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Embassy of the United States of America

1. Dezember 1982

POLEN: DIE VERWEHRTE FREIHEIT

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�1. Dezember 1982

INHALT

SONDERDIENST: DIE VERWEHRTE FREIHEIT
Kampelman: Alle Internierten in Polen müssen freigelassen werden
- Auszüge aus der Rede vor der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid Neue Hilfssendungen des polnisch-amerikanischen Kongresses für Polen
Osteuropa - Erst der Anfang
- Von David Buchan Was kann man für Polen tun?
- Von Walter Laqueur Aufzeichnungen eines internierten polnischen Gewerkschafters

�KAMPELMAN: ALLE INTERNIERTEN IN POLEN MÜSSEN FREIGELASSEN WERDEN
- Auszüge aus der Rede vor der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid -

MADRID - (AD) - Der Chefdelegierte der amerikanischen Delegation auf
der KSZE-Nachfolgekonferenz in Madrid, Botschafter Max Kampelman, hat in
einer Rede am 16. November 1982 die Freilassung aller Internierten in Polen
gefordert. Die USA hofften, daß eine solche Maßnahme zu einem erneuten Dialog
zwischen der Regierung, der Solidarität und der Kirche in Polen führen werde.
Bevor sich der amerikanische Delegierte der Situation in Polen zuwandte,
hatte er unterstrichen, daß die Schlußakte von Helsinki auf der Voraussetzung
beruhe, daß wahre Sicherheit und wahrer Friede die Schaffung beiderseitigen
Vertrauens zwischen Ost und West erfordere. Er versicherte, die Vereinigten
Staaten seien geduldig und würden auch weiterhin Geduld üben, weil einfach zu
viel auf dem Spiele stehe, um ungeduldig zu sein.
Zur Lage in Polen führte Kampelman folgendes aus:
Herr Vorsitzender, ich möchte einige Worte sagen zu den unglücklichen
Bemerkungen, die der Leiter der polnischen Delegation, der Stellvertretende
Außenminister seines Landes, in der vergangenen Woche gemacht hat.
Er sprach

�Er sprach von der "Arroganz der Macht" ... Ich möchte meinen, daß keiner
arroganter sein kann als jene, die törichterweise glauben, daß die Macht des
Augenblicks, die von Bajonetten und Polizeischlagstöcken herrührt, dauerhaft
sein könne. Das historische Streben des polnischen Volkes nach der Freiheit
wird schließlich obsiegen. Es wird sich einmal der "Freiheit der Entscheidung"
erfreuen, die ihm jetzt genommen ist.
Herr Vorsitzender, vor ein paar Tagen haben die polnischen Militärbehörden
die Freilassung von Lech Walesa bekanntgegeben, dem Führer der Solidarität.
Wir freuen uns sehr für ihn, seine Frau und seine Kinder. Diese Freilassung
war sowohl aus humanitären Gründen als auch im Hinblick auf Helsinki längst
überfällig. Wir hoffen, daß diesem Schritt die Freilassung der anderen internierten Führer, Mitglieder und Berater der Solidarität folgt und daß dies zu
einem erneuerten Dialog zwischen der Regierung, der Solidarität und der Kirche
führen wird. Lech Walesa war elf Monate lang inhaftiert, davon die letzten
sieben - wie es heißt - praktisch in Einzelhaft. Sein Verbrechen bestand darin,
daß er sich bemüht hat, Rechte für Arbeiter zu erlangen, indem er eine freie
Gewerkschaft ins Leben rief. Ein Staat, der sich selbst einen Arbeiterstaat
nennt, verwirkte sein Recht auf die Führung dieses Namens, indem er ihn
(Walesa) zunächst bestrafte und dann kürzlich die Solidarität für illegal erklärte.
Die Gewerkschaftsbewegung Solidarität ist das Symbol für die Hoffnungen
und Bestrebungen des polnischen Volkes geworden. Zu den ersten Punkten des
Programms der Solidarität gehörte die Forderung, den Text der Schlußakte von
Helsinki in der polnischen Presse abzudrucken. Die Entscheidung der polnischen
Militärbehörden, die Solidarität zu zerstören, ist ein Schlag gegen genau den
Inhalt dieser Schlußakte; sie stellt eine Verletzung der Konventionen 87, 98
und 105 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) dar und bedeutet praktisch
eine Kriegserklärung des Militärs an die arbeitende Bevölkerung.

Papst Johannes Paul II

- 2 -

�Papst Johannes Paul II hat sich nachdrücklich gegen diese Maßnahme der
Unterdrückung gewandt, indem er erklärte, daß sie "die Grundrechte des Menschen
und der Gesellschaft verletzt" (10. Oktober 1982). Erzbischof Josef Glemp
stellte betrübt fest, daß die polnischen Militärbehörden "die Nation verbittern",
indem sie "auf den Menschen herumtrampeln" und "eine Mißachtung der Menschenwürde" zeigten. Er bete, daß der Tag kommen möge, da sein Land "frei von solchem
Übel" sei.
Der Geist der Polen kann nicht hinter Gitter gesperrt werden. Ein System,
das auf den Spitzen von Bajonetten beruht, wird nicht von Dauer sein.
Der polnische Delegierte sprach von einer, wie er es nannte,
"nostalgischen Sehnsucht" meines Landes. Sie ist nicht nostalgisch. Es ist
eine praktische Hoffnung auf Frieden und Freiheit und die Menschenwürde für
alle. Das ist die Leitlinie des amerikanischen Volkes und seiner frei gewählten
Regierung. Das ist auch die Leitlinie der Schlußakte von Helsinki.

+ + +

- 3 -

�NEUE HILFSSENDUNGEN DES POLNISCH-AMERIKANISCHEN KONGRESSES FÜR POLEN

WASHINGTON - (AD) - Der Polnisch-Amerikanische Kongreß (PAC) kündigte
am 18. November 1982 die Lieferung von über 20 000 kg an Medikamenten und
anderem Klinikmaterial für Polen an, um dem polnischen Volk in einer Zeit
der akuten Knappheit an fast allen Materialien der Gesundheitsfürsorge zu
helfen.
Die zwölf Container, die Chikago am 15. November mit Bestimmung Baltimore
verließen, wurden dort an Bord der "Pulaski", einem Schiff der staatlich
kontrollierten polnischen Schiffahrtsgesellschaft, verladen. Von Baltimore aus
wird die Sendung zur Verteilung nach Danzig gehen.
Neun der zwölf Container enthalten Medikamente, chirurgische Instrumente
und EKG-Geräte, in den anderen drei befinden sich 75 000 Paar Schuhe. PAC-Vertreter schätzen den Wert der Gesamtladung auf eine Million Dollar.
Die Hilfsorganisation PAC, die von Chikago aus arbeitet, kündigte außerdem
den Transport von zwei weiteren Containern mit Saatgut an. Geschätzt auf
2 Millionen Dollar, sollen sie am 20. November in Polen ankommen.
Der PAC

�Der PAC ist eine Dachorganisation verschiedener, von polnischstä'mmigen
Amerikanern gegründeter Organisationen sowie deren römisch katholischer
Gemeinden und der polnischen Nationalkirche in Amerika. Der PAC vertritt
zehn Millionen polenstämmiger Amerikaner. Präsident ist Aloysius A. Mazewski.
Seit Beginn der Arbeiterunruhen in Polen vor über zwei Jahren hat der
PAC in enger Zusammenarbeit mit der Wohltätigkeitsorganisation "Projekt
Hoffnung" Mittel zur Hilfe für das polnische Volk bereitgestellt. Vom April
1981 bis Oktober 1982 hat der PAC 3,4 Millionen kg an Nahrungsmittel für über
10 Millionen Dollar, Krankenhausmaterial für über 10 Millionen Dollar und
70 000 kg an Kleidungsstücken für 4,1 Millionen Dollar nach Polen geschickt.
Außerdem plant der PAC am 14. Dezember eine weitere Lieferung für Polen,
einschließlich von mehr als 100 Krankenhausbetten.
Auch andere amerikanische Hilfsorganisationen haben für das polnische Volk
eine ganze Reihe von Hilfssendungen organisiert. Dazu gehören CARE, die
katholischen Hilfswerke und das amerikanische Rote Kreuz.
Die amerikanische Regierung hat ihre Hilfe angesichts der Verhängung des
Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 eingestellt. Allerdings hat die ReaganAdministration klargestellt, daß sie nichts gegen weitere amerikanische
Privathilfe hat, solange diese auch wirklich das polnische Volk erreicht.
+ + +

- 2 -

�OSTEUROPA - ERST DER ANFANG
- Von David Buchan -

Kürzung und Nachdruck mit Genehmigung
von The Washington Quarterly: A Review
of Strategie and International Issues,
Frühjahr 1982. Copyright c 1982
The Center for Strategie and International Studies, Georgetown University,
Washington, D.C.
David Buchan ist Osteuropakorrespondent
der Londoner Financial Times.
Die Verhängung des Kriegsrechts durch General Wojciech Jaruzelski war
nicht das Ende, sondern in mancher Hinsicht der Anfang der polnischen Krise.
Die Solidarität besteht im Untergrund weiter, die katholische Kirche ist noch
immer eine Kraft, die es in Rechnung zu stellen gilt, und die Volkswirtschaft
ist ebenfalls noch in einem chaotischen Zustand.
Auch wenn die Ereignisse in Polen im übrigen osteuropäischen Imperium der
Sowjetunion keine Nachahmer fanden, so hatten sie dennoch auf dieses Gebiet
schwerwiegende Auswirkungen. Eine ganze Anzahl indirekter Indikatoren zeigt,
daß der Konflikt bereits
- die Spannungen zwischen Ost und West verschärft hat, eine Entwicklung,
die von allen osteuropäischen Ländern bedauert wird, insbesondere von

�insbesondere von Ungarn mit seinen wachsenden wirtschaftlichen Beziehungen zum Westen und von Rumänien mit seiner relativ unabhängigen
Außenpolitik;
- die Beziehungen Moskaus zu den westlichen Eurokommunisten geschwächt,
im Fall der Kommunistischen Partei Italiens sogar zu einer fast völligen
Trennung geführt hat - wobei lediglich die neo-stalinistische Kommunistische Partei Frankreichs loyal zum Kreml steht;
- das Gespenst des Bonapartismus erstehen läßt, wobei hier das kommunistische Dogma auf den Kopf gestellt wird, demzufolge die Partei die
Gewehre kontrolliert;
- die Schwächen verdeutlicht, die allen Ländern des Rates für Gegenseitige
Wirtschaftshilfe (RGW oder COMECON) eigen sind: geringe Produktivität,
Überzentralisierung und Mangel an Anreizen für die industrielle
Produktivität;
- im Westen neue Zweifel darüber nährt, ob es sinnvoll ist, dem Osten
Kredite zu gewähren, und zugleich Zweifel über die Fähigkeit der Sowjetunion, angesichts ihrer eigenen Probleme als Osteuropas Garant bei
diesen Geschäften zu zeichnen.
Natürlich gaben praktisch alle osteuropäischen Regierungen rasch ihrer
offiziellen Unterstützung der Unterdrückung in Polen Ausdruck. Dabei waren
die Tschechen, die Ostdeutschen und die Bulgaren die Lautesten, als es darum
ging, ihren Beifall für den Schritt General Jaruzelskis zu bekunden. Rumänien
tat dies zwar nicht so nachdrücklich, gab aber dennoch seine Zustimmung; am
wenigsten eindeutig legte sich Ungarn fest. Und nur Jugoslawien äußerte sich
schockiert über die Verhängung des Kriegsrechts.
Das Gefühl der Erleichterung, das die meisten osteuropäischen Regierungen
überkam, entstammte natürlich der Furcht, Lech Walesas Solidarität könnte zu
einer politisch gefährlichen Infektion werden, die sich ausbreiten und Gewerkschaftler in anderen Ländern dazu ermutigen könnte, über ihre bisherige Rolle

- 2 -

�bisherige Rolle hinauszuwachsen. Einige Regierungen hatten sogar vielleicht
die Hoffnung, das Kriegsrecht würde den Niedergang der polnischen Volkswirtschaft aufhalten. So hatten sich zum Beispiel die Tschechen lauthals darüber
beklagt, daß Polen nicht mehr seinen vertraglichen Verpflichtungen zur Lieferung
von Kohle, Schwefel und Kupfer für die tschechische Industrie nachkommen würde.
Die gleichen Klagen kamen von den Ostdeutschen, die bei Rohstoffen ebenfalls
von Polen abhängig sind. All dies bedeutete natürlich einen Exportrückgang für
Polen. Und in diesem Sinn war die polnische Wirtschaftskrise nicht nur ein
Symptom, sondern auch eine Ursache für die umfassendere wirtschaftliche Malaise
Osteuropas.
Da aber die polnische Volkswirtschaft noch immer nur wenige Signale einer
Erholung erkennen läßt, dürften den osteuropäischen Regierungen wohl ernste
Zweifel hinsichtlich der Maßnahmen von General Jaruzelski gekommen sein. Denn
all diese Regierungen ziehen ja ihre Vorteile aus einer Verringerung der OstWest-Spannungen, auch wenn es nur wenige so offen sagen wie die Rumänen und die
Jugoslawen. Ihr politischer Spielraum mit dem Westen wird nunmehr stark eingeschränkt, und sie dürften wohl General Jaruzelski und seine Helfer im Kreml dafür
verantwortlich machen.
Als der (ehemalige) amerikanische Außenminister Alexander Haig Mitte
Februar 1982 Rumänien besuchte, zeigte Präsident Nicolae Ceauscescu natürlich
keinerlei Verständnis für die amerikanischen Sanktionen. Aber der Außenminister
sah zugleich die große Besorgnis des rumänischen Staatschefs, dem offenkundig
wegen zweier Zentralthemen der Bukarester Regierung an einer Aufhebung des
Kriegsrechts gelegen war - zum einen sollte dieses Problem nicht die Abrüstungsgespräche unterbrechen, zum andern nicht die Madrider Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa gefährden.
Von den westeuropäischen Kommunisten gebrauchten nur George Marchais
und die anderen Spitzenfunktionäre der französischen KP Ausflüchte angesichts
der polnischen Maßnahmen: Man wolle, so ihr Argument, nichts sagen, was die
Lage nur noch verschlechtern könne. Praktisch alle anderen Eurokommunisten

- 3 -

�anderen Eurokommunisten - in Italien, Griechenland, Spanien, Belgien und
Großbritannien - übten deutliche Kritik.
So brachte die Krise in Polen die Beziehungen zwischen Moskau und der
italienischen KP praktisch vor den Scheidungsrichter. So schlimm ist es
zwischen beiden Seiten geworden, daß die Kommunistische Partei Italiens nicht
nur die sowjetische Rolle bei der Ermutigung der Unterdrückung in Polen brandmarkte, sondern sogar das gesamte Modell des sowjetischen Kommunismus rügte.
Als Antwort griff die Prawda auf eine Sprache zurück, die sie in der Vergangenheit benutzte, um abtrünnige Ideologien wie den Maoismus und den Titoismus zu
verurteilen: Die italienischen Kommunisten, so die Anklage, seien "verleumderisch
bei ihrer Kritik der Sowjetunion und dienten damit nur der Sache des Antikommunismus. Die Prawda nannte es ein "Sakrileg" der Partei Berlinguers, zu
behaupten, es bestünde kein Unterschied mehr zwischen der Außenpolitik der
Sowjetunion und der der Vereinigten Staaten.
Allen Mitgliedern der kommunistischen Staatengemeinschaft - von Jugoslawien
bis hin zur Sowjetunion selbst - bereitet es Sorge, daß die Armee, zumindest
zeitweilig, die Kommunistische Partei in Polen ersetzt hat. Sämtliche RGW-Partner
Polens waren darum bemüht, das Kriegsrecht lediglich als einen ersten Schritt
darzustellen, der vielleicht notwendig war, um die widerspenstigen Polen auf
die richtige Linie zurückzubringen, wobei dem eine Rückkehr zum "realen
Sozialismus" folgen würde und die kommunistische Partei wieder die Führungsposition zu übernehmen hätte.
Sogar Jugoslawien stimmte in den Chor der Stimmen ein, die den Zusammenbruch
der polnischen Partei wegen Korruption, Inkompetenz und Fraktionskämpfen verurteilten, der in einem gewissen Sinn die Machtübernahme durch das Militär beschleunigte. Die kommunistische Partei Jugoslawiens mag liberal in der Hinsicht
sein, daß sie die Arbeiterselbstverwaltung erlaubt, aber sie teilt die gemeinsame
Sorge der Herrschenden um die Bewahrung ihres Machtmonopols.
Der Kreml

�Der Kreml wurde von der Reagan-Administration und vom gesamten Westen dafür
kritisiert, die militärische Machtübernahme in Polen unterstützt und bei ihrer
Organisation geholfen zu haben.
Es ist offenkundig, daß die sowjetische Führung gegen Ende 1981 zu dem
Schluß gekommen war, daß die Anwendung von Gewalt der einzige Weg war, "die
polnischen Zustände in den Griff zu bekommen". Aber es gibt zugleich Gründe
für die Annahme, daß diese Schlußfolgerung nur zögernd getroffen wurde.
Eine der letzten Handlungen des Chefideologen des Kreml, Michail Suslow,
der im Januar 1982 starb, bestand darin, den polnischen Außenminister nach
Moskau zu zitieren und ihm eine Lektion über Militärherrschaft als Abweichung
von der reinen Lehre zu erteilen sowie über die Notwendigkeit, so rasch wie
möglich wieder die Kontrolle der Situation durch die Partei herbeizuführen.
Generell sind die osteuropäischen Regime bestrebt, die Probleme Polens
zum Anlaß zu nehmen, sich selbst angesichts ihrer eigenen relativ besseren
Leistung auf die Schulter zu klopfen. So wurde den Bulgaren und Rumänen in
ihren Medien erklärt, wie gut ihre Gewerkschaften seien, und Tschechen und
Slowaken wurden immer wieder daran erinnert, wie sehr sich ihr Präsident für
ihre Interessen einsetze. Aber haben es denn die Partner Polens besser gemacht?
Nicht viel besser jedenfalls.
Sogar Ungarn mit seiner vergleichsweise erfolgreichsten Wirtschaft hat
Probleme: Für 1982 wird dort eine Wachstumsrate von nur 1 bis 1,5 Prozent erwartet - nach einem einprozentigen Zuwachs im Jahr 1981. Ungarns relativer
Erfolg erklärt sich aus der Tatsache, daß dort im Gegensatz zu seinen RWG-Partnern
die Landwirtschaft nicht unter Mißmanagement leidet, die wirtschaftlichen Entscheidungen bis zu einem gewissen Grad dezentralisiert sind und Wege gefunden
wurden, die Preise flexibel an die ölpreisexplosion und an andere externe
wirtschaftliche Schockwirkungen anzupassen. Die Schwerfälligkeit der zentralen
Planwirtschaft zeigte sich in Polen besonders deutlich, wurden dort doch die
notwendigen Preiserhöhungen erst künstlich hinausgezögert und dann durch brutale

- 5 -

�durch brutale Zuschläge aufgefangen. Am 1. Februar 1982 stiegen die Lebensmittelpreise um durchschnittlich 241 Prozent, die Energiekosten um durchschnittlich 171 Prozent. Auch in der Tschechoslowakei und in Rumänien stiegen
die Preise Anfang 1982 in nur leicht geringerem Umfang.
Zu einem Wachstum kam es in den siebziger Jahren in Osteuropa zu einem
großen Teil aufgrund westlicher Kredite, so daß man sich dort im Jahr 1980
bereits mit mindestens 55 Milliarden Dollar beim Westen verschuldet hatte.
Solange die polnischen Schulden nicht beglichen sind, wird es aber nur wenig
oder gar keine westliche Kredite mehr geben. Daher stellt sich die Frage,
ob Moskau es sich leisten kann, seine Satelliten auch weiterhin finanziell
zu unterstützen. Wahrscheinlich nicht, auch wenn die Sowjetunion Polen gegenüber eine besondere Anstrengung unternimmt, wobei das Land 1981 fast 5 Milliarden
Dollar Devisen erhielt und zwischen 1980 und 1981 Handelssubventionen im Wert
von rund 6,5 Milliarden Dollar in Form von sowjetischem Erdöl zu Sonderpreisen
und von Sowjetkäufen polnischer Kohle zu einem Preis, der über dem Weltmarktpreis liegt. Denn die Sowjetunion selbst befindet sich in einer prekären Devisensituation und hat nicht nur ihre eigenen Gläubiger um einen Zahlungsaufschub
bei ihren Rückzahlungen gebeten, sondern verkauft - trotz der derzeitig niedrigen
Weltmarktpreise - Gold, Erdöl, Holz und Diamanten in großen Mengen.
Es ist klar, daß der Schaden für das sowjetische Imperium umso größer wird,
je länger die polnische Krise anhält.
Die Panzerfahrzeuge mögen von den Straßen verschwinden, die aktiven Proteste
einschlafen, die nächtlichen Ausgangssperren mögen aufgehoben werden und die
Truppen zum größten Teil wieder in den Kasernen verschwinden; auch die abendlichen Fernsehnachrichten werden vielleicht nicht mehr von einem Mann in Uniform
verlesen. Aber von nun an wird die Rückkehr der Armee eine fortwährende Drohung
sein. Die psychologische Barriere wurde niedergerissen: Nachdem die Armee erst
einmal aus der Kulisse heraus auf die Bühne getreten ist, weiß jedermann, daß
sie es erneut tun kann.
General Jaruzelski

�General Jaruzelski erklärt, er wolle Polen zur "Normalität" zurückführen,
sobald dies praktikabel sei. Dies ist ein so vages Versprechen, daß es keinen
Grund gibt, es nicht zu glauben. Das Verbot praktisch aller Streiks bleibt
jedoch in Kraft, Militärkommissare werden wachsam in den Fabriken, den Bergwerken und den Universitäten präsent bleiben, und die Meinung von Andersdenkenden
wird nicht geduldet werden.
"Normalität" scheint nicht die Rückkehr zur Situation vor dem Auftreten der
Gewerkschaftsbewegung Solidarität im August 1980 zu bedeuten. Die Vorstellung
der Armee von einem "normalen" Polen scheint vielmehr folgendes zu beinhalten:
Die Kommunistische Partei wird sowohl von den Liberalen gereinigt als auch von
jenen korrupten und inkompetenten Figuren, die unter dem Ersten Sekretär
Eduard Gierek an die Macht kamen. Mit der katastrophalen Wirtschaftspolitik
unter der Regierung Gierek wird Schluß gemacht. Die Preise für Nahrungsmittel
und Konsumgüter wurden bereits drastisch heraufgesetzt, um den Konsum einzudämmen und die Produktion anzuregen. Versprechen auf weitere wirtschaftliche
Reformen - die in Richtung auf größere Flexibilität und Dezentralisierung im
wirtschaftlichen EntScheidungsprozeß gehen müßten - werden sich wahrscheinlich
als leer erweisen.
Angesichts der Beteiligung der Armee an dem Geschehen werden alle Veränderungen wahrscheinlich in Richtung auf größere Reglementierung gehen. Und ohne neue
Kredite aus dem Westen und mit Polens totalem Devisenmangel wird das Land noch
mehr von seinen sozialistischen Brüdern im RGW abhängen. Mag die gewerkschaftliche
Tätigkeit auch wieder zunehmen, so wird es doch den "Unsinn" freier Wahlen und
des freien Zugangs zu den Medien nicht mehr geben. Die Gewerkschaftsführungen
werden angewiesen, ihre Ansichten auf die Fragen zu begrenzen, die man als
ihren Zuständigkeitsbereich nennt, nämlich Löhne, Preise und Produktivität.
Die wichtigste Frage für General Jaruzelski ist die, wie er von dem einen
Punkt zum andern gelangen kann. Wenn die Führung der Solidarität ihre Untergrundorganisation aufrechterhalten kann, wenn die Demonstrationen andauern und

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�andauern und wenn die Aktionen der Arbeiter im Sinne einer produktionshemmenden
Arbeit nach Vorschrift fortgesetzt werden, würde für ihn eine noch schwierigere
Zeit kommen. Dabei dürfte es kaum noch ein Mehr an Produktionsunterbrechungen
geben, als dies jetzt schon durch den Mangel an Rohstoffen und Ersatzteilen der
Fall ist.
General Jaruzelski, der sich für einen Gemäßigten hält, versucht anscheinend,
Gleichgesinnte in der kommunistischen Partei, in der katholischen Kirche und in
dem zu finden, was von den Gewerkschaften übriggeblieben ist. Innerhalb der
kommunistischen Partei und der Regierung werden die Männer der Mitte, die eine
gewisse Form der nationalen Versöhnung anstreben, von Mieczyslaw Rakowski,
Kazimierz Bracikowski und Hieronim Kubiak angeführt. Ihnen stehen gegenüber
die Vertreter der konservativen harten Linie - wie Stefan Olszowski und Albin
Siwak, die eine Rückkehr zur neostalinistischen Orthodoxie wollen. Solange
dieser Grabenkampf nicht entschieden ist, hat die demoralisierte und diskreditierte
kommunistische Partei in Polen keine Chance, der Armee die Macht wieder abzunehmen.
+ + +

�WAS KANN MAN FÜR POLEN TUN?
- von Walter Laqueur -

Dieser Artikel erschien in der März-Ausgabe
1982 der amerikanischen Zeitschrift
"Commentary". Walter Laqueur ist der Leiter
des Zentrums für Strategische und Internationale Studien der Georgetown-Universität in Washington.
Gekürzte Fassung mit freundlicher Genehmigung von "Commentary".
Alle Rechte vorbehalten.
Was kann man für Polen tun? Vor allem müssen den osteuropäischen Nationen
und den Völkern der Sowjetunion die Fakten zur Kenntnis gebracht werden. Es
ist die kommunistische Strategie in Osteuropa, der Bevölkerung politische
Informationen vorzuenthalten, damit sie durch Unwissenheit und Apathie gefügig
wird. Und genau deswegen können die westlichen Rundfunksender in diesem Zusammenhang eine große Rolle spielen.
Zweitens gibt es die Frage der wirtschaftlichen Sanktionen. Die Lobby
in Washington, die sich für einen Handel mit der Sowjetunion einsetzt, hat
seit langem argumentiert, daß alle Sanktionen praktisch unwirksam seien. In
Europa befürchtet diese Lobby umgekehrt, daß die Sanktionen so wirksam sein
könnten, daß sie zum Krieg führen werden. Der Westen sollte vielmehr daran

�vielmehr daran interessiert sein, seine Handelsbeziehungen zum Sowjetblock zu
erweitern, weil eine prosperierende Sowjetunion weit eher geneigt sei, im
Inland wie gegenüber dem Ausland eine gemäßigte Politik zu verfolgen.
Dabei übersteigt es die Fähigkeiten der Demokratien weit, den Sowjetblock
in eine funktionierende Wirtschaft zu verwandeln, vor allem zum gegenwärtigen
Zeitpunkt, da sie selbst im eigenen Lande mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Aber selbst wenn es möglich wäre, ist es doch zweifelhaft, ob die politischen
Konsequenzen so vorteilhaft und nützlich wären, wie man uns das glauben machen
möchte. Viel wahrscheinlicher ist, daß ein weiterer Zustrom von westlichem
Kapital und westlichem Know-how den Interessen des Westens genau entgegenlaufen
würde - wie dies ja schon im Zusammenhang mit der sowjetischen Aufrüstung der
Fall war. Ein polnischer Autor, Stefan Kisiliewski, wies vor kurzem darauf hin,
daß denjenigen, die für engere wirtschaftliche Bindungen mit dem Sowjetblock
eintreten, nichts gleichgültiger sei als "Mässigung" in Polen (oder anderswo);
sie seien an Profiten interessiert, nicht an der Freiheit. Die Geschichte dürfte
Kisiliewski kaum der Verleumdung für schuldig befinden.
Sicherlich ist das Argument nicht ohne Gewicht, daß Sanktionen nicht
funktionieren. Sanktionen haben gegenüber kleinen Ländern funktioniert oder
gegenüber solchen, denen es an wichtigen Rohstoffen mangelt. Ein großer Wirtschaftsblock wie die COMECON-Länder ist jedoch weniger verwundbar. Aus diesem
Grunde ist es unwahrscheinlich, daß ein Eingriff in normale Handelsbeziehungen
entscheidende politische Auswirkungen haben würde.
Andererseits haben wirtschaftliche Sanktionen unter bestimmten Bedingungen
aber doch eine gewisse Auswirkung. Das nach Afghanistan verhängte Getreideembargo, '
das Präsident Reagan als "unwirksam" bezeichnete, hat die Sowjetunion schon
getroffen: Die Sowjets erhielten weniger Getreide, als sie es wünschten, und
mußten wenigstens eine Milliarde Dollar mehr für das bezahlen, was sie bekamen.
Ein Getreideembargo, das sich über einen längeren Zeitraum erstrecken würde,
würde sich ganz sicherlich auf die sowjetische Wirtschaft auswirken und die

- 2 -

�und die sowjetische Führung vielleicht sogar zwingen, ihre Militärausgaben zu
kürzen.
Noch bedeutsamer ist die Frage der Kredite. Westliche Bankiers haben
Milliarden in die COMECON-Volkswirtschaften gepumpt. Ihnen wurde von ihren
politischen Beratern gesagt, daß sie praktisch kein Risiko eingingen, da das
westeuropäische System sehr stabil sei, und wenn es zum Schlimmsten käme,
gäbe es immer noch den "sowjetischen Schirm". Ihnen wurde jedoch nicht gesagt,
daß Osteuropa während der vergangenen fünfzehn Jahre zu einer Belastung der
sowjetischen Ressourcen geworden ist und daß die westlichen Bankiers mit ihren
massiven Krediten der Sowjetunion bei der Aufrechterhaltung ihres Imperiums
helfen. Man könnte diese Kredite mit etwas mehr innerem Abstand sehen, wenn
der Schaden auf jene begrenzt bliebe, die verantwortlich sind. Praktisch aber
wird der Steuerzahler im Westen - direkt oder indirekt - die Rechnung zu bezahlen haben, ganz zu schweigen von den politischen Kosten.
Heute sehen sich alle osteuropäischen Länder, einschließlich Ostdeutschlands und Ungarns, größeren finanziellen Schwierigkeiten gegenüber. Polen
allein benötigt für die nächsten Jahre 20 Milliarden Dollar; bis 1985 wird
sich die COMECON-Schuld in harter Währung - nach der Wharton-Schätzung - auf
132 bis 140 Millionen Dollar belaufen. Polen ist schon nicht mehr in der Lage,
seine Schulden zu tilgen und die Zinsen zu bezahlen; andere COMECON-Länder
werden in ein oder zwei Jahren diesen Punkt erreicht haben. Und von einem
sowjetischen Schirm sieht man nirgendwo etwas. Die sowjetischen Wirtschaftsplaner
nehmen offensichtlich an, daß für die westlichen Banken jetzt in Polen und in
anderen COMECON-Ländern so viel auf dem Spiele steht, daß sie einen Zusammenbruch nicht zulassen können.
Lenins berühmter Ausspruch über die Kapitalisten, die für Profit fast alles
zu tun bereit seien, ja sogar noch den Strick zum ejgenen Aufhängen liefern würden,
ist damit noch einen Schritt weiter geführt worden: Nachdem es nun keinerlei
Profit mehr gibt und der C0MEC0N es sich nicht leisten kann, für den Strick

- 3 -

�den Strick zu bezahlen, sind die westlichen Kapitalisten offensichtlich
bereit, selbst das Geld zu geben, mit dem dieser Wirtschaftsblock den Strick
kaufen kann. John Barry, ein Wirtschaftskommentator, hat darauf hingewiesen,
daß Italien aus dem Euromarkt ausgeschlossen wurde - das heißt, daß es keine
weiteren Anleihen erhält -, als sein Schuldendienstverhältnis zehn Prozent
erreichte; im Falle Osteuropas liehen die westlichen Bankiers noch Geld, als
das Verhältnis 25 Prozent oder noch mehr betrug. Es stimmt, daß Polen vom
mittel- und langfristigen Kreditmarkt ausgeschlossen wurde, als die Solidarität
auf der Szene erschien. Aber sollte man General Jaruzelski geben, was man Lech
Walesa verweigerte?
Manche Leute bejahen diese Frage. Sie argumentieren, daß der Westen - wenn
er keine positivere Politik verfolge, mit Zuckerbrot und Peitsche - keinerlei
Einfluß auf die Ereignisse in Polen haben werde. Daher solle er seine Bereitschaft für eine Umschuldung erklären unter der Bedingung, daß General Jaruzelski
und die Kommunisten in Polen einen neuen "Sozialkontrakt" mit dem polnischen
Volk abschließen. Diese Gefühlsregung ist so lobenswert, wie die Idee töricht
ist. Denn wenn ein solcher Kontrakt möglich wäre, hätte es schon gar nicht die
Notwendigkeit für eine militärische Machtübernahme gegeben.
Da die Sowjetunion Osteuropa beherrscht, gibt es keinen vernünftigen
Grund, warum sie nicht gezwungen werden sollte, die volle finanzielle Verantwortung für die unter ihrer Ägide verfolgte Politik zu übernehmen. Wenn sie
nicht dazu bereit ist, sollte man zulassen, daß diese Volkswirtschaften zusammenbrechen. Doch sind einige Banken schon Gefangene ihrer eigenen Fehler
geworden und sind daher bereit, immer mehr gutes Geld nachzuwerfen, nur um den
unvermeidlichen Tag der Abrechnung hinauszuschieben.
Es gibt noch zwei weitere Dinge - den "Export" von Hochtechnologie über
verschiedene "Fronten" in Europa und die sowjetisch-europäische Erdgasleitung.
Der illegale Transfer oder der Diebstahl solcher Technologie ist zu einem
größeren Skandal geworden. Das ist eine Sache, mit der sich das amerikanische

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�das amerikanische Bundeskriminalamt (FBI) befassen sollte und nicht der amerikanische Handelsminister. Was die Erdgasleitung angeht, so ist dies eher ein
europäisches als ein amerikanisches Problem, obwohl es natürlich die Zukunft
des Bündnisses berührt. Denn jene in Europa, die sich heute so verhalten, als
hätten sie keine volle Aktionsfreiheit mehr, werden sicherlich eine noch größere
Vorsicht an den Tag legen müssen, wenn sich ihre Abhängigkeit von den sowjetischen Lieferungen erhöht. Eine Gesamtenergiepolitik des Westens könnte sehr
viel zur Verminderung der Verwundbarkeit Europas beitragen, aber in dieser
Richtung hat es schon seit Jahren keinerlei Fortschritte gegeben. Andererseits
hoffen einige europäische Industrien, die sich gegenwärtig in Schwierigkeiten
befinden, daß das Erdgasgeschäft für eine Reihe von Jahren Arbeit bringen wird.
Das ist jedoch eine kurzsichtige Einstellung, da das Geschäft keinerlei Grundprobleme lösen und harte Entscheidungen lediglich hinauszögern wird.
Wenn ein friedlicher, allmählicher Wandel im Sowjetimperium möglich wäre,
dann wäre es ohne Frage im Interesse des Westens, diesen Prozeß zu unterstützen.
Aber die Hauptlehre, die man aus Polen ziehen muß, scheint zu sein, daß sich
nur durch heftige Konvulsionen ein merklicher Wandel vollziehen kann. Angesichts
dieser Realität stehen Geschenke des Westens an den Sowjetblock in Widerspruch
nicht nur mit den Interessen des Westens, sondern auch mit den Interessen der
Menschen in Osteuropa.
+ + +

�AUFZEICHNUNGEN EINES INTERNIERTEN POLNISCHEN GEWERKSCHAFTERS

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der
amerikanischen Gewerkschaftspublikation
"AFL-CIO Free Trade Union News". Die nachfolgenden Aufzeichnungen, die in den Westen
geschmuggelt wurden, beschreiben die Verhältnisse, unter denen Mitglieder der polnischen Gewerkschaft Solidarität nach Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember
1981 interniert wurden.

Am 12. Dezember 1981 habe ich beim Abendessen einen Witz erzählt, der
für die sowjetische Wirklichkeit typisch ist und sich rückblickend als prophetisch erwiesen hat: Eine Gruppe von Leuten aus aller Herren Länder unterhielt
sich über den glücklichsten Tag im Leben eines jeden einzelnen. Ein Amerikaner
sprach von einem tollen Geschäft, ein Franzose von seiner ersten Liebe usw.
Alle warteten, was der Russe nennen würde. "Ich saß glücklich und zufrieden
mit meiner Familie am Tisch", so erzählte er. "Plötzlich klingelt es. An
der Tür der KGB. Ich wurde blaß. Sie fragten: "Wohnt hier Iwan Iwanowitsch?"
"Nein", sagte ich, "der wohnt ein Stockwerk höher". Das war der glücklichste
Tag in meinem Leben.
Ich hatte kein solches Glück.
gelte.

Ich war kaum eingeschlafen, als es klin-

Es klingelte so beharrlich, daß meine ganze Familie aufwachte.

ich hinter der geschlossenen Tür fragte, was los sei, hörte ich nur:
machen, Miliz".
schlagen.

Ich protestierte laut.

Mein Nachbar beschwerte sich.

Als
"Auf-

Aber sie fingen an, gegen die Tür zu
Die Kinder fingen an zu weinen.

�zu weinen.

Ehe die Miliz die Tür ganz einschlug, öffnete ich.

Sie kamen mit vier Mann herein: ein Zivilist und drei Milizsoldaten.
Eine"hatte ein Brecheisen.

Der Zivilist teilte mir mit, daß der Kriegszu-

stand ausgerufen worden sei und ich deshalb unter Arrest stünde.

Ich fragte,

wer Polen angegriffen habe.

Ich fand heraus, daß die Sicherheitskräfte das

eigene Land besetzt hatten.

Meine Frau verlangte von dem Zivilisten einen

Ausweis.

Er schwenkte ein Stück Papier in der Luft herum, ließ es uns aber

nicht lesen.

Vielleicht hatte er Angst, daß er später zur Verantwortung ge-

zogen werden könnte.

Er zeigte mir einen Haftbefehl, aus dem ich entnahm,

daß ich nach Wloclawek transportiert werden sollte.
nenden Kinder zu beruhigen.

Ich versuchte,meine wei-

Dann bat ich meine Frau um ein Glas Wasser.

Ich

zog die ältesten Kleider an, denn ich dachte, wenn ich erschossen werden
sollte, dann sollten wenigstens keine guten Sachen ruiniert werden.

Im Be-

mühen, meine Liebsten zu beruhigen, brachte ich sie erst recht zur Verzweiflung.
Ich verabschiedete mich von meiner Familie und wurde zu einem Milizauto eskortiert, das auf der anderen Straßenseite parkte.
(Nach einigen Stunden in einem Milizgefängnis wurde der Autor dieses
Berichtes zusammen mit anderen Mitgliedern der Solidarität mit einem Lastwagen in ein Internierungslager auf dem Lande gebracht.)
Wir kamen in ein einstöckiges Gebäude. Der Wärter öffnete die dritte
Zelle auf der linken Seite. Gott sei Dank sah ich einige meiner Kollegen.
Selbst im Gefängnis kann man sich über etwas freuen. Die Zelle übertraf jedoch meine schlimmsten Erwartungen. Der Raum hatte drei Meter auf zweieinhalb Meter mit eisernen Bettstellen übereinander. In der Ecke ein offenes
klo. Man schämt sich, es zu benutzen. Es stinkt fürchterlich, wie eine
Jauchegrube.
Natürlich ist das Klo verstopft. Eine Scheibe im Fenster ist zerbrochen; es ist fürchterlich kalt. Auf den Bettgestellen liegen alte drecki- 2 -

�alte dreckige Strohsäcke, deren schmutziger Inhalt herauskommt, wenn man sie
nur anfaßt, gibt es Wolken von Staub.
Ich war so steif gefroren, daß ich mich nicht hinsetzen konnte.

In

der Zelle im Milizgefängnis war ich schon eiskalt geworden,und seither konnte
ich mich nicht mehr aufwärmen.

Meine Kollegen legten sich einfach auf die

schmutzigen Strohsäcke und schliefen ein.

Ich versuchte es auch.

Ich legte

mich mit Mantel und Mütze hin, aber mir war so kalt, daß ich einfach nicht
einschlafen konnte.
Nach zwei oder drei Stunden kam ein Wärter herein und jagte uns heraus.
Er blieb immer schön hinter uns.
Wir kamen in Block 5. Die Zelle war etwas größer, etwa dreieinhalb
mal fünf Meter, darin vier doppelstöckige Betten mit alten Decken, wie sie
in Auschwitz gewesen sein mögen. Der Heizkörper unter dem vergitterten
Fenster schien nicht ganz kalt zu sein. Ich nahm mir ein oberes Bett, um
nicht allen Staub in die Augen zu bekommen. Das Klo war bald voll mit Exkrementen und verstopft, und wir hatten nichts, um den Abfluß freizumachen.
Der Wärter erklärte uns, im Gefängnis sei jeder sein eigener Klempner und das
einzige Werkzeug, das man brauche, sei der Arm.
Während des ganzen 13. Dezember haben wir nichts gegessen. Am Abend
wurden Teller, Schüsseln, Tassen und Löffel aus Metall ausgegeben. Schließlich sollten wir um neun Uhr herum unsere erste Mahlzeit bekommen.
Der Wärter öffnete die Zellentür und befahl uns, in den Gang herauszutreten.

Dort standen zwei große Töpfe,und die Kalfakter gaben uns unter Auf-

sicht der Wärter unsere Rationen.

Aus dem einen Topf gab es mit einem Holz-

schöpfer graue, kalte Kartoffeln, über die aus dem anderen Topf salziges
Wasser geleert wurde.

Wir waren sehr hungrig, aber diesen "Auschwitz-Fraß"

brachten wir nicht hinunter.
Nach dieser

�Nach dieser "Mahlzeit" bekamen wir jeder zwei Laken und eine Decke.
Die Laken müssen früher einmal weiß gewesen sein, jetzt waren sie grau mit
braunen Streifen.
Es
kremente.

Die Decken stanken erbärmlich.

war in der Zelle kaum auszuhalten.

Die Kloschüssel war voller Ex-

Dazu kam noch der typische Gefängnisgestank. Es stank nicht nur,

sondern die Luft war feucht und überall war Dreck.
sich, die Zelle zu lüften.

Meine Kollegen weigerten

Sie meinten, es sei noch niemand erstunken, aber

die Kälte habe die Armee Napoleons besiegt.
Man kann sich an den Gestank gewöhnen.

Vielleicht hatten sie recht.

Wenn der Geruchssinn so massiv an-

gegriffen wird, dann streikt er einfach.
Die Zelle ist mit Riegeln und einem "Schloß" versperrt.

Vor zehn

Uhr morgens befiehlt uns der Wärter, unsere Kleider und unsere Schuhe in
dem vorgeschriebenen "Würfel" vor der Tür aufzuschichten; soviele Würfel,
soviele Zelleninsassen.
Nachts macht

der Wärter alle halbe Stunde das Licht in der Zelle an

und wirft einen Blick durch den Spion in der Tür.

Am Morgen werden wir mit

Geschrei aufgeweckt,und das Licht wird angedreht.

Wir können das Licht weder

an- noch ausmachen, da sich der Schalter draußen im Gang befindet.
Um acht Uhr morgens werden die Zellentüren geöffnet,und wir stellen
uns mit unseren Schüsseln auf.

Das Küchenpersonal verteilt Milchsuppe und

eine Flüssigkeit, die als Kaffee bezeichnet wird; ferner gibt es Brot und
Schweineschmalz.
Zum Mittagessen gibt es zwei "Gerichte" - das eine erinnert an Suppe,
das andere an eine Wiederholung der "Auschwitz-Kartoffeln" vom ersten Abend.
Zum Abendessen gibt es Ersatzkaffee ohne Zucker und etwas Brot und Schweineschmalz von unserer täglichen Ration.
folge vom Vortag.

Jeden Tag wiederholt sich die Speise-

Wir erhalten zwar etwas Kohlehydrate und Fett, aber es be-

steht ein völliger Mangel an Eiweiß und Vitaminen.

Und bald begannen wir

unter Vitaminmangel und Muskelschwund zu leiden.
Der Lautsprecher
- 4 -

�Der Lautsprecher ist nicht aus der Zelle entfernt worden.
zu Zeit kommen Nachrichten.

Von Zeit

Der "Lautsprecher" des Regimes ermöglicht es

uns, Folgerungen zu ziehen, die den Absichten der Sendungen völlig widersprechen.

So bedeutet beispielsweise der Ausdruck "zehnter Versorgungsgrad",

daß die meisten Fabriken streiken.
Am 14. Dezember wurde die Zelle geöffnet»und die Wärter erlaubten uns
unseren ersten Freigang.

Auch die Zellenfenster wurden geöffnet,und die

Insassen von Block 5 gr ßten uns mit einem Lächeln.

Mit der Zeit fanden wir

heraus, wer auf der anderen Seite des Ganges eingesperrt war.
Später stattete uns der Lagerkommandant in Begleitung einiger untergeordneter Chargen einen Besuch ab. Er befahl uns aufzustehen,und auf seinen wiederholten Befehl taten wir dies auch. Er beschuldigte uns eines Mangels an Höflichkeit, denn, so erklärte er, man empfange einen Gast stehend.
Darauf erwiderte einer der Insassen: "Zunächst einmal sind wir nicht zuhause und zweitens sind Sie nicht unser Gast." Das verwirrte ihn etwas,
denn so spricht man hier nicht mit Vorgesetzten.
Der Oberst teilte uns mit, daß in Polen das Kriegsrecht eingeführt
worden sei und keine internationalen Gesetze mehr für uns gelten würden.
Das klang düster. Wir waren Gefangene ohne jede Rechte,und wir waren der
Willkür unserer Schergen ausgeliefert. Sie konnten uns zusammenschlagen
oder uns moralisch oder körperlich foltern. Was uns anging, so war alles
möglich.
Am nächsten Tag hatten wir wieder Frei gang. Dieses Mal mußten wir am
Ende des Blocks in einem Kreis gehen, um nicht mit den Insassen der anderen
Zellen Kontakt aufnehmen zu können. Wir liefen um ein schneebedecktes Blumenbeet,und um uns herum war eine dichte Postenkette mit Hunden.
Ich zählte die Stacheldrahtzäune um das Lager
wir uns hinter einer fünffachen Umzäunung befanden.

und fand heraus, daß
Zwischen dem ersten

und zweiten Zaun Fotozellen; zwischen dem dritten und vierten freilaufende
- 5 -

�vierten freilaufende Schäferhunde.
türmen.

Der letzte Zaun war eine Mauer mit Wach-

Darüber hinaus waren die Zäune mit Querzäunen verbunden, die den Raum

in Sektoren aufteilten.

Auschwitz war nichts dagegen.

Unsere Burschen kön-

nen es noch besser.
Am 16. Dezember beschlossen wir, der vor elf Jahren in
deten zu gedenken.

Danzig Ermor-

Wir standen in zwei Reihen vor dem Block,und einer von uns

sagte, wir sollten der Toten durch eine Schweigeminute gedenken.
sphäre war sehr feierlich.

Die Atmo-

Irgendwie fühlten wir uns in der Tradition der

Helden von vor elf Jahren.
Mit der Zeit nahmen wir Kontakt zu den anderen Zellen auf.
eine Namensliste der in Block 5 Inhaftierten an.
Liste mit 150 Namen.

Wir legten

Heute erhielt ich eine

Der Block hat 42 Zellen mit je acht Betten.

Einige

Zellen sind leer wahrscheinlich mit Absicht, um den Kontakt zu erschweren.
Wir stellen die Listen der Internierten nach den Regionen auf, aus denen sie
kommen.
Ich habe eine Liste von Solidaritätsmitgliedern aus den Regionen Plock,
Wloclawek, Konin und Krakau aufgestellt.

Unsere Statistiken zeigten, daß wir

am 20. Dezember 231 Personen waren, von denen sich 186 in Block 5 und 45 im
Transitblock befanden.
Am 17. Dezember teilte der "Lautsprecher" mit, daß während der Befriedungsaktion auf der Zeche Wujek sieben Menschen getötet wurden.
Die polnische Armee hat noch niemals einer ausländischen Macht zur Eroberung des Landes gedient. Zum ersten Mal in der Geschichte hat sie ihre
Dienste dem Feind zur Verfügung gestellt und die Ehre des polnischen Soldaten
besudelt.
Wir wollten eine weitere Schweigeminute zu Ehren dieser Toten abhalten.
Wir schnitten mit der geschärften Kante eines Löffels Stoffbänder von einem

- 6 -

�von einem Lumpen ab, schwärzten sie mit Schuhwichse und legten sie als Armbinden an. An diesem Tag erhielten wir jedoch keinen Frei gang.

Der wurde

gestrichen.
Deshalb beschlossen wir, daß um 21.15 Uhr der gesamte Block bei offenem
Fenster die Nationalhymne singen werde.

Das ganze Gebäude erzitterte unter

dem Klang unserer Stimmen,und dieses Mal trauten sich die Wärter nicht einzugreifen.
Als Protestzeichen beschlossen wir, unsere gefalteten Kleider am Abend
nicht in den Gang herauszulegen. Gleichzeitig suchten wir nach erfolgreicheren
Formen des Protestes,und einige schlugen einen Hungerstreik vor. Zu dieser
Zeit waren zwei Mann bereits im Hungerstreik. Die Wärter antworteten auf
diese Mitteilung nur mit den Worten: "Wenn einer steif wird, legt ihn heraus".
Medizinische Versorgung gab es überhaupt nicht. Als jedoch nach einer Woche
einer der Hungerstreiker ohnmächtig wurde, wurde er in eine Einzelzelle verlegt. Die älteren Insassen rieten von einem Massenhungerstreik ab, denn dieser, so sagten sie, würde nur unsere Gesundheit ruinieren. Wir sollten durch
passiven Widerstand protestieren. Wenn alles nichts helfe, dann könnten wir
noch immer in einen Hungerstreik treten, aber dann alle gleichzeitig.
Am 19. Dezember durften wir uns in einem Duschraum waschen.

Wir zogen

uns in einem bestialisch kalten Vorraum aus und gingen unter die Duschen.
Das Wasser war einmal kalt und einmal warm.
meine Unterhosen.

Ich wusch schnell mein Hemd und

Es blieb keine Zeit, sich richtig

zu waschen, denn das

Wasser lief nur wenige Minuten.
Mit der Zeit wurden Leute aus dem Gefängnis entlassen, aber wir wußten
nicht, ob sie heim durften oder in eine andere Strafanstalt verbracht wurden.
Jetzt begann die Sicherheitspolizei ihre Arbeit in unserem Block.
Insasse nach dem anderen wurde verhört.

Ein

Sie boten eine Erklärung zur Unter-

zeichnung an, in der die Loyalität zu Volkspolen versprochen werden mußte.
Manche unterzeichneten, manche nicht.
. 7 _

Wir erfuhren,

�Wir erfuhren, daß die Zellen durchsucht werden sollten.
teten unsere Korrespondenz.

Wir vernich-

Dieses "Filzen" der Zellen wird vorgenommen,

wenn die Insassen unter der Dusche oder in eine leere Zelle verlegt worden
sind.
Der erste Besuch unserer engsten Familienangehörigen fand am Weihnachtsabend statt und zwar in dem Block, in dem sich Kriminelle in Untersuchungshaft befinden.

Alles war voller Wärter und Milizsoldaten.

genen und Besucher saß ein Milizaufseher.

Bei jedem Gefan-

Trotz der Anwesenheit der "Staats-

macht" versuchten wir,so viele Informationen wie möglich über die Lebensbedingungen im Gefängnis nach draußen zu vermitteln.
fuhren wir, was draußen los war.

Auf der anderen Seite er-

Wir schrieben diese Mitteilungen auf win-

zige Papierstückchen und tauschten sie auf nur uns bekannte Weise unter den
Zellen aus.
Nach den Informationen, die wir im Gefängnis erhielten, bereiteten die
Partei und die Militärregierung eine umfassende Aktion gegen die Solidarität
vor.
Vertreter der Gewerkschaft wurden jeder Arbeitsmöglichkeit und der Arbeitslosenunterstützung beraubt. Sie sollten zum Verhungern verurteilt werden. Aktivisten wie auch aus den Gefängnissen Entlassene erhielten trotz
der angeblichen Amnestie keine Arbeit,oder es wurden ihnen anderswo schlechtere Arbeitsplätze angeboten. Seit die Vergebung der Sünden von vor dem 13.
Dezember verkündet wurde, litt das Land unter Terror und Unterdrückung. Die
Freigelassenen müssen sich alle paar Tage bei der Polizei melden. Sie werden
einige Stunden festgehalten,und man erklärt ihnen die gegenwärtige Lage, man
spricht über die angebliche Rolle der Solidarität und über die Zukunft des
Landes. Und immer wieder erwähnen die Polizisten die Tätigkeiten des Mannes
vor dem 13. Dezember. Es ist nicht schwer herauszufinden, was sie wirklich
wollen. Diese Verhöre schaffen ein ständiges Gefühl der Bedrohung. Vielleicht will man gerade eine solche Psychose hervorrufen. Vielleicht will
man die Menschen einschüchtern, schwächen, verstören, daß ihnen keine Willens-

- 8 -

�keine Willenskraft mehr bleibt, irgendwelche Aktionen zu unternehmen.
Behörden haben alle Rechte, die Bürger keine.

Die

Das Gesetz, auf das sich die

Militärs berufen, ist nichts weiter als die Gesetzlosigkeit der Nazis oder
des NKWD.

Die Opfer werden außerhalb des Rechts gestellt und können ihre

Rechte nicht geltend machen.

Kann ein solcher Zustand lange andauern?

Wir haben mit Freude erfahren, daß Mitglieder der Solidarität dieser
Verhaftung entkamen, materielle Hilfe für die Familien der Internierten und
der Arbeitslosen organisieren.
Rolle.

Die Kirche spielt dabei eine unschätzbare

Unter den vom Regime geschaffenen schwierigen Verhältnissen werden

die zwischenmenschlichen Beziehungen in unserer Gesellschaft immer enger.
Die Versuche der Behörden, die Nation zu spalten, haben genau die entgegengesetzte Wirkung.

Das hilft, mit Hoffnung auf die Zukunft der Solidarität

zu blicken.
Unsere Gewerkschaft wird auch im Untergrund weiter arbeiten.

Die

Spreu wird vom Weizen getrennt,und die Besten werden einen Block bilden, der
unbesiegbar sein wird.

+ + + + +

- 9 -

�</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

8. Dezember 1982

-

INHALT

DOKUMENTATION
Chemische Kriegsf'dhrimg in Afghanistan, Laos und Kampuchea
dauert an
- Bericht des US-Außenministeriums über Beweise für
"Gelben Regen" -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Privatwirtschaft investiert mehr in Forschung und Entwicklung

«p

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

8. Dezember 1982

CHEMISCHE KRIEGSFÜHRUNG IN AFGHANISTAN, LAOS UND KAMPUCHEA DAUERT AN
- Bericht des US-Außenministeriums über Beweise für "Gelben Regen" -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat am 29. November 1982 einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß die chemische Kriegführung in Laos, Kampuchea und Afghanistan andauert. Ein erster
Bericht zu diesem Thema war vom State Department bereits im März 1982 vorgelegt worden.
Außenminister Shultz, der den neuen Bericht dem amerikanischen Kongreß
unterbreitete, erklärte in diesem Zusammenhang, daß die Bemühung der Vereinigten Staaten, die öffentliche Meinung der Welt bezüglich des Einsatzes
chemischer Waffen zu mobilisieren und alarmieren, vor deren Anwendung nicht
abgeschreckt habe. Statt dessen versuchten die Sowjets sowie die von ihnen
gestützten Regime, die Wahrheit zu verschleiern. Die Welt, so unterstrich
der amerikanische Außenminister, dürfe angesichts solcher menschlicher Leiden
und einer solchen zynischen Mißachtung des Völkerrechts und internationaler
Abkommen nicht schweigsam bleiben.
Die wichtigsten Auszüge aus dem jüngsten Bericht des State Department
haben folgenden Wortlaut:
Einleitung
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Einleitung
Unsere März-Studie machte deutlich, daß Krankheits- und Todesfälle in
Südostasien und in Afghanistan auf chemische Angriffe zurückzuführen waren
und daß sowohl in Laos als auch in Kampuchea Gifte der Trichothecen-Gruppe
verwendet wurden.

Die jüngsten Beweise zeigen, daß diese Angriffe in allen

drei Ländern fortgesetzt werden; auch in Afghanistan wurden dabei TrichothecenGifte eingesetzt.
Bei der Analyse wurden dieselben rigorosen Maßstäbe angelegt wie bei
unserer März-Studie - sie sind dort im einzelnen beschrieben -, um zu dem
Urteil zu gelangen, wie es die auf den neuesten Stand gebrachte Untersuchung
enthält.

Angesichts der großen Wirkung, die der März-Bericht in der Öffent-

lichkeit hatte, unternahmen die Analytiker der amerikanischen Regierung besondere Anstrengungen, um zu verhindern, daß sie durch möglicherweise falsche
Berichte irregeleitet werden könnten, die aus propagandistischen oder anderen Gründen in Umlauf gesetzt worden sein mögen, und um die Möglichkeit auszuschließen, daß es aufgrund falscher oder unsachgemäßer Behandlung zu Fehlurteilen über die chemischen oder toxischen Agenzien kommt.

Alle Berichte

wurden einer sorgfältigen Prüfung unterzogen.
Die Beweisführung der März-Studie gründete sich auf eine große Bandbreite von Daten, einschließlich der Zeugenaussage von Ärzten, Flüchtlingshelfern und Journalisten. Auch wenn einige der neuen Berichte lediglich auf
eine Quelle zurückgehen, konnten doch die meisten davon durch andere Quellen
und Parallelinformationen erhärtet werden. Zudem verleiht gerade das Persönliche der Aussage auch den anderen Berichten Glaubwürdigkeit, formt sich
aus allem ein kohärentes Bild. Das in diesem Bericht präsentierte Material
stellt nur einen verhältnismäßig kleinen Ausschnitt des gesamten Beweismaterials dar. Diese zusätzlichen Informationen werden im Annex im Detail dargelegt. Verbesserte Verfahrensweisen zur Beweisfindung, bessere Qualität der
Krankengeschichten und der Untersuchung der Kranken, Dokumentation mit Hilfe
von Fotos der Verstümmelungen und Krankenhauspapiere aus Südostasien sowie

�Südostasien sowie Interviews mit Fachpersonal haben unsere früheren Schlußfolgerungen bestätigt und zu neuen Erkenntnissen geführt.
Mit wachsender internationaler Beunruhigung über dieses Thema aufgrund
immer neuer Beweise aus vielen Ländern wurden weitere unabhängige Analysen
auch von Ärzten, Journalisten, unabhängigen Wissenschaftlern und Laboratorien
anderer Länder erstellt.

Für die in den Vereinigten Staaten erstellte Analyse

waren diese Nachforschungen sowohl zur Unterstützung der eigenen Beweisführung
als auch - noch wichtiger - für die Ausweitung dieser Untersuchungen von großer
Hilfe.

Neuere Ergebnisse
Gestützt auf die sorgfältigste Analyse neuester Informationen sind wir
zu folgendem gelangt:
- Berichte über chemische Angriffe von Februar bis Oktober 1982 weisen
darauf hin, daß die sowjetischen Streitkräfte

mit dem selektiven Ein-

satz chemischer und giftiger Kampfstoffe gegen die Widerstandsbewegung
in Afghanistan fortfahren.

Zudem verstärken neue Beweise - im Jahr 1982

über die Verwendung von chemischen Waffen durch die sowjetischen und
afghanischen Regierungsstreitkräfte von 1979 bis 1981 gesammelt - unsere
bisherige Beurteilung, daß tödliche chemische Mittel gegen die afghanische
Widerstandsbewegung eingesetzt wurden.

Ärztliche Beweise aus Afghanistan

belegen auch den erneuten Einsatz von Mykotoxinen.
- Vietnamesische und laotische Truppen haben unter direkter sowjetischer
Oberaufsicht auch weiterhin tödliche und kampfunfähig machende chemische
Stoffe und Gifte gegen die

Hmong-Widerstandsbewegung in Laos einge-

setzt - mindestens bis in den Juni 1982 hinein.
- Die vietnamesischen Streitkräfte haben tödliche und kampfunfähig machende
chemische Kampfstoffe und Toxine mindestens bis zum Juni 1982 gegen Wider- 3 -

�gegen Widerstandskräfte in Kampuchea eingesetzt.
Trichothecen-Gifte wurden im Urin, im Blut und im Gewebe von Opfern
von Angriffen mittels "Gelbem Regen" in Laos und Kampuchea sowie in
Niederschiags-Testmengen gefunden, die nach solchen Angriffen eingesammelt wurden.
Auch weiterhin zeigt sich als gemeinsamer Faktor der Beweise eine
sowjetische Verstrickung in den Einsatz dieser Waffen in allen drei
Ländern. Erneute Analyse älterer Daten und neugewonnene Informationen
über die sowjetische Mykotoxinforschung und -entwicklung, über Ausbildung in chemischer Kriegsfiihrung in Vietnam, über die Anwesenheit sowjegischer Berater in chemischer Kriegsführung in Laos und Vietnam sowie
die Präsenz derselben ungewöhnlichen Trichothecen-Gifte in Proben, die
aus allen drei Ländern stammen, verstärken unsere frühere Schlußfolgerung über die Komplizenschaft der Sowjetunion sowie über deren Ausmaße.

Beweise - Zusammenfassung
Afghanistan:
Die Beweise belegen, daß die Sowjets den selektiven Einsatz ihrer Kampfstoffe in Afghanistan bis in den Oktober 1982 hinein fortgesetzt haben. Zum
erstenmal haben wir eindeutige Beweise über den Einsatz von Mykotoxinen durch
die sowjetischen Streitkräfte aufgrund zweier verseuchter sowjetischer Gasmasken erhalten, die aus Afghanistan stammen. Die Analyse und die Quantifizierung des Materials, das von der äußeren Oberfläche einer der Masken genommen wurde, zeigt das Vorhandensein von Trichothecen-Mykotoxin; die Analyse
eines Schlauches an der zweiten sowjetischen Gasmaske ergab das Vorhandensein
weiterer, verschiedener Mykotoxine. Zudem zeigte eine Vegetationsprobe aus
Afgahnistan erste Beweise für das Vorhandensein von Mykotoxinen.
Unser Verdacht hinsichtlich der Verwendung von Mykotoxinen in Afghanistan
wurde nunmehr erhärtet. Berichte aus den Jahren 1980 und 1981 sprachen von

�sprachen von einem gelb-braunen Nebel, der sich bei Angriffen bildete und
der Blasen, Gefühle der Übelkeit, Erbrechen und andere Symptome ähnlich
jenen hervorrief, die von Opfern des "Gelben Regens" in Sü'dostasien beschrieben wurden.

Aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu überlebenden, die noch

diese Symptome zeigten, sowie aufgrund der großen Schwierigkeiten, Bodenund andere physikalische Proben vom Ort der Angriffe zu erhalten, waren wir
nicht in der Lage, in dem Bericht vom 22. März mit Sicherheit zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß in Afghanistan Mykotoxine verwendet werden.

Wir

sind nunmehr zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetischen Streitkräfte in
Afghanistan zumindest seit 1980 Trichothecen-Mykotoxine einsetzen.
Eine ganze Anzahl von Berichten läßt darauf schließen, daß die chemischen
Angriffe auch 1982 fortgesetzt werden.

Wenn wir dies auch nicht in allen Ein-

zelheiten nachweisen können, so addieren sich die einzelnen Beweisstücke in
diesen Berichten doch zu einem übereinstimmenden Bild.

So berichtete z. B.

ein Arzt, der Verwundete unter den Widerstandskämpfern behandelte, daß darunter 15 Männer mit Hautverletzungen waren, die seiner Aussage nach von chemischen Angriffen der Sowjets in der Provinz von Kandahar im Mai und Juni 1982
stammten.

Drei der Freiheitskämpfer starben innerhalb von 12 Stunden nach

einem Angriff im Gebiet Maharijat südlich von Kandahar.

Die Widerstands-

kämpfer erklärten, die sowjetischen Hubschrauber hätten Raketen abgefeuert,
die beim Auftreffen schwarze, gelbe und weiße Gase freisetzten.

Der Arzt be-

richtete, die überlebenden Opfer hätten auf herkömmliche medizinische Behandlung nicht reagiert.
Wir erhielten Berichte, denen zufolge sowjetische Soldaten am 20. September 1982 Grundwasser in der Lowgar-Provinz südlich von Kabul vergifteten,
wo sich Freiheitskämpfer versteckt hielten.
in Pakistan zufolge
1982;

Einem Kommandeur der Majahedin

geschah Ähnliches in derselben Provinz am 13. September

60 Erwachsene und 13 Kinder starben dabei.

Die beiden, voneinander

unabhängigen Berichte erwähnten ein sowjetisches Panzerfahrzeug, das durch
einen Schlauch gelbes Gas in die Wasserleitungen pumpte.
Den Berichten
- 5 -

�Den Berichten über die Angriffe vom September 1982 zufolge zersetzten
sich die Körper der Opfer rasch, wobei sich das Fleisch von den Knochen löste,
sobald der Versuch unternommen wurde, die Leichen wegzutragen.

Seit 1979 be-

richten Führer der Widerstandsbewegung, Flüchtlinge, Journalisten und afghanische Überläufer von chemischen Angriffen, bei denen fast identische Symptome
aufgetreten waren.

Die meisten Berichte sprechen davon, daß die Haut der

Toten blauschwarz war.

Und auch wenn solche Symptome grotesk scheinen mögen,

so zwingt doch die große Zahl der Berichte aus unterschiedlichen Quellen seit
1979 dazu, nicht einfach über sie hinwegzugehen.
1982 berichtete ein sowjetischer Soldat, der zu den Freiheitskämpfern
überlief, im Gespräch mit einem britischen Journalisten von einem sowjetischen
Giftstoff, der "100 Prozent tödlich" sei, indem er das Fleisch aufweicht.
Der sowjetische Überläufer erklärte, die Sowjets unterhielten Lager mit "Pikrinsäure" (wahrscheinlich Chlorpikrin, ein potentiell tödliches Tränengas);
außerdem berichtete er, daß
- nichtidentifizierte Giftstoffe im Juni 1982 auf der Landstraße zwischen
Termez und dem Salang-Paß nördlich von Kabul eingesetzt wurden;
- das "100 Prozent tödliche" Mittel mit Raketen verteilt wurde;und
- "Pikrinsäure" sowie eine kampfunfähig machende Substanz aus Behältern
kamen, die von Flugzeugen aus abgeworfen wurden.
Der Überläufer sagte aus, die Sowjets seien vor allem mit dem Schutz
der Landstraßen beschäftigt und versprühten daher aus Flugzeugen chemische
Substanzen auf das Land entlang dieser Wege. Berichten zufolge wurden auch
chemische Granaten eingesetzt, doch sind die entsprechenden Daten zu ungenau,
um Hypothesen über den Inhalt zuzulassen, auch wenn einige der Symptome mit
denen identisch sind, die von Mykotoxinen verursacht werden.
Wir sind auch weiterhin in tiefer Sorge über Berichte von Menschen,
deren Haut sich innerhalb von nur ein bis drei Stunden nach ihrem Tod auf- 6 -

�Tode auflöst.

Wir kennen keine chemischen oder biologischen Giftstoffe,

die den Körper in dieser Weise verändern.

Stellt man gelegentliche Ungenauig-

keit in den Berichten der Journalisten und der überlebenden solcher Angriffe
in Rechnung, so ist doch möglich, daß Phosgene oder Phosgenoxime nach drei
bis sechs Stunden ähnliche Wirkungen zeigen - allerdings mit einer weit geringeren Aufweichung des Gewebes, als dies aus den Berichten hervorgeht, wonach "die Finger durch die Haut hindurchgehen können und Gliedmaßen abfallen".
Die Wirkung anderer Angriffe mit Giftstoffen, von denen berichtet wird, ist
dieselbe, wie sie der Einsatz des Nervengases Tabun zeigt.

Wir verfügen über

Informationen, nach denen sowohl Phosgenoxime als auch Tabun von den Sowjets
in Afghanistan gelagert wird.
Der britische Journalist, der mit dem sowjetischen Überläufer sprach,
berichtete außerdem von zwei Angriffen, von denen afghanische Freiheitskämpfer
ihm erzählten, die jedoch noch nicht bestätigt wurden. Der eine war ein Angriff auf Kaiba im Frühjahr 1982, als sowjetische Soldaten Berichten zufolge
Opfer niederschössen, die bereits durch ein Gas bewußtlos geworden waren;
der andere fand im Sommer 1982 in der Nähe von Herat statt, wo sowjetische
Truppen den Berichten zufolge die Opfer eines Gasangriffs auf einen Lastwagen
luden und davonfuhren. Verläßlichen Berichten zufolge setzten die Sowjets
auch chemische Bomben gegen die Majahedin Ende September 1982 und Anfang Oktober 1982 in der Baghlan-Provinz ein.
Unsere ersten Ergebnisse werden verstärkt durch einige Berichte, die
wir in diesem Jahr über frühere Angriffe erhalten haben und auf die unser
März-Bericht noch nicht eingeht:
- Einem früheren Offizier der afghanischen Armee zufolge versprühte ein
sowjetischer Hubschrauber im September 1981 in der Paktia-Provinz
(Sheikn Amir) einen gelben Nebel und verursachte 16 Todesfälle.

Die

überlebenden bluteten aus der Nase, und die Augen tränten; bei den Toten
wurden starke innere Blutungen festgestellt.
Der afghanische
- 7 -

�Der afghanische Offizier beschrieb einen ähnlichen Angriff in der Provinz Nangarhar während des gleichen Monats, bei dem vier Menschen getötet
wurden.
- Anfang Dezember 1981 wurden - nach dem Bericht von überlebenden - 15
Flüchtlinge, die nach Pakistan zu entkommen versuchten, von einem Hubschrauber angegriffen, der Gas einsetzte.

Vier oder fünf Personen

wurden getötet - die jüngsten und die ältesten - während die übrigen
fünf bis sechs Stunden bewußtlos liegen blieben.

Der Angriff erfolgte

etwa 60 km nordwestlich von Jalalabad.
- Nach dem Bericht eines sowjetischen Soldaten, der 1980 in Afghanistan
stationiert war und persönlich den Einsatz chemischer Kampfmittel erlebte, versprühten die Sowjets Chemikalien von Kampfflugzeugen und Angriffshubschraubern aus.

Er sagte, daß ein Flugzeug oder ein Hub-

schrauber zunächst einen Behälter abwarf und dann im zweiten Anflug
eine Bombe, was zu einer Mischung zweier verschiedener Chemikalien
führte, die innerhalb des verseuchten Gebietes alles Leben vernichtete.
Wir sind überzeugt, daß der Soldat den Einsatz von zwei getrennten chemischen Kampfmitteln beschrieben hat.
- Ein afghanischer Veterinär hat kürzlich einen Vorfall vom Mai 1979 beschrieben, bei dem in der Nähe von Kandahar 20 Menschen und eine Anzahl Schafe getötet wurden. Sowjetische Labormitarbeiter erklärten,
daß der Fall auf Milzbrand zurückzuführen sei. Der Tierarzt wußte jedoch, daß diese Erklärung nicht den von ihm beobachteten Symptomen entsprach. Ortsansässige Afghanen teilten dem Arzt mit, daß vor dem Zwischenfall sowjetische Fahrzeuge in der Gegend gewesen waren und ein
gelblich-weißes Pulver verstreut hätten.
- Im Juni 1980 berichtete ein Angestellter des Flugplatzes in Kandahar,
daß er 200 bis 300 mit Tarnfarben gestrichene Gasbehälter gesehen habe.
Die Behälter waren 90 bis 100 cm hoch und hatten einen Durchmesser von
65 bis 75 cm.

Ein Untergebener berichtete, daß sich in den Behältern
- 8 -

�den Behältern drei Arten von Gas befanden:

eines, das Brennen und

Würgen in der Kehle und Erstickungserscheinungen verursache; eines,
das einen Hautausschlag hervorrufe, wie bei Pocken; und eines, das
die Opfer schläfrig und müde und unfähig mache zu kämpfen.

Der Mann

teilte weiter mit, daß die Behälter in Spezialhüllen verpackt würden,
die von Flugzeugen abgeworfen werden und beim Aufschlag explodieren
und eine große, gewöhnlich gelbe aber auch in anderen Farben schillernde Rauchwolke verbreiten.

Er habe, so sagte er, Freiheitskämpfer

von solchen Gasangriffen sprechen hören und selbst Tiere gesehen, die
durch die Gase umgekommen waren.

Wir halten diesen Bericht für glaub-

würdig, denn es ist uns aus anderen Beweisen bekannt, daß auf dem Flugplatz Kandahar, einem wichtigen Einsatzort für sowjetische Militäroperationen, Chemikalien

lagern.

Und schließlich haben die in diesem Jahr eingegangenen Informationen
ergeben, daß ein sowjetischer Berater, der schon vor der Invasion
Afghanistans Unterbringungsmöglichkeiten für sowjetische Truppen inspizierte, andeutete, daß sowjetische Entgiftungstrupps, die nach Afghanistan
kämen, große Vorräte toxischen Materials mitbringen würden.

Der Bera-

ter ließ durchblicken, daß eine vorgeschlagene Kaserne für diese Entgiftungstrupps der sowjetischen Armee in Kabul selbst nicht geeignet sei,
da das mitgeführte Material bei einem Unglücksfall die ganze Stadt
verwüsten könnte.

Laos:
Flüchtlinge des Hmong-Stammes kamen jeden Monat von Januar bis Juli
1982 nach Thailand und erzählten Einzelheiten über Angriffe mit toxischen
Kampfmitteln; sie zeigten schwere medizinische Symptome durch die Einwirkung
der Kampfmittel.

Sie brachten weitere durch einen gelben, klebrigen Stoff,

der als "Gelber Regen" bezeichnet wird, vergiftete Proben mit; dieser wurde
von Flugzeugen und Hubschraubern auf ihre Dörfer und Felder verstreut.

- 9 -

F^

�Es liegen uns erste Berichte vor, daß diese Angriffe noch bis Oktober 1982
andauerten.

Wir wissen, daß der "Gelbe Regen" Trychothecen-Toxine und an-

dere Substanzen enthält, die bei den Opfern Erbrechen, Blutungen, Hautreizungen und schwere Hautschä'den sowie andere schleichende Anzeichen und Symptome
verursachen, die von Fachärzten festgestellt wurden.

Die Experten sind sich

einig, daß diese Menschen einem toxischen Kampfmittel ausgesetzt waren und daß
keine einheimische Krankheit, Pflanze oder chemische Substanz solche Symptome
hervorrufen könnte.
Laboranalysen von Blutproben dieser Opfer und Tierversuche haben gezeigt, daß Trichothecen-Gifte sehr viel länger im Körper gespeichert werden,
als man ursprünglich angenommen hatte. Wir sind der Überzeugung, daß die von
Ärzten bei den Opfern festgestellten Hautschädigungen eine wichtige Rolle
spielen.

Opfer, deren Blut bei der Analyse einen hohen Grad an Trychothecen-

Toxinen aufwies, zeigten solche Hautschädigungen.
Die Beschreibungen von Angriffen im Jahr 1982 unterscheiden sich nicht
wesentlich von den Beschreibungen früherer Angriffe. Die Angehörigen des
Hmong-Stammes berichten gewöhnlich, daß Flugzeuge und Hubschrauber eine gelbe
Substanz über ihre Dörfer und Felder abregnen. In einigen Fällen sind die
Symptome ähnlich, wie sie in unserer Studie vom 22. März beschrieben werden,
und wir schreiben sie daher dem Einsatz von Trychothecen-Giften zu. In vielen
Fällen traten jedoch keine Blutungen, sondern nur Schmerzen im Unterleib und
längere Krankheit auf. Diese schon in früheren Jahren beschriebenen Symptome
deuten darauf hin, daß noch immer ein weiteres Kampfmittel oder ein« weitere Kombination von Kampfmitteln benutzt wird. Die Erklärung ist sehr kompliziert,
denn bei Männern, Frauen, Kindern und Tieren werden unterschiedliche Symptome
beschrieben. Es ist möglich, daß unterschiedliche Kampfstoffe oder geringere
Konzentrationen der gleichen Kampfstoffe eingesetzt werden oder daß klimatische Verhältnisse die Wirkung der Kampfmittel beeinflußt haben.
Das medizinische Personal der Lager für laotische Flüchtlinge in Thailand
war 1982 besser ausgerüstet, die Opfer zu untersuchen, als in früheren Jahren.
Die Ärzte benutzen heute routinemäßig umfangreiche Fragebogen und führen eingehendere medizinische Untersuchungen durch, einschließlich sofortiger Blut- 10 -

�sofortiger Blutuntersuchungen noch an Ort und Stelle.

Ausgebildetes medizi-

nisches Hilfspersonal überwacht die Blutabnahme und die Blutproben bei der
Vorbereitung und dem sachgemäßen Abtransport nach den Vereinigten Staaten
oder anderen Ländern zur chemischen Analyse.

Einige Patienten mit akuten

Symptomen werden jetzt über längere Zeit beobachtet.
Eine Reihe von Blutproben aus Laos ist zur Analyse in den Vereinigten
Staaten gesammelt worden.

Alle biologischen Spezies wurden von qualifiziertem

medizinischen Personal gesammelt, und die Proben wurden bis zu ihrer Analyse
in den Vereinigten Staaten eingefroren.

Analysen dieser Proben haben ergeben,

daß weiterhin Trychothecen-Mykotoxine gegen Dörfer der Hmong eingesetzt werden,

über die Blut- und Urinproben von Opfern chemischer Kriegsführung hinaus

haben wir in diesem Jahr zusätzliche physikalische Proben gesammelt.

Diese

Proben bestehen aus mehr Oberresten des Gelben Regens, die Mykotoxine aus
den gleichen Angriffen enthalten, die bei menschlichen biologischen Spezies
positive Reaktionen auf diese gleichen Toxine ergeben haben.
Eine Reihe der Angriffe in Laos, über die berichtet wurde, hat sich
nicht wesentlich von den häufig berichteten Angriffen in vergleichbaren Zeiträumen der Jahre 1977 bis 1981 unterschieden.

Die tödlichen Verluste pro

Angriff in den Jahren 1981 und 1982 scheinen offensichtlich niedriger zu liegen, was darauf schließen läßt, daß weniger tödliche: Kampfmittel oder geringere Konzentrationen dieser Kampfmittel benutzt werden.

Der offensichtliche

Rückgang war jedoch statistisch nicht sehr bedeutsam und könnte auch durch
andere Ursachen hervorgerufen werden, wie etwa:
- Durch Abwanderung und die hohe Zahl der Todesfälle bis mindestens 1976
leben die Hmong in kleineren, zerstreuteren Gemeinschaften;
- überlebende Hmong, die sich noch in Laos befinden, sind Krieger, die
rascher Deckung suchen können und beim ersten Anzeichen eines Angriffs
rudimentäre Schutzmaßnahmen ergreifen;
- die Hmong
- 11 -

�- die Hmong nahmen sich nicht die Zeit, die Toten zu zählen - was durch
die Tatsache untermauert wird, daß nur sehr wenige Berichte die genaue
Zahl der von einem Angriff mit toxischen Kampfmitteln betroffenen Opfer
angeben.
Wie in dem Bericht im März festgestellt, unterhält die Sowjetunion in
Laos eine beachtliche Anzahl von Beratern, die Hilfe, technische Unterstützung
und Ausbildung in konventioneller und chemischer Kriegsführung leisten.

Ein

früherer laotischer Pilot, der Transportmaschinen flog und Anfang dieses Sommers übergelaufen ist, hat Lufttransporte von toxischen Kampfstoffen innerhalb
von Laos unter sowjetischer Aufsicht beschrieben.

Kampuchea:
Die meisten Berichte über Angriffe mit toxischen Kampfmitteln in
Kampuchea für den Zeitraum von 1978 bis Juni 1982 stammen aus Quellen des
Demokratischen Kampuchea (DK), darunter Interviews mit DK-Soldaten. Beweise
aus anderen Quellen bestätigen die meisten dieser Berichte. Nach Berichten
fanden 1982 die meisten Angriffe in der Nähe der thailändischen Grenze statt,
was das Sammeln von Proben und anderen direkten Beweisen des Einsatzes
toxischer Kampfmittel erleichterte.
In den ersten sechs Monaten des Jahres 1982 lag die Zahl der berichteten Angriffe mit toxischen Kampfmitteln in Kampuchea etwa um die Hälfte
niedriger als im gleichen Zeitraum 1980 und 1981. Auch die Zahl der angegebenen Todesopfer pro Angriff nahm ab, aber die Angaben waren zu unvollständig,
um festzustellen, ob diese Abnahme statistisch relevant war. Uns liegen ferner erste Berichte über Angriffe bis Anfang November 1982 vor.
Im Februar und März 1982 fanden einige Angriffe nahe der Grenze zu
Kampuchea noch auf thailändischem Boden statt. Analysen von Proben, die nach
diesen Angriffen gesammelt wurden, wurden in Kanada, Thailand und in den Ver-

- 12 -

�den Vereinigten Staaten durchgeführt.

Obwohl unterschiedliche Techniken

bei der Entnahme von Proben beträchtliche Probenfehler verursachen und zu
etwas unterschiedlichen Analyseergebnissen führen können, haben die mit der
Analyse betrauten Wissenschaftler sowohl in den Vereinigten Staaten als auch
in Thailand bei Anwendung unterschiedlicher Analysetechniken in ihren Proben
Trychothecen-Toxine festgestellt.

Das kanadische Team, das diese Angriffe

untersuchte, hat einen medizinischen Bericht veröffentlicht, in dem eine detaillierte medizinische Beurteilung der Symptome der Opfer enthalten ist:
Er kommt zu dem Schluß, daß tatsächlich Erkrankungen auftraten, die durch ein
toxisches Kampfmittel verursacht wurden, obwohl erste Untersuchungen nach
Trychothecen noch keinen schlüssigen Beweis ergaben.
Blut- und Urinproben von aus Kampuchea stammenden Opfern eines Artillerieangriffs mit toxischen Kampfmitteln am 13. Februar 1982 enthielten Trychothecen-Toxine.

Darüber hinaus enthielten nach dem Tode entnommene Gewebe-

proben von Opfern dieses gleichen Angriffs ebenfalls Trychothecen-Toxine.
Die Vietnamesen haben in diesem Jahr gegen eine weitere Widerstandsgruppe, die Volksbefreiunsstreitkräfte Kampucheas, Angriffe mit toxischen
Kampfmitteln durchgeführt. Bei mehreren Gelegenheiten von März bis Mai 1982
wurde das Lager der Widerstandskämpfer in Sokh Sann mit Artilleriefeuer und
Bomben mit toxischen Kampfstoffen belegt. Proben von verseuchten Pflanzen
und Reste des Gelben Regens aus diesen Angriffen werden derzeit analysiert.
Im Juni 1982 stattgefundene Angriffe in Kampuchea haben neue Proben ergeben.
Qualitative Untersuchungen deuten darauf hin, daß das Vorhandensein von Trychothecen wahrscheinlich ist. Die Ergebnisse der endgültigen Analysen stehen
noch aus.
Mehrere vietnamesische Überläufer aus Kampuchea haben 1981 und 1982
wertvolle Informationen über den Einsatz chemischer Waffen im vietnamesischen
Programm der chemischen Kriegsführung geliefert und mitgeteilt, daß einige
Arten dieser Kampfmittel aus der Sowjetunion geliefert werden.

Informationen

aus anderen Quellen bestätigen ebenfalls unsere Auffassung, daß die Vietnamesen
Munition mit toxischen Kampfmitteln besitzen und ihre Truppen mit zusätzlichem
Schutz ausstatten.
+ + + + +
- 13 -

�!

ainIERlIK H
Dl El1!ST3

Uli/zcn/chcifl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. Dezember 1982

48

US-PRIVATWIRTSCHAFT INVESTIERT MEHR IN FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG

- (AD) - Mindestens 40,2 Milliarden Dollar beabsichtigen amerikanische
Firmen im Jahr 1983 für Forschung und Entwicklung zu investieren.
acht Prozent (inflationsbereinigt: zwei Prozent) mehr als 1982.

Das sind
Die Bundes-

regierung in Washington hat für diese Gebiete Aufwendungen in Höhe von 43,2
Milliarden Dollar vorgesehen.

Die Industrie bringt somit fast die Hälfte der

"F &amp; E"-Felder auf, wobei in der von der Nationalen Forschungsstiftung (NSF)
vorgenommenen Untersuchung nur Projekte der Wirtschaft berücksichtigt sind,
für die keine staatlichen Mittel eingesetzt werden.
Die Zuwachsrate liegt gegenüber jener bei den Aufwendungen für 1982 um
zwei Prozent niedriger. Dies sei, wie Firmensprecher erklärten, auf die unsichere Wirtschaftssituation, niedrigeren Gewinn und die im Sommer 1982 noch
sehr hohen Zinssätze zurückzuführen. Dennoch werde jetzt in der Wirtschaft
das Gebiet Forschung und Entwicklung stärker berücksichtigt als andere Sparten,
weil die Firmen die Bedeutung technischer Verbesserungen höher als in den
letzten Jahren bewerten und die dafür vorgesehenen Steuervergünstigungen
nutzen wollen.
Chemische Industrie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Chemische Industrie
Spitzenreiter ist mit einer 17prozentigen Steigerung der Aufwendungen
auf ca. 5,7 Milliarden Dollar im Jahr 1982 - und vermutlich weiteren 14 Prozent im Jahr 1983 - die chemische Industrie.

Bedeutsame Problemlösungen in

der biologischen und biochemischen Forschung in jüngster Zeit sowie die Marktchancen, die sich aus diesem "Durchbruch" für neue und bald absehbare Technologien ergeben, wirken sich auf die gesamte Industrie aus. Dieser Trend
spornte in Verbindung mit den von der Bundesbehörde für Lebensmittel und
pharmazeutische Produkte (FDA) getroffenen Maßnahmen zur Abkürzung der Zeitspanne für die Zulassung eines neuen Präparats die "F &amp; E"-Aktivi täten deutlich an.

Auf dem Arzneimittelsektor verzeichnen Forschung und Entwicklung

jetzt eine jährliche Zuwachsrate von fast 20 Prozent.

Aber auch die in- und

ausländische Konkurrenz ist für die einzelnen Firmen ein wichtiger Faktor,
eigene Leistungen zu verbessern.

Und die Tatsache, daß die pharmazeutische

Industrie auch für den Bau neuer Anlagen und die Erweiterung bestehender Betriebe mehr als bisher investiert, wird als Anzeichen für ein rasches weiteres
Anwachsen von Forschung und Entwicklung in naher Zukunft gedeutet.

Wi ssenschaftlich-techni sehe Instrumente
Auf diesem Gebiet dürfte Schätzungen der NSF zufolge mit einer fortlaufenden hohen Zuwachsrate bei Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen zu
rechnen sein - mit 15 Prozent im Jahr 1982 und weiteren 14 Prozent auf ca.
3,3 Milliarden Dollar im Jahr 1983. Für die Ausweitung werden mehrere Gründe
genannt: 1) Die z. Zt. verwendeten Geräte veralten immer rascher, der Marktbereich wird größer. 2) Jeder Forscher benötigt immer mehr und empfindlichere
Ausrüstungen. 3) Auch der wachsende Bedarf im Gesundheitswesen, insbesondere
an diagnostischen und chirurgischen Instrumenten, trägt zum Boom auf diesem
Gebiet bei. 4) Angesichts der ausländischen Konkurrenz sind beträchtliche
Investitionen für Entwicklung und Vervollkommnung erforderlich, aber auch im
Interesse der Kalkulation, damit die amerikanischen Erzeugnisse sowohl auf

- 2 -

�sowohl auf dem Inlands- als auch auf dem Weltmarkt erschwinglich und konkurrenzfähig sind.

Elektronik und Elektroausrüstungen
Experten für Forschung und Entwicklung auf diesem Sektor nennen kürzere Lebensdauer der Produkte, Ausweitung der Technologien und wachsende
Konkurrenz als Schlü'sselfaktoren für die Anhebung der "F &amp; E"-Mittel um 12
Prozent im Jahr 1982. Für 1983 wird eine Steigerung um neun Prozent (auf
7,7 Milliarden Dollar) erwartet. Technische Fortschritte in jüngster Zeit
zur Datenintegration bei Großsystemen und Herstellung integrierter Schaltkreise mit sehr hoher Arbeitsgeschwindigkeit bedeuten zwar große Möglichkeiten für die Schaffung verbesserter Systeme, brachten aber gleichzeitig neue
Kosten- und Produktionsprobleme, für die von Forschung und Entwicklung Lösungen erhofft werden. Weitere Impulse für "F &amp; E"-Aktivi täten sowohl bei
Elektronik als auch Maschinenbau ergeben sich aus dem wachsenden Interesse
an Robotern für die Fabrikation.

Maschinenbau
An Hand der Stellungnahmen aus Sektionen mit den verschiedensten Tätigkeitsbereichen im Maschinenbau (einschließlich der Unternehmen, die Büround Buchungsmaschinen sowie Computer herstellen) wird die Zuwachsrate der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung im Jahr 1983 auf acht Prozent geschätzt. Damit würden 6,9 Milliarden Dollar erreicht. Die gegenwärtig schwächere Absatzlage habe auch Forschung und Entwicklung beeinträchtigt. Die ComputerIndustrie bemüht sich jedoch sehr, mit technologischen Erfordernissen, insbesondere in der Halbleiterforschung Schritt zu halten. Die raschen Fortschritte
und Veränderungen, dazu die große Konkurrenz vor allem auf dem Gebiet der
Mikro- und Mini-Computer, zwingen die Computer-Industrie, auf dem Forschungssektor immer mehr zu investieren. Ein weiterer Impuls ergibt sich aus der

- 3 -

�aus der ständig wachsenden Notwendigkeit einer Verbesserung der Fabrikationsprozesse in der gesamten Industrie - z. B. die Weiterentwicklung computer-gestützter Konstruktion (CAD), computer-gestützter Fabrikation (CAM), der Informationsverarbeitung und der Programmier-Systeme.

t

Fahrzeugbau

*

Rezession und hohes Zinsniveau halten Forschungsinvestitionen in bescheidenerem Rahmen. Die Zuwachsrate beträgt nur vier bis fünf Prozent, wobei die meisten anderen Betriebssparten wesentlich kürzer gehalten werden.
Immerhin geben General Motors mehr als zwei Milliarden Dollar, die Ford Motor
Company ca. 1,7 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus. Die hohen Importe ausländischer Kraftfahrzeuge schaffen neben der gegenwärtigen
Rezession zusätzliche Probleme. Das Schwergewicht der Forschung liegt auf
technischen Verbesserungen einschließlich Kostenreduzierung, Treibstoffökonomie und Qualitätsverbesserungen.

Luft- und Raumfahrtindustrie
Die Situation unternehmenseigener Forschungs- und Entwicklungsprojekte
ist weiterhin nicht gerade rosig. Seit 1981 gibt es keine nennenswerte Zuwachsrate mehr für deren Finanzierung. Angesichts der schlechten Absatzlage,
der Mitte 1982 noch immer hohen Zinsen sowie der Beendigung einiger wichtiger
Entwicklungsaufgaben leiden "F &amp; E" auf diesem Sektor auch in der nächsten
Zukunft unter Geldmangel. Erst nach 1983 könnten aufgrund der jetzt absehbaren technologischen Fortschritte, insbesondere in der Fluggeräteelektronik,
im Zellenbau und bei Antrieben, die Aussichten günstiger werden. Während 1982
noch mit einem Zuwachs der "F &amp; E"-Aufwendungen von fünf Prozent zu rechnen ist,
dürften diese 1983 um zwei Prozent zurückgehen. Mehr als 3,2 Milliarden Dollar
Forschungsausgaben sind dann auf diesem Industriesektor kaum zu erwarten.
+ + + + +

- 4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chemische Kriegsführung in Afghanistan, Laos und Kampuchea dauert an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Außenministeriums über Beweise für "Gelben Regen" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Privatwirtschaft investiert mehr in Forschung und Entwicklung&amp;nbsp;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

15. Dezember 1982
I N H A L T

INFORMATION
Reagan sieht sowjetische Verhandlungsbereitschaft
- Pressekonferenz des US-Prä'sidenten DOKUMENTATION
Proklamation zum Tag der Menschenrechte und der Verfassungsrechte
Reagan proklamiert Tag der Solidarität mit Polen
Die wirtschaftliche Gesundheit des Bündnisses
- Rede des US-Botschafters vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft HINTERGRUND
US-Journalist warnt vor Gleichsetzung der USA mit der UdSSR
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kontrolle von Chemikalien
- Strenge Bestimmungen des US-Amtes für Umweltschutz Giften auf der Spur
- Leckstellen in Sondermüll-Deponien mit Elektroverfahren auffindbar

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. Dezember 1982

49

REAGAN SIEHT SOWJETISCHE VERHANDLUNGSBEREITSCHAFT
- Pressekonferenz des US-Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat erklärt, die Sowjetunion
habe "ernsthafte" Anzeichen gemacht, daß sie bereit sei, über eine Verringerung
der nuklearen Rüstung zu verhandeln.

Auf einer kurzfristig am 14. Dezember

1982 einberufenen Pressekonferenz teilte Reagan weiter mit, daß er bezüglich
der Bewilligung der Mittel für die MX-Rakete einen Kompromiß mit führenden
Vertretern der demokratischen und republikanischen Partei im Senat erreicht
habe.
Der Präsident kündigte an, daß er auf andere Raketen verzichten werde,
wenn die Verhandlungen mit Moskau über eine Reduzierung der strategischen
Waffen Erfolg hätten, daß er jedoch an der Dislozierung der geplanten
100 Raketen vom Typ Friedenswahrer (Peacekeeper) festhalten wolle.

Diese

MX-Raketen seien notwendig, um die landgestützte Abschreckungsmacht der
Vereinigten Staaten zu modernisieren und um ein Gegengewicht gegen die
SS-18-Interkontinentalrakete der Sowjets zu bilden.

Die Vereinigten Staaten,

so betonte Reagan nachdrücklich, hätten während der letzten 15 Jahre nichts
getan und keinerlei Verbesserungen ihrer Raketenstreitmacht vorgenommen.
Als ermutigendes

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Als ermutigendes Zeichen wertete Reagan die Tatsache, daß die Sowjets
"freiwillig" einen Plan für die Verringerung der nuklearen Mittel Streckensysteme vorgelegt hätten.

Allerdings sei dieser Plan nicht ausreichend, da

die westlichen Verbündeten dabei beträchtlich im Nachteil bleiben.
Nachfolgend die wesentlichen Fragen und Antworten der Pressekonferenz
vom 14. Dezember:
Frage: Die Sowjets haben deutlich gemacht, daß sie, wenn wir die
MX-Rakete bauen noch mehr Raketen bauen werden.

Kann das nach Ihrer Meinung

überhaupt zu einer Rüstungskontrolle führen?
Antwort: Ja, das kann, denn an unseren Zusammenkünften hat General Rowney...
teilgenommen und er hat von der Wirkung gesprochen, die das gehabt hat und
von der Ernsthaftigkeit der Verhandlungen; daß die Sowjetunion verhandlungsbereit ist.
Und die Sache ist, daß es hier nicht um eine Verhandlungsposition geht
und jemand sagen könnte, "ihr baut das nur, um es wieder abzubauen". Nein,
wir brauchen eine Modernisierung. Selbst wenn wir die Verringerung der
Waffen bekommen, die wir anstreben und hinsichtlich derer es einige Anzeichen
gibt, daß sie von den Sowjets ernsthaft erwogen wird, dann wäre das nicht
die Waffe, die wir abschaffen würden.
Wir müssen modernisieren, um gegen die fünf Generationen von Raketen
aufzuholen, die die Sowjets entwickelt haben, während wir auf der Stelle
traten und in den letzten 15 Jahren nicht eine unserer Raketen modernisiert
haben. Wir kommen ihnen in Treffsicherheit nicht gleich. Wir kommen ihnen
in Megatonnage nicht gleich.

Das ist eine Rakete, die mit ihrer großen Rakete,

ihrer SS-18, vergleichbar ist.
Frage: Liegt

�Frage: Liegt in dem berichteten sowjetischen Angebot, ihre jetzt auf
Europa und Asien gerichteten Mittelstreckenraketen auf die Hälfte zu
reduzieren, eine vielversprechende Aussicht?

Bietet das eine Aussicht, daß

sie in Bewegung geraten?
Antwort:

Ich glaube, allein die Tatsache, daß sie einen Vorschlag

unterbreitet haben, die Zahl zu verringern, läßt erkennen, daß auch sie
sich Sorgen machen.

Und sie wurden besorgt, als die NATO beantragte und

wir zustimmten, vergleichbare Mittelstreckenraketen zu beschaffen, von denen
es heute in Europa keine als Abschreckung vor einem sowjetischen Einsatz der
SS-20-Raketen gibt.
Aber obwohl sie freiwillig einen Vorschlag gemacht haben, ist er nicht
ausreichend und würde uns in einem beträchtlichen Nachteil lassen

+ + +

- 3 -

�Dokumentation

1

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1$.Dezember 1 9 8 2

49

PROKLAMATION ZUM TAG DER MENSCHENRECHTE UND DER VERFASSUNGSRECHTE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat den 10. Dezember 1982
zum Tag der Menschenrechte

und den 15. Dezember 1982 zum Tag der Verfassungs-

rechte (Bill of Rights) proklamiert.

Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Am 15. Dezember 1791 haben unsere Gründerväter die Ratifizierung der
ersten zehn Zusätze zur Verfassung der Vereinigten Staaten - der Bill of
Rights - gefeiert, Verfassungsrechte, die von diesem Augenblick an dazu
beitrugen, eine in den Annalen der Geschichte einzigartige Nation zu gestalten.
Die Bill of Rights wurde der formelle und rechtliche Ausdruck unserer persönlichen Freiheiten und der in der Unabhängigkeitserklärung niedergelegten
Prinzipien.
Die Gründerväter schöpften ihre Prinzipien der begrenzten Regierung aus
einem Glauben an das Naturrecht,

d.h. aus dem Konzept, daß unser Schöpfer

für die Gesellschaft einen Rahmen gesetzt hat, in dem der Freiheit, der
Meinung und der Verantwortung des einzelnen große Bedeutung zugemessen wird.
Sie waren überzeugt, daß jede Person bestimmte, ihr von Gott verliehene
Rechte hat; wie Jefferson es formulierte: " Der Gott, der uns Leben gab, gab
uns Freiheit".
Mit frohem Herzen und dankbarem Sinn erkennen wir am Tag der Verfassungsrechte dieses große Geschenk der Freiheit an,das die Gründerväter der Nachwelt
vermachten, und ehren es.
10. Dezember

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Am 10. Dezember 1948, 157 Jahre später, verabschiedeten die Vereinten
Nationen die universale Erklärung der Menschenrechte.

Indem wir diesen Jahres-

tag gemeinsam mit dem Tag der Verfassungsrechte feiern, erkennen wir die
notwendige Verbindung von Menschenrechten und verfassungsmäßiger Demokratie an.
Wie es in der universalen Menschenrechtserklärung heißt, müssen wir unerschütterlich an unserer Überzeugung festhalten, daß Freiheit nicht Vorrecht
einiger weniger Glücklicher ist, sondern das unveräußerliche und universale
Recht aller Menschen.

In der ganzen Geschichte und in allen Teilen der Erde

ist immer wieder der instinktive Wunsch des Menschen nach Freiheit und echter
Selbstbestimmung ans Tageslicht gekommen.

Die Demokratie hat sich als der

beste und dauerhafteste Ausdruck der Suche des Menschen nach individueller
Freiheit erwiesen.
Wir können auf die vielen Länder der Welt hinweisen, in denen es echten
Fortschritt in der Entwicklung demokratischer Institutionen gibt. Die Völker
einiger dieser Länder haben ihre Hingabe an die demokratischen Prinzipien
voll gezeigt, indem sie unter schwierigen, ja lebensbedrohenden Umständen an
Wahlen teilgenommen haben. Solche Beispiele des Mutes können das Vertrauen
in die Zukunft der Demokratie für alle Menschen nur stärken.
Aber im Dezember 1982 wird unsere Befriedigung über den Fortschritt bei
den Menschenrechten durch unsere Erkenntnis verdunkelt, daß vor einem Jahr,
am 10. Dezember 1981 die polnische Militärregierung Schritte unternahm, um
die von der Solidarität entzündeten Flammen der Freiheit auszulöschen.
Als dieses totalitäre Regime die Solidarität unterdrückte, hat sie den
Belagerungszustand über die Träume und Hoffnungen eines ganzen Volkes verhängt,
das nach Freiheit, Unabhängigkeit und einem Mindestmaß an Menschenwürde strebt.
Die Tragödie

- 2 -

�Die Tragödie der eisernen Unterdrückung des polnischen Volkes überschreitet
die Grenzen jenes Landes und berührt unser aller Herzen, die wir uns um die
Rechte und das Wohlergehen der Menschen überall sorgen.
An diesen wichtigen Jahrestagen wollen wir uns der großen und bleibenden
Freiheitsliebe erinnern, die ewig in den Herzen der Menschheit wächst ; und
wollen wir auch hoffen und beten, daß eines Tages alle Menschen der Segnungen
der Freiheit teilhaftig werden.
Deshalb proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den 10. Dezember 1982 zum Tag der Menschenrechte und den
15. Dezember 1982 zum Tag der Verfassungsrechte und rufe alle Amerikaner auf,
die am 10. Dezember 1982 beginnende Woche als Woche der Menschenrechte zu
begehen.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem zehnten Tag des Dezember im Jahre
unseres Herrn 1982 und des 107. Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika meine Unterschrift geleistet.

gezeichnet:

+ + +

- 3 -

Ronald Reagan

�15c D e z e m b e r 1 9 8 2
REAGAN PROKLAMIERT TAG DER SOLIDARITÄT MIT POLEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat den 12. Dezember 1982
zum Tag des Gebetes für Polen und der Solidarität mit dem polnischen Volk
proklamiert.

Die Proklamation vom 10. Dezember hat folgenden Wortlaut:

Am 13. Dezember ist ein Jahr vergangen, seit die polnischen Militärbehörden unter massivem sowjetischem Druck dem Experiment des friedlichen
Wandels in Polen ein Ende gesetzt haben.

Im Laufe dieses Jahres haben die

Militärbehörden die freien Gewerkschaften, mit denen die polnische Regierung
erst kurz zuvor feierliche Verträge unterzeichnet hatte, eingeschüchtert und
schließlich aufgelöst.
Damit wurde eine echte Arbeiterbewegung von einer Regierung von Generalen
unterdrückt, die von sich behaupten, sie verträten die Arbeiterklasse. Ihr
Sieg kann, so wie es aussieht, nur ein scheinbarer Sieg sein. Das tapfere
polnische Volk hat in anderthalb Jahrhunderten fremder Besetzung gelernt,
seinen Nationalgeist zu bewahren und sich der Unterwerfung zu widersetzen.
Wir lassen uns keinen Augenblick täuschen, daß das Schweigen, das sich
auf die Entfaltung der freien Meinung in Polen herabgesenkt hat, ein Ausdruck
des wirklichen Denkens des polnischen Volkes sei. Die zensierte Presse und
die zensierten Medien sprechen nicht im Namen des Volkes. Die Gewerkschaft
Solidarität mag technisch verboten sein, aber ihre Ideale der freien Gewerkschaftsbewegung und des gewaltlosen Wandels werden niemals zerstört werden.
Dieses Wochenende

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dieses Wochenende bietet Amerikanern eine besondere Gelegenheit, das
polnische Volk zu ehren und unsere Unterstützung für seinen Kampf um das Recht,
sein Schicksal selbst und ohne Einmischung von außen unterstützte und angestachelte Diktaturen zu bestimmen.
Deshalb bestimme ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, den 12. Dezember 1982 zu einem Tag des Gebets für Polen und der
Solidarität mit dem polnischen Volk.
Ich lade das Volk der Vereinigten Staaten ein, diesen Tag durch Gebete
für das Volk Polens zu begehen und durch Teilnahme an geeigneten Zeremonien
und Veranstaltungen unsere anhaltende Unterstützung seiner Hoffnungen und
Wünsche auf größere Freiheit zu demonstrieren.
Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem zehnten Tag des Dezember im Jahre
unseres Herrn 1982 und des 207. Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika meine Unterschrift geleistet.

gezeichnet:

+ + +

Ronald Reagan

�15. Dezember 1982

49

DIE WIRTSCHAFTLICHE GESUNDHEIT DES WESTLICHEN BÜNDNISSES
o

- Rede des US-Botschafters vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft -

BONN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, hat in einer Rede vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft am 9. Dezember 1982 über die wirtschaftlichen Probleme des Bündnisses
gesprochen.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte der Deutschen Atlantischen Gesellschaft für die Gelegenheit danken, heute abend zu Ihren Mitgliedern und Freunden sprechen zu dürfen.

Seit ihrer Gründung vor einem Viertel Jahrhundert hat Ihre Gesellschaft

die grundlegenden Ziele des nordatlantischen Bündnisses getreulich unterstützt.

Sie sind in Ihrer Hingabe an den Frieden oder in Ihren Anstrengungen

zur Förderung der Grundsätze der persönlichen Freiheit und der Demokratie,
die die moralische Grundlage der NATO bilden, niemals wankend geworden. Damit haben Sie den Dank aller aufgeklärten Bürger in Ihrem und in meinem Lande verdient.
über meine Anerkennung Ihres Beitrages zur Erhaltung des internationalen
Friedens und der internationalen Freiheit hinaus möchte ich heute abend zu
Ihnen über einige der wirtschaftlichen Probleme sprechen, die in jüngerer Zeit
das westliche Bündnis beunruhigt haben.
Wirtschaftliche Faktoren

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wirtschaftliche Faktoren haben unausweichlich eine wesentliche Wirkung
auf die politischen Haltungen, die in unseren jeweiligen Ländern vorherrschen
und die ihrerseits entscheidend für die militärische Leistungsfähigkeit des
Bündnisses sein können.

Angesichts der immensen Rolle der Vereinigten Staaten

in der Weltpolitik möchte ich mich auf die Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten konzentrieren.
Diese Beziehungen sind, wie allgemein bekannt, in letzter Zeit einigen Belastungen ausgesetzt.

Das allein schon ist Grund genug, daß wir versuchen,

das amerikanisch-europäische Verhältnis in einer vernünftigen Perspektive zu
betrachten.

Darüber hinaus ist es für unser Bündnis von lebenswichtiger Be-

deutung, daß wir uns darüber Gedanken machen, wie gut seine wirtschaftlichen
Fundamente erhalten und geschützt werden.
Seit Ende 1979 haben die Vereinigten Staaten und Westeuropa eine beträchtliche wirtschaftliche Stagnation oder sogar Rezession erlebt.

Die Volkswirt-

schaften des Westens sind bei weitem stärker als die Volkswirtschaften des
Sowjetblocks, und dies ist sicherlich ein bedeutsames Faktum, aber es kann
kaum Anlaß zur Selbstgefälligkeit unsererseits sein.

Was uns Sorgen machen

muß, ist der Zustand unserer eigenen wirtschaftlichen Gesundheit - wie wir
sie am besten erhalten und verbessern können.

Ich möchte es daher heute abend

als meine erste Aufgabe betrachten, kurz auf die Ursachen der jüngsten Schwierigkeiten im Westen einzugehen.
Die ölpreisschocks von 1973 und 1978 haben sicherlich zu unseren wirtschaftlichen Problemen beigetragen. Andere Entwicklungen auf den internationalen Märkten haben auch das ihrige getan. Das gilt besonders für die wachsende Herausforderung einiger unserer Schlüsselindustrien durch Japan wie auch
•für die neue Konkurrenz bei einer Vielzahl westlicher Industrieprodukte durch
die fortgeschritteneren der Entwicklungsländer. Diese Einflüsse von außen
sind jedoch für die Volkswirtschaften des Westens weniger bedeutsam als unsere hausgemachten Schwierigkeiten.
In den

�In den ersten Jahrzehnten der Nachkriegszeit war die Haushalts- und
Währungspolitik der westlichen Demokratien äußerst erfolgreich bei der Aufrechterhai tung einer ausreichenden Vollbeschäftigung und der Verbesserung
der sozialen Verhältnisse.

Aber gerade diese Erfolge führten Regierungen

in den siebziger Jahren in die Versuchung, auf die niemals endenden Forderungen der Bürger nach Regierungswohltaten dadurch zu reagieren, daß sie
hohe Haushaltsdefizite und eine Politik des leichten Geldes riskierten - in
der Hoffnung, soziale Wohlfahrtsprogramme noch weiter auszubauen und auch
neue Umweltanliegen in Angriff nehmen zu können.

Aber indem wir versuchten,

mehr und mehr Güter und Dienstleistungen aus unseren Volkswirtschaften herauszuziehen, ohne unsere Bereitschaft zum Arbeiten und Sparen entsprechend
zu erhöhen, haben wir im Westen unausweichlich die zerstörerischen Kräfte
der Inflation freigesetzt.
Unter diesen Umständen sollte es nicht überraschend sein, daß Spannungen wegen wirtschaftlicher Fragen gelegentlich ernsthaft die Harmonie auf
die Probe gestellt haben, die im allgemeinen die politischen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten gekennzeichnet hat. Wenn die Volkswirtschaften unserer Länder blühen, gibt es
seitens der Geschäftswelt oder der Landwirtschaft wenig Druck auf die Regierungen, gegen die in anderen Ländern unternommenen Schritte zu protestieren
oder Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Solcher Druck hat aber die Tendenz, in
Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten zuzunehmen. Schwierigkeiten, die in
der Prosperität leicht beiseite geschoben würden, gewinnen dann an Bedeutung
- gelegentlich sogar große Bedeutung. Die freundlich gedämpften Stimmen der
Sprecher wirtschaftlicher Interessengruppen werden dann leicht laut und hart
und selbst die üblicherweise vornehme Haltung von Akademikern und hohen Regierungsvertretern gerät ins Schwanken. Die Natur des Menschen ist so, wie
sie ist, und so sind es die üblichen Erfahrungen der Menschheit, die wir
auch jetzt machen müssen.

Da ist zunächst einmal die Frage der amerikanischen Zinssätze.

Niemand

kann die Tatsache bestreiten, daß diese Zinssätze in den letzten Jahren außerordentlich hoch waren.

Und man kann auch nicht bestreiten, daß sie dazu
- 3 -

�sie dazu beitrugen, Gelder aus anderen Teilen der Welt nach den Vereinigten
Staaten zu ziehen; daß diese Kapitel ströme zur Steigerung der Zinssätze in
einigen europäischen Ländern beigetragen haben und daß als Folge Unternehmensinvestitionen in einem gewissen Grade darunter gelitten haben.

Wenn die

europäischen Beschwerden an diesem Punkt haltgemacht hätten, dann könnte vernünftigerweise niemand etwas dagegen einwenden.

Aber viele Europäer ein-

schließlich prominenter Regierungsvertreter gingen gelegentlich weiter und
erklärten direkt oder indirekt, daß die amerikanischen Zinssätze für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in ihren Ländern verantwortlich seien.

Bei einer

solchen Denkweise wurde die Tatsache außer acht gelassen, daß die hohen amerikanischen Zinssätze nicht gleichzeitig für die noch höheren Zinssätze in Frankreich und die drastisch niedrigeren in Japan verantwortlich sein konnten.

Es

braucht nicht gesagt zu werden, daß interne Faktoren in einzelnen Ländern darunter die allgemeine Sparneigung und die Lage der Regierungshaushalte - immer einen gewissen Einfluß auf die Zinssätze ausüben.
Ein Großteil der europäischen Kritik an den amerikanischen Zinssätzen
entsprang auch einem Mißverständnis bezüglich der Ziele der amerikanischen Politik. In dem Bestreben, dem von der Inflation ausgehenden Unheil ein Ende
zu setzen, gingen unsere Behörden von einem Prinzip aus, das in Jahrhunderten
erprobt worden ist - daß man nämlich, will man der Inflation Einhalt gebieten, das Geldmengenwachstum einschränken muß. Es ist natürlich richtig, daß
die hohen Zinssätze zu einem Großteil das Ergebnis unserer restriktiven Geldpolitik waren. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir hohe Zinssätze angestrebt
hätten.
Im Gegenteil, die unmittelbaren Auswirkungen der restriktiven Geldpolitik
auf Zinssätze und Wirtschaftstätigkeit waren keineswegs willkommen, aber diese
Politik hat ihr fundamentales Ziel, der Inflation in den Vereinigten Staaten
Einhalt zu gebieten, erreicht. Seit 1979, als das Niveau der Verbraucherpreise um über 13 Prozent anstieg, ist die Inflationsrate stetig gefallen.
Nachdem sie in diesem Jahr auf weniger als fünf Prozent gesunken ist, ist die
Inflationsrate in den Vereinigten Staaten heute eine der niedrigsten der Welt.

-4 -

Der Erfolg
*

�Der Erfolg der Geldpolitik, die Inflation herabzudrücken, ermöglichte
es schließlich, daß die amerikanischen Zinssätze auf ein niedrigeres Niveau
zurückgingen - zum Teil durch das innere Funktionieren des Marktes und zum
Teil durch Anpassungen der Politik.

Die Verlangsamung der Inflation ermu-

tigte die zuständigen Stellen, monetäre Restriktionen zu lockern,und die
Verschärfung der Rezession zwang sie auch dazu.

Natürlich waren in erster

Linie die wirtschaftlichen Verhältnisse in den Vereinigten Staaten für den
darauf folgenden Rückgang der Zinssätze verantwortlich, aber unsere Währungsbehörden dachten auch ebenso an den Nutzenden niedrigere Zinssätze für Europa bringen konnten.

Seit dem vorigen Jahr, als der Zins, den Geschäftsbanken

ihren besten Kunden berechnen, 21,5 Prozent erreichte, ist dieser Satz jetzt
auf 11,5 Prozent zurückgegangen.

Die kurzfristigen Zinsen auf dem freien

Markt sind um die Hälfte gesunken.

Die langfristigen Zinssätze für Industrie-

anleihen und Hypotheken sind weniger zurückgegangen, aber auch sie sind beträchtlich gefallen.

Der größte Teil dieser Anpassungen der Zinssätze ist

seit Juni dieses Jahres eingetreten, und die europäischen Zinssätze sind den
amerikanischen nach unten gefolgt - wenn auch nicht im gleichen Ausmaß. Als
diese finanziellen Entwicklungen eintraten, schlössen sich die Europäer den
Amerikanern in dem Wunsch an, daß die Zinssätze noch weiter heruntergehen
sollten, aber was bis dahin eine wesentliche Ursache der Reibungen im Bündnis
gewesen war, hat so gut wie aufgehört, Störungen zu erzeugen.
Ein weiterer Punkt der Irritation für einige Mitglieder des Bündnisses
war in jüngerer Zeit die Haltung der amerikanischen Regierung bezüglich der
Intervention an den Devisenmärkten.

Die Wirksamkeit solcher Eingriffe für

die Stabilisierung ausländischer Währungen ist seit langem unter Finanzexperten, einschließlich der Mitglieder der Zentralbanken, ernsthaft umstritten.
Trotzdem haben Regierungen führender Länder während der siebziger Jahre des
öfteren interveniert - in der Hoffnung, einige der kurzfristigen Fluktuationen
auf dem Devisenmarkt glätten zu können.

Die Reagan-Administration, die die-

ser Politik gegenüber eine kritische Haltung einnahm, kündigte schon bald
nach ihrem Amtsantritt an, daß der Außenwert von Währungen nach ihrem Urteil
am besten dem freien Markt überlassen werden sollte und daß sie sich daher
von Interventionen zurückhalten werde - es sei denn in absolut außergewöhn- 5 -

�absolut außergewöhnlichen Umständen.

Nicht wenige Finanziers und Regierungs-

vertreter begrüßten diese Entscheidung, und selbst einige, die sie in Frage
stellten, waren mehr besorgt über die politischen Folgen der Nicht-Intervention als über ihren eigentlichen wirtschaftlichen Wert oder Unwert.

Es gab

jedoch trotzdem einige entschiedene Kritiker der neuen amerikanischen Politik,
und sie machten ihren Einfluß geltend -am deutlichsten auf dem Wirtschaftsgipfel in Versailles im Juni dieses Jahres.
Die Amerikaner hielten auf diesem Treffen an ihrer Grundposition fest,
schlugen aber vor, einen Ausschuß internationaler Experten einzusetzen, um
die Ergebnisse früherer Erfahrungen mit Interventionen zu prüfen.
solch

Indem sie

eine Studie unternehmen, räumten alle Teilnehmer stillschweigend die

Möglichkeit ein, daß einige ihrer Meinungen über Interventionen revisionsbedürftig sein könnten.

Seither sind die Vereinigten Staaten in der von ihren

Kritikern bevorzugten Richtung weitergegangen, indem sie tatsächlich - wenn
auch in einem bescheidenen Umfang - mehrmals auf dem Markt interveniert haben.

Es besteht Grund zu der Hoffnung, daß die jetzt in Arbeit befindliche

Devisenmarktstudie dazu beitragen könnte, die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und einigen ihrer Verbündeten weiter einzuengen.

Und wenn

zum guten Willen noch etwas Glück kommt, so daß sowohl die Zinssätze als auch
die Inflationsraten in unseren jeweiligen Ländern weiter absinken, dann werden die Fluktuationen der Wechselkurse von allein geringer - und damit auch
der Anreiz zur Intervention sowie die Neigung zum Streit über diese Frage.
Ein sehr viel ernsterer Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und
ihren Verbündeten wurde durch die Entscheidung mehrerer europäischer Länder
ausgelöst, den Bau einer sibirischen Erdgasleitung zu unterstützen. Dieser
Konflikt erreichte einen Höhepunkt, als die amerikanische Regierung in ihrer
moralischen Entrüstung über die Rolle der Sowjetunion bei der Unterdrückung
der neugewonnenen Freiheiten des polnischen Volkes sich entschloß, Lieferungen von Material und Gerät zum Bau der Rohrleitung durch amerikanische Firmen
zu verbieten. Dieses Verbot wurde später auf europäische Tochtergesellschaften und Lizenznehmer amerikanischer Firmen ausgeweitet. Diese Maßnahmen führten zu bitteren Beschuldigungen und Debatten, und einige politische Beobach- 6 -

�politische Beobachter auf beiden Seiten des Atlantik waren der Meinung, daß
die amerikanische Reaktion auf die Krise in Polen Anlaß zu einer Krise 1m
Bündnis gegeben haben könnte.
Diese Gefahr wurde glücklicherweise überwunden.

Nicht nur, daß der

Schaden für das Bündnis gering gehalten wurde, sondern die Kontroverse über
die Rohrleitung trug sogar tatsächlich dazu bei, das westliche Denken über
Außenpolitik in gesundere Bahnen zu lenken.
Im Zuge der Abwägung der Sanktionen gegen die Sowjetunion nahm die
amerikanische Regierung eine Überprüfung der wirtschaftlichen Beziehungen
des Westens zur Sowjetunion vor, in der Hoffnung, eine Politik ausarbeiten
zu können, die sich im Gegensatz zu den Sanktionen gegen die Rohrleitung als
von dauerhaftem Nutzen für das Bündnis erweisen könnte. Es wurde bald klar,
daß dies einen resoluteren Umgang mit Elementen der westlichen Außenpolitik
erfordern würde, die in sich widersprüchlich sind. Die Begründung, die zu
diesem Schluß führte, war klar und eindeutig. Auf der einen Seite setzen die
NATO-Länder Jahr für Jahr gewaltige Mittel für unsere gemeinsame Verteidigung
gegen die sowjetische Bedrohung ein. Gleichzeitig jedoch haben wir im Westen
zum Teil durch Privatbanken, zum Teil durch Regierungsstellen der Sowjetunion
und ihren Satelliten während des letzten Jahrzehnts gewaltige Summen Geldes
geliehen. Gelegentlich wurde dies sogar zu subventionierten Zinssätzen getan. Angesichts der hohen Priorität, die die Sowjetunion ihren Streitkräften
einräumt, haben die Finanzmittel, die der Westen der Sowjetunion so freigiebig
zur Verfügung gestellt hat, indirekt dazu beigetragen, deren ohnehin gewaltiges Militärpotential noch weiter zu stärken. Und was die Sache noch verschlimmert hat, die Sowjetunion hat weiterhin von den Schwächen unserer
Kontrollen für den Export militärisch bezogener Produkte und Technologien
profitiert.
Diese Überlegungen wurden während des vergangenen Jahres von der amerikanischen Regierung ihren Verbündeten immer wieder mit Nachdruck vorgetragen.
Eine Zeit lang wurden sie von europäischen Regierungen abgelehnt, zum Teil

- 7 -

�zum Teil wegen des Mißfallens gegenüber den Sanktionen gegen die Erdgasleitung, zum Teil aus der Besorgnis heraus, daß die amerikanische Initiative zu
einem Handelskrieg zwischen Ost und West führen könnte. Aber als die amerikanische Regierung deutlich machte, daß ihr Grundziel einfach darin bestand,
die Politik des Westens auf einen Weg zu lenken, der in größerer Übereinstimmung mit den Sicherheitsinteressen des Bündnisses stand, gaben Kontroversen
und gegenseitige Beschuldigungen immer mehr den ruhigen Stimmen der Vernunft
statt.
Am 13. November konnte Präsident Reagan bekanntgeben, daß Übereinstimmung über die Notwendigkeit erzielt worden war, bei Handelsabmachungen mit
der Sowjetunion Sicherheitsfragen des Bündnisses in Rechnung zu stellen.

Im

einzelnen kamen die Vereinigten Staaten und ihre Partner überein, daß erstens
während der Zeit der Durchführung einer dringenden Studie über alternative
Energiequellen keine neuen Kontrakte für sowjetisches Erdgas geschlossen werden; daß zweitens bestehende Kontrolle für den Transfer strategischer Güter
nach der Sowjetunion verschärft werden; daß drittens rasch Verfahren zur
Überwachung finanzieller Beziehungen zu den Sowjets geschaffen werden; und
daß viertens die Verbündeten an einer Harmonisierung ihrer Exportkreditpolitik arbeiten werden.

In den Augen der amerikanischen Regierung werden diese

Maßnahmen den Interessen des Bündnisses wirksamer dienen als die Sanktionen
gegen die Rohrleitung.

Der Präsident schloß daher seine Erklärung mit der An-

kündigung der Einstellung dieser Sanktionen.

Sicherlich liegen noch lange und

schwierige Verhandlungen über Mittel und Wege zur Durchführung der vereinbarten Maßnahmen vor uns, aber die Rohrleitungskrise als solche ist glücklicherweise beendet.
Auf anderen Gebieten der Wirtschaftspolitik - vor allem der Aufteilung
der Verteidigungslasten und bei Handelsfragen - haben die Vereinigten Staaten
weiterhin wichtige Differenzen mit ihren europäischen Partnern. Schwierigkeiten dieser Art haben das Bündnis schon fast seit seinen Anfängen heimgesucht. Und sie werden auch in den kommenden Jahren in der einen oder anderen
Form wieder auftreten. Aber selbst hier ist es uns gelungen, generell mit
unseren Problemen fertigzuwerden, und wir haben während des vergangenen Jahres
- 8 -

�vergangenen Jahres einige begrenzte Erfolge aufzuweisen gehabt, die bemerkenswert sind.
Die Verteilung der Verteidigungslasten unter Verbündeten wirft unausweichlich schwierige Fragen der Gerechtigkeit auf.

Viele Amerikaner, vor

allem Mitglieder des Kongresses, sind seit langem der Auffassung, die Vereinigten Staaten würden einen übertrieben hohen Anteil an den hohen Kosten
des Bündnisses tragen.

Angesichts der Knappheit der Mittel, die in meinem

Lande aufgetreten ist, hat sich diese Kritik an Europa in jüngster Zeit verschärft.

Unsere NATO-Partner reagieren gewöhnlich darauf, indem sie uns

daran erinnern, daß ihre Verteidigungsausgaben während der siebziger Jahre
ständig gestiegen sind, während die amerikanischen Ausgaben real zurückgingen.

Das ist völlig richtig, aber es ist nur die eine Seite der Medaille.

Amtliche Statistiken lassen erkennen, daß die Verteidigungsausgaben in den
Vereinigten Staaten im Jahr 1970
reichten.

7,9 Prozent des Bruttoiniandprodukts er-

Die höchste entsprechende Zahl für jeden unserer großen Verbünde-

ten blieb in jenem Jahr knapp unter fünf Prozent.

Obwohl die Verteidigungs-

ausgaben der Vereinigten Staaten während der siebziger Jahre zurückgingen,
wurde diese Lücke niemals geschlossen.

Mit diesen Tatsachen konfrontiert,

sind europäische Regierungen geneigt, zu bemerken, daß reine Zahlenangaben
nicht alle Kosten erfassen, die auf dem Gebiet der Verteidigung auftreten,
vor allem nicht die Wehrpflicht, die in den meisten ihrer Länder besteht.
Solche Einwände werden von Amerikanern nicht immer akzeptiert, wie sich an
den lebhaften Diskussionen, die in den Hallen unseres Kongresses zu hören
sind, erkennen läßt.
Welchen Nutzen die Debatten unter Mitgliedern des Bündnisses auch haben
mögen, die Reagan-Administration ist sich darüber im klaren, daß einige der
jetzt dem Kongreß vorliegenden militärischen Vorschläge das Bündnis ernsthaft schwächen würden.

Und nicht nur das, sie würden auch die Sowjets ermu-

tigen, in den lebenswichtigen RüstungskontrollVerhandlungen, die jetzt in
Genf geführt werden, unnachgiebig zu bleiben.

Diese Gefahren sind der Auf-

merksamkeit europäischer Führer nicht verborgen geblieben.

Ja, viele Europäer

teilen seit langem die weit verbreitete amerikanische Überzeugung, daß Europa
für seine eigene oder für die gemeinsame Verteidigung nicht genug tue.

Knappe

�Knappe Mittel sind heutzutage nicht weniger ein Problem in Europa als in den
Vereinigten Staaten.

Trotzdem hat die Bundesregierung kürzlich Schritte unter-

nommen, die dazu beitragen dürften, daß die Amerikaner das Problem der Verteilung der Verteidigungslasten in einer besseren Perspektive sehen.

Vor einigen

Monaten unterzeichnete die Bundesrepublik Deutschland einen Vertrag mit den
Vereinigten Staaten, in dem sie sich verpflichtete, im Ernstfall 90 000 Reservisten zur Unterstützung amerikanischer Kampftruppen aufzubringen.

Und in

jüngster Zeit gab Verteidigungsminister Manfred worner bekannt, daß der neue
Bundeshaushalt einen beträchtlichen zusätzlichen Beitrag für den Bau lebenswichtiger militärischer Einrichtungen der NATO in Europa vorsieht.

Diese

Maßnahmen sind der Bundesregierung von den Amerikanern seit langem empfohlen
worden.

Die Tatsache, daß sie in einer schwierigen Zeit beschlossen worden

sind, dürfte sicherlich dazu beitragen, amerikanische Besorgnisse zu beruhigen.
Die Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten
wegen Fragen des internationalen Handels haben ebenfalls eine lange und bunte
Geschichte. Vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die siebziger Jahre lief
der allgemeine Trend der westlichen Politik darauf hinaus, die Liberalisierung
des internationalen Handels und der internationalen Investitionen zu verstärken, und es kann kaum einen Zweifel daran geben, daß dieser Trend gewaltig zur
Prosperität im Westen und in anderen Teilen der Welt beigetragen hat. Während die Vereinigten Staaten die Welt auf dem Wege zu einem offenen Handelssystem und uneingeschränkten Auslandsinvestitionen anführten, wurde diese Politik - mit Ausnahme dessen, was die Landwirtschaft anbetraf - in Europa, vor
allem in der Bundesrepublik, generell unterstützt. Leider, aber nicht überraschend, hat die tiefe Rezession der jüngsten Zeit jetzt in vielen europäischen
Ländern und auch in den Vereinigten Staaten starke protektionistische Gefühle
geweckt.
Die Reagan-Administration hat Schritten des Kongresses in Richtung Protektionismus nachdrücklich widerstanden - bisher mit beachtlichem, wenn auch
nicht vollständigem Erfolg. Während der kürzlichen Ministertagung der Mitglieder des allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) haben die Vereinigten Staaten besonders hart für eine eindeutige Verpflichtung der Handels- 10 -

�der Handelsminister der Welt gekämpft, bestehende Maßnahmen zur Einschränkung des internationalen Handels auslaufen zu lassen und sich aller neuen
restriktiven Maßnahmen zu enthalten.

Die Debatten über dieses Prinzip und

über bestimmte Handelsfragen zogen sich hin und waren gelegentlich bitter,
aber am Ende brachten die amerikanischen Initiativen nur bescheidene Ergebnisse.

In das Gewand eines Professors schlüpfend, stellte der amerikanische

Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Bill Brock, bezüglich der Ergebnisse fest, daß sie kaum mehr als ein "genügend" verdienten - eine Beurteilung, die nur von wenigen informierten Beobachtern in Frage gestellt wurde.
Vom amerikanischen Standpunkt war der enttäuschende Aspekt dieser Tagung, daß es nicht gelang, die Europäische Gemeinschaft dazu zu bewegen,
einige Aspekte ihrer Agrarpolitik zu modifizieren. Seit vielen Jahren hat
die Gemeinschaft Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse aufrechterhalten,
die über dem Weltmarktniveau liegen. Deshalb haben sich Überschüsse angesammelt, und um sie auf den Weltmärkten loszuwerden, subventioniert die Gemeinschaft ihre Exporte. Solange sich diese Politik darauf beschränkte, Verkäufe
landwirtschaftlicher Erzeugnisse innerhalb der Gemeinschaft zu schützen, wurde
sie von den Vereinigten Staaten akzeptiert - wenn auch nicht ohne Protest.
Aber als die Subventionierung zu großen Exporten in Drittländer führte, ergab sich für die amerikanischen Farmer und die Exporteure landwirtschaftlicher
Erzeugnisse in anderen Ländern ein ernsteres Problem. Nachdem die Einkommen der Farmer in den Vereinigten Staaten gegenwärtig auf ihrem niedrigsten
Stand seit den dreißiger Jahren angekommen sind, sind die amerikanischen
Proteste gegen die Agrarpolitik der Gemeinschaft immer nachhaltiger geworden.
Die Gemeinschaft hat sich jedoch geweigert nachzugeben, unter anderem mit der
Behauptung, daß die Frage ihrer Subventionen bereits in früheren Verhandlungen
geregelt worden sei. Diese und andere Argumente der Gemeinschaft haben die
amerikanische Haltung nicht abgeschwächt. Und wenn diese Agrarkontroverse
nicht bald beigelegt wird, dann besteht ernsthaft die Möglichkeit, daß der
Kongreß im kommenden Jahr vergeltende Gesetze verabschieden wird. Dies wäre
sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für Europa von so großem Schaden,
daß ich immer noch glaube, daß eine gegenseitige Akkommodation erreicht werden
wird.
Ein solches
- 11 -

�Ein solches Ergebnis wurde im übrigen im Zusammenhang mit einem anderen
Handelsstreit erreicht, der sich eine Zeit lang jedem Versuch der Beilegung
widersetzte.

Viele Jahre lang hat die Weltstahlindustrie unter Überkapazität

gelitten.und unter solchen Bedingungen haben, wie so oft, verschiedene Länder
- einschließlich einiger Länder in Europa - ihren Stahlerzeugern Subventionen
zur Verfügung gestellt.

Als Konsequenz sind in den letzten Jahren große Men-

gen von Stahl, der mit Hilfe von Regierungssubventionen produziert wurde, in
den amerikanischen Markt eingedrungen.

Amerikanische Stahlhersteller, die

keine Subventionen erhalten, haben versucht, diese ärgerliche Konkurrenz einzudämmen.

Sie haben sich ein Gesetz zunutze gemacht, das einen Industrie-

zweig in die Lage versetzt, gegen bestimmte Regierungsanstrengungen zur Ausarbeitung von Handelsvereinbarungen mit anderen Ländern sein Veto einzulegen.
Trotz dieses gewaltigen Hindernisses ist es der amerikanischen Regierung
schließlich doch gelungen, ein Abkommen mit der europäischen Kommission zu
treffen, das den Exporten verschiedener Stahlerzeugnisse nach den Vereinigten
Staaten moderate Quoten auferlegt.
Mir - wie auch anderen überzeugten Anhängern des Freihandels - hat dieses Abkommen wenig Freude gebracht. Aber die praktische Wahl, vor der sowohl
Amerikaner als auch Europäer standen, war in diesem Falle nicht die zwischen
Protektionismus und Freihandel, sondern zwischen Ausmaßen und Arten des Protektionismus. Wenn die Verhandlungen über Stahlquoten fehlgeschlagen wären,
dann hätte das bestehende amerikanische Recht die sofortige Einführung von
Strafzöllen für Stahlimporte verlangt. Und noch schlimmer: Es schien wahrscheinlich, daß in diesem Falle der Kongreß noch drastischere protektionistische Maßnahmen beschließen würde. Die ausgehandelte Regelung hat eindeutig die hohen Prinzipien des Freihandels verletzt, aber sie hat auch ernstere Folgen abgewandt. In diesem Sinne ist es nicht nur ein Abkommen, das man
tolerieren kann, sondern auch ein Abkommen, das dazu gedient hat, politische
Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten abzubauen.
Die Schlußfolgerung, die man nach meiner Auffassung zu Recht aus meinem
überblick über den kürzlichen Stahlstreit und andere wirtschaftliche Streitigkeiten im Bündnis ziehen kann, ist beruhigend. Sicherlich hat es Exzesse der
- 12 -

�Exzesse der politischen Rhetorik

auf beiden Seiten des Atlantik gegeben

und gelegentlich auch fehlgeleitete Aktionen.

Trotzdem ist es den Vereinig-

ten Staaten und ihren europäischen Verbündeten gelungen, die meisten ihrer
störenden Differenzen über wirtschaftliche Fragen beizulegen - oder zumindest abzuschwächen.

Unsere Fähigkeit, diese gegenseitige Anpassung unter

schwierigen Verhältnissen zustande zu bringen, zeigt, daß die uns vereinenden moralischen, politischen und sicherheitspolitischen Interessen stark genug sind, selbst kontroverse wirtschaftliche Fragen zu überwinden.

Das hat

sich auf jeden Fall bisher gezeigt,und daraus können wir sicherlich Ermutigung für die Zukunft gewinnen.
Wir müssen jedoch jedes Gefühl des Optimismus dämpfen, daß sich die
internationalen Wirtschaftsbedingungen in naher Zukunft so verbessern werden, daß sie kaum noch politische Belastungen innerhalb des Bündnisses hervorrufen oder verschärfen werden.

Es ist heute weitgehend anerkannt, daß

die Schwäche der internationalen Wirtschaft während der letzten drei Jahre
die Nachwirkung des inflationären Druckes ist, der während der siebziger
Jahre freigesetzt wurde.

Man ist sich jedoch nicht ganz so darüber im kla-

ren, daß unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten in jüngster Zeit mehr sind
als nur die normalen Schwankungen des Wirtschaftszyklus.

Sie sind auch Aus-

druck eines gewissen Verlustes an wirtschaftlicher Dynamik - das heißt, einer
schrittweisen Schwächung der Kräfte, die dem wirtschaftlichen Wachstum in
der

westlichen Welt zugrunde liegen.
Liberale Haushalts- und Währungspolitiken haben uns über eine Generation

lang gut gedient, die Vollbeschäftigung zu fördern und die soziale Umwelt
zu verbessern.

Sie hätten vielleicht weiterhin nützlich wirken können, wä-

ren sie nicht zum Exzess getrieben worden.

Aber leider wurden die traditio-

nellen Regeln der finanziellen Besonnenheit in den Wind geschlagen.

Als Er-

gebnis sind unsere westlichen Volkswirtschaften gegenüber den Gefahren der
Inflation so stark sensibilisiert worden, daß man nicht länger damit rechnen
kann, daß liberale Finanzpolitiken ihre frühere konstruktive Funktion weiterhin erfüllen können.
Jetzt hat
- 13 -

�Jetzt hat sich das Denken der Regierungen und der Unternehmen im Westen
auf die Schaffung einer Umwelt konzentriert, die mehr Anreiz für Innovation
und Privatinvestitionen bietet als in den letzten Jahren.

Verantwortliche

Führer in unseren jeweiligen Ländern unterstreichen oft nicht nur die Notwendigkeit, auf dem monetären Gebiet Zurückhaltung zu üben, sondern auch die
Notwendigkeit, eine gewisse Senkung des hohen Standes zu erreichen, den sowohl Regierungsausgaben als auch Steuern im Verhältnis zur Höhe unseres jeweiligen Volkseinkommens erreicht haben.

Selbst Frankreich, das eine Zeit lang

in eine andere Richtung ging, hat jüngst eine ziemlich restriktive Geldpolitik eingeführt und dazu die Absicht bekanntgegeben, die Ausweitung der Haushaltsdefizite weiter einzuschränken.

Da die frühere Wirtschaftspolitik heute

im Westen in allgemeinen Mißkredit geraten ist

und die neue Politik ihre

Bewährungsprobe noch nicht voll bestanden hat, hat sich während der vergangenen ein bis zwei Jahre in den Vereinigten Staaten wie auch in ganz Westeuropa tiefe Sorge über die wirtschaftliche Zukunft ausgebreitet.
Man kann solch einen Pessimismus übertreiben. In den Vereinigten Staaten
zumindest ist die Gesamtleistung der Wirtschaft während der vergangenen sechs
Monate praktisch unverändert geblieben,und es gibt jetzt zahlreiche Hinweise,
daß die Grundlage für einen Wiederaufschwung gelegt worden ist. Wie bereits
festgestellt, sind die Inflationsraten und Zinssätze stark zurückgegangen.
Die Kurse für Aktien und Schuldverschreibungen sind dramatisch gestiegen und
haben so dem Nettovermögen von Einzelpersonen und Unternehmen Hunderte von
Milliarden von Dollar hinzugefügt. In jüngster Zeit sind die Verbraucherausgaben für Güter und Dienstleistungen etwas gestiegen. Der Wohnungsbau hat
dieses Jahr erneut zugenommen, der Verkauf von Häusern hat sich in jüngster
Zeit belebt,und die finanziellen Bedingungen für Hypothekeninstitute haben
sich verbessert. Die Aufwärtsbewegung der Löhne hat sich wesentlich verlangsamt, die Produktivität der Industrie hat sich in jüngster Zeit verbessert,
und die Unternehmergewinne haben zu steigen begonnen. Diese Verbesserungen
sind bisher durch einen starken Rückgang der Warenexporte und der Investitionen
in neuen Anlagen und Ausrüstungen aufgewogen worden. Trotzdem ist es wahrscheinlich, daß innerhalb der nächsten Monate in den Vereinigten Staaten ein
schrittweiser Wideraufschwung in der Gesamtproduktion und Beschäftigung in
- 14 -

�Beschäftigung in Gang kommen wird.

Mit der möglichen Ausnahme Großbritanniens ist der unmittelbare Ausblick für Europa weniger günstig, zu einem großen Teil wegen der größeren
Starrheit seiner Arbeitsmä'rkte.

Aber man kann vernünftigerweise annehmen,

daß jede Besserung in der amerikanischen Wirtschaft auch in Westeuropa spürbar werden wird, ehe noch zu viele Monate vergangen sind.

Trotzdem wird die Arbeitslosigkeit im Westen noch für eine unbequem
lange Zeit hoch bleiben, da das Tempo des Wiederaufschwungs wahrscheinlich
im gegenwärtigen Fall langsam sein dürfte.
es zwingende Gründe.
daß

Für dieses geringe Tempo gibt

Erstens gibt es noch kaum irgendwelche Anzeichen,

in den Vereinigten Staaten oder in Westeuropa Aufträge für Geschä'fts-

bauten oder Geschäftsausrüstungen zu wachsen begonnen hätten.

Zweitens müs-

sen die meisten der größeren Banken überall im Westen heute erkannt haben,
daß ihre Kreditpolitik im eigenen Lande und im Ausland während der siebziger
Jahre übertrieben liberal war.
stehenden Jahren vorsichtige
vorsichtige

Sie werden deshalb in den unmittelbar bevorKreditgeber - vielleicht sogar übertrieben

Kreditneber • sein.

Drittens, viele der weniger entwickelten

Länder - nicht nur Mexiko, Brasilien und Argentinien, die in jüngster Zeit
sehr häufig in der Presse genannt werden - sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt
nicht in der Lage, fristgerecht Zinsen zu zahlen oder Tilgungen zu leisten,
die für ihre übergroße Verschuldung fällig sind.

Diese finanziellen Schwie-

rigkeiten stellen eine schwere, meiner Meinung nach jedoch noch in den Griff
zu bekommende Gefahr für das internationale Bankensystem dar.

Aber selbst

unter den günstigsten Umständen wird in vielen der weniger entwickelten Länder eine große Sparsamkeit praktiziert werden müssen, und ihre verringerten
Importe werden unausweichlich das Tempo des wirtschaftlichen Wiederau^schwungs
des Westens während der nächsten zwei oder drei Jahre, wenn nicht sogar länger
bremsen.

Wenn meine Beurteilung der wirtschaftlichen Aussichten auch nur annähernd
richtig ist, dann werden politische Spannungen, die auf wirtschaftlichen
Schwierigkeiten beruhen, wahrscheinlich das Bündnis auch weiterhin beunru- 15 -

�weiterhin beunruhigen.

Wenn wir in den unmittelbar bevorstehenden Jahren

Fortschritte in Wirtschaftsfragen erzielen wollen, dann ist es besonders
wichtig, daß jedes Land eine Politik "der Bereicherung auf Kosten des Nachbarn" vermeidet.

Wir können es uns nicht leisten, in Begriffen von Gewin-

nern und Verlierern zu denken, wenn es darum geht, unsere gemeinsamen Probleme zu lösen.

Es ist daher ganz wesentlich, daß die Mitgliedstaaten des

Bündnisses die gewaltige wirtschaftliche und politische Staatskunst mobilisieren, die ihnen zur Verfügung steht.

Die Zusammenarbeit zwischen Wirt-

schaftsministerien, Finanzministerien, Zentralbanken, Geschäftsbanken und
internationalen Finanzinstituten, die nicht immer eng war, muß dies jetzt
in noch sehr viel größerem Maße werden.

Die Staats- und Regierungschefs

des Westens, die bisher bei der Kontrolle der Krankheit des Protektionismus einigermaßen erfolgreich waren, müssen noch ernsthafter an der Erreichung
dieses lebenswichtigen Zieles arbeiten.

Treffen der Mitglieder der außenpo-

litischen und verteidigungspolitischen Einrichtungen des Bündnisses müssen
noch häufiger stattfinden und noch gründlicher und rechtzeitiger durchgeführt werden, damit die Mißverständnisse zwischen ihren Regierungen auf einem
Minimum gehalten werden.

Dies, meine Damen und Herren, sind die Wege zum

Vertrauen in die Sicherheit und Prosperität der demokratischen Industriestaaten, die sich in der Bruderschaft des atlantischen Bündnisses zusammengeschlossen haben.

- 16 -

�15. Dezember 1982

49

US-JOURNALIST WARNT VOR GLEICHSETZUNG DER USA MIT DER UDSSR

WASHINGTON -(AD)- Der amerikanische Journalist David Satter hat davor gewarnt,
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion einfach gleichzusetzen.

Vor dem

Europa-Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses
sprach der frühere Moskau-Korrespondent der Londoner "Financial Times" und
Sonderkorrespondent für sowjetische Angelegenheiten des "Wall Street Journal"
über seine sechsjährigen Erfahrungen in der Sowjetunion.
Nachfolgend die wesentlichen Auszüge aus diesen Darlegungen:
Als ich im März nach sechs Jahren in der Sowjetunion in die Vereinigten
Staaten zurückkehrte, gehörte zu den Überraschungen, die mich erwarteten, die
weitverbreitete Auffassung in den USA, die Russen seien Menschen "genau wie wir".
Logische Folgerung dieser Ansicht war die Vorstellung, daß die Sowjets,
wenn wir nur unsere militärische Stärke abbauen, ihre ebenfalls abbauen werden;
wenn wir unseren Einfluß in der Welt nicht aufrechterhalten, dann werden sie
ihren Einfluß nicht weiter ausdehnen; und wenn wir den Fluß von Getreide und
Technologie nach der Sowjetunion verstärken, dann werden die Sowjets dem Handel
die oberste Priorität einräumen.
Wenn man sowohl in der Sowjetunion als auch in den Vereinigten Staaten
Staaten gelebt hat, dann hat man das Leben in zwei v ö l l i g verschiedenen Welten
e r l e b t , die von zwei v ö l l i g unterschiedlichen Mentalitäten getragen werden.
Die Auffassung, die Sowjets seien Menschen "genau wie w i r " , entspringt sicherlich
dem besten Willen, aber wir werden die Sicherheit der Vereinigten Staaten
jgfäjTrclejT^ejTnjjjyfn^ej^|o^^

der Vergangenheit,

acn zu VÖ uu i ei.: u^ö-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Vergangenheit, auf diese falsche Vorstellung gründen.
Nur allzu selten wird die Tatsache berücksichtigt, daß sich die Sowjetunion von den Vereinigten Staaten dahingehend unterscheidet, daß sie sich
auf eine Ideologie gründet, die, wie eine Religion, von sich behauptet, die
ganze Welt erklären zu können.

Der innere Aufbau des sowjetischen Staates

und seine Außenpolitik gehen davon aus, daß die sowjetische Führung niemals
Unrecht haben kann.
Diese Struktur wiederum findet ihre grundlegende Unterstützung in der
ideologischen Mentalität des sowjetischen Volkes.

Eine Regierung, die sich

selbst als unfehlbar erklärt hat, wird von einem Volk unterstützt, das ein
williges Werkzeug der imperialistischen Pläne seiner Führer ist.
Ich möchte kurz auf die Unterschiede in der Psychologie der sowjetischen
Bürger und der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten eingehen, weil aiese
Unterschiede, wie ich glaube, deutlich die Gefahren aufzeigen, die darin liegen,
die sowjetische Regierung oder die sowjetischen Bürger nach unserem Bilde zu
sehen und diese falschen Vorstellungen dann zur Grundlage unserer Politik zu
machen.
Kurz bevor ich Moskau verließ, traf ich mit Leonid Borodin, einem Schriftsteller und russischen Nationalisten, zusammen, der seither wegen politischer
Beschuldigungen vom Geheimdienst KGB verhaftet worden ist.
Er sagte mir, daß nach seiner Meinung der Hauptunterschied zwischen Sowjetbürgern und Amerikanern darin bestehe, daß die Amerikaner von Dingen träumten,
die erreichbar sind: einem großen Haus im Vorort, einem Sportwagen, teuren
Kleidern oder einer Privatjacht, während der Sowjetbürger, für den diese Dinge
unerreichbar sind, vom Sieg des Weltkommunismus und vom Ende der Ausbeutung des
Menschen durch den Menschen träume.
Der Sowjetbürger

- 2 -

�Der Sowjetbürger mag gar keine Vorstellung davon haben, was Weltkommunismus
bedeutet oder auch nur, was kapitalistische Ausbeutung wirklich bedeutet, aber
allein die Idee, an einer großen historischen Bewegung beteiligt zu sein, gibt
seinem Leben einen Sinn, das sonst unglaublich trostlos und schwierig wäre.
Die Bereitschaft der Sowjetbürger, sich einer Idee zu unterwerfen, so wenig
sie diese Idee auch wirklich verstehen mögen, bedeutet, daß die sowjetischen
Führer in ihrem Handeln nicht durch eine demokratische öffentliche Meinung
begrenzt werden.
Im Gegensatz zu Amerikanern zollen die Sowjetbürger der Obrigkeit instinktiv
Ehrerbietung.

Fast alle Sowjetbürger sind sich darüber im klaren, daß ihnen

die volle Kenntnis der übrigen Welt fehlt, aber sie akzeptieren diesen
Informationsmangel als etwas, was man nicht ändern kann, wie etwa das Wetter.
Wenn ein Sowjetbürger im privaten Gespräch etwas gegen die sowjetische
Politik einwendet, dann erhält er die typische Antwort: "Du kennst doch nicht
alle Fakten. Nur die Regierung kennt alle Fakten, Du bringst nur eine
subjektive Meinung zum Ausdruck".
Mit der Ehrerbietung geht die Geduld einher. Der Sowjetbürger betrachtet
die Probleme seiner Gesellschaft wie seine eigenen. Wenn der Lebensstandard
sinkt und die Regierung erklärt, man brauche Geld, um ein neues Flugzeug zu
bauen, dann gibt es keinen Widerspruch gegen das Motto der Regierung: Kanonen
statt Butter. Gutes Essen ist ein Luxus. Ein neues Flugzeug wird von jedermann
als etwas Notwendiges betrachtet.
Wenn sich ein Käufer in einem Laden auf dem Lande beschwert, weil zu dem
seit langem bestehenden Mangel an Fleisch auch noch ein Mangel an Milch, Butter
und Gemüse gekommen ist, dann wird der Verkäufer wahrscheinlich antworten: "Wir
werden es überstehen, wir haben schon Schlimmeres überstanden".
Die ideologische

- 3 -

�Die ideologische Mentalität des Sowjetbürgers und seine Bereitschaft, alle
Aspekte des Lebens dem Diktat einer Idee zu unterwerfen, die er nicht einmal
begreift, ist der Grund für die einem Amerikaner so unvorstellbare Tatsache,
daß, je schlechter die Sowjetbürger leben und je mehr sie unterdrückt werden,
sie desto hingebungsvoller an die sowjetische Macht sind.
Nachdem ich sechs Jahre in der Sowjetunion gelebt habe, scheint es mir
heute, daß die Vereinigten Staaten die Natur des Kommunismus niemals begriffen
haben - weder, als wir ihn in Vietnam in Stücke zu sprengen versuchten, noch,
als wir versuchten, in der Ära der Entspannung diese mit Getreide und Technologie
zu kaufen.
Wir haben einfach nie richtig begriffen, daß die Macht der Sowjetunion und
ihre Expansionsfähigkeit nicht den militärischen und politischen Instrumenten zu
verdanken sind, die in der Vergangenheit Imperien aufgebaut haben, sondern dem
Erfolg einer Idee und dem Wunsch der Menschen in der ganzen Welt, ein Bezugssystem zu finden, das ihrem Leben Sinn und Bedeutung verleiht.
\

Viele Menschen in den Vereinigten Staaten sind geneigt, die Anziehungskraft
des Kommunismus und die Ansprüche des sowjetischen Regimes ins Lächerliche zu
ziehen. Und entsprechend der geringen Meinung, die sie von der sowjetischen
Ideologie haben, sind augenscheinlich auch manche amerikanische Regierungsvertreter zu dem Schluß gekommen, die militärische Macht sei die einzige Quelle
der Kraft der Sowjetunion. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.
Wie absurd die Ideologie des Kommunismus aus der Distanz betrachtet auch
sein mag, so vermittelt sie ihren Anhängern doch das Gefühl des Sinnvollen und
gibt scheinbar selbst dem einfachsten Menschen den Eindruck, sein Leben habe
eine besondere Bedeutung - und erfüllt, obgleich auf trügerische Weise,dadurch
ein grundlegendes geistiges Bedürfnis.
Unser Fehler

- 4 -

�Unser Fehler besteht darin, die Bedeutung der Ideologie der Sowjetunion
nicht zu erkennen - und zwar sowohl für die Aufrechterhaltung der kommunistischen
Macht in der Sowjetunion, als auch für die Verbreitung des Kommunismus im
Ausland.

Dies ist der grundlegende Fehler der amerikanischen Politik gegenüber

der Sowjetunion.
Es ist die Unfähigkeit, die Bedeutung von Ideologie in dieser Welt zu
verstehen, die der Grund dafür ist, daß wir eine Situation haben eintreten
lassen, in der die Sowjetunion geneigt ist, ihren Einfluß auf immer größere
Bereiche der entwickelten und der unterentwickelten Welt auszudehnen.
Unsere Politik scheint nicht gewillt einzusehen, daß in einer Welt ohne
Glauben die Idee des Kommunismus eine gewaltige Stärke erreicht hat.
Diese
Ideologie kann weder militärisch besiegt werden, noch können ihre Anhänger
durch Bestechung dazu gebracht werden, sie aufzugeben. Sie kann nur auf eine
einzige Weise besiegt werden - indem man sie mit einer Idee konfrontiert,
die besser ist.
Die Ironie des Schicksals will es, daß wir - trotz der seit langem
andauernden ideologischen Passivität Amerikas - herausfinden würden, daß der
sowjetische Totalitarismus äußerst verwundbar ist, wenn wir nur erst versuchen
würden, uns der Sowjetunion im ideologischen Bereich ernsthaft zu stellen.
Ein grundlegendes Charakteristikum des sowjetischen Staates - aber in
nur ungenügendem Maß im Westen erkannt - besteht in dem-fortwährenden Versuch,
einen unechten Ersatz für die Realität zu schaffen.
Die Sowjets schaffen sich ihre Tatsachen, denn wann immer die Vorhersagungen des Marxismus-Leninismus, auf den sich der sowjetische Staat ja
gründet, durch die Wirklichkeit widerlegt wurden, verschwand das
Regime, das deren überbau ja war, deswegen noch lange nicht.

Es begann

einfach Massenterror einzusetzen, um so die Realität zu verändern.
In den Jahren

�In den Jahren nach der Revolution wurde aus dem Willen, die Realität
umzuformen, in der Praxis einfach der Entschluß, überall Gewalt einzusetzen,
um so den Schein zu wahren. Unter den Augen einer ungläubigen Welt erstand
in der Sowjetunion ein ganzes Bündel scheinbar kopiegetreuer Imitationen
demokratischer Institutionen - Gewerkschaften, die das Management verteidigten,
Zeitungen, die keine Informationen enthielten, Gerichtshöfe, an die man sich
nicht wenden konnte und ein Parlament, das immer nur die Regierung unterstützte.
Der Terror trat in der Sowjetunion zurück, aber die Welt des Scheins,
die der Terror erschaffen hatte, blieb bestehen - am Leben erhalten durch
die inneren Triebkräfte der Bürokratie und durch die Furcht. Für die
Amerikaner wird dies in personifizierter Form sichtbar in dem westlichen
Auftreten und Verhalten der "Akademiker" des USA-Instituts, wo Sowjetologen,
Journalisten und Kongreßmitglieder empfangen werden, die sich dort zu einem
Besuch aufhalten.
Das ganze Netz "demokratischer" Institutionen der Sowjetunion kann bei
etwas genauerer Kenntnis der inneren Lage der Sowjetunion, als das beschrieben
werden, was es ist - als Illusion.
Dies ist potentiell von großer Bedeutung, denn - so paradox es auch
scheinen mag - angesichts der gewaltigen militärischen Aufrüstung der Sowjetunion ist unser Wettbewerb mit der Sowjetunion im Wesentlichen eine Schlacht
um Geist und Verstand der Menschen ...
Die Einleitung einer ideologischen Gegenoffensive, seit nunmehr 65 Jahren
überfällig, bietet uns die größte Hoffnung darauf, dem Kommunismus ohne Krieg
Einhalt gebieten zu können. Das einzige, was erforderlich ist, wenn die
Vereinigten Staaten wirklich ernsthaft in diesen Wettbewerb um den Geist der
Menschen in allen Ländern dieser Welt, die Sowjetunion einbezogen, eintreten
wollen, ist eine klare Vorstellung von dem, wofür wir uns einsetzen.
Was immer
- 6 -

�Was immer wir auch vom Kommunismus halten mögen, so müssen wir doch
erkennen, daß er versucht, eine Antwort auf die grundlegenden Fragen
bezüglich der Natur der Geschichte und der Quelle unserer Wertvorstellungen
zu geben, Fragen also, mit denen sich die Menschheit zumindest seit Beginn
der uns schriftlich überlieferten Geschichte auseinandergesetzt hat.
Wenn unsere Vorstellung von einer ideologischen Gegenoffensive in dem
Versuch bestehen sollte, dieselbe Begeisterung für die freie Wirtschaft
hervorzurufen, wie sie die Kommunisten für den Sozialismus entfachen können,
dann wäre unser einziger Erfolg, daß wir uns lächerlich machten.
Der Kapitalismus bedarf der Werte, die ihn in Schranken halten und ihn
lenken.

Nie kann er die Quelle solcher Werte selbst sein.

Um auf die Herausforderung des Kommunismus zu reagieren, müssen wir
tiefer gehen - zu den christlich-judäischen Morallehren, die die Grundlage
unserer Zivilisation sind, denn der fundamentale Konflikt in dieser Welt
besteht nicht zwischen Kapitalismus und Sozialismus, nicht einmal zwischen
Freiheit und Totalitarismus.
Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ist
im wesentlichen einfach ein Konflikt zwischen zwei unterschiedlichen
Vorstellungen davon, was Recht und Unrecht ist.
Die amerikanische Antwort auf den sowjetischen Totalitarismus sollte
zweierlei beinhalten. Einmal sollte klargestellt werden, daß der
Kommunismus die von ihm versprochene gerechte Gesellschaft nicht geschaffen
hat und daß die Sowjetunion nur dadurch sich einen solchen Anschein geben
kann, daß sie ein System zwanghafter Lügen aufrechterhält. Das kann nachgewiesen werden.
Zum zweiten

�Zum zweiten - und wichtigsten - sollte gezeigt werden, daß die
amerikanische Demokratie - auch wenn die amerikanische Regierung nicht
vorgeben wird,unfehl bar zu sein - in den universellen christlichjudäischen Werten verwurzelt ist, die den "Klassen-Werten" des MarxismusLeninismus überlegen sind.
In diesen Werten ausgedrückt, kann die Aufgabe der Vereinigten Staaten
in der Welt als ihrer Natur nach so ehrenhaft gesehen werden, wie sie es
ist...

+ + +

- 8 -

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
15. Dezember

A9

iy«z

KONTROLLE VON CHEMIKALIEN
Strenge Bestimmungen des US-Amtes für Umweltschutz -

- (AD) - Die Überwachung handelsüblicher chemischer Substanzen ist ein
wichtiger Aspekt der Umweltschutzprogramme der Vereinigten Staaten. Wie
Anne Gorsuch, die Leiterin der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA,
kürzlich auf einer Tagung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris berichtete, gibt die Regierung der
Vereinigten Staaten im laufenden Jahr 13,6 Milliarden Dollar für Umweltprogramme aus. Diese Gelder sind jedoch nur eine Art Katalysator für die
enormen Anstrengungen, die die einzelnen Bundesstaaten, die Kommunen und
die Privatwirtschaft unternehmen, um die Belastung der Umwelt mit Schadstoffen zu begrenzen und zu verringern.

Auf staatlicher und kommunaler

Ebene sind 70 000 Personen mit der Durchführung entsprechender Programme
beschäftigt.

Die Industrie wendet pro Jahr 50 Milliarden Dollar auf, um

den Auflagen der Bundesregierung zum Schutz der Umwelt nachzukommen.
Das Programm zur Überwachung der auf den Markt kommenden Chemikalien
wird durch eine Reihe von Gesetzen geregelt.

Zu diesen gehört z.B. das

RCR-Gesetz ("Resource Control and Recovery Act") zur Kontrolle fester sowie
gefährlicher Abfälle, die durch Verbrennen oder Vergraben vernichtet werden.
Dazu gehört ferner der Ende 1980 geschaffene Sonderfonds ("Superfund"), mit
dem das Auffinden und die Räumung von Deponien mit gefährlichen Abfällen
und Sofortmaßnahmen in Katastrophenfällen, bei denen derartige Materialien
frei werden, finanziert werden.

Der Fonds, der in fünf Jahren auf ca.

1,6 Milliarden Dollar anwachsen soll, wird in erster Linie durch Abgaben

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�durch Abgaben der chemischen Industrie gespeist.

Die Besteuerung ihrer

Produkte ergibt einen Anteil von 86 Prozent, die restlichen 14 Prozent
kommen aus den allgemeinen Steuereinnahmen.

Die einzelnen Bundesstaaten

übernehmen bei Räumaktionen in ihrem Bereich mindestens zehn Prozent der
Kosten.
Diese Art der Finanzierung wird jedoch nur dann angewandt, wenn der
Verursacher nicht ausfindig zu machen ist.

Bei 106 von ca. 400 Deponien,

die nach bisheriger Kenntnis vordringlich aufgelöst werden müssen, sind
entsprechende Aktionen eingeleitet, zum Teil bereits abgeschlossen.

Kommt

ein Verursacher den Weisungen zur Räumung der Deponie nicht ordnungsgemäß
nach, wird der Fall den Gerichten übergeben.
anhängig;

Z. Zt. sind 43 solcher Fälle

in 21 weiteren Fällen hatten die Verursacher 37 Millionen Dollar

zu den Räumungskosten beizusteuern.
Das Gesetz zur Reinhaltung der Gewässer verlangt, daß innerhalb bestimmter
Fristen Richtlinien für insgesamt 24 verschiedene Kategorien von Industrien
über das Einleiten von Chemikalien in Gewässer ausgearbeitet werden.

Bei

Amtsübernahme der Regierung Reagan lagen diese erst für eine Branche vor.
In den letzten sechs Monaten sind die Richtlinien für elf weitere Branchen
erlassen worden, die restlichen folgen in den kommenden zwei Jahren.
Das "Bundesgesetz für Insektizide, Fungizide und Gifte zur Beseitigung
von Kleinnagetteren" gilt sowohl für neue als auch bereits eingesetzte
Präparate. Seit der Amtsübernahme der Regierung Reagan wurden Rückstände
bei der Registrierung von Pestiziden aufgeholt, einheitliche Prüfnormen für
neue Pestizide vorgeschlagen und die eingeführten Pestizide zur Neuregistrierung überprüft. Ab 1985 wird es für 75 Prozent der in den Vereinigten
Staaten angewandten Pestizide einheitliche Verfahren zur Registrierung geben.
Die Kontrollen zählen zu den strengsten Überwachungsmethoden in der Welt.
Das wichtigste

- 2 -

�Das wichtigste Instrument für die Kontrolle von Herstellung, Verarbeitung
und Anwendung kommerzieller Chemikalien ist jedoch das "Gesetz zur Kontrolle
toxischer Substanzen" (TSCA - Toxic Substances Control Act). Zusammen mit dem
RCR-Gesetz bildet es, weltweit gesehen, das wohl umfassendste System zur
Regelung des Umgangs mit chemischen Stoffen.

Hauptziel des TSC-Gesetzes

seit seiner Verabschiedung im Jahr 1976 ist es, sicherzustellen, daß handelsübliche Chemikalien - so vorteilhaft sie in vieler Hinsicht sein mögen nicht auf Kosten der menschlichen Gesundheit oder der Umwelt eingesetzt werden.
Inzwischen wurden komplette Listen "neuer" und "existierender" HandelsChemikalien aufgestellt, die auch als eine Richtschnur für die "chemische
Inventurliste" der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gelten. Für die
Prüfung neuer Chemikalien wurden verwaltungstechnische Verfahren ausgearbeitet,
wissenschaftliche Fachkräfte gewonnen und Methoden entwickelt, um mögliche
Risiken im voraus zu erkennen. In knapp zwei Jahren gingen Meldungen über die
geplante Herstellung von 1700 neuen Chemikalien bei der EPA ein. Auf Grund
der daraufhin eingeleiteten Untersuchungen zu bisher 800 Präparaten wird in
einigen Fällen über freiwillig durchzuführende Tests verhandelt. In einer
Anzahl anderer Fälle erklärten sich die Hersteller mit Fabrikationskontrollen
einverstanden. In vier Fällen wurden Tests zur Auflage gemacht, drei
Meldungen wurden von der Industrie zurückgezogen. Auf Grund gegenwärtig
gültiger Vereinbarungen sind außerdem in den kommenden zwei Jahren die
Ergebnisse von mehr als 400 Testreihen der Industrie zu erwarten.
In Bezug auf die "existierenden" Chemikalien wurden kürzlich neue
Anstrengungen unternommen, um systematisch 1) mögliche Risiken ausfindig zu
machen und zu bewerten; 2) zu entscheiden, ob bestimmte Chemikalien auf
Wirkungen in Bezug auf Gesundheit und Umwelt getestet werden müssen;
3) zu entscheiden, ob zur Verringerung von Risiken Maßnahmen ergriffen werden
müssen, und falls dies zutrifft, welcher Art sie sein sollen und wie sie zu
realisieren sind.
Informationsblätter

- 3 -

�Informationsblätter über Gefahrenmerkmale von mehr als 35 spezifischen
Chemikalien wurden inzwischen ausgearbeitet. Außerdem liegen die Ergebnisse
von vier ausgewählten, vorrangig überprüften Chemikalien vor, die die Basis
für bevorstehende Kontrollmaßnahmen abgeben sollen. In Verbindung mit einem
flexiblen, an den Hauptproblemen orientierten und rasch reagierendem System
erlangten die Vereinigten Staaten auf diese Weise einen Erfahrungsschatz, der in
in der Welt seinesgleichen sucht. Die unterschiedlichen Merkmale der verschiedenen Kategorien von Chemikalien bestimmen die Art der Überprüfung und der Tests.
Generell hat sich gezeigt, daß Einheitsvorschriften ein Hindernis sind,
um die vom Gesetz gesteckten Ziele zu erreichen. Die Umweltschutzbehörde
machte z.B. die Erfahrung, daß gleichförmige, starre Meldevorschriften für neue
Chemikalien (die Meldung hat nur einmal zu erfolgen) bei unbedenklichen
Präparaten eine unnötige Belastung, in anderen Fällen dagegen eine Gelegenheit
darstellen, Chemikalien ohne gebührende Prüfung in den Handel zu bringen. Aus
diesem Grund wird die Meldepflicht für praktisch unbedenkliche neue Chemikalien
erleichtert, für Chemikalien mit anderen Inhaltssubstanzen dagegen verschärft.
Auf jeden Fall soll sichergestellt werden, daß der Gebrauch von Chemikalien
mit dem Gesundheitsschutz Hand in Hand geht.
Dieser Grundsatz bestimmt auch die Haltung der USA bei internationalen
Anstrengungen zum Schutz der Umwelt, insbesondere im Rahmen der OECD. Die
von der OECD ausgearbeiteten Initiativen und Programme, z.B. Testrichtlinien,
Laborpraktiken, Schaffung einer Kommission für die Datenaktualisierung und die
gemeinsame Anerkennung von Daten werden von den Vereinigten Staaten übernommen
bzw. eingeführt. Dies erwarten die USA auch von den anderen OECD-Ländern.
Sie sind überzeugt, daß alle Mitgliedstaaten von einer intensiven Oberprüfung
profitieren und Erfahrungsaustausch allen die Möglichkeit gibt, gemeinsame
Zielsetzungen zum Schutz der Öffentlichkeit von jeder Art von Gesundheitsrisiken besser zu realisieren.
+ + +

- 4 -

�ainIERlIKt\

1Dl El11!513

Wi/sen/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America
15. Dezember 1982

49
GIFTEN AUF DER SPUR

- Leckstellen in Sondermüll-Deponien mit Elektroverfahren auffindbar

- (AD) - Ein seit Jahren im Bergbau übliches Elektroverfahren zum
Auffinden seltener Erze, bei dem man die unterschiedliche elektrische Leitfähigkeit von Mineralien gegenüber dem Muttergestein nutzt, scheint auch
geeignet zu sein, Sickerstellen in Deponien für toxische Abfälle ausfindig
zu machen.

Dr. Donald Stierman, Geophysiker an der Universität Kalifornien

in Riverside, entdeckte und lokalisierte auf diese Weise das Leck einer schon
seit längerer Zeit umstrittenen Sondermülldeponie in Südkalifornien, die von
Geologen für absolut undurchlässig gehalten wurde.

Siebzehn Jahre lang waren

dort stark säurehaltige toxische Chemikalien abgelagert worden.

Niemand wollte

zunächst von Befürchtungen etwas wissen, daß von dort aus das Grundwasser verseucht werden könnte, bis Stierman aufgrund von Leitfähigkeitsmessungen durchlässige Stellen im Gestein fand.

Daraufhin vorgenommene Ausschachtungsarbeiten

bestätigten seine Meßergebnisse:

Die "Stringfellow-Säuregruben" in der Nähe von

Riverside hatten ein riesiges Leck.

Man versuchte, das bräunliche Wasser von

der Deponiesohle abzupumpen, ehe es Grundwasser in größerem Umfang verderben
konnte.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA schätzt, daß es in den

Vereinigten Staaten etwa 50 000 Deponien mit gefährlichen Abfallstoffen gibt.
Annahmen zur unterirdischen geologischen Beschaffenheit basierten bisher
in erster Linie auf der Bestimmung von Oberflächenstrukturen und auf der
Analyse von Bohrproben, die stichprobenartig verschiedenen Stellen entnommen
wurden.

Die Klärung eines Verseuchungsproblems war deshalb oft recht schwierig

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�recht schwierig und in vielen Fällen eher von Intuition und Glück als von
gezielter Suche abhängig.

"Die elektrischen Leitfähigkeitstests erlauben uns

jedoch, in die Tiefe zu sehen, ohne daß wir bohren müssen", erklärt Stierman.
"Bohren ist teuer und im Ergebnis sehr begrenzt. Es kostet mindestens
1 000 Dollar pro Tag".
Dies entspricht etwa dem Preis für die gesamte Ausrüstung, die für die
Leitfähigkeitsmessungen erforderlich ist.

Bei dem Verfahren macht man sich

die Tatsache zunutze, daß Gesteine sehr schlechte, verseuchtes Wasser und Erze
dagegen sehr gute elektrische Leiter sind.

Mit jeweils zwei in den Boden

eingelassenen Elektrodensätzen wird die elektrische Leitfähigkeit an verschiedenen Stellen gemessen. Der elektrische Strom folgt dem Weg mit dem geringsten
elektrischen Widerstand, beispielsweise mit Schadstoffen belastetem Wasser.
Auf diese Weise lassen sich unterirdische Wasserläufe regelrecht kartieren.
"Verseuchungsprobleme bei Deponien stehen zu 98 Prozent mit Wasser in Verbindung", meint Stierman.

Es sei das Wasser, das Schadstoffe weitertransportiere.

Mit dem Leitfähigkeits-Meßverfahren lasse sich rasch und unter geringem Kostenaufwand das Gebiet eingrenzen, das genauer untersucht werden müsse.

Zwei

Leute könnten in drei Tagen ein mehrere Hektar großes Gebiet untersuchen.
Die von Stierman in der Zwischenzeit durchgeführten Tests konzentrieren
sich darauf, festzustellen, wo die Empfindlichkeitsgrenzen des erwähnten
Verfahrens und anderer elektrischer Methoden liegen. Er möchte außerdem
herausfinden, ob das Verfahren dazu benutzt werden kann, bestimmte Schadstoffe
bis zu ihrer Quelle zurückzuverfolgen. Ergebnisse dazu wurden noch nicht
bekannt.

+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan sieht sowjetische Verhandlungsbereitschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Proklamation zum Tag der Menschenrechte und der Verfassungsrechte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan proklamiert Tag der Solidarität mit Polen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Gesundheit des Bündnisses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Botschafters vor der Deutschen Atlantischen Gesellschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Journalist warnt vor Gleichsetzung der USA mit der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kontrolle von Chemikalien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Strenge Bestimmungen des US-Amtes für Umweltschutz -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Giften auf der Spur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Leckstellen in Sondermüll-Deponien mit Elektroverfahren auffindbar -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nrormouon
JiX«

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

50

22.

Dezember 1982

INHALT

-

DOKUMENTATION
USA wollen t o t a l e Beseitigung der nuklearen Mittelstreckenraketen
- Erklärung des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums Amerikanisch-sowjetisches Kommunique zur Überprüfung des ABM-Vertrages
Kampelman f o r d e r t Moskau erneut zur Einhaltung des Helsinki-Prozesses
auf

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Menschenrechte und die Methode der Gewalt
- Von Jeane Kirkpatrick, Botschafterin der USA bei den UN Volkstribunal verurteilt sowjetische Massaker in Afghanistan

WIR WÜNSCHEN UNSEREN BEZIEHERN EIN
FROHES UND GESEGNETES WEIHNACHTSFEST
UND EIN
FRIEDLICHES UND ERFOLGREICHES NEUES JAHR

Belegexemplaren

D 5300 Bonn 2

Telex:

8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Dezember 1982

50

USA WOLLEN TOTALE BESEITIGUNG DER NUKLEAREN MITTELSTRECKENRAKETEN
- Erklärung des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 16. Dezember 1982
bekräftigt, daß sie eine "völlige Beseitigung" der landgestützten nuklearen
Mittel Streckensysteme (INF) anstrebt.

In einer an diesem Tag vom Weißen Haus

und vom amerikanischen Außenministerium herausgegebenen Erklärung wird betont,
daß die Vereinigten Staaten trotü des unzureichenden sowjetischen Vorschlages,
der der UdSSR das Monopol an modernen Mittelstreckenraketen ließe, ernsthaft
mit Moskau weiterverhandeln werden.
Die Presseerklärung hat folgenden Wortlaut:
Wie Sie wissen, haben die Vereinigten Staaten die totale Beseitigung
der amerikanischen und sowjetischen landgestützten weiterreichenden nuklearen
Mittelstreckenraketen (INF), d.h. die Null-Null-Lösung, vorgeschlagen. Wie
Sie ferner aus öffentlichen sowjetischen Erklärungen wissen, haben die Sowjets
vorgeschlagen, daß nach fünf Jahren die UdSSR und die NATO auf eine Obergrenze
von 300 Nuklearraketen und Flugzeugen "mittlerer Reichweite" in Europa oder
"für den Einsatz in Europa vorgesehen" abbauen, wobei die britischen und französischen Streitkräfte eingeschlossen sein sollen.

Dieser altbekannte Stand-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�altbekannte Standpunkt, der im Grunde unverändert bestehen bleibt, würde es
den Sowjets erlauben, ihr Monopol gegenüber den Vereinigten Staaten an weiterreichenden INF-Raketen, vor allem ihre mobilen SS-20-Raketen mit drei Gefechtsköpfen in Europa und im asiatischen Rußland, aufrechtzuerhalten.

Die Zahl

der derzeit dislozierten SS-20 liegt bei 333 Abschußeinrichtungen.
Eine Zwischenobergrenze bei Raketen, wie sie kürzlich in der Presse
erwähnt wurde, würde höchstens einen Abbau einiger dieser hochmobilen Systeme
in Europa oder "für den Einsatz in Europa vorgesehen" erfordern, während wir
völlig auf unsere, beginnend Dezember 1983, vorgesehenen Dislozierungen von
PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern verzichten müßten.
Das würde den Sowjets ein beträchtliches Monopol an weitreichenden landgestützten INF-Systemen gegenüber dem Westen belassen, den Gesamtstand der sowjetischen Systeme nicht einschränken* die Nuklearstreitkräfte anderer Länder in
die bilateralen Verhandlungen hineinziehen und wäre völlig unzureichend als
Lösung des INF-Problems, da es die politische und militärische Bedrohung des
Bündnisses durch weiterreichende sowjetische INF-Raketen nicht beseitigen würde.
Wir werden die Verhandlungen ernsthaft weiterführen.

Im Laufe dieser

Verhandlungen haben wir und die Sowjets unsere Positionen in formellen und informellen Kontakten näher dargelegt. Wir werden den sowjetischen Standpunkt
weiter prüfen,und dieser wird zu den Dingen gehören, die wir besprechen werden,
wenn am 27. Januar die nächste Verhandlungsrunde beginnt.
Wir haben unsere Verbündeten über die laufenden Verhandlungen voll informiert. Wir und unsere Verbündeten haben auf drei NATO-Tagungen in jüngster
Zeit auf der Ebene der Außenminister oder der Verteidigungsminister bekräftigt,
daß die Null-Null-Lösung das beste Rüstungskontrollergebnis ist und bleibt,
da sie die Systeme, die für beide Seiten die größten Besorgnisse verursachen,
beseitigen würde. Der Präsident und seine Administration sind voll und ganz
überzeugt, daß dieser sorgfältig ausgearbeitete Vorschlag vernünftig ist. Kein
anderer könnte für alle Betroffenen fairer sein.

+ + + + +

�I7TT37

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

22. Dezember 1982

50

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES KOMMUNIQUE ZUR ÜBERPRÜFUNG
DES ABM-VERTRAGES

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
den Abschluß ihrer Überprüfung des Vertrages über Raketenabwehr-Raketen (ABMVertrag) von 1972 bekanntgegeben. Die Überprüfung fand vom 9. November bis
15. Dezember 1982 in der Ständigen amerikanisch-sowjetischen Konsultativkommission in Genf statt.
Das dazu am 15. Dezember in Genf veröffentlichte gemeinsame amerikanischsowjetische Kommunique hat folgenden Wortlaut:
Gemäß den Bestimmungen von Artikel XIV des Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
über die Begrenzung von Raketenabwehr-Raketen-Systemen (ABM) vom 26. Mai 1972,
der am 3. Oktober 1972 in Kraft trat und durch das Zusatzprotokoll vom 3. Juli
1974 ergänzt wurde, haben die Vertragspartner nach der zweiten Fünfjahresperiode
seines Bestehens zusammen eine Überprüfung des Vertrages vorgenommen.

Durch

Übereinkommen zwischen den Vertragspartnern wurde die Überprüfung vom 9. November 1982 bis 15. Dezember 1982 in einer Sitzung der zu diesem Zweck besonders einberufenen Ständigen Konsultativkommission vorgenommen.
Im Zuge

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Im Zuge der Überprüfung haben die Vertragspartner die Präambel und
die Artikel des Vertrages und des Protokolls sorgfältig untersucht und ihre
Verwirklichung in dem von der Überprüfung erfaßten Zeitraum bewertet.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben jeder ihre Verpflichtung auf die Ziele und Zwecke des Vertrages sowie auf den Konsultationsprozeß im Rahmen der Ständigen Konsultativkommission bekräftigt, um die Verwirklichung der Ziele und Bestimmungen des Vertrages und des Zusatzprotokolls
vom 3. Juli 1974 zu fördern.

+ + + + +

- 2 -

�22. Dezember 1982

50

KAMPELMAN FORDERT MOSKAU ERNEUT ZUR EINHALTUNG DES HELSINKI-PROZESSES AUF

MADRID - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der KSZENachfolgekonferenz in Madrid, Botschafter Max Kampelman, hat die Sowjetunion
erneut aufgefordert, sich ohne Vorbehalt für die Einhaltung des Prozesses von
Helsinki und für eine dritte Nachfolgekonferenz einzusetzen.

Kampelman sprach

am 15. Dezember 1982 auf einem informellen Treffen der KSZE-Delegationschefs
in der spanischen Hauptstadt.

Eine solche Verpflichtung Moskaus, so sagte er,

würde dazu beitragen, die Luft zu reinigen und das Vertrauen in die gegenwärtige Nachfolgekonferenz wiederherzustellen.

Die Konferenz hat sich inzwi-

schen bis zum 8. Februar 1983 vertagt.
Die Rede Kampelmans hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, es kann möglich sein, daß ich auf der Plenarsitzung
der Konferenz, die für diesen Freitag angesetzt ist, nicht anwesend bin. Daher möchte ich diese Gelegenheit benutzen, um die Ansicht der amerikanischen
Delegation kurz darzulegen, wo diese Phase unseres Treffens zum Abschluß
kommt.
Obwohl wir

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Obwohl wir darüber enttäuscht sind, daß wir noch keine Einigung erzielt
haben, war dies doch in mancher Hinsicht eine positive sechswöchige Periode,
wenn sie allerdings auch bedeutsame negative Aspekte aufzuweisen hatte.

Eine

Gruppe von Staaten, der wir uns angeschlossen haben, hat eine Reihe von Änderungen für das Papier RM-39 vorgeschlagen, die unsere Ansichten darüber wiedergeben, was denn zu einem ausgewogenen und wesentlichen Abschlußdokument beitragen könnte.
Viele dieser Änderungen sind inzwischen ernsthaft erörtert worden.
ist schon an sich ein positives Zeichen.

Das

Unsere Erörterungen haben es ferner

deutlich werden lassen, daß die hier vertretenen Delegationen das Dokument
RM-39 in verä'ndeter Form als eine vereinbarte Basis für die Fortsetzung unserer
Arbeit ansehen.

Auch das ist ein positives Zeichen.

Darüber hinaus haben wir in ernsthaften, wenn auch mehr informellen
Diskussionen eingehend sondiert, wie ein Mandat erreicht werden kann, das zu
einer Konferenz über Sicherheit und Vertrauensbildende Maßnahmen führen würde.
Hinsichtlich dieses Mandats gibt es noch einen wesentlichen Punkt, der uns immer noch trennt:

nämlich eine Entscheidung über eine klare und genaue Defini-

tion der Anwendungszone dieser Maßnahmen.

Die Tatsache, daß wir unsere ent-

sprechenden Positionen geklärt haben und dadurch möglicherweise einer Einigung
nähergekommen sind, ist eine positive Entwicklung.
Diese Phase unserer Konferenz hat uns ferner die Möglichkeit geboten,
die Dimensionen der anderen Schwierigkeiten, denen wir uns hier gegenübersehen,
näher zu definieren und vielleicht besser zu verstehen. Auch in diesem Zusammenhang waren informalle Gespräche nützlich. Unsere unterschiedlichen Vorstellungen hinsichtlich der Menschenrechte haben eine große Kluft zwischen uns
aufgezeigt. Ein großer Teil unseres Meinungsaustausches über humanitäre Anliegen waren konstruktiv und nützlich und werden, wie wir hoffen, zu einer Einengung einiger unserer textlichen Differenzen führen. So hat beispielsweise
meine Delegation das Gefühl, daß unsere Position und unsere Forderungen von
anderen hier anwesenden Delegationen voll verstanden werden, ob es nun schon
eine Übereinstimmung zwischen uns gibt oder nicht. Auch das halten wir für
- 2 -

�wir für ein positives Zeichen, wie auch die gestrige Erklärung des Leiters
der sowjetischen Delegation, daß unsere "Meinungsunterschiede nicht unüberwindbar sind."
Unsere Beurteilung wäre natürlich weitaus positiver, wenn wir überzeugt
sein könnten, daß sich andere Delegationen konstruktiv mit unseren Besorgnissen
auseinandersetzen würden; aber wir haben gelernt, bei der Behandlung grundlegender Fragen der Art, wie wir uns ihnen hier in Madrid gegenübersehen, nicht
ungeduldig zu sein.
Es gab aber auch auf unseren Sitzungen während der vergangenen sechs
Wochen negative Aspekte. Wir mußten einige nicht angebrachte scharfe Auseinandersetzungen erleben. Manchmal ist so etwas ja nützlich, aber eben nicht
immer. Ich kann verstehen, daß die Mißtöne eines solchen Meinungsaustausches
nicht unbedingt angenehm für die Ohren aller klingen. Wir alle würden es vorziehen, wenn es für Unstimmigkeiten hier keinen Anlaß gäbe. Ich glaube jedoch,
daß alle von uns zu würdigen wissen, daß die von uns erörterten Fragen ernsthafte und tiefgreifende Themen sind, die direkt mit der Schlußakte von Helsinki
in Verbindung stehen. Die Unterschiede zwischen den in diesem Gremium vertretenen Auffassungen sind profunde, und wir und andere nehmen sie ernst. Mit
den auf diese Weise ausgelösten Spannungen mußte also gerechnet werden, selbst
wenn sie zuweilen übertrieben erscheinen. Glücklicherweise besteht meiner Meinung nach der beiderseitige Wunsch, die Emotionen des Augenblicks zu überwinden mit Rücksicht auf die größere Notwendigkeit, unsere Gespräche im ernsthaften Dienst des Friedens fortzusetzen. Lassen Sie mich hinzufügen, daß die
Größe eines Staates nicht unbedingt ein Maßstab ist für seine Verpflichtung
für den Frieden.

Wir bedauern ferner, daß es uns nicht möglich war, diesen Sechswochenzeitraum erfolgreicher zu nutzen, um unsere Meinungsverschiedenheiten substantieller einzuengen, als dies der Fall war.

Es hätte der Arbeit gedient,

der wir uns nach dem Wiederzusammentreten dieser Konferenz gegenübersehen werden, wenn wir dieses Ziel hätten erreichen können.
Noch bedeutsamer
- 3 -

�Noch bedeutsamer ist, daß unsere Delegation überaus bestürzt war über
die wachsenden und verstärkten Menschenrechtsverletzungen seit dem Beginn der
Konferenz in Madrid.

Dies steht nach unserer Ansicht in völligem Gegensatz

zum Geist und Buchstaben der Vereinbarungen, die wir im Jahre 1975 getroffen
hatten. Wir haben diese Einzelheiten sehr ausführlich erörtert.

Die Verhaf-

tungen und Bestrafungen dauern an.
Es ist unserer Meinung nach von trauriger Bedeutsamkeit, daß erst
am letzten Freitag, am Tag der Menschenrechte, Presseberichten zufolge etwa
60 Menschen auf dem Puschkin-Platz in Moskau verhaftet wurden, als sie diesen
Tag in stillem Protest begingen.

Diese Verhaftungen sowie die unverantwort-

lichen Ausfälle der sowjetischen Delegation auf unsere Erklärung zum Tag der
Menschenrechte stehen in scharfem und negativen Kontrast zu der Erklärung, die
die sowjetische Delegation auf unserer Plenarsitzung anläßlich des Tages der
Menschenrechte

am 11. Dezember vorigen Jahres abgegeben hat.

Diese Ereignisse werfen ohne Zweifel einen starken Schatten auf unsere
Konferenz - auch wenn die sowjetische Delegation sie als innere Angelegenheiten
hinstellen möchte.
Herr Vorsitzender, ich möchte mit der Bekräftigung schließen, daß die
amerikanische Delegation geduldig ihre Suche nach einer Verständigung und Übereinkunft unter allen hier anwesenden Staaten fortsetzen wird. Wir werden unsere Werte bekräftigen und unsere Vorstellungen hinsichtlich dessen unterstreichen,
was für einen Abbau der Spannungen zwischen uns erforderlich ist. Es ist sowohl unser Recht als auch unsere Pflicht, dies auf unseren Zusammenkünften zu
tun. Es wäre uns viel lieber, wenn wir nicht kritisch sein müßten; und wir
hoffen auf den Tag, da unsere Meinungsverschiedenheiten immer geringer sein
werden bei unserer gemeinsamen Arbeit für Frieden, Zusammenarbeit und gegenseitige Sicherheit.
Ein Schritt, den wir alle während dieser Woche vor unserer Vertagung tun
könnten und der die Atmosphäre dieses Treffens wesentlich verbessern würde,
wäre, ohne Vorbehalte darin übereinzustimmen, daß wir uns alle für eine dritte
- 4 -

�eine dritte Folgekonferenz nach Madrid einsetzen.

Unser Eintreten für den

Prozeß von Helsinki veranlaßte uns im September und Oktober 1980 während der
Vorbereitungskonferenz zu einer solchen Verpflichtung.

Wir haben seither

wiederholt vorgeschlagen, daß sich die sowjetische Delegation uns im Hinblick
auf eine solche vorbehaltlose KSZE-Verpflichtung anschließen möge.
dies auch heute wieder.

Wir tun

Der Delegierte der Sowjetunion sprach gestern von der

Notwendigkeit, die Luft zu "reinigen".

Wir stimmen ihm zu.

Der kleine Schritt,

den wir jetzt vorschlagen, würde in diese Richtung führen und erheblich zur
Wiederherstellung des Vertrauens in diese Konferenz beitragen.

In aller Ehr-

erbietung mache ich diesen Vorschlag in demselben konstruktiven Geist, der
"Stoff zum Nachdenken" geben soll, wie wir gestern hörten.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wird im Februar hierher zurückkehren mit der Verpflichtung, für ein ausgewogenes und wesentliches Abschlußdokument zu arbeiten, das sich auf das Dokument RM-39 und die von uns unterbreiteten Änderungen stützt. Wir hoffen aufrichtig, daß wir bei unserer Rückkehr eine Atmosphäre antreffen werden, die dem Erreichen eines solchen Ergebnisses förderlich sein wird.
In der Zwischenzeit wollen wir uns vor Augen halten, daß wir historisch
gesehen in einer umwälzenden und schnellebigen Welt leben, deren Hauptmerkmal der Griff des Menschen - geistig wie physisch - nach schier unglaublichen
Dimensionen ist. In einer sehr kurzen Zeitspanne ist unerhört viel erreicht
worden. Noch vor 500 Jahren kannte die menschliche Rasse nicht einmal das Ausmaß ganzer Kontinente auf unserem Planeten. Und doch können wir heute unseren
gesamten Planeten in 90 Minuten umkreisen und sogar andere erforschen. Unsere
nächste Aufgabe ist es gleichermaßen, unsere geistigen Kräfte zu erweitern und
zu vertiefen, sodaß wir vielleicht lernen, die menschlichen Werte zu stärken,
die integrale Teile unseres Wesens sind. Vielleicht lernen wir durch diese
Erweiterung unserer evolutionären Entwicklung, in Frieden und Würde miteinander
zu leben.
Es ist gesagt worden, daß wir wie die Fische schwimmen und wie die Vögel
fliegen können.

Unsere nächste Aufgabe muß es sein, als Menschen miteinander

auf der Erde leben zu können.
+ + + + +
- 5 -

�50

22. Dezember 1982

DIE MENSCHENRECHTE UND DIE METHODE DER GEWALT
Von Jeane Kirkpatrick, Botschafterin der USA bei den UN -

Der nachfolgende Artikel basiert auf
einer Rede, die Botschafterin Jeane
Kirkpatrick vor dem Ausschuß für soziale, humanitäre und kulturelle Angelegenheiten der Vereinten Nationen gehalten hat.

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die Achtung vor den Menschenrechten und den Grundfreiheiten ist integraler Bestandteil aller wesentlichen politischen Werte - genau wie die Mißachtung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten eine unmittelbare Verbindung mit allen politischen Verbrechen
großen Ausmaßes eingeht.
Es gibt grundsätzlich zwei Methoden des politischen Handelns im Innern
wie nach außen: einmal die Methode der freiwilligen Übereinstimmung, der Zustimmung, zum anderen die Methode der Gewalt.
In der

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�In der Innenpolitik bedeutet die Methode der Zustimmung:
Erlaubnis der Regierten.
zwungen werden.

Regieren mit

Zustimmung muß erteilt werden, sie kann nicht er-

Diese Zustimmung kann es nur dann geben, wenn zugleich auch

die Freiheit besteht, sie zu verweigern - Nachforschungen anzustellen, zu
diskutieren, anderer Meinung zu sein.

In ihrer institutionellen Formgebung

ist die Methode der Zustimmung Demokratie.
Auch in der Außenpolitik bedeutet die Methode der Zustimmung Respekt
vor der nationalen Unabhängigkeit und der souveränen Gleichheit aller.

Es

bedeutet, daß sich die Beziehungen zwischen den Staaten auf Oberzeugung gründen, auf Zusammenarbeit, auf Verträge - und macht erforderlich, daß Staaten
auch das Recht zur Meinungsverschiedenheit haben, zur Verweigerung der Zusammenarbeit.

Zustimmung steht im vollständigen Gegensatz zu Eroberung.

Die Methode der Zustimmung respektiert die Menschenrechte. Sie ermutigt
zu Initiativen, Innovation, Willensanstrengung. Gesellschaften, deren Regierungen sich auf die Methode der Zustimmung verlassen, schaffen keine Flüchtlinge.
Die Methode der Gewalt steht in scharfem Kontrast zu der Methode der
Zustimmung. Auf die innenpolitischen Verhältnisse eines Staates angewandt,
stützt die Methode der Gewalt ihre Macht auf Zwang, erzwingt sich Konformität
und achtet weder das Gesetz, noch die Gebräuche, noch die Wünsche der Regierten. In ihrer institutionellen Ausformung ist sie Autokratie.
In der Außenpolitik bedeutet die Methode der Gewalt Invasion, Okkupation,
Eroberung. Sie respektiert weder die territoriale Integrität von Staaten,
noch das Recht auf Selbstbestimmung oder Selbstregierung von Völkern. Die
Methode der Gewalt schafft in großem Maße Verletzungen der Menschenrechte
der jeweiligen Opfer. Der klarste Ausdruck der Methode der Gewalt ist Krieg.
Die Methode der Gewalt will mundtot machen, sie will nicht überzeugen.
Es geht ihr mehr um Macht als um Wahrheit, Freiheit oder Gesetz.
die Kontrolle der Zustimmung vor.

Sie zieht

Sie beraubt diejenigen, gegen die sie ange- 2 -

�sie angewandt wird, ihrer menschlichen Grundrechte - ihres Rechtes auf Leben, Freiheit, Sicherheit und Gleichheit vor dem Gesetz.

Heute beraubt die

Methode der Gewalt das polnische Volk seines Rechtes auf Versammlungsfreiheit.

Auf die Gründung unabhängiger Gewerkschaften und auf Tarifverhandlun-

gen sowie seines Rechtes auf Mitsprache bei den grundlegenden gesellschaftlichen Entscheidungen.
über die Grenzen hinweg - auch in Afghanistan etwa oder Kampuchea beraubt die Methode der Gewalt ganze Gesellschaften der Selbstbestimmung,
der Sicherheit und des Friedens.

Sie wird eingesetzt gegen diese Völker,

gegen ihre Kulturen, ihre sozialen Institutionen, ihre religiösen Praktiken,
ihre Volkswirtschaften und ihre Regierungen.
Die Gewalt ist ein Angriff auf die Menschenwürde, auf die Menschenrechte und auf die Grundfreiheiten. Sie stützt sich dabei auf Armeen, Gewehre, Bomben, Giftgas, Mykotoxine, um Unterwerfung zu erzwingen.
Sie bringt das hervor, was wir hier "Massenexodus" nennen - tragische
Menschenströme von Flüchtlingen, die ihre Heimat aus Furcht um Leben und
Freiheit verlassen.
Angesichts der Unvereinbarkeit von Gewalt einerseits und Menschenrechten
und Freiheit andererseits, könnte man vermuten, daß die Sorgen der Vereinten Nationen um die Menschenrechte die Methode der Gewalt im Innern wie nach
außen als im Gegensatz zu ihrer Charta stehend erscheinen lassen würde.
Aber man sieht in vielen Fällen mit Entrüstung, daß die Anwendung von Gewalt
und die Verletzung der Menschenrechte nicht als eine Verletzung der Charta
angesehen werden.

Die meisten Menschenrechtsfragen, mit denen sich die zu-

ständigen Stellen der Vereinten Nationen in den letzten Jahren beschäftigt
haben, gehören zu einer einzigen Gruppe: Es handelt sich um verhältnismäßig
kleine, relativ unterentwickelte, nichtkommunistische Staaten, die nicht Mitglied eines größeren Blocks sind, die Angriffsziel einer nationalen Befreiungsbewegung mit wesentlicher Bindung an den Sowjetblock sind, sowie Staaten,
die sich dadurch selbst zu schützen suchen, daß sie auf Regierungsseite Ge- 3 -

�Regierungsseite Gewalt gegen die Gewalt der Guerilla einsetzen.
Auf nur relativ wenige Regierungen treffen alle diese Kriterien zu.
Es gibt viele kleine Entwicklungsländer, aber die meisten erhalten Schutz
durch ihre Zugehörigkeit zu einem Machtblock.

Zudem sind nicht alle kleinen

Entwicklungsländer Objekt aktiver, revolutionärer Gewalt, und alle Regierungen dieser Art widerstehen auch nicht den gewaltsamen Attacken - sie geben einfach auf.
Die meisten der Menschenrechtsverletzungen, denen die Aufmerksamkeit
der Vereinten Nationen zuteil wird, beziehen sich auf Lateinamerika - und
sicher nicht, weil die größten Menschenrechtsverletzungen unseres Jahrhunderts etwa dort stattgefunden hätten.
völkerausrottendes

Der Holocaust, der GULAG, Pol Pots

Utopia, die vietnamesischen Arbeitslager, Idi Amins

Schlachthaus haben in Europa, Asien und Afrika zu Menschenrechtsverletzungen
von einem Ausmaß geführt, wie sie die westliche Hemisphäre nicht kennt.
Dennoch zeigen - wie unser Kollege von Venezuela vorige Woche in diesem
Ausschuß feststellte - die zuständigen Stellen der Vereinten Nationen "eine
besondere Vorliebe für jene kleinen Länder, denen es offenbar an den strategischen Ressourcen einer großen Zuhörerschaft fehlt".
Ein islamisches oder afrikanisches Land, das zum Ziel gewaltsamer
Guerillaangriffe wird, würde gegen Menschenrechtsforderungen der Vereinten
Nationen durch seine Teilhabe an einem Netz von Schutzallianzen gewappnet
sein - Regionalorganisationen wie die Blockfreienbewegung, die Gruppe der 77
oder andere Blockbildungen.
Obgleich ihre Unterdrückung im Innern und ihre Aggression nach außen
deutlich und nur zu bekannt sind, werden Länder, die mit der Sowjetunion
liiert sind, gegen Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen durch ihre Mitgliedschaft im sowjetischen Block geschützt, der - wie auch andere Blöcke als gegenseitige Schutzgemeinschaft fungiert. Die Tatsache, daß viele Mitglieder des Sowjetblocks zugleich Mitglieder anderer Gruppierungen sind,

- 4 -

�Gruppierungen sind, erhöht nur noch ihre Einflußmöglichkeiten.

Kubas Status

als Präsident der Blockfreienbewegung symbolisiert dieses Muster der sich
überschneidenden Mitgliedschaft und des umfassenderen Einflusses.
Aber es gibt noch einen weiteren Grund dafür, daß die Sowjetunion und
ihr Block wirksam die Aufmerksamkeit der UN-Menschenrechtsgremien von sich
ablenken.

Sie war nämlich überaus erfolgreich darin - und zwar sowohl hier

bei den Vereinten Nationen als auch bei einflußreichen Kreisen außerhalb
dieser Körperschaft -, eine perverse Doktrin der Gewalt und der Menschenrechte an den Mann zu bringen, die die traditionellen Konzeptionen auf den
Kopf stellt:

Während herkömmlicherweise die Staaten dahingehend definiert

wurden, ein Monopol bei der legitimen Anwendung von Gewalt zu haben, betrachtet man nunmehr die Befreiungsbewegungen als diejenigen, die ein Monopol auf
den legitimen Einsatz von Gewalt hätten.
Nach dieser verdrehten Vorstellung von Menschenrechten und Selbstverteidigung wird die revolutionäre Gewalt - d.h. Gewalt, die von jenen ausgeübt wird, die mit der Sowjetunion und deren Anhängern liiert sind - als
gerechter Protest gegen eine ungerechte Gesellschaft definiert. Diese Art
von Gewalt mag den Tod von Zivilisten, von Bomben zerrissene Schulkinder,
gewaltige wirtschaftliche Zerstörung zur Folge haben - aber sie wird nicht
als eine Verletzung der Menschenrechte angesehen, solange sie im Namen der
Revolution gegen irgendeine Gesellschaft verübt wird, deren Bürger sich
nicht all jener Rechte erfreuen, die in der Allgemeinen Menschenrechtserklärung aufgelistet sind - und das sind heute die meisten Gesellschaften dieser Erde.
Ganzen Völkern mögen ihre Häuser und Dörfer zerstört werden, ihre Ernten
vernichtet, ihr Vieh getötet, sie mögen gewaltsam in Lager "umgesiedelt"
werden, ohne daß dies auch nur igendwelches Interesse oder irgendwelche Aktivitäten etwa des Menschenrechtsausschusses bewirkt.

Ganze Völker mögen

überfallen werden, erobert, zusammengefercht, über Grenzen hinweggetrieben,
ihre Felder mit Giftstoffen verwüstet, ihre Luft von Gelbem Regen verpestet
werden - ohne daß man sie als Opfer von Menschenrechtsverletzungen ansieht.
Es möqen
- 5 -

�Es mögen ihre Elektrizitätswerke gesprengt, ihre Kaffee-Ernten zerstört,
ihre führenden Politiker ermordet werden, ohne daß sie als Opfer von Menschenrechtsverletzungen angesehen werden - vorausgesetzt, die Urheber dieser Gewalt, dieser schrecklichen Mißbrauche, sind "progressive" nationale Befreiungsbewegungen, bewaffnet, ausgebildet und bedient von den professionellen
Hoflieferanten der revolutionären Gewalt.

Nur Regierungen, die den Versuch

unternehmen, diese Gewalt zu unterdrücken, werden als Beispiel für Menschenrechtsverletzungen genannt.
Die Spezialisten der Gewalt wissen ganz genau, daß der Terrorismus und
die Guerilla für die organisierten Gesellschaften ein ungeheuer schwieriges
Problem darstellen.
Chaos und der Morde.

Sie verursachen eine Spirale der Unterdrückung, des
Sogar starke, bewährte Regierungen und Staaten, erfah-

ren im Umgang mit der Macht und ihrer Eindämmung, haben Schwierigkeiten bei
der Kontrolle des organisierten politischen Verbrechens.
Aber ein Menschenrechtskonzept, das den Krieg der Guerilla gegen
listen ignoriert und sich ausschließlich auf die Vergeltungsmaßnahmen
Regierung konzentriert, ist überhaupt kein Menschenrechtskonzept. Es
vielmehr eine politische Methode, die den Sieg für eine bestimmte Art
tisch geforderter "Befreiung" anstrebt.

Zivieiner
ist
sowje-

Wer moralisch seriös argumentiert, kann nicht behaupten, daß der Terror,
den revolutionäre Bewegungen gegen eine Zivilbevölkerung betreiben, Befreiung sei, während die Gewalt, die eine Regierung in Reaktion auf diese Guerilla
anwendet, Unterdrückung sei.
Wer moralisch seriös argumentiert, kann nicht behaupten, daß nationale
Befreiungsbewegungen das Recht hätten, Gewalt gegen Zivilisten, gegen die
Wirtschaft, gegen die Gesellschaft und gegen Regierungen anzuwenden, während diese Gesellschaften kein Recht hätten, sich zu verteidigen; daß die
im Namen der Revolution angewandte Gewalt legitim und die von Regierungen
und Gesellschaften zu ihrer eigenen Verteidigung gegen die Guerilla eingesetzte Gewalt hingegen nicht legitim sei.
So geht
- 6 -

�So geht das nicht!

Denn die Tatsachen sprechen eine eindeutige Sprache

- die Methode der Gewalt zeigt sich als Methode der Tyrannei in der Innenpolitik und als Aggression in den internationalen Beziehungen.

Die Tyrannen

von heute brauchen Gewalt gegen ihr eigenes Volk und Gewalt gegen ihre Nachbarn.
In unserer Zeit herrschen die Bewegungen, die die totale Herrschaft
mittels terroristischer Gewalt errungen haben, dann auch mit Gewalt.
Der fortgesetzte und weitverbreitete Mißbrauch der Menschenrechte auf
der Welt stellt eine Herausforderung für all jene Völker und Regierungen dar,
die sich der Förderung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten verpflichtet
fühlen.

Ein ernsthafter Versuch zur Lösung dieses Problems würde alles in

Rechnung stellen, was zu einer Verwehrung von Freiheit, Gesetz und Sicherheit
durch organisierte politische Gruppierungen führt.
Ein solch ernsthafter Versuch würde die Verwendung tödlicher Gifte
und Gase gegen die Hmong mit in seine Überlegungen einbeziehen, die Zehntausende

von Vietnamesen, die unter unmenschlichen Bedingungen in Arbeitslagern

fern ihrer Heimat eingesperrt sind, ebenso wie den andauernden Aderlaß an
Menschen, den die Tatsache der Flüchtlinge aus den kommunistischen Ländern
Südostasiens hinaus auf das Chinesische Meer darstellt.
Ein solch ernsthafter Versuch würde die Unterdrückung und das Verbot
der Solidarität mit einbeziehen, die Internierung der meisten ihrer Führer
sowie die Verwehrung des Versammlungsrechts, der TarifVerhandlungen und
der freien Rede in ganz Osteuropa.
Und er würde miteinbeziehen die anhaltende, massive, flagrante Verletzung der Rechte und der Grundfreiheiten des afghanischen Volkes durch die
Sowjetunion, ihre Unterdrückung der Überwachungsgruppen der Schlußakte von
Helsinki, die brutale Verhaftung von Anatoli Schtscharanski, den Mißbrauch
psychiatrischer Behandlung, die Vorenthaltung des Rechts auf Auswanderung
und die Maßnahmen gegen Andreij Sacharow.
Ein solch
- 7 -

�Ein solch ernsthafter Versuch müßte sich auch mit der Flucht von über
30 000 Ugandern nach Ruanda auseinandersetzen genauso wie mit der Unterdrückung in anderen afrikanischen Staaten, wo die Freiheit verwehrt und das
Gesetz mißachtet wird.

Und er müßte sich mit der Apartheid in Südafrika

beschäftigen.
Schließlich müßte er an die legalen und sozialen Rechte der Frauen und
der "Unberührbaren" denken.
Und im Zusammenhang mit all diesen anderen Problemen, würde ein solch
ernsthafter Versuch sich dann auch zweifellos mit den Menschenrechtsverletzungen durch einige Gruppierungen und Regierungen in einigen der lateinamerikanischen Republiken auseinandersetzen.
Dabei ginge es dann um die von Chile ins Exil Getriebenen, um die
"Desaparecidos" in Argentinien, um Gewalt von rechts wie von links in
Guatemala und El Salvador - aber auch um die grausame Behandlung der Miskito-,
Suma- und Rama-Indianer in Nicaragua, um die dortige Unterdrückung der Pressefreiheit und um die große Anzahl politischer Gefangener in Kuba, von denen
manche in eindeutiger Verletzung von Kubas eigenem Recht und unter Mißachtung aller zivilisierten Praxis zum zweiten Mal aus gleichem Grund verurteilt
wurden.
Das Volk und die Regierung der Vereinigten Staaten glauben an die Methoden der Zustimmung, und wir verurteilen alle - ich wiederhole:

alle - Prak-

tiken der Methode der Gewalt im innen- wie im außenpolitischen Bereich.

Wir

drängen darauf, ja, wir fordern, daß selbst angegriffene Gesellschaften bei
ihrer Verteidigung die Disziplin der Freiheit und des Gesetzes praktizieren.
Die Vereinigten Staaten sind willens und bereit, sich anderen Staaten
dabei anzuschließen, sich ernsthaft mit diesen schwerwiegenden Problemen
auseinanderzusetzen. Menschenrechte und Grundfreiheiten sollten unser Ziel
und unser Maßstab sein - sie sollten nicht eine politische Waffe darstellen,

- 8 -

�Waffe darstellen, die selektiv von den Starken gegen die Schwachen, von
den Organisierten gegen die Nichtorganisierten angewandt wird.
Wir werden uns nicht an der weiteren Perversion und der selektiven Verwendung dieser Werte beteiligen. Wir werden unsere Stimme nicht zur Stärkung jener abgeben, die politische Vorteile mittels der Methode der Gewalt
zu erlangen suchen.

- 9 -

�50

22. Dezember 1982

VOLKSTRIBUNAL VERURTEILT SOWJETISCHE MASSAKER IN AFGHANISTAN

PARIS - (AD) - Das "Ständige Volkstribunal" (Permanent Tribunal of
Peoples), das sich auf einer fünftägigen Tagung vom 16. bis 20. Dezember 1982
in Paris mit den Vorgängen in Afghanistan befaßte, hat die eindeutig erwiesenen sowjetischen Massaker in diesem Lande nachdrücklich verurteilt. Das
Ständige Volkstribunal entstand aus dem bekannten Russell-Tribunal, das sich
1967 mit Menschenrechtsverletzungen in Vietnam und von 1973 bis 1975 mit solchen Verletzungen in Lateinamerika befaßt hat. Im Jahre 1979 in Bologna ins
Leben gerufen, hat das Ständige Volkstribunal bisher Sitzungen über die Westsahara, Argentinien, Eritrea, die Philippinen, El Salvador, Timor und Zaire
abgehalten. Die unabhängige, private Organisation, der bedeutende Vertreter
des öffentlichen Lebens, vor allem Wissenschaftler angehören, steht unter der
Leitung des französischen Mathematikers Laurent Schwartz von der Universität
Paris II.
Nachdem das Tribunal auf seiner ersten Tagung zu Afghanistan im Mai
1981 die sowjetische Invasion bereits scharf verurteilt hatte, befaßte es sich
auf seiner Sitzung in Paris vor allem mit den Waffen und Methoden der Kriegführung, den Kriegsgefangenen und dem Schicksal der Zivilbevölkerung in

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�Zivilbevölkerung in Afghanistan.
Wie der französische Wissenschaftler Ricardo Fraile am 17. Dezember berichtete, steht es fest, daß die Sowjets am 13. September 1982 in der Nähe
des Dorfes Chak - etwa 60 km südlich von Kabul - in einer Höhle die männliche
Bevölkerung des Dorfes einschlössen und verbrannten.

Was für eine Flüssigkeit

in die Höhle gepumpt und wie sie entzündet wurde, konnte vom französischen
Verteidigungsministerium - das Bodenproben aus der Höhle erhielt -, noch nicht
einwandfrei geklärt werden.

Fraile, der sich vom 16. November bis 2. Dezember

dieses Jahres an der afghanisch-pakistanischen Grenze aufhielt, versicherte,
daß nach allen vorliegenden Berichten bei dem Massaker in dem Dorf Chak 105
Menschen, darunter auch Kinder, umkamen.
Die vom Tribunal gehörten Zeugen sprachen übereinstimmend von getarnten
Sprengsätzen, die in Form von Kinderspielzeug oder Kugelschreibern schwere
Verletzungen bei Zivilisten, vor allem Kindern, verursachen. Es sei allerdings schwer, "eindeutige Beweise" für eine chemische Kriegführung zu finden;
jedoch lägen zahlreiche Berichte von Flüchtlingen und verwundeten Afghanen
vor.
Dr. B. A. Zikria von der Columbia-Universität erklärte vor dem Tribunal,
daß er als Arzt Afghanen behandelt habe, die "an Erkrankungen litten, die natürlicherweise nicht vorkommen, in der Medizin nicht beobachtet wurden und
nur mit der Geschichte der Einwirkung von Gas in Zusammenhang gebracht werden
können." Dr. Zikria führte dem Tribunal einen Film über die Behandlung eines
solchen Patienten vor. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, daß die Anhörungen
des Tribunals "sofort dem künftigen Einsatz chemischer Waffen und dem Schrecken
in Afghanistan Einhalt gebieten werden."
Zwei Afghanen berichteten über die trostlosen Verhältnisse, unter denen
die afghanische Bevölkerung unter der sowjetischen Besatzung lebt.

Ferner

sprachen sie von der Ermordung von Zivilisten, der Vergewaltigung von Frauen
und Mädchen, der Vernichtung von Lebensmitteln und der Verwüstung von Feldern.
Ebenso wurde von Folterungen in afghanischen Gefängnissen berichtet.
Bernard Dupaigne,

�Bernard Dupaigne, Kurator am Museum für Menschheitsgeschichte in Paris,
teilte mit, daß durch Vermittlung des Internationalen Roten Kreuzes fünf von
den afghanischen Freiheitskämpfern gefangengenommene sowjetische Soldaten nach
der Schweiz geflogen worden seien, während die Sowjets nicht einen einzigen
afghanischen Gefangenen zum Austausch gebracht hätten.
Wie Sprecher des Tribunals betonten, wurden auch sowjetische und afghanische Regierungsvertreter eingeladen, Stellung zu nehmen, es sei jedoch keine
Antwort erfolgt.

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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

5. Januar 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Reagan bekräftigt Unterstützung für afghanische Freiheitskämpfer
- Erklärung zum dritten Jahrestag der sowjetischen Invasion Carstens und Burns unterstreichen Bedeutung des Jugendaustauschprogramms
- Dreitägiges Symposium in Bonn -

HINTERGRUNDMATERIAL
State Department veröffentlicht Bericht über Lage in Afghanistan
- Widerstandsbewegung wurde stärker USA leisten Hauptbeitrag für afghanische Flüchtlinge

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erstflug der Raumfähre "CHALLENGER"
- Größter Nachrichtensatellit der Welt als Nutzlast

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

5. Januar 1983

REAGAN BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG FÜR AFGHANISCHE FREIHEITSKÄMPFER
- Erklärung zum dritten Jahrestag der sowjetischen Invasion -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 26. Dezember 1982
anläßlich des dritten Jahrestages des sowjetischen Einmarsches in
Afghanistan unterstrichen, daß die Vereinigten Staaten die afghanischen Freiheitskämpfer nicht vergessen werden, die der sowjetischen Invasion Widerstand leisteten. Gleichzeitig gab er der
Hoffnung Ausdruck, daß die neue sowjetische Führung, die sich
im neuen Jahre bietenden Möglichkeiten nützen werde, um eine
politische Lösung für Afghanistan zu erreichen.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut: Während dieser Feiertage, da die meisten Amerikaner sich
im Schöße ihrer Familien wohlfühlen und sich der Segnungen ihres
Landes erfreuen, kann man sich schwer vorstellen, daß in einem
weit entfernten Gebirgsland ein tapferes Volk einen Kampf um die
Freiheit führt, der uns alle angeht. Wie weit auch dies alles
von unserem täglichen Leben entfernt sein mag: In Afghanistan
findet eine Auseinandersetzung statt, die wir nicht vergessen
dürfen.
Afghanistan ist

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�Afghanistan ist wichtig für die Welt, weil das afghanische
Volk dem sowjetischen Imperialismus widersteht. Vor drei Jahren,
am 27. Dezember 1979, marschierte die Sowjetunion in Afghanistan
ein und etablierte einen neuen kommunistischen Führer für das
marxistische Regime, das 1978 die Macht ergriffen hatte. Zum
erstenmal seit dem Zweiten Weltkrieg setzten die Sowjets außerhalb
ihrer Grenzen und Osteuropas eine große militärische Streitmacht
ein in dem Versuch, anderen ihren Willen aufzuzwingen. Sollte
dieser Aggression Erfolg beschieden sein, wird sie gefährliche
Auswirkungen auf die Sicherheit freier Menschen überall haben.
Drei Jahre nach der Invasion ist die sowjetische Besetzung
Afghanistans immer noch erfolglos geblieben. Selbst mit der Aufstockung ihrer Streitkräfte auf nahezu 105 000 Mann in diesem Jahr
waren die Sowjets und ihr Karmal-Marionettenregime nicht in der
Lage, das weite Land zu kontrollieren oder zahlreiche Städte zu
sichern. Sie waren nicht in der Lage, die kommunistisch befehligte
afghanische Armee wiederaufzubauen und eine wirksame Regierung
einzusetzen.
Dies ist auf den Geist und den Willen der Mehrheit des afghanischen Volkes zurückzuführen sowie auf die Mujahedin, die Freiheitskämpfer, die den sowjetischen Invasoren auch weiterhin Widerstand
leisten. Sie konnten sich im Verlauf der immer wieder gegen sie
vorgetragenen Offensiven im Frühling und Sommer dieses Jahres
zurückziehen und dann ihre Positionen wiedererlangen, nachdem die
sowjetischen Streitkräfte abgezogen waren. Ihre Kräfte und ihr
Wille blieben intakt.
Wir müssen

�Wir müssen uns darüber im klaren sein, daß die Kosten an
Menschenleben in diesem Kampf gewaltig sind. In den verstärkten
Kämpfen des Jahres 1982 stiegen die Verluste auf beiden Seiten an,
und die Zivilbevölkerung litt mehr denn je zuvor. Die Ernten
und die Felder wurden von den Sowjets zerstört, die damit versuchten,
den Freiheitskämpfern die Unterstützung der einheimischen Bevölkerung zu verwehren. Häuser und selbst ganze Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Wir haben überzeugende Beweise für den Einsatz chemischer Waffen seitens der Sowjets gegen die Afghanen.
Der Flüchtlingsstrom nach Pakistan und in Afghanistan selbst ist
immer größer geworden, nachdem die Landbevölkerung vor der Zerstörung des Krieges flieht. Es ist eine traurige und bewegende
Geschichte.
Die Vereinigten Staaten werden dieses tapfere Volk und seinen
Kampf nicht vergessen. Wir haben wiederholt erklärt, daß wir eine
Lösung auf dem Verhandlungswege für Afghanistan auf der Grundlage
des völligen Abzugs der sowjetischen Truppen unterstützen. Wir
haben uns im November erneut der großen Mehrheit der Weltgemeinschaft angeschlossen in der Unterstützung einer Resolution, die
eine Regelung auf dieser Basis forderte. Erst vor einigen Wochen
habe ich mit dem pakistanischen Präsidenten Zia während seines
Besuches in den Vereinigten Staaten die Notwendigkeit für eine
Lösung des Afghanistan-Problems erörtert. Wir haben uns beide
einer Lösung auf dem Verhandlungswege verpflichtet, die Afghanistan
in die Reihen unabhängiger und blockfreier Nationen zurückkehren
läßt.
Wir in den Vereinigten Staaten hoffen inständig, daß die
neue Führung der Sowjetunion die Möglichkeiten nutzen wird, die
das neue Jahr ohne Frage für das Erreichen einer Lösung in

- 3 -

�Lösung in Afghanistan bringen wird. Die Vereinigten Staaten
möchten nicht, daß das Leiden und die Entbehrungen für das
afghanische Volk andauern;
aber wir werden weder in unserer
Unterstützung nachlassen noch dieses Volk und seine Sache der
Freiheit im Stich lassen.
Wir hoffen, daß im Jahre 1983 eine freie und unabhängige
afghanische Nation ihren Platz in der Weltgemeinschaft wieder
einnehmen kann. Wir werden nicht aufhören, die auf dieses Ziel
gerichteten afghanischen Anstrengungen zu unterstützen.

- 4 -

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

5. Januar 1983

CARSTENS UND BURNS UNTERSTREICHEN BEDEUTUNG DES JUGENDAUSTAUSCHPROGRAMMS
- Dreitägiges Symposium in Bonn -

BONN - (AD) - Bundespräsident Karl Carstens und der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F.
Burns, haben anläßlich eines dreitägigen deutsch-amerikanischen
Symposiums in Bonn, das vom 12. bis 15. Dezember 1982 stattfand,
die Bedeutung des Jugendaustausches zwischen beiden Ländern
unterstrichen. Carstens betonte, daß er im Jahre 1948 an der
Universität Yale studiert habe und ein sehr gutes Beispiel für
die Nützlichkeit des Jugendaustausches sei. Er sei überzeugt,
daß sein Leben anders verlaufen wäre, wenn er nicht diese Erfahrungen in den Vereinigten Staaten hätte machen können.
Botschafter Burns wies darauf hin, daß durch den Jugendaustausch Mißverständnisse zwischen den einzelnen Ländern beseitigt
werden könnten. Die Austauschprogramme förderten die internationale
Harmonie, den internationalen Frieden und die internationale
Prosperität.
Die Ausführungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Ausführungen von Bundespräsident Carstens haben folgenden
Wortlaut:
Meine Damen und meine Herren, ich heiße Sie sehr herzlich
willkommen als die Teilnehmer an dem Deutsch-Amerikanischen
Symposium für den Jugendaustausch. Ich messe den deutsch-amerikanischen Beziehungen eine sehr große Bedeutung bei, und ich
messe eine ganz besonders große Bedeutung dem Jugendaustausch
zwischen unseren beiden Ländern bei. Und ich will das kurz begründen warum.
Ich denke, die deutsch-amerikanischen Beziehungen bestehen
nicht nur in unserer Zugehörigkeit zum gemeinsamen Bündnis, obwohl
das auch sehr wichtig ist, sondern sie haben lang in die Geschichte
zurückreichende Wurzeln. Unsere beiden Kulturen, unsere beiden
Zivilisationen ruhen auf gleichartigen Wertvorstellungen über
Demokratie und Freiheit und Recht und Menschenwürde. Unsere beiden Länder haben sich gegenseitig in ihrer Geschichte sehr befruchtet. Es sind viele meiner Landsleute in den zurückliegenden
Jahrhunderten nach Amerika ausgewandert. Nächstes Jahr wollen
wir den 300. Jahrestag der Ankunft der ersten Deutschen in Amerika,
nämlich in Philadelphia, feiern. Es waren, wenn ich das mit
einem bescheidenen Respekt sagen darf, mit die besten unserer
Landsleute, die uns in diesen Jahrhunderten verlassen haben und
nach Amerika gegangen sind. Es waren Landsleute, die hier verfolgt wurden wegen ihrer religiösen oder ihrer politischen Überzeugung - und später aus rassischen Gründen - und die in Amerika
Zuflucht gesucht und Freiheit gefunden haben. So haben Deutsche
einen Beitrag zur Entwicklung Amerikas geleistet. Aber umgekehrt
hat Amerika einen bedeutenden

�einen bedeutenden Beitrag zur geistigen Entwicklung unseres Landes
geleistet, und ich spreche hier insbesondere von dem Einfluß der
amerikanischen Freiheitsideen, so wie sie sich in der Erklärung
von Philadelphia und in der amerikanischen Verfassung niedergeschlagen haben auf Deutschland, auf die deutsche Geistesentwicklung und auf die deutschen Verfassungen.
Und wenn ich einen Augenblick die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg ins Auge fasse, dann möchte ich diese Gelegenheit benutzen,
um den Vereinigten Staaten von Amerika ein Wort herzlichen Dankes
zu sagen. Der Marshallplan hat die deutsche Wirtschaft ebenso
wie die europäische Wirtschaft nach den schweren Zerstörungen im
Zweiten Weltkrieg wieder in Gang gebracht. Die Luftbrücke nach
Berlin hat Berlin 1948/49 in einer lebensbedrohenden Krise gerettet. Seit Anfang der 50iger Jahre gehören wir dem gleichen
Bündnis an, seitdem stehen amerikanische Soldaten als unsere
Bundesgenossen in Deutschland. Ihnen gilt mein besonderer Dank,
und ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um auf das schärfste
die Anschläge zu verurteilen, die in letzter Zeit gegen amerikanische Soldaten und amerikanische Einrichtungen verübt worden
sind.
Das sind alles Dinge, die uns miteinander verbinden, aber,
natürlich gibt es auch Unterschiede der Politik der Vereinigten
Staaten und unseres Landes. Diese Unterschiede hängen mit den
Interessen und den Verantwortlichkeiten jedes der beiden Länder
zusammen. Die amerikanische Verantwortung is weltweit. Sie
umfaßt Zentralamerika, Südamerika, Afrika, den Nahen Osten, den
Fernen Osten, Südostasien und die Ost-West-Beziehungen - die
Beziehungen zur Sowjetunion und den Partnern des Warschauer Paktes.
Unsere Politik wird sehr stark bestimmt durch die letzteren,

- 3 -

�t

die letzteren, durch die Ost-West Beziehungen, und die Politik
unseres Landes noch in besonderer Weise dadurch, daß unser Land
geteilt ist und ein Viertel der Deutschen zum Warschauer Pakt,
zum Herrschaftssystem der Kommunisten, gehören. Dies macht es
notwendig, daß Deutsche und Amerikaner sich regelmäßig miteinander unterhalten, sich aufeinander abstimmen und daß sie dort,
wo unterschiedliche Auffassungen vertreten werden, klären, warum
das so ist und wie man diese Auffassungsunterschiede überwinden
kann. Deswegen ist es so wichtig, daß Austausch stattfindet und
insbesondere daß Jugendaustausch stattfindet.
Ich selbst bin ein Beispiel für die Nützlichkeit des Jugendaustausches zwischen Amerika und Deutschland: Ich bin nämlich vor
34 Jahren, 1948, als Austauschstudent nach Amerika an die Universität Yale gegangen, und mein ganzes Leben wäre anders verlaufen;
ich wäre noch heute Rechtsanwalt in meiner Heimatstadt in Bremen,
wenn ich nicht diese Erfahrung damals in Amerika gemacht hätte.
Deswegen unterstütze ich und befürworte ich den Jugendaustausch, und ich danke Ihnen allen herzlich dafür, daß Sie daran
mitwirken, daß Sie diesen Austausch organisieren; und wir alle
wollen dazu beitragen, daß er noch stärker, noch intensiver wird
als bisher.
Die Erklärung des amerikanischen Botschafters hat folgenden
Wortlaut:
Herr Bundespräsident, Ihre Begeisterung für das Jugendaustauschprogramm und Ihre Unterstützung kann ich nur voll und ganz
teilen. Ich muß Ihnen sagen, daß ich, bevor ich als Botschafter
hierher kam, nur wenig darüber gewußt habe und mein Interesse daran
sehr gering war. Aber seit ich hier bin und meinen Posten als

- 4 -

�Posten als Botschafter angetreten habe und mich ganz und gar mit
den politischen Beziehungen meines Landes zu Ihrem Lande beschäftige - und damit auch in einem gewissen Maße zu ganz Europa habe ich erfahren, daß oft Mißverständnisse bestehen. Und sie
bestehen nicht nur zwischen unseren Geschäftsleuten und unseren
Landwirten und unseren Fabrikarbeitern und unseren Universitätslehrern und Studenten, sondern auch zwischen hohen Regierungsvertretern. Ich habe herausgefunden, daß sie oft schlecht uebereinander informiert sind, über ihre Motive, und daß es nur einen Weg
gibt, um dieses Problem zu überwinden, nämlich daß sie mehr miteinander zusammenkommen und immer ehrlich und gründlich miteinander reden.
Eines habe ich jedoch jetzt gelernt: Das Jugendaustauschprogramm ist außerordentlich wichtig. Es versetzt junge Menschen
in dem Alter, in dem sie die entscheidenden Eindrücke bekommen,
in die Lage, einander kennenzulernen, ein anderes Land kennenzulernen, zu lernen, wie andere Menschen leben, was sie denken,
was sie lesen und was ihnen wichtig ist; mit anderen Worten, mit
einer anderen als der eigenen Kultur vertraut zu werden.
Herr Bundespräsident, Sie werden im nächsten Jahr nach den
Vereinigten Staaten kommen, um an der Feier des 300. Jahrestages
der deutschen Einwanderung nach Amerika teilzunehmen. Ich muß
Ihnen sagen, daß das deutsche Volk viel geleistet hat, um Amerika
aufzubauen und es zu dem zu machen, was es heute ist; und wir sind
zutiefst dankbar dafür. Ich bin sicher, daß Sie die Gefühle, die
Sie heute zum Ausdruck gebracht haben, ebenso beredt, ja noch
beredter zum Ausdruck bringen werden, wenn Sie nach den Vereinigten Staaten kommen. Ihr Englisch ist ausgezeichnet; sie mögen
Amerika; die Amerikaner mögen Sie, und Sie werden ein herzliches
Willkommen erleben, wenn Sie in unser Land kommen. über welches

- 5 -

�über welches Thema Sie dann sprechen werden, ist eine Sache, die
Sie zur rechten Zeit entscheiden werden, und es wäre völlig unangebracht, wenn ich als Botschafter Ihnen etwas vorschlagen würde.
Ich kann mir also nicht anmaßen, Vorschläge zu machen, aber ich
darf eine Hoffnung, oder einen Wunsch, zum Ausdruck bringen. So
hoffe ich also sehr, daß Sie es angebracht finden werden, wenn
Sie in unser Land kommen, Ihre Gefühle zum Jugendaustauschprogramm
zum Ausdruck zu bringen und vielleicht auch, wie Sie das heute
getan haben, über die Rolle zu sprechen, die das Jugendaustauschprogramm in Ihrem eigenen Leben gespielt hat.
Sie alle, die Sie mit dem Jugendaustauschprogramm zu tun haben«
dienen nicht nur den Interessen guter Beziehungen zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten, sondern
Sie dienen darüber hinaus der fundamentalen Zielsetzung der internationalen Harmonie, des internationalen Friedens und der internationalen Prosperität. Ich möchte Ihnen allen im Namen meines
Landes danken, und ich möchte Ihnen, Herr Bundespräsident, noch
einmal besonders dafür danken, daß Sie diese Zusammenkunft ermöglicht und mich zu Ihnen eingeladen haben.

+ + +

- 6 -

�5. Januar 1983

STATE DEPARTMENT VERÖFFENTLICHT BERICHT ÜBER LAGE IN AFGHANISTAN
- Widerstandsbewegung wurde stärker -

WASHINGTON - (AD) - Die Widerstandsbewegung in Afghanistan
wurde im Jahre 1982 trotz der militärischen Operationen der Sowjets
in vielen Teilen des Landes stärker und besser organisiert. Zu
dieser Beurteilung kommt ein Bericht des amerikanischen Außenministeriums, der jetzt unter dem Titel: "Afghanistan - Drei Jahre
Besetzung" veröffentlicht worden ist.
In dem
gegenwärtig
Afghanistan
Afghanistan
der Grenze,

Bericht wird darauf hingewiesen, daß die Sowjetunion
rund 135 000 Mann im Zusammenhang mit dem Krieg in
eingesetzt hat - schätzungsweise 105 000 Soldaten in
selbst sowie 30 000 Mann auf der sowjetischen Seite
die mit Nachhut- und Nachschubaufgaben betraut sind.

Der Bericht stellt ferner fest, daß die militärischen Operationen der Sowjets im Jahre 1982 massiver und sorgfältiger vorbereitet gewesen seien als 1981. Sie seien offensichtlich darauf
abgestellt gewesen, nicht nur die Stützpunkte der Freiheitskämpfer
zu zerstören, sondern auch die Zivilbevölkerung einzuschüchtern
und sie von einer Unterstützung der Mujahedin abzuhalten. Trotzdem
sei es den Sowjets im allgemeinen nicht gelungen, "die Widerstands-

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Telex: 8-85432

�"die Widerstandskräfte zu entmutigen oder sie aus ihren Stützpunkten zu vertreiben". Die Aktivität der Freiheitskämpfer, so
heißt es weiter, habe sich in den letzten Monaten selbst in der
Hauptstadt Kabul trotz aller sowjetischer Maßnahmen innerhalb
und außerhalb der Stadt in dramatischer Weise verstärkt.
Das amerikanische Hintergrundpapier gibt einen umfaßenden
Überblick über die militärische, politische und wirtschaftliche
Situation in Afghanistan drei Jahre nach der sowjetischen Invasion.
Dabei werden in der Analyse folgende Hauptpunkte herausgestellt:
- Die Sowjetunion hat im Jahre 1982 weiterhin tödliche chemische
Waffen gegen die afghanischen Freiheitskämpfer eingesetzt. Dies
geschah selektiv - im allgemeinen gegen die Mujahedin in relativ
unzugänglichen Bereichen. So wurden chemische Kampfstoffe gegen
Freiheitskämpfer eingesetzt, die sich in Höhlen oder unterirdischen
Kanälen verbargen. Eine genaue Untersuchung zweier sowjetischer
Gasmasken, die kürzlich erbeutet wurden, hat den bereits früher
gehegten Verdacht bestätigt, daß die Sowjets tödliche Trichothecen Mykotoxine - als "Gelber Regen" bekannt - angewendet haben.
- Ein Haupthindernis für militärische Erfolge der Sowjets ist
die Unfähigkeit Moskaus, die afghanische Armee wieder aufzubauen.
Es gibt nicht nur zu wenige Rekruten, sondern auch die Loyalität
des Offizierskorps muß in Zweifel gezogen werden. Das Regime in
Kabul war nicht in der Lage, eine Armee von 30 000 - 40 000 Mann
aufzustellen; durch Desertationen gehen im Jahr etwa 10 000 Soldaten
verloren, die Ausfälle betragen rund 5 000 Mann.
- Gerüchte über einen Plan der Regierung, ein ziviles Verteidigungskorps von Jugendlichen (16-18 Jahre alt) und älteren Männern
(40-45 Jahre alt) für Bewachungsaufgaben aufzustellen, haben große
Unruhe in der Bevölkerung ausgelöst. Kinder im Alter von 10-15
Jahren sollen in der Schule eine militärische Ausbildung erhalten,

- 2 -

�Ausbildung erhalten, um auf diese späteren Aufgaben vorbereitet
zu werden. Damit soll ein Teil der Polizeitruppe für Kampfeinsätze freigestellt werden. Der Plan soll angeblich im März 1983
in Kraft gesetzt werden.
- Aufgrund der Schwerpunktverlagerung auf große Militäreinsätze
im Jahre 1982 haben die sowjetischen Verluste zugenommen. Um diese
wieder herabzuschrauben, haben die Sowjets in großem Maße zu
Luftangriffen Zuflucht genommen und die afghanischen Einheiten zu
Bodeneinsätzen gezwungen.
- Der von den Sowjets eingesetzte Babrak Karmal weist immer wieder
darauf hin, daß der Zusammenbruch der afghanischen Wirtschaft ein
politisches Problem sei, das die Parteimitglieder lösen müßten.
Das Regime hofft auf bessere wirtschaftliche Verhältnisse, um
Unterstützung für die Regierung zu gewinnen; die Wirtschaft kann
jedoch keinen Aufschwung erleben, solange sich ein so großer Teil
des Landes unter der Kontrolle der Freiheitskämpfer befindet.
- Die afghanische Erdgasindustrie ist der einzige Sektor der
Wirtschaft, der mehr oder weniger normal funktioniert. Fast das
gesamte Erdgas, das aus Lagerstätten nahe der sowjetischen Grenze
stammt - von den Sowjets Anfang der sechziger Jahre entwickelt wird in die Sowjetunion exportiert. Nur die nominellen Preiserhöhungen, die seit der Besetzung ausgehandelt wurden, sorgen dafür,
daß die Wirtschaftsstatistiken Afghanistans nicht noch schlechter
aussehen, als dies ohnehin schon der Fall ist.
- Wenn auch der Hauptnachdruck Moskaus im Jahre 1982 auf der
Verfolgung seiner militärischen Ziele lag, ist die Sowjetunion

- 3 -

�die Sowjetunion ebenfalls um eine langfristige Politik der Stimulierung eines günstigeren politischen Klimas für sich und seine
Schützlinge bemüht. Dabei spielt eine besondere Rolle die Schaffung
eines loyalen Kaders junger Menschen und zwar durch die Sowjetisierung des afghanischen Erziehungssystems sowie durch umfangreiche
Ausbildungsprogramme für junge Afghanen in der Sowjetunion.
- Moskau schafft eine Infrastruktur nach sowjetischem Muster in
Afghanistan, um die Menschen nach sowjetischen Vorstellungen zu
'
formen. Dabei sollen solche Organisationen wie die nationale
vaterländische Front allmählich unter der Bevölkerung Fuß fassen.
- Die Mission der Vereinten Nationen zur Förderung einer politischen Lösung der Afghanistan-Krise hat in Verfahrensfragen
gewisse Fortschritte erzielt. Die von der Weltorganisation geför- ,
derten indirekten Gespräche in Genf begannen im Juni damit, sich
mit Sachfragen zu befassen; die entscheidende Phase der Verhandlungen liegt jedoch noch in der Zukunft. Der Vertreter der Vereinten Nationen, Diego Cordovez, wird in Kürze seine Bemühungen
um eine Ausweitung dessen, was er als ein Gebiet der Übereinstimmung zwischen den Parteien ansieht, wieder aufnehmen. Der
Erfolg oder der Fehlschlag dieser Verhandlungen wird jedoch
letztlich davon abhängen, ob die Sowjetunion zu einem Abzug ihrer
Truppen aus Afghanistan bereit ist.
+ + +

- 4 -

�5. Januar 1983

USA LEISTEN HAUPTBEITRAG FÜR AFGHANISCHE FLÜCHTLINGE

WASHINGTON - (AD) - Die amtliche und private Hilfe aus den
Vereinigten Staaten für die afghanischen Flüchtlinge stellt den
Hauptbeitrag zur Linderung der Not der Opfer der sowjetischen
Invasion dar. Seit die Sowjets vor drei Jahren im Dezember 1979
in das unabhängige und blockfreie Land einmarschierten, sind
schätzungsweise 2,7 Millionen Afghanen nach Pakistan geflüchtet;
weitere 1,5 Millionen halten sich an der iranischen Grenze auf.
Zusammen stellen sie die größte Flüchtlingsgruppe der Welt dar.
Mit Unterstützung durch die Vereinten Nationen, die Vereinigten Staaten und andere Länder, darunter die Bundesrepublik Deutschland, stellen die Pakistanis den Flüchtlingen große Mengen an
Lebensmitteln, Medikamenten und anderen Hilfsgütern zur Verfügung.
Den weitaus größten Beitrag leisten die Vereinigten Staaten, die
allein 40 Prozent des Lebensmittelprogramms der Vereinten Nationen
seit 1979 rund 217 Millionen Dollar - aufbringen.
In dem andauernden

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Telex: 8-85432

�In dem andauernden Zermürbungskrieg, durch den rund ein
Fünftel der afghanischen Bevölkerung ihre Heimat verloren hat,
haben sich die Afghanen gut gehalten. Nach ihren Angaben
kontrollieren die Sowjets nur 20 Prozent des Landes, einschließlich
der großen Städte und der Hauptstadt Kabul.
Im November 1982 hat der amerikanische Justizminister William
French Smith afghanische Flüchtlingslager in Peschawar besucht
und den dort lebenden Afghanen die feste Unterstützung der Vereinigten Staaten zugesichert.
Nach Angaben des amerikanischen Außenministeriums haben die
Vereinigten Staaten 1982 rund 27,15 Millionen Dollar - 30 Prozent
der Mittel des Flüchtlingshochkommissars der Vereinten Nationen
für das Afghanistan-Flüchtlingshilfeprogramm - bereitgestellt.
Für das Haushaltsjahr 1983 sind weitere 27,15 Millionen Dollar
zugesagt - eine Zahl, die noch erhöht werden dürfte.
Die Vereinigten Staaten haben ferner dem Welternährungsprogramm über 70 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt und dem
Internationalen Komitee des Roten Kreuzes 3 Millionen Dollar.
Alle mit der Betreuung von afghanischen Flüchtlingen befaßten Organisationen berichteten übereinstimmend, daß diese
Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren wollen, daß dies jedoch
nicht vor dem Abzug der sowjetischen Truppen und einer annehmbaren politischen Lösung möglich sei.
Eine wichtige

- 2 -

�Eine wichtige Rolle bei der Flüchtlingsbetreuung spielt
unter anderem das Internationale Rettungskomitee in New York,
eine gemeinnützige Organisation, die mit privaten Spenden
arbeitet. Das Komitee legt den Hauptnachdruck auf Hilfe zur
Selbsthilfe. Eine ähnliche Aufgabe hat sich das ebenfalls
gemeinnützige Afghanistan-Hilfskomitee in New York gesetzt.
Der Erfolg der Hilfstätigkeit ist vor allem auf die Werbung
im amerikanischen Fernsehen zurückzuführen, darunter auch
durch eine Kabelfernsehorganisation, die 18 Millionen amerikanische Haushalte erreicht.
Allein der Afghanistan-Hilfsfonds konnte im Jahre 1982
den Flüchtlingen Medikamente im Werte von 175 000 Dollar zur
Verfügung stellen; weitere Medikamente im Werte von 300 000
Dollar durch die Internationale Direkthilfe in Santa Barbara
in Kalifornien sind auf dem Wege.

+ +

+

- 3 -

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IEI

1J

SB

Wi//en/chaft
vnd Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

5. Januar 1983

ERSTFLUG DER RAUMFÄHRE "CHALLENGER"
Größter Nachrichtensatellit der Welt als Nutzlast
Von G. Weiss

- (AD) - CHALLENGER, die amerikanische Raumfähre Nr. 2, soll Ende Januar in Kap Canaveral zum ersten Flug starten. STS-6 (Kurzbezeichnung für
den sechsten Einsatz des Raumtransporters) steht unter dem Kommando von Paul
J. Weitz (50), der im Jahr 1973 an Bord von SKYLAB bereits 28 Tage im Weltraum verbrachte und u.a. auch Außenbordarbeiten durchführte. Für seinen Kopiloten Karol J. Bobko (45) sowie für die beiden Wissenschaftsastronauten
Donald H. Peterson (50) und Story Musgrave (47) wird es der erste Raumflug
sein. Ursprünglich waren nur drei Tage dafür angesetzt. Das Unternehmen
dürfte jedoch um zwei Tage verlängert werden, damit das Ausstiegsmanöver nachgeholt werden kann, auf das beim fünften Flug der COLUMBIA (11. bis 16. November 1982) wegen technischer Mängel an den neuen Schutzanzügen verzichtet
werden mußte.
COLUMBIA wird gegenwärtig umgerüstet, um das in Bremen gebaute Weltraumlabor (SPACELAB) aufnehmen und einer mindestens vierköpfigen Besatzung mehr
Bewegungsfreiheit geben zu können.

Der Zugangstunnel zwischen der Mannschafts-

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�der Mannschaftskabine der Raumfähre und dem im Frachtraum installierten Weltraumlabor wird derzeit in einer Serie rigoroser Tests erprobt.

Im September

1983 steht COLUMBIA wieder zur Verfügung, um zum ersten Mal mit SPACELAB an
Bord zu starten.

Bis dahin wird CHALLENGER von Januar bis Juli im Dreimonats-

rhythmus eingesetzt.
Die neue Raumfähre wurde kürzlich aus der Montagehalle des KennedyRaumflugzentrums zur Startrampe gebracht, wo Probezündungen zur Oberprüfung
ihrer drei Haupttriebwerke vorgenommen werden.

Die Leistung der modifizier-

ten Triebwerke ist um jeweils 6800 kp größer als die der COLUMBIA-Triebwerke
und liegt jetzt bei 177 058 kp (am Boden in Seehöhe).

Durch Gewichtseinspa-

rungen sowohl am großen Außentank, der die flüssigen Treibstoffe transportiert,
als auch an den beiden riesigen Feststoffraketen, deren Innenvolumen und damit
Aufnahmefähigkeit für Festtreibstoffe gleichzeitig vergrößert wurde, erhöht
sich die Ladekapazität des Raumtransporters um 2,7 Tonnen.

Größter Nachrichtensatellit für 36 000-km-Bahn
Das wichtigste und mit Abstand bisher größte und schwerste Frachtgut
einer Raumfähre wird ein neuartiger Nachrichtensatellit des US-Amtes für Luftund Raumfahrt (NASA) sein.

Es handelt sich um den TDR-Satelliten ("Tracking

and Data Relay Satellite" - Satellit zur Bahnbeobachtung und Datenübermittlung),
der nach dem Absetzen in der Erdumlaufbahn in 270 km Höhe in einem sog. erdsynchronen Orbit in 36 000 km Höhe stationiert werden soll.
Ein Direktstart mit einer der üblichen Trägerraketen für Nachrichtensatelliten von der Erde aus wäre wegen des hohen Gewichts von TDRS gar nicht
möglich.

Er wiegt 18 Tonnen, wovon allerdings der größte Teil auf sein eigenes

Antriebssystem entfällt.

Das Gerät hat 3 m Durchmesser und ist 5,77 m hoch;

bei der Stationierung an seinem "Betriebsort" hat TDRS immerhin noch 2,5 Tonnen Gewicht und wird somit der größte Nachrichtensatellit der Welt in einer
geostationären Bahn sein.

Er ist mit Kollektoren für Sonnenenergie ausge-

�Sonnenenergie ausgerüstet.

Mit ausgefahrenen Solarzellenflügeln beträgt der

Durchmesser 17 m.
Bei Ausnutzung seiner vollen Kapazität wird TDRS in der Lage sein, zu
28 anderen Satelliten zu "sprechen", die von staatlichen Stellen oder kommerziellen Organisationen betrieben werden.

Die dabei erfaßten Daten werden

nicht verarbeitet, sondern direkt zur Bodenstation übermittelt.

Auch der

Funksprechverkehr mit der Raumfähre wird künftig über TDRS laufen.

Bisher

war die NASA auf 13 über die ganze Erde verstreute Bodenstationen angewiesen,
um mit einem Raumtransporter bzw. dessen Besatzung Verbindung zu halten.

Den-

noch gab es immer wieder Lücken in der Kommunikation, d.h. Zeitspannen, fn
denen sich das Fluggerät außerhalb der Reichweite der nächstgelegenen Boden•,s£ationen für den Empfang seiner Funksignale befand.
Im Juli 1983 soll von CHALLENGER aus ein zweiter Satellit dieses Typs
gestartet werden.

Jeder ist in der Lage, pro Sekunde 37 Millionen Informa-

tionseinheiten aufzunehmen und zu übermitteln,

über eine einzige Bodensta-

tion in New Mexico kann dann die NASA ständige Funkverbindung zu den Raumfähren und zu zahlreichen anderen Satelliten halten.

Die bei der kalifor-

nischen Firma TRW, Inc. gebauten TDRS-Geräte werden von dem Unternehmen "Space
Communications" betrieben, einer Tochtergesellschaft von Western Union,
Fairchild Industries und Continental Telephones.
TDRS-System für zehn Jahre gemietet.

Von ihr hat die NASA das

Wenn im September 1983 zum ersten Mal

SPACELAB - betreut von dem deutschen Wissenschaftsastronauten Ulf Merbold •JJD-Raumtransporter zum Einsatz kommt, wird das neue Nachrichtensystem voll
betriebsfähig sein.

Experimente
An Bord der CHALLENGER befinden sich wieder einige Experimentierausrüstungen in sog. "Getaway"-Kanistern, in denen die Versuche wartungsfrei
ablaufen.

Die Kanister gibt es in drei verschiedene Größen.

Jedermann bzw.

jedes Unternehmen oder Forschungsinstitut kann die Dienste der NASA zur Durch- 3 -

�zur Durchführung bestimmter Experimente in Nikrogravitation (in der Erdumlaufbahn ist im Vergleich zur Erdoberfläche nur ein winziger Bruchteil von Schwerkraft wirksam) in Anspruch nehmen.

Je nach Größe des Kanisters oder Inan-

spruchnahme von Raum an Bord werden Gebühren in verschiedener Höhe an die NASA
entrichtet.

So bezahlt die japanische Zeitung Asahi Shimbun für die Mitnahme

eines von ihr geförderten Experiments 10 000 Dollar.

Der Kanister enthält eine

90 kg schwere Apparatur zur Produktion von Schneeflocken.

Man will herausfin-

den, ob in der Schwerelosigkeit gleichmäßig große und einheitlichere Eiskristalle als auf der Erde zu erzeugen sind.
Ein ähnliches, von amerikanischen Studenten ausgearbeitetes Experiment
wurde bereits beim COLUMBIA-Flug STS-5 mitgeführt; die Kristalle wuchsen in
einer chemischen Lösung.

Für die Elektronik- und Computer-Industrie können

solche Versuche sehr wichtig sein, wenn es darum geht, mit besseren Kristallen
aus verschiedenen Materialien leistungsfähigere und langlebigere Bauelemente
für Schaltkreise zu entwickeln.
Kadetten der Luftwaffenakademie in Colorado Springs zahlten ebenfalls
10 000 Dollar für die Mitnahme einer wartungsfrei arbeitenden Versuchsausrüstung, in der man unter Schwerelosigkeit Metalle, die sich auf der Erde
nicht mischen lassen, verbinden will. Im Auftrag des Bundesforschungsministeriums in Bonn war im November 1982 ein Experiment dieser Art mit an Bord
der COLUMBIA genommen worden. Die Bundesrepublik hat insgesamt 25 "Getaway
Special Canisters" zur Mitnahme bei Raumtränsporterflügen gebucht.
Die amerikanische Firma Park Seed Company in Greenwood, Südkarolina,
entrichtet eine Gebühr von 3000 Dollar für einen Kleinkanister, der 46 Arten
von Blumen-, Gemüse- und Kräutersamen enthält.

Das Experiment soll Aufschluß

darüber bringen, ob bestimmte Methoden des Ansetzens der Samen ihr Keimen
und das Wachsen der jungen Pflänzchen fördern.

Solche Informationen könnten

wichtig sein, wenn bei späteren bemannten Raumflügen bzw. in einer Raumstation
zusätzliche Nahrungsquellen oder Möglichkeiten für die Produktion von Frischkost erschlossen werden sollen.

Einem Bericht von NASA-Direktor James M.

Beggs zufolge hat die NASA mit acht Konsortien aus der Industrie und von Uni- 4 -

�von Universitäten Studien über die Notwendigkeit und Nützlichkeit von Raumstationen vereinbart. Die Ergebnisse sollen Anfang 1983 vorgelegt werden.
Eine Reihe anderer wissenschaftlicher und technischer Experimente,
die in früheren Raumfähren-Flügen begonnen wurden, laufen an Bord der
CHALLENGER weiter. Dazu gehört z.B. die Beobachtung von Blitzen auf der
Tag- und Nachtseite der Erde, ferner der Betrieb eines kleinen Reaktors zur
Produktion winziger Latex-Kügelchen einheitlicher Größe, die als Träger für
Medikamente dienen können, sowie einer Elektrophorese-Apparatur.

+ + + + +

5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan bekräftigt Unterstützung für afghanische Freiheitskämpfer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zum dritten Jahrestag der sowjetischen Invasion -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carstens und Burns unterstreichen Bedeutung des Jugendaustauschprogramms&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dreitätiges Symposium in Bonn -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;State Department veröffentlicht Bericht über Lage in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Widerstandsbewegung wurde stärker -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA leisten Hauptbeitrag für afghanische Flüchtlinge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erstflug der Raumfähre "CHALLENGER"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Größter Nachrichtensatellit der Welt als Nutzlast -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
12. Januar 1983
INHALT
DOKUMENTATION
Reagan:

Vizepräsident Bush kommt zu Konsultationen nach Europa

- Rundfunkansprache des amerikanischen Präsidenten Reagan:

Nichtangriffspakt-Vorschlag sollte erwogen werden

- Erste Pressekonferenz des US-Präsidenten im neuen Jahr US-Gesandter wlirdigt deutschen Beitrag zum Aufbau Amerikas
- Festrede von William M. Woessner in Krefeld USA unterstreichen deutsch-amerikanische Freundschaft
- Grußbotschaften zum 300. Jahrestag deutscher Einwanderung INFORMATION
Elizabeth Dole zun neuen Verkeh "sminister der USA nomini ert
WIRTSCHAFT
Die Strategie der US-Bundesbank für den wirtschaftl ichen Aufschwung
- Interview mit Vizepräsident Preston Martin WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Langer Weg zur gesteuerten Kernfusion
- Neuer amerikanischer Testreaktor in Betrieb genommen

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�12. Januar 1983

REAGAN: VIZEPRÄSIDENT BUSH KOMMT ZU KONSULTATIONEN NACH EUROPA
- Rundfunkansprache des amerikanischen Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 8. Januar 1983 in
seiner wöchentlichen Rundfunkansprache an das amerikanische Volk mitgeteilt,
daß Vizepräsident George Bush Ende dieses Monats zu Konsultationen mit den
Verbündeten Amerikas nach Europa reisen werde.
Die Ansprache Reagans befaßte sich ausschließlich mit den Beziehungen
der USA zur Sowjetunion.

Er forderte Moskau erneut zur Mäßigung auf und

unterstrich, daß Amerika immer bereit sei, sich mit den Sowjets an einen
Tisch zu setzen, um praktische Maßnahmen zur Lösung der anstehenden Probleme
und einer echten Verbesserung der Ost-West-Beziehungen zu erörtern.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Meine amerikanischen Mitbürger.

Ich möchte Ihnen heute einige Gedan-

ken über die wichtigsten Aspekte der Rolle Amerikas in der Welt - über die Beziehungen zur Sowjetunion - vortragen.

Die Wahrung des Friedens für beide

Länder und damit für die gesamte Menschheit hängt von unserer klugen und beständigen Gestaltung dieser Beziehungen ab.
Wie Sie

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�wie Sie wissen, ist in Moskau ein neuer Führer an die Macht gelangt.
Es hat viele Spekulationen darüber gegeben, ob dieser Wechsel auch eine Änderung im Hinblick auf den Abbau von Spannungen und der Lösung einiger der
zwischen uns stehenden Probleme bedeuten könne.

Niemand hofft mehr als ich,

daß die Zukunft eine Verbesserung unserer Beziehungen zur Sowjetunion und
eine Ära der echten Stabilität bringen wird.
Was könnte wohl wichtiger sein als die Verminderung der Gefahr einer
Konfrontation, die Stärkung der Aussichten für einen dauerhaften Frieden,
den Abbau der nuklearen Arsenale, die Erleichterung des menschlichen Leidens
in Afghanistan, Kampuchea und anderswo auf der Welt?

Mit Ihrer Unterstützung

hat meine Administration Anstrengungen zur Wiederherstellung unserer Stärke,
unserer Glaubwürdigkeit und der Klarlegung unserer Zielsetzungen in der Welt
eingeleitet.

Unser Ziel war und ist es, sicherzustellen, daß Amerika den

Willen und die Mittel hat, um vor einem Konflikt abzuschrecken und die Interessen der Freiheit zu verteidigen.

Wir haben dies aus dem einen Grunde - und

nur aus dem einen Grunde - getan, weil ein starkes, geachtetes Amerika die
sicherste Möglichkeit bietet, den Frieden zu bewahren und den Konflikt zu
verhindern.
Bei diesem Vorhaben müssen wir aus der Geschichte lernen. Wir alle
haben die großen Hoffnungen und die tiefen Enttäuschungen der siebziger Jahre
erlebt, als dann nämlich die sowjetische Antwort auf unsere einseitige Zurückhaltung darin bestand, daß Moskau seine Aufrüstung beschleunigte, in der Entwicklungswelt Gewalt schürte, in das benachbarte Afghanistan einmarschierte
und die Unterdrückung Polens unterstützte.
Diesen Lehren können wir uns einfach nicht entziehen.

Wenn es bessere

beiderseitige Beziehungen geben soll, dann müssen sie aus der Mäßigung des
sowjetischen Verhaltens resultieren - und nicht nur aus unseren eigenen guten
Absichten.
In der

�In der jüngsten Zeit kamen einige ermutigende Worte aus Moskau.

Die

Sowjets wünschen offensichtlich, entgegenkommender und vernünftiger zu erscheinen.

Aber gemäßigte Worte sind nur dann überzeugend, wenn sie auch

einem gemäßigten Verhalten entsprechen.
Wir müssen also herausfinden, ob die Sowjets wirklich an einer Verminderung der bestehenden Spannungen interessiert sind.

Wir und unsere de-

mokratischen Partner sind wirklich bereit, mit ihnen ernsthafte Vorschläge
zu erörtern, die die Sache des Friedens in echter Weise fördern können.

Wir

verlangen nicht, daß die Sowjetunion ihre Stellung als Supermacht oder ihre
legitimen nationalen Interessen aufgibt.
Wir hoffen vielmehr, daß die neue Führung in Moskau erkennen wird,
daß es den sowjetischen Interessen förderlich wäre, wenn das Blutvergießen
in Afghanistan aufhören und im Nahen Osten Zurückhaltung geübt würde, wenn
Reformen und damit eine Stärkung der Stabilittät in Polen zugelassen, die
unvergleichliche sowjetische Aufrüstung - wie wir vorgeschlagen haben - beendet und die überaus gefährlichen Kernwaffen auf ein weitaus geringeres und
gleiches Niveau vermindert würden.
Wir sind bereit, auf Regelungen aller ungelösten Probleme hinzuarbeiten.
Das bedeutet jedoch nicht, daß wir unsere eigene Verteidigung vernachlässigen sollten.

Das würde unsere Fähigkeit unterminieren, den Frieden zu wahren,

und jede Chance gefährden, die wir vielleicht haben, um das sowjetische Verhalten zu ändern.

Aber es bedeutet, daß wir immer bereit sind, uns mit den

Sowjets an einen Tisch zu setzen, um praktische Maßnahmen zu erörtern, die
Probleme lösen und zu einer dauerhafteren und echten Verbesserung der OstWest-Beziehungen führen könnten.
Im kommenden Monat werden sowjetische und amerikanische Unterhändler
in Genf die Gespräche über strategische Kernwaffen und nukleare Mittel Streckensysteme wieder aufnehmen.

In beiden Verhandlungsrunden haben die Sowjets mit

eigenen Vorschlägen reagiert.

Damit ist eine ernsthafte Grundlage für einen

- 3 -

�für einen Fortschritt gelegt worden. Amerika wird energisch und mit gutem
Willen verhandeln, um baldige Abkommen zu erreichen, die verminderte und
gleichwertige Streitkräfteebenen vorsehen.

Die sowjetische Führung muß ver-

stehen, daß der Weg zur Verminderung der nuklearen Gefahr darin besteht,
daß in dem gleichen aufrichtigen Geist verhandelt wird, und nicht darin, daß
man versucht, Zwietracht zwischen dem amerikanischen Volk und unseren NATOVerbündeten zu sä'en. Eine solch negative Taktik muß einfach fehlschlagen
und kann wirkliche Fortschritte nur verzögern.
Ein Eckpfeiler im Hinblick auf die Beziehungen zur Sowjetunion sind
enge Konsultationen mit unseren Verbündeten über gemeinsame politische und
sicherheitspolitische Fragen.
gebeten, nach Europa zu reisen.

In diesem Sinne habe ich Vizepräsident Bush
Ende dieses Monats wird er die Bundesrepublik

Deutschland, die Niederlande, Belgien, die Schweiz, Italien, Frankreich und
Großbritannien besuchen, und im Vatikan wird er mit Papst Johannes Paul II
zusammentreffen.

In der Schweiz wird der Vizepräsident mit der Verhandlungs-

delegation für die strategischen Rüstungsverminderungsgespräche, die wir
START nennen, zusammenkommen, sowie mit unserer Delegation für die nuklearen
Mittelstreckenkontrollgespräche, die wir als INF bezeichnen, und er wird
auch an einer Sitzung des Genfer Abrüstungsausschusses teilnehmen.
Der Besuch des Vizepräsidenten bei diesen engen Freunden und Verbündeten sowie seine Gespräche im Vatikan und in Genf unterstreichen unsere grundlegende Verpflichtung für den Frieden und die Sicherheit in Europa und für
echte Rüstungsverminderungen.
Das neue Jahr beginnt also mit der Hoffnung für uns alle, daß bei entschlossenem und klugem Handeln 1983 ein Jahr des friedlichen Fortschrittes
für Amerika, für unsere Verbündeten, für die Bevölkerung der UdSSR und für
die gesamte Welt werden kann.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Januar 1983

REAGAN: NICHTANGRIFFSPAKT-VORSCHLAG SOLLTE ERWOGEN WERDEN
- Erste Pressekonferenz des US-Präsidenten im neuen Jahr •

WASHINGTON - (AD) - Nach Ansicht Präsident Reagans ist ein Nichtangriffspakt zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und der NATO "etwas, das gewiß
erwogen werden sollte."

Auf seiner ersten Pressekonferenz in diesem Jahr,

die vom Fernsehen landesweit übertragen wurde, sagte der amerikanische Präsident am 5. Januar, über diesen Vorschlag der Warschauer-Pakt-Staaten müsse
mit allen NATO-Verbündeten beraten werden.

Zur Frage eines Gipfeltreffens mit

dem sowjetischen Parteichef Andropow erklärte Reagan, er würde "im Prinzip"
ein solches Treffen begrüßen; allerdings müsse es sorgfältig vorbereitet werden.
Zu Beginn seiner Pressekonferenz, die sich überwiegend mit innenpolitischen Fragen wie dem Haushaltsdefizit, der Arbeitslosigkeit und den Sozialleistungen befaßte, teilte der Präsident mit, daß er Elisabeth Dole, die bisher
mit Aufgaben der Öffentlichkeitsarbeit im Weißen Haus betraut war, zum neuen
Verkehrsminister der USA nominiert habe.

Sie soll die Nachfolge von Andrew

L. Lewis antreten, der im Februar in die Privatwirtschaft zurückkehren will.
Die wesentlichen

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�Die wesentlichen Fragen und Antworten zur Außenpolitik haben folgenden
Wortlaut:

Nichtangriffspakt und Gipfeltreffen
FRAGE: Es hat in der letzten Zeit eine Reihe von Vorstößen seitens
der Sowjetunion gegenüber dem Westen gegeben. Heute hat der Warschauer Pakt
einen Nichtangriffspakt mit der NATO vorgeschlagen. Und, wie Sie wissen, hat
der sowjetische Parteichef Andropow vor zwei Wochen den Gedanken eines Gipfeltreffens mit Ihnen vorgebracht. Wie ist Ihre Reaktion auf diese neuen Entwicklungen?
ANTWORT: Dies ist etwas, das meiner Ansicht nach gewiß erwogen werden
sollte, wenn sein Vorschlag wirklich ein Nichtangriffspakt ist. Was nun ein
Gipfeltreffen anbelangt, so bin ich im Prinzip dafür. Ich habe ein solches
Treffen mit Staats- und Parteichef Breschnew anläßlich der Abrüstungskonferenz
der Vereinten Nationen in New York vorgeschlagen - in der Annahme, daß er dort
sein würde. Und jetzt wissen wir, warum er diese Reise nicht antreten konnte.
So kam es also nicht dazu.
Meiner Meinung nach erfordert ein Gipfeltreffen eine gewisse Vorbereitung. Ich glaube nicht, daß man nur sagen kann: Wollen wir doch zusammenkommen und uns an einen Tisch setzen, und dann fragen, worüber sprechen wir
denn eigentlich? Ich meine, so etwas muß geplant werden. Und man muß wissen
und glauben, daß man etwas erreichen kann. Und wenn wir dessen sicher sein
können, dann würde ich eine Gipfelkonferenz begrüßen, wie ich auch seinen Vorschlag über die Fortsetzung der Rüstungsreduzierungsgespräche befürwortet habe.
FRAGE: Was haben Sie zu dem heutigen Vorschlag für einen Nichtangriffspakt zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt zu sagen?
ANTWORT: Dies ist ja etwas, was nun gerade passiert ist. Und dies erfordert Konsultationen mit allen unseren Verbündeten in der NATO.
Naher Osten

�Naher Osten
FRAGE:

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Sie mit dem Fortschritt der

Nahost-Initiative zufrieden sind, die Sie im Sommer letzten Jahres verkündet
haben.

Die Israelis sind immer noch im Libanon.die Syrer sind es auch,und

die Kampfhandlungen in Tripoli dauern an.

Ich möchte gerne wissen, was Sie

zu tun gedenken, um die Dinge schneller voranzubringen, insbesondere im State
Department?
ANTWORT:

Wir rufen Sonderbotschafter Habib aus dem Urlaub zurück.

Er

wird zu Botschafter Draper stoßen und müßte jetzt eigentlich schon dort sein.
Dies alles kommt nicht unerwartet für uns.

Natürlich hätten wir es lieber

gesehen, wenn sich alles schneller entwickelt hätte, aber angesichts der ganzen Situation - nicht nur im Libanon, sondern im ganzen Nahen Osten -haben wir
uns niemals irgendwelche Illusionen gemacht, daß irgendetwas sozusagen über
Nacht geschehen könnte.

Die Verhandlungen, die zu einem Abzug der ausländischen

Truppen führen werden, laufen jetzt.
Sie sagten, daß die Kampfhandlungen in Tripoli immer noch andauern.
Nun, dies ist erst seit kurzem der Fall, und es ist eine Tragödie, daß so etwas
geschieht.

Aber gerade darum drängen wir darauf, daß die fremden Truppen ab-

gezogen werden, so daß die neue libanesische Regierung Ordnung halten und für
ihre Souveränität sorgen kann.

Verschuldung der Dritten Welt
FRAGE:

Wie Sie wissen, sind in der Finanzwelt Besorgnisse über die große

Verschuldung einiger Entwicklungsländer - ich glaube, 300 Milliarden Dollar
allein in Lateinamerika - geäußert worden.

Sehen Sie angesichts dieser großen

Verschuldung irgendwelche Gefahren für das Bankensystem, und welche Schritte
unternimmt Ihre Administration, um mit diesem Problem fertigzuwerden?
ANTWORT:

Selbstverständlich

�ANTWORT: Selbstverständlich stellt dies ein Risiko dar. Dadurch entsteht meiner Meinung nach weltweit eine heikle Finanzsituation, wie ja auch
die Rezession die ganze Welt betrifft. Wir haben hinsichtlich des Weltwährungsfonds eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, auf die man als Hilfsmittel
zurückgreifen kann, und wir haben die Beiträge erhöht. Wir haben auch, wie
Sie alle wissen, einseitige Schritte gegenüber einigen unserer Nachbarn eingeleitet, um sie über Wasser zu halten und ihnen zu helfen. Und als Ergebnis
dieser Maßnahmen hat eine Anzahl von Ländern Sparprogramme in Angriff genommen.
Ich neige zu der Ansicht, daß wir dies gut durchstehen werden. Wenn es
natürlich weitgehend ein Fehl verhalten und Versäumnisse geben sollte, dann
würde dies zu einigen sehr ernsten Problemen führen.

- 4 -

�12. Januar 1983

US-GESANDTER WÜRDIGT DEUTSCHEN BEITRAG ZUM AUFBAU AMERIKAS
- Festrede von William M. Woessner in Krefeld -

KREFELD - (AD) - Der Gesandte an der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland,
William M. Woessner, hat am 9. Januar 1983 in Krefeld anläßlich
des 300. Jahrestages der Einwanderung der ersten deutschen Siedler
den Beitrag dieser Einwanderer zum Aufbau Amerikas gewürdigt und
die deutsch-amerikanische Freundschaft bekräftigt. Die Festrede
des amerikanischen Gesandten hat folgenden Wortlaut:
Herr Oberbürgermeister,
Herr OberStadtdirektor,
Liebe Ehrengäste,
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Es ist mir eine ganz besondere Freude und Ehre, als persönlicher Vertreter von Botschafter Arthur B u m s , Ihnen allen die
Grüße und Glückwünsche der Angehörigen der amerikanischen Botschaft
in Bonn zu überbringen.
Wir haben

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�Wir haben uns hier versammelt, um den 300. Jahrestag der Einwanderung der ersten Deutschen in das Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten zu feiern. Ich halte es für vollkommen angebracht,
diese Feier nicht nur zur Bekräftigung der deutsch-amerikanischen
Freundschaft, sondern auch dazu zu benutzen, dieses Ereignis in
die dringend angezeigte historische Perspektive zu rücken: Unsere
Beziehungen haben schließlich nicht erst nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen.
•

Die beherzten Mennoniten aus dem Raum Krefeld, derer wir heute
gedenken, gehörten zu den ersten Deutschen überhaupt, die in die
Neue Welt zogen, um dort einen neuen Anfang zu versuchen. Aus
einem Rinnsal von Einwanderern wurde bald schon ein Fluß und gegen
Ende des 19. Jahrhunderts gar ein Strom. Die Namen mancher Auswanderer aus Deutschland zieren heute die amerikanische Geschichte:
Johann Peter Zenger, der der Pressefreiheit in den amerikanischen
Kolonien einen bahnbrechenden Sieg erkämpfte; Friedrich Wilhelm
von Steuben, der George Washingtons Revolutionsheer im Soldatenhandwerk unterwies und es befähigte, Amerikas Unabhängigkeit zu
erstreiten; Carl Schurz, ein überzeugter Demokrat, der gemeinsam
mit Präsident Abraham Lincoln für die Abschaffung der Sklaverei
kämpfte, unter Präsident Rutherford Hayes als Innenminister diente
und den amerikanischen Staatsdienst reformierte; Johann Roebling
und dessen Sohn Augustus; Leopold Damrosch und seine Söhne Walter
und Frank; Bruno Walter; Albert Einstein; Henry Kissinger und
Wernher von Braun - eine Liste, die sich beliebig erweitern ließe.
Zusammen mit diesen berühmten Persönlichkeiten kamen Millionen von
Bauern, Arbeitern, Handwerkern, Künstlern und Intellektuellen,
die alle mithalfen, auf amerikanischem Boden eine starke und
dynamische demokratische Gesellschaft zu errichten. Sie alle
weihten der neuen Heimat ihr Hirn und Herz, ihr Talent,

- 2 -

�ihr Talent, ihre Tatkraft und ihre Loyalität und hielten dennoch
an der Liebe zu dem Land fest, das sie hinter sich gelassen hatten.
Bis tief in das 20. Jahrhundert hinein blühten und gediehen in
Amerika deutsche Musikkapellen, deutsche Gesang- und Turnvereine
und andere gesellige Vereinigungen. Die verwandtschaftlichen Bande
und kulturellen Bindungen zu Deutschland bereicherten das Leben in
Amerika bis in die Tage hinein, als sie durch die Feindseligkeiten
des Ersten Weltkrieges schwer zerrüttet und durch die Schrecken des
Zweiten Weltkrieges nahezu gänzlich zunichte gemacht wurden. Es
wirkt wie eine Ironie der Geschichte, daß es ein Nachfahre deutscher
mennonitischer Auswanderer namens Eisenhower war, der auf diesen
Kontinent zurückkehrte an der Spitze der Alliierten Truppen, die
der Nazi-Diktatur auf alle Zeiten ein Ende setzten.
Heute haben über die Hälfte der Bewohner Deutschlands keine
persönlichen Erinnerungen mehr an die ersten schrecklichen Monate
unmittelbar nach dem Ende der langen Nacht der Barbarei. Das Land
verstümmelt und geteilt, Trümmerhaufen dort, wo einst große Städte
standen, eine darniederliegende Wirtschaft, Millionen von Flüchtlingen, Hunger, Hoffnungslosigkeit und die Bitternis eigener Schuld
das war Deutschland 1945. Dann aber geschah etwas Ungewöhnliches:
Der Sieger streckte dem Verlierer die Hand der Versöhnung entgegen.
In einer richtungweisenden Rede öffnete der damalige amerikanische
Außenminister Byrnes ein Jahr nach Kriegsende in Stuttgart Deutschland das Tor zur Rückkehr in die Völkerfamilie. Mit dem MarshallPlan erhielt Deutschland Hilfe zur Selbsthilfe. Und in den heroischen Tagen der Berliner Luftbrücke gelangten die einstigen Gegner
zu der Erkenntnis, daß sie sich in die Liebe zur Freiheit und in
den Willen zu deren Verteidigung teilen.
Aus diesen

�Aus diesen Anfängen heraus begannen die Bewohner des westlichen
Teils Deutschlands mit dem Aufbau eines neuen deutschen Staates.
Gestützt auf Traditionen des Humanismus, der Aufklärung und des
Liberalismus, die alle Phasen der deutschen Geschichte überdauert
hatten, begründeten sie eine festgefügte parlamentarische Demokratie
mit einer unabhängigen Justiz und Vorkehrungen zum Schutz der
Bürgerrechte. Die Deutschen zogen einen Schlußstrich unter Jahrhunderte der Feindschaft mit ihren Nachbarn im Westen und halfen
mit, die Grundlagen für Zusammenarbeit und Wohlstand in Europa zu
schaffen. Eingebettet in die Gemeinschaft des Westens suchten sie
die Aussöhnung mit ihren Nachbarn im Osten. Sie boten, soweit dies
menschenmöglich ist, Wiedergutmachung für die Verbrechen der Vergangenheit. In den Ratsversammlungen der Welt wurden die Deutschen
bald zu einer Kraft, die sich unablässig für die Unterstützung der
Hilfsbedürftigen und die friedliche Regelung von Streitfragen verwendet. Sie gaben jenen Deutschen, die ausgewandert waren, den
Stolz auf ihr Vaterland zurück, und setzten Zeichen der Hoffnung
für alle jene Deutschen, die noch immer unter einer Tyrannei zu
leben gezwungen waren. Das sind gewaltige Leistungen, auf die die
Bürger der Bundesrepublik Deutschland mit vollem Recht stolz sein
können.
Seit über dreißg Jahren haben die Bundesrepublik, die Vereinigten Staaten und andere Demokratien in der Nordatlantischen Gemeinschaft als souveräne und gleichberechtigte Bündnispartner den Frieden bewahrt. Wir sind miteinander verbunden, nicht nur durch gemeinsame Sicherheitsinteressen, sondern vor allem durch gemeinsame Wertvorstellungen. Sie bringen Sinn und Inhalt in unser tägliches
Leben. Denken wir einen Augenblick nach. Wir haben die Freiheit

- 4-

�die Freiheit der Wahl, wo wir leben, wo wir arbeiten und was wir mit
unserer Freizeit tun wollen. Unser Heim, unser Eigentum und unsere
Person sind sicher gegenüber staatlicher Willkür. Wir haben ein
Recht auf unser Privatleben. Wir können zu Gott beten, wie wir
wollen - oder auch überhaupt nicht. Wir können uns am politischen
Leben beteiligen, um friedlichen Wandel anzustreben - oder wir
können für uns bleiben. Wir haben die Freiheit zu lesen, zu schreiben, zu sprechen und zu demonstrieren - ohne Furcht. Man braucht
sich nur in der Welt unzusehen, um festzustellen, wie selten diese
Freiheiten sind. Man braucht nur einen Blick in die Geschichte zu
werfen, um zu sehen, wie schwer es war, sie zu erlangen, und wie
leicht man sie verlieren kann. Sie sind es wert, bewahrt zu werdeiit
Sie sind es wert, verteidigt zu werden.
In diesem Jahr werden unser Mut, unser politischer Wille und
unsere Einigkeit auf eine ernste Probe gestellt werden. Selbstvertrauen und Vertrauen des einen auf den anderen werden notwendig
sein. Bleiben wir standhaft, gelassen und vor allem einig, dann
wird uns keine Macht der Erde einschüchtern, uns erpressen oder
unserer Freiheiten berauben können; dann werden wir die Gewähr
schaffen, daß die Generationen nach uns in Frieden und Freiheit
leben können, und dann werden sich eines Tages - so Gott will Deutsche und Amerikaner abermals in Krefeld versammeln, um den
400. Jahrestag des Bestehens der deutsch-amerikanischen Freundschaft zu feiern.
+ + +

- 5 -

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

12. Januar 1983

USA UNTERSTREICHEN DEUTSCH-AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT
Grußbotschaften zum 300. Jahrestag deutscher Einwanderung -

KREFELD - (AD) - Die amerikanische Regierung hat in Grußbotschaften
anläßlich der Feierlichkeiten zum 300. Jahrestages der ersten deutschen Einwanderung in Amerika auf die tiefe und langjährige deutsch-amerikanische
Freundschaft und Partnerschaft hingewiesen.
Zur Eröffnung der deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern gab
der Präsident der "Heritage Foundation", Dr. Edwin J. Feulner, als Vertreter der von Präsident Reagan hierzu eigens eingesetzten Kommission am 9. Januar 1983 in Krefeld eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Im Namen des amerikanischen Volkes grüße ich alle, die sich hier in
Krefeld zur Eröffnung der Feierlichkeiten eines Gedenkjahres eingefunden haben, in dem wir in beiden Ländern den 300. Jahrestag der Ankunft der Siedler
von Germantown begehen werden.

Die Familien, die Krefeld im Jahre 1683 auf

dem Weg zu einer neuen Heimat verließen, die ihnen religiöse und politische
Freiheit verhieß, waren die Vorhut von mehr als sieben Millionen Einwanderern
aus deutschen Landen nach den Vereinigten Staaten.
Heute hat

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�Heute hat mehr als ein Viertel der Bevölkerung der Vereinigten Staaten
- rund 60 Millionen unserer Bürger - deutsche Einwanderer als Vorfahren.

Seit

Ende des Zweiten Weltkrieges haben Deutsche und Amerikaner eine Partnerschaft
entwickelt, die von entscheidender Bedeutung ist für die Förderung und den
Schutz der Ideale, für die unsere beiden Länder eintreten. Wir verteidigen
diese Ideale der Demokratie, der Würde des Einzelmenschen und der Herrschaft
des Rechts im NATO-Bündnis.

Unsere Handelsbeziehungen sowie die gegenseiti-

gen Investitionen in die Volkswirtschaft
tigen Stärke und zum Fortschritt bei.

unserer Länder tragen zur beidersei-

Der gemeinsame Charakter unserer Anstren-

gungen kommt vielleicht am besten in unseren gemeinsamen Beiträgen zu einem in
die Zukunft weisenden Bereich der heutigen Technologie zum Ausdruck:
biet der Raumfahrt.

dem Ge-

Im Verlauf dieses Jahres wird die amerikanische Raum-

fähre mit einem europäischen Laboratorium an Bord in den Weltraum vorstoßen.
Und der erste nichtamerikanische Astronaut, der sich von Kap Kennedy aus in
eine Umlaufbahn begeben wird, ist Pin Deutscher.
Im letzten Jahr hat Präsident Reagan Bonn und Berlin besucht und Bundeskanzler Kohl in Washington willkommen geheißen. In diesem Jahr erwarten wir
den Besuch von Bundespräsident Carstens im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten
zum 300. Jahrestag der ersten deutschen Einwanderer. Präsident Reagan hat eine
Kommission zur Förderung und Koordinierung der Aktivitäten und Veranstaltungen
im Rahmen der Dreihundertjahrfeiern überall in den Vereinigten Staaten eingesetzt. Wir erwarten in diesem Jubiläumsjahr ein stärkeres Bewußtsein des
deutsch-amerikanischen Erbes in den Vereinigten Staaten und eine Vertiefung
des Verständnisses unserer Völker füreinander, insbesondere unter den jungen
Menschen, für die der Marshallplan und die Berliner Blockade nur noch historische
Ereignisse sind. Es ist von äußerster Wichtigkeit für die Stärke unserer Partnerschaft, daß wir immer wieder die Bindungen der Freundschaft und des Respekts
erneuern, die jene von uns füreinander empfinden, die sich am Wiederaufbau
Deutschlands und Westeuropas beteiligt haben. Deshalb hat Präsident Reagan
gefordert, daß ein erneuter Nachdruck auf die Austauschprogramme zwischen
Deutschland und den Vereinigten Staaten gelegt wird. Wir Deutsche und Amerikaner müssen, als Einzelmenschen und als Nation, unser Eigenleben führen, aber
wir müssen auch gemeinsam die Zeit aufbringen, um jenes Verständnis und jene
- 2 -

�und jene Sympathie zu fördern, die zwischen Freunden immer wieder erneuert
werden müssen.
Ich entbiete der Bevölkerung von Krefeld und der Bundesrepublik
Deutschland meine besten Grüße, wo man jetzt mit den Feierlichkeiten zum
Gedenken an die mutigen Siedler beginnt, die vor 300 Jahren Deutschland verließen und den Prozeß der Bereicherung unserer Gesellschaft einleiteten einen Prozeß, der von deutschen Einwanderern bis auf den heutigen Tag fortgesetzt worden ist.

Sowohl Deutsche als auch Amerikaner dürfen einem beson-

deren Jahr der Vertiefung der deutsch-amerikanischen Freundschaft und Verständigung entgegensehen.
Der Vorsitzende der von Präsident Reagan eingesetzten Kommission für
die deutsch-amerikanischen Drei hundertjahrfeiern, Richard V. Allen, übermittelte folgende Grußbotschaft:
Als Vorsitzender der von Präsident Reagan benannten Kommission für die
deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern ist es mir eine besondere Freude,
heute die Einwohner Krefelds zu grüßen.

Während dieses Jubiläumsjahres werden

überall in den Vereinigten Staaten Hunderte von Feierlichkeiten stattfinden,
um

das Vermächtnis des deutsch-amerikanischen Beitrages zu unserer Geschichte

zu würdigen.

Besonders sind wir uns der Bindungen bewußt, die heute die Bun-

desrepublik und die Vereinigten Staaten verbinden.
Es ist dies eine Zeit des erneuten Eintretens für den Geist und die
Ideale jener Deutsch-Amerikaner, die dazu beigetragen haben, daß unser Land
zur wirtschaftlichen, politischen und sozialen Führungsnation wurde, die es
heute ist, sowie all jener, die die Bindungen zwischen einer starken und
vertrauenswürdigen Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von
Amerika geschaffen haben.
In der Bundesrepublik werden anläßlich dieses Jubiläumsjahres ebenfalls zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, und wir in Amerika sehen diesem

- 3 -

�sehen diesem Jahr als einem Zeitabschnitt entgegen, in dem wir sowohl die
großen historischen Leistungen der Deutschen in Amerika als auch die gegenwärtige Stärke unserer gemeinsamen Bindungen würdigen werden.

+ + + + +

- 4 -

�12. Januar 1983

ELIZABETH DOLE ZUM NEUEN VERKEHRSMINISTER DER USA NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 5. Januar 1983
Elizabeth Hanford Dole zum neuen Verkehrsminister der Vereinigten
Staaten nominiert. Sie soll die Nachfolgerin von Andrew L. Lewis
werden, der kürzlich von seinem Amt zurückgetreten ist und im
Februar wieder in die Privatwirtschaft zurückkehren will. Die
Nominierung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Mrs. Dole, die während der letzten zwei Jahre im Weißen Haus
dem Stab für Öffentlichkeitsarbeit angehörte,wird in ihr neues Amt
eine beträchtliche administrative Erfahrung einbringen, die sie
während einer langjährigen Tätigkeit im öffentlichen Dienst der
Vereinigten Staaten, vor allem in dem früheren Ministerium für
Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen sowie in der Kommission
für Verbraucherinteressen und in der Bundeshandelskommission,
erwerben konnte. Die Hauptaufgabe in ihrem neuen Amt wird es jetzt
sein, das Verkehrsgesetz von 19 82 durchzuführen, das unter anderem
ein umfassendes Ausbesserungs- und Bauprogramm für reparaturbedürftige Straßen und Brücken in allen Teilen des Landes beinhaltet.
Elizabeth Dole

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Elizabeth Dole ist 46 Jahre alt und kommt aus dem Staate North
Carolina. Sie studierte an der Duke üniversity in Durham (North
Carolina) politische Wissenschaften und wechselte dann nach Harvard,
wo sie ein Jurastudium absolvierte, bevor sie nach Washington in den
Regierungsdienst ging. Mitte der sechziger Jahre war Mrs. Dole zeitweilig als Anwältin tätig, wobei sie sich insbesondere bedürftiger
Menschen annahm.
1975 heiratete sie den republikanischen Senator Robert Dole aus
dem Staat Arkansas, der gegenwärtig der Vorsitzende des einflußreichen Finanzausschusses des amerikanischen Senats ist und sich
1976 - allerdings erfolglos - um das Amt des Vizepräsidenten der
Vereinigten Staaten bewarb.
Mrs. Dole ist Inhaberin vieler AusZeichnungen,darunter der
Arthur S. Flemming-Medaille für hervorragende Arbeit im Regierungsdienst, und gehört zahlreichen Ausschüssen und politischen Gremien
an.

+ + +

�12. Januar 1983

DIE STRATEGIE DER US-BUNDESBANK FÜR DEN WIRTSCHAFTLICHEN AUFSCHWUNG
- Interview mit Vizepräsident Preston Martin -

Nachdruck nur mit ausdrücklicher Genehmigung der amerikanischen Zeitschrift "U.S.
News and World Report". Die Originalfassung des Interviews in Englisch erschien
in der Ausgabe der Zeitschrift vom 10. Januar 1983.
Copyright (c) 1983 U.S. News and World Report, Incorporated
Preston Martin, 59, wurde im März 1982
als Vizepräsident des Federal Reserve Board
(US-Bundesbank) vereidigt. Der Kalifornier
Martin hat zwei Firmen zur Finanzierung von
Immobilien gegründet. Von 1969 bis 1972
war er Aufsichtsratsvorsitzender der Federal
Home Loan Bank (staatliche Wohnungsbau- und
Hypothekenbank).

FRAGE: Mr. Martin, sind die Zinssätze jetzt niedrig genug, um den Beginn eines wirtschaftlichen Wiederaufschwungs zu ermöglichen?
ANTWORT:

Ich meine, sie sind jetzt niedrig genug für einen Beginn des

Wiederaufschwungs.
sinken.

Ich möchte hoffen, daß die Sätze im Jahr 1983 noch etwas

Die Zinssätze, vor allem für langfristige Kredite, sind noch zu hoch,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zu hoch.

Wenn ein Wiederaufschwung eintreten soll, der in ausreichendem Maße

aufrechterhalten werden kann, müssen die realen Zinssätze - die laufenden
Sätze abzüglich der Inflationsrate - weiter sinken.
FRAGE:
ANTWORT:

Wie tief müssen die Zinssätze sinken?
Das wissen wir nicht.

Wir müssen jene beobachten, die die Ent-

scheidungen treffen, die Leute, die neue Fabrikanlagen und Ausrüstungen bestellen und für die Läger zuständig sind.

In unserer Wirtschaft ändern sich so

viele Dinge - das ist das Zeichen dieses Jahrzehnts -, daß die alten Beziehungen nicht mehr gelten.

Wir wissen beispielsweise nicht, welcher Zinssatz im

Jahr 1983 ein reales vierprozentiges Wachstum hervorrufen würde.
FRAGE:

Die Bundesbank hat kürzlich den Diskontsatz, den sie für Kredite

an Landesbanken verlangt, gesenkt.
ANTWORT:

Warum?

Sie könnten sagen, daß wir den Markt zu Zinssenkungen ermuti-

gen, aber nur so weit, als die Marktbedingungen das ohne die Gefahr einer Wiederbelebung der Inflation erlauben.
FRAGE:
des Marktes.

Die Senkungen des Diskontsatzes 1982 folgten auf ein Nachgeben
Warum jetzt die Änderung, daß man den Markt bezüglich der Sätze

führt?
ANTWORT:

Wegen der Verzögerung des Wiederaufschwungs; wegen unserer

Erkenntnis, daß die Rezession nicht mehr auf Werkzeugmaschinen und Walzstraßen
allein beschränkt ist.

Sie ist überall festzustellen.

wirtschaften der Welt befinden sich in einer Rezession.

Auch die anderen VolksWir meinen, diese

Verhältnisse erfordern einige Ermutigung, und laden dazu ein.
FRAGE:
auslösen?

Welche Bedingungen würden eine weitere Senkung des Diskontsatzes

ANTWORT:
- 2 -

Wenn

�ANTWORT:

Wenn die jüngste Senkung des Diskontsatzes plus der anderen

Maßnahmen, die wir auf dem offenen Markt ergriffen haben, nicht zu nachfolgenden Senkungen der Zinssätze führen, dann müßten wir uns überlegen, warum
das so wäre.

Es könnte sein, daß wir nicht in der Lage wären, etwas dagegen

zu tun, ohne die Inflationseinschränkung zu verletzen.
Falle sitzen.

Die Bundesbank ist nicht allmächtig.

Wir könnten in der

Man muß in diesem Ge-

schäft auch etwas Glück haben.
FRAGE: Ist die Inflationsbekämpfung noch immer die oberste Priorität
der Bundesbank?
ANTWORT: Die Bundesbank hat vielfältige Aufgaben, denn der Kongreß
setzt uns vielfältige Aufgaben. Wenn Sie mich zwingen, in den Aufgaben Prioritäten zu setzen, dann würde ich die Inflationsbekämpfung an die erste Stelle
rücken und die Förderung des Wiederaufschwungs an die zweite. Aber ich bin
nicht der Meinung, daß sich diese Ziele gegenseitig ausschließen. Wir haben
sie sogar beide gleichzeitig verfolgt. Aber die Bekämpfung der Inflation steht
noch immer an erster Stelle.
FRAGE:

Wie tief muß die Inflationsrate gesunken sein, ehe wir sagen

können, wir haben es geschafft; wir können nach Hause gehen?
ANTWORT:

Das kann man nie sagen.

Wenn man sagt:

"Das einzige, was

uns interessiert, ist der Wiederaufschwung ", dann werden die Börsenmakler
sagen:

"Natürlich, die Bundesbank hat wieder nachgegeben.

Sie läßt die Geld-

pumpen wieder zu schnell laufen, und die Inflation kommt zurück.

Als Geld-

händler habe ich vorige Woche für eine ganz erstklassige Schuldverschreibung
einer Körperschaft 12 Prozent genommen, aber diese Woche verlange ich 13 Prozent, weil ich glaube, daß die Inflation einen weiteren Prozentpunkt steigen
wird und ich schließlich den gleichen Ertrag haben will.

Nächste Woche will

ich 14 Prozent und die übernächste will ich 15 Prozent", und dann ist es vorbei; dann ist der Wiederaufschwung dahin.
FRAGE:
- 3 -

Könnte

�FRAGE:

Könnte das Festhalten an einer Politik der Senkung der Inflation

durch ein bescheidenes Geldmengenwachstum nicht den Wiederaufschwung zunichte
machen?
ANTWORT:
würden:

Sicherlich, wenn wir es übertreiben würden.

Wenn wir sagen

"Wir wollen die Inflation in 12 Monaten auf Null bringen", dann wür-

den wir natürlich den Wiederaufschwung zunichte raaeben. Wenn wir genau das
richtige Wachstum der Geldmenge haben, dann wird das alles funktionieren.
FRAGE:

Wann wird ein Wiederaufschwung sichtbar werden?

ANTWORT:

Die Anzeichen sind bisher noch so schwach, daß ich diese Frage

nicht beantworten kann.
1983.

Die

Propheten sprechen von später und später im Jahr

Der Wiederaufschwung wird schwach sein und daher nicht von einem neuen

Ausbruch der Inflation oder einer anhaltenden Steigerung der Zinssätze begleitet werden.

Das hat Vorteile und Nachteile:

wenig Inflationsneigung aber zu-

viel Arbeitslosigkeit.
FRAGE:

Wie lange wird der Wiederaufschwung dauern?

ANTWORT: Dieser Aufschwung dürfte anhalten. Er wird nicht nach sechs
Monaten wieder aufhören und uns erneut in die Misere bringen. Er wird allerdings so bescheiden sein, daß er nicht über normal lange Zeit anhalten wird.
Aber wer weiß das? Die Produktivität nimmt wieder zu. Das Fernbleiben vom
Arbeitsplatz geht zurück. Die Arbeitsbedingungen werden in Tarifverträgen mit
den Gewerkschaften angepaßt.
FRAGE:

Wie groß ist die Möglichkeit, daß wir keinen Wiederaufschwung

erleben werden?
ANTWORT:
FRAGE:

Die ist sehr gering; ich möchte sagen fünf bis zehn Prozent.
Sind Befürchtungen, wir würden in eine Depression treiben, ge-

rechtfertigt?
ANTWORT: Nein;
_ 4 _

�ANTWORT:

Nein; was wir haben, ist eine strukturelle Anpassung.

Wir

werden im oberen Mittelwesten nicht so viele Walzwerke oder so viele Fabriken
der Schwerindustrie haben.

Unsere Grundindustrien, wie Stahl und Automobile,

werden etwas kleiner sein als früher.

Wir sind in der Computer-Industrie,

Videospielen, Kabel fernsehen, in der Informationsindustrie usw.

Gleichzeitig

werden wir in so vielen Industriezweigen von einer wirksameren ausländischen
Konkurrenz betroffen.

Wir erleben einen desinflationären Prozeß, bei dem die

Menschen mehr sparen und weniger ausgeben.
zeitig.

All diese Dinge geschehen gleich-

Es ist falsch, nur auf die Rezession zu starren.

1983, nicht im Jahr 1957.
eines Raumschiffs.
nicht aufgemacht.

Wir leben im Jahr

Wir~*ind in der hermetisch geschlossenen Luftschleuse

Wir haben die eine Tür geschlossen und die andere noch
Es handelt sich nicht um eine Depression, sondern um einen

mehrfachen Anpassungsprozeß.
FRAGE:

Wie sind die Aussichten für Preise und Arbeitslosigkeit im Jahr

1983?
ANTWORT:

Die Inflation wird noch etwas heruntergehen.

Die Arbeitslo-

sigkeit steigt noch, aber ich glaube, wir werden bald den Höchststand erreicht
haben.

Wegen der Schwäche des Wiederaufschwungs und wegen der Anpassungen in

der Wirtschaft, werden wir wahrscheinlich eine Kernrate der Arbeitslosigkeit
von 6,5 Prozent haben, und wir werden noch eine Zeitlang eine höhere Arbeitslosigkeit haben.
FRAGE:

Wie wirkt sich das Defizit im Bundeshaushalt auf diese Erwar-

tungen aus?
ANTWORT:

Der Finanzbedarf der Einzel Staaten und Kommunen - zusätzlich

zu dem des Bundesfinanzministeriums - verdrängt die Kreditnehmer vom Anleihenmarkt.

Das ist auf lange Sicht wichtiger, denn es nimmt dem Land produktive

Mittel.

Wenn wir weiterhin Defizite im Bundeshaushalt in der Nähe von 200

Milliarden Dollar haben, dann wird das bedeuten, daß wir die Erfordernisse des
Wiederaufbaus unserer Wirtschaft nicht erfüllen.

- 5 -

Wir müssen unsere industriellen

�unsere industriellen Anlagen wieder aufbauen.

Wir müssen unsere Infrastruktur

- Straßen, Dämme, Kanalisation - wieder aufbauen, und dazu brauchen wir viel
Kapital.
FRAGE:
ANTWORT:

Wie sollte dieses Defizit abgebaut werden?
Für die Geldseite ist die Bundesbank zuständig.

unsere Art, zum Kongreß zu laufen und zu sagen:
kürzen, nicht die Verteidigung".
achten den Kongreß sehr hoch.

Es ist nicht

"Sie sollten die Ansprüche

Wir geben keine solche Empfehlungen.

Wir

Wir haben über 500 Chefs (Abgeordnete und Se-

natoren); wir werden ganz sicher einem Chef nicht sagen, was er zu tun hat.
FRAGE:

Sollte der Kongreß die Ausgaben senken oder die Steuern er-

höhen?
ANTWORT: Wenn es darum geht, Anreize für die Produktion zu geben, dann
Ist es vorteilhafter, die Ausgaben zu senken statt die Steuern zu erhöhen.
Die Steuern sind als Prozentsatz des Bruttosozialprodukts ziemlich hoch. Wir
sind uns im klaren, daß verschiedene Industriezweige und Finanzinstitutionen
eine schwierige Zeit durchmachen. Ich würde es lieber sehen, wenn der Kongreß
seinen Griff auf die Mittel etwas lockern statt die Steuern erhöhen würde.
FRAGE:

Wie groß sollten die Ausgabenkürzungen sein?

ANTWORT: Ich meine, der Umfang der Kürzungen wird begrenzt sein, weil
ich nicht sicher bin, ob es im Land eine Obereinstimmung geben wird, wo gekürzt
werden sollte. Zumindest sollte die Rate der Ausgabenerhöhungen stark gesenkt
werden. Wenn die Leute von "Kürzungen" sprechen, dann meinen sie im allgemeinen, daß das Programm nicht 15 Prozent pro Jahr wachsen sollte, sondern nur
12 Prozent.
FRAGE:

Sollten die Verteidigungsausgaben in die Kürzungen einbezogen

werden?
ANTWORT:

Die

�ANTWORT:

Die Bundesbank ist kein Experte in Verteidigungsfragen, aber

ich möchte meinen, daß kein Gebiet der Ausgaben sakrosankt wäre.

Bei jedem

großen Programm gibt es Verschwendung und Unzulänglichkeiten, die gefunden
und beseitigt werden müssen.
FRAGE:

Welche Ziele hat die Bundesbank 1983 bezüglich des Geldmengen-

wachstums?
ANTWORT:

Die endgültigen Ziele stehen noch nicht fest. Wir werden bis

zum Februar eine gründliche Überprüfung vornehmen, um dann dem Kongreß zu berichten.

Wir warten noch die Reaktion auf die neuen Geldmarktkonten und So-

fortverfügungskonten (eine Art verzinster Giro-Konten) ab, die jetzt gerade
eingerichtet werden können.

Das Geld auf den bestehenden Bankeinlagen wird

sich verlagern, d.h. die Bundesbank wird ihre Ziele zu einem Zeitpunkt großer
Unsicherheit festlegen müssen.
FRAGE:

Hat die Bundesbank ihre Hauptaufmerksamkeit von M-l, der Grund-

geldmenge, auf M-2, eine breiter verfügbare Geldmenge, verlagert?
ANTWORT:

Wir sind bereits zu M-2 übergegangen, was die Spareinlagen

wie auch das Bargeld und Girogeld von M-l einschließt.

Wir haben niemals nur

M-l im Auge gehabt. Wir haben Ziele für M-l und M-2 gesetzt und haben auch erklärt, daß wir die Zinssätze als einen Wertmesser für unsere Ziele beobachten
würden.
FRAGE:

Wie gut ist die Kontrolle der Bundesbank über die Geldmenge

wirklich?
ANTWORT:
zu senken.

Wir haben wirklich sehr viel dazu beigetragen, die Inflation

Wir haben das Geldmengenwachstum gegenüber den letzten Jahren recht

beachtlich eingeschränkt.

Aber unsere Kontrolle ist begrenzt.

Die Bevölkerung

hat heute offensichtlich den Wunsch, über eine Menge Bargeld zu verfügen, und
unsere Aufgabe ist es, sie damit zu versorgen.

Wenn wir das Geldmengenwachstum

so drosseln, daß es gerade noch ausreicht, Transaktionen vorzunehmen, dann haben
- 7 -

�dann haben wir den Markt in einer Situation unterversorgt, in der die Öffentlichkeit offensichtlich große verfügungsbereite Konten haben will.

Das würde

dann zu einer Tendenz führen, daß die Zinssätze steigen und die Wirtschaftstätigkeit aufhört.

Zur Zeit haben wir also unsere Ziele in der oberen Hälfte

anvisiert und manchmal auch darüber.
FRAGE:
ANTWORT:

Warum sitzen die Leute auf mehr Geld?
Lieber Himmel, im Fernsehen kann man ständig etwas über das

Problem der Finanzierung der Sozialversicherung hören.

Viele Leute befürch-

ten, sie könnten ihre Sozialversicherungsrente nicht bekommen.

Das ist falsch,

aber die Leute haben vor fünf Jahren sicherlich nicht so gedacht.

Die Leute

fragen sich auch, ob sie ihren Arbeitsplatz behalten werden, und wir erleben
nicht die Hortungskäufe, die wir erlebten, als die Inflation nachließ.
FRAGE:
ANTWORT:

Wäre es besser, stattdessen ein Ziel für die Zinssätze zu setzen?
Wir haben die Methode der Zielsetzung für die Zinssätze bis

vor drei Jahren angewandt,und die Ergebnisse waren nicht sehr befriedigend.
Eine Zielsetzung für Zinssätze ist heute wegen der Bewegungen internationalen
Kapitals noch schwieriger.

Wenn viel Geld aus Obersee hereinkommt und die Zins-

sätze nach unten treibt, sollen wir dann den internen Geldumlauf einschränken?
Das internationale Geld könnte wieder nach Übersee abziehen.
Es sieht nicht so aus, als ob eine Zielsetzung für Zinssätze eine praktische Methode der Geldpolitik wäre.

Wir arbeiten jedoch für den Kongreß, und

im Kongreß hat es Vorschläge gegeben, uns anzuweisen, einen bestimmten Stand
der Zinssätze zu halten.
FRAGE:

Sie würden das natürlich nicht gerne sehen?

ANTWORT: Es würde die Handhabung der ganzen Maschinerie erschweren. In
einer Zeit solcher Ungewißheit brauchen wir Flexibilität. Wir legen unsere

- 8 -

�legen unsere Ziele und die wirtschaftlichen Faktoren, die wir zur Beurteilung
nehmen, offen.

Wir sind dreiundsiebzigmal vor dem 97. Kongreß gewesen, und

was wir tun, ist keinerlei Geheimnis.
FRAGE:

Sähen Sie einen Vorteil darin, den Finanzminister in das Direk-

torium der Bundesbank zu berufen, um die Koordination der Haushalts- und Währungspolitik zu verbessern?
ANTWORT:

Nein, wirklich nicht.

Die Kommunikation zwischen Vertretern

des Finanzministeriums und der Bundesbank ist übrigens sehr gut.
minister kommt mit dem Bundesbankpräsidenten zusammen.

Der Finanz-

Ich habe häufige Kon-

takte mit dem für Währungsfragen zuständigen Staatssekretär im Finanzministerium.
FRAGE:

Könnten einige der Entwicklungsländer wegen ihrer Schulden zah-

lungsunfähig werden und damit eine internationale Finanzkrise auslösen?
ANTWORT:

Nein, ihre Schuldenlast ist in den Griff zu bekommen.

Es er-

fordert ständig viel Arbeit, aber ich glaube nicht, daß eines der bekannten
Länder bankrott gehen wird.

Es liegt nicht in ihrem eigenen Interesse, sich

angesichts der Notwendigkeit zu importieren, von der ganzen Hilfe abzuschneiden, die sie aus dem Ausland bekommen.
FRAGE:

Unterstützen Sie den Vorschlag von Finanzminister Regan, daß

die westlichen Länder eine Überprüfung des Weltwährungssystems vornehmen?
ANTWORT: Ich halte es für gut, die wichtigen Finanzmächte der Welt zusammenzurufen, um die Mittel und Wege zu prüfen, mit deren Hilfe wir für Liquidität sorgen und Anleihen gewähren können, vor allem in diesen Problemfällen. Das ist eine gute Idee, aber ich denke da an eine Überprüfung und
Verbesserung der gegenwärtigen Praktiken und nicht an eine panische Suche nach
etwas ganz Neuem.

+ + + + +

- 9 -

�12. Januar 1983

2

LANGER WEG ZUR GESTEUERTEN KERNFUSION
Neuer amerikanischer Testreaktor in Betrieb genommen

- (AD) - In dem kürzlich fertiggestellten "Tokamak Fusion Test Reactor"
(TFTR) des Instituts für Plasmaphysik der Universität Princeton (US-Bundesstaat New Jersey) wurde Ende Dezember 1982 erstmals Wasserstoffgas so weit
aufgeheizt, daß sich die elektrisch negativen Elektronen von den elektrisch
positiven Atomkernen trennten und ein "Testplasma" bildeten.

Das als Plasma

bezeichnete ionisierte Gas konnte für die Dauer von fünf Hundertstel Sekunden
stabil gehalten werden.

Die aufgrund der Bewegungsenergie der Partikel er-

rechnete Temperatur im "Torus", der ringförmigen Plasmakammer, entsprach ca.
100 000 Grad Celsius.
Tausendmal

Die Temperaturwerte sollen nun gesteigert werden.

mehr, d.h. eine Temperatur von 100 Millionen Grad, ist er-

forderlich, um auf der Erde Energie mittels jener Prozesse zu erzeugen, die
sich im Innern unserer Sonne und anderer Fixsterne abspielen - dort allerdings bei Temperaturen von "nur" 12 bis 15 Millionen Grad.

Infolge der Ver-

schmelzung (Fusion) leichter Atomkerne-zü Kernen schwererer Elemente wird
nukleare Energie frei.

Sie kompensiert zu einem großen Teil Energieverluste,

die z. B. durch die Abstrahlung von Licht und Wärme entstehen.
Seit etwa

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Seit etwa drei Jahrzehnten bemühen sich Wissenschaftler in internationalen Forschungsstätten darum, das Prinzip dieser thermonuklearen Fusion für
die Gewinnung von Energie nutzbar zu machen.

Würden sich selbsttätig erhal-

tende, kontrollierte Verschmelzungsreaktionen verwirklichen und in wirtschaftlicher Weise nutzen lassen, wäre die Energieversorgung der Welt gesichert.
Denn der Rohstoff - Wasserstoff sowie seine Isotope Deuterium und Tritium ist praktisch unbegrenzt vorhanden und mit relativ geringen Kosten aufzubereiten.

Im Vergleich zu anderen Energieträgern würde er nur in äußerst ge-

ringen Mengen verbraucht.

Und im Gegensatz zur Energiegewinnung mittels

Kernspaltung von Uran und anderen dafür geeigneten schweren Atomkernen oder
zur Erbrütung von Spaltmaterial wäre das Risiko, Gefahren durch radioaktive
Materialien und Abfallprodukte heraufzubeschwören, unvergleichlich geringer,
wenn auch nicht völlig ausgeschaltet.

Immerhin ist Tritium ein radioaktives

Wasserstoffisotop, allerdings mit der kurzen Halbwertszeit von 12 Jahren.
Das nichtradioaktive Deuterium allein kommt im gegenwärtigen Stadium der Technologie noch kaum als Fusionsbrennstoff in Frage, weil es eine wesentlich
niedrigere Reaktionsrate besitzt.
Von der "Zähmung der Wasserstoffbombe" ist im Zusammenhang mit der
kontrollierten thermonuklearen Fusion d^e Rede, weil die - in einzelnen Experimenten für sehr kurze Zeit und in geringem Umfang auch schon erzielten Verschmelzungsreaktionen nicht explosionsartig ablaufen. Sie kommen zustande,
wenn die Abstoßungsenergie von Atomkernen mit gleicher elektrischer Ladung
durch die bei extrem hohen Temperaturen gegebene große Bewegungsenergie überwunden wird. So können Deuterium- und Tritiumkerne verschmelzen und Kerne
des schwereren Elements Helium bilden, wobei überaus energiereiche Kernneutronen
frei werden. Diese würden gezwungen, ihre Energie zur Erzeugung von Wärme als
Zwischenstufe für die Stromproduktion abzugeben.
Voraussetzungen dafür sind u.a. ausreichend hohe Plasmatemperaturen
und ein stabiles Plasma in der Reaktionskammer.

Magnetische Kräfte sollen

bewirken, daß es nicht "ausbrechen" kann und mit der Kammerwandung kollidiert,
sondern eingeschlossen und damit reaktionsfähig bleibt.

- 2 -

Allerdings ist das

�ist das Verfahren der kontrollierten Kernfusion nur sinnvoll, wenn letztlich
sehr viel mehr Energie herausgeholt wird, als für das Ingangsetzen, die Unterhaltung und Steuerung des Fusionsprozesses aufgewendet werden muß.
Seit Beginn der Experimente Anfang der fünfziger Jahre sahen sich die
Wissenschaftler immer wieder außerordentlichen technischen Schwierigkeiten
gegenüber.

Plasmaphysiker und Ingenieure in amerikanischen, sowjetischen,

europäischen und japanischen Instituten bemühten sich intensiv darum, sie
durch die Entwicklung verschiedener Methoden zum Aufheizen, Einschließen, Verdichten und schließlich "Zünden" des Plasmas zu überwinden.

Denn sobald es

nicht mehr stabil gehalten werden kann und ausbricht, erlischt die Fusionsreaktion.

Aber nicht nur bei den einzelnen Systemen bzw. jeweiligen Anord-

nungen samt ihrer Komponenten, sondern auch im Zusammenhang mit den verwendeten Werkstoffen ergaben sich immer wieder neue Probleme.

Der Zeitpunkt,

zu dem die Errichtung eines Fusionsreaktors als Demonstrationsanlage für
wirtschaftliche Energiegewinnung hätte erwartet werden können, rückte immer
weiter in die Zukunft.

Heute wird erst nach dem Jahr 2000 damit gerechnet.

"Tokamak" (aus den ersten Silben der russischen Worte für "torusförmige
magnetische Kammer" gebildet) zählt zu den erfolgversprechendsten Experimentiersystemen.

Der neue TFTR, in siebenjähriger Entwicklungs- und Bauzeit

unter 314 Millionen Dollar Kostenaufwand errichtet, ist doppelt so groß
wie sein Vorläufer, der "Princeton Large Torus" (PLT), mit dem im Jahr 1978
schließlich Temperaturen von 60 Millionen Grad bei stabiler Plasmadichte für
die Dauer von zwei Hundertstel Sekunden und meßbaren Fusionsreaktionen erzielt wurden.

Ein Schlüssel zu diesem Erfolg war nach Ansicht der beteiligten

Wissenschaftler die "neutrale Strahlinjektion" mit vorbeschleunigten Deuteriumatomen aus mehreren Einschußsystemen.
Dr. Harold Fürth, der Direktor des Instituts für Plasmaphysik der Universität Princeton, erklärte anläßlich der Inbetriebnahme der TFTR-Anlage,
daß man bis 1986 so weit zu kommen hoffe, um mit dem Versuchsreaktor zumindest so viel Fusionsenergie zu erzeugen, wie für die Aufheizung, Verdichtung
und Zündung des Plasmas sowie die Steuerung des Reaktionsablaufs zugeführt
- 3 -

�Reaktionsablaufs zugeführt werden muß. Dann wäre der schon so lange angestrebte "break-even-point" endlich erreicht. Von den auch in England, in
der Sowjetunion und Japan in Bau befindlichen ähnlichen Versuchsreaktoren
sei TFTR als erster einsatzbereit. Die erste Maschine vom Typ Tokamak, die
etwa die Größe eines Autoreifens hatte, wurde Ende der sechziger Jahre am
Kurchatcw-Institut in Moskau gebaut.
Laut Dr. Fürth ist allerdings zur Zündung eines sich selbst erhaltenden "Fusionsfeuers" ein noch größerer und technisch weiter verbesserter
Testreaktor erforderlich. Er könnte etwa um 1994 in Betrieb genommen werden. Der Prototyp eines kommerziellen Fusionsreaktors schließlich müsse
Temperaturen von einem Mehrfachen der Temperaturen der Sonne, schwersten
Bombardements von Neutronen und Strahlung sowie enormen mechanischen Beanspruchungen von superleitfähigen Magneten standhalten können. Auch sei zu
klären, wie die Aufheizung der Gase, die Injektion "frischen" Brennstoffes
und das Abnehmen der erzeugten Energie für die Umwandlung in Strom am wirksamsten zu bewerkstelligen sind.
Im US-Energieministerium hält man irgendwelche Aussagen dazu, ob Fusionsreaktoren mit anderen Anlagen zur Energiegewinnung kostenmäßig konkurrieren könnten, für verfrüht. Vermutlich sei erst nach etwa 20 Jahren
weiterer Forschung und Entwicklung der praktische Nutzen kontrollierter Kernfusion wirklich demonstrationsreif. Bis dahin müßten ca. 15 Milliarden Dollar
aufgewendet werden.
Das im Oktober 1980 gesetzlich festgelegte Förderprogramm der US-Regierung für Fusionsenergie wurde in den letzten Jahren gekürzt. Für 1983
forderte die Reagan-Administration 444 Millionen Dollar für magnetische Fusionsprogramme an, geringfügig weniger als im Vorjahr, aber 25 Prozent weniger
als im Finanzjahr 1977.
Neben dem als besonders aussichtsreich betrachteten Tokamak-Reaktor
werden noch einige andere Entwicklungslinien verfolgt. So hat man in den
letzten zwei Jahren mit dem "SpiegelSystem" für Magnetfelder zur Einschließung
- 4 -

�zur Einschließung des Plasmas beachtliche Fortschritte erzielt.

Leistungsver-

gleiche mit Tokamak dürften Mitte der achtziger Jahre möglich sein.

Die

Spiegelmaschine ist eine zylinderförmige Konstruktion, bei der supraleitende
Magnete an beiden Enden das Plasma eingeschlossen halten. Im Gegensatz zu
Tokamak (Pulsbetrieb) kann sie kontinuierlich arbeiten.

Eine technisch nach

neuesten Gesichtspunkten angelegte Versuchsmaschine dieser Art wird derzeit
im Lawrence-Livermore-Nationallaboratorium in Kalifornien gebaut.

Nach An-

sicht mancher Fachleute könnte dieses System, das einfacher aufgebaut ist,
wirtschaftlicher arbeiten als das Tokamak-System.
Die Fusionsforschung hat auch auf zahlreichen anderen Gebieten zu
wichtigen technischen Fortschritten geführt.

Besonders profitierten davon

die Entwicklung von Anlagen mit supraleitenden Magneten und von hitze- und
strahlenbeständigen Werkstoffen sowie methodisches Vorgehen mit Hilfe der
Mathematik und Informatik.

+ + + + +

- 5-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Vizepräsident Bush kommt zu Konsultationen nach Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunkansprache des amerikanischen Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Nichtangriffspakt-Vorschlag sollte erwogen werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Pressekonferenz des US-Präsidenten im neuen Jahr -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gesandter würdigt deutschen Beitrag zum Aufbau Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Festrede von William M. Woessner in Krefeld -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA unterstreichen deutsch-amerikanische Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Grußbotschaften zum 300. Jahrestag deutscher Einwanderung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Elizabeth Dole zum neuen Verkehrsminister der USA nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Strategie der US-Bundesbank für den wirtschaftlichen Aufschwung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Vizepräsident Preston Martin -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Langer Weg zur gesteuerten Kernfusion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer amerikanischer Testreaktor in Betrieb genommen -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>19. Januar 1983
INHALT
DOKUMENTATION
Reagan: Echter Fortschritt bei den Abrüstungsverhandlungen möglich
- Pressekonferenz des Präsidenten - (Auszüge)
Erklärung Reagans zum 300. Gedenkjahr deutscher Einwanderung
US-Gesandter gedenkt der Ursprünge der deutsch-amerikanischen Freundschaft
- 300 Jahre deutsche Einwanderung in die Vereinigten Staaten INFORMATION
Präsident Reagan ernennt neue Abrüstungsexperten
- Erklärung des US-Präsidenten Margaret Heckler soll neue Gesundheitsministerin der USA werden
HINTERGRUNDMATERIAL
US-Chefdelegierter Rowny nimmt zu den START-Verhandlungen Stellung
- Interview mit unserer Korrespondentin Marie Koenig Sowjetischer Reaktor-Satellit auf Absturzbahn
- Amerikanische Suchtrupps für radioaktive Trümmer einsatzbereit WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erdgas und Erdöl vom äußeren Kontinental socke!
- Vereinfachte Pachtbedingungen für die Wirtschaft Neue Vorschläge zur Produktion synthetischer Brennstoffe

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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�ä

III M

Dokumentation

•TTT3T

United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Januar 1983

REAGAN: ECHTER FORTSCHRITT BEI DEN ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN MÖGLICH
- Pressekonferenz des Präsidenten (Auszüge)

WASHINGTON - (AD) - Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz
unterstrich Präsident Ronald Reagan am 14. Januar 1983 im Weißen Haus die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, so lange am Verhandlungstisch zu bleiben,
wie es überhaupt noch irgendeine Chance auf ein Abkommen über Kernwaffen mit
der Sowjetunion gebe.
Die wesentlichen Auszüge aus der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
DER PRÄSIDENT:

Meine Damen und Herren, bevor ich auf Ihre Fragen ant-

worten möchte, würde ich gern ein paar Gedanken zum Thema Rüstungskontrolle
zum Ausdruck bringen, die für mich von größter Bedeutung sind.

Es handelt

sich einmal darum, was wir tun müssen, bevor wir überhaupt einen Erfolg erzielen können, und zum anderen darum, welche Prinzipien uns bei unserer Verhandlungsstrategie leiten sollten.
Zwei Faktoren

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Telex: 8-85432

�Zwei Faktoren scheinen mir für einen Erfolg bei den Rüstungskontroi 1verhandlungen entscheidend zu sein:

Einfluß und Entschlossenheit.

Was den

Einfluß anbelangt, so ist ja deutlich, daß bei meinem Amtsantritt praktisch
keine Hoffnung darauf bestand, daß die Sowjets ernsthaft um echte Verringerungen bemüht sein würden.
Schließlich hatten sie ja alle Trümpfe in der Hand.
lang keine neue Rakete entwickelt.

Wir hatten 15 Jahre

Im gleichen Zeitraum haben wir auch kein

neues Unterseeboot gebaut,obwohl sie ihrerseits mehr als 60 gebaut hatten.
Unsere Bomber waren älter als die Piloten, die sie flogen.
Das ist heute nicht mehr der Fall.

In Zusammenarbeit mit dem Kongreß

ist es uns in den vergangenen zwei Jahren gelungen, die Bewilligung für eine
umfassende Modernisierung der Triade unserer strategischen Streitkräfte zu
erreichen - mit Ausnahme der MX, die in diesem Frühjahr noch entsprechender
Schritte des Kongresses bedarf.
•

Meiner Meinung nach befinden wir uns nunmehr in einer Lage, die uns
konkret etwas bringen wird - und ich bin entschlossen, daß dem so sein wird.
Der andere Punkt ist Entschlossenheit.

Ich habe kürzlich einige personelle

Veränderungen vorgenommen, durch die wir nunmehr eine eingespielte Mannschaft
bekommen haben, die uns rasche Entscheidungen und bei den Genfer Gesprächen
entsprechende Ergebnisse bringen wird.
Noch etwas zu meiner Strategie hinsichtlich Rüstungskontrolle.

Wenn

man auf die letzten 15 Jahre Verhandlungen zurückblickt, so ergeben sich meiner Meinung nach bestimmte Tatsachen.
anderes wieder nicht.

Genauer:

Kurz:

Manches hat funktioniert und

Manche Leute haben vorgeschlagen, wir soll-

ten es mit einseitiger Abrüstung versuchen, sollten unsere eigenen Systeme beschneiden, ohne dafür von der anderen Seite etwas zu bekommen - in der Hoffnung, daß unser Beispiel die Sowjets zu gleichen Schritten bewegen würde.
Dieser Weg wurde mehrmals beschritten.

So beschloß etwa Präsident Carter,

auf den B-1-Bomber zu verzichten - vielleicht in der Erwartung, daß die
Sowjets auch

ihre Bomber-Porgramme beschneiden würden.

Es funktionierte

�Es funktionierte nicht.

Anstatt zurückzuschrauben, machten die Sowjets

ständig mit dem Backfire und anderen modernsten Bombern weiter.
Andererseits klappte auch manches.

Die meisten von Ihnen werden sich

daran erinnern, daß Präsident Johnson Ende der sechziger Jahre sich intensiv
darum bemühte, die Sowjets zu Gesprächen über Raketen-Raketenabwehr-Systeme
(ABM) zu bewegen.

Damals hatten wir keine Pläne über eine Dislozierung,

kurz, keine Einflußmöglichkeiten.

Die Sowjets lehnten Verhandlungen ab.

Dann aber beschlossen die Vereinigten Staaten, ihre ABM-Pläne voranzutreiben - und Sie kennen den Rest der Geschichte. Als deutlich wurde, daß
wir mit der Dislozierung beginnen würden, kamen die Sowjets an den Verhandlungstisch,und wir erhielten einen Vertrag, der auch heute noch gültig ist.
Die Lehre daraus ist, daß sie verhandeln werden, wenn es einen Anreiz
gibt, und heute gibt es einen solchen Anreiz - und ich bin überzeugt, daß
wir echte Fortschritte erzielen können.
Dessen eingedenk hatte ich gestern ein intensives Gespräch über die
Rüstungskontrolle mit einigen meiner Berater für diesen Bereich. Nächste
Woche werde ich die Botschafter Ed Rowny und Paul Nitze treffen. Ich bin
überzeugt, daß wir mit Entschlossenheit zu einem Erfolg kommen können. Angesichts unserer Verpflichtung zur Sicherheit Europas und zum Frieden und zum
Zweck der engstmöglichen Koordinierung mit unseren europäischen Verbündeten
auf dem Gebiet der Rüstungsverminderung und der Abschreckung habe ich Vizepräsident Bush gebeten, zu Gesprächen mit unseren europäischen Partnern nach
Europa zu fliegen.
Er wird dort den Papst, Premierministerin Thatcher, Bundeskanzler Kohl,
Präsident Mitterrand, Ministerpräsident Fanfani, Ministerpräsident Martens
und Ministerpräsident Lubbers treffen - desgleichen unsere Verhandlungsteams
in Genf.
Möge es

�Möge es keinen Zweifel darüber geben: Wir sind bereit.

Wir werden je-

den ernsthaften Vorschlag in Erwägung ziehen,und wir haben die Entschlossenheit, bei diesem bedeutsamsten Unternehmen unserer Generation zu einem Erfolg
zu kommen.
Nun zu Ihren Fragen.
FRAGE:

Sind Sie der Ansicht, es wäre gut, zunächst einmal ein Gipfel-

treffen mit Andropow zu haben, um das zu klären, was sie jetzt wirklich vorschlagen und was all diese neuen Vorschläge bedeuten?

Sind Sie für ein solches

Gipfeltreffen bereit?
ANTWORT:

Nein, ich glaube, da die Gespräche Anfang Februar beginnen

sollen und Rowny und Nitze sich

hierauf vorbereitet haben, so sollten diese

Gespräche zunächst auch stattfinden.

Dann können wir sehen, wohin sie uns

führen - oder ob die Notwendigkeit für solch ein Treffen besteht.
FRAGE:

Es besteht der Eindruck, hier im Weißen Haus herrsche Verwir-

rung, daß Sie von Ihrem Stab und von Freunden auf dem Kapitol gedrängt werden
mußten, realistische Entscheidungen beim Haushalt zu treffen.

Es gab sogar

einen Zeitungsartikel, der von einem Fehlschlag Ihrer Präsidentschaft sprach.
Möchten Sie zu diesem Vorwurf etwas sagen?
ANTWORT:

Ja.

Das war auch der Grund, warum wir hier sind - um Ihnen

nämlich genau zu sagen, wo die Verwirrung liegt.

Sie liegt in solchen Ge-

schichten, die die Runde machen, denn sie gründen sich nicht auf Tatsachen.
Vielleicht sollten Sie, wenn Sie Informationen aus ungenannter Quelle erhalten,
sich an uns hier im Weißen Haus wenden - wir wären gern bereit, Ihnen zu sagen, ob diese Informationen korrekt sind oder nicht.
FRAGE: Konkret zur Arbeit Ihres Stabes, zu den Informationen, wonach
Ihre Freunde, wie etwa Senator Laxalt, Sie gewissermaßen davor zurückhalten
mußten, wirtschaftliche Planspiele zu betreiben: War es Ihre Entscheidung,
solche Kehrtwendungen zu machen, wie wir sie hören - in Richtung auf neue
- 4 -

�auf neue Steuern, auf eine veränderte Haltung hinsichtlich der Beschneidung
des Haushaltes und hinsichtlich Verteidigungsfragen?
ANTWORT:

Vielleicht liegt das Problem darin, daß das, was wir tun,

für Washington etwas neu ist.

Ich sagte von Anfang an, daß wir eine Regie-

rung des Kabinett-Typs haben werden - wie ich dies auch in Sacramento hatte -,
daß wir ein Kabinett haben würden, das aufgrund seiner Fähigkeit und seines
Wissens ausgesucht wurde - und nicht, weil seine Mitglieder Delegierte einer
Wahlversammlung repräsentierten oder ähnliches.

Und ich sage, daß ich für

meine Entscheidungen Rat und Ansichten aller Art leinbeziehen würde.
Das haben wir getan.

Und es hat sehr gut funktioniert.

Und es stimmt,

daß ich zu allen Themen unterschiedliche Ansichten hören möchte.

Dann aber

treffe ich die Entscheidungen.
FRAGE:
ANTWORT:

Hat Paul Nitze Ihr Vertrauen?
Ja, sicherlich.

FRAGE: Glauben Sie, daß nach Ablauf Ihrer Amtszeit - ich weiß natürlich, daß Sie es hoffen - aber glauben Sie wirklich, daß wir nach Ablauf Ihrer
Amtszeit einen Rüstungsverminderungsvertrag mit der Sowjetunion haben werden?
ANTWORT: Ich glaube, für jeden, der die rund 19 Versuche der Vereinigten
Staaten, eine Rüstungsreduzierung und -kontrolle mit der Sowjetunion zustandezubringen, kennt, wäre es unklug, Voraussagen zu machen oder in diesem Zusammenhang zeitliche Begrenzungen vorzunehmen. Ich möchte aber folgendes sagen:
Wir werden am Verhandlungstisch bleiben, solange es überhaupt eine Chance gibt,
zu einer Rüstungsverminderung zu gelangen, weil dies das wichtigste Problem
Ist, vor dem die heutige Generation steht.
FRAGE:

Würden Sie zu Berichten Stellung nehmen, die seit einigen Tagen

1m Umlauf sind, daß Sie zu irgendeiner Zeit nach den Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland vielleicht Alternativen zu Ihrer Null-Lösung und zu den
- 5 -

�zu den START-Verhandlungen sondieren könnten?
ANTWORT: Hier geraten Sie aber in gefährlicher Weise auf ein Gebiet,
das man öffenltich nicht erörtern kann , nämlich: Was ist die Verhandlungstaktik und die Verhandlungsstrategie? Wenn man das öffentlich diskutiert,
dann gibt es keine Strategie mehr, und dann sind einem die Hände gebunden,
um überhaupt etwas zu erreichen.

- 6 -

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H0l 4^

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TT

Kl

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Januar 1983

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM 300. GEDENKJAHR DEUTSCHER EINWANDERUNG

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 14. Januar 1983
eine gemeinsame Erklärung des amerikanischen Kongresses unterzeichnet, in
der der Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1983 zum Gedenkjahr des
Beginns deutscher Siedlung in Amerika vor 300 Jahren proklamiert und die
Beiträge deutscher Einwanderer zum Aufbau der Vereinigten Staaten gewürdigt
werden. Gleichzeitig unterstrich der Präsident die Bedeutung eines intensivierten Jugendaustauschprogramms zwischen beiden Ländern.
In der vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung Reagans heißt es:
Ich habe heute die vom Senat initiierte gemeinsame Resolution 260 unterzeichnet. Diese Resolution bestimmt den Zeitraum vom 1. Januar 1983 bis zum
31. Dezember 1983 zum 300. Gedenkjahr deutscher Siedlung in Amerika. Diese
begrüßenswerte Initiative des Kongresses lenkt die Aufmerksamkeit in geziemender Weise auf die zahllosen wertvollen Beiträge von Millionen deutscher
Einwanderer während der letzten drei Jahrhunderte, indem des 300. Jahrestages
der ersten deutschen Siedlung in Amerika am 6. Oktober 1683 in Germantown,
Pennsylvania, gedacht wird.
Die Resolution

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Telex: 8-85432

�Die Resolution bringt auch die energische Unterstützung des Kongresses
für ein wichtiges Programm zum Ausdruck, das vom US-Informationsamt (USIA)
durchgeführt wird, nämlich die Jugendaustauschinitiative des Präsidenten.
Ich unterstütze diese Bemühungen mit allem Nachdruck und danke dem Kongreß
für seine Rolle bei der Förderung des deutsch-amerikanischen Jugendaustausches
zusammen mit dem Deutschen Bundestag.
Ich danke dem Kongreß ferner dafür, daß er in die Resolution Bestimmungen für die Einsetzung einer Kommission des Präsidenten für die deutschamerikanischen Drei hundertjahrfeiern aufgenommen hat. In diesem einzigartigen
Gremium finden sich Vertreter aller drei Zweige der Bundesregierung sowie
des privaten Sektors zusammen, um die Feierlichkeiten anläßlich dieses historischen Ereignisses zu planen, zu fördern, zu entwickeln und zu koordinieren
und die Bedeutung der Beziehungen der Vereinigten Staaten zur Bundesrepublik
Deutschland herauszustellen. Ich freue mich, an diesen Aktivitäten teilnehmen
zu können.
Daß der Kongreß den Justizminister für diese Kommission benannt hat,
ist besonders begrüßenswert, insbesondere angesichts seiner deutschen Abstammung, und ich finde es überaus löblich, daß er bereit ist, in beratender
Funktion daran teilzunehmen.

+ + + + +

�19. Januar 1983

US-GESANDTER GEDENKT DER URSPRÜNGE DER DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
FREUNDSCHAFT
- 300 Jahre deutsche Einwanderung in die Vereinigten Staaten •

BONN - (AD) - Der Ursprünge der deutsch-amerikanischen Freundschaft
sowie des hohen Wertes und der Verteidigungswürdigkeit der Demokratie und
der Menschenrechte gedachte der Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten an der amerikanischen Botschaft in Bonn, der Gesandte Hans N. Tuch, bei
der Eröffnung der Ausstellung "Germans to America - 300 Years of Immigration
1683 - 1983" in der IFA-Galerie am 13. Januar 1983 in Bonn.

Er erinnerte in

einer kurzen Ansprache daran, daß die 13 Mennoniten-Familien aus Krefeld, die
vor 300 Jahren als erste Deutsche in das Gebiet der heutigen Vereinigten
Staaten einwanderten auf der Suche nach der Freiheit und einer neuen Existenz
waren, während heute jene, die immer in Freiheit leben können,oft nicht zu
wissen scheinen, was diese eigentlich bedeutet.

Die Erinnerung an die ersten

Einwanderer sollte ein Ansporn sein, noch mehr zur Vertiefung des Verständnisses zwischen dem deutschen und amerikanischen Volk zu tun.

Aus diesem

Grunde wollen beide Länder den Jugendaustausch erheblich intensivieren.
Die Ansprache des Gesandten Tuch hat folgenden Wortlaut:
Meine sehr

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich freue mich, daß Sie mich eingeladen haben, an der Eröffnung dieser
Ausstellung teilzunehmen.

Es ist für mich eine große Ehre - nicht nur, weil

ich hier als Vertreter von Botschafter Burns und der Vereinigten Staaten stehe,
sondern auch deshalb, weil ich mich selbst als Nachfolger jener frühen Einwanderer fühle.

Ich bin geborener Berliner und kam als Kind in den dreißger

Jahren nach den Vereinigten Staaten, wo man mich herzlich aufgenommen hat.
Heute schätze ich mich glücklich, mein Aufnahmeland in meinem Geburtsland,
inzwischen insgesamt 12 Jahre lang, vertreten zu haben.
Im Oktober 1683 warf ein vom Sturm geschütteltes kleines Schiff, die
CONCORD, mit einer Handvoll neuer Siedler an Bord, vor Philadelphia Anker:
13 Mennoniten-Familien, die in der Neuen Welt Religionsfreiheit und einen
neuen Anfang suchten.

Sie fühlten sich angezogen von dem, was Thomas Paine

in seinem Werk "Common Sense" Amerikas einmalige Bestimmung genannt hat:
"Die Flüchtlinge dieser Welt aufzunehmen, und der Menschheit rechtzeitig ein
Asyl zu bereiten".

Die Vereinigten Staaten sind heute wie in der Vergangen-

heit ein sicherer Hort für alle, die unter der Verfolgung eines totalitären
Regimes leiden.

So wie die ersten Krefelder, die sich durch die extrem schwie-

rige Fahrt mit dem Segelschiff nicht entmutigen ließen, so streben auch die
"Boat People", die Flüchtlinge aus Haiti, Kuba und Vietnam, trotz der Gefahren des Meeres nach Freiheit und einer gesicherten wirtschaftlichen Existenz.
Die entschlossenen Siedler aus Krefeld setzten Wirkungskräfte in Bewegung, die Geschichte und Leben Amerikas verändern sollten. Das Rinnsal
der Einwanderer wurde zum Fluß und schwoll gegen Ende des 19. Jahrhunderts
zu einem mächtigen Strom an. Heute kann mindestens etwa jeder vierte Amerikaner
seine Herkunft auf deutschsprachige Einwanderer zurückführen. Der Einfluß
deutschen Denkens und deutscher Kultur auf den "American Way of Life", den
amerikanischen Lebensstil, ist weit größer noch als solche Statistiken für
sich allein vermuten lassen.
Zwei Abkömmlinge
- 2 -

�Zwei Abkömmlinge deutscher Einwanderer aus der Kolonial zeit - Hoover
und Eisenhower - zogen in das Weiße Haus ein.

Unsere Geschichtsbücher in

allen nur möglichen Bereichen sind voll mit Namen von Amerikanern deutscher
Herkunft:

Johann Peter Zenger, der als Vater der Pressefreiheit gilt; der

Kriegsheld Friedrich Wilhelm von Steuben; der Politiker Carl Schurz; Albert
Einstein; Wernher von Braun; Henry Kissinger; John Steinbeck; Edgar Allan
Poe; Walter Damrosch; Bruno Walter; Marlene Dietrich; John Jacob Astor;
Walter Chrysler; Walter Reuther und John D. Rockefeller.

(Interessanter-

und auch angemessenerweise ist der erste nicht-amerikanische Astronaut, der
von Kap Kennedy aus auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden soll, ebenfalls
ein Deutscher).
Die Liste ließe sich beliebig erweitern, denn mit den eben angeführten
Persönlichkeiten kamen Millionen von Bauern, Arbeitern, Handwerkern und
Künstlern,die alle mithalfen, auf amerikanischem Boden eine starke und dynamische demokratische Gesellschaft zu gründen. Sie alle weihten der neuen
Heimat ihr Hirn und Herz, ihre Talente und ihre Tatkraft und vor allem ihre
Loyalität, hielten aber dennoch an der Liebe zu dem Land fest, das sie hinter
sich gelassen hatten.
Die verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Bande zwischen Amerika
und Deutschland wurden im Ersten Weltkrieg schweren Belastungsproben ausgesetzt und im Zweiten Weltkrieg nahezu gänzlich ausgelöscht. Aber bald schon
blühte wieder "neues Leben aus den Ruinen", auch in den Beziehungen zwischen
Deutschen und Amerikanern. Nur ein Jahr, nach dem der Alptraum zu Ende gegangen war, wurde dieser schwergeprüften Nation der Weg zur Rückkehr in die
Völkerfamilie geöffnet. Der Marshall-Plan brachte die materielle und geistige
Hilfe, die Deutschland brauchte, um sich selbst helfen zu können. Und in
den heroischen Tagen der Berliner Luftbrücke, da gelangten die einstigen Gegner zu der Erkenntnis, daß sie die Liebe zur Freiheit - und den Willen zu deren Verteidigung - teilen.
Heute sind unsere beiden Völker als souveräne und gleichberechtigte
Mitglieder des atlantischen Bündnisses miteinander in einer engen und geachteten
- 3 -

�und geachteten Partnerschaft verbunden, die sich auf unsere gemeinsamen
Wertvorstellungen stützt:

die Verpflichtung auf die Demokratie und den Glau-

ben an sie; die Achtung vor der Freiheit des einzelnen; die Anerkennung der
Menschenrechte und das Eintreten für die Herrschaft des Rechts. Man braucht
sich nur in der Welt umzusehen, um festzustellen, wie selten die Freiheiten
sind, derer sich unsere beiden Völker erfreuen.

Es berührt mich, der ich

selbst in der Sowjetunion und in anderen osteuropäischen Staaten mehrere
Jahre gelebt habe, immer wieder seltsam, daß jene, die Freihe4t am
meisten schätzen, die ihrer ermangeln; während die, die niemals ohne Freiheit leben mußten, nicht zu wissen scheinen, was sie eigentlich bedeutet.
Man braucht sich nur etwas mit der Geschichte zu befassen, um zu begreifen,
wie schwer diese Wertvorstellungen zu verwirklichen und wie leicht sie zu
verlieren sind.

Sie sind es wert, gewahrt zu werden, und sie sind es wert,

verteidigt zu werden.
Ein erheblicher Prozentsatz des Volkes - besonders der jüngeren Bevölkerung - in unseren beiden Ländern hat keine Erinnerung an die Schrecken
und das fürchterliche Erbe des Zweiten Weltkrieges.

Sie haben nur ein unzu-

reichendes Bewußtsein von zeitgenössischer Geschichte.

Die Kultur, die

geistigen Impulse und die Geschichte des anderen Landes sind ihnen weitgehend unbekannt.

Sie stellen deshalb die engen Bande zwischen unseren bei-

den Völkern in Frage und unterwerfen sie mancher Belastungsprobe.
Wir müssen fähig sein, Antwort auf solche Fragen zu geben. Wir müssen
unser gegenseitiges Bewußtsein voneinander stärken und auf diese Weise unser
gegenseitiges Vertrauen vertiefen. Die Dreihundert-Jahrfeier der ersten
deutschen Einwanderung in das Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten gibt
uns einen Anstoß, die gegenseitigen Begegnungen - die Kontakte - zwischen unseren beiden Gesellschaften zu erweitern und zu verstärken, um auf diese
Weise das Verständnis zwischen unseren Völkern zu vertiefen.. Wir wollen das
Jugendaustauschprogramm zwischen unseren beiden Ländern intensivieren. Ich
bin davon angetan, daß sich unsere beiden Parlamente - der Bundestag und der
Kongreß - zur Bedeutung des Jugendaustausches bekannt haben und dessen Verstärkung befürworten. Wir hoffen, damit noch in diesem Jahr beginnen zu können,
- 4 -

�zu können, insbesondere mit dem Austausch von Jugendlichen, die mehrere Monate in Familien des Partnerlandes verbringen und dort zur Schule gehen oder
einen Beruf erlernen sollen.

Die Zeit im Partnerland wird diesen jungen Men-

schen Erfahrungen vermitteln, die sie durch ihr ganzes Leben begleiten werden;
das Wissen um und das Verständnis für das Gastgeberland.
In diesem Jahr, meine Damen und Herren, wird unser Mut, unser politischer Wille und unsere Einigkeit auf eine noch ernstere Probe gestellt werden.

Wir werden Selbstvertrauen notwendig haben.

Bleiben wir aber stand-

haft und einig, dann wird uns keine Macht auf Erden unserer hochgeschätzten
Freiheiten berauben können, dann werden wir sicherstellen, daß die Generationen
nach uns ebenfalls in Frieden und Freiheit leben können.

- 5 -

�19. Januar 1983

PRÄSIDENT REAGAN ERNENNT NEUE ABRÜSTUNGSEXPERTEN
- Erklärung des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 12. Januar 1983 eine Umbildung seines Rüstungskontrollteams bekanntgegeben und den Posten des Direktors
des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) sowie
den des Leiters der amerikanischen Delegation bei den Wiener Verhandlungen
über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa (MBFR) neu
besetzt.
Der amerikanische Präsident nahm den Rücktritt von Eugene Rostow als
ACDA-Chef sowie von Richard Staar als Delegationsleiter in Wien an. Nachfolger Rostows soll der bisherige stellvertretende Chefdelegierte der USA bei
den Vereinten Nationen, Kenneth Adelman, werden; zum neuen amerikanischen MBFRDelegationschef wurde der Berufsdiplomat und ehemalige US-Botschafter in Thailand, Morton Abramowitz, nominiert. Ferner gab Reagan die Ernennung des früheren Abgeordneten im amerikanischen Repräsentantenhaus, David Emery, zum
Stellvertreter Adelmans bekannt. Er soll die Position von Spurgeon Keeny
übernehmen, der von diesem Posten zurückgetreten ist. Unberührt von diesen
Veränderungen bleiben die Posten des amerikanischen Verhandlungsführers für
die strategischen Rüstungsverminderungsgespräche (START) und des Leiters der

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�Leiters der US-Delegation für die Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) in Genf.

Sowohl Edward Rowny (START) als auch Paul Nitze (INF)

werden die USA weiterhin in Genf vertreten.

Alle Nominierungen müssen noch

vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Adelman, der am 9. Juni 1946 in Chicago geboren wurde, hat sich bei den
Vereinten Nationen vor allem mit Abrüstungsfragen befaßt.

Er vertrat die USA

im Ersten Ausschuß der UN-Vollversammlung, der für politische und sicherheitspolitische Angelegenheiten, einschließlich der Rüstungskontrolle, zuständig
ist.

Zuvor war er im amerikanischen Handelsministerium, im US-Amt für Inter-

nationale Entwicklung (AID) sowie 1976/77 unter Verteidigungsminister Rumsfeld
als Unterstaatssekretär tätig.

Er promovierte an der Georgetown-Universität

und arbeitete dann als Wissenschaftler an dem bekannten Zentrum für Strategische Studien.
Abramowitz, der am 20. Januar 1933 geboren wurde, war von 1974 bis 1978
stellvertretender Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im *"
Verteidigungsministerium, nachdem er zuvor als politischer Berater beim Oberkommandierenden der amerikanischen Streitkräfte im Pazifik tätig gewesen war.
Als Diplomat vertrat er sein Land in Hongkong, Taipeh und als Botschafter in
Thailand.

Er gehört dem auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten seit 1960

an.
Emery, der 34 Jahre alt ist, war von 1974 bis 1982 Mitglied des amerikanischen Repräsentantenhauses.

Bei den Wahlen im letzten Herbst bewarb er sich

erfolglos um die Wahl als Senator des Bundesstaates Maine.

Als Abgeordneter

arbeitete er jahrelang im Streitkräfteausschuß sowie in anderen Gremien des
Repräsentantenhauses.

Erklärung Präsident

�Erklärung Präsident Reagans
Präsident Ronald Reagan gab im Zusammenhang mit den Neuernennungen
eine Erklärung ab, die folgenden Wortlaut hat:
Als Präsident der Vereinigten Staaten gibt es für mich keine höhere
Priorität und keine größere Zielsetzung als die Verminderung des Risikos und
der Möglichkeiten eines Konflikts und das Zustandekommen eines echten Friedens
in Gerechtigkeit für die Welt, in der wir leben.

Meine Regierung hat ein weit-

gefaßtes Programm für den Frieden in Angriff genommen, darunter besondere Anstrengungen im Nahen Osten sowie ein RüstungskontrollProgramm, das umfassender
und weitreichender ist als jedes andere in der Geschichte unseres Landes.
Bei den START-Verhandlungen über strategische Waffen haben wir eine
fünfzigprozentige Kürzung der Raketen und eine Kürzung der Gefechtsköpfe der
zerstörerischsten Systeme - der interkontinentalen ballistischen Raketen - um
ein Drittel vorgeschlagen.

Botschafter Edward Rowny wird in Kürze nach Genf

zurückkehren, um die ernsthaften Verhandlungen im Rahmen von START wieder
aufzunehmen, die seit Juli vorigen Jahres im Gange sind.

Botschafter Paul

Nitze wird in einigen Wochen ebenfalls nach Genf zurückkehren, wo die INF-Verhandlungen fortgesetzt werden.

Bei den INF-Verhandlungen über nukleare Mittel-

streckensysteme haben wir die Beseitigung einer gesamten Kategorie der gefährlichsten Systeme vorgeschlagen - nämlich der weiterreichenden landgestützten
Raketen.

In beiden Verhandlungsrunden sind wir ermutigt über die sachliche

Natur der Gespräche, und wir glauben, daß eine ernsthafte Grundlage für den
Fortschritt gelegt worden ist.
Bei den MBFR-Verhandlungen haben wir und unsere Verbündeten im Hinblick
auf die Truppen der NATO und des Warschauer Paktes wesentliche Verminderungen
auf gleiche Ebenen vorgeschlagen.

Und im Abrüstungsausschuß in Genf bemühen

wir uns um Mittel und Wege, um wirksame Begrenzungen der Nuklearversuche und
der chemischen Kriegsführung zu erreichen.

Bei all diesen Anstrengungen so-

wie auch bei jeder anderen unserer Rüstungskontrollbemühungen sind wir bestrebt,

- 3 -

�wir bestrebt, die jeweiligen Systeme auf einen niedrigeren Stand und auf
gleiche Ebene zu bringen oder sie schlichtweg zu ächten - und dies alles auf
der festen Basis der Gleichheit, der Stabilität und einer wirksamen Verifizierung.

Die bevorstehende Reise von Vizepräsident Bush zu Besprechungen mit

unseren europäischen Verbündeten beweist, daß unser festes Eintreten für diese Ziele unerschütterlich ist.
Mit Bedauern nehme ich heute den Rücktritt von Eugene Rostow als ACDADirektor an.

Dr. Rostow hat dieser Administration wie auch anderen mit Hin-

gabe gedient und eine entscheidende Rolle dabei gespielt, daß unsere umfassenden RüstungsverminderungsVorschläge in Angriff genommen wurden.

Ich freue

mich, mitteilen zu können, daß ich Kenneth Adelman als Nachfolger von Eugene
Rostow nominieren werde.

Ich ersuche ferner David Emery, den Posten eines

stellvertretenden ACDA-Direktors zu übernehmen.

Ich möchte ferner mitteilen,

daß ich mit Bedauern den Rücktritt von Botschafter Richard Staar annehme.
Als unser Vertreter bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen in Wien hat er ausgezeichnete Arbeit geleistet.

Ich er-

suche Botschafter Morton Abramowitz, seine Nachfolge anzutreten.
Dr. Rostow und Botschafter Staar sind gebeten worden, auch weiterhin
ihren Rat auf anderen Positionen in der Administration zur Verfügung zu
stellen.
Wie in der Vergangenheit wird das US-Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung dem Außenminister und durch ihn Bericht erstatten, und deshalb freue
ich mich besonders, daß Außenminister Shultz mein großes Vertrauen in die hervorragenden Persönlichkeiten teilt, die sich heute dem Rüstungskontroilteam
meiner Regierung anschließen. Es sind Männer mit großem Engagement und großer
Hingabe, und ich bin überzeugt, daß sie schon bald wesentliche Beiträge zu unseren Bemühungen um die Erreichung echter Rüstungsverminderungen leisten werden.
Es ist von entscheidender Bedeutung, daß wir weiterhin die Suche nach einer
Rüstungsreduzierung vorantreiben; wir werden in unseren Bemühungen niemals nachlassen.

+ + + + +
- 4 -

�19. Januar 1983

MARGARET HECKLER SOLL NEUE GESUNDHEITSMINISTERIN DER USA WERDEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 12. Januar 1983 die ehemalige Abgeordnete im amerikanischen Repräsentantenhaus, Margaret Heckler, zur
neuen Ministerin für Gesundheit und Sozialwesen nominiert. Sie soll die Nachfolge von Richard Schweiker antreten, der von diesem Amt zurückgetreten ist,
um einen hohen Posten im amerikanischen Versicherungswesen zu übernehmen.
Die Nominierung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.
Margaret Heckler ist neben der amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Jeane Kirkpatrick, und der vor kurzem zur neuen Verkehrsministerin nominierten Elizabeth Dole die dritte Frau, die im Kabinett Präsident Reagans sitzen wird.
Die ehemalige 51jährige Abgeordnete gehörte dem amerikanischen Repräsentantenhaus 16 Jahre lang an und befaßte sich dort vor allem mit Fragen
der Gleichberechtigung der Frauen sowie mit anderen die Stellung der Frau
in der Gesellschaft betreffenden Problemen.

Während des ersten AmtsJahres

Präsident Reagans unterstützte sie dessen Haushaltskürzungen und dessen Steuerprogramm, wandte sich jedoch im zweiten Jahr dagegen.

Sie sprach sich ferner

für ein nukleares "Einfrieren" aus und stimmte gegen die MX-Rakete.

Margaret

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Margaret Heckler gehörte mehreren einflußreichen Ausschüssen des Repräsentantenhauses als führende Vertreterin der Republikanischen Partei an.
Nach dem Jurastudium am Boston College war Frau Heckler von 1956 bis
1966 als Anwä'ltin und zeitweise auch als Beraterin des Gouverneurs von
Massachusetts tätig.
Mit einem Budget von 276 Milliarden Dollar ist das Ministerium für Gesundheit und Soziales das größte der amerikanischen Regierung. Es beschäftigt
145 000 Mitarbeiter und ist für die Leistungen der Sozialversicherung ebenso
zuständig wie für den Gesundheitsdienst und die medizinische Forschung.
Margaret Heckler ist verheiratet und hat drei Kinder.

+ + + + +

�19. Januar 1983

US-CHEFDELEGIERTER ROWNY NIMMT ZU DEN START-VERHANDLUNGEN STELLUNG
- Interview mit unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den Genfer Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START), Botschafter Edward L. Rowny, hat am 10. Januar 1983 einen Überblick über den
Stand und die Aussichten dieser Verhandlungen gegeben.

Das Interview mit

der Korrespondentin des US-Informationsamtes (USIA), Marie Koenig, das Botschafter Rowny in seinem Washingtoner Büro gab, hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Während der derzeitigen Verhandlungspause der START-Gespräche
haben wir einige recht positive Erklärungen des neuen Kreml-Führers Juri
Andropow über die Möglichkeiten des Zustandekommens eines START-Abkommens gehört, aber auf seine Äußerungen folgte am 1. Januar rasch ein langer Leitartikel in der "Prawda", in dem die amerikanische Verhandlungsposition kritisiert wird. Künden diese offensichtlich widersprüchlichen Erklärungen eine
Wende zum Schlechteren in der sowjetischen Verhandlungsposition an oder doch
zumindest eine kühlere Atmosphäre in den Verhandlungen, wenn sie wieder beginnen?
ANTWORT: Ich

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�ANTWORT:
wissen.

Ich glaube, die ehrliche Antwort ist, daß wir es nicht genau

Was wir von Andropow und anderen sowjetischen Führern wissen, ist,

daß sie sehr geschickt sind, die öffentliche Meinung im Westen zu ihren Gunsten
zu beeinflussen.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, daß am einen Tag Andropow

positive Dinge sagt und recht optimistisch tut, und daß dann eine Zeitung, die
er kontrolliert, mit einer Reihe negativer Erklärungen herauskommt.

Wenn man

will, gibt ihm das die Möglichkeit, so oder so zitiert zu werden.
FRAGE:

Die "Washington Post" hat am 7. Januar einen Bericht veröffent-

licht, in dem es heißt, daß Präsident Reagan am 4. Januar dem Abgeordneten
Jack Kemp einen Brief geschrieben habe, in dem erklärt wurde, daß eine Neubewertung der amerikanischen START-Vorschläge vorgenommen werden müsse, wenn
der Kongreß nicht die Mittel für die MX-Rakete bewillige.

Können Sie dazu et-

was sagen?
ANTWORT: Ja, ich kann zu diesem Bericht etwas sagen. Präsident Reagan
und ich haben über die MX-Rakete gesprochen, und der Präsident ist genauso wie
ich zutiefst überzeugt, daß die MX-Rakete für unsere Sicherheit notwendig ist.
Gleichzeitig habe ich den Präsidenten daran erinnert, daß unser START-Vorschlag
von der Annahme ausgeht, daß jene Dinge, die wir behalten, wenn wir diese tiefen Einschnitte vornehmen, modern sein müssen. Wir haben unsere Raketen seit
1960 nicht mehr modernisiert. Die Sowjets haben dagegen in diesem Zeitraum
zwei neue Generationen von Raketen eingeführt. Wir müßten unseren STARTVorschlag also schon überprüfen, wenn die Mittel für die MX nicht bewilligt
werden.
•

•

Zusammenfassend kann man also sagen, daß die MX für unsere Sicherheit
notwendig ist, weil wir in unserem Arsenal ein modernes System brauchen und kein
veraltetes System. Wenn man es mit einem Bild beschreiben sollte, dann könnte
man sagen, wir sind im Stadium einer Boeing 707 angekommen, während die Sowjets
bereits das Zeitalter der Raumfähre erreicht haben. So groß ist der Unterschied in der Technologie der Systeme.
FRAGE:

Was

�FRAGE:

Was halten Sie von den Abrüstungsvorschlagen der Gipfelkonferenz

des Warschauer Paktes - vor allem von der Erklärung, daß zu geeigneten Verifizierungsmaßnahmen, "wenn notwendig, internationale Verfahren" gehören sollten.

Ermutigt Sie das in der Annahme, daß Moskau jetzt bezüglich echter Veri-

fizierungsverfahren für START entgegenkommender sein könnte?
ANTWORT:

Meine allgemeine Reaktion auf ihre Abrüstungsvorschläge be-

steht in der Feststellung, daß sie im wesentlichen nichts Neues enthalten.
Das ist eine Wiederholung alter Erklärungen, die sie schon früher zu vielen
alten Vorschlägen abgegeben haben.
Ich bin jedoch ermutigt und erfreut über das Zitat, daß geeignete Verifizierungsmaßnahmen, "wenn notwendig, internationale Verfahren" einschließen
sollten, weil es mir zeigt, daß die Sowjets zu begreifen beginnen, daß die sogenannten nationalen technischen Mittel nicht ausreichen und für künftige Abkommen nicht genügen würden.
Diese nationalen technischen Mittel sind Satelliten, Aufnahmegeräte,
Fotografie und andere Mittel, die jeder Nation zur Verfügung stehen. In Zukunft wird es notwendig sein, daß wir uns auf eine Reihe von Maßnahmen einigen, die über diese nationalen technischen Mittel hinausgehen.
FRAGE:

Kooperative Maßnahmen?

ANTWORT: Ja, kooperative Maßnahmen, und wir schließen auch Inspektionen
an Ort und Stelle nicht als eine kooperative Maßnahme aus. Mit anderen Worten,
jeder Vertrag, den wir schließen, muß wirksam verifizierbar sein, und wir dürfen nicht davor zurückschrecken, uns über Dinge zu einigen - Einigung zu erzielen -, die eine wirksame Verifizierung erfordern. Wie ich gesagt habe,
wir haben die Sowjets auch öffentlich und vertraulich wissen lassen, daß wir,
wenn notwendig, nicht vor der Forderung nach Inspektionen an Ort und Stelle zurückschrecken werden.
FRAGE:

Ist

�FRAGE:

Ist es möglich, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion

in den START-Verhandlungen ein getrenntes Übereinkommen über Vertrauensbildende Maßnahmen erreichen, ehe sie einen Gesamtvertrag über die Reduzierung der
strategischen Waffen erreichen?
ANTWORT: Ja, das ist durchaus möglich, und ich hoffe, daß es eben dazu kommen wird.

Vertrauensbildende Maßnahmen sind ein wünschenswertes Ziel

für sich selbst, und allgemein gesehen sind sie etwas leichter zu erreichen
als ein umfassendes START-Abkommen mit all seinen Feinheiten.

Wir sollten

alles anstreben, was das Risiko eines Atomkrieges vermindert, und ich freue
mich darüber, daß Andropow und die Sowjets für solche Maßnahmen eintreten.
Es ist ein ermutigendes Zeichen, daß die Reden Andropows positive Aussichten dafür geschaffen haben, daß ein Abkommen über diese Vertrauensbildenden Maßnahmen zustandekommt, und ich werde sofort am Konferenztisch daran zu
arbeiten beginnen, ein solches Abkommen zu erreichen.

Wenn wir ein Oberein-

kommen erzielen können, werde ich dem Präsidenten empfehlen - und ich hoffe,
daß mein Verhandlungspartner dies auch Andropow empfehlen wird -,daß ein separates Abkommen über Vertrauensbildende Maßnahmen geschlossen wird, damit
wir das Risiko eines Atomkrieges schon verringern können, während wir noch
über ein START-Abkommen verhandeln.
FRAGE:

Wenn Sie das täten, dann könnte das für die Öffentlichkeit ein

ermutigendes Zeichen sein?
ANTWORT:

Ganz sicherlich, da es für uns alle ein ermutigendes Zeichen

wäre, daß wir in der Lage sind, über solche Dinge, an denen wir beide sehr
interessiert sind, ein Abkommen zu erreichen.

Wir haben ein beiderseitiges

Interesse daran, das Risiko eines Atomkrieges zu verringern.
FRAGE:

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht die sowjetischen Medien Ar-

tikel über START bringen.

Sind Sie der Ansicht, daß einige dieser Artikel,

vor allem der Leitartikel in der "Prawda" am 1. Januar, das Obereinkommen ver-

- 4 -

�Übereinkommen verletzen, daß keine Seite etwas über die Details der Verhandlungen verlauten lassen würde; mit anderen Worten die Vertraulichkeit verletzen?
ANTWORT:

Ich glaube wir sollten klarmachen, daß das Abkommen über

Vertraulichkeit, das ich Viktor Karpow (dem sowjetischen Verhandlungsleiter)
vorgeschlagen habe und auf das wir uns einigten, nicht die Führung unserer
Länder bindet.

Wir haben uns darauf geeinigt, daß wir nicht über Dinge sprechen

würden oder sollten, die sich am Konferenztisch in Genf abspielen.

Er hat

seine Zusage gehalten und ich die meine, wie auch die anderen Delegierten auf
beiden Seiten.

Darüber hinaus bin ich sehr froh, daß amerikanische Regierungs-

vertreter nicht über das gesprochen haben, was sich in Genf abspielt, denn
das könnte sich negativ auf das Zustandekommen eines Abkommens auswirken.
Ich halte es für unglücklich, daß sich die sowjetische Führung entschlossen
hat, über Dinge zu sprechen, die sich in Genf abgespielt haben, denn diese
Fragen sind zu verwickelt, zu detailliert und zu kompliziert, als daß man
sie in der Öffentlichkeit behandeln könnte.
So geht beispielsweise jede Seite mit einer Ausgangsposition in die
Verhandlungen, bei der sie möglicherweise zum Nachgeben bereit ist.

Aber

wenn das alles schon bekannt ist, dann wird es schwieriger sein, zu den für
ein Abkommen notwendigen Kompromissen zu gelangen.
Ich möchte viel lieber im Rahmen der Vertraulichkeit ernsthaft und
rasch verhandeln und dann unseren jeweiligen Regierungen die Beurteilung
überlassen, ob das Abkommen, das wir erreicht haben, im Gesamtinteresse beider Seiten liegt.
FRAGE:
ANTWORT:

Werden Sie darum ersuchen, daß das aufhört?
Ich werde darum ersuchen, aber es könnte sein, daß ich von

meinem Verhandlungspartner die Antwort bekomme, daß er seine Führung nicht
kontrollieren kann.

Aber ich werde ihn bitten, seiner Führung zu empfehlen

- 5 -

�zu empfehlen - wie ich das bei der amerikanischen Regierung getan habe - daß
keine Seite über das sprechen sollte, was am Konferenztisch geschieht.
Ich hoffe, daß es uns gelingt, weiter über ein Abkommen zu verhandeln,
als Fragen zu beantworten und diese Fragen sogar in der Öffentlichkeit erörtern zu müssen und dadurch von dem abgelenkt zu werden, was wir eigentlich
am Konferenztisch tun sollten.
Die Fragen sind schon kompliziert genug, und sie in aller Öffentlichkeit
zu behandeln, liegt nach meiner Auffassung nicht im Interesse der einen wie
der anderen Seite.
FRAGE:

Die jüngste Erklärung des Warschauer Paktes erwähnt wieder ein

nukleares Einfrieren.

Wie würde sich ein nukleares Einfrieren auf die Chancen

des Abschlusses eines wirksamen Rüstungsverminderungsabkommens auswirken?
ANTWORT:

Nach meiner Meinung würde ein nukleares Einfrieren den Ab-

schluß eines wirksamen Rüstungsverminderungsabkommens hemmen.
gar verhindern, daß wir ein solches Abkommen erreichen.

Es könnte so-

Der Grund dafür ist,

daß es im sowjetischen Interesse liegt, ein Einfrieren vorzuschlagen, da sie
bei den strategischen Waffen einen höheren Stand erreicht haben - und vor allem bei jenen Waffen, die verwundbarer sind und dadurch in Krisenzeiten zu
Instabilität führen.
Von was ich hier spreche, ist die Tatsache, daß die Sowjets in der Zahl
der Gefechtsköpfe von Interkontinentalraketen eine Überlegenheit von drei zu
eins haben; d.h. bei landgestützten Interkontinentalraketen. Sie könnten also mit rund 6000 Gefechtsköpfen auf unsere 1000 Abschußeinrichtungen für Interkontinentalraketen zielen und mit einem Erstschlag 90 Prozent von ihnen ausschalten.
Wir verfügen nicht über eine entsprechende Kapazität, und wir haben
auch nicht die Absicht, einen Erstschlag zu führen.

- 6 -

Damit will ich nicht sa-

�nicht sagen, daß die Sowjets eine solche Absicht hätten, aber Absichten können
sich über Nacht ändern.

Es ist die Kapazität, die zählt.

Die Sowjets besitzen eine Erstschlagkapazität, und es gäbe daher für
sie bei der Überlegenheit, die sie jetzt haben, keinen Anreiz, ernsthaft zu
verhandeln, wenn wir einfach einfrieren.

Sie würden sagen:

"Es ist doch al-

les gut, laßt uns auf dem jetzigen Stand alles einfrieren."
Im übrigen müßten wir, wenn wir einem Abkommen über ein Einfrieren zustimmen würden, das definieren, was wir einfrieren würden, und das würde lange Zeit in Anspruch nehmen.

Wir müßten an Verifizierungsbestimmungen arbei-

ten, um festzustellen, wie wir verifizieren könnten, was eingefroren wird,
und auch das würde lange Zeit in Anspruch nehmen - vielleicht Monate oder
Jahre.
Ich bin der Überzeugung, daß es besser wäre, direkt über eine Senkung
auf einen niedrigeren Stand zu verhandeln, wie es Präsident Reagan vorgeschlagen hat; die Zahl der Raketen, die wir besitzen, um die Hälfte zu senken und
die Zahl der Gefechtsköpfe um ein Drittel, statt eine Menge Zeit für Verhandlungen über ein Einfrieren zu verwenden und für den Versuch, dieses Einfrieren zu verifizieren.

- 7 -

�19. Januar 1983

SOWJETISCHER REAKTOR-SATELLIT AUF ABSTURZBAHN
Amerikanische Suchtrupps für radioaktive Trümmer einsatzbereit

- (AD) - Mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent dürfte der außer
Kontrolle geratene sowjetische Aufklärungssatellit KOSMOS 1402 ins Meer stürzen. Wie Dr. Richard Wagner, Sonderreferent für Atomenergie im amerikanischen
Verteidigungsministerium, am 13. Januar 1983 gegenüber Pressevertretern erklärte, bestehe nur eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent, daß der Absturz
über Land erfolge, "und eine äußerst geringe Möglichkeit, daß seine Trümmer
über bewohntem Gebiet niedergehen". Obgleich nach wie vor genaue Vorhersagen
über Zeit und Ort des Absturzes nicht gemacht werden könnten, sei in den
letzten Januartagen damit zu rechnen. Allerdings könne der bereits aufgesprengte Satellit - die Sowjets hatten vergeblich versucht, die Reaktoreinheit
in eine höhere Umlaufbahn zu katapultieren - schon ein paar Tage früher, aber
ebenso auch ein paar Tage später auf die Erde stürzen. Der Kernreaktor enthält ca. 45 kg angereichertes Uran.
Für den Fall, daß die Trümmer, sofern sie nicht schon beim Eintauchen
in die Erdatmosphäre verglühen, über bewohntem Gebiet niedergehen, habe, so
Wagner, Präsident Reagan die Hilfe der Vereinigten Staaten jedem Land, das

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�Land, das darum ersuche, angeboten, um die Bruchstücke oder radioaktive Partikel zu finden und zu beseitigen.

Ein ähnlicher Fall war beim Absturz von

KOSMOS 954 am 24. Januar 1978 auf kanadischem Territorium gegeben.

Dieser

Satellit "brach hoch in der Lufthülle in den ersten Stadien des Wiedereintritts in ziemlich kleine Teile auf", und der Reaktorbrennstoff als der gefährlichste Bestandteil "verbrannte praktisch schon in der Hochatmosphäre".
Nach Ansicht Wagners gebe es nur "eine sehr geringe Chance", daß der
Reaktorbrennstoff von KOSMOS 1402 die Rückkehr zur Erde überstehe.

Ob und

inwieweit der jetzt zu erwartende Absturzvorgang mit dem von 1978 verglichen
werden könne, "hängt weitgehend davon ab, ob die Sowjets seitdem das Raumfluggerät verändert haben".

Die Vereinigten Staaten hätten entsprechende An-

fragen an die Sowjetunion gerichtet und hofften noch auf Antwort.

Vor fünf

Jahren habe man nach dem Absturz von KOSMOS 954 in der Arktis einige Trümmer
gefunden, die vermutlich vom Reaktor stammten.

Gefahr drohe vom Reaktorkern,

der "Brennzone" für die Spaltreaktion. Es sei "überaus unwahrscheinlich",
daß der Reaktorkern intakt bleibe.

Jedoch werde dringend davor gewarnt, sich

Trümmern, die möglicherweise doch in bewohnten Gebieten niedergehen, zu nähern,
oder solche Objekte aufzuheben.

+ + + + +

�mIEMKb

DlElIISTJ

Wi//en/ch&lt;ift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

19. Januar 1983

ERDGAS UND ERDÜL VOM ÄUSSEREN KONTINENTALSOCKEL
Vereinfachte Pachtbedingungen für die Wirtschaft -

- (AD) - Der Eigeninitiative der Industrie und dem wirtschaftlichen
Wettbewerb bei der Suche nach neuen Erdöl- und Erdgasvorkommen vor den Küsten
der USA kommt das neue Programm der amerikanischen Regierung zur Verpachtung
von Offshore-Gebieten in besonderer Weise entgegen. Nach Ansicht des amerikanischen Innenministers James Watt dürften sich angesichts der Verringerung
der Bearbeitungszeit von Pachtanträgen auf die Hälfte und der jetzt zugesagten
freien Wahl der Explorationsgebiete seitens der Industrie in den nächsten fünf
Jahren die Chancen für die Entdeckung neuer Vorkommen merklich verbessern.
Bis Juni 1987 ist die Vergabe von 41 neuen Pachtverträgen vorgesehen. Praktisch der gesamte äußere Kontinentalsockel (OCS - Outer Continental Shelf)
- eine Fläche von 400 Millionen Hektar - ist in das Programm einbezogen, jedoch dürfte für die Verpachtung nur ein relativ geringer Teil davon in Anspruch genommen werden. Im Rahmen der bisherigen Regierungsprogramme konnten
nur 2,5 Prozent der OCS-Gebiete erschlossen werden - und dies in einem Zeitraum von 28 Jahren.
Von den 20 000 Bohrungen, die seit 1954 vor den amerikanischen Küsten
niedergebracht wurden, befinden sich 19 000 vor den Bundesstaaten Louisiana
und Texas.

Nur 70 liegen im "Fronf'-Bereich, d.h. in weitgehend unerforschten

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D 5300 Bonn 2
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�weitgehend unerforschten Teilen des Kontinentalsockels, die mehr als die Hälfte
der amerikanischen Ölvorkommen bergen könnten.
Wie Watt erläuterte, ist es hauptsächlich auf diesen Umstand

- Kon-

zentration der Pachtlizenzen auf den Golf von Mexiko - zurückzuführen, daß
der Anteil der USA an den internationalen Aktivitäten zur Erschließung der Offshore-Vorkommen von öl und Gas von 22 Prozent im Jahr 1970 auf weniger als acht
Prozent im Jahr 1980 zurückging.

Im vergangenen Jahrzehnt wurde nur ein kom-

merziell nutzbares Feld entdeckt.

Es handelt sich um ein Gebiet vor der süd-

kalifornischen Küste, bei dem man nach Überzeugung von Experten der Mineralö'lindustrie auf die umfangreichsten Vorkommen seit der Entdeckung der öl fei der
in der Prudhoe-Bucht vor Alaska gestoßen sein dürfte.
Die kalifornischen Vorkommen vor dem Santa-Maria-Becken wurden im Mai
1981 von den Firmen Standard Oil of California und Phillips Petroleum von der
US-Regierung für eine Gebühr von 333,6 Millionen Dollar gepachtet.

Während

man im amerikanischen Innenministerium die förderbaren Rohölmengen auf 100
bis 400 Millionen Barrel (1 barrel = Faß mit 159 Litern) schätzt, rechnet die
Industrie mit Mengen bis zu einer Milliarde Barrel.

Zum Vergleich: Das ölfeld

Prudhoe-Bucht, dessen Umfang auf 9,6 Milliarden Barrel geschätzt wird, liefert
z. Zt. täglich eine Million Barrel Rohöl.

Das entspricht etwa 15 Prozent des

Gesamtverbrauchs in den Vereinigten Staaten.
Im März 1983 werden zum ersten Mal Pachtlizenzen für von der Industrie
ausgewählte Gebiete vergeben, u. a. für einen Bereich vor der Westküste von
Alaska.

Bisher wurden den Mineral öl firmen die Pachtgebiete zugewiesen.

Die

größte Aktion dieser Art war die Verpachtung des 720 000 Hektar großen DiapirFeldes im Beaufort-Meer nahe den reichen Prudhoe-Bucht-Vorkommen im Oktober
1982.

Die von Regierungsstellen erwarteten Angebote in Höhe von 1,6 Milliarden

Dollar wurden um mehr als 400 Millionen überschritten.

Falls das Feld förder-

bare ölmengen von 2,3 Milliarden Barrel enthält - dies jedenfalls schätzen Geologen des Innenministeriums -, könnte es bei einem Preis von 31 bis 33 Dollar
pro Barrel Fördererträge von 75 bis 80 Milliarden Dollar erbringen.

Die neueren

�Die neueren Funde im Norden des amerikanischen Kontinents und vor Kalifornien
lassen, wie Watt erklärte, deutlich erkennen, weshalb die USA ihre Abhängigkeit
von Importen ständig weiter verringern müssen.
Im Zuge der jüngsten Entwicklung hat das Interesse der Mineralöl firmen
an Pachtgebieten im Golf von Mexiko merklich nachgelassen.

Bei neuen Aus-

schreibungen Ende vergangenen Jahres wurden nur für 47 Prozent der von der
Regierung angebotenen Plots Lizenzen vergeben.

Der Erlös betrug 609,1 Mil-

lionen Dollar und lag damit zum ersten Mal weit unter 1 Milliarde - seit 1978
eine regelmäßig überschrittene Marke bei neuen Verpachtungen in der Golfregion.
"Unter dem alten Programm bot die Regierung kleine Bezirke an", sagte
ein Sprecher des amerikanischen Innenministeriums. "Unter dem neuen Programm
weist sie ein großes Gebiet im Ausmaß von zwei bis vier Millionen Hektar zur
Untersuchung durch Geologen der Industrie und der Bundesbehörden an". Es sei
mehr als wahrscheinlich, daß dort der Löwenanteil der öl- und gashöffigen
Felder zu finden ist, die die Industrie zu pachten wünsche. Auf diese Weise
hoffe man auch, sehr viel schneller als bisher herauszufinden, wieviel Erdöl
und Erdgas in den Meeresgebieten um die Vereinigten Staaten noch unerschlossen
liegen.
Ministerialbeamte betonen, daß der neue Verpachtungsplan unter rigorosen
Umweltkontrollen durchgeführt werde. Das Ministerium ist verpflichtet, als
Vorbedingung für eine Verpachtung und Erschließung ortsspezifische Daten für
ein Gutachten über die zu erwartende Umweltbelastung einzuholen. Dabei werden
ökologische Bedenken und solche über mögliche Umweltbelastungen der Behörden
von Bund, Einzelstaaten und zuständigen regionalen Verwaltungen berücksichtigt.
Bis zum Ende des letzten Fiskaljahres (September 1982) hatte das Innenministerium 302 Millionen Dollar für Umweltstudien im OCS-Bereich aufgewendet.
Hauptsächlich aufgrund von Bedenken möglicher Umweltschäden wurden kürzlich vom US-Kongreß Geldmittel im Zusammenhang mit der Lizenzvergabe für die
Suche nach öl- und Gasvorkommen vor der Küste von Mittel- und Nordkalifornien
- 3 -

�und Nordkalifornien bis September 1983 gesperrt. Obgleich diese Maßnahme die
Vorbereitungen zur Erschließung des im Bereich des Santa-Maria-Beckens liegenden neuen großen öl fei des nicht berührt, befürchtet man im amerikanischen Innenministerium, daß sie einen Präzedenzfall darstellen könne, wenn es um die Verfolgung ähnlicher Pläne zur Auffindung und Nutzung weiterer Offshore-Vorkommen
1m Bereich des äußeren Kontinentalsockels geht. Experten verweisen auf den
außerordentlich günstigen Verlauf der Förderaktivitäten amerikanischer Firmen
1m Offshore-Bereich: Sie waren bisher für wenig mehr als ein Prozent (d.h.
ca. 600 000 Barrel pro Jahr) der ülunfälle verantwortlich, durch die die Weltmeere verschmutzt werden.

- 4 -

�19. Januar 1983

NEUE VORSCHLÄGE ZUR PRODUKTION SYNTHETISCHER BRENNSTOFFE

- (AD) - Im Zuge der dritten Ausschreibung gingen bei der regierungseigenen
Gesellschaft für Synthesebrennstoffe (U.S. Synthetic Fuels Corporation - SFC)
46 Vorschläge, darunter 17 neue Angebote ein. Es handelt sich um elf Produkte
zur Kohleverflüssigung, neun zur Kohlevergasung, 13 Projekte zum Aufschluß von
Ölschiefer und elf von Teersanden. Ein Vorschlag galt der Verwendung von Kalziumkarbid im Verflüssigungsprozeß3 ein weiterer der Verarbeitung von Torf zu
einem festen Brennstoff. Von den 46 Vorschlägen sind 29 die Wiederaufnahme bereits vorgelegter Projekte. Sie werden nunmehr unter technologischen, wirtschaftlichen und unternehmensspezifischen Gesichtspunkten geprüft.
SFC-Vorsitzender Edward Noble zeigte sich beeindruckt von der Zahl und
Vielfalt der von der Industrie eingereichten Vorschläge, die bemerkenswerte
technische Fortschritte und ein erhebliches Maß an Investitionen erkennen ließen.
Die Gesellschaft kündigte inzwischen ihre Bereitschaft an, ein Projekt zur
Methanol gewinnung aus Torf in North Carolina finanziell zu unterstützen. Ober
die Förderung eines Projekts zur Aufbereitung von ölsänden in New Mexico und
zur Umwandlung von Schweröl in Kalifornien wird in Kürze entschieden.
In den

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�In den Vereinigten Staaten werden, wie ein Sprecher der SFC erklärte,
zur Zeit fünf kommerzielle Synthesebrennstoff-Werke gebaut, von denen bisher
allerdings nur die zwei Großbetriebe staatliche Zuschüsse erhalten (Unionölschieferprojekt in Colorado, Great Plains-Kohlevergasung in North Dakota
mit 14 Reaktoren zur Verarbeitung von 3600 Tonnen Kohle pro Tag). Zwei der
Initiatoren für die drei kleineren Projekte (Coolwater-Kohlevergasung in
Kalifornien, Allis/Chalmers-Kohlevergasung in Illinois, Eastman-Synthesebrennstoff in Tennessee mit dem Ziel, Synthesebrennstoffe in fototechnische
Chemikalien umzuwandeln) haben kürzlich bei der SFC staatliche Fördermittel
beantragt.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Echter Fortschritt bei den Abrüstungsverhandlungen möglich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des Präsidenten - (Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zum 300. Gedenkjahr deutscher Einwanderung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gesandter gedenkt der Ursprünge der deutsch-amerikanischen Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 300 Jahre deutsche Einwanderung in die Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan ernennt neue Abrüstungsexperten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Margaret Heckler soll neue Gesundheitsministerin der USA werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Chefdelegierter Rowny nimmt zu den START-Verhandlungen Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetischer Reaktor-Satellit auf Absturzbahn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Suchtrupps für radioaktive Trümmer einsatzbereit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erdgas und Erdöl vom äußeren Kontinentalsockel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vereinfachte Pachtbedingungen für die Wirtschaft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Vorschläge zur Produktion synthetischer Brennstoffe</text>
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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
25. Januar 1983

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 25. Januar 1983
vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine durch die Verfassung
vorgeschriebene jährliche Botschaft über die Lage der Nation - State of the
Union Message - verlesen.

In seiner Botschaft, die vom Fernsehen in den Ver-

einigten Staaten übertragen wurde, forderte Präsident Reagan Einigkeit im
Bündnis als Voraussetzung für erfolgreiche Abrüstungsverhandlungen.

Im außen-

politischen Teil seiner weitgehend innenpolitischen Themen gewidmeten Botschaft hob der Präsident das Friedensstreben und die Friedensbemühungen Amerikas in der ganzen Welt hervor.
Die Botschaft hat folgenden Wortlaut:
Diese feierliche Gelegenheit bedeutet, daß zum 196. Male ein Präsident der Vereinigten Staaten über die Lage der Nation berichtet, seit George
Washington im Jahr 1790 dies zum erstenmal getan hat.

Das sind viele Berich-

te, aber es herrscht kein Mangel an Neuem, was über die Lage der Nation zu sagen wäre.

Der eigentliche Schlüssel zu unserem Erfolg ist unsere Fähigkeit -

an erster Stelle unter den Nationen - gewesen, unsere dauerhaften Werte zu
erhalten, indem wir dafür sorgten, daß der Wandel für uns und nicht gegen
uns gearbeitet hat.
Ich möchte heute abend zu Ihnen über das sprechen, was wir zusammen tun
können - nicht als Republikaner und Demokraten, sondern als Amerikaner -, um
das Amerika von morgen glücklich und blühend im eigenen Lande, stark und geachtet draußen und im Frieden mit der Welt zu machen.
Wenn wir heute abend hier zusammenkommen, dann ist die Lage unserer
Nation stark, aber unsere Wirtschaft ist in Schwierigkeiten.

Für zu viele

unserer Mitbürger - Farmer, Stahl- und Automobilarbeiter, Holzfäller, schwarze Jugendliche und arbeitende Mütter - ist dies eine schmerzliche Zeit.
- 1 -

Wir

�Zeit.

Wir müssen alle alles tun, um ihrem Leiden ein Ende zu bereiten.

Es

ist uns aufgegeben, in unserer Zeit Schaden zu beheben, der sich seit langem
abzeichnet, und mit der schweren aber notwendigen Aufgabe zu beginnen, eine
bessere Zukunft für uns und unsere Kinder aufzubauen.
Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber dank des Mutes, der Geduld und der Stärke unseres Volkes ist Amerika auf dem Weg zur Besserung.
Lassen Sie mich nur einen wichtigen Grund angeben, warum das nach meiner Meinung so ist:

Es geht viele Mitglieder dieses Hauses an.

Rettung der Sozialversicherung
Gerade vor zehn Tagen hat die überparteiliche Kommission für die Sozialversicherung nach Monaten der Debatte und des Patts das scheinbar Unmögliche
geschafft.

Die Sozialversicherung stand, wie einige uns schon seit langem

gewarnt hatten, vor der Katastrophe.
von diesem Problem gesprochen.

Ich selbst habe seit fast 30 Jahren

Mit Anbruch des Jahres 1983 stand das System

am Rande des Bankrotts, ein zweifaches Opfer unserer wirtschaftlichen Malaise.
Erstens, ein Jahrzehnt galoppierender Inflation erschöpfte seine Reserven,
weil wir die Empfänger vor der ständigen Steigerung der Lebenshaltungskosten
schützen wollten.

Dann haben Rezession und das plötzliche Ende der Inflation

die expandierende Lohnbasis und die steigenden Einnahmen unterhöhlt, die das
System braucht, um die 36 Millionen Amerikaner zu unterstützen, die auf das
System angewiesen sind.
Als der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion im Senat und ich die überparteiliche Kommission für die Sozialversicherung ins Leben riefen, sagten schlaue Leute und Fachleute voraus, daß Parteienstreit und widersprüchliche Interessen die Kommission daran hindern würden,
sich auf einen Plan zur Rettung der Sozialversicherung zu einigen.
Nun, manchmal

�Nun, manchmal haben selbst hier in Washington die Zyniker unrecht.
Durch Kompromiß und Kooperation haben die Mitglieder der Kommission ihre
Differenzen Überwunden und einen fairen und durchführbaren Plan ausgearbeitet.

Sie haben bewiesen, daß Amerikaner, wenn es um die nationale Wohl-

fahrt geht, noch immer zum gemeinsamen Guten zusammenstehen können.
Ich freue mich heute abend besonders, zusammen mit dem Sprecher und
dem Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion im Senat an den Kongreß appellieren
zu können, diesen Plan innerhalb der nächsten 100 Tage zu verabschieden.
Natürlich enthält er Elemente, die keiner von uns besonders mag, aber
zusammengenommen stellt er ein Paket dar, für das alle von uns eintreten
können.

Er fordert von allen einige Opfer - von Selbständigen, Empfängern,

Arbeitern, neuen Regierungsangestellten und den Rentnern mit besserem Einkommen - aber er verlangt von niemandem etwas Ungebührliches.

Und wenn wir

den Plan unterstützen, dann halten wir ein wichtiges Versprechen an das
amerikanische Volk:

Die Integrität des Sozialversicherungssystems bleibt

erhalten - und niemand wird weniger bekommen.
Der Plan der Kommission wird seine Aufgabe erfüllen.
seine Aufgabe erfüllen.

Er muß sogar

Das schulden wir den älteren Amerikanern von heute

- und den jungen Arbeitern von heute.
Bevor wir fortfahren, möchte ich Sie bitten, zusammen mit mir die Mitglieder der Kommission, die heute abend unter uns sind, sowie den Vorsitzenden der Mehrheitsfraktion im Senat, Howard Baker, und Sprecher Tip O'Neill
zu ihrer guten Arbeit zu beglückwünschen.
Ich hoffe und bete, daß der überparteiliche Geist, der sie bei diesem
Bemühen geleitet hat, uns alle inspirieren wird, wenn wir vor den Aufgaben
der kommenden Jahre stehen.
Eine Zeit

�Eine Zeit des Übergangs und der Erneuerung
Vor fast einem halben Jahrhundert hat ein anderer amerikanischer Präsident, Franklin Delano Roosevelt, in seiner zweiten Botschaft über die Lage der Nation Amerika aufgerufen, in die Zukunft zu blicken - sich der Herausforderung des Wandels und der Notwendigkeit einer Führung zu stellen,
die vorwärts und nicht zurück blickt.
"In der ganzen Welt", so sagte er, "ist der Wandel an der Tagesordnung.

In jedem Lande haben seit langem anstehende Wirtschaftsprobleme Kri-

sen vieler Art herbeigeführt, auf die die Meister der alten Praxis und Theorie nicht vorbereitet waren."

Er erinnerte uns auch daran, daß "die Zukunft

jenen klugen politischen Führern gehört, die erkannt haben, daß die breite
Öffentlichkeit mehr an Regierung als an Parteipolitik interessiert ist."
So wollen wir uns - Männer und Frauen beider Parteien und jeder politischen Richtung - auf die langfristigen, überparteilichen Aufgaben der Regierung konzentrieren, und nicht auf die kurzfristigen Versuchungen der Parteipolitik.
Die Probleme, die wir ererbten, waren weit schlimmer, als die meisten
innerhalb oder außerhalb der Regierung erwartet hatten.

Die Rezession war

tiefer, als die meisten innerhalb oder außerhalb der Regierung vorausgesagt
hatten.

Die Behebung dieser Probleme hat mehr Zeit und einen höheren Preis

verlangt, als wir alle wollten.

Die Arbeitslosigkeit ist viel zu hoch.

Die

vorgesehenen Ausgaben der Bundesregierung werden - wenn die Regierung sich
weigert, ihren Gürtel enger zu schnallen -, bei weitem zu hoch sein und könnten den jetzt in Gang befindlichen wirtschaftlichen Wiederaufschwung schwächen
und verkürzen.
Dieser Wiederaufschwung wird eine Wiederbelebung des wirtschaftlichen
Vertrauens und der Ausgaben für Verbrauchsgüter und Kapital guter mit sich
bringen - den Anreiz, den wir brauchen, um die stillstehenden Triebwerke un- 4 -

�Triebwerke unserer Wirtschaft wieder zu starten. Das amerikanische Volk
hat bereits seine Spartätigkeit verstärkt und damit gewährleistet, daß die
notwendigen Mittel für die Modernisierung unserer Fabriken und die Verbesserung unserer Technologie wieder in Handel und Industrie fließen werden.
Die Inflationserwartungen, die noch vor zwei Jahren zu einer 21,5 prozentigen Primarate (Zinssatz für erste Adressen) und hochschnellenden Hypothekenzinsen führten, sind jetzt um fast die Hälfte zurückgegangen. Geldverleiher haben zu begreifen begonnen, daß eine zweistellige Inflationsrate
nicht mehr zur Gewohnheit gehört. Die Zinssätze sind gestürzt und haben den
Weg für den Wiederaufschwung in lebenswichtigen Industriezweigen wie Bauwirtschaft und Automobile bereitet.
Die ersten Anzeichen dieses Wiederaufschwungs beginnen einzutreten.
Die Neubaubeginne; sind im vierten Quartal 1982 gegenüber dem gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres um 45 Prozent gestiegen. Und die Baugenehmigungen - ein sicherer Indikator für künftiges Wachstum - sind um kolossale
60 Prozent gestiegen.
Wir erleben einen Aufschwung der Produktivität und eindrucksvolle Beweise, daß die amerikanische Industrie auf den Binnen- und Auslandsmärkten
wieder wettbewerbsfähig werden wird - was mehr Arbeitsplätze und bessere
Einkommen für die Erwerbsbevölkerung unseres Landes garantiert.
Aber unser Vertrauen muß auch mit Realismus und Geduld vermischt sein.
Schnellkuren und künstliche Anreize, wie sie über Jahrzehnte immer wieder angewandt wurden, haben genau das inflationäre Durcheinander herbeigeführt, für
dessen Behebung wir jetzt einen so hohen Preis bezahlt haben.
Der dauerhafte Wiederaufschwung in Beschäftigung, Produktion und Investition wird nicht in einem scharfen, kurzen Spurt kommen. Er wird sich
in den kommenden Monaten und Jahren sorgfältig und stetig aufbauen. In der
Zwischenzeit ist es die Aufgabe der Regierung, die Dinge zu identifizieren,

�zu identifizieren, die wir jetzt tun können, um diesen massiven wirtschaftlichen Übergang für das amerikanische Volk zu erleichtern.

Der vierteilige Haushaltsentwurf für wirtschaftliches Wachstum
Der Bundeshaushalt ist sowohl ein Symptom als auch eine Ursache unserer
wirtschaftlichen Probleme. Wenn wir nicht die gefährliche Wachstumsrate der
Regierungsausgaben verringern, könnten wir auf unbegrenzte Zeit hinaus vor
der Aussicht auf ein träges wirtschaftliches Wachstum stehen. Wenn es uns
nicht gelingt, jetzt mit diesem Problem fertig zu werden, dann könnte dies
eine Erhöhung der Staatsschuld allein in den nächsten vier Jahren in einer
Größenordnung von einer Billion Dollar bedeuten.

Das würde eine zusätzliche

durchschnittliche Verschuldung jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes unseres Landes um 4300 Dollar bedeuten.

Damit eine anhaltender Wiederaufschwung

gewährleistet wird, müssen wir weiterhin die davonlaufenden Ausgaben unter
Kontrolle bekommen, um diese Defizite zu senken. Wenn wir das nicht tun, dann
wird der Wiederaufschwung zu kurz sein, dann wird die Arbeitslosigkeit zu hoch
bleiben, und wir werden unseren Kindern eine unverantwortliche Last an Staatsschuld hinterlassen.

Das dürfen wir nicht.

Wollen wir uns darüber klar werden, woher das Defizit kommt!

Entgegen

dem Trommel klang, den wir in den letzten Monaten gehört haben, stammen die
Defizite nicht von den Verteidigungsausgaben.

Als Prozentsatz unseres Brutto-

sozialprodukts betragen unsere Verteidigungsausgaben nämlich nicht mehr als
etwa vier Fünftel dessen, was sie im Jahr 1970 betrugen.

Und ebenso wenig

rührt das Defizit, wie manche Leute meinen, aus den Steuersenkungen her. Selbst
nach unseren Steuersenkungen sind die Steuern als Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts etwa die gleichen geblieben wie im Jahr 1970.
Tatsache ist, daß unsere Defizite aus dem unkontrollierten Anwachsen
der Haushaltmittel für

Staatsausgaben herrühren.

erhöhte sich der Anteil dieser

Während der siebziger Jahre

Staatsausgaben an unserem Nationaleinkommen

um mehr als 60 Prozent - von 10 Cent eines jeden Dollar, der vom amerikanischen
- 6 -

�vom amerikanischen Volk hervorgebracht wurde, auf 16 Cent.

Trotz all unserer

Einsparungen und Leistungssteigerungen und ohne Hinzufügung irgendeines
neuen Programms werden die notwendigen

Staatsausgaben, die im Haushalt die-

ses Jahres vorgesehen sind, während der nächsten fünf Jahre um fast eine Billion Dollar steigen.
Das Defizitproblem ist eine deutliche und präsente Gefahr für die Gesundheit unserer Republik selbst. Wir brauchen einen Plan, um diese Gefahr zu
überwinden - einen Plan, der auf folgenden Prinzipien beruht:
- Er muß überparteilich sein. Um die Defizite zu bewältigen und das
Haus der Regierung in Ordnung zu bringen, bedarf es der höchsten Anstrengungen von uns allen.
- Er muß fair sein.

So wie alle an den Vorzügen teilhaben, die sich

aus dem Wiederaufschwung ergeben, so sollen auch alle in fairer Weise an den
Lasten des Übergangs teilhaben.
- Er muß klug sein.

Die Stärke unserer nationalen Verteidigung muß

wiederhergestellt werden, damit wir die Prosperität in Frieden und Freiheit
erleben können, während wir unsere Verpflichtung gegenüber den wirklich Bedürftigen aufrechterhalten.
- Und er muß realistisch sein.

Wir dürfen uns nicht auf die Hoffnung

allein verlassen.
Mit diesen richtungweisenden Prinzipien im Auge möchte ich einen vierteiligen Plan zur Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums und zum Abbau
der Defizite aufzeigen.
Erstens, in meiner Haushaltsbotschaft werde ich ein Einfrieren der Bundesausgaben empfehlen.

Ich weiß, daß das eine bittere Medizin ist, aber bisher

haben wir nur die Wachstumsrate der Bundesausgaben verringert.

- 7 -

Die Regierung

�Die Regierung hat weiterhin jedes Jahr mehr Geld ausgegeben, wenn auch nicht
so viel mehr als in der Vergangenheit.

Alles in allem wird das Budget, das

ich für das nächste Haushaltsjahr veranschlage, um nicht mehr zunehmen als
die Inflationsrate - mit anderen Worten, die Bundesregierung wird am realen
Stand der Ausgaben festhalten.
Familien

Das ist weit weniger, als viele amerikanische

in diesem schweren Zeiten vollbringen mußten.

Ich werde beantragen, daß das vorgeschlagene sechsmonatige Einfrieren
des Lebenshaltungskostenausgleichs, das von der überparteilichen Kommission
für die Sozialversicherung empfohlen wurde, auf andere im Zusammenhang mit
der Regierung stehende Pensionsprogramme ausgedehnt wird.
ein einjähriges Einfrieren für einen weiten Bereich von

Ich werde ferner
Staatsausgabenpro-

grammen und für die zivilen und militärischen Bediensteten der Bundesregierung und für Pensionsprogramme vorschlagen.

Lassen Sie mich hier hinzufügen,

daß es mir hinsichtlich der Soldaten leid tut, das von ihnen fordern zu müssen,
denn sie waren so viele Jahre lang im Rückstand und wurden so niedrig entlohnt
für das, was Männer und Frauen in Uniform leisten.

Aber ich bin sicher, daß

sie begreifen werden, daß dies für alle ohne Ausnahme gelten muß.
Zweitens, ich werde den Kongreß ersuchen, spezifische Maßnahmen zur
Kontrolle des Wachstums der sogenannten "unkontrollierbaren" Ausgabenprogramme
zu verabschieden.

Das sind die automatischen Ausgabenprogramme, wie etwa für

Lebensmittelgutscheine, die nicht einfach eingefroren werden können - und die
seit 1970 um über 400 Prozent angewachsen sind.

Sie sind die größten, ein-

fach wegen des eingebauten oder "strukturellen" Defizitproblems.

Unsere Norm

wird hier Fairness sein - Gewährleistung, daß die hart verdienten Dollar des
Steuerzahlers nur den wirklich Bedürftigen zugutekommen; daß keiner von diesen zurückgewiesen wird; aber daß es keinen Betrug und keine Verschwendung
mehr gibt.

Und ich muß leider sagen, daß davon eine ganze Menge vorkommt.

Allein in dem Lebensmittelgutscheinprogramm haben wir im vorigen Jahr eine
Überzahlung von fast 1,1 Milliarden Dollar festgestellt.
sind nicht die einzigen Opfer dieser Art von Mißbrauch.

Die Steuerzahler
Die wahrhaft Bedürf-

tigen leiden darunter, daß ihnen Mittel, die für sie vorgesehen sind, von den

- 8 -

�von den Habgierigen weggenommen werden.

Zum Wohle aller müssen wir solcher

Verschwendung und Korruption ein Ende setzen.
Drittens, ich werde unser Programm zur Erneuerung der Verteidigung
Amerikas durch den Vorschlag, über die nächsten fünf Jahre hinweg 55 Milliarden Dollar beim Verteidigungshaushalt einzusparen, einer Anpassung unterziehen.

Es handelt sich hierbei um Einsparungen, die mir der Verteidigungsmi-

nister empfohlen hat, der mir zugleich versichert hat, daß sie ohne Schwierigkeiten erzielt werden können und weder unsere Fähigkeit einschränken,
Rüstungsverminderungen auszuhandeln, noch Amerikas Sicherheit gefährden.

Wir

werden mit unserem nationalen Oberleben kein leichtfertiges Spiel treiben.
Viertens, ich werde - da wir eine Verminderung und schließlich eine Beseitigung der Defizite über die nächsten Jahre sicherstellen müssen - eine
Bedarfsfall Steuer vorschlagen, die im Haushaltsjahr 1986 einsetzen soll und
die auf nicht mehr als 1 Prozent des Bruttosozialprodukts begrenzt sein wird.
Sie würde sich über einen Zeitraum von nicht mehr als drei Jahren erstrecken
und nur dann eingeführt werden, wenn der Kongreß zunächst unserem Einfrieren
der Ausgaben und unserem Programm zur Kontrolle des Haushalts zugestimmt hat.
Zudem müßte

eine Reihe weiterer Bedingungen erfüllt werden, damit dieses

Programm anlaufen könnte.

Man könnte sagen, es handelt sich um eine Art

Vorsorgepolitik für die Zukunft - ein Mittel, das für den Bedarfsfall zur
Verfügung steht, zu dem man aber nur greift, wenn es absolut nötig ist.
Zwischenzeitlich werden wir auch weiterhin nach Wegen suchen, um die
Steuergesetzgebung zu vereinfachen und gerechter für alle Amerikaner zu machen.
Das ist ein Ziel, das jeder Amerikaner versteht, der sich je mit einem Steuerformular herumgeschlagen hat.
Gleichzeitig werde ich mich jedoch allen Anstrengungen entgegenstellen,
die grundlegenden Steuerreformen rückgängig zu machen, die wir bereits verwirklicht haben - einschließlich der zehnprozentigen Senkung, die diesen Juli
für die Steuerzahler kommen soll, und der Steuerindexierung, die alle Amerikaner in den kommenden Jahren vor inflationsbedingten Steuerklassenverschiebungen schützen wird.
Ich bin

�Ich bin mir bewußt, daß dieser Vierpunkteplan leichter zu beschreiben
als durchzusetzen ist.

Aber die drohenden Defizite, die über uns - und über

der Zukunft Amerikas - hängen, müssen verringert werden.

Der Weg, den ich

vorgezeichnet habe, ist gerecht, ausgewogen und realistisch.

Seine Verwirk-

lichung wird einen ständigen Rückgang der Defizite sicherstellen und auf einen
ausgewogenen Haushalt zum Ende des Jahrzehnts abzielen.

Dies ist der einzige

Weg, der zu einem starken, anhaltenden Wiederaufschwung führt.
Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen.

Wachsende Beschäftigungsmöglichkeiten
Keine innenpolitische Herausforderung ist entscheidender als die, stabile, dauerhafte Arbeitsplätze für alle Amerikaner zu schaffen, die arbeiten
wollen. Der Wiederaufschwung wird Arbeitsplätze für die meisten bringen, aber
andere wiederum werden der besonderen Hilfe bedürfen und der Ausbildung in
neuen Sparten. Kurz, ich werde dem Kongreß das Beschäftigungsgesetz von 1983
vorlegen, das dazu dient, sich der besonderen Probleme der langfristig Arbeitslosen sowie der jungen Leute anzunehmen, die den Versuch unternehmen, in
den Arbeitsmarkt einzutreten. Ich werde vorschlagen, die Leistungen für Arbeitslose auszuweiten, einschließlich besonderer Anreize für Arbeitgeber,
die längerfristige Arbeitslose einstellen; Programme für entlassene Arbeitnehmer vorzusehen sowie Programme der Arbeitslosenversicherung zu unterstützen,
die Gelder vom Bund erhalten und von den Einzelstaaten verwaltet werden und
Arbeitnehmern Ausbildung und Umstellungshilfe gewähren. Schließlich wird unser Vorschlag neue Anreize für die Beschäftigung von Jugendlichen in den Sommermonaten bieten, damit den jungen Menschen bei ihrem Start in den Arbeitsmarkt geholfen wird.

Wir müssen unseren Arbeitslosen sowohl kurzfristige Hilfe als auch langfristige Hoffnung bieten.

Ich hoffe, wir können hierbei zusammenarbeiten, wie

wir dies im vergangenen Jahr bei der Einführung des Gesetzes über Partnerschaft bei der Berufsausbildung taten.

Die Gesetzgebung zur Verordnungsreform,

- 10 -

�zur Verordnungsreform,ein verantwortungsvolles Gesetz über die Reinhaltung
der Luft und die Verabschiedung der Gesetze über Unternehmenszonen werden
enbenfalls neue Anreize und Möglichkeiten für Arbeitsplätze schaffen.

Neuer Vorrang für den Handel
Jeder fünfte Arbeitsplatz in unserem Land hängt vom Handel ab. Daher
werde ich auf dem Gebiet des internationalen Handels eine breiterangelegte
Strategie vorschlagen - eine, die die Offenheit unseres Handelssystems erhöht und die auf dem Weltmarkt gerechter ist gegenüber den Farmern und den
Arbeitern Amerikas. Wir brauchen eine angemessene Exportfinanzierung, um die
amerikanischen Güter im Ausland zu verkaufen. Ich werde um neue Verhandlungsvollmachten ersuchen, um Schranken zu beseitigen und mehr unserer Produkte
auf die ausländischen Märkte zu bringen. Wir müssen die Organisation unserer
Handelsvertretungen stärken und Änderungen unserer Inlandsgesetze sowie der
internationalen Handelspolitik vornehmen, um den freien Handel und den erhöhten Fluß amerikanischer Güter, Dienstleistungen und Investitionen zu fördern.
Unsere Position im Handel kann auch dadurch verbessert werden, daß wir
unser Hafensystem effizienter gestalten.

Bessere, aktivere Häfen bedeuten

auch stabilere Arbeitsplätze in unseren Kohlebergwerken, bei den Eisenbahnen,
und im Speditionsgewerbe.

Nach zwei Jahren der Debatte ist es an der Zeit,

daß wir uns zusammensetzen und das Gesetz zur Modernisierung der Häfen verabschieden.
Erziehung, Ausbildung und Fortbildung sind für unseren Erfolg genauso
grundlegend wichtig wie Forschung, Entwicklung und Produktivität.

Gewerk-

schaften, Management und Regierung können und müssen sich auf allen Ebenen
an der Verbesserung dieser Instrumente des Wachstums beteiligen.

Die Steuer-

politik, die Anwendung von Verordnungen und die Regierungsprogramme bedürfen
ständiger Überprüfung hinsichtlich unserer Wettbewerbsfähigkeit.
Amerikaner

Jeder

spielt im internationalen Handel eine Rolle.und auf jeden kommt

- 11 -

�jeden kommt es an.

Ausweitung des Bildungswesens
Wir Amerikaner sind noch immer auf den meisten Gebieten der Technologie
in der Welt führend.

Wir müssen diesen Vorsprung halten - und deswegen müs-

sen wir damit anfangen, die Grundlagen zu erneuern, wobei wir mit unserem
Bildungssystem beginnen müssen.

Während wir selbstgefällig wurden, haben

andere gehandelt. Japan, mit einer nur halb so großen Bevölkerung wie wir,
bringt aus seinen Universitäten mehr Ingenieure hervor als wir.

Wenn ein

Kind bis zum Alter von 16 Jahren noch keinen angemessenen Mathematik- und
naturwissenschaftlichen Unterricht erhalten hat, hat es die Chance verpaßt,
ein Wissenschaftler oder Ingenieur zu werden.
Wir müssen uns zusammentun - Eltern, Lehrer, private Gruppen, Gewerkschaften und Geschäftswelt, um die Ausbildung in Amerika dadurch neuzubeleben,
daß wir höchste Maßstäbe anlegen.
Im Jahr 1983 streben wir vier große Ziele im Bildungswesen an:
- Eine Initiative bei der Qualität der Ausbildung,um eine beträchtliche
Verbesserung des Unterrichts in Mathematik und Naturwissenschaften zu fördern,
indem wir den Einzel Staaten zweckgebundene Mittel gewähren.
- Die Einrichtung von Sparkonten für die Ausbildung, durch die Familien
mit mittlerem und geringerem Einkommen einen Anreiz erhalten, für die CollegeAusbildung ihrer Kinder zu sparen, wobei gleichzeitig zu einem echten Anstieg der Spareinlagen für das Wirtschaftswachstum ermutigt wird.
- Gewährung von Steuererleichterungen für Eltern, die ihre Kinder in
private oder kirchlich geführte Schulen schicken wollen.
- Einen Verfassungs- 12 -

�- Einen Verfassungszusatz, der das freiwillige Schulgebet erlaubt;
Gott hätte nie aus den Klassenzimmern Amerikas vertrieben werden dürfen.

Sicherung einer gerechten Gesellschaft
Unsere Verpflichtung zur Fairness bedeutet, daß wir die rechtliche und
wirtschaftliche Gleichheit für die Frau sichern und ein für allemal alle
Spuren der ungerechten Diskriminierung von Frauen aus der amerikanischen Gesetzgebung beseitigen müssen.

Wir werden keine Lohndiskriminierung aufgrund

des Geschlechts zulassen,und wir beabsichtigen die verstärkte Durchsetzung
von Gesetzen zur Regelung der Unterhaltszahlung, um sicherzustellen, daß alleinstehende Elternteile, wovon die meisten Frauen sind, keinen ungerechten
finanziellen Härten ausgesetzt sind.

Wir werden auch Schritte unternehmen,

um Unbilligkeiten bei Pensionen zu beseitigen.

Diesen Initiativen werden sich

andere anschließen, um damit unsere Anstrengungen zur Förderung der Gleichheit der Frau fortzusetzen.
Im Bereich der Fairness und Billigkeit werden wir auch den Fortbestand
der Bürgerrechtskommission fordern, die in diesem Jahr ihre Arbeit einstellen
sollte.

Die Kommission ist ein bedeutsamer Teil des andauernden Kampfes um

Gerechtigkeit in Amerika,und wir unterstützen mit Nachdruck ihre erneute Bestallung.

Eine wirksame Durchsetzung der fairen Wohngesetze unseres Landes

ist für die Chancengleichheit ebenso wichtig.

Im kommenden Jahr werden wir

an der verstärkten Durchsetzung der Wohngesetze für alle Amerikaner arbeiten.

Schutz der Menschen vor Verbrechen
Die Zeit ist auch reif für eine umfassende Reform der Bestimmungen der
Strafgerichtsbarkeit und für schärfere Maßnahmen im Kampf gegen das organisierte Verbrechen und den Drogenhandel.
Städte wieder sicher machen.

Es ist höchste Zeit, daß wir unsere

Diese Administration erklärt hiermit einen totalen

Krieg gegen das organisierte Verbrechertum und den Drogenhandel, die unsere
- 13 -

�die unsere jungen Menschen vergiften.

Wir werden außerdem die Empfehlungen

unserer Arbeitsgruppe für Verbrechensopfer, die mir diese Woche Bericht erstatten wird, in die Tat umsetzen.

Hilfe für Amerikas Farmer
Die amerikanische Landwirtschaft, auf die die Welt mit Neid blickt,
ist Opfer ihrer eigenen Erfolge geworden.

Da nunmehr ein Farmer genug Nah-

rungsmittel produziert, um sich und 77 weitere Menschen zu ernähren, steht
Amerika vor Rekordüberschußernten

und vor Preisen für die Erzeugnisse, die

unter den Produktionskosten liegen. Wir müssen uns darum bemühen, durch Neuerungen, wie der Methode der Zahlung in Naturalien - einer Art Tauschhandel,
und einer aggressiven Exportpolitik, die Gesundheit und Lebenskraft des ländlichen Amerika wiederherzustellen.

Inzwischen habe ich das Landwirtschafts-

ministerium angewiesen, auf individueller Basis mit Farmern die Schuldenprobleme haben, zusammenzuarbeiten, um sie so durch diese schwierigen Zeiten zu
bringen.

Mobilisierung des Privatsektors
Während des vergangenen Jahres hat unsere Arbeitsgruppe für Initiativen
des Privatsektors erfolgreich eine Arbeitspartnerschaft zusammengefügt, der
führende Persönlichkeiten der Wirtschaft, der Gewerkschaften, des Bildungswesens und der Regierung angehören, die sich um die Ausbildungserfordernisse der
amerikanischen Arbeitnehmer bemühen.

Dank dieser Arbeitsgruppe werden nunmehr

in allen 50 Bundesstaaten Initiativen auf dem Privatsektor ergriffen,und Tausenden von Arbeitnehmern wurde bereits dabei geholfen, den Übergang von aussichtslosen Berufen und kaum gefragten Fähigkeiten in Wachstumsbereiche der
Hochtechnologie und des Dienstleistungswesens zu schaffen.

Außerdem kon-

zentriert sich eine weitere große Anstrengung darauf, die Ausweitung der
Kinderfürsorge privater Gemeinschaften anzuregen.

Der neue Beirat für Ini-

tiativen des Privatsektors wird diese wichtige Aufgabe der Ermutigung der
- 14 -

�Ermutigung der Privatinitiative auch 1983 fortführen.

Finanziell tragbare Gesundheitsfürsorge
Im kommenden Jahr werden wir auch Schritte zur weiteren Verbesserung
der Lebensqualität der Amerikaner unternehmen, indem wir den schwindelnden
Anstieg der Kosten der Gesundheitsfürsorge beschneiden, die für so viele eine
unerträgliche finanzielle Last geworden ist.

Außerdem werden wir Gesetze vor-

legen, die für ältere Amerikaner eine Versicherung für schwerste Erkrankungen
abdecken.

Stärkung des Föderalismus
In Kürze werde ich einen umfassenden Plan zum Thema Föderalismus vorlegen, der unsere Anstrengungen fortsetzen wird, den Regierungen der Einzel Staaten und der Kommunen ihre Rolle als dynamische Arbeitsstätten des Wandels
in einer schöpferischen Demokratie zurückzugeben.
Während der nächsten Wochen werde ich dem Kongreß eine Reihe detaillierter Vorschläge zu diesem und zu anderen Themen vorlegen und freue mich auf
eine Zusammenarbeit bei der Verwirklichung dieser Initiativen.

Vertrauen in die Zukunft
Bislang habe ich mich hauptsächlich auf die Probleme konzentriert, die
die Zukunft mit sich bringt.

Aber in fast jedem Heim und an fast jedem Ar-

beitsplatz in Amerika werden wir bereits Zeuge dessen, daß es auch Grund für
große Hoffnungen gibt - die erste Verwirklichung der vom Menschen geschaffenen
Wunder der Hochtechnologie - einem Feld, auf dem unser Land der Pionier war und
auf dem es noch immer führend ist.
Für viele
- 15 -

�Für viele von uns jetzt sind Computer, Silikon-Chips, Datenverarbeitung,
Kybernetik und all die anderen Neuerungen des anbrechenden Zeitalters der Hochtechnologie genauso geheimnisvoll, wie es das Funktionieren des Verbrennungsmotors gewesen sein muß, als das erste Automobil die amerikanischen Hauptstraßen entlangratterte.
Aber genauso wie der Pioniergeist Amerikas es war, der uns zum industriellen Giganten des 20. Jahrhunderts gemacht hat, so eröffnet uns derselbe Pioniergeist heute einen anderen, weiten Bereich neuer Möglichkeiten - das Neuland
der Hochtechnologie. Bei der Eroberung dieser neuen Räume dürfen wir unsere
überlieferten Industriezweige nicht abschreiben, sondern müssen die Fähigkeiten und Wirtschaftsweise entwickeln, die uns zu einem Pionier des Morgen
machen werden. Diese Administration steht zu der Verpflichtung, daß Amerika
der technologische Führer der Welt bleibt - jetzt und in das 21. Jahrhundert
hinein.

Amerika und die Welt
Wenden wir uns kurz der internationalen Arena zu.

Amerika kam zu seiner

Führungsrolle wegen unserer eigenen Stärke und wegen der Werte, die uns als Gesellschaft leiten:

Freie Wahlen, eine freie Presse, Freiheit des religiösen

Bekenntnisses, freie Gewerkschaften und - vor allem - Freiheit für den einzelnen und Ablehnung der willkürlichen Macht des Staates.
das Fundament unserer Stärke.

Diese Werte sind

Sie vereinen uns in einem Hüteramt für Frieden

und Freiheit mit unseren Verbündeten und Freunden in der NATO, in Asien, in
Lateinamerika und andernorts.

Es sind zugleich die Werte, die manche unter

uns in der jüngsten Vergangenheit in Zweifel zu ziehen begonnen hatten und die
von ihnen mit zynischem Blick betrachtet wurden.
Glücklicherweise haben wir und unsere Verbündeten die Kraft unserer gemeinsamen demokratischen Werte wiederentdeckt.

Und wir verwenden sie als den

Eckstein einer umfassenden Strategie für Frieden mit Freiheit.

- 16 -

Ich habe in

�habe in London im vergangenen Jahr die Verpflichtung der Vereinigten Staaten
zur Entwicklung der demokratischen Infrastruktur in der ganzen Welt angekündigt.

Wir beabsichtigen, diese demokratische Initiative tatkräftig zu ver-

folgen.

Die Zukunft gehört nicht den Regierungen und Ideologien, die ihre

Völker unterdrücken, sondern den demokratischen Systemen der Selbstregierung,
die die Initiative des einzelnen ermutigen und seine persönliche Freiheit garantieren.

Die Stärkung der Weltwirtschaft
Unsere Strategie für den Frieden muß jedoch auch auf Stärke - wirtschaftlicher und militärischer Stärke - basieren.

Eine starke amerikanische

Wirtschaft ist von entscheidender Bedetung für das Wohlergehen und die Sicherheit unserer Freunde und Verbündeten.

Die Wiederherstellung einer starken

und gesunden amerikanischen Wirtschaft ist und bleibt eine der zentralen Säulen unserer Außenpolitik.

Der Fortschritt, über den ich Ihnen heute abend

berichten konnte, wird - das weiß ich - von der übrigen freien Welt genauso
herzlich begrüßt

wie vom amerikanischen Volk.

Wir müssen uns auch darüber im klaren sein, daß unser eigenes wirtschaftliches Wohlergehen unauflösbar mit der Weltwirtschaft verbunden ist.
Wir exportieren mehr als 20 Prozent unserer Industrieproduktion, und auf 40
Prozent unseres Ackerlandes werden Güter für den Export produziert.

Wir wer-

den auch weiterhin eng mit den demokratischen Industriestaaten Europas und
mit Japan sowie mit dem Weltwährungsfonds zusammenarbeiten, um sicherzustellen,
daß dieser über die angemessenen Mittel verfügt, um dazu beizutragen, daß die
Welt wieder zu einem starken nichtinflationären Wachstum zurückkehrt.

Als

Führer der westlichen Welt und als ein Land, das aufgrund seiner wirtschaftlichen Freiheit groß und reich geworden ist, muß Amerika ein unverbrüchlicher
Verfechter des freien

Handels sein.

Wenn einige Länder versucht sind, sich

dem Protektionismus zuzuwenden, dann darf es nicht unsere Strategie sein,
ihnen auf diesem Wege zu folgen, sondern wir müssen den Weg zu einem freieren
Handel weisen.

Zu diesem Zweck wird Amerika im Mai dieses Jahres der Gast- 17 -

�der Gastgeber eines Wirtschaftsgipfeltreffens in Williamsburg

im Staate

Virginia sein.

Die Wiederherstellung der Verteidigung Amerikas
Wenn wir jetzt in unser drittes Regierungsjahr eintreten, haben wir
ein Verteidigungsprogramm erstellt, das die Vernachlässigung des letzten Jahrzehnts aufhebt.

Wir haben eine realistische Militärstrategie entwickelt,

um vor Bedrohungen des Friedens abzuschrecken und unsere Freiheit zu schützen,
falls die Abschreckung versagen sollte.

Unsere Streitkräfte werden endlich

angemessen besoldet, nachdem dies über Jahre hinweg vernachlässigt wurde; sie
sind gut ausgebildet, werden besser ausgerüstet und versorgt»und die amerikanische Uniform wird wieder mit Stolz getragen.

Der größte Teil der für die

Modernisierung unserer Verteidigung benötigten wichtigen Systeme sind bereits
im Kommen, und wir werden uns in einigen Monaten in Konsultation mit dem
Kongreß einem entscheidend wichtigen Element - der MX-Rakete - zuwenden.

Eine überparteiliche Friedenspolitik
Die Außenpolitik Amerikas gründet sich erneut auf Überparteilichkeit
- auf Realismus, Stärke, volle Partnerschaft und Konsultation mit unseren Verbündeten sowie auf konstruktive Verhandlungen mit potentiellen Gegnern.

Vom

Nahen Osten bis nach Südafrika und Genf ergreifen amerikanische Diplomaten die
Initiative, um Frieden auf einem niedrigeren Rüstungsniveau zu schaffen.

Wir

sollten auf unsere Rolle als Friedensstifter stolz sein.
Im Nahen Osten haben die Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr bei
der Beendigung der tragischen Kämpfe im Libanon die wesentliche Rolle gespielt
und über den Abzug der PLO aus Beirut verhandelt.

Im September vorigen Jahres

habe ich die Grundsätze für die Weiterführung des Friedensprozesses dargelegt,
der so verheißungsvoll in Camp David begonnen hat.

Alle Menschen im Nahen

Osten sollten wissen, daß wir in dem vor uns liegenden Jahr in unserem An- 18 -

�unseren Anstrengungen, auf dieser Grundlage weiterzubauen, nicht nachlassen
werden, um ihnen die Segnungen des Friedens zu bringen.
In Mittelamerika und im Karibischen Becken sind wir in gleicher Weise
in einer Partnerschaft für Frieden, Wohlstand und Demokratie engagiert.

Die

endgültige Verabschiedung der noch verbleibenden Teile unserer Initiative
für das Karibische Becken, die das Repräsentantenhaus im vergangenen Jahr
guthieß, ist eine der höchsten gesetzgeberischen Prioritäten meiner Administration im Jahr 1983.
Die Sicherheits- und Wirtschaftshilfepolitik dieser Administration in
Lateinamerika und anderswo in der Welt basiert auf Realismus und stellt eine
entscheidend wichtige Investition in die Zukunft der Menschheit dar.

Dieses

Vorhaben fällt unter die gemeinsame Verantwortung der Exekutive und Legislative, und ich rechne auf die Zusammenarbeit und die staatsmännische Klugheit
des Kongresses, um mitzuhelfen, daß wir dieses wichtige außenpolitische Ziel
erreichen.

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und die Rüstungsverminderung
Den Kernpunkt unserer Strategie für den Frieden bildet unser Verhältnis
zur Sowjetunion.
Das letzte Jahr hat eine Änderung in der sowjetischen Führung gebracht.
Wir sind zu einer positiven Änderung in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen bereit.

Aber die Sowjetunion muß mit Taten und nicht nur mit Worten

zeigen, daß sie sich aufrichtig verpflichtet fühlt, die Rechte und die Souveränität der Völkerfamilie zu respektieren.

Verantwortungsbewußte Mitglieder

der Weltgemeinschaft bedrohen oder besetzen nicht ihre Nachbarländer, und sie
halten ihre Verbündeten von der Aggression zurück.
Wir unsererseits

- 19 -

�Wir unsererseits führen mit Nachdruck Rüstungsverminderungsverhandlungen
mit der Sowjetunion.

Unterstützt von unseren Verbündeten haben wir jetzt

Entwürfe für Abkommen vorgelegt, in denen bedeutsame RüstungsVerminderungen
auf gleiche und verifizierbare niedrigere Ebenen vorgeschlagen werden.
bestehen auf einem gerechten Gleichgewicht der Kräfte.

Wir

Und angesichts der

überwältigenden Beweise sowjetischer Verletzungen internationaler Verträge
bezüglich der chemischen und biologischen Waffen

bestehen wir weiter darauf,

daß jedes von uns unterzeichnete Abkommen verifiziert werden kann und wird.
Im Falle der nuklearen Mittel Streckensysteme haben wir die völlige Beseitigung einer gesamten Kategorie landgestützter Raketen vorgeschlagen. Wir
sind ferner bereit, ernsthafte sowjetische Vorschläge sorgfältig zu prüfen.
Gleichzeitig lassen Sie mich unterstreichen, daß die Standfestigkeit der Verbündeten weiterhin ein Schlüssel zur Erreichung von Rüstungsverminderungen
ist.
Wir werden weiterhin mit Festigkeit und Hingabe verhandeln.

In ihrem

tiefsten Innern müssen die Sowjets wissen, daß es in ihrem wie in unserem
Interesse liegt, ein kostspieliges Wettrüsten zu verhindern.

Und wenn sie

sich erst einmal über unsere unerschütterliche Entschlossenheit im klaren
sind, eine angemessene Abschreckung aufrechtzuerhalten, dann werden sie allen
Grund haben, um sich uns bei der Suche nach größerer Sicherheit und wesentlichen Rüstungsverringerungen anzuschließen.

Wenn dieser Augenblick eintritt

- und ich bin überzeugt, daß er kommen wird -, dann werden wir einen wichtigen Schritt auf dem Wege zu einer friedlicheren Zukunft für alle Menschen
in der Welt getan haben.

Eine Vision der Hoffnung
Ein sehr kluger Mann, Bernard Baruch, hat einmal gesagt, daß Amerika
niemals die nobeleren Dinge vergessen hat, die zu seiner Entstehung führten
und ihm den Weg weisen.

Unser Land ist ein besonderer Ort, weil wir Amerika-

ner immer - in guten wie in schlechten Zeiten - durch eine noble Vision ge- 20 -

�Vision gestärkt wurden - eine Vision nicht nur dessen, was die Welt heute
ist, sondern auch dessen, was wir als ein freies Volk morgen aus ihr machen
können.
Wir sind Realisten.

Wir lösen unsere Probleme, statt sie zu ignorie-

ren - ganz gleich, wie laut der Chor der Verzweiflung um uns herum ist.
Aber wir sind auch Idealisten, denn es war ein Ideal, das unsere Vorfahren aus allen Ecken der Welt an diese Ufer brachte.
Heute benötigen wir sowohl Realismus als auch Idealismus.
unserer Nachbarn sind ohne Arbeit.
nicht ohne Hoffnung bleiben.

Millionen

Es liegt an uns, dafür zu sorgen, daß sie

Das ist eine Aufgabe für uns alle.

Und ich darf

sagen, daß die Amerikaner sich für diese Sache einsetzen und damit wieder einmal beweisen, daß wir das großherzigste Volk auf Erden sind.
Wir, die wir in der Regierungsverantwortung stehen, müssen die Führung
beim Wiederaufschwung unserer Wirtschaft übernehmen.

Was die Räder der In-

dustrie wieder in Bewegung setzen kann, ist eine weitere Senkung der Zinssätze.

Weitere ein oder zwei Punkte können hier Zehntausende von Arbeits-

plätzen bedeuten.

Nachdem die Inflationsrate jetzt so niedrig ist -3,9 Pro-

zent -gibt es genug Spielraum für eine Senkung der Zinssätze.
Es ist nur Angst, die eine Senkung verhindert.

Ein Geldverleiher muß

- wie wir alle wissen - einen Zinssatz erheben, der die Wertminderung des
verliehenen Dollar wieder ausgleicht.
Höhe der Inflation.

Diese Wertminderung ist natürlich die

Die Zinssätze basieren heute auf der Befürchtung, daß die

Regierung - wie in der Vergangenheit - auf Maßnahmen zurückgreifen könnte,
die die Inflation wieder in die Höhe schnellen lassen.
Wir, die wir hier in der Hauptstadt unsere Pflicht tun, müssen diese
Furcht dadurch beseitigen, daß wir unmißverständlich klarstellen, daß wir
den Kampf gegen die Inflation nicht aufgeben werden; daß wir gemeinsam nur
diejenigen Dinge tun werden, die zu einem dauerhaften wirtschaftlichen Wachstum
- 21 -

�wirtschaftlichen Wachstum führen.
Sicher, die Probleme, denen wir uns gegenübersehen, sind groß und bedrohlich.

Und ganz gewiß kann und sollte keiner die Not von Millionen unserer

Freunde und Nachbarn bagatellisieren, die in der öden Leere der Arbeitslosigkeit leben. Wir müssen und können ihnen vielmehr Grund zur Hoffnung geben.
Im Laufe der vielen Jahre haben sich Bürger wie wir hier in diesen
Mauern versammelt, wenn unser Land bedroht war, manchmal wenn seine Existenz
auf dem Spiele stand. Und immer haben diese Bürger mit Mut und Vernunft die
Krisen ihrer Zeit gemeistert und für ein stärkeres, besseres und glücklicheres
Land gesorgt. Die gegenwärtige Situation ist nicht schlimmer, ja, sie ist
nicht so schlimm wie manche jener Situationen, vor denen sie damals standen.
Immer wieder haben sie bewiesen, daß es nichts gibt, was wir als freie Männer
und Frauen nicht erreichen könnten.
Ja, wir haben immer noch Probleme - und zwar viele. Aber es ist einfach
falsch - und ungerecht gegenüber unserem Lande und auch ungerecht gegenüber
unserem Volk -, wenn wir diese Probleme der wichtigsten Wahrheit von allen
in den Weg stellen würden:

Amerika ist auf dem Weg der Besserung.

Wir sind es den Unglücklichen schuldig, uns ihrer Not bewußt zu sein
und ihnen auf jede nur mögliche Weise zu helfen. Keiner kann etwas dagegen
sagen. Wir müssen Mitgefühl für alle Opfer dieser wirtschaftlichen Krise
haben, und haben dies auch. Aber was heute im Hinblick auf Amerika einfach
großartig ist, ist die Art und Weise, wie Millionen vertrauensvoller und
mitfühlender Menschen - jene überaus "einfachen" Amerikaner, die niemals in
die Schlagzeilen der Zeitungen geraten, und die niemals interviewt werden die Grundlage nicht nur für eine Wiedergesundung von unseren gegenwärtigen
Problemen, sondern für ein besseres Morgen für all unsere Bürger schaffen.
Von Küste zu Küste, am Arbeitsplatz, in Schulen und in Laboratorien,
auf neuen Baustellen und ebenso in Kirchen und kommunalen Gruppen helfen
Nachbarn ihren Nachbarn.

Und sie haben bereits mit dem Aufbau, der Forschung,
- 22 -

�der Forschung, der Arbeit und dem Geben begonnen - Dinge, die unser Land
wieder groß machen werden.
Ich bin davon überzeugt, weil ich an diese Menschen glaube - an die
Stärke ihrer Herzen und ihres Geistes v an die Verpflichtung, die jeder von
ihnen für die täglichen Dinge des Lebens mitbringt, seien sie nun groß oder
einfach.

Die Herausforderung für uns in der Regierung ist es, daß wir uns

ihrer wert erweisen, daß wir die Regierung in den große

Anforderung

stellen-

den,aber verheißungsvollen Tagen, die vor uns liegen, zu einer Hilfe und
nicht zu einem Hindernis für unser Volk machen.
Wenn wir das tun, und wenn es uns wichtig ist, was unsere Kinder und
Kindeskinder einmal von uns sagen werden, wenn wir wollen, daß sie eines
Tages dankbar sind für unser Tun hier in diesem Hort der Freiheit, dann
werden wir zusammenarbeiten, um Amerika besser für unser Erdenleben zu machen
- nicht nur in diesem Jahr oder in diesem Jahrzehnt, sondern auch im nächsten
Jahrhundert und darüber hinaus.

- 23 -

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Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Januar 1983
I N H A L T

DOKUMENTATION
Reagan:

Jede Möglichkeit für gerechte Abrüstungsabkommen wird geprüft

- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen Präsident Reagan proklamiert deutsch-amerikanisches Gedenkjahr
- 300 Jahre deutsche Siedlungstätigkeit in Amerika Freier Informationsaustausch - ein Grundelement der US-Politik
- Internationale Konferenz über Fernmeldewesen in Honolulu HINTERGRUNDMATERIAL
Weinberger zeigt Rüstungsanstrengungen der UdSSR auf
- USIA-Interview mit dem US-Verteidigungsminister Vereinigte Staaten erstreben keine nukleare Überlegenheit
- Pressekonferenz mit den Delegationschefs Rowny und Nitze Private und öffentliche Hilfsaktionen für die Arbeitslosen in Detroit
- Von unserem Korrespondenten Neal Shine WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Startprogramm der NASA für 1983
- Nachrichtensatelliten stellen Hauptanteil -

Um Übcr/cndung von
BcIcgcKcmplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�N

lk

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Januar 1983

REAGAN:

JEDE MÖGLICHKEIT FÜR GERECHTE ABRÜSTUNGSABKOMMEN WIRD GEPRÜFT

- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat seine Entschlossenheit
bekräftigt, jede Möglichkeit für gerechte Abkommen über einen Abbau der strategischen Waffen und der nuklearen Mittelstreckenraketen mit der Sowjetunion
zu sondieren.

In einer am 21. Januar 1983 veröffentlichten Erklärung heißt

es, die amerikanischen Vorschläge böten einen starken Anreiz für das Erreichen
von Abkommen in Genf.
handlungsführern

Zuvor war Präsident Reagan mit den amerikanischen Ver-

Rowny und Nitze

zusammengetroffen.

Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Heute vormittag bin ich mit unseren Delegationschefs bei den Verhandlungen über eine Kontrolle der strategischen Nuklearwaffen (START) und der
nuklearen Mittel Streckensystemen (INF), die wir mit der Sowjetunion führen,
- den Botschaftern Ed Rowny und Paul Nitze - zusammengetroffen.

Vizepräsident

Bush, Außenminister Shultz und Verteidigungsminister Weinberger, der designierte Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Ken
Adelman, sowie mein Berater für Fragen der nationalen Sicherheit, Bill Clark,
nahmen ebenfalls an den Erörterungen teil .
Da unsere

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�»

Da unsere VerhandlungsfUhrer in Kürze zur nächsten Verhandlungsrunde
nach Genf zurückkehren werden und da der Vizepräsident nach Europa reisen
wird, um diese sowie andere Fragen der Rüstungskontrolle und der Sicherheit
mit unseren Verbündeten zu erörtern, gab uns die heutige Besprechung die Möglichkeit, den Stand der Verhandlungen zu überprüfen und unsere ernsthafte
Zielsetzung für die kommende Runde zu bekräftigen.
Unsere Vorschläge für einen erheblichen Abbau der strategischen Arsenale
sowie für die Beseitigung einer ganzen Kategorie von Nuklearraketen im Mittelstreckenbereich verdienen die Unterstützung aller, die sich um eine echte
Rüstungsverminderung bemühen. Die kommende Verhandlungsrunde ist besonders
wichtig, weil unsere weitreichenden Vorschläge zusammen mit unseren Modernisierungsprogrammen auf dem Gebiete der Verteidigung einen starken Anreiz bieten für das Erreichen von Abkommen auf niedrigeren Streitkräfteebenen und
auf einer gerechten und verifizierbaren Basis.
Ich bin entschlossen, jede Möglichkeit für gerechte Abkommen zur Verminderung der Arsenale und der Kriegsrisiken sowie zur Stärkung der Grundlagen für den Frieden zu prüfen. Und entsprechend habe ich unsere Verhandlungsführer angewiesen. Unser gesamtes Verhandlungsteam unterstützt dieses
lebenswichtige Ziel. Es gibt keine höhere Priorität, und wir werden keine
Anstrengung scheuen, wo es um den Frieden und die Sicherheit unseres Landes
und der Welt geht.

+ + + + +

�26. Januar 1983

PRÄSIDENT REAGAN PROKLAMIERT DEUTSCH-AMERIKANISCHES GEDENKJAHR
- 300 Jahre deutsche Siedlungstätigkeit in Amerika -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 20. Januar das Jahr 1983
offiziell zum 300. Gedenkjahr deutscher Besiedlung in den Vereinigten Staaten
proklamiert.

In seiner vom Weißen Haus veröffentlichten Proklamation weist

der amerikanische Präsident darauf hin, daß seit 1683 mehr als sieben Millionen deutscher Einwanderer nach den USA gekommen seien und außerordentliche
Beiträge zum Wachstum und zu den Erfolgen des Landes geleistet hätten.
Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:
Am 6. Oktober 1683 gründete eine Gruppe von 13 Mennonitenfamilien, die
aus Krefeld - in der heutigen Bundesrepublik Deutschland gelegen - kamen,
Germantown in Pennsylvania, das jetzt ein Vorort von Philadelphia ist.

Seit-

her sind mehr als sieben Millionen deutscher Einwanderer nach den Vereinigten
Staaten gekommen und haben außerordentliche menschliche, wirtschaftliche,
politische, soziale und kulturelle Beiträge zum Wachstum und zu den Erfolgen
unseres großen Landes geleistet.
Heute gibt

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
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�Heute gibt es mehr als 60 Millionen Amerikaner deutscher Abstammung eine Zahl, die etwa der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland
gleichkommt.

Mehr Amerikaner berufen sich auf eine deutsche Abstammung als

auf irgendeine andere.
In meiner Ansprache vor dem Deutschen Bundestag in Bonn im Juni vorigen Jahres sprach ich von der Bedeutung, die die Vereinigten Staaten diesem
Jahr des 300jä'hrigen Jubiläums beimessen, in dem der deutschen Besiedlung
Amerikas feierlich gedacht wird.

Trotz des Erbes zweier Weltkriege, in

denen wir uns als Gegner gegenüberstanden, haben die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten während der letzten 30 Jahre ein überaus enges Verhältnis zueinander geschaffen.

Der Erfolg des Marshall-Planes, die

Berliner Luftbrücke und die darauf folgende Partnerschaft in der NATO haben
zu einer Erkenntnis unserer gemeinsamen demokratischen Ideale und unserer
gemeinsamen Interessen an der wirtschaftlichen und politischen Stärke des
Westens geführt.
Im ganzen Jahr 1983 wird es zahlreiche Aktivitäten und Veranstaltungen
geben, um die Drei hundertjahrfeiern zu begehen. Bundespräsident Karl Carstens
hat die Einladung zur Teilnahme an einer Veranstaltung in Philadelphia im
kommenden Oktober angenommen, die den Höhepunkt der Feierlichkeiten bilden
wird.
Der Kongreß hat durch die vom Senat eingebrachte gemeinsame Resolution
260 das Jahr 1983 zum "300. Gedenkjahr der deutschen Siedlung in Amerika"
bestimmt und den Präsidenten ersucht, eine entsprechende Proklamation zu erlassen. Gleichzeitig hat der Kongreß kraft dieser Resolution eine Kommission
des Präsidenten für die deutsch-amerikanischen Dreihundertjahrfeiern eingesetzt, um die Veranstaltungen anläßlich dieses historischen Ereignisses zu
planen, zu fördern, zu entwickeln und zu koordinieren.
Deshalb proklamiere ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, heute das Jahr, das am 1. Januar 1983 begann, zum 300. Gedenk-

- 2 -

�300. Gedenkjahr der deutschen Siedlungstätigkeit in Amerika und rufe alle
Amerikaner auf, dieses Jahr mit entsprechenden Feierlichkeiten und Veranstaltungen zu begehen.
Zum Zeugnis dessen habe ich dieses Dokument am 20. Januar im Jahr des
Herrn

1983 und im 207. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von

Amerika unterzeichnet.

gez.:

- 3 -

Ronald Reagan

�26. Januar 1983

FREIER INFORMATIONSAUSTAUSCH - EIN GRUNDELEMENT DER US-POLITIK
- Internationale Konferenz über Fernmeldewesen in Honolulu -

HONOLULU - (AD) - Die Vereinigten Staaten sehen sich "nicht nur der Bewahrung des freien Informationsaustausches verpflichtet, sondern auch der weiteren Förderung dieses Prinzips als einer elementaren Komponente jeder demokratischen Institution".
neter

Dies erklärte Dr. W. Scott Thompson, Beigeord-

Direktor des US-Informationsamtes (USIA), in seiner Rede am 16. Ja-

nuar 1983 auf der "Pazifischen Konferenz für Fernmeldewesen" in Honolulu,
wo 400 Delegierte aus Ländern des pazifischen Raumes sechs Tage lang die Zukunft des Fernmeldewesens in dieser Region erörterten.
Freier Informationsaustausch ist laut Thompson ein ganz wesentlicher
Faktor der amerikanischen Lebensweise.

"Wir können es uns nicht leisten, ge-

genüber Mißbräuchen dieser Freiheit jenseits unserer Grenzen gleichgültig zu
bleiben", so meinte er.

In einem Schreiben an die Konferenz betonte Vizeprä-

sident George Bush, daß er ebenso wie Präsident Reagan Kommunikation als "eine
der in allernächster Zukunft uns am meisten fordernden und erregenden Fragen"
betrachte.

Für die Vereinigten Staaten proklamierte Präsident Reagan das Jahr

1983 zum "Weltjahr der Kommunikation".

"Es ist Kommunikation, durch die wir

jene (in der amerikanischen Verfassung festgelegten) Freiheiten und die Ideale

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�die Ideale bewahren, denen sie entsprungen sind", so schreibt Vizepräsident
Bush.
Die Ansprache von Dr. W. Scott Thompson in Honolulu hat folgenden Wortlaut:
Das ganze letzte Jahrzehnt hindurch haben Beobachter der Entwicklung
den Anbruch einer neuen Ära angekündigt - einer Ära, die sie "Informationszeitalter11 nannten.
angebrochen.

Heute sagt man uns, das Informationszeitalter sei nun

Ich sah kürzlich eine Anzeige, die mit den Worten begann:

formationssysteme formen unsere Welt um."

"In-

In einer anderen Anzeige hieß es:

"Information ist zum Treibstoff geworden, der die amerikanische Wirtschaft
voranbringt."

Und eine weitere verkündet:

"Das Informationszeitalter ruft!"

In den Vereinigten Staaten geben die Produzenten von Erzeugnissen und
Dienstleistungen auf dem Informationssektor hohe Reklamesummen dafür aus, um
einen Punkt klar zu machen, der vielleicht am besten in der folgenden Anzeige
zusammengefaßt war: "Eine ganze Welt von Informationen wartet auf Sie!"
Um aber diese Informationen zu nutzen - sich ihrer zu erfreuen, von
ihnen zu profitieren, von ihnen zu lernen -, muß man Zugang zu ihnen haben.
Der Zugang zur Information und der Zugang zu den Technologien, mit denen Information vermittelt wird, sind jedoch in vielen Teilen der Welt kaum gewährleistete Rechte.
.

Regeln für den Gebrauch von Information
So hatten beispielsweise bis vor kurzem Sowjetbürger durch TelefonDirektwahl Zugang zum Westen.
fung dieses Verfahrens,

Aber der Kreml entschied sich für die Abschaf-

weil es zu leistungsfähig war; der Kreml hatte zu

viel ar^Informationskontrolle über die eigene Bevölkerung verloren.
Diese sowjetische

�Diese sowjetische Entscheidung muß bedauert werden, ebenso wie wir die
sowjetische Störung von Rundfunksenkdungen aus dem Westen bedauern.

Regie-

rungsentscheidungen wie diese erinnern uns daran, daß die Vorteile des Informationszeitalters nicht voll realisierbar sind und andere nicht teilhaben
können, wenn die Regierungspolitik etwas anderes diktiert.

Die politische

Öffentlichkeitsarbeit wird unser Dasein in diesem neuen Zeitalter von Grund
auf gestalten, und diese Art Politik hat ihre Wurzeln in fundamentalen philosophischen Vorstellungen über die politischen Freiheiten der Verbreitung und
Entgegennahme von Informationen.

Es gibt im wesentlichen nur die Wahl zwi-

schen Bemühungen, den Informationsfluß zu kontrollieren

oder ihn zu fördern.

In einer freien Gesellschaft sind jedenfalls die Voraussetzungen für einen
ungehinderten Informationsfluß gegeben.
Und da die Welt nun in dieses neue Informationszeitalter eintritt - ein
Zeitalter, in dem die Anwendung von Technologie immer mehr Kanäle öffnet,
durch die Information vermittelt werden kann - erhält jetzt die Wahl zwischen
Freiheit und Kontrolle neue Bedeutung. Die Regierungen machen heute die Erfahrung, daß sie nur dann wirksam arbeiten können, wenn dies in einem Umfeld
geschieht, das sich durch vielfältige Kommunikationskanäle auszeichnet. Dies
ist selbst für freie Gesellschaften nicht immer leicht, aber absolut notwendig.
In den Vereinigten Staaten beispielsweise hätte das Gesetz über die Informationsfreiheit ohne die Technologie, die die Verarbeitung einer enormen
Fülle von Anforderungen ermöglicht, nicht derart uneingeschränkt durchgesetzt
werden können. Jedoch erwies die neue Technologie der Legislative so gute
Dienste, daß heute viele fragen, ob denn der Gesetzgeber überhaupt im Sinn
hatte, sie so ausgiebig zu nutzen. In Verbindung mit einer Revolution in der
Nachrichtentechnik bereitet es immer mehr Schwierigkeiten, ein Recht des einzelnen auf Schutz seiner Privatsphäre mit der Nowtendigkeit für die Regierung,
Daten zu sammeln, sowie dem Recht der Öffentlichkeit, zu wissen, was in behördlichen Datenbanken gespeichert ist, im Gleichgewicht zu halten.
Beispiele wie

- 3 -

�Beispiele wie diese lehren uns den Wert sachlicher Denkweise bei der
Suche nach Lösungen für schwierige Probleme in der politischen Öffentlichkeitsarbeit.

Im Ausland wie im Inland beabsichtigen die Vereinigten Staaten in

Verhandlungen über die Regeln, nach denen wir in diesem neuen Informattonszeitalter leben werden, in gewisser Weise pragmatisch vorzugehen.

Verhandlungen und die amerikanische Position
In den achtziger Jahren wird es eine bemerkenswerte Serie von internationalen Verhandlungen sowohl über fernmeldetechnische Fragen als auch über
andere Aspekte der Kommunikation geben.

In den nächsten Jahren hat allein

schon die Internationale Fernmeldeunion (ITU) wichtige Konferenzen über Themen
angesetzt, die den Satelliten-Direktempfang, den internationalen Kurzweilenfunk und Nachrichtenverbindungen über Satelliten im Weltraum betreffen.
Wenn diese und andere Verhandlungen erfolgreich sein sollen, müssen
alle Beteiligten von dem Wunsch nach Zusammenarbeit motiviert sein. Die
Reagan-Administration hat sich verpflichtet, Abkommen über Zusammenarbeit anzustreben, die geeignet sind, inmitten des dynamischen Geschehens einer Revolution von Information und Kommunikation eine stabile Ordnung unter den Nationen
herbeizuführen.
Folglich beabsichtigen wir weder eine starre Haltung am Konferenztisch,
noch beabsichtigen wir unrealistisch zu sein. Fortschritt, so meinen wir,
ist nicht nur möglich, sondern auch notwendig, und wir werden uns entsprechend
verhalten.

Die Bedeutung von Grundsätzen
Ich föchte jedoch gleich hinzufügen, daß Fortschritt nicht ausschließlich auf Kosten von Grundsätzen erzielt werden darf. Das Risiko eines uneingeschränkten Pragmatismus liegt natürlich darin, daß grundlegende Dinge zu
- 4 -

�Dinge zu leicht vergessen werden.
Für die Reagan-Administration gibt es drei Grundsätze, die die Regierung
leiten, wenn wir Außenpolitik in bezug auf Kommunikation und Information formulieren und uns dann bemühen, sie zu realisieren.
Der erste Grundsatz ist das elementare Menschenrecht jedes einzelnen,
Information frei zu empfangen und abzugeben. Der zweite ergibt sich aus den
unternehmerischen Grundsätzen des freien Marktes. Es ist die Notwendigkeit
für den ungehinderten internationalen Fluß geschäftlicher Informationen.
Schließlich ist der dritte Grundsatz - auch er ergibt sich aus den Prinzipien
der freien Marktwirtschaft - unsere Vorliebe für offene und wettbewerbsgünstige
Märkte auf dem Gebiet von Kommunikation und Information.
Die Regierung weiß sehr wohl, daß unsere Grundsätze nicht weltweit Allgemeingut sind und nicht jeder souveränen Nation etwas bedeuten. Es gibt nun
einmal Unterschiede und wird sie immer geben. Aber die Vereinigten Staaten
sind überzeugt, daß in einer Ära derart rascher technologischer Veränderungen
das Festhalten an Grundprinzipien eine kluge und produktive Haltung bedeutet,
weil damit ein Rahmen geschaffen wird, der Verhandlungen ermöglicht. Natürlich empfehlen wir auch anderen, sich mit diesen Grundsätzen selbst gründlich
und angemessen auseinanderzusetzen.
Für uns sind mehrere Gründe für diese Prinzipientreue maßgebend:

Erstens:

Das Prinzip der Kommunikationsfreiheit des einzelnen

Diese Nation - und diese Administration im besonderen - ist nicht nur
der Bewahrung des freien Informationsaustausches verpflichtet, sondern auch
der Förderung dieses Prinzips als einer elementaren Komponente jeder demokratischen Institution.

Dieses Prinzip verkörpert und manifestiert einen un-

beugsamen Glauben an die Vorstellungen von Pluralismus und Freiheit, die in

- 5 -

�die in der amerikanischen Geschichte tief verwurzelt sind.

Seinen konkreten

und bedeutsamsten Ausdruck findet das in der amerikanischen Verfassung als dem
wichtigsten und richtungweisenden Dokument für unsere Innenpolitik.
Weil die Idee der Freiheit im allgemeinen und die Kommunikationsfreiheit im besonderen für die amerikanische Lebensweise lebenswichtig ist, können
wir es uns nicht leisten, gegenüber Mißbräuchen dieser Freiheit jenseits unserer Grenzen gleichgültig zu bleiben.

Das ist in unserer Sicht weder anmaßend

noch ungerechtfertigt, sondern liegt vielmehr im gemeinsamen Interesse aller
Völker.
Die Welt ist heute von vielen großen Problemen geplagt.

Aber keines ist

weiter verbreitet als jenes, dem einzelnen das Recht auf Mitsprache bei der
Regierung seines Landes zu versagen.

Wenn Einzelpersonen das Recht abgesprochen

wird, sich mitzuteilen, ist ihnen letztlich auch das Recht versagt, freie Gemeinschaften zu bilden, Ideen mit anderen zu teilen und, unabhängig von ihrer
Regierung, freien Zugang zu Informationsquellen zu haben.
Wenn Regierungen Informationen unterdrücken, schränken sie die Beteiligung am politischen Leben ein und zementieren ihr Machtmonopol. Solche Unterdrückung von Informationen, selbst mit der Begründung, daß irgendein bereits
festgesetztes wirtschaftliches oder gesellschaftliches Ziel erreicht werden
müsse, behindert die dynamische Beteiligung am politischen Leben und schafft
so eine von Grund auf instabile Gesellschaft. Ich brauche hier nicht auf die
Konsequenzen einer politischen Instabilität für den Weltfrieden zu verweisen.
Jene Regierungen,
tizieren, haben für die
die kritischen Elemente
fehlen. Beides ist für
läßlich.

die eine solche Unterdrückung von Informationen prakEntscheidungsfindung fehlerhafte Mechanismen, denen
aus einer Beteiligung des Volkes und die Datenvielfalt
einen wirksamen Prozeß der Gestaltung der Politik uner-

In einer solchen Situation besteht die sehr reale Gefahr, daß die führenden Personen nur hören, was sie hören wollen und von den tatsächlichen poli- 6 -

�tatsächlichen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in
ihren Gesellschaften gar keine Ahnung haben.

Gleichzeitig werden im Volk,

dem man infolge mangelnder Mitsprache an seinem politischen Schicksal Freiheiten vorenthält, Frustration und Groll aufgebaut.
Wir sind fest überzeugt, daß mit der uneingeschränkten Beteiligung am
Prozeß der Entscheidungsfindung durch die Regierung den Interessen des Friedens am besten gedient wird.

Wenn dieser Prozeß funktionieren soll, muß je-

der Bürger das Recht haben, sich frei mitzuteilen.

Politische Entscheidungen

aufgrund guter Informationen, die unter Mitarbeit und mit Zustimmung der Regierten getroffen werden, sind unabdingbare Voraussetzungen für wahren Frieden in der Welt.
Unsere Besorgnis um den Schutz des Prinzips des freien Informationsflusses erstreckt sich sowohl auf die neuen Informationstechnologien als auch
auf die herkömmliche Technologie. Im Amerika der Kolonial zeit entsprach die
Druckerpresse der üblichen Technik. Sie war für die politische Entwicklung
der jungen Nation so wichtig, daß Thomas Jefferson ohne jede Einschränkung
erklärte: "Unsere Freiheit beruht auf der Pressefreiheit."
Zwei Jahrhunderte später hängt die Zukunft der menschlichen Freiheit
- und aller mit ihr verbundenen Gebote - von Informationstechnologien ab,
die seit kurzem in solcher Fülle in Erscheinung treten, daß sie unseren Lebensstil im öffentlichen und privaten Bereich revolutionieren. Ebenso wie
die Gründerväter der Vereinigten Staaten die Notwendigkeit erkannten, ein einklagbares politisches Recht zu schaffen, das freien Zugang zu der bahnbrechenden Erfindung Gutenbergs garantierte, besteht heute eine Notwendigkeit, wachsam zu sein, um das Kommunikations recht im Zusammenhang mit dem Gebrauch moderner Mittel zur Weitergabe von Informationen wie Satelliten und Datenbanken
zu schützen.

Zweitens:

- 7 -

Uneingeschränkter

�Zweitens:

Uneingeschränkter Fluß geschäftlicher Informationen

Unser zweiter Grundsatz, der den uneingeschränkten Strom geschäftlicher
Informationen begünstigt, wurzelt in unserem Vertrauen in den freien Handel.
Wir glauben, daß Bestrebungen, den Datenfluß über Grenzen hinweg zu begrenzen,
Widerstand geleistet werden muß, wenn wir wirksam und eindrucksvoll unsere
miteinander verflochtenen Volkswirtschaften handhaben wollen.
Das ist die große wirtschaftliche Herausforderung, mit der wir uns gemeinsam auseinandersetzen müssen, wenn wir alle gedeihlich leben wollen.

Die

Gefahren politischer Machenschaften mit dem Ziel, den anderen zu übervorteilen,
sind bestens bekannt.

Dennoch beobachten wir, daß in der heutigen Welt pro-

tektionistische Bestrebungen an Boden gewinnen, zu denen auch Forderungen nach
Errichtung ungerechtfertigter Schranken gegen die Weitergabe geschäftlicher
Daten von einem Land ins andere gehören.
Ohne Datenaustausch aber wären Fluggesellschaften, Mineralölindustrie,
Banken - um nur einige zu nennen - nicht in der Lage, ihren internationalen
Tätigkeiten nutzbringend nachzukommen. So ist also hervorzuheben, daß pVotektionistische Datenschranken, ebenso wie protektionistische Handelsschranken,
unserem gemeinsamen Ziel schaden, ein gutes Klima für eine kraftvolle und dynamische Weltwirtschaft zu schaffen.

Drittens: Wettbewerbsfreudige und offene Märkte für Technologie, Ausrüstungen
und Dienstleistungen
Die Vereinigten Staaten sind nicht nur überzeugt, daß es Freiheit für
die internationale Weitergabe von Geschäftsinformationen geben muß, sondern
wir sind auch vom Grundsatz wettbewerbsfreudiger und offener Märkte überzeugt.
In den Vereinigten Staaten ist die Bundeskommission für das Fernmeldewesen dabei, den einschlägigen inneramerikanischen Markt zu erschließen. Wir haben
nicht die Absicht, unsere Vorstellungen von Telekommunikation anderen Nationen
aufzuzwingen. Jedoch haben uns unsere Erfahrungen gezeigt, daß Wettbewerb das
- 8 -

�Wettbewerb das beste Stimulanz ist für neue Techniken und hochwertige Produkte und Dienstleistungen zum niedrigsten Preis.
Die lange Geschichte der Monopole, vor allem im Fernmeldewesen, hat
industrielle Strukturen und Regierungspraktiken geschaffen, die nicht über
Nacht hinweggewischt werden können.

Gleichzeitig plädieren wir jedoch für

mehr Verständnis für die dramatischen Veränderungen, die zur Zeit im Gange
sind, und für einsichtsvollere Standpunkte in bezug auf die Art und Weise,
wie Geschäftsregeln am besten angepaßt werden können, um diese Veränderungen
zu berücksichtigen.

Wir glauben, daß das Prinzip der offenen und wettbewerbs-

freundlichen Märkte für Waren und Dienstleistungen auf dem Gebiet Kommunikation und Information zum mindestens eine gründliche und verständige Prüfung verdient.
In der letzten Runde der multilateralen Handelsverhandlungen - der
Tokio-Runde - versuchte unsere Regierung,die Möglichkeiten für den Absatz
von Telekommunikations-Ausrüstungen im Ausland auszuweiten.

Auf der jüngst

stattgefundenen Ministerkonferenz des GATT unternahmen die Vereinigten Staaten einen weiteren Schritt vorwärts, indem sie ein Programm zur Untersuchung
von Mitteln und Wegen vorschlugen, um Handelsschranken für Dienstleistungen,
von denen die meisten auf dem Informationsgebiet liegen, abzubauen.
In beiden Fällen haben die Vereinigten Staaten die Initiative ergriffen - nicht nur, weil Dienstleistungen auf dem Informationssektor und die
Produktion von fernmeldetechnischen Ausrüstungen Quellen der wirtschaftlichen
Stärke Amerikas sind, sondern weil wir glauben, daß aktiver und gewinnbringender Außenhandel und Investitionen im Ausland dazu führen, daß alle an den
Vorteilen teilhaben.

Wenn man wählen könnte, sich für die Weitergabe von

Innovation und Sachkenntnissen über den Markt und die Blockierung solcher
Weitergabe durch die Unbeweglichkeit regierungsamtlicher Vorschriften zu entscheiden, würden wir uns für ersteres einsetzen.
Schlußfolgerungen

- 9 -

�Schlußfolgerungen
Ich habe heute von jenen philosophischen Grundsätzen gesprochen, an
denen sich die Reagan-Administration bei der Formulierung ihrer Außenpolitik
auf dem Gebiet internationaler Kommunikations- und Informationsfragen orientiert.

Es sind Grundsätze, denen sich die Administration fest verpflichtet

fühlt, auf die wir unsere Energie und unsere schöpferische Kraft verwenden,
die wir mit unseren Hoffnungen auf eine Welt gegenseitigen Nutzens im neuen
Informationszeitalter anstreben.
In diesem Zeitalter gibt es wahrlich viel zu gewinnen.

Angesichts der

potentiellen Möglichkeiten, die die Kommunikationstechnologie für die Förderung
sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung bietet, unterstützt das amerikanische
Bundesamt für Internationale Entwicklung (AID) hier im Pazifikbecken mehrere
Projekte auf dem fernmeldetechnischen Sektor.
In Indonesien plant man ein Satellitenprojekt für Ausbildungszwecke,
während auf den Philippinen an einer Studie als Entscheidungshilfe dafür gearbeitet wird, wie einer der abgelegensten Landesteile von fernmeldetechnischen
Dienstleistungen über einen Satelliten profitieren könnte.
In einer Zeit, in der es nur allzu wenig Aussichten auf spektakuläre
Durchbrüche gibt, trägt der Anbruch des Informationszeitalters neue Hoffnung
auf ein besseres Leben für jeden Bürger eines jeden Landes in die Welt.
Diese Hoffnung zu realisieren ist unser gemeinsames Ziel. Es ist unser gemeinsames Ziel hier im Pazifischen Becken, und es muß auch in der übrigen Welt
unser gemeinsames Ziel sein.

+ + + + +

- 10 -

�26. Januar 1983

WEINBERGER ZEIGT RÜSTUNGSANSTRENGUNGEN DER UDSSR AUF
- USIA-Interview mit dem US-Verteidigungsminister -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Caspar
Weinberger hat in einem Interview mit dem Militärkorrespondenten des US-Informationsamtes (USIA), William H. Durham, auf die anhaltenden Rüstungsanstrengungen der Sowjetunion hingewiesen und zu einer Reihe von Fachfragen Stellung
genommen.
Das Interview mit Verteidigungsminister Weinberger hat folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Vor einem Jahr hat das amerikanische Verteidigungsministerium

eine große Studie über die "Sowjetische Militärmacht" herausgegeben.

Welche

Hinweise haben wir bezüglich der militärischen Aufrüstung der Sowjets seither?
ANTWORT:

Wir werden in den nächsten Monaten eine zweite, auf den neuesten

Stand gebrachte Auflage dieser Broschüre herausbringen.

Ich möchte jedoch schon

jetzt auf die wichtigeren Punkte dieser Dokumentation hinweisen, die die anhaltenden Anstrengungen der Sowjets erkennen lassen, alle Aspekte ihrer Streit-

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�ihrer Streitkräfte zu modernisieren.

Die Sowjets haben mehrere neue Panzer-

schützen-Divisionen aufgestellt, die die Zahl der Kampfdivisionen auf insgesamt 185 bringen.

Im Jahr 1982 haben sie 2700 neue Panzer für ihre Streit-

kräfte hergestellt.

Sie produzieren und dislozieren weiterhin Flugzeuge der

Typen Fencer, Flogger und Fitter zur Unterstützung im Bodenkampf.

Sie haben

den dritten Flugzeugträger vom Typ Kiew in Dienst gestellt; ein vierter wird
gegenwärtig ausgerüstet.

Ihr neues großes nuklear angetriebenes Raketen-

Unterseeboot vom Typ Typhoon befindet sich gegenwärtig in der See-Erprobung.
Ihr neuer großer strategischer Bomber vom Typ Blackjack A befindet sich gerade
in der Flugerprobung.

Trotz des von Breschnew verkündeten Moratoriums für die

SS-20-Rakete haben sie die Dislozierung dieses Systems fortgesetzt und verfügen heute über rund 340 einsatzbereite Raketen dieses Typs.

Und schließlich

haben sie kürzlich eine neue Interkontinentalrakete (ICBM) mit Feststoffantrieb erprobt, was ihr Interesse erkennen läßt, Nachfolgegenerationen für ihre
bereits große und treffsichere ICBM-Streitmacht zu produzieren.

Die über-

arbeitete Ausgabe der genannten Broschüre enthält mehr Einzelheiten, aber die
von mir jetzt erwähnten Beispiele lassen den anhaltenden Zuwachs der militärischen Macht der Sowjets erkennen.
FRAGE: In der europäischen und amerikanischen Presse konnte man Berichte lesen, die andeuten, daß die Erprobung sowohl der PERSHING II-Rakete
als auch der landgestützten Marschflugkörper zeitlich im Verzug sei. Ist das
wahr und wird das die für 1983 geplante Dislozierung dieser Waffen in Europa
berühren?
ANTWORT: Die Erprobung der PERSHING II und der landgestützten Marschflugkörper verläuft termingerecht. Beim Marschflugkörper verliefen sechs der
sieben Probeflüge erfolgreich. Was das PERSHING II-System angeht, so wurde
zwar die erste Flugerprobung nach 17 Sekunden Flug abgebrochen und die zweite
Flugerprobung verschoben, aber die aufgetretenen Probleme waren nicht wesentlicher Natur. Es wurde eine entsprechende Behebung der Fehler vorgenommen,
und die Flugerprobung vom 19. November (vorigen Jahres) verlief hinsichtlich
unserer Hauptziele erfolgreich: Erprobung des Antriebs und Ablauf der Stufen.
Man kann im wesentlichen sagen, daß Entwicklungsprogramme der PERSHING II

�PERSHING II und der landgestützten Marschflugkörper termingerecht verlaufen,
und wir rechnen ohne weiteres damit, technisch einwandfreie Systeme termingerecht in Europa stationieren zu können.
FRAGE:

Es hat in unserem Lande einige Diskussionen über die relative

Wirksamkeit land- und unterseebootgestutzter Elemente der nuklearen Abschrekkungs-Triade gegeben.

Werden die Vereinigten Staaten weiterhin ein landge-

stütztes Element in ihrer strategischen Abschreckungsstreitmacht haben, oder
werden die Vereinigten Staaten mehr zu seegestützten Systemen übergehen?
Wird die MX-Rakete bewilligt werden?
ANTWORT: Die Triade von landgestützten Interkontinentalraketen, bemannten Bombern und unterseebootgestützten Raketen, die wir während der letzten
20 Jahre aufrechterhalten haben, hat sich als ein wirksames Mittel erwiesen,
eine stabile Abschreckung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Die
einzigartigen Eigenschaften der strategischen Komponenten, die die Triade
ausmachen, stärken die Abschreckung, indem sie im Zusammenklang wirken, um
jede sowjetische Angriffsplanung höchst kompliziert zu machen. Auf der einen
Seite wird die Planung und Durchführung eines Angriffs auf alle diese Komponenten immer schwieriger. Auf der anderen Seite ist es schwieriger, sich
gegen ihre kombinierten und sich ergänzenden Vergeltungswirkungen zu verteidigen. Die Triade wirkt auch als ein Schutzwall gegen einen eventuellen technologischen Durchbruch, der die Lebensfähigkeit eines einzelnen strategischen
Systems bedrohen könnte. Die Bedeutung der Triade für die Abschreckung liegt
heute deutlich auf der Hand, da jede Säule der Triade der Modernisierung bedarf; und wir haben die Absicht, sie aufrechtzuerhalten.

Der Friedenswahrer (MX-Rakete) wird einen wesentlichen Beitrag zur Aufrechterhai tung einer starken und überlebensfähigen strategischen Triade
leisten.

Wollten wir die Wirksamkeit unserer Interkontinentalraketen-Streit-

macht ohne die MX-Rakete stärken, dann würde das Angriffsproblem der Sowjets
erleichtert, und wir würden es ihnen erlauben, die ohnehin großen Mittel noch
zu erhöhen, die sie für Gegenmaßnahmen gegen unsere Unterseeboot- und Bomberstreitkräfte ausgeben.

Ich bin der festen Überzeugung, daß der Kongreß, wenn
- 3 -

�Kongreß, wenn er erst einmal den Bericht im einzelnen geprüft hat, den der
Präsident im Frühjahr vorlegen wird, die Produktion und Dislozierung der MXRakete bewilligen wird.
FRAGE:

Die Verhandlungen über eine Verringerung der strategischen

Waffen (START) und über nukleare Mittel Streckensysteme (INF) in Genf sowie
über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Europa (MBFR)
in Wien haben gegenwärtig Pause.

Welche Entwicklungen erhoffen sich die Ver-

einigten Staaten nach Wiederaufnahme der Verhandlungen?
ANTWORT:

Die Pausen in den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen

werden regelmäßig geplant, um jeder Seite die Möglichkeit zu geben, die Position der jeweils anderen Seite eingehender zu prüfen und die eigenen Standpunkte zu wichtigen politischen Fragen formulieren zu können.

Wir können

zwar nicht auf die Details der sowjetischen Verhandlungspositionen bei diesen Verhandlungen in Genf eingehen, wir hoffen jedoch, daß die Sowjets ihre
Standpunkte im Lichte der amerikanischen Vorschläge überdenken und bei Beginn
der nächsten Verhandlungsrunde bereit sein werden, Schritte zu tun, die näher
an ausgewogene, wesentliche und verifizierbare Abrüstungsvertrage heranführen.
Viel wird davon abhängen, zu welchen Schlüssen die Sowjets hinsichtlich der
Entschlossenheit und Kontinuität kommen werden, mit der die strategischen Modernisierungsprogramme der Vereinigten Staaten und die INF-Modernisierungsprogramme der NATO verfolgt werden.
Wie Sie wissen, hat der sowjetische Parteichef Andropow in seiner Rede
vom 21. Dezember über die derzeitigen Standpunkte der Sowjets bei den STARTund INF-Verhandlungen gesprochen. Der Standpunkt bezüglich START ist der bei
den Verhandlungen eingenommene. Der INF-Vorschlag insbesondere widerspricht
klar dem Grundsatz der Gleichwertigkeit bei Rüstungskontroi labkommen. Diese
sowjetischen Vorschläge sind - genau wie die sowjetische Haltung bei den MBFR-Gesprächert - für die Themenbereiche START, INF und MBFR unangemessene Lösungen.
Was uns angeht, so beabsichtigen wir, die Verhandlungen ernsthaft fortzusetzen.
FRAGE:

Kürzlich

�FRAGE:

Kürzlich stimmte der Verteidigungsausschuß des Bewilligungs-

ausschusses des Senats dafür, die amerikanische Truppenstärke in Europa auf
dem Niveau von 1980 einzufrieren.
zu bedeuten?
ANTWORT:

Was hat diese Abstimmung aus Ihrer Sicht

Wird es Verminderungen der amerikanischen Truppenstärke geben?
Die ursprünglichen Bedingungen des Bewilligungsausschusses

des Senats hatten beträchtliche Verringerungen vorgesehen und hätten daher
einen negativen Effekt auf wichtige, innerhalb des NATO-Rahmens entworfene
Programme gehabt.
Aufgrund der Überlegungen des Plenums des Senats zu der vorliegenden
Resolution und der Maßnahmen des Vermittlungsausschusses wurde in der Folge
dann der Text abgeändert. Die Bedingungen, die jetzt Gesetz werden, legen
eine Obergrenze für die in Europa stationierten Truppen von 315 600 Mann
zum Ende des Haushaltsjahres 1983 fest. Dies könnte einige geringfügen Beschneidungen der geplanten Erhöhung unseres Streitkräfteniveaus bei Ende
dieses Haushaltsjahres erforderlich machen.
Wir werden jedoch Änderungen nur dort vornehmen, wo der Schaden so
gering wie nur irgend möglich gehalten werden kann, und werden nicht die
Programme der Streitkräftemodernisierung beschneiden, die oberste Priorität
haben. So sieht die jetzige Resolution insbesondere ein Einspruchsrecht
des Präsidenten hinsichtlich der Truppenobergrenze bei "ausschlaggebenden"
Gründen der nationalen Sicherheit vor.
FRAGE: Welches ist das amerikanische Ziel für die im Libanon als Teil
der multinationalen Streitmacht stationierten Einheiten des Marinekorps?
Wie soll es unserer Meinung nach dort weitergehen? Ist es unsere Absicht,
diese Streitmacht zu verstärken, oder sollten wir uns zu einem bestimmten
Zeitpunkt zurückziehen?
ANTWORT:

Das Ziel unserer Einheiten dort ist noch immer das gleiche

wie zu dem Zeitpunkt, als Präsident Reagan das Angebot machte, einen Beitrag
zu der multinationalen Streitmacht zu leisten.
- 5 -

Wir wollen dazu beitragen,

�dazu beitragen, die Lage in und um Beirut zu stabilisieren, damit die libanesische Regierung, ihre Armee und ihre Politik Zeit finden, sich zu organisieren und schließlich die Stabilität des Libanon selbst zu garantieren.
Der Präsident erstrebt auch weiterhin einen raschen und vollständigen Abzug
der Streitkräfte Syriens, der PLO und Israels aus dem Libanon; und wir sind
der Meinung, daß dies nach einer ausgehandelten Vereinbarung über einen solchen Abzug rasch geschehen könnte.

Die amerikanischen Streitkräfte im Libanon

sind an kein Datum und an keine andere Vorbedingung hinsichtlich der Beendigung ihrer Mission gebunden.

Allerdings hegen wir Optimismus dahingehend,

daß die Verhandlungsanstrengungen der Botschafter Habib und Draper es der
libanesischen Armee bald ermöglichen werden, ihre Aufgabe zu übernehmen, die
Sicherheit in ganz Libanon zu garantieren.

Es gibt derzeit keinerlei Pläne,

die jetzt im Libanon stationierte US-Streitmacht zu vergrößern.
FRAGE: Im vergangenen Jahr wurde der sowjetischen Aufrüstung in Europa
eine Menge Aufmerksamkeit gewidmet. Wie sieht es mit der sowjetischen Position in Asien aus? Können die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
der sowjetischen Herausforderung in diesem Bereich begegnen?
ANTWORT: Während der letzten anderthalb Jahrzehnte haben die Sowjets
beunruhigende Schritte zur Verbesserung ihrer militärischen Kapazitäten unternommen und ihren Einfluß überall in dieser Region ausgeweitet. Diese Anstrengungen halten unvermindert an. Die sowjetischen Landstreitkräfte östlich
des Ural - einschließlich jener an der chinesisch-sowjetischen Grenze - haben
seit 1965 von damals 150 000 auf heute fast eine halbe Million Mann zugenommen. Die Zahl der Divisionen ist von 20 auf mehr als 50 angewachsen. Erst
in jüngster Zeit zur Auslieferung gelangte moderne Ausrüstung ermöglicht
diesen Streitkräften erhöhte Mobilität und Feuerkraft und verbessert ihre
Befehls- und Nachrichtenverbindungssysteme.
Die sowjetischen Luftstreitkräfte in den vier östlichen Militärbezirken
verfügen über mehr als 3000 Kampfflugzeuge, darunter Verteidigungs- und Angriffsflugzeuge, Bomber und Flugzeuge zur KampfUnterstützung.
Die Sowjets
- 6 -

�Die Sowjets haben annähernd 100 SS-20-Raketen - ein Drittel ihrer dislozierten Streitmacht - in Asien stationiert, von wo aus sie amerikanische Installationen und solche unserer Verbündeten in fast der gesamten Region angreifen können.

Besonders besorgt sind wir über den bedeutsamen Zuwachs und die Modernisierung der sowjetischen Pazifikflotte. Sie ist die größte Flotte der Sowjetunion und besteht aus rund einem Drittel aller sowjetischen U-Boote, einem
Viertel aller größeren Oberwasser-Kriegsschiffe und einem Drittel aller
Marineflugzeuge. Die mehr als 80 größeren Oberwasser-Kriegsschiffe, die etwa 120 U-Boote der verschiedensten Typen sowie die hierfür zur Verfügung stehenden landgestützten Flugzeuge - einschließlich der nuklearfähigen BackfireBomber - geben den Sowjets eine beträchtliche Seekapazität. Die Benutzung
von Häfen und Flugplätzen in Vietnam durch die Sowjets dient ihrer Dislozierung
im Indischen Ozean und erhöht ihre Oberwachungskapazitäten im Pazifik.
Die sowjetische Besatzungsmacht kämpft auch weiterhin mit dem afghanischen Widerstand, der nach drei Jahren des Kampfes noch immer nicht zur
Aufgabe bereit ist. Die über 100 000 Mann dieser sowjetischen Besatzungsmacht bilden eine einsatzbereite Kraft zur Machtprojektion auch nach Westen
und Süden. Immer wieder vorkommende Angriffe gegen Flüchtlinge und angebliche Widerstandskämpfer über die Grenze nach Pakistan hinein zeigen, daß
die Sowjets zumindest begrenzten Operationen über die Grenze hinweg nicht
abgeneigt sind.

Die Vereinigten Staaten haben harte politische Entscheidungen getroffen,
um die Mittel bereitzustellen, der wir zu unserer Verteidigung bedürfen.
Wir haben die Einsatzfähigkeit und die Widerstandsfähigkeit unserer vornedislozierten Streitkräfte in Asien verbessert und haben mit einer Anstrengung zum Ausbau der Streitkräfte und ihrer Modernisierung begonnen. Aber
die Vereinigten Staaten können nicht allein die weltweite sowjetische Expansion aufhalten. Auch sehen wir, daß unsere Interessen und die unserer Verbündeten zudem durch Maßnahmen anderer expansionistischer Nationen gefährdet
werden können - obgleich die Sowjetunion die offenkundigste Bedrohung dar-

�Bedrohung darstellt.

Unsere Verbündeten sind für die gemeinsame Verteidigung

angesichts einer wachsenden Bedrohung unserer Sicherheit und Freiheit wichtiger denn je.

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß unsere Bündnisse weiter

gekräftigt werden und daß alle Partner mehr zur gemeinsamen Verteidigung beitragen.

Damit wir aus diesen höheren Beiträgen das Beste machen können, müs-

sen wir auch die Koordinierung unserer Anstrengungen verbessern.

In jedem

Bündnis müssen die Partner zur Konsultation bereit sein, zur gemeinsamen Beurteilung der Lage, vor der das Bündnis steht, und zur Behandlung der komplexen
Fragen einer angemessenen Arbeitsteilung, einschließlich der angemessenen Rollen und Aufgaben der Streitkräfte eines jeden Verbündeten in Krisenfällen.
Diese Überlegung gilt für Asien und den Pazifik wie überall in der Welt.
Fünf der sieben Verteidigungsabkommen, die die Vereinigten Staaten mitunterzeichnet haben, beziehen sich auf die asiatisch-pazifische Region.

Dazu ge-

hören Verträge mit Japan, Korea und den Philippinen, der Manila-Pakt, der
Thailand zu unserem Vertragspartner macht, und der Anzus-Pakt.

Aus der Sicht

der Vereinigten Staaten ist jedes einzelne dieser Abkommen heute noch wichtiger als am Tag ihrer Unterzeichnung.

Die Sicherheit der Vereinigten Staaten

steht in zunehmendem Maße in wechselseitiger Abhängigkeit von der Sicherheit
aller ihrer pazifischen Verbündeten.

Gemeinsam können wir der sowjetischen

Herausforderung in Asien begegnen.

- 8 -

�26. Januar 1983

VEREINIGTE STAATEN ERSTREBEN KEINE NUKLEARE ÜBERLEGENHEIT
Pressekonferenz mit den Delegationschefs Rowny und Nitze •

WASHINGTON - (AD) - Vor der Wiederaufnahme ihrer Verhandlungen in Genf
trafen Botschafter Edward Rowny, der Chef der amerikanischen Delegation bei
den START-Verhandlungen.und Botschafter Paul Nitze, Chef der amerikanischen
Delegation bei den INF-Verhandlungen, am 21. Januar 1983 mit Präsident Reagan
zusammen und stellten sich anschließend den Fragen von Reportern.
Die Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
ROWNY:

Botschafter Nitze und ich kommen gerade von einem Treffen mit

dem Präsidenten, in dessen Verlauf die nächsten Runden unserer jeweiligen Verhandlungen besprochen wurden.

Der Präsident ist auch weiterhin davon über-

zeugt - und ich stimme dem gewiß zu -, daß wir eine gute START-Position haben,
die ich bei diesen Verhandlungen in Genf mit den Sowjets auch gerne weiterverfolge.

Wie Sie wissen, ist der START-Vorschlag der kühnste und einfalls-

reichste Vorschlag, der je auf dem Gebiet der strategischen Waffen vorgetragen wurde - eine Aufforderung, die dislozierten ballistischen Raketen um ganze
50 Prozent zu verringern.

Dieser Vorschlag hat die Aufmerksamkeit unseres

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Telex: 8-85432

�Aufmerksamkeit unseres Volkes und vor allem auch Europas gefunden.
keine Kritik an diesem guten Vorschlag gehört.

Ich habe

Und wir sollten ihn gemein-

sam weiterverfolgen.
v
Wir hatten hier in Washington eine geschäftige und fruchtbare Zeit der
Konsultationen.

Ich glaube, nach Genf mit klaren Instruktionen zurückzukeh-

ren, die auf das oberste Ziel ausgerichtet sind, nämlich, die Abschreckung
zu erhöhen, Stabilität in Krisenzeiten zu erzielen und vor allem die Gefahr
eines Atomkrieges zu vermindern.

All diese Prinzipien werden uns dabei hel-

fen, die Verhandlungen voranzubringen.
Ich hoffe auch darauf, daß die sowjetische Delegation nach Genf zurückkehren wird, bereit, sich uns in Richtung auf diese umfassenden Verringerungen bei einer ganzen Anzahl von strategischen Kernwaffen anzuschließen.
es zu wiederholen:

Unser Vorschlag

Um

will eine Verringerung der dislozierten

ballistischen Raketen um nicht weniger als die Hälfte und die Verringerung
der Gefechtsköpfe auf diesen Raketen um ein Drittel sowie eine Verringerung
auf das jeweils gleiche Niveau - wobei das Prinzip, das wir überall verfolgen,
Gleichheit, Gleichheit und nochmals Gleichheit ist.

Wir erstreben keine Über-

legenheit, aber wir können uns auch nicht mit Unterlegenheit zufriedengeben.
Natürlich muß hiermit Hand in Hand die Verifizierbarkeit dieser Vorschläge zu jedem Zeitpunkt gehen. Daher hoffe ich, daß die sowjetische Delegation auch in der Bereitschaft zurückkehrt, das fortzusetzen, was bislang
eine recht aktive und lebhafte Verhandlungsperiode gewesen ist. Mit besonderem Interesse habe ich bemerkt, daß sie eine gewisse positive Tendenz hinsichtlich der Vertrauensbildenden Maßnahmen gezeigt haben, die das Risiko
eines Atomkrieges vermindern werden.
Ihre Erklärungen, wonach sie ebenfalls hieran interessiert seien, haben
mich ermutigt,und ich werde dies parallel zu unseren START-Verhandlungen tatkräftig weiterverfolgen.

Sollte es möglich sein, hier - sogar noch vor Ende

von START - zu einem separaten Abkommen zu gelangen, so glaube ich, daß alles,
was wir zur Verminderung der Gefahr eines Atomkrieges tun, von uns begrüßt
- 2 -

�uns begrüßt würde - und ich habe auch Grund zu der Annahme, daß die Sowjets
dies ebenso wünschen.
FRAGE: Glauben Sie noch immer, daß es eine Chance von 50 zu 50 gibt,
noch in diesem Jahr zu einem Abkommen zu gelangen?
ANTWORT: Ich sehe dies noch immer mit vorsichtigem Optimismus. Ich
würde meinen, man kann sie, die Sowjets, beim Wort nehmen. Schließlich haben
sie gesagt, es könne ein Abkommen geben, vorausgesetzt, unsere Seite zeige
guten Willen. Nun, ich weiß, daß es diesen guten Willen bei uns gibt und daß
wir es ernst meinen. Daher werden wir sicherlich unser Äußerstes tun, um zu
einem Abkommen zu gelangen.
FRAGE: Gehen Sie nach Genf mit neuen Instruktionen zurück, mit neuer
Flexibilität in Ihrer Verhandlungsposition? Und könnten Sie zu der Frage Stellung nehmen, ob Sie eine Verbindung zwischen Nitzes Überlegungen hinsichtlich
der Mittelstreckenraketen und Ihrem Thema sehen - und ob hier irgendwelche
zwingenden Beziehungen bestehen?
ANTWORT: Lassen Sie mich zunächst sagen, daß der Präsident eben zum
Schluß wieder auf die grundsätzlichen Fragestellungen hinwies und daß ich daher keine entscheidenden Verschiebungen erwarte oder etwas, das sich bis zu
unserem Abflug ergeben könnte. Wie Sie wissen, findet nächste Woche noch ein
Treffen statt, um die letzten Instruktionen einzuholen und der Sache den letzten
Schliff zu geben.
Hinsichtlich der Flexibilität lassen Sie mich sagen, daß einer der Aspekte, die die Sowjets an diesem Präsidenten bewundern - und das haben sie
mir auch so gesagt -, seine Beständigkeit ist, daß er nicht erst einen Vorschlag macht und dann wieder von ihm abrückt. Sie respektieren das und sagen:
"Wir verhandeln mit einem Mann, der weiß, was er will,und der seinen Kurs beibehalten wird."
FRAGE:

Ist dies der sowjetische Wortlaut oder Ihrer?
ANTWORT:

Es

�ANTWORT:

Es ist ihrer,

überlegen Sie sich doch nur die Tatsache, daß

sie im Juni an den Verhandlungstisch kamen, nachdem wir einen Vorschlag unterbreitet hatten, der weit drastischer, weitreichender ist als der Vorschlag
Carters.
Sie sind an den Verhandlungstisch gekommen.

Und sie haben reagiert:

Als wir sagten, "wir werden um 50 Prozent reduzieren", antworteten sie "um
25 Prozent".

Natürlich argumentieren sie wieder in Abschußeinrichtungen und

nicht in Raketen.
So wie wir verfahren, hat man eine bessere Zähleinheit.
sagt:

"Es sind doch die Gefechtsköpfe, die zählen".

wir werden die Anzahl der Gefechtsköpfe reduzieren."
nicht gesagt, um wie viele.

Wir haben ge-

Und sie sagten:

"Auch

Natürlich haben sie uns

Sie erkennen also den Wert des Ganzen - und sie

verstehen natürlich, wie die Öffentlichkeit das alles sieht.

Daher meine ich,

sie wissen, daß wir bei dem START-Vorschlag einen sehr guten Vorschlag haben.
FRAGE: Was sagen Sie zu dem Bericht, wonach die Sowjets irgendwie die
INF-Gespräche mit den START-Gesprächen verknüpfen, daß sie aus den START-Verhandlungen aussteigen würden, wenn wir Raketen in Europa aufstellen sollten?
ANTWORT: Ich habe mit meinem Verhandlungspartner Verschwiegenheit vereinbart, wonach wir Dinge vom Verhandlungstisch nicht öffentlich diskutieren
wollen. Ich möchte deshalb hierauf keine Antwort geben, denn ich glaube, sobald Sie damit anfangen, über solche Themen in der Öffentlichkeit zu verhandeln, verringern Sie die Chancen auf ein Abkommen.
FRAGE: Das hat aber nichts mit öffentlichem Verhandeln zu tun. Diese
Woche gab es jeden Tag Berichte, wonach die Sowjets sich aus den START-Verhandlungen zurückziehen würden, wenn wir die Mittelstreckenraketen dislozieren.
Das Außenministerium ging gestern darauf ein. Es ist also nicht mehr in der
vertraulichen Domäne.
ANTWORT: Lassen Sie mich lediglich sagen, daß die zwei Verhandlungsbereiche Teil eines nahtlosen Gefüges sind, das Paul und ich eng koordinieren,
und daß wir es in gewisser Hinsicht als ein einziges Kontinuum ansehen. Alles
- 4 -

�ansehen.

Alles steht zueinander in Beziehung, auch wenn er Verhandlungen

führt, die meinen gleichwertig und von diesen getrennt sind.
So viel nur, ohne an das Vertrauliche zu rühren, das am Verhandlungstisch gesprochen wurde:

Die Sowjets haben öffentlich erklärt, daß sie - für

den Fall, daß Waffen in Europa disloziert würden - gezwungen wären, ihre Verminderungsvorschläge zu überdenken.
FRAGE:

Das ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit.

Nehmen Sie diese Drohung ernst?

ANTWORT:

Es ist keine Drohung.

Es ist eine Erklärung ihrerseits.

natürlich nehme ich alles,was sie sagen, ernst.

Ja,

Sie haben es ins Protokoll

schreiben lassen, es liegt gedruckt vor.und deshalb, ich wiederhole, enthülle
ich nichts, was am Verhandlungstisch gesprochen wurde.

Das möchte ich noch

einmal verdeutlichen.
FRAGE:

Warum sagen Sie, es sei keine Drohung?

ANTWORT: Sie haben gesagt: Wenn in Pauls Bereich irgendwelche Systeme
disloziert werden - also etwa landgestützte Marschflugkörper und PERSHING IIRaketen -, dann könnten sie nicht reduzieren. Sie charakterisieren dies als
eine Drohung - dies ist Ihre Charakterisierung -, ich teile Ihnen nur mit,
was sie gesagt haben.
FRAGE: Haben sie auch gesagt, sie würden dann keine Gespräche mehr
führen, nicht mehr verhandeln?
ANTWORT:

Nein.

FRAGE: Wenn es das ist, was der Präsident gesagt hat, dann werden Sie
weitermachen und diese Raketen planmäßig dislozieren. Macht dies Ihre Aufgabe
nicht irgendwie nutzlos?
ANTWORT:
FRAGE:

Fragen Sie doch Paul.

Diese Waffen sind nicht mein Gebiet.

Vorhin wurde doch von Vertrauensbildenden Maßnahmen gesprochen -

kann man dies so verstehen, daß Sie in diesem Bereich eher eine Erfolgsmeldung
- 5 -

�eine Erfolgsmeldung bringen können, die in Verbindung mit der Reise von Vizepräsident Bush nach Europa stehen würde?
ANTWORT:
war:

Nein, nein, das möchte ich nicht implizieren.

Was ich sagte,

Der Präsident hat einige Vertrauensbildenden Maßnahmen vorgeschlagen.

Darauf kamen Momente, da Andropow das Zuckerbrot anbot - wie etwa seine Antworten an Kingsbury Smith, als er sagte: "Und wir können bei diesen Vertrauensbildenden Maßnahmen Fortschritte machen."

Und es gab Momente, wo die Peit-

sche zum Vorschein kam - etwa in dem Prawda-Artikel einige Tage später, der uns
gegenüber sehr kritisch war.

Aber dennoch:

Er ist hinsichtlich der Vertrauens-

bildenden Maßnahmen noch immer positiv - sowohl mit Zuckerbrot
Peitsche.

als auch mit

Ich habe also Grund zu Optimismus, zu vorsichtigem Optimismus, daß

wir bei diesen Dingen zu einem Abkommen gegangen werden, denn ich glaube wirklich, daß auch die Sowjets - genau wie wir - die Gefahr eines Atomkrieges verringern wollen.
NITZE:

Wie Botschafter Rowny eben andeutete, trafen wir gerade mit dem

Präsidenten zusammen, um die letzten Vorbereitungen für die Wiederaufnahme
der Rüstungsverminderungsverhandlungen mit der Sowjetunion zu besprechen.
Ich möchte diese Gelegenheit dazu benützen, um die amerikanische Verpflichtung zu einem sinnvollen Abkommen zur Verminderung der doppelten Bedrohung durch
Krieg und Einschüchterung zu bekräftigen, die das wachsende sowjetische Arsenal
nuklearer Mittelstreckenraketen darstellt.
Der Präsident hat die völlige Beseitigung dieser gefährlichen Waffenklasse sowohl auf amerikanischer als auch auf sowjetischer Seite vorgeschlagen.
Diese Lösung, die sowohl auf ihrer als auch auf unserer Seite die Null-Lösung
vorsehen würde, stellt den stabilsten, dauerhaftesten und wirkungsvollsten Plan
für einen Frieden in Europa, in Asien und in der Welt insgesamt dar.
Präsident Reagan hat mich angewiesen, meine Anstrengungen mit Nachdruck
und Eindringlichkeit zu verfolgen, um zu einem Abkommen zu gelangen, das die
Sicherheitsbedürfnisse der Vereinigten Staaten und der NATO-Verbündeten erfüllt.
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten haben in unermüdlicher diplomatischer
und konzertierter Aktion ihre Suche nach einer friedlichen Beziehung zur Sowjetunion fortgesetzt.

Aber solange

�Aber solange die sowjetischen Vorschläge auch weiterhin einen Wunsch
nach einem gefährlichen militärischen Vorteil verschleiern, solange die sowjetischen Friedensbeteuerungen nicht von Zusammenarbeit am Verhandlungstisch begleitet werden, sondern nur von unzureichend verschleierten Drohungen gegen
einzelne Verbündete, müssen wir im Westen an unserem doppelten politischen Ziel
festhalten:

Einmal an der Suche nach fairen Abkommen zur Verminderung der

Kriegsgefahr und zweitens daran, die Schritte zu unternehmen, die notwendig
sind, um das militärische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das den Frieden
über 37 Jahre lang bewahrt hat.
Ich kehre jetzt in der Hoffnung nach Genf zurück, daß die Sowjets die
Sinnlosigkeit ihrer Bemühungen einsehen, unser Bündnis zu entzweien und einzuschüchtern, und ebenso in der Hoffnung, daß ein Abkommen erzielt werden kann,
das fair und wirkungsvoll ist. Präsident Reagan hat sein vollstes Vertrauen
in mich als Unterhändler und in unsere Verbündeten als Partner zum Ausdruck
gebracht. Gemeinsam werden wir mit dieser Herausforderung fertig werden. In
Zusammenarbeit mit der Sowjetunion können wir noch immer einen großen Beitrag
zu einem dauerhaften Frieden leisten.
FRAGE: Darf ich Ihnen noch einmal die Frage stellen, die ich bereits
General Rowny gestellt habe? Wenn die Vereinigten Staaten ihre Pläne zur
Dislozierung der landgestützten Marschflugkörper und der PERSHING II-Raketen
weiterführen und wenn die Sowjets sagen, sie würden die Verhandlungen abbrechen,
wenn die Vereinigten Staaten dies tun - wird dadurch nicht alles zu einer ziemlich fruchtlosen Übung?
ANTWORT: Das glaube ich nicht. Denn, zugegeben, die Sowjetunion hat
vor längerer Zeit - vor sechs Monaten etwa - gesagt, sie würde ihre Position
überprüfen, wenn ihr praktische Schritte in Richtung auf eine Dislozierung
bekannt würden.
Fragte man nach, was unter "Überprüfung ihrer Position" zu verstehen sei,
so wurde gesagt, dies könne sicherlich einen Abbruch unserer Verhandlungen,
der START-Verhandlungen, beinhalten, sowie Maßnahmen zur Reaktion auf jeden
Schritt, den wir unternehmen würden - so daß dies für die NATO-Verbündeten und für
- 7 -

�und für uns selbst nachteilig wäre.

Dies sagten sie.

Aber im Anschluß hieran

hielt Breschnew jene Rede vor den 500 Generälen in Moskau; und in dieser Rede
sagte er, daß bereits praktische Schritte unternommen worden seien - und sie
brachen die Verhandlungen dennoch nicht ab.
Daher glaube ich nicht, daß ihrerseits eine solche Absicht besteht.

Sie

erwähnen eine solche Möglichkeit, um Druck auf uns auszuüben, aber es bedeutet
nicht notwendigerweise auch, daß sie es tun werden.
FRAGE:

Wir haben in den letzten Tagen eine Menge über ein vorläufiges

Abkommen gelesen

zu dem Sie und Ihr sowjetischer Gesprächspartner im Sommer

gelangt seien, und das die Sowjets verworfen haben - anscheinend ein Obereinkommen über eine gleichhohe Anzahl von Gefechtsköpfen oder...
NITZE:

Abschußeinrichtungen.

FRAGE:

Warum glauben Sie, hat Moskau "nein" gesagt?

Was sagt Ihnen

das über die Verhandlungsbereitschaft der Sowjets?
ANTWORT: Ich kann nur schwer einschätzen, wie und warum die Sowjetunion
Entscheidungen trifft. Ich habe es sehr bedauert, daß sie zu dem Entschluß
gelangten, das Sondierungs-Paket so radikal abzulehnen, zu dem Kwisinsky und
ich gekommen waren. Es war ein Übereinkommen. Ich habe kein Angebot im Namen der Vereinigten Staaten unterbreitet. Aber Kwisinsky und ich versuchten
herauszufinden, ob es möglich sei, den Gordischen Knoten zu durchhauen und zu
etwas zu kommen, was es wert gewesen wäre, von den beiden Regierungen in Erwägung gezogen zu werden.
Ich glaube, die amerikanische Regierung fand es erwägenswert, auch wenn
sie nicht mit allen Einzelheiten übereinstimmte.
FRAGE:

Die Sowjets fanden es nicht so

Sie sehen hierin nicht notwendigerweise ein Zeichen dafür, daß

die Sowjets der Meinung sind, es sei möglich, durch die von ihnen gestartete
Kampagne zu bewirken, daß die Europäer einer Dislozierung der Raketen überhaupt nicht zustimmen?

Mit anderen Worten:

Daß sie das behalten können, was

sie haben, und wir letztlich mit nichts dastehen?
ANTWORT:
- 8 -

Ich

�ANTWORT:
lichen.

Ich glaube, sie hoffen, dies durch ihre Propaganda zu ermög-

Ich glaube aber nicht, daß sie es schaffen; daß sie dabei Erfolg

haben werden.
FRAGE:

Machen Sie sich Sorgen darüber, daß die Vereinigten Staaten den

Krieg um die öffentliche Meinung in Europa hinsichtlich der Raketen verlieren?
ANTWORT:

Ich mache mir darüber keine Sorgen und glaube nicht, daß wir

den Propagandakrieg in Europa verlieren.
FRAGE:

Warum nicht?

densbewegung zu geben.

Ich glaube, dort scheint es eine wachsende Frie-

Gromykos Bemerkungen und die Bemerkungen von Andropow,

seine Kritik der amerikanischen Position, werden in Europa ziemlich hochgespielt.
ANTWORT:

Betrachten Sie doch die Dynamik der Friedensbewegung und der

Opposition gegen die Dislozierung vor der Rede des Präsidenten vor 14 Monaten.
Beides war damals sehr groß.

Als Ergebnis der Rede des Präsidenten vor 14

Monaten wurde der gesamte Trend unter Kontrolle gebracht und hat sich gewandelt.
Zugegeben:

Als Ergebnis der Erklärung von Andropow gab es in den letzten Mo-

naten erneut eine Bewegung nach vorn.

Ich glaube aber, daß sie durch die Härte

der Position von Gromyko in Bonn, die absolut keine Bewegung in ihrer Einstellung anzeigte, wieder unter Kontrolle gebracht werden konnte.
FRAGE:

Wurde Ihnen gesagt, Sie könnten zurückgehen und andere Vorschläge

mit Ihren Gesprächspartnern ausloten?
ANTWORT:

Haben Sie eine solche Vollmacht erhalten?

Ich habe nicht nur die Vollmacht erhalten, sondern ich wurde

sogar angewiesen, herauszufinden, ob es in der sowjetischen Einstellung irgendeine Möglichkeit für einen größeren Wandel gibt.
FRAGE:

Dies umfaßt auch Änderungen über "Null-Null" hinaus und Änderun-

gen anderer Art?
ANTWORT:

Ich habe die Vollmacht, Sondierungen anzustellen.
FRAGE:
- 9 -

Haben

�FRAGE:

Haben Sie bei ihrer Rückkehr nach Genf den Eindruck, über die nö-

tige Flexibilität zu verfügen, um zu einem Abkommen mit den Sowjets zu gelangen?
ANTWORT:

Derer bedarf ich eigentlich gar nicht.

Es sind nur die ameri-

kanische und die sowjetische Regierung, die "überhaupt zu einem Abkommen gelangen werden.

Ich habe die notwendige Ermächtigung, mit meinem sowjetischen Ge-

sprächspartner herauszufinden, wo

die sowjetische Position noch etwas mehr ge-

ben kann.
FRAGE:
verbunden.

Wie Botschafter Rowny sagte, ist dies unentwirrbar miteinander
Ist die Lage so, daß entweder Sie Erfolg haben und Rowny ebenfalls

oder daß beide scheitern werden?
ANTWORT: Offen gesagt, ich glaube, die Zeit drängt wirklich bei meinen
Verhandlungen. Ich glaube, es ist notwendig, daß wir zunächst zu einem erfolgreichen Ende kommen.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Wann werden Ihre Verhandlungen wieder aufgenommen?
Am 27. Januar.
Gilt das gleiche für START?
Nein, am 2. Februar.
Haben Sie die Ermächtigung, etwas weniger als "Null-Null" anzu-

bieten?
ANTWORT:

Ich bin nicht ermächtigt, etwas anzubieten.

Ich bin ermächtigt,

zu sondieren.
FRAGE:

Gibt es Überlegungen bezüglich separater Verhandlungen über die

Verringerung der Marschflugkörper?

Wie Sie wissen, sagte Rostow, wenn sie

disloziert würden, wäre der Skorpion aus der Flasche - und wir dislozieren sie
jetzt.
ANTWORT:

Ich erinnere mich nicht an eine solche Bemerkung von Rostow.
FRAGE:
- 10 -

Er

�FRAGE:

Er sagte das bei seiner Anhörung, als er bestätigt wurde.

ANTWORT:

Ach so.

Ich wußte das nicht.

Jedenfalls ist die Frage der

Marschflugkörper ein Thema, um das es sowohl bei den INF-Verhandlungen als
auch den START-Verhandlungen geht, denn die sowjetische Seite hat in beiden
Verhandlungen Vorschläge unterbreitet, um die Marschflugkörper und die unterseebootgestützten Marschflugkörper zu begrenzen.
FRAGE:

Sehen Sie bei Ihren Verhandlungen irgendwelche substantiellen

Fortschritte vor den Wahlen in der Bundesrepublik Deutschland?
ANTWORT:
FRAGE:

Ich hoffe darauf.
Sie sprechen über ein Nachgeben bei der sowjetischen Position.

Ist ein solches auch bei der amerikanischen Position vorhanden?
ANTWORT:
tun.

Das wird es geben, wenn die Sowjets einen Schritt nach vorn

Moment, lassen Sie mich das ändern.

Ich möchte lieber vorn anfangen.

Die Anweisung des Präsidenten an mich lautet, ernsthaft zu verhandeln,und er
hat dies vor 14 Monaten bei Beginn dieser Verhandlungen deutlich gemacht.

Aber

für ein ernsthaftes Verhandeln ist ein Nachgeben auf sowjetischer Seite erforderlich.

Und wenn die sowjetische Seite etwas gibt, dann bin ich sicher, daß

wir jeden ernsten Vorschlag ihrerseits auch ernsthaft abwägen werden.
FRAGE:

Wir sind also nicht völlig in dieser "Null-Null"-Position fest-

gefahren?
ANTWORT:

Ich möchte diese Frage nicht beantworten.

+ + + + +

- 11 -

�26. Januar 1983

PRIVATE UND ÖFFENTLICHE HILFSAKTIONEN FÜR DIE ARBEITSLOSEN IN DETROIT
- Von unserem Korrespondenten Neal Shine -

DETROIT - (AD) - Die Zeiten sind gegenwärtig nicht gut für die Wirtschaft des Staates Michigan und die vielen Arbeiter, die vor allem in Detroit
ihren Arbeitsplatz verloren haben.
hungriger Geist.

Die Arbeitslosigkeit geht um wie ein

In Amerikas Autometropole haben Suppenküchen ihre Tätigkeit

aufgenommen - und das hat begreiflicherweise internationale Aufmerksamkeit
erregt.

So blieb es nicht aus, daß auch ein Fernsehteam aus der Bundesrepublik

- für das AuslandsJournal im ZDF - über die bedauerliche Lage der Arbeitslosen
berichtete.

Auf eine freie Mahlzeit im Kapuzinerkloster im Osten von Detroit

wartend, machten befragte Arbeitslose kein Hehl aus ihrer Situation.

Als sie

hörten, daß Kollegen in Deutschland für sie sammeln und ihnen helfen wollten,
begrüßten sie dankbar dieses Zeichen der Solidarität, aber sie ließen auch
keinen Zweifel, daß praktische Nächstenliebe und Selbsthilfe in Amerika etwas
Selbstverständliches sind.
Die befragten Arbeitslosen in Detroit waren nur eine kleine Gruppe der
insgesamt rund 760 000 Arbeitslosen im Staate Michigan, wo die Arbeitslosenrate 17,6 Prozent erreicht hat - gegenüber einem Durchschnitt von immerhin

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�von immerhin auch 10,8 Prozent in ganz Amerika.

Im Jahr 1982 hatte die Auto-

mobilindustrie, das wirtschaftliche Rückgrat in Detroit und im Staate Michigan,
die schlechtesten Absätze in 21 Jahren.

Das Defizit im Staatshaushalt

Michigan nähert sich einer Milliarde Dollar.

von

Die Besitzer des bekannten

Renaissance Center - ein gewaltiger Büro- und Hotel ItompT ex im Zentrum von
Detroit - können ihre Hypothek von 200 Millionen Dollar nicht mehr bezahlen.
Solche wirtschaftlichen Schwierigkeiten bringen Armut und Hunger hervor.

Es gibt sicherlich hungrige Menschen in Detroit, aber die Reaktion der

Bevölkerung dieser Stadt und des Staates Michigan war einmalig:

"Man hilft

einander".
Schon vor Weihnachten machte sich angesichts dieser prekären wirtschaftlichen Lage und des anbrechenden Winters der Bürgermeister von Detroit,
Coleman A. Young, Sorgen und rief einen, wie er es nannte "Hunger-Notstand"
aus. Er gab bekannt, daß die Stadt eine Reihe von Verpflegungsstationen in
verschiedenen Teilen der Stadt einrichten werde. Er ersuchte das amerikanische
Landwirtschaftsministerium um größere Zuteilungen aus Oberschußbeständen und
um die Erlaubnis, die Nahrungsmittel direkt über städtische Einrichtungen an
Bedürftige zu verteilen. Er startete eine Sammelaktion für Geld und Lebensmittel, um die Verpflegungsstationen zu unterstützen. Er forderte die Bediensteten der Stadt auf, unverderbliche Lebensmittel zu spenden; er veranlaßte den Stadtrat zur Bewilligung von Notstandsmitteln zur Behebung der Krise
und zu einer Verordnung, die die Sperrung von Gas und Strom während des Winters untersagt.
"Detroit steht vor einem Krisenwinter", so sagte der Bürgermeister.
"Für viele Tausende unserer Bürger werden die nächsten 100 Tage eine Zeit
des Hungers und der bitteren Kälte werden.

Es ist die Aufgabe der Behörden

und die Verantwortung einer engagierten Bürgerschaft, dafür zu sorgen, daß
keiner verhungert und keiner erfriert."
Die Reaktion

- 2 -

�Die Reaktion auf den Appell des Bürgermeisters war spontan.

Der

Gouverneur des Staates Michigan rief einen "menschlichen Notstand" aus und
stellte eine Million Dollar an staatlichen Mitteln zur Unterstützung von
Gemeinden im Kampf gegen Hunger und Obdachlosigkeit

bereit.

Er stellte

Gebäude und Geräte der Nationalgarde für die Lagerung und Verteilung von
Lebensmitteln zur Verfügung.

Das amerikanische Landwirtschaftsministerium

lieferte mehr Lebensmittel aller Art für die Verpflegungsstationen in Detroit,
darunter allein eine Million Pfund Trockenmilch.

Ein Sprecher des Ministeriums

erklärte, die Stadt werde so viel Trockenmilch bekommen, wie man brauche und
verteilen könne.
Die Bevölkerung von Detroit schloß sich auch zur Selbsthilfe zusammen.
Wo Not am Mann war, waren auch Menschen, um diese Not zu lindern.

Der Gouver-

neur wies darauf hin, daß im Staate Michigan zwar über 700 000 Menschen arbeitslos seien, daß aber auch über 3,5 Millionen einen Arbeitsplatz hätten.
"Es ist die Verantwortung jener von uns, die einen Arbeitsplatz haben, dafür
zu sorgen, daß diejenigen, die arbeitslos sind, auch weiterhin Nahrung und
Unterkunft haben", so erklärte Gouverneur William Milliken.
Die Bevölkerung von Michigan und Detroit nahm diese Verantwortung ernst.
Die Menschen, deren Können Detroit zu der Stadt gemacht hat, die die Welt
auf Räder stellte, waren entschlossen, dafür zu sorgen, daß ein wirtschaftlicher Rückschlag das Ansehen der Stadt nicht schädigt, die sie lieben.
Der Bürgermeister richtete einen Nothilfe-Fonds ein und leistete den
ersten Beitrag von 18 000 Dollar aus seinem politischen Aktionsfonds. Drei
große öl firmen gaben bekannt, daß sie ein Konsortium gebildet hätten, um
Heizöl für jene zur Verfügung zu stellen, die sonst in diesem Winter kalt gesessen hätten. Die Bürger standen ihrem Bürgermeister nicht nach und brachten
in kleinen und großen Beträgen in Kürze weitere 18 000 Dollar für den Fonds
auf. Der Bürgermeister konnte bald nach seinem Aufruf bekanntgeben, daß
Bürger und Geschäftsleute der Stadt über 100 000 Pfund Lebensmittel gespendet hatten.
Draußen auf
- 3 -

�Draußen auf dem Lande - mit gutem Ackerboden - wurden die Farmer des
Staates Michigan aktiv, um den Menschen in einer Stadt zu helfen, die manche

von ihnen noch nie besucht hatten.

Auf den Autostraßen rollten bald

Kartoffeln, Karotten, Bohnen, Zwiebeln, Kraut, Rote Rüben, Rettiche und Eier
tonnenweise nach Detroit.

"Du

mußt Deinem Mitmenschen helfen", so sagte

ein Farmer in dem kleinen Ort Breckenridge zu dem Reporter einer Detroiter
Zeitung.

Während Freiwillige die Laster mit Lebensmitteln aus dem Umland

entluden, ging der Kampf gegen den Hunger weiter.
Die General Motors Corporation und die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft gaben ein gemeinsames Achtwochen-Programm bekannt, um 8 Millionen Büchsen Lebensmittel für die Bedürftigen nicht nur in Detroit, sondern auch in 72 anderen Städten der Vereinigten Staaten aufzubringen.

General

Motors stellte zwei Millionen Dollar bereit, um Spenden der Arbeiter um den
gleichen Beitrag zu erhöhen.
Zur gleichen Zeit startete der Automobilclub von Michigan (AAA) eine
Kampagne mit dem Ziel, pro Monat fünf Millionen Pfund Nahrungsmittel für Bedürftige zu sammeln. Als Bürgermeister Young in Detroit auf einer Pressekonferenz die Sammelaktion des AAA bekanntgab, suchte er gleichzeitig freiwillige Helfer, um die Lastwagen mit Lebensmitteln zu entladen, die rascher
eintrafen, als sie entladen werden konnten.
Oberall in Detroit erfuhren Menschen die Freude des Schenkens. Die
Stellen und Organisationen, die zur Behebung des Notstandes gebildet wurden,
erlebten eine "Lawine" von Hilfsbereitschaft. Was sich in dieser Stadt, auf
den Farmen und in Fabriken und Büros abspielte, war einfach, daß die Menschen
in Detroit und im Staate Michigan, die dazu in der Lage waren, für ihre Mitmenschen sorgten, die sich nicht helfen konnten. Man steht in schlechten
Zeiten zusammen in der Gewißheit, daß sie vorbeigehen werden. Bis dahin wird
weiter gesorgt. Das ist typisch für eine Stadt wie Detroit.
+ + + + +

- 4 -

�T

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Januar 1983

STARTPROGRAMM DER NASA FÜR 1983
Nachrichtensatelliten stellen Hauptanteil -

- (A) - Wie schon in den letzten paar Jahren werden auch 1983 Nachrichtensatelliten, von denen 16 auf Erdumlaufbahnen gebracht werden sollen, den größten
Anteil am Startprogramm des amerikanischen Bundesamtes für Luft- und Raumfahrt
(NASA) haben. Allerdings macht den herkömmlichen Trägerraketen vom Typ DELTA,
ATLAS-CENTAUR und ATLAS E, die nur einmal verwendet werden können, die Raumfähre zunehmend Konkurrenz.
Im Jahr 1983 sind fünf Flüge des Raumtransporters vorgesehen.

Bei drei

dieser Missionen werden allein fünf der 16 Nachrichtensatelliten in der Umlaufbahn der Raumfähre (ca. 300 km über der Erdoberfläche) abgesetzt, um von dort
aus ihren Standort auf der erdfernen 36 000-k.m-Bahn zu erreichen.

Für zwei der

Satelliten, nämlich die beim Start fast 18 Tonnen schweren TDRS-Geräte der NASA,
gibt es derzeit gar keine andere Transportmöglichkeit, um sie in den sog. geos-tationären Orbit zu bringen.
Der ursprünglich für Ende Januar vorgesehene Jungfernflug von CHALLENGER,
der zweiten Raumfähre der USA, ist wegen eines Treibstofflecks vorläufig auf
Ende Februar verschoben.

Im Motorraum hinter der Ladebucht wurde bei einem

Probelauf der drei Haupttriebwerke Wasserstoffgas festgestellt, jedoch ist die
Quelle noch nicht sicher ermittelt.

Diese Panne bedeutet vermutlich auch eine

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�auch eine geringfügige Verzögerung der für April und Ende Juni/Anfang Juli
geplanten nächsten CHALLENGER-Einsätze (STS-7 und STS-8).

Beim kommenden

Flug STS-6 wird das bereits bei der STS-5-Mission im November 1982 vorgesehene
Außenbordmanöver nachgeholt.

Story Musgrave, ein Arzt, und Donald Peterson,

ein Ingenieur für Nukleartechnik, sollen den Ausstieg unternehmen.
Die wichtigsten Nutzlasten beim Flug STS-7 sind neben zwei Nachrichtensatelliten (ANIK C für Telesat Canada und PALAPA B für Indonesien) die Gerätepalette OSTA-1 für Werkstoffversuche der NASA und SPAS-01 aus der Bundesrepublik.
SPAS, Abkürzung für "Shuttle Pallet Satellite", ist der 1700 Kg schwere Prototyp einer ganz neuen Gruppe von Satelliten.

Sie dienen als Plattform für

Apparaturen, beispielsweise Werkstoff- und prozeßtechnische Versuchsausrüstungen,
können aber ebensogut als Träger für wissenschaftliche Instrumente, etwa zur
astronomischen Forschung oder zur Fernerkundung der Erde, verwendet werden.
SPAS kann nach dem Absetzen in der Orbiter-Bahn selbständig operieren.

Nach

gewisser Zeit wird der Satellit wieder an Bord der Raumfähre geholt und zur
Erde zurückgebracht.

Beim ersten Weltraumflug von SPAS während des Unter-

nehmens STS-7 wird die amerikanische Wissenschaftsastronautin Sally K. Ride
zusammen mit ihrem Kollegen John Fabian den deutschen Satelliten betreuen.
Neben dem zweiten NASA-Satelliten vom Typ TDRS hat CHALLENGER beim
Flug STS-8 auch einen Nachrichten- und Wetterbeobachtungssatelliten für Indien
(INSAT B) an Bord. STS-9 (Starttermin 30. September mit der inzwischen umgebauten Raumfähre COLUMBIA) wird vor allem der Erprobung von SPACELAB gewidmet
sein. Dieses Vielzwecklabor für den Weltraum, eine aus Bremen kommende
Konstruktion europäischer Wissenschaftler, wird an Bord der COLUMBIA von dem
deutschen Physiker Dr. Ulf Merbold und dem amerikanischen Bioingenieur
Dr. B. Lichtenberg betreut. Ende November oder Anfang Dezember startet noch
einmal CHALLENGER zum Unternehmen STS-10 mit Nutzlasten des US-Verteidigungsministeriums.
Bei einer Anzahl

�Bei einer Anzahl von kommerziellen Nachrichtensatelliten, die 1983 mit
herkömmlichen Trägerraketen gestartet werden (z.B. INTELSAT V und SATCOM G
im März, GALAXYA und B im Juni und September, TELSTAR 3A im Juli), handelt es
sich um Geräte, die bereits in Serie gefertigt werden.

Eine Tochterfirma der

Hughes Aircraft Company (Kalifornien) wird die in der Unternehmensgruppe gebauten GALAXY-flachrichtensatelliten auch betreiben und u.a. Kanäle für Kabelfernsehen, an Zeitungen und andere Abnehmer vermieten.
Die beiden neuen Wetterbeobachtungssatelliten des US-Amtes für Meeresund Atmosphärenforschung (NOAA), die im März und August gestartet werden,
sind mit speziellen Transpondern zur Aufnahme und Weiterleitung von Notsignalen
verunglückter Flugzeuge und Schiffe ausgerüstet.

Dies ist ein Beitrag der

Vereinigten Staaten zu dem internationalen Unternehmen SARSAT (Abkürzung für
"Search-and-Rescue Satellite-Aided Tracking System" - satellitengestütztes
Such- und Rettungssystem), das die Ortung der Unglücksstelle und die Rettung
überlebender erleichtern soll.

Ein weiterer NOAA-Satellit wird im April auf

eine geostationäre Bahn gebracht.

Dieses Gerät soll sowohl großräumige Wetter-

beobachtungen als auch das Aufspüren von Veränderungen ermöglichen, die durch
Umweltbelastungen hervorgerufen werden.
Der Satellit SAN MARCO-D, ein italienisch-amerikanisches Gemeinschaftsprojekt, dient der weiteren Erforschung der Atmosphäre.

Besondere Bedeutung

für astronomische Forschungen innerhalb und außerhalb
und Milchstraßensystems dürfte jedoch IRAS erlangen.

unseres SonnenDieser von Wissenschaftlern

der USA, Großbritanniens und der Niederlanden gemeinsam entwickelte Satellit
erfaßt die Wärmestrahlung von Himmelsobjekten im infraroten Spektralbereich
zwischen 8,5 und 119 Mikron (1 Mikron = 1/1000 Millimeter).

Herzstück des mit

Sonnenenergie betriebenen Forschungssatelliten ist ein kompliziertes Teleskop,
das allein mehr als 800 kg des Gesamtgewichts von fast 1100 kg beansprucht.
Um auch die schwächsten Quellen von Infrarotstrahlung ausmachen zu können, muß
die Eigenwärme der Detektoren praktisch ausgeschaltet sein.
Sie arbeiten bei Temperaturen von nur zwei Grad über dem absoluten Nullpunkt

- 3 -

�absoluten Nullpunkt (2° Kelvin). Die Kühlung wird mit flüssigem Helium
erreicht. IRAS wird auf eine polare Umlaufbahn gebracht, die den Satelliten
immer an der Grenze zwischen der Tag- und Nachtseite der Erde entlangführt.
Niemals darf die empfindliche Optik dem direkten Sonnenlicht, ja nicht einmal
der im Sonnenlicht leuchtenden Erde oder dem Mondlicht ausgesetzt werden.
Dennoch müssen die Solarzellenplatten genügend Licht bekommen, um die Bordbatterien immer wieder aufzuladen.
Wegen seiner hohen Empfindlichkeit, die sehr viel größer ist als die
bisheriger Infrarot-Forschungssatelliten, könnte IRAS z.B. zur Entdeckung von
weiteren Kleinstplaneten (Asteroiden) in unserem Sonnensystem beitragen. Vor
allem interessieren die Wissenschaftler aber "Signale" aus fernen kosmischen
Bereichen, die Hinweise auf Vorgänge bei der Entstehung und beim Verlöschen
von Sternen geben. Bestimmte Objekte wie Quasare ("quasistellare Radioquellen"
sind z.B. sehr starke Quellen von infraroter Strahlung. Aber auch bisher in
keinem anderen Teil des Spektrums erfaßte, also "unsichtbare" Objekte, senden
eine - wenn auch minimale - Wärmestrahlung aus. IRAS könnte von ihrer Existenz
Kunde geben. Als Betriebsdauer sind sieben Monate vorgesehen.

+ + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Jede Möglichkeit für gerechte Abrüstungsabkommen wird geprüft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Wiederaufnahme der Genfer Verhandlungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan proklamiert deutsch-amerikanisches Gedenkjahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 300 Jahre deutsche Siedlungstätigkeit in Amerika -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freier Informationsaustausch - ein Grundelement der US-Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Konferenz über Fernmeldewesen in Honolulu -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weinberger zeigt Rüstungsanstrengungen der UdSSR auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USIA-Interview mit dem US-Verteidigungsminister -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten erstreben keine nukleare Überlegenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz mit den Delegationschefs Rowny und Nitze -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Private und öffentliche Hilfsaktionen für die Arbeitslosen in Detroit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Neal Shine -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Startprogramm der NASA für 1983&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nachrichtensatelliten stellen Hauptanteil -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
2. Februar 1983

INHALT

DEUTSCHLAND-BESUCH DES US-VIZEPRÄSIDENTEN
DOKUMENTATION
Ankunftserklärung von US-Vizepräsident Bush in Bonn
Presseerklärung des US-Vizepräsidenten nach seinem Treffen mit
Bundeskanzler Kohl in Bonn
Trinkspruch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika
in Bonn
Erklärung des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
George Bush, bei seiner Ankunft in Berlin
Ansprache von US-Vizepräsident Bush in Berlin
Wortlaut des offenen Briefes Präsident Reagans

Um Uber/endung von
ßelegcKempIcwcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Februar 1983

ANKUNFTSERKLÄRUNG VON US-VIZEPRÄSIDENT BUSH IN BONN

BONN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident, George Bush, gab bei
seinem Eintreffen auf dem Flughafen Köln-Bonn, der ersten Station seiner
Europareise, am 30. Januar 1983 folgende Erklärung ab:
Ich freue mich, daß meine erste Station auf dieser zweiwöchigen Reise
durch Europa gerade Deutschland ist.

Präsident Reagan hat mich gebeten,

diese Reise zu unternehmen, um Konsultationen mit unseren Freunden und Verbündeten in der NATO zu fuhren.

Er ist, wie wir alle, der Überzeugung, daß

unser Bündnis die beste Chance für die Erhaltung des Friedens bietet, den
wir jetzt so viele Jahre lang erfolgreich gewahrt haben.
Wir sind ein Bündnis freier Völker. Wir haben Differenzen, aber in
freien Gesellschaften begrüßen wir die Debatte. Gerade das Recht, ohne
Furcht unsere Meinungen zum Ausdruck zu bringen, ist das, was unser Bündnis
von dem anderen Bündnis auf dem europäischen Kontinent unterscheidet. Wir
können sicherstellen, daß diese Freiheiten und der Frieden überleben, indem
wir wachsam bleiben.
Die Partnerschaft

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Partnerschaft unter den NATO-Verbündeten ist stark, weil wir uns
bewußt sind, daß persönliche Freiheit und soziale Gerechtigkeit das Kernstück der menschlichen Würde und des menschlichen Friedens sind.

Sie ist

auch deshalb stark, weil wir wissen, daß unsere Sicherheit ein Bündnis erfordert, das sowohl seinen Prinzipien treu bleibt als auch flexibel ist,
wenn es vor Herausforderungen und Bedrohungen von außen steht.
Es wäre schwer, heute abend in Deutschland anzukommen, ohne sich des
Jahrestages bewußt zu sein, den der heutige Tag darstellt.

Und es wäre

schwer, nicht an die schreckliche Erfahrung des Krieges erinnert zu werden,
die unsere Generation durchmachen mußte.

Wer kennt den entsetzlichen Tribut

an Leiden und Verheerung, die die Kriege dieses Jahrhunderts mit sich gebracht haben, besser als das deutsche Volk?

Und wer weiß besser, welche

Anstrengungen es erforderte, dieses Land wieder aufzubauen, als das deutsche
Volk?
Das amerikanische Volk ist stolz, daß es zu dieser Anstrengung durch
den Marshan-Plan beitrug, dessen 35. Jahrestag wir im vergangenen Jahr
begingen.

Wir teilen Ihren Stolz, und wir verspüren große Befriedigung

über Ihre starken demokratischen Institutionen und über das bemerkenswerte
wirtschaftliche Wachstum und die bemerkenswerte wirtschaftliche Prosperität,
die Sie in der Nachkriegsperiode erreicht haben.
Fast vier Jahrzehnte lang haben wir und unsere NATO-Verbündeten den
Frieden in Europa bewahrt.

Wir haben dies getan, indem wir unsere Stärke

und unseren Willen aufrechterhalten haben, uns selbst zu verteidigen;
indem wir die Sicherheit der Vereinigten Staaten und Europas miteinander
verbunden haben; indem wir für den Dialog offen sind, der darauf abzielt,
Spannungen mit dem Osten abzubauen; und indem wir zu echten Rüstungsverminderungen verpflichtet sind.
bleibt unsere Politik heute.

Das war unsere Politik, und das ist und
Und darum bin ich zuversichtlich, daß meine

Gespräche mit unseren Verbündeten unsere Einigkeit in einer Politik bekräftigen werden, die uns die längste Periode ununterbrochenen Friedens

�ununterbrochenen Friedens in Europa seit über einem Jahrhundert beschert
hat.
In diesem Geiste möchte ich unseren deutschen Gastgebern und dem ganzen deutschen Volk sagen: Unsere Mission ist es, den Frieden zu bewahren,
und wir freuen uns, daß uns unere Reise hierher geführt hat.

+ + + + +

- 3 -

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II

1&gt;

ITTlST

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Februar 1983

PRESSEERKLÄRUNG DES US-VIZEPRÄSIDENTEN NACH SEINEM TREFFEN MIT
BUNDESKANZLER KOHL IN BONN

BONN - (AD) - Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
George Bush, gab nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Helmut Kohl am 31. Jannuar 1983 vor der Presse in Bonn folgende Erklärung (in deutscher Übersetzung)
ab:
Ich freue mich sehr,in Bonn zu sein,und, wie ich schon vor Antritt meiner
Reise gesagt habe, besteht der Zweck meiner Reise nach Europa darin, mit unseren Verbündeten und Freunden in Europa zusammenzutreffen und mit ihnen bezüglich des Hauptpunktes der politischen Tagesordnung Konsultationen zu pflegen,
vor allem was unsere gemeinsamen Bemühungen angeht, den Stand der Kernwaffen
nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt zu senken.
Unser Gespräch heute morgen war, das darf ich sicherlich sagen, herzlich,
freundlich und offen, so wie es auch sein soll bei Gesprächen unter Freunden.
Und das sage ich ganz persönlich frei heraus, und nicht als diplomatische
Floskel.
Die Beziehungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland basieren auf gemeinsamen Werten, unserem Vertrauen in demokratische Institutionen und auf unserem Glauben an die Menschenrechte.

Und die-

ses Jahr bringt die Dreihundertjahrfeier, die deutsch-amerikanische Dreihundertjahrfeier, und wie der Herr Bundeskanzler schon mitgeteilt hat, habe ich seine
Einladung angenommen, am 25. Juni nach Krefeld zu kommen als weiteres Symbol
dieser andauernden Freundschaft.
Das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir weiterhin Frieden und
Sicherheit so wie in den letzten vier Jahrzehnten erhalten wollen.
Unsere Besprechungen konzentrierten sich auf die Ost-West-Beziehun^en
und auf die gegenwärtig in Genf stattfindenden Verhandlungen über nukleare
Mittel Streckensysteme.

Und unser Treffen hat wiederum unsere gemeinsame Auf-

fassung bekräftigt, daß wir weiterhin dafür arbeiten und danach streben müssen,
die Beseitigung dieser neuen Generation von Kernwaffen zu erreichen.
Ich habe Herrn Bundeskanzler Kohl die Bereitschaft von Präsident Reagan
mitgeteilt, ernsthafte sowjetische Vorschläge zu prüfen. Der Präsident ist
persönlich verpflichtet, eine Verringerung der Kernwaffen auszuhandeln.
In unserem Gespräch waren wir auch einig, an dem Doppelbeschluß festzuhalten, der von der NATO 1979 gefaßt worden ist. Und wir werden keinen Zweifel daran lassen, daß unsere Stärke in der Einigkeit liegt. Und unsere Stärke, unsere gemeinsame Zielsetzung und die gegenseitige Zusammenarbeit sind
die stärkste Abschreckung vor einen Krieg und haben die längste Zeitspanne
seit einem Jahrhundert den Frieden in Europa erhalten.
Die Null-Option ist eine moralisch unbestreitbare Position.

Was könnte

besser sein, als eine ganze Generation neuer Waffen von dieser Erde zu verbannen.
Heute nachmittag
- 2 -

�r

Heute nachmittag werden wir von Bonn nach Berlin Weiterreisen.
Und jetzt möchte ich die Gelegenheit benutzen, um den führenden Persönlichkeiten dieses großen Landes und der Bevölkerung dieser schönen Stadt für
all ihre Freundlichkeit und Gastfreundschaft meinen Dank auszusprechen.
Und wenn ich jetzt eine ganz persönliche Bemerkung machen darf.

Ich

kann Ihnen gar nicht sagen, wie erregt ich bin, bei dem Gedanken, daß ich
die Gelegenheit habe, heute nachmittag nach Berlin zu reisen - mit dem Bundeskanzler zusammen - und Berlin zum ersten Mal zu sehen.

Ich bin schon mehrmals

in der Bundesrepublik gewesen, aber für alle Amerikaner ist es ein aufregendes
Ereignis in ihrem Leben,die Gelegenheit zu haben, nach Berlin zu kommen,und
ich freue mich darauf.
Ich danke Ihnen sehr!

+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Februar 1983

TRINKSPRUCH DES VIZEPRÄSIDENTEN DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
IN BONN

BONN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush brachte auf
dem von Bundeskanzler Helmut Kohl gegebenen Essen am 31. Januar 1983 folgenden
Trinkspruch aus:
Ich möchte meinem Freund, Bundeskanzler Helmut Kohl, sehr herzlich dafür
danken, daß er uns das Gefühl gegeben hat, so willkommen zu sein. Seit unserer
Ankunft sind wir von Gemütlichkeit überwältigt worden.
Da ich heute abend in Berlin eine lange Rede halten werde, möchte ich
Ihnen hier längere Ausführungen ersparen.
Lassen Sie mich einfach sagen, wie angetan ich bin von meinen Gesprächen
mit Bundeskanzler Kohl und Außenminister Genscher und noch einmal wie glücklich
ich bin, daß die Bundesrepublik Deutschland die erste Station auf meinem zweiwöchigen Besuch bei unseren europäischen Verbündeten und Freunden ist.
Die Partnerschaft

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Partnerschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten ist
stark und von entscheidender Bedeutung für die internationale Sicherheit.
Unsere Freundschaft hat den Frieden fast vier Jahrzehnte lang gestärkt und
dazu beigetragen, ihn zu bewahren.

Wenn wir und unsere Verbündeten die vor

uns liegenden Herausforderungen Gestehen, dann wird auch der Frieden bestehen.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft geht natürlich viel weiter zurück als vier Jahrzehnte.

Dieses Jahr bringt den 300. Jahrestag deutscher

Einwanderung in Nordamerika.

Fast 20 Prozent des amerikanischen Volkes kön-

nen heute auf Vorfahren verweisen, die aus Deutschland kamen.

Die erste

kühne Gruppe von Einwanderern bestand aus 13 Familien aus Krefeld im Rheinland.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich sagen, wie glücklich ich bin, die Einladung anzunehmen, am 25. Juni dieses Jahres nach Krefeld zu kommen und die
Vereinigten Staaten bei dieser Dreihundertjahrfeier zu vertreten. Ich werde
ferner an der Eröffnung des neuen Joseph Albers-Museums in Bottrop am gleichen
Tag teilnehmen. Der Höhepunkt der Feiern in den Vereinigten Staaten wird am
6. Oktober kommen, wenn Bundespräsident Carstens unser Gast in Philadelphia
sein wird.
Und so möchte ich Sie in dem Geiste unserer Dreihundertjahrfeier bitten,
mit mir einen Trinkspruch auszubringen auf die enge Freundschaft, die uns verbindet, und auf das Wohl unserer deutschen Freunde zu trinken, die uns und
so vielen Amerikanern eine so wunderbare Gastfreundschaft gewährt haben.

�•»ITT

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Februar 1983

ERKLÄRUNG DES VIZEPRÄSIDENTEN DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA,
GEORGE BUSH, BEI SEINER ANKUNFT IN BERLIN

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush gab bei
seiner Ankunft in Berlin auf dem Flughafen Tegel, am Montag, den 31. Januar
1983, folgende Erklärung ab.
Herr Regierender Bürgermeister, General Liron, General Mostyn, Botschafter
Burnsi
Meine Frau und ich sind sehr glücklich, heute hier in Berlin sein zu
dürfen, und wir freuen uns sehr, daß Deutschland die erste Station auf unserem zweiwöchigen Besuch bei unseren europäischen Verbündeten ist.

Präsi-

dent Reagan hat mich gebeten, allen Berlinern und allen Deutschen seine besten
Wünsche zu übermitteln.
Uns liegt, wie allen Amerikanern, Berlin ganz besonders am Herzen. Wie
ein Amerikaner, der vor 20 Jahren hier eintraf, sagte, ist dies die Stadt
der Stolzen und Mutigen, die am Tor die Wache halten.

Wem die Freiheit viel

bedeutet, dem bedeutet auch Berlin viel, denn keine andere Stadt hat sich in
den letzten vier Jahrzehnten so tapfer gegen die Kräfte der Unterdrückung
gewehrt.
Mein Aufenthalt

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Mein Aufenthalt hier ist leider zu kurz, aber ich möchte so viel in
mich aufnehmen, wie ich nur kann. Es drängt mich , mit Ihren führenden Persönlichkeiten und mit den Menschen hier zusammenzukommen,und es drängt mich
auch, zum ersten Mal das gewaltige,berüchtigte Symbol der kommunistischen
Unterdrückung in der Welt zu sehen - die Berliner Mauer.
Aber Berlin selbst ist ein Symbol - ein Symbol der Einigkeit der Völker
Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten. Denn
hier in Berlin stehen wir fest und Schulter an Schulter in der Verteidigung
von Idealen zusammen, die uns Freiheit, Frieden und Wohlstand gebracht haben.
Darum fühlen wir uns ganz besonders geehrt, Gäste Ihrer Stadt zu sein.
Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

- 2 -

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

2. Februar 1983

ANSPRACHE VON US-VIZEPRÄSIDENT BUSH IN BERLIN

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am
31. Januar 1983 in Berlin eine vielbeachtete Ansprache gehalten, in der er
die gemeinsamen Ziele des Atlantischen Bündnisses hervorhob.

Die Ausführun-

gen des Vizepräsidenten auf einem Essen, das der Regierende Bürgermeister,
Richard von Weizsäcker, zu seien Ehren im Intercontinental Hotel gab, haben
folgenden Wortlaut:
Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren,
erlauben Sie mir zuerst, Dank zu sagen für die Einladung, heute abend
zu Ihnen zu sprechen.
Als ich vor einigen Monaten zu einem Begräbnis nach Moskau reiste, bin ich
über Deutschland gekommen, aber dies ist das erste Mal, daß ich in Berlin bin.
Diese Tatsache erstaunt mich eigentlich, denn Berlin ist mir seit langem im
Bewußtsein gewesen, so wie es im Bewußtsein aller Amerikaner ist.

Vor 20 Jahren

hielt auf einem Platz, der heute John F. Kennedy-Platz genannt wird, ein amerikanischer Präsident eine Rede, an die noch viele denken.

In seiner Rede sagte

er - an jene gewandt, die die großen Probleme zwischen der freien Welt und der
kommunistischen Welt nicht verstehen - "Laßt sie nach Berlin kommen".

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 8-85432

�Ich bin glücklich, daß ich diese Rede am ersten Tag meiner Europareise
halten darf.

Keine andere Stadt in Europa könnte einen überzeugenderen Rahmen

für die Diskussion heute abend bieten.

Denn Berlin ist einzigartig, eine

Insel der Demokratie in einem tobenden Meer.

Es hat schwere Stürme überlebt.

Immer haben der Charakter und der unerschütterliche Mut seiner Bürger die
freiheitsliebenden Menschen in aller Welt begeistert.
Seit jetzt fast vier Jahrzehnten haben die Bundesrepublik Deutschland
und ihre Verbündeten mit Beharrlichkeit und Engagement zusammengearbeitet,
um dafür zu sorgen, daß Berlin als eine freie Stadt überlebt hat.
gerade davon, daß Berlin im Bewußtsein der Amerikaner lebt.

Ich sprach

Jene von uns,

die die Jahre 1948 und 1949 erlebt haben, werden sich noch lebhaft an den Kampf
um Berlin erinnern.

Die Erinnerungen der Berliner, die diese Periode mit-

gemacht haben, erwecken noch immer die tiefsten Gefühle für das, was uns verbindet.
Ich denke an den Berliner Arbeiter, der sagte: "Wenn wir frühmorgens
aufwachten, war das erste, was wir taten, festzustellen, ob der Lärm von
Flugzeugmotoren zu hören war. Das gab uns die Gewißheit, daß wir nicht allein waren, daß die ganze zivilisierte Welt an dem Kampf um die Freiheit
Berlins teilnahm".
Und ich denke auch an einen anderen echten Berliner, der sich, nachdem
alles vorüber war, folgende Gedanken machte: "Weiß Gott, selbst die beste
Blockade taugt nichts, aber wenn es schon eine Blockade sein muß, dann ist es
besser, von den Sowjets blockiert und von den Amerikanern versorgt zu werden.
Stellt euch nur einmal vor, wie es andersherum wäre."
Das deutsche und das amerikanische Volk verbindet eine lange und lebendige
Freundschaft. Fast 20 Prozent des amerikanischen Volkes haben ihren Ursprung
in diesem Lande. In diesem Jahr werden wir den 300. Jahrestag des Eintreffens
der ersten deutschen Einwanderer in Amerika begehen. Ich erwarte icht, daß
Sie davon besonders beeindruckt sind. 300 Jahre sind für die Einwohner einer

- 2 -

�Stadt, die fast 750 Jahre alt ist, kein allzu langer Zeitraum.

Aber für uns

ist es wahrlich eine sehr lange Zeit.
Morgen früh werde ich die Berliner Mauer sehen, ein Monument des großen
Übels.

Ich werde sie nur sehen, aber Sie müssen mit ihr leben und mit all

dem, was sie dem deutschen Volke antut.
Diese schreckliche Mauer hilft uns allen, darüber nachzudenken, was wir
erreicht haben

und wie wir es erreicht haben.

Das Bündnis auf der anderen

Seite der Mauer ist auf Beherrschung gegründet, das unsrige auf Zusammenarbeit.
Und eben in diesem Geiste bin ich nach Europa gekommen.
nach Frieden gekommen.

Ich bin im Streben

Während der nächsten zehn Tage werde

führenden Staatsmännern Europas zusammenkommen.

ich mit vielen

Und wenn mein Besuch in Europa

die öffentliche Debatte anregt, so begrüße ich das.

Die NATO ist stark genug,

selbst die lebhafteste öffentliche Debatte auszuhalten.

Wir schrecken nicht

vor dem Dialog zurück, denn für die westlichen Demokratien ist die Vielfalt
immer die Quelle unserer Stärke gewesen.
Und so bin ich weder mit Belehrungen noch mit Drohungen nach Deutschland
gekommen.

Sie sind in den letzten Wochen beidem seitens jener ausgesetzt wor-

den, die Ihre Gastfreundschaft in Anspruch genommen haben.
sagen pflegen, "genug ist genug."

Und wie Sie zu

Als vor 20 Jahren Präsident Kennedy in Berlin

eintraf, sagte er, "jene, die dem Gegner am nächsten leben, jene, die am Tor
Wache halten, sind immer stolzer, mutiger und lebendiger als jene, die weit
hinten in der Etappe leben".

Wer glaubt, Berliner belehren zu können, nimmt

sich wahrhaft viel vor.
Jene von uns, die in der Etappe leben -, wenn man in diesem Atomzeitalter
wirklich noch ein Gebiet als Etappe bezeichnen kann -, können etwas lernen,
wenn sie im Schatten der Mauer stehen.
auf dem unser Bündnis beruht.

Ebenso überzeugend ist das Prinzip,

Es steht, um es Freund und Feind zu zeigen, in

Artikel 5 des Nordatlantikvertrages, daß ein bewaffneter Angriff gegen einen

- 3 -

�"als ein Angriff gegen alle angesehen wird".
Die Strategie der NATO hat kein wichtigeres Ziel, als diesem Prinzip
Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Wenn unsere Bindung aneinander glaubwürdig

ist, dann können wir die Abschreckung gewährleisten, dann können wir unsere
Freiheit gewährleisten, und dann können wir den Frieden gewährleisten.
Aber die beispiellose Aufrüstung der Sowjetunion während der letzten
15 Jahre droht die Glaubwürdigkeit der NATO-Abschreckung zu untergraben.
Und die Sowjets haben versucht, die Bindung zwischen der Sicherheit Europas
und der Sicherheit der Vereinigten Staaten zu zerreißen, die für Artikel 5 so
wesentlich ist.

Die sowjetische Aufrüstung war unnachgiebig und gründlich auf

konventionellem und auf nuklearem Gebiet.
schiedenheit geben.

Darüber kann es keine Meinungsver-

Und eines der gefährlichsten neuen Elemente ist das sowje-

tische Monopol für nukleare Mittelstreckenraketen, die Europa treffen können.
Ich rede von Waffen, die diesen Raum hier in wenigen Minuten erreichen könnten.
Wenn es der Sowjetunion mit der Zeit gelänge, diese Bindung zu zerreißen
- wenn es ihr gelänge, die Vereinigten Staaten und ihre Streitkräfte von der
Verteidigung unserer Verbündeten in Europa zu trennen -, dann wäre unsere Abschreckung untergraben und damit der Frieden, den wir alle fast vier Jahrzehnte
läng bewahrt haben.
Und das ist genau der Grund, warum im Dezember 1979 die Staaten der NATO
- a l l e Staaten der NATO - einen Doppelbeschluß gefaßt haben: Erstens, in Europa
NATO-Waffen zu stationieren, die fähig sind, vor einem Angriff durch sowjetische
SS-20-Raketen und andere nukleare Mittel Streckensysteme abzuschrecken. Der
zweite Teil des Beschlusses war, in Verhandlungen mit der Sowjetunion einzutreten, um den Stand dieser Waffen auf beiden Seiten zu verringern.
Als Fußnote zur Entscheidung vom Dezember 1979 ist es wert, sich daran zu
erinnern, daß dies auch der Monat war, in dem die Sowjetunion Zehntausende ihrer
Soldaten nach Afghanistan entsandt hat, wo heute noch mehr als 100 000 stationiert sind.
- 4 -

�Der Beschluß der NATO war das Ergebnis erschöpfender Konsultationen.
Daraus folgert, daß es die richtige Entscheidung war.

Es war damals die

richtige Entscheidung, und es ist heute die richtige Entscheidung.
Es wurde auch eine umstrittene Entscheidung.
Sie ist zum Teil deshalb umstritten, weil bestimmte Märchen Geltung
gewonnen haben.

Im Lichte der Vernunft lösen sich diese Märchen in Nichts

auf, denn sie sind körperlose Schatten.
Das erste Märchen ist, daß die Stationierung dieser nuklearen Mittelstreckensysteme die Strategie der NATO verändern würde.
Genau das Gegenteil ist der Fall:

Das ist nicht wahr.

Die INF-Entscheidung ist in Wahrheit we-

sentlich, um die Strategie aufrechtzuerhalten, die immer zu den Grundfesten
der NATO gehörte:

Aufrechterhaltung der Bindung zwischen den Vereinigten

Staaten und ihren Verbündeten, die die Abschreckung gewährleisten.
Das zweite Märchen ist, daß dieser Beschluß einem widerstrebenden Europa von den Vereinigten Staaten irgendwie aufgezwungen worden sei.
der auch nur Zeitungen liest, weiß, daß dies absurd ist.

Jeder,

Der NATO-Beschluß

war eine Antwort auf weitverbreitete Befürchtungen, vor allem in Europa, wegen der alarmierenden Aufrüstung der sowjetischen INF-Streitkräfte.
Drittens, man will uns glauben machen, daß die INF-Stationierungen die
Abstützung des Bündnisses auf Kernwaffen vergrößern würden.

In Wirklich-

keit haben wir jedoch gleichzeitig beschlossen, 1000 nukleare Gefechtsköpfe
aus Europa abzuziehen.

Dieser Abzug ist abgeschlossen.

Das bedeutet, daß

selbst nach der jetzt geplanten INF-Stationierung weniger alliierte nukleare Gefechtsköpfe in Europa stünden als im Jahr 1979.
Das vierte und letzte Märchen ist, daß diese INF-Stationierungen ein
Schritt zur Führung eines Atomkrieges und zur Führung eines Krieges wären,
der auf Europa allein begrenzt bliebe.

Aber die Politik der NATO ist immer

eine Politik des Friedens und der Abschreckung gewesen, die vom Gleichgewicht,
- 5 -

�nicht vom Ungleichgewicht abhängt.

Und was die Vorstellung anbetrifft, die

Vereinigten Staaten wünschten einen Konflikt auf Europa allein zu beschränken, so meine ich, daß dieser Vorschlag eine bittere Ironie enthält.

Ich

kann nichts Besseres tun, als aus einer europäischen Publikation, dem
Londoner "Economist", zu zitieren und zwar aus einem Leitartikel mit der
Überschrift:
ren?

"Können sich so viele junge Menschen bezüglich der Bombe ir-

Ja, sie können."

In dem Artikel heißt es:

"Nichts regt die Amerika-

ner zurecht mehr auf, als die Behauptung, daß sie Marschflugkörper und
PERSHING TI-Raketen in Europa stationieren wollen, um einen rein europäischen
Atomkrieg führen zu können.

Diese Raketen wurden ursprünglich - von Euro-

päern - genau aus dem umgekehrten Grund vorgeschlagen."
hat recht.

Der "Economist"

Nichts regt den Präsidenten und mich mehr auf als die Behaup-

tung, wir würden die Führung eines Atomkriegs vorbereiten, denn wir bereiten keinen Atomkrieg vor.

Wir bereiten die Abschreckung vor einem Krieg vor.

Es ist gerade die Anwesenheit amerikanischer Streitkräfte, die die Garantie dafür bietet, daß die Vereinigten Staaten von jedem Angriff auf Westeuropa mitbetroffen sind. Und das wiederum bedeutet eine wesentliche Garantie dafür, daß die Sowjets nicht ermutigt sein werden, einen solchen Angriff
zu unternehmen. In Europa befinden sich rund 350 000 amerikanische Soldaten,
die als Teil der Sicherheitsstreitkräfte der NATO nach Präsident Reagans
Worten die "lebendige" Garantie für unsere Verpflichtung für den Frieden und
die Sicherheit Europas bieten. Unsere Sicherheit ist unteilbar von der Sicherheit Europas. Ein Angriff auf Sie ist ein Angriff auf uns.
Von Zeit zu Zeit werde ich gefragt, was ich von den Antiatom-Friedensdemonstranten halte. Ich gestehe, daß ich manchmal versucht bin zu sagen,
"Welche meinen Sie? Jene hier oder jene in der Lubjanka?" Meine Antwort
lautet jedenfalls so: Ich habe große Sympathie für jeden, der für den Frieden ist. Wir sind nämlich auch für den Frieden. Ich habe auch die größte
Sympathie für jeden, der gegen den Atomkrieg ist. Wir sind nämlich auch gegen den Atomkrieg.

- 6 -

�Die NATO-Länder haben gekämpft und den Preis für den Frei heitsrahmen
bezahlt, innerhalb dessen diese Gruppen von Atomgegnern marschieren und demonstrieren und ihre Meinung äußern können.

Ist unter uns einer, der nicht

stolz darauf ist, daß diese Stimmen hier in unseren Ländern ihren vollsten
Ausdruck finden können?

Ist unter uns jemand, der nicht den Anblick von Anti-

atom-Demonstrationen auf dem Roten Platz begrüßen würde, ja, begeistert darüber wäre?

Gibt es einen Westdeutschen, der nicht traurig wäre über die so-

fortige und unbarmherzige

Unterdrückung einer ähnlichen Bewegung auf der

anderen Seite der Mauer?

Wenn Franz Kafka noch leben würde, hätte er sich

wahrscheinlich unbändig über die Tatsache amüsiert, daß das Regime im Osten
sogar genau das Symbol seiner Bewegung verboten hat: eine sowjetische Statue eines Mannes, der ein Schwert zu einer Pflugschar schmiedet.
Es hat noch andere Bewegungen in den Ländern des Warschauer Paktes gegeben.

Und wir erinnern uns gut an sie. Wir erinnern uns an Ostdeutschland

im Jahr 1953.

Wir erinnern uns an Ungarn im Jahr 1956.

Wir erinnern uns an

die Tschechoslowakei im Jahr 1968, und heute denken wir an Polen.
Mehr als 100 bewaffnete Konflikte hat die Welt außerhalb Europas seit
der Erschaffung des NATO-Bündnisses erlebt.

Es ist wohl wert, darüber nach-

zudenken, was Josef Luns, der Generalsekretär unseres Bündnisses, gesagt hat:
"Die NATO ist die wahre Friedensbewegung".
Wir suchen immer - und heute ganz besonders - nach neuen Wegen, um das
zu bewahren, was wir während der letzten vier Jahrzehnte erreicht haben.

Das

ist der Grund, warum beide Elemente des NATO-Beschlusses über INF untrennbar
sind und sich gegenseitig bestärken.

Damit meine ich nichts weniger als das:

Wenn wir in unseren Rüstungsverhandlungen glaubwürdig bleiben wollen, dann
muß das Bündnis in seiner Entschlossenheit vereint sein, wenn notwendig die
INF-Systeme zu stationieren.

Warum?

Weil sonst die Sowjetunion überhaupt

keinen Anreiz hätte, ernsthaft zu verhandeln - überhaupt keinen.
Als Präsident Reagan sein Amt antrat, überprüfte er den INF-Beschluß
und stellte sich hinter ihn.

Dann unterbreitete er im November 1981 einen
- 7 -

�Vorschlag.

Die Vereinigten Staaten, so erklärte er, würden die völlige Be-

seitigung dieser höchst destabilisierenden und bedrohlichen Waffen anstreben:

der landgestützten nuklearen Mittelstreckenraketen.
Die Sowjetunion antwortete inzwischen mit einem donnernden "njet", auf das

eine gewaltige öffentliche Offensive folgte - darauf angelegt, einen Keil zwischen die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten zu treiben.
Im Rahmen dieser Offensive ist der Außenminister der Sowjetunion, Gromyko,
kürzlich nach Deutschland gereist.

Er verwandte einen guten Teil seiner Zeit

auf die Erklärung, daß die Vereinigten Staaten wie üblich versuchten, die Welt
in eine nukleare Katastrophe zu stürzen.

Ich habe die Erklärungen von Herrn

Gromyko sehr genau verfolgt, und ich mußte mich wirklich fragen, ob er die
Deutschen an das deutsche Sprichwort erinnern wollte:

"Wenn der Fuchs pre-

digt, schau auf deine Gänse".
Die Sowjets haben eigene Vorschläge unterbreitet.
Null-Lösung sei unannehmbar.

Sie erklärten die

Dann erklärten sie, daß selbst ein Zwischenab-

kommen über eine Stationierung unannehmbar sei. Man muß zu dem Schluß kommen, daß das, was die Sowjets annehmbar finden, ihr eigenes Monopol der Kernwaffen ist, die auf das Herz Europas gerichtet sind.

Nachdem ich das gesagt

habe, kann ich mit einiger Sicherheit voraussagen, daß die Sowjetunion morgen verkünden wird, daß sie mich unannehmbar findet.
Präsident Reagan hat seinerseits erklärt, daß die Vereinigten Staaten jedwedes vernünftige sowjetische Angebot am Verhandlungstisch in Genf in Erwägung ziehen und prüfen werden. Und das ist genau das, was wir jetzt tun. Botschafter Paul Nitze trifft jetzt mit seinem sowjetischen Verhandlungspartner
zusammen, um einen Vertrag auszuhandeln, der die Sicherheit der NATO aufrechterhalten und den Frieden bewahren wird.
Die Vereinigten Staaten sind Mitglied eines Verteidigungsbündnisses.
Und sie sind stolz darauf, daß sie seit 1945 versucht haben, durch Verhandlungen mit der Sowjetunion eine Rüstungskontrolle herbeizuführen.

Der aller-

erste Vorschlag für eine internationale Kontrolle der Atombomben wurde von
- 8 -

�Präsident Truman bei den Vereinten Nationen unterbreitet.

Der Baruch-Plan,

wie er genannt wurde, forderte die Schaffung einer internationalen Atomenergieentwicklungsbehörde, der alle Aspekte der Entwicklung und Anwendung von Atomenergie übertragen werden sollten.

Der Baruch-Plan, der die Inspektion nukle-

arer Einrichtungen an Ort und Stelle forderte, wurde von der Sowjetunion abgelehnt - zu einer Zeit, als die Vereinigten Staaten die einzige Nation im
Besitz von Atomwaffen waren.
Dann forderte Präsident Eisenhower im Jahr 1955 eine Politik der "offenen
Himmel".

Er schlug vor, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion so-

fort die Pläne ihrer militärischen Einrichtungen austauschen und mit einer
Luftaufklärung beginnen sollten, um einen Überraschungsangriff zu verhüten,
und ein umfassendes und wirksames Inspektions- und Abrüstungssystem einführen
sollten.
Auch das würde von der Sowjetunion abgelehnt.
Andere amerikanische Präsidenten haben einige Fortschritte erzielt, wenn
auch in Grenzen.

Präsident Kennedy hat den Vertrag über das Verbot von Atom-

versuchen in der Atmosphäre vorgelegt, und Präsident Nixon war in der Lage,
den Vertrag über Raketenabwehr-Raketen und SALT I auszuhandeln.

Aber diese

Verträge haben der weiteren Ausbreitung von immer höher entwickelten Kernwaffen keinen Einhalt geboten.
Während der vergangenen 37 Jahre haben wir es mit entschlossenen Gegnern
zu tun gehabt, die ihre Ziele kennen und die methodisch vorangegangen sind,
um sie zu erreichen.

Ihre Ziele - nicht unsere, sondern ihre - sind:

klare

militärische Überlegenheit über die Vereinigten Staaten und unsere europäischen
Verbündeten in der Absicht, die Sicherheitsbindungen zu zerreißen, die das
NATO-Bündnis so effektiv gemacht haben.
Aber trotz alledem haben die Vereinigten Staaten über ein Jahrzehnt lang
eine Politik der einseitigen nuklearen Zurückhaltung verfolgt.

Wie ich be-

reits erwähnt habe, haben die Vereinigten Staaten allein 1981

1000 nukleare

- 9 -

�Gefechtsköpfe aus Westeuropa abgezogen.

Mir ist keine vergleichbare nukleare

Verringerung durch die Sowjetunion ohne Gegenleistung während der ganzen
Nachkriegszeit bekannt.

Es ist sogar so, daß die Vereinigten Staaten seit

Mitte der sechziger Jahre ihr nukleares Arsenal weltweit um rund 8000 Gefechtsköpfe verkleinert haben.
Im letzten Jahrzehnt haben die Vereinigten Staaten keine neuen Interkontinentalraketen aufgestellt - und auch keine neuen Unterseeboote mit ballistischen Raketen oder neue Bomber disloziert.

Die Sowjetunion jedoch hat

im selben Zeitraum eine ganze neue Generation von landgestützten strategischen
Raketen disloziert, einschließlich landgestützter Systeme mit drei Gefechtsköpfen, wie auch drei neue Unterseeboot-Systeme und einen neuen Bomber.
Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten haben sich ein Jahrzehnt
lang ein de-facto Moratorium auferlegt, während die Sowjetunion im selben
Zeitraum ihr Militärpotential mit Nachdruck ausgebaut hat.
Am 2. November 1977 erklärte Leonid Breschnew: "Wir wollen das gegenwärtig bestehende ungefähre Gleichgewicht zwischen dem Osten und dem Westen
in Mitteleuropa oder zwischen der UdSSR und den USA nicht stören"...
Damals besaß die Sowjetunion etwa ein Dutzend SS-20.
Lenin, der schlaue Fuchs, hat einmal gesagt: "Fakten sind nicht wegzuwischen." Seit jener Breschnew-Erklärung schössen die sowjetischen SS-20Raketen wie Spargel aus der Erde. Schon gibt es insgesamt über 300.
Der'Grund kann nicht gewesen sein, irgendein vom Westen geschaffenes
hypothetisches militärisches Ungleichgewicht wieder auszugleichen.
besitzt keine vergleichbaren Waffen.

Die NATO

Die ersten vergleichbaren NATO-Waffen

werden erst Ende dieses Jahres zur Dislozierung zur Verfügung stehen - mehr
als sechs Jahre nach dem Erscheinen der ersten SS-20-Raketen.

Im Lichte

dieser Umstände ist es schwer zu glauben, daß die Motivierung der Sowjetunion, wie von ihr behauptet, rein defensiver Natur sein soll.

- 10 -

�Die Berliner wissen besser als die meisten anderen Menschen, was es bedeutet, der Sowjetunion ein akzeptables Abkommen abzuringen.

Heute sprechen

die Schlagzeilen von den Stationierungsplänen der NATO, vor zehn Jahren aber
sprachen sie von den Verhandlungen über den Status dieser Stadt - Berlin.
Damals hatten die Sowjets eine öffentliche Kampagne aufgezogen, um die Verbündeten zu spalten - und heute machen sie es genauso.

Dem Westen gelang es

damals aber durch mit gutem Willen geführte Verhandlungen, durch Kreativität
und Flexibilität und durch das Festhalten an jenen Prinzipien, denen wir bis
heute so vieles verdanken, ein Abkommen zu erreichen, durch das die Lebensinteressen Berlins gewahrt wurden.
Die Vereinigten Staaten betrachten ihre Präsenz in Berlin als eine unumstößliche und ernste Verpflichtung.

Unsere Streitkräfte

stehen bereit,

die westlichen Sektoren gegen jede Bedrohung zu verteidigen.

Wir sind dem

Viermächte-Abkommen zur Gänze verpflichtet und erwarten auch in der Zukunft,
daß alle seine Bestimmungen in allen Sektoren Berlins, im Osten und im Westen,
strikt eingehalten und voll durchgeführt werden.

Die Bindungen zwischen

Berlin und der Bundesrepublik Deutschland genießen unsere volle Unterstützung,
weil sie für den wirtschaftlichen Wohlstand und für die Demokratie in den
westlichen Sektoren die lebenswichtige Grundlage darstellen.
Die Frage erhebt sich also: "Sind wir starrsinnig, wenn wir heute in
unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion den selben Weg einschlagen wie
vor zehn Jahren? Oder sind wir klug?"
Wir wissen, daß viele Leute in Europa und in den Vereinigten Staaten
begierig sind auf ein rasches Abkommen - auf einen Durchbruch in unseren
Rüstungsverhandlungen in Genf.
merkung.

Erlauben Sie mir bitte eine persönliche An-

Ich arbeite sehr eng mit Präsident Reagan zusammen.

Und Sie können

mich beim Wort nehmen, wenn ich Ihnen sage, daß niemand begieriger ist auf
ein gerechtes Abkommen als er.

Und niemand ist entschlossener als er, ein

solches zu erreichen.

- 11 -

�Und jetzt erlauben Sie mir, diese Frage zu stellen:

Dürfen wir in un-

serem Eifer, ein rasches Abkommen zu erreichen - zu irgendeinem Abkommen
zu gelangen -, unsere grundlegenden Ziele aus dem Auge verlieren, wobei wir
immer daran denken müssen, daß es sich dabei um nicht weniger handelt als
um Sicherheit und Frieden?
Eine solche Frage beantwortet sich selbst.

Nein, wir dürfen nicht zu-

lassen, daß unser Eifer, zu einem raschen Fortschritt in den Verhandlungen
zu gelangen, uns dazu führt, unser grundlegendes Ziel aus dem Auge zu verlieren oder aufs Spiel zu setzen - Ziele, die lebenswichtig für die Erreichung
eines Abkommens sind, das die Sicherheit Europas gewährleistet.
Erstens, wir müssen die nukleare Bedrohung Europas auf den niedrigst
möglichen Stand bringen.

Wir würden in unserer Verantwortung gegenüber uns

selbst und gegenüber unseren Kindern in schlimmer Weise versagen, wenn wir
lediglich den bereits furchtbaren Stand der nuklearen Feuerkraft rechtlich
festschreiben würden, die die Sowjets gegen Europa richten.

Wir würden auch

versagen, wenn wir ein etwas niedrigeres, aber noch immer unvorstellbar zerstörerisches sowjetisches Monopol akzeptieren würden.

Das ist der Grund,

warum wir die völlige Abschaffung der nuklearen Mittelstreckenraketen vorgeschlagen haben.

Denn das ist der Weg, um die nukleare Bedrohung auf den

niedrigst möglichen Stand zu verringern.
Zweitens, wir müssen ein ausgewogenes Abkommen zustandebringen. Es kann
für den Westen nicht akzeptabel sein, den Sowjets ein permanentes Monopol
an Nuklearraketen zuzugestehen, ohne der NATO zu erlauben, vergleichbare
Systeme zu stationieren, um vor der Drohung abzuschrecken, die die ersteren
darstellen.
Drittens, ein ehrliches Abkommen muß eine kunstvolle Umgehung ausschließen. Es genügt nicht, den Sowjets zu erlauben, mobile Raketen lediglich hinter irgendeine künstlich gezogene Linie zurückzuziehen, nur damit sie diese
Linie kurzfristig wieder überschreiten können. Und es genügt auch nicht, es
den Sowjets hoch anzurechnen, wenn sie die Beseitigung einiger veralteter
- 12 -

�und unzuverlässiger Raketen - wirklich militärische Antiquitäten - anbieten.
Wollen wir uns doch alle darin einig sein, daß wir wirksamere Maßnahmen als
diese brauchen, wenn wir die nukleare Bedrohung Europas verringern wollen.
Viertens und letztens, wir brauchen ein Abkommen, das verifiziert werden kann. Selbst mit hochentwickelten Möglichkeiten der Aufklärung ist es
sehr schwierig, mobile Raketen im Auge zu behalten.

Tatsache ist, daß es

leichter ist, Raketen zu entdecken, wenn eigentlich "überhaupt keine vorhanden sein sollten, als festzustellen, daß 60 Raketen vorhanden sind, wenn es
eigentlich nur 50 sein sollten.

Das ist ein entscheidender Punkt.

Und das

umso mehr, wenn man sich bei seinem Verhandlungspartner nicht darauf verlassen kann, daß er bei unseren Versuchen, den Umfang seines Arsenals zu verifizieren, volles Entgegenkommen zeigt.
Ich habe heute abend in einiger Ausführlichkeit gesprochen. Die Verzweigtheit der uns vorliegenden Fragen ist manchmal überwältigend. Die Zahl
von Raketen, die Zahl von Abschußeinrichtungen, die Zahl von Gefechtsköpfen,
ihr Wurfgewicht, Vorschlag, Gegenvorschlag, Gegengegenvorschlag - all diese
Tatsachen und Zahlen haben, wie ich meine, eine sehr viel zentralere und
sehr viel zwingendere Erkenntnis vernebelt, denn wir sind uns alle darin
einig, daß es um Notwendigkeiten geht, die weit mehr bedeuten als nur Zahlen.
Es ist schwer, um die Details herumzukommen.

Aber wenn Zahlen unserem Be-

wußtsein und unserer Argumentation etwas sagen sollen, sollten wir dann nicht
an allererster Stelle an die Zahl 38 denken?
deutet:

Wir wissen alle, was sie be-

Die Zahl von Jahren, die wir in dem Frieden und der Sicherheit ge-

lebt haben, die wir gemeinsam möglich machten, indem wir uns miteinander
verbunden haben.

38 Jahre: die längste ununterbrochene Friedenszeit, die

dieser Kontinent in diesem Jahrhundert erlebt hat.

Dann wird unsere wirk-

liche mathematische Berechnung und unsere anspruchsvolle Aufgabe die sein:
Wie verringern wir die tödlichen Zahlen und sorgen dafür, daß aus den vier
Jahrzehnten des Friedens viele Jahrzehnte mehr werden.
+ + + + +
- 13 -

�2. Februar 1983

5

WORTLAUT DES OFFENEN BRIEFES PRÄSIDENT REAGANS

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush verlas im
Anschluß an seine Ansprache im Intercontinental Hotel in Berlin am 31. Januar
1983 einen offenen Brief von Präsident Reagan zur Abrüstung.

Das vom 28.

Januar datierte Schreiben hat folgenden Wortlaut:
Die Verhandlungen zwischen amerikanischen und sowjetischen Regierungsvertretern mit dem Ziel, ein Abkommen zur Kontrolle der Kernwaffen mittlerer
Reichweite abzuschließen, sind gerade wieder aufgenommen worden. Wir haben
den Sowjets vorgeschlagen und werden sie weiterhin dazu auffordern, einem
Gesamtverbot sowohl ihrer landgestützten Kernraketenwaffen mittlerer Reichweite wie auch derjenigen, die wir als Entgegnung auf ihren Rüstungsausbau
stationieren wollen, zuzustimmen.

Das Haupthindernis bleibt weiterhin, daß

die Sowjets darauf bestehen, eine nukleare Bedrohung der mit Amerika verbündeten Länder

aufrechtzuerhalten, während sie ihnen gleichzeitig die ent-

sprechenden Mittel versagen, dieser Bedrohung zu begegnen.
Es muß ein Weg gefunden werden, dieses Hindernis zu überwinden. Genauso wie unsere Verbündeten sich darauf verlassen können, daß die Vereinig-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Vereinigten Staaten Europa um jeden Preis verteidigen werden, können
sie sich darauf verlassen, daß wir keine Bemühung scheuen werden, um ein
faires und sinnvolles Abkommen zu erreichen, welches die sowjetische Bedrohung mindert.
Von diesem Gedanken getragen, habe ich Vizepräsident Bush gebeten,
in der Stadt, wo sich Ost und West begegnen, dem sowjetischen Generalsekretär Andropow diesen Vorschlag zu machen: Daß er und ich uns treffen, wo
immer und wann immer es ihm recht ist, um ein Abkommen zu unterzeichnen,
welches gewährleistet, daß alle amerikanischen und sowjetischen landgestützten Kernraketenwaffen mittlerer Reichweite von diesem Erdball verschwinden.
Ich mache diesen Vorschlag in der Überzeugung, daß ein solches Abkommen im Interesse beider Seiten liegt und daß die Menschen in Europa - und
dies ist das Wichtigste - nichts sehnlicher erstreben.

Ich fordere Herrn

Andropow auf, diesen Vorschlag anzunehmen.

gez.

+ + + + +

- 2-

Ronald Reagan

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ankunftserklärung von US-Vizepräsident Bush in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presserklärung des US-Vizepräsidenten nach seinem Treffen mit Bundeskanzler Kohl in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trinkspruch des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George Bush, bei seiner Ankunft in Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache von US-Vizepräsident Bush in Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des offenen Briefes Präsident Reagans&amp;nbsp;</text>
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