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89-3240

Nummer

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Information
und
Dokumentation

08-85432

9. August 1972

32

Inhalt

INFORMATION:

Präsident Nixon ernennt persönliche Vertreter für die Olympischen
Spiele in München
Robert Sargent Shriver, der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten
Weißes Haus: US-Lufttätigkeit soll Nachschub Hanois ausschalten
-Nordvietnamesische Deiche kein AngriffszielUS-AußenministerLum bestätigt nordvietnamesische Greueltaten
-Von unserem diplomatischen Korrespondenten-

fe
WIRTSCHAFT:

USA erhoffen sich von dem Treffen Nixon-Tanaka Fortschritte bei den
Handelsgesprächen
-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Die Kontroverse um Methadon
Großaktion gegen Blasenkrebs
Retinopathie bei Diabetikern
Ersatzteile aus Titan

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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32/1972

PRÄSIDENT NIXON ERNENNT PERSÖNLICHE VERTRETER FÜR DIE
OLYMPISCHEN SPIELE IN MÜNCHEN
WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon hat fünf amerikanische Goldmedaillengewinner zu seinen persönlichen Vertretern bei den Olympischen Sommerspielen in München vom 26. August bis 10. September ernannt.
Zum Leiter der Delegation wurde der Ohrenarzt Dr. Sammy Lee aus Santa
Ana in Kalifornien bestimmt, der bei den Olympischen Spielen im Jahre 1948
und 1952 Goldmedaillen im Turmspringen gewann.
Die anderen Mitglieder der amerikanischen Abordnung sind:
Malvin G. Whitfield, Stellvertretender Kulturattache an der Botschaft
der Vereinigten Staaten in der Somalischen Republik, Goldmedaillengewinner
im 800 Meter-Lauf 1948 und 1952;
William A. Toomey, Fernsehkommentator in Santa Barbara in Kalifornien
und Goldmedaillengewinner im Zehnkampf im Jahre 1968;
Reverend Robert E. Richards, Autor und Rundfunkkommentator in Gordon,
Texas, Goldmedaillengewinner im Stabhochsprung 1952 und 1956; und
Patricia (Mrs.Glenn) McCormick, Schwimmtrainerin in Los Alamitos in
Kalifornien, Goldmedaillengewinnerin im Kunstspringen 1952 und 1956.

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32/1972

ROBERT SARGENT SHRIVER, DER VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT DER
DEMOKRATEN

--(AD)-- Mit Robert Sargent Shriver hat Senator George McGovern, der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei Amerikas, einen profilierten, politisch liberalen und im Regierungsgeschäft erfahrenen Partner ausgesucht. Der
neue 50jährige Vizepräsidentschaftskandidat stammt aus einer bekannten Familie
und hat sich in leitenden

Regierungsposten, als Botschafter sowie als Ge-

schäftsmann und Rechtsanwalt einen Namen gemacht; er hat allerdings noch kein
gewähltes Amt bekleidet.
Shriver, der mit R. Sargent Shriver unterzeichnet und von Freunden "Sarge"
genannt wird, hat im Jahre 1953 Eunice Mary Kennedy, eine der fünf Schwestern
von Joseph, John F., Robert und Edward Kennedy, geheiratet. Von vielen Demokraten wird die Verbindung des Namens Kennedy mit der Sache McGoverns begrüßt, und
politische Beobachter verweisen auf die politischen Fähigkeiten und Erfahrungen
Shrivers, von denen sie sich einen Stimmengewinn erhoffen.
McGovern hatte nach dem Verzicht des ersten Kandidaten, Senator Thomas
Eagleton, mehreren

anderen Persönlichkeiten angeboten, mit ihm zusammen in den

Wahlkampf zu ziehen; jedoch hatten sowohl Senator Kennedy als auch die Senatoren

-1-

�Senatoren Hubert H.Humphrey aus Minnesota, Abraham Ribicoff aus Connecticut unu
Gaylord Nelson aus Wisconsin sowie Gouverneur Reubin Askew aus Florida abgelehnt
Und schließlich wollte sich auch Senator Edmund S. Muskie aus Maine, der Vizeprä; identschaftskandidat der Demokraten im Jahre 1968 und zunächst aussichtsreiche Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, nicht zur Verfügung stellen.
Nun hatten viele Berater und Mitarbeiter von Senator McGovern bereits früher den Namen Shriver in die Debatte geworfen. Auch das war kein Novum, denn
Präsident Lyndon B. Johnson hatte 1964 und Präsidentschaftskandidat Hubert
Humphrey 1968 Shriver als möglichen Vizepräsidentschaftskandidaten ins Spiel gebracht. Jetzt kam ein festes Angebot und eine rasche Zusage.
Während die Wahl Shrivers in demokratischen Kreisen Beifall findet, gibt es
auch Stimmen wie die von Gouverneur Dale Bumpers aus Arkansas, die darauf hinweisen, daß sich der neue Kandidat bisher noch keiner Wahl habe stellen müssen
und sich im Wshlkampf erst zu bewähren habe.
Sargent Shriver ist den Amerikanern kein Unbekannter. Er konnte sich unter
seinem Schwager, Präsident John F. Kennedy, als Leiter des amerikanischen Friedenskorps - des ersten großen Entwicklungshilfedienstes der Welt - und dann als
Direktor des Programms zur Bekämpfung der Armut in den USA selbst profilieren,
das Präsident Lyndon B. Johnson als Nachfolger Kennedys in Angriff nahm.
Gut aussehend, sportlich, freundlich lächelnd, mit graumeliertem dunklen
Haar ist Shriver eine gewinnende Persönlichkeit. Beide Kandidaten, McGovern und
Shriver, geben ein gutes Team ab; Shriver kommt aus dem Osten der USA, McGovern
aus dem Mittelwesten; Shriver ist katholisch, McGovern protestantisch; Shriver
kommt aus der Stadt, McGovern vom Lande - obwohl beide heute im Vorort leben.
Shriver ist zwar sechs Jahre älter als MvGovern, aber er hat einen jugendlichen
Stil und ist photogen.
Shriver

�Shriver ist bekannt dafür, daß er Geld auftreiben kann, und das braucht der
Stab McGoverns dringend für den Wahlkampf. Er hat gute Beziehungen zu den ärmeren Schichten und Minderheitengruppen im Lande, nicht zuletzt zu der starken
jüdischen Gruppe im Osten der USA.
Politisch nachteilig könnte sich auswirken, daß sich seine Frau öffentlich
gegen die legalisierte Schwangerschaftsunterbrechung ausgesprochen hat, während
McGoverns Stab dieses Thema gerne ausgeklammert hätte, und daß er Amter in der
Kennedy-und Johnson-Administration innehatte, als diese Truppen nach Vietnam
entsandten. McGovern hat versichert, daß er, wenn er gewählt würde, innerhalb
von 90 Tagen alle Truppen aus Vietnam abziehen würde.
Shriver studierte unter anderem in Yale Jura und legte 1941 seine juristische Staatsprüfung ab. Im Kriege ging er zur Marine und fuhr auf Schlachtschiffen und Unterseebooten. Nach dem Kriege war er zunächst bei einer Anwaltsfirma
in New York und kurz als Redakteur bei dem Nachrichtenmagazin Newsweek tätig.
Ein Interview mit dem Multimillionär Joseph P. Kennedy, dem Vater des späteren
Präsidenten John F. Kennedy,brachte ihn dazu,in den Dienst der Kennedyschen
Unternehmen einzutreten, wo er 1948 Direktor der riesigen Chicagoer Warenhauskette wurde. Stark am öffentlichen Leben interessiert, war er in zahlreichen
sozialen, karitativen und kulturellen Ausschüssen und Gremien aktiv.
Als Präsident Kennedy ihm nach seinem Amtsantritt im Jahre 1961 den Aufbau und die Leitung des amerikanischen Friedenskorps - des Peace Corps - übertrug, war es Shriver, der durch sein Engagement und seinen Einsatz im Kongreß
und in der Öffentlichkeit diese Einrichtung zu einem bleibenden Erfolg der Administration machte. Nach dem Tode Kennedys blieb Shriver im Regierungsdienst
und führte erfolgreich Präsident Johnsons "Krieg gegen die Armut".
Präsident Johnson

entsandte Shriver dann im Jahre 1968 als Botschafter

der Vereinigten Staaten nach Paris. Einige Monate, nachdem die Republikaner ins

-3-

�ins Weiße Haus eingezogen waren, kehrte Shriver nach Maryland zurück, wo sich
seine Hoffnungen auf eine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs nicht verwirklichten. Bei den Zwischenwahlen 1970 engagierte sich Shriver im Wahlkampf nachdrücklich für die demokratische Kongreß-Liste und trat dann in eine Anwaltsfirma
ein, deren Seniorpartner, Max Kampelmann, politisch mit Senator Humphrey eng
verbunden war.

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Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Portraitaufnahme von Robert
Sargent Shriver zur Verfügung

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32/1972

WEISSES HAUS: US-LUFTTÄTIGKEIT SOLL NACHSCHUB HANOIS AUSSCHALTEN
-Nordvietnamesische Deiche kein Angriffsziel-

WASHINGTON -_(AD)-- Das Weiße Haus hat erneut nachdrücklich alle Behauptungen
zurückgewiesen, daß die Vereinigten Staaten absichtlich das nordvietnamesische Wasserkontrollsystem bombardierten. Alle derartigen Beschuldigungen,
so sagte der Pressesekretär des Weißen Hauses»Ronald Ziegler,seien "unverantwortlich" und dienten nur den Propagandazielen Hanois.
Auch ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums bezeichnete es
als "verantwortungslos, solchen Propagandabehauptungen Glauben zu schenken",
zumal hinter ihnen die gleichen Kommunisten ständen, die sich weigerten, zuzugeben, daß ihre Streitkräfte in Vietnam, Laos und Kambodscha stehen. Beide,
das Weiße Haus wie auch das Außenministerium, unterstrichen erneut, daß es
die Politik der Vereinigten Staaten sei, alle Luftangriffe auf das Wasserkontrollsystem zu vermeiden.
Die Frage der amerikanischen Lufttätigkeit über Nordvietnam war im Zusammenhang mit den Ausführungen von Senator Edward M. Kennedy erneut aufgeworfen
worden, der eine Resolution eingebracht hatte, die die Politik Präsident
Nixons grundsätzlich unterstützt, jeden Bombenschaden an dem nordvietnamesi-

-1-

�&gt;

nordvietnamesischen Damm-und Deichsystem zu vermeiden. Der Senator hatte
gleichzeitig auf einen Bericht des Außenministeriums verwiesen, in dem festgestellt worden war, daß lediglich 12 Stellen des über 4 300 Kilometer langen Wasserkontrollsystems getroffen worden seien und daß jede dieser Stellen in der unmittelbaren Nähe eines legitimen militärischen

Zieles liege. Dabei hatte Kennedy

unter anderem erklärt, wenn die Bombardierung eines Zieles in der Nähe eines
Deiches dazu führe, daß der Deich selbst auch getroffen werden könne, dann werde der Deich genauso vorsätzlich bombardiert, als wenn er das eigentliche Ziel
gewesen wäre.
Dem hielt Ziegler auf seiner Pressekonferenz am 4. August entgegen, daß
die amerikanische Lufttätigkeit über Nordvietnam die Offensive Hanois in Südvietnam zerschlagen solle und daß der Präsident wie auch zahlreiche Mitglieder der
Regierung immer wieder unterstrichen hätten, daß es ganz eindeutig die Politik
der USA sei, keine Dämme oder Deiche anzugreifen. Wörtlich sagte Ziegler zu den
Ausführungen von Senator Kennedy unter anderem:
"Der Präsident der Vereinigten Staaten hat unsere Politik hinsichtlich der
Lufttätigkeit über Nordvietnam ganz eindeutig umrissen. Wir haben bei zahlreichen
Anlässen den Grund für diese Lufttätigkeit dargelegt. Der Grund für diese Lufttätigkeit ist ganz klar aufgezeigt worden, nämlich die Anstrengungen der Nordvietnamesen zunichtezumachen, die Offensive nach Südvietnam hineinzutragen.
Wir haben immer wieder unterstrichen, daß diese Administration nicht die
Politik verfolgt, die Dämme und Deiche zu bombardieren, und wir tun das auch
nicht. Wir halten uns an diese von uns festgelegte Politik. Das Außenministerium
hat vor kurzem Informationen bezüglich einiger versehentlicher Angriffe gegen
das Deichsystem veröffentlicht. Es hat in diesem Bericht meines Erachtens aber
auch sehr detailliert aufgezeigt, welchen umfang dieses System von Dämmen und
Deichen in Nordvietnam hat. Es hat dabei betont, daß sich diese Dämme und Deiche

-2-

�Deiche über 4 300 Kilometer hinziehen, und ebenfalls dargelegt, welche Maßnahmen
oder welche Schäden an dem System zu Überschwemmungen führen könnten.
Jeder weiß

, daß in Nordvietnam, wie auch dieser Bericht des Außen-

ministeriums besagt, jedes Jahr um diese Zeit Überschwemmungen auftreten.
Ich möchte sagen, daß der Gegner mit seiner massiven Propagandakampagne
ganz zweifellos die Vereinigten Staaten zu beschuldigen versucht, eine Politik
der vorsätzlichen Bombardierung dieser Dämme und Deiche zu verfolgen. Dabei
steht im Hintergrund die Absicht, diese Anschuldigungen dann erneut vorzubringen, falls und wenn es zu Überschwemmungen kommt, und zu erklären, daß dies eine
Folge der Bombenangriffe sei. In Wirklichkeit kann dies nicht geschehen. Ich
möchte daher nur feststellen, daß unsere Politik hierzu klar ist - daß wir uns
an diese Politik halten. Ich habe die hierzu heute morgen im Senat abgegebenen
Erklärungen nicht in allen Einzelheiten gelesen,.doch wird in ihnen völlig ignoriert, was die Regierung und der Präsident als ihre Politik bezeichnet haben.
Ich möchte lediglich sagen, daß solche Kommentare, gleichgültig von welcher
Seite sie kommen, unverantwortlich sind und völlig übersehen, was diese Administration als die von uns verfolgte Politik der USA bezeichnet hat. Erklärungen
wie diese können lediglich dazu dienen, die diesbezüglichen Propagandaanstrengungen des Gegners zu fördern".
Ziegler teilte weiter mit, daß Präsident Nixom beim Verteidigungsministerium
eine Überprüfung angeordnet habe, als Berichte über Schäden an den Dämmen aufkamen, um sicherzustellen, daß seine Politik auch eingehalten wird. Als dann die
Propagandakampagne Hanois immer intensiver wurde, so fuhr Ziegler fort, "hat
der Präsident seine Politik vor der Öffentlichkeit wie auch in vertraulichen Gesprächen immer wieder dargelegt, und er ist überzeugt, daß die für die Durchführung der Luftoperationen im Norden Verantwortlichen diese Politik auch befolgen."
Der

-3-

�Der Pressesekretär unterstrich auf die Fragen der Korrespondenten hin immer
wieder, daß die gegenwärtigen Bombenangriffe auf militärische Ziele der Nordvietnamesen den gleichen Zweck wie anfangs hätten, nämlich die nordvietnamesische Invasion des Südens zu stoppen. Nordvietnam habe keinerlei Hinweise dafür
gegeben, daß es seine Anstrengungen in Südvietnam aufgeben wolle. Die Luftangriffe verfolgten daher den Zweck, die Versorgung der nordvietnamesischen Truppen mit Nachschub zu unterbinden.
In der Senatsdebatte hatte der republikanische Fraktionsführer, Hugh Scott,
Senator Kennedy sowie weiteren demokratischen Senatoren vorgeworfen, sie seien
Opfer der kommunistischen Propaganda geworden. Wenn die Vereinigten Staaten wollten, so erklärte Scott, könnten sie Nordvietnam in weniger als einer Woche in
einen See verwandeln; ein so schreckliches Unterfangen käme ihnen jedoch überhaupt nicht in den Sinn. "Die Deiche werden nicht bombardiert", so sagte der
Senator wörtlich, "und es ist an der Zeit, daß wir die wirklichen Fragen erörtern und aufhören, über solchen Unsinn zu reden".

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32/1972

US-AUSSENMINISTERIUM BESTÄTIGT NORDVIETNAMESISCHE GREUELTATEN
-Von unserem diplomatischen Korrespondenten-

WASHINGTON --(AD)— Presseberichte, wonach die nordvietnamesischen Invasionstruppen südvietnamesische Beamte öffentlich hingerichtet und tausende von Flüchtlinge niedergemetzelt haben, sind jetzt vom amerikanischen Außenministerium bestätigt worden.
Der Sprecher des State Department, John King, erklärte am 7. August vor
Korrespondenten unter Bezugnahme auf einen Bericht der New York Times, daß die
Nordvietnamesen bei der Invasion der Provinz Binh Dinh zwischen 250 und 500 Regierungsbeamte und Privatleute öffentlich hingerichtet hätten. Geradezu verheerende Folgen, so sagte King, hätten die kommunistischen Angriffe auf die langen Kolonnen von Flüchtlingen gehabt, die aus der Stadt Quang Tri zu entkommen suchten.
Am 24. April sei zum Beispiel eine Fahrzeugkolonne, mit der mehrere Tausend
Frauen, Kinder und alte Leute evakuiert werden sollten, wenige Kilometer südlich von Quang Tri in einen Hinterhalt der Nordvietnamesen geraten und völlig
vernichtet worden. Augenzeugen hätten berichtet, daß die Straße und die anliegenden Felder über weite Strecken hinweg mit Fahrzeugteilen und Leichen übersät gewesen seien.
Wie

-1-

�Wie King weiter berichtete, sind am 29. und 30. April Tausende von aus Quang
Tri fliehende Zivilisten auf der Nationalstraße eins niedergemetzelt worden.
Zur Verteidigung der Mychanh-Brücke eingesetzte Truppen hätten machtlos zusehen
müssen, wie die Kommunisten immer wieder die langen Flüchtlingskolonnen mit
13o mm Granaten beschossen. Nach Zeugenaussagen seien allein in diesen zwei Tagen 1 000 bis 2 000 Zivilisten getötet worden. Diese Zeugenaussagen, so betonte
King, bestärkten nur die Befürchtungen des Außenministeriums, daß die Kommunisten
auch an anderen Orten nicht weniger grausam vorgegangen seien.
Der am 3. August in der New York Times erschienene Bericht über die Ermordung von Regierungsamten und die Inhaftierung von 6 000 Menschen in der Provinz
Binh Dinh basiert nicht nur auf Geheimdienstberichten der Verbündeten, sondern
auch auf eingehenden Interviews von Personen, die die dreimonatige kommunistische Besetzung überlebten. Die Informationen des Außenministeriums, so sagte
King, "bestätigen nur, was wir alle in der New York Times gelesen haben". Aber
auch in anderen Teilen Vietnams, so fügte der Sprecher hinzu, seien die Nordvietnamesen ähnlich vorgegangen und hätten südvietnamesische Regierungsbeamte
und Privatleute hingerichtet oder entführt.
Der Korrespondent der New York Times, Joseph B. Treaster, berichtete, die
Hinrichtungen von Angehörigen der Saigoner Regierung in der Provinz Binh Dinh
seien die umfassendsten seit dem Massaker von Hue während der Tet-Offensive des
Jahres 1968 gewesen, bei dem nach Angaben der verbündeten Truppen wie auch unabhängiger Journalisten mehr als 2 600 Personen getötet wurden. Wie Treaster in
seinem Artikel schrieb, hätten die Kommunisten nach dem Fall des nördlichen Teiles der Provinz Binh Dinh ihr Programm unter den 200 000 Einwohnern dieses Gebietes in allen Einzelheiten durchführen können. Kommunistische Sicherheitsoffiziere hätten in kürzester Zeit Dossiers über jeden einzelnen Einwohner angelegt und die Bevölkerung in verschiedene Kategorien eingestuft. Maßgebend hierfür
seien physische Leistungsfähigkeit, finanzielle Lage, Beruf, Alter sowie Beziehungen zu den Kommunisten oder der Saigoner Regierung gewesen. Diejenigen, die

-2-

�die mit der Saigoner Regierung direkt zusammengearbeitet hatten, seien vor
"Volksgerichte" gestellt, als "Tyrannen" gebrandmarkt und zum Tode oder zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Dabei habe es sich vor allem um Dorfälteste und
Gemeindevorsteher, ihre Stellvertreter sowie Angehörige der Polizei und

der

Miliz gehandelt. Aber auch Lehrer, Ärzte, Krankenschwestern und untergeordnete
Verwaltungsangestellte seien verhaftet worden.
Ein Sprecher der Vereinten Nationen hatte am 5. August vor der Presse zu dem
Artikel der New York Times erklärt, sollte dieser Bericht wirklich wahr sein,
so bedauere Generalsekretär Kurt Waldheim diese Vorgänge und Verluste an Menschenleben zutiefst.

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32/1972

USA ERHOFFEN SICH VON DEM TREFFEN NIXON-TANAKA FORTSCHRITTE
BEI DEN HANDELSGESPRÄCHEN
-Von unserem Wirtschaftskorrespondenten-

WASHINGTON --(AD)-- In Kreisen des amerikanischen Handelsministeriums erhofft
man sich von dem Gipfeltreffen zwischen Präsident Nixon und dem japanischen
Ministerpräsidenten Kakuei Tanaka,das Ende August in Honolulu stattfinden
soll, nicht nur Fortschritte für die amerikanisch-japanischen Handelsgespräche, sondern vor allem eine baldige Entlastung für das große und ständig zunehmende US-Handelsdefizit gegenüber Japan.
In diesen Kreisen zeigt man sich "enttäuscht" über die Konzessionen,
die Japan bei den kürzlichen Handelsgesprächen in Hakone angeboten hat. Allerdings, so wird betont, habe die japanische Seite erstmalig zu verstehen gegeben, daß sie sich der Dringlichkeit des Problems bewußt ist.
Das amerikanische Handelsdefizit gegenüber Japan belief sich im letzten
Jahr auf 3,2 Milliarden Dollar und dürfte dieses Jahr fast 4 Milliarden Dollar erreichen, sofern nicht bald etwas unternommen wird. Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle,
berichtete nach seiner Rückkehr von Hakone, die Japaner hätten zugesagt, die-1-

�dieses Defizit bis zum März 1973 auf weniger als 3 Milliarden Dollar und bis
1974 auf weniger als 2 Milliarden Dollar herabzudrücken. Demgegenüber soll jedoch der japanische Minister für Außenhandel und Industrie am 2. August in Tokio
erklärt haben, Japan habe lediglich zugesagt, es werde versuchen, dieses Defizit
abzubauen. Gleichzeitig soll der Minister jedoch Zweifel geäußert haben, daß dieses Ziel realisiert werden könne.
Botschafter Eberle hatte Japan aufgefordert, selbst seine Grenzen für höhere Importe amerikanischer Erzeugnisse zu öffnen, nachdem die Vereinigten Staaten bereits immer mehr japanische Güter kaufen. Sollte dies nicht geschehen,so
warnte der Botschafter, müsse Japan mit ernsten Konsequenzen rechnen - zum Beispiel mit einem Wiederaufleben des protektionistischen Drucks gegen japanische
Erzeugnisse oder mit vermehrtem Druck nach einer weiteren Yen-Aufwertung.
Ministerpräsident Tanaka pflichtete dem durchaus bei,daß die Konsequenzen
schwerwiegend sein könnten, aber er hat sich bisher geweigert, größere Zolloder Quotenkonzessionen zu gewähren. Der Ministerpräsident vertritt vielmehr
die Auffassung, daß die Wiedererholung der japanischen Wirtschaft von ihrer
gegenwärtigen Rezession auch zu einer Ausweitung des Absatzmarktes für amerikanische Erzeugnisse führen wird.
In den viertägigen Verhandlungen in Hakone hat Japan lediglich die folgenden Konzessionen eingeräumt: Es hat sich bereit erklärt,in diesem Jahr für
50 Millionen Dollar mehr amerikanische Agrarerzeugnisse zu kaufen, als ursprünglich vorgesehen war. Es hat auf dem Komputermarkt das Kontingent für ausländische Erzeugnisse von 46 auf 50 Prozent erhöht. Es hat die Einfuhr amerikanischer Röntgen-und Schwarzweiß-Filme liberalisiert. Es hat sich bereit erklärt,
in ausländischem Besitz befindliche Läden in Japan zuzulassen, gleichzeitig
jedoch die Zahl der zugelassenen Verkaufsstellen pro Unternehmen auf 11 begrenzt. Und es hat erstmalig zugelassen, daß sich auch amerikanische Firmen an
Ausschreibungen der japanischen Regierung beteiligen dürfen. Allerdings bedürfen
verschiedene dieser Vorschläge noch der Zustimmung des japanischen Diet.
Der

-2-

�Der Leiter der japanischen Delegation in Hakone, Kiyoh-Iko Tsurumi, gibt
durchaus zu, daß er bei den Verhandlungen nicht alle amerikanischen Wünsche
habe befriedigen können. Er betrachtet die anstehenden Probleme als "schwierig
und komplex" und betont, daß Japan volles Verständnis für ihre Dringlichkeit
hat.
In Kreisen des amerikanischen Handelsministeriums ist man zwar enttäuscht
darüber, daß kein Abkommen über umfassendere und schnellere Maßnahmen erreicht
werden konnte, weist jedoch darauf hin, daß in diesen ersten Verhandlungen m it
der Regierung Tanaka trotzdem guter Fortschritt erzielt worden sei. Man habe
eine beachtliche Liberalisierung erreicht, obwohl der Zeitpunkt, politisch gesehen, gegenwärtig für Japan ungünstig sei, um schneller vorangehen zu können.
Ministerpräsident Tanaka, so wird betont, habe eine wenig stabile Koalition
hinter sich und werde wahrscheinlich in naher Zukunft Neuwahlen ausschreiben.
Hinzu komme, daß wichtige Kreise der japanischen Landwirtschaft und Industrie
gegen jeden verstärkten Wettbewerb aufgrund höherer amerikanischer Importe sin
So ist auch von japanischer Regierungsseite zu verstehen gegeben worden, daß
eine Ausweitung der japanischen Agrarimporte zum gegenwärtigen Zeitpunkt die
japanische Landwirtschaft "erschüttern" würde. Von amerikanischer Seite wird
dem entgegengehalten, daß Präsident Nixon angesichts der in drei Monaten in
den USA stattfindenden Wahlen ebenfalls unter einem politischen Druck steht,
das Handelsdefizit abzubauen.
Eines der wichtigsten Gebiete, bei denen in Hakone Übereinstimmung bestand, waren die multilateralen Handelsprobleme. Beide Länder kritisierten
die von dritten Ländern gegen Japan angewandten diskriminierenden Handelspraktiken. Und sie vereinbarten, bei den für das kommende Jahr anstehenden Zollverhandlungen eng zusammenzuarbeiten.
Amerikanische

�Amerikanische Kreise betonen, daß Japan angesichts seiner politischen
Probleme in Hakone relativ entgegenkommend gewesen sei. "Sie haben zwar nicht
alles getan, was wir wünschten, aber sie haben mehr getan als im letzten Jahr;
trotzdem müssen sie noch mehr tun und zwar schneller", so faßt es ein hoher
amerikanischer Beamter zusammen, der nicht genannt sein will.
Die Gespräche auf niedrigerer Ebene zwischen beiden Ländern dauern weiter
an, und auf amerikanischer Seite hofft man, nach dem Gipfeltreffen zwischen
Präsident Nixon und Ministerpräsident Tanaka möglicherweise weitere Fortschritte bekanntgeben zu können.

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DIE KONTROVERSE UM METHADON

•»-(AD)— Nach wie vor gehen in den Vereinigten Staaten die Meinungen in
bezug auf die Anwendung von Methadon bei der Behandlung und Rehabilitation
Heroinsüchtiger auseinander. Das Präparat sei, so erklären die einen, ein
legales und akzeptables Mittel, das gegenwärtig im Rahmen von 450 Behandlungsund Rehabilitationsprogrammen auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und
kommunaler Ebene angewandt werde und etwa 60 000 Süchtigen geholfen habe.
30 000 Heroinsüchtige stünden noch auf den Wartelisten. Methadon bedeute nur
den Austausch eines Suchtmittels gegen ein anderes, behaupten dagegen die
Kritiker. Intravenös injiziert, führe es genau wie Heroin zum Rauschzustand,
was dazu geführt habe, daß es bereits auf dem schwarzen Markt gehandelt
werde.
In einer Reihe von Untersuchungen bemühen sich gegenwärtig Ärzte und
Psychologen, zu einer objektiven Beurteilung zu gelangen. So beendete im Juni
eine Gruppe kalifornischer Wissenschaftler eine im Auftrag der US-Zentralstelle für Narkotika und gefährliche Arzneimittel (BNDD) durchgeführte Studie über
sieben verschiedene Verfahren, die bei der Behandlung Heroinsüchtiger angewandt
werden. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, daß die Methadon-Programme ausgebaut
und Süchtige notfalls zwangsweise dieser Behandlung zugeführt werden sollten.
Nach Überzeugung der Experten sei dann zu erwarten, daß die unter Heroinzwang
begangenen Verbrechen um 85 Prozent zurückgingen, der Verlust an Volksvermögen,

-l-

�I

Volksvermögen, der gegenwärtig mit etwa 4,7 Milliarden Dollar anzusetzen sei, um
2,4 Milliarden Dollar reduziert werde.
Die kalifornische Wissenschaftlergruppe empfiehlt ein Programm, in dessen
Rahmen süchtige Gesetzesbrecher anfänglich in geschlossenen Behandlungszentren
unterzubringen seien, später jedoch die Wahl hätten, von sich aus auf das Rauschgift zu verzichten oder der Methadon-Behandlung zuzustimmen. Die Rückkehr zum
Heroin würde automatisch zur Wiedereinweisung in die geschlossene Anstalt führen.
Die Kosten des Programms werden pro Einzelfall auf 4 000 Dollar jährlich für
die stationäre und 1 500 Dollar für die ambulante Behandlung geschätzt.
Die Initiatoren des Methadon-Programms, Dr. Vincent P. Dole und Dr. Marie
Nyswander-Dole

/om Rockefeiler Hospital in New York, machten seit der Einfüh-

rung ihrer Therapie im Jahre 1964 immer wieder die Beobachtung, daß es nach der
Entziehungskur im Krankenhaus möglich ist, zur ambulanten Betreuung ehemaliger
Süchtiger überzugehen. Patienten, die den Willen aufbringen, in die Gesellschaft
zurückzukehren, sind dazu mit Methadon als einer Art "Krücke" in der Lage.
Allein die Tatsache, daß sich in den letzten paar Jahren in den Vereinigten
Staaten die Zahl der Heroinsüchtigen mehr als verdoppelte und auf schätzungsweise 560 000 erhöhte, führte zwangsläufig zu einer Intensivierung der von offizieller Seite geförderten Umstellungsprogramme auf Methadon. Niemand verkennt, daß
auch Methadon eine suchterzeugende Droge ist - und insofern dem Heroin in gewisser
Weise vergleichbar, das ursprünglich als Ersatz für Morphin in Amerika eingeführt
wurde. Dr. Jerome H. Jaffe, der Sonderberater Präsident Nixons für Narkotika und
gefährliche Arzneimittel, erklärte vor einem Senatsunterausschuß: "Die Anwendung
von Methadon als Mittel der Behandlung der Heroinsucht hat zu Kontroversen geführt - gleichzeitig aber vielen Menschen die Rückkehr in die Gesellschaft ermöglicht."
Es

-2-

�i

Es ist für den Arzt,ldie Droge der Wahl" bei der Entziehungsbehandlung. Während Heroin physisch zerstört, zeigen sich bei Methadon-Patienten verhältnismäßig wenig Nebenwirkungen. Die auf die richtige Dosis eingestellten Patienten
können gewöhnlich, wie gesunde Menschen auch, normal essen, schlafen, arbeiten
und sich vergnügen. "Methadon", so ein Vertreter der Washingtoner Suchtstoffzentrale BNDD, "stabilisiert den Grad der Abhängigkeit und beseitigt die extremen
Formen psychischer Fehlreaktionen, wie sie bei Heroin auftreten". Es sei keineswegs ideal, jedoch wesentlich vorteilhafter als die von einer Anzahl von Kritikern
der Methadon-Behandlung geforderte legale Anwendung von Heroin. Ärzte wie Behörden sind einig darin, daß bei den Kranken Wille und Motivation eine wichtige Rolle im Rehabilitationsprozeß spielen.
Die Kritik gegen die Anwendung von Methadon konzentriert sich vor allem auf
folgende Punkte: Methadon ist der Ersatz einer Droge durch eine andere und überläßt die Last der Wahl dem Süchtigen. Unzureichende finanzielle Unterstützung
der Programme durch die Bundesbehörden gebe außerdem vielen Heroinsüchtigen gar
keine Chance, von ihrer Sucht loszukommen. Die Kontrolle über Methadon werde
viel zu lasch gehandhabt, so daß durch seine illegale Benutzung, bei der es schon
zu Todesfällen gekommen sei, ähnlich wie durch Heroin Unglück gestiftet werde.
Die Suchtstoffzentrale (BNDD) in Washington ist sich dieser Schwierigkeiten
durchaus bewußt und versucht deshalb, den Mißbrauch von Methadon und seine Anwendung außerhalb der offiziellen Institutionen unter Einschaltung aller verfügbaren Rechtsmittel zu unterbinden und für die Erreichung dieses Zieles notfalls
auch neue Gesetze im Kongreß durchzusetzen.

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GROSSAKTION GEGEN BLASENKREBS
Neues Schwerpunktprogramm in den USA

--(AD)-- Diagnose und Behandlung von Blasenkrebs sowie Maßnahmen zu seiner
Verhütung sollen einer Verlautbarung des Nationalen Krebsforschungsinstituts
(NCI) der Vereinigten Staaten zufolge durch ein zunächst auf drei Jahre befristetetes Forschungsprogramm, für das mindestens 2,5 Millionen Dollar pro Jahr verfügbar sind, wesentlich verbessert werden. Ähnliche Aktionen sind geplant,um
Darmkrebs und Prostatakarzinom wirksamer als bisher zu bekämpfen.

Die Leitung des "National Bladder Cancer Project" wurde Dr. Gilbert
Friedell, Chefpathologe am St. Vincent-Hospital in Worchester (Massachusetts),
übertragen. Gemeinsam mit 50 Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, die
an führenden amerikanischen Forschungsinstituten tätig sind, wurden bereits die
organisatorischen Vorbereitungen getroffen, die "ein integriertes und interdisziplinäres Vorgehen gewährleisten sollen".
Die Forschungsaufgaben, mit deren Durchführung ausgewählte in-und ausländische Institutionen betraut werden, erstrecken sich auf Epidemiologie (Häufigkeit, Verteilung und Umwelteinflüsse beim Auftreten von Blasenkrebs), Vorbeugung, Erkennung, Diagnose und Prognose, Planung und Durchführung von Tierexperimenten als Modellversuche und schließlich Behandlung.
Nach

-l-

�Nach Schätzungen des Nationalen Krebsforschungsinstituts entfallen gegenwärtig etwa vier Prozent aller Neuerkrankungen an Krebs auf Blasenkarzinom. Die
Aussichten auf Heilung sind jedoch nur in Fällen oberflächlicher oder sehr eng
begrenzter Erkrankung günstig. Deshalb kommt der Frühdiagnose und der Erfassung
von Bevölkerungsgruppen, bei denen das Risiko einer Erkrankung größer ist als
bei anderen, so große Bedeutung zu.
Die Ursachenforschung soll erheblich intensiviert werden. Schon seit einiger Zeit ist z.B. bekannt, daß Zusammenhänge zwischen Blasenkrebs und bestimmten Tätigkeiten in der Farben-und GummiIndustrie sowie Blasenkrebs und Rauchen
bestehen. Auch wird nicht ausgeschlossen, daß der Zusammensetzung des Urins in
Bezug auf die Ausscheidung bestimmter Stoffe eine gewisse Bedeutung zukommt.

Krebspräparate werden mit der UdSSR ausgetauscht
Wie Dr. C. Gordon Zubrod, wissenschaftlicher Direktor der Abteilung Chemotherapie des Nationalen Krebsforschungsinstitutes, nach der Rückkehr aus der
Sowjetunion erklärte, wird in den USA im Rahmen des amerikanisch-sowjetischen
Programms zur Zusammenarbeit in der Medizin auch ein Medikament erprobt werden,
das sowjetische Ärzte bei Schilddrüsen-und Blasenkrebs anwenden (Bezeichnung:
Dijodobenzotepa). Allerdings sei in Amerika erst im nächsten Jahr mit einer Anwendung zu rechnen, da das Präparat (ebenso Fluorodopan

und das Versuchspräpa-

rat Asaley gegen Lymphom, Brust-und Ovarialkrebs) erst getestet und von der
"Food und Drug Administration" freigegeben werden müsse. Zu allererst soll die
einschlägige russische Literatur, zu der auch bisher unveröffentlichte Arbeiten
gehören, übersetzt werden. Die Vereinigten Staaten stellen ihrerseits amerikanisehe Fachliteratur,einschließlich Dauerabonnements mehrerer medizinischer Fachzeitschriften,und die Krebspräparate Hexamethylmelamin, CCNU und DTIE zur
Verfügung.

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RETINOPATHIE BEI DIABETIKERN

— ( A D ) — Verbesserte Methoden der Behandlung von Retinopathie bei Diabetes
mellitus werden in den Vereinigten Staaten in einer bundesweiten Studie erprobt. In erster Linie geht es darum, systematisch festzustellen, in welchen
Fällen und in welchem Umfang die verschiedenen Methoden der Lichtkoagulation
als optimale therapeutische Verfahren betrachtet werden können, um den Patienten das Augenlicht zu erhalten. Die Methode als solche wurde in den
letzten Jahren bereits sehr häufig angewandt; ihr tatsächlicher Wert war
jedoch bisher nicht eindeutig zu dokumentieren. Denn der klinische Verlauf
von Retinopathia diabecica ist recht unterschiedlich, und außerdem ist es
schwierig, das Ergebnis einer Lichtkoagulationsbehandlung exakt zu ermitteln.

Die eigentliche Ursache der Retinopathie im Zusammenhang mit Diabetes
ist nicht bekannt. Jedoch sind gewöhnlich Auftreten und Schwere der Störungen,
bei denen es zu Netzhautblutungen kommt, der Dauer der Erkrankung an Diabetes mellitus proportional. Von Patienten, die seit zehn Jahren zuckerkrank
sind, leiden etwa 50 Prozent bis zu einem gewissen Grad an Retinopathie; bei
15jähriger Krankheitsdauer sind es ca. 75 Prozent, bei 25jähriger Krankheitsdauer 95 Prozent.
Hauptursachen

-l-

�I

Hauptursachen von Erblindung infolge Retinopathia diabetica sind massive
Netzhautblutungen mit Einsickern in den Glaskörper, Bildung von Narbengewebe
und Netzhautablösung. Dem Prozeß geht gewöhnlich die Neubildung von Blutgefäßen
entlang der inneren Netzhautoberfläche voraus. Diese Blutgefäße erweisen sich
auch als Quelle der Blutungen in den Glaskörper und für die Bildung von Narbengewebe, das durch Schrumpfung zu Netzhautablösung führen kann.
In 16 amerikanischen Augenkliniken soll bei etwa 1 800 Diabetikern mit
Retinopathie - zunächst an einem Auge des Patienten - eine Lichtkoagulation nach
drei verschiedenen Methoden durchgeführt werden. Bei der ersten Gruppe geschieht
dies mit weißem Licht aus einer Xenon-rLampe, bei der zweiten Gruppe mit dem intensiven blaugrünen Licht aus einem Argon-Laser und bei der dritten Gruppe mit
einem Verfahren, das eine Kombination dieser beiden Methoden darstellt. Das
zweite Auge des Patienten dient vorläufig als Kontrollorgan und wird nur dann
in gleicher Weise behandelt, wenn der Erfolg beim ersten Auge gesichert ist.
(Die durch die Wärmewirkung des Lichts ausgelöste Koagulation wäre dann

von

größtem Nutzen, wenn sie an den neuen Blutgefäßen unmittelbar vor einer Blutung
erfolgte). Bisher hatte man Photokoagulation entweder auf Netzhautpartien, in denen neue Blutgefäße festgestellt wurden, oder in einer Art Schachbrettmuster auf
größeren Netzhautflächen angewandt in der Hoffnung, daß die Blutgefäße abgeschnürt werden oder ein indirekter günstiger Effekt auf die nichtbehandelten
Partien der Netzhaut erzielt wird.
Besondere Bedeutung wird im Rahmen der Studie der ständigen Beobachtung und
regelmäßigen Untersuchung der Patienten mit Aufnahmen von der Netzhaut zugemessen.
Um die Ergebnisse wirklich exakt verifizieren zu können, wird auch eine sogenannte
Blindauswertung vorgenommen, d.h., der untersuchende Augenarzt weiß nicht, welche
Behandlung der betreffende Patient erfahren hat. An den Universitäten Maryland
(in Baltimore) und Wisconsin (in Madison) wurden Zentren für die Beurteilung der

-2-

�f

der vor und während der Behandlung angefertigten Netzhautaufnahmen, die zur
Sicherung der Diagnose und Ermittlung des Erkrankungsstadiums dienen, eingerichtet. Die Ergebnisse von Alternativmethoden der Behandlung von Retinopathia
diabetica werden in die allgemeine Auswertung der Studie einbezogen.

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ERSATZTEILE AUS TITAN
--(AD)— In der Wiederherstellungschirurgie spielen Metalle als Prothesenmaterial eine wichtige Rolle. Jedoch können sie auch Komplikationen auslösen, die sich nach einer gewissen Zeit einstellen. In den Vereinigten
Staaten geht man jetzt immer mehr dazu über, auch das von der Raumfahrttechnik her bekannt gewordene Metall Titan für medizinische Zwecke einzusetzen, vor allem deshalb, weil es gegenüber physiologischen Salzen in
Lösung außerordentlich beständig ist.
Um aber mögliche Korrosions-und Oberflächenreaktionen von Titan im
Körper im Detail erfassen und die Ursache ihrer Entwicklung besser verstehen
und ausschalten zu können, wurde von Metallurgen am National Bureau of
Standards (U.S.Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) eine
Studie zur Untersuchung bestimmter, verschieden vorbehandelter Legierungen
unter der Einwirkung zahlreicher physiologischer Flüssigkeiten und Gewebe
durchgeführt. Als Probenmaterialien wurden reines Titan, Titan mit sechs
Prozent Aluminium und vier Prozent Vanadium sowie Titan mit 0,2 Prozent
Palladium benutzt, die man verschiedenen physiologischen Kochsalzlösungen
in Kombination mit Harnsäure in verschiedenen Konzentrationen und mit
Aminosäuren wie Glykokoll, Cystein, Cystin und Tryptophan aussetzte. Die

-l-

�Die Oberflächender meisten Metallproben waren auf elektrischem, in einigen lallen auf mechanischem Wege poliert worden. Manche Proben mit FI?ktropolitur hatte man anschließend sterilisiert, um die Effekte unterschiedlicher Oberflächenbehandlungen auf die als Schutzfilm vorhandene korrosionsabweisende Schicht
Titandioxid (TiO?) studieren zu können.
Durch Untersuchungen mit dem Elektronenmikroskop war bereits bekannt, daß
die Legierungszusammensetzung und die jeweiligen physiologischen Gegebenheiten
die Rauhigkeit und das kristalline Gefüge des Schutzfilms beeinflussen. Seine
Veränderungen wurden in jeder Phase verfolgt. Dabei zeigte sich, daß durch
Sterilisieren von 15 min Dauer im Autoklaven bei 120 C die Einheitlichkeit des
Films zerstört und er an einigen Stellen als TiO , an anderen als einfaches
Titanoxid (TiO) vorhanden ist.
Das letztgenannte, weniger beständige Oxid ergibt eine glattere Oberfläche als TiO . Alles in allem sollte wegen der Gefahr der Bildung einer
uneinheitlichen Oxidfilmoberfläche die Dampfsterilisierung von Titanmaterialien äußerst sorgfältig kontrolliert werden. Es zeigte sich ferner, daß reines
Titan auf bestimmte Oberflächen-und Sterilisierungsbehandlungen weniger reagiert als seine Legierungen. Und von diesen scheint die Ti-Palladium-Verbindung von der Oberflächenbehandlung und der Art der einwirkenden physiologischen
Salzlösungen stärker betroffen zu werden als die Legierung Titan-AluminiumVanadium.
Künftige Untersuchungen wird man auf die Entstehung von Risskorrosion in
diesen Titanlegierungen konzentrieren. Sie entsteht an Stellen des Implantats,
wo - wie am Gewinde einer Schraube oder an den Lochrändern einer Platte Körperflüssigkeiten nur ungleichmäßig oder geringfügig mit dem Metall in Berührung kommen. Den geringen

Flüssigkeitsmengen wird der Sauerstoff entzogen,

was den TiO-Schutzfilm beeinträchtigt. Stellenweise kann es auch zu einer

-2-

�einer Verringerung des pH-Wertes, also zu einer Erhöhung des Säuregrades kommen, so daß die Aggressivität der Lösung gegenüber dem Metall größer wird,
als sie normalerweise ist. Unter diesen Gesichtspunkten soll nun auch die
Formgebung für Implantate aus Titan-Metall überprüft werden.

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon ernennt persönliche Vertreter für die Olympischen Spiele in München&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robeert Sargent Shriver, der Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weißes Haus: US-Lufttätigkeit soll Nachschub Hanois ausschalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nordvietnamesische Deiche kein Angriffsziel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenministerium bestätigt nordvietnamesische Greueltaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem diplomatischen Korrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erhoffen sich von dem Treffen Nixon-Tanaka Fortschritte bei den Handelgesprächen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Kontroverse um Methadon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Großaktion gegen Blasenkrebs&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Retinopathie bei Diabetikern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ersatzteile aus Titan</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
%r,oN

4

9. August 1989

30
DOKUMENTATION

USA legen Verifizierungsmaßnahmen für START-Abkommen dar
- Rede von Botschafter Richard Burt USA: Fortschritte bei Abwehrsystemen im Weltraum
- Rede von Botschafter Cooper bei der Geafer Abrüstungskonferanz -

HINTERGRUND
Westliche Sicherheit: Die USA und ihre NATO-Partner
- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

*
Integriertes Entsorgungsprogramm fUr Atomanlagen
- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
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Dokumentation

Ä&lt;

9. August 1989

30

USA LEGEN VERIFZIERUNGSMASSNAHMEN FÜR START-ABKOMMEN DAR
- Rede von Botschafter Richard Burt GENF - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über Kern- und Weltraumwaffen, Botschafter Richard Burt, erläuterte am
3. August 1989 seinen Vorschlag an die Sowjetunion, die Verhandlungen sollten
sich "jetzt sofort" auf eine Reihe von Maßnahmen zu Verifizierung und Stabilität konzentrieren, "die auch Niederschlag in der Endfassung des Vertrags über
die Reduzierung Strategischer Rüstungen (START) finden könnten".
Botschafter Burt beschrieb Präsident Eushs Initiative zu Verifizierung und
Stabilität im einzelnen und erklärte, sie "ergänzt die bisher in Genf geleistete Arbeit". Er verwies ferner darauf, "diese Initiative zielt darauf ab,
die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht sie zu verzögern". Burt ging
darüber hinaus auf Bereiche ein, in denen Unstimmigkeiten zwischen beiden Seiten bestehen und verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auf mobile Interkontinentalraketen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Burts Rede im Wortlaut.

Ich danke Botschafter Friedersdorf für seine freundliche Einführung, und es ist mir eine Ehre, beute
hier gemeinsam mit den Mitgliedern
und Nichtmitgliedern der Abrüstungskonferenz die jüngsten Entwicklungen
unserer
bilateralen Gespräche über
Kern- und
Weltraumwaffen
zu
erörtern.
Meines Wissens ist Präsident
Benbima gerade für den Monat August
zum Präsidenten der Konferenz bestimmt worden. Meine Hoffnungen und
besten Wünsche für eine erfolgreiche
und produktive Sitzungsperiode während Ihrer Amtszeit begleiten Sie.
Ich freue mich auch darüber, hier einige alte Freunde wiederzusehen.
Die Runde XI der START-Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion war nützlich
und
konstruktiv.
Die
Vereinigten

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Staaten haben diese Runde als Sondierungsgespräche betrachtet, die politische Position beider Parteien zu
klären und das Grundrauster des gemeinsamen Vertragsentwurfs zu bestätigen.
Tatsächlich haben wir den
Eindruck, in vielen Bereichen - einschließlich des sehr wichtigen Punkts
über die Durchführung effektiver Verifizierung - mehr als das erreicht
zu haben.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Kollegen eine gründliche Überprüfung
wichtiger
Vertragsbestimmungen
und
noch strittiger Fragen vorgenommen.
Er ist ein erfahrener Unterhändler
und leitet eine fähige Arbeitsgruppe,
die über fundiertes Fachwissen verfügt. Meiner Ansicht nach haben wir
gesunde Arbeitsbeziehungen aufgenommen - obgleich sich im Laufe dieser

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�Runde gezeigt hat, daß er ein weit
besserer Tennisspieler ist als ich.
Im Hinblick auf den Vertrag und
die Protokolle, aus denen der gemeinsame
START-Vertragsentwurf
besteht,
hat auf der Ebene der Arbeitsgruppen
ein guter Austausch
stattgefunden.
Beide Seiten haben fruchtbare Gespräche geführt und die verschiedenen Alternativen erörtert.
Wir haben den
Text gemeinsam verbessert, ausgeklammerte Punkte geklärt und Unstimmigkeiten in kleinen, aber wichtigen
Teilbereichen ausgeräumt.
Der Prozeß war sachlich, unpolemisch und konzentrierte sich auf Inhalte und nicht auf Rhetorik. In allen Bereichen hat ein nützlicher Austausch
stattgefunden.
Obwohl
bei
diesen Verhandlungen immer noch bedeutsame
Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion bestehen, haben beide
Seiten meiner Ansicht nach jetzt ein
besseres Verständnis der Beweggründe,
die der Position des anderen zugrundeliegen.
Ich vertrete daher die
Auffassung, daß meine
sowjetischen
Kollegen und ich den Grundstein dafür
legen konnten, was hoffentlich nächsten Monat in den Vereinigten Staaten
zwischen den Außenministern Baker und
Schewardnadse in eine produktive Diskussion über START münden wird.
Bevor ich näher auf einige Bereiche eingehe, die im Mittelpunkt meiner
Gespräche
mit
Botschafter
Nasarkin standen, möchte ich zu den
Grundprinzipien Stellung nehmen, von
denen die amerikanische
Delegation
sich in Runde XI leiten ließ und die
für zukünftige Runden von Beduetung
sind.
Die Vereinigten Staaten sind mit
Präsident Bushs festem Versprechen zu
den Genfer Verhandlungen zurückgekehrt, "wir werden hart arbeiten, um
faire und weitreichende Abkommen auszuhandeln, die dem Frieden dienen.
Nichts hat höhere Priorität."

- 2

Bei ihrem Amtsantritt hat die
Bush-Administration
eine
umfassende
Überprüfung
über die amerikanische
Sicherheits- und
Rüstungskontrollpolitik
durchgeführt.
Als
Ergebnis
dieser Überprüfung ist der Präsident
zu dem Schluß gekommen, das vordringlichste Ziel strategischer Rüstungskontrolle bestehe in der Erlangung
verifizierbarer
Abkommen,
das
das
Kriegsrisiko mindern.
Das Risiko eines Atomkrieges kann
durch
ein
stabileres
nukleares
Gleichgewicht
abgebaut werden, bei
dem die Abschreckung gestärkt wird
und eine Abmachung über Krisenstabilität weiterhin gilt.
Eine solche
Abmachung besteht, wenn jede Seite
von einem Erstschlag abgehalten wird,
weil der für einen solchen Schlag zu
zahlende Preis und das damit einhergehende Risiko mögliche Vorteile bei
weitem aufwiegen.
Aus diesem Grund
besteht ein wesentlicher Bestandteil
zur Aufrechterhaltung der Krisenstabilität im Besitz überlebensfähiger
Streitkräfte zur Vergeltung. In diesem Zusmmenhang muß man sich wiederum
vor Augen führen, daß Rüstungskontrolle einseitige Maßnahmen zur Aufrechterhaltung einer effektiven Abschreckung lediglich ergänzen, nicht
aber ersetzen kann.

T

*

Einschneidende Reduzierungen der
strategischen Streitkräfte können die
Stabilität verbessern, wenn sie in
geeigneter Weise durchgeführt wei—
den.
Größere Stabilität könnte etwa
durch
folgende Regelungen
erreicht
werden:
Erstens Reduzierung der Verwundbarkeit, da, wie ich schon sagte,
überlebensfähige Streitkräfte die
Anreize für einen Erstschlag verringern.
-

Zweitens
mehr
Transparenz,
da
Stabilität durch größere Offenheit im Hinblick auf Umfang und
Charakter
der
strategischen
Streitkräfte und Aktivitäten jeder Seite gefördert wird.

f

*•

�Drittens verbesserte Berechenbarkeit, weil die Stabilität größer
ist, wenn Ungewißheiten über die
künftige Entwicklung der Streitkräfte auf beiden Seiten verringert werden.
Die
START-Verhandlungen
haben
bisher einen umfangreichen gemeinsamen Vertragsentwurf hervorgebracht,
der die Bereiche der Übereinstimmung
und Gegensätze widerspiegelt. Zu Beginn dieser Runde haben wir die Absicht der Vereinigten Staaten bekräftigt, von der Grundlage des bestehenden gemeinsamen Vertragsentwurfs auszugehen. Insbesondere haben wir unsere anhaltende Zustimmung zur Struktur der bereits vereinbarten Oberund Untergrenzen bekräftigt.
Diese
sehen 1 600 offensive strategische
Trägersysteme, 6 000 nachweisbare Gefechtsköpfe, 4 900 Gefechtsköpfe auf
Interkontinentalraketen
(ICBMs) und
unterseebootgestützten
Raketen
(SLBMs), 1 540 Gefechtsköpfe auf 154
schweren Interkontinentalraketen sowie eine etwa 50prozentige Reduzierung des Wurfgewichts der sowjetischen ballistischen Raketen vor. Obwohl wir unsere Unterstützung der
grundsätzlich vereinbarten zahlenmäßigen Obergrenzen und anderer im gemeinsamen Vertragsentwurf enthaltener
amerikanischer Positionen bestätigen,
behalten wir uns das Recht zur Unterbrei tung neuer Ideen und anderer Änderungen vor, die unserer Meinung
nach
zur
Uberlebensfähigkeit
der
Streitkräfte und Stabilität beitragen
würden.
Um sicherzustellen, daß Verbesserungen bei der Uberlebensfähigkeit
langfristig wirksam bleiben, müssen
diese mit der Erfordernis in Einklang
gebracht werden, daß Umfang und Charakter der heute bestehenden und
künftigen strategischen Streitkräfte
transparent und berechenbar sein müssen und Vereinbarungen sich wirksam
verifizieren lassen.
Mobile ICBMs
sind hier ein Fallbeispiel: dasselbe
Merkmal, das die Uberlebensfähigkeit
der ICBMs erhöht - nämlich ihre Mobilität -, macht gleichzeitig eine ein-

deutige Verifizierung komplizierter.
Die amerikanische
Haltung zum
Verbot mobiler ICBMs bleibt zum jetzigen Zeitpunkt unverändert. Unsere
Entscheidung zu den mobilen ICBMs
hängt sicherlich teilweise von der
Unterstützung ab, die der amerikanische Kongreß dem Programm des Präsidenten zur ICBM-Modernisierung gewährt. Jedenfalls haben wir der sowjetischen Seite zu verstehen gegeben, daß wir zur Überprüfung unserer
im Licht der von den Sowjets in den
vergangenen Jahren stationierten über
hundert mobilen ICBMs erhobenen Forderung nach einem Verbot bereit sind,
wenn sich beide Seiten auf ein Vorgehen einigen können, das die wirksame
Verifizierung zahlenmäßiger Begrenzungen für mobile ICBMs gestatten
würde.
Obwohl noch viel zu tun
bleibt, hat Runde XI eine eindeutige
Klärung der Erfordernisse und Beschränkungen erbracht, die straßenund schienenmobilen Systemen auferlegt werden müssen.
Als Teil unserer umfassenden Verhandlungsbemühungen und hervorragendes Beispiel der neuen von den Vereinigten Staaten in Runde XI eingebrachten Ideen haben die Vereinigten
Staaten vorgeschlagen, beide Seiten
sollten besondere Anstrengungen unternehmen, um sich auf bestimmte, in
der Vergangenheit von beiden Seiten
vorgeschlagene
Verifizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen zu einigen und
mit deren Anwendung so bald wie möglich zu beginnen. Ich muß gegenüber
den Teilnehmern der Abrüstungskonferenz die Rolle der Verifizierung in
den heutigen RUstungskontrollverhandlungen nicht eigens betonen. Unsere
Initiative zu Verifizierung und Stabilität trägt dieser zentralen Bedeutung Rechnung.
Auf Anweisung
des Präsidenten
wurde den Sowjets insbesondere vorgeschlagen,
die
START-Unterhändler
sollten sich jetzt auf folgende Vertfizierungs- und
Stabilitätsmaßnahmen
konzentrieren, die schließlich im
START-Vertrag ihren Niederschlag fin-

- 3 -

�den würden:
1) Unverzügliche und gegenseitige Einrichtung einer Überwachung von
Umgebung sowie Ein- und Ausgängen bestimmter Raketenproduktionsstätten in
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, um unser Vertrauen in die
Genauigkeit der angemeldeten Arsenale
mobiler
Interkontinentalraketen
zu
erhöhen.
2) Sofortiger Austausch von ausgewählten
Daten
zu den
nuklearen
Streitkräften jedes Landes, um uns
bei der Erarbeitung geeigneter Inspektionsverfahren zu helfen und die
Verifizierung des START-Vertrages zu
erleichtern.
3)
Beendigung der Verschlüsselung telemetrischer Daten von Interkontinentalraketen sowie der Verweigerung von Daten über bestimmte Abschüsse von ICBMs und SLBMs, so daß
jedes Land ein besseres Verständnis
von
neuen
Entwicklungen
in
den
Streitkräften des anderen entwickeln
kann.
4)
Gegenseitige Übungsinspektionen, um Verfahren vorzuführen, mit
denen verifiziert werden soll, daß
die von den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion für diesen bestimmten
Raketentyp vereinbarte Zahl der Wiedereintrittsflugkörper auf bestimmten
ballistischen
Raketen
nicht
überschritten wird.
Eine gegenseitige
Demonstration könnte den Unterhändlern helfen, solide Inspektionsvorschriften für diese beispiellos einschneidenden Inspektionen zu entwikkeln.
5)
Gegenseitige Vorführung von
Technologien zur Identifizierung ballistischer Raketen, ein häufig auch
als "tagging" bezeichnetes Verfahren,
um den Austausch technischer Informationen über erfolgversprechende Ansätze zu erleichtern.
Die Vereinigten Staaten sind ferner der Ansicht, daß beide Länder von
einer Einigung auf zwei zusätzliche

Maßnahmen
profitieren
können, . die
trotz der Tatsache, daß sie in unseren
bisherigen
Verhandlungen
noch
nicht zur Sprache gekommen sind und
selbst nicht Teil des START-Vertrages
sein würden, als getrennt vereinbarte
Maßnahmen die strategische Stabilität
erhöhen würden.
1)
Aufgrund
des Außenminister
James Baker von der Sowjetunion unterbreiteten Vorschlags sind wir bereit, das Problem der unterseebootgestützten
ballistischen Raketen mit
kurzer Flugzeit zu behandeln. Darunter würden auch die bisweilen so bezeichneten niedrigen Flugbahnen fallen.
2) Ferner schlagen wir vor, daß
beide Länder einen in einem früheren
Briefwechsel
besprochenen
Vorschlag
verwirklichen, demzufolge die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
sich
gegenseitig
über
eine
große
strategische Übung pro Jahr in Kenntnis setzen würden.
Die Initiative des Präsidenten zu
Verifizierung und Stabilität ergänzt
die bisher in Genf geleistete Arbeit.
Diese Initiative zielt darauf
ab, die START-Verhandlungen zu beschleunigen, nicht zu verzögern: Der
START-Vertrag wird beispiellose Verifizierungsbestimmungen enthalten.
Es
ist von vorrangiger Bedeutung, die
Probleme so früh wie möglich zu erkennen,
so daß
die
Verhandlungen
nicht durch ungelöste technische Verifizierungsfragen
unnötig
in
die
Länge gezogen werden. Die frühzeitige Durchführung dieser Maßnahmen wird
den beiden Ländern Erfahrung in Verifizierungsverfahren
vermitteln,
so
daß wir in Genf realistische Bestimmungen erarbeiten können.
Die Vereinigten Staaten betrachten
die
amerikanische
Initiative
nicht als alles oder nichts. Obwohl
wir zu jeder Maßnahme ein Abkommen
erzielen wollen, sind wir bereit, nur
die Themen anzusprechen, zu deren Erörterung die Sowjets bereit sind.
Darüber hinaus sollen aus der Sicht

�der Vereinigten Staaten alle Maßnahmen auf Gegenseitigkeit beruhen und
daher auf beide Länder In gleichem
Maße Anwendung finden.
Bis heute haben wir mit der sowjetischen Seite Sondierungsgespräche
geführt, dank denen wir die Initiative zu Verifizierung und Stabilität im
einzelnen beschreiben können. Unseren Erwartungen zufolge wird der amerikanischen Initiative zu Verifizierung und Stabilität bei dem Treffen
zwischen Außenminister Baker und seinem Amtskollegen Schewardnadse ein
hoher Stellenwert beigemessen.
Ich habe mit meinem sowjetischen
Amtskollegen detaillierte Gespräche
über wichtige Bereiche geführt, in
denen beide Seite unterschiedliche
Meinungen vertreten - eine Untergrenze für ICBM-Gefechtsköpfe, schwere
ICBMs, ALCMs/schwere Bomber, SLCMs
und das Junktim zwischen START und
dem ABM-Vertrag. Diese Gespräche waren keine abgedroschenen, rhetorischen Wiederholungen bekannter Themen, sondern vielmehr von Offenheit
und Substanz gekennzeichnet.
Die Vereinigten Staaten vertreten
weiterhin die Auffassung, daß Einigung über eine Untergrenze von 3 000
bis 3 300 Gefechtsköpfen auf stationierten ICBMs erzielt werden sollte.
Beide Länder könnten von der zusätzlichen Berechenbarkeit einer solchen
Begrenzung profitieren, da die ICBMSysteme nach wie vor hervorragend für
den Einsatz bei einem Präventivschlag
geeignet sind und daher destabilisierender wirken als andere Kategorien
strategischer Offensivwaffen.
Schwere ballistische Raketen haben eine besonders destabilisierende
Wirkung. Aus diesem Grund halten die
Vereinigten Staaten an ihrer Position
fest, daß der START-Vertrag die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung neuer modernisierter schwerer
ICBMs ebenso verbieten sollte wie die
Produktion oder Stationierung zusätzlicher schwerer ICBMs des bereits bestehenden Typs. Beide Länder sollten

es sich darüber hinaus zur Aufgabe
machen, keine Flüge mit den bestehenden Typen schwerer ICBMs zu unternehmen und auf die Produktion, Flugerprobung oder Stationierung schwerer
SLBMs zu verzichten. Die amerikanische Position zu schweren Raketen
würde wirksam zu einem Gleichstand
beitragen, indem sie letztlich zum
stufenweisen Abbau der sowjetischen
SS-18 Streitmacht führen würde, die
für sich alleine schon das destabilisierendste Waffensystem in der heutigen Welt darstellt.
Im Hinblick auf Bumberwaffen haben die Vereinigten Staaten ihre bisherige Position bezüglich Zählung,
Reichweite und Erkennbarkeit luftgestützter
Marschflugkörper
(Air
Launcbed Cruise Missiles - ALCM) bekräftigt. Wir schlagen daher weiterhin vor, daß ALCMs nach dem Gesetz
der
Zugehörigkeit
gezählt
werden
sollten, das jedem für ALCMs ausgerüsteten schweren Bomber angesichts der
Obergrenze von 6 000 Gefechtsköpfen
unabhängig von der Zahl, mit der er
tatsächlich bestückt ist, eine vereinbarte Zahl von Gefechtsköpfen zugesteht.
Die Vereinigten Staaten
halten ferner nach wie vor die Position aufrecht, daß nur nuklearbestückte
Luft-Boden-Marschflugkörper
mit einer Reichweite über 1 500 Kilometern unter die START-Obergrenzen
fallen sollten.
Die amerikanische
Position zu
seegestützten Marschflugkörpern (SeaLaunched Cruise Missiles - SLCMs)
bleibt fest.
Konventionelle SLCMs
sind nicht Bestandteil des amerikanisch-sowjetischen strategischen atomaren Gleichgewichts und sollten daher nicht in dieses Abkommen einbezogen werden. Nach gründlicher Überprüfung sind die Vereinigten Staaten
zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetischen Vorschläge zu SLCM keine
wirksame Verifizierung vorsehen. Die
angeblich geeignete verfügbare Technologie
zum
Aufspüren
nuklearer
SLCM-Gefechtsköpfe in großer Entfernung und der Unterscheidung von anderen Nukleargefechtsköpfen ist nicht

- 5 -

�zuverlässig. Die jüngste sowjetische
Demonstration im Schwarzen Meer hat
diese
Schlußfolgerung
bekräftigt.
Die Umgehung von auf diese Technologien gegründeten Bestimmungen wäre
demzufolge einfach. Selbst wenn die
Technologien so angelegt sind, daß
sie nukleare SLCMs zuverlässig aufspüren
und
unterscheiden
können,
scheint es immer noch höchst fraglich, ob wirksame Verfizierungsmaßnahmen entwickelt werden könnten.
Die Vereinigten Staaten kennen heute
noch keine Mittel und Wege, um Obergrenzen bei der Produktion und Lagerung von SLCMs wirksam verifizieren
zu können - was angeblich der Kern
des SLCM-Verifizierungsproblems ist.
Aus diesem Grund sehen die Vereinigten Staten eine nicht bindende
Darlegung der Pläne für nuklearbestückte SLCMs beider Länder vor. Da
nukleare SLCMs für einen Erstschlag
weder geeignet noch durch ihn verletzbar sind, vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung, daß der
amerikanische Vorschlag beiden Ländern die praktischsten Mittel an die
Hand gibt, um Vertrauen aufzubauen,
daß nukleare SLCMs die START-Obergrenzen nicht umgehen.
Abschließend möchte ich die Beziehung zwischen START und anderen
Verhandlungen ansprechen.
In jüngster Zeit wurde die Frage aufgeworfen, ob der Abschluß eines START-Vertrags für die Bush-Administration
niedrigeren Stellenwert einnimmt als
der Abschluß eines KSE-Vertrags, oder
ob wir START vorbehaltlich von Fortschritten bei KSE verzögern wollen.
Beides trifft nicht zu. Die Bush-Administration mißt sowohl den STARTals auch den KSE-Verhandlungen hohe
Priorität bei. Obwohl der Präsident
seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht
hat, daß ein KSE-Abkommen in sechs
bis zwölf Monaten abgeschlossen werden kann, hat er kein Junktim zwischen Fortschritten bei START und denen bei KSE hergestellt.

die Fertigstellung eines START-Abkommens nicht von der Lösung der dornigen Gespräche über die Verteidigung
im Weltraum abhängig gemacht werden.
Seit 1972, als der ABM-Vertrag in
Kraft trat, hat die Größenordnung und
Macht der nuklearen Bedrohung um ein
vielfaches zugenommen. Eine Schlüsselvoraussetzung dieses Vertrags war
jedoch, daß Gespräche über die Reduzierung strategischer Offensivwaffen
bald folgen würden. Aus diesem Grund
sollten die Sowjets mit uns gemeinsam
einen STABT-Vertrag abschließen, wenn
es soweit ist, und zwar ohne Bedingungen. Ein getrennter Vertrag über
die Verteidigung im Weltraum - ein
Thema, das Botschafter Cooper in Kürze im einzelnen ansprechen wird
sollte ebenfalls für sich allein und
in einem eigenen Zeitrahmen ausgehandelt werden.
Die
Schlußfolgerungen
unserer
strategischen Übersicht und die Geschichte der Verhandlungen zu diesen
Themen haben die Vereinigten Staaten
überzeugt, daß die vor ihnen liegende
Aufgabe sehr umfangreich ist. Es ist
bereits sehr viel geleistet worden,
dennoch bleibt noch viel zu tun.
Meines Erachtens wird es uns mit
ernsthaften, konstruktiven Verhandlungen gelingen, beachtliche Fortschritte zu erzielen. Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet,
auf ihre bisherigen Leistungen aufzubauen , um Abkommen zur Erfüllung unserer Zielsetzungen zu erzielen: das
Risiko eines Kriegs zu verringern,
über das Containment hinauszugehen
und Sicherheit und Stabilität weltweit zu verbessern.

Da ein stabilisierender Abbau im
Interesse beider Länder liegt, sollte
- 6 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

'VON**

30

9. August 1989

USA:

FORTSCHRITTE BEI ABWEHRSYSTEMEN IM WELTRAUM

- Rede von Botschafter Henry Cooper bei der Genfer Abrüstungskonferenz GENF - (AD) - Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den Gesprächen über
Weltraumverteidigung, Henry Cooper, zufolge besteht "zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen, nichtnuklearen Verteidigung gegen ballistische Raketen". Vor der Genfer Abrüstungskonferenz stellte der Botschafter am 3. August
1989 fest: "Wenn sich unsere Hoffnungen verwirklichen lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete - bei weitem das gefährlichste,
den Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine 'absolute
Waffe' sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Botschafters im Wortlaut:

Ich freue mich, vor der Abrüstungskonferenz zum Stand der Gespräche über Verteidigung
im Weltraum
sprechen zu dürfen. Ich möchte Ihnen
zunächst
einige
Hintergrundinformationen liefern.
Seit Beginn unserer Gespräche im
März 1985 waren die Vereinigten Staaten bestrebt, einen in der Zukunft
möglichen
kooperativen Übergang zu
einem stabilisierenden Gleichgewicht
bei offensiven und defensiven Streitkräften zu erleichtern, falls sich
eine
wirksame
Verteidigung
gegen
strategische Raketen als machbar erweisen sollte.
Präsident Bush hat
uns angewiesen, den Vereinigten Staaten die Option auf Entwicklung und wenn diese verfügbar sind - Stationierung moderner Verteidigungssysteme

United States Information Service
Embassy of the United States of America

zu erhalten.
Wir gehen davon aus,
daß Stabilität und Sicherheit aller
Staaten mit solchen Verteidigungssystemen verbessert werden können, insbesondere, wenn sie schrittweise und
in kooperativer Weise eingeführt werden.
Es besteht eindeutig die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer wirksamen,
nichtnuklearen
Verteidigung
gegen
ballistische Raketen.
Große
Fortschritte
bei
Datenverarbeitung,
Sensortechnik, Mikroelektronik, Material- und Antriebstechnik und gerichteter
Energie haben
möglicherweise
ein Fenster zu einer neuen und sichereren Welt geöffnet.
In den vergangenen sechs Jahren haben es unsere
Wissenschaftler und Techniker mit ihren schöpferischen Gaben verstanden,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�diese Fortschritte auszubauen. Heute
verlassen
innovative
nichtnukleare
Verteidigungskonzepte die Labors und
stellen sich der Erprobung.
Wenn
sich unsere Hoffnungen verwirklichen
lassen, wird die nuklear oder chemisch bestückte ballistische Rakete bei weitem das gefährlichste, den
Weltraum nutzende Mittel der Kriegführung - nicht länger eine "absolute
Waffe" sein.
Unsere sowjetischen Kollegen und
andere sind der Meinung, man müsse
diese Entwicklungen mit großer Besorgnis beobachten. Ich möchte mich
direkt mit ihren Argumenten auseinandersetzen. Tatsächlich wird von vielen Sprechern die Meinung geäußert,
die Öffentlichkeit solle zu der Überzeugung gelangen, daß verantwortungsbewußte Politiker den technologischen
Fortschritt nicht zu einer Verteidigung gegen ballistische Raketen nutzen sollten.
Mit anderen Worten:
der technologische Fortschritt sollte
nur dazu benutzt werden, die Wirksamkeit der von offensiven ballistischen
Raketen dargestellten Bedrohung zu
erhöhen - selbst wenn es technisch
möglich wäre, sich gegen diese Bedrohung zu verteidigen oder sie zu abzuschwächen und damit die Abschreckung
stabiler zu machen. Natürlich argumentieren die Sowjets nicht in dieser
Weise.
Stattdessen lenken sie die
Aufmerksamkeit auf irreführende Auseinandersetzungen über den ABM-Vertrag.
So behaupten die Sowjets zum Beispiel fälschlicherweise, unser SDIProgramm verletze aufgrund seiner offen erklärten Zielsetzung den ABMVertrag.
Natürlich wissen sie es
besser - und wußten schon seit Unterzeichnung des ABM-Vertrags im Jahr
1972 besser Bescheid. Der damalige
Verteidigungsminister,
Marschall
Gretschko, erklärte während des Ratifizierungsprozesses vor dem Obersten
Sowjet, daß der ABM-Vertrag "der
Durchführung von Forschungs- und Erprobungsarbeiten, die darauf abzielen, das Problem einer Verteidigung
des Landes gegen einen Angriff mit

Atomraketen zu lösen, keinerlei Beschränkungen auferlegt".
Die Sowjets und wir sind sich also der Tatsache bewußt, daß der ABMVertrag für Forschung und Erprobung
mit dem Ziel, herauszufinden, ob eine
wirksame Verteidigung machbar ist,
keinerlei Beschränkung enthält. Und
die Sowjets haben selbst ein sehr
großes Interesse an strategischen
Verteidigungssystemen und führen ihre
eigenen damit zusammenhängenden Forschungsarbeiten
und
Experimente
durch.
Im November 1987 erwiderte
Generalsekretär Gorbatschow im amerikanischen Fernsehen auf eine Frage
über sowjetische Aktivitäten in diesem Bereich, daß "die Sowjetunion
praktisch alles tut, was die Vereinigten Staaten tun". Obwohl er des
weiteren erklärte, die Sowjetunion
werde ihr SDI nicht bauen oder stationieren, sind es Fähigkeiten und
nicht Absichten, die zählen.
In der Tat unternehmen die Sowjets im Bereich der strategischen
Verteidigung bereits beute weit mehr
als die Vereinigten Staaten. Der Umfang ihrer Zivil- und Luftverteidigung sucht seinesgleichen.
Ferner
besitzen sie das einzige stationierte
ABM-System auf der Welt, das sie gegenwärtig modernisieren - und das ist
dem ABM-Vertrag zufolge ihr gutes
Recht. Einige ihrer Aktivitäten gehen sicherlich über die Grenzen des
ABM-Vertrags hinaus. Die Handlungen
der Sowjets zeigen also eindeutig,
daß sie nicht Verteidigungssysteme
schlechthin ablehnen - sie lehnen nur
die amerikanischen ab.
Zusätzlich zu ihren Angriffen auf

SDI behaupten die Sowjets, der ABMVertrag lege für alle Zeiten die einzige stabile strategische Regelung
fest: Eine Regelung die eine Stationierung von Verteidigungssystemen
gegen strategische Raketen erheblich
einschränkt. Sie können nicht erklären, warum wirksame Verteidigungssysteme gegen die bedrohlichste offensive Wafe, die strategische Rakete,
destabilisierend wirken würde - wäh-

- 2 -

�rend ihre Verteidigungssysteme in anderen Bereichen, etwa der Luftverteidigung, stabilisierend sind. Ferner
trifft es schlicht und einfach nicht
zu, daß mit dem ABM-Vertrag politisch
eine bestimmte, für alle Zeit gültige
strategische Regelung geschaffen wurde.
Im Gegenteil, der ABM-Vertrag
trug ausdrücklich der Tatsache Rechnung, daß sich die strategische Lage
in Zukunft verändern könnte.
Entsprechend bieten seine Bestimmungen
Raum für Gespräche und Änderungen.
Der ABM-Vertrag bietet darüber
hinaus einen bestimmten Mechanismus,
der besagt, daß keine Seite gegen die
Entscheidung der anderen, sich aufgrund übergeordneter Interessen zurückzuziehen und Verteidigungssysteme
außerhalb seiner Bestimmungen zu stationieren, ein Veto einlegen kann.
Die Vereinigten Staaten haben 1972
deutlich erklärt, solch ein Grund
könne die Tatsache sein, daß innerhalb von fünf Jahren kein Abkommen
zur drastischen Reduzierung strategischer Offensivwaffen erzielt wird.
Solch ein Abkommen wurde nicht geschlossen.
Heute - siebzehn Jahre
später - versuchen die Sowjets, ein
anderes Junktim zu dieser Voraussetzung des ABM-Vertrages aufzustellen.
Sie erklären, eine strenge Einhaltung
des
ABM-Vertrags
sei
für
einen
START-Vertrag zwingend erforderlich.
In der Zwischenzeit haben sich seit
1972 die strategischen Offensivwaffen
der Sowjets vervierfacht, während
sich unsere verdoppelt haben. Das
heißt, sogar gemäß den in START antizipierten erheblichen Reduzierungen
werden mehr strategische Waffen übrigbleiben als 1972. Der Zeitpunkt
für den Abschluß eines START-Vertrages, wie er 1972 vorgesehen war - ohne weitere Beschränkungen für eine
strategische Verteidigung - ist seit
langem überfällig.
Gleichzeitig verstehen wir das
Interesse der Sowjets an der Gewährleistung der Berechenbarkeit, da auf
beiden Seiten Forschung und experimentelle Arbeit fortgeführt werden
und Reduzierungen bei den strategi-

schen
Offensivwaffen
stattfinden.
Auch wir möchten die Berechenbarkeit
sicherstellen - nicht nur jetzt und
in naher Zukunft, sondern auch in
fernerer Zukunft, wenn mit Hilfe noch
ausgereifterer Technologien eine effektive Verteidigung geschaffen werden kann, die eine stärkere Rolle in
den strategischen Streitkräften beider Seiten spielen kann. Darin liegt
eine Grundlage für ein Abkommen im
Rahmen des Vertrags über Verteidigung
im Weltraum. Und obwohl noch Unstimmigkeiten in Schlüsselbereichen bestehen und wir langsamer vorankommen,
als wir uns das wünschen würden, gab
es gewisse Fortschritte in Richtung
auf ein solches Abkommen.
Besondere amerikanische Vorschläge haben angedeutet, wie diese Berechenbarkeit sichergestellt werden
könnte. Wir haben, auf den Vorschlag
von Premierministerin Thatcher, 1986
erste Vorschläge über "Maßnahmen zur
Berechenbarkeit"
unterbreitet.
Zu
Beginn des Jahres 1988 haben die Vereinigten Staaten offiziell ein Protokoll über Maßnahmen zur Berechenbarkeit im Rahmen eines Vertrags über
Verteidigung im Weltraum vorgelegt.
Obwohl noch keine Vereinbarung über
den besonderen Zweck des Protokolls
besteht, arbeiten beiden Seiten konstruktiv an einem gemeinsamen Entwurf. Insbesondere sind sich beide
Seiten darüber einig, daß sie nach
diesem Protokoll mit Hilfe der Zentren nur Reduzierung des nuklearen Risikos einen jährlichen Datenaustausch
über ihre Aktivitäten zu Entwicklung,
Erprobung Stationierung, Modernisierung und Austausch der Raketensysteme
zur strategischen Verteidigung durchführen wollen. Die Vereinigten Staaten wünschen sich darüber hinaus vor
Beginn der offiziellen Entwicklungsphase einen Datenaustausch über Forschungsaktivitäten.
Bei der Erarbeitung dieses Protokolls sind die Parteien ferner übreingekommen, Expertentreffen durchzuführen und auf der Grundlage des
jährlichen
Datenaustauschs
weitere
Aktivitäten zu planen, die auch Be-

- 3 -

�suche der Testgelände des anderen zur
Beobachtung bestimmter Tests vorsehen
könnten, wobei die einladende Seite
das Programm bestimmen würde. Wiederum würden die Vereinigten Staaten
weitergehen und auch gegenseitige Besuche in Labors befürworten, die sich
außerhalb der Testgelände befinden
könnten, ferner die Beobachtung von
Tests, die nicht notwendigerweise auf
Testgeländen stattfinden müßten sowie
Aktivitäten, die nicht unbedingt mit
Nationalen Technischen Mitteln zu beobachten sind. Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
diese Maßnahmen nur praktikabel sind,
wenn sie freiwillig, vergleichbar und
auf der Grundlage von Gegenseitigkeit
durchgeführt werden.
Obwohl sie die Idee solcher vertrauensbildender Maßnahmen akzeptieren, betonen die Sowjets auch die
Entwicklung neuer Verifizierungsmaßnahmen, einschließlich von für die
Vereinigten Staaten nicht akzeptablen
Vor-Ort-Inspektionen.
Natürlich unterstützen die Vereinigten Staaten
gemeinsame
Verifizierungsmaßnahmen,
wenn sie etwas leisten können, ohne
die Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
zu verletzen, wenn sie erforderlich,
den Umständen angemessen sind und die
zur Verhandlung stehenden Systeme betreffen. Aber in diesem Fall wird
die Verifizierung des ABM-Vertrags in
seiner 1972 unterzeichneten Fassung
von den Nationalen Technischen Mitteln geleistet. Da die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Maßnahmen zur Berechenbarkeit größere
Transparenz bei den Aktivitäten beider Seiten hervorbringen und einige
Verifizierungsziele vorantreiben würden, handelt es sich hierbei im wesentlichen um vertrauensbildende Maßnahmen.
In jedem Fall konnte der im Hinblick auf dieses Protokoll erzielte
erhebliche Fortschritt keine große
öffentliche Aufmerksamkeit auf sich
lenken.
Die Betonung lag vielmehr
auf sowjetischen Drohungen, es könne
kein START-Vertrag ohne eine Verein-

barung geschlossen werden, sich für
einen bestimmten Zeitraum nicht aus
dem ABM-Vertrag zurückzuziehen.
Tatsache ist, daß die Vereinigten
Staaten ßeit 1986 erklärt haben, sie
würden dem Abschluß eines separaten
Vertrags von unbegrenzter Dauer zustimmen, der auch eine Phase des
Nichtrückzugs umfaßt - nicht jedoch
als Preis für einen START-Vertrag,
der um seiner selbst willen geschlossen werden sollte. Die Vereinigten
Staaten sind vielmehr bereit, der sowjetischen Forderung nach einer Phase
des Nichtrückzugs nachzukommen, wenn
die Sowjets drei Bedingungen der Vereinigten Staaten erfüllen.
Erstens
werden die Vereinigten Staaten nach
der Phase des Nichtrückzugs die Freiheit haben, ohne weitere Berücksichtigung des ABM-Vertrags und nach einer sechsmonatigen Vorwarnzeit Verteidigungssysteme
zu
stationieren.
Zweitens bleiben die gemäß dem Völkerrecht bestehenden Rechte auf Rückzug und Kündigung, sofern sie nicht
mit der Stationierung an sich zusammenhängen, unberührt. Drittens darf
es in der Phase des Nichtrückzugs
keine Unstimmigkeiten über Forschung,
Entwicklung und Erprobung - auch im
Weltraum - geben. In diesem Zusmmenhang möchte ich hervorheben, daß die
Vereinigten Staaten das SDI-Programm
jetzt und in Zukunft im Einklang mit
allen internationalen Abkommen, einschließlich des ABM-Vertrags, durchführen werden.
Zwei dieser drei amerikanischen
Bedingungen wurden in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
vom 10. Dezember 1987 behandelt, einem wichtigen Meilenstein in unseren
Verhandlungen, mit dem es uns in Genf
möglich war, ein Abkommen mit demselben rechtlichen Status wie der ABMund der START-Vertrag auszuarbeiten.
Erstens wurde in Washington vereinbart, daß "intensive Diskussionen
über die Stabilität im strategischen
Bereich nicht später als drei Jahre
vor Ende des zu bestimmenden Zeitraums (des Nichtrückzugs) aufgenommen

- 4 -

�werden sollten, und danach wird jede
Seite - vorbehaltlich anderslautender
beiderseitiger Vereinbarungen - den
weiteren Verlauf ihrer Aktivitäten
frei bestimmen können". Damit wurde
ein neues System nach der Phase des
Nichtrückzugs anerkannt, demzufolge
jede Seite über die Stationierung von
Raketensystemen zur Verteidigung ohne
Berücksichtigung
des
ABM-Vertrags
entscheiden könnte. Die Position der
Vereinigten Staaten besagt, daß die
Einschränkungen des ABM-Vertrags weiterhin gelten, bis eine Partei von
ihrem "Stationierungsrecht" Gebrauch
macht.
Darüber hinaus wurde zweitens
vereinbart, daß beide Seiten "den
ABM-Vertrag in der 1972 unterzeichneten Version einhalten, während sie
die im Rahmen des ABM-Vertrags erlaubte Forschung, Entwicklung und Erprobung durchführen". Generalsekretär Gorbatschow stimmte dieser amerikanischen Sprachregelung zu, die von
den Sowjets in den vorausgegangenen
18 Monaten in Genf mit dem Argument
abgelehnt worden war, die Vereinigten
Staaten würden darunter die Erprobung
auf anderen physikalischen Prinzipien
beruhender weltraumgestutzter ABM-Systeme und ihrer Komponenten im Weltraum verstehen.
Hier in Genf haben die Sowjets
versucht, diese Vereinbarung des Washingtoner
Gipfels
herunterzuspielen. Im ersten Fall strebten sie eine Beendigung des Vertrags über Verteidigung im Weltraum mit Ablauf der
Nichtrückzugsphase an, womit die vereinbarten neuen Maßnahmen nach dieser
Phase null und nichtig würden. Der
von amerikanischer Seite vorgeschlagene Vertrag über Verteidigung im
Weltraum ist unbegrenzt gültig und
gewährleistet das "Recht zu Stationierung" zusammen mit den entsprechenden
Benachrichtigungsverfahren.
Im zweiten Fall haben die Sowjets erklärt, der "weiten Auslegung" des
ABM-Vertrags nicht zuzustimmen, obwohl die Genfer Verhandlungsprotokolle eindeutig belegen, daß sie verstanden haben, daß die Vereinigten

Staaten die "weite Auslegung" bei der
Formulierung meinten, der Generalsekretär Gorbatschow beim Gipfeltreffen
in Washington zugestimmt hat.
Infolgedessen haben die Vereinigten Staaten klargestellt, daß der Abschluß eines Vertrags über Verteidigung im Weltraum von der Klärung dieser Formulierung in der Gemeinsamen
Erklärung des Washingtoner Gipfels
abhängt, um ein klares gegenseitiges
Verständnis der genehmigten Erprobung
zu gewährleisten. Um dies zu verwirklichen und um die Diskussion über
Kontroversen über die Auslegung des
ABM-Vertrags
hinauszuführen,
haben
die Vereinigten Staaten drei Initiativen in die Wege geleitet. Erstens
haben sie die von mir bereits erwähnten Maßnahmen
zur Berechenbarkeit
vorgeschlagen.
Zweitens haben die
Vereinigten Staaten in Anbetracht der
unlösbaren Verifizierungsprobleme und
der vordringlichen Entwicklung neuer,
stablisierender
weltraumgestützter
Sensoren den Vorschlag unterbreitet,
daß beide Seiten übereinkommen, auf
der Grundlage des ABM-Vertrags die
Entwicklung, Erprobung oder Stationierung weltraumgestutzter Sensoren
der anderen Seite nicht abzulehnen.
Drittens haben wir im vergangenen Oktober eine Garantie für Erprobung im
Weltraum gegeben, die der von den Sowjets vorgebrachten Besorgnis über
die Stationierung von ABM-Systemen im
Weltraum oder die Errichtung eines
Stützpunkts für eine solche Stationierung Rechnung trägt.
In dieser
Garantieerklärung haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, daß
sie nur eine begrenzte Anzahl bestimmter Komponenten weltraumgestützter ABM-Systeme von ABM-Erprobungssatelliten aus erproben werden, die auf
anderen physikalische Prinzipien beruhen und fähig sind, ABM-Abfangraketen zur Abwehr ballistischer Raketen
oder ihrer Elemente während des Fluges zu ersetzen. Die Anzahl dieser
amerikanischen ABM-ErprobungsSatelliten, die sich gleichzeitig in der
Erdumlaufbahn befinden, wird nicht
niedriger sein, als dies realistisch
gesehen der Fähigkeit stationierter

- 5 -

�Systeme entsprechen würde. Im Zusammenhang mit dieser Garantieerklärung
haben wir Benachrichtigungsverfahren
vorgeschlagen, die sich auf die Erprobung
von
ABM-Versuchssatelliten
beziehen.
Obwohl die Sowjets noch nicht zugestimmt haben, sind wir zufrieden,
daß diese Initiativen von einer soliden
technischen
und
politischen
Grundlage ausgehen und sich gerecht
mit der Besorgnis beider Seiten auseinandersetzen.
Sie werden beiden
Seiten Berechenbarkeit im Hinblick
auf alle Verteidigungsaktivitäten mit
strategischen Raketen gewähren. Sie
geben die Garantie, daß über die Bestimmungen des ABM-Vertrags für einen
festgelegten Zeitraum keine Stationierung moderner Verteidigungssysteme
vorgenommen wird - sollte es dazu
kommen, garantieren sie, daß vorher
umfangreiche Diskussionen über die
Stabilität im Strategischen Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion stattgefunden
haben müssen.
Die
amerikanischen
Initiativen
zielen auch darauf ab, sicherere und
stabilere zukünftige Maßnahmen zu erarbeiten, bei denen die Sicherheit
beider Seiten und der ganizen Welt
sich auf die immer bedeutendere Rolle
einer effektiven nichtnuklearen Verteidigung gegen die bedrohlichste
Waffe der modernen Technologie - die
ballistische Offensivrakete - gründet, unabhängig davon, ob sie mit "nuklearen, konventionellen oder chemischen Gefechtsköpfen bestückt ist.
Diese Prognose Scheint sich voll und
ganz mit jüngsten sowjetischen Erklärungen zu decken, denen zufolge die
UdSSR ihre Militärstrategie insgesamt
ändert und ihr defensiven Charakter
verleiht. Und diese Prognose deckt
sich auch vollständig mit dem allseits bekannten sowjetischen Interesse an Verteidigung, generell gesprochen. Daher werden wir uns in Geduld
fassen und eine positive sowjetische
Reaktion abwarten.
In diesem Zusammenhang möchte ich

feststellen, daß wir eine nützliche
Runde unserer Verhandlungen beenden.
Die amerikanische Seite hat die Kontinuität der amerikanischen Position
zur Verteidigung im Weltraum betont
und mit dem Protokoll in Verbindung
stehendes neues Material zur Verfügung gestellt.
Obwohl die Sowjets
kein neues Material vorgelegt und
sich geweigert haben, die Positionen
beider Seiten in «einem Gemeinsamen
Entwurf des Vertrags über die Verteidigung im Weltraum zu verankern, haben sie konstruktiv am Protokoll des
Gemeinsamen Entwurfs mitgearbeitet.
In dieser Runde schien sich auch,
ausgehend von der gemeinsamen Erkenntnis, daß es keine absolute Waffe
gibt - sei sie offensiv oder defensiv
- eine leichte Verlagerung in Richtung auf eine umfassendere Erörterung
des
Offensiv-Defensiv-Verhältnlsses
abzuzeichnen. Wohin eine solche Diskussion angesichts fortschreitender
technischer
Möglichkeiten
führen
wird, ist unklar, aber es wäre höchst
unwahrscheinlich, zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß wirksame Verteidigungssysteme nicht stationiert
werden sollen, wenn sie sich als
machbar erweisen sollten. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, es
sei sinnvoll, wirksame Verteidigungssysteme zu entwickeln, wenn fortschreitende Technologien dies ermöglichen und sie zu Stationieren, wenn
sie fertig sind - vorzugsweise in gemäßigtem Tempo und auf kooperative
Art und Weise.
Abschließend möchte ich die Arbeit des Weltraumausschusses hier bei
der
Abrüstungskonferenz
würdigen.
Wie Sie meiner Beschreibung der Gespräche über die Verteidigung im
Weltraum entnehmen können, ist die
Arbeit in diesem Bereich außerordentlich kompliziert.
Verständnis auf
diesem Gebiet aufzubauen, ist kein
leichter Prozeß, und ich beglückwünsche den Weltraumausschuß zu der geleisteten Arbeit, größeres Verständnis für dieses Thema zu wecken. Während auf bilateraler Ebene zunächst
ein grundsätzlicher Rahmen geschaffen

�werden muß, haben die Vereinigten
Staaten nach wie vor Interesse an den
mit Rüstungskontrolle
im Weltraum
verbundenen Themen bei der Abrüstungskonferenz und wollen diese weiterhin prüfen. Aber die Vereinigten
Staten haben noch keine praktischen
Maßnahmen zur Rüstungskontrolle im
Weltraum ausgemacht, die auf multilateraler Ebene behandelt werden können.
•
*

Herr Präsident, es war mir eine
Ehre und ein Vergnügen, vor dieser
Konferenz sprechen zu dürfen.
Ich
verfolge Ihre Arbeit aufmerksam und
wünsche der Konferenz einen erfolgreichen Verlauf.
Ich danke Ihnen,
Herr Präsident.

* * * * *

- 7-

i

�AMERIKA DIENST
'VoN

Hintergrundmaterial

4

30

9. August 1989

WESTLICHE SICHERHEIT:

DIE USA UND IHRE NATO-PARTNER

- Regionale Übersicht des Außenministeriums -

Die folgende regionale Übersicht zur Sicherheit des Westens wurde vom Außenministerium im Juni 1989 veröffentlicht.

Westliche Sicherheit:
ihre NATO-Partner

USA und

es zum am schwersten bewaffnetenen
Kontinent der Welt machte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen
sich die von der Bedrohung des Naziregimes befreiten Völker Europas ;nit
zwei
diametral
entgegengesetzten
Sichtweisen
der Zukunft
konfrontiert. Die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten in Westeuropa sahen
ein Zeitalter der Demokratie vor
sich, das von der Freiheit des einzelnen und wirtschaftlichem Wohlstand
geprägt sein sollte, wie sie sich auf
der Grundlage freier Marktwirtschaft
entfalten können. Gemeinsam mit unseren Verbündeten bildeten wir &gt;;ln
Bollwerk gegen die von der Sowjetunion vertretene gegensätzliche Sichtweise - die Europa gegen den Willen
seiner Völker willkürlich teilte und

Anzeichen, daß die Sowjetunion durch Glasnost, Perestrojka, Demokratisierung und "neues Denken" - ihre
Vision der Zukunft ändert, bedeuten
nicht, daß die notwendige Solidarität
der Verbündetenen hinfällig geworden
ist. Mit Interesse und Wachsamkeit
beobachten wir die Veränderungen in
der Sowjetunion.
Die Vereinigten
Staaten
begrüßen
Glasnost, Perestrojka, neues politisches Denken und
die ersten zögernden Schritte in
Richtung auf Demokratisierung. Die
Vereinigten Staaten erwarten jedoch
greifbare Anzeichen, daß die Sowjets
ihr Verhalten im Hinblick auf militärische Expansion der Sowjetunion, Beschaffungsvorhaben
und Aufstellung

Die

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Tel.: 0228-339 2035
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�von
Streitkräften,
Militärdoktrin,
Menschenrechte, regionalen Konflikte
und militärische Unterstützung totalitärer Staaten geändert haben, bevor
sich die Haltung der Verbündeten in
den Beziehungen mit dem Ostblock entscheidend ändern kann.
Darüber hinaus ist die ehemals
von den Sowjets vertretene Sichtweise
eines in ideologische Lager aufgespaltenen Europas nicht der einzige
Grund für westliche Bündnisse und
Freundschaften.
In den vergangenen
vierzig Jahren haben die Vereinigten
Staaten und ihre NATO-Partner starke
politische, militärische und wirtschaftliche
Beziehungen
aufgebaut,
die durch gemeinsame Werte und grundsätzlich gemeinsame Interessen verknüpft sind. Bei den westlichen Verbündeten selbst haben enorme Veränderungen stattgefunden, und die Rolle
der Vereinigten Staaten ist heute wesentlich weniger vorherrschend als
nach dem Zweiten Weltkrieg. Weit davon entfernt, ein negatives Anzeichen
schwindenden Einflusses der Vereinigten Staaten zu sein, sind die Veränderungen der bestmögliche Beweis dafür, daß unsere politischen Maßnahmen
funktioniert haben. Obwohl die Vereinigten Staaten nicht die Hauptquelle von Ressourcen für Europas politische, wirtschaftliche und militärische Stärke sind, spielen sie eine
einzigartige Rolle als Katalysator
für Zusammenarbeit.
Die entscheidendste Entwicklung
in der Reaktion der Verbündeten auf
die Herausforderungen der Nachkriegszeit war die Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags im April 1949. Mit
diesem Dokument wurde die Organisation des Nordatlantikvertrags (NATO)
geschaffen, die vielfach als das
wirksamste und dauerhafteste Verteidigungsbündnis der modernen Geschichte angesehen wird. Die NATO ist ein
rein defensives Bündnis: sie erhebt
keine Gebietsansprüche gegenüber anderen Nationen und ihre Mitglieder
haben sich verpflichtet, ihre Streitkräfte nur zur Verteidigung des Bündnisgebiets einzusetzen. Während die

NATO im Jahr 1989 ihren 40. Jahrestag
feiert, werden kontinuierliche Konsultationen zwischen den Vereinigten
Staaten und den Verbündeten zu einem
umfassenden Ansatz nicht nur bei
Ost-West-Fragen führen, sondern das
westliche Bündnis bei der Bewältigung
der vor ihm liegenden Herausforderungen auch stärker als je zuvor machen.
Diese Übersicht prüft die grundsätzlichen Zielsetzungen der Vereinigten Staaten, während die NATO eine
Neubewertung eines sich verändernden
Sicherheitsklimas vornimmt und darauf
reagiert.

|

v
(Die
ursprünglichen
Mitglieder
der NATO waren: Belgien, Dänemark,
Frankreich, Großbritannien, Island,
Italien, Kanada, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal und die
Vereinigten Staaten. Die Bundesrepublik Deutschland, Griechenland, Spanien und die Türkei traten später
bei, wodurch sich die Zahl der NATOMitgliedstaaten
auf
16
erhöhte.
Frankreich zog sich im Jahr 1966 aus
der integrierten militärischen Struktur der NATO zurück, ist jedoch noch
Mitglied des Bündnisses).
Politische Beziehungen
In einer Ansprache beim Treffen
der europäischen
Außenminister in
Wien umriß Außenminister Baker am 6.
März 1989 "vier Freiheiten", die vom
Westen als Grundsteine für Demokratie
und friedliche Beziehungen angesehen
werden:
Die Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen, darunter die freie Wahl des
Arbeitsplatzes.
Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
wäre die Legalität der Gewerkschaft Solidarität die Norm und
nicht Thema kontroverser Verhandlungen gewesen.
Die Freiheit aller Europäer, ihre
politischen Meinungen zum Aus-

t
v

�druck zu bringen, wenn alle Ideen
dankbar aufgenommen werden und
die Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind. Würde der Ostblock diese Freiheit akzeptieren,
würden die Beobachter der KSZEVereinbarungen zu den Menschenrechten nicht von ihren Regierungen verfolgt.
Die Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht auf Freizügigkeit wahrzunehmen. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, wäre Wissenschaftlern der
Zugang zu Lehrmaterial niemals
verweigert worden - und die Berliner Mauer wäre nur noch Bruchstein.
Die Freiheit aller Europäer nicht
nur von einem militärischen Angriff sondern auch von militärischer Einschüchterung. Würde der
Ostblock diese Freiheit akzeptieren, sähen sich die Westeuropäer
nicht einer überwältigenden militärischen Streitmacht im Osten
gegenüber und die Osteuropäer wären in der Lage, eigene politische Entscheidungen ohne Furcht
zu treffen, von sowjetischen Panzern "überstimmt" zu werden, wie
es in der DDR im Jahr 1953, in
Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 der Fall war.
Dank dieser durch die Kraft freier Marktwirtschaften und enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten
genährten
unerschütterlichen
Verpflichtung zu diesen vier Grundsätzen
konnte Westeuropa sich mit Hilfe des
Marshall-Plans von der Verwüstung des
Zweiten Weltkriegs schneller erholen
als die meisten noch so optimistischen Planer erwartet hatten. Infolgedessen hat sich ein Teil der Macht
und des Einflusses der Vereinigten
Staaten auf die westeuropäischen Verbündeten verlagert.
Diese Entwicklung ist sowohl positiv als auch wünschenswert. Dennoch stellt sie uns
vor neue Herausforderungen, während
die Vereinigten Staaten und ihre Ver-

bündeten Mittel und Wege ergründen,
um sowohl den Nutzen als auch die Lasten der gemeinsamen Verteidigung zu
verteilen.
Die Westeuropäer gewöhnten sich
daran, daß die Vereinigten Staaten
einen Großteil der Kosten für die gemeinsame Verteidigung trugen. Heute
jedoch,
da
die
Volkswirtschaften
Westeuropas
amerikanische
Wirtschaf tsinteressen in den Vereinigten
Staaten und der ganzen Welt herausfordern, wird von den Amerikanern die
Meinung vertreten, Westeuropa sei nun
in der Lage, einen größeren Anteil
zur gemeinsamen Verteidigung beizutragen. Die Tatsache, daß das westliche Bündnis sogar inmitten einer
Debatte über solch grundlegende Fragen weiter an Stärke gewinnt, ist der
beste Beweis dafür, daß der demokratische Austausch von Ideen die einzige Garantie für dauerhaften Frieden
und Freundschaft bietet.
Gerade weil, sich die NATO aus
funktionierenden Demokratien zusammensetzt, muß die öffentliche Meinung
in vielen Staaten berücksichtigt werden, bevor wichtige politische, wirtschaftliche und militärische Entscheidungen gefällt werden. Zum Beispiel wurde der amerikanisch-sowjetische Vertrag zur Beseitigung der
nuklearen Mittelstreckenraketen (INF)
ermöglicht, weil sich die Menschen in
mehreren westeuropäischen Demokratien
trotz sowjetischer Schachzüge dafür
aussprachen, zunächst INF-Systeme zu
stationieren. Diese gemeinsame Handlungsweise der Verbündeten setzte
Moskau in Zugzwang, da die Sowjets
vor der Stationierung der westlichen
INF-Systeme ein Monopol bei diesen
Waffen besaßen und keinen Anlaß zu
ernsthaften
Verhandlungen
sahen.
Wichtige Beschlüsse zur Sicherheit
der Verbündeten sowie zu den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen müssen der Überprüfung durch die
Öffentlichkeit aller 16 Mitgliedstaaten standhalten.
Die
westlichen
Bündnispartner
sind sich seit langem der Tatsache

- 3 -

�bewußt, daß ihre Freiheit und ihr
Wohlstand am besten geschützt werden,
wenn sie ein wirksames Abschreckungspotential aufrechterhalten und gewisse Arrangements mit dem Osten treffen
können. Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE), die zum ersten Mal im Jahr
1972 in Helsinki zusammentraf, hat
sich bemüht, den Kern der politischen
und militärischen Probleme zu behandeln, die zur Instabilität in Europa
beitragen.
Folgetreffen im Rahmen
des sogenannten "KSZE-Prozesses" wurden zu verschiedensten Themen, von
den Menschenrechten bis zur friedlichen Beilegung von Konflikten und Umweltfragen einberufen.

Namen "flexible Reaktion" bekannte
Strategie, die auch heute noch gültig
ist. Die NATO ist bereit, jede ihr
zur Verfügung stehende Waffe einzusetzen, um einem Akt der Aggression
in geeigneter Weise entgegenzutreten.
Der Warschauer Pakt muß die
Möglichkeit in Betracht ziehen, daß
die NATO jedes ihr zur Verfügung stehende Mittel einsetzen könnte - einschließlich der Atomwaffen -, wenn
die Truppen des Warschauer Pakts in
Westeuropa
einmarschierten.
Diese
Flexibilität dient der Abschreckung
eines Krieges, indem der anderen Seite
unmißverständlich
klargemacht
wird, daß der Westen geeignete Maßnahmen ergreifen wird, um jeder Form
von Aggression zu begegnen.

Die nukleare Rüstungskontrolle

Auf beiden Seiten erschienen atomare Kurzstreckenwaffen, und die sowjetisch geführten Truppen und Panzer
des Warschauer Pakts waren denen des
Westens weiterhin zahlenmäßig weit
überlegen. Dies war ein entscheidender Faktor in der Verteidigungsstrategie des Bündnisses, weil die stärkste Militärmacht der NATO, die Vereinigten Staaten (Tausende von Meilen
von der Grenze zwischen Ost und West
entfernt), nicht in der Lage war,
konventi onelle
Streitkräfte
rasch
nach Europa zu verlegen.

Um
eigener
propagandistischer
Vorteile willen versucht die Sowjetunion häufig, die NATO-Strategie der
"flexiblen Reaktion" und unsere Bemühungen um Abschreckung eines Krieges
falsch darzustellen. So würde Moskau
es beispielsweise vorziehen, wenn wir
den Ersteinsatz nuklearer Waffen ausschlössen und Europa in eine "atomwaffenfreie Zone" verwandelten.
In
der Vergangenheit schlug Moskau ferner ein "Einfrieren" der Atomstreitkräfte auf den gegenwärtigen Niveaus
vor. Der wahre Charakter dieser sowjetischen Argumente wird deutlich,
wenn man in Betracht zieht, daß bei
Abwesenheit eines glaubwürdigen nuklearen Abschreckungspotentials die
konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts das Umfeld der europäischen Sicherheit beherrschen würden. Überdies hat die Geschichte gezeigt, daß selbst bei Vorhandensein
gleicher konventioneller Streitkräfteniveaus konventionelle Streitkräfte
allein einen Krieg nicht verhindern.
Es ist die auf einem glaubwürdigen
Mix moderner atomarer und konventioneller Waffen gegründete NATO-Strategie der Abschreckung, die in den vergangenen 40 Jahren den Frieden in Europa bewahrt hat.

Als Antwort auf die massive Aufrüstung des Ostblocks verabschiedete
die NATO im Jahr 1967 eine unter dem

Aufgrund dessen haben die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
die Frage der nuklearen Rüstungskon-

In den ersten Nachkriegsjahren
befand sich das militärische Gleichgewicht in Europa im Fluß. Es wurde
von Versuchen der Sowjets geprägt,
anderen Regierungen den Willen Moskaus aufzuzwingen.
Die amerikanischen strategischen
oder atomaren
Langstreckenraketen bildeten ein Gegengewicht zur Überlegenheit der Sowjetunion
bei den konventionellen
Streitkräften. Nach 1948 stellte die
Entwicklung von Atomwaffen durch die
Sowjetunion eine zusätzliche Bedrohung Europas und der Vereinigten
Staaten dar.

- 4 -

�trolle unter dem umfassenden Gesichtspunkt der westlichen Sicherheit
in Angriff genommen. Die Reduzierung
von Waffen ist kein Selbstzweck, unser Ziel besteht vielmehr in der Verbesserung der westlichen Sicherheit
und regionalen Stabilität. Die Vorschläge des Westens zur konventionellen Rüstungskontrolle zielen auf die
Beseitigung der Ungleichgewichte bei
den konventionellen Streitkräften und
auf die Verbesserung der Stabilität
ab.
Es gibt drei grundlegende Kategorien
landgestützter
Atomraketen:
Kurzstreckensysteme (SNF) mit einer
Reichweite unter 500 Km, Mittelstrekkensysteme mit Reichweiten zwischen
500 und 4 500 Km sowie Langstreckenoder strategische Systeme - Interkontinentalraketen
(ICBMs), unterseebootgestUtzte
ballistische
Raketen
(SLBMs) und schwere Bomber - mit einer Reichweite über 5 500 Km.
Die einzige von den Vereinigten
Staaten und der UdSSR vollständig
verbotene Kategorie von Atomraketen
sind
die
Mittelstreckensysteme
(INF).

Die

Sowjetunion

begann

mit

der Stationierung landgestützter Systeme, die Ziele in Westeuropa erreichen konnten, in den fünfziger Jahren. Die gefährlichsten dieser INFWaffen waren die modernen SS-20-Raketen, die von den Sowjets seit 1977
stationiert wurden.
Die westlichen
Bündnispartner einigten sich im Hinblick auf INF auf einen "zweigleisigen" Ansatz - die Stationierung neuer
INF-Systeme, um der sowjetischen Bedrohung zu begegnen, bei gleichzeitigen Verhandlungen mit den Sowjets, um
die SS-20 und andere sowjetische
INF-Raketen zu beseitigen.
Angesichts der Stationierung amerikanischer INF-Raketen stimmte die UdSSR
einem amerikanischen Vorschlag zu,
der ein vollständiges, verifizierbares Verbot aller Mittelstreckensysteme vorsieht.
Die strategischen Atorastreitkräfte sind Thema der Gespräche zur Ver-

ringerung
strategischer
Rüstungen
(START) mit dem Ziel, das Risiko eines Atomkriegs zu verringern.
Das
Ziel der Vereinigten Staaten bei den
START-Verhandlungen ist die Herbeiführung eines ausgewogenen und wirksam verifizierbaren Abkommens, mit
dem ein stabileres atomares Gleichgewicht geschaffen und damit der Anreiz
für jede Seite verringert wird, einen
Erstschlag durchzuführen. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus, daß
ein START-Vertrag in der Zukunft möglich ist, zunächst jedoch noch eine
Reihe schwieriger Fragen gelöst werden muß.
Dazu gehören:
mobile
ICBMs, see- und luftgestützte Marschflugkörper
sowie Untergrenzen für
ICBM-Gefechtsköpfe. In vielen dieser
Fälle bildet die Verifizierung die
schwierigste Herausforderung.
Die NATO sieht sich weiterhin der
unmittelbaren Bedrohung einer großen
Zahl atomarer Kurzstreckensysteme des
Warschauer
Pakts
ausgesetzt,
die
kürzlich noch erheblich modernisiert
wurden. In dem im Mai 1989 von der
NATO verabschiedeten
"Gesamtkonzept
für Rüstungskontrolle und Abrüstung"
bekräftigt die NATO ihre Haltung,
derzufolge es in vorhersehbarer Zukunft keine Alternative zur auf einem
geeigneten Mix angemessener und wirksamer nuklearer und konventioneller
Streitkräfte
gegründeten
Strategie
der Abschreckung gibt. Land-, seeund luftgestützte nukleare Systeme in
Westeuropa, darunter
auch landgestützte Raketen, werden weiterhin benötigt und gegebenenfalls modernisiert werden müssen. Im Einklang mit
der Verpflichtung der NATO, nur die
Mindestzahl der zur Aufrechterhaltung
dieser Strategie erforderlichen Atomwaffen beizubehalten, hat das Bündnis
bereits einseitige Kürzungen bei den
nuklearen Kurzstreckensystemen vorgenommen. Die Anzahl der landgestützten Gefechtsköpfe in Westeuropa wurde
seit 1979 um über ein Drittel abgebaut und erreichte somit ihren niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Eine
Modernisierung solcher Systeme würde
zu weiteren Reduzierungen führen.

- 5 -

�Konventionelle Rüstungskontrolle
Präsident Bush und Außenminister
Baker betrachten die konventionellen
Streitkräfte als einen der vorrangigsten Bereiche in der Rüstungskontrolle. Außenminister Baker hat das Problem sehr einfach umrissen: "Die Sowjetunion und ihre Verbündeten haben
eine ungeheure von schwer bewaffneten
Einheiten angeführte und starker Feuerkraft unterstützte Streitmacht stationiert. Diese Streitmacht ist auf
den Westen gerichtet."
Panzer und
Artillerie des Warschauer Pakts sind
der NATO im Verhältnis 3 zu 1 überlegen, und der Warschauer Pakt hat bei
Schützenpanzern einen Vorteil von 2
zu 1. Selbst wenn alle von Generalsekretär Gorbatschow und dem Warschauer Pakt angekündigten einseitigen Streitkräftereduzierungen vorgenommen würden, hätte der Warschauer
Pakt immer noch doppelt soviel Panzer
und Artillerie.
Am 9. März 1989 sind im Rahmen
des KSZE-Prozesses zwei neue autonome
Verhandlungen in Wien eröffnet worden. Die Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE)
decken das gesamte europäische Territorium des Warschauer Pakts und der
NATO-Staaten vom Atlantik bis zum
Ural ab. Bei den separaten Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) haben
alle beteiligten 35 KSZE-Länder das
Ziel, "Offenheit" zwischen Ost und
West hervorzubringen.
KSE.
Beim
NATO-Gipfeltreffen
am 29. Mai 1989 hat Präsident Bush
die Verbündeten aufgefordert, gemeinsam mit den Vereinigten Staaten den
weitreichendsten westlichen Vorschlag
zur konventionellen Rüstungskontrolle
zu unterbreiten, der jemals in der
Nachkriegszeit vorgelegt wurde. Der
Präsident hat mit Zustimmung der NATO
folgende Verbesserungen zum nunmehr
in Wien vorliegenden KSE-Vorschlag
der NATO vorgeschlagen:
Erstens sollen die Bündnispartner
die Zustimmung des Ostblocks zu den

vom Westen vorgeschlagenen Begrenzungen bei wichtigen Bereichen ihrer
Landstreitkräfte festklopfen.
Dazu
zählen Obergrenzen für die Anzahl der
Panzer
(20 000 für jede Seite),
Schützenpanzer (28 000 für jede Seite) und Artilleriegeschütze (16 500
bis 24 000 für jede Seite, je nach
Lösung von Fragen der Definition).
Das reduzierte Gerät würde zerstört.
Mit dieser Bestimmung würde der Ostblock verpflichtet, Zehntausende von
Waffensystemen zu vernichten und seine Vormachtstellung in diesen wichtigen Bereichen militärischer Stärke
aufzugeben.

,
\

Zweitens muß der Westen seinen
Vorschlag so erweitern, daß damit zum
ersten Mal das Konzept konventioneller Rüstungskontrolle auch alle landgestützten Kampfflugzeuge und Hubschrauber im Gebiet vom Atlantik bis
zum Ural abdeckt. Jede Seite wäre
verpflichtet, ihren Bestand auf 15
Prozent unter der gegenwärtigen Gesamtmenge der NATO zu reduzieren.
Alles reduzierte Gerät würde verschrottet. Wiederum würde trotz beiderseitig vorgenommener erheblicher
Kürzungen der Ostblock seine gegenwärtige Vormachtstellung bei diesen
Streitkräften verlieren.
Drittens müssen sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
auf einen gemeinsamen Stand von etwa
275 000 Soldaten der Land- und Luftstreitkräfte einigen, die außerhalb
des nationalen Territoriums im Gebiet
zwischen Atlantik und Ural stationiert sind. Die Vereinigten Staaten
sind bereit, ihre Kampftruppen um 20
Prozent zu reduzieren, um diesen
Stand zu erreichen. Bei dieser Reduzierung auf einen Gleichstand müßten
die Sowjets ihre 600 000 Mann starken
Truppen in Osteuropa um 325 000 Soldaten reduzieren.
Die auf beiden
Seiten abgezogenen Soldaten würden
entlassen.
&lt;
Viertens müßten beide Seiten ihren Zeitplan für den Abschluß eines
KSE-Abkommens im oben beschriebenen
Kontext und die Durchführung der er-

- 6 -

(

i

�Landes (etwa sowjetischer Truppen
in der DDR) sollten zusätzliche
Begrenzungen gelten. Diese beiden Punkte würden zusammengenommen sicherstellen, daß kein einzges Land Europa mit Waffengewalt
beherrschen könnte.

forderlichen Reduzierungen beschleunigen. Die Sowjetunionm strebt dabei
als Ziel das Jahr 1997 an, während
die Vereinigten Staaten innerhalb von
sechs Monaten bis zu einem Jahr ein
Abkommen erzielen und die Reduzierungen bis 1992 oder 1993 vornehmen wollen.

Die Beseitigung von Fähigkeiten
zur
Durchführung
von
Überraschungsangriffen und großen Offensivoperationen. Die Arten von
Waffensystemen, bei denen der
Ostblock die größten Vorteile hat
- Panzer, Artillerie und Schützenpanzer - sind solche Systeme,
die für den Einfall und die Besetzung von Terrotorium - dem
Hauptziel eines jeden Aggressors
von entscheidender Bedeutung
sind.

Die NATO hat als Ziel für die
Vorlage dieser Verbesserungen zusammen mit den Verifizierungsbestimmungen die Eröffnung von Runde III der
KSE am 7. September 1989 avisiert.
Wenn die Sowjetunion und ihre Verbündeten Bereitschaft zur Änderung ihrer
nationalen Prioritäten signalisieren
und
ihre ungeheuren militärischen
Aufstellungen reduzieren, sind die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten bereit, an der Verwirklichung
der seit langem gehegten Hoffnung eines sicheren und weniger militarisierten Europas mitzuwirken.

Die Vereinigten Staaten bestehen
darauf, daß jeder Rüstungskontrollvertrag wirksam verifizierbar sein muß und Inspektionen
verstärkt
durchgeführt
werden
sollen.

Die westlichen Verbündeten verfolgen bei KSE vier Hauptzielsetzungen:
Die Errichtung eines sicheren und
stabilen Gleichgewichts konventioneller Streitkräfte auf niedrigerem Niveau. Die gegenwärtige
Konzentration
konventioneller
Streitkräfte
zwischen
Atlantik
und Ural stellt das größte jemals
aufgestellte destruktive Potential konventioneller Streitkräfte
dar.
Allein die Präsenz einer
solchen massiven Feuerkraft bedroht die Sicherheit Europas.
Die Behebung von Stabilität und
Sicherheit abträglichen Ungleichgewichten. Es ist das erhebliche
Ungleichgewicht bei Panzern, Artillerie und Schützenpanzern, das
die Stabilität und Sicherheit Europas am stärksten bedroht. Insbesondere sollte es keinem einzigen Land erlaubt sein, mehr als
einen festgelegten Anteil aller
Waffensysteme zu besitzen, die
alle Parteien haben.
Für die
Stationierung von Soldaten auf
dem Territorium eines anderen

VSBM. Mit Hilfe der VSBM soll
das Risiko für bewaffnete Konflikte
abgebaut werden, die aufgrund von
Mißverständnissen oder Fehleinschätzungen militärischer Fähigkeiten und
Absichten in Europa entstehen könnten. Nach dem erfolgreichen Abschluß
des Stockholmer Abkommens von 1986
und der zweieinhalbjährigen Erfahrung
mit seiner Durchführung werden die 35
Teilnehmerstaaten der KSZE erneut in
Wien zusammenkommen, um zusätzliche
Maßnahmen zu erarbeiten. Der westliche Vorschlag konzentriert sich dabei
auf Maßnahmen zur Förderung von Offenheit und Transparenz von militärischen Strukturen, Gerät und Aktivitäten und verringert damit die Wahrscheinlichkeit, daß solche Waffen jemals eingesetzt werden.
Ausblick
Wirtschaftliche, soziale und politische Veränderungen in der Sowjetunion und Osteuropa finden genau zu

- 7 -

�dem Zeitpunkt statt, an dem die
Volkswirtschaften und Demokratien der
Verbündeten einen Aufschwung erfahren. Neue Ufer liegen jetzt vor einem Kontinent, der vor vierzig Jahren
durch einen Konflikt zweier gegensätzlicher Visionen geteilt wurde.
Mit dem nachlassenden Konflikt könnte
es möglich sein, alte Hindernisse auf
Europas Weg in die Zukunft zu beseitigen.
Die Vereinigten Staaten und ihre
NATO-Verbündeten arbeiten gemeinsam
an der Beseitigung der größten Hindernisse - insbesondere des konventionellen Ungleichgewichts und den
Schleiern der Geheimhaltung, die sich
lange über die Sicherheit Europas und
den Weltfrieden gelegt haben. Dieser
Prozeß wird nicht leicht sein, aber
einem freien, offenen, sicheren und
wohlhabenden Europa den Weg bereiten.

* * * * *

- 8-

�AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

30

9. August 1989

INTEGRIERTES ENTSORGUNGSPROGRAMM FÜR ATOMANLAGEN

- Fünfjahresplan des US-Energieministeriums -

(AD). - Der Energieminister der Vereinigtes Staaten, Admlral James D.
Watklns, kündigte am 1. August 1989
Im Nationalen Presseklub in Washington einen auf zunächst fünf Jahre angesetzten Plan zur Entsorgung an nuklearen
Produktionsstätten an.
Er
ist Teil des wenige Tage zuvor bekanntgegebenen Programms zum Aufbau
einer "Nationalen Energiestrategie",
mit deren Hilfe das Land seinen Energiebedarf weit in das nächste Jahi—
hundert hinein decken kann.
Mehr denn je muß Watkins zufolge
nach Energietechnologien gesucht werden, bei denen keine Abfälle erzeugt
werden oder, falls sie nicht zu vermeiden sind, diese ordnungsgemäß entsorgt werden. Das gilt z.B. für die
festen
Rückstände
von
Entschwefe-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

lungsanlagen in Kohleund Heizölkraftwerken aber ebenso für die Rückstände
aus der Produktion von Kernmaterial
für Verteidigungszwecke.
Aus vielerlei Gründen
befindet
sich Watkins zufolge der letztgenannte Komplex in einem desolaten Zustand.
Eine Reihe von Anlagen Ist
überaltert. Manche mußten wegen notwendiger
S1eherheitsVerbesserungen
abgeschaltet werden, was bereits zu
einer Verknappung von Tritium führte.
Erst kürzlich hat man den Bau
eines
neuen
Produktionsreaktors
ernsthaft in Erwägung gezogen.
Infolge fragwürdiger Prioritäten in der
Vergangenheit und sich häufig ändernder Betriebsvorschriften sind Umweltprobleme In diesen Anlagen weit verbreitet; Gesundheitsund Sicherheits-

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�Vorkehrungen sind erst im nachhinein
getroffen worden und daher noch unvollständig. Ursprünglich waren sie
in den Betrieben nicht vorgesehen.
Der jetzt vorgesehene Fünfjahresplan gibt Auskunft darüber, wie das
Energieministerium die Einhaltung von
Gesetzen,
Betriebsbestimmungen
und
Abkommen zum Schutz der Gesundheit
von Mensch und Umwelt in den Einrichtungen, die Forschung für Verteidigungsprogramme, an Kernenergie und
Energie allgemein betrieben, gewährleisten will. Die auf 90 Tage angesetzte öffentliche Erörterung des Dokuments beginnt nach Bekanntgabe im
Bundesregister am 28. August. Nur
die nationale Sicherheit betreffende
Aktivitäten unterliegen weiterhin der
Geheimhaltung.
An der Ausarbeitung des Planes
waren Fachleute und Dienststellen des
Energieministeriums, Gouverneure der
betroffenen Bundesstaaten, gewählte
Vertreter des Indianerreservate sowie
Repräsentanten des Nationalen Gouverneursrats, der Nationalen Konferenz
der Parlamente der Bundesstaaten und
des Nationalen Verbandes der Justizminister
beteiligt.
Anschließend
wurde der Plan dem Ausschuß für Atommüll
bei
der Nationalen Wissenschaftsakademie vorgelegt.
Die von
all diesen Gremien vorgebrachten Bedenken wurden berücksichtigt.
"Wir
planen ein lebendiges Dokument - keinen starren Fünfjahresplan", sagte
Watkins.
Zum ersten Mal werden zur Korrekturmaßnahmen, Umweltschutz und Entsorgung sowie angewandte Forschung
und Entwicklung, für Verteidigungsprogramme, Kernenergie und Energieforschung in ein Gesamtprogramm integriert. Man wird alle wissenschaftlich anwendbaren Möglichkeiten nutzen, um Probleme an Ort und Stelle zu
lösen, statt sie ständig zu verlagern.
Technologien zur Behandlung
vou deponiertem Abfall, die nicht
dessen Abtransport erfordern, haben
dabei höchste Priorität.

Bereits bekannte Verseuchung an
stillgelegten Anlagen darf sich nicht
ausbreiten.
Verseuchung in anderen
Betrieben, über deren Art und Ausmaß
Unklarheit besteht, muß im Rahmen
realistischer technischer und zeitlicher Planung sowie zur Bereitstellung
der erforderlichen Mittel analysiert
werden. Gesundheitsdaten der Mitarbeiter aus dem Energieministerium unterstehenden
Betrieben
sollen zur
wissenschaftlichen Auswertung freigegeben und Gesundheitsrisiken beim
früherem, gegenwärtigem und künftigem
Betrieb der Anlagen bewertet werden.
Watkins verwies auf die Notwendigkeit, intensiv und kompetent auf
die Ziele des Planes hinzuarbeiten,
um sich auch die Unterstützung des
Kongresses zu sichern. Risiken für
die menschliche
Gesundheit müssen
wirksam abgebaut werden.
Am Forschungsund Entwicklungsprogramm sind
Universitäten, die Industrie, nationale Laboratorien und andere Bundesbehörden zu beteiligen, um Prioritäten und notwendige Projekte zu steuern und neue bzw. verbesserte Technologien zur Abfallminimierung und Entsorgung anzuwenden. Der Personalbedarf mit engagierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern ist den Aufgaben entsprechen zu berücksichtigen.
Watkins schätzt, daß die Entseuchung, Entsorgung und Wiederherstellung der Umwelt bei nuklearen Anlagen
30 Jahre in Anspruch nehmen wird.
Der Kostenaufwand wird vielfach auf
150 Milliarden Dollar veranschlagt,
was Watkins als zu hoch ansieht.

* * * * *

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

09.

31

September

I N H A L T

Dokumentat ion

Reagan

gründet

- Ansprache

Privatisierungskommission

des Präsidenten

Reagan;
Wir werden unsere
nicht im Stich lassen
- Ansprache

vor

-

Freunde

in

Nicaragua

Regierungsbeauftragten

Hintergrundmaterial

Amerikanische

Öffentlichkeit

- Jüngste Analysen

unterstützt

und M e i n u n g s u m f r a g e n

NATO
-

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

1987

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
9. September 1987

31

REAGAN GRÜNDET PRIVATISIERUNGSKOMMISSION
- Ansprache des Präsidenten -

Washington - (AD) - Präsident Reagan hat eine Kommission zur Privatisierung ernannt, die seinen Worten zufolge Empfehlungen erarbeiten wird, "wie wir
bestimmte hierfür geeignete Bundesaufgaben wieder in die Hände der Privatwirtschaft zurückführen können".
Reagan gab seine Absicht zur Ernennung des überparteilichen Gremiums am 3.
September bekannt und erklärte, dessen Aufgabe bestünde in der Überprüfung
sämtlicher Bundesaufgaben und der Vorlage eines Berichts darüber, "welche Regierungsprogramme, Initiativen und Dienstleistungen in zweckmäßigerer Weise
ein Teil der Privatwirtschaft sind".

Nachfolgend geben wir den Text der Verlautbarung wieder
Heute gebe ich meine Absicht zur
Ernennung der 13 Mitglieder meiner
Privatisierungskommission
bekannt.
Die Kommission wird zur Erfüllung der
Verpflichtung beitragen, die ich mit
meiner Vorlage eines Verfassungszusatzes zur Wirtschaftspolitik eingegangen bin, um den ungerechten Wettbewerb mit der Regierung zu beenden
und Regierungsprogramme und -guthaben
an das amerikanische Volk zurückzugeben.
Die Privatisierung folgt der
großen Tradition von freiem Unternehmertum und Privateigentum, die seit
langem ein Teil der amerikanischen

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Geschichte ist - vom damaligen Verkauf von Regierungsland gemäß der
Nordwestlichen Verfügung bis hin zu
jenem
Parzellierungsprogramm
der
Grundstücke, durch das vor über 100
Jahren den Pionieren die Besiedlung
des amerikanischen Westens ermöglicht
wurde.
Es gibt zahlreiche Aktivitäten,
die bei der Bundesregierung
keine
passende Funktion haben und daher
einfach der Privatwirtschaft überlassen werden sollten.
Die amerikanischen Bürger wissen, daß die Regie-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�rung bei der Erbringung bestimmter
Dienstleistungen in vielen Fällen weniger leistungsfähig ist als private
Firmen.
Regierungsbehörden
haben
nicht die gleichen Anreize und Interessen, die es der Privatwirtschaft
erlauben, Güter und Dienstleistungen
effektiver und wirtschaftlicher anzubieten.
Privatisierungsprogramme
bieten
die Gelegenheit, allen Teilen der Gesellschaft große Nutzen zu bringen Arbeiter können am Besitz neu geschaffener Privatfirmen teilweise beteiligt werden und erhalten häufig
Lohnerhöhungen,
die
Öffentlichkeit
erhält bessere Dienstleistungen, die
Firmenleitung kann auf eventuelle Anreize unabhängig reagieren, um ein
Geschäft erfolgreich aufbauen zu können, und der Wettbewerb in der freien
Wirtschaft gibt anderen die Möglichkeit, an dem Aufschwung teilzuhaben.
Wie die jüngste Erfahrung in Großbritannien zeigt, wächst durch die
Privatisierung auch die Teilnahme der
öffentlichen Hand am Marktgeschehen durch den Verkauf von regierungseigenen Firmen stieg die Zahl der Haushalte mit Aktienbesitz sprunghaft.
In den Vereinigten Staaten ist
die Privatisierung in den Einzelstaaten und Städten viel energischer als
auf Bundesebene verfolgt worden. Eine der vielen Erfolgsmeldungen kommt
gerade hier aus dem Süden Kaliforniens.
Die vom Bezirk Los Angeles
geleitete medizinische Fakultät der
Universität
von Südkalifornien
hat
die Nahrungsmittelversorgung an ein
Unternehmen außer Haus vergeben und
herausgefunden, daß sie über sechs
Millionen Dollar in vier Jahren einsparen konnte. Die meisten der von
dieser
Veränderung
betroffenen Arbeitnehmer des Bezirks wurden von dem
privaten Arbeitgeber übernommen, und
90 Prozent von ihnen erhielten eine

Lohnerhöhung, als die Dienstleistung
in Privathände überging.
Professor David Linowes von der
Universität Illinois wird den Vorsitz
der Kommission führen.
Die anderen
Mitglieder werden ein breites Spektrum von Fachkenntnissen in die Kommission einbringen.
Die
überparteiliche
Kommission
wird sämtliche Aufgaben der Bundesregierung überprüfen und einen Bericht
darüber vorlegen, welche Regierungsprogramme, Initiativen und Dienstleistungen in zweckmäßigerer Weise ein
Teil der Privatwirtschaft sind. Ausserdem wird von der Kommission erwartet, daß sie sich einen Überblick
über die wissenschaftlichen Arbeiten
zur Privatisierung verschafft und die
Errungenschaften anderer Länder sowie
der Staatsund Stadtregierungen prüft.
Auf der Grundlage ihrer Erkenntnisse
wird die Kommission Vorschläge unterbreiten, wie wir bestimmte hierfür
geeignete
Bundesaufgaben
wieder
in
die Hände der Privatwirtschaft zurückführen können - durch den Verkauf
von Regierungsanlagen
und -werten,
die Beteiligung von Privatfirmen an
Dienstleistungen für Regierungsbehörden, oder den Gebrauch von Gutscheinen, um der Öffentlichkeit Dienstleistungen durch die Privatwirtschaft
zukommen zu lassen.
Ich werde Privatisierungsinitiativen im Gesetzgebungsverfahren vorschlagen.
Bis dahin wird meine Regierung unsere derzeitigen
Privatisierungsinitiativen
weiter energisch verfolgen.
Ich habe die Hoffnung, daß meine
Kommission zur Privatisierung in der
Lage sein wird, die Politisierung aus
den Privatisierungsbemühungen herauszunehmen und eine nationale Politik
vorzuschlagen - eine Politik, die die
Lehren
aus unseren
zurückliegenden
Erfolgen
zieht, wie
beispielsweise

�aus
dem
Parzellierungsprogramm
im
Westen, das die amerikanische Wirtschaft in die größte und beste verwandelt hat, die es jemals auf der
Welt gegeben hat - und eine Politik,
die an die Genialität unseres Systems
des freien Unternehmertums zum Nutzen
aller Amerikaner appelliert.

* * * * *

- 3 -

4

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

9. September 1987

31

REAGAN: WIR WERDEN UNSERE FREUNDE IN NICARAGUA NICHT IM STICH LASSEN
- Ansprache vor Regierungsbeauftragten WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vor hochrangigen Regierungsbeauftragten am 8. September im Weißen Haus erneuerte Präsident Reagan seine Zusage
für eine Unterstützung der nicaraguanischen Freiheitskämpfer und erklärte,
"wir werden unsere nicaraguanischen Freunde nicht im Stich lassen".
Reagan ging ferner auf die noch verbleibenden 16 Monate seiner Amtszeit
ein und verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß die Probleme in Mittelamerika "manchmal verwirrend geworden sind", sich der Kernpunkt jedoch niemals
verändert hat. Dieser Kernpunkt besteht Reagan zufolge in "Frieden und Freiheit für Mittelamerika" und in der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache im Wortlaut:
Vielen Dank.
Ich danke Ihnen,
denke aber, daß George (Bush) und ich
Ihnen applaudieren sollten.
Ich war
der Ansicht, es sei gut, nach den erholsamen Sommerferien hier zusammenzukommen - obwohl es stimmt, daß Sommerferien nicht immer erholsam sind und dazu gibt es eine Anekdote.

ihm hatte:
"Beruhigen Sie sich, es
ist kein so großer Verstoß", worauf
der Fahrer erwiderte:
"Es mag für
Sie kaum von Bedeutung sein, aber für
mich bedeutet es, daß ich den Anhänger, meine Frau und meine vier Kinder
verloren habe".

Ein Verkehrsteilnehmer wurde auf
seinem Weg zu seinem Ferienziel in
den Bergen von einem Polizisten gestoppt: "Wissen Sie, daß Sie ohne
Rücklicht fahren?" Der Fahrer sprang
aus dem Wagen.
Er war derart bestürzt, daß der Polizist Mitleid mit

Es ist gut, angesichts der bevorstehenden sechzehn Monate zusammenzukommen.
Es sind nur noch sechzehn
Monate.
Ab jetzt müssen wir jede
neue Aufgabe mit demselben Bewußtsein
für Dringlichkeit angehen, mit dem
wir 1981 nach Washington kamen. Die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Herausforderung
und die Ziele
Reichweite.

ist nicht geringer,
sind immer noch in

Hier möchte ich etwas einfügen.
Die Politik hat mich immer ein wenig
an meine frühere Karriere erinnert:
dort lautete das Motto: Eröffne eine
Show immer mit einem großartigen Auftakt. Jetzt ist es an der Zeit für
ein noch besseres Finale und einen
guten Vorhang.
Im Rahmen der Innenpolitik steht
uns noch eine wichtige Aufgabe bevor,
oder vielleicht sollte ich sagen,
keine geringere Aufgabe als die Bestätigung
des
Obersten
Richters
Robert Bork.
Richter Bork ist seit
seiner Nominierung in die Schußlinie
geraten, weil er ein rechtsgerichteter Ideologe sein soll. Wir wissen,
daß diese Vorwürfe nicht stimmen.
Richter Bork glaubt an juristisches Maßhalten.
Und das bedeutet,
Gesetze so zu interpretieren, wie gewählte Vertretern dies gewollt haben,
und sie auch so anzuerkennen, und
nicht etwa, sie nach juristischem
Gutdünken auszulegen. In den Fällen,
in denen Gesetze moralische Probleme
behandeln, hat Richter Bork erklärt,
und ich zitiere hier, "der moralische
Bestandteil von Gesetzen muß sich auf
die Moral seines Verfassers oder des
Gesetzgebers stützen, niemals auf die
Moral des Richters".
Bedenken Sie die folgende Ironie.
Es gibt Gesetzgeber, die sich einem
Richter widersetzen, der sich nach
ihnen richten will und der vertrauensvoll an der Zielsetzung der von
ihnen verabschiedeten Gesetze festhält.
Das Land will und verdient
einen Obersten Gerichtshof, der die
Gesetze nicht formuliert, sondern sie
auslegt.

- 2

Richter Bork bringt die besten
Qualifikationen mit - er ist einer
der
ausgezeichnetsten
Juristen des
Landes und ein Richter, wie er im Buche steht.
Er ist ebenfalls ein
Richter des Volkes, der voll und ganz
an die Verfassung glaubt, die die
Rechte der Menschen schützt, und an
die
Regierungsgewalt
des
Volkes
selbst. Ich bin davon überzeugt, daß
er schließlich bestätigt wird, aber
es ist nicht zu leugnen, daß es ein
harter Kampf werden wird.
Ich brauche die Hilfe jeder Person in diesem
Raum, besonders derjenigen, die regelmäßig mit dem Kongreß umgehen.
Ich wollte an dieser Stelle eine
Frage stellen, aber als ich seinen
Namen erwähnte, brauchte ich die Frage nicht mehr zu stellen. Ich möchte
Sie bitten, sich bereit zu halten:
wenn es zur Wiederherstellung des juristischen Maßes als dem Leitprinzip
amerikanischer Gerichte und zur wohlverdienten
Bestätigung
von Richter
Bork beim Obersten Gerichtshof kommt,
kann ich dann auf Sie zählen?
Sie
haben diese Frage bereits beantwortet.
Nun zum Haushaltsverfahren, oder
man sollte besser sagen, zum sogenannten Haushaltsverfahren.
Es gibt
eine Verzögerung nach der anderen,
einen überschrittenen Termin nach dem
anderen - das Verfahren ist also weder verläßlich noch glaubwürdig.
Und betrachten
sie, was dabei
herauskommt.
Im Rahmen des Bundesprogramms werden Millionen ausgegeben, um Luxushotels, Restaurants und
Wohneinheiten zu bauen. Vor kurzem
habe ich bereits in Indiana gesagt,
daß ich kaum Zeit hatte, herauszufinden, was 'Yuppies' waren, als der
Kongreß schon begann, sie zu unterstützen. Und da gibt es fragwürdige
Projekte für öffentliche Bauten; die
landwirtschaftlichen
Programme, die

�für den kleinen Farmer kaum etwas abwerfen, die vielmehr einem bereits
wohlhabenen Farmer mehr als 13 Millionen Dollar bereitgestellt haben;
die acht Millionen Dollar, die der
Kongreß in diesem Jahr zur Errichtung
eines Zentrums für - stellen Sie sich
vor - Unkrautforschung bewilligt hat.
Es wird Zeit, das alljährliche
Haushaltsfiasko zu beenden - es wird
Zeit, die Maßnahmen in Kraft treten
zu lassen, die wir im Rahmen unseres
Vorschlags eines Verfassungszusatzes
zur Wirtschaftspolitik vorgelegt haben. Und lassen Sie mich hinzufügen,
daß wir auf einigen Gebieten nicht
warten, bis der Kongreß handelt. Die
Privatisierung ist eine neue Initiative, die ich als Teil eines Verfassungszusatzes zur Wirtschaftspolitik
angekündigt habe.
Vergangene Woche
habe ich eine private - oder besser
überparteiliche - Kommission ernannt,
die mir über Möglichkeiten berichten
soll, wie wir den Umfang der Bundesregierung
dauerhaft
kürzen
können,
indem
wir
die
hierfür
geeigneten
Bundesaufgaben wieder in die Hände
der Privatwirtschaft zurückführen.
Der zentrale Punkt bei all unseren Bemühungen zur Erlangung eines
disziplinierten Haushalts, wird die
Verabschiedung eines selektiven Vetos
und des Zusatzartikels für einen ausgeglichenen Haushalt sein.
Ich möchte noch etwas hinzufügen,
was diesen
Zusatzartikel betrifft.
32 Bundesstaaten haben bereits eine
Resolution angenommen, die die Einsetzung
einer
verfassungsgebenden
Versammlung zum Zweck der Ausarbeitung eines Zusatzartikels für einen
ausgeglichenen Haushalt fordert. Das
sind 32 Bundesstaaten von insgesamt
34, die gebraucht werden, bevor eine
solche Versammlung tatsächlich einberufen werden kann. Und ich kann Ih-

nen versichern, daß jedesmal, wenn
ich draußen im Lande einen ausgeglichenen Haushalt erwähnt habe - in Ansprachen zu nicht weniger als 30 000
Menschen
während
einer
Versammlung
unter freien Himmel - erhalte ich
stürmischen Applaus, wenn
ich nur
diesen Begriff erwähne.
Und meines
Erachtens sollte hier in Washington
der Kongress die Disziplin an den Tag
legen, einen eigenen
Zusatzartikel
für einen ausgeglichenen Haushalt zu
verabschieden.
Wenn
der
Kongress
sich jedoch weigert, dies zu tun,
dann sollten wir meines Erachtens alle darin übereinstimmen, daß diese
Angelegenheit direkt den Gesetzgebern
in den Bundesstaaten übergeben werden
muß.
Sie wissen, daß ich es beinahe
genieße, darüber nochmals in Sakramento zu sprechen.
Am 12. August habe ich den Kongreß dazu aufgerufen, über unseren
Verfassungszusatz für einen ausgeglichenen Haushalt klar und deutlich abzustimmen. Dieses Angebot steht noch
immer.
Im Rahmen der Außenpolitik stehen
wir, wie Sie wissen, mit der Sowjetunion in engen Verhandlungen über Rüstungskontrolle.
Dies sind Verhandlungen, die die Hoffnung auf einen
wirklichen Abbau der beiderseitigen
nuklearen Arsenale in Aussicht stellen. Und in Nicaragua ist die dringenste und entscheidenste Aufgabe der
Aufbau der Demokratie.
In den vergangenen Wochen schien
das Thema Mittelamerika manchmal verwirrend geworden
zu sein.
Fragen
häuften sich auf:
wer schlug was
vor, und mit wie vielen möglichen
Stimmen kann für dies oder jenes auf
dem Kapitol gerechnet werden.
Der
Kernpunkt jedoch hat sich nie geändert.
Dieser Kernpunkt ist Frieden
und Demokratie in Mittelamerika und

- 3 -

�nationale
Staaten.

Sicherheit

der

Vereinigten

Wie schon der Präsident von Costa
Rica, Arias, erklärt hat, wird es
niemals Frieden in Mittelamerika geben, bis Nicaragua eine "echte Demokratie" hervorgebracht hat.
Wenn die andere Seite Frieden
will, gibt es keinen Grund zu zögern.
Laßt sie jetzt zu einer Demokratisierung kommen.
Die Demokratie erfordert einen sofortigen Waffenstillstand mit den Freiheitskämpfern, eine
Generalamnestie, und die ausgehandelte Freilassung von Tausenden politischer Gefangener aus den Gefängnissen der Sandinisten, ein festgelegtes
Datum für freie, faire und international überwachte nationale Wahlen,
und die sofortige Anerkennung der
elementarsten
Menschenrechte,
einschließlich
der Rede-, Presse- und
Religionsfreiheit.
Die Zeit ist gekommen, sich auf das Ziel zu konzentrieren, Frieden und Demokratie nach
ganz Mittelamerika und insbesondere
Nicaragua zu bringen.
Wir müssen uns über eines im klaren sein. Wir werden unsere Freunde
in Nicaragua nicht im Stich lassen.
Gott schütze sie. Wir teilen ihren
Wunsch nach Frieden, Wohlstand und
Demokratie.
Und wir werden sie in
ihrem Streben genauso unterstützen,
wie wir das in der Vergangenheit getan haben. Ein System, das einer Demokratie lediglich ähnlich ist, werden wir nicht akzeptieren.
Bis zu
diesem Punkt sind wir nur durch die
Bemühungen der über 15 000 Freiheitskämpfer gelangt, die für Freiheit in
ihrem Land kämpfen oder sogar, wie
manche von ihnen, dafür sterben. Es
ist ihr Land, ihre Zukunft. Und wenn
das
jüngste Friedensabkommen
seine
Aufgaben nicht erfüllt, sollen sie
sich weiter auf unsere Unterstützung

verlassen können, bis Nicaragua eine
echte Demokratie ist. Vielen Dank.
Sie haben klar gemacht, daß wir heute
wie stets jenen tapferen Männern und
Frauen beistehen, die für die Freiheit des Menschen arbeiten, beten und
sogar kämpfen.
Nun blicken wir auf mehr als
sechs Jahre zurück, und gerade noch
weitere 16 Monate liegen vor uns.
Ich möchte Sie wissen lassen, wie
sehr ich Ihnen für alles danke, was
jeder von Ihnen getan hat. Für all
ihre Zeugenaussagen auf dem Kapitol,
für all ihre Reisen, ihre Reden und
Interviews, für
ihre Unterstützung
und Hingabe.
Ich weiß, diese vergangenen Monate sind nicht einfach gewesen. Glauben Sie mir, ich weiß es. Und vielleicht war das schlimmste von allem
die Tatsache, daß es zeitweise so
aussah, als ob uns die Ereignisse
einfach überrollen.
Jemand hat die
Geschichte einmal so definiert, daß
er sagte, es passiert einfach eine
verdammte Sache nach der anderen.
Aber Geschichte geschieht nicht
einfach so - sie wird gemacht. Und
sogar in den schwierigsten Momenten
dieser zurückliegenden Monate haben
wir weiter Geschichte gemacht, haben
wir geradlinig danach gestrebt, unsere Vision von Amerika Wirklichkeit
werden zu lassen.
c

Und was wir tatsächlich sehen,
ist eine intensive Sorge für die Sache der Freiheit des Menschen in unserer eigenen Hemisphäre. Wir sehen
eine sich ausbreitende Demokratie vom
Rand des Pazifiks bis nach Südamerika
und darüber hinaus. Es gibt mehr beschäftigte Amerikaner in besseren Positionen als jemals zuvor. Das Volk
erhält mehr und Regierungsgewalt wird

»

�abgebaut.
Aber wir dürfen jetzt nicht damit
aufhören.
Es muß noch viel getan
werden, um an jenen Schutzmaßnahmen
zu arbeiten, die eine niedrige Inflation, niedrige Zinsen und steigende
Produktivität
bringen.
Wir
stehen
heute am Scheideweg, und das Land
wartet darauf zu sehen, welchen Weg
wir einschlagen.
Laßt uns in den verbleibenden 16
Monaten für unsere eigene Generation
und vor allem für unsere Kinder und
Enkel gemeinsam damit fortfahren, Geschichte zu machen.
Lassen Sie mich vielleicht mit
einem kleinen irischen Gebet zum Abschluß kommen, obwohl ich glaube, daß
manche es für einen Fluch halten.
Mögen jene uns lieben, die uns lieben. Und jenen, die uns nicht lieben, möge Gott die Herzen umkehren.
Und wenn Gott ihre Herzen nicht umkehrt, möge er ihnen ihre Knöchel
verrenken, damit wir sie an ihrem
Humpeln erkennen können.
Vielen Dank und Gott schütze Sie.
Ich weiß nicht, was Sie heute
noch vorhaben, aber George und ich
werden wohl an die Arbeit zurückkehren.

* * * * *

- 5 -

�AMERIKA DIENST
"4-

^

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

9. September 1987

31

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT UNTERSTÜTZT NATO
- Jüngste Analysen und Meinungsumfragen -

WASHINGTON - (AD) - Untersuchungen der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten lassen einem hochrangigen Meinungsforscher der Regierung zufolge weiterhin ein starkes amerikanisches Engagement für die Verteidigung
Europas erkennen.
Der Meinungsforschungsexperte des US-Außenministeriums, Alvin Richman, erklärte, die Unterstützung der Öffentlichkeit für den Einsatz amerikanischer
Truppen zur Verteidigung Westeuropas sei gegen Ende der siebziger Jahre stark
gestiegen.
Richman wies insbesondere auf die
Dauerhaftigkeit
des
amerikanischen
Engagements in Europa hin und zitierte eine von Roper durchgeführte Umfrage, bei der 54 Prozent der Befragten auf die folgende Frage eine positive Antwort gaben:
"Würden sie es
unterstützen,
wenn
amerikanische
Truppen Europa gegen einen Angriff
der Sowjets verteidigten".
Richman
erklärte, die Antwort hätte nicht wesentlich unter ihrem im Jahre 1980 nach der sowjetischen Besetzung Afghanistans - erzielten Höhepunkt von
60 Prozent gelegen.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Der
Meinungsforschungsexperte
verwies auf eine andere im Jahre 1986
durchgeführte Umfrage der G. Lawrence
Co. in Philadelphia, die auf dieselbe
Frage 59 Prozent zustimmender Antworten erhielt, auch wenn in ihrer Frage
die mangelnde Bereitschaft der europäischen Verbündeten zur Unterstützung
amerikanischer
Aktionen
gegen
Libyen erwähnt wurde.
Die Verteidigung Europas als anhaltendes
amerikanisches
Anliegen
zeigte
sich
Richman
zufolge
erst

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�kürzlich in den Ergebnissen einer vom
Chicagoer Rat für Auswärtige Beziehungen in Auftrag gegebenen Umfrage.
Der im Jahre 1922 gegründete Rat hat
sich der Förderung von Pflege und
besserem Verständnis
amerikanischer
Außenpolitik verschrieben.
Der von Gallup durchgeführten Umfrage des Rates von September 1986
zufolge glauben 70 Prozent der amerikanischen Öffentlichkeit und 85 Prozent der meinungsbildenden
Schicht
-prominente
außenpolitische
Experten-, die Vereinigten
Staaten
sollten entweder ihr Niveau militärischen Engagements für die NATO verstärken oder zumindest das derzeitige
aufrechterhalten.
Die im Jahre 1949 gegründete NATO
bildet das Bollwerk der westlichen
Verteidigung gegen einen sowjetischen
Expansionismus in Europa. Dem Bündnis gehören die Vereinigten Staaten,
Kanada und
14 weitere europäische
Staaten an.
Der
Meinungsforschungsexperte
ging auch auf die allgemeine Hinwendung zur internationalen Politik in
den Vereinigten Staaten ein und berichtete:
"Zum ersten Mal seit dem
Vietnamkrieg stellte die amerikanische Öffentlichkeit unsere Beziehungen zu anderen Ländern an die Spitze
ihrer Liste von 13 persönlichen Anliegen" .
Er verwies auf die Ergebnisse
jüngster Umfragen der Fernsehgesellschaft CBS und der New York Times,
denen zufolge im Jahre 1986 in der
Öffentlichkeit drei Hauptthemen vorherrschten:
Terror ismusbekämpfung,
Kontrolle über Nuklearwaffen und die
Iran-Contra-Affäre.
Trotz mancher regelmäßig wiederkehrender Forderungen, auch von Kon-

greßabgeordneten,
die
Truppenstarke
in Europa abzubauen - es sind gegenwärtig
über
325 000 Soldaten dort
stationiert - zeigt die Umfrage des
Chicagoer Rates ein überwältigendes
amerikanisches
Engagement
für
die
Beibehaltung amerikanischer nuklearer
und konventioneller Streitkräfte auf
den bestehenden Niveaus im Atlantischen Bündnis.
In einem Begleitbericht zu den
Ergebnissen der Umfrage weist der Rat
darauf hin, die Untersuchung "zeigt
bei der amerikanischen Öffentlichkeit
und der meinungsbildenden Schicht eine anhaltende Vorrangstellung für die
Beziehung der NATO zu den westeuropäischen Ländern".
Auf europäischer Seite lag eine
Hauptsorge in der Furcht vor einer
amerikanischen Abkopplung von der Politik der NATO, die ein Gegengewicht
zur sowjetischen Truppenstärke bildet, zum Beispiel durch einen einseitigen amerikanischen Abbau der Truppen oder der vollständigen Beseitigung der Nuklearwaffen in Europa.
Der Meinungsumfrage zufolge sind
für die Verbündeten sowohl in Europa
als auch im Fernen Osten die Ergebnisse von erheblicher Bedeutung, die
eine klare Mehrheit zugunsten eines
Kampfeinsatzes im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa oder
Japan aufweisen.
Die Gallup-Umfrage des Rates ging
mit ihrer Frage an amerikanische Meinungsführer auf dieses Problem ein:
"Glauben sie, die Vereinigten Staaten
sollten zum gegenwärtigen Zeitpunkt
die amerikanischen Truppen in Europa
belassen und die amerikanische Nukleargarantie
für
Westeuropa
aufrechterhalten?"
82 Prozent der meinungsbildenden
Schicht
antworteten
mit 'Ja'.

�Eine interessante Tatsache ist,
daß einer 1987 durchgeführten britischen Meinungsumfrage
zufolge beim
Vertrauen in die amerikanische nukleare Unterstützung des Bündnisses
eine Wechselbeziehung
besteht.
56
Prozent der Befragten erklärten ihre
Überzeugung, die Vereinigten Staaten
würden zur Verteidigung Westeuropas
gegen eine sowjetische Invasion von
Nuklearwaffen Gebrauch machen.
Von besonderer Bedeutung sollte
für Europäer, die etwa eine Tagesreise von den Truppen des Warschauer
Paktes entfernt leben und in sehr direktem Maße betroffen sind, das Wissen darum sein, daß der Umfrage des
Chicagoer Rates zufolge 68 Prozent
der amerikanischen Öffentlichkeit und
93
Prozent
der
meinungsbildenden
Schicht dem Kampfeinsatz amerikanischer Truppen im Falle einer sowjetischen Invasion Westeuropas positiv
gegenüberstünden.
Eine Anzahl von Kritikern des
Bündnisses haben den Abbau der Stärke
amerikanischer Truppen in Europa gefordert und sich auf die mangelnde
europäische Bereitschaft bezogen, ihren Anteil der zur Verbesserung konventioneller Streitkräfte notwendigen
Ausgaben zu übernehmen.
Trotz dieser Kritik erkennen die
Amerikaner in zunehmendem Maße die
von den Europäern im Bündnis geleisteten Beiträge an. Verteidigungsminister
Caspar
Weinberger
schrieb
kürzlich in einem Artikel: "Wir müssen erkennen, daß unsere Verbündeten,
einzeln
und
zusammengenommen
einen
größeren Beitrag zur allgemeinen Verteidigung leisten als sich das viele
Leute vorstellen".
Als Beispiel
führte Weinberger
an, daß die Mitglieder des Bündnisses

3,5 Millionen Soldaten unter Waffen
haben, verglichen mit ewa 2 Millionen
in
den
Vereinigten
Staaten.
Weinberger zufolge würden im Falle
eines Krieges 60 Prozent aller Bodenund
Luftstreitkräfte
von
nichtamerikanischen Mitgliedern des Bündnisses bereitgestellt.
Sogar zu einer Zeit der angespannten Haushaltslage in den Vereinigten Staten, wo Unterstützung für
die Beschneidung der Verteidigungsausgaben um sich greift, wollen 62
Prozent der Öffentlichkeit und 77
Prozent der meinungsbildenden Schicht
der Umfrage des Chicagoer Rates zufolge eine amerikanische Beteiligung
an der Verteidigung Europas "auf dem
gegenwärtigen Stand" fortsetzen.
Richman erklärte, die Statistik
beweise, daß "Truppen zu einem großen
Teil die amerikanischen Bindungen zu
Westeuropa symbolisieren und ein anhaltendes Engagement in der Region
dokumentieren".
Trotz der Kritik des Kongresses
fand die Umfrage des Chicagoer Rates
heraus, daß von den Vertretern der
meinungsbildenden Schicht 96 Prozent
der Kongreßabgeordneten mit 'Ja' auf
die Frage antworteten:
"Würden Sie
zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Truppen in Europa belassen und die amerikanische Nukleargarantie
für Westeuropa aufrechterhalten?"
Im Bericht des Chicagoer Rates
heißt es:
"Obwohl die meinungsbildende Gruppe
in Amerika einzelnen
europäischen Maßnahmen oft kritisch
gegenübersteht und verschiedene Alternativen zu den gegenwärtigen Sicherheitsabsprachen
offen
erörtert,
bleibt der Konsens erhalten, daß die
Vereinigten Staaten sich nicht militärisch aus Europa zurückziehen sollten".

- 3 -

�In bezug auf kulturelle Gemeinsamkeiten zeigt die Umfrage des Rates, daß Europa weiterhin einen positiven Platz in der amerikanischen öffentlichen Meinung einnimmt. Auf die
Frage des Rates:
"Wenn Sie einen
Sohn oder eine Tochter hätten, und
ihn oder sie zu einem Studienaufenthalt ins Ausland schicken würden,
welchen Aufenthaltsort würden Sie ihm
oder ihr raten?" 70 Prozent antworteten 'Europa1.

* * * * *

- 4

�</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

9. September 1992

36

C-WAFFEN

USA UNTERSTÜTZEN VEREINBARTES
C-WAFFENVERBOT UNEINGESCHRÄNKT
Rede von ACDA-Direktor Lehman
vor der Abrüstungskonferenz

DEUTSCHLAND-USA

UNSERE KULTURELLEN BEZIEHUNGEN DIE BINDUNGEN, DIE UNS VEREINEN
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

JUGOSLAWIEN

VEREINIGTE STAATEN SAGEN
40 MILLIONEN DOLLAR AN FLÜCHTLINGSHILFE FÜR JUGOSLAWIEN ZU
Erklärung von Botschafter Zimmerman

SOMALIA

HILFSPLAN DER USA FÜR SOMALIA
Erklärung des Sonderbeauftragten Natsios

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

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Telex: 8-85432

�C-WAFFEN
9. September 1992

USA UNTERSTÜTZEN VEREINBARTES
C-WAFFENVERBOT UNEINGESCHRÄNKT
Rede von ACDA-Direktor Lehman vor der Abrüstungskonferenz
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten unterstützen das am 3. September 1992 in Genf vereinbarte Verbot
chemischer Waffen uneingeschränkt und beantragen die Weiterleitung des Vertragstextes an die Generalversammlung der Vereinten Nationen zur weltweiten Zustimmung.
"Die Vereinigten Staaten unterstützen die Konvention über chemische Waffen uneingeschränkt", erklärte der
Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), Ronald Lehman, vor der 39 Nationen
umfassenden Genfer Abrüstungskonferenz (CD).
Die Konvention wurde am selben Tag an die Generalversammlung in New York weitergeleitet.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von ACDA-Direktor Lehman vor der Abrüstungskonferenz im Wortlaut.

Herr Präsident, ich möchte zunächst Ihnen, Herr Botschafter Servais, für die Übernahme der Konferenzleitung danken. Ich versichere Ihnen unsere uneingeschränkte Unterstützung für den Verlauf der Konferenz. Insbesondere begrü ßen wir die bevorstehenden
inoffiziellen Konsultationen während der CD-Sitzungen.
Es ist ein Vergnügen, wieder in Genf zu sein. Obwohl
ich mehrere Jahre als Unterhändler bei den Verhandlungen über die Verringerung strategischer Rüstungen
(START) mit der ehemaligen Sowjetunion hier in Genf
tätig war und auch für andere Abrüstungsverhandlungen nach Genf zurückgekommen bin, ist dies das erste
Mal, daß ich die Gelegenheit zu einer offiziellen Rede
vor der Abrüstungskonferenz habe. Für mein Land
und mich ist dies ein außerordentlich wichtiger Augenblick.
Herr Präsident, die vergangenen 12 Monate waren
konstruktiv für die Rüstungskontrolle. Bei der Sondierung der durch die Umgestaltung des Sicherheitsumfeldes der Welt geschaffenen Möglichkeiten haben die
Vereinigten Staaten und Rußland mit den Worten von
Präsident Bush "die weitreichendste Verringerung von
Nuklearwaffen seit Anbruch des Atomzeitalters", vereinbart. Darüber hinaus hat sich die Zahl der Unterzeichner des Nichtverbreitungsvertrags auf rund 150

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Staaten erhöht. Der KSE-Vertrag wurde in allen
Bereichen provisorisch angewandt. Zusammen mit
Kanada und den Vereinigten Staaten hat Europa den
Vertrag über Offene Himmel unterzeichnet, der mit der
Zeit Regionen weit über seinen ursprünglichen Anwendungsbereich hinaus einbeziehen könnte. Und bei
den UNO-Resolutionen über Transparenz bei Rüstungen haben die Mitglieder der Vereinten Nationen einmütig eine neue Maßnahme unterstützt, um das Problem der Aufstellung destabilisierender Streitkräfte in
Krisenregionen in den Griff zu bekommen. Dies sind
nur einige der Höhepunkte.
Am wichtigsten für die Anwesenden hier ist, daß auch
die Abrüstungskonferenz ihre Möglichkeiten voll ausgeschöpft hat.
Wir kommen heute hier an einem historischen Zeitpunkt der langen Bestrebungen der Abrüstungskonferenz zusammen, multilaterale Rüstungskontrolle und
Abrüstung zu bewirken. Im Einklang mit seinem
Mandat ist es dem Ad-hoc-Ausschuß in diesem Jahr
gelungen, seine scheinbar endlosen Verhandlungen
über ein Verbot chemischer Waffen zu beenden. Dies
ist eine gro ße Leistung für eine sicherere Welt. Wir alle
können stolz auf das von Ihnen Geleistete sein.
Über viele Jahre hinweg haben Menschen in Genf und
in den Hauptstädten hart an einer Konvention über
Seite 1

�chemische Waffen gearbeitet. Es war nicht leicht, den
Ideen und Sorgen der einzelnen Delegationen gerecht
zu werden. Und es war ebenfalls nicht leicht, Bestimmungen zu erarbeiten, die den komplexen Erfordernissen eines wirksamen Verbots chemischer Waffen
Rechnung tragen.
Mit Durchhaltevermögen und Kreativität hat die Konferenz ein Dokument hervorgebracht, das in vielen Bereichen neues Terrain erschließt. Die Konvention über
chemische Waffen ist beispiellos im Hinblick auf die
enthaltenen Einschränkungen sowie ihr Verifikationssystem und ihren vielfältigen Nutzen insbesondere für
die Entwicklungsländer.
Gelegentlich besteht eine Tendenz, bei der unvermeidbaren Konzentration auf die Einzelheiten des
Textes den Gesamtzusammenhang zu verlieren. Ich
möchte kurz die bemerkenswerten Einzelheiten dieser
Konvention erläutern.
Zum ersten Mal haben Staaten auf multilateraler Ebene
dem vollständigen Verbot einer ganzen Kategorie von
Waffen einschließlich der Durchführungsmechanismen zugestimmt. Das Ziel des Vertrags über chemische Waffen ist nicht nur die Eindämmung der Verbreitung chemischer Waffen oder der Erhalt des Status
quo. Es besteht vielmehr in der Beseitigung eines
ganzen Waffentyps - Waffen, die in großen Mengen
existieren und im Kampf eingesetzt wurden.
Dieses Verbot wird absolut sein. Alle Aktivitäten für
offensive chemische Zwecke werden verboten, nicht
nur der Einsatz solcher Waffen. Alle bestehenden
chemischen Waffen werden zerstört, nicht nur einige.
Alle Gebiete der Welt werden geschützt, nicht nur eine
spezifische Region oder einige wenige Staaten.
Im Hinblick auf die C-Waffenarsenale möchte ich
betonen, daß sich die Vereinigten Staaten als ein
Land, das im Besitz chemischer Waffen ist, verpflichten, ihren gesamten Chemiewaffenbestand binnen der
im Vertrag festgelegten 10jährigen Zerstörungsphase
zu vernichten. Der gesamte amerikanische Bestand
ist auf amerikanischem Territorium gelagert. Alle
amerikanischen Arsenale werden auf amerikanischem
Territorium zerstört. Andere Staaten können sich auf
diese Zusagen verlassen, während sie die Offenlegung vorbereiten und die Erfüllung der Verifikationsbestimmungen im Rahmen der Konvention anstreben.
Der beispiellose Umfang der Konvention erfordert
einmalige Verifikationsmaßnahmen. Der Vertrag sieht
die Deklaration und Inspektion chemischer Waffen
und deren Produktionseinrichtungen, kontinuierliche
Inspektionen bis zu ihrer Zerstörung sowie die lnspektion der Zerstörung vor. Die Inspektoren können
während des Zerstörungsprozesses der chemischen
Waffen ständig anwesend sein.
Die Verifikationsbestimmungen des Vertrags sind auch
von der komplexen Beziehung zwischen chemischen
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Aktivitäten geleitet, die verboten und denjenigen, die
nicht verboten werden. Sowohl die Industrie- als auch
die Entwicklungsländer hängen von einer großen
Bandbreite chemischer Aktivitäten ab. Bedauerlicherweise können viele gängige Industriechemikalien und
ihre Produktionseinrichtungen für C-Waffenzwecke
mißbraucht werden. Die Aufgabe der Unterhändler
bestand in der Erarbeitung von Maßnahmen, mit denen
die Einhaltung wirksam verifiziert werden kann, die
jedoch legitime Industrieaktivitäten nicht ungebührlich
beeinträchtigen. Je größer das Risiko, desto genauer
die Überwachung. Infolgedessen wird sich die Verifizierung auf die Aktivitäten konzentrieren, die das größte Risiko darstellen. Wo genehmigte Aktivitäten ein
geringeres Risiko bergen, werden andere, weniger
strikte Maßnahmen angewandt, die dennoch dazu
beitragen, das Potential zur Umgehung des Systems
zu verringern.
Ein Sicherheitsnetz für das Verifizierungssystem wird
durch die Bestimmungen über Verdachtsinspektionen
bereitgestellt. Diese gehen weit über die in anderen
jüngeren Abkommen enthaltenen analogen Maßnahmen hinaus. Gleichzeitig werden die legitimen Anliegen des inspizierten Staates gut geschützt.
Eine weitere Innovation im Verifizierungssystem ist
das Konzept der Koordinierung bilateraler und multilateraler Verifizierungsbemühungen. Dies wird dazu
beitragen, die direkten Kosten für die Verwirklichung
der Konvention zu reduzieren, ohne das Ausmaß der
den Parteien gewährten Garantien zu schmälern.
Um die Durchführung dieser Konvention - insbesondere die Verwirklichung ihrer Verifizierungsbestimmungen - zu überwachen, wird eine wichtige neue internationale Organisation ins Leben gerufen. Die Verifizierungspflichten dieser Organisation - und damit auch
die an sie gestellten Anforderungen - sind wesentlich
umfassender als die unter normalen Umständen von
der IAEO und anderen bestehenden Gremien zu erfüllenden.
Diese Kombination aus strikter Verifizierung von Einrichtungen zur Waffenproduktion und umfassender
Überwachung privatwirtschaftlicher Aktivitäten ist das
einzigartige Merkmal der Konvention über chemische
Waffen. Sie stellt eine phantasievolle und praktische
Lösung eines einzigartigen Problems dar.
Zusätzlich zu ihrem Anwendungsbereich und dem
Verifizierungssystem bietet die Konvention den Entwicklungsländern ein einmaliges Maß an Garantien.
Artikel X sieht Beistand für einen Staat vor, der mit
chemischen Waffen angegriffen oder bedroht wird.
Nothilfe soll unverzüglich geleistet werden.
Die in Artikel X enthaltenen Sieherheitsgarantien werden durch wirtschaftliche Garantien in Artikel XI ergänzt. Diese Bestimmungen bedeuten, daß die Konvention die Entwicklung einer chemischen Industrie

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�fördern wird anstatt sie zu behindern. Gleichzeitig
behalten die Staaten ihr souveränes Recht, den Export
chemischer Stoffe und Geräte von ihrem Territorium
aus zu kontrollieren, um wichtige Ziele der nationalen
Sicherheit und Außenpolitik zu fördern. Ich möchte
dazu feststellen, daß die Mitglieder der AustralienGruppe Zusicherungen abgegeben haben, daß sie
ihre Kontrollen in Zusammenhang mit C-Waffen im
Hinblick darauf überprüfen werden, sie bei Exporten in
solche Staaten aufzuheben, die diese Konvention
uneingeschränkt erfüllen. Darüber hinaus möchte ich
anmerken, daß die Konvention dem Handel mit Nichtvertragsstaaten Beschränkungen auferlegt. Dies ist
ein wichtiger Schritt, um zur allgemeinen Einhaltung
der Konvention zu ermutigen.
Schließlich gehen wir im Hinblick auf die Kosten davon
aus, daß von Beginn an den finanziellen Aspekten der
Verwirklichung der Konventionsbestimmungen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muß. Wir
sind uns der wirtschaftlichen Belastungen bewußt, an
denen die Staaten bereits heute schwer zu tragen
haben, insbesondere diejenigen, in denen derzeit eine
schwierige Wirtschaftslage herrscht. Wir sind bereit, in
der Vorbereitungsphase wie auch nach Inkrafttreten
des Vertrags eng mit anderen zusammenzuarbeiten,
um im Einklang mit der erforderlichen effektiven Durchführung der Konventionsbestimmungen die Kosten
möglichst niedrig zu halten.
Herr Präsident, die Konvention über chemische Waffen ist nicht perfekt. Jeder von uns kann Bestimmungen anführen, die seiner Meinung nach verbesserungswürdig sind. Ferner steht fest, daß jeder von uns
andere Bestimmungen kritisieren würde. Was nach
Meinung einer Delegation geändert werden sollte, darf
nach Meinung einer anderen nicht geändert werden und umgekehrt.
Tatsache ist, daß wir nach jahrelangen Verhandlungen
ein delikates Gleichgewicht zwischen konkurrierenden
Interessen und Anliegen erreicht haben. Dazu gehören: ein Gleichgewicht zwischen den Anliegen von
Staaten, die chemische Waffen besitzen und Staaten,
die keine haben; ein Gleichgewicht zwischen dem für
die Verifizierung erforderlichen Zugang und den notwendigen Beschränkungen, um sicherheitsempfindliche nichtchemische Rüstungsaktivitäten oder Wirtschaftsinteressen zu schützen; ein Gleichgewicht
zwischen den Interessen der Industriestaaten und
denen der Entwicklungsländer.
Die wichtigste Frage ist heute, ob die Konvention dem
Ziel der Beseitigung chemischer Waffen gerecht wird
und sich darüber hinaus als für die Staaten akzeptabel
erweist. Wir gehen davon aus, daß beides zutrifft.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Konvention
über chemische Waffen uneingeschränkt. Sie stellt
eine wichtige internationale Norm dar, an der das
Verhalten jedes Mitglieds der internationalen Staaten-

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gemeinschaft gemessen werden wird. Wir dringen
darauf, daß sie der Generalversammlung der Vereinten Nationen zur Zustimmung vorgelegt wird, damit sie
zu Beginn des nächsten Jahres zur Unterzeichnung
geöffnet werden kann. Ich gehe davon aus, daß diese
Ansichten von einer überwältigenden Mehrheit der
Staaten geteilt werden, die an den Verhandlungen
beteiligt waren. Meine Regierung hofft in der Tat, daß
alle anderen Staaten zu dem Schluß kommen, daß sie
diese Konvention unterstützen, unterzeichnen und
ratifizieren sollten.
Bevor ich das Thema chemische Waffen verlasse,
möchte ich betonen, daß der Abschluß der Verhandlungen - so wichtig er ist - nur eine Phase eines
längeren Prozesses darstellt. Die Durchführung wird
dasselbe Maß an Hartnäckigkeit und Kreativität erfordern wie die Verhandlungen. Anhaltende enge Zusammenarbeit zwischen den Staaten wird unerläßlich
sein. Die Erfahrung zeigt, daß ein Vertrag nur dann
Erfolg hat, wenn seine Durchführung gut vorbereitet
und genau überwacht wird. Wir fordern alle Staaten
auf, Erstunterzeichner zu werden und an der Vorbereitungskonferenz teilzunehmen.
Die Vereinigten Staaten möchten der Abrüstungskonferenz und ihren Mitgliedern nochmals gratulieren.
Insbesondere beglückwünschen wir den Vorsitzenden
des Ad-hoc-Ausschusses, Botschafter Adolf von
Wagner, für seine unermüdlichen Bemühungen, die
eine solch wichtige Rolle bei dieser Errungenschaft
gespielt haben sowie Senator Gareth Evans, den
Außenminister von Australien, daß er den Verhandlungen über C-Waffen mit seiner Initiative zu Beginn
dieses Jahres neue Impulse gegeben hat.
Wir sehen dem Erfolg der C-Waffenkonvention erwartungsvoll entgegen, und wir versprechen alles in unserer Macht Stehende zu tun, um zu gewährleisten, daß
ihre ehrgeizigen Ziele erfüllt werden. Ich möchte
eindeutig feststellen, daß die Vereinigten Staaten
Erstunterzeichner dieser Konvention sein werden, und
wir fordern alle anderen Staaten auf, zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine ebensolche öffentliche Verpflichtung einzugehen.
Herr Präsident, der Abschluß der Arbeit an der Konvention über chemische Waffen lenkt unsere Gedanken in eine andere Richtung. Welchem Bereich sollte
die Abrüstungskonferenz als nächstem ihre Aufmerksamkeit schenken? Das Ende des Kalten Krieges hat
uns im Hinblick auf Chancen und Herausforderungen
für Rüstungskontrolle und Abrüstung mehr und nicht
weniger gebracht. Eine Vielzahl neuer Sicherheitsprobleme mit ihren dazugehörigen Rütsungskontrolldimensionen verlangt unsere unmittelbare Aufmerksamkeit. Die derzeitige Tagesordnung der CD, deren
Wurzeln vielfach in einer Vergangenheit liegen, die
immer mehr in den Hintergrund tritt, muß den Erfordernissen der neunziger Jahre angepaßt werden, nicht
denen der siebziger Jahre.

Seite 3

�Einige der neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen machen sich bereits im Arbeitsbereich der
Abrüstungskonferenz bemerkbar. Das Thema der
Transparenz bei den Rüstungen mit seiner UNOKomponente eines Registers für konventionelle Waffenlieferungen und seiner CD-Komponente einer tiefgreifenderen Untersuchung des Problems ist eine
dieser Fragen. Darüber hinaus müssen wir erneut alle
Themen auf der Tagesordnung der Abrüstungskonferenz unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Revision überprüfen, um die Entwicklungen der vergangenen beiden Jahre zu berücksichtigen oder sie gänzlich
zu streichen, falls sie heute überholt sind. Die Nichtverbreitung als allgemeines Problem könnte darüber
hinaus nach Möglichkeiten durchforstet werden, mit
denen die CD Maßnahmen ergreifen kann, um die
anhaltende Arbeit in anderen Foren zu stärken oder
ergänzen. Die Abrüstungskonferenz sollte jedoch
nicht versuchen, die andauernde Arbeit in anderen
Foren zu überlagern. Konkrete Vorbereitungen für die
NPT-Konferenz von 1995 wären zum Beispiel geeig-

nete Aktivitäten für die Parteien in den einschlägigen
Gremien, nicht für die CD.
Darüber hinaus stehen wir vor der Herausforderung,
die Abrüstungskonferenz selbst ihrem neuen Umfeld
anzupassen. Das Problem wird darin bestehen, über
die geeignete Struktur und den Schwerpunkt der CD
im Zeitalter nach dem Kalten Krieg zu entscheiden.
Dies ist ein Thema, zu dem wir die Arbeit bereits
aufgenommen haben. Ich weiß zum Beispiel, daß Sie,
Herr Präsident, in der Sitzungspause inoffizielle Konsultationen zu solch wichtigen Angelegenheiten wie
der künftigen Mitgliedschaft und Tagesordnung der
Konferenz durchführen werden. Ich kann Ihnen versichern, daß Sie in den Vereinigten Staaten bei diesen
Konsultationen sowie bei dem kontinuierlichen Prozeß, die Arbeit der CD im Hinblick auf die uns alle
konfrontierenden neuen sicherheits- und rüstungskontrollpolitischen Probleme und Chancen zu definieren
und zu konzentrieren, einen aktiven Teilnehmerfinden
werden.

fr fr fr fr fr

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�D E U T S C H L A N D - USA
9. September 1992

UNSERE KULTURELLEN BEZIEHUNGEN DIE BINDUNGEN, DIE UNS VEREINEN
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
FREIBURG - (AD) - US-Botschafter Robert M. Kimmitt hat am 4. September 1992 eine Ansprache vor der
"Freiburger Montagsgesellschaft" gehalten, einer Vereinigung renommierter Persönlichkeiten aus Politik und
Wirtschaft.
In seiner Ansprache ging Botschafter Kimmitt auf die Rolle ein, die von Deutsch-Amerikanischen Instituten und
anderen Organisationen sowie von Austauschprogrammen bei der Festigung der transatlantischen Bindungen
gespielt wurde. Darüber hinaus gibt die Rede einen Überblick über die deutsch-amerikanischen Beziehungen
in den vergangenen Jahrzehnten bis zu der heutigen "Partnerschaft in der Führung". Der Botschafter forderte
in diesem Zusammenhang eine Fortsetzung der engen kulturellen Bindungen zwischen unseren Ländern,
während wir uns gleichzeitig bemühen, die ehemals kommunistischen Nationen in eine Gemeinschaft mit
gemeinsamen Werten aufzunehmen.
Höhepunkt des Tages war eine Feierstunde zum 40. Jahrestag des Deutsch-Amerikanischen Instituts in
Freiburg, des Carl-Schurz-Hauses, bei der der Botschafter ein kurzes Grußwort an die Anwesenden richtete.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt bei der Freiburger Montagsgesellschaft im
Wortlaut.

Herr Vorsitzender Ruhe,
Herr Dr. Hodeige,
meine Damen und Herren,

Montagsgesellschaft organisierte hochkarätige Programm von Vorträgen zu aktuellen Themen wie dem
heutigen hat viele Jahre lang den geistigen Bedürfnissen Freiburgs gedient. Ihr Engagement für ein qualitativ hochwertiges Gemeinwesen ist beispielhaft.

ich freue mich, heute nachmittag in Ihrer schönen
Stadt zu sein. Es war mir eine große Freude, Dr. Darüber hinaus möchte ich dem Carl-Schurz-Haus zu
Hodeige und Mitgliederder Freiburger Montagsgesell- seinem vierzigjährigen Bestehen gratulieren. Ich werde
schaft kurz nach meiner Ankunft vergangenes Jahr in bei der Feier aus diesem Anlaß heute nachmittag im
der Botschaft in Bonn zu empfangen. Ich erinnere Seepark eine kurze Ansprache halten. Als das Amemich gut an unsere lebhafte Diskussion, die mir im rika Haus in Freiburg vor vierzig Jahren seine Tore
Hinblick auf die grundlegenden Beiträge die Augen öffnete, erholten sich Deutschland und Europa noch
öffnete, die von deutsch-amerikanischen Freundschafts- von der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs. Der
Marshallplan ging gerade zu Ende, und das erste
gesellschaften wie der Ihrigen geleistet wurden.
erfolgreiche Experiment der europäischen wirtschaftDie Montagsgesellschaft ist über die Jahre hinweg lichen Zusammenarbeit, die Montanunion, war ein
eine wichtige Quelle der Unterstützung für zahlreiche Jahr alt. Das Carl-Schurz-Haus und vergleichbare
Einrichtungen der Stadt gewesen, darunter das Carl- Institutionen waren unerläßlich, um aus den bescheiSchurz-Haus, und sie hat für die Bürger Freiburgs eine denen Anfängen vor vierzig Jahren die kooperative
bessere Lebensqualität geschaffen. Das von der Partnerschaft aufzubauen, derer sich Deutschland
und die Vereinigten Staaten heute erfreuen können.

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�Vor fast genau einer; ., ahr überreichte ich Bu ndespräsidentvon Weizsäokei mein Beglaubigungsschreiben.
Im Kontext der europäischen Nachkriegsgeschichte
ist ein Jahr eine se^.r h ..rze Zeitspanne. Aber in diesem
Zeitraum ist viel gesehenen, was die transatlantischen
und deutsch-amerikanischen Beziehungen auf einige
Zeit beeinflussen vvirö.
Eines meiner persönlichen Ziele in diesem ersten Jahr
war es, Ihr Lana soviel wie möglich zu bereisen,
insbesondere die neuen Bundesländer im Osten. In
diesem ersten Jahr besuchte ich alle 16 Bundesländer
und traf mit ihren Ministerpräsidenten zusammen.
Meine zwölf Besuche in den neuen Bundesländern
sind ein sichtbarer Beweis der Tatsache, daß auch wir
dem Prozeß der deutschen Vereinigung Priorität einräumen.
Auf meinen Reisen nabe ich zahlreiche Beispiele
unserer kulturellen Bindungen gesehen. Ich traf mit
deutschen Politologen zusammen, die mit Begeisterung von der Zeit spracnen, die sie als Gastdozenten
in den Vereinigten Staaten verbrachten. Und bei
jedem Vortrag, Jen ch an Universitäten gehalten
habe, befanden sich im Publikum zahlreiche amerikanische Austauschstudenten, die ihr Verständnis von
Ihrem Land und ihrer Kultur vertieften.
Diese Beispiele und ziele andere haben mir zunehmend klargemacht, daß die sehr engen Beziehungen
zwischen unseren beiden Regierungen auf den unzähligen persönlichen Bindungen beruhen, die von unse
ren beiden Völkern geschaffen wurden. Die durch
akademischen Austausch, gemeinsame militärische
Ausbildung, Tourismus, Wirtschafisunternehmen,
Konferenzen, wissenschaftliche Zusammenarbeit sowie
durch Kunstausstellungen geschaffenen Bindungen
bilden das Fundament beiderseitiger Entwicklung und
Anteilnahme, die unsere Beziehungen in der Nachkriegszeit charakterisieren.
Solche Bindungen müssen jedoch ständig genährt und
verstärkt werden Jede nachfolgende Generation muß
sich heute erneut dazu verpflichten, diese Bindungen
zu bewahren und zu vertiefen, denn sonst werden sie
verblassen und an Bedeutung verlieren. Organisationen wie Ihre werden und müssen in Zukunft eine noch
wichtigere Rolle dabei spielen.
In meinem ersten Jahr als Botschafter hat es drei
überragende Entwicklungen gegeben, die meines
Erachtens in den Kommenden Jahren besonderen
Einfluß auf das transatlantische Verhältnis und die
deutsch-amerikanischen Beziehungen haben werden:
der Zusammenoruch der Sowjetunion, die Geißei
ethnischer Konflikte auf dem Balkan sowie die Bemü
hungen der Europäischen Gemeinschaft, den Vei
von Maastricht zu ratifizieren. Ich möchte die:
men erörtern und dann zu meiner zentralen These
zurückkehren: Daß die politischen und militärische
Dimensionen unserer Beziehungen zwar äußerst wichtig

Seite 2

bleiben, die "Wachstumssektoren" in diesen Beziehungen jedoch in den Bereichen Handel, kulturelle
Interaktion und Austausch liegen werden.
Demokratie in den ehemaligen Sowjetrepubliken
Kurz vor meiner Ankunft in Bonn im August vergangenen Jahres errangen die Kräfte der Demokratie in der
Sowjetunion einen großen Sieg über den Totalitarismus. Sie schlugen den Putschversuch gegen Präsident Gorbatschow nieder.
Der Sieg der demokratischen Kräfte löste dramatische
Veränderungen aus. In dem folgenden Jahr löste sich
die Sowjetunion auf, und an ihre Stelle traten fünfzehn
unabhängige Staaten. Die Vereinigten Staaten haben
in allen diesen neuen Staaten Botschaften eröffnet.
Der Kalte Krieg, der jahrzehntelang unsere Energie
und Aufmerksamkeit so vollständig in Anspruch genommen hatte, war von der ersten wirklich demokratischen Revolution hinweggefegt worden, die jemals auf
russischem Boden Wurzeln schlug.
Die Zukunft der Demokratie in Rußland und den anderen neuen Staaten des alten sowjetischen Imperiums
ist die wichtigste Frage, die sich uns stellt. Die Entwicklung stabiler Demokratien und politischer Legitimität in den Staaten Mitteleuropas und der ehemaligen
Sowjetunion sind letztlich grundlegend für die Sicherheit Europas.
3, daß diese Frage in Deutschland von großem
ilbarem Interesse ist. Das gilt sowohlfürdie
politischen Entscheidungsträger als auch für die Öf)eutschland und die Deutschen haben
nihrungsrolle dabei übernommen, der ehemaligen
i und Osteuropa Hilfe zu leisten. Die
i und Deutschland haben sich
ingesetzt, diese neuen DemokraOrganisationen wie die KSZE
einzugliedern und ihre engere Bindung an die NATO
zu fördern. Der jüngste Ausdruck dieses Engagements war die nachhaltige Unterstützung Deutschlands für die Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrates sowie seine Initiative, die neuen Republiken
Sowjetunion in dieses Gremium zu
integrieren.
ung von Hilfe für die ehemalige Sowjetunion ist auch für die Amerikaner eine Frage von
großer E ieutung. Zu Beginn dieses Jahres war ich
auf dem Rhein-Main-Flughafen anwesend, als deutanische Transportflugzeuge mit
Nahrungsmitteln und dringend benötigten medizinischen Hilfsgütern nach Moskau und in 19 andere
Städte der ehemaligen Sowjetunion starteten.
auf anderen Stützpunkten auch hatten
3 und Amerikaner zwei Generationen
standen, mit ihren Flugzeugen einen
riff abzuwehren. Heute jedoch star-

AMERIKA DIENST 36

�ten deutsche und amerikanische Militärmaschinen statt
mit Raketen und Bomben mit Nahrungsmitteln und
Medikamenten, um unserem ehemaligen Gegner zu
helfen. Diese Flüge werfen ein dramatisches Schlaglicht auf unsere gemeinsamen neuen Beziehungen zur
ehemaligen Sowjetunion.
Neben der Reaktion auf die dringenden humanitären
Bedürfnisse der Menschen in dieser Region wollen die
Vereinigten Staaten den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei der Zerstörung und Kontrolle der Relikte
des Kalten Krieges helfen - insbesondere bei nuklearen, biologischen und chemischen Massenvernichtungswaffen.
Auf Einladung der Bundesminister Rühe und Kinkel
hatte ich den Vorzug, im vergangenen Monat Zeuge
eines Ereignisses zu werden, das zwei praktische
Konsequenzen des Endes des Kalten Krieges unterstrich. In Rockensussra in Thüringen war ich beim
Beginn der Zerstörung militärischen Geräts der Bundesrepublik Deutschland anwesend, das nach den
Bestimmungen des KSE-Vertrages verboten ist. Darüber
hinaus erfuhr ich von den Hunderten von deutschen
Arbeitsplätzen, die durch die Aufgabe der Waffenzerstörung geschaffen wurden. Wir arbeiten mit Deutschland und anderen Ländern zusammen, um zivile Arbeitsplätze auch in der ehemaligen Sowjetunion für
Wissenschaftler und andere Techniker zu schaffen,
die ihr ganzes Leben Kriegswaffen entwickelt haben.
Die Förderung der Einführung von Marktwirtschaften
in den ehemaligen sowjetischen Staaten ist eine weitere Priorität, die sich unsere beiden Länder gesetzt
haben. Die Neuorientierung einer ganzen Gesellschaft auf Wirtschaftsprinzipien und Fähigkeiten, die
dem Großteil der freien Welt Wohlstand gebracht
haben, ist wahrscheinlich die schwierigste und vordringlichste Aufgabe, mit der sich diese Länder konfrontiert sehen. Beträchtliche Anstrengungen des
Westens sind erforderlich, um sicherzustellen, daß die
aufstrebenden Demokratien des ehemaligen sowjetischen Imperiums nicht in wirtschaftlichem Chaos versinken.
Regionale und ethnische Konflikte
Der Flug dieser Maschinen vom Rhein-Main-Flughafen in die ehemaligen Sowjetrepubliken war in der Tat
Teil einer größeren Reise, die anschaulich die Distanz
belegt, die von der Welt - und insbesondere von
Europa - nach so vielen Jahren des Kalten Krieges
zurückgelegt wurde. Dennoch erinnern uns die Ereignisse im ehemaligen Jugoslawien täglich daran, daß
die Reise zu einer wirklich dauerhaften und friedlichen
Ordnung noch nicht beendet ist. Heute verlassen
dieselben Flugzeuge den Rhein-Main-Flughafen mit
Nahrungsmitteln und Medikamenten fürdie Menschen
in Bosnien.

AMERIKA DIENST 36

Die Gewalt im ehemaligen Jugoslawien hat demonstriert, wie schwer Stabilität herzustellen sein kann.
Trotz des Zusammenbruchs des Kommunismus und
der verringerten Bedrohung einer nuklearen Konfrontation zwischen Supermächten bleiben militärische
und verteidigungspolitische Fragen für die zukünftige
Sicherheit Europas von Bedeutung. Die Bedrohung,
der wir uns heute gegenübersehen, ist nicht mehr eine
massive militärische Invasion über die alte innerdeutsche Grenze, sondern sie ist vielmehr die Unsicherheit, die östlich von Deutschland durch politische und
wirtschaftliche, häufig von ethnischen Konflikten begleitete Unruhen entstanden ist.
Wirteilen den Schock und die Empörung Europas über
die fortwährenden Gewaltakte und Menschenrechtsverletzungen, die auf dem Territorium des ehemaligen
Jugoslawiens begangen werden. Wir unterstützen die
politischen Bestrebungen der Europäischen Gemeinschaft und werden weiterhin in der UNO aktiv sein, um
deren Bemühungen zu unterstützen, das Wirtschaftsembargo abzusichern, das der Diplomatie bei der
Beendigung des Konflikts behilflich sein soll.
Wir haben auch eine eindeutige humanitäre Verantwortung in diesem Konflikt. Wir werden alles Erforderliche tun, um den leidenden Menschen Nahrungsmittel und Medikamente zu liefern, einschließlich der
Entsendung von UN-Friedenstruppen zur Absicherung dieser Hilfslieferungen. Deutschland muß besonders für die humanitäre Hilfe gelobt werden, die es
bereitstellt, vor allem für viele Tausende, die durch
diese Tragödie zu Vertriebenen wurden.
Wenn uns jedoch der Konflikt, dessen Zeuge wir heute
auf dem Balkan werden, irgendetwas lehrt, dann, daß
das Ende des Kalten Krieges Europa nicht unverzüglich Frieden und Stabilität gebracht hat. Daher begrüßen wir eine aktive Rolle Deutschlands bei der Schaffung einer stabilen neuen Ordnung in Europa und
begrüßen ein Deutschland, das zur Übernahme größerer Verantwortung im Bereich der kollektiven Sicherheit fähig ist. Gleichzeitig sind wir uns bewußt,
daß eine solche Entscheidung, insbesondere über
sogenannte Einsätze in bündnisfremdem Gebiet, beim
deutschen Volk und seinen politisch Verantwortlichen
liegt.
Europäische Einheit
Während wir neue Strategien zur Bewältigung der
neuen sicherheitspolitischen Realitäten entwickeln,
müssen wir bestehenden multilateralen Institutionen
wie der NATO und den Vereinten Nationen neue
Aufgaben verleihen und das Potential neuer Institutionen wie der G-7 und des Nordatlantischen Kooperationsrats entwickeln.

Seite 3

�Die Vereinigten Staaten unterstützen das Ziel der
europäischen Integration so eindeutig und unmißverständlich wie wir die Vereinigung Deutschlands unterstützt haben. Aber ebenso wie bei der Vereinigung
Deutschlands wollen die Vereinigten Staaten sicherstellen, daß die Verwirklichung der Vision von Maastricht eher die traditionellen Beziehungen und Verpflichtungen erweitert statt davon ablenkt.

Partner in der Führung

Aber mein persönliches Ziel besteht selbstverständlich darin, die deutsch-amerikanischen Beziehungen
noch weiter zu stärken. Diese Beziehungen haben zu
den dramatischen Ereignissen von 1989 und 1990
geführt und sind grundlegend für Ihre und unsere
künftige Sicherheit. Die Evolution der deutsch-amerikanischen Beziehungen von Fürsorge zu PartnerDie Beziehung zwischen europäischer Sicherheit und schaft ist eine der großen internationalen Erfolgsgeihrem wichtigsten und erprobten Garanten - der NATO schichten dieses Jahrhunderts.
-wurde beim NATO-Gipfeltreffen in Rom im vergangenen November vereinbart. Die NATO ist sich eindeutig Und diese Geschichte der deutsch-amerikanischen
der Notwendigkeit bewußt, sich den neuen Realitäten Beziehungen entwickelt sich weiter. Über vier Jahrin Europa anzupassen. Zu diesem Zweck hat sie ihre zehnte lang wurden unsere Beziehungen von ihren
politischen Bestrebungen durch den neuen Koopera- politischen und militärischen Dimensionen beherrscht.
tionsrat nach Osten erweitert, der die ehemaligen Heute sehen wir, daß die wirtschaftlichen, ökologiWarschauer-Pakt-Staaten einbezieht. Und die neu schen und soziokulturellen Dimensionen unserer
vereinbarten Beziehungen zwischen NATO und KSZE Beziehungen wachsende Bedeutung erlangen.
sind ein Schritt zur Anpassung der SicherheitsinstituSicherlich sind die wirtschaftlichen Bindungen zwitionen Europas an das Umfeld nach dem Kalten Krieg. schen uns von zunehmender Bedeutung. Vierzig
Gleichzeitig ermutigen die Vereinigten Staaten eine Prozent aller Exporte Baden-Württembergs gehen in
stärkere europäische Sicherheitsidentität, die so ent- die Vereinigten Staaten. Umgekehrt hat die amerikawickelt wird, daß sie auf der von der NATO gebotenen nische Wirtschaft erheblich in Baden-Württemberg
starken Grundlage aufbaut und diese erweitert. Wir investiert. Die Ermutigung zu wirtschaftlichem Engaführen Gespräche mit deutschen und anderen euro- gement in beiden Richtungen bietet beiden Ländern
päischen Regierungsvertretern im Hinblick auf die große Vorteile.
Weiterentwicklung der Westeuropäischen Union und
Das unlängst abgeschlossene Nordamerikanische
auf das deutsch-französische Korps. Wir tun dies in
Freihandelsabkommen ist eine Entwicklung, die letztdem Vertrauen, daß wir die gleichen Ziele verfolgen:
lich deutschen Unternehmen neue Märkte öffnen wird,
Ein starkes Bündnis und ein starker europäischer
Verteidigungspfeiler als Teil der transatlantischen insbesondere solchen, die Waren in Nordamerika
herstellen.
Partnerschaft.
Aber es ist das GATT, das den vielleicht wichtigsten
Vor exakt dreißig Jahren, am 4. September 1962, Rahmen geschaffen hat, innerhalb dessen sich unsere
begann Präsident de Gaulle seinen wichtigen Staats- Wirtschaftsbeziehungen entwickeln und gedeihen
besuch bei Bundeskanzler Adenauer in Bonn. Ich konnten. Ein erfolgreicher Abschluß der Uruguaykann die Bedeutung, die Deutschland seinen Bezie- Runde des GATT ist deshalb für unsere beiden Länder
hungen zu Frankreich beimißt, heute sehr viel besser - und in der Tat für die ganze Welt - von vitalem
beurteilen als zu der Zeit, als ich noch in Washington Interesse.
war. Die Vereinigten Staaten unterstützen möglichst
enge Verbindungen zwischen unseren beiden großen In meinem ersten Jahr als Botschafter in Deutschland
Verbündeten und Freunden - Deutschland und Frank- habe ich ein wesentlich besseres Verständnis dessen
reich. Ihre entscheidenden bilateralen Beziehungen gewonnen, wie wichtig die soziokulturelle Dimension
wurden von einer Quelle der Instabilität zu einer we- unserer Beziehungen immer gewesen ist. Während
sentlichen Triebkraft für die europäische Einheit um- meiner Jahre als hochrangiger Beamter im Finanzgewandelt.
und Außenministerium sowie im Weißen Haus war ich
mir der Bedeutung der kulturellen Dimension nicht
Engere Verbindungen zwischen Deutschland und vollständig bewußt. Je länger ich hier bin, desto mehr
Frankreich müssen jedoch nicht zwangsläufig auf Kosten gelange ich zu der Überzeugung, daß es diese kultuengerer Verbindungen zwischen den Vereinigten Staa- relle Dimension sowie die persönlichen Bindungen
ten und Deutschland oder zwischen den Vereinigten zwischen Deutschen und Amerikanern sind, die die
Staaten und Frankreich erfolgen. Unser Ziel sollte der wahre Grundlage unserer starken Beziehungen bilNutzen sein, der sich in Europa und den Vereinigten den.
Staaten aus engeren bilateralen Beziehungen zwischen allen Freunden und Verbündeten ableitet.

Seite 4

AMERIKA DIENST 36

�Viele amerikanische Soldaten, die in diesen vierzig
langen Jahren in Baden-Württemberg und anderen
Teilen Deutschlands stationiert waren, kehren nach
Hause zurück. An dem Tag, an dem die Berliner Mauer
fiel, hatten die Vereinigten Staaten nicht einen, sondern 600.000 amerikanische Botschafter in Deutschland. Es waren die hier stationierten Angehörigen der
amerikanischen Streitkräfte und deren Familien. Heute
ist diese Zahl wesentlich geringer und wird bis 1993
noch weiter abgebaut werden.

Wir haben in Leipzig ein neues Generalkonsulat
und ein neues Amerika Haus eröffnet als sichtbares Zeichen unseres Engagements, Deutschland beim Wiederaufbau und der Integration der
neuen Bundesländer zu helfen. Von Leipzigund
auch von der Außenstelle unserer Botschaft
und dem Amerika Haus in Berlin bieten wir ein
breites Spektrum kultureller, Informations- und
sonstiger Austauschprogramme für ganz Ostdeutschland an.

Wir werden eine schlagkräftige amerikanische Streitmacht in Deutschland belassen, solange Deutschland
unsere Präsenz wünscht. Diese amerikanische Streitmacht wird zwar schlagkräftig, aber kleiner sein, und
die Kontakte zwischen Amerikanern und Deutschen
werden weniger werden. Insbesondere deshalb, weil
mehr amerikanische Familien in regierungseigene
Wohnungen ziehen und weil sie die Folgen des niedrigen Dollarkurses spüren. Infolgedessen wird die
Arbeit von Gruppen wie der Ihrigen zur Förderung
persönlicher Kontakte zwischen Deutschen und
Amerikanern immer wichtiger.

Wir legen besondere Betonung auf Austauschprogramme, um die Menschen in der ehemaligen DDR zu erreichen, die in den kommenden
Jahren wahrscheinlich Einfluß in Politik, Kultur,
Wirtschaft, den Medien und im Bildungswesen
haben werden. Wir konfrontieren sie direkt mit
den Vereinigten Staaten und bieten ihnen die
Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden. Es ist genau diese Art von Programmen,
die bei der Vertiefung des Verständnisses und
guten Willens so effektiv waren, die den Kern
der deutsch-amerikanischen Beziehungen ausmachen.

In diesem Zusammenhang ist der Erfolg von Institutionen wie der Freiburger Montagsgesellschaft und des
Carl-Schurz-Hauses in Freiburg besonders ermutigend. Obwohl keine amerikanischen Soldaten in
Freiburg stationiert sind, wurde diese Stadt zum Modell
für die Verbesserung der deutsch-amerikanischen
Beziehungen durch enge persönliche Kontakte. Ihr
Erfolg wird uns bei unseren künftigen Bemühungen in
ganz Deutschland leiten, einschließlich der neuen
Bundesländer.
Das amerikanische Engagement für die neuen
Länder
Ich habe die starke amerikanische Unterstützung für
die deutsche Vereinigung bereits erwähnt. Die Unterstützung dieses Prozesses ist eine meiner vordringlichsten Aufgaben als Botschafter. Hier in Deutschland möchten wir Amerikaner eine bedeutsame Rolle
beim Wiederaufbau der fünf neuen Bundesländer
spielen, die so lange von der Freiheit abgeschnitten
waren, die für uns im Westen so selbstverständlich ist.
Durch die Aktivitäten des United States Information
Service und anderer Abteilungen der Botschaft versuchen wir, das verzerrte Bild von Amerika und dem
Westen zu korrigieren, das Tag für Tag den Menschen
vorgehalten wurde, die man lehrte, uns zu fürchten und
unseren Motiven mit Mißtrauen zu begegnen. Der
intellektuelle Hunger nach Informationen im Osten hat
uns bestärkt. Die Befriedigung dieses Hungers war
angesichts unserer bereits knappen Mittel und der
angespannten Haushaltslage eine Herausforderung.
Nachfolgend möchte ich einige der vielen Maßnahmen
erwähnen, die wir im Osten ergriffen haben:

AMERIKA DIENST 36

Das Fulbright- und andere akademische Austauschprogramme wurden ebenso wie das Parlamentarische Patenschaftsprogramm Kongreß/
Bundestag auf die neuen Bundesländer ausgeweitet. Darüber hinaus erweitern wir unsere
Programme und Aktivitäten für den Englischunterricht und Amerikanistikstudien.
Mit der Schließung oder Verkleinerung unserer
militärischen Stützpunkte in Westdeutschland
werden zahlreiche Bibliotheken dieser Stützpunkte Institutionen in der ehemaligen DDR
gespendet. Nahezu 200.000 Bände sind bereits
an Bibliotheken, Schulen und andere Einrichtungen übergeben worden und bilden einen
wertvollen Grundstock der Bestände für Amerikanistikstudien und Literatur in englischer Sprache. Ich kann mir kein besseres Beispiel einer
"Friedensdividende" denken, als Millionen von
Menschen das unschätzbare Erbe der westlichen Zivilisation in schriftlicher Form zu vermachen.
Die RIAS-Stiftung entstand zum Teil aus den
Vermögenswerten des Senders, der so viele
Jahre lang die Informationsquelle für Ostdeutsche war. Die Stiftung soll Kontakte und den
Informationsaustausch zwischen Medienzentren
und Medienvertretern in den neuen Ländern
und deren amerikanischen Kollegen fördern.
Durch diese Stiftung wird der stolze Name - und
der Geist - des RIAS weiterleben.
In der Erkenntnis, daß wirtschaftliche Stabilität
eines der größten Bedürfnisse in den neuen

Seite 5

�Ländern ist, ermutigen wir dort aktiv amerikanische Investitionen. Ungefähr 150 amerikanische Unternehmen sind bereits im Osten tätig,
schaffen zusammen Zehntausende von Arbeitsplätzen und verhindern den Verlust von vielen
weiteren. Der Bekanntheitsgrad und gute Ruf
führender bereits in Ostdeutschland tätiger amerikanischer Firmen ermutigt andere Firmen, eine
Niederlassung dort ins Auge zu fassen.

drängenderer Sicherheitsprobleme überschattet.
Während des Kalten Krieges waren wir tatsächlich der
Überzeugung, was die westlichen Demokratien zusammehalte sei die gemeinsame Bedrohung. Mit dem
Ende des Kalten Krieges und damit der gemeinsamen
Bedrohung wird deutlich, daß das Bündnis durch
gemeinsame Werte zusammengehalten wurde.

Die vor uns liegende Herausforderung besteht nun
darin, diese Werte mit den Deutschen im Osten und
Schließlich ermutigen wir unsere privaten Orga- den aufstrebenden Staaten in der ehemaligen Sowjetnisationen, die im Westen Deutschlands so union zu teilen.
erfolgreich sind - wie USO, American Women's
Group und Kontakt-Clubs - zur Erweiterung Bedauerlicherweise führen Versuche zur Bewältigung
dieser Herausforderungen zu finanziellen Engpässen
ihrer Aktivitäten in den neuen Bundesländern.
in unseren beiden Ländern und drohen, unsere EnerWeiteres Engagement für den Westen
gien von der Unterstützung eben dieser Bindungen
abzulenken, die solch grundlegende Bausteine unseObwohl die Vereinigten Staaten den Staaten im Osten rer Beziehungen sind. Mehr denn je müssen jetzt die
zwar Priorität eingeräumt haben, vernachlässigen wir Nutznießer bisheriger Programme die Arbeit ihrer
unsere Programme und Freunde in den westlichen Vorgänger fortsetzen, indem sie diese gemeinsamen
Ländern nicht. Die US-Regierung, öffentliche und Werte an die nächste Generation weitergeben. Aus
Privatinstitutionen sowie amerikanische Unternehmen diesem Grund bin ich heute hier, weil ich jetzt, am Ende
sind hier weiterhin stark engagiert.
meines ersten Jahres als Botschafter in Deutschland,
die Bedeutung der von Ihnen geleisteten Arbeit und die
Ein Beispiel dieses Engagements ist die jüngste Ver- lebenswichtige Bedeutung der vor uns liegenden Auflagerung einer Einrichtung der US-Armee in die Stadt gabe sehr viel mehr zu schätzen weiß. Aus diesem
Schwäbisch Gmünd. Diese ehemalige militärische Grund bitte ich um eine erneute Verpflichtung unsererEinrichtung wird ein Campus der University of Mary- seits. Wir müssen uns wieder engagieren und die
land, der Ende dieses Monats eröffnet werden soll. Probleme in Angriff nehmen, mit denen sich unsere
Dort werden Studenten aus ganz Europa, den Verei- beiden Länder bei der Bewahrung von Frieden und
nigten Staaten und sogar der ganzen Welt eine Chan- Stabilität in dem neuen Europa konfrontiert sehen.
ce erhalten, zu lernen und Ideen und Erfahrungen
auszutauschen. Sie werden die Tausende amerikani- Ich danke Gott, daß es Menschen wie Carl Schurz
scher Studenten ergänzen, die bereits an renommier- gegeben hat und solche, die seinem Beispiel folgten,
ten Institutionen wie der Freiburger Universität einge- die Vision hatten und das Engagement aufbrachten,
schrieben sind.
unermüdlich auf stärkere Bande zwischen Deutschen
Hunderte amerikanischer Firmen sind als anerkannte und Amerikanern hinzuarbeiten.
Wirtschaftsunternehmen hier ansässig. Das starke
Engagement amerikanischer Unternehmen hier in Baden
steht für das, was *a übrigen Deutschland geschieht.
Ich beglückwünsche Firmen wie I-Omega, die in diesem Teil des Landes so erfolgreich waren, hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen und den ausgezeichneten Ruf der Region zu bewahren.
Die vor uns liegende Herausforderung
Während des Kalten Krieges wurden kulturelle Interessen und gemeinsame Werte von der Bewältigung

Ich bin hier, um Ihre Hilfe zu erbitten. Ich bin hier, um
jeden in diesem Raum Anwesenden - und Ihre Söhne
und Töchter zu bitten, gemeinsam mit uns unsere
Bemühungen zu verdoppeln, um sicherzustellen, daß
Amerikaner und Deutsche sich weiterhin besser kennen-, verstehen und schätzen lernen. Damit bringen
wir nicht nur zwei großartige Länder einander näher,
sondern die gesamte internationale Staatengemeinschaft.
Ich danke Ihnen.

* *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 36

�JUGOSLAWIEN
9. September 1992

VEREINIGTE STAATEN SAGEN 40 MILLIONEN DOLLAR
AN FLÜCHTLINGSHILFE FÜR JUGOSLAWIEN ZU
Erklärung von Botschafter Zlmmerman
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 4. September 1992 etwa 40 Millionen Dollar zugesagt, um die
internationalen Hilfsorganisationen zu unterstützen, die sich um die über zwei Millionen Opfer des Konflikts im
ehemaligen Jugoslawien kümmern, insbesondere in den kommenden harten Wintermonaten.
Der Beitrag wurde von Botschafter Warren Zimmerman, dem Leiter des Büros für Flüchtlingsprogramme im USAußenministerium und US-Sonderbeauftragter für Jugoslawien, im Rahmen einer UNO-Konferenz in Genf
angekündigt, die humanitäre Unterstützung für die Notleidenden im früheren Jugoslawien zum Inhalt hatte.
Zimmerman erklärte, der neue amerikanische Beitrag umfasse Bargeld, Nahrungsmittel, Medikamente, Material
zum Bau von Unterkünften, Kleidung, logistische Unterstützung sowie technischen Rat. Damit sollen die
Programme der im ehemaligen Jugoslawien tätigen internationalen Behörden und nichtstaatlichen Organisationen bei der Bereitstellung von Hilfe (Konvois) und winterfesten Unterkünften gefördert werden.
Das eintägige Treffen über humanitäre Hilfe fand unter dem Vorsitz der Hohen Flüchtlingskommissarin der
Vereinten Nationen (UNHCR), Sadako Ogata, statt, deren Organisation die Hilfsbemühungen für Flüchtlinge und
Vertriebene im ehemaligen Jugoslawien, insbesondere im konfliktgeschüttelten Bosnien-Herzegowina, leiten
soll.
Während des Treffens wurde ein neuer internationaler Hilfsappell zur Bereitstellung von 467 Millionen Dollar
verabschiedet, um die geschätzten Kosten für die Hilfsbemühungen in den nächsten sechs Monaten zu
bestreiten darunter ein Programm zum Bau von winterfesten Unterkünften für die Flüchtlinge und Vertriebenen.
Im Rahmen einer am selben Tag veranstalteten Pressekonferenz teilte Botschafter Zimmerman mit, sowohl das
Treffen über humanitäre Hilfe - bei dem die Länder "beeindruckende" Hilfsbeiträge zugesagt hätten - als auch
der Friedensprozeß des Lenkungsausschusses seien Beweise für das Ausmaß internationaler Besorgnis über
die Ereignisse im früheren Jugoslawien.
Es bestehe ein starkes "Gefühl der Dringlichkeit" sicherzustellen, daß der Elan der Londoner Konferenz, auf der
- insbesondere von den bosnischen Serben - Verpflichtungen zur Herbeiführung einer Lösung eingegangen
wurden, aufrechterhalten wird.
Darüber hinaus herrsche "große Entschlossenheit" zu verhindern, daß die Doppelstrategie der ethnischen
Säuberung und Aushungerung durch die Serben Erfolg habe.
"Wir treten in eine Winterperiode ein, in der die serbische Politik der ethnischen Säuberung und Aushungerung
auf die Probe gestellt wird", erklärte Zimmerman. Die internationale Staatengemeinschaft sei entschlossen, "es
der Bevölkerung von Bosnien zu gestatten, mit Unterkünften und damit neuer Hoffnung auf ein Ende ... dieser
schrecklichen Heimsuchung durch den Winter zu kommen".
Auf Fragen zu den Internierungslagern, die international auf harte Kritik gestoßen sind, erklärte Zimmerman, eine
der wichtigsten amerikanischen Prioritäten sei es, Zugang zu den Lagern zu erhalten und sie so bald wie möglich
aufzulösen. Das Treffen über humanitäre Angelegenheiten habe die Frage erörtert, die Internierten nach ihrer
Freilassung in sichere Gebiete zu transportieren.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Botschafter Zimmermans im Wortlaut.

AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�Wir beglückwünschen Frau Ogata und ihre Mitarbeiter
zu Ihrer Initiative, dieses dringliche Programm mobilisiert zu haben, um den Konfliktopfern im ehemaligen
Jugoslawien humanitäre Hilfe zu leisten. Die von der
Hohen Flüchtlingskommissarin bei der internationalen
Konferenz in Genf am 29. Juli entworfene umfassende
Reaktion auf die humanitäre Krise im ehemaligen
Jugoslawien ist der richtige Rahmen, um der Tragödie
im ehemaligen Jugoslawien auf humanitärer Ebene zu
begegnen, und wir unterstützen sie uneingeschränkt in
allen Aspekten.
Bei unserem heutigen Treffen sollten wir vor allem von
einem Gefühl der Dringlichkeit erfaßt sein. Der Winter
steht kurz bevor, und wir haben jetzt noch die Macht,
viele Tausende in Bosnien und andernorts im ehemaligen Jugoslawien zu retten, die durch Konflikt und
ethnische Säuberungen mittel- und heimatlos geworden sind.
Die Dringlichkeit unserer Aufgbe erfordert, daß wir
unverzüglich Zugang zu den Gebieten in Bosnien mit
dem größten Bedarf erhalten, daß wir Prioritäten setzen und effektiv vorgehen.
Der dringendste Bedarf besteht eindeutig in Bosnien.
Wir müssen die notwendigen Routen für die Landkonvois ausfindig machen, einschließlich solcher, die auch
während des Winters benutzt werden können und die
erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen treffen. Für
Sie, die Hohe. Flüchtlingskommissarin und die UNSchutztruppe UNPROFOR ist es unabdingbar, enge
Arbeitsbeziehungen auf der Grundlage gemeinsamer
Ziele herzustellen. Wenn Sie bereit sind, werden wir
die logistische Unterstützung zur Verfügung stellen,
um die Lastwagen auf den Weg zu bringen. Wir
müssen uns insbesondere auf die belagerten Gebiete
konzentrieren, um einen weiteren Flüchtlingsstrom zu
verhindern.
Die Bereitstellung von winterfesten Unterkünften für
Tausende im ehemaligen Jugoslawien muß oberste
Priorität sein. Bei der Bewältigung dieser Herausforderung müssen wir knappe Ressourcen strecken sowie
bestehende Strukturen und temporäre Maßnahmen
so weit wie möglich nutzen. Bei der Erarbeitung von
Programmen für winterfeste Unterkünfte müssen wir
darauf bedacht sein, Maßnahmen zu verhindern, die
auf Dauer labile ethnische Gleichgewichte verändern
und die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts bergen
würden.
Diese komplexen und vordringlichen Aufgaben können nur mit effektiver Koordinierung zwischen den
jeweiligen Behörden und Regierungen sowie einem

Koordinierungsmechanismus bewältigt werden, der
denjenigen vor Ort entsprechende Entscheidungsbefugnisse einräumt. Wir sind uns der Tatsache bewu ßt,
daß das Hochkommissariat als federführende Behörde weit über ihre Mitarbeiterkapazitäten hinaus beansprucht ist und sind bereit, Experten für die Koordinierung und Verwaltung einschließlich der Bereitstellung
von Daten und Koordinierung der Logistik für die
Landkonvois zur Verfügung zu stellen.
Wir sind uns des Risikos bewußt, daß die humanitäre
Hilfe, wenn wir nicht sorgfältig vorgehen, zur Konsolidierung der Landnahme in Bosnien beitragen und
ethnische Spannungen andernorts verschärfen könnte. Die internationale Staatengemeinschaft wird bald
gezwungen sein, das Thema anzusprechen, wie wir
den Flüchtlingen bei der Rückkehr in ihre zerstörten
Häuser und Dörfer und deren Wiederaufbau behilflich
sein können. Die Hohe Flüchtlingskommissarin hat zu
Recht diese Aufgaben als Phase 2 und 3 des humanitären Hilfsprogramms ausgemacht, wenn wir den
bevorstehenden Winter hinter uns gebracht haben.
Schließlich müssen alle Geberländer großzügig spenden, um die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung
zu stellen. Der Bedarf steigt täglich. Die Mindestsumme von 467 Millionen Dollar wurde für die Kosten der
von UN-Behörden nur für die nächsten sechs Monate
in die Wege geleiteten Programme errechnet. Die
Aufgabe der Rückführung und Rehabilitation wird später
weitere beträchtliche Finanzspritzen an internationaler
Hilfe erforderlich machen.
Ich freue mich, heute einen amerikanischen Beitrag in
Höhe von rund 40 Millionen Dollar zur Unterstützung
der Nothilfemaßnahmen sowie Programme für winterfeste Unterkünfte und der Konvois zur Verfügung
stellen zu können, die von internationalen Behörden
und nichtstaatlichen Organisationen in die Wege geleitet wurden. In diesem Betrag ist Bargeld enthalten
sowie Nahrungsmittel, Medikamente, Material für
Unterkünfte, Kleidung, logistische Unterstützung und
technisches Fachwissen. Im Oktober werden wir
weitere maßgebliche Beiträge in Erwägung ziehen.
Lassen Sie mich abschließend meiner Hoffung Ausdruck verleihen, daß die bei der Londoner Konferenz
getroffenen Entscheidungen den Durchbruch bewirken, den wir alle in dem Friedensproze ß anstreben und
den Kreislauf der Gewalt durchbrechen, der Bosnien
erfaßt hat. Die humanitären Hilfsprogramme, die wir
hier durchführen, können diesen Prozeß voranbringen, auch wenn sie nicht die Lösung der Probleme
darstellen.
Ich danke Ihnen.

*

*

AMERIKA DIENST 36

�SOMALIA
9. September 1992

HILFSPLAN DER USA FÜR SOMALIA
Erklärung des Sonderbeauftragten Natsios
WASHINGTON - (AD) - Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem von Hungersnot betroffenen Somalia legte
der amerikanische Sonderbeauftragte für die Somaliahilfe, Andrew Natsios, die sechs Punkte umfassende
Strategie der Vereinigten Staaten dar.
In einer am 1. September 1992 veröffentlichten Erklärung stellte Natsios fest, daß die Vereinigten Staaten in den
vergangenen anderthalb Jahren über 85 Millionen Dollar zu den Hilfsleistungen beigetragen haben, einschließlich 80.000 Tonnen Nahrungsmittel, die entweder bereits geliefert wurden oder sich auf dem Weg befinden. "Von
all den Nahrungsmitteln, die im vergangenen Jahr nach Somalia geliefert wurden, stammen 57 Prozent aus den
Vereinigten Staaten", erklärte er.
Natsios zufolge umfaßt die amerikanische Strategie für Somalia folgende Punkte: Erstens, Verkauf von
Nahrungsmitteln an somalische Händler zur Senkung der Marktpreise, eventuell durch Versteigerungen.
Zweitens, Bereitstellung von Nahrungsmittteln durch Nahrungsmittelstützpunkte oder Suppenküchen. Drittens,
Lieferung von kostenlosen Trockennahrungsmitteln in großen Mengen für die ländlichen Gebiete. Viertens,
Verbesserung der Sicherheit. Fünftens, Dezentralisierung.
Der sechste Punkt, erklärte Natsios in einer Pressekonferenz, umfaßt die Verteilung von Saatgut und
Werkzeugen, Impfung von Viehherden und Reparatur der Brunnen.
Auf die Frage, wie viele Menschen bisher in Somalia verhungert oder kurz vor dem Verhungern seien, antwortete Natsios: "Niemand weiß es genau. Wir wissen nicht, wie viele Menschen bereits gestorben sind. Es sind
jedoch sehr viele".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Sonderbauftragten im Wortlaut.

Ich bin erst gestern abend aus Somalia und Kenia
zurückgekehrt und möchte drei Aspekte der Situation
kommentieren. Zunächst möchte ich einen kurzen
Überblick über das bereits Geleistete und die in die
Wege geleiteten Maßnahmen geben, zweitens einige
Anmerkungen zur derzeitigen Lage machen und drittens unsere generelle Hilf sstrategie für Somalia umreißen.
Erstens das bereits Geleistete. Die Vereinigten Staaten sind seit über anderthalb Jahren mit humanitären
Hilfsleistungen für Somalia befaßt. Wir haben über 85
Millionen Dollar für diese Bestrebungen bereitgestellt
und mehr als 80.000 Tonnen amerikanischer Nahrungsmittel sind entweder bereits geliefert oder für
dieses Haushaltsjahr bewilligt worden. Von all den
Nahrungsmitteln, die im vergangenen Jahr nach Somalia
geliefert wurden, stammen 57 Prozent aus den VereiAMERIKA DIENST 36

nigten Staaten. Für viele von Ihnen ist dies sicherlich
nicht Neues. Aber ich möchte es unterstreichen, um
alle von dem Gedanken abzubringen, wir seien erst in
diesem Sommer plötzlich aufgewacht und uns der
Krise in Somalia bewußt geworden. Wir haben seit
langer Zeit hart gearbeitet und die von Präsident Bush
am 14. August 1992 angekündigten neuen Initiativen
stellen nur eine Erweiterung früherer Bestrebungen
dar.
Sieben Tage nach Präsident Bushs Ankündigung haben
wir eine Luftbrücke nach Wajir in Nordkenia begonnen.
Bis heute wurden über 1.600 Tonnen Nahrungsmittel
nach Kenia geflogen - unter der Schirmherrschaft von
CARE und für die somalischen Flüchtlinge bestimmt,
die über die Grenze nach Kenia gekommen sind sowie
für von der Dürre betroffene Kenianer.

Seite 1

�Am Freitag, dem 28. August -14 Tage nach Präsident
Bushs Ankündigung - nahm das US-Militär eine Luftbrücke nach Belet Weyne in Zentralsomalia auf. Bis
heute morgen haben wir 190 Tonnen Nahrungsmittel
nach Belet Weyne geflogen. Diese Nahrungsmittel
unterstehen dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz (IKRK) zur Lagerung und Verteilung. Die Flüge
werden fortgesetzt und ich erwarte, daß sie in baldiger
Zukunft auf andere Gebiete in Somalia ausgedehnt
werden. Ich habe mich ausführlich mit Brigadegeneral
Frank Libutti unterhalten, der die militärische Leitung
der Luftbrücke hat. Er und andere Angehörige der
Einsatztruppe leisten ebenso ausgezeichnete Arbeit
wie das IKRK und andere private Hilfsorganisationen
in der Region.

langwierige Verhandlungen mit den jeweiligen Stammesfürsten führen mußte, welcher untergeordnete
Stamm wann welchen Anteil der Lieferung erhalten
würde. Nur wenn zwischen den Stämmen Einstimmigkeit herrscht, können die Nahrungsmittel sicher transportiert werden. Wenn ein untergeordneter Stamm
unzufrieden ist, unternimmt er den - für gewöhnlich
erfolgreichen - Versuch, seinen gerechten Anteil durch
vom Stamm organisierte Plünderungen zu erhalten.

Die zweite Geschichte: Nahrungsmittelpreise. Als ich
in Belet Weyne war, traf ich mit den Stammesfürsten
und Ältesten der Region zusammen. Ich bat sie, mir
den Preis für einen 50 Kilogramm schweren Sack Reis
auf dem offenen Markt zu nennen. Vor zwei Jahren,
vor dem Krieg und der Hungersnot, betrug er ihren
Aussagen zufolge 35.000 somalische Schilling. Im
letzten Sommer schnellten die Preise auf über300.000
Schilling hoch und im vergangenen Frühjahr, als die
Nahrungsmittelhilfe in die Gegend zu fließen begann,
fielen die Preise auf rund 120.000 Schilling. Einen Tag
nach Bekanntgabe der Luftbrücke nach Belet Weyne
fielen die Preise auf 80.000 Schilling - was immer noch
zu hoch ist, aber eine entschiedene Verbesserung
gegenüber den früheren Preisen.

Zweitens, die Bereitstellung kostenloser Nahrungsmittel in Nahrungsmittelstützpunkten oder Suppenküchen.
(Diese richtet sich vorrangig an innerhalb Somalias
Vertriebene in Ballungsgebieten.) Drittens die Lieferung großer Mengen von kostenloserTrockennahrung
in ländliche Gebiete. Viertens die Verbesserung der
Sicherheitslage. In diesem Zusammenhang unterstützen wir voll und ganz die Forderung der Vereinten
Nationen nach Entsendung weiterer Friedenstruppen.
Fünftens die Dezentralisierung. Eines der klassischen
Phänomene bei Hungersnöten besteht darin, daß
Bevölkerungen - auf der Suche nach Nahrung - in
andere Gebiete wandern. Wenn sie dies tun, sterben
viele auf dem Weg, und diejenigen, die es schaffen,
verursachen zusätzlichen Druck und weitere Belastungen für bereits überbevölkerte Ballungsgebiete.

Übrigens brachten die somalischen Stammesfürsten,
mit denen ich sprach, alle den Wunsch nach amerikanischer Hilfe zum Ausdruck.

Die vierte Geschichte: Einige bewaffnete Wegelagerer im Teenager-Alter zogen kürzlich in das Gebiet ein
Am Tag bevor die Luftbrücke nach Somalia aufgenom- und begannen, Frauen zu vergewaltigen und Nahmen wurde, bin ich nach Belet Weyne geflogen und rungsmittel zu stehlen. Die Anführer der örtlichen
habe mehrere andere Orte in Somalia besucht. An- Clans wollten der Gewalt Einhalt gebieten und bestatt Ihnen eine Art Gesamtüberblick der Situation zu stimmten einen Ältesten, der mit der Gruppe Jugendgeben, möchte ich Ihnen vielmehr einige spezifische licher zusammentreffen sollte. Er wurde erschossen.
Beispiele dessen aufzählen, was ich gesehen und
Ich erzähle Ihnen diese Geschichten nicht, um Sie zu
gehört habe. Ich glaube dadurch erhalten Sie ein
schockieren, sondern, um Ihnen ein Gefühl für das
besseres Verständnis der Motivation, von der wir bei
Umfeld zu geben, in dem wir und die nichtstaatlichen
dieser Nothilfestrategie geleitet sind.
Hilfsorganisationen zu arbeiten versuchen. Meines
In der Nähe von Belet Weyne gibt es ein Dorf. Vor Erachtens müssen Sie dieses Umfeld verstehen, um
einigen Wochen zählte das Dorf noch 600 Einwohner. die Logik hinter unserer Hilfsstrategie zu verstehen.
Binnen einer Woche wuchsdiese Zahl auf schätzungsUnsere Hilfsstrategie besteht aus sechs Schlüsseleleweise 7.000 an. Warum? Aufgrund von Gerüchten menten: Erstens, der Verkauf von Nahrungsmitteln an
oder Hinweisen, daß Nahrungsmittel in dieses Gebiet somalische Händler, um die Marktpreise zu senken,
kommen würden.
vielleicht durch einen Versteigerungsmechanismus.

In Oddur gingen wir auf den Markt und sprachen direkt
mit den Händlern. Dort waren die Preise für einen Sack (Das sechste Element, das aus der gedruckten ErkläReis in den vergangenen drei Jahren um über 1.400 rung entfernt wurde, ist die Rehabilitation. Natsios
erklärte Reportern, dazu gehörten die Verteilung von
Prozent gestiegen.
Saatgut und Werkzeugen, die Impfung der ViehbeDie dritte Geschichte: Nahrungsmittelverteilung. Als stände sowie der Wiederaufbau.)
ich am Donnerstag in Belet Weyne mit Vertretern des
IKRK zusammentraf, beschrieben sie eine Nahrungs- Wir erhielten in Somalia Berichte, zum Beispiel vermittellieferung vom März. Die Lieferung kam an und gangene Woche, daß in einigen Gebieten 50 Prozent
wurde im Lagerhaus für die "unverzügliche" Verteilung der Menschen auf dem Marsch nach Belet Weyne
- dachten sie - gelagert. Die Lebensmittel lagerten dort gestorben seien. Als Teil unserer Strategie möchten
zwei unendliche Wochen lang während das IKRK wir deshalb Nahrungsmittel in einer Reihe von Gebie-

Seite 2

AMERIKA DIENST 36

�ten au ßerhalb der größeren Städte verteilen, um diese
tödliche Wanderung aufzuhalten - oder zumindest zu
verlangsamen - zu versuchen.
In diesem Zusammenhang möchte ich etwas über
Mogadischu sagen. Unsere Strategie besteht - zumindest für die nächste Zukunft - bewußt darin, über die
Luftbrücke gelieferte Nahrungsmittel nach außerhalb
von Mogadischu zu transportieren. Nicht nur aus den
gerade erläuterten Gründen in Zusammenhang mit
der Verhinderung von Wanderungsbewegungen,
sondern aus Sicherheitsgründen. Wir werden unsere
Rehabilitationsbemühungen auf die Gebiete konzentrieren, die vergleichsweise stabiler und sicherer sind.
Wir werden weiterhin die Hungernden verpflegen, wo
sie sich befinden. Und ich möchte so deutlich und
eindringlich ich kann erklären: Die Clan-Führer müssen verstehen, daß wir die Rehabilitation auf diese
Gebiete zu konzentrieren gedenken. Dazu gehört die
Bereitstellung von Saatgut und Werkzeugen, die
Rehabilitation der Viehbestände, der Wiederaufbau
von Brunnen zur Wasserversorgung sowie die Wiederherstellung von Krankenhäusern. In dem Maß, wie
sie die Gewalt unter den Clans in ihren Gebieten
fortsetzen, werden sie verhindern, daß die Hilfe ihre
eigenen Angehörigen erreicht.
Wir alle bemühen uns äußerst energisch darum, aber
letztlich liegt das Schicksal Somalias in Händen der
Somalis.
Ein Wort zum Verkauf von Nahrungsmitteln, da dieses
Konzept weithin mißverstanden wird. Von den 145.000
Tonnen Nahrungsmitteln, die der Präsident für das
nächste Haushaltsjahr zugesagt hat, werden meinen
Schätzungen zufolge maximal 10 Prozent per Flugzeug transportiert werden. Die Luftbrücke ist ein
besonderer, kurzfristiger Aspekt unserer Gesamtstrategie. Von den 145.000 Tonnen wird unseren Prognosen zufolge die Hälfte "kostenlos" geliefert und die
andere Hälfte auf dem offenen Markt verkauft. Manche haben gesagt: Wie können wir verhungernden
Menschen Nahrungsmittel verkaufen?
Die Antwort lautet, daß wir mehrere Ansätze gleichzeitig durchführen müssen, um Nahrungsmittel in das
Land zu liefern. Sicherlich gibt es Tausende Mittelloser - und für diese liefern wir und andere Geberländer
kostenlose Nahrungsmittel. Gleichzeitig ist es jedoch
zwingend erforderlich, die privatwirtschaftlichen Nahrungsmittelmärkte in Gang zu bringen. Mit der Lieferung kostenloser sowie zum Verkauf angebotener
Nahrungsmittel nach Somalia werden wir dramatische
Preissenkungen beobachten - und in der Tat finden
diese an einigen Orten bereits statt.

*

AMERIKA DIENST 36

*

In den letzten beiden Wochen wurde von CARE berichtet, daß im Hafen Kismayo Plünderer mehrere
Lastwagen mit 500 Säcken amerikanischer Hirse in
ihre Gewalt brachten. Die Somalis mögen Hirse nicht
besonders. Als die Plünderer ihre Beute lokalen
Händlern zum Kauf offerierten, boten diese nur einen
sehr geringen Preis dafür. Das Ende der Geschichte
lautet, daß die gesamte Hirse mitsamt den Lastwagen
von CARE wiedergefunden wurde. Man hatte sie
einfach stehenlassen, weil sich die Plünderung nicht
lohnte. Wir müssen die Lebensmittelpreise senken,
damit sich Plündern nicht lohnt.
Wir müssen den Teufelskreis in Somalia durchbrechen, wo Nahrungsmittel den gleichen Wert haben wie
Geld. Die Lieferung zusätzlicher Nahrungsmittel in
das Land wird sie nicht nur erschwinglicher machen,
sondern auch die Sicherheit erhöhen.
Ich möchte mit einem speziellen Fall abschließen.
Vergangenen Freitag fuhren wir nach Baidoa. Die
Bedingungen dort sind entsetzlich. In den vergangenen Jahren war ich Zeuge der meisten großen Hungersnöte in der Welt, und ich kann Ihnen versichern,
daß das, was ich in Baidoa vor wenigen Tagen gesehen habe, im Hinblick auf menschliches Leid das
schlimmste ist, was ich jemals erlebt habe. Das IKRK
sammelte die Leichen auf den Straßen ein und beerdigte sie. Dabei handelte es sich nur um solche, die
keine Verwandten hatten, die sie beerdigen konnten.
Das IKRK sammelte 176 Leichen. Einhundertfünfzig
sind derTagesdurchschnit in dieser einen Stadt. Wir
besuchten einen Nahrungsmittelstützpunkt in Baidoa,
auf dem über 4.000 Vertriebene verpflegt wurden. Als
ich in das Gebäude ging, lagen zwei ältere Frauen -tot
- vor meinen Füßen. Als ich wieder hinausging, wurde
der Körper eines zwölfjährigen Jungen, der gerade
gestorben war, auf einer Schubkarre entfernt.
Da war ein fünfjähriges Mädchen. Seine Mutter und
sein Vater waren bereits tot. Nur seine 11jährige
Schwester war noch übriggeblieben, um sich um es zu
kümmern. An jenem Morgen starb auch das kleine
Mädchen und ließ die ältere Schwester allein auf der
Welt zurück.
Es gibt heute viele Helden in Somalia - amerikanische
und europäische freiwillige Helfer, UN-Mitarbeiter,
amerikanische Soldaten, das Internationale Komitee
vom Roten Kreuz - und Somalis, die äußerst hart
arbeiten. Ich kann nur hoffen, daß wir durch ihre
Bemühungen - und die Anstrengungen der Vereinigten
Staaten - diese Geschichten Vergangenheit werden
lassen.

*

*

Seite 3

�</text>
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                <text>Amerikadienst 09.09.1992</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. C-Waffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen vereinbartes C-Waffenverbot uneingeschränkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Lehman vor der Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Deutschland-USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unsere kulturellen Beziehungen - die Bindungen, die uns vereinen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Jugoslawien&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Vereinigte Staaten sagen 40 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe für Jugoslawien zu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Zimmerman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hilfsplan der USA für Somalia&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Sonderbeauftragten Natsios&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

9. September 1998

18

USA-RUSSLAND

CLINTON: ICH GLAUBE AN DIE ZUKUNFT
RUSSLANDS
Rede des Präsidenten

USA-IRLAND

USA WERDEN DEN FRIEDENSPROZESS IN
NORDIRLAND WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
Rede von Präsident Clinton

FRAUEN IN EINER DEMOKRATIE
Rede der First Lady

BOMBENANSCHLAGE

USA WERDEN IHRE INTERESSEN, BURGER
UND WERTE VERTEIDIGEN
Erklärung von Präsident Clinton

USA LASSEN SICH DURCH TERROR NICHT
EINSCHÜCHTERN
Erklärung von Außenministerin Albright

HAUPTVERDÄCHTIGER WIRD DES MORDES
ANGEKLAGT
Erklärung von Justizministerin Reno

FREEH LOBT INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEITBEIDERTERRORISMUSBEKÄMPFUNG
Erklärung des FBI-Direktors

http://www.us-botschaft.de/amerikadienst
http://www.usembassy.de/amerikadienst
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228-3392956
Fax: 0228-333138
Internet: http://www.usembassy.de

�USA-RUSSLAND

9. September 1998

Clinton: Ich glaube an die Zukunft Rußlands
Rede des Präsidenten

MOSKAU - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die programmatische Rede, die Präsident Clinton am 1.
September 1998 vor Studenten der Moskauer Universität für internationale Beziehungen gehalten hat.

Ich glaube, die Anwesenheit hochrangiger Vertreter
der russischen und der amerikanischen Regierung hier
spricht deutlicher als ich es je zum Ausdruck bringen
könnte dafür, daß Amerika den Beziehungen zu
Rußland große Bedeutung beimißt. Es sind von
Freundschaft, gegenseitiger Verantwortung und der
Verpflichtung zur Zukunft geleitete Beziehungen. Es
ist für uns alle eine Ehre, heute hier zu sein, und wir
danken für Ihre freundliche Begrüßung.
An diesem ersten Tag des Semesters nehmen überall
in unseren beiden Ländern die Studenten ihre Studien
wieder auf - auch das Studium der Geschichte. In
diesem entscheidenden, sicherlich historischen
Augenblick möchte ich mit einigen Worten darüber
beginnen, was die Vergangenheit uns meines Erachtens lehren kann, während wir - und vor allem das
russische Volk - uns den Herausforderungen der
Gegenwart und der Zukunft stellen. Vor 222 Jahren
erklärten wir Amerikaner unsere Befreiung von der
Tyrannei König Georgs von England. Wir machten
uns daran, uns selbst zu regieren. Der Weg war nicht
oft - und sicherlich nicht immer - leicht. Erst kämpften
wir einen sehr langen Unabhängigkeitskrieg. Dann
dauerte es über zehn Jahre, eine funktionierende
Verfassung zu entwerfen. Dann - 1814 - zogen wir
wieder in den Krieg gegen England. Die Engländer
marschierten in unsere Hauptstadt ein und brannten
das Haus des Präsidenten nieder - das Weiße Haus.
Dann - 1861 - begannen wir den blutigsten Krieg
unserer Geschichte, einen Bürgerkrieg, der wegen der
Konflikte über die Sklaverei gekämpft wurde. Erteilte
unser Land beinahe für immer, aber statt dessen
wurden wir wiedervereinigt und schafften die Sklaverei
ab.

AMERIKA DIENST 18

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts, vor dem
Zweiten Weltkrieg, versank unser Land in einer großen
Wirtschaftskrise, durch die 25 Prozent unserer Bevölkerung arbeitslos wurden und mehr als ein Drittel
unserer Bevölkerung in Armut lebte. Sie kennen den
Rest. Im Zweiten Weltkrieg waren wir Verbündete, und
nach dem Zweiten Weltkrieg waren wir Gegner. Aber
es war eine Zeit großen Wohlstands für das amerikanische Volk, selbst wenn es während der vergangenen
50 Jahre Spannungen und schwierige Augenblicke
gab.
Das umfassendere Argument, das ich anbringen
möchte während Rußland diese Zeit extremer Schwierigkeiten durchmacht, ist, daß wir im Verlauf unserer
Demokratie viele intensive, sogar heftige Debatten
über die richtigen Beziehungen zwischen Menschen
unterschiedlicher Rasse, Religion oder Herkunft, über
die Kluft zwischen Reich und Arm, über Verbrechen
und ihre Bestrafung, sogar über Krieg und Frieden
geführt haben. Wir Amerikaner haben miteinander
gekämpft und argumentiert - wie wir es noch heute tun.
Aber wir haben unsere Freiheit bewahrt, indem wir uns
an die in unserer Verfassung und unserer Unabhängigkeitserklärung verankerten grundlegenden Werte
erinnerten; indem wir weiterhin die Würde jedes
Mannes, jeder Frau und jedes Kindes respektieren;
indem wir diejenigen mit anderen Ideen und Überzeugungen als unsere eigenen tolerieren; indem wir
Chancengleichheit fordern und indem wir jedem eine
Chance geben, das Beste aus seinem Leben zu
machen.
Rußlands großer Verbündeter im Zweiten Weltkrieg,
unser Präsident Franklin Roosevelt, hat einmal gesagt,
daß Demokratie das niemals endende Streben nach
Besserem ist. Für Amerikaner bedeutet das, daß wir in

Seite 1

�guten wie in schlechten Zeiten versuchen, den Kreis
der Chancen zu erweitern, die Bedeutung unserer
Freiheit zu vertiefen und eine stärkere nationale
Gemeinschaft aufzubauen.
Was hat das alles mit Rußland im Jahr 1998 zu tun?
Ihre Geschichte ist sehr viel länger als unsere und so
reich an Errungenschaften - von militärischen Siegen
über Napoleon und Hitler über die literarischen
Leistungen von Puschkin, Tolstoi, Tschechow, Pasternak und so vielen anderen bis zu den großen Leistungen in Kunst, Musik,Tanz, Medizin, Wissenschaft und
Raumfahrt.
Trotz seiner reichen, langen Geschichte begann
Rußland jedoch erst vor sieben Jahren Demokratie,
Freiheit und freie Märkte anzustreben - eine Reise, die
einzig und allein Ihre ist und von Ihrer eigenen Vision
von Rußlands demokratischem Schicksal geleitet sein
muß.
Sie befinden sich jetzt an einem entscheidenden Punkt
Ihrer Reise. Es gibt gravierenden wirtschaftlichen
Druck und gravierende Härten, die ich in meinen
Gesprächen mit Ihren Politikern heute Morgen erörtert
habe. Es steht enorm viel auf dem Spiel. Jede
Entscheidung, die Rußland heute trifft, könnte Konsequenzen auf Jahre hinaus haben. Angesichts der vor
Ihnen liegenden Fakten muß ich Ihnen sagen, ich
glaube nicht, daß es schmerzlose Lösungen gibt. Und
der Versuch zur Vermeidung schwieriger Lösungen
könnte die gegenwärtigen Herausforderungen in der
Tat nur verlängern oder verschlimmern.
Ich möchte zunächst einige Punkte anführen. Die
Erfahrungen Ihres Landes in den vergangenen Jahren
und insbesondere in den letzten sechs Jahren beweisen, daß die Herausforderungen der globalen
Wirtschaft sehr groß sind, aber das sind auch ihre
Vorteile. Das russische Volk hat in der Vergangenheit
enorme Herausforderungen bewältigt. Sie können es
hier tun. Sie können eine Zukunft mit Wohlstand
aufbauen. Sie können Chancen und Arbeitsplätze für
alle Menschen in diesem Land schaffen, die dafür zu
arbeiten bereit sind, wenn Sie stark und konkurrenzfähig sind und nicht vor der Umgestaltung, die Sie vor
sieben Jahren begonnen haben, davonlaufen, sondern
sich dem Wettbewerb stellen.
Der zweite Punkt, den ich anführen möchte, ist, daß
die übrige Welt ein sehr großes Interesse an Ihrem
Erfolg hat. Heute kämpft ungefähr ein Viertel der
Weltbevö!''.erung mit schwierigen wirtschaftlichen
Herausforderungen - die Menschen in Ihrem Land, die
Menschen in Japan, die seit fünf Jahren kein Wirtschaftswachstum haben. Japan ist immer noch ein
sehr wohlhabendes Land, aber wenn es überhaupt
kein Wachstum gibt, ist es schwieriger für alle anderen
Länder in Asien, die nicht so wohlhabend sind, mit
Ihnen Handel zu treiben. Und jetzt sehen wir auf der

Seite 2

ganzen Welt, daß die Kurse in Lateinamerika fallen,
wenn es in Rußland oder Japan Probleme gibt oder
Fragen bezüglich der Volkwirtschaft in China. In den
vergangenen beiden Tagen haben wir kräftige Kurseinbrüche an den amerikanischen Aktienbörsen erlebt.
Was heißt das? Unter anderem heißt es, daß wir - ob
wir wollen oder nicht - die Zukunft gemeinsam gestalten müssen, weil wir - ob wir wollen oder nicht - von
dem betroffen sein werden, was wir tun. Wir werden
von dem betroffen sein, was Sie tun; Sie werden von
dem betroffen sein, was wir tun. Wir können es
genauso gut gemeinsam tun und dann das Beste
daraus machen.
Im Hinblick auf die Ereignisse in Amerika ist es
natürlich stets erfreulicher, wenn unsere Aktienkurse
steigen, statt zu fallen. Ich habe seit gestern jedoch
mehrmals mit unserem Finanzminister darüber
gesprochen. Ich möchte den Punkt bekräftigen, der
meiner Ansicht nach wichtig für Rußland, für Amerika
und für jedes Land ist: Wir glauben, daß unsere
Wirtschaftspolitik solide ist; wir glauben, daß unsere
Bürger Spitzenleistungen erbringen, und wir sind
entschlossen, auf dem Weg der Steuerdisziplin zu
bleiben, der uns dahin gebracht hat, wo wir sind. Ich
glaube, wo immer es Märkte gibt, wird es immer
Veränderungen auf diesem Märkten geben. Aber wir
müssen versuchen, in die richtige Richtung zu gehen.
Und darüber möchte ich heute mit Ihnen sprechen:
Wie können wir in die richtige Richtung gehen? Wenn
ich alle die jungen Leute hier heute sehe - und ich
habe über Sie und Ihren Hintergrund gelesen - junge
Menschen aus ganz Rußland, die die Chancen der
Freiheit ergreifen, um für sich selbst und ihre Nation
einen neuen Kurs zu entwerfen; die einen Unterschied
bewirken, indem sie Unternehmen mit bescheidenen
Krediten und innovativen Ideen aufbauen, indem sie
Technologien nutzen, die für Waffen entwickelt worden
waren und sie den Bedürfnissen des Menschen
anpassen, indem sie kreative staatliche Lösungen für
komplexe Probleme finden, indem sie die Gesundheitsfürsorgeverbessern und Krankheiten bekämpfen,
indem sie mutigen Journalismus betreiben, Machtmißbrauch aufdecken, Literatur, Kunst und Wissenschaft
hervorbringen, die Art und Weise verändern, in der die
Menschen ihr Leben sehen, die Bürger organisieren,
um für Gerechtigkeit, Menschenrechte und eine
sauberere Umwelt zu kämpfen und die Welt einzubeziehen. In diesem Saal heute sind junge Menschen versammelt, die all dies tun. Das sollte für Sie
ein guter Grund zur Hoffnung sein.
Sie stehen an vorderster Front beim Aufbau eines
modernen Rußlands. Sie sind eine neue Generation.
Sie repräsentieren die Zukunft Ihrer Träume. Ihre
Anstrengungen heute werden nicht nur ein besseres
Leben für Sie selbst, sondern auch für Ihre Kinder und
kommende Generationen gewährleisten.

AMERIKA DIENST 18

�Meines Erachtens ist es auch wichtig darauf hinzuweisen, daß nicht nur die Jungen und gut Ausgebildeten, die Reichen und diejenigen mit guten Beziehungen profitieren sollten, als Rußland sich für die
Freiheit entschied. Es sollten auch die Männer und
Frauen profitieren, die in Fabriken und auf Bauernhöfen arbeiten und während der Sowjetära Kriege geführt
haben, diejenigen, die heute von Renten und staatlicher Unterstützung leben. Es sollten auch die Arbeiter
und Lehrer und Soldaten profitieren, die jeden Tag
arbeiten, aber jetzt auf ihren Gehaltsscheck warten.

Wirtschaftspolitik haben. Es ist eine Versuchung für
jeden, nach Möglichkeit keine Steuern zu bezahlen.
Aber wenn jeder seinen gerechten Anteil bezahlt, ist
der Anteil bescheiden und die Einkommen sind
langfristig höher, weil dadurch Stabilität und Wachstum
für das russische Wirtschaftssystem geschaffen
werden.

Die Herausforderung besteht in der Schaffung eines
neuen Rußlands, von dem alle verantwortungsvollen
Bürger dieses Landes profitieren. Wie schafft man
das? Ich glaube nicht, indem man wieder auf die
gescheiterten Maßnahmen der Vergangenheit zurückgreift. Ich glaube nicht, indem man den Reformprozeß
mittendrin stoppt, während es nur einigen wenigen
Russen sehr gut geht, aber viele andere darum
kämpfen, für ihre Familien sorgen zu können. Ich
glaube, Sie werden die Voraussetzungen für Wachstum schaffen, jedoch nur, wenn Sie weiterhin entschieden dem Weg der demokratischen, marktorientierten, konstruktiven Revolution folgen.

Drittens erfolgen spezielle Sicherheitsleistungen für
einige wenige Privilegierte auf Kosten der gesamten
Nation.

Das russische Volk hat in den vergangenen sieben
Jahren außerordentliche Fortschritte gemacht. Sie
sind zu den Wahlurnen gegangen, um ihre Politiker zu
wählen. Ungefähr 65 bis 70 Prozent von Ihnen werden
in jeder Wahl frei gewählt. Die Menschen in ganz
Rußland knüpfen wieder an ihre unterschiedlichen
religiösen Traditionen an und haben eine Vielzahl von
Privatorganisationen ins Leben gerufen. 70 Prozent
Ihrer Volkswirtschaft sind jetzt in privater Hand. Nicht
die Bürokraten, sondern die Verbraucher bestimmen,
welche Waren in die Geschäfte kommen und wo die
Menschen leben. Sie treiben überall auf der Welt
Handel und tätigen Investitionen, führen Austauschprogramme jeglicher Art durch und übernehmen eine
Führungsrolle bei der Bewältigung der Sicherheitsherausforderungen auf dem gesamten Erdball.
Dies ist ein entscheidender Augenblick für Sie. Die
heutige Finanzkrise verlangt nicht von Ihnen, daß Sie
Ihren Weg zu Freiheit und freien Märkten aufgeben.
Die Russen werden Rußlands Zukunft entscheiden,
aber es gibt meiner Ansicht nach klare Lehren, die
man aus der internationalen Erfahrung ziehen kann.
Meines Erachtens sind es folgende:
Erstens benötigen Regierungen in harten Zeiten
stabile Einnahmen, um ihre Rechnungen zu bezahlen
und Gehälter, Renten und die Gesundheitsfürsorge zu
unterstützen. Das erfordert entschiedene Aktionen um
sicherzustellen, daß jeder seinen gerechten Anteil an
den Steuern bezahlt. Sonst zahlen einige wenige zu
viel, viele zahlen zu wenig, die Regierung befindet sich
in einer Sackgasse, aus der sie nie wieder herauskommen kann, und Sie werden niemals eine stabile

AMERIKA DIENST 18

Zweitens hilft es nicht, Geld zu drucken, um die
Rechnungen zu bezahlen und die Banken zu retten.
Das bewirkt Inflation und verschärft letztlich die Härten.

Viertens wird die faire, gerechte Behandlung von
Gläubigern heute ihr Engagement für die Nation
morgen bestimmen. Die Menschen, die dieser Nation
Geld leihen, müssen fair behandelt werden, wenn Sie
möchten, daß sie dieser Nation in vier, fünf oder selbst
noch zehn Jahren Geld leihen.
Das sind keine radikalen Theorien, es sind durch
Erfahrung belegte simple Fakten. Wie Rußland darauf
reagiert, wird Ihre Zukunft grundlegend beeinflussen.
Das Überleben der heutigen Krise, wie schwierig es
auch sein mag, fängt gerade erst an. Um Arbeitsplätze, Wachstum und höhere Einkommen zu schaffen, muß eine Nation ihre eigenen und ausländische
Bürger davon überzeugen, daß sie sicher investieren
können. Erneut lehrt die Erfahrung, was funktioniert:
Faire Steuergesetze und faire Durchsetzung; leichtere
Übertragbarkeit von Land; strenge Gesetze zum
Schutz geistigen Eigentums, um Innovationen zu
fördern; unabhängige Gerichte zur konsequenten
Durchsetzung der Gesetze und dem Schutz von
Vertragsrechten; starke Banken zum Schutz von
Spareinlagen; Wertpapiermärkte zum Schutz von
Investoren; Sozialausgaben zur Förderung von
Hoffnung und Chancen und ein Sicherheitsnetz für
diejenigen, die in einer offenen Marktwirtschaft zu
irgendeinem Zeitpunkt arbeitslos werden; Wachsamkeit gegenüber unangebrachten versteckten Verbindungen zwischen Regierung und Geschäftsinteressen.
Dies ist keine amerikanische Agenda. Ich wiederhole:
Dies ist keine amerikanische Agenda. Dies sind die
Gebote des globalen Marktes, die ständig wiederholt
werden. Sie können auch bei einer Nation nach der
anderen sehen, zu welchem Preis sie ignoriert werden.
Keine Nation, sei sie reich oder arm, demokratisch
oder autoritär, kann den grundlegenden wirtschaftlichen Geboten des globalen Marktes entkommen.
Investoren und Unternehmer haben eine immer größer
werdende Auswahl zwischen Möglichkeiten, ihr Geld
zu investieren. Sie bewegen sich in die Richtung von
Offenheit, Fairness und Freiheit. Hier hat Rußland
eine Chance. Am Vorabend eines neuen Jahrhunderts

Seite 3

�besteht eine bemerkenswerte Übereinstimmung: Die
für Erfolg in der neuen Wirtschaft erforderlichen
Maßnahmen sind zunehmend auch diejenigen, die
demokratische Freiheit für den einzelnen Bürger
fördern.
Dies ist ein wohlhabendes Land. Es ist reich an
Ressourcen, es ist noch reicher an Menschen. Es hat
bemerkenswerte Arbeit geleistet, einer großen Zahl
von Menschen eine gute Bildung zu vermitteln. Sie
haben immer wieder durch große und kleine Dinge
gezeigt, daß die Menschen in diesem Land Mut und
Begabung besitzen und nicht bereit sind, sich unterdrücken zu lassen und aufzugeben. Vor Ihnen kann
eine glänzende Zukunft liegen.
Wir dürfen jedoch die Spielregeln nicht ignorieren,
denn wenn es ein freies System gibt, ist kein Land nicht einmal die Vereinigten Staaten mit ihrer großen
Volkswirtschaft - stark genug, um zu kontrollieren, was
Millionen und Abermillionen mit ihrem Geld machen.
Aber jedes Land wird einen großen Teil des Geldes
seiner eigenen Bürger behalten und viel Geld von
Investoren aus der ganzen Welt erhalten, wenn es
Systeme einführen kann, die sich an die internationalen Handelsregeln halten. Und ganz Rußland
benötigt den ihm zukommenden Anteil an diesen
Investitionen. Sie besitzen den natürlichen Reichtum,
die Stärke Ihrer Bürger, und Sie verfügen über die
Bildung. Alles, was Sie noch brauchen, ist Ihren Anteil
an den Investitionen.
Im 21. Jahrhundert wird die Wirtschaftsmacht auf
Kreativität und Innovationen basieren.
Die hier
versammelten jungen Menschen sind bestimmt
überzeugt, daß sie ebenso kreativ oder innovativ wie
jeder andere auf der Welt sein können. Alles hängt
vom freien Informationsfluß ab. Alles hängt von Ideen
ab. Wer seine Karriere beginnt, sollte sich Folgendes
vor Augen halten: Die drei größten Computer- und
Softwareunternehmen der Vereinigten Staaten sind
jetzt mehr wert als alle amerikanischen Unternehmen
in der Stahl-, Automobil-, Luftfahrt-, Chemie- oder
Plastikbranche zusammengenommen.

Organisationen und große nationale Organisationen,
die alle die von mir angesprochenen Regeln stärken.
Lassen Sie sich nicht entmutigen, lassen Sie sich nicht
abschrecken. Machen Sie weiter, bis Sie so weit sind.
Wenn Sie erst einmal so weit sind, wird Rußland
starten wie eine Rakete, weil es über die natürlichen
und die menschlichen Ressourcen verfügt.
Meines Erachtens ist es jedoch wichtig, darauf hinzuweisen, daß wirtschaftliche Stärke - und das führt
uns wieder zurück zu den Regeln - von Rechtsstaatlichkeit abhängt. Wenn jemand beschließt, Geld
im Ausland zu investieren, möchte er die Regeln
kennen. Unter welchen Bedingungen investiere ich
mein Geld? Wie werden meine Investitionen geschützt? Wenn ich Geld verliere, sollte das auf eine
falsche Entscheidung meinerseits zurückzuführen
sein, nicht darauf, daß mein Geld nicht durch Gesetze
geschützt wird. Das ist sehr wichtig.
Aus diesem Grund wünschen Investoren eine ehrliche
Regierung und faire Systeme - fair gegenüber Unternehmen und Verbrauchern gleichermaßen - die streng
gegen Korruption und Amtsmißbrauch vorgehen und
offenlegen, nach welchen Regeln der Umgang mit
Anlagekapital erfolgt.
Wirtschaftliche Stärke hängt von Chancengleichheit
ab. Erforderlich sind gute Schulen und eine gute
Gesundheitsfürsorge, und jeder muß die Chance
erhalten, in den Genuß des nationalen Reichtums zu
kommen. Wirtschaftsmacht muß bei denjenigen
liegen, die ihrem Gewissen folgen, neue Technologien
zur Verbreitung von Ideen einsetzen, den Wandel
fördernde Organisationen ins Leben rufen und Unternehmen aller Art gründen.

Die Zukunft ist eine Zukunft der Ideen. Keine Nation
wird je ein Ideenmonopol besitzen. Kein Volk wird je
alle kreativen Gedanken des menschlichen Geistes
kontrollieren, die weltweit mehr oder weniger gleich
verteilt sind. Es wird Ihnen sehr gut gehen, wenn Sie
den Ihnen zustehenden Teil an Investitionen erhalten.
Hierzu müssen Sie sich an dieselben Regeln halten
wie alle anderen. Darum geht es bei dieser ganzen
Krise. Niemand konnte erwarten, daß Ihr Land diesen
Übergang ohne Opfer vollziehen kann. Sie haben erst
sieben Jahre hinter sich.

Manche wollen den derzeit weltweit stattfindenden
Machtwechsel ausnutzen, um ihre Mitbürger zu
übervorteilen. Als diese Nation von dem alten kommunistischen Kommando- und Kontrollsystem zu einem
offenen, freien System überging, ohne über all die
Mittlerinstitutionen und Privatorganisationen zu
verfügen, deren Aufbau Jahre dauert, wurde ein
Vakuum geschaffen. In dieses Vakuum drangen
einige in der Absicht vor, ihre Mitbürger auszubeuten,
um sich selbst ohne Rücksicht auf Fairness, Sicherheit
oder die Zukunft zu bereichern. Dies ist eine jeden
Bürger konfrontierende Herausforderung. Und sie ist
nicht spezifisch für Rußland. So etwas ist in jedem
Staat geschehen und wird in jedem Staat geschehen,
der diesen Übergang vollziehen mußte. An dieser
Entwicklung ist nichts von Natur aus Negatives. Sie ist
so vorhersehbar wie der Sonnenaufgang jeden
Morgen. Jedes Land wird damit konfrontiert. Aber Sie
müssen damit fertig werden.

Schauen Sie sich ein beliebiges europäisches Land
an, das seit Jahrzehnten eine offene Marktwirtschaft
hat. Dort gibt es Hunderte, ja Tausende kleiner

Sie brauchen einen Staat, der stark genug ist, Mißbrauch zu kontrollieren: Gewalt, Diebstahl, Betrug,
Bestechung, Monopolwirtschaft. Er darf jedoch nicht

Seite 4

AMERIKA DIENST 18

�so stark sein, daß er die legitimen Rechte, Träume und
Kreativität der Menschen beschränken kann. Das ist
die Schwierigkeit, die richtige Art von demokratischer,
marktwirtschaftlicher Gesellschaft zu schaffen.
Das Fazit lautet, daß das amerikanische Volk großes
Interesse an einem Erfolg Rußlands hat. Wir schätzen
Ihre Freundschaft. Wir bewundern Ihren Kampf. Wir
bieten Ihnen unsere Unterstützung, solange Sie die für
Stabilität und Fortschritt erforderlichen Schritte unternehmen. Es kommt uns sehr zugute, wenn Sie Ihre
Demokratie stärken und Ihren Wohlstand mehren.
Betrachten Sie sich, was unsere Partnerschaft bereits
hervorgebracht hat. Wir kehren den gefährlichen
Zuwachs an Nuklearwaffen um. Wir sind dem Zeitplan
bei der Verringerung der Nuklearwaffenarsenale unter
START I bereits zwei Jahre voraus. Der START IIVertrag, der noch von der Duma ratifiziert werden muß,
wird unsere nuklearen Streitkräfte um zwei Drittel unter
das Niveau des Kalten Krieges senken. Präsident
Jelzin und ich haben uns bereits auf einen Rahmen für
START III geeinigt, um unsere Nuklearwaffenarsenale
noch stärker abzubauen.
Zu einer Zeit, in der Indien und Pakistan Atomtests
beginnen, müssen Amerika und Rußland im Interesse
der jungen Menschen den Kurs verfolgen, den die Welt
bei der Verringerung von Nuklearwaffen, nicht bei
ihrem Aufbau, einschlagen sollte. Dies ist sehr wichtig.
Wir setzen uns für ein Ende der Ausbreitung von
Massenvernichtungswaffen ein. Wir unterzeichneten
mit 147 anderen Ländern den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot. Wir setzen uns für die
Eindämmung des Rüstungswettlaufs zwischen Indien
und Pakistan, verstärkte Kontrollen des Transfers von
Rüstungstechnologie und die weltweite Bekämpfung
des Terrorismus ein.
Unsere Beziehungen werden immer enger, und damit
nähern wir uns immer mehr unserem Ziel eines
ungeteilten, demokratischen und friedlichen Europas.
Wir haben eine stärkere Zusammenarbeit zwischen
der NATO und Rußland vereinbart. Und unsere
Soldaten setzen sich in Bosnien Seite an Seite für den
Frieden ein.
Wir sind nicht immer einer Meinung, und unsere
Interessen sind nicht immer identisch. Aber in den
meisten Fällen arbeiten wir zusammen, und infolgedessen ist die Welt ein besserer Ort geworden. Die
Schaffung von Frieden stellt unsere oberste Pflicht dar,
aber wir müssen gemeinsam noch mehr unternehmen.
Wir müssen gemeinsam beweisen, daß Wirtschaftswachstum nicht zu Umweltzerstörung führen muß.
Ein großer Mann betrachtete den Zustand der Umwelt
und kam zu dem Schluß, daß die Menschheit zerstörerisch ist. Er schrieb: "Wälder schwinden, Flüsse

AMERIKA DIENST 18

trocknen aus, Tiere sterben aus, das Klima ist ruiniert,
das Land wird mit jedem Tag ärmer und häßlicher."
Tschechow schrieb diese Worte vor 100 Jahren.
Stellen Sie sich seine Reaktion auf die derzeitige
Umweltsituation vor - angesichts der toxischen
Verschmutzung von Luft und Wasser und der Erderwärmung, die Überflutung, Dürre und Krankheiten zu
verschlimmern droht.
Gemeinsam können wir sauberere Technologien
schaffen, damit unsere Volkswirtschaften wachsen,
ohne die Umwelt zu zerstören und zukünftige Generationen zu gefährden. Gemeinsam können wir die
Begabung unserer Bürger nutzen - nicht um Waffen
herzustellen, sondern um bessere Kommunikationsmittel zu schaffen, Krankheiten zu heilen, Hunger zu
bekämpfen, den Weltraum zu erforschen. Gemeinsam
können wir Gesellschaften verschiedener Menschen
mit verschiedenen Religionen, Rassen und Überzeugungen versöhnen und uns gemeinsam in ethnischem,
religiösem und rassischem Haß begründeten Kriegen
entgegenstellen, die die jüngste Geschichte beherrschten.
Wenn wir zusammenhalten und das Richtige tun,
können wir eine solche Welt schaffen. Wenn die
Menschen in Rußland Wirtschaftsreformen befürworten, von denen alle Menschen dieses Landes
profitieren, wird Amerika Ihnen zur Seite stehen. Da
die Menschen in Rußland sich für Bildung und wissenschaftliche Entdeckungen, gegen Korruption und für
eine ehrliche Regierung, gegen Kriminelle und Terroristen und für die Sicherheit ihrer Bürger, gegen Aggression und für den Frieden einsetzen, wird Amerika
stolz an Ihrer Seite stehen. Das ist nicht nur richtig,
sondern liegt auch im Interesse des amerikanischen
Volkes.
Ich war erstaunt, daß es in den Vereinigten Staaten
einige Zweifler gibt, die äußerten, vielleicht sollte ich in
politisch und wirtschaftlich so unsicheren Zeiten nicht
hierher kommen. Und in der amerikanischen Presse
werden Fragen über das Engagement Rußlands für
Reformen und Demokratie gestellt. Ich bin der Ansicht, in guten Zeiten kann sich jeder ins Flugzeug
setzen und reisen, aber Freunde besuchen sich in
unsicheren und schwierigen Zeiten.
Ich komme als Freund hierher, weil ich an die Zukunft
Rußlands glaube. Ich bin auch hierher gekommen,
weil jemand dem Volk die Wahrheit sagen muß, damit
es nicht skeptisch ist, wenn seine Politiker ihm Dinge
sagen, die hart klingen. Es gibt keinen anderen Weg,
als sich an die Regeln der Weltwirtschaft zu halten,
wenn Sie ihr angehören wollen. Wir können die
Regeln der Weltwirtschaft nicht aufgeben. Niemand
kann das.
Es gibt einen Weg, das soziale Netz und den Sozialvertrag zu erhalten und den Menschen zu helfen, die

Seite 5

�zu schwach sind, um erfolgreich zu sein. Es gibt
hierfür einen Weg. Und es gibt Menschen, die dabei
helfen. Aber es muß getan werden. Also komme ich
als Freund hierher. Ich komme hierher, weit ich weiß,
daß die Zukunft unserer Kinder und die Zukunft der
jungen Menschen in Rußland eng miteinander verbunden sind. Und weil ich möchte, daß es eine gute
Zukunft wird. Ich bin überzeugt, daß das möglich ist.
Vor kurzem schrieb eine Frau aus Petrozawodsk
folgende Worte über Ihr Volk, das den Zweiten Weltkrieg gewann und das Land aus den Trümmern
wiederaufbaute. Hören Sie gut zu. Sie sagte: Wir
überlebten die Ruinen, die Zerstörung, den Hunger
und die Kälte. Ist es nicht möglich, daß unser Volk das
noch einmal tut? Wenn die Menschen sich erheben,

*

Seite 6

*

können sie Berge versetzen. Zu welchem Zweck?
Puschkin äußerte einmal, solange wir vom Feuer der
Freiheit erfüllt sind, können wir dem noblen Drang
unserer Seelen folgen.
Bei dem ganzen trockenen und manchmal engstirnigen Gerede über Wirtschaft und Finanzen sollten
Sie nie vergessen, daß ungeachtet der menschlichen
Bestrebungen das oberste Ziel lautet, dem noblen
Drang Ihrer Seele zu folgen. Letztlich wird das der
Sieg des russischen Volkes sein, wenn es diesen
Prozeß bis zum Ende durchsteht. Ich hoffe, daß Sie
das tun werden, und ich hoffe, daß wir bei jedem
Schritt auf diesem Weg Ihr Partner sein können.
Vielen Dank.

*

*

AMERIKA DIENST 18

�USA-IRLAND

9. September 1998

USA werden Friedensprozeß in Nordirland
weiterhin unterstützen
Rede von Präsident Clinton

BELFAST - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Rede, die Präsident Clinton am 3. September
1998 im Rahmen seiner Irlandreise vor dem nordirischen Parlament in Belfast gehalten hat.

Es war wunderbar zu sehen, wie unter den Menschen
in Nordirland der Wille zum Frieden aufkam. Vor drei
Jahren, als Hillary und ich hier waren, konnte ich
diesen Willen in den Augen der Menschen von Belfast
und Derry erkennen. Wir sahen, um die Worte von
Seamus Mallon zu gebrauchen, am Karfreitag die

heitsfürsorge hat dieses neue Parlament die Chance
und die Pflicht zur Gestaltung der Zukunft. Die von
Ihnen angenommenen neuen Strukturen der Zusammenarbeit können - auf der Grundlage vorteilhafter
Interdependenz anstelle der Belastung durch Teilung
oder Herrschaft - Ihre Beziehungen zu London und

anbrechende Morgendämmerung nach der langen

Dublin gleichermaßen stärken. Im Frieden können Sie

Dunkelheit Irlands durch das Engagement der führenden Politiker, die Probleme mit Worten, nicht mit
Waffen zu lösen. Einen Monat später erhellte sich der
ganze Himmel, als Sie mit überwältigender Mehrheit
für das Friedensabkommen stimmten. Dieses Parlament ist die lebendige Verkörperung des dieser
Übereinkunft innewohnenden Versprechens.

neuen Wohlstand finden, und ich weiß, daß Ihre
Politiker Frieden suchen.

Gemeinsam führen Bürger und Politiker Nordirland aus
der eiskalten Verzweiflung in das warme Sonnenlicht
des Friedens. Dreißig Jahre lang forderte die Krise
enorme Opfer: Allzu viele Menschen starben, allzu
viele Familien trauerten, jeder Familie wurde der
Segen eines normalen Lebens verwehrt - durch die
ständige Angst, daß allein das Einkaufen wegen der
Bomben und Gewehrkugeln zum Tod führen könnte,
wegen der täglichen Belästigungen durch Straßensperren und Durchsuchungen, wegen der unheilvollen
Präsenz ständig patrouillierender bewaffneter Soldaten, wegen Absperrungen mit Stacheldraht, bewachter Tore und sechs Meter hoher Zäune.
Da wundert es nicht, daß auf einer Mauer in Belfast die
Frage zu lesen war: Gibt es ein Leben vor dem Tod?
Jetzt endlich lautet die Antwort: Ja.
Von jetzt an liegt das Schicksal Nordirlands in den
Händen seiner Bürger und ihrer Vertreter. Von
Landwirtschaft bis Finanzen, von Bildung bis Gesund-

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Seitdem Waffenstillstand von 1994 ist die Zahl der anund abreisenden Passagiere an Ihrem internationalen
Flughafen und Fährhafen um mehr als 15 Prozent
gestiegen. Es werden doppelt so viele Hotelzimmer
gebaut. Und vor dem Hintergrund des am Karfreitag
geschlossenen Abkommens werden Ihnen Rekordzahlen an in- und ausländischen Investitionen prognostiziert, die neue Arbeitsplätze, Chancen und Hoffnung
bringen.
Die Vereinigten Staaten unterstützen Ihr Streben nach
Frieden, angefangen mit den Amerikanern irischer
Herkunft, die dieser Sache leidenschaftlich, unerschütterlich und dauerhaft verpflichtet sind. Es zählt zu den
großen Privilegien meiner Präsidentschaft, daß ich mit
den Friedensstiftern, protestantischen und katholischen Politikern hier im Norden zusammenarbeiten
konnte - Premierminister Blair und Premierminister
Ahern.
Unser Kongreß hat um des Friedens in Nordirland
willen seine Parteigrenzen überwunden. Ich hoffe, das
wird Auswirkungen haben, wenn die Abgeordneten
nach Hause zurückkehren.

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�Sie haben dem internationalen Fonds für Irland
außerordentliche Unterstützung zugesagt - 100
Millionen Dollar in den vergangenen fünf Jahren. Ich
freue mich sehr, daß ich heute von republikanischen
und demokratischen Abgeordneten begleitet werde
sowie von Jim Lyons, meinem Sonderberater für
wirtschaftliche Initiativen in Nordirland, und Senator
Mitchell, den sie jetzt eben zu Recht so herzlich
willkommen geheißen haben.
In den kommenden Monaten und Jahren wird Amerika
weiterhin mit Ihnen den Weg der Erneuerung gehen.
Wir werden Sie bei der Ausbildung der Mitglieder Ihres
Parlaments unterstützen, Nichtregierungsorganisationen fördern, die von der Basis eine bürgerliche
Gesellschaft aufbauen, durch Bildung in unsere
gemeinsame Zukunft investieren, die grenz- und
gemeindeüberschreitende Verständigung vertiefen,
ihnen bei der Gewährung von Kleinkrediten zur
Gründung kleiner Unternehmen helfen und Handel und
Investitionen unterstützen, was für unsere beiden
Völker von Vorteil ist.
Ich danke dem Bildungsminister, der mich heute
begleitet, sowie dem Wirtschaftsminister, der im Juni
eine Handelsmission hierherführte, die bereits Ergebnisse zeitigt. Schatzkanzler Brown unternimmt mit
seiner Mission in zehn amerikanischen Städten
kommenden Monat den nächsten wichtigen Schritt.
Während Sie darauf hinarbeiten, das Gesicht und die
Zukunft Nordirlands zu verändern, können Sie auf die
Vereinigten Staaten zählen.
Trotz allem, was wir tun können und möchten, liegt die
Zukunft bei Ihnen. Sie haben zugestimmt, die Gewalt
der Vergangenheit zu begraben. Jetzt müssen Sie
eine Zukunft in Frieden und Wohlstand schaffen. An
die Mitglieder des Parlaments: Sie schulden es ihrem
Land, das Beste in Ihren Bürgern hervorzubringen,
indem Sie Ihr Bestes geben. Es liegen schwierige,
manchmal schmerzhafte Entscheidungen vor Ihnen,
aber sie müssen getroffen werden. Und weil Sie
zugestimmt haben, gemeinsam Verantwortung zu
tragen, müssen Sie - wo möglich - gemeinsam, nicht
gegeneinander vorgehen, um Hindernisse zu überwinden, anstatt sie zu errichten, und sich über kleinliche Streitereien hinwegsetzen, anstatt sie zu schüren.
Das lateinische Wort für Versammlung, "concilium", ist
die W jrzel des Wortes "reconciliation" - Versöhnung.
Der Geist der Versöhnung muß Ihnen allen innewohnen.
Sie benötigen auch noch eine andere Eigenschaft.
Unser einziger Präsident, der irischer Abstammung
und katholisch war, John Kennedy, zitierte gerne einen
britischen protestantischen Premierminister. "Mut",
sagte Winston Churchill, "wird zu Recht als die wichtigste aller Eigenschaften angesehen, denn es ist die
Eigenschaft, die alle anderen garantiert".

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Mut und Versöhnung bildeten das Kernstück unserer
Verpflichtung zu Frieden. Bei Ihren jetzigen Fortschritten müssen Mut und Versöhnung dieses Parlament in ganz spezifischer Weise leiten: Indem die
Kriegswaffen außer Betrieb gestellt werden, die in
einem in Frieden lebenden Nordirland veraltet sind;
indem Fortschritte bei der Gründung eines Exekutivrats erzielt werden; indem Ihre Polizei angepaßt wird,
so daß sie das Vertrauen, den Respekt und die
Unterstützung aller Menschen gewinnt; indem das
Recht der Straße beendet wird, denn die Definition von
Verbrechen, die Verhängung von Strafe und die
Durchsetzung der Gesetze müssen den gewählten
Vertretern des Volkes, den Gerichten und der Polizei
überlassen bleiben; indem die frühzeitige Freilassung
von Gefangenen betrieben wird, deren Organisationen
Gewalt wirklich aufgegeben haben, und indem ihnen
bei der Suche nach einem produktiven, konstruktiven
Platz in der Gesellschaft geholfen wird; indem eine
gerechtere Gesellschaft aufgebaut wird, in der Menschenrechte Geburtsrechte sind und in der jedem
Bürger gleicher Schutz und gleiche Behandlung vor
dem Gesetz gewährt wird. Das müssen die Maßstäbe
des neuen Nordirlands sein.
Die Worte und Taten Ihrer Politiker in dieser Woche
und ihre Bereitschaft zu Gesprächen sind hoffnungsvolle Reflexionen des Mutes und der Versöhnung, die
alle Bürger einbeziehen müssen. Ebenso hoffnungsvoll sind die Aktivitäten der heute hier anwesenden
Gemeindevertreter, Nichtregierungsorganisationen,
der Vertreter von Wirtschaft, Justiz und Wissenschaft.
Vor allem gratuliere ich den Frauen, die eine so
mächtige Kraft für Frieden sind. Hillary hat gestern
einen wunderbaren Tag bei Ihrer Vital Voices-Konferenz verbracht. Wie sie sagte, sind wir verpflichtet, die
dort eingegangenen Partnerschaften weiterzuverfolgen.
Alle Ihre Stimmen sind entscheidend. Das Beispiel,
das Sie für Ihre Nachbarn gegeben haben, die Arbeit,
die Sie in Ihren Gemeinden leisten, die Standards, die
Sie von Ihren gewählten Vertretern verlangen - all das
wird außerordentlich große Auswirkungen auf Ihre
Zukunft haben. Und an die Menschen in Nordirland

gerichtet sage ich, es ist Ihr Wille zu Frieden, der Ihrem
Land endlich diesen Augenblick der Hoffnung gebracht
hat. Sie dürfen ihn nicht verstreichen lassen. Er wird
in unserem Leben nicht wiederkehren. Geben Sie
Ihren Politikern die Unterstützung, die sie für die
harten, aber notwendigen Entscheidungen benötigen.
Helfen Sie ihnen zu beweisen, daß die Dinge zusammenwachsen können und die Mitte zusammenhalten kann.
Sie haben für eine Zukunft gestimmt, die anders ist als
die Vergangenheit. Jetzt müssen Sie beweisen, daß
die Entscheidung zu Vernunft und Mäßigung über die
Macht der Extreme triumphieren kann. Es liegt ein
harter Weg vor Ihnen. Der Terror von Omagh war

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�nicht die letzte Bombe; es war ein teuflischer Anschlag
auf den Frieden. Die Frage lautet jetzt nicht, ob es
weitere Bomben und weitere Versuche geben wird, die
Entscheidung der Wähler mit Gewalt aufzuheben. Das
mag sehr wohl der Fall sein. Die Frage lautet nicht, ob
die Gefühle hohe Wellen schlagen und die Debatten
entzweien. Sicherlich werden sie das. Die Frage
lautet: Wie werden Sie auf die Gewalt reagieren? Wie
werden Sie mit den Meinungsverschiedenheiten fertig?
Können die schlechten Gewohnheiten und brutalen
Kräfte von gestern Ihren Willen zum Frieden von
morgen brechen? Das ist die Frage.
In unserer sogenannten modernen Welt - von Bosnien
bis zum Nahen Osten, von Ruanda bis zum Kosovo,
vom indischen Subkontinent bis zur Ägäis - hassen
sich die Menschen immer noch wegen ihrer unterschiedlichen Rasse, Stammeszugehörigkeit und
Religion in einem nutzlosen Kampf, den Sinn des
Lebens darin zu finden, was wir nicht sind, statt Gott
um Hilfe zu bitten, das zu werden, was wir sein sollten.
Sie haben gesagt, daß von jetzt an in Nordirland nur
noch eine Trennlinie eine Rolle spielt - die Trennlinie
zwischen denen, die sich für den Frieden entscheiden
und denen, die ihn zerstören wollen; zwischen denen,
die durch Hoffnung Auftrieb erhalten und denen, die
vor Haß gelähmt sind; zwischen denen, die sich für
den Aufbau entschieden haben und denen, die
weiterhin alles niederreißen wollen.

Es gibt so viel mehr, das Sie verbindet als spaltet - die
Werte des Glaubens und der Familie, der Arbeit und
Gemeinschaft, des gleichen Landes und Vermächt. lisses, derselben Liebe zum Lachen und zur Sprache.
Sie streben das Gleiche an - in Frieden und Sicherheit
zu leben, sich um geliebte Menschen zu kümmern, ein
besseres Leben aufzubauen und bessere Chancen für
Ihre Kinder zu schaffen. Das sind nicht katholische
oder protestantische Träume, es sind menschliche
Träume, die am besten gemeinsam verwirklicht
werden.
Das amerikanische Volk kennt aus eigener Erfahrung
Bigotterie und Gewalt, die in Rasse und Religion
gründen. Noch heute kämpfen wir mit der Herausforderung, aus unserer zunehmenden Vielfalt eine
Nation aufzubauen. Aber es ist der Mühe wert. Wir
wissen, daß wir klüger, stärker und glücklicher sind,
wenn wir gemeinsam vorgehen. Und wir wissen, daß
Sie es auch sein werden.
Und so, Mitglieder des Parlements, Bürger von Belfast,
Einwohner Nordirlands - erinnern Sie sich daran, daß
in den ersten Tagen der Amerikanischen Republik die
gälische Bezeichnung für Amerika "Inis Fa'il" - Insel
des Schicksals - war. Heute sehen die Amerikaner Sie
als Inis Fa'il, und Ihr Schicksal ist Frieden. Amerika
steht zu Ihnen. Die ganze Welt steht zu Ihnen. Möge
Gott mit Ihnen sein und Ihnen die Stärke für die vor
Ihnen liegende gute Arbeit verleihen.
Ich danke Ihnen.

* *

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 3

�IRLAND
9. September 1998

Frauen in einer Demokratie
Rede der First Lady

BELFAST - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von First Lady Hillary Rodham Clinton bei der Vital
Voices-Konferenz über Frauen in einer Demokratie in Belfast vom 2. September 1998.

Es ist eine große Ehre und ein persönliches Vergnügen, wieder in Belfast zu sein. Ich fühle mich vom
Klang der Stimmen so vieler Frauen umarmt und
gegrüßt. Den Berichten, die ich erhielt, während ich in
Rußland war, und denen, die ich gerade gehört habe,
entnehme ich, daß diese Konferenz bereits erfolgreich
Menschen zusammengebracht und ihnen den Austausch von Ideen und die Erarbeitung von Plänen
ermöglicht hat, um den erhofften Frieden Realität
werden zu lassen. Wie alle Erfolge ist auch dieser das
Produkt vieler Hände.
Als ich vor wenigen Minuten hier ankam, dachte ich
daran, wie der Lagan, der einst Menschen von diesen
Küsten wegbrachte, sie jetzt zurückbringt, um ein
wiedergeborenes Belfast vorzufinden, das durch diese
beeindruckende Waterfront symbolisiert wird. Ich hatte
das Privileg, dieser Wiedergeburt beiwohnen zu dürfen
- erst beim Besuch meines Mannes im November 1995
und dann bei meiner Rückkehr nach Belfast im
Oktober vergangenen Jahres, als ich vor der Universität von Ulster und hier bei einer Konferenz junger
Menschen eine Rede gehalten habe. Ich habe in den
Gesichtern der Männer und Frauen, der Jungen und
Mädchen eine neue Offenheit, ein neues Engagement,
ein neues Bewußtsein für den Weg gesehen, der
zurückgelegt wurde und der noch zurückgelegt werden
muß.
Ich weiß auch, daß die Lieder von U2 und anderen
großartigen Musikern in den vergangenen Monaten an
der Waterfront erklangen und das feierten, was sich
hier vollzieht. Ich glaube jedoch auch, daß weder
Arbeitsgruppen, noch Reden oder ruhige Konversationen mit den mächtigen Stimmen konkurrieren können,
die hier in den letzten Tagen vernommen wurden.
Stimmen aus ganz Nordirland, aus Irland, den Ver-

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einigten Staaten, England, Schottland und Wales. Von
jeder Tradition. Von jeder Schicht der Gesellschaft.
Jedem Alter. Frauen und Männern. Die alle in einen
mächtigen Chor einstimmten, der die Frauen aufforderte, vollwertige Beteiligte an einem sicheren und
demokratischen Nordirland zu werden. Einem Nordirland, das die Menschen erhofften, für das sie lebten,
starben und schließlich abstimmten. Morgen wird mein
Mann hier an die Waterfront kommen, um vor Ihrem
neuen Parlament eine Rede zu halten und die Bürger
Nordirlands zu diesem hart erkämpften Frieden zu
beglückwünschen, der der Ihre ist.
Die vergangenen Monate haben gezeigt, was die
Menschen hier schon immer gewußt haben: Der Weg
zu Frieden wird nie leicht sein. Aber die Welt hat auch
gesehen, daß weder Feuer, noch Bomben oder
Terroristen Sie je abschrecken werden. Wenn mein
Mann und ich morgen nach Omagh fahren, werden wir
derer gedenken, die von den Feinden des Friedens
ermordet wurden. Es waren vor allem Frauen und
Kinder.
Es waren Katholiken und Protestanten,
Unionisten und Nationalisten, alte und junge Menschen. Es waren Menschen, die einfach ihr Leben
gelebt haben, in einem Stoffgeschäft arbeiteten, mit
Freunden unterwegs waren, Schuluniformen für ihre
Kinder kauften.
Die Terroristen haben sich die Menschen in Nordirland
zum Ziel genommen, und als Reaktion darauf stellten
sich die Menschen - alle Menschen - Seite an Seite,
um zu sagen: Haß und Gewalt haben hier keinen Platz
mehr. Wir haben uns für die Wahlurnen entschieden,
nicht für Bomben. Demokratie, nicht Teilung. Wir
haben beschlossen, in Frieden zu leben, und wir
werden nie wieder zurückgehen. Wir werden nur nach

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�vorne gehen. Und während Sie das tun, denken Sie
bitte daran, daß Amerika an Ihrer Seite steht.

Verwebe die Fäden echter Freundschaft mit den Farben des Lebens

Es ist äußerst angebracht, daß diese Konferenz in der
ersten Schulwoche stattfindet, nicht nur, weil es eine
Zeit für neue Freunde und einen neuen Anfang ist,
sondern auch, weil unsere Kinder letztlich der Grund
dafür sind, daß wir hier sind. 30 Jahre lang haben die
Menschen ihre Kinder an der Schule abgesetzt haben ihnen das Hemd in die Hose gesteckt, ihnen
einen Abschiedskuß gegeben und von einer Zeit
geträumt, in der sie draußen frei von Gewalt spielen
können. Sie träumten von einer Zeit, in der die
Chancen und das Schicksal ihrer Kinder nie wieder
durch ihre Kirche oder politische Partei oder dadurch
bestimmt würde, daß sie ein Junge oder ein Mädchen
sind. Heute besteht die reale Hoffnung, daß dieser
Traum, der einst durch Dichtung und Protest ausgedrückt wurde, endlich für die Kinder in Nordirland
Realität wird.

Nutze das Muster des Friedens
und verzichte auf Zwist

All dies wäre nicht möglich gewesen ohne den Mut und
die Stärke von Generationen von Frauen. Auch wenn
sie Sonntags in verschiedene Kirchen gegangen sein
mögen, sprachen sie alle an sieben Tagen der Woche
ein stilles Gebet für ihre Männer, damit sie heil nach
Hause kommen. Sieben Tage in der Woche lebten sie
in Angst, daß das Unsägliche geschehen könnte, und
sie gezwungen sein könnten, ihr eigenes Kind zu
begraben. Und dennoch hatten sie an sieben Tagen
der Woche Hoffnung und beteten, daß die Zukunft
strahlender und frei von Krisen und Kummer sein
möge.
Frauen. Mütter. Schwestern. Töchter. Wenige waren
bekannt. Aber nachdem sie gesehen hatten, wie ihr
Leben und ihre Gemeinden auseinander gerissen
wurden, kamen die Frauen zusammen, wie Frauen es
immer getan haben - am Küchentisch, auf dem Markt,
bei Zusammenkünften wie dieser. Es waren Frauen,
deren geflüstertes "genug" zu einem Chor der Stimmen wurde, der nicht länger ignoriert werden konnte.
Wenn wir genau zuhören, vernehmen wir ihre Stimmen
immer noch in diesem Raum, und sie stimmen in die
Unseren heute ein.
Wenn wir zuhören, können wir die Stimmen von
Frauen vernehmen, die Hohn und Drohungen, Vorurteilen und Gewalt widerstanden, um sich in einer
politischen Welt Gehör zu verschaffen, die einst
vornehmlich den Männern vorbehalten war. Wir
können die Stimmen der Frauen von Craigavon hören,
die statt sicn in ihrem Kummer zu vergraben, die Macht
des Stiftes benutzten, um durch Schreiben und die
Weitergabe ihrer Gedichte, Kurzgeschichten, Essays
und Theaterstücke zu heilen. In einem Gedicht
schreibt Madge Steel darüber, wie man eine gemeinsame Ebene findet:

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Bringe die Freunde, die jung sind,
mit den alten zusammen
Und Du wirst auf Deinem Webstuhl
ein Gewebe aus Gold vorfinden.
Wenn wir zuhören, können wir die Stimmen derjenigen
vernehmen, die dieses Gewebe aus Gold zu weben
geholfen haben - Aktivisten an der Basis wie die
verstorbene Joyce McCarten, die buchstäblich Gemeinden durch die Krise verwoben hat. Vor drei
Jahren habe ich Joyce im Ye Olde Lamplighter in der
Lower Ormeau Road getroffen. An einem kleinen
Holztisch haben wir Tee getrunken und darüber
gesprochen, was diese Frauen zusammengebracht
hat. Wie sie erkannten, daß Geschichte und Religion
sie trennten, selbst wenn sie alle dasselbe wollten:
Gute Arbeit und gute Schulen für ihre Kinder. Straßen,
auf denen man sicher gehen kann. Sicherheit und
Wohlstand, auf die man zählen kann. Und eine
Zukunft, an die man glauben kann.
Wohl kaum eine radikale Tagesordnung. Aber dafür
wurde Joyce als "Unruhestifterin" bezeichnet. Sie
hatte einen anderen Namen für sich, und als sie mich
traf, gab sie stolz bekannt, daß sie sich selbst als
"Familienfeministin" bezeichnete. Denn Familien zu
retten, war ihr Ziel bei allem, was sie tat. Ich habe viele
Familienfeministinnen auf der Welt getroffen. In
Südafrika, Bosnien, Kasachstan, Rußland, China,
Nicaragua, Brasilien, Pakistan und Indien. Orte, die
von Zwist, Meinungsverschiedenheiten und Konflikten
zerrissen sind, die durch rassische, religiöse, ethnische und Stammesunterschiede hervorgerufen
wurden. Dennoch gibt es selbst in den schlimmsten
Zeiten Frauen wie diese, die sich erheben und sagen:
"Haltet für eine Minute ein, bitte, und denkt darüber
nach, was für uns und unsere Kinder wirklich wichtig
ist."
Ich haben solche Frauen bei der Vital Voices-Konferenz in Österreich getroffen. Angeregt von Botschafterin Swanee Hunt, die heute unter uns weilt. Ich
habe sie bei der Weltfrauenkonferenz der Vereinten
Nationen in Peking getroffen, und ich erinnere mich
deutlich an die Banner, die von Frauen aus allen Teilen
der Welt gemacht worden waren. Sie breiteten diese
Banner über die Chinesische Mauer. Eingewebt in
diese Banner waren die Träume der Frauen - die
vielleicht unterschiedliche Kleider trugen, unterschiedliches Essen aßen, unterschiedliche Religionen
hatten und unterschiedliche Sprachen sprachen - aber
sie sprachen dieselbe Muttersprache: Die Sprache der
Freiheit und der Hoffnung.

AMERIKA DIENST 18

�Und sie sendeten eine deutliche Botschaft: Wirtschaftlicher Fortschritt hängt vom Fortschritt der
Frauen ab. Demokratischer Fortschritt hängt vom
Fortschritt der Frauen ab. Menschenrechte sind
Frauenrechte, und Frauenrechte sind Menschenrechte. Und diese Konferenz ist Teil einer andauernden
vielversprechenden Initiative, die diese Punkte immer
wieder hervorhebt und dabei das Leben und die
Gesellschaft von Frauen verändert.
Es gibt keine bessere Zeit, uns erneut diesen grundlegenden Wahrheiten zu verpflichten, als diesen 50.
Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Es geht nicht darum, Lippenbekenntnisse für
Rechte abzugeben, die auf einem Stück Papier
aufgeschrieben sind und abgelegt werden. Vielmehr
geht es darum, wie wir uns gegenseitig zu Hause und
bei der Arbeit, in der Kirche, in der Schule und bei
politischen Versammlungen behandeln: Werden wir
geschätzt? Haben wir die Nahrungsmittel, Gesundheitsfürsorge, Bildung, Unterkunft und das erforderliche Einkommen, um zu überleben und zu prosperieren? Haben wir Zugang zu den Möglichkeiten, mit
denen wir unser von Gott gegebenes Potential erreichen können?
Viele der Frauen hier in Nordirland und auf der ganzen
Welt, die ich getroffen habe, wissen nichts von der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Aber sie
wissen in ihrem tiefsten Inneren, daß sie - trotz allem,
was Kultur und Tradition sie lehrt - so sicher wie sie in
die menschliche Familie geboren wurden, mit von Gott
gegebenen Rechten ausgestattet sind. Und der
Grund, warum wir diese Rechte wollen, ist nicht nur,
eine Erklärung abzugeben oder Teil einer politischen
Bewegung zu sein, sondern, daß wir zu einer besseren Welt beitragen wollen, einer Welt, in der wir sicher
auf den Straßen gehen und friedlich mit denen zusammenleben können, die wie wir sind, und denen, die
nicht wie wir sind, weil wir wollen, daß unsere Würde
und die Würde aller Menschen respektiert wird.
In Peking hat mich das von den Frauen dieser Insel
gemachte Banner besonders bewegt. Darauf abgebildet war das Bild einer rothaarigen Frau, die auf der
Weltkugel steht. Und es ist beeindruckend, wie weit
sie seit jenem Tag des Jahres 1995 allein in Nordirland
gekommen ist.
Wer hätte gedacht, daß die Mehrheit der Frauen beider
Traditionen nach vorne treten und "Ja" zu einem
Friedensabkommen sagen würde? Wer hätte gedacht,
daß bei der ersten Sitzung des Parlaments 14 Sitze
von Frauen besetzt wären? Und wer hätte gedacht,
daß das Abkommen eine Gesellschaft fordert, die
wirklich alle einbezieht? Nicht nur alle Religionen und
politischen Parteien, sondern auch alle Frauen und
Männer gleichermaßen.

AMERIKA DIENST 18

Wie meine gute Freundin, Außenministerin Albright,
gerne sagt, ist die Förderung der Sache der Frau "nicht
nur das Richtige, sondern von jeder Gesellschaft auch
Klug". Es war das Richtige für Frauen, den Weg für die
Versöhnung zu ebnen, der uns hierher gebracht hat.
Und es ist klug von Frauen, eine zentrale Rolle beim
Wiederaufbau zu spielen, der ein Nordirland schaffen
wird, das die Versprechen von Demokratie, Wohlstand
und Frieden für alle seine Bürger erfüllt. Wie Sie
wissen, war das Friedensabkommen der Beginn, nicht
das Ende.
Sie überlegen, was praktisch getan werden muß, um
das Versprechen des Friedens zu erfüllen. Sie wissen
besser als ich, daß es sehr viel mehr als Diskussionen,
Konferenzen und Berichte braucht. Die Hoffnung auf
Frieden muß in die harte Arbeit praktischer Aktionen
und politischer Kompromisse umgewandelt werden nicht nur im Parlament, sondern in der gesamten
Gesellschaft. Die wirkliche Herausforderung dieser
Konferenz beginnt folglich erst nach ihrem Abschluß.
Wie wird sich jeder von uns dafür einsetzen, das
Versprechen des Friedens zu erfüllen?
Diese Entscheidung liegt natürlich bei den Männern
und Frauen Nordirlands. Aber auf der Grundlage
dessen, was wir über die Bedingungen für die Förderung von Frieden und Wohlstand wissen, können wir
uns meines Erachtens auf grundlegende Ziele einigen:
Alle Menschen müssen Zugang zu Chancen, guter
Bildung und hochwertiger Gesundheitsfürsorge haben.
Zu guten Arbeitsplätzen und Krediten. Zu Chancen,
die verantwortungsvollen Menschen jeder Herkunft die
Möglichkeit geben, mit Zuversicht ins 21. Jahrhundert
zu gehen.
Wenn wir das Versprechen des Friedens erfüllen
wollen, müssen wir diese Ziele in praktische Aktionen
umwandeln. Wie können wir beispielsweise ein
Bildungssystem einführen, das den Bedürfnissen
junger Menschen entspricht, die sich auf eine ganz
andere Welt zubewegen, die von der Weltwirtschaft
dominiert ist? Wie stellen wir die Kredite zur Verfügung, die Kleinunternehmer in den ärmsten Gebieten
Nordirlands für den Aufbau einer blühenden Wirtschaft
benötigen? Wie können wir sicherstellen, daß Darlehen und Kleinkredite zur Verfügung stehen, daß die
Wirtschaft, die Regierung und vor allem die Banken in
diesem Land den Bedürfnissen der Menschen entsprechen, die gerne zeigen möchten, daß sie Wirtschaftschancen für sich selbst schaffen können?
Wenn das Versprechen des Friedens erfüllt werden
soll, müssen alle Menschen vor Gewalt geschützt
werden. Und insbesondere müssen alle Frauen vor
Gewalt geschützt werden - sei es Gewalt zu Hause
oder auf der Straße. Gewalt zu Hause, die zu Gewaltanwendung und Aggression führt und einen gegen

Seite 3

�den anderen aufhetzt, muß als das gesehen werden,
was es ist: Ein Verbrechen, keine Familienangelegenheit.

bereits von zweien gehört - dem Body Shop und den
Ford-Werken.

Wenn das Versprechen des Friedens erfüllt werden
soll, müssen alle Frauen und Männer frei sein, bei
Wahlen und in der Öffentlichkeit ihre Stimme zu
erheben.

Ich begrüße die Partnerschaften im Wert von mehr als
zwei Millionen Dollar, die sich dem Ergebnis dieser
Konferenz verpflichten. Sie kommen aus allen Bereichen der Gesellschaft und widmen sich verschiedenen
Gebieten wie politischer Führung, Medienarbeit,
Beratung und - am wichtigsten - wirtschaftlicher
Entwicklung. Dies ist erst der Anfang.

Es gibt viele Ziele, die Sie bei dieser Konferenz erörtert
haben. Zweifelsohne verlangen diese Ziele eine
Garantie für Chancengleichheit und Demokratie. Und
dafür haben Sie sich entschieden. Aber wie unser
Land gelernt hat, bedeutet Demokratie harte Arbeit.
Sie ist ein immerwährender Kampf. Man macht es nie
richtig, es gibt keine perfekte Demokratie, und der
Erfolg hängt letzten Endes nicht nur von Gesetzen und
Institutionen ab, sondern auch von Einstellungen und
Werten. Davon, sich mit Menschen zu verstehen, von
denen man sich grundlegend unterscheidet. Von dem,
was wir unseren Kindern beibringen, wenn wir sie ins
Bett bringen.
Denken wir nur einmal an die Frauen und Mädchen:
Was möchten wir Frauen und Mädchen hier und
weltweit beibringen?
Lehren wir unsere jungen
Mädchen, daß wir sie schätzen - nicht um ihres
Aussehens willen, sondern um ihrer Gedanken,
Gefühle, Taten und Träume willen? Werden unsere
Unternehmen mehr tun, um Frauen Kinderbetreuung
und andere Instrumente zur Verfügung zu stellen, die
sie benötigen, um Arbeit und Familie miteinander
vereinbaren zu können - damit keine Frau jemals die
Wahl zwischen einer Arbeit treffen muß, die für den
Unterhalt der Familie wichtig ist, und der Zeit, die sie
ihren Kindern bei einer liebevollen Erziehung schuldet?
Wenn eine Frau zu Hause, in der Gemeinde oder im
Parlament ihre Stimme erhebt - werden wir ihr dann so
aufmerksam und respektvoll zuhören wie einem
Mann? Und werden wir als Frauen die Entscheidungen der anderen schließlich respektieren? Werden wir
zugeben, daß es heute kein allgemeingültiges Modell
für Frauen gibt? Daß wir zwischen Ganztagsarbeit
und einer Rolle als Mutter und Hausfrau wählen
können - oder wie die meisten Frauen beide Rollen
eine gewisse Zeit unseres Lebens spielen? Und
werden wir die Entscheidungen unterstützen, die jede
Einzelne von uns trifft?
Während Sie sich mit Fragen auseinandersetzen, die
spezifisch für Irland sind, sowie mit Fragen, die Frauen
überall betreffen, sollen Sie wissen, daß die amerikanische Regierung, das amerikanische Volk und die
internationale Gemeinschaft Ihnen helfen möchten,
Erfolg zu haben.
Während der letzten Tage haben die Frauen bei dieser
Konferenz gesagt, daß sie die Instrumente haben
möchten, ihre Stimme zu erheben und das Leben ihrer
Familien zu verbessern. Und in diesem Saal sind
Partner, die ihnen dabei helfen möchten. Wir haben

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Wir verlassen diese Konferenz heute mit der Zusage
des US-Arbeitsministeriums und des Beschäftigungsund Ausbildungsamts von Nordirland, den Zugang von
Frauen zu Arbeitsplätzen, Kinderbetreuung und
Ausbildung zu verbessern. Wir verlassen diese
Konferenz mit der Zusage des Institute of Directors
(eine Gruppe europäischer Führungskräfte), Frauen im
mittleren Management die erforderliche Beratung und
Ausbildung zur Verfügung zu stellen, damit sie auf den
europäischen und internationalen Märkten bestehen
können.
Wir verlassen diese Konferenz mit der Zusage von
Unternehmen von Xerox bis MCI und von America
Online bis Marriott, sich zu engagieren - letzteres stellt
beispielsweise Praktika für junge Menschen in der
Tourismusbranche zur Verfügung. Und ich muß
sagen, als ich heute von Moskau kommend über die
Landschaft Nordirlands flog, dachte ich, daß dies einer
der schönsten Plätze auf Gottes Erde ist. Ein Ort, den
viele Menschen gerne mit eigenen Augen sehen
möchten. Wir verlassen diese Konferenz mit Zusagen
des Präsidenten und der Außenministerin der Vereinigten Staaten, daß sich unsere Regierung vehement
dafür engagiert, die auf dieser Konferenz geschlossenen Partnerschaften in Ergebnisse umzusetzen.
Und es ist für uns ermutigend, daß unsere Partner in
Nordirland einen Nachfolgemechanismus einführen,
um all dies weiterzuführen.
Zum Abschluß dieser Konferenz wollen wir uns
gegenseitig versprechen, daß dies erst der Anfang ist daß die Stimmen, die wir erheben, nie verstummen,
während das Friedensabkommen umgesetzt wird.
Stattdessen sollen sie in allen Gemeinden gehört
werden, und wie Inez bereits sagte, werden viele
andere einstimmen, die heute nicht hier sind.
Denn ungeachtet dessen, ob ein Mann oder eine Frau
für oder gegen das Friedensabkommen gestimmt hat,
spielt in einer Demokratie jeder einzelne Bürger eine
Rolle bei der Erfüllung des Versprechens des Friedens. Eine Demokratie braucht Unternehmen und
Nichtregierungsorganisationen. Kirchen jeder Tradition, die uns inspirieren, unseren Glauben als Quelle
der Stärke und Einheit zu nutzen. Und sie braucht
Menschen jeden Alters, denn dieser Kampf kann und
wird nie ohne sie gewonnen werden. Sie braucht Sie

AMERIKA DIENST 18

�alle, die Sie hier versammelt sind - die Frauen von
Nordirland, die immer die Stimme gegen Ungerechtigkeit erheben, auf Chancen zur Bewältigung von
Herausforderungen hinweisen und im Namen all jener
sprechen, die noch keine Stimme haben.
Sie braucht junge Menschen wie Fiona. Vor einem
Monat hatte ich die Gelegenheit, Fiona und andere
junge Frauen und Männer zu treffen, die im Rahmen
der Projekte "Children" und "Children's Friendship"
nach Washington kamen. Einige von ihnen sind heute
hier. Eine junge Frau, Vicky Moore, machte ein
Praktikum in meinem Büro und stellte sich in ihrem
Wahlkreis zur Wahl.
Eine andere junge Frau, Janette Rooney, lebte sechs
Wochen lang in unserer Bundeshauptstadt und lernte
etwas über Führung, Dienst an der Gemeinschaft und
die Arbeit an der Verständigung zwischen verschiedenen Gemeinden. Aber einen Tag, bevor Janette in ihre
Heimatstadt in County Tyrone zurückkehrte, fand der
Bombenanschlag in Omagh statt. Mehrere ihrer
Kommilitonen schalteten CNN ein und sahen, wie ihre
Freunde ins Krankenhaus gebracht wurden. Eine von
Janettes besten Freundinnen kam ums Leben.
Als die Direktorin des Projekts "Children's Friendship"
Janette einige Tage später zu Hause anrief, um ihr
Beileid auszusprechen, erwähnte Janettes Mutter, daß
ihre Tochter gerade eine Einladung zu dieser Vital
Voices-Konferenz erhalten hatte.

In dieser Zeit des

Leidens und unaussprechlichen Verlusts war diese
Konferenz etwas, auf das sich Janette freuen konnte.
Und wie stolz ihre Mutter war, daß ihre Tochter Teil der
Lösung war, Teil der neuen Generation, Teil der
Zukunft Nordirlands. Denn daran arbeiten Sie.

Morgen werde ich mit dem Oberbürgermeister und
anderen die wunderschönen Grünanlagen Belfasts
besuchen. Das sind Orte, an denen alle Mütter und
Väter ihre Kinder gerne frei spielen lassen möchten.
Es gibt eine neue Partnerschaft zwischen der gemeinnützigen amerikanischen Organisation KaBOOM und
PlayBoard, einer Organisation Nordirlands, die sich der
Schaffung eines sicheren Umfelds für spielende Kinder
widmet. Sie hoffen, irgendwo in Belfast eine solche
Umgebung schaffen zu können.
Sie werden nicht die Erwachsenenvision von dem
umsetzen, was die Fantasie eines Kindes anregt. Die
Kinder werden diesen Ort selbst gestalten. Sie werden
Architekten ihrer eigenen Umgebung. Ist das nicht in
gewisser Weise eine Metapher für das, was derzeit in
Nordirland geschieht? Sie alle sind jetzt die Architekten einer neuen Umgebung. Sie sind letzten
Endes diejenigen, die entscheiden, ob die Kinder
Nordirlands so spielen können, wie Kinder es sollten ohne Rücksicht auf Religion oder Politik, ohne Klischees oder Beschimpfungen, ohne Angst und Gewalt.
Das ist mein größter Traum, während ich hier auf
Ihrem Flughafen lande, durch Ihre Straßen fahre, in die
Gesichter der Menschen am Straßenrand blicke, die
meinem Auto zuwinken. Meines Erachtens wird dieser
Traum wahr werden. Und wenn das geschieht,
werden wir an diese Konferenz zurückdenken und
wissen, daß die Stimmen der Frauen eine* entscheidende Rolle bei der Erfüllung dieses Versprechens des
Friedens für alle Bürger Nordirlands gespielt haben für Männer und Frauen, Jungen und Mädchen.
Möge Gott Ihnen bei dieser wichtigen Arbeit beistehen
und die Zukunft segnen, die Sie gemeinsam gestalten.
Vielen Dank.

AMERIKA DIENST 18

Seite 5

�B O M BENA NSCHLA GE

9. September 1998

USA werden ihre Interessen, Bürger
und Werte verteidigen
Erklärung von Präsident Clinton

WORCESTER - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Präsident Clinton anläßlich der
Verhaftung und Auslieferung in die Vereinigten Staaten eines Hauptverdächtigen für den Bombenanschlag auf die
Amerikanische Botschaft in Nairobi (Kenia) vom 27. August 1998.

Verhaftung eines für den Bombenanschlag auf die
Amerikanische Botschaft in Kenia Verdächtigen
Gestern Nacht brachten amerikanische Strafverfolgungsbeamte Mohammed Rashid, einen für den
Bombenanschlag auf die Amerikanische Botschaft in
Nairobi (Kenia) Verdächtigen in die Vereinigten
Staaten. Die Beteiligung des Verdächtigen an dem
Bombenanschlag wurde im Rahmen einer gemeinsamen Untersuchung der kenianischen Polizei und
eines FBI-Teams ermittelt. Er steht in Verbindung mit
Osama bin Laden, dem mächtigsten Organisator und
Geldgeber des internationalen Terrorismus, gegen
dessen Netz wir in der vergangenen Woche in Afghanistan und Sudan einen Schlag verübt haben.
Mit dieser Verhaftung ist der Fall nicht abgeschlossen.
Wir werden weiterhin alle verfolgen, die an der Planung, Finanzierung und Ausführung der Anschläge auf
unsere Botschaften in Kenia und Tansania beteiligt
waren, die das Leben von 12 Amerikanern und
Hunderten von Afrikanern forderten.

*

AMERIKA DIENST 18

Ich möchte unseren Strafverfolgungsbeamten und den
Mitarbeitern der Nachrichtendienste für ihre hervorragende Arbeit sowie den kenianischen und
tansanischen Behörden für ihre harte Arbeit und enge
Zusammenarbeit mit dem FBI danken.
Dies ist ein wichtiger Schritt nach vorne in unserem
Kampf gegen den Terrorismus - aber es liegt noch ein
weiter Weg vor uns. Die Feinde von Frieden und
Freiheit werden zweifelsohne wieder zuschlagen.
Unsere Entschlossenheit muß von langer Dauer sein.
Wir nutzen alle uns zu Verfügung stehenden Instrumente: Strafverfolgung, Diplomatie und wenn nötig
Gewalt - Amerikas militärische Macht - und werden
das auch in Zukunft tun. Unabhängig davon, was
dafür erforderlich ist, wie lange es dauert und wohin es
uns führt - wir werden die für die Ermordung und
Verstümmelung amerikanischer Staatsbürger Verantwortlichen vor Gericht bringen. Wir werden unsere
Interessen, Bürger und Werte verteidigen.

* * * *

Seite 1

�BOMBEN ANSCHLAGE

9. September 1998

USA lassen sich durch Terror nicht einschüchtern
Erklärung von Außenministerin Albright

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 27. August 1998 von Außenministerin Madeleine
Albright bei einer Pressekonferenz im Justizministerium abgegebene Erklärung zu der Festnahme und
Auslieferung des Hauptverdächtigen für den Anschlag auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi (Kenia).

Frau Justizministerin [Reno], Herr Verteidigungsminister [Cohen], Herr Sicherheitsberater [Berger],
[CIA-]Direktor Tenet, [FBI-]Direktor Freeh, verehrte
Vertreter der Strafverfolgung, liebe Freunde, ich freue
mich, hier einer sehr begrüßenswerten Bekanntgabe
beiwohnen zu können.
Die Auslieferung und Anklage des Hauptverdächtigen
für den Bombenanschlag in Kenia ist das Verdienst der
harten Arbeit und des langen Arms der Strafverfolgungsbehörden und Diplomaten unserer Nation. Dies
ist ein Beweis für die wachsende Entschlossenheit der
internationalen Staatengemeinschaft, Terroristen zur
Rechenschaft zu ziehen.
Als ich vergangene Woche unsere Vertretungen in
Nairobi und Daressalam besuchte, war ich tief beeindruckt von der Arbeit, die das FBI in Zusammenarbeit
mit seinen kenianischen und tansanischen Kollegen
bei der Beweissammlung leistete.
Ich weiß, sie würden sagen, daß sie nur ihre Arbeit tun,
aber sie durchsuchen tagaus, tagein die Trümmer und
sichten einen Berg der Zerstörung nach mikroskopisch
kleinen Hinweisen. Es ist herzzerreißende Knochen-

arbeit. Und sie verdienen zu Recht unseren Dank für
ihre Bemühungen, die volle Wahrheit zu finden, wer
diesen feigen Massenmord geplant und begangen hat.
Terroristen sollten wissen, daß Amerika zum Schutz
seiner Bürger alle verfügbaren diplomatischen,
juristischen, wirtschaftlichen und - falls erforderlich militärischen Mittel einsetzen wird. Wir lassen uns
durch Terror nicht einschüchtern. Wir werden uns
unserer Verantwortung nicht entziehen. Und wir sind
entschlossen, die Terroristen früher oder später für
ihre Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.
Bedauerlicherweise können wir nichts unternehmen,
um die Kollegen und Angehörigen zurückzubringen,
die uns vor 20 Tagen genommen wurden. Aber die
heutige Bekanntgabe zeigt, wie ernst es uns damit ist,
die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen.
Ich danke der Justizministerin und den Direktoren
Freeh und Tenet im Namen des Außenministeriums für
die von Ihnen geleistete hervorragende Arbeit. Und ich
biete Ihnen für den weiteren Verlauf der Ermittlungen
unsere uneingeschränkte Zusammenarbeit und
Unterstützung an.

* * * * *

AMERIKA DIENST 18

Seite 1

�BOMBEN ANSCHLAGE
9. September 1998

Hauptverdächtiger wird des Mordes angeklagt
Erklärung von Justizministerin Reno

WASHINGTON - (AD ) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Justizministerin Reno vom 27. August
1998 anläßlich der Verhaftung und Auslieferung von Mohammed Rashid Daoud Al-Owhali wegen seiner
Beteiligung an dem Bombenanschlag auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi (Kenia).

Am 7. August wurden 258 unschuldige Menschen in
Kenia und Tansania von Terroristen ermordet.
Zahllose weitere wurden verletzt. 12 Amerikaner
ließen ihr Leben im Dienst für ihr Land.
Als Reaktion führten die Vereinigten Staaten eine der
umfassendsten Ermittlungen ihrer Geschichte durch.
Ebenso wie jede zivilisierte Nation diese feigen Akte
verdammte, haben auch wir uns mit den Strafverfolgungsbehörden auf der ganzen Welt zusammengetan
und uns einmütig geschworen, daß Gerechtigkeit
widerfahren wird.
Heute haben wir Ergebnisse. Mohammed Rashid
Daoud Al-Owhali, ein gebürtiger Jemenite, wurde
gestern Nacht in die Vereinigten Staaten ausgeliefert,
wo er sich einer Mordanklage wegen seiner Beteiligung an dem Bombenanschlag auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi gegenübersieht.

*

AMERIKA DIENST 18

Ich möchte Außenministerin Albright, Verteidigungsminister Cohen, dem Nationalen Sicherheitsberater
Berger und den anderen Bundesbehörden meinen
Dank aussprechen, die uns bei unserer Arbeit behilflich waren. Vor allem möchte ich FBI-Direktor Louis
Freeh und Mary Jo White, der Staatsanwältin für den
südlichen Bezirk von New York, und den anderen
Männern und Frauen des Justizministeriums und des
FBI für ihre hervorragende Arbeit, die Tausenden von
Stunden und die großen persönlichen Opfer danken,
die sie für diese Mission erbracht haben.
Es ist ein großes Unrecht geschehen. Aber wir
werden nicht ruhen. Wir werden nicht vergessen. Wir
werden jeden einzelnen Mörder verfolgen. Es wird
Gerechtigkeit walten.

* * * *

Seite 1

�BOMBENANSCHLAGE
9. September 1998

Freeh lobt internationale Zusammenarbeit
bei der Terrorismusbekämpfung
Erklärung des FBI-Direktors

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir leicht gekürzt die Erklärung, die FBI-Direktor Louis Freeh
am 27. August 1998 bei einer Pressekonferenz im Justizministerium aus Anlaß der Festnahme und Auslieferung
des Hauptverdächtigen für den Bombenanschlag auf die Amerikanische Botschaft in Nairobi (Kenia) abgegeben
hat.

Heute geben wir bekannt, daß Mohammed Rashid
Daoud Al-Owhali in die Vereinigten Staaten überstellt
wurde, wo er im Zusammenhang mit dem tödlichen
Terroranschlag auf die Amerikanische Botschaft in
Nairobi (Kenia) vor Gericht gestellt wird. Ebenfalls hier
bei dieser Pressekonferenz anwesend sind Justizministerin Reno, Außenministerin Albright, der Nationale Sicherheitsberater Sandy Berger und die
Staatsanwältin für den südlichen Bezirk von New York,
Mary Jo White. Jeder gibt eine kurze Erklärung über
die Bedeutung des heutigen Ereignisses für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und die internationale Zusammenarbeit ab, die diese Festnahme
ermöglichte.
Zunächst möchte ich im Namen des FBI und aller
amerikanischen
Strafverfolgungsbehörden
den
kenianischen und tansanischen Strafverfolgungsbehörden besonderen Dank für ihre hervorragende
Zusammenarbeit, Unterstützung und professionelle
Arbeit aussprechen. Selten haben internationale
Bemühungen so schnell ein so produktives Ergebnis
gezeitigt. Aus unserer Sicht ist dies nicht nur ein
leuchtendes Beispiel für die Bedeutung internationaler
Strafverfolgung im Angesicht der globalen Bedrohung
durch den Terrorismus, sondern auch für die direkten
Vorteile echter internationaler Zusammenarbeit und die
polizeiliche Zusammenarbeit vor Ort am Schauplatz
dieser entsetzlichen Verbrechen.
FBI-Sonderagenten brachten den Angeklagten von
Kenia nach New York. Eine vor kurzem im Bezirksgericht von Manhattan entsiegelte Anklageschrift
beschuldigte ihn der Ermordung von 12 Amerikanern

AMERIKA DIENST 18

in der Botschaft, der Verschwörung zum Mord sowie
zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen bei dem
Bombenanschlag, dem mehr als 250 Menschen, die
meisten von ihnen Kenianer, zum Opfer fielen.
In der Klageschrift wird festgestellt, daß der Angeklagte von kenianischen Behörden in Gewahrsam genommen wurde, von den FBI-Sonderagenten über seine
Rechte belehrt wurde, auf diese Rechte verzichtete
und folgende Erklärung abgab: Er sei in verschiedenen
Ausbildungslagern in Afghanistan gewesen, einschließlich mehreren Lagern, die Verbindungen zur al
Quaeda - einer internationalen Terrorgruppe unter der
Führung von Osama bin Laden - haben, die sich dem
Widerstand gegen nichtislamische Regierungen mit
Zwang und Gewalt verschrieben hat.
Der Angeklagte erklärte, er sei im Umgang mit Sprengstoffen, in Entführung und Menschenraub ausgebildet
worden, so die Klageschrift. Ferner hat der Angeklagte
demnach zugegeben, daß er an Konferenzen, Besprechungen und einer Pressekonferenz mit bin Laden
teilnahm und wußte, daß Laden eine "Fatwah" unterzeichnet hatte, der zufolge es "richtig ist, Amerikaner
weltweit umzubringen".
Laut Klageschrift fuhr der Angeklagte am Tag des
Bombenanschlags mit einem Mitverschwörer in einem
Fahrzeug mit einer improvisierten Sprengvorrichtung
zur Botschaft, und "warf ein handgranatenähnliches
Gerät (ohne Splitterschutz) auf einen Wachposten vor
der Botschaft". Ferner stellt die Klageschrift fest: "Der
Angeklagte erklärt, die Operation sei als Märtyrertat
geplant gewesen, die er nicht zu überleben erwartete."

Seite 1

�Darübre hinaus enthält die Klageschrift folgendes: Da
ein FBI-Sonderagent eine eidesstattliche Erklärung "für
den begrenzten Zweck abgab, einen hinreichenden
Verdachtsgrund für die Festnahme des Angeklagten
zu liefern", beinhaltet die Gerichtsakte nicht alle
während der Ermittlung gesammelten Fakten.
Obwohl die Festnahme allein schon zeigt, daß in den
20 Tagen seit dem Bombenanschlag in Kenia beträchtliche Fortschritte gemacht worden sind, befinden wir
uns noch am Anfang weitreichender internationaler
Ermittlungen. Ich möchte betonen, daß die gegen den
Angeklagten erhobenen Beschuldigungen zum
gegenwärtigen Zeitpunkt lediglich Beschuldigungen
sind und bis zur Erbringung von Schuldbeweisen von
der Unschuld des Angeklagten ausgegangen wird und
alle seine gesetzmäßig und verfassungsmäßig
garantierten Rechte umfassend geschützt werden. Die
Rechtsstaatlichkeit wird sowohl von den Vereinigten
Staaten als auch von Kenia voll und ganz gewahrt.
Die gegen den Angeklagten erhobenen Beschuldigungen waren ein ausgezeichnetes Beispiel für die
nationale und internationale Zusammenarbeit. Wir
wissen die ausgezeichnete Arbeit der kenianischen
Behörden sowie die Unterstützung durch die tansanische und andere Regierungen wirklich zu schätzen.
Obwohl der in Kenia und Tansania durch die getöteten
und verletzten Amerikaner geforderte Tribut tragisch
war, dürfen wir nicht vergessen, die diese beiden
Länder noch weitaus größere Verluste erlitten haben.
In Kenia starben mehr als 250 Menschen, darunter 12
Amerikaner, und mehr als 5.000, darunter 13 Amerikaner, wurden verletzt. In Tansania starben keine
Amerikaner, aber unter den Opfern waren 11 Tansanier und 86 Verletzte, darunter zwei Amerikaner.
Alle drei Länder haben große Verluste erlitten. Kenia
und Tansania haben enormes Leid erfahren, und
diesen Ländern gebührt unser tiefes Mitgefühl und
unsere Anteilnahme. Alle drei Nationen sind in dem
Bestreben geeint, die Verantwortlichen vor Gericht zu
bringen. Wir schulden den Strafverfolgungsbeamten
beider afrikanischen Länder und ihren Botschaftern in
den Vereinigten Staaten großen Dank. Letzte Woche
reiste ich kurz nach den Bombenanschlägen nach
Kenia und Tansania. Ich sprach ausführlich mit
Strafverfolgungsbeamten beider Länder sowie Vertretern ihrer Justiz- und Innenministerien. Wir trafen
die Entscheidung, diesen Angeklagten in den Vereinigten Staaten vor Gericht zu stellen.
Ich habe eng mit den Leitern der FBI-Teams in beiden
Nationen zusammengearbeitet - einer FBI-Truppe mit
nahezu 500 Mitarbeitern. Dazu zählten mehr als 400
Sonderagenten und Spezialisten - Beweisaufnahmeexperten, Bombenfachleute sowie forensisches und
wissenschaftliches Personal. Ferner gehörte den
Teams ein Kader ausgebildetes Personal zur Unterstützung an.

Seite 2

Die Zusammenarbeit mit allen Teilen der Bundesregierungwar ausgezeichnet - unter anderem mit dem
Außenministerium, dem Verteidigungsministerium,
dem CIA, anderen Behörden der Nachrichtendienste,
dem Büro des Nationalen Sicherheitsbearters und dem
FBI. Ein besonderer Dank gilt Verteidigungsminister
William Cohen und CIA-Direktor George Tenet.
Das Verteidigungsministerium hat sich bei diesen
komplexen Ermittlungen in jeder Hinsicht aus vollwertiger Partner erwiesen, und die bislang erzielten
Erfolge wären ohne die selbstlose und engagierte
Arbeit seiner Mitarbeiter nicht möglich gewesen. Diese
Ermittlung ist ein weiteres Beispiel für die außergewöhnlich engen Verbindungen zwischen dem CIA und
dem FBI bei einem breiten Spektrum äußerst wichtiger
Fälle und Fragen. FBI-Sonderagenten waren im
Terrorismusbekämpfungszentrum des CIA tätig, und
CIA-Agenten arbeiteten in der Abteilung für Terrorismusbekämpfung des FBI. Zu den Ergebnissen zählen
unter anderem die Auslieferung von Personen aus
anderen Ländern in die Vereinigten Staaten, die des
Bombenanschlagsauf das World Trade Center in New
York und des Anschlags auf das CIA-Hauptquartier
beschuldigt werden sowie ihre anschließende Verurteilung.
In Kenia und Tansania bin ich mit den Sicherheitsbeamten der beiden Amerikanischen Botschaften
zusammengetroffen, und mir fehlen die Worte, um den
Dank des FBI für die Hilfe und Zusammenarbeit des
Außenministeriums angemessen zum Ausdruck zu
bringen.
Ich möchte auch der New Yorker Gemeinsamen
Einsatztruppe zur Terrorismusbekämpfung des FBI für
ihre Arbeit am Ort des Anschlags und den Detektiven
der New Yorker Polizei für ihre herausragenden
Bemühungen danken, von denen so viele dem FBI
ebenfalls bei der Untersuchung der Bombenanschläge
auf das World Trade Center und das Bundesgebäude
in Oklahoma City behilflich waren. Ferner möchte ich
dem Büro für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen des
Finanzministeriums meinen Dank für seine Unterstützung aussprechen.
Das FBI ist dem Kongreß und der Administration
dankbar für ihren Weitblick bei der Formulierung und
Finanzierung zunehmender Aktivitäten zur Terrorismusbekämpfung. Für das FBI hat der Kongreß in den
vergangenen vier Jahren die Anzahl der Stellen mehr
als verdoppelt und die Mittel für nationale Terrorismusbekämpfungsprogramme mehr als verdreifacht.
Obwohl der Haushalt für internationale Terrorismusbekämpfungsprogramme aus Sicherheitsgründen Verschlußsache ist, ist der Kongreß in diesem Bereich
ebenso weitblickend.
Ein Beispiel ist die Erweiterung des Legal AttacheProgramms des FBI - das sind im Ausland stationierte

AMERIKA DIENST 18

�Sonderagenten, die gemeinsam mit ausländischen
Regierungen an der Vereitelung von Verbrechen
arbeiten, die Amerikaner in anderen Nationen bedrohen oder in den Vereinigten Staaten begangen
werden könnten. Das Programm hat bescheidenen
Umfang und ist mit geringen Kosten verbunden, hat
jedoch bemerkenswerte Ergebnisse hervorgebracht.
Die ersten Sonderagenten des FBI am Tatort der
beiden jüngsten Bombenanschläge in Ostafrika
gehörten den Büros des Legal Attache in Ägypten und
Südafrika an. Das FBI ist sicher, daß der Senat und
das Repräsentantenhaus in Zukunft alle Aspekte ihrer
Unterstützung der Strafverfolgung im Ausland fortsetzen werden.

Alle in der Regierung wissen, daß Terrorismus die
Ermordung von Amerikanern bedeutet und diese Krise
gemildert und dann beseitigt werden muß. Alle in der
Regierung haben sich zutiefst der Bekämpfung von
Terrorismus verpflichtet - sei es in den Vereinigten
Staaten oder im Ausland. Die Notwendigkeit der
Zusammenarbeit aller gesetzestreuen Nationen zur
Bekämpfung des internationalen Terrorismus und des
internationalen Verbrechens war nie größer. Alle
gesetzestreuen Menschen profitieren enorm von
konstanter Wachsamkeit.

* * * * *

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Weltflüchtlingsjahr 1959(60&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Enttäuschten - Zwölf Millionen Menschen auf der Flucht vor dem Kommunismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weshalb 200 000 Ungarn die Heimat verließen&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Existenzangst war Hauptantriebskraft, erklären die Motivforscher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2. Folge einer Serie von vier Artikeln&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Aus der medizinischen Forschung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fließbandtransport für Nervensubstanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Erkenntnisse zum Stoffwechsel des Nervensystems&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Arnzeimittelindustrie exportiert für 300 Millionen Dollar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Journalistik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter Lippmann - Meister der Columne&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Er bereicherte die Presse Amerikas um den zeitgenössischen Essay&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

9. Oktober 1985

I N H A L T

DOKUMENTATION
Direktor Wick erläutert Arbeit des US-Informationsdienstes in
Deutschland
- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der
Stanford-Universität -

HINTERGRUNDMATERIAL
Drogenmißbrauch - ein internationales Problem
- Wichtige Programme des US-Außenministeriums bei der Suche nach
Lösungen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Planet Uranus im Visier
- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November -

* * * * *

Um Übci/endun9 von
ßckgotcmploren
mi/d gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�9. 0&lt;tober 1965

40

DIREKTOR WICK ERLÄUTERT ARBEIT DES US-INFORMATIONSDIENSTES
IN DEUTSCHLAND

- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der
Stanford-Universität -

WASHINGTON - (AD) - Im Rahmen einer von der Stanford-Universität veranstalteten Konferenz über deutsch-amerikanische kulturelle Beziehungen
erläuterte der Direktor des US-Informationsamtes (USIA), Charles Z. Wick,
am 20. September 1985 die Arbeit seines Amtes in der Bundesrepublik
Deutschland.

Er hob hervor, daß die Vereinigten Staaten und die Bundes-

republik Deutschland durch ihr gemeinsames kulturelles Erbe miteinander
verbunden seien und verwies auf eine ganze Reihe zwischenstaatlicher kultureller Bemühungen, bei denen gerade auch USIA eine herausragende Rolle
spielt.

Die Rede von Direktor Wick hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir eine

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Es ist mir eine große Freude, vor dieser erlauchten Gruppe Deutscher
und Amerikaner zu einem Thema von so erheblicher Bedeutung zu sprechen den kulturellen Beziehungen zwischen unseren beiden Nationen.

Die Mitar-

beiter des US-Informationsamtes arbeiten mit großem Stolz und mit großer
Freude in diesem Bereich, und ich weiß, daß unsere Arbeit aus den Erkenntnissen und Impulsen Nutzen ziehen wird, die diese Konferenz mit sich
bringt.

Auf einer am Eingang der USIA-Zentrale in Washington angebrachten Tafel heißt es: "Telling America's Story To The World" - Die Darstellung
Amerikas in der Welt.
stark vereinfachend.

Dieser Satz ist schlicht und direkt, aber kaun zu
Nichts ist für unsere Freiheit und die unserer Ver-

bündeten wichtiger, als daß "unsere Geschichte" überall vollständig und
überzeugend erzählt wird.

Ein Teil dieser "Geschichte" umfaßt die Erklärung unserer Politik.
Ein zweiter Teil befaßt sich damit, wer wir als Volk sind, wie wir leben,
was wir geleistet haben, welches unsere rterte sind.
dessen ist eine sehr komplexe Aufgabe.

Die Vermittlung all

Es ist das, was wir "öffentliche

Diplomatie" nennen.

Ich möchte zu Beginn ganz allgemein etwas zur öffentlichen Diplomatie
sagen und dann einige der wichtigen kulturellen Bindungen zwischen unseren beiden Staaten beschreiben.

Zum Schluß würde ich gerne noch auf mei-

ne Überzeugung eingehen, daß unser Erfolg, unsere gemeinsamen Werte Deutschen wie Amerikanern zu vermitteln, für unser Überleben als freie Völker
und für die Sache des Weltfriedens von entscheidender Bedeutung ist.

Ich sagte, daß sich die öffentliche Diplomatie in zwei Kategorien
gliedern läßt: Vermittlung von Politik und Vermittlung von Werten.

Beide

Aufgaben sind eng miteinander verbunden, aber zwischen ihnen gibt es auch
eine ganz natürliche Trennung.

Im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gibt es für "Information" und "Kultur" verschiedene Abteilungen.
- 2-

Bei USIA beschäftigen wir

�beschäftigen wir uns mit beidem, aber die meisten unserer Posten im Ausland sind in "Informations"- und "Kultur"-Abteilungen gegliedert.

Politik und aktuelle Nachrichten sind Aufgabengebiet der Presse- und
Informationsabteilung.

Zu ihren Instrumenten gehören Pressekonferenzen,

Presseveröffentlichungen,

Tageszeitungen,

die

elektronischen

Medi

Hier geht es um die Darstellung der Fakten und die Erklärung von Politik.

Gestatten Sie mir einige Beispiele für die Informationsbemühungen von
USIA.
Im Jahr 1983 gab es in Europa Kontroversen und Mißverständnisse bezüglich des sogenannten "Doppelbeschlusses", der aus der Besorgnis des
früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt hinsichtlich der sowjetischen Raketenaufrüstung erwachsen war.

Die Sowjets starteten einen umfassender.

Versuch der Einschüchterung und der Fehlinformationen.

Posten des US-Informationsdienstes (USIS) in Europa - und insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland - bemühten sich intensiv darum, den
Europäern die Position und die Gründe der amerikanischen Regierung kl -&gt;rzumachen.

Wir legten dar, daß der NATO-Beschluß einer Modernisierung der

Nuklearstreitkräfte eine entscheidende Reaktion auf die massive sowjetische Aufrüstung mit auf Westeuropa gerichteten Raketen darstellte.

Es.

gab im Arsenal der NATO keine solchen Raketen, und trotz unserer langwierigen Verhandlungen mit ihnen weigerten sich die Sowjets, diesem Ungleichgewicht

ein

Ende

zu

bereiten.

Wie

Sie

wissen,

unterstützten

schließlich Deutsche wie Amerikaner die angemessenen Gegenmaßnahmen zur
Wiederherstellung des Gleichgewichts, das die NATO in die Lage versetzt,
den Frieden zu bewahren.

Derzeit gibt es viele Fehlinformationen und Mißverständnisse - und
sogar Desinformationen - hinsichtlich der Strategischen Verteidigungsinitiative des Präsidenten (SDI).

Auch hier scheut USIA keine Mühe, der

Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.
Ich habe die

�Ich habe die Bedeutung der elektronischen Medien bei der Informationsarbeit genannt.
mühungen

Wir bei USIA sind stolz auf unsere bahnbrechenden Be-

in der Nutzung

des internationalen Satellitenfernsehens, um

'Amerika in der Welt darzustellen'.

Ich spreche von WORLDNET, womit wir

im November 1983 begonnen haben.
Über WORLDNET können Journalisten, in amerikanischen Botschaften oder
an anderen Orten in Europa versammelt, Vertreter der amerikanischen Regierung hören und sehen, wenn diese ihre Fragen beantworten.

Auch Ange-

hörige anderer Regierungen und Experten von außerhalb der Regierung nehmen teil, um die Nuancen amerikanischer Politik besser verstehen zu können.
An diesen Live-Interviews, die nicht geprobt werden und bei denen es
keinerlei Barrieren gibt, haben von amerikanischer Seite bereits Vizepräsident Bush, Außenminister Shultz und andere Kabinettsmitglieder sowie
viele unserer Chefunterhändler bei den internationalen Abrüstungsverhandlungen teilgenommen.
Am 5. Dezember 1983 führten wir mittels WORLDNET die erste 'extraterrestrische* internationale Pressekonferenz durch. Sie schuf die Verbindung zwischen den CHALLENGER-Astronauten, einschließlich Ulf Merbold,
Präsident Reagan in Washington sowie Bundeskanzler Kohl, der sich zu jener Zeit gerade in Athen aufhilet und über 70 europäischen Journalisten
aus acht Staaten, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland. Präsident Reagan nannte die Sendung "eine tolle Konferenzschaltung" - und das
war sie wirklich.
Vergangenes Frühjahr expandierte WORLDNET zu einem täglich zweistündigen TV-Satellitenprogramm nach Europa und brachte die neuesten Entwicklungen der Wissenschaft, Kultur und Geschäftswelt Amerikas.

Hervorragen-

de Amerikaner, die nicht der Regierung angehören, nehmen an Interviews
mit Journalisten aus europäischen Hauptstädten teil.
Für jene unter

�Für jene unter Ihnen, die es nicht wissen, möchte ich auch noch erwähnen, daß wir unsere Sendungen der Stimme Amerikas nach Westeuropa nach
vielen Jahren der Stille wieder aufnehmen.

Wir sind uns -"twar nicht si-

cher, ob unsere Einschaltquoten mit "Dallas" zu vergleichen sind, aber
wir werden den Zuhörern ein Bild des amerikanischen Lebers bieten, wie
die meisten von uns es führen.

Bei all diesen Bemühungen leitet uns unsere unerschütterliche Verpflichtung zu offener Diskussion und freiem Informationsfluß.

Wir sind

der Ansicht, daß die Welt ein Recht darauf hat, die Fakten zu kennen.
Wir leiden nicht darunter, wenn amerikanische Regierungsvertreter sich
bereiterklären, die Fragen ausländischer Journalisten zu beantworten.

Im

Gegenteil - die Stärke unserer Argumente kann nur zunehmen, wenn sie dem
prüfenden Blick der Öffentlichkeit ausgesetzt ist.

Ich habe nun den "Informations"-Aspekt der öffentlichen Diplonatie
angesprochen; lassen Sie mich nun zum "kulturellen" Aspekt kommen.

Durch

ihn vermitteln wir, wer und was wir als Volk sind, wie wir leben, was wir
geleistet haben und was wir wertschätzen.

Als Arthur Bums amerikanischer Botschafter in Bonn war, hat er oft
darauf hingewiesen:

Wir haben eine Pflicht, auf die Unterschiede zwi-

schen unseren Demokratien und den gegen uns stehenden totalitären Staaten
hinzuweisen.

Botschafter Bums nannte diese Unterschiede in einer Rede,

die er in München hielt, in der für ihn typischen hellsichtigen Eloquenz
beim Namen.

Ich möchte Ihnen daher einen Absatz aus dieser Rede vorlesen.

"Das demokratische System macht es jungen Menschen möglich, alles zu
lesen und zu studieren, was sie nur wollen.

Es versetzt sie in die Lage,

sich selbständig zu machen oder für einen Arbeitgeber zu arbeiten, den
sie sich selbst aussuchen können.

Es erlaubt ihnen, das ihnen zur Verfü-

gung stehende Geld nach eigenem Gutdünken auszugeben, ob im eigenen Land
oder im Ausland.

Es gestattet ihnen ferner, eigene Gedanken zu politi-

schen, wirtschaftlichen, kulturellen und religiösen Fragen frei zu äußern, die sie für wichtig halten.

Und wenn sie mit irgendwelchen Aspek- 5-

�irgendwelchen Aspekten ihres Lebens unzufrieden sind, gestattet ihnen das
demokratische System - dieses, und nichts anderes -, ihrer Unzufriedenheit

durch Proteste, Demonstrationen

öffentlich Ausdruck zu geben.

oder andere Mißfallensäußerungen

Ein solches Privileg existiert in totali-

tären Gesellschaften mitnichten.

Wenn unsere jungen Menschen aber die

Vorrechte der Demokratie für selbstverständlich halten - so wie sie die
Luft als selbstverständlich ansehen, die sie atmen -, dann nur, weil sie
selbst niemals ohne das eine oder das andere leben mußten.

Ihre Brüder

in Osteuropa wissen es besser - insbesondere jene, die früher einmal
selbst in Freiheit gelebt haben.

Bedauerlicherweise vermochten wir diese grundlegende Wahrheit im Denken vieler junger Deutscher nicht hinreichend zu verankern - und leider
auch nicht im Denken vieler junger Amerikaner."

Botschafter Burns wies auch oft darauf hin, daß das enggespannte Netz
gemeinsamer Werte zwischen unseren beiden Völkern in den letzten Jahren
nachgegeben hat.

Das hängt teilweise damit zusammen, daß wir jetzt weni-

ger eng miteinander verbunden sind, als dies in den Jahrzehnten nach 1945
der Fall war.

Ich weiß, daß viele von Ihnen hier in diesem Saal an den Ereignissen
jener Periode beteiligt waren, als enge Zusammenarbeit und ein großes Maß
an harter Arbeit ein "Wirtschaftswunder" schufen, und aus dem politischen
Chaos des Jahres 1945 ein stabiler, demokratischer Staat erwuchs, in dem
die Rechte des einzelnen garantiert sind.

Der erstaunlichste Aspekt hieran war vielleicht die Tatsache, daß all
dies in einer Atmosphäre der Spannung geschafft wurde, die die ständige
Bedrohung durch den Osten hervorrief.

Jeder, der damals zwischen den

Ruinen des Jahres 1945 stand, wäre als kühnster Optimist angesehen worden, hätte er die erfolgreiche, freie und demokratische Bundesrepublik
Deutschland des Jahres 1985 vorhergesagt.
Und doch ist es

�Und doch ist es beunruhigend, daß einige der Jungeren unter uns Deutsche wie Amerikaner

- all dies

für selbstverständlich

zu halten

scheinen.

Wie Sie wissen, bemüht sich USIA zusammen mit der Regierung der Bundesrepublik Deutschland schon seit einigen Jahren darum, unter den jungen
Menschen in unseren Ländern wieder das Bewußtsein hinsichtlich der Werte
zu erneuern, die wir teilen.

Im Anschluß an vorausgegangene Bemühungen von Kollegen Ihres Auswärtigen Amtes und unseres State Departments wurde ich 1982 zum Vorsitzenden
eines interministeriellen

Lenkungsausschusses

für amerikanisch-dejtsche

Kontakte ernannt. Mein Pendant auf deutscher Seite ist Berndt von Steden.
Wir bemühen uns um verstärkte Kontakte auf allen Ebenen zwischen unseren
beiden Ländern, um dazu beizutragen, das "Informationsdefizit" wieder
auszugleichen, das zwischen uns entstanden war.

Bei USIA wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die si^h ständig um
diese Kontakte kümmert und die nun Teil unseres Büros für Ausbildungsund Kulturangelegenheiten

ist.

Es ist das einzige Büro innerhalb von

USIA, das sich der Förderung der Austauschaktivitäten mit einem einzelnen
Land widmet.

Eine der ersten größeren Aktivitäten der deutsch-amerikanischen Kontaktinitiative bezog sich auf die Feier des 300. Jahrestages deutscher
Einwanderung in die Vereinigten Staaten, die 1983 in unseren beiden Ländern abgehalten wurde.

Unter der Koordinierung durch USIA wurde in den

Vereinigten Staaten eine Präsidialkommission gebildet, um das Interesse
an diesem Ereignis zu fördern und zur Koordinierung der verschiedenen
Festlichkeiten beizutragen.

Ich war in dieser Kommission der persönliche

Vertreter des Präsidenten.

In der Bundesrepublik Deutschland

bereiteten USIS-Mitarbeiter mit

deutschen Kollegen auf Gemeinde-, Länder- und Bundesebene die Feiern zu
diesem 300. Jahrestag vor.

Ich selbst nahm an den Feierlichkeiten in

�Feierlichkeiten in Krefeld im Juni 1983 teil.

Dieser 300. Jahrestag erinnerte an ein bedeutendes Ereignis der amerikanischen Geschichte - an die mehr als sieben Millionen Deutsche, die
nach Amerika gekommen sind und die für unser Land Unschätzbares geleistet
haben.

Sie haben zusammen mit ihren Kindern und Kindeskindern - 60 Mil-

lionen Amerikaner sagen ja, sie seien deutschstämmig - dazu beigetragen,
jene Bande des gemeinsamen kulturellen Erbes zu knüpfen, die uns verbinden.

Die Feiern zu diesem 300. Jahrestag ermöglichten es uns, Aufmerk-

samkeit auf diese gemeinsamen kulturellen Werte zu lenken, und ich bin
stolz auf die Rolle, die USIA hierbei gespielt hat.

Als ein Ergebnis des Interesses, das der 300. Jahrestag hervorrief,
wird nunmehr an der Mall in Washington, ganz in der Nähe des WashingtonDenkmals, ein deutsch-amerikanischer Freundschaftsgarten angelegt.

Der

Garten wird durch über eine halbe Million Dollar an Privatspenden finanziert.

Er wird als lebendes Denkmal der Bindungen zwischen unseren bei-

den Völkern dienen.
Das Jahr der Dreihundertjahrfeier fiel mit dem ersten Jahr des internationalen Jugendaustauschprogramms

Präsident Reagans

zusammen.

Diese

Initiative schließt alle unsere Partnerländer des Wirtschaftsgipfels sowie einige weitere Länder ein, wobei das US-Informationsamt mehr Mittel
für den Jugendaustausch mit der Bundesrepublik Deutschland aufwendet als
für den Austausch mit allen anderen Ländern zusammen.

Das Kongreß-Bundestag-Programm ist gerade ein Jahr alt.

In diesem

Jahr haben 250 amerikanische und 334 deutsche Schüler im jeweils anderen
Land bei Gastfamilien verbracht und die Schule besucht.

Kann es einen

besseren Weg geben, ein anderes Land kennenzulernen - und anderen das eigene Land nahezubringen?

Unser Ziel ist, mit der Zeit rund 1000 junge

Menschen jährlich in das Kongreß-Bundestag-Programm aufzunehmen - 500 in
jede Richtung.
Im

vergangenen

Jahr

�Im vergangenen Jahr haben unsere gemeinsamen Jugendaustauschanstrengungen

sich

auch

auf

kurzfristige

Austauschorganisationen erstreckt.

Einzelprojekte

und

Zuwendungen an

Dies hat Aktivitäten wie den drei-

wöchigen Amerikabesuch von zwei deutschen Parteijugendgruppen zur Beobachtung der Wahlen in den Vereinigten Staaten ermöglicht.

Natürlich gedeihen auch die etablierten Austauschprogramme, wie das
Fulbright-Programm weiter, und ich freue mich, mitteilen zu können, daß
die amerikanischen Mittel für diese Aktivitäten erhöht worden sind.

Im

Jahr 1985 wird es über 700 deutsche und amerikanische FulbrLght-Stipendiaten geben. Der Beitrag der amerikanischen Regierung zu dieser Austauschtätigkeit beläuft sich auf 2,4 Millionen Dollar, und dieser Beitrag wird
von der deutschen Bundesregierung nicht nur in gleicher Höhe aufgewogen,
sondern sogar übertroffen.

USIA hat auch seit langem das Internationale Besucherprogramm durchgeführt, das einmonatige Besuche von deutschen Fachleuten aus Politik,
Journalismus, Wirtschaft und Bildungswesen vorsieht.

Im Rahmen dieses

Programms kommen jährlich über 60 Personen auf Einladung unserer USISStellen in Deutschland nach den Vereinigten Staaten.

Ich gehe davon aus,

daß einige von Ihnen hier in unserem Lande mit diesem ausgezeichneten
Programm in Berührung gekommen sind.

Ich habe in einiger Ausführlichkeit über unser Austauschprogramm gesprochen, weil ich überzeugt bin, daß es für sich genommen die wichtigste
Anstrengung in der öffentlichen Diplomatie ist, die wir in der Bundesrepublik Deutschland betreiben.

Es ist immer ein wahres Vergnügen, mit

Leuten zusammenzutreffen, die an solchen Austauschprogrammen teilgenommen
haben.

Sie kommen mit einem ganz anderen Verständnis für unser gemein-

sames kulturelles Erbe wieder und auch für Dinge, die uns als Völker
unterscheiden.

Auf jeden Fall wird ihr Einsatz für die deutsch-amerika-

nische Freundschaft größer.

Wenn wir uns den kulturellen Dimensionen der öffentlichen Diplomatie
zuwenden, dann möchte ich auch den Privatsektor erwähnen.
- 9-

Der Beitrag

�Der Beitrag von privater Seite ist wahrscheinlich kaum zu ermessen und
sicherlich größer als der der Regierung - und das ist auch richtig so.

USIA erleichtert viele Aktivitäten des Privatsektors.

So beantworten

beispielsweise unsere Stellen in der Bundesrepublik Deutschland fast 4000
Anfragen pro Monat von Deutschen, die an einem Studium in den Vereinigten
Staaten interessiert sind.

Im akademischen Jahr 1983/84 studierten über

3700 Deutsche an amerikanischen Colleges und Universitäten - die große
Mehrheit im Rahmen des privaten Austauschs oder aufgrund rein persönlicher Vereinbarungen.

In ähnlicher Weise reisen jedes Jahr die vielen Symphonieorchester,
Tanzgruppen und Kunstausstellungen über den Atlantik hin und her, ohne
daß die Regierung finanziell wesentlich dazu beiträgt.

Ich habe versucht, einen großen Überblick über die kulturelle Komponente der öffentlichen Diplomatie des US-Informationsamtes in der Bundesrepublik Deutschland zu geben.

Weltweit unterhält USIA 214 Posten in 129

Ländern mit einem Budget von 796 Millionen Dollar für 1985 - eine Steigerung um 75 Prozent seit 1981.

Kein Land, in dem wir tätig sind, ist wichtiger als die Bundesrepublik Deutschland.

Mit über 30 Amerikanern in neun Städten ist USIS-

Deutschland einer der größten Posten in der Welt.

Wir unterhalten weiterhin sieben Amerika-Häuser als Kulturzentren in
der Bundesrepublik Deutschland, von denen jedes über eine umfangreiche
Bücherei verfügt.

Wir entsenden einige unserer fähigsten höheren Beamten

zu USIS-Deutschland.
stand, hat

an

Tom Tuch, der von 1980 bis 1984 dort an der Spitze

dieser

Konferenz

hier

teilgenommen, und

ebenso Terry

Catherman, der im nächsten Monat als Botschaftsrat für öffentliche Angelegenheiten an unsere Botschaft nach Bonn gehen wird.

Ich darf hinzufügen, daß ich mit unserem neuen Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Richard Burt, kurz vor seiner Abreise nach
- 10-

�Abreise nach Bonn zusammentraf.

Ich weiß, er teilt meine Ansicht über

die Bedeutung des Kulturaustausches zwischen unseren beiden Ländern.

Unser Nachdruck auf Deutschland

ist durchaus gerechtfertigt.

Die

Bundesrepublik Deutschland ist heute einer unserer wichtigsten Verbündeten.

Sie hat die größte Bevölkerung aller unserer europäischen NATO-

Partner.

Sie führt die größte und bestausgerüstete Verteidigungsstreit-

macht in NATO-Europa ins Feld.
delspartner.

Sie ist unser größter europäischer Han-

Und vor allem teilt sie mit uns eine Überzeugung von der

Würde des Menschen und eine Achtung der Herrschaft des Rechts.

Die Erhaltung der Freiheit und des Friedens für uns selbst und unsere
Kinder hängt von der Lebenskraft der Partnerschaft unserer beiden großen
Länder ab.

Und echte Verständigung unter Regierungen hängt von dem Ver-

ständnis ab, das unter Völkern herrscht.

Dies gilt ganz besonders für

Demokratien, wo die Regierungen durch das Denken ihrer Bürger beeinflußt
werden, ja

dieses

widerspiegeln.

Ein einfühlsames Verständnis unter

Deutschen und Amerikanern für die Kultur des jeweils anderen herbeizuführen, muß unser gemeinsames Ziel sein.

Lassen Sie mich schließen mit einem Dank an das deutsche Auswärtige
Amt, an Botschafter Witte, an Botschafter van Well und Frau Dr. Linsmayer, wie auch an die Stanford-Universität, daß mich hierher eingeladen
wurde.

Ich weiß, daß die sorgfältige Analyse, die dieser Kongreß an-

stellt, dazu beiträgt, die Ziele zu erreichen, nach denen wir alle streben.

* * * * *

- 11-

�9. Oktober 1985

40

DROGENMISSBRAUCH - EIN INTERNATIONALES PROBLEM

- Wichtige Programme des US-Außenministeriums
bei der Suche nach Lösungen -

WASHINGTON - (AD) - Der Mißbrauch von Heroin, Kokain, Marihuana und
anderen gefährlichen Drogen verursacht

in den Vereinigten Staaten, in

Kanada, Westeuropa und zahlreichen weiteren Ländern schwerwiegende psychologische, soziale und gesundheitliche Probleme.

Außerdem machen sich

dort, wo diese Drogen produziert oder durchgeschleust werden, immer mehr
schädliche Auswirkungen bemerkbar.

Schätzungen aus dem Jahr 1984 zufolge

werden in den Vereinigten Staaten ca. 5,9 Tonnen an importiertem Heroin,
55 bis 76 Tonnen am importiertem Kokain und 7800 bis 9200 Tonnen - meist
importiertes - Marihuana konsumiert.

Aus den für 1984 verfügbaren Sta-

tistiken geht hervor, daß vor allem unter jungen Leuten der MarihuanaKonsum zurückgeht.
geringer.

Der Verbrauch von Heroin war im letzten Jahr etwas

Dagegen ist der Kokaingenuß weiterhin stark verbreitet, und

der Verbrauch anderer gefährlicher Drogen nimmt sogar zu.

Die illegale

Produktion von Opium, Heroin, Kokain und Marihuana übersteigt erheblich
den weltweit geschätzten Bedarf.
Quellen:

Opium

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Quellen:

Opium für die Verarbeitung zu Heroin für den Absatz auf den

Weltmärkten kommt vor allem aus drei Regionen - aus Mexiko, dem "Goldenen
Dreieck" mit Burma, Thailand und Laos, sowie aus dem "Goldenen Halbmond"
mit Iran, Afghanistan und Pakistan.

Der größte Teil des Opiums und neu-

erdings große Mengen des in Südost- und Südwestasien produzierten Heroins
werden von immer mehr Süchtigen in den Herkunftsregionen selbst konsumiert.

Kokain stammt in erster Linie von Cocastrauch-Blättern aus Anbau-

gebieten in Bolivien und Peru.

Kolumbien hat sich sowohl zum Raffinerie-

platz wie auch zum Durchgangsland für den Handel und zum Coca-Anbauland
entwickelt.

In weiteren südamerikanischen Ländern wird seit kurzem Coca

angebaut und Kokain raffiniert.

Auch Marihuana kommt aus vielen Quellen.

Als Folge einer Vernichtungskampagne bei Anpflanzungen kommt aus Kolumbien jetzt weniger als die Hälfte des in den USA konsumierten Marihuanas.
Auch der Hanfanbau in den USA selbst und die Produktion in Jamaika gingen
zurück.

Die restlichen Mengen stammen aus Mexiko, Belize und anderen

Quellen im Ausland.

Dank wirksamer Kontrolle an der Quelle ist auch das

Angebot an Methaqualon erheblich geringer geworden.

Rolle des amerikanischen Außeministeriums:
nationale Suchtstoffangelegenheiten"

Der "Abteilung für inter-

(Bureau of International Narcotics

Matters - INM), die von einem Unterstaatssekretär geleitet wird, obliegt
es,

die

internationalen

Maßnahmen

Rauschgiftkontrolle zu koordinieren.

der

amerikanischen

Regierung

zur

INM strebt eine Verstärkung der An-

strengungen auf diplomatischem Gebiet und im Rahmen der amerikanischen
Programme an, das Angebot an gefährlichen Drogen, die in die Vereinigten
Staaten gelangen, zu reduzieren.

Im Haushaltjähr 1985 hatte INM für bi-

laterale und multilaterale Suchtstoff-Kontrollprogramme 51 Millionen Dollar zur Verfügung.

Die Mittel werden verwendet für:

- Vernichtung von Anpflanzungen, Kontrollprogramme
- Unterstützung beim Rechtsvollzug
- Ausrüstungen und Material
- Aus- und Weiterbildung von ausländischem Personal aus dem Justizbereich
- Entwicklungshilfe
- 2 -

�- Entwicklungshilfe für den Aufbau wirtschaftlicher Alternativen zu
illegal produzierten Drogenpflanzen
- Technische Hilfe für Programme zur Eindämmung der Nachfrage nach
Drogen.

INM arbeitet mit den Koordinatoren für Suchtstoffangelegenheiten in
den Regionalreferaten des amerikanischen Außenministeriums und der amerikanischen Botschaften sowie mit dem Amt für Internationale Entwicklung
(AID) bei Projekten zusammen, die Entwicklungshilfe in Bolivien, Peru und
Pakistan mit Drogenkontrolle verbinden.

Gemeinsam mit dem "Bureau of In-

ternational Organization Affairs" innerhalb des amerikanischen Außenministeriums werden multilaterale Kontrollmaßnahmen mit Behörden der Vereinten Nationen koordiniert.
für Drogenbekämpfung

Mit dem Weißen Haus, dem amerikanischen Amt

(DEA), der amerikanischen Zollbehörde, der US-Kü-

stenwacht und anderen amerikanischen Behörden mit einschlägigen Aktivitäten im In- und Ausland besteht enge Zusammenarbeit.

Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß Drogenkontrolle, eine
im Rahmen von Verträgen wahrzunehmende Regierungsaufgabe, aLs internationale Verpflichtung behandelt werden sollte.

INM hebt hervor, daß Produk-

tions- und Transitländer aufgrund dieser Verträge die Hauptverantwortung
für die Kontrolle des Anbaus, der Produktion und Weitergabe illegaler
Suchtstoffe tragen.

Zur Unterstützung dieser Länder gibt INM den Pro-

grammen zur Kontrolle der Produktion und Unterbindung des Handels schon
am Herkunftsort höchste Priorität.

Programme:

Wenn einschneidende Blockierungen und selbst die Vernich-

tung von Anbauflächen in nur einem oder zwei Produktionsgebieten durchgesetzt werden, so bewirkt dies nicht mehr als einen vorübergehenden Rückgang des Angebots an Suchtstoffen.

Deshalb hat die Strategie von INM zum

Ziel, letztlich die Produktion in allen wichtigen Regionen gleichzeitig
zu kontrollieren, damit es zu einschneidender und dauerhafter Angebotsverminderung

kommt.

In wichtigen Ländern der Opiumproduktion

(Burma,

Thailand, Mexiko und Pakistan) und in Transitländern, wo Opium zu Heroin
verarbeitet

oder

durchgeschleust

wird, sind
- 3 -

INM-Drogenkontrollprojekte

�INM-Drogenkontrollprojekte eingerichtet.

INM unterstützt die Kontrolle

des Coca-Anbaus und Projekte zur Unterbindung der Kokainproduktion in Bolivien, Peru, Ekuador, Brasilien und Kolumbien sowie Projekte zur Kontrolle der Produktion und des Handels mit Marihuana in Mexiko, Jamaika,
Panama und Kolumbien.

Die Behörde unterstützt außerdem Gegenaktionen und

juristische Maßnahmen in anderen Produktions- und Transitländern in den
drei wichtigsten Regionen - Lateinamerika, Südost- und Südwestasien - und
hilft Dutzenden von Ländern durch die Finanzierung von Ausbildungsprogrammen für Angehörige der Justiz und des Zolls.
Multilaterale Bemühungen: Drogenmißbrauch ist nicht nur ein amerikanisches Problem. Betroffen sind alle Nationen, von den ärmsten bis zu
den reichsten - Länder, die Drogen produzieren und damit Handel treiben,
und Länder, in denen Drogen konsumiert werden. Die amerikanische Regierung hat von jeher den höchsten Kostenanteil für internationale Kontrollprogramme getragen. Ihre diplomatischen Anstrengungen samt wirtschaftlicher Unterstützung und multilateraler Aktivitäten, Produktionsländer zur
Mitarbeit zu gewinnen, zeigen immer größere Wirksamkeit. Im Jahr 1985
erkannten viele Regierungen, vor allem die der Herkunftsländer, im Drogenhandel eine starke Bedrohung sowohl ihrer nationalen Sicherheit als
auch ihres wirtschaftlichen und sozialen Wohlergehens. Die Auswirkung
der Gegenmaßnahmen gegen Drogenhandel bei den Produktions- und Verbraucherländern schafft neue Chancen für wirksamere bilaterale und multilaterale Programme. Die Regierung der Vereinigten Staaten verfolgt außerdem
Ziele der Suchtstoffkontrolle auf internationaler Ebene im Rahmen der
Vollversammlung der Vereinten Nationen, des UN-Wirtschafts- und Sozialrates und anderer UN-Behörden. Zu den UN-Behörden, die Kontrollmaßnahmen
für Handel und Gebrauch von Suchtstoffen und anderen psychotropen Substanzen anwenden und multilaterale Anstrengungen zur Unterbindung von
Produktion, Handel und Mißbrauch von Drogen unterstützen, zählen die
Suchtstoff-Kommission und deren Spezialabteilung für Suchtstoffe, das
internationale Direktorium für Suchtstoffkontrolle und der UN-Fonds zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch, der wichtige Projekte in der ganzen Welt
unterstützt.
* * * * *

�Wi/zen/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

40

9. Oktober 1985

PLANET URANUS IM VISIER
- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November

- (AD) - Auf Uranus, den drittgrößten Planeten in unserem Sonnensystem, konzentriert sich während der kommenden Monate das Interesse vieler
Astronomen in der ganzen Welt.
schen Raumsonde VOYAGER 2.

Er ist das nächste Ziel der amerikani-

Im Jahr 1977 gestartet, passierte sie 1979

den Planeten Jupiter, 1981 den Saturn.

Über beide Großplaneten sowie

über deren Trabanten und das Ringsystem des Saturn lieferte sie, wie
schon zuvor VOYAGER 1, unschätzbar wertvolle Informationen, dazu aufsehenerregende Fernsehaufnahmen.

Unter der Einwirkung der Gravitationskraft des Saturn wurde VOYAGER 2
auf einen Kurs gebracht, der den für eine Vielzahl von Meßaufgaben programmierten

Roboter

jetzt zum Planeten Uranus führt.

tionskraft wiederum lenkt ihn in Richtung Neptun.

Diesen zweitletzten

Planeten unseres Sonnensystems wird er 1989 passieren.
von ihm Aufnahmen und Beobachtungsdaten zu bekommen.

Dessen Gravita-

Man hofft, auch
Pluto jedoch, der

vermutlich äußerste Trabant der Sonne, bleibt außerhalb des VOYAGER-Beob-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�VOYAGER-Beobachtungsbereichs.

Ihr

weiterer

Weg

führt die Sonde, wie

schon VOYAGER 1, in immer fernere Regionen, die nicht mehr zu unserem
Sonnensystem

gerechnet werden.

Aber solange die Bordinstrumente samt

Energieversorgung funktionsfähig bleiben, werden wir Meßdaten bekommen es sei denn, die Signale sind infolge der immer größeren Entfernung so
schwach, daß sie nicht mehr erfaßt werden können.

VOYAGER 2 wird am 24. Januar 1986 den Uranus im Abstand von weniger
als 100 000 km passieren.
Milliarden Kilometer.

Die Entfernung zur Erde beträgt dann fast 2,9

Das bedeutet, daß Funksignale, die die Sonde über-

mittelt, zwei Stunden und 45 Minuten zu den Empfangsstationen brauchen.
Da sie auf dem Weg durch den interplanetaren Raum abgeschwächt werden,
wurden Vorkehrungen getroffen, um sie verstärken und gut aufnehmen zu
können.

So hat man beispielsweise in Australien zwei große 63-m-Parabol-

antennen zusammengeschaltet, um ihre Empfindlichkeit zu verdoppeln.

Die Robotersonde hat offenbar ihren Flug durch den Raum jenseits des
Saturn gut überstanden.

Bereits seit Juli 1985 schickt sie Fotos von

Uranus zur Erde, allerdings noch in verhältnismäßig großen Zeitabständen.
Noch erscheint dieser Planet als kleiner, verschwommener Ball.

Die bläu-

lich-grüne Färbung ist auf den Methangehalt seiner Atmosphäre zurückzuführen.

Wenn am 4. November die intensive Beobachtungsphase beginnt, in

der sich VOYAGER 2 dem Uranus mit mehr als 65 000 km pro Stunde nähert,
funkt die Sonde für jeweils 36 Stunden alle fünf Minuten ein Foto.
schließend wird jede Aufnahmeserie noch einmal gesendet.

An-

Die Wissen-

schaftler hoffen, aus diesem Material einen Film herstellen zu können,
der Hinweise auf die atmosphärische Dynamik des Planeten zu geben vermag.

Sehr schwierig dürfte es werden, die fünf Monde des Uranus zu beobachten.

Der Grund dafür ist die Tatsache, daß die Rotationsachse dieses

Planeten der Ebene seines Umlaufs um die Sonne parallel ist, die Umlaufbahn seiner Monde also senkrecht dazu steht.

Dies ist ein ungewöhnliches

Phänomen und von keinem anderen Planeten bekannt.

(Über die Ausrichtung

der Achse von Pluto weiß man allerdings noch nichts.)

Da sich VOYAGER 2

aber dem Uranus in der Umlaufebene der Planeten nähert, hängt es von der

�von der jeweiligen Position der Uranus-Monde ab, ob sie überhaupt beobachtet werden können.

Denn das Trabanten- und Ringsystem wird ja mit ho-

her Geschwindigkeit in wenigen Stunden passiert.

Um dennoch möglichst

scharfe Aufnahmen zu erhalten, muß der Roboter mit seinen Kameras unter
Vorausberechnung

der Laufzeit der Signale während des Durchgangs durch

das Uranus-System sehr exakt gesteuert werden.

'Über diesen Planeten ist noch außerordentlich wenig bekannt.
wurde

er

schon

im

Jahr

1781

von

dem

britischen

Astronomen

William

Herschel entdeckt - aber erst 1977 brachten Fernrohrbeobachtungen
erste Hinweise darauf, daß Uranus von Ringen umgeben ist.
zu den Ringen des Saturn sind es dunkle Gebilde.

Zwar
z.B.

Im Gegensatz

Beobachtungen aus jüng-

ster Zeit lassen neben den bisher aufgefundenen Ringen die Existenz eines
weiteren Ringes zwischen den beiden inneren Monden vermuten.

Möglicher-

weise gibt es sogar mehr als die fünf Monde, von denen man heute weiß.

Aus der Dynamik der Atmosphäre hofft man auf die tatsächliche Rotationsgeschwindigkeit des Uranus Rückschlüsse ziehen zu können.

Der Pla-

net mit seinen 51 000 km Durchmesser - fast viermal mehr als der Durchmesser der Erde - könnte bisherigen Berechnungen zufolge eine Tageslänge
von 16, aber vielleicht auch von 24 Stunden haben.
relativ dicht.

Seine Atmosphäre ist

An Bestandteilen wurden die Elemente Wasserstoff, Stick-

stoff, Kohlenstoff und Sauerstoff festgestellt.

Es ist eine Art "kosmischen Billards", das VOYAGER 2 nach dem Durchgang am Uranus Kurs auf Neptun nehmen läßt.

Dreieinhalb Jahre später,

nach Überwindung von fast einer Milliarde weiterer Kilometer im interplanetaren Raum, wird die Sonde das System dieses Planeten in etwa 10 000 km
Abstand von seinem Innenmond Triton passieren.

* * * * *

- 3-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Direktor Wick erläutert Arbeit des US-Informationsdienstes in Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache auf einer deutsch-amerikanischen Konferenz der Stanford-Universität -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drogenmissbrauch - ein internationales Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wichtige Programme des US-Außenministeriums bei der Suche nach Lösungen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Planet Uranus im Visier&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Intensive Beobachtungen durch Raumsonde VOYAGER 2 ab 4. November -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

9. Oktober 1991

*?

DEUTSCH-AMERIKANISCHER
TAG

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN TAG 1991

AUSSENPOLITIK

EAGLEBURGER: FREIHANDELSORDNUNG
ERSTE PRIORITÄT DER USA
Rede des Stellvertretenden Außenministers
vor Unternehmern

GATT

UNTERHÄNDLER ARBEITEN AM
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
von Louis Murphy

KSZE

USA MIT MOSKAUER KSZE-TREFFEN
ÄUSSERST ZUFRIEDEN
Eine Erklärung des Außenministeriums

GOLFKRISE

KALTER KRIEG UND GOLFKRIEG DIE AUSWIRKUNGEN AUF DEN NAHEN OSTEN
von Richard Haass

UMWELT

DAS UMWELTPROGRAMM DER
BUSH-ADMINISTRATION
Eine Übersicht zum Umweltschutz

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�DEUTSCH-AMERIKANISCHER

TAG
9. Oktober 1991

PRÄSIDENT BUSHS PROKLAMATION ZUM
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN TAG 1991
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush lobte anläßlich des 3. Oktober 1991, des ersten Tages der deutschen
Einheit nach der Wiedervereinigung, die Ostdeutschen für ihren Mut zur Überwindung einer tyrannischen
Ideologie.
Bei der Unterzeichnung der Proklamation zum Deutsch-Amerikanischen Tag begrüßte Bush insbesondere die
Vertreter aus der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.
Dem Präsidenten saß im Roosevelt-Saal Bundesaußenminister Genscher zur Seite, als er erklärte, er wolle
"ganz besonders unsere 17 Millionen neuen deutschen Freunde aus den östlichen Bundesländern, der
ehemaligen DDR, würdigen. Wir bewundern Ihren Mut, mit dem sie die Fesseln einer schrecklichen Ideologie
abgeschüttelt und sich Ihren Brüdern im Westen angeschlossen haben, um ein neues ungeteiltes und freies
Deutschland aufzubauen."
Bush bezeichnete die Ostdeutschen als "wichtige neue Mitglieder unserer transatlantischen Gemeinschaft und
Teil des besonderen Bandes zwischen Deutschen und Amerikanern. Amerikaner und Ostdeutsche waren seit
über zwei Generationen voneinander getrennt... Deshalb begrüße ich Sie, die Besucher aus dem Osten,
besonders herzlich."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Proklamation des Präsidenten zum "Deutsch-Amerikanischen Tag" am 6.
Oktober 1991 und am 6. Oktober 1992.

Als sich die deutschen Siedler am 6. Oktober 1693 in
der Nähe von Philadelphia niederließen, legten sie
damit den Grundstein für die vielen Bande zwischen
den Vereinigten Staaten und Deutschland. Seitdem
haben Generationen deutscher Einwanderer und ihre
Nachkommen hervorragende Beiträge zur amerikanischen Geschichte und Kultur geleistet. Dennoch sind
die Bande, die wir heute feiern, nicht nur rein verwandtschaftlich, sondern basieren auch auf gemeinsamen
Werten und Hoffnungen. In der Tat beseelt dieselbe
Freiheitsliebe, die die ersten deutschen Einwanderer
zu diesen Ufern geführt hat, immer noch die amerikanisch-deutschen Beziehungen.
Seit über 40 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg
standen die Vereinigten Staaten zu ihren Freunden in
der Bundesrepublik Deutschland, um diesem Land
Freiheit und Sicherheit garantieren zu helfen und unsere
gemeinsamen Interessen zu fördern. Dennoch hegten
wir gemeinsam die Hoffnung, daß eines Tages alle
Deutschen die Segnungen der Freiheit in einem vereinigten, demokratischen und souveränen Deutschland
genießen könnten. Die dramatische Öffnung der
AMERIKA DIENST 40

Berliner Mauer im November 1989 und die offizielle
Vereinigung Deutschlands knapp ein Jahr später haben
die Verwirklichung dieses Ziels belegt. Heute sehen
die Vereinigten Staaten der Fortsetzung der Freundschaft entgegen, die unsere beiden Völker so lange
genossen haben. Aktiver Handel und enge politische
Zusammenarbeit im Kontext des Atlantischen Bündnisses zählen zu den wichtigsten Dimensionen dieser
Beziehungen. Dennoch messen wir auch unseren
verschiedenen Kontakten "von Mensch zu Mensch"
und Austauschprogrammen große Bedeutung bei.
Deshalb haben wir zur Förderung des Austauscht von
Informationen und Ideen mit den fünf neuen Bundesländern - die allzu lange durch ihr kommunistisches
Regime isoliert wurden - gemeinsam mit der Bundesregierung die RIAS-Stiftung gegründet. Die Stiftung
wird gemeinsame Radio- und Fernsehprogramme
fördern und darüber hinaus Ausbildungs- und andere
Programme für Studenten, Rundfunkjournalisten und
andere Medienvertreter anbieten. Ferner haben die
Vereinigten Staaten in diesem Jahr ein neues Generalkonsulat in Leipzig eröffnet und damit die Bande zwischen unseren beiden Völkern noch enger geknüpft.
Seite 1

�Mit dem neuen vereinigten Deutschland verbindet die
Vereinigten Staaten Freundschaft aber auch eine
Partnerschaft in der Führungsrolle. Nach der brutalen
Invasion irakischer Streitkräfte in Kuwait am 2. August
1990 hat sich Deutschland der internationalen Koalition angeschlossen, die die Aggression verurteilt und
sich für eine Aufrechterhaltung der Rechtsstaatlichkei*
entschieden hat. Darüber hinaus symbolisiert Deutschland heute nicht nur ein neues ungeteiltes und freies
Europa, sondern steht auch bei den Bestrebungen zur
Verwirklichung dieses Ziels an vorderster Front.
Gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen
westlichen Nationen gewährt Deutschland den aufstrebenen Demokratien Mittel- und Osteuropas seine
Unterstützung durch Investitionen, Ausbildungsprogramme und technische Hilfe.
Im Einklang mit seiner verbesserten Position als Kraft
für Frieden und Stabilität in der Weltpolitik wird Deutschland Gastgeber des nächsten Gipfels der sieben führenden Industrieländer der Welt sein. Die Vereinigten
Staaten sehen diesem Treffen im Juli 1992 in München

*

Seite 2

entgegen und begrüßen die zahlreichen Chancen, die
sich in den deutsch-amerikanischen Beziehungen bieten.
Mit der gemeinsamen Entschließung 151 des Senats
hat der Kongreß den 6. Oktober 1991 und den 6.
Oktober 1992 zum "Deutsch-Amerikanischen Tag"
erklärt und den Präsidenten ermächtigt und ersucht,
zur Würdigung dieser Tage eine Proklamation zu
erlassen.
Aufgrund dessen erkläre ich, George Bush, Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika, hiermit den 6.
Oktober 1991 und den 6. Oktober 1992 zu DeutschAmerikanischen Tagen. Ich bitte die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, diese Tage mit angemessenen Feiern und Veranstaltungen zu begehen.
Unterzeichnet am 3. Tag des Oktober, im Jahre des
Herrn 1991 und im 216. Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika.
(Unterzeichnet) George Bush

* * *

*

AMERIKA DIENST 40

�AUSSENPOLITIK
9. Oktober 1991

EAGLEBURGER: FREIHANDELSORDNUNG
ERSTE PRIORITÄT DER USA
Rede des Stellvertretenden Außenministers vor Unternehmern
WASHINGTON -(AD) - Die Aufrechterhaltung der internationalen Freihandelsordnung sollte erste Priorität der
Vereinigten Staaten in derAußenpolitiksein, erklärte der Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger
in einer Rede vor amerikanischen Unternehmern am 3. Oktober 1991 und unterstrich das sicherheitspolitische
und wirtschaftliche Interesse der Vereinigten Staaten am Erfolg des "derzeit in Osteuropa und der Sowjetunion
stattfindenden Experiments zu Demokratie und freien Marktwirtschaften".
Darüber hinaus "verfolgen wir die Vision einer Freihandelszone auf dem Kontinent, mit der amerikanische
Exporte angekurbelt und die Demokratie für Jahrzehnte in der (westlichen) Hemisphäre gestärkt werden könnte".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Außenministers bei dem von der Zeitschrift
Business Week veranstalteten Symposium.

Der Zusammenbruch der internationalen Nachkriegsordnung hat in jüngster Zeit in diesem Land eine
heftige Debatte über die amerikanische Außenpolitik
und Zielsetzung der Vereinigten Staaten in einer stark
veränderten und sich verändernden Welt ausgelöst. In
einer Demokratie wie der unseren ist eine solche
Debatte fruchtbar und notwendig. Mit ihrer Hilfe können wir herkömmliche Maßnahmen im Hinblick auf ihre
Relevanz unter neuen Bedingungen überprüfen - mit
den Worten Abraham Lincolns können wir dank ihr
"neu denken".
Diese Debatte hat gerade erst begonnen und wird
wahrscheinlich keinen Konsens hervorbringen bis eine
neue internationale Ordnung Gestalt angenommen
hat - ein anscheined vages Ziel, zumindest für die
absehbare Zukunft. Es gibt jedoch einen Aspekt
dieser Debatte, den ich beunruhigend finde und heute
im Hinblick auf seine besondere Relevanz mit dieser
hier unter der Schirmherrschaft von Business Week
versammelten Gruppe von Führungskräften erörtern
möchte.
Ich beziehe mich auf die These, daß die Elemente, die
den Erfolg der Vereinigten Staaten im kalten Krieg
bewirkten, eine Verantwortung in einer von diametral
entgegengesetzten Herausforderungen gekennzeichneten Welt nach den kalten Krieg sind. Mit anderen
Worten, es wird das Argument vorgebracht, unser
militärischer und diplomatischer Heldenmut seien
bestenfalls irrelevant und schlimmstenfalls ein HandiAMERIKA DIENST 40

cap für uns in der bevorstehenden Auseinandersetzung über neue Probleme und Herausforderungen von denen die meisten wirtschaftlicher Art sein werden. Infolgedessen sehen wir uns gezwungen, unsere
Verteidigungsausgaben drastisch zu kürzen und unser Engagement in Übersee einzuschränken, um uns
für den vor uns liegenden gnadenlosen wirtschaftlichen Konkurrenzkampf zu wappnen.
Zur Zeit wird dieses Argument zumindest in seiner
extremsten Form vorwiegend vom Rande des politischen Spektrums vorgebracht. Es ist jedoch einigermaßen offenkundig, daß es innerhalb des Staates
insgesamt fruchtbaren Boden gibt, auf dem solche
Gefühle gedeihen können. Es ist eine Tatsache, daß
das amerikanische Volk den wohlbegründeten Wunsch
nach Bewältigung unserer Herausforderungen im Inland hegt sowie zur Übernahme eines größeren und
faireren Anteils der internationalen Verantwortung durch
unsere Verbündeten. Es besteht die Gefahr, daß
diese berechtigten Sorgen genutzt werden können,
um die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Art der
amerikanischen Führungsrolle zu untergraben, die
nach wie vor wichtig ist - selbst im Hinblick auf die
engste Definition unserer nationalen Interessen.
Ich beabsichtige nicht, die Verdienste bestimmter
außenpolitischer Programme oder Verpflichtungen zu
erörtern, und als der für den Etat des US-Außenministeriums Verantwortliche gestehe ich als erster ein,
daß wir angesichts sich verändernder Realitäten und
Seite 1

�knapper Ressourcen vor allem Prioritäten setzen
müssen. Ich räume jedoch ein, daß sich die Vereinigten Staaten international finanziell grundsätzlich nicht
übernommen haben und unsere Probleme im Inland
nicht aus unserem Engagement in Übersee herrühren
oder aus der aktiven Außenpolitik, die wir in den
vergangenen 45 Jahren betrieben haben. Im Gegenteil, meines Erachtens hängt unser nationales Wohlergehen einschließlich einer gesunden Volkswirtschaft
von einer stabilen internationalen Ordnung ab - einer
Ordnung, die nicht existieren wird, wenn wir sie nicht
gestalten und die Führungsrolle übernehmen.
Daher möchte ich heute die These vorbringen, daß
das, was wir getan haben, um den kalten Krieg zu
gewinnen, in der Tat für die Herausforderungen äußerst relevant ist, mit denen wir uns im In- und Ausland
konfrontiert sehen und wir den Sirenengesang derjenigen ignorieren müssen, die uns drängen, "heimzukommen" und die Last der internationalen Führungsrolle
abzuwerfen, die uns im kommenden Dezember vor 50
Jahren aufgebürdet wurde. Ich vermute oder hoffe
zumindest, daß ich hier in diesem Saal zu den Konvertierten predige, von denen zahlreiche an vorderster
Front darum kämpfen, die Vereinigten Staaten bei
dem harten Konkurrenzkampf auf den Weltmärkten
wettbewerbsfähig zu haften. Die Öffentlichkeit als
Ganzes muß jedoch davon überzeugt werden, daß wir
- da wir den kalten Krieg gewonnen haben - jetzt ein
Disengagement vermeiden und statt dessen bereit
sein müssen, uns mit der Konfusion und Instabilität
auseinanderzusetzen, die unweigerlich auf diesen Sieg
folgen werden.
Ein kluger Mann hat einmal gesagt, diejenigen, die
nicht aus der Geschichte lernen, sind zu ihrer Wiederholung verdammt. Wir müssen uns nur vor Augen
führen, wie erschreckend die erste Hälfte des 20.
Jahrhunderts war - vielleicht der tragischste Fünfzigjahreszeitraum in den Annalen der Geschichte - und
wie das amerikanische Disengagement zu den Desastem jener Zeit beigetragen hat. Wir müssen uns auch
vor Augen führen, daß das amerikanische Engagement und die Führungsrolle den kalten Krieg bewirkt
haben, der einer Ära der Stabilität und des Wohlstands
für uns und unsere westlichen Partner folgte.
Die Geschichte konfrontiert uns also mit zwei diametral entgegengesetzten Ansätzen der amerikanischen
Außenpolitik in diesem Jahrhundert mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Es ist offenkundig, daß wir
beim Eintritt in ein neues Zeitalter unseren Ansatz
überdenken und die erforderlichen Änderungen vornehmen müssen, um neuen Herausforderungen zu
begegnen. Wenn wir jedoch nicht wollen, daß die Zeit
nach dem kalten Krieg der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ähnelt - was sie bereits in einiger Hinsicht tut
- dann müssen wir das ausmachen, was wir während
des kalten Kriegs richtig gemacht haben und lange und
intensiv überlegen bevor wir diese Politik über Bord

Seite 2

werfen. Kurzum: wir müssen besondere Vorsicht
walten lassen, das Kind nicht mit dem Bade auszuschütten.
Die Geschichte unserer Leistungen im kalten Krieg
begründet sich aus dem Scheitern der europäischen
und amerikanischen Diplomatie, den Sieg im Ersten
Weltkrieg in einen stabilen und dauerhaften Frieden
umzuwandeln. Wir traten in diesen Konflikt ein, um
eine imperiale Macht davon abzuhalten, den europäischen Kontinent unter ihre Kontrolle zu bringen. Aber
nachdem wir dieses Ziel mit der militärischen Niederlage des Kaiser-Deutschlands erreicht hatten, gelang
es uns aufgrund unserer mangelnden Bereitschaft, die
der Weltmacht - zu der wir geworden waren - entsprechende Verantwortung zu übernehmen nicht, es zu
sichern. Das Ergebnis war ein Wiederaufleben der
deutschen Bedrohung der europäischen Ordnung und
ein zweiter weltweiter Flächenbrand, in den wir unweigerlich hineingezogen wurden.
So lehrreich diese Lektion war, erlagen wir gegen Ende
des Zweiten Weltkriegs beinahe ein zweites Mal der
Versuchung des Disengagements. Angesichts der
Roten Armee vor den Toren und eines Westeuropas in
Ruinen wurde jedoch deutlich, daß wir entweder selbst
eine neue internationale Ordnung schmieden müßten
oder es überhaupt keine internationale Ordnung geben würde. Aus diesem Grund beschlossen wir zum
ersten Mal in unserer Geschichte, Risiken einzugehen, Verpflichtungen zu übernehmen und Opfer im
Namen von und in Verbindung mit anderen Nationen
zu bringen. Kurz gesagt, wir bildeten ein eng verflochtenes Bündnis und knüpften unser Schicksal auf einer
mehr oder weniger permanenten Basis an das weit
entfernter Völker.
Das war praktisch eine Revolutionierung der amerikanischen Außenpolitik und stand in vollständigem
Gegensatz zu unseren Traditionen sowie unseren
tiefverwurzelten Neigungen als Volk. Die Architekten
dieser Revolution waren von Vision und Mut geleitete
Männer - Harry Truman, George Marshall, Dwight
Eisenhower, Dean Acheson, Arthur Vandenberg und
andere Republikaner und Demokraten -, und sie brachten eine ganz neue Welt hervor, in der souveräne
Nationen ihre Wirtschaftspolitik koordinieren und zugunsten einer gemeinsamen Verteidigung zusammenarbeiten würden. Darüber hinaus verankerten sie
dieses neue Gefüge der internationalen Zusammenarbeit institutionell, indem sie multilaterale Gremien wie
IWF, Weltbank, OECD und die NATO schufen.
Meines Erachtens ist es unvorstellbar, daß die demokratischen Bewegungen in Osteuropa und der Sowjetunion entstanden wären, wenn nicht aufgrund des
Vermächtnisses dieser Pioniere. Bei der Konfrontation zwischen einem totalitären Koloß mit scheinbar
unbegrenzten militärischen Ressourcen und einem
Bündnis parlamentarischer Demokratien hielt die gegen

AMERIKA DIENST 40

�die sowjetische Expansion gezogene Linie 45 Jahre
stand. Aut unserer Seite dieser Linie konsolidierten die
Westeuropäer hinter dem Schild der NATO und gestärkt durch den Marshallplan ihre demokratischen
Institutionen, integrierten ihre Volkswirtschaften und
erlangten phänomenales Wachstum und Wohlstand.
Diejenigen hinter dem Eisernen Vorhang ließen sich in
der Zwischenzeit durch den Erfolg der Westeuropäer
und ihre Unbeirrbarkeit gegen sowjetische Einschüchterung und Aggression inspirieren. Auf lange Sicht
konnte das totalitäre System das Beispiel von Freiheit
und Wohlstand vor seiner Türschwelle einfach nicht
ignorieren. Unfähig, dieses Beispiel auszuradieren,
verkümmerte das System und ging an seinen eigenen
inneren Widersprüchen zugrunde.
Während wir heute über unseren Sieg im kalten Krieg
nachsinnen, ist es ernüchternd, sich vor Augen zu
führen, daß wir schon früher so waren. In der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts haben wir zweimal große
Opfer gebracht, um einen Feind zu bekämpfen, der
unsere demokratischen Freunde zu überwältigen und
eine Hegemonie in Europa zu schaffen drohte - nur um
diese Siege in Friedenszeiten entweder zunichte
gemacht oder bedroht zu sehen. Mit dem Zusammenbruch des Kommunismus sind wir heute erneut mit der
Versuchung konfrontiert, uns aus internationalen
Angelegenheiten zurückzuziehen und Nabelschau zu
betreiben.
Man kann die vor uns liegende Wahl aus zweierlei
Blickwinkeln betrachten. Für mich ist es unumstößlich,
daß wir den grundlegenden Ansatz bewahren sollten,
der uns während des kalten Kriegs nicht nur Sieg
sondern Frieden und Wohlstand beschert hat. Für
andere bedeutet das Ende des kalten Kriegs ipso
facto, daß eine neue Ära einen neuen Ansatz verlangt.
Wie zuvor in diesem Jahrhundert muß bei der Lösung
unseres Dilemmas zwischen Engagement oder Rückzug ein weiter Weg zurückgelegt werden, um die
Gestalt der vor uns liegenden Welt zum Guten oder
Schlechten zu bestimmen. Wir sind einfach zu groß,
als daß es anders sein könnte. In der Zwischenzeit ist
die Welt nach dem kalten Krieg nicht sicher, welche
von zwei höchst unterschiedlichen Richtungen sie
einschlagen soll. Einerseits könnte sie den Weg
Osteuropas und der Sowjetunion in den vergangenen
45 Jahren gehen, wo Unterdrückung den Haß zwischen Volksgruppen und Nationalitätenkonflikte nicht
mildem konnte, die jetzt an die Oberfläche kommen.
Dort könnte die Geschichte zu einem Vergeltungsschlag ausholen, die Konsolidierung der Demokratie
bedrohen und auf neue Unruhen nach dem kalten
Krieg hindeuten.
Auf der anderen Seite steht das Beispiel dessen, was
die westlichen Nationen seit dem Zweiten Weltkrieg
geleistet haben. In diesem kurzen Zeitraum wurden
alte Feindseligkeiten begraben, Muster der Zusammenarbeit institutionell verankert und Armeen unter
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einem einheitlichen Kommando integriert statt gegeneinander aufgestellt. Dort wurde die Geschichte überwunden und ein Modell geschaffen, das den Weg zur
möglichen Gestaltung der neuen Weltordnung weist.
Wir müssen also versuchen, auf diesem Modell aufzubauen, indem wir weiterhin unser Schicksal an das
unserer demokratischen Partner knüpfen. Wir müssen die Institutionen stärken, die multilaterale Kooperation gefördert und gleichzeitig die demokratische
Runde auf unsere ehemaligen Feinde im Osten erweitert haben. Genauso haben wir nach dem Zweiten
Weltkrieg Feinde zu Verbündeten gemacht.
Wir solten uns keinen Illusionen darüber hingeben,
daß eine Aufrechterhaltung - von einer Erweiterung
gar nicht zu reden - des Vermächtnisses der Zusammenarbeit nach dem Krieg leicht ist. Eine solche Kooperation sucht in der Geschichte ihresgleichen und
wurde durch Umstände ermöglicht, die selbst einmalig
waren und nicht mehr existieren - die rigide bipolare
Logik des Systems im kalten Krieg. Vorbei ist der
Kreuzzug gegen den Kommunismus, der Amerika bei
seinen internationalen Aufgaben vereinte und die Außenpolitik oftmals zu einer einfachen Wahl zwischen
Gut und Böse werden ließ. Vorbei ist auch eine
sowjetische Bedrohung in einem Ausmaß, das die
westlichen Demokratien zwingt, Konzessionen zu
machen und sich ständig auf die Interessen anderer
einzustellen.
Und dennoch, wenn wir nicht den Willen aufbieten, aus
der Geschichte zu lernen, könnten wir einmal mehr
Opfer der Geschichte werden. Tatsache ist, daß wir es
mit einer zerfallenden Welt zu tun haben. Der Untergang der Struktur des kalten Kriegs hat sich in einen
Verlust der Kontrolle souveräner Staaten über ihre
inneren Angelegenheiten und des internationalen
Systems über die Behandlung seiner Mitglieder verwandelt. Die multipolare Welt, in die wir zurückkehren,
ist eine Welt, in der einzelne Länder versucht sind,
ihren eigenen Weg zu gehen und kaum Rücksicht auf
das Gemeinwohl oder die internationale Ordnung zu
nehmen. Saddam Hussein mit seinen hemmungslosen Ambitionen und seinen Massenvernichtungswaffen hat uns einen Eindruck davon vermittelt, wie die
Welt aussehen könnte.
Diejenigen, die ein Disengagement Amerikas predigen, haben nicht viel über unser Verhalten in einer
zerfallenden Welt zu sagen, außer der Behauptung,
was außerhalb unserer Grenzen vorgeht, habe für uns
kaum Bedeutung. Tatsächlich können wir uns unmöglich von einer Unmenge internationaler Probleme oder
ihren Konsequenzen abschirmen - von Schulden,
Überbevölkerung, Umweltverschmutzung und Drogenhandel bis zu Terrorismus und Verbreitung von Waffen. Vielleicht am wichtigsten ist, daß wir uns nicht vom
sich schnell integrierenden Weltmarkt isolieren können, von dem wir im Hinblick auf Arbeitsplätze, Technologie, Rohstoffe und Kapital zunehmend abhängen.

Seite 3

�Deshalb sollte die Aufrechterhaltung des freien Welthandels außenpolitisch höchste Priorität haben. Unsere
Wirtschaft hängt ebenso davon ab wie Frieden und
Wohlstand in einer Welt, die unter Umständen stark an
die dreißiger Jahre erinnern könnte, wenn wir ein
Abgleiten in den Protektionismus nicht vermeiden.
Kurzum: die Vereinigten Staaten benötigen eine
Außenpolitik, die eine stabile, aber keineswegs statische internationale Ordnung fördert. Wir sind zum
Beispiel stark interessiert am Erfolg des Experiments
mit freien Märkten und Demokratie in Osteuropa und
der Sowjetunion, das in politischer, sicherheitspolitischer und letztlich auch in wirtschaftlicher Hinsicht
gemessen werden kann. In ähnlicher Weise verfolgen
wir das Konzept einer Freihandelszone auf dem Kontinent, die amerikanische Exporte beleben und in den
nächsten Jahrzehnten Demokratie auf dem gesamten
Kontinent stärken könnte.
Letztlich bricht also das Argument "Amerika zuerst"
zusammen - es dient nicht nationalen amerikanischen
Interessen, weil es sie zu eng definiert. Wir sind
eindeutig Teil einer Welt, die es sich nicht leisten kann,
ohne die von den Vereinigten Staaten in den letzten 50
Jahren ausgeübte Führungsrolle zu bestehen. Wir
sind nach wie vor der einzige Kandidat mit der Klugkeit,
der Erfahrung und dem weltweiten Einfluß, wie sie für
diese Arbeit erforderlich sind. Sogar unsere unmittelbarsten Interessen werden leiden, wenn wir nicht
unseren Beitrag leisten, um die Kräfte der Anarchie auf
der Welt unter Kontrolle zu halten.

*

Seite 4

*

In diesem Sinne trifft es zu, daß unsere Fähigkeit zur
Ausübung einer weltweiten Führungsrolle Ordnung in
unserem wirtschaftlichen Haus erfordert. Es ist ferner
unvermeidlich, daß wir von dem hohen Stand unseres
auswärtigen Engagements und unserer Ausgaben im
kalten Krieg herunterkommen und auf unsere wohlhabenden Freunde und Verbündeten blicken, auf daß sie
ihren gerechten Anteil an den internationalen Verpflichtungen übernehmen. Wir haben das nach dem
Zweiten Weltkrieg getan - jetzt müssen sie das tun.
Wir sollten uns jedoch daran gewöhnen, auch mit
ihnen die Entscheidungsfindung über eine Vielzahl von
Fragen zu teilen, bei denen unsere Ansichten nicht
unbedingt übereinstimmen. Es ist ganz einfach eine
Tatsache in der Zeit nach dem kalten Krieg, daß die
Durchsetzung unserer Meinung Konzessionen und
Einsatz erfordert. Wenn Saddam Hussein den Weg
der weltweiten Anarchie gewiesen hat, so hat George
Bush die einzige Alternative aufgezeigt: eine Welt, in
der die Vereinigten Staaten als führende Kraft und als
Katalysator internationaler Kooperation und kollektiven Handels fungieren.
Wir treten zweifellos in eine neue und andere Welt ein.
Die alten schlechten Tage des potentiellen nuklearen
Holocaust liegen hoffentlich für immer hinter uns. Aber
Armut, Hunger, Konkurrenz um Märkte, zügellosen
Nationalismus und Instabilität gibt es immer noch.
Wenn das 21. Jahrhundert eine Zeit der Hoffnung und
keine Wiederholung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sein soll, dann nur, weil die Vereinigten Staaten
bereit waren, den Weg dorthin zu ebnen.

*

*

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�GATT
9. Oktober 1991

UNTERHÄNDLER ARBEITEN AM
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
von Louis Murphy
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Leiter der Abteilung multilaterale Angelegenheiten im Handelsministerium.
Der nachfolgend veröffentliche Artikel erschien erstmals am 23. September 1991 in der Publikation des
Ministeriums, Business America.

Die Vorteile, die sich aus einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde von Verhandlungen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT)
ergeben, sind kaum zu überschätzen. Präsident Bush
hat zum Beispiel die Uruguay-Runde mit ihren 108
Teilnehmerländern als Motor bezeichnet, "der die
amerikanische und die Weltwirtschaft ins 21. Jahrhundert steuern kann" und als "Initiative für den stärksten
Wettbewerb". Die Vereinigten Staaten waren eine
treibende Kraft, um die Länder an den Verhandlungstisch zu bringen, und für die Bush-Regierung hat die
Runde nach wie vor höchste Priorität in der Handelspolitik. Das überrascht nicht: schätzungsweise könnte
ein erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde in einem Zeitraum von 10 Jahren nach Abschluß dieser
Runde eine Gesamtzunahme der US-Produktion von
mehr als 1 Billion Dollar zur Folge haben.
Die Uruguay-Runde ist die jüngste in einer Reihe von
acht Verhandlungsrunden über die Liberalisierung des
Handels, die seit der Einführung des GATT im Jahr
1947 abgehalten wurden. Diese im September 1986
in Puntadel Este (Uruguay) aufgenommene Runde ist
bis heute die bei weitem ehrgeizigste und komplexeste
- die Zahl der Teilnehmer und der verhandelten Themen ist größer als je zuvor.
In den fünf Jahren seit Beginn der Uruguay-Runde
haben sich die Zielsetzungen der Vereinigten Staaten
nicht verändert. Wir streben nach wie vor ein umfassendes Paket von Vereinbarungen an, darunter:
niedrigere tarifäre und nichttarifäre Hemmnisse
für Fertigwaren und andere Güter,

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effektive Regeln über die Beilegung von Streitfällen, Subventionen, Antidumping, Normen, Zahlungsbilanz, Importlizenzen, Importschutz und
das Funktionieren des GATT-Systems (FOGS),
Regeln zum Schutz geistigen Eigentums amerikanischer Unternehmer (die Verhandlungsgruppe über handelsbezogene Aspekte des Rechts
auf geistiges Eigentum - TRIPs),
Regeln für den Handel mit Dienstleistungen,
weniger Beschränkungen für US-Investoren, im
Ausland zu operieren (Verhandlungsgruppe über
handelsbezogene Investitionsmaßnahmen TRIMs),
eine grundlegende Reform des Handels mit
Agrarerzeugnissen, die zu fairerem Wettbewerb
und offeneren Märkten führt und
volle Beteiligung der Entwicklungsländer am
Welthandelssystem.
Von den hier beschriebenen Verhandlungsbereichen
werden drei - Dienstleistungen, TRIMs und TRIPs - als
"neue Themen" bezeichnet. Darüber hinaus ist diese
Runde die erste, die Verhandlungen über eine weitreichende Liberalisierung des Agrarhandels umfaßt. Wir
haben Bestrebungen zur Einbeziehung dieser vier
Bereiche in die Tagesordnung der Uruguay-Runde voll
und ganz unterstützt. Ihre Bedeutung für die Weltwirtschaft ist unbestreitbar. 1989 wurde geschätzt, daß
allein diese vier Bereiche mehr als ein Drittel des
gesamten Welthandels oder über 1,5 Billionen Dollar
ausmachten.

Seite 1

�Wie sieht der Zeitplan für den Abschluß der Runde en und den Welthandel anzukurbeln. Dennoch muß
dieser Motor mit dem politischen Willen aller Teilnehaus?
mer betrieben werden. Die Vereinigten Staaten tun
Seit Wiederaufnahme der Verhandlungen im Februar alles in ihrer Macht Stehende, um zu gewährleisten,
1991 nach ihrer Unterbrechung beim Brüsseler Mini- daß die Uruguay-Runde in ein umfassendes und
stertreffen haben sich die Teilnehmer auf die Lösung substantielles Paket von Abkommen mündet. Jetzt ist
so vieler technischer Fragen wie möglich konzentriert es an unseren Verhandlungspartnern, dasselbe Maß
und damit die schwierigste der politischen Fragen auf an Zielstrebigkeit zu beweisen.
den Herbst dieses Jahres verschoben, wo sie von den
Unterhändlern geprüft werden soll. In jüngster Zeit hat Im folgenden werden kurze Abrisse der Entwicklungen
der Generaldirektor des GATT, Arthur Dunkel, gefor- in jeder Verhandlungsgruppe seit Wiederaufnahme
dert, die Verhandlungen sollten beschleunigt werden der Verhandlungen im Februar dieses Jahres dargeund die Teilnehmer dürften nicht länger Unterschei- legt. Ferner werden Probleme beschrieben, die in
dungen zwischen "technischen" und 'politischen" Fragen jedem Bereich noch gelöst werden müssen. Darüber
machen. Er erklärte, bei der Runde sei das Stadium hinaus legen wir einen Bericht über ein jüngstes Seminar
gekommen, da eine Entscheidung ("Dealmaking") des Handelsministeriums und des Büros der USgetroffen werden müsse, und die Teilnehmer sollten Handelsbeauftragten vor, um Vertreter der Bundesbereit sein, "hart zu verhandeln und die Verknüpfun- staaten und Kommunen über potentielle Entwicklungen zu informieren, die für sie bei den Verhandlungen
gen zwischen den Problemen positiv zu nutzen".
über staatliche Beschaffung und Dienstleistungen reDie Vereinigten Staaten sind bereit, bei der Fortset- levant sind.
zung der Verhandlungen in diesem Monat auf schnelle
Fortschritte hinzuarbeiten. Beim jüngsten Weltwirt- Marktzugang
schaftsgipfel in London hat Präsident Bush gemeinsam mit anderen Staats- und Regierungschefs sein Diese Kategorie umfaßt die Verhandlungen über tariEngagement für einen substantiellen und umfassen- färe und nichttarifäre Maßnahmen und - für die Entden Abschluß der Uruguay-Runde bekräftigt und vor- wicklungsländer - Textilien und Landwirtschaft. Die
geschlagen, alle Mitglieder des GATT sollten sich den Verhandlungsgruppen über tropische und RohstoffAbschluß der Runde im Jahr 1991 zum Ziel setzen. produkte sind Teil dieser Verhandlungen.
Dennoch sind die Vereinigten Staaten realistisch über
den Arbeitsumfang, bevor das letzte Paket von Verein- Im Frühjahr und Sommer wurden die Verhandlungen
barungen zur Uruguay-Runde Gestalt annehmen kann, über Marktzugang vor allem in einer Reihe von bilateinsbesondere in wichtigen Verhandlungsbereichen wie ralen und plurilateralen Treffen der Teilnehmer geführt. Darüber hinaus fanden multilaterale Treffen zur
Landwirtschaft.
Überprüfung bilateraler und plurilateraler Fortschritte
statt.
Die Vereinigten Staten konzentrieren sich nach
Landwirtschaft wird auch als Dreh- und Angelpunkt
wie
vor
auf Vorschläge zum Abbau von Zöllen auf der
der Runde bezeichnet. Die Zustimmung der IndustrieBasis
der
Gegenseitigkeit ("Zero/Zero") in 10 Sektoländer, Landwirtschaft zu verhandeln, war einer der
ren:
Fischereiwesen,
Baumaterial, medizinische Hilfswichtigsten Faktoren, um die Entwicklungsländer an
güter,
Elektronik,
nichteisenhaltige
Metalle, Holz, Papier,
den Verhandlungstisch zu bringen und bestimmt ihre
Stahl,
Arzneimittel
und
Bier.
Die
meisten wichtigen
Unterstützung für mehrere Elemente im industriellen
Teilnehmer
haben
sich
bereits
verpflichtet,
ihre Zölle
Paket. Die Vereinigten Staaten haben sich uneingeauf
Arzneimittel
und
Stahl
auf
Null
zu
senken.
Denschränkt für die Verhandlungen über Landwirtschaft
noch
hat
die
Europäische
Gemeinschaft
die
meisten
engagiert. Dennoch ist nicht klar, ob sich einige
unserer Handelspartner, insbesondere die Europä- anderen Sektoren noch nicht unterstützt, und Japan ist
ische Gemeinschaft, bei der Runde ernsthaft für die nicht zu Verhandlungen über Fischereiwesen und Holz
Verhandlungen über grundlegende Reformen in der bereit.
Landwirtschaft einsetzen.

Bei den bilateralen Verhandlungen engagieren sich die
Vereinigten
Staaten in technischen Diskussionen mit
Verständlicherweise sind die Vereinigten Staaten ebenso
über
30
Handelspartnern,
um substantiellen Verhandwie andere Verhandlungsteilnehmer nicht bereit, bei
lungen
im
Herbst
den
Weg
zu bereiten. Dennoch wird
dem Abkommen Inhalte zugunsten von Geschwindigder
Erfolg
ebenso
wie
bei
den
"Zero/Zero"-Vorschläkeit zu opfern. Unserer Meinung nach wird ein neuer
gen
in
den
meisten
unserer
bilateralen
Verhandlungen
Termin festgesetzt, sobald es in allen Berichen ernstvon
Fortschritten
bei
Verhandlungen
mit
unseren größhafte Verhandlungen gibt, einschließlich Landwirtschaft,
ten
Handelspartnern
abhängen:
der
Europäischen
Dienstleistungen und Marktzugang. Diese Bereiche
waren Gegenstand umfangreicher Arbeit auf techni- Gemeinschaft und Japan. Im Sommer haben die
Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinscher Ebene in Genf.
schaft Forderungslisten und erste Reaktionen auf diese
Präsident Bush hat erklärt, die Uruguay-Runde könne Interessen ausgetauscht. Dieser Austausch wird den
als Motor fungieren, um Handelsschranken abzubau- Grundstein für Fortschritte im Herbst legen. Im HinSeite 2

AMERIKA DIENST 40

�blick auf Japan drängen die Vereinigten Staaten weiterhin auf Zollsenkungen unter die gegenwärtig in
Japan geltende Sätze sowie auf erhebliche Senkungen der Zölle auf verarbeitete Agrarerzeugnisse. Im
Fall der Entwicklungsländer müssen bestimmte Probleme bei den Agrarverhandlungen gelöst werden,
bevor größere Fortschritte beim Marktzugang erzielt
werden können. Bei den nichttarifären Maßnahmen
drängen die Vereinigten Staaten weiterhin auf begrenzte Verpflichtungen zur Liberalisierung bestimmter
länderspezifischer Maßnahmen.
Textilien
Im Sommer ist die Arbeit in der Verhandlungsgruppe
Textilien zur Definition der Produkte in einem Abkommen über Textilien und Bekleidung fortgeführt worden.
Mögliche Methoden der Beurteilung einer Liberalisierung von Quoten und ein US-Vorschlag für die Durchsetzung von Quoten (Nichtumgehung) wurden ebenfalls erörtert. Der vom Vorsitzenden der Gruppe
vorbereitete Text, der auch beim Brüsseler Ministertreffen im Dezember vergangenen Jahres als Diskussionsbasis diente, bleibt Ausgangspunkt künftiger
Verhandlungen.
Die wichtigste Entwicklung bei Textilien in den letzten
Wochen war die ohne Revision erfolgte Verlängerung
des Multifaserabkommens (MFA). Das Abkommen,
das am 31. Juli 1991 auslaufen sollte, wurde bis Ende
1992 um 17 Monate verlängert. Die Verlängerung war
notwendig, um Berechenbarkeit und Stabilität im Textilund Bekleidungshandel zu gewährleisten, bis die
Endergebnisse der Uruguay-Runde durchgeführt werden
können.
Landwirtschaft
Seit Wiederaufnahme der Konsultationen über Landwirtschaft im März in Genf sind technische Fortschritte
erzielt und wichtige Themen in jedem der drei Schlüsselbereiche neu definiert worden - Unterstützung im
Inland, Exportsubventionen und Marktzugang. Dennoch gibt es immer noch technische Probleme in
jedem Bereich, und über den Grad und den Zeitrahmen von Verpflichtungen zur Reduzierung sind keine
Vereinbarungen getroffen worden.
Im Hinblick auf die Unterstützung im Inland sind generell Fortschritte über die Definition einer Reihe von
Maßnahmen erzielt worden, die von den Verpflichtungen zur Reduzierung ausgenommen werden sollen.
Differenzen bestehen weiterhin über die Definition des
Instruments für Verpflichtungen zur Reduzierung "inländischer Unterstützung". Beim Marktzugang gab es
Fortschritte bei der Methode zur Umwandlung nichttarifärer Maßnahmen (non-tarif measures - NTMs) in
Zölle, eine Politik, die von den Vereinigten Staaten
befürwortet wird. Dennoch haben nicht alle Teilnehmerzugestimmt, ihre NTMs in Zölle umzuwandeln. Im
Bereich Exportsubventionen gab es Fortschritte bei

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der Identifizierung von Maßnahmen, die in ein Abkommen umgesetzt werden sollen. Differenzen über die
Definition bleiben bestehen, und eine Übereinstimmung, wie diese Programme zu reduzieren sind, muß
noch erzielt werden.
Die nächsten Konsultationen über Landwirtschaft sind
für Mitte September geplant. Die Teilnehmer müssen
die Instrumente definieren, mit denen in den drei
ungelösten Schlüsselbereichen die Unterstützung in
der Landwirtschaft bewertet und reduziert werden
kann. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, werden
Fortschritte bei den Verhandlungen über Landwirtschaft von der Bereitschaft der Europäischen Gemeinschaft abhängen, in allen Bereichen ernsthaft zu verhandeln.
GATT-Institutionen
Die Verhandlungsgruppe Institutionen hat die früheren
Verhandlungsgruppen überdie Beilegung von Streitigkeiten und die Funktionsweise des GATT-Systems
(FOGS) abgelöst. Diese Gruppe wird auch die Verantwortung für den Entwurf der die Ergebnisse der Runde
umfassenden letztlichen Instrumente tragen. Sie kann
möglicherweise auch eine neue Organisationsstruktur
entwerfen, die nach der Runde ausgearbeitet werden
soll.
Die Funktionsweise des GATT (FOGS). Ein wichtiges Ziel bei den Verhandlungen über FOGS besteht
darin, die Position des GATT zu verbessern und GATTPrinzipien bei der Entwicklung einer Welthandelspolitik durch alle GATT-Mitglieder zu stärken. Infolge des
bei der Zwischenbilanz der Runde erzielten Abkommens haben die Teilnehmer einen Überprüfungsmechanismus für eine substantielle neue Handelspolitik
vereinbart, mit dem das GATT die Handelspolitik einzelner Länder überwachen kann. Darüber hinaus
wurde vereinbart, durch eine stärkere Beteiligung der
Minister an den GATT-Aktivitäten die institutionelle
Effektivität zu verbessern. Ferner will man den Beitrag
zur Weltwirtschaftspolitik steigern, auch durch engere
Verbindungen zwischen dem GATT und den internationalen Finanzinstitutionen.
Bei GATT-Konsultationen über FOGS haben sich die
Teilnehmer geeinigt, Gespräche über die Schlußakte
(mit der die bei der Runde ausgehandelten Vereinbarungen in das GATT aufgenommen werden) zu verschieben. Das Problem der Einheitlichkeit (Handel,
Geldpolitik und Haushalt) in der Wirtschaftspolitik wird
ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt aufgegriffen.
Beilegung von Streitfällen. Als Ergebnis der Zwischenbilanz der Uruguay-Runde wurden am 1. Mai
1989 wichtige Interimzusätze zum Prozeß der Beilegung von Streitfällen verabschiedet, die bis zum Abschluß der Runde gelten sollen. Dann wird eine
Entscheidung fallen, ob sie permanent verabschiedet
werden sollen. Diese Zusätze korrigieren viele verfah-

Seite 3

�renstechnische Schwachstellen im Prozeß der Beilegung von Streitfällen, beseitigen Möglichkeiten zur
Verzögerung der Einrichtung eines Ausschusses oder
der Verfahren nach dessen Gründung.

Dennoch scheinen die weniger entwickelten Länder
das Thema der Zahlungsbilanzreform eher als politisches Anliegen denn als kritisches Element des Verhandlungspakets der Uruguay-Runde anzusehen.

Trotz dieser Verbesserungen wird der Prozeß zur
Beilegung von Streitfällen immer nuch von der Möglichkeitderunterliegenden Partei behindert, die Verabschiedung von Ausschußberichten durch das Fehlen
effektiver Verfahren zu blockieren, mit denen sichergestellt werden soll, daß die Ausschußergebnisse
unverzüglich durchgeführt werden sowie die Fähigkeit
der Verliererpartei, die Forderung der Gewinner zu
blockieren, sich bei Nichteinhaltung zu rächen. Die
Vereinigten Staaten streben darüber hinaus eine Vereinbarung über enge Zeitrahmen für den Prozeß der
Beilegung von Streitigkeiten an, die im Einklang mit
dem in Paragraph 301 des erweiterten Handelsgesetzes von 1974 erlaubten Zeitrahmen stehen. Diese und
andere Probleme werden von den Unterhändlern für
die Beilegung von Streitfällen aufgegriffen, wenn die
Gruppe Ende September wieder zusammentritt.

Die Vereinigten Staaten führten die jüngsten Entwicklungen bei Artikel XVIII b als Beweis dafür an, daß sich
bei der Zahlungsbilanzreform Chancen abzeichnen.
Die Vereinigten Staaten stellten fest, daß eine Reihe
von Ländern bei der Bewältigung der Zahlungsbilanzprobleme bereit ist, einen neuen Kurs einzuschlagen - einen politischen Kurs, der Liberalisierung des
Handels und wirtschaftliche Effizienz betont. (Brasilien, Argentinien und Peru haben kürzlich die Anwendung
des Zahlungsbilanzausgleichs aufgehoben, mit dem
handelsverzerrendende Praktiken gerechtfertigt wurden).

Bei den jüngsten Diskussionen über die Reform der
Zahlungsbilanz zeigten die Vertreter der Entwicklungsländer, die sich bisher der Verhandlung dieses Themas vehement widersetzt hatten, größere Flexibilität.

ausstehende Thema, das bei dem angestrebten neuen Subventionsabkommen gelöst werden muß. Es
gibt jedoch noch andere Probleme, die ebenfalls angesprochen werden müssen bevor die Verhandlungen

Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen. Die
Vereinigten Staaten waren einer der vehementesten
Verfechter der Stärkung des GATT-Abkommens über
Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen. Enttäuscht
vom begrenzten Erfolg des Subventionskodex der
Tokioter Runde zur Begrenzung von Subventionen
G ATT-Regeln und TRIMs
strebten die amerikanischen Unterhändler eine neue
Die Konsultativgruppe über GATT-Regeln umfaßt Subventionsvereinbarung an, die 1. multilaterale
Subventionen und Ausgleichsmaßnahmen, Import- Subventionsregeln und -disziplinen insbesondere bei
schutz, GATT-Artikel, Normen, Antidumping, Importli- "Binnensubventionen" klären und stärken, 2. den
zenzen, staatliche Beschaffung und Zollbewertung. Schlichtungsmechanismus vereinfachen, 3. EntwickFerner behandelt diese Konsultativgruppe zwei Pro- lungsländer in den Rahmen der Subventionsverpflichbleme im Zusammenhang mit multilateralen Verhand- tungen voll einbeziehen und 4. die Wirksamkeit natiolungen über Marktzugang, Inspektionen vor dem Trans- naler Hilfsmaßnahmen bei Ausgleichszöllen aufrechtport und Herkunftsbezeichnungen. Seit kurzem wer- erhalten würde. Obwohl diese Ziele von einigen andeden auch TRIMs von dieser Gruppe abgedeckt.
ren Ländern geteilt wurden (einige Ziele zwar mehr als
andere) waren viele unserer Handelspartner praktisch
Die Länder haben die Verhandlungstexte ad referen- ausschließlich an Verhandlungsregeln interessiert, die
dum akzeptiert (die Unterhändler haben einen Text bestimmte Subventionen gegen Ausgleichszölle oder
vereinbart, der vor dem endgültigen Abschluß der GATT-Maßnahmen immunisieren würden.
Uruguay-Runde nicht erneut verhandelt wird) für Inspektionen vordem Transport, Herkunftsbezeichnun- Dieses breite Interessenspektrum spiegelt sich in dem
gen, Importlizenzen, Zollbewertungen und staatliche zum Ministertreffen in Brüssel weitergeleiteten VerBeschaffung (Zulassung weiterer Länder) sowie GATT- handlungstext wider, obwohl er insgesamt nur von
Artikel (über staatlichen Handel, Neuverhandlung von sehr wenigen Ländern verabschiedet und von den
Zollkonzessionen und die Festschreibung anderer Zölle wichtigsten Verhandlungspartnern als unausgewogen
und Abgaben im Zollsystem). Weiterhin gibt es folgen- bezeichnet wurde. Anhand des beim Ministertreffen in
de Entwicklungen:
Montreal im Dezember 1988 vereinbarten "Ampelprinzips" definiert er drei Kategorien von Subventionen:
GATT-Artikel. Das wichtigste von dieser Verhanverbotene Subventionen, zulässige aber einklagbare
dlungsgruppe erörterte Thema ist die Reform der ZahSubventionen sowie zulässige, nicht einklagbare
lungsbilanz-Bestimmungen des GATT. Die VereSubventionen. Beim Brüsseler Ministertreffen warder
inigten Staaten streben eine Änderung der ZahlungbiHauptstreitpunkt ein angemessenes "Gleichgewicht"
lanz-Bestimmungen an, so daß andere Länder (insbezwischen entweder formal oder tatsächlich verbotesondere die weniger entwickelten) präzisere, konnen und nicht einklagbaren Subventionen, unabhänstruktivere Regeln zu Verfügung haben u nd sich für die
gig davon, ob die nicht einklagbaren Subventionen
am wenigsten handelsverzerrenden Maßnahmen entgegenteilige Wirkung auf den Handel hätten.
scheiden können, wenn sie die Anwendung dieser Verfügungen in Zukunft für notwendig erachten.
Diese Frage des "Gleichgewichts" ist das wichtigste

Seite 4

AMERIKA DIENST 40

�erfolgreich abgeschlossen werden können. Diese
Themen beziehen sich auf eher technische Fragen,
etwa wie bestimmte Subventionen ausgemacht und
bewertet oder wie Entwicklungsländer und Länder "im
Übergang zu Marktwirtschaften" behandelt werden.
Obwohl seit dem vergangenen Winter nicht sehr viel
mehr als organisatorische Aktivitäten und Bestandsaufnahmen stattgefunden haben, werden die Unterhändler erwartungsgemäß diese substantielleren
Themen im Laufe dieses Monats erneut behandeln.
Antidumping. Der aktuelle GATT-Kodex zu Antidumpingpraktiken wurde während der Tokioter Runde
ausgehandelt, und die Vereinigten Staaten waren in
den vergangenen zehn Jahren mit seiner Anwendung
im großen und ganzen zufrieden. Daher sind wir nicht
für eine radikale Überarbeitung dieser Vereinbarung
obwohl die amerikanischen Unterhändler bestimmte
Bereiche ausgemacht haben, in denen Verbesserungen der Regeln wünschenswert wären. Die Vereinigten Staaten haben insbesondere die Verhandlung von
Regeln befürwortet, die größere Transparenz und
Verfahrensschutz für die Antidumpingsysteme aller
Länder gewährleisten würden sowie Regeln zur Bewältigung des Problems der Umgehung von Antidumpingmaßnahmen. Eine Reihe anderer Länder würde
statt dessen die erneute Aushandlung der Grundlagen
des Kodex bevorzugen, mit der präzise und detaillierte
Regeln zur Abschaffung praktisch der gesamten
administrativen Befugnis der Prüfungsbehördern aufgestellt würden. Obwohl wir nicht gegen größere
Klarheit bei einzelnen Bestimmungen des Kodex sind,
lehnen wir Bestrebungen zur Abschaffung der herkömmlichen Antidumpingmethoden und zur Schwächung von Maßnahmen gegen Antidumping ab.
Infolge dieser tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten konnten sich die Unterhändler nicht auf einen
einzigen Text - nicht einmal als Verhandlungsgrundlage - einigen. Dennoch besteht im großen und ganzen
Konsens zwischen den Teilnehmern bezüglich der
verfügbaren Optionen zur Behandlung der ausstehenden Themen falls ein Abkommen über das wahre
Ausmaß und die Art des neuen Kodex erzielt wird.
Bisher ist noch unklar, ob die Befürworter radikaler
Veränderungen jetzt bereit sind, ein bescheideneres
Paket zu akzeptieren, das für alle betroffenen Länder
annehmbar wäre.
Staatlicher Beschaffungskodex. Die Unterzeichner
des GATT-Beschaffungskodex arbeiten an der Erweiterung der Regeln und Verfahren des Kodex auf vom
Staat betriebene Einrichtungen, Beschaffung von
Dienstleistungen sowie nachgeordnete Regierungsstellen. Zur Zeit werden die Bestimmungen des Kodex, mit denen die nicht differenzierende Vergabe von
Regierungsverträgen gewährleistet wird, nur auf die
Beschaffung für Waren im Wert von über 172.000

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Dollar durch bestimmte Regierungsinstitutionen angewendet. Die Unterhändler hoffen, auch die Regeln und
Verfahrensweisen zu verbessern, die auf die gesamte
Beschaffung zutreffen, einschließlich der Einrichtung
eines nationalen Systems, um Einspruch gegen Ausschreibungen zu erheben, mit dem Beschwerden gegen
bestimmte Beschaffungen unverzüglich und wirksam
ausgeräumt und die Einschränkungen für vom Kodex
abgedeckte Beschaffungen gelockert werden.
Ein Hauptstreitpunkt bei den Verhandlungen bezieht
sich auf den Kodex für Anlagen, insbesondere Telekommunikationsnetze. Die amerikanischen Hersteller
warten sehr gespannt auf die Öffnung der EG-Märkte
für staatliche Elektrizitäts- und Telekommunikationsanlagen, die bisher "nationale Vorreiter" bei ihren
Entscheidungen über Beschaffungen bevorzugt haben.
Normenkodex. Am 18. Oktober 1990 wurde ein
Textentwurf vereinbart, der das Abkommen der Tokioter Runde über technische Handelshemmnisse (den
"Normenkodex") überarbeitet. Dieser Textentwurf
beinhaltet einige wichtige amerikanische Zielsetzungen, einschließlich erweiterter Disziplinen für Konformitäts-Beurteilungsverfahren, Abdeckung von Verarbeitungs- und Produktionsmethoden, Abdeckung nichtstaatlicher regionaler Normenentwicklung sowie verbesserte Transparenz. Seit der Wiederaufnahme der
Verhandlungen im Februar haben die Vereinigten
Staaten mehrere ausstehende Themen mit den wichtigsten Delegationen bei einer Reihe bilateraler und
multilateraler Treffen erörtert, unter anderem: die
Verpflichtung der Bundesregierung, die Einhaltung
von Bestimmungen des Kodex durch die Bundesstaaten und Kommunen sowie des Vorschriftenkodex bei
der Entwicklung freiwilliger Normen sicherzustellen.
TRIMs. Bei ihren Bestrebungen, die staatliche Anwendung handelsbezogener Investitionsmaßnahmen
in die GATT-Disziplin einzubeziehen, stoßen die Vereinigten Staaten weiterhin auf den Widerstand der
Entwicklungsländer gegen eine Disziplin für TRIMs
und insbesondere auf die Ablehnung des Verbots
solcher Maßnahmen durch die Entwicklungsländer.
Hardlinerunterden Entwicklungsländern verhinderten
die Vorlage eines Texts des Vorsitzenden beim Ministertreffen in Brüssel, der das Verbot enthielt. Obwohl
die TRIMs-Gruppe im Augenblick keinen Text vorliegen hat, sind die TRIM-Unterhändler in diesem Frühjahr und Sommer mehrfach zur Erörterung der Tagesordnung zusammengekommen. Das Treffen im Juli
bewirkte keine offizielle Änderung in der Position der
Länder, brachte jedoch eine Erklärung zum uneingeschränkten Engagement fürdas von der Europäischen
Gemeinschaft vorgelegte Thema hervor. Die TRIMsGruppe wird in diesem Monat erneut zusammentreffen.

Seite 5

�TRIPs
Die TRIPs-Unterhändler befassen sich mit den unangemessenen internationalen Normen für den Schutz
von solchen Eigentumsrechten wie Patenten, Warenzeichen, Urheberrechten, Handelsgeheimnissen, Design
von Halbleiterchips sowie der Verwirklichung dieser
Normen. Die Unterhändler streben ferner die Erarbeitung eines wirksamen Schlichtungsmechanismus bei
Meinungsverschiedenheiten an, mit dem Probleme
beim Recht an geistigem Eigentum angesprochen
werden sollen, da derzeit kein effektiver, international
anwendbarer Mechanismus existiert. Bis heute haben
die Verhandlungen einen Text hervorgebracht, der
mehrere Optionen zu ausstehenden Fragen enthält.

laysia bis zu entwickelten Märkten wie Japan und der
Europäischen Gemeinschaft. Diese Angebote unterscheiden sich im Umfang. Amerikanische Regierungsvertreter haben bilaterale Konsultationen mit rund
40 Ländern geführt, um die Vorlage von Angeboten zu
ermutigen, die bereits unterbreiteten zu klären und auf
den Abbau von Handelshemmnissen zu drängen.
Die Vereinigten Staaten haben ihr erstes Angebot im
November 1990 vorgelegt. Die amerikanische Regierung überarbeitet dieses Angebot derzeit zur Vorlage
im Herbst dieses Jahres.

Im Juni 1990 haben die Vereinigten Staaten andere
Länder über rund 28 spezifische Hemmnisse informiert, die den Export amerikanischer Dienstleistungen
behindern.
Die Vereinigten Staaten sind zur Zeit mit
Seit Wiederaufnahme der Uruguay-Runde in diesem
einer
Überprüfung
dieser Liste von HandelshemmnisFrühjahr haben zwei Treffen der TRIPs-Verhandlungssen
befaßt.
Diese
überarbeitete
Liste sollte um den 20.
gruppe stattgefunden. Alle Teilnehmer stimmten überein,
September
vorgelegt
werden,
ein
Termin, auf den wir
daß die TRIPs-Gruppe bei technischen Fragen so
uns
mit
unseren
Handelspartnern
für die Vorlage von
große Fortschritte wie derzeit möglich gemacht hat.
Anträgen
zum
Abbau
von
Handelshemmnissen
für
Die Teilnehmer der TRIPs-Gruppe waren sich einig,
Dienstleistungen
auf
den
jeweiligen
Märkten
verständaß die wichtigsten Probleme nicht gelöst werden
können, bis die Verhandlungen in anderen Bereichen digt hatten. Amerikanische Regierungsvertreter er- insbesondere Landwirtschaft - weiter vorankommen. warten die Aufnahme noch intensiverer bilateraler
Verhandlungen nach Erhalt dieser Anträge im Hinblick
Die TRIPs-Gruppe konnte nach wie vor bei mehreren auf den Austausch von Konzessionen, um Hemmniswichtigen Themen keine Einigung erzielen, beispiels- se für bestimmte Sektoren anzusprechen.
weise, ob die Patentnormen alle Technologien - so
etwa Arzneimittel - schützen und welche Disziplinen Auch beim Text für ein Dienstleistungs-Rahmenabfür die obligatorische Patentlizenzvergabe angewandt kommen wurden Fortschritte erzielt. Bei mehreren
werden, ob Aufzeichnungsrechte (die Rechte von Themen zeichnet sich ein Konsens ab, wie etwa bei
Herstellern von Tonaufzeichnungen, Sendern und der Auslegung des Prinzips der "nationalen BehandDarstellern) von dem Abkommen und die Art der lung", den Verfahren zur Abdeckung bestimmter SekBestimmungen bei der Bezeichnung des Herkunfts- toren sowie einigen Teilen getrennter Anhänge, die
landes (Behandlung geographischer Bezeichnungen) sich mit Mobilität der Arbeitskräfte und finanziellen
abgedeckt werden. Diese Themen werden jedoch von Dienstleistungen befassen.
der TRIPs-Gruppe als politischer Natur angesehen
und müssen oberhalb der Verhandlungsebene gelöst Im Herbst werden die Unterhändler versuchen, die
werden. Das nächste Treffen der TRIPs-Verhand- verbleibenden Differenzen bei bestimmten Rahmenverfügungen einzugrenzen, die nicht verabschiedet
lungsgruppe war für Mitte September anberaumt.
werden konnten. Dazu zählen Fragen wie etwa, ob der
Ausschluß vom Meistbegünstigungsstatus zeitlich
Dienstleistungen
begrenzt werden kann, die Wirksamkeit von ZahlungsNach der Wiederaufnahme der Gespräche im Februar bilanz-Schutzmaßnahmen, Verpflichtungen im Zusamdieses Jahres unterstrich die Verhandlungsgruppe menhang mit Technologietransfer sowie der internaDienstleistungen die Notwendigkeit zur Liberalisierung tionale Zahlungsverkehr.
bestimmter ausländischer Handelshemmnisse als
grundlegendes Element zur Erlangung eines Dienst- Seminar über Beschaffung und Dienstleistungen
leistungs-Abkommens. Ein wesentliches Ziel der für die US-Unterhändler
Vereinigten Staaten bestand darin, die Länder zu
drängen, ein "Angebot" der Sektoren zu unterbreiten, Ende Juli nahmen Regierungsvertreter aus den Bundie sie in dem vorgesehenen Dienstleistungs-Rahmen- desstaaten und Gemeinden an einem vom Handelsmiabkommen abdecken werden. Die Vereinigten Staaten nisterium und der US-Handelsbeauftragten (USTR)
streben die Abdeckung in kommerziell entscheiden- veranstalteten Seminar in Washington, D.C., über
den Bereichen wie Finanz- und Versicherungswesen, staatliche Beschaffung und Dienstleistungen teil - zwei
freiberufliche Dienstleistungen, Telekommunikation, Bereiche, die in der Uruguay-Runde verhandelt werden und direkten Einfluß auf die Regierungen der
audio-visuelle und gewerbliche Dienstleistungen an.
Bundesstaaten und Gemeinden haben. Dieses SemiBis heute wurden Angebote von 35 Ländern vorgelegt, nar bot den amerikanischen Unterhändlern Gelegenvon weniger entwickelten Ländern wie Chile und Ma- heit, die Vertreter der Bundesstaaten und Gemeinden

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AMERIKA DIENST 40

�über den Stand der Verhandlungen zu informieren. in, mit dem Angebot der Europäischen Gemeinschaft
Auch die amerikanischen Unterhändler profitierten enorm gleichzuziehen, alle regionalen Beschaffungsbehörvon den Informationen der Teilnehmer.
den einzubeziehen.
Im Hinblick auf Dienstleistungen haben die Vereinigten
Staaten die Regierungen der Bundesstaaten und
Gemeinden gebeten, ihnen bei der Vorlage des überarbeiteten Angebots behilflich zu sein. Das Washingtoner Seminar wurde abgehalten, um den Bundesstaaten eine Chance zu geben, die amerikanische
Handelsdelegation über Bestimmungen der Bundesstaaten zu Dienstleistungen für das überarbeitete
Angebot zu beraten. Die amerikanischen Unterhändler rechnen mit einer umfassenden Antwort auf diese
Fragen, um sicherzustellen, daß sich die Interessen
der Bundesstaaten genau in der amerikanischen Verhandlungsposition niederschlagen.

Bei dem Washingtoner Seminar wurden die Vertreter
aus den Bundesstaaten und Gemeinden über den
Stand der Genfer Verhandlungen und die Vorteile
unterrichtet, die sich für die Bundesstaaten und
Gemeinden ergeben werden, wenn sie der Anwendung
des Kodex zustimmen. Mehrere prominente amerikanische Geschäftsleute - etwa von General Electric
und AT&amp;T - unterstützten die amerikanischen Unterhändler bei der Befürwortung der Anwendung des
Kodex. Gouverneur Tommy Thompson aus Wisconsin kündigte seine Absicht an, die Anwendung des
Kodex auf die Beschaffungspraktiken in seinem Bundesstaat zu betreiben.

Im Hinblick auf staatliche Beschaffungen beabsichtigen die amerikanischen Unterhändler, die staatlichen
und lokalen staatlichen Beschaffungsstellen einzubeziehen, die sich freiwillig dazu bereiterklärt haben. Die
Vereinigten Staaten haben die staatlichen und lokalen
Regierungen gebeten, den Kodex entsprechend dem
Geltungsbereich des Kodex für die amerikanische
Bundesregierung auf ihre Beschaffungsverträge anzuwenden. Die amerikanische Strategie besteht dar-

Bei der knapp einen Monat später anberaumten Jahresversammlung der National Govemor's Association
gaben die amerikanischen Gouverneure ihre Übereinstimmung bekannt, auf die Anwendung des Kodex in
allen Staaten hinzuarbeiten. Sie stellten fest, daß
verbesserter Zugang zu europäischen Märkten ebenso wie die Möglichkeit zur Senkung ihrer Haushaltstitel
die Abschaffung zuwiderlaufender Gesetze - "Buy
America" und "Buy State" - zugunsten offener Märkte
im Ausland rechtfertigen.

*

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�KSZE
9. Oktober 1991

USA MIT MOSKAUER KSZE-TREFFEN
ÄUSSERST ZUFRIEDEN
Eine Erklärung des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Das Außenministerium erklärte am 4. Oktober 1991, die Vereinigten Staaten seien
"äußerst zufrieden" mit den Ergebnissen der Moskauer KSZE-Konferenz über die Menschliche Dimension und
die "kooperative Atmosphäre, in der sie stattgefunden hat".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Stellvertretenden Sprechers Richard Boucher.

Das am 10. September 1991 begonnene Moskauer
Treffen der KSZE-Konferenz über die Menschliche
Dimension wurde am Freitag nachmittag, den 4. Oktober 1991 beendet. Wir sind äußerst zufrieden mit den
Ergebnissen der Zusammenkunft und der kooperativen Atmosphäre, in der sie stattgefunden hat.
Das Moskauer Treffen ist ein weiterer Schritt zur
Bereicherung des KSZE-Prozesses, ein Ziel, das
Au ßenminister Baker in seiner diesjährigen Rede beim
Aspen-Insitut in Berlin gesteckt hat. Der Aufruf des
Außenministers, dem Mechanismus der menschlichen
Dimension Delegationen als fünften Schritt hinzuzufügen, ist durch die Einführung eines Verfahrens der
"guten Dienste" erfüllt worden, mit dem die Lösung von
Menschenrechtsproblemen erleichtert werden soll.
Der Leiter der US-Delegation, Botschafter Max Kampelman, seine Mitarbeiter und die Delegationen der
anderen Teilnehmerländer haben hart gearbeitet, um
ein Schlußdokument zu erarbeiten, das die ernsthafte
Verpflichtung der KSZE-Länder für die Achtung der
Menschenrechte widerspiegelt.

Zusätzlich zum Verfahren der "guten Dienste" stärkt
das Schlußdokument den KSZE-Mechanismus der
menschlichen Dimension, indem es das Engagement
der KSZE-Teilnehmer für eine große Bandbreite von
Menschen-, Bürger- und politischen Rechten fördert,
einschließlich der Rechte der Frauen auf Gleichberechtigung, Meinungsfreiheit und Förderung der Rolle
nichtstaatlicher Organisationen (NGOs).
Darüber hinaus erkennt das Schlußdokument zum
ersten Mal ausdrücklich an, daß besondere KSZEVerpflichtungen im weiten Feld der Menschenrechte
und Grundfreiheiten Probleme von legitimem internationalen Interesse und nicht ausschließlich den inneren Angelegenheiten eines Landes zuzurechnen sind.
Das Treffen, in dessen Rahmen die Baltenstaaten der
KSZE beitraten, unterstützte ferner die Erweiterung
des Büros für freie Wahlen, damit es in den Teilnehmerländern demokratische Institutionen stärken kann.
Dieser ursprünglich von Außenminister Baker in Berlin
unterbreitete Vorschlag wird bei den kommenden KSZETreffen erörtert werden, auch beim Expertentreffen
über Demokratische Institutionen, das vom 4. bis 15.
November in Oslo stattfindet.

* * * *

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�GOLFKRISE
9. Oktober 1991

KALTER KRIEG UND GOLFKRIEG DIE AUSWIRKUNGEN AUF DEN NAHEN OSTEN
von Richard Haass
Der Autor ist Sonderberater des Präsidenten und Leiter der Abteilung Naher Osten und Südasien im Nationalen Sicherheitsrat. Der nachfolgende Artikel "Das Ende des kalten Kriegs und des Golfkriegs: Konsequenzen
für den Nahen Osten und den Golf" ist einer kürzlich beim Washingtoner Institut für Nahostpolitik gehaltenen
Rede entnommen.

1991 war das Jahr der Beendigung zweier Kriege. Der
erste, bekannt als "kalter Krieg", aber auch als "friedliche Koexistenz" und "Entspannung", begann (abhängig von Ihrer Geschichtsschreibung) entweder vor 75
Jahren und endete (wiederum abhängig von Ihrer

Geschichtsschreibung) 1990 oder 1991. Der zweite
Konflikt, der Golfkrieg, begann am 2. August 1990 und
wurde mit der vernichtenden Niederlage des Irak und
der darauffolgenden Befreiung Kuwaits beendet.
Den Vereinigten Staaten war in diesen beiden äußerst
unterschiedlichen Konflikten aus ähnlichen gelagerten
Gründen Erfolg beschieden. Zum Teil, weil wir bei der
Wahl unserer Gegner Glück hatten. Die Sowjetunion
litt unter systemimmanenter Schwäche, war Opfer
ihrer politischen und wirtschaftlichen Ideologie. Der
Irak litt unter eher persönlichen Einbrüchen, in diesem
Fall Saddam Husseins ungezügeltem Ehrgeiz und
autokratischem Führungsstil.
Unsere Leistungen sprechen jedoch auch für unsere
Bestrebungen. Die Sowjetunion und Saddam Hussein
gleichermaßen hätten die Konsequenzen ihrer Fehler
verhindern oder zumindest verzögern können, wenn
sie nicht auf eine entschlossene und geschlossene
Opposition gestoßen wären. Ich meine die Stärke des
Westens und die diplomatische und militärische Führungsrolle der Vereinigten Staaten.
Die sich uns hier und jetzt stellende Frage ist die der
Konsequenz - oder besser Konsequenzen - dieser
beiden Hand in Hand gehenden Entwicklungen für die
Region. Unter "Region" verstehe ich das geographische Gebiet, das sich von Marrakesch nach Bangladesch erstreckt- Nordafrika, die Levante, den Golf und
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Südasien - aber insbesondere den Nahen Osten und
den Golf. Ich habe mich auf diese Unterregionen nicht
nur konzentriert, weil die südasiatischen Länder weitgehend mit ihren eigenen Belangen befaßt und die
nordafrikanischen geographisch getrennt sind sondern auch, weil Technologie, Politik und Bevölkerungsstruktur die Geschicke des Golfs und des Nahen
Ostens zunehmend verflechten.
Zunächst sollte man den Blick auf die Sowjetunion und
den Irak richten. Die Sowjetunion wird voraussichtlich
durch die internen Probleme politischer und wirtschaftlicher Reformen sowie das Verhältnis zwischen der
Zentralregierung und der Peripherie abgelenkt, wenn
nicht sogar vollständig absorbiert. Auch der Irak wird
sich weiterhin mit regionalen und ethnischen Herausforderungen konfrontiert sehen. Aber anders als die
Politiker der Sowjetunion, die auf maßgebliche politische und wirtschaftliche Unterstützung des Auslands
zählen können, sehen sich die derzeitigen Machthaber
im Irak einer Zukunft unnachgiebiger politischer Isolation und wirtschaftlicher Sanktionen inmitten einer
Gesellschaft gegenüber, die sich von der Zerstörung
des Kriegs zu erholen versucht.
Daher wird aus unterschiedlichen Gründen keines der
beiden Länder in der Lage sein, soviel Einfluß auf die
oder in der Region auszuüben wie zuvor. Im Falle der
Sowjetunion bin ich nicht sicher, ob dies wirklich gut ist.
Obwohl die Sowjets seit Jahrzehnten allzu oft durch
die Bewaffnung des einen oder anderen Satellitenstaats, einzelner Gruppierungen oder Vereitelung der
amerikanischen Diplomatie zu regionalen Spannungen beitrugen, hat die Sowjetunion in den vergangenen Jahren und Monaten eine zunehmend konstruktiSeite 1

�ve Rolle gespielt. Jeder, der dies bezweifelt, muß sich
nur eine vor dem Hintergrund politischer und militärischer Unterstützung der Sowjetunion für den Irak
abgewickelte Golfkrise oder einen Friedensprozeß
vorstellen, der in jeder Hinsicht mit Moskaus Machenschaften zu kämpfen gehabt hätte.
Eine geschmälerte sowjetische Rolle hat jedoch einen
negativen Aspekt. Selbst auf der Höhe des amerikanisch-sowjetischen geopolitischen Wettkampfs konnte man normalerweise darauf zählen, daß der Kreml
die Rivalität unter Vasallen nicht bis zu dem Punkt
ausarten lassen würde, an dem direkte amerikanischsowjetische Konfrontation möglich wurde. Es ist in der
Tat eine plausible Annahme, daß der irakische Aggressionskrieg gegen Kuwait zum Teil aufgrund der
irakischen Einschätzung geführt wurde, die Sowjetunion sei zu schwach und abgelenkt, um irgendetwas
anderes zu unternehmen als Zurückhaltung zu üben.
Dies ist die Art "internationaler Deregulierung", von der
ich vor fast 18 Monaten bei einer anderen Washingtoner Sitzung gesprochen habe, in dem Fall über die
möglichen Konsequenzen der Beendigung des kalten
Kriegs. Bedauerlicherweise ist dies eine der wenigen
von mir gemachten Vorhersagen, die sich erfüllt haben.
Im Falle Iraks besteht sehr viel weniger Grund, seine
entschieden beeinträchtigte Fähigkeit zu bedauern,
Einfluß auf das Schicksal der Golfregion und des
Nahen Ostens auszübern. Obwohl die irakische
Fähigkeit, militärische Gewalt einigermaßen wirksam
einzusetzen, nicht immer unwillkommen war - man
muß nur einige Jahre zurückdenken, als der Westen
Bagdad bei der Verteidigung gegen den Iran zur Seite
stand, zu der Zeit die gefährlichere regionale Möchtegern-Hegemonialmacht -, ist die relative Entmachtung
des von Saddam Hussein geführten Irak eine überwältigend positive Entwicklung. Alle Staaten der Region,
und alle Staaten, die ein Interesse an der Region
haben, können ihren Geschäften in dem Wissen nachgehen, daß der bis vor kurzem am wahrscheinlichsten
ihr Wohlergehen bedrohende regionale Akteur dazu
jetzt sehr viel weniger in der Lage ist.
Diese Veränderungen sind nicht notwendigerweise

von Dauer. Wir müssen abwarten, was sich aus der
bisherigen Sowjetunion ergibt. Mit der Zeit können
eine oder mehrere der Republiken oder ein wiedergeschaffenes Ganzes erneut zu einer wichtigen Kraft in
der Region werden, die die Dinge zum Guten oder
Schlechten wendet. Und der Irak - insbesondere ein
Irak unter einer anderen Führung - der dazu bereit ist,
in Frieden mit seinem eigenen Volk und seinen Nachbarn zu leben, kann sich aus der selbstverursachten
Isolierung befreien und wiederum eine zentrale Rolle
am Golf und im Nahen Osten spielen. Im Augenblick
sind jedoch die vom Ausland - vor allem den Vereinigten Staaten, aber auch der Europäischen Gemeinschaft und anderen - beeinflußten regionalen Staaten
der Schlüssel für die Zukunft dieser Region.
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Wenige Konflikte enden, wenn überhaupt, mit automatischen oder unvermeidbaren Konsequenzen. Der
kalte Krieg und der Golfkrieg bilden keine Ausnahme.
Das Ende jedes dieser beiden Kriege könnte im Rückblick als historischer Wendepunkt angesehen werden,
als Markierungslinie, die gefährlichen Wettkampf von
konstruktivem Einvernehmen trennt. Oder das Ende
eines der beiden Konflikte könnte nicht so sehr als
Wendepunkt oder sogar das Ende eines Krieges gesehen
werden, sondern einfach als Beendigung eines Kampfes, der wiederum den Weg für neue Auseinandersetzungen bereitet hat. Kurz gesagt, Kriege und ihre
Nachwirkungen bieten Chancen für Veränderungen Ordnung oder Unruhe können die Folge sein. Was im
aktuellen Kontext geschehen wird, hängt größtenteils
davon ab, wie gut wir und die Staaten in der Region die
vor uns liegenden Herausforderungen meistern. Ich
möchte daher die wichtigsten Herausforderungen im
Nahen Osten und am Persischen Golf sowie das
umreißen, was zu tun bleibt, wenn wir all das Geleistete in etwas Dauerhaftes und Nützliches umsetzen
wollen.
Erstens ist die Erkenntnis wichtig, daß der Irak weder
entwaffnet noch gewandelt ist. Er stellt nach wie vor
eine akute und potentielle Bedrohung für seine Nachbarn dar. Infolgedessen müssen wir den Druck auf den
Irak solange aufrechterhalten, wie er nicht alle entsprechenden Resolutionen des UN-Sicherheitsrats - insbesondere Resolution 687 - und alle Aspekte des
Waffenstillstands vollständig einhält und solange er
seiner derzeitigen Führung untersteht. Diplomatische
und wirtschafltiche Sanktionen können mit der Zeit
gleichermaßen die immer noch bestehende Fähigkeit
des Irak zur Kriegführung schwächen und das irakische Volk davon überzeugen, daß seine Zukunft nur
dann vielversprechend sein kann, wenn sich ein Führungswechsel vollzieht. Darüber hinaus vertreten wir
die Auffassung, daß eine neue, pluralistischere politische Ordnung für den Irak möglich ist. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind wir uns jedoch bewußt, daß Frieden in der Region und für das irakische Volk unmöglich
ist, solange Saddam Hussein an der Macht bleibt. Wir
sind nach wie vor der Ansicht, daß Saddam in nicht
wiedergutzumachender Weise diskreditiert ist. Infolgedessen bleiben alle möglichen Sanktionen solange
in Kraft bis er abgetreten ist. Die Iraker werden nicht
an den sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen
Vereinbarungen für die Region nach der Krise beteiligt,
bis ein Regimewechsel stattgefunden hat. Wenn dies
geschieht, sind wir bereit, die Sanktionen aufzuheben
und eine Lockerung der Reparationszahlungen in
Erwägung zu ziehen, während wir die Rückkehr des
Irak ins normale internationale Leben erleichtern.
Zweitens müssen wir weiterhin tragfähige Verteidigungsarrangements verwirklichen, die Abschreckung
leisten können und gegebenenfalls neue Bedrohungen der Stabilität am Golf verteidigen, obwohl die
irakische Niederlage die Notwendigkeit einer Containment-Strategie drastisch verringert. Die UNO-BeobAMERIKA DIENST 40

�achterdelegation befindet sich bereits an der irakischkuwaitischen Grenze. Die Konsultationen über eine
bescheidene arabische Friedesstreitmacht, die in Kuwait
stationiert würde, dauern an. Wir haben mit der
kuwaitischen Regierung ein Abkommen über Zugang
und einsatznahe Bereitstellung paraphiert. Es muß
jedoch noch mehr getan werden. Die Umrisse des von
uns Angestrebten zeichnen sich ab: erweiterte Marinepräsenz der Vereinigten Staaten, regelmäßigere
Übungen, Ausbildung und Planung der amerikanischen Eingreiftruppen, einsatznahe Bereitstellung von
Gerät, besserer Luft- und schneller Seetransport sowie
verbesserte Zusammenarbeit mit den Staaten in der
Region. Wir sind nicht an Stützpunkten oder der
permanenten Stationierung amerikanischer Landstreitkräfte in der Region interessiert. Wir beabsichtigen die
Entwicklung eines Ansatzes, der Sicherheitserfordernisse erfüllt ohne politischen Druck zu schaffen, der
eben die Stabilität bedrohen könnte, die wir fördern
wollen.
Der dritte Aspekt dessen, was wir am Golf leisten,
betrifft den Bereich der Rüstungskontrolle. Wir haben
soeben einen erschreckenden Eindruck von der
möglichen Zukunft einer Region gewonnen, in der
Kriege nicht auf Schlachtfelder, Soldaten und konventionelle Munition beschränkt sind. Es handelt sich
vielmehr um eine Zukunft, in der Städte zu Schlachtfeldern und Zivilisten zu Kämpfern werden, in der Massenvernichtungswaffen auf ballistischen Raketen die
bekannte, aber ebenso todbringende Welt von Infanterie und Panzern ergänzen. Wir können nicht einfach
die Hände in den Schoß legen und dieses Phänomen
beobachten. Wir müssen versuchen, es zu beseitigen
oder zumindest daran zu arbeiten.
Das tun wir. Wir haben eine umfassende Rüstungskontrollinitiative vorgeschlagen, die potentielle Lieferanten und Empfänger gleichermaßen einbezieht und
mit deren Hilfe die Verbreitung destabilisierender
konventioneller und nichtkonventioneller Waffen sowie deren Trägersysteme eingedämmt und möglicherweise zurückgeschraubt werden kann. Wir haben
Übereinstimmung zwischen den fünf führenden Exporteuren konventioneller Waffen in die Region sichergestellt, damit sie über Waffenlieferungen konsultieren
und Leitlinien erarbeiten, um in Zukunft destabilisierende Rüstungsexporte in die Region zu begrenzen.
Ferner besteht Grund zu Optimismus, daß wir die
Verbreitung von Technologie zur Verbesserung nichtkonventioneller Waffen eindämmen können. Gleichzeitig wünschen wir uns multilaterale Verhandlungen
über Rüstungskontrolle und regionale Sicherheit als
Teil des Friedensprozesses. Realistischerweise können Fortschritte in diesem Bereich erst nach politischer Versöhnung erfolgen - danach könnte die Chance für Fortschritte bei der Förderung vertrauensbildender Maßnahmen bestehen, wodurch die Möglichkeit
einer Fehleinschätzung oder eines versehentlichen
Krieges gemindert würde. Wir engagieren uns, um

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jeden möglichen Weg zu erforschen, der die Verbreitung ballistischer Raketen aufhalten oder noch besser
rückgängig machen könnte.
Viertens tun wir alles in unserer Macht Stehende, um
dem Friedensprozeß im Nahen Osten Auftrieb zu
verleihen. Unser Ziel ist die Einberufung einer Konferenz, die direkte Verhandlungen zwischen Israel, den
arabischen Ländern und den Palästinensern einleitet.
Dabei würde Israel zum ersten Mal seinen arabischen
Nachbarn gegenübersitzen. Die Prinzipien, von denen
sich unsere Bestrebungen leiten lassen, sind bereits
bekannt - wir streben einen umfassenden Frieden an,
auf der Basis der Resolutionen 242 und 338 des UNSicherheitsrats. Wir streben einen echten Frieden an,
der Israel einbezieht und ihm wirklich Sicherheit garantiert. Gleichzeitig bemühen wir uns um einen gerechten Frieden, der den Palästinensern ihre legitimen
politischen Rechte sichert und eine Lösung für die
Probleme bezüglich Land, Wasser und Sicherheit findet, die in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
dieses Landes eine zentrale Rolle spielen. Wir unternehmen diese Anstrengungen nicht mit einem Plan
oderder Fähigkeit des Friedensstifters sondern mit der
Entschlossenheit, ein Katalysator für den Frieden zu
sein und denjenigen zu helfen, die sich tatsächlich
selbst helfen wollen.
Unserer Meinung nach haben wir eine gute Chance,
das zu tun. Die Vereinigten Staaten besitzen eine
hohe Glaubwürdigkeit in der Region. Der Konflikt am
Golf war nicht nurfür den Irak eine Niederlage, sondern
auch für die Kräfte des Radikalismus in der arabischen
Welt. Das Ende des kalten Kriegs hat ein Signal
gesetzt, daß die Sowjetunion nicht länger eine Alternative zur Kooperation mit dem Westen und der übrigen
internationalen Staatengemeinschaft bietet. Mehr
arabische Länder als jemals zuvor sind bereit, Israels
Existenz zu akzeptieren und sich an direkten Verhandlungen zu beteiligen. Die Bereitschaft wichtiger arabischer Staaten, den wirtschaftlichen Boykott gegenüber Israel aufzuheben, wenn Israel die Besiedlung
aufgibt, ist ein weiteres Beispiel für diesen Wandel.
Und auch in Israel finden Veränderungen statt, weil der
Golfkrieg demonstriert hat, daß Territorium in einem
Zeitalter nichtkonventioneller Waffen nicht unbedingt
Sicherheit bietet. Ob diese neue Haltung genug Material für erfolgreiche Friedensbemühungen bietet, bleibt
abzuwarten - klar ist jedoch, daß potentielle Friedensstifter wie wir mehr Arbeit haben als zu irgendeinem
Zeitpunkt der jüngsten Vergangenheit.
Im Libanon haben die Taif-Vereinbarungen erhebliche
Fortschritte bewirkt. Eine rechtmäßige Regierung ist
jetzt funktionsfähig und gewinnt an Autorität. Mehrere
Milizen sind entwaffnet worden, und in Beirut und
andernorts ist wieder das normale Leben eingegekehrt. Natürlich muß noch viel getan werden, bevor
der Libanon tatsächlich souverän und von allen nichtlibanesischen Truppen befreit ist. Auch der Libanon

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�steht auf der Tagesordnung der Friedenskonferenz,
an deren Einberufung wir so hart arbeiten.
Fünftens sind wir uns bewußt, daß Stabilität in dieser
oder einer anderen Region der Welt nicht nur durch die
Beziehungen einzelner Länder untereinander erzielt
werden kann. Auch die Bedingungen in diesen Ländern sind wichtig. Wir versuchen, größere Achtung der
Menschenrechte, bessere Vorkehrungen für substantielle politische Beteiligung sowie höhere Wirtschaftsproduktivität und Zusammenarbeit zugunsten von Entwicklung zu fördern. Fortschritte in diese Richtung beobachten wir in Kuwait. Die für Oktober 1992 geplanten Wahlen werden das parlamentarische Leben wiederherstellen und Kuwait zum führenden Verfechter
der politischen Mitbestimmung am Golf machen.
Allgemeiner gesprochen gibt es keinen Grund für die
Völker und Länder im Nahen Osten und am Persischen Golf, nicht an den intellektuellen, politischen und
wirtschaftlichen Strömungen unserer Zeit teilzuhaben
- Strömungen, die das Leben der Menschen auf der
ganzen Welt verbessert haben. Übermäßige staatliche Kontrolle der politischen Arena oder des Markts
sind in Mißkredit geraten. Ich möchte in diesem
Zusammenhang zu etwas Bescheidenheit mahnen.
Bei der Förderung solcher Veränderungen sollten wir
uns bewußt sein, daß wir den sozialen Vertrag für
Gesellschaften und Kulturen mit langen und eigenständigen Traditionen nicht schreiben und erst recht
nicht diktieren können.
Sechstens berücksichtigt unser Ansatz für eine Ordnung an Golf humanitäre Fragen und spricht sie auch
an. Die Vereinigten Staaten haben eine Führungsrolle
übernommen, indem sie andere ermutigen, notwendige Hilfe für die vielen Flüchtlinge zu leisten, die Saddam Husseins Gewalt und Unterdrückung zu entfliehen suchen. Von Anfang an wollten wir diese dringenden Bedürfnisse der Menschen stillen, ohne militärisch
in die inneren Konflikte des Iraks verwickelt zu werden.
Damit würden wir dann endgültig zu einer Zeit zum
Weltpolizisten, in der es in der Welt oder hier im Inland
keinen Konsens gibt, der uns eine solche Rolle zubilligt
- und keine Garantie, daß wir selbst mit einer solchen
Zustimmung erfolgreich wären.
Siebtens werden wir weiterhin Terrorismus bekämpfen und an der Freilassung der Geiseln arbeiten. Wir
sind ermutigt durch das Ausbleiben von Terrorakten,
die die Golfkrise ausgelöst haben, ferner ermutigen
uns Signale, daß die Geiselnehmer bereit sein könn-

ten, ihr zynisches und inhumanes Tun aufzugeben.
Wenn der Iran also bereit ist, all seinen Einfluß gegen
Geiselnahmen geltend zu machen und den Einsatz
von Gewalt auf der ganzen Linie aufzugeben, sind wir
bereit, unsere Politik Teheran gegenüber zu überprüfen. Irans Verhalten im Golfkrieg und seitdem gibt uns
Grund zu Optimismus, aber wir müssen eine eindeutige Chance für eine Verhaltensänderung wahrnehmen, bevor wir reagieren.
Dies sind also die wichtigsten Herausforderungen, die
vor uns liegen. Lassen Sie mich mit zwei Punkten
schließen. Man mag das Argument vorbringen, diese
Herausforderungen seien so groß, daß sie keine Veränderung zum Besseren bewirken. Das trifft nicht zu.
Die Geschichte ist in dem Teil der Welt, in dem unsere
Geschichte begonnen hat, keinesfalls zu Ende. Aber
die Bewältigung dieser Herausforderungen aufgrund
von Erfolgen - so schwierig sie auch sein mögen - ist
eindeutig dem vorzuziehen, was aus dem Versagen
entstanden wäre, die irakische Aggression abzuwehren. Wir haben in der ersten Phase des Zeitalters nach
dem kalten Krieg ein gutes Stück auf dem Weg zur
Errichtung eines neuen, konstruktiven Gefüges in der
Weltpolitik zurückgelegt. Eine Akzeptanz der irakischen Invasion und Annexion Kuwaits hätte nicht nur
in der Region ernste, negative Konsequenzen gezeitigt. Andere potentielle Aggressoren hätten daraus die
Lehre gezogen, daß sich Aggression auszahlt, mögliche Opfer hätten gesehen, daß Beschwichtigungspolitik der einzige Weg ist. Statt dessen haben wir einen
nützlichen Präzedenzfall für Beschränkung und Kooperation in einer Region geschaffen, die für Gewalt
und Konflikt bekannt ist.
Abschließend möchte ich darauf verweisen, daß die
Vereinigten Staaten mehr als irgendeine andere außenstehende Partei dazu beitragen können, diese
verbleibenden Herausforderungen zu lösen. Die Vereinigten Staaten können einen einzigartigen Beitrag
leisten: als Mittler bei den Streitigkeiten in der Region,
als Vorbild und als motivierende Kraft für politische und
wirtschaftliche Entwicklungen. Aber wir können das
nicht allein leisten, so sehr wir uns auch bemühen.
Letztlich sind es die Menschen und vor allem die
Politiker im Nahen Osten und am Golf, die den Löwenanteil des Einflusses auf ihre Zukunft tragen werden.
Sie sind es, die bestimmen werden, ob die mit der
erfolgreichen Beendigung des kalten Kriegs und des
Golfkriegs geschaffenen Möglichkeiten ausgeschöpft
oder vertan werden.

* *

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�UMWELT
9. Oktober 1991

DAS UMWELTPROGRAMM
DER BUSH-ADMINISTRATION
Eine Übersicht zum Umweltschutz
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Rat für Umweltqualität am 7. Oktober 1991
herausgegebene Übersicht.

Präsident Bush hat zum Schutz der Umwelt folgende Schritte in die Wege geleitet:
Luftreinheit. Die umfassendsten und marktorientiertesten Gesetze zur Reinhaltung der Luft vorgeschlagen und unterzeichnet, mit denen die Schwefeldioxidemissionen um 50 Prozent reduziert, die Luft in städtischen Ballungsgebieten verbessert, Schadstoffemissionen um 90 Prozent verringert sowie die Ozonschicht weltweit durch das vollständige Verbot von
FCKW bis zum Jahr 2000 geschützt werden sollen.

dent hat Programme zum Schutz des Fischereiwesens, verbesserte Erholungsmöglichkeiten für Camper, Wanderer, Bootsfahrer und Sportler, zum Schutz
von Feuchtgebieten und Vogelflugbahnen sowie zum
Schutz gefährderter Spezies geschaffen.
Durchführung.
In zwei Jahren 40 Prozent der
Bußgelder aller vom Umweltschutzamt (Environmental Protection Agency - EPA) zeit seines Bestehens
gewonnenen Zivilverfahren eingenommen.
Ein neues Strafmaß bei Umweltvergehen verhängt.

Vereinbarungen zwischen Industrieunternehmen und
Umweltschutzorganisationen gefördert, um saubere
Brennstoffe und verbesserte Sicht im Grand Canyon
Nationalpark zur Bedingung zu machen.
Küstenschutz. Bis über das Jahr 2000 hinaus ein
Moratorium für die Off-shore-ÖI- und Erdgasförderung für 99 Prozent der kalifornischen Küste und alle
Küsten von Washington, Oregon, Süd-Florida und
Neuengland angekündigt.
Maßgeblich an Abkommen über das Verbot der Entsorgung von Klärschlamm im Meer bis 1992 mitgewirkt
und ein Pilotprogramm zum Aufspüren medizinischer
Abfälle ins Leben gerufen.
America The Beautiful. Eine langfristige Kampagne
zur Erweiterung und Verbesserung des Bestands an
Nationalparks, Wäldern, bedrohten Arten und Erholungsgebieten in den Vereinigten Staaten in die Wege
geleitet.
Seit ihrem Amtsantritt hat die Bush-Administration den
Etat für amerikanische Parks, Wälder und öffentliches
Land um 750 Millionen Dollar aufgestockt. Der PräsiAMERIKA DIENST 40

Die Rate der Beseitigung von Sondermülldeponien
verdreifacht. Die Arbeitskosten wurden von den Verursachern getragen und im Rahmen des Superfondsprogramms durchgesetzt.
Beispiellose Prozesse zum Schutz der Everglades,
Chesapeake Bay, der Great Lakes und der Ozonschicht weltweit geführt.
Schutz der Ozonschicht. Ein 1990 in London erzieltes internationales Abkommen unterzeichnet, mit dem
das vollständige Verbot aller die Ozonschicht der Erde
zerstörenden Substanzen gefordert wird.
Gesetze verabschiedet, um den amerikanischen Zeitplan für das Verbot unterden internationalen Fristen zu
halten und ein Bußgeld für die Produktion von FCKW
in den Vereinigten Staaten zu verhängen, mit dem die
Vereinigten Staaten dem Plan weit voraus sind.
Weltweite Klimaveränderungen. Einen weltweiten
Vertrag über Klimaveränderungen gefordert, der von
den führenden Nationen der Welt im Juni 1992 bei der
UNO-Konferenz in Brasilien unterzeichnet werden soll.
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�Eine nationale Energiestrategie vorgeschlagen, die falls verwirklicht - die amerikanischen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 auf oder unter dem
1987 festgesetzten Niveau ohne Einbußen beim Wirtschaftswachstum festschreibt.
Den damit in Zusammenhang stehenden Forschungsetat um das 5fache auf rund 1 Milliarde im Haushaltsjahr 1991 aufgestockt und für das Haushaltsjahr 1992
1,2 Milliarden vorgeschlagen.
Pflanzen von Bäumen. Ein ehrgeiziges Wiederaufforstungsprogramm vorgeschlagen, um landesweit in
Amerika 1 Milliarde Bäume zu pflanzen. Dank dieses
Programms werden die Kohlendioxidemissionen in
unserer Luft absorbiert und die Trinkwasser- und Luftqualität verbessert.
Darüber hinaus hat der Präsident den Vorschlag für
eine weltweite Forstkonvention unterbreitet, um die
Wälder der Welt zu schützen.
Ölpest. Ein Gesetz und ein internationales Protokoll
zur Verbesserung der Gesetze über den Öltransport
vorgeschlagen und unterzeichnet. Das neue Gesetz
forciert einen doppelt verstärkten Schiffsrumpf bei neuen
Tankern, verbessert die Reaktionsfähigkeit entlang
unserer Küsten sowie die Haftbarkeit der Verursacher.
Gesetz über landwirtschaftliche Betriebe. Hat das
umweltpolitisch progressivste Gesetz über landwirtschaftliche Betriebe von 1990 unterzeichnet. Es umfaßt
Schutz von Feuchtgebieten, Wiederaufforstung, Einsatz von Pestiziden sowie die Trinkwasserqualität. Mit
dem Gesetz werden die Agrarsubventionen gekürzt
und ein "Feuchtgebietreservat" von bis zu 400.000 ha
geschaffen.
Kabinettsbeschluß zu EPA. Einen Gesetzentwurf
zur Gründung eines US-Umweltministeriums vorgelegt.
Schutz der Antarktis. Ein Gesetz und eine internationale Vereinbarung über die Verbesserung des Umweltschutzes und das Verbot unbegrenzten Abbaus
und der Verarbeitung von Mineralien in der Antarktis
unterzeichnet.
Feuchtgebiete. Die Mittel für Forschung, Schutz und
Verbesserung der Feuchtgebiete von 295 Millionen
Dollar im Jahr 1989 auf 480 Millionen Dollar 1991
aufgestockt. Darüber hinaus hat der Präsident eine
weitere Anhebung von 48 Prozent (auf 710 Millionen
Dollar) für das Haushaltsjahr 1992 vorgeschlagen.
Den Kauf von Land in die Wege geleitet, um den
amerikanisch-kanadischen Waterfowl Management Plan

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zu verwirklichen und den Everglades Nationalpark um
42.400 ha zu erweitem.
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern
Amerikas. Neue Schritte beim Schuldenerlaß im
Austausch für Umweltmaßnahmen und die Gründung
von Umweltfonds vorgeschlagen, um langfristige
Umweltschutzmaßnahmen in Lateinamerika und der
Karibik zu fördern.
Marktorientierte Lösungen. Wirtschaftliche Anreize
eingeführt, um die Emmission von Schwefeldioxid und
ozonzerstörenden Substanzen sowie Schadstoffen
einzudämmen.
Das Projekt "Green Lights" ins Leben gerufen, um die
Umwelt durch innovative und freiwillige Initiativen des
Privatsektors zu schützen.
Artenschutz. Den Schutz der Arten auf staatlichem
Land verbessert und eine Strategie zum Schutz der
Vielfalt heimischer Arten dargelegt.
Eine Führungsrolle beim internationalen Verbot des
Handels mit afrikanischem Elfenbein übernommen.
Darüber hinaus überredete er andere Länder, die
Einfuhr des Schildpatts von Meeresschildkröten zu
verbieten und stand bei Bestrebungen zum Verbot von
Treibnetzfischerei zum Schutz der Meeressäugetiere
an vorderster Front.
Bildungswesen. AMERICA 2000, das Programm
des Präsidenten für die Reform des Bildungswesens,
enthält Bestimmungen zur Verbesserung der Umwelterziehung in allen Schulstufen. Andere Maßnahmen,
einschließlich der Verabschiedung von Gesetzen und
Einführung interministerieller Aktivitäten, zielen auf die
Verbesserung des Bewußtseins auf College-Ebene.
Entwicklung von Länderhilfe. Leistete Polen und
dem osteuropäischen Umweltzentrum in Budapest
(Ungarn) Hilfe.
Leitete Bestrebungen ein, um gemeinsame amerikanisch-mexikanische Umwelt- und Wirtschaftsprogramme zu erweitern und zu koordinieren.
Green Fund. Bewilligte dem Umweltbüro der Weltbank, dem sogenannten "Green Fund", 150 Millionen
Dollar, um Entwicklungsländern zu helfen, weltweite
Umweltprobleme zu lösen, wie etwa die Zerstörung
der Ozonschicht und weltweite Klimaveränderungen.
Verabschiedete Gesetze zur Förderung der Beurteilung von Auswirkungen auf die Umwelt durch multilaterale Entwicklungsbanken.

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AMERIKA DIENST 40

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