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                    <text>nformal
und

I

Embassy of the United States of America

3. Februar 1983

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Auftakt zu den deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern in Amerika
„

.

i

—

-

i

i

•

- Festansprache des Direktors des US-Informationsamtes Amerikas Arbeitspotential und Arbeitsmarkt
Was wird aus den Arbeitslosen?
Wie steht es mit den Aussichten auf Vollbeschäftigung?
- Von Joe! Swerdlow -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Mehr eiweißreiche Nahrung aus Fischfarmen
• Fachkonferenz empfiehlt Ausweitung in der Dritten Welt

Um Über/endung von
wird gebeten

Postfach 20 03 00

Tel.: 0228-339 22 40

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America
3. Februar 1983

AUFTAKT ZU DEN DEUTSCH-AMERIKANISCHEN DREIHUNDERTJAHRFEIERN IN AMERIKA
- Festansprache des Direktors des US-Informationsamtes -

CINCINNATI - (AD) - Der Direktor des US-Informationsamtes (USIA),
Charles Z. Wick, hat am 21. Januar 1983 der Landung der ersten deutschen Siedlungsgruppe in Amerika vor 300 Jahren gedacht und die Beiträge deutscher Einwanderer zur Stärke und zum Aufbau der Vereinigten Staaten gewürdigt.
sprach anläßlich der Semesterschlußfeier der Universität Cincinnati.

Wick
Die Rede

hat, von kleineren Kürzungen abgesehen, folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, hier bei Ihnen sein zu dürfen.

Ich beglückwünsche die

Universität Cincinnati und das Goethe-Haus zur Arrangierung dieser Festveranstaltung aus Anlaß des 300. Jahrestages des Eintreffens der ersten deutschen
Siedler im Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten.

Es ist eine hohe Ehre

für mich, den heutigen Abend hier mit Ihnen zu verbringen und in Ihre begeisterte
Würdigung des Beitrags von Deutsch-Amerikanern zur Stärke, zu den Wertvorstellungen und zur Lebenskraft unserer Nation einzustimmen.
Ich freue mich auch über die Gelegenheit, die Bedeutung unterstreichen
zu können, die wir der Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der
Bundesrepublik Deutschland beimessen...
Es ist Aufgabe

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Es ist Aufgabe des US-Informationsamtes (USIA), die Informations- und Kulturprogramme der amerikanischen Regierung im Ausland durchzuführen, wozu auch die
Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten zählt.

Wahrscheinlich haben auch Sie schon von unserer Arbeit gehört -

über die Stimme Amerikas beispielsweise, den internationalen Rundfunkdienst des
US-Informationsamtes,oder auch in Zusammenhang mit dem Fulbright-Stipendienprogramm, das die USIA verwaltete

Das US-Informationsamt betreibt in 124 Län-

dern ein umfassendes Programm auf dem Gebiet dessen, was man inzwischen
"Diplomatie durch Öffentlichkeitsarbeit" zu nennen pflegt, d,h„ die Weitergabe
der Argumente, die für den amerikanischen Standpunkt sprechen.

Während das State

Department, das Außenministerium, die diplomatischen Beziehungen unseres Landes
in der traditionellen Form von Kontakten von Regierung zu Regierung pflegt,
wendet sich USIA als eine Regierungsstelle direkt an ein breites Publikum im
Ausland«

Angesichts des großen Interesses unseres Landes an der Aufrechter-

hai tung starker Freundschaftsbande zur Bundesrepublik und in Hinblick auf das
Wesen der Tätigkeit der von mir geleiteten Behörde

halte ich es für eine

besondere Auszeichnung, daß mich Außenminister Shultz gebeten hat, den Vorsitz
im Interministeriellen Lenkungsausschuß für deutsch-amerikanische Kontakte
(Inter-Agency Steering Committee on U.S.-German Contacts) zu übernehmen, und
daß mich Präsident Reagan als seinen persönlichen Vertreter in die Kommission
für die deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern entsandt hat.

Mein Mit-

arbeiterstab und ich begrüßen es, an der Planung dieser auf ein ganzes Jahr
veranschlagten Feiern zum Gedenken dieser faszinierenden Ereignisse mitwirken
zu können, von denen die heutige Veranstaltung eine der ersten darstellt.
Im Jahre 1683 wanderten 13 Mennoniten-Familien aus Krefeld nach Amerika
aus, um dort zu siedeln.

Unter der Führung von Franz Daniel Pastorius

kamen

sie nach Pennsylvanien und gründeten unweit von Philadelphia das heutige
Germantown»

Sie waren dorthin gekommen auf der Suche nach religiöser und

politischer Frei heit.

Ihre Hingabebereitschaft an die Freiheit half mit, das

junge Amerika aufzubauen.

Die Gemeinde Germantown blühte rasch auf und zog

auch noch andere Siedler an.

Bald schon kamen weitere Deutsche - mehr und mehr.
Im Anschluß

�Im Anschluß an jene erste Einwanderer-Gruppe sollten im Laufe der Jahrhunderte über sieben Millionen Einwanderer aus Deutschland nach den Vereinigten
Staaten kommen.

Heute gibt es in den Vereinigten Staaten über 60 Millionen

Amerikaner deutscher Herkunft - das entspricht mehr als einem Viertel der Gesamtbevölkerung des Landes. Sie sind lebendige Zeugen der Beharrlichkeit und des
Fleißes ihrer Vorfahren.

Die Zahl der Deutsch-Amerikaner ist heute fast ebenso

groß wie die der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik, der wir durch die gemeinsame Hingabe an die demokratischen Ideale verbunden sind.
Was haben sie geleistet, diese Deutsch-Amerikaner?

In Handel und Gewerbe,

im Bankwesen, in den Künsten wie in den Wissenschaften haben Amerikaner deutscher
Abkunft ganz wesentlich zum Aufbau unserer Nation beigetragen und unsere Kultur
und Zivilisation unermeßlich bereichert.
Die wichtigsten Eigenschaften aber, die die deutschen Einwanderer in Amerika
verbreiten halfen, waren fachliche Tüchtigkeit und die tiefe Überzeugung, daß
harte und ehrliche Arbeit das einzige sind, einen Menschen auf seinem Weg voranzubringen.
-

Der typisch deutsch-amerikanische Gelehrte und Geschäftsmann - sie sind die
unbesungenen Helden der deutsch-amerikanischen Geschichte: Deutsche Bauern,
Handeltreibende und Fabrikanten wurden zu Stützen von Gemeinden überall im Lande,
dem unerläßlichen Bindemittel unserer Nation.
So waren es beispielsweise das Wirken und die Entschlossenheit deutscher
Einwanderer, die den Ausschlag für die erfolgreiche Besiedelung großer Teile des
Mittelwestens gaben.

Und deutsche Energie und deutscher Erfundergeist halfen mit,

die Fabriken und Geschäfte zu bauen, die den Lebensstandard so sehr nach oben
zu schrauben vermochten, daß der einzelne in Würde und Freiheit leben konnte.
Die heutige Feier weist noch eine andere, internationale Dimension auf, mit
der ich mich jetzt etwas eingehender befassen möchte.
Trotz der

- 3 -

�Trotz der Hinterlassenschaften zweier Weltkriege, in denen wir uns feindlich
gegenüberstanden, entwickelten die Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten
in den vergangenen 30 Jahren sehr enge Beziehungen zueinander.
Die Bundesrepublik, die Vereinigten Staaten und andere parlamentarische
Demokratien sind heute innerhalb der nordatlantischen Gemeinschaft als souveräne
und gleichwertige Partner in einem Bündnis geeint, das den Frieden sichert.

Wir

sind geeint aber nicht nur durch Sicherheitsinteressen, sondern auch durch gemeinsame Wertvorstellungen.

Man braucht sich nur in der Geschichte umzutun, um

zu erfahren, wie schwer diese Werte und Freiheiten zu erringen, und wie leicht
sie zu verspielen sind.
gungswert.

Unsere Wertvorstellungen sind bewahrens- und verteidi-

Und dies müssen wir gemeinsam tun.

Der Erfolg des Marshall-Plans, die Berliner Luftbrücke und die NATO-Partnerschaft führten zur Anerkennung unserer gemeinsamen demokratischen Ideale und
begründeten unser gemeinsames Interesse an der wirtschaftlichen und politischen
Stärke des Westens. Heute hat über die Hälfte des deutschen Volkes keine persönlichen Erinnerungen mehr an die schrecklichen endvierziger Jahre und an die
Zeit der Teilung Deutschlands, als die Wirtschaft darniederlag und es Millionen von Flüchtlingen gab. Sie erinnern sich nicht daran, daß es die Vereinigten
Staaten waren, die Deutschland den Weg zur Rückkehr in die Völkerfamilie geebnet
haben.
Wie Bundeskanzler Helmut Kohl anläßlich seines Besuches in den Vereinigten
Staaten im Herbst vergangenen Jahres sagte, haben viele junge Deutsche nicht
die geringste Vorstellung von Amerika, seiner Geschichte, seinen Ideen und
seinen Realitäten.
Heute sehen viele junge Deutsche - ohne persönliche Erfährungen .^ie denen
ihrer Eltern vergleichbar wären - ein geteiltes Deutschland und Panzer und
Raketen in großer Zahl, die direkt gegen sie gerichtet sind.
Gleichzeitig meinen

- 4 -

�Gleichzeitig meinen viele, die Vereinigten Staaten verfolgten eine auf sich
selbst zentrierte Politik, die andere Länder einschließlich der Bundesrepublik
in Probleme stürzt.

Hohe Zinssätze, Haushaltsdefizite, Verteidigungsausgaben,

und Restriktionen im Ost-West-Handel werden als Manifestationen einer selbstsüchtigen amerikanischen Haltung zur ganzen übrigen Welt angesehen.

Das Unbe-

hagen an der amerikanischen Wirtschaftspolitik bereitet den Boden für Kritik an
der amerikanischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik.

Um es offen auszu-

sprechen: Viele Deutsche würden lieber größere Summen für Sozialprogramme and
weniger Geld für die Rüstung ausgeben.

Wer möchte das nicht!

Die Vereinigten

Staaten und andere Länder des Westens können sich aber solche Lösungen einfach
nicht leisten.
Es ist wichtig, daß wir uns jenen jungen Deutschen verständlich machen. Wir
müssen sie an die gemeinsamen Wertvorstellungen gemahnen, die uns verbinden. Wir
müssen ihnen die immanente Unrichtigkeit der These - des Syndroms "Die Pest
über beide Häuser" - begreiflich machen, derzufolge wir und die Sowjets gleichermaßen von Übel sind. Wir müssen den jungen Deutschen überzeugende Beweise dafür
liefern, daß die amerikanische Politik nicht nur den eigenen wirtschaftlichen,
politischen und militärischen Interessen dient, sondern deckungsgleich mit der
Politik ihrer Verbündeten ist, und daß sich diese Politiken gegenseitig stützen.
Somit ist es von lebenswichtiger Bedeutung für die anhaltende Gesundheit
und Stärke unserer Partnerschaft, daß wir die Bande der Freundschaft und gegenseitigenAchtung zwischen unseren beiden Ländern immer wieder erneuern. Wir
müssen die Gewähr schaffen, daß das Bündnis fest bleibt und daß Deutsche und
Amerikaner fortfahren, die enge Freundschaft weiter zu vertiefen.
Beide Nationen sind sich hierüber klar, und beide unternehmen immer wieder
wichtige Initiativen, um die Bande der Freundschaft zwischen ihnen zu unterstreichen.
Im Mai des vergangenen Jahres kündigte Präsident Reagan beispielsweise im
Weißen Haus ein Programm zur Verstärkung des Jugendaustauschs zwischen den Vereinigten Staaten und sechs Partnerländern des Weltwirtschaftsgipfels unter Einschluß der Bundesrepublik an.
Dieses Programm
- 5 -

�Dieses Programm, das häufig als "Initiative des Präsidenten zum internationalen Jugendaustausch" bezeichnet wird, spiegelt den Glauben der Vereinigten
Staaten wider, daß der Austausch junger Menschen langfristig ein wirksames Mittel
zur Förderung enger Beziehungen und des gegenseitigen Verständnisses unter den
Angehörigen der "Nachfolgegenerationen" unserer wichtigsten Verbündeten darstellt,
Erst gestern versammelte der Präsident einige hundert Spitzenvertreter der
amerikanischen Wirtschaft im Weißen Haus, um sie um ihre Mithilfe bei der Beschaffung von privaten Geldern aus der Wirtschaft in Ergänzung der staatlichen
Mittel zu bitten, die in diese wichtige Initiative investiert werden sollen.
Als ein erstes Beispiel der Mitwirkung des privaten Sektors überreichten die
Treuhänder des Fonds für die Ausrichtung der Feierlichkeiten zur Amtseinführung
des Präsidenten im Jahre 1981 aus nicht verausgabten Mitteln dem Beirat des
Präsidenten für Fragen des Internationalen Jugendaustauschs eine großzügige
Spende in Höhe von einer Million Dollar.
Alles in allem hoffen wir, innerhalb von drei Jahren rund 10 Millionen
Dollar an privaten Mitteln aufbringen zu können, mit denen der Austausch von
schätzungsweise 30 000 jungen Menschen - d.h. von doppelt so vielen Bewerbern
wie bisher - finanziert werden soll. Ein Konsortium aus bewährten Austauschorganisationen wird dieses Programm unter der Aufsicht des US-Informationsamtes
verwalten.
Wir werden erheblich mehr Gastgeber-Familien benötigen als bisher, wollen
wir dieses erweiterte Progräftim zu einem Erfolg führen. Ich zähle darauf, daß
sich viele unter meinen Zuhörern entschließen werden, als Gasteltern für einen
jungen Ausländer zu fungieren, und mein Amt von dieser Bereitschaft
benachrichtigen werden. Auf diese Weise können die zuständigen Programm-Organisationen
die Liste aufnahmewilliger Familien erweitern, die sie gegebenenfalls um Hilfe
angehen können.
Im November vergangenen Jahres gab Präsident Reagan anläßlich der AmerikaReise von Bundeskanzler Kohl im Weißen Haus die Bildung einer deutsch-amerikanischen Kommission bekannt, die den Anstoß zu Feiern aus Anlaß des 300. Jahrestages des Eintreffens der ersten deutschen Siedler im Gebiet der heutigen
Vereinigten Staaten geben soll.
3

_ . _
Beim Besuch

�Beim Besuch von Bundeskanzler Kohl im Weißen Haus erklärte Präsident Reagan,
das Gedenkjahr sei ein Symbol des wichtigen Beitrags, den deutsche Einwanderer
zum Aufbau der Vereinigten Staaten geleistet haben, und ein sichtbares Zeichen
für die deutsch-amerikanische Freundschaft und die Stärke unserer Partnerschaft.
Bei der gleichen Gelegenheit bemerkte Bundeskanzler Kohl im Zusammenhang mit
den Dreihundertjahrfeiern, daß sich Deutsche und Amerikaner ihrer gemeinsamen
Herkunft erinnern und hieraus Stärke, Mut und Vertrauen in die Zukunft schöpfen
könnten.
Ich selbst hatte die Ehre, bei einem Lunch und einem Abendessen im Weißen
Haus persönlich mit dem Bundeskanzler sowohl über die Dreihundertjahrfeiern als
auch über den Jugendaustausch sprechen zu können.

Seine Einstellung zu beiden

Themen ist von echter Begeisterung gekennzeichnet.
Präsident Reagan gab auf der gleichen Veranstaltung die Ernennung von
Richard V. Allen, einem geachteten Mitarbeiter der Heritage Foundation und früheren Sicherheitsberater des Präsidenten, zum Vorsitzenden der Kommission für
die Dreihundertjahrfeiern bekannt. Ihr gehören so hochangesehene und verdiente
Persönlichkeiten an, wie:
- Warren Burger, Oberster Bundesrichter am Obersten Bundesgerichtshof der
Vereinigten Staaten;
- Arthur F. Burns, (ex officio), der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland;
- John Heinz, Senator aus dem Staat Pennsylvanien;
- Richard Burt, designierter Unterstaatssekretär und Leiter der Europa-Abteilung im US-Außenministerium;
- John J. McCloy, ehemaliger Militärgouverneur und Hochkommissar für Deutschland;
- Kenneth Rush, ehemaliger amtierender Außenminister und Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, derzeit Vorsitzender des Atlantischen Rates;
- Charles Tyson, stellvertretender Sicherheitsberater des Präsidenten der
Vereinigten Staaten;
sowie zahlreiche führende Vertreter aus Wirtschaft und Handel.
Der Präsident

�Der Präsident hat mich gebeten, in dieser Kommission als sein persönlicher
Vertreter zu fungieren; und der Kongreß hat das US-Informationsamt angewiesen,
die Arbeit der Kommission das gesamte 300. Gedenkjahr hindurch nach Kräften zu
unterstützen.

Tatsächlich befaßt sich ein Arbeitsstab des Informationsamtes

inzwischen schon seit Monaten mit der Vorbereitung solcher Gedenkveranstaltungen.
Ich freue mich, sagen zu können, daß diese gesamte Tätigkeit ausschließlich aus
privaten Spenden finanziert wird.
Im vergangenen Jahr haben sowohl der Amerikanische Kongreß als auch der
Deutsche Bundestag 1983 offiziell zum Jahr des Gedenkens der 300 Jahre deutscher
Siedlungsgeschichte in Amerika im Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten erklärt.
Die entsprechende Entschließung des amerikanischen Kongresses anerkennt
"die unschätzbaren menschlichen, wirtschaftlichen, politischen, sozialen und
kulturellen Beiträge zu diesem Land von Millionen von deutschen Einwanderern im
Laufe der letzten drei Jahrhunderte" und sprach davon, wie angemessen es sei,
"dieses historische Ereignis in einer Weise zu begehen, die die deutsch-amerikanische Freundschaft würdigt und die demokratischen Werte in den Mittelpunkt
stellt, die uns verbinden."
Ein weiteres Gremium, das - wie gesagt - kürzlich gebildet wurde, um das
gesamte Jubiläumsjahr hindurch aktiv tätig zu sein, ist der "Interministerielle
Ausschuß für deutsch-amerikanische Kontakte". Dieser Ausschuß, dessen Vorsitz ich
führe, vereint Vertreter von 22 Ministerien und selbständigen Bundesbehörden,
darunter auch Vertreter des Gemeinsamen Stabes der Streitkräfte.
Die Idee zur Einsetzung eines solchen Ausschusses erwuchs aus dem persönlichen Interesse Präsident Reagans an einer Vertiefung der Beziehungen zwischen
den Völkern unserer beiden Länder.
I

Wie Außenminister Shultz im Oktober vergangenen Jahres schrieb, "ist es das
Ziel (des Ausschusses), die Aufmerksamkeit auf die uns gemeinsamen demokratischen

/

i
i

- 8 -

�gemeinsamen demokratischen Wert- und Ziel Vorstellungen zu konzentrieren."
Der Außenminister fuhr in seinem Schreiben fort: "Um eine möglichst vollzählige Mitwirkung aller interessierten amerikanischen Regierungsbehörden sicherzustellen, haben wir kürzlich den Interministeriellen Lenkungsausschuß für
deutsch-amerikanische Kontakte errichtet, dessen Aufgabe es sein soll, laufend
über die Aktivitäten privater und öffentlicher Stellen zur Förderung solcher
Kontakte zu berichten, für den diesbezüglichen Informationsaustausch unter den
Behörden zu sorgen, neue Ideen zur Vertiefung solcher Kontakte zu prüfen, die
Politik der Regierung in bezug auf derartige Programme zu koordinieren und mitzuhelfen, derartige Projekte zu verwirklichen.

Auf diese Weise hoffen wir,

unsere Anstrengungen konzentrieren und die uns zu Gebote stehenden knappen Hilfsquellen möglichst rationell nutzen zu können."
Im vergangenen Dezember führte ich über eine Rundfunk-Satellitenschaltung
ein Gespräch mit Staatssekretär Berndt von Staden von der deutschen Gegenseite,
um mit ihm die Jugendaustausch-Initiative und die Dreihundertjahrfeiern zu erörtern.

In diesem Dialog zwischen Bonn und Washington diskutierten wir Pläne

für Gedenkveranstaltungen in Deutschland und in den Vereinigten Staaten.
Auf der ersten Tagung des Interministeriellen Ausschusses am 22. November
1982 berichteten die Ausschußmitglieder über eine schier unglaubliche Zahl von
laufenden oder geplanten Austauschaktionen und Kontakten zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland. So kündigte beispielsweise die
amerikanische Raumfahrtbehörde NASA Pläne zur Teilnahme eines ersten nicht-amerikanischen Astronauten, eines Deutschen an einem amerikanischen Raumflug an.
Das scheint mir ein angemessener Tribut für all das zu sein, was unser Raumfahrtprogramm Dr. Wernher von Braun und anderen deutschen Wissenschaftlern und
Ingenieuren verdankt. Bundespräsident Carstens wird zu diesem Ereignis eingeladen werden.
Davor noch, im April, wird eine von europäischen Ländern finanzierte Raumstation gestartet werden.

Die Bundesrepublik wird 60 Prozent dieses Milliarden-

- 9 -

�dieses Milliarden-Dollar-Projekts aufbringen. Wir bemühen uns gegenwärtig darum,
daß das Enblem der Drei hundertjahrfeiern an dem Raumfahrzeug angebracht wird.
Abgesehen von dem Bericht der NASA über das gemeinsame Raumflugprojekt melden
auch andere Regierungsstellen Aktionen zum Austausch von Wissenschaft!err , Militärs, Geschäftsleuten, Gewerkschaftern, Akademikern, Sozialarbeitern, Angehörigen
der Landjugend und Studenten in beiden Richtungen.
Das Jahr der Feiern des 300. Jahrestages des Beginns deutscher Siedlungsarbeit wird gekennzeichnet sein durch eine Reihe von diesbezüglichen Ereignissen
und Veranstaltungen sowohl hier in diesem Land als auch in Deutschland.
Die Eröffnungsfeier des Jubiläumsjahres fand am 9. Januar in Krefeld statt,
von wo die erste Gruppe von beherzten Auswanderern im Jahre 1683 nach den Kolonien
in Amerika aufgebrochen ist. Dr. Edwin Feulner, Jr., Vorsitzender der amerikanischen Beratungsgruppe für Fragen der Diplomatie durch Öffentlichkeitsarbeit,
nahm als offizieller Vertreter der Vereinigten Staaten und auch des Ausschusses
für die Drei hundertjahrfeiern zusammen mit über 100 prominenten Gästen an dem
Festakt teil, der im historischen Festsaal des Krefelder Rathauses stattfand.
Gleichzeitig gedachte der Vorsitzende des amerikanischen Ausschusses für die
Dreihundertjahrfeiern in einer Rede zum Semesterabschluß der Universität des
Staates Missouri in St. Louis am 9. Januar dieses Ereignisses. Im Rahmen dieser
Abschlußfeier wurde dem Oberbürgermeister Manfred Rommel aus Stuttgart, der
Schwesterstadt von St. Louis, eine Ehrenurkunde überreicht. Die Stadt St. Louis
selbst wird des 300. Jahrestages des Beginns der deutschen Siedlungsarbeit in
Amerika im April mit einem eigenen Festakt gedenken.
Im Laufe des Jahres 1983 werden aus Anlaß der Dreihundertjahrfeiern mindestens zwei Sonderbriefmarken herauskommen.

Diese Jubiläumsmarke, die gleichzeitig

auch von der deutschen Bundespost herausgebracht wird, zeigt wie die amerikanische Ausgabe eine Abbildung des Schiffs, der "Concord", auf dem die Siedler
unweit des heutigen Germantown gelandet sind.

Eine weitere Sondermarke soll dem

hundertjährigen Jubiläum der von Deutsch-Amerikanern errichteten Brooklyn-Bridge
in New York gewidmet sein.

New York beabsichtigt
- 10 -

�New York beabsichtigt,im Mai zum 100. Jahrestages der Eröffnung der BrooklynBridge ein Riesenfest zu veranstalten, jenes gewaltigen Brückenbauwerks, das von
John und Washington Roeberling entworfen und gebaut wurde. Von Savannah im Staate
Georgia bis Baltimore im Staate Maryland und weiter bis Los Angeles und anderen
Städten an der Westküste werden die Kommunen Feiern aus Anlaß des 300. Jahrestages
abhalten.
Es wurde auch ein Lehreraustausch zwischen Krefeld und dem pennsylvanischen
Germantown vorgeschlagen. Bei der Eröffnungsfeier des Gedenkjahres im Rathaus
von Krefeld brachte der Krefelder Bürgermeister seine begeisterte Zustimmung zu
einem solchen Austausch zum Ausdruck. Ein Vertreter Krefelds wird Mitglied des
Ausschusses zur Auswahl geeigneter Lehrer sein, der im Februar 1983 zusammentreten soll.
Höhepunkt der Gedenkfeiern wird im späteren Verlauf des Jahres 1983 ein Zusammentreffen zwischen Präsident Reagan und

Bundespräsident Carstens sein.

Wir wollen den Aktivitäten im Zusammenhang mit den Dreihundertjahrfeiern
größtmögliche Publizität verschaffen.

Wir wünschen ferner, daß so viele Ameri-

kaner wie nur möglich an diesen Aktivitäten teilnehmen.
Ich möchte meinen Zuhörern klarmachen, daß die Feiern, sollen sie zu einem
Erfolg werden, der Unterstützung von lokalen Helfern, meist freiwilligen Helfern
mit großer Organisationsgabe - von Männern und Frauen wie Sie - bedürfen.
Ich habe heute abend hier nur auf einige wenige der geplanten Veranstaltungen
zur Feier der deutsch-amerikanischen Freundschaft hingewiesen. Wir werden sicherlich unser Vergnügen dabei haben; aber im Grunde hat dieses Jahr einen anderen
und zukunftweisenden Sinn: Ich erinnere mich an ein Gespräch mit unserem Botschafter in der Bundesrepublik, Arthur F. Burns, der mir im November vergangenen
Jahres in meinem Amtszimmer sagte: Worauf wir bedacht sein müssen, ist, daß nach
dem Feuerwerk, den Straßenumzügen, den Festbanketten und den Konzertveranstaltungen
ein Bestand an gutem Willen bei beiden Völkern verbleibt. Da pflichte ich Botschafter Burns bei. Dieses Jahr ist nur ein erster Schritt zur Bekräftigung der
beständigen Bande der Freundschaft und des gegenseitigen Verständnisses zwischen
- 11 -

�Verständnisses zwischen unseren beiden Völkern.
Bernhard Vogel, der Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, stimmt mit
mir darin überein. Bei seinem Besuch im Informationsamt in Washington in der
vergangenen Woche rief der Ministerpräsident zu künftigen, über 1983 hinausreichenden Anstrengungen auf, um die Kontinuität der engen Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik zu gewährleisten.
Wir müssen sicherstellen, daß die Generationen nach uns ein Leben in Frieden
und Freiheit führen können - und dann werden sich eines fernen Tages - so Gott
will - Deutsche und Amerikaner erneut zusammenfinden, um den 400. Jahrestag des
Beginns unserer Freundschaft feierlich zu begehen.
Abschließend möchte ich Ihnen allen - der Universität von Cincinnati, dem
Goethe-Haus und allen, die sich nach Kräften eingesetzt haben, um diese Festveranstaltung zu einem Erfolg werden zu lassen - dafür danken, daß sie eine der
ersten größeren Veranstaltungen in diesem wichtigen Gedenkjahr mitorganisieren
halfen. Ich bitte Sie dringend, mitzuhelfen, daß sich dieser Geist im ganzen
Staat Ohio verbreitet. Ich bin sicher, daß die Bewohner Ohios Ihre diesbezüglichen Anstrengungen begeistert begrüßen werden.
Wir blicken hoffnungsvoll in die Zukunft - nicht nur auf dieses Jahr, sondern
darüber hinaus auf noch viele weitere Jahre, die da folgen werden, und auf das
wachsende Bewußtsein des deutsch-amerikanischen Erbes in den Vereinigten Staaten
sowie auf das wachsende gegenseitige Verständnis zwischen beiden Völkern.

+ + + + +

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MT3TT?I1

Hintere) VTiV.
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America
3. Februar 1983

AMERIKAS ARBEITSPOTENTIAL UND ARBEITSMARKT
Was wird aus den Arbeitslosen?
Wie steht es mit den Aussichten auf Vollbeschäftigung?
- Von Joe! Swerdlow -

WASHINGTON - (AD) - Im Amerika unserer Tage, das von den Medien beherrscht
wird, tritt die Arbeitslosigkeit wesentlich deutlicher ins Bewußtsein der
Öffentlichkeit als in früheren Zeiten:

Die Zeitungen schildern das Schicksal

einzelner Arbeitsloser in aller Länge und Breite, und das Fernsehen überträgt
ihre Gesichter beispielsweise bei Einvernahmen vor dem Kongreß in Großaufnahme.
Im Gegensatz zur Zeit der großen Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger
Jahre, als niemand genau wußte, wie viele Arbeitnehmer ohne Arbeit waren
(die amerikanische Regierung führte bis zu Beginn der vierziger Jahre keine
Arbeitslosenstatistik), machen selbst noch so geringfügige Schwankungen der
Arbeitslosenraten heute Riesenschlagzeilen.
Die Arbeitslosigkeit bestimmte demzufolge auch den Ausgang der letzten
Kongreßwahlen im November 1982.

"Nach Studium der Ergebnisse," schrieb Martin

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Martin Tolchin von der "New York Times", "sind führende Kongreßmitglieder
beider Parteien offensichtlich zu dem Schluß gelangt, daß die Wähler ein
einmütiges Votum über die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe zur Verringerung der Arbeitslosigkeit abgegeben haben."
Es überrascht deshalb nicht, wenn eine Meinungsumfrage des LouisHarris-Instituts kürzlich das Ergebnis erbrachte, daß 83 Prozent des amerikanischen Volkes der Auffassung seien, die Arbeitslosensituation sei "sehr
ernst".
Das ist eine von den Zahlen, die kein Politiker ungestraft ignorieren
kann.

So suchen Republikaner und Demokraten gegenwärtig, inmitten der De-

batte über die Wirtschaftspolitik Reagans, die Verteidigungsausgaben und
den Ausgleich des Staatshaushaltes, Antworten auf drei grundlegende Fragen
zu finden:

Erstens, was geschieht zur Unterstützung der Arbeitslosen?

Zwei-

tens, welche Veränderungen innerhalb der Erwerbsbevölkerung tragen zur Arbeitslosigkeit bei?

Drittens, was kann geschehen?

Hilfe für Arbeitslose
Jeder der 50 Einzel Staaten hat ein ausgeklügeltes System der Arbeitslosenversicherung.

Die Bundesregierung erhebt von den Arbeitnehmern eine

Steuer, um dieses Programm zu finanzieren, und der Kongreß hat mehrere Millionen an Zusatzmitteln für diese Zwecke bereitgestellt.
Man braucht nicht allzu weit in die amerikanische Geschichte zurückzublicken, um zu erkennen, welche Leistung sich dahinter verbirgt.

Noch im

Jahr 1932, drei Jahre nach dem Börsenkrach, der die große Depression in den
Vereinigten Staaten beschleunigte, besaß nur der Staat Wisconsin eine Arbeitslosenversicherung.

Die Bundesregierung hatte nichts Vergleichbares auf-

zuweisen, und der amerikanische Gewerkschaftsverband American Federation of
Labor (AFL) - damals die größte und mächtigste Arbeiterorganisation im ganzen
Lande - hatte sich gegen eine Pflicht-Arbeitslosenversicherung ausgesprochen,
- 2 -

�ausgesprochen, weil die führenden Männer der AFL in der Arbeitslosenunterstützung ein unerwünschtes "Almosen" erblickten.
Ganz anders lagen die Dinge dagegen in Europa. Frankreich, das erste
Land mit staatlich subventionierten Arbeitslosenzahlungen, hatte bereits
Anfang

des 20. Jahrhunderts (auf Gemeindeebene) mit der Einrichtung eines

Arbeitslosenversicherungsprogramms begonnen.
Das amerikanische Arbeitslosenversicherungsprogramm wurde 1935 in beiden Häusern des Kongresses mit einer Mehrheit von etwa zehn zu eins verabschiedet und von Präsident Franklin D. Roosevelt durch seine Unterschrift
zum Gesetz erhoben.

Es basierte auf wichtigen Prinzipien, die bis in die

achtziger Jahre hinein unverändert die gleichen geblieben sind.
"Die Arbeitslosenversicherung ist kein Wohlfahrtsprogramm, obwohl ein
erheblicher Teil ihrer Leistungen Armen zugute kommt", erklärte der damalige
amerikanische Arbeitsminister (und derzeitige Außenminister) George P. Shultz
im Jahr 1977.

"Die Leistungen der Arbeitslosenversicherung sind vor allem

keine Zahlungen, die auf der Grundlage einer Einkommensprüfung erbracht werden.

Kein anspruchsberechtigter Arbeitnehmer wird allein deshalb von den

Leistungen ausgeschlossen, weil das Familieneinkommen beispielsweise dank
der Einkünfte einer unternehmerisch tätigen Ehefrau weiterhin relativ hoch
ist.

Die Grundthese der Arbeitslosenversicherung geht zudem dahin, daß ein

arbeitsloser Arbeitnehmer auf Zeit in der Lage sein sollte, dem Arbeitsmarkt
fernzubleiben, wenn er sich
Zeit ein

eine neue Arbeit sucht, und daß er in dieser

seinen früheren Einkünften vergleichbares Einkommen beziehen solle."

Es fällt schwer, die Veränderungen zu überschätzen, die dieses Gesetz in
Amerika bewirkte. "Von 1935 an",heißt es in einem im Februar 1980 veröffentlichten Bericht des Beratungsausschusses für interministerielle Beziehungen
(an dessen Spitze der ehemalige demokratische Oberbürgermeister von New York,
Abraham Beame, stand) ."waren die Arbeitslosen nicht mehr allein auf sich gestellt; seither wird auch nicht mehr, wie in der Vergangenheit üblich, von der
Annahme ausgegangen, daß persönliches Versagen statt der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung die Ursache

persönlicher Not bildet.
- 3 -

Aus einer vorüber-

�einer vorübergehenden Finanzhilfe wurde, statt eines Almosens oder eines Aktes des persönlichen Wohlwollens, ein 'Rechtsanspruch'."
Seit 1935 hat sich die Zahl der von der Arbeitslosenversicherung erfaßten Arbeitnehmer wie auch das Ausmaß des gewährten Versicherungsschutzes
ständig erweitert.
Im Jahr 1940 wurden die aus dem Zweiten Weltkrieg nach Hause kommenden
entlassenen Soldaten anspruchsberechtigt; in den fünfziger Jahren erfolgte
die Einbeziehung der Bundesbediensteten in das Arbeitslosenversicherungssystem; 1977 genossen 97 Prozent aller Lohn- und Gehaltsempfänger in den
Vereinigten Staaten Arbeitslosenversicherungsschutz; und heute erfaßt die
Arbeitslosenversicherung 87 Millionen Arbeitnehmer.
Darüber hinaus begannen die Gewerkschaften Anfang der fünfziger Jahre,
in der Automobil- und in der Stahlindustrie sowie in vielen anderen Industriezweiten im Zuge von TarifVerhandlungen auf die Zahlung der Prämien einer
betrieblichen Zusatz-Arbeitslosenversicherung als eine Form der Lohnnebenleistungen zu drängen.
Während Arbeitslosengeld 1935 nach dreiwöchiger Wartezeit auf die Dauer
von maximal 15 Wochen gewährt wurde, erstreckt sich die Zahlungsdauer heute
bei einer maximalen Wartezeit von sieben Tagen je nach Einzel Staat auf 34
bis 55 Wochen. Im District of Columbia mit der Bundeshauptstadt Washington
erhält ein Arbeitsloser, um ein Beispiel zu nennen, bis zu 203 Dollar die
Woche - steuerfrei und so lange, wie das Jahreseinkommen des Betreffenden
18 000 Dollar unterschreitet. Bundesweit wird Arbeitslosengeld gegenwärtig
in Höhe von jährlich rund 30 Milliarden Dollar ausbezahlt, wobei viele Arbeiter nebenher auch noch in den Genuß anderer Sozial- und Wohlfahrtsprogramme
gelangen. Das Amt für Haushaltfragen schätzt, daß jede Erhöhung der Arbeitslosenrate um ein Prozent für die Bundesregierung Mehrausgaben allein für Arbeitslosengeld in Höhe von drei bis vier Milliarden Dollar, für Nahrungsmittelmarken weitere 500 Millionen Dollar, für ärztliche Versorgung um 100 bis
200 Millionen und für Hilfeleistungen im Rahmen anderer Programme um 100 bis
- 4 -

�100 bis 300 Millionen Dollar erforderlich macht.
Das Arbeitslosenversicherungssystem, das inzwischen ein halbes Jahrhundert alt ist, steht gegenwärtig vor ernsten Problemen.

Die Beiträge wer-

den nach einem komplizierten und veralteten Schlüssel durch den Bund und die
Einzel Staaten aufgebracht.

Dabei geht man von der Annahme aus, daß die Ein-

naheüberschüsse aus Zeiten guter Konjunktur ausreichen, die Mehraufwendungen
in Zeiten schlechter Konjunktur mitzufinanzieren.

Die siebziger Jahre brach-

ten allerdings weniger gute Jahre als erwartet.
Und was die Situation noch mehr verschlimmert: Die Regierungen der
Einzel staaten und die Bundesregierung gehen nur äußerst zögernd an eine Erhöhung der Lohnsummensteuern zur Finanzierung der Arbeitslosenversicherung heran. Auf diese Weise wurde die "Nostandsfinanzierung" zur Regel. Zwischen
1975 und 1978 gingen die Arbeitslosenversicherungskassen von 25 Bundesstaaten
bankrott, so daß die Bundesregierung in die Bresche springen mußte. Die Einzelstaaten schulden Washington nahezu 13 Milliarden Dollar aus diesen Stützaktionen, und Fachleute rechnen damit, daß diese Schuld bis zum Ende des
Haushaltjahres 1984 (bis September 1984) auf 22 Milliarden Dollar anwachsen
wird.
Diese Involvenzen finden ihren Niederschlag im Ausbleiben an sich fälliger Schecks für Arbeitslosenzahlungen.

Nach Zahlenmaterial, das die

American Federation of Labor-Congres of Industrial Organizations (AFL-CIO)
erstellt hat, erhalten 5,6 Millionen Arbeitslose oder 47 Prozent aller derzeit arbeitslosen Arbeitnehmer keine Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.

Zum Teil handelt es sich hierbei um landwirtschaftliche Arbeit-

nehmer oder Haushaltsbedienstete, Schulabgänger sowie andere Personen, die
noch keinen Anspruch auf die Gewährung von Arbeitslosengeld erwerben konnten.
Die meisten unter ihnen sind Arbeitslose, die die Höchstgewährungsdauer von
Arbeitslosengeld bereits überschritten haben.

Nach Angaben der AFL-CIO ist

die Gewährungsdauer von Arbeitslosengeld für vier Millionen Arbeitslose in
der Zeit vom Juli 1981 bis Oktober 1983 ausgelaufen.
Offensichtlich
- 5 -

�Offensichtlich bedarf das Finanzierungssystem einer Revision.

Fach-

leute treten für die Einführung einheitlicher bundesweiter Normen ein.

Das

würde, wie sie meinen, die Ungerechtigkeiten weitgehend beseitigen, die die
enormen Variationsbreiten des Arbeitslosengeldes von Einzel Staat zu Einzel Staat um bis zu 400 Prozent sowie Unausgewogenheiten in den den Arbeitgebern
abverlangten einzelstaatlichen Arbeitslosenversicherungssteuern beseitigen.
Die Gegner einer solchen einheitlichen Regelung argumentieren hingegen,
derartige Unterschiede forderten den Wettbewerb, indem sie den Firmen die
Möglichkeiten bieten, den Firmenstandort nach Bundesstaaten mit geringeren
Steuern zu verlegen.
Diese Debatte rührt an eine alte Streitfrage:

Wem obliegt die primäre

Verantwortung für die Betreuung und den Schutz der Bürger; den Einzel Staaten
oder der Bundesregierung?

Die Haltung, die die Politiker in der Frage der

Arbeitslosenversicherungsreform einnehmen, entspricht im allgemeinen ihrer
Antwort auf dje-se umfassendere Frage.

Die Konservativen sprechen den Ein-

zelstaaten die Freiheit zu, ihre Leistungen und Steuern auch im Bereich der
Arbeitslosenversicherung selbst festzusetzen; die Liberalen hingegen treten
für einheitliche bundesweite Regelungen ein.
Konservative und Liberale - so unterschiedlicher Meinung sie sonst
sein mögen - stimmen heute jedoch weitgehend darin überein, daß sich gegenwärtig ein historischer und einmaliger Wandel innerhalb der Erwerbsbevölkerung der Vereinigten Staaten vollzieht.
Nach Angaben des amerikanischen Arbeitsministeriums, nahm die amerikanische Erwerbsbevölkerung von 64 Millionen im Jahr 1950 sprunghaft auf 111
Millionen im Jahr 1981 zu; ihr Zuwachs seit 1976 war um 500 Prozent größer
als im vorangegangenen Vierteljahrhundert. Die Beschäftigungsziffer erhöhte
sich zwischen 1976 und 1981 von 71 auf 99 Millionen^ (Im Vergleich hierzu
zeigte die Gesamtbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland im gleichen
Zeitraum einen Rückgang von 26 auf 25 Millionen.)
Der Hauptgrund
- 6 -

�Der Hauptgrund für diese starke Zunahme der amerikanischen Erwerbsbevölkerung ist in den geburtenstarten Jahrgängen der ersten Nachkriegsjahre
zu sehen.

"Jedesmal, wenn die Nachkriegsgeneration in eine höhere Alters-

klasse überwechselte, schoß die Arbeitslosenrate weiter nach oben", stellt
der Journalist Random Y. Jones in seinem 1980 erschienen Buch "Great
Expectations:

America and the Baby Boom Generation" (Große Erwartungen:

Amerika und die Generation des Baby-Boom) fest.

In den zehn Jahren von

Mitte der sechziger bis Mitte der siebziger Jahre verdoppelte sich, wie
Jones nachweist, "der Nettozuwachs der Neuzugänge aus der Baby-Boom-Generation auf dem Arbeitsmarkt auf 1,7 Millionen im Jahr.

Die Erwerbsbevölkerung

wuchs demnach doppelt so rasch wie die Gesamtbevölkerung."
"Im Vergleich zu Japan und Westeuropa," so berichtete die Zeitung
"Christian Science Monitor" im Dezember vergangenen Jahres, "hat die amerikanische Wirtschaft, was die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Eingliederung
der geburtenstarken Jahrgänge aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg angeht,
Erstaunliches gleistet...

Die Vereinigten Staaten weisen mit die höchste

Quote im Verhältnis der Beschäftigungs- zu den Bevölkerungsraten in der industrialisierten Welt auf."
Zu dieser demographischen Belastung kam das Auftreten einer wachsenden Zahl
weiblichen Arbeitssuchender auf dem Arbeitsmarkt hinzu.

Im Jahr 1940 bei-

spielsweise arbeiteten in Amerika nur 14 Prozent der verheirateten Frauen
außer Haus.

Heute beläuft sich ihr Anteil auf 52 Prozent, so daß von den

Frauen ein stärkerer Druck auf den Arbeitsmarkt ausgeht, auch wenn sie andererseits mithelfen, die arbeitslosigkeitsbezogenen Schwierigkeiten der Familien
zu erleichtern.

Eine Untersuchung, die das amerikanische Arbeitsministerium

kürzlich angestellt hat, zeigt z.B., daß 70 Prozent der Arbeitslosen in Familien leben, zu denen mindestens noch ein Berufstätiger zählt.
Die an der Macht befindlichen Politiker sprechen gerne vom Anstieg der
Gesamtzahl der Beschäftigten; Oppositionspolitiker dagegen verweisen vielmehr auf die Zunahme der Zahl der Arbeitslosen.

Beide können ihre Argumente

mit Zahlen belegen - eine Situation, die Wirtschaftswissenschaftler dazu ver- 7 -

�dazu veranlaßt, eine Neudefinition des Begriffs der "natürlichen" Arbeitslosigkeit vorzuschlagen, die die "New York Times" als die "Mindestarbeitslosenrate" verstanden wissen will, bei der die Wirtschaft im Gleichgewicht
verharrt und die Inflationsrate weder steigt noch fällt.
Erst im Jahr 1978 wurde im "Gesetz über die Vollbeschäftigung und ein
ausgewogenes Wirtschaftswachstum", das ein starker Verbündeter der Gewerkschaften - der verstorbene Senator Hubert H. Humphrey - gemeinsam mit anderen eingebracht hatte, eine Arbeotslosenrate von rund vier Prozent zur "natürlichen" Arbeitslosenrate erklärt.

Heute argumentiert Präsident Reagan, der

im wesentlichen nicht weiter reduzierbare Satz liege näher bei 6 bis 6,5 Prozent, und Walter W. Heller, einer der führenden Wirtschaftler in den Jahren
der Amtszeit der Präsidenten Kennedy und Johnson, behauptet, er liege bei
rund 5,6 Prozent.
In dem jüngst veröffentlichten Buch "The Coming Boom" (Der bevorstehende
Boom) prophezeit der Sozialtheoretiker Herman Kahn, daß "eine Arbeitslosenrate von 6 bis 7 Prozent voraussichtlich als akzeptabel angesehen werden
und daß es relativ leicht fallen wird, sie zu erreichen."
Die Arbeitslosigkeit, so sagt Kahn, werde in den achtziger und neunziger Jahren aufgrund des Bevölkerungsrückgangs und des Ausbleibens von
größeren Gruppen, wie den geburtenstarken Jahrgängen der ersten Nachkriegszeit auf dem Arbeitsmarkt, stark zurückgehen.
Die Überbeanspruchung des 50 Jahre alten Arbeitslosenversicherungssystems und Veränderungen in der Zusammensetzung der Erwerbsbevölkerung haben
dazu geführt, daß man heute Präsident Reagans Feststellung, es gäbe kein
"Zaubermittel" für die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, in weiten Kreisen
beipflichtet.
Deshalb wies die "Washington Post" jüngst in einer vierteiligen Artikelserie darauf hin, daß die Erholung der Wirtschaft langsam und behutsam betrieben werden müsse, um eine Wiederholung der schädlichen Zyklen aus Boom
- 8 -

�aus Boom und Depression des abgelaufenen Jahrzehnts zu vermeiden.
Verantwortungsbewußte Regierungsvertreter räumen ein, daß derzeit ernste
Probleme bestehen.

Deshalb stellten das Weiße Haus und der Kongreß eine de-

taillierte Tagesordnung auf, die nicht notwendigerweise die Lösung des grundlegenden Arbeitslosenproblems in den Vordergrund rückt, sondern sich mehr
an der Hilfe für die Arbeitslosen orientiert.
Diese Maßnahmen schließen Notstandsarbeiten und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Dienstleistungsbetrieben der öffentlichen Hand ebenso ein
wie Änderungen in der Arbeitslosenversicherungsgesetzgebung, um Unternehmer
von vorübergehenden saisonbedingten Entlassungen abzuhalten, Arbeitslosen
Teil zeitarbeit ohne Kürzung des Arbeitslosengeldes zu gestatten, die Errichtung von Arbeitsplätzen für langfristig Arbeitslose staatlich zu subventionieren, sowie die Senkung des Mindestlohns (der gegenwärtig 3,35 Dollar pro
Stunde beträgt), um die Neueinstellung von jungen und ungelernten Arbeitskräften zu erleichtern. Ein anderer Vorschlag - Leistungen, Kredite und anderweitige Hilfe für geschädigte Branchen - wird gleichzeitig als ein Beitrag
zur Verteidigung des Landes verstanden.
Es ist äußerst schwierig, die Wirkung solcher Vorschläge zu beurteilen.
Manche Wirtschaftswissenschaftler behaupten z.B., daß durch die neue Benzinsteuer von 5 Cents pro Gallone (4 Liter), die zum Teil zweckgebunden für die
Arbeitsplatzbeschaffung im Straßen- und Brückenbau verwendet werden soll, in
der Praxis nicht sehr viel bewirkt, weil durch sie 55 Milliarden Dollar aus
anderen Ausgabepositionen abgezogen werden.
Staatliche Stellen stimmen zudem im allgemeinen darin überein, daß wenig
getan werden kann, den Arbeitslosen zu helfen, ehe die Wirtschaft wieder richtig in Gang kommt.

Unterschiedliche Meinungen herrschen auch hinsichtlich

der Frage, wie sich ein Wirtschaftsaufschwung am ehesten erreichen läßt,
wobei die eigentlich wesentlichen Elemente und deren Relevanz für die Arbeitslosigkeit kaum zur Debatte stehen:
Bis vor
- 9 -

�Bis vor kurzem lehrten amerikanische politische Wissenschaftler ihre
Studenten, daß nur die Republikaner sich über die Inflation sorgten.
ist nicht mehr länger wahr.

Das

"Die Inflation wird heute fast überall auf der

Welt als ein wichtiges Problem von großer Bedeutung angesehen, mehr noch als
die Arbeitslosigkeit,"

bemerkt der Sozialtheoretiker Kahn hierzu.

"Viele

Leute glauben noch immer, die Idee, die Arbeitslosigkeit als Preis der Verringerung der Inflation hinzunehmen, sei unmoralisch.

Dennoch meinten selbst

Arbeitslose in verschiedenen Phasen der jüngsten Rezession, die Inflation sei
das ernstere von beiden Problemen."

Wie es ein Kongreßabgeordneter faßte:

"Zehn Prozent der Bewohner meines Wahlkreises leiden unter der Arbeitslosigkeit, aber 100 Prozent unter der Inflation."
Wenn wir davon ausgehen, daß die Arbeitslosigkeit dieser Größenordnung
rein struktureller Art ist, können wir begreifen, daß uns kein noch so intensiver wirtschaftlicher Wiederaufschwung gewisse Arbeitsplätze zurückbringen
wird.

Das gilt insbesondere in der Kraftfahrzeug-, der Stahl- und der Textil-

industrie, aber auch noch in anderen Industriezweigen, die sich gezwungen sehen,
sich

arbeitssparende Maschinen zuzulegen und entsprechende technische Ver-

fahren anzueignen.

Ein Mitglied des Lehrkörpers der Wirtschaftswissenschaft-

lichen Fakultät der Harvard-Universität warnte beispielsweise kürzlich davor,
daß amerikanische Herstellerfirmen angesichts des internationalen Wettbewerbs
auf dem Automobilmarkt künftig nur mehr die Hälfte der Arbeitskräfte beschäftigen können, die sie bisher benötigt haben.
Die strukturelle Arbeitslosigkeit ist Teil eines weit umfassenderen
Phänomens:

der Anerkennung der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten gegen-

wärtig primär eine Dienstleistungs- und nicht mehr länger eine Fertigungswirtschaft betreiben.

"Den hohen Arbeitslosenraten, dem zögernden Wachstum

der heimischen Wirtschaft und dem Scheitern ihrer Bemühungen, mit der ausländischen Konkurrenz auf den internationalen Märkten erfolgreich zu konkurrieren, liegt der industrielle Rückgang zugrunde".behaupten Barry Bluestone
und Bennett Harrison in ihrem jüngst veröffentlichten Buch "The Deindustrialization of America" (Der industrielle Rückgang Amerikas).
mente von Bluestone und Bennett sind umstritten.
- 10 -

Einige der Argu-

In den Buchläden Washingtons

�Buchläden Washingtons aber ist das Werk ausverkauft, und der Verleger ist
eifrig bemüht, eine Neuauflage auf den Markt zu bringen.
Die strukturelle Arbeitslosigkeit erfordert auch eine intensive Umschulung von Arbeitskräften, wodurch eine weitere klassische Unterscheidung
zwischen der demokratischen und republikanischen Wirtschaftspolitik verloren
gehen dürfte.
Die Demokraten treten im allgemeinen für arbeitsplatzschaffende Gesetze als dem wirksamsten Gegenmittel gegen die Arbeitslosigkeit ein; die
Republikaner aber sind für Umschulungsmaßnahmen.

Jetzt stellen sich immer

mehr Demokraten angesichts der Erkenntnis, daß neue Arbeitsplätze nur in
den hoch-technologischen Industrien zu erwarten sind, die Frage, ob die traditionellen Rezepte heute wirklich noch helfen.

Einige Untersuchungen deuten

beispielsweise darauf hin, daß verschiedene Bundesprogramme, die tatsächlich
neue Arbeitsplätze schaffen halfen, diese nur für Arbeitskräfte geschaffen
haben, die ohnehin am leichtesten zu vermitteln und auch am tüchtigsten
sind.
Es fällt nicht schwer, Beweise dafür zu finden, daß neue Technologien
neue Arbeitsplätze schaffen. Youngstown im Staat Ohio,im industriellen
Zentrum des Landes gelegen, weist eine Arbeitslosenrate von 20,9 auf;
Standord im Staat Connecticut, neubelebt durch die Elektronik-Industrie,
nur eine Arbeitslosenraten von 3,5 Prozent.
So erklärt sich, daß der von Demokraten beherrschte Haushaltausschuß
des Repräsentantenhauses die Möglichkeit der Finanzierung betrieblicher Umschulungsprogramme durch Bundesmittel prüfte - im Austausch für die Zusage
der Firmen, die Umschüler nach Abschluß der Maßnahmen weiterzubeschäftigen.
Die Regierungen vieler Einzel Staaten, die Gewerkschaften und mehrere
Großunternehmen haben sich ebenfalls für Umschulungsmaßnahmen ausgesprochen.
In Kalifornien z. B. haben die Regierung des Staates, das US-Arbeitsministerium, die Automobilarbeitergewerkschaft UAW und die Automobi1herstel1erfirma
- 11 -

�Automobi Herstellerfirma General Motors gemeinsam 10 Millionen Dollar für
ein Zentrum aufgebracht, in dem 8400 Automobilarbeiter umgeschult werden
sollen.

Die Ford Motor Company führt je Arbeiter und geleistete Arbeits-

stunde fünf Cents an einen Fonds ab, aus dem notwendig werdende Umschulungsmaßnahmen bestritten werden sollen; sie plant des weiteren.ein bundesweites
Netz von Ausbildungszentren zu errichten.
"Die Schulung für Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich und in der
Fernmelde- und Nachrichtentechnik sowie für leichtere Tätigkeiten in der Industrie ist erforderlich, um die von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitskräfte wieder in die Produktion eingliedern zu können, erklärte Prof.
M. Harvey Brunner von der Johns Hopkins-Universität im Sommer letzten Jahres
vor einem Unterausschuß des Bankenausschusses des Repräsentantenhauses.
Auch das Schulsystem des Landes bedarf weiterer Verbesserungen. Eine
im Verlaufe von acht Monaten erstellte Studie des Zentrums für Finanzierungsmöglichkeiten der öffentlichen Hand kam kürzlich zu dem Schluß, daß den
jungen Leuten in Amerika heute weitgehend gerade jene grundlegenden Fertigkeiten abgehen, die in der Industrie gefragt sind.
Der amerikanische Staat gibt viele Millionen Dollar jährlich für das
Schulwesen aus,und die zuständigen Bildungspolitiker, so hieß es jüngst in
einem Leitartikel der "Washington Post" zu diesem Themenkreis, sollten sich
deshalb ernste Gedanken darüber machen, daß "neue Generationen von Arbeitnehmern den Arbeitsmarkt ohne jene Fähigkeiten und Fertigkeiten erreichen
werden, die auf Arbeitgeberseite gegenwärtig gefragt sind."
Der Zusammenhang zwischen wenig gebildeten und zu wenig geschulten Jugendlichen und Arbeitslosigkeit liegt auf der Hand.

"Vierzig Prozent der

Arbeitslosen in Amerika sind noch keine 25 Jahre alt; die Hälfte davon noch
keine 20," stellte D. Martin Feldmann, der Chefwirtschaftsberater Präsident
Reagans,kürzlich fest.
Nach der
- 12 -

�Nach der Auffassung von Fachleuten läßt sich das gewaltige Heer der
Schwarzarbeiter in den Vereinigten Staaten, das in die Millionen geht, nur
durch Einführung einer Bundesarbeitskarte beseitigen.

Ernste Bedenken wegen

der damit verbundenen eventuellen Beeinträchtigung der bürgerlichen Freiheiten haben sowohl die Demokraten als auch die Republikaner bisher davon
abgehalten, die diesbezüglichen Pläne ernsthaft ins Auge zu fassen.

Die Si-

tuation aber verschlimmert sich indessen mehr und mehr.
"Man braucht kein Wirtschaftswissenschaftler zu sein, um den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und illegaler Einwanderung zu erkennen," hieß
es neulich in der "New York Times".

"Ausländer ohne entsprechende Papiere

kommen auf der Arbeitssuche schwarz über die Grenze. Gewiß, viele der von
ihnen besetzten Stellen sind in so hohem Maße mit Schmutzarbeit verbunden,
daß kaum ein Amerikaner bereit wäre, sie zu übernehmen; oder man könnte sie
wegautomatisieren, falls sich keine illegalen Arbeitskräfte mehr finden
lassen, die sie für einen geringen Lohn übernehmen wollen.

Das US-Arbeits-

ministerium geht immerhin davon aus, daß für jeweils fünf Stellen, die von
illegalen Einwanderern besetzt werden, ein amerikanischer Arbeitsloser ohne
Stellung bleibt.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Vereinigten

Staaten erkennbar Gefahr einer abermaligen Depression und hoher Arbeitslosigkeit liefen, erließ der Kongreß das Beschäftigungsgesetz von 1946, das den
Grundsatz zum Gesetz des Landes erhob, daß es Politik und Aufgabe der Bundesregierung seien, ein Höchstmaß an Beschäftigungsmöglichkeiten zu gewährleisten..."
In unseren Tagen, in einer Zeit, in der sich das Land um das Verständnis
der derzeitigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten bemüht, finden lebhafte und manchmal auch erbitterte und

emotional aufgeladene - Debatten über die

Frage statt, wie man am besten verfahren sollte und wessen Schwierigkeiten
die größte Aufmerksamkeit verdienen.

Zu keinem Zeitpunkt der Debatte aber

hat sich je ein Spitzenvertreter des Staates, kein Parlamentarier und auch
kein führender Politiker

für einen Bruch der Verpflichtung ausgesprochen,

für die Vollbeschäftigung einzutreten.
+ + + + +

- 13 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
3 Februar 1983

MEHR EIWEISSREICHE NAHRUNG AUS FISCHFARMEN
Fachkonferenz empfiehlt Ausweitung in der Dritten Welt

WASHINGTON - (AD) - Etwa 70 Millionen Tonnen Seefische werden jährlich in
aller Welt von den Fangschiffen an Land gebracht. Die Produktivität der Weltmeere an tierischem Eiweiß ist jedoch begrenzt, so daß für die Ernährung der
rapide wachsenden Weltbevölkerung, vor allem in der Dritten Welt, Fischfarmen
immer mehr Bedeutung erlangen. Auf einer im Januar 1983 in Washington abgehaltenen internationalen Konferenz über "Aquakultur" (Veranstalter war die
"World Mariculture Society") berichtete der amerikanische Landwirtschaftsminister John Block, daß in den Jahren zwischen 1975 und 1981 die Produktion
amerikanischer Fischfarmen verdoppelt worden sei und man in den achtziger
Jahren eine erhebliche Ausweitung dieses jungen Industriezweiges erwarte.
Im Jahre 1980 kamen 135 000 Tonnen Fische, Krusten- und Schalentiere aus solchen "Farmen". Die amerikanische Akademie der Wissenschaften schätzt, daß
bis 1985 die Produktion of 225 000, bis zur Jahrhundertwende auf 450 000 Tonnen
gesteigert wird.
Der Ernährungswissenschaftler

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Ernährungswissenschaftler Jean Mayer (Präsident der Tufts-Universität in Medford, Massachusetts) verwies darauf, daß, statistisch gesehen, "in
den Vereinigten Staaten kein zusätzliches tierisches Eiweiß gebraucht wird.
Wo wir aber eindeutig mehr brauchen, das sind die ärmeren Länder".

Zwar

erfolgten Zunahme der Bevölkerungszahl und Wachstum der Nahrungsmittel Produktion nach Kaloriengehalt in einem einigermaßen vergleichbaren Umfang,
jedoch sei der Eiweißgehalt der Nahrung vieler Millionen Menschen in der Welt
viel zu niedrig.
menden

"Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß wir in den kom-

15 bis 20 Jahren in bezug auf die Eiweißversorgung sehr auf Fischfarmen

angewiesen sein werden", erklärte Mayer.
Im Jahr 1980 war vom US-Kongreß ein "Nationales Gesetz über Aquakultur"
verabschiedet worden, demzufolge im Rahmen eines Nationalplans Forschung, Ausbildung, Weitergabe von technischen Informationen und Erkenntnisse zur Rentabilität des Betriebs von Fischfarmen gefördert werden sollen.
liegt jedoch erst im Entwurf vor.

Dieser Plan

Nach Ansicht von Donovan Moss, des stellver-

tretenden Direktors des Internationalen Zentrums für Aquakultur an der AuburnUniversität in Alabama, dürften in den Vereinigten Staaten in erster Linie
Restaurants und Großverteiler für den Ausbau von Fischfarmen eintreten.

Der

Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch und Krustentieren nahm zwischen 1960 und 1980 um
33 Prozent zu.

Fachleute verlangen allerdings eine verstärkte Förderung des

Absatzes und Verbrauchs von Aalen und Seewolf (Katfisch).
In den nächsten 20 Jahren könnten, wie Moss erklärte, als Familienbetrieb
bewirtschaftete Kleinfarmen zwischen zwei und vier Hektar Größe nichts Ungewöhnliches mehr sein.

Der Ertrag könnte bei jeweils 135 bis 180 kg Fisch liegen

und wöchentlich verkauft werden.

Der große Vorteil dieses Zweiges der Nahrungs-

produktion ist der, daß Fische überaus günstig Futter in Fleisch umsetzen.
So seien bei Katfisch nur 540 bis 580 Gramm Trockenfutter erforderlich, um
450 Gramm Fleisch zu erzeugen.

Schweine und Rinder dagegen benötigen an Futter-

- 2 -

�an Futtermengen allgemein das Dreifache, Geflügel das Zweifache des Körpergewichts.

Der hohe Nutzeffekt im Umsetzten von Futter in Fleisch beim Fisch ist

zum Teil auf den sehr viel niedrigeren Energieverbrauch der Fische in ihrem
Lebensmedium Wasser zurückzuführen.
Aquakulturen sind schon auf relativ kleinen Flächen möglich.

So können

Katfisch-Farmer auf einer Fläche von 0,4 Hektar 2250 bis 3600 kg Fisch pro Jahr
erzeugen.

Das entspricht der Weidefläche, die ein junges Rind von 450 kg Gewicht

benötigt.

In den Vereinigten Staaten, wo man Monokultur bevorzugt, werden derzeit

in Fischfarmen 28 000 Hektar für die Produktion von Katfisch und eine etwa gleich
große Fläche für die Aufzucht von Fluß- und Bachkrebsen genutzt.
In Mehrfachkulturen werden Fische gehalten, die ungefähr gleiche Wassertemperaturen sowie Lebensbedingungen brauchen, die den Mitbewohnern nicht abträglich sind. Beispielsweise können Garnelen und "Milchfische", eine im Pazifik
heimische, dem Hering verwandte Fischart, gut miteinander auskommen. Jedoch
werden in den USA - im Gegensatz zu asiatischen Ländern, wo Fischfarmen schon
länger üblich sind - Monokulturen wegen des einfacheren Fischfangs und der
besseren Kontrolle über das Wachstum bevorzugt.
An einer Reihe amerikanischer Universitäten laufen Forschungsprogramme über
die Einrichtung und den Betrieb von "Farmen" für Meer- und Süßwasserfische. Die
Ergebnisse der Untersuchungen werden umgehend den Interessenten in jenen Teilen
der Welt übermittelt, wo eiweißhaltige Nahrungsquellen am dringendsten benötigt
werden. Das US-Amt für Internationale Entwicklung (AID) unterstützt beispielsweise in Indonesien sechs "Teilprojekte" für kleine Fischfarmer, zu denen u.a.
die Käfighaltung von Katfisch, die Aufzucht spezieller Fischarten in Brackwasser
und die Kombination von Reisfeld und Fischfarm gehören. In Ägypten wurden von
AID 27 Millionen Dollar für die Einrichtung von Süßwasserteichen und einer
Forschungsstation mitten in der Wüste zur Verfügung gestellt. Wie ein Sprecher
der AID-Abteilung für Wissenschaft und Technik erklärte, ist jedes Aquakulturprojekt auf die jeweiligen klimatischen, geographischen, biologischen, ja auch

- 3 -

�ja auch soziologischen Gegebenheiten in den einzelnen Ländern zugeschnitten,
so daß man nicht von allgemeingültigen Regeln oder Verfahren sprechen könne.
Ein von AID gefördertes Forschungsprojekt am Institut für Meeresforschung
in Hawaii leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung künstlicher Laichablage- und Befruchtungsverfahren für Milchfisch, was die Kosten für die Aufzucht
dieser Fischart ganz erheblich senkte. In den USA sind außerdem gentechnische
Experimente im Gang mit dem Ziel, fleischigere und für die Ernährung ergiebigere
Fischarten zu züchten, chemische Verbindungen und Vakzine zum Schutz gegen
Krankheiten zu entwickeln und auf hormonaler Grundlage Wachstum und Fortpflanzung zu unterstützen.

+ + + + +

- 4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auftakt zu den deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Festansprache des Direktors des US-Informationsamtes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Arbeitspotential und Arbeitsmarkt&lt;br /&gt;Was wird aus den Arbeitslosen?&lt;br /&gt;Wie steht es mit den Aussichten auf Vollbeschäftigung?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Joel Swerdlow -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr eiweißreiche Nahrung aus Fischfarmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachkonferenz empfiehlt Ausweitung in der Dritten Welt -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. Februar 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan legt Haushalt 1983/84 vor
- Senkung der allgemeinen Staatsausgaben - Stärkung des
Verteidigungshaushaltes Bush:

Oberstes Ziel ist Frieden durch Abrüstung

- Rede des US-Vizepräsidenten vor der Genfer Abrüstungskonferenz

WIRTSCHAFT
Präsident Reagan unterbreitet Jahreswirtschaftsbericht
- Begleitbotschaft des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Generationenkluft im Atlantischen Bündnis
- Von Hodding Carter III Darum wird Amerika nicht schlafen
- E i n Kommentar der Stimme Amerikas

Um Uber/endung uon
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. Februar 1983

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT 1983/84 VOR
Senkung der allgemeinen Staatsausgaben - Stärkung des
Verteidigungshaushaltes -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat dem amerikanischen
Kongreß am 31. Januar 1983 seinen Haushaltsvoranschlag für das Haushaltsjahr 1984 - vom 1. Oktober 1983 bis 30. September 1984 - vorgelegt. Bei
geschätzten Einnahmen von 659,7 Milliarden Dollar und veranschlagten Ausgaben von 848,5 Milliarden Dollar wird das Defizit voraussichtlich 188,8
Milliarden Dollar betragen.
Der amerikanische Finanzminiter Donald Regan erklärte vor der Presse,
der Haushaltsvoranschlag vermittle eine "ernste Botschaft" und sei das Ergebnis "harter Arbeit und schwieriger Entscheidungen".

Die Staatsausgaben

müßten gesenkt und das Defizit verkleinert werden.
Die Ausgaben sollen nach dem Voranschlag gegenüber dem vorangegangenen
Haushaltsjahr um 43,3 Milliarden Dollar steigen.

Inflationsbereinigt blei-

ben die Ausgaben jedoch gegenüber dem Haushalt 1983 praktisch unverändert.
Von den 43,3 Milliarden Dollar Mehrausgaben entfallen allein 30 Milliarden
Dollar auf die Verteidigung.
Die wesentlichen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die wesentlichen Haushaltsposten sind folgende:
Die Verteidigungsausgaben sollen von 208,9 Milliarden Dollar im Haushalt 1983 auf 238,6 Milliarden Dollar im Haushalt 1984 steigen.

Inflations-

bereinigt würde das eine Ausgabenerhöhung um rund 10 Prozent bedeuten.

Der

Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt würde sich von 5,5
Prozent im Jahr 1981 auf 7 Prozent 1984 erhöhen.
Die übrigen Ausgaben würden, wenn der Kongreß dem Haushaltsvoranschlag
des Präsidenten folgt, gegenüber dem Haushaltsjahr 1983 um real 2,95 Prozent
zurückgehen.

Das Defizit soll von 6,5 Prozent des Bruttosozialprodukts 1983

bis 1986 auf 3,6 Prozent zurückgehen, den gleichen Prozentsatz wie 1982.
Die vorgeschlagene Bedarfsfall Steuer soll im Haushaltsjahr 1986 in
Kraft treten, wenn der Kongreß die veranschlagten Haushaltskürzungen billigt
und das Defizit in jedem Jahr trotzdem über 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts liegt.
Die Ausgaben der Bundesregierung insgesamt, die derzeit 25,2 Prozent
des Bruttosozialprodukts ausmachen, sollen bis 1986 auf 23,9 Prozent gesenkt
werden.
Der vorliegende Haushalt geht davon aus, daß die Leistung der Wirtschaft um 1,4 Prozent höher liegen wird als 1982 und danach bis 1988 ein
vierprozentiges Wachstum erreichen wird. Die Arbeitslosigkeit wird 1983
mit durchschnittlich 10,7 Prozent angesetzt und soll bis 1988 auf 6,5 Prozent zurückgehen. Für die Verbraucherpreise wird 1983 ein Anstieg von 4,9
Prozent und in den nächsten fünf Jahren zwischen 4,4 und 4,6 Prozent erwartet. Ferner wird mit einem weiteren Rückgang der Zinsen gerechnet.
Das Einfrieren der Regierungsausgaben würde sich auf Kürzungen der
Gesundheitsprogramme, kleinere Kürzungen in Energieforschung und -entwicklung
sowie auf ein Einfrieren der Agrarsubventionen erstrecken.

Mehr Mittel sind

für die Verteidigung und in kleinerem Umfang für den Strafvollzug, die Rausch-

�die Rauschgiftbekämpfung und Programme auf dem Arbeits-, Ausbildungs- und
Wissenschaftssektor vorgesehen.
Weitere Einsparungen werden von einer sechsmonatigen Verschiebung der
Lebenskostenanpassung der Sozialversicherungsbezüge sowie einem 12monatigen
Einfrieren der Gehälter der bundesstaatlichen Bediensteten herrühren.
In der Haushaltsbotschaft des Präsidenten, die dem umfangreichen Haushaltsvoranschlag beiliegt, heißt es unter anderem:
Vor zwei Jahren habe ich mich in meiner ersten Ansprache an das amerikanische Volk gewandt, um über den Zustand unserer Wirtschaft zu berichten,
die unter den vielen Jahren einer arg fehlgeleiteten Politik gelitten hatte.
Dabei ging ich die Verpflichtung ein, einen Wandel bei der herkömmlichen,
kurzsichtigen Einstellung gegenüber den wirtschaftlichen Prioritäten herbeizuführen, damit unser Ziel langfristiger Prosperität erzielt werden könnte.

Und ich erklärte, daß eine gewaltige Aufgabe vor uns liege...
Das Wirtschaftsprogramm, das ich damals vorschlug, konzentrierte sich

auf ein langfristiges, reales Wachstum.

Meine Steuervorschläge zielten

darauf ab, die so notwendigen privaten Anreize zu schaffen, um Spartätigkeit
und produktive Investitionen anzuregen.
ihrer soliden Geldpolitik.

Ich unterstützte die Bundesbank bei

Ich arbeitete mit dem Kongreß zusammen, um das

Anwachsen der Regierungsprogramme umzukehren, das zu stark geworden war und
bei weitem deren Nützlichkeit überwog.

Und ich arbeitete daran, unnötige

oder lästige Vorschriften zu beseitigen oder zu vereinfachen.
Die beispiellose Zunahme inflationärer Kräfte in den siebziger Jahren
verschlimmerte jedoch Stärke und Dauer des wirtschaftlichen Abschwungs der
letzten Jahre.
des Bundes.

Dabei war eine der widrigsten Kräfte der wachsende Haushalt

Trotz unserer erfolgreichen Verringerung der Wachstumsrate

bei nichtmilitärischen Ausgaben in den letzten beiden Haushalten werden die
Ausgaben 1983 das Niveau von 1981 um 21 Prozent übersteigen, was fortdauernde
Erhöhungen gesetzlicher verankerter Programme, wesentliche Erhöhungen bei
- 3 -

�Erhöhungen bei den Verteidigungsausgaben und den rapiden Anstieg der Zinsbelastung widerspiegelt.
Daher brauchen die Änderungen, die wir gemacht haben, Zeit, um ihre
ganze Wirkung zu erzielen. Überreaktion mit kurzfristigen Mitteln kann
nicht die Antwort sein. Entscheidend ist vielmehr, daß wir auch weiterhin
zusammenarbeiten, um dieses Land wieder aufzubauen, ohne dabei die vier
Grundpfeiler unseres Wirtschaftsprogramms aus den Augen zu verlieren:
- Begrenzung der Steuerlasten auf ein Mindestniveau, das nötig ist, um
die wesentlichen staatlichen Dienstleistungen zu finanzieren und dadurch Anreize für Spartätigkeit, Investitionen, Arbeit, Produktivität
und Wirtschaftswachstum zu schaffen.
- Verringerung des Anwachsens der Gesamtausgaben des Bundes durch Einstellung jener staatlichen Aktivitäten, die den angemessenen Verantwortungsbereich des Bundes überschreiten, sowie durch Beschneidung
des Ausgabenzuwachses bei anderen staatlichen Tätigkeiten.
- Verringerung der staatlichen Vorschriftenlast in Bereichen, wo die Regierung unnötigerweise in die Privatsphäre eindringt oder sich unnötigerweise in die Geschäftstätigkeit des privaten Bürgers oder die Arbeit der einzelstaatlichen und kommunalen Behörden einmischt.
- Unterstützung einer moderaten und beständigen Geldpolitik, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen.
Während der vergangenen zwei Jahre kam es zu eindrucksvollen Verbesserungen bei der Art und Weise, in der die Regierung unsere Wirtschaft beeinflußt. Der Kongreß und meine Administration unternahmen eine kooperative
und politisch mutige Anstrengung, um ein Jahrzehnt der erschreckenden Zunahme der Ausgaben- und Steuerlasten, der Anhäufung unnötiger Bestimmungen
und des anwachsenden Bürokratismus sowie der Aushöhlung unserer militärischen
Stärke umzukehren.
Di
Res ultate

�Die Resultate können sich sehen lassen:
- Während die Steigerungsrate der Ausgaben 1980 mit 17,4 Prozent jährlich
nahezu außer Kontrolle geraten war, geht sie nunmehr drastisch zurück auf 10,5 Prozent

in diesem Jahr und - mit Hilfe dieses Haushalts - im

kommenden Jahr auf 5,4 Prozent, was nicht mehr über der projektierten
Inflationsrate liegen wird, ja, ein umfassendes Einfrieren aller Bundesausgaben bedeutet.
- Während von 1978 bis 1981 der Ausgabenanstieg insgesamt 220 Milliarden
betrug - ein Anwachsen von 48 Prozent -, werden die Ausgaben von 1981
bis 1984 nur um 27 Prozent ansteigen - trotz der gesetzlichen Lebenshai tungskonstenanpassung und der notwendigen Verbesserung der Verteidigung.
- Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wurde das Steuersystem des
Bundes grundlegend umstrukturiert. Die Einkommenssteuern wurden beträchtlich verringert und haben das Klima für Spartätigkeit und Investitionen
erheblich verbessert. Durch eine Reform der Abschreibungsgesetze wurde
die exzessive Besteuerung des Wirtschaftseinkommens beseitigt, die durch
die Inflation unangemessen worden war. Schlupflöcher der Steuergesetzgebung wurden abgedichtet, die Steuerstruktur wurde dadurch ausgeglichener.
- Die übermäßigen Zuwachsraten der staatlichen Förderungs- und Unterstützungsprogramme wurden beschnitten.

Ausufernde Anspruchskriterien

wurden gestrafft, um die Sozial ausgaben mehr auf die wirklich Bedürftigen
zu begrenzen und unnötige und kostspielige Zahlungen an jene zu beseitigen oder zu begrenzen, die verhältnismäßig gutgestellt sind und sich
selbst unterhalten können oder es sollten.

Zu großzügice und unnötig

häufige Anpassungen der Lebenshaltungskosten wurden zurückgeschnitten.
Dennoch ist die Kontrolle des Anwachsens dieser Programme schwierig und
bleibt auch weiterhin die Hauptursache der höheren Defizite.
- Erzielt wurden
- 5 -

�- Erzielt wurden eine Begrenzung der staatlichen Kreditaufnahme und der
Ausgaben außerhalb des Budgets (Off-budget-spending).
- Die Auswüchse bei Bestimmungen und Bürokratismus wurden beschnitten.
Die Zahl vorgeschlagener neuer Vorschriften wurde in den vergangenen
zwei Jahren um ein Drittel reduziert.
- Verbesserungen gab es auch bei der Arbeitsweise staatlicher Stellen.wie
etwa verbesserte Verfahren zur Eintreibung von Geldern, die dem Staat
geschuldet werden; dadurch konnten Verschwendung, Betrug und Mißbrauch
bei Regierungsprogrammen verringert werden.
Während der ganzen zwei Jahre haben wir auch entscheidende Maßnahmen
ergriffen, um unsere militärische Stärke zu erhöhen.

Gleichzeitig wurden

diplomatische Schritte zur Erhöhung unserer nationalen Sicherheit - wie etwa Abrüstungsgespräche - tatkräftig verfolgt.
Die Verbesserung unserer Verteidigung umfaßt all deren wesentliche
Elemente. Die lang überfällige Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte wird mittels neuer Bomber-, U-Boote- und landgestützter Raketen-Programme durchgeführt. Auch unsere konventionellen Streitkräfte werden durch
neue Schiffe, Panzer und Flugzeuge modernisiert und gestärkt. Vor allem kam
es durch erfolgreiche Rekrutierungen während der vergangenen 18 Monate dazu,
daß alle unsere Streitkräfte über eine größere Mannschaftsstärke tüchtiger
und gutausgebildeter Männer und Frauen verfügen. Unsere aus Freiwilligen
bestehenden Streitkräfte funktionieren jetzt gut. Welche Maßstäbe man auch
anlegen mag: All dies sind Leistungen, auf die man stolz sein kann. Und
ich bin stolz darauf. Wir haben große Fortschritte dabei erzielt, Ordnung
in das Chaos zu bringen, das in unserer Wirtschaft und unseren Regierungsangelegenheiten vor zwei Jahren noch herrschte...
Lassen Sie mich einen vierteiligen Plan zur Verstärkung des Wirtschaftswachstums und der Verringerung der Defizite umreißen.
Erstens empfehle
- 6 -

�Erstens empfehle ich ein Einfrieren der Bundesausgaben.

Ich weiß,

daß es sich hierbei um eine bittere Medizin handelt, aber bislang haben
wir nur die Zuwachsrate der öffentlichen Ausgaben beschnitten.

Die Regie-

rung gab auch weiterhin jedes Jahr mehr Geld aus, wenn auch nicht um so
viel mehr, als dies in der Vergangenheit geschah.

Insgesamt gesehen wird

der von mir vorgeschlagene Haushalt für das nächste Haushaltsjahr um nicht
mehr als die Inflationsrate ansteigen...
Ich werde darauf drängen, daß das vorgeschlagene, sechsmonatige Einfrieren des Lebenshaltungskostenausgleichs auch auf andere Pensionsprogramme
der Regierung angewendet wird. Zudem werde ich ein einjähriges Einfrieren
für eine ganze Reihe von Ausgaben-Programmen sowie für die Gehälter der Bundesbediensteten im zivilen und militärischen Bereich und für Pensionen vorschlagen.
Zweitens werde ich den Kongreß ersuchen, Maßnahmen zur Kontrolle des
Zuwachses von sogenannten "unkontrollierbaren" Ausgabenprogrammen zuzustimmen.

Hierbei geht es um automatische Ausgabenprogramme wie Lebensmittelgut-

scheine, die nicht einfach eingefroren werden können und die seit 1970 um
über 400 Prozent angestiegen sind.

Sie sind die größte Einzelursache für

das "strukturelle" Defizitproblem.

Unser Maßstab wird hierbei Fairness sein,

damit sichergestellt wird, daß die hart verdienten Dollar des Steuerzahlers
nur den wirklich Bedürftigen zugutekommen, daß keiner von diesen davongeschickt wird, daß aber Betrug und Verschwendung ausgemerzt werden.
muß leider sagen - es gibt hiervon eine ganze Menge.

Und ich

Allein beim Lebensmittel-

gutscheinprogramm ermittelten wir im vergangenen Jahr fast 1,1 Milliarden
Dollar an Oberzahlungen.

Die Steuerzahler sind dabei nicht die alleinigen

Opfer solcher Art von Mißbrauch; die wirklich Bedürftigen leiden darunter,
daß ihnen Mittel, die für sie vorgesehen sind, von den Habgierigen weggenommen
werden.

Zum Wohle aller müssen wir solcher Verschwendung und Korruption ein

Ende setzen.
Drittens werde ich unser Programm zur Erneuerung der Verteidigung Amerikas
einer Anpassung unterziehen, indem ich über die nächsten fünf Jahre 55 Milliarden Dollar an Einsparungen bei der Verteidigung vorschlage.
- 7 -

Es handelt

�Es handelt sich um Einsparungen, die mir der Verteidigungsminister empfohlen
hat, der mir zugleich versichert hat, daß sie ohne Schwierigkeiten erzielt
werden können und weder unsere Fähigkeit einschränken, Rüstungsverminderungen
auszuhandeln, noch Amerikas Sicherheit gefährden.

Wir werden mit unserem

nationalen überleben kein leichtfertiges Spiel betreiben.

Als Anteil vom

Bruttosozialprodukt gesehen, ist der Betrag, den ich für 1984 bei den Verteidigungsausgaben vorschlage, niedriger als der, den die Vereinigten Staaten
in den sechziger Jahren ausgaben.

Als Prozentanteil vom Gesamtbudget sind

sie weit niedriger als die für die nationale Verteidigung in jenen Jahren bereitgestellten Mittel.
waffnung Amerikas.

Seit zwei Jahren läuft unser Programm der Wiederbe-

Es ist von einschneidender Bedeutung, den Schwung bei

diesem Programm beizubehalten, wenn wir verhindern wollen, daß wir in die
ineffizienten und abträglichen Muster unruhig fluktuierender Verteidigungsausgaben zurückfallen.
Viertens, werde ich - da wir eine Verringerung und schließlich eine
Beseitigung der Defizite über die nächsten Jahre sicherstellen müssen - eine
Bedarfsfallsteuer vorschlagen, die auf nicht mehr als ein Prozent des Bruttosozialproduktes begrenzt sein soll und im Haushaltsjahr 1986 beginnen würde.
Sie würde nicht länger als drei Jahre bestehen und nur dann einsetzen, wenn
der Kongreß zunächst unserem Einfrieren der Ausgaben und unserem Programm
zur Kontrolle des Haushalts zugestimmt hat. Man könnte sagen, es handelt
sich um eine Art Vorsorgeprogramm für die Zukunft - ein Mittel das für den
Bedarfsfall bereit steht, zu dem man aber nur greift, wenn es absolut notwendig ist...
Nach zwei Jahren der Verringerung eines Großteils der überausgaben
sind wir nun bei vielen Stellen bis ans Ende gekommen - bei Programmen, wo
wir keine weiteren Verringerungen mehr vorschlagen werden. Meine Administration wird nun mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um jenen speziellen Anliegen der Legislative gerecht zu werden, die in der Vergangenheit unnötige
Spannungen verursacht haben...
Vertei di gungshaushalt
- 8 -

�VERTEIDIGUNGSHAUSHALT
Mit 238,6 Milliarden Dollar hat Präsident Reagan fast 30 Milliarden
Dollar mehr für den Verteidigungshaushalt angefordert als im laufenden Haushaltsjahr.

Verteidigungsminister Weinberger hob vor der Presse hervor, daß

diese Erhöhungen notwendig seien, um den Wiederaufbau der Stärke Amerikas
angesichts der ständigen sowjetischen Aufrüstung zu gewährleisten.

Die Ver-

einigten Staaten, so betonte Weinberger, hätten ein Jahrzehnt lang ihre Verteidigung vernachlässigt.

Jetzt komme es darauf an, die Einsatzbereitschaft

und Durchhaltekraft der Streitkräfte wiederherzustellen.
Unter der Überschrift "Nationale Verteidigung" heißt es in dem neuen
Haushaltsvoranschlag unter anderem:
Das Grundziel unseres Verteidigungsprogramms ist die Verhütung sowohl
eines nuklearen wie eines konventionellen Krieges.

Unser Verteidigungspro-

gramm sucht andere Länder davor abzuschrecken, unsere lebenswichtigen Interessen und die unserer Verbündeten und Freunde zu bedrohen.

Diese Abschrek-

kung muß auf der Aufrechterhaltung strategischer Nuklearkapazitäten beruhen,
die einen Atomkrieg gegen uns zu einer unannehmbaren Option machen; der
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Flottenstärke in Schlüsselgebieten;
starken vorne-dislozierten Streitkräften in der NATO und in Nordwestasien;
sowie auf der Fähigkeit, unsere Streitkräfte rasch weltweit dislozieren und
aufrechterhalten zu können...
Die amerikanische Verteidigungspolitik dient dazu, vor einem Krieg
abzuschrecken - durch die Aufrechterhaltung nuklearer und konventioneller
Streitkräfte, die stark genug sind, um jeden potentiellen Gegner davon zu
überzeugen, daß der Preis für eine Aggression zu hoch wäre, einen Angriff
zu rechtfertigen... Das erfordert, daß unser laufendes Verteidigungsprogramm:
- alle Komponenten der strategischen Streitkräfte der USA modernisiert,
um ihre Fähigkeit, vor einem nuklearen Angriff abzuschrecken,

zu ge-

währleisten, und - falls ein solcher Angriff stattfinden sollte - 9 -

�stattfinden sollte - ihre Fähigkeit, zu überleben und zurückzuschlagen;
- die Fähigkeit unseres Landes verbessert, auf Krisen überall in der
Welt militärisch reagieren zu können;
- eine ausreichende Flottenstärke aufrechterhält, um unsere Fähigkeit
zu gewährleisten, amerikanische Streitkräfte in kritischen Gebieten
in Obersee dislozieren zu können, um unsere Interessen zu schützen,
unsere Verbündeten zu unterstützen und den ungehinderten Zugang zu
lebenswichtigen Ressourcen zu gewährleisten;
- Bündnisse und Koalitionen neu belebt,um amerikanische Interessen
weltweit zu schützen und vor allem die Ziele der NATO zu erreichen;
und
- die Einsatzbereitschaft und das Durchhaltevermögen der konventionellen
Streitkräfte verbessert und das Gerät dieser Streitkräfte modernisiert. ..

Nachforderungen und Streichungen für das Haushaltsjahr 1983
Der Präsident wird für das Haushaltsjahr 1983 Nachtragsmittel anfordern
für die Beschaffung der MX-Rakete, die PERSHING II-Rakete und für eine Reihe
NATO-bezogener Programme. Die Beträge für die MX-Rakete werden von der Begutachtung der Empfehlungen der Kommission für strategische Streitkräfte
durch den Präsidenten abhängen. Die Mittel für die PERSHING II werden nach
der erfolgreichen Flugerprobung der Rakete angefordert werden. Zu den Anforderungen für NATO-bezogene Programme werden Mittel gehören für die landgestützten Marschflugkörper; die Vorauseinlagerung von Gerät in Europa, für
das Abkommen über Unterstützung durch den Aufnahmestaat in Krise oder Krieg
mit der Bundesrepublik Deutschland sowie eine allgemeine Bestimmung für die
Aufhebung der Beschränkungen beim Einkauf besonderer Metalle und besonderer
- 10 -

�und besonderer Geräte bei unseren Verbündeten.

Die vorgeschlagenen Strei-

chungen werden später festgelegt und dem Kongreß zugeleitet.
Strategische Streitkräfte - Das Programm der Administration für die Modernisierung der strategischen Streikräfte wird im Haushaltsjahr 1984 fortgesetzt.

Das Programm besteht aus sechs Verstärkungselementen:

Verbesserung

unserer Befehls-, Leit-, Kommunikations- und Aufklärungssysteme; Modernisierung unserer Langstreckenbomber-Streitmacht durch Beschaffung des neuen BlB-Bombers und durch Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet eines hochtechnologisch entwickelten Bombers (Tarnbombers, der nicht durch Radar zu
erfassen ist); weitere Dislozierung der unterseebootgestützten TRIDENT-I-Rakete und Entwicklung einer neuen, stärkeren und treffsichereren TRIDENT-IIRakete; Verbesserung der Kapazität unserer landgestützten Interkontinentalraketen durch die MX-Rakete (Friedensbewahrer); und Stärkung unserer strategischen Verteidigung.

Zu weiteren in der Entwicklung befindlichen Projekten

gehören unterseebootgestützte Marschflugkörper, neue Raketen-Gefechtsköpfe
und Anti-Satelliten-Systeme.

Zusammen werden diese Programme für absehbare

Zukunft eine glaubwürdige nukleare Abschreckung bieten.
Allgemeine Streitkräfte - Die allgemeinen Streitkräfte,die vor einer
nicht-nuklearen Aggression abschrecken oder ihr begegnen sollen, müssen in
der Lage sein, auf den schwersten potentiellen Konflikt - einen Krieg zwischen
NATO und Warschauer Pakt - reagieren zu können, und gleichzeitig die Flexibilität behalten, anderen Bedrohungen amerikanischer Interessen entgegenzutreten. Folgende aktive Streitkräfte stehen dafür zur Verfügung: 16 Heeresdivisionen, 3 Marinekorpsdivisionen, 3 Luftgeschwader des Marinekorps, 26
taktische Luftgeschwader der Luftwaffe und 371 Kriegsschiffe der allgemeinen
Seestreitkräfte, darunter 13 Flugzeugträger und 13 trägergestützte Luftgeschwader. ..
Allgemeine Seestreitkräfte - Diese Streitkräfte müssen sowohl in Friedens- wie auch in Krisenzeiten eine Abschreckung vor einer militärischen
Aggression bieten...
Die einsatzbereite
- 11 -

�Die einsatzbereite Streitmacht der Marine wird sich von 506 Schiffen im
Haushaltsjahr 1983 auf 526 Schiffe im Haushaltsjahr 1984 verstärken.

Wir

müssen jedoch ferner die Modernisierung unserer Marine-Waffensysteme fortsetzen und den Stand dieser Streitkräfte weiter erhöhen.

Ein Fünfjahresplan

für den Schiffbau sieht von 1984 bis 1988 den Bau von 124 Schiffen vor.
Die aktiven Seeluftstreitkräfte werden 16 taktische Luftgeschwader
(13 Marine und 3 Marinekorps), 24 landgestützte Aufklärungsstaffeln und
verschiedene Versorgungsflugzeuge umfassen...
Allgemeine Luftstreitkräfte - ...Um die Kampfkraft der taktischen Lufteinheiten zu stärken, sieht der Haushalt 1984 die Beschaffung von Jagdflugzeugen der Typen F-15 und F-16, Aufklärungsflugzeuge desTyps TR-1 sowie besonders treffsicheren, präzisionsgesteuerten Bomben und Raketen vor.

Der

landgestützte Marschflugkörper wird im Rahmen des Modernisierungsprogramms
der taktischen Nuklearstreitmacht der NATO beschafft...
See- und Luftbrückenkapazität - ...Die Einsatzbereitschaft dieser Streitmacht wird durch Verbesserung der vorhandenen Transportflugzeuge wie z.B.
durch Ersatz der Tragflächen der C-5A und die Beschaffung weiterer Ersatzteile erreicht. Die Fähigkeit zur raschen Dislozierung wird durch die Beschaffung einer modernisierten Version des C-5-Transportflugzeuges sowie
von mehr Tank-Lastflugzeugen vom Typ KC-10A, die Modernisierung der Nachschubschiffe vom Typ SL-7 durch Roro-Kapazität und die Charterung weiterer
Schiffe für die Vorausbereitstellung von Nachschub und Gerät gesteigert...

INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
Die wesentlichen Auszüge aus dem Abschnitt "Internationale Angelegenheiten", der sich unter der Rubrik Auslandshilfe in die beiden Bereiche
Sicherheitshilfe und wirtschaftliche und finanzielle Hilfe gliedert, haben
folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten
- 12 -

�Die Vereinigten Staaten streben eine Weltordnung an, deren Wesenszüge
Frieden, Sicherheit und Wohlstand sind und in der der einzelne sich politischer und wirtschaftlicher Freiheit erfreut.

Die in diesem Haushalt für

internationale Angelegenheiten vorgeschlagenen Mittel sind für die Durchführung der amerikanischen Außenpolitik und das Erreichen der Ziele der nationalen Verteidigung notwendig.

Für 1984 werden 16,8 Milliarden Dollar

an

Haushaltsermächtigungen und 13,2 Milliarden Dollar an geschätzten Ausgaben
gefordert.

Im Vergleich hierzu betrugen die Schätzungen 1983

17,1 Milliar-

den Dollar bzw. 11,9 Milliarden.

Internationale Sicherheitshilfe
Die Programme der Sicherheitshilfe sind entscheidende Instrumente der
nationalen Sicherheit und der Außenpolitik der Vereinigten Staaten und dienen
der Stärkung verbündeter und befreundeter Regierungen, mit denen die Vereinigten Staaten besondere Sicherheitsanliegen verbindet. Durch diese Programme helfen die Vereinigten Staaten anderen Ländern dabei, militärische
Ausrüstung zu kaufen, das notwendige Personal dafür auszubilden und einzusetzen, das für ihre Verteidigung nötig ist; zudem wird hierdurch die wirtschaftliche und politische Stabilität gefördert. Die Sicherheitshilfe steht
auch in Beziehung zum amerikanischen Zugang zu Militärbasen und -anlagen
im Ausland.
Angesichts der anhaltenden Herausforderungen, denen sich die amerikanischen Interessen gegenübersehen, und angesichts der wirtschaftlichen Schwie
rigkeiten in vielen Bereichen der Welt sieht der Haushalt eine beträchtliche
Erhöhung der Sicherheitshilfe (sowohl wirtschaftlich als auch militärisch)
vor. Die vorgeschlagene Haushaltsermächtigung steigt für 1984 auf 4,7 Milliarden Dollar - 183 Millionen Dollar über dem Betrag von 1983
Hauptprogramme

- 13 -

�Hauptprogramme (in Millionen Dollar)
1982 (Ist)

1983
(Voranschlag)

1984
(Voranschlag)

2 919

2 956

2 949

Ausland auf Kredit

800

1 175

1 000

Militärhilfe

179

457

747

Verschiedenes

221

77

108

Internationale Sicherheitshilfe
Mittel für wirtschaftliche Unterstützung
Militärische Lieferungen ins

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgung
Zwischensumme, Internationale
Sicherheitshilfe

-

199
3 919

-

155
4 509

-

112
4 692

Wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe
Obergreifendes Ziel der Programme für wirtschaftliche und finanzielle
Auslandshilfe ist es, die Ausweitung eines marktorientierten internationalen
Wirtschaftssystems zu unterstützen und dazu beizutragen, die entwicklungspolitischen und humanitären Bedürfnisse der Entwicklungsländer zu befriedigen.
In diesem Bereich belaufen sich die Haushaltsermächtigung,
die für 1984
beantragt wird, auf 4,9 Milliarden Dollar, die geschätzten Ausgaben für 1984
auf 4,5 Milliarden Dollar.
Die Multilateralen Entwicklungsbanken. Diese Banken spiele eine besonders wichtige Rolle bei der Förderung solider Wirtschaftspolitiken in den
Empfängerstaaten. Insgesamt verliehen diese Institutionen während ihrer letzten vollständigen Haushaltsjahre fast 18,2 Milliarden Dollar, um langfristige
Projekt- und technische Hilfe zu gewähren. ...Für 1984 beträgt die vorgeschla
gene Haushaltsermächtigung für die Banken 1,6 Milliarden Dollar...
Internationale Organisationen
- 14 -

�Internationale Organisationen. Die Vereinigten Staaten leisten freiwillige Beiträge für die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen und Programme, die für Entwicklung, humanitäre Hilfe und wissenschaftliche Zusammenarbeit tätig sind.

Die Beteiligung an diesen multila-

teralen Programmen vervollständigt die direkte Hilfe von Land zu Land, um
die Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik zu verwirklichen.

Den-

noch werden die amerikanischen Beiträge im Jahr 1984 gegenüber dem Umfang
der vergangenen Jahre abnehmen.

Denn während manche dieser Programme auf

internationaler Ebene einen bedeutenden Beitrag im humanitären und Entwicklungsbereich leisten, erhalten sie eine geringere Priorität als andere Maßnahmen, die auf die gleichen Ziel ausgerichtet sind.

Es wird hier eine

Haushaltsermächtigung von 190 Millionen Dollar vorgeschlagen.
Amt für internationale Entwicklung (AID). Programme der bilateralen
Entwicklungshilfe werden in großem Umfang von AID durchgeführt. Die vorgeschlagene Haushaltsermächtigung von 1,9 Milliarden Dollar für 1984 wird das
Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern durch Projekte in Bereichen
wie der Landwirtschaft, der Bevölkerungspolitik, der Gesundheitsvorsorge,
der Ausbildung und der Energie fördern.
...Die Initiativen der Administration bei den AID-Programmen umfassen zudem die Unterstützung solider Wirtschaftspolitiken in den Empfängerländern, den verstärkten Einsatz der Mittel
des Privatsektors - sowohl des amerikanischen als auch desjenigen der
Empfängerländer - bei der Entwicklung sowie den Aufbau von Institutionen
und die Förderung von Wissenschaft und Technologie in den Entwicklungsländern.
Flüchtlingshilfe.

Die Vereinigten Staaten sind sich auch weiterhin

ihrer internationalen und humanitären Verpflichtungen hinsichtlich einer
Verbesserung der Lage der Flüchtlinge in vielen Teilen der Welt bewußt.
Budget enthält 344 Millionen Dollar an Haushaltsermächtigung

Das

für 1984,

um Flüchtlinge im Ausland zu unterstützen und 72 000 Flüchtlingen in den
Vereinigten Staaten eine neue Heimat zu geben...
Austausch- und Informationsprogramme.

Diese Programme erhöhen das Ver-

ständnis für die Vereinigten Staaten und ihre Politik im Ausland.
- 15 -

Für 1984

�Für 1984 werden 832 Millionen Dollar an Haushaltsermä'chtigung

vorgeschla-

gen, die Ausgaben auf 828 Millionen Dollar geschätzt, was einen Anstieg von
108 Millionen Dollar bzw. 124 Millionen Dollar gegenüber 1983 bedeutet.
Ab 1983 wird das US-Informationsamt (USIA) mit einer umfassenden mehrr
jährigen Ausweitung und Modernisierung der Sendeanlagen der "Stimme Amerikas"
beginnen.

Die notwendigen Entwicklungs- und technischen Arbeiten werden 37

Millionen Dollar an Haushaltsermächtigung für 1983 und 48 Millionen für 1984
erfordern.

Außerdem wird USIA 1983 eine neue, größere Anstrengung unter-

nehmen, um die Entwicklung demokratischer Werte und Institutionen im Ausland
zu fördern, wie dies der Präsident in seiner Rede vom 8. Juni 1982 vor dem
Parlament in London ankündigte...
Hauptprogramme (in Millionen Dollar)
1982 (Ist)

1983
(Voranschlag)

1984
(Voranschlag)

1 262
215

1 537

1 618

254

190

1 847
1 000
105
423
61

1 797

1 871

1 028

1 052

109
395
65

109
344
148

Wirtschaftliche und finanzielle
Auslandshilfe:
Multilaterale Entwicklungsbanken
Internationale Organisationen
Amt für Internationale Entwicklung (AID)
Lebensmittelhilfe (Gesetz 480)
Friedenskorps
Flüchtlingshilfe
Verschiedenes
Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgung

361

-

430

-

466

Zwischensumme

4 552

4 755

4 868

Gesamtsumme der Auslandshilfe

8 471

9 264

9 560

+ + + + +

16

�9. Februar 1983

BUSH: OBERSTES ZIEL IST FRIEDEN DURCH ABRÜSTUNG
Rede des US-Vizepräsidenten vor der Genfer Abrüstungskonferenz

GENF - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am 4. Februar 1983 in einer Rede vor dem Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen, der
in Genf verhandelt, den Weltfrieden durch Abrüstung als oberstes Ziel der
Vereinigten Staaten bezeichnet.

Bush forderte die Sowjets auf, eigene Pläne

zur Beseitigung von nuklearen Mittel Streckensystemen vorzulegen, und sicherte
die ehrliche Verhandlungsbereitschaft Amerikas zu.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Keine Stadt hat mehr dazu beigetragen, den ältesten, aber doch so schwer
zu fassenden Traum der Menschheit näher zu bringen: mit dem Nachbarn in Frieden zu leben.

Dies ist die Stadt Rousseaus, der uns gelehrt hat, daß der

Mensch frei und gut geboren wird - ein Gedanke, der eine höchst tiefgreifende
Auswirkung auf mein Land und viele andere gehabt hat.
Es war hier in der Nähe, wo Voltaire seinen Wohnsitz genommen hat, als
sein durchdringender, aber oft respektloser Geist ihm den Unmut seines Königs
einbrachte.

Nach dem Unglück des Ersten Weltkrieges wurde der Völkerbund

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Völkerbund gegründet und nahm seinen Sitz hier in diesem Gebäude - in
der Hoffnung, daß hier in dieser freien Stadt Genf diese Verkörperung der
besten Absichten der Menschheit gedeihen möge.
Heute richten sich die Friedenshoffnungen dieser Welt erneut auf diese
Stadt.

Hier finden gegenwärtig zwei lebenswichtige bilaterale Verhandlungen

statt, die einem gemeinsamen Ziel dienen: Wesentliche Verringerungen der
Nukleararsenale der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vorzunehmen und
damit die internationale Stabilität zu stärken und die Sicherheit aller Staaten zu vergrößern.
Und hier in diesem Ausschuß sind multilaterale Bemühungen im Gange,
um mit anderen dringenden Aspekten der Rüstungskontrolle fertig zu werden:
Wie man wirksam chemische Waffen aus den Arsenalen der Welt verbannen kann;
wie man Einschränkungen der Nuklearversuche wirksam verifizieren kann; wie
man die Frage einer möglichen weitergehenden Rüstungskontrolle im Weltraum
anpacken kann.
Meine Botschaft an Sie ist einfach und eindeutig: Die Vereinigten
Staaten werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um eine Grundlage für
einen dauerhaften Weltfrieden durch Rüstungskontrolle und durch Abkommen
zu schaffen, die der Förderung der internationalen Sicherheit und Stabilität
dienen. Diese Aufgabe hat für den Präsidenten höchsten Vorrang, und er hat
mich gebeten, Ihnen mitzuteilen, daß wir mit äußerster Entschlossenheit vernünftige und durchführbare Rüstungskontroll initiativen verfolgen werden.
Aber wir werden - und dürfen - nicht mit Wegen einverstanden sein, die
nicht vernünftig sind und keine wirksamen und verifizierbaren Abkommen versprechen.
Wie stehen die Aussichten für einen Fortschritt in Genf? Ich möchte
Ihnen die Meinung der Vereinigten Staaten über den Stand unserer bilateralen
und multilateralen Bemühungen darlegen, der Sache des Friedens durch ein
Übereinkommen über wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen zu dienen.
Präsident Reagan
- 2 -

�Präsident Reagan hat sein Amt in einer Zeit wachsender Besorgnisse
des amerikanischen Volkes über das Verhalten der Sowjetunion und ihrer Verbündeten übernommen.

Die Sowjetunion schien mit ihrer Außenpolitik wie

auch ihrer unbarmherzigen militärischen Aufrüstung entschlossen zu sein,
ihre eigenen Interessen auf Kosten der Interessen aller anderen voranzutreiben.
Diese Entschlossenheit fand ihren Ausdruck in der Invasion Afghanistans,
in der Unterdrückung der Menschenrechte in Polen, im Einsatz chemischer und
toxischer Waffen in Südostasien und in Afghanistan unter Verletzung des Völkerrechts und bestehender internationaler Konventionen und in der ständigen
Anhäufung ungeheurer Mengen an modernen Waffen, die weit über alle vernünftigen Verteidigungserfordernisse hinausgeht.
Dieses Verhalten erforderte natürlich eine Neuankurbelung unserer eigenen Verteidigung, die in vielen Aspekten militärischer Macht zurückgeblieben war. Die Vereinigten Staaten haben diese Anstrengung nicht mit einem
Blick auf Eroberung oder Einschüchterung unternommen, sondern nur, um unsere
Fähigkeit zur Abschreckung vor einer Aggression aufrechtzuerhalten und damit
unsere lebenswichtigen Interessen und die unsere" Freunde und Verbündeten gegen die Androhung von Zwang zu verteidigen. Ich weiß, daß Präsident Reagan
unsere Mittel viel lieber für andere Aufgaben ausgeben würde. Aber wir werden
und wir müssen alles Notwendige tun, um unsere Interessen zu verteidigen und
den Frieden zu erhalten.
Aber die Bereitstellung der Mittel ist nur ein Aspekt der Gewährleistung
der eigenen Sicherheit. Die Reagan-Administration ist der Überzeugung, daß
Rüstungskontrollmaßnahmen ein lebenswichtiger Teil unserer nationalen Sicherheit sein und gerechte und wirksam verifizierbare Rüstungskontroi labkommen
diese Sicherheit erhöhen können. Eine der ersten Maßnahmen, die Präsident
Reagan ergriffen hat, war die all ergründlichste Überprüfung unserer Rüstungskontroll pol itik, die je von einer neuen Administration vorgenommen wurde.
Um mit

�Um mit der veränderten Situation fertig zu werden, in der sich die Vereinigten Staaten als Ergebnis einer jahrzehntelangen Aufrüstung der Sowjets
fanden, war eine neue Einstellung zur Rüstungskontrolle notwendig.
kontrolle war nicht weniger wichtig geworden.

Rüstungs-

Ja, wirksame Rüstungskontrolle

war im Gegenteil wichtiger geworden, da das militärische Gleichgewicht auf
allen Ebenen instabiler geworden war.
Präsident Reagan verkündete die allgemeinen Prinzipien, die unsere
Rüstungskontroilbemühungen leiten, in einer Erklärung vom 18. November 1982.
Sie sind wert, hier wiederholt zu werden:
Erstens, die Vereinigten Staaten wollen die Zahl und die Zerstörungskraft
von Kernwaffen wesentlich verringern - und sie nicht einfach auf einem hohen
Stand einfrieren, wie dies durch frühere Abkommen geschehen ist.
Zweitens, wir wollen Abkommen, die zu beiderseitigen Verringerungen auf
einen gleichen Stand der Streitkräfte beider Seiten führen werden.

Ein un-

ausgewogenes Abkommen kann, wie ein unausgewogenes Kräfteverhältnis der
Streitkräfte, zur Aggression ermutigen.
Drittens, wir wollen Abkommen, die die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten stärken und das Risiko eines Krieges verringern.
Rüstungskontrolle ist kein Selbstzweck, sondern ein lebenswichtiges Mittel,
um Frieden und internationale Stabilität zu gewährleisten.
Viertens, wir werden die Bestimmungen von Rüstungskontroi labkommen sorgfältig ausarbeiten und auf Maßnahmen beharren, die sicherstellen, daß sich
auch alle Vertragsparteien an den Vertrag halten.
Mit anderen Worten, wir werden darauf beharren, daß Abkommen verifizierbar sein müssen.

Andernfalls können die Vertragsparteien kein Vertrauen

haben, daß sich alle an die Bestimmungen des Abkommens halten werden.

Das

ist vor allem auf dem nuklearen Bereich wichtig, wo wir einschneidende Kür-

- 4 -

�einschneidende Kürzungen des amerikanischen und des sowjetischen Arsenals
vorgeschlagen haben.

Das ist auch entscheidend wichtig für unsere Bemühun-

gen hier in diesem Ausschuß, chemische Waffen zu verbieten und wirksame Begrenzungen von Nuklearversuchen zu erreichen.
Auf der Grundlage dieser Ziele hat meine Regierung seither ein dynamisches Programm von Rüstungskontrollinitiativen unterbreitet - in unseren
bilateralen Verhandlungen mit der Sowjetunion, in der Arbeit in diesem Ausschuß hier

und - zusammen mit unseren Verbündeten - in den Wiener Verhand-

lungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Europa.
Lassen Sie mich auf jene eingehen, die für die Mitglieder dieses Ausschusses
von besonderem Interesse sind.
Das Problem, Verringerungen der Nukleararsenale der Welt zu erreichen,
ist unsere größte Herausforderung. Die Vereinigten Staaten haben auf diese
Herausforderung reagiert, indem sie, wie Präsident Reagan es nannte, das umfassendste Programm der nuklearen Rüstungskontrolle ausgearbeitet haben, das
je von meinem Lande vorgeschlagen wurde. Diese Vorschläge liegen hier in
Genf auf dem Verhandlungstisch - bei den Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) und bei den START-Verhandlungen über die Verringerung
der strategischen Nuklearstreitkräfte.
Was ich hier unterstreichen möchte, ist die Tatsache, daß es bei den
Vorschlägen der Vereinigten Staaten bei den START-Verhandlungen um tiefe und
wesentliche Einschnitte in die amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale geht - eine 50prozentige Verringerung unserer strategischen Raketen.
Bei den INF-Verhandlungen haben wir die Beseitigung dieser ganzen Waffenklasse vorgeschlagen. Die Vereinigten Staaten schlagen einen Weg vor, der
ausgewogen ist und das Risiko eines Krieges verringert. Darum geht es schließlich bei all den Verhandlungen. Stabilität und Sicherheit könnten wesentlich
gestärkt werden, wenn beide Seiten ihre Arsenale auf diese Weise verringern
würden, und genau darum haben wir wesentliche Verringerungen vorgeschlagen.
Bei den

�Bei den INF-Verhandlungen liegt jetzt ein weitreichender amerikanischer
Vorschlag auf dem Tisch, der mit einem Streich die ganze Klasse amerikanischer
und sowjetischer weiterreichender INF-Raketen beseitigen würde - die Systeme,
die beiden Seiten die größten Sorgen bereiten.
Nach unserem Vorschlag müßte die Sowjetunion alle ihre landgestützten
Raketen dieses Typs abschaffen.

Diese Raketen - die Typenbezeichnung dafür

im Westen ist SS-4, SS-5 und SS-20 - stehen heute an Ort und Stelle bereit.
Die Vereinigten Staaten müßten auf die Dislozierung ihrer in etwa vergleichbaren Raketen verzichten.

Wie Sie wissen, sollen sie gemäß der Entscheidung

des NATO-Bündnisses, beginnend in diesem Jahr, in Europa disloziert werden.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß jedes solches Abkommen über Nuklearstreitkräfte ausgewogen und wirksam sein muß.
nukleare Bedrohung für beide Seiten wirklich senken.
fordern.

Es muß die Stabilität

Und es muß das Risiko eines Konflikts verringern.

erfüllt all diese Kriterien.

Es muß die
Unser Vorschlag

Er packt das Problem wirklich an der Wurzel an.

Die Vorschläge, die die Sowjets bisher bei diesen Verhandlungen unterbreitet haben, sind darauf ausgerichtet, ihnen einen wesentlichen Vorteil
zu belassen - nämlich ein Monopol in den weiterreichenden INF-Raketen gegenüber den Vereinigten Staaten. Die kürzlich von Generalsekretär Andropow
geäußerten Gedanken haben genau dieses Ziel. Wir werden selbstverständlich
weiterhin jeden konstruktiven sowjetischen Vorschlag mit größter Ernsthaftigkeit prüfen. Wir Vertretern keinen "Alles oder Nichts"-Standpunkt.
Wir sind jedoch der Meinung, daß die Sowjetunion bei diesen Verhandlungen
unsere legitimen Sicherheitsansprüche anerkennen muß. Wir glauben, eine moralische - ja, eine moralische - Position zu vertreten. Was ist daran falsch,
das Angesicht dieser Erde von einer ganzen Klasse neuer, tödlicher Raketen
zu befreien? Das einzige Argument, das ich gehört habe, warum wir nicht
diese ganze Generation von INF-Raketen beseitigen können, ist, daß die Sowjetunion dagegen ist.
Sie sagt
- 6 -

�Sie sagt einfach:

"Wir sind dagegen".

Ich kann mir aber nicht vor-

stellen, daß das in diesem schrecklichen Atomzeitalter ein stichhaltiges
Argument ist.

Unsere Herausforderung an die Sowjetunion ist also die:

Legt

einen Plan vor, um diese INF-Raketen zu verbieten, und laßt uns in einem
freien und offenen Dialog über Initiativen sprechen, die zu diesem moralischen
Ziel führen werden.
Wie bei den Verhandlungen über Mittelstreckenraketen legen wir auch
bei den START-Verhandlungen den Nachdruck auf wirkliche und wesentliche Verringerungen des Standes der strategischen Rüstungen beider Seiten auf eine
gleiche Höchstgrenze.

Wie Präsident Reagan betont hat, würden unsere Vor-

schläge bei diesen Verhandlungen etwa 4700 Gefechtsköpfe und 2250 Raketen
aus den nuklearen Arsenalen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zusammen abschaffen.
Wir sind durch die Tatsache ermutigt, daß die Sowjetunion ernsthaft
verhandelt - wir haben das in aller Öffentlichkeit gesagt, und ich wiederhole es hier gerne - und das Konzept einer Verringerung akzeptiert hat, obwohl wir den von ihr unterbreiteten Vorschlag nicht ausreichend finden. Ihr
Vorschlag konzentriert sich nicht auf die mehr destabilisierenden Elemente
der strategischen Streitkräfte - nämlich die ballistischen Raketen, vor allem die Interkontinentalraketen - und geht im Sinne einschneidender Kürzungen der Raketenstreitmacht, die wir für notwendig erachten, nicht weit genug. Wir sind jedoch der Auffassung, daß die gezeigte Einstellung eine
Grundlage für Verhandlungen bietet, und wir haben die Absicht, Wege zu sondieren, um solche Verringerungen zu erreichen und die Verhandlungen ernsthaft und konstruktiv fortzusetzen.
Unser Präsident hat, als er von einem Vorschlag Andropows hörte, die
Ernsthaftigkeit der Zielsetzung anerkannt, was - wie ich meine - richtig
war und von der Öffentlichkeit anerkannt werden sollte.
Ich werde während meines Besuches hier in Genf mit der amerikanischen
und der sowjetischen Delegation bei diesen kritischen Verhandlungen zusammen- 7 -

�Verhandlungen zusammentreffen.

Ziel und Zweck dabei ist, die große Bedeu-

tung hervorzuheben, die die Vereinigten Staaten - und Präsident Reagan persönlich - einem erfolgreichen Ergebnis dieser beiden Verhandlungen beimessen.
Ich werde an unsere Delegationen die Hoffnung des Präsidenten weitergeben,
daß sie, die Unterhändler, mit Tempo und Energie die Dinge vorantreiben werden, sowie seine Wünsche, daß diese ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein
werden.

Ich weiß, daß alle seine Wünsche darin gipfeln, daß ihre Bemühungen

erfolgreich sein werden. Ich weiß, daß Sie alle hier diese Hoffnung teilen.
Ich werde auch, wie ich auf allen anderen Stationen meiner Reise unterstrichen habe, klarmachen, daß ich kein Unterhändler bin.

Die Unterhändler

sitzen hier in Genf und verhandeln derzeit ernsthaft mit ihren sowjetischen
Verhandlungspartnern.
Lassen Sie mich jetzt etwas zur direkten Arbeit dieses Ausschusses hier
sagen, der wir ebenfalls größte Bedeutung zumessen.
Der Ausschuß steht vor einer Reihe wichtiger Fragen.

Nichts hat für

die Vereinigten Staaten eine höhere Priorität als die Bemühungen, eine ganze
andere Klasse von Waffen aus den Arsenalen der Welt zu verbannen.

Wie Prä-

sidnet Reagan erklärt hat, ist es das Ziel der amerikanischen Politik, die
Drohung einer chemischen Kriegführung zu beseitigen, indem ein vollständiges
und verifizierbares Verbot chemischer Waffen erreicht wird.
Die Nationen der Welt haben bereits den Ersteinsatz von chemischen und
biologischen Waffen durch das Genfer Protokoll von 1925 verboten und durch
die Konvention von 1972 über biologische und toxische Waffen den Besitz von
biologischen und toxischen Waffen als ungesetzlich erklärt.
Wie die meisten anderen an diesem Tisch hier vertretenen Länder sind die
Vereinigten Staaten Vertragsparteien dieser Verträge, und wie die meisten anderen halten wir uns voll und ganz an ihre Bestimmungen, über die Bestimmungen dieser Verträge hinaus besteht ein noch viel stärkeres, moralisches Verbot

- 8 -

�moralisches Verbot der Anwendung dieser Waffen.

Präsident Franklin Roosevelt

hat es vielleicht am treffendsten formuliert, als er erklärte, ihre Anwendung
sei "durch die allgemeine Auffassung der zivilisieren Welt geächtet worden".
Alle Formen der Kriegführung sind schrecklich.

Aber diese Waffen sind

besonders furchterregend wegen des menschlichen Leidens, das sie hervorrufen
können.

Darum hat die zivilisierte Welt ihre Anwendung verurteilt.

Leider

hat die Menschheit trotzdem wiederholte Beispiele der Grausamkeit und des
Schreckens erlebt, die durch die Anwendung solcher Waffen verursacht wurden.
Und heute werden in Verletzung des Völkerrechts und internationaler Rüstungskontroi labkommen chemische und toxische Waffen in Afghanistan und in Südostasien eingesetzt.

Diese Verletzungen werden darüber hinaus noch durch die

Tatsache verschlimmert, daß ihre Opfer weder über die Mittel verfügen, vor
solchen Angriffen gegen sie abzuschrecken

noch sich gegen diese Waffen zu

verteidigen oder zu schützen.
Die Vereinigten Staaten haben der Weltgemeinschaft schlüssige Beweise
für die Tatsachen vorgelegt, die mit der Anwendung chemischer und toxischer
Waffen zusammenhängen. Auch andere haben Beweise unterbreitet. Wir sind
nicht zu unseren Schlußfolgerungen gekommen, um eine Konfrontation herbeizuführen, und es geschah auch nicht übereilt, sondern erst nach eingehender
Prüfung. Die Auswirkungen, die sich aus dem Einsatz dieser Waffen ergeben,
sind so ernst, daß viele Leute es vorziehen, einfach nicht daran zu glauben
oder ihn zu ignorieren. Aber wir müssen uns den Tatsachen stellen.
Der Fortschritt der Welt zu zivilisierteren Beziehungen unter Staaten
war sehr langsam und wurde ständig von Ängsten, Ambitionen und Rivalitäten
unter den Ländern heimgesucht. Wir dürfen daher nicht zulassen, daß der
Fortschritt zur Zivilisation, den wir erreicht haben, wieder zunichte gemacht wird. Wenn wir das täten, dann würden wir anfangen, unaufhaltsam in
ein neues dunkles Zeitalter sinnloser Barbarei zurückzugleiten. Darum geht
es heute - und das ist es, was wir verhüten müssen.
Was muß

�Was muß also jetzt getan werden?

Die Vereinigten Staaten haben bereits

an die Sowjetunion und ihre Verbündeten appelliert, sofort den illegalen
Einsatz dieser Waffen einzustellen.
Appell.

Ich wiederhole hier und heute diesen

Und ich fordere die Sowjetunion und alle anderen Mitglieder des

Ausschusses auf, zusammen mit den Vereinigten Staaten ein vollständiges und
wirksames und verifizierbares Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung
und Weitergabe chemischer Waffen auszuhandeln - ein Verbot, das gewährleistet,
daß diese Schrecken niemals wieder auftreten können.
Ein vollständiges, wirksames und verifizierbares Verbot chemischer Waffen ist längst überfällig.

Meine Regierung würde es daher begrüßen, wenn

die Arbeit dieses Ausschusses beschleunigt werden könnte und Verhandlungen
über einen Vertrag zur Beseitigung der Bedrohung durch chemische Waffen geführt würden.
Wenn wir jedoch erfolgreich über einen solchen Vertrag verhandeln wollen, dann muß natürlich eine Reihe entscheidend wichtiger Fragen gelöst werden. In den kommenden Tagen wird die amerikanische Delegation diesem Ausschuß ein neues Dokument vorlegen, das unsere detaillierten Auffassungen bezüglich des Inhalts einer Konvention enthält, die nach unserer Auffassung
die Bedrohung durch chemische Waffen wirksam - und vor allem verifizierbar beseitigen würde. Wir ergreifen diese Initiative mit dem Ziel, die Arbeit
des Ausschusses weiter zu fördern und Beiträge und Kooperation auch anderer
Länder zu beflügeln.
Der Schlüssel zu einer wirksamen Konvention - zu einer, die die Möglichkeit eines chemischen Krieges ein für allemal beseitigen würde - ist
die feste Zusicherung, mittels wirksamer Verifizierung für ihre Einhaltung
zu sorgen. Dieses Prinzip ist von absolut grundsätzlicher Bedeutung. Wirksame Verifizierung ist - wie die Erfahrungen der jüngsten Zeit hinsichtlich
des Einsatzes von chemischen und toxischen Waffen zeigen - für alle künftigen
Abkommen eine absolute Notwendigkeit.
Und genau
- 10 -

�Und genau aus diesem Grund streben die Vereinigten Staaten ein Niveau
der Verifizierung an, das die Zivilisation, uns selbst, unsere Verbündeten,
ja, die Menschheit selbst schützt.

Denn heute hat sich die Bedrohung durch

eine chemische Kriegführung noch verstärkt.

Und solange es kein wirksames

Abkommen gibt, müssen die Vereinigten Staaten - genau wie andere - auch
weiterhin sicherstellen, daß sie vor einem Einsatz von chemischen Waffen
gegen ihre Staatsbürger und gegen ihre Freunde abschrecken können.
Wenn wir von anderen Staaten erwarten wollen, sich der Fähigkeit zu
begeben, vor einem chemischen Krieg abzuschrecken, so müssen diese Staaten
auch über das Vertrauen verfügen können, daß die anderen, die das Verbot akzeptieren, sich ihren Verpflichtungen nicht entziehen können und später dann
den Frieden durch chemische Waffen bedrohen. Sie müssen die Gewißheit haben,
daß sie keinen Angriffen mit solchen Waffen seitens solcher Staaten ausgesetzt sein werden, die - genau wie sie - der chemischen Kriegführung abgeschworen hatten. Kurz, für uns müssen die Bestimmungen der Verifizierung
und der Einhaltung eines umfassenden Vertrages über chemische Waffen auch
wirklich effektiv sein.
Wir wissen, daß die meisten Mitglieder dieses Ausschusses - genau wie
wir - der Erfüllung dieser bedeutsamen Aufgabe verpflichtet sind. Aber dieses Ziel bedarf mehr als nur unserer Verpflichtung. Es bedarf größerer Bereitschaft und größerer Flexibilität seitens der Sowjetunion und ihrer Verbündeten, um ernsthaft und konstruktiv an der Lösung dieser so bedeutenden
anstehenden Frage zu arbeiten - insbesondere, was die Bereiche Verifizierung
und Einhaltung anbelangt. Diese Frage muß gelöst werden, wenn wir zu einem
echten Fortschritt gelangen wollen. Denn wenn manche auch argumentieren, es
könnten Fortschritte dadurch erzielt werden, daß man sich auf die "leichteren"
Themenbereiche konzentriert oder hierfür sogar schon Vertragstexte entwirft,
so würde es sich hierbei doch nur um vergebliche Bemühungen handeln, solange
die Verifizierungsfrage nicht gelöst werden kann.
Wir werden hier eine solche Fehlleitung der Anstrengungen nicht unterstützen.
Ich möchte
- 11 -

�Ich möchte alle Mitglieder dieses Ausschusses ersuchen, in dieser
Sitzungsperiode mit den Verhandlungen zu beginnen, um die Kernfragen zu beantworten, vor denen wir auf diesem Gebiet stehen, und sich uns dabei anzuschließen, ein umfassendes und verifizierbares Verbot der chemischen Waffen
herbeizuführen.
Der Ausschuß steht zudem noch vor einer Reihe von Fragen, die die
Kontrolle der Kernwaffen betreffen.

Die Beseitigung der Bedrohung durch

Kernwaffen ist eindeutig von höchstrangiger Bedeutung für uns alle, und die
Vereinigten Staaten sind sich voll ihrer besonderen Verantwortung in diesem
Bereich bewußt.

Wir erkennen diese Verantwortung auf die wirksamste Weise

an, die wir uns vorstellen können - hier in Genf, in gutem Glauben am Verhandlungstisch gegenüber der Sowjetunion.
Gleichzeitig hat dieser Ausschuß im Bereich der Kernwaffenkontrolle
eine Rolle zu spielen. Eine der wichtigsten ihm vorliegenden Fragen ist
die eines umfassenden Verbotes von Atomversuchen. Ein solches Verbot bleibt
langfristiges Verhandlungsziel amerikanischer Politik, und wir werden auch
weiterhin darauf hinarbeiten, daß es erreicht wird. Die Arbeit, die in diesem Ausschuß von einer Gruppe von Wissenschaftlern bei der Entwicklung eines
weltweiten Systems der Überwachung von Kernexplosionen bereits geleistet
wurde, ist von großem Wert.
Zudem bildete dieser Ausschuß auf Vorschlag der Vereinigten Staaten im
vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe, um die Probleme der Verifizierung und
Einhaltung zu untersuchen, die das Verbot von Atomversuchen mit sich bringt.
Gerade die Verifizierung ist ein Bereich, von dem die Vereinigten Staaten
der Meinung sind, in ihm müsse größerer Fortschritt erzielt werden, soll es
zu Fortschritten in Richtung auf ein Verbot von Atomversuchen kommen. Wir
hoffen deshalb, daß der Ausschuß seine Arbeit in diesem Bereich auch dieses
Jahr fortsetzt.
Meine Regierung ist der Überzeugung, daß die Verhandlungen in diesem
Gremium über eine Konvention zum Verbot von Strahlenwaffen Aussicht auf einen
- 12 -

�auf einen bescheidenen, aber wirklichen und echten Schritt nach vorn bietet
- einen Schritt, der einen potentiell überaus gefährlichen Waffentypus eliminiert.

Wir sollten es zu einer der Hauptregeln dieses Ausschusses machen:

Wenn Aussicht auf echten Fortschritt in Richtung auf ein Abkommen besteht,
verfolgen wir diesen Weg bis zum Ende. Wenn auch eine Anzahl von Themenkreisen noch auf ihre Lösung wartet, so sind wir doch der Meinung, daß ein
Abkommen für den Ausschuß in Reichweite liegt und daß wir in angemessener
Geschwindigkeit vorangehen sollten, um die Verhandlungen über diesen Vertrag
zu einem Ende zu bringen.
Ich möchte gern noch ein Wort über weitere Rüstungskontrollmaßnahmen sagen, die den Weltraum angehen. Die Vereinigten Staaten sind führend in der
friedlichen Erforschung und Nutzbarmachung des Weltraums. Wir beabsichtigen,
diese Führungsrolle beizubehalten. Manche dieser Aktivitäten im Weltraum sind
für unsere Sicherheit und für die unserer Verbündeten wichtig. Sie tragen
dazu bei, den Frieden zu überwachen, vor Kriegsdrohung zu warnen, die angemessenen Kommando- und Kontrollfunktionen für unsere Streitkräfte in weltweitem Rahmen sicherzustellen, unsere Abschreckungskapazität aufrechtzuhalten und die Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen zu unterstützen.
Der Vertrag über das begrenzte Verbot von Atomversuchen, der Weltraumvertrag von 1967, der Vertrag über Umweltveränderungen

und der Vertrag über

Raketenabwehr-Raketen (ABM-Vertrag), der eines der SALT I-Abkommen ist, - sie
alle enthalten wichtige Rüstungskontroilbestimmungen, die den Weltraum betreffen.

Mancher mag fragen, warum jetzt noch weitere Maßnahmen gefordert

werden und wenn, welcher Art diese sein sollten?

Die Vereinigten Staaten

haben keine einfache Antwort auf diese Fragen, und wir beschäftigen uns deshalb weiterhin mit diesen Problemen.
Es liegt auf der Hand, daß die Bedingungen nicht gegeben sind, die für
Verhandlungen angemessen sind.

Dennoch sind wir bereit, unsere Eindrücke mit

anderen Mitgliedern dieses Ausschusses auszutauschen, und sind der Meinung,
daß der Ausschuß die Angelegenheit auf systematischere Weise angehen sollte,
als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.
Schließlich möchte
- 13 -

�Schließlich möchte ich diese Gelegenheit benutzen, um jemandem unter
uns heute meine Reverenz zu erweisen, dessen unermüdliche Anstrengungen - ein Leben lang - kürzlich durch die Verleihung des Friedensnobelpreises
gewürdigt wurden.

Die Leistungen von Botschafter Garcia Robles sind viel zu

zahlreich, als daß ich sie hier aufzählen könnte.

Lassen Sie mich deshalb

lediglich unterstreichen, daß Sie der vollen Zusammenarbeit der Delegation
der Vereinigten Staaten bei den Bemühungen sicher sein können, die Arbeit
über ein realistisches und umfassendes Abrüstungsprogramm zu einem Ende zu
bringen.
Zum Abschluß noch ein Gedanke, den ich dem Ausschuß mitgeben möchte ein Gedanke, der unserer Haltung bei der Rüstungskontrolle und den Problemen
zugrundeliegt, mit denen sich dieser Ausschuß befaßt.

Und dies ist, daß der

Abschluß wirksamer Rüstungskontrollabkommen eine schwierige Aufgabe ist.
Sie bedarf der Hingabe, der Zähigkeit, der Toleranz, des Respektes vor den
Ansichten

der anderen und - vor allem - des Glaubens daran, daß ein Kon-

flikt verhindert werden kann und daß Lösungen, wie schwierig auch immer, gefunden werden können.
Die gefährlichste Vorstellung für die Menschheit - vor allem in diesem
Atomzeitalter - ist die, daß ein Krieg unvermeidlich sei. Ich weise diese
Vorstellung mit allem Nachdruck zurück, denn eine solche Vorstellung erhöht
nur die Neigung dazu, sie zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu
machen. Widmen wir uns in diesem Ausschuß und in jeglichem anderen verfügbaren Forum wieder der harten und ernsten Arbeit, die für eine Verhinderung
des Krieges von höchster Bedeutung ist.

+ + + + +

- 14 -

�9. Februar 1983

PRÄSIDENT REAGAN UNTERBREITET JAHRESWIRTSCHAFTSBERICHT
- Begleitbotschaft des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat dem amerikanischen Kongreß am
2. Februar 1983 seinen diesjährigen Jahreswirtschaftsbericht unterbreitet
und die Senatoren und Abgeordneten aufgefordert, Maßnahmen zu vermeiden, die
zu nur kurzfristigen wirtschaftlichen Resultaten führen würden. Der Kongreß,
so heißt es in dem Bericht, solle sich vielmehr auf Lösungen für langfristige
Strukturprobleme konzentrieren.
Die Begleitbotschaft des Präsidenten

zum Bericht

hat folgenden Wortlaut:

Vor zwei Jahren kam ich in der tiefen persönlichen Entschlossenheit
nach Washington, die wirtschaftliche Zukunft Amerikas zu verändern, über ein
Jahrzehnt lang hatte die Wirtschaft unter einem niedrigen Produktivitätsanstieg und unter einer steigenden Inflationsrate gelitten. Die öffentlichen
Ausgaben verschlangen einen wachsenden Anteil des Volkseinkommens. Eine kurzsichtige Vorstellung von den wirtschaftlichen Prioritäten zerstörte unsere
Aussichten auf langfristigen Wohlstand.
Das von

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�Das von mir kurz nach Amtsantritt vorgeschlagene Wirtschaftsprogramm
betonte das wirtschaftliche Wachstum und eine Rückkehr zur Preisstabilität.
Meine Steuervorschläge sollten dazu dienen, die Privatinitiative anzuregen
und zu Spartätigkeit und produktiven Investitionen zu ermutigen.

Meine Unter-

stützung und Ermutigung galt der Bundesbank bei ihrem Verfolg der Preisstabilität durch eine solide Geldpolitik.

Meine Administration hat die Zunahme

von staatlichen Vorschriften verlangsamt und in einer Reihe von Wirtschaftssektoren die Wettbewerbskräfte gestärkt.

Und ich habe mit dem Kongreß zu-

sammengearbeitet, um eine Gesetzgebung zu verwirklichen, die das Anwachsen
solcher Regierungsprogramme verhinderte oder doch begrenzte, die zu umfangreich geworden waren oder deren Nützlichkeit sich überlebt hatte.
Auch wenn die volle Wirkung dieses Wandels der amtlichen Politik erst
mit der Zeit eintreten wird, so sind einige ihrer Vorzüge doch bereits deutlich.

Der Verbraucherpreisanstieg zwischen Dezember 1981 und Dezember 1982

betrug lediglich 3,9 Prozent, etwa ein Drittel der Rate des Jahres vor meinem
Amtsantritt.

Die Zinsen sind nunmehr niedriger als bei meiner Amtsübernahme

und sind in den letzten sechs Monaten rapide gefallen.
Die Administration wird in den kommenden Jahren noch eine Menge weiterer
Maßnahmen vorschlagen, um stärkere wirtschaftliche Anreize zu schaffen, die
Last der Vorschriften zu verringern, die Kapitalbildung zu erhöhen und unseren Lebensstandard zu verbessern. Man kann nur zu leicht diese langfristigen Ziele in einem Jahr wie 1982 aus den Augen verlieren, in dem sich die
Wirtschaft in einer verlängerten Rezession befand. Ich mache mir tiefe Sorgen über den derzeitigen Umfang der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten und über das Leiden und die Angst, die sie für Millionen Amerikaner bedeutet. Die Arbeitslosigkeit, unter der viele unserer Bürger leiden, ist
eine Folge der zurückgehenden Inflationsrate, die notwendigerweise dem beschleunigten Preisauftrieb des letzten Jahrzehnts folgen mußte. Hätte man
zugelassen, daß der Aufwärtstrend der Inflation andauert, so hätte man für
die Zukunft noch größere Anstiege bei der Arbeitslosigkeit riskiert. Trotz
der gegewnärtig hohen Arbeitslosenrate und der sie begleitenden Härten ist
es von entscheidender Bedeutung für uns, das zu wahren, was wir gegenüber der
- 2 -

�gegenüber der Inflation an Boden gewonnen haben - und zwar unter erheblichen
Kosten.

Ein weiterer Erfolg bei der Zähmung der Inflation wird eine solidere

Grundlage für einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg im Jahr 1983 und in den
Jahren danach sein.

Verringerung der Arbeitslosigkeit
Die Bundesregierung kann bei der Verringerung der Arbeitslosigkeit eine
wichtige Rolle spielen.

Ich meine jedoch, die Regierung sollte ihre Aufmerk-

samkeit auf jene Gruppen konzentrieren, die auch nach Beginn eines wirtschaftlichen Wiederaufschwungs noch vor hohen Arbeitslosenzahlen stehen werden.
Wenn wir ihnen dabei helfen, ihre beruflichen Fähigkeiten zu entwickeln, werden sie nicht in aussichtslosen Stellen enden, sondern in der Privatwirtschaft
eine produktive Arbeit finden.

Diese Betonung der Ausbildung und der Beschäf-

tigung im Privatsektor steht im Mittelpunkt des Ausbildungsgesetzes (Jobs
Training Partnership Act), für das ich mich eingesetzt habe und das ich 1982
durch meine Unterschrift zum Gesetz machte.

Ich werde in diesem Jahr noch

weitere Schritte vorschlagen, um die staatlichen Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme zu verstärken und den strukturellen Arbeitslosen dabei zu helfen,
Dauerstellungen zu finden.
Es ist verständlich, daß viele wohlmeinende Kongreßmitglieder auf die
derzeit hohe Arbeitslosenrate reagiert haben, indem sie die verschiedensten
staatlichen Beschäftigungsprogramme vorgeschlagen haben. Ich bin jedoch davon überzeugt, daß solche Programme die Arbeitslosigkeit nur auf Kosten eines
ansteigenden Defizits der öffentlichen Haushalte von einer Industrie zur anderen schieben würden.
Auch wenn Programme zur Hilfe bei der strukturellen Arbeitslosigkeit
wichtig sind, so kann doch nur eine ausgewogene und dauerhafte wirtschaftliche
Gesundung eine Verringerung der Arbeitslosigkeit in größerem Umfang bewirken.
Es gibt derzeit über vier Millionen mehr Arbeitslose, als dies auf dem Höhepunkt des letzten Konjunkturzyklus der Fall war.
- 3 -

Neun Millionen Menschen

�Millionen Menschen werden bis zum Jahr 1988 neu auf den Arbeitsmarkt kommen.

Nur eine gesunde und wachsende Wirtschaft kann die mehr als 13 Mil-

lionen Arbeitsstellen bieten, die notwendig sind, um im Verlauf der nächsten
fünf Jahre ein stetig niedrigeres Niveau der Arbeitslosigkeit herbeizuführen.

Die Aussichten auf wirtschaftlichen Wiederaufschwung
Es gibt jetzt Zeichen für den baldigen Beginn eines wirtschaftlichen
Wiederaufschwungs.

Bis Dezember 1982 war der Index der wichtigsten Wirt-

schaftsindikatoren in sieben der letzten acht Monate

gestiegen.

Der Bau

von Häusern wuchs gegenüber dem vergangenen Jahr beträchtlich an, die Zahlen
lagen im Dezember 1982 um 39 Prozent höher als 12 Monate vorher.

Die Lager-

bestände gingen stark zurück, so daß sich vermehrte Verkäufe rasch in erhöhter
Produktion und stärkerer Beschäftigung, bemerkbar machen sollten.
Lang- als auch Kurzzeitzinsen sind beträchtlich gefallen.

Sowohl

Die Aussagen der

Administration über die Wirtschaftsentwicklung gehen dahin, daß das Bruttosozialprodukt im ersten Quartal 1983 nach oben gehen und dann im Lauf des
Jahres noch rascher ansteigen wird.

Auch die meisten privaten Beobachter

der Wirtschaftsentwicklung sagen für 1983 einen Aufschwung voraus.
Die Geldpolitik wird beim Verfolg einer soliden und anhaltenden wirtschaftlichen Erholung eine entscheidende Rolle spielen. Wenn die Geldmengen
zu langsam wachsen, fehlen der Wirtschaft die Mittel, die sie für ein anhaltendes Wachstum braucht. Aber wenn man zuläßt, daß diese Geldmengen zu rasch
expandieren, wären ein Anstieg der Inflation und ein nur kurzlebiger Aufschwung das Ergebnis. Ich bin mir der Schwierigkeiten bewußt, vor denen die
Bundesbank steht und auch weiterhin stehen wird.wenn es darum geht, die Zunahme der Geldmengenversorgung zu lenken - in einer Zeit, da weitreichende
regulatorische Veränderungen es so schwierig machen, sich auf die alten Richtlinien zu verlassen. Ich hege die Erwartung, daß die Bundesbank im Jahr 1983
die Geldversorgung in bescheidenem Umfang ausweiten und so in Einklang sowohl mit einer anhaltenden Gesundung als auch weiterem Fortschritt im Kampf
gegen die Inflation stehen wird.
Investitionen und

�Investitionen und Wirtschaftswachstum
Eine wirtschaftliche Wiederbelebung, 1983 beginnend, sollte nicht nur
einen Rückgang der Arbeitslosigkeit, sondern zugleich einen Anstieg der Investitionen mit sich bringen, die sich auch über die nächsten Jahre erstrecken.
Ein größeres Maß an Investitionen ist ein wichtiges Mittel für höhere Produktivität und für wirtschaftliches Wachstum.

Bei Hinwendung der Wirtschaft

von Rezession zu Wiederaufschwung werden die Investitionsanreize eine kräftigere Wirkung zeigen.

Aber die Investitionen der Wirtschaft werden nur dann

rasch steigen, wenn die von der Administration zur Verringerung potentiell
großer Defizite des Bundeshaushalts vorgeschlagenen Maßnahmen ergriffen werden.
Die Kreditaufnahme des Staates steht im Widerstreit mit den Privatinvestitionen um die verfügbaren Ersparnisse. Wenn die Regierung weiterhin
große Beträge aufnimmt, um ihr Defizit zu finanzieren, werden die Realzinsen
hoch bleiben und die Privatinvestitionen abschrecken. Dieser Verdrängungsprozeß hat die Tendenz, die Investitionen der Privatwirtschaft in den kommenden Jahren zu unterdrücken, solange das Haushaltsdefizit nicht schrittweise verringert wird.

Haushaltsvorschläge für das Fiskaljahr 1984
Es ist wichtig, zwischen dem zyklischen Teil des Haushaltsdefizits und
dem strukturellen Teil zu unterscheiden, der sogar auf dem Höhepunkt eines
Wirtschaftszyklus erhalten bleibt. Annähernd die Hälfte des Defizits des
Haushalts 1983 geht auf den depressiven Zustand der Wirtschaft zurück. Mit
geringeren Einnahmen und Gewinnen sind die Steuereinnahmen beträchtlich zurückgegangen und haben die Ausgaben zugenommen. Mit dem wirtschaftlichen
Wiederaufschwung wird der zyklische Teil des Defizits zurückgehen. Aber der
zyklische Aufschwung allein wird das Defizit nicht auf eine annehmbare Größe
zurückbringen.
In dem

�In dem jetzt von mir dem Kongreß vorgelegten Haushalt schlage ich dramatische Schritte vor, die nötig sind, um die Defizite des Staatshaushalts in
den kommenden Jahren zu verringern.

Meine Haushaitsvorschlä'ge dienen dazu,

das Defizit zu verringern, indem sie sich direkt mit dem raschen Anwachsen
der staatlichen Ausgabenprogramme (abgesehen von den Zinszahlungen) der
Bundesregierung auseinandersetzen.

1970 machten diese Programme zehn Pro-

zent des Bruttosozialprodukts und 48 Prozent der Bundesausgaben aus.

1980

waren diese Programme auf 14 Prozent des Bruttosozialproduktes und 63 Prozent
des Haushalts angestiegen.

Ich stehe auch weiterhin zu der Vorstellung, daß

wir die Haushaltsdefizite ohne zusätzliche Lasten für die Armen, ohne Schwächung unserer nationalen Verteidigung und ohne Zerstörung der wirtschaftlichen
Anreize durch konterproduktive Steuererhöhungen verringern können.
Eine rasche Verabschiedung des Haushaltes durch den Kongreß würde ein
deutlicher und glaubwürdiger Beweis dafür sein, daß die Bundesregierung
nicht beabsichtigt, in den kommenden Jahren den Kapitalmärkten schwere Lasten
aufzubürden. Eine solche Zusicherung sollte den Rückgang der Zinsen - vor
allem der langfristigen Zinsen bei Wertpapieren und Hypotheken - beschleunigen und die Aussichten auf einen Wiederaufschwung in der Bauwirtschaft,
der Automobilindustrie und den Sektoren der Kapitalinvestitionen in der
Wirtschaft verbessern.
Ich bin mir der besonderen Bedeutung des Schutzes der Sozialversicherung
und der Gesundheitsprogramme für Rentner und deren Angehörige bewußt. Diese
Programme stehen derzeit vor schwerwiegenden finanziellen Problemen. Die
überparteiliche nationale Kommission zur Reform der Sozialversicherung hat
kürzlich eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen - denen ich zugestimmt habe -,
um den kumulativen Minuseffekt von 150 Milliarden Dollar auf 200 Milliarden
Dollar aus der Welt zu schaffen, der für das Sozialversicherungssystem für
die Jahre 1983 bis 1989 vorausgesagt wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, jetzt die Änderungen in den Sozialversicherungsprogrammen vorzunehmen,
um ihre Zahlungsfähigkeit und finanzielle Verläßlichkeit auch für die kommenden Jahre zu sichern.
Die verbleibende
- 6 -

�Die verbleibende Last staatlicher Wirtschaftsbestimmungen
Viele Jahrzehnte lang hat die Bundesregierung Preis- und Zugangsbestimmungen für den Markt durch Vorschriften reguliert, durch die viele Bereiche
der amerikanischen Volkswirtschaft beeinflußt wurden.

Viele dieser Bestim-

mungen sind nicht mehr den Bedingungen der heutigen Wirtschaftssituation angemessen.

Seit längerer Zeit schon dienen diese Bestimmungen - durch Behin-

derung des Wettbewerbs und durch die Entwicklung neuer Dienstleistungen und
Technologien - weder den Interessen des Verbrauchers noch des Produzenten.
Seit vor einigen Jahren in manchen Marktbereichen die Beseitigung von Vorschriften einsetzte, war die dabei gewonnene Erfahrung fast stets ermutigend.
Meine Administration unterstützt diese schrittweisen Anstrengungen zur Verringerung der Vorschriften auf Märkten, die ohne diese wieder wettbewerbsfähig wären.

Es ist jetzt Zeit, Maßnahmen in größerem Umfang zu erwägen, um

viele dieser Wirtschaftsbestimmungen zu beseitigen, besonders in den Bereichen
des Erdgases, des Transport- und Kommunikationswesens und der Finanzmärkte.

Die Zinsen und das amerikanische Handelsdefizit
Die überaus hohen Real Zinssätze der letzten Jahre sind eine der Hauptursachen für den scharfen Anstieg des Kurswertes des Dollar gegenüber den
anderen Währungen.

Dieser Anstieg hat die Fähigkeit der amerikanischen Ex-

porteure vermindert, auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu bleiben und hat
umgekehrt die Wettbewerbsfähigkeit von Importen auf dem Inlandsmarkt erhöht.
Vor allem aus diesem Grunde wies die amerikanische Handelsbilanz im Jahr 1982
ein beträchtliches Defizit auf.
Unser derzeitiges Handelsdefizit erinnert uns an die Bedeutung des Welthandels für die amerikanische Wirtschaft.

Der Exportanteil des amerikanischen

Bruttosozialproduktes hat sich während der letzten drei Jahrzehnte mehr als
verdoppelt.

Amerikanische Arbeiter, amerikanische Unternehmer und amerika-

nische Farmer leiden darunter, daß ausländische Regierungen die amerikanischen
Erzeugnisse daran hindern, auf ihren Markt zu gelangen und dadurch den Umfang
- 7 -

�den Umfang der amerikanischen Exporte verringern.

Aber

obgleich die Ver-

einigten Staaten dazu gezwungen sein könnten, auf diese den Handel verzerrenden Maßnahmen ausländischer Regierungen dadurch zu reagieren, daß sie
zu entsprechenden Maßnahmen greifen, so fordern derlei Praktiken doch keine
umfassenden protektionistischen Schritte - wie etwa die Vorschriften für
den rein amerikanischen Ursprung von in den Vereinigten Staaten verkauften
Automobilen.

Denn eine protektionistische Politik in größerem Umfang würde

auch die amerikanischen Verbraucher schädigen - die Erzeugnisse, die sie
kaufen, würden teurer, und manches von dem Druck würde entfallen, der durch
den internationalen Wettbewerb auf Kosten und auf Qualität ausgeübt wird.
Zudem würde Protektionismus hier zugleich auch die Arbeiter, Farmer und Firmen in den Vereinigten Staaten treffen, die Güter und Dienstleistungen für
den Export bereitstellen, da dies fast unvermeidlich zu erhöhtem Protektionismus seitens ausländischer Regierungen führen würde.

Ich fühle mich einer Po-

litik verpflichtet, die verhindert, daß protektionistische Maßnahmen in den
Vereinigten Staaten ergriffen werden müssen, und ich werde auch weiterhin
die anderen Staaten davon zu überzeugen suchen, ihre handelsverzerrenden
Praktiken einzustellen, die die Lebensfähigkeit des Welthandels.systems bedrohen, von dem das Wohlergehen der Welt abhängt.

Der Handel mit Gütern und Dienstleistungen ist nur ein Aspekt unserer
Wirtschaftsbeziehungen zur übrigen Welt. Von großer Bedeutung ist auch der
internationale Kapitalfluß in die Vereinigten Staaten und von den USA ins
Ausland. Die Vereinigten Staaten sollten eine Hauptrolle dabei spielen, die
Lebensfähigkeit des internationalen Kapitalmarktes zu bewahren. 1982 kam
es zu ernsthaften Spannungen auf diesem Markt, als mehrere Staaten in Schwierigkeiten gerieten, ihre Auslandsschuldenlasten angemessen zu begleichen. 1982
arbeitete die Bundesregierung eng mit den Gläubiger- und Schuldnerländern sowie den wichtigsten internationalen Kreditinstituten zusammen, um Funktionsstörungen der internationalen Kapitalmärkte zu verhindern. Nunmehr entwerfen jene Länder, die bei ihrem Schuldendienst in besonderen Schwierigkeiten
stecken, gemeinsam mit einer ganzen Anzahl von Gläubigern Wirtschafts- und
Finanzprogramme, die es ihnen ermöglichen werden, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen.
Die kommenden
- 8 -

�Die kommenden Jahre
Wir befinden uns derzeit an einem für die amerikanische Wirtschaft entscheidenden Punkt.

Die Rezession hat zu erheblichem Druck seitens einiger

Mitglieder des Kongresses und von anderer Seite geführt, unser Eintreten
für eine Politik aufzugeben, die auf ein langfristiges Wirtschaftswachstum,
auf Kapitalbildung und auf Preisstabilitä't abzielt.

Es gibt viele, die auf

neue Ausgabenprogramme der Regierung drängen und die Bundesbank zwingen wollen, die Geldzuwachsraten auf ein Niveau anzuheben, das nur wieder die Inflation neu entfachen würde.
Ich bin davon überzeugt, daß eine solche Politik den langfristigen
Interessen des amerikanischen Volkes zum Nachteil gereichen würde. Unsere
Wirtschaft ist trotz der Rezession außerordentlich elastisch und ist nunmehr auf dem Weg zu einem gesunden Wiederaufschwung. Im kommenden Jahr ist
es von entscheidender Bedeutung,daß die Administration und der Kongreß zusammenarbeiten, sich auf eine langfristige Perspektive einstellen und eine
Wirtschaftspolitik verfolgen, die zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum
und zu größerem Wohlstand für alle Amerikaner führt.

+ + + + +

�9. Februar 1983

DIE GENERATIONENKLUFT IM ATLANTISCHEN BÜNDNIS
- Von Hodding Carter III -

Nachdruck nur mit Genehmigung des Wall
Street Journal, Copyright Dow Jones and
Company, Inc. 1983.
Alle Rechte vorbehalten.
Der Artikel erschien in der Ausgabe vom
3. Februar 1983

Seit einiger Zeit schon zeigen sich Spannungen im westlichen Bündnis und sie nehmen deutlich zu.

über die Ursachen läßt sich streiten,und die

Verantwortung für die Verwirrung läßt sich dem anderen leichter dadurch zuschieben, daß man politisch mit dem Finger auf ihn deutet.als durch eindeutige Beweise.

Aber an der Realität kommt keiner vorbei.

Die Front ist ins

Wanken geraten.
Im vorigen Jahr auf die Anzeichen aufmerksam geworden, habe ich an dieser Stelle den Vorschlag gemacht, daß es an der Zeit sei, im Bündnis zu einer
geordneten "großen Debatte" zu gelangen, in die alle Bereiche des nationalen
Lebens aller Bündnisländer einbezogen sein müßten und die auf eine Neudefinition unserer gemeinsamen Anliegen und unseres gemeinsamen Auftrages ausgerichtet sein müßte.
Niemand braucht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Niemand braucht derzeit die Sturmglocken zu läuten,und eine Art Debatte
ist durchaus im Gange.

Aber sie ist sporadisch, im Anfangsstadium und zu-

gleich unlösbar verbunden mit dem politischen Standort der Führer im Westen.
Zudem konzentriert sie sich zu sehr auf die engen Fragen des Tages - vor allem jene, bei denen es um die im Raum stehende Dislozierung neuer amerikanischer nuklearer Mittel Streckensysteme in Europa geht.
Aber es geht um Grundlegenderes als um die Einstellungen der Führer von
heute.

Denn einer der bedeutsamsten Risse innerhalb der westlichen Gemein-

schaft verläuft nicht

so sehr zwischen den Staaten, als zwischen den

Generationen.
Jene von uns, die alt genug sind, zu begreifen, um was es im Zweiten
Weltkrieg ging, oder die gar an ihm teilgenommen haben, leben mit einer Vorstellung, die sich ganz beträchtlich von derjenigen unterscheidet, die jene
sich machen, die man die "Nachfolgergeneration" genannt hat.

Für uns sind

die Schlagworte und die Postulate des Bündnisses mit lebhaften persönlichen
Erinnerungen verbunden.

Aggression war eben nicht etwas, das sich irgendwo

in der Dritten Welt zutrug.

Nachdem wir dafür gekämpft haben, die Grundwerte

unserer politischen und moralischen Überlieferung zu retten,oder persönliche
Erfahrungen in diesem tödlichen Kampf gemacht haben, nehmen viele von uns all
diese Dinge ernst.

Wir haben ein starkes Gefühl dafür, daß wir im Westen eine

gemeinsame Vorstellung vom Menschen und von der Welt haben, die uns weit mehr
und dauerhafter verbindet als Verträge oder eine Bedrohung von außen.
Dies gilt für meine Kinder und die anderen Kinder hier und im Ausland
weit weniger.

Der Zweite Weltkrieg findet im Geschichtsbuch statt.

Als

Opfer eines Erziehungssystems, das selbst eine Vertrauenskrise durchmachte
und das in großem Maß mit der Vermittlung von Wertvorstellungen Schluß gemacht hat - ja nicht einmal einen sinnvollen Geschichtsunterricht kennt reagieren sie weit schwächer auf echte oder vermeintliche Bedrohungen ihres
wertvollsten Erbes, der Idee und der Tatsache der Freiheit.
Was innerhalb

�Was innerhalb von Staaten gilt, hat seine Auswirkungen auch auf die
Beziehungen zwischen Staaten.

Wenn die alten Werte bei der jüngeren Genera-

tion in Mißkredit stehen, so hat sie natürlich auch weniger Interesse daran,
in ihren ausländischen Zeitgenossen - in Amerika oder in Europa - mehr zu
sehen als nur die Fremden, die in Zerrbildern von Staaten leben und die man
lediglich als "anders" begreift.
Dies ist ein Grund dafür, dem Projekt, das vor neun Monaten von Präsident Reagan ins Leben gerufen wurde und dem sich Charles Wick, der Direktor
des US-Informationsamtes (USIA),seither widmet, begeistert Beifall zu zollen
- der Anstrengung, den Austausch von Jugendlichen zwischen den Partnerstaaten des Bündnisses kräftig auszuweiten. Was zu Beginn vielleicht für den
zynischen Beobachter lediglich wie eine Öffentlichkeitswirksame Werbeaktion
ausgesehen haben mag, hat sich als eine ernsthafte Verpflichtung erwiesen,
an der Regierung, Großunternehmen und eine ganze Reihe von Privatorganisationen beteiligt sind, die bereits ihre ganze Kraft auf dem Feldedes internationalen Austausches einsetzen.
Hier in Amerika ist es das Ziel der Administration, innerhalb von etwa
drei Jahren zehn Millionen Dollar an Spenden von privater Seite zu erhalten,
die, zusammen mit den zehn Millionen Dollar an öffentlichen Mitteln, dazu
verwendet werden sollen, die bereits laufenden Austauschprogramme noch mehr
zu intensivieren.

Zielgruppe sind vor allem die 15- bis 19Jährigen, und

Bundeskanzler Kohl faßte das Ziel der Aktion bei seiner Begrüßungsansprache
für Vizepräsident Bush am Montag in Bonn in die richtigen Worte:
"Freundschaft, Herr Vizepräsident, lebt aus Begegnung und Gespräch.
Dabei liegt mir die Beteiligung der jungen Generation unserer beiden Länder
besonders am Herzen. Wir wollen die persönlichen Kontakte, die Verbesserung
des Austausches zwischen unseren Ländern nachdrücklich ermutigen und fördern.
Wir wenden uns dabei vor allem an die jungen Menschen, damit sie jenen lebendigen Dialog erneuern, der in den ersten Nachkriegsjahren eine ganze Generation
- und ich zähle mich dazu - von Deutschen und Amerikanern geprägt hat."
Und das
- 3 -

�Und das ist es, worum es bei diesem Austauschgedanken wirklich geht Ermutigung zu Dialog und Entwicklung der kulturellen und persönlichen Bindungen.

Zu diesem Thema eine persönliche Anmerkung:

Zwischen Mitte der

sechziger und Mitte der siebziger Jahre nahm ich selbst an einer Reihe von
Austauschprogrammen teil, gefördert von einer Gruppe, die "American Council
of Young Political Leaders" (Amerikanischer Rat junger Politiker) hieß und
zu einem großen Teil von USIA finanziert wurde.

Wir gingen nach Europa und

Japan, in die Sowjetunion und nach Afrika, trafen dort Menschen, mit denen
wir uns über Politik, über Verteidigung und über das Leben allgemein unterhielten.

Umgekehrt empfingen wir überall in den Vereinigten Staaten Delega-

tionen ausländischer Besucher und ließen sie Einblick in die Realitäten des
Lebens in Amerika nehmen.

Ganz offen gesagt:

Was ich bei diesem Austausch,

hier wie dort, lernte, trug mehr dazu bei, meine Vorstellungen von der Außenpolitik zu gestalten

als all die Bücher, die ich je gelesen habe,und all

die Kurse, an denen ich in Schule und Hochschule teilnahm.

Das Netz von

Freunden und Bekannten - manche von ihnen jetzt im Ausland in hohen Regierungsämtern -, das damals gesponnen wurde, ist ganz außerordentlich.
Die Initiative des Präsidenten ist noch viel breiter angelegt; sie wirft
ihre Netze aus, um alle möglichen jungen Menschen einzubeziehen - politische
ebenso wie unpolitische - und sie in unmittelbaren Kontakt zum Leben jener
"anderen" zu bringen, mit denen wir so vieles gemeinsam haben. Vor acht Tagen beschrieb es Außenminister Shultz bei der Begrüßung der Delegierten der
Williamsburg-Konferenz über internationalen Jugendaustausch, einem beim
Versailler Gipfel vereinbarten Treffen, mit den folgenden Worten:
"Derzeit wird so viel über Waffen und Abrüstung gesprochen. Aber es
sind nicht die Waffen, die uns interessieren, es sind die Werte, die uns
interessieren. Wir versuchen, sie zu verteidigen. Und um sie verteidigen
zu können, müssen wir sie begreifen, sie teilen und sie weiterentwickeln.
Und das ist genau das, worum es Ihnen allen geht."
+ + + + +

- 4 -

�7

9. Februar 1983

DARUM WIRD AMERIKA. NICHT SCHLAFEN
Ein Kommentar der Stimme Amerikas

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten pflegen traditionsgemäß
ihre Streitkräfte, kaum ist ein Krieg beendet, abzurüsten. Heute aber, in
einer Zeit, in der wir mit allen Ländern auf der Erde in Frieden leben,
sehen wir uns durch äußere Umstände genötigt, unsere Rüstungsausgaben aufzustocken.
Der Regierungshaushalt, den Präsident Reagan dem Kongreß in diesen Tagen
zugeleitet hat, spiegelt diese Tedenz zu steigenden Militärausgaben deutlich
wider, die zu einer Zeit großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten um sich
greift. Es gibt andere wichtige Aufgaben, auf die unser Volk das viele Geld
weit lieber verwenden würde als auf die Verteidigung. Staatskunst aber ist
keine Frage der Befriedigung von Bürgerwünschen allein.
Wir werden so viel Mittel aufwenden wie notwendig, um das militärische
Gleichgewicht mit der Sowjetunion wiederherzustellen. Jahrelang schon betreibt
Moskau den Ausbau sowohl seiner konventionellen als auch seiner nuklearen
Rüstung, in einem bisher einmaligen Umfang. Westeuropa sieht sich durch die

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�durch die sowjetische Militärmacht bedroht wie nie zuvor.
Streitkräfte haben

Die sowjetischen

im Zuge eines südwärts gerichteten Vorstoßes, der West-

asien und den gesamten Nahen und Mittleren Osten gefährdet, Afghanistan besetzt; unser eigenes Territorium wird von sowjetischen strategischen Streitkräften bedroht, die so stark sind, daß manche Analytiker fürchten, der
Kreml könnte sich eines Tages versucht fühlen, einen nuklearen Erstschlag
zu führen oder mit einem solchen zu drohen.
Hiervor müssen wir uns als Nation schützen.

Die Vereinigten Staaten

haben aber als Großmacht auch noch andere internationale Verantwortung zu
tragen,

über formelle wie informelle Vereinbarungen hängen viele andere

Länder, was ihre Verteidigung gegen einen sowjetischen Angriff mit nuklearen
oder auch konventionellen Waffen angeht, von unserer Unterstützung ab.
In praxi besitzen die Vereinigten Staaten als einzige Macht die Kombination aus wirtschaftlichen Hilfsquellen und Militärtechnologie, um die
Welt in dem Bestreben anzuführen, die Sowjets daran zu hindern, ihre militärische Dominanz auf weitere Gebiete der Erde auszudehnen.
Das aber ist ein kostspieliges Unterfangen. Wir verwenden annähernd
acht Prozent unseres Bruttosozialproduktes auf die Verteidigung - immer
noch weit weniger als die schätzungsweise 15 Prozent,die Moskau hierfür ausgibt.
Wir würden es deshalb begrüßen, wenn die beiden Supermächte ihre Streitkräfte so weit reduzieren würden, daß dadurch das Gleichgewicht zwischen
ihnen wiederhergestellt wird. Die einzige Methode aber, die sowjetischen
Machthaber von der Notwendigkeit ernsthafter Verhandlungen zu überzeugen,
besteht offenkundig darin, ihnen klarzumachen, daß ihnen die Weigerung,
ernsthaft zu verhandeln, nichts einbringen kann. Das ist der Grund dafür,
daß wir selbst angesichts großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten entschlossen
sind, wiederaufzurüsten.
+ + + + +

- 2 -

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                    <text>Amerika Dienst&#13;
Information&#13;
und&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
23. Februar 1983&#13;
&#13;
INHALT&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Präsident Reagan wartet auf INF-Gegenvorschlag Moskaus&#13;
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 16. Februar 1983 Rede des US-Vizepräsidenten in London&#13;
- Bush begrüßt Einigkeit der NATO Nitze:&#13;
&#13;
Sowjetische INF-Vorschläge können Bedenken der NATO nicht&#13;
&#13;
ausräumen&#13;
- Ausführungen des Genfer US-Chefdelegierten auf der Wehrkundetagung&#13;
in München USA fordern umfassendes und verifizierbares Verbot aller chemischen&#13;
Waffen&#13;
- Rede von US-Botschafter Fields vor dem Genfer Abrüstungsausschuß Bericht des US-Außenministeriums über Zwangsarbeit in der UdSSR&#13;
- Einleitung von Staatssekretär Eagleburger -&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
Infrarotfenster zum Universum&#13;
- Neuer Forschungssatellit spürt schwächste Wärmestrahlung auf -&#13;
&#13;
Um Über/endung uon&#13;
ßclcocxcmplcwcn&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�9&#13;
&#13;
23. Februar 1983&#13;
&#13;
PRÄSIDENT REAGAN WARTET AUF INF-GEGENVORSCHLAG MOSKAUS&#13;
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 16. Februar -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan betonte am 16. Februar 1983&#13;
auf einer landesweit von Rundfunk und Fernsehen übertragenen Pressekonferenz in&#13;
Washington, daß die Sowjetunion bisher noch keinen "legitimen Gegenvorschlag" zum&#13;
Problem der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) gemacht habe. Der Präsident&#13;
wiederholte, daß er immer bereit sei, jeden vernünftigen sowjetischen Vorschlag&#13;
ernsthaft zu erwägen, obwohl er die Beseitigung einer gesamten Kategorie von&#13;
Mittelstreckenraketen vorziehe.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten, so sagte er, seien der&#13;
&#13;
Ansicht, daß die von ihm vorgeschlagene Null-Lösung das moralisch erstrebenswerteste&#13;
Ziel in dieser Situation sei.&#13;
Breiten Raum auf der Pressekonferenz nahmen innenpolitische Probleme wie&#13;
Arbeitsplatzbeschaffung, Fragen der Steuer- und Sozialpolitik, Verbrechensbekämpfung sowie die im Senat umstrittene Nominierung von Kenneth Adel man zum neuen&#13;
Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung&#13;
nung der Präsident festhalten will.&#13;
&#13;
ein, an dessen Benen-&#13;
&#13;
Auf außenpolitischem Gebiet nahm Reagan&#13;
&#13;
außer zur Frage der nuklearen Mittel Streckensysteme noch zur Stabilisierung im&#13;
Libanon sowie zu der Entsendung amerikanischer AWACS-Frühwarnflugzeuge nach&#13;
Ägypten Stellung.&#13;
Die Fragen und Antworten zu außenpolitischen Themen haben folgenden Wortlaut:&#13;
&#13;
�Nukleare Mittelstreckenraketen&#13;
FRAGE: Seit November 1981 hält Ihre Administration an der sogenannten "NullOption" im Hinblick auf die nuklearen Mittelstreckenraketen (INF) fest, und diese&#13;
Haltung hat bisher nur in eine Sackgasse geführt.&#13;
&#13;
Innerhalb der Regierung ist&#13;
&#13;
eine Menge davon gesprochen worden, eine andere Position anzubieten - eine Position,,&#13;
die mehr Verhandlungsspielraum läßt. Sie sind aber anscheinend dafür, das nicht&#13;
zu tun.&#13;
&#13;
Können Sie uns darüber etwas sagen?&#13;
&#13;
ANTWORT: Nein, die Situation ist genau so, wie George Bush sie unseren Freunden in Europa dargestellt hat. Wenn ich einmal daran erinnern darf, was ich gesagt habe, als ich vor dem Presseklub zum ersten Mal diesen Vorschlag für eine&#13;
Null-Option darlegte: Daß wir nämlich über jeden legitimen Vorschlag, der uns angeboten werden könnte, in gutem Glauben verhandeln würden.&#13;
auch heute noch.&#13;
&#13;
Nun, das sagen wir&#13;
&#13;
Bisher wurde kein legitimer Gegenvorschlag gemacht, der ein Ver-&#13;
&#13;
handeln oder eine Prüfung rechtfertigen würde. Aber wir sind tatsächlich der Überzeugung, daß die Null-Option das moralisch erstrebenswerteste Ziel in dieser&#13;
Situation ist — daß die Chance, auf diesem Gebiet eine ganze Kategorie von Waffen&#13;
zu beseitigen und sowohl die Sowjetunion, den Ostblock, als auch Westeuropa von&#13;
dieser über ihnen hängenden Bedrohung zu befreien, es rechtfertigt, unser Bestes&#13;
zu tun, um diese Lösung zu erreichen.&#13;
FRAGE: Wenn man aber an dieser Position festhält, auch wenn sie zu nichts&#13;
führt, läuft man dann nicht Gefahr, daß das Schlimmste für beide Seiten erreicht&#13;
wird - nämlich kein Abkommen mit den Sowjets und ein Abrücken der europäischen&#13;
Verbündeten von der Dislozierung der neuen Marschflugkörper und der PershingRaketen?&#13;
ANTWORT: Nun, lassen Sie mich - ohne in die Verhandlungsstrategie eintreten&#13;
zu wollen - sagen, daß ich nicht glaube, daß wir diesen Punkt erreicht haben.&#13;
Ich glaube nicht, daß dies eine begründete Gefahr ist.&#13;
FRAGE: Herr Präsident, wie Sie wissen, steht in Westdeutschland eine Wahl&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�eine Wahl bevor, und die jüngsten Umfragergebnisse scheinen der Opposition zumindest eine Aussicht einzuräumen, diese Wahlen im März zu gewinnen. Meine Frage&#13;
ist nun: Was wären Ihrer Ansicht nach die Konsequenzen für das westliche Bündnis,&#13;
wenn eine neue deutsche Regierung die Geschäfte übernähme und es ablehnte, die&#13;
Pershing-Raketen zu dislozieren?&#13;
ANTWORT: Ich glaube, dies wäre ein schrecklicher Rückschlag für die Sache&#13;
des Friedens und der Abrüstung. Bislang hatte ich jedoch keine Hinweise darauf,&#13;
daß dies eine Möglichkeit sein würde.&#13;
&#13;
Herr Vogel war hier in diesem Land.&#13;
&#13;
Er&#13;
&#13;
zeigte Unterstützung für das, was wir bei den Rüstungsverminderungsgesprächen&#13;
vorschlagen, und er schien zu verstehen zu geben, daß er wisse, wie wichtig unser&#13;
fortbestehender Plan der Raketendislozierung - übrigens auf ihr Ersuchen hin für die Erlangung dieser RüstungsVerminderung wäre.&#13;
Wir werden uns überhaupt nicht in die inneren Angelegenheiten oder die Wahlen&#13;
eines anderen einmischen. Aber ich glaube, daß der Vizepräsident auf seiner Reise&#13;
überall in Europa große Unterstützung für das gefunden hat, was wir tun, und auch&#13;
in Deutschland, selbst angesichts der Tatsache, daß dort die Wahlvorbereitungen&#13;
laufen.&#13;
FRAGE: Sie glauben also nicht, daß die Dislozierungsfrage die westdeutschen&#13;
Wahlen beeinflussen wird?&#13;
ANTWORT: Nein, das tue ich nicht, das glaube ich wirklich nicht. Als ich&#13;
vorhin sagte, es wäre schrecklich, wollte ich daraus nicht schließen lassen,&#13;
jemand anders könnte&#13;
&#13;
eine Wahl gewinnen.&#13;
&#13;
Ich meinte, es wäre schrecklich, wenn&#13;
&#13;
irgendeiner unserer Verbündeten sich von seiner gegenwärtigen Position der Unterstützung zurückziehen würde.&#13;
FRAGE: Die Botschaft, die Vizepräsident Bush offenbar mit zurückbrachte und&#13;
von der er in der letzten Woche im Fernsehen sprach, war, daß sie (die Europäer)&#13;
die Erwägung eines sogenannten "Zwischenschrittes" - also, weniger Fortschritt gerne - sehr gerne - sehen würden.&#13;
&#13;
Was Ihr Sprecher in den letzten zwei oder&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�zwei oder drei Tagen hierzu gesagt hat, schien eine sehr harte L n i e dagegen zu&#13;
beinhalten.&#13;
&#13;
Ich möchte gerne wissen, ob Sie der Meinung sind, daß dies es den&#13;
&#13;
führenden NATO-Staatsmännern politisch erschwert, zu verhandeln?&#13;
ANTWORT: Nein, er kam mit der erklärten Unterstützung für uisere Null-Option&#13;
zurück; zweifellos wünschten sie zu wissen, ob wir bereit seien, auch über andere&#13;
Punkte zu sprechen.&#13;
&#13;
Der Vizepräsident verwies ihnen gegenüber ajf meine ursprüng-&#13;
&#13;
liche Erklärung - und das ist immer unsere Position gewesen.&#13;
&#13;
W e m jemand ein&#13;
&#13;
anderes Angebot machen möchte, dann werden wir in guter Absicht verhandeln.&#13;
FRAGE: Seit Ihrer Null-Option hat (Generalsekretär) Andropod einen Gegenvorschlag gemacht, der hier abgelehnt worden ist. Muß nun nicht eine ganze Reihe&#13;
von NATO-Staatsmännern das Gefühl haben, daß der Ball nun auf unserer Seite des&#13;
Feldes ist ... ?&#13;
ANTWORT: Nein, ich sprach von einem vernünftigen Vorschlag. 162 Raketen mit&#13;
jeweils drei Gefechtsköpfen - das macht in etwa 500 Gefechtsköpie -, und wir&#13;
würden immer noch bei Null sein. Wir hätten auf unserer Seite keinerlei Abschreckungsmacht. Das erscheint mir nicht als ein vernünftiger Vorschlag.&#13;
Ich meine vielmehr, daß der Ball immer noch in ihrem Feld ist.&#13;
&#13;
Entsendung von AWACS nach Ägypten&#13;
FRAGE: Herr Präsident, es gab heute abend einen Bericht, wonach wir AWACSFrühwarnflugzeuge nach Ägypten und auch einen Flugzeugträger in den Raum entsandt&#13;
hätten.&#13;
&#13;
Ich möchte Sie fragen, ob Sie einen libyschen Angriff luf Ägypten erwarten?&#13;
&#13;
Oder können Sie erklären, warum diese Schritte getroffen wurden, die doch offenbar&#13;
erfolgt sind?&#13;
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß es dort irgendeine Seebewegung dieser Art&#13;
gegeben hat.&#13;
&#13;
Wir sind uns allerdings der Versuche Libyens durchaus bewußt, seine&#13;
&#13;
Nachbarn und andere Länder in jenem&#13;
&#13;
Teil der Welt zu destabilisieren.&#13;
Aber die Sache&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Aber die Sache mit den AWACS-Flugzeugen ist kein ungewöhlicher Vorgang. Wir&#13;
haben gemeinsame Manöver und auch Ausbildungsübungen mit den ägyptischen Luftstreitkräften&#13;
&#13;
durchgeführt.&#13;
&#13;
Eine im letzten Jahr, und es werden weitere folgen.&#13;
&#13;
Diese&#13;
&#13;
Flugzeuge befinden sich schon seit längerer Zeit zu diesen Übungen in Ägypten, und&#13;
das führen sie eben dort durch.&#13;
FRAGE: Sie sehen also im Augenblick keine ungewöhnliche oder besondere Drohung&#13;
Libyens gegenüber Ägypten oder seinen Nachbarn, die über die allgemein eingenommene&#13;
Haltung der Libyer hinausgeht?&#13;
ANTWORT: Wie ich Ihnen schon gesagt habe, sind wir uns durchaus ihrer Neigung&#13;
zu solchen Dingen bewußt - wir wären also nicht überrascht. Aber dies ist eine&#13;
(militärische) Übung, wie sie schon früher stattfand, wie sie künftig stattfinden&#13;
wird und wie sie eben jetzt stattfindet. Und es hat, wie ich schon sagte, überhaupt keine Seebewegung gegeben.&#13;
FRAGE: Wie man hört, könnte die Gefahr von Gadhafi gegen den Sudan ausgehen.&#13;
Meine Frage lautet: Wie ernsthaft ist die Gefahr für den Sudan? Und würden Sie sollte dies notwendig sein - amerikanische Truppen einsetzen, um Gadhafi zu&#13;
stoppen?&#13;
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß es irgendeinen Grund dafür gibt. Dies ist&#13;
niemals ins Auge gefaßt worden, aber es ist uns bekannt, daß der Sudan einer der&#13;
Nachbarstaaten ist, die er mit DeStabilisierung usw. bedroht hat, wie es ja auch&#13;
mit dem Tschad der Fall gewesen ist. Das ist alles, was ich dazu sagen kann.&#13;
Wir haben jedoch keinerlei Streitkräfte in diesem Raum, die in diese Dinge hineingezogen werden würden.&#13;
FRAGE: Diese Frage stellt sich, Herr Präsident, weil wir - wie Sie sich&#13;
erinnern werden - im Jahre 1981 zwei von Gadhafis Flugzeugen abgeschossen haben,&#13;
die - wie es hieß - uns im Golf von Sydra bedrohten.&#13;
&#13;
Ich nehme an, wir wurden&#13;
&#13;
das - wenn notwendig - noch einmal tun, falls wir Seestreitkräfte dort haben?&#13;
ANTWORT: Das war ein Manöver, wie es von unserer Flotte in jedem Jahr&#13;
&#13;
�jedem Jahr abgehalten wird, und ein Teil dieser Streitkräfte war eng an den Golf&#13;
von Sydra disloziert worden, den er (Gadhafi) als seine Gewässer zu beanspruchen&#13;
gesucht hatte.&#13;
&#13;
Das ist genauso, als würden wir eine Linie von der texanischen&#13;
&#13;
Grenze bis zur Spitze von Florida ziehen und erklären, "der Golf von Mexiko ist&#13;
amerikanisches Gewässer.&#13;
&#13;
,&#13;
&#13;
Niemand sonst darf da hinein."&#13;
&#13;
Aber in jenem Fall war alles sehr klar. Sie entsandten Flugzeuge und schössen&#13;
Raketen auf zwei unserer Flugzeuge ab, die sich dort befanden.&#13;
&#13;
Und zwei unserer&#13;
&#13;
Flugzeuge schössen daraufhin Raketen auf die libyschen Maschinen ab.&#13;
&#13;
Wir waren&#13;
&#13;
eben die besseren Schützen.&#13;
FRAGE: Würden wir das - wenn notwendig - wieder tun?&#13;
ANTWORT: Ich glaube, daß unsere Streitkräfte, wo immer sie stationiert sind,&#13;
das Recht haben, sich zu verteidigen, wenn auf sie geschossen wird. Das habe ich&#13;
gesagt.&#13;
&#13;
Stabilisierung des Libanon&#13;
FRAGE: Herr Präsident, Sie haben kürzlich in einem Interview angedeutet, daß&#13;
wir bereit sein sollten weitere Friedenstruppen nach dem Libanon zu entsenden,&#13;
sollte die Stabilisierung dieses Landes das erforderlich machen. Meine Frage lautet:&#13;
Schlagen die Vereinigten Staaten einen Plan vor - oder unterstützen sie einen solchen Plan -, der die Entsendung weiterer Friedenstruppen nach dem Libanon beinhaltet,&#13;
und würden diese Truppen anderswo als im Raum Beirut stationiert sein?&#13;
ANTWORT: Hierüber ist gesprochen worden im Hinblick auf die Schwierigkeit, die&#13;
gegenwärtigen Kräfte der PLO, der Syrer und der Israelis aus dem Libanon herauszubringen, während dort das Land und die Regierung gefestigt werden. Wir haben&#13;
erklärt, daß ich - falls eine Vergrößerung und Umstationierung der multinationalen&#13;
Streitkräfte einem solchen Abzug der anderen Kräfte aus dem Libanon dienlich wären,&#13;
nach Konsultation unserer dortigen Verbündeten einer solchen Maßnahme entsprechen&#13;
würde&#13;
&#13;
'&#13;
&#13;
Selbstverständlich müßten&#13;
&#13;
�Selbstverständlich müßten unsere Verbündeten dem zustimmen, oder vielleicht&#13;
könnten sich auch noch andere Länder beteiligen.&#13;
&#13;
Und ich meine, dies würde sich&#13;
&#13;
wohl lohnen, weil wir jetzt eine so große Möglichkeit haben, dem Nahen Osten&#13;
endlich den Frieden zu bringen, daß wir es uns nicht leisten können, uns diese&#13;
Chance entgehen zu lassen.&#13;
&#13;
Ich denke, es lohnt sich daher, diese Truppen dort&#13;
&#13;
zu haben.&#13;
&#13;
Das bedeutet nicht, daß sich ihre Aufgaben sehr von den heutigen unter-&#13;
&#13;
schieden.&#13;
&#13;
Sie sollen eine stabilisierende Kraft sein, während sich der Libanon&#13;
&#13;
von der langen Zeit verschiedener Kriegsherren mit eigenen Armeen erholt und seine&#13;
Souveränität in den eigenen Grenzen festigt.&#13;
FRAGE: Sie scheinen damit anzudeuten, daß Sie sich bereits entschieden haben.&#13;
Haben Sie es schon vorgeschlagen?&#13;
&#13;
Ist dies Teil des Planes, den Botschafter Habib&#13;
&#13;
überbracht hat?&#13;
ANTWORT:&#13;
&#13;
Nein, ich habe nur gesagt, sollte dies zu einem Faktor werden, dann&#13;
&#13;
könnte dies zu dem entscheidend wichtigen Element bei der Lösung dieser Situation,&#13;
dem Abzug der Kräfte aus dem Libanon, werden.&#13;
sprechend zu verhalten.&#13;
&#13;
+ + + ++&#13;
&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
Dann wäre ich bereit, mich ent-&#13;
&#13;
�Kli&#13;
&#13;
1N&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
^^^B&#13;
&#13;
23. Februar 1983&#13;
&#13;
REDE DES US-VIZEPRÄSIDENTEN IN LONDON&#13;
- Bush begrüßt Einigkeit der NATO -&#13;
&#13;
LONDON - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat zum&#13;
Abschluß seiner kürzlichen Europareise am 9. Februar 1983 vor dem Königlichen&#13;
Institut für Internationale Angelegenheiten in London eine vielbeachtete Rede&#13;
gehalten, in der er - wie unter anderem schon in Berlin und Genf - die Bereitschaft der Vereinigten Staaten unterstrich, über alle vernünftigen Abrüstungsvorschläge zu verhandeln.&#13;
&#13;
Bush betonte, daß die Einigkeit in der NATO "die&#13;
&#13;
beste Nachricht für alle ist, die Frieden wünschen".&#13;
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat - mit Ausnahme weniger,&#13;
spezifisch auf Ort und Auditorium bezogener Passagen - folgenden Wortlaut:&#13;
Ich habe mich sehr auf die Gelegenheit gefreut, vor diesem illustren&#13;
Forum in diesen wunderschönen Räumlichkeiten zu sprechen.&#13;
&#13;
Ich komme körper-&#13;
&#13;
lich etwas ermüdet hierher, nachdem ich die letzten elf Tage in sieben Ländern verbracht habe, aber in geistiger Hochstimmung.&#13;
&#13;
Ich konnte erneut fest-&#13;
&#13;
stellen, daß die Gerüchte über das Ableben unseres Bündnisses gewaltig übertrieben sind.&#13;
Präsident Reagan...&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Präsident Reagan...&#13;
&#13;
hat mich nach Europa gesandt, um mich mit den&#13;
&#13;
führenden Persönlichkeiten auf dieser Seite des Atlantik zu konsultieren&#13;
und ihnen zuzuhören.&#13;
&#13;
Ich habe mich über die Gelegenheit gefreut, die Bot-&#13;
&#13;
schaft mitzubringen, daß, welche Herausforderungen uns auch begegnen, wir&#13;
ihnen gemeinsam begegnen.&#13;
&#13;
Was ich in Westeuropa antraf, war eine Gruppe&#13;
&#13;
führender Persönlichkeiten vereint in der Sache des NATO-Bündnisses...&#13;
Meine Gespräche auf dem Kontinent und hier in Großbritannien haben sich&#13;
auf die beiden zentralen Probleme konzentriert, vor denen wir heute stehen:&#13;
die weltweite Rezession und die Aufrüstung der Sowjetunion.&#13;
&#13;
Ich habe vielen,&#13;
&#13;
mit denen ich zusammentraf, nahezubringen versucht, daß wir einsehen müssen,&#13;
daß diese Probleme zum Teil die Folge unseres eigenen Erfolges sind.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
wirtschaftliche Situation ist zum großen Teil einer rückläufigen Bewegung&#13;
zuzuschreiben, die nach einer langen, anhaltenden Periode des wirtschaftlichen Wachstums und der lebendigen Wirtschaft kam, die den Lebensstandard&#13;
auf historisch einmalige Höhe brachte.&#13;
&#13;
Die spezifischen Merkmale der Rezes-&#13;
&#13;
sion variieren von Land zu Land, aber das Muster ist das gleiche:&#13;
&#13;
langsames&#13;
&#13;
oder rückläufiges Wachstum; hohe Arbeitslosigkeit; zurückgehende Produktivität;&#13;
Haushaltsdefizite, die einen hohen Prozentsatz des Inlandsprodukts ausmachen.&#13;
Ich war in der Lage zu berichten, daß die Vereinigten Staaten in eine&#13;
Periode des Wiederaufschwungs von der Rezession eintreten.&#13;
&#13;
Wir rechnen damit,&#13;
&#13;
da wir in diesem Jahr ein anhaltendes Wachstum erleben werden - ein Wachstum,&#13;
das andauern wird, weil wir nicht zulassen werden, daß die Inflation wieder&#13;
angefacht wird.&#13;
Ich stimme den Führungen Europas voll und ganz zu, daß wir in diesen&#13;
schwierigen wirtschaftlichen Zeiten nicht protektionistisehen Versuchungen&#13;
erliegen dürfen. Das würde das System des freien Welthandels, das der Eckpfeiler unserer phänomenalen wirtschaftlichen Entwicklung nach dem Kriege war,&#13;
schwer schädigen. Wir haben zu viel Zeit darauf verwandt, Brücken zu bauen,&#13;
als daß wir es uns leisten könnten, plötzlich Mauern aufzurichten. Unsere&#13;
Länder werden diesen Mai auf dem Gipfeltreffen in Williamsburg die Frage des&#13;
Protektionismus eingehend erörtern, wenn die weltweite wirtschaftliche Expan- 2 -&#13;
&#13;
�wirtschaftliche Expansion im Brennpunkt stehen wird.&#13;
Aber um wieder zu meiner Reise zurückzukehren.&#13;
&#13;
Ich möchte Ihnen einige&#13;
&#13;
Eindrücke vermitteln.&#13;
Ich habe zum erstenmal in meinem Leben die Berliner Mauer gesehen und&#13;
auf die trostlose Landschaft von Stacheldraht, Wachhunden und Wachtturmen&#13;
geblickt, die die Symbole jenes Regimes sind.&#13;
&#13;
Nach meiner Landung In Nürn-&#13;
&#13;
berg besuchte ich ein kleines Dorf an der innerdeutschen Grenze mit 250 Einwohnern, das "Klein-Berlin" heißt, weil die Mauer mittendurch&#13;
&#13;
läuft.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
überhaupt möglich ist diese Mauer eine noch größere Scheußlichkeit als ihr&#13;
Vorbild im Norden.&#13;
&#13;
Jene Menschen, die im östlichen Teil dieses kleinen Bauern-&#13;
&#13;
dorfes wohnen, werden von hohen betonierten Wachtturmen aus beobachtet.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
sah die Minen, Zäune, Maschinengewehre - all das nicht auf den Westen gerichtet, auf die NATO, sondern nach Osten, auf die eigenen Leute, denen das fundamentale Menschenrecht verwehrt wird, das Recht auf Freizügigkeit.&#13;
Wenn ich an die Demonstranten zurückdenke, von deren Geschrei ich in&#13;
den Niederlanden sprach, dann merke ich, daß ich unendlich glücklich darüber&#13;
bin, daß diese Stimmaihier auf dieser Seite der Mauer voll zum Ausdruck kommen können.&#13;
&#13;
Ich bin mir kürzlich der Tatsache bewußt geworden, daß eine ost-&#13;
&#13;
deutsche Anti-Atomgruppe rasch unterdrückt wurde und daß sogar das Symbol&#13;
ihrer Bewegung verboten wurde:&#13;
&#13;
eine sowjetische Statue eines Mannes, der ein&#13;
&#13;
Schwert zu einer Pflugschar schmiedet.&#13;
&#13;
Wenn das Orwell erlebt hätte!&#13;
&#13;
Oberall auf dem Wege gab es Jahrestage.&#13;
&#13;
An dem Tag, an dem ich auf&#13;
&#13;
europäischem Boden landete, jährte sich zum 50. Mal der Tag der Machtübernahme Adolf Hitlers in Deutschland.&#13;
&#13;
Das war ein unmittelbarer und zwingender&#13;
&#13;
Hinweis auf die Hinfälligkeit schwacher Institutionen und die verheerenden&#13;
Auswirkungen ihres Zusammenbruchs.&#13;
&#13;
Eine angenehmere Erinnerung ist die Drei-&#13;
&#13;
hundertjahrfeier der ersten deutschen Einwanderung in die Vereinigten Staaten.&#13;
Und in den Niederlanden nahm ich an der jüngsten Veranstaltung der Zweihundertjahrfeier der niederländisch-amerikanischen Beziehungen teil.&#13;
Ich habe&#13;
&#13;
�Ich habe vorhin erwähnt, daß die beiden Herausforderungen, vor denen&#13;
wir stehen - die weltweite Rezession und die beispiellose sowjetische Aufrüstung - im Zusammenhang mit Erfolg und nicht Mißerfolg gesehen werden&#13;
müßten.&#13;
&#13;
Was die Sowjetunion unternommen hat, muß vor dem Hintergrund einer&#13;
&#13;
westlichen Strategie der konventionellen und nuklearen Abschreckung gesehen&#13;
werden, die 38 Jahre lang den Frieden in Europa gesichert hat - der längsten&#13;
Friedensperiode in Europa in diesem Jahrhundert.&#13;
Seit über einer Generation leben wir mit Kernwaffen.&#13;
&#13;
Wir haben gewal-&#13;
&#13;
tige Herausforderungen und Schwierigkeiten bestehen müssen, die aus ihrer&#13;
Zerstörungskraft stammen.&#13;
&#13;
Das war für demokratische Gesellschaften keine&#13;
&#13;
leichte Aufgabe, denn unsere Völker glauben zurecht, daß Kernwaffen niemals&#13;
eingesetzt werden sollten.&#13;
&#13;
Daher haben seit einer Generation westliche Re-&#13;
&#13;
gierungen daran festgehalten, daß unsere Sicherheit von einem Gleichgewicht&#13;
der Kräfte abhängt - nicht von einem Ungleichgewicht.&#13;
&#13;
Unsere Strategie ist&#13;
&#13;
daher nie eine Strategie der Führung eines Krieges gewesen.&#13;
&#13;
Unsere Stra-&#13;
&#13;
tegie ist immer eine Strategie der Verhütung eines Krieges gewesen.&#13;
sie funktioniert.&#13;
&#13;
Und&#13;
&#13;
Seit Gründung der NATO gab es außerhalb Westeuropas weit&#13;
&#13;
über 100 bewaffnete Konflikte.&#13;
&#13;
In der Entschlossenheit, niemals wieder den&#13;
&#13;
Ausbruch eines Krieges zuzulassen, sind wir auch entschlossen, alle notwendigen Schritte zu tun, um zu gewährleisten, daß niemals mehr einer ausbricht.&#13;
Präsident Reagan hat das gesagt, was wir alle wissen, daß es nämlich in einem&#13;
Atomkrieg keine Sieger gibt - nur Verlierer.&#13;
Daß diese Schritte kostspielig sind, bestreitet niemand. Als aufgeklärte westliche Demokratien würden wir natürlich unsere Mittel lieber für&#13;
andere Zwecke aufwenden. Aber als aufgeklärte westliche Demokratien müssen&#13;
wir ganz gewiß auch dafür sorgen, daß unsere Sicherheit nicht Geisel der&#13;
Raketen eines Staates wird, dessen große außenpolitische Leistungen nach&#13;
dem Kriege in unglücklicher Verkürzung wie folgt dargestellt werden können:&#13;
Ostdeutschland 1953, Ungarn 1956, Tschechoslowakei 1968, Afghanistan 1979,&#13;
Polen 1981.&#13;
Weitblickende Führer&#13;
&#13;
�Weitblickende Führer und weitblickende Gesellschaften, die wissen,&#13;
um was es geht, unterstützen die Bereitstellung von Mitteln für die Abschreckungsstreitkräfte, die verhüten werden, daß dieser traurigen Liste&#13;
noch mehr Länder hinzugefügt werden.&#13;
In Übereinstimmung mit unserem seit langem bestehenden Konsens über&#13;
die Abschreckung, hat das NATO-Bündnis im Dezember 1979 eine einstimmige&#13;
Entscheidung getroffen, auf die sowjetische Aufrüstung zu antworten.&#13;
&#13;
Diese&#13;
&#13;
Aufrüstung ist gründlich und unermüdlich, konventionell, chemisch und nuklear.&#13;
&#13;
Es ist eine Aufrüstung, die bei weitem jeden legitimen Verteidigungs-&#13;
&#13;
anspruch überschreitet.&#13;
Der destabilisierendste Aspekt dieser Aufrüstung ist die Dislozierung&#13;
der SS-20-Raketen, von denen die meisten auf das Herz Westeuropas gerichtet&#13;
sind.&#13;
Diese Rakete droht die Verbindung zwischen der amerikanischen Abschrekkung und der Verteidigung unserer Verbündeten hier und auf dem europäischen&#13;
Kontinent zu zerstören.&#13;
&#13;
Ein sowjetisches Monopol an nuklearen Mittelstrek-&#13;
&#13;
kensystemen könnte die UdSSR zu dem - wie immer auch falschen - Glauben veranlassen, daß die Vereinigten Staaten auf eine nukleare Nötigung durch die&#13;
Sowjets oder im Falle eines tatsächlichen Angriffs auf ihre Verbündeten und&#13;
Truppen in Westeuropa nicht reagieren würden.&#13;
&#13;
In einer Zeit, da es zwischen&#13;
&#13;
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion mehr oder minder Parität auf&#13;
strategischer Ebene gibt, hat das Entstehen einer mächtigen SS-20-Streitmacht&#13;
den Sowjets die schon so lange angestrebte Fähigkeit verliehen, Westeuropa&#13;
zu nötigen.&#13;
Es ist das Märchen verbreitet worden, daß diese amerikanischen INFStationierungen ein Schritt zur Führung eines Atomkriegs und zur Führung&#13;
eines Krieges wären,der auf Europa allein begrenzt bliebe.&#13;
&#13;
Ich kann dazu&#13;
&#13;
nur einen Leitartikel des Londoner "Economist" zitieren, dessen Überschrift&#13;
lautet:&#13;
können."&#13;
&#13;
"Können sich so viele Menschen bezüglich der Bombe irren?&#13;
In dem Artikel heißt es:&#13;
&#13;
Ja, sie&#13;
&#13;
"Nichts regt die Amerikaner zu Recht&#13;
&#13;
�zu Recht mehr auf, als die Behauptung, daß sie Marschflugkörper und PERSHING IIRaketen in Europa stationieren wollen, um einen rein europäischen Atomkrieg&#13;
führen zu können.&#13;
&#13;
Diese Raketen wurden ursprünglich - von Europäern - genau&#13;
&#13;
aus dem umgekehrten Grunde vorgeschlagen."&#13;
&#13;
Nichts regt uns mehr auf, als die&#13;
&#13;
Behauptung, wir würden die Führung eines Atomkrieges vorbereiten, denn wir bereiten nicht die Führung eines Atomkrieges vor, sondern wir bereiten die Abschreckung vor einem Krieg vor.&#13;
Es ist gerade die Anwesenheit amerikanischer Streitkräfte, die die Garantie dafür bietet, daß die Vereinigten Staaten von jedem Angriff auf Westeuropa mitbetroffen sind.&#13;
&#13;
Und das wiederum bedeutet eine wesentliche Garan-&#13;
&#13;
tie dafür, daß die Sowjets nicht ermutigt sein werden, einen solchen Angriff&#13;
zu unternehmen.&#13;
&#13;
In Europa befinden sich rund 350 000 amerikanische Soldaten,&#13;
&#13;
die als Teil der Sicherheitsstreitkräfte der NATO nach Präsident Reagans Worten die "lebendige" Garantie für unsere Verpflichtung für den Frieden und die&#13;
Sicherheit Europas bieten.&#13;
Europas.&#13;
&#13;
Unsere Sicherheit ist unteilbar von der Sicherheit&#13;
&#13;
Ein Angriff auf Sie ist ein Angriff auf uns.&#13;
&#13;
Der Beschluß der NATO vom Dezember 1979 hatte, wie wir alle wissen, zwei&#13;
Dimensionen oder Aspekte. Die NATO würde INF-Systeme in Europa dislozieren,&#13;
aber gleichzeitig versuchen, die Sowjetunion an den Verhandlungstisch zu&#13;
bringen, um diese Dislozierung unnötig zu machen. Dies war ein flexibler&#13;
Beschluß; wenn wir noch flexibler sein wollten, dann dürften wir kein Rückgrat mehr haben.&#13;
Das Bündnis hat jetzt drei Jahre lang beide Aspekte verfolgt. Es hat&#13;
dies getan angesichts gewaltiger Anstrengungen der Sowjetunion, die eines&#13;
Stachanows würdig wären, um diesen Beschluß umzustoßen. Und es geschah trotz&#13;
der Versuche wohlmeinender, aber fehlgeleiteter Menschen im Westen, die glauben, daß der eine Aspekt ohne den anderen verfolgt werden könne.&#13;
Nachdem wir den Beschluß gefaßt hatten, hat sich die Sowjetunion ein&#13;
Jahr lang geweigert, auch nur an den Verhandlungstisch zu kommen und beharrte darauf, daß wir zuerst unsere Pläne zur Dislozierung unserer Abschreckungs- 6 -&#13;
&#13;
�unserer Abschreckungsstreitkräfte aufgeben müßten.&#13;
&#13;
Als die Sowjets schließ-&#13;
&#13;
lich erkannten, daß die NATO entschlossen war, bequemten sie sich zur Verhandlung.&#13;
&#13;
Aber während des darauffolgenden Jahres versuchten sie durch das,&#13;
&#13;
was Mrs. Thatcher "Zahlenschwindel" nennt, zu beweisen, daß sie überhaupt&#13;
keine Überlegenheit bei den INF-Systemen besäßen.&#13;
&#13;
Und jetzt hat Generalsekre-&#13;
&#13;
tär Andropow einen Verhandlungsvorschlag veröffentlicht, der in ähnlicher&#13;
Weise versucht, die Basis für die Entscheidung vom Dezember 1979 umzustoßen.&#13;
Der Andropow-Vorschlag ist höchst interessant und höchst paradox und&#13;
zwar aus folgenden Gründen.&#13;
&#13;
Seit der Entscheidung von 1979 haben die Sowjets&#13;
&#13;
immer wieder behauptet, daß in den nuklearen Mittel Streckensystemen bereits&#13;
ein "Gleichgewicht" zwischen Ost und West bestehe.&#13;
&#13;
Drei Jahre später, nach&#13;
&#13;
der Dislozierung von Wöchentlicheiner SS-20 - während die NATO keine dislozierte - behaupten sie immer noch, daß ein Gleichgewicht bestehe.&#13;
schon ein Gleichgewicht sein.&#13;
der Hand:&#13;
&#13;
Das muß&#13;
&#13;
Der Effekt von Andropows Vorschlag liegt auf&#13;
&#13;
Der Sowjetunion mehr auf Europa gerichtete Raketen zu belassen&#13;
&#13;
als sie Ende 1981 besaß, als die Verhandlungen begannen.&#13;
&#13;
Sein Vorschlag wür-&#13;
&#13;
de, falls angenommen, beinahe 500 Gefechtsköpfe auf Westeuropa gerichtet lassen.&#13;
&#13;
Er würde weitere 300 auf die amerikanischen Verbündeten in Asien, Japan&#13;
&#13;
und Südkorea belassen, wie auch auf die Volksrepublik China.&#13;
&#13;
Die sowjetischen&#13;
&#13;
Raketen sind mobil und leicht transportabel und könnten rasch westlich des&#13;
Urals zurücktransportiert werden, von wo aus sie erneut zum Schlag gegen Europa bereitstünden.&#13;
&#13;
Kurz, die Wirkung des Andropow-Vorschlags bestünde darin,&#13;
&#13;
genau die Überlegenheit bei den nuklearen Mittel Streckensystemen zu erreichen,&#13;
die durch unseren Beschluß von 1979 verhindert werden sollte.&#13;
Die sowjetischen Vorschläge gründen sich auf dem Konzept, das sich auch&#13;
in vielen ihrer öffentlichen Erklärungen findet, daß ihre Sicherheit wichtiger sei als die Sicherheit Westeuropas.&#13;
nicht überraschen,&#13;
&#13;
Diese Sicht der Sowjets sollte uns&#13;
&#13;
überraschend ist vielmehr, daß sie von Westeuropa erwar-&#13;
&#13;
ten, darauf einzugehen und daß die Vereinigten Staaten ein hierauf gegründetes Abkommen aushandeln sollten.&#13;
&#13;
Nun hat Andropow diesen einseitigen Vor-&#13;
&#13;
schlag damit gerechtfertigt, daß die Sowjetunion für die vorhandenen britischen und französischen strategischen Nuklearsysteme entschädigt werden&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�entschädigt werden müsse.&#13;
&#13;
Wie aber die NATO bei ihrem Beschluß von 1979&#13;
&#13;
klargestellt hat, können diese britischen und französischen Systeme nicht&#13;
als Ersatz für amerikanische INF-Systeme, gemäß der NATO-Abschreckungsstrategie in Europa stationiert, gelten.&#13;
&#13;
Die britischen und französischen&#13;
&#13;
Systeme haben keinen Platz in einer bilateralen Verhandlung "über landgestützte Mittelstreckenraketen, die von vornherein&#13;
&#13;
Ursache für die aufgenom-&#13;
&#13;
menen Verhandlungen waren.&#13;
In den vergangenen RüstungskontrollVerhandlungen hat die Sowjetunion&#13;
eine Kompensation für die britischen und französischen Systeme verlangt und hat eine Zurückweisung durch die Vereinigten Staaten akzeptiert.&#13;
&#13;
Wie&#13;
&#13;
Präsident Reagan in seiner jüngsten Botschaft zur Lage der Nation sagte,&#13;
bestehen die Vereinigten Staaten auf Gleichheit vergleichbarer&#13;
&#13;
Waffen als&#13;
&#13;
Grundlage für Abrüstungsverhandlungen.&#13;
Schließlich ignoriert die selektive Einbeziehung der britischen und&#13;
französischen Systeme durch die Sowjets beträchtliche Vorteile,die diese in&#13;
anderen Kategorien von Kernwaffen haben, die Westeuropa bedrohen. Wie wir&#13;
gesagt haben, haben die Sowjets ein Monopol bei den Mittelstreckenraketen.&#13;
Sie versuchen dies dadurch zu rechtfertigen, daß sie argumentieren, es gebe&#13;
insgesamt ein "Gleichgewicht" landgestützter Mittel Streckenwaffen, wenn man&#13;
alle Systeme, einschließlich der nuklearfähigen Flugzeuge zählt. Das ist&#13;
absolut falsch. Jede objektive Einschätzung des Gesamtgleichgewichts - einschließlich der Studien, die vom Internationalen Institut für Strategische&#13;
Studien hier in London vorgenommen werden - zeigt einen großen sowjetischen&#13;
Vorteil. Würden die Vereinigten Staaten also den Vorschlag Andropows annehmen, würden sie einen Zustand kodifizieren, bei dem die Sowjetunion einen&#13;
permanenten INF-Vorteil hätte - sogar einschließlich der britischen und französischen Waffen.&#13;
Aus all diesen Gründen ist der Vorschlag Andropows kein sinnvoller Vorschlag, denn er ignoriert ja eben den eigentlichen Grund für den NATO-Beschluß&#13;
von 1979. Die amerikanischen Mittel Streckensysteme dienen dazu, die lebenswichtige Verbindung zwischen den konventionellen Streitkräften der NATO und&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�NATO und der strategischen Abschreckung der Vereinigten Staaten aufrechtzu^&#13;
erhalten.&#13;
&#13;
Es ist nicht Zweck der sowjetischen Vorschläge, die britischen&#13;
&#13;
oder französischen Systeme zu reduzieren oder zu begrenzen, sondern die amerikanischen INF-Systeme aus Westeuropa zu eliminieren und dadurch Europa&#13;
vom Schutz des amerikanischen Nuklearschirms abzukoppeln.&#13;
Wie sähe also ein vernünftiges Angebot auf dem Gebiet der nuklearen&#13;
Mittel Streckenwaffen aus?&#13;
&#13;
Welches sollten seine Zielsetzungen sein?&#13;
&#13;
Die Zielsetzungen sind einfach zu beschreiben und stehen in Einklang&#13;
mit all den Rüstungsverringerungsvorschlägen, die die Vereinigten Staaten&#13;
bisher gemacht haben:&#13;
- Verringerungen auf niedrigstmögliches Niveau;&#13;
- gleiches Streitkräfteniveau für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, was bedeutet, daß es keinen "Zahlenschwindel" geben darf; und&#13;
&#13;
- Verifizierbarkeit.&#13;
Präsident Reagan unterbreitete im November 1981 einen Vorschlag, der&#13;
sich auf diese fairen, klaren Zielsetzungen gründete.&#13;
Er schlug vor, die Sowjetunion sollte zusammen mit den Vereinigten Staaten diese neue Klasse von Kernwaffen von der ganzen Welt verbannen.&#13;
gebot des Präsidenten war dramatisch, mutig und geradeheraus.&#13;
&#13;
Das An-&#13;
&#13;
Das einzige&#13;
&#13;
Argument, das ich dagegen gehört habe war, daß die Sowjetunion es nicht mag&#13;
und es nicht akzeptieren wird.&#13;
&#13;
Das ist der Grund für die Drohungen und die&#13;
&#13;
"Njets", die wir dazu bislang gehört haben.&#13;
Aber das Angebot des Präsidenten ist kein Vorschlag des "Alles oder&#13;
Nichts".&#13;
&#13;
Er ist bereit, Botschafter Nitze einen jeglichen vernünftigen&#13;
&#13;
sowjetischen Vorschlag analysieren zu lassen, der in Genf auf den Verhandlungstisch gelegt wird.&#13;
&#13;
Ich war selbst vor wenigen Tagen in Genf und habe&#13;
- 9-&#13;
&#13;
�und habe persönlich den sowjetischen Delegierten diese Botschaft verdeutlicht.&#13;
Und das war auch die Botschaft, die ich den Völkern Europas - in Ost&#13;
und West - von Präsident Reagan verlas, als ich in Berlin sprach.&#13;
Wo immer ich in Europa war, wurde ich gefragt, ob ich optimistisch hinsichtlich der Gespräche sei, die ich hatte.&#13;
&#13;
Ja, das bin ich.&#13;
&#13;
Eine der Bot-&#13;
&#13;
schaften, die ich mit nach Hause in die Vereinigten Staaten nehmen werde,&#13;
lautet, daß trotz der Meinungsverschiedenheiten das, was uns verbindet, noch&#13;
immer weit dauerhafter ist als alles, was uns auch immer trennen möge.&#13;
Paul Valery hat gesagt, daß das Problem mit unserer Zeit darin bestht,&#13;
daß die Zukunft nicht mehr das ist, was sie einmal war.&#13;
mulierung gut, aber ich wehre mich gegen die Prämisse.&#13;
&#13;
Ich finde die ForDie Geschichte hat&#13;
&#13;
uns eine Herausforderung und eine Möglichkeit geboten - eine Chance, uns&#13;
wieder einer Strategie und solchen Werten zu widmen, die noch sehr lebendig&#13;
sind.&#13;
&#13;
Versagen?&#13;
&#13;
Die Möglichkeit hierzu gibt es nicht.&#13;
&#13;
Ein Erfolg in die-&#13;
&#13;
sem Unterfangen wird Konsequenzen haben, die sogar noch über die Abschreckung&#13;
hinausgehen.&#13;
&#13;
Er wird der ganzen Welt ein Zeichen dafür sein, daß ein Bünd-&#13;
&#13;
nis, das mit dieser Herausforderung fertig wird, auch mit allen Herausforderungen für den Frieden fertig wird, den sie so hochschätzt.&#13;
&#13;
Er wird unseren&#13;
&#13;
höchsten Pflichten gerecht werden - gegenüber uns selbst und gegenüber der&#13;
Zukunft.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
23. Februar 1983&#13;
&#13;
NITZE: SOWJETISCHE INF-VORSCHLÄGE KÖNNEN BEDENKEN DER NATO&#13;
NICHT AUSRÄUMEN&#13;
Ausführungen des Genfer US-Chefdelegierten auf der Wehrkundetagung&#13;
in München -&#13;
&#13;
MÜNCHEN - (AD) - Paul Nitze, der amerikanische Chefdelegierte bei den&#13;
Genfer Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF), erklärte am&#13;
12. Februar 1983 auf der Wehrkundetagung in München, die Fragen der europäischen Verteidigung erörterte, "der sowjetische Vorschlag würde die überwältigende sowjetische Überlegenheit bei den INF-Raketen großer Reichweite bestehen lassen und kodifizieren, die ja gerade die Ursache des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 war".&#13;
Die Ausführungen von Paul Nitze haben folgenden Wortlaut:&#13;
Ich bin mit Botschafter Kwizinski übereingekommen, daß keiner von uns&#13;
öffentlich zur Tagesproblematik unserer Verhandlungen in Genf Stellung nimmt.&#13;
Das ist notwendig, wenn wir die Möglichkeit ernsthafter Gespräche haben&#13;
wollen.&#13;
Ich glaube&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Ich glaube jedoch angesichts der Tatsache, daß die Thematik der INF-Verhandlungen auch sowjetischerseits in großem Umfang Gesprächsstoff auf vielen&#13;
Ebenen ist, einige Worte zu den grundsätzlichen Fragen sagen zu können, wie&#13;
sie sich im Lauf der Verhandlungen herausgebildet haben.&#13;
Trotz unserer festen Überzeugung, daß die vollständige Beseitigung der&#13;
INF-Raketen auch weiterhin das beste Ergebnis wären, war es nie die Einstellung der Vereinigten Staaten, daß die Null-Null-Lösung eine Position des&#13;
"Alles oder Nichts" darstellt. Wir haben stets unsere Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, jeden ernsthaften sowjetischen Vorschlag zu prüfen. Die&#13;
Sowjets müssen jedoch erst noch einen Vorschlag vorlegen, der die lebenswichtigen und legitimen Besorgnisse anspricht, die zum NATO-Beschluß von 1979 geführt haben.&#13;
Werfen wir also einen Blick auf die Position der Sowjets und fragen uns,&#13;
ob sie diese ihre Ausgangsposition tatsächlich grundsätzlich geändert haben.&#13;
In den ersten Verhandlungswochen schlugen die Sowjets vor, die UdSSR und die&#13;
NATO - womit sie die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich meinen&#13;
sollten jeweils bis zu einem Umfang von 300 sogenannten "Mittelstrecken-Raketen und Flugzeugen"in Europa oder "zum Einsatz dort bestimmt" reduzieren.&#13;
Die Sowjets schlugen vor, die Streitkräfte Großbritanniens und Frankreichs sollten "in Rechnung gestellt werden", indem deren Zahl - 255 nach&#13;
sowjetischer Zählung -, einschließlich 162 Raketen, von der, von den Sowjets&#13;
vorgeschlagenen Obergrenze der amerikanischen "Mittelstrecken"-Waffen abgezogen werden sollte. Nach anderen Bestimmungen des sowjetischen Vorschlags&#13;
würde die Dislozierung amerikanischer "Mittelstrecken"-Raketen in Europa unmittelbar verboten, ganz abgesehen von der numerischen Begrenzung.&#13;
'•&#13;
&#13;
Daher hätte die sowjetische Position, von Verhandlungsbeginn an, mehrere&#13;
grundlegende Konsequenzen:&#13;
- Erstens würden die Vereinigten Staaten daran gehindert, die PERSHING II&#13;
oder die landgestützten Marschflugkörper zu dislozieren;&#13;
- Zweitens würde&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�- Zweitens würde die Sowjetunion das Recht haben, eine beträchtliche&#13;
Streitmacht an modernen SS-20-Raketen im europäischen Teil der UdSSR zu belassen;&#13;
- Drittens gäbe es keine Beschränkungen bei der sowjetischen Dislozierung von SS-20-Raketen und anderen "Mittelstrecken"-Systemen in der östlichen UdSSR; und&#13;
- Viertens würde jedes amerikanische Flugzeug in Europa oder in der Nähe&#13;
Europas, das in der Lage ist, Kernwaffen zu transportieren, tatsächlich unter&#13;
den "Mittelstrecken"-Waffen eingereiht - mit dem Ergebnis, daß praktisch alle&#13;
amerikanischen Flugzeuge, die Doppel Charakter haben, aus Europa beseitigt würden.&#13;
&#13;
Dies würde den amerikanischen Beitrag zur konventionellen Abschreckung&#13;
&#13;
und Verteidigung der NATO ernstlich schwächen.&#13;
Am 21. Dezember 1982 enthüllte Generalsekretär Andropow einen Vorschlag,&#13;
der bereits in Genf auf dem Tisch gelegen hatte.&#13;
Andropow verkündete, daß die Sowjetunion bereit sei, in Europa nicht mehr&#13;
als 162 "Mittelstrecken"-Raketen zu behalten. Die Sowjets rechtfertigen diese Zahl damit, daß sie behaupten, dies sei der derzeitige Umfang der britischen und französischen "Mittelstrecken"-Raketen.&#13;
Es sollte darauf hingewiesen werden, daß die Sowjets fälschlicherweise&#13;
die 144 Abschußeinrichtungen für die britischen und französischen unterseebootgestützten Raketen als "Mittelstrecken"-Raketen-Abschußeinrichtungen klassifizieren. Sie sind jedoch in ihren Eigenschaften identisch mit den amerikanischen und sowjetischen unterseebootgestützten Raketen (SLBM).&#13;
Von manchen Stellen wird dies als eine bedeutsame Geste der Sowjets angesehen. Dabei trägt es nur wenig oder nichts dazu bei, die grundsätzliche&#13;
sowjetische Haltung zu ändern. Das Ergebnis wäre praktisch dasselbe wie das&#13;
ihres ursprünglichen Vorschlags von vor einem Jahr:&#13;
- keine INF-Raketen&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�- keine INF-Raketen für die Vereinigten Staaten;&#13;
- eine große Anzahl von SS-20-Raketen in der europäischen UdSSR;&#13;
- eine unbegrenzte Anzahl von SS-20-Raketen und anderer "Mittelstrecken"Systeme in der östlichen UdSSR;&#13;
&#13;
und&#13;
&#13;
- die praktische Beseitigung amerikanischer Flugzeuge mit Doppelcharakter aus Europa.&#13;
Die sowjetische Position, ihr wesentlicher Effekt sowie die offenkundig&#13;
dahintersteckenden Zielsetzungen bleiben im Wesentlichen unverändert.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
Sowjets machen uns jetzt kein besseres Angebot als zu Beginn der Gespräche.&#13;
Es ist das gleiche Angebot in neuer Verpackung.&#13;
&#13;
Mit anderen Worten:&#13;
&#13;
Sie&#13;
&#13;
versuchen uns denselben sauren Wein in einer etwas anderen Flasche zu verkaufen.&#13;
Der sowjetische Vorschlag würde die überwältigende sowjetische Überlegenheit bei den INF-Raketen großer Reichweite bestehen lassen und kodifizieren,&#13;
die ja gerade die Ursache des NATO-Beschlusses von 1979 war.&#13;
Ja, würden die Vereinigten Staaten heute dem sowjetischen Vorschlag zustimmen und - im Gegensatz zu dem, was wir bislang gehört haben - annehmen,&#13;
die Sowjets würden alle die SS-20-Raketen zerstören, um die sie ihre Streitmacht verringern müßten, so hätten die Sowjets noch immer fast doppelt so viele&#13;
SS-20-Raketen als sie im Dezember 1979 hatten.&#13;
&#13;
Zudem hätten sie auch noch die&#13;
&#13;
Möglichkeit, mit der Dislozierung weiterer SS-20-Raketen fortzufahren, solange&#13;
diese in den östlichen Gebieten der UdSSR disloziert würden.&#13;
Unser Vorschlag der Eliminierung aller INF-Raketen größerer Reichweite&#13;
geht unmittelbar auf das Hauptanliegen sowjetischer Sicherheitspolitik bei&#13;
diesen Verhandlungen ein - die vorgesehene Dislozierung der PERSHING II und&#13;
der landgestützten Marschflugkörper.&#13;
Die Sowjetunion&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Die Sowjetunion hat bislang noch keinen Vorschlag unterbreitet, der in&#13;
gleicher Weise die legitimen Sicherheitsbedenken der Vereinigten Staaten und&#13;
der NATO in Rechnung stellen würde.&#13;
&#13;
Damit beide Seiten auf ein gegenseitig&#13;
&#13;
akzeptables Abkommen zugehen können, müssen die Sowjets beginnen, auch diese&#13;
Bedenken mit in Rechnung zu stellen.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�1Tl E R1 lh&#13;
DI El1 l3&#13;
&#13;
p&#13;
&#13;
»&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
&#13;
II&#13;
&#13;
&lt;&#13;
&#13;
»&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
23. Februar 1983&#13;
&#13;
USA FORDERN UMFASSENDES UND VERIFIZIERBARES VERBOT ALLER CHEMISCHEN WAFFEN&#13;
- Rede von US-Botschafter Fields vor dem Genfer Abrüstungsausschuß -&#13;
&#13;
GENF - (AD) - Der amerikanische Botschafter Louis G. Fields, Jr. erklärte am&#13;
lO.Februar 1983 in Genf vor dem Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen, die USA&#13;
strebten "ein umfassendes und verifizierbares Verbot chemischer Waffen an - und&#13;
zwar so bald wie möglich."&#13;
Die Rede von Botschafter Fields hat folgenden Wortlaut:&#13;
Das umfassende und wirksame Verbot chemischer Waffen ist die vielleicht wichtigste Aufgabe, vor der dieser Ausschuß steht. Es ist dies ein Bereich, der reif&#13;
ist für ernsthafte Verhandlungen. Auf die Vorbereitungen ist bereits viel Arbeit&#13;
verwendet worden, und die Hauptthemen sind bereits festgelegt. Jetzt ist es für&#13;
den Ausschuß an der Zeit, seine Anstrengungen zu verstärken, um die entscheidenden&#13;
Meinungsverschiedenheiten zu überwinden, damit das Gespenst eines chemischen Krieges&#13;
niemals wieder die Menschheit bedroht.&#13;
In seiner Erklärung vom 4. Februar 1983 vor diesem Ausschuß unterstrich Vizepräsident Bush erneut die Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber dem Ziel&#13;
einer vollständigen und verifizierbaren Abschaffung der chemischen Waffen und betonte&#13;
die Dringlichkeit dieser Aufgabe. Wenn ich heute hier spreche, so geschieht es in&#13;
der Zielsetzung, im einzelnen die Ansicht meiner Regierung darzulegen, wie dieses&#13;
langerstrebte Ziel endlich erreicht werden kann. Ich möchte dem Ausschuß ein umfassendes Dokument vorlegen, dessen Inhalt eine wirksame Konvention ist und in dem&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�in dem unsere Vorschläge dargelegt werden, wie der Ausschuß am raschesten vorankommen könnte.&#13;
Damit Fortschritte erzielt werden können, ist es von entscheidender Bedeutung,&#13;
daß die Ansichten aller Delegationen offen und im einzelnen dargelegt werden.&#13;
Aus diesem Grund umriß meine Delegation am 12. August vorigen Jahres die Punkte,&#13;
die unserer Meinung nach als Grundlage für eine Konvention zur Abschaffung chemischer&#13;
Waffen dienen könnten. In Arbeitsgruppen und in Konsultationen über technische&#13;
Aspekte entwickelten wir diese Gedanken weiter.&#13;
Heute legen die Vereinigten Staaten ihre detaillierten Vorstellungen bezüglich&#13;
des Inhalts einer Konvention über chemische Waffen vor, die umfassend und verifizierbar ist und die, wie wir hoffen, als Grundlage der Diskussion dienen kann. Auf&#13;
sie wird sich die amerikanische Beteiligung an Verhandlungen gründen, die zur Lösung&#13;
der entscheidenden Fragen führen sollen, die für das Erreichen unseres gemeinsamen.&#13;
Zieles unabdingbar sind.&#13;
Unser Dokument ist eine überarbeitete Fassung des im vergangenen Sommers vorgelegten Entwurfs. Ich möchte jedoch betonen, daß sich der Inhalt des Dokumentes aus&#13;
einer sehr sorgfältigen Prüfung herleitet, die unsere Experten durchgeführt haben&#13;
und die jene Vorschläge betrafen, die im Ausschuß von vielen Delegationen im Verlauf&#13;
mehrerer Jahre unterbreitet worden sind. Besondere Aufmerksamkeit wurde den Ergebnissen zuteil, die von den Kontaktgruppen erzielt wurden, die im vergangenen Sommer&#13;
eingesetzt worden waren. Bei Analyse unseres Dokumentes wird deutlich werden, daß&#13;
Vorschläge und Ideen von vielen verschiedenen Quellen übernommen wurden. Zudem&#13;
gibt es eine Reihe neuer Gedanken.&#13;
Da die Delegationen die Möglichkeit haben werden, das Dokument noch im einzelnen&#13;
zu analysieren, möchte ich hier lediglich kurz unsere Haltung-zu-den wesentlichen&#13;
Themen skizzieren, vor allem zu jenen, die sich auf Verifizierung und Einhaltung beziehen.&#13;
Die Vereinigten Staaten&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�Die Vereinigten Staaten setzen sich für ein umfassendes Verbot der chemischen&#13;
Waffen ein.&#13;
&#13;
Mit einem Verbot belegt würde jegliche Tätigkeit, die auf die Schaffung&#13;
&#13;
oder Unterhaltung einer Kapazität für chemische Waffen ausgerichtet ist.&#13;
&#13;
Anderer-&#13;
&#13;
seits würden Arbeiten legitimer Zielsetzung im chemischen Bereich unbehindert fortgeführt werden können. Die Konvention sollte zudem mehrere spezielle Bestimmungen&#13;
enthalten, die den Einsatz von chemischen Waffen betreffen, um sicherzustellen, daß&#13;
wir unser gemeinsames Ziel - die Drohung eines möglichen Einsatzes solcher Waffen&#13;
zu beseitigen - erreichen können.&#13;
&#13;
Insbesondere sollte der Einsatz in Umständen,&#13;
&#13;
die nicht durch das Genfer Protokoll abgedeckt sind, verboten werden.&#13;
&#13;
Die Bestim-&#13;
&#13;
mungen, die sich auf Einhaltungsfragen beziehen, sollten auf alle Behauptungen hinsichtlich der Anwendung chemischer Waffen anwendbar sein.&#13;
Bestehende Lager chemischer Waffen sowie Produktions- und Füll anlagen würden&#13;
sofort angemeldet und im Verlauf von zehn Jahren vernichtet werden. In diesem&#13;
Bereich haben wir - um Besorgnisse in Rechnung zu stellen, die in Gesprächen der&#13;
Kontaktgruppen geäußert wurden - spezielle Verfahrensmöglichkeiten einbezogen, um&#13;
mit dem Problem chemischer Munition fertigzuwerden - etwa auf früheren Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs -,die noch nach der Anmeldung von Lagerbeständen aufgefunden wird.&#13;
Wie Vizepräsident Bush betont hat, ist der Schlüssel zu einer wirkungsvollen&#13;
Konvention die feste Zusicherung der Einhaltung durch wirksame Verifizierung.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
haben die herbe Erfahrung machen müssen - durch die jüngsten Ereignisse in Swerdlowsk,&#13;
in Südostasien und in Afghanistan -, daß wirksame Verifizierung eine absolute Notwendigkeit für jedes .zukünftige Abkommen ist.&#13;
In diesem Ausschuß wurden die verschiedensten Wege zur Verifizierung eines Verbots chemischer Waffen besprochen.&#13;
&#13;
Wir teilen die Ansicht der Mehrheit der Dele-&#13;
&#13;
gationen, die die Bedeutung systematischer, internationaler Inspektionen an Ort&#13;
und Stelle unterstrichen haben.&#13;
&#13;
Nur ein unabhängiges, unparteiisches System, das&#13;
&#13;
für alle Beteiligten gilt, kann das notwendige Vertrauen schaffen, daß die Bestimmungen der Konvention in gutem Glauben eingehalten werden.&#13;
Nationale technische&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Nationale technische Mittel allein sind nicht ausreichend, da sie nur einigen&#13;
wenigen zur Verfügung stehen und für die Verifizierung eines Verbots chemischer&#13;
Waffen nur von äußerst begrenztem Nutzen sind. Auch können die sogenannten Systeme&#13;
der "nationalen Verifizierung", die einer Selbstinspektion der Parteien gleichkämen,&#13;
angesichts der gewaltigen Bedeutung einer solchen Konvention nicht als ernsthafte&#13;
Verifizierung angesehen werden.&#13;
Unserer Ansicht nach sollten die folgenden Punkte zu einer angemessenen Form&#13;
der systematischen, internationalen Inspektion an Ort und Stelle auf der Grundlage&#13;
des gegenseitigen Übereinkommens gehören:&#13;
-- offiziell gemeldete Lager von chemischen Waffen und der Prozeß ihrer&#13;
Beseitigung;&#13;
~ offiziell gemeldete Produktions- und AbfUli anlagen chemischer Waffen und&#13;
der Prozeß ihrer Beseitigung;&#13;
— offiziell gemeldete Anlagen für die genehmigte Produktion von Chemikalien,&#13;
die ein besonderes Risiko darstellen.&#13;
Um Mißverständnisse zu vermeiden, lassen Sie mich betonen, daß wir es nicht&#13;
für notwendig erachten, die gesamte chemische Industrie von Staaten einer Inspektion&#13;
zu unterziehen; wir wollen auch keine Inspektoren, die das gesamte Territorium einer&#13;
Vertragspartei kontrollieren. Systematische, internationale Inspektionen an Ort&#13;
und Stelle sind nur bei einer begrenzten und sorgfältig definierten Gruppe von Anlagen nötig, die gemeldet werden müssen.&#13;
Wesentlich ist auch ein wirksamer Mechanismus, um mit Fragen fertigzuwerden,&#13;
die sich bei der Einhaltung ergeben. Das ist eine der wichtigsten Lehren, die sich&#13;
aus den Problemen der Einhaltung ergeben, wie sie sich in den letzten Jahren hinsichtlich des Genfer Protokolls und der Konvention über biologische und toxische&#13;
Waffen gezeigt haben. Meine Delegation ist der Ansicht, daß dieser Mechanismus&#13;
eine rasche Lösung von Fragen auf der niedrigstmöglichen politischen Ebene herbeiführen muß.&#13;
Zugleich muß&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Zugleich muß er flexibel sein und ermöglichen, daß Fragen auf höhere&#13;
Ebenen gelangen können - einschließlich des Sicherheitsrates -, wann immer&#13;
dies notwendig sein sollte.&#13;
&#13;
Wir sind der Meinung, daß die Staaten eine feste&#13;
&#13;
Verpflichtung eingehen müssen, um bei der Lösung von Fragen der Einhaltung&#13;
zusammenzuarbeiten.&#13;
&#13;
Diese müßte zwingende Verpflichtungen dahingehend bein-&#13;
&#13;
halten, Inspektionen zuzulassen, die auf spontaner Aufforderung beruhen.&#13;
Die Delegation der Vereinigten Staaten legt dieses Dokument vor, um&#13;
dabei zu helfen, die Arbeit dieses Ausschusses voranzubringen. Wir sind der&#13;
Meinung, daß der darin beschriebene Weg der Verifizierung schwierig aber fair&#13;
und praktisch ist. Ich möchte betonen, daß wir keine absolute Verifizierung&#13;
anstreben. Wir sind uns im klaren, daß gewisse Risiken eingegangen werden&#13;
müssen. Wir bestehen jedoch darauf, daß diese Risiken so klein wie möglich&#13;
bleiben sollten, um unsere Sicherheit und die aller anderen Staaten zu garantieren. Wir brauchen ein Maß an Verifizierung, das dieses Ziel ermöglicht.&#13;
Ich möchte außerdem betonen, daß wir auch weiterhin Möglichkeiten für&#13;
neue und noch wirksamere Mittel der Verifizierung ausloten - z. B. die Möglichkeit von Sensoren an Ort undStelle.&#13;
&#13;
Wir haben andere dazu eingeladen,&#13;
&#13;
sich uns zu einer gemeinsamen Bewertung solcher Sensoren anzuschließen.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
möchte hier diese Einladung erneut aussprechen.&#13;
Zudem sind wir bereit, alle Vorschläge anderer einer ernsthaften Analyse zu unterziehen, um eine wirksame Verifizierung zu erreichen.&#13;
&#13;
Unsere&#13;
&#13;
Vorstellungen sind offen für Modifikationen und für weitere Verfeinerung.&#13;
Ja, wir ermutigen zu konstruktiven Anregungen und Beiträgen anderer Delegationen, insbesondere hinsichtlich aller weiteren Verifizierungsvereinbarungen,&#13;
die die Probleme möglicher, offiziell nicht gemeldeter Lagerstätten und Produktionsanlagen vermindern könnten.&#13;
Wir sind uns auch der Tatsache bewußt, daß sich beim Lesen dieses umfangreichen Dokumentes Fragen ergeben.&#13;
&#13;
Wir freuen uns auf solche und werden unser&#13;
&#13;
Möglichstes tun, sofort darauf zu antworten.&#13;
unsere Vorstellungen darzulegen.&#13;
&#13;
Wir sind sehr daran interessiert,&#13;
&#13;
Ja, unsere Delegation hat mit ersten Pla- 5 -&#13;
&#13;
�ersten Planungen für eine informelle Sitzung begonnen, die in naher Zukunft&#13;
stattfinden soll und die für alle Delegationen offen ist, mit der ausdrücklichen Zielsetzung, ihre Fragen und Kommentare anzuhören und darauf einzugehen.&#13;
Vizepräsident Bush hat darauf hingewiesen, daß ein Verbot chemischer&#13;
Waffen schon lange überfällig ist und hat darauf gedrängt, daß die Anstrengungen in Richtung auf dieses seit langem angestrebte Ziel verstärkt werden&#13;
müssen.&#13;
&#13;
Die Delegation der Vereinigten Staaten ist bereit, intensive Ver-&#13;
&#13;
handlungen über ein Verbot der chemischen Waffen zu führen.&#13;
unserer Delegation unsere besten Spezialisten beigegeben.&#13;
&#13;
Wir haben erneut&#13;
Wir haben großes&#13;
&#13;
Interesse an einer Lösung der Probleme, damit eine Konvention so bald wie möglich erstellt werden kann, und wir haben den Eindruck, daß die meisten Delegationen diesen Wunsch teilen.&#13;
Aber,um es offen zu sagen, die ersten drei Wochen in diesem Jahr bei der&#13;
Arbeit an einem Verbot chemischer Waffen waren entmutigend.&#13;
&#13;
Es ist ziemlich&#13;
&#13;
deutlich, daß eine kleine Gruppe, angeführt von der sowjetischen Delegation,&#13;
jedes konkrete Ergebnis vereitelt.&#13;
&#13;
Wir fordern die Sowjetunion auf, sich uns&#13;
&#13;
und anderen Mitgliedern des Ausschusses in unserer Sitzungsperiode 1983 anzuschließen, um Wege zu finden, damit die schwierigen Themen abgeschlossen werden können, die den Fortschritt bislang behindert haben mögen - insbesondere&#13;
jene, die Verifizierung und Einhaltung betreffen.&#13;
Wir wir wiederholt klargestellt haben, sind wir bereit, alle, aber auch&#13;
alle Kanäle in Erwägung zu ziehen»einschließlich den der bilateralen Verhandlungen, die produktiv zu sein versprechen. Es muß jedoch Grund zu der Annahme&#13;
bestehen, daß bilaterale Verhandlungen auch produktiv sind - und nicht nur ein&#13;
Mittel, um den Mantel des Geheimnisses um diese entscheidenden Verhandlungen&#13;
zu legen. Bislang haben wir keinen Grund zu Optimismus.&#13;
Wir haben wiederholt erklärt, daß für einen Erfolg dieser Verhandlungen&#13;
die Sowjetunion wirklich zeigen - und nicht nur einfach vorgeben - muß, daß&#13;
sie wirklich bereit ist, wirksame Bestimmungen auszuarbeiten und zu akzeptie- 6 -&#13;
&#13;
�zu akzeptieren, durch die die Einhaltung eines Verbots verifiziert werden&#13;
kann.&#13;
&#13;
Und damit sinnvolle Fortschritte erzielt werden können, muß die&#13;
&#13;
Sowjetunion außerdem den Vereinigten Staaten und der übrigen Welt zeigen,&#13;
daß sie in diesem Bereich bestehende Abkommen einhalten wird.&#13;
Es ist ernüchternd, wenn man sich darüber klar wird, daß die Arbeitsgruppe, die sich mit chemischen Waffen befaßt, schon ins vierte Jahr ihres&#13;
Bestehens geht.&#13;
&#13;
Zwar ist beträchtliche Arbeit geleistet worden, aber das&#13;
&#13;
Tempo ist noch viel zu langesam.&#13;
den.&#13;
&#13;
Die Arbeit kann und muß beschleunigt wer-&#13;
&#13;
Ich möchte hier einige Vorschläge unterbreiten, wie dies erreicht wer-&#13;
&#13;
den kann.&#13;
Erstens, lassen Sie uns keine Zeit und Energie auf Verfahrensstreitigkeiten vergeuden.&#13;
&#13;
Die Arbeitsgruppe für chemische Waffen sollte wieder zu-&#13;
&#13;
sammenkommen und ihre Beratungen unverzüglich wiederaufnehmen.&#13;
&#13;
Es fällt&#13;
&#13;
unter die Verantwortlichkeit der westlichen Delegationen, den Vorsitzenden&#13;
für dieses Jahr zu benennen.&#13;
&#13;
Wie Sie wissen, hat Botschafter McPhail zuge-&#13;
&#13;
stimmt, den Vorsitz zu übernehmen.&#13;
&#13;
Gleichzeitig könnten Konsultationen über&#13;
&#13;
andere Verfahrensfragen abgehalten werden.&#13;
&#13;
Lassen Sie uns doch diese ent-&#13;
&#13;
scheidend wichtige Arbeit nicht dadurch verzögern, daß wir anderswo Probleme&#13;
haben.&#13;
Zweitens, wollen wir uns doch auf die schwierigen Fragen konzentrieren,&#13;
die den Schlüssel zu echtem Fortschritt in Richtung auf eine Konvention darstellen.&#13;
&#13;
Manche mögen argumentieren, Fortschritte könnten dadurch erzielt&#13;
&#13;
werden, daß man sich mit "leichteren" Fragen befaßt oder daß man Vertragstexte zu Fragen entwirft, über die bereits im Grundsatz Einigung erzielt&#13;
worden ist.&#13;
&#13;
Dies wäre jedoch ein fruchtloses Unterfangen, wenn die entschei-&#13;
&#13;
dend wichtigen Fragen der Verifizierung nicht gelöst werden können.&#13;
&#13;
Wir wer-&#13;
&#13;
den keine Bemühungen unterstützen, die von den wahren Hindernissen für eine&#13;
Konvention wegführen.&#13;
&#13;
Bevor ein wirklicher Vertragstext entworfen werden kann,&#13;
&#13;
muß zunächst ein akzeptables Rahmenwerk für Verifizierung und Einhaltung ausgehandelt werden.&#13;
Drittens, der&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Drittens, der Arbeitsgruppe für chemische Waffen muß gestattet werden,&#13;
in dem von ihr selbst bestimmten Tempo voranzugehen.&#13;
&#13;
Sie sollte ihren eigenen&#13;
&#13;
Zeitplan aufstellen und hierbei nicht abhängig sein von anderen Gruppen.&#13;
&#13;
Bei&#13;
&#13;
jeder ernsthaften Verhandlung kann man davon ausgehen, daß in bestimmten Zeitabschnitten häufige Zusammenkünfte erforderlich sein werden, während in anderen informellen Beratungen sowie Arbeiten innerhalb der Delegationen am produktivsten sein werden.&#13;
&#13;
Der Arbeitsgruppe sollte die Flexibilität eingeräumt&#13;
&#13;
werden, einen Zeitplan aufzustellen, der ihrer Arbeit am dienlichsten ist.&#13;
Viertens, die sehr nützliche Einrichtung von Kontaktgruppen sollte beibehalten und verfeinert werden, um eine gemeinsame Behandlung verwandter Fragen zu ermöglichen.&#13;
&#13;
So muß beispielsweise eine Methode gefunden werden, die&#13;
&#13;
sich gleichzeitig mit allen Fragen befaßt, welche mit den Lagerbeständen zusammenhängen - offizielle Bestandsmeldungen, Zerstörung und Verifizierung.&#13;
Diese Fragen sind so eng miteinander verknüpft, daß man sie nicht isoliert&#13;
lösen kann.&#13;
Fünftens müssen effektivere Mittel und Wege gefunden werden, um sich die&#13;
technischen Expertisen zunutze zu machen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß eine&#13;
enge Zusammenarbeit zwischen technischen Experten und Diplomaten sehr wesentlich ist. Wenn auch die Notwendigkeit für Erörterungen, die in erster Linie&#13;
technischer Natur sind, weiter bestehen wird, so sollte doch der Integration&#13;
politischer und technischer Überlegungen, vielleicht innerhalb des Rahmens&#13;
der Kontaktgruppen, höchste Priorität eingeräumt werden. Als Teil der Arbeit&#13;
dieser Kontaktgruppen sollten lange genug im voraus spezielle Zeitabschnitte&#13;
für die Erörterung kombinierter politisch-technischer Fragen eingeplant werden,&#13;
für die technische Ratschläge besonders wichtig sind.&#13;
Abschließend möchte ich noch einmal unterstreichen, was Vizepräsident Bush&#13;
hier in diesem Saal vor einigen Tagen erklärt hat.&#13;
&#13;
Das Ziel meiner Regierung&#13;
&#13;
ist die Beseitigung der Bedrohung durch chemische Kriegführung, indem so bald&#13;
wie möglich ein vollständiges und verifizierbares Verbot chemischer Waffen erreicht wird.&#13;
&#13;
Wir fordern jedes Mitglied dieses Ausschusses dringend auf, sich&#13;
&#13;
den Vereinigten Staaten bei intensiven Verhandlungen anzuschließen, damit sichergestellt wird, daß die Möglichkeit der chemischen Kriegführung für immer beseitigt wird.&#13;
&#13;
+ + ++ +&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�Dokumentation&#13;
&#13;
I&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
24. Februar 1983&#13;
&#13;
BERICHT DES US-AUSSENMINISTERIUMS ÜBER ZWANGSARBEIT IN DER UDSSR&#13;
- Einleitung von Staatssekretär Eagleburger -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat dem Kongreß&#13;
der Vereinigten Staaten am 9. Februar 1983 einen Bericht über Zwangsarbeit&#13;
in der Sowjetunion zugeleitet.&#13;
&#13;
Der Bericht, der am 14. Februar veröffentlicht&#13;
&#13;
wurde, spricht von rund vier Millionen Zwangsarbeitern in der Sowjetunion,&#13;
die unter Verletzung der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Menschenrechtserklärung und der Konvention gegen die Sklaverei von 1926 sowie&#13;
aller Menschenrechte für alle möglichen Aufgaben eingesetzt werden.&#13;
In seiner Einleitung weist der Staatssekretär für politische Angelegenheiten, Lawrence Eagleburger, unter anderem auf die wachsende Zahl von Vietnamesen hin, die unter Bedingungen in der Sowjetunion arbeiten, welche den internationalen Arbeitsbedingungen widersprechen.&#13;
Die Einleitung des Berichtes hat folgenden Wortlaut:&#13;
Die Zwangsarbeitspraktiken in der Sowjetunion haben sich seit den Tagen&#13;
Stalins wesentlich verändert, aber die sowjetischen Behörden beuten auch heute&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�auch heute noch in großem Umfang Zwangsarbeit aus.&#13;
arbeitssystem stellt&#13;
&#13;
Das sowjetische Zwangs-&#13;
&#13;
einen schweren Verstoß gegen international anerkannte&#13;
&#13;
fundamentale Menschenrechte dar.&#13;
&#13;
Zwangsarbeit wird oft unter harten und er-&#13;
&#13;
niedrigenden Bedingungen dazu benutzt, um verschiedenartige sowjetische Entwicklungsprojekte durchzuführen und große Mengen Rohstoffe und Fertigwaren&#13;
für den Binnenmarkt und westliche Exportmärkte zu produzieren.&#13;
Wie in unserem vorigen Bericht vom 5. November 1982 festgestellt wurde,&#13;
ist die Frage der Zwangsarbeit in der Sowjetunion ein altes und schweres Menschenrechtsproblem.&#13;
&#13;
Das sowjetische Zwangsarbeitssystem, das größte in der&#13;
&#13;
Welt, erstreckt sich auf ein Netz von 1100 Zwangsarbeitslagern, die in fast&#13;
allen Teilen der UdSSR zu finden sind.&#13;
&#13;
Das System erfaßt schätzungsweise vier&#13;
&#13;
Millionen Zwangsarbeiter, von denen mindestens 10 000 als politische Gefangene&#13;
oder aus religiösen Gründen Gefangene betrachtet werden können.&#13;
Durch die Aufrechterhaltung ihres ausgedehnten Zwangsarbeitssystems das sowohl den politischen als auch den wirtschaftlichen Zielen des Staates&#13;
dient - stellt sich die Sowjetunion in Gegensatz zur Charta der Vereinten Nationen und hat es versäumt, ihren feierlichen Verpflichtungen in der Universalen Menschenrechtserklärung und der Konvention gegen die Sklaverei von 1926&#13;
nachzukommen.&#13;
Seit der Veröffentlichung unseres Zwischenberichtes über diese Frage im&#13;
November 1982 haben wir unsere Bemühungen fortgesetzt, Informationen zusammenzutragen und haben mehrere Studien zu speziellen Aspekten des Problems erstellt. So haben wir beispielsweise das sowjetische Zwangsarbeitsrecht und&#13;
die entsprechenden Praktiken wie auch das internationale Recht und Abkommen&#13;
bezüglich der Zwangsarbeit untersucht.&#13;
Darüber hinaus haben wir die Menschenrechtsaspekte dieser Frage überprüft und eine Aufstellung internationaler Gewerkschaftstätigkeiten bezüglich&#13;
der Frage der Zwangsarbeit in der Sowjetunion auf den neuesten Stand gebracht.&#13;
Und schließlich haben wir die sowjetischen Anstrengungen untersucht, freiwillige Arbeiter für Sibirien zu rekrutieren und den Status der wachsenden Zahl&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�wachsenden Zahl vietnamesischer Arbeiter in der UdSSR geprüft.&#13;
&#13;
Ausführungen&#13;
&#13;
darüber sind in diesem Bericht enthalten.&#13;
Wir haben ferner die Bemühungen privater Organisationen eng verfolgt,&#13;
weitere Informationen zu beschaffen.&#13;
&#13;
Die Internationale Gesellschaft für Men-&#13;
&#13;
schenrechte in Frankfurt in der Bundesrepublik Deutschland hat am 18. und 19.&#13;
November 1982 in Bonn Anhörungen zu diesem Thema abgehalten.&#13;
fassung dieser Anhörungen ist hier enthalten.&#13;
&#13;
Unsere Zusammen-&#13;
&#13;
Die Gesellschaft will den vol-&#13;
&#13;
len Wortlaut der Aussagen, die Mitschriften und andere Dokumente Anfang dieses&#13;
Jahres veröffentlichen.&#13;
&#13;
Wir werden sicherstellen, daß diese Dokumentation dem&#13;
&#13;
Kongreß zugänglich gemacht wird.&#13;
Wir haben ferner die Anwendung allgemeiner Gesetze gegen "Antisowjetische&#13;
Agitation", "Rowdytum" und "Parasitentum" durch sowjetische Behörden untersucht - Gesetze, die darauf abzielen, politische Dissidenten und religiöse&#13;
Aktivisten einzuschüchtern und zu bestrafen. Wie wir in unserem vorigen Bericht dargelegt haben, hat die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) seit&#13;
fast 30 Jahren Beschuldigungen wegen solcher sowjetischer Praktiken untersucht.&#13;
Die sowjetischen Behörden weigern sich, der ILO befriedigende Antworten&#13;
zu geben.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß diese Fragen ange-&#13;
&#13;
sprochen werden müssen und die Beweislast bei der UdSSR liegt.&#13;
&#13;
Wir betonen&#13;
&#13;
daher erneut, daß zur Klärung dieser Frage die sowjetischen Behörden sich&#13;
einer unparteiischen internationalen Untersuchung ihres gesamten Zwangsarbeits&#13;
Systems öffnen müssen.&#13;
Es ist allgemein bekannt, daß in der Vergangenheit Zwangsarbeiter zum&#13;
Bau von Rohrleitungen eingesetzt wurden, und wir haben Beweise, daß dies&#13;
auch heute beim Bau von Binnenrohrleitungen geschieht.&#13;
&#13;
Wie wir in unserer Do-&#13;
&#13;
kumentation vom November 1982 festgestellt haben, geht aus einer Reihe von&#13;
Berichten hervor, daß bei der schwierigen und gefährlichen Vorbereitung des&#13;
Geländes und anderen Vorbereitungsarbeiten für die Exportrohrleitung (nach&#13;
dem Westen) Zwangsarbeit eingesetzt wurde.&#13;
Die Medien&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�Die Medien haben die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Angelegenheit gelenkt und die derzeitigen Zwangsarbeitspraktiken der Sowjetunion&#13;
aufgezeigt. Wir sind daher der Meinung, daß die Publizität die sowjetischen&#13;
Behörden gegenüber den zusätzlichen Problemen sensibilisiert hat, die eine&#13;
weitere Ausbeutung von Zwangsarbeit für das Exportrohrleitungsprojekt mit&#13;
sich bringen würde.&#13;
Anfang Dezember 1982 sprach die UdSSR eine Einladung aus, die von einer&#13;
Delegation westlicher Gewerkschaftsvertreter angenommen wurde, den im Gang befindlichen Bau der Exportrohrleitung zu besichtigen. Die amtliche sowjetische&#13;
Nachrichtenagentur TASS lobte diesen Besuch, räumte jedoch in einem Bericht am&#13;
10. Dezember 1982 ein, daß die Delegation nur einen einzigen 300 km langen Abschnitt der insgesamt 4000 km langen Rohrleitung gesehen habe - die Besichtigung fand weitgehend aus dem Hubschrauber statt.&#13;
Ein Delegierter - von einer Gewerkschaft, die normalerweise den sowjetischen&#13;
Interessen gegenüber positiv eingestellt ist - beschrieb den Besuch später als&#13;
eine typische gelenkte Vorzeigetour der UdSSR und bezeichnete die Besichtigung&#13;
selbst als nicht zufriedenstellend.&#13;
Die ILO hat "im Prinzip" eine Einladung des amtlichen sowjetischen Gewerkschaftsapparats angenommen, eine Untersuchungskommission an Ort und Stelle&#13;
zu entsenden, um Beschuldigungen wegen des Einsatzes von Zwangsarbeit an der&#13;
Exportrohrleitung zu prüfen. Die ILO hat keine formelle Einladung der sowjetischen Regierung selbst erhalten, die die offizielle Verantwortung für die internationalen Verpflichtungen trägt.&#13;
Ob nun eine solche Einladung formell von der sowjetischen Regierung oder&#13;
von ihrem amtlichen Gewerkschaftsapparat ausgeht, es bleibt weiterhin die Besorgnis bestehen, daß eine solche Mission der ILO ohne Zusagen seitens der&#13;
sowjetischen Regierung, daß sie eine volle Untersuchung des sowjetischen Zwangsarbeitssystems durchführen könne, nicht in der Lage wäre, eine vollständige&#13;
Aufhellung der Tatsachen vorzunehmen.&#13;
Die Situation&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Die Situation einer zunehmenden Zahl vietnamesischer Arbeiter in der&#13;
UdSSR, die unter Bedingungen arbeiten, die vereinbarte internationale Arbeitsnormen verletzen könnten, ist weiterhin Anlaß zur Besorgnis.&#13;
&#13;
Wie es&#13;
&#13;
aussieht, melden sich viele der Arbeiter zu dem vietnamesisch-sowjetischen&#13;
Arbeitsprogramm, um der Armut und der Arbeitslosigkeit im heutigen Vietnam&#13;
zu entfliehen.&#13;
Gleichzeitig gibt es jedoch Berichte, daß die Arbeitsbedingungen in&#13;
der UdSSR hart sind und die Nettolöhne der vietnamesischen Arbeiter niedriger liegen als die sowjetischer Arbeiter, die eine vergleichbare Arbeit verrichten.&#13;
&#13;
Es besteht kaum ein Zweifel, daß ein Großteil des Lohnes der vietna-&#13;
&#13;
mesischen Arbeiter einbehalten wird, um die amtlichen Schulden der vietnamesischen Regierung bei der UdSSR abzutragen.&#13;
Ferner wird offensichtlich die Verbindung der Arbeiter zu ihren Familien&#13;
(in Vietnam) kontrolliert und eingeschränkt. Ebenso ist es unklar, ob vietnamesische Kontraktarbeiter, die sich auf sieben Jahre verpflichten müssen,&#13;
vorzeitig ihren Arbeitsvertrag kündigen und frei in ihre Heimat zurückkehren&#13;
können.&#13;
Es liegen uns keine überzeugenden Beweise vor, daß vietnamesische&#13;
Kontraktarbeiter beim Exportrohrleitungsprojekt beschäftigt sind. Die Geheimhaltung, mit der sowohl die vietnamesische als auch die sowjetische Regierung&#13;
dieses Arbeitsprogramm umgeben, erschwert eine genaue Beobachtung. Da wir&#13;
die diesem Programm innewohnenden Möglichkeiten des Mißbrauchs und die damit&#13;
zusammenhängenden Menschenrechtsfragen bedenken, werden wir dieses Programm&#13;
weiterhin genau beobachten und zu einer genaueren internationalen Überprüfung aufrufen.&#13;
Der letzte große weltweite Oberblick der Vereinten Nationen über Zwangsarbeit erschien 1953.&#13;
Da die Ausbeutung von Zwangsarbeit weiterhin ein wichtiges internationales Problem bleibt und fundamentale Menschenrechte verletzt, hält es die&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�es die amerikanische Regierung für angebracht, daß im Jahr 1983 - zur 30.&#13;
Wiederkehr des Berichtes des Ad hoc-Ausschusses - die internationale Gemeinschaft diese Frage wieder aufgreift und sich erneut der Abschaffung sol&#13;
eher Praktiken verschreibt.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�Wi//en/chcift&#13;
und Technik&#13;
&#13;
i&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
23. Februar 1983&#13;
&#13;
INFRAROTFENSTER ZUM UNIVERSUM&#13;
Neuer Forschungssatellit spürt schwächste Wärmestrahlung auf&#13;
&#13;
- (AD) - Die IRAS-Projektwissenschaftler des amerikanischen Amtes für Luftund Raumfahrt (NASA) sind begeistert. Der am 25. Januar 1983 gestartete europäischamerikanische Forschungssatellit, der das Firmament im Bereich infraroter Wellenlängen nach Strahlenquellen absucht, scheint die in ihn gesetzten großen Erwar-'&#13;
tungen auf neue Erkenntnisse für Astronomie und Astrophysik zu erfüllen. Dies&#13;
lassen die ersten Serien von Meß- und Aufnahmedaten vermuten, die jeweils zweimal&#13;
täglich vom Rutherford-Appleton-Laboratorium in Chi 1 ton bei Oxford (England) abgerufen werden. Informationseinheiten im Umfang von 900 Millionen "bits" sammelt&#13;
IRAS pro Tag, speichert sie auf Magnetband und funkt sie beim Passieren der englischen Beobachtungsstation aus 900 km Höhe zur Erde. Die Kollegen in England&#13;
nehmen nur eine vorläufige Auswertung vor. Die für die Interpretation wichtiget.&#13;
Detailanalysen besorgen Computer im Jet Propulsion Laboratory von Pasadena&#13;
(Kalifornien). Ober Nachrichtensatelliten wird die täglich anfallende Ausbeute&#13;
von der Station in England, die dem IRAS-Satelliten auch regelmäßig das Arbeitsprogramm für den nächsten Tag übermittelt, an das amerikanische Forschungsinstitut&#13;
weitergeleitet.&#13;
In Pasadena wurde das Kernstück des zylinderförmigen, 4 m hohen und 1076 kg&#13;
schweren Astronomie-Forschungsroboters gebaut.&#13;
&#13;
Es ist ein kompliziertes 810 kg&#13;
&#13;
schweres Teleskop mit einem Primärspiegel von 57 cm wirksamer Öffnung, der die&#13;
erfaßte Wärmestrahlung an 62 Infrarot-Detektoren leitet.&#13;
&#13;
Diese sind jeweils für&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�jeweils für bestimmte Bänder von Wellenlängen infraroter Strahlen empfindlich,&#13;
was den Astronomen die Möglichkeit gibt, Rückschlüsse auf vermutliche spezifische&#13;
Quellen der Strahlung zu ziehen.&#13;
&#13;
Damit dies aber nicht zu Fehl Interpretationen&#13;
&#13;
führt, muß das Instrumentarium auf sehr niedriger Temperatur gehalten werden.&#13;
Trotz der Weltraumkälte ist dafür noch ein eigenes Kühl System erforderlich.&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
arbeitet mit 475 Litern flüssigen Heliums, das die Detektoren auf eine "Eigentemperatur" von nur zwei Grad über dem absoluten Nullpunkt hält.&#13;
&#13;
Dieser liegt bei&#13;
&#13;
minus 273 Grad Celsius.&#13;
Bisherige Infrarotbeobachtungen im Weltraum wurden mit Detektoren gemacht,&#13;
die bis minus 261 Grad Celsius gekühlt werden konnten.&#13;
&#13;
Nach Ansicht der Wissen-&#13;
&#13;
schaftler in Pasadena dürfte aber der Unterschied von zehn Grad bewirken, daS an&#13;
der Brennebene von IRAS eine neunzigfache Verbesserung des Verhältnisses von&#13;
Objektsignalen&#13;
&#13;
(d.h. Meßdaten vom beobachteten Objekt) zu Störsignalen (Hinter-&#13;
&#13;
grundrauschen infolge der Eigenbewegung der Molekülelektronen des Detektors bei&#13;
schwacher Erwärmung) erreicht werden kann.&#13;
Alle Objekte mit Temperaturen über dem absoluten Nullpunkt senden Wärmestrahlung aus, die in einem bestimmten Spektralbereich als infrarote Strahlung&#13;
von geeigneten Detektoren erfaßt werden kann. Auch andere dem menschlichen Auge&#13;
unsichtbare Strahlung, wie das im Gegensatz zum Infrarot äußerst kurzwellige&#13;
Gamma-, Röntgen- und Ultraviolett-Licht, ist mit Hilfe von Detektoren wahrnehmbar.&#13;
Aber sie müssen sich am äußeren Rande oder außerhalb der Erdatmosphäre befinden.&#13;
Denn diese wirkt wie ein Schirm gegen diese Teile des elektromagnetischen Spektrums&#13;
und läßt nur Wellen bestimmter Frequenzen durch - das "sichtbare Licht" und Teile&#13;
des Radiowellenspektrums. Mit optischen Fernrohren sind von der Erdoberfläche&#13;
aus ferne Sterne in unserer Milchstraße zu beobachten, Gasmassen mit Temperaturen&#13;
von einigen Tausend Grad Celsius, dazu fremde Galaxien in vielen Hunderttausenden&#13;
und Millionen Lichtjahren Entfernung.&#13;
Strahlen unmittelbar jenseits des längerwelligen roten Anteils am sichtbaren&#13;
Licht, die infrarote Strahlung, wird zum größten Teil von Wasserdampf und Kohlendioxid in der Erdatmosphäre absorbiert und entgeht so der wissenschaftlichen&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�der wissenschaftlichen Beobachtung. Außerdem verwehren Schleier und Wolken von&#13;
Staub im Kosmos den Blick auf viele Objekte, z.B. auch auf das Zentrum unserer&#13;
Milchstraße. Aber sie lassen infrarote Strahlung durch. Mit Hilfe von Ballonund Raketensonden, auch von Flugzeugen aus waren bereits Infrarot-Messungen im&#13;
begrenzten Umgang möglich. Von seiner Umlaufbahn 900 km über der Erdoberfläche,&#13;
weit jenseits der irdischen Lufthülle, erlaubt IRAS nunmehr eine gründliche&#13;
Durchmusterung nahezu des gesamten Firmaments.&#13;
&#13;
Man hofft, mit IRAS, über dessen Planung und Entwicklung fast zehn Jahre vergingen, sowohl "dunkle" als auch durch Staubschwaden verdeckte hellere Sterne zu&#13;
finden. Und man hofft auch, ins Zentrum der Milchstraße zu "sehen", junge "heiße",&#13;
in Staubwolken eingehüllte Sterne aufzuspüren, die Geburt neuer Sterne aus massiven,&#13;
kalten Staubwolken sowie erlöschende Sterne zu beobachten, die riesige Wolken von&#13;
kosmischen Staub auswerfen. Und vielleicht trägt IRAS sogar zur Entdeckung bisher&#13;
völlig unbekannter Klassen von Himmelsobjekten bei.&#13;
Die Astrophysiker sind überzeugt, daß Infrarotstrahlung einen wesentlichen ~&#13;
Anteil am Energiehaushalt des Universums hat. Sie wissen auch, daß viele Galaxien&#13;
außerhalb unserer Milchstraße mehr neue Sterne bilden, als nach bisherigen Berechnungen zu vermuten war. Vielleicht führen Infrarotmessungen den Prozessen und der&#13;
Häufigkeit von Sternen-Neubildung eher auf die Spur. Dann dürfte auch die Entstehung von Galaxien besser zu erklären sein, und vielleicht gibt es Erkenntnisse&#13;
über mögliche Veränderungen, die in unserer Milchstraße zu erwarten sind.&#13;
Neben dem Infrarotteleskop hat IRAS noch zwei Photometer und ein Spektrometer&#13;
für spezielle Meßaufgaben, u.a. zur Messung der Sternverteilung in Regionen an&#13;
Bord, wo Sterne besonders dicht "gepackt" sind. Diese Instrumente wurden von&#13;
holländischen Wissenschaftlern beigesteuert. Solarzellen versorgen die Bordausrüstung von IRAS mit 250 Watt Betriebsstrom. Zur Ausrüstung gehören auch Computer,&#13;
um die astronomischen Instrumente auszurichten (z.B. müssen diese von hellen Lichtquellen wie Erde, Mond oder gar Sonne ständig abgewandt sein, bestimmte Bezugssterne müssen angepeilt werden) und die Kollektorplatten der Sonne zugewandt zu&#13;
halten. Die "aktive" Lebensdauer von IRAS, der die Erde von Pol zu Pol an der&#13;
Schattengrenze zwischen der Tag- und Nachtseite umrundet, hängt davon ab, wielange mit der Kühlflüssigkeit Helium die extrem tiefen Arbeitstemperaturen gehalten&#13;
werden können. Sie ist auf mindestens sieben Monate berechnet.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
- 3-&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan wartet auf INF-Gegenvorschlag Moskaus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 16. Februar 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Vizepräsidenten in London&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bush begrüßt Einigkeit der NATO -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nitze: Sowjetische INF-Vorschläge können Bedenken der NATO nicht ausräumen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des Genfer US-Chefdelegierten auf der Wehrkundetagung in München -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA fordern umfassendes und verifizierbares Verbot aller chemischen Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von US-Botschafter Fields vor dem Genfer Abrüstungsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bericht des US-Außenministeriums über Zwangsarbeit in der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Einleitung von Staatssekretär Eagleburger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Infrarotfenster zum Universum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer Forschungssatellit spürt schwächste Wärmestrahlung auf -&lt;/em&gt;</text>
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mIERlIK

Information
und
Dokumentation

1

Dl ElN!ST

^

United States Information Service
Embassy of the United States of America
2. März 1983

10
INHALT

DOKUMENTATION
Rede von Präsident Reagan vor der "American Legion"
- Wortlaut Weinberger:

Einfrieren der Kernwaffen würde Stillstand der

Rüstungskontroi 1verhandlungen bedeuten
- Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen
Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Initiativen Präsident Reagans zur Rüstungsverminderung
- Eine Chronologie Admiral Howe zu den Abrüstungsverhandlungen
- Erklärung des Direktors des Büros für politisch-militärische
Angelegenheiten im US-Außenministerium WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verstärkung der Strahlenempfindlichkeit von Tumoren
- FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments Schwefelsäurewolken in der Stratosphäre
- Vulkanausbruch beeinflußt vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. März 1983

10

REDE VON PRÄSIDENT REAGAN VOR DER "AMERICAN LEGION"
Wortlaut

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 22. Februar 1983 vor
dem amerikanischen Kriegsteilnehmerverband "American Legion" in einer vielbeachteten Rede einen Oberblick über die Politik der Vereinigten Staaten während der ersten zwei Jahre seiner Amtszeit gegeben.

Amerika, so betonte der

Präsident, gehe mit einem "neuen Gefühl des Vertrauens" in die Zukunft.
Die Rede von Präsident Reagan hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen heute über den Fortschritt berichten, den wir in den
letzten zwei Jahren in unserem Streben nach Frieden und Freiheit in einer unsicheren Welt gemacht haben.
In den letzten Tagen habe ich Berichte von vier leitenden Mitgliedern
dieser Administration erhalten, die von einer weltweiten Mission zurückgekehrt
sind.

Vizepräsident Bush fand eine herzliche Aufnahme in Europa, wo er dazu

beitrug, viele falsche Vorstellungen bezüglich der amerikanischen Politik auszuräumen.

Außenminister Shultz unternahm eine lange Reise durch den Fernen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�den Fernen Osten.

Unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane

Kirkpatrick, kehrte von einer Mission in Süd- und Mittelamerika zurück. Und
mein Berater für nationale Sicherheit, Bill Clark, berichtete von Konferenzen mit unseren Rüstungskontroll Unterhändlern Paul Nitze und Ed Rowny.

Das Erbe der Vergangenheit
Die Berichte all dieser fähigen Regierungsvertreter haben uns einen
Überblick über den aktuellen Stand der internationalen Szene gegeben.

Es

ist ein ermutigender Überblick, der einen wesentlichen Fortschritt seit
jenem Tag im August 1980 erkennen läßt, als ich Sie um Unterstützung bat
und diese erhielt.

Die internationale Lage war damals wirklich besorgnis-

erregend für all jene, die sich Sorgen machten um Amerika und die Sache
des Friedens und der Freiheit.
Unser Land war das Ziel zahlloser politischer und terroristischer Angriffe auf der ganzen Welt.

In den Augen vieler unserer Freunde waren wir

ein unsicherer Verbündeter geworden.

In den Augen potentieller Gegner wa-

ren wir zu einer fragwürdigen Abschreckung vor einer Aggression geworden.
Unsere Position in den Vereinigten Staaten war bis auf einen unerträglichen
Stand gesunken, und unsere Stärke als Weltmacht war, an allen Maßstäben moralisch, politisch, militärisch, wirtschaftlich - gemessen,in einem solchen Maße zurückgegangen, daß die Feinde der Demokratie und der internationalen Ordnung glaubten, sie könnten diese Schwäche ausnützen.

Die Sowjets

haben ihre kubanischen Söldner nach Angola und Äthiopien entsandt; chemische
Waffen gegen unschuldige Laoten und Kambodschaner eingesetzt und sind in
Afghanistan einmarschiert - das alles ungestraft.

Das erniedrigendste Symbol

dieser traurigen Situation war das Schauspiel iranischer Terroristen, die
amerikanische Geiseln nahmen und sie und unser Land über ein Jahr lang demütigten.
Wie konnte

�Wie konnte all das geschehen?

Die Antwort ist:

aufgehört, ein Führer der Welt zu sein.

Amerika hatte einfach

Das war nicht die ausschließliche

Schuld eines Politikers oder einer Partei - und es wird einer wirklich überparteilichen Anstrengung bedürfen, das alles wieder in Ordnung zu bringen.
Zu lange bestand unsere Außenpolitik aus Reaktionen auf Krisen, Reaktionen auf politische Programme anderer und aus Reaktionen auf feindselige Handlungen der Gegner von Freiheit und Demokratie.

Wir standen immer im Wettbe-

werb auf dem Felde, das unsere Gegner wählten, mit Themen und Zeitpunkten
ihrer Wahl.

Und niemand weiß besser als Kriegsteilnehmer, daß man, wenn man

in der Defensive ist, nicht vorrücken kann.

Die einzige Bewegung, die einem

bleibt, ist der Rückzug.
Manche unserer Meinungsmacher hatten aufgehört, daran zu glauben, daß
wir eine Macht für das Gute in der Welt sind. Sie schämten sich, weil Amerika
reich war in einer Welt mit so viel Armut. Sie erklärten viel zu selten,
wenn überhaupt, daß Amerikas Reichtum nicht aus Ausbeutung oder vom bloßen
Glück stammt, sondern aus der harten Arbeit des amerikanischen Volkes, aus
der Risikofreudigkeit amerikanischer Investoren, aus dem schöpferischen Geist
amerikanischer Erfinder und Unternehmer und aus einem freien System der Anreize.
Zu viele unserer führenden Persönlichkeiten sahen die Sowjets als ein
Spiegelbild ihrer selbst. Wenn wir nur abrüsteten, dann würden die Sowjets
ein Gleiches tun. Sie verbrachten all ihre Zeit damit, die Welt so zu sehen,
wie sie sehen wollten, nicht, wie sie wirklich war und ist. Und so kann man
den Frieden nicht sichern.
Ihre Einstellung ließ den zentralen Bezugspunkt der Politik außer acht
- das Denken, die Herzen, die Sympathien, die Hoffnungen und Wünsche nicht
der Regierungen, sondern der Völker. Das 20. Jahrhundert hat die wachsende
Beteiligung aller Völker an der internationalen Politik gebracht - und Amerika war auf dem Weg dahin führend. Und doch haben selbst in diesem Zeitalter

- 3 -

�diesem Zeitalter der Massenkommunikation zu viele unserer Führer diese entscheidende Dimension außer acht gelassen.
Zu viele unserer verantwortlichen Politiker hatten den Bezug zu den
sich verändernden Realitäten der Welt verloren.

Ihnen fehlte die Einsicht,

daß Amerika, wenn es heute eine wirksame Macht des Friedens sein sill, erfolgreich um die Sympathien der Weltbevölkerung - der weltweiten Wählerschaft werben muß.

Wir können nicht einfach nur gegen dies und gegen das sein.

Wir

können nicht einfach nur defensiv auf die politischen Vorschläge anderer reagieren, sie manchmal kritisieren, uns manchmal mit ihnen abfinden, ohne positive Alternativlösungen für Grundprobleme des Menschen anzubieten.
Kurz gesagt, sie ließen unsere Pflicht außer acht, für den konstruktiven
Wandel zu arbeiten, nicht einfach nur den Status quo zu erhalten.

Ein Konsens für erneute amerikanische Führung
Glücklicherweise spürte das amerikanische Volk, wohin diese gefährliche
Reise ging. Und 1980 setzte ein nationales Wiedererwachen ein - ein Wiedererwachen, das zu einem neuen Pflichtgefühl führte, einem neuen Gefühl des
Vertrauens in Amerika und die universalen Prinzipien und Ideale, auf denen
unser freies System ruht. Es handelt sich hier nicht um eine arrogante Forderung, daß sich andere unserer Lebensweise anpassen sollen; es handelt sich
um die realistische Überzeugung, daß das amerikanische Experiment relativ und
erwiesenermaßen Erfolg gehabt hat. Was wir in Amerika heute erleben - trotz
der vielen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen wir zu kämpfen haben ist die erneute Überzeugung, daß unser System richtig ist. Das System hat
uns nie im Stich gelassen. Wir haben das System im Stich gelassen, jedesmal
wenn wir die fundamentalen Prinzipien vergaßen, auf denen es beruht.
Wenn Amerika die ihm zustehende Rolle in der Welt spielen sollte, dann
mußten wir erst unser eigenes Haus in Ordnung bringen.

- 4 -

1

Ersten

und höchsten

�und höchsten Vorrang hatte die Wiederherstellung einer gesunden wirtschaftlichen Basis hier in unserem eigenen Lande.

Wir mußten der Inflationsspirale

Einhalt gebieten, die unser Land jahrelang heimgesucht hat, Not unter jenen
verbreitend, die von festen Einkommen leben müssen; die Märkte für langfristiges Kapital zerstörend; und die Zukunft unserer Kinder und Enkel verpfändend.
Dann mußten wir die Grundlage für einen Wiederaufschwung schaffen, der auf anhaltendem Wachstum beruht, ohne das Gespenst der Inflation wieder gegen uns
und die Welt loszulassen.
Wir haben unser erstes wirtschaftliches Ziel erreicht, und wir sind
der Erreichung des zweiten ein gutes Stück näher gekommen.

Die Inflation,

die 1979 und 1980 noch zweistellig war, betrug 1982 nur 3,9 Prozent und war
im letzten Quartal auf eine auf Jahresbasis umgerechnete Rate von nur 1,1 Prozent gesunken.
Die andere wesentliche Vorbedingung einer gestärkten und zielstrebigen
Außenpolitik war der Wiederaufbau der Grundlage unserer militärischen Stärke.
"Für den Krieg vorbereitet zu sein", so sagte George Washington, "ist... das
wirksamste Mittel, um den Frieden zu erhalten."

Gerade weil wir dem Frieden

verpflichtet sind, haben wir die moralische Pflicht, die Glaubwürdigkeit der
Verteidigung Amerikas zu gewährleisten.
Ich bin mir durchaus im klaren, daß viele wohlmeinende Menschen die
Ausgabe gewaltiger Summen Geldes für militärische Zwecke in einer Zeit wirtschaftlicher Schwierigkeiten bedauern.

Ähnliche Stimmen wurden auch in den

dreißiger Jahren laut, als die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr viel schlimmer waren als das, was wir heute mitmachen.

Aber weil man diesen Stimmen

nachgab, entstand ein katastrophales militärisches Ungleichgewicht, das die
Kräfte der Tyrannei und des Bösen in Versuchung führte und die Welt in einen
ruinösen Krieg stürzte.

Manche von Ihnen werden sich noch daran erinnern,

wie sie mit Holzgewehren exerzierten und Manöver mit Panzern aus Pappe abhielten.

Diese Erfahrung dürfen wir nicht noch einmal machen.
Zwei Jahrzehnte

�Zwei Jahrzehnte lang hat die Sowjetunion nichts anderes getan, als die
mächtigsten Streitkräfte in der Geschichte der Menschheit aufzubauen.

In

diesem Zeitraum begrenzten die Vereinigten Staaten ihre eigenen Militärausgaben bis zu dem Punkt, an dem unsere Investitionen in die Verteidigung
real zurückgingen, während sich die militärischen Investitionen der Sowjets
während der siebziger Jahre auf fast das Doppelte unserer eigenen beliefen.
Weder unsere Selbstbeschränkung, noch der Verzicht auf wichtige Waffensysteme,
noch die Ernte eines Jahrzehnts an Rüstungskontroi labkommen und -Verhandlungen
haben dem Streben der sowjetischen Führung nach weltweiter militärischer Überlegenheit Einhalt geboten, ja es nicht einmal verlangsamt.
Vor zwei Jahren haben wir mit der langen und schweren Aufgabe begonnen,
die amerikanische Verteidigung nach diesen Jahren der Unterfinanzierung und
Vernachlässigung wieder aufzubauen.

Heute stehen wir kurz davor, ein Ver-

teidigungsprogramm einzusetzen, das unsere Sicherheitserfordernisse erfüllt.
Wenn wir die Entschlossenheit zeigen, die militärischen Ausgaben auf dem notwendigen Stand zu halten, dann können wir das Gleichgewicht und die Abschrekkung wiederherstellen und den Frieden besser schützen.

Amerikas Ziel in den achtziger Jahren
Ich möchte mich jetzt unserer außenpolitischen Strategie zuwenden. Das
erste, was diese Administration tat, war das, was das amerikanische Volk nach
unserer Meinung von uns erwartete - nämlich eine realistische Betrachtungsweise der Welt und unserer Gegner einzuführen und die unverfälschte Wahrheit
über sie zu sagen. Wenn man schlechtes Benehmen auch noch entschuldigt, dann
ermutigt man die Leute, die sich schlecht benehmen,und lädt zur Aggression ein.
Wenn wir eine Politik der Ehrlichkeit und des Realismus gegenüber den
Sowjets verfolgen, dann heißt das nicht, daß keine produktiven Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern möglich wären. Was für solche Beziehungen notwendig ist, sind Zurückhaltung und Gegenseitigkeit.

- 6 -

Zurückhaltung muß in

�muß in Taten und nicht nur in Worten geübt werden. Wir achten das Völkerrecht und die Unabhängigkeit anderer Völker.

Alles was wir wollen, ist, daß

sich die Sowjets genauso verhalten.

Wiederherstellung der Beziehungen zu Verbündeten
Glücklicherweise ist Amerika in seinem Streben nach einer friedlichen,
gedeihlichen und humanen internationalen Ordnung keineswegs allein. Neben
uns stehen unsere Freunde und Verbündeten, vor allem die Demokratien Europas,
Lateinamerikas, Asiens und des Pazifik. Mit uns sind im Geiste auch Millionen von Menschen in Polen und anderen sowjetisch beherrschten Ländern, wie
auch im sowjetischen Imperium selbst. Ich habe dieser Tage ein Foto gesehen,
das aus Polen herausgeschmuggelt wurde. Das Foto zeigt einen kleinen Jungen
und ein ganz kleines Mädchen, die ein Pappschild tragen, auf dem steht:
"Unser Vater ist im Gefängnis für die Solidarität".
Die Aufrechterhaltung unserer Bündnispartnerschaften ist ein Schlüssel
unserer Außenpolitik. Der Grundpfeiler der Sicherheit Europas ist und bleibt
das NATO-Bündnis. Die NATO ist mehr als nur ein Militärbündnis. Sie ist ein
freiwilliger politischer Zusammenschluß freier Männer und Frauen auf der Basis
gemeinsamer Prinzipien und einer gemeinsamen Geschichte. Die Bindungen, die
uns mit unseren europäischen Verbündeten verknüpfen, sind nicht die harten
Bindungen der reinen Nützlichkeit oder die schweren Handschellen des Zwangs.
Sie sind so etwas wie das, was Abraham Lincoln das "mystische Band der Erinnerung" nannte, das Völker verbindet, die eine gemeinsame Vision haben.
Möge niemand auf der einen wie auf der anderen Seite des Atlantik daran zweifeln: Die Freiheit und die Unabhängigkeit der Verbündeten Amerikas sind
und bleiben uns so teuer wie die unsrigen.
Das fundamentale Ziel der sowjetischen Außenpolitik ist es, die Bande
zu zerbrechen, die uns mit unseren NATO-Partnern verbinden. Die wachsende
nukleare Bedrohung Europas, vor allem seit Mitte der siebziger Jahre, hat

- 7 -

�Jahre, hat ein politisches wie auch ein militärisches Ziel - die bewußte
Steigerung eines Gefühls der Unsicherheit unter den Völkern Westeuropas und
die Forderung nach Anpassung an die sowjetische Macht.
Das letztliche Ziel der Sowjets in Europa ist es, die Länder zu zwingen,
sich den sowjetischen Interessen zu sowjetischen Bedingungen anzupassen. Wir
sollten eigentlich alle wissen, wie diese Bedingungen aussehen. Wir brauchen
nur bis zur Berliner Mauer und bis zum Eisernen Vorhang zu gehen. Die Wahrheit ist etwas, was wir und unsere NATO-Verbündeten ohne Zögern einsetzen
sollten, um den Vorwürfen und Drohungen gegen uns zu begegnen. Die Wahrheit
zu sagen, war eine der Hauptaufgaben, die Vizepräsident Bush auf seiner kürzlichen Europareise erfüllt hat. Er hat die Luft von Falschinformationen gereinigt - ja von bewußten Fälschungen.
- Er bekräftigte die fundamentale Verpflichtung Amerikas zum Frieden. Wir
betreiben keinen Imperialismus, keine Aggression oder Eroberung. Wir
bedrohen niemanden. Die sowjetischen Führer wissen nur zu gut, daß es
in den Vereinigten Staaten oder sonstwo im Westen keine politische Wählerschaft gibt, die für eine militärische Aktion wäre.
- Vizepräsident Bush bekräftigte unsere Verpflichtung zu ernsthaften,
beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungsverringerungen. Unser Vorschlag ist ernst gemeint und brächte wirkliche Verringerungen der Waffen und nicht nur ein Festschreiben des bestehenden Standes der Bewaffnung auf beiden Seiten.
- Der Vizepräsident hat auch meine Bereitschaft übermittelt, jederzeit
und überall mit Generalsekretär Andropow zusammenzutreffen und ein Abkommen zu unterzeichnen, das eine ganze Klasse von Waffen vom Antlitz
dieser Erde verbannen würde. Dieses Angebot gilt weiterhin.
- Und schließlich hat er unsere Überzeugung vermittelt, daß ein Erfolg
in den Bemühungen, die strategischen Arsenale beider Seiten wesentlich

•;&lt;
»

I

�Seiten wesentlich zu verringern, von der anhaltenden Einigkeit im
Bündnis und von der Entschlossenheit abhängt, die Wahrheit über die
Bedrohung zu sagen, vor der wir stehen.
Ich bin eine starke persönliche Verpflichtung eingegangen, bei den Verhandlungen in Genf über nukleare Mittel Streckensysteme ein Rüstungsverminderungsabkommen zu erreichen.

Wir und unsere Verbündeten sind uns voll und

ganz einig, daß mein Vorschlag für die völlige Beseitigung einer ganzen Klasse
von weiterreichenden, landgestützten INF-Raketen die beste und moralischste
Lösung ist und bleibt.

Wir verhandeln in Genf in gutem Glauben und wir nehmen

keineswegs eine "Alles oder Nichts"-Position ein.

Unsere Verhandlungen in

Genf gehen von vernünftigen Prinzipien aus, die nach langen und eingehenden
Konsultationen von allen unseren Verbündeten unterstützt werden.

Zu diesen

Prinzipien gehören:
- Die einzige Basis, auf der ein faires Abkommen erreicht werden kann,
ist die der Gleichheit der Rechte und Begrenzungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.
- Daraus folgt, daß britische und französische strategische Systeme per
definitionem nicht Bestandteil dieser bilateralen Verhandlungen sind
und daher nicht über sie verhandelt werden kann.
- Ferner können sowjetische Vorschläge, die die Bedrohung lediglich von
Europa nach Asien verlagern würden, nicht als vernünftig betrachtet
werden.
- Und schließlich wird es, wie auf allen Gebieten der Rüstungskontrolle,
entscheidend wichtig sein, daß ein INF-Abkommen durch wirksame Verifizierungsmaßnahmen garantiert wird.
Wir betrachten diese Vorschläge als ein Angebot der besten Hoffnung
auf die Gewährleistung von Frieden und Stabilität durch die Verringerung der
INF-Systeme.

Zu diesem Zweck hat Botschafter Nitze die Anweisung, in Genf

�in Genf alle vorgeschlagenen Lösungen zu sondieren, die im Einklang mit den
Prinzipien stehen, hinter denen das Bündnis steht.
Wenn wir von Bündnissen, Freunden und Anliegen der Vereinigten Staaten
sprechen, dann müssen wir Asien besondere Aufmerksamkeit schenken.

Die ame-

rikanisch-japanischen Beziehungen sind und bleiben das Kernstück unserer
Asienpolitik.

Zusammen können die Vereinigten Staaten und Japan einen gewal-

tigen Beitrag zur wirtschaftlichen Dynamik und zum technologischen Fortschritt
leisten, die wir für das wirtschaftliche Wachstum und die wirtschaftliche Entwicklung in der ganzen Welt brauchen.

In Asien selbst werden wir weiterhin

unsere Partnerschaft zur Unterstützung des Friedens stärken.

Ministerpräsi-

dent Nakasone und ich haben während seines kürzlichen Besuches-in Washington
unsere Verpflichtung zu dieser Partnerschaft bekräftigt - und der Besuch von
Außenminister Shultz in Tokio hat das unterstrichen.
Unser Verhältnis zur Volksrepublik China ist ein weiterer wichtiger
Punkt - nicht nur für den Frieden und die Stabilität in Asien, sondern in
der ganzen Welt.

Während seines Besuches in Peking hat Außenminister Shultz

viele Stunden lang offene und nützliche Gespräche mit chinesischen Führern
geführt.

Das wichtigste Ergebnis dieser Gespräche war die Erkenntnis, daß

trotz unserer offenkundigen Differenzen beide Seiten diese Beziehung schätzen
und sich verpflichtet fühlen, sie zu verbessern.
Wenn wir unsere Beziehungen zu China ausbauen, dann werden wir unsere
anderen Freunde in diesem Gebiet nicht vergessen. Wir sind verpflichtet,
unsere Beziehungen zur Bevölkerung Taiwans zu pflegen, mit der wir eine lange
und ehrenhafte Verbindung haben. Unsere Bindungen zur Republik Korea bleiben
fest, und Truppen unserer beiden Länder schützen gemeinsam das geteilte Land
gegen eine drohende Aggression aus dem Norden.
In Südostasien arbeitet die Vereinigung Südostasiatischer Nationen
(ASEAN) zusammen, um das wirtschaftliche, kulturelle und bildungspolitische
Wachstum der Region zu fördern. Unser Land hat enge gegenseitige Bindungen
zur ASEAN und ihren einzelnen Mitgliedern. Der ANZUS-Pakt mit Australien und
- 10 -

�Australien und Neuseeland gehört zu den wichtigsten Beziehungen, die wir in
der heutigen Welt haben.

Die Erhaltung des Friedens
In vielen wichtigen Teilen der Welt fordern aktive Konflikte das Leben
unschuldiger Menschen, hemmen das wirtschaftliche Wachstum und blockieren
den wirtschaftlichen Fortschritt.

Die Vereinigten Staaten besitzen eine

einmalige Fähigkeit und die Pflicht, in diesen Regionen für den Frieden zu
arbeiten.
Im Nahen Osten arbeiten wir daran, die Völker dieses Gebietes zu überzeugen, daß dauerhafter Frieden und dauerhafte Sicherheit nur durch direkte
Verhandlungen und nicht durch die Anwendung bewaffneter Gewalt zustande kommen können. Ein sicherer und dauerhafter Frieden für Israel und seine arabischen Nachbarn, einschließlich einer Lösung des Palästinenserproblems, die
die legitimen Rechte dieses Volkes befriedigt, ist ein grundlegendes Ziel
unserer Außenpolitik. Wir haben eine neue Initiative eingebracht, die dazu
dienen soll, den in Camp David begonnenen Verhandlungsprozeß zu beschleunigen und auszuweiten. Dieser Prozeß erfüllte das Prinzip, besetztes Territorium für den Frieden zwischen Israel und Ägypten einzutauschen. Heute
möchte ich meinen Appell an die arabische Welt wiederholen, die Existenz
Israels und die Realität anzuerkennen, daß Frieden und Gerechtigkeit nur
durch direkte Verhandlungen gewonnen werden können. König Hussein sollte
in seinen Bemühungen unterstützt werden, ein gemeinsames jordanisch-palästinensisches Team zusammenzubringen, um über die Zukunft von Westjordanland, Gaza und Jerusalem zu verhandeln.

Wir arbeiten auch weiterhin an dem totalen Abzug aller ausländischen
Streitkräfte aus dem Libanon, damit dieses Land wieder ein unabhängiger, souveräner Staat werden kann.

Wir appellieren an Syrien, die PLO und Israel,

ihre Truppen so rasch wie möglich aus dem Libanon abzuziehen.

Eine weitere

Besetzung des Libanon durch diese Streitkräfte kann nur den Interessen jener
- 11 -

�Interessen jener dienen, die die Sache des Friedens untergraben wollen.
Diese Administration ist bereit, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen,
um die Sicherheit der Nordgrenze Israels nach einem vollständigen Abzug
der israelischen Armee zu garantieren.

Wahrer Frieden kann nur aus frei

ausgehandelten Abkommen entstehen - nicht aus Lösungen, die mit Gewalt aufgezwungen werden.

Stärkung des internationalen Wirtschaftssystems
Die Welt erlebt eine Periode großer wirtschaftlicher Instabilität einer Instabilität, die sogar beträchtliche Gefahren für die Sicherheit
der Welt in sich birgt.

Wir und unsere Verbündeten müssen den politischen

Mut zeigen, bei der Durchführung der notwendigen Gegenmaßnahmen zusammenzuarbeiten, vor allem, wenn diese Gegenmaßnahmen kurzfristig Opfer fordern.
Noch nie hat es so gestimmt, daß wir alle jeder für sich hängen werden, wenn
wir nicht zusammenhängen.
Ein wesentliches Element unseres Verhältnisses zu Ländern in der ganzen
Welt ist die wirtschaftliche Verbindung, die uns mit Handelspartnern vereint.
Ich möchte heute nicht auf die Details unserer internationalen Handels- und
Wirtschaftspolitik eingehen, aber einen Punkt möchte ich doch hervorheben,
daß es unsere Politik ist und weiterhin sein wird, uns dem Protektionismus
im eigenen Land und im Ausland zu widersetzen und für die Fortführung des
freien Handels einzutreten, der der Welt so gute Dienste geleistet hat.

Fortschritt für die Entwicklungsländer
In engem Zusammenhang mit der Handels- und Wirtschaftskomponente unserer Außenpolitik steht unser Verhältnis zu den Entwicklungsländern. Ich
bin überzeugt, daß die Zeit für unser Land und für andere Länder gekommen
ist, sich den Problemen der Entwicklungsländer in einer direkteren und wenigefr

- 12 -

�und weniger "väterlichen" Weise zuzuwenden.

Tatsache ist, daß massive Zufüh-

rung von Auslandshilfe sich nicht nur als unwirksam erwiesen hat, die wirtschaftlichen Entwicklung der Dritten Welt anzuregen - in vielen Fällen war
sie sogar kontraproduktiv.

Diese Art Auslandshilfe ist nichts anderes als

Wohlfahrtszahlung in globalem Ausmaß - und genau so unwirksam und entwürdigend.

Unsere Wirtschaftshilfe muß sorgfältig gezielt sein und muß die Ener-

gien und Anstrengungen des privaten Sektors maximal nutzen.
Diese Denkweise kommt in der Initiative für das Karibische Becken zum
Ausdruck, die ich voriges Jahr verkündet habe. Ihr Ziel besteht darin, Handel, Hilfe und Investitionsanreize in einer ausgewogenen Vereinbarung zu kombinieren, die die Selbsthilfe der Menschen im Karibischen Becken anregt.
Immer wieder haben mir die Führer dieser Länder gesagt, daß sie keine Almosen
haben wollen, sondern Hilfe, um ihr eigenes Leben durch eigene Anstrengungen
zu verbessern.
Ein wichtiger Teil dieser Hilfe ist die Einführung wirksamer ManagementPraktiken und wirtschaftlichen Denkens, die so viel zur erfolgreichen Entwicklung in fortgeschrittenen Volkswirtschaften beigetragen wie der unsrigen.
Es gibt keine gefährlichere Fehleinschätzung als die Vorstellung, der Kapitalismus sei ein Wirtschaftssystem, in dem nur die Reichen profitieren. Wirtschaftliche Freiheit ist der stärkste Antrieb der Welt zu Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit. Sie hat in unserem Lande mehr Wohlstand geschaffen und ihn
breiter unter unser Volk verteilt als irgendeine andere bekannte Gesellschaftsform der Menschheit. Die Entwicklungsländer müssen ermutigt werden, mit der
wachsenden Vielfalt von Möglichkeiten der Gewinnbeteiligung und der Ausweitung des Kapitalbesitzes zu experimentieren, die wirtschaftliche Verbesserungen für ihre Bevölkerung bringen können.
Natürlich sind die wirtschaftlichen Probleme nicht die einzigen Probleme,
mit denen sich die Entwicklungsländer auseinandersetzen müssen. Die schwankende Mischung von Armut und sozialer und politischer Instabilität macht
viele dieser Länder zum natürlichen Ziel der Subversion durch den neuen Kolonialismus der totalitären Linken. Wenn Länder ihre ohnehin knappen Mittel von
- 13 -

�Mittel von der wirtschaftlichen Entwicklung abzweigen müssen, um gegen importierten Terrorismus oder Guerillakrieg zu kämpfen, dann bleibt der wirtschaftliche Fortschritt auf der Strecke.

Daher ist die Sicherheitshilfe ein

integraler Bestandteil unserer Hilfspolitik gegenüber Lateinamerika und der
Entwicklungswelt allgemein.
In Mittelamerika stehen wir vor einer besonderen Bedrohung, die ein
Risiko für unsere nationale Sicherheit darstellt.

Mittelamerika liegt zu

nahe bei uns, und es geht bei den Seewegen in der Karibik und beim Panamakanal um zu viel, als daß wir die Realität außer acht lassen könnten.

Das

Gespenst marxistisch-leninistisch kontrollierter Regierungen in Lateinamerika
mit ihren ideologischen und politischen Abhängigkeiten von Kuba und der
Sowjetunion stellt eine direkte Herausforderung dar, auf die wir reagieren
müssen.

Armut zusammen mit sozialer und politischer Instabilität stellen

eine schwankende Mischung dar, die der neue Kolonialismus der totalitären
Linken für seine eigenen zynischen Zwecke auszunutzen versucht.
Die Bestätigung der Demokratie in Costa Rica durch die dortigen Wahlen
im vorigen Jahr, der Obergang von einer Militärherrschaft zu einer gewählten Zivilregierung in Honduras und der Beginn einer Demokratie in El Salvador
mit den erfolgreichen Wahlen im März vorigen Jahres beweisen, daß wir auf
dem richtigen Wege sind.
Dank dieses Fortschritts wird die marxistische Revolution nicht mehr
als die unausweichliche Zukunft für Mittelamerika betrachtet. Die überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner spricht sich klar für Demokratie mit
freien Wahlen,freien Gewerkschaften, Religionsfreiheit und der Achtung der
Unantastbarkeit des Einzelmenschen aus.
Aber wirtschaftliche Reform braucht Zeit, um Fuß zu fassen, und die
Demokratie bedarf der besonderen Pflege in Ländern, in denen sie keine alte
Tradition hat. Wir müssen sicherstellen, daß die Regierungen in El Salvador
und anderen mittel amerikanischen Staaten sich selbst gegen die marxistische
Guerilla verteidigen können, die Waffen, Ausbildung und Geld über Kuba und
- 14 -

�Kuba und Nicaragua erhält.

Die Vereinigten Staaten können und werden nicht

zulassen, daß marxistischer Terror und marxistische Subversion in Mittelamerika die Oberhand gewinnen.
Gleichzeitig werden wir weiterhin durch unsere eigenen Bemühungen die
Anstrengungen anderer Demokratien unterstützen, alle Möglichkeiten der Versöhnung und des Friedens in Mittelamerika auszuschöpfen.
mand täuschen:

Aber möge sich nie-

Wir werden unsere Freunde niemals verlassen.

Und wir wer-

den niemals unsere Oberzeugung aufgeben, daß legitime politische Macht nur
aus freien, offenen und regulären Wahlen hervorgehen kann.
Botschafterin Kirkpatrick hat auf ihrer jüngsten Lateinamerikareise
eingehende Konsultationen mit Führern der Region gepflogen und ihnen versichert, daß wir an unseren gemeinsamen Anstrengungen festhalten, die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern, die Sicherheitsanliegen zu unterstützen
und die Kräfte der Freiheit zu stärken.

Weltweite Förderung demokratischer Institutionen
Als ich im Juni vorigen Jahres vor dem britischen Parlament sprach,
habe ich das allumfassende Ziel unserer Außenpolitik aufgezeigt.

Ich be-

merkte, daß Amerikaner eine positive Vorstellung von der Zukunft der Welt
haben- eine realistische und eine idealistische Vorstellung.

Wir wollen

eine Welt, die mit Zustimmung der Regierten in Frieden und Freiheit lebt.
Bisher haben wir und die anderen Demokratien jedoch unsere Aufgabe nicht
sehr gut erfüllt, den aufstrebenden Nationen Demokratie und freie Wirtschaft
zu erklären.
Manche Leute argumentieren, daß jeder Versuch, das zu tun, eine Einmischung in die Angelegenheiten anderer bedeute - einen Versuch, anderen
die eigene Lebensweise aufzuzwingen.

Das ist es überhaupt nicht.

tion hat das Recht, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen.

Jede Na-

Aber zu be-

streiten, daß demokratische Werte für die heutige Entwicklungswelt eine echte
- 15 -

�eine echte Bedeutung haben

oder für die Millionen von Menschen, die vom

Kommunismus unterdrückt werden, hieße, die universelle Bedeutung des grundlegenden zeitlosen Glaubensbekenntnisses negieren, daß alle Menschen gleich
geschaffen sind - und daß sie vom Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen
Rechten ausgestattet worden sind.
Menschen, die heute in Afrika, Lateinamerika oder in Zentralasien leben, besitzen die gleichen unveräußerlichen Rechte, ihre eigene Regierung zu
wählen und über ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen, wie wir.
Indem sie die zeitlosen Werte und Wahrheiten miteinander verbanden,
haben Amerikaner immer die Realitäten der heutigen Welt hochgehalten und die
fange einer fundamental neuen Ausrichtung der amerikanischen Außenpolitik
geschaffen - einer Politik, die sich nicht schämt oder entschuldigt zu erklären, wie unsere kostbaren freien Institutionen funktionieren, und den
sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu beschreiben, den sie in so einmaliger Weise fördern.
Geschichte ist kein Weg in die Dunkelheit, der unausweichlich zur
Tyrannei führt, wie uns die Kräfte des Totalitarismus glauben machen möchten. Im Gegenteil, eines zeichnet sich im Weltgeschehen deutlich ab - und
hat sich in jedem Jahr dieses Jahrhunderts immer deutlicher abgezeichnet -,
daß der Weg in die entgegengesetzte Richtung geht. Es ist die wachsende Entschlossenheit der Männer und Frauen aller Rassen und Herkunft, ihr Schicksal
selbst in die Hand zu nehmen und sich von Willkürherrschaft zu befreien.
Mehr als jede andere menschliche Triebfeder ist dies die treibende Kraft,
die die Menschheitsfamilie heute vereint - der brennende Wunsch, unbehindert
in einer Welt zu leben, die die Rechte des einzelnen und der Nationen achtet.
Ich würde zugeben, daß wir Unrecht hätten, wenn wir Stacheldraht spannen
müßten, um unsere Bürger daran zu hindern, das Land zu verlassen.
Nichts macht mich stolzer auf das Land, dem ich diene, als die Tatsache, daß Amerika wieder an der Spitze dieser Bewegung steht.

- 16 -

Wollen wir

�Wollen wir nicht mehr auf jene Stimmen hören, die uns nur zu lange unter
dem Gewicht eines Schuldkomplexes gebeugt sehen wollten.
Es ist Amerika, das die Beseitigung einer ganzen Klasse von Kernwaffen
vom Antlitz der Erde vorgeschlagen hat - das eine fünfzigprozentige Verringerung der strategischen Interkontinentalraketen vorgeschlagen hat.
Es ist Amerika, das zur Beendigung der Belagerung von Beirut beigetragen hat und aktiv daran arbeitet, den Friedensprozeß im Nahen Osten auszuweiten.
Es ist Amerika, das eng mit den afrikanischen Frontstaaten und unseren
europäischen Verbündeten zusammengearbeitet hat, um Frieden in Afrika zu
bringen - und das unermüdlich mit Großbritannien und Argentinien daran gearbeitet hat, eine friedliche Lösung des Konflikts im Südatlantik zu erreichen.
Es ist Amerika, das in Lateinamerika und anderswo in der Welt den Trend
zur Demokratie ermutigt - und mit den moslemischen und all den anderen Ländern zusammenarbeitet, die eine Beendigung der brutalen Besetzung Afghanistans
durch die Sowjets wollen.
Es ist Amerika, das sich anderen freien Völkern in der Forderung nach
Versöhnung und Beendigung der Unterdrückung in Polen anschließt.
Und, jawohl, es ist Amerika, das führend in der Welt ist, was die Beiträge zu humanitären und Flüchtlingsprogrammen sowie die Unterstützung von
Programmen anbetrifft, um den weniger glücklichen Ländern der Welt zu helfen.
Es ist an der Zeit, daß wir wieder eine unbestreitbare Wahrheit bekräftigen - daß Amerika die größte Friedensmacht in der heutigen Welt ist und
bleibt.
Trotz all
- 17 -

�Trotz all der Belastungen und Mühen der jüngsten schweren Prüfungen
sind die Vereinigten Staaten noch immer eine junge Nation - eine Nation,
die nicht nur aus ihrem materiellen Oberfluß und ihrer wirtschaftlichen
Macht immer wieder neue Stärke schöpft, sondern auch aus freien Idealen,
die heute noch so voller Leben sind wie sie vor zwei Jahrhunderten waren,
als eine kleine, aber tapfere Schar, die wir unsere Gründervä'ter nennen,
ihr Leben, ihr Schicksal und ihre heilige Ehre in die Schanze schlugen, um
Freiheit und Unabhängigkeit zu gewinnen.
Meine Mitlegionäre, der amerikanische Traum lebt - nicht nur in den
Herzen und Hirnen unserer eigenen Landsleute, sondern auch von Millionen
von Menschen auf der Welt in freien und unterdrückten Gesellschaften, die
von uns eine Führung erwarten. Solange dieser Traum lebt, solange wir ihn
verteidigen, hat Amerika eine Zukunft - und die ganze Menschheit hat Grund
zu hoffen.

+ + + + +

- 18 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10

2. März 1983

WEINBERGER: EINFRIEREN DER KERNWAFFEN WÜRDE STILLSTAND DER
RÜSTUNGSKONTROLLVERHANDLUNGEN BEDEUTEN
• Rede des US-Verteidigungsministers vor dem amerikanischen
Kriegsteilnehmerverband "American Legion" -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger erklärte am 25. Februar 1983 im Pentagon vor Mitgliedern des
amerikanischen Kriegsteilnehmerverbandes "American Legion Auxiliary",
daß ein Einfrieren der Kernwaffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt "alle Hoffnungen auf bedeutsame Rüstungsverringerungen mit den Sowjets zunichte
machen würde."
Die wichtigsten Teile der Rede Weinbergers haben folgenden Wortlaut:
Blicken wir auf die Sowjetunion, so erkennen wir, daß sie seit 20
Jahren ständig eine immer gewaltigere militärische Macht aufhäuft.

Diese

Aufrüstung ließ in ihrem Tempo auch dann nicht nach, als sich die Vereinigten Staaten entschlossen, ihre eigenen Militärausgaben einzuschränken dies ging so weit, daß sie praktisch fast während der gesamten siebziger
Jahre real sogar zurückging.

Die Sowjets hingegen haben das Tempo auch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Tempo auch bis jetzt noch nicht verlangsamt.

Ergebnis ihrer Aufrüstung

und unserer Vernachlässigung ist ein gefährliches Umkippen des militärischen
Gleichgewichts, das für die Aufrechterhaltung der Abschreckung und für die
Friedenssicherung von so entscheidender Bedeutung ist.
Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß wir die grundlegenden Fakten des
militärischen Gleichgewichtes begreifen - daß die sowjetischen Investitionen
in zukünftige militärische Kapazitäten rund doppelt so hoch sind wie die unsrigen; daß die Sowjets den Vereinigten Staaten in fast jeder Waffenkategorie
weit voraus sind.

Aber wir müssen auch über die schlichten Zahlen hinaus-

gehen und fragen, was die sowjetische Aufrüstung tatsächlich bedeutet - oder
bedeuten könnte.

Und wenn wir sie unter diesem Aspekt betrachten, entdecken

wir zwei Tatsachen der militärischen Kapazitäten der Sowjetunion, die uns
frösteln lassen und die über jeden Vergleich von Zahl gegen Zahl hinausgehen.
Die erste Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas entwickelt hat, was
man nur als eine offensive Militärstreitmacht interpretieren kann.
Im Bereich der Kernwaffen bauen die Sowjets z.B. auch weiterhin weit
mehr Interkontinentalraketen, als sie lediglich zur Vergeltung eines Angriffes
benötigen. Sie haben außerdem die Fähigkeit entwickelt, einige dieser Raketen
erneut zu laden und abzuschießen. Sie haben die Treffgenauigkeit ihrer Kernwaffen stark verbessert - zu einem großen Teil, wie ich hinzufügen muß, als
Folge der Technologien, die sie von uns übernommen haben - und sind nunmehr
in der Lage, die meisten unserer eigenen landgestützten Raketen durch einen
Erstschlag zu zerstören. Sie haben uns gegenüber angedeutet, daß sie glauben,
einen verlängerten Krieg austragen zu können - durch Verhärtung ihrer Raketensilos und durch den Schutz ihrer Hauptziele mit Hilfe einer großangelegten
Luftverteidigung. Schließlich weisen ihre Schriften, ihre militärische Doktri
und ihre Manöver darauf hin, daß sie die Möglichkeit der Führung eines tatsächlichen Atomkrieges in ihre Überlegungen einbeziehen.
Die gleiche

�Die gleiche offensive Entwicklung läßt sich bei ihren konventionellen
Streitkräften erkennen und bei ihrer Strategie für den Einsatz dieser Streitkräfte.

Die Streitkräfte der Sowjetunion und des Warschauer Paktes, die

einst langsam und schwerfällig waren, werden heute für plötzliche und überraschende Bewegungen weit über die eigenen Grenzen hinaus modernisiert,
disloziert und ausgebildet.

Die taktischen Luft- und Raketenstreitkräfte

der Sowjets werden rasch mit modernen Systemen ausgerüstet, die großangelegte Luftoffensiven führen können.

Die sowjetische Marine ist in Umfang und

moderner Ausrüstung in augenfälliger Weise erweitert worden und hat in zunehmendem Maße die Fähigkeit, unseren Handel zur See zu unterbrechen.
Die zweite Tatsache bezüglich der militärischen Macht der Sowjets ist
die, daß sie heute die ganze Welt umspannt. Gerade in den letzten Jahren
haben wir erlebt, daß die Sowjets zahlreiche Sicherheits- und Kooperationsabkommen in Afrika, Lateinamerika, im Nahen Osten und in Asien ausgehandelt
haben. Sie erwerben Stützpunkte in Übersee und pumpen massive Waffenlieferungen in die Dritte Welt - doppelt so viel, wie wir von 1977 bis 1981 geliefert haben. Sie setzen in Mittelamerika und in Afrika kubanische, ostdeutsche
und libysche Stellvertreter ein. Und in dem dramatischsten Fall sind sie
in Afghanistan einmarschiert und haben diesem Volk das Elend chemischer und
toxischer Waffen gebracht.
Es ist, kurz gesagt, der Sowjetunion erlaubt worden, ein einseitiges
Wettrüsten ohne jede Rücksicht auf uns durchzuführen.

Wäre diese Verlagerung

des Gleichgewichts weitergegangen, dann wären die Sowjets bald in der Lage
gewesen, uns zu bedrohen oder tatsächlich anzugreifen - aus der Gewißheit
heraus, daß wir nicht fähig wären, zu antworten.

Wir haben in Polen,

Afghanistan, in Osteuropa und anderswo erlebt, daß die Sowjetunion nicht
zögert, Schwäche auszunutzen.

Wir dürfen nicht zulassen, daß die Sowjet-

union glaubt, sie könnte mit uns einen Krieg anfangen und wir nicht die Kraft
und die Streitkräfte zur Vergeltung hätten.

Vor allem dürfen wir nicht zu-

lassen, daß die Sowjetunion glaubt, sie könnte einen Atomkrieg gegen die
Vereinigten Staaten führen und gewinnen.
Aus diesem
- 3 -

�Aus diesem Grunde ist unsere Administration der Oberzeugung, daß ein
Einfrieren der Kernwaffen zum jetzigen Zeitpunkt und unter den jetzigen Umständen gefährlich wäre.

Wir sind uns darüber im klaren, daß der Vorschlag,

die Kernwaffen auf dem jetzigen Stand einzufrieren, einer tiefen Ablehnung
des Krieges und einer tiefen Angst vor einem Atomkrieg entsprang.

Unsere

Administration teilt diese Gefühle voll und ganz. Aber wir sind überzeugt,
daß ein Einfrieren nicht nur die Möglichkeit eines Krieges nicht verringern,
sondern die Gefahren,vor denen wir alle stehen, stark erhöhen würde.
Ein Einfrieren zum jetzigen Zeitpunkt würde unseren obersten und ersten
Zielen von Frieden und Sicherheit zuwiderlaufen.

Es würde die Vereinigten

Staaten und ihre Verbündeten auf eine Position ständiger militärischer Unterlegenheit festlegen zu einer Zeit, da die Sowjetunion nicht nur ihr Arsenal
täglich vergrößert, sondern auch durch alle vorhandenen Anzeichen klar erkennen läßt, daß sie glaubt, einen Atomkrieg gegen die Vereinigten Staaten
gewinnen zu können.

Und dieser militärische Nachteil oder das Ungleichge-

wicht, wenn Sie so wollen, unterhöhlt die Abschreckung, die nach unserer Oberzeugung den Frieden bewahrt hat.
Aber ein Einfrieren der Kernwaffen würde nicht nur die Abschreckung
untergraben.

Der zweite, ebenso zwingende Grund, daß ein Einfrieren der Kern-

waffen zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklug wäre, ist der, daß dies alle Hoffnungen auf bedeutsame Rüstungsverringerungen mit den Sowjets zunichte machen
würde.
Wenn wir echte Rüstungsverringerungen erreichen wollen, dann sind
mehrere Dinge notwendig: Beide Seiten müssen bereit sein, zu verhandeln,
und das heißt, beide Seiten müssen überzeugt sein, daß es in ihrem Interesse liegt, in Verhandlungen einzutreten. Das ist kein übler Trick. Wir
haben dies zu Anfang der Carter-Administration erlebt, als Außenminister
Vance mit dem Vorschlag nach Moskau reiste, die Kernwaffen zu verringern.
Die Sowjets weigerten sich, überhaupt darüber zu sprechen. Aber in diesem
Jahr, als Präsident Reagan viel weitergehende RüstungsVerminderungen vorschlug,

- 4 -

�Rüstungsverminderungen vorschlug, zeigten sich die Sowjets sofort bereit,
darüber zu verhandeln.
Heute sitzen die Sowjets in Genf mit uns am Verhandlungstisch und sprechen mit uns über die Beseitigung der bedrohlichsten und destabilisierendsten
nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa - die landgestützten Raketen.

Sie

kommen in Genf mit uns zusammen, um über Verringerungen unserer Nuklearstreitkräfte zu verhandeln.
Der Grund für diesen grundlegenden Unterschied liegt nach unserer Überzeugung darin, daß die Sowjets ganz richtig begriffen haben, daß wir die lange und schwere Aufgabe begonnen haben - und fortzusetzen gedenken -, die Wirksamkeit unserer Abschreckung wiederzugewinnen.
Aber sich an den Verhandlungstisch zu setzen, ist erst der erste Schritt.
Diese Verhandlungen werden nicht zu den von uns gewünschten Ergebnissen führen, wenn die Sowjets keinen Anreiz haben, zu Abkommen zu gelangen. Darum
müssen wir unser Programm zur Wiederherstellung unserer Verteidigung fortsetzen.

+ + + + +

- 5 -

�2. März 1983

10

INITIATIVEN PRÄSIDENT REAGANS ZUR RÜSTUNGSVERMINDERUNG
- Eine Chronologie -

WASHINGTON - (AD) - 18. November 1981: In der ersten großen außenpolitischen
Rede seiner Präsidentschaft schlägt Ronald Reagan ein umfassendes Rahmenwerk für
neue Rüstungskontrollverhandlungen vor, das sich auf die Notwendigkeit umfassender
Verringerungen bei allen Waffentypen konzentriert - ein Schritt vorwärts von den
Gesprächen über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) zu Gesprächen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START).
Als einen ersten Schritt drängt Reagan auf amerikanisch-sowjetische Gespräche
über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF). Er kündigt die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten an, auf eine Dislozierung von 572 PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern (GLCM) in Westeuropa zu verzichten, wenn die Sowjetunion ihre SS-20, SS-4 und SS-5-Raketen abbaut.
Reagan stellt fest, daß die Sowjets in den vergangenen sechs Jahren - während
die Vereinigten Staaten keine neuen Mittelstreckenraketen dislozierten und
1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzogen - 750 Gefechtsköpfe auf mobilen,
treffgenauen Raketen dislozierten.
Der Präsident schlägt für Anfang 1982 die Eröffnung der START-Verhandlungen
vor. Er verpflichtet sich zu Vorschlägen über "wirklich ernsthafte Kernwaffenverit dem Ergebnis, daß es zu einem beiderseitig ausgewogenen und

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ausgewogenen und verifizierbaren Waffenniveau kommt".
Außerdem fordert der Präsident Anstrengungen, auch bei den konventionellen
Streitkräften in Europa zu Gleichheit auf niedrigerem Niveau zu gelangen.

Er

erklärt:" Die Verteidigungserfordernisse der Sowjetunion lassen kaum den Unterhalt
von heute mehr Kampfdivisionen in der DDR notwendig erscheinen, als die gesamte
Invasionsstreitmacht der Alliierten bei der Landung in der Normandie hatte".
Er unterstützt einen westlichen Vorschlag auf der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) über eine Abrüstungskonferenz in Europa.
30. November 1981: In Genf beginnen die INF-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion.

ChefUnterhändler sind Paul H. Nitze auf

amerikanischer und Yuli A. Kwisinski auf sowjetischer Seite.
9. Mai 1982: In einer Rede am Eureka-College kündigt Reagan an, daß die STARTVerhandlungen am 29. Juni in Genf beginnen werden.

Er setzt sich für eine schritt-

weise Reduzierung ein, die sich auf die destabilisierendsten Elemente der Nuklearwaffen konzentrieren soll.
In einer ersten Phase würde die Gesamtzahl der Gefechtsköpfe auf Raketen um
ein Drittel auf etwa 5000 verringert werden; außerdem würde die Anzahl der Gefechtsköpfe auf Interkontinentalraketen (ICBM) auf die Hälfte dieser Zahl begrenzt werden;
schließlich würde die Gesamtmenge der Raketen auf ein beiderseits gleiches Niveau etwa auf die Hälfte des derzeitigen amerikanischen Umfangs - gesenkt werden.
In einer zweiten Phase würden die Vereinigten Staaten weitere Verringerungen bei der
Gesamtzerstörungskraft der Arsenale beider Seiten anstreben - und dies auf einen
beiderseitig gleichen Umfang -, einschließlich einer jeweiligen Obergrenze beim
Wurfgewicht der Raketen unterhalb dem derzeitigen amerikanischen Umfang.
Die Vereinigten Staaten würden außerdem Bomber und andere strategische Systeme
auf gleiche Weise behandeln.
9. Juni 1982:

Reagan unterbreitet neue Vorschläge für die beiderseitigen und

ausgewogenen Truppenverringerungen (MBFR) in Mitteleuropa.
- 2 -

Diese Vorschläge, die

�Diese Vorschläge, die daraufhin von den westlichen Verbündeten am 8. Juli 1982 bei
den MBFR-Gesprä'chen in Wien dargelegt wurden, fordern Verringerungen bei den jeweils
entsprechenden Landstreitkräften des Nordatlantikpaktes und des Warschauer Paktes
in verifizierbaren Schritten auf insgesamt 700 000 Mann sowie auf eine Stärke von
900 000 für Land- und Luftstreitkräfte zusammengenommen.
11. Juni 1982: In seiner Berlin-Rede erklärt Reagan, daß Washington seine
Anstrengungen intensivieren wird, um Möglichkeiten für eine Verbesserung des Verständnisses und der Kommunikation zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Friedens- und Krisenzeiten zu untersuchen. Er unterstreicht, daß die
Vereinigten Staaten an Moskau mit Vorschlägen zur Vertrauensbildung herantreten
werden. Hierzu gehören ein Austausch auf Gebieten wie der vorherigen Benachrichtigung über größere strategische Manöver, die sonst falsch interpretiert werden
könnten, Vorabinformation bei Abschüssen von Interkontinentalraketen innerhalb wie
außerhalb der nationalen Grenzen sowie ein erweiterter Austausch von Daten über
die strategischen Streitkräfte.
17. Juni 1982: Auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen für Abrüstung
schlägt Reagan eine internationale Konferenz über Militärausgaben vor, um auf den
Arbeiten der Vereinten Nationen aufzubauen, durch die ein gemeinsames System für
Berechnung und Berichterstattung entwickelt werden soll.
14. Januar 1983: Auf einer Pressekonferenz betont Reagan die Bereitschaft
der Vereinigten Staaten "so lange am Verhandlungstisch zu bleiben, wie es auch nur
die geringste Chance gibt, Rüstungsverringerungen herbeizuführen, denn es ist dies
das wichtigste Problem, vor dem diese Generation steht." Er betont, daß Washington
"jeden ernsthaften Vorschlag in Erwägung ziehen wird", den Moskau zur Frage der
Rüstungsverringerung vorlegt.
31. Januar 1983:

Botschafter Edward Rowny, Chef der amerikanischen START-

Delegation, erklärt, daß die Sowjets "positives Interesse" an den von Reagan vorgeschlagenen vertrauensbildenden Maßnahmen gezeigt haben.

- 3 -

Ein amerikanisd-sowjetisches

�Ein amerikanisch-sowjetisches Abkommen über solche Maßnahmen würde, so Rowny,
"sehr hohe Priorität" auf seiner Tagesordnung für die Verhandlungen mit seinem
sowjetischen Gesprächspartner Viktor Karpow haben.
31. Januar 1983: Vizepräsident Bush verliest in Berlin einen "offenen Brief"
Präsident Reagans an Europa, in dem der Präsident dem sowjetischen Generalsekretär
Juri Andropow vorschlägt, daß "er und ich uns treffen, wo immer and wann immer es
ihm recht ist, um ein Abkommen zu unterzeichnen, welches gewährleistet, daß alle
amerikanischen und sowjetischen landgestützten Kernraketenwaffen mittlerer Reichweite von diesem Erdball verschwinden."
30. Januar - 10. Februar 1983: Bush besucht sieben westeuropäische Länder,
um die engstmögliche Koordination bei den Rüstungsverringerungsinitiativen zu
gewährleisten. Dabei erklärt er wiederholt, daß der amerikanische INF-Vorschlag
"kein Vorschlag des Alles-oder-Nichts ist".
Um diesen Aspekt zu unterstreichen, trifft Bush am 4. Februar in Genf mit den
sowjetischen Unterhändlern zusammen und drängt ihnen gegenüber darauf, einen ausgewogenen, gleichwertigen Vorschlag für eine einschneidende, verifizierbare Verringerung der sowjetischen und amerikanischen Kernwaffen vorzulegen.

+ + + + +

- 4 -

�2. März 1983

10

ADMIRAL HOWE ZU DEN ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN
- Erklärung des Direktors des Büros für
politisch-militärische Angelegenheiten im US-Außenministerium

WASHINGTON - (AD) - Am 17. Februar 1983 gab Admiral Jonathan T. Howe,
Direktor des Büros für politisch-militärische Angelegenheiten im Außenministerium, vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses, folgende Erklärung ab:
Im vorigen Jahr begannen wir zwei großangelegte bilaterale Verhandlungen mit der Sowjetunion zur Begrenzung sowohl der strategischen Nuklearwaffen als auch der nuklearen Mittel Streckenwaffen.

Bei der Formulierung

unserer Vorschläge für die START- und die INF-Verhandlungen hielten wir uns
an vier wesentliche Grundsätze - Gleichheit, Stabilität, Verifizierbarkeit
und militärisch bedeutsame Verringerungen.
Wir streben Vereinbarungen an, die zu einer gleichen Stärke der Streitkräfte auf beiden Seiten führen würden.

Wir streben Abkommen an, die die

strategische Stabilität dadurch vergrößern würden,daß eine besondere Betonung auf jene Systeme gelegt wird, die die größte Bedrohung für das überleben der Abschreckungsstreitkräfte darstellen.

In unserem Streben nach mili-

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�nach militärisch bedeutsamen Verringerungen gehen wir über die bisherigen
Vereinbarungen hinaus, die den Umfang der Streitkräfte auf beiden Seiten
lediglich auf dem bestehenden, hohen Niveau festschrieben.

Durch unser Be-

harren auf wirksame Verifizierung zielen wir auf die Behebung des Problems
an, das uns schon lange bei den bestehenden Abkommen ärgert, nämlich unserer
Unfähigkeit, die Einhaltung durch die andere Seite sicherzustellen.
Wir gehen an diese Verhandlungen mit dem größten Ernst der Zielsetzung
heran.

Wie der Präsident sagte, besteht unser höchstes Ziel darin, das Ri-

siko eines Atomkrieges zu mindern.

Wir sind der Überzeugung, daß diese Ver-

handlungen sowie die Vorschläge, die die Botschafter Nitze und Rowny in Genf
vorlegen, die beste Möglichkeit zur Erlangung dieses Zieles bieten.

Natür-

lich wird unser Erfolg in großem Maß davon abhängen, ob die Sowjets mit den
gleichen ernsten Absichten verhandeln wie wir.

Lassen Sie mich nun auf den

derzeitigen Verhandlungsstand zu sprechen kommen.

START
Unsere START-Delegation unter der Führung von Botschafter Rowny ist
eben zur dritten Verhandlungsrunde nach Genf zurückgekehrt.

Während der

ersten beiden Runden haben beide Seiten ihre ursprünglichen Vorschläge dargelegt und die jeweils andere Seite um Erklärung von Einzelheiten ersucht.
Wie Botschafter Rowny Ihnen gesagt hat, war die Atmosphäre bei den Gesprächen
bislang ernsthaft und sachlich.
Unser START-Vorschlag eröffnet auf bedeutsame Weise neue Wege.

Zum

erstenmal schlagen wir direkte Begrenzungen bei den Gefechtsköpfen von ballistischen Raketen vor.

Die Gesamtzahl von Raketengefechtsköpfen ist eine

wichtige Maßeinheit der strategischen Kapazität, die bei SALT I oder SALT II
nicht begrenzt wurde.

Wir haben bei START vorgeschlagen, die Anzahl der auf

Raketen dislozierten Gefechtsköpfe auf 5000 zu reduzieren.

Würde dieser Vor-

schlag in die Tat umgesetzt, wäre eine Verminderung der Anzahl der Raketengefechtsköpfe um ein Drittel die Folge.
Die Interkontinentalraketen
- 2 -

�Die Interkontinentalraketen (ICBM) mit Mehrfachgefechtsköpfen werden
allgemein als die destabilisierendsten strategischen Offensivwaffen angesehen.

Es ist zum Beispiel die sowjetische SS-18-ICBMjmit ihren zehn

großen, unabhängig voneinander auf Ziele ausrichtbaren Gefechtsköpfen, die
am meisten dazu beigetragen hat, die amerikanischen landgestützten ICBMSysteme verwundbar zu machen, und die dadurch die strategische Stabilität
untergraben 'hat.

Wir haben daher vorgeschlagen, daß nicht mehr als die

Hälfte der erlaubten Anzahl von Raketengefechtsköpfen (d.h. 2500) auf Interkontinentalraketen disloziert werden sollten.
Außerdem haben wir vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten und die
UdSSR die Anzahl ihrer dislozierten Raketen auf rund die Hälfte des gegenwärtigen amerikanischen Umfangs reduzieren sollten. Eine solche Verringerung
würde weit über die Begrenzungen hinausgehen, die in SALT II abgesprochen
worden waren.
Der amerikanische Vorschlag hält sich voll und ganz an das Prinzip
der Gleichheit. Er ist nicht getrieben von dem Wunsch nach strategischer
Überlegenheit; er fordert vielmehr ein gleiches Niveau bei Raketen und bei
Gefechtsköpfen auf beiden Seiten. Aufgrund der Asymmetrie der amerikanischen
und der sowjetischen Streitkräfte - letztere verfügen über eine größere Zahl
von ICBM - wird es notwendig sein, daß sie bei ihrer ICBM-Streitmacht größere
Reduktionen vornehmen, damit sie auf das beiderseitige gleiche Niveau an Gefechtsköpfen kommen. Ihrerseits werden die Vereinigten Staaten eine größere
Anzahl von Gefechtsköpfen beseitigen, die auf unterseebootgestützten Raketen
disloziert sind.
Der amerikanische START-Vorschlag würde die Abschreckung beträchtlich
erhöhen, und jeden Anreiz zum Beginn eines Atomkrieges vermindern.

Auch wenn

die Gefahr eines durch Zufall oder Fehleinschätzung ausbrechenden Atomkrieges
äußerst gering ist, müssen wir doch mit unseren Anstrengungen fortfahren,
eine solche Möglichkeit noch weiter zu verringern.

Aus diesem Grund haben

wir bei START eine Reihe Vertrauensbildender Maßnahmen vorgeschlagen.

Dazu

gehört die Vorankündigung von Abschüssen von Raketen, die vorherige Benach-

�vorherige Benachrichtigung über größere Manöver und ein Datenaustausch über
die strategischen Nuklearstreitkräfte.

Auch die Sowjets sind an Vertrauens-

bildenden Maßnahmen interessiert und wir hoffen, daß es in diesem Bereich zu
Fortschritten kommt.
Natürlich haben die Sowjets ihren eigenen START-Vorschlag auf den Tisch
gelegt, einen Vorschlag, dessen Elemente sie in einem Prawda-Artikel im Dezember veröffentlicht haben.

Ihr START-Vorschlag umfaßt die folgenden Ele-

mente :
- Verringerung der Anzahl schwerer Bomber und Raketenabschußeinrichtungen
auf 1800;
- Gesamtbegrenzung von Kernwaffen oder Gefechtsköpfen (die sie nicht im
einzelnen dargelegt haben);
- Verbot von Marschflugkörpern großer Reichweite; und
- Vertrauensbildende Maßnahmen nach eigenem Vorschlag.
Ich finde es ermutigend, daß die Sowjets Verringerungen bei Raketenabschußeinrichtungen und Bombern vorgeschlagen haben, die unter dem hohen Niveau von SALT II liegen. Auch könnte ihre erklärte Bereitschaft zur Begrenzung von Kernwaffen indirekt die Tatsache anerkennen, daß Begrenzungen bei
Raketenabschußeinrichtungen allein (wie bei SALT I und SALT II) nicht genügen.
Allerdings gibt es bei unseren Vorschlägen beträchtliche Unterschiede.
Die sowjetische Begrenzung auf 1800 bleibt erheblich hinter den Verringerungen
des amerikanischen Vorschlages zurück; außerdem haben die Sowjets bislang noch
nicht ihre vorzuschlagenden Begrenzungen der Gefechtsköpfe enthüllt. Ein Verbot von Marschflugkörpern ist für die Vereinigten Staaten unannehmbar. Generell haben die Sowjets sich geweigert, unser Grundprinzip zu akzeptieren,
demzufolge manche Waffen, wie etwa ICBM, eine ernsthaftere Bedrohung der Ab-

- 4 -

�der Abschreckung und der Stabilität darstellen als andere.
Wir hegen jedoch die Hoffnung, daß wir mit Geduld, in gutem Glauben
und mit der Unterstützung des Kongresses, der amerikanischen Öffentlichkeit
und unseren Verbündeten zu einem Abkommen gelangen können, das einen großen
Beitrag zur Verringerung eines Atomkriegsrisikos leisten wird.

Sollten die

Sowjets an diese Verhandlungen mit einer gleich positiven Haltung herangehen,
so sind wir zuversichtlich, daß echte Fortschritte erzielt werden können.

INF
Neben den vier grundlegenden Verhandlungsprinzipien der Gleichheit,
der Stabilität, der Verifizierbarkeit und der wesentlichen Verringerung, wie
sie oben erwähnt wurden, haben die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten für ein INF-Abkommen einige spezifische Kriterien festgelegt, die sich
aus den ganz besonderen Umständen dieser Verhandlungen herleiten lassen.
Wir haben klargestellt, daß ein solches Abkommen nicht die Systeme von Drittstaaten einbeziehen oder kompensieren kann, die nicht Verhandlungspartei
sind; daß es nicht europäische Sicherheitsprobleme nach Asien exportieren
darf; und daß es zu allererst und vor allen Dingen die Systeme begrenzen
soll, die beiden Seiten die größte Sorge bereiten, nämlich die landgestützten
INF-Raketen größerer Reichweite.
Wie Sie wissen, ergab sich die INF-Problematik als Ergebnis eines einseitigen, sowjetischen Ausbaus der Kernwaffen mittlerer Reichweite im Verlauf
der vergangenen sechs Jahre - insbesondere bei der neuen, mobilen, überaus
treffsicheren, mit drei Gefechtsköpfen bestückten SS-20-Rakete. Seit 1977
haben die Sowjets 333 dieser Raketen mit insgesamt rund 1000 Gefechtsköpfen
disloziert, einschließlich 99 Raketen mit 297 Gefechtsköpfen im Osten der
Sowjetunion. Zudem vervollständigen noch immer große Mengen an älteren SS-4und SS-5-Raketen vergleichbarer Reichweite diese SS-20-Streitmacht.
Diese INF-Dislozierungen
- 5 -

�Diese INF-Dislozierungen der Sowjetunion drohten, eine regionale Militärhegemonie der Sowjets zu schaffen.

Die Reaktion hierauf war der NATO-

Doppelbeschluß von 1979, wobei sich das Bündnis verpflichtete, 572 amerikanische PERSHING II und landgestützte Marschflugkörper (GLCM) zu dislozieren,
während gleichzeitig mit der Sowjetunion ein Abkommen angestrebt werden sollte, die INF-Systeme auf beiden Seiten zu begrenzen.

Die ersten NATO-Dislo-

zierungen sollen dem Plan zufolge gegen Ende dieses Jahres einsetzen, sollte
es bis dahin nicht zu einer INF-Vereinbarung kommen, die diese Dislozierungen
überflüssig machen würde.
Die Vereinigten Staaten haben ein INF-Abkommen vorgeschlagen, das die
Notwendigkeit von NATO-Dislozierungen beseitigen und die nukleare Bedrohung
für beide Seiten gewaltig verringern würde, indem alle landgestützten INFRaketen größerer Reichweite, woimmer aufgestellt, verboten würden.

Unsere

NATO-Verbündeten haben mit uns bei der Entwicklung dieser Position zusammengearbeitet und sie von Anfang an unterstützt.

Wir sind mit ihnen darin einig,

daß diese Lösung das wünschenswerteste INF-Ergebnis darstellt und daß wir unsere Anstrengungen fortsetzen sollten, es zu erreichen.
Gleichzeitig sind wir bereit, jedweden ernsthaften sowjetischen Vorschlag
in Erwägung zu ziehen. Der Präsident wiederholte diesen wichtigen Punkt in
seinem Bericht zur Lage der Nation, und Vizepräsident Bush bekräftigte ihn
durch die Unterstützung, die er während seines jüngsten Europabesuchs von
unseren Verbündeten erhielt.
Bislang werden die sowjetischen Vorschläge den grundlegenden Kriterien
für ein annehmbares Abkommen nicht gerecht - insbesondere dem Kriterium der
Gleichheit. Die sowjetische Taktik zielt - am Verhandlungstisch wie bei ihrer
machtvollen Propagandakampagne - darauf ab, die massiven sowjetischen Raketendislozierungen beizubehalten, die trotz eines sogenannten "einseitigen Moratoriums" andauern, das die Sowjets im März 1982 verkündet hatten, während
sie gleichzeitig die NATO von deren Dislozierungen abhalten will, die dieser
Bedrohung begegnen sollen. So besteht der von Andropow am 21. Dezember unter-

- 6 -

�21. Dezember unterbreitete Vorschlag auch weiterhin auf dem sowjetischen
Recht auf ein Monopol bei den INF-Raketen, einschließlich der uneingeschränkten Dislozierung östlich des Urals.
Am 27. Januar begann die vierte Runde der INF-Gespräche. Seit Beginn
der Runde hat unsere Delegation daran gearbeitet, mit den Sowjets die legitimen NATO-Sicherheitsbedenken zu untersuchen, die die sowjetischen Vorschläge unbeantwortet gelassen haben, und nach Zeichen echter Flexibilität
Ausschau zu halten, um auf diese NATO-Besorgnisse zu reagieren.
Es ist noch zu früh zu sagen, ob die Sowjets daran interessiert sind,
in dieser Runde einen ernsthaften Vorschlag zu unterbreiten oder ob sie lediglich politisch motivierte Erklärungen abgeben - in einer Anstrengung, das
Bündnis zu spalten und die NATO-Dislozierungen zu verhindern. Es bleibt unsere große Hoffnung, daß die Anstrengungen von Botschafter Nitze auf eine
positive sowjetische Reaktion treffen - rechtzeitig für ein Abkommen, bevor
die NATO-Dislozierungen Ende dieses Jahres beginnen. Sollten die Sowjets
jedoch noch nicht zu ernsthaften Verhandlungen bereit sein, dann sollte es
keinen Zweifel daran geben, daß wir und unsere Verbündeten entschlossen sind
- wie dies während der jüngsten Reise des Vizepräsidenten demonstriert wurde -,
mit unseren geplanten Dislozierungen fristgerecht zu beginnen.

+ + + + +

- 7 -

�2. März 1983

10

VERSTÄRKUNG DER STRAHLENEMPFINDLICHKEIT VON TUMOREN
FDA genehmigt klinische Erprobung eines neuen Medikaments

- (AD) - Ein als Verstärker für die Strahlenempfindlichkeit von Tumoren
wirkendes neues Präparat hat jetzt die amerikanische Aufsichtsbehörde für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) für die erste Phase einer klinischen Erprobung am Menschen freigegeben.

Es wurde von Dr. Martin Brown, Professor für

Radiologie an der Stanford-Universität in Palo Alto

(Kalifornien), gemein-

sam mit William Lee vom Internationalen SRI (Stanford Research Institute) in
Menlo Park (Kalifornien) im Jahr 1978 entwickelt und inzwischen in zahlreichen
Tierversuchen getestet.

Vorläufig trägt es noch die bei Experimentierprä-

paraten übliche Nummernbezeichnung, und zwar "SR-2508".
Sein Verstärkungseffekt zur Zerstörung von Tumorzellen durch ionisierende
Strahlung beruht auf dem Umstand, daß es, wie Brown erklärt, "Sauerstoff in
der Zelle vortäuscht".
selrolle.

Sauerstoff spiele in der Strahlentherapie eine Schlüs-

Bei der herkömmlichen Therapie schlägt die das Krebsgewebe durch-

dringende Röntgenstrahlung "Löcher" in den Molekül verband der DNS (Desoxyribonucleinsäure), d.h. in das genetische Material, das es der Zelle ermöglicht,
zu leben und sich zu vermehren.

Wenn sich Sauerstoff an die DNS-Bruchstellen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�DNS-Bruchstellen anhänge

- und Sauerstoff ist in den meisten Zellen reich-

lich vorhanden -, sei eine bleibende Schädigung gewährleistet, so daß die
Tumorzelle abstirbt.

Aber schon vor etwa 25 Jahren erkannte man auch, daß

es in vielen, vielleicht sogar in allen Tumoren Zellen gibt, die keinen
Sauerstoff enthalten.

Und diesen Zellen kann Strahlung nichts anhaben, sie

erweisen sich gegen Radiotherapie resistent.

Aus ihnen kann der Tumor wie-

der zu wachsen beginnen, es kommt zu einem Rezidiv.

"Wenn man es mit Krebs

zu tun hat", so Brown, "genügt es nicht, den Tumor zu 99 Prozent zu zerstören.

Er muß in seiner Gesamtheit erreicht werden."
Man versuchte dieses Problem z. B. zu lösen, indem die Bestrahlung in

Kammern mit reiner Sauerstoffatmosphäre bei dreifachem Normaldruck vorgenommen wurde in der Hoffnung, auf diese Weise mehr Sauerstoff in die kritischen Zellen einzuschleusen.

Auch die Verwendung anderer Strahlenarten,

etwa von Pi-Mesonen oder von Neutronen, bei denen die Zerstörung von Krebszellen nicht vom Sauerstoff abhängig ist, sollte die Effektivität erhöhen.
Zwar verbessern solche Verfahren die Erfolgsrate, sind aber überaus kostspielig und in manchen Fällen auch gefährlich.
Im Jahr 1974 entwickelten britische Wissenschaftler eine Verbindung
(Misonidazole), die den Durchbruch zu bringen schien.

Sie imitiert die Wir-

kungen von Sauerstoff in den Tumorzellen und macht sie gegen Strahlen
empfindlich, ohne gleichzeitig normales Gewebe zu beeinträchtigen.

Aber Un-

tersuchungen in der Folgezeit zunächst an Versuchstieren, dann auch am Menschen, zeigten, daß es bei der erforderlichen hohen Dosierung zu toxischen
Schädigungen an Gehirn- und Nervenzellen kommt.

Schmerzhaftes Prickeln und

Stechen in Händen und Füßen, Hörverlust und Desorientierung waren Nebenwirkungen, die die Anwendung des Präparats verbieten.
Brown und Lee vermochten die toxischen Nebenwirkungen ganz erheblich
zu vermindern.

Dies gelang ihnen durch eine Modifizierung der chemischen

Struktur von Misonidazole in der Weise, daß die Verbindung jetzt in Fett
so gut wie unlöslich ist.

Das bedeutet, daß sie auch die sog. Blut-Hirn-

Schranke nicht passieren kann.

Dies ist jenes System im Organismus, das den
- 2 -

�das den Stoffaustausch zwischen dem Blut und dem zentralen nervösen Organ
ermöglicht und aufgrund bestimmter Gegebenheiten reguliert.

Studien an tie-

rischem und menschlichem Gewebe zeigten inzwischen, daß das neue Präparat
SR-2508 ebenso wirksam wie Mesonidazole als "Sensibilisator" für die Zerstörung von Tumorzellen mittels Bestrahlung, aber fünf- bis zehnmal weniger
toxisch für Nervengewebe ist.
Norman Coleman, Assistenzprofessor für Radiologie, leitet die jetzt beginnende klinische Studie an der Stanford-Universität. Ob und inwieweit die
bei den Tierversuchen beobachteten sehr günstigen Ergebnisse auch beim Menschen möglich sind, bleibe abzuwarten. Voraussagen hierzu seien jedenfalls
nicht möglich. In die erste Phase der klinischen Erprobung sind insgesamt
150 Patienten aus allen Teilen der USA einbezogen, die sich nach Beratung
mit ihrem Arzt zur Verfügung gestellt haben. Als Beobachtungszentren für die
Studie wurden neben dem Klinikum der Stanford-Universität die Washington-Universität in St. Louis (Missouri), die Universität Kalifornien in San Francisco,
das Nationale Krebsinstitut in Bethesda (Maryland) und das Cross-Krebsinstitut in Edmonton (in der kanadischen Provinz Alberta) ausgewählt.

+ + + + +

- 3 -

�2. März 1983

10

SCHWEFELSÄUREWOLKEN IN DER STRATOSPHÄRE
• Vulkanausbruch beeinflußt vermutlich jahrelang Sonneneinstrahlung

- (AD) - Eine ausgedehnte neue Schicht aus winzigen Schwefelsäuretröpfchen, die in Höhen zwischen 29 000 und 35 000 m um die Erde zieht, entdeckten Wissenschaftler der Universität Wyoming in Laramie Ende Januar 1983 mit
Hilfe einer Ballonsonde. Wie die Nationale Forschungsstiftung der USA (NSF)
mitteilte, wurde mit einem am 1. Februar 1983 aufgelassenen zweiten Ballon
die vier Tage zuvor gemachte Entdeckung bestätigt. Der erste, mit 8400 cbm
Helium gefüllte Ballon erfaßte mit seinen Meßinstrumenten u.a. Partikel zwischen einem Millionstel und zwei Zehntausendstel Millimetern Größe, mit der
zweiten Ballonsonde wurden Partikel bis zu zwei Millionstel Millimetern
Durchmesser ermittelt. Die Dichte der Wolke, die eine Ausdehnung von mindestens 9000 km hat, ist mit ca. 500 Tröpfchen pro Kubikzentimeter anzunehmen. Normalerweise werden in diesem Höhenbereich Konzentrationen von nur
ein bis zwei Tröpfchen pro Kubikzentimeter gemessen.
Wie Dr. David J. Hofmann und Dr. James M. Rosen, beide Professoren
für Physik und Astronomie an der Universität Wyoming, im Zusammenhang mit
ihrer Entdeckung berichten, sei die Schicht deshalb erst jetzt registriert

Postfach 20 03 OO Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�jetzt registriert worden, weil zum einen die Tröpfchen noch zu klein seien,
um Laser-Licht, mit dem von der Erde aus die Atmosphäre zur Feststellung von
Aerosolen sondiert wird, zurückzustreuen.

Zum anderen hätten sich die Wolken

erst in all erjüngster Zeit gebildet.
"Ausgangsstoff" war Schwefeldioxid, das beim Ausbruch des Vulkans
El Chichon in Südostmexiko im April 1982 in riesigen Mengen bis in die Strato
Sphäre getragen wurde.

Die Schwefeldioxidmassen aus der explosionsartigen

Eruption zogen zunächst in Richtung der nördlichen Polarregion, wo sie, wie
die Wissenschaftler vermuten, im September oder Oktober ankamen.

In der

Stratosphäre wird das Schwefeldioxid in Schwefelsäuredampf umgewandelt.

Aus

dem Dampf entstehen winzige Tröpfchen von Schwefelsäure - ein Prozeß, der
durch die niedrigen Temperaturen im Winter intensiviert wird.

Nach Meinung

Prof. Hofmanns wurden dann die über der nördlichen Polarregion gebildeten
Partikel mit den Luftmassen um die Erde transportiert.. Die Auswirkungen der
El Chichon-Eruption auf die Stratosphäre hinsichtlich des Ausstoßes von
Schwefeldioxid seien ungefähr vierzigmal größer gewesen als die vom Ausbruch
des Vulkans Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington im Jahr zuvor.
Partikel wölken in der Stratosphäre als Folge des Vulkanausbruchs in
Mexiko hatte man bisher nur in knapp 26 000 m Höhe ermittelt. "Diese neuen
Tropfchenschwaden, die mit ca. 90 km pro Stunde dahintreiben, wurden vermutlich erst jetzt gebildet", meint Dr. Hofmann. "Sie werden sich zu größeren
Partikeln zusammenballen, so daß die Dichte auf etwa 100 Tröpfchen pro Kubikzentimeter zurückgeht. Allerdings bleibt die Konzentration groß genug, um
die Schwaden auch künftig orten zu können. Angesichts der geringen Partikelgröße werde es Jahre dauern, bis das Material in tiefere Luftschichten und
schließlich zur Erdoberfläche absinke.
Vorläufig seien, wie Dr. Hofmann erklärte, von den Schwefel Säureschwaden
in der Stratosphäre keine klimatischen Auswirkungen zu erwarten.

Wenn die

Tröpfchen aber verklumpen und z.B. um das Zehnfache größere Partikel bilden,
könnten sie "optisch aktiv" werden - d.h., sie könnten das Sonnenlicht streuen und bewirken, daß sich die Sonneneinstrahlung an der Erdoberfläche ver- 2 -

�Erdoberfläche verringert. Gegenwärtig sei noch nicht abzuschätzen, wann
damit zu rechnen sei und ob sie überhaupt größere Partikel bilden. Jedoch
bestehe die Möglichkeit, daß die Schwaden vorübergehend die Temperaturen
absinken lassen. Sie werden zu überaus farbenprächtigen Sonnenuntergängen
beitragen, weil sie auf Grund ihrer großen Höhe noch lange Zeit nach dem
Versinken der Sonne hinter dem Horizont ihr Licht reflektieren.

+ + + + +

- 3 -

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nrormouon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

9. März 1983

INHALT

WIRTSCHAFT
Reagan kündigt Exportförderung großen Stils an
- Absage an den Protektionismus -

HINTERGRUNDMATERIAL
Sondermarke zum 300. Jahrestag deutscher Siedlung in den
Vereinigten Staaten
Sieben fragwürdige Behauptungen in der Raketendebatte
- Von Gregory Flynn USA unterstützen Dialog zur Beendigung der Gewalt in El Salvador
- Interview mit der US-Chefdelegierten Jeane Kirkpatrick «

Die Arbeitslosigkeit in Detroit im großen Zusammenhang gesehen
Rauschgiftkonsum geht in den USA zurück
- Verstärkte internationale Anstrengungen zur Bekämpfung des
Drogenproblems gefordert -

Um Über/endung von
ßclcgcxcmplcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�11

9. März 1983

REAGAN KÜNDIGT EXPORTFÖRDERUNG GROSSEN STILS AN
- Absage an den Protektionismus -

SAN FRANCISCO - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Rede vor
dem Commonwealth Club in San Francisco am 4. März 1983 die Zielsetzungen
seiner Außenhandelspolitik dargelegt und sich für Exportförderung, aber
auch gegen jeden Protektionismus ausgesprochen.
Die Rede des Präsidenten hat - mit unwesentlichen Kürzungen

folgenden

Wortlaut:
Ich bin nicht hierher gekommen, um in den Chor der Halbherzigen einzustimmen, die lasch im Glauben an amerikanischen Tatendrang und Erfindungsreichtum sind. Sie blasen zum Rückzug und nehmen ihre Zuflucht zum rostigen Rüstzeug einer gescheiterten protektionistischen Vergangenheit. Ich aber glaube,
wie auch Sie meiner Meinung nach glauben, daß die Welt Führung und Wachstum
wünscht und daß Amerika fähig ist, ihr beides zu bieten. Meine Botschaft
lautet, daß meine Administration dafür kämpfen wird, Ihnen die Werkzeuge an
die Hand zu geben, derer Sie bedürfen, weil wir wissen, daß Sie die uns gestellte Aufgabe bewältigen können...
Im Umgang

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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Telex: 8-85432

�Im Umgang mit unserer Wirtschaft geht es um mehr als Prosperität. Letztlich stehen Frieden und Freiheit auf dem Spiele. Die Vereinigten Staaten stellten sich nach dem Zweiten Weltkrieg an die Spitze der Bemühungen um die Schaffung eines internationalen Handels- und Finanzsystems, das die Fähigkeit der
Regierungen einschränkt, die internationalen Handelsströme zu beeinflussen.
Wir taten dies, weil uns die Geschichte gelehrt hatte, daß je freier die Handel sströme über Grenzen hinweg fließen, umso größer der wirtschaftliche Fortschritt der Welt und die Friedenssehnsucht fcind. Die Verlangsamung der Wirtschafts- '
tätigkeit in den Vereinigten Staaten und in der übrigen freien Welt während
der siebziger Jahre aber führte zu einem Schwund der Sicherheit des Westens
und des Vertrauens der Menschen in der freien Welt. Allzu viele ansonsten
freie Länder machten sich eine Politik staatlicher Eingriffe in das Marktgeschehen zu eigen. Viele Leute begannen zu glauben, Risiko und Wachstum seien
miteinander unvereinbar. Sie plädierten für wachstumsfreie Gesellschaften,
für politische Maßnahmen, die freie Märkte aushöhlen und die kollektive Sicherheit gefährden.
Es kann aber ohne eine starke Wirtschaft im Westen keine wirkliche Sicherheit geben. Und es kann keine Freiheit geben, wenn wir nicht das offene und
wettbewerbsorientierte Handels- und Finanzsystem bewahren, das wir nach dem
Zweiten Weltkrieg geschaffen haben. Prosperität allein aber kann die Zuversicht nicht wiederherstellen und unsere grundlegenden Werte nicht schützen.
Wir müssen auch unserer Zielsetzungen des Friedens und der Freiheit eingedenk bleiben. Dann können wir eine Prosperität erreichen, die es uns gestattet, das Haupt wieder stolz zu erheben und unseren Geist zu erneuern.
Ich möchte die Probleme, vor die wir uns gestellt sehen, nicht verkleinern, ebenso wenig wie den langen und beschwerlichen Weg, den wir zurücklegen
müssen, um sie zu lösen.
Ein ViertelJahrhundert nach dem Zweiten Weltkrieg exportierten wir Jahr
für Jahr mehr Waren nach der übrigen Welt.als wir von dort importierten. Wir
sammelten Devisenüberschüsse an, die wir im In- und Ausland investierten und
mit deren Hilfe wir Arbeitsplätze schufen und eine zunehmende wirtschaft- 2 -

�zunehmende wirtschaftliche Prosperität errangen.

Im letzten Jahrzehnt aber

begannen wir mehr zu importieren,als wir selbst exportierten.

Seit 1976

übersteigen die Einfuhren in jedem Jahr die Ausfuhren,und unser Handelsbilanzdefizit wird 1983 voraussichtlich einmal mehr stark zunehmen.
In den letzten Jahren haben hohe Realzinsen die Investitionen behindert,
den Dollarkurs stark in die Höhe getrieben und unsere Waren weniger wettbewerbsfähig gemacht. Hohe Zinsen spiegeln die Skepsis der Geldmärkte wider,
ob unsere Regierung den Mut aufbringen wird, die Inflation durch Einschränkung
der öffentlichen Verschuldung niedrig zu halten.
Jeder Bürger hat eine Rolle in dem Bemühen zu spielen, den Vereinigten
Staaten dabei zu helfen, den Herausforderungen auf den Auslandsmärkten in den
achtziger Jahren zu begegnen - und für jeden steht dabei viel auf dem Spiel.
Wir brauchen neue Arbeitsplätze. Eine der bestmöglichen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ist die große nationale Kampagne zur Ausweitung der Exporte - und
diese wiederum ist Teil unseres Programms.
Wir brauchen nur den Blick über die Grenzen hinweg zu richten.
Wachstumspotential ist gewaltig.

Das

Ein Zwei-Billiarden-Dollar-Markt vor der

Tür mit der Aussicht, Millionen neue Arbeitsplätze und größere Einkommenssicherheit für unser Volk schaffen zu können.
dieses Eisbergs gesehen.

Wir haben kaum die Spitze

Vier von fünf Arbeitsplätzen, die in den letzten

fünf Jahren in der Fertigungsindustrie neu geschaffen wurden, entfielen auf
exportaktive Betriebe - dabei exportieren 90 Prozent aller amerikanischen Produzenten

überhaupt nicht.

Meiner Überzeugung nach bieten Zehntausende

amerikanische Herstellerfirmen Waren an und Dienstleistungen, die auch im
Ausland wettbewerbsfähig wären.
triebe.

Viele von ihnen sind Klein- und Mittelbe-

Meine Administration hat einen positiven Plan, den Herausforderungen

im Bereich des Außenhandels an drei entscheidenden Fronten zu begegnen. Erstens,
feste Grundlagen für ein nichtinflationistisches Wachstum zu schaffen, die auf
dauerhaften wirtschaftlichen Prinzipien basieren:
Disziplin, Wettbewerb,
wandte Mühe.

fiskalischer und monetärer

Sparanreizen und einem angemessenen Lohn für aufge-

Zweitens, die Fähigkeit amerikanischer Hersteller und Industrie-

�und Industrieunternehmen zu verbessern, auf fairer und gleichberechtigter
Basis auf den internationalen Märkten zu konkurrieren und mit unseren Handelspartnern gemeinsam offenstehende Fragen wie den Zugang zum Markt zu klären und neue Wege für einen fairen und freien Handel in der Zukunft festzulegen.

Drittens, die FUhrung in dem Bemühen zu übernehmen, die interna-

tionalen Finanz- und Handelsinstitutionen in ihren Anstrengungen zu unterstützen, das Weltwirtschaftswachstum zu festigen und die Kräfte der Freiheit und Demokratie zu beflügeln.

Alles in allem werden diese Aktionen den

Vereinigten Staaten ein positives Rahmenwerk an die Hand geben, die amerikanischen Produzenten und unsere Handelspartner auf den Weg zu offeneren
Märkten,zu größerer Freiheit und zu rascherem menschlichen Fortschritt zu
führen.
Fortschritt aber beginnt im eigenen Lande. Unsere Wirtschaftsreformen
stützen sich auf altbewährte Grundsätze: Mäßigung bei den Staatsausgaben
und in der Geldpolitik, um die Inflationsraten und die Zinssätze zu senken
und den Kapitalgebern Vertrauen in die langfristige Preisstabilität zu geben; weniger regulatorische Eingriffe des Staates, um einen Anreiz für einen stärkeren Wettbewerb zu bieten; und das Wachstum der Unternehmen und der
Beschäftigung durch Steueranreize zu fördern, die zu Arbeit, Sparsamkeit und
Produktivität ermutigen.
Wir leiden unter einer langwierigen und schmerzlichen Rezession, die
durch mehr als ein Jahrzehnt der fortwährenden übermäßigen Besteuerung, allzu hoher Ausgaben und - jawohl - allzu großer staatlicher Eingriffe gekennzeichnet war. Die Rezession aber beginnt den Anzeichen eines Wiederaufschwungs
zu weichen, die das Wiedererstarken der Wirtschaft reflektieren. Amerika ist
auf dem Wege der Besserung.
Die Inflationsrate fiel von 12,4 Prozent im Jahr 1980 auf 3,8 Prozent
während der letzten 12 Monate. Wir bauen auf Vernunft im staatlichen Bereich,
wir vertrauen auf den Wettbewerb, nicht aber auf Marktkontrollen. Vor zwei
Jahren haben wir die Aufhebung der Rohöl Preiskontrollen beschleunigt und handelten uns dafür den Vorwurf ein, wir würden damit die Inflation weiter an- 4 -

�weiter anheizen.

Im Landesdurchschnitt zahlte man zur Zeit meines Amts-

antritts 1,27 Dollar für die Gallone (rund 3,79 1) Benzin; heute können Sie
die gleiche Menge an vielen Orten für weniger als einen Dollar kaufen.
Die "Prime Rate" (Zinssätze für "erste Adressen") belief sich damals
auf 21,5 Prozent und ging in der Zwischenzeit auf 10,5 Prozent zurück; die
Steuersätze wurden ermäßigt; die Reallöhne steigen; die Spar- und die Produktivitätsraten tendieren nach oben; die Börsenkurse erreichten Rekordhöhen ebenso wie die Investitionen von Risikokapital.
Die Produktion auf dem Bausektor, im Automobil bau und in der Stahlindustrie steigt kräftig an...
Mag sein, daß ich altmodisch bin - aber ich glaube nicht, daß es in der
Absicht der Gründerväter lag, einen Teil des Volkes gegen einen anderen auszuspielen.

Unsere Nation wurde nicht auf ein Fundament aus Neid und Abnei-

gung gegründet.
Sie alle sollen wissen, daß wir uns nicht von den Grundsätzen unseres
Wiederaufbauprogramms abwenden werden - und von den Prinzipien des Freihandels am allerwenigsten.

Der große englische Historiker Thomas Babington

Macaulay schrieb vor mehr als einem Jahrhundert, der Freihandel, eine der
größten Segnungen, die ein Staat seinem Volk angedeihen lassen könne, sei
in fast jedem Land unpopulär.
überhaupt nicht geändert.

Die Zeiten haben sich in mancher Hinsicht

Es herrscht ein großes Geschrei und Gezeter,

wir sollten den protektionistischen Pressionen nachgeben.

Ich bin alt genug,

mich daran zu erinnern, daß wir, als wir das bisher einmal in diesem Jahrhundert
zöllen

getan haben - im Smoot-Hawley-Gesetz über die Einführung von Schutzzu Beginn der Depression - einen Albtraum erlebten.

Der Welthandel

ging um 60 Prozent zurück, was zur großen Wirtschaftskrise beitrug und die
politische Unruhe auslöste, die zum Zweiten Weltkrieg führte.
mit unseren Handelspartnern im selben Boot.

Wir sitzen

Wenn einer von ihnen ein Loch

in dessen Boden schießt, ist es dann sinnvoll, wenn ein anderer Partner noch
ein zweites Loch in den Boden schießt?
- 5 -

Es gibt Leute, die diese Frage mit

�Frage mit "Ja" beantworten und das Ganze "sich stark machen" nennen.
nenne das, "sich naß machen" - von oben bis unten.

Ich

Wir müssen vielmehr das

Loch im Boden der offenen Märkte und des freien Handels stopfen und wieder
Segel in Richtung Prosperität setzen.

Niemand möge unsere Entschlossenheit

mißdeuten, unsere gesamte Macht und unseren gesamten Einfluß dazu zu benutzen, jedweden daran zu hindern, das Boot zu zerstören und uns alle zum Sinken zu bringen.
Es besteht ein grundlegender Unterschied zwischen der positiven Förderung legitimer amerikanischer Interessen und Rechte im Bereich des Welthandel s und dem negativen Verhalten der Protektionisten.

Der Freihandel

kann nur überleben, wenn alle Beteiligten die gleichen Grundregeln befolgen.
Wir sind entschlossen, gleiche Chancen auf unseren Märkten zu gewährleisten.
Unsere Arbeitnehmer und Industrien vor unfairen und räuberischen Handelspraktiken zu schützen,ist nicht Protektionismus; es ist ein legitimes Vorgehen nach amerikanischem wie auch nach internationalem Recht.
Ein Beispiel für einen protektionistischen Gesetzesakt, der die Wiedergesundung der Wirtschaft rasch sabotieren könnte, wäre die Bestimmung über
den heimischen Anteil (Local Content Rule). Die im Kongreß eingebrachte
Vorlage zu einem diesbezüglichen Gesetz würde heimische und ausländische
Produzenten von Automobilen, die in den Vereinigten Staaten verkauft werden
sollen, zwingen, ihre Fahrzeuge mit einem steigenden Anteil von Teilen amerikanischer Fertigung auszurüsten und unter Einsatz eines zunehmenden Anteils
an amerikanischen Arbeitskräften zu montieren. Das Haushaltbüro im Kongreß
aber kam zu der Schlußfolgerung, daß ein solches Gesetz mehr Arbeitsplätze
vernichten als retten würde. Das ist richtig. Und es würde Neuwagen erheblich verteuern.
Worauf die Verfechter einer solchen Bunker-Mentalität niemals hinweisen,
ist die Tatsache, daß die Kosten des Protektionismus für eine Arbeitnehmergruppe stets und immer auf andere, noch schlechter gestellte Arbeitnehmergruppen abgewälzt werden. Tritt ein solches Gesetz erst in Kraft, werden
andere Industrien ebenfalls zum Ziel ausländischer Vergeltungsmaßnahmen. Wir
- 6 -

�Vergeltungsmaßnahmen.

Wir würden unseren Partnern weniger abkaufen»und

sie würden weniger Waren von uns beziehen, der Kuchen der Weltwirtschaft
würde schrumpfen und die Aussichten auf politische Unruhen würden sich
deutlich vervielfachen.
Statt angsterfüllt mit einer Politik der Bereicherung auf Kosten anderer zu reagieren, wollen aus unserer Stärke und aus unserem Glauben an die
Leistungsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft heraus im In- und im Ausland darauf hinarbeiten, die Fähigkeit amerikanischer Produzenten und Industrien zu stärken, auf den internationalen Märkten auf fairer und gleichberechtigter Basis Handel zu treiben.
Wir sind beglückt über ein richtungsweisendes Gesetz, das ich im
vorigen Jahr - hier in Kalifornien - unterzeichnet habe: das Gesetz über
die Bildung von Außenhandelsgesellschaften (Export Trading Company Act).
Es basiert auf einer innovativen Idee und auf dem Gedanken der Teamarbeit.
Ich hoffe, daß diese Idee Tausende von Geschäftsleuten - von denen einige
hier mitten unter uns in diesem Saal sitzen dürften - zu neuen Exporteuren
machen und für den Exporthandel interessieren wird.

Das Gesetz soll Her-

stellerfirmen, Exportunternehmen, Banken, Spediteure und andere Exportdienstleistungsfirmen zu gemeinsamen Anstrengungen anregen, Auslandsmärkte
zu erobern.
Das amerikanische Handelsministerium veranstaltete im ganzen Land
eigene Seminare, um dieses Gesetz bekannt zu machen, und stößt dabei auf ein
bemerkenswertes Interesse.

Tausende Teilnehmer interessierten sich bereits

für die Seminare,und in manchen Städten war die Nachfrage so groß, daß nicht
alle Interessenten zur Teilnahme zugelassen werden konnten...
Weitere Firmen werden auf dem Exportmarkt Fuß fassen wollen, wenn sie
erst einmal erkennen, daß die Regierung nicht ihr Gegner, sondern ihr Partner
ist - und nicht etwa der Partner, der das Sagen hat.

Wir haben die Steuern

auf im Ausland erwirtschaftete Erträge gesenkt und eine 25prozentige Steuerabschreibung auf Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen eingeführt.
- 7 -

Wir sind

�Wir sind ferner dabei, das Gesetz über korrumpierende Praktiken im Ausland
zu reformieren: Nicht um die Sicherheitsvorkehrungen gegen Korruptionspraktiken abzubauen, sondern mit dem Ziel, Hindernisse zu beseitigen, die geeignet sind, vor legitimen geschäftlichen Transaktionen im Ausland abzuschrecken.
Ein weiteres Handelshindernis sind Exportkontrollen im Bereich der
Technologien.

Als ich mein Amt übernahm, lag ein Stau von 2000 unerledig-

ten Exportanträ'gen vor.

Wir haben diese aufgearbeitet und die Exportkontrol-

len bei Produkten mit geringwertiger Technologie vereinfacht, deren Ausfuhr
die nationale Sicherheit nicht gefährdet.

Dennoch gibt es Grenzen hierfür.

Ich vertraue darauf, daß dies von jedermann verstanden wird:

Wir müssen es

vermeiden, jene, die uns übel wollen,dergestalt zu stärken, daß wir auf
Kosten der Sicherheit der freien Welt kurzfristigen Gewinnen hinterherjagen.
Der Handel muß der Sache der Freiheit dienen - nicht aber den Feinden der
Freiheit.
Um mehr exportieren zu können, müssen wir mehr für die Absatzförderung
tun. Wir stärken unsere Export-Kredit-Programme durch Erhöhung des Plafonds
der Export-Import-Bank für Exportgarantien. Wir haben ferner eine Steueralternative für die Heimische Internationale Absatzgesellschaft (Domestic
International Sales Corporation) entwickelt, die die bestehenden Anreize
für unsere Exporteure voll und ganz beläßt. Wir haben für unsere Farmer eine
Warenkreditgesellschaft in Verbindung mit einem Warenkreditprogramm eingerichtet - und dies zusätzlich zur diesjährigen Aufstockung des normalen Kreditgarantieprogramms zur Ausweitung des Handels mit amerikanischen landwirtschaftlichen Produkten.
Um Amerikas technologischen Vorsprung aufrechterhalten zu können - für
den es keinen größeren Beweis als Silicon Valley in Kalifornien gibt - und
um unsere Führungsrolle im Bereich der Fertigungsindustrien wiederzuerlangen,
betreiben wir eine Forschungs- und Entwicklungspolitik, die darauf abzielt,
die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie innerhalb der Weltwirt-

- 8 -

�der Weltwirtschaft zu steigern.

In unserem Haushaltsentwurf für das Finanz-

jahr 1984 suchen wir um eine erhebliche Anhebung der Ausgaben für die Grundlagenforschung nach. Wir bemühen uns auch um mehr Mittel zur Verbesserung
des naturwissenschaftlichen und mathematischen Unterrichts an den Sekundärschulen, damit die Arbeitnehmerschaft von morgen besser zum wirtschaftlichen
Wachstum beizutragen vermag.

Wir werden versuchen - und Schritte einleiten -

um zu einem engeren schöpferischen Zusammenwirken zwischen Hochschulforschung
und industrieller Forschung und Entwicklung anzuregen - durch ganz ähnliche
Programme, wie sie die Firma Hewlett Packard und die Stanford-Universität eingerichtet haben.
Schließlich treffen wir Vorkehrungen, die industrielle Forschung und
Entwicklung durch Änderungen unserer Steuer- und Karteilgesetzgebungspolitik
zu ermutigen; und wir werden ferner versuchen, gesetzliche Hindernisse abzubauen, die zu Investitionen in neue Technologien bereite Kapitalgeber daran
zu hindern vermögen, die Früchte ihrer Erfingungen zu ernten.
Amerikanische Produzenten zu fördern, gibt uns die Mittel an die Hand,
unsere Handelspartner zu einer Politik freierer und offenerer Märkte zu drängen.
Wir kämpfen gegen die unfairen Praktiken Japans und der Europäischen Gemeinschaft
auf dem Gebiet des Agrarhandels an. Und wir stecken einen neuen Kurs für die
Produkte von morgen ab. Wir sagen "Ja" zu einem Arbeitsprogramm, in dessen
Rahmen in Zusammenarbeit mit der japanischen Regierung die Handels- und Investitionshindernisse für hochtechnologische Industrien.beseitigt werden sollen.
Wir haben ferner gemeinsam mit den Japanern eine Arbeitsgruppe eingerichtet,
die die Möglichkeiten zur Entwicklung reichlich vorhandener Energievorkommen
prüfen soll.
Durch Wiederherstellung der Stärke unserer Wirtschaft und Förderung der
Fähigkeit unserer Produzenten, mit anderen zu konkurrieren, wird Amerika seinen
Handelspartnern auf dem Weg zu erneutem Wachstum überall auf der Welt vorangehen.

Die Weltwirtschaft machte, wie unsere eigene Wirtschaft, zuletzt eine

Schleuderphase durch: ein Jahrzehnt der Inflation, sprunghaft steigender

- 9 -

�sprunghaft steigender Staatsausgaben und zunehmender Zwänge, die die produzierende Wirtschaft einschnürten.

Andere Länder, darunter auch viele Ent-

wicklungsländer, unternehmen nunmehr größere Anstrengungen, um die Inflation
einzudämmen und das Wachstum wieder in Gang zu bringen.

Die Vereinigten

Staaten begrüßen diese Anstrengungen, und wir drängen im Internationalen
Währungsfonds darauf, die Rolle wirksamer binnenwirtschaftspolitischer Maßnahmen für das Wachstum und die Stabilität der Weltwirtschaft stets im Auge
zu behalten.
Der Welthandel und die internationalen Finanzströme sind für alle Länder
äußerst wichtig. Entweder schreitet die freie Welt weiter voran und setzt
das die ganze Nachkriegszeit über verfolgte Streben nach immer offeneren
Märkten fort, oder wir laufen Gefahr, in die tragischen Fehler der dreißiger
Jahre zurückzuverfallen, als sich die Regierungen einredeten, daß sich Bürokraten besser auf die Lösung der sich stellenden Aufgaben verstünden als die
Unternehmer. Die Wahl, die wir treffen, berührt nicht nur unsere Prosperität,
sondern auch Friede und Freiheit. Wenn wir von dem Prinzip abgehen, den Einfluß des Staates auf die Weltwirtschaft möglichst klein zu halten, werden
sich die politischen Konflikte vervielfachen und wird der Friede Schaden nehmen. Das aber ist keine echte Wahl.
Die Vereinigten Staaten werden Bannerträger des Freihandels und eines
verantwortungsbewußten Finanzsystems sein. Das waren die großen Prinzipien
in Bretton Woods, New Hampshire, im Jahr 1944, und sie bleiben auch weiterhin
Kern der amerikanischen Politik. Wir handeln dabei im vollen Bewußtsein der
Tatsache, daß sich im internationalen Handels- und Währungssystem in der Zwischenzeit vieles geändert hat.
Im Handel haben wir beispielsweise praktisch jene Schranken beseitigt,
die Industriestaaten an ihren Grenzen gegen Fertigwaren aufrichten. Heute
beziffern sich die Zölle unter diesen Staaten im Durchschnitt auf noch nicht
einmal fünf Prozent. Probleme ergeben sich vielmehr aus den nichttarifären
Handelsschranken, die oftmals grundlegende Unterschiede in der Binnenwirt-

- 10 -

�der Binnenwirtschaftspolitik und in der Wirtschaftsstruktur der einzelnen
Länder widerspiegeln.

Diese Hindernisse sind schwerer zu überwinden.

bleiben aber entschlossen, staatliche Eingriffe möglichst zu vermeiden

Wir
und

überall dort, wo dies unrealistisch wäre, auf eine enge Begrenzung solcher
Eingriffe zu bestehen.
Im Handel mit Entwicklungsländern andererseits spielen Zölle und Quoten
noch immer eine bedeutsame Rolle. Hier geht es darum, einen Weg zu finden,
diese Länder in die liberale Handelsordnung niedriger Zölle und abgebauter
Quoten zu integrieren. Sie müssen erst noch der vollen Vorteile und Verantwortlichkeiten des Systems teilhaftig werden, das den Industrieländern eine
beispiellose Prosperität eingebracht hat. Wir haben uns an die Spitze dieser
Bestrebungen gestellt und die Initiative für das Karibische Becken vorgeschlagen, um die armen Länder und auch die Länder mit mittleren Einkommen
dazu zu ermutigen, mehr Handel zu treiben. Und wir schlugen eine Nord-SüdRunde von Handelsverhandlungen vor, um den weiter fortgeschrittenen unter
den Entwicklungsländern expandierende Handelschancen zu gewährleisten. Wir
sind bemüht, um des Friedens, der Prosperität und der Demokratie willen eine
kollektive Handelspartnerschaft mit allen Entwicklungsländern einzugehen.
Auf der GATT-Ministertagung im November vorigen Jahres ergriffen die
Vereinigten Staaten die Initiative, um sich dem Protektionismus zu widersetzen, die vorhandenen Institutionen zu stärken und die wichtigsten Zukunftsprobleme anzupacken.

Auch wenn wir mit den Ergebnissen jener Konferenz

nicht restlos zufrieden waren, werden wir in unserem Eintreten für
freie und gleiche Handelschancen für alle Länder fortfahren.
Den Handel auszuweiten ist auch die Antwort auf das vordringlichste
internationale Finanzproblem - die zunehmende Verschuldung vieler Entwicklungsländer.

Ohne die Gelegenheit, mehr zu exportieren, werden die stark ver-

schuldeten Länder Schwierigkeiten haben, die Zinsen für ihre gewaltigen Schulden aufzubringen oder gar Rückzahlungen zu leisten.

Zunächst einmal werden

die Vereinigten Staaten die Bemühungen der internationalen Finanzwelt unter-

- 11 -

�Finanzwelt unterstützen, ausreichende Finanzierungsmittel zur Verfügung zu
stellen, um den Handel aufrechtzuerhalten und die Entwicklungsländer in den
Bemühungen zu unterstützen, die grundlegenden Elemente ihrer binnenwirtschaftlichen Programme zu verbessern.
Anfang dieser Woche habe ich dem Kongreß eine Gesetzesvorlage betreffend
die verstärkte Unterstützung des Internationalen Währungsfonds (IWF) durch
die Vereinigten Staaten zugeleitet.

Die Ausleihetätigkeit des IWF zeitigt

direkte Auswirkungen auf die Beschäftigung in Amerika und stützt die anhaltende Ausleihetätigkeit der kommerziellen Banken ab. Sollten diese ihre Ausleihungstätigkeit einstellen, würde das für die amerikanische Wirtschaft sehr
negative Auswirkungen haben.
In diesem Frühjahr - im Mai - werden die Vereinigten Staaten Gastgeber
des Jahres-Wirtschaftsgipfels der wichtigsten Industriestaaten sein, der in
Williamsburg, Virginia,stattfindet.

Die führenden Staatsmänner der großen

Demokratien werden hier in der Stille Gelegenheit finden, die kritischsten
Fragen der Binnen- und der Außenwirtschaftspolitik zu erörtern und sich Gedanken über ihre persönliche und kollektive Verantwortung gegenüber freien
Völkern überall auf der Welt zu machen.

Williamsburg wird kein Forum für Ent-

scheidungen sein. Jeder führende Politiker ist in erster Linie seiner eigenen
Wählerschaft verantwortlich.

Durch den Meinungsaustausch aber können poli-

tische Führer zu einem besseren Verständnis dessen gelangen, inwieweit die
Zukunft ihres eigenen Volkes von der anderer Völker abhängt.
Ich begann heute mit der Feststellung, daß wir, wenn wir an unsere Tüchtigkeit glauben

und zusammenarbeiten, Amerika zur mächtigsten Handelsnation

der Erde machen können... Mein Traum von Amerika, und ich weiß, daß Sie sich
mit mir in diesen Traum teilen, ist es, den Erfolg aufzugreifen und ihn mit
einer Million zu multiplizieren.
uns:

Das können wir. Albert Einstein lehrte

"Alle großen und inspirierenden Dinge werden von Einzelmenschen ge-

schaffen, die in Freiheit arbeiten." Mit klugem Sinn und liebendem Herzen
wollen wir unsere ganze Kraft aufbieten

und die vor uns liegenden Jahre zu

den größten Ja':ren machen, die Amerika je erlebt hat.

+ + + + +
- 12 -

�11

9. März 1983

SONDERMARKE ZUM 300. JAHRESTAG DEUTSCHER SIEDLUNG IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Die Entwürfe für die amerikanischen und deutschen
Sondermarken zur Feier des 300. Jahrestages deutscher Einwanderung in Amerika
wurden am 4. März 1983 in Washington vorgestellt, während an vielen Orten in
den Vereinigten Staaten die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten, die sich
aus diesem Anlaß über das ganze Jahr erstrecken werden, weitergingen.
Im Rahmen einer Zeremonie in Washington betonte Richard V. Allen, der
Vorsitzende der Präsidialkommission für die deutsch-amerikanische Dreihundertjahrfeier, daß mehr Bürger der Vereinigten Staaten ihre Abstammung auf Deutschland zurückführen können als auf irgendein anderes Land.
Allen, Mitglied der "Heritage Foundation" und ehemaliger Sicherheitsberater der Reagan-Administration, verwies dabei auf einen Bericht des Statistischen Bundesamtes, demzufolge 28 Prozent - etwa 60 Millionen - aller
amerikanischen Bürger deutscher Abstammung sind.
Sowohl der amerikanische als auch der deutsche Sondermarkenentwurf zeigt
das Segelschiff "Eintracht", das die ersten 13 deutschen Familien im Oktober
1683 nach Amerika brachte; alle waren Mennoniten aus Krefeld.

Sie gingen in

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�gingen in der Nähe des heutigen Philadelphia an Land und gründeten die Siedlung Germantown.
Bei der Zeremonie waren Charles Wick, der Direktor des US-Informationsamtes und zugleich persönlicher Repräsentant von Präsident Reagan in der für
den Jahrestag zuständigen Kommission, zugegen sowie Peter Hermes, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland,und William Böiger, der amerikanische
Postminister.
Wick erklärte, landesweit würden die Amerikaner die "großartigen Beiträge, die zahllose Deutschamerikaner zum Wachstum und zur Entwicklung" der Vereinigten Staaten beigetragen hätten, würdigen; auch Allen unterstrich die
"gewaltigen Beiträge", die von den deutschen Einwanderern für ein "besseres
Amerika" geleistet worden seien. Botschafter Hermes meinte bei Betrachtung
der Abbildung des Segelschiffes "Eintracht": "Sie war ein solides Schiff...
genau so solide wie die deutsch-amerikanische Freundschaft, die uns in die Zukunft tragen wird",und fügte hinzu, die Tatsache, daß die Amerikaner ihrer
europäischen Wurzeln gedächten, "schafft eine transatlantische Dimension, die
von Herzen kommt."
William Böiger, der den Entwurf für die amerikanische Briefmarke enthüllte, unterstrich: "Wir sind ein Land der Völkerschaften, in der Tat eine
echte Nation von Nationen." Er sagte: "Unsere Menschen waren stets unser
großartigster Import - unsere größte Stärke - unser größter Stolz. Wenn wir
die Briefmarke herausgeben... .wird die Reise der 'Eintracht' Teil der Philatelie sein, und die Menschen auf der ganzen Welt werden an unsere Dankbarkeit
und unseren Respekt für die wertvollen und hervorragenden Beiträge unserer
frühen deutschen Siedler erinnert werden."
Die amerikanische Marke und ihr deutsches Gegenstück werden am 5. Mai
in Germantown herausgegeben.
1983 werden

�1983 werden außerdem eine Reihe von Deutschamerikanern durch Sondermarken
geehrt:
- John Augustus Roebling, dessen Konstruktion der Brooklyn-Brücke als
"achtes Weltwunder" gepriesen wurde.

Sein Brlickenentwurf wird auf einer

Sondermarke zu sehen sein, die am 17. Mai ausgegeben wird;
- Babe Ruth, der legendäre Baseball Spieler,wird durch eine Marke geehrt,
die im Zusammenhang mit dem 50. Jahrestag des "All-Star Game" in Chicago
im Juli herausgegeben wird;
- Charles Proteus Steinmetz, der die führende Persönlichkeit der General
Electric Company war und über 200 Erfindungen patentieren ließ, wird mit
einer Briefmarke geehrt, die am 21. September in der Ruhmeshalle der
Erfinder herausgegeben wird;
- Carl Schurz, amerikanischer Emissär in Spanien, Senator aus Missouri
und Innenminister unter Präsident Hayes.wird ebenfalls in der Briefmarkenserie "Große Amerikaner" geehrt.
Die Dreihundertjahrfeiern werden ihren Höhepunkt am 6. Oktober in Philadelphia erleben; nahe der Landungsstelle werden sowohl Präsident Reagan als
auch Bundespräsident Carstens an den Feierlichkeiten teilnehmen.

+ + + + +

- 3 -

�11

9. März 1983

SIEBEN FRAGWÜRDIGE BEHAUPTUNGEN IN DER RAKETENDEBATTE
- Von Gregory Flynn -

Der Autor des nachfolgenden Artikels ist
Stellvertretender Direktor des Atlantischen
Instituts in Paris; der Artikel erschien in
der "International Herald Tribüne"; Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des
Blattes.

Der Plan der NATO, zu Ende dieses Jahres PERSHING II-Raketen und Marschflugkörper zu stationieren, wenn die Genfer Verhandlungen über Euroraketen
(INF) in Genf fehlschlagen sollten, hat eine heftige Debatte ausgelöst.
Es geht dabei sowohl um die Art der westlichen Abschreckungsposition als
auch um die Fähigkeit politischer Systeme des Westens, schwere Verteidigungsentscheidungen zu treffen. Die Debatte wird jedoch durch fragwürdige Behauptungen - Märchen - überspitzt, die es erschweren, die wirklichen Sicherheitsinteressen des Westens zu erkennen.
Behauptung Nr. 1:

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Behauptung Nr. 1: "Das Wettrüsten und die Zunahme der Geschwindigkeit
und der Treffsicherheit der Nuklearraketen haben die Zeit vermindert, die
dem Osten wie dem Westen zur Verfügung steht, um zu unterscheiden, ob das,
was sich auf ihren Radarschirmen zeigt, eine atmosphärische Störung oder
den Weltuntergang bedeutet."
Ob die PERSHING II nun nur acht oder zwölf Minuten braucht, um Ziele in
der Sowjetunion zu erreichen - wie die Sowjets behaupten - oder länger, die
Tatsache bleibt bestehen, daß die Vorwarnzeit für beide Seiten kurz ist, und
zwar schon seit einiger Zeit, und auch kurz bleiben wird.

Das hat überhaupt

nichts mit den Modernisierungsplänen der NATO zu tun.
Die sowjetischen SS-20, die älteren SS-4 und SS-5 sowie der ganze Bereich der Interkontinentalraketen - SS-17, SS-18 und SS-19 - sind seit langem in der Lage, Westeuropa praktisch ohne Vorwarnzeit zu erreichen. Je nach
der Abschußposition würde das gleiche auch für die unterseebootgestützten Raketen der Sowjets (SLBM) gelten, die auf die Vereinigten Staaten gerichtet
sind. Die Flugzeiten der britischen und französischen Systeme sowie der
unterseebootgestutzten Raketen der Vereinigten Staaten unterscheiden sich in
ihren Flugzeiten wenig von denen der PERSHING II.
Behauptung Nr. 2: "Die Stationierung von PERSHING II und Marschflugkörpern ist Teil eines Komplotts der Supermächte, um einen auf Europa begrenzten Atomkrieg zu ermöglichen, um das eigene amerikanische und sowjetische
Territorium zu schonen."
Ironischerweise soll der sogenannte NATO-Doppelbeschluß genau dazu dienen,
einen begrenzten Atomkrieg auszuschließen. Der einzige militärische oder politische Zweck der sowjetischen Mittel Streckensysteme, wie der SS-20, kann
doch nur sein, eine nukleare Bedrohung Westeuropas - oder auch Chinas oder
Japans - zu ermöglichen, ohne die Vereinigten Staaten zu bedrohen - also mit
einem weit geringeren Risiko der Vergeltung gegen sowjetisches Territorium.
Es ist unbestritten, daß die derzeitigen sowjetischen Raketendislozierungen
bereits das Risiko eines auf Europa begrenzten Atomkrieges erhöhen. NATO-Dis- 2 -

�NATO-Dislozierungen würden dieses Risiko verringern.
Behauptung Nr. 3:

"Jene Länder, in denen die neuen amerikanischen Ra-

keten stationiert werden sollen, werden wahrscheinlich Ziele eines sowjetischen
Nuklearschlages."
Eine solche Behauptung hätte nur dann einen Sinn, wenn man davon ausginge, daß sie nicht bereits Ziele wären.

Die sowjetische Zielplanung schließt

ganz sicherlich alle strategisch relevanten Punkte im Westen ein - ob militärisch oder nicht.

Jedes Mitgliedsland

des Bündnisses hat viele solche Punk-

te und hätte sie genau so, auch wenn Westeuropa überhaupt keine Kernwaffen
hätte.

In einer so dichtbesiedelten und geographisch eng begrenzten Region

wie Europa würde kein Gebiet den Folgen eines Atomkriegs entgehen, selbst
wenn es nicht unmittelbares Ziel wäre.
Behauptung Nr. 4:

"Die Sowjets können die von Präsident Reagan vorge-

schlagene Null-Option einfach nicht annehmen, weil sie sich durch die vorhandenen britischen und französischen Systeme bedroht fühlen."
Die Sowjets brauchen keine Mittelstreckenraketen, um Frankreich und
Großbritannien zu bedrohen. Ihre Interkontinentalraketen und unterseebootgestützten Raketen, die zwar eine größere Reichweite haben, können das genau
so. Sie zielen sicherlich bereits auf Europa ebenso wie auf die Vereinigten
Staaten. Die Arsenale jeder der Supermächte sind so reichlich gefüllt, daß
sie sicherlich die kleinen nuklearen Kapazitäten von Drittländern kompensieren
können.
Der Vorschlag von Juri Andropow vom Dezember läuft im Wesen darauf hinaus, die von Europa ausgehende Bedrohung auf die vorhandenen französischen
und britischen strategischen Systeme zu begrenzen, indem man etwas von der
sowjetischen Überfülle "opfert".

Für Verbündete, die keine Nuklearmächte

sind, sieht der Handel schlechter aus:

Es würde der Sowjetunion eine Option

mit ihren SS-20-Raketen zugestanden, auf die die einzige Antwort der Einsatz

- 3 -

�der Einsatz der zentralen amerikanischen Systeme wäre,die in diesem Zusammenhang nicht länger als verläßlich angesehen werden.
Ein Kommentar drückte es so aus:

"Die Sowjets fühlen sich irgendwie

gleicher als andere, wenn es um das Streben nach gleicher Sicherheit geht".
Sie wollen einen zusätzlichen Ausgleich für die französischen und britischen
Arsenale, obwohl sie selbst bereits mehr als genug haben.
Behauptung Nr. 5:

"Da die Sowjets wahrscheinlich niemals die Null-

Option akzeptieren werden, ist eine Gesamtbegrenzung der auf Westeuropa gerichteten sowjetischen Raketen ein möglicher Kompromiß."
Das Problem der nuklearen Mittel Streckensysteme ist nicht nur ein Problem für Europa.

Die Sowjetunion verfügt heute über rund 240 SS-20-Raketen,

die Westeuropa erreichen können.

Und im Fernen Osten stehen etwa 90 weitere.

Wenn nicht diese gesamte Kategorie von Waffensystemen begrenzt wird ohne Bezugnahme auf eine geographische Region, dann könnten die mobilen SS-20 im
Falle einer Krise in ein oder zwei Tagen verlegt werden.

Das heißt mit an-

deren Worten, die Vereinigten Staaten würden die Bedrohung von einer Gruppe
von Verbündeten auf eine andere Gruppe ablenken.
Behauptung Nr. 6:

"Die Vereinigten Staaten zwingen diese neuen Raketen

ihren Verbündeten einfach auf - gegen den Willen der dortigen Bevölkerung."
Wie kurz ist das Gedächtnis, wenn Emotionen ins Spiel kommen.

Keiner

anderen Entscheidung in der Geschichte des Atlantischen Bündnisses gingen so
gründliche Konsultationen voraus, keine wurde so gründlich analysiert und ausgehandelt wie der Doppelbeschluß der NATO.

Die Initiative ging von Europa aus,

das befürchtete, daß die SALT II-Verhandlungen sich nicht auf die neuen sowjetischen Systeme erstrecken würden, die auf Westeuropa gerichtet sind.

Die

Vereinigten Staaten waren zunächst skeptisch, aber die Verbündeten kamen
kollektiv zu einer einstimmigen Entscheidung und maßen diesem Beschluß große
symbolische Bedeutung bei.
Wenn es
- 4 -

�Wenn es bei dieser ganzen Entwicklung Kommunikationsprobleme gab, dann
zwischen einigen europäischen Regierungen und Teilen ihrer Bevölkerung.

Die

Parteien, die an der Regierung waren, als 1979 der Beschluß gefaßt wurde, sind
jetzt zum großen Teil in der Opposition.

Statt heute zu erklären, warum sie

sich damals an der Entscheidung beteiligten, argumentieren sie jetzt, Regierungen müßten auf Anliegen der Bevölkerung hören und ihre Politik ändern.
Behauptung Nr. 7: "Die Bevölkerung der westlichen Länder ist nicht länger bereit, die nukleare Abschreckung zu unterstützen, weil die potentiellen
Kosten zu hoch sind."
Wenn auch die Ängste in der Bevölkerung gewachsen sind, so liegt keineswegs auf der Hand, daß die Öffentlichkeit wirklich von der Atomfrage besessen
sei. Vor die Wahl gestellt, ob sie neue Raketen wollen oder nicht, werden
die meisten gesunden Menschen dem Befrager antworten, daß sie keine wollen.
Was fehlt, ist eine Messung, wie dringlich die Menschen diese Frage betrachten. Das Atlantische Institut für Internationale Angelegenheiten, die
"International Herald Tribüne" und das Meinungsforschungsinstitut Louis
Harris-France haben im vorigen Herbst versucht, diese Dringlichkeit in Westeuropa zu messen, und herausgefunden, daß in den Ländern, in denen Befragungen stattfanden, nur in den Niederlanden und in Norwegen die Angst vor Nuklearwaffen so groß war, daß sich Fragen bezüglich der militärischen Strategie
stellen würden.
Die gut organisierten Proteste hatten erstaunlicherweise eine größere
Auswirkung auf die Politik als auf die öffentliche Meinung generell.

Das

mag daher rühren, daß Politiker Winkelzüge machen, um Kapital aus Emotionen
zu schlagen.

Die Frage selbst ist ernst genug.

Die Behauptungen - Märchen -

können nur dazu dienen, die Ängste der Öffentlichkeit zu vergrößern.

Diese

Ängste sind real vorhanden, wie auch die politische Polarisierung, die in vielen
Ländern zu verzeichnen ist, aber die Öffentlichkeit folgt, sie führt nicht an.
Verantwortliche Staatsmänner können es sich nicht leisten, ihre eigene Öffentlichkeit mehr zu erschrecken, als es die Sowjets tun.
+ + + + +
- 5 -

�9. März 1983

11

USA UNTERSTÜTZEN DIALOG ZUR BEENDIGUNG DER GEWALT IN EL SALVADOR
- Interview mit der US-Chefdelegierten Jeane Kirkpatrick -

WASHINGTON - (AD) - In einem Fernsehinterview mit dem Korrespondenten
Henry Trewhitt vom US-Informationsamt (USIA) unterstrich Jeane Kirkpatrick,
die Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
daß die USA den Dialog als Mittel zur Beendigung der Gewalt in El Salvador
unterstützen, jedoch nur dann, wenn die Guerilla ihre Waffen niederlege.
Die wichtigsten Auszüge des Interviews mit Botschafterin Kirkpatrick
haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Sie sind kürzlich von einer Reise durch mehrere mittel amerika-

nische Staaten zurückgekehrt.

Könnten Sie uns die amerikanische Politik ge-

genüber jener Region darlegen und uns sagen, ob Sie der Meinung sind, sie
sei wirksam?
ANTWORT:

Es ist leicht, diese Politik darzustellen.

Es ist ganz ein-

fach so, daß die Vereinigten Staaten in dieser Region - wie in vielen anderen Regionen der Welt - die nationale Unabhängigkeit unterstützen, die Achtung der territorialen Integrität, sowie die Selbstbestimmung und die Selbst-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Selbstregierung dieser Länder.

Wir unterstützen nachdrücklich eine Lö-

sung von Konflikten und Meinungsverschiedenheiten durch andere Mittel als
durch Gewalt - durch Verhandlungen, durch Konsultationen - und wir widersetzen uns nachdrücklich den Anstrengungen bestimmter Gruppen zur Infiltration, zur Subversion und zur gewaltsamen Destabilisierung benachbarter Länder.
Wir sind natürlich auch sehr an der Entwicklung demokratischer Regierungen in dieser Region interessiert; wir unterstützen eine Demokratisierung
der Region.

Wir sind jedoch bedauerlicherweise zu dem Schluß gekommen, daß

es in den letzten drei oder vier Jahren zu einer konzentrierten Anstrengung
gekommen ist, einige dieser Regierungen zu destabilisieren; und diese Anstrengung wird gefördert, materiell unterstützt, ausgebildet und bewaffnet durch
den sowjetisch-kubanischen Block.
Dies führte erstens zur Machtübernahme in Nicaragua und zur Konsolidierung der Macht durch die sandinistische Regierung in Nicaragua, sowie zweitens zu wachsenden Anstrengungen, El Salvador zu destabilisieren und eine
Guerillabewegung innerhalb von El Salvador zu festigen.
Wir haben versucht, jenen Regierungen zu helfen, die dieseirAngriffen
ausgesetzt sind, um ihr Recht zu erhalten, ihr Geschick unabhängig von äußeren
Kräften zu gestalten.
FRAGE: Sie haben Panama, Costa Rica, Honduras, El Salvador und Venezuela
besucht. Können Sie die Reaktion der Regierungen dieser Länder gegenüber dem
von Ihnen gerade umrissenen Programm zusammenfassen?
ANTWORT: Ich glaube, sie stehen ihm alle positiv gegenüber. Darüber
gibt es keinen Zweifel. Es mag hieiiind da marginale Meinungsunterschiede
geben, aber es herrscht sicherlich eine breite Unterstützung für die Art von
Anstrengung, die wir zu machen versuchen, um dabei zu helfen, den Frieden und
die Demokratie in der Region zu stärken oder wiederherzustellen, indem wir
diesen Regierungen in gewissem Umfang mit Waffen, Beratern und Wirtschaftshilfe beistehen.
Wir gewähren

�Wir gewähren eine ganze Menge mehr an Wirtschaftshilfe als an militärischer Hilfe in dieser Region.
FRAGE:

Wie würden Sie auf die Behauptung antworten, daß es nur zu lang-

sam zu Ergebnissen kommt?
ANTWORT: Es ist für eine Gesellschaft wie die in El Salvador - und auch
jede andere - sehr schwer, gegen eine gut organisierte, gut ausgerüstete und
gut bewaffnete Terroristen-Guerillakampagne anzukämpfen. Eine Gesellschaft
ist ein sehr komplexer, subtiler Mechanismus von miteinander in Beziehung
stehenden Teilen, und es bedarf nicht sehr vieler Gewalt, gezielt ausgerichtet auf Schlüsselbereiche einer Gesellschaft, um verheerende Folgen herbeizuführen. Man bombardiert z. B. sehr wichtige Brücken, sprengt Elektrizitätswerke und -leitungen in die Luft und zerstört Landstraßen, die die verschiedenen Landesteile verbinden - man kann dies mit verhältnismäßig wenig Leuten
tun und dennoch gewaltige Verheerung bewirken.
FRAGE: Erscheint es Ihnen realistisch, daß Präsident Alvaro Magana in
einem Jahr freie Wahlen abhalten lassen kann, die wirklich etwas bedeuten?
Seine Entschlossenheit hierzu scheint er ja gezeigt zu haben.
ANTWORT: Ja, es wurde allgemein behauptet, daß es im vorigen Jahr unmöglich gewesen wäre, in El Salvador freie Wahlen abzuhalten, daß die Menschen unter dem Terror nicht wählen würden. Die Guerilla tat ja auch ihr
Bestes, um die Menschen dort so zu terrorisieren, daß sie nicht zur Wahl gehen würden.
Aber das Volk von El Salvador ging zur Wahl - jedenfalls eine außergewöhnlich große Zahl der Bewohner.

Rund 85 Prozent der wahlberechtigten Be-

völkerung wählten, und das ist mehr - fast doppelt so viel - als bei unseren
Wahlen.

Sie standen stundenlang Schlange, sie standen da, sogar, wenn auf

sie geschossen wurde.

Sie zeigten all jenen in der Welt, die es sehen woll-

ten, daß das salvadorianische Volk entschlossen war, sich selbst zu regie-

- 3 -

�zu regieren.

Es wird beim zweitenmal nicht mehr so schwer sein wie beim

erstenmal.
FRAGE:

Es gab Vorschläge in Richtung auf einen sogenannten zweigleisi-

gen Prozeß, bei dem auf eine langfristige politische Lösung abgezielt wird,
die es der Guerilla ermöglicht, in Verhandlungen einzutreten.

Die Reagan-

Administration ist der Meinung, sie könne es der Guerilla nicht erlauben,
sich den Weg an die Macht freizuschießen, daß sie aber einen Dialog unterstützen würde.
ANTWORT:

Könnten Sie darauf etwas eingehen?
In einem sehr konkreten Sinn gab es für uns und die Salvadori-

aner immer einen zweigleisigen Prozeß:

Die Regierung in El Salvador mußte

mit militärischen Mitteln auf die militärische Aggression der Guerilla reagieren; zugleich ludt sie die Guerilla ein, in vollem Umfang am Wahlprozeß
teilzunehmen und ermutigte sie dazu, die Waffen niederzulegen.
Sie machte in Erklärungen wiederholt und öffentlich deutlich, daß alle
Parteien zur Teilnahme an den Wahlen berechtigt seien - vorausgesetzt, sie
stellten das Schießen ein. Niemand konnte gleichzeitig schießen und an den
Wahlen teilnehmen - aber jeder war willkommen, der bereit war, das Schießen
einzustellen und sich am friedlichen politischen Wettbewerb an der Wahlurne
zu beteiligen.
Dies war stets der Fall.
haben.

Und ich glaube, jeder würde dies am liebsten

Man könnte es den Verhandlungsweg zur Demokratie hin nennen.

Manche ziehen es vor, sich den Weg in die Regierung freizuschießen und
beanspruchen einen Teil der Regierungsgewalt, um die bei demokratischen Wahlen sich zu bewerben sie nicht bereit waren.

So etwas ist unannehmbar - ins-

besondere, da es in El Salvador eine Amnestie für die Guerilla gab.
für sie Möglichkeiten der Teilnahme an den Wahlen.

Es gab

Sie hat wiederholt jede

Art von Waffenstillstand und alle Angebote zur Beteiligung am demokratischen
Prozeß verweigert.
Was wir
- 4 -

�Was wir unter diesen Umständen tun können, ist, das Angebot aufrechtzuerhalten und zu hoffen, daß sie ihre Meinung ändert.
FRAGE:

Wie sieht das Risiko von der anderen Seite aus?

Welche Gefahr

- wenn Liberhaupt eine - kommt für diese Leute von der Rechten?
ANTWORT: Ich glaube, daß es eigentlich keine ernste Gefahr gibt. Wir
würden im Zusammenwirken mit der Regierung von El Salvador und anderen bereit
sein, die verschiedensten Arten von Garantie für ihre Sicherheit zu bieten - dies
kann garantiert werden. Alles, was zu tun ist, ist die Entscheidung, darin
einzuwilligen, daß man mit dem Stimmzettel anstatt mit Patronen kämpft, daß
man in den Wahl kämpf anstatt in den militärischen Kampf zieht.
FRAGE: Aus Ihren Worten ist zu schließen, daß wir als Amerikaner bereit wären, diese Garantie zu geben?
ANTWORT:

Natürlich würden wir das. Wir würden gemeinsam mit anderen

auch Garantien ausarbeiten, die wirksam sind und entsprechende Absicherungen
bieten.

Das große Problem, wenn ich es so sagen darf, besteht darin, daß

die Guerilla noch nicht daran gedacht hat, daß sie bei Wahlen sehr gut abschneiden könnte.
FRAGE: Wie beurteilen Sie die destabilisierenden Kräfte - in dem Umfang, in dem es sie gibt - der Rechten im allgemeinen Demokratisierungsprozeß?
ANTWORT: Was es während der gesamten neueren Geschichte in El Salvador
gab und noch immer gibt, ist eine relativ schwache Regierung... einschließlich einer bisweilen unzureichend kontrollierten Nationalgarde und Polizei.
Diese Situation hat sich sicherlich während der letzten zwei oder drei Jahre
sehr verbessert.
Natürlich würde niemand sagen, daß es nunmehr in El Salvador eine geeinte
Gesellschaft gibt, in der die Rechte, die Linke und das Zentrum, alle, bereit
- 5 -

�alle, bereit sind, in Frieden miteinander zu leben.

Es ist sehr bedeutsam,

daß die Kreise, die als die Rechte El Salvadors angesehen werden - nämlich
die Vertreter des Privatsektors, die Geschäftswelt, die Landbesitzer - gewillt sind, am Wahlprozeß, am demokratischen Prozeß teilzunehmen.

Wir meinen,

daß dies sehr positiv ist und hoffen, daß dies auch weiterhin der Fall sein
wird.
FRAGE:

Vielleicht wäre es gut, an dieser Stelle etwas über Nicaragua

zu sagen, das ja aus amerikanischer Sicht wirklich ein Ort der Unterstützung
für den Aufruhr in El Salvador ist.
ANTWORT:
FRAGE:

Kuba.
Was geschieht derzeit Ihrer Ansicht nach in Nicaragua?

es sich weiter nach links?

Bewegt

Wird die Repression dort stärker?

ANTWORT: Nicaragua ist heute ganz einfach eine Militärdiktatur - eine
Regierung, in der neun militärische Kommandeure eine Junta gebildet und ihre
Macht in sehr wirkungsvoller Weise gefestigt haben und versuchen, fast alle
Sektoren der Gesellschaft zu beherrschen.
Sie haben eine Art Belagerungszustand verhängt. Die Pressefreiheit
wurde fast völlig beseitigt. Die einst blühende unabhängige Gewerkschaftsbewegung in Nicaragua ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Der Kirche in
Nicaragua wurden schwere Beschränkungen auferlegt. Es handelt sich um eine
Militärdiktatur, in der die Macht über die Wirtschaft, das kulturelle Leben
und die Gesellschaft in zunehmendem Maße unter der Kontrolle von neun militärischen Diktatoren konzentriert wird.
FRAGE:

Klar ist, daß nach Ansicht der Vereinigten Staaten der Einfluß

in dieser ganzen Angelegenheit von der Sowjetunion ausgeübt wird - und zwar
über Kuba und Nicaragua nach El Salvador und andere Gebiete in der westlichen
Hemisphäre...
ANTWORT:
- 6 -

Leider

�ANTWORT:

Leider hat Nicaragua es zugelassen, daß es als eine vorgescho-

bene Militärbasis der Sowjetunion im Bereich dieser mittelamerikanischen Länder benutzt wird.
FRAGE:

Sehen Sie dies als Teil eines großangelegten Planes oder zielt

das Ganze mehr auf sich gerade ergebende Zielpunkte mit der Absicht der Destabilisierung ab?
ANTWORT:

Ich habe eigentlich niemals geglaubt, daß die Sowjets eine

Art umfassenden Plan für die Eroberung der Welt-haben.

Andererseits bin ich

überzeugt, daß sie ständig auf der Lauer nach Möglichkeiten sind, um ihre
Macht über andere Länder auszudehnen und auszuweiten.
FRAGE:

Wenn das der Fall ist, dann muß man doch mit der Wahrscheinlich-

keit rechnen, daß - sollte die Bemühung, eine Unterminierung El Salvadors zu
verhindern, keinen Erfolg haben -, dieses Bestreben dann auch anderswo in
verstärktem Maße fortgesetzt wird?
ANTWORT:
FRAGE:

Das ist richtig.
Gibt es hier dann einen Domino-Effekt?

ANTWORT: Absolut. Hiervon wird von den Menschen in dieser Region immer
wieder gesprochen; sie erwarten dann so etwas. Beispielsweise gibt es bereits
Anzeichen, die darauf hindeuten, daß Honduras zu einem Ziel der Destabilisierung gemacht werden soll. Die Bildung einer dieser betrügerischen nationalen Befreiungsfronten wurde bekanntgegeben; einige Waffenverstecke wurden
gefunden. Selbst in Costa Rica, das mit seinen Nachbarn in bewundernswerter
Weise immer zu leben verstand, wurden befestigte Verstecke und einige Waffenlager entdeckt. Es gab auch Einschüchterungsversuche seitens Nicaraguas.
Und nach Guatemala werden regelmäßig Waffen sowie Guerilleros eingeschleust.
FRAGE:

Die Erklärung von San Jose hat in der amerikanischen Presse nicht

gerade eine breite Behandlung erfahren.
- 7 -

Halten Sie es aufgrund Ihrer Erkennt-

�Ihrer Erkenntnis für denkbar, daß man Nicaragua jemals in einen solchen
Prozeß hineinbringen kann?
ANTWORT:

Ich glaube, amerikanische Journalisten sind oft ein wenig

zynisch in bezug auf demokratische Symbole und Erklärungen und oft schrecklich romantisch - oder sogar naiv - in bezug auf revolutionäre Deklarationen
oder Symbole.
Die Erklärung von San Jose war meiner Meinung nach aufrichtig.

Sie

fordert freie Wahlen, innere Aussöhnung sowie wirtschaftliche Entwicklung
und bietet eine sehr gute Grundlage für die demokratische Entwicklung in
diesem Raum.
Würden nun die militärischen Diktatoren in Nicaragua ihren Traum von
der exklusiven Macht aufgeben, das Risiko einer Wahl eingehen und diese exklusive Macht verlieren wollen? Ich weiß es nicht. Diktatoren geben eine
solche Macht wirklich nicht gerne auf. Die Nicaraguaner haben davon gesprochen, im Jahr 1985 irgendeine Art von Wahl durchzuführen, wobei immer
unterstrichen wurde, daß dies keine Wahl sein werde, wie sie die bourgeotsen
Demokratien gewohnt seien.
Andererseits liegt die Wirtschaft dort darnieder - trotz der sehr
großen Beträge an internationaler Hilfe. Seit Juli 1979, als die sandinistischen Militärdiktatoren an die Macht gelangten, hat Nicaragua 1,6 Milliarden
Dollar an Wirtschaftshilfe von westlichen Ländern erhalten - die Vereinigten
Staaten waren das Hauptgeberland - und etwa 400 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe vom Sowjetblock. Das ist eine Menge Wirtschaftshilfe, zwei Milliarden Dollar für ein so kleines Land. Der größte Teil davon wurde leider
für den Aufbau der jetzt größten Militärmaschine in dieser Region verwendet.
Die Wirtschaft dort ist wirklich fix und fertig.
Es herrschen dort wirklich große innere Unzufriedenheit, Uneinigkeit
und Unruhe. Manche Leute glauben, daß die Sandinisten schließlich ein Opfer

�ein Opfer der gleichen Art innerer Uneinigkeit werden könnten wie das SomozaRegime.
FRAGE:

Ich möchte gerne wissen, ob Sie mit unseren Freunden gesprochen

haben, die dem Sandinista-Regime Wirtschaftshilfe gewährt haben?
ANTWORT:

Wir gehören auch dazu.

Die Vereinigten Staaten haben den

Sandinisten während der ersten 18 Monate ihrer Amtszeit mehr Unterstützung
gewährt als irgendein anderes Land.

Wir haben ferner mit großem Nachdruck

ihre Anträge auf Anleihen und Kredite durch internationale Banken usw. unterstützt, bis dann schließlich die Administration Präsident Carters entschied,
daß wir ihnen aufgrund unserer Gesetze keine Wirtschaftshilfe mehr gewähren
könnten,

weil sich das Land zweifelsfrei nicht als eine Demokratie entwickelte.

Ja, wir haben mit einigen unserer Freunde gesprochen. Aber wir waren
insbesondere besorgt über die Militärhilfe für die sandinistische Regierung.
Wir haben nicht den Versuch unternommen, andere Länder dazu zu überreden,
ihnen keine Wirtschaftshilfe zukommen zu lassen, aber wir haben auf die Nachteile einer Gewährung von Militärhilfe für ein Land hingewiesen, das bereits
über die größte und mächtigste Armee in dieser Region verfügt und das eine
Menge drohender und bedrohlicher Aktivitäten gegenüber seinen Nachbarn durchführt.

+ + + + +

- 9 -

�Hinter
materiell

fc

United States Information Service
•
Embassy of the United States of America

11

9. März 1983

DIE ARBEITSLOSIGKEIT IN DETROIT IM GROSSEN ZUSAMMENHANG GESEHEN

DETROIT - (AD) - Die wirtschaftliche Lage in Detroit ist, wie man in
allen Medien vernehmen kann, ernst. Die Arbeitslosenraten liegen bei etwa
25 Prozent - bei Minderheiten bei 40 Prozent und bei Jugendlichen zwischen
16 und 24 Jahren sogar bei 70 Prozent. Nach der Volkszählung von 1980 (in
den USA findet alle zehn Jahre eine Volkszählung statt) liegen die Einkommen
von 20 Prozent der Einwohner unterhalb der sogenannten "Armutsgrenze",die
beispielsweise für eine vierköpfige Familie bei 4 700 Dollar (umgerechnet
rund 10 000 DM) pro Jahr liegt. Etwa ein Drittel der Bevölkerung von Detroit
empfängt in irgend einer Form Sozialunterstützung - sei es Arbeitslosenunterstützung, Kindergeld, Sozialhilfe, Lebensmittelgutscheine oder kostenlose
Gesundheitsfürsorge.
Die unmittelbaren Probleme von Detroit müssen im größeren Zusammenhang
mit dem nationalen und internationalen Rückgang der Wirtschaft gesehen werden.
Da Detroit in so großem Maße von der Automobilindustrie und deren Zulieferindustrien abhängig ist, wurde es von dem deutlichen Rückgang des Absatzes
von Neuwagen in den USA besonders hart betroffen.

Daß die Amerikaner weniger

neue Autos gekauft haben, hing mit der weltweiten Rezession zusammen, die

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Telex: 8-85432

�zusammen, die besonders durch die rapide Erhöhung der öl preise verschärft
wurde.

Zum Teil ist das Dilemma von Detroit sicherlich auch den Einbrüchen

ausländischer Autos, vor allem japanischer Herkunft, auf den amerikanischen
Markt zuzuschreiben.
Und schließlich ist die gegenwärtige Wirtschaftslage in Detroit auch ein
Ausdruck breiterer wirtschaftlicher und demographischer Trends in den USA,
wie des wachsenden Nachdrucks auf Dienstleistungsindustrien, des Wachstums
auf dem Elektronik-Sektors und der damit verbundenen Abwanderung von Arbeitskräften aus traditionellen Industriegebieten wie Detroit nach den Schwerpunkten
der neuen Industriezweige.
Selbst bei wohlwollender Erwägung all dieser Ursachen des Problems - und
der Tatsache, daß viele Länder mit solchen Problemen zu kämpfen haben - , könnte
ein Beobachter zu der Auffassung kommen, daß wenig oder gar nichts getan werde,
um den Menschen in Detroit zu helfen.

Dieser Eindruck ist falsch, öffentliche

Einrichtungen und private Organisationen auf lokaler, einzelstaatlicher und
Bundesebene setzen alles daran, um den Menschen in Detroit zu helfen, die unter
der Rezession leiden - und um auf lange Sicht wieder für ein Wachstum in dieser
Region zu sorgen.

Die

Einwohner der Stadt und des Bundesstaates Michigan

setzen sich mit einer großen Vielfalt von freiwilligen Hilfsprogrammen dafür
ein, dem Nächsten zu helfen.
Der Bürgermeister von Detroit, Coleman Young, hat einen überparteilichen
"Nothilfefonds des Bürgermeisters" eingerichtet. Aus vielen kleinen Beiträgen
sind bereits über 50 000 Dollar zusammengekommen. Unter Heranziehung städtischer
und privater Einrichtungen ist ein Notspeisungsprogramm eingerichtet worden.
Hilfe leisten ferner 16 Stadtteil Zentren sowie zahlreiche private Hilfsstellen.
Allein von privater Seite sind über 110 000 Pfund Lebensmittel zur Verfügung
gestellt worden. Rund 120 private Stellen geben Essen aus. Das amerikanische
Landwirtschaftsministerium hat eine halbe Million Pfund Käse und eine halbe
Million Pfund Trockenmilch zur Verfügung gestellt und weitere Mengen stehen

- 2 -

�Mengen stehen bereit; Butter aus Lagerbestä'nden wird freigegeben.

Schätzungs-

weise 40 000 Familien haben durch Regierungsprogramme Lebensmittelgutscheine
erhalten.

Große Anstrengungen werden unternommen, um die Wohnungsnot zu

lindern; einige tausend Menschen erhalten vorläufige Unterkünfte.
Eine Delegation des Kongresses des Staates Michigan arbeitet mit der
Bundesregierung zusammen, um die Bundeshilfe für Detroit und die schwer getroffene Umgebung zu beschleunigen und auszuweiten.

Gouverneur Milliken hat

Detroit und neun Kreise des Staates Michigan zu Notstandsgebieten erklärt, um
die Aufmerksamkeit auf den Ernst der wirtschaftlichen Probleme zu lenken und
Abhilfe zu schaffen.
Detroit erlebt aufgrund der komplexen wirtschaftlichen Probleme einen
schmerzlichen Anpassungsprozess, aber die Führung und die Bürger der Stadt
und des Bundesstaates Michigan bemühen sich nachhaltig, das Problem zu überwinden.

Sie haben ihre tiefe Dankbarkeit für die Anteilnahme im Ausland zum

Ausdruck gebracht und für die materielle und finanzielle Unterstützung aus
Europa.

Sie sind jedoch voll und ganz überzeugt, daß sie selbst in der Lage

sind, die Probleme zu lösen, und daß genügend amerikanische Mittel zur Verfügung stehen.
Im übrigen bereiten der amerikanische Kongreß und die Administration eine
Notstandsgesetzgebung vor, um die Arbeitslosenunterstützung für besonders hart
betroffene Arbeiter zu verlängern und vom Bund geförderte Projekte voranzutreiben,
die neue Arbeitsplätze bieten.

Führende Vertreter beider großen Parteien im

Kongreß glauben, daß diese Gesetzgebung bis Anfang März verabschiedet und von
Präsident Reagan unterzeichnet sein wird.

Der Bundesstaat Michigan hat eine

Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich um die Ansiedlung neuer Firmen aus dem
Bereich der Hochtechnologie in dem Staat bemühen soll.

In diesen Bereich

fällt eine Partnerschaft einzelstaatlicher Stellen, der Universitäten des
Staates und privater Unternehmen.
Es ist wichtig

- 3 -

�Es ist wichtig zu beachten, daß die wirtschaftlichen Probleme Detroits oder anderer amerikanischer Städte, die vor einem ähnlichen Dilemma stehen - ,
keineswegs daher rühren, daß die nationale Sorgfaltspflicht für die Bürger
vernachlässigt worden wäre.
weiter.

Ein vielfältiges soziales Netz bestand und besteht

Was verabschiedet wurde und was behandelt wird, ist eine Verringerung

der Wachstumsraten einiger dieser Programme. Wenn in den Vereinigten Staaten
über Prioritäten debattiert wird, dann geht es im wesentlichen um die relative
Höhe von Ausgaben, um Mittel und Wege, um Schwerpunkte und um die Abwägung
der Verantwortung zwischen Bund, Einzelstaat und Privatsektor.

Das sind alles

sicherlich ernste Fragen und es wird heftig darüber diskutiert - aber niemand
sollte glauben, daß das eine Umkehr in der gemeinsamen Sorge der Amerikaner
für das Wohlergehen des ganzen Volkes sei. Der Präsident geht davon aus, daß
die Nation auf lange Sicht sozial besser und wirksamer versorgt sein wird, wenn
die Programme wirtschaftlicher durchgeführt und einige Verlagerungen der Schwerpunkte und Zuständigkeiten vorgenommen werden - und vor allem, wenn die wirtschaftliche Gesundheit des Landes wiederhergestellt ist.

+ + + + +

- 4-

�United States Information Service
Embassy of the United States of America

11

9. März 1983

RAUSCHGIFTKONSUM GEHT IN DEN USA ZURÜCK
Verstärkte internationale Anstrengungen zur Bekämpfung
des Drogenproblems gefordert -

- (AD) - Der Rauschgiftkonsum in den Vereinigten Staaten scheint jetzt
im Gegensatz zu der Tendenz in den siebziger Jahren rückläufig zu sein. Zu
diesem Ergebnis kamen vier Studien, die kürzlich veröffentlicht wurden.
Dennoch machen Beamte des öffentlichen Gesundheitsdienstes ausdrücklich
darauf aufmerksam, daß Rauschgift und Suchtstoffe nach wie vor die Ursache
schwerwiegender medizinischer und gesundheitlicher Probleme sind.
Zwei Untersuchungen, die vom amerikanischen Nationalen Institut zur Erforschung von Drogenmißbrauch (NIDA) durchgeführt wurden, ergaben eine Abnahme der Zahl von Amerikanern, die Marihuana, Tranquilizer, Halluzinogene
und Methaqualon (Wirkstoff in Schlafmitteln) konsumieren.

Demnach ging der

Anteil der Bevölkerung in den Altersgruppen ab 12 Jahren, die Marihuana nehmen, von 13 Prozent im Jahr 1979 auf 11 Prozent im Jahr 1982 zurück. Der
Kokain-Konsum, der in den Altersgruppen der 18- bis 25jährigen zwischen 1976
und 1979 von zwei auf neun Prozent hochgeschnellt war, lag 1982 bei sieben
Prozent.

Allerdings seien einer Erhebung bei 820 Krankenhäusern zufolge 1982

mehr Notaufnahmen wegen Kokain- und Heroin-Oberdosierung

als im Vorjahr not-

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�Vorjahr notwendig geworden, erklärte Dr. Edward Brandt, Jrv, Unterstaatssekretä'r im US-Ministerium für Gesundheit und Sozialwesen»

Dr. Brandt führt

dies auf höhere Opiatkonzentrationen in den Suchtstoffen und auf gefährlichere
Methoden ihrer Anwendung zurück.
Die an Schülern der letzten Oberschul-Klassen jedes Jahr durchgeführte
NIDA-Studie läßt für 1983 erkennen, daß etwa jeder 16. täglich oder fast täglich Marihuana nimmt; 1978 tat dies jeder neunte.

Der Anteil der Schüler,

die ca. einmal im Monat zur Marihuana-Zigarette greifen, ging von 37 Prozent
im Jahr 1978 auf 29 Prozent im Jahr 1982 zurück.

Lloyd Johnston von der

Universität Michigan, der mit der Untersuchung beauftragt war, nimmt als wichtigen Faktor in dieser Entwicklung die wachsende Besorgnis unter Jugendlichen
über Gesundheitsschäden durch den ständigen Marihuana-Konsum und die Tatsache
an, daß im Kreis der Gleichaltrigen das Interesse an Marihuana nachläßt.
Auch seien "Eltern, Schulen und andere Institutionen in ihren Anstrengungen
zur Verhinderung des Rauschgiftkonsums aktiver geworden, die Maßnahmen sind
besser durchdacht", sagt Johnston.

Beim Konsum von Kokain, Methaqualon,

Stimulantien, Sedativa und Halluzinogenen sei 1981 und 1982 in diesen Altersgruppen ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen gewesen.
Die Ergebnisse der beiden Studien werden durch Umfragen, die das GallupInstitut und der Verlag für "Who's Who unter amerikanischen Oberschülern" veranstalteten, erhärtet. Von den von "Who's Who" befragten Teenagern erklärten
83 Prozent, noch nie Marihuana, und 97 Prozent, noch nie Kokain genommen zu
haben. Der Gallup-Umfrage zufolge sind 74 Prozent der Jugendlichen gegen eine
Legalisierung des Marihuana-Konsums und 60 Prozent (1981: 57 Prozent) für die
Bestrafung des Besitzes von Marihuana. Johnston und andere Experten unterstreichen jedoch, daß der gegenwärtige Rückgang des Suchtstoffgebrauchs unter
Jugendlichen kein Anlaß für verminderte Anstrengungen sei. Schon allein angesichts der Vorgeschichte - oder auch im Vergleich zu vielen anderen Ländern - "haben wir noch einen weiten Weg vor uns".
Mehr internationale

- 2 -

�Mehr internationale Anstrengungen notwendig
An Kanada, Westeuropa und Japan appellierte Dominick Dicarlo, Unterstaatssekretär im amerikanischen Außenministerium für Internationale Rauschgiftfragen (INM), mehr für die Kontrolle des Anbaues von Rauschgiftpflanzen
in Südwest- und Südostasien zu tun und das UN-Programm zur Kontrolle der
Coca-Pflanzungen in Südamerika stärker zu unterstützen. Der im Jahr 1971
geschaffene Fonds der Vereinten Nationen für die Bekämpfung des Drogenmißbrauchs (United Nations Fund for Drug Abuse Control - UNFDAC) ist ein Instrumentarium für die Realisierung von Anbaukontrollen, Vollzugsmaßnahmen
und von Programmen zur Reduzierung des Verbrauchs. Beauftragte der Vereinten Nationen können auch in Gebieten tätig sein, wo die Vereinigten Staaten
aus politischen oder anderen Erwägungen nicht eingreifen können. Die USA
stellen mit 2,5 Millionen Dollar im Haushaltjahr 1984 dem Fonds ein Viertel
dessen zur Verfügung, was UNFDAC für die Durchführung der geplanten Programme
benötigt.
Vor einem Senatsunterausschuß begründete Dicarlo am 1. März 1983 die
(gegenüber 1982/83 um über 13 Millionen Dollar höhere) Anforderungen von
53 Millionen Dollar im neuen US-Haushalt für die Aufgaben seines Amtes.
Demnach sollen 57 Prozent der Mittel in Lateinamerika verwendet werden.
Aus diesem Raum komme das gesamte Kokain.
Allein für die Verminderung
der Coca-Produktion in Bolivien seien 7,67 Millionen Dollar vorgesehen.
Das Gebiet sei außerdem die Hauptquelle für den Marihuana-Import. Aus
Kolumbien kommen 79 Prozent des nach "den USA verbrachten Marihuanas und 75
Prozent des Kokains, außerdem sei es der Hauptumschlagplatz für Methaqualon.
Die amerikanischen Geldmittel für die Zerstörung des kolumbianischen Cannabis
felder und die Kontrolle des Cocastrauch-Anbaues sollen angesichts dieser
Sachlage im neuen Haushaltjahr auf 8,945 Millionen Dollar erhöht werden.
Mit amerikanischer Unterstützung intensivierten die kolumbianischen
Behörden in letzter Zeit ihre Gegenmaßnahmen ganz erheblich:

Sie beschlag-

nahmten 1981 und 1982 ca. 3310 t bzw. 3408,7 t Marihuana, 66,4 Millionen

- 3 -

�66,4 Millionen bzw. 41,3 Millionen Einheiten Methaqualon sowie (1982) 881, 2 kg
Kokain; 8,5 Millionen Cannabis-Pflanzen und 19,7 Millionen Coca-Sträucher
wurden vernichtet.

Kolumbien begann auch die Einfuhr der Grundsubstanzen für

die Methaqualon-Produktion zu kontrollieren und die Ausfuhr dieses Opiats zu
drosseln.

Mit Bolivien wurden Verhandlungen über eine einschneidende Redu-

zierung der enorm großen Coca-Pflanzungen auf die für den legalen Kokain-Gebrauch notwendigen Flächen aufgenommen.
Während die Durchführung der im Jahr 1981 mit der Regierung von Peru
getroffenen Vereinbarungen über die Zerstörung von Coca-Pflanzungen (gekoppelt mit einem Sonderprogramm des US-Amtes für Internationale Entwicklung
- AID - für Landgebiete) nur schleppend in Gang kommt, sei Mexiko sehr aktiv.
Dicarlo berichtete von umfassenden, mit amerikanischer Unterstützung vorgenommenen Vernichtungsaktionen der mexikanischen Regierung von Anpflanzungen
durch chemische Sprühmittel in Flugzeugeinsätzen.

Von Dezember 1981 bis De-

zember 1982 wurden 15 956 (943 Hektar) Opiumfelder und 11 046 (788 Hektar)
Marihuanafelder zerstört.

Für Maßnahmen in Mexiko sind 8,5 Millionen Dollar

vorgesehen.

Südwestasien
Während noch Mitte der siebziger Jahre der größte Teil des in die USA
verbrachten Heroins aus Mexiko stammte, stellt heute für mehr als die Hälfte
Südwestasien die Opiumquelle dar. Da mit Afghanistan und dem Iran keine Abmachungen existieren, konzentrieren sich die amerikanischen Bemühungen auf
Pakistan als ein Land, in dem Opium und Heroin produziert und raffiniert wird
und das außerdem als Rauschgift-Umschlagplatz dient. In Verhandlungen und umfangreichen Vereinbarungen mit der pakistanischen Regierung ging und geht es
um wichtige Details - u.a. Einschränkung oder Unterbindung des SchlafmohnAnbaues in bestimmten Provinzen, ländlichen Entwicklungsprogramme über AID
zur Erschließung neuer Einkommensquellen für die Bauern und Umstellung der
Feldkulturen, Aushebung oder Schließung von Heroinküchen (was im November 1982
- 4 -

�November 1982 an der Nordwestgrenze zum ersten Mal unter aktiver Mitwirkung
von Stammesführern geschah), und Schulung von Oberwachungspersonal.

Zu den

Abmachungen gehören auch Klauseln, die die pakistanische Regierung verpflichtet, Gebiete vom Mohnanbau freizuhalten, die sich für Projekte amerikanischer
Wirtschaftshilfe eignen.

Daß der Staatsapparat bereits wirksam arbeiten kann,

zeigte im Dezember 1982 die Beschlagnahme von 396 kg Heroin nahe Peshawar.
Wie Dicarlo ausführte, sind für die Bekämpfung der Opium- und Heroinproduktion und des Handels mit Rauschgift in Pakistan 3,95 Millionen Dollar beantragt.

Die Türkei kontrolliere zwar die Opiumproduktion im Lande, sei aber

nach wie vor für Südwestasien eine Schlüsselregion zum Transit von Opium und
Heroin.

Deshalb sei eine Million Dollar zur Verbesserung der Überwachungs-

maßnahmen vorgesehen.

Südostasien
Schätzungsweise zehn Prozent des in den USA konsumierten Heroins kommen
aus Südostasien.

In den Jahren 1981 und 1982 wurden im sogenannten Goldenen

Dreieck 600 Tonnen Opium produziert - weitaus mehr als noch kurz zuvor.

Ver-

mutlich werden südostasiatische Rauschgifthändler jetzt versuchen, einen größeren Anteil am amerikanischen Heroinmarkt zurückzugewinnen.

Der Umstand,

daß Heroin aus Südostasien billig und leicht zu erlangen ist, zwingt das USAußenministerium erneut, in Gesprächen mit den Regierungen dieser Region darauf zu bestehen, daß der Anbaukontrolle Priorität einzuräumen sei.

Aber

auch Schließung und Verbot von Heroinküchen muß Teil des Programms für die
Region sein - schon allein aus dem Grund, weil Laos der Kontrolle entzogen
ist, die meisten Mohnanbaugebiete in Burma außerhalb des Einflußbereichs der
Regierung liegen und die Entdeckung von Heroinküchen nahe der thailändischburmesischen Grenze solche bereits bewährten Maßnahmen erfordert.
Aus burmesischen Berichten geht hervor, daß Bodentruppen über eine Luftbrücke zur Vernichtung von Mohnanpflanzungen in Gebieten eingesetzt werden,
wo die kommunistische Partei Burmas am Rauschgifthandel beteiligt ist. Zur

- 5 -

�ist.

Zur Unterstützung solcher Aktionen, für Schulungszwecke und die Ver-

besserung des Nachrichtenwesens sind für Burma 5,795 Millionen Dollar vorgesehen.
Die thailändische Regierung übt seit Januar 1982 in umfangreichen militärischen Aktionen gegen die im Grenzgebiet zu Burma operierende "Vereinigte
Shan-Armee", auf die der Hauptanteil des Rauschgifthandels entfällt, und andere in illegalen Drogenhandel und Rauschgiftherstellung verwickelte Gruppen
in diesem Raum Druck mit beachtlichem Erfolg aus. Auch gelang es ihr, die
Mengen an angebotenen Zwischenprodukten zu vermindern, so daß dort weniger
Heroin und Morphinbase produziert werden.

Da jedoch diese Stoffe jetzt in

zunehmendem Maße aus anderen Quellen angeboten werden, beabsichtigen die
USA, so Dicarlo, striktere Kontrollen in der gesamten Region über die Zwischenprodukte zu unterstützen.
Sofern sich auch die thailändische Regierung zur Anbaukontrolle verpflichte, werden die USA entsprechende Entwicklungsprojekte weiterhin fördern. Bisher hat es Thailand versäumt, dem Schlafmohnanbau in Gebieten ein
Ende zu bereiten, die Umstellungshilfe erhielten, versprach jedoch ab 1983
Kontroll maßnahmen zu ergreifen. Sie sollen mit 2,75 Millionen Dollar unterstützt werden.

+ + + + +

- 6 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan kündigt Exportförderung großen Stils an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Absage an den Protektionismus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sondermarke zum 300. Jahrestag deutscher Siedlung in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sieben fragwürdige Behauptungen in der Raketendebatte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Gregory Flynn -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen Dialog zur Beendigung der Gewalt in El Salvador&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit der US-Chefdelegierten Jeane Kirkpatrick -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Arbeitslosigkeit in Detroit im großen Zusammenhang gesehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rauschgiftkonsum geht in den USA zurück&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verstärkte internationale Anstrengungen zur Bekämpfung des Drogenproblems gefordert -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>9. März 1983

DIE SOWJETISCHE MILITÄRMACHT 1983
Neue Dokumentation des US-Verteidigungsministeriums

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am
9. März 1983 eine neue,107seitige Dokumentation über die sowjetische Militärmacht veröffentlicht, aus der die anhaltenden Rü'stungsanstrengungen der UdSSR
hervorgehen. Die Dokumentation stellt eine Ergänzung des am 29. September
1981 veröffentlichten Berichtes des Verteidigungsministeriums mit neuem Material dar.
Ein hoher Vertreter des Pentagon betonte bei der Vorstellung des Berichtes vor der Presse, die sowjetische Aufrüstung lasse das "Streben nach
Weltherrschaft" erkennen. Seit 1981 habe die Sowjetunion auf allen militärischen Bereichen die Modernisierung, Ausweitung und Vornedislozierung der
Kampftruppen weitergetrieben. Vergleiche zwischen den Entwicklungen in den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie in der NATO und im Warschauer
Pakt ließen keinen Zweifel daran, daß die UdSSR nach militärischer Überlegenheit auf allen Gebieten strebe.
Die sowjetische Streitmacht wird heute mit 4,9 Millionen Mann angegeben, einschließlich der in 191 Divisionen gegliederten Landstreitkräfte.
In seinem Vorwort zu der Broschüre gibt der amerikanische Verteidigungsminister Caspar Weinberger einen Überblick über die sowjetische Aufrüstung
während der letzten Jahre:
Bezüglich der sowjetischen Militärmaschinerie gibt es nichts Hypothetisches. Ihre Ausweitung, Modernisierung und ihr Beitrag zur Darstellung
von Macht über die sowjetischen Grenzen hinaus liegen auf der Hand. Eine
klare Erkenntnis der sowjetischen Streitkräfte, ihrer Doktrin, ihrer Kapazität und ihrer Stärken und Schwächen ist wesentlich für die Gestaltung und
Aufrechterhaltung wirksamer Streitkräfte der Vereinigten Staaten und ihrer
Verbündeten.
Diese Formulierungen

�Diese Formulierungen aus dem im September 1981 veröffentlichten Bericht
über die sowjetische Militärmacht bieten einen geeigneten Ausgangspunkt für
diese auf den neuesten Stand gebrachte zweite Ausgabe.

Die Broschüre "Die

sowjetische Militärmacht 1983" berichtet über den zahlenmäßigen Umfang, die
Fähigkeit und die Dislozierung der sowjetischen Streitkräfte und dokumentiert
die Verbesserungen und die Forschung und Entwicklung, die zu den erhöhten
Kapazitäten der strategischen Raketenstreitmacht, der Luftabwehrkräfte, der
Landstreitkräfte, der Luftwaffe und der Marine der Sowjets beitragen - Streit- *
kräfte, die sich auf insgesamt über 4,9 Millionen Mann belaufen.
i

Seit Ende 1981:
- hat die UdSSR die Flugerprobung von zwei neuen landgestützten Interkontinentalraketen begonnen und gleichzeitig die Modernisierung der
dislozierten Interkontinentalraketen vom Typ SS-17, SS-18 und SS-19
fortgesetzt;
- hat die UdSSR die Flugerprobung einer neuen Generation von strategischen
bemannten Bombern begonnen - des Bombers mit der Bezeichnung Blackjack,
der größer ist als der amerikanische Bomber vom Typ B-l:
- hat
und
bei
tät

die UdSSR die Flugerprobung einer neuen Generation von land-, seeluftgest'ützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) begonnen, die
Reichweiten von über 1600 km nuklearfähig sind und die Flexibilider strategischen Optionen der Sowjets wesentlich steigern;

- hat das erste der strategischen Raketen-Unterseeboote der UdSSR der
Typhoon-Klasse mit 25 000 to seine unterseebootgestützten nuklearfähigen, mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgestatteten Raketen erprobt;
ein zweites Boot der Typhoon-Klasse ist vom Stapel gelaufen;
- sind die Modernisierung und Vornedislozierung einer steigenden Zahl
nuklearer Mittel Streckensysteme der Sowjets - land-, see- und luftge-

�und luftgestutzt - mit beispiellosem Tempo vorangetrieben worden;
- sind über 330 mobile Abschußeinrichtungen für die SS-20 - eine weiterreichende Mittelstreckenrakete (LRINF) mit drei nuklearen Gefechtsköpfen und Nachladeraketen für jede Abschußeinrichtung - gegen Westeuropa, den Nahen Osten, Teile Afrikas und einen Großteil Asiens, einschließlich Chinas und Japans, gerichtet;
i,

- sind Kampfflugzeuge für die Bodenunterstützung vom Typ SU-24 Fencer
in Ländern Osteuropas und Grenzstützpunkten in Asien vorwärts disloziert worden, wodurch der Einsatzradius dieser neuen nuklearfähigen
Kampfflugzeuge auf Japan und den größten Teil von NATO-Europa ausgedehnt wird;
- hat die UdSSR zusätzliche nuklearfähige Waffensysteme bei ihren vornedislozierten Divisionen in Osteuropa eingeführt; die neue mobile Kurzstreckenrakete SS-21 ist in Osteuropa ebenso einsatzbereit wie die
152 mm-Kanone auf Selbstfahrlafette, was die Optionen der Sowjets für
konventionelle, chemische und nukleare Kriegführung vermehrt;
- wird der sowjetische Kampfpanzer T-80, der 1981 noch in der Entwicklung war, an sowjetische Panzerdivisionen in der UdSSR und in Osteuropa
ausgeliefert, was die Kampfkraft der über 190 sowjetischen Heeresdivisionen weiter stärkt;
- sind jetzt drei sowjetische Flugzeugträger der KIEW-Klasse einsatzbereit - 1981 waren es zwei; eine vierte Einheit ist vom Stapel gelaufen:
die Entwicklung einer neueren, größeren Flugzeugträgerklasse geht weiter;
- geht auf den Werften der Ostsee und des Schwarzen Meeres die Serienproduktion von vier neuen Klassen von Oberwasserkriegschiffen weiter - einer
neuen Generation nuklear und konventionell angetriebener Kreuzer und
Lenkwaffen-Zerstörer, wodurch die Kapazität der sowjetischen Marine für

- 4 -

�Marine für die Luftverteidigung, die Unterseebootbekämpfung und den
Einsatz von Marschflugkörpern und den überwassergefechtseinsatz verstärkt wird;
- haben fünf sowjetische Werften weiterhin neue Angriffs-Unterseeboote
für die größte Unterseebootstreitmacht der Welt gebaut; im Jahr 1980
lief das erste der neuen außerordentlich großen Boote der Oscar-Klasse
der Lenkwaffen-Unterseeboote vom Stapel - ein Boot, das in der Lage
ist, in getauchtem Zustand bis zu 24 weitreichende Marschflugkörper
gegen Schiffsziele abzufeuern;
- hat das militärisch ausgerichtete Weltraumprogramm der UdSSR zugenommen an bemannten Raumfahrten, an Aufklärungs-, überwachungs- und Ziel leitsatelliten sowie an Antisatellitensystemen;
- hat sich der Kampfeinsatz der UdSSR in Afghanistan ausgeweitet und umfaßt heute über 105 000 sowjetische Soldaten und einige der modernsten
sowjetischen Waffen;
- hat die UdSSR weiterhin von Indochina bis in die Karibik ihre globale
militärische Präsenz ausgeweitet; so hat beispielsweise eine Einsatzgruppe der sowjetischen Marine von November 1982 bis Februar 1983 in
der Karibik und im Golf von Mexiko operiert;
- entsprach die Ausweitung der Technologie und der Basis der industriellen
Produktion der UdSSR dem Wachstum und der Dislozierung ihrer Streitkräfte, was eine oberste Priorität der Investitionen in die Verteidigungsproduktion erkenen läßt - unterstützt vom ständigen Erwerb westlicher
Technologie; und
- hat die UdSSR trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten schätzungsweise
15 Prozent ihres Bruttosozialproduktes in die Rüstung gesteckt, was
eine Steigerung gegenüber den 12 bis 14 Prozent bedeutet, die 1981 ge-

�die 1981 gemeldet wurden - aber wiederum eine Fortsetzung des Trends
der letzten 21 Jahre darstellt...
Wir leben in einer freien Gesellschaft; die Menschen in der Sowjetunion
nicht.

Die in diesem Bericht dargelegten und auf den neuesten Stand gebrach-

ten Tatsachen lassen keinen Zweifel daran, daß die UdSSP nach einer militärischen Überlegenheit auf allen Gebieten strebt.
Es ist unsere Pflicht, uns des Wachstums, der Modernisierung und der
Kapazitäten der sowjetischen Streitkräfte voll und ganz bewußt zu werden
und unsere Verteidigungsstreitkräfte und unsere Abschreckungskapazitäten dementsprechend zu gestalten. Wir dürfen nicht weniger tun, wenn wir voll und
ganz und klug für unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten sorgen wollen. Wir stehen vor einer gewaltigen Aufgabe, die noch durch ein Jahrzehnt
eigener Versäumnisse gegenüber zwei Jahrzehnten massiver sowjetischer Aufrüstung erschwert wird. Aber wir und unsere Verbündeten können diese Aufgabe
lösen, wenn wir über den Willen, den Mut und die Entschlossenheit verfügen,
die unsere Vorgänger, die die Freiheit gewannen und sie für uns alle bewahrt
haben, in so großem Maße besaßen. Das ist unser kostbarstes Erbe und unsere
feierlichste Verpflichtung für die Nachwelt.
Kapitel I - Soviet Military Power - geht allgemein auf die anhaltende
Verstärkung und Modernisierung der sowjetischen Militärmacht ein, "die einen
kurzfristigen offensiven Einsatz erlauben". Gerade die ständige Aufrüstung
der Sowjetunion mache die volle Unterrichtung der Öffentlichkeit notwendiger
denn je.
Weiter heißt es:

"Im Atomzeitalter bauen die Sowjets weiterhin weit

größere Zahlen von Paketen und Gefechtsköpfen, als für eine glaubwürdige Abschreckungskapazität notwendig ist.

Die konventionellen Streitkräfte der

Sowjets haben ihre Offensivkapazität erhöht, und die Sowjets haben detaillierte Pläne für einen offensiven Einsatz dieser Streitkräfte erkennen lassen.
Die taktischen Luftstreitkräfte und die Paketenstreitkrfäte der Sowjets

- 6 -

�der Sowjets beschaffen weiterhin moderne Waffensysteme und Unterstützungssysteme, die für die Durchführung großangelegter Luftoffensiven geeignet
sind.

Die Modernisierung, Dislozierung und Ausbildung der sowjetischen

Landstreitkräfte

erlauben einen raschen und anhaltenden Vormarsch von

Friedensstandorten aus nach Zielen, die weit jenseits der Grenzen der Sowjetunion und des Warschauer Paktes liegen.

Gleichzeitig lassen die strate-

gischen Planungen und Operationen der Sowjetunion erkennen, daß die Schiffe
und Flugzeuge der Marine die Aufgabe haben, gegnerische"! Flotten das Befahren
angrenzender Meere zu verwehren und Angriffe gegen gegnerische Landziele zu
führen...
Zwei grundlegende wichtige Überlegungen haben jetzt zu diesem aktualisierten Bericht "Die sowjetische Militärmacht 1P83" geführt: Erstens, die
UdSSR hat während des vergangenen Jahres die Modernisierung, Vergrößerung
und Vornedislozierung ihrer Streitkräfte in noch größerem Maße vorangetrieben als bisher. Zweitens, das amerikanische Volk und die freien Völker überall auf der Welt sind weiterhin an neuesten Informationen über die militärischen
Entwicklungen in der Sowjetunion sowie an Informationen interessiert,, die
einen Vergleich zwischen den Streitkräften des Warschauer Paktes und den Streitkräften der Vereinigten Staaten und anderen NATO-Ländern erlauben, um den ganzen Umfang der sowjetischen Aufrüstung begreifen zu können...
Die Waffenproduktion ist beispielsweise ein Indikator für die Änderung
des Kräfteverhältnisses während des letzten Jahrzehnts. Die Sowjets haben
etwa 2000 Interkontinentalraketen, 54 000 Panzer und Panzerfahrzeuge, 6000
taktische Kampfflugzeuge, 85 Öbirwasserkriegsschiffe und 61 Angriffsunterseeboote hergestellt - wobei der größte Teil dieses Geräts in der Qualität
mit entsprechenden amerikanischen Systemen vergleichbar ist. Die amerikanische
Produktion im gleichen Zeitraum ist wesentlich geringer: etwa 350 Interkontinentalraketen, 11 000 Panzer und Panzerfahrzeuge, 3000 taktische Kampfflugzeuge, 72 Oberwasserkriegsschiffe und 27 Angriffsunterseeboote."
In dem Bericht wird auf den "Kräftevergleich MAT0 und Warschauer Pakt"
verwiesen, den die NATO am 4. Mai 1982 veröffentlicht hat und aus dem hervor-

�dem hervorgeht, wie sich das Kräfteverhältnis während der letzten 20 Jahre
ständig zu Ungunsten des Westens verändert hat.
Kapitel II beschreibt den anhaltenden Ausbau der "Strategischen Streitkräfte", der seit Chruschtschow unaufhaltsam vorgenommen wurde.

"Das Haupt-

ziel dieser Streitkräfte", so heißt es in dem Bericht, "ist es, in Friedenszeiten Kapital aus der Hebelwirkung starker Nuklearstreitkräfte zu schlagen
und in den freien Gesellschaften Lähmung hervorzurufen und Verwirrung zu
schaffen.

In Kriegszeiten betrachten die Sowjets den Einsatz dieser Streit-

kräfte als den Schlüssel für ihr Oberleben und ihren Sieg...
Die Streitkräfte und Programme, die bestehen oder in aktiver Entwicklung sind, um diese Aufgaben zu erfüllen, sind unter anderem:
- Verbunkerung brechende

Interkontinentalraketen und weiterreichender

nuklearer Mittel Streckensysteme (LRINF);
- Bomber, die in der Lage sind, amerikanische Verteidigungssysteme zu
durchdringen, und unterseebootgestützte Raketen, die auf kurzen Flugzeiten herangebracht werden können;
- Unterseebootbekämpfungskräfte, die in der Lage sind, amerikanische Raketen-Unterseeboote anzugreifen;
- Luft- und Raketenabwehreinrichtungen, darunter Frühwarnsatelliten und
-radar, Abfangjäger, Boden-Luft-Raketen, ABM-Radar und Abfangraketen
sowie Flugabwehrkanonen;
- passive Verteidigungsstreitkräfte, einschließlich der Zivilverteidigung sowie Truppen und Gerät zur Täuschung anfliegender Maschinen; und
- verbunkerte Anlagen, die in die Tausende gehen, Befehlsfahrzeuge sowie
Evakuierungspläne zum Schutz der Spitzen von Partei, Militär, Regierung

- 8 -

�Militär, Regierung und Industrie, wichtiger Arbeitskräfte und - soweit möglich - der Bevölkerung...
Trotz umfassender Ziele der Kriegführung und ehrgeiziger Entwicklungsund Dislozierungsprogramme in all den Jahren setzen die Sowjets die Modernisierung aller Aspekte ihrer strategischen Streitkräfte fort.
Viel von dem, was sie seit September 1981 getan haben, betrifft die
Durchführung von Programmen, die in den siebziger Jahren begonnen wurden,
und läßt Anzeichen neuer Programme erkennen, die dazu dienen sollen, noch
verbliebene Schwächen zu beheben, und die es ihnen ermöglichen sollen, angesichts zu erwartender westlicher Programme ihre eigenen Ziele zu erreichen.
Zu den ältesten Programmen gehören:
- Ersatz alter Raketen durch Interkontinentalraketen der Typen SS-19
Modell 3 und SS-18 Modell 4 mit Mehrfachgefechtsköpfen - die tödlichsten
Interkontinentalraketen der Welt;
- Bau von Raketen-Unterseebooten der Klasse DELTA III mit je 16 unterseebootgesteuerten Raketen des Typs SS-N-18 mit Mehrfachgefechtsköpfen,
wobei Raketen-Unterseeboote der Klasse YANKEE und HOTEL mit der Zeit
außer Dienst gestellt werden;
- Fortsetzung des Erprobungsprogramms der unterseebootgestützten Rakete
vom Typ SS-NX-20 mit Mehrfachgefechtsköpfen; (das Waffensystem
TYPHOON/SS-NX-20 wird 1983 einsatzbereit);
- Fortsetzung der Produktion des BACKFIRE-Bombers;
- Fortsetzung der Dislozierung der Tieffliegerabwehrrakete des Typs
SA-10 um Moskau und überall in der UdSSR;

�- Erstproduktion des fliegenden Frühwarn- und -kontrollSystems
II-76/MAINSTAY;
- Fortsetzung der Dislozierung einer Hochgeschwindigkeits-Raketen-Abwehrrakete (ABM) und einer veränderten Version der älteren Abwehrrakete (GALOSH);
- Bau weiterer großer Weitwinkelradaranlagen um die ganze UdSSR herum;
- Fortsetzung des Baus verbunkerter Anlagen und Befehlsstellen für die
passive Verteidigung.
Zu den neuen Programmen seit 1981 gehören:
- erste Versuche mit einer neuen Interkontinentalrakete mit Feststoffantrieb, die in Größe und Wurfgewicht der amerikanischen MX-Rakete
ähnelt;
- Ersterprobung einer neuen kleinen Interkontinentalrakete mit Feststoffantrieb, die auf mobilen Abschußeinrichtungen disloziert werden kann;
- Vorbereitung der Erprobung weiterer neuer Interkontinentalraketen voraussichtlich im Jahr 1983;
- Entwicklung einer Reihe von weitreichenden Marschflugkörpern, die land-,
luft- und seegestützt eingesetzt werden können;
- Vorbereitungen für die Erprobung einer weiteren neuen unterseebootgestützten Rakete voraussichtlich 1983;
- erste Flugerprobungen des neuen strategischen Bombers vom Typ BLACKJACK;
- Dislozierung neuer Raketen-Abwehrraketeneinrichtungen (ABM) um Moskau
herum, einschließlich neuer überweitwinkel-Radaranlagen und neuer Ra- 10 -

�neuer Raketen-Abfangraketen;
- Erprobung eines neuen Hochenergie-Lasersystems für land- und seegestützte Luftabwehr;
- Erprobung einer mobilen Version der Luftabwehrrakete SA-10;
- Erstdislozierung des FOXHOUND-Abfangsystems, das sehr viel tiefer
fliegende Ziele orten und erfassen und Luft-Luft-Paketen gegen solche
Ziele abfeuern kann; und
- Erprobung zweier weiterer neuer Abfangjäger für die Luftverteidigung.
Während all diese Anstrengungen fortgesetzt werden, hat die sowjetische Führung eine Kampagne aktiver Maßnahmen zur Beeinflussung in Gang
gesetzt, um die bestehenden Antiatombewegungen im Westen zu unterstützen
und zu vergrößern und damit die Entwicklung von Nuklearprogrammen im Westen
zu beeinflussen, zu verzögern oder zu verhindern.

Indem Moskau auf diesen

beiden Wegen vorgeht, versucht es, einen neuen Vorteil im relativen Kräfteverhältnis zu gewinnen - trotz der Anstrengungen westlicher Regierungen,das
während der letzten zehn Jahre entstandene Ungleichgewicht zu beheben...
Neue Interkontinentalraketen (ICBM) in der Entwicklung:

Bei den sowje-

tischen ICBM stehen weiterhin die Verbesserungen im Vordergrund, die seit
Anfang der sechziger Jahre zu beobachten waren: Treffsicherheit, Mehrfachgefechtsköpfe, Zuverlässigkeit, Überlebensfähigkeit. Gegenwärtig werden
zwei neue ICBM mit Feststoffantrieb entwickelt; eine davon hat etwa die
Größe der amerikanischen MX-Rakete und ist für verbunkerte Silos vorgesehen;
die andere ist eine kleinere Pakete, die wahrscheinlich für die Dislozierung
auf mobilen Abschußeinrichtungen vorgesehen ist, ähnlich wie die für die SS20-Raketen verwendeten... Erprobungsprogramme für ein oder zwei weitere ICBM,
wahrscheinlich auf der Basis der SS-18 und SS-19, dürften im Jahr 1983 beginnen. .."
Die Streitkräfte

�Die Streitkräfte nach Schauplätzen aufgeteilt
In Kapitel III der Broschüre werden die sowjetischen Streitkräfte nach
Schauplätzen aufgeteilt dargestellt - während die erste Dokumentation 1981
eine Übersicht nach Waffengattungen gab. Die Sowjets haben Eurasien militärisch in drei Schauplätze oder Regionen aufgeteilt: Westen, Süden und
Fernost.
In der Broschüre heißt es weiter: "Die für den Einsatz gegen die NATO
aufgestellten Streitkräfte haben weiterhin höchsten Vorrang, was die Ausrüstung mit neuesten und fähigsten Systemen angeht. So haben die Sowjets
beispielsweise seit 1981 allein 4500 Panzer, darunter T-80, bei den der NATO
gegenüberstehenden Streitkräften disloziert. Während der gleichen Zeit haben sie neue Erdkampfflugzeuge und gepanzerte Kampffahrzeuge in Afghanistan
eingeführt und modernisieren ihre Streitkräfte im Fernen Osten...
Der westliche Schauplatz schließt ganz Europa ein. Da dort jene Länder
liegen, die einen wesentlichen Teil des Wohlstandes, der Technologie, der
Industriekapazität und der Militärmacht der Welt besitzen, ist er der zentrale Punkt der strategischen Planung der Sowjets. Das sowjetische Ziel auf
dem westlichen Schauplatz besteht darin, das Atlantische Bündnis bis zu dem
Punkt zu schwächen, an dem es keine lebensfähige militärische Ganzheit mehr
darstellt. Im Kriegsfalle bestünde das Hauptziel der Sowjets darin, rasch
die Initiative zu ergreifen und die NATO-Streitkräfte zu besiegen, bevor
diese umfassend mobilisiert und verstärkt werden könnten...
Der südliche Schauplatz umfaßt Südwestasien, einschließlich der Arabischen Halbinsel. Auf diesem Schauplatz sind von besonderem Interesse Syrien,
der Irak, der Iran und Afghanistan, da sie nahe der sowjetischen Grenze und
nahe den Erdölreserven im Persischen Golf liegen...
Zum Fernostschauplatz gehören China, Japan, Korea und Südostasien.

Das

politische Ziel der Sowjets dort ist, die Beziehungen zur Volksrepublik China

- 12 -

�Volksrepublik China auf Kosten der amerikanisch-chinesischen Beziehungen
zu verbessern; eine Erhöhung des Beitrags Japans zur westlichen Sicherheit
zu verhindern; Korea unter kommunistischer Herrschaft wieder zu vereinen
und den sowjetischen Einfluß in Sü'dostasien auszudehnen.

Im Kriegsfälle

würden die Sowjets die Kontrolle des westlichen und nordöstlichen China anstreben; eine Beteiligung Japans an einem Krieg in Asien zu verhindern und
die amerikanischen und koreanischen Streitkräfte in Südkorea zu besiegen
suchen.
i

Der westliche Schauplatz
Die sowjetischen Streitkräfte auf dem westlichen Schauplatz

sind jene,

die die direkteste Bedrohung der NATO darstellen und zu denen alle Streitkräfte gehören, die im Westen der UdSSR und in Osteuropa stationiert sind.
Sowjetische Streitkräfte aus anderen Gebieten der UdSSR können selbstverständlich zum Einsatz gegen die NATO verlegt werden.
Die nachfolgende Darstellung des Modernisierungsprogramms der sowjetischen Streitkräfte für den westlichen Schauplatz zeigt, daß die Sowjets
ihre konventionellen und nuklearen Streitkräfte auswiegen, um in einem ganzen
Bereich von Konflikten kämpfen zu können.
Sowjetische nukleare Mittelstreckensysteme (INF): Die Sowjets werden
diese Systeme einsetzen, um strategische Ziele auf dem Schauplatz zu erreichen. Seit Ende 1977 hat sich die Feuerkraft der weiterreichenden INFRaketen (LRINF) der Sowjets mehr als verdoppelt, obwohl die Gesamtzahl der
Abschußeinrichtungen zurückgegangen ist. Diese ausgesprochene Erhöhung der
Feuerkraft ist auf die Dislozierung der SS-20-Rakete zurückzuführen mit
ihren drei unabhängig ziel geplanten Gefechtsköpfen (MIRV). Die heute vorhandenen sowjetischen LRINF-Raketen - bestehend aus 248 älteren Abschußeinrichtungen für SS-4 und SS-5 sowie über 330 mobilen Abschußeinrichtungen für
die SS-20 - können eine erste Salve von rund 1250 Nukleargefechtsköpfen ab-

- 13 -

i.

�Nukleargefechtsköpfen abfeuern.

Von der Gesamtzahl der Abschußeinrichtungen

sind derzeit über zwei Drittel in NATO-Reichweite disloziert und fast ein
Viertel davon seit 1981. Die Treffsicherheit und Reaktionszeit der SS-20
stellen eine einschneidende Verbesserung gegenüber den älteren Systemen dar.
Darüber hinaus erhöht die Mobilität der SS-20 ihre Überlebensfähigkeit ganz
wesentlich.

Ferner sind für jede SS-20-Einheit Nachladeraketen - eine pro

Abschußeinrichtung - vorgesehen, und jede Nachladerakete hat drei Gefechtsköpfe.
Landstreitkräfte:

Die ganze Auswirkung der Verbesserung der der NATO

gegenüberstehenden sowjetischen Landstreitkräfte muß im Zusammenhang mit den
zur Verfügung stehenden Gesamtlandstreitkräften gesehen werden.

Von den ins-

gesamt über 190 aktiven sowjetischen Divisionen sind 94 gegenüber der Mittelund Nordregion der NATO stationiert.

Weitere 20 sind in den Militärdistrik-

ten Transkaukasus und Nordkaukasus stationiert.

Diese Divisionen könnten

gegen die Türkei oder Südwestasien eingesetzt werden.

Etwa 16 weitere Di-

visionen, die für Kampfeinsätze in Europa herangezogen werden könnten, stellen die strategische Reserve dar, die zentral disloziert ist.

Die sechs

Verbündeten der Sowjetunion im Warschauer Pakt unterhalten insgesamt 55 aktive Divisionen.

Im Jahr 1982 haben die NATO-Verbündeten in ihrem Kräftever-

gleich insgesamt 173 Divisionen der Sowjetunion und des Warschauer Paktes gezählt, die gegen die NATO mobilisiert werden können.

Diese Zahl ist weiter

gestiegen.
Die Sowjets haben seit 1978 große quantitative und qualitative Verbesserungen ihrer Landstreitkräfte vorgenommen. Die technologischen Verbesserungen des Geräts dauern zwar bei den gesamten sowjetischen Streitkräften unvermindert an, doch wird den Streitkräften gegenüber der N/&gt;T0 höchste Priorität
eingeräumt, um sie in die Lage zu versetzen, rasche Offensivoperationen durchzuführen, die durch Überraschungsangriff, massive Feuerkraft und hohe Mobilität gekennzeichnet wären. Die jüngsten Verbesserungen der Landstreitkräfte
auf dem westlichen Schauplatz werden besonders deutlich auf den Gebieten der
Boden-Luft-Raketen, der Boden-Boden-Raketen, der Panzer, Artillerie und Hub-

- 14 -

�In der Dokumentation wird angeführt, daß bei den Boden-Boden-Raketen
die SS-21 mit einer Reichweite von 120 km und größerer Treffsicherheit an
die Stelle der FR0G-7 (mit einer Reichweite von 70 km) tritt; die SS-23 mit
einer Reichweite von 500 km an die Stelle der SCUD mit einer Reichweite von
300 km und die SS-22 mit größerer Treffsicherheit an die Stelle der SS-12/
SCALEBOARD - beide mit rund 900 km Reichweite.

Die taktische Luftverteidi-

gung wurde durch eine ganze Reihe neuer Abwehrraketen (SAM), elektronische
Abwehreinrichtungen, Flugabwehrkanonen, entsprechende
sentlich verbessert.

Padaranlagen usw. we-

Auf dem Gebiet der Panzer hat seit Mitte der sechziger

Jahre - seit dem T-64 - eine stetige Modernisierung stattgefunden, die in
dem neuesten Modell - T-80 - gipfelt.

Dieser Panzer, von dem bereits einige

hundert an die sowjetische Streitkkrä'ftegruppe

Osteuropa ausgeliefert wur-

den, hat besondere Schutzeinrichtungen gegen nukleare, biologische und chemische Kriegführung und verstärkte Feuerkraft und Überlebensfähigkeit.
Die Sowjets verfolgen ferner ein massives Programm der Verbesserung und
Verstärkung der Artillerie.

Einige Geschütze, darunter zwei neue 152 mm-

Kanonen, sind nuklearfähig, und auch ein neuer Paketenwerfer - 220 mm-Mehrfachwerfer - wurde eingeführt.
Was die Flugzeuge für den Erdkampf angeht, so haben die Maschinen der
Typen FENCER A/C, FL0GGEP J und FITTER H die Offensivkapazität besonders erhöht. Das gegenwärtig in Afghanistan eingesetzte Erdkampfflugzeug SU-25/
FR0GF00T dürfte auch auf dem westlichen Schauplatz disloziert werden. Die
Kampfflugzeuge MIG-29/FULCRUM und SU-27/FLANKEP - zweistrahlige Düsenmaschinen befinden sich gegenwärtig in der Erprobung. Während die Zahl der Kampf- und
Erdkampfflugzeuge der NATO und des Warschauer Paktes mit 1950 als gleich angeben wird, ist das Verhältnis bei Abfangjägern mit 740 bei der NATO und
4370 beim Warschauer Pakt wesentlich ungünstiger. Bei Aufklärern ist das
Verhältnis 285 (NATO) zu 600 (Warschauer Pakt), während die NATO den 350
Bombern (BACKFIPE) des Warschauer Paktes nichts entgegenzusetzen hat.
Ein eigenes Kapitel der Dokumentation (IV) befaßt sich mit den sowjetischen Weltraumsystemen. "Das sowjetische Streben nach militärischer Ober- 15 -

�militärischer Überlegenheit ", so heißt es in dem Bericht, "hat sich in den
Weltraum ausgedehnt.

Mit der Entwicklung und dem Einsatz einer orbitalen

Antisatellitenwaffe (ASAT) (in der Umgangssprache als "Killersatellit" bezeichnet, Anm. der Redaktion) vor über einem Jahrzehnt hat die Sowjetunion
klar signalisiert, daß sie den Weltraum als einen Bereich der möglichen
Kriegführung betrachtet.
In den letzten zehn Jahren hat die UdSSR mehr als 75 Weltraumflugkörper
pro Jahr gestartet, eine Rate von vier- bis fünfmal so viel wie die Vereinigten Staaten.
erhöht.

In den letzten Jahren hat sich die Rate auf fast 100 jährlich

Die jährlich in eine

Umlaufbahn gebrachte Nutzlast der Sowjets ist

noch eindrucksvoller - 660 000 Pfund - d.h. zehnmal so viel wie die Vereinigten Staaten...
Die Einführung, Anwendung und bekannte künftige Entwicklung von Weltraumwaffensystemen durch die UdSSR läßt ein koordiniertes Programm erkennen,
zu dem gehören:
- die gegenwärtige Generation von Antisatelliten-Flugkörpern (ASAT), die
im Betrieb sind und dazu dienen sollen, Satelliten mit einer niedrigen Umlaufbahn zu zerstören;
- ein sehr großes, gezieltes Energieforschungsprogramm, einschließlich
der Entwicklung von Laserstrahl-Waffensystemen, die entweder in der UdSSR,
an Bord der nächsten Generation sowjetischer ASAT oder an Bord der nächsten
Generation sowjetischer bemannter^Kaumschiffe stationiert werden könnten.
Das ASAT-System, das jetzt einsatzfähig ist, hat die Fähigkeit, amerikanische Weltraumsysteme in erdnaher Umlaufbahn aufzuspüren und zu zerstören.
Die Sowjets führen jedes Jahr Versuche durch, um das Abfangen von Satelliten
zu praktizieren und das ASAT-System zu verfeinern..."
Kapitel V,

- 16 -

�Kapitel V, Ressourcen und Technologie, geht auf die wichtige Rolle
des sowjetischen politischen Geheimdienstes KGB und des militärischen Geheimdienstes GRU bei der Beschaffung westlicher Technologie ein.

Dazu heißt es:

"Zu dem sowjetischen Ziel der Weltf'uhrung in Wissenschaft und Technologie gehört ein hoher Einsatz von Ressourcen, der im wesentlichen auf die
Integration zweier Ansätze hinausläuft:
- Die Schaffung und Ausweitung einer großen einheimischen Basis für
Technologie und Produktion, um die industriellen und militärischen Entwicklungsprogramme zu fördern.
- Die Beschaffung und Anpassung westlicher Technologien, um Zeit, Kosten
und Risiko bei der Förderung eigener industrieller und militärischer Programme zu verringern. Die sowjetischen politischen und militärischen Geheimdienste - KGB und GRU r bilden seit Jahren Wissenschaftler und Techniker aus,
um moderne, militärisch nutzbare Technologie in den Vereinigten Staaten,
Westeuropa, Japan und anderswo auszumachen und zu beschaffen. Auf diese
Weise haben die Sowjets Technologie im Werte von vielen Milliarden Dollar beschafft - einiges durch legalen oder illegalen Kauf oder durch Diebstahl,
Spionage, Bestechung, wissenschaftlichen Austausch und durch Auswertung
offen zugänglicher amerikanischer Literatur. Die UdSSR ist dadurch in der
Lage, neue sowjetische Waffen zu entwickeln und zu produzieren, viel Zeit,
Mühe und Ressourcen für die Entwicklung zu sparen...
Das Ergebnis war eine starke Einengung der Technologielücke zwischen
den USA und der UdSSR."
In dem Bericht werden vor allem hochtechnologische Gebiete wie Radar
und Antriebssysteme als Beispiele für die illegale sowjetische Beschaffungstätigkeit genannt.
Ein eigenes

- 17 -

j

�Ein eigenes Kapitel (VI) ist der "Darstellung der Macht" gewidmet.
Darin heißt es:

"Die Entwicklung zunehmend starker sowjetischer Streit-

kräfte hat die Fähigkeit Moskaus erhöht, westliche Interessen an fast allen
Ecken der Erde herauszufordern...

Das langfristige Ziel der Sowjets ist

relativ konsequent geblieben - überragenden Einfluß auf die Weltpolitik zu
gewinnen.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die Sowjets mit allen Mitteln

versucht, das westliche Bündnissystem zu untergraben, in der Dritten Welt
Instabilität zu schaffen und die Ausbreitung kommunistischer Gesellschaften
zu beschleunigen.

Die sowjetischen Techniken zur Verwirklichung dieser Ge-

samtstrategie sind zahlreicher und immer flexibler, ausgefeilter und pragmatischer geworden.
Die Dritte Welt hat sich zu einem vitalen Gebiet der Verwirklichung
der Globalstrategie der Sowjets entwickelt, da sie gute Chancen für die Expansion mit weniger Hemmnissen und geringerem Risiko der Konfrontation der
Supermächte bietet...
Die Sowjets betrachten Machtdarstellung (power projection) als dynamische Anwendung verschiedener Mittel, einschließlich militärischer Gewalt, Diplomatie, Militärberater und Militärhilfe, Verträge und rechtlicher
Bindungen, Wirtschaftshilfe sowie Kultur-, Medien und Bildungsaustausch."
Auch hier wird auf die Rolle des Zentralkomitees der KPdSU, des politischen Geheimdienstes KGB und des militärischen Geheimdienstes GRU bei der
direkten und indirekten Unterstützung terroristischer und antiwestlicher
Gruppen in aller Welt hingewiesen. Auch die sogenannten "aktiven Maßnahmen",
d.h. Versuche der politischen Einflußnahme durch Frontorganisationen, Falschinformationen, Fälschungen, Manipulationen der Medien und Einflußagenten als
Mittel der sowjetischen Außenpolitik, werden hervorgehoben. Eine besondere
Unterstützung bei den sowjetischen Bemühungen in Lateinamerika leistet das
kommunistische Kuba.
In dem abschließenden Kapitel VII, "Die Herausforderung" heißt es unter
anderem:
"Als Ergebnis
- 18 -

�"Als Ergebnis der 20jährigen Aufrüstung der Streitkräfte der UdSSR
hat sich das weltweite militärische Kräfteverhältnis stetig zuungunsten
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten verschoben.

Wie der NATO-Ge-

neralsekretär in seinem Vorwort zu der amtlichen NATO-Publikation von 1982
'Kräftevergleich NATO und Warschauer Pakt1 betonte, ist die Abschreckungsmacht des Atlantischen Bündnisses zunehmend gefährdet.

Darüber hinaus sind

Regionen, die bisher frei waren von der Bedrohung durch sowjetische Streitkräfte, jetzt unter deren gefährlichen Schatten geraten.

I
Generalsekretär Andropow hat in seiner ersten Erklärung vor einer Versammlung der obersten Führungsspitze der UdSSR nach seiner Wahl zum Nachfolger Breschnews die Kontinuität der grundlegenden militärischen Ziele der
Sowjets bekräftigt...
- Ihre ICBM-Streitmacht wird weiterhin durch die Dislozierung der SS-18
Modell 4 und SS-18 Modell 3 in

supergehärteten Silos modernisiert; die Flug-

erprobung zweier neuer ICBM mit Feststoffantrieb hat begonnen.
- Ihre Raketen-Unterseebootstreitmacht wird durch den Bau weiterer
Einheiten der TYPHOON-Klasse mit 20 Nuklearraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen des Typs SS-NX-20 pro Boot weiter modernisiert.
- Ihre Bomberstreitmacht wird durch die Entwicklung des neuen strategischen Langstreckenbombers BLACKJACK und die weitere Produktion des BACKFIREBombers modernisiert.
- Ihre strategische Verteidigung wird durch Verbesserung des RaketenAbwehrraketenkomplexes (ABM), Boden- Luft-Raketen, Weitwinkel-Radarnetze,
neue Abfangjäger und den Bau gehärteter unterirdischer Bunker für Befehlsstellen modernisiert.
Die Sowjets setzen die Dislozierung der SS-20 mit drei Gefechtsköpfen
auf dem westlichen und dem fernöstlichen Schauplatz fort und werden wahrscheinlich noch zusätzliche Komplexe über die bereits im Bau befindlichen
- 19 -

»

�'

Bau befindlichen hinaus errichten.
- Ihre Landstreitkräfte werden durch den Panzer T-80, die nuklearfähige
Kanone SP-152 auf Selbstfahrlafette, verbesserte gepanzerte Mannschaftswagen
und Angriffshubschrauber der Typen HIND und HIP sowie besseres Fernmeldegerät
und Gerät für elektronische Kriegführung gestärkt.
- Ihre Luftwaffe wird in zunehmendem Maße schlagkräftiger durch die anhaltende Dislozierung der Maschinen vom Typ FLOGGER und FENCER, die Produktion des Erdkampfflugzeuges FR0GF00T sowie die Flugerprobung der Hochleistungsabfangjäger FLANKER und FULCRUM.
- Ihre Marine wird verbessert und zahlenmäßig verstärkt durch weitere
Einheiten der Flugzeugträger der KIEW-Klasse, der Kreuzer der KIROW-Klasse
und der KRASINA-Klasse sowie der Zerstörer der SOWREMENNYY-Klasse und der
UDALOY-Klasse. Die Flotte ihrer modernen Angriffsunterseeboote wächst
weiterhin mit der Indienststellung von Marschflugkörper-Einheiten der OSCARund VIDTOR-Klasse. Darüber hinaus geht die Entwicklung eines größeren,
kampfstärkeren Flugzeugträgers weiter.
- Mit einem bereits einsatzfähigen Antisatellitensystem (ASAT) geht
die Entwicklung noch modernerer Anwendungen der sowjetischen Militärmacht
im Weltraum weiter.

Die Antwort
Die Tatsachen liegen auf der Hand.
der Hand.

Was sie bedeuten, liegt ebenso auf

Militärische Macht wird weiterhin das Hauptinstrument der sowjetischen
Expansionspolitik sein...
Die Verteidigungsprogramme,
- 20 -

�Die Verteidigungsprogramme, die wir in Gang gesetzt haben, werden dazu
beitragen, die negativen Trends im militärischen Kräfteverhältnis umzukehren
und sicherzustellen, daß die Sowjetunion aus der Macht ihrer Streitkräfte
kein Kapital für politische Vorteile schlagen kann.

Unsere Programme fördern

daher die Sicherheit und Stabilität der Weltgemeinschaft...
Wir müssen eine Kontinuität unserer eigenen Programme demonstrieren.
Und was ebenso wichtig ist, wir müssen die Entschlossenheit besitzen, unermüdlich an der Sicherheit aller freien Nationen zu arbeiten.

Nur dann wer-

den die Sowjets überzeugt sein, daß ihre militärische Aufrüstung nutzlos ist,
und der Weg für die Wiederherstellung des Friedens auf dem niedrigsten Stand
der Rüstungen wird geebnet werden."

+ + + ++

- 21 -

�</text>
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• • • • ^1

• » T i l l • &gt;T0
&lt;

United States Information Service

16. März 1983

12

I N H A L T

DOKUMENTATION

Die menschliche Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen
- Rede des US-Botschafters in Hamburg Reagan:

Sieg der Demokratie in El Salvador oberstes Ziel

- Rede des US-Präsidenten vom 10. März 1983 -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Präsident proklamiert "exklusive Wirtschaftszone"
- Ressourcen im 200-Seemeilen-Bereich unter amerikanischer
Zuständigkeit -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Haarriß mit Kettenreaktion
- CHALLENGER-Startverschiebung schafft Probleme für andere
Weltraumprogramme - Von G. Weiss -

i Uber/c

00 Tel.: 0228-339 22 40

�12

16. März 1983

DIE MENSCHLICHE SEITE DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
- Rede des US-Botschafters in Hamburg -

HAMBURG - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, ging in einer
Rede vor dem Übersee-Club in Hamburg am 14. März 1983 auf
die menschliche Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen ein und verwies auf die wesentlichen Beiträge der deutschen Einwanderer zur Entwicklung der Vereinigten Staaten.
Die Rede von Botschafter Burns hat folgenden Wortlaut:
Als Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in
der Bundesrepublik Deutschland habe ich oft über die politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern gesprochen. Heute
abend möchte ich mich einem noch grundsätzlicheren Thema zuwenden - den menschlichen Beziehungen zwischen Ihrem Lande
und dem meinigen.
Wir begehen in diesem Jahr den 300. Jahrestag der
Ankunft der ersten Siedler aus Deutschland in Nordamerika. Die 13 Mennoniten- und Quäkerfamilien, die
sich im Jahr 1683 in Germantown niederließen, das heute

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das heute ein Teil von Philadelphia ist, kamen auf der
Suche nach Freiheit - der Freiheit, nach ihrem religiösen
Glauben zu leben, und der Freiheit, ein wirtschaftlich
besseres Los für sich und ihre Kinder zu finden. Beides
haben sie gefunden. Ich darf sagen, daß eine große
Mehrheit der Vorfahren der schätzungsweise 60 Millionen
Amerikaner, die sich heute auf eine deutsche Herkunft
berufen, auf der Suche nach den gleichen Zielen kam persönliche Freiheit und wirtschaftliche Chancen.
Amerika ist im Laufe der Jahrhunderte mit diesen
grundlegenden menschlichen Bestrebungen identifiziert
worden. Unsere Unabhängigkeitserklärung und unsere
Verfassung bringen diese Ideale beredt zum Ausdruck und
haben in allen Teilen der Welt als eine Richtschnur für
Menschen gedient, die für sich selbst ein neues Leben
erstreben - ein Leben, das ihnen ermöglicht, frei zu reden
oder zu schreiben, Gott auf ihre Weise zu dienen und
wirtschaftliche Chancen zu nutzen, ohne durch starre
Gepflogenheiten oder autoritäre Herrschaft eingeschränkt
zu werden.
Die menschliche Bedeutung dieses jahrhundertealten
Stromes von Einwanderern nach Amerika - zuerst aus
Westeuropa, später aus Ost- und Südeuropa und noch später
aus Lateinamerika, Asien und anderen Teilen der Welt kann kaum überschäzt werden. Amerikaner können zu Recht
mit Stolz feststellen, daß ihr Land ein Land der Hoffnung
und des Willkommens für entwurzelte Menschen geblieben ist
- daß es selbst heute noch viel mehr Einwanderer aufnimmt
als die übrige Welt. Noch immer kommen die meisten dieser
Menschen auf der Suche nach persönlicher Freiheit und
wirtschaftlichen Chancen für sich selbst und ihre Kinder.
Umgekehrt haben

-2-

�Umgekehrt haben auch die Vereinigten Staaten ständig
Nutzen aus dem unaufhörlichen Strom der Einwanderer
gezogen. Selbst wenn sie gelegentlich soziale Probleme
verursachten, so haben sie doch letztlich unser
industrielles, politisches und kulturelles Leben
bereichert. Mein Land hätte sich nicht in der Weise
entwickeln können, wie es dies getan hat, noch hätte sich
dort die Gesellschaft so entfalten können, wie sie sich
heute darbietet, wenn nicht der moralische Mut und die
geistigen und technischen Fähigkeiten gewesen wären, die
unaufhörlich aus der Alten Welt, und vor allem aus Ihrem
Lande, zu uns gebracht wurden.
Die Namen vieler deutscher Einwanderer nach Amerika
sind auf beiden Seiten des Atlantik wohlbekannt, und wenn
ich heute einige erwähne, dann sollen sie nur als Beispiel
für all jene dienen, die das Leben und die Kultur Amerikas
bereichert haben. Da ist - um ihn als ersten zu nennen Franz Daniel Pastorius, der Gründer von Germantown, eine
prophetische Gestalt, die eine klare Vision von dem
aufgezeigt hat, was die Vereinigten Staaten als Land
werden sollten. Durch sein Eintreten für die Trennung von
Kirche und Staat, für Toleranz der religiösen und
ethnischen Vielfalt und für die Abschaffung der Sklaverei
war er seiner Zeit weit voraus. Ein anderer war William
Rittenhouse, Geistlicher und zugleich Papierhersteller,
aus Mühlheim an der Ruhr, dessen Urenkel, David
Rittenhouse, der erste Direktor der amerikanischen Münze
war und bleibenden Ruhm als Mathematiker, Astronom und
Erfinder erwarb. Thomas Jefferson war von ihm so angetan,
daß er sagte: "Er hat zwar keine Welt geschaffen, aber er
ist ihrem Schöpfer sehr viel näher gekommen als irgendein

-3-

�als irgendein Mensch, der je gelebt hat." Dann war da der
Drucker, Journalist und Verleger Christopher Säur, der als
erster die Bibel in einer europäischen Sprache in Amerika
gedruckt hat. Ein noch berühmterer Einwanderer war John
Peter Zenger, der heute noch in den Vereinigten Staaten
als der "Schutzheilige" der Pressefreiheit bekannt ist.
Und dann gab es Hans Nikolaus Eisenhauer, einen
Einwanderer aus Eiterbach im heutigen Südhessen, der Mitte
des 18. Jahrhunderts in Amerika eintraf und weder Reichtum
noch Ruhm erwarb, aber der Vorfahre von Dwight David
Eisenhower wurde - dem 34. Präsidenten der Vereinigten
Staaten.
Und es gab auch noch - wenn ich fortfahren darf - die
Helden des Revolutionskrieges Johann de Kalb und Friedrich
Wilhelm von Steuben; die politischen Denker und Reformer
Friedrich Hecker, Carl Schurz, John Altgeld und Robert
Wagner; den Brückenbauer John Augustus Roebling; den
Orgelbauer Henry Steinway; die Unternehmer John Jacob
Astor und Levi Strauss; die Künstler Emanuel Leutze und
Albert Bierstadt; den politischen Zeichner Thomas Nast;
die Musiker und Komponisten Leopold Damrosch, Arnold
Schoenberg, Bruno Walter, Kurt Weill; den
Sprachwissenschaftler Maximilian Berlitz; den Bankier und
Philanthropen Paul Moritz Warburg; den Theologen Paul
Tillich; die Architekten Ludwig Mies van der Rohe und
Walter Gropius; den Wissenschaftler Albert Einstein; die
Schrifsteller Thomas Mann und Hannah Arendt; und - um
diese eindrucksvolle Liste abzurunden - Ihren und meinen
Freund, Henry Kissinger. Wo stünde Amerika heute, ja, man
darf sicher sagen, wo stünde die Welt heute ohne die
gewaltigen Beiträge dieser deutschen Einwanderer?
Diese Männer

�Diese Männer und Frauen, ihre Kinder und Kindeskinder die 60 Millionen Amerikaner, die sich heute auf ihre
deutsche Herkunft berufen - schmiedeten die Kette, die
unsere beiden Gesellschaften verbindet. Diese Bande
hatten nichts zu tun mit politischen Verträgen,
Sicherheitsabkommen oder Handelsvereinbarungen. Sie haben
sogar schwere Belastungen in den politischen Beziehungen
unserer beiden Länder überlebt - ja selbst zwei
schreckliche Kriege. Das vielleicht beste Beispiel der
Stärke und Dauerhaftigkeit dieser menschlichen Bindungen
zeigte sich darin, wie rasch und engagiert die Bevölkerung
meines Landes nach dem Zweiten Weltkrieg das deutsche Volk
unterstützte.
Es war in erster Linie die Wechselwirkung zwischen
unseren beiden Völkern, die der Bundesrepublik Demokratie
und physischen Wiederaufbau gebracht und die Partnerschaft
zwischen unseren beiden Gesellschaften geschaffen hat, die
heute besteht. Der Marshall-Plan war ohne Frage ein
entscheidend wichtiges Instrument für den Wiederaufbau der
zerrütteten Wirtschaft Westdeutschlands. Der
Nordatlantik-Vertrag bot die entscheidende Sicherheitsgarantie vor einer Aggression. Andere Maßnahmen - wie
etwa die Berliner Luftbrücke - waren weitere Zeichen der
Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, sich am Schutz
der jungen Demokratie zu beteiligen, die aus der Asche des
Zweiten Weltkrieges erstanden war. Aber die treibende
Kraft hinter all diesen begrüßenswerten politischen
Entwicklungen war das Netz menschlicher Beziehungen, das
durch die Millionen Amerikaner deutscher Herkunft und die
zahlreichen deutschen Flüchtlinge geschaffen wurde, die
unsere Küsten in den dreißiger Jahren erreichten, durch

-5-

�erreichten, durch die Hunderttausende von deutschen
Kriegsgefangenen, die jahrelang in den Vereinigten Staaten
lebten, durch die Zehntausende von Amerikanern und
Deutschen, die beim Wiederaufbau der demokratischen
Gesellschaft zusammengearbeitet haben, wie sie heute in
der Bundesrepublik Deutschland besteht, und durch die
Legion von Fulbright-Stipendiaten und Austauschstudenten.
Es war ihr gemeinsames Wirken, das die Grundlagen für die
Partnerschaft zwischen unseren beiden Ländern schuf - eine
Partnerschaft, die sich als stark genug erwies, um alle
möglichen temporären wirtschaftlichen Irritationen und
politischen Meinungsverschiedenheiten zu überstehen.
Diese Amerikaner und Deutschen, die zusammengelebt und
-gearbeitet haben, fanden Verständnis und Wertschätzung
füreinander. Sie wußten oder erkannten bald, daß sie
durch gemeinsame Werte und Überzeugungen miteinander
verbunden waren - durch die Achtung vor den
Menschenrechten, durch den Glauben an die Demokratie,
durch die Hingabe an die Herrschaft des Rechts. Und sie
gaben diese Erkenntnisse an jene ihrer Landsleute weiter,
die keine direkten Kontakte mit dem jeweils anderen Volk
hatten. Aber Ende der sechziger und Anfang der siebziger
Jahre schied diese schöpferische Generation von Deutschen
und Amerikanern mehr und mehr aus Führungspositionen und
einflußreichen Stellungen aus. Das Netz menschlicher
Beziehungen, das unsere Gesellschaften so eng verband,
wurde damit lockerer. Die an ihre Stelle tretende
Generation war nicht durch ähnliche Erfahrungen geformt
worden und zeigte daher weniger persönliches Engagement
für das»deutsch-amerikanische Verhältnis.
In den

�In den letzten Jahren hat das dichte Netz gemeinsamer
Werte zwischen unseren beiden Völkern nachgegeben - zum
Teil, weil wir uns nicht mehr so nahekommen. Gleichzeitig
begannen andere Entwicklungen die optimistische Stimmung
in unseren Ländern zu verdüstern, vor allem bei den jungen
Menschen. Dazu gehörten der verblassende Glanz des
schönen Traumes von einem vereinten Europa, der anhaltende
Hunger und die Verzweiflung in vielen der weniger
entwickelten Teilen der Welt, der Vietnam-Krieg, in den
die Vereinigten Staaten unglücklicherweise verwickelt
wurden, die Bürgerrechtsunruhen in meinem Lande, die
gewaltige militärische Aufrüstung der Sowjets in den
siebziger Jahren angesichts einer angeblichen Entspannung,
die politischen Abenteuer der Sowjets in Asien und Afrika
und ihre Invasion Afghanistans, die Unterdrückung der neu
erworbenen Rede- und Versammlungsfreiheit in Polen, die um
sich greifende Inflation und steigende Arbeitslosigkeit in
der westlichen Welt, und - nicht zuletzt - die wachsende
Erkenntnis in der Bundesrepublik Deutschland, daß ihr
"Wirtschaftswunder" vorüber war.
All diese Faktoren, die zwar nicht direkt mit dem
deutsch-amerikanischen Verhältnis zu tun haben, warfen
ihre Schatten auf diese Beziehungen. Es ist eine
unausweichliche Tatsache, daß das Verhältnis zwischen
unseren Völkern weniger eng wurde. Das Bildungssystem,
das den Verlust der direkten persönlichen Erfahrung
zwischen Deutschen und Amerikanern zum Teil hätte ersetzen
können, hat diese Aufgabe nicht erfüllt. Es war für die
junge Generation wenig dienlich, daß unsere Schulen den
Fächern Geschichte und Ethik sowie den Grundlagen unserer
westlichen Kultur nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt
haben.
Das Verständnis

�Das Verständnis zwischen den Menschen ist immer
unvollkommen. Das ist das Los des Menschen auf Erden.
Wir wissen das aus unserem täglichen leben. Eltern
verstehen nicht immer ihre Kinder und Kinder nicht immer
ihre Eltern. So ist es auch zwischen Ehemann und Ehefrau,
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Vermieter
und Mieter, zwischen Bankier und Kreditnehmer, zwischen
Professor und Student. Aber wenn schon Mißverständnisse
in unseren Familien, Schulen und Betrieben bestehen, dann
entstehen sie noch sehr viel leichter und gedeihen sogar
unter Nationen, da Unterschiede in der Geschichte und
Sprache zusammen mit begrenzten direkten Kontakten
zwischen Menschen ein Nährboden des Mißverständnisses und
leider gelegentlich sogar Mißtrauens sind. Der
diplomatische Dienst ist keine ganz neue Karriere mehr für
mich. Meine Tätigkeit als Botschafter in Ihrem Lande geht
jetzt schon gut in das zweite Jahr. Aber ich muß
gestehen, daß ich noch immer erstaunt bin über die
seltsamen Meinungen, die hochgestellte Europäer
gelegentlich über die Vereinigten Staaten zum Ausdruck
bringen - und ich möchte hinzufügen, daß es auch umgekehrt
so ist. Muß man sich also wundern, daß viele junge
Menschen in Ihrem Lande und in dem meinigen so wenig
Verständnis für die Gesellschaft des jeweils anderen
Landes haben?
Ich habe viele Stunden mit jungen Menschen in Ihrem
Lande verbracht, wie auch früher mit jungen Menschen in
meinem Lande. Ich bewundere ihre Intelligenz, ihren
Idealismus, ihren Horror vor der Rüstung und ihr Mitgefühl
für die Erniedrigten. Aber ich bin auch erschrocken über
das Unwissen, das so viele sogar bezüglich der Geschichte

-8-

�der Geschichte ihres eigenen Landes an den Tag legen, von
ihrem Unwissen über die Vereinigten Staaten ganz zu
schweigen. Und ich bin vor allem beunruhigt über ihren
offensichtlichen Mangel an Wertschätzung dessen, was es
bedeutet, in einer Demokratie zu leben.
Es ist ein verwirrendes und beunruhigendes Kennzeichen
unserer Zeit, daß viele unserer jungen Menschen - in Ihrem
Lande vielleicht noch mehr als in meinem - nicht imstande
zu sein scheinen, zwischen der moralischen und politischen
Ordnung des Westens und dem unterdrückerischen
Totalitarismus des Sowjetblocks zu unterscheiden.
Schließlich sind die Werte der westlichen Demokratien
keine abstrakten oder verschwommenen Konzepte. Die
Freiheit des einzelnen, zu reden, zu schreiben, zu beten
und sich mit anderen zu versammeln; die Gleichheit aller
vor dem Gesetz; der Schutz jeden Bürgers vor Willkürakten
der Regierung; die Freiheit, zwischen wirtschaftlichen,
sozialen, kulturellen Alternativen zu wählen - diese
Grundwerte der westlichen Demokratien sind eine
praktischen Wirklichkeit, die jeder intelligente Mensch zu
erfassen in der Lage sein sollte. Sie werden ganz
sicherlich zutiefst verstanden und geschätzt von jenen,
die unter kommunistischer Herrschaft leben und sich dieser
Werte nicht erfreuen können.
Der Grund, warum so viele junge Menschen in Europa und
in Amerika die Grundwerte des Westens als
selbstverständlich betrachten, muß darin liegen, daß sie
niemals ohne sie gelebt haben. Sie scheinen nicht zu
begreifen, daß ihr Recht, für ein Einfrieren von
Kernwaffen zu demonstrieren, ihre Freiheit, öffentlich

-9-

�Freiheit, öffentlich eine einseitige Abrüstung zu fordern,
ihr Recht, gegen das auf die straße zugehen, was sie für
eine falsche amerikanische Politik in Mittelamerika halten
- daß all diese Privilegien ihnen in einem demokratischen
System zugestanden werden, das auch sie eigentlich vor
jenen schützen sollten, die ihnen diese Privilegien
wegnehmen würden, so wie sie den jungen und alten Menschen
in Polen, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, in
Afghanistan und in vielen anderen Ländern weggenommen
wurden. Junge Menschen mit durchschnittlicher Intelligenz
sollten in der Lage sein, zwischen den Triebkräften zu
unterscheiden, die Amerika bewegen, und jenen, die die
Sowjetunion beherrschen. Sie sollten in der Lage sein, zu
erkennen, daß die erbetene Präsenz amerikanischer Truppen
in Europa Ausdruck der Bereitschaft ist, die Werte unserer
westlichen Zivilisation schützen zu helfen, während die
sowjetischen Armeen, die vor 35 Jahran willkürlich
Osteuropa besetzt haben, dort stehen, um die Unterdrückung
jener Freiheiten sicherzustellen, nach denen sich die
Bürger dort bis heute sehnen.
Die Realität und die Anziehungskraft unserer
westlichen Werte sollten, so scheint es mir, jedem
einleuchten, der das Leben der unglücklichen Menschen
unter sowjetischer Herrschaft bedauert, die, wo immer das
möglich war, mit den Füßen abgestimmt haben, weil sie
nicht auf andere Weise wählen können. Es gibt Millionen
Menschen, die aus Ostdeutschland, Polen, Vietnam,
Kambodscha, Afghanistan, Kuba und anderen kommunistischen
Ländern geflohen sind. Aber hat je irgend jemand etwas
von einem Strom - ja nur von einem Rinnsal - von
Flüchtlingen in auch nur eines dieser Länder gehört?
Die fehlgeleiteten

-10-

�Die fehlgeleiteten Auffassungen junger Menschen - und
manche sind sogar nicht einmal mehr so jung - werden oft
der Beharrlichkeit und Kraft der sowjetischen Propaganda
zugeschrieben. Ich höre das immer wieder von meinen
Freunden. Diese Erklärung ist jedoch eine Flucht vor der
Realität. Die Sowjets nutzen sicherlich jede Gelegenheit,
unsere westlichen Gesellschaften zu diffamieren und die
Wahrheit über ihre eigene zu verschleiern. Aber daß sie
dies mit Erfolg tun können, entspringt im wesentlichen der
Tatsache, daß es weder Eltern noch Lehrern in unseren
Ländern gelungen ist, den Kindern eine ausreichend gesunde
moralische und historische Bildung angedeihen zu lassen,
damit sie die demokratischen Institutionen schätzen
könnten, die zu erben sie das Glück hatten.
In den demokratischen Systemen, die in Westeuropa und
in den Vereinigten Staaten herrschen, gibt es sicherlich
Mängel und Mißbräuche. Das Bemerkenswerte an einer
Demokratie ist jedoch ihre Fähigkeit, sich zu verbessern
und zu erneuern. Offene Kritik, Weiterentwicklung von
Institutionen und geordneter Wandel nach den die
Gesellschaft regierenden Gesetzen gehören zum Wesen des
demokratischen Systems. Im Gegensatz dazu macht das
sowjetische System jeden Versuch seiner Bürger, es
wesentlich zu ändern, durch Terror und Unterdrückung
zunichte.
Die jungen Menschen in Westeuropa müssen erkennen, daß
sie sich, wenn sie ihre Freiheiten erhalten und sich der
Grundrechte einer demokratischen Gesellschaft erfreuen
wollen, als Teil dieses demokratischen Systems fühlen und
daher bereit sein müssen - wenn es je notwendig werden

-11-

�notwendig werden sollte - es zu verteidigen. Als Eltern,
Lehrer und Politiker haben wir auf beiden Seiten des
Atlantik die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die
demokratischen Werte, die uns im Nordatlantischen Bündnis
vereinen, von jenen begriffen und geschätzt werden, die
einmal nach uns kommen.
Wie können wir das tun? Ich kann auf eine lange
Lehrtätigkeit zurückblicken und schätze natürlich die
Vorzüge einer guten Bildung. Ich bin mir darüber im
klaren, daß wir sehr viel Besseres leisten müssen, um
unsere jungen Menschen Ethik, Geschichte, Sprachen und
politische Wissenschaften zu lehren. Das erfordert unter
anderem, daß wir uns als Eltern und Erzieher sehr viel
mehr der Unzulänglichkeiten unseres formalen
Bildungsapparates bewußt werden, vor allem in dem
Gymnasien Ihres Landes und den High Schools in den
meinigen. Die Lehrbücher, die in deutschen und
amerikanischen Schulen benutzt werden, sind oft veraltet
und tragen schon allein aus diesem Grunde dazu bei,
ernsthaft falsche Informationen über unsere jeweiligen
Länder zu vermitteln. Lehrer für Geschichte und
politische Wissenschaften haben eine besondere
Verpflichtung, objektiv und auf dem neuesten Stand zu
sein. Man kann ihnen bei der Erfüllung dieser Aufgabe
durch ein Bildungssystem helfen, das jene Lehrer ermutigt
und belohnt, die fleißig an ihrer eigenen Bildung
weiterarbeiten.
Ich kann auch auf eine lange Tätigkeit im
internationalen Finanzwesen zurückblicken. Das ist für
mich vertrauter Boden einer relativen Ordnung und
Voraussagbarkeit. Internationale Politik und Diplomatie

-12-

�und Diplomatie sind dagegen ein neues Fach für mich. Ich
betrachte es als ein Universum, das planlos von Klatsch,
Emotionen und sogar Argwohn erfüllt ist - eine Welt, in
der die Vorstellung von Tatsachen oft die Tatsachen selbst
verdunkelt. Dies, so gebe ich gerne zu, ist die Situation
in meinem Lande wie in dem Ihrigen, und ich bin mir
darüber im klaren, daß ein Botschafter alles in seinen
Kräften Stehende tun muß, um dieses Gestrüpp von Emotionen
und falschen Vorstellungen auszuräumen, das gelegentlich
das Verhältnis zwischen seiner Regierung und der Regierung
trübt, bei der er akkreditiert ist.
Wenn jedoch eine echte Verständigung zwischen zwei
Regierungen Zustandekommen soll, dann hangt das im Grunde
von der Art des Verhältnisses ab, das zwischen ihren
Völkern besteht - und nicht zwischen Außenministern oder
Botschaftern. Regierungen in demokratischen Ländern sind
immer in weitgehendem Maße Ausdruck des Denkens ihrer
Bürger und spiegeln dieses wider. Es ist daher äußerst
wichtig, daß Verbesserungen in unseren jeweiligen
Bildungssystemen durch ein weitaus größeres Netz
persönlicher Kontakte zwischen den Völkern unserer beiden
Länder ergänzt werden. Unser gemeinsames Ziel sollte es
sein, ein besseres gegenseitiges Verständnis für unsere
jeweiligen Institutionen der Arbeit und der Freizeit, für
unser Leben zu Hause und in der Gemeinde sowie für die
Hoffnungen und Ängste unserer Völker zu schaffen. Ich
kenne keinen anderen Weg, die Kameradschaft und das
Verständnis wiederherzustellen, das nach dem Zweiten
Weltkrieg zwischen Amerikanern und Deutschen existierte eine Kameradschaft, aus der die Partnerschaft unserer
Regierungen zur Förderung des Friedens und zum Schutze der
Freiheit entstand.
Was wir

-13-

�Was wir jetzt brauchen, ist eine dramatische
Ausweitung der Programme, in deren Rahmen Amerikaner für
einige Zeit in Ihrem Lande studieren, lehren oder arbeiten
können, während sich gleichzeitig Deutsche entsprechend
mit meinem Lande befassen. Um dies zu erreichen, werden
unsere Länder größere Mittel - sowohl was die aktive
Mitarbeit als auch die privaten und öffentlichen Gelder
anbelangt - für menschliche Kontakte und Austauschprogramme aufbringen müssen. Wie ich höre, gibt die
amerikanische Regierung gegenwärtig etwa 115 Millionen
Dollar pro Jahr für ihre Austauschprogramme mit anderen
Ländern aus, und nur ein kleiner Teil dieser Summe ist für
die Bundesrepublik Deutschland gedacht. Die privaten
Aufwendungen für Austauschtätigkeiten sind sehr viel
größer, aber ich bin überzeugt, daß weder die private noch
die öffentliche Finanzierung dieser lebenswichtigen
Anstrengung auch nur annähernd groß genug ist. Ich möchte
hoffen, daß in fünf Jahren der amerikanische Botschafter
in der Lage sein wird, Ihnen zu berichten, daß die Gelder,
die sein Land für Austauschprogramme mit anderen Ländern,
und vor allem mit der Bundesrepublik Deutschland,
aufbringt, sich zumindest verzehnfacht haben. Damit will
ich sagen, für wie wesentlich ich diese Austauschprogramme
für die Freiheit, Sicherheit und Prosperität der
westlichen Welt halte.
Lassen Sie mich nun speziell auf die
Austauschtätigkeiten zwischen unseren beiden Ländern
eingehen, an die ich denke. Gegenwärtig werden zahlreiche
akademische Austauschprogramme unter privaten Auspizien
durch ein gemeinsam von den Regierungen der Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland durchgeführtes

-14-

�Deutschland durchgeführtes akademisches Austauschprogramm
ergänzt. Dieses Programm entstand vor vielen Jahren, als
ein weitblickender Amerikaner, Senator J. William
Fulbright aus Arkansas, sich Sorgen um eine geistige Lücke
machte und daran ging, sie dadurch zu schließen, daß er
ein Bildungsaustauschprogramm zwischen den Vereinigten
Staaten und anderen Ländern ins Leben rief. Ziel und
Zweck dieses Programms wurden von dem Senator überzeugend
zum Ausbruck gebracht, als er einige Jahre später schrieb:
"Die vielleicht größte Kraft des Bildungsaustauschs
besteht in der Fähigkeit, aus Nationen einzelne Menschen
zu machen und Ideologien in Hoffnungen und Wünsche dieser
Menschen zu verwandeln. Ich glaube nicht, daß ein
Bildungsaustausch notwendigerweise freundschaftliche
Gefühle zwischen Völkern hervorruft, und das ist auch
keine seiner wesentlichen Zielsetzungen. Es genügt
vollständig, wenn er zum Gefühl einer gemeinsamen
Humanität beiträgt, zu einem gefühlsmäßigen Bewußtsein,
daß andere Länder nicht von Doktrinen bevölkert werden,
die wir fürchten, sondern von Menschen, die wie wir Freude
und Schmerz fühlen, Grausamkeit und Freundlichkeit, ebenso
wie die Menschen, mit denen wir in unserem eigenen Lande
aufgewachsen sind."
Das Fulbright-Austauschprogramm hat seit seiner
Einführung rund 130 000 Amerikaner und Bürger anderer
Länder in die Lage versetzt, im Ausland zu studieren, zu
lehren oder zu forschen und damit das Verständnis zwischen
den Völkern zu verbessern. Das höchst erfolgreiche
deutsch-amerikanische Bildungsaustauschprogramm ist ein
gutes Beispiel. Zu Beginn wurde es gänzlich von den
Vereinigten Staaten finanziert, aber mit der Zeit
überzeugte seine Nützlichkeit die deutsche Bundesregierung

-15-

�deutsche Bundesregierung so sehr, daß sie jetzt fast
Dreiviertel der jährlichen Gesamtkosten trägt. Dieses so
sinnvolle Programm verdient auch von meiner Regierung
verstärkte Unterstützung, und ich freue mich, Ihnen
berichten zu können, daß diese Auffassung heute in
Washington weitgehend geteilt wird.
Auch für ein stark ausgeweitetes Jugendaustauschprogramm besteht eine vitale Notwendigkeit. Wenn man von
der künftigen Führung unserer Gesellschaften Qualität
erwartet, dann ist es ganz offensichtlich wichtig, in
einem frühen Stadium ihrer geistigen Entwicklung einen
vernünftigen Dialog zwischen jungen Menschen zu fördern.
Die Einstellungen in unseren beiden Gesellschaften werden
oft geformt, bevor die jungen Menschen an die
Universitäten gehen oder ins Arbeitsleben eintreten. Aus
diesem Grunde wäre es besonders nützlich, den Teenagern,
also jungen Menschen zwischen 16 und 19 Jahren etwa,
größere Möglichkeiten zu bieten, eine Zeit im Partnerland
zu verbringen. Ich denke an Aufenthalte, die lang genug
wären, um Jugendlichen zu ermöglichen, zur Schule zu
gehen, in einer Privatfamilie zu leben und am
Gemeindeleben im anderen Land teilzunehmen. Ein junger
Mensch, der vielleicht ein Jahr in der Schule des
Partnerlandes verbracht hat, hat eine echte Chance, die
Gesellschaft dieses Landes kennenzulernen und zu
verstehen. Diese Erfahrung und dieses Wissen werden ihm
oder ihr ein Leben lang bleiben. Ich erwarte nicht, daß
alle Jugendlichen von ihrem Partnerland begeistert sein
werden, aber ihre Zweifel oder Kritik werden zumindest
durch einiges Wissen aus erster Hand geformt werden.
Präsident Reagan

-16-

�Präsident Reagan hat kürzlich eine internationale
Jugendinitiative verkündet, die sich auf diese besondere
Notwendigkeit mit dem Weitblick und der Verpflichtung
konzentriert, die kennzeichnend war für den Vorschlag von
Senator Fulbright, damals im Jahr 1948. Die Parlamente
unserer beiden Länder - der Bundestag und der
amerikanische Kongreß - haben keine Zeit verloren, um das
Prinzip der Ausweitung des Jugendaustauschs zu billigen,
und unsere beiden Regierungen arbeiten bereits daran, die
parlamentarischen Beschlüsse in die Praxis umzusetzen. So
wird beispielsweise gegenwärtig ein Plan ausgearbeitet,
nach dem jedes Mitglied des Bundestages und jedes Mitglied
des amerikanischen Kongresses die Möglichkeit haben wird,
einen Teenager aus seinem oder ihrem Wahlbezirk dafür
vorzuschlagen, ein Schuljahr im Partnerland zu
verbringen. Dieses Projekt könnte im übrigen unsere
gewählten politischen Vertreter anregen, sich persönlich
um Austauschtätigkeiten zu kümmern, wodurch Verfahren
geschaffen würden, die unseren beiden Demokratien in der
nächsten Generation zum Segen gereichen dürften. Aber
nicht nur das. Es ist immer wieder festgestellt worden,
daß die Bande der Freundschaft, die von Jugendlichen,
welche an einem Austauschprogramm teilgenommen haben, mit
ihren Gastfamilien geknüpft wurden, über ihre eigenen
Eltern, Verwandte und Mitschüler noch weiter verstärkt
wurden. Es ist genau dieser Nährboden der menschlichen
Kontakte, den wir brauchen, um den herzlichen Geist der
Partnerschaft wiederherzustellen, der Ende der vierziger
und in den fünfziger Jahren zwischen unseren beiden
Völkern bestand.
Eine weitere

-17-

�Eine weitere Austauschtätigkeit, die reiche Ernte der
Verständigung bringen könnte, würde junge Deutsche und
Amerikaner betreffen, die bereits in Industrie oder
Landwirtschaft, als Journalisten oder Kleriker, als Lehrer
oder Beamte und Gewerkschafter in den Arbeitsprozeß
eingetreten sind. Auch sie werden eines Tages eine Rolle,
ja vielleicht sogar eine wichtige Rolle, in der Führung
unserer jeweiligen Gesellschaften spielen, und einige von
ihnen sollten die Möglichkeit bekommen, ihre
Lebensperspektive zu erweitern, indem sie eine Zeit lang
in einem anderen Lande arbeiten. Ich freue mich,
berichten zu können, daß wir in den Vereinigten Staaten
auf einen Vorschlag der deutschen Bundesregierung hin
damit begonnen haben, bei den Mitteln und Wegen der
Zusammenarbeit mit Ihrem Lande zu prüfen, ob nicht auch
die im Arbeitsprozeß stehenden Jugendlichen in die
erweiterte Austauschtätigkeit zwischen unseren Völkern
einbezogen werden können, wie dies jetzt ins Auge gefaßt
wird - eine Austauschtätigkeit, die unsere Familien,
Schulen, Universitäten, Kirchen und Berufe einschließen
sollte. Nur wenn wir die menschlichen Beziehungen
zwischen unseren Völkern stärken, können wir unsere
gemeinsamen Werte aufrechterhalten.
Erlauben Sie mir, daß ich zum Abschluß dieser
Darlegungen meine Botschaft an Sie noch einmal
zusammenfasse. Wirksame politische, wirtschaftliche und
sicherheitspolitische Interaktion zwischen den Vereinigten
Staaten und der Bundesrepublik Deutschland ruht auf einem
Fundament menschlicher Beziehungen zwischen den Menschen
Ihres Landes und des meinigen. Unsere Bürger haben Werte
gemeinsam, in deren Mitte die persönliche Freiheit, die

-18-

�Freiheit, die Freiheit der Wahl und die Herrschaft des
Rechts stehen - Werte, die sich über einen Zeitraum von
drei Jahrhunderten entwickelt haben. Diese Werte müssen
von unseren Bürgern begriffen und akzeptiert werden, wenn
unsere politischen, wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Bindungen erhalten bleiben sollen.
Um diese Werte zu begreifen und zu schätzen, müssen unsere
Bürger einander und die Gesellschaft des jeweils anderen
begreifen. Um das zu erreichen, müssen wir unsere Schulen
verbessern und den Austausch unserer jungen Menschen
verstärken. Unsere beiden Länder sind voll und ganz in
der Lage, die Mittel für eine vielfältige Verstärkung des
Jugendaustausches bereitzustellen und damit zu vermeiden,
zu spät zu wenig zu tun. Das sind wir uns selbst schuldig,
und das sind wir all jenen gegenüber schuldig, die nach
uns kommen werden.
Der beste Weg - ja der einzige Weg - zum
internationalen Frieden führt, wie Präsident Reagan
kürzlich erklärt hat, "über die Verständigung unter
Nationen und Völkern." Ich wage zu behaupten, daß das
gleiche für die Erhaltung unserer westlichen Zivilisation
gilt.

-19-

�12

16. März 1983

REAGAN: SIEG DER DEMOKRATIE IN EL SALVADOR OBERSTES ZIEL
- Rede des US-Präsidenten vom 10. März 1983 -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem amerikanischen Herstellerverband unterstrich Präsident Reagan am 10. März 1983 die große Bedeutung Mittelamerikas - so fließt die Hälfte des amerikanischen Außenhandels entweder
durch den Panamakanal oder über andere Seewege der Karibik - und ersuchte
den amerikanischen Kongreß um 130 Millionen Dollar an Sicherheits- sowie um
168 Millionen Dollar an Wirtschaftshilfe.
Der vorbereitete Text der Rede hat folgenden Wortlaut:
Sie wissen, daß wir nicht gerade zu einem idealen Zeitpunkt nach Washington
gekommen sind und daß wir sicherlich auch unsere Probleme hatten.
Zeichen des Wiederaufschwungs machen sich liberall bemerkbar.

Aber die

Die Tatsache

läßt sich nicht bestreiten, daß Amerika doch endlich auf dem Weg der Besserung ist - und der Mut und Weitblick der Menschen und der Institutionen, die
heute hier vertreten sind, verdienen einen großen Teil der Anerkennung für
diese Wiederbelebung, die schwer erkämpft und inflationsfrei ist. Deshalb sage

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Deshalb sage ich Ihnen Dank im Namen all Ihrer Mitbürger, die nunmehr befreit sind von den Übeln einer galoppierenden Inflation und die jetzt auf
eine bessere Zukunft und auf neue Möglichkeiten blicken können.
Amerika stellt sich ohne Frage zuhause seinen Herausforderungen.

Aber

es gibt auch noch andere Herausforderungen, die von gleicher Bedeutung sind,
und denen wir uns gleichfalls stellen müssen.

Und ich möchte zu Ihnen über

eine davon sprechen.
Ende vorigen Jahres besuchte ich Mittelamerika.

Vor ein paar Wochen

reiste Jeane Kirkpatrick, unsere Botschafterin bei den Vereinten Nationen,
ebenfalls durch dieses Gebiet.

Und in den letzten Tagen bin ich mit führenden

Mitgliedern des Kongresses zusammengetroffen, um die jüngsten Ereignisse in
Mittelamerika und unsere Politik hinsichtlich dieses leidgeprüften Teils der
Welt zu besprechen.

Ich möchte Ihnen deshalb heute über diese Konsultationen

berichten und darlegen, warum sie für uns alle so wichtig sind.
Die Staaten Mittelamerikas gehören zu unseren engsten Nachbarn.

So

liegt beispielsweise El Salvador näher an Texas als Texas an Massachusetts.
Mittelamerika ist ganz einfach zu nahe,und es geht für uns in strategischer
Hinsicht um viel zu viel, als daß wir die Gefahr ignorieren könnten, daß
dort Regierungen die Macht ergreifen, die ideologische und militärische Verbindungen zur Sowjetunion haben.
Lassen Sie mich Ihnen sagen, wie wichtig Mittelamerika ist.
An der Basis Mittelamerikas liegt der Panamakanal. Die Hälfte des Außenhandels der Vereinigten Staaten geht auf seinem Weg von oder zu unseren Häfen
entweder durch diesen Kanal oder über andere karibische Seewege.
Im Norden davon liegt Mexiko, ein Land von gewaltigem Potential an Menschen und Material, ein Land, mit dem wir 1800 Meilen gemeinsamer, friedlicher
Grenze haben.
Zwischen Mexiko
- 2 -

�Zwischen Mexiko und dem Kanal liegt Mittelamerika. Während ich heute zu
Ihnen spreche, befinden sich die dortigen Staaten inmitten der ernstesten
Krise ihrer Geschichte.

Die aufgestauten Mißstände sowie sozialer und wirt-

schaftlicher Wandel stellen eine Herausforderung des überlieferten dar.
Neue Führer mit neuen Zielen sind aufgetreten, die für ihre Völker ein neues
und besseres Leben wollen.

Das ist gut.

Das Problem besteht darin, daß eine aggressive Minderheit sich auf Gedeih und Verderb mit den Kommunisten verbündet hat und nach den Sowjets und
deren kubanischen Handlangern schaut, damit diese ihnen dabei helfen, politischen Wandel durch Gewalt zu erreichen.
worden.

Nicaragua ist zu ihrer Basis ge-

Diese Extremisten machen kein Geheimnis aus ihren Zielen.

digen die Doktrin einer "Revolution ohne Grenzen".

Sie pre-

Ihr erstes Ziel ist

El Salvador.
Warum ist El Salvador wichtig?

Nun, man muß zuerst ganz einfach die

menschliche Tragödie sehen. Tausende sind bereits umgekommen, und wenn der
Konflikt nicht auf demokratische Weise zu einem Ende kommt, könnten noch Millionen weiterer Menschen in der ganzen Hemisphäre betroffen sein.
von El Salvador hat bewiesen, daß es die Demokratie will.

Das Volk

Aber wenn die Ge-

walt der Guerilla obsiegt, wird es die Demokratie nicht bekommen.

El Salvador

wird zusammen mit Kuba und Nicaragua zu einer Basis werden, von der aus sich
neue Gewalt in Guatemala, Honduras, sogar in Costa Rica ausbreiten wird.

Das

Morden wird zunehmen - genau wie die Bedrohung Panamas, des Kanals und schließlich Mexikos.

Dabei werden viele Männer, Frauen und Kinder ihr Heim verlie-

ren, ihre Heimat und ihr Leben.

Daß wir uns nicht mißverstehen: Wir wollen

dasselbe, was die Menschen in Mittelamerika wollen - ein Ende des Tötens.
Wir wollen, daß die Freiheit dort erhalten bleibt, wo es sie jetzt gibt,
und daß sie dort ersteht, wo es sie nicht gibt.

Der kommunistische Plan da-

gegen beabsichtigt, das Leiden der Menschen in Mittelamerika auszunützen, um
das Herz der westlichen Hemisphäre zu treffen.

Durch Verhinderung von Re-

form und durch Einführung ihrer eigenen Art von Totalitarismus können sie die
Freiheit und den Frieden bedrohen und unsere nationale Sicherheit schwächen.
Ich weiß,

�Ich weiß, daß viele Leute fragen, warum wir uns Sorgen machen sollten,
ob in Nicaragua, El Salvador oder den anderen Ländern wie Costa Rica, Honduras,
Guatemala und den Inseln der Karibik kommunistische Regierungen an die Macht
kommen.

Vorige Woche argumentierte ein Kolumnist, wir sollten uns keine Sor-

ge machen, denn die dortigen Produkte seien für unsere Wirtschaft doch gar
nicht so bedeutsam.
Das ähnelt dem Argument eines anderen sogenannten Experten, wonach wir
uns keine Sorgen darüber machen sollten, daß Castro die Kontrolle über die
Insel Grenada erhält - ihr einziges wichtiges Produkt sei doch nur die Muskatnuß.
Leute mit solchen Argumenten haben in letzter Zeit nicht mehr richtig
auf die Landkarte gesehen und auch nicht die außergewöhnliche Aufrüstung der
sowjetischen und kubanischen Militärmacht in der Region verfolgt oder die
Diskussionen der Sowjets darüber gelesen, warum die Region für sie wichtig
ist und wie sie sie zu nützen beabsichtigen.
Mittelamerika nicht um Muskatnuß.

Es geht in der Karibik und in

Es geht um die nationale Sicherheit der

Vereinigten Staaten.
Die sowjetischen Militärtheoretiker wollen unsere Fähigkeit zerschlagen,
Westeuropa im Krisenfall zu versorgen. Sie wollen unsere Aufmerksamkeit und
unsere Streitkräfte an unsere eigene Südgrenze fesseln und dadurch unsere
Kapazität begrenzen, an entfernter gelegenen Schauplätzen wie Europa, dem
Persischen Golf, dem Indischen Ozean und dem Japanischen Meer zu handeln.
Jene sowjetischen Theoretiker haben bemerkt, was wir nicht bemerkt
haben - daß die Karibik und Mittelamerika die vierte Grenze unseres Landes
bilden. Wenn wir uns selbst gegen eine große, feindliche Militärpräsenz an
unserer Grenze verteidigen müssen, wird unsere Handlungsfreiheit andernorts,
unsere Fähigkeit, anderen zu helfen, sowie strategisch lebenswichtige Seewege und Ressourcen zu schützen, drastisch verringert.
Das wissen

�Das wissen sie.

Und sie haben darüber geschrieben.

Wir haben lange gebraucht, um zu begreifen, daß die Verteidigung der
Karibik und Mittelamerikas gegen eine marxistisch-leninistische Einvernahme
für unsere nationale Sicherheit auf eine Weise lebenswichtig ist, wie wir
bisher nicht zu denken gewohnt waren. Während der letzten drei Jahre haben
die Vereinigten Staaten unter zwei Präsidenten Anstrengungen unternommen,
den Vormarsch des Kommunismus in Mittelamerika dadurch aufzuhalten, daß sie
das taten, was wir am besten können - sie unterstützen die Demokratie. Drei
Jahre lang bestand unser Ziel darin, den grundlegenden Wandel in der Region
zu unterstützen - Armut durch Entwicklung zu ersetzen, Diktatur durch Demokratie.
Diese Ziele sind nicht leicht zu erreichen, aber wir sind auf dem rechten
Weg. Costa Rica gibt - selbst inmitten einer wirtschaftlichen Krise und angesichts nicaraguanischer Einschüchterung - auch weiterhin ein demokratisches
Beispiel. In Honduras wurde die Militärherrschaft durch eine freigewählte
Zivilregierung abgelöst. Trotz unglaublicher Hindernisse hält sich die demokratische Mitte in El Salvador, verwirklicht die Landreform und arbeitet
daran, eine Politik des Todes durch eine lebendige Demokratie zu ersetzen.
Die gute Nachricht ist also, daß unsere neue Politik Wirkung zeigt. Die
überwältigende Mehrheit der Mittelamerikaner hat eine eindeutige Wahl getroffen - für freie Wahlen, freie Gewerkschaften, Religionsfreiheit und Achtung
vor der Unversehrtheit des einzelnen. Tatsächlich möchte niemand außer Kuba
und seinen Anhängern eine Machtergreifung der Guerilla in El Salvador - weder
eine der Regierungen noch irgendein bedeutender Sektor der Öffentlichkeit in
dieser Hemisphäre.
Die schlechte Nachricht ist, daß der Kampf um die Demokratie noch lange
nicht vorüber ist.
Trotz der Erfolge, die es dabei gab, den politischen Einfluß der Guerilla
in den Bevölkerungszentren zu einem großen Teil auszuschalten, und trotz einiger
- 5 -

�trotz einiger Verbesserung bei der Bewaffnung und der Mobilität des Militärs,
bleibt das Volk von El Salvador auch weiterhin unter dem starken Druck der
bewaffneten Guerilla, die von Extremisten kontrolliert wird, die kubanischsowjetisch beeinflußt sind.
i

Die militärischen Kapazitäten dieser Guerilla - und ich möchte "militärische Kapazitäten" betonen, denn es handelt sich hier nicht um ländliche
Aufständische, sondern um ausgebildete Streitkräfte - haben verhindert, daß
der politische und wirtschaftliche Fortschritt in den Frieden übergeht, den
das Volk von El Salvador so offenkundig wünscht.
El Salvador ist interner Natur.

Ein Teil des Problems in

Aber ein wichtiger Teil ist externer Natur:

Die Verfügbarkeit über Ausbildung, taktische Lenkung und militärische Versorgung, die über das marxistische Nicaragua nach El Salvador gelangt.
Ich bin sicher, Sie haben in der Presse darüber gelesen, daß die Guerilla
Gewehre von Einheiten der Regierungstruppen raubt; das ist kürzlich geschehen.
Aber für Guerillaoperationen viel entscheidender sind die Versorgung und die
Munition, die über Land. Meer und Luft nach El Salvador gelangen - mittels
Lastesel, mit kleinen Booten, in kleinen Flugzeugen.

Ober diese Versorgungs-

wege wird die Offensive der Guerilla angeheizt und die Oberzeugung ihrer extremistischen Führung am Leben erhalten, daß die Macht letztlich aus ihren
Gewehrläufen käme.
All dies geschieht nun in El Salvador zu einem Zeitpunkt, da eine Verfassung geschrieben wird, offene Präsidentschaftswahlen vorbereitet werden
und eine in der vorigen Woche ernannte Friedenskommission damit beginnt, auf
Amnestie und nationale Versöhnung hinzuarbeiten, damit alle sozialen und politischen Gruppen in den demokratischen Prozeß einbezogen werden. Es sind die
Militanten der Guerilla, die sich bislang geweigert haben, zu demokratischen
Mitteln zu greifen, die die Stimme des Volkes von El Salvador ignorieren und
zu Terror, Sabotage und Kugeln greifen, anstatt an die Wahlurne zu gehen.
Während der vorigen Woche haben wir all diese Fragen und vieles mehr mit
der Führung und den Mitgliedern des Kongresses besprochen. Ihre Ansichten
haben zu unserer eigenen Bewußtseinsbildung beigetragen, und ich glaube, wir

�glaube, wir haben einen gemeinsamen Kurs entworfen, dem wir folgen können.
Hier sind einige der Fragen, die am häufigsten aufgeworfen wurden:
Erstens, wie schlecht ist die militärische Situation?
gut.

Sie ist nicht

Die salvadorianischen Soldaten haben bewiesen, daß sie das Volk vor

Guerillaangriffen schützen können, wenn sie gut ausgebildet, geführt und
ausgerüstet sind.

Aber bislang konnten amerikanische Ausbilder nur jeden

zehnten Soldaten ausbilden.

Es herrscht Mangel an erfahrenen Offizieren;

die Versorgung ist unsicher.
macht.

Die Guerilla hat sich diese Mängel zunutze ge-

Zumindest im Moment hat sie die taktische Initiative ergriffen - ge-

rade in einem Augenblick, da die eng begrenzten Mittel, die der Kongreß bislang gebilligt hat, auslaufen.
Eine zweite entscheidende Frage lautet: Werden wir amerikanische Soldaten in den Kampf schicken? Die Antwort ist ein klares Nein.
Eine dritte Frage:

Werden wir den Krieg mit vielen amerikanischen Kampf-

beratern amerikanisieren?

Wieder ist die Antwort nein.

Nur Salvadorianer

führen diesen Kampf, genau wie nur die Salvadorianer über die Zukunft El
Salvadors entscheiden können.

Was wir tun können, ist, dabei behilflich

zu sein, sie mit den Fähigkeiten und dem Material auszustatten, die sie benötigen, um die Arbeit selbst zu machen.
das zum größten Teil:

Ausbildung.

Militärisch gesprochen, bedeutet

Ohne selbst eine Rolle im Kampf zu spie-

len und ohne salvadorianische Einheiten in den Kampf zu begleiten, können
die amerikanischen Spezialisten der salvadorianischen Armee dabei helfen, deren

Operationen zu verbessern.

Während des vorigen Jahres haben wir trotz

der offenkundigen Notwendigkeit für mehr Ausbildung unsere Ausbildungsaktivitäten peinlich genau ein gutes Stück unter dem selbstauferlegten Limit,
was die Anzahl der Ausbilder anbelangt, gehalten.

Wir überprüfen derzeit,

was wir tun können, um die Ausbildung zu bieten, die so wirkungsvoll ist
wie nur möglich, um die Mindestzahl an benötigten Ausbildern festzulegen
und um herauszufinden, wo diese Ausbildung am besten erfolgen sollte.

Wir

sind der Meinung, daß es das Beste wäre, diese Ausbildung außerhalb von
El Salvador anzubieten - in den Vereinigten Staaten oder andernorts, aber das
- 7 -

�aber das bedeutet weit höhere Kosten.

Daher wird die Anzahl der amerika-

nischen Ausbilder in El Salvador von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhängen.
Frage vier:
an?

Streben wir eine politische oder eine militärische Lösung

Trotz allem, was ich und andere gesagt haben, scheinen manche Leute noch

immer zu denken, unser Ersuchen um Sicherheitshilfe bedeute, daß wir uns lediglich um eine militärische Lösung bemühen.

Das ist Unsinn.

Geschosse sind

keine Antwort auf wirtschaftliche Ungleichheit, auf soziale Spannungen oder
politische Meinungsverschiedenheiten.

Die Demokratie ist die Antwort.

Was

wir wollen,ist, die Salvadorianer in die Lage zu versetzen, das Töten und
die Sabotage zu beenden, damit die wirtschaftlichen und politischen Reformen
Wurzeln schlagen können.

Eine wirkliche Lösung kann nur politischer Natur sein.

Diese Tatsache führt unmittelbar zu einer fünften Frage: Warum kein
Ende des Tötens und dafür ein Beginn von Gesprächen? Warum keine Verhandlungen? Nun, Verhandlungen sind bereits wesentlicher Bestandteil unserer Politik. Wir unterstützen Verhandlungen zwischen allen Staaten der Region zur
Stärkung der Demokratie, zur Beendigung der Subversion, zur Eindämmung des
Waffenzustroms, zur Achtung der Grenzen und zum Abzug aller ausländischen
Militärberater - der sowjetischen, der kubanischen, der ostdeutschen, derjenigen der PLO sowie unserer eigenen - aus der Region. Es entwickelt sich derzeit eine regionale Friedensinitiative. Wir sind in engem Kontakt mit ihren
Befürwortern,und wir wünschen ihren Erfolg. Außerdem unterstützen wir Verhandlungen zwischen den Staaten, die auf eine verstärkte Beteiligung an den
demokratischen Institutionen abzielen - den Versuch, alle Parteien zu einer
Beteiligung an freien und gewaltfreien Wahlen zu veranlassen.
Wogegen wir uns stellen, sind Verhandlungen, die lediglich als zynisches
Mittel dafür benutzt werden, die Macht hinter dem Rücken des Volkes aufzuteilen.

Wir können keine Verhandlungen unterstützen, die versuchen, die De-

mokratie zu zerstören, anstatt sie zu kräftigen - Verhandlungen, die die
Macht ohne die Zustimmung des Volkes von El Salvador unter bewaffneten Gruppierungen aufteilen würden.

Wir begingen diesen Fehler vor einigen Jahren in

Laos, als wir die laotische Regierung darauf drängten, in eine Partnerschaft
- 8 -

�eine Partnerschaft mit den Pathet Lao einzutreten - einer bewaffneten Guerilla, die damals genau das tat, was die Guerilla jetzt in El Salvador tut. Sie
ruhte nicht, bis sie die totale Kontrolle der Regierung von Laos übernommen
hatte.

Die Abertausenden von Salvadorianern, die bei der Wahl im vorigen Jahr

ihr Leben riskierten, sollten nicht erleben, wie ihre Wahlzettel dieses Jahr
in den Mülleimer wandern, indem man zuläßt, daß eine winzige Minderheit am
Rande eines weiten und vielfältigen politischen Spektrums sich ihren Weg an
die Macht freischießt. Nein, der einzig legitime Weg zur Macht, der einzige
Weg, den wir unterstützen können, ist der über die Wahlurne, damit das Volk
seine eigene Wahl treffen kann, daß es, wie Seine Heiligkeit der Papst an
diesem Sonntag sagte, wählen kann "weg vom Terror und in einem Klima demokratischer Geselligkeit".

Das ist eine grundlegende Sache, und es ist eine

moralische sowie auch eine praktische Überzeugung, die von allen freien Menschen der beiden Amerikas geteilt wird.
Lassen Sie mich nunmehr, nach Konsultation mit dem Kongreß, mitteilen,
wo wir jetzt stehen und was wir in den kommenden Tagen tun wollen.

Wir werden

einen umfassenden, vollständigen Plan für Wirtschafts- und Militärhilfe für
Mittelamerika vorlegen.
Erstens werden wir die bei der Militärhilfe bestehende Lücke schließen.
Unsere Berechnungen für den Betrag an Militärhilfe, der für El Salvador notwendig ist, sind über die letzten zwei Jahre hinweg relativ stabil geblieben.
Jedoch führt die überbrückung des (noch nicht verabschiedeten) Haushalts im
Kongreß vom Dezember vorigen Jahres dazu, daß die amerikanische Sicherheitshilfe für El Salvador für das Jahr 1983 unter dem Betrag blieb, den wir beantragt hatten, und auch unter dem, was wir 1982 zur Verfügung hatten,sowie
unter dem, was wir für 1984 angefordert haben.

Ich schlage daher vor, daß

60 Millionen Dollar der Gelder, die bereits für unsere weltweiten Militärhilfeprogramme bewilligt sind, sofort für El Salvador zur Verfügung gestellt
werden.

Um jene Art von disziplinierter, ausgebildeter Armee aufzubauen, die

die Initiative ergreifen und aufrechterhalten kann - und gleichzeitig die
Rechte des Volkes respektiert -, werde ich außerdem meine derzeit dem Kongreß
vorliegende zusätzliche Forderung dadurch abändern, daß ich noch zusätzliche
- 9 -

�noch zusätzliche 50 Millionen Dollar für El Salvador anweise.
Diese Mittel werden angefordert, ohne daß der Gesamtbetrag der dem
Kongreß bereits unterbreiteten Ergängzungsvorlage erhöht wird.

Und wie ich

bereits gesagt habe, bleibt der Kernpunkt der Unterstützung weiterhin die
Ausbildung von Salvadorianern, damit sie sich selbst verteidigen können.
Weil die Sicherheitsprobleme El Salvadors in dieser Region nicht allein
dastehen, werde ich ferner um zusätzliche 20 Millionen Dollar an regionaler
Sicherheitshilfe ersuchen.

Diese Mittel sollen verwendet werden, um Staaten

in der Nachbarschaft bei der Wahrung ihrer nationalen Sicherheit zu unterstützen, und sie unterliegen natürlich einer umfassenden Überprüfung durch
den Kongreß.
Zweitens werden wir uns mit allem Nachdruck für die Unterstützung von
Reformen, der Menschenrechte und der Demokratie in El Salvador einsetzen.
Am vergangenen Donnerstag hat die Regierung von El Salvador das Landreformprogramm erweitert, in dessen Rahmen bereits 20 Prozent des bebaubaren Landes
verteilt worden und über 65 000 Landarbeiter zu Landbesitzern geworden sind.
Man bittet uns um unsere anhaltende wirtschaftliche Unterstützung, während
das Programm abgeschlossen wird. Wir werden diese Unterstützung gewähren.
Wir erwarten, daß mit unserer Hilfe der ständige Fortschritt in Richtung auf
eine gerechte Verteilung des Wohlstandes und der Macht in El Salvador andauern wird.
Drittens werden wir uns - ich wiederhole das - für die Menschenrechte
einsetzen. Der Fortschritt auf diesem Gebiet war bisher langsam und manchmal enttäuschend. Menschenrechte bedeuten aber, daß man die Probleme anpackt,
nicht ihnen ausweicht. Um größere Fortschritte zu erzielen, müssen wir weiterhin unsere Unterstützung und unseren Rat für die Bevölkerung und die demokratischen Führer El Salvadors gewähren. Gesetzesbrecher müssen zur Verantwortung gezogen werden, und die Herrschaft des Rechts muß bei der Lösung von
Streitfällen an die Stelle der Gewalt treten. Der Schlüssel zur Beendigung
von Menschenrechtsverletzungen ist die Schaffung einer stabilen und arbeitsfähigen Demokratie. Demokratien sind ihren Bürgern verantwortlich. Und wenn
- 10 -

�Und wenn in einer Demokratie Mißbräuche vorkommen, dann können sie nicht
verschleiert werden.

Wir erwarten, daß die Regierung mit unserer Unter-

stützung in der Lage sein wird, Fortschritte bei der Belangung von Schuldigen sowie beim Aufbau eines Strafrechtssystems zu erzielen, das auf alle angewendet wird und letztlich den gewählten Vertretern des Volkes verantwortlich ist.
Viertens schlägt die Regierung von El Salvador vor, ihre Probleme auf
die einzige Weise zu lösen, auf die sie gerecht gelöst werden können, nämlich dadurch, daß das Volk entscheidet.

Präsident Magana hat gerade landes-

weite Wahlen für dieses Jahr angekündigt und alle - Gegner wie Freunde - aufgefordert, sich daran zu beteiligen.

Um politischen Gegnern bei der Betei-

ligung an diesen Wahlen zu helfen, hat er eine Friedenskommission eingesetzt,
der auch ein römisch katholischer Bischof sowie zwei Unabhängige angehören.
Und er hat die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sowie die internationale Gemeinschaft aufgerufen, zu helfen.

Wir waren sehr erfreut, daß

wir zusammen mit anderen demokratischen Ländern als Beobachter an den Wahlen
für eine Verfassungsgebende Versammlung im März vorigen Jahres teilnehmen
konnten.

Wir wären in gleicher Weise erfreut, wenn wir erneut zu jedem inter-

nationalen Bemühen - vielleicht in Verbindung mit der OAS - beitragen könnten, der Regierung bei der Sicherstellung einer möglichst breiten Beteiligung an den bevorstehenden Wahlen zu helfen - mit Garantien dafür, daß alle
Beteiligten, auch Kritiker und Gegner, vollen Schutz genießen.
Lassen Sie mich ein paar Worte zu den Wahlen vom März vorigen Jahres
sagen.

Mit Hilfe einer weltweiten Propagandakampagne wurde die Guerilla

über ein Jahr lang als irgendwie repräsentativ für die Menschen in El Salvador
dargestellt.

Immer und immer wieder sagte man uns, daß die Regierung das Volk

unterdrücke.
Dann kamen die Wahlen, und plötzlich war es die Guerilla, die jeden mit
dem Tode bedrohte, der wählen wollte,

über 200 Busse und Lastkraftwagen

wurden angegriffen, um die Wähler vom Gang an die Urnen abzuhalten.

Aber

sie gingen trotzdem, sie legten oft große Entfernungen zurück und warteten
- 11 -

�und warteten stundenlang vor den Wahllokalen; mehr als 80 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab.

Ich glaube nicht, daß wir hier in den

Vereinigten Staaten, wo eine Abstimmung so leicht ist, im letzten halben
Jahrhundert jemals eine solche Wahlbeteiligung erlebt haben.

Sie wählten

die gegenwärtige Regierung , und sie gaben ihre Stimme für Ordnung, Frieden
und die Herrschaft der Demokratie ab.
Und schließlich müssen wir weiterhin dem Volk von El Salvador und dem
übrigen Mittelamerika sowie der Karibik bei der Erreichung wirtschaftlichen
Fortschritts helfen,

über 75 Prozent unserer Hilfe für diese Region erfolgt

auf dem wirtschaftlichen Sektor.

Weil die wirtschaftliche Entwicklung für

dieses Gebiet so wichtig ist, werde ich den Kongreß um 65 Millionen Dollar
an neuen Mitteln sowie um die Umprogrammierung von 103 Millionen Dollar an
bereits bewilligten Geldern als verstärkte Wirtschaftshilfe für Mittelamerika
ersuchen.

Und um sicherzustellen, daß diese Hilfe so produktiv wie möglich

ist, werde ich weiterhin mit dem Kongreß dafür arbeiten, daß die langfristigen
Möglichkeiten für Handel und freie Maßnahmen schnellstens verwirklicht werden,
die die Initiative für das Karibische Becken beinhaltet.

In El Salvador und

im übrigen Lateinamerika gibt es heute Tausende von kleinen Geschäftsleuten,
Bauern und Arbeitern, die ihre Produktivität und ihre geistigen Kräfte aufrechterhalten haben angesichts persönlicher Gefahr, der Sabotage durch die
Guerilla und ungünstiger wirtschaftlicher Bedingungen.

An ihrer Seite stehen

unzählige nationale und örtliche Repräsentanten, militärische und zivile Persönlichkeiten und Priester, die sich weigern, auf die Demokratie zu verzichten.

Ihr Kampf um eine bessere Zukunft verdient unsere Unterstützung.

Wir

sollten stolz sein, dies anbieten zu können, denn letztlich kämpfen wir auch
für uns.
Wenn wir verantwortungsbewußt handeln und kurzsichtige Maßnahmen vermeiden, können wir sowohl loyal sein gegenüber unseren Freunden als auch ehrlich gegenüber unseren demokratischen Prinzipien. Der Charakter einer Nation
wird an ihren Beziehungen zu ihren Nachbarn gemessen. Wir brauchen starke
und stabile Nachbarn, mit denen wir zusammenarbeiten können. Und wir werden
sie nicht im Stich lassen.
Unsere Nachbarn
- 12 -

�Unsere Nachbarn riskieren Kopf und Kragen, um ihr Leben zu verbessern,
ihren Boden ertragsfähiger zu machen und die Demokratie aufzubauen.

Alles,

um das sie uns bitten, ist unsere Unterstützung und unser Verständnis angesichts gefährlicher und bewaffneter Feinde der Demokratie.

Und sie bitten

uns darum, daß unsere Hilfe so beharrlich ist wie ihre eigene Verpflichtung
und ihr eigener Einsatz. All dies wird nicht funktionieren, wenn wir ermüden
oder in unserer Unterstützung nachlassen.

Ich glaube nicht, daß das amerika-

nische Volk dies will, und dies ist auch nicht, was unsere Traditionen oder
unser Glaube erfordern.

Der Kampf unserer Nachbarn um eine bessere Zukunft

verdient unsere Unterstützung, und wir sollten wirklich stolz sein, dies anbieten zu können.
Wir würden tatsächlich eine Zweibahnstraße eröffnen.

Wir sind uns nie-

mals völlig über das große Potential dieser westlichen Hemisphäre im klaren
gewesen.

Ja, ich weiß, daß wir in der Vergangenheit über Pläne gesprochen

haben, die unsere Nachbarn im Süden betrafen, aber dies war unser Plan, den
wir ihnen auferlegen würden - der große Koloß aus dem Norden.
Auf meiner Reise nach Mittel- und Südamerika habe ich um Ideen und Vorstellungen der dortigen Menschen gebeten.
Erbe hingewiesen.

Ich habe auf unser gemeinsames

Wir seien alle als Pioniere zu diesen beiden großen

Kontinenten gekommen.

Wir beteten zu demselben Gott, und wir hätten länger

miteinander in Frieden gelebt als die meisten Menschen in anderen Teilen der
Welt.
Es gibt über 600 Millionen Menschen, die sich Amerikaner nennen - Nord-,
Mittel- und Südamerikaner. Wir haben noch nicht einmal begonnen, die riesigen Ressourcen dieser beiden Kontinente zu erschließen.
Ohne unsere Souveränität, unsere Kultur und unseren Stolz zu opfern,
könnten wir als Nachbarn diese westliche Hemisphäre - unsere Hemisphäre zu einer Kraft des Guten machen, wie sie die Alte Welt niemals gesehen hat.
Aber alles
- 13 -

�Aber alles beginnt mit dem Wort: Nachbar.
Am vorigen Sonntag hat Papst Johannes Paul II dafür gebetet, daß die von
Präsident Magana angekündigten Maßnahmen zu einem "ordnungsgemäßen und friedlichen Fortschritt" in El Salvador beitragen würden - zu einem Fortschritt,
"der sich auf die Achtung der Rechte aller gründet, und daß alle die Möglichkeit haben, in einem Klima echter Demokratie zur Förderung des gemeinsamen
Guten zusammenzuarbeiten."
Meine amerikanischen Mitbürger, wir in den Vereinigten Staaten schließen
uns diesem Gebet für Demokratie und Frieden in El Salvador an, und wir bringen
unsere moralische und materielle Unterstützung ein, um dem salvadorianischen
Volk bei der Verwirklichung einer gerechteren und friedlicheren Zukunft zu
helfen. Und indem wir das tun, stehen wir sowohl für die höchsten Werte unserer freien Gesellschaft als auch für unsere eigenen lebenswichtigen Interessen ein.

+ + + + +

- 14 -

�12

16. März 1983

US-PRÄSIDENT PROKLAMIERT "EXKLUSIVE WIRTSCHAFTSZONE"
Ressourcen im 200-Seemeilen-Bereich unter amerikanischer Zuständigkeit

- (AD) - Eine "exklusive Wirtschaftszone (EEZ)" von 200 Seemeilen Ausdehnung vor den Küsten der Vereinigten Staaten - das Commonwealth von Puerto
Rico, das Commonwealth der nördlichen Marianen gemäß der von den USA übernommenen UN-Treuhandschaft, die überseeischen Territorien und Besitzungen
eingeschlossen - proklamierte Präsident Ronald Reagan am 10. März 1983.
Die Gesamtfläche umfaßt ca. 8,6 Millionen qkm.

Bei Überschneidungen mit

dem Anspruchsbereich eines anderen Staates soll das betreffende Gebiet durch
eine Mittellinie geteilt werden.
Die neuen Richtlinien für die Seerechtspolitik der USA basieren auf einer
gemeinsamen Oberprüfung des Fragenkomplexes durch alle zuständigen amerikanischen Behörden.

Die Proklamation bestätigt die Hoheits- und Kontrollrechte

der Vereinigren Staaten über die lebenden und nichtlebenden Ressourcen von
Meeresbett, Untergrund und Wasserbereichen jenseits der Hoheitszone, jedoch
innerhalb von 200 Seemeilen vor den Küsten der Vereinigten Staaten. Sie
umfaßt im besonderen neue Rechtstitel auch in bezug auf alle Mineralien
(z.B. Erzknollen und Sulfide) in der Zone, die sich nicht mehr auf dem
Kontinentalsockel, aber innerhalb der 200-Meilen-Grenze befinden.

Vorkommen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Vorkommen von Metall Sulfiden und Kobalt-Mangan-Krusten in diesen Gebieten
wurden erst in jüngster Zeit entdeckt, es dürfte jedoch Jahre dauern, bis
sie kommerziell abgebaut werden können. Allerdings könnten sie eine wichtige
Quelle für strategisch wichtige und andere Mineralien darstellen.
In einer gesondert zu der Proklamation abgegebenen Erklärung verweist
der Präsident u.a. darauf, daß die Vereinigten Staaten auch künftig das Gleichgewicht der Interessen bei der herkömmlichen Nutzung der Weltmeere, z.B. durch .
Schiffahrt und überfliegen der betreffenden Gebiete, akzeptieren und die
Rechte anderer Staaten in den Gewässern vor den amerikanischen Küsten, wie
in der UN-Seerechtskonvention zum Ausdruck gebracht, anerkennen, solange die
Rechte der USA und anderer Staaten, auch das auf die Freiheit der Meere, im
Rahmen des internationalen Rechts von den Küstenstaaten anerkannt werden.
Der Begriff der "exklusiven Wirtschaftszone" ist im internationalen Recht,
dem die Proklamation des Präsidenten entspricht, bereits anerkannt. Mehr als
50 Staaten haben bereits eine "EEZ" proklamiert.

In manchen Fällen geschah

dies in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht, in anderen nicht.
Das EEZ-Konzept wurde in den kürzlich abgeschlossenen Seerechts-Verhandlungen
weiterentwickelt und fand in der Konvention ihren Niederschlag.

Die EEZ ist

nicht mit der Hoheitszone identisch und reicht über die territoriale Zuständigkeit des jeweiligen Küstenstaates hinaus.
In den langjährigen Bemühungen der Vereinigten Staaten um den Ausbau und
die Aktualisierung des Seerechts ging es den USA um eine Rechtsordnung, die
u.a. die friedliche internationale Nutzung der Weltmeere erleichtern sowie
eine gerechte und wirksame Bewirtschaftung und Erhaltung von Meeresressourcen
ermöglichen sollte.

Da aber mehrere wichtige Punkte in den Bestimmungen der

neuen UN-Seerechtskonvention zum Tiefseebergbau den Interessen und Prinzipien
von Industrienationen nicht entsprechen und die Bestrebungen von Entwicklungsländern nicht realisieren helfen, gaben die Vereinigten Staaten am 1. Juli
1982 bekannt, ihre Unterschrift zu der seit dem 10. Dezember 1982 zur Unterzeichnung aufliegenden Konvention zu verweigern.

- 2 -

Sie stehen damit nicht

�damit nicht allein, wie Präsident Reagan erklärte. Einige wichtige Verbündete
und befreundete Staaten haben ebenfalls nicht unterzeichnet.

Und selbst einige

der Signatarstaaten hätten Bedenken wegen der erwähnten Probleme.
Die Vereinigten Staaten werden künftig ihre Schiffahrts- und überflugrechte
weltweit wahrnehmen, wie es dem Interessengleichgewicht im Sinne der Konvention
entspricht.

Sie werden einseitigen Handlungen anderer Staaten nicht nachgeben,

die auf eine Begrenzung der Rechte und Freiheiten der internationalen Gemeinschaft in der Schiffahrt und beim überfliegen sowie bei anderen Nutzungsmöglichkeiten der Hochseegebiete abzielen.
Alle Nationen werden auch weiterhin die Rechte auf die Freiheit der Meere
innerhalb der amerikanischen EEZ wahrnehmen können, sofern sie nicht auf
Ressourcen bezogen sind. Für die gegenwärtige Politik der Vereinigten Staaten
in bezug auf Kontinentalsockel, Meeressäuger und Fischfang wird sich durch die
Proklamation nichts ändern. Das gilt auch für Tunfischarten, die weite Wanderzüge unternehmen. Die Vereinigten Staaten werden sich auch künftig für internationale Abkommen zur Erreichung wirksamer Maßnahmen hinsichtlich dieser Spezies
einsetzen.
- Meeresforschung und Umweltschutz Das internationale Recht sieht für Aufgaben der Meeresforschung die Zuständigkeit der Anrainerstaaten innerhalb der 200-Meilen-Zone vor.
Proklamation wird dieses Recht jedoch nicht geltend gemacht.

In der

Präsident Reagan

begründet dies mit dem besonderen Interesse, das die Vereinigten Staaten an
einer Ermutigung zu Meeresforschung und an der Vermeidung jedweder unnötigen
Belastung der internationalen Beziehungen haben. Gleichwohl erkennen die USA
das Recht anderer Küstenstaaten auf Zuständigkeit für Meeresforschung innerhalb ihrer 200-Meilen-Zone an, wenn diese Zuständigkeit vernünftig in einer
dem internationalen Recht entsprechenden Weise gehandhabt wird.
Die EEZ versetzt

- 3 -

�Die EEZ versetzt die Vereinigten Staaten auch in die Lage, zusätzliche
Schritte - wenn auch begrenzt - zum Schutz der marinen Umwelt zu unternehmen,
über die Internationale Seeschiffahrtsorganisation und andere geeignete internationale Institutionen streben die USA einheitliche internationale Maßnahmen
zum Schutz der marinen Umwelt ohne ungebührliche Belastungen für die kommerzielle
Schiffahrt an.
- Respektierung der UN-Seerechtskonvention In der Proklamation des amerikanischen Präsidenten werden die Rechte aller
Nationen auf "Freiheit der Meere" jenseits der Hoheitsgewässer der Vereinigten
Staaten innerhalb ihrer EEZ (Ressourcen ausgenommen) bestätigt.

Die bisherige,

drei Seemeilen breite Hoheitszone der USA wurde beibehalten und nicht ausgedehnt.
Die Vereinigten Staaten werden die Ansprüche

anderer Staaten auf Hoheitsge-

wässer von mehr als drei Seemeilen Breite - maximal 12 Seemeilen - anerkennen,
die in der Hoheitszone den USA ihre vollen Rechte nach internationalem Recht
zugestehen.

Ungestörte Aktivitäten von kommerziellen und militärischen See-

fahrzeugen sowie überfliegen sind für das nationale Interesse der Vereinigten
Staaten von entscheidender Bedeutung.

Die USA sind bereit, die maritimen

Ansprüche anderer, - auch auf Wirtschaftszonen -, welche mit dem in der Konvention zum Ausdruck kommenden internationalen Recht übereinstimmen, zu respektieren,
wenn die Rechte und Freiheiten der Vereinigten Staaten in solchen Gebieten nach
internationalem Recht von dem betreffenden Küstenstaat respektiert werden.
Die Proklamation und die bekanntgegebenen Richtlinien für die amerikanische «
Politik zeigen die Entschlossenheit des amerikanischen Präsidenten, die maritimen
Interessen der USA in einer Weise zu schützen und zu fördern, die mit dem inter- "
nationalen Recht in Einklang steht.

Die Anwendung der gegenwärtigen amerika-

nischen Gesetze in bezug auf die hohe See oder die Zuständigkeit amerikanischer
Regierungsbehörden wird von den neuen Entscheidungen nicht berührt.

Die Ver-

einigten Staaten werden weiterhin mit anderen Staaten zusammenarbeiten, um für
den Abbau von Tiefseemineralien außerhalb nationaler Zuständigkeiten

eine

Rechtsordnung zu entwickeln, die frei ist von unnötigen politischen und
- 4 -

�politischen und wirtschaftlichen Beschränkungen.

Der Tiefseebergbau bleibe,

so der Präsident, eine berechtigte Anwendung des Rechts auf die Freiheit der
Meere, die allen Nationen offenstehe.

Die Vereinigten Staaten werden ameri-

kanischen Firmen auch künftig erlauben, Aktivitäten zur Exploration dieser
Ressourcen und, wenn der Markt es zuläßt,

zu ihrer Ausbeutung zu unternehmen.

In der Gesetzgebung zur Realisierung der neuen politischen Vorschläge wird
die US-Regierung mit dem Kongreß eng zusammenarbeiten.
- Hintergrund James Malone, Unterstaatssekretär für Meere

sowie internationale Umwelt-

und Forschungsfragen im amerikanischen Außenministerium, umriß im Zusammenhang
mit der Proklamation der EEZ, wie gegenwärtig Hoheitsrechte über natürliche
Ressourcen außerhalb der Hoheitsgewässer, jedoch innerhalb einer 200 Seemeilen
breiten Wirtschaftszone vor den Küsten gehandhabt werden.

Die historische

Grundlage für einen solchen Rechtstitel ist die Proklamation Präsident Trumans
von 1945 bezüglich der Zuständigkeit und Kontrolle für natürliche Ressourcen
des Kontinentalsockels.

In dieser Proklamation beanspruchten die USA das Recht

auf Zuständigkeit und Kontrolle über die Ressourcen des Kontinentschelfs bei
gleichzeitiger Wahrung herkömmlicher Rechte auf "Freiheit der Meere" in dem
Gebiet.

Im Jahr 1976 erhielten die sich entwickelnden Praktiken der Staaten

hinsichtlich der 200-Meilen-Zone für Ressourcen und juristische Zuständigkeit
durch die Schaffung der amerikanischen Fischerei-Schutzzone weiteren Auftrieb.
Heute werden im internationalen Gewohnheitsrecht die Rechte und Zuständigkeiten der Küstenstaaten sowohl über das Kontinentalschelf als auch die 200Meilen-Fischereizone anerkannt.

Die EEZ gilt allgemein als rechtmäßig.

Der

Begriff der exklusiven Wirtschaftszone wurde während der Verhandlungen zur
Seerechtskonvention umfassend entwickelt.

Gegenwärtig wird die EEZ über

200 Seemeilen von 56 Staaten beansprucht; weitere 23 Staaten, u.a. die USA,
beanspruchen die 200-Seemeilen-Fischereizone.

Die Proklamation einer EEZ durch

den amerikanischen Präsidenten entspricht internationalen Gepflogenheiten.
+ + + + +
- 5 -

�16. März 1983

12

HAARRISS MIT KETTENREAKTION
CHALLENGER-Startverschiebung schafft Probleme für andere Weltraumprogramme
Von G. Weiss

- (AD) - Wie eng inzwischen verschiedene Weltraumprogramme miteinander
verflochten sind, zeigen die Schwierigkeiten, die sich als Folge der mehrfachen Verschiebung des Starts der Raumfähre CHALLENGER ergeben können.
Beim Flug STS-6 soll der Raumtransporter als wichtigste Nutzlast einen
TDR-Satelliten mitnehmen und in der Umlaufbahn absetzen - einen neuartigen
Nachrichtensatelliten, den bisher größten und leistungsstärksten dieser Art.
Im Juli, spätestens August 1983 müßte bereits das zweite TDRS-Exemplar in
den Weltraum gebracht werden, wenn der Startplan für das europäische Weltraumlabor SPACELAB mit der Raumfähre (an Bord der bis zum Herbst für die
Aufnahme von SPACELAB umgerüsteten COLUMBIA) realisiert werden soll. Die
Datenflut aus dem SPACELAB ist ohne TDRS gar nicht zu bewältigen.

Außerdem

sind im Weltraumlaboratorium 72 Experimente zu betreuen, die wegen ihrer
Abhängigkeit vom Sonnenstand ein bestimmtes "Startfenster" benötigen. Das
wäre vom 15. Oktober 1983 an für mehrere Monate wieder geschlossen. Und
das Startfenster für CHALLENGER selbst wird derzeit immer enger: Im Januar
betrug der Spielraum für den Start noch drei Stunden am Tag - derzeit sind
es nur noch 18 Minuten. Auch für die reibungslose Datenübertragung von
fast 30 anderen, unbemannten Erdsatelliten zu bestimmten Bodenstationen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�bestimmten Bodenstationen werden die beiden TDRS-Satelliten dringend gebraucht.
Mit der Entdeckung eines 19 mm langen Haarrisses in einem Leitungsstutzen für Wasserstoffgas an einem der Haupttriebwerke begann das Dilemma.
Dann wurden noch an anderen Stellen, und dies bei allen drei Haupttriebwerken
der CHALLENGER, winzige Risse gefunden.
konnte ausdringen.

Sowohl Wasserstoff als auch Sauerstoff

Ein Spezialistenteam des Herstellerwerks arbeitet seit

Ende Januar zusammen mit NASA-Experten im Kennedy-Raumfahrtzentrum daran, die
Gefahrenquellen zu beseitigen,

übergroße Vorsicht könnte, wie jetzt die

Fachleute meinen, mit im Spiel gewesen sein: Im Hinblick auf eine Triebwerksleistung, die frühestens 1984, vielleicht erst 1985 gebraucht würde, sollten
den CHALLENGER-Motoren neun Prozent mehr Schubleistung als jenen der COLUMBIA
abverlangt werden.

Da eine höhere Vibrationsbelastung zu erwarten war,

entschlossen sich NASA-Ingenieure dazu, Leitungen für heißes Gas, die einen
relativ dünnen Querschnitt haben, von außen zu verstärken.

Das aber machte die

Rohre an einigen Stellen so unelastisch, daß bei Brenntests Haarrisse entstanden.
Der Leiter des Raumtransporterprogramms, Generalleutnant James A.
Abrahamson, erwartet nun den ersten CHALLENGER-Start für Ende März, eventuell
Anfang April. Eine weitere Verzögerung würde jedoch eine ganze Kette von
Problemen nach sich ziehen, weil z.B. für die Mitnahme und das Absetzen von
Nachrichtensatelliten anderer Länder und für den deutschen Rückkehrsatelliten
SPAS-1 für das laufende Jahr feste Buchungen vorliegen.
Auch das Projekt SPACELAB, Beitrag der Europäischen Weltraumorganisation
ESA zum amerikanischen Raumtransporterprogramm, würde hart betroffen.

Der

erste Start des in Bremen gebauten Weltraumlabors ist mit der COLUMBIA für
den 30. September oder in den ersten Oktobertagen 1983 vorgesehen.

Die

Kapazität dieses Vielzwecklabors im Weltraum kann aber nur genutzt werden,
wenn zwei der neuartigen TDRS-Satelliten funktionsbereit sind.

Ihre Akti-

vierung und Oberprüfung durch Spezialpersonal in zwei großen amerikanischen

- 2 -

�großen amerikanischen Bodenstationen erfordert allein schon vier Wochen Zeit.
- Vielzwecksystem TDRS ist die Abkürzung für "Tracking and Data Relay Satellite".

Er ist

für Aufgaben der Bahnbeobachtung und Datenübermittlung in Verbindung mit verschiedenen Satelliten-Typen der NASA und mit einigen militärischen Nachrichtensatelliten bestimmt.

In 36 000 km Höhe stationiert, vermag er zu 28 anderen

Satelliten in Erdumlaufbahnen zu "sprechen".

TDRS ist Relaisstation für deren

Funkdaten, die er an die zuständigen Bodensationen weitergibt, oder auch für
Funkbefehle und Sendungen, die über diese Satelliten an bestimmte Empfänger
weiterzuleiten sind.
Im SPACELAB allein - von seinem Transportgefährt Space Shuttle einmal
ganz abgesehen - fallen pro Sekunde 32 Millionen "bits" Informationseinheiten
an.

Hochleistungs-Datensammler an Bord nehmen sie auf, müssen sie aber auch

schnell wieder

loswerden. Andernfalls wären die Wissenschaftsastronauten

gezwungen, alle 24 Minuten die Magnetbänder zu wechseln - eine übergroße
zusätzliche Belastung bei ihrer Arbeit, die ohnehin viel Konzentration und
minutengenaue Termineinhaltung, auch im Hinblick auf den Ablauf von Experimenten samt Datenübermittlung an TDRS, erfordert.
Als Standorte der ersten beiden TDRS-Geräte ist je eine Position über
dem Atlantik und östlichen Pazifik auf erdsynchroner Bahn vorgesehen. "Erdsynchron" bedeutet, daß die Umlaufgeschwindigkeit des Satelliten der Geschwindigkeit der Erddrehung an der Oberfläche
Bahnhöhe von knapp 36 000 km der Fall.

entspricht.

Und das ist bei einer

Für einen Beobachter auf der Erde

scheint dann der Satellit seinen Standort nicht zu verändern.
über das TDRS-System kann praktisch lückenloser Funkkontakt zum Raumtransporter, der in knapp 300 km Höhe um die Erde kreist,und dem in seiner Ladebucht verstauten Weltraumlabor gehalten werden.

- 3 -

Auch der Funksprechverkehr

�der Funksprechverkehr mit den Astronauten läuft über TDRS.

Bisher waren

13 Bodenstationen, rund um die Erde verteilt, notwendig, um mit den Astronauten
Verbindung zu halten.

Dennoch war sie stets für längere Zeit unterbrochen,

sobald sich die Raumfähre aus dem "Sichtbereich" der einer, Station entfernt
und den der nächsten noch nicht erreicht hatte.

Für den Flug STS-6 mit TDRS

als Nutzlast werden in Zusammenarbeit mit mehreren Bodenstationen drei
Kontroll Zentren eingesetzt, von denen eines für den Antriebsteil des TDRS,
ein zweites für den Nachrichtensatelliten selbst zuständig ist.
befindet sich in White Sands (New Mexico).

Letzteres

Es hat 400 Mann Personal und ist

die komplizierteste Bodenstelle, die in den USA bisher errichtet wurde.
TDRS ist ein 2,2-Milliarden-Dollar-Projekt mit insgesamt sechs der neuartigen Nachrichtensatelliten. (Ober die Verwendung von vier der Geräte wurde
noch nicht entschieden). Sie übertreffen an Gewicht alle "Konkurrenten", die
bisher in der 36 000 km-Bahn stationiert worden sind. Dem Raumtransporter
beschert TDRS eine Zuladung von fast 18 Tonnen, dazu weitere 2,3 Tonnen für
seine Wärmeisolierung an Bord, so daß die Fracht beim ersten CHALLENGER-Flug
einer Masse entspricht, wie sie von den SATURN V-Raketen transportiert wurde.
Allerdings beträgt das Endgewicht des TDRS-Satelliten an seinem Standort nur
noch etwa drei Tonnen. Die Differenz entfällt auf die zwei eigenen Antriebsstufen, die ihn aus der Umlaufbahn der CHALLENGER zur Arbeitsposition befördern.
Der Nachrichten-Satellit, der keine Daten verarbeitet, sondern ausschließlich als Relaisstation dient, hat drei Meter Durchmesser, ist 5,77 Meter hoch,
wird mit Sonnenenergie versorgt und hat bei ausgefahrenen Kollektorplatten
17,3 m Spannweite.

In der Querachse zu den Solarzellenplatten sind die beiden

Hauptantennen für Übertragungen auf S- und K-Band angebracht.

Es sind Para-

bolantennen von je 4,9 m Durchmesser, die die Spannweite in dieser Achse auf
14 m bringen.

Nahe einer der beiden Kollektorplatten sitzt eine 2 m-Parabol-

antenne, über die die Funkbefehle der Bodenstation laufen.

Eine vierte,

noch kleinere Parabolantenne war ursprünglich für Übermittlungen auf dem

- 4 -

i

�auf dem kommerziellen C-Band gedacht, wird aber nach Umstellung der Pläne für
den Einsatz der ersten beiden TDRS-Geräte, die jetzt ausschließlich mit NASASatelliten sowie bestimmten militärischen Nachrichtensatelliten Verbindung
halten sollen, nur im Rahmen regierungseigener Aufgaben verwendet.
- Komplizierte Startmanöver Um TDRS aus dem CHALLENGER-Orbit erfolgreich starten zu können, sind
diffizile Manöver und die minutengenaue Einhaltung von Vorbereitungsprogrammen
erforderlich. Die letzte Absetz-Gelegenheit ergäbe sich 24 Stunden nach dem
Start der Raumfähre während ihrer 20. Erdumkreisung. Denn danach wären die
Batterien, die einige Heizgeräte für die Nutzlast mit Strom speisen, wahrscheinlich erschöpft. Wenn aber die Bodenzentralen, die die Antriebsstufen
und den Nachrichtensatelliten getrennt überprüfen, schon früher grünes Licht
geben, könnte das Absetzen im achten Erdumlauf (10 Stunden nach Start der
Raumfähre in Cape Canaveral), dann eineinhalb und drei Stunden später versucht werden. Gelingt es weder in dieser Zeit noch während des 20. Orbits,
muß TDRS zur Erde zurückgebracht werden.
Während der ersten fünfeinhalb Stunden fliegt CHALLENGER in Rückenlage,
die geöffnete Ladebucht zur Erde gerichtet, um den TDRS-Satelliten vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Dann aber wird ein Rollmanöver erforderlich, damit
das Sternenpeilgerät an der zweiten Antriebsstufe des TDRS seine beiden Leitsterne für eine eventuell notwendige Korrektur der Steuerungskreisel finden
kann. Das Absetzmanöver wird von Astronaut Musgrave, sofern der erste Zeitpunkt eingehalten werden kann, 10 Stunden und 1 Minute nach dem CHALLENGERStart von Hand eingeleitet - im Dunkeln über dem Atlantik, außerhalb einer
Verbindung zu einer Bodenstation. Sechs Federmechanismen werden gelöst und
setzen das fast 11 m lange Ungetüm von dem auf 59 Grad Neigung eingestellten
Tisch frei. Es entfernt sich äußerst langsam, mit nur 7,3 m pro Minute, von
der Raumfähre. Chefpilot Weitz setzt diese schon eine Minute nach dem Absetzen tiefer und durch Kurskorrekturmanöver 19 Minuten später bis auf
51 km Abstand zurück. TDRS wird dabei vom Raumtransporter aus optisch verfolgt
Ca. 55 Minuten nach der Trennung zündet die erste Stufe der beiden Feststoffraketen, die TDRS auf seine geostationäre Umlaufbahn befördern.
+ + + +
- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die menschliche Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Botschafters in Hamburg -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Sieg der Demokratie in El Salvador oberstes Ziel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vom 10. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Präsident proklamiert "exklusive Wirtschaftszone"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ressourcen im 200-Seemeilen-Bereich unter amerikanischer Zuständigkeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haarriß mit Kettenreaktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- CHALLENGER-Startverschiebung schafft Probleme für andere Weltraumprogramme -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>23. März 1983

13

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan fordert Moskau zur Beendigung des Blutvergießens in
Afghanistan auf
- USA begingen "Afghanistan-Tag" Wirtschaftsgipfel soll Wachstum in den Mittelpunkt stellen
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler und Ingenieure
- Berufliche Weiterbildung für bestimmte Berufsgruppen immer
wichtiger Hämodialyse bei Erythematodes-Fällen mit Nierenkomplikation

Um Uber/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation

i

United States Information Service
Embassy of the United States of America

13

23. März 1983

REAGAN FORDERT MOSKAU ZUR BEENDIGUNG DES BLUTVERGIESSENS IN
AFGHANISTAN AUF
- USA begingen "Afghanistan-Tag" -

WASHINGTON - (AD) •• Präsident Ronald Reagan hat die Sowjetunion aufgefordert, das Blutvergießen in Afghanistan zu beenden, damit ein unabhängiges
Land endlich wieder seinen Platz in der Völkergemeinschaft einnehmen könne.
Der Appell des amerikanischen Präsidenten ist in einer Erklärung zum
"Afghanistan-Tag" enthalten, der am 21. März 1983 mit Kundgebungen und Protestmärschen zur Unterstützung des afghanischen Volkes in allen Teilen der
Vereinigten Staaten und der freien Welt begangen wurde.
Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
"Heute, am 21. März 1983, wird in vielen Teilen der moslemischen Welt
der Neujahrstag begangen.

Neujahr sollte natürlich eine Gelegenheit zum

Feiern sein. Aber für die moslemischen Menschen in Afghanistan, das von
der sowjetischen Armee angegriffen und besetzt wurde, ist dieser Tag eine
bittere Erinnerung an ein nationales Unglück, das vor mehr als drei Jahren
über dieses Volk hereinbrach.

Um die Aufmerksamkeit der Welt auf dieses Ver-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�dieses Verbrechen gegen ein unschuldiges und tapferes Volk zu lenken, begehen wir heute zum zweitenmal

ien 'Afghanistan-Tag'.

In Afghanistan sind Zehntausende getötet worden, Millionen Menschen
haben ihr Heim und ihren Unterhalt verloren.
anderen Grausamkeiten unterworfen.

Andere waren Folterungen und

Und viele andere mehr wurden Opfer der

schrecklichen chemischen und biologischen Waffen, einschließlich des 'gelben
Regens' - Waffen, die die Sowjets unter Verletzung internationaler Abkommen
eingesetzt haben.

Die Folgen und Auswirkungen dieses Unglücks erstrecken

sich auch auf Pakistan, das die Last der Unterbringung und Versorgung von
nahezu drei Millionen Flüchtlingen auf sich genommen hat.
Doch während wir die Ereignisse in Afghanistan mit allem Nachdruck verurteilen, sind wir nicht ohne Hoffnung.

Wenn man sieht, wie die mutigen

afghanischen Freiheitskämpfer mit einfachen Handfeuerwaffen gegen moderne Arsenale ankämpfen, dann ist dies ein Ansporn für alle, die die Freiheit lieben.

Der Mut dieser Menschen lehrt uns etwas Großes:

Daß es Dinge auf die-

ser Welt gibt, die es wert sind, verteidigt zu werden.
Dem afghanischen Volke rufe ich im Namen aller Amerikaner zu, daß wir
sein Heldentum, seinen Einsatz für die Freiheit und seinen unermüdlichen
Kampf gegen seine Unterdrücker bewundern.
Das sowjetische Volk hat große Leiden erfahren. Mehr als jedes andere
Volk sollte es in der Lage sein, angesichts des schrecklichen Leids des
afghanischen Volkes Mitgefühl zu empfinden. Im Namen der Humanität appelliere ich an die sowjetischen Führer: Beendet das Blutvergießen, damit ein
unabhängiges Afghanistan seinen Platz in der Völkergemeinschaft wieder einnehmen kann. Wir führen gegen Afghanistan nichts im Schilde. Wir bedrohen
Euch weder dort noch irgendwo anders auf der Erde. Alles, was wir wollen,
ist die Wiederherstellung des Friedens und der Freiheit für ein edles und
tapferes Volk, dem unsere Gedanken heute gewidmet sind."
In einer

�In einer gesonderten Botschaft an die Teilnehmer einer Kundgebung anläßlich des "Afghanistan-Tages" in Washington betonte der amerikanische Präsident, solche öffentlichen Proteste bekräftigten die Unterstützung des
amerikanischen Volkes für die afghanische Freiheitsbewegung.

Diese Botschaft Reagans hat folgenden Wortlaut:

"Ich freue mich, den Organisatoren und Teilnehmern dieser Kundgebung aus
Anlaß des zweiten 'Afghanistan-Tages' meine herzlichen Grüße übermitteln zu
können.

Dieser Tag, der mit dem afghanischen Neujahrstag zusammenfällt, ist

ein überaus angemessener Zeitpunkt, um die tapferen Menschen zu ehren, die
gegen eine überwältigende Übermacht ankämpfen, um ihre Freiheit wiederzuerlangen.

Ich glaube, dieser Anstrengung, die Sie sowie andere Organisationen in
allen Teilen der Vereinigten Staaten anläßlich dieses Tages unternehmen,
kommt eine sehr große Bedeutung zu.

Sie zeigt die breite öffentliche Unter-

stützung in diesem Lande für die afghanische Widerstandsbewegung in ihrem
Kampf gegen die sowjetische Aggression auf.

Sie zeigt den tapferen Freiheits-

kämpfern, daß sie in ihrer Verteidigung der Freiheit nicht alleinstehen
und daß das amerikanische Volk weder ihre Opfer vergessen, noch ihre Sache
im Stich lassen wird.

Der Sowjetunion ist es nicht gelungen, Afghanistan zu unterwerfen,
weil das afghanische Volk einen so unglaublichen Geist, Mut und eine solche
Harträckigkeit bewiesen hat.

Diesen Freiheitskämpfern und allen, die sie

unterstützen, übermittle ich meine besten Wünsche für das neue Jahr.

Es

ist meine eindringliche Hoffnung, daß das neue Jahr dem,Afghanistan von der
Sowjetunion auferlegten Leiden ein Ende setzen und die Wiederherstellung der
Freiheit und der Unabhängigkeit des Landes bringen wird.

Ich spreche Ihnen meine Glückwünsche und meinen Dank aus, die Sie heute
hier versammelt sind, um Ihre Solidarität mit der großen Mehrheit des

- 3 -

�Mehrheit des afghanischen Volkes zu bekräftigen, das um seine Freiheit
kämpft; und meine Glückwünsche und mein Dank gelten auch dem Komitee für
ein freies Afghanistan, das diese Kundgebung organisiert hat."

Abrams fordert internationale Unterstützung für Afghanistan
Für eine internationale Unterstützung des afghanischen Freiheitskampfes
setzte sich auf der Kundgebung der Unterstaatssekretär für Menschenrechte und
humanitäre Fragen im State Department, Elliott Abrams, ein.
Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
"Wir sind heute hier, um uns daran zu erinnern, daß dieses Land und
sein Volk niemanden bedroht. Wir sind heute hier, um uns daran zu erinnern,
daß seine nationale Unabhängigkeit von der Sowjetunion in brutaler Weise vernichtet wurde.

Wir sind heute hier, um uns ins Gedächtnis zurückzurufen, daß

ein Fünftel seiner Bevölkerung aus dem Land vertrieben wurde, um im Exil und
meist in Not leben zu müssen.

Wir sind heute hier, um unsere Besorgnis für

jene Flüchtlinge zum Ausdruck zu bringen sowie unsere anhaltende Verpflichtung, sie mit Nahrungsmitteln, Kleidung und Unterkunft zu versorgen.

Ihre

Tapferkeit ist erstaunlich, genauso erstaunlich wie die Tapferkeit der
Mujahedin, die für Afghanistan kämpfen.
Seit drei Jahren haben über 100 000 Soldaten auf Männer und Frauen, auf
Kinder, ja, auf Säuglinge geschossen, sie bombardiert und niedergemetzelt,
wobei jedes Element der sowjetischen Kriegsmaschinerie eingesetzt wurde,
einschließlich chemischer Waffen, die die gesamte Zivilisation geächtet hat.
Zu Tausenden sind Unschuldige gestorben - Kinder an der Hand ihrer Mütter,
Mütter, die sich in ihren Häusern aufhielten - die jüngsten Opfer des sowjetischen Imperialismus und der sowjetischen Brutalität. Noch vor zwei Wochen
hat unser Präsident das sowjetische System als Sammelpunkt des Bösen in der
Welt bezeichnet. Niemand, der sich an Afghanistan erinnert, kann daran zweifeln, daß er recht hat.
. f Greuel

�Auf Greuel folgen Greuel; Mord zieht Mord nach sich; auf Angriffe folgen Gegenangriffe.

Afghanistan wurde niedergebrannt, seine Dörfer wurden

dem Erdboden gleichgemacht, seine Bevölkerung wurde vertrieben oder getötet,
Es ist ein Abbild sowjetischer Unmenschlichkeit und sowjetischen Verbrechens,
das jeden von uns in die Verzweiflung treiben könnte.

Aber dies muß nicht sein - nicht, wenn wir dem Mut des afghanischen
Volkes Achtung zollen.
lung.

Denn, an was dieses Volk zuletzt denkt, ist Verzweif-

Es denkt ans überleben, an den Widerstand und an eine Zukunft, die

seine nationale Eigenständigkeit wiederherstellt.
nicht gewonnen.

Denn die Sowjets haben

Die Afghanen haben einen sowjetischen Sieg nicht zugelassen.

Sie werden sich nicht unterwerfen, und sie werden nicht kapitulieren.

Von ihnen können wir nur lernen.
gend

Die sowjetische Macht ist furchterre-

- aber man kann ihr widerstehen, wie dies die Afghanen tun - im Namen

der Unabhängigkeit und Gottes.
Sie kämpfen für einen Abzug der sowjetischen Truppen, für eine Rückkehr der Flüchtlinge, für ein unabhängiges Land.

Sie müssen wissen, daß zivilisierte Männer und Frauen überall auf der
Welt auf ihrer Seite stehen - bei den Vereinten Nationen, auf der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, in der Bewegung der Blockfreien, auf der islamischen Konferenz und natürlich hier in Washington heute.
Wir sehnen die Zeit herbei, da der 'Afghanistan-Tag1 nicht darauf abzielt, Flüchtlingen und Kriegern zu helfen, sondern begangen wird als eine
Erinnerung an ein tapferes Volk, das Widerstand leistete und Erfolg hatte.
Wir wissen nicht, ob der Tag des Friedens nahe ist, aber wollen wir doch entschlossen sein, ihn durch unsere Unterstützung Afghanistans näherzubringen.
Denn ihr Kampf gegen den sowjetischen Imperialismus, gegen schändliche Brutalität, gegen unmenschliche Waffen, ihr Kampf für die nationale Unabhängigkeit,
für eine Rückkehr in ihre Heimat und für den Frieden ist genauso auch unsere
Sache."
+ + + + +
- 5 -

�13

23. März 1983

WIRTSCHAFTSGIPFEL SOLL WACHSTUM IN DEN MITTELPUNKT STELLEN
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf -

GENF - (AD) - Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Kenneth
Dam erklärte in Genf, die Vereinigten Staaten erwarteten von dem Wirtschaftsgipfel im Mai in Williamsburg, daß die Führer der westlichen Industrienationen ein geordnetes und nichtinflationäres Wachstum als oberstes Ziel setzen
werden. In einer Rede am 21. März 1983 vor dem Institut für fortgeschrittene
internationale Studien vertrat Dam die Auffassung, ein solches Wachstum sei
die "einzige dauerhafte Lösung" für die wirtschaftlichen Probleme der westlichen Welt. Der nächste Wirtschaftsgipfel findet vom 28. bis 30. Mai auf
Einladung der amerikanischen Regierung in Williamsburg im Staate Virginia
statt.
Dam befindet sich derzeit auf einer Europareise - vom 18. bis 27. März -,
deren Stationen Genf, Oslo, Kopenhagen, Bonn, Berlin und Budapest sind.
Seine Rede in Genf hat folgenden Wortlaut:
In Erwartung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In Erwartung von Williamsburg:

Die internationale Wirtschaftspolitik der USA

Die Schweiz ist die erste Station auf einer Reise, die mich noch nach
Norwegen, Dänemark, die Bundesrepublik Deutschland und Ungarn führen wird.
Der Zweck meiner Reise nach Westeuropa ist es, mit unseren Partnern in den
demokratischen Industriestaaten über die vor uns stehenden Herausforderungen
zu sprechen.

Diese Herausforderungen sind militärischer, politischer und

wirtschaftlicher Natur:
- Wir müssen auf die sowjetische Aufrüstung wo notwendig durch die Modernisierung unserer Abschreckung reagieren und wo möglich eine wirksame
Rüstungskontrolle erreichen.
- Wir müssen unsere demokratischen Werte im eigenen Lande bewahren und im
Ausland unterstützen.
- Und wir müssen ein nichtinflationäres Wachstum fördern und das offene
Handelssystem erhalten, von dem dieses abhängt.
Der letzte dieser Punkte, die Notwendigkeit eines weltweiten Wachstums,
ist heute mein Thema.
Wir kommen aus einer Rezession heraus, die 17 Monate dauerte. Diese
Rezession war die längste seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Wirtschaftstätigkeit in Nordamerika und Europa ging zurück; Japans industrielle Produktion flachte ab; das Wachstum in mehreren Entwicklungsländern stagnierte unter
dem Gewicht von 700 Milliarden Dollar internationaler Schulden. Die Arbeitslosigkeit ging steil in die Höhe - in den 24 Industrieländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind 32 Millionen Menschen ohne Arbeit.
Wir wissen alle, daß die Rezession nicht nur materielle Belastungen
gebracht hat. Sie hat in einigen Ländern die Demokratie belastet und in
- 2 -

�und in anderen politischen Umsturz hervorgerufen.

Die Beziehungen unter

alten Verbündeten wurden durch Handelsstreitigkeiten belastet.

Die Rezes-

sion hat die Fähigkeit des Westens in Frage gestellt, mit der sowjetischen
Aufrüstung gleichzuziehen, und die Abhängigkeit vom Handel mit Osteuropa
und der Sowjetunion gefördert.
Wir wurden während dieser Rezession von dem Grundprinzip alliierter
Zusammenarbeit geleitet: Wenn einer von uns versuchen sollte, seine Probleme zu umgehen, indem er sie seinen Partnern aufbürdet, dann werden wir alle
Schiffbruch erleiden.
In einigen Industrieländern gibt es heute Anzeichen einer Neubelebung
der Wirtschaft. Diese Anzeichen dürften Ende Mai noch deutlicher sein. Zu
jenem Zeitpunkt werden die Staats- und Regierungschefs der sieben größten
Industrienationen und der Präsident der EG-Kommission in dem historischen
Williamsburg in Virginia zusammenkommen.
Ich möchte heute darüber sprechen, daß der Gipfel in Williamsburg in
Ton und Inhalt eine Abkehr von den bisherigen Wirtschaftsgipfeln darstellen wird. Die früheren Gipfeltreffen waren durchstrukturiert und formell.
Williamsburg soll flexibel und informell werden. Auf früheren Gipfeltreffen
standen antiinflationäre Politiken im Mittelpunkt. In Williamsburg wird
sich der Nachdruck auf Politiken verlagern, die Wachstum fördern - ohne die
Inflation neu anzufachen.
Bei der Erörterung der Fragen, mit denen sich die Partner auf dem
Gipfeltreffen zu befassen haben werden, möchte ich meine Ausführungen in
drei Kapitel unterteilen: Erstens, eine Analyse der Ursachen der weltweiten
Rezession; zweitens, eine Beschreibung ihrer Heilung - weltweites Wirtschaftswachstum; und drittens, einen überblick über die Fragen, die wir nicht außer
acht lassen dürfen, wenn wir den Wiederaufschwung festhalten wollen, der in
unserer Reichweite liegt.
Die Rezession

- 3 -

�Die Rezession
Der gegenwärtige Zustand der Weltwirtschaft hat seine Wurzeln in den
sechziger und siebziger Jahren.

Steigende Inflation Ende der sechziger

Jahre änderte die Wettbewerbslage der Industrien in Europa, Japan und den
Vereinigten Staaten und untergruben das System der festen Wechselkurse.
Dem Schritt zu floatenden Wechselkursen im Jahr 1973 folgten innerhalb
eines Jahres eine Vervierfachung der Weltölpreise und eine Verlagerung der
Verteilung des Reichtums der Welt.
Nach 1973 erreichte die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC)
einen Oberschuß in der Leistungsbilanz, und die öl importierenden Länder hatten ein entsprechendes Defizit.

Von 1974 bis 1980 standen die Industrie-

staaten vor Leistungsbilanzdefiziten, die im Schnitt 20 Milliarden Dollar
pro Jahr betrugen.

Die kein öl besitzenden Entwicklungsländer verzeichneten

jährliche Defizite von 47 Milliarden Dollar.

Diese Defizite stellten unge-

heure Kapitalanforderungen an die Geldmärkte.

Handelsbanken wurden die das

Risiko tragenden Vermittler zwischen der OPEC und den Kreditnehmerländern.
Als Ergebnis stieg der Stand der internationalen Verschuldung der heute bei
700 Milliarden Dollar liegt - von 1972 bis 1982 um das Siebenfache.

In den

gleichen zehn Jahren stieg die Verschuldung an private Kreditgeber von 40
auf 60 Prozent der Verschuldung der Entwicklungsländer (LDC).
Es wäre jedoch falsch, das Erbe der Jahre des ölschocks als ein Schuldenproblem zu bezeichnen. Wir stehen heute vor einem Einkommensproblem.
Sicherlich haben die Entwicklungsländer in den siebziger Jahren viel Geld
geborgt, aber auch Privatfirmen borgen viel. Der Unterschied besteht darin,
daß Unternehmen in Produktivkapazität investieren, um Einkommen zu schaffen,
mit dem sie ihre Schulden zurückzahlen. Einige Entwicklungsländer neigten
jedoch dazu, in Konsum statt in Produktion zu investieren, d.h., sie pumpten,
um interne Einkommensverlagerungen zu finanzieren. Diese fragwürdige Strategie konnte so lange toleriert werden, wie die Exporterlöse rasch genug
stiegen, um für den Schuldendienst aufzukommen. Das war von 1975 bis 1979

- 4 -

�bis 1979 der Fall, als die Exporte der Entwicklungsländer jährlich um
22 Prozent stiegen und damit in etwa mit dem Wachstum der Verschuldung
dieser Länder um jährlich 25 Prozent Schritt hielten.
Nach dem zweiten ülschock 1979/80 führten jedoch die wichtigsten Industriestaaten eine restriktivere Währungspolitik ein. Diese Politik
bremste die Inflation, steigerte die Realzinsen und setzte eine Abkehr
von den wirtschaftlichen Exzessen der siebziger Jahre in Gang. Der Durchschnittspreis für ein Barrel OPEC-Öl stieg von 13 Dollar Ende 1978 auf 35
Dollar 1981. Diese Erhöhung fraß drei Prozent oder 200 Milliarden Dollar
vom Nationaleinkommen der OECD-Länder auf. Die entsprechende Verringerung
der realen Nachfrage im Westen verringerte die Exporterlöse der Entwicklungsländer und drückte auf die Preise ihrer Rohstoffe. Gleichzeitig erhöhten
steigende Zinssätze und ein starker Dollar die Kosten der Entwicklungsländer für den Schuldendienst von 18 Prozent ihrer Gesamtexporte von 1980
auf 24 Prozent ihrer Exporte 1982.
Das Problem, vor dem die hochverschuldigen Entwicklungsländer stehen,
ist ernst. Steigende Kosten des Schuldendienstes verbrauchen einen wachsenden Anteil an rückläufigen Exporterlösen. Viele Entwicklungsländer
kämpfen heute darum, ihre Exporte zu steigern und ihre Importe zu senken.
Um mit ihren Schuldenproblemen fertig werden zu können, brauchen sie den
Zugang zu unseren Märkten. Das kommt zu einer Zeit, in der wir im Westen
Rekordhöhen der Arbeitslosigkeit, schlechtere Handelsbilanzen und ein geringeres Realeinkommen erleben. Als Ergebnis stehen die internationalen
Finanz-, Handels- und Währungssysteme unter schwerer Belastung.

Das Heilmittel: Weltweites Wirtschaftswachstum
Aber wenn man das Schuldenproblem lösen wollte, ohne das Weltwirtschaftsproblem zu lösen, dann wäre das, als ob man die Glut im Aschenbecker
löschen und das Zimmer in Flammen stehen lassen würde. Die einzige dauer-

- 5 -

�einzige dauerhafte Lösung für das Einkommensproblem der Entwicklungsländer
wie auch für die ernsten wirtschaftlichen Probleme der Industriestaaten ist
anhaltendes weltweites Wachstum.

Ein solches Wachstum wird eine vernünftige

Binnenwirtschaftspolitik erfordern, die die Inflation niedrig hält und Produktion und Investitionen anregt.
Mehrere große Industrieländer sind im Begriff, mit einer Expansion
der Weltwirtschaft voranzugehen.

So ist beispielsweise in den Vereinigten

Staaten die Inflationsrate - gemessen am Verbraucherpreisindex - von 12,4
Prozent 1980 auf nur noch 3,8 Prozent in den diesen Januar abgelaufenen 12
Monaten zurückgegangen.

Die Primarate liegt jetzt bei 10,5 Prozent - der

Hälfte des kürzlichen Höchststandes von 21,5 Prozent.

Im Februar stieg die

Industrieproduktion im dritten Monat hintereinander auf einen Stand von
1,8 Prozent über dem Tiefstand vom November 1981. Und schließlich hat der
Aktienindex von Dow-Jones zum erstenmal in der Geschichte die 1100-Grenze
überschritten.

Der Chef der Volkswirtschaftsabteilung in unserem Handels-

ministerium bezeichnete das als "erstaunlich gute Nachrichten."
Der kürzliche Rückgang der öl preise ist eine weitere gute Nachricht.
So wie die öl Preiserhöhungen in den siebziger Jahren deflationär wirkten,
so dürfte der Preisrückgang expansiv wirken. Man hat geschätzt, daß ein
Rückgang um fünf Dollar pro Barrel das Bruttoinlandsprodukt im OECD-Gebiet
in diesem Jahr um ein halbes Prozent steigern und die Inflationsrate um
einen Prozentpunkt senken und auch zu einer Senkung der Zinsen führen
wird. Niedrigere öl preise mögen einigen öl Produzenten, wie Mexiko, Venezuela
und Nigeria, schaden. Aber der Nutzen aus niedrigeren Zinssätzen und stärkerem wirtschaftlichem Wachstum dürfte weltweit sehr viel größer sein.
Wir stehen jetzt an einem Neubeginn.

Inflation und Energiepreise, die

beiden Hemmschuhe des Wachstums seit Anfang der siebziger Jahre, drücken
nicht mehr so sehr.

In Ottawa und Versailles lag der Nachdruck auf Anti-

inflationspolitik.

In Williamsburg wird sich der Nachdruck verlagern, aber

deutlicher werden.

Die demokratischen Industriestaaten in Nordamerika,

- 6 -

�in Nordamerika, Europa und Asien müssen eine Wirtschaftsstrategie für ein
anhaltendes Wachstum entwickeln, das die Gewinne nicht gefährdet, die wir
in den letzten Jahren errungen haben.

Eine solche Strategie müßte sich

auf vier Gebiete konzentrieren:
Erstens, Stärkung des offenen Handelssystems;
zweitens, Unterstützung des internationalen Finanzsystems;
drittens, Verbesserung des Währungssystems; und
viertens, Entwicklung eines gemeinsames Ansatzes des Bündnisses für die
Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West.

Stärkung des offenen Handelssystems
Der Ministertagung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT)
im November vorigen Jahres ist es nicht gelungen, alles zu schaffen, was
wir uns vorgenommen hatten.

Aber sie hat das GATT-System zusammengehalten

und es in eine, wenn auch noch so langsame, Bewegung in positive Richtung
versetzt.

Die Minister verpflichteten sich, davon Abstand zu nehmen, irgend-

welche Maßnahmen zu ergreifen oder beizubehalten, die mit dem GATT unvereinbar sind.

Diese Verpflichtung, den offenen Handel von Worten in konkretes

Handeln zu übersetzen, ist heute schwieriger und wichtiger denn je.
Das Wirtschaftswachstum stockte Mitte der siebziger Jahre und hat sich
seit 1980 drastisch verlangsamt. In den Jahren 1980 bis 1982 stieg das Realprodukt im OECD-Gebiet nur um zwei Prozent. Entsprechend dieser Verlangsamung des Wachstums ging der Welthandel - der 1981 in seinem Volumen stagnierte - im Jahr 1982 um schätzungsweise zwei Prozent zurück.
Der Schlüssel zum Wiederaufschwung ist verstärkter Handel, nicht weniger Handel.

Doch haben die Rezession und die hohen Arbeitslosenzahlen im

Westen verständlicherweise den protektionistisehen Druck verstärkt. So wird
z. B. in den Vereinigten Staaten der 98. Kongreß auf eine Gesetzgebung
- 7 -

�eine Gesetzgebung drängen, die den einheimischen Anteil an Erzeugnissen zufriedenstellend regelt, wird landwirtschaftliche Subventionen sowie protektionistische Maßnahmen fordern, die die am härtesten getroffenen Sektoren
wie Stahl und Autos betreffen. Auch Europa sündigt. Aufgrund von existierenden freiwilligen Beschränkungsabkommen können jährlich nur 11 von 100
britischen Autokäufern (und nur 3 von 100 französischen) ein neues japanisches Auto wählen.
Diese protektionistischen Maßnahmen drohen, den Prozeß der Wiedergesundung abzuwürgen.

Quoten, Zölle und andere Handelsbarrieren bringen uns

höhere Kosten und verwehren den Kreditnehmerstaaten die Einnahmen in harter
Währung, die sie benötigen, um ihrem Schuldendienst nachzukommen und unsere
Exporte zu kaufen. Umgekehrt bewirkt das offene Handelssystem, daß die
Ressourcen auf produktivste Weise eingesetzt und dadurch mehr Arbeitsstellen
geschaffen als zerstört werden. Folgerichtig hat Präsident Peagan versichert,
daß die Vereinigten Staaten sich nicht von den Prinzipien eines offenen Handelssystems abwenden werden.
Dies bedeutet jedoch nicht, daß wir den handelsverzerrenden Praktiken
anderer Staaten gewissermaßen die andere Wange hinhalten - vor allem bei jenen, die auf Sektoren - wie Landwirtschaft und Dienstleistungen - zu finden
sind, bei denen wir uns vergleichsweise gewisser Vorteile erfreuen. Die
Vereinigten Staaten erkennen keinen Unterschied zwischen Handel auf diesen
Sektoren und Handel mit anderen Gütern.
Die gegen den Wettbewerb gerichteten Praktiken - wie etwa die Exportsubventionen der Europäischen Gemeinschaft - dauern jedoch unvermindert an.
Während die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Vereinigten
Staaten real seit ihrem Höhepunkt im Jahr 1973 stetig zurückgegangen sind,
hat die Landwirtschaftspolitik der Europäischen Gemeinschaft die Preise von
einigen wesentlichen Erzeugnissen künstlich auf einen Preis hochgetrieben,
der um das Doppelte über dem in den Vereinigten Staaten liegt, und dadurch
zu einer hohen Produktion angereizt. Die sich dadurch ergebenden Überschüsse

- 8 -

�ergebenden Überschüsse werden dann mit Hilfe umfangreicher Subventionen
exportiert.

Diese Praxis hat dazu beigetragen, daß die europäischen Bauern

ihren Anteil an Märkten von Drittländern auf Kosten der amerikanischen
Farmer ausgeweitet haben.

Die Vereinigten Staaten sind sich der Probleme bewußt, vor denen die
Führungen in Europa bei der Ausformulierung ihrer Landwirtschaftspolitik
stehen.

Wir haben auf EG-Subventionen mit ernsthaften Verhandlungen und

mit selektiven Maßnahmen geantwortet - so haben wir kürzlich subventioniertes Weizenmehl an Ägypten verkauft.

Das Problem des Protektionismus ist ein wirtschaftliches Problem.

Aber

es ist eine politische Forderung, es zu lösen, bevor es grundlegendere gemeinsame Interessen bedroht.

Außenminister Shultz formulierte es bei einer

Anhörung vor dem amerikanischen Kongreß so:

"Temporäre...

Maßnahmen wie die des Weizenmehl Verkaufs können mit dem

Argument gerechtfertigt werden, daß 'es dumm wäre, vernünftig zu sein, wenn
die ganze Welt verrückt ist'.

Aber die Geschichte hat uns gelehrt, daß tem-

poräre Maßnahmen dahin tendieren, dauerhaft zu werden - und der Vergeltung
wohnt eine Tendenz zur Eskalation inne.

Konstruktive Verhandlungen, bei

der der Unvernunft die Vernunft gegenübergestellt wird, bieten die einzige
dauerhafte Lösung für die Probleme des Protektionismus."
in dem meine Regierung an diese Probleme herangeht.

Dies ist der Geist,

Wir hoffen, daß unsere

Partner ein Gleiches tun.

Unterstützung des internationalen Finanzsystems
Ein starkes offenes Handelssystem wird mehr tun als lediglich die Arbeitslosenproblesnatik der Industriestaaten zu entschärfen.
die Schuldenprobleme der Entwicklungsländer verringern.

Es würde außerdem

Einfuhrbeschränkun-

gen bei den Schuldnerstaaten können nur eine gewisse Menge an harter Währung

- 9-

�harter Währung freistellen; es ist der Zuwachs an Ausfuhren, der den Weg hin
zu ihrer wirtschaftlichen Wiedergesundung weist.
Die Fälle Brasilien, Mexiko und Argentinien haben gezeigt, daß die
Schuldenlast in den Griff zu bekommen ist.

Eine erfolgreiche Strategie um-

faßt eine Kombination kurzfristiger überbrückungsfinanzierung sowie Anpassungsprogramme, die in Verbindung mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)
und den Handelsbanken durchgeführt werden.
Allerdings verringern die Privatbanken nunmehr ihren Anteil an Neukrediten für die Entwicklungswelt.

Neue Bankkredite stiegen zwischen dem ersten

Halbjahr 1981 und dem ersten Halbjahr 1982 nicht mehr an; und Schätzungen
für die zweite Hälfte des Jahres 1982 zeigen einen starken Rückgang neuer
Kreditgewährung.
Ein abrupter Rückgang neuer Kreditvergabe würde die Wiedergesundung
der Schuldnerländer gefährden.

Weniger Kredite würden auch die Erholung in

Amerika und Europa verzögern, da dann die Einfuhren der Entwicklungsländer
aus dem Westen zurückgehen würden.

Die Morgan Guaranty Trust Company schätzt,

daß das Wachstum der OECD im Jahr 1983 nur 1,8 Prozent betragen würde, wenn
die Kapitalströme in die Entwicklungsländer um 25 Milliarden Dollar beschnitten würden - wobei bereits ein Unterschied von einem halben Prozentpunkt ein
beträchtlicher Rückgang wäre.
Die Studie der Morgan Guaranty hat zwar hypothetischen Charakter; aber
Einfuhrrückgänge sind bereits Wirklichkeit.
von Mexiko.

Ein dramatischer Fall ist der

Im Jahr 1982 gingen die mexikanischen Importe aus den Vereinig-

ten Staaten gegenüber 1981 um 37 Prozent zurück.

Infolgedessen ging in einem

einzigen Jahr der amerikanische Warenhandel mit Mexiko von einem 3,7 Milliarden Dollar-Überschuß in ein 4,5 Milliarden Dollar-Defizit über.

Dieser

Umschwung hat nachteilige Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und auf unsere
Beschäftigungslage.
Die Weltwirtschaft
- 10 -

�Die Weltwirtschaft ist gegenüber einem Rückgang viel zu anfällig, als
daß man eine fortdauernde Verringerung der Kreditvergabe an die Dritte Welt
zulassen dürfte.

Die Privatbanken in den Vereinigten Staaten, Europa und

Japan haben ein gemeinsames Interesse daran, genug neue Geldmittel zur Verfügung zu stellen, damit die Entwicklungsländer in die Lage versetzt werden,
ihrem Schuldendienst nachzukommen.

Die westlichen Regierungen haben des-

gleichen ein Interesse daran, daß die Entwicklungsländer über das Kapital
verfügen, um für ihre Einfuhren zu bezahlen, die wiederum die Produktivität
in ihren Ländern erhöhen und zum weltwirtschaftlichen Wachstum beitragen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Teil zu tun. Die ReaganAdministration unterstützt mit Nachdruck die vorgeschlagene Erhöhung der IWFQuoten um 47,5 Prozent. Wir unterstützen gleichfalls die Aufstockung der
Allgemeinen Kreditvereinbarungen (General Arrangements to borrow - GAB) von
7 Milliarden Dollar auf 19 Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten drängen
darauf, daß der Quotenanstieg 1983 - anstatt 1985 - in Kraft treten soll.
Diese Mittel sind nicht erforderlich, um die Entwicklungsländer in die Lage
zu versetzen, alte Schulden abzutragen. Diese Mittel sind notwendig, um
zu einer soliden Politik zu ermutigen - um die Inflation einzudämmen, die
öffentlichen Ausgaben zu kürzen und die Mittel vom Konsum hin zu den Investitionen zu verlagern. Durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel zur Erleichterung dieses Anpassungsprozesses trägt der IWF zur Aufrechterhaltung
der wirtschaftlichen und politischen Stabilität in der Entwicklungswelt bei.
Ich bin zuversichtlich, daß der amerikanische Kongreß sich der engen Verbindung zwischen unserem eigenen Wohlergehen und dem Wachstum der Entwicklungsländer bewußt ist und rasch reagieren wird, damit dem Quotenanstieg
zugestimmt wird.

Verbesserung des Währungssystems
Hilfe für die wirtschaftliche Expansion, die für die Wiederbelebung des
Westens und für die Verringerung der Schuldenlast der Entwicklungsländer not-

- 11 -

�Entwicklungsländer notwendig ist, könnte von einer Stabilität der Devisenmärkte kommen - etwas, was wir in den vergangenen Jahren nicht mehr gehabt
haben.
Finanzströme haben z. B. gewaltige Auswirkungen auf die Bewegungen bei
den Wechselkursen.
Schwierigkeiten.

Dies bedeutet -

vom Standpunkt des Handels aus gesehen -

Im Jahr 1982 führten die Geldströme in die Vereinigten Staa-

ten zur größten Aufwertung des Dollar seit dem Beginn des Floatens bei den
Wechselkursen.

Der starke Dollar erhöhte den Preis amerikanischer Exporte

und verringerte die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie im
Kostenbereich.

Die Wirkung der Aufwertung des Dollar in den anderen Industrie-

staaten bestand in einem Rückgang des Wechselkurses ihrer Währungen und höherer Inflation.

Der starke follar dürfte auch 1983 das amerikanische Han-

delsdefizit erhöhen.
Ein weiteres Problem, vor dem wir beim internationalen Währungssystem
stehen, ist die große Unbeständigkeit der Wechselkurse. So wurde z. B. zwischen Mai und November 1982 der Yen gegenüber dem Dollar von 230 Yen auf
276 Yen abgewertet. Diese Abwertung erhöhte den Preis amerikanischer Ausfuhren nach Japan und auf die Märkte von Drittländern und verringerte den
Preis japanischer Güter für Importe in der ganzen Welt. Zum Jahresende jedoch war der Yen auf sein früheres Niveau von 230 zurückgestiegen.
Die Ursachen für diese Unbeständigkeit von Wechselkursen sind vielgestaltig und komplex. Das Problem geht zu einem großen Teil auf die unterschiedliche Inflation, die unterschiedlichen Kreditzinsen und Zinsen für Spareinlagen in den wichtigsten Industrieländern zurück. Die Vereinigten Staaten
sind der Überzeugung, daß eine Konvergenz der zugrundeliegenden Wirtschaftspolitiken notwendig ist, um eine größere Stabilität bei den Wechselkursen zu
erreichen. Glücklicherweise könnte die auf dem Wirtschaftsgipfel von Versailles vereinbarte multilaterale Überwachungsinitiative dazu beitragen, im
Verlauf der Gesundung enge Konsultationen über die Wirtschaftspolitiken
sicherzustellen.
Wirtschaftsbeziehungen zwischen
- 12 -

�Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West
Ich habe diese Diskussion damit begonnen, die grundlegenden wirtschaftlichen, militärischen und politischen Ziele zu erwähnen, vor denen die westlichen Demokratien stehen.

Diese Ziele sind nicht voneinander getrennt, son-

dern stehen miteinander in Beziehung.

Eine Sicherstellung der wirtschaft-

lichen Expansion verstärkt zugleich unsere anderen Ziele - die Sicherung des
Friedens und die Unterstützung demokratischer Wertvorstellungen sowie die
Tatsache, daß die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sich über die Notwendigkeit einig geworden sind, eine gemeinsame Haltung bei den Ost-West-Beziehungen einzunehmen.
Am 13. November 1982 kündigte Präsident Reagan an, daß die wichtigsten
Industriestaaten des Westens sich "der Notwendigkeit bewußt sind, ihre Beziehungen zur UdSSR und zu Osteuropa auf der Grundlage einer globalen und umfassenden Politik zu gestalten, die dazu entworfen ist, ihren gemeinsamen,
grundlegenden Interessen zu dienen". Als ein Ergebnis wurde mit unseren Verbündeten Konsens darüber erzielt,
- in keine Handelsvereinbarungen einzutreten, die zum militärischen oder
strategischen Vorteil der Sowjetunion beitragen könnten;
- der gewaltig militarisierten Sowjetunion keine Präferenzhilfe zu gewähren; und
- keine neuen Erdgasverträge mit der Sowjetunion zu unterzeichnen, bis
eine neue Studie des Bündnisses über Energiealternativen vorliegt.
Auf der anderen Seite kamen wir überein, die bestehenden Kontrollen
über den Transfer von strategischen Gütern in die Sowjetunion zu verstärken
und zu untersuchen, ob unsere gemeinsame Sicherheit nicht auch neue Kontrollen in bestimmten Bereichen der Hochtechnologie - einschließlich Erdöl- und
Erdgasausrüstung - erforderlich macht.

Wir erzielten auch Einigkeit darüber,

- 13 -

�Einigkeit darüber, auf eine Harmonisierung unserer Exportkreditpolitiken
hinzuarbeiten.
Es ist jedoch wichtig, festzustellen, daß die Vereinigten Staaten nicht
einer Wirtschaftskriegführung das Wort reden.

Wir sind vielmehr ganz ein-

fach der Ansicht, daß Handel mit der Sowjetunion innerhalb eines gemeinsamen
Rahmens betrieben werden sollte, der in Einklang mit unseren politischen und
sicherheitspolitischen Zielvorstellungen steht.

Als Folge dessen hegen die

Vereinigten Staaten den Wunsch nach Aufrechterhaltung eines gegenseitig vorteilhaften Ost-West-Handels auf soliden kommerziellen Grundlagen, während
gleichzeitig strategische Exporte und andere Handelsvereinbarungen begrenzt
werden, die die militärischen Kapazitäten der Sowjetunion erhöhen würden.
Die Studien, die die Verbündeten vereinbart haben, werden vorangetrieben. Wir hoffen, daß erste Ergebnisse rechtzeitig für das Gipfeltreffen
von Williamsburg zur Verfügung stehen werden. Es herrscht zunehmender Konsens über die grundlegenden Prinzipien, die die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West leiten sollten. Die westlichen Regierungen sollten nunmehr die Politik entwickeln, die diesem Konsens konkret Ausdruck verleiht.

Schlußfolgerung
Williamsburg in Virginia spielt in unserer Geschichte eine einzigartige
Rolle. Die Erklärung der Menschenrechte von Virginia (Virginia Bill of Rights)
wurde 1776 in Williamsburg unterzeichnet. Diese Erklärung leitet sich aus
der britischen Magna Charta her; sie fand ihren Widerhall in der französischen
Erklärung der Menschenrechte; und sie hält jene Ideale hoch, die wir im Westen
gemeinsam haben:
"daß alle Menschen von Natur aus gleichermaßen frei und unabhängig sind";
"daß alle Macht im Volke ruht und sich von ihm ableitet";
"daß die
- 14 -

�"daß die Regierung eingesetzt ist oder eingesetzt werden soll

um

des gemeinsamen Wohles, Schutzes und der Sicherheit des Volkes willen".
Wenn sich die Partner des Gipfeltreffens in Williamsburg im Mai einfinden werden, werden wir Gelegenheit haben, diese Ideale erneut zu bekräftigen.

Wir haben die ölschocks, die Inflation und die Rezession überstanden.

Ich bin zuversichtlich, daß wir auch die neuen Herausforderungen meistern
werden,
- das Prinzip eines offenen Handelssystems zu unterstützen;
- die internationalen Währungs- und Finanzsysteme zu stärken; und
- einen neuen Konsens bei den Ost-West-Beziehungen zu entwickeln.
Unsere Aufgabe wird es sein, eine Strategie für nichtinflationäres
Wachstum zu entwerfen. Unser Triumph wird darin bestehen, die Fähigkeit
unserer freien Märkte und demokratischen Regierungen dabei zu demonstrieren,
für das gemeinsame Wohl, den Schutz und die Sicherheit zu sorgen.

- 15 -

�Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of Arnerica

13

23. März 1983

ARBEITSMARKT FÜR NATURWISSENSCHAFTLER UND INGENIEURE
Berufliche Weiterbildung für bestimmte Berufsgruppen immer wichtiger

- (AD) - Computerspezialisten bleiben in den USA auch künftig gesuchte
Leute.

Für die Angehörigen aller übrigen naturwissenschaftlich-technischen

Berufe dagegen pendelt sich seit dem vergangenen Jahr ein Gleichgewicht zwischen Stellenangeboten und Stellennachfrage weitgehend ein.

Dies geht aus

der jüngsten Übersicht der Nationalen Forschungsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten hervor, die im Februar 1P83 veröffentlicht wurde.

Sie basiert

auf einer Reihe von Befragungen und statistischen Erhebungen bei Industrie,
Universitäten, Regierungsbehörden und Berufsverbä'nden, wie sie seit 1984
regelmäßig durchgeführt werden.
Im Vergleich zu einem durchschnittlichen Beschäftigungsanstieg um fünf
Prozent pro Jahr in der Zeit zwischen 1976 und 1980 lagen die Zahlen für 1981
um acht Prozent höher, wobei fünf Prozent auf Ingenieurberufe, aber 11 Prozent auf naturwissenschaftliche Berufe entfielen. Hier wiederum ergab sich
für Computerspezialisten die größte Steigerungsrate, nämlich mehr als 20 Prozent. Auch der Anstieg bei Mathematikern und Ökologie-Spezialisten lag über
dem Durchschnitt, wofür vor allem der Bedarf an Statistikern unf Fachleuten
auf dem Gebiet der Atmosphärenforschung verantwortlich war. Statistiker wurden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Statistiker wurden dringend gebraucht, weil die Privatwirtschaft immer größeren Wert auf Qualitätskontrolle und Trendbeobachtung sowie auf die Straffung von Management-Techniken legt.

Der Grund für den wachsenden Bedarf an

Meteorologen und Spezialisten verwandter Fachrichtungen hatte zum Teil mit
einer intensiveren Suche nach Umweltschutzmaßnahmen und alternativen einheimischen Energiequellen zu tun.

Im Gegensatz dazu lag der Bedarf an Kräften

der Fachgebiete physikalische Wissenschaften und Psychologie weit unter dem
Durchschnitt.

Auch bei den Fachgruppen aus den Ingenieurwissenschaften waren

große Unterschiede erkennbar:

Auf Chemie- und Elektroingenieure - sie mach-

ten etwa ein Viertel aller Ingenieure aus - entfielen zwei Fünftel der Wachstumsrate für die Beschäftigung in diesen Berufszwei gen.
Alles in allem waren im Jahr 1981 von 2,8 Millionen Angehörigen naturund ingenieurwissenschaftlicher Berufe 47 Prozent (1,3 Millionen) im Ingenieurfach, 14 Prozent (400 000) als Computerspezialisten und 39 Prozent
(1,1 Millionen) in natur- und sozialwissenschaftlichen Berufen tätig.

Der

Anteil derjenigen, die außerhalb ihres Fachgebietes beschäftigt waren, blieb
mit 11 Prozent stabil.

Für Arbeitslosigkeit unter Natur- und Ingenieur-

wissenschaftlern wurde ein Prozent (1976: zwei Prozent) ermittelt, d.h. der
Anteil lag weit unter den Zahlen für andere Arbeitnehmer mit beruflicher
Spezialisierung und generell für die amerikanische Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter.

Allgemein sei festzustellen, so der Bericht, daß jeder

Natur- und Ingenieurwissenschaftler, der arbeiten wollte, dies auch konnte,
obgleich nicht ausnahmslos in seinem jeweiligen Fachgebiet von Naturwissenschaft oder Technik.
In einer Tabelle schlüsselt die NSF die prozentuale Verteilung von
Arbeitsplätzen folgendermaßen auf:

- 2 -

�Fachgebiet

Wirtschaft u.
industrie

Ausbildungsinstitutionen

insgesamt

60

18

Ingenieure
insgesamt

77

Naturwiss.
insgesamt

44

29

10

17

53
36
75
50
29
15
24

25
43
10
19
40
40
36

9
11
6
16
14
2
13

13
10
9
15
17
43
28

physik. Wiss.
mathem. Wiss.
Comput. Spez.
Umwelt
Biomed. Wiss.
Psychologen
Sozialwiss.

Bundesbehörden

Andere

13

11

Etwa 28 Prozent aller unselbständig beschäftigten Naturwissenschaftler
und Ingenieure waren 1981 in erster Linie in Forschung und Entwicklung (R?.E),
weitere sieben Prozent für PM-Management tätig. Getrennt betrachtet ergaben
sich jedoch erhebliche Unterschiede: Von der erstgenannten Gruppe waren
17 Prozent in der Forschung, sieben Prozent in der Entwicklung, sechs Prozent
für R&amp;E-Management, 11 Prozent im Management, 15 Prozent als Lehrer, neun Prozent in Produktion und Inspektion eingesetzt. Bei den Ingenieuren dagegen
betrugen die entsprechenden Anteile fünf Prozent, 27 Prozent, neun Prozent,
18 Prozent, zwei Prozent und 19 Prozent.
Seit Mitte 1982 gehen die Stellenangebote der Industrie für Hochschulabsolventen in Natur- und Ingenieurwissenschaften aller akademischen Grade
zurück.

Ausgenommen sind diplomierte Elektroingenieure ("master's degree").

Für den einzelnen bedeutet allerdings der gegewnärtige Trend keine Dauergarantie auf Beschäftigung.

Die

einschlägigen Probleme wurden Ende vergan-

genen Jahres am Massachusetts Institute of Technology (MIT) von ca. 800 Ver- 3 -

�800 Vertreter aus Industrie, Regierungsbehörden und Universitäten erörtert.
Schon für die 35- bis 40jährigen bedeuten die nachrückenden Hochschulabgänger
wegen ihrer auf neueste Entwicklungen abgestellte Fachkenntnisse eine ernste
Konkurrenz. Gegenwärtig wechselten jährlich bereits fünf Prozent der Elektroingenieure ihr Arbeitsgebiet,weil sie sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlten.

Dennoch sei ab 1985 speziell in dieser Berufssparte ein

großer Arbeitskräftemangel zu erwarten.

Da die Hochschulen ihre Aufnahme-

kapazität bereits voll ausschöpften, erhalte die regelmäßige berufliche Weiterbildung der Elektroingenieure immer größeres Gewicht.

Es wurde empfohlen,

dafür jährlich mehrwöchige Kurse vorzusehen, die von Hochschullehrern, sofern
nur irgend möglich, in den Betrieben abgehalten werden sollten.

+ + + + +

- 4 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13

23. März 1983

HÄMODIALYSE BEI EP.YTHEMATODES-FÄLLEN MIT NIERENKOMPLIKATION

- (AD) - Mit mehrwöchiger Hämodialyse, d.h. Blutwäsche über die künstliche Niere, vermochten Pr. Robert S. Swenson und Dr. Norman S. Coplon vom
Klinikum der Stanford-I.'niversität, (Standord, Kalifornien) Patienten zu helfen, die an Erythematodes nit bestimmten nefährlichen Komplikationen leiden.
Erythematodes ist eine chronische Hauterkrankung unterschiedlicher Schweregrade. In ihrem Verlauf kommt es bei manchen Patienten nicht nur zu Schwellungen und Schmerzen an Gelenken und in der Muskulatur, sondern auch zu Schädigungen innerer Organe vne T'ieren, Herz und Leber. Die herkömmliche
Therapie besteht in der Verabreichung von Steroidhormonen wie Prednison,
die je nach dem Zustand des Patienten oft in sehr hohen Dosen gegeben werden
müssen. Bei Daueranwendung können diese Präparate jedoch eine Anzahl unerwünschter, ja gefährlicher Nebenwirkungen haben.
Die meisten Arzte lehnen bei schweren Erythematodes-Fällen mit einer
Nieren-Komplikation angesichts der Kosten und des ohnehin geschwächten Zustandes der Patienten, der zusätzliche physische und psychische Belastungen
nicht ratsam erscheinen läßt, die Anwendung der Dialyse ab.

Die beiden

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die beiden Mediziner der Standord-Universität beobachteten damit jedoch,
wie sie im "New England Journal

of Medicine" (Ausgabe 27. Januar 1983)

berichten, im Verlauf von nunmehr 13 Jahren auffallend günstige Ergebnisse.
Bei insgesamt 28 Fällen, in denen - was allerdings relativ selten vorkommt die Nierenfunktion aufs schwerste beeinträchtigt war und die Steroid-Dosis
noch hätte angesetzt werden müssen, wurden die Patienten über einige Monate
regelmäßig an die künstliche Niere angeschlossen.

Mit Beginn der Dialyse-

Therapie wurden die Steroide abgesetzt.
Im Verlauf dieser Behandlung verbesserten sich die Nierenfunktionen
bei acht der Patienten soweit, daß sie z. T. für lange Zeitabschnitte von
der künstlichen Niere völlig unabhängig wurden.

Und bei 25 der 28 Patienten

waren nach der Dialyse die typischen Erythematodes-Symptome an der Haut verschwunden.

Weshalb, sei noch ein Rätsel, erklärte Swenson, denn die Dialyse

beseitige nur giftige Produkte als Folge des Nierenversagens, nicht aber
Erythematodes-Toxine. Möglicherweise habe der Mechanismus weniger direkt
mit der Dialyse als mit dem Abbau chemischer Nebenprodukte des schweren
Nierenversagens etwas zu tun.
Die beiden Wissenschaftler hoffen, wie sie erklären, Kollegen für
diese Therapie zu interessieren, wenn bei Erythematodes-Patienten die Nierenfunktionsstörungen einen bestimmten Grad erreicht haben. Prednison-Therapie
sollte in der dann erforderlichen überaus hohen Dosierung schon deshalb nicht
angewandt werden, weil sie die Patienten sehr anfällig für Infektionen mache,
von anderen Nebenwirkungen wie Ödembildung und Knochenentkalkung einmal ganz
abgesehen.
In den Vereinigten Staaten leiden etwa 110 000 Menschen an Erythematodes,
einer wahrscheinlich genetisch bedingten chronischen Erkrankung.

Besonders

häufig sind Frauen im dritten und vierten Lebensjahrzehnt betroffen.

Aber

nur bei einem kleinen Prozentsatz trete die Komplikation des Nierenversagens
auf, erklärte Swenson, und nur in solchen Fällen sei eine Dialyse-Therapie
angezeigt.
+ + + + +

- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Moskau zur Beendigung des Blutvergießens in Afghanistan auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA begingen "Afghanistan-Tag" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftsgipfel soll Wachstum in den Mittelpunkt stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsmarkt für Naturwissenschaftler und Ingenieure&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berufliche Weiterbildung für bestimmte Berufsgruppen immer wichtiger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hämodialyse bei Erythematodes-Fällen mit Nierenkomplikation</text>
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                    <text>30. März 1983

14

I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan fordert Verteidigungsprogramm für die Zukunft
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 Das Atlantische Bündnis:

Die Tatsachen und Lehren der Geschichte

- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -

INFORMATION
William Ruckeishaus Direktor der Umweltschutzbehörde

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CHALLENGER-Start für 4. April vorgesehen

Um Uber/endurtQ von
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

14

30. März 1983

REAGAN FORDERT VERTEIDIGUNGSPROGRAMM FÜR DIE ZUKUNFT
- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan forderte in einer vielbeachteten Fernsehrede an das amerikanische Volk am 23. März 1983 ein intensives Forschungsprogramm auf dem Gebiete der Verteidigung, das eines Tages
offensive Atomraketen unwirksam und überflüssig machen soll.

Diese neue Ver-

teidigungstechnik werde jedoch erst im kommenden Jahrhundert wirksam werden,
und deshalb müsse sich der Westen für die nächste Zukunft weiterhin auf eine
wirksame Abschreckung verlassen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich danke Ihnen, daß Sie sich heute abend Zeit für mich nehmen.

Das

Thema, das ich mit Ihnen besprechen möchte, Frieden und Sicherheit, ist sowohl aktuell als auch wichtig - aktuell, weil ich eine Entscheidung getroffen habe, die für unsere Kinder im 21. Jahrhundert neue Hoffnung bietet eine Entscheidung, auf die ich gleich eingehen werde - und wichtig, weil
es um eine sehr große Entscheidung geht, die Sie für sich selbst treffen
müssen.

Dabei geht es um die grundsätzliche Pflicht, die jeder Präsident

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�jeder Präsident und jeder Mensch hat - die Pflicht, den Frieden zu schlitzen und zu stärken.
Anfang dieses Jahres habe ich dem Kongreß einen Verteidigungshaushalt
vorgelegt, der meinem besten Urteil und dem bestem Wissen der Experten
und Spezialisten, die mich beraten, bezüglich dessen entspricht, was wir und
unsere Verbündeten tun müssen, um unsere Völker in den kommenden Jahren zu
schützen.
Dieser Haushalt ist mehr als nur eine lange Liste von Zahlen, denn
hinter all diesen Zahlen steht die Fähigkeit Amerikas, die größte aller
menschlichen Tragödien zu verhindern und unsere freie Lebensform in einer
manchmal gefährlichen Welt zu bewahren. Er ist Teil eines sorgfältigen
langfristigen Planes, Amerika nach zu vielen Jahren der Nachlässigkeit und
der Fehler wieder stark zu machen. Unsere Anstrengungen, die Verteidigung
Amerikas wieder aufzubauen und den Frieden zu stärken, begannen vor zwei
Jahren, als wir eine wesentliche Erhöhung des Verteidigungsprogramms forderten. Seither sind die Beträge für diese zunächst geforderten Erhöhungen
durch Verbesserungen im Management und in der Beschaffung sowie durch andere
Einsparungen um die Hälfte verringert worden. Der Haushaltsvoranschlag,
der jetzt dem Kongreß vorliegt, ist bis an die Grenzen der Sicherheit gestrafft worden. Weitere tiefe Einschnitte können nicht gemacht werden, ohne
die Sicherheit der Nation ernsthaft zu gefährden. Die Entscheidung liegt
bei den Männern und Frauen, die Sie in den Kongreß gewählt haben - und das
heißt, die Entscheidung liegt bei Ihnen.
Ich möchte Ihnen heute abend darlegen, um was es bei dieser Verteidigungsdebatte geht
vorliegende

und warum ich überzeugt bin, daß der jetzt dem Kongreß

Haushaltsantrag notwendig und verantwortungsbewußt ist und Ihre

Unterstützung verdient.

Und ich möchte Ihnen für die Zukunft Hoffnung

machen.
Aber lassen

�Aber lassen Sie mich zuerst erklären, um was es bei der Verteidigungsdebatte nicht geht.

Es geht nicht um ein Ausgabenzahlenspiel.

Ich weiß,

daß Sie in den letzten Wochen mit Zahlen und Prozentzahlen überschüttet
worden sind.

Manche Leute sagen, wir brauchten nur eine fünfprozentige Er-

höhung unserer Verteidigungsausgaben.

Der sogenannte "Alternativhaushalt",

der von Liberalen im Repräsentantenhaus unterstützt wird, würde die Zahl sogar auf zwei bis drei Prozent senken und unsere Verteidigungsausgaben in
den nächsten fünf Jahren um 163 Milliarden Dollar kürzen.

Das Problem mit

all diesen Zahlen ist, daß sie uns wenig genug über die Art von Verteidigungsprogramm sagen, das Amerika braucht, oder über Vorzüge im Sinne der
Sicherheit und Freiheit, die unsere Verteidigungsanstrengung für uns erkauft.
Was bei dieser ganzen Debatte offensichtlich außer acht gelassen wird,
ist die einfache Tatsache, wie ein Verteidigungshaushalt zustande kommt.
Er wird nicht dadurch aufgestellt, daß man entscheidet, eine bestimmte Menge
Dollar auszugeben. Die großen Töne, die gelegentlich zu vernehmen sind
und mit denen behauptet wird, die Regierung versuche ein Sicherheitsproblem
einfach durch Geldausgeben zu lösen, bedeuten nichts anderes als Lärm aus
Unwissenheit heraus.
Wir beginnen damit, uns zu überlegen, was getan werden muß, um den
Frieden zu sichern, und prüfen alle möglichen Bedrohungen unserer Sicherheit.

Dann müssen wir uns auf eine Strategie zur Stärkung des Friedens und

der Verteidigung gegen all diese Bedrohungen einigen.

Und schließlich müs-

sen unsere Verteidigungseinrichtungen dahingehend überprüft werden, festzustellen, was notwendig ist, um uns gegen irgendeine oder alle dieser potentiellen Bedrohungen zu schützen.

Am Schluß wird ausgerechnet, was es kostet,

all diese Ziele zu erreichen, und das Ergebnis ist der nationale Verteidigungshaushalt.
Es ist logisch nicht möglich, einfach zu sagen, wir wollen soundsoviel x Milliarden Dollar weniger ausgeben.

Man kann höchstens sagen, auf

welchen Teil unserer Verteidigungsmaßnahmen wir nach unserer Meinung ver-

- 3 -

�Meinung verzichten könnten und noch immer gegen alle Ernstfälle gesichert
wären.

Jeder, der im Kongreß für eine Kürzung der Verteidigungsausgaben

um einen bestimmten Prozentsatz oder um eine bestimmte Dollarsumme eintritt,
sollte sagen müssen, welchen Teil unserer Verteidigung er streichen möchte;
und er sollte freimütig genug sein, zuzugeben, daß diese Kürzungen eine Kürzung

unserer Verpflichtung gegenüber unseren Verbündeten oder ein größeres

Risiko oder beides zusammen bedeuten würden.

Die Verteidigungspolitik der Vereinigten Staaten basiert auf einer
einfachen Prämisse:

Die Vereinigten Staaten beginnen keinen Krieg. Wir

werden niemals ein Aggressor sein.

Wir halten unsere Stärke aufrecht, um

vor einer Aggression abzuschrecken und uns gegen sie zu verteidigen - um
die Freiheit und den Frieden zu erhalten.

Seit dem Anbruch des Atomzeitalters haben wir danach gestrebt, das Risiko eines Krieges zu verringern, indem wir eine starke Abschreckung aufrechterhalten und indem wir eine echte Rüstungskontrolle anstreben. "Abschreckung" bedeutet einfach:

Sicherstellen, daß jeder Gegner, der an einen

Anqriff auf die Vereinigten Staaten oder unsere Verbündeten oder unsere lebenswichtigen Interessen denkt, zu dem Schluß kommt, daß die Risiken für ihn
alle möglichen Gewinne überwiegen.
angreifen.

Wenn er das begreift, dann wird er nicht

Wir erhalten den Frieden durch unsere Stärke; Schwäche lädt nur

zur Aggression ein.

Diese Strategie der Abschreckung hat sich nicht geändert.
niert weiterhin.

Sie funktio-

Aber was es braucht, um die Abschreckung aufrechtzuerhal-

ten, hat sich geändert.

Es bedurfte einer ganz anderen Art von Streitkräften,

um vor einem Angriff abzuschrecken, als wir noch sehr viel mehr Kernwaffen
besaßen als irgendeine andere Atommacht.

Es bedarf einer ganz anderen Streit-

macht heute, da die Sowjets beispielsweise über genügend treffsichere und
mächtige Kernwaffen verfügen, um praktisch alle unsere landgestützten Raketen
zu vernichten.

Damit soll nicht gesagt werden, daß die Sowjetunion einen

Krieg gegen uns plant.

Und ich glaube auch nicht, daß ein Krieg unausweich-

- 4 -

�Krieg unausweichlich ist - ganz im Gegenteil.

Aber was wir einsehen müssen,

ist die Tatsache, daß unsere Sicherheit darauf basiert, daß wir vorbereitet
sind, allen Bedrohungen zu begegnen.

Es gab eine Zeit, da wir uns auf Küsten-

befestigungen und Geschützbatterien verließen, weil beim damaligen Stand der
Bewaffnung jeder Angriff von See gekommen wäre.

Wir leben heute in einer

anderen Zeit, und unsere Verteidigung muß auf der Erkenntnis und dem Bewußtsein beruhen, wie im Atomzeitalter der Stand der Rüstungen anderer Länder
ist.

Wir können uns den Glauben nicht leisten, niemals bedroht zu werden.
Allein in meinem Leben hat es zwei Weltkriege gegeben.

Wir haben sie nicht

angefangen, ja, wir taten alles, was wir nur konnten, um nicht in sie hineingezogen zu werden.

Aber wir waren für beide schlecht vorbereitet - wären

wir besser vorbereitet gewesen, hätte der Frieden vielleicht bewahrt werden
können.

Seit 20 Jahren häuft die Sowjetunion eine gewaltige militärische Macht
an.

Und sie hörte damit auch dann nicht auf, als ihre Streitkräfte alle An-

forderungen einer legitimen Verteidigungskapazität überstiegen.

Und sie hat

damit immer noch nicht aufgehört, auch jetzt noch nicht.

Während der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte haben die Sowjets ein umfangreiches Arsenal neuer strategischer Kernwaffen aufgebaut - Waffen, die
die Vereinigten Staaten direkt treffen können.

Um ein Beispiel zu nennen:

Die Vereinigten Staaten führten ihre letzte

neue Interkontinentalrakete (ICBM),die MINUTEMAN III, im Jahr 1969 ein, und
derzeit bauen wir unsere sogar noch älteren TITAN-Raketen ab.
die Sowjetunion in eben diesen Jahren getan?

Was aber hat

Nun, seit 1969 hat die Sowjet-

union fünf neue Klassen von ICBM gebaut und diese achtmal verbessert. Als
Ergebnis dessen sind ihre Raketen viel schlagkräftiger und treffsicherer, als
sie es noch vor einigen Jahren waren - und sie fährt damit fort, noch weitere
zu entwickeln,

während unsere in immer größerem Maß veraltet sind.
Gleiches hat
- 5-

�Gleiches hat sich in anderen Bereichen zugetragen.

Im gleichen Zeit-

raum hat die Sowjetunion vier neue Klassen von unterseebootgestützten
ballistischen Raketen und über 60 neue Raketen-Unterseeboote gebaut.

Wir

bauten zwei neue Typen unterseebootgestützter Raketen und zogen dabei zehn
Unterseeboote von ihrer strategischen Mission ab. Die Sowjetunion hat über
200 neue BACKFIRE-Bomber gebaut, und ihr brandneuer BLACKJACK-Bomber ist
derzeit in der Entwicklung.

Wir haben keine neuen Langstreckenbomber mehr

gebaut, seit unsere B-52 vor etwa einem Viertel Jahrhundert disloziert wurden, und wir haben bereits mehrere 100 davon aufgrund ihres Alters aus dem
Dienst gezogen.

Trotz all

dem, was viele Leute glauben, kosten unsere stra-

tegischen Streitkräfte lediglich etwa 15 Prozent des Verteidigungshaushaltes.
Ein weiteres Beispiel dafür, was sich derzeit zuträgt: 1978 hatten die
Sowjets 600 landgestützte nukleare Mittelstreckenraketen und fingen damit an,
die SS-20 hinzuzufügen - eine neue, überaus treffsichere, mobile Rakete mit
drei Gefechtsköpfen. Wir hatten überhaupt keine. Seither haben die Sowjets
ihre Führung ausgebaut. Ende 1979, als Generalsekretär Breschnew erklärte,
"es existiert jetzt ein Gleichgewicht", verfügten die Sowjets über mehr als
800 Gefechtsköpfe. Wir hatten noch immer keine. Diesen Monat vor einem Jahr
schlug Herr Breschnew ein Moratorium, ein Einfrieren, bei der Dislozierung
der SS-20 vor. Aber vergangenen August waren aus ihren 800 Gefechtsköpfen
über 1200 geworden. Wir hatten noch immer keine. Das ist schon ein "Einfrieren". Zu diesem Zeitpunkt kündigte der sowjetische Verteidigungsminister
Ustinow an, daß "auch weiterhin eine annähernde Gleichheit der Streitkräfte
existiert". Doch noch immer fügen ihnen die Sowjets durchschnittlich drei
neue Gefechtsköpfe pro Woche hinzu; sie haben jetzt 1300. Diese Gefechtsköpfe können ihre Ziele innerhalb von wenigen Minuten erreichen. Und wir
haben noch immer keine. Bislang sieht es so aus, als sei die sowjetische
Definition von Parität mit Glück irgendwo zwischen 1300 und Null zu finden zu ihren Gunsten.
Zusammen mit unseren NATO-Verbündeten beschlossen wir daher 1979, beginnend in diesem Jahr, als Abschreckung gegenüber ihren SS-20 und als An-

�als Anreiz für die Sowjetunion, uns in ernsthaften RlistungskontrollVerhandlungen entgegenzukommen, neue Waffen zu dislozieren. Wir werden mit dieser
Dislozierung gegen Ende dieses Jahres beginnen.

Gleichzeitig sind wir jedoch

bereit, unser Programm zu streichen, wenn die Sowjets ihre Waffen abbauen.
Das ist es, was wir die Null-Lösung genannt haben. Jetzt sitzen die Sowjets
am Verhandlungstisch - und ich glaube, man kann zurecht sagen, daß sie ohne
unsere geplanten Dislozierungen nicht dort säßen.
Wenden wir uns jetzt den konventionellen Streitkräften zu. Seit 1974
haben die Vereinigten Staaten 3050 taktische Kampfflugzeuge gebaut.
satz hierzu hat die Sowjetunion doppelt so viele hergestellt.

Im Gegen-

Bei den An-

griffs-Unterseebooten haben die Vereinigten Staaten 27 von Stapel gelassen,
die Sowjetunion 61. Bei den gepanzerten Fahrzeugen haben wir, einschließlich
der Panzer, 11 200 gebaut, die Sowjetunion 54 000 - ein Verhältnis also von
5 : 1 zu ihren Gunsten.

Die Artillerie schließlich:

Hier haben wir 950

Artillerie- und Raketenabschußgeräte gebaut, während die Sowjets mehr als
13 000 herstellten - ein erschreckendes Verhältnis von 14 : 1.
Es gab eine Zeit, da wir in der Lage waren, die größeren sowjetischen
Zahlen durch höhere Oualität auszugleichen. Aber heute bauen sie Waffen,
die genau so technisch ausgeklügelt und modern sind wie die unsrigen.
Mit der Zunahme ihrer militärischen Stärke wurden die Sowjets dazu ermutigt, sie auch auszuweiten. Sie dehnen ihren militärischen Einfluß auf eine
Weise aus, die eine unmittelbare Herausforderung unserer vitalsten Interessen
und der unserer Verbündeten bedeutet. Die folgenden Luftaufnahmen, die meisten
davon bis heute geheim, verdeutlichen diese Tatsache in bezug auf ein Gebiet,
das von entscheidender Bedeutung - und unserem Land sehr nahe - ist: Mittelamerika und das Karibische Becken. Es sind keine dramatischen Aufnahmen,
aber ich glaube, sie können dazu beitragen, Ihnen ein besseres Verständnis
von dem zu vermitteln, worüber ich spreche.
Diese Einrichtung des sowjetischen Nachrichtendienstes für das Sammeln
von Informationen

weniger als 100 Meilen von unserer Küste entfernt ist die
- 7 -

�ist die größte ihrer Art auf der ganzen Welt. Hektar um Hektar von Antennenfeldemund Monitorstationen sind auf amerikanische Militäreinrichtungen und
Vorgänge von hohem Geheimhaltungswert ausgerichtet.

In dieser Anlage in

Lourdes auf Kuba sind 1500 sowjetische Techniker beschäftigt, und die Satelliten-Bodenstation ermöglicht die direkte Kommunikation mit Moskau.

Die Anlage

- m i t einer Größe von 28 Quadratmeilen - wurde im vergangenen Jahrzehnt hinsichtlich ihrer Größe und Leistungsfähigkeit um mehr als 60 Prozent ausgeweitet.
Im Westen Kubas sehen wir hier diesen Militärflugplatz mit seinen modernen, in der Sowjetunion gebauten MIG-23 Flugzeugen.

Die Sowjetunion be-

nutzt diesen kubanischen Flugplatz für ihre eigenen Langstrecken-Spionagemissionen, und zu Beginn dieses Monats begannen zwei moderne sowjetische
Flugzeuge zur Bekämpfung von Unterseebooten von dort aus zu operieren.

Die

sowjetischen Waffenexporte nach Kuba in den vergangenen zwei Jahren lassen
sich in ihrem Ausmaß lediglich mit der Zeit der kubanischen Raketenkrise von
vor 20 Jahren vergleichen.
Das dritte Foto, das als einziges aus dieser Serie bereits veröffentlicht wurde, zeigt sowjetische Militärmaterial, das nach Mittelamerika gebracht wurde. Dieser Flugplatz mit seinen MIG-8-Hubschraubern, seinen Flugabwehrgeschützen und seinen Flugzeugschutzbunkern ist nur eine aus einer Reihe
von militärischen Anlagen in Nicaragua, die sowjetisches Material erhalten
haben, das über Kuba dorthin gelangt ist, und zeigt die massive militärische
Aufrüstung, die in diesem Land betrieben wird.
Auf der kleinen Insel Grenada am südlichen Ende der Karibischen Kette
sind die Kubaner mit sowjetischer Finanzierung und Unterstützung dabei, einen
Flugplatz mit einer Landebahn von 10 000 Fuß Länge zu bauen. Grenada hat
noch nicht einmal eine Luftwaffe. Wozu dient er also? Die Karibik ist eine
sehr wichtige Durchgangsstraße für unseren internationalen Handel und für militärische Kommunikationslinien, über die Hälfte aller amerikanischen öleinfuhren geht durch die Karibik. Der rasche Ausbau des militärischen Potentials
Grenadas steht in keinem Verhältnis zu welcher Bedrohung auch immer, der sich
- 8 -

�der sich dieser Inselstaat mit seinen weniger als 110 000 Einwohnern konfrontiert sehen könnte, und steht in völligem Widerspruch zu den Verhaltensmustern anderer Staaten der östlichen Karibik, von denen die meisten völlig
unbewaffnet sind.

Die sowjetisch-kubanische Militarisierung Grenadas kann,

kurz gesagt, also nur als Machtprojektion in diese Region angesehen werden.
Und es ist die wirtschaftliche und strategische Bedeutung dieses Gebiets, die
uns den Versuch unternehmen läßt, den Regierungen in El Salvador, Costa Rica,
Honduras und anderen Staaten bei ihrem Kampf um Demokratie gegen die Guerilla
zu helfen, die von Kuba und Nicaragua unterstützt wird.
Diese Aufnahmen geben nur einen kleinen Teil der Geschichte wieder.
Ich wünschte, ich könnte Ihnen mehr zeigen, ohne unsere sensitivsten Nachrichtenquellen und -methoden zu kompromittieren.

Aber die Sowjets unter-

stützen auch die kubanischen Mil itärstreitkrä'fte in Angola und Äthiopien.
Sie haben Basen in Äthiopien und im Südjemen, nahe den ölfeldern des Persischen Golfs. Sie haben den von uns in Cam Ranh Bay in Vietnam gebauten
Hafen übernommen, und nunmehr ist die sowjetische Marine - zum erstenmal
in der Geschichte - eine Kraft, mit der im Südpazifik zu rechnen ist.
Manche mögen noch immer fragen, ob die Sowjets wohl jemals ihre gewaltige Militärmacht einsetzen würden? Nun, auch hier: Können wir uns den
Glauben leisten, sie würden es nicht? Da ist Afghanistan, und auch in Polen
verwehren die Sowjets dem Volk, seinen freien Willen zu äußern, und zeigen dadurch der ganzen Welt, wie ihre militärische Macht auch dazu verwendet werden
könnte, andere einzuschüchtern.
Die letzte Tatsache ist, daß die Sowjetunion etwas aufbaut, was man nur
als offensive Militärmacht ansehen kann.

Sie baut auch weiterhin weit mehr

Interkontinentalraketen, als sie überhaupt zur Abschreckung eines Angriffs
benötigt.

Ihre konventionellen Streitkräfte sind nicht so sehr zur Abwehr

eines Angriffes ausgebildet und ausgerüstet, als vielmehr dafür, plötzliche
Überraschungsangriffe zu ermöglichen.
Unsere NATO-

�Unsere NATO-Verbündeten haben eine große Verteidigungslast auf sich
genommen - einschließlich der Wehrpflicht in den meisten Ländern.

Wir ar-

beiten mit ihnen und anderen Freunden überall auf der Welt dabei zusammen,
noch mehr zu tun.

Unsere Verteidigungsstrategie bedeutet, daß wir Streit-

kräfte brauchen, die sehr beweglich sind - Streitkräfte, die über die Ausbildung und die Einsatzbereitschaft verfügen, auf jeden Krisenfall zu reagieren.
Jedes einzelne Objekt unseres Verteidigungsprogramms - unsere Schiffe,
unsere Panzer, unsere Flugzeuge, unsere Mittel für Ausbildung und für Ersatzteile - ist für den einen wichtigen Zweck gedacht: den Frieden zu bewahren.
Unglücklicherweise hat ein Jahrzehnt der Vernachlässigung unserer Streitkräfte unsere Fähigkeit, dies auch zu tun, in Frage gestellt.
Als ich im Januar 1981 mein Amt antrat, war ich entsetzt über das, was
ich vorfand: Amerikanische Flugzeuge, die wegen fehlender Ersatzteile, wegen Mangel an ausgebildetem Personal, wenen fehlendem Treibstoff und Munition
für wichtige Übungen nicht fliegen,und Schiffe, die desv/egen nicht in See
stechen konnten. Unvermeidliches Ergebnis all dessen war eine schlechte
Moral unserer Streitkräfte, Schwierigkeiten bei der Pekrutierung vielversprechender junger Amerikaner für den Dienst in Uniform und Schwierigkeiten
dabei, unser Militärpersonal mit der größten Erfahrung davon zu überzeugen,
seinen Dienst fortzusetzen.
Es erhob sich somit die konkrete Frage, wie gut wir eine Krise überstehen könnten. Und es war offenkundig, daß wir mit einem umfassenden Modernisierungsprogramm beginnen mußten, um sicherzustellen, daß wir vor einer
Aggression abschrecken und den Frieden in den kommenden Jahren bewahren könnten.
Es mußten sofort Schritte unternommen werden, um die grundsätzliche Einsatzbereitschaft und das Standvermögen unserer konventionellen Streitkräfte
zu verbessern, damit sie mit einer Krise fertig werden v/ürden - und dadurch
zu deren Verhütung beitragen könnten. Wir mußten verlorene Investitionsjahre
aufholen, indem wir einen langfristigen Plan zur Vorbereitung unserer Streit- 10 -

�unserer Streitkräfte darauf

verwirklichten, den militärischen Fähigkeiten

unserer Gegner entgegenzuwirken, die diese für die Zukunft entwickelten.
Ich weiß, daß Sie alle den Frieden wollen - und das will auch ich.
Ich weiß auch, daß viele von ihnen ernstlich daran glauben, daß ein Einfrieren der Kernwaffen der Sache des Friedens dienlich wäre. Aber ein solches
Einfrieren zu diesem Zeitpunkt würde uns weniger sicher - und nicht sicherer machen und würde die Gefahr eines Krieges erhöhen, aber nicht vermindern. Es
wäre zu einem großen Teil unverifizierbar und würde unsere Verhandlungen über
eine Rüstungsverringerung ernsthaft untergraben. Es würde die Sowjets für
ihre massive militärische Aufrüstung belohnen und uns gleichzeitig daran hindern, unsere veralteten und immer verwundbareren Streitkräfte zu modernisieren. Warum sollten sie mit ihrer derzeitigen Überlegenheitsmarge Rüstungsverringerungen zustimmen - wissend, daß wir daran gehindert wären, gleichzuziehen?
Glauben Sie mir, es war nicht angenehm für jemanden, der nach Washington
mit dem Entschluß kam, die öffentlichen Ausgaben zu senken, aber wir mußten
mit der Aufgabe vorangehen, unsere Verteidigung zu reparieren, oder wir hätten
unsere Fähigkeit verloren, jetzt und in Zukunft vor Konflikten abzuschrecken.
Wir mußten jedwedem Gegner demonstrieren, daß eine Aggression keinen Erfolg
haben kann und daß die einzig wirkliche Lösung in einer konkreten, ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Rüstungsverringerung besteht • der Art, wie
wir sie derzeit in Genf erarbeiten.
Dank Ihrer starken Unterstützung und dank der überparteilichen Unterstützung durch den Kongreß

haben wir damit begonnen, einen Umschwung herbei-

zuführen-. Schon lassen sich einige sehr ermutigende Ergebnisse erkennen.

Die

Rekrutierung von qualifizierten Bewerbern und der Verbleib bei den Streitkräften nehmen gewaltig zu - immer mehr Schul- und Hochschulabgänger wählen die
militärische Karriere, und immer mehr erfahrenes Militärpersonal entscheidet
sich dafür, zu bleiben.

Unsere Männer und Frauen in Uniform bekommen endlich

die Werkzeuge und die Ausbildung, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu tun.
Fragen Sie
- 11 -

�Fragen Sie nach im Lande, vor allem unter den jungen Menschen, und ich
glaube, Sie werden eine völlig neue Haltung gegenüber dem Dienst für ihr Land
finden.

Dies spiegelt mehr wider als nur bessere Bezahlung, bessere Aus-

rüstung und bessere Führung.

Sie haben, das amerikanische Volk hat diesen

jungen Menschen ein Zeichen gegeben, daß es wieder eine Ehre ist, die Uniform
zu tragen.

Das ist nicht etwas, was man mit Haushaltszahlen messen kann, aber

es ist ein sehr realer Teil der Stärke unserer Nation.
Es wird noch länger dauern, die Art von Ausrüstung zu schaffen, die
wir brauchen, um den Frieden auch in der Zukunft zu bewahren, aber wir haben
einen guten Anfang gemacht.
Wir haben 21 Jahre lang keinen neuen Langstreckenbomber mehr gebaut.
Jetzt bauen wir die B-l. Wir haben seit 17 Jahren kein neues strategisches
Unterseeboot mehr vom Stapel gelassen. Jetzt bauen wir pro Jahr ein TRIDENTUnterseeboot. Unsere landgestützten Raketen sind in zunehmendem Maß von den
vielen, riesigen, neuen sowjetischen Interkontinentalraketen gefährdet. Wir
sind dabei, herauszufinden, wie wir dieses Problem lösen. Gleichzeitig führen wir die START- und INF-Verhandlungen mit dem Ziel, umfangreiche Verringerungen bei den strategischen Arsenalen und den nuklearen Mittel Streckensystemen auf beiden Seiten zu erreichen.
Wir .laben ebenfalls mit der seit langem erforderlichen Modernisierung
unserer konventionellen Streitkräfte begonnen. Die Armee erhält ihren ersten
neuen Panzer seit 20 Jahren. Auch die Luftstreitkräfte werden modernisiert.
Wir bauen ferner unsere Flotte wieder auf, die von 1000 Schiffen Ende der sechziger Jahre auf 453 Schiffe im Laufe der siebziger Jahre geschrumpft war.
Unser Land benötigt eine überlegene Marine, um unsere Streitkräfte und unsere lebenswichtigen Interessen in Übersee unterstützen zu können. Wir sind
jetzt dabei, eine Flotte von 600 Schiffen zu schaffen und die amphibische
Kapazität unserer Marineinfanteristen zu verstärken, die im Augenblick für
die Sache des Friedens im Libanon Dienst tun. Und wir bauen eine reale Kapazi
tat zur Unterstützung unserer Freunde in dem überaus wichtigen Bereich des
Indischen Ozeans und des Persischen Golfs auf.
Dies alles
- 12 -

�, Dies alles ist eine größere Anstrengung, und sie ist nicht billig.
Sie kommt zu einer Zeit, da unser Haushalt unter manch anderem Druck steht
und das amerikanische Volk während der Rezession bereits große Opfer bringen
mußte.

Aber wir dürfen uns nicht durch jene in die Irre führen lassen, die

die Verteidigung wieder einmal zum Sündenbock des Bundeshaushaltes machen
möchten.
Tatsache ist, daß wir in den letzten Jahrzehnten eine dramatische
Verlagerung in den Ausgaben der amerikanischen Steuerzahler erlebt haben.
Noch 1955 betrugen die Personal kosten etwa 20 Prozent des Bundeshaushaltes.
Im Verlaufe von nahezu drei Jahrzehnten stiegen diese Ausgaben ständig, und
in diesem Jahr werden sie sich auf 49 Prozent des Haushaltes belaufen.

Dem-

gegenüber nahm die Verteidigung im Jahr 1955 mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ein.

1980 waren diese Ausgaben auf 23 Prozent gesunken.

Selbst

mit der Erhöhung, um den ich in diesem Jahr ersuche, wird die Verteidigung
nur 28 Prozent des Haushaltes ausmachen.
Die Forderungen nach einer Verminderung des Verteidigungshaushaltes
sehen rein zahlenmäßig ganz gut aus. Solche schönen Reden haben die Demokraten
in den dreißiger Jahren veranlaßt, die Verteidigung zu vernachlässigen, und
haben den Weg für die Tragödie des Zweiten Weltkrieges geebnet.

Wir dürfen

es nicht zulassen, daß sich durch Apathie oder Vernachlässigung dieses schreckliche Kapitel der Geschichte wiederholt.
Deswegen spreche ich heute abend zu Ihnen - um Sie mit allem Nachdruck
aufzufordern, Ihren Senatoren oder Kongreßabgeordneten zu sagen, daß Sie wissen, daß wir mit dem Wiederaufbau unserer militärischen Stärke fortfahren
müssen.
Wenn wir mittendrin aufhören, dann geben wir damit Freunden und Gegnern
gleichermaßen ein Signal des Nachlassens, des verminderten Willens.

Freie

Menschen müssen sich freiwillig, durch die offene Debatte und mit demokratischen Mitteln den Herausforderungen entgegenstellen, die durch die totalitären Mächte aufgrund von Zwang entstehen.
Es liegt
- 13 -

�Es liegt an uns - an unserer Zeit -,eine Entscheidung zu treffen zwischen der schweren, aber notwendigen Aufgabe, den Frieden und die Freiheit
zu bewahren, und der Versuchung, unsere

Pflicht einfach zu verleugnen und

das Beste zu hoffen, während die Feinde der Freiheit Tag für Tag stärker
werden.
Die Lösung liegt durchaus in unserer Reichweite.

Um sie jedoch zu er-

reichen, gibt es einfach keine Alternative, als weiterhin in diesem Jahr,
mit diesem Haushalt, die Mittel zur Verfügung zu stellen, die wir zur Wahrung des Friedens und zur Sicherung unserer Freiheit benötigen.
Bisher habe ich Ihnen heute abend meine Gedanken über die Probleme der
nationalen Sicherheit dargelegt, denen wir uns gemeinsam stellen müssen. Meine
Vorgänger im Weißen Haus sind bei anderen Gelegenheiten vor Ihnen erschienen,
um Ihnen die von der sowjetischen Macht ausgehende Bedrohung aufzuzeigen, und
haben Maßnahmen vorgeschlagen, um dieser Bedrohung zu begegnen. Aber seit
der Existenz von Kernwaffen richteten sich diese Maßnahmen in immer stärkerem
Maße auf die Abschreckung vor einer Aggression durch die Ankündigung der
Vergeltung. Diese Methode, Stabilität durch Offensivandrohung zu erreichen,
hat funktioniert. Uns und unseren Verbündeten ist es gelungen, über drei
Jahrzehnte hinweg einen Atomkrieg zu verhindern. In den letzten Monaten jedoch haben meine Berater, insbesondere auch die Chefs des gemeinsamen Stabes,
die Notwendigkeit unterstrichen, aus einer Zukunft auszubrechen, die sich im
Hinblick auf unsere Sicherheit ausschließlich auf offensive Vergeltung stützt.
Im Verlauf dieser Diskussionen wurde ich immer fester davon überzeugt,
daß der menschliche Geist in der Lage sein müsse, sich darüber zu erheben,
mit anderen Nationen und Menschen dadurch umzugehen, daß man ihre Existenz
bedroht. Aus diesem Gefühl heraus bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß
wir jede Möglichkeit zum Abbau der Spannungen und zur Einführung einer größeren
Stabilität im strategischen Kalkül beider Seiten gründlich prüfen müssen.
Einer der wichtigsten Beiträge, die wir leisten können, ist natürlich eine
Senkung des Standes aller Rüstungen, vor allem der Nuklearrüstungen. Wir
führen derzeit eine Reihe von Verhandlungen mit der Sowjetunion, um eine
- 14 -

�um eine beiderseitige Verringerung der Waffen zu erreichen.

Ich werde Ihnen

morgen in einer Woche über meine Überlegungen in dieser Hinsicht berichten.
Wenn sich die Sowjetunion unseren Bemühungen anschließen wird, große
Rüstungsverringerungen herbeizuführen, dann wird es uns gelungen sein, das
nukleare Gleichgewicht zu stabilisieren.

Trotzdem wird es weiterhin notwen-

dig sein, sich auf das Schreckgespenst der Abschreckung zu verlassen - auf
die gegenseitige Bedrohung, und das ist ein schlimmer Kommentar zum Zustand
des Menschen.
Wäre es nicht besser, Menschenleben zu retten, als sie zu rächen? Sind
wir nicht in der Lage, unsere friedlichen Absichten zu demonstrieren, indem
wir all unsere Fähigkeiten und unseren 'Einfallsreichtum einsetzen, um eine
wirklich dauerhafte Stabilität zu erreichen? Ich glaube, wir können es,
ja wir müssen es!
Nach sorgfältiger Konsultation mit meinen Beratern, einschließlich der
Chefs des gemeinsamen Stabes, bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß es
einen Weg gibt. Teilen Sie mit mir eine Vision der Zukunft, die Hoffnung
bietet.

Sie besteht darin, daß wir ein Programm in die Wege leiten, um der

schrecklichen sowjetischen Raketenbedrohung mit Maßnahmen zu begegnen, die
defensiv sind.

Wollen wir uns auf eben die Stärken unserer Technologie be-

sinnen, die unsere große industrielle Basis hervorgebracht und uns die Lebensqualität geschenkt hat,

der

wir uns heute erfreuen.

Wie wäre es, wenn freie Menschen sicher leben könnten in dem Wissen,
daß ihre Sicherheit nicht auf der amerikanischen Drohung einer sofortigen
Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen Angriff abzuschrecken; daß wir
strategische Raketen abfangen und vernichten könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen?
Ich weiß, daß das eine gewaltige technische Aufgabe ist - eine Aufgabe,
die nicht vor Ende dieses Jahrhunderts bewältigt sein dürfte.

Und doch hat

die derzeitige Technologie einen Stand der Verfeinerung erreicht, daß es
- 15 -

�daß es durchaus vernünftig ist, wenn wir uns an diese Aufgabe machen.

Es

wird jahrelanger, vielleicht jahrzehntelanger Anstrengungen auf vielen Gebieten bedürfen.

Es wird Fehlschlage und Rückschläge geben, aber es wird

auch Erfolgs und Durchbrüche geben.

Und während wir an diesen Dingen arbei-

ten, müssen wir in der Erhaltung der nuklearen Abschreckung und der Aufrechterhai tung einer soliden Fähigkeit für die flexible Antwort konstant
bleiben.

Aber ist das nicht alle die Investitionen wert, die die freie Welt

wegen der Drohung eines Atomkrieges machen muß?

Wir wissen, daß es das wert

ist.
In der Zwischenzeit werden wir weiterhin wirkliche Verringerungen der
Kernwaffen anstreben, indem wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln, die nur durch eine Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte
gehalten werden kann. Gleichzeitig müssen wir Schritte unternehmen, um das
Risiko eines konventionellen militärischen Konflikts zu verringern, der zu
einem Nuklearkrieg eskalieren könnte, indem wir unsere nichtnuklearen Kapazitäten stärken. Amerika besitzt - heute - die Technologien, um ganz bedeutsame Verbesserungen der Wirksamkeit unserer konventionellen, nichtnuklearen
Streitkräfte zu erreichen. Wenn wir diese neuen Technologien kühn nutzen,
können wir einen etwaigen Anreiz, den die Sowjetunion haben könnte, mit einem
Angriff auf die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten zu drohen, wesentlich verringern.
Wenn wir unser Ziel der Defensivtechnologien verfolgen, dann sind wir
uns darüber im klaren, daß unsere Verbündeten sich auf unsere strategische
Offensivmacht stützen, um vor einem Angriff gegen sie abzuschrecken. Ihre
lebenswichtigen Interessen und die unsrigen sind unauflöslich miteinander
verbunden - ihre Sicherheit und die unsrige sind eins. Und kein Wandel in
der Technologie wird diese Tatsache ändern. Wir müssen und werden unsere Ver
pflichtungen weiterhin erfüllen.
Ich bin mir völlig darüber im klaren, daß Verteidigungssysteme Grenzen
haben und bestimmte Probleme und Unsicherheiten aufwerfen. Wenn sie mit
Offensivsystemen gepaart werden, dann könnten sie als Nährboden einer aggres- 16 -

�einer aggressiven Politik betrachtet werden, und das will niemand.
Aber unter genauer Berücksichtigung all dieser Überlegungen rufe ich
die Gemeinschaft der Wissenschaftler, die uns die Kernwaffen gegeben haben,
auf, ihre großen Talente der Sache der Menschheit und des Weltfriedens zu
widmen; uns die Mittel an die Hand zu geben, um diese Kernwaffen unwirksam
und übet flüssig zu machen.
Heute abend unternehme ich - in Übereinstimmung mit unseren Verpflichtungen des ABM-Vertrages (Vertrag über Raketen-Abwehrraketen) und eingedenk
der Notwendigkeit enger Konsultationen mit unseren Verbündeten - einen ersten
wichtigen Schritt. Ich gebe die Anweisung zu einer umfassenden und intensiven Anstrengung, ein langfristiges Forschungs- und Entwicklungsprogramm auszuarbeiten, um unserem Endziel näher zu kommen, die Bedrohung durch strategische
Nuklearraketen zu beseitigen. Das würde den Weg für Rüstungskontrollmaßnahmen
zur Beseitigung der Waffen selbst ebnen. Wir erstreben weder militärische
Überlegenheit noch politische Vorteile. Unser einziges Ziel - das alle Menschen
teilen - ist das Streben nach Mitteln und Wegen, um die Gefahr eines Atomkrieges
zu verringern.
Meine amerikanischen Landsleute, wir nehmen heute eine Sache in Angriff,
die die Verheißung in sich trägt, den Kurs der menschlichen Geschichte zu verändern.

Es wird Risiken geben, und Ergebnisse brauchen ihre Zeit.

bin sicher, mit Ihrer Unterstützung werden wir es schaffen.

+ + + + +

- 17 -

\ber ich

�14

30. März 1983

DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS: DIE TATSACHEN UND LEHREN DER GESCHICHTE
- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenminisrers -

BERLIN - (AD) - Der stellvertretende US-Außenminister, Kenneth
W. Dam, der sich gegenwärtig auf einer Europareise befindet, gab
am 25. März 1983 in einer Rede vor der Atlantik-Brücke und dem
American Council on Germany in (Isrlin einen Überblick über die
Bündnispolitik der Vereinigten Staaten. Die Rede hat folgenden
Wortlaut:
Wie i le wissen, feiern wir in diesem Jahr den 300. Jahrestag
der deutschen Einwanderung in die Vereinigten Staaten, was ein
Ausdruck der Wertschätzung des gewaltigen Beitrags ist, den
Deutsche für Amerika geleistet haben.
Deutsche, die sich in meinem Lande niederließen, haben dessen Literatur, Kunst, Wissenschaft, Gelehrsamkeit, Industrie,
Handel, Religion, Philosophie, Küche und alle Dimensionen des
amerikanischen Lebens bereichert - ganz abgesehen vom amerikanischen Bier. Im 19. Jahrhundert entstanden in Amerika Universitäten
und Hochschulen nach dem Muster von Einrichtungen der höheren Bildung in Deutschland. Erfinder wie George Westinghouse und Karl
Steinmetz, Unternehmer wie John Jacob Astor, Staatsmänner wie Carl
Schurz - die Liste ließe sich beliebig fortsetzen - haben den Stempel ihres Genies aufgedrückt. Es ist besonders angebracht, vor der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�vor der Atlantik-Brücke darauf hinzuweisen, daß ein Gebiet, auf
dem deutschstämmige Ingenieure einen besonders bemerkenswerten
Beitrag geleistet haben, der Brückenbau war.
Dieses Erbe ist nur ein Ausdruck von vielen dafür, daß
Deutschland, Europa und Amerika heute das Produkt einer
gemeinsamen Geschichte sind und vor einem gemeinsamen Schicksal
stehen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird das

durch nichts deutlicher symbolisiert als durch die Stadt
Berlin.

Es ist eine zutiefst bewegende Erfahrung für jeden

Amerikaner, diese Stadt zu besuchen.

Für alle Menschen meiner

Generation bleibt Berlin immer die Stadt der Luftbrücke, die
Stadt, die so grausam durch eine Mauer geteilt ist, die den
moralischen und politischen Kampf unserer Zeit so augenfällig
macht; die Stadt, wo Präsident Kennedy vor 20 Jahren meine
Landsleute erneut verpflichtete, zur Erhaltung der Freiheit
ihrer tapferen Bewohner beizutragen.
Deutschland und Berlin bedeuten einen wichtigen Abschnitt
meines Lebens. Ich habe hier gelebt, und meine Erfahrungen
haben sich tief in meine Erinnerung eingegraben. Ich werde
niemals ein friedliches Wochenende vergessen, das ich 1961 nur eine Woche vor dem Mauerbau - in Berlin verbrachte. Und
ich werde auch nicht den Sommer 1976 vergessen, den ich in
Zehlendorf verbrachte, als mein fünfjähriger Sohn jeden Morgen
an der Mauer entlanggehen musste, um zu seinem Kindergarten zu
kommen.
Für einen Amerikaner bedeutet ein Aufenthalt in Berlin
nicht nur, von einigen Illusionen über die Welt Abschied nehmen
zu müssen, sondern auch neuerwachten Stolz auf den Mut und den
Glauben an die Sache der Freiheit, den unsere deutschen Freunde
bewiesen haben.

Aus all diesen -

historischen, politischen,

moralischen und persönlichen - Gründen bin ich stolz, auf

- 2 -

�stolz, auf dieser Konferenz in dieser Stadt sprechen zu dürfen.
Das Atlantische Bündnis:

Vergangenheit und Zukunft

Dieses Jahr feiern wir auch das 34. Jahr eines gemeinsamen
historischen Unterfangens - unseres Atlantischen Bündnisses.
"Es liegt auf der Hand, daß der Atlantikpakt keine
Inprovisation ist", so sagte einst Aussenminister Dean Acheson,
"er ist eine Feststellung von Tatsachen und Lehren der
Geschichte."

Acheson wusste, daß die Tatsachen und Lehren der

Geschichte nur Richtschnur zum Handeln sind; sie garantieren
noch kein Handeln.

Acheson, der an der Schaffung des

Bündnisses mitwirkte, wusste, daß es geschaffen werden musste.
Es kam nicht von allein; es bedurfte der Klugheit und einigen
Mutes, es zustande zu bringen.

Jetzt, in einer neuen Ära der

Geschichte, liegt es an uns, die gleiche Klugheit und den
gleichen Mut zu beweisen, um seinen Fortbestand zu sichern.
Ich bin heute hier, um Sie der anhaltenden Verpflichtung
meines Landes zu versichern, mit all seinen Verbündeten daran
zu arbeiten, unsere gemeinsame Sicherheit, Freiheit und das
gemeinsame Wohlergehen für die kommenden Generationen zu
gewährleisten.
Aber wir können nicht umhin, uns daran zu erinnern, daß die
Geschichte von vielen Bündnissen zu berichten weiss, die längst
vergangen sind.

Thukydides schrieb einsichtsreich über die

Probleme und die Unsicherheit von Zusammenschlüssen.

Seit den

Anfängen des europäischen Staatensystems bedeutete das
Überleben in einer Welt konkurrierender Mächte, daß das Konzept
der Souveränität sich wohl oder übel mit der Notwendigkeit von
Bündnissen abfinden musste.

Die Geschichte der europäischen

Diplomatie ist voller Beispiele von Bündnissen, die gebildet
wurden, um unterschiedlichen politischen, militärischen oder

- 3 -

�militärischen oder

sogar religiösen Zielen zu dienen.

Und

viele von ihnen hielten nicht lange.
Im Vergleich dazu stellt das Atlantische Bündnis eine
bemerkenswerte, ja einzigartige Leistung dar.

Es ist ein

freiwilliger Zusammenschluss von Demokratien, die sich
vereinigt haben nicht nur zu dem Zweck, ihr Territorium,
sondern auch ihre Grundsätze und Werte zu verteidigen, die eine
ganze Zivilisation versinnbildlichen.

Artikel 2 des

Nordatlantikvertrages nennt als gemeinsame Zielsetzungen nicht
nur die kollektive Sicherheit, sondern auch die Festigung
freier Institutionen , die Förderung der Voraussetzungen für
Stabilität und Wohlergehen, die Beseitigung von Gegensätzen in
ihrer internationalen Wirtschaftspolitik sowie die Förderung
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

In der ersten Zeit nach

dem Weltkrieg sahen sich die westlichen Demokratien
Herausforderungen gegenüber, die gegen all
Zielsetzungen gerichtet waren.

diese gemeinsamen

Ihre Reaktion war schöpferisch

und mutig.
So hatte zum Beispiel der Marshall-Plan weit mehr als
lediglich ökonomische Bedeutung.

Die Führer Europas und der

Vereinigten Staaten nahmen sich eine der bitteren Lektionen zu
Herzen, die der Friede nach dem Ersten Weltkrieg gelehrt hatte,
und erinnerten sich daran, daß die wirtschaftliche
Wiedergesundung Deutschlands von entscheidender Bedeutung für
die wirtschaftliche - und politische - Wiedergesundung des
übrigen Europas war.

Sie erkannten, daß die europäische

Wirtschaft ein geographisches Ganzes war und nicht einfach nur
auf der Grundlage des nationalstaatlichen Denkens
wiederaufgebaut werden konnte.

Die amerikanische

Wirtschaftshilfe wurde unter der Bedingung zur Verfügung
gestellt, daß die europäischen Staaten bei ihrer Zuweisung
zusammenarbeiteten.

Als Antwort schufen sie die ersten

- 4 -

�die ersten Institutionen der wirtschaftlichen Integration
Europas.

Unsere Führer schufen auch die NATO unter denselben

kooperativen Vorstellungen, um so einen Schutzschild gegen
Aggression ins Leben zu rufen.

Hinter diesem Schild begann und

beschleunigte sich der wirtschaftliche Wiederaufschwung.

Diese

Nachkriegsordnung in Europa sicherte der Freien Welt eine
beispiellose Ära der Sicherheit, des Wohlstandes und des
menschlichen Fortschritts.
Aus den Tatsachen und Lehren dieses Teils der jüngeren
Geschichte ergibt sich zweierlei.

Zum einen:

Unsere

wirtschaftlichen, politischen und militärischen
Herausforderungen sind miteinander eng verwoben.
wichtigere Lehre ist die:

Eine noch

Die Demokratien können nur dann

solch gewaltige Herausforderungen bestehen, wenn sie den
Weitblick und Willen besitzen, gemeinsam zu handeln.

Trotz

dieses stolzen historischen Hintergrundes - und vielleicht auch
wegen der Selbstgefälligkeit, die ein solcher Erfolg mit sich
brachte - ist das Bündnis heute das Ziel von Kritik und von
nicht geringem Pessimismus.

Eine Generation nach seiner

Gründung fragen manche Leute, ob es noch den radikal neuen
Bedingungen angemessen sei.

Andere wiederum fragen, ob seine

Mitglieder noch immer die gemeinsamen Interessen an vielen
Fragen teilen.

Manche zweifeln daran, daß die freien Nationen

noch den Willen haben, ihre Solidarität zu bewahren.

Die

Gefahren, vor denen wir heute stehen, scheinen nicht so
dramatisch wie die wirtschaftliche Verwüstung, die politische
Instabilität und die offenen militärischen Bedrohungen, die uns
ursprünglich Ende der vierziger Jahre zusammenführten.

Und

dennoch könnten sie gerade aus diesem Grund heimtückischer und
nicht weniger bedrohlich für unsere Lebensweise und für die uns
allen gemeinsamen Werte sein.

Wir müssen uns bewußt zu neuer

Hingabe aufraffen, um diese neuen Gefahren bewältigen zu
können.

Wenn wir so tun, als ob nichts wäre, dann könnte das

- 5 -

�könnte das fatal sein.
Wie Ende der vierziger Jahre erstrecken sich die Probleme, vor
denen wir stehen, auf weite Bereiche:
Im Bereich der Wirtschaft stehen wir vor der Gefahr eines
wachsenden Protektionismus, zunehmender Schulden, niedrigen
Wachstums und erschreckend hoher Arbeitslosigkeit.
Im Bereich der Sicherheit müssen wir auf eine beispiellose
militärische Aufrüstung der Sowjets reagieren.
Im Bereich der Politik gab es bei zu vielen Fragen
Meinungsverschiedenheiten.

Hier besteht die Notwendigkeit,

eine neue gemeinsame Strategie auszuarbeiten, um der
sowjetischen Herausforderung zu begegnen und die uns allen
gemeinsamen Werte zu sichern.
Unsere Aufgabe ist es, diese Probleme mit Nüchternheit,
Vernunft und Kreativität anzupacken.

Unsere Aufgabe ist es,

sicherzustellen, daß unsere Vielfalt unser Bündnis bereichert,
anstatt es zu schwächen.
selbst lösen.

Die Probleme werden sich nicht von

Dennoch bin ich zuversichtlich, daß wir durch

staatsmännisches Handeln und durch eine gemeinsame Anstrengung
diese Hindernisse überwinden können - genau wie wir so viele
andere überwunden haben.

Dies erinnert mich an eine Zeile aus

Lessings "Minna von Barnhelm":

"Mann spricht selten von der

Tugend, die man hat; aber desto öfter von der, die uns fehlt."
Lassen Sie mich nun auf die drei Problemkreise eingehen,
vor denen wir stehen - die wirtschaftlichen, die militärischen
und die politischen - sowie auf deren inneren Zusammenhang, um
dann einige Vorschläge zu machen, wie wir sie gemeinsam einer
Lösung zuführen können.

�zuführen können.
Die wirtschaftliche Dimension
Das tägliche Leben unserer Bürger wird durch unsere
Probleme im wirtschaftlichen Bereich auf das Unmittelbarste
berührt.

Wir kommen jetzt aus einer Rezession heraus, die 17

Monate dauerte.

Die Rezession war die längste seit Ende des

Zweiten Weltkriegs.

Die Wirtschaftstätigkeit in Nordamerika

und Europa ging zurück; Japans industrielle Produktion flachte
ab; das Wachstum in mehreren Entwicklungsländern stagnierte
unter dem Gewicht von 700 Milliarden Dollar internationaler
Schulden.

Die Arbeitslosigkeit ging steil in die Höhe - in den

24 Industrieländern der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind 32 Millionen
Menschen ohne Arbeit.
Wir wissen alle, daß diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten
Not verursacht haben.

Und was ebenso bedeutsam ist:

Sie haben

in einigen Ländern das demokratische System belastet und in
anderen politische Umwälzungen hervorgerufen.
Protektionistischer Druck und Handelsstreitigkeiten haben die
politischen Bande zwischen alten Verbündeten auf die Probe
gestellt.

In einigen Ländern haben die wirtschaftlichen

Belastungen die Fähigkeit - oder zumindest die Bereitschaft geschwächt, auf die gefährliche militärische Aufrüstung der
Sowjetunion zu reagieren, und haben zu etwas geführt, was
manche unter uns als ein unglückliches Maß an Abhängigkeit vom
Handel mit Osteuropa und der Sowjetunion erachten.
In der siebziger Jahren waren die Demokratien nach dem
ersten Ö'lschock klug genug, in einem beachtlichen Maß
zusammenzuarbeiten.

Bei fallenden Wachstumsraten, bei

steigender Inflation, bei zunehmender Arbeitslosigkeit und bei

- 7 -

�und bei explodierenden Energiekosten überstanden wir die
Umwandlung des internationalen Währungssystems von festen zu
floatenden Wechselkursen.

Wir haben Vorkehrungen dafür

getroffen, wie in Krisenzeiten die Energievorräte aufgeteilt
werden.

Wir sind - wie unvollkommen auch immer - mit den

Auswirkungen der gewaltigen Verschiebungen bei der Verteilung
der Reichtümer dieser Welt fertig geworden, die aus dem Anstieg
des Ölpreises herrührten.
Heute stehen wir nach der durch den zweiten Ölschock
hervorgerufenen Wirtschaftskrise vor der Aussicht auf eine
anhaltende, langfristige Wiedergesundung.
In einigen der wichtigsten Industrieländer erkennen wir die
ersten Anzeichen eines neuen kraftvollen und nichtinflationären
Wachstum. So ging zum Beispiel in den Vereinigten Staaten die
Inflation - am Verbraucherpreisindex gemessen - von 12,4
Prozent im Jahr 1980 auf lediglich 3,8 Prozent in den diesen
Januar abgelaufenen 12 Monaten zurück. Die Primarate liegt
nunmehr bei 10,5 Prozent - bei etwa der Hälfte gegenüber ihrem
jüngsten Höchststand von 21,5 Prozent. Die Firmenaufträge
stiegen im Januar um 2,4 Prozent, während seit einem Jahr der
Überhang bei den Lagerbeständen Schritt für Schritt
zurückgeht. Schließlich hat der Aktienindex von Dow-Jones zum
erstenmal in der Geschichte die 1100-Grenze überschritten.
Der kürzliche Rückgang bei den Ölpreisen wird uns allen
dabei helfen, unsere Gewinne gegenüber der Inflation zu
konsolidieren, und dies sogar, während wir in eine
wirtschaftliche Expansionsphase eintreten. Aber unsere
Aussichten auf Wiedergesundung werden durch zwei drohend
aufragende Probleme verdunkelt, die allein durch kooperative
Maßnahmen aus der Welt geschafft werden können.

- 8 -

�werden können.
Das erste ist das Schuldenproblem.
Anfang gemacht.

Wir haben einen guten

Die Fälle Brasilien, Mexiko und Argentinien

haben gezeigt, daß die Schuldenlast in den Griff zu bekommen
ist.

Eine erfolgreiche Strategie umfaßt eine Kombination

kurzfristiger Überbrückungsfinanzierung sowie
Anpassungsprogramme, die in Verbindung mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) und den Handelsbanken durchgeführt werden.
Um die für ein künftiges Wirtschaftswachstum so
lebensnotwendigen Mittel bereitzustellen, unterstützen die
Vereinigten Staaten mit Nachdruck die vorgeschlagene Erhöhung
der IWF-Quoten um 47,5 Prozent. Wir drängen darauf, daß diese
Quotenerhöhung 1983 - anstatt 1985 - in Kraft treten soll. Wir
unterstützen gleichfalls die Aufstockung der Allgemeinen
Kreditvereinbarungen (General Arrangements to borrow - GAB) von
7 Milliarden Dollar auf 19 Milliarden Dollar. Diese
aufgestockten Mittel werden all den IWF-Mitgliedern zur
Verfügung stehen, deren Liquiditätsprobleme das Finanzsystem
als Ganzes bedrohen. Wir fordern die Privatbanken auf, auch
weiterhin durch ein ausreichendes Maß an privater Kreditvergabe
ihr Teil dazu beizutragen, die Liquidität der Kreditnehmer jnd dadurch die Chancen auf eine Erholung - nicht abzuwürgen.
Das zweite - und schwerwiegendere - Problem, vor dem wir
stehen, ist die Gefahr des Protektionismus.

Das Volumen des

Welthandels stagnierte 1981 und ging 1982 um geschätzt zwei
Prozent zurück.

Wir wissen alle, daß Protektionismus den

Handel noch zusätzlich behindern, die Wiedergesundung
sabotieren und die Arbeitslosigkeit erhöhen würde.

In den

Vereinigten Staaten hängt jeder siebente Arbeitsplatz vom
Export ab.

In Europa ist das Verhältnis noch krasser.

Die Aussicht auf Erholung wird von konzertiertem Handeln
- 9 -

�konzertiertem Handeln zur Bewahrung des offenen Handelssystems
abhängen.

Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll - und

Handelsabkommens (GATT) im November vorigen Jahres hat das
GAfT-System zusammengehalten und es in eine, wenn auch noch so
langsame, Bewegung in positive Richtung versetzt.

Die Minister

verpflichteten sich, davon Abstand zu nehmen, irgendwelche
Maßnahmen zu ergreifen oder beizubehalten, die mit dem GATT
unvereinbar sind.
Die Reagan-Administration wird mit ihren Partnern daran
arbeiten, daß bei dieser Verpflichtung zu offenem Handel aus
Worten auch Taten werden. Wir werden jedoch die
handelsverzerrenden Praktiken anderer Staaten nicht einfach
hinnehmen - besonders auf dem Sektor der Landwirtschaft und der
Dienstleistungen, wo wir uns vergleichsweise gewisser Vorteile
erfreuen. Die Vereinigten Staaten sehen keinen Unterschied
zwischen dem Handel auf diesen Sektoren und dem Handel mit
anderen Gütern. Wir betrachten den massiven Einsatz von
landwirtschaftlichen Subventionen in der Europäischen
Gemeinschaft als unfairen Wettbewerb. Während die Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten seit
1973 real zurückgegangen sind, hat der Gemeinsame Markt die
Preise von einigen wesentlichen Erzeugnissen auf einen Preis
hochgetrieben, der um das Doppelte über dem in den Vereinigten
Staaten liegt. Die sich dadurch ergebenden Überschüsse werden
dann mit Hilfe von Subventionen exportiert. Die Vereinigten
Staaten haben auf diese Praxis mit ernsthaften Verhandlungen
und mit selektiven Maßnahmen geantwortet - so haben wir
kürzlich subventioniertes Weizenmehl nach Ägypten verkauft.

Es ist offensichtlich, daß es für das Problem des Handels
mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen keine einseitige Lösung
gibt.

Die Sicherung der Einkommen der Landwirte ist für

jedermann ein schwieriges Problem.

Wir müssen in unseren

Anstrengungen fortfahren, eine für alle Seiten annehmbare

- 10 -

�Seiten annehmbare Lösung zu finden.

üas Problem des

Protektionismus ist ein wirtschaftliches Problem.

Aber es ist

auch eine politische Forderung, es zu lösen, bevor es
grundlegendere gemeinsame Interessen bedroht.

Das ist der

konstruktive Geist, in dem meine Regierung an diese Probleme
herangeht.

Ich bin zuversichtlich, daß unsere Partner ein

Gleiches tun werden.
Verteidigung, Sicherheit und Frieden
Unser wirtschaftliches Wohlergehen lässt sich nicht von der
weitergefassten Frage unserer Sicherheit trennen.
Inmitten all der historischen Veränderungen, die in der
Generation seit Gründung des Bündnisses stattgefunden haben,
bleibt die Tatsache bestehen, daß der Frieden in Europa die
Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kräfte erfordert. Die
anhaltende Notwendigkeit der kollektiven Sicherheit wird von
der Realität, nicht von Gefühlen diktiert. Die zentrale
Prämisse des Nordatlantikvertrages, wie sie in Artikel 5 zum
Ausdruck kommt, bleibt weiterhin gültig: Ein bewaffneter
Angriff gegen ein Mitglied des Bündnisses wird als ein Angriff
gegen alle angesehen.
Diese gegenseitige Verpflichtung hat seit über drei
Jahrzehnten den Frieden bewahrt.

Seit 38 Jahren erfreut sich

der europäische Kontinent eines Friedens in Freiheit und eines
beispiellosen Wohlstandes.

Man muss weit zurückgehen in der

Geschichte Europas, um einen so langen Zeitraum zu finden, in
dem kein einziger, noch so kleiner, Krieg auf diesem Kontinent
ausgetragen wurde.
Sie und ich wissen sowohl intuitiv als auch
verstandesmässig, daß dies kein Zufall ist.

Man kann sich

nicht ernsthaft mit den Erfahrungen der Menschheit hinsichtlich
- 11 -

�Menschheit hinsichtlich der Beziehungen unter Nationen
befassen, ohne zu erkennen, daß ein Gleichgewicht der Kräfte
eine Voraussetzung für Stabilität ist.

Wenn man jetzt, nach 38

Jahren des Friedens, sagen wollte, man könne in den
Anstrengungen zur Aufrechterhaltung des militärischen
Gleichgewichts nachlassen, dann würde man ein gefährliches
Experiment vorschlagen.

Die Beweislast müsste bei denen

liegen, die die Verhältnisse, welche den Frieden eine ganze
Generation lang bewahrt haben, aufheben oder grundlegend ändern
wollen.

Die NATO hat sich jedenfalls als die wahre

Friedensbewegung erwiesen.
Auf der anderen Seite dürfte auf der Hand liegen, daß ein
Gleichgewicht der Kräfte, so notwendig es ist, allein nicht
genügt.

Die Demokratien des Westens haben seit langem in

vielen Erklärungen des Bündnisses deutlich gemacht, daß wir zu
einem Abbau der Spannungen mit unseren Gegnern auf der Basis
echter Gegenseitigkeit bereit sind.

Wir Verbündeten haben uns

einem stabilen militärischen Gleichgewicht verschrieben, um
jede Versuchung oder jeden Anreiz zur Aggression zu
verhindern.

Aber wir sind auch zu einem konstruktiven Dialog

mit unseren Gegnern bereit, um die Ursache von Spannungen und
das Risiko der Aggression zu beseitigen.

Präsident Reagan hat

sich den anderen Staats- und Regierungschefs auf dem Bonner
NATO-Gipfel in der Erklärung angeschlossen, in der der Wunsch
des Westens zum Ausdruck kommt, "durch Dialog, Verhandlungen
und beiderseits vorteilhafte Zusammenarbeit ein konstruktives
Ost-West-Verhältnis herzustellen, soweit dies durch das
sowjetische Verhalten ermöglicht wird."
Das Schreckgespenst der thermonuklearen Waffen gibt unserem
Zeitalter eine ganz neue Qualität.

Präsident Reagan hat

bekräftigt, daß "ein Nuklearkrieg nicht gewonnen werden kann
und niemals geführt werden darf."

Zu diesem Zweck hat er das

kühnste und umfassendste Programm für die nukleare
- 12 -

�die nukleare Rüstungskontrolle angeboten, das je unterbreitet
wurde.
Im Jahre 1931 schlug Präsident Reagan die völlige
Abschaffung einer ganzen Klasse von weiterreichenden,
landgestützten INF-Raketen vor.

Dieser Vorschlag wurde in

Unterstützung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 vorgelegt,
eine Begrenzung der sowjetischen INF-Streitkräfte zu erreichen
und Gegenkräfte zu dislozieren, sollte es bei den Verhandlungen
nicht gelingen, die sowjetische Bedrohung zu beseitigen.

Wir

sind zutiefst überzeugt, daß die völlig Beseitigung dieser
ganzen Waffenklasse das beste und moralischste Ergebnis der
Genfer INF-Verhandlungen wäre.

Trotzdem hat Präsident Reagan

deutlich gemacht, daß unser Vorschlag kein "Alles-oder-Nichts"Vorschlag ist, und er hat unsere Verhandlungsführer angewiesen,
"in Genf jede vorgeschlagene Lösung zu prüfen", die mit den von
unseren Verbündeten unterstützten Prinzipien in Einklang
steht.
Diese Prinzipien besagen, daß ein faires Abkommen auf einem
Gleichstand der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte
fussen muss; daß die britischen und französischen nationalen
strategischen Systeme per definitionem nicht Teil der
Verhandlungen sind; daß Vorschläge, die die sowjetische
Bedrohung lediglich von Europa nach Asien verlagern würden,
nicht als annehmbar betrachtet werden; und daß schliesslich ein
faires Abkommen wirksame Verifizierungsmassnahmen enthalten
muss und nicht unsere Fähigkeit untergraben darf, die NATO mit
konventionellen Streitkräften zu verteidigen.
Präsident Reagan hat auch einen weitreichenden Vorschlag
für die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen
Rüstungen (START) unterbreitet.

Er schlug vor, die

strategischen Arsenale um über die Hälfte und die Zahl der
Raketengefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern mit gleichen

- 13 -

�mit gleichen festgelegten Höchstgrenzen der verbleibenden
Waffen auf beiden Seiten.

Diese starken Kürzungen würden sich

vor allem auf die bedrohlichsten Systeme - landgestützte
Interkontinentalraketen - konzentrieren.

Die START- Vorschläge

des Präsidenten würden die Stabilität fördern, indem für jeden
Angreifer der Anreiz verringert würde, einen Erstschlag ins
Auge zu fassen, der den Gegner entwaffnen würde.

Auf der

anderen Seite liegt, wie der Präsident gesagt hat, alles auf
dem Tisch.

Wir sind bereit, jeden vernünftigen Gegenvorschlag

zu prüfen.
Wir haben auf vielen anderen Gebieten grosse
Rüstungskontrollinitiativen vorgetragen:
Im vorigen Sommer haben die NATO-Verbündeten in Wien einen
umfassenden neuen Vorschlag für die beiderseitige und
ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in
Europa (MBFR) unterbreitet.
Im Juni vorigen Jahres schlug der Präsident hier in Berlin
ein Paket von Maßnahmen für die vorherige Ankündigung von
Versuchsstarts von Raketen und grosser Manöver vor.

Ferner

regte er Maßnahmen für einen verstärkten Austausch von
Informationen über strategische und INF-Streitkräfte an.
Erst kürzlich haben die Vereinigten Staaten im
40-Nationen-Abrüstungsausschuss (in Genf) einen Vorschlag für
ein totales Verbot chemischer Waffen unterbreitet.
Die Erfahrung lehrt, daß die Sowjets umsonst keine
Zugeständnisse machen.

Nur wenn sie erkennen, daß der Westen

entschlossen ist, seine eigenen Modernisierungspläne zu
verfolgen - ob auf dem Gebiet der strategischen Streitkräfte

- 14 -

�strategischen Streitkräfte oder der Mittelstreckensysteme werden die Sowjets einen Anreiz haben, ein Abkommen über einen
niedrigeren, aber gleichen Stand auszuhandeln.

Die Vereinigten

Staaten sind dabei, ihre strategischen Streitkräfte zu
modernisieren, was wesentlich ist, um den Sowjets einen Anreiz
zu bieten, bei START ernsthaft zu verhandeln.

Das Bündnis ist

verpflichtet, INF-Raketen zu dislozieren, wenn in Genf kein
Abkommen erreicht wird.

Diese Verpflichtung muss

aufrechterhalten werden.

Sie bietet die besten Aussichten für

ein wirksames INF-Abkommen.
Die politische Dimension
Es ist natürlich, daß freie Nationen, die sich freiwillig
zusammengeschlossen haben, zu manchen Problemen
unterschiedliche Ansichten haben.

Unsere Vielfalt ist eine

Quelle unserer Lebenskraft; die Freiheit, Meinungsverschieden heiten zu haben, ist eine der Freiheiten, die wir verteidigen.
Die NATO ist nicht der Warschauer Pakt.

Innerhalb einer freien

Gesellschaft werden verschiedene Ansichten vertreten.

Aber an

einem gewissen Punkt gibt es dann eine Lösung und eine
gemeinsame Politik, oder aber die Gesellschaft wird von ihren
Herausforderungen überwältigt.

Dasselbe gilt für ein Bündnis.

Einmütigkeit ex ante ist nicht zu erwarten, aber eine Einigung
auf eine gemeinsame Politik nach einer freien Debatte ist von
entscheidender Bedeutung.
Dieser Grundsatz wird in den kommenden Jahren im Hinblck
auf viele Fragen auf die Probe gestellt werden.

Der

Ost-West-Handel, der in der jüngsten Vergangenheit eine
entscheidende Frage gewesen ist, ist eines der wichtigen
Themen, die gegenwärtig geprüft werden.
wir nicht ausweichen.

Dieser Frage können

Das ist ein Thema, das an dem

- 15 -

�an dem entscheidend wichtigen Schnittpunkt der
wirtschaftlichen, militärischen und politischen Dimensionen des
Bündnisses steht.

Es ist unsinnig, das militärische Potential

eines Gegners zu stärken, dem gegenüber wir Milliarden
ausgeben, um uns zu verteidigen.

Es ist von entscheidender

Bedeutung, in dieser strategischen Frage einen neuen Konsens
formulieren.
Zusammenfassung
Unser Bündnis hat so lange bestanden, glaube ich, weil die
Demokratien trotz aller Streitigkeiten wissen, daß sie
letztlich gemeinsame Werte haben.

Es sind die hervorragenden

moralischen und politischen Ideale, zu deren Verteidigung unser
Bündnis geschaffen wurde - Redefreiheit, Religionsfreiheit,
Versammlungsfreiheit, die Rechte des einzelnen, die Konzeption,
daß die Macht von der Zustimmung der Regierten herrührt.

Wie

Präsident Reagan vor fast einem Jahr in London erklärt hat:
"Die letzte Entscheidung in dem gegenwärtigen Ringen in der
Welt wird nicht von Bomben und Raketen herbeigeführt. Sie
läuft vielmehr auf eine Bewährungsprobe des Willens und der
Ideen hinaus, auf die Erprobung der geistigen
Entschlußkraft und der Werte, die wir schätzen, des
Glaubens, den wir hochhalten, und der Ideale, denen wir uns
weihen."
Bei einer solchen Bewährungsprobe, davon bin ich überzeugt,
wird der Westen obsiegen. Diese Konferenz hier zeigt unsere
Ideale in der Praxis - die unbehinderte offene Debatte freier
Männer und Frauen über wichtige Fragen der öffentlichen
Politik. Diejenigen, die die Mauer gebaut haben, wissen, wie
mächtig diese Ideale sind. Sie haben keinen Zweifel an der Art

- 16 -

�der Art einer Gesellschaft, in der zu leben Männer und Frauen
sich entscheiden würden, wenn man ihnen eine solche Wahl
ließe.

Der Geist der Freiheit ist stärker als jeder, der ihn

unterdrücken möchte.
Wir haben ein Recht, zuversichtlich zu sein. Aber wir
haben auch eine schwere Pflicht. Die Geschichte kennt sowohl
die Tragödie als auch die Hoffnung. Wenn Völker in ihrer
Wachsamkeit nachgelassen haben, wenn Nationen selbstgefällig
wurden, wenn Bündnisse aufgrund fehlender Entschlossenheit
geschwächt wurden, dann ist in der Geschichte stets die
Dunkelheit angebrochen.
Das Nordatlantische Bündnis wird mit wirtschaftlichen,
militärischen und politischen Problemen ringen müssen, die
manchmal zwischen uns stehen werden.

Wir müssen uns unseren

Problemen stellen und sie lösen.
Vor einer Generation haben die Menschen dieser Stadt alle
freien Völker gelehrt; was es heißt, Mut zu zeigen. Und andere
demokratische Länder - und ich sage mit Stolz, darunter auch
mein Land - haben Berlin nicht im Stich gelassen. Auch heute
ist es nicht genug, zu wissen, was unsere Pflicht ist. Es
kommt darauf an, daß wir sie erfüllen.

- 17 -

�^ ^

inIC K

1

'J71
1 *l 1

DlIE11

14

Information
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

WILLIAM RUCKELSHAUS DIREKTOR DER UMWELTSCHUTZBEHÖRDE

- (AD) - Mit der Berufung von William Ruckeishaus zum neuen Chef der
amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA wurde dem Nachfolger von Ann Burford,
die am 9. Mä'rz 1983 zurücktrat, dieses Amt zum zweitenmal übertragen. Er
hatte die Behörde aufgebaut und von ihrer Gründung im Jahr 1970 bis 1973
schon einmal geleitet. Seit 1975 war er Vizepräsident von Weyerhaeuser
Company, einem der größten Unternehmen der Welt für Holzprodukte mit Sitz
im US-Bundesstaat Washington. Beeindruckt von dem Engagement Präsident
Reagans für die Funktionsfähigkeit der EPA entschloß sich Ruckeishaus,wie
er am 22. März in Washington vor EPA-Mitarbeitern erklärte, kurzfristig zur
Annahme des Angebots. Ihm sei genügend freie Hand bei der Durchführung der
notwendigen Aufgaben zugesichert worden. Wichtigster Daseinszweck der Umweltschutzbehörde sei der Schutz menschlichen Lebens und der Schutz dessen,
was Leben erhalte - und das sei die natürlich Umwelt. Das könne nicht in
einem Vakuum geschehen. Vielmehr müsse "dieser Schutz mit unseren gesellschaftlichen Zielen in Einklang gebracht werden und unsere Wirtschaft sowie
die Produktion ausreichender Energie in geeigneter Form einbeziehen".

William Ruckeishaus

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�William Ruckeishaus äußerte die Überzeugung, daß die Art und Weise, wie
eine freie Gesellschaft die chronischen Probleme modernen Daseins wie Umweltverschmutzung, die Nutzung natürlicher Hilfsquellen bis zu ihrer Erschöpfung
und Übervölkerung angehe, darüber entscheide, ob sie sich ihre Freiheit bewahre.

"Diese chronischen und hartnäckigen Probleme können zu äußerst konträ-

ren Meinungen führen und eine sehr emotionale Angelegenheit werden... Was
jetzt nottut, ist, die Dinge besser in den Griff zu bekommen", erklärte
Ruckeishaus.
William Ruckeishaus (50) wurde nach dem Amtsantritt der Regierung Nixon
Anfang 1969 als Unterstaatssekretär in das US-Justizministerium berufen und
im November 1970 zum Leiter der neugeschaffenen Umweltschutzbehörde bestellt.
In der EPA sollten alle einschlägigen Aufgabenbereiche zusammengefaßt werden,
die bis dahin auf eine ganze Anzahl von Behörden verteilt waren. Mit Umweltschutz und Schadstoffkontrollen wurde Ruckeishaus Anfang der sechziger Jahre
vertraut, als er - hoher Beamter im Justizministerium des Bundesstaates
Indiana - den Entwurf für das staatliche Gesetz von 1963 zur Reinhaltung der
Luft ausarbeitete und Gerichtsverfahren gegen Firmen und Stadtverwaltungen
aufgrund von Verstößen gegen die entsprechenden Bestimmungen einzuleiten
hatte.

Im Jahr 1973 war William Ruckeishaus außerdem amtierender Direktor

des Bundeskriminalamtes (FBI) und stellvertretender Justizminister der Vereinigten Staaten.

Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Präsidenten

Nixon im Zusammenhang mit der Watergate-Affäre trat er im Oktober 1973 zurück.
William Ruckeishaus studierte an den Universitäten Princeton und Harvard
Rechtswissenschaften. Im. Jahr 1960 wurde er zum stellvertretenden Justizminister des Bundesstaaten Indiana ernannt und war ab 1963 Oberster Rechtsberater
des Ministeriums. Sein Einstieg in die Politik begann 1966 mit einem eindrucksvollen Votum für ihn bei der Wahl zum Repräsentantenhaus von Indiana. Schon
während seines ersten Jahres als Abgeordneter wurde er zum Fraktionsführer
der Parlamentsmehrheit gewählt - ein Novum in der parlamentarischen Praxis.
Im Jahr 1968 bewarb er sich als Konkurrent von Birch Bayh um einen Sitz im
US-Senat. Damals gewann sein Mitbewerber die Wahl.
Im Jahr

�Im Jahr 1962 heiratete William Ruckeishaus, dessen erste Frau Anfang
1961 verstorben war, Jill Elizabeth Strickland.
Töchter und zwei Söhne hervor.

+ + + ++

- 3 -

Aus dieser Ehe gingen drei

�•ITraT

Uli//cn/ch(ifl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

30. März 1983

14

CHALLENGER-START FÜR 4. APRIL VORGESEHEN

- (AD) - Die amerikanische Raumfähre CHALLENGER soll am 4. April 1983
zu ihrem Jungfernflug starten.

Der ursprünglich für Ende Januar vorgesehene

Termin mußte verschoben werden, nachdem zunächst technische Mängel an den
drei Haupttriebwerken des zweiten US-Raumtransporters entdeckt worden waren
und nach einem heftigen Sturm am Kap Canaveral Ende Februar Sand- und Staubpartikel an der Nutzlast festgestellt wurden.
Bei dieser Nutzlast handelt es sich um einen kostspieligen und fUr künftige bemannte wie unbemannte Raumfahrtprojekte wichtigen Nachrichtensatelliten.
Der TDRS (Tracking and Data Relay Satellite - Satellit für Bahnbeobachtungen und Datenübermittlung) ist das erste Gerät für ein neues System,
das in Verbindung mit nur einer großen Bodenstation die kontinuierliche Beobachtung der Raumfähre und ihrer Besatzung während einer Flugmission ermöglicht. Die Mängel an den Triebwerken - Haarrisse in Treibstoffleitungen für
Wasserstoff- und Sauerstoffgas sowie an einem Wärmeaustauscher - wurden durch
Austauschen bestimmter Segmente beseitigt. Der Chef des Raumtransporterprogramms der NASA (US-Bundesamt für Luft- und Raumfahrt), Generalmajor James A.
Abrahamson, ist zuversichtlich, daß CHALLENGER nunmehr am 4. April um 19.30
Uhr MEZ vom Kennedy-Raumfahrtzentrum (Florida) aus zu ihrem ersten Flug

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ersten Flug starten kann.

Die Ergebnisse der zahlreichen Tests» die in den

letzten Tagen durchgeführt wurden, seien ausgezeichnet.
Der Flug soll fünf Tage dauern.
Paul J. Weitz.

Chefpilot ist der erfahrene Astronaut

Sowohl für den Kopiloten Karol J. Bobko als auch für die

beiden Wissenschaftsastronauten Donald H. Peterson und Story Musgrave wird
das Unternehmen STS-6 der erste Raumflug sein. Musgrave, ursprünglich Herzspezialist und Chirurg, und Peterson, Ingenieurwissenschaftler mit den Fachgebieten Kerntechnik und Raumfahrtgerätekonstruktion, sollen den "Weltraumspaziergang" in der geöffneten Ladebucht nachholen, der beim Flug STS-5 im
November 1982 gestrichen werden mußte.

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Verteidigungsprogramm für die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten vom 23. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Atlantische Bündnis: Die Tatsachen und Lehren der Geschichte&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berlin-Rede des Stellvertretenden US-Außenministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;William Ruckelshaus Direktor der Umweltschutzbehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CHALLENGER-Start für 4. April vorgesehen</text>
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                    <text>Amerika Dienst&#13;
&#13;
Information&#13;
und&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
I N H A L T&#13;
&#13;
DOKUMENTATION&#13;
Präsident Reagan legt Vorschlag für eine Zwischenlösung in Genf dar&#13;
- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 Rede des US-Präsidenten in Los Angeles am 31. März 1983&#13;
- Wortlaut US-Senator:&#13;
&#13;
Zukunft ist nur gemeinsam zu bewältigen&#13;
&#13;
- Berlin-Rede von Senator Mathias -&#13;
&#13;
HINTERGRUNDMATERIAL&#13;
Die USA verteidigen die Menschenrechte in El Salvador und weltweit&#13;
- Von Elliot Abrams Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&#13;
&#13;
WISSENSCHAFT UND TECHNIK&#13;
Poliklinik für Zuckerkranke&#13;
&#13;
Um Ubcr/cn Jung von&#13;
ßclcocxcmplorcn&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
PRÄSIDENT REAGAN LEGT VORSCHLAG FÜR EINE ZWISCHENLÖSUNG IN GENF DAR&#13;
- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 -&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer Fernsehansprache&#13;
an das amerikanische Volk am 30. März 1983 seinen Vorschlag für eine Zwischenlösung bei den INF-Verhandlungen in Genf dargelegt.&#13;
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:&#13;
Als ich in der vorigen Woche über die Entspannungsprogramme dieser Administration zum amerikanischen Volk sprach, habe ich unsere Entschlossenheit&#13;
zum Ausdruck gebracht, unsere Abhängigkeit von der schrecklichen Kraft von Kernwaffen zur Gewährleistung des Friedens zu verringern.&#13;
&#13;
Und heute möchte ich&#13;
&#13;
einige Worte zu diesem entscheidend wichtigen Aspekt unserer Sicherheitspolitik und zu unseren Bemühungen sagen, die Arsenale, die das Leben unserer eigenen Bürger, unserer Freunde und Verbündeten und sicherlich auch unserer Gegner so belasten, drastisch zu verringern.&#13;
Wie Sie wissen, hat diese Administration während der letzten anderthalb&#13;
Jahre ein umfassendes und weitreichendes Rüstungskontroilprogramm entwickelt,&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Rüstungskontrollprogramm entwickelt, das darauf abzielt, tiefgreifende Verringerungen der Kernwaffen herbeizuführen, die Welt von chemischen Waffen zu&#13;
befreien und den Umfang der konventionellen Streitkräfte in Europa zu verkleinern.&#13;
&#13;
Ich werde in meiner Rede morgen zu diesen Initiativen mehr sagen, aber&#13;
&#13;
heute vormittag möchte ich mich auf eine dieser Verhandlungen konzentrieren.&#13;
&#13;
Ich bin gerade mit den Botschaftern der Länder des Nordatlantischen&#13;
Bündnisses zusammengetroffen.&#13;
&#13;
Wir haben sie hierher eingeladen, weil die Bür-&#13;
&#13;
ger ihrer Länder mit den Amerikanern eine tiefe Hoffnung auf Erfolg der Genfer Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Genf teilen.&#13;
Die Streitkräfte, über die in den INF-Verhandlungen gesprochen wird, berühren&#13;
direkt die Sicherheit unserer Verbündeten.&#13;
&#13;
Wie ich Ihnen vorige Woche sagte,&#13;
&#13;
hat die Sowjetunion Hunderte von mächtigen neuen SS-20-Raketen disloziert,&#13;
die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet und in der Lage sind, die Städte&#13;
und Verteidigungseinrichtungen in Europa und die unserer Freunde und Verbündeten in Asien zu treffen.&#13;
&#13;
Die Sowjets haben diese Streitkräfte aufgebaut,&#13;
&#13;
obwohl keine vergleichbare Bedrohung von der NATO ausging.&#13;
Unterlaß disloziert.&#13;
&#13;
Sie haben sie ohne&#13;
&#13;
Heute existieren über 350 SS-20-Raketen mit über 1000&#13;
&#13;
nuklearen Gefechtsköpfen.&#13;
&#13;
Die NATO wird mit der Dislozierung einer spezi-&#13;
&#13;
fischen Abschreckung vor dieser Bedrohung erst Ende dieses Jahres beginnen,&#13;
es sei denn, es kommt - wie wir hoffen - ein Abkommen über die Beseitigung&#13;
solcher Waffen zustande, das diese Dislozierung unnötig machen würde.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten verhandeln mit der vollen Unterstützung unserer&#13;
Verbündeten seit über einem Jahr in Genf, um die Sowjetunion zu überzeugen,&#13;
daß es für beide Seiten ein weit besserer Kurs wäre, sich auf die Beseitigung&#13;
dieser gesamten Waffenkategorie zu einigen.&#13;
und weitreichend.&#13;
&#13;
Ein solches Abkommen wäre fair&#13;
&#13;
Es würde die Sicherheit der Sowjetunion ebenso fördern wie&#13;
&#13;
die Sicherheit der NATO.&#13;
&#13;
Und es würde die Hoffnungen und Wünsche der Menschen&#13;
&#13;
1fl ganz Europa und Asien auf eine Beendigung der Bedrohung erfüllen, die durch&#13;
diese Raketen gegeben ist.&#13;
Bisher hat&#13;
&#13;
�Bisher hat die Sowjetunion diesen Vorschlag abgelehnt, und sie hat&#13;
bisher versäumt, eine ernsthafte Alternative zu bieten.&#13;
&#13;
Die Sowjets beharren&#13;
&#13;
auf der Erhaltung ihres gegenwärtigen Monopols bei diesen Waffen.&#13;
&#13;
Gemäß ihrem&#13;
&#13;
jüngsten Vorschlag würden die Sowjets allein fast 500 Gefechtsköpfe auf ihren&#13;
SS-20-Raketen in Europa behalten und Hunderte weiterer im Fernen Osten, während wir weiterhin Null hätten.&#13;
&#13;
Ihr Vorschlag würde ihnen tatsächlich mehr&#13;
&#13;
SS-20-Raketen belassen, als sie zu Beginn der Gespräche im Jahr 1981 hatten.&#13;
Zudem haben die Sowjets eine Propagandakampagne begonnen, die offenkundig&#13;
darauf abzielt, Amerika von seinen Verbündeten zu trennen und die Verbündeten&#13;
untereinander.&#13;
&#13;
Seit Beginn dieser Verhandlungen vor nunmehr fast 18 Monaten habe ich&#13;
die Sowjets mehrmals darauf gedrängt, auf unseren Vorschlag einer Null-NullLösung mit einem eigenen Vorschlag zu reagieren.&#13;
&#13;
Ich habe zudem unsere Be-&#13;
&#13;
reitschaft wiederholt, einen jeglichen ernsthaften Alternativvorschlag in Erwägung zu ziehen.&#13;
&#13;
Das Ausbleiben eines solchen Vorschlags ist Quelle tiefer&#13;
&#13;
Enttäuschung bei uns allen, die wir den Wunsch hegen, daß diese Waffen beseitigt oder zumindest um ein Beträchtliches vermindert werden.&#13;
&#13;
Aber ich habe&#13;
&#13;
nicht die Absicht, diesen Schatten, der auf die Genfer Verhandlungen gefallen&#13;
ist, unsere Suche nach dem Frieden noch weiter verdunkeln zu lassen.&#13;
&#13;
Was die nuklearen Mittelstreckenraketen in Europa angeht, so wäre es&#13;
besser, keine zu haben, als auch nur einige; aber wenn es denn einige geben&#13;
muß, so ist es besser, einige wenige zu haben, als viele.&#13;
&#13;
Wenn die Sowjets&#13;
&#13;
jetzt nicht einer vollständigen Beseitigung dieser Waffen zustimmen, so hoffe&#13;
ich doch, daß sie sich uns zumindest bei einem Zwischenabkommen anschließen&#13;
werden, das diese Waffen beträchtlich und bis zu einem gleichen Umfang auf&#13;
beiden Seiten verringern würde.&#13;
&#13;
Zu diesem Zweck hat Botschafter ?aul Nitze&#13;
&#13;
seinen sowjetischen Gesprächspartner darüber informiert, daß wir bereit sind,&#13;
ein Zwischenabkommen auszuhandeln, bei dem die Vereinigten Staaten ihre geplante Dislozierung von PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern&#13;
um ein Beträchtliches verringern würden, vorausgesetzt, die Sowjetunion reduziert die Anzahl der Gefechtsköpfe ihrer weiterreichenden nuklearen Mittelstreckenraketen weltweit bis auf den gleichen Umfang.&#13;
&#13;
Botschafter Nitze&#13;
&#13;
�Botschafter Nitze hat dargelegt, daß die Vereinigten Staaten diesen Vorschlag als einen ernsthaften ersten Schritt zur totalen Beseitigung dieser&#13;
Waffenklasse betrachten,und hat meine Hoffnung übermittelt, daß die Sowjetunion sich uns in dieser Auffassung anschließen wird.&#13;
Unser Vorschlag für die gesamte Beseitigung dieser Systeme bleibt auf&#13;
dem Tisch.&#13;
&#13;
Wir haben vorgeschlagen, daß die Verhandlungen einige Wochen früher&#13;
&#13;
als ursprünglich geplant wieder aufgenommen werden sollen.&#13;
&#13;
Die Sowjets haben&#13;
&#13;
dem zugestimmt, und die Verhandlungen werden am 17. Mai weitergehen.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
hoffe, daß diese Initiative zu einem baldigen Abkommen führen wird.&#13;
Wir sind weiterhin bereit, alle ernsthaften sowjetischen Vorschläge zu&#13;
prüfen, die den fundamentalen Anliegen entsprechen, die wir zum Ausdruck gebracht haben.&#13;
Ich habe die NATO-Botschafter heute nicht nur deshalb hierher eingeladen, um mit ihnen diese Entwicklungen zu besprechen, sondern auch um zum Ausdruck zu bringen, wie sehr ich die feste Unterstützung schätze, die die Verbündeten unseren Verhandlungsbemühungen in Genf entgegengebracht haben, und&#13;
ich kann ihnen versichern, daß ich mich persönlich zu engstmöglichen Konsultationen mit ihnen über INF verpflichtet fühle. Dieser Konsultationsprozeß hat&#13;
sich bereits als der intensivste und produktivste in der Geschichte des Nordatlantischen Bündnisses erwiesen. Er hat die heute verkündete Initiative zu&#13;
einer B'ündnisinitiative im besten Sinne des Wortes gemacht. Und während des&#13;
vergangenen Monats haben wir und unsere Verbündeten uns intensiv über die INFVerhandlungen konsultiert. Ich stand in häufigem und engem Kontakt mit anderen Regierungschefs. Vizepräsident Bush führte während seiner Europareise&#13;
sehr produktive Gespräche mit den Führern unseres Bündnisses über INF. Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger haben einen Meinungsaustausch mit ihren Kollegen in Regierungen von Bündnisländern geführt, und&#13;
die Sonderberatungsgruppe der NATO ist in regelmäßigen Abständen zusammengetreten, um über die Verhandlungen zu sprechen und Kriterien zu prüfen, die die&#13;
Grundlage für den Standpunkt des Bündnisses zu INF bilden sollen.&#13;
Die bei&#13;
&#13;
�Die bei diesen Konsultationen zum Ausdruck gebrachten wohlerwogenen&#13;
Auffassungen der Verbündeten waren eine wesentliche Hilfe bei der Gestaltung dieser neuen Initiative.&#13;
&#13;
Dieser Prozeß ist ein Modell dafür, wie ein&#13;
&#13;
Bündnis freier und demokratischer Nationen in kritischen Fragen zusammenarbeiten kann und muß.&#13;
&#13;
Er ist die Quelle unserer Einigkeit und verleiht uns&#13;
&#13;
eine Stärke, der etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen niemand hoffen kann.&#13;
Und er gibt mir großes Vertrauen in den schließlichen Erfolg unserer Bemühungen in Genf, eine sicherere, ja sicherere Welt für alle Völker der Erde zu&#13;
schaffen.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
REDE DES US-PRÄSIDENTEN IN LOS ANGELES AM 31. MÄRZ 1983&#13;
- Wortlaut -&#13;
&#13;
LOS ANGELES - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 31. März 1983 in&#13;
einer Grundsatzrede vor dem World Affairs Council (Rat für weltpolitische Fragen) die Abrüstungspolitik der Vereinigten Staaten erläutert und noch einmal&#13;
die Bedeutung seines am Vortag unterbreiteten Vorschlags für eine Zwischenlösung bei den INF-Verhandlungen in Genf unterstrichen.&#13;
&#13;
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:&#13;
&#13;
In der vorigen Woche habe ich zum amerikanischen Volk über unsere Pläne&#13;
zur Gewährleistung unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten gesprochen.&#13;
Ich kündigte eine langfristige Anstrengung in unserer wissenschaftlichen Forschung an, um eines Tages der Bedrohung durch offensive Nuklearraketen begegnen&#13;
zu können.&#13;
&#13;
Was ich vorgeschlagen habe, ist, daß Nationen ihre besten Energien&#13;
&#13;
darauf verwenden sollten, von dem nuklearen Schreckgespenst wegzukommen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
dürfen nicht einfach resignieren und uns mit einer Zukunft abfinden, in der die&#13;
Sicherheit beider Seiten davon abhängt, daß das Leben von Millionen von unschuldigen Männern, Frauen und Kindern bedroht wird.&#13;
Heute möchte&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Heute möchte ich über einen weiteren lebenswichtigen Aspekt unserer&#13;
nationalen Sicherheit sprechen - unsere Bemühungen, die Gefahren moderner&#13;
Waffen zu begrenzen und zu verringern.&#13;
&#13;
Wir leben in einer Welt, in der ein totaler Krieg die Katastrophe bedeuten würde.&#13;
&#13;
Und wir leben in einer Welt, die durch eine große moralische&#13;
&#13;
Auseinandersetzung zerrissen wird - zwischen der Demokratie und ihren Gegnern,&#13;
zwischen dem Geist der Freiheit und jenen, die die Freiheit fürchten.&#13;
&#13;
In den letzten 15 Jahren - und schon länger - hat die Sowjetunion eine&#13;
unablässige militärische Aufrüstung durchgeführt und die Vereinigten Staaten&#13;
auf vielen wichtigen Gebieten der militärischen Macht überholt, indem sie&#13;
sich eine nur als offensiv zu bezeichnende militärische Kapazität zugelegt&#13;
hat.&#13;
&#13;
All die moralischen Werte, die unser Land liebt - Freiheit; Demokratie;&#13;
&#13;
das Recht der Völker und Nationen, ihr eigenes Schicksal selbst zu bestimmen;&#13;
nach eigener Wahl zu leben, zu reden und zu schreiben - all diese Grundrechte&#13;
werden durch einen mächtigen Gegner in Frage gestellt, der nicht will, daß&#13;
diese Werte fortbestehen.&#13;
&#13;
Das ist unser Dilemma - und es ist ein schwieriges:&#13;
die Freiheit verteidigen als auch den Frieden erhalten.&#13;
&#13;
Wir müssen sowohl&#13;
&#13;
Wir müssen fest zu&#13;
&#13;
unseren Prinzipien und unseren Freunden stehen, während wir eine Katastrophe&#13;
verhindern.&#13;
Die westliche Verpflichtung zum Frieden durch Stärke hat Europa die&#13;
längste Friedenszeit seit einem Jahrhundert beschert.&#13;
&#13;
Wir können nicht so tun,&#13;
&#13;
als ob die spezifische Gefahr der Kernwaffen nicht existiere.&#13;
&#13;
Aber wir dürfen&#13;
&#13;
auch nicht zulassen, daß dieses Problem uns lähmt - und uns unsere moralische&#13;
Pflicht vergessen läßt.&#13;
Das ist die Herausforderung, die uns die Geschichte übertragen hat.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
Menschen aus dem 20. Jahrhundert, die wir so stolz darauf sind, selbst die&#13;
Kräfte der Natur zu meistern, sind gezwungen, mit einer der schwersten mora-&#13;
&#13;
�schwersten moralischen Herausforderungen zu ringen, vor der je eine Generation&#13;
stand.&#13;
&#13;
Meine Ansichten über die Sowjetunion sind wohlbekannt, auch wenn ich&#13;
&#13;
sie manchmal nicht wiedererkenne, wenn sie an mich zur'ückvermittelt werden,&#13;
und unser Programm für die Aufrechterhaltung, Stärkung und Modernisierung unserer nationalen Verteidigung ist klar dargelegt worden.&#13;
&#13;
Heute möchte ich&#13;
&#13;
Ihnen etwas zu dem sagen, was wir tun, um die Gefahr eines Atomkrieges zu verringern.&#13;
&#13;
Mas Amerika bisher getan hat&#13;
&#13;
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Vereinigten Staaten in den&#13;
internationalen Bemühungen, über Begrenzungen der Kernwaffen zu verhandeln,&#13;
führend.&#13;
&#13;
Im Jahr 1946, als die Vereinigten Staaten das einzige Land der Welt waren,&#13;
das diese furchtbaren Waffen besaß, haben wir nicht andere mit der Androhung&#13;
ihres Einsatzes erpreßt, und wir haben unsere gewaltige Macht auch nicht dazu&#13;
benutzt, Land zu erobern, unsere Position voranzutreiben oder die Herrschaft&#13;
über andere zu suchen.&#13;
&#13;
Widerlegt nicht allein schon unsere Geschichte die Be-&#13;
&#13;
schuldigung, wir würden eine Überlegenheit anstreben oder wir würden eine Bedrohung des Friedens darstellen?&#13;
&#13;
Wir haben den Baruch-Plan für eine interna-&#13;
&#13;
tionale Kontrolle aller Kernwaffen und aller Kernenergie vorgeschlagen - alles, was mit dem nuklearen Bereich zu tun hatte, sollte einer internationalen&#13;
Behörde unterstellt werden.&#13;
&#13;
Das wurde von der Sowjetunion abgelehnt.&#13;
&#13;
Einige&#13;
&#13;
Jahre später, 1955, legte Präsident Eisenhower seinen Plan der "Offenen Himmel"&#13;
vor:&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sollten Pläne von militärischen&#13;
&#13;
Einrichtungen austauschen und Luftaufklärung zulassen, um die Gefahr eines&#13;
Überraschungsangriffs zu bannen.&#13;
&#13;
Auch das wurde von der Sowjetunion abgelehnt.&#13;
&#13;
Seither ist ein gewisser Fortschritt erzielt worden - weitgehend auf&#13;
amerikanische Initiative hin.&#13;
&#13;
Der begrenzte Teststoppvertrag von 1963 verbot&#13;
&#13;
Kernwaffenversuche in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser.&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
Die Ein-&#13;
&#13;
�Die Einrichtung des "heißen Drahtes" im Jahr 1963 - verbessert im Jahr 1971 bietet eine direkte Kommunikation zwischen Washington und Moskau, um Fehleinschätzungen während einer Krise zu verhindern.&#13;
&#13;
Der Nichtweiterverbreitungs-&#13;
&#13;
vertrag von 1966 soll die Ausbreitung von Kernwaffen verhüten.&#13;
&#13;
Im Jahr 1971&#13;
&#13;
erreichten wir ein Abkommen über besondere Kommunikationsverfahren, um uns gegen die ungewollte oder nicht genehmigte Anwendung von Kernwaffen zu sichern,&#13;
und wir schlössen einen Meeresbodenvertrag ab, der die Stationierung von Kernwaffen auf dem Meeresboden verbietet.&#13;
&#13;
Die Abkommen über eine Begrenzung der&#13;
&#13;
strategischen Rüstungen von 1972 begrenzten die Raketen-Raketenabwehrsysteme&#13;
(ABM) und die Zahl der strategischen Offensivraketen.&#13;
&#13;
Und die Konvention über&#13;
&#13;
das Verbot biologischer Kriegführung von 1972 verbietet - oder sollte eigentlich verbieten - die Entwicklung, Produktion und Lagerung von biologischen und&#13;
toxischen Waffen.&#13;
Aber obwohl wir viele Abkommen erreicht haben, haben wir auch viele Enttäuschungen erlitten. Das amerikanische Volk hatte gehofft, durch diese Maßnahmen die Spannungen zu verringern und mit dem Aufbau eines konstruktiven Verhältnisses zur Sowjetunion zu beginnen.&#13;
Statt dessen haben wir erlebt, daß die militärischen Arsenale der Sowjets&#13;
weiterhin in praktisch allen wichtigen Bereichen wachsen. Wir haben eine Darstellung der sowjetischen Macht rund um den Erdball erlebt. Und wir haben den&#13;
sowjetischen Widerstand gegen wesentliche Verringerungen und gegen Maßnahmen&#13;
einer wirksamen Verifizierung erlebt - vor allem das letztere. Und ich muß&#13;
leider sagen, daß es zunehmend ernstere Gründe gibt, daran zu zweifeln, daß&#13;
die Sowjets die Rüstungskontroi labkommen einhalten, die sie bereits unterzeichnet und die einzuhalten wir uns beide verpflichtet haben. Dazu werde ich in&#13;
naher Zukunft wahrscheinlich einiges zu sagen haben.&#13;
Als ich mein Amt antrat, habe ich dem amerikanischen Volk zwei Versprechen bezüglich Frieden und Sicherheit gegeben:&#13;
&#13;
Ich versprach, unsere ver-&#13;
&#13;
nachlässigte Verteidigung wiederherzustellen, um den Frieden zu erhalten und&#13;
zu stärken; und ich versprach, verläßliche Abkommen anzustreben, um die Kern- 4 -&#13;
&#13;
�die Kernwaffen zu verringern.&#13;
&#13;
Diese beiden Versprechen werden eingehalten.&#13;
&#13;
Heute hängen nicht nur der Frieden, sondern auch die Chancen für eine&#13;
echte Rüstungskontrolle von der Wiederherstellung des militärischen Gleichgewichts ab.&#13;
&#13;
Wir wissen, daß es die Ideologie der sowjetischen Führer nicht&#13;
&#13;
zuläßt, daß sie irgendeine Schwäche des Westens unausgenützt oder ein Vakuum&#13;
der Macht unausgefüllt lassen.&#13;
&#13;
Man könnte meinen, daß für sie Verhandlung&#13;
&#13;
nichts weiter ist als eine andere Form des Kampfes.&#13;
&#13;
Und doch glaube ich, daß&#13;
&#13;
die Sowjets dazu bewogen werden können, ihre Arsenale abzubauen - aber nur&#13;
wenn sie erkennen, daß es absolut notwendig ist.&#13;
&#13;
Nur wenn die Sowjets die&#13;
&#13;
Entschlossenheit des Westens erkennen, seine eigenen Streitkräfte zu modernisieren, werden sie einen Anreiz verspüren, über ein verifizierbares Abkommen&#13;
zu verhandeln, das einen gleichen niedrigeren Stand herstellt.&#13;
&#13;
Und das ist&#13;
&#13;
ganz einfach einer der Hauptgründe, warum wir unsere Verteidigungsstärke wieder aufbauen müssen.&#13;
&#13;
Die gesamte Modernisierung unserer strategischen Streitmacht ist vom&#13;
Kongreß gebilligt worden - mit Ausnahme des landgestützten Pfeilers der&#13;
Triade.&#13;
&#13;
Wir rechnen damit, die Billigung dieses endgültigen Programms durch&#13;
&#13;
den Kongreß später in diesem Frühjahr zu erhalten.&#13;
&#13;
Ein Programm für die Mo-&#13;
&#13;
dernisierung der strategischen Streitkräfte muß sich auf einen nationalen, überparteilichen Konsens stützen.&#13;
&#13;
Während des letzten Jahrzehnts haben viele auf-&#13;
&#13;
einanderfolgende Administrationen Vorschläge für die Rüstungskontrolle und die&#13;
Modernisierung unterbreitet, die in die Wirren der politischen Kontroverse geraten sind.&#13;
&#13;
Niemand hatte etwas von dieser inneren Spaltung.&#13;
&#13;
Wir alle müssen&#13;
&#13;
unsere früheren Standpunkte aus einer neuen Perspektive betrachten.&#13;
&#13;
Ich siche-&#13;
&#13;
re Ihnen zu, daß ich mich an einer solchen neuen Betrachtungsweise beteiligen&#13;
werde und entschlossen bin, zur Herstellung einer neuerlichen überparteilichen&#13;
Übereinstimmung beizutragen.&#13;
&#13;
Meine andere Priorität auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit bei&#13;
meinen Amtsantritt war eine gründliche Überprüfung des gesamten Rüstungskontrollbereiches.&#13;
&#13;
Seither haben wir in Koordination mit unseren Verbündeten&#13;
&#13;
- 5-&#13;
&#13;
�unseren Verbündeten das umfassendste Programm von Rüstungskontroll initiativen vorgelegt, das je unterbreitet wurde.&#13;
&#13;
Noch nie in der Geschichte hat&#13;
&#13;
eine Nation so viele große gleichzeitige Anstrengungen unternommen, um die&#13;
Instrumente des Krieges zu begrenzen und zu verringern:&#13;
- Im vorigen Monat hat der Vizepräsident in Genf die Vereinigten Staaten&#13;
verpflichtet, ein totales und verifizierbares Verbot chemischer Waffen&#13;
auszuhandeln.&#13;
&#13;
Solche unmenschlichen Waffen, wie auch toxische Waffen,&#13;
&#13;
werden unter Verletzung des internationalen Rechts in Afghanistan, Laos&#13;
und Kampuchea eingesetzt.&#13;
- Zusammen mit unseren Verbündeten haben wir einen umfassenden neuen Vorschlag für eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der konventionellen Streitkräfte in Europa unterbreitet.&#13;
- Wir haben kürzlich der Sowjetunion eine Reihe weiterer Maßnahmen vorgeschlagen, um das Risiko eines Krieges durch Zufall oder Fehleinschätzung zu verringern. Und wir überlegen bedeutsame neue Maßnahmen, die&#13;
zum Teil aus Konsultationen mit mehreren bedeutenden Senatoren herrühren.&#13;
- Wir haben gemeinsam mit unseren Verbündeten eine Konferenz über Abrüstung&#13;
in Europa vorgeschlagen.&#13;
&#13;
Auf der Basis eines ausgewogenen Ergebnisses&#13;
&#13;
des Madrider KSZE-Folgetreffens soll eine solche Konferenz neue Mittel&#13;
und Wege erörtern, um die Stabilität und Sicherheit in Europa zu fördern.&#13;
- Wir haben der Sowjetunion die Verbesserung der Verifizierungsbestimmungen zweier Abkommen über die Begrenzung von Nuklearversuchen unter der&#13;
Erde vorgeschlagen, aber die Antwort war bisher negativ.&#13;
&#13;
Wir werden es&#13;
&#13;
weiter versuchen.&#13;
- Und was am wichtigsten ist, wir haben weitreichende Vorschläge gemacht&#13;
- auf die ich nachher kurz eingehen möchte - für einschneidende Verringerungen der strategischen Waffen und für die Beseitigung einer gesamten&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�einer gesamten Klasse von Mittel Streckenwaffen.&#13;
&#13;
Ich bin entschlossen, eine echte Rüstungskontrolle zu erreichen - verläßliche Abkommen, die sich im Laufe der Zeit bewähren werden, keine kosmetischen Abkommen, die große Erwartungen wecken, um dann die Hoffnungen nur&#13;
umso grausamer zu enttäuschen.&#13;
&#13;
Bei all diesen Verhandlungen wird unsere Politik von bestimmten Grundprinzipien geleitet:&#13;
&#13;
- Erstens, unsere Bemühungen um Rüstungskontrolle sollen zu wesentlichen&#13;
Verringerungen auf beiden Seiten führen.&#13;
&#13;
- Zweitens, wir beharren darauf, daß Rüstungskontrollabkommen gleich und&#13;
ausgewogen sein müssen.&#13;
- Drittens, Rüstungskontroi labkommen müssen wirksam verifizierbar sein.&#13;
Wir können die Sicherheit unseres Volkes und der Völker der Welt nicht&#13;
aufs Spiel setzen.&#13;
&#13;
- Viertens, wir gehen davon aus, daß Rüstungskontrolle kein Selbstzweck&#13;
ist, sondern ein lebenswichtiger Teil einer breit angelegten Politik,&#13;
die auf die Stärkung von Frieden und Stabilität abzielt.&#13;
&#13;
Mit diesen festen Prinzipien im Auge ist diese Administration in die Verhandlungen über die mächtigsten Waffen in den amerikanischen und sowjetischen&#13;
Arsenalen eingetreten - die strategischen Kernwaffen.&#13;
&#13;
Verhandlungen über&#13;
&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen (START)&#13;
Im Juni 1983 trafen in Genf amerikanische und sowjetische Delegationen&#13;
zusammen, um die Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen, die wir als START bezeichnen, zu beginnen.&#13;
&#13;
Wir haben versucht, ein Ab-&#13;
&#13;
kommen auszuarbeiten, das den Stand der strategischen Waffen auf beiden Seiten&#13;
verringert.&#13;
&#13;
Ich habe vorgeschlagen, die Zahl der Raketen um die Hälfte und&#13;
&#13;
die Zahl der Gefechtsköpfe um ein Drittel zu verringern.&#13;
&#13;
Nicht mehr als die&#13;
&#13;
Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe dürfte auf landgestützten Raketen montiert sein.&#13;
&#13;
Das würde beiden Seiten eine größere Sicherheit auf gleichem und&#13;
&#13;
niedrigerem Stand der Streitkräfte gewähren.&#13;
Dies würde nicht nur die Zahl verringern - es würde auch genau jenen&#13;
Typen von Kernwaffen spezifische Grenzen setzen, die die größte Gefahr darstellen.&#13;
Die Sowjets haben einen Gegenvorschlag unterbreitet.&#13;
Reihe schwerer Bedenken gegen diesen Vorschlag geäußert.&#13;
&#13;
Wir haben eine&#13;
Aber - und das ist&#13;
&#13;
wichtig - die Sowjets haben das Konzept der Verringerungen akzeptiert.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
nehme an, daß das auf die feste Entschlossenheit zurückzuführen ist, die wir&#13;
an den Tag gelegt haben.&#13;
&#13;
In der gegenwärtigen Verhandlungsrunde haben wir&#13;
&#13;
ihnen das Grundelement eines Vertrages über umfassende Verringerungen der strategischen Arsenale unterbreitet.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten haben bei den START-&#13;
&#13;
Verhandlungen kürzlich ferner einen Vertragsentwurf für eine Reihe bedeutsamer&#13;
Maßnahmen eingebracht, die Vertrauen bilden und das Risiko eines Konflikts verringern sollen.&#13;
&#13;
Diese Verhandlungen werden auf unsererSeite unter der fähigen&#13;
&#13;
Leitung von Botschafter Edward Rowney geführt.&#13;
&#13;
Nukleare Mittel Streckensysteme (INF)&#13;
Wir verhandeln in Genf auch über die Beseitigung einer ganzen Klasse&#13;
neuer Waffen vom Angesicht der Erde.&#13;
Seite Mitte&#13;
&#13;
�Seit Mitte der siebziger Jahre disloziert die Sowjetunion eine nukleare&#13;
Mittelstreckenrakete, die SS-20, mit der Rate von einer Rakete pro Woche.&#13;
Heute gibt es 351 dieser Raketen, von denen jede drei höchst treffsichere Gefechtsköpfe trägt, die in der Lage sind, Städte und militärische Stützpunkte&#13;
in Westeuropa, Asien und im Nahen Osten zu zerstören.&#13;
&#13;
Die NATO besitzt keine vergleichbare Waffe.&#13;
&#13;
Und die NATO hat auch diese&#13;
&#13;
neue beispiellose Eskalation in keiner Weise provoziert.&#13;
&#13;
Es war vielmehr so,&#13;
&#13;
daß wir 1000 nukleare Gefechtsköpfe von Gefechtsfeldwaffen aus Europa abgezogen haben,während die Sowjets ihre SS-20-Raketen dislozierten.&#13;
&#13;
Diese&#13;
&#13;
wesentliche&#13;
&#13;
Verlagerung im militärischen Kräfteverhältnis in&#13;
&#13;
Europa veranlaßte unsere westeuropäischen Verbündeten, selbst vorzuschlagen,&#13;
daß die NATO ein Mittel finden solle, um das Gleichgewicht wiederherzustellen.&#13;
Im Dezember 1979 verkündete&#13;
&#13;
sie einen kollektiven Doppelbeschluß:&#13;
&#13;
- Erstens in Westeuropa 572 landgestützte Marschflugkörper und PERSHING&#13;
II-Raketen zu dislozieren, die die Sowjetunion erreichen können - zu&#13;
dem Zweck, den sowjetischen SS-20-Raketen etwas Gleichwertiges entgegenzusetzen und eine Abschreckung zu schaffen.&#13;
&#13;
Die erste Dislozierung&#13;
&#13;
dieser NATO-Waffen ist für Ende dieses Jahres vorgesehen.&#13;
&#13;
- Zweitens Verhandlungen mit der Sowjetunion über die beiderseitige Verringerung dieser Mittelstreckenraketen anzustreben.&#13;
&#13;
Im November 1981 haben die Vereinigten Staaten in Abstimmung mit unseren&#13;
Verbündeten einen umfassenden neuen Vorschlag unterbreitet.&#13;
&#13;
Die NATO würde&#13;
&#13;
auf ihre eigenen Dislozierungen verzichten, wenn die Sowjets ihre Raketen abschaffen.&#13;
&#13;
Die Sowjetunion weigerte sich und setzte im Westen eine intensive&#13;
&#13;
Kampagne in Gang, um die NATO-Dislozierungen zu blockieren, die noch nicht&#13;
einmal begonnen hatten.&#13;
&#13;
In der Zwischenzeit wächst die Zahl der sowjetischen&#13;
&#13;
Raketen weiter.&#13;
&#13;
Unser Vorschlag&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�Unser Vorschlag bedeutete keineswegs ein "Alles oder Nichts".&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
sind bereit, jeden sowjetischen Vorschlag zu prüfen, der den folgenden&#13;
Normen der Fairness entspricht:&#13;
&#13;
- Ein Abkommen muß zu gleichen Zahlen der sowjetischen und amerikanischen&#13;
Mittelstrecken-Streitkräfte führen.&#13;
&#13;
- Die Nuklearstreitkräfte anderer Länder, wie die britischen und französischen, sind unabhängig und sind nicht Teil der bilateralen amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen.&#13;
&#13;
Es handelt sich dabei um strate-&#13;
&#13;
gische Waffen, und die strategischen Arsenale der Sowjets wiegen sie&#13;
mehr als auf.&#13;
&#13;
- Weiter darf ein Abkommen die Bedrohung nicht von Europa nach Asien verlagern.&#13;
&#13;
Bei der Reichweite und der Mobilität der SS-20-Raketen müssen&#13;
&#13;
sinnvolle Begrenzungen dieser Raketen und vergleichbarer amerikanischer&#13;
Systeme weltweit gelten.&#13;
&#13;
- Ein Abkommen muß wirksam verifizierbar sein.&#13;
&#13;
- Und ein Abkommen darf schließlich nicht die Fähigkeit der NATO untergraben, sich selbst mit konventionellen Streitkräften verteidigen zu&#13;
können.&#13;
Wir haben uns eng mit unseren atlantischen Verbündeten konsultiert,&#13;
und sie stehen nachdrücklich hinter diesen Prinzipien.&#13;
&#13;
Anfang dieser Woche&#13;
&#13;
habe ich unseren Verhandlungschef in Genf, Botschafter Paul Nitze, angewiesen, die sowjetische Delegation von einem neuen amerikanischen Vorschlag in&#13;
Kenntnis zu setzen, der die volle Unterstützung unserer Verbündeten hat.&#13;
&#13;
Wir sind bereit, ein Zwischenabkommen auszuhandeln, um unsere geplanten Dislozierungen zu verringern, wenn die Sowjetunion ihre entsprechenden&#13;
Gefechtsköpfe auf einen gleichen Stand reduziert.&#13;
&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
Dies würde alle amerikanischen&#13;
&#13;
�, alle amerikanischen und sowjetischen Waffen dieser Klasse einschließen, wo&#13;
immer sie stationiert sind.&#13;
Unser Angebot einer Null-Lösung für beide Seiten wird selbstverständlich&#13;
als unser Endziel auf dem Tisch bleiben.&#13;
&#13;
Gleichzeitig bleiben wir, wie wir&#13;
&#13;
dies von Anbeginn waren, für ernsthafte Gegenvorschläge offen.&#13;
Die sowjetischen Verhandlungsführer sind jetzt nach Moskau zurückgekehrt,&#13;
wo unser neuer Vorschlag, so hoffen wir, während dieser Verhandlungspause sorgfältige Prüfung erfahren wird.&#13;
&#13;
Botschafter Nitze hat vorgeschlagen, die Ver-&#13;
&#13;
handlungen Mitte Mai, also mehrere Wochen früher als geplant, wieder aufzunehmen, und die Sowjets haben dem zugestimmt.&#13;
Ich bedaure es, daß die Sowjetunion bisher nicht bereit war, die völlige Beseitigung dieser Systeme auf beiden Seiten zu akzeptieren.&#13;
&#13;
Die Frage,&#13;
&#13;
. die ich jetzt der sowjetischen Regierung stelle, ist, auf welchen gleichen&#13;
Stand sie zu verringern bereit ist, wenn sie nicht zur Beseitigung bereit ist.&#13;
&#13;
Nonproliferation&#13;
Der neue Vorschlag soll dazu dienen, in Genf zu einem baldigen und echten Fortschritt zu führen. Wenn die Rüstungskontrolle jedoch wirklich vollständig sein und die Sicherheit der Welt gestärkt werden soll, dann müssen wir&#13;
auch unsere Bemühungen steigern, der Ausbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten.&#13;
Jedes Land, das eine friedliche Weltordnung schätzt, muß das seinige&#13;
dazu tun.&#13;
&#13;
Unsere Verbündeten haben - als wichtige Nuklearexporteure - auch&#13;
&#13;
eine sehr große Verantwortung, die Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.&#13;
Um diesem Ziel zu dienen, sollten wir alle umfassende&#13;
&#13;
Sicherheitsvorkehrungen&#13;
&#13;
als eine Vorbedingung für künftige Lieferverpflichtungen auf dem nuklearen Sektor einführen.&#13;
&#13;
In den kommenden Tagen werde ich mit anderen führenden Staats- 11 -&#13;
&#13;
�führenden Staatsmännern der Welt über die Notwendigkeit einer dringlichen&#13;
Behandlung dieser Dinge und andere Maßnahmen gegen die nukleare Proliferation&#13;
sprechen.&#13;
&#13;
Das Einfrieren von Kernwaffen&#13;
&#13;
Das sind die Dinge, die wir bisher auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle&#13;
getan haben.&#13;
&#13;
Unsere Vorschläge sind fair, weitreichend und umfassend, aber&#13;
&#13;
wir sind noch weit von unserem Ziel entfernt.&#13;
&#13;
Wir Amerikaner sind manchmal ungeduldige Menschen.&#13;
&#13;
Ich vermute, daß&#13;
&#13;
das ein Symptom unseres traditionellen Optimismus, unserer traditionellen&#13;
Energie und unseres traditionellen Geistes ist. Oft ist es eine Quelle der&#13;
Stärke.&#13;
&#13;
Bei Verhandlungen kann jedoch Ungeduld ein echter Nachteil sein. Oe^&#13;
&#13;
der von uns, der schon einmal mit Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern&#13;
oder irgendwelchen anderen Lohnverhandlungen zu tun hatte, weiß, daß Geduld&#13;
die Verhandlungsposition stärkt.&#13;
&#13;
Wenn eine Seite zu ungeduldig oder zu hem-&#13;
&#13;
mungslos zu sein scheint, dann hat die andere Seite keinen Grund, einen Kompromiß anzubieten, und jeden Grund,abzuwarten - in, der Erwartung,daß die ungeduldigere Seite als erste nachgeben wird.&#13;
&#13;
Das ist nun einmal eine Grundtatsache des Lebens, die aus dem Auge zu&#13;
verlieren wir uns nicht leisten können, wenn wir mit der Sowjetunion verhandeln.&#13;
net.&#13;
&#13;
Deren Verhandlungsposition war niemals von Großzügigkeit gekennzeichEine solche würde der grundlegend militanten Einstellung der marxistisch-&#13;
&#13;
leninistischen Ideologie zuwiderlaufen.&#13;
&#13;
Es ist also lebenswichtig, daß wir Geduld, Entschlossenheit und vor&#13;
allem nationale Einigkeit an den Tag legen.&#13;
&#13;
Wenn wir zerstritten erscheinen&#13;
&#13;
- wenn die Sowjets vermuten, daß innenpolitischer Druck und innenpolitische&#13;
Forderungen unsere Position untergraben werden, dann werden sie sich auf die&#13;
Hinterbeine stellen.&#13;
&#13;
Und das kann nur ein Abkommen verzögern und könnte sogar&#13;
&#13;
- 12 -&#13;
&#13;
�könnte sogar unsere Hoffnungen auf ein Abkommen zerstören.&#13;
&#13;
Darum mache ich mir solche Sorgen über den Vorschlag eines nuklearen&#13;
Einfrierens, wie er gegenwärtig im Repräsentantenhaus behandelt wird.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
meisten derjenigen, die für das Einfrieren sind, haben sicherlich die besten&#13;
Absichten und machen sich Sorgen über das Wettrüsten und die Gefahren eines&#13;
Atomkrieges.&#13;
&#13;
Niemand teilt ihre Besorgnis mehr als ich. Aber so gut ihre&#13;
&#13;
Absichten auch sein mögen, diese Vorschläge für ein Einfrieren würden mehr&#13;
schaden als nützen.&#13;
&#13;
Sie scheinen eine einfache Lösung zu bieten.&#13;
&#13;
gibt keine einfachen Lösungen für komplizierte Probleme.&#13;
&#13;
Aber es&#13;
&#13;
Wie H.L. Mencken ein-&#13;
&#13;
mal trocken bemerkte, gibt es für jedes Problem eine Lösung, die einfach, elegant und falsch ist.&#13;
&#13;
Das Konzept des Einfrierens ist aus vielerlei Gründen&#13;
&#13;
gefährlich:&#13;
&#13;
- Es würde den heutigen hohen, ungleichen und instabilen Stand der Nuklearstreitkräfte festschreiben und dadurch die sowjetischen Anreize, über&#13;
echte Verringerungen zu verhandeln, verkleinern.&#13;
- Es würde unseren Verhandlungsführern in Genf den Teppich unter den Füßen&#13;
wegziehen, wie sie selbst gesagt haben.&#13;
&#13;
Denn warum sollten schließlich&#13;
&#13;
die Sowjets verhandeln, wenn sie schon ein Einfrieren in einer Position&#13;
des Vorteils für sich erreicht hätten?&#13;
&#13;
- Obwohl manche Leute der Meinung sind, daß man sich über ein Einfrieren&#13;
leicht einigen könnte, brächte es doch gewaltige und komplizierte Probleme mit sich im Hinblick darauf, was denn nun eingefroren werden soll,&#13;
wie dies erreicht und vor allem, wie dies verifiziert werden kann.&#13;
&#13;
Der&#13;
&#13;
Versuch, diese entscheidend wichtigen Einzelheiten auszuhandeln, würde&#13;
uns nur von dem Ziel ablenken, über Verminderungen Einigung zu erzielen&#13;
- und wer weiß für wie lange.&#13;
&#13;
- Der Einfrierungsvorschlag wäre darüber hinaus weit sinnvoller, wenn eine&#13;
ähnliche Bewegung gegen Atomwaffen einen ähnlichen Druck auf die sowje-&#13;
&#13;
- 13 -&#13;
&#13;
�die sowjetischen Führer in Moskau ausüben würde.&#13;
&#13;
Wie es der frühere&#13;
&#13;
amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown formuliert hat:&#13;
&#13;
Das&#13;
&#13;
Einfrieren zielt darauf ab, "Druck auf die Vereinigten Staaten, nicht&#13;
jedoch auf die Sowjetunion auszuüben".&#13;
&#13;
- Und schließlich würde ein Einfrieren die Sowjets für eine 15jährige&#13;
Aufrüstung belohnen, während wir auf unsere heutige Ausrüstung festgelegt würden, die in vielen Fällen veraltet ist und dringend der Modernisierung bedarf.&#13;
&#13;
Drei Viertel der sowjetischen strategischen Gefechts-&#13;
&#13;
köpfe befinden sich auf Einsatzsystemen, die fünf Jahre oder weniger alt&#13;
sind, während sich drei Viertel der amerikanischen strategischen Gefechtsköpfe&#13;
&#13;
auf Systemen befinden, die 15 Jahre alt oder noch älter sind.&#13;
&#13;
Es kommt natürlich einmal der Zeitpunkt, an dem alles veraltet ist nur, das Problem ist, daß dieser Zeitpunkt für uns weitaus früher&#13;
kommt als für die Sowjets.&#13;
&#13;
Und nach einem Einfrieren könnten wir daran&#13;
&#13;
überhaupt nichts mehr ändern.&#13;
&#13;
Unsere strategischen Bomber vom Typ B-52 sind älter als viele der Piloten, die sie fliegen; wären dies Automobile, würde man sie als antik bezeichnen.&#13;
&#13;
Ein Einfrieren würde uns auf absolute Überalterung festschreiben.&#13;
&#13;
Es&#13;
&#13;
ist einfach zuviel verlangt, von den Männern und Frauen in unseren Streitkräften&#13;
zu fordern, daß sie ihr Leben mit überholten Ausrüstungen aufs Spiel setzen.&#13;
Die zwei Millionen patriotischen Amerikaner in unseren Streitkräften verdienen&#13;
die beste und modernste Ausrüstung, um sie - und um uns - zu schützen.&#13;
&#13;
Ich bin sicher:&#13;
&#13;
Jeder Präsident hat davon geträumt, die Welt sicherer&#13;
&#13;
zu gestalten, als er sie vorgefunden hat.&#13;
&#13;
Ich versichere Ihnen, es ist mein&#13;
&#13;
Ziel - und die Überzeugung ist mir heilig -.Fortschritte in Richtung auf&#13;
Rüstungsverminderungen bei jeder der Verhandlungen zu erzielen, die gegenwärtig&#13;
stattfinden.&#13;
&#13;
Ich appelliere an alle Amerikaner - in beiden Parteien und in allen&#13;
Zweigen unserer Regierung -,sich mir in diesem Bemühen anzuschließen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
dürfen es nicht zulassen, daß unsere Meinungsverschiedenheiten oder unsere&#13;
- 14 -&#13;
&#13;
�oder unsere Parteipolitik uns davon abhalten, den Frieden zu stärken und die&#13;
Rüstungen zu vermindern.&#13;
&#13;
Ich spreche gegenüber unseren Verbündeten und Freunden in Europa und&#13;
Asien die Verpflichtung aus: Wir werden uns auch weiterhin eng mit Ihnen&#13;
konsultieren.&#13;
&#13;
Wir sind uns bei den Verhandlungen mit unseren Gegnern über&#13;
&#13;
Fragen, die für Sie, Ihre Sicherheit und Ihr Wohlergehen von Belang sind,&#13;
unserer Verantwortung bewußt.&#13;
&#13;
Den Führern und dem Volk der Sowjetunion rufe ich zu:&#13;
&#13;
Schließen Sie&#13;
&#13;
sich uns an auf dem Weg zu einer friedlicheren und sichereren Welt.&#13;
&#13;
Lassen&#13;
&#13;
Sie uns wetteifern im Bereich der Ideen, auf dem Gebiet der friedlichen&#13;
Konkurrenz.&#13;
&#13;
Lassen Sie die Geschichte einmal die Feststellung treffen, daß&#13;
&#13;
wir unsere Theorien durch menschliche Erfahrungen erprobt und daß wir nicht&#13;
einander zerstört haben im Namen der Rechtfertigung unserer jeweiligen Lebensart.&#13;
&#13;
Und lassen Sie uns in unserem internationalen Verhalten Zurückhaltung&#13;
&#13;
üben, so daß eines Tages ein beiderseitiges Vertrauen und ein sicherer Friede&#13;
an die Stelle des gegenwärtigen Klimas des Mißtrauens treten können.&#13;
&#13;
Gibt es einen besseren Zeitpunkt, um uns diesem Vorhaben erneut zu verpflichten, als die Osterzeit, in der Millionen von Menschen in aller Welt demjenigen huldigen, der uns Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen&#13;
gelehrt hat?&#13;
&#13;
Dies, meine amerikanischen Mitbürger, ist das Ziel aller demokratischen&#13;
Nationen - ein Ziel, das Festigkeit, Geduld und Verständnis erfordert.&#13;
die Sowjetunion in diesem Geiste reagiert, dann stehen wir bereit.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
Und wir&#13;
&#13;
können unserer Nachwelt das Vermächtnis des Friedens übermitteln - Frieden&#13;
und Freiheit sind die größten Gaben, die eine Generation der anderen vermachen&#13;
kann.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
- 15 -&#13;
&#13;
�I&#13;
&#13;
Dokumentation&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
US-SENATOR: ZUKUNFT IST NUR GEMEINSAM ZU BEWÄLTIGEN&#13;
- Berlin-Rede von Senator Mathias -&#13;
&#13;
BERLIN - (AD) - Der republikanische Senator Charles McC. Mathias, Jr.&#13;
aus Maryland hat auf der 12. deutsch-amerikanischen Zwei Jahreskonferenz der&#13;
Atlantik-Brücke und des American Council on Germany in Berlin seine feste&#13;
Überzeugung zum Ausdruck gebracht,daß die westlichen Nationen ihre Zukunft&#13;
nur gemeinsam bewältigen können.&#13;
Die Ansprache des Senators vom 25. März 1983 hat folgenden Wortlaut:&#13;
Es ist mir eine Ehre, auf der 12. Zweijahreskonferenz des American&#13;
Council on Germany und der Atlantik-Brücke sprechen zu dürfen.&#13;
&#13;
Es ist eine&#13;
&#13;
Freude, mit so vielen Freunden zusammen zu sein.&#13;
Wir werden diese Freundschaft brauchen, um diese Diskussionen durchzustehen.&#13;
&#13;
Ich möchte sie aber jetzt nicht beurteilen, indem ich auf unsere&#13;
&#13;
Probleme eingehe und unsere Meinungsverschiedenheiten bedauere, ich möchte&#13;
vielmehr auf unsere gemeinsamen Zielsetzungen zu sprechen kommen.&#13;
Ich will&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Ich will diese meine Gedanken nicht zum Trost vortragen, sondern weil&#13;
ich der Überzeugung bin, daß wir, je klarer wir unsere beiderseitigen Interessen definieren, desto weitgefaßter unsere Politiken und Maßnahmen in Einklang bringen können.&#13;
&#13;
Die Notwendigkeit einer solchen Kooperation ist immer&#13;
&#13;
vorhanden und ist nach meiner Meinung einfach zwingend geworden.&#13;
Wenn wir unsere gemeinsamen Ziele fördern wollen, dann müssen wir mit&#13;
der Einsicht beginnen, daß die in Amerika und in Deutschland verankerte Atlantische Gemeinschaft durch etwas mehr fundiert ist als durch die gegenseitige Verpflichtung ihrer Mitglieder, einander im Falle eines Angriffs zu helfen.&#13;
&#13;
Dieses Versprechen ist selbstverständlich die Grundlage.&#13;
&#13;
len geholfen, den Frieden in Europa zu bewahren.&#13;
&#13;
Es hat uns al-&#13;
&#13;
Das ist zwar der Kern unseres&#13;
&#13;
Verhältnisses, aber es ist nicht die Seele unseres Bündnisses.&#13;
Der Pakt, den wir vor mehr als einer Generation geschlossen haben, ist&#13;
mehr als eine Abmachung für kollektive militärische Sicherheit.&#13;
&#13;
Dieser Pakt&#13;
&#13;
ist defensiv in dem Sinne, daß er keine Aggression androht, aber er ist auch&#13;
in die Zukunft gerichtet.&#13;
&#13;
Nach Artikel 2 des Nordatlantikvertrages kamen wir&#13;
&#13;
zusammen, um "zur weiteren Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher internationaler Beziehungen bei(zu)tragen", und zwar indem wir die "freien Einrichtungen festigen... und... die Voraussetzungen für die innere Festigkeit&#13;
und das Wohlergehen fördern."&#13;
&#13;
Wir haben also keine enggefaßte, statische&#13;
&#13;
Auffassung unserer Pflichten niedergelegt, sondern eine aktive, expansive&#13;
Vorstellung unserer Chancen und Aufgaben.&#13;
Wir haben nicht nur vom Krieg verwüstete Länder wieder aufgebaut, sondern wir haben auch neue Institutionen geschaffen - die OECD, das GATT, die&#13;
Weltbank und den Internationalen Währungsfonds sowie die Europäische Gemeinschaft -, um das wirtschaftliche Wachstum zu fördern und die Welt gegen neues&#13;
Unheil zu stärken. Zu Anfang unseres Bündnisses schufen wir so ein vernünftiges Gleichgewicht der Verteidigungsanforderungen und der Förderung des Wohlstandes. Wir schmiedeten Schwerter und Pflugscharen, um vor einem Krieg abzuschrecken und den Frieden zu sichern.&#13;
Über 20 Jahre&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�über 20 Jahre lang haben uns die beiden sich ergänzenden Strategien&#13;
mit beachtlichem Erfolg immer weiter gebracht.&#13;
&#13;
Aber etwa im letzten Jahr-&#13;
&#13;
zehnt ließ nicht nur unser Schwung nach, sondern unsere Wege gingen auch auseinander - weniger innerhalb der NATO als außerhalb ihres Bereichs, aber doch&#13;
eigentlich in beiden Bereichen.&#13;
&#13;
Es gibt viele Erklärungen für das, was geschehen ist.&#13;
&#13;
Daß die Sowjets&#13;
&#13;
die nukleare Parität erreichten und daß Amerika so lange und tragisch in&#13;
Vietnam verwickelt war, hat viele Berechnungen der militärischen und politischen Stärke über den Haufen geworfen.&#13;
&#13;
Und die ölschocks von 1973 und 1979&#13;
&#13;
warfen ebenso viele wirtschaftliche Annahmen über den Haufen.&#13;
&#13;
Und schließlich&#13;
&#13;
hat die sich hinausziehende internationale Rezession der letzten Jahre uns&#13;
viel von unserem Vertrauen zu uns selbst und zu anderen genommen.&#13;
&#13;
Solche Entwicklungen - und ich habe nur einige der ganz offensichtlichen&#13;
erwähnt - haben eine tiefe Auswirkung auf die gegenwärtigen Verhältnisse und&#13;
unsere Zukunftserwartungen.&#13;
&#13;
Leider waren unsere Antworten auf diese Entwick-&#13;
&#13;
lungen zu oft zu kurzatmig und improvisiert - ein Versuch, die Position gerade&#13;
noch zu halten.&#13;
&#13;
Manchmal sah es so aus, als ob wir Hegel recht geben wollten,&#13;
&#13;
wenn er sagt, daß unter dem Druck großer Ereignisse ein allgemeines Prinzip&#13;
nicht viel hilft.&#13;
&#13;
Ich stimme dem nicht zu.&#13;
&#13;
Genau dann, wenn Ereignisse uns besonders be-&#13;
&#13;
lasten, sollten wir in allgemeinen Prinzipien Hilfe suchen.&#13;
&#13;
Und die Regel,&#13;
&#13;
an die wir uns nach meiner Auffassung wieder halten müssen, ist die, daß das&#13;
Wachstum wieder unser Hauptanliegen als Nationen und als Verbündete sein muß.&#13;
&#13;
Eine geschlossene Gesellschaft kann es sich vielleicht eine Zeitlang&#13;
leisten, ihre Untertanen in ihren Hoffnungen und Wünschen einzuschränken.&#13;
Aber ein solches System kann nicht gleichzeitig die Optionen einschränken&#13;
und kreative Energie freisetzen.&#13;
&#13;
Selbst ein Weltreich, das so riesig und so&#13;
&#13;
reich ist wie das, über das Moskau herrscht, kann Zeichen der Stagnation erkennen lassen, wenn es sich selbst zu eng gegen den Wandel verfestigt und Neu-&#13;
&#13;
- 3,-&#13;
&#13;
�und Neugier, Ausdruck und Experiment unterdrückt.&#13;
Aus anderen aber ebenso zwingenden Gründen müssen Demokratien ständig&#13;
den Blick ihrer Bürger zu weiten suchen. Unsere Regierungen können kurze Zeitspannen der Einschränkung überstehen, aber nicht den unbegrenzten Aufschub&#13;
von wirtschaftlichem und sozialem Fortschritt. Wir sind wie Radfahrer auf&#13;
einem Hochseil, die ihren Schwung behalten müssen, um ihr Gleichgewicht zu&#13;
behalten.&#13;
&#13;
Stabilität kann für uns nur durch Vorwärtsbewegung garantiert werden.&#13;
&#13;
Zweifellos kann unser Wachstum nicht länger territorial gesehen werden.&#13;
Noch wird es durch neu entdeckte Rohstoffreserven beschleunigt werden. Was&#13;
wir am meisten brauchen werden, ist Einfallsreichtum, und das ist glücklicherweise eines der Bestandteile des Wachstums, das in unbegrenzter Menge vorhanden ist. Unsere Aufgabe besteht darin, Verhältnisse zu schaffen, die unsere&#13;
erfinderischen Fähigkeiten am besten anregen - ein politisches, soziales und&#13;
wirtschaftlichem Universum, das uns große Chancen bietet und uns die größtmögliche Freiheit des Handelns läßt.&#13;
Im physischen Sinne existiert dieses Universum bereits, aber es ist weniger ein einziges System als eine Konstellation dreier, ungleicher und wenig&#13;
gefestigter Galaxien. Die uns am nächsten liegende und strahlendste besteht&#13;
aus den modernen, industrialisierten Demokratien des Westens. Die größte zumindest was die Bevölkerungszahl und das unausgeschöpfte Potential angeht liegt jenseits des südlichen Horizonts. Und die dritte steht unter einem roten Stern, der ein unheimliches Licht wirft - die kommunistischen Staaten Europas und Asiens.&#13;
Wir können die Geographie oder die Geschichte nicht ändern, die diese&#13;
drei getrennten und ungleichen Ganzheiten geschaffen haben. Aber wir können&#13;
mehr tun, um zu verhindern, daß sie miteinander kollidieren. Wir müssen sehr&#13;
viel mehr tun, um breitere, stabilere und produktivere Verbindungen unter ihnen&#13;
zu schaffen, damit sie - zur Koexistenz gezwungen - auch zur Kooperation gelangen.&#13;
Kooperation beginnt&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Kooperation beginnt bei uns selbst.&#13;
&#13;
Innerhalb unserer eigenen Gemein-&#13;
&#13;
schaft ist kein einziges Land, nicht einmal die Vereinigten Staaten, groß&#13;
oder reich genug, um allein zu florieren.&#13;
&#13;
Wir könnten uns vielleicht in der&#13;
&#13;
Isolation eben am Leben erhalten, aber wir könnten uns gewiß nicht sicher&#13;
fühlen oder sicher sein ohne sowohl die kollektive Verteidigung als auch den&#13;
umfassenden Handel•&#13;
Diese Realität hat unser Bündnis über drei Jahrzehnte lang geleitet.&#13;
Sie sollte heute nicht bestritten werden.&#13;
wir voneinander&#13;
&#13;
abhängig sind.&#13;
&#13;
Wir kommen nicht darum herum, daß&#13;
&#13;
Es gibt keine ehrenhafte Alternative zur ge-&#13;
&#13;
genseitigen Unterstützung.&#13;
Und doch sind heute mächtige Kräfte am Werk, die diese Richtschnur nicht&#13;
mehr gelten lassen wollen. Manche Leute suchen wirtschaftliche Rettung im Protektionismus. Manche hängen einer Illusion des Friedens nach - eines Friedens,&#13;
der durch Verweigerung der notwendigen Maßnahmen der kollektiven Verteidigung&#13;
gewonnen werden soll, oder eines Friedens, der durch übertriebene Investitionen&#13;
in Waffen auferlegt werden soll.&#13;
All diese Leute, ob Amerikaner oder Europäer, ob Protektionisten, Pazifisten oder Unilateralisten,erliegen einem gemeinsamen Irrtum.&#13;
&#13;
Sie bestreiten&#13;
&#13;
die unumstößliche und unbequeme Tatsache der gegenseitigen Abhängigkeit - in&#13;
der Überzeugung, daß es für ein Land allein machbar wäre, das Verhalten anderer&#13;
zu kontrollieren oder sich selbst gegen dieses Verhalten immun zu machen.&#13;
se Überzeugung ist fehl am Platze.&#13;
&#13;
Die-&#13;
&#13;
Ihr zu folgen wäre töricht, ja vielleicht&#13;
&#13;
sogar tödlich.&#13;
Ihr nicht zu folgen, vor allem nicht den sehr starken wirtschaftlichen&#13;
Interessengruppen in unseren Ländern, wird auch nicht leicht sein. Manche dieser Interessengruppen haben nicht nur tiefverwurzelte Überzeugungen, sondern&#13;
auch beträchtliche politische Macht.&#13;
&#13;
Sie üben eien großen Einfluß aus, und in&#13;
&#13;
vielen Fällen steht ihre Stärke jetzt im Dienste der Bestrebungen gegen den Wandel und einer Politik, die uns auf den Weg der Stagnation weist.&#13;
Wir müssen&#13;
&#13;
�Wir müssen deshalb überzeugender sein, wenn wir das Evangelium des&#13;
Wachstums predigen.&#13;
&#13;
Wir müssen unsere Bürger und die Organisationen, die sie&#13;
&#13;
vertreten, überzeugen, daß die Schmerzen der Anpassung durch den Lohn des&#13;
Wachstums von morgen gestillt werden.&#13;
&#13;
Wenn wir dieser Botschaft in allen unseren Ländern Gehör verschaffen wollen, dann müssen wir sie auf alle anwendbar machen.&#13;
&#13;
Amerikanische Industrie-&#13;
&#13;
arbeiter - um nur ein Beispiel zu nehmen - werden nicht leicht auf neue Schutzmaßnahmen für sich selbst verzichten, wenn sie nicht erleben, daß die Europäer&#13;
und Japaner alte Handelsschranken, die sie errichtet haben, abbauen.&#13;
&#13;
Jene,&#13;
&#13;
die Zugeständnisse machen, werden dafür eine faire Behandlung erwarten.&#13;
&#13;
Frei-&#13;
&#13;
willige Opfer werden gemeinsameOpfer sein müssen.&#13;
&#13;
Und in dem gleichen Maß, in dem wir gemeinsam die Konsequenzen eines freien internationalen Marktes bei Gütern und Dienstleistungen zu tragen haben, müssen wir auch die Anstrengungen koordinieren, die wir unternehmen, um unsere&#13;
Binnenmärkte zu stimulieren.&#13;
&#13;
Die OECD-Staaten sind einander die besten Kunden&#13;
&#13;
und zugleich die stärksten Konkurrenten.&#13;
&#13;
Durch die Gestaltung ihrer Währungs-&#13;
&#13;
politik und durch die Behandlung der Nachfrage müssen sie gleichfalls zu engeren Partnern werden, damit sie sich nicht gegenseitig des Kapitals berauben,&#13;
das notwendig ist, um durch Investitionen neue Arbeitsplätze zu schaffen.&#13;
&#13;
Wir&#13;
&#13;
können nicht auf der einen Seite des Atlantik Männern und Frauen wieder Arbeit&#13;
beschaffen, während die Arbeitslosigkeit auf der anderen Seite so hoch bleibt,&#13;
daß eine gesteigerte Produktion keine Käufer findet.&#13;
&#13;
Wenn ich diese Vorschläge in solch verkürzter Weise vortrage, so will ich&#13;
damit nicht unterstellen, es gäbe einfache Antworten auf unsere wirtschaftlichen&#13;
Probleme.&#13;
&#13;
Ganz im Gegenteil:&#13;
&#13;
Der industrialisierte Westen steht vor einer Pe-&#13;
&#13;
riode des schmerzhaften strukturellen Wandels bei der Arbeit, die wir tun, sowie bei Fähigkeiten und bei Organisationsweisen, derer wir bedürfen, um sie zu&#13;
tun.&#13;
&#13;
Mein Argument ist lediglich, daß wir uns durch diesen Sturm nicht auf ver-&#13;
&#13;
schiedenen Wegen schlagen sollten.&#13;
&#13;
Wir können aber auch nicht versuchen, abzu-&#13;
&#13;
warten, bis er vorüber ist, indem wir einen stillen Hafen ausfindig machen, wo&#13;
&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�machen, wo wir Schutz zu finden meinen.&#13;
&#13;
Wir müssen im Konvoi segeln und un-&#13;
&#13;
sere Maschinen stärker unter Dampf setzen, um einen beständigen Kurs in Riehtung Wachstum zu halten.&#13;
&#13;
Die von uns im Rahmen unseres eigenen Systems ergriffenen Maßnahmen werden dabei natürlich nicht angemessen sein, auch nur unsere eigene Erholung&#13;
und Expansion zu sichern, sollten die Entwicklungsländer zusammenbrechen, während wir unsere Stärke wiederfinden.&#13;
&#13;
Wir sehen natürlich, daß ein Bankrott un-&#13;
&#13;
serer wichtigsten Schuldnerländer - die ja auch wichtige Kunden und in einigen&#13;
Produktionsbereichen unsere Rivalen sind - unser finanzielles Haus gleichfalls&#13;
zum Einsturz bringen würde.&#13;
&#13;
Aus Gründen des wirtschaftlichen und politischen&#13;
&#13;
Eigeninteresses müssen wir die Staaten der Dritten Welt so behandeln, als hinge&#13;
unser überleben von ihrem ab.&#13;
&#13;
Denn das tut es.&#13;
&#13;
Sogar im Falle der Vereinigten Staaten, bei denen die Ausfuhren erst in&#13;
jüngerer Zeit einen bedeutsameren Anteil des Bruttosozialproduktes auszumachen&#13;
begannen, nehmen nunmehr die nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsländer&#13;
fast ein Drittel dessen auf, was wir im Ausland verkaufen.&#13;
&#13;
Sie kaufen von uns&#13;
&#13;
mehr als die Europäische Gemeinschaft insgesamt bzw. mehr als unsere drei größten Handelspartner Kanada, Japan und Mexiko.&#13;
&#13;
Wenn ihre Nachfrage schrumpft -&#13;
&#13;
oder gar in einem Chaos von Zahlungseinstellung und beendeter Kreditgewährung&#13;
ganz verschwindet -, verschwinden auch die Aussichten auf eine Wiedergesundung&#13;
in den Vereinigten Staaten.&#13;
&#13;
Die von uns gewünschte Expansion zu Hause muß so gelenkt werden, daß sie&#13;
auch Expansion in der Dritten Welt einschließt.&#13;
&#13;
Auch hier müssen wir unsere&#13;
&#13;
Maßnahmen koordinieren - sowohl die Rettungsmaßnahmen der internationalen Finanzinstitutionen, wo bereits ein guter Anfang gemacht wurde, als auch die langfristigen, öffentlichen und privaten Anstrengungen bei Investitionen zur Schaffung stärkerer Grundlagen eines anhaltenden Wachstums in den Entwicklungsländern.&#13;
Es geht nicht darum, gutes Geld hinter schlechtem herzuwerfen oder unkluge westliche Banken vor den Folgen ihres Handelns zu schützen.&#13;
&#13;
Aber selbst wenn auch&#13;
&#13;
dies zu den Ergebnissen gehören würde, so wäre unser Ziel dennoch das gleiche ein Desaster zu vermeiden, weil unser gemeinsames Heil in einer wachsenden,&#13;
&#13;
�einer wachsenden, nicht in einer zerschlagenen Weltwirtschaft liegt.&#13;
&#13;
Und wie steht es um unsere Beziehungen zum kommunistischen System in&#13;
einer Periode solch hoher Anspannung bei Ressourcen und unserem politischen&#13;
Willen?&#13;
&#13;
Können wir, da unser Haus in Unordnung geraten ist, von unseren&#13;
&#13;
abenteuerlichen Rivalen etwas anderes erwarten als Schadenfreude und Schritte,&#13;
die auf Vorteile aus unserer Verwirrung und unseren Sorgen aus sind?&#13;
&#13;
Bei der&#13;
&#13;
Antwort hierauf hängt viel von der Geschwindigkeit und von der Entschlossenheit ab, mit der wir uns in Bewegung setzen.&#13;
&#13;
Aber was eine Krise für den&#13;
&#13;
Westen ist, ist noch lange nicht eine großartige Gelegenheit für den Osten.&#13;
Tatsächlich ist auch die kommunistische Welt aus dem Gleichgewicht geraten,&#13;
und durch unsere gleichzeitigen Konfrontationen mit neuen Gefahren könnten wir&#13;
- ich will nicht allzu optimistisch sein -, aber könnten wir in der Lage sein,&#13;
ein besseres Verständnis zu schaffen.&#13;
&#13;
Von der Sowjetunion können wir derzeit mit Gewißheit nur sagen, daß&#13;
ihre neue Führung vor einigen grundlegenden Alternativen steht, vor politischen&#13;
Entscheidungen, die durch die politische Sklerose der letzten Breschnew-Jahre&#13;
hinausgeschoben wurden.&#13;
&#13;
Wir können nicht sagen, welche Entscheidung getroffen&#13;
&#13;
werden wird, und auch nicht, wie bald sie getroffen wird.&#13;
&#13;
Aber ich glaube,&#13;
&#13;
wir dürften zurecht skeptisch hinsichtlich der dauerhaften Vorteile sein, die&#13;
sich für das Regime aus seinem derzeitigen Bemühen um Disziplin ergeben werden.&#13;
Es ist schwer, aus Drohung eine Verbindlichkeit zu machen.&#13;
&#13;
Auch wenn es mög-&#13;
&#13;
lich wäre, die Arbeiter dazu zu bringen, rechtzeitig an ihrem Arbeitsplatz zu&#13;
erscheinen, dürften sich doch mit nachlassender Zunahme der verfügbaren Arbeitskraft, mit dramatischer Überalterung der Industrieanlagen, mit schwierigerer&#13;
Erschließung und kostspieligerem Transport der Rohstoffe sowie mit dem, Rückgang&#13;
der Deviseneinnahmen aus dem Energieexport zusammen mit dem Absinken der OPECPreise selbst die sprachgewaltigen Wirtschaftspropheten Moskaus an die freudlosen Realitäten anzupassen haben.&#13;
&#13;
Auch die sowjetische Führung muß Wachstum anstreben, wenngleich nicht&#13;
im selben Ausmaß wie die Führungen im Westen.&#13;
&#13;
Wenn ich auch nicht an der an-&#13;
&#13;
haltenden Bereitschaft der ersteren zweifle, im Ausland Unfrieden zu säen,&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�zu säen, so kann ich mir doch nicht vorstellen, daß die Sowjets bei ihren&#13;
Abenteuern in der Karibik, in Asien und in Afrika im Lauf der Jahre mehr verdient haben als Wirtschaftsdefizite.&#13;
&#13;
Ich würde nicht gern ihre Rechnungen in&#13;
&#13;
Kuba, Vietnam oder Afghanistan zu zahlen haben.&#13;
tionen in Osteuropa abzuschätzen haben.&#13;
&#13;
Noch möchte ich ihre Subven-&#13;
&#13;
Und ich wäre überrascht, wenn Moskau,&#13;
&#13;
hätte es die Wahl, sich dafür entscheiden würde, die immer höheren Rechnungen&#13;
für seine Klienten zu begleichen, wenn ein kräftigeres und offeneres internationales Wirtschaftssystem diesen Abfluß seiner Reserven etwas verringern würde.&#13;
&#13;
Die Frage ist, ob wir im Westen den Kommunisten eine solche Alternative&#13;
bieten können oder nicht.&#13;
&#13;
Wenn wir der Meinung sind, ihr System nähere sich&#13;
&#13;
dem Zusammenbruch - und ich bin nicht dieser Meinung -, dann müßten wir natürlich wünschen, seine Selbstzerstörung zu beschleunigen, obgleich die damit verbundenen Explosionen zu einem Niederschlag führen würden, der auch für uns weit&#13;
tödlicher als saurer Regen wäre.&#13;
&#13;
Wenn wir jedoch davon ausgehen, daß die sowje-&#13;
&#13;
tische Götterdämmerung weder bevorsteht noch unvermeidlich ist, dann könnte&#13;
jetzt ein besserer Zeitpunkt denn je sein, ein neues Rahmenwerk einer Zusammenarbeit anzustreben, die sich auf gemeinsame wirtschaftliche Interessen gründet.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten machten dem Osten ein solches Angebot zu Beginn&#13;
des Marshall-Plans, in der aufgeheizten Atmosphäre des frühen Kalten Krieges.&#13;
Stalin wies den Vorschlag zurück, und auch Andropow dürfte noch nicht bereit&#13;
sein, den Preis zu zahlen - eine echte Offenlegung der wirtschaftlichen Konten&#13;
und einen offenen politischen Umgang miteinander -, den eine jede wirksame Zusammenarbeit zwischen unserem System der Marktwirtschaft und ihrem kontrollierten Planwirtschaftssystem erfordern würde.&#13;
&#13;
Wir werden die Antwort ohnehin&#13;
&#13;
erst dann erfahren, wenn wir versuchen, sie ihm zu entlocken.&#13;
&#13;
Und wir können&#13;
&#13;
nicht wissen, wohin dieser Weg Ost und West führen würde, wenn wir nicht versuchen, auf ihm voranzugehen.&#13;
&#13;
Zu lange haben wir uns bei der politischen Kommunikation mit den kommunistischen Mächten auf Fragen der Rüstungskontrolle und der Zurückhaltung in&#13;
der Dritten Welt oder bei den Menschenrechten konzentriert.&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
Dies sind lebens-&#13;
&#13;
�sind lebenswichtige Themen, aber der Dialog neigt dazu, in einer Atmosphäre&#13;
stattzufinden, die eher zu Propaganda und Paranoia als zum Fortschritt anregt.&#13;
Würden wir bei unserer Erforschung der gegenseitigen Interessen auch die Möglichkeiten eines erweiterten Handels mit einbeziehen, würden wir zumindest&#13;
einen andersartigen Kontaktbereich eröffnen, einen Weg, der von der Konfrontation fortführt.&#13;
Ich überschätze die Aussichten auf produktive Beziehungen nicht.&#13;
&#13;
Ich&#13;
&#13;
unterschätze auch nicht die Schwierigkeiten, eine westliche Haltung gegenüber&#13;
einem solchen Unterfangen zu koordinieren.&#13;
&#13;
Und ich glaube nicht, daß wir sehr&#13;
&#13;
lange ein Arrangement aufrechterhalten können, bei dem die Vereinigten Staaten&#13;
aufgefordert sind, ihre Mittel auf die gemeinsame Verteidigung zu konzentrieren,&#13;
während die Europäer Schrittmacher dabei sind, in den Wettstreit um kommerzielle&#13;
Vorteile im Osten einzutreten.&#13;
&#13;
Genau wie bei der Politik, die es zu verfolgen&#13;
&#13;
gilt, um unsere eigenen Volkswirtschaften wiederzubeleben und um zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum in der Dritten Welt anzuregen, müssen wir auch&#13;
hier im Gleichschritt, in Harmonie und gerüstet auf unsere gemeinsamen Ziele&#13;
zugehen.&#13;
Aber bewegen müssen wir uns. Stillstehen würde bedeuten, Boden zu verlieren. 300 Jahre ist es her, daß Deutsche - 34 Memmoniten an Bord eines Schiffes mit dem Namen "Concord" - zum erstenmal nach Amerika kamen. Sie wagten&#13;
sich ins Unbekannte, suchten die Freiheit und die Chance auf ein besseres Leben.&#13;
Die gleichen Motive - und ein ähnlicher Glaube an unsere Fähigkeiten, uns ein&#13;
solch besseres Leben und eine sicherere Zukunft zu schaffen,- sollten auch heute&#13;
unsere Gemeinschaft in ein neues, bahnbrechendes Unterfangen führen.&#13;
Damals gingen unsere Vorfahren die Risiken als einzelne ein. Jetzt müssen wir sie als Nationen eingehen. Wenn wir uns dieser Herausforderung stellen, tun wir gut daran, uns an einen anderen Satz von Hegel zu halten, an einen,&#13;
bei dem wir, wie ich meine, alle einig sind. Er schrieb: "Das Leben hat nur&#13;
dann einen Wert, wenn es etwas Wertvolles als ein Ziel hat." Frieden, Sicherheit und Wachstum in Freiheit sind unsere Ziele. Gehen wir sie gemeinsam an,&#13;
+ + + + +&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
DIE USA VERTEIDIGEN DIE MENSCHENRECHTE IN EL SALVADOR UND WELTWEIT&#13;
- Von Elliot Abrams Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&#13;
&#13;
- (AD) - In einem Vortrag im Chatham House in London im Frühjahr 1982&#13;
lenkte der frühere amerikanische Außenminister Henry Kissinger die Aufmerksamkeit auf eine, wie er es nannte, "ironische Umkehr" in den europäischamerikanischen Beziehungen. In der Vergangenheit, so meinte er, hätten die&#13;
Amerikaner zu der Ansicht geneigt, die Tatsache, daß sie sich nicht in die&#13;
europäische Machtpolitik einmischten, sei ein Zeichen überlegener moralischer&#13;
Tugend. Geschützt durch zwei Ozeane, seien sie in der glücklichen Lage, sich&#13;
über ihre europäischen Freunde zu erheben, weil diese sich so sehr mit Machtpolitik befaßten und weil sie angeblich gegenüber moralischen Normen so indifferent seien. Aber, so fuhr Kissinger fort, heute ist es so, daß die Vereinigten Staaten häufig von einigen ihrer europäischen Freunden beschuldigt&#13;
werden, von Machtpolitik besessen und gegenüber moralischen Normen, d.h. den&#13;
Menschenrechten, indifferent zu sein. Diese Besetzung von geistigen Positionen, die die jeweils andere Seite aufgegeben hat, wird, so schließt&#13;
Kissinger, besonders deutlich in Fragen, die in irgendeiner Form mit der&#13;
sogenannten Dritten Welt zu tun haben, wo sich so viele strittige Menschenrechtsfragen stellen.&#13;
Es ist&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Es ist jetzt über zwei Jahre her, daß Prsäident Reagan sein Amt übernommen hat, und es mag manche Beobachter überraschen:&#13;
&#13;
Wir haben wirklich&#13;
&#13;
eine Menschenrechtspolitik.&#13;
&#13;
Nach meiner Auffassung hat diese Politik zwei Ziele:&#13;
&#13;
die Menschenrechts-&#13;
&#13;
bedingungen in einer großen Zahl von Gebieten in der ganzen Welt zu verbessern, damit die Menschen, die dort leben, etwas davon haben; und die Verpflichtung der Vereinigten Staaten für die Sache der Freiheit in der ganzen Welt&#13;
deutlich zu machen.&#13;
&#13;
Diese Ziele sind natürlich nicht nur nicht widersprüch-&#13;
&#13;
lich, sondern sie sind untrennbar.&#13;
&#13;
Und doch ist es außerordentlich schwer,&#13;
&#13;
daraus in der Praxis eine Politik zu formulieren, die beide Ziele erreicht.&#13;
&#13;
Wir leben nicht in einer idealen Welt, und wir haben auch kaum die Wahl,&#13;
uns je für das Ideale zu entscheiden.&#13;
&#13;
In der realen Welt haben wir meist&#13;
&#13;
nicht einmal die Wahl zwischen Gut und Böse, sondern nur zwischen Schlecht&#13;
und noch Schlechter; oder vielleicht noch genauer gesagt dazwischen, daß es&#13;
so bleibt oder daß es noch schlechter wird.&#13;
&#13;
Die Ereignisse in Vietnam und&#13;
&#13;
im Iran haben gezeigt, daß schlechte Lagen sich noch verschlechtern können,&#13;
und es scheint, daß man Nicaragua jetzt auch auf diese Liste setzen kann.&#13;
Viele demokratische Gegner von Präsident Thieu oder des Schahs lebten unter&#13;
jenen Regimen in Furcht, aber sie lebten und setzten ihre Oppositionstätigkeit fort.&#13;
Exil.&#13;
&#13;
Unter den Nachfolgerregimen sind sie tot, im Gefängnis oder im&#13;
&#13;
All das dürfte sich jetzt in Nicaragua wiederholen.&#13;
&#13;
Diese Frage ist nicht ganz so beunruhigend, wenn die Opposition gegen&#13;
einen Diktator demokratisch ist und unsere Unterstützung verdient.&#13;
&#13;
Aber wenn&#13;
&#13;
sie weitgehend antidemokratisch ist, dann wird die Sache höchst schwierig.&#13;
Denn ein schlechtes Regime durch ein noch schlechteres zu ersetzen, kann keine&#13;
vernünftige Menschenrechtspolitik sein.&#13;
&#13;
Diese Frage wird noch schwieriger, wenn man an Mächte denkt, die Menschenrechtsverletzungen über ihre Grenzen hinweg exportieren.&#13;
beispielsweise die Regierung von Haiti nur Einwohner Haitis.&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
So unterdrückt&#13;
Die Diktatur&#13;
&#13;
�Die Diktatur Kubas unterdrückt aber nicht nur Kubaner, sondern bedroht auch&#13;
die Freiheit in der Karibik und in Mittelamerika und arbeitet auf der ganzen&#13;
Welt gegen die Demokratie.&#13;
&#13;
Es ist also nur ein erster Schritt, wenn man Menschenrechtsverletzungen&#13;
kritisiert und auf sie aufmerksam macht.&#13;
rechtsgruppen eine unschätzbare Rolle.&#13;
&#13;
Hier spielen die privaten MenschenEine Regierung muß jedoch weiter gehen&#13;
&#13;
und eine realistische Politik entwickeln, die darauf abzielt, mit gegebenen&#13;
Weltproblemen fertig zu werden, einschließlich möglicher Nachfolgerregime&#13;
und deren Bedrohung der Menschenrechte.&#13;
&#13;
Ich hoffe, daß es auf der Hand liegt, mit welchem Ernst sich die ReaganAdministration mit den Menschenrechtsfragen befaßt.&#13;
&#13;
Wir sind der Auffassung,&#13;
&#13;
daß sich eine wirklich ernsthafte Menschenrechtspolitik mit den fundamentalen&#13;
Fragen befassen muß, wie die Vereinigten Staaten bei dem immer komplizierter&#13;
werdenden Prozeß der Entwicklung demokratischer Institutionen helfen können unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Freiheit auf der Linken wie auf&#13;
der Rechten viele Feinde hat.&#13;
&#13;
Wir meinen, daß man nur dann, wenn diese Fragen&#13;
&#13;
berücksichtigt werden, sagen kann, daß man wirklich versucht, eine Menschenrechtspolitik zu formulieren, die wirksam sein kann.&#13;
&#13;
Die gegenwärtige Kontroverse zwischen der Reagan-Administration und&#13;
einigen unserer europäischen Freunde wegen der amerikanischen Politik in El&#13;
Salvador muß in diesem Zusammenhang untersucht werden.&#13;
&#13;
Aus unserer Sicht ist unser Ziel in El Salvador ein doppeltes:&#13;
&#13;
Einmal&#13;
&#13;
wollen wir den Prozeß der Versöhnung durch Demokratie sowie politische und wirtschaftliche Reform fördern, und zum andern wollen wir der Armee bei der Bekämpfung der Guerilla helfen.&#13;
dies:&#13;
&#13;
Denn wenn eines sicher ist in El Salvador, dann&#13;
&#13;
Die bewaffneten Gruppen der Guerilla, die von Kommunisten geführt wer-&#13;
&#13;
den, die mit Moskau, Havanna und Managua verbündet sind, kämpfen nicht für die&#13;
Menschenrechte.&#13;
&#13;
Sie kämpfen um die Macht.&#13;
&#13;
Und von den Modellen, die sie zu&#13;
&#13;
verbreiten suchen, wissen wir, daß sie Macht für sich selbst meinen und diese&#13;
&#13;
- 3 -&#13;
&#13;
�und diese Macht niemals mit der Bevölkerung von El Salvador teilen wollen.&#13;
&#13;
Eine beträchtliche Zahl unserer europäischen Kritiker sieht die Dinge&#13;
jedoch anders.&#13;
&#13;
Sie beschuldigen umgekehrt die Vereinigten Staaten, sie seien&#13;
&#13;
in gefährlicher Weise von "Ost-West"-Fragen "besessen";&#13;
&#13;
sie seien hoffnungs-&#13;
&#13;
los mit einem archaischen und ungerechten Status quo verheiratet; und sie seien&#13;
gegenüber der Sache des Friedens, der sozialen Gerechtigkeit und der Reform&#13;
in El Salvador indifferent - wenn nicht gar feindlich.&#13;
&#13;
El Salvador steht heute mitten in einem blutigen Guerilla-Krieg.&#13;
hat er begonnen?&#13;
&#13;
Wie&#13;
&#13;
El Salvador ist das kleinste und am dichtesten besiedelte&#13;
&#13;
Land Mittelamerikas und ein Land mit einer langen Geschichte der Gewalt, Armut und Unterdrückung.&#13;
&#13;
Im Oktober 1979 stürzte eine Gruppe junger Offiziere&#13;
&#13;
in mittleren Rängen die Regierung von General Carlos Romero und stieß zwei&#13;
Drittel der Offiziere in einem höheren Rang als Major aus den Streitkräften&#13;
aus.&#13;
&#13;
Die revolutionäre Proklamation der Armee verpflichtete die neue Regie-&#13;
&#13;
rung auf freie Wahlen, ein demokratisches politisches System, grundlegende&#13;
wirtschaftliche und soziale Reformen und Frieden mit Honduras.&#13;
&#13;
Die Grund-&#13;
&#13;
lage der Verpflichtung der neuen Armeeführung war die Überzeugung, daß die&#13;
beherrschende Rolle, die die Armee von 1932 bis 1979 in der Politik El Salvadors&#13;
gespielt hatte, für das Land schlecht gewesen war, für die Armee schlecht gewesen war und für die meisten Offiziere schlecht gewesen war.&#13;
&#13;
Die neue Füh-&#13;
&#13;
rung war überzeugt, daß das Bündnis zwischen Armee und der Oligarchie der&#13;
Grundbesitzer gelöst werden müsse und die Armee eine Berufsarmee werden sollte.&#13;
&#13;
Die Armee schuf eine neue Regierung, der sich solche progressiven Kräfte&#13;
wie Ungo und seine Partei anschlössen.&#13;
&#13;
Der hoffnungslose Zank in dieser neuen&#13;
&#13;
Regierung machte sie handlungsunfähig, und im Januar 1980 ging die christlichdemokratische Partei, die traditionell&#13;
&#13;
stärkste Oppositionspartei, eine vor-&#13;
&#13;
sichtige Partnerschaft mit der Armee ein, die Napoleon Duarte seinen Sieg in&#13;
den Präsidentschaftswahlen von 1972 verwehrt und ihn für sieben Jahre ins Exil&#13;
nach Venezuela verbannt hatte.&#13;
Regierungsjunta.&#13;
&#13;
Zusammen bildeten sie jetzt die Revolutionäre&#13;
&#13;
Viele glaubten, diese Ehe werde nicht lange halten. Aber sie&#13;
&#13;
- 4 -&#13;
&#13;
�Aber sie hielt und brachte eine Reihe drastischer und weitreichender wirtschaftlicher und sozialer Reformen hervor, einschließlich der Verstaatlichung&#13;
aller Banken und eines der massivsten Landverteilungsprogramme in der Geschichte Lateinamerikas, und führte zu den Wahlen im Oktober 1982.&#13;
&#13;
Genau zu dem Zeitpunkt, an dem diese Reformen verabschiedet wurden,&#13;
schlössen sich fünf marxistisch-leninistische Gruppen in El Salvador mit Hilfe&#13;
Fidel Castros zusammen, gründeten die Faribundo Marti Volksbefreiungsfront&#13;
(FMLN) und schufen ein internationales Netz von politischen Helfern und militärischen Lieferanten.&#13;
&#13;
Irgendwie gelang es der FMLN, eine Handvoll prominenter&#13;
&#13;
salvadorianischer Demokraten für sich zu gewinnen, von denen einige in der&#13;
ersten Revolutionsregierung mit der Armee gewesen waren, weil man dachte, daß&#13;
die Mitwirkung dieser Leute der Bewegung einen gemäßigten Anstrich geben würde.&#13;
Die Demokraten, die unter den Aufständischen im eigenen Land keinerlei Macht&#13;
ausüben, wurden nach Lateinamerika, Europa und den Vereinigten Staaten entsandt, um für internationale Unterstützung zu werben.&#13;
&#13;
Die FMLN befehligt die&#13;
&#13;
Guerilla, beschafft Waffen und Mittel und Ausbildung durch ihre Verbindungen&#13;
zu Havanna, Moskau, Managua und der PLO und ist entschlossen, einen marxistischleninistischen Staat nach dem Muster der Sowjetunion zu errichten.&#13;
&#13;
Die Gründung der FMLN im Mai 1980 kann als der Beginn des gegenwärtigen&#13;
Kampfes in El Salvador angesehen werden.&#13;
&#13;
Die FMLN, das muß hervorgehoben wer-&#13;
&#13;
den, begann ihren Krieg nachdem die revolutionäre Regierungsjunta an die Macht&#13;
gekommen war, nachdem die Landreform begonnen hatte und nachdem sich die Regierung auf ein demokratisches politisches System verpflichtet hatte.&#13;
&#13;
In Gesellschaften wie in El Salvador,wo die Mehrheit der Bevölkerung&#13;
nicht in der Stadt lebt, ist eine Schicht landbesitzender Bauern wohl das wirksamste Hindernis gegen eine kommunistische Machtübernahme.&#13;
&#13;
Rund 20 Prozent des&#13;
&#13;
bebaubaren Landes in El Salvador ist bereits an frühere Pächter verteilt worden - gegen den Widerstand der alten Oligarchie.&#13;
&#13;
Ein landbesitzender Bauer&#13;
&#13;
war genau das, was die neue Regierung in El Salvador wollte.&#13;
&#13;
Ist es ein Wun-&#13;
&#13;
der, daß die fünf kommunistischen Gruppen, aus denen die FMLN besteht, sich ange-&#13;
&#13;
- 5 -&#13;
&#13;
�sich angesichts einer solchen Entwicklung verpflichtet fühlten, ihre ideologischen Differenzen zu begraben und sich zu vereinen, um die Regierung z;u&#13;
stürzen, bevor deren Programme voll verwirklicht waren?&#13;
Die Motive, der FMLN, El Salvador in einen bitteren Krieg zu stürzen,&#13;
hatten mit den berechtigten Anliegen des salvadorianisehen Volkes nichts zu&#13;
tun.&#13;
&#13;
Sie hatten lediglich zu tun mit dem Wunsch einer Handvoll Fanatiker d$r&#13;
&#13;
totalitären Linken, nach dem Muster ihrer Helfer in Kuba und in der Sowjetunion und trotz all der Gewalttätigkeit und des wirtschaftlichen Schadens,&#13;
die damit verbunden sind, die absolute Macht zu erringen.&#13;
Daher stand die amerikanische Regierung 1981 vor einer großen politischen Entscheidung: Sollten wir der Regierung von El Salvador Militärhilfe gewähren oder nicht? Einige unserer Freunde in der Sozialistischen&#13;
Internationale drängten uns dazu, nicht in der Politik von El Salvador zu&#13;
"intervenieren". Man sagte uns, wir sollten das salvadorianische Volk seine&#13;
eigene Zukunft selbst bestimmen lassen. Nun hat aber schon vor über einem&#13;
Jahrhundert John Stuart Mill darauf hingewiesen, daß "die Doktrin der Nichtintervention, soll sie ein legitimes Moralprinzip sein, von allen Regierungen&#13;
akzeptiert werden muß. Die Despoten müssen genauso wie die freien Staaten ihre&#13;
Zustimmung dazu geben, von ihm gelenkt zu werden. Geschieht dies nicht, so&#13;
führt seine Einhaltung durch die freien Länder lediglich zu der miserablen&#13;
Tatsache, daß die Unrechten zwar den Unrechten helfen können, aber die Gerecht&#13;
ten nicht den Gerechten helfen dürfen." Denn gerade weil es dem salvadorianischen Volk nicht möglich war, über seine Zukunft selbst zu bestimmen, weil&#13;
Kuba, Nicaragua, die PLO, Äthiopien, Nordkorea, Libyen, Vietnam und die Sowjetunion alle die FMLN unterstützen und weil im Konflikt von El Salvador die unrechte Seite gewaltige Mengen an Militärhilfe, Ausbildung und logistischer&#13;
Unterstützung erhielt, sahen die Vereinigten Staaten ihre moralische Verpflichtung darin, der gerechten Seite zu helfen - der neuen salvadorianischen Regierung. Nichts, was sich seit 1981 zugetragen hat, macht diese moralische Verpflichtung weniger zwingend. Ja, die Ergebnisse der Wahlen des letzten Jahres&#13;
machen sie nur noch zwingender.&#13;
Die Menschen&#13;
- 6 -&#13;
&#13;
�Die Menschen dort gingen unter ungeheuer schwierigen Bedingungen zur&#13;
Wahl.&#13;
&#13;
Die marxistische Führung beschloß, eine konzertierte Kampagne durchzu-&#13;
&#13;
führen, um den Volkswillen daran zu hindern, sich zu äußern - eine Kampagne,&#13;
die Guerillaangriffe auf Wahllokale einschloß.&#13;
&#13;
Trotz all dieser Hindernisse&#13;
&#13;
ging das Volk von El Salvador in einem Umfang zu den Wahlurnen, der alle Vorhersagen übertraf.&#13;
&#13;
Nahezu 1,5 Millionen Menschen wählten, wahrscheinlich mehr&#13;
&#13;
als 80 Prozent der Wahlberechtigten.&#13;
&#13;
Wegen der von der Guerilla kommenden Ge-&#13;
&#13;
walt gingen die Wähler manchmal meilenweit zu sichereren Wahllokalen oder standen - sogar unter Beschuß - stundenlang Schlange für die Möglichkeit, ihre&#13;
Stimme für die Zukunft von El Salvador abzugeben.&#13;
&#13;
Das salvadorianische Volk zeigte in seiner überwältigenden Mehrheit durch&#13;
die Weigerung, auf die Warnungen der FMLN zu reagieren, sowie dadurch, daß die&#13;
Menschen mit ihrer Wahlbeteiligung ihr Leben aufs Spiel setzten, daß dieses&#13;
Volk nicht von marxistisch-leninistischen Insurgenten beherrscht werden möchte.&#13;
Es zeigte damit auch seine Überzeugung, daß eine gewählte Regierung, nicht die&#13;
Diktatur einer kommunistischen Elite,die größte Hoffnung auf den Schutz seiner&#13;
grundlegenden Menschenrechte bietet.&#13;
&#13;
Es ist die gewählte Regierung von Prä-&#13;
&#13;
sident Magana, die sich jetzt der Drohung eines gewaltsamen Sturzes durch eine&#13;
gutausgerüstete, von außen unterstützte marxistisch-leninistische Guerilla&#13;
stellen muß.&#13;
&#13;
Natürlich wurden die Wahlergebnisse angefochten, aber Jose Napoleon&#13;
Duarte, der aufgrund des Wahlergebnisses sein Amt verlor, erklärte selbst,&#13;
daß diese Beschuldigungen Teil einer Kampagne seien, die Wahlen zu verunglimpfen.&#13;
&#13;
Es waren internationale Beobachter eingeladen worden, Wahl kämpf&#13;
&#13;
und Wahlen zu überwachen,&#13;
&#13;
über 200 Beobachter aus über 40 Staaten waren an-&#13;
&#13;
wesend, und mehr als 700 Journalisten dienten praktisch ebenfalls als Beobachter.&#13;
&#13;
Diese Beobachter waren im großen und ganzen der Meinung, daß der Wahl-&#13;
&#13;
prozeß ordnungsgemäß, fair und - von den Guerillaangriffen abgesehen - auch&#13;
friedlich war.&#13;
&#13;
Und obgleich es Vorwürfe hinsichtlich eines Druckes von Re-&#13;
&#13;
gierungsseite gab, bemerkte Erzbischof Rivera y Damas in bezug auf die Wahlen,&#13;
daß, "falls es Druck gegeben hat, dieser nicht von der Regierung kam, sondern&#13;
von denjenigen, die die Wahlen nicht wollten."&#13;
Mit dem&#13;
- 7 -&#13;
&#13;
�Mit dem Argument, Parteien, die die FMLN repräsentierten, seien nicht&#13;
auf den Stimmzetteln erschienen, wurden die Wahlen zusätzlich diskreditiert.&#13;
Dabei waren sie dazu aufgefordert worden, gleichfalls anzutreten, hatten dies&#13;
jedoch mit der Begründung abgelehnt, ihre persönliche Sicherheit sei gefährdet und sie seien generell gegen die Abhaltung von Wahlen.&#13;
&#13;
Wäre aber die&#13;
&#13;
Sicherheit ihr eigentliches Anliegen gewesen, so hätten sie darüber mit Präsident Duarte und dem Wahlleiter Bustamante verhandeln können.&#13;
&#13;
Statt dessen&#13;
&#13;
wiesen sie solche Verhandlungen nicht nur zurück, sondern griffen Wähler und&#13;
Wahllokale an.&#13;
&#13;
Dadurch wird klar, daß sie etwas anderes am meisten fürchte-&#13;
&#13;
ten - und die Wahlergebnisse bestätigten diese Befürchtung auf dramatische&#13;
Weise - nämlich die öffentliche Bestätigung der Unpopularität der FMLN in&#13;
El Salvador.&#13;
&#13;
Haben die Wahlen, hat die derzeitige Regierung Fortschritte bei den&#13;
Menschenrechten mit sich gebracht, die sich den wirtschaftlichen Reformen anschließen?&#13;
&#13;
Fortschritt bei den Menschenrechten ist zu verzeichnen - wenn-&#13;
&#13;
gleich auch langsam.&#13;
&#13;
Todesfälle unter der Zivilbevölkerung,&#13;
&#13;
die von poli-&#13;
&#13;
tischer Gewalt von allen Seiten herrühren, gingen von rund 800 je Monat gegen&#13;
Ende 1980 auf 200 je Monat im letzten Halbjahr 1982 zurück.&#13;
&#13;
Mängel bei der&#13;
&#13;
militärischen Disziplin werden ebenfalls langsam abgestellt - durch zunehmenden Professionalismus und Ausbildung im Menschenrechtsbereich, durch verbesserte Kommunikation und Befehlsanweisungen, die die Achtung vor den Nichtkombattanten betonen.&#13;
&#13;
Repräsentative Institutionen, geschaffen durch allge-&#13;
&#13;
meines Wahlrecht, sind federführend beim Entwurf einer modernen Verfassung&#13;
und bei den Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahlen, die später im Jahr&#13;
stattfinden sollen.&#13;
&#13;
Alle Parteien befürworten die Einsetzung der neuen Frie-&#13;
&#13;
denskommission, zu deren Aufgaben die Arbeit an einem Amnestiegesetz sowie&#13;
Verhandlungen über die Beteiligung der Opposition an den nächsten Wahlen gehören. Es sollte ganz deutlich gesagt werden, daß die Regierung der Vereinigten Staaten solche Verhandlungen wünscht.&#13;
Es sollte jedoch auch deutlich sein, daß der Fortschritt - solange der&#13;
Aufruhr anhält - auch weiterhin eher in Metern als in Meilen gemessen werden&#13;
dürfte.&#13;
&#13;
Der von der FMLN im Mai 1980 begonnene Hader hat eine Kettenreaktion&#13;
- 8 -&#13;
&#13;
�eine Kettenreaktion der Gewalt und der Gegengewalt in Gang gesetzt, die die&#13;
salvadorianische Gesellschaft in ihrer Gesamtheit miteinbezogen hat und die&#13;
das Ausmaß der Menschenrechtsverletzungen in El Salvador gewaltig erhöht hat.&#13;
Wenn diese Kettenreaktion unter Kontrolle gebracht werden soll, dann muß das&#13;
Kämpfen unter Kontrolle gebracht werden.&#13;
&#13;
Einige Kritiker der Reagan-Administration fordern, wir sollten die Regierung von El Salvador dazu zwingen, in Verhandlungen mit der FMLN einzutreten - nicht hinsichtlich der Teilnahme an Wahlen, sondern mit dem Ziel, ihr&#13;
mehrere Ministerien und einen Anteil an der Staatsmacht anzubieten.&#13;
&#13;
Egal, so&#13;
&#13;
sagen jene, ob die Guerillaangriffe seit 1980 das Töten gewaltig verstärkt haben; egal, ob die Guerilla versucht hat, die Wahlen zu sabotieren und vielleicht auch die Präsidentschaftswahlen im Dezember attackiert und egal, ob&#13;
die Guerilla über eine größere Anhängerschaft in El Salvador verfügt oder&#13;
nicht.&#13;
&#13;
Sie hat Verhandlungen angeboten, und wenn erst die salvadorianische&#13;
&#13;
Regierung zustimmt, dann wird das Töten aufhören.&#13;
&#13;
Aber die jüngste Geschichte Südostasiens allein schon hat uns eine bittere Lektion hinsichtlich der Verhandlungen mit Kommunisten gelehrt.&#13;
&#13;
Wenn&#13;
&#13;
wir die Regierung von El Salvador dazu zwingen würden, mit der Guerilla als&#13;
gleichem Partner zu verhandeln, würden wir ihren Zusammenbruch riskieren.&#13;
Und wenn die sich hieraus ergebende Anarchie zu einem Sieg der Guerilla führen&#13;
würde, könnten wir sicher sein, daß das Schicksal des salvadorianischen Volkes&#13;
ein Leben ohne Freiheit und ohne Respektierung seiner Menschenrechte wäre.&#13;
&#13;
Die Guerilla rechnet mit der Möglichkeit, daß die Vereinigten Staaten&#13;
unter dem zunehmenden Druck unserer westeuropäischen Freunde schließlich die&#13;
Regierung von El Salvador doch dazu zwingen, Macht an die Guerilla abzugeben - ohne Wahlen, durch Verhandlungen.&#13;
Strategie einer "guerra prolongada" geht.&#13;
&#13;
Das ist es, worum es bei der FMLNSie ist davon überzeugt, daß die&#13;
&#13;
öffentliche Meinung des Westens - der deus ex machina der extremen Linken ihr schließlich doch den Sieg bringen wird, den an der Wahlurne zu bekommen&#13;
sie sich nicht einmal erträumen könnte - wenn sie nur den militärischen Druck&#13;
&#13;
- 9 -&#13;
&#13;
�militärischen Druck beibehält. Zudem kann die Guerilla einem ermutigenden&#13;
Modell folgen:&#13;
&#13;
Sie weiß, daß das leidenschaftliche Interesse an der Menschen-&#13;
&#13;
rechtssituation in El Salvador verglimmen wird, wenn sie erst einmal den Sieg&#13;
davongetragen hat. Denn wie interessiert ist in diesem Tagen die "aufgeklärte&#13;
öffentliche Meinung des Westens an der Menschenrechtssituation in Kuba, in&#13;
Vietnam, sogar in Kampuchea?&#13;
&#13;
Es gibt bestimmt keinen verünftigen Menschen,&#13;
&#13;
der behauptet, die Siege der Guerilla in diesen Ländern habe zugleich ein&#13;
Ende der Menschenrechtsverletzungen mit sich gebracht.&#13;
Aber es gibt einen Weg, um das Töten in El Salvador zu beenden.&#13;
&#13;
Die&#13;
&#13;
Spitze der FMLN, die den Krieg 1980 begann, könnte ihn genauso gut 1983 einstellen.&#13;
&#13;
Sie könnte einen Waffenstillstand ausrufen.&#13;
&#13;
teiligung an den bevorstehenden Wahlen zustimmen.&#13;
&#13;
Sie könnte einer Be-&#13;
&#13;
Sie könnte ihre Streit-&#13;
&#13;
kräfte zu ihren Basen und Ausbildungslagern in Nicaragua&#13;
&#13;
zurückschicken. Sie&#13;
&#13;
könnte die Amnestievorschläge diskutieren, die die kürzlich eingesetzte salvadorianische Friedenskommission vorbereitet.&#13;
&#13;
Sie könnte der Regierung von&#13;
&#13;
El Salvador die Chance geben, die von ihr begonnenen Reformen zu vollenden.&#13;
Sie könnte in gutem Glauben über eine sichere Beteiligung an den kommenden&#13;
Wahlen verhandeln, anstatt das Versprechen abzugeben, auf die Wähler zu&#13;
schießen.&#13;
Halte ich es für wahrscheinlich, daß die FMLN solche Entscheidungen&#13;
treffen wird? Nein, nicht solange die "aufgeklärte" öffentliche Meinung des&#13;
Westens die Reagan-Administration weiterhin dazu drängt, die Regierung von&#13;
El Salvador zu Verhandlungen zu zwingen. Unter diesen Umständen hat die FMLN&#13;
keinen Anreiz, die guerra prolongada zu beenden.&#13;
Ich fürchte sehr, daß viele unserer Kritiker, sogar uns freundschaftlich gesonnener Kritiker, bei ihrer Beurteilung der gegenwärtigen amerikanischen Politik zu El Salvador eine Art selektiver Moral haben. Die Vereinigten Staaten und die Regierung von El Salvador werden an den anspruchsvollsten&#13;
Menschenrechtsmaßstäben gemessen, während man die FMLN und ihre Verbündeten&#13;
entschuldigt, überhaupt irgendwelchen Maßstäben gerecht zu werden. Tatsache&#13;
ist, daß wir in den Vereinigten Staaten der Meinung sind, es sei unsere&#13;
- 10 -&#13;
&#13;
�sei unsere Pflicht, den Versuch zu machen, an diese Ideale heranzureichen;&#13;
aber wir sind zugleich der Meinung, daß diese Maßstäbe ohne Unterschied gelten müssen.&#13;
&#13;
Solange sie dies nicht tun, bleiben sie willkürliche politische&#13;
&#13;
Haltungen, die sich lediglich als Menschenrechte ausgeben.&#13;
&#13;
Vor einer Generation kam Stephen Spender zu der gleichen Erkenntnis,&#13;
als in Spanien der tragische Bürgerkrieg tobte.&#13;
Sympathien der republikanischen Seite.&#13;
&#13;
Zunächst galten alle seine&#13;
&#13;
Aber im Verlauf mehrerer Reisen in&#13;
&#13;
dieses Land erkannte er, daß die schrecklichen Untaten nicht nur Monopol&#13;
einer einzigen Seite&#13;
&#13;
wäre - es gab derer viel zu viel auf beiden Seiten.&#13;
&#13;
Und er schrieb etwas, was ihm stets zur Ehre gereichen wird:&#13;
&#13;
"Ich erkannte,&#13;
&#13;
daß es mir eigentlich gar nicht wirklich um die ermordeten Kinder ging, solange ich mich nicht unterschiedslos um jedes ermordete Kind kümmerte."&#13;
&#13;
Wir versuchen, in El Salvador zum Aufbau eines demokratischen Systems&#13;
beizutragen, in dem Kinder in Frieden leben können.&#13;
&#13;
Es gibt in El Salvador&#13;
&#13;
zu viele Menschen mit Gewehren, aber die Gewehre der einen Seite schützen die&#13;
Wahllokale, während die Gewehre der anderen Seite auf sie zielen.&#13;
&#13;
Können wir&#13;
&#13;
wirklich zögern, auf welcher Seite wir stehen wollen?&#13;
&#13;
In vielen Ländern sind heutzutage die Menschenrechte sowohl von repressiven Regierungen als auch von einer mörderischen Guerilla bedroht, die öffentlich ihre Verachtung für die Demokratie zum Ausdruck bringt.&#13;
&#13;
Die Aufgabe,&#13;
&#13;
eine Regierung zu reformieren, ist frustrierend, schwierig und langwierig;&#13;
aber niemand, der es mit den Menschenrechten ernst meint, kann eine Politik&#13;
verfolgen, die schließlich die Macht in die Hände von leninistischen Banden&#13;
legt,die sich über die Menschenrechte lustig machen und offenkundig keine Unterstützung im Volk haben.&#13;
&#13;
Sowohl die radikale Rechte als auch die radikale&#13;
&#13;
Linke in El Salvador sehen in den Vereinigten Staaten das Haupthindernis auf&#13;
ihrem Weg zur Macht - und diese Tatsache ist in sich selbst Beweis dafür,&#13;
daß zumindest sie unsere Politik der Unterstützung der Mitte begreifen.&#13;
&#13;
Denn das&#13;
&#13;
- 11 -&#13;
&#13;
�Denn das ist unsere Politik - der Mitte beim Aufbau der Demokratie zu&#13;
helfen.&#13;
&#13;
Dies ist keine hektische oder modische Menschenrechtspolitik, aber&#13;
&#13;
die Menschenrechtspolitik ist auch keine Schrulle und keine Modesache.&#13;
&#13;
Sie&#13;
&#13;
ist eine Anstrengung, sich mit der verwickelten Lage in hundert Ländern und&#13;
mit hundert verschiedenen Situationen, in denen Männer und Frauen Leben oder&#13;
Freiheit verwehrt wird, auseinanderzusetzen.&#13;
&#13;
Dies erfordert von uns, un-&#13;
&#13;
sentimental und unromantisch in unserem Denken zu sein und statt dessen klar&#13;
und ernst.&#13;
Ich komme aus einem Land, in dem zu viele unserer Landsleute ihr Leben&#13;
für die Menschenrechte gegeben haben - für das Leben und für die Freiheit anderer -, um eine Verpflichtung einzugehen, die geringer tyäre.&#13;
&#13;
- 12 -&#13;
&#13;
�ä&#13;
&#13;
Wi//cn/chaft&#13;
und Technik&#13;
&#13;
II M 111V&#13;
&#13;
• il 111 Li i&#13;
&#13;
United States Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
15&#13;
&#13;
6. April 1983&#13;
&#13;
POLIKLINIK FÜR ZUCKERKRANKE&#13;
&#13;
- (AD) - Eine speziell auf die Erfordernisse von Diabetikern abgestellte&#13;
Poliklinik wurde Anfang dieses Jahres am Klinikum der Stanford-Universität&#13;
(Kalifornien) eröffnet.&#13;
&#13;
Wie ihr Leiter, Dr. Frederic Kraemer, erklärte, sei&#13;
&#13;
damit endlich eine Idee verwirklicht worden, die Ärzte verschiedener Fachrichtungen schon lange hegten.&#13;
&#13;
Denn angesichts der vielen und verschiedenartigen&#13;
&#13;
Komplikationen, die bei Diabetes-Patienten auftreten können, sei es bisher&#13;
"... nicht möglich gewesen, Diagnosen und Therapieprogramme so umfassend auszuarbeiten, wie wir es gerne gesehen hätten".&#13;
&#13;
Kraemer ist Endokrinologe. Die&#13;
&#13;
neue Poliklinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten wurde der Abteilung&#13;
für Endokrinologie (Lehre von der Funktion innersekretorischer Drüsen) angeschlossen.&#13;
&#13;
An der Diabetes-Poliklinik sind u.a. Fachärzte für Neurologie, Nephrologie, Augenkrankheiten, Rheumakrankheiten und Gicht sowie Ernährungswissenschaften stationiert.&#13;
&#13;
Bisher wurden Diabetiker mit Erkrankungen des Nerven-&#13;
&#13;
systems, der Augen, mit Störungen der Nierenfunktion oder Gefäßkrankheiten an&#13;
die jeweiligen Spezialkliniken weiterverwiesen.&#13;
&#13;
Jetzt soll in enger Zusammen-&#13;
&#13;
arbeit der Spezialisten nach der optimalen medizinischen "Ganzheitsbetreuung"&#13;
des Diabetikers gesucht werden.&#13;
Vor allem&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 22 40&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�Vor allem gehe es darum, so Dr. Gerald Reaven, Professor für innere&#13;
Medizin und Chef der Abteilung für Gerontologie, Komplikationen wie z.B. Erkrankungen des peripheren Gefäßsystems so rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln, daß es nicht zum Absterben von Gewebe und zu&#13;
muß.&#13;
&#13;
Amputationen kommen&#13;
&#13;
Die Tätigkeit aller Arzte und das medizinische Personal ist auf den Dia-&#13;
&#13;
betiker konzentriert; die bisher übliche Aufsplitterung der Therapie mit Spezialbehandlung an verschiedenen Spezialkliniken soll der Vergangenheit angehören.&#13;
Besonderer Wert wird auf die Schulung der Patienten gelegt, z. B.&#13;
Zuckerwerte regelmäßig selbst zu bestimmen oder sich strikt an die vorgeschriebene Diät zu halten.&#13;
&#13;
Die insulin-abhängigen und nicht insulin-abhän-&#13;
&#13;
gigen Patienten erhalten Therapiepläne für die Weiterbetreuung durch den Hausarzt.&#13;
&#13;
Bei der zweiten Gruppe wird nur in manchen Fällen Insulin angewandt;&#13;
&#13;
häufig reicht jedoch die Einhaltung von Diät oder die Einnahme von Tabletten&#13;
für die Behandlung aus. Die Ursachen dieser zwei Diabetes-Formen sind verschieden, jedoch können sie zu denselben Komplikationen führen. Auch Nichtdiabetiker mit Störungen des Fettstoffwechsels, z. B. mit zu hohem Cholesterinspiegel, werden an der neuen Poliklinik betreut.&#13;
&#13;
+ + + + +&#13;
&#13;
- 2 -&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Vorschlag für eine Zwischenlösung in Genf dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Präsidenten am 30. März 1983 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Präsidenten in Los Angeles am 31. März 1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Senator: Zukunft ist nur gemeinsam zu bewältigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berlin-Rede von Senator Mathias -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die USA verteidigen die Menschenrechte in El Salvador und weltweit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Elliot Abrams -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstaatssekretär für Menschenrechtsfragen im US-Außenministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Polikinik für Zuckerkranke</text>
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