGEN" IM NAHEN OSTEN VORAUS
Radiointerview des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher zufolge ist es sein Eindruck, daß zwischen Israel und Syrien
"äußerst ernste Verhandlungen" für Frieden im Nahen Osten geführt und "Fortschritte erzielt werden können":
In einem Radiointerview am 4. August 1994 vor seiner erneuten Nahostreise stellte der Außenminister fest:
"Ich würde nicht fahren, wenn ich nicht vom Zweck der Reise überzeugt wäre... Wir erleichtern den
Verhandlungsprozeß jetzt vornehmlich, indem wir Nachrichten zwischen den Parteien übermitteln."
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview des Außenministers.

Christopher:
Ich wollte am Vorabend meiner
nächsten Nahostreise kurz mit Ihnen sprechen. Ich
werde morgen abreisen. Bei dem ersten Aufenthalt
in Kairo werde ich mit Präsident Mubarak zusammentreffen. Er hat seit meinem letzten Aufenthalt in
der Region sowohl mit Ministerpräsident Rabin als
auch mit Präsident Assad Gespräche geführt.
Ägypten hat im Zusammenhang mit dem Friedensprozeß eine herausragende und äußerst wichtige
Rolle gespielt, insofern werde ich mich mit ihm
austauschen um herauszufinden, ob er neue Einblicke gewonnen hat, wie auf der syrischen Gesprächsschiene Fortschritte erzielt werden können.
Meines Erachtens ist ein Hauptzweck der Reise, die
Washingtoner Erklärung zwischen Jordanien und
Israel voranzubringen. Wie Sie sich erinnern werden, forderte die Erklärung Grenzübergänge, Telefon- und Telegraphendienste sowie andere Gemeinschaftsunternehmen, und ich hoffe, wir werden
einige davon während meines Aufenthaltes einweihen.

gehend interpretieren, daß Sie keine ernsten Verhandlungen oder Konzessionen zwischen Israel und
Syrien - oder zumindest in dieser Phase - erwarten?
Antwort: Es wird äußerst ernste Verhandlungen
geben. Die Parteien befassen sich mit einigen sehr
schwierigen Fragen, und ich mache einen Unterschied zwischen ernsten Verhandlungen und öffentlichen Erklärungen. Sie ringen mit den hartnäckigsten
Problemen. Mein Eindruck ist, daß Fortschritte erzielt
werden können. Ich würde nicht fahren, wenn ich
nicht vom Zweck der Reise überzeugt wäre.
Im Hinblick auf die israelisch-syrische Gesprächsschiene ist dies eine äußerst wichtige Zeit. Ich
möchte andeuten, daß wir wahrscheinlich keinen
substantiellen Durchbruch erzielen werden, der
bekanntgegeben werden kann, aber wir machen auch
hier Zug um Zug Fortschritte.

Es wird eine relativ kurze Reise sein. Ich hoffe, in
fünf oder sechs Tagen wieder in den Vereinigten
Staaten zu sein.

In den vergangenen Tagen wurde in der Öffentlichkeit
ausführlich über den Nahen Osten berichtet, und ich
möchte drei Aspekte in bezug auf Syrien hervorheben. Erstens die Tatsache, daß das syrische Fernsehen die Feierstunde aus Anlaß der Washingtoner
Erklärung übertragen hat. Das war ziemlich ungewöhnlich und setzte eine Zeichen für die syrische
Öffentlichkeit und nicht zuletzt die anderen Länder in
der Region, daß Syrien die Washingtoner Erklärung
nicht ablehnt und sie in keiner Weise verhindern
wollte.

Frage: Herr Außenminister, Ihr Sprecher scheint
diese Reise etwas herunterzuspielen. Er erklärte, er
erwarte keinen Durchbruch. Können wir das dahin-

Zweitens zeigten die Zeitungen in Syrien auf der
Titelseite Bilder von Ministerpräsident Rabin und
König Hussein, wie sie Seite an Seite standen und

Dann werde ich in Jerusalem Gespräche über Syrien
führen und vielleicht ein-, zweimal zwischen Jerusalem und Damaskus hin- und herreisen.

AMERIKA DIENST 31

Seite 1

�zusammen arbeiteten, und meines Erachtens ist dies
eine ziemlich bedeutende Tatsache.
Und schließlich hielt Präsident Assad eine Rede am
Tag des Heeres, in der er mit Würde über den
Frieden sprach, und ich glaube, er war in höchst
optimistischer Stimmung über die Aussicht von
Verhandlungen im Nahen Osten.
Diese Ereignisse belegen, wie weit wir gehen
müssen. Gleichzeitig deuten sie an, daß sich
wirklich etwas bewegt, denn all dies hätte zu einem
früheren Zeitpunkt nicht in Syrien geschehen können, und für mich ist es ein Zeichen von Assad, daß
er die Aussicht auf Frieden ernsthaft verfolgt.
Frage: Herr Außenminister, können Sie uns eine
Idee vermitteln, was die Vereinigten Staaten im
einzelnen tun können, um diese Verhandlungen
voranzutreiben?
Was können die Vereinigten
Staaten anbieten?
Antwort: Wir erleichtern den Verhandlungsprozeß
jetzt vornehmlich, indem wir Nachrichten zwischen
den Parteien übermitteln und ihnen dabei behilflich
sind, das Terrain für ein Abkommen zu sondieren.
Die Probleme sind schwierig und miteinander
verknüpft. Es geht um die Frage, was eine Normalisierung und was Frieden konstituiert, wie der Abzug
erfolgen soll und welche Sicherheitsmaßnahmen
erforderlich sind. Meiner Ansicht nach können die
Vereinigten Staaten eine Rolle spielen, indem sie
den Parteien beim Eruieren der Möglichkeiten und
Kombinationen für die einzelnen Elemente des
Friedens helfen.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Parteien nicht
zu direkten Gesprächen auf der Ebene der Staatsund Regierungschefs bereit und haben mich gebeten, diese Rolle zu übernehmen. Es ist eine unterstützende Rolle, aber die Vereinigten Staaten
bringen dabei auch die Erfahrungen mit früheren
Friedensverhandlungen ein, Pattsituationen zwischen
den Parteien zu durchbrechen, einen Stillstand zu
beenden und den Prozeß voranzubringen.
Frage: Herr Minister, als Sie vor einigen Tagen hier
auf dem Capitol Hill waren, brachten Sie große
Besorgnis über internationalen Terrorismus, die
jüngsten Bombenanschläge und so weiter zum
Ausdruck. Wirft die Präsenz der Hisbollah einen
Schatten auf Ihren Besuch in Damaskus? Ich weiß,
daß Sie diese Fragen trennen wollen. Wird das
Thema in irgendeiner Weise angesprochen? Wird
es die Gespräche präjudizieren?
Antwort: Ich glaube nicht, daß es die Gespräche
präjudizieren wird, aber ich werde dieselbe Besorg-

Seite 2

nis äußern wie auf dem Capitol Hill über das Verhalten der Hisbollah und die Notwendigkeit, die Hisbollah von Terroranschlägen abzuhalten, nicht nur in der
Region, sondern auf der ganzen Welt. Und ich
werde versuchen, die Zusammenarbeit der Syrer zu
gewinnen um sicherzustellen, daß dieses Phänomen
sich nicht wiederholt.
Zweifelsohne gibt es eine Möglichkeit, ihre Zusammenarbeit und ihren Einfluß zu gewinnen, obwohl ich
in keiner Weise die Taten der Hisbollah den Syrern
direkt zuschreiben möchte.
Frage: Die New York Times legte heute morgen den
Schluß nahe, innerhalb der Administration gebe es
Differenzen bezüglich Haiti und einer eventuellen
Frist für eine Invasion, wie es den Berichten der
Times zufolge Strobe Talbott wünscht oder wozu
Verteidigungsminister Perry nicht geneigt ist. Können
Sie die Berichte der Times bestätigen...
Antwort: Diese Geschichte ist ziemlich weit hergeholt. Ich werde nicht auf Einzelheiten des Berichts
eingehen, weil damit niemandem gedient wäre - vor
allem nicht uns - und ihnen telegraphieren oder faxen
oder andeuten, wie unser Zeitrahmen aussieht.
Ich möchte feststellen, daß es ein hohes Maß an
Übereinstimmung zwischen den Mitgliedern der
Administration zu den grundlegenden Fakten gibt.
Erstens, die unrechtmäßige Regierung - die Militärregierung - sollte gehen und zweitens sollten wir uns
die Option zum Einsatz militärischer Gewalt erhalten,
sie auszuschließen oder zum Verlassen des Landes
zu zwingen.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfolgen wir die
Strategie, durch Sanktionen und auf andere Weise
zusätzlichen Druck auf sie auszuüben, damit sie das
Land verlassen. Ich möchte jedoch das hohe Maß
an Übereinstimmung bei Themen betonen, die der
Präsident gestern abend bei seiner Pressekonferenz
angesprochen hat.
Frage: Ist es überhaupt eine Option für die Vereinigten Staaten, ihren Abzug vielleicht durch die
Einrichtung sicherer Korridore, die Garantie von
Schutzzonen und vielleicht sogar materielle Anreize
zu erleichtern?
Antwort: Wie ich bereits erwähnt habe, möchte ich
nicht im einzelnen darauf eingehen, was getan
werden könnte.
Unseres Erachtens sollten sie
unverzüglich das Land verlassen, und sie sollten dies
tun, weil es das Richtige für sie ist. Sie haben dem
in dem auf Governors Island erzielten Abkommen
zugestimmt, insofern haben sie im Augenblick ihr
Versprechen gebrochen, und wir ermutigen sie zur

AMERIKA DIENST 31

�Einhaltung der im Abkommen von Governors Island
gemachten Zusagen. Sie wissen, was sie tun
müssen, und wir denken, sie müßten dies tun.
Zur Lage auf Haiti möchte ich die Bedeutung der
Insel vom Standpunkt der Hemisphäre aus hervorheben. Hierbei handelt es sich um ein hemisphärisches Problem, nicht nur ein Problem der Vereinigten Staaten. Die Länder in der Region sind von dem
Vorgehen der illegalen Regierung betroffen, und es
schafft einen äußerst schlechten Präzedenzfall in der
Hemisphäre, wenn eine Militärmaschinerie eine
gewachsene Demokratie stürzen kann.
Wir haben das Glück, zur Zeit nur zwei diktatorische
Regime in der Hemisphäre zu haben: das eine auf
Haiti und das andere auf Kuba. Aber gleichzeitig
gibt es eine Reihe ziemlich instabiler Demokratien in
der Hemisphäre, und wenn wir nichts gegen den
Präzedenzfall unternehmen, daß das Militär eine
Demokratie stürzen kann, so ist dies aus meiner
Sicht ein äußerst destabilisierender Faktor.
Ich möchte hier also die hemisphärische Bedeutung
des Problems unterstreichen. Ich bin sicher, andere
Nationen in der Region sind sich dessen bewußt,
denn sie haben mit uns bei der Bewältigung der
Migration zusammengearbeitet und Zusammenarbeit
bei der Zusammenstellung der UN-Truppen angeboten, die zur Sicherstellung von Recht und Ordnung
nach dem Abzug der unrechtmäßigen Regierung
nach Haiti entsandt werden sollen.
Frage: Herr Außenminister, Verteidigungsminister
Perry war heute auf dem Capitol Hill und sagte unter
anderem, die von uns kürzlich verhängten wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen hätten sehr
geringe Auswirkungen auf das Militärregime und die
Elite, wobei wir gehofft hatten, der gewünschte Effekt
würde gerade diese Gruppe treffen.
Wie lange wollen die Vereinigten Staaten warten,
bevor sie weitere Maßnahmen ergreifen?
Antwort: Ich denke, wir setzen keinen bestimmten
Zeitrahmen fest. Wir werden weiterhin diesen Druck
ausüben, solange er unseres Erachtens effektiv ist.
Ich möchte betonen, daß die Sanktionen zunehmende Auswirkungen haben. Wir unternehmen Schritte,
um die Schließung der Grenze zwischen der Dominikanischen Republik und Haiti sicherzustellen. Wie
Sie wissen, wurde die Grenze aus der Luft mit
Hubschraubern überwacht und Grenzbeobachter
werden in das Gebiet entsandt.
Aus meiner Sicht beginnen die Sanktionen Auswirkungen auf die Oberschicht zu zeigen, die das
Militärregime unterstützt.

AMERIKA DIENST 31

Wir alle haben das Gefühl, die Sanktionen waren
nicht so effektiv wie wir gehofft hatten, aber sie sind
es trotzdem wert, weil sie erst vor kurzem eingeführt
wurden und weiterhin Druck ausüben.
Der letzte Linienflug ging vor wenigen Tagen, und die
Elite auf Haiti beginnt erst jetzt zu spüren, was es
heißt, das Land nicht verlassen zu können.
Frage: Herr Außenminister, zwei Fragen zu Haiti.
Sie beschreiben es als hemisphärisches Problem,
aber dennoch haben viele andere Länder in der
Hemisphäre eindeutig ihre Ablehnung des Einsatzes
von Gewalt signalisiert.
Steht die Administration in Verbindung zu Ländern
wie Mexiko, um sie zu einem Sinneswandel zu
bewegen, oder akzeptieren Sie diese Position und
versuchen, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten?
Antwort: Wir arbeiten mit allen Ländern in der
Hemisphäre zusammen.
Meiner Ansicht nach
besteht das einhellige Gefühl, daß die Militärregierung abziehen muß. Über die technischen Aspekte
zur Verwirklichung dieses Ziels mag man sich nicht
vollständig einig sein, Tatsache ist jedoch, daß der
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit überwältigender Mehrheit, keiner Neinstimme und nur zwei
Enthaltungen der Resolution zugestimmt hat, die
besagte, zum Sturz des Militärregimes sollten alle
erforderlichen Mittel eingesetzt werden. Dies ist der
beste Indikator für internationale Unterstützung.
Darüber hinaus haben wir von anderen Nationen in
der Hemisphäre Unterstützung bei der Einrichtung
von Schutzzonen für die Migranten erhalten - dieses
Ergebnis ist ein weiteres Anzeichen für Solidarität in
der Hemisphäre bei dieser Frage.
Wir werden die anderen Länder in der Hemisphäre
weiterhin unterrichten. Ich werde nach wie vor
versuchen, sie vom Einsatz der besten Techniken zu
unterrichten, und ich möchte nochmals betonen, daß
der beste Indikator für internationales Zusammenstehen hier die überwältigende Mehrheit bei der
Abstimmung im Sicherheitsrat über eine Resolution
für alle erforderlichen Mittel zum Sturz des Militärregimes ist.
Frage: Herr Außenminister, wie lauten die Pläne der
Administration bezüglich des Waffenembargos in
Bosnien, und wie stehen die Chancen, daß Sie Ihren
Besuch ausdehnen und sich mit Bosnien befassen,
während Sie sozusagen in diesem Teil der Welt sind?
Antwort: Ich war vor weniger als einer Woche in
Europa, um mit den Ministern der Kontaktgruppe

Seite 3

�zusammenzutreffen, und wir haben damals eine
Reihe von Schritten unternommen, die - so hoffen
wir - die bosnischen Serben von der Annahme des
Plans der Kontaktgruppe überzeugen werden. Wir
vereinbarten die Einführung einer Resolution über
schärfere Sanktionen im Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen, und dies wird binnen einer Woche nach
dem Treffen der Fall sein.
Wir stimmten überein, daß Maßnahmen ergriffen
würden, mit denen wir eine striktere Durchsetzung
der Schutzzone vornehmen könnten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt versuchen wir, zusätzlichen Druck
auf die bosnischen Serben auszuüben.
Die serbische Regierung selbst scheint sich diesem
Druck anzuschließen. Wir müssen auf ihre Taten
achten, nicht ihre Worte, aber Milosevic hat seinen
Wunsch angedeutet, Druck auf die bosnischen
Serben auszuüben, und wenn dieser Druck effektiv
wirksam wird, könnte dies meines Erachtens ein
wichtiger Aspekt sein.
Wenn die bosnischen Serben nach Verstreichen
eines angemessenen Zeitraums den Friedensplan
nicht akzeptieren und wir das Gefühl bekommen,
diese Möglichkeit ausgeschöpft zu haben, scheint es
meines Erachtens ganz natürlich, andere Mittel zu
ergreifen. Wie Sie von dem Genfer Abkommen der
Minister der Kontaktgruppe wissen, wird eine multilaterale Aufhebung des Waffenembargos durch den
Sicherheitsrat die nächste, in Betracht zu ziehende
Option darstellen. Meiner Ansicht sind einige der
Vorbereitungen zur strengeren Durchsetzung der
Schutzzonen gleichzeitig Vorbereitungen für eine
multilaterale Aufhebung des Waffenembargos.

Diese Verhandlungen können so lange fortgeführt
werden, wie das Nuklearprogramm Nordkoreas
eingefroren bleibt. Daher besteht meiner Meinung
nach die Aussicht auf eine Lösung der Frage auf
diesem Weg.
Während der ersten Verhandlungstage, vor dem Tod
Kim Il-Sungs und der daraus resultierenden Aussetzung der Verhandlungen, gab es eindeutige
Hinweise von Seiten der Nordkoreaner darauf, daß ihr
größtes Interesse einem Leichtwasserreaktor als
Ersatz für den Graphitreaktor gilt. Vom Nichtverbreitungsstandpunkt aus gesehen ist es von Bedeutung, daß ein Leichtwasserreaktor viel weniger
gefährlich und die Produktion von Plutonium viel
unwahrscheinlicher ist.
Wir möchten bei diesem Vorhaben also gerne weiter
zusammenarbeiten. Botschafter Gallucci hat diese
Interimszeit - während der Bestattungsfeierlichkeiten
- dazu genutzt, unsere Hauptverbündeten und
wichtigsten Freunde - Südkorea, Japan, China und
Rußland - über dieses Thema zu informieren und mit
ihnen die Bereitstellung eines Leichtwasserreaktors
zu erörtern. Somit sind wir im Hinblick auf die uns zu
diesem Thema zur Verfügung stehenden Informationen wesentlich besser vorbereitet. Wir können
dieses Vorhaben meiner Meinung nach verfolgen,
wenn wir alle Ziele mit Nordkorea erreichen wollen,
und die Nordkoreaner haben dies in Aussicht gestellt.
Frage: Ein verwandtes Thema: Hatten die Vereinigten Staaten Erfolg bei ihrer Suche nach einer
Nation, die Abnehmer der dort lagernden Brennstäbe
sein könnte?

Dies liegt also definitiv im Bereich der Möglichkeiten,
wir wollen jedoch sehen, ob wir nicht eine Annahme
des Plans der Kontaktgrupe durch die bosnischen
Serben erzielen können, bevor wir uns den anderen
Optionen zuwenden.

Antwort: Meiner Ansicht nach ist das nicht das
Problem. Wir werden einen solchen Staat finden.
Das Wichtigste ist, die Zustimmung der Nordkoreaner
dazu zu erhalten, die Brennstäbe in ein anderes Land
zu verlagern. Das ist ein essentieller Bestandteil der
Verhandlungen.

Frage:
Herr Außenminister, die Nordkoreaner
verleihen derzeit ihrem Wunsch nach einem Leichtwasserreaktor Ausdruck.
Sind die Vereinigten
Staaten jetzt eher bereit, diese Abkehr von einem
Graphitreaktor zu unterstützen?

Ich halte die Lagerstätte nicht für die Hauptfrage.
Das Schwierigste ist, die Nordkoreaner davon zu
überzeugen, daß es in ihrem Interesse liegt, ihre
Nichtverbreitungsverpflichtungen zu befolgen, diese
Brennstäbe in ein anderes Land zu bringen.

Antwort: Um dies in den richtigen Zusammenhang
zu rücken: Wie Sie wissen, werden morgen in Genf
die Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea über die Nukleartrage wiederaufgenommmen. Ich halte es für eine gute Nachricht, daß der neue nordkoreanische Staatschef, Kim
Jong-Il, seinen Wunsch nach Fortsetzung dieser
Verhandlungen zu Erkennen gegeben hat.

Frage: Haben Sie jetzt ein besseres Gefühl für das,
was in Nordkorea geschieht? Nach dem Tod des
Präsidenten war es ja eine Art "Terra incognita". Ist
das jetzt weniger der Fall? Oder werden wir das in
Genf herausfinden?

Seite 4

Antwort: Die dortigen Anzeichen für Stabilität sind
zur Zeit relativ gut. Die Tatsache, daß sie die Genfer
Gespräche fortsetzen wollen und sich hierbei genau

AMERIKA DIENST 31

�an den vorgegebenen Zeitplan halten, ist ein gutes
Zeichen. Daher sehe ich zur Zeit in Nordkorea
relative Stabilität, was uns eine Fortsetzung dieser
Verhandlungen gestattet.
Nicht so ermutigend ist die Einstellung Nordkoreas
gegenüber einem Gipfeltreffen mit Südkorea. Ich
hoffe, daß sich im Lauf der Zeit und im Zuge der
weiteren Stabilisierung in Nordkorea das Interesse
dieses Landes an solchen hochrangigen Verhandlungen wiedereinstellt, da dies ein wichtiger Teil des
allgemeinen Pakets ist.
Frage: Herr Außenminister, um noch einmal auf
Ihre Reise in den Nahen Osten zurückzukommen:
Die Israelis haben heute vermeintliche Guerilla-Ziele
im Südlibanon bombardiert. Wird das Ihre Mission
erschweren? Handelte es sich hier um eine Botschaft oder nur um einen Zufall am Vorabend Ihres
Besuchs?
Frage: Wie Sie wissen, wird im südlichen Teil des
Libanon ein langanhaltender Kampf zwischen der
israelischen Verteidigungstruppe und der Hisbollah
geführt. Es ist seit langem ein Gebiet beständiger
Spannungen.
Mir ist klar, daß bei den Aktionen der israelischen
Verteidigungstruppe etwas schief lief, da in einem
der Dörfer mehrere Zivilisten getötet wurden. Bevor
ich hier eintraf, wurde mir mitgeteilt, daß die israelische Verteidigungstruppe sich für den dabei verursachten Tod von Zivilisten entschuldigt hat.
Obwohl im Nahen Osten große Fortschritte erzielt
wurden, finden immer noch Zwischenfälle statt. Es
gibt immer noch viele Feinde des Friedens, und die
Situation ist noch sehr gefährlich. Ich bin nicht der
Ansicht, daß gerade dieser Vorfall meine Reise
anders gestaltet. Es scheint immer Vorfälle zu
geben - positive und negative. Ich hoffe, daß wir auf
diesem Rad zwischen Israel und dem Libanon
Fortschritte erzielen können, damit es in Zukunft
keine derartigen Vorfälle mehr gibt.
Frage: Was China betrifft, wird von Menschenrechtsgruppen geäußert, daß sich die Menschenrechtsverletzungen in China seit der Verlängerung
der Meistbegünstigungsklausel faktisch erhöht
haben. Teilen Sie diese Einschätzung? Und was
unternehmen Sie jetzt, wo Sie nicht länger die
Meistbegünstigungsklausel als Druckmittel haben?
Antwort: Wie Sie wissen, haben wir die Menschenrechtssituation in China nie für sehr gut gehalten.
Wir können nicht die Art von Fortschritten beobachten, die in der vom Präsidenten vor einem Jahr
gemachten Erklärung gefordert wurden. Es ist für

AMERIKA DIENST 31

uns nicht überraschend, daß sich die Menschenrechtsverletzungen fortsetzen. Wir benutzen verschiedene andere Techniken, um die Aufmerksamkeit
auf diese Verletzungen zu lenken, und werden das
auch in Zukunft tun.
Diese Argumente haben wir schon vorher angebracht: China wird erst wieder in der internationalen
Staatengemeinschaft wirklich willkommen geheißen,
wenn es die internationalen Menschenrechtsnormen
befolgt. Wir werden diese Argumente weiterhin
anbringen und verschiedene bilaterale Werkzeuge
einsetzen, um bei den Chinesen darauf zu dringen.
Frage: Herr Außenminister, das Büro von Senator
Kennedy gab bekannt, Kanada habe die Kapitäne
von zwei Fischerbooten freigelassen, die Boote
würden jedoch noch von den Kanadiern einbehalten.
Wie sieht die Lage dort aus?
Antwort: Ich habe gelernt, keinen Kommentar zu
Angelegenheiten abzugeben, über die ich nicht voll
informiert bin. Und in dieser Frage bin ich nicht auf
dem neuesten Stand.
Frage: Zurück zum Nahen Osten. Jassir Arafat hat
sich seit Ihrem letzten Besuch über Verschiedenes
beklagt, beispielsweise über die Notwendigkeit,
bestimmte Dinge wie Fragen der Rechnungsprüfung
zu regeln - Buch zu führen, Quittungen auszugeben
und Ähnliches.
Was haben Sie seit Ihrem Besuch über von der PLO
auf diesem Gebiet unternommene Schritte gehört?
Der andere Kritikpunkt bezieht sich offensichtlich auf
die Erklärung, auf die in bezug auf die Heiligen
Stätten in Jerusalem für König Hussein vorgesehene
Sonderrolle. Ging man das Risiko ein, Arafat und
Hussein in der Mitte dieses laufenden Prozesses
gegeneinander auszuspielen?
Antwort: Zur ersten Frage: Wir haben bei der PLO
darauf gedrängt, das für den Erhalt verfügbarer
internationaler Mittel Erforderliche zu tun. Sie benötigt gewisse Dokumente und Quittungen, um Zugang
zu den bereitliegenden Geldern zu bekommen.
Ich hoffe, die PLO und die Palästinenser haben
erkannt, daß dies notwendig ist. Das ist einer der
Punkte, die ich dort angeführt habe - das internationale System erfordert einfach Ordnung und Dokumentation. Ich habe den PLO-Vorsitzenden Arafat
dazu aufgefordert, das System nicht zu bekämpfen,
sondern ihm zu entsprechen.
Mir scheint, daß dafür jetzt größeres Verständnis da
ist und das im Laufe eines Prozesses geschehen

Seite 5

�kann. Wir arbeiten weiter auf diesem Gebiet. Das
Kapitel ist noch keineswegs abgeschlossen. Den
Palästinensern im Gaza-Streifen wurden noch
zusätzliche Fonds zur Verfügung gestellt, es ist
jedoch ein Problem, zu dessen Lösung die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht Stehende
unternehmen werden.
Die Ironie all dessen liegt jedoch darin, daß der PLO
beträchtliche Gelder der Weltbank und anderer
internationaler Institutionen sowie einzelner Länder
zur Verfügung gestellt werden können, wenn diese
nur einen entsprechenden Antrag stellt und die für
den Erhalt der Mittel notwendigen Dokumente
vorlegt.
Vor meiner Abreise werde ich den anderen Staaten,
die bilaterale Fonds bereitgestellt haben, eine Nachricht senden und sie dazu ermutigen, weiterhin Mittel
und Wege zu suchen um sicherzustellen, daß wir die
erforderlichen Papiere und Quittungen erhalten und
sie tatsächlich den Palästinensern bei der Suche
nach den erforderlichen Techniken behilflich sind,
damit sie uns die Dokumente geben können.
Wir haben ungefähr zwei Drittel der Fonds, die wir
zur Verfügung stellen wollten, ausgezahlt, weil wir
Wege gefunden haben, um der Bürokratie zu entgehen.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben angesprochen, daß sie einige der Grenzübergänge zwischen
Jordanien und Israel eröffnen wollen. Könnten Sie
dazu vielleicht noch mehr Einzelheiten geben?
Schließt das auch Akaba und Eilat ein?
Antwort: Ich werde das bekanntgeben, wenn ich in
der Region bin und die anderen Parteien Erklärungen abgeben. Das war eines der Dinge, die in der
Erklärung gefordert wurden. Ich hoffe, daß wir
während meines Besuchs in der Region etwas
unternehmen können, um die Erklärung mit mehr
Inhalt zu füllen, aber das kann erst geschehen, wenn
ich dort bin.
Frage: Herr Außenminister, ich würde gerne eine
Frage bezüglich unserer Beziehungen zu Rußland
stellen. Es gab Hinweise darauf, es sei eine Art
Quidproquo zwischen der Zustimmung Rußlands zur
UNO-Resolution, die zu einer potentiellen Invasion
Haitis unter Führung der Vereinigten Staaten ermächtigt, und der Resolution, die den Russen eine
Hauptrolle bei der Friedenssicherung in Georgien
einräumt.
Könnten Sie a) bitte hierzu etwas sagen und b) uns
mitteilen, ob es irgendeine Veränderung der ameri-

Seite 6

kanischen Politik gegenüber dem gibt, was die
Russen ihr "nahes Ausland" nennen?
Antwort: Erstens möchte ich darauf hinweisen, daß
die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Rußland auf Arbeitsebene gut sind. Wir setzen
Elemente unserer Partnerschaft auf sehr effektive
Weise um.
Beispielsweise hat das Gespräch zwischen den
Präsidenten Clinton und Jelzin dazu beigetragen, daß
wir den rechtzeitigen Rückzug der Russen aus
Estland vor dem Auslaufen der Frist am 31. August
sicherstellen konnten.
Die Beziehungen zwischen Außenminister Kosyrew
und mir waren sehr nützlich bei dem Gefühl der
Übereinstimmung im Zusammenhang mit der bosnischen Frage, das wir in Genf hatten.
Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen
der Unterstützung Rußlands für die Resolution zu
Haiti und unserer Unterstützung der früheren Resolution im Hinblick auf Georgien. Die Resolution zu
Georgien wurde zwei bis drei Wochen vor der Resolution zu Haiti angenommen und war ganz anderer
Art. Sie forderte eine Erhöhung der Zahl der UNOBeobachter in Georgien, während die Resolution zu
Haiti sich auf die mindestens einjährige Erfahrung
stützte, die der UN-Sicherheitsrat mit dem Problem
Haiti gesammelt hat, angefangen mit dem Abkommen
von Governors Island vom vergangenen Jahr.
Obwohl beide Angelegenheiten den Vereinten Nationen vorliegen und beide in jüngster Zeit erörtert
wurden, gibt es zwischen ihnen keine direkte Beziehung.
Wir stehen mit den Russen wegen einer Vielzahl von
Themen in ständiger Verbindung. Die Tatsache, daß
wir in bestimmten Punkten Einigkeit erzielen, sollte
nicht als eine Form des Tauschhandels betrachtet
werden, sondern als Spiegelbild einer neuen Ära, in
der wir leben, sowie der Partnerschaft, die wir unterhalten. Wir stimmen nicht in jeder Frage überein.
Wir werden bei einigen Fragen natürliche Meinungsverschiedenheiten haben. Die neuen Beziehungen
zu Rußland reflektieren die Tatsache, daß wir die
Reform und die Reformer in Rußland unterstützt
haben und - ebenso wie sie - die Bedeutung einer
stabilen und positiven Beziehung zwischen zwei
Mächten anerkennen, die über ein großes Arsenal
von Atomwaffen verfügen.
Frage: An welchem Punkt befinden sich unsere
Handelsgespräche mit Japan und unsere Beziehungen zu der neuen Regierung?

AMERIKA DIENST 31

�Antwort: Wir befinden uns meines Erachtens in
einem wichtigen Übergangsstadium.
Wie Sie
wissen, hat unser Handelsbeauftragter Mickey
Kantor die Japaner darüber informiert, daß wir Ende
September Sanktionen verhängen werden, wenn sie
nicht auf bestimmten Gebieten unseres Handels mit
ihnen Maßnahmen ergreifen.

net, wir müssen jedoch noch unsere Wirtschaftsbeziehungen verbessern. Es wird ein Test für die
neue Koalitionsregierung unter Ministerpräsident
Murayama sein, ob sie auf wirtschaftlichem Gebiet
Fortschritte machen kann, damit sie den äußerst
stabilen Beziehungen auf anderen Gebieten entsprechen.

Ich spreche hier von einem Übergangsstadium, weil
wir es mit einer Regierung zu tun haben, für die
dieses Problem neu ist - die Koalition zwischen
Sozialisten und der ehemals stärksten Partei. Wir
werden uns erstmals mit dieser Frage befassen.

Keiner von uns befürwortet eine Verhängung von
Sanktionen. Wir würden viel lieber Fortschritte in
diesem Bereich beobachten. Dennoch sahen wir uns
aufgrund unserer Gesetze und angesichts unserer
Beziehungen zu Japan gezwungen, eine entsprechende Mitteilung zu machen. Während dieser
60tägigen Frist werden wir mit den Japanern zusammenarbeiten um zu prüfen, ob wir nicht genug
Fortschritte machen können, damit die Verhängung
von Sanktionen überflüssig wird.

Wir streben positive Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu Japan an. Das Land ist für uns ein
wichtiger Verbündeter. Unsere politischen und
sicherheitspolitischen Beziehungen sind ausgezeich-

* *

AMERIKA DIENST 31

*

*

Seite 7

�MENSCHENRECHTE
10. August 1994

HELSINKI-MENSCHENRECHTSTAG 1994
Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Indem er den 1. August 1994 zum Helsinki-Menschenrechtstag erklärte, stellte
Präsident Clinton fest, die Schlußakte von Helsinki aus dem Jahr 1975 "ist eine grundlegende Erklärung der
Freiheit - ein Symbol und eine Warnung an alle, die sich vom Licht der Demokratie abwenden würden".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Proklamation.

Seit über 20 Jahren war die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) ein
wichtiges Forum beim andauernden Kampf der
Menschheit um die Definition und Verteidigung der
Menschenrechte. Die Schlußakte von Helsinki aus
dem Jahr 1975 verpflichtete die Vereinigten Staaten,
Kanada und 33 europäische Staaten zur Respektierung "der Meinungs-, Religions- und Überzeugungsfreiheit für alle, ohne Unterscheidung nach Rasse,
Geschlecht, Sprache oder Religion". Sie ist eine
grundlegende Erklärung der Freiheit - ein Symbol
und eine Warnung an alle, die sich vom Licht der

Demokratie abwenden würden.
Als der Westen die Staaten des Ostblocks aufforderte, ihre KSZE-Menschenrechtsverpflichtungen
während des Kalten Krieges einzuhalten, spielte die
Unterstützung der KSZE-Mitgliedstaaten für diese
Ideale eine zentrale Rolle. In jüngster Zeit haben
das Ende des Kalten Krieges sowie die sich in
Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion vollziehenden dramatischen politischen Veränderungen
der KSZE die Erweiterung und Stärkung ihres
Mandats gestattet. Die Charta von Paris aus dem
Jahr 1990 ergänzte die bestehenden KSZE-Prinzipien und bezog neue Verpflichtungen zu politischem
Pluralismus, wirtschaftlicher Freiheit und Rechtsstaatlichkeit ein. Das Helsinki-Gipfeltreffen von 1992
unterstrich, daß "der Schutz und die Förderung von
Menschenrechten und Grundfreiheiten sowie die
Stärkung demokratischer Institutionen weiterhin die
unabdingbare Grundlage" für umfassende Sicherheit
bilden. Heute ist die gemeinsame Entschlossenheit
der KSZE-Mitgliedstaaten zur Aufrechterhaltung
dieser essentiellen Werte weiterhin das Schlüsselelement der europäischen Sicherheit.
Während die KSZE-Mitgliedstaaten die Verwirklichung der Helsinki-Prinzipien anstreben, erinnern

AMERIKA DIENST 31

gewalttätige Konflikte auf der ganzen Welt uns daran,
daß viele aus der totalitären Herrschaft hervorgehende Gesellschaften noch einen weiten Weg zu internationalen Normen der humanitären Demokratie
zurücklegen müssen.
Ethnische Spannungen,
Bürgerkriege und Menschenrechtsverletzungen sind
in einigen der vor kurzem aufgenommenen KSZENationen immer noch an der Tagesordnung. Die
Vereinigten Staaten stehen unerschütterlich zu ihrer
Verpflichtung zur vollständigen Umsetzung der in den
Vereinbarungen von Helsinki verankerten Menschenrechte und humanitären Regelungen, und ich fordere
alle Signatarstaaten auf, zu ihrem Versprechen zu
stehen, die Menschenrechte zu schützen, friedliche
Lösungen für Konflikte zu suchen und ihre im Rahmen der Schlußakte von Helsinki eingegangenen
Verpflichtungen uneingeschränkt einzuhalten.
Die internationale Sicherheit hängt wie nie zuvor von
der Achtung der Rechte des einzelnen und der
demokratischen Prinzipien der Regierung ab. Während wir uns der Größenordnung der Helsinki-Vereinbarungen in der Geschichte der Nationen bewußt
sind, bekräftigen wir unser Engagement zur Förderung ihrer zeitlosen Weisheit. Der wachsame Schutz
dieser Grundfreiheiten ist die beste Hoffnung der Welt
für ein Europa der wachsenden Zusammenarbeit und
des dauerhaften Friedens.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft
der von mir durch die Verfassung und Gesetze der
Vereinigten Staaten verliehenen Befugnis, hiermit den
1. August 1994 zum Helsinki-Menschenrechtstag und
bekräftige die amerikanische Verpflichtung zur
Bewahrung der menschlichen Würde und Freiheit Prinzipien, die in der Schlußakte von Helsinki verankert sind. Während wir Amerikaner diesen Tag mit
angemessenen Programmen, Feiern und Aktivitäten

Seite 1

�begehen, wollen wir unserer mutigen Mitbürger
gedenken, die Opfer zur Sicherung der Freiheiten
gebracht haben, deren wir uns erfreuen. Lassen Sie
uns zusammenarbeiten, um die Respektierung der
Menschenrechte und demokratischen Werte auf der
ganzen Welt zu ermutigen.

Unterzeichnet am 1. Tag des August, im Jahre des
Herrn 1994 und im 219. Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika,

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�NICHTVERBREITUNG
10. August 1994

USA STREBEN UNIVERSELLE BEFOLGUNG DES
VERTRAGS ÜBER DAS VERBOT
VON ATOMVERSUCHEN AN
Ansprache von ACDA-Direktor Holum
GENF - (AD) - Dem Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and
Disarmament Agency - ACDA), John Holum, zufolge streben die Vereinigten Staaten einen Vertrag über ein
umfassendes Verbot von Atomtests an, "der zur Einstellung sämtlicher Nuklearexplosionen führt. Keine
Schwellen, keine Ausnahmen ... Und wir streben die universelle Befolgung des Vertrags an."
Bei der Genfer Abrüstungskonferenz erklärte Holum am 4. August 1994, die Entscheidung Präsident Clintons
zur Verlängerung des Atomtestmoratoriums "wägt den potentiellen Wert zusätzlicher Tests ab gegen 1. von
anderen geübte Zurückhaltung, 2. die Auswirkungen auf unsere Nichtverbreitungsziele und 3. Fortschritte bei
den hiesigen Verhandlungen über ein Testverbot".
In praktischer Hinsicht bedeute dies, daß im Falle der Vereinigten Staaten die von ihnen angestrebte zentrale
und tiefgreifende politische Entscheidung bereits getroffen wurde. Wenn die Dinge sich hier und andernorts
so entwickeln wie erhofft, wird das von den Vereinigten Staaten 1992 angenomene Atomtestmoratorium ewig
andauern."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache Direktor Holums im Wortlaut.

Die Genfer Abrüstungskonferenz (Conference on
Disarmament - CD) hat in den letzten Jahren - und
besonders seit Beginn der Sitzungsperiode im
Januar - viel erreicht.
In gewissem Sinne gehen unsere bei der Abrüstungskonferenz erzielten Fortschritte weit über das
hinaus, was wir erwarten durften und sind Zeugnis
der Leistungsfähigkeit dieser Einrichtung.
Andererseits reichen unsere jüngsten Bestrebungen
nicht aus. Die Vereinigten Staaten sind mehr denn
je dem möglichst schnellen Abschluß eines Vertrags
über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT) verpflichtet. Niemand
von uns darf untätig bleiben - niemand darf mit den
bis heute erzielten, bemerkenswerten Fortschritten
zufrieden sein - bis die Staaten der Welt sich ein für
allemal auf die Einstellung sämtlicher Atomtests
geeinigt haben.

AMERIKA DIENST 31

Ich möchte heute die CD weder kritisieren noch über
Gebühr loben, sondern vielmehr eine Ermahnung
aussprechen.
Im Januar genoß ich das Privileg, Ihnen über das
Engagement Präsident Clintons zur Erzielung eines
"möglichst baldigen" umfassenden Atomtestverbots
zu berichten. Ein halbes Jahr später bat er mich,
erneut hierherzukommen und Ihnen mitzuteilen, daß
diese Anweisungen weiterhin umfassend wirksam
sind - und daß "möglichst bald" genau das bedeutet,
was es besagt. Es ist ganz sicher nicht eine diplomatische Floskel für "gemächliches Tempo". Es
bedeutet ganz gewiß nicht, sich die ganze Zeit zu
nehmen, die einem die amerikanischen Gesetze
zugestehen. Es heißt, sich nur die erforderliche Zeit
zu nehmen, eifrig und in gutem Glauben zu verhandeln und einen soliden Vertrag auszuarbeiten.
Das Engagement Präsident Clintons für ein Atomtestverbot erhält durch eine andere Entscheidung Glaubwürdigkeit - die Verlängerung unseres Moratoriums

Seite 1

�für Atomtests. Trotz der von China durchgeführten
Tests hat Präsident Clinton unser Moratorium bis
September 1995 um ein drittes Jahr verlängert.

großer Hilfe sein können. Wir werden daher weiterhin eng mit den anderen Atommächten zusammenarbeiten, damit diese Bestrebungen Früchte tragen.

Ich möchte Sie bitten, genau zu erwägen, was das
bedeutet.

Ich möchte besonders hervorheben, wie Botschafter
Marin Bosch, der Vorsitzende des Ad-hoc-Ausschusses für ein Verbot von Atomtests, die Arbeit des
Ausschusses beschleunigt. Die Vereinigten Staaten
unterstützen seine Bestrebungen zur Ausarbeitung
eines vollständigen Textes aus Beiträgen, die in den
Arbeitsgruppen für Verifizierung sowie rechtliche und
institutionelle Fragen unter seiner Leitung, beziehungsweise der der Botschafter Hoffmann und
Dembinski ausgearbeitet wurden. Dennoch ist viel
Zeit vergangen und es bleibt noch viel zu tun.
Erforderlich ist ein Dokument, das unserer Arbeit
mehr Zielbewußtsein und Energie verleiht. Und wir
erwarten vom Vorsitzenden des Ausschusses, daß er
das durch seine Führungsrolle herbeiführt.

Die Entscheidung des Präsidenten zur Verlängerung
des Atomtestmoratoriums wägt den potentiellen Wert
zusätzlicher Tests ab gegen 1. von anderen geübte
Zurückhaltung, 2. die Auswirkungen auf unsere
Nichtverbreitungsziele und 3. Fortschritte bei den
hiesigen Verhandlungen über ein Testverbot.
In praktischer Hinsicht bedeutet dies, daß im Falle
der Vereinigten Staaten die von vielen angestrebte
zentrale und tiefgreifende politische Entscheidung
bereits getroffen wurde. Wenn die Dinge sich hier
und andernorts so entwickeln wie erhofft, ist das von
den Vereinigten Staaten 1992 angenommene
Moratorium für Atomtests von Dauer.
Diese praktische Realität wird von der vom Präsidenten im vergangenen September vor der UN-Generalversammlung abgegebenen definitiven Erklärung
unterstrichen.
Der Präsident erklärte damals:
"Angesichts der beunruhigenden Anzeichen erneuere ich heute meinen Appell an die Atomwaffenstaaten zur Einhaltung dieses Moratoriums, während wir
ein endgültiges Verbot von Atomtests aushandeln."
Mit anderen Worten, wir sind auf die Schlußfolgerung vorbereitet, daß die Vereinigten Staaten schon
ihren letzten Atomtest durchgeführt haben - und nie
wieder Tests veranstalten.
Während wir über diese Realität nachdenken, sollten
diese Verhandlungen - sowie andere Entwicklungen,
einschließlich der Vorbereitungen für die nächstes
Jahr anberaumte Konferenz über den Nichtverbreitungsvertrag (NW) - mit verstärkter Energie und
Zielstrebigkeit verfolgt werden.
Die Vereinigten Staaten streben einen Vertrag über
ein umfassendes Verbot von Atomtests an, der zur

Einstellung sämtlicher Nuklearexplosionen führt.
Keine Schwellen, keine Ausnahmen. Und damit
meine ich nicht nur alle Explosionen, sondern alle
Staaten. Der Erfolg verlangt insbesondere die volle
Unterstützung und Beteiligung aller fünf Atomwaffenstaaten. Und wir streben die universelle Befolgung
des Vertrags an.
Natürlich tragen die Vereinigten Staaten und die
anderen im Besitz von Atomwaffen befindlichen
Staaten bei diesen Verhandlungen eine besondere
Verantwortung, und natürlich verfügen wir auch über
spezielle Erfahrungen und Wissen, die uns von

Seite 2

Als ich zum letztenmal zu Ihnen sprach, habe ich
erklärt, die Vereinigten Staaten würden diese Verhandlungen vorantreiben, anstatt sie zu verschleppen. Wir planen, auf unseren Bestrebungen zur
Umsetzung der Anweisungen des Präsidenten zu
beharren und sie sogar noch zu intensivieren.
Aus diesem Grund fordere ich die Konferenz auf, die
zur Verfügung stehende Zeit zu nutzen - selbst
außerhalb der normalen Sitzungszeit der CD - um
diese Verhandlungen voranzutreiben. Die amerikanische Delegation ist bereit zur kontinuierlichen
Arbeit im Ausschuß für ein Verbot von Atomtests und
seinen Arbeitsgruppen auch nach Ende der Sitzungsperiode am 7. September bis zur Eröffnung der
Sitzungszeit 1995, um in diesem Jahr noch vor
Beginn der Konferenz über die Ausweitung des
Nichtverbreitungsvertrags im April 1995 möglichst
große Fortschritte zu erzielen.
Bei manchen besteht eine gedankliche Verbindung
zwischen der Konferenz über die Ausweitung des
Nichtverbreitungsvertrags und Fortschritten auf
anderen Gebieten. Alle Teile der internationalen
Rüstungskontrolle, Nichtverbreitung und Abrüstung
stehen natürlich in Beziehung zueinander. Man
würde jedoch den großen Regimen oder Initiativen
einen schlechten Dienst erweisen, wenn man zwischen ihnen irgendeine Art von strengem "Quidproquo" aufstellen würde.
Der N W sollte wegen seiner enormen Verdienste für
den Weltfrieden verlängert werden. Die Zeit für den
Vertrag über ein umfassendes Verbot von Atomtests
ist gekommen. Wir sollten diese Chance ergreifen,
nicht weil sie Hand in Hand mit der Verlängerung des
N W geht, sondern weil sie die Sache wert ist.

AMERIKA DIENST 31

�Eine weitere hier in die Wege geleitete wichtige
Initiative verdient die unmittelbare Aufmerksamkeit
der Genfer Abrüstungskonferenz: Die Einstellung
der Produktion von spaltbarem Material. Eine solche
globale Konvention würde die Herstellung von spaltbarem Material für nukleare Sprengstoffe oder unter
Umgehung internationaler Sicherheitsvorschriften
verbieten. Sie könnte erstmalig die nicht von den
Sicherheitsvorschriften abgedeckten Nuklearprogramme von Nichtmitgliedsstaaten des N W einer
gewissen Zurückhaltung unterwerfen. Und sie würde
gleichermaßen die Produktion von Plutonium und
hochangereichertem Uran für Waffen in den fünf
erklärten Atomwaffenstaaten einstellen.
Präsident Clinton hat die Vereinigten Staaten in
seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen im vergangenen September zu
Verhandlungen über eine solche Einstellung der
Produktion verpflichtet. Die Generalversammlung
verabschiedete daraufhin im Konsens eine Resolution mit der Empfehlung, ein solches Verbot "im
geeignetsten internationalen Forum" auszuhandeln.
Im Januar dieses Jahres reagierte die Genfer Abrüstungskonferenz, indem sie den kanadischen Botschafter Gerald Shannon als Sonderkoordinator für
Konsultationen mit den Mitgliedstaaten der Genfer
Abrüstungskonferenz über Mittel und Wege zur
Aushandlung einer Konventionen über die Einstellung der Produktion von spaltbarem Material ernannte. Er hat diese Aufgabe geschickt gemeistert und
festgestellt, daß bei der Genfer Abrüstungskonferenz
Übereinstimmung zur Aushandlung des Vertrags in
diesem Forum herrscht.
Ich fordere die CD zur Verabschiedung eines einfachen Verhandlungsmandats auf der Grundlage der
in der Resolution der Generalversammlung festgeschriebenen Konsens-Vereinbarung auf. Ein solches
Mandat würde einen Ad-hoc-Ausschuß einrichten
und ihn zur Aushandlung eines nichtdiskriminierenden, multilateralen und verifizierbaren Vertrags über
die Einstellung der Produktion von spaltbarem
Material anweisen.
Die CD muß in dieser entscheidenden Angelegenheit Fortschritte erzielen - nicht nur zur Verringerung
der durch die andauernde Produktion von spaltbarem Material entstehenden Bedrohung, sondern
auch, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen,
denen zufolge sie angeblich nicht zwei größere
Aufgaben gleichzeitig bewältigen kann.
Ich weiß, daß all dies Ressourcen, Aufmerksamkeit
und Engagement erfordert. Wir werden Botschafter
Ledogar weiterhin alles Erforderliche zur Verfügung

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stellen, um diese hier von mir angesprochenen
ehrgeizigen Ziele zu verwirklichen.
Sicherheitszusagen sind ein weiterer ziemlich vielversprechender Bereich. Seit vielen Jahren hat die CD
wertvolle Arbeit bei negativen Zusicherungen geleistet. Die Vereinigten Staaten unterstützen einen
zweigleisigen Ansatz zu negativen Sicherheitszusicherungen: Gespräche im Ad-hoc-Ausschuß und
Gespräche unter den Atomwaffenstaaten.
Wir
werden weiterhin energisch in beiden Foren arbeiten,
und ich beglückwünsche Botschafter Guillaume zu
seiner in diesem Jahr im Ausschuß übernommenen
Führungsrolle.
Während wir hart mit den anderen Atomwaffenstaaten arbeiten, hat die Verpflichtung des amerikanischen Präsidenten Bestand. Unsere unilaterale
Verpflichtung unterstreicht Zusicherungen an atomwaffenfreie Staaten, die Mitglieder des N W oder
einer vergleichbaren international bindenden Verpflichtung wie des Tlatelolco-Vertrags sind, keine
nuklearen Sprengstoffe zu beschaffen, es sei denn,
die Vereinigten Staaten werden von diesem atomwaffenfreien Staat im Bündnis mit einem Nuklearstaat
angegriffen.
Ich möchte nicht vor der Genfer Abrüstungskonferenz
sprechen, ohne ein uns alle beschäftigendes Thema
anzuschneiden - die Erweiterung der CD-Mitgliedschaft. Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor für
eine starke Erweiterung der Konferenz. Wir bedauern, daß eine solche Erweiterung aufgrund der von
uns ausgemachten Hindernisse nicht möglich ist - die
nicht angemessene Einbeziehung eines Staates, der
umfassenden Sanktionen des UN-Sicherheitsrats
unterliegt, entsprechend Kapitel VII der UN-Charta.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, alle
vernünftigen Initiativen zur Lösung dieser Situation in
Betracht zu ziehen, und wir sind der Auffassung, daß
die CD das geeignete Forum für eine angemessene
Lösung ist.
Präsident Kennedy hat gerne gesagt, denen viel
gegeben werde, von denen werde viel erwartet.
Die beachtlichen Fortschritte der Genfer Abrüstungskonferenz bei der Chemiewaffenkonvention und ihre
nennenswerten Fortschritte beim Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot beweisen, daß dieses
Gremium große Leistungsfähigkeiten besitzt. Und
daher erwartet die Welt viel von ihm - von Ihnen.
Ein ermutigender Trend dieser Zeit ist die Fähigkeit
der internationalen Staatengemeinschaft, einen
Großteil der trennenden ideologischen und politischen
Untertöne auszuräumen, die während des Höhepunktes der Ost-West- und Nord-Süd-Konfrontation so viel

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�Zeit beanspruchten und so geringe Wirkung zeitigten. Natürlich sind diese Gewohnheiten nicht völlig
verschwunden. Mein Appell an Sie lautet, daß
soweit solche Neigungen noch vorherrschen, dies
der letzte Ort ist, an dem ihnen nachgegangen
werden sollte. Denn die Genfer Abrüstungskonferenz ist nicht der Ort, um politische Punkte zu
erzielen, sondern um ernsthafte Arbeit zu leisten und greifbare Ergebnisse hervorzubringen.
In einer Welt, in der sogar bilaterale Rüstungskontrolle multilateral geworden ist, sind diese Institution,
die hier arbeitenden fähigen Staatsmänner und
Experten sowie die von Ihnen hier angewandten
außergewöhnlichen und ausgeklügelten Methoden
der Diplomatie zum Trend der Zukunft geworden und die Verkörperung unserer Hoffnungen auf eine
sicherere Welt.
Mit dem Ende des Kalten Krieges könnte der Druck
der nuklearen Weiterverbreitung wichtiger werden
als je zuvor. Wie Sie wissen, kann ein solcher
Druck vertikal und horizontal spürbar sein. Daher ist
dies gleichzeitig die beste und wichtigste Zeit,
internationale Sicherheit zu stützen. Insbesondere
jetzt, da ein Großteil der Mächte im Besitz von
Nuklearwaffen endlich den Nuklearwaffen in ihrer
Verteidigungsplanung weniger Bedeutung beimessen
kann, ist es nicht an der Zeit, in alte Gewohnheiten
zurückzufallen.
Seit fünf Jahrzehnten machen wir Atomtests - und
vernehmen seit fünf Jahrzehnten Rufe, sie zu beenden. Das Streben der Welt nach einem Vertrag über
ein umfassendes Verbot von Atomtests war im
wahrsten Sinne des Wortes ein Langstreckenlauf.
*

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*

Solche Rennen werden jedoch nicht gewonnen,
indem man über die Ziellinie hinkt oder sich mit
bescheidenen Fortschritten begnügt. Sie werden mit
Energie und Engagement gewonnen.
Wir befinden uns im Endstadium unseres Rennens.
Die Ziellinie ist in Sichtweite. Wir müssen das Tempo
beschleunigen. Wir müssen der Beendigung von
Atomtests ohne Ausnahmen, ohne künstliche Junktims, ohne Verzögerung zustimmen - um einen CTBT
abzuschließen, bevor die Chance unseres Lebens
verstrichen ist.
Es ist ein interessanter historischer Zufall, daß der
50. Jahrestag der ersten Atomexplosion und der 25.
Jahrestag des Inkrafttretens des Nichtverbreitungsvertrags auf dasselbe Jahr fallen - 1995. Ich hoffe,
wir können diesen Zufall zu einem wichtigen Wegweiser für den Fortschritt machen.
Von der ersten Atombombenexplosion in Alamogordo
an hat die Menschheit darum gekämpft, sich von dem
dort freigelassenen wilden Tier zu befreien. Seit
damals haben Tausende Frauen und Männer mit
gutem Willen und geistigen Fähigkeiten - leidenschaftlich und sorgfältig - das zwingende Gebot
unseres Zeitalters zu verwirklichen versucht. In
Zusammenarbeit wollen wir uns erneut dieser Aufgabe widmen: Dieses wilde Tier wieder in seinen
Käfig zu sperren, das in einer gleißenden Detonation
in der Wüste New Mexicos Freigesetzte zu dem ihm
gebührenden Ende in der kühlen Atmosphäre der
Vernuft in Genf zu bringen - um sicherzustellen, daß
unser erstes halbes Jahrhundert der Atomexplosionen unser letztes ist.

*

*

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�NICHTVERBREITUNG
10. August 1994

NÄCHSTER SCHRITT FÜR UKRAINE IST BEITRITT
ZUM NICHTVERBREITUNGSVERTRAG
Erklärung von Staatssekretärin Davis
WASHINGTON - (AD) - Dem Versprechen der Ukraine, den Verpflichtungen zum Transfer ihrer gesamten
Atomwaffen nach Rußland nachzukommen, sollte jetzt ihr Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag (NW) folgen,
erklärte die Staatssekretärin im US-Außenministerium, Lynn Davis, am 3. August 1994 vor Journalisten. Sie
teilte mit, die Vereinigten Staaten arbeiteten mit der Ukraine zusammen, um deren Unterstützung für die
umfassende amerikanische Nichtverbreitungstagesordnung zu erhalten. "Der nächste wichtige Schritt besteht
im Beitritt der Ukraine zum Nichtverbreitungsvertrag."
"Anschließend könnten wir den START-I-Vertrag in Kraft setzen. Ferner wird der Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag der Ukraine auch den Weg zur Teilnahme an anderen Nichtverbreitungsregimen ebnen", stellte Davis
fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext der Staatssekretärin.
Zunächst möchte ich Sie über den neuesten Stand
der Dinge bei unserer Nichtverbreitungspolitik
gegenüber der Ukraine informieren und unsere
Pläne beschreiben.
Präsident Kuchma hat gerade gemeinsam mit einer
neuen Rada das Amt übernommen. Die freien und
unangefochtenen Wahlen stellen einen wichtigen
Schritt bei der Errichtung einer Demokratie in der
Ukraine dar. Vizepräsident Gore war gestern in
Kiew und traf mit der neuen Führung zusammen. Er
wollte damit das fortgesetzte Engagement der
Vereinigten Staaten demonstrieren, die Ukraine beim
Übergang zur Marktwirtschaft und der Entwicklung
zu einem vollwertigen Partner des Westens zu
unterstützen. Präsident Kuchma nahm die Einladung des Vizepräsidenten an, Washington Ende
November dieses Jahres einen Besuch abzustatten.
Präsident Kuchma erklärte, die Ukraine werde ihren
internationalen Verpflichtungen nachkommen,
einschließlich der trilateralen Erklärung, in der die
Ukraine dem Transfer aller auf ihrem Territorium
befindlichen nuklearen Gefechtsköpfe in russisches
Gebiet zur ihrer Zerlegung zustimmt. Bis heute
wurden bereits ungefähr 300 Gefechtsköpfe von der
Ukraine nach Rußland zur Zerlegung transferiert.
Wir haben bereits das in der trilateralen Erklärung
für November angestrebte Ziel von 200 Gefechtsköpfen erreicht, und mehr als die Hälfte der SS-24-

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Interkontinentalraketen auf ukrainischem Territorium
wurden entschärft.
In der trilateralen Erklärung stimmte Rußland zu, der
Ukraine als Ersatz für das hochangereicherte Uran
Kernbrennstoff zur Verfügung zu stellen. Es trafen
bereits zwei Sendungen ein.
Die Vereinigten Staaten stellten 60 Millionen Dollar
als Vorauszahlung für den amerikanisch-russischen
Vertrag über hochangereichertes Uran bereit, um die
ersten Lieferungen von Kernbrennstoffen an die
Ukraine mitzufinanzieren. Diese Vorauszahlung wird
unter dem Vertrag über hochangereichertes Uran
durch Sendungen niedrig angereicherten Urans an
die Vereinigten Staaten zurückgezahlt.
Ferner stellten die Vereinigten Staaten 350 Millionen
Dollar an Nunn-Lugar-Hilfe für den Abbau strategischer Streitkräfte und anderer, im Zusammenhang
mit der Nichtverbreitung stehender Projekte zur
Verfügung. Wir verfolgen auch ein internationales
Projekt mit 13 anderen Staaten. Diese haben allesamt ihre Absicht bekanntgegeben, der Ukraine Hilfe
für den Abbau von Waffen und ähnliche Unterstützung zu gewähren.
Wir hatten Schwierigkeiten, die Nunn-Lugar-Hilfe in
Gang zu bringen. Wir unternehmen entsprechende
Schritte, und in der kommenden Woche will ein Team

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�f

nach Kiew reisen und dort mit der ukrainischen
Regierung Maßnahmen ausarbeiten, die beide
Seiten zur beschleunigten Umsetzung des NunnLugar-Programms ergreifen können.
Ein weiterer wichtiger Teil unserer Bestrebungen in
der Ukraine sind Hilfsleistungen zur Erleichterung
der Schließung des Atomkraftwerkes von Tschernobyl. Die G-7 haben der Ukraine 200 Millionen Dollar
zur Verfügung gestellt, um ein Programm für nukleare Sicherheit und Energieversorgung in Gang zu
setzen. Anfang September wird ein Team aus der
G-7 den Ukrainern unseren Plan unterbreiten.
Wir arbeiten mit der Ukraine zusammen, um ihre
Unterstützung für eine umfassende Nichtverbreitungstagesordnung zu gewinnen. Der nächste
wichtige Schritt besteht im Beitritt der Ukraine zum
Nichtverbreitungsvertrag. Anschließend könnten wir
den START-I-Vertrag in Kraft setzen. Ferner wird
der Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag der Ukraine
auch den Weg zur Teilnahme an anderen Nichtverbreitungsregimen ebnen. Im Mai unterzeichneten
der stellvertretende Ministerpräsident Schmarow und
Vizepräsident Gore ein Abkommen, in dem sich die
Ukraine zur Respektierung der Richtlinien des Rake-

tentechnologie-Kontrollregimes (MTCR) verpflichtet.
Es stellt die Weichen für Zusammenarbeit im Weltraum mit der Ukraine, die über eine moderne Weltraumindustrie verfügt. Durch die Demonstration ihres
Engagements für die Nichtverbreitung sowie effektive
Exportkontrollen kann die Ukraine für die Aufnahme
in das MTCR als vollwertiger Partner in Betracht
gezogen werden. Ferner erwarten wir, daß die
Ukraine nach ihrem Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag und der Einführung ihres Exportkontrollsystems
ein Partner im Nachfolgeregime der COCOM-Liste
wird.
Seit Januar dieses Jahres, als sich Rußland, die
Ukraine und die Vereinigten Staaten auf Schritte zum
Abzug von Atomwaffen aus der Ukraine und entsprechende Kompensationsmaßnahmen einigten,
begannen wir einen Prozeß, um bedeutende Fortschritte bei der Nichtverbreitung zu erzielen. Seit
Januar haben wir viel erreicht. Wir begrüßen die
Erklärungen Präsident Kuchmas, seine Regierung
werde weiterhin das trilaterale Abkommen umsetzen,
und zählen darauf, daß seine Regierung den nächsten wichtigen Schritt unternehmen wird: den Beitritt
zum Nichtverbreitungsvertrag.

* * * *

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*

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�OSTEUROPA
10. August 1994

KONZENTRATION AUF OFFENE GESELLSCHAFTEN
IN OSTEUROPA ERFORDERLICH
Anhörung von George Soros
WASHINGTON - (AD) - Dem Finanzmogul und Philanthropen George Soros zufolge muß der Westen seine
außenpolitischen Zielsetzungen im postkommunistischen Osteuropa, wo Nationalismus und ethnischer
Chauvinismus die Fortschritte zur Demokratie bedrohen, konkretisieren und verfeinern.
"Die Schaffung und Erhaltung offener Gesellschaften sollte ein Ziel der Außenpolitik sein, und im Falle der
ehemaligen sowjetischen Einflußsphäre sollten wir dies zu unserem Hauptziel erklären", stellte Soros bei einer
Anhörung vordem Auswärtigen Unterausschuß für internationale Sicherheit, internationale Organisationen und
Menschenrechte des Repräsentantenhauses am 1. August 1994 fest.
Das Konzept einer offenen Gesellschaft, so Soros, "impliziert nicht nur eine demokratisch gewählte Regierung,
sondern auch eine Gesellschaft, die nicht vom Staat beherrscht ist. Es bedeutet eine starke bürgerliche
Gesellschaft und Rechtstaatlichkeit. Und es reicht nicht aus, daß die Regierung von einer Mehrheit gewählt
ist - sie muß auch Minderheiten und deren Ansichten respektieren."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von George Soros Anhörung.

In habe in den vergangenen fünf Jahren einen
Großteil meiner Zeit, Energie und meines Geldes auf
Mittel- und Osteuropa sowie die ehemalige Sowjetunion verwandt, weil ich der Auffassung bin, daß der
Zusammenbruch des sowjetischen Systems ein
historisches, revolutionäres Ereignis war, dessen
Ergebnis den Lauf der Geschichte gestalten wird.
Ich habe ein breitgefächertes Netz von Stiftungen
geschaffen, mit denen Hilfe und Unterstützung beim
Übergang von einer geschlossenen zu einer offenen
Gesellschaft geleistet werden soll. Ich habe die
Stiftung 1979 gegründet und im Jahr 1984 in meinem Heimatland Ungarn die erste Organisation vor
Ort ins Leben gerufen, aber mein Engagement nahm
mit dem Zusammenbruch des sowjetischen Systems
zu. Inzwischen gibt es in 23 Ländern Stiftungen,
und meine jährlichen Beiträge sind von 3 Millionen
Dollar im Jahr 1979 auf 300 Millionen Dollar 1993
gestiegen - aber die aufgewendete Geldmenge ist
nicht der beste Indikator für die Effizienz der Organisation, weil einige der besten Projekte am wenigsten
Geld erfordern.
Als ich mich zu engagieren begann, hatte das
kommunistische Dogma zu einer geschlossenen
Gesellschaft geführt, in der der Staat von einer
Partei und die Gesellschaft vom Staat beherrscht

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war. Der einzelne war der Gnade des staatlichen
Parteiapparats ausgeliefert.
Das kommunistische Dogma war falsch, eben weil es
ein Dogma war, das vorgab, die letzte Wahrheit zu
beinhalten. Es konnte nur durch eine grobe Verzerrung der Realität umgesetzt und selbst dann nicht
auf unbegrenzte Zeit aufrechterhalten werden. Die
Kluft zwischen Dogma und Realität wurde immer
deutlicher - die Überzeugungskraft des Dogmas für
das Denken der Menschen immer dürftiger - bis
schließlich das Regime rasch auf eine Weise zerfiel,
die zu einer Revolution führte.
1989 gab es einen Augenblick der Euphorie, als die
Menschen sich von einem repressiven System befreit
fühlten, und dieser Augenblick hätte genutzt werden
können, um den Übergang zu einer offenen Gesellschaft in die Wege zu leiten. Ich sah diese Chance,
die mich dazu verleitete, meine gesamte Energie in
den Prozeß einzubringen. Ich muß heute jedoch
zugeben, daß der Augenblick verstrichen und die
Chance verpaßt ist.
Der Zusammenbruch einer geschlossenen Gesellschaft führt nicht automatisch zu einer offenen
Gesellschaft, weil eine offene Gesellschaft eine
modernere, weiterentwickelte Form der Organisation

Seite 1

�ist als eine geschlossene. Freiheit ist nicht nur das
Fehlen von Repression. Eine Gesellschaft, in der
Menschen frei sind, erfordert die Freiheit schützende
Institutionen und vor allem Menschen, die an diese
Institutionen glauben.
Die Institutionen selbst
müssen sehr viel moderner werden, weil sie den
Ausdruck unterschiedlicher Ansichten und Interessen
gestatten müssen, wohingegen eine geschlossene
Gesellschaft nur eine Sichtweise anerkennt - die
herrschende. Mit anderen Worten, der Übergang
von einer geschlossenen zu einer offenen Gesellschaft ist ein Schritt nach vorne und kann ohne eine
helfende Hand nicht in einem Sprung vollzogen
werden. Das war meine Motivation, mich so sehr zu
engagieren. Aber die offenen Gesellschaften der
freien Welt waren nicht so motiviert. Zu der Zeit gab
es viel guten Willen gegenüber Osteuropa, aber
irgendwie wurde er nicht in effektives Handeln
umgesetzt. Die Regierungspolitik in Europa und den
Vereinigten Staaten war durch einen einzigartigen
Mangel an Verständnis und Vision gekennzeichnet.
Vergleichen Sie die Reaktion auf den Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums mit dem Zusammenbruch des Nazireichs. Damals hatten die
Vereinigten Staaten noch die Vision und die Großzügigkeit, den Marshallplan ins Leben zu rufen, und
der Marshallplan bewirkte Wunder. Er leistete nicht
nur Hilfe, sondern bildete auch den Rahmen zur
Zusammenarbeit für die europäischen Länder. Im
Rahmen des Marshallplans wurden nicht nur technische Experten zur Vermittlung ihres Wissens entsandt, er brachte auch eine große Zahl von Europäern in die Vereinigten Staaten und gestattete ihnen,
ihre eigene Tagesordnung zu formulieren. Wir
scheinen all diese positiven Erfahrungen vergessen
zu haben. Als das sowjetische Imperium zerfiel, gab
es keine politische Unterstützung für irgendeine
Form der Hilfe großen Umfangs, und der Marshallplan war zu einem Schimpfwort geworden.
In Ermangelung der westlichen Führungsrolle führte
der Zusammenbruch des sowjetischen Systems nicht
zum Entstehen offener Gesellschaften. Ferner gibt
es keine Gewißheit, daß dies statt in der Hitze des
Gefechts des revolutionären Augenblicks nicht durch
einen langsameren, mühsameren Prozeß erreicht
werden könnte. Im Gegenteil, insofern sich ein
Muster ergibt, zeigt es in die entgegengesetzte
Richtung.
Der Zerfall einer geschlossenen Gesellschaft auf der
Grundlage des universellen Dogmas des Kommunismus hat zu der weitverbreiteten Ablehnung aller
universellen Ideen geführt, und die Länder, aus
denen das sowjetische Imperium zusammengesetzt
war, versuchen, ein Organisationsprinzip in ihrer
eigenen besonderen Geschichte zu finden. Natürlich

Seite2

gibt es Ausnahmen von der Regel, aber das sich
abzeichnende vorherrschende Thema ist nationale
oder ethnische Identität statt eines universellen
Konzepts wie Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit oder eine offene Gesellschaft.
Dies schafft eine äußerst gefährliche Situation, weil
nationale Beschwerden ausgebeutet werden können,
um mehr oder weniger geschlossene Gesellschaften
zu gründen, und dies ist das Rezept für Konflikt. Um
die Gesellschaft hinter dem Staat zu mobilisieren,
benötigt man einen Feind, und wenn man keinen hat,
muß man einen erfinden. Das tat Hitler, als er die
Juden als die Feinde des deutschen Volkes brandmarkte, und er hat viele Nachahmer in der postkommunistischen Welt.
Bedauerlicherweise gibt es
keinen Mangel an Beschwerden, weil kommunistische
Regime für gewöhnlich alle nationalen oder ethnischen Bestrebungen unterdrückten, die ihren Zielen
nicht paßten.
Obwohl einige der nationalistischen Anführer ehemalige Dissidenten sind, gelingt den ehemaligen Kommunisten die Ausbeutung nationaler Gefühle für
gewöhnlich besser, weil sie eher wissen, wie man auf
allen Ebenen der Macht operiert. Sie können einen
größeren nationalen Konsens herbeiführen als
demokratische Anführer, die eine offene Gesellschaft
anstreben. Betrachten Sie sich Milosevic in Jugoslawien, Tudjman in Kroatien, Meciar in der Slowakei
und Krawtschuk in der Ukraine und vergleichen sie
die von ihnen auf dem Höhepunkt ihrer Popularität
erzielten Mehrheiten mit der schmalen politischen
Basis, mit der sich prowestliche demokratische
Regierungen in Ländern wie Rußland, Polen, Bulgarien oder Makedonien begnügen mußten.
In diesem Zusammenhang finde ich die jüngsten
Wahlsiege der ehemals kommunistischen Parteien in
Ländern wie Ungarn, Polen oder Litauen überhaupt
nicht beunruhigend. Hier handelt es sich um Reformkommunisten, die sich so weit wie möglich vom
Kommunismus entfernen möchten. Ihr Wiederauftreten ist eine begrüßenswerte Erweiterung des
demokratischen Spektrums. Ich freue mich besonders über das Ergebnis der jüngsten Wahlen in
Ungarn. Die nationalistische Linie wurde von der
Wählerschaft abgelehnt, und die Tatsache, daß die
Sozialistische Partei eine Koalition mit den Freien
Demokraten auf der Grundlage eines gut durchdachten und gut formulierten Reformprogramms
eingegangen ist, prophezeit eine gute Zukunft. Im
Falle Polens ist der Wechsel weniger glücklich, weil
die 1990 begonnenen radikalen und schmerzhaften
Reformen erste Früchte tragen und die Regierung
gerade zu funktionieren begonnen hatte, als sie eine
Niederlage erlitt. Aber der Reformkurs ist unumkehrbar und Polen heute wahrscheinlich das dynamisch-

AMERIKA DIENST 31

�ste Land in Europa, sowohl im Hinblick auf seine
Wirtschaft als auch auf seine Denkweise. Das
schlimmste, was passieren kann, ist, daß es an
Auftrieb verliert.
Insgesamt gesehen kann ich kaum eine Chance für
eine Rückkehr zum Kommunismus ausmachen.
Kommunismus als Dogma ist wirklich tot. Die reale
Gefahr ist das Auftauchen nationalistischer Möchtegern-Diktatoren. Sie spielen auf einer Ebene, die
sich definitiv zu ihren Gunsten neigt. Es ist sehr viel
leichter, die Gesellschaft wegen einer echten oder
eingebildeten nationalen Verletzung als wegen einer
abstrakten Idee wie Demokratie oder offene Gesellschaften zu mobilisieren. Der Aufbau offener Gesellschaften ist im wesentlichen ein konstruktiver Prozeß, und es ist nur zu leicht, ethnische Konflikte zur
Unterminierung der Grundlagen einer offenen
Gesellschaft zu nutzen.
Nehmen Sie den Fall Jugoslawien. Jugoslawien war
ein relativ wohlhabendes Land, das seit 20 Jahren
für den Westen geöffnet war und das die für eine
offene Gesellschaft erforderlichen intellektuellen
Ressourcen entwickelt hatte. Ich erinnere mich an
1990, als in Jugoslawien und Polen gleichzeitig die
Währungsreform eingeführt wurde. Jugoslawien war
zu ihrer Durchführung viel besser vorbereitet. Das
Land verfügte über eine Gruppe von Leuten, die
vom IWF und der Weltbank ausgebildet worden
waren, und die Reform war in der Tat sehr viel
erfolgreicher als in Polen. Das war im Mai 1990.
Dann plünderte Milosevic im Verlauf seines Wahlkampfes die Staatskasse und zerstörte die Währungsstabilität. Das war das Ende des Versuchs,
Jugoslawien in eine offene Gesellschaft umzuwandeln.
Und jetzt haben wir ein noch beeindruckenderes
Beispiel: Griechenland. Dieses Land ist Mitglied der
Europäischen Union, der NATO und vollständig in
die internationale Staatengemeinschaft integriert.
Dennoch war es möglich, über den Namen "Makedonien" nationale Gefühle zur Raserei aufzupeitschen.
Ein kleiner und schwacher Nachbar im Norden wird
zu einer Bedrohung der territorialen Integrität Griechenlands hochstilisiert. Zugegebenermaßen gibt es
eine Minderheit in Makedonien, die irredentistische
Träume auf der Grundlage der in der Vergangenheit
erlittenen ethnischen Verletzungen nährt. Aber die
Regierung Makedoniens ist der Schaffung eines
multiethnischen, demokratischen Staats aufrichtig
verpflichtet. Sie ist zu jeder Konzession bereit,
abgesehen von der Aufgabe ihrer eigenen Identität.
Aber die öffentliche Meinung in Griechenland sympathisiert mit den makedonischen Extremisten, nicht
der makedonischen Regierung, und das Thema

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wurde in Griechenland für innenpolitische Zwecke
ausgeschlachtet.
In der Zwischenzeit bricht die makedonische Wirtschaft, die bereits von den gegen Serbien verhängten
Sanktionen schwer geschädigt ist, unter der Last des
griechischen Embargos zusammen.
Die Eisenbahnverbindung verläuft im Norden und Süden, und
Makedonien ist auf beiden Seiten abgeschnitten. Als
Folge davon ist die vom Bahntransport abhängende
Schwerindustrie zum Stillstand gekommen.
Die
Wirtschaftskrise gefährdet die politische Stabilität.
Die multiethnische, demokratische Koalition wird
gleichermaßen von Extremisten auf der slawischmakedonischen und der albanischen Seite bedroht.
Sie könnte bei den nächsten Wahlen schnell aufgelöst werden, und im Falle eines Auseinanderbrechens
von Makedonien gäbe es einen dritten Balkankrieg.
Wie Sie sehen, besteht in Osteuropa genug Anlaß
zur Sorge. Als ich mein Projekt begann, plante ich
eine kurzfristige Kampagne, um die augenblickliche
Revolutionsbewegung zu nutzen und ein Beispiel zu
geben, dem die langsameren, schwerfälligen Institutionen unserer offenen Gesellschaften folgen
könnten. Bedauerlicherweise hatte ich mich geirrt.
Jetzt muß ich in biblischen Dimensionen denken - 40
Jahre in der Wüste. Der Kampf um eine offene
Gesellschaft ist nicht verloren, wie Polen und Ungarn
demonstrieren, er wird jedoch viel Zeit und viel Hilfe
von außerhalb erfordern, und darüber mache ich mir
Sorgen.
Ich war mir immer der fatalen Schwäche des Konzepts einer offenen Gesellschaft bewußt. Die Schwäche liegt darin, daß die in einer offenen Gesellschaft
lebenden Menschen sich nicht einmal bewußt sind,
daß sie in einer offenen Gesellschaft leben, und eine
offene Gesellschaft auch nicht für ein erstrebenswertes Ziel halten, für das sich Mühen und Opfer
lohnen. In einer Hinsicht ist Freiheit wie Luft: Die
Menschen kämpfen nur darum, wenn sie ihrer
beraubt werden. Wenn sie vorhanden ist, wird sie
ignoriert. In anderer Hinsicht unterscheidet sich die
Freiheit jedoch stark: Wenn man sie nicht pflegt und
schützt, hat sie die Tendenz, zu verschwinden.
Wenn wir aus den revolutionären Ereignissen in
Osteuropa, deren Zeuge wir seit 1989 waren, eine
Lehre ziehen können, dann ist es die Tatsache, daß
Freiheit nicht lediglich das Fehlen von Unterdrückung
ist und der Zusammenbruch einer geschlossenen
Gesellschaft nicht automatisch zu einer offenen
Gesellschaft führt.
Das Problem besteht darin, daß man diese Lektion
nicht gelernt hat. Nach dem Zusammenbruch des
sowjetischen Imperiums zögerten wir nicht, ihn als

Seite 3

�Sieg der freien Welt zu bezeichnen. Wir waren
jedoch andererseits nicht geneigt, für die Schaffung
einer freien und offenen Gesellschaft in diesem Teil
der Welt irgendwelche Opfer zu bringen. Die Folgen
werden jetzt auf schmerzliche Weise offensichtlich,
wir haben jedoch nicht einmal angefangen, sie zu
erkennen.
Was ist falsch gelaufen? Meines Erachtens hat sich
unsere Vorstellung von Freiheit geändert.
Im
Zweiten Weltkrieg wurde sie zu einer Idee emporgehoben, für die wir bereit waren zu kämpfen und
Opfer zu bringen. Die damalige Auffassung der Idee
umfaßte nicht nur die Freiheit in unserem eigenen
Land, sondern auch in den Ländern, die Opfer eines
totalitären Regimes waren. Diese Vorstellung wurde
in der Nachkriegszeit übernommen. Sie war verantwortlich für den Zerfall von Kolonialregimen und
die Bildung eines antikommunistischen Bündnisses.
Diese Idee trat jedoch allmählich in den Hintergrund
und wurde von einer anderen Idee ersetzt, die das
Streben nach Freiheit als gültiges außenpolitisches
Ziel ausdrücklich ablehnte. Diese Idee - "Geopolitik"
- besagte, daß die Staaten ihre eigenen Interessen
so entschlossen verfolgen sollten, wie es ihre
geopolitische Situation gebietet, und moralische oder
ethische Erwägungen nur eine zweitrangige Rolle
spielen. Sie können für Propagandazwecke nützlich
sein - die Mobilisierung der öffentlichen Meinung im
In- oder Ausland - aber man gerät in große Schwierigkeiten, wenn man seiner eigenen Propaganda
Glauben schenkt.
Eine Begleiterscheinung der Geopolitik in den internationalen Beziehungen war das Konzept des wirtschaftlichen Laisser-faire, das in den achtziger
Jahren auf wundersame Weise wiederauflebte. Wie
Sie wissen, besagt es, daß die ungehinderte Verfolgung des Eigeninteresses zur optimalen Ressourcenverteilung führt. Diese beiden Konzepte haben
uns bei unserer Reaktion auf den Zusammenbruch
des sowjetischen Systems geleitet und tun das auch
heute noch. Meines Erachtens sind sie in der
derzeitigen Situation äußerst unzureichend.
Solange wir mit dem Reich des Bösen in tödliche
Kämpfe verstrickt waren, lebten wir in einer stabilen
Weltordnung und hatten ein klares Bild von unserem
Platz in der Welt. Die Weltordnung war stabil, weil
beide Seiten die Fähigkeit zur gegenseitigen Zerstörung besaßen und deshalb keine Seite einen
totalen Krieg riskieren konnte. Und wir konnten uns
durch unser Feindbild definieren: Wir waren die
Führungsmacht der freien Welt. Die Stabilität der
Weltordnung wurde jedoch durch die interne Auflösung des Sowjetreiches zerstört, und wir verloren
unseren Identitätssinn. Wir wollen immer noch eine

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Supermacht und Führungsmacht sein, wissen jedoch
nicht, was diese Begriffe bedeuten. Wir wissen nicht,
wofür die freie Welt steht und - noch schlimmer - wir
wissen nicht, ob wir für die freie Welt eintreten sollen,
weil wir zu der Überzeugung gelangt sind, daß unser
Lebensstil auf der Verfolgung unserer eigenen
Interessen gründet, wie in den Doktrinen der Geopolitik und des Laisser-faire zum Ausdruck gebracht.
In gewisser Weise ist die derzeitige Situation einmalig. In der Vergangenheit wurden Frieden und
Stabilität entweder durch die Macht eines Imperiums,
ein Kräftegleichgewicht oder eine Kombination von
beidem aufrechterhalten. Derzeit haben wir keine
dieser Optionen. Die Vereinigten Staaten haben
weder die Fähigkeit noch das Interesse, die Welt auf
die Art und Weise zu beherrschen, wie die Briten es
im 19. Jahrhundert taten. Großbritannien zog genügend Vorteile aus dem freien Handel, um die Existenz einer Flotte zu rechtfertigen. Die Vereinigten
Staaten hingegen sind nicht länger die Hauptnutznießer von freiem Handel und können sich die Rolle
eines Weltpolizisten nicht leisten. Wir müssen von
kollektiven Aktionen abhängen, haben jedoch keine
klare Idee davon, was das kollektive Interesse ist.
Das schafft ein gefährliches Machtvakuum. Es
bestand die Hoffnung, daß es von den Vereinten
Nationen gefüllt würde, diese sind jedoch nicht
besser als ihre Mitgliedstaaten. Vielmehr sind sie
noch schlechter, denn die einzelnen Staaten verfolgen generell ihre nationalen Eigeninteressen auf
Kosten des kollektiven Interesses, und sie werden
von einer Bürokratie verwaltet, die mehr an ihrem
eigenen Überleben als am Überleben unserer Zivilisation interessiert ist. Es gab keinen Zeitpunkt in der
Geschichte, an dem der Friede von einer internationalen Institution aufrechterhalten wurde, und es gibt
keinen Grund zu glauben, daß in der jetzigen Situation etwas anderes der Fall sein wird.
Was sollte getan werden? Ich habe nicht alle Antworten, jedoch einen Vorschlag, der vielleicht hilfreich
sein könnte. Die Schaffung und Erhaltung offener
Gesellschaften sollte ein Ziel der Außenpolitik sein,
und im Falle der ehemaligen sowjetischen Einflußsphäre sollten wir dies zu unserem Hauptziel
erklären. Ich mache diesen Unterschied zwischen
der ehemaligen sowjetischen Einflußsphäre und der
übrigen Welt, da das sowjetische System unwiderruflich zusammengebrochen ist. Das nachfolgende
System wird enormen Einfluß auf den Lauf der
Geschichte und damit auf unsere eigene Zukunft
nehmen. In der übrigen Welt stellt die Förderung
offener Gesellschaften eines mehrerer, miteinander
konkurrierender Ziele dar. In der ehemaligen sowjetischen Einflußsphäre ist es von vorrangiger Bedeutung. Meines Erachtens sollte ihm selbst die Kernwaffenfrage untergeordnet sein.

AMERIKA DIENST 31

�Wenn ich von einer offenen Gesellschaft spreche,
meine ich eine Organisationsform, die lose als
Demokratie bezeichnet werden kann. Das Konzept
einer offenen Gesellschaft ist jedoch umfassender.
Es impliziert nicht nur eine demokratisch gewählte
Regierung, sondern auch eine Gesellschaft, die nicht
vom Staat beherrscht ist. Es bedeutet eine starke
bürgerliche Gesellschaft und Rechtsstaatlichkeit.
Und es reicht nicht aus, daß eine Regierung von
einer Mehrheit gewählt ist - sie muß auch Minderheiten und deren Ansichten respektieren. Mit anderen
Worten: Ich mache den Vorschlag, das alte Konzept
des Kommunismus kontra freie Welt durch das
Konzept offener und geschlossener Gesellschaften
zu ersetzen. Das alte Konzept war selbst als es
relevant war äußerst suspekt, da eine antikommunistische Haltung zur Rechtfertigung von Aktionen
benutzt werden konnte, die mit dem Verhalten einer
offenen Gesellschaft unvereinbar waren. Das neue
Konzept gestattet es, uns über das zu definieren,
wofür wir stehen, anstatt über unser Feindbild. Es
bietet eine Perspektive, die zur Zeit leider fehlt.
Zumindest zeigt es uns, daß nationalistische Diktaturen heute eine ebensolche Gefahr sind wie damals
der Kommunismus.

Eines ist jedoch sicher: Die NATO kann das durch
den Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums
geschaffene Machtvakuum nicht füllen. Erforderlich
ist ein Bündnis zwischen der NATO einerseits und
Rußland sowie den anderen Nachfolgestaaten der
Sowjetunion andererseits. Die NATO kann um die
mitteleuropäischen Staaten erweitert werden, die
Anwärter auf eine Mitgliedschaft in der Europäischen
Union sind, wenn sie jedoch auch Rußland umfassen
würde, würde sie bis zur Bedeutungslosigkeit geschwächt. An diesem Punkt wäre eine neue Perspektive von Nutzen.

Wie kann diese Perspektive in politische Empfehlungen umgesetzt werden? Erstens benötigen wir eine
starke Europäische Union, die außenpolitische
Entscheidungen treffen kann. Das fehlt heute, wie
auch die vertrackte Lage in Bosnien auf traurige
Weise demonstriert. Zweitens muß die Europäische
Union offener werden, insbesondere gegenüber dem
Osten, und darf nicht zu einer Festung werden, die
sich vor dem Tumult außerhalb ihrer Mauern schützt.
Die Länder Mittel- und Osteuropas benötigen die
klare Aussicht, der Europäischen Union beitreten zu
können, um den Übergang zu offenen Gesellschaften abzuschließen. Sie benötigen Privatinvestitionen
stärker als staatliche Hilfe, und die Aussicht auf eine
EU-Mitgliedschaft ist das beste Rezept für die Anziehung von Privatinvestitionen. Meines Erachtens
würden die Vereinigten Staaten und Deutschland,
wenn nicht alle übrigen Mitglieder der Europäischen
Union, mir in diesem Punkt zustimmen.

Die Idee ist nicht so absurd, wie wir uns selbst
glauben machen. Sie könnte vom IWF durch Sonderziehungsrechte finanziert und - im Erfolgsfall vollkommen zurückgezahlt werden. Dadurch würde
die brennendste Frage der Region gelöst: Die
Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums
ohne die vollkommene politische Dominierung durch
Rußland. In diesem Zusammenhang bieten die
jüngsten Präsidentenwahlen in der Ukraine, aus
denen ein an Wirtschaftsreformen ehrlich interessierter Präsident hervorging, eine Chance, die wir hoffentlich nicht verstreichen lassen. Eine echte Partnerschaft für den Frieden würde gekoppelt mit einer
Partnerschaft für den Wohlstand eine stabile Grundlage für eine neue Weltordnung bieten. Gibt es sie
nicht, werden wir eine weltweite Unordnung haben.

Drittens sollte die NATO - im wesentlichen ein
Bündnis zwischen Nordamerika und Europa - als
Hauptstütze der neuen Weltordnung dienen. Es ist
eine offene Frage, ob eine direkte Verbindung
zwischen der NATO und unseren asiatischen Verbündeten wie Japan und Korea erforderlich ist.

*

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Ich habe argumentiert, daß Rußland und die anderen
Nachfolgestaaten Hilfe von außen benötigen, um
Fortschritte bei ihrer Umgestaltung machen zu
können. Sie halten Fragen der externen Sicherheit
nicht für eine Bedrohung, sondern vielmehr für eine
Chance, die Aufmerksamkeit von ihrem wirtschaftlichen Scheitern ablenken und politische Unterstützung
mobilisieren zu können. Unter diesen Umständen
muß die Partnerschaft für den Frieden von einer
"Partnerschaft für den Wohlstand" begleitet werden,
einem Marshallplan der Gegenwart, um Substanz zu
erhalten.

Zum Abschluß meiner Ausführungen möchte ich
Makedonien ansprechen. Hier handelt es sich um
einen klaren Fall, bei dem uns ein Quentchen Vorbeugung viele Sorgen ersparen kann. Es sollte zu
einer Priorität werden, diesem winzigen Land mit
einer demokratischen, multiethnischen Regierung zu
Hilfe zu kommen, das sich aus Gründen außerhalb
seiner Kontrolle kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch befindet.

* * *

*

Seite 5

�LANDESKUNDE
10. August 1994

IM TAL DER SONNE
von Maggie Wilson
HOUSTON - (AD) - Millionen von Besuchern kommen wegen des Klimas, der spektakulären Landschaft und
des entspannten Lebensstils ins Tal der Sonne von Arizona. Die Verfasserin des nachfolgenden Artikels
beschreibt die Anziehungspunkte der Region, insbesondere Phoenix und Scottsdale.
Maggie Wilson ist freiberufliche Schriftstellerin und lebt in Phoenix.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Vista/USA, der Zeitschrift des EXXON
Travel Club. Copyright (c) 1992 EXXON Travel Club, Inc., Houston (Texas). Alle Rechte vorbehalten.

Der Jetliner glitt über das ausgetrocknete Flußbett
des Salt River, bevor er auf dem Sky Harbor International Airport landete.
Sämtliche Passagiere
schnappten erstaunt nach Luft, als die Lichter von
Phoenix (Arizona) und der 20 Städte in der Umgebung zu sehen waren, soweit das Auge reichte.
"Oh Mann!", japste der neben mir sitzende Cowboy.
"Das ist aber nicht gerade ein kleines Kuhdorf.
Ganz schön große Stadt in ihrer Hochblüte. Schaut
Euch bloß mal diese Lichter an!"
In der lauen Wüstennacht glitzerten die Lichter
tatsächlich wie eine Vielzahl von Diamanten und
Rubinen auf dem schwarzen Samt eines Juwelierladens. Als in Arizona Gebürtige hatte ich diese
Ansicht schon oft genossen, aber sie erweckte bei
mir immer noch dieselbe Reaktion wie bei den
Besuchern, die zum ersten Mal kommen.
Vielleicht liegt es daran, daß ich die Geschichte
kenne. Phoenix entstand auf leerem, unbewohntem
Land und wurde Dreh- und Angelpunkt des blühenden Tals der Sonne, Hauptstadt des Bundesstaates
Arizona, neuntgrößte Stadt der Vereinigten Staaten
und Wüstenmetropole von Weltklasse - und das
alles in 120 Jahren.
Dem Historiker John Myers zufolge hat sich "zu
keinem Zeitpunkt in der Geschichte in einem vergleichbaren Zeitraum eine Ansiedlung aus dem
Nichts zu einer derartigen Stadt entwickelt".
Was hat das Wachstum stimuliert? Zweifellos das
Wetter (im Durchschnitt 306 Tage im Jahr Sonnenschein, Temperaturen im Winter zwischen 16 und

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27° Celsius), die aufsehenerregende Natur in der
Umgebung (überraschend üppig für eine Wüstenstadt) und der entspannte, aber aktive Lebensstil.
Diese Aktivposten ziehen - insbesondere in den
Wintermonaten - Millionen von Besuchern in das
treffend so bezeichnete Tal der Sonne, wo stark
entwickelte Gebiete wie Phoenix und Scottsdale in
einem von Bergen umgebenen Wüstengebiet gelegen
sind - einschließlich des 820 Meter hohen Camelback
Mountain.
Phoenix ist immer noch eine der am schnellsten
wachsenden Metropolen der Nation. Dennoch ist die
Neuzeit schon das zweite Leben der Stadt. Vor
nahezu 2000 Jahren bändigten prähistorische Hohokam-lndianer den Saft River und lenkten sein Wasser
durch ein verzweigtes Kanalsystem zu Bohnen-,
Mais-, Kürbis und Baumwollfeldern. Um ungefähr
1100 v.Chr. war die Zahl der Hohokam-Indianer auf
20.000 angewachsen (zur Zeit leben im Vergleich
dazu im Tal der Sonne über zwei Millionen Menschen), aber um 1450 verschwanden die Indianer auf
mysteriöse Weise.
Das Tal des Salt River war bis in die sechziger Jahre
des 19. Jahrhunderts nur von Schweigen und Sonnenschein erfüllt, bis ein Soldat und Goldsucher der
Konföderierten 400 Dollar und acht Maulesel investierte, 16 arbeitslose Bergleute einstellte und die
Hohokam-Kanäle freischaufeln ließ. Diese wurden
dann zur Bewässerung von Weiden und Gerstenfeldern genutzt, auf denen wiederum Futter für die Tiere
in den Lagern der US-Armee hergestellt wurde.
Kavallerietrupps, Gold- und Silberminen breiteten sich
im gesamten Gebiet von Arizona aus.

Seite 1

�Obwohl der Salt River jetzt flußaufwärts eingedämmt
ist und eine Reihe von Seen bildet, die in Trockenzeiten die Wasserversorgung regeln, werden die
Kanäle der Hohokam-Indianer immer noch als
Verteilungssysteme genutzt. Die Stadt hat Schritte
unternommen, um das Erbe ihrer Ureinwohner zu
bewahren.
Das Pueblo Grande Museum und der Kulturpark
bieten einen Einblick in die Kultur der HohokamIndianer, die kilometerlange Kanäle gruben, wobei
sie Stöcke als Schaufeln benutzten und die Erde mit
Körben auf ihrem Rücken davontrugen. (Vor der
Ankunft der Spanier waren Lasttiere unbekannt.) In
den Ausstellungen ist zu sehen, daß die HohokamIndianer nicht nur hochentwickelte Hydrologen,
sondern auch Kunsthandwerker mit erlesenem
Geschmack waren. Aus diesem Grund trägt der
Direktor des Pueblo Grande den Titel "Stadtarchäologe". Phoenix war die erste Stadtverwaltung mit
einem Mitarbeiter, der einen solchen Titel trägt.

Der Anziehungspunkt ist das Arizona Center, ein acht
Häuserblöcke, (bisher) 212 Millionen Dollar teurer
Gebäudekomplex mit Fachgeschäften, Restaurants,
fahrbaren Eis- und Würstchenständen, Western
Saloons und zwei Bürotürmen - alles umgeben von
luftigen Gehwegen, Sitznischen, schattenspendenden
Bäumen und Rasenflächen, Springbrunnen und
Blumengärten.
1994 eröffnete die Stadt das Orpheum Theater
wieder für Gastspiele, Shows und Musikais. Die
neue Stadthalle ist um das alte Art-deco-Theater mit
seinen 1.400 Sitzplätzen gebaut, um die Parkeinrichtungen sowie die Kosten für Heizung und Klimaanlage besser zu nutzen.
In der Nähe von Phoenix ist Scottsdale ein Anziehungspunkt für Freizeitgäste. In der Stadt befinden
sich ein Viertel aller Hotelbetten des Tals, 60 Prozent
der Gästezimmer sowie eine Vielzahl von Geschäften
und Kunstgalerien.

Im Desert Botanical Garden mit seinen über 10.000
Wüstenpflanzen und wilden Blumen aus fünf Kontinenten wird besonderer Wert auf Nutzung der
südwestlichen Pflanzen für Nahrungsmittel, Kleidung,
Unterbringung, Arzneien und Kunsthandwerk durch
die ursprünglichen Bewohner der Region gelegt.

Herb Drinkwater, seit vielen Jahren Bürgermeister
von Scottsdal, kam während der vierziger Jahre als
Teenager in das Tal, so asthmatisch, sagt er, daß
seine Lippen und Fingernägel sich blau verfärbten bei
der Anstrengung, einen Raum zu durchqueren.
Heute ist er geheilt und robust.

Das Heard Museum, das in einem Haus im klassischen spanischen Kolonialstil untergebracht ist, zeigt
eine Ausstellung der Kulturen und Kunst der Indianer
aus dem Südwesten. Eine besondere Attraktion ist
die Kachina-Puppengallehe mit Stücken aus den
Kollektionen der ehemaligen Senatoren Barry
Goldwater und Fred Harvey, dem Gründer der
Harvey Houses (einer Restaurantkette) entlang der
Eisenbahnlinie nach Santa Fe. Ebenso beeindrukkend sind die Kollektionen des Museums, die sich
mit den Schönen Künsten der ursprünglichen Bewohner dieser Region befassen, einschließlich
historischer und zeitgenössischer Bilder und Skulpturen.

"Die Menschen kommen in das Tal", so Drinkwater,
"weil sie das Wetter mögen, auf einem der 116
herrlichen Golfplätze Golf spielen, reiten, bergsteigen,
wichtige Baseballspiele bei den Trainingsspielen im
Frühjahr sehen - all die herrlichen Dinge in freier
Natur tun wollen... Darüber hinaus ist das Tal so
zentral gelegen, daß man jetzt morgens (im Norden)
Ski und nachmittags hier unten (auf dem nahegelegenen Saguaro-See) Wasserski laufen kann - alles am
gleichen Tag."

Diese drei Attraktionen waren immer ein Hit. Jetzt
gibt es jedoch noch mehr zu sehen. Die derzeitige
große Neuigkeit aus Phoenix ist die Wiederbelebung
der Innenstadt.
"Vor vier Jahren", so Margaret Müllen, geschäftsführende Direktorin der Downtown Phoenix Partnership, "konnte man nach Einbruch der Dunkelheit auf
der Hauptstraße Schießübungen machen, ohne
irgend etwas zu treffen, außer vielleicht einer Palme.
Nach Büroschluß wurden die Bürgersteige hochgeklappt. Heute ist unsere Innenstadt - Tag und
Nacht, an Wochenenden und Feiertagen - voller
Menschen."

Seite 2

Für Drinkwater erfüllt sich mit der bevorstehenden
Kanalufer-Erschließung entlang der Straßen von
Scottsdale und Camelback ein lange gehegter Traum.
Der Arizonakanal wird in eine Landschaft mit Wegen,
Brücken, Restaurants, Geschäften und Ladenstraßen
eingebettet. Die Erschließung verspricht eine erfreuliche Ergänzung zu Scottsdales Indian Bend
Wash zu werden, einer langgestreckten, parkähnlichen Aue mit Golfkursen, Joggingpfaden und
Radfahrwegen, Angelstellen, Seen und Picknickplätzen.
Danny Medina, Herausgeberin von zwei Magazinen
über Mode und bildende Künste, erklärt, die Leute
kämen auch wegen Fünf-Sterne-Restaurants wie
Christopher's in Phoenix oder dem Chaparral Room
im Camelback Inn in das Tal.

AMERIKA DIENST 31

�Zu den schickeren Hotels gehören das Phoenician,
The Boulders in Carefree, The Scottsdale Princess,
The Pointe an den Tapito Cliffs und die alteingesessenen - das Camelback Inn, Arizona Biltmore Hotel
und The Wigwam in Litchfield Park. Aber wenn man
Rindfleisch mit Bohnen nach Cowboy-Art oder
Square dance mag, kann man das hier ebenfalls
finden. Zum Beispiel im Pinnacle Peak Patio. Hier
ist es de rigueur für die Kellnerinnen, einfach die
Schlipse der Männer abzuschneiden, um sie an den
Dachbalken aufzuhängen - wo sich bereits Hunderte
befinden.
"Dieses Lokal ist eine Legende, ein Muß", stellt der
im Pinnacle Peak angestellte Cowboy Dan fest.
"Jeder kommt hierhin - Reiche, Arme, ehemalige,
Möchtegern- und echte Berühmtheiten - und aus
jedem Teil der Erde. Sie essen auf Holzkohle des
Mesquitbaums gegrillte Steaks, sehen die Lichter
des Tals unter den Sternen und tanzen zur Musik
einer Countryband."
Mit staubigem Cowboyhut und Schnauzbart sieht
Cowboy Dan (sein Nachname ist KnodI, wird aber
nie benutzt) eher wie ein Goldsucher aus den
achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts aus, der
seinen Esel verloren hat, als ein zweisprachiger
Empfangschef eines Steak-Hauses der neunziger
Jahre. Und wie die große Mehrheit der Einwohner
von Arizona kam er aus einer anderen Region in
den Bundesstaat.
"Ich bin in der Türkei geboren", erklärt Dan, "und bin
wegen der Religionsfreiheit nach Amerika gekommen. Ich danke Gott, daß ich Amerikaner bin, der
im warmen Arizona lebt. Jetzt bin ich ein freigeistiger Cowboy."
Die Einwohner und Besucher werden in der Stille
der Wüste Sonoran gleichermaßen zu "freigeistigen
Cowboys". Der inzwischen verstorbene Architekt
Frank Lloyd Wright formulierte es folgendermaßen,
als er in den vierziger Jahren sein Winterdomizil
Taliesin West in Scottsdale aufschlug: "Das Leben
in der Wüste ist eine geistige Katharsis, die viele
Menschen benötigen. Ich bin einer von ihnen."

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Wenn Besucher sich in die das Tal umgebenden
Wüstengebiete wagen, sind die meisten erstaunt über
das Grün der Bäume, Büsche und Wiesen sowie die
exotischen Kakteen. Im März und April ist die Wüste
ein Meer von Kakteenblüten und wilden Blumen. Die
Paloverde-Bäume sind in herrliche gelbe Blüten
gehüllt. Und die hochaufragenden Saguaro-Kakteen
wachsen nur in der Wüste im südlichen Arizona und
in Nordmexiko.
"Besucher stellen sich die Wüste als unechte Umgebung wie in den Karikaturen und Western vor",
erläutert Richard Tumolo von den Desert Mountain
Jeep Tours. "Plötzlich werden sie von echten Cowboys durch den Saguaro-Wald geführt, die ihnen
anhand von 500 Jahre alten Mühlsteinen, 200 Jahre
alten Saguaros und 100 Jahre alten sechschüssigen
Revolvern Geschichten erzählen. Sie entspannen
sich total hier draußen, in einer neuen Atmosphäre
des Friedens und der Freiheit, die sich so von allen
anderen Orten unterscheidet."
Tumolo ließ in den siebziger Jahren die Hektik der
New Yorker Textilindustrie hinter sich, um ins Tal der
Sonne zu kommen und nahm ihn besuchende
Freunde zu Picknicks in der Wüste mit. Sie erklärten
ihm immer wieder: "Das ist das Schönste, was wir je
unternommen haben. Warum machst Du nicht ein
Geschäft daraus?" So begann er mit einem Fahrzeug und einem Gitarre spielenden Verwandten.
Heute hat er 12 Fahrzeuge und engagiert mehrere
Bands, die Westernmusik spielen.
"Diese wunderschöne Wüste hat etwas nahezu
Mystisches", stellt Tumolo fest.
Das ist im Tal der Sonne nicht überraschend, wo
Phoenix, wie sein mythischer Namensvetter, praktisch
aus dem Nichts entstanden ist, um zum Mittelpunkt
eines Wüsten-Freizeitgebiets ersten Ranges zu
werden.

Seite 3

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United
53

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und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

18

10. September 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Simon umreißt Haltung der USA zu Weltwirtschaftsproblemen
-Rede des US-Finanzirnnisters vor der Jahrestagung des IWF und der Weltbank-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die Rolle des amerikanischen Kongresses i n der Außenpolitik
- I n t e r v i e w m i t Senator Humphrey-

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

�amerika dienst
United
53

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Tel:

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G o d e s b e r g l ,

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Wirtschaft

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T e I e x : 08 - 8 54 3 2

18/1975

SIMON UMREISST HALTUNG DER USA ZU WELTWIRTSCHAFTSPROBLEMEN
-Rede des US-Finanzministers vor der Jahrestagung des IWF und der Weltbank-

Der amerikanische Finanzminister William
E. Simon hat am 2. September 1975 in einer
Rede auf der Jahrestagung des internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe die Ansichten der Uf" zu wichtigen
internationalen Wirtschaftsproblemen dargelegt und Wege zu ihrer Lösung aufgezeigt.
Die Ausführungen des US-Finanzministers
haben folgenden Wortlaut:
Es ist für mich eine große Ehre, erneut vor diesem hohen Auditorium zu
sprechen und Ihnen die Ansichten der Vereinigten Staaten zu den wichtigen wirtschaftlichen Fragen zu erläutern, denen sich die Welt heute gegenübersieht.
Ganz allgemein sind die Aussichten für die Weltwirtschaft heute hoffnungsvoller, als dies noch Anfanr des Jahres der Fall war. Die meisten großen
Industriestaaten haben

eine stark expansive Politik eingeschlagen. In mehre-

ren Ländern, darunter den Vereinigten Staaten, hat der Wiedererholungsprozeß
eingesetzt. Trotz ernster Belastungen hat sich das Ausmaß der internationalen
Kooperation nicht vermindert. Nur wenige Länder haben zu einer Politik gegriffen, die binnenwirtschaftliche Erfolge auf Kosten ihrer Nachbarn verheißt. Und die wohlhabenderen Länder verstärken ihre Anstrengungen, um denen
zu helfen, die in einer weniger glücklichen Lage sind.

- 1 -

�Doch kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Art, wie sich der
Fortschritt vollzieht, äußerst unglücklich ist. In einer Reihe von Ländern
hält die nach unten gerichtete Wirtschaftsspirale noch an, sie zieht sich
immer m p*»r in die Länge und ist stärker, als ursprünglich erwarte* worden
war. Die durch eine Inflation von bisher noch nicht gekannter S ärke entstandenen Härten, der unerhört steile und nicht voraussehbare Anstieg der
Energiekcsten und eine einschneidende Rezession - dies alles bleibt in allzu
vielen Teilen der Welt eine schmerzliche, lebendige Realität. Daher ist es die
vordringliche Aufgabe

die

w iterhin vor uns liegt, bei der Wiedererlangung

eines von einer breiten Basis getragenen Auftriebs für die Weltwirtschaft zusammenzuarbeiten, der die Grundlagen für ein stetiges, nicht inflationistisches Wirtschaftswachstum in jedem Lande schaffen wird.
Wenn wir jetzt mit Nachdruck voranschreiten, ist es unbedingt erforderlich, daß wir unsere Richtung beibehalten:
- Wir müssen die Kräfte der Wiedererholung vorsichtig unterstützen und
fördern, ohne der Versuchung zu erliegen, zu übermäßig starken belebenden Maßnahmen zu greifen.
- Wir müssen in unseren Bemühungen fortfahren, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, ohne dabei den Prozeß der Wiedererholung zu stören. Eine
dauerhafte Wiedererholung wird nur möglich sein, wenn wir die Ursachen der
Inflation beseitigen.
- Wir müssen eine bessere Lösung für die ölprobleme erreichen, während
wir gleichzeitig fortfahren, die ölexportierenden Länder bei ihrem Streben
nach wirtschaftlichem Fortschritt zu unterstützen.
- Wir müssen die wirtschaftliche Entwicklung in den ärmeren Ländern fördern.
- Wir müssen sicherstellen, daß wir ein reibungslos funktionierendes
Währungssystem haben.
Lassen
- 2 -

�Lassen Sie mich jetzt zu einer detaillierteren Erörterung jeder einzelnen
dieser Fragen übergehen.

Die Aussichten für ein Wirtschaftswachstum

Die Vereinigten Staaten sind sich voll darüber irr ^ aren, daß sich ihre
eigene Wirtschaftspolitik nicht nur nachhaltig auf das .eben ihrer eigenen Bürger, sondern auch der Bevölkerung anderer Länder auswirkt. Obwohl unsere Wirtschaft nicht mehr die dominierende Stellung in der Weltwirtschaft wie einst
übernimmt, beläuft sich unser Bruttosozialprodukt immer noch auf über ein Viertel des gesamten Bruttosozialproduktes der Welt und sind wir immer noch der
größte Importmarkt der Welt. Daher besteht der wichtigste Beitrag, den wir zu
einer gesunden Weltwirtschaft leisten können, darin,

daß wir ein dauerhaftes,

nicht-inflationistisches Wirtschaftswachstum in unserem eigenen Lande erreichen.
Glücklicherweise gibt es reichlich Beweis dafür, daß die wirtschaftliche
Wiedererholung in den Vereinigten Staaten bereits im Gange ist. Meine Regierung ist entschlossen, diese Wiedererholung weiter zu unterstützen, während
wir gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle bringen und die wirtschaftlichen Maßnahmen ergreifen,die für ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum erforderlich sind. Wir dürfen nicht und sollten nicht zwischen diesen Zielen zu wählen
suchen. Wir haben aus harten Erfahrungen gelernt, daß alle unsere wirtschaftlichen Ziele gleichzeitig verfolgt werden müssen. Wir werden keine zu starken
Auftriebsspritzen geben, die nur den inflationistischen Druck verstärken und
das Kapital aufzehren würden, das zur Erhaltung des Wiederaufschwungs benötigt
wird, sowie das Risiko heraufbeschwören würde, einen erneuten gefährlichen
Zyklus von Inflation und Rezession in Gang zu setzen. Genau so werden wir es
nicht zulassen, daß unsere Sorge ob der Inflation uns davon abhält, die natürlichen Kräfte der Wiedererholung aktiv zu unterstützen oder zusätzliche expansive Maßnahmen zu ergreifen, falls dies erforderlich werden sollte. Wir
sind nicht bereit, uns der Stagnation oder der Inflation als Lebensform zu
beugen.
Einige
- 3 -

�Einige haben vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten, um anderen aus
der Inflation herauszuhelfen, eine wesentlich stärker stimulierende fiskalische und monetäre Politik aufnehmen sollten. Zu viele unserer gegenwär^i"^binnenwirtschaftlichen Schwierigkeiten rühren aus solchen exzessiver. Maßnahmen
her. Seit 1965 waren das durchschnittliche Haushaltsdefizit der USA und die
durchschnittliche jährliche Zunahme der Geldmenge bei uns dreimal so groß
wie in dem vorangegangenen Jahrzehnt. Es ist kein Zufall, daß unser Land sich
in dem früheren Zeitraum e i ^ r angemessenen Preisstabilität erfreuen konnte,
während wir in den letzten Jahren wachsende Schwierigkeiten hatten, die Inflation einzudämmen. Und die inflationistischen Erwartungen sind in unserer heutigen Gesellschaft so tief verwurzelt, daß sie nicht schnell verschwinden werden. Die finanziellen Unterlassungssünden eines Jahrzehnts können nicht mit
einem Tag der Buße vergeben sein. Unsere Politik in den Vereinigten Staaten
muß darauf ausgerichtet sein, die Ursachen der Inflation und nicht ihre Ergebnisse anzugehen. Auf lange Sicht wird dies uns allen einen sehr dauerhaften
Gewinn bringen.
Während die Wiederbelebung der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten dazu beitragen wird, die wirtschaftlichen Aussichten und das Vertrauen anderer
Nationen zu stärken, wäre es unrealistisch, zu erwarten, daß irgend ein einzelnes Land die übrige Welt aus der Rezession herausführen kann. Eine Ausweitung des Welthandels sollte nicht als Quelle, sondern als Produkt der Wiedererholung betrachtet werden. Ja, wir sollten uns darüber klar sein, daß der
Prozeß, unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu lösen, zu Hause beginnen
muß und jedes einzelne Land für sichallein handeln und die Karten Entscheidungen treffen muß, die für ein gesundes, dauerhaftes Wirtschaftswachstum notwendig sind. Wenn dieser Prozeß von einem Land auf das nächst* übergreift,
wird er sich gegenseitig verstärkend auswirken und alle Länder werden größere
Vorteile realisieren. Zusät 7l ich zu den von den Vereinigten Staaten Anfang
dieses Jahres ergriffenen expansiven Anstrengungen haben mehrere andere große
Industriestaaten jetzt eine stärker stimulierende Politik eingeschlagen. Zusammengenommen sollten diese Maßnahmen der Weltwirtschaft einen kräftigen Anstoß geben.Wenn unsere Politik der Expansion allmählich Wirkung zeigt, werden

- 4 -

�werden wir uns fragen: Haben wir genug getan? Sollten wir mehr tun, um die
Wirkung zu beschleunigen?
Insofern einige unserer Bürger glauben, wir würden bei der Schaffung von
Arbeitsplätzen und der Wiederherstellung unseres Lebensstandards nicht rasch
genug vorankommen, könnte dies zu einem entgegenwirkenden sozialen und politischen Druck führen. Doch ist ebenso klar, daß wir bei einer überhitzung unserer Wirtschaft das Feuer der Inflation wieder schüren und eine erneute Rezession herbeiführen würden mit noch ernsteren wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Unsere oberste Aufgabe als Finanzminister, wenn ich dies mit allem Respekt sagen darf, besteht darin, eine gesunde, ausgewogene Politik zu verfolgen, die das Wirtschaftswachstum fördert, ohne zu einer erneuten Inflation zu
ermutigen. Da
erweist sich kurzfristig oft als politisch unpopulär, aber auf
"hnge Sicht wird es weit mehr zur Scha- fung von Arbeitsplätzen beitragen und
den besten Interessen unserer Bevölkerung dienen, als die uns so oft aufgedrängten Linderungsmittel dies vermöchten. Die Geschichte berichtet immer wieder von gescheiterten Regierungen, die sich geweigert haben, den verheerenden
Wirkungen der Inflation entgegenzutreten, und keir r von uns kann es sich
leisten, sei es aus Kurzsichtigkeit oder Entschlußlosigkeit, solchen Versuchungen nachzugeben.
Abgesehen von dem Problem, die fiskalische und monetäre Politik festzulegen, müssen die Länder auch mit den durch die hohen ölpreise entstandenen
Schwierigkeiten fertig werden.
Fast zwei Jahr

nach dem ersten ölpreisschock zeigt sich,daß wir jetzt

erst die vollen Auswirkungen sowie die Gefahr für unsere Zukunft zu begreifen
beginnen, die sich aus der Eskalation der ölpreise ergibt. Es ist jetzt offensichtlich, daß die eigentlich schwerwiegenden Folgen nicht finanzieller,
sondern politischer und wirtschaftlicher Natur sind. Wenn wir auch den Problemen einer Anpassung des Finanzssystems an die neuen Realitäten weiterhin besondere Beachtung schenken müssen und werden, so können wir doch zuversichtlich sein, daß wir in der Lage sind, solche Probleme zu meistern. Aber die

- 5 -

�*

die wirtschaftlichen Auswirkungen der öl poli ti k - die höheren Kosten, die
nicht nur bei Energie, sondern auch bei zahlreichen anderen lebenswichtigen
Rohstoffen wie Nahrungsmitteln zum Tragen komm°n, die notwendig gewordenen
strukturellen Anpassungen, der Verlust an Arbeitsplätzen &lt;^wie die Hindernisse
für ein Wirtschaftswachstum - lassen sich nicht so leicht bewältigen..
Nach unserer Auffassung läßt sich das gegenwärtige Preisniveau für internationales öl weder mit wirtschaftlichen noch mit finanziellen Gründen rechtfertigen. Die derzeitige Preispolitik der OPEC-Länder bed

tet, daß billige

Energie in der Erde bleibt und daß der Wohlstand aller Länder zurückgeht. Ausserdem sind die hohen ölnreise zu einem großen Teil mit Schuld an der jüngsten
Inflation auf der Welt und der auf diese folgende Rezession.
Jetzt aber zeichnet sich die Möglichkeit eim

weiteren Anstiegs der öl-

preise düster am Horizont ab. Es darf kein Mißverständnis über die Folgen ein^s erneuten starken Preisanstiegs geben: Er würde das Gleichgewicht, von Hern
die weltweite wirtschaftliche Wiedererholung jetzt abhängt, ernstlich gefährden.
Wir fordern die OPEC-Länder nachdrücklich auf, anzuerkennen, wie dies
andere in der Vergangenheit bereits getan haben, daß der Wohlstand jeden einzelnen Landes eng mit dem Wohlstand aller Länder verflochten ist.
Eine erneute Preiserhöhung erscheint besonders unangebracht angesichts
unserer Bemühungen, die legitimen Probleme anzupacken, vor denen die ölexpor
tierenden Länder wie auch die anderen Entwicklungsländer stehen. Wir haben bedeutsame Schritte unternommen, um ein Gespräch zwischen Erzeugern und Verbrauchern zustandezubringen. Wir haben die Einsetzung von Kommissionen vorgeschlagen, die sich mit entscheidend wichtigen Problemen auf den Gebieten der Energie, der Rohstoffe, der wirtschaftlichen Entwicklung und den damit zusammenhängenden Fragen be^ssen sollen. Besondere bilaterale Programme sind mit den ölexportierenden Ländern aufgestellt worden und es sind beträchtliche Fortschritte zu verzeichnen gewesen.
Alle

- 6 -

�Alle diese Maßnahmen spiegeln unseren aufrichtigen Wunsch wider, kooperati\ mit den ölexporteuren zu?, mmenzuarbeiten, wenn sie jetzt nach einem
höheren Lebensstandard und vielseitigeren Volkswirtschaften streben. Auf der
anderen Seite fordern wir, daß sie kooperativ mit uns und mit anderen Ländern
zusammenarbeiten, um die Aussichten für eine Wiedererholung der Weltwirtschaft
zu verbessern.
Lassen Sie mich hinzufügen, daß der beträchtliche Finanzierunqsbedarf
der Industriestaaten in dieser Zeit der OPEC-überschüsse es verlangt, daß wir
mit der Überprüfung fortfahren, ob die internationalen Finanzierungsvereinbarungen ausreichen. Ich bin zuversichtlich, daß die privaten Finanzierungsmechanismen auch künftig, so wie in den letzten zwei Jahren, eino dominierende
Rolle bei der Weiterleitung der OPF.C-Gelder an die verschiedenen Kreditnehmer
spielen werden. Gleichzeitig begrüßen wir die bevorstehende Bildung des finanzieller Stiitzungsfonds, die von den Mitgliedsstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vereinbart worden war. Dieser
Fonds wird die IWF-Mittel ergänzen und in einer Zeit der Ungewißheit die erforderliche Sicherheit geben. Besonders wichtig i.'nter den derzeitigen Umständen ist die damit gegebene Gewiihr, daß, falls notwendig, eine Finanzierung möglich sein wird, um die Verfolgung einer gesunden, expansiven Politik
durch die Industriestaaten zu erleichtern.
Die Probleme der Entwicklungsländer
Die am meisten unter den höheren öl preisen und der Verschlechterung der
Weltwirtschaftslage zu leiden gehabt haben, waren gerade diejenigen, die dies
am wenigstens verdient hatten und die am wenigsten in der Lage sind, sich
selbst zu schützen - die Armen und die Bedürftigen unter den Entwicklungsländern. In den Industriestaaten haben die Probleme der Inflation und der sich
daraus ergebenden Rezession oftmals zu Härten geführt, aber sie haben nicht
eine große Zahl von Menschen an den Rand der Verzweiflung gebracht.Lei der
kann das gleiche nicht von den weniger begünstigten Ländern der Welt gesagt
werden, wo Hunger und Krankheit die unmittelbaren Folgen der zurückgegangenen
- 7 -

�zurückgegangenen Einkommen sind. Unter diesen Umständen sind die Vereinigten
Staaten und andere Industriestaaten entschlossen, besondere Anstrengungen zu
" r ^'-nehmen, um die Entwicklungsländer bei ihren Bemühungen zu unterstützen,
den Schwung ihres wirtschaftlichen und sozialen Fortschrittes beizubehalten.
Wir tun dies aus Mitgefühl und aus der Erkenntnis heraus, daß der Wohlstand der
unterentwickelten Welt der Stützung unseres eigenen weiteren Wohlstands
dient.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben sich bereits als
äußerst effektive Instrumente bewährt, um in Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern die am meisten versprechenden Pläne für ein wirtschaftliches
Wachstum zu entwickeln. Unseres Erachtens muß jedoch im Rahmen dieser Institutionen jetzt mehr getan werden, als lediglich den Entwicklungsländern zu helfen. Gestern hat Außenminister Kissinger in einer in seinem"Namen vor den Vereinten Nationen verlesenen Rede eine Reihe von Vorschlägen vorgelegt, die er
und ich, nach den Anweisungen von Präsident Ford, gemeinsam ausgearbeitet haben. Drei dieser Vorschläge sind für den IWF und die Weltbank von besonderer Be- •
deutung.
Erstens schlagen die Vereinigten Staaten als eine Angelegenheit von hoher
Priorität die Schaffung einer Entwicklungssicherheitsfazilität im IWF vor, um
den Bedarf jener Entwicklungsländer zu decken, die unter den starken Fluktuationen der Exporterlöse zu leiden haben. Sie würde an die Stelle der bestehenden
kompensierenden Finanzierungsfazilität treten. Wir sind uns voll darüber im
klaren, daß zu starke Fluktuationen bei den Exporterlösen die Entwicklungsanstrengungen untergraben können und daß zahlreiche Erzeugerländer nicht über
genügend finanzielle Reserven verfügen, um starke Rückgänge ihrer Einkünfte
selbst auffangen zu können. Unseres Erachtens wären kompensierende Fazilitäten
zur Finanzierung von Defiziten bei den Exporteinnahmen effektiver und wirksamer, um solche Störungen zu reduzieren, als Abkommen über die Rohstoffpreise.
Umgehend nach Abschluß dieser Tagungen werden wir dem Direktorium des IWF detaillierte Vorschläge für die Schaffung der neuen Fazilitat vorlegen. Diese
Vorschläge werden ferner die Erweiterung der Zielsetzungen des vorgeschlagen
nen Treuhandfonds fordern, damit dieser den ärmsten Ländern, wenn sie Export- 8 -

�Exportdefizite aufweisen, nichtrückzahlbare Zuwendungen gewähren kann und
damit sc die Mittel des Treuhandfonds zur Ergänzung der vorgeschlagenen Fazilität eingesetzt werden können.
Zweitens sichern wir zu, daß wir eine wesentliche Vergrößerung der "
nationalen FinanzierungsgesellSchaft unterstützen werden, so daß dies- Organi
sation als ein wirksamerer Katalysator für das Wachstum der privaten Sektorer
in den Entwicklungsländern wirken kann. Wir stimmen mit Mr. McNamara überein,
dai' die Rolle der Internationaler. Finar.zierungsgesellschaft bei der Mobilisierung zusätzlicher privater Investitionen heute wichtiger denn je zuvor ist.
Es kann kaum Zweifel darüber bestehen, daß die Hebung des Lebensstandards in
den Entwicklungsländern von steigenden Produktionen auf privatem Sektor von
Gütern pnd Dienstleistungen getragen werden muß. In den nächsten Monaten rollten Vorkehrungen getroffen werden, um der Internationalen Finanzierungsgesellscha^t bessere Werkzeuge in die Hand zu geben, um die einheimischer, privaten
Wirtschaftssektoren zu unterstützen und die Internationale Finanzierungsgesell schaft zu einem vollen Fartner der Weltbankgruppe zu machen. Ferner sollte die Internationale Finanzierungsgesellschaft aktiv dabei mitwirken, ausländische und einheimische Investoren zusammenzubringen. Sie sollte energisch
handeln und die Finanzierung der Erzgewinnung in den Entwicklungsländern regeln, in denen sie als unparteiischer internationaler Partner zu reibungslosen
Beziehungen zwischen den internationalen Gesellschaften mit ihrer Technologie
ur.d ihren Märkten und den nationalen Behörden beitragen kann, die -verstand!icherweise das Beste für ihre Länder herausholen wollen. Die Internationale
Finanzierungsgesellschaft sollte ferner großzügige Finanzierungsabkcmrcen entwickeln, unter anderen auch eine neue Investitionstreuhandgesellschaft, so daß
Besitztitel der gemeinsamen Unternehmen schrittweise von Privatpersonen und
Firmen der Entwicklungsländer erworben werden können. Alle diese Tätigkeiten
werden die laufende Arbeit der Weltbank ergänzen, die die Finanzierung verwandter Infrastrukturmaßnahmen wie Häfen und Eisenbahnen fördern muß und die,
wie wir erwarten, dem äußerst wichtigen Aspekt, die Hindernisse für die private Ersparnisbildunc unc' für einheimische Privatinvestitionen in den Entwickiungsländern zu identifizieren, höhere Priorität einräumen wird.
Drittens
- 9 -

�Drittens fordern die Vereinigten Staaten erneut, daß umgehend Übereinstimmung über die Schaffung eines *'om IWF verwalteten Treuhandfonds erzielt wird,
der den ärmsten Entwicklungsländern eine sehr großzügige Zahlungsbilanzfinanzierung gewährt. Es ist fast ein Jahr verstrichen, seit meine Regierung erstmals einen Treuhandfonds vorgeschlagen und gefordert hat, daß ein Teil des
IWF-Goldes verkauft wird, um so diesen bedeutsamen Schritt mit finanzieren zu
helfen. Wir sind erfreut über die wachsende Zustimmung, daß die Konzeption eines
Treuhandfonds das wirksamste Mittel ist, um eine rasch auszahlbare Finanzhilfe
gewähren zu können. Dies ist ein Weg, auf dem wir sofort handeln und dem
ernsten Finanzierungsbedarf der Entwicklungsländer entspreche' können; wir können jetzt vereinbaren, daß ein Teil des IWF-Goldes, ohne auf zeitraubende
Statutenänderungen warten zu müssen, einer solchen Verwendung zugeführt wird.
Der Bedarf hierfür hat mit der von uns hinausgezögerten Schaffung dieses Fonds
zugenommen. Wir sollten uns entschließen, umgehend zu handeln.
Neben diesen wichtigen Initiativen sollten andere Schritte ergriffen werden, damit die Weltbank und der
IWF besser den heutigen Erfordernissen entsprechen können. Da die ülfazilität des IWF dieses Jahr ausläuft, sollten wir
durch Maßnahmen sicherstellen, daß alle vom IWF gehaltenen Währungen sofort
verfügbar sind. Wir müssen ferner das Augenmerk bald auf eine Überprüfung der
Tranchenpolitik des IWF lenken und darüber sprechen, ob Änderungen dieser Politik durchgeführt werden sollten, um vermehrt Zugang zu den regulären Ziehungsfazilitäten des Fonds zu gewähren. Dies würde den IWF in die Lage verse'zen,
die erweiterte und aktivere Rolle zu spielen, die von ihm in der heutigen Welt
gefordert wird.
Die Weltbank ist bei weitem das größte und einflußreichste Institut für
Entwicklungskredite und muß als solches eine wichtige Rolle übernehmen, um die
Entwicklungsländer bei der Erreichung ihrer Entwicklungsziele zu unterstützen.
Es ist von größter Wichtigkeit, daß die Qualität ihrer Arbeit erhalten und ihre
Finanzlage gesund bleibt. Da das gegenwärtig von der Bank durchgeführte Kreditprogramm hohe Anforderungen an ihre langfristigen Ausleihemöglichkeiten stellt,
ist eine Zusammenarbeit von Management und Exekutivdirektoren der Bank wichtig,

- 10 -

�wichtig, um vorsichtig die Rolle der Ban! abzustecken, die sie in dem Entwi

ungsprozeß während des nächsten Jahrzehnts spielen sollte, und zu prüfen,

we^

e Auswirkungen sich hieraus für das Kapital der Bank und die Art ihrer

Pr&lt; i ornme ergeben.
Nachdem das Kapital zu einer immer knapperen Hilfsquelle geworden ist,
das. von entscheidender Wichtigkeit für das Wachstum sowohl der Industriestaaten
wie

er Entwicklungsländer ist, ist es notwendig, daß wir eine klare Vorstel-

lung von den Prioritäten haben, die für die Ausleihungen einer Institution
mit ;inem jährlichen Kreditvolumen von annähernd 5 Milliarden Dollar maßgebend
sein müssen. Die Vereinigten Staaten werden, die Bank weiterhin nachdrücklich
unterstützen, und wir werden ihr dabei helfen, daß sie finanziell gesund
bleibt.
Wie ich im letzten Jahr sagte, unterstützen wir eine wesentliche Ausweitung der Zahl der Anteilseigner der Bank sowie des Stimmrechts auf solche Länder, die jetzt in der Lage sind, einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung über die Weltbankgruppe zu leisten. Eine solche Ausweitung
sollte auf einer Basis von Land zu Land beschlossen werden und die Aufstockung
des Kapitals sollte von entsprechenden Beiträgen an die Internationale Entwicklungsgesellschaft begleitet sein, um den ärmsten wie auch den mäßig begüterten Ländern zu helfen.
Ich unterstreiche die Bedeutung der IDA-Beiträge angesichts der zentralen Rolle, die dieser Gesellschaft bei der "'ckuna des Bedarfs der ärmsten
und am wenigsten entwickelten Ländern zukommt. Sie sind am wenigsten in der
Lage, mit den Auswirkungen der wirtschaftlichen Ereignisse auf ihre Entwicklung fertig zu werden, und nur gemeinsame Anstrengungen der gegenwärtigen Mitglieder sowie der Länder,die jetzt Beiträge leisten können, werden die IDA
in die Lage versetzen, diese Länder künftig ausreichend zu unterstützen.
Mr. McNamara hat bekannt gegeben, daß Verhandlungen über die nächste Auffüllung des IDA-Kapitals im November beginnen werden. Eine befriedigende Übereinkunft über die Aufstockung der IDA-Mittel wird nur bei voller Mitarbeit aller
der Länder möglich sein, die zu Beiträgen in der Lage sind.
Unabhängig
- 11 -

�Unabhängig von diesen Maßnahmen müssen die Industriestaaten auch die seit
langem geführten Entwicklungsanstrengungen der regionalen Entwicklungsbanken
und unsere bilateralen Hilfsprogramme unterstützen. Diese Programme haber. in
all den Jahren ihre Wirksamkeit bewiesen und verdienen eine nachhaltige Unterstützung. Es ist ferner wichtig, daß alle Länder ihre Kapitalmärkte für üeldaufnahmen der Bank und der Entwicklungsländer selbst öffnen.
Wenn ich heute diese Vorschläge vortrage und über die Tätigkeiten der
Weltbank und des Internationalen "'-"hrungsfonds spreche, wäre ich alles andere
als aufrichtig, wenn ich nicht hinzufügen würde, daß die von mir aufgezeigten
Maßnahmen für sich allein nicht ausreichen, um eine wirtschaftliche Entwicklung sicherzustellen.
•

Wir dürfen uns in dieser Angelegenheit nichts vormachen. Weit wichtiger
als die ihnen von den Industriestaaten gewährte Finanzhilfe ist für die Entwicklungsländer die Wiederherstellung eines stabilen, nicht-inflationistischen
Wirtschaftswachstums in der ganzen Welt. Und am entscheidendsten werden auf lange Sicht die von den Entwicklungsländern selbst verfolgte Politik und ihre
eigenen Anstrengungen sein. Die Geschichte hat gezeigt, daß, gleichgültig wie
großzügig andere sein mögen, denjenigen am besten geholfen ist, die sich selbst
geholfen haben.
Zwar müssen die Industriestaaten Finanzhilfe gewähren und ihre Märkte
öffnen. Die Wirksamkeit einer solchen Hilfe hängt jedoch in hohem Maße davon ab, ob die Entwicklungsländer selbst in der Lage sind, all diese Hilfsquellen, die einheimischen wie die ausländischen, bestmöglich zu nutzen. Die
Entwicklungshilfe sollte nicht als ein internationales Wohlfahrtsproqramm zur
Umverteilung der Reichtümer der Welt betrachtet werden, sonder:. 1s ein wichtiges Element eines internationalen Investitionsprogramms, um die wirtschaftliche Wachstumsrate in den Entwicklungsländern zu steigern und der Bevölkerung
jedes einzelnen Landes einen höheren Lebensstandard zu geben. Die Wirksamkeit
internationaler Investitionen, privater und staatlicher, hängt grundlegend von
der Politik und den Anstrengungen jedes Entwicklungslandes ab.
Ich

- 12 -

�Ich bin besonders beeindruckt von den beachtlichen wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritten der Länder, die sich voll auf dem Weltmarkt betätigen,
die sich von den Kräften des Marktes erwarten, daß sie einen Anreiz für eine
wirksame Nutzung der Hilfsquellen bieten, und die ein günstiges Klima für
ausländische und einheimische Privatinvestitionen aufrechterhalten.
Kurz gesagt, der Prozeß der wirtschaftlichen Entwicklung erfordert die
Zusammenarbeit und die uneingeschränkten Anstrengungen jedes Einzelnen von uns
bei der Verfolgung einer Wirtschaftspolitik, die auf ein Ma; imum an Produktion, Einkommen und Handel für alle Länder abzielt.

Internationale Währungsabkommen
Ich möchte mich jetzt der Erörterung internationaler Währungsfragen zuwenden. Wir haben auf den Konferenzen dieser Woche einen bedeutsamen Durchbruch
bei der Lösung der meisten uns vorliegenden schwierigen internationalen Währungsfragen sowie bei der Öffnung des Weges zu einem endgültigen Abkommen im
Januar erzielt. Das technisch schwierige - und politisch delikate - Problem,
eine wesentliche Erhöhung der Quoten zu erreichen und die nationalen Anteile
zuzuweisen, ist im wesentlichen gelöst.
Es ist uns ferner gelungen, die schwierigen Fragen im Zusammenhang mit
der Herauslösung des Goldes aus dem internationalen Währungssystem zu regeln.
Bei diesen beiden Vereinbarungen waren Konzessionen von vielen Seiten notwendig, aber das Ergebnis zeigt eindeutig, daß der Geist der Zusammenarbeit und
des guten Willens, in dem diese Institutionen gegründet wurden, weiterlebt.
Erneut haben wir bewiesen, daß es durch geduldiges Verhandeln möglich ist,
zu einem Ausgleich zwischen gegensätzlichen Ansichten zu gelangen, der für jeden von uns akzeptabel und für uns alle von Vorteil ist.
Wir

- 13 -

�.

Wir wollen jetzt zu dem letzten Punkt unserer Verhandlungen kommen - einem
Abkommen über eine Änderung der Wechselkursbestimmungen der Statuten - das es
uns ermöglichen würde, die diese Woche erzielte Übereinstimmung in die Praxis
umzusetzen. Eine Änderung der Bestimmungen ist notwendig, um den Realitäten der
heutigen Welt rechtlich Rechnung zu tragen und der Entwicklung des Systems zu
entsprechen, die sich in den letzten Jahren vollzogen hat. Vor zweieinhalb Jahren machte das Paritätensystem einem freiwilligen System von Wechselkurspraktiken Platz, unter dem einige Länder unabhängig floaten, einige gemeinsam
floaten und einige stufenweise fixierte Kurse anwenden. Wir sind froh, daß
dieses System bereits eingeführt war, bevor die Ölkrise uns traf, und seine
Flexibilität hat uns unter den schwierigen Bedingungen gute Dienste geleistet.
Diejenigen, die Stabilität über Paritäten zu erreichen suchen, sollten
sich an das Chaos und die Unordnung erinnern, die in den letzten Jahren des
Bretton-Wood-Systems herrschten. Denken Sie sich an die Tage zurück, da die
Börsen geschlossen waren, was zu Störungen im Handel und Warenfluß führte. Bedenken Sie, daß die einzigen sicheren Gewinner die Spekulanten waren, die
sicher sein konnten, daß sie im Laufe der Zeit und mit Hartnäckigkeit zwangsläufig den Sieg davon tragen würden. Denken Sie auch an die übereilt einberufenen internationalen Konferenzen, die irgendeine Lösung zusammenzuflicken
suchten, damit die Börsen wieder geöffnet werden konnten. Denken Sie zurück
an die Dauer und die Schwierigkeit der Verhandlungen im Smithsonian Institute
und die im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen aufgetretenen Spannungen. Das
waren die Tage, in denen unser politischer Zusammenhalt durch monetäre Schwierigkeiten bedroht war.
Die dem Paritätensystem zugrundeliegende Logik setzt eine Welt voraus,
die es gegenwärtig nicht gibt - eine Welt, in der die Preise relativ stabil
sind und in der die Bilanzen der laufenden Konten sich den sich verhältnismäßig
langsam verändernden Kapitalflüssen anpassen. Aber die Welt hat sich geändert
und wir brauchen ein System, das anpassungsfähig ist und sich für die Welt,
so wie sie heute ist, eignet - nicht für eine Welt, die einmal war, oder wie
wir sie uns wünschen.
Heute
- 14 -

�Heute haben wir ein System, das flexibel und elas isch ist. Es ermöglichte, daß die Devisenbörsen offen und funktionsfähig blieben trotz des
Druckes, der sie früher erstickt hätte. Selbst massive Kapitalanhäufungen durch
die OPEC-Länder und gelegentliche beträchtliche Schwankungen bei bestimmten Wechselkursen kor te) das System nicht aus den Angeln heben. Es war möglich, zahlreiche der umfassenden Beschränkungen der Kapitalbewegungen zu lockern oaer aufzuheben und funktionsfähige Alternativen zu restriktiven Maßnahmen hei den laufenden Konten zu finden.
Die heute auftretenden großen Zahlungsbilanzdefizite habe

zu weniger Im-

portbeschränkungen der großen Länder geführt als dies bei der verhältnismäßig
geringeren Zahlungsbilanzschwierigkeiten früherer Jahre der Fall war. Obwohl
sich die Inflationsraten sehr unterschiedlich entwickelten, zwischen 6 Prozent
in einigen Ländern und 25 Prozent in anderen, ließ die Flexibilität unseres
Systems eine Entwicklung der Wechselkurse in einer Form zu, die diese Unterschiede in Kosten und Preisen wiederspiegelte. Versuche, unter diesen Umständen feste Wechselkurse beizubehalten, wären unter der Belastung rasch und unvermeidlich zusammengebrochen.
Manche Leute behaupten, die Aufgabe der Paritäten sei einer der Gri'ide für
die Flutwelle der Inflation, die über die Welt hinweggezogen ist, und daß das
freiwillige System nicht die Disziplin erreichen könne, die erforderlich wäre,
um Länder zur Eindämmung ihre- Inflation zu veranlassen. Ich kann dem nicht beipflichten. Es war die Inflation, die das Floaten notwendig machte. Natürlich
verhindert das Floaten nicht eine hausgemachte Inflation und es scMrmt kein
Land gegen drastische reale Veränderungen vcm Ausland her ab wie zum Beispiel
gegen den plötzlichen Anstieg der ölpreise.
Es kann jedoch ein Land gegen eine importierte Inflation abschirmen, die die
Folge einer zu expansiven fiskalischen und monetären Politik im Auslanc ist.
W's das Floaten als Instrument der Disziplin anbetrifft, so glaube ich, wenn
ein abgewerteter Wechselkurs auf einem freien Markt direkt zu einer Steigerung
der Kosten für importierte Güter führt, dann hat dies für die allgemeine Öffentlichkeit und die politischen Führer eine größere Bedeutung als der Stand der Reserven einer Zentralbank oder der öffentlichen Kreditaufnahme.
Die
- 15 -

�Die Politik der USA ist es, unseren eigenen Wechselkurs im wesentlichen
durch die Marktkräfte bestimmen zu lassen, und nicht durch n'lüürliche staatliche Maßnahmen. Wir schlagen

nicht vor, Einwände zu erheben, wenn andere

Länder sich für die Festsetzung starrer Wechselkurse untereinander entscheiden - das Wesen eines freiwilligen System s ist es, daß es die freie Wahl gestattet -, so lange unser eigener Wunsch, dem Wechselkurs des Dollar die erforderliche Freiheit zu belassen, respektiert wird. Wir sind bereit, wann immer notwendig, zu intervenieren, um geordnete Bedingungen auf den Devisenmärkten aufrechtzuerhalten. Größere Bewegungen der Wechselkurse während eines Zeitraumes von mehreren Monaten sind jedoch nicht unbedingt Anzeichen eine c unqereaelten Marktes - und die Tatsache, daß solche Bewegungen sich manchmal in
ihr Gegenteil umkehren, beweist nicht, daß es den Regierungen möglich gewesen
wäre, die anfängliche Bewegung in Raten zu verhindern oder daß ein solcher Versuch wünschenswert gewesen wäre.
Wenn der Druck der Inflation nachläßt und die Volkswirtschaften sich erholen, wenn die Perioden der Ruhe zwischen unerwarteten Erschütterungen länger
werden, dann

werden sich auchdie Wechselkurse stabiler halten. Die größere

Wechselkursstabilität, die wir alle herbeiwünschen, kann nur durch eine gesunde Wirtschaftspolitik erreicht werden, die zu einer größeren binnenwirtschaftlichen Stabilität in allen unseren Volkswirtschaften führt.
Wir sind der festen Auffassung, daß den Ländern die Wahl ihres eigenen
Wechselkurssystems freistehen muß und daß alle Länder, gleichgültig, welche
Wahl sie treffen, den gleichen vereinbarten Prinzipien eines internationalen
Verhaltens unterliegen müssen. Das Recht, zu floaten, muß klar und uneingeschränkt sein. Angesichts der großen Vielfalt der Systeme, der institutionellen
Vereinbarungen, der Größe der nationalen Volkswirtschaften und der Art der Abhängigkeit von Außenhandel und ausländischen Investitionen verlangt unsere
heutige Welt Aufgeschlossenheit hinsichtlich der Zukunft.
Ich behaupte nicht, daß wir die Klugheit und den klaren

Blick besitzen,

um genau die Wechselkursvereinbarungen vorhersagen zu können, die die Welt sich
wünscht oder die in ferner Zukunft erforderlich werden. Die Erfahrungen mit den

�den gegenwärtigen Statuten zeigen eindeutig, wie schwer es ist,ein Wechsel kurssystem in fest fixierten Deta-'ls festzulegen, das für immer Bestand haben
soll. Wir müssen uns mit der Welt befassen, so "ie sie heute ist, und das erfordert jetzt ein Wechselkurssystem, daß dem raschen Wandel leicht angepaßt
werden kann. Ich weiß, dies kann erreicht werden. Unsere Vereinbarungen in
dieser Woche über Gold und Quoten zeigen, daß wir Lösungen für schwierige
Probleme finden können - und daß ein allseits akzeptabler Ausgleich bei den
Wechselkursen erzielt werden kann. Die Vereinigten Staaten werden die Suche
nach einer Lösung für dieses Problem mit schöpferischer Kraft und mit Verständnis für die Ansichten der anderen aufnehmen.

Zusammenfassung
Meine Damen und Herren, es liegt auf der Hand, daß die Aufgaben für die
Zukunft gewaltig sind:
- um ein dauerhaftes, nicht-inflationistisches Wirtschaftswachstum zu erreichen;
- um einen Ausgleich auf dem Energiese;tor zu erzielen;
- um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern; und
- um ein Währungssystem aufrechtzuerhalten, daß den heutigen Erfordernissen entspricht.
Jeder dieser Punkte verlangt unsere volle Aufmerksamkeit. Die diese Woche
erzielten Vereinbarungen zeigen, daß wir durch Zusammenarbeit und Beharrlichkeit Erfolg haben können. In diesem Geiste müssen wir weiter vorangehen. Ich
versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten auf diesem Weg ein zuverlässiger Partner bleiben werden. Ich danke Ihnen.
XXX

- 17 -

�a m e r i k a dienst
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53

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18/1975

DIE ROLLE DES AMERIKANISCHEN KONGRESSES IN DER AUSSENPOLITIK
Interview mit Senator Humphrey

Der einflußreiche Senator Hubert H. Humphrey - ehemaliger Vizepräsident der USA und führendes Mitglied
der Demokratischen Partei - tritt für eine engere Zusammenarbeit der Legislative und Exekutive ein. In
einem Exklusivinterview mit dem USIA-Korrespondenten
Wendy Ross legt Humphrey seine Auffassungen über die
Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt, die künftige amerikanische Auslandshilfe, das NATO-Bündnis,
die Beziehungen der USA zur Sowjetunion und andere lebenswichtige Fragen dar.
Hubert H. Humphrey wurde am 27. 5. 1911 in Wallace,
South Dakota, geboren und 1948 zum ersten Mal in den
Senat gewählt, dem er bis 1965 angehörte, als er unter
Präsident Lyndon B. Johnson Vizepräsident wurde. Im
Jahre 1968 war er Präsidentschaftskandidat seiner Partei und wurde 1970 wieder in den Senat gewählt, in dem
er den Staat Minnesota vertritt.

Frage: Ein leitender Redakteur der "Sunday Times" in London hat kürzlich geschrieben, daß "für die Europäer und die anderen Verbündeten der
Vereinigten Staaten der größte Anlaß zur Besorgnis für die Zukunft nicht

�nicht in der Furcht vor einem amerikanischen Isolationismus, mangelndem

+

V ertrauen oder übertriebenem Eigennutz liegt, sondern vielmehr vor der völligen Konfusion und dem Element der Unvorhersehbarkeit, die heute in der Formulierung der amerikanischen Außenpolitik vorherrschen". Würden Sie zu dieser
Beurteilung der Dinge etwas sagen?
Antwort: Das ist leider eine sehr faire Beurteilung.
Man muß verstehen, was hier in Amerika vor sich gegangen ist. Wir haben einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten, zwei ausgezeichnete Männer, von den Mitgliedern des Kongresses hoch angesehen. Aber keiner von
ihnen ist vom amerikanischen Volk in sein Amt gewählt worden. Es ist das
erste Mal in unserer Geschichte, daß wir einen Präsidenten haben, der
nicht als Präsidentschaftskandidat zur Wahl stand. Sie besitzen also, wie
wir sagen, kein "Mandat des Wählers". Das ist das erste.
•

Zweitens, sie gehören der Republikanischen Partei an. Im Gegensatz dazu
wird der Kongreß der Vereinigten Staaten von einer überwältigenden demokratischen Mehrheit beherrscht - wobei ich allerdings der Auffassung bin, daß
sich die Demokraten nicht recht als Mehrheit zu geben wissen. Ein Grund dafür ist, daß viele Mitglieder des Kongresses noch neu sind. Sie kommen aus
einem sozialen Klima, in dem als überragende Richtschnur gilt, "nach eigenem
Kopf zu handeln", in dem die Unabhängigkeit glorifiziert wird. Sie kamen
zur Regierung in einem Zeitpunkt, in dem Führung mit einer Art Mißbrauch
öffentlicher Macht gleichgesetzt wurde. Das gute, gesunde Wort "Führung"
hatte seine Achtung verloren. Man mußte davor auf der Hut sein, denn wir hatten in dem Komplex, den wir "Watergate" nennen, und in den Entwicklungen
zuvor einen Mißbrauch oder eine übersteigerte Anwendung der Macht der Exekutive erlebt - geheime Abmachungen, Verwicklung in einen sehr unpopulären

�unpopulären Krieg, den Einsatz einiger unserer Regierungsinstrumente, wie
CIA, FBI und Steuerbehörde, für sehr billige und schändliche politische
Tätigkeiten. All das hat bei den Mitgliedern des Kongresses und einem grossen Teil der Öffentlichkeit das Vertrauen in eine "starke Präsidentschaft",
wie wir es nennen, eine starke Führung der Exekutive, ja selbst eine starke
Führung im Kongreß zerstört.
Was wir heute also erleben ist ein Nachspiel, ein Rückstau all dieser
Erfahrungen, und wir müssen uns erst wieder unseren Weg suchen, um wieder
zu einer gewissen geistigen Obereinkunft zu gelangen - zu einem neuen Verständnis der Rolle des Kongresses in der Außenpolitik auf der einen Seite
und der Verantwortlichkeiten der Exekutive auf der anderen Seite. Oder
um es noch einfacher auszudrücken: Wie können wir besser zusammenarbeiten und
koordinieren; wie können wir dies tun, bevor politische Entscheidungen getroffen werden, statt nachher.
Immer wieder haben wir erfahren müssen, daß durch die Exekutive Entscheidungen getroffen und Verhandlungen abgeschlossen worden sind, von denen
der Kongreß nichts wußte oder über die wir keine ausreichenden Informationen
besaßen. Als Ergebnis begannen die Kräfte der Unabhängigkeit im Kongreß,
die Leute im Kongreß, die etwas gegen exekutive Macht haben, an diesen

Ver-

handlungen und an den erreichten Regelungen oder Abmachungen zu sägen.

Kein

Wander, daß das bei unseren Freunden draußen Verwirrung hervorruft.
Frage: Senator Humphrey, welches ist die dem Kongreß angemessene Rolle
in außenpolitischen Angelegenheiten?
Antwort: Ich glaube,diese Frage muß in eine bessere Relation gebracht
werden, nämlich: Welches ist das angemessene, richtige Verhältnis zwischen

- 3 -

�•

zwischen Exekutive und Kongreß in Sachen Außenpolitik? Die Exekutive muß
nämlich jetzt verstehen - zumindest für die voraussehbare Zukunft - daß,
bevor Initiativen vom Präsidenten und dem Außenminister oder dem Verteidigungsminister ergriffen werden - im wesentlichen sind dies unter unserem
System alles Präsidialinitiativen - daß also, ehe diese Initiativen ergriffen werden, vorbereitende Beratungen mit den entsprechenden Institutionen
des Kongresses stattfinden müssen.
Nun kann man natürlich nicht jedes Mitglied konsultieren. Wenn es sich
aber beispielsweise um eine Sache handelt, die mit der Rüstangskontrolle in
Zusammenhang steht, dann sollten zumindest zwei Gremien des Kongresses konsultiert werden

- der Außenpolitische Ausschuß des Hauses und des Senats

oder die Militärausschüsse. Die Zahl der Mitglieder dieser Ausschüsse ist
wirklich nicht sehr groß, und daher gibt es auch keine ernsthafte Erschwerung für gute Konsultationen. Der Präsident und seine Mitarbeiter brauchen
dabei ja nicht bis in letzte Einzelheiten zu gehen, aber sie müssen den Kongreß darüber informieren, daß bestimmte Dinge im Gang sind.
So ist es nunmehr Aufgabe der Exekutive, einzusehen, daß die Nach-Vietnam-Ära es erfordert, erst Konsultationen abzuhalten und dann zu starten.
So wie der verstorbene Senator Arthur Vandenberg zu sagen pflegte: "Ich
will bei den Starts genau so dabei sein wie bei den Bruchlandungen".
Im allgemeinen kommt der Kongreß erst bei den "Bruchlandungen" ins
Spiel oder aber, wenn wir"mitten im Flug"sind, wo es keine Möglichkeit zur
Umkehr gibt - dem

Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt. Das kann so»

- 4 -

« .

�*

so nicht weitergehen, und ich glaube, unsere Nachbarn in der Welt müssen
einfach begreifen, daß wir für eine bestimmte Zeit dies hier bei uns auszufechten haben.
Das bedeutet aber nicht, daß die von den Vereinigten Staaten gegenüber
der NATO eingegangenen bindenden Verpflichtungen irgendwie geringer würden.
Der Kongreß steht zur NATO. Wir bewilligen für die Verteidigung 100 Milliarden
Dollar. Wir haben nach wie vor ein Auslandshilfeprogramm, Wir verschenken oder
verleihen Milliarden von Dollar. Und so verfügen die Vereinigten Staaten,
trotz all der Zweifel und Kritik in den Leitartikeln, über eine funktionierende Regierung.
Aber wir sind eiBe Demokratie und wir werden niemandem erlauben, uns zu
sagen, was wir zu tun haben. Wir werden damit fertig werden, genau so wie
wir nach dem Zweiten Weltkrieg damit fertig geworden sind. Wir leben jedoch
in einer anderen Zeitepoche. Es ist nicht 1947 - es ist 1975. Es ist nicht
die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, es ist vielmehr die Zeit nach der unglaublichen Erfahrung, die wir in Vietnam machten, nachdem die Sowjets eine Supermacht geworden sind, nach dem arabischen ölembargo und nach drei Kriegen im
Nahen Osten, die alle für uns eine außerordentliche Gefahr bedeuteten. Und
der Kongreß wird zu diesen Dingen einiges zu sagen haben.
Frage: Zu einem anderen Thema: Sie standen vor kurzem an der Spitze
einer Gruppe von 13 Senatoren, die die Sowjetunion besuchten. Eine Zeitung
in Washington schrieb kürzlich in einem Artikel, daß Sie aufgrund Ihrer mit
dem führenden Mann der Sowjetunion, Breschnew, geführten Gespräche, Präsident Ford dringend geraten hätten, vorsichtig zu sein, ehe sie irgendwelche

- 5 -

�irgendwelche Abkommen der SALT II-Verhandlungen unterzeichneten. In dem
Artikel wird berichtet, daß Sie Präsident Ford gegenüber erklärt hätten,
der Kreml brauche nach Ihrem Gefühl sehr viel dringender ein Abkommen mit
den Vereinigten Staaten als die Vereinigten Staaten eines mit der Sowjetunion,
und daß die Vereinigten Staaten
klaren Vorteil

daher in ihrer Verhandlungsposition einen

hätten. Ist das wahr?

Antwort: Nun ja, nach meinem Urteil sollten wir keinerlei Hast noch
Eile bei Fragen aufkommen lassen, die so delikat oder so empfindlich und komplex sind, wie die der SALT II-Verhandlungen - d.h. bei den Gesprächen über
die Begrenzung Strategischer Rüstunqen &gt; c'1'e

mit

Offensivwaffen in Zusammen-

hang stehen. Das Schlimmste was wir tun könnten wäre, die Dinge im Ungewissen
zu lassen. Eine der Schwächen des Interimsabkommens über die ABM-Systeme und
andere Nuklearwaffen bestand ja in den vielen Gebieten, über die Zweideutigkeit und Unklarheit herrscht, Gebiete, bei denen wir einseitige Erklärungen
über das haben, was es nach unserer Auffassung bedeutet.
Nun sind die Sowjets weiter gegangen und haben gemäß diesem Interimsabkommen, nach den Abmachungen von SALT I, einige Veränderungen in Ihrem
Waffensystem vorgenommen. Sie haben ihre Raketensilos geändert, sie haben
ihre Raketen verbessert, sie haben die Einsatzmittel-Last ihrer Raketen gesteigert, sie haben begonnen, ihre Raketen mit MIRVs zu armieren. Viele
Amerikaner sagen nun, "Oho! Die Sowjets verletzen das Abkommen"'- aber sie
verletzen es nicht! Die Sowjets verletzen den Buchstaben des Abkommens
tatsächlich nicht. Wogegen sie verstoßen, das ist das einseitige Verständnis, das wir hatten. Aber die Russen haben ja nicht das unterzeichnet, was

- 6 -

�r

was es nach dem Verständnis der Vereinigten Staaten bedeuten sollte.
Ich meine daher jetzt ganz einfach, daß wir, um in diesen sehr delikaten Beziehungen zwischen zwei Supermächten alles Mißverständliche soweit
wie möglich zu verringern oder zu vermeiden, versuchen sollten, durch eine
ganz spezifische, genaue Sprache ein Maß an Genauigkeit - und nicht Doppeldeutigkeit - festzulegen über das, was wir meinen, wenn wir von bestimmten
Waffensystemen sprechen, und über das, was wir tun können und nicht tun
können. So können wir uns beispielsweise keinerlei Doppeldeutigkeiten darüber
erlauben, ob Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk (cruise missiles) unter die
Bestimmungen der Abmachungen von Wladiwostok fallen oder nicht. Wir können
uns auch keine Unklarheiten darüber leisten, ob der russische Bomber des
Typs "Backfire" unter die Bestimmungen des Wladiwostok-Abkommens fallen soll
oder nicht. Alles, was ich sage, ist: Keine Übereilung, nur um einen politischen Vorteil zu erlangen.
Das Problem ist gewesen, daß die früheren Abkommen kurz vor den Wahlen
des Jahres 1972 zustandekamen. Mr. Nixon wollte Übereinkünfte und Abkommen
haben. Das kann ich begreifen. Meine Kritik richtet sich nicht so sehr dagegen, daß der Präsident in der Lage sein wollte, zu zeigen, daß er wesentliche Fortschritte in der Außenpolitik erzielt hatte. Er hat •_ sie ja erzielt. Er hat wesentliche Fortschritte erzielt. Ich glaube, das ist das Verdienst Mr. Nixons, sowohl in Rußland als in China. Jetzt kommt aber ein
neues Wahljahr auf uns zu, und dann entsteht immer ein gewisser Druck in der
Administration

wie auch im Kongreß, Dinge zum Abschluß zu bringen, selbst
- 7 -

�4

selbst wenn sie nicht so gut sind, wie man wünschen möchte.
Ich meine, wir sollten vorsichtig vorgehen, aber wir sollten voranschreiten. Wir sollten, wenn es menschenmöglich ist, einen beständigen Fortschritt erzielen. Aber man darf nicht leichtfertig über etwas hinweggehen,
was einem Schwierigkeiten machen könnte. Und man darf nicht versuchen, es
zu verharmlosen, weil dies nur zu noch größeren Schwierigkeiten zu einem
späteren Zeitpunkt führen würde.
Frage: Aber wenn wir nun eine größere Spezifizierung verlangen, glauben
Sie, daß wir dann nochzu einem Abkommen gelangen können?
Antwort: Oh,ja! Wir sollten nicht vergessen, daß es vieles gibt, was
die Sowjets von uns haben wollen. So glaube ich, daß es für sie

dringend

notwendig ist, die ungeheuren Kosten des Wettrüstens zu verringern, da sie
ja auch noch andere Probleme haben. Sie haben Probleme mit China, und sie
haben Probleme mit ihrer Wirtschaft, einschließlich des gewaltigen Ernährungsproblems. Ich möchte eines klarstellen: Ich schlage nicht vor, daß wir diese
Probleme ausschlachten sollten. Das möchte ich nicht, und das würde auch
nicht funktionieren. Nur solche Abkommen, die für beide Seiten nützlich
sind, können funktionieren. Aber ich möchte auch nicht, daß irgendetwas
überpinselt wird, nur weil es schwierig ist.
Frage: Eine andere Frage im Zusammenhang mit dem amerikanisch-sowjetischen Verhältnis ist das gesamte Problem der Verknüpfung von Handel und
sowjetischer Auswanderungspolitik. Haben Sie aufgrund Ihres Besuches (in
der UdSSR) Ihre positive Haltung zum Jackson-Vanik-Amendment (Gesetzeszusatz, durch den die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel von einer Liberalisierung der Auswanderungspolitik abhängig gemacht wurde) zum Handels-

- 8 -

�*

Handelsgesetz von 1974 irgendwie geändert?
Antwort: Grundsätzlich nicht. Wenn ich sage, grundsätzlich nicht, dann
meine ich, daß wir ein Recht haben,die Sowjets zu drängen, eine größere Freizügigkeit zuzulassen. Die Formulierung dieser Bestimmung im Handelsgesetz,
wie sie gegenwärtig besteht, ist vielleicht etwas zu scharf. Aber die größten Schwierigkeiten mit dem Jackson-Vanik-Zusatz hat es nicht wegen der
tatsächlichen Formulierungen im Gesetz gegeben, sondern wegen der Publizität,
die dieser Zusatz gefunden

hat. Man hat versacht, der amerikanischen Öffent-

lichkeit den Eindruck zu vermitteln, wir hätten "ihnen gesagt: Entweder, oder".
Wir sollten nicht von "Quoten" der jüdischen Auswanderung sprechen, und
wir sollten das nicht anderen Leuten unter die Nase reiben,obwohl wir natürlich, wie ich meine, eine Verpflichtung auf dem Gebiet der

Menschenrechte

haben. Unsere Delegation hat den Sowjets das erklärt.
Wir haben den Sowjets gesagt, daß wir das Gesetz

abändern können, daß

wir auch das Export-Import-Gesetz abändern können, dag wir ihnen größere Kredite geben können, daß wir ihnen die Meistbegünstigungsklausel einräumen
können - aber daß sie eben einfach im Sinne der jüdischen Auswanderung etwas
tun müssen. Wenn sie nicht bereit sind, irgend etwas zu tun, dann sieht es
schlecht aus.
Frage: Senator Humphrey, ganz allgemein von dieser Frage der Menschenrechte gesprochen: In welchem Umfang können die Vereinigten Staaten nach Ihrer
Auffassung das innenpolitische Verhalten anderer Länder beeinflussen?
Antwort: Sie werden verstehen, daß es sehr schwferig ist, anderen
Ländern zu sagen, was sie zu tun haben. Mar, kann ihnen sagen, was sie tun

- 9 -

�sollten, aber eine andere Frage ist, ob man sie veranlassen kann, es zu
tun. Ich bin jedoch der Überzeugung, daß wir niemals einen Zweifel darüber
aufkommen lassen dürfen, wo wir hinsichtlich der Frage der Menschenrechte
stehen. Beispielsweise in Korea. Ich bin der Auffassung, daß wir gegenüber
Südkorea eine starke Verpflichtung haben . Ich halte sehr viel vom koreanischen Volk. Wir hatten in den Jahren nach dem Kriege ein ausgezeichnetes
Verhältnis zu diesem Volk. Und ich meine, die Welt sollte sich darüber im
klaren sein, daß wir einen Vertrag haben und daß wir diesen Vertrag erfüllen werden. Das bedeutet jedoch keinesfalls, daß wir alles gutheißen müssen,
was das Regime von Präsident Park tut. Ich bin der Ansicht, wir sollten ihm
klar machen, daß er durch autoritäre Maßnahmen den Enthusiasmus,

die Ent-

schlossenheit unserer Unterstützung untergräbt.
Wenn Regierungen die Presse unterdrücken, wenn sie religiöse Gruppen
unterdrücken, wie das in einigen Ländern geschieht, dann dürfen die Vereinig
ten Staaten nicht einfach die Augen verschließen und so tun, als sei nichts
passiert. Wir müssen etwas tun. Und unser Außenminister muß klar machen,daß
das amerikanischeVolk sich abgestoßen fühlt; daß dadurch die Fähigkeit unserer Regierung, die benötigte Unterstützung zu gewähren, eingeschränkt wird.
Die Vereinigten Staaten sind ein Land, das an die in seiner Verfassung
niedergelegten Menschenrechte glaubt. Die Sowjetunion sagt, sie glaube an
Marx und Lenin . Ich habe nichts dagegen. Das ist ihre Sache. Ich stehe jedoch für die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der Vereinigten
Staaten, für die Bill of Rights, ein. Ich glaube an den Grundsatz: 'Was
Du nicht willst, das man Dir tu , das füg auch keinem anderen zu.
Man

�Man kann natürlich aufgrund der harten Tatsachen des Lebens gezwungen
sein, manche Dinge eben zu dulden. Das heißt aber noch lange nicht, daß wir
die Dinge, weil wir sie hinnehmen, auch als Norm akzeptieren. Wir müssen
dann die Leute wissen lassen, daß unser Verhalten durch die Notwendigkeit
bestimmt ist, aber wir lassen sie dann auch wissen, daß wir ihre Maßnahmen
deswegen keineswegs billigen.
Frage: Sie sind Vorsitzender des Unterausschusses für Auslandshilfe
des Außenpolitischen Ausschusses, eines neuen und sehr wichtigen Unterausschusses. Wie sehen Sie die Zukunft der amerikanischen Auslandshilfeprogramme
in der Ära nach Vietnam?
Antwort: Schwierig, sehr schwierig! Aber ich glaube, wir können sie
fortsetzen. Wir werden diese Programme in Zukunft sehr viel sorgfältiger prüfen. Wir werden einen größeren Teil unserer Auslandshilfe über die multinationalen oder multilateralen Organisationen, die Sonderoorganisationen der
Vereinten Nationen und andere, abwickeln. Wir werden den Nachdruck, vor allem
in der Nahrungsmittelerzeugung, im Gesundheitswesen und im Bildungswesen auf
die ärmsten Länder legen. Ich meine, das sind die richtigen Schwerpunkte.
Die Bevölkerung darf erwarten, daß wir mit der Zuteilung unserer Mittel für
die Auslandshilfe sorgsamer umgehen. Das heißt jedoch nicht, daß wir kein
sehr gesundes und beträchtliches Auslandshilfeprogramm haben werden. Es
wird besser verwaltet und vom Kongreß besser überwacht werden, Und ich glaube,
es wird auch wirksamer werden.
Frage:
- 11 -

�Frage: Ihr Unterausschuß hat auch die legislative Aufsicht über Waffenverkäufe und Sie haben Anhörungen über diesen Fragenkomplex abgehalten.
Wie steht der Kongreß zu Waffenverkäufen?
Antwort: Wir sind sicherlich besorgt darüber, aber wir haben noch keine
wirkliche Antwort gefunden. Wie Sie wissen

sind die Vereinigten Staaten zum

größten Waffenhändler der Welt geworden. Ich glaube, unsere Waffenverkäufe
im vorigen Jahr beliefen sich auf rund acht Milliarden Dollar und werden in
diesem Jahr vielleicht noch höher liegen.

Das ist sehr viel. Aber die Fran-

zosen sind auch in diesem Geschäft, ebenso wie die Briten und die Sowjets.
Die Hauptsorge des Kongresses ist das Ausmaß, in dem die Vereinigten
Staaten hochentwickelte Waffen liefern. Wir wollen wissen, an wen sie geliefert werden und unter welchen Bedingungen. Ich meine, wir sollten derartige
Tätigkeiten sehr sorgsam überwachen. Nun ist natürlich in letzter Zeit eine
große Menge Waffen an die Länder des Nahen Ostens und des Persischen Golfs
verkauft worden. Der Schah von Persien hat große Einkäufe getätigt, und wir
im Kongreß haben uns nicht geweigert, diese Verkäufe gutzuheißen. Wir haben
die Vollmacht, uns, wenn es notwendig ist, diesen Verkäufen- zu widersetzen,
aber wir sehen einen Grund für diese Investition. Er muß seine Grenzen verteidigen können. Er lebt in einem sehr gefährlichen Teil der Welt. Aber wir
halten es auf jeden Fall für wichtig, ein Auge auf solche Waffenverkäufe zu
haben, und so überprüfen wir ständig die Abwicklung der militärischen Lieferungen und die Gesetzgebung für

solche Lieferungen im Lichte der neuesten

Ereignisse. Es geht dabei nicht darum, irgendjemandem Ärger zu bereiten,
sondern den Kongreß

auf dem Laufenden zu halten.
Frage:

- 12 -

�Frage: Vielleicht noch eine wesentliche Frage: Welche Rolle sollten
nach Ihrer Auffassung die Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren in der
Weltpolitik spielen? Ihr Ausschuß hält ebenso wie der korrespondierende Ausschuß des Repräsentantenhauses Anhörungenüber die künftige Rolle der amerikanischen Außenpolitik ab.
Antwort: Wir wollen zunächst einmal die Gefahren der kommenden Jahre
betrachten. Die erste und größte Gefahr ist das Wettrüsten, denn man ist
fälschlicherweise der Meinung, daß man durch das Aufstocken der Rüstung
mehr Sicherheit bekomme. In Wirklichkeit ist es natürlich so, daß die andere
Seite ebenfalls aufstockt. Damit wird nur die Schwelle der Gefahr angehoben und man verbraucht gewaltige Mittel,die man dringend für einen höheren
Lebensstandard und für viele andere Aufgaben in den jeweiligen Ländern
brauchen würde. Ich meine daher, daß im Vordergrund der Außenpolitik im
nächsten Jahrzehnt eine weltweite, entschlossene Anstrengung, vor allem zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, stehen muß, um dem Wettrüsten eine Grenze zu setzen. Man muß ihm Einhalt gebieten und es dann
hoffentlich zurückschrauben.
Ich möchte auch hoffen, daß uns das in gleicher Weise im Nahen Osten
gelingt. Der Nahe Osten sollte auf jeden Fall eine kernwaffenfreie Zone
sein. Die Vereinigten Staaten sollten sich im Nahen Osten rüstungsmäßig
ebenso zurückhalten wie die Sowjetunion. Das wird eine beiderseitige Angelegenheit sein müssen, und wir werden einen Großteil unserer Aufmerksamkeit
auf dieses Gebiet als einem Gefahrenpunkt konzentrieren müssen.
Unser NATO-Bündnis ist sehr wichtig. Es ist der Eckpfeiler unseres
ganzen Sicherheitssystems. Sie ist das Kernstück, und wir brauchen dort ein
gut funktionierendes Verhältnis und eine starke Verteidigung. Und wir haben
auch unsere Verantwortlichkeiten in Japan.
- 13 -

..

�Unsere neuen außenpolitischen Initiativen werden sich jedoch weitgehend
auf den wirtschaftlichen Bereich erstrecken. Als große Industrienation brauchen wir den Zugang zu den Versorgungsquellen - zu einer möglichst durch langfristige Abkommen über Grundstoffpreise gesicherten Versorgung - nicht mit
fixierten, sondern mit flexiblen Preisen. Wenn die Entwicklungsländer ihre
Güter zu einem fairen Preis an uns verkaufen können, dann brauchen sie weniger Auslandshilfe. Ich meine, es ist besser für sie, wenn sie ihren Unterhalt
mit einem fairen Preis für das, was sie uns verkaufen wollen, selbst verdienen, als daß wir sie mit Niedrigpreisen ausbeuten und dann wieder in einem
großen Geist der Nächstenliebe an sie herantreten und sagen, daß wir
ihnen aus der Klemme helfen müssen.
Die Menschen verdienen ihren Unterhalt lieber selbst.
Aus dem ländlichen Staat Minnesota kommend habe ich durchaus Verständnis für das, was den Rohstofferzeugern passiert ist. Sie bekommen immer weniger für ihre Mühen als die meisten anderen Leute. Sie sind niemals ganz fair
behandelt worden. Ich möchte daher sichergehen, daß wir gelernt haben, daß
von jetzt an unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit entscheidend wichtig
ist - nicht nur unter den Industrieländern, sondern auch zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern.
Ich hoffe, wir werden begreifen, daß es hier einer kontinuierlichen
Auslandshilfe für die wirtschaftliche Entwicklung bedarf. Der Nachdruck muß
auf die Nahrungsmittel Versorgung der Welt gelegt werden, '.und

es muß für

den Notfall vorgesorgt werden - durch Nahrungsmittellager für den Notfall,
um für ernste und nicht vorhersehbare Fälle gerüstet zu sein. Das sind,
neben vielen anderen, die Probleme, auf die wir unser Augenmerk konzentrieren sollten.

Die
14

i

�Die militärischen Aspekte der Außenpolitik werden nicht länger unsere
einzige Sorge und Last sein. Die wirtschaftlichen und menschlichen Aspekte
sind ebenso wichtig. Da ist der Umweltschutz; da ist das Seerecht; da ist
das Wissen um die Interdependenz und die Erkenntnis, daß die Vereinigten
Staaten, die zwar eine große Weltmacht sind, nicht mehr dominieren oder
herrschen. Die Vereinigten Staaten haben einen gewaltigen Einfluß, und wir
sollten das niemals unterschätzen, aber wir müssen ein brauchbarer Partner
im Rahmen unserer Bündnisse auf der einen und Weltgemeinschaft auf der anderen Seite sein. Und wir müssen den Standpunkt des anderen berücksichtigen
und sehen, was er braucht.
Frage: Sie sind optimistisch,

daß diese Interdependenz eintreten

wird?
Antwort: Aber sicher, weil sie notwendig ist. Es wird eine sehr große
Herausforderung an uns sein, und es wird uns manchmal zu Tode erschrecken.
Aber wir werden lernen müssen, mit der Gefahr zu leben. Es gibt heute so
viele Menschen, die alles gerne leicht und bequem hätten. Ich glaube, wir
haben heute eine ganze Generation solcher Leute, die glauben, wenn

etwas

schief geht, dann geht gleichalles in die Brüche. So ist es nicht. Wissen
Sie, es ist dann besser, zu erkennen, daß es schwierig werden wird, und daß
man, wenn man sich den Schwierigkeiten nicht stellen will, ihnen am besten
gleich aus dem Weg geht. Die Welt ist nicht für weiche Menschen .geschaffen.
Die Welt ist geschaffen für Menschen, die sich der Herausforderung stellen,
die Mut und Abenteuergeist haben - die moralische, physische und geistige
Stärke besitzen.
XXX

- 15 -

�</text>
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und
Dokumentation

31

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•

^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. September 1980

40

INHALT

INFORMATION
Vertragstext für neues Seerecht im wesentlichen fertiggestellt
- US-Sonderbotschafter Richardson erwartet Unterzeichnung im Frühjahr 1981
HINTERGRUNDMATERIAL
CIA-Mitarbeiter informiert über erhöhte sowjetische Verteidigungsausgaben
- 11 bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Krebsforschungsinstitut gibt Interferon-Produktion in Auftrag

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 OO Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�einzige wesentliche, noch nicht endgültig gelöste Frage sei die genaue Formulierung für die Bestimmungen, die die Abgrenzung der Wirtschaftszonen und
der Bereiche im Festlandsockel zwischen benachbarten Ländern regeln, obgleich
jetzt festzustehen scheine, daß eine Beilegung dieser Angelegenheit in keinem
Fall zu einschneidenden Änderungen des gegenwärtigen Vertragstextes führen
würde.
Zu Beginn der letzten Sitzungsperiode habe es große Meinungsverschiedenheiten zur Frage der sog. endgültigen Klauseln des Vertragswerkes gegeben.
Dank der intensiven Arbeit hinsichtlich dieser Punkte wurde, so Richardson,
ein Text formuliert, der die Integrität der Konvention als "Paketlösung",
d.h. die umfassende Behandlung aller anstehenden Fragen, wahren werde.
Richardson erklärte auf der abschließenden Pressekonferenz wörtlich:

"Nahe-

zu alle (der grundlegenden offenen Fragen) wurden in einer Weise gelöst, die
die breite Unterstützung durch die Konferenzteilnehmer finden mußten.

Es

ist jetzt so gut wie sicher, daß der Text einer Konvention über das Seerecht
im Jahr 1981 unterzeichnungsreif sein wird... Dies ist ein glücklicher Tag
für viele Menschen, die lange und hart an dieser Konvention gearbeitet haben.
Die Welt ist jetzt der Erlangung einer geschriebenen Verfassung für fast
drei Viertel der Erdoberfläche nahe.
oder irgendeine

Dies ist kein Sieg für irgendein

Ideologie oder irgendeinen

Standpunkt.

Land

Es ist ein Sieg

für die Grundsätze friedlicher Zusammenarbeit und von Recht und Gesetz."

Auf die Äußerung des kanadischen Botschafters hin angesprochen, daß der
Vertragsentwurf eine ungleichgewichtige Paketlösung zugunsten der Industrieländer zu sein scheine, erklärte Richardson:

"Damit sollten sich eher die

Kritiker des Vertrages in der Bundesrepublik Deutschland, in Japan, Großbritannien und den Vereinigten Staaten auseinandersetzen,die meinen, daß wir
im Hinblick auf die überwältigende Anzahl und die Findigkeit der Verhandlungsteilnehmer im Interesse der 77 (d.h. Entwicklungsländer) mit unseren Zugeständnissen viel zu weit gegangen seien".

Für das Problem der Einbezie-

hung der Europäischen Gemeinschaft als Vertragspartei müsse und werde nach
Richardsons Überzeugung eine Lösung gefunden werden.

- 3-

Denn in Konferenz-

�Konferenzkreisen sei man sich weitgehend der Tatsache bewußt und erkenne an,
daß die EG-Staaten an die Konferenz Vollmachten bezüglich einiger ihrer
Interessen delegiert haben... Wenn also diese Länder die Rechte und Pflichten in bezug auf Angelegenheiten, die im Vertrag der Europäischen Gemeinschaft
zur Wahrnehmung übertragen sind, akzeptieren sollen, führe der einzige Weg,
sie dazu zu bringen, über die Gemeinschaft.

Bei der Textformulierung für den

Vertrag werde sich dies als ein schwieriges Problem erweisen.
Richardson äußerte sich jedoch überzeugt, daß es gelöst werde.

+ + + + +

Elliot

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

40

10. September 1980

VERTRAGSTEXT FÜR NEUES SEERECHT IM WESENTLICHEN FERTIGGESTELLT
US-Sonderbotschafter Richardson erwartet Unterzeichnung im Frühjahr 1981

GENF - (AD) - Botschafter Elliot Richardson, der die amerikanische Delegation auch während der neunten Sitzungsperiode der III. UN-Seerechtskonferenz
leitete, hält die Unterzeichnung einer neuen Seerechtskonvention im nächsten
Jahr für so gut wie sicher.

Die Ergebnisse der fünfwöchigen Tagung in Genf,

die am 29. August 1980 zu Ende ging, bezeichnete er als "das bemerkenswerteste
Ereignis in der Geschichte der friedlichen Zusammenarbeit und der Entwicklung
des Seerechts seit der Gründung der Vereinten Nationen".
Vor der internationalen Presse umriß Richardson nach Abschluß der Tagung die drei wichtigsten Aufgaben, die noch gelöst werden müßten, wenn die
Konferenz im Frühjahr 1981 zu ihrer letzten Arbeitsitzung zusammentrete.
Notwendig sei erstens die Fertigstellung einer Resolution über die Berufung
einer Vorbereitungskommission, die die Grundlagen für die Internationale
Meeresbodenbehörde schafft; zweitens die Ausarbeitung von Vorrang-Bestimmungen bezüglich eines vorgesehenen Fördergebietes für Investoren des Meeresbergbaus, gültig für die Zeit zwischen der Unterzeichnung und dem Inkraft-

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�Inkrafttreten des Vertrages; und drittens die Entscheidung darüber, welche
Organisationen zusätzlich zu den souveränen Staaten Vertragspartei werden
können - z.B. die Europäische Gemeinschaft, die assoziierten Staaten der
pazifischen Mandatsgebiete und - was möglicherweise negative Auswirkungen
auf den Vertragsabschluß haben könnte - die Beteiligung von Befreiungsorganisationen.

Das Entwurfskomitee müsse seine Arbeit vor Beginn der nächsten

Sitzungsperiode beenden, wenn die Konferenz in der Lage sein soll, eine Konvention mit mehr als 400 Artikeln in sechs offiziellen Konferenzsprachen
zu debattieren und anzunehmen.

Dies sei eine enorme Aufgabe.

Während der jetzt zu Ende gegangenen Sitzungsperiode war laut Richardson
das bei weitem schwierigste Problem die Behandlung der Frage, wer in den Rat
der neuen Meeresbodenbehörde gewählt werden soll.

Aufgrund der abschließenden

Paketlösung wären in dem aus 36 Mitgliedern bestehenden Rat der Meeresbodenbehörde für Beschlüsse je nach deren Kategorie verschiedene Mehrheiten erforderlich.

So brauchten

beispielsweise Verfahrensfragen nur eine einfache

Mehrheit, substantielle Fragen dagegen (d.h. heikle Angelegenheiten, die mehr
Unterstützung im Rat finden müssen) eine Zweidrittel- bis Dreiviertelmehrheit

und die besonders sensitiven Angelegenheiten die Zustimmung aller.

Richardson hatte sich strikt gegen eine Erweiterung des Rates ausgesprochen, die, wie er erklärte, die inzwischen ausgehandelten Entscheidungsmodalitäten möglicherweise "aus dem Gleichgewicht" gebracht hätte. Der
dritten Vertragsüberarbeitung zufolge sollen im Rat vertreten sein: Vier
Meeresbergbau betreibende Länder, vier Länder, die Mineralproduktion auf dem
Festland betreiben, vier wichtige Verbraucherländer für jene Minerale, die
in den Metallknollen auf dem Tiefseeboden enthalten sind, sechs besonders
wenig entwickelte Länder und 18 weitere, entsprechend den UN-Regeln zur Gewährleistung einer gerechten geographischen Verteilung ausgewählte Staaten.
Neben der zufriedenstellenden Lösung dieses Fragenkomplexes konnte im
Verlauf der neunten Sitzungsperiode, wie Richardson erklärte, auch eine beträchtliche Anzahl weiterer Probleme im Zusammenhang mit den Vertragsformulierungen zur Rechtsordnung für den Meeresbergbau geklärt werden.
- 2 -

Die ein-

�10. September 1980

40

CIA-MITARBEITER INFORMIERT ÜBER ERHÖHTE SOWJETISCHE VERTEIDIGUNGSAUSGABEN
- 11 bis 13 Prozent des Bruttosozialprodukts für Rüstung -

WASHINGTON

- (AD) - Der Direktor für strategische Studien beim

amerikanischen Amt für Nachrichten und Abwehr (CIA), Robert Huffstutler,
hat am 3. September 1980 vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses
zu Umfang und Entwicklung der sowjetischen Verteidigungsausgaben Stellung
genommen.

Danach beliefen sich diese Ausgaben zwischen 1971 und 1979

auf geschätzte 165 Milliarden Dollar und liegen damit um rund 50 Prozent
über den entsprechenden amerikanischen Ausgaben.
Der folgende Text gibt im Wortlaut die Passage "Derzeitige Schätzungen"
der Erklärung Huffstutlers wieder:

Schätzungen über Ausgaben in Rubel
Ich möchte mit unseren Schätzungen der sowjetischen Verteidigungsausgaben in Rubel beginnen.

Unsere jüngsten Schätzungen werden hier iji

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0 5 3 0 0

�in konstanten Rubel-Preisen wiedergegeben, um lediglich die realen
Veränderungen bei der Mittel Zuweisung widerzuspiegeln, nicht aber die
Auswirkungen der Inflation.
Wir Amerikaner und die Sowjets verwenden einigermaßen unterschiedliche
Definitionen darüber, welche Aktivitäten zur Verteidigung gehören, wobei
die Sowjets ein breiter angelegtes Konzept haben.

Die sowjetischen

Verteidigungsausgaben - hier zum Zweck einer besseren Analyse mit amerikanischen
Maßstäben gemessen - sind zumindest seit 1965 durchschnittlich real um 4 bis
5 Prozent pro Jahr gestiegen und werden wahrscheinlich im Jahr 1980 61 bis
66 Milliarden Rubel betragen.

Legen wir den breiteren sowjetischen Maßstab

an, so erhöht sich diese Summe noch um etwa 5 bis 6 Milliarden Rubel.
Die Verteidigungsausgaben beliefen sich im Zeitraum von 1865 bis 1978
wahrscheinlich auf etwa 11 bis 13 Prozent des sowjetischen Bruttosozialproduktes, was für diese Periode in etwa einen konstanten Anteil bedeutet,
da Verteidigung und Volkswirtschaft sich mit ziemlich gleicher Geschwindigkeit
entwickelten. Obgleich in jüngster Zeit die Verteidigungsausgaben auch
weiterhin die nahezu gleiche Zuwachsrate aufwiesen wie in der Vergangenheit,
ging die Wachstumsrate der sowjetischen Wirtschaft auf ihren niedrigsten
Stand seit dem Zweiten Weltkrieg zurück. Aus diesem Grund stieg im Jahr
1979 der Anteil des sowjetischen Bruttosozialproduktes, der für Militärausgaben verwendet wird, um nahezu einen Prozentpunkt auf 12 bis 14 Prozent,
Was die einzelnen Kategorien der Mittel Zuweisung angeht, so floß
seit 1965 etwa die Hälfte der geschätzten sowjetischen Verteidigungsausgaben in Investitionen für Waffen, Ausrüstung, und Anlagen; nahezu
ein Drittel wurde für Betriebskosten bereitgestellt; etwa ein Fünftel
für militärische Forschung und Entwicklung.

Davon scheinen die Kosten für

Forschung, Entwicklung, Technologie und Ausrüstung am schnellsten gestiegen
zu sein.
Seit

- 2 -

�Seit 1965 haben die Marine und die Luftwaffe jeweils etwas über ein
Fünftel der Mittel für Investitions- und Betriebskosten erhalten. Auch
die Landstreitkräfte hatten einen Anteil von etwa einem Fünftel.
Streitkräfte

Die

der nationalen Luftverteidigung haben durchschnittlich

etwas weniger als 15 Prozent der Verteidigungsausgaben erhalten, für die
strategischen Raketen wurde ein Durchschnittsanteil von weniger als 10 Prozent
zugewiesen.

Künftige Trends
Der derzeitige und voraussehbare Rückgang des sowjetischen Wirtschaftswachstums bringt Fragen über die Fähigkeit der UdSSR mit sich,
die Verteidigungsausgaben auch weiterhin zu erhöhen. Wir verfolgen diese
Entwicklung sehr genau und sind aufgrund von Informationen über Verteidigungsprogramme, die derzeit laufen oder geplant sind, zu dem Schluß gekommen, daß die
sowjetischen Verteidigungsausgaben real auch weiterhin - zumindest bis
1985 - steigen werden.
Die uns vorliegenden Informationen zeigen an, daß die Verteidigungsausgaben wahrscheinlich im Lauf der nächsten fünf Jahre mit der gleichen
- oder zumindest fast gleichen - Rate zunehmen werden wie in den vergangenen
15 Jahren, wenn die Sowjets ihre derzeitigen Pläne nicht ändern.

Sollte

der wirtschaftliche Druck jedoch noch zunehmen, könnten die Sowjets die
Wachstumsrate bei ihren Verteidigungsausgaben senken, indem sie sich
auf eine Weise einschränken, die nur eine bescheidene Wirkung auf die
Modernisierung ihrer Streitkräfte haben würde - indem sie zum Beispiel
ausgewählte Waffenprogramme zeitlich strecken oder indem sie die begrenzten
direkten Ersparnisse ausnützen, die durch Abkommen bei der Rüstungskontrolle
möglich werden.
Längerfristig

- 3 -

�Längerfristig gesehen könnten zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten die sowjetische Führung dazu bringen, ihre Pläne unter dem Gesichtspunkt einer Verminderung des Anwachsens der Verteidigungsausgaben zu überprüfen.

Sie wird dabei jedoch abwägen müssen zwischen ihren Bedenken im

Wirtschaftsbereich einerseits sowie ihrer Vorstellung von den zukünftigen
militärischen Erfordernissen und ihrem Verständnis vom Nutzen militärischer
Macht zur Förderung ihrer politischen Zielsetzungen andererseits. Welche
Wahl sie aber auch immer hinsichtlich ihrer Verteidigungsausgaben treffen
wird, so sind wir doch der Meinung, daß es sogar längerfristig gesehen
höchst unwahrscheinlich ist, daß wirtschaftliche Schwierigkeiten eine
Wende der Langzeitpolitik der sowjetischen Führung erzwingen können, auch
weiterhin ihre militärischen Möglichkeiten zu verbessern.

Schätzungen in Dollar
Unsere Methode des direkten Kostenvergleichs ermöglicht es uns aber
auch, zu einer Schätzung der sowjetischen Verteidigungsmaßnahmen in Dollar
zu gelangen - was nützlich ist, um sie mit den amerikanischen Verteidigungsausgaben zu vergleichen. Dabei nehmen wir dieselben detaillierten
Schätzungen über die absoluten Mittel, die unseren Schätzungen der Ausgaben
in Rubel zugrunde lagen, und wenden sodann die entsprechenden amerikanischen
Preis- und Lohnraten an. Die Durchführung dieses Verfahrens ist komplex,
aber in etwa machen wir folgendes:
-

Hinsichtlich der Beschaffung schätzen wir, was es kosten würde,
die entsprechenden Objekte in den Vereinigten Staaten zu bauen zu derzeitigen Dollarpreisen für Materialien und Arbeitskraft
und unter der Annahme, daß die notwendigen Anlagen und die notwendige Versorgung verfügbar wären.
- Hinsichtlich

- 4 -

�-

Hinsichtlich der Betriebs- und Unterhaltskosten schätzen wir die
Preise in Dollar, die die Vereinigten Staaten für Arbeit, Material,
Ersatzteile, laufende Unkosten und Brennstoff zu zahlen hätten,
um die Ausrüstung auf die Weise zu bedienen und zu unterhalten,
wie dies die Sowjets tun.

-

Hinsichtlich des Militärpersonals schätzen wir zunächst ab,
welcher militärische Rang in den Vereinigten Staaten eingesetzt
würde, um die Funktionen jedes sowjetischen Militärs auszuführen,
und legen dann die entsprechenden amerikanischen Gehalts- und
Entschädigungsraten für den jeweiligen Posten an. Diese Verfahrensweise ist wegen der deutlichen Unterschiede zwischen den Strukturen
des Militärpersonals in beiden Ländern erforderlich.

Für den Zeitraum von 1970 bis 1979 übersteigt unsere Dollar-Schätzung
der sowjetischen Verteidigung die amerikanischen Ausgaben um etwa 30 Prozent.
Es muß festgestellt werden, daß wir für diese Vergleiche 1970 als Ausgangspunkt benützen, um Verzerrungen zu vermindern, die durch amerikanische
Verteidigungsausgaben Zustandekommen, die sich aus dem Vietnamkrieg ergeben.
Die Trends sind jedoch ziemlich unterschiedlich.

Der Dollar-Wert der

sowjetischen Militäraktivitäten wuchs beständig über diesen Zeitraum
hinweg mit einer durchschnittlichen Jahresrate von etwa 3 Prozent - mit
einer Aufwährtsbewegung bei fast allen wesentlichen Elementen des sowjetischen
Vertei di gungsberei chs.
Die amerikanischen Ausgaben hingegen gingen von Anfang des Jahrzehnts
bis 1976 zurück. Danach stiegen sie langsam, da Preiserhöhungen bei
Forschung, Entwicklung, Technologie und Ausrüstung sowie bei den Betriebskosten den anhaltenden Rückgang bei Herstellungs- und Personal kosten aufwogen.
Der

- 5 -

�Der geschätzte Dollar-Wert der sowjetischen Verteidigungsaktivitäten
hat die amerikanischen Ausgaben seit 1971 in zunehmendem Maß übertroffen.
Im Jahr 1979 lagen die Sowjets insgesamt bei 165 Milliarden Dollar - etwa
50 Prozent über den amerikanischen Ausgaben.

Vergleich der Mittel
Unsere Bausteine-Methode erlaubt es uns, die Mittel zu vergleichen,
die in den Vereinigten Staaten und bei den Sowjets den einzelnen Komponenten
der Verteidigungsanstrengung zugeteilt werden.

Zum Beispiel: bei Unter-

suchung der Investitionen in Waffen, Ausrüstung, wichtigste Ersatzteile
und Anlagen gelangen wir zu der Schätzung, daß der Dollar-Wert der sowjetischen
Programme um 50 Prozent über den vergleichbaren amerikanischen Ausgaben der
Gesamtperiode liegt.

Die sowjetischen Investitionen nahmen ständig zu,

während die amerikanischen Investitionen nach dem Vietnam-Ausbau scharf
zurückgingen, bevor sie nach 1976 erneut anstiegen.

Seit 1975 liegen die

sowjetischen Kosten im Durchschnitt bei etwa 80 Prozent über den amerikanischen
Ausgaben für Investitionen.
Die geschätzten Betriebskosten der Sowjets - einschließlich Personal,
Ausrüstung und Unterhaltung - lagen etwas höher als die entsprechenden
amerikanischen Kosten.

Jedoch waren auch hier die relativen Entwicklungs-

linien ziemlich unterschiedlich, wobei die sowjetischen Trends 1979 um
nahezu 30 Prozent höher lagen.

Vergleich der militärischen Ausgaben
Wir können unsere Dollar-Schätzungen auch benutzen, um die Mittel,
die die Sowjets für die verschiedenen militärischen Aufgaben bereitstellen,
mit den Mitteln der Vereinigten Staaten zu vergleichen,die diese dafür

- 6 -

�r

dafür festlegen. Für diesen Vergleich definieren wir die Aufgaben gemäß
der Kategorien der amerikanischen Verteidigungsplanung und der dazugehörigen
Programme,
Die Sowjets scheinen einen wesentlich höheren Anteil ihrer Mittel
als die Vereinigten Staaten fUr alle militärischen Aufgaben bereitzustellen •
mit Ausnahme der allgemeinen Seestreitkräfte und der taktischen Luftwaffe.
Die Trends der beiden Länder waren jedoch unterschiedlich, wobei die Sowjets
in allen wesentlichen Kategorien ein ständiges Wachstum aufweisen.

+ + + + +

- 7 -

�sJF

21Ja IE

lili//cn/chofl
wid Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. September 1980

40

US-KREBSFORSCHUNGSINSTITUT GIBT INTERFERON-PRODUKTION
IN AUFTRAG

- (AD) - Einen Auftrag zur Produktion von 50 Milliarden internationalen Einheiten von menschlichem Leukozyten-Interferon vergab jetzt
das Nationale Krebsforschungsinstitut der USA an die Meloy-Laboratorien
in Springfield (Virginia). Die Aufwendungen sind auf fast 990 000 Dollar
veranschlagt. Das Interferon wird zusammen mit anderen Präparationen in
klinischen Tests verwendet, die noch vor Ende des Jahres an verschiedenen
Kliniken beginnen sollen. Die bei den Meloy-Laboratorien bestellte Menge
reicht aus, um eine mögliche krebshemmende Wirkung der Substanz an etwa
150 Patienten zu untersuchen.
Zwei ähnliche Kontrakte vergab das Institut bereits an die
"Parke-Davis Pharmaceutical Research Division" der Warner-Lambert Company
(ebenfalls zur Produktion von 50 Milliarden Einheiten von menschlichem
Leukozyten-Interferon) und an die Flow-Laboratorien, die 50 Milliarden
Einheiten von menschlichem Fibroblasten-Interferon herstellen werden.
Da die hierbei erforderliche Technik sehr viel aufwendiger ist als bei

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�bei der Gewinnung von Leukozyten-Interferon, wurden dazu mehr als zwei
Millionen Dollar bereitgestellt.
Interferon ist ein natürlich vorkommendes Protein, das Zellen
als eine Reaktion auf das Eindringen von Viren und anderen krankheitsverursachenden Substanzen bzw. Organismen in winzigen Mengen produzieren.
Bisher dienten in der Forschung drei Arten menschlicher Zellen - Leukozyten,
Fibroblasten und Lymphob!asten - als Interferonquellen. Untersuchungen über
die mögliche Rolle, die Interferon bei der Behandlung verschiedener Formen
von Krebs, bei Virusinfektionen und anderen Krankheiten spielen könnte,
waren bisher dadurch auf ein Minimum beschränkt, daß viel zu wenig davon
zur Verfügung stand.

+ + + + +

-

•

�</text>
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