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                    <text>ai

und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Mai 1979

18

INHALT

DOKUMENTATION

Erklärung von Außenminister Vance zu SALT I I

- Wortlaut Erklärung von Verteidigungsminister Brown zum SALT II-Abkommen
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die wesentlichen Punkte von SALT II
- Zusammenstellung des US-Außenministeriums

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

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�Dokumentation
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Embassy of the United States of America

18

10. Mai 1979

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER VANCE ZU SALT II
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance
hat am 9. Mai im Weißen Haus eine Erklärung zum SALT II-Vertrag abgegeben,
die folgenden Wortlaut hat:
Botschafter Dobrynin und ich haben unsere Verhandlungen über SALT
abgeschlossen. Beide Regierungen haben nunmehr ihre jeweiligen Delegationen
in Genf angewiesen, die in den Verhandlungen zwischen Botschafter Dobrynin
und mir erreichte Übereinkunft in den gemeinsamen Vertragsentwurf einzuarbeiten
und die Verhandlungen über die wenigen noch verbleibenden sekundären Punkte
abzuschließen, die noch nicht gelöst worden sind. Einzelheiten hinsichtlich
des Zeitpunktes und des Ortes einer Gipfelkonferenz werden in sehr naher
Zukunft bekanntgegeben werden.
Lassen Sie mich einige Bemerkungen zur Bedeutung dieser Verhandlungen
machen.
Mit

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�Mit diesem Vertrag werden wir einen wesentlichen Schritt auf dem
Wege zu einem sichereren Amerika und einer sichereren Welt tun.
Unsere alles überragende Zielsetzung bei diesen Verhandlungen war
die Stärkung der Sicherheit unseres Landes und der unserer Verbündeten
durch praktische und verifizierbare Beschränkungen des nuklearen Wettrüstens.

Heute stehen wir an der Schwelle der Unterzeichnung eines Ab-

kommens über strategische Rüstungen, das unsere Zielsetzungen erfüllt.
Der Vertrag wird die Sicherheit der Vereinigten Staaten und unserer
Verbündeten fördern.

Er wird das nukleare Wettrüsten beschränken.

Er

wird die Wahrscheinlichkeit eines Nuklearkrieges vermindern.
Der Vertrag wird diesen entscheidend wichtigen Interessen des
amerikanischen Volkes in mehrfacher konkreter Weise dienen.
-

Er wird Höchstgrenzen für die strategischen Streitkräfte der
Sowjetunion und der Vereinigten Staaten festlegen;

-

er wird den Prozeß einer tatsächlichen Reduzierung des Standes
der Nuklearwaffen einleiten, und

-

er wird nicht nur das quantitative, sondern auch das qualitative
Wettrüsten auf dem Gebiete der nuklearen Rüstungen begrenzen.
.

Dieser Vertrag wird somit die strategischen Herausforderungen einschränken, denen wir sonst begegnen müßten.

Er wird die Ausgaben ver-

mindern, die wir sonst zu tragen hätten, um diesen Herausforderungen zu
entsprechen.

Und er wird viel von der Unsicherheit über die sowjetische

Rüstung beseitigen, die sonst herrschen würde.
Dieser Vertrag bedeutet nicht nur das Ende einer Verhandlungsrunde;

�Verhandlungsrunde;
Runde.

er wird vielmehr den Weg öffnen für eine weitere

Wenn der Senat ihn ratifiziert hat, wird er zum Eckpfeiler für

weitere Begrenzungen und Reduzierungen im Rahmen von SALT III werden.
Die nationale Debatte, in die wir nunmehr eintreten, wird nicht nur
diesen Vertrag betreffen. Wir erörtern genauso die unausweichlichen
Realitäten einer nuklearen Welt - die Notwendigkeit einer starken Verteidigung
für unsere Sicherheit und die ernste Gefahr, die sich aus einem uneingeschränkten nuklearen Wettrüsten für unsere Sicherheit ergibt. Denn unsere
Sicherheit besteht heute in der Wahrung eines stabilen strategischen
Gleichgewichtes zwischen zwei Ländern, die über eine furchtbare Macht
verfügen. Der SALT II-Vertrag wird einen wesentlichen Beitrag zu dieser
Stabilität leisten.
Durch den SALT-Prozeß haben wir bewiesen, daß die Vereinigten Staaten
und die Sowjetunion - selbst wenn wir auf einigen Gebieten im Wettstreit
liegen - zusammenarbeiten können und müssen, um die Gefahren eines Krieges
zu verringern.

Auf diese Weise kann der Vertrag dazu dienen, den Weg zu

einem konstruktiveren und friedlicheren Verhältnis zwischen uns zu öffnen.
Der Vertrag ist für uns und für alle Menschen in der Welt eine Botschaft der Hoffnung.

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Mai 1979

18

ERKLÄRUNG VON VERTEIDIGUNGSMINISTER BROWN ZUM SALT II-ABKOMMEN
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Zum SALT II-Abkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion gab der amerikanische Verteidigungsminister
Harold Brown am 9. Mai 1979 im Weißen Haus folgende Erklärung ab:
Das wichtigste Ziel unserer Landesverteidigung muß die Aufrechterhaltung des strategischen nuklearen Gleichgewichts sein.

Deshalb will

ich hier ein paar Worte darüber sagen, wie das SALT II-Abkommen uns hierbei hilft.
Die Grundzüge des Abkommens sind bekannt;

lassen Sie mich jedoch

einige der wichtigsten Merkmale wiederholen.
Es wird eine Begrenzung für die Anzahl der strategischen Abschußeinrichtungen geben. Je-de Seite darf 2250 besitzen. Aufgrund von SALT
werden die Sowjets einige Kürzungen vornehmen müssen. Ohne SALT könnten
die Sowjets bei der gegenwärtigen Entwicklungsrate im Jahr 1985 ein

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�ein Drittel mehr besitzen.
Es wird ebenfalls weitere Begrenzungen der Anzahl von Abschußeinrichtungen für Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen geben.

Durch das SALT-

Abkommen wird die Zahl der sowjetischen Abschußeinrichtungen für mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstete

Interkontinentalraketen auf 820 be-

schränkt werden, die den gefährlichsten Teil ihres Waffenarsenals darstellen.

Das sind weniger, als sie nach unserer Auffassung geplant haben.

Ohne das SALT II-Abkommen könnten sie 1985 viel mehr besitzen.
Ferner wird es Begrenzungen geben hinsichtlich der Einführung neuer
Interkontinentalraketen-Systeme und hinsichtlich der Anzahl von Gefechtsköpfen, die sie tragen können.

Im Rahmen von SALT II können die Sowjets

beispielsweise 10 Gefechtsköpfe auf ihrer größten Rakete dislozieren.
Ohne SALT II könnten sie 20, vielleicht 40 dislozieren.
Schließlich wird es ein Verbot für die Einmischung in die "Nationalen
technischen Mittel" der Verifizierung geben, und es wird andere Bestimmungen
geben, die die Überprüfung vereinfachen. Wir besitzen heute hochentwickelte
Prüfsysteme. Sie werden zusätzlich verstärkt durch Maßnahmen, die den
Verlust der Kapazität der iranischen Stationen rasch ausgleichen. Wir
werden in der Lage sein, jede sowjetische Verletzung rechtzeitig zu
entdecken, um unsere militärische Sicherheit zu gewährleisten.
Mit SALT II sind wir in der Lage, das Abkommen von vornherein zu
verifizieren. Ohne SALT II wären wir mit Verheimlichung, Gegenmaßnahmen
und sogenanntem "Betrug" aller Art konfrontiert, denn ohne SALT II wären
alle diese Tätigkeiten erlaubt.
Aber sogar mit SALT müssen wir unsere Verteidigungsanstrengungen
verstärken, wozu besonders unsere Anstrengungen für die strategischen
Nuklearstreitkräfte gehören. Wir tun dies im Zusammenhang mit dem

- 2 -

�dem Programm, das jetzt dem Kongreß vorliegt, denn SALT wird nicht alle
unsere strategischen Probleme lösen.

Trotzdem wird SALT wesentlich zu

unserer Sicherheit beitragen.

-

Mit dem SALT II-Abkommen werden wir in der Lage sein, den Druck
und die Ungewißheiten eines zahlenmäßig unbegrenzten Wettrüstens
auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte zu vermeiden.

Die

Vereinigten Staaten könnten und würden in eine solche Konkurrenz
eintreten, wenn es notwendig wäre. Aber das Ergebnis wären nur
mehr Systeme, höhere Kosten und größere Risiken ohne größere
Sicherheit - und noch weniger eine Situation amerikanischer Überlegenheit.

-

SALT II wird auch Erleichterungen für einige unserer anderen
Probleme mit sich bringen.

Zum Beispiel wird die Begrenzung der

Anzahl von Gefechtsköpfen die beweglichen Raketen lebensfähiger
machen, deren Dislozierung wir als Antwort auf die wachsende Verwundbarkeit unserer Minuteman-Interkontinentalraketen in Betracht
ziehen.
-

SALT II wird uns nicht davon abhalten, auf denjenigen Gebieten,
auf denen die sowjetische Herausforderung nicht begrenzt ist, alles
zu tun, was wir für richtig halten.

Zum Beispiel werden wir mit

unseren Verbündeten weiter an der Modernisierung unserer

Streit-

kräfte und an der Rüstungskontrolle arbeiten können als Antwort
auf die Probleme, vor die uns der sowjetische Ausbau der taktischen
Nuklearwaffen stellt.

-

SALT II wird auch eine bessere Grundlage für andere Maßnahmen
zur Kontrolle des Anwachsens und der Ausbreitung von Nuklearwaffen und konventionellen Waffen bieten.

Es wird

die Fortsetzung

des Prozesses der Begrenzung der strategischen Streitkräfte der

- 3 -

�der Supermächte erlauben, die, wie wir hoffen, zu beträchtlichen
Kürzungen auf diesem Gebiet führen werden.
Alles in allem: SALT wird dabei helfen, eine flexible und glaubwürdige Abschreckung, Stabilität und wesentliche Gleichwertigkeit aufrechtzuerhalten.

Auch ohne diesen Vertrag wäre dies möglich, aber es wäre

kostspieliger und ungewisser.

Keine der Herausforderungen, denen wir gegen-

überstehen, wäre ohne den Vertrag geringfügiger, aber einige wären bedeutend größer.

All die Erhöhungen unserer Verteidigungsanstrengungen,

die wir planen - mit SALT -, wären auch ohne SALT notwendig;

aber es

wären noch zusätzlich viele weitere notwendig.
Ich betrachte den Vertrag als eine nützliche Hilfe, um - zusammen
mit unseren eigenen, in bescheidenem Umfang vergrößerten Programmen
den strategischen Erfordernissen unseres Landes gerecht zu werden. Und
wenn die Sowjetunion mehr Wert auf Zusammenarbeit als auf Wettbewerb
legt, dann wird SALT außerdem ein gesünderes Klima der amerikanischsowjetischen Beziehungen ermöglichen.

+ + + + +

�18

10. Mai 1979

DIE WESENTLICHEN PUNKTE VON SALT II
Zusammenstellung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON

- (AD) - Die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit des

amerikanischen Außenministeriums hat unter dem Titel "SALT II: A Basic
Guide" in einer Dokumentation die wesentlichen Punkte des SALT II-Abkommens zusammengestellt:
Das SALT II-Abkommen besteht aus drei wesentlichen Teilen: einem
Vertrag, der bis Ende 1985 Gültigkeit haben soll; einem kurzfristigeren
Protokoll, das am 31. Dezember 1981 auslaufen wird; und einer gemeinsamen
Grundsatzerklärung und grundlegenden Richtlinien für Folgeverhandlungen.
Darüber hinaus schließt SALT II eine Verpflichtung der Sowjetunion in
der Frage des sowjetischen Bombers vom Typ Backfire ein; ein vereinbartes
Memorandum, das die Zahlen der strategischen Waffen enthält, die beide
Seiten je nach verschiedenen Kategorien disloziert haben; und schließlich
eine längere Reihe vereinbarter Erklärungen und gemeinsame übereinkommen,
in denen die Interpretation hinsichtlich vieler der Bestimmungen von

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�von SALT II niedergelegt sind.
Die Bestimmungen des Vertrages zerfallen in drei große Kategorien:
quantitative Begrenzungen, qualitative Begrenzungen und Verifizierungsmaßnahmen.
•

Qualitative

Begrenzungen

Der Vertrag begrenzt die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
auf eine gleiche Gesamtzahl von strategischen nuklearen Trägerwaffen.
Die Gleichheit dieser Begrenzung hebt ein Ungleichgewicht zugunsten der
UdSSR auf, das seit vor Unterzeichnung der SALT I-Abkommen bestanden hat.
Zu den Einheiten, die unter diese Höchstgrenze fallen, gehören landgestützte
Abschußrampen für Interkontinentalraketen (ICBM), unterseebootgestützte
Abschußrampen für ballistische Raketen (SLBI1), schwere Bomber und LuftBoden-Raketen (ASBM) mit Reichweiten von über 600 km.

Innerhalb dieser

vereinbarten Höchstgrenze sind spezifische Typen von Nuklearsystemen
Unterhöchstgrenzen unterworfen.

Die Begrenzungen sind wie folgt:

Die ursprüngliche Höchstgrenze für alle ICBM-Abschußrampen, SLBMAbschußrampen, schwere Bomber und ASBM ist 2400. Diese Höchstgrenze wird
bis zum 31. Dezember 1981 auf 2250 gesenkt werden. Im Rahmen dieser
Begrenzungen wird die Sowjetunion, die jetzt auf einem Stande von etwa
2520 ist, etwa 270 strategische Nuklearträgerwaffen aus ihren Waffenarsenalen
entfernen müssen, während die Vereinigten Staaten, heute auf einem Stand
von etwa 2060 operativen Systemen, die Möglichkeit haben, ihre strategischen
Streitkräfte im Rahmen der Bedingungen der Gesamthöchstgrenze leicht zu
erhöhen. Diese Begrenzung wird die Sowjetunion auch daran hindern, ihre
derzeitigen strategischen Streitkräfte auf einen Stand von maximal 3000
Trägerwaffen zu erhöhen, die bis Ende 1985 disloziert sein könnten.
Eine
- 2 -

�Eine Unterhö'chstgrenze von 1920 gilt für die Gesamtzahl der Abschußrampen für strategische Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (Multiple
Independently-Targetable Reentry Vehicles (MIRVs) sowie schwere Bomber mit
Marschflugkörpern (Cruise Missiles) mit Reichweiten über 600 km.
Eine zusätzliche Unterhöchstgrenze von 1200 gilt für die Gesamtzahl von
Abschußrampen für ballistische Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen. Die
UdSSR könnte mehrere Hundert solcher Abschußrampen für Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen über diese Gesamtzahl hinaus dislozieren, wenn es kein
SALT II-Abkommen gäbe.
Die letzte

Unterhöchstgrenze

schränkt jedes Land dahingehend ein,

daß es nicht mehr als 820 Abschußrampen für Interkontinentalraketen mit
Mehrfachgefechtsköpfen dislozieren darf.

Diese Beschränkung ist besonders

wichtig, weil sie die Dislozierung von Systemen mit Mehrfachgefechtsköpfen
durch die UdSSR begrenzt und weil Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen der potentiell am meisten destabilisierende Typ der strategischen
Nuklearträgerwaffe sind.
Der Bau weiterer fester Abschußrampen für Interkontinentalraketen wird durch
den SALT II-Vertrag verboten, und keinem Lande ist es erlaubt, die Zahl
seiner festen Abschußrampen für schwere Interkontinentalraketen zu erhöhen,
wobei diese als Interkontinentalraketen mit einem Stratgewicht (Gewicht
der gesamten Rakete) oder einem Wurfgewicht (Gewicht der Nutzlast der
Rakete) nicht größer als das der sowjetischen SS-19-Rakete definiert
wird. Die Sowjetunion ist das einzige Land, das moderne große ballistische
Raketen dieses Typs disloziert hat.

Zuteilung

�Zuteilung von strategischen Nuklearträgerwaffen
Gesamtzahl der Trägersysteme
Jedes Land ist zunächst auf 2400 strategische Nuklearträgersysteme
aller Typen zusammen begrenzt - das heißt, landgestützte Abschußrampen für
Interkontinentalraketen (ICBM), unterseebootgestützte Abschußrampen für
ballistische Raketen (SLBM), Luft-Boden-Raketen (ASBM) mit einer Reichweite
von über 600 km und schwere Bomber.

Im Jahre 1981 wird die ursprüngliche

Gesamtzahl von 2400 auf 2250 gesenkt.

Im Rahmen dieser Gesamthöchstgrenze

werden bei den Seiten in gleicher Weise Unterhöchstgrenzen auferlegt.

Gesamtzahl 1982:
Kombinierte strategische Nuklearträgerwaffen aller Typen: 2250.

Unterhöchstgrenze 1:
Von den 2250 ist es keiner Seite erlaubt, mehr als eine kombinierte
Gesamtzahl von 1320 der folgenden Typen zu besitzen: 1. Abschußrampen
für Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen; 2. Abschußrampen
für unterseebootgestützte Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen; 3. schwere
Bomber mit Marschflugkörpern mit großer Reichweite; und 4. Luft-BodenRaketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (ASBM).

Unterhöchstgrenze

- 4 -

�Unterhöchstgrenze 2:
Von den 1320 ist es keiner Seite erlaubt, mehr als eine kombinierte
Gesamtzahl von 1200 von 1. Abschußrampen für Interkontinentalraketen mit
Mehrfachgefechtsköpfen;

2. Abschußrampen für unterseebootgestützte Raketen

mit Mehrfachgefechtsköpfen und 3. Luft-Boden-Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen zu besitzen.

Unterhöchstgrenze 3:
Von den 1200 ist es keiner Seite erlaubt, mehr als 820 Abschußrampen
für Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen zu besitzen.

Qualitative Begrenzungen
Der Vertrag legt der Entwicklung und Dislozierung neuer Typen von
Kernwaffen eine Reihe von qualitativen Einschränkungen auf.

Zu den

Begrenzungen gehören:
Die Zahl der Gefechtsköpfe auf derzeit existierende Typen von Interkontinentalraketen wird auf dem derzeitigen Stand eingefroren, d.h. auf
der Höchstzahl, die auf jedem bestimmten Typ von Interkontinentalraketen
erprobt worden ist, um die Vergrößerung der Zahl von nuklearen Gefechtsköpfen zu verlangsamen.

Als Folge wird den Sowjets ein Maximum von zehn

Gefechtsköpfen auf ihren schweren Raketen erlaubt sein - während sie ohne
diese Begrenzung leicht 20

oder 30 Gefechtsköpfe auf einen modifizierten

Typ der SS-18 dislozieren könnten.
Die

- 5 -

�Die unterseebootgestützten ballistischen Raketen werden auf nicht
mehr als 14 Gefechtsköpfe begrenzt - die maximale Zahl, die bisher von
beiden Seiten

erprobt worden ist.

Das Wurfgewicht und das Gesamtgewicht von leichten Interkontinentalraketen, unterseebootgestützten ballistischen Raketen und Luft-BodenRaketen darf das der sowjetischen SS-19 nicht überschreiten.

Ähnliche

Begrenzungen gelten für die Erhöhung des Wurfgewichtes und des Startgewichtes schwerer Interkontinentalraketen über das der SS-18 hinaus.
Dies wird das weitere Anwachsen der Nutzlastkapazitä't von Raketen begrenzen.
Jede Seite wird für die Dauer des Vertrages nur einen neuen Typ
von Interkontinentalraketen erproben und dislozieren dürfen.

Diese

Ausnahme gibt den Vereinigten Staaten das Recht, mit der M-X-Rakete
weiterzumachen.

Indem den Sowjets nur ein neuer Typ von Interkontinental-

raketen erlaubt wird, wird diese Bestimmung die Sowjets von ihrer früheren
Praxis abhalten, drei oder vier völlig neue Typen von Interkontinentalraketen
mit wesentlich verschiedenen und verbesserten Eigenschaften bei jeder neuen
Generation von Interkontinentalraketen zu dislozieren.
Der erlaubte neue Typ von Interkontinentalraketen muß eine leichte
Interkontinentalrakete sein (d.h. ihr Wurfgewicht darf das der SS-19 nicht
überschreiten), und sie darf nicht mehr als zehn Gefechtsköpfe tragen. Die
Sowjetunion hat die Wahl, ihre Ausnahme dazu zu nutzen, um eine Rakete
mit einem einzigen Gefechtskopf zu dislozieren, oder sie könnte eine neue
Rakete mit Mehrfachgefechtsköpfen dislozieren, um die SS-17 und die SS-19
zu ersetzen. Die M-X-Rakete wird wahrscheinlich die erlaubte Höchstzahl
von zehn Gefechtsköpfen tragen und wird das dreifache Wurfgewicht der Rakete
vom Typ MINUTEMAN haben.
Die durchschnittliche Zahl von Marschflugkörpern mit großer Reichweite
(d.h. über 600 km), die von jedem Land an Bord seiner für solche Flugkörper
- 6 -

�Flugkörper ausgestatteten Flugzeuge disloziert werden können, darf nicht
größer sein als 28. Die Höchstzahl von Marschflugkörpern mit großer
Reichweite, die an Bord von vorhandenen schweren Bombern disloziert werden
können, wie etwa die B-52, ist auf 20 begrenzt. Jedes Flugzeug, das mit
Marschflugkörpern großer Reichweite ausgerüstet ist, wird als schwerer
Bomber gezählt und fällt unter die

numerische Aufzählung in SALT II.

Verifizierungsmaßnahmen
Um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten in der Lage sein
werden, durch ihre eigenen Mittel die sowjetische Einhaltung der Bestimmungen
von SALT II zu verifizieren, enthält das Abkommen eine Reihe von Bestimmungen,
um die Fähigkeit der Vereinigten Staaten zu fördern, das sowjetische Verhalten hinsichtlich der in dem Abkommen eingeschlossenen Waffen zu überwachen.
Das Abkommen verbietet jede absichtliche Tätigkeit, um etwas zu verbergen, die die Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens
behindern würde. Eine Klarstellung zu dieser Bestimmung stellt fest, daß
jede telemetrische Chifftierung (d.h. die Verschlüsselung von Testdaten
für Raketen und Flugzeuge), die die Verifizierung behindert,verboten ist.
Das Abkommen verbietet weiter die Einmischung eines Landes in den
Betrieb der Nachrichtensammlungssysteme des anderen Landes (im Vertrag als
"Nationale technische Mittel" oder NTM bezeichnet), die dazu benutzt werden,
die Einhaltung der Bestimmungen des Abkommens zu verifizieren.
Da es schwierig ist, zwischen Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen und
ohne Mehrfachgefechtsköpfe zu unterscheiden, wenn sie erst disloziert sind,
legt das Abkommen eine Reihe von Regeln für die Zählung von Mehrfachgefechts-

- 7 -

�Mehrfachgefechtsköpfen fest, die vorsehen, daß:

(a) alle Raketen eines

Typs, der mit Mehrfachgefechtsköpfen erprobt worden ist, als mit solchen
ausgestattet gezählt werden wird, selbst wenn sie mit einem einzigen Gefechtskopf disloziert sind, und (b) alle Abschußrampen eines Typs, die
Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen aufgenommen haben oder von denen solche
gestartet wurden, als zu denen mit Mehrfachgefechtsköpfen gezählt
werden, selbst wenn er Raketen ohne Mehrfachgefechtsköpfe enthalten.
die sowjetische

Interkontinentalrakete

Da

vom Typ SS-16 gewisse Ähnlichkeiten

mit der mobilen Mittelstreckenrakete SS-20 hat, einschließlich einer
potentiellen Möglichkeit, von einer beweglichen SS-20-Abschußrampe gestartet
zu werden, hat die Sowjetunion einem generellen Verbot der Dislozierung der
weiteren Erprobung und der Produktion der SS-16, einschließlich der Produktion
von Teilen, wie sie nur für die SS-16 gebraucht werden, zugestimmt.
Beide Länder sind durch den Vertrag gezwungen, die andere Seite im
voraus von bestimmten Probestarts von Interkontinentalraketen zu unterrichten.
Beide Länder werden Zahlen ihrer eigenen strategischen Offensivstreitkräfte als Teil einer vereinbarten Datengrundlage zur Verfügung stellen.
Der Vertrag sieht einen Mechanismus für die sofortige Erörterung jeder
zwiespältigen Situation vor, die in Zukunft auftreten könnte, sowie die
Überwachung der ordnungsgemäßen Verwirklichung der Bestimmungen von SALT II
in der amerikanisch-sowjetischen ständigen Beratenden Kommission (SSC).
Dieses Gremium soll ein Forum bilden, in dem jedes Land seine Anliegen
bezüglich des SALT-Prozesses vorbringen kann. Die Kommission hat als das
vereinbarte Mittel der Überprüfung der Verwirklichung der SALT I-Abkommen
und als ständiges Forum für weitere Gespräche zwischen beiden Seiten hinsichtlich dieser Abkommen gut funktioniert.
Der Vertrag stellt ausdrücklich fest, daß die Verifizierung durch

�durch "Nationale technische Mittel" vonstatten gehen wird, die der jeweils
anderen Seite gehören.

Zu den nationalen technischen Mitteln gehören

Satelliten (wie Fotoaufklärungssatelliten), bodengestützte Systeme (wie
Radarstationen, die Raketenversuche beobachten, und Antennen, die telemetrische Daten sammeln), sowie luftgestützte Systeme, (einschließlich
optischer Systeme und anderer Sensoren).

Auf diese Weise ist keine Seite

vom bloßen Vertrauen abhängig, was die Verifizierung der Einhaltung der
Bestimmungen des Abkommens angeht.

Das Protokoll zum SALT II
Das Protokoll tritt gleichzeitig mit dem Vertrag im Kraft, wird jedoch zu einem beträchtlich früheren Zeitpunkt, nämlich am 31. Dezember 1981,
auslaufen. Es legt bestimmten Systemen temporäre Begrenzungen auf Systeme hinsichtlich derer beide Seiten keine langfristige Lösung finden
konnten. Zu diesen Begrenzungen gehören:
Die Dislozierung mobiler Abschußrampen für Interkontinentalraketen
und die Flugerprobung von Interkontinentalraketen von solchen Abschußrampen aus ist verboten.

Entwicklung und Erprobung der Abschußrampen für

sich allein sind jedoch nicht eingeschränkt.
Die Flugerprobung und Dislozierung von Luft-Boden-Raketen mit Reichweiten über 600 km sind verboten.
Die Dislozierung von bodengestützten und seegestützten Marschflugkörpern ist auf Marschflugkörper begrenzt, die eine Reichweite von nicht
mehr als 600 km oder etwa 350 Meilen haben.
Andere Einschränkungen für die Entwicklung oder Flugerprobung von

- 9 -

�•

von boden- und seegestützten Marschflugkörpern gibt es nicht, und die
Begrenzung der Dislozierung hinsichtlich der 600 km-Reichweite wird ablaufen, ehe die Vereinigten Staaten in der Lage sein werden, diese Systeme
zu dislozieren.

In dem Protokoll gibt es keine Begrenzung für die Reich-

weite, die Entwicklung, die Flugerprobung und die Dislozierung von luftgestützten Marschflugkörpern.

Diese Waffen werden eine wichtige künftige

Erweiterung unserer bestehenden Streitmacht an schweren Bombern mit großer
Reichweite und Flugzeugen mit luftgestützten Marschflugkörpern großer
Reichweite sein, die in der Gesamtzahl von 1320 im Vertrag eingeschlossen
sind.

Stand der amerikanischen und sowjetischen strategischen Offensivstreitkräfte
1. Januar 1979
-

USA

Operative ICBM-Abschußrampen (einschließlich
einsatzbereiter Abschußrampen sowie jener im Bau,
in Reparatur, in Wartung, in Umstellung und in
Modernisierung; nicht dazu gehören Abschußrampen
für Versuche und Ausbildung, dazu gehören jedoch
Abschußrampen auf Versuchsgebieten, die als Teil
der operativen Streitmacht gedacht sind)
Operative unterseebootgestützte Abschußrampen (die
obige Anmerkung in Klammern gilt auch hier. Ferner
gehören dazu Abschußrampen auf allen nuklear
angetriebenen Unterseebooten, und was die Sowjets
anbetrifft, operative Abschußrampen für moderne
unterseebootgestützte Raketen auf Diesel-Unterseebooten der G-Klasse)

10 -

UdSSR

1054

1400

656

950

�Langstreckenbomber

USA

UdSSR

operative'

348

150

sonstige

221

-

120

modifizierte'Typen
(Anmerkung: Die Langstreckenbomber schließen für die
Vereinigten Staaten drei Prototypen des Bombers B-l und
68 Maschinen vom Typ FB-111 aus; für die UdSSR den Backfire
Bomber. Bei den operativen Bombern gehören dazu nur dislozierte und für ihre Aufgaben eingerichtete Flugzeuge.
Unter sonstige gehören bei den USA B-52, die für verschiedenartige Zwecke verwandt werden, sowie Maschinen,
die in Reserve stehen oder eingemottet oder auf Lager
sind. Unter modifizierte Typen fallen sowjetische
Tankerflugzeuge vom Typ Bison, Flugzeuge des Typs Bear
zur Unterseebootbekämpfung und Aufklärungsflugzeuge
dieses Typs. Die amerikanischal Tankerflugzeuge
(641 Maschinen vom Typ KC-135) gehen nicht vom Flugzeugtyp B-52 aus und sind daher nicht eingeschlossen.)
Strei tkräftebestückung:
9200

Waffen (Gefechtsköpfe)
(Anmerkung:

5000

Die Gesamtbestückung der Streitkräfte

bringt jene unabhängig zielgeplanten Waffen zum Ausdruck, die mit der Gesamtzahl der operativen ICBMs,
SLBMs und Langstreckenbomber verbunden sind.)
Die gemeinsame Grundatzerklärung
SALT II ist ein Teil des anhaltenden Prozesses der Rüstungskontroll Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Diese Tatsache
kommt in einer gemeinsamen Grundsatzerklärung und in den grundlegenden Richtlinien für Folgeverhandlungen zum Ausdruck, in denen erklärt wird, daß beide
Seiten übereingekommen sind, an einer weiteren Verringerung und an weiteren

- 11 -

�weiteren qualitativen Begrenzungen ihrer strategischen Streitkräfte zu arbeiten
und zu versuchen, die im Protokoll zum Vertrag aufgeführten Probleme zu lösen.
Darüber hinaus wird ausdrücklich festgestellt, daß jede Seite in den SALT IIIVerhandlungen jedes gewünschte Thema.anschneiden kann.
Backfire-Bomber
Die Sowjetunion hat Verpflichtungen übernommen, die Produktionsrate des
Backfire-Bombers nicht über die derzeitige Rate hinaus zu erhöhen und die Verbesserung der Kapazitäten dieses Flugzeuges zu begrenzen.

Das Einfrieren der

Produktionsrate für den Backfire-Bomber auf den gegenwärtigen Stand bedeutet,
daß die Sowjets verpflichtet sind, nicht mehr als 30 Backfire-Bomber pro Jahr
zu produzieren.

Die Vereinigten Staaten betrachten die hinsichtlich des Back-

fire-Bombers festgelegten Verpflichtungen als wesentlich für die Integrität
der Verpflichtung im Gesahitvertrag.

Die Verpflichtungen der Sowjetunion bezüg-

lich des Backfire-Bombers haben die gleiche rechtliche Verbindlichkeit wie das
übrige SALT II-Abkommen.

Wenn daher die Sowjetunion diese Verpflichtungen ver-

letzten sollte, können die Vereinigten Staaten vom Vertrag zurücktreten. .

+ + + + +

- 12 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Vance zu SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Verteidigungsminister Brown zum SALT II-Abkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wesentlichen Punkte von SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zusammenstellung des US-Außenministeriums -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

10. Mai 1989

19

I N H A L T

DOKUMENTATION
Walters zum Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen
~ Rede de^s~lTs-BotschaFters bei "der-Er Öffnung der 35. deutschamerikanischen Freundschaftswoche -

HINTERGRUNDMATERIAL

Stand der Rüstungskontrollverhandlungen

- Wöchentliche Ü b e r s i c h t Atomare Ki^jrtj^y^jasyjsjtenie
- "Eine IJbeTsTcht der ACDA'"
VSBM sind von Optimismus, Realitätssinn und Vernunft geleitet
- Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Radarsonde MAGELLAN auf dem Weg j^ur JVenus
~ T n ~2y0~km~Höhe vöiTYordT dVsTYa^mtransVorters ATLANTIS gestartet

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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�AMERIKA DIENST
Dokumentation

"VoN^

10. Mal 1989

19

WALTERS ZUM STAND DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Botschafters bei der Eröffnung
der 35. deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche -

(AD) - In einer Ansprache anläßlich der Eröffnung der 35. deutsch-amerikanische Freundschaftswoche am 7. Mai 1989 in Stuttgart nahm Botschafter Walters
zum gegenwärtigen Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen und zum OstWest-Verhältnis Stellung. Dem Botschafter zufolge haben die deutsch-amerikanischen Beziehungen "durch die noch lebendigen Erinnerungen an den Krieg und
das enge Verhältnis der Nachkriegszeit eine seltsam emotionale Qualität erhalten".
Einen Höhepunkt der Feierstunde bildete die Verleihung der Lucius D.
Clay-Medaille an den (nicht anwesenden) Kongreßabgeordneten Lee H. Hamilton,
dessen Arbeit für das beiderseitige Verständnis hierdurch gewürdigt wurde.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Botschafters im Wortlaut.
Herr Bundesaußenminister,
Herr Ministerpräsident,
Herr Oberbürgermeister,
Frau Frank,
meine Damen und Herren,
es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, so kurz nach meiner Ankunft
in der Bundesrepublik mit Ihnen gemeinsam die jährlich stattfindende
Freundschaftswoche des Verbands der
Deutsch-Amerikanischen Clubs eröffnen
und gleichzeitig im Namen des Kongreßabgeordneten Lee Hamilton die Lucius D. Clay-Medaille in Empfang nehmen zu dürfen.
Der Verband der Deutsch-Amerikanischen Clubs hat dem Kongreßabgeordneten Hamilton eine große und verdiente Ehre erwiesen. Ebenso wie er

United States Information Service
Embassy of the United States of America

bedauere auch ich, daß er heute nicht
anwesend sein kann, um die Auszeichnung persönlich entgegenzunehmen.
Ich kenne Lee Hamilton seit vielen Jahren. Er ist eines der fähigsten und engagiertesten Mitglieder
des Repräsentantenhauses. Er verfügt
dort über großen Einfluß, insbesondere in seinem Spezialbereich Auswärtige Angelegenheiten. Er ist schwierigen Problemen oder Aufgaben nie aus
dem Weg gegangen - seine Arbeit als
Vorsitzender
des Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Iran-Contra-Affäre ist Beweis dafür. Als
Vorsitzender des Unterausschusses für
Europa und den Nahen Osten im Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses muß er sich mit einer Reihe heikler, kritischer Fragen auseinander-

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�setzen. Als Vorsitzender des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des Kongresses ist er vehementer Gegner internationaler Handelshemmnisse. Obwohl die Ansichten des Kongreßabgeordneten Hamilton zu zahlreichen Themen von denen der Reagan- und BushAdministration - und meinen eigenen abweichen, hat er sich stets für Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und
der Exekutive eingesetzt.

bührt Ihnen viel von diesem Verdienst.
Und dennoch müssen sich heute
viele von Ihnen sehr frustriert fühlen. Nachdem S^e so lange und intensiv für die deutsch-amerikanische
Freundschaft gearbeitet haben, hat es
den Anschein, als ob die täglichen
Beziehungen zwischen unseren beiden
Ländern heute schlechter sind als je
zuvor in den vergangenen 40 Jahren.

Heute sollten wir uns jedoch vor
allem
daran
erinnern,
daß
Lee
Hamilton ein großer Freund der Bundesrepublik und der Deutschen ist.
dnd aus dierem Grund ist er Vorsitzender der Studiengruppe Deutschland
des amerikanischen Kongresses und unterstützt das Jugendaustauschprogramm
zwischen Kongreß und Bundestag. Er
hat immer wieder bewiesen, daß er die
Bedeutung
enger
deutsch-amerikanischer Bindungen zu würdigen weiß.
Mindestens ebenso wichtig ist, daß
der Kongreßabgeordnete Hamilton der
Tatsache Rechnung trägt, daß Zusammenarbeit nicht ^usr^hließlich Sache
der R' öierungen ist. Er ist ebenso
wie ich davon überzeugL, daß unsere
Beziehungen sich auf menschliche Kontakte und Freundschaften zwischen
ganz
"gewöhnlichen" Deutschen und
Amerikanern gründen müssen.

Aus den Vereinigten Staaten vernehmen wir Beschwerden darüber, daß
die Deutschen nicht länger bereit
seien, ihren Anteil an unserer gemeinsamen Verteidigung
zu tragen.
Kurzsichtig drängten sie auf einen
Rüstungsabbau, der die gesamte NATO
in Gefahr bringen könnte. Sie seien
Gorbatschows "Offensive des Charmes"
kritiklos
erlegen.
Die
deutsche
Agrar- und
Handelspolitik
schädige
sowohl die Vereinigten Staaten als
auch die um ihr Überleben kämpfenden
Länder der Dritten Welt. Und obwohl
die Deutschen mit allen Handel treiben würden, hielten sie sich aus gefährlichen regionalen Konflikten heraus, statt zu deren Lösung beizutragen.
Die Präsenz der verbündeten
Streitkräfte werde eher als Last denn
als Beitrag zur Sicherheit der Bundesrepublik angesehen.

Diesen Punkt brauche ich Ihnen
gegenüber - die Sie aktiv an der Arbeit der Deutsch-Amerikanischen Clubs
teilnehmen - nicht zu betonen. Über
viele Jahre hinweg haben Sie private
Energien und Mittel freigesetzt, um
deutsche und amerikanische "Normalbürger" zusammenzubringen. Sie haben
dazu beigetragen, Vorurteile abzubauen und die in den Lehrbüchern, Unterrichtsräumen und Medien so häufig
wiederholten falschen Bilder zurechtzurücken.
Sie haben unseren jungen
Menschen geholfen, dauerhafte Freundschaften aufzubauen. Sie haben das
Leben Tausender amerikanischer Soldaten und ihrer Familien bereichert.
Wenn Deutsche und Amerikaner heute
bereit sind, einander zu mögen und zu
unterstützen - und meiner Ansicht
nach sind sie dazu bereit - so ge-

Auf dieser Seite des Atlantiks
hören wir, daß die Vereinigten Staaten die deutsche Souveränität nicht
respektierten. Die Amerikaner machten sich zuwenig Gedanken über die
besondere Gefahr, der sich die Deutschen an der Frontlinie der NATO-Verteidigung ausgesetzt sehen. Amerika
versuche, den Konsequenzen seiner eigenen Verschwendung zu entfliehen,
indem es den deutschen Steuerzahler
auspresse, die deutschen Bauern in
die Armut dränge und die deutschen
Produzenten von ausländischen Märkten
vertreibe.
Daß die Amerikaner von
den Deutschen Dankbarkeit für die
Präsenz ausländischer Truppen erwarteten, die mit ihren Manövern und
Tiefflügen den Tagesablauf beeinträchtigen.

�Anschuldigungen wie diese dürfen
nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Selbst wenn sie selten
mehr als ein Körnchen Wahrheit enthalten - und häufig nicht einmal das
- stehen sie doch für Gefühle, die
uns entzweien können. Menschen, die
sich wie Sie eingehend mit den
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
auseinandersetzen, kommt daher eine
besondere Verantwortung zu. Es ist
Ihre Aufgabe - unsere Aufgabe - den
Bürgern unserer beiden Länder komplexe Probleme leichter verständlich zu
machen, unsere Schwierigkeiten in die
richtige Perspektive zu setzen und in
einen Kontext zu betten, der uns falsche Schlußfolgerungen aus alltäglichen Ereignissen vermeiden läßt.
Natürlich gibt es Probleme in unserem Verhältnis. Es gibt echte Meinungsverschiedenheiten, von denen einige tatsächlich divergierende nationale Interessen widerspiegeln.
Es
wäre dumm und gefährlich, vorzugeben,
solche
Unterschiede
existierten
nicht.
Unser
Verständnis
der
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
scheint jedoch von einer ungewöhnlichen Anzahl von Trugschlüssen belastet zu sein.
Drei dieser Trugschlüsse fallen besonders ins Auge.
Erstens, der Trugschluß der Neuheit.
Sowohl Amerikaner als auch
Deutsche haben wiederholt mit einem
gerüttelt Maß an Angst auf beiden
Seiten das "Ende der Nachkriegszeit"
in unseren Beziehungen verkündet.
Dasselbe haben wir in den Jahren des
Vietnamkriegs und während der Raketendebatte Anfang der achtziger Jahre
gesagt.
Bei
der
Eröffnung
der
deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche in Mannheim betonte Botschafter
Burns vor sieben Jahren die grundlegende Stärke der deutsch-amerikanischen Freundschaft und stellte die
Frage:
"Warum ist der öffentliche
Dialog zwischen Deutschen und Amerikanern in der letzten Zeit so mißtönend geworden?"
Auch aus seiner
Sicht gehörten zur Aufrechterhaltung
von Beziehungen zwischen zwei einander freundschaftlich gesonnenen aber

auch konkurrierenden Staaten, deren
Interessen so eng miteinander verflochten sind, tatsächlich manchmal
auch Mißtöne.
Zweitens gibt es den Trugschluß
der Identität. Es ist allzu leicht besonders für Amerikaner -, zu vergessen, daß Deutsche und Amerikaner
nicht völlig gleich sind. Wie könnten wir dies auch sein? Geopolitisch
und historisch ist Amerika mit Europa
verbunden, zugleich aber liegt es
weit davon entfernt. Durch die Tatsachen der europäischen Geographie,
seit langem bestehende Handelsverflechtungen und eine jahrhundertealte
Politik- und Kulturgeschichte werden
die Deutschen jedoch zwangsläufig daran erinnert, daß sie sich mitten auf
der großen Wasserscheide zwischen Ost
und West befinden. Es trifft zu, daß
wir eine reiche gemeinsame Kultur und
zahlreiche Grundwerte teilen.
Wir
glauben beide an Demokratie, Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Aber es gibt auch eine ganze
Reihe deutsch-amerikanischer Gegensätze - Stabilität kontra Mobilität,
Sicherheit kontra Möglichkeiten, Homogenität kontra Vielfalt. Wir sind
nicht gleich, und wenn wir Amerikaner
so beurteilen, als seien sie Deutsche
oder Deutsche, als seien sie Amerikaner, tun wir einander unrecht.
Drittens besteht ein gefühlsmäßiger Trugschluß. Durch die noch lebendigen Erinnerungen an den Krieg
und das enge Verhältnis der Nachkriegszeit erhalten die deutsch-amerikanischen Beziehungen eine seltsam
emotionale Qualität. Jede Meinungsverschiedenheit wird unabhängig vor
ihrer "wirklichen" Bedeutung gern zu
einer Krise zwischen den beiden Ländern hochstilisiert. Jeder Deutsche,
der die Vereinigten Staaten kritisiert, ist "antiamerikanisch", jeder
nörgelnde
Amerikaner
"antideutsch"
eingestellt.
Ich
möchte
nochmals
betonen:
Zwischen uns bestehen reale Meinungsverschiedenheiten und reale Probleme,
die gelöst werden müssen. Ich bilde

- 3 -

�mir nicht ein, daß wir immer derselben Meinung sein können oder sollten
- dies wurde uns in den vergangenen
zehn Tagen erneut deutlich vor Augen
geführt.
Und,
Herr
Minister
Genscher, ich gehe davon aus, daß Sie
in mir, wie in jedem amerikanischen
Botschafter, den sie kennengelernt
haben, in vielen Dingen einen energischen Anwalt der amerikanischen Haltung sehen werden. Ich hoffe, Sie
werden dasselbe für Ihre Seite tun.
Ich hoffe jedoch auch, daß wir beide
- und alle, die Sie hier versammelt
sind - im Gedächtnis behalten werden,
daß unsere Aufgabe in der Lösung von
Problemen besteht - so partiell, unvollkommen und unbefriedigend unsere
Lösungen auch häufig sein mögen.
Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, müssen wir sowohl vor den von
mir erwähnten Trugschlüssen als auch
deren Spiegelbildern auf der Hut
sein. Wir sollten uns nicht von Emotionen überwältigen lassen - aber wir
sollten auch nicht zu dem Schluß kommen, es bestehe kein Grund zur Sorge
um di i deutsch-amerikanischen Bezieh e -en. Während wir uns unsere Verschiedenartigkeit vor Augen halten,
müssen wir nicht zwangsläufig zu der
Schlußfolgerung gelangen, die Unterschiede zwischen uns seien so groß,
daß keinerlei Gemeinsamkeiten bestehen. Vor allen Dingen sollten wir
den Trugschluß des vermeintlich Neuen
vermeiden ohne in eine ebenso gefährliche geistige Starrheit zu verfallen. Die Welt verändert sich wirklich. Wer hätte vor einem Jahrzehnt
Gorbatschow und "Glasnost" vorhersehen können? Wir hätten gelacht, wenn
uns jemand erzählt hätte, das sowjetische Regime werde bald Demonstrationen auf dem Roten Platz und Autonomiebestrebungen in den Baltischen Republiken tolerieren, die Werke von
Nabokow und Solschenitzyn veröffentlichen, einen ersten, unsicheren Versuch freier Wahlen wagen oder echte
Begrenzungen ihrer Streitkräfte anbieten.

zen würden - aber wir wären noch törichter, wenn wir die Geschehnisse
dort ignorieren würden. Wir im Westen müssen versuchen, diese Veränderungen zu verstehen, auf sie zu reagieren und sie weiter voranzutreiben.
Wir müssen dies gemeinsam tun. Diese
Veränderungen machen es zwingend erforderlich, daß Deutsche und Amerikaner enger zusammenarbeiten als je zuvor - selbst, wenn Veränderung auch
bedeutet, daß dies häufig schwieriger
erscheint als jemals zuvor.
Eine wichtige Veränderung hat besondere Auswirkungen auf die deutschamerikanische Freundschaft. Noch vor
wenigen Jahren wurde die politische
und intellektuelle Szene in der Bundesrepublik ebenso wie in den Vereinigten Staaten von denjenigen beherrscht, die lebhafte persönliche
Erinnerungen an den Krieg und die unmittelbare
Nachkriegszeit
hatten.
Nun ist hier eine neue Generation
herangewachsen,
deren
dominierende
Eindrücke
im
Hinblick
auf
die
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
von den Konflikten der sechziger und
siebziger Jahre geprägt wurden, nicht
von dem Wiederaufbau der späten vierziger oder der engen Zusammenarbeit
der fünfziger Jahre. In den Vereinigten Staaten gibt es eine "Nachfolgegeneration", die praktisch überhaupt kein Bild von Deutschland hat.
Während also unsere Zusammenarbeit in einer sich verändernden Welt
immer mehr an Bedeutung gewinnt,
nimmt unser Wissen über den Partner
ständig ab.
Das ist gefährlich.
Wenn wir nicht in der Lage sind, die
Gesellschaft des andern zu verstehen,
werden wir nicht effektiv miteinander
kommunizieren oder unsere jeweiligen
politischen Maßnahmen und Ziele richtig einschätzen können. Es ist deshalb unabdingbar, daß wir alles in
unserer Macht Stehende zur Gewährleistung der Kontinuität der deutschamerikanischen Freundschaft tun, indem wir unsere jungen Menschen zusammenbringen.

Wir wären töricht, wenn wir das
Tempo des Wandels 4a Orlen überschät- 4 -

Als

Botschafter

der

Vereinigten

�Staaten
in
der
Bundesrepublik
Deutschland beabsichtige ich, mich
voll und ganz für die Bewahrung der
Bindungen einzusetzen, die in den
vergangenen vierzig Jahren soviel zu
unserer Sicherheit und unserem Wohlstand beigetragen haben. Ich weiß,
daß Präsident Bush und viele andere
Amerikaner ebenso entschlossen sind,
dies zu tun. Ich weiß, daß viele
Mitglieder Ihrer Regierung, angefangen mit Bundeskanzler Kohl, die gleiche Überzeugung hegen. Aber nur mit
Ihrer Hilfe werden wir Erfolg haben.
Unsere politischen und wirtschaftlichen Beziehungen hängen letztlich von
persönlichen Beziehungen ab.
Auf
diesem Gebiet sind Sie, die Mitglieder der Deutsch-Amerikanischen Clubs
überall in diesem Land sowie ihre
Partnerorganisationen in den Vereinigten Staaten die wahren Experten.
Im Grunde meines Herzens bin ich
ein Optimist.
Über vierzig Jahre
lang hat das Bündnis seine Meinungsverschiedenheiten lösen können. Ich
spiele die heute bestehenden Differenzen nicht herunter. Aber ich bin
zuversichtlich, daß wir sie nicht nur
überwinden werden, sondern daß letztlich das Verhältnis zwischen unseren
beiden Ländern enger als je zuvor
sein wird.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

19

10. Mai 1989

STAND DER RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN
- Wöchentliche Übersicht -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über
den Stand der Verhandlungen über nukleare Kurzstreckensysteme, Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen sowie chemische Waffen.

Europäisch-amerikanische
über Kurzstreckenraketen
zu

Kontroverse
spitzt sich

Die
Kontroverse
über
atomare
Kurzstreckensysteme (SNF) - ob modernisiert, verhandelt oder eine Kombination von beidem vorgenommen werden
soll - hielt diese Woche an.
Die britische Premierministerin
Thatcher, die eine Modernisierung befürwortet, traf mit Bundeskanzler
Kohl zusammen, der für baldige Verhandlungen der NATO mit der Sowjetunion über Obergrenzen für atomare
Kurzstreckensysteme
und
Geschütze
eintritt.
Premierministerin
Thatcher ist
beunruhigt
über
die zahlenmäßige

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Überlegenheit der Sowjets bei SNF von
7:1. Ebenso wie Präsident Bush befürwortet sie ein Nachfolgesystem für
die derzeitige westliche Version der
Kurzstreckenrakete Lance und lehnt
Gespräche über einen Abbau der SNF
mit Moskau ab.
Premierministerin
Thatcher zufolge sind SNF "für die
NATO-Strategie der flexiblen Reaktion
unabdingbar".
Laut im Anschluß an das Treffen
vom 30. April 1989 in Deidesheim veröffentlichten Presseberichten gelang
es Thatcher und Kohl nicht, ihre Differenzen zu bereinigen. Premierministerin Thatcher, die auf einen Kommentar zur deutschen Position verzichtete, erklärte nur, die Gespräche
seien "sehr offen und sehr freundlich" gewesen.
Kohl zufolge werde

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�seine Regierung versuchen, in den Wochen vor dem NATO-Gipfeltreffen Ende
Mai "die Grundlage für eine gemeinsame Entscheidung" über SNF zu erarbeiten.
In Washington erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, am 3. Mai, die Aufnahme von
SNF-Verhandlungen mit der Sowjetunion
"wäre ein schwerer Fehler, da es keine gemeinsame Grundlage gibt, auf der
solche Verhandlungen aufbauen könnten
... weil Moskau die Beseitigung aller
Nuklearsysteme aus Europa anstrebt.
Eine solche Entnuklearisierung des
Kontinents würde dann die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion
zum entscheidenden Kriterium für die
Sicherheit Europas machen."
Präsident Bush "mißt Verhandlungen über konventionelle Streitkräfte
höchste Priorität bei", so Fitzwater.
"Wir müssen uns zuerst mit den konventionellen Streitkräften auseinandersetzen. Die Reihenfolge ist aufgrund der Überlegenheit bei den konventionellen Streitkräften entscheidend", über die die Sowjetunion und
ihre Verbündeten im Warschauer Pakt
verfügen, erklärte Fitzwater.
Paul Nitze, der ehemalige ChefUnterhändler bei den RUstungskontrollverhandlungen, erklärte der New York
Times gegenüber, es sei ein Fehler,
keine Gespräche mit der Sowjetunion
über SNF-Reduzierungen aufzunehmen.
Ihm zufolge könnte die Opposition der
Bundesrepublik gegen den amerikanischen Ansatz eine Krise für Bonn und
das gesamte NATO-Bündnis hervorrufen.
Die amerikanische Politik ist "für
Europa politisch unmöglich", stellte
er fest. Seinen Argumenten zufolge
übertrifft der sowjetische Bestand an
Kurzstreckenraketen den des Westens
und SNF-Gespräche könnten zur Behebung des Ungleichgewichts eingesetzt
werden. Er habe erst kürzlich Außenminister Baker über die möglichen
Folgen der von Bush bei Kurzstreckensystemen vertretenen Politik gewarnt.
Auf dem Capitol Hill legten in

der Zwischenzeit der Vorsitzende des
Streitkräfteausschusses des Senats,
Sam Nunn, gemeinsam mit Ausschußmitgliedern eine dreiteilige RUstungskontrollstrategie vor: die Bundesrepublik würde die Stationierung einer
Lance-Nachfolgerakete
akzeptieren;
die Vereinigten Staaten würden Verhandlungen über Kurzstreckensysteme
unter der Voraussetzung zustimmen,
daß die Obergrenze für diese Raketen
mindestens 50 Stück betragen würde
und SNF-Verhandlungen an Fortschritte
beim
Abbau
der
konventionellen
Streitkräfte in Europa gebunden seien.
Der amerikanische Verteidigungsminister Cheney erklärte Nunn gegenüber, er würde die Reduzierung des
sowjetischen
SNF-Bestands
auf ein
gleiches Niveau mit dem Westen begrüßen, wenn jedoch SNF-Verhandlungen
in die Wege geleitet würden, gäbe es
seiner Ansicht nach ernsthaften politischen Druck im Hinblick auf die
vollständige Beseitigung dieser Raketen. Er verwies darauf, daß die amerikanischen taktischen Nuklearraketen
in Europa nicht zur Abwehr sowjetischer Raketen sondern gegen sowjetische
konventionelle
Fähigkeiten
stationiert seien.
Cheney zufolge sei ein dreigleisiger Ansatz sicherlich eines Tages
in Erwägung zu ziehen, ebenso wie das
Weiße Haus bestehe er jedoch darauf,
daß die erste Priorität bei der Rüstungskontrolle dem Abbau konventioneller Streitkräfte zukomme.
Ebenfalls für SNF-Verhandlungen
trat eine überparteiliche Gruppe ehemaliger Vertreter der Regierungen
Reagan, Nixon und Carter ein - der
Ausschuß für Nationale Sicherheit -,
der am 1. Mai 1989 einen Bericht mit
dem Titel "Neues Denken in der sowjetischen Verteidigungspolitik - Neue
Chancen für amerikanische RUstungskontrollinitiativen" vorgelegt hatte.
Der Bericht stellt fest, "klügeres Strategiedenken, der interne politische Nutzen eines Abbaus für die
NATO und die Tatsache, daß die Recht-

�fertigung dieser (SNF) Waffen an sich
abnimmt" deuten alle auf eine Möglichkeit zur Reduzierung einer beträchtlichen Anzahl dieser Systeme
hin.
Darüber hinaus wird erklärt,
der bloße Beginn von SNF-Verhandlungen bedeute nicht zwangsläufig, daß
alle diese Waffen beseitigt werden
würden - was die Bush-Administration
vehement zu vermeiden versucht hat.

f

s

Der Bericht forderte ferner, Verhandlungen über die Verringerung der
strategischen Rüstungen (START) dürften nicht verzögert werden, "während
man auf Fortschritte beim Abbau konventioneller Rüstungen wartet", da
solche Verhandlungen sich aller Voraussicht nach in die Länge ziehen
würden.
Im Weißen Haus schloß Fitzwater
die Möglichkeit eines Kompromisses
zum Thema Verhandlungen nicht aus,
betonte jedoch: "Wir haben Position
bezogen."

Größere Offenheit
sprächen

bei

den

VSBM-Ge-

Die Vereinigten Staaten wollen
sich bei der neuen Runde der Wiener
Gespräche über Vertrauens- und Sicherheitsbildende
Maßnahmen
(VSBM)
auf größere Offenheit in den OstWest-Beziehungen konzentrieren, erklärte der amerikanische Chefunterhändler John Maresca.
In einem Interview mit der "Stimme Amerikas" erläuterte Maresca einige der in dieser Hinsicht vom Westen
unterbreiteten Vorschläge:
&gt;

Jährlicher
Informationsaustausch
unter den 35 in Wien verhandelnden
KSZE-Teilnehmerstaaten, der
eine Beschreibung aller Streitkräfte umfaßt.
Erweiterte Inspektionen. Zusätzlich zu den derzeitigen zwei Inspektionsmethoden - Beobachtung
militärischer Übungen und "Adhoc-Inspektionen"
militärischer
- 3

Aktivitäten - möchte der Westen
eine dritte Art der Inspektion
einführen, ... um die über Truppenstärke zur Verfügung gestellten Informationen auszuwerten das heißt, Inspektionen zu ermöglichen, solches Gerät wie Panzer
beispielsweise
routinemäßig
zu
zählen.
Solche
Inspektionen
könnten ein "besseres Bild darüber vermitteln, wie die normale
Truppenstärke aussieht".
Seminare, "bei denen führende Militärs zusammenkommen, ihre jeweilige
Politik erläutern und
Fragen beantworten würden".
Die neue Verhandlungsrunde ist
vom 5. Mai bis Mitte Juni 1989 vorgesehen.

Geringe
Fortschritte
chemischer Waffen

beim

Verbot

Beim am 27. April 1989 beendeten
ersten Teil der Genfer Abrüstungsverhandlungen wurde ein "gerüttelt Maß"
an technischen Einzelheiten für ein
Verbot chemischer Waffen erarbeitet,
bei umfassenderen Themen, wie beispielsweise der Verifizierung, wurden
jedoch nur "minimale" Fortschritte
erzielt, erklärt der amerikanische
Vertreter
bei
den
Verhandlungen,
James Granger.
Die aus 40 Nationen zusammengesetzte Genfer Abrüstungskonferenz hat
auf der Grundlage eines amerikanischen Vertragsentwurfs aus dem Jahr
1984 ein umfassendes und wirksames
weltweites Verbot der Entwicklung,
Produktion, Lagerung Weitergabe und
des Einsatzes chemischer Waffen zum
Ziel. Die Konferenz muß sich mit einer Tagesordnung von über 30 Verhandlungsthemen befassen.
Der "Höhepunkt" der in diesem
Jahr erzielten Fortschritte, erklärte
Granger dem US-Informationsamt (USIA)
gegenüber, bestand in probeweisen Inspektionen
ziviler
Chemiefabriken,
die von einigen Teilnehmerstaaten der

�Genfer
Abrüstungskonferenz,
einschließlich der Vereinigten Staaten,
durchgeführt worden waren.
"Diese probeweisen Inspektionen
der jeweiligen Länder haben gezeigt,
wie schwierig es ist, zivile Einrichtungen zu inspizieren, die mit der
Herstellung von Chemikalien befaßt
sind", führte Granger aus. Sollte
ein Vertrag erzielt werden, müßte jeder Unterzeichnerstaat die Inspektion
seiner chemischen Industrien zulassen, um sicherzustellen, daß sie keine chemischen Waffen oder verbotene
chemische Bestandteile
für solche
Waffen produzieren.
Weitere, in diesem Jahr bezüglich
der technischen Einzelheiten einer
Übereinkunft
erzielte
Fortschritte
beinhalten Granger zufolge Treffen
technischer Experten aus den jeweiligen Hauptstädten mit Delegationsmitgliedern in Genf über Listen chemischer Substanzen, die im Rahmen der
Übereinkunft verboten
oder streng
kontrolliert
werden
sollen.
Die
nächste dreimonatige Sitzungsperiode
der Genfer Abrüstungskonferenz ist
für den 13. Juni 1989 anberaumt.

*****

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

10. Mai 1989

19

ATOMARE KURZSTRECKENSYSTEME
- Eine Übersicht der ACDA -

Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 5. Mai 1989 herausgegebene Übersicht des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) zu
den atomaren Kurzstreckensystemen.
Landgestützte ballistische Raketen kurzer Reichweite (SNF) oder - in
der Sprachregelung
des Warschauer
Pakts taktische
und einsatzfä'hige
taktische ballistische Raketen - können Ziele in einer Entfernung von bis
zu 500 Kilometern treffen. Diese Systeme werden vom INF-Vertrag nicht
erfaßt. Der Warschauer Pakt hat bei
diesen Systemen gegenwärtig einen
überwältigenden Vorsprung.
Obwohl sowjetische Regierungsvertreter in jüngster Zeit darauf verwiesen haben, daß sie ihre Kurzstrekkensysteme nicht modernisieren werden, haben sie in den vergangenen
zehn Jahren bei diesen Systemen ein
umfangreiches Modernisierungsprogramm
verfolgt, das auch Raketen und nukleare Artillerie umfaßt.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der Gesamtumfang der in den letzten zehn Jahren erfolgten Modernisierung von Kurzstreckensystemen erlaubt
dem Warschauer Pakt die Modernisierung eines modernen und im höchsten
Maße effektiven, direkt gegenüber der
NATO stationierten Kurzstreckenarsenals.
Bis Anfang der achtziger Jahre
haben die Sowjets ihre zahlreichen,
alten und wenig zielgenauen Boden-Boden-Raketen des Typs FROG durch die
modernen,
zuverlässigen
und
sehr
treffsicheren
gelenkten
SS-21 ersetzt. Diese Modernisierungsmaßnahme
der Sowjets ist in Osteuropa fast
vollständig durchgeführt worden. Infolgedessen ist die Zahl der Abschußvorrichtungen für SS-21 unter Gorbatschow erheblich gestiegen.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Darüber hinaus haben die Sowjets
die
militärische
Fähigkeit
ihrer
SS-21 verbessert, indem sie Bataillone der SS-21 zu Brigaden unter zentraler Kontrolle der Armee ausbauen.
Diese Reorganisation gewährt längere
Abschußzeit und nutzt die Zuverlässigkeit und Zielgenauigkeit der SS-21
besser aus.
Die Sowjets ersetzen ihre Raketen
des Typs SS-23 (die dem INF-Vertrag
zufolge abgezogen und verschrottet
werden) durch die Rakete vom Typ SCUÜ
mit einer Reichweite von 300 Kilometern.
Als Ergebnis dieser Modernisierung und Umstrukturierung hat der
Warschauer Pakt jetzt eine ungleich
ernstzunehmendere Fähigkeit bei den
Kurzstreckensystemen. Aufgrund eigener Angaben ist der Warschauer Pakt
bei den nicht vom INF-Vertrag erfaßten Kurzstreckenraketen und Abschußvorrichtungen westlich des Urals im
Verhältnis
11,8 zu 1 überlegen.
(Quelle: Erklärung des Ausschusses
der Verteidigungsminister
im Warschauer Pakt "Zum Verhältnis der
Stärke von Streitkräften und Rüstungen des Warschauer Pakts und der NATO
in Europa und den angrenzenden Gewässern" vom 1. Juli 1988, veröffentlicht am 30. Januar 1989. In dieser
"Erklärung" behauptet der Warschauer
Pakt, die NATO habe 136 "Abschußvorrichtungen für taktische Raketen".
Diese Zahl schließt jedoch französische Abschußvorrichtungen für Kurzstreckenraketen ein, die nicht zur
NATO gehören, sondern der unabhängigen nationalen Abschreckung Frankreichs zuzurechnen sind).
Berechnungen der NATO zufolge haben die Sowjets bei den Abschußvorrichtungen für diese Systeme einen
Vorteil von 16:1. Die jährlich in
der Nuklearen Planungsgruppe zusammenkommenden
NATO-Verteidigungsminister haben die sowjetische Vormachtstellung bei den Kurzstreckensystemen
als "massiv und unannehmbar" bezeichnet.

Der Warschauer Pakt gibt zu, in
Europa westlich des Urals mehr als
1600 Raketen und Abschußvorrichtungen
der Typen FROG, SS-21 und SCUD zu besitzen. Davon sind mehr als 1 200
sowjetischen
Einheiten
zuzuordnen.
Allein die sowjetischen Streitkräfte
östlich des Urals übertreffen zahlenmäßig die Kurzstreckensysteme der
NATO, und diese Systeme sind natürlich mobil.
Die Absichtserklärung der Sowjets
zum Abzug von 24 Abschußvorrichtungen
für taktische Nuklearraketen hätte
bei ihrer Verwirklichung nur geringe
Auswirkungen
auf
die
sowjetische
Überlegenheit bei diesen Systemen, da
der Warschauer Pakt viel mehr dieser
Mehrzwecksysteme
(mit konventionellen, chemischen und nuklearen Fähigkeiten) besitzt als die NATO. Tatsächlich würden diese angekündigten
Reduzierungen weniger als zwei Prozent der Abschußvorrichten für die
Kurzstreckensysteme
des
Warschauer
Paktes ausmachen.
Darüber hinaus hat der Warschauer
Pakt einen erheblichen Vorteil bei
nuklearfähigen
Artilleriegeschützen.
Seit 1980 hat die Sowjetunion ältere,
gezogene Haubitzen durch neue Geschütze auf Selbstfahrlafetten ersetzt (einschließlich der Waffen mit
152, 203 und 240 mm), die viel mobiler sind und stärker feuern.
Die
neue Artillerie erhöht die Bandbreite
ihrer nuklearen Optionen auf einem
europäischen Kriegsschauplatz.
Am 12. April haben Minister der
Warschauer Pakt-Staaten Einzelgespräche über taktische Nuklearsysteme in
Europa verlangt und die NATO aufgefordert,
ihre
Nuklearstreitkräfte
nicht zu modernisieren. Im Hinblick
auf die Vorteile des Warschauer Pakts
bei diesen Systemen und angesichts
des zehnjähirgen Modernisierungsprogramms für die Kurzstreckensysteme
kommt dies nicht überraschend. Der
Warschauer Pakt scheint nur Widerspruch gegen die Modernisierung der
NATO und nicht gegen seine eigenen
Modernisierungen einzulegen.

�Perspektiven der NATO

d

Zur Erhaltung einer wirksamen und
glaubwürdigen Abschreckung
in den
neunziger Jahren muß die NATO ihre
kriegsschauplatzgebundenen
Nuklearstreitkräfte modernisieren. Die Verteidigungsstrategie der NATO basiert
auf der Abschreckung eines Krieges
durch vornestationierte Streitkräfte
und eine Politik der flexiblen Reaktion. Die NATO hat über Jahre hinweg
eine effektive Abschreckung aufrechterhalten, indem sie eine glaubwürdige
Mischung nuklearer und konventioneller Streitkräfte in Europa stationierte.
Diese Streitkräfte müssen
auf dem neuesten Stand gehalten werden.
Konventionelle
Verteidigungsmaßnahmen allein können keinen dauerhaften Frieden gewährleisten. Nur Nuklearwaffen können einen potentiellen
Aggressor mit einem inakzeptablen Risiko konfrontieren.
Aus diesen Grunde würde ein Verzicht auf die Modernisierung und Umstrukturierung
der
NATO-Nuklearstreitkräfte die Verteidigungsbande
zwischen den Vereinigten Staaten und

ihren europäischen NATO-Verbündeten
schwächen und gleichzeitig für die
Sowjets den Wert ihrer Überlegenheit
im konventionellen Bereich steigern.

,

Die NATO setzt sich weiterhin für
die Erhaltung der Mindestzahl an modernsten Nuklearwaffen ein, die erforderlich sind, um die konventionellen und nuklearen Streitkräfte der
Sowjets abzuschrecken. Seit 1979 hat
die NATO einseitig ihr Arsenal nuklearer Gefechtsköpfe in Europa um
2 400 und damit auf den niedrigsten
Stand seit zwanzig Jahren abgebaut.
Weitere Reduzierungen sind möglich,
wenn wir moderne Systeme stationieren.
* * * * *
- 3

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

' V O N **

19

10. Mal 1989
VSBM SIND VON OPTIMISMUS, REALITÄTSSINN UND VERNUNFT GELEITET
- Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Dem ChefUnterhändler bei den Wiener Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John
Maresca, zufolge ist das gegenwärtige Klima in den Ost-West-Beziehungen "zur
Förderung des Programms von Frieden und Sicherheit heute geeigneter als je zuvor in den letzten vierzig Jahren".
In seinem Vorwort zu einer Veröffentlichung des Außenministeriums zum Prozeß über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen mit dem Titel "Stärkung
der Stabilität durch Offenheit" erklärte Maresca, der Westen habe Grund, "über
die Aussichten zur Hinwendung in Richtung auf eine stabilere und sicherere Zukunft für Europa wahrhaft optimistisch zu sein".
Nachfolgend veröffentlichen wir das Vorwort und den Bericht des Außenministeriums in wesentlichen Auszügen:
Unser Ziel eines stabilen und sicheren Europa ist durch den KSZE-Prozeß in greifbare Nähe gerückt. Die
1986 in Stockholm erfolgte Verabschiedung einer Reihe militärischer
Vertrauens- und
sicherheitsbildender
Maßnahmen hat erheblich zu einem verbesserten Informationsfluß über militärische Aktivitäten beigetragen und
in diesem Bereich Berechenbarkeit und
Offenheit eingeführt. In Wien streben wir eine Erweiterung der Maßnahmen von Stockholm an, um den sich auf
gegenseitigen
Respekt,
Kooperation
zwischen Ost und West und gemeinsames
Interesse an Sicherheit und Stabilität gründenden Prozeß der Vertrauens- und Sicherheitsbildung zu fördern.
Wir

können

über

die Aussichten

United States Information Service
Embassy of the United States of America

für Schritte in Richtung auf eine
stabilere und sicherere Zukunft für
Europa wahrhaft optimistisch sein.
Das Klima in den Ost-West-Beziehungen
ist zur Förderung des Programms von
Frieden und Sicherheit heute geeigneter als je zuvor in den letzten vierzig Jahren.
Das Versprechen eines
"Neuen Denkens" in der Sowjetunion
und anderen Ländern Osteuropas birgt
in sich die Möglichkeit eines Wandels
in der Einstellung dieser Regierungen
gegenüber ihren Nachbarn und Bürgern.
Unser Optimismus sollte jedoch
von Realitätssinn und Vernunft geleitet sein. Ebenso wie Chancen bestehen, die es zu nutzen gilt, gibt es
Realitäten, die wir nicht ignorieren
dürfen.
Der kalte Krieg war kein
Trugbild, sondern eine reale weltpo-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�litische Tatsache mit erkennbaren
Merkmalen: der politischen Teilung
Europas,
der
Militarisierung
der
Ost-West-Beziehungen und dem Wettbewerb zwischen zwei im großen ud ganzen unvereinbaren Gesellschaftssystemen und Volkswirtschaften.
Obwohl
eine Verbesserung in den Ost-West-Beziehungen stattgefunden hat, bleibt
die Teilung Europas bis heute bestehen.
Es kann nicht erwartet werden,
daß einzelne Länder ihre Streitkräfte
abbauen, wenn sie nicht darauf vertrauen können, daß ihre Nachbarn ihnen gegenüber keine feindlichen Absichten hegen. Massive Stationierungen von Offensivstreitkräften des
Warschauer
Pakts
in
Mitteleuropa
schaffen keine Vertrauensbasis. Wenn
dann noch geschlossene Grenzen, Unterdrückung politischer und gewerkschaftlicher Vereinigungen und die
Verschleierung hinzukommt, die bei
nahezu allen militärischen Angelegenheiten des Warschauer Pakts stattfindet, ist es nicht verwunderlich, daß
der Westen vierzig Jahre lang seine
Nachh. rt» im Osten mit Mißtrauen und
An^st betrachtet hat.
Die Sicherheit einzelner Länder
kann mit militärischen Mitteln allein
weder eindeutig gemessen noch letztlich erreicht werden.
Tatsächlich
ist die militärische Konfrontation,
die Europa seit vierzig Jahren belastet, Auswirkung - nicht Ursache der politischen und sozialen Teilung
des Kontinents. Echte und dauerhafte
Sicherheit für alle Länder und Völker
Europas kann nur auf einer Grundlage
des Vertrauens geschaffen werden: dem
Vertrauen der Länder in ihre Nachbarn
und dem Vertrauen der Bürger in ihre
Regierungen.
Unsere Bestrebungen sind somit
nur Teil eines umfassenderen Prozesses. Das von uns angestrebte Vertrauen und die Offenheit bei militärischen Angelegenheiten muß auf das
Verhältnis zwischen Regierungen und
Regierten in ganz Europa erweitert
werden. Nur wenn Ideen Menschen und

Informationen
Grenzen
frei
überschreiten können und einzelne Menschen überall ein Mitspracherecht bei
Entscheidungen haben, die ihr Leben
betreffen, werden wir in der Lage
sein, ein wahrhaft sicheres und stabiles Europa hervorzubringen.
Die von uns in Wien geführten
Verhandlungen sind ein wichtiger Teil
dieses Gesamtbildes. Sie zielen auf
erhöhte Stabilität und Sicherheit in
Europa durch größere Offenheit und
gegenseitiges Verständnis im militärischen Bereich ab. Bei diesem Unternehmen erzielte Erfolge können nur
an verbesserter Sicherheit für alle
35 Teilnehmerstaaten gemessen werden.
Wir werden uns bei diesen Verhandlungen auf kein Abkommen einlassen, das
die Fähigkeit des Westens zu seiner
eigenen Verteidigung aushöhlt.
Wir werden als Teil unserer kontinuierlichen Aufgabe für einen Beitrag zu Stabilität und Sicherheit
dieses Kontinents alle Möglichkeiten
ausloten und alle Vorschläge in Erwägung ziehen. Wir erwarten, daß alle
35 Staaten dieser Zielsetzung zustimmen. Wir sind in diesem Bereich vorsichtig, nicht etwa naiv.
Wir hoffen inständig
daß diese
/erhandlungen
zur
Sicherheit
und
letztlich zur Freiheit aller Europäer
beitragen werden.

Die Rolle der Vertrauensbildung
der Rüstungskontrolle

in

Vertrauens- und
sicherheitsbildende Maßnahmen haben in jüngster
Zeit Eingang in den Sprachschatz gefunden. Im Gegensatz zu traditionellen
Rüstungskontrollverhandlungen,
die Kriegswaffen zu reduzieren suchen, betreffen VSBM keine Begrenzungen von Fähigkeiten der Streitkräfte
oder deren Struktur. Vielmehr versuchen sie die Wahrscheinlichkeit zu
verringern, daß diese Waffen jemals
eingesetzt werden. VSBM zielen auf
den Abbau von Mißtrauen und Mißverständnissen über militärische Fähig-

�keiten und Absichten ab, indem sie im
militärischen Umfeld mehr Offenheit
und Berechenbarkeit schaffen.
Jüngste Verbesserungen
in den
Ost-West-Beziehungen
wie etwa der
1987 zwischen den Vereinigten Staaten
und der Union Sozialistischer Sowjetrepubliken geschlossene Vertrag über
die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und kürzerer Reichweite (INF) haben in Europa und Nordamerika neue
Hoffnungen auf ein bevorstehendes
Zeitalter
anhaltender
Fortschritte
beim Abbau von Waffen geweckt. Tatsächlich führen Ost und West gegenwärtig eine große Bandbreite von Rüstungskontrollverhandlungen
über
strategische, konventionelle und chemische Waffen.
Insbesondere diese Verhandlungen
über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen konzentrieren sich
auf ein grundsätzliches Problem der
Rüstungskontrolle - das Problem gegenseitigen Mißtrauens.
Mit einer
Reihe ausgehandelter Maßnahmen zur
Verbesserung der Offenheit und Transparenz in militärischen Angelegenheiten erhöhen die 35 KSZE-Teilnehmerstaaten den Informationsumfang über
die militärischen Fähigkeiten und Absichten des jeweils anderen stufenweise. Die Verhandlungen gehen von
der Annahme aus, daß verbesserte
Transparenz und Offenheit das Risiko
eines Krieges durch Fehlkalkulation
verringern kann. Tatsächlich können
Ost und West nur in einem Klima gegenseitigen Vertrauens Fortschritte
im Hinblick auf größere Sicherheit
auf niedrigeren Streitkräfteniveaus
erzielen.
Aber das Konzept des Vertrauens
geht über militärische Angelegenheiten hinaus.
Der Westen betrachtet
die militärische Konfrontation in Europa als Auswirkung - nicht als Ursache - der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Teilung des Kontinents.
In der Nachkriegszeit waren
die militärischen Fähigkeiten und Absichten der Sowjetunion und ihrer
Verbündeten in Osteuropa lange ver-

schleiert.
Mißtrauen und Mißverständnisse
beherrschten
die
OstWest-Beziehungen.
Das
Ziel
des
KSZE-Prozesses besteht in der gleichzeitigen Förderung militärischer Sicherheit, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und humanitärer Werte und damit in der Veränderung des Charakters
dieser Beziehungen.

Bilanz der Durchführung des Stockholmer Schlußdokuments von 1986
Die VSBM des Stockholmer Schlußdokuments traten am 1. Januar 1987 in
Kraft. In den ersten beiden Jahren
der Durchführung von KVAE haben sich
viele KSZE-Staaten aktiv an der Verwirklichung des Stockholmer Schlußdokuments beteiligt.
KVAE-Jahresplanung.
Mehr
als
die Hälfte der KSZE-Staaten haben ihre Jahresplanung zu militärischen Aktivitäten vorgelegt. Einige geplante
Aktivitäten sind zurückgestellt oder
abgesagt worden und in einigen Fällen
sind angekündigte Aktivitäten in die
Kalender aufgenommen worden.
KVAE-Benachrichtung.
Zum
31.
März 1989 sind der KVAE insgesamt 97
Aktivitäten angezeigt worden.
Eine
Benachrichtigung
ist erfolgt über
sechs Aktivitäten ohne Vorabinformation, d.h. über Übungen für den
Ernstfall, die alle von NATO-Staaten
durchgeführt wurden. Die NATO-Staaten haben 38 Aktivitäten angezeigt,
einige freiwillig, da die Zahl der
beteiligten
Streitkräfte
unterhalb
der Grenze lag, die eine Benachrichtigung zwingend erforderlich macht.
Die Warschauer Pakt-Staaten haben 53
Aktivitäten gemeldet und darüber hinaus freiwillige Meldungen gemacht.
Neutrale und blockfreie Staaten haben
sechs Aktivitäten gemeldet.
Im ersten Jahr haben zahlreiche
Staaten bei der Erstellung einzelner
Meldungen Fehler oder Auslassungen
begangen. Ferner gab es bei der Bereitstellung fristgerechter Meldungen
technische Probleme.
Manche Länder

- 3 -

�lieferten umfassendere Beschreibungen
und Informationen als andere. Andere
Länder lieferten Informationen, die
über die im Schlußdokument festgelegten Anforderungen hinausgingen. Die
meisten Diskrepanzen oder Unstimmigkeiten konnten korrigiert werden,
nachdem die einzelnen Länder mit den
Anforderungen vertraut waren.
KVAE-Beobachtungsprogramme.
Insgesamt gab es 36 Beobachtungsprogramme zu militärischen Aktivitäten,
zu denen alle KSZE-Länder eingeladen
wurden. Die NATO-Staaten haben 18,
der Warschauer Pakt 15 Beobachtungsprogramme durchgeführt. Die neutralen und blockfreien Staten haben drei
Programme abgehalten, von denen eines
auf freiwilliger Basis stattfand.
Obwohl die Warschauer Pakt-Staaten nur einige ihrer militärischen
Aktivitäten meldeten und ihre zu beobachteten Aktivitäten niemals für
alle KSZE-Staaten öffneten - wie es
den Bestimmungen der Schlußakte von
Helsinki entspräche - ist ihre Durchführung des Stockholmer Schlußdokuments doch ermutigend.
Im Laufe des Jahres 1988 wurden
von amerikanischen Beobachtern Verbesserungen bei vielen Beobachtungsprogrammen des Warschauer Pakts wahrgenommen, aber die Sowjetunion ist
weiterhin im Hinblick auf ihre Bestimmungen zur Beobachtung wenig entgegenkommend.
Die Sowjetunion legt
oftmals die Beobachtungsmodalitäten
sehr eng aus und liefert häufig nur
eine Minimierung
an Informationen
über die Aktivität, zu der Beobachter
Zugang haben. Amerikanische Beobachter haben an allen sowjetischen Beobachtungsprogrammen teilgenommen und
festgestellt, daß die Sowjets nicht
auf Fragen oder Forderungen nach Veränderungen ihrer Beobachtungsprogramme reagiert haben und nur begrenzte
Kontaktmöglichkeiten zu den beteiligten Streitkräften schaffen.
KVAE-Inspektionen.
In den Jahren 1987 und 1988 wurden Inspektionen
zum integralen Bestandteil der Stock-

holmer Vereinbarungen.
Seit März
1989 sind insgesamt 18 KVAE-Inspektionen durchgeführt worden: neun vom
Westen und neun vom Osten. An acht
der neun vom Osten durchgeführten Inspektionen
waren
amerikanische
Streitkräfte beteiligt.
Der vom Westen bei den Wiener
Verhandlungen
über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende Maßnahmen unterbreitete Vorschlag
Am 9. März 1989, dem Eröffnungstag der Wiener Verhandlungen über
Vertrauens- und
Sicherheitsbildende
Maßnahmen, schlugen die 16 westlichen
Verbündeten eine Reihe durchgreifender und integrierter Maßnahmen vor,
die darauf abzielen, den Prozeß der
Vertrauensbildung in Europa voranzutreiben.
Die 12 Maßnahmen werden
ebenso wie der damit in Verbindung
stehende Vorschlag für einen Gedankenaustausch über Militärdoktrin und
deren Anwendung auf die derzeitigen
Truppenstationierungen im folgenden
beschrieben.

I.
Transparenz
nisationen

militärischer

Orga-

Diese Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, größere Offenheit und mehr
Vertrauen bezüglich der Streitkräfteaufstellung des jeweiligen Teilnehmerstaats herbeizuführen. Dies wird
durch regelmäßigen Informationsaustausch über die Landstreitkräfte in
der Zone sowie über wichtige Waffenstationierungsprogramme erzielt.
Maßnahme 1: Austausch militärischer
Informationen
Die Teilnehmerstaaten werden Informationen über militärische Organisation, Anzahl von Streitkräften und
Gerät in der Zone austauschen. Dies
beinhaltet jährlichen Austausch von
Informatioen über:
—

die
Kommandoorganisation
der
Landstreitkräfte in der Zone;

�diese zeitlich begrenzten Besichtigungen
werden
von
Personen
durchgeführt,
die
bereits
im
Gastland akkreditiert oder vom
besuchenden Staat dafür bestimmt
worden sind;

die Bestimmung der Heeresgroßverbände, bis hin zur Divisionsebene;
die
normalen
Friedensstandorte
dieser Einheiten;
die Personalstärke dieser Einheiten;

Beobachtern wird die Besichtigung
der wichtigsten Waffensysteme und
Geräte gestattet;

die wichtigsten Waffensysteme und
das diesen Einheiten zugeteilte
Gerät;
Landgestützte Lufteinheiten
deren Flugzeugstärke.

die entsprechenden Vorkehrungen
für den Beobachtungsbesuch werden
vom Gastland veranlaßt, dessen
Vertreter das Beobachterteam jederzeit begleitet.

und

Dies beinhaltet ferner die unverzügliche Benachrichtigung über:
die Verlegung von Heeresgroßverbänden innerhalb der Zone von einem Friedensstandort zu einem anderen, wie oben ausgeführt;
die Einberufung einer beträchtlichen Anzahl von Reservisten.

II. Transparenz und Berechenbarkeit
militärischer Aktivitäten
Diese Maßnahmen bauen auf den in
Stockholm vereinbarten Maßnahmen auf
und stellen eine Verbesserung dar, da
sie größere Offenheit zur Folge haben
und die Berechenbarkeit militärischer
Aktivitäten verbessern.

Maßnahme
2:
Informationsaustausch
über die wichtigsten Stationierungsprogramme für konventionelle Streitkräfte.

Maßnahme 4: Verbesserte Informationen bei der Jahresplanung

Jeder Teilnehmerstaat wird die
anderen über die in Maßnahme 1 genannten
wichtigsten
konventionelle
Waffensysteme und das Gerät informieren, das er in der KVAE-Zone über einen bestimmten Zeitraum hinweg bei
seinen Streitkräften einzuführen gedenkt.

Die Teilnehmerstaaten werden bei
ihrer
Jahresplanung
umfangreichere
und detailliertere Informationen über
zukünftige militärische Aktivitäten
zur Verfügung stellen. Diese beziehen sich auf Bestimmung, Anzahl und
Art der Heeresverbände bis hin zur
Divisionsebene, die zur Teilnahme an
angemeldeten Aktivitäten in der Zone
vorgesehen sind.

Maßnahme 3: Schaffung eines Stichproben-Auswertungssystems
Um die gemäß Maßnahmen 1 und 2
gelieferten Informationen auswerten
zu können, werden die Teilnehmerstaaten ein Stichproben-Auswertungssystem
einführen, mit dem:
sie das Recht auf vorher angekündigte Besichtigungen von Friedensstandorten gemäß Maßnahme 1
haben;

Maßnahme 5: Verbesserte Informationen bei der Benachrichtigung
Zur Verbesserung der Benachrichtigung über militärische Aktivitäten
werden die Teilnehmerstaaten umfangreichere und detailliertere Informationen über das Engagement ihrer
Streitkräfte, die wichtigsten Waffensysteme sowie das bei solchen Aktivitäten der Landstreitkräfte eingesetzte Gerät zur Verfügung stellen.

- 5 -

�Maßnahme 6: Verbesserung der Beobachtungsmodalitäten
Die Teilnehmerstaaten werden die
Beobachtung durch detailliertere Informationsveranstaltungen,
Bereitstellung besserer Karten und den Einsatz von mehr BeobachtungsgerMt erleichtern. Um die Möglichkeiten des
Beobachters zur Auswertung des Umfangs der Aktivitäten zu verbessern,
werden die Teilnehmerstaaten darüber
hinaus ermutigt, eine Luftaufnahme
des
tlbungsgebiets
bereitzustellen.
Ferner wird die Dauer des Beobachtungsprogramms erweitert.

Maßnahme 7: Lockerung der Beobachtungsmodalitäten
Die Teilnehmerstaaten werden Beobachter zu angemeldeten Aktivitäten
einladen, wenn die Anzahl der eingesetzten Soldaten 13 000 oder mehr beträgt oder wenn über 300 Panzer daran
teilnehmen.

Maßnahme 8: Verbesserung der Inspektionsobergrenzen
Die Teilnehmerstaaten werden folgende Maßnahmen zur wesentlichen Verbesserung der Inspektionen verabschieden:
Erhöhte Anzahl
tionen;

passiver

Inspek-

Verkürzung des Zeitraums zwischen
Inspektionsantrag und Zugang der
Inspektoren zum benannten Gebiet;
Auf Antrag der Inspektoren Erlaubnis zu einer Luftaufnahme vor
Beginn der Inspektion;
-

Verbesserung von Gerät und Fernmeldeeinrichtungen, die das Inspektionsteam benutzen darf;

Verbesserung der Informationsveranstaltungen für die Inspektoren.

Maßnahme 9: Lockerung der Obergrenze
für längerfristig anberaumte Benachrichtigung größerer Aktivitäten
Die Teilnehmerstaaten werden keine militärischen Aktivitäten durchführen, die vorheriger Benachrichtigung unterliegen und mehr als 50 000
Soldaten umfassen, es sei denn, sie
fallen unter
die im Stockholmer
Schlußdokument vereinbarten Regelungen.

III.

Kontakte und Kommunikation

Diese Maßnahmen
durch Kommunikation
militärischer Ebene
die militärischen
Teilnehmerstaaten zu

zielen darauf ab,
und Kontakte auf
das Wissen über
Fähigkeiten der
verbessern.

Maßnahme 10: Verbesserter Zugang für
akkreditiertes Personal, das mit militärischen Angelegenheiten befaßt ist
Um das Prinzip größerer Offenheit
in militärischen Angelegenheiten zu
verwirklichen und das gegenseitige
Vertrauen zu stärken, werden die
Teilnehmerstaaten die ReiseVorkehrungen des mit militärischen Aktivitäten
befaßten akkreditierten Personals erleichtern und ihm bei der Kontaktaufnahme mit Regierungsvertretern behilflich sein.
Einschränkungen für
akkreditiertes Personal in der KVAEZone sollten gelockert werden.

Maßnahme 11: Entwicklung von Kommunikationsmitteln
Zusätzlich zur Benutzung der diplomatischen Kanäle für die Übermittlung von mit den vereinbarten Maßnahmen in Verbindung stehenden Fakten
(Terminpläne, Benachrichtigung usw.)
werden die Teilnehmerstaaten ermutigt, weitere Vorkehrungen in Erwägung zu ziehen, um den schnellstmöglichen Austausch von Informationen
sicherzustellen.

�Maßnahme 12: Gleiche Behandlung der
Medienvertreter
Die Teilnehmerstaaten werden ermutigt, Medienvertretern die Teilnahme an beobachteten militärischen Aktivitäten zu gestatten; wenn Medienvertreter eingeladen werden, wird das
Gastland diese Vertreter aller Teilnehmerstaaten zulassen und sie unterschiedslos behandeln.

Gedankenaustausch Über Militärpolitik
Vertrauensbildung ist ein dynamischer Prozeß, der durch den offenen
und freimütigen Gedankenaustausch erweitert wird und darauf ausgerichtet
ist, Mißverständnisse
und falsche
Darstellungen
der
militärischen
Fähigkeiten abzubauen.
Zu diesem
Zweck werden die Teilnehmerstaaten
bei den bevorstehenden Verhandlungen
von folgenden Möglichkeiten Gebrauch
machen:
Erörterung von die Durchführung
der im Stockholmer Schlußdokument
vereinbarten Regelungen betreffenden Themen;
In Veranstaltungen mit Seminarcharakter Diskussion der Militärdoktrin im Zusammenhang mit Einsatzkonzept und Struktur der konventionellen Streitkräfte in der
KVAE-Zone, einschließlich:
Informationsaustausch über
jährlichen Militärausgaben;

ihre

Informationsaustausch
über
die
Ausbildung ihrer Streitkräfte unter
Verwendung
militärischer
Handbücher;
Verdeutlichung von Entwicklungen,
die zu Unsicherheit Anlaß geben,
wie beispielsweise Veränderungen
bei Anzahl und Ablauf der angemeldeten militärischen Aktivitäten.

* * * * *

- 7 -

�AMERIKA DIENST
'VON'^

Wissenschaft und Technik
10. Mai 1989

19

RADARSONDE MAGELLAN AUF DEM WEG ZUR VENUS
In 270 km Höhe von Bord des Raumtransporters ATLANTIS gestartet

(AD) "Präzision"
war
das
Schlüsselwort sowohl für den Start
des Raumtransporters ATLANTIS min
seiner interplanetaren Fracht, der
Venussonde Magellan, am 4. Mai 1989
von Kap Canaveral, als auch für das
Absetzen der Sonde und Zünden ihrer
Triebwerke in der Erdumlaufbahn. Das
sogenannte Startfenster war seit dem
28. April täglich nur kurze Zeit geöffnet und schließt sich am 28. Mai
1989 wieder für zwei Jahre. Nur innerhalb dieser vier Wochen hatte ein
zum richtigen Tageszeitpunkt vorgenommener Start Sinn, wenn die VenusRadarsonde MAGELLAN ihr Ziel überhaupt erreichen soll. Damit ist im
August 1990 zu rechnen. Bis dahin
wird sie aus einer Erdumlaufbahn abgeschossen und auf interplanetare Geschwindigkeit beschleunigt, die Sonne

United States Information Service
Embassy of the United States of America

eineinhalb Mal umrundet und sich ihr
dabei auf die Entfernung der VenusUmlaufbahn genähert haben. Um in eine Umlaufbahn um den Planeten Venus
eintreten zu können, ist dann so
starkes Abbremsen erforderlich, daß
die Instrumente einem Druck standhalten müssen, der 10 g, d.h. der zehnfachen Erdbeschleunigung, entspricht.
Wenige Stunden nach dem Eintritt
von ATLANTIS in die Erdumlaufbahn
(Höhe 270 km, Neigung zum Äquator
28,9 Grad) hatten Kommandant David M.
Walker und Kopilot Ronald J. Grabe
das Fluggerät durch komplizierte Lagesteuerungsmanöver in eine ganz bestimmte Position zu bringen:
Das
Heck der ATLANTIS mußte in Flugrichtung, der "Bauch" in Richtung Sonne
und die geöffnete Ladebucht mit der

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Nutzlast MAGELLAN in Richtung Erde
stehen. Denn bis zum Absetzen sollte
die Sonde weder extremer Hitze noch
Kälte ausgesetzt sein, außerdem vor
dem Aufprall von Sauerstoffatomen,
die auch in der dünnen Hochatmosphäre
noch vorhanden sind, auf empfindliche
Instrumente geschützt werden.
Die
drei
Missionsspezialisten
Norman E. Thagard, Mary L. Cleave und
Mark C. Lee waren verantwortlich dafür, daß alle Prozeduren zum überprüfen und Aktivieren der Systeme des
3,5 Tonnen schweren und 6,3 m langen
Forschungssatelliten samt der Systeme
seiner
zweistufigen
Antriebsrakete
(Gewicht: 9,1 Tonnen) ordnungsgemäß
durchgeführt
wurden.
Rund
sechs
Stunden
nach
dem
Eintritt
von
ATLANTIS in den Erdorbit schwebte
MAGELLAN, von Befestigungen gelöst
und durch einen Federmechanismus in
Bewegung gesetzt, aus der Ladebucht.
Walker setzte den Raumtransporter zurück und steuerte in eine etwas tiefere Bahn, um in sicherem Abstand die
Zündung der ersten Feststoff-Raketenstufe der MAGELLAN-Sonde abzuwarten.
Für die Zündung selbst war der Leiter
der Abteilung Weltraumwissenschaften
der NASA (US-Behörde für Luftund
Raumfahrt), Dr. L.A. Fisk, verantwortlich.
Zuvor waren bereits die
Sonnenenergie-Kollektoren des interplanetaren
Fluggeräts
ausgefahren
worden, um sie vor Erschütterungen
besser zu schützen. Die zweite Raketenstufe beschleunigt kurze Zeit später die Sonde auf die notwendige Geschwindigkeit für die interplanetare
Reise.
Nach
der
PIONIER-VENUS-Mission
vom Jahr 1978 haben Planetenforscher
in den USA und mit ihnen zahlreiche
ausländische Kollegen ab August 1990
wieder Gelegenheit, über ein amerikanisches Forschungsgerät topographische Daten von der Oberfläche des
Planeten Venus zu bekommen. Da dieser ständig von dichten Wolken verdeckt ist, sind Fernrohruntersuchungen nicht möglich. Für die Radarstrahlen der MAGELLAN-Sonde sind die
Wolken jedoch durchlässig. Im Gegen-

satz zu den Radarbildern früherer
amerikanischer und sowjetischer Venus-Sonden, auf denen die kleinsten
erkennbaren Objekte ca. 600 m Durchmesser haben, dürfte das Auflösungsvermögen bei den von MAGELLAN übermittelten Bildern bei 60 bis 90 m
liegen. Das bedeutet, daß viel mehr
Einzelheiten auf der teilweise sehr
gebirgigen und zerklüfteten Oberfläche unseres "Schwesterplaneten" ausgemacht werden können.
Nach dem Freisetzen von MAGELLAN
standen für die ATLANTIS-Astronauten
Erdbeobachtungen und einige wissenschaftliche und technische Experimente auf dem Programm. Vier Tage nach
ihrem Start kehrten sie zur Erde zurück und landeten mit dem Orbiter auf
dem Lufthafenstützpunkt Edwards in
Kalifornien.

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Walters zum Stand der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Botschafters bei der Eröffnung der 35. deutsch-amerikanischen Freundschaftswoche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Stand der Rüstungskontrollverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wöchentliche Übersicht&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atomare Kurzstreckensysteme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der ACDA &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;VSM sind von Optimismus, Realitätssinn und Vernunft geleitet &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Publikation des Außenministeriums zu den VSBM-Verhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Radarsonde MAGELLAN auf dem Weg zur Venus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;In 270 km Höhe von Bord des Raumtransporters ATLANTNIS gestartet&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z 12462 C

10. Mai 1995

17

KRIEGSENDE

CLINTON WÜRDIGT DAS VERMÄCHTNIS DES
ZWEITEN WELTKRIEGS - FRIEDEN UND
HOFFNUNG
Ansprache auf dem Soldatenfriedhof Arlington

KRIEGSENDE IST SIEG DES MENSCHLICHEN
GEISTES
Rede von Vizepräsident Gore in Berlin

USA-IRAN

CLINTON VERHÄNGT HANDELSEMBARGO
GEGEN IRAN
Kritik an iranisch-russischem Nukleargeschäft

WIRTSCHAFT

WIRTSCHAFTLICHE STILE UND
TRANSATLANTISCHE WIRTSCHAFTSKULTUR
Rede von Janice F. Bay

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�KRIEGSENDE
10. Mal 1995

Clinton würdigt das Vermächtnis
des Zweiten Weltkriegs - Frieden und Hoffnung
Ansprache auf dem Soldatenfriedhof Arlington
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat die Amerikaner dazu aufgefordert, sich von der Generation des
Zweiten Weltkriegs, "die den Krieg gewann und anschließend sicherstellte, daß wir den Frieden nicht verloren",
inspirieren zu lassen.
Bei militärischen Feierlichkeiten aus Anlaß des 50. Jahrestags des Sieges der Alliierten in Europa (Victory in
Europe Day, V-E Day) hob der Präsident hervor, die Amerikaner jener Generation hätten die Wirtschaftskrise
überwunden und im blutigsten Krieg der Weltgeschichte die Oberhand gewonnen.
"Aufgrund all dessen, was Sie getan haben, lebt unsere Nation in einem Augenblick der Hoffnung und in
Frieden", erklärte er den in Fort Myer in Arlington (Virginia) versammelten Veteranen.
Clinton hielt die Rede kurz vor seiner Abreise nach Moskau, wo er an den Feierlichkeiten aus Anlaß der
Beendigung des "Großen Vaterländischen Krieges" - wie er in der Sowjetunion genannt wird - teilnahm, in dem
27 Millionen sowjetische Soldaten und Zivilisten getötet wurden.
Die Veteranen "haben uns die wichtigste Lektion gelehrt: Daß wir uns gegen die Kräfte der Dunkelheit
durchsetzen können und daß wir uns gegen sie durchsetzen müssen. Daher stehen wir in Ihrer Schuld",
äußerte der Präsident, dessen Rede wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Ich danke Ihnen, Oberst Mclntosh, für Ihre bemerkenswerten Worte und Taten. General Shalikashvili,
Minister Perry, Minister Brown, Pater Sampson,
meine Damen und Herren Kongreßabgeordnete,
verehrte Mitglieder der Streitkräfte, verehrte Gäste
und amerikanische Veteranen.
Insbesondere
begrüße ich unsere Ehrengäste, die Veteranen des
Zweiten Weltkriegs.
Auf den Tag genau vor fünfzig Jahren verstummten
in Europa die Waffen. Ein langer Schatten, der auf
den gesamten Kontinent gefallen war, wich von ihm.
Die Krieger der Freiheit jubelten. Heute, fünfzig
Jahre später, kommen wir zusammen, um uns ihres
Triumpfs zu erinnern, ihrer Opfer zu gedenken und
uns erneut den Idealen zu verschreiben, für die sie
kämpften und für die so viele von ihnen starben.
Bis zum V-E Day hatten von den Stränden an der
Normandie bis zu den Toren Moskaus ungefähr 40
Millionen Menschen ihr Leben gelassen. Hinter
diesen enormen, aber unpersönlichen Zahlen
verbargen sich Millionen und Abermillionen persönlicher Tragödien: Soldaten wurden erschossen und
von Kriegsgerät in Stücke gerissen, Kriegsgefangene

AMERIKA DIENST 17

starben an Hunger und Krankheit, Kinder wurden
unter den Trümmern ausgebombter Gebäude begraben, ganze Familien wurden lediglich aufgrund ihrer
Herkunft ausgemerzt. Und durch jeden Tod wurden
noch mehr Menschen physisch und emotional verwundet. Sie überlebten, aber ihr Leben wurde nie
mehr wie früher.
Bei Kriegsende wurde ein achtjähriger Junge, bereits
ein Veteran von Bombenangriffen und Schutzbunkern, gefragt, was er als Erwachsener sein wollte.
Seine Antwort bestand aus einem Wort: "Lebendig".
Das amerikanische Volk, das sicher auf unserem
Kontinent lebte und durch die Erinnerungen an den
letzten Krieg ernüchtert war, war nicht begierig, sich
an dem Kampf zu beteiligen. Es wurde jedoch durch
den außerordentlichen Mut der Briten aufgerüttelt, die
in Europas dunkler Nacht ganz alleine die leuchtende
Fackel der Freiheit hochhielten. Getrieben von der
leidenschaftlichen Sehnsucht nach Freiheit, angespornt von der klugen Führung Präsident Roosevelts
und letztlich provoziert durch die Niedertracht von
Pearl Harbor zogen die Amerikaner in den Krieg.

Seite 1

�Es wurde eine alles verzehrende Anstrengung.
Millionen wurden hier an der Heimatfront zu Helden.
Sie bauten die Flugzeuge, die Schiffe, die Panzer,
die Lastwagen, die die Alliierten Streitkräfte in die
Schlacht brachten. Sie kauften Staatsanleihen, um
den Krieg zu finanzieren. Sie sammelten Alteisen
zur Waffenherstellung, abgenutztes Gummi zur
Reifenproduktion, Fettreste für Explosivstoffe, und 20
Millionen Menschen legten ihren eigenen Gemüsegarten an, um die Nahrungsmittelversorgung der
Nation zu sichern.
Frohen Mutes brachten sie Opfer, rationierten
Nahrungsmittel und Kleidung und beschränkten sich
auf 11 Liter Benzin pro Woche. Und Präsident
Roosevelt gab ihnen den Willen, weiterzumachen.
"Es gibt eine Front und eine Schlacht", erklärte er,
"wo jeder in den Vereinigten Staaten - jeder Mann,
jede Frau und jedes Kind - in Aktion ist. Diese Front
ist hier in der Heimat."
Jenseits des Ozeans widmeten ihre Väter und
Brüder, Mütter und Schwestern, Freunde und
Nachbarn die besten Jahre ihres Lebens diesem
schrecklichen Krieg. Einige von ihnen gehörten zu
den größten Führungspersönlichkeiten unseres
Landes und der Welt: Eisenhower, Marshall, Bradley, Patton. Aber ungeachtet des Dienstgrads war
jeder Soldat, Flieger, Marineinfanterist, Matrose,
jedes Mitglied der Handelsmarine, jede Krankenschwester, jeder Arzt ein Held, der das Banner der
Gerechtigkeit in die Schlacht für die Freiheit trug.
Einige von ihnen befinden sich heute unter uns. Der
Herr, der mich begrüßte, Frederick Mclntosh, war
damals Leutnant der Luftwaffe. Er flog, wie bereits
erwähnt, 104 Einsätze. Seine wagemutigen Bombenangriffe im Sturzflug am D-Day trugen dazu bei,
den Weg für die Landung der Alliierten in der Normandie zu bereiten.
Ein anderer Veteran hinter mir, Robert Katayama,
war Soldat in der japanisch-amerikanischen 442.
Regimentskampfgruppe, die nach fünfmonatigen
heftigen Angriffen endlich die deutschen Linien in
Italien durchbrach.
Anna Connelly Wilson war Krankenschwester und
pflegte die amerikanischen Soldaten, die Kraftstoff
und Munition durch die iranische Wüste zu unseren
russischen Verbündeten beförderten.
Abben MaGuire, ein Sprengstoffexperte der Marine,
landete noch vor dem Angriff der Alliierten an der
Omaha Beach und beseitigte unter heftigem Beschuß durch den Feind Minen, Stacheldraht und
Sprengladungen.

Seite 2

George Ellers, Seemann auf den Booten der amerikanischen Küstenwache, war für den Schutz der
Schiffe der Handelsflotte zuständig, die Nahrungsmittel und Nachschub von Amerika nach Europa und
in andere Regionen beförderte.
Joseph Kahoe, Leutnant des ausschließlich aus
Afroamerikanern bestehenden 761. Panzerbataillons,
trotzte der tödlichen Kälte der Ardennen und den
brutalen Gegenangriffen der Nazis, womit er zum
Sieg in der Ardennenschlacht beitrug.
Pater Francis Sampson, ein Armeepriester, sprang
mit dem Fallschirm über der Normandie und anschließend über Holland ab, wurde verwundet, geriet
in Gefangenschaft und konnte fliehen.
Aus ihrer Tapferkeit und der all ihrer Brüder und
Schwestern in Uniform bezog Amerika den Willen, die
Kräfte des Faschismus zu besiegen. Und heute
sagen wir, die Söhne und Töchter ihres Opfergangs,
ihnen Dank und würdigen sie.
Ich bitte jetzt die Veteranen des Zweiten Weltkriegs,
sich zu erheben, damit wir sie ehren können.
Während der letzten Wochen des Krieges befreiten
die amerikanischen Streitkräfte in ganz Europa kleine
Dörfer und große Städte von einem langen Alptraum.
Viele waren Zeuge überschäumender Liebe und
Dankbarkeit, an die sie sich für den Rest ihres
Lebens erinnern sollten.
In Bayern steuerte der Obergefreite Bill Ellington sein
gepanzertes Fahrzeug in eine Schlacht gegen die
zurückweichenden feindlichen Truppen. Während
des Gefechts rannte ein spindeldürrer Teenager auf
den Panzer zu. Es war ein junger polnischer Jude,
Samuel Pisar, der vier Jahre Auschwitz und andere
Konzentrationslager überlebt, dabei jedoch seine
gesamte Familie verloren hatte. Samuel Pisar hatte
den Panzer und seinen großartigen fünfzackigen
weißen Stern von seinem Versteck in einer Scheune
aus gesehen.
Als Ellington auf ihn hinunterschaute, fiel der Junge
auf die Knie und wiederholte immer wieder die
wenigen englischen Worte, die ihn seine Mutter
gelehrt hatte: "Gott schütze Amerika. Gott schütze
Amerika." Und Ellington, der Sohn eines Sklaven,
hob den Jungen auf und brachte ihn durch die Luke
des Panzers in die warme Umarmung der Freiheit.
Bill Ellington starb vor einigen Jahren. Aber Samuel
Pisar, jetzt amerikanischer Staatsbürger, ist heute
unter uns. Und ich möchte ihn bitten, aufzustehen,
um uns daran zu erinnern, worum es bei diesem
Krieg ging.

AMERIKA DIENST 17

�Die Saga der Hoffnung entstand aus der Asche
eines Schreckens, der immer noch über unser
Vorstellungsvermögen hinausgeht - die Konzentrationslager der Nazis. Die Gaskammern und
Krematorien waren ein Beweis für die unendliche
Fähigkeit des Menschen, Böses zu tun. In den
leeren Augen der zu Skeletten abgemagerten
Überlebenden war eine Frage, die bis heute nicht
beantwortet wurde: Wie konnte das geschehen?
Um 2.40 Uhr am 7. Mai unterzeichneten die Deutschen in einer kleinen Schule in Frankreich ihre
bedingungslose Kapitulation. Der Waffenstillstand
trat am nächsten Tag in Kraft - vor genau 50 Jahren.
Die Nachricht vom Sieg verbreitete sich und schwoll
von einem Rinnsal der Aufregung zu einem Strom
der Freude an. Die befreiten Hauptstädte Westeuropas schäumten über vor Erleichterung und
Jubel. Die Boulevards waren voll von fahnenschwenkenden dankbaren Feiernden, die Tränen in
den Augen hatten. Überall nahmen die Menschen
ihre Vorhänge ab, die zur Verdunklung gedient
hatten, und ließen das Licht des Friedens scheinen.
Am Himmel über Moskau erleuchteten gigantische
weiße Lichtstrahlen aus riesigen Projektoren die
Dunkelheit der Nacht, und in der Stadt waren 1.000
Salutschüsse zu hören. Auch dort strömten Millionen Menschen auf die Straßen. Ihre Freude wurde
jedoch getrübt von dem einzigartigen Opfer, das ihre
Nation gebracht hatte: Jeder achte sowjetische
Bürger starb im Zweiten Weltkrieg. 27 Millionen
Menschen. An fast jedem Tisch in jedem Haus war
ein leerer Platz.
In London, wo ein tapferes und wagemutiges Volk
die dunkelsten Stunden des Krieges alleine durchgestanden hatte, erleuchteten große Freudenfeuer
die Stadt. Und auf dem Balkon des BuckinghamPalastes brachte Premierminister Churchill die
freudetrunkene Menge mit seinem eigenen Schweigen zum Verstummen. Dann machte er eine einzige, tiefe Verneigung vor allen, und die Menge
stimmte ein Triumpfgeschrei an. "Dies ist Euer
Sieg", erklärte Churchill. Und die Einwohner Großbritanniens antworteten mit einer Stimme: "Nein, es
ist Deiner". Natürlich hatten beide recht.
Hier bei uns wurden das Washington Monument, die
Kuppel des Kapitols, die Freiheitsstatue erstmals seit
Pearl Harbor wieder angestrahlt. In New York war
es, als wäre gleichzeitig Silvester und Unabhängigkeitstag. Millionen jubelten, jauchzten, sangen,
tanzten auf der Straße. Ein Bild ging um die Welt
von einem Matrosen, der eine Krankenschwester in
den Arm nahm und küßte - mit dem aufgestauten,
jugendlichen Enthusiasmus eines Volkes, das einen

AMERIKA DIENST 17

Augenblick lang die neuen Lasten des Erwachsenseins vergaß.
Weniger als einen Monat nach seiner Amtsübernahme wandte sich Präsident Truman an die Nation
und erklärte: " Dies ist eine feierliche, aber ruhmreiche Stunde. Ich wünsche nur, Franklin Delano
Roosevelt hätte diesen Tag erleben können." Millionen von Amerikanern waren ebenfalls dieser Meinung, denn in ihrer dunkelsten Stunde hatte sich
Präsident Roosevelt geweigert, uns der Verzweiflung
zu überlassen und aufzugeben. Er mobilisierte die
Amerikaner, die Wirtschaftskrise zu bekämpfen und
im Krieg zu triumphieren. Und somit war es auch
sein Sieg.
Es war Amerikas Sieg, aber unsere Arbeit war noch
nicht vollendet. Im Pazifik ging der Krieg weiter.
Während der drei Monate zwischen dem V-E Day
und dem Tag des Siegs über Japan (Victory in
Japan, V-J Day) verloren Tausende weiterer Männer
und Frauen in Uniform ihr Leben. Wer hätte das
amerikanische Volk dafür verurteilen können, daß es
nach der Kapitulation Japans von der Front in die
Heimat zurückkehren wollte? Nachdem sie den
schwierigsten und entscheidendsten Sieg in der
Geschichte unserer Nation errungen hatten, waren
unsere führenden Politiker jedoch entschlossen, nicht
die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.
Vielmehr gingen sie mit neuer Zuversicht an die
neuen Herausforderungen heran. Diese bemerkenswerte Generation von Amerikanern schuf durch die
NATO, die Vereinten Nationen und den Marshallplan
die Institutionen und stellte die Ressourcen und die
Vision bereit, die dem Westen ein halbes Jahrhundert
der Sicherheit und des Wohlstands bescherten und
unsere ehemaligen Gegner zurück ins Leben brachten und zu einer echten Partnerschaft mit uns führten.
Ihre besondere Entschlossenheit und militärische
Stärke hielt den Totalitarismus in Schach, bis die
Macht der Demokratie, das Scheitern des Kommunismus und die heroische Entschlossenheit der Menschen, die Freiheit zu erlangen, im Kalten Krieg die
Oberhand gewannen.
Heute müssen wir uns von der außergewöhnlichen
Generation inspirieren lassen, die wir heute ehren.
Eine Generation, die den Krieg gewann und anschließend sicherstellte, daß wir nicht den Frieden
verloren. Eine Generation, die verstand, daß unser
Schicksal untrennbar mit dem anderer Nationen
verbunden ist. Eine Generation, die überzeugt war,
daß mit unserem großen Wohlstand, unserer großen
Macht und den großen Segnungen demokratischer

Seite 3

�Freiheit auch große Verantwortung einhergeht, für
das Wohlergehen aller einzutreten und zu arbeiten.
Daher möchte ich der Generation, die den Zweiten
Weltkrieg gewann, an diesem 50. Jahrestag im
Namen des amerikanischen Volkes nochmals danken. Haben Sie Dank und Gott schütze Sie. Aufgrund all dessen, was Sie getan haben, lebt unsere
Nation in einem Augenblick der Hoffnung und in
Frieden. Erstmals seit Anbruch des Atomzeitalters
sind keine russischen Raketen auf unsere Kinder
gerichtet. Unsere Wirtschaft ist stabil. Und da freie
Märkte und Demokratie jetzt weltweit auf dem Vormarsch sind, haben mehr Menschen als je zuvor die
Chance, ihre von Gott gegebenen Talente zum
Tragen zu bringen. Alles aufgrund dessen, was Sie
vor 50 Jahren taten.

Es gibt jedoch eines, das selbst Sie nicht tun konnten, das keine Generation je bewirken kann. Sie
konnten nicht die Kräfte der Dunkelheit aus der
Zukunft verbannen. Wir werden jetzt auf unterschiedliche Weise mit ihnen konfrontiert - weltweit und
bedauerlicherweise hier zu Hause. Aber Sie haben
uns die wichtigste Lektion gelehrt: Daß wir uns
gegen die Kräfte der Dunkelheit durchsetzen können
und daß wir uns gegen sie durchsetzen müssen.
Daher stehen wir in Ihrer Schuld. Das ist Ihr einzigartiges Vermächtnis an uns - und das sind wir
künftigen Generationen bemerkenswerter Amerikaner
schuldig. Danke, daß Sie uns diese Lektion gelehn"
haben. Gott schütze Sie und Gott schütze Amerika.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 17

�KRIEGSENDE
10. Mal 1995

Kriegsende ist Sieg des menschlichen Geistes
Rede von Vizepräsident Gore in Berlin
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Vizepräsident AI Gore am 8. Mai 1995 beim
Staatsakt im Berliner Schauspielhaus aus Anlaß des 50. Jahrestages der Beendigung des Zweiten Weltkriegs
vor führenden Vertretern der vier Alliierten und der deutschen Politik hielt.
Wir sind heute hier versammelt, um den Triumph
des Guten über das Böse zu feiern, nicht den Sieg
einer einzelnen Nation oder eines Volkes, sondern
den Sieg des menschlichen Geistes.

Kinder, die ziellos umherwanderten ... und die Überreste ihres Hab und Guts trugen, zogen oder schoben. In diesen zwei Stunden sah ich die Beweise
einer großen, weltweiten Tragödie."

Es ist nur angebracht, daß wir dieses Sieges hier in
Berlin gedenken, wo wir nun als Freunde und
Verbündete zusammenkommen. Das Ende des
Zweiten Weltkriegs wird in vielen Städten, einschließlich Londons, Washingtons, Paris und morgen
in Moskau begangen. Diese Zusammenkunft in der
deutschen Hauptstadt hat jedoch eine besondere
Bedeutung. Jetzt, ein halbes Jahrhundert später,
können wir sagen, daß der V-E Day (Victory in
Europe) nicht nur den Sieg In Europa bedeutet,
sondern den Sieg für Europa.

Weniger als zwei Jahre später gab George Catlett
Marshall an der Harvard University den berühmten
Plan bekannt, der nach ihm benannt wurde und den
Weg für Deutschlands und letztlich Europas Gesundung frei machte. Der Marshallplan und die Männer
und Frauen, die ihn gestalteten, boten der Welt
erstmals eine vollkommen neue Vision der Beziehungen zwischen Siegern und Besiegten.

Für die Deutschen war der 8. Mai 1945 kein Sieg im
üblichen militärischen Sinn.
Er bedeutete die
Niederlage der nationalsozialistischen Eroberungspolitik und die Befreiung von der Nazi-Diktatur im
Inland.
Als die Waffen schwiegen, schickte General Dwight
David Eisenhowereine kurze Botschaft an Präsident
Harry Truman. Er schrieb: "Der Auftrag der Alliierten Streitkräfte ist erfüllt."
Zu jenem Zeitpunkt waren in ganz Europa Dörfer
und große Städte schwelende Trümmerhaufen aus
Stein und Staub. Überall lag die Asche der Zerstörung. Die Schrecken des Holocaust überstiegen
jegliches menschliche Vorstellungsvermögen.
Hier in Deutschland waren 40 Prozent der Häuser
zerstört. Das deutsche Volk konnte wenig mehr
verspüren als Hunger, Angst und Krankheit.
Als Präsident Truman zur Teilnahme an der Potsdamer Konferenz in Berlin eintraf, sprach er von den
blutigen Folgen des Krieges und beschrieb eine
"... unendliche Prozession alter Männer, Frauen und

AMERIKA DIENST 17

Indem wir den bitteren Pfad von Rache und Vergeltung aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg
kurzerhand ablehnten, konnten wir uns mit denjenigen Deutschen verbünden, die einen besonderen
Weg beschritten und den wahren Sieg im Zweiten
Weltkrieg sicherten und vertieften, als sie selbst die
bösen Denkmuster zurückwiesen, die der wahre
Feind der gesamten Menschheit sind.
Vor allem demonstrierten wir mit dem Marshallplan,
daß die Vereinigten Staaten den Europäern nicht den
Rücken zuwandten, daß wir uns energisch engagierten, während wir gemeinsam daran arbeiteten, die
Früchte von Demokratie und Wohlstand in diese vom
Krieg zerrütteten Länder zu bringen.
General Marshall und seine Kollegen zeigten uns,
daß wir nicht den Befürwortern des Isolationismus
unser Gehör schenken dürfen, die nach dem Krieg
auf der Lauer liegen, wie wir es 1918 mit so tragischen Ergebnissen getan hatten. 1945 wußten wir,
daß das Versprechen von Demokratie und Freiheit in
Europa nur dann Früchte tragen würde, wenn wir ihm
gemeinsam Nahrung geben.
Während einige die Führungsrolle als Last bezeichneten, wußten überparteiliche Politiker im amerikanischen Kongreß, wie Arthur Vandenberg, daß es zum

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�Engagement keine Alternative gab. Durch ihre
Initiative gelangte großzügige amerikanische Hilfe
und Unterstützung in das zerstörte Europa.
Durch ihre Initiative haben die amerikanischen
Streitkräfte in ganz Westeuropa Wache gestanden.
Ihre Wachsamkeit half einem halben Kontinent, den
eisernen Griff der Tyrannei abzuschütteln.
Dieser Aufgabe hat sich eine Reihe herausragender
deutscher Politiker gewidmet - von den Bundeskanzlern Adenauer über Erhard bis Kiesinger, von Brandt
bis Schmidt und jetzt Bundeskanzler Kohl, dem alle
Deutschen und Europäer so viel verdanken.
Während dieser ganzen Zeit bezogen 12 Millionen
der besten Amerikaner und Amerikanerinnen in
Uniform in Europa Stellung, um die Freiheit zu
verteidigen. Und wir stehen noch hier. Im Schulterschluß mit unseren NATO-Verbündeten bleiben
diese Männer und Frauen unserer Streitkräfte der
Stahl im Schwert der Freiheit.
Aufgrund der Wachsamkeit unseres Bündnisses
treffen wir heute in einem neuen Berlin zusammen:
einer dynamischen Stadt mit magnetischer Anziehungskraft im Herzen eines Europa, das von Chancen und Wohlstand sprüht - eines Europa, das in
einer Wiedergeburt der Freiheit zusammenwächst,
eines Europa des Fortschritts, des technologischen
Könnens und der nicht zu unterdrückenden Erfindungsgabe.
Ganz Europa ist bereits elektrisiert von diesem
aufregenden neuen Moment. Die Freiheit reicht jetzt
von Wladiwostok bis Rostok, von Tallinn bis Tirana.
Vor fünfzig Jahren reichten sich junge Soldaten bei
Kriegsende über die Elbe die Hand. Heute strecken
ganze Nationen als Demokratien über Ozeane
hinweg die Hand aus, um eine bessere Zukunft für
unsere Kinder aufbauen zu helfen.
Wir wollen weiterhin an einer Welt arbeiten, in der
ein immer größerer Kreis demokratischer Länder alle
*

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unsere Völker umfaßt - Ost und West, Nord und Süd,
konzentriert auf den Glauben an die Freiheit des
einzelnen, verankert in der Menschenwürde und unter
Respektierung der Erde und ihrer kostbaren Ressourcen.
Wir wollen uns unerschütterlich um die Öffnung von
Institutionen für die neuen Demokratien Mittel- und
Osteuropas einsetzen, die der Westhälfte Europas so
zugute gekommen sind - die NATO, die Europäische
Union, der Europarat, die OECD.
Die Konsolidierung dieser Errungenschaften wird
nicht einfach sein. Unsere Erfolge signalisieren
ebensowenig wie die Siege unserer Vorgänger eine
Zeit des Friedens. Selbst in unserer Mitte hat das
Böse des ethnischen Hasses Teile dieses altehrwürdigen Kontinents infiziert. Und wie uns Deutschlands berühmter Schriftsteller Günter Grass erinnert,
ist Tyrannei ein Bodensatz, der nicht von schönen
Worten ausgewaschen werden kann.
Und heute - geeint in Frieden - gedenken wir der
jungen Männer und Frauen, die marschierten und
starben, damit wir leben können. Mit lauter Stimme
und dauerhafter Entschlossenheit verkünden wir, daß
wir die Errungenschaften von 1945 nicht rückgängig
machen werden.
Kurz nachdem er ein Telegramm an Präsident
Truman geschickt hatte, versammelte General
Eisenhower eine Gruppe von Berichterstattern um
seinen Schreibtisch in seinem Hauptquartier und
sann über die enorme Herausforderung nach, mit der
die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert
war. Er erklärte: "Der Erfolg dieser Operation wird
in fünfzig Jahren beurteilt werden. Wenn Deutschland zu diesem Zeitpunkt eine stabile Demokratie ist,
waren wir erfolgreich.
Seitdem sind 50 Jahre vergangen. Und am heutigen
Tag möchte ich, als junger Amerikaner aus der nach
dem Zweiten Weltkrieg geborenen Generation,
General Eisenhower berichten: "Auftrag erfüllt."

* * *

*

AMERIKA DIENST 17

�USA-IRAN
10. Mal 1995

Clinton verhängt Handelsembargo gegen Iran
Kritik an iranisch-russischem Nukleargeschäft
NEW YORK - (AD) - Der Iran strebt nach russischer Nukleartechnologie, um seine Fähigkeiten zum Bau von
Atomwaffen weiterzuentwickeln, erklärte Präsident Clinton am 30. April 1995 in einer Rede vor dem Jüdischen
Weltkongreß in New York.
Der Präsident ließ verlauten, er werde bei seinen kommende Woche in Moskau anberaumten Gesprächen mit
dem russischen Präsidenten Jelzin das Land nochmals drängen, seinen Verkauf von Nukleartechnolgie an den
Iran einzustellen, weil dadurch das gemeinsame Ziel beider Länder - die Verhinderung der Weiterverbreitung
von Atomwaffen - unterminiert werde.
Um für den Iran die Kosten der Unterstützung des Terrorismus zu erhöhen und die Fähigkeit des Teheraner
Regimes zur Finanzierung von Massenvernichtungswaffen zu mindern, gab Clinton ein Verbot des Großteils
kommerzieller Transaktionen amerikanischer Unternehmen mit dem Iran bekannt, das Ende dieser Woche
erlassen werden soll.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Rede Präsident Clintons.

Haben Sie vielen Dank. Ich danke Ihnen, Edgar,
Ministerpräsident Peres, für Ihre heutige Anwesenheit, Ihre visionäre Führungskraft, Ihre klugen Worte.
Allen Freunden von Edgar Bronfman, die aus
Kanada und der ganzen Welt hierhergekommen
sind, möchte ich sagen, daß es mir eine große Ehre
ist, heute abend anläßlich der Verleihung des
Nahum Goldmann-Preises hier sein zu dürfen.
Goldmann war Präsident des Jüdischen Weltkongresses, der zionistischen Weltorganisation, des
Jüdischen Amtes für Palästina beim Völkerbund, der
Konferenz der Präsidenten großer jüdischer Vereinigungen.
Wir sind heute hier versammelt, um der Errungenschaften einer außergewöhnlichen Persönlichkeit zu
gedenken. Durch Ihre Anwesenheit bei dieser
Veranstaltung legen sie Zeugnis ab von Ihren
gemeinsamen Werten, gemeinsamen Zielen und
davon, daß Edgar Bronfman das Leben zahlloser
Menschen beeinflußt hat. Während dieser Jahre
großer Veränderungen und Chancen sowie großer
Furcht und Angst, die von allzuviel Zynismus gekennzeichnet waren, fand die jüdische Gemeinschaft
in Edgar Bronfman eine äußerst seltene Kombination: Eine Führungspersönlichkeit mit leidenschaftlichem Einsatz für die Sache ihres Volkes und der
Stärke, entsprechend zu handeln.

AMERIKA DIENST 17

Als Präsident des Jüdischen Weltkongresses und als
Weltbürger war Edgar Bronfman ein lebendes Beispiel für die von Emerson gemachte Beobachtung,
eine Institution sei so bedeutend und könne langfristig
so viel bewirken wie der Mann an ihrer Spitze.
Während der langen Jahre, als die Sowjetunion
innerhalb ihrer Grenzen Juden gefangenhielt, erhoben viele wütend ihre Stimme, aber Edgar reiste nach
Moskau, um ihre Befreiung zu bewirken. Als Millionen in Rußland und ganz Osteuropa ihre Freiheit von
der Tyrannei gewonnen hatten, jubelten viele, aber
Edgar war führend bei der Unterstützung der jüdischen Gemeinden, ihr stolzes geistiges und materielles Erbe zurückzufordern, von dem viele befürchtet
hatten, es sei für immer verloren.
Viele feiern den Beginn eines neuen Zeitalters im
Nahen Osten. Edgar setzt sich jedoch täglich für die
Versöhnung von Israelis und Palästinensern ein
sowie dafür, dieses altehrwürdige Land mit neuem
Leben zu erfüllen. Überall, wo Juden von einem
besseren Leben träumen und diese Träume in Gefahr
sind, kann man sicher sein, Edgar Bronfman zu
finden.
Vor einer Woche fuhren Hillary und ich nach Oklahoma City, um zu trauern und den Opfern des schrecklichen Bombenanschlags sowie ihren Angehörigen

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�unseren Respekt zu bezeugen. Letzten Sommer
unternahm Edgar auf eigene Faust eine ähnliche
Reise. Er flog nur wenige Stunden, nachdem er von
dem Bombenanschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires gehört hatte, nach Argentinien. Dort stattete er inmitten von Schutt und Trümmern führenden Politikern einen Besuch ab, besuchte die Verletzten, sprach mit den Kindern und sagte
ihnen, sie sollten denjenigen entschieden entgegentreten, die mit der Angst Geschäfte machen, sie
sollten hoffen, nicht hassen, sich jedoch jeden Tag
dafür einsetzen, diese Hoffnungen Realität werden
zu lassen.
In diesen Zeiten ist das eine Lektion, die jeder
Bürger auf jedem Kontinent lernen und verinnerlichen sollte. Sie findet besondere Zustimmung bei
denjenigen, die so viel Angst und Schrecken kennengelernt haben.
Wie mein Freund Benjamin Mead eben erklärte,
gedenken wir der Zeit vor einem halben Jahrhundert,
als das schrecklichste Kapitel in der Geschichte des
jüdischen Volkes zu Ende ging. Bedauerlicherweise
leben 50 Jahre später immer noch Menschen unter
uns und auf der ganzen Welt, die mit dem Haß
Handel treiben. Natürlich können wir ihre Aktionen
oder Fähigkeiten nicht mit den Greueltaten vergleichen, die dem jüdischen Volk angetan wurden,
aber diese Menschen praktizieren und predigen
Gewalt gegen Menschen anderer Hautfarbe, anderer
Herkunft oder anderer Religionszugehörigkeit. Sie
leben von Angst und Unsicherheit. Sie schüren
Verfolgungswahn. Im Namen der Redefreiheit
haben sie sich der Verantwortung entledigt, die
demokratische Freiheiten für uns alle mit sich bringt.
In dieser freien Nation muß es Ihnen allen ironisch
erscheinen, daß viele dieser Menschen unsere
Regierung und ihre Angestellten angreifen, die die
von ihnen mißbrauchten Freiheiten gewährleisten.
Angeblich um eine bessere Zukunft zu gestalten,
würden sie die schlimmsten Kapitel der Geschichte
Wiederaufleben lassen. Obwohl wir ihre Worte und
Taten nicht mit dem vergleichen können, was das
jüdische Volk vor Jahrzehnten erleiden mußte,
dürfen wir nicht die Gefahr unterschätzen, die sie
darstellen. Zweifelsohne können sie das Leben
unschuldiger Menschen auslöschen und in unseren
Herzen Furcht säen. Es ist ihnen gleichgültig, ob sie
Kinder niedermetzeln. Sie bedrohen unsere Freiheiten und unsere Lebensart, und wir müssen ihnen
Einhalt gebieten.
Einer unserer ersten Patrioten, Samuel Adams,
erklärte einst: "Wenn wir die gesetzlosen Angriffe
auf unsere Freiheit brav erdulden, ermutigen wir sie
noch und ziehen andere mit ins Verderben." Hier in

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den Vereinigten Staaten ist es nicht nur unser Recht,
sondern unsere Pflicht, dem Terror Einhalt zu gebieten, die Schuldigen vor Gericht zu bringen, uns dem
Haß entgegenzustellen und anderen Menschen in
anderen Ländern dabei zu helfen, ebenso zu handeln.
Seit Beginn der Amtszeit unserer Administration
haben wir im Kampf gegen den Terrorismus im Inund Ausland umfassende und unverzügliche Maßnahmen ergriffen. Wir haben die Verdächtigen des
Bombenanschlags auf das World Trade Center vor
Gericht gebracht, die das Herz dieser Stadt trafen.
Wir verfolgen aktiv diejenigen, welche die Grenze zu
illegalen und gewaltsamen Aktivitäten überschritten.
Wir gehen entschieden gegen die Nationen vor, die
Terroristen Schutz gewähren oder ihre mörderischen
Geschäfte unterstützen. Wir setzen uns, bisweilen
mit bemerkenswertem Erfolg, für die Verhinderung
von Gewalttaten ein. Und auf einer Welt, in der
offene Grenzen und neue Technologien unsere Arbeit
erschweren, arbeiten wir immer enger mit anderen
Nationen zusammen, um Verbrecherorganisationen
aufzulösen und diejenigen zur Strecke zu bringen, die
unser Volk bedrohen.
Die Tragödie von Oklahoma City und ihre Konsequenzen haben jedoch deutlich gemacht, daß wir
entschiedener vorgehen müssen. Diese Woche habe
ich dem Kongreß zwei Initiativen zur Terrorismusbekämpfung vorgelegt - einen Antrag auf die Einstellung
von 1.000 zusätzlichen Strafverfolgungsbeamten
sowie auf Unterstützung zur Gründung eines neuen
Terrorismusbekämpfungszentrums unter der Leitung
des FBI; ferner die Ermächtigung des Militärs, seine
besonderen Fähigkeiten bei Vorfällen einzusetzen,
die mit dem Einsatz von chemischen, biologischen
und atomaren Terrorinstrumenten in unserem Land in
Zusammenhang stehen. Unsere Vorschläge würden
uns die Markierung von Material zur Bombenherstellung gestatten, so daß Verdächtige leichter
aufgespürt werden können.
Obwohl niemand Freiheit von Terror garantieren
kann, werden diese vernunftdiktierten Schritte zumindest zur Sicherheit unserer Bürger beitragen.
Daher appelliere ich heute an den Kongreß, diesen
Maßnahmen unverzüglich zuzustimmen.
Während wir im Inland diese Schritte unternehmen,
müssen wir auf der ganzen Welt unseren Kampf
gegen den Terror fortsetzen und intensivieren. Am
heutigen Abend möchte ich über den Terrorismus im
Nahen Osten sprechen, über verbrecherische Staaten, die das Töten fördern, um den Frieden zu
zerstören und darüber, was wir noch zu ihrer Eindämmung unternehmen können.

AMERIKA DIENST 17

�Seit Beginn meiner Präsidentschaft lief unsere
Nahostpolitik auf zwei Schienen: Unterstützung des
Friedensprozesses zwischen Israel und seinen
Nachbarn. Es war mir eine Ehre, mit Ministerpräsident Rabin, Außenminister Peres, ihrer Regierung
und dem israelischen Volk zusammenzuarbeiten.
Und die von den Vereinigten Staaten verfolgte Politik
war die richtige. Wir würden niemals versuchen,
Israel und seinen Nachbarn einen Frieden aufzuoktroyieren, falls aber Israel um des Friedens willen
Risiken eingeht, werden wir diese möglichst gering
halten und die Erfolgschancen maximieren. Wir
haben in diesen zwei Jahren Fortschritte gemacht,
und mit Gottes Hilfe werden wir das auch in Zukunft
tun. Ich bin sehr stolz auf die von uns allen geleistete Arbeit und ganz besonders stolz auf das von
Außenminister Christopher in dieser Hinsicht Erreichte.
Die zweite Schiene unserer Nahostpolitik ist ebenfalls wichtig - Widerstand gegen alle, die den Friedensprozeß stören, dem Terrorismus Vorschub
leisten oder Massenvernichtungswaffen entwickeln.
Es gibt weiterhin große Gefahren. Je mehr wir uns
dem Ziel von Frieden und Normalität in der Region
annähern, desto verzweifelter werden die Feinde des
Friedens. In Autobussen auf belebten Straßen
zerstören die Terroristen das Leben Unschuldiger,
und wir trauern mit den Familien der Opfer.
Wir haben unsere Bestrebungen verstärkt, Gruppen
wie Hamas oder die Hizbollah zu bekämpfen und
ermutigen den PLO-Vorsitzenden Arafat bei seinem
Versuch, schärfer gegen gewaltsame Extremisten
vorzugehen und sie strafrechtlich zu verfolgen.
Einzelpersonen und Extremistengruppen sind jedoch
nicht die einzige Bedrohung. Israel teilt das Land im
Nahen Osten mit Nationen, die den Frieden zerstören wollen - Nationen wie Iran, Irak und Libyen.
Sie wollen die Region destabilisieren, gewähren
Terroristen Zuflucht, errichten und fördern terroristische Basislager in anderen Ländern, gieren nach
nuklearen und anderen Massenvernichtungswaffen.
Jeden Tag bringen sie unschuldige Zivilisten in
Gefahr und säen Zwietracht unter den Nationen.
Unsere Politik gegenüber diesen verbrecherischen
Staaten ist einfach:
Sie müssen eingedämmt
werden.
Der Iran stellt für den Friedensprozeß im Nahen
Osten ein besonderes Problem dar. Seit dem
Amtsantritt meiner Administration bemühen wir uns,
die iranische Unterstützung für den internationalen
Terrorismus einzudämmen, insbesondere seine
Förderung gewalttätiger Friedensgegner im Nahen
Osten.

AMERIKA DIENST 17

Gleichzeitig versuchen wir, seinem Streben nach
Massenvernichtungswaffen Einhalt zu gebieten, die
das Land nicht nur für seine Nachbarn, sondern die
gesamte Region und die Welt zu einer Bedrohung
machen würden. Unsere Politik hat dazu beigetragen, daß der Iran für seine Aktionen bezahlt. Das
Land wurde wirksam von der Kreditvergabe durch
internationale Finanzinstitutionen ausgeschlossen.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten in der
G-7 haben den Verkauf von Waffen unserer Nationen
an den Iran beendet. Wir haben uns geweigert, in
sicherheitsempfindlichen Bereichen wie bei der
Atomenergie mit dem Iran zusammenzuarbeiten und
verschärften die Handelsbeschränkungen bei möglicherweise waffenfähigen Gegenständen.
Wie Sie alle wissen, hatten wir damit nicht immer
Erfolg. Die jüngsten Nachrichten über das Abkommen zum Verkauf von russischen Gaszentrifugen an
den Iran sowie zur Ausbildung iranischer Nukleartechniker durch russisches Lehrpersonal sind beunruhigend. Da der Iran über mehr als genug Erdöl für
seine Energieversorgung verfügt, müssen wir davon
ausgehen, daß er diese Technologie zur Entwicklung
seiner Kapazitäten für den Bau von Atomwaffen
einsetzen will.
Die Vereinigten Staaten haben ein enormes Interesse
daran, die Weiterverbreitung dieser Waffen zu
bekämpfen. Und Rußland hat als Nachbar des Iran
ein besonderes Interesse an der Erreichung dieses
Ziels. Wenn Rußland den Verkauf von Atomreaktoren fortsetzt, wird es dieses Ziel unterhöhlen.
Wir haben energisch auf eine Revidierung dieser
Entscheidungen gedrängt, und ich werde Präsident
Jelzin bei meinem Moskaubesuch in einigen Tagen
meine Gründe direkt vortragen. Ich wende mich vor
allem an meine amerikanischen Mitbürger, wenn ich
sage: Viele Menschen haben leidenschaftlich argumentiert, der beste Weg zur Veränderung des iranischen Verhaltens sei, das Land einzubeziehen.
Bedauerlicherweise gibt es dafür keine Beweise.
Vielmehr haben die letzten beiden Jahre genau das
Gegenfeil bewiesen. Der Appetit des Iran auf den
Erwerb und die Entwicklung von Nuklearwaffen und
ihren Trägersystemen ist nur noch größer geworden.
Selbst im Angesicht zunehmender Erfolgschancen für
den Friedensprozeß im Nahen Osten hat der Iran
seine Rolle als Anstifter und Zahlmeister von Terroristen noch erweitert. Und nichts deutet darauf hin,
daß weitere Einbeziehung diesen Kurs verändert.
Aus diesem Grund habe ich vergangenen Monat, als
die Firma Conoco ein Milliardenprojekt zur Erschließung iranischer Ölreserven bekanntgab, das Projekt

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�mit Hilfe eines Präsidialerlasses blockiert, der amerikanischen Unternehmen die Finanzierung, Kontrolle
oder Verwaltung iranischer Ölreserven untersagt.
Conoco entschied sich jedoch, auf das Geschäft zu
verzichten. Und ich möchte hinzufügen, daß Edgar
Bronfman einer der entschiedensten Gegner war.
Als bedeutender Aktionär bei Conoco hätte er
finanzielle Vorteile gehabt. Er stellte jedoch - wie so
oft in seinem Leben - die Interessen der Öffentlichkeit über seine Eigeninteressen.
Ich habe mir meine Entscheidung nicht leicht gemacht. Eines der wichtigsten Merkmale unserer
Außenpolitik ist die Erschließung neuer Märkte im
Ausland und die aggressive Unterstützung unserer
Unternehmen beim Wettbewerb sowie der Schaffung
amerikanischer Arbeitsplätze. Es gibt jedoch Zeiten,
in denen bedeutende Wirtschaftsinteressen noch
wichtigeren Sicherheitsinteressen weichen müssen.
Und wir leben in einer solchen Zeit.
Daher gebe ich heute abend bei diesem festlichen
Abendessen zu Ehren eines großen Vorkämpfers für
die Freiheit offiziell meine Absicht bekannt, sämtliche
Handels- und Investitionstätigkeit mit dem Iran
einzustellen und nahezu alle anderen wirtschaftlichen Aktivitäten zwischen unseren Nationen auszusetzen. Ich habe mir diesen Schritt nicht leicht
gemacht, bin jedoch davon überzeugt, daß die
Verhängung eines Handelsembargos gegen den Iran
für unsere Nation das beste Mittel ist, den Bestrebungen dieses Landes zum Erwerb zerstörerischer
Waffen sowie seiner fortgesetzten Unterstützung
terroristischer Aktivitäten Einhalt zu gebieten.
Der Präsidialerlaß, den ich nächste Woche unterzeichnen will, umfaßt nicht nur den Energiesektor,
sondern alle amerikanischen Exporte in den Iran
sowie alle Investitionen amerikanischer Unternehmen
und ihrer Niederlassungen. Unseren Schätzungen
zufolge wird das Embargo begrenzte Auswirkungen
auf unsere Unternehmen und Arbeitnehmer haben.
Nach Prüfung aller Optionen habe ich jedoch entschieden, daß wir selber Opfer bringen und eine
Führungsrolle übernehmen müssen, wenn wir
andere Nationen zu Opfern veranlassen wollen, um
das Verhalten des Iran zu ändern. Bei meinen
Gesprächen mit Präsident Jelzin und den führenden
Politikern der G-7 im Juni in Halifax werde ich die
anderen Ländern dazu auffordern, ähnliche oder
parallele Maßnahmen zu ergreifen.
Sie sollen wissen, daß ich gegen den Vorschlag bin,
einen sekundären Boykott zu verhängen und ausländischen Firmen, die Geschäfte mit dem Iran
abwickeln, Geschäfte mit amerikanischen Unternehmen zu untersagen. Das befürworte ich nicht.
Meines Erachtens würde eine solche Entscheidung

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zu einem Zeitpunkt, an dem wir die Kooperationsbereitschaft unserer Freunde benötigen, die Beziehungen zu unseren Verbündeten unnötig belasten.
Mein Beschluß zur Verhängung des Embargos sollte
dem Iran und der ganzen Welt die unverminderte
Entschlossenheit der Vereinigten Staaten vor Augen
führen, alles in unserer Macht Stehende zu unternehmen, um dem Verhalten und den Ambitionen
dieser Nation Beschränkungen aufzuerlegen.
Es wäre ein Fehler, nichts zu unternehmen. Es wäre
ein Fehler, nichts zu tun, während der Iran weiterhin
den Besitz von Atomwaffen anstrebt. Es wäre falsch,
angesichts der überwältigenden Beweise für die
Unterstützung des Terrorismus durch Teheran, der
den Friedensbeginn bedroht, nicht zu handeln.
Die Sicherung eines dauerhaften und umfassenden
Friedens muß unsere oberste Priorität sein. Kern
dieser Bestrebungen sind natürlich weiterhin enge
Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten
Staaten. Wir müssen jedoch denjenigen die Stirn
bieten, die den Frieden zunichte machen und selbst
nach Erlangung des Friedens die Zukunft zerstören
könnten.
Unsere Strategie funktioniert. Araber und Israelis
haben sich nie zuvor so oft getroffen, sind so frei
gereist und waren sich nie zuvor so stark bewußt,
daß ihre gemeinsame Zukunft in Frieden und Wohlstand ein dringliches Anliegen aller ist. Wenn sie
bereit sind, auf diesem Weg weiterzugehen, werden
die Vereinigten Staaten mit ihnen an einer hoffnungsvollen Zukunft arbeiten. Und wir werden nicht ruhen,
bis überall Frieden herrscht.
Vor einem halben Jahr hatte ich die große Ehre,
Jerusalem einen Besuch abzustatten, nachdem wir
den Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel
unterzeichnet hatten. Ich äußerte den Mitgliedern der
Knesset gegenüber, die Feinde des Friedens würden
keinen Erfolg haben, weil sie der Vergangenheit,
nicht der Zukunft angehören. Wir müssen uns dafür
einsetzen, diese Behauptung wahr werden zu lassen.
Außenminister Peres äußerte, es tue ihm leid, daß
wir unseren Feind verloren hätten. Und wir alle
lachten ein wenig verunsichert, weil wir wußten, daß
seine Äußerung ein Körnchen Wahrheit enthält. Wir
hatten ein so klares Feindbild, als es die Sowjetunion,
den Kalten Krieg und die massive nukleare Bedrohung gab. Heute gibt es keine Sowjetunion, keinen
Kalten Krieg und erstmals seit dem Anbruch des
Atomzeitalters keine auf amerikanische Kinder
gerichteten sowjetischen Raketen. Das ist ein Grund
zu feiern und zur Freude.

AMERIKA DIENST 17

�Ich werde Ihnen jedoch sagen, was meines Erachtens die Bedrohung des 21. Jahrhunderts sein wird,
die sich bereits weltweit abzeichnet: Die hier anwesenden Kinder sollten in der interessantesten, wohlhabendsten und vielfältigsten Welt in der gesamten
Menschheitsgeschichte aufwachsen. Alle Kräfte, die
uns noch oben bringen und zusammenführen,
enthalten jedoch eine versteckte Möglichkeit für
Böses; die Kräfte der Integration, die die Welt
verbessern und integrieren, enthalten die Saat der
Zerstörung. Die große Herausforderung im 21.
Jahrhundert wird darin bestehen, die Chancen zu
erkennen, die Technologie, Freizügigkeit, offene
Gesellschaften und der Abbau von Grenzen zwischen den Nationen bieten, ohne von den einigen
Kräften innewohnenden Gefahren und Bedrohungen
völlig absorbiert zu werden. Das ist die Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Denn das Böse in
der menschlichen Natur ist noch nicht ausgerottet.
Je offener und flexibler wir sind, desto ungeschützter
sind wir vor den Kräften des organisierten Bösen.
Das haben Sie in Oklahoma City gesehen. Das
zeigt sich an dem schrecklichen Vorfall mit religiösen
Fanatikern, die einen Giftgasanschlag auf die japanische U-Bahn verübten. Das sehe ich in Rußland;
jetzt fordert es von mir die Einrichtung eines FBIBüros, da das organisierte Verbrechen auf seine
Banken übergreift. Als ich ins Baltikum reiste,
drückte man in Riga den Wunsch nach Hilfe bei der
Strafverfolgung aus, denn nachdem das totalitäre
Regime im Baltikum abgesetzt wurde, machen sich
die Menschen dort Sorgen, daß ihr Hafen ein Umschlagplatz für Drogen und andere Zerstörungsmittel
wird. Und genau das passiert im Nahen Osten.
Warum verüben in Israel die Terroristen Sprengstoffanschläge auf unschuldige Menschen? Weil der
einzige Weg, Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu schaffen, in Bewegungsfreiheit zwischen

*

AMERIKA DIENST 17

*

beiden Gebieten besteht. Und wenn diese Bewegungsfreiheit bedeutet, daß Unschuldige sterben
müssen, muß die israelische Regierung Schranken
errichten, weil ihr Volk das fordert. Wenn das geschehen ist, sinkt das Einkommen im palästinensischen Gebiet, wodurch der Frieden zum Scheitern
verurteilt ist. Offenheit macht Frieden möglich und
beinhaltet die Bedrohung, ihn zunichte zu machen.
Das ist im kleinen eine Darstellung der Herausforderung des 21. Jahrhunderts.
Wenn Sie heute abend nach Hause gehen und
darüber nachdenken, werden sie erkennen, daß
nahezu jedes moderne Problem auf diese Weise
erklärt werden kann. Die Kräfte des Fortschritts, der
Chancen und Integration enthalten allesamt die Saat
ihres Mißbrauchs durch das organisierte Böse. Wir
alle müssen ihm die Stirn bieten.
Das Bibelbuch der Sprüche sagt, es werde einen
Umsturz der Bösen geben, und sie würden nicht
mehr sein; das Haus der Gerechten werde jedoch
stehenbleiben.
Während meiner baptistischen
Erziehung erzählten uns alle Prediger, das würde erst
am Ende der Menschheitsgeschichte geschehen,
wenn wir uns alle im Jenseits befänden. Niemand
kann das wissen, aber ich behaupte, daß Edgar
Bronfman das Anbrechen des Tages beschleunigt, an
dem das Haus der Gerechtigkeit steht; und dazu
müssen wir alle beitragen.
Dies kann für die Menschheitsgeschichte eine großartige Zeit sein, und unsere Kinder und Enkel können
eine großartige Zukunft vor sich haben, weil es
Menschen wie Edgar Bronfman gibt. Die Herausforderung ist klar: Können wir bewirken, daß die
Kräfte des Terrors Vergangenheit werden? Ja, das
können wir, aber wir müssen uns dafür einsetzen.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

*

*

Seite 5

�Wl R T S C H A F T
10. Mai 1995

Wirtschaftliche Stile und
transatlantische Wirtschaftskultur
Rede von Janice F. Bay
MAINZ - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede, die Janice F. Bay, die Gesandte für Wirtschaft der
Amerikanischen Botschaft in Bonn, auf der Konferenz "Gibt es eine atlantische politische Kultur" der
Staatskanzlei Rheinland-Pfalz am 6. Mai 1995 in Mainz hielt.

Ich möchte Ihnen sehr herzlich für die Einladung zu
dieser Veranstaltung danken. Ich freue mich besonders, daß Sie die Wirtschaft als Teil der politischen
Kultur verstehen, denn ich bin der Meinung, daß die
transatlantische Wirtschaftskultur sich zu einem der
wesentlichen Bausteine der Beziehungen zwischen
Amerika und Europa entwickeln wird. Deshalb,
glaube ich, waren sie gut beraten, der Wirtschaft bei
dieser Konferenz einen Platz einzuräumen.
In der Vergangenheit, vor allem in den Zeiten des
Kalten Krieges, war dies nicht immer der Fall. Die
Abwehr der kommunistischen Bedrohung und die
Sicherheitspolitik standen im Vordergrund. Sie
waren das gemeinsame Band, das Europa und
Amerika zusammenhielt. Grundlegenden Konsens in
wirtschafts- und handelspolitischen Fragen setzten
wir einfach voraus.
Natürlich hatten wir auch enge wirtschaftliche
Beziehungen, und sie waren ein nicht zu unterschätzendes Element in der Tragfähigkeit unserer
Beziehungen während der Auseinandersetzung mit
der Sowjetunion. Der Glaube an die Überlegenheit
freier marktwirtschaftlicher Systeme hat immer schon
zu den Grundelementen der transatlantischen
Wertegemeinschaft gehört. Und der Zusammenbruch der kommunistischen Systeme hat noch
einmal die Richtigkeit dieser Annahmen eindrucksvoll
bestätigt.
Mit dem Ende des Kalten Krieges fällt natürlich die
sicherheitspolitische Geschäftsgrundlage nicht weg.
Wir haben viele gemeinsame sicherheitspolitische
Aufgaben zu lösen. Die Geoökonomie wird nicht
einfach die Geopolitik ablösen. Doch spielt unsere
sicherheitspolitische Zusammenarbeit nicht mehr
ganz die Rolle, die sie in früheren Tagen gespielt
hat. Früher gab es ein sicherheitspolitisches Netz,

AMERIKA DIENST 17

das viele Konflikte aus anderen Bereichen wie etwa
der Wirtschaft auffing.
Dieses Netz existiert heute nicht mehr im gleichen
Umfang. Und das hat Konsequenzen auch für
unsere Wirtschaftsbeziehungen. Heute ist die Gefahr
größer, daß wirtschaftliche Interessengegensätze
aufbrechen und nicht mehr aus sicherheitspolitischen
Überlegungen zurückgestellt werden. Der Kalte Krieg
hat auch immer die kommerzielle Rivalität zwischen
den Vereinigten Staaten und Europa verdeckt, die es
neben der wirtschaftlichen Kooperation immer schon
gab.
Doch nach Ende des Kalten Krieges tritt die Tatsache
deutlicher hervor, daß wir auch wirtschaftliche Konkurrenten sind.
Dies müssen wir ausdrücklich
begrüßen. Denn es sind unsere Unternehmen, die
miteinander konkurrieren, und uns so ein besseres
Angebot an Gütern und Dienstleistungen zu besseren
Preisen ermöglichen. Präsident Clinton hat immer
wieder betont, daß wir uns dem weltweiten Wettbewerb stellen wollen, "that we want to compete, not
retreat". Wir wollen uns nicht hinter protektionistische
Schutzwälle zurückziehen, sondern offensiv die
Marktchancen nutzen, die sich unseren Unternehmen
auf dem Weltmarkt bieten.
Wir sehen dazu keine Alternative, denn ohne offene
Märkte im Ausland kann man die protektionistischen
Stimmen im eigenen Lande nicht zum Schweigen
bringen und auch nicht die Arbeitsplätze schaffen, um
den tiefgreifenden Strukturwandel zu bewältigen.
Diesen Strukturwandel haben viele amerikanische
Unternehmen unter dem Stichwort "lean production"
oder "reengineering the corporation" zum Teil unter
schmerzlichen Verlusten für Management und Arbeitnehmer hinter sich gebracht.

Seite 1

�Die Clinton-Administration hat die Notwendigkeit
anerkannt, die einheimischen Bedingungen zur
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Darum hat das wirtschaftspolitische Programm des
Präsidenten in den letzten zwei Jahren konsequent
die Notwendigkeit eines Abbaus des Haushaltsdefizits und der Begünstigung von staatlichen
investiven Aufgaben vor den konsumptiven hervorgehoben. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem
Ausbau beruflicher Aus- und Weiterbildung, der
marktgerechten, zivilen Forschungs- und Technologieförderung und dem Ausbau der öffentlichen
Infrastruktur.
Durch diese Umstrukturierung haben amerikanische
Firmen ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedergewonnen.
Zudem kommt ihnen ein wesentlich günstigerer
Dollarkurs als in den 80er Jahren zugute. Gerade in
den zukunftsträchtigen Hochtechnologiebereichen
wie der Computer- und Softwareindustrie, der
Telekommunikation, der Biotechnologie und fortgeschrittenen Dienstleistungen mit hoher Wertschöpfung wie audiovisuelle Dienstleistungen und
Multimedia-Anwendungen, die ein ungeheures
Potential bieten, sind amerikanische Unternehmen
Weltspitze. Zu Recht pochen diese Unternehmen
auf einen ihrer Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsfähigkeit entsprechenden Weltmarktanteil.
Freier Marktzugang und Marktöffnung im Ausland
sind für diese Unternehmen unverzichtbar. Aus
diesem Grunde ist fairer und unbehinderter Marktzugang eines der Hauptanliegen unserer Außenwirtschaftspolitik. Zunehmend haben wir auch die
staatlichen Anstrengungen verstärkt, Wachstumsmärkte - die sogenannten "big emerging markets" zu identifizieren und unseren Firmen zu helfen, auf
ihnen Fuß zu fassen.
Das heißt, wir haben es hier mit einer zweiten
Dimension der Konkurrenz zu tun. In gewissem
Sinne konkurrieren nicht nur unsere Firmen untereinander, sondern die Staaten stehen in einem gewissen Wettbewerb darüber, welchen Regeln der
Wettbewerb der Firmen folgen soll. Dies ist eine Art
Wettbewerb zwischen den verschiedenen marktwirtschaftlichen Systemen und ihren Regulierungssystemen. Die Fragen lauten hier, wie soll der
Marktzugang gestaltet werden, unter welchen
Bedingungen kann von außen in geschützten
Bereichen wie der Telekommunikation investiert
werden, welchen Investitionsschutz gibt es, welche
Rolle muß das Wettbewerbs- und Kartellrecht
spielen, wie muß die öffentliche Auftragsvergabe
gestaltet werden und welchen Zugang hat man zu
Märkten, die von öffentlichen Monopolen beherrscht
werden.

Seite 2

Die Beantwortung dieser Fragen bestimmt immer
mehr, welche Chancen Ausländer auf einem fremden
Markt haben. Diese Fragen greifen auch zunehmend
in inländische Rechts- und Regulierungssysteme ein
und stellen althergebrachte nationale Regelungen
und Regime auf den Prüfstand des internationalen
Wettbewerbs. Diese Konstellation birgt nach Ende
des Kalten Krieges sowohl Risiken als auch Chancen.
Risiken insofern, als nach Wegfall des sicherheitspolitischen Auffangnetzes aus der Zeit des Kalten
Krieges, das eine fundamentale transatlantische
Solidarität begründete, die Auseinandersetzungen um
die neuen Regeln des Wettbewerbs zu Dauerspannungen oder gar Handelskriegen eskalieren könnten.
Ich halte diese Gefahr zwar für gering, aber man
kann auch umgekehrt die transatlantische Wirtschaftskooperation einfach als selbstverständlich
hinnehmen und schwelende Konfliktpotentiale ignorieren, bis sie um so schärfer hervorbrechen.
Umgekehrt besteht aber auch im Wegfall der sicherheitspolitischen Geschäftsgrundlage unserer
Beziehungen eine große Chance für die Wirtschaftsbeziehungen. Es ist nämlich durchaus vorstellbar,
daß sie selbst zum Hauptpfeiler der transatlantischen
Beziehungen werden. Damit müßten die wirtschaftlichen Beziehungen eine wesentlich größere Last
tragen, und es wäre gerade ihre Störung, die zu einer
Eintrübung unserer generellen Beziehungen führen
könnte. Andererseits tut sich ein großes Potential
auf, neue, zivile Strukturen zu schaffen, die unsere
Nationen um so enger aneinander binden. Diese
Bindungen würden auf der Vielfalt der Beziehungen
von Firmen, Individuen und Organisationen beruhen
und wesentlich größere gesellschaftliche Tiefe
erreichen, als es politische und militärische je tun
können.
Zur Beantwortung der Frage, welche Szenarien denn
eintreten könnten - erhöhte wirtschaftliche Spannungen oder vertiefte Kooperation - ist es in der Tat
hilfreich, sich mit den unterschiedlichen wirtschaftlichen Stilen und den Aussichten für eine transatlantische Wirtschaftskultur zu beschäftigen. Meine These
ist, daß die Entwicklung der wirtschaftlichen Stile eher
das kooperative Szenario begünstigt. Je mehr sich
wirtschaftliche Stile, Strukturen und Markttrends
annähern, um so wahrscheinlicher ist die Stärkung
der transatlantischen Wirtschaftskultur.
Die Vereinigten Staaten sind eine "entrepreneurial
society" par excellence. Die Freiheit des einzelnen
Wirtschaftssubjekts, sei es nun eine Einzelperson
oder eine Firma, sich unternehmerisch zu betätigen,
gehört zu den allgemein akzeptierten Grundregeln in
Amerika. Der Staat hat in den USA historisch eine
untergeordnete Rolle gespielt. Zum Beispiel ist der

AMERIKA DIENST 17

�Staatsanteil am Bruttosozialprodukt bei uns immer
niedrigerer als in Europa gewesen, und der Staat ist
selten als Unternehmer aufgetreten. Und selbst bei
Netzmonopolen wie bei den Versorgungsunternehmen und Transport- und Verkehrsunternehmen
haben wir stets privatwirtschaftliche Lösungen
vorgezogen, allerdings unter staatlicher Aufsicht.
Eine starke Rolle haben wir dem Staat jedoch bei
der Wettbewerbsauf sicht und dem Kartellrecht eingeräumt. Kartellbehörden und Gerichte haben für
ausgeprägte Wettbewerbsstrukturen in den Vereinigten Staaten gesorgt. Der Telefonmarkt bei uns
ist durch eine Gerichtsentscheidung in einem Kartellfall aufgebrochen worden. Auch die Bankenaufsicht
hat dazu beigetragen, Machtkonzentration im Bankensektor zu verhindern. Die Trennung von Geschäfts- und Investitionsbanken hat auch dazu
geführt, daß Banken nicht größere Beteiligungen
besitzen und kartellartige Konglomerate und Firmengruppen bilden. Japanische Keiretsu-Strukturen mit
festen Zuliefer- und Vertriebsnetzen konnten sich in
den Vereinigten Staaten nicht ausbilden. Dieses
Strukturmerkmal begründet die fundamentale Offenheit des amerikanischen Marktes.
Ganz im Einklang mit dem Bekenntnis zum Wettbewerb hat der Staat in den Vereinigten Staaten nur
in geringem Ausmaß strukturkonservierende Politik
betrieben. Unternehmen, die sich nicht mehr am
Markt halten können - so ist der Konsens in allen
politischen Parteien - sollten verschwinden. Erhaltungsubventionen waren nie populär. Eine Situation
wie beim deutschen Steinkohlebergbau wäre in den
USA unvorstellbar. Undenkbar wäre dagegen in
Europa, daß man fest etablierte Firmen wie PanAm
oder TWA, Flaggschiffe der amerikanischen Luftfahrtindustrie, einfach vom Markt verschwinden läßt.

günstigeren Preisen geschaffen hat.
Ohne die
Deregulierung wäre der Telekommunikationssektor in
den USA, was sowohl die Vielfalt der angebotenen
Dienste als auch die technologische Infrastruktur
betrifft, nicht einer der fortschrittlichsten auf der Welt.
Zudem sind fortgeschrittene Telekommunikationsleistungen ein strategisches Vorprodukt für eine
ganze Reihe von wichtigen neuen Industrie- und
Dienstleistungssektoren. Ein dynamischer Telekommunikationssektor mit robustem Wettbewerb strahlt
auf die gesamte Volkswirtschaft aus.
Staats- und Sozialinterventionismus sind in den
Vereinigten Staaten viel schwächer als in Europa
ausgebildet.
Der Wohlfahrtsstaat hatte nie die
gleiche Legitimität wie in Europa, was auch den
Erfolg der Republikaner bei den letzten Kongreßwahlen erklärt. In Europa dagegen gehört soziale
Sicherheit bei allen gesellschaftlichen Kräften zu den
zentralen Werten. In den Vereinigten Staaten setzen
wir mehr auf dynamische Arbeitsplatzentwicklung,
gesellschaftliche Durchlässigkeit und Aufstiegschancen durch die Entwicklung von neuen Firmen und
Dienstleistungen. Nach Angaben der OECD ist in
den USA in den letzten 35 Jahren die Gesamtbeschäftigung um 80 Prozent gestiegen, in Europa
dagegen nur um 10 Prozent. Pro 1.000 Erwerbsfähige sind in den USA in den 80er Jahren 55 neue
Arbeitsplätze entstanden, in Deutschland 13 verschwunden. Seit 1980 ist die Arbeitslosenrate in den
Vereinigten Staaten kontinuierlich unter dem europäischen Durchschnitt geblieben, gegenwärtig beträgt
sie nur die Hälfte.

Dieser Trend zu mehr Wettbewerb ist durch die
Deregulierung seit den 70er Jahren noch verstärkt
worden. Ehemals durch staatliche Aufsichtsbehörden vor Wettbewerb geschützte Bereiche wie der
Luft-, Eisenbahn- und Straßenfernverkehr sind dem
Wettbewerb ausgesetzt worden. Das gleiche gilt für
die Telekommunikation, die Medien und die Energiewirtschaft. Vor kurzem hatten wir die erste Auktion
von Radiofrequenzen in den Vereinigten Staaten.
Die Deregulierung bringt schöpferische Unruhe in
das Wirtschaftsleben. Sie schafft wettbewerbsfähigere Firmen, neue und bessere Angebote für
Konsumenten und führt zu starkem Arbeitsplatzwachstum, wenn auch nicht immer bei den alteingesessenen Firmen.

Auch ist es ein Mythos, daß in den Vereinigten
Staaten nur schlecht bezahlte Arbeitsplätze entstanden sind. Zwischen 1980 und 1990 sind pro
1.000 Erwerbsfähige 47 Arbeitsplätze in überdurchschnittlich bezahlten Management-, Technik- oder
Verwaltungsstellen entstanden.
In Deutschland
betrug die entsprechende Zahl dagegen nur 20. Die
Schlußfolgerung daraus lautet, wenn man auf vermeintliche Billigjobs bei McDonalds und ähnlichen
Unternehmen verzichtet, verzichtet man auch auf die
gut bezahlten Managerjobs in diesen Branchen.
Entscheidend in den USA war eine dynamische,
unbehinderte Entfaltung im Service-Sektor. Hätte
sich der Service-Sektor in Deutschland im gleichen
Maße entwickelt wie in den Vereinigten Staaten, gäbe
es 4,7 Millionen Arbeitsplätze mehr in Deutschland.
Allerdings darf man auch nicht die Schattenseite der
Arbeitsmarktdynamik in den USA verschweigen: Das
Einkommen gering qualifizierter Arbeitskräfte stagnierte in den 80er Jahren oder ging gar zurück.

Diesen Prozeß haben wir gut bei der Telekommunikation beobachten können, wo die Deregulierung
ganz neue Märkte, Technologien und Produkte zu

Aus unserer Sicht sind die europäischen Volkswirtschaften immer von zu viel Staatseinfluß bestimmt.
Gerade in den südlichen europäischen Ländern

AMERIKA DIENST 17

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�dominieren ineffiziente, durch Subventionen gestützte Unternehmen, die bei freier Konkurrenz nicht wettbewerbsfähig wären. Zu denken ist etwa an einige
europäische Stahlfirmen, aber auch staatliche Luftfahrtgesellschaften. In vielen Ländern existiert auch
eine Vielzahl von staatlich regulierten oder geschützten Monopolen, die keine Wettbewerber zulassen
und häufig auch durch geschlossene und privilegierte Lieferbeziehungen ausgezeichnet sind.
Für ausländische Anbieter ist es äußerst schwer, auf
diesen Märkten ins Geschäft zu kommen, was wir
gerade auf dem deutschen Markt für Kraftwerksausrüstung erfahren, wo es für unsere auf dem Weltmarkt höchst wettbewerbsfähigen Anbieter fast
unmöglich ist, mit günstigen Angeboten bei öffentlichen Ausschreibungen in Deutschland Erfolg zu
haben.
Die traditionellen Hoflieferanten haben
immer die besseren Karten, da es auf geschlossenen Märkten nicht darauf anzukommen scheint,
welche Preise für die Inputs verlangt werden. Die
Abnehmer und Kunden der Energieerzeuger zahlen
letztlich den Preis dafür.
Derartige Strukturen
erschweren natürlich auch die Kooperation mit
internationalen Partnern, Beteiligungen und Joint
Ventures. In manchen Bereichen sind Direktinvestitionen, die die Voraussetzung für Marktzugang sind,
praktisch oder gesetzlich ausgeschlossen.
Besonders nachteilig haben sich staatlich geschützte
monopolistische Märkte in der Telekommunikation
ausgewirkt. Sie haben nicht nur zum Ausschluß von
ausländischer Konkurrenz geführt, sondern auch
Innovationen und günstigere Preise und Leistungen
verhindert. Ein Grund für den schwindenden Anteil
deutscher Gerätehersteller auf dem Telekommunikationsweltmarkt war das Fehlen von Konkurrenz und
dynamischer Nachfrage nach neuer Technik bei
Telekommunikationsdienstleistungen im Inland.
Nun kann man argumentieren, daß die Unterschiede
in unseren Wirtschaftstrukturen und -Stilen auch
bisher die transatlantische Kooperation nicht behindert haben. Ausweitung des Handels und vertiefte
Zusammenarbeit sind auch bei unterschiedlichen
Strukturen von verschiedenen marktwirtschaftlichen
Systemen möglich. Doch verkennt diese These, daß
die Weltwirtschaft durch zunehmenden Handel und
Direktinvestitionen immer enger verflochten wird.
Das heißt, die Früchte früherer Kooperation machen
eine weitere Vertiefung der Kooperation und der
Angleichung der Strukturen nötig.
Der Außenhandel wird heute immer stärker von
Direktinvestitionen, der Präsenz eines produktiven
Standbeins im Markt des Handelspartners, angetrieben.
Die weltweiten Umsätze amerikanischer
Firmen stellen unsere Exporte in den Schatten.

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1992 betrugen unsere Exporte 500 Milliarden Dollar,
die Verkäufe amerikanischer Firmen im Ausland
insgesamt dagegen 1,5 Billionen Dollar, wovon mehr
als die Hälfte auf Europa entfällt.
Handelsschranken an den Grenzen sind nicht die
einzigen Hindernisse, auf die Firmen stoßen. Für
Firmen, die weltweit tätig sind, wird es zum kritischen
Hindernis, wenn man in bestimmte Bereiche de jure
oder de facto nicht investieren kann, wenn bestimmte
Dienstleistungen nicht angeboten werden können
oder übermäßig reguliert sind, wenn z.B. bestimmte
Telekommunikationsdienste nicht zur Verfügung
stehen oder wenn bestimmte Produkte nicht frei von
den bevorzugten Quellen bezogen werden können.
Derartige Konstellationen hemmen den Güterfluß und
wirtschaftliche Aktivitäten zwischen Nationen.
Die Zunahme der Verflechtungen in einer sich
globalisierenden Weltwirtschaft übt jedoch ständig
Druck aus, Wirtschaftsstrukturen anzupassen oder
stärker miteinander kompatibel zu gestalten. Wird
dieser Anpassungsprozeß von der Politik nicht
behindert, sondern aktiv unterstützt, dann werden
divergierende Wirtschaftsstile kein so großes Hindernis für die transatlantische Kooperation mehr darstellen. Wachsende Verflechtung durch Joint-ventures, Direktinvestitionen, Beteiligungen, strategische
Allianzen, Austausch von Personal, gemeinsame
Ausbildungs- und Qualifikationsmerkmale lassen die
Unterschiede in den Wirtschaftsstilen immer geringer
werden. Viele führende Manager wie David Herrmann von Opel und Ron Sommoer von der Deutschen Telekom haben Erfahrung auf beiden Seiten
des Atlantiks gesammelt.
Auch in politisch beeinflußten Wirtschaftsstrukturen
können wir so etwas wie zunehmende Konvergenz
entdecken. Der europäische Binnenmarkt ist ja ein
bahnbrechender Versuch, die nationalen Wirtschaftsstile in Europa zu vereinheitlichen und einen Markt
ohne Grenzen und Unterschiede zu scharfen.
Einheitliche Regeln sollen bei Investitionen, Dienstleistungen und auf allen Gütermärkten gelten, ein
Vorhaben, das wir rückhaltlos unterstützen, solange
auch an die Interessen von Drittländern wie den
Vereinigten Staaten gedacht wird. Wir haben den
ausdrücklichen Wunsch, daß sich in Europa ein
einheitlicher Wirtschaftsstil durchsetzt, der von Offenheit und Liberalität gekennzeichnet ist.
In allen industrialisierten Ländern hat sich in den
vergangenen 15 Jahren ein Trend zur Deregulierung,
Privatisierung und Aufbrechung von Monopolen
durchgesetzt. In fast allen europäischen Ländern
werden die Telekommunikationsdienste, der Verkehr
und die Medienmärkte liberalisiert und privatisiert,
was auch neue Chancen für ausländische Anbieter

AMERIKA DIENST 17

�mit neuen Produkten und Technologien schafft.
Wettbewerb und neue Marktchancen sind die
Gebote der Stunde. Doch die Anpassung verläuft
keineswegs in eine Richtung. In den USA hat die
Clinton-Administration erkannt, daß eine wettbewerbsfähige Industriegesellschaft nicht ohne leistungsfähige Krankenversicherungssysteme, ein gut
funktionierendes Berufsbildungssystem und eine
marktbezogene staatliche Forschungs- und Technologiepolitik auskommt. Auf diesen Gebieten nähern
wir uns eher Europa an.
Konfliktmindernd zwischen Europa und Amerika wirkt
die Tatsache, daß unsere Wirtschaftsbeziehungen im
großen und ganzen sehr ausgeglichen sind. Seit
1970 haben wir in manchen Jahren ein Handelsdefizit mit Europa gehabt und in anderen einen
Überschuß. Doch wenn man Überschüsse und
Fehlbeträge über einen Zeitraum von 25 Jahren
zusammenrechnet, so sind unsere Handelsströme
absolut ausgeglichen. Dies steht in deutlichem
Kontrast zu Asien. Obwohl das Handelsvolumen
insgesamt größer ist als der Handel mit Europa,
haben wir seit 1970 auf kumulierter Basis Defizite in
Höhe von mehr als einer Billion Dollar zu verzeichnen gehabt, mit Japan allein in der Höhe von 700
Milliarden Dollar. Handelsbeziehungen zwischen
uns und Europa sind nicht in dem gleichen Maße
durch strukturelle Hemmnisse und Verzerrungen
belastet wie die mit Asien.
Auch sind unsere Investitionsbeziehungen eng. Mehr
als 50 Prozent der europäischen Auslandsinvestitionen befinden sich in den USA, und 50 Prozent der
amerikanischen in Europa. Siemens beschäftigt
40.000 amerikanische Mitarbeiter. BMW und Mercedes sind die jüngsten Beispiele für das Engagement
europäischer Firmen auf dem amerikanischen Markt.
Aufgrund dieser engen Verflechtung und der Ausgewogenheit unserer Handelsbeziehungen bin ich
ziemlich zuversichtlich, daß sich das Ende des
Kalten Krieges nicht negativ auf unsere Beziehungen
auswirkt und sich wirtschaftliche Konflikte im Zaum
halten lassen, auch wenn der sicherheitspolitische
Zwang zur Kooperation entfallen ist. Gleichfalls
dürfen wir aber auch nicht selbstzufrieden werden
und den guten Stand der Wirtschaftsbeziehungen als
selbstverständlich voraussetzen. Das Zusammenwachsen der Volkswirtschaften und die Anpassung
unterschiedlicher Wettbewerbstrukturen werden nicht
reibungslos vonstatten gehen, sondern bergen
Konfliktstoff in sich.
Auf einige Probleme wie öffentliche Beschaffung,
wettbewerbsmindernde, marktabschottende Kartelle
und Zusammenschlüsse, Investitionsbeschränkungen, Quoten bei Fernsehen und neuen Medien bin

AMERIKA DIENST 17

ich schon eingegangen. Zu erwähnen ist natürlich
auch noch der Agrarmarkt. Alle diese Bereiche
brauchen ein zukunftsorientiertes Problemmanagement, wenn es nicht zu Verstimmungen und Störungen im transatlantischen Verhältnis kommen soll.
Das heißt, daß wir einen verläßlichen formalen
Rahmen entwickeln müssen, in dem wir mit diesen
Konflikten umgehen können. Das gilt um so mehr,
als die Clinton-Administration der Wirtschaft einen
zentralen Stellenwert in der Außenpolitik einräumt.
Kommen wir aber zu langfristigen und tragfähigen
Problemlösungen, so steigen auch die Chancen
immens, daß sich die wirtschaftlichen Beziehungen
zu dem zentralen Pfeiler der transatlantischen Beziehungen entwickeln. Damit wäre auch die Gefahr
gebannt, daß sich nach Wegfall der kommunistischen
Bedrohung ein Vakuum auftut, das langfristig zu
transatlantischer Entfremdung und Indifferenz führen
könnte. Kurz, wir brauchen eine neue ökonomische
Architektur für die transatlantischen Beziehungen,
und diese Architektur könnte so etwas wie das
transatlantische Haus werden.
In den letzten Monaten sind eine Reihe von Vorschlägen gemacht worden, wie man diese ökonomische Architektur institutionalisieren könnte.
Sie
reichen von einem europäisch-amerikanischen
Vertrag, über einen europäisch-amerikanischen
Wirtschaftsraum bis zu einer Nordatlantischen Freihandelszone, die von Außenminister Kinkel, dem
kanadischen Premierminister Chretien und von dem
amerikanischen Gewerkschaftsführer Lane Kirkland
angeregt worden ist. Daß es notwendig ist, die
transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen zu vertiefen, steht außer Frage. Augenblicklich jedoch
unterstützen wir keinen bestimmten formalen Vorschlag, und es gibt keine offizielle Position zu der
Entwicklung eines formalisierten Rahmens wie einer
atlantischen Freihandelszone.
Wie der Staatssekretär für Welthandel im US-Wirtschaftsministerium, Jeffrey Garten, bei seinem
Besuch letzter Woche in Deutschland gesagt hat, ist
es noch verfrüht, über ein so komplexes und anspruchsvolles Vorhaben wie eine Freihandelszone zu
sprechen. Statt dessen haben wir einen transatlantischen business dialogue zwischen den Firmen und
großen Verbänden beiderseits des Atlantiks angeregt,
um Ziele und Visionen einer neuen transatlantischen
Wirtschaftsarchitektur zu entwickeln. Wir glauben,
daß diejenigen, die tagtäglich in die Praxis der
Wirtschaftsbeziehungen eingebunden sind und die
Probleme des Wirtschaftsalltags kennen, wesentlich
besser geeignet sind, die Problemslösungsmöglichkeiten zu entwickeln, die ein tragfähiges Fundament
für ein formalisiertes Rahmenwerk abgeben können,
als akademische Theoretiker oder Beamte. Die

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�spezifischen Themen liegen praktisch auf der Straße
und sind den meisten Firmen schon seit Jahren
vertraut.
Möglich ist, daß es hier vorerst zu Teillösungen
kommt. Doch ein derartiger Dialog zwischen Firmen
und Wirtschaftsvertretern wird ein wesentlicher
Baustein für die Vertiefung und den Ausbau der
transatlantischen Wirtschaftskultur sein, die in den
nächsten Jahren zu dem Fundament unserer Bezie-

*

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hungen überhaupt werden könnte. Die entstehende
transatlantische Wirtschaftskultur ist kein Konstrukt,
sondern durch die Verflechtungen unserer Volkswirtschaften schon Realität geworden. Deshalb wird sie
in den nächsten Jahren eine immer wichtigere Rolle
im transatlantischen Dialog spielen und dazu beitragen, daß auch das politische Gerüst unserer Handels- und Investitionsbeziehungen immer tragfähiger
wird.

*

AMERIKA DIENST 17

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                <text>&lt;strong&gt;1. Aus der medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erfolgreiche Schilddrüsenbehandlung mit reduzierter Radiojod-Dosis&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beeinflussung von Knochenwachstum und Tumoren durch Niedervoltstrom&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Infratrot-Kamera zur Frühdiagnose von Krebs&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bakterien liefern "Antibiotikum" gegen Arteriosklerose&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kombinationstherapie für Thrombose&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Olympische Spiele 1960&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Sportler qualifizieren sich für Rom&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Olympiamannschaft der USA wird aus 21 Einzelteams bestehen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erlebter Tanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Juilliard School of Music zehrt von Vermächtnis der Choreographin Doris Humphrey&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger zeigt Beziehungen zwischen USA und Westeuropa auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Unterstaatssekretärs vor Kongressunterausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten vor der Abschlussklasse in West Point&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Reagan: USA zu Opfern für die Verteidigung bereit -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

1 0 . J u n i 1987

22

I N H A L T

DOKUMENTATION
Der Marshall-Plan leitete 'Zeitalter der Freiheit* ein
- Präsident Reagans Ansprache an die Jugend Europas Niedrigeres Rüstungsniveau zur Stabilisierung der Ost-WestBeziehungen angestrebt
- Erklärung der Gipfelpartner Öltransport muB im Golf fortgesetzt werden können
- Erklärung der Gipfelpartner Gipfelpartner erzielen Einigung über Sanktionen zur
Terror ismusbekämpfung
- Erklärung zum Terrorismus Schlußkommunique des Weltwirtschaftsgipfels in Venedig
- Wortlaut der Erklärung -

WIRTSCHAFT
Teilweise Aufhebung der Handelssanktionen gegen Japan
- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Starttermin für nächsten Raumtransporter-Flug

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. Juni 1987

22
DER MARSHALL-PLAN LEITETE "ZEITALTER DER FREIHEIT" EIN
- Präsident Reagans Ansprache an die Jugend Europas -

VENEDIG - (AD) - In seiner am 5. Juni im "Worldnet", dem per Satellit übertragenen Programm des US-Informationsamtes (USIA), gehaltenen Rede an die Jugend
Europas bezeichnete Präsident Reagan den Marshall-Plan als Beginn eines "neuen
Zeitalters der Freiheit, eines neuen Zeitalters der Hoffnung und des Wohlstandes, die in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen - für die
ganze Welt ein Vorbild dessen, was der freie Mensch erreichen kann". Reagan
wies darauf hin, daß die durch das schnelle Entstehen moderner Technologien
beeinflußte Weltwirtschaft gegenwärtig tiefgreifenden Umwandlungen ausgesetzt
ist, die "nach Freiheit verlangen".
Der Präsident erklärte ferner, daß die vom 8. bis 10. Juni am Weltwirtschaftsgipfel in Venedig teilnehmenden sieben wichtigsten Industrienationen
ihren Beitrag zur Stärkung von Freiheit und wirtschaftlichem Wohlstand leisten
können, indem sie gemeinsame Maßnahmen anwenden, die neue Möglichkeiten und
Wachstum für die Wirtschaft hervorbringen.
Die Rede Präsident Reagans hat folgenden Wortlaut:
Guten Tag. Ich spreche heute aus
Venedig über das Satellitenprogramm
"Worldnet" zu Ihnen.
Ich bin hierhergekommen, um anläßlich des 13.
Weltwirtschaftsgipfels
mit
den
Staats- und Regierungschefs von Japan,
Frankreich,
Kanada,
Italien,
Großbritannien und der Bundesrepublik
Deutschland zusammenzutreffen.
Unsere Aufgabe wird darin bestehen, festzustellen, wie wir uns als Gemeinschaft auf die Herausforderung eines
neuen Jahrhunderts vorbereiten können.
Wir richten unseren Blick in die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Zukunft - und aus diesem Grunde möchte ich in den nächsten Minuten meine
Ausführungen besonders an die Jugend
Europas richten.
Gestatten Sie mir
als einem Menschen, dessen Leben den
größten Teil dieses Jahrhunderts umspannt, einige Beobachtungen über das
nächste Jahrhundert - über eine Zukunft der wachsenden Hoffnungen und
Möglichkeiten, in der Träume Wirklichkeit werden können, wenn wir nur
den Mut haben, sie weiterzuverfolgen.
Vor nicht allzulanger Zeit, im
vergangenen Jahrzehnt, war es Mode,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�über das Zeitalter der Grenzen zu
sprechen.
Es wurde behauptet, die
Ressourcen der Welt gingen zu Ende,
die Welt stehe kurz vor dem Untergang, würde immer ärmer. Es war eine
Zeit der zurückgehenden Erwartungen,
in der die Menschen lernen mußten,
mit weniger auszukommen.

kann, wenn die totalitären Länder
keine Reformen durchführen - der einzige Kurs, den die Welt beim Eintritt
in das 21. Jahrhundert einschlagen
kann, besteht in der Wahl von Freiheit und freien Gesellschaften, die
das gesamte Potential der Menschheit
freisetzen.

In jenen Jahren machte die westliche Welt etwas durch, das nur als
Krise des Vertrauens in unsere Grundwerte beschrieben werden kann.
Es
waren zunehmend stimmen über die sogenannte "Annäherung" der freien Welt
und der kommunistischen Länder zu
vernehmen. Es wurde behauptet, Freiheit sei ein Luxus, den wir uns nicht
länger leisten könnten.
Angesichts
der Zwangslage einer kleiner werdenden Welt müßten die freien Nationen
immer mehr von ihren wirtschaftlichen
und politischen
Freiheiten abgeben
und
zunehmend staatliche
Kontrolle
akzeptieren.

Die Welt und ihre Wirtschaft befinden sich inmitten einer tiefgreifenden Umwandlung.
Manchmal vollzieht sich dieser Wandel so schnell,
daß man ihm kaum folgen kann, aber
lassen Sie mich Ihnen nur einige Beispiele für die technologische Revolution anführen.
Diese Beispiele sollen als Maß dafür dienen, wie weit
wir gekommen sind, sowie als Richtschnur, die uns den Weg weist.

Ich möchte Ihnen heute darlegen,
wie und warum das Gegenteil eingetreten ist, wie das "Zeitalter der Grenzen" durch eine Wiederbelebung politischer und wirtschaftlicher Freiheit
hinweggefegt wurde, wie unsere Volkswirtschaften in ein neues Zeitalter
eintraten, in dem sie die Grenzen der
materiellen Ressourcen überschritten.
Gegenwärtig ist nicht die "Annäherung", sondern der Unterschied zwischen den freien und unfreien Ländern
deutlicher geworden - während die totalitären Staaten zunehmend von "Offenheit" und "Liberalisierung" sprechen, sollten sie in Anerkenntnis
dessen, und sei es nur zum überleben,
ihren Gesellschaften
mehr
Freiheit
einräumen.
Und ich möchte heute zu Ihnen
darüber sprechen, wie dieser Unterschied
zwischen demokratischen und
totalitären Staaten nur noch zunehmen

Angesichts der Anstrengungen der
Zeitungen,
mit
den
offensichtlich
täglichen Durchbrüchen in den Labors
Schritt zu halten, ging in jüngster
Zeit oft der Begriff "Supraleitfähigkeit" durch die Schlagzeilen.
Erst
vor einem halben Jahr galt Supraleitfähigkeit
als
wissenschaftliches
Randgebiet, als Phänomen von geringem
praktischen Nutzen.
Jetzt vertreten
Wissenschaftler die Ansicht, es könne
unser Leben verändern.
"Es zeigt,
daß all die von uns gehegten Träume
Wirklichkeit werden können", erklärte
ein Forscher.
"Der Himmel ist die
Grenze".
Wissenschaftler
sprechen
von
Hochgeschwindigkeitszügen,
die
über
Gleise schweben. Autohersteller planen bereits elektrische Autos. Manche sind der Ansicht, Sonnenenergie
könnte konkurrenzfähig werden.
Alles, was mit Strom funktioniert, wie
etwa Motoren, Generatoren, Kabel und
Magnete, könnte auf verblüffende Art
und Weise
leistungsfähiger
werden.
Das bedeutet eine geringere Abhängigkeit von ausländischem öl, weniger

- 2 -

�Umweltverschmutzung und eine sauberere Umwelt - es würde wie eine Adrenalinstoß auf die Weltwirtschaft wirken, das Wachstum und die Schaffung
von Arbeitsplätzen vorantreiben und
die Lebensqualität aller verbessern.
Durch
Supraleitfähigkeit
wird
eine andere Revolution beschleunigt die täglich in der Computerindustrie
stattfindende Revolution.
Ein jüngster Vorstoß ist der neue HalbleiterChip. Bei bestimmten Aufgaben könnte
eine Handvoll dieser Chips, die pro
Stück etwa zwei Dollar kosten, Supercomputern im Wert von Abermillionen
Dollar überlegen sein. Der folgende
Vergleich stammt von einem Wissenschaftler.
Wenn die Technologie im
Automobilbereich so schnell fortgeschritten wäre wie die HalbleiterTechnologie
in den vergangenen 20
Jahren, so kostete diesem Wissenschaftler
zufolge ein Rolls Royce
jetzt weniger als drei Dollar, mit
einer Gallone Treibstoff könnte man
drei Millionen
Meilen zurücklegen,
genug Strom erzeugen, um einen Ozeandampfer anzutreiben, und sechs solcher Chips wären nur so groß wie ein
Stecknadelkopf.
Dies ist jedoch mehr als eine explosionsartige Entwicklung der Produktivität.
Die heutigen Computer
werden in der geheimnisvollen Welt
der Quantenphysik betrieben und signalisieren einen Quantensprung in der
Weltwirtschaft. Wir bewegen uns von
der Wirtschaft der industriellen Revolution - einer Wirtschaft, die sich
aus den materiellen Ressourcen und
Bodenschätzen der Erde versorgt und
an diese gebunden ist - zu einer
"Wirtschaft des Verstandes", wie das
Buch
eines
Wirtschaftswissenschaftlers betitelt ist, in der menschliche
Phantasie, Kreativität und Mut die
wertvollsten Grundstoffe bilden.

Denken Sie nur an diesen kleinen
Computerchip.
Solche Chips sind die
treibende Kraft der modernen Wirtschaft, aber sie werden aus dem Silikon des Sandes, einem der gewöhnlichsten Stoffe der Erde, gewonnen. Ihr
Wert besteht nicht in dem Material,
aus dem sie hergestellt werden, sondern in dem mikroskopischen Aufbau,
zu dem sie vom genialen menschlichen
Verstand zusammengefügt werden. Oder
nehmen
sie
dieses
"Worldnet"-Programm, das durch eine Satellitenschaltung
übertragen wird.
Dieser
Satellit
- Produktion
menschlichen
Erfindergeistes
- ersetzt
Tausende
von Tonnen aus der Erde gegrabenen
und zu Kabeln gedrehten Kupfers. Wir
bewegen uns von einem Zeitalter der
Objekte in ein Zeitalter der Gedanken, des Triumphes von Geist über Materie. Es ist der Verstand des Menschen - frei für Erfindungen, Experimente, Träume - der die Wirtschaft
und die Welt der Zukunft gestalten
wird.
Das
sind
allerdings
schlechte
Nachrichten für dirigistische Systeme.
Der zentral gelenkte Staat kann
aus dem Boden Metalle oder öl fördern.
Obwohl weniger produktiv als
eine freie Wirtschaft, kann er riesige Fabriken und Fließbänder betreiben.
Aber er kann nicht den Geist
des
Unternehmertums
hervorbringen.
Er kann nicht die Wagnisse freier
Märkte imitieren oder das innovative
Element von Experimenten, die Wissen
und Fortschritt mit sich bringen.
Keine Regierung kann den Unternehmer
schaffen, oder diesen Funken der Erfindung entzünden. Alles was sie tun
können, ist ihre Menschen freizugeben
- ihnen die Freiheit des Geistes und
der Seele zu gewähren.
Einige vertreten die Ansicht, daß
staatliche
Planung
wirkungsvoller
ist, da man sich auf Steuervergünsti-

- 3 -

�gungen und andere Subventionen für
Unternehmen verlassen kann.
Schätzungsweise 70 Prozent der nahezu 14
Millionen neu geschaffenen Arbeitsplätze sind aus neuen, kleinen und
wachsenden Firmen entstanden.
Eines
der
erfolgreichsten
Computer-Unternehmen in Amerika wurde von zwei
College-Studenten in der Garage hinter ihrem Haus gegründet.
Der fruchtbarste und am schnellsten wachsende Sektor einer
jeden
Wirtschaft ist der Bereich, der bis
jetzt erst als Traum in einem Kopf
oder als Eingebung in einem Herzen
besteht. Niemand kann jemals vorhersagen, wo der Wandel seinen Ursprung
haben wird oder etwa die Industrien
der Zukunft vorhersehen.
Keine Regierung würde je diese beiden jungen
Männer als Zielgruppe angesehen haben, die Tag und Nacht arbeiteten, um
ihren Traum in einer Garage zu verwirklichen.
Beim
diesjährigen
Wirtschaftsgipfel in Venedig sehen wir um uns
herum eine Weltwirtschaft, die von
raschen Veränderungen gekennzeichnet
ist - und es sind Veränderungen, die
nach Freiheit verlangen. Was können
die Regierungen tun? Sie können das
tun, was unsere Gipfelpartner in die
Wege geleitet haben, angefangen von
politischen Maßnahmen, die neue Möglichkeiten und Wachstum für die Wirtschaft fördern - niedrige Steuersätze, Privatisierung und Aufhebung der
Kontrolle.
Sie
sollten
ferner
Schritte zum Abbau der handelsverzerrenden Subventionen und eines Arbeitsrechts unternehmen, das Arbeitslosigkeit fördert.
Ganz oben auf unserer Tagesordnung werden auch die Maßnahmen stehen, mit denen wir die Zusammenarbeit
zwischen unseren Ländern verbessern
können.
AgrarSubventionen waren zum

Beispiel eine der schlimmsten Missetaten, die für unsere zunehmenden
Handelsspannungen verantwortlich waren.
Laßt
uns
gemeinsam
diesen
kostenintensiven Agrarwettlauf abbrechen, indem wir uns für das Jahr 2000
das ziel einer Welt setzen, in der es
keine Subventionen mehr gibt. In der
Zwischenzeit müssen wir unsere Verpflichtung zum Abbau der Wechselkursschwankungen und zur Ankurbelung des
Wirtschaftswachstums
einhalten.
In
Deutschland
verlangsamt
sich
das
Wirtschaftswachstum
und damit verlangsamt sich das Wachstum in ganz
Westeuropa.
Es ist von vordringlicher Bedeutung, daß die Bundesrepublik
Deutschland der Verpflichtung
zur Wiederbelebung ihrer stagnierenden Wirtschaft nachkommt. Auch Japan
könnte dazu beitragen, das Ungleichgewicht der Weltwirtschaft zu beheben, indem es das Ungleichgewicht
seiner
eigenen Wirtschaft zurechtrückt. Es ist an der Zeit, daß Japan
dem Nachholbedarf der Verbrauchernachfrage im eigenen Land freien Lauf
läßt.
Gestattet
dem
japanischen
Volk, mehr von dieser beachtlichen
Wirtschaft zu profitieren, an deren
Aufbau es so hart gearbeitet hat.
ich
weiß,
daß
Premierminister
Nakasone dies erkannt und dem japanischen Unterhaus kürzlich ein Maßnahmenprogramm
vorgelegt hat.
Das
japanische Versprechen, den Entwicklungsländern zur Erleichterung ihrer
enormen Schuldenlast mehr als 20 Milliarden Dollar Finanzhilfe zu gewähren,
ist
ebenfalls
ein
positiver
Schritt in diese Richtung.
Wenn wir das amerikanische Haushaltsdefizit betrachten, so können
wir wahrhafte Fortschritte verzeichnen. Aber wir müsssen noch mehr tun.
In den vor uns liegenden Monaten werde ich mich, wie ich es bei der Steuerreform getan habe, direkt an das
amerikanische Volk wenden. Ich werde

- 4 -

�erklären, daß wir jegliche Sonderrechte in unserem Steuersystem abgeschafft haben - und jetzt ist es an
der Zeit, unseren Haushalt davon zu
befreien. Es ist Zeit für eine echte
Haushaltsreform.
Und nicht zuletzt müssen alle Nationen dem Ruf nach Protektionismus
widerstehen.
Der sogenannte Protektionismus ist so schädlich wie eine
Droge.
Er wird zur Zerstörung all
derer führen, die ihn anwenden. Und
deshalb nenne ich ihn "destruktivistisch", denn das einzige, was er hervorbringt
ist,
Verlangsamung
des
Wachstums, Vernichtung von Arbeitsplätzen und Behinderung des Fortschritts. Während wir dem Beginn eines neuen Jahrhunderts entgegengehen,
wiegen jedoch die Möglichkeiten bei
weitem die Probleme auf, mit denen
wir uns konfrontiert sehen. Wenn wir
die Welt betrachten, sehen wir ein
zunehmendes Maß an Freiheit. Während
freie Märkte Asien beleben, finden in
Mittel- und Südamerika immer häufiger
freie Wahlen statt.
In Afrika sind
sich viele der politisch Verantwortlichen
einig,
daß
Freiheit
den
Schlüssel für die Entwicklung darstellt.
In China bedeuten Reformen
für mehr als eine Milliarde Menschen
einen ersten Geschmack von Freiheit.
Dennoch dürfen wir darüber nicht vergessen, daß dieser Woge der Freiheit
heute eine unversöhnliche Realität
entgegensteht.
Nächste Woche werde
ich mich an die Menschen in WestBerlin wenden.
ich werde vor der
Mauer stehen, die wie eine offene
Wunde im Herzen Europas klafft - die
Mauer, die all das verkörpert, was
unseren
demokratischen
Werten
der
Freiheit und Menschenrechte am feindseligsten gegenübersteht.
Ein
Regime,
das
von
solcher
Furcht vor seinem eigenen Volk beseelt ist, daß es dieses Volk hinter

einer Mauer einsperren muß, ist ein
Regime, das stets eine Quelle der
Spannungen in Europa darstellen wird.
Es wird sich immer mit den freien
Menschen überall auf der Welt in Widerstreit befinden.
wie der Zufall
es will, ist der heutige 5. Juni der
40. Jahrestag der feierlichen Einführung des Marshall-Plans.
Jene Tage
waren von erheblicher Großzügigkeit
und überragendem Mut gekennzeichnet als sich die Länder Europas aus der
Asche des Krieges erhoben, ihre jahrhundertealten
Feindseligkeiten
beilegten und sich gemeinsam mit Amerika
an den Aufbau eines neuen Zeitalters
der Freiheit und des Wohlstands begaben.
Im Geiste jener Zeit bot Amerika
allen europäischen Nationen die Vergünstigungen des Marshall-Plans an:
Ost und West, einschließlich der Sowjetunion.
Die Grundregeln lauteten
einfach: Offenheit und guter Wille alle Länder mußten ihre Bücher offenlegen und keinem Land wurde gestattet, den Plan zugunsten politischem
Profits zu manipulieren. Einige Länder
unter
sowjetischer
Herrschaft
hatten gehofft, an dem Plan teilhaben
zu können - aber Stalin befahl deren
Vertreter nach Hause zurück. Die Sowjets erlaubten ihnen nicht, ihre Bücher - oder ihre Länder - dem frischen Wind der Freiheit und des Unternehmertums zu öffnen.
Wir haben viel über den sowjetischen Wunsch nach einer Beteiligung
an der Weltwirtschaft gehört - und
nicht mehr länger das fünfte Rad am
Wagen sein zu wollen.
Die Grundregeln bleiben die gleichen wie vor 40
Jahren.
Kein Spielverderber
sein.
Keine Manipulation der Weltorganisationen für politische Vorteile. öffnet die Wirtschaft, öffnet das politische System.
öffnet die Grenzen.
Laßt die Menschen gehen.
Laßt sie

- 5 -

�reisen, wohin sie wollen, und leben,
wo sie wollen.
Laßt sie ins Licht
der Freiheit eintauchen.
Und
noch
ein
weiterer
Punkt:
Laßt die Waffen zu Hause. Gebt Afghanistan auf - sie haben dort nichts
zu suchen. Baut die auf Europa gerichteten Waffen ab. Dann werden wir
sie gerne als konstruktiven Partner
bei unseren Projekten für das 21.
Jahrhundert willkommen heißen.
Als ich das letzte Mal an einem
Wirtschaftsgipfel in Europa teilnahm,
gingen viele junge Menschen auf die
Straße, um zu demonstrieren.
Sie
forderten das Ende der Atomwaffen.
Wie gerne wollte ich sie wissen lassen, daß ich im Herzen mit Ihnen
fühlte, daß auch ich den Tag herbeisehnte, an dem die Menschheit frei
vom Schrecken der nuklearen Vernichtung leben könnte.
Aber die Aufgabe war nicht so
leicht, wie einfach einen Vertrag zu
unterzeichnen. Die Mauer, die Europa
teilt - die unter Mißachtung der sowjetischen Versprechungen und jeden
menschlichen Anstandes errichtet wurde - hat uns dies bewiesen.
Wir
konnten unsere Freiheit und unser Leben nicht für eine so fadenscheinige
Sicherheit verpfänden. Wenn ein Vertrag überhaupt etwas wert sein soll,
muß er durch Inspektionen vor Ort verifizierbar sein. Er muß die Gesamtzahl der Waffen auf beiden Seiten
entscheidend
verringern, und nicht
einfach die Aufrüstung kodifizieren,
wie dies Verträge in der Vergangenheit so häufig getan haben. Am wichtigsten ist, daß keine Seite überlegen oder verwundbar sein darf.
Unsere Beharrlichkeit und Standhaftigkeit könnte sich jetzt in einem
Abkommen bezahlt machen, das sehr in
unserem Interesse liegt und unsere
- 6

Bedingungen erfüllt.
Wir
Ziel natürlich noch nicht
einige entscheidende Fragen
offen. Aber die Aussichten

haben das
erreicht;
sind noch
sind gut.

Es ist wichtig zu betonen, daß
der jetzt von uns ausgehandelte Vertrag über Mittelstreckenwaffen nicht
das Ende, sondern den Anfang von Abrüstungsbemühungen darstellt.
Unsere
höchste
Priorität bleibt weiterhin
der einschneidende, gerechte und verifizierbare Abbau der interkontinentalen nuklearen Waffensysteme.
Und
so lange die Sowjetunion chemische
Waffen hortet und umfassende konventionelle Streitkräfte unterhält, die
auf ihrem eigenen Territorium und in
Ost-Europa in Angriffsposition stehen, müssen die freien Nationen Europas stark und bereit bleiben, in Anbetracht der sowjetischen Überlegenheit bei diesen Streitkräften müssen
wir sogar unsere konventionelle Verteidigungsfähikeit
verbessern,
so
schwierig und teuer das auch sein
mag.
Die Vereinigten Staaten werden
ihre Verpflichtung zur Verteidigung
Europas nicht aufgeben.
Wir werden
die Glaubwürdigkeit der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion aufrechterhalten, die uns gut gedient hat und
weiterhin das Kernstück der Strategie
des Bündnisses bildet.
Gleichzeitig liegt unser höchstes
Ziel auch weiterhin nicht nur darin,
nukleare Waffen zu reduzieren und zu
beschränken, sondern darin, diese für
immer überflüssig zu machen, und eine
auf Hochtechnologie basierende Verteidigung zu schaffen, die nukleare
Waffen zerstört, bevor diese den Menschen zerstören können. Die technologischen Durchbrüche, auf die ich
zuvor hingewiesen hatte - Supraleitfähigkeit und Großcomputer auf einem
Chip - könnten uns sehr schnell dem
Tag näherbringen, an dem die Menschheit nicht mehr länger vor den vom

�Himmel kommenden Schrecken Angst haben muß, wenn wir frei, zuversichtlich, sicher und friedlich atmen können.
Wenn ich den jungen Leuten Europas eine Botschaft vermitteln kann,
dann diese:
Die Geschichte ist auf
Seiten der Freien. Hoffnung und unerschütterlicher
Glaube
an
unsere
grundsätzlichen
Werte der
Freiheit
und Menschenrechte - dies sind die
einzigen Leitlinien, die wir brauchen, um nicht nur ins 21. Jahrhundert, sondern ins dritte Jahrtausend
zu reisen.
Die in der westlichen
Welt noch vor einem Jahrzehnt bestehende Krise des Vertrauens ist durch
Stärke und Zuversicht ersetzt worden.
Nun spricht der Osten von Offenheit,
von "Glasnost". Wir hoffen, daß die
ersten wenigen Anzeichen eines Wandels in der Sowjetunion auf einen
wirklichen
Wunsch hindeuten, diese
geschlossene Gesellschaft zu öffnen.

des Marshall-Plans feiern, können wir
stolz auf das sein, was wir gemeinsam
geschaffen haben:
Ein neues Zeitalter der Freiheit, ein neues Zeitalter
der Hoffnung und des Wohlstandes, die
in der Geschichte der Menschheit ihresgleichen suchen - für die ganze
Welt ein Vorbild dessen, was der
freie Mensch leisten kann.
Dies ist eine andere Welt als vor
40 Jahren.
Die jüngere Generation
Europas, also diejenigen von ihnen,
die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren wurden, mußten nicht die Zerstörung und den Kummer aus der Zeit Ihrer Eltern erleiden. Aber Ihre Herausforderung ist nicht weniger groß sie besteht in nichts Geringerem, als
das Versprechen an die Zukunft anzunehmen und die Lehren unserer Freiheit an eine wartende Welt weiterzugeben.

Die Wahl liegt bei ihnen:
Sie
können entweder am Fortschritt der
Geschichte teilhaben, oder aber immer
weiter in die wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit
zurückfallen.
Wir
können uns auf den Tag freuen, an dem
die Technologie die Bedrohung des gegenseitigen nuklearen Schreckens abschafft - wenn nicht mehr lediglich
eine Ansammlung
gewaltiger
Vorräte
von Nuklearwaffen eine Nation zur Supermacht werden läßt, dann wird die
Sowjetunion als das erscheinen, was
sie wirklich ist: Ein Land, das individuelle
Freiheiten
einer
antiquierten
materialistischen
Philosophie des 19. Jahrhunderts geopfert
hat - ein Beispiel für die Welt, wie
man ein Land nicht regieren sollte.
Der Gegensatz zwischen Totalitarismus
und Freiheit wird sogar noch deutlicher werden.
Wenn wir heute den 40. Jahrestag
- 7 -

Vielen Dank und Gott schütze Sie.

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VoN^

10. Juni 1987

22
NIEDRIGERES RÜSTUNGSNIVEAU ZUR STABILISIERUNG
DER OST-WEST-BEZIEHUNGEN ANGESTREBT
- Erklärung der Gipfelpartner -

VENEDIG - (AD) Die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden
westlichen Industrienationen bekundeten in ihrer am 9. Juni in Venedig abgegebenen Stellungnahme die Absicht, "den militärischen Wettlauf zwischen Ost und
West auf niedrigerem Rüstungsniveau zu stabilisieren".
Die Gipfelpartner erklärten ferner, sie verfolgten "mit aufmerksamem Interesse die jüngsten innen- und außenpolitischen Entwicklungen in der Sowjetunion" und drückten die Hoffnung aus, daß diese sich zur "Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen
den Ländern in Ost und West als sehr bedeutsam erweisen werden".
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
1.
Wir, die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten und die Vertreter der
Europäischen Gemeinschaft, haben die
Ost-West-Beziehungen
erörtert.
Wir
bekräftigen unsere gemeinsamen Grundsätze und Ziele sowie unser gemeinsames Bekenntnis zur Wahrung und Stärkung des Friedens.
2.
Mit Stolz erkennen wir, daß
die Dynamik und der Wohlstand der Gesellschaft unserer Länder in unseren
gemeinsamen Werten der Freiheit, der
Demokratie und der Achtung der Men-

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Embassy of the United States of America

schenrechte
ihren
Ursprung
haben.
Wir bekennen uns erneut zu der Verpflichtung, nach einer freien, demokratischeren und humaneren Welt zu
streben.
3.
Innerhalb
der
bestehenden
Bündnisse ist jeder von uns entschlossen, eine starke und glaubwürdige Verteidigung aufrechtzuerhalten,
welche die Sicherheit keines Staates
bedroht, die Freiheit schützt, Aggression durch Abschreckung verhindert und den Frieden wahrt. Wir werden uns weiterhin über alle unsere

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�gemeinsamen Belange betreffenden Angelegenheiten eingehend konsultieren.
Von den Grundsätzen, die uns alle
leiten, werden wir nicht abgehen.
4. Seit unserem letzten Treffen
haben sich neue Chancen für Fortschritte in den Ost-West-Beziehungen
ergeben. Wir fühlen uns durch diese
Entwicklung ermutigt. Sie bestätigen
die Solidität der Politik, die jeder
von uns in seiner Entschlossenheit,
eine freiere und sicherere Welt zu
schaffen, verfolgt hat.
5. Wir verfolgen mit aufmerksamem Interesse die jüngsten innen- und
außenpolitischen Entwicklungen in der
Sowjetunion.
Wir hoffen, daß sie
sich für die Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen
den Ländern in Ost und West als sehr
bedeutsam erweisen werden.
Gleichzeitig bleiben tiefgreifende Unterschiede bestehen; jeder von uns muß
auf jedweden Aspekt der sowjetischen
Politik weiterhin wachsam und umsichtig reagieren.
6.
Wir bekräftigen unser Bekenntnis zum Frieden und zu höherer
Sicherheit auf niedrigerem Rüstungsniveau, wir streben nach umfassenden
Bemühungen zum Abbau der Spannungen
und zur Herbeiführung nachprüfbarer
Rüstungsreduzierungen.
Wir bekräftigen die anhaltende Bedeutung der nuklearen Abschreckung für die Wahrung
des Friedens, stellen aber gleichzeitig mit Befriedigung fest, daß der
Rüstungskontrolldialog vertieft worden ist und sich günstigere Aussichten auf einen Abbau der nuklearen
Streitkräfte abzeichnen.
Wir würdigen die Bemühungen der Vereinigten
Staten,
ausgewogene,
substantielle
und
nachprüfbare
Kernwaffenreduzierungen auszuhandeln. Wir betonen unsere Entschlossenheit, konventionelle

Stabilität
auf niedrigerem Streitkräfteniveau zu verbessern und die
völlige Beseitigung chemischer Waffen
zu erreichen. Wir glauben, daß diese
Ziele aktiv verfolgt und in konkrete
Vereinbarungen umgesetzt werden sollten.
Wir
fordern die Sowjetunion
nachdrücklich auf, positiv und konstruktiv zu verhandeln. Eine wirksame Lösung dieser Fragen ist eine wesentliche Voraussetzung für echte und
dauerhafte Stabilität in der Welt.
7.
Wir werden nicht nur sowjetischen Erklärungen, sondern auch sowjetischen Taten in Angelegenheiten,
die
uns
ein
gemeinsames
Anliegen
sind, große Aufmerksamkeit
widmen;
insbesondere
- fordern wir bedeutende und dauerhafte Fortschritte bei den Menschenrechten, denn dies ist für
die
Vertrauensbildung
zwischen
unseren
Nationen
wesentlich.
Noch immer bleibt viel zu tun, um
den in der Schlußakte von Helsinki vereinbarten und seitdem bekräftigten Grundsätzen und eingegangenen Verpflichtungen gerecht
zu werden.
- wünschen wir eine schnelle und
friedliche Lösung von regionalen
Konflikten und insbesondere den
raschen und vollständigen Abzug
der sowjetischen Streitkräfte aus
Afghanistan,
damit
das
afghanische Volk über seine eigene Zukunft frei bestimmen kann.
- fördern wir verstärkte Kontakte,
einen
freien
Gedankenaustausch
und intensiveren Dialog zwischen
unseren Bürgern und den Bürgern
der Sowjetunion und Osteuropas.
8. So strebt jeder von uns danach, den militärischen Wettlauf zwischen Ost und West auf niedrigerem

- 2 -

�Rüstungsniveau zu stabilisieren; stabile politische Lösungen von regionalen Konflikten zu fördern; dauerhafte
Verbesserungen bei den Menschenrechten sicherzustellen; und Kontakte und
Vertrauen
zwischen Regierungen und
Völker in einer humaneren Welt zu
schaffen.
In allen Bereichen sind
Fortschritte
erforderlich, um eine
dauerhafte Grundlage für stabile und
konstruktive Beziehungen zwischen den
Ländern in Ost und West zu errichten.

* * * * * *
- 3 -

�AMERIKA DIENST
% ^

Dokumentation

a

10. Juni 1987

22

ÖLTRANSPORT MÜSS IM GOLF FORTGESETZT WERDEN KÖNNEN
- Erklärung der Gipfelpartner -

Venedig - (AD) - Die sieben großen Demokratien mahnten in einer gemeinsamen Erklärung, daß sich der Öltransport durch die Straße von Hormus "weiterhin frei und ungehindert" bewegen muß. Sie waren sich in ihrer gemeinsamen
Erklärung vom 9. Juni dahingehend einig, daß "neue und abgestimmte internationale Bemühungen erforderlich sind", um zu einer Beendigung des Krieges zwischen Iran und Irak beizutragen.

Nachstehend drucken wir den Text der Erklärung im Wortlaut:
Wir waren uns dahingehend einig,
daß neue und abgestimmte internationale Bemühungen dringend erforderlich
sind, um zu einer Beendigung des
Krieges zwischen Iran und dem Irak
beizutragen.
Wir sind für ein möglichst frühes, auf dem Verhandlungswege erreichtes Ende des Krieges, das
die territoriale Unversehrtheit und
Unabhängigkeit des Irak und Iran unangetastet läßt. Beide Länder haben
unter diesem langen und tragischen
Krieg sehr gelitten.
Die Nachbarstaaten sind von einer möglichen Ausweitung des Konflikts bedroht.
Wir

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Embassy of the United States of America

fordern beide Parteien erneut auf,
ein sofortiges Ende des Krieges auszuhandeln.
Wir unterstützen
nachdrücklich die Vermittlungsbemühungen
des Generalsekretärs der Vereinten
Nationen und drängen auf die Verabschiedung
gerechter
und
wirksamer
Maßnahmen
durch den
Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen.
Mit dieser
Zielsetzung bekräftigen wir, daß der
Grundsatz der freien Schiffahrt im
Golf für uns und für andere von ausschlaggebender Bedeutung ist und aufrechterhalten werden muß.
Der Öltransport und der sonstige Verkehr

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�muß sich weiterhin frei und ungehindert durch die Straße von Hormus bewegen können.

Die
Staats- und
Regierungschefs
fordern andere Regierungen nachdrücklich auf, sich dieser Verpflichtung
anzuschließen.

Anlage
* * * * * *
Die
Staats- und
Regierungschefs
erinnern daran, daß sie in ihrer Erklärung von Tokio zum internationalen
Terrorismus vereinbarten, der Bonner
Erklärung von 1978 bei der Bewältigung aller die zivile Luftfahrt bedrohenden Formen des Terrorismus zu
größerer
Wirksamkeit
zu verhelfen.
In Fällen, in denen ein Land die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung derjenigen, die in dem Übereinkommen von Montreal zur Bekämpfung
widerrechtlicher Handlungen gegen die
Sicherheit der Zivilluftfahrt genannte strafbare Handlungen begangen haben, verweigert beziehungsweise das
betroffene Flugzeug nicht zurückgibt,
sind die Staats- und Regierungschefs
daher gemeinsam entschlossen, durch
die Regierungen sofort dafür zu sorgen, daß gemäß der Bonner Erklärung
sämtliche Flüge in ein solches Land
eingestellt werden.
Gleichzeitig werden ihre Regierungen Schritte einleiten, damit gemäß der Bonner Erklärung sämtliche
Einflüge
durch
Luftfahrtunternehmen
dieses Landes aus ihm oder aus jedem
anderen Land unterbunden werden.
Die
Staats- und
Regierungschefs
beabsichtigen ferner, die Bonner Erklärung zu gegebener Zeit zu erweitern, so daß sie künftige einschlägige Änderungen des genannten Übereinkommens oder anderer Luftfahrtübereinkommen in bezug auf die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung der
Täter abdeckt.
- 2 -

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

10. Juni 1987

22
GIPFELPARTNER ERZIELEN EINIGUNG ÜBER SANKTIONEN
ZUR

TERRORISMUSBEKXMPÜNG

- Erklärung zum Terrorismus VENEDIG - (AD) - Die sieben großen Demokratien kamen sich in ihrer Erklärung vom 9. Juni überein, daß alle Formen des Terrorismus den gleichen Sanktionen unterliegen, wie sie in der Bonner Erklärung zu Flugzeugentführungen
vereinbart worden sind.
Die Gipfelpartner bekräftigten in der in Venedig verabschiedeten Erklärung
zum Terrorismus ihre Verpflichtung, "gegenüber Terroristen keinerlei Zugeständnisse zu machen" und forderten zu verstärkter internationaler Zusammenarbeit "zwischen uns und mit anderen Staaten... in allen geeigneten Gremien"
zur Bekämpfung des Terrorismus auf.
Nachfolgend drucken wir die Erklärung und die Anlage im Wortlaut.

Wir, die Staats- und Regierungschefs von sieben großen Demokratien
und die Vertreter der Europäischen
Gemeinschaft, die wir uns hier in Venedig versammelt haben, sind uns der
Sorge unserer Völker über die Bedrohung durch den Terrorismus zutiefst
bewußt;

Formen
des
Terrorismus
einschließlich
Flugzeugentführungen
und Geiselnahmen und bekunden erneut unsere Auffassung, daß es
für den Terrorismus, gleich welche
Motive
er hat, keinerlei
Rechtfertigung gibt;

- wir bekräftigen die in früheren
Gipfelkonferenzen in Bonn, Venedig, Ottawa, London und Tokio
ausgesprochenen Verpflichtungen;

wir bekräftigen unser aller Bekenntnis zu dem Grundsatz, gegenüber Terroristen und ihren Helfern keinerlei Zugeständnisse zu
machen;

- wir verurteilen

wir sind nach wie vor entschlos-

entschieden

alle

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�sen, gegenüber jedem Staat, der
offenkundig an der Finanzierung
oder Unterstützung des internationalen
Terrorismus
beteiligt
ist, im Rahmen des Völkerechts
innerhalb
unseres
eigenen
Hoheitsgebiets
wirksame
Maßnahmen
anzuwenden;

führten Maßnahmen beschlossen, um
der Bonner Erklärung von 1978 bei
der Bewältigung aller die zivile
Luftfahrt bedrohenden Formen des
Terrorismus zu größerer Wirksamkeit zu verhelfen;
- wir verpflichten uns, Terroristen
nach rechtsstaatlichen Grundsätzen vor Gericht zu bringen. Jeder von uns sagt eine verstärkte
Mitarbeit
in den einschlägigen
Gremien und im Rahmen der innerstaatlichen
Rechtsvorschriften
und des Völkerrechts bei Ermittlungs-, Verhaftungs- und gerichtlichen Verfolgungsmaßnahmen gegen
Terroristen zu. Insbesondere bekräftigen wir den in einschlägigen internationalen Übereinkünften
niedergelegten
Grundsatz,
diejenigen,
die
terroristische
Gewalttaten verübt haben, im Einklang
mit
innerstaatlichen
Rechtsvorschriften und jenen internationalen Übereinkünften vor
Gericht zu stellen oder auszuliefern.

- wir begrüßen die Fortschritte,
die seit unserer letzten Zusammenkunft im Mai 1986 in Tokio bei
der
internationalen
Zusammenarbeit gegen den Terrorismus erzielt worden sind, und insbesondere die Initiative Frankreichs
und Deutschlands, im Mai in Paris
eine Tagung der für die Terrorismusbekämpfung
zuständigen
Minister einzuberufen;
- wir bekräftigen unsere Entschlossenheit, sowohl durch nationale
Maßnahmen als auch durch internationale
Zusammenarbeit
zwischen
uns und gegebenenfalls mit anderen Staaten den Terrorismus zu
bekämpfen und erneuern daher unseren Appell an alle gleichgesinnten Länder, die internationale Zusammenarbeit in allen geeigneten Gremien zu festigen und
auszubauen;

* * *

Anlage
- wir werden unsere Bemühungen zur
Erhöhung der Sicherheit von Reisenden fortsetzen.
Wir begrüßen
die Sicherheitsverbesserungen auf
Flughäfen und im Schiffsverkehr
und fördern die Arbeit der internationalen Zivilluftfahrt-Organisation
und der
internationalen
Seeschiffahrts-Organisation
auf
diesem Gebiet.
Jeder von uns
wird weiterhin die Tätigkeit von
Luftfahrtunternehmen, die Sicherheitsprobleme
aufwerfen,
genau
überwachen.
Die Staats- und Regierungschefs haben die in der
Anlage dieser
Erklärung aufge-

Die
Staats- und
Regierungschefs
erinnern daran, daß sie in ihrer Erklärung von Tokio zum internationalen
Terrorismus vereinbarten, der Bonner
Erklärung von 1978 bei der Bewältigung aller die zivile Luftfahrt bedrohenden Formen des Terrorismus zu
größerer
Wirksamkeit
zu verhelfen.
In Fällen, in denen ein Land die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung derjenigen, die in dem Übereinkommen von Montreal zur Bekämpfung
widerrechtlicher Handlungen gegen die
Sicherheit der Zivilluftfahrt genann-

- 2 -

�te strafbare Handlungen begangen haben/ verweigert beziehungsweise das
betroffene Flugzeug nicht zurückgibt,
sind die Staats- und Regierungschefs
daher gemeinsam entschlossen, durch
die Regierungen sofort dafür zu sorgen, daß gemäß der Bonner Erklärung
sämtliche Flüge in ein solches Land
eingestellt werden.
Gleichzeitig werden ihre Regierungen Schritte einleiten, damit gemäß der Bonner Erklärung sämtliche
Einflüge
durch
Luftfahrtunternehmen
dieses Landes aus ihm oder aus jedem
anderen Land unterbunden werden.
Die
Staats- und
Regierungschefs
beabsichtigen ferner, die Bonner Erklärung zu gegebener Zeit zu erweitern, so daß sie künftige einschlägige Änderungen des genannten Übereinkommens oder anderer Luftfahrtübereinkommen in bezug auf die Auslieferung oder gerichtliche Verfolgung der
Täter abdeckt.
Die
Staats- und
Regierungschefs
fordern andere Regierungen nachdrücklich auf, sich dieser Verpflichtung
anzuschließen.

* * * * * *

�J&gt;^

AMERIKA DIENST
Dokumentation
10. Juni 1987

22

SCHLUSSKOMMDNIQÜE DES WELTWIRTSCHAFTSGIPFELS
IN VENEDIG
- Wortlaut der Erklärung -

VENEDIG - (AD) - Nachfolgend drucken wir den Wortlaut des Schlußkommuniques der Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten bei
ihrem Gipfeltreffen in Venedig.

Wirtschaftserklärung von Venedig
Wir, die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industriestaaten und die Vertreter der Europäischen Gemeinschaft, sind vom 8.
bis 10. Juni 1987 in Venedig zusammengekommen, um die Fortschritte zu
überprüfen, die unsere Länder einzeln
und gemeinsam bei der Durchführung
der Politik erzielt haben, zu der wir
uns auf früheren Gipfeln verpflichtet
haben.
Wir sind nach wie vor entschlossen, die Wachstums-, Stabilitäts-,
Beschäftigungs- und
Wohl-

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standspolitik für unsere Länder und
für die Weltwirtschaft zu verfolgen.
Wir können seit unserer Zusammenkunft im letzten Jahr auf eine Reihe
positiver
Entwicklungen
zurückblikken. Das Wachstum setzt sich nunmehr
im fünften Jahr fort, wenn auch mit
niedrigeren Raten. Die durchschnittlichen
Inflationsraten
haben
sich
verringert.
Die Zinsen sind allgemein zurückgegangen.
Unter den führenden Währungen ist es zu Wechselkursänderungen gekommen, die mit der
Zeit zu einer dauerhaften Struktur

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�der Leistungsbilanzpositionen beitragen werden und die Währungen in Zonen
gebracht haben, die im Großen und
Ganzen den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechen.
Volumenmäßig
hat eine Anpassung der Handelsströme
bereits eingesetzt, auch wenn die Ungleichgewichte wertmäßig nach wie vor
zu groß sind.

Makroökonomische Politik und Wechselkurse
Seit Tokio haben die Gipfelländer
die Koordinierung ihrer Wirtschaftspolitik mit dem Ziel verstärkt, die
Vereinbarkeit
der
einzelstaatlichen
Maßnahmen untereinander und auf internationaler Ebene zu gewährleisten.
Dies ist für ein größeres und anhaltendes weltweites Wachstum, verringerte außenwirtschaftliche Ungleichgewichte und stabilere Wechselkursverhältnisse wesentlich.
Angesichts
der im Louvre und in Washington erreichten wirtschaftspolitischen Vereinbarungen könnten weitere substantielle Verschiebungen in den Wechselkursen Bemühungen um eine Steigerung
des Wachstums und der Erleichterung
der Anpassungen vereiteln.
Wir bekräftigen
unsere Verpflichtung
zur
raschen und vollständigen Durchführung dieser Vereinbarungen.
Nun müssen wir die Probleme lösen, die trotzdem noch in einigen unserer
Länder bestehen;
außenwirtschaftliche
Ungleichgewichte,
die
noch immer groß sind;
unverändert
hohe Arbeitslosigkeit;
große staatliche Defizite;
hohe reale Zinsen.
Desgleichen gibt es fortgesetzt Handelsbeschränkungen
und
verstärkten
protektionistischen Druck, anhaltende
Schwäche vieler
Rohstoffmärkte und
geringere
Aussichten
für
Entwicklungsländer, Wachstum zu erreichen,
die nötigen Absatzmärkte zu finden
- 2

und ihre
nen.

Auslandsschulden

zu

bedie-

Die Beseitigung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte wird ein langer und schwieriger Prozeß sein. Das
Problem, diese Ungleichgewichte
zu
beheben und gleichzeitig das Wachstum
aufrechtzuerhalten, wird durch Wechselkursänderungen allein nicht gelöst
werden.
Uberschußländer werden ihre
Politik so ausrichten, daß die Binnennachfrage gestärkt und außenwirtschaftliche Überschüsse abgebaut werden, zwar eine Politik verfolgen, die
ein stetiges Wachstum bei niedriger
Inflation fördert, aber gleichzeitig
ihre
fiskalischen
und
außenwirtschaftlichen Ungleichgewichte verringern.
Wir fordern andere Industriestaaten auf, sich an den Bemühungen zur
Stützung der Weltkonjunktur zu beteiligen. Wir fordern auch die Schwellenländer mit schnellem Wachstum und
großen
außenwirtschaftlichen
Überschüssen zur Übernahme größerer Verantwortung auf, wenn es darum geht,
durch den Abbau von Handelsschranken
sowie durch die Verfolgung einer Politik, dank deren ihre Währungen die
wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen
vollständiger
widerspiegeln
können,
ein offenes Welthandelssystem
aufrechtzuerhalten.
Unter
den Gipfelländern
bleibt
Haushaltsdisziplin ein wichtiges mittelfristiges Ziel, und eine Reihe von
ihnen müssen weiterhin den Abbau bestehender Ungleichgewichte im staatlichen Sektor anstreben.
Diejenigen
Gipfelländer, die bei der Haushaltskonsolidierung bedeutende Fortschritte erzielt
haben
und
über
große
außenwirtschaftliche Überschüsse verfügen, sind nach wie vor verpflichtet, innerhalb eines Rahmens mittelfristiger
fiskalischer
Ziele
eine

�Fiskal- und Geldpolitik zu verfolgen,
die
auf
die
Stärkung
binnenwirtschaftlicher Wachstumskräfte abzielt.
Die Geldpolitik sollte zudem inflationsfreies Wachstum unterstützen und
die Stabilität der Wechselkurse fördern. Angesichts der in vielen Ländern zu erwartenden niedrigen Inflation wäre eine weitere marktorientierte Senkung der Zinsen hilfreich.

der Entwicklung und Durchführung verstärkter Abmachungen für die im vergangenen Jahr
in Tokyo geforderte
multilaterale Überwachung und wirtschaftspolitische Abstimmung erzielten Fortschritte.
Der neue Koordinierungsprozeß, zu dem auch die Verwendung wirtschaftlicher
Indikatoren
gehört, wird die Bemühungen um mehr
Kohärenz und gegenseitige Vereinbarkeit der Politik unserer Länder stärken.

Strukturpolitik
Einig sind wir uns auch über die
Notwendigkeit einer wirksamen Strukturpolitik mit dem besonderen Ziel
der Arbeitsplatzbeschaffung.
Zu diesem Zweck werden wir
- den Wettbewerb fördern, um
industrielle
Anpassung
zu
schleunigen;

die
be-

- große
Ungleichgewichte
zwischen
Angebot
und
Nachfrage
in der
Landwirtschaft verringern;
- arbeitsplatzbeschaffende
tionen erleichtern;

Investi-

- das Funktionieren
märkte verbessern;

Arbeits-

- die weitere Öffnung
märkte fördern;

der

der

Binnen-

- für die Beseitigung von Unzulänglichkeiten und Beschränkungen der
Kapitalmärkte sowie für die Verbeserung des Funktionierens der
internationalen Finanzmärkte Anreize schaffen.

Die
Staats- und
Regierungschefs
bekräftigen die unter anderem in bezug auf Wechselkurse und auf den Tagungen
der
Gruppe der
Sieben
im
Louvre und in Washington verabschiedeten Strategien und Verpflichtungen.
Sie sind sich einig, daß - falls das
weltwirtschaftliche Wachstum in Zukunft unzureichend ist - zusätzliche
Maßnahmen geboten sind, damit ihre
gemeinsamen
Ziele
erreicht
werden
können.
Demgemäß fordern sie ihre
Minister
auf,
erforderlichenfalls
weitere geeignete politische Maßnahmen zu entwickeln und zur Förderung
der
Wechselkursstabilität
weiterhin
eng zusammenzuarbeiten.
Die
Koordinierung
der
Wirtschaftspolitik
ist ein kontinuierlicher Prozeß, der sich im Laufe der
Zeit herausbilden und wirksamer werden wird.
Die Staats- und Regierungschefs bestätigen
die von der
Gruppe der sieben Finanzminister erreichten Vereinbarungen, wonach mit
Hilfe des Internationalen Währungsfonds
(IWF) die Überwachung
ihrer
Volkswirtschaften
anhand von Wirtschaftsindikatoren,
einschließlich
der
Wechselkurse,
gestärkt
werden
soll, und zwar insbesondere durch

Multilaterale Überwachung und wirtschaftspolitische Abstimmung
Wir begrüßen sehr die von
Gruppe der sieben Finanzminister

der
bei
- 3 -

- die Verpflichtung jedes Landes,
für seine Wirtschaft mittelfristige Ziele und Prognosen aufzustellen, und der Gruppe als sol-

�eher, sowohl einzelstaatlich als
auch gemeinsam in sich geschlossene Ziele und Prognosen zu erarbeiten; und
- die Verwendung von Leistungsindikatoren, anhand derer die aktuellen wirtschaftlichen Trends geprüft und beurteilt werden können
und mit denen sich feststellen
läßt, ob erhebliche Abweichungen
von
einem
beabsichtigten
Kurs
eingetreten sind, so daß Abhilfemaßnahmen
in
Erwägung
gezogen
werden müssen.
Die
Staats- und
Regierungschefs
erachten diese Maßnahmen als wichtige
Schritte für die Förderung eines anhaltenden, inflationsfreien globalen
Wachstums und größerer Währungsstabilität.
Sie fordern die Gruppe der
sieben Finanzminister und Notenbankpräsidenten auf
- ihre
Koordinierungsanstrengungen
im Hinblick auf eine rasche und
wirksame Durchführund der vereinbarten Strategien und Verpflichtungen zu intensivieren;
- die Wirtschaftsentwicklung in Zusammenarbeit
mit dem Leitenden
Direktor des IWF genau zu überwachen; und
- weitere, für eine wirksame Gestaltung des Abstimmungsprozesses
geeignete Verbesserungen zu prüfen.

Handel
Wir beobachten mit großer Sorge
den
zunehmenden
protektionistischen
Druck.
Die Uruguay-Runde kann zur
Aufrechterhaltung
und Stärkung des
multilateralen Handelssystems und zur
Erreichung einer für alle Länder vor-

teilhaften verstärkten Handelsliberalisierung eine wichtige Rolle spielen.
Angesichts der Verzahnung von
Wachstum, Handel und Entwicklung ist
es wesentlich, das multilaterale System auf der Grundlage der Prinzipien
und Regeln des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT) zu verbessern
und immer mehr Bereiche des Welthandels einer vereinbarten wirksamen und
durchsetzbaren
multilateralen
Disziplin zu unterstellen.
Protektionistische Vorgehensweisen wären diesem Ziel abträglich, würden die Gefahr weiterer Wechselkursinstabilität
erhöhen
und
die
Entwicklungs- und
Verschuldungsprobleme verschärfen.
Wir bekennen unsn uneingeschränkt
zu der Verpflichtung, unter Einhaltung der in der Ministererklärung zur
Uruguay-Runde bekräftigten Grundsätze
des "Standstill" und des "Rollback"
geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Es
ist wichtig, im GATT ein multilaterales System von Grundsätzen und Regeln
für den Handel mit Dienstleistungen,
für handelsbezogene Investitionsmaßnahmen und für gewerbliche Schutzrechte einzurichten.
Die Ausweitung
des
multilateralen
Handelssystems
wird bei der Förderung des Wachstums
und der Verstärkung des Handels, der
Investitionen
und des Technologietransfers auch den Entwicklungsländern Nutzen bringen.
Auf der Grundlage der Ministererklärung zur Uruguay-Runde und der
Prinzipien des GATT fordern wir alle
Vertragsparteien auf, zur Gewährleistung
gegenseitiger
Vorteile
und
größeren Nutzens für alle Teilnehmerstaaten in gutem Glauben und mit aller gebotenen Eile umfassende Verhandlungen
durchzuführen.
Kanada,
Japan, die Vereinigten Staaten und
die Europäische Gemeinschaft werden
in den kommenden Monaten in Genf einen
breitgefächerten
Katalog
sub-

�stantieller
Vorschläge
vorlegen.
Fortschritte
in
der
Uruguay-Runde
werden stets einer sorgfältigen politischen
Überprüfung
unterliegen.
In diesem Zusammenhang sollten die
Einleitung, die Abwicklung und die
Durchführung der Ergebnisse der Verhandlungen als Teil eines Ganzen behandelt werden; in einem frühren Stadium erreichte Vereinbarungen könnten
jedoch auf vorläufiger oder endgültiger Basis durch eine Übereinkunft
noch vor dem förmlichen Abschluß der
Verhandlungen verwirklicht und sollten bei der Bewertung der allgemeinen
Verhandlungsergebnisse berücksichtigt
werden.
Ein starkes, glaubwürdiges
und
funktionstüchtiges GATT ist für das
Wohlergehen aller Handelsländer wesentlich und das beste Bollwerk gegen
zunehmenden
bilateralen
protektionistischen Druck.
Das Funktionieren
des GATT sollte durch eine Stärkung
seiner Rolle bei der Aufrechterhaltung eines offenen multilateralen Systems und seiner Fähigkeit zur Beilegung von Streitigkeiten sowie durch
eine bessere Koordinierung zwischen
dem GATT, dem IWF und der Weltbank
verbessert werden. Wir sind der Ansicht, daß gegebenenfalls im Verlauf
der Verhandlungen eine Zusammenkunft
des
Ausschusses
für
multilaterale
Handelsverhandlungen
auf
Ministerebene nützlich wäre.

Landwirtschaft
Auf dem Gipfel in Tokio haben wir
den Ernst der Agrarproblematik festgestellt.
Wir stimmten darin überein, daß die landwirtschaftliche Produktionsstruktur im Lichte der Weltnachfrage angepaßt werden muß, und
brachten unsere Entschlossenheit zum
Ausdruck, die Arbeit der OECD auf
diesem Gebiet voll und ganz zu unter-

stützen.
Dabei erkannten wir alle
die Bedeutung der Landwirtschaft für
das Wohlergehen unserer ländlichen
Gemeinden. Im vergangenen Jahr haben
wir die in Tokio entworfene Strategie
aktiv verfolgt, und wir nehmen mit
Befriedigung die in der Ministererklärung von Punta del Este angenommene Vereinbarung über die Ziele der
Landwirtschaftsverhandlungen
in der
Uruguay-Runde zur Kenntnis.
Wir bekräftigen unser Bekenntnis
zu der wichtigen, im Ministerkommunique der OECD vom 13. Mai 1987 niedergelegten
Vereinbarung
über
die
Landwirtschaft; hierzu gehören insbesondere die Darstellung des Ausmaßes
und der Dringlichkeit des Problems,
die einen ausgewogene und flexible
Durchführung
abgestimmter
Reformen
der Agrarpolitik erforderlich machen;
die Beurteilung der schwerwiegenden
Auswirkungen
der
zunehmenden
Ungleichgewichte von Angebot und Nachfrage bei den wichtigsten Agrarprodukten sowohl auf Industrie- als auch
auf
Entwicklungsländer;
Anerkennung
der
gmemeinsamen Verantwortung
für
die Probleme sowie deren ausgewogene,
wirksame und dauerhafte Lösung; die
Reformgrundsätze
und
die erforderlichen Maßnahmen.
Langfristig besteht
das
Ziel darin, durch
den
schrittweisen,
konzertierten
Abbau
der Hilfen für die Landwirtschaft wie
auch durch alle sonstigen geeigneten
Mittel die Voraussetzungen dafür zu
schaffen, daß die Marktsignale die
Ausrichtung der Agrarproduktion beeinflussen können, wobei soziale und
andere Anliegen wie zum Beispiel Ernährungssicherheit, Umweltschutz und
generell
die Beschäftigungslage
zu
berücksichtigen sind.
Wir
unterstreichen
unsere Verpflichtungen zu abgestimmten Vorgehen
mit dem Ziel, im eigenen Land und
durch umfassende Verhandlungen in der

- 5 -

�Uruguay-Runde die erforderlichen agrarpolitischen Anpassungen zu vollziehen.
Wie auf anderen Gebieten
werden wir auch hierzu umfassende
Vorschläge vorlegen, damit die Verhandlungen in den kommenden Monaten
im Einklang mit dem Mandat der Ministererklärung
durchgeführt
werden
können, und wir beabsichtigen, bei
unserer nächsten Tagung die erzielten
Fortschritte sowie die noch zu lösenden Aufgaben zu überprüfen.
Um inzwischen ein Klima größeren
Vertrauens zu schaffen, das die Aussichten auf schnelle Fortschritte in
der Uruguay-Runde insgesamt verbessern und einen Schritt auf dem Wege
zu den von diesen Verhandlungen zu
erwartenden langfristigen Ergebnissen
darstellen würde, fordern wir andere
Länder auf, unserer Übereinkunft zuzustimmen, wonach wir auf Maßnahmen
verzichten, die - indem sie die landwirtschaftliche
überschußproduktion
weiter anregen, den Schutz erhöhen
oder die Weltmärkte destabilisieren das Verhandlungsklima verschlechtern
und generell die Handelsbeziehungen
schädigen würden.

Entwicklungsländer und Verschuldung
Wir messen der Förderung solider
wirtschaftlicher Fortschritte in den
Entwicklungsländern
mit
all
ihren
verschiedenartigen Gegebenheiten und
Bedürfnissen besondere Bedeutung bei.
Die Probleme vieler hochverschuldeter
Entwicklungsländer
geben
Anlaß
zu
wirtschaftlicher und politischer Besorgnis und können in Ländern mit demokratischen Systemen eine Bedrohung
für die politische Stabilität darstellen.
Wir würdigen die mutigen
Bemühungen vieler dieser Länder zur
Erlangung von Wirtschaftswachstum und
Stabilität.

- 6

Wir unterstreichen die anhaltende
Bedeutung der öffentlichen Entwicklungshilfe und begrüßen die verstärkten
Anstrengungen
einiger
unserer
Länder auf diesem Gebiet. Wir erinnern an das von internationalen Organisationen festgelegte Ziel (0,7 Prozent) für die künftige Höhe der öffentlichen
Entwicklungshilfe;
desgleichen stellen wir fest, daß die
Finanzströme insgesamt für die Entwicklung wichtig sind.
Wir unterstützen
tatkräftig die Tätigkeiten
der internationalen Finanzinstitutionen, einschließlich jener regionalen
Entwicklungsbanken, die Zielsetzungsreformen der Anleihenehmer begünstigen und deren Strukturanpassungsprogramme finanzieren, insbesondere
- unterstützen
wir
die
aufgrund
seiner
Beratungs- und
Finanzierungsaufgaben zentrale Rolle des
IWF und fördern eine engere Zusammenarbeit zwischen dem IWF und
der Weltbank, vor allem bei ihren
Strukturanpassungskrediten;
- nehmen wir mit Befriedigung den
Beitrag der achten Wiederauffüllung der Internationalen Entwicklungsorganisation
(IDA)
zur
Kenntnis;
- unterstützen wir eine allgemeine
Aufstockung
des
Kapitals
der
Weltbank, wenn dies durch eine
erhöhte Nachfrage nach Qualitätsausleihungen, durch ihre erweiterte Rolle in der Schuldenstrategie und durch die Notwendigkeit
einer Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität der Institution gerechtfertigt ist;
- begrüßen wir im Lichte der verschiedenen Beiträge unserer Länder
zur
öffentlichen
Entwicklungshilfe die jüngste Initiative
der
japanischen Regierung, die

�ein neues System vorgelegt hat,
demzufolge
Japan
den
Entwicklungsländern zusätzliche Ressourcen bereitstellen wird.

zur Gewährleistung fortgesetzter Unterstützung für die Schuldnerländer
zu entwickeln.
Vor allem Schuldnerländer sollten
Maßnahmen ergreifen, um schuldenneutrale Kapitalströme, insbesondere Direktinvestitionen,
zu
erleichtern.
In diesem
Zusammenhang sollte die
"Multilateral
Investment
Guarantee
Agency" (MIGA) möglichst bald ihre
Aufgaben zu erfüllen beginnen.
Es
kommt darauf an, daß die Exportkreditanstalten bei der schnellen Wiederaufnahme oder Verstärkung der Dekkung für Länder, die umfassende Anpassungsprogramme verwirklichen, flexibel bleiben.

Im Hinblick auf die Hauptschuldnerländer mit mittleren Einkommen unterstützen wir weiterhin die gegenwärtige
Wachstums- und
einzelfallorientierte Strategie. Drei Elemente
sind zur Stärkung der Wachstumsaussichten der Schuldnerländer erforderlich: Verabschiedung umfassender Reformen makroökonomischer und struktureller Art durch die Schuldnerstaaten selbst; verstärkte Kreditgewährung durch internationale Finanzinstitutionen, insbesondere durch die
Weltbank; und angemessene Kreditvergabe der Geschäftsbanken zur Unterstützung der Reformen in Schuldnerländern. Wir werden unseren Teil dadurch beisteuern, daß wir einen Beitrag zur Erhaltung des Wachstums und
zur Ausweitung des Handels leisten.
Eine Reihe von UmschuldungsVereinbarungen haben in einem gewissen Ausmaß
erneutes
Wachstum, die Beseitigung
von Ungleichgewichten und bedeutsame
Fortschritte bei der Wiederherstellung
der
Kreditwürdigkeit
mancher
Länder ermöglicht. In einigen Fällen
fehlt es jedoch noch immer an einer
geeigneten
Strukturanpassungs- und
Wachstumspolitik, die darauf abzielt,
für die effiziente Nutzung inländischer
Ersparnisse, die Rückführung
von Fluchtkapital, einen verstärkten
Zustrom
von
Auslands-Direktinvestitionen und insbesondere für Reformen
der Finanzmärkte Anreize zu schaffen.

Wir sind uns der Probleme der
Entwicklungsländer
bewußt,
deren
Volkswirtschaften ausschließlich oder
überwiegend von der Ausfuhr von Rohstoffen
mit
anhaltend
niedrigem
Preisniveau abhängig sind.
Es geht
darum, das Funktionieren der Rohstoffmärkte,
beispielsweise
durch
bessere
Information
und
größere
Transparenz,
zu
verbessern.
Eine
weitere
Diversifizierung
dieser
Volkswirtschaften
sollte
gefördert
werden mit Hilfe der internationalen
Finanzinstitutionen, durch eine Politik, die darauf abzielt, die Bemühungen dieser Staaten um eine verbesserte Verarbeitung ihrer Erzeugnisse zu
unterstützen, die Chancen durch eine
Liberalisierung des Zugangs zu den
Märkten zu erhöhen und ein für den
Strukturwandel
günstigeres
internationales Klima zu schaffen.

Desgleichen ist es notwendig, die
Kreditvergabe
durch
Geschäftsbanken
in rechtzeitiger und wirksamer Weise
zu mobilisieren. In diesem Zusammenhang unterstützen wir Bemühungen von
Geschäftsbanken und Schuldnerländern,
ein Auswahlangebot alternativer Verhandlungs- und Finanzierungsverfahren

Wir erkennen an, daß die Probleme
einiger der ärmsten Länder, vor allem
südlich
der
Sahara,
beispiellos
schwierig sind und einer besonderen
Behandlung
bedürfen.
Diese Länder
sind
unter
anderem
gekennzeichnet
durch akute Armut, begrenzte Investitionsmittel für ihre eigene Entwick-

- 7 -

�lung, unüberschaubare Schuldenlasten
und eine starke Abhängigkeit von einem oder zwei Produkten sowie dadurch, daß sie größtenteils bei Regierungen
von Industriestaten oder
bei internationalen Finanzinstitutionen verschuldet sind. Für diejenigen
der ärmsten Länder, die Anpassungsbemühungen ergreifen, sollte die Möglichkeit
der Anwendung
niedrigerer
Zinsen auf ihre vorhandenen Schulden
erwogen werden, und insbesondere im
Pariser Club sollten Vereinbarungen
über längere Tilgungsfristen und tilgungsfreie Zeiten erreicht werden, um
die Schuldendienstlast
zu mildern.
Wir begrüßen die von einigen von uns
eingebrachten Vorschläge sowie den
Vorschlag des Leitenden Direktors des
IWF für eine erhebliche Aufstockung
der
Mittel der Strukturanpassungsfazilität ab 1. Januar 1988 für die
Dauer von drei Jahren. Wir dringen
auf einen Abschluß der Gespräche über
diese Vorschläge in diesem Jahr. Wir
dringen auf einen Abschluß der Gespräche über diese Vorschläge in diesem Jahr.
Wir halten fest, daß UNCTAD VII
eine Gelegenheit bietet, mit den Entwicklungsländern Gespräche zu führen,
um zu einer gemeinsamen Sicht der
großen weltwirtschaftlichen Probleme
und Strategien zu gelangen.

sation für Normung (ISO) und dem Internationalen Rat wissenschaftlicher
Vereinigungen (ICSU) sowie mit der
Unterstützung anderer interessierter
internationaler
Organisationen
und
Länder ein Forum für den Informationsaustausch und für Konsultationen
einzurichten, so daß auf diesem wichtigen Gebiet kontinuierliche
Fortschritte sichergestellt werden können.
Den von den Umweltsachverständigen in ihrem Bericht als vorrangig
bezeichneten
Umweltproblemen
sollte
ungeteilte
Aufmerksamkeit
gewidmet
werden.
Wir unterstreichen unsere eigene
Verantwortung bei der Förderung von
Bemühungen mit dem Ziel einer wirksamen
Bekämpfung von
Umweltproblemen
mit weltweiten Auswirkungen, so zum
Beispiel Abnahme des Ozongehalts in
der Stratosphäre, Klimaveränderungen,
saurer Regen, gefährdete Arten, gefährliche Stoffe, Luft- und Wasserverschmutzung
sowie die
Zerstörung
der tropischen Wälder. Wir beabsichtigen auch, andere Umweltthemen zu
untersuchen, wie zum Beispiel strenge
Umweltschutzauflagen als Anreiz für
Innovationen und für die Entwicklung
sauberer, kostengünstiger
und verbrauchsarmer Technologien sowie die
Förderung des Welthandels mit umweltfreundlichen
Erzeugnissen,
umweltfreundlichen Industrieanlagen und anderen Umweltschutztechnologien.

Umwelt
Im Nachgang zu unseren früheren
Verpflichtungen, eine gesunde Umwelt
zu erhalten und künftigen Generationen weiterzugeben, begrüßen wir den
Bericht
der
Umweltsachverständigen
über die Verbesserung und Harmonisierung von Umweltmeßtechniken und -verfahren.
Dementsprechend
jermutigen
wir das Umweltprogramm der Vereinten
Nationen (UNEP) dazu, in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organi- 8

Wir begrüßen die insbesondere in
der internationalen Atomenergie-Organisation seit Tokio gemachten Fortschritte
bei
der
Verstärkung
der
wirksamen internationalen Zusammenarbeit in bezug auf die Sicherheit bei
der Handhabung der Kernenergie.

Sonstige Fragen
Wir

begrüßen

die

Initiative

Ja-

�pans
für ein
Wissenschaftsprogramm
für Vorstöße in neue Bereiche der Humanbiologie,
die
darauf
abzielt,
durch
internationale
Zusammenarbeit
die Grundlagenforschung
im Bereich
biologischer Funktionen zu fördern.
Wir sind dankbar, daß unseren Wissenschaftlern
informelle
Gelegenheiten
geboten wurden, an einigen Erörterungen
der
japanischen
Durchführbarkeitsstudie teilzunehmen. Wir nehmen
zur Kenntnis, daß diese Studie fortgesetzt wird, und würden gerne auch
in Zukunft von den Fortschritten unterrichtet werden.
Wir begrüßen den positiven Beitrag der im Januar 1987 in Kyote
veranstalteten Konferenz hochrangiger
Sachverständiger über die zukünftige
Rolle der Bildung in unserer Gesellschaft .

über die Gesundheitsprobleme (mündliche Erklärung der Londoner Vorsitzenden über Krebs und mündliche Erklärung des Bonner Vorsitzenden über
Drogen) stellen die Staats- und Regierungschefs und die Vertreter der
Europäischen Gemeinschaft fest, daß
AIDS eines der größten potentiellen
Gesundheitsprobleme in der Welt darstellt.
Die nationalen Anstrengungen
müssen verstärkt und durch internationale Zusammenarbeit und abgestimmte Kampagnen
in ihrer Wirksamkeit
verbessert werden, um der weiteren
Ausbreitung von AIDS Einhalt zu gebieten.
Es muß sichergestellt sein,
daß die ergriffenen Maßnahmen im Einklang
mit den Grundsätzen der Menschenrechte stehen. In diesem Zusammenhang haben sie sich darauf geeinigt, daß

Wir werden auch in Zukunft die
ethischen
Folgen
biowissenschaftlicher
Entwicklungen
einer
Prüfung
unterziehen. Nach den von den Regierungen der Gipfelländer - 1984 von
Japan, 1985 von Frankreich, 1986 von
der
Bundesrepublik
Deutschland
und
1987 von Kanada - veranstalteten Konferenzen begrüßen wir das Angebot der
italienischen
Regierung,
im
April
1988 in Italien die nächste Konferenz
über Bioethik auszurichten.

Nächster Wirtschaftsgipfel
Wir
haben
vereinbart,
uns
im
nächsten Jahr wieder zu treffen, und
haben die Einladung des kanadischen
Ministerpräsidenten nach Kanada angenommen .

Erklärung zu AIDS
Aufgrund
ihrer bereits in der
Vergangenheit
geäußerten
Besorgnis
- 9 -

- Doppelarbeit
die
internationale
Zusammenarbeit nicht verbessert.
Einer Stärkung bestehender Organisationen
durch die Gewährung
uneingeschränkter politischer Unterstützung sowie durch die Bereitstellung
der
erforderlichen
finanziellen, personellen und administrativen Ressourcen ist Vorrang einzuräumen.
Um die weltweiten
Bemühungen
zur AIDS-Bekämpfung auf internationaler Ebene zusammenzufassen, eignet sich
als Forum die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am besten, und
alle Länder sollten zur vollen
Zusammenarbeit mit der WHO sowie
zur Unterstützung ihres AIDS-SonderProgramms aufgerufen werden;
- mangels eines Impfstoffes
oder
einer Therapie die aussichtsreichste AIDS-Bekämpfung und -Verhütung
in einer Strategie besteht, bei der die Öffentlichkeit
über den Ernst der AIDS-Epidemie,
die Art und Weise der Übertragung
des AIDS-Virus sowie über prakti-

�sehe Maßnahmen aufgeklärt wird,
die jeder einzelne zur Vermeidung
einer Infektion oder Weiterverbreitung ergreifen kann.
Geeignete Gelegenheiten zum Austausch
von Informationen über nationale
Aufklärungskampagnen
und
innerstaatliche Maßnahmen sollten genutzt werden.
Die Staats- und
Regierungschefs und die Vertreter
der Europäischen Gemeinschaft begrüßen den Vorschlag der britischen Regierung, zusammen mit der
WHO eine internationale Konferenz
auf Ministerebene über die AIDSAufklärung
der
Öffentlichkeit
auszurichten;
sie bei der Grundlagenforschung
und bei klinischen Untersuchungen
zur Verhütung und Behandlung von
AIDS sowie beim Informationsaustausch
weitere
Zusammenarbeit
fördern werden (wie zum Fall des
EG-Programms).
Die
Staats- und
Regierungschefs und die Vertreter
der Europäischen Gemeinschaft begrüßen und unterstützen gemeinsames Vorgehen von Forschern in den
sieben Ländern (wie beim gemeinsamen Programm französischer und
amerikanischer Forscher, das zur
Zeit erweitert wird, und ähnlichen Programmen) und überall in
der Welt mit dem Ziel, eine Therapie für die Krankheit zu finden, Bestandteile des Virus klinisch zu testen und einen wirksamen Impfstoff zu entwickeln. Die
Staats- und
Regierungschefs
und
die Vertreter der
Europäischen
Gemeinschaft
begrüßen den Vorschlag des Präsidenten der Französischen
Republik,
der
die
Schaffung
eines
internationalen
Ausschusses über die durch AIDS
aufgeworfenen
ethischen
Fragen
zum Ziele hat.

Erklärung über Drogen
Die
Staats- und
Regierungschefs
haben
das
Problem
des
Drogenmißbrauchs
untersucht,
das
tragische
Verluste an Menschenleben verursacht
und nun die Menschen überall in der
Welt und insbesondere junge Menschen
und ihre Familien bedroht. Sie betonen, wie wichtig eine Strategie zur
Unterstützung nationaler, regionaler
und
multilateraler
Kampagnen
zur
Überwindung dieses Problems ist. Sie
beabsichtigen, ihren Kampf gegen die
illegale Herstellung und Vermarktung
von Drogen fortzusetzen und alle erforderlichen Voraussetzungen für eine
wirksamere internationale Zusammenarbeit zu schaffen. Desgleichen werden
sie darauf hinwirken, daß der illegale Anbau natürlicher Drogen unterbunden und durch den Anbau anderer Erzeugnisse ersetzt wird, die der gesellschaftlichen
und
wirtschaftlichen
Entwicklung
förderlich sind.
Die Staats- und Regierungschefs begrüßen die bilateral und multilateral
bereits erreichten Vereinbarungen und
erwarten, daß die von den Vereinten
Nationen in der nächstern Woche nach
Wien einberufene Internationale Konferenz über Drogenmißbrauch und illegalen Drogenhandel von Erfolg gekrönt
sein wird.

- 10 -

* * * * * *

�J&gt;^'®

'VON

AMERIKA DIENST
Wirtschaft

e

*

10. Juni 1987

22
TEILWEISE AUFHEBUNG DER HANDELSSANKTIONEN GEGEN JAPAN
- Erklärung Präsident Reagans in Venedig -

VENEDIG - (AD) - In Anerkennung der Fortschritte Japans bei der Drosselung
der Verkäufe von modernen Halbleiter-Chips zu Preisen unterhalb der Produktionskosten auf Drittmärkten hat Präsident Reagan die teilweise Aufhebung der
amerikanischen Handelssanktionen gegen Japan angekündigt. Im Anschluß an bilaterale Verhandlungen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Nakasone am 8.
Juni 1987 erklärte der Präsident, er halte es in Anbetracht der noch nicht
völligen Einhaltung des Halbleiterabkommens für angemessen, eine "Lockerung
der Sanktionen" von nur 51 Millionen Dollar zu verfügen, was ungefähr 17 Prozent des Gesamtwerts der jährlichen japanischen Verkäufe von Halbleitern an
die Vereinigten Staaten entspricht.
Nachstehend folgt die Erklärung Präsident Reagans im Wortlaut:

Eines unserer Hauptanliegen anläßlich
der
Eröffnung
des Wirtschaftsgipfels muß die Beseitigung
von Handelshemmnissen sein, die darauf ausgerichtet sind, das Ungleichgewicht des Handels aufrechtzuerhalten und die zum Protektionismus führen. Wir sollten uns zu freiem Wettbewerb bei einer fairen Marktlage
verpflichten.
Vor fast sechs Wochen habe ich
eine Anordnung zur Verhängung von
Sanktionen
auf japanische
Produkte
unterschrieben, als Reaktion auf die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

japanische
Nichteinhaltung
unserer
Abkommen über Anti-Dumping und den
Marktzugang
von
Halbleitern.
Die
eindeutige Botschaft brachte unsere
Absicht zum Ausdruck, den fairen Handel ernst zu nehmen. Ebenso deutlich
war unser Wunsch, diese Sanktionen
aufzuheben, sobald die Fakten einen
"eindeutigen und anhaltenden Beweis"
der Einhaltung anzeigen.
Japan ist
sowohl ein führender Wirtschaftspartner wie auch ein zuverlässiger Freund
und Verbündeter, und wir wollen jede
Anstrengung
unternehmen, um unsere
Meinungsverschiedenheiten so schnell

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wie möglich zu beseitigen.
Bedauerlicherweise ist mir eine
erste Überprüfung der Fakten über die
Halbleiter nicht hinreichend genug,
um die verhängten Sanktionen im Gesamtumfang aufzuheben.
Es gibt jedoch auf einem Gebiet nachdrückliche
Hinweise darauf, daß das Dumping von
Halbleiter-Chips mit dynamischem RAMSpeicher
(DRAMs)
auf
Drittmärkten
nachgelassen hat. Es ist ganz offensichtlich, daß eine merkliche Verbesserung auf diesem einen Gebiet stattgefunden hat.
Ich bin mir der Besorgnis im
Kongreß bewußt, ob konsequent und positiv auf die Einhaltung vorgegangen
ist.
Ich habe daher heute eine entsprechende Antwort angeordnet. DRAMs
machen 60 Prozent der 135 Millionen
Dollar an Sanktionen aus, die im Zusammenhang mit dem Dumping verhängt
wurden.
Die Angaben zu DRAMs verzeichnen einen Anstieg von einer 59prozentigen
zu einer
85prozentigen
Einhaltung des angemessenen Marktwertes, womit mehr als die Hälfte des
Weges zu einem annehmbaren ziel zurückgelegt ist. Ich ordne eine Aufhebung von Sanktionen in Höhe von 51
Millionen Dollar an, was einer 17prozentigen
Kürzung
des
Gesamtwertes
entspricht. Diese Aufhebung steht im
genauen Verhältnis zum bis heute erreichten Fortschritt.
Die japanische Regierung hat mir
die Zusicherung gegeben, daß dieses
positive Gesamtbild beim Dumping auf
Drittmärkten
anhalten
wird.
Wenn
sich herausstellen sollte, daß dies
nicht der Fall ist, werde ich nicht
zögern, die jetzt aufgehobenen Teilsanktionen wieder zu verhängen.

+ + + + + +

- 2

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
10. Juni 1987

22
NEUER STARTTERMIN FÜR NÄCHSTEN RAUMTRANSPORTER-FLUG

WASHINGTON - (AD) - Für den ersten Start eines amerikanischen Raumtransporters nach der CHALLENGER-Katastrophe vom 28. Januar 1986 wurde jetzt der
Monat Juni 1988 ins Auge gefaßt. Der genaue Termin soll später bekanntgegeben
werden. In einer am 20. Mai 1987 herausgegebenen Presseverlautbarung erklärte
Dr. James C. Fletcher, Administrator der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt
(NASA), daß diese Änderung zusätzliche Bodentests vor dem Start ermögliche.
Ursprünglich war der 18. Februar 1988 als Termin vorgesehen. Sicherheit des
"Space Shuttle"-Fluges ist jedoch, Fletcher zufolge, für die NASA oberstes Gebot. Die revidierten Pläne, nach denen der Raumtransporter wieder flugbereit
gemacht werde, seien ehrgeizig und setzten voraus, daß die Test- und Vorbereitungsziele voll erreicht werden.
Die
NASA
gab
ferner
bekannt,
statt der für 1988 vorgesehenen sechs
Flüge würden nur drei durchgeführt.
Im Augenblick plane die Behörde sieben
Raumtransportermissionen
für
1989, eine weniger als im Manifest
vom Oktober 1986 angegeben.
Welche
Nutzlasten für die einzelnen Missionen an Bord genommen werden sollen,
werde später bekannt gegeben.
Dem
jüngsten Zeitplan zufolge sollte beim
ersten
Flug ein TDRS-Satellit der
NASA abgesetzt werden, der für Bahnbeobachtungen
und
Datenübermittlung
benötigt wird.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Beim zusätzlichen Erprobungsprogramm für den Raumtransporter DISCOVERY, mit dem der erste Flug unternommen werden soll, geht es vor allem um
Brenntests der drei Haupttriebwerke
und
einen simulierten Start-Countdown, bei dem der große Außentank mit
Treibstoff gefüllt wird. Beide Tests
sind ca. sechs Wochen vor dem Start
vorgesehen. An den Feststoffraketen,
die in der ersten Aufstiegsphase hohe
zusätzliche Schubkraft liefern, hat
man nicht nur an der Verbindung der
Segmente, sondern auch an anderen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Teilen
Verbesserungen
vorgenommen.
Ein Leck in einer der Segmentverbindungen hatte im vergangenen Jahr das
Unglück ausgelöst, bei dem die sieben
Astronauten den Tod fanden.

* * * * * *

�</text>
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                    <text>cimerika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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10. Juni 1992

QT

NATO

USA WERDEN IN EUROPA BLEIBEN
"SOLANGE WIR ERWÜNSCHT SIND"
Rede des Stellvertretenden Außenministers beim Nordatlantikrat

US-WELTROLLE

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT WÜNSCHT
WEITERHIN AKTIVE ROLLE IN WELTPOLITIK
Ergebnisse neuer Meinungsumfragen

KONGRESS

KONGRESS VERABSCHIEDET 27. VERFASSUNGSZUSATZ
Diätenregelung seit 203 Jahren
in der Diskussion

SOZIALPOLITIK

ZAHLREICHE PROGRAMME FÜR BEDÜRFTIGE
IN USA
Letzter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

SENIOREN

ALTERN IN AMERIKA: LANGER LEBEN
UND ES MEHR GENIESSEN
Hintergrundinformation über ältere
Menschen in den USA

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der letzten Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NATO
10. Juni 1992

USA WERDEN IN EUROPA BLEIBEN
"SOLANGE WIR ERWÜNSCHT SIND"
Rede des Stellvertretenden Außenministers beim Nordatlantikrat
OSLO - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine grundlegende Verpflichtung für die Sicherheit Europas und
werden in Europa bleiben, solange sie dort erwünscht sind, erklärte der Stellvertetende US-Außenminister,
Lawrence Eagleburger, am 4. Juni 1992 beim Außenministertreffen des Nordatlantikrats.
Eagleburger zufolge wurden die Vereinigten Staaten über mehrere Jahrzehnte hinweg "mit Zweifeln an ihrem
Engagement für die europäische Sicherheit von denjenigen konfrontiert, die Anpassungen in unserer Sicherheitsarchitektur fordern, als ob ihre Zweifel auf Tatsachen beruhten. In Wahrheit jedoch verfechten die
Vereinigten Staaten als Grundprinzip ihrer nationalen Politik nach wie vor die Tatsache, daß unsere Sicherheit
und die unserer Partner in der NATO ein und dasselbe sowie unteilbar ist."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Eagleburgers beim Nordatlantikrat im Wortlaut.

Wir kommen heute in Oslo im Anschluß an einen
Zyklus von NATO-Gipfeln zusammen - Brüssel, London, Rom -, deren Ziel die Definition und Neudefinition
der Rolle des Bündnisses in einem Europa radikaler
Veränderungen gewesen ist. Es ist jedoch wichtig,
eine Unterscheidung zwischen der der NATO eigenen
Anpassungsfähigkeit und ihrem zeitlosen fundamentalen Zweck zu treffen - die unteilbare Sicherheit der
etablierten Demokratien Europas und Nordamerikas
zu gewährleisten. Bei der Erfüllung dieses Zwecks hat
sich die NATO als das vielleicht erfolgreichste Bündnis
in der Geschichte erwiesen. Wir haben unsere Freiheiten bewahrt, und wir haben den Frieden in Europa
aufrechterhalten. Wir haben Europa vor einem allgemeinen Krieg bewahrt, wie er in der ersten Hälfte des
Jahrhunderts bereits zweimal das Leben von Europäern und Nordamerikanern zerstört hat. Und wir
haben erlebt, wie die monolithische Bedrohung, der wir
uns gemeinsam entgegengestellt haben, verschwand
und freundlich gesonnene aber schwache demokratische Kräfte in ganz Osteuropa und der ehemaligen
Sowjetunion an die Macht kamen.
So treffen wir heute in einem Gefühl einzigartiger
historischer Leistungen zusammen, um die künftige
Rolle unseres Bündnisses zu erörtern. Wir sind uns
einerseits dessen bewußt, was sich nicht ändern wird
- nämlich, daß dieses Bündnis die praktische Verkörperung unserer gegenseitigen Verpflichtung bleibt,
einander in unserem gesamten demokratischen Herrschaftsbereich zu verteidigen.

AMERIKA DIENST 23

Andererseits sind wir uns ebenso der Tatsache bewußt, daß eine NATO, die uns weiterhin so erfolgreich
dient wie dies während des Großteils des vergangenen halben Jahrhunderts der Fall war, in der Lage sein
muß, sich Veränderungen im internationalen System
und Veränderungen im europäischen Sicherheitsrahmen anzupassen. Insbesondere müssen wir in der
Lage sein, sowohl mit den Bestrebungen als auch mit
den instabilen Verhältnissen umzugehen, die durch
den Zusammenbruch des Kommunismus im Osten
freigesetzt wurden.
Tatsächlich befindet sich die NATO bereits inmitten
dieses Anpassungsprozesses. Angesichts der verringerten Bedrohung haben wir ein neues strategisches
Konzept verabschiedet, die Truppenstärken reduziert
und sind zu flexibleren, mobileren und multinationalen
Streitkräften übergegangen. Angesichts der radikalen
politischen Veränderungen im Osten sind wir durch
das Liaison-Programm der NATO, das im NAKR zum
Ausdruck kommt, auf ehemalige Gegner zugegangen.
Und als Reaktion auf die historischen Schritte Westeuropas zur wirtschaftlichen und politischen Union hat
die NATO den Rahmen für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsidentität mitdefiniert und unterstützt.
Deshalb sollten wir die Stabilität des Bündnisses nicht
mit Inflexibilität verwechseln - und unsere Bilanz zeigt,
daß wir dies auch nicht tun. Sogar die Zusammensetzung des Bündnisses könnte unter voller Berücksich-

Seite 1

�tigung unserer strengen demokratischen Normen und
der Notwendigkeit zur Bewahrung des festen Geflechts der gemeinsamen Verteidigung zum geeigneten Zeitpunkt vielleicht erweitert werden.
Heute möchte ich vier grundlegende Bereiche anführen, in denen die NATO nach Auffassung der Vereinigten Staaten ihre Mission konzentrieren muß, um den
Sicherheitsbedürfnissen des neuen Europas gerecht
zu werden.
Erstens sollte die NATO weiterhin die Entwicklung der
KSZE unterstützen, die als flexibles politisches Instrument zur Bewältigung des demokratischen Wandels
und Behandlung der tieferen Ursachen von Konflikten
eine einzigartige Rolle spielen kann. Die KSZE benötigt jedoch eine verbesserte Fähigkeit zum Krisenmanagement und zur Konfliktiösung, um ihr Potential zu
verwirklichen.
Deshalb sollten wir uns hier darauf verständigen, die
Fähigkeiten und Mittel der NATO zur Verfügung zu
stellen, um von der KSZE angeordnete Operationen
zur Friedensbewahrung zu unterstützen. In diesem
Zusammenhang möchte ich eindeutig feststellen, daß
die Vereinigten Staaten bereit sind, grundlegende
Beiträge für die Friedensbewahrung zu leisten, etwa
bei Transport und Logistik. Ferner schließen wir nicht
aus, auf derselben Basis wie andere Staaten Bodenkontingente bereitzustellen. Wie andere Mitglieder
des Bündnisses würden wir eine solche Entscheidung
von Fall zu Fall treffen.
Darüber hinaus erkennen wir an, daß die NATO nicht
die einzige Organisation ist, an die sich die KSZE
gegebenenfalls wenden kann. Die Vereinten Nationen
und die WEU zum Beispiel besitzen ebenfalls Mittel,
die eingesetzt werden können. Überdies sollten wir
bereit sein, die Mitgliedstaaten des NAKR und die
neutralen Länder einzuladen, in Partnerschaft mit der
NATO ebenfalls zu friedensbewahrenden Operationen beizutragen.
Obwohl das Bündnis sich das Recht vorbehalten muß,
über den Charakter seines Engagements von Fall zu
Fall zu entscheiden, gehen wir davon aus, daß die
NATO sich jetzt darauf einstellen sollte, diese neue
Rolle zu übernehmen, und wir sollten dies in einer Art
und Weise tun, die allen KSZE-Mitgliedstaaten offensteht, die zur Friedensbewahrung beitragen möchten.
Die NATO sollte der KSZE vielleicht auch ihre Mittel
und ihr Know-how anbieten, um zivile, Natur- und
Umweltkatastrophen zu bewältigen.
Zweitens muß die NATO weiterhin die Entwicklung
einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität innerhalb des Rahmens unterstützen, der bei
den Gipfeln von Rom und Maastricht definiert wurde.
In diesem Zusammenhang sollten keine Zweifel an der
Haltung der Vereinigten Staaten aufkommen: Wir
haben stets und uneingeschränkt die Entwicklung

Seite 2

einer europäischen Verteidigungsidentität und eines
gestärkten europäischen Pfeilers innerhalb der NATO
unterstützt. Wir gehen davon aus, daß das in Rom
vereinbarte Prinzip solide ist - daß die europäische
Verteidigungsidentität in einer offenen und kooperativen Art und Weise verwirklicht werden sollte. Und wir
sollten in diesem Zusammenhang vorrangig und aktiv
Verbindungen zwischen NATO und WEU entwickeln,
was ebenfalls in Rom vereinbart wurde.
Drittens muß die NATO Pflichten bei der Unterstützung der Reformen in allen ehemaligen WarschauerPakt-Staaten übernehmen. Angesichts dessen, was
wir als Bündnis investiert haben, um Aggressionen des
Ostens über 45 Jahre lang abzuschrecken, ist unser
Interesse am Schicksal befreundeter Demokratien dort
schlicht enorm. Und da ich gerade aus der Region
zurückkehre, kann ich berichten, da ß man dort von uns
erwartet, daß wir dieses Interesse ebenso wie unsere
gesamte stabilisierende Rolle konkret sichtbar machen. Der Arbeitsplan des NAKR ist ein solider Anfang, aber wir müssen zusätzliche Möglichkeiten identifizieren, um Partnerstaaten in Bereichen wie ziviler
Notstandsplanung, Koordinierung des zivilen Flugverkehrs und Konversion der Rüstungsindustrie zu helfen.
Ich möchte hier kurz auf die Bemühungen der Vereinigten Staaten eingehen, die auf vereinbarten Bündnisprioritäten und kontinuierlichen Konsultationen beruhen, um mit der Bedrohung umzugehen, mit der wir
alle gemeinsam jahrzehntelang konfrontiert waren der Bedrohung durch Kernwaffen strategischer und
taktischer Art. Vor einer Reihe von Tagen unterzeichneten die Vereinigten Staaten ein Abkommen, durch
das Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine
gemeinsam mit uns zu Vertragspartnern im Rahmen
des START-Abkommens wurden, das zu erheblichen
Verringerungen der strategischen Streitkräfte führen
und nach der Auflösung der ehemaligen Sowjetunion
dort eine einzige Atommacht entstehen lassen wird.
Darüber hinaus hat der amerikanische Kongreß 400
Millionen Dollar bereitgestellt, um uns zu ermöglichen,
Rußland bei der Beseitigung taktischer Kernwaffen
der ehemaligen Sowjetunion zu helfen, die kürzlich zu
diesem Zweck an gesicherten Standorten konzentriert
wurden.

Viertens muß die NATO in der Lage sein, beim Umgang mit der vom Zusammenbruch des Kommunismus hervorgerufenen Instabilität ihre uneingeschränkte Rolle gemeinsam mit anderen verantwortlichen
Institutionen - EG, WEU, NAKR und UN - zu spielen.
Auch während wir heute miteinander diskutieren, tobt
ein Krieg im Herzen Europas. Schon aus humanitären
Gründen muß sich das Bündnis bemühen, das Leiden
im ehemaligen Jugoslawien zu beenden - eine Agonie,
deren Zeugen wir tagtäglich auf unseren Fernsehschirmen werden.

AMERIKA DIENST 23

�Die Herausforderung geht jedoch wesentlich tiefer.
Dieses Bündnis, das nahezu ein halbes Jahrhundert
lang eine einzige alles beherrschende Bedrohung der
europäischen Sicherheit so effektiv vereitelte, muß
jetzt effektiv werden, um die andersartigen aber zahlreichen Konflikte friedlich zu lösen, die die Stabilität
Europas im Zeitalter nach dem kalten Krieg bedrohen.
Wiederum im Falle des ehemaligen Jugoslawiens sollte
die NATO bereitstehen, um in geeigneter Weise und in
Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen die Verwirklichung der Resolution 757 des
UN-Sicherheitsrats zu unterstützen.
Ebenso hat die NATO bei den Bemühungen eine Rolle
zu spielen, in Berg-Karabach und bei ähnlichen Konflikten Frieden zu schaffen. Um die Gewalt zu mildem
und ein Verhandlungen förderliches Klima herbeizuführen, haben sich Armenien und Aserbaidschan bereiterklärt, zivilen, unter der Schirmherrschaft der KSZE
operierenden Beobachtern Zugang zu ihrem Staatsgebiet zu gewähren. Wir gehen davon aus, daß unsere
Liaison-Partner im NAKR angesichts geographischer
und historischer Faktoren ideal dafür geeignet sind, die
führende Rolle bei dieser Beobachtermission zu spielen und daß ihnen dies einen Anteil an der von uns
geschaffenen Sicherheitspartnerschaft geben wird.
Die Verbündeten in der NATO würden sie durch den
NAKR unterstützen und damit die Funktionsfähigkeit

der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur mit
ihren überlappenden und sich wechselseitig verstärkenden Mechanismen unter Beweis stellen.
Über den Großteil mehrerer Jahrzehnte hinweg wurden die Vereinigten Staaten mit Zweifeln an ihrem
Engagement für die europäische Sicherheit von denjenigen konfrontiert, die Anpassungen in unserer Sicherheitsarchitektur fordern, als ob ihre Zweifel auf Tatsachen beruhten. In Wahrheit jedoch verfechten die
Vereinigten Staaten als Grundprinzip ihrer nationalen
Politik nach wie vor die Tatsache, daß unsere Sicherheit und die unserer Partner in der NATO ein und
dasselbe sowie unteilbar ist. Dies ist nicht die Funktion
eines Vertrages, sondern nationaler Ziele und nationaler Interessen. Infolgedessen sind wir weiterhin hier in
Europa, und wir werden in Europa bleiben, solange wir
erwünscht sind. Diejenigen, die unseren gegenwärtigen Willen und unsere Beharrlichkeit bezweifeln, haben
ihre Antwort erhalten, als Präsident Bush unsere Absicht
offiziell erklärte, auch nach dem kalten Krieg in Europa
eine substantielle amerikanische Truppenpräsenz im
Rahmen der NATO aufrechtzuerhalten. Diejenigen,
die unsere künftigen Ziele anzweifeln, erhielten ihre
Antwort heute, da wir formell eine neue Mission - eine
Friedensmission - verabschiedet haben, die von der
NATO in diesem, dem neuen Europa erfüllt werden
soll.
*

AMERIKA DIENST 23

*

Seite 3

�US-WELTROLLE
10. Juni 1992

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT WÜNSCHT
WEITERHIN AKTIVE ROLLE IN WELTPOLITIK
Ergebnisse neuer Meinungsumfragen
WASHINGTON - (AD) - Die Ergebnisse von Meinungsumfragen unterstützen nicht die von einer Anzahl
politischer Beobachter vorgebrachte Ansicht, die amerikanische Öffentlichkeit sei "auf dem Weg in den
Isolationismus". Statt dessen zeigen sie, daß eine Mehrheit der Amerikaner weiterhin eine aktive, kooperative
Rolle der Vereinigten Staaten in der Weltpolitik befürwortet, darunter "uneingeschränkte Zusammenarbeit" mit
den Vereinten Nationen sowie der selektive Einsatz militärischer Gewalt. Gleichzeitig sprechen sich die meisten
Amerikaner jedoch dafür aus, der Lösung innenpolitischer Probleme, insbesondere solcher wirtschaftlicher Art,
höchste Priorität einzuräumen.
Zustimmung zu internationalem
konstant oder geringfügig höher

In den letzten Monaten legten die Demoskopen erneut
13 Fragen zur "Trendmessung" vor, die sie von Zeit zu
Zeit stellen, um die Stimmung der Amerikaner im
Hinblick auf das internationale Engagement einzuschätzen. Die Reaktionen auf fünf dieser Fragen
zeigen, daß die Zustimmung zu internationalem Engagement in den achtziger Jahren eindeutig gestiegen
ist. Die Antworten auf zwei Fragen zeigen einen
Rückgang, während bei den verbleibenden sechs keine
Veränderungen festgestellt wurden.
Im großen und ganzen zeigen diese Meinungsumfragen, daß etwa 60 - 70 Prozent der Amerikaner heute
im allgemeinen eine aktive Rolle der Vereinigten Staaten in der Außenpolitik befürworten, während 20 - 30
Prozent ein aktives Engagement im Ausland ablehnen. Dazu folgende Beispiele:
1.

2.

Einer Gallup-Umfrage vom September vergangenen Jahres zufolge wünschten 71 Prozent
eine "aktive Beteiligung" der Vereinigten Staaten an der Weltpolitik - im Vergleich zu 64
Prozent Ende 1986. 23 Prozent zogen es vor,
daß sich die Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik "heraushalten" - gegenüber27 Prozent im
Jahr 1986.
Im Februar sprachen sich im Rahmen einer
Untersuchung von Research/Strategy/Management (R/S/M) 74 Prozent der Befragten für die
aktive Verfolgung amerikanischer Sicherheitsinteressen im Ausland entweder multilateral in
Zusammenarbeit mit anderen Staaten (54 Pro-

AMERIKA DIENST 23

zent) oder auf sich allein gestellt (20 Prozent)
aus. Die Unterstützung für ein solches Engagement war gegenüber 1986 (68 Prozent) um 6
Prozent gestiegen. Im Februar meinten 24
Prozent, die Vereinigten Staaten sollten es

Engagement

"möglichst vermeiden, sich in anderen Ländern

zu engagieren" - gegenüber 30 Prozent im Jahr
1986.
3.

Im Hinblick auf den Einsatz militärischer Gewalt
gaben im Februar 64 Prozent der Befragten von
R/S/M an, sie unterstützten den Gedanken,
"amerikanische Truppen zu entsenden", um "bei
größeren militärischen Auseinandersetzungen
... irgendwo im Ausland" zu intervenieren, wenn
der Präsident der Überzeugung sei, dies liege im
besten Interesse des Landes. Im Jahr 1986
unterstützte eine wesentlich geringere Mehrheit
von 54 Prozent eine solche Intervention.

Steigende Priorität für innenpolitische Anliegen
Zur Zeit betrachten nahezu 60 Prozent der Amerikaner
die Wirtschaft als "das wichtigste Problem für die
Vereinigten Staaten von heute" - gegenüber 40 Prozent kurz nach dem Golfkrieg und 30 Prozent kurz
davor. (Gallup 3/92, Time-CNN/Yankelovich 3/92,
CBS/NY Times 1/92)
Lediglich zwei Prozent halten außen- oder verteidigungspolitische Themen für das dringlichste Problem
der Vereinigten Staaten. Selbst wenn die Befragten
aufgefordert wurden, die "gegenwärtig zwei oder drei
wichtigsten Probleme der Nation" zu nennen, gab nur
einer von zehn einen außen- oder verteidigungspolitischen Sachverhalt an.
Seite 1

�Im Januar fragte Gallup danach, "wie wichtig" es für
Präsidentschaftskandidaten wäre, über verschiedene
Themen im Wahlkampf 1992 zu sprechen. Mehr als
doppelt so viele meinten, es sei "sehr wichtig", die
"Wirtschaft" zu erörtern (93 Prozent) als über "nationale Verteidigung" (43 Prozent) oder "Außenpolitik" (37
Prozent) zu sprechen.
Andere Themen lagen irgendwo zwischen diesen
Extremwerten: "Bildungswesen" (87 Prozent: "sehr
wichtig"), "Arbeitslosigkeit" (84 Prozent), "Krankenversicherung" (80 Prozent), "das Defizit im Bundeshaushalt" (79 Prozent), "Verbrechen" (77 Prozent), "Drogen" (77 Prozent), "Steuern" (70 Prozent), "AIDS" (67
Prozent), "die Umwelt" (60 Prozent), "Außenhandel"
(53 Prozent), "Rassenbeziehungen" (48 Prozent) und
"Abtreibung" (38 Prozent).

Öffentlichkeit wünscht weltweites Engagement bei
gleichzeitiger Bewältigung innenpolitischer Probleme
Einer Meinungsumfrage von Potomac Associates vom
letzten Herbst zufolge erhöhte sich der Prozentsatz
derer, die meinten, die Vereinigten Staaten sollten
"uneingeschränkt mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten", von 1985 bis Oktober 1991 um 21
Punkte - von 56 auf 77 Prozent. Im gleichen Zeitraum
nahm jedoch ebenfalls die Unterstützung für "stärkere
Konzentration auf unsere eigenen nationalen (anstatt
internationalen) Probleme" um 18 Punkte zu - von 60
auf 78 Prozent.
Bei beiden Fragestellungen hat die Zustimmungsrate
den höchsten Anteil erreicht, seit Potomac Associates
diese Fragen im Jahr 1964 einführte. Damit wird ein
zentraler Aspekt der gegenwärtigen Stimmung beleuchtet: Die Amerikaner fordern verstärktes Handeln
an der innenpolitischen Front, ohne das Engagement
in der übrigen Welt zu beenden.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�KONGRESS
10. Juni 1992

KONGRESS VERABSCHIEDET
27. VERFASSUNGSZUSATZ
Diätenregelung seit 203 Jahren in der Diskussion
WASHINGTON - (AD) - Als der Kongreß am 20. Mai
1992 den 27. Zusatz zur amerikanischen Verfassung
verabschiedete, fand damit ein Prozeß seinen Abschluß, der bereits vor über 200 Jahren von James
Madison, einem der Gründeräter der Vereinigten Staaten, eingeleitet worden war.
Die von Madison, dem vierten US-Präsidenten, vorgeschlagene Ergänzung der amerikanischen Verfassung
schreibt vor, daß "kein Gesetz, durch das die Entgelte
für die Dienste von Senatoren und Abgeordneten
verändert werden, in Kraft treten soll, bevor nicht eine
Abgeordnetenwahl stattgefunden hat".
Demnach kann eine vom Kongreß verabschiedete
Diätenerhöhung erst nach der nächsten Wahl zum
Repräsentantenhaus in Kraft treten. Damit wird dem
Wähler Gelegenheit gegeben, einige Nutznießer einer
solchen Erhöhung abzuwählen, wenn er der Überzeugung ist, diese sei unverdient oder ein Akt der Selbstbedienung. Mit dieser Ergänzung der Verfassung wird
beabsichtigt, das Ansehen des Kongresses zu bewahren.
Madison, der entscheidend am Entwurf der Verfassung beteiligt war, hatte diesen Zusatz als Teil eines
Pakets von insgesamt 12 Ergänzungen eingebracht.
Von diesen wurden zehn, die im Jahr 1791 verabschiedet wurden, als Bill of Rights bekannt. Diese Verfassungszusätze garantieren die bürgerlichen Grundfreiheiten amerikanischer Staatsbürger. Der Zusatz über
Diätenerhöhungen fand gemeinsam mit einem weiteren Zusatz über die Erweiterung der Abgeordnetenzahl im Kongreß nicht die erforderliche Unterstützung,
und beide gerieten schließlich völlig in Vergessenheit.
Doch der 27. Verfassungszusatz bewies ein zähes
Leben. Geschürt von einer populistischen Stimmung
in der Politik und einer Rezession wurde er in den
letzten Jahren wiederbelebt und von einem Staatsparlament nach dem anderen verabschiedet. Am 7. Mai
1992 wurde Michigan der 38. Staat, der die in der
Verfassung enthaltene Bestimmung erfüllte, daß jede
Verfassungsänderung von dreiviertel der Bundesstaaten ratifiziert werden muß. Am 13. Mai wurde der

AMERIKA DIENST 23

Zusatz vom Obersten Archivar der Vereinigten Staaten für gesetzlich gültig erklärt, und am 20. Mai erklärten die Mitglieder von Repräsentantenhaus und Senat,
daß er ihrer Meinung nach Gesetzeskraft erlangt habe
- trotz seines Alters von zweihundert Jahren.
In der Rückschau zeigt sich, daß Maryland im Jahr
1789 als erster Bundesstaat den Zusatz ratifizierte. In
den nächsten zwei Jahren stimmten fünf weitere Staaten zu. Ohio verabschiedete ihn im Jahr 1873 und
Wyoming im Jahr 1978, womit acht Ratifizierungen
erreicht waren.
Im Jahr 1982 griff Gregory D. Watson, ein 20jähriger
Student, der an der University of Texas an einem
Forschungsreferat arbeitete, das nichtratifizierte
Madison-Amendment auf. Watson startete völlig auf
sich selbst gestellt in Nachtarbeit zu Hause eine Briefkampagne mit dem Ziel, die Abgeordneten in weiteren
30 Parlamenten der Bundesstaaten zur Ratifizierung
zu bewegen. Seine Bemühungen zahlten sich aus.
Bis zum Jahr 1989 hatten weitere 19 Staaten den
Zusatz ratifiziert, und der Prozeß gewann weiteren
Schwung.
Mit steigender Wahrscheinlichkeit einer Ratifizierung
des Verfassungszusatzes brachten einige Mitglieder
des Kongresses und Verfassungsexperten Zweifel
über dessen Rechtmäßigkeit zum Ausdruck. Ihrer
Meinung nach hatten die Gründerväter beabsichtigt,
daß Verfassungszusätze in einer angemessen kurzen
Zeit ratifiziert würden. Die Verfassung bestimmt, daß
jeder Zusatz von jeweils einer Zweidrittel-Mehrheit im
Repräsentantenhaus und im Senat eingebracht und
danach von dreiviertel der Bundesstaaten ratifiziert
werden muß - eine zeitliche Begrenzung des Ratifizierungsverfahrens besteht jedoch nicht. Bei mehreren
früheren und heute vorgeschlagenen Zusätzen setzte
der Kongreß Fristen, nicht jedoch bei diesem.
Der Juraprofessor an der Harvard University, Laurence Tribe, schrieb im Wall Street Journal, es sei "nicht
Aufgabe des Kongresses, die Ratifizierung durch
Michigan im Jahr 1992 für zu jung oder die durch
Maryland im Jahr 1789 für zu alt zu erklären".
Seite 1

�Der Abgeordnete Dick Zimmer bezeichnete
»te den Zusatz als "heute absolut genauso aktuell wie
ie vor über
200 Jahren... Wovor Madison und die Ratifizierer
dieses Zusatzes die Öffentlichkeit schützen
en wollten,
war die größte Vergünstigung im Kongreß - die
die FähigFähigkeit, unsere eigenen Gehälter zu erhöhen,ohne
ohneunseunsere Arbeitgeber, die uns wählenden Menschen,
ischen, zu
befragen."

angesichts der von ihnen wahrgenommenen Verantwortung gering sei. Die politischen Realitäten zwangen sie andererseits dazu, durch einen formellen
Beschluß ihr Einverständnis zu geben.

Bedeutet der Verfassungszusatz, daß die Diäten im
Kongreß ständig schrumpfen werden, da dessen Mitglieder damit rechnen müssen, daß jede von ihnen
verabschiedete Diätenerhöhung ihren Nachfolgern
Zu Madisons Zeit erhielten die Mitglieder des
Kongres- zugute kommen könnte? Das ist zur Zeit noch unklar.
&gt;s Kongresses pro Tag 6 Dollar an Diäten sowie eine AufwandsAufwandsentschädigung von 6 Dollar pro Meile, die sie
(zuPferd)
Pferd) Im Jahr 1989 verabschiedete der Kongre ß ein Gesetz,
e (zu
anreisen mußten, um an den Sitzungen des
Kongress Kongres- c l a s e i n e automatische Anpassung der Diäten an die
ses teilzunehmen. Heute liegen die Diätenm
imKongreß
Kongreß gestiegenen Lebenshaltungskosten festschreibt. Da
bei 130.000 Dollar im Jahr, eine geringe Summe
Summe im
im e s der n e u e Verfassungszusatz den Abgeordneten
Vergleich zu den Gehältern zahlreicher Spitzenmanaitzenmana- verbietet, in der aktuellen Amtsperiode ihre "Entgelte
ger in der Industrie, sehr viel jedoch im Vergleich
ergleich zu
zu z u verändern", könnte dies bedeuten, daß sie solche
den Gehältern der meisten Bürger. Die Mitglieder
des
glieder des gesetzlich festgeschriebenen Erhöhungen nicht ausKongresses geben an, ihre hohen Diätent seien
seien geqe- schlagen werden, da sie bereits Teil ihrer Diäten sind,
rechtfertigt, da sie häufig zwei Wohnsitze unterhalten
jnterhalten Er könnte jedoch auch so ausgelegt werden, daßdiese
müßten - einen in ihrem Heimatstaat und den
anderen Anpassungen tatsächlich unzulässig sind, da sie Veran anderen
in der Bundeshauptstadt Washington. Sie verweisen
verweisen änderungen darstellen. Wahrscheinlich werden die
darüber hinaus auf die Tatsache, daß ihr
ihr Entgelt
Entgelt Gerichte-möglicherweise das Oberste Bundesgericht
- in dieser Angelegenheit das letzte Wort haben.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�SOZIALPOLITIK
10. Juni 1992

ZAHLREICHE PROGRAMME FÜR BEDÜRFTIGE IN USA
Letzter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die als Schlüsselelemente des
Sozialversicherungsgesetzes von 1935 eingeführten
grundlegenden Sozialversicherungsprogramme zielen darauf ab, die meisten Amerikaner vor Armut zu
bewahren, indem sie einen Teil ihres durch Arbeitslosigkeit, Ruhestand, Berufsunfähigkeit oder Tod eines
nahen Angehörigen entfallenen Einkommens ersetzen.
Diese Programme basieren jedoch in der Regel auf
Dauer der Berufstätigkeit und decken viele Amerikaner, deren Jahreseinkommen unter der bundesweit
festgelegten Armutsgrenze (13.921 Dollar für eine
vierköpfige Familie im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für
das vollständige Daten zur Verfügung stehen) liegt,
nicht ausreichend ab. Für die Bedürfnisse dieser
Bürger bestehen zahlreiche sonstige von Bund, Bundesstaaten und Gemeinden - und in vielen Fällen von
privaten Wohltätigkeitsorganisationen und Einzelpersonen - getragene Programme.
Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern
Die Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (Aid to Families with Dependent Children - AFDC)
- allgemein als "Weifare" (Sozialhilfe) bezeichnet - ist
das umfangreichste und kostspieligste Programm zur
Vergabe von Bargeld und wird teilweise aus dem
Steueraufkommen des Bundes finanziert. AFDC ist
ein vermögensabhängiges Programm, bei dem die
Leistungen je nach Einkommen und Vermögen des
Empfängers begrenzt sind. Es kommt bedürftigen
Familien zugute, in denen ein Elternteil verstorben ist,
die Familie verlassen hat, behindert ist oder - in etwa
der Hälfte der 50 Staaten - arbeitslos geworden ist.
Das Programm wird von den Bundesstaaten nach den
Maßgaben der Bundesregierung verwaltet. Die Kosten werden anteilig aus dem Steueraufkommen von
Bund, Bundesstaaten und Gemeinden aufgebracht.
Per Gesetz müssen mindestens 50 Prozent aller AFDCKosten in einem Bundesstaat von der Bundesregierung getragen werden. Dieser Anteil kann jedoch bis
zu 83 Prozent betragen, da arme Bundesstaaten einen
höheren Bundeszuschuß erhalten.

AMERIKA DIENST 23

Der Anspruch auf Leistungen aus diesen Programmen
ist ebenso wie der Leistungsumfang äußerst unterschiedlich. Nach den Gesetzen der Bundesregierung
muß jeder Bundesstaat auf der Grundlage des Mindestbedarfs an Lebensmitteln, Kleidung und Unterkunft den "Warenkorb" für Familien unterschiedlicher
Größe ermitteln. Dieser Standard unterscheidet sich
von Bundesstaat zu Bundesstaat, was teilweise auf
die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. So liegen zum Beispiel die Lebenshaltungskosten in Alaska und Hawaii im allgemeinen
höher als in anderen Bundesstaaten, da aufgrund der
geographischen Lage höhere Transportkosten anfallen.
In der Praxis erweisen sich die von den Bundesstaaten
festgesetzten eng definierten Leistungssätze als nicht
ganz ausreichend, um sämtliche legitimen Bedürfnisse zu decken, so daß eine Familie Anspruch auf
AFDC-Leistungen hat, wenn ihr Bruttoeinkommen
weniger als 185 Prozent des errechneten Grundbedarfs beträgt. Dies erlaubt die Nichtanrechnung eines
gewissen Verdienstanteils, um mit einer Erwerbstätigkeit verbundene Ausgaben und Kosten für Kinderbetreuung zu decken. Der Leistungsanspruch endet für
gewöhnlich, wenn das jüngste Kind das 18. Lebensjahr
vollendet.
Die Bundesgesetze schreiben vor, daß bestimmte
arbeitsfähige Empfänger von AFDC - etwa minderjährige Mütter mit Kindern über drei Jahren - sich um einen
Arbeitsplatz, Teilnahme am Schulunterricht oder einen
Ausbildungsplatz bemühen müssen.
Die monatlichen AFDC-Leistungen betrugen für eine
dreiköpfige Familie im Jahr 1990, dem letzten Jahr, für
das vollständige Daten zur Verfügung stehen, von 114
Dollar in Alabama bis zu 773 Dollar in Alaska, wobei
der Bundesdurchschnitt bei 390 Dollar lag.
Etwa 85 Prozent der Familien, die AFDC-Leistungen
beziehen, erhalten darüber hinaus Lebensmittelmarken, mit denen sie Lebensmittel zu reduzierten Preisen
erwerben können. Bei Anrechnung der Lebensmittelmarken betrugen die Höchstleistungen im Jahr 1990

Seite 1

�von 374 Dollar monatlich in Alabama bis zu 1.277
Dollar in Alaska, der Bundesdurchschnitt lag bei 650
Dollar monatlich.
Darüber hinaus haben die Empfänger von AFDC automatisch Anspruch auf kostenlose medizinische Versorgung im Rahmen von MEDICAID und können unter
Umständen Wohngeld vom Bund oder den Bundesstaaten beziehen.
Vorläufigen Schätzungen zufolge erhielten 12,5 Millionen Personen im Jahr 1991 AFDC-Leistungen im
Gesamtumfang von 20 Milliarden Dollar. Darin sind
Lebensmittelmarken, medizinische Leistungen und
Wohngeld nicht enthalten. Von dieser Gesamtsumme
wurden 11,5 Milliarden Dollar vom Bund bereitgestellt,
der Rest wurde von Bundesstaaten und Gemeinden
getragen.
Zuschüsse für Einkommensschwache
Zuschüsse für Einkommensschwache (Supplemental
Security Income - SSI) ist ein vermögensabhängiges
Programm, das hauptsächlich von der Bundesregierung finanziert wird. Es bietet feste monatliche Leistungen für Kinder und Erwachsene, die behindert
oder blind sind und bestimmte Einkommens- und
Vermögensgrenzen nicht überschreiten. SSI-Leistungen stehen darüber hinaus Senioren zur Verfügung,
die keine Rente erhalten. Die Barzahlungen werden
aus dem allgemeinen Steueraufkommen geleistet,
nicht aus einem speziellen Treuhandfonds wie im Falle
der gesetzlichen Rentenversicherung.
Die medizinischen Voraussetzungen für Ansprüche
auf SSI-Leistungen für Behinderte sind dieselben, die
für Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit gelten. Für SSI-Leistungen
werden keine Nachweise über frühere Berufstätigkeit
verlangt.
Im Jahr 1992 beträgt der vom Bund festgesetzte
inflationsbereinigte Regelsatz für SSI-Leistungen 422
Dollar im Monat für eine anspruchsberechtigte Einzelperson ohne zusätzliches Einkommen und 633 Dollar
im Monat für ein anspruchsberechtigtes Ehepaar ohne
zusätzliches Einkommen.
Die Obergrenzen für das persönliche Vermögen liegen
heute bei 2.000 Dollar für eine Einzelperson und 3.000
Dollar für ein Ehepaar, wobei der Wert von selbstgenutztem Wohneigentum nicht angerechnet wird.
Wenn der Verdienst den monatlichen SSI-Regelsatz
übersteigt, hat die betreffende Person keinen Anspruch auf diese Leistungen. Wenn jedoch das Einkommen den Satz unterschreitet, werden die Leistungen entsprechend gekürzt. So würde bei einem Reg i l satz von 422 Dollar im Monat eine Person, deren
monatliches Einkommen 200 Dollar beträgt, SSI-Leistungen in Höhe von 222 Dollar erhalten.

Seite 2

Jeder, der aufgrund von Behinderung oder Blindheit
SSI beantragt, kann darüber hinaus von dem Bundesstaat, in dem er wohnt, weitere Zuschüsse oder Dienstleistungen erhalten. Dazu gehören Beratung, medizinische Versorgung, Lebensmittelmarken, berufliche
Qualifizierungsmaßnahmen, Beschaffung von Arbeitsplätzen und andere Hilfen - etwa eine Haushaltshilfe,
Essen auf Rädern und Begleitdienste -, die ihm helfen,
weniger auf andere angewiesen zu sein.
Im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige
Daten zur Verfügung stehen, erhielten etwa 4,9 Millionen Amerikaner SSI-Leistungen des Bundes in Höhe
von über 15,7 Milliarden Dollar, und die Bundesstaaten
stellten weitere Dienstleistungen und Bargeldzulagen
in Höhe von rund 3,8 Milliarden Dollar bereit.
Nahrungsmittelhilfe
Aus Steuermitteln der Bundesregierung finanzierte
Lebensmittelmarken des US-Landwirtschaflsministeriums, die von den Sozialhilfebehörden von Bundesstaaten und Gemeinden verteilt werden, bilden das
größte amerikanische Programm, um Einkommensschwachen Hilfe bei der Ernährung zu gewähren.
Lebensmittelmarken sind hauptsächlich dazu bestimmt,
die Kaufkraft berechtigter einkommensschwacher
Haushalte zu ergänzen, um ihnen eine ausgewogene
preisgünstige tägliche Ernährung zu ermöglichen. Die
Leistungsbezieher müssen etwa 30 Prozent ihres
monatlichen Bargeldeinkommens für den Kauf von
Lebensmitteln aufwenden.
Lebensmittelmarken werden von Einzelhändlern und
Lebensmittelläden angenommen und später von der
amerikanischen Bundesbank in bar erstattet.
Die Marken stehen nahezu allen Haushalten zur Verfügung, die die vom Bund festgesetzten Maßstäbe im
Hinblick auf Monatseinkommen und flüssige Mittel
erfüllen, solange sich arbeitslose erwachsene Haushaltsangehörige im Alter zwischen 18 und 60 Jahren
bereiterklären, sich als arbeitssuchend registrieren zu
lassen und an Fortbildungsprogrammen teilzunehmen, um ihre beruflichen Qualifikationen zu verbessern. Familienmitglieder, die Kinder unter sechs Jahren betreuen oder erwerbsunfähig sind, sind von der
Arbeitspflicht ausgenommen.
Um für den Höchstbetrag an Lebensmittelmarken in
Frage zu kommen, dürfen Haushalte ohne Rentner
oder Behinderte keine anrechnungsfähigen Vermögenswerte (etwa Einlagen auf Girokonten oder Aktien
und Rentenwerte) über 2.000 Dollar besitzen. Davon
ausgenommen ist selbstgenutztes Wohneigentum. Das
monatliche Bruttoeinkommen darf 130 Prozent der
vom Bund festgesetzten Armutsgrenze (etwa 1.508
Dollar im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige Daten zur Verfügung stehen) nicht überschreiten.
Das Nettoeinkommen eines Haushalts darf ferner 100
Prozent der vom Bund festgesetzten Armutsgrenze
nicht überschreiten (1.160 Dollar im Jahr 1991).
AMERIKA DIENST 23

�Haushalte, zu denen Senioren oder Behinderte gehören, unterliegen lediglich der Vorschrift im Hinblick auf
das Nettoeinkommen und dürfen persönliche Vermögenswerte bis zu 3.000 Dollar besitzen. Für diejenigen, deren Monatseinkommen den Höchstbetrag
übersteigt, werden die Leistungen für jeden anrechnungsfähigen Dollar um 30 Cent gekürzt.

Mittagessen im Gesamtwert von etwa 5 Milliarden
Dollar zur Verfügung. Im selben Monat boten etwa
50.000 Schulen 4,9 Millionen Kindern Frühstücksmahlzeiten im Gesamtwert von 84,9 Millionen Dollar.

Jüngsten Untersuchungen zufolge sind 49,2 Prozent
aller Empfänger von Lebensmittelmarken Kinder und
8,4 Prozent ältere Menschen über 60. Etwa 4,7
Prozent der Empfänger haben einen Vollzeitarbeitsplatz, und 19,5 Prozent der Empfängerhaushalte
beziehen ein eigenes Einkommen.

nahrhafte Mahlzeiten und "Imbisse" im Gesamtwert von 94,6 Millionen Dollar im Rahmen des
Lebensmittelprogramms für Kinder und Erwachsene (Child and Adult Care Food Program),
darunter 51,2 Millionen Mahlzeiten, die in gemeinnützigen Kindertagesstätten außerhalb von
Wohngebieten und in Sammelunterkünften
ausgegeben werden sowie 51,4 Millionen in privaten Kinderbetreuungseinrichtungen;

Im März 1992, dem letzten Monat, für den vollständige
Daten zur Verfügung stehen, betrug die monatliche
Höchstzuteilung von Lebensmittelmarken für eine
vierköpfige Familie in den meisten Bundesstaaten 370
Dollar, die Bandbreite reichte jedoch bis zu 737 Dollar
in ländlichen Gebieten Alaskas, wo die Kosten für
Lebensmittel aufgrund der Fracht- und Transportkosten wesentlich höher lagen.
Im März 1992 bezogen 25,7 Millionen Personen Lebensmittelmarken im Gesamtwert von 1,868 Milliarden
Dollar (einschließlich Verwaltungs- und Verteilungskosten). Auf Jahresbasis hochgerechnet ergibt dies
über 22 Milliarden Dollar. Die monatlichen Leistungen
betrugen 1991 durchschnittlich 63,88 Dollar pro Person und 166 Dollar pro Haushalt.
Zwei weitere Nahrungsmittelprogramme, die vom
Nahrungsmittel- und Ernährungsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums getragen werden - die nationalen Schulspeisungsprogramme, die jeweils Frühstück und Mittagesssen bereitstellen -, bieten den
beteiligten öffentlichen und privaten Schulen sowie
gemeinnützigen Trägern in Wohngebieten Unterstützung in Form von Geld und Nahrungsmitteln.
Jedes dieser Programme verfügt über ein dreigliedriges Vergütungssystem, das Kindern aus Haushalten
mit Monatseinkommen, die bis zu 130 Prozent der vom
Bund festgesetzten Armutsgrenze betragen, zu freien
Mahlzeiten berechtigt, Kindern aus Haushalten mit
Einkommen zwischen 130 und 185 Prozent der Armutsgrenze (1.508 bis 2.146 Dollar für eine vierköpfige
Familie im Jahr 1991) Mahlzeiten zu einem ermäßigten Preis anbietet und Kindern aus Haushalten, deren
Einkommen 185 Prozent oder mehr über der Armutsgrenze liegt, einen geringen Zuschuß zu den Mahlzeiten gewährt.
Kinder aus Familien, die AFDC erhalten, sind automatisch zu kostenloser Schulspeisung berechtigt. Im
März 1992 bezogen 42 Prozent derjenigen, die eine
kostenlose oder ermäßigte Schulspeisung erhielten,
AFDC-Leistungen.
Im März 1992 stellten rund 92.300 beteiligte Schulen
24,6 Millionen Kindern kostenlose oder ermäßigte
AMERIKA DIENST 23

Weitere vom Landwirtschaftsministerium im März 1992
unterstützte Nahrungsmittelprogramme umfassen:

Mahlzeiten im Rahmen des Nahrungsmittelhilfeprogramms für Frauen, Säuglinge und Kinder
(Special Supplemental Food Program for Women,
Infants and Children - WIC) in Höhe von 223,2
Millionen Dollarfür 5,4 Millionen Menschen, das

medizinische Betreuung und zusätzliche Nahrungsmittel für einkommensschwache Schwangere, Mütter von Säuglingen und Kinder bis zum
5. Lebensjahr vorsieht;
Nahrungsmittel- und Bargeldbeihilfen für die
Bundesstaaten in Höhe von 6,5 Millionen Dollar
im Rahmen des Ergänzenden Nahrungsmittelprogramms (Commodity Supplemental Food
Program), das rund 340.000 Säuglingen, Kindern, stillenden Müttern und älteren Menschen
in einkommenssschwachen Familien zugute
kommt;
Lebensmittelpakete im Wert von 5 Millionen
Dollar für etwa 118.900 Angehörige der Urbevölkerung, die in oder in der Nähe von Reservaten leben;
Lebensmittel im Wert von 30,5 Millionen Dollar
für andere bedürftige Amerikaner, darunter Arme
und Arbeitslose.
Wohnungswesen
Der Großteil der Wohnungsprogramme des Bundes
zielt heute auf Menschen der untersten Einkommensschichten ab - definiert als diejenigen Personen, deren
Einkommen weniger als 50 Prozent des mittleren
Haushaltseinkommens in ihrem geographischen Gebiet
beträgt - sowie auf Personen, deren Haushaltseinkommen zwischen 50 und 80 Prozent des mittleren Einkommens in ihrem Gebiet erreicht. Die Zahl der
Bundeshilfen beziehenden Haushalte wird jedoch durch
die Höhe der Summe begrenzt, die der Kongreß
jährlich für diese Programme bewilligt.
Die beiden wichtigsten Programme sind zur Zeit
Wohngeld und Zuschüsse zu Hypothekenzinsen, die
vom Ministerium für Wohnungs- und Städtebau (HUD)
Seite 3

�sowie von der Heimstättenverwaltung für Landwirte
(FHA) des Landwirtschaftsministeriums vergeben
werden.
Diese Programme bieten zum Beispiel Besitzern privater Mietshäuser Steuervergünstigungen, wenn sie
Mietwohnungen für einkommensschwache Mieter
reservieren. Es können ferner Berechtigungsscheine
ausgegeben werden, die es einkommensschwachen
Mietern gestatten, eine Mietwohnung aus dem Bestand privater Wohnungseigentümer auszuwählen.
Mit Wohngeldprogrammen wird die vom Mieter zu
entrichtende Miete im allgemeinen auf einen bestimmten Prozentsatz - zur Zeit 30 Prozent - seines Gesamteinkommens begrenzt. Dabei zahlt die Bundesregierung die Differenz zwischen dieser Summe und einer
bestimmten "angemessenen" Vergleichsmiete auf dem
freien Wohnungsmarkt. Mit solchen Programmen

kann jedoch auch die Höchstmiete begrenzt werden,
die ein Vermieter verlangen kann. Alternativ kann die
Grundmiete mit einer Formel berechnet werden, die
sich an den dem Hausbesitzer gewährten Zinssubventionen orientiert.
Bei projektbezogenen Programmen können durch
Bundessubventionen die Kapitalkosten für den Bau
abgedeckt, zinsgünstige Finanzierungen für den Bauherrn bereitgestellt werden oder beides zusammen.
Einige Programme subventionieren ferner die nach
Fertigstellung des Objekts anfallenden Betriebskosten.
Im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige
Daten zur Verfügung stehen, wurden etwa 4,5 Millionen Wohneinheiten durch Wohngeld oder Steuervergünstigungen des HUD im Gesamtwert von 14,4 Milliarden Dollar gefördert. Weitere 800.000 Wohneinheiten erhielten in demselben Jahr Beihilfen von der FHA.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 23

�SENIOREN
10. Juni 1992

ALTERN IN AMERIKA: LÄNGER LEBEN
UND ES MEHR GENIESSEN
Hintergrundinformation über ältere Menschen in den USA
"Altwerden ist nicht so schiecht in Anbetracht der Alternative."
Der französische Schauspieler Maurice Chevalier in vorgerücktem Alter.

Wenn es zutrifft, daß man nur so alt ist, wie man sich
fühlt, dann gibt es heute viele junge Amerikaner.
Die amerikanische Bevölkerung wird kontinuierlich
älter. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, im
höheren Alter nicht mehr zum Kämpfen bereit zu sein
und nur noch im Schaukelstuhl zu sitzen.
In der Tat sind viele Amerikaner mehr beschäftigt als
je zuvor, strafen ihr Alter Lügen und genießen ein
aktives, produktives Leben.
Man sieht sie joggen wie den 92jährigen Arzt Paul
Spangler, der an 11 Marathonrennen teilgenommen
hat, einschließlich dem klassischen Boston Marathon.
Sie engagieren sich für Verbraucherschutz wie die
86jährige Esther Peterson oder schreiben Romane
wie der 85jährige James Michener.
Dem amerikanischen Statistischen Bundesamt zufolge lebten 1990 in den Vereinigten Staaten mehr als
63,504 Millionen über 50jährige Männer und Frauen
verglichen mit 58,962 Millionen im Jahr 1980. Die
Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten belief
sich 1990 auf 248,710 Millionen.
In den nächsten 30 Jahren wird sich die Zahl der über
85jährigen Amerikaner voraussichtlich um das Fünffache auf 15 Millionen erhöhen. Noch erstaunlicher ist
die stetig zunehmende Zahl der über 100jährigen
Amerikaner. 1990 betrug sie 36.000 - ein Jahrzehnt
früher, 1980, waren es nur 14.000.
Das Durchschnittsalter der Bevölkerung stieg 1990 auf
32,9 Jahre. 1980 lag es noch bei 30 Jahren. (Unter
Durchschnittsalter versteht man den gleichen Prozentsatz von Menschen, deren Alter über diesem Wert
liegt wie darunter).

AMERIKA DIENST 23

Obwohl zahlreiche Amerikaner noch lange nach dem
herkömmlichen Rentenalter von 65 Jahren erwerbstätig sind (und dadurch aus einigen Reihen Kritik ernten,
weil sie die Arbeitsplätze für jüngere Menschen blokkieren) kann man eine deutliche Tendenz zum Vorruhestand feststellen. Es ist nicht ungewöhnlich, daß
jemand mit 50 Jahren oder darunter in den Ruhestand
geht und eine zweite Karriere beginnt.
Viele Mittsechziger oder ältere Menschen kommen
jetzt erst richtig in Schwung. Die ihnen eigene Energie,
Erfahrung und ihre Fähigkeiten sind häufig sehr viel
größer als die unreifer, unerfahrener Jugendlicher in
den Zwanzigern.
Da ihre Zahl dramatisch zunimmt, stellen die Senioren
in den Vereinigten Staaten eine Herausforderung für
die Politiker dar, die bisher keinen klar umrissenen
Plan zu Verbesserung der Lebensqualität dieser Bevölkerungsgruppe formuliert haben.
Das wird sich jedoch wahrscheinlich mit zunehmendem Alter der Wählerschaft ändern, die größeren
Einfluß auf die Wahlentscheidung und die Formulierung der Politik nimmt.
Berichten des Statistischen Bundesamts vom Februar
zufolge werden von den 189 Millionen potentiellen
Wählern bei den Präsidentschaftswahlen im November 32,5 Millionen über 65 sein, verglichen mit 30,59
Millionen bei den Wahlen von 1988.
Die Tatsache, daß Amerikaner sowohl länger leben als
auch länger arbeiten, ist auf eine Kombination von
Gründen zurückzuführen. Technologie und Medizin,
zunehmendes Bewußtsein für gesunde Ernährung
und sportliche Betätigung sind nur einige.

Seite 1

�Auch die Erkenntnis, daß die intellektuelle Schärfe,
Energie und Sachkenntnis eines Menschen nicht
zwangsläufig mit dem Alter abnehmen, erhält Amerikaner aktiv und produktiv im Erwerbsleben. In diesem
Zusammenhang stellte Leonard Giambra, ein Psychologe am National Institute on Aging folgendes fest:
"Lernen ist wie jede Fertigkeit - man muß es üben.
Ältere Menschen brauchen länger, um etwas zu lernen. Wir wissen nicht warum, aber was dem älteren
Menschen an Geschwindigkeit fehlt, wiegt er mit Erfahrung und Klugheit auf."
Ein Großteil dieser jüngsten Erkenntnisse der Qualitäten älterer Menschen ist dem inzwischen verstorbenen
Claude D. Pepper zu verdanken, dem langjährigen
amerikanischen Senator und Kongreßabgeordneten
aus Florida, dereinen schließlich vom Kongreß verabschiedeten Gesetzentwurf vorlegte, mit dem ein obligatorisches Rentenalter für praktisch alle Amerikaner
im öffentlichen und Privatsektor verboten wurde. Das
Gesetz trat am 1. Januar 1987 in Kraft.
Dennoch bleibt noch sehr viel zum Schutz der Rechte
älterer Arbeitnehmer zu tun.
"Unsere Gesellschaft ist von erschreckender Nachlässigkeit bei der Behandlung älterer Arbeitnehmer, insbesondere in den oberen Altersgruppen. Wir beobachten eine gravierende Vergeudung von Talenten",
stellt der Fernsehreporter Walter Cronkite in der Aprilausgabe des AARP Bulletin fest, einer von der in
Washington ansässigen American Association of Retired
Persons herausgegebenen Publikation.
Der 75jährige Cronkite, der 1981 als Moderator der
"CBS Evening News" in den Ruhestand trat, erklärte,
ein Teil des Problems sei das Entstehen von Großunternehmen, die Aktienkapital höher bewerten als Produkte und menschliche Beziehungen.
In einem der wenigen Arbeitsbereiche, in dem die
festgesetzte Altersgrenze noch gültig ist - Berufe, die
die öffentliche Sicherheit betreffen - fand eine kürzlich
von der Penn State University erstellte Studie keinen
Grund für die Annahme, daß Öffentliche Sicherheit
durch ältere Arbeitnehmer zum Risiko wird.
"Nur weil sie alt sind, heißt das noch lange nicht, daß
sie nicht als Polizeibeamte, Feuerwehrleute oder
Bwährungshelfer geeignet sind", schließt die Studie.
Dr. Frank Landy, Direktor des Penn-State-Zentrums
für Angewandte Verhaltensforschung, der die Studie
durchführte, erklärte, "ein Großteil des mit dem Alterungsprozeß einhergehenden physischen und psychischen Verfalls ist in Wirklichkeit auf Krankheiten,
Verletzungen und den persönlichen Lebensstil zurückzuführen, statt auf das Altern an sich."
Aufgrund ihrer Erkenntnisse empfehlen Landy und
sein Spezialistenteam, daß im Bereich der öffentlichen
Sicherheit tätige Arbeitnehmer nicht der festgesetzten
Seite 2

Altersgrenze von 65 Jahren unterworfen werden. Die
Ergebnisse der von der Gleichstellungskommission
der Vereinigten Staaten in Auftrag gegebenen Studie
werden dem Kongreß zur Begutachtung vorgelegt.
Sowohl das US-Informationsamt als auch das USAußenministerium nehmen jetzt ältere Männer und
Frauen als Attaches in den amerikanischen auswärtigen Dienst auf, von denen die meisten eine zweite
Karriere beginnen. Eine andere Bundesbehörde, das
Peace Corps, sucht ältere Amerikaner für zweijährige
Auslandsaufenthalte.
Die Leiterin des Peace Corps, Elaine Chao, erklärte
dem US-Informationsamt gegenüber, weil zahlreiche
Amerikaner über 50 früher in den Ruhestand gehen,
"verfügen sie über einen Schatz an Erfahrung und
Fertigkeiten, den sie einbringen können".
Ammenmärchen zufolge sind uns auf Erden dreimal
zwanzig plus zehn Jahre gegeben (70) - einigen mehr,
anderen weniger, im großen und ganzen abhängig
davon, wie gut unsere Gene sind.
Aber schon bald könnte Genetik nicht länger der
entscheidende Faktor der Langlebigkeit sein, stellte
Dr. Robert N. Butler von der Mount Sinai School of
Medicine in New York bei einer im Februar in Washington veranstalteten nationalen Konferenz über das Altern fest.
"Ebenso wie Kolumbus dank der Wissenschaft und
einer Menge Mut und Glück unsichtbare räumliche
Grenzen überwunden hat, könnte es uns bestimmt
sein, die genetisch bestimmte Lebensdauer zu durchbrechen", erklärte Butler.
"Wir haben im 20. Jahrhundert eine wahre Revolution
der Langlebigkeit beobachtet, die eine bemerkenswerte soziale Leistung, nicht die Folge biologischer Evolution ist."
In diesem Jahrhundert haben wir in den Industrienationen fast 25 Jahre an durchschnittlicher Lebenserwartung hinzugewonnen. Dies entspricht in etwa dem in
den vorangegangenen 5.000 Jahren menschlicher
Geschichte beobachteten Zuwachs an Lebenserwartung.
Was ich als Revolution der Langlebigkeit bezeichne,
erfolgte primär aufgrund der Erfolge im Wirtschaftsprozeß und im öffentlichen Gesundheitswesen, wie
etwa die Anwendung der Bakterientheorie von Krankheiten", stellte Butler fest.
Dennoch müssen Senioren sich der Gefahren bestimmter schwerer Krankheiten bewußt sein, die sie
und die Gesellschaft seit einigen Jahren immer häufiger befallen. Butler zufolge sind beispielsweise 10
Prozent der AIDS-Patienten über 55 Jahre, "ein Prozentsatz, der im Steigen begriffen ist".

AMERIKA DIENST 23

�Die den Gedächtnisverlust bewirkende Alzheimersche
Krankheit - die sich so verheerend auf den Betroffenen, die Familie und Gesellschaft auswirkt - ist heute
die viert- oder fünfthäufigste Todesursache und für
ungefähr die Hälfte der Pflegefälle verantwortlicht,
beobachtete Butler.
Noch schlimmer ist, daß sich die Zahl der an der
Alzheimerschen Krankheit leidenden Menschen bis
zum Jahr 2000 voraussichtlich von 4 Millionen auf 12
Millionen verdreifachen wird.
Es ist jedoch eine unleugbare Tatsache, daß die
Menschen ihr Leben durch Vorsorge verlängern können und wollen, die - wie der verstorbene ehemalige
Redakteur der inzwischen eingestellten Saturday Review
of Literature, Norman Cousins, behauptete - zum
einen aus einer gesunden, positiven Einstellung zum
Leben besteht.
"Wir müssen den Begriff 'annehmbare Gesundheit'
überdenken, der die Ansicht widergibt, Veränderungen des Gesunheitszustands seien 'normal', weitgehend unkorrigierbar und erforderten daher keine
Gesundheitsfürsorge", führte Dr. John E. Ware, Jr. von
den New England Medical Center Hospitals bei der
Washingtoner Konferenz über das Altern aus.
Der durch sein Buch "Anatomy of an lllness as Perceived by the Patient" vielleicht am bekanntesten gewordene Schriftsteller und Redakteur Cousins war ebenso
davon überzeugt.
In dem Vorwort zu einem neuen Buch über Senioren
von Pat York mit dem Titel "Going Strong" (Arcade
Publishing, New York, 1991) stellte Cousins fest, daß
von George Solomon und anderen an der University of
California durchgeführte Forschungen die vorherrschende These in Frage stellen, es gebe eine mit dem 50.
Lebensjahr einsetzende automatische Schwächung
des menschlichen Immunsystems.
"Dr. Solomons Forschungen haben den Beweis erbracht, daß die Menschen selbst im fortgeschrittenen
Alter keine Minderung ihrer Immunfunktionen erleben
müssen", schrieb Cousins.
"Systematische Testreihen an einer beträchtlichen
Anzahl von über 75jährigen belegen, daß ihr Immunsystem solange sie über eine einigermaßen gute Gesundheit verfügen einer Schwächung widersteht.
"Dr. Solomon fand in der Tat heraus, daß die Immunsysteme von voll funktionsfähigen älteren Menschen
denen von 30- und 40jährigen und darunter vergleichbar sind."
Nicht alle Menschen werden mit Würde alt und leben
die ganze Zeit ein produktives Leben. Nicht alle

AMERIKA DIENST 23

Menschen werden alt, davon abgesehen. Es gibt
immer einen tödlichen Unfall oder eine Krankheit, die
sie vor ihrer Zeit abberufen.
Aber was ist das Geheimnis derjenigen, die ein langes
und fruchtbares Leben leben? Was hält sie so in
Schwung?
Blättern Sie durch Pat Yorks Buch - eine Aufstellung
von Porträts und Interviews mit 70 Menschen, die 75
Jahre und älter und immer noch "gut dabei sind" - und
es ergeben sich bestimmte Charakteristika.
Obwohl alle diese Senioren weder die gleiche Lebensphilosophie noch dasselbe Geheimnis ihrer Langlebigkeit teilen, haben sie alle eines gemeinsam: große
Lebensfreude, Beschäftigung, einen gesunden Sinn
für Humor, keine Absicht, sich bald zur Ruhe zu
setzen, denken im allgemeinen gut über sich und
andere, engagieren sich für eine ihnen übergeordnete
Sache, sind flexibel und anpassungsfähig.
Derselbe gemeinsame Nenner kann bei der Lektüre
der Kurzbiographien herausragender älterer Amerikaner ausgemacht werden. Zusammengenommen führen diese Faktoren zu einer gesunden, positiven Einstellung zum Leben, die Cousins so wärmstens empfahl.
Wollte man einem dieser Kriterien höheren Wert beimessen als anderen, dann scheint es der Drang zu
weiteren Aktivitäten zu sein. In seinem Vorwort zu
"Going Strong" bemerkte Cousins:
"Keine Krankheit in den Vereinigten Staaten - Krebs,
Herzinfarkt, Diabetes oder multiple Sklerose - ist tödlicher als die Langeweile nach der Pensionierung.
Der Körper gerät in einen Zustand raschen Verfalls,
wenn er seine Existenzberechtigung verliert, wenn
Geist und Muskeln nicht eingesetzt werden, und der
Mensch von der Einschätzung der Gesellschaft umgeben ist, nicht länger einem nützlichen Zweck zu dienen."
Gut über unsere Mitmenschen zu denken, kommt an
zweiter Stelle nach der Beschäftigung. Nachfolgend
die Aussage, die der ehemalige US-Präsident, der jetzt
81jährige Ronald Reagan York gegenüber zu seiner
Lebensphilosophie machte:
"Seit wir alt genug waren zu verstehen, wurde uns
eines eingehämmert: Vorurteile und Diskriminierung rassische oder religiöse - sind eine Todsünde."
Die Fähigkeit, sich nach Rückschlägen wieder aufzurappeln, hält andere fit. Um nochmals Reagan zu
zitieren:

Seite 3

�"Meine Mutter Nelle brachte uns bei, wenn etwas
schiefging, wenn uns etwas unglücklich machte, sollten wir es auf die leichte Schulter nehmen und uns
nicht dadurch verdrießen lassen.

betrachtet. (Der renommierte ehemalige Yale-Professor gab William F. Buckley, Jr. ein "B" statt eines "A",
als der Kolumnist und Redakteur vor 45 Jahren seinen
Kursus besuchte).

Sie versprach, irgendwann würde etwas Gutes geschehen, und wir würden erkennen, daß dies nicht
geschehen wäre, wenn das andere unglückliche Ereignis nicht stattgefunden hätte.

Mit nunmehr 91 Jahren verklagt Weiss heute seinen
derzeitigen Arbeitgeber, die Catholic University ot
America, weil sie ihn entlassen will. Weiss hat die in
Washington, D.C., ansässige Institution der Altersdiskriminierung bezichtigt und die Gleichstellungskommission der Bundesregierung überzeugt, in seinem
Namen einen entsprechenden Schriftsatz zu verfassen.

Ich kann auf ein Dutzend oder mehr Ereignisse in
meinem Leben verweisen, die ihr recht geben."
Da unser Leben nicht nur auf Rosen gebettet ist,
möchte man sich vielleicht die Philosophie des 91jährigen Professors Paul Weiß zueigen machen, der
seine Mitmenschen aus einem etwas voreingenommeneren und vielleicht realistischeren Blickwinkel

Seite 4

Gelegentlich bedarf es eines Wermutstropfens zusammen mit viel Schwung und Elan, um seinen Weg
glücklich auf dem unebenen und steinigen Pfad eines
langen Lebens zu gehen.

AMERIKA DIENST 23

�WAHLEN

'92
10. Juni 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der letzten Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Vorwahlkampf ist mit den am 2. Juni 1992 in Alabama, Kalifornien,
Montana, New Jersey, New Mexico und Ohio veranstalteten Vorwahlen zu Ende gegangen, und sowohl Präsident
Bush als auch der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, ist die Nominierung auf den jeweiligen Wahlparteitagen
ihrer Parteien sicher. Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten, über
die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügt.
Der neueste Stand der Delegierten

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Bush

75

Clinton

2.509,75

Nichtgebunden

18

Brown

610,25

Buchanan

Tsongas

551

Kalifornien

Nichtgebunden

498

Demokraten

Sonstige

34

7

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

48

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Brown

40

Bush

Sonstige

12

1.811

Buchanan

76

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Nichtgebunden

26

Bush

74

Buchanan

26

Sonstige

1

Ergebnisse der Vorwahlen vom 2. Juni

Montana

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 2.
Juni erhalten hat.

Demokraten

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

47

Nichtgebunden

24

Brown

19
10

Clinton

68

Sonstige

Nichtgebunden

20

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Brown

7

Bush

72

Sonstige

5

Nichtgebunden

16

Buchanan

12

AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�New Jersey
Demokraten

Sonstige
Prozentsatz der Stimmen

11

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Clinton

59

Bush

64

Brown

20

Nichtgebunden

27

Sonstige

14

Buchanan

Nichtgebunden

7

9

Ohio

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Demokraten

Bush

83

Clinton

61

Buchanan

17

Sonstige

20

Brown

19

New Mexico
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Clinton

53

Bush

83

Nichtgebunden

19

Buchanan

17

Brown

17

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

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                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden in Europa bleiben "solange wir erwünscht sind" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers bei Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. US-Weltrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Öffentlichkeit wünscht weiterhin aktive Rolle in Weltpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse neuer Meinungsumfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress verabschiedet 27. Verfassungszusatz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Diätenregelung seit 203 Jahren in der Diskussion&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sozialpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zahlreiche Programme für Bedürftige in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Letzter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Senioren&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Altern in Amerika: länger leben und es mehr genießen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundinformation über ältere Menschen in den USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen '92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der letzten Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Aus der medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Giftigkeit von Polioviren ist temperaturabhängig&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zirbeldrüsenhormon gegen Schizophrenie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Medikament gegen Bluthochdruck&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Perspektiven der sowjetischen Schulreform (I)&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Weg zum Studium führt künftig über die Produktion&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von George L. Kline&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man sollte sich den Namen merken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Talentsuche unter dem Opernnachwuchs in den USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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14

10. Juli

1974

Inhalt

DOKUMENTATION:
Amerikanisch-Sowjetischer Vertrag über unterirdische Nuklearversuche
- Wortlaut Protokoll zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über unterirdische
Nuklearversuche
- Wortlaut Protokoll zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über die Begrenzung
der ABM-Systeme
- Wortlaut Hintergrundmaterial zum Protokoll über AMB-Systeme
- Wortlaut Gemeinsame Erklärung über den Schutz der Umwelt vor Veränderungen für
militärische Zwecke
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL:
Amerikanisch-Sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Energie
Amerikanisch-Sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit im Bauwesen
Amerikanisch-Sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit bei der Erforschung von Herzkrankheiten und der Entwicklung eines künstlichen Herzens

WIRTSCHAFT:
Amerikanisch-Sowjetisches Abkommen über die Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit
- Wortlaut USA erläutern amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die Erleichterung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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1471974
AMERIKANISCH-SOWJETISCHER VERTRAG ÜBER UNTERIRDISCHE NUKLEARVERSUCHE
- Wortlaut MOSKAU --(AD)-- Der von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef
Breschnew am 3. Juli in Moskau unterzeichnete amerikanisch-sowjetische Vertrag über die Begrenzung der unterirdischen Nuklearwaffenversuche hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, nachfolgend als Vertragspartner bezeichnet, sind

aus der erklärten Absicht heraus, zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Beendigung des nuklearen Wettrüstens zu erreichen und wirksame Maßnahmen für einen
Abbau der strategischen Rüstungen, eine nukleare Abrüstung sowie eine allgemeine und völlige Abrüstung unter strikter und wirksamer internationaler
Kontrolle zu ergreifen,
im Hinblick auf die von den Partnern des Vertrages über ein Verbot von Atom»
waffenversuchen in der Atmosphäre,im Weltraum und unter Wasser in dessen

-1-

�dessen Präambel bekundete Entschlossenheit, sich darum zu bemühen, für alle
Zeiten die Einstellung aller Testexplosionen von Nuklearwaffen zu erreichen,
und die diesbezüglichen Verhandlungen fortzusetzen,

unter Hinweis, daß die Einführung von Maßnahmen zur weiteren Begrenzung der
unterirdischen Nuklearwaffenversuche zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen und im Interesse einer Stärkung des Friedens und der weiteren Verminderung
der Spannungen liegen würde,

wie folgt übereingekommen:

Artikel I

1.

Jeder Vertragspartner verpflichtet sich, beginnend vom 31. März 1976 an,

alle unterirdischen Nuklearwaffenversuche mit einer Sprengkraft von mehr als
150 Kilotonnen an jedem unter seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle stehenden
Ort zu verbieten, zu verhindern und nicht durchzuführen.

2.

Jeder Vertragspartner soll die Zahl seiner unterirdischen Nuklearwaffen-

versuche auf ein Minimum begrenzen.
3.

Die Vertragspartner werden ihre Verhandlungen mit dem Ziel fortsetzen,

eine Lösung des Problems der Einstellung aller unterirdischen Nuklearwaffenversuche zu erreichen.

Artikel

�Artikel II
1.

Um die Einhaltung der Bestimmungen dieses Vertrages zu gewährleisten,

soll jeder Vertragspartner die ihm zur Verfügung stehenden nationalen technischen Verifizierungsmittel in einer Art und Weise anwenden, die mit den allgemein anerkannten Grundsätzen des Völkerrechtes in Einklang steht.
2.

Jeder

Vertragspartner verpflichtet sich, nicht in die nationalen

technischen Verifizierungsmittel des anderen Vertragspartners einzugreifen,
die gemäß Paragraph 1 dieses Artikels angewandt werden.

3.

Um die Ziele und die Durchführung der Bestimmungen dieses Vertrages

zu fördern, sollen die Vertragspartner erforderlichenfalls einander konsultieren, Erkundigungen einholen und auf derartige Erkundigungen hin Auskunft erteilen.

Artikel III

Die Bestimmungen dieses Vertrages gelten nicht für unterirdische Nuklearexplosionen, die von den Vertragspartnern für friedliche Zwecke durchgeführt
werden. Unterirdische Nuklearexplosionen für friedliche Zwecke sollen durch
ein Abkommen erfaßt werden, das von den Vertragspartnern zum frühestmöglichen
Zeitpunkt ausgehandelt und abgeschlossen werden soll.

Artikel

�Artikel IV

Dieser Vertrag bedarf der Ratifizierung in Einklang mit den verfassungsmäßigen Verfahren jedes Vertragspartners. Der Vertrag soll am Tage des Austausches der Ratifikationsurkunden in Kraft treten.

Artikel V

1.

Dieser Vertrag soll für einen Zeitraum von fünf Jahren in Kraft blei-

ben. Sofern er nicht vorher durch ein Abkommen über die Verwirklichung der
in Paragraph drei Artikel I dieses Vertrages im einzelnen dargelegten Ziele
ersetzt wird, soll er für weitere Zeiträume von jeweils fünf Jahren verlängert
werden, sofern nicht einer der Vertragspartner den anderen spätestens sechs
Monate vor Ablauf des Vertrages von dessen Kündigung in Kenntnis setzt. Vor
Ablauf dieses Zeitraumes können die Vertragspartner erforderlichenfalls Konsultationen abhalten, um die Situation im Zusammenhang mit dem Inhalt dieses
Vertrages zu prüfen und um etwaige Zusätze zu dem Vertragstext einzubringen.
2.

Jeder Vertragspartner soll in Ausübung seiner nationalen Souveränität

das Recht haben, von diesem Vertrag zurückzutreten, wenn er zu der Entscheidung gelangt, daß außergewöhnliche Ereignisse, die im Zusammenhang mit dem Gegenstand dieses Vertrages stehen, seine höchsten Interessen gefährdet haben.
Er soll dann dem anderen Vertragspartner sechs Monate vor dem Zurücktreten
von dem Vertrag von seiner Entscheidung Kenntnis geben. Eine solche Bekundung

�Bekundung soll eine Erklärung über die außergewöhnlichen Ereignisse einschliessen, die der seine Absicht bekundende Vertragspartner als seine höchsten Interessen gefährdend ansieht.

3.

Dieser Vertrag soll gemäß Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen

hinterlegt werden.

Gegeben in Moskau am 3. Juli 1974 in doppelter Ausfertigung in englischer
und russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union der Sozialistischen

von Amerika

Der Präsident der Vereinigten

Sowjetrepubliken

Der Generalsekretär des Zentralkomitees

Staaten von Amerika

der KPdSU

+++

-5-

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14/1974

PROTOKOLL ZUM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN VERTRAG ÜBER UNTERIRDISCHE
NUKLEARVERSUCHE

- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)-- Das von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef
Breschnew am 3. Juli in Moskau unterzeichnete Protokoll zum Vertrag über die
Begrenzung der unterirdischen Nuklearwaffenversuche hat folgenden Wortlaut:

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, im folgenden als Vertragspartner bezeichnet, haben beschlossen,
die unterirdischen Nuklearwaffenversuche zu begrenzen, und sind wie folgt
übereingekommen:
1.

Um die Verifizierung der Einhaltung der von den Vertragspartnern in

dem Vertrag übernommenen Verpflichtungen mit nationalen technischen Mitteln
zu gewährleisten, sollen die Vertragspartner auf der Basis der Gegenseitigkeit die folgenden Daten austauschen:
a)

-1-

�a) Die geographischen Koordinaten der Grenzen jedes Versuchsgebietes
und der Grenzen der geophysikalisch unterschiedlichen Testräume innerhalb des Gebietes;

b) Informationen über die geologischen Verhältnisse der Testräume in
den Versuchsgebieten (Eigenarten des Gesteins geologischer Formationen und die grundlegenden physikalischen Eigenschaften des Gesteins,
wie z.B. Dichte, seismische Ausbreitungsgeschwindigkeit, Wassergehalt,
Porosität und Höhe des Grundwasserstandes);

c) d ie geographischen Koordinaten unterirdischer Nuklearwaffenversuche
nach deren Durchführung;

d) Sprengkraft, Tag, Uhrzeit, Tiefe und Koordinaten von zwei Nuklearwaffenversuchen für Vergleichszwecke (Kalibrierung) aus jedem der
geophysikalisch unterschiedlichen Testräume, in dem Nuklearwaffenversuche durchgeführt worden sind

oder durchgeführt werden sollen.

Was die Sprengkraft solcher für Vergleichszwecke (Kalibrierung) angegebenen Explosionen anbetrifft, so sollte diese möglichst nahe der
in Artikel I des Vertrages angegebenen Höchstgrenze liegen und nicht
weniger als ein Zehntel dieses Grenzwertes betragen. Im Falle von
Testräumen, für die keine Daten von zwei Versuchen für Vergleichszwekke (Kalibrierung) vorliegen, sollen, falls verfügbar,Daten über einen
solchen Versuch ausgetauscht werden, und die Daten über den zweiten
Versuch sollen baldmöglichst ausgetauscht werden, nachdem ein zweiter

�zweiter Versuch mit einer Sprengkraft in dem oben erwähnten Bereich
durchgeführt worden ist. Die Bestimmungen dieses Protokolls sollen
die Vertragspartner nicht veranlassen, Versuche ausschließlich zu
Vergleichszwecken (Kalibrierung) durchzuführen.

2.

Die Vertragspartner vereinbaren, daß der Austausch von Daten gemäß Para-

graph 1 Absatz a, b und d gleichzeitig mit dem Austausch der Ratifizierungsurkunden zu dem Vertrag gemäß Artikel IV des Vertrages erfolgen soll, - unter
der Überlegung, daß jeder Vertragspartner auf der Basis der

Gegenseitigkeit

dem jeweils anderen Gelegenheit geben soll, sich mit diesen Daten noch vor
dem Austausch der Ratifikationsurkunden vertraut zu machen.
3.

Sollte ein Vertragspartner nach Inkrafttreten des Vertrages ein neues

Versuchsgebiet oder einen neuen Testraum festlegen, so sollen die in Paragraph 1 Absatz a und b geforderten Daten dem anderen Vertragspartner noch vor
Benutzung dieses Versuchsgebietes oder Testraumes übermittelt werden. Die in
Paragraph 1 Absatz d geforderten Daten sollen ebenfalls vor

Benutzung des

Versuchsgebietes oder des Testraumes übermittelt werden, sofern sie verfügbar sindjsollten sie noch nicht verfügbar sein, so sollen sie, sobald sie dem
notifizierenden Vertragspartner vorliegen, weitergegeben werden.

4.

Die Vertragspartner vereinbaren, daß die Versuchsgebiete eines jeden

Vertragspartners an Orten unter seiner Hoheitsgewalt oder Kontrolle liegen
und daß alle Nuklearwaffenversuche ausschließlich in den gemäß Paragraph 1
festgelegten Versuchsgebieten durchgeführt werden sollen.
5.

-3-

�5.

Nach dem Vertrag sollen alle unterirdischen Nuklearexplosionen in den

festgelegten Versuchsgebieten als Nuklearwaffenversuche gelten und allen Bestimmungen des Vertrages über Nuklearwaffenversuche unterliegen. Die Bestimmungen des Artikels III des Vertrages gelten für alle unterirdischen Nuklearexplosionen, die außerhalb der festgelegten Versuchsgebiete durchgeführt werden und ausschließlich für solche Explosionen.

Dieses Protokoll soll als fester Bestandteil des Vertrages betrachtet
werden.

Gegeben in Moskau am 3. Juli 1974

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union der Sozialistischen

von Amerika

Sowjetrepubliken

Der Präsident der Vereinigten

Der Generalsekretär des Zentralkomitees

Staaten von Amerika

der KPdSU

-4-

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14/1974
PROTOKOLL ZUM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN VERTRAG ÜBER DIE BEGRENZUNG
DER ABM-SYSTEME
- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)-- Das von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef
Breschnew am 3. Juli in Moskau unterzeichnete Protokoll zum amerikanischsowjetischen Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme hat folgenden Wortlaut:

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, im folgenden als Vertragspartner bezeichnet, sind

ausgehend von den am 29. Mai 1972 unterzeichneten Grundsätzen für die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken;

aus dem Wunsche heraus, die Ziele des am 26. Mai 1972 von den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken unterzeichneten Vertrages über die Begrenzung der ABM-Systeme, im folgenden als
Vertrag bezeichnet, zu fördern;
unter

�unter Bekräftigung ihrer Überzeugung, daß die Einführung weiterer Maßnahmen
zur Begrenzung der strategischen Rüstungen zur Stärkung des Weltfriedens und
der internationalen Sicherheit beitragen würde;

von der Voraussetzung ausgehend, daß eine weitere Begrenzung der ABM-Sysceme
günstigere Bedingungen für den Abschluß der Arbeit an einem dauerhaften abkommen über umfassendere Maßnahmen zur Begrenzung der strategischen Offensivwaffen schaffen würde;

wie folgt übereingekommen:

Artikel I

1.

Jeder Vertragspartner soll jeweils auf ein einziges Dislozierungsgebiet

beschränkt werden statt auf zwei, wie dies in Artikel III des Vertrages über
die Begrenzung der Dislozierung von ABM-Systemen oder deren Komponenten vorgesehen war, und soll daher von seinem Recht, ein ABM-System oder seine Komponenten auf dem zweiten Dislozierungsgebiet für ABM-Systeme zu dislozieren,
keinen Gebrauch machen, es sei denn im Austausch von einem erlaubten Gebiet
gegen ein anderes gemäß Artikel II dieses Protokolls.
2.

Dementsprechend dürfen, es sei denn, daß es nach Artikel II dieses Pro-

tokolls gestattet ist, die Vereinigten Staaten von Amerika kein ABM-System
oder dessen Komponenten im Gebiet um ihre Hauptstadt dislozieren, wie dies in
Artikel III (A) des Vertrages gestattet war, und die Sowjetunion darf kein
ABM-System oder dessen Komponenten in dem Dislozierungsgebiet von ICBM

�ICBM (Interkontinentalraketen)-Abschuß-Silos dislozieren, wie dies in Artikel III (B) des Vertrages gestattet war.

Artikel II
1.

Jeder Vertragspartner soll das Recht haben, sein ABM-System und dessen

Komponenten in dem Gebiet, wo sie gegenwärtig disloziert sind, zu demontieren oder zu zerstören und ein ABM-System oder dessen Komponenten in dem nach
Artikel III des Vertrages gestatteten Alternativgebiet zu dislozieren, vorausgesetzt, daß vor Beginn des Baues gemäß dem von der Ständigen Beratenden Kommission vereinbarten Verfahren eine Notifizierung erfolgt ist, und zwar in
dem am 3. Oktober 1977 beginnenden und am 2. Oktober 1978 endenden Jahr oder
in jedem in einem FünfJahreszeitraum danach beginnenden Jahr - den jeweils gemäß Artikel XIV des Vertrages für eine periodische Überprüfung des Vertrages
vorgesehenen Jahren. Von diesem Recht kann nur einmal Gebrauch gemacht werden.

3.

Demontage oder Zerstörung und Dislozierung von ABM-Systemen und deren

Komponenten und die Notifizierung hierüber sollen gemäß Artikel VIII des
ABM-Vertrages und den von der Ständigen Beratenden Kommission vereinbarten
Verfahren erfolgen.

Artikel III

Die durch den Vertrag entstandenen Rechte und Pflichten bestehen weiter und
müssen von den Vertragspartnern eingehalten werden, soweit sie nicht durch

�t

\

d u r c h dieses Protokoll m o d i f i z i e r t w o r d e n sind. Im b e s o n d e r e n soll die D i s lozierung eines A B M - S y s t e m s oder seiner K o m p o n e n t e n in dem a u s g e w ä h l t e n G e biet w e i t e r h i n in dem Umfang und g e m ä ß den a n d e r e n durch den Vertrag festgelegten E r f o r d e r n i s s e n begrenzt b l e i b e n .

A r t i k e l IV

D i e s e s Protokoll bedarf der R a t i f i z i e r u n g im Einklang mit den v e r f a s s u n g s m ä ß i g e n V e r f a h r e n jedes V e r t r a g s p a r t n e r s . Es soll am Tage des A u s t a u s c h e s
d e r R a t i f i k a t i o n s u r k u n d e n in Kraft treten und danach als fester Bestandteil
des Vertrages g e l t e n .

G e g e b e n in M o s k a u am 3. Juli 1974 in doppelter A u s f e r t i g u n g in englischer
und russischer S p r a c h e , die beide in gleicher W e i s e authentisch sind.

F ü r die V e r e i n i g t e n Staaten

F ü r d i e Union der S o z i a l i s t i s c h e n

v o n Amerika

Sowjetrepubliken

D e r Präsident der V e r e i n i g t e n

Der G e n e r a l s e k r e t ä r des Z e n t r a l k o m i t e e s

Staaten von Amerika

der K P d S U

1 I t

-4-

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14/1974

HINTERGRUNDMATERIAL ZUM PROTOKOLL ÜBER ABM-SYSTEME
- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)-- Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, hat
zu dem von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew am
3. Juli unterzeichneten Protokoll zum ABM-Vertrag folgendes Hintergrundmaterial herausgegeben:

Im Jahre 1972 haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einen
ABM-Vertrag unterzeichnet, der jeder Seite die Begrenzung auf eine ABM-Anlage zum Schutze ihrer nationalen Hauptstadt und eine Anlage zum Schutze einer
ICBM-Anlage auferlegt. Jeder Seite waren 100 ABM-Abfangraketen für jedes Gebiet zugestanden worden. Die Vereinigten Staaten haben 100 ABM-Abfangraketen
um den Minuteman-Stützpunkt in Grand Forks, North Dakota, disloziert. Die
Sowjets haben ihre ABM's um Moskau disloziert. Keine der beiden Seiten hat
mit dem Aufbau des zweiten nach dem ABM-Vertrag von 1972 zugelassenen Gebietes begonnen.
Das

-1-

�Das Übereinkommen begrenzt jede Seite auf einen ABM-Stützpunkt zum
Schutze ihrer nationalen

Hauptstadt (Moskau und Washington) oder zum Schutze

einer ICBM-Anlage.

Jeder Vertragspartner wird in dem am 3. Oktober 1977 beginnenden und am
2. Oktober 1978 endenden Jahr oder in irgendeinem Jahr, das in einem Zeitraum
von jeweils fünf Jahren danach beginnt, das Recht haben, sein ABM-System und
die Komponenten in dem Gebiet, in dem sie gegenwärtig disloziert sind, zu demontieren und ein ABM-System und seine Komponenten in einem anderen Gebiet zu
dislozieren.

Die Sowjetunion würde das Recht haben, das um ihre Hauptstadt errichtete
ABM-System zu demontieren und ein ABM-System in einem Gebiet - wenigstens
1300 Kilometer von Moskau entfernt - zu dislozieren, in dem sich ICBM-Abschuß-Silos befinden.

Die USA würden das Recht haben, das ABM-System in dem Dislozierungsgebiet der ICBM-Abschuß-Silos zu demontieren und ein ABM-System um ihre Hauptstadt zu errichten.
Sofern der Wunsch besteht, die ABM-Verteidigung gemäß den von der Ständigen Beratenden SALT-Kommission (SCC) vereinbarten Verfahren zu verlegen,
muß eine vorherige

Notifizierung erfolgen.

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14/1974

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ÜBER DEN SCHUTZ DER UMWELT VOR VERÄNDERUNGEN FÜR
MILITÄRISCHE ZWECKE
- Wortlaut -

MOSKAU --(AD)-- Präsident Nixon und der sowjetische Parteichef Breschnew haben am 3. Juli eine gemeinsame Erklärung über den Schutz der Umwelt vor Veränderungen für militärische Zwecke unterzeichnet, die folgenden Wortlaut
hat:
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken

aus dem Wunsche heraus, die potentielle Gefahr, die sich für die Menschheit aus möglichen neuen Mitteln der Kriegführung ergibt, zu begrenzen;

unter Berücksichtigung, daß die wissenschaftlichen und technischen Fortschritte auf den Gebieten der Umwelt, einschließlich klimatischer Veränderungen, neue Möglichkeiten eröffnen könnten, um Verfahren zur Veränderung der
Umwelt für militärische Zwecke zu verwenden;
in
-1-

�in der Erkenntnis, daß ferner eine richtige Nutzung der wissenschaftlichen und technischen Fortschritte die Wechselbeziehung zwischen Mensch und
Natur verbessern könnten,

befürworten erstens die wirksamsten Maßnahmen, die möglich sind, um die
Gefahr zu beseitigen, daß Verfahren zur Veränderung der Umwelt für militärische Zwecke benützt werden;

haben zweitens beschlossen, in diesem Jahr eine Konferenz amerikanischer
und sowjetischer Vertreter abzuhalten, um dieses Problem weiter zu erforschen;

haben drittens beschlossen, ebenfalls zu erörtern, welche Schritte ergriffen werden könnten, um die in Absatz eins erwähnten Maßnahmen zu verwirklichen.

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14/1974

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER ZUSAMMENARBEIT AUF DEM GEBIET
DER ENERGIE

MOSKAU--(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 28. Juni ein neues Abkommen über die Einsetzung eines "Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschusses für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie" geschlossen. Das Abkommen sieht den
Austausch von technischen Informationen und gemeinsame Energieforschungsprojekte vor und soll mithelfen, eine ausreichende Energieversorgung nicht nur der
der USA und der UdSSR, sondern aller Länder in der Zukunft sicherzustellen.

Das Abkommen ist von besonderer Bedeutung, da die Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion wohl die größten Energiequellen besitzen und zu den größten
Energieverbrauchern gehören dürften.

Beide Länder arbeiten unter anderem an neuen Wegen der Nutzung der Wasserkraft und an der Verringerung des Energieverlustes bei Überlandleitungen.

Von

�"1

Von besonderem Interesse für die amerikanischen Ingenieure und Techniker sind sowjetische Methoden des Abbaus in großen Tiefen, die eine intensivere Erschließung der gewaltigen amerikanischen Kohlevorkommen erleichtern
würden. Das Interesse der Sowjetunion dürfte sich auf die amerikanischen Fortschritte in der Forschung auf den Gebieten der Gewinnung von Energie aus Ölschiefer, Erdgas und Kohlevergasung konzentrieren sowie auf die amerikanischen
Erkenntnisse auf nicht herkömmlichen Gebieten wie geothermale Energie, Sonnenenergie und synthetische Brennstoffe.

Mit dem neuen Abkommen werden die Spezialgebiete der Energie und der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erhaltung der Umwelt aus dem generellen Abkommen über Wissenschaft und Technik, das am 24. Mai 1972 zwischen den USA und
der UdSSR geschlossen wurde, und dem generellen Abkommen über Zusammenarbeit
im Umweltschutz, das am 23. Mai 1972 geschlossen wurde, herausgenommen.
Die Einsetzung eines gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Ausschusses
folgt dem Beispiel anderer Verträge dieser Art.

Der gemeinsame Ausschuß wird je nach Bedarf Arbeitsgruppen einberufen,
die sich mit spezifischen Projekten der Energieforschung befassen. Eine Arbeitsgruppe soll ein Gesamtbild der Energielage jedes der beiden Länder erstellen und dem jeweils anderen Land zukommen lassen. Diese Gesamtberichte
können als Grundlage für die Energieplanung der USA und der UdSSR dienen.

Das

-2-

�Das Abkommen erstreckt sich nicht auf kommerzielle Verhandlungen zwischen amerikanischen Firmen und sowjetischen Handelsorganisationen über Energieprojekte oder den Kauf oder Verkauf von Brennstoff. Auch Verhandlungen
zwischen beiden Regierungen über Fragen des Außenhandels werden nicht erfaßt.

-3-

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14/1974

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER ZUSAMMENARBEIT IM BAUWESEN

MOSKAU --(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 28. Juni 1974 ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Wohnungsbaus und anderer Bauvorhaben geschlossen. Das von Präsident Nixon und Parteichef Breschnew unterzeichnete Abkommen
hat eine Laufzeit von fünf Jahren und kann erneuert werden. Es dient vor allem
dem Austausch von Informationen und Fachwissen und künftigen gemeinsamen Projekten von Interesse für beide Länder.

Eines der Hauptthemen ist die Erarbeitung von Normen für Bauweisen und
Baumaterialien für Wohngebäude in erdbebengefährdeten Gebieten. Ein zweites
Gebiet besonderen Interesses ist das Bauen unter extremen klimatischen Bedingungen. Hier sollen Spezialforschungen betrieben werden.

Das Abkommen sieht - wie ähnliche Abkommen - die Einsetzung eines "Gemeinsamen Amerikanisch-Sowjetischen Ausschusses für die Zusammenarbeit auf dem
Gebiet des Wohnungsbaus und anderer Bauvorhaben" vor. Dieser Ausschuß soll

-1-

�soll normalerweise einmal im Jahr - abwechselnd in den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion - tagen.

Im einzelnen werden spezifische Arbeitsprogramme auf dem Gebiet des Bauwesens ins Auge gefaßt, wie neue Bauweisen, neue Baustoffe und Normen für die
Dienstleistungen in Wohngebaeuden und öffentlichen Gebäuden - wie Wasser, Müllbeseitigung und Heizung. Ferner sollen Erfahrungen über die Planung und den
Bau neuer Städte ausgetauscht werden.

11)

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14/1974
AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER ZUSAMMENARBEIT BEI DER ERFORSCHUNG
VON HERZKRANKHEITEN UND DER ENTWICKLUNG EINES KÜNSTLICHEN HERZENS

MOSKAU --(AD)-- Zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken wurde am 28. Juni in Moskau ein neues
Abkommen über die Zusammenarbeit bei Forschungsarbeiten zur Entwicklung
künstlicher Herzen unterzeichnet.

Durch dieses Abkommen, das die Unterschriften des amerikanischen Außenministers Henry Kissinger und des sowjetischen Außenministers Andrej Gromyko
trägt, soll der große Wissensschatz, den beide Länder auf diesem für die medizinische Forschung so wichtigen Gebiet angesammelt haben, mobilisiert und
zum Wohle von Millionen Herz-und Gefäßkranken in der ganzen Welt nutzbar gemacht werden.

Beide Länder hatten bereits seit Jahren unabhängig voneinander umfangreiche Forschungsarbeiten und bahnbrechende Entdeckungen zur Behandlung von
Herzkrankheiten gemacht, die über wissenschaftliche Fachzeitschriften und
ärztliche Symposien ausgetauscht worden waren.
Dieser

-1-

�Dieser traditionelle Austausch wissenschaftlicher Forschungsergebnisse
hatte sich jedoch in vielen Fällen als recht schwerfällig und umständlich erwiesen.

Aus dieser Erkenntnis heraus war anläßlich des ersten Staatsbesuches von
Präsident Nixon in der Sowjetunion am 23- Mai 1972 ein erstes umfassendes amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem Gebiete der
medizinischen Forschung und des öffentlichen Gesundheitswesens unterzeichnet
worden, das einen Datenaustausch über Forschungsergebnisse auf breiter Ebene
eröffnen sollte.

Durch das neue Abkommen erhält nun ein Spezialgebiet der medizinischen
Forschung - die Behandlung von Herz-und Gefäßkrankheiten - ein besonderes
Schwergewicht.
Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in der Sowjetunion - ebenso
wie in den übrigen hochindustrialisierten Ländern der Welt - stehen Herz-und
Gefäßerkrankungen als Todesursachen an erster Stelle unter allen Krankheiten.
Forschungsarbeiten in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten sind in
jüngster Zeit vor allem darauf gerichtet gewesen, Geräte zur Unterstützung
des erkrankten Herzens zu entwickeln, wobei die Forscher in beiden Ländern
das Ziel anstrebten, ein künstliches Herz als Ersatz für ein durch Krankheit
funktionsunfähig gewordenes zu entwickeln.
Die Arbeiten der sowjetischen Forscher haben sich dabei vor allem auf die
Entwicklung von Kunststoffinnenwänden für Herzklappen gerichtet, durch die
das durchströmende Blut nicht schädigend beeinflußt wird.
Die
-2-

�Die Entdeckung eines solchen dem gesunden Zellgewebe in der Innenauskleidung der Herzklappen physiologisch gleichwertigen Materials hatte sich
bisher als das entscheidende Hindernis für die Entwicklung eines Kunstherzens
erwiesen.
Die sowjetischen Wissenschaftler haben außerdem bedeutende Erfahrungen
bei der Entwicklung von Mini-Energiequellen zum Antrieb von Kunstherzen und
anderen künstlichen Organen gemacht.

Auch in den Vereinigten Staaten ist es - ähnlich wie in der Sowjetunion den Forschern gelungen, Tiere durch mit Atombatterie getriebene künstliche
Herzen bis zu mehreren Tagen am Leben zu erhalten. Nach Ansicht der medizinischen Forscher wird es jedoch noch einiger Jahre bedürfen, um am Tierver»

such Kunstherzen soweit zu entwickeln, daß sie beim kranken Menschen als letzte
Möglichkeit, ihn vor dem Tode zu bewahren, Verwendung finden können.

Das neue Abkommen, das auf dem Erfahrungs-und Gedankenaustausch sowjetischer und amerikanischer Herzspezialisten während der letzten beiden Jahre beruht, soll die entsprechenden Arbeiten in beiden Ländern durch den Austausch
von Modellen künstlicher Herzen und dazugehöriger Geräte sowie die Veröffentlichung der einschlägigen Forschungsarbeiten beschleunigen helfen.

Außerdem sieht das Abkommen die Einrichtung von Instituten zur Diagnostik
und Funktionsprüfung des Herzens und des Kreislaufs vor,an denen Wissenschaftler aus beiden Ländern gemeinsam arbeiten werden, sowie eine engere Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung von sogenannten Herzschrittmachern.

+++
-3-

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13/1974
AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE ERLEICHTERUNG DER WIRTSCHAFTLICHEN
INDUSTRIELLEN UND TECHNISCHEN ZUSAMMENARBEIT
- Wortlaut MOSKAU --(AD)-- Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken haben am 29. Juni ein "langfristiges Abkommen über
die Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit" abgeschlossen. Das Abkommen, das eine Laufzeit von 10 Jahren hat, wurde
von Präsident Nixon und dem sowjetischen Parteichef Breschnew unterzeichnet und
hat folgenden Wortlaut:
29. Juni 1974
Langfristiges Abkommen
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
über die Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen
Zusammenarbeit
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sind
aus dem Wunsche heraus, eine stetige geregelte Ausweitung der wirtschaftlichen,

�wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit und den Austausch relevanter Informationen zu fördern, um so eine Zusammenarbeit zwischen
den beiden Ländern und ihren zuständigen Organisationen, Unternehmen und Firmen auf einer langfristigen und beiden Seiten zum Vorteil gereichenden Basis
zu erleichtern;
geleitet von den Grundsätzen für die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom
29. Mai 1972, dem gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Kommunique vom 24.
Juni 1973 und den Prinzipien, die in dem Handelsabkommen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten vom Amerika und der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 18. Oktober 1972 niedergelegt worden sind;

wie folgt übereingekommen:
Artikel I
Die Vertragspartner sollen sich vermittelnd einschalten, um die wirtschaftliche, industrielle und technische Zusammenarbeit im Einklang mit den bestehenden

Praktiken und den anwendbaren Gesetzen und Bestimmungen in dem jeweiligen

Lande zu erleichtern.
Artikel II

Die Zusammenarbeit, die - wie in Artikel I vorgesehen - erleichtert werden soll, soll einschließen:
A.

An-und Verkauf von Maschinen und Ausrüstungen zur Errichtung neuer Unter-

nehmen und zur Erweiterung und Modernisierung bestehender Unternehmen auf
den Gebieten: Rohstoffe, Landwirtschaft, Maschinen und Ausrüstungen, Endpro-

-2-

�Endprodukte, Verbrauchsgüter und Dienstleistungen;
B.

An-und Verkauf von Rohstoffen, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, End-

produkten, Verbrauchsgütern und Dienstleistungen;
C.

Ankauf, Verkauf und Lizensierung von Patentrechten und gesetzlich ge-

schützten industriellen Kenntnissen, Warenzeichen und Verfahren;
D.

Ausbildung von Technikern und Austausch von Spezialisten; und

E.

Gemeinsame Bemühungen zur Errichtung industrieller und sonstiger Anlagen

in Drittländern, wo dies angebracht, vor allem durch Lieferung von Maschinen
und Ausrüstungen.
Artikel III
Zur Unterstützung der einschlägigen Organisationen, Unternehmen und Firmen beider Länder bei Entscheidungen darüber, welche Gebiete der Zusammenarbeit mit größter Wahrscheinlichkeit eine Basis für beide Seiten zum Vorteil
gereichende Kontrakte bieten, sollen Arbeitsgruppen von Experten, die von der
in Artikel V erwähnten Kommission eingesetzt worden sind, wenigstens einmal im
Jahr zusammentreten, um Informationen und Voraussagen über die wirtschaftlichen, industriellen und kommerziellen Trends miteinander auszutauschen.

Artikel IV

Zur Förderung der in diesem Abkommen vorgesehenen Zusammenarbeit werden
die Vertragspartner, wo angebracht, den Erwerb oder das Anmieten geeigneter Geschäfts-und Wohnräume durch Organisationen, Unternehmen und Firmen des anderen
Landes und deren Angestellte, die Einfuhr der erforderlichen Büroeinrichtungen
und Materialien, die Einstellung von Mitarbeitern, die Ausstellung von Visen

-3-

�I

•I
Visen - einschließlich Visen für mehrmalige Einreisen - fü.r die leitenden
Angestellten und Vertreter solcher Organisationen, Unternehmen und Firmen
und ihre unmittelbaren Familienangehörigen sowie die Reisen solcher Personen
aus geschäftlichen Gründen in das Territorium des Einreiselandes erleichtern.

Artikel V
Die gemäß dem Kommunique vom 29. Mai 1972 eingesetzte amerikanisch-sowjetische Handelskommission ist ermächtigt und angewiesen, die praktische Durchführung dieses Abkommens, notfalls zusammen mit anderen amerikanisch-sowjetischen Gremien, die aufgrund von Vereinbarungen zwischen den Regierungen der
beiden Länder eingesetzt worden sind, mit dem Ziel zu überwachen, die in die,

sem Abkommen vorgesehene Zusammenarbeit zu erleichtern.

»
Artikel VI

Dieses Abkommen soll mit dem Tage seiner Unterzeichnung in Kraft treten
und zehn Jahre in Kraft bleiben.
Die Vertragspartner sollen spätestens sechs Monate vor Ablauf obiger Zeitspanne Maßnahmen vereinbaren, die erforderlich sein könnten, um eine Weiterentwicklung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit zu erleichtern.

Gegeben

-4-

�Gegeben in Moskau am 29. Juni 1974 in doppelter Ausfertigung in englischer und
russischer Sprache, die beide in gleicher Weise authentisch sind.

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union der Sozialistischen

von Amerika

Sowjetrepubliken

Der Präsident der Vereinigten

Der Generalsekretär des Zentral-

Staaten von Amerika

komitees der KPdSU

•|" 1 ~r

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13/1974

USA ERLÄUTERN AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE ERLEICHTERUNG
DER WIRTSCHAFTLICHEN ZUSAMMENARBEIT
- Darlegung des US-Finanzministeriums

WASHINGTON -

-

(AD) - Das a m e r i k a n i s c h e F i n a n z m i n i s t e r i u m h a t am 2 9 . J u n i

i n e i n e r l ä n g e r e n D a r l e g u n g d a s am g l e i c h e n Tag von P r ä s i d e n t Nixon u n d dem
s o w j e t i s c h e n P a r t e i c h e f B r e s c h n e w i n Moskau u n t e r z e i c h n e t e
kommen ü b e r d i e E r l e i c h t e r u n g d e r w i r t s c h a f t l i c h e n ,
n i s c h e n Zusammenarbeit"

" L a n g f r i s t i g e Ab-

industriellen

und t e c h -

erläutert.

Die V e r l a u t b a r u n g d e s F i n a n z m i n i s t e r i u m s h a t f o l g e n d e n

Wortlaut:

Der A b s c h l u ß e i n e s l a n g f r i s t i g e n Abkommens z w i s c h e n d e n USA u n d d e r UdSSR
über d i e Erleichterung d e r wirtschaftlichen,

industriellen

und t e c h n i s c h e n Zu-

s a m m e n a r b e i t e r f o l g t im E i n k l a n g m i t dem Z i e l d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n , d i e
l ä n g e r f r i s t i g e A u s w e i t u n g u n d e i n a u s g e w o g e n e r e s Wachstum d e s a m e r i k a n i s c h s o w j e t i s c h e n Handels zu f ö r d e r n .

Das Abkommen, d a s 10 J a h r e i n K r a f t

bleiben

s o l l , b i e t e t e i n e n a l l g e m e i n e n Rahmen f ü r d e n A u s t a u s c h von I n f o r m a t i o n e n u n d
Ansichten über wichtige w i r t s c h a f t l i c h e

P r o j e k t e zwischen den b e i d e n

Ländern

sowie f ü r f ö r d e r n d e Gespräche zwischen p r i v a t e n a m e r i k a n i s c h e n und s o w j e t i s c h e n
Außenhandels- und s o n s t i g e n O r g a n i s a t i o n e n über p o t e n t i e l l e P r o j e k t e
Zusammenarbeit.

für eine

Obwohl d a s Abkommen s e i n e m Wesen u n d I n h a l t n a c h d e n a n d e r e n

von z a h l r e i c h e n w e s t l i c h e n L ä n d e r n m i t d e r S o w j e t u n i o n
-

1 -

abgeschlossenen

lang-

�langfristigen Abmachungen für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit ähnelt,
dürfte die Bestimmung in dem von den USA mit der UdSSR geschlossenen Abkommen
über einen jährlichen Austausch von wirtschaftlichen Informationen und über
verschiedene, die Geschäftstätigkeit erleichternde Maßnahmen in Verträgen
dieser Art e i n z i g a r t i g sein.

Die auf Grund des Kommuniques vom 29. Mai 1972

geschaffene gemeinsame, amerikanisch-sowjetische Handelskommission wird die
Durchführung dieses Abkommens überwachen.
Das l a n g f r i s t i g e Abkommen s o l l das von den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion am 18. Oktober 1972 abgeschlossene Handelsabkommen ergänzen.

Die

Administration b l e i b t weiterhin unbedingt v e r p f l i c h t e t , die Ermächtigung zu
erlangen, um der UdSSR eine nichtdiskriminierende Zollbehandlung gewähren zu
können, und so das Handelsabkommen von 1972 in Kraft zu setzen.

Das lang-

f r i s t i g e Abkommen bedeutet keine Änderungdes gegenwärtigen Systems einer sorgfältigen Überprüfung a l l e r Transaktionen, um s i c h e r z u s t e l l e n , daß amerikanische
Güter und Technologie ausschließlich für friedliche Zwecke e x p o r t i e r t werden.

Handel und l a n g f r i s t i g e Zusammenarbeit
Der amerikanisch-sowjetische Handel hat sich s e i t dem Abschluß des Handelsabkommens und des Pacht- und Leihabkommens vom 18. Oktober 1972 rasch entwickelt.
Der b i l a t e r a l e Handel s t e l l t e sich 1973 auf insgesamt 1,4 Milliarden Dollar
und der Warenaustausch dürfte 1974 den hohen Stand des l e t z t e n Jahres wahrscheinlich wieder erreichen. Beide Länder befinden sich auf dem besten Wege,
das im Kommunique des Gipfeltreffens vom Juni 1973 verkündete Ziel, in dem Dreijahreszeitraum 1973 - 1975 einen Warenaustausch von insgesamt zwei b i s drei
Milliarden Dollar zu erreichen, noch zu übertreffen.
Die amerikanischen Maschinen- und Ausrüstungsexporte nach der Sowjetunion
dürften auf lange Sicht noch wesentlich zunehmen.

Die UdSSR bemüht sich um

amerikanische Ausrüstungen, die zur Verwirklichung der großen Entwicklungsprojekte beitragen s o l l e n , deren Aufnahme in dem neuen Fünfjahresplan gegenwärtig
geprüft wird.

Sie hat besonders l a n g f r i s t i g e kooperative Projekte mit amerika-

�amerikanischen Firmen ausgewählt, das h e i ß t T r a n s a k t i o n e n , b e i denen der Exp o r t a m e r i k a n i s c h e r Ausrüstungen m i t Erzeugnissen der neuen P r o d u k t i o n s s t ä t t e n
b e z a h l t werden s o l l , w e i l d i e s e d i e b e s t e A u s s i c h t auf e i n e s t a r k e s t e t i g e Ausweitung des a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n Handels b i e t e n .
In den l e t z t e n beiden J a h r e n haben s i c h d i e i n d u s t r i e l l e n K o n t r a k t e zwischen
amerikanischen Firmen und s o w j e t i s c h e n O r g a n i s a t i o n e n auf insgesamt rund 800
Millionen D o l l a r g e s t e l l t und i n den kommenden J a h r e n werden s i e w e i t e r h i n e i n e n
w e s e n t l i c h e n T e i l d e r amerikanischen Exporte ausmachen.

Die Exporte amerika-

n i s c h e r Maschinen, d i e zu einem großen T e i l für das Lastwagenwerk an d e r Kama
bestimmt s i n d , werden von 200 M i l l i o n e n D o l l a r im J a h r e 1973 auf v i e l l e i c h t 300
b i s 400

Millionen D o l l a r i n diesem J a h r a n s t e i g e n .

Der k ü r z l i c h b e w i l l i g t e

K r e d i t der Export-Import-Bank für das O c c i d e n t a l - D ü n g e m i t t e l p r o j e k t

wird i n

den n ä c h s t e n J a h r e n zu 400 M i l l i o n e n D o l l a r an amerikanischen Exporten

führen.

Und fünf andere große Kontrakte werden w e i t e r e 200 Millionen D o l l a r an amerikanischen Exporten in d i e UdSSR bewirken.

Amerikanische Firmen und s o w j e t i s c h e

O r g a n i s a t i o n e n prüfen oder handeln gegenwärtig l a n g f r i s t i g e Kontrakte auf so
v i e l s e i t i g e n Gebieten aus wie Motorenbau, Gewinnung und W e i t e r v e r a r b e i t u n g
von M a t e r i a l i e n mit hohem E n e r g i e v e r b r a u c h , E r s c h l i e ß u n g von E r d ö l - und Gasvorkommen, e l e k t r o n i s c h e E r z e u g n i s s e , Chemikalien, Holzprodukte,

Verbrauchsgüter-

p r o d u k t i o n , Verbesserung der E i n r i c h t u n g s n für den Fremdenverkehr.

Das Abkommen

über die l a n g f r i s t i g e Zusammenarbeit d ü r f t e dazu b e i t r a g e n , d i e Gebiete

für

e i n e beiden S e i t e n zum V o r t e i l gereichende l a n g f r i s t i g e Kooperation zwischen
amerikanischen G e s e l l s c h a f t e n und s o w j e t i s c h e n O r g a n i s a t i o n e n i n der Zukunft
abzustecken und zu e r w e i t e r n .

Die w i c h t i g s t e n Bestimmungen
Langfristige

Zusammenarbeit:

Das Abkommen s i e h t vor, daß d i e beiden Regierungen s i c h v e r m i t t e l n d e i n s c h a l t e n , um den An- und Verkauf von Maschinen und Ausrüstungen zur E r r i c h t u n g ,
Modernisierung und Erweiterung von P r o d u k t i o n s e i n r i c h t u n g e n i n b e i d e n Ländern,

-

3 -

�•

f

Ländern, den Handel mit Rohstoffen, landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Endprodukten, Verbrauchsgütern und Dienstleistungen sowie den Ankauf, Verkauf
und die Lizensierung von Patentrechten und gesetzlich geschützten industriellen
Kenntnissen, Warenzeichen und Verfahren zu erleichtern.

Es sieht ferner eine

Zusammenarbeit bei der Ausbildung und dem Austausch von Spezialisten vor sowie
gemeinsame Bemühungen zur Errichtung industrieller und sonstiger Anlagen in
Drittlängern durch Export von Maschinen und Anlagen.

Die in diesem Abkommen

vorgesehenen wirtschaftlichen Vorhaben beschränken sich nicht auf langfristige
Großprojekte; kurzfristigere Transaktionen kleiner und mittlerer amerikanischen
F

irmen sollen ebenfalls gefördert werden.

Es wird weiter damit gerechnet, daß

die UdSSR neue Kooperationsprojekte in den Vereinigten Staaten eingehen wird.

Informationsaustausch:

Eine äußerst wichtige Bestimmung des Abkommens ist die Einsetzung einer
Arbeitsgruppe von nationalen Experten, die Statistiken und Voraussagen über
grundlegende wirtschaftliche, industrielle und kommerzielle Trends in beiden
Ländern austauschen sollen.

Dieser regelmäßige Informationsaustausch soll

*

den amerikanischen Firmen und den sowjetischen Außenhandels- undsonstigen Wirtschaftsorganisationen dabei helfen, Entscheidungen bezüglich der Gebiete einer
Zusammenarbeit zu treffen, die mit größter Wahrscheinlichkeit eine Basis für
beide Seiten zum -Vorteil gereichende Kontrakte bieten und ihnen ihre langfristigen geschäftlichen und wirtschaftlichen Planungen erleichtern.

Die erste

Tagung dieser Experten soll noch vor Ende dieses Jahres stattfinden.

Erleichterung der Geschäftstätigkeit:

Um die Förderung der langfristigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu
unterstützen, sieht das Abkommen ferner vor, daß jede Vertragspartei sich
einschaltet, um die Arbeits- und Geschäftsbedingungen der Firmenvertreter der
anderen Seite auf ihrem Territorium zu erleichtern.

Artikel IV des Abkommens

besagt daher, daß beide Vertragspartner, wo angebracht, die Beschaffung geeigneter Geschäfts- und Wohnräume für die Handelsfirmen und Organisationen sowie deren Angestellte, die Einfuhr der erforderlichen Büroeinrichtungen und
- 4-

�und Materialien, die Einstellung von Mitarbeitern, die Ausstellung von Visen
und die Reisen der Handelsvertreter aus geschäftlichen Gründen erleichtern.
Insgesamt 17 amerikanische Firmen haben bis jetzt von den Sowjets eine
Zulassung zur Eröffnung von Büros in Moskau erhalten und über die Hälfte von
ihnen hat bisher davon Gebrauch gemacht.

Im Zuge der in diesem Abkommen vor-

gesehenen langfristigen Ausweitung des Handels und der Wirtschaftsbeziehungen
dürften weitere amerikanische Firmen in der Zukunft um eine solche Zulassung
nachsuchen.

Die Errichtung eines internationalen Handelszentrums in Moskau, an

der sich amerikanische Firmen beteiligen, wird eine bedeutsame Erweiterung der
kommerziellen Einrichtungen darstellen, die amerikanischen und anderen ausländischen Gesellschaften in der UdSSR zur Verfügung stehen.

- 5-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetischer Vertrag über unterirdische Nuklearversuche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über unterirdische Nuklearversuche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Protokoll zum amerikanisch-sowjetischen Vertrag über die Begrenzung der ABM-Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hintergrundmaterial zum Protokoll über AMB-Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung über den Schutz der Umwelt vor Veränderungen für militärische Zwecke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit im Bauwesen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über Zusammenarbeit bei der Erforschung von Herzkrankheiten und der Entwicklung eines künstlichen Herzens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die Erleichterung der wirtschaftlichen, industriellen und technischen Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA erläutern amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die Erleichterung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit</text>
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                    <text>nfeimcilion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10. J u l i 1985

27

I N H A L T

DOKUMENTATION
Z i v i l i s i e r t e V ö l k e r müssen gegen T e r r o r i s m u s vorgehen
- Rede P r ä s i d e n t Reagans USA und G r o ß b r i t a n n i e n f o r d e r n E i n s t e l l u n g der Flüge nach B e i r u t
- E r k l ä r u n g von P r e m i e r m i n i s t e r i n Thatcher und V i z e p r ä s i d e n t Bush G i p f e l t r e f f e n kann Verbesserung der a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n
Beziehungen bewirken
- Pressekonferenz von US-Außenminister S h u l t z USA bedauern Mangel an F o r t s c h r i t t e n auf der KVAE
- E r k l ä r u n g des U S - D e l e g i e r t e n zum Abschluß der 6.

Sitzungsperiode

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfähre "CWLLENG"ER" m i t Spacelab-Kombination
- P r o j e k t e zur E r f o r s c h u n g d e r Sonne, t i e f e r kosmischer B e r e i c h e
und der i r d i s c h e n Umwelt "INTELSAT" umspannt d i e Welt
- D i e n s t l e i s t u n g e n f ü r 160 Länder und T e r r i t o r i e n

-

Umweltschutz braucht neue Ideen
- I n t e g r i e r t e Programme k ü n f t i g im Vordergrund Themenindex Amerika D i e n s t 1985
* * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�10. Juli 1985

27

ZIVILISIERTE VÖLKER MÜSSEN GEGE^ TERRORISMUS VORGEHEN
- Rede Präsident Reagans -

WASHINGTON - (AD) - Am 8. Juli 1985 hielt Präsident Reagan vor der
Amerikanischen Anwaltskammer in Washington eine Rede, in der er die Gemeinschaft der zivilisierten Völker zum gemeinsamen Vorgehen gegen den
Terrorismus aufrief.

Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden

Wortlaut:

Ich freue mich, heute vor einem Berufsverband sprechen zu können, der
nicht nur der größte seiner Art auf der Walt ist, sondern sich auch ausschließlich einem Gegenstand widmet, der den Ausgangspunkt jeder freien
Gesellschaft bildet, einem Gegenstand, der zum Kern dessen zählt, was zivilisiertes Leben ausmacht:

dem Gesetz, unseren Gerichten und unserem

Rechtswesen und der Gerechtigkeit selbst.

Ich möchte Ihnen in aller Offenheit sagen, daß ich die Absicht hatte,
heute hier zu erscheinen und mich zu einer Reihe juristischer Fragen zu
äußern:

zu den Problemen unserer Gerichtshöfe, zu der Art und Wsise, in

der unsere Administration dem Kartellrecht und den Bürgerrechtsgesetzen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�den Bürgerrechtsgesetzen Geltung verschafft, sowie zu unserem gegenwärtigen Vorgehen gegen den Drogenhandel und das organisierte Verbrechen im
allgemeinen.

Aber ich fürchte, die Erörterung dieser Dinge wird warten müssen, bis
sich eine neue Gelegenheit findet, denn sie ist von Ereignissen auf der
internationalen Bühne überholt worden, und als Präsident fühle ich mich
genötigt, heute zu diesen Ereignissen Stellung zu nehmen.

Ich meine

aber, daß diese Angelegenheiten Ihr Interesse finden werden, und zwar
nicht nur, weil Sie Amerikaner sind, sondern auch, weil Sie als Juristen
beruflich mit dem Recht und mit der Bedrohung befaßt sind, der es durch
Verbrecher in unserem Lande selbst wie auch in internationalem Maßstab
ausgesetzt ist.

Daß wir heute nicht dazu kommen, die Fragen zu erörtern, die ich ursprünglich ansprechen wollte, hängt mit dem zusammen, was die amerikanischen Geiseln und darüber hinaus ganz Amerika in den vergangenen WDchen
durchmachen mußten.

Das, worum es mir heute geht, greift jedoch sogar noch über die Sorgen hinaus, die uns die schrecklichen Ereignisse in Beirut und El Salvador oder das tragische Ende der Maschine der Air India, der Bombenanschlag auf Narita oder die Entführung der Maschine der Jordanian Airlines
bereitet haben.

Wir müssen über diese Geschehnisse hinausschauen, denn

ich glaube, daß sie, so entsetzlich sie auch sein mögen, unseren Blick
für eine noch größere und düsterere terroristische Bedrohung nicht trüben
dürfen.

Man ist versucht, einen Terroranschlag einfach nur als das willkürliche Werk einer kleinen Gruppe von Fanatikern zu betrachten.

Eine sol-

che Fehleinschätzung ist äußerst gefährlich, denn die Anschläge, denen
sich Amerika, seine Bürger, seine Verbündeten und andere demokratische
Nationen in den letzten Jahren ausgesetzt sahen, verschmelzen in ihrer
Gesamtheit zum Phänomen eines Terrorismus, der durchaus strategische Implikationen und politische Ziele hat.

Und nur, wenn wir die Dinge nicht

aus einem taktischen, sondern aus einem strategischen Blickwinkel sehen,

�Blickwinkel sehen, nur wenn wir uns über das Grundmuster des Terrors und
seine Hintermänner Klarheit verschaffen, können wir hoffen, eine Strategie zu seiner Bekämpfung zu entwickeln.

Kommen wir also zu den Tatsachen.

Folgendes wissen wir:

In den

letzten Jahren kam es beständig und in immer schlimmerem Maße zu Terroranschlägen auf die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und Staaten
der Dritten

Welt, die unseren Interessen wohlwollend

gegenüberstehen.

Die Anzahl der Terroranschläge stieg von rund 500 im Jahre 1983 auf mehr
als 600 im Jahre 1984.

Allein im vergangenen Jahr waren 305 Bombenan-

schläge zu verzeichnen, im Durchschnitt also fast einer pro Tag.

Einige

der schlimmsten Anschläge richteten sich gegen Amerikaner oder amerikanisches Eigentum und amerikanische Einrichtungen.

Diese Tendenz hielt 1985

unvermindert an, und in den meisten Fällen sind unschuldige Zivilisten
die Opfer der Gewalt.

Wenn Terroranschläge auch weiterhin so häufig

bleiben, wie sie es gegenwärtig sind, dann werden wir 1985 rund Tausend
zu verzeichnen haben - das steht uns bevor, wenn die zivilisierten Völker
nicht gemeinsam handeln, um diesem Angriff auf die Menschlichkeit ein Ende zu bereiten.

In den letzten Jahren war der Nahe Osten einer der Hauptbrennpunkte
dieser Anschläge, Anschläge, die sich gegen die Vereinigten Staaten, Israel, Frankreich, Jordanien und Großbritannien richteten.

Auch in Belgi-

en, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich verübten linksgerichtete Terrorgruppen eine Reihe offenkundig koordinierter Terror- und Mordanschläge; sie setzten im Sommer 1984 ein, kulminierten im Januar und Februar dieses Jahres und richteten sich gegen Einrichtungen der Vereinigten Staaten und der NATO sowie gegen Vertreter der Streitkräfte und der
Wirtschaft der genannten Nationen.

Was wissen wir nun über die Ursprünge dieser Angriffe und über das
gesamte Grundmuster der Terroranschläge der letzten Jahre?

Allein im

Jahre 1983 fand das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) eindeutige Indizien für eine Verwicklung des Iran in 57 Terroranschläge oder
konnte solche Indizien erhärten.

Die Mehrzahl dieser Anschläge wurde

zwar im Libanon verübt, aber eine erhöhte Aktivität von mit dem Iran sym- 3 -

�Iran sympathisierenden Terroristen war auch in ganz Europa zu verzeichnen.

In Spanien und Frankreich kam es zu entsprechenden Vorfällen, und

in Italien wurden sieben proiranische libanesische Studenten wegen Vorbereitung eines Anschlags auf die amerikanische Botschaft verhaftet. Derartige Gewaltakte dauern an.

Es wird niemanden von Ihnen überraschen, zu erfahren, daß wir neben
dem Iran noch einen anderen tief in den Terrorismus verstrickten Staat,
nämlich Libyen, namhaft machen konnten.

Nach den uns vorliegenden Indi-

zien bestand bei zumindest 25 der Vorfälle des letzten Jahres eine Ver-

&lt;

bindung zu libyschen Agenten oder sonstigen im Auftrag Libyens handelnden
Kräften.

Die frevelhaften Verstöße des Obersten Gaddafi gegen die Grund-

'

sätze zivilisierten Verhaltens sind natürlich ebenso infam wie die des
Ayatollah Khomeini. Der Vorfall im vergangenen Jahr, bei dem eine britische Polizistin aus der libyschen Botschaft heraus niedergeschossen wurde, bildet nur eines der zahlreichen Beispiele.

Seit September 198A ha-

ben vom Iran unterstützte Terrorgruppen fast 30 Anschläge verübt, und
erst vor kurzem hat die ägyptische Regierung einen von Libyen geförderten
Bombenanschlag auf unsere Botschaft in Kairo vereitelt.

Genau diese von

Libyen an den Tag gelegte Haltung der staatlichen Billigung von Mordanschlägen und Terrorismus veranlaßte die Vereinigten Staaten vor einigen
Jahren, libysche Diplomaten auszuweisen, und auch andere Nationen haben
sich in der Zwischenzeit zu ähnlichen Schritten gezwungen gesehen.

Aber

auch wenn wir wissen, daß Oberst Gaddafi mit dem Terrorismus im Bunde
ist, sollten wir ihm immerhin zugestehen, daß er offen ist:

Kürzlich

sagte er, Libyen sei - ich zitiere - "in der Lage, den Terrorismus bis
ins Innerste Amerikas zu tragen.

Wir sind auch in der Lage zu physischen

Liquidierungen, zu Zerstörungen und zur Brandstiftung innerhalb Amerikas."

Im übrigen ist es auch wichtig, sich hier vor Augen zu halten, daß
das Wissen um die tiefe und anhaltende Verstrickung des Iran und Libyens
in den internationalen Terrorismus keineswegs auf unsere eigene Regierung
beschränkt ist.

Die Polizei in den meisten Ländern Europas hält dies

heute für erwiesen, ganz zu schweigen von den Warnungen, die von Spitzenpolitikern in aller Welt ausgesprochen worden sind.

So hat beispielswei-

se die politische Führung Jordaniens öffentlich erklärt, daß die Zerstö- 4 -

„

�die Zerstörung der jordanischen Botschaft in Tripoli auf libysche Aktionen zurückzuführen sei.

Neben dem Iran und Libyen gibt es noch drei weitere Regierungen, die
den Feldzug des internationalen Terrorismus gegen die Vereinigten Staaten, ihre Verbündeten und gemäßigte Länder der Dritten Vfelt aktiv unterstützen.

Zum ersten wäre Nordkorea zu nennen.

Das Ausmaß und die Brutalität

nordkoreanischer Gewaltakte gegen die Vereinigten Staaten und gegen das
mit uns verbündete Südkorea sind aktenkundig.

Flugzeuge unseres Landes

sind abgeschossen worden, bei Grenzzwischenfällen sind Angehörige unserer
Streitkräfte ermordet worden, und vor zwei Jahren wurden vier Mitglieder
des südkoreanischen Kabinetts in Burma von nordkoreanischen Terroristen
bei einem Bombenanschlag in die Luft gesprengt, der eigentlich dem Leben
von Präsident Chun gegolten hatte.

Dieser Vorfall war nur ein weiterer

in einer endlosen Reihe von Angriffen Nordkoreas auf die Republik Korea.

Weniger bekannt und weniger leicht verständlich sind die umfassenderen Verbindungen Nordkoreas zum internationalen Netz des Terrorismus. Es
fehlt heute die Zeit, all die Bemühungen aufzuzählen, die Nordkorea zur
Förderung des Separatismus, der Gewalt und des verdeckten Kampfes in anderen Ländern weit
hat.

jenseits

seiner unmittelbaren Grenzen unternommen

Um nur ein Beispiel anzuführen:

Die Bemühungen Nordkoreas, in dem

freien und gedeihenden Staat Sri Lanka dem Separatismus und dem Terrorismus zur Ausbreitung zu verhelfen, sind eine grundlegende und fortwirkende
Ursache von Spannungen im südlichen Asien, ganz zu schweigen von den Verstrickungen Nordkoreas hier in unserer eigenen Hemisphäre, zu denen beispielsweise ein geheimes Rüstungsabkommen mit der ehemaligen kommunistischen Regierung Grenadas zählte.

Ich werde sogleich auch einiges zur

Verstrickung Nordkoreas in Mittelamerika sagen.

Des weiteren ist Kuba zu nennen, dessen Regierung seit den sechziger
Jahren ganz unverhohlen Terroristen bewaffnet, ausgebildet und angeleitet
hat, die auf zumindest drei Kontinenten operieren, unter anderem in Lateinamerika.

Die CAS hat wiederholt Sanktionen gegen Castro verhängt,
- 5 -

�Castro verhängt, weil er dem Terrorismus an Orten und i n Ländern Vorschub
g e l e i s t e t h a t , die zu zahlreich s i n d , als daß man sie a l l e nennen könnte.

Gleiches g i l t

auch f ü r A f r i k a .

Präsident

Carter beschuldigte

die

Regierung Castros o f f e n der Unterstützung und Ausbildung von katangesischen T e r r o r i s t e n , die von Angola aus einen A n g r i f f auf Zaire unternommen
hatten.

Und sogar im Hinblick auf den Nahen Osten hat Castro selbst be-

s t ä t i g t , daß er Anfang der siebziger Jahre den Sandinisten a k t i v h a l f a l s
sie dort bei den t e r r o r i s t i s c h e n Gruppen der PLO ihre Leute ausbildeten.

Schließlich b l e i b t der jüngste Partner des I r a n s , Libyens, Nordkoreas
und Kubas bei der i n t e r n a t i o n a l e n Terrorkampagne zu nennen:
stische Regime i n Nicaragua.

das kommuni-

Die Sandinisten fördern nicht nur den Ter-

r o r i n El Salvador, Costa Rica und Honduras - d . h . , einen T e r r o r , der u n längst

zur Ermordung von v i e r

amerikanischen M a r i n e i n f a n t e r i s t e n ,

amerikanischen Z i v i l i s t e n und sieben Lateinamerikanern führte - ,

zwei

sondern

i h r Land i s t auch einer der wichtigsten Schlupfwinkel der Vifelt f ü r i n t e r nationale T e r r o r i s t e n .

Angehörige der i t a l i e n i s c h e n Regierung haben N i -

caragua o f f e n beschuldigt, einige der schlimmsten T e r r o r i s t e n I t a l i e n s zu
beherbergen, und wir haben Hinweise darauf, daß nicht nur die

italieni-

schen Roten Brigaden, sondern auch andere Kräfte aus den übelsten Terrorgruppen der

Welt -

der westdeutschen Baader-M einhoff-Bande, der

baski-

schen ETA, der PLO, der Tupamaros und der IRA - i n Nicaragua Unterschlupf
gefunden haben und von der kommunistischen D i k t a t u r dieses Landes unters t ü t z t werden.

Das kommunistische Regime i n Nicaragja hat sich zu einem Knotenpunkt
des Terrornetzes gemacht und b i l d e t geradezu eine F a l l s t u d i e
Ausdehnung.
dinisten

für dessen

Vergegenwärtigen Sie sich für einen Augenblick, daß die San-

nicht

nur

feste

internationale

Bündnisse mit Kuba und Libyen

eingegangen sind - u.a. erhalten sie enorme Mengen an Vfeffen und M u n i t i on-,

sondern auch von Nordkorea

i n großem Umfang u n t e r s t ü t z t

werden.

Sie scheuen sich auch gar n i c h t , einzuräumen, daß sie i n der Schuld der
Regierung des nordkoreanischen D i k t a t o r s Kim Il-Sung stehen.

Sowohl Da-

n i e l a l s auch Humberto Ortega haben Nordkorea unlängst o f f i z i e l l e Staatsbesuche a b g e s t a t t e t , um weitere H i l f e zu erlangen und förmlichere Beziehungen h e r z u s t e l l e n .

Nicaragua i s t also mit Kuba, Libyen und Nordkorea

�und Nordkorea im Bunde.
ziehungen zum Iran?

Bleibt nur noch der Iran.

Wie steht es mit Be-

Nun, erst kürzlich besuchte der iranische Minister-

präsident Nicaragua und übermittelte die Solidaritätsbekundungen des Ayatollahs an die sandinistischen Kommunisten.

Ich sprach vorhin von den strategischen Zielen, die die Beweggründe
all

dieser

terroristischen

Staaten

bilden.

Ich werde hierzu

gleich

selbst einige Anmerkungen machen, aber warum lassen wir nicht zunächst
die Führer dieser außerhalb des Rechts stehenden Regierungen selbst ihre
Ziele darlegen?

Während seines Staatsbesuchs in Nordkorea vernahm Daniel Ortega , der
Führer der Sandinisten Nicaraguas, aus dem Munde Kim Il-Sungs folgendes
über die gemeinsamen Ziele Nordkoreas und Nicaraguas:
der

revolutionären

Staaten der

"Wenn die Völker

Welt den amerikanischen

Imperialismus

überall dort, wo er seine Klauen der Aggression ausstreckt, unter Druck
setzen und ihm Schläge versetzen, dann werden sie ihn zur Machtlosigkeit
verurteilen und es ihm unmöglich machen, sich weiter als Herrscher aufzuspielen."

Und Oberst Gaddafi, der mit Nordkorea ein formelles Bündnis

unterhält, sprach ganz im Sinne Kim Il-Sungs, als er die Aufgaben des
Terrornetzes darlegte:

"Wir müssen Amerika zwingen, an hundert Fronten

überall auf der Erde zu kämpfen.

Wir müssen es zwingen, im Libanon zu

kämpfen, im Tschad zu kämpfen, im Sudan zu kämpfen und in El Salvador zu
kämpfen."

So liegen die Dinge also:

Der Iran, Libyen, Nordkorea, Kuba und Ni-

caragua liegen zwar auf verschiedenen Kontinenten und Tausende von Meilen
getrennt, aber sie verfolgen die gleichen Ziele und Zwecke.

Was ich Ih-

nen sagen möchte, ist, daß die Zunahme des Terrorismus in den letzten
Jahren auf die immer stärkere Verstrickung dieser Staaten in den Terrorismus in jeder Region der Welt zurückzuführen ist.

Wir haben es mit

einem Terrorismus zu tun, der Teil eines Gesamtplanes ist - das Werk eines Bundes terroristischer Staaten.

Die meisten der Terroristen, die

amerikanische Staatsbürger entführen und ermorden und Anschläge auf amerikanische Einrichtungen verüben, werden von einer Kerngruppe radikaler
und totalitärer Regierungen, einer Art neuer, internationaler Mord GmbH,
- 7 -

�Mord GmbH, ausgebildet, finanziert und direkt oder indirekt gesteuert.
All diese Staaten werden von einem einfachen, verbrecherischen Phänomen
vereint:

ihrem fanatischen Haß auf die Vereinigten Staaten, unser Volk,

unseren Lebensstil und unsere Rolle in der Wfelt.

Der strategische Zweck des von diesen gesetzlosen Staaten geförderten
Terrorismus ist klar:

die Vereinigten Staaten zu desorientieren, unsere

Außenpolitik zu stören oder zu ändern, Zwietracht zwischen uns und unseren Verbündeten zu säen, uns wohlgesonnene Nationen der Dritten Vtelt einzuschüchtern, die gemeinsam mit uns auf die friedliche Beilegung regionaler Konflikte hinarbeiten, und schließlich, den amerikanischen Einfluß in
den Gebieten der Vtelt zu unterbinden, wo wir uns um das Entstehen stabiler und demokratischer Regierungssysteme bemühen.

Kurzum:

Es geht dar-

um, uns zum Rückzug zu veranlassen und uns zu zwingen, uns zu verschanzen
und zur "Festung Amerika" zu werden.

Ihr wirkliches Ziel besteht darin,

Amerika aus der Vtelt zu vertreiben.

Deshalb lassen diese terroristischen Staaten denen, die unser Land
angreifen, Vteffen, Ausbildung und Unterstützung zukommen, und deshalb
können wir uns einer Tatsache gewiß sein:

Diese terroristischen Staaten

sind dabei, kriegerische Handlungen gegen die Regierung und das Volk der
Vereinigten Staaten auszuführen, und nach dem Völkerrecht hat jedes Land,
das zum Opfer kriegerischer Handlungen wird, das Recht, sich zu verteidigen.

Den gesetzlosen Regierungen, die den internationalen Terrorismus gegen unser Land fördern, möchte ich jetzt eine kurze Lektion in amerikanischer Geschichte geben.

Verschiedene Male in der Vergangenheit Amerikas

haben ausländische Tyrannen, Kriegstreiber und totalitäre Diktatoren die
allseits bekannte Liebenswürdigkeit, Geduld und Großherzigkeit des amerikanischen Volkes fälschlicherweise als Zeichen der Schwäche oder gar der
Dekadenz ausgelegt.

Es ist richtig:

Wir sind ein unbeschwertes Volk,

nicht leicht in Zorn zu bringen, und wir möchten nicht gerne an jedem Horizont eine Gefahr heraufziehen sehen.

Aber genauso richtig ist, daß es

- wenn die Emotionen des amerikanischen Volkes, sein Patriotismus und
- 8 -

�Patriotismus und sein Ä'rger angefacht werden - keine Grenzen für die nationale Tapferkeit und seine verzehrende Leidenschaft gibt, um die von
allen hochgehaltene Tradition der Freiheit zu schützen.
hat es einmal so ausgedrückt:

Teddy Roosevelt

"Das amerikanische Volk gerät nicht leicht

in Zorn, aber wenn dieser Zorn einmal angefacht ist, dann brennt er wie
eine sich verzehrende Flamme."

Und eine andere führende Persönlichkeit,

dieses Mal ein ausländischer Gegner, nämlich Admiral Yamamoto, warnte
sein eigenes Land nach dem Angriff auf Pearl Harbor, indem er sagte, er
fürchte, "wir haben einen schlafenden Riesen aufgeweckt, und seine Reaktion wird furchtbar sein".

Ja,

wir

Amerikaner,

haben

unsere

Meinungsverschiedenheiten, die

manchmal laut und fast immer in der Öffentlichkeit ausgetragen werden.
Das liegt in der Natur unserer offenen Gesellschaft. Aber keine ausländische Macht sollte Meinungsverschiedenheiten für Uneinigkeit halten. Jene, die versucht sind, das zu tun, sollten an unseren Nationalcharakter
und unsere Geschichte denken - eine Geschichte, an deren Weg die Trümmer
von Regimen liegen, die den Fehler gemacht haben, die Energie und den
Willen des amerikanischen Volkes zu unterschätzen.

Lassen Sie mich also für ein einiges Volks sprechen.
fach sagen:

Wir sind Amerikaner.

Wir lieben unser Land.

Ich möchte einWir lieben die

Werte, für die dieses Land einsteht, und wir werden dieses Land immer
verteidigen.

Wir stehen für die Freiheit ein - für unsere eigene und für

die unserer Kinder -, und wir werden immer bereit sein, für diese Freiheit Opfer zu bringen.

Das amerikanische Volk wird also keine - und ich wiederhole:

keine -

Einschüchterung, keinen Terror und keine ausgesprochenen Kriegshandlungen
gegen unser Land und unsere Menschen dulden.

Und insbesondere werden wir

nicht diese Angriffe von gesetzlosen Staaten dulden, die von der seltsamsten Sammlung von kriminellen Außenseitern, Verrückten und gemeinen
Verbrechern seit dem Dritten Reich regiert werden.

Ich habe heute

�Ich habe heute Ihre Zeit in Anspruch genommen, um die Art dieses Netzes terroristischer Staaten aufzuzeigen, so daß wir als Nation wissen,
gegen wen wir stehen und die langfristigen Ziele erkennen, die dieses
Bündnis krimineller Regierungen motivieren.

Nehmen Sie aber nicht auch nur für einen Augenblick an, daß meine
Darlegungen allumfassend sind.

Zunächst einmal gibt es einige terrorist-

ische Organisationen, deren Stärke zwar nicht der Stärke j'ener Gruppen
entspricht, die durch das von mir bereits erwähnte terroristische Netz
unterstützt werden, die sich jedoch auf gewisse Lokalitäten oder Länder
stützen, die nicht notwendigerweise in dieses internationale Netz eingebunden sind.

Und zweitens sind die von mir heute erwähnten Länder nicht

notwendigerweise die einzigen, die den Terrorismus gegen die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten unterstützen.

Die Länder, die ich aufge-

zählt habe, sind lediglich diejenigen, die am direktesten mit dem Terrorismus in Verbindung gebracht werden können.

Nun gilt es, die Tatsache der engen Beziehungen der Sowjetunion zu
fast allen dieser Terroristenstaaten, die ich erwähnt habe, sowie die
Folgen dieser sowjetischen Bindungen auf die bilateralen Beziehungen zu
den Vereinigten Staaten und anderen demokratischen Staaten im Auge zu
behalten.

Deshalb hat auch Außenminister Shultz - genau wie sein Amts-

vorgänger Haig - in seiner Rede vom 24. Juni vergangenen Jahres offen die
Frage der sowjetischen Unterstützung terroristischer Organisationen aufgeworfen.

Was die Sowjetunion betrifft, so gibt es einen Punkt, den ich heute
nicht unerwähnt lassen kann.

Bei der jüngsten Geiselkrise in Beirut wur-

den 39 Amerikaner brutal gefangengenommen; ein Angehöriger der amerikanischen Marine wurde brutal geschlagen; ein weiterer zusammengetreten und
erschossen; die Familien und Freunde dieser Geiseln erduldeten unbeschreibliche Leiden; und ein Gefühl der Verzweiflung, des Ärgers und der
Hit lief durch unsere Nation wie ein Präriefeuer.

Die sowjetische Regie-

rung nun nahm über ihre staatlich kontrollierte Presse dazu offiziell
Stellung.

Die sowjetische Regierung behauptete nämlich, die Vereinigten
- 10 -

�die Vereinigten Staaten machten sich über diese Krise keine ernsthaften
Gedanken, sondern seien von einer - und ich gebrauche hier das Wart der
Sowjets - "H/sterie" ergriffen.

Die Sowjetunion unterstellte außerdem,

die Vereinigten Staaten suchten nur einen - und ich gebrauche wieder ihre
(forte - "Vorwand" für eine militärische - und noch einmal gebrauche ich
ihre Warte - "Invasion".

Nun, meine Damen und Herren, es gibt für derlei ein nichtsowjetisches
Wort.

Es ist ein äußerst nützliches, über die Zeiten hinweg erprobtes,

ganz und gar amerikanisches Ifort, ein Wart mit tiefen Wjrzeln in unserer
reichen landwirtschaftlichen, bäuerlichen Tradition.

Jetzt gibt es für uns alle in der Gemeinschaft zivilisierter Staaten
viel zu tun.

Wir müssen gegen die kriminelle Bedrohung des Terrorismus

mit dem ganzen Gewicht des Gesetzes vorgehen - sowohl national wie international.

Wir werden Schritte ergreifen, damit jene, die diese Art von

Scheußlichkeiten begehen, wie sie die Welt in den letzten Wachen erlebt
hat, aufgefunden, ergriffen und angeklagt werden.

Wir werden als freie Völker gemeinsam handeln, als Völker, die verhindern wollen, daß unsere Bürger gefangengenommen, erschossen oder durch
Bomben in Flugzeugen umgebracht werden - genau wie wir gemeinsam handelten, um die Meere um die Jahrhundertwende von der Piraterie zu befreien.
Und Sie als Kenner der Gesetze wissen ja , wie das Gesetz die Piraten bezeichnet: "hostis humanis" - " Feinde der ganzen Menschheit".

Es darf

auf Erden keinen sicheren Ort für jene Monster geben, wohin sie sich zurückziehen, wo sie sich ausbilden oder wo sie ihre grausamen und tödlichen Fertigkeiten praktizieren können.

Wir müssen gemeinsam - oder wenn

nötig - auch allein handeln, um sicherzustellen, daß Terroristen nirgends
mehr sicher sind.

Vizepräsident Bush kam vergangene

Wache nach intensiven Gesprächen

mit unseren Verbündeten hinsichtlich praktischer Schritte zur Bekämpfung
des Terrorismus aus Europa zurück.

Er wird auf Regierungsebene eine Ar-

beitsgruppe leiten, um unsere Bemühungen zu überprüfen - und Verbesserun- 11 -

�und Verbesserungen empfehlen -, wie wir dem Terrorismus Einhalt gebieten
können.

Hinsichtlich jener Länder, die solche Akte unterstützen oder die keine Schritte gegen terroristische Verbrecher unternehen, muß die zivilisierte Vtelt sicherstellen, daß auf ihre Unterlassungen und ihre Vergehen
mit Taten reagiert wird, die Beweis unserer gemeinsamen Entschlossenheit
sind, diese Art von Aktivität zu beenden.

So habe ich zum Beispiel unse-

re Verbündeten und andere Staaten dahingehend informiert, daß der Internationale Flughafen Beirut, über den seit 1970 13 Prozent der Flugzeugentführungen der Vtelt liefen, sicher werden muß. Bis dahin sollte der
Flughafen geschlossen werden.

Schließlich möchte ich, daß Sie eine Herausforderung annehmen - nämlich Teil der Lösung des Problems des Terrorismus zu werden.

Sie sorgen

sich grundlegend um das Recht, und das Recht ist es, das die Terroristen
mit den Füßen treten.

Sie müssen dieses Problem in Konferenzen und Ver-

sammlungen ansprechen, um zu einem besseren nationalen und internationalen gesetzlichen Rahmenwerk zu gelangen, um mit dem Terrorismus fertigzuwerden.

Sie müssen dieser Regierung und anderen dabei helfen, durch das

Gesetz die Gesetzlosigkeit zu bekämpfen.

Wo Gesetze erlassen werden müs-

sen, um den zuständigen Stellen das Handeln zu ermöglichen, sollten Sie
dabei helfen, sie zu erlassen oder zu verändern.

In der Vergangenheit

haben Anwälte geholfen, wenn die Zivilisation durch Gesetzesbrecher bedroht war. Jetzt ist die Zeit gekommen, dies erneut zu tun.
Was ich heute dargelegt habe, ist nicht erfreulich, und auch die Lösung wird nicht einfach sein.

Die Antwort auf die Bedrohung durch den

internationalen Terrorismus ist schwierig - aber sie kann gefunden werden.

Sie findet sich in einem klaren Verständnis des Problems und im

Ausdruck unseres nationalen Willens, etwas dagegen zu tun.

Dies war mit

allen wichtigen Fragen so; deshalb war auch unsere Unabhängigkeitserklärung für unsere Revolution wichtiger als jede einzelne militärische Aktivität oder jede einzelne Schlacht.

Und deshalb fangen wir heute keine

politischen Diskussionen an oder konzentrieren uns auf strategische 0p- 12 -

�strategische Optionen, sondern stellen lediglich die Tatsachen über die
Natur des internationalen Terrorismus fest und bekräftigen den Willen
Amerikas, ihm zu widerstehen.

Aber es gibt noch einen anderen Punkt zu erwähnen - den Punkt, den
ich zu Anfang dieser Diskussion angesprochen habe.

Wenn wir den Terror-

ismus unter strategischen, nicht nur unter taktischen Aspekten sehen,
müssen wir zugleich erkennen, daß die größte hbffnung der Terroristen und
ihrer

Helfershelfer - der eigentliche Grund

für die Grausamkeit und

Scheußlichkeit ihrer Taktiken - darin besteht, das amerikanische Volk von
seinen Zielen abzubringen, Uneinigkeit zu säen, unsere Außenpolitik zu
stören oder zu ändern, uns von unserer sehr konkreten hbffnung abzubringen, daß eines Tages

der Alptraum

totalitärer

Herrschaft

enden und

Selbstregierung und individuelle Freiheiten das Geburtsrecht eines jeden
Menschen auf Erden sein werden.

Und hier, liebe Mitbürger, finden wir das eigentliche Motiv hinter
dem

fanatischen

Terrornetzes.

und

zunehmenden Antiamerikanismus

des internationalen

Ich sage schon seit Jahren, daß die Sache der totalitären

Ideologie im Schwinden begriffen ist; daß überall in der Welt Geist und
Wille sich auflehnen, daß die Flut der Sehnsucht

nach Freiheit und

Selbstregierung anschwillt.

Nun, keiner spürt dies deutlicher als jene, die jetzt an der Spitze
der totalitären Staaten stehen, insbesondere jener Nationen an der äußeren Peripherie der totalitären Welt wie der Iran, Libyen, Nordkorea, Kuba
und Nicaragua.

Ihrer Machthaber leben in Furcht; sie wissen, daß die

Freiheit auf dem Vormarsch ist und daß ihre Zeit an der Macht vorüber
sein wird, wenn die Freiheit triumphiert.

Es ist wahr, daß totalitäre Regierungen sehr mächtig sind und kurzfristig gesehen besser organisiert wwerden können als die Demokratien.
Aber wahr ist auch - und niemand weiß dies besser als die totalitären
Machthaber selbst -, daß diese Regime auf eine Waise schwach sind, wie es
eine Demokratie nie sein kann; denn die Zerbrechlichkeit einer totalitä- 13 -

�einer totalitären Regierung ist die Zerbrechlichkeit aller Regime, die
ihre Völker nur dadurch im Griff haben, daß sie sich auf die Instrumente
der Unterdrückung eines Polizeistaates stützen.

Und darum geht es um so viel, darum müssen wir durchhalten.

Es geht

um die Freiheit selbst - unsere eigene und die der ganzen Walt. Ja, Amerika ist noch immer ein Symbol - für einige wenige ein Symbol, das sie
fürchten und hassen.

Aber für viele andere - für viele Millionen andere

- ein Symbol, das man liebt, ein Land, das ein neues Jerusalem bedeutet.

Teddy Roosevelt - und er ist ein Präsident, der sich unter diesen Umständen gut zitieren läßt - formulierte es so:

"Wir hier in Amerika hal-

ten in unseren Händen die Hoffnung der Welt, das Geschick der kommenden
Jahre; und Scham und Schande werden über uns kommen, wenn in unseren Augen das Licht fester Entschlossenheit nachläßt, wenn wir die goldenen
Hoffnungen der Menschen in den Staub treten."

Und dieses Licht fester Entschlossenheit und jene goldenen Hoffnungen
müssen müssen von uns erhalten und geschützt und mit Gottes Hilfe an die
kommenden Generationen weitergereicht werden.

Ich möchte nicht schließen, ohne Ihnen eine kleine Geschichte zu erzählen.

Wenn ich sage, "Wir sind ein Symbol der Hoffnung", so habe ich

zu Hause auf meinem Schreibtisch einen Brief, unterzeichnet von zehn sowjetischen Frauen. Sie sind alle in einem Gefangenenlager - einem Arbeitslager - in der Sowjetunion.

Das Papier ist nicht größer als 2,5 mal

1 Inch - und doch schrieben sie darauf einen vollständigen Brief, unterzeichneten ihn alle zehn und schmuggelten ihn zusammen mit einem anderen
Dokument - nur wenig größer, vielleicht ein Stück Papier von 3 mal 3 Inch
-, der Liste der Hungerstreiks, durch die sie gegangen waren, aus dem
Land.

Sie schmuggelten diese Dokumente hinaus, damit sie mich erreichen

sollten, denn diese Frauen wollten mir und Ihnen allen sagen, daß die
Vereinigten Staaten dort, wo sie sind, in diesem Gefängnis, immer noch
ihre Hoffnung sind, um durchzuhalten - ihre Hoffnung für die Walt.

Ich

- 14 -

danke

Ihnen

�Ich danke Ihnen allen, Gott segne Sie.

* * # * *

- 15 -

�10. Juli 1985

27

USA UND GROSSBRITANNIEN FORDERN EINSTELLUNG DER FLUGE NACH BEIRUT
- Erklärung von Premierministerin Thatcher und Vizepräsident Bush -

LONDOND - (AD) - In einer gemeinsamen Erklärung kündigten die britische Premierministerin Margaret Thatcher und der amerikanische Vizepräsident George Bush "als einen sofortigen ersten Schritt" zur Bekämpfung
des Terrorismus ihr Bemühen an, auch die Beteiligung anderer Staaten an
der Einstellung der Flüge nach Beirut zu erlangen.

Die gemeinsame Erklärung, die am 3. Juli 1985 veröffentlicht wurde,
hat folgenden Wortlaut:
Vizepräsident Bush und ich haben eingehend das Thema Terrorismus wie
auch die Bedrohung erörtert, die er für die zivilisierten und demokratischen Völker darstellt. Die Regierungen des Vereinigten Königreichs und
der Vereinigten Staaten von Amerika erklären ihre Entschlossenheit zur
Zusammenarbeit mit allen gleichgesinnten Staaten zur Bekämpfung dieses

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�Bekämpfung dieses Übels. Insbesondere muß dem Terrorismus gegen die internationale Zivilluftfahrt und gegen jene Millionen unschuldiger Passagiere Einhalt geboten werden, die heutzutage mit dem Flugzeug reisen.

Als einen sofortigen ersten Schritt werden das Vereinigte Königreich
und die Vereinigten Staaten von Amerika die Zustimmung all jener Staaten
anstreben, die ihre Sorge um die Sicherheit der zivilen Luftfahrt teilen,
alle Flüge zwischen ihren Ländern und dem Internationalen Flughafen Beirut einzustellen.

Die Regierungen des Vereinigten Königreichs und der Vereinigten Staaten von Amerika werden sich außerdem darum bemühen, die Sicherheit der
zivilen Luftfahrt durch alle angemessenen multinationalen Institutionen,
einschließlich der ICAO (International Civil Aviation Organisation - Internationale Zivilluftfahrtorganisation), zu erhöhen.

Insbesondere betonen sie die Bedeutung folgender Maßnahmen:

- Stärkung der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation zur Verbesserung ihrer Möglichkeiten, mit dem gegen die Zivilluftfahrt gerichteten Terrorismus fertigzuwerden.

- Druck auf jene Staaten, die - direkt oder indirekt - den Terrorismus
unterstützen, diese Unterstützung einzustellen.

- Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Vollstreckungsbehörden
zwecks größerer Wirksamkeit bei der Bekämpfung von Terroristen.
- Bemühen um verstärkte Verpflichtung bei der Anwendung bestehender Abkommen zur Bekämpfung von Verbrechen gegen die zivile Luftfahrt; sowie

- Zusammenarbeit zur Neubelebung der Erklärung von Bonn aus dem Jahr
1978.

- 2-

�ä

inIE

1J 1 1 k l

2

DlEl

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27

10. Juli 1985

GIPFELTREFFEN KANN VERBESSERUNG DER
AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN BEWIRKEN
- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -

Washington -(AD)- Am 3. Juli 1985 gab der amerikanische Außenminister
George Shultz in Washington eine Pressekonferenz, auf der er die Erwartungen darlegte, die von Seiten der Vereinigten Staaten an ein Gipfeltreffen zwischen Präsident Reagan und dem sowjetischen Parteichef Gorbatschow geknüpft werden. Die diesbezüglichen Passagen der Pressekonferenz
haben folgenden Wortlaut:

AUSSENMINISTER SHULTZ: Präsident Reagan hat schon oft erklärt, daß er
den Wunsch habe, die Beziehungen und die Kommunikation zwischen uns und
der sowjetischen Regierung zu verbessern und Mittel und Wege zum Abbau
der zwischen uns bestehenden Gegensätze zu finden. Er betrachtet die geplante Begegnung mit Generalsekretär Gorbatschow als eine Gelegenheit zur
Vertiefung des Dialogs und zur Schaffung der Grundlagen für praktische
Schritte zur Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen.

Bei dieser Begegnung werden sich die beiden Staatsmänner natürlich

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�Staatsmänner natürlich miteinander bekannt machen; das ist schon gesagt
worden und stellt eine in sich lohnende Sache dar. Nach Auffassung des
Präsidenten besteht der beste Weg, miteinander bekannt zu werden, jedoch
darin, ernsthafte und substanzielle Gespräche über die Hauptprobleme zwischen unseren Staaten zu führen. Wenn wir an diese Gespräche herangehen,
dann wollen wir diese Hauptprobleme in der einen oder anderen Weise erörtern, und soweit ich das beurteilen kann, werden dies auch die Sowjets
wünschen.

Wir geben uns bezüglich des Auseinanderklaffens der amerikanischen
und der sowjetischen Politik keinen Illusionen hin, und auch nicht bezüglich der Tatsache, daß unsere Systeme sich ganz erheblich unterscheiden.
Der Entwicklung unserer Beziehungen eine konstruktivere Richtung zu geben, ist von daher ein schwieriges Problem. Gleichzeitig meine ich aber
auch, daß die politisch Verantwortlichen beider Seiten sich unbedingt der
Aufgabe stellen müssen, Mittel und Wege zu finden, wie zwei unterschiedliche Systeme in der kleinen Welt, in der wir leben, koexistieren können.
Es ist deshalb wichtig, daß wir unsere gemeinsamen Anstrengungen verdoppeln, um Wege zum Abbau von Spannungen zu finden und die Gefahr von Konfrontationen und Konflikten zu verringern. Der Präsident hofft, daß dieses Treffen uns zu Fortschritten in diese Richtung verhelfen kann.

Ich meine, man sollte all dies als einen fortwährenden Prozeß verstehen, und das Treffen zwischen dem Präsidenten und dem Generalsekretär
wird einen sehr wichtigen Teilabschnitt desselben bilden. Ich bin sicher,
daß ihm zielstrebige Vorbereitungsarbeiten vorausgehen werden, und wenn
das Treffen erfolgreich ist, dann wird es eine Art Tagesordnung der Dinge
liefern, mit denen wir uns in der Zukunft zu befassen haben werden. Das
Treffen sollte als bedeutsam betrachtet werden, gleichzeitig aber auch
als Teil eines Prozesses, der bereits in Gang ist, der schon vor der Begegnung in Gang war und der hinterher weitergehen wird.

Da Generalsekretär Gorbatschow erklärt hat, daß er den Wunsch habe,
praktische Mittel und Wege zur Verbesserung der Beziehungen zu finden,
und da die Überlegungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten sich in
die gleiche Richtung bewegen, hoffen und erwarten wir, daß beide Seiten
- 2 -

�beide Seiten an diese Begegnung im gleichen konstruktiven Geist herangehen werden.

Wenn Sie Fragen haben, bin ich gerne bereit, sie zu beantworten.

FRAGE: Meinen Sie, daß diese Begegnung zu irgendwelchen greifbaren
Aktionen führen könnte und daß es etwas gibt, woran wir uns halten können
bzw. wonach wir den Erfolg oder Mißerfolg bemessen können ... ?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß es klug wäre, eine Art Punktetabelle
zu konstruieren, auf der man dann den Erfolg einträgt. Ich bin sicher,
daß es eine ernsthafte und substantielle Begegnung sein wird. Das ist mit
Sicherheit das, was wir wollen, und ich bin davon überzeugt, daß die Sowjets das ebenfalls wollen. Welchen Gang das Treffen jedoch nehmen wird,
bleibt abzuwarten. Wir haben mit der Sowjetunion über die große Spannbreite an zwischen uns anstehenden Fragen natürlich zahlreiche Gespräche
geführt und werden vor dem Treffen noch weitere führen, aber wir müssen
ganz einfach abwarten, wie es sich anläßt.

FRAGE: Worin wird seine Substanz bestehen, und was wird die breitgefaßte Tagesordnung im einzelnen beinhalten ?

ANTWORT: Das kann ich Ihnen nicht sagen, weil wir das nicht ausgearbeitet haben. Ich glaube, wenn die führenden Politiker dieser beiden großen Nationen zusammenkommen, dann wird ihre Begegnung mit einiger Wahrscheinlich eine Art Eigendynamik entfalten, und sie werden bis zu einem
gewissen Grade ihre Tagesordnung selbst aufstellen.

Wir haben natürlich vor, über diplomatische Kanäle Gespräche zu führen, die dazu dienen können, die Begegnung zumindest etwas zu strukturieren, und wir arbeiten selbstverständlich weiter an den Dingen, über die
wir bereits verhandeln. Wir versuchen aber nicht, den Gang der Begegnung
bis ins einzelne festzulegen.

FRAGE: Herr Außenminister, Sie werden Ihren neuen sowjetischen Amtskollegen in Helsinki und wahrscheinlich auch in New York treffen, aber
- 3 -

�treffen, aber das werden nur recht kurze Begegnungen von etwa einem Tag
sein. Könnten Sie sich vorstellen, selbst zu Vorbereitungsgesprächen nach
Moskau zu reisen ...

?

ANTWORT: Dergleichen ist nicht geplant. Ich freue mich auf die Begegnung mit dem neuen sowjetischen Außenminister in Helsinki und begrüße die
Gelegenheit, mit ihm sprechen zu können und ihn kennenzulernen ...

Wir wissen zwar noch nicht definitiv, erwarten aber, daß der neue
Außenminister, wie Sie andeuteten, zur UN-Versammlung nach New York kommen wird. Er würde sich dann wahrscheinlich etwas länger dort aufhalten,
so daß wir während dieser Zeit eine Gelegenheit zu zumindest einem, vielleicht auch mehreren Zusammenkünften hätten.

FRAGE: Mr. Shultz, Herr Gorbatschow hat angedeutet, daß die Sowjets
sich aus den RüstungskontrollVerhandlungen

zurückziehen könnten, da es

dort keine Fortschritte gebe. Wird Präsident Reagan Ihres Erachtens von
daher unter besonderem Druck stehen, diese Angelegenheit voranzubringen,
so daß sich die Sowjets nach dem Gipfeltreffen nicht aus den Verhandlungen zurückziehen ?

ANTWORT; Soweit es uns betrifft, besteht kein besonderer Druck. Es
ist kein besonderer Druck erforderlich, um den Präsidenten für einen
Fortgang der Genfer Verhandlungen zu interessieren. Zu diesem Zweck haben
wir, wie ich meine, recht interessante und entgegenkommende Vorschläge
auf den Tisch gelegt, und unsere Unterhändler sind zur Stelle und verhandlungsbereit. Das ist unsere Haltung, und so wird sie bleiben.

Was Abkommen angeht, so begrüßen wir natürlich immer die Gelegenheit
zu einer guten Vereinbarung, aber wir sind nicht an Abkommen als Selbstzweck interessiert und erwarten das auch nicht von der anderen Seite.

FRAGE: Herr Außenminister, im November wird das von den Sowjets verkündete Moratorium für Mittelstreckenraketen auslaufen, und für November
hat Präsident Reagan einen Bericht über die nächsten Entscheidungen über
die weitere Einhaltung des SALT-II-Abkommens angefordert. Glauben Sie,
- 4 -

�Glauben Sie, daß die Mitte November stattfindende Begegnung im Lichte
dieser Tatsachen zu einem entscheidenden Wendepunkt werden könnte ...

?

ANTWORT: Das wäre sicherlich übertrieben, und vor Begriffen wie "Wendepunkt" möchte ich mich bewußt hüten. Aber wir halten das Treffen sicherlich für sehr wichtig und sind, wie ich schon sagte, bereit zu ernsthaften und substanziellen Gesprächen im Rahmen eines fortwährenden Prozesses. In diesem Sinne wir der Präsident in das Treffen hineingehen.

FRAGE: In den letzten vier Jahren haben Sie und der Präsident sich
buchstäblich heiser geredet, um uns klarzumachen, daß ein Gipfeltreffen
sinnlos sei, wenn es nicht gut vorbereitet werde und gute Aussichten auf
substantielle Ergebnisse biete. Was hat sich geändert ?

ANTWORT: Erstens glaube ich, daß es intensive Vorbereitungsarbeiten
geben wird. Es wird nicht so ablaufen, daß zwei Leute ohne Vorbereitung
zusammentreffen und einfach nur "Hallo" sagen. Wir möchten, daß das Treffen gründlich vorbereitet wird, und da die Sowjetunion dies auch will,
werden wir das auch tun.

Wir haben es mit einer neuen sowjetischen Führung zu tun, die sich
fest etabliert hat. Es gibt einen neuen Außenminister und einen Präsidenten, dessen Amtszeit grundsätzlich noch vor ihm liegt und der seine Politik festgelegt hat, und ich meine, daß es unter diesen Umständen sinnvoll
ist, daß diese beiden Männer (Reagan und Gorbatschow) zusammentreffen.

Wie Sie wissen, waren sie schon vor einiger Zeit übereinstimmend der
Meinung, daß eine Begegnung eine gute Idee wäre, und jetzt haben sie sich
über die Zeit und den Ort geeinigt. Sie haben sich gegenseitig wissen
lassen, daß sie möchten, daß sich aus dem Treffen konstruktivere Beziehungen ergeben. Die ersten beiden Bedingungen sind also erfüllt, und
vielleicht wird auch die dritte erfüllt werden. Auf jeden Fall ist dies
aber der Geist, in dem die Vereinigten Staaten in das Treffen hineingehen.
FRAGE: Die Administration hat in der Vergangenheit erklärt, daß erst
Anzeichen für Fortschritte bei den Rüstungskontrollverhandlungen sichtbar
- 5 -

�RüstungskontrollVerhandlungen sichtbar werden müßten, bevor ein Gipfeltreffen Aussicht auf Erfolg biete. Erwarten Sie, daß die Rüstungskontrollverhandlungen zwischen dem gegenwärtigen Zeitpunkt und November einen positiven Verlauf nehmen werden, oder werden sie praktisch bis nach
dem Gipfel auf Eis gelegt ?

ANTWORT; Was uns angeht, so sind wir zu Fortschritten bereit. Wie ich
vor einer Minute sagte, haben wir solide Vorschläge auf den Tisch gelegt,
und unsere Unterhändler sind zu den bei Verhandlungen üblichen wechselseitigen Konzessionen bereit.

Tatsächlich gibt es bei diesen Verhandlungen jedoch keine wirklichen
Fortschritte. Das ist nur eine sachliche Beschreibung ihres Stands, und
das ist alles, was sich gegenwärtig zu diesem Thema sagen läßt. ...

FRAGE; In den vergangenen Jahren hat die Administration davon gesprochen, daß die Sowjets den internationalen Terrorismus unterstützen, insbesondere durch Ausbildung, Bewaffnung und Finanzierung von Terrorgruppen. Tut die Sowjetunion dies nach Ihrem derzeitigen Informationsstand
auch weiterhin, und falls ja, könnte dies ein Gesprächsthema für das Gipfeltreffen werden ?

ANTWORT: Über die Tagesordnung für das Gipfeltreffen muß noch entschieden werden, aber die Luftpiraterie und der Terrorismus sind natürlich ein Thema, mit dem sich jeder auseinandersetzen muß. Wahrscheinlich
werden wir es erörtern wollen.
FRAGE: Was ist mit dem ersten Teil der Frage ?

ANTWORT: Dazu möchte ich nichts sagen.

FRAGE: Mir ist klar, daß es noch zu früh für die Aufstellung der Tagesordnung ist, aber weiß der Präsident vielleicht trotzdem schon, ob er
bei einem Gipfeltreffen Afghanistan oder die Rolle der Sowjets in Mittelamerika erörtern will ?
ANTWORT: Wir
- 6 -

�ANTWORT: Wir selbst haben, allgemein gesagt, eine vierteilige Tagesordnung. Die Sowjetunion hat ihre eigene Tagesordnung, aber wir haben mit
den Sowjets natürlich über Rüstungskontrollfragen gesprochen. Sie sind
sehr wichtig und spielen eine zentrale Rolle. Es gibt eine ganze Reihe
von bilateralen Möglichkeiten und Problemen, wo Fortschritte möglich sind.

Wir haben mit den Sowjets einen Gesprächrahmen über die sogenannten
regionalen Probleme entwickelt. Sie haben eines erwähnt: Afghanistan. Wir
hatten unlängst mit sowjetischen Regierungsvertretern ein Gespräch über
Afghanistan; die regionalen Problemen

sind also in irgendeiner Weise

durchaus Gesprächthemen. Außerdem haben wir die allgemeine Frage der Menschenrechte immer auf unserer Tagesordnung. Tatsächlich beruht ja eines
der grundlegenden Motive für meine Reise nach Helsinki zur Teilnahme an
der Zusammenkunft aus Anlaß des 10. Jahrestages der Schlußakte von Helsinki in dem Bestreben, auf die Verpflichtungen aufmerksam zu machen, die
von den Regierungen aller Signatarstaaten dieser Akte übernommen worden
sind. ...

FRAGE; Wurde Genf von den beiden Supermächten (als Schauplatz des
Gipfeltreffens) ausgewählt, um den Kernwaffengesprächen, die dort stattfinden, einen besonderen Anstoß zu geben ? Und könnten Sie sagen, ob nach
Ihrer Meinung vom gegenwärtigen Zeitpunkt bis November Fortschritte in
Genf möglich sind, wenn die Sowjets auch weiterhin als Vorbedingung für
echte Verhandlungen fordern, daß die Vereinigten Staaten ihr "Krieg-derSterne"- oder SDI-Programm aufgeben ?

ANTWORT: Nicht unter diesen Bedingungen. Fortschritte sind zwar immer
möglich, aber bis heute haben die Verhandlungen nichts erbracht, was darauf hindeuten würde, daß dies wahrscheinlich ist. Unsere Leute werden
dort aber weitermachen und auch weiterhin mit gutem Willen und guten Vorschlägen weiterarbeiten.

Was die Auswahl Genfs angeht, so ist es eine Stadt, die historisch
als neutrale Stätte gilt, wo Treffen dieser Art abgehalten werden können
und wo es gute Einrichtungen gibt. Es bietet sich also als Schauplatz für
diese Art von Treffen förmlich an.
FRAGE: Ist

�FRAGE: Ist es wahrscheinlich, daß die Polenfrage während des Gipfeltreffens zur Sprache kommt 7

...

ANTWORT: Das kann gut sein. Sie gehört zum Komplex der regionalen
Probleme, aber ich kann nicht sagen, was tatsächlich zur Sprache kommen
wird und was nicht. Sie müssen sich vergegenwärtigen, daß das Treffen
zwar zwei Tage dauern wird, dies aber dennoch ein sehr beschränkter Zeitrahmen ist. Wir werden versuchen, ihn so effektiv wie möglich zu nutzen,
und die Probleme, die die Polenfrage auf wirft, halten wir für sehr wichtig. Aber was tatsächlich zur Sprache kommen wird und wie die Tagesordnung aussehen wird, kann ich heute noch nicht sagen, weil wir sie noch
nicht formuliert haben. ...
FRAGE: Ist es denkbar oder wahrscheinlich, daß die Supermächte einen
Monat nach dem Genfer Treffen zulassen würden, daß SALT II ausläuft ?
ANTWORT: Ich möchte nicht darüber spekulieren, was nach den bevorstehenden Genfer Gesprächen geschehen könnte und was nicht. Wie ich schon
sagte, muß die Tagesordnung erst noch festgelegt werden. ...

- 8 -

�10. J u l i 1985

27

USA BEDAUERN MANGEL AN FORTSCHRITTEN AUF DER KVAE
- Erklärung des US-Delegierten zum Abschluß der 6. Sitzungsperiode -

STOCKHOLM - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte auf der Stockholmer

Konferenz

über

Vertrauens-

und Sicherheitsbildende

Maßnahmen und

Abrü- stung i n Europa (KVAE), Botschafter James Goodby, hat das Bedauern
der Vereinigten Staaten über den Mangel an echten F o r t s c h r i t t e n auf der
Kon- ferenz zum Ausdruck gebracht.

In einer Rede auf der Abschlußsitzung

der sechsten Sitzungsperiode der KVAE am 5. J u l i 1985 betonte Goodby, die
Vereinigten Staaten strebten s u b s t a n t i e l l e , konkrete und
Schritte

über die Maßnahmen der Schlußakte

verifizierbare

von Helsinki hinaus an und

seien auch b e r e i t , mit der Sowjetunion über Gewaltverzicht zu sprechen,
wenn diese

endlich

zu w i r k l i c h e n

Vertrauens-

und

sicherheitsbildenden

Maß- nahmen b e r e i t s e i .

Die Rede des amerikanischen Chefdelegierten hat folgenden Wortlaut:

Die

amerikanische

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Telex: 8-85432

�Die amerikanische Delegation hat heute Verstärkung durch sechs hervorragende M i t g l i e d e r des amerikanischen Repräsentantenhaus unter Führung
des Abgeordneten Dante F a s c e l l , Vorsitzender
schusses, e r h a l t e n .

des Außenpolitischen Aus-

Der Abgeordnete Fascell i s t s e i t langem mit dem Hel-

sinki-Prozeß verbunden.

Von 1976 b i s zum Frühjahr dieses Jahres war er

Vorsitzender der Amerikanischen Kommission f ü r Sicherheit und Zusammenarbeit

i n Europa, die die Entwicklungen dieses Prozesses i n a l l e n

verfolgt.

Teilen

Der Kovorsitzende der Kommission, der Abgeordnete Steny hbyer,

w e i l t ebenfalls heute unter uns.

Weiter habe ich die Ehre zu begrüßen

die Abgeordneten U d a l l , Smith, Oollins und Mica, die a l l e eine führende
Rolle im Repräsentantenhaus s p i e l e n .

Daß sie die weite Reise unternommen

haben, um uns i n unserer Arbeit zu u n t e r s t ü t z e n , i s t f ü r mich e i n Grund
zum Stolz und zur Freude.

Ihre Reise i s t eine Demonstration, daß diese

Konferenz und der ganze Helsinki-Prozeß dem amerikanischen Volk und s e i nen V e r t r e t e r n im Kongreß e i n großes Anliegen s i n d .

Wie Präsident Reagan

am 13. Mai zu Beginn dieser Sitzungsperiode e r k l ä r t e , e r f r e u t

sich das

Programm, das die amerikanische Delegation h i e r v e r t r e t e n h a t , der überp a r t e i l i c h e n Unterstützung i n den Vereinigten Staaten.

Herr Vorsitzender, meine Delegation hat die Arbeit

dieser

sechsten

Sitzungsperiode mit besonderer S o r g f a l t v e r f o l g t - was geschehen i s t , und
was nicht geschehen i s t .

Es war eine Sitzungsperiode, die durch E r e i g -

nisse außerhalb dieses Saales überschattet

wurde; eine Sitzungsperiode,

die a l l jene unter uns enttäuscht h a t , die gehofft h a t t e n , den Beginn e i ner

intensiven Verhandlungsphase

zu erleben;

und eine

Sitzungsperiode,

die uns wegen des Mangels an greifbaren Ergebnissen enttäuscht.
herrscht Grund zur Ermutigung.

Und doch

Der F o r t s c h r i t t wird g e l e g e n t l i c h an der

Art der sich ändernden Schwierigkeiten gemessen und weniger am Fehlen von
Schwierigkeiten.

Und so mag es uns heute auch gehen.

Aus der Sicht von

vor einigen Monaten können wir erkennen, daß die Stockholmer

Konferenz

den Kanal noch t i e f e r ausgehoben h a t , i n dem der große Strom unserer Arbeit f l i e ß t .

Die Probleme sind k l a r e r zutage g e t r e t e n , der Bereich unse-

rer Debatten i s t k l a r e r d e f i n i e r t , unser Vokabular g l e i c h t sich zunehmend
an.
Was das angeht,
- 2 -

�Was das angeht, was in dieser Sitzungsperiode geschehen ist, so können wir sagen, daß die Konferenz wichtige Klarstellungen erhalten hat,
welche militärischen Aktivitäten angekündigt werden sollten, wie und wann
sie angekündigt werden sollten, wie ein Beobachtungsprogramm aufgebaut
werden sollte und wie eine Verifizierungsvereinbarung funktionieren könnte.

Der ehrenwerte Vertreter Finnlands hat das gut formuliert, als er
sagte, daß "Verständnis für den Standpunkt einer anderen Partei natürlich
nicht bedeutet, daß man gleicher Meinung sein muß , daß aber ein solches
Verständnis eine notwendige Vorbedingung für alle internationalen Verhandlungen ist, die auf Ergebnisse abzielen, welche im Interesse und zum
Wohle aller sind.

In dieser Hinsicht sind wir der Erfüllung des Mandats

der Konferenz einen Schritte näher gekommen."

Was nun das angeht, was nicht geschehen ist, so muß gesagt werden,
daß manche unserer Verhandlungspartner die große Möglichkeit dieser Konferenz noch nicht begriffen zu haben scheinen.

Ihre Vorstellung von der

Konferenz bleibt eine begrenzte. Die von den östlichen Delegationen vorgelegten Arbeitspapiere lassen diese begrenzte Vorstellung erkennen. Sehen wir uns das einmal an:

- Die östlichen Vorschläge auf dem Gebiet der Ankündigung erstrecken
sich nur auf großangelegte Manöverund Truppenbewegungen.

Sie lassen

die Forderungn der Schlußakte nach Ankündigung auch kleinerer Manöver
außer acht.

Sie erkennen offensichtlich die vertrauensbildende Wir-

kung der Ankündigung von mehr militärischen Aktivitäten im Sinne unseres Mandates nicht an.

Man muß sich fragen, wie wir mit dieser

Einstellung die Vorhersagbarkeit des militärischen Verhaltens unserer
Länder in Friedenszeiten erhöhen können.

Wie können wir dafür sor-

gen, daß eventuelle Unklarheiten unserer Absichten stärker ausgeräumt
werden, wenn von der Ankündigungspf.licht nur einige wenige große Aktivitäten erfaßt werden?

Die östliche Einstellung
- 3 -

�- Die östliche Einstellung zur Beobachtung ist ebenfalls zu eng und
einschränkend.

Nur großangelegte Aktivitäten sollen beobachtet wer-

den, und selbst diese sollen nur von einigen wenigen Ländern, die
nicht dem gleichen Bündnis angehören, beobachtet werden dürfen - offensichtlich nur von jenen, die nach dem Urteil der östlichen Staaten
Grund haben könnten, sich durch eine bestimmte Aktivität bedroht zu
fühlen.

Diese Einstellung läßt sowohl das Ziel der Vertrauens- und

Sicherheitsbildung unter allen 35 Staaten wie auch das Prinzip der
Gegenseitigkeit außer acht.

- Die östliche Einstellung zur Verifizierung ist auch begrenzt.

Sie

geht von der Anwendung nationaler technischer Mittel aus - mit dem
Ergebnis, daß einige Staaten bei der Feststellung der Einhaltung vereinbarter Verpflichtungen sehr stark im Nachteil wären.

Die einzige

andere Hilfe für die Verifizierung, die offensichtlich allen 35 Staaten geboten werden soll, ist so etwas wie die Möglichkeit eines therapeutischen Gespräches.

Ist diese begrenzte Vorstellung das, was wir uns als Ergebnis von
sechs Jahren der Bemühungen in Madrid und Stockholm wünschen?

Ist das

das militärisch bedeutsame Ergebnis, über das zu verhandeln alle 35 zugestimmt haben?

Ich glaube nicht'.

Gegen diese begrenzte Vorstellung stehen, Herr Vorsitzender, die detaillierten Vorschläge im "Erweiterten Dokument SC.l".

Die in diesen

Vorschlägen aufgezeigte Ankündigungspflicht soll dazu dienen, das Vertrauen durch die Herstellung vorhersagbarer Muster der militärischen Aktivitäten zu stärken. Die Beobachtungspflicht macht es allen Teilnehmerstaaten weitestgehend möglich, sich der Roitinenatur aller angekündigten
Aktivitäten

zu

versichern.

Die

Informationsund

Verifizierungspflicht

bietet allen 35 Staaten auf gleicher Basis Mechanismen für eine Teilhabe
an Informationen sowohl auf einer routinemäßigen Basis der Zusammenarbeit
als auch in Zeiten der Krise.

Sie bietet ferner die Möglichkeit von be-

sonderen Inspektionen militärischer Tätigkeiten vor Ort und gibt damit
den betroffenen Staaten die Gelegenheit der Kooperation, um eine even-

�eine

eventuell destabilisierende

Situation zu vermeiden und die Ver-

pflichtung zur Vertrauens- und Sicherheitsbildung zu demonstrieren.

In der Arbeitsgruppe B hat meine Delegation am 2. Juli klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß das genannte Dokument SC.l sich sehr viel
eingehender und wesentlicher als die östlichen Vorschläge mit den Aktivitäten, einschließlich Luftaktivitäten, Flottenaktivitäten und Truppenbewegungen, befaßt, von denen die östlichen Delegationen behaupten, sie
hätten besondere Bedeutung.

Welche Mängel auch immer andere an dem "Er-

weiterten Dokument SC.l" entdecken mögen, es ist kaum zu bestreiten, daß
in dem Falle, in dem die darin vorgeschlagenen Verfahren verwirklicht
würden, diese systematisch und regelmäßig auf ein breites Spektrum militärischer Aktivitäten angewandt würden, um Vertrauen und Sicherheit auf
einer kooperativen Basis zu stärken.

Die zur Auswahl stehenden Möglichkeiten sind aufgezeigt worden.

Ich

zweifle kaum daran, welche Vorstellung die meisten Delegationen wählen
würden.

Wie ich bereits am 21. Juni erklärt habe, "ist meine Delegation

verpflichtet, hier in Stockholm über wesentliche konkrete und verifizierbare Maßnahmen zu verhandeln - Maßnahmen, die weit über die begrenzten
Sicherheitsmaßnahmen hinausgehen, die vor zehn Jahren in Helsinki vereinbart wurden".

Herr Vorsitzender, unser Mandat beschreibt das Ziel dieser Konferenz
als Ergreifen neuer, wirksamer und konkreter Maßnahmen, um Fortschritte
bei der Stärkung von Vertrauen und Sicherheit zu erzielen und Abrüstung
zu erreichen.

Das Mandat signalisiert, daß das Erreichen dieses Zieles

die Verpflichtung der Staaten nur noch deutlicher unterstreicht, sich in
ihren Beziehungen der Androhung oder Anwendung von Gewalt zu enthalten.
Diese Übereinkunft wurde dem Madrider Mandat aufgrund der westlichen Erkenntnis hinzugefügt, daß die Notwendigkeit besteht, das universell anerkannte Gewaltverzichtsprinzip in praktische, realisierbarae Maßnahmen umzusetzen.

Wie die UN-Studie über Vertrauensbildende Maßnahmen betont,

muß dieses Konzept einem Programm der Vertrauensbildung zugrunde liegen.
Dennoch: Vor etwas
- 5 -

�Dennoch: Vor etwas über einem Jahr sprach Präsident Reagan eine Problematik an, die die Sowjetunion "das Hauptanliegen" dieser Konfernz genannt hat, indem er darauf hinwies, die Vereinigten Staaten seien bereit,
das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren, wenn die Sowjetunion konkrete Vertrauens und sicherheitsbildende Maßnahmen jener Art
aushandeln würde, wie sie von den westlichen Staaten vorgeschlagen wurden.

Seither haben meine Delegation wie auch andere immer wieder darüber

diskutiert, auf welche Waise das Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt in
ein Dokument eingebaut werden könnte, bezüglich dessen man auf dieser
Konferenz Einigkeit erzielt.
In meiner jüngsten Erklärung zu diesem Thema stellte ich am 24. Mai
bei der Diskussion der Möglichkeit einer organischen Verschmelzung zwischen dem Prinzip der Nichtanwendung von Gewalt und den vertrauensbildenden Maßnahmen unter anderem fest: "Wir sind der Meinung, daß dieser Weg
eine Möglichkeit eröffnet, zu einer Übereinstimmung hinsichtlich der Verpflichtungen

zu gelangen, die

greifbarer, verifizierbarer Beweis der

friedlichen Absichten einer Nation wären und die somit den Inhalt einer
geeigneten Erklärung unserer Absichten und Ziele - einschließlich des
Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt oder der Androhung des Einsatzes
von Gewalt - sein könnten.
lich

die

neuerliche

Mit anderen Worten: Wir wollen nicht ledig-

Bekräftigung

eines bestehenden Prinzips, sondern

vielmehr die Bestärkung dieses Prinzips durch zusätzliche praktische Verpflichtungen." Doch es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Beispiele für
die Bereitschaft meiner Delegation, die Nichtanwendung von Gewalt zu diskutieren:

- Die Erklärung des Vertreters der Vereinigten Staaten in der Arbeitsgruppe A am 12. März, die den sowjetischen Vorschlag über einen Vertrag zur Nichtanwendung von Gewalt kommentierte.

- Die Erklärung meiner Delegation in der Arbeitsgruppe A am 18. Juni,
die bis ins einzelne die Position der Vereinigten Staaten hinsichtlich der ganzen Frage des Prinzips der Nichtanwendung von Gewalt beschrieb.

Im Verlauf derselben Sitzung bezog sich der Vertreter der

�- Vertreter der Niederlande ausdrücklich auf SC. 6; damit spiegelte er
zugleich die Ansichten meiner Delegation wider.

Als Präsident Reagan in Dublin einen Kompromiß vorschlug, zu dem auch
die Frage der Nichtanwendung von Gewalt gehörte und den er erneut im vergangenen Mai in Straßburg aufgriff, ging er davon aus, daß sein Angebot
bei diesen Verhandlungen zu einem Geben und Nehmen führen würde.

Auf das

Angebot reagierte die Sowjetunion jedoch damit, daß sie sagte: "Wir werden unseren Vorschlag der Nichtanwendung von Gewalt mit unseren vertrauensbildenden Maßnahmen kombinieren, und das sollte euch zufriedenstellen."

Nun, das stellt uns eben nicht zufrieden.

Wir sehen seitens der

sowjetischen Delegation wenig Interesse daran, sich ernsthaft mit unseren
im "Erweiterten Dokument SC.l" niedergelegten Vorschlägen auseinanderzusetzen. Die bescheidenen Bemühungen der sowjetischen Delegation hinsichtlich einer Benachrichtigung und Beobachtung wurden von einem Mangel an
Bereitschaft begleitet, über die Praxis der Schlußakte von Helsinki hinsichtlich des Austausches von Informationen hinauszugehen.

Wie ich be-

reits erwähnte, besteht die sowjetische Haltung bezüglich der Verifizierung in dem Vorschlag, nationale technische Mittel, verstärkt durch etwas
diplomatisches Gespräch, seien ausreichend.

Außerdem gab es den Versuch,

die klare Bedeutung des Madrider Mandates hinsichtlich des Verhältnisses
zwischen Marineaktivitäten und militärischen Aktivitäten auf dem europäischen Kontinent zu ändern.

In all dem können wir wenig Einsicht in die Notwendigkeit erkennen,
das Prinzip des Gewaltverzichts im Sinne unseres Mandats zu verstärken,
zu konkreten und praktischen Maßnahmen zu gelangen, die weit über die
Praxis der Schlußakte von Helsinki hinausgehen.

Die allgemeine Tendenz

der Konferenz läuft jedoch auf eine Überzeugung hinaus, die sich nicht
mit bedeutungslosen Abkommen zufrieden geben oder die Verhöhnung unseres
Mandats hinnehmen wird.

Und schließlich wird sich bei allen die Logik

durchsetzen, daß es besser ist, mehr zu tun für die gemeinsame Sicherheit
als weniger. Aber wie lange können wir noch warten?

Herr Vorsitzender,
- 7 -

�Herr Vorsitzender, am Ende der vorigen Sitzungsperiode haben 16 westliche Delegationen das "Erweiterte Dokument SC.l" unterbreitet, das die
umfassende, voll ausgearbeitete Verhandlungsposition unserer Länder darstellt, und zwar in den detaillierten Formulierungen, wie sie für einen
Entwurf notwendig sind.

Meine Delegation hat den 'Äußerungen anderer zu

den sechs Maßnahmen von Dokument SC.l aufmerksam zugehört.

Wir begrüßen

diese Beiträge zu unseren eigenen Gedanken, und wir werden flexibel über
solche Maßnahmen verhandeln.

Am Ende ist es der Inhalt eines Schlußdoku-

ments und nicht die Form, der die Wirksamkeit der Maßnahmen gewährleisten
wird, die wir beschließen.

Das Dokument SC.l ist und bleibt die einzige

detaillierte, umfassende Verhandlungsposition, die auf dem Tisch liegt.
Wir ermutigen andere, ihre Gedanken in vergleichbarer Sprache beizutragen, damit die Konferenz all das Rohmaterial vorliegen hat, das sie
braucht, um in detailliertere Verhandlungen einzutreten.

Herr Vorsitzender, meine Delegation ist sich der hohen Bedeutung, die
viele unserer Verhandlungspartner der Frage der Zurückhaltung beimessen,
voll und ganz bewußt.

Wir haben untersucht, was von den verschiedenen

Delegationen zu dem Thema Zurückhaltung gesagt worden ist.

Und wir ste-

hen den allgemeinen Zielen, die im Zusammenhang mit Zurückhaltung erwähnt
worden sind, durchaus sympathisch gegenüber.

Mehr Genauigkeit bezüglich

der gewünschten Resultate bei der Zurückhaltung wären jedoch für unsere
weiteren

Untersuchungen

nützlich.

In diesem Zusammenhang möchte ich

feststellen, daß meine Delegation der Überzeugung ist, daß das Dokument
SC.l einen Zurückhaltungseffekt auf militärische Aktivitäten hätte, wie
dies auch von anderen Delegationen anerkannt worden ist.

Ich glaube, man

ist sich generell darüber einig, daß jede Maßnahme der Zurückhaltung sich
auf alle Teilnehmerstaaten gleich und fair erstrecken muß und für keinen
Staat oder keine Staatengruppe einen Nachteil oder Vorteil bringen darf.
Ich muß leider sagen, daß meine Delegation bisher keine Maßnahme der Zurückhaltung gesehen hat, die diese Probe bestehen und die Stabilität
stärken würde - und nicht eher destabilisierende Faktoren einbringen würde.

Wir setzen unsere eigenen Studien fort.

Wir werden jedes hier vor-

gelegte neue Konzept sorgfältig prüfen.
Und schließlich,
- 8 -

�Und schließlich, Herr Vorsitzender, sieht meine Delegation ein positives Anzeichen in der Tatsache, daß die Konferenz in der Lage war, sich
einen Arbeitsplan für die nächste Sitzungsperiode zu geben - ohne lange
Verfahrensdebatten, die uns von der Sachdiskussion abgehalten hätten.
Ich habe während der Sitzungsperiode schon einmal gesagt, daß ich keinen
"bequemen Weg" zum Erfolg der Konferenz sehe.

Der Weg ist voller Hinder-

nisse, und sie sind nicht leicht wegzuräumen.

Nur beharrliche, einfalls-

reiche Arbeit an Sachfragen wird uns weiter bringen.

Der Aufbau dieser

Konferenz, d.h. ihre Arbeitsstruktur, kann zur Leistungsfähigkeit bei der
Bewältigung unserer Aufgaben beitragen, ja das Tempo des Fortschritts
steigern.

Aber es versteht sich von selbst, daß wir einfach eine Ar-

beitsstruktur einführen müssen, wenn das für die Erleichterung unserer
Verhandlungen notwendig ist.

Ein solcher Aufbau kann nicht nur in schematischen Zeichnungen bestehen.

Er erfordert auch das verbindende Material, und das ist bedauer-

licherweise nicht in dem Maße vorhanden, wie die meisten es sich wünschen.

Ein großer Baumeister hat einmal gesagt, daß sich die Form der

Funktion unterordnen muß.

Wenn diese Konferenz diesem Prinzip folgen

will, dann muß sie nach Auffassung meiner Delegation die Funktionen weiter ausbauen, von denen wir hoffen, daß sie unsere Arbeitsstruktur tragen
werden.

Denn es liegt auf der Hand, daß es eher an Übereinkunft über die

Funktion mangelt, die einem Fortschritt im Wege steht, als an der Arbeitsstruktur.

Schließlich und letztlich ist der Schlüssel zum Fort-

schritt nicht in der Form einer Arbeitsstruktur zu finden, sondern in dem
politischen Willen aller Teilnehmer, sich den der Konferenz vorliegenden
Problemen ernsthaft und konstruktiv zuzuwenden und sie zu lösen.

All jene von uns, die das Erweiterte Dokument S C I befürworten, hoffen auf aktivere Verhandlungen im Herbst. Es war und ist unser Ziel, ohne Verzug in intensive und entscheidende Verhandlungen einzutreten.

Das

war der Grund warum wir das Erweiterte Dokument S C I überhaupt vorgelegt
haben.

Ob das möglich sein wird, hängt mehr von der Qualität unserer Er-

örterungen als von der Quantität einfallsreicher Verfahrensweisen ab.
Meine Delegation - und ich bin sicher, daß ich auch für andere spechen
- 9 -

�andere sprechen kann - ist gegenüber allen Vorschlägen offen, wie unsere
Arbeitsstruktur unsere Arbeit wirksamer unterstützen könnte.

Wenn wir

beispielsweise die derzeitige Arbeitsstruktur in einer etwas informellen
Weise nutzen könnten und in der Lage wären, mehr Gemeinsamkeiten zu finden, dann würde das sicherlich uns allen helfen, den Übergang zu einer
entscheidenden Phase unserer Verhandlungen zu bewirken.

Herr Vorsitzender, wenn unsere Delegation im September nach Stockholm
zurückkehren wird, dann werden sich unsere Außenminister in Helsinki getroffen haben, um des 10. Jahrestages der Schlußakte und des Kooperationsprozesses zu gedenken, von dem diese Konferenz ein Teil ist.

Für

die Vereinigten Staaten ist Helsinki eine Mahnung, daß echte Sicherheit
nicht nur eine Frage militärischer, sondern auch ziviler, politischer,
sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und humanitärer Anliegen, d.h.
auch der Menschenrechte, ist.

Wenn die Arbeit dieser Konferenz im nächsten Jahr in Wien beurteilt
werden wird, dann wird dies nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit
dem Fortschritt geschehen, der in der Förderung aller zehn Prinzipien der
Schlußakte gemacht worden ist.

Und die künftige Entwicklung der Sicher-

heitskomponente des Halsinki-Prozesses wird ohne Zweifel von einem solchen ausgewogenen Fortschritt abhängen.

Wie ich auf dieser Plenarsitzung

vor zwei Wbchen gesagt habe, ist die Stockholmer Konferenz ein integraler
Bestandteil des Helsinki-Prozesses, nicht nur weil formelle Übereinkünfte
es so wollen, sondern aufgrund der Wahrheit, daß Menschenrechte, Frieden
und Sicherheit unzertrennlich sind.

Nur auf dieser Basis kann der Geist

der Übereinkunft von Helsinki verwirklicht werden.

Was die amerikanische Delegation angeht, so werden wir unsere Arbeit
hier nach denselben Maßstäben fortsetzen, wie wir sie in anderen Teilen
des Helsinki-Prozesses anlegen, d.h., wir wollen ein Abkommen erreichen,
das von der Sache her bedeutsam und verifizierbar ist, denn ohne das hätte ein Abkommen keine Chance, einen bedeutsamen Beitrag zur Sicherheit
Europas zu leisten.

Zu Beginn dieser Konferenz hat Außenminister Shultz

darum ersucht, daß wir uns in unseren Verhandlungen so verhalten, daß Hi- 10 -

�daß Historiker

diese

Zusammenkunft

einmal

Ost-West-Beziehungen bezeichnen können.

als einen

Wendepunkt

i n den

Diese Chancen haben wir noch im-

mer, obwohl die Z e i t , die uns b i s Wien b l e i b t , immer kürzer w i r d .

Aber

wir

klug

können diese Herausforderung bewältigen, wenn wir unsere Z e i t

nutzen.

- 11 -

�10. J u l i 1985

27

RAUMFÄHRE "CHALLENGER" MIT SDACELAB-KCMBINATION
Projekte zur Erforschung der Sonne, t i e f e r kosmischer Bereiche
und der irdischen Umwelt -

-

(AD)

-

Wissenschaftler

bezeichnen den bevorstehenden OALLENGER-

l u g , den 19. Einsatz eines amerikanischen Raumtransporters, a l s eines der
a r b e i t s r e i c h s t e n und vom Programm her kompliziertesten Vorhaben, das b i s her im Weltraum unternommen worden s e i .
an Bord i s t f ü r den 12. J u l i vorgesehen.
li,

Der Start mit sieben Astronauten
Sieben Tage später, am 19. Ju-

wird CWLLENGER auf dem Gelände von Edwards A i r Force Base i n K a l i -

fornien zurückerwartet.
C. Gordon F u l l e r t o n , P i l o t beim d r i t t e n Space S h u t t l e - F l u g , i s t Kommandant

der

CH\LLENGER, Waltraumneuling

Roy Bridges der

Kopilot.

Die

Missionsspezialisten Story Musgrave, Anthony England und K a r l Henize sind
Karriereastronauten mit abgeschlossenem naturwissenschaftlichem

Studium.

Die beiden "Gastforscher" an Bord - Loren Acton und John-David Bartoe -

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�John-David Bartoe -

sind als Spezialisten für Sonnenphysik am Lockheed

Research Laboratory i n Palo Alto bzw. am Forschungsinstitut der US-Marine
tätig.
Das zum großen T e i l
Vteltraumlaboratorium

in

der Bundesrepublik entwickelte

SPACELAB f l i e g t

in

neuartiger

wird das Kernstück dieser Mission b i l d e n .
raum

wurden

weitere

u.a.

Teleskope

für

Kombination mit und

Auf d r e i Paletten im N u t z l a s t -

Röntgenstrahlenund

Infrarotastronomie,

wissenschaftliche Meß- und Beobachtungsinstrumente

chungen im f r e i e n Vfeltraum montiert.

und gebaute

für

Untersu-

Sie werden ergänzt durch e i n " I g -

l u " , einen Druckbehälter, i n dem Computer und Aufzeichnungsgeräte
gebracht

unter-

sind (Die Labor-Druckkabine, i n der ohne Raumanzug gearbeitet

werden kann, i s t

dieses Mal nicht dabei).

zwei Tonnen schwer Nutzlast

Hinzu kommt als

wichtigste,

das "Instrument Pointing System" (IPS) aus

den Vferkstätten der Fa. Dornier i n F r i e d r i c h s h a f e n , daß die Ausrichtung
von Teleskopen, Kameras, Spektrometern und anderen Instrumenten auf Geräteträgern wie z.B. den SPACELAB-Paletten mit e i n z i g a r t i g e r Präzision e r laubt.

Kreiselgeräte des IPS-Systems halten die Instrumente auch auf i h -

re Beobachtunsziele
die Erde umkreist.

im Vfeltraum g e r i c h t e t ,

während der

Raumtransporter

Diese neue Technik s o l l Manöver zur Positionsverände-

rung des Space Shuttle ü b e r f l ü s s i g machen, die bisher unternommen werden
mußten, um z.B. die Sonne oder bestimmte Regionen der Sonne zu f i x i e r e n ,
um von diesen scharfen Abbildungen und exakte Meßdaten z.B. von der S t ä r ke der solaren Magnetfelder oder der Heliumkonzentration i n der Sonnenkorona zu bekommen.
Für einige andere der insgesamt 13 Experimente - e l f sind von amerikanischen, zwei von b r i t i s c h e n I n s t i t u t e n vorbereitet worden - i s t

wie-

derum eine exakt dosierte Aktivierung der CHALLENGER-Triebwerke über ganz
bestimmten Referenzpunkten auf der Erde unumgänglich.

Es geht dabei um

Experimente zur Plasmaforschung - i n diesem F a l l zur besseren Erforschung
der irdischen Ionosphäre.

Diese umfaßt Schichten i n der Erdatmosphäre,

wo die Luft nicht aus n e u t r a l e n , sondern aus e l e k t r i s c h geladenen T e i l chen besteht und somit e i n Plasma b i l d e t .

Die Existenz der

Ionosphäre

i s t die Voraussetzung f ü r den Funkverkehr um die Erde mit K u r z - , M i t t e l - 2 -

�Kurz-, Mittel- und Langwellen, weil diese an der Ionosphäre reflektiert
werden, während nur Ultrakurzwellen durch sie hindurchgehen.

Mittels der

TriebwerksZündungen, bei denen wasserbildende Abgase ausgestoßen werden,
will man die Ionosphäre vorübergehend an bestimmten Stellen "durchlöchern" und damit für niederfrequente Funkwellen durchlässig machen.

So

ergäbe sich z.B. eine Möglichkeit, auf der Erde auch niederfrequente Radiosignale von kosmischen Quellen zu empfangen.

* * * * *

- 3 -

�10. J u l i 1985

27

"INTELSAT" UMSPANNT DIE V£LT
- Dienstleistungen für 160 Länder und T e r r i t o r i e n -

-

(AD) - Ein umfangreiches Netz von i n t e r n a t i o n a l e n S a t e l l i t e n weit

draußen im Weltraum ü b e r m i t t e l t

i n Sekundenschnelle Börsenberichte

rund

um die Erde, versorgt selbst die abgelegensten Regionen mit dringend e r betenen oder neuesten medizinischen Informationen und läßt Menschen
aller

in

Vtelt über Fernsehen d i r e k t an Ereignissen wie etwa der Sommerolym-

piade 1984 i n Los Angeles teilnehmen.

INTELSAT, die I n t e r n a t i o n a l e Fern-

meldesatelliten-Organisation, w i c k e l t über ihre leistungsfähigen "Relaiss t a t i o n e n " am Himmel - sie umkreisen die Erde i n knapp 36 000 km Höhe etwa zwei D r i t t e l der transozeanischen Ferngespräche und die Übertragung
p r a k t i s c h a l l e r i n t e r k o n t i n e n t a l e n Fernsehsendungen ab.
Zwischen der Stationierung
Typ INTELSAT V mit

ihres

jüngsten N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n vom

einer ATLAS-CENTAUR-Rakete Ende Juni

1985 und dem

S t a r t des ersten kommerziellen N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n EARLY BIRD am 6. April

1965 liegen nur 20 Jahre.

Aber die neue Technik hat die Kommunika-

tionsmöglichkeiten grundlegend verändert und i n einem noch vor zwei Jahr-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zwei Jahrzehnten kaum vorstellbarem Maß e r w e i t e r t .

EARLY BIRD, 32 kg

schwer, wurde von einem i n den USA gegründeten i n t e r n a t i o n a l e n Konsortium
auf den Vfeg gebracht, dem heute 109 M i t g l i e d s t a a t e n angehören.
tellit

Der Sa-

konnte 240 Telefongespräche oder e i n Fernsehprogramm i n Schwarz-

Vteiß übertragen.

Der neueste N a c h r i c h t e n s a t e l l i t ,

INTELSAT V I , der im

nächsten Jahr gestartet werden s o l l , wird eine 170 Mal größere Kapazität
besitzen.

EARLY BIRD war mit Bodenstationen i n sieben Ländern - Bundes-

republik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, I t a l i e n , Kanada, Spanien und den Vereinigten Staaten - verbunden.

Das heutige INTELSAT-Netz

umfaßt 850 Erdefunkstationen, von denen aus mehr a l s 160 Länder und Terr i t o r i e n bedient werden.

Informationen, Nachrichten, Daten jeder erdenk-

l i c h e n Art gehen um die Vfelt.

Über INTELSAT l ä u f t auch der "heiße Draht"

zwischen den Vereinigten Staaten und dem Kreml und der Kontakt unter den
Einheiten der UN-Friedenstruppe.

Am Anfang von INTELSAT stand das amerikanische N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n Gesetz von 1962, mit dem der amerikanische Kongreß die p o l i t i s c h e Absicht
v e r f o l g t e , " i n Übereinstimmung und Zusammenarbeit mit anderen Ländern...
e i n kommerzielles Nachrichtensatelliten-System a l s T e i l eines verbesserten globalen Kommunikationsnetzes" aufzubauen.

Auch s o l l t e dafür gesorgt

werden, daß die vorgesehenen Dienstleistungen den " w i r t s c h a f t l i c h weniger
entwickelten Ländern" ebenso wie den Industrieländern zugute kämen.
erstes wurde COMSAT, dem amerikanischen p r i v a t e n
Unternehmen, die

Verantwortung

für

ben i n a l l e r

Nachrichtensatelliten-

den Aufbau eines

kommerzieller Fernmeldesatelliten übertragen.

Als

weltweiten

Netzes

CCMSAT-Repräsentanten war-

Vfelt um M i t a r b e i t , was zur Unterzeichnung von Interimsver-

einbarungen und s c h l i e ß l i c h zur Bildung von INTELSAT f ü h r t e .
I n der Z e i t von 1965 bis 1972, i n der CCMSAT mit dem INTELSAT-Management beauftragt war, wurden v i e r Generationen von Fernmeldesatelliten gebaut und i n Dienst g e s t e l l t .

Die Zahl der Erdefunkstationen wurde von

ursprünglich fünf Antennen auf e i n weltweites Netz mit 79 Stationen e r w e i t e r t , und zu den anfänglich e l f M i t g l i e d s t a a t e n g e s e l l t e n sich weitere
72 Nationen.
blieb,

Grundprinzip bei a l l e n damaligen und späteren Verhandlungen

wie k ü r z l i c h

INTELSAT-Generaldirektor
- 2 -

Richard

Colino

sagte, die

�sagte, die Wahrung der Leistungsfähigkeit im Rahmen i n t e r n a t i o n a l e r P a r t nerschaft mit Besitzrechten und Entscheidungsgewalt i n den Händen v i e l e r
Nationen.

"Daran durfte

standteil

nicht

gerüttelt

werden.

Dies war f e s t e r

Be-

im Beschluß der Vereinigten Staaten, an ihrem technologischen

Vorsprung andere

teilhaben

zu l a s s e n . "

Heute sei

INTELSAT das e r s t e ,

größte, technisch modernste und unter geographischen wie p o l i t i s c h e n Aspekten v i e l g e s t a l t i g s t e

Satellitensystem f ü r den Allgemeingebrauch.

den 109 Mitgliedstaaten werden d r e i V i e r t e l
gerechnet.

Von

zu den Entwicklungsländern

Die Besitzrechte an INTELSAT lägen zu etwa zwei D r i t t e l n

Händen von 25 Industrieländern.

I n das l e t z t e D r i t t e l

in

t e i l t e n sich 85

Entwicklungsländern, auf deren T e r r i t o r i u m 60 Prozent der Antennenanlagen
stehen.
Die Sowjetunion machte von dem Angebot, sich an INTELSAT zu b e t e i l i gen, keinen Gebrauch.

S t a t t dessen förderte s i e , wie Wreatham G a t h r i g h t ,

e i n ehemaliges M i t g l i e d des Planungsstabes im amerikanischen Außenministerium,

erklärte,

den Aufbau der Konkurrenzorganisation

INTERSPUTNIK.

Aber das INTERSPUTNIK-Netz werde von kaum mehr Ländern genutzt a l s jenen,
die d i r e k t e p o l i t i s c h e Bindungen an die Sowjetunion haben.
Im Verlauf des l e t z t e n Jahrzehnts hat INTELSAT mit erheblicher Unterstützung

von CCMSAT Hinderte

neuer

gramme über S a t e l l i t e n e i n g e f ü h r t .
zufolge

die

inländischen

1975 i n e r s t e r L i n i e

internationaler

Dienstleistungspro-

Zu den größten Erfolgen zählen Golino

Pachtverträge

für

für Entwicklungsländer

Dienstleistungen,
bereitgestellt

die

seit

werden.

Sie

beanspruchen sehr kleine Einheiten der S a t e l l i t e n k a p a z i t ä t und kosten r e l a t i v geringe Gebühren, so daß die einzelnen Länder i h r e S a t e l l i t e n k a p a zität

allmählich ausbauen und die Einrichtung von Bodenstationen, Tele-

fonnetzen und Radiostationen entsprechend i h r e r f i n a n z i e l l e n Möglichkeiten i n A n g r i f f nehmen können.

Etwa zehn Prozent a l l e r

INTELSAT-Einkünfte

kommen aus Inlandspachtverträgen, die j e t z t i n 20 Entwicklungsländern und
i n sieben Industrieländern i n Kraft
für

sind.

Kostengünstige

Pachtverträge

den Inlandsbetrieb ermöglichen jedem Land den Zugang zu D i e n s t l e i -

stungen via Fernmeldesatelliten und zum geostationären Orbit ( d . h . einer
R e l a i s s t a t i o n i n ca. 36 000 km Hb'he, von der aus jeweils bestimmte Regio- 3 -

�bestimmte Regionen auf der Erdoberfläche ständig erreichbar s i n d ) , ohne
e i n eigenes Satellitensystem aufbauen oder technische Einrichtungen eines
anderen Landes i n Anspruch nehmen zu müssen.
Seit

1978 g i b t

es das "INTELSAT Assitance and Development

(IADP)", e i n Hilfsund Entwicklungsprogramm f ü r

Program

jedes Land, das f ü r

Ausbau bestehender Erdefunkstationen, die Planung inländischer

den

Pachtsy-

steme oder den Anschluß nationaler Netze an das INTELSAT-System t e c h n i sche Unterstützung b e n ö t i g t .
tiert.

Inzwischen haben 74 Länder von IADP p r o f i -

M i t dem zu äußerst niedrigen Gebühren für Entwicklungsländer e i n -

gerichteten Inund Auslandstelefonsystem VISTA g i b t INTELSAT den Regierungen dieser Staaten die M ö g l i c h k e i t , auch die abgelegensten Teile des j e weiligen Landes i n das Nachrichtennetz einzubeziehen.
auf Vorschlag

S c h l i e ß l i c h wurde

von Nigeria e i n Ausund Fortbildungsprogramm f ü r junge Aka-

demiker und Spezialisten i n der INTELSAT-Zentrale f ü r Fachgebiete wie F i nanzwesen, Fernmeldetechnik und technische Koordination e i n g e r i c h t e t .

Es

basiert auf einem Trainingsprogramm, das CCMSAT i n der ersten Aufbauphase
der i n t e r n a t i o n a l e n Organisation den M i t g l i e d s t a a t e n anbot.

- 4 -

�10. J u l i 1985

27

IM\€LTSCHJTZ BRAUCHT NEUE IDEEN
- I n t e g r i e r t e Programme k ü n f t i g im Vordergrund -

-

(AD) -

"Neue Lösungen für a l t e Probleme" müßten die Nationen f i n -

den, wenn sie Umweltschadstoffe
ausmerzen wollen.
Leiter

unter Kontrolle

bringen und weitgehend

Diese Auffassung v e r t r a t k ü r z l i c h Lee M. Thomas, der

der amerikanischen Bundesbehörde für Umweltschutz (EPA) , im Ver-

lauf einer auf m i n i s t e r i e l l e r Ebene abgehaltenen Konferenz der OECD-Mitgliedstaaten (OECD - Organisation für w i r t s c h a f t l i c h e Zusammenarbeit und
Entwicklung) i n Paris.
besorgniserregenden

"Wir sehen uns j e t z t einer neuen 'Generation'

Schädigungsmöglichkeiten

gegenüber,

von

beispielsweise

den Risiken durch Chemikalien für die menschliche Gesundheit und die Umw e l t , durch den Umgang mit gefährlichen A b f a l l s t o f f e n , durch sauren Niederschlag und durch das Zusammenwirken von Schadstoffen i n L u f t ,
und Boden", e r k l ä r t e

er.

Diese

Probleme

verlangten

Vösser

fachübergreifende

Maßnahmen zur Unschädlichmachung, neuartige H i l f s m i t t e l , generell gesehen
neue Ausgangspositionen und neue Ideen.

"Verhinderung und Kontrolle

von Umweltverschmutzung" war das Thema

der Konferenz, mit der Aktionen für die nächsten fünf Jahre

vorbereitet

Postfach 20 03 00 Tel 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Jahre vorbereitet

werden s o l l t e n .

Die neuen Umweltsorgen und j e t z t

be-

stehenden Möglichkeiten der Umweltschädigung seien schwer zu i d e n t i f i z i e r e n , zu analysieren und anzugehen, meinte der EPA-Chef.

Es bedeute häu-

f i g w i r t s c h a f t l i c h e Belastungen, sie lösen zu wollen - und ebenso, n i c h t s
dagegen zu unternehmen.

Jedenfalls unterschieden sie sich z. T. erheb-

l i c h von den bisher bekanntgewordenen Auswirkungen und e r f o r d e r t e n A k t i o nen auf einer höheren Ebene.

I n den fünf Jahren s e i t der l e t z t e n Kommissions-Sitzung seien i n der
Bekämpfung und Kontrolle v i e l e r Schadstoffe

solide F o r t s c h r i t t e

erzielt

worden durch
- Verringerung der Luftund

Wasserverschmutzung t r o t z

Wirtschaftswach-

stum und Zunahme der Bevölkerungszahlen i n den Industrieländern;
- bessere Bewältigung des Hausmüllproblems;
- Verringerung und S t a b i l i s i e r u n g

der Konzentrationen von bestimmten,

schwer abbaufähigen Chemikalien und Pestiziden i n der Umwelt;
- Schutzmaßnahmen für v i e l e Landschaften, die zu Naturparks und Naturschutzgebieten e r k l ä r t wurden.
Aber es bleibe
schädliche

noch sehr v i e l

Nebenprodukte

neuer

zu t j n

-

Technologien

Schutzvorkehrungen t r e f f e n , forderte Thomas.

vor allem müsse man gegen
von

vornherein

wirksame

Da dies a l l e s Geld k o s t e ,

müßten die Programme der OECD-Länder zur Vermeidung von Doppelgleisigkeit
gut k o o r d i n i e r t werden und meßbare Ergebnisse i n der Form realer Verbesserungen des UmweltzuStandes versprechen.
Zu den wohl
Thomas aus:

vordringlichsten

Fragen i n den nächsten Jahren

führte

" Z u a l l e r e r s t bedeuten die herkömmlichen Luftschadstoffe

Dauerproblem, insbesondere
noch überschritten werden.

i n den Stadtregionen, wo die

ein

Ozonhöchstwerte

Wir brauchen neue Strategien f ü r diese a l t e n

Probleme, w e i l Schadstoffe häufig weit j e n s e i t s des Raumes, i n dem sie

-

2 -

�dem sie f r e i g e s e t z t werden, wirksam werden. So s o l l t e n v i e l e unserer Kont r a llmaßnahmen regional und nicht

l o k a l ansetzen.

Schad- Stoffe schon i n der Atmosphäre.

Auch reagieren v i e l e

Und wenn sich die Konzentration

des einen Schadstoffs ä n d e r t , kann dies auch die Konzentration eines anderen Stoffes

beeinflussen.

Saurer Regen und regionaler

fotochemischer

Smog sind Bespiele für die Schadstoffgemische, die aus feinen P a r t i k e l n ,
Ozon, Schwefeldioxyden, Stickstoffoxyden und i h r e n Sekundärprodukten geb i l d e t werden, die keineswegs nur die I n d u s t r i e - und S t a d t r e g i o n , aus der
sie kommen, beeinträchtigen.
Unsere Erfahrungen

mit

Art

und Ausmaß des toxischen Problems

der

Luftverschmutzung aus den l e t z t e n paar Jahren führten dazu, daß wir j e t z t
einige der Maßnahmen, die wir dagegen unternehmen, ausweiten und mit anderen Schwerpunkten versehen.

Wir haben erkannt, daß toxische Stoffe

in

der Luft weit mehr a l s angenommen mit a l l e n Arten von A k t i v i t ä t e n einer
modernen Gesellschaft i n Zusammenhang stehen.

Das schließt nicht nur den

Betrieb großer Industriewerke e i n , sondern auch A l l t ä g l i c h e s
l i c h e n Bereich wie Autofahren,

im persön-

hfeizen oder chemisches Reinigen.

Wir ha-

ben auch g e l e r n t , daß es sich bei den meisten toxischen Stoffen i n der
Luft

um feine P a r t i k e l

und gasförmige organische Verbindungen

Diese stehen als T e i l des Schwerpunktprogramms zur

handelt.

Schadstoffbekämpfung

unter K o n t r o l l e , was dazu f ü h r t e , daß toxische Luftverschmutzung b e r e i t s
geringer geworden i s t .

Wir beabsichtigen, uns j e t z t vor allem auf die Eindämmung jener Probleme zu konzentrieren, die am meisten mit der Verursachung von Krebs und
anderen Krankheiten zu tun haben könnten.
mittlungen

Methoden

zur

Risikobewertung

größtmöglichen Gesundheitsschutz
schen zu erreichen.

für

die

Wir werden f ü r genauere Eranwenden

und

versuchen,

den

größtmögliche Anzahl von Men-

Unsere Behörde wird a l l e i h r zur Verfügung stehenden

r e c h t l i c h e n Möglichkeiten einsetzen - nicht nur i n bezug auf L u f t r e i n h a l t u n g , sondern bei a l l e n Programmen - , um die v i e l s c h i c h t i g e n und v i e l f ä l t i g e n Aspekte der toxischen Luftverschmutzung anzugehen.

Wasserver schmutzung
-

3 -

�Wasserverschmutzung verlangt
Aufmerksamkeit.

auch i n den entwickelten Ländern große

Viele der städtischen Kläranlagen f u n k t i o n i e r e n nicht so

gut oder sind ü b e r l a s t e t .

Zu v i e l e Industriebetriebe halten sich n i c h t

an i h r e Einleitungsgrenzwerte.

Auf diesen Gebieten müßten Programme zur

Durchsetzung der Vorschriften g e s t r a f f t

und v e r s t ä r k t

der OECD-Mitgliedstaaten berücksichtigt werden.
gen durch großflächig

sowie Erfahrungen

Außerdem sind Belastun-

wirksame Quellen wie S t i c k s t o f f d ü n g e r ,

Pestizide

und Abwässer aus Stadtregionen noch nicht ausreichend vermindert.
ist

e i n komplexes Problem, weil das Vorgehen zur Kontrolle

Dies

ortsabhängig

i s t und Veränderungen i n der Bodennutzung und l a n d w i r t s c h a f t l i c h e n Praxis
im Gefolge hat.
Was gefährliche A b f a l l s t o f f e

angeht, so e x i s t i e r e n z a h l l o s e , i n z w i -

schen geschlossene Deponien, von denen unmittelbare Gefahren für die Umwelt

und menschliche Gesundheit

ausgehen.

I n den Vereinigten

Staaten

s t e l l t e n wir f e s t , daß jede Deponie eine spezielle und komplexe Herausforderung

darstellt,

stark s t r a p a z i e r t .

die

unsere

gegenwärtigen analytischen

Hilfsmittel

Bei der Entscheidung über Plätze zur Endlagerung und

der A r t und Weise der Behandlung müssen wir zuvor die Risiken und Kosten
jeder einzelnen Option analysieren.

In den USA versuchen wir

zunächst,

der "Öffentlichkeit die S i t u a t i o n zu erklären - i n der Hoffnung, daß uns
i n f o r m i e r t e Bürger helfen können, für die Risikobewältigung zu v e r n ü n f t i gen Beschlüssen zu kommen.
I n den kommenden Jahren sehen sich unsere Behörden angesichts unserer
Erfahrungen i n den l e t z t e n Jahren wahrscheinlich gezwungen, im t ä g l i c h e n
Umgang mit

gefährlichen A b f a l l s t o f f e n

im Lande selbst die Programme zu

i h r e r Beseitigung drastisch zu ändern.

Wir i n den USA sind d a b e i , sie zu

überprüfen

und wirksamer

zu g e s t a l t e n .

Dabei

sind Veränderungen aus

jüngster Z e i t zu berücksichtigen, zu denen neue Technologien f ü r den Umgang mit gefährlichen A f b f ä l l e n , neue wissenschaftliche Erkenntnisse über
ihre Auswirkungen und, a l s Wichtigstes, die Einsicht gehören, daß gutes
Management das kostspielige Problem der Beseitigung n i c h t
Deponien von Problemmüll vermeidet.

kontrollierter

Vielfach werden gefährliche A b f a l l -

s t o f f e auch i n andere Länder t r a n s p o r t i e r t .

-

Die Bemühungen der OECD, f ü r

4 -

�OECD,

für

diese

Uberwachungs-

und

grenzüberschreitenden

Transporte

Protokollierungssystem

ein

einzurichten,

internationales
sollten

in

den

nächsten Jahren besonderen Vorrang haben.

Chemikalien
Ein schwieriges K a p i t e l s t e l l e n die auf dem Markt vorhandenen Chemik a l i e n und Pestizide dar, die auf i h r e Auswirkungen auf die menschliche
Gesundheit und die Umwelt noch n i c h t ausreichend getestet s i n d .
sen diese Produkte

entsprechend

p r ü f e n , ebenso

j e n e , die

Wir müs-

neu auf

den

Markt kommen s o l l t e n .
Seit

den siebziger

Jahren hat eine Reihe von Ländern innerhalb der

OECD Gesetze zur Kontrolle g i f t i g e r Chemikalien erlassen, und auch i n der
i n t e r n a t i o n a l e n Harmonisierung unserer

rationalen

Programme zur Chemika-

l i e n k o n t r o l l e haben wir mit dem einschlägigen OECD-Programm F o r t s c h r i t t e
erzielt.

Dieses Programm können wir bei der nächsten Fachkonferenz im

Jahr 1986 weiter voranbringen.
Wir a l l e wissen, daß Umweltbelastungen durch g i f t i g e Chemikalien a l s
Schadstoffe aus der Luft ins Wasser, aus Oberflächenwasser ins Grundwass e r , vom Wasser i n den Boden und so f o r t wandern können.
konzentriert

sich unsere

Umweltschutzstrategie

einzelne Trägermedien der Schadstoffe.

auf

Aber noch immer

Einzelprogramme

für

Von nun an müssen wir den mög-

lichen Übergang von einem Medium ins andere unbedingt i n Rechnung s t e l len.

Denken w i r nur daran, daß z.B. durch die Entfernung von Wasserbe-

lastungsstoffen i n Betrieben der organischen Chemie häufig f l ü c h t i g e

or-

ganische Substanzen i n die Atmosphäre entweichen, was i n der Umgebung die
Gesundheit von Menschen beeinträchtigen kann.

Ein weiteres B e i s p i e l sind

die Flächenbelastungen i n der Landwirtschaft.

Da h ä l t man beispielsweise

den Wasserabfluß zurück und läßt Regenwasser i n den Boden e i n s i c k e r n , um
die Verschmutzung von Gewässern durch Pestizide zu verhindern.

Das aber

kann zu einer Pestizidverseuchung des Grundwassers i n unbekanntem Ausmaß
führen.
Des weiteren müssen
-

5 -

�Des weiteren müssen wir uns mit den weltweit i n Erscheinung tretenden
Problemkomplexen der durch menschliche A k t i v i t ä t e n ausgelösten Klimaveränderungen und Ausdünnung der Ozonschicht näher befassen.
enge Zusammenarbeit

- eine Nation a l l e i n könnte nicht

Dies e r f o r d e r t
viel

ausrichten.

So wird der zuständige OECD-Arbeitskreis, der im nächsten Jahr zusamment r e t e n s o l l , uns Gelegenheit geben, die neuesten wissenschaftlichen Bewertungen und die Möglichkeiten f ü r Problemlösungen zu e r ö r t e r n .

Das Zu-

standekommen der Wiener Konvention f ü r den Schutz der Ozonschicht b i l d e t
dafür eine gute Ausgangsposition.

Und es i s t

w i c h t i g , daß wir die

tat-

k r ä f t i g e Arbeit auch i n der Umweltkommission der Vereinten Nationen (UNEP
- United Nations Environmental Program) weiterführen.

Giftige

Chemikalien, gefährliche A b f ä l l e , und die L e i c h t i g k e i t ,

mit

der sie von einem Medium ins andere wandern, bedeuten für uns eine ganz
neue Herausforderung für
recht

Schadstoffkontrollen.

Wenn wir

ihr

nicht

ge-

werden, können die schwer e r a r b e i t e t e n F o r t s c h r i t t e unserer wich-

t i g s t e n Umweltschutzprogramme gefährdet s e i n .

Wir müssen uns immer wie-

der vor Augen führen, daß der Planet, auf dem wir leben, e i n geschlossenes System d a r s t e l l t .

Nichts i s t h i e r so weit abseits gelegen, a l s daß

es zur Abfallgrube gemacht werden könnte.
Und aus diesem Grund müssen wir Wege f i n d e n , um f ü r die Ausarbeitung
unserer Vorschriften und Kontrollprogramme ganze Systeme zu analysieren.
Wir müssen ferner Risiken f ü r die menschliche Gesundheit und die Umwelt
besser abschätzen l e r n e n , worum sich die Vereinigten Staaten b e r e i t s sehr
aktiv

bemühen.

Und wir müssen im Interesse des Risikomanagements Ver-

fahrensweisen zur Beschlußfassung s t r a f f e n und uns mit den Methoden der
Partnerstaaten befassen, um unsere Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu
harmonisieren.
Bei unseren Kontrollmaßnahmen s o l l t e n wir außerdem die R i s i k o v e r r i n gerung und die riskanten Auswirkungen j e g l i c h e r Schadstoffumsetzungen aus
einem Medium ins andere bedenken.

I n den Vereinigten Staaten haben wir

j e t z t mit der Überprüfung unseres Vorschriftenkatalogs begonnen, um Wage
zur Reduzierung oder Ausschaltung des Schadstofftransfers

-

6 -

von einem Me-

�einem Medium ins andere zu finden. Und wir brauchen neue Arten von Informationen - nennen wir sie integrierte Risikoanalyse und neuartige integrierte Management-Programme, damit wir diese Probleme angehen können.
Ebenso sollten wir die Reduzierung von Schadstoffen an der Quelle als
wichtigen Punkt mehr hervorheben.

Wir möchten, daß die Industrie weniger

Geld dafür ausgibt, um vom Risiko doch noch einiges - wenn auch immer weniger - zu profitieren, sondern daß sie mehr Geld aufwendet, um Prozesse
und Produkte zu entwickeln, die von vornherein Schadstoffärmer sind."

* * * * *

- 7-

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST 1985
Nachstehend ist eine Liste der
2. Januar bis zum 3. Juli 1985
Überblick über die wichtigsten
die Nummer der Ausgabe, in der

Thenen, die im Amerika Dienst vom
erschienen sind. Sie gibt einen
Thenenkreise. Angegeben ist jeweils
das betreffende Thema behandelt wird
Nummern der Ausgaben

Themenkreis
1.

Ost-West-Beziehungen
Genfer Verhandlungen

2, 3, 4, 5, 11, 12, 20,
21

US-UdSSR Beziehungen

11, 12

Sowjetisch-Kubanisch
Machenschaften in Mittelamerika und in der Karibik

Sonderdienst 1. April

2.

NATO/Atlantische Verbindung

11

3.

Amerikanisch-Deutsche
Beziehungen

7

Vereinigten Staaten
US-Innenpolitik/Lage der Nation 3, 6, 13, 22
Präsident Reagans Amtsantr ittsrede

Sonderdienst 22. Jan.

Präsident Reagans Botschaft
über die Lage der Nation.

Sonderdienst 7. Feb.

Die US-Wirtschaftspolitik
schafft neue Arbeitsplätze

Sonderdienst 17. April

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in
Straßburg

Sonderdienst 8. Mai

Religion in den USA

17

US-Außenpolitik

(allgemein)

1, 4, 6, 16, 17

US-Nahrungsmittelhilfe in
Afrika

9, 20, 23

Mittelamerika und die Karibik

4, 5, 15, 18, 21, 25

Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen

25

�Themenkreis

Nummern der Ausgaben

Multilaterale Handelsgespräche

Sonderdienst 17. April

US-Außenministerium berichtet
über die Entwicklung der Lage
in Mittelamerika.

Sonderdienst 24. April

Verteidigung/Rüstungskontrolle
Abrüstung

6, 9, 13, 18, 22, 23

Strategische Verteidigungsinitiative (SDI)

8, 11, 14, 20, 21, 23

Kernwaffen

3, 5

US Verteidigung

(allgemein)

7, 12

Sowjetische Verteidigung und
Verteidigungstechnologie

7, 12

Konferenz über Vertrauensund Sicherheitsbildende
Maßnahmen und Abrüstung
in Europa (KVAE)

8, 19

Wissenschaft und Technik
Welträum/Raumfähre

2, 3, 4, 9, 13, 14, 17,
18, 22, 23, 26

Wissenschaft (allgemein)

11

Kernkraft (allgemein)

17

Uranforschung

24

Medizin

4, 5, 7, 21

Klima

8, 13

Bedeutende Ereignisse
Bhopal-Unfall

14

Nicholson Ermordung

13

Beiruter TWA Geiseln

24, 26

Internationale Probleme und Themen
Drogenprobleme

5, 16, 19, 25

Terrorismus

14, 25, 26

2 -

�Themenkreis

10.

Nummern der Ausgaben

Menschenrechte

2, 8

Umwelt

8

Besondere Themen
Afghanistan

1, 3, 13, 18

Bonner Wirtschaftsgipfel

15, 19

US-Informationen zuir Bonner

Sonderdienste 17, 23,
30. April

Wirtschaftsgipfel
Weltwirtschaft (allgemein)

9, 19

Botschafter Arthur Eurns

17

Botschafter Richard Burt

24

4. Juli

26

Euronet/Worldnet

7

Anti-Semitismus in der
UdSSR

25

Vereinte Nationen (UNO)
Sonderdienste 1985
22.01.85

Präsident Reagans Air tsantr ittsrede

07.02.85

Präsident Reagans Botschaft über die Lage der Nation

01.04.85

Die Sowjetisch-Kubanischen Machenschaften in
Mittelamerika und in der Karibik

17.04.85

Die US-Wirtschaftspolitik schafft neue Arbeitsplätze

17.04.85

Multilaterale Handelsgespräche

24.04.85

US-Außenministerium berichtet über die Entwicklung der
Lage in Mittelamerika

30.04.85

US-Informationen zum Bonner Wirtschaftsgipfel

08.05.85

Reagans Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg
* * * * *

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zivilisierte Völker müssen gegen Terrorismus vorgehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA und Großbritannien fordern Einstellung der Flüge nach Beirut&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Premierministerin Thatcher und Vizepräsident Bush -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen kann Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen bewirken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz von US-Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bedauern Mangel an Fortschritten auf der KVAE&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Delegierten zum Abschluss der 6. Sitzungsperiode -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfähre "CHALLENGER" mit Spacelab-Kombination&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Projekte zur Erforschung der Sonne, tiefer kosmischer Bereiche und der irdischen Umwelt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"INTELSAT" umspannt die Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dienstleistungen für 160 Länder und Territorien -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutz braucht neue Ideen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Integrierte Programme künftig im Vordergrund -&lt;/em&gt;</text>
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