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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United Stat&amp; of America
. w^';V\0^

ArfO'c

Z12462C
8. Dezember 1993

49

USA-DEUTSCHLAND

ERSTE GRUNDSATZREDE VON
BOTSCHAFTER HOLBROOKE
Gehalten bei der Atlantik-Brücke
in Potsdam

KSZE

CHRISTOPHER DRÄNGT AUF VERSTÄRKTES
ENGAGEMENT FÜR DIE KSZE
Rede des Außenministers vor
KSZE-Ministertreffen

NATO

CHRISTOPHER ERLÄUTERT
PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN
Rede vor dem
Nordatlantischen Kooperationsrat

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN:
DER ANDERE TEIL VON MARSHALLS VISION
Rede von Verteidigungsminister Aspin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�USA-DEUTSCHLAND
8. Dezember 1993

ERSTE GRUNDSATZREDE
VON BOTSCHAFTER HOLBROOKE
Gehalten bei der Atlantik-Brücke in Potsdam
POTSDAM - (AD) - In seiner ersten Grundsatzrede in Deutschland erklärte der neue amerikanische Botschafter, Richard C. Holbrooke, bei einem Treffen der Atlantik-Brücke am 7. Dezember 1993 im Cäcilienhof in
Potsdam, daß die Clinton-Administration "eine sich abzeichnende Rolle Deutschlands auf der globalen Bühne
unterstützen wird. Wir haben nicht nur keine Angst davor, sondern begrüßen sie und sehen der ebenso engen
Zusammenarbeit mit Bonn wie bisher entgegen", erläuterte der Botschafter den Anwesenden, zu denen der
Vorsitzende der Atlantik-Brücke, Walther Leisler Kiep, der brandenburgische Ministerpräsident Dr. Manfred
Stolpe und Dr. Herbert Knoblich, Präsident des Landtags Brandenburg, zählten. "Aus diesem Grund", fügte der
Botschafter hinzu ."unterstützen wir beispielsweise die ständige Mitgliedschaft Deutschlands im UN -Sicherheitsrat". Aus der Sicht der US-Administration sei Deutschland "voll und ganz in der Lage", die "Lasten und
Verpflichtungen" einer ständigen Mitgliedschaft zu übernehmen.
Mit der Feststellung, in den Vereinigten Staaten bestehe eine Versuchung, "sich nach innen zu wenden" und sich
auf innenpolitische Probleme zu konzentrieren, unterstrich Botschafter Holbrooke, Präsident Clinton und andere
hochrangige Regierungsvertreter hätten "immer wieder klargestellt, daß ein Rückzug zu einer neuen Form von
Isolationismus in den neunziger Jahren fürdie Vereinigten Staaten keine Alternative darstellt". Die Konzentration
der deutschen Medien auf die amerikanischen Truppenreduzierungen und die Bedeutung Asiens für die
Vereinigten Staaten "verschleiern jedoch gelegentlich die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten weiterhin
100.000 Soldaten in Europa belassen wollen, die Mehrzahl davon in Deutschland, und Europa fürdie Vereinigten
Staaten nichts - ich wiederhole, überhaupt nichts - von seiner Bedeutung verloren hat". Die asiatisch-pazifische
Region sei für die Vereinigten Staaten 'Von unerläßlicher Bedeutung, die aufgrund ihrer Geographie, Geschichte
und ihrem Eigeninteresse eine pazifische und eine atlantische Nation sind. Aber wir messen der einen Region
nicht mehr Bedeutung bei als der anderen - und werden dies auch nicht tun, wie ich wiederholt betont habe."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Botschafter Holbrooke.

Ich möchte den Organisatoren dieser Veranstaltung
und der Atlantik-Brücke für die Einladung am heutigen
Abend hier danken. Die Atlantik-Brücke ist eine au ßerordentlich wichtige Institution, die seit Jahren und in
jüngster Zeit dank der herausragenden Tätigkeit meiner Freunde Walther Leisler Kiep und Beate Lindemann immens viel für die deutsch-amerikanischen
Beziehungen geleistet hat. Daher habe ich ohne zu
Zögern Walther und Beate sogar noch vor meiner
Ankunft in Deutschland vor zwei Monaten versprochen, meine erste politische Grundsatzrede vor dieser
renommierten Gruppe zu halten.
Bevor ich beginne, gestatten Sie mir bitte eine persönliche Anmerkung. Ich möchte den vielen Deutschen,
denen ich in meiner kurzen Zeit hier bereits begegnet
bin, für die mir entgegengebrachte Freundlichkeit und
Gastfreundschaft meinen tiefempfundenen Dank
AMERIKA DIENST 49

aussprechen. Ich werte dies nicht als Ausdruck der
Gefühle der Deutschen für mich persönlich, sondern
gegenüber der Nation, die ich die Ehre habe, hier zu
vertreten. Auf persönlicher Ebene war die Herzlichkeit
dieser Kontakte jedoch das herausragendste und erfreulichste Merkmal meiner ersten Monate in Deutschland. Ich danke Ihnen allen - auch vielen hier nicht
Anwesenden - für diese freundliche Aufnahme.
Ich habe mir geschworen, mich in meinen Ausführungen heute abend strikt auf die Zukunft zu konzentrieren, aber ich kann nicht beginnen, ohne auf den
heutigen Jahrestag zu verweisen. Vor genau 52
Jahren griffen die Japaner Pearl Harbor an und brachten die Vereinigten Staaten - entschieden und unabänderlich - auf den Kurs, der uns schließlich heute hierhin
geführt hat.

Seite 1

�Der 7. Dezember 1941 war mehr als ein entscheidender Augenblick für die Vereinigten Staaten. Er zwang
Amerika zur Konfrontation mit der Verantwortung einer
neuen Rolle - Führung in der globalen Arena - auf die
wir nicht vorbereitet waren, die wir erlernen und in die
wir im Laufe der Zeit hineinwachsen mußten. Die
durch Pearl Harbor und die folgenden Ereignisse freigesetzten Kräfte beeinflußten das Geschehen über
mehr als zwei Generationen hinweg und haben auf die
eine oder andere Art die Sichtweise - das grundlegende Weltbild - aller in diesem historischen Raum Anwesenden beeinflußt, in dem - wie ich mit Ehrfurcht und
großer Demut feststellen möchte - der Krieg in Europa
schließlich beendet wurde.

wenn auch in ziemlich unterschiedlicher Weise. 45
Jahre lang gründete sich die Politik der Vereinigten
Staaten auf die Verteidigung Deutschlands gegen
potentielle Aggression aus dem Osten. Diese Politik
war leicht zu verstehen, wenn auch ihre Umsetzung
gelegentlich schwierig und sogar gefährlich war.
Trotz der Versuchung einer Konzentration auf innenpolitische Probleme gibt es heute auch im Bereich der
Außenpolitik eine neue Verantwortung, der man sich
stellen muß. Um Mißverständnissen vorzubeugen die Versuchung, sich nach innen zu wenden, besteht
nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Vereinigten Staaten.

In Amerika wurde das Ende des Kalten Krieges weithin
und zu recht als das Ende einer Ära - ein abgeschlossenes Kapitel - gesehen. Eines der wichtigsten und
häufigsten Themen im Präsidentschaftswahlkampf von
1992 war der Gedanke, es sei an der Zeit für die
Vereinigten Staaten, ihr eigenes Haus in Ordnung zu
So kurz diese Ereignisse auch zurückliegen, beginnen bringen. Präsident Clinton hat dies formuliert und in
sie doch in unseren Köpfen bereits eine gewisse seinem ersten Amtsjahr eine Reihe von Initiativen in
Patina anzusetzen, während wir uns nach der Eupho- den Bereichen Gesundheitsfürsorge, Bildungswesen
rie und dem Freudentaumel der Bewältigung eines und Sozialpolitik durchgeführt, die in der Geschichte
völlig neuen Komplexes von Problemen zuwenden. ihresgleichen suchen. Gleichzeitig hat der Präsident
Michael Walzer vom Institute for Advanced Study in jedoch eindeutig klargestellt, daß Amerika seine FühPrinceton verwies vor kurzem auf die Ähnlichkeiten rungsrolle in der Weh bei der Bewältigung unserer
zwischen "dem wunderbaren Jahr 1989" und 1848, innenpolitischen Probleme besser erfüllen kann. Um
"als Professoren für Philosophie und Politologie sich aus Präsident Clintons Ansprache vor der Generalverplötzlich in die Lage versetzt sahen, Verfassungen zu sammlung der Vereinten Nationen im Herbst zu zitieschreiben". Walzer formulierte wehmütig, aberzutref- ren: "Innenpolitische Erneuerung ist ein überfälliges
fend, 1989 scheine "bereits eine Ewigkeit zurückzulie- Tonikum. Aber Isolationismus und Protektionismus
gen". Wir haben guten Grund uns zu fragen, wie der sind noch immer Gift. Wir müssen unsere Völker
grenzenlose Enthusiasmus und die Hoffnung dieser veranlassen, über ihre naheliegenden Ängste hinaus
zu einem erweiterten Horizont zu blicken." Ich möchte
Monate der Befreiung so schnell verfliegen konnten.
dieses Publikum nicht zu der Annahme verleiten, daß
Für Deutschland hat die Vereinigung die uneinge- alle Amerikaner diese Ansicht bereitwillig teilen. Mächtige
schränkte Souveränität und Befreiung von den Be- Stimmen fordern eine Umkehrung des Engagements
schränkungen und Härten des Kalten Krieges bewirkt. der Vereinigten Staaten im Ausland, denen mit Hilfe
Sie hat auch neue Verantwortung mit sich gebracht, derjenigen im Ausland und insbesondere in Europa
die eine neue Denkweise erfordert. Das vereinigte widerstanden werden muß, die den Glauben dieser
Deutschland ist nicht nur ein größeres Deutschland. Administration an ein dauerhaftes amerikanisches
Es ist auch ein anderes Deutschland als das West- Engagement in Übersee teilen.
deutschland der Zeit des Kalten Krieges, das sich
bemüht, die Erfahrungen und Perspektiven zweier Deutschland könnte in zweifacher Weise versucht
Gruppen von Deutschen nach nahezu einem halben sein, sich nach innen zu wenden. Auf nationaler Ebene
Jahrhundert unterschiedlicher Geschichte miteinan- hat sich die vollständige Integration der neuen Länder
der zu verknüpfen. Dieser noch lange nicht abge- in die Wirtschaft und Gesellschaft des vereinigten
schlossene Prozeß wird entscheiden, was das neue Deutschland als sehr viel größere Herausforderung,
Deutschland sein wird. Wir Amerikaner sind uns der kostenintensiver und psychologisch mühsamer erwieSie konfrontierenden Schwierigkeiten und noch zu sen, als man 1989 je prognostiziert hätte. Ich bin
bewältigenden Probleme bewußt. Wir haben jedoch erstaunt über das allgemeine Ausmaß dieser Fehleinauch uneingeschränktes Vertrauen in die Erfindungs- schätzung. Als Vorbereitung für diesen Posten habe
gabe der Deutschen und ihre Entschlossenheit, die ich zahlreiche 1989 und 1990 verfaßte Artikel nochHerausforderungen der Vereinigung zu meistern.
mals gelesen. Keiner sagte die Schwierigkeiten voraus, mit denen sich Deutschland heute konfrontiert
Ich möchte eine grundlegende Tatsache unterstrei- sieht.
chen: Das vereinigte Deutschland ist für die Vereinigten Staaten ebenso wichtig wie das geteilte Deutsch- Deutschland sieht sich noch einer weiteren Versuland - und auf lange Sicht vielleicht noch wichtiger, chung ausgesetzt, sich nach innen zu wenden. Das

Jetzt haben wir einen anderen, vielleicht ebenso entscheidenden Augenblick durchlebt. Die Ereignisse
zwischen 1989 und 1991 brachten die herkömmliche
Ordnung unserer Welt ausdem Lot. Nichts wird jemals
wieder so sein wie es war.

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht am 1. November hat der weiteren Entwicklung dessen, was
jetzt als Europäische Union bezeichnet wird, neuen
Auftrieb verliehen. Die Notwendigkeit, gleichzeitig ein
vereintes Deutschland und ein vereintes Westeuropa
aufzubauen, konfrontiert die Deutschen mit enormen
Herausforderungen, die leicht als Rechtfertigung benutzt
werden könnten, die uneingeschränkte Aufmerksamheit auf das Inland zu lenken.

schichte und ihrem Eigeninteresse eine pazifische und
eine atlantische Nation sind. Aber wir messen der
einen Region nicht mehr Bedeutung bei als der anderen - und werden dies auch nicht tun, wie ich wiederholt
betont habe.

Ich freue mich, daß die politisch Verantwortlichen in
Deutschland und den Vereinigten Staaten entschlossen sind, nicht dieser Versuchung der Abkehr von der
Welt zu erliegen. Unsere Politiker sehen sich heute
einer Situation gegenüber, die zwei früheren Wendepunkten in diesem Jahrhundert vergleichbar ist: 1919
und 1945.1919 gelang es den Politikern in Europa und
Amerika trotz guter Absichten nicht, einen dauerhaften
Frieden zu schaffen. 1945 brachte der mit nüchterner
Einschätzung des Machbaren und großen Staatsmännern kombinerte Idealismus Ergebnisse hervor, die
uns einen Rahmen für Sicherheit boten, der uns die
Zeit für die friedliche Lösung 1989-1991 einräumte.
Mit welcher Periode werden uns spätere Generationen
vergleichen? Die Entscheidung ist klar. Unsere Aufgabe besteht in der Bewältigung der gegenwärtigen
Herausforderung mit Führungsstärke und Phantasie
ebenso wie 1947. Die Geschichte und unsere Kinder
verlangen, daß wir das Fundament für eine sichere
und friedliche Zukunft legen.

Diese neue Vision wird durch seine Beteiligung an den
Friedenssicherungsmissionen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in Kambodscha und
Somalia symbolisert, ist jedoch nicht auf sie begrenzt.
Dies kann im ehemaligen Jugoslawien beobachtet
werden, wo mutige Bundeswehrpiloten und -flieger
weiterhin täglich einen Beitrag zur Luftbrücke für Sarajevo und zu den Fallschirmabwürfen von humanitären
Hilfsgütern über Bosnien leisten. Es ist ebenso offenkundig in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion,
wo Deutschland nach wie vor eine Führungsrolle bei
der Bereisteliung von Hilfe spielt. Und Deutschland
sondiert darüber hinaus Wege der Zusammenarbeit in
Asien, wie kürzlich während Bundeskanzler Kohls
beeindruckendem Besuch in China beobachtet. Von
wahrscheinlich größter Bedeutung ist das eindeutige
Zeichen der politisch Verantwortlichen in der Bundesrepublik Deutschland, daß Deutschland schrittweise
zur Übernahme einer globalen Rolle bereit ist.

Weit davon entfernt, sich nach innen zu wenden, hat
auch Deutschland eine umfassendere außenpolitische Vision ausdrücklich bekräftigt.

Ebenso wie die Vereinigten Staaten die Vereinigung
Präsident Clinton, Vizepräsident Gore und Außenmini- Deutschlands begrüßt und unterstützt haben, begrüster Christopher haben immer wieder klargestellt, daß ßen und unterstützen wir die Bereitschaft Deutschein Rückzug zu einer neuen Form von Isolationismus lands, dieser neuen Rolle und Verantwortung gerecht
in den neunziger Jahren für die Vereinigten Staaten zu werden. Präsident Clinton, der seinen Respekt und
keine Alternative darstellt. Die Medien hier in Deutsch- seine Achtung für die Deutschen häufig zum Ausdruck
land haben sich vornehmlich auf das Tempo konzen- gebracht hat, teilt diese Ansicht uneingeschränkt.
triert, mit dem die amerikanischen Streitkräfte aus Unseres Erachtens hat das vereinigte Deutschland,
Deutschland und Europa abgezogen werden sowie selbst während es mit ernsthaften neuen innenpolitiauf jüngste Aussagen Washingtons über die Bedeu- schen und wirtschaftlichen Problemen kämpft, heute
tung Asiens. Dies ist angesichts der historischen eine zunehmende Rolle in der Welt zu spielen - und das
Dimension dieser Veränderungen verständlich. Die bedeutet nicht nur Europa. Wir sind uns bewußt, daß
starke Konzentration auf die amerikanischen Truppen- dieses Thema in Deutschland ernsthaft erörtert wird
reduzierungen und solche Ereignisse wie der äußerst und wollen den Deutschen im Hinblick auf die Größenerfolgreiche Gipfel von Seattle verschleiern jedoch ordnung oder Geschwindigkeit keine Ratschläge erteigelegentlich die Tatsache, daß die Vereinigten Staa- len. Das sind Ihre Entscheidungen. Meine Aufgabe
ten weiterhin 100.000 Soldaten in Europa belassen heute abend ist einfach: Sicherzustellen, daß diese
wollen, die Mehrzahl davon in Deutschland, und Euro- Administration eine sich abzeichnende Rolle Deutschpa für die Vereinigten Staaten nichts - ich wieder- lands auf der globalen Bühne unterstützen wird. Wir
hole, überhaupt nichts - von seiner Bedeutung haben nicht nur keine Angst davor, sondern begrüßen
verloren hat. Unsere beträchtliche und greifbare sie und sehen der ebenso engen Zusammenarbeit mit
Truppenpräsenz ist nur eine Manifestation unseres Bonn wie bisher entgegen, jedoch in einem breiteren
Engagements für Deutschland, die NATO und die Rahmen. Aus diesem Grund unterstützen wir beizukünftige Stabilität Europas.
spielsweise die ständige Mitgliedschaft Deutschlands
Ich möchte sowohl eine persönliche als auch eine
offizielle Anmerkung zu Asien und dem Pazifik machen
- ein Gebiet, dem ich einen Großteil meiner öffentlichen und privaten Karriere gewidmet habe. Diese
Region ist für die Vereinigten Staaten von unerläßlicher Bedeutung, die aufgrund ihrer Geographie, GeAMERIKA DIENST 49

im UN-Sicherheitsrat, wobei natürlich betont werden
mu ß, daß die ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen nicht nur Status und Ehre mit
sich bringt, sondern auch Lasten und Verpflichtungen.
Unserer Ansicht nach ist Deutschland voll und ganz in
der Lage, diese zu übernehmen.
Seite 3

�Bevor ich eine Tagesordnung für die zukünftige deutschamerikanische Partnerschaft anbiete, muß ich kurz
auf einige der vor uns liegenden praktischen Probleme
eingehen. Ich beziehe mich hier nicht auf Isolationismus oder die Haushaltsdefizite unserer Nationen,
sondern auf die Vielfalt lokaler oder regionaler Konflikte, die ironischerweise die Welt instabiler machen als
während des Kalten Krieges. Die Ereignisse des 20.
Jahrhunderts haben den Nationalismus für immer der
Romantik beraubt, die ihm im letzten Jahrhundert
solche Macht verliehen hat. Trotz allem scheint er
jedoch nichts von seinem Einfluß und wenig von seinem Potential zu gelegentlichen, jedoch erschreckenden Auswüchsen von Grausamkeit verloren zu haben.
Wir können es uns jedoch nicht leisten, Problemen
solchen Ausmaßes und mit solchen Konsequenzen
wie in Bosnien den Rücken zu kehren, nur weil sie sich
einer schnellen Lösung widersetzen. Wenn ein solches Problem sich nicht mit alten Patentrezepten
beheben läßt, müssen neue gesucht werden. Wo uns
die Inspiration verläßt, müssen wir auf Durchhaltevermögen und Entschlossenheit zurückgreifen.

digkeit eines GATT-Abkommens bis zum 15. Dezember ausgesprochen. Es gibt keinen - ich wiederhole,
keinen -16. Dezember. Obwohl die Zeit knapp wird,
liegt eine Vereinbarung in greifbarer Nähe. Seien Sie
versichert, daß die amerikanischen Handelsbeauftragten und die Amerikanische Botschaft in Bonn in
diesen schwierigen letzten Stunden eng mit ihren
deutschen Kollegen zusammenarbeiten, um die Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Ein Erfolg der Uruguay-Runde ist nicht nur an und für
sich wichtig, sondern auch weil der Stichtag nicht ganz
einen Monat vor dem NATO-Gipfeltreffen am 10.
Januar liegt. Das Ergebnis der GATT-Verhandlungen
wird unweigerlich Auswirkungen auf die Ereignisse im
Januar in Brüssel haben.

Deutschland hat natürlich ein vitales nationales Interesse an stabilen, florierenden, marktorientierten
Demokratien an seinen unruhigen östlichen Grenzen.
Auch wenn wir geographisch weiter entfernt sind,
teilen wir dieses Interesse uneingeschränkt. Die Vereinigten Staaten haben einen Ansatz vorgeschlagen Heute liegen vor Deutschland und den Vereinigten Partnerschaft für Frieden - der die Aussicht auf unmitStaaten neue und aufregende Möglichkeiten zur Zu- telbare Zusammenarbeit für ganz Osteuropa mit der
sammenarbeit bei der Verfolgung unserer gegenseiti- Möglichkeit noch engerer Verbindungen in der Zukunft
gen Interessen, die unseres Erachtens auch im weiter- eröffnet. Er bietet den kleineren Staaten der Region
gehenden Interesse Europas und der ganzen Wert zusätzliche Sicherheit, vermeidet jedoch gleichzeitig
neue Trennlinien durch dieses Gebiet.
liegen.
Eine dieser Chancen bietet sich eben jetzt bei den
Verhandlungen in Genf und Brüssel, wo die Unterhändler aus der ganzen Welt auf den Abschluß der
Uruguay-Runde vorder für den 15. Dezember gesetzten Frist hinarbeiten. Präsident Clinton und Außenminister Christopher haben wiederholt bekräftigt, daß
internationaler Handel nicht länger als Einzelthema getrennt von Außenpolitik oder der jeweiligen nationalen Wirtschaftspolitik - behandelt werden kann.

Deutschland und die Vereinigten Staaten arbeiten eng
zusammen, um diese Partnerschaft für Frieden Realität werden zu lassen. In einem ähnlichen Zusammenhang war der Außerordentliche und Bevollmächtigte
Botschafter für Rußland und die neuen unabhängigen
Staaten, Strobe Talbott, erst vor wenigen Wochen in
Bonn, um Wege zur besseren Koordinierung unserer
Bestrebungen beim Aufbau von Demokratie sowie der
Förderung von Stabilität und Wirtschaftsreformen in
dieser entscheidenden Regbn zu erörtern. Die deutschPräsident Clinton hat sein starkes Engagement für amerikanische Zusammenarbeit beim Aufbau von
offenen Handel und die Abschaffung von Protektionis- Demokratie ist weder auf offizielle Kanäle noch auf den
mus während der Debatte unter Beweis gestellt, die Osten begrenzt. Von den privaten gemeinsamen
der jüngsten Abstimmung im Kongreß über das Nord- deutsch-amerikanischen Bestrebungen auf diesem
amerikanische Freihandelsabkommen - oder NAFTA - Gebiet möchte ich besonders die Tätigkeit des Gervoranging. Seit vielen Jahren hat kein amerikanischer man Marshall Fund hervorheben, dessen Treuhänder,
Präsident soviel persönliches und politisches Prestige unter anderem mein enger Freund und Berater Fritz
aufs Spiel gesetzt, um die Zustimmung des Kongres- Stern, Programme auf die neuen Länderzuschneiden.
ses zu einem internationalen Abkommen zu erlangen.
Sein beeindruckender Erfolg ist ein Signal für das Ich muß betonen, daß die deutsch-amerikanische
amerikanische Engagement zum Abbau von Handels- Partnerschaft nicht funktionieren würde, wenn sie sich
schranken und zum Aufbau einer wirklich globalen nur auf die kühle Berechnung nationaler Interessen
Wirtschaft. Meines Erachtens hat er auch den Weg gründen würde. Bei solchen Anlässen ist dies für
zum Erfolg beim GATT-Prozeß gewiesen, denn ohne gewöhnlich der Punkt, an dem der Geist von Baron von
GATT ist das NAFTA offensichtlich ein unvollständiger Steuben und Carl Schurz beschworen wird. Ein weiProzeß, der das Welthandelssystem verzerren könn- teres Lieblingsthema ist das eines meiner Vor-Vorgänte.
ger, Botschafter Jacob GoukJ Schurman - der berühmte Tribut an die deutsch-amerikanische Freundschaft,
Bundeskanzler Kohl und seine Amtskollegen haben den er und Gustav Stresemann gemeinsam auf einem
sich ebenso wie wir in der Öffentlichkeit für die Notwen- Podium der Heidelberger Universität im Jahr 1928
Seite4

AMERIKA DIENST 49

�zollten. Dies ist ein ausgezeichnetes Thema für den
jährlich begangenen Deutsch-Amerikanischen Tag,
aber wir alle hier wissen, daß diese Partnerschaft in
etwas Unmittelbarerem und Konkreterem wurzelt:
Unseren gemeinsamen Erfahrungen seit 1945.
Millionen Amerikaner und ihre Familienangehörigen
haben hier in den letzten mehr als 40 Jahren gedient.
Sie haben in deutschen Gemeinden gelebt und ihre
positiven Erfahrungen mit nach Hause genommen.
Praktisch die gesamte Nachkriegsgeneration westdeutscher Politiker aller Ressorts hat die Vereinigten
Staaten bereist, dort gelebt oder studiert. Darüber
hinaus verbindet ein riesiges Netz von Kontakten in
den Bereichen Handel, Bankwesen, Kultur und Bildung unsere beiden Völker fest miteinander. Die
Atlantik-Brücke selbst und das Aspen Institut sind
ausgezeichnete Beispiele hierfür.

men aller Art zwischen Ostdeutschen und Amerikanern tun.
Damit komme ich zu meiner zentralen Aussage des
heutigen Abends zurück, daß wir auf unsere gemeinsamen Erfahrungen aufbauen müssen und nicht die
Hände in den Schoß legen dürfen. Wir benötigen keine
gemeinsame Bedrohung mehr, um zusammenzuarbeiten. In der Tat sollte sich eine neue Partnerschaft
nicht ausschließlich oder vornehmlich auf Bedrohungen von außen gründen, sondern auf die Herausforderungen und Chancen der Zukunft. Ich beabsichtige, in
einerweiteren Rede im kommenden Monat im einzelnen auf diese bilateralen Themen einzugehen, in der
ich hoffentlich einige neue Entwicklungen in der USMission in Deutschland bekanntgeben kann.

Zweifelsohne werden wir nicht immer übereinstimmen, insbesondere bei der Suche nach Lösungen in
der
neuen und komplexeren Welt, der wir uns jetzt
Die Deutschen, die in der ehemaligen DDR gelebt
gegenübersehen,
aber wir müssen ehrlich und kontihaben, denen über Jahre hinweg Lügen über Amerika
nuierlich
miteinander
reden, wenn wir die erforderliche
und Westdeutschland aufgetischt wurden, beginnen
Führungsstärke
bieten
wollen. Meine Aufgabe hier
erst jetzt, diese Art von Kontakten und Austauschprobesteht
nicht
darin,
als
Hüter
dieser Beziehungen zu
grammen mit Amerikanern zu erfahren. Auf beiden
fungieren,
sondern
mit
Hilfe
meiner
deutschen AmtsSeiten muß mehr getan werden, um diese Situation zu
kollegen
und
den
heute
abend
hier
Anwesenden siverbessern. Die Einrichtung eines Amerikanischen
cherzustellen,
daß
wir
auf
der
von
unseren
VorgänGeneralkonsulats in Leipzig und seine Aktivitäten in
gern
geschaffenen
Grundlage
aufbauen
und
sie
erweiSachsen und Thüringen sind ein greifbares Beispiel für
tern.
das amerikanische Engagement. Wir werden in Zukunft mehr für die Förderung von Austauschprogram-

*

AMERIKA DIENST 49

* * *

*

Seite 5

�KSZE
8. Dezember 1993

CHRISTOPHER DRÄNGT AUF VERSTÄRKTES
ENGAGEMENT FÜR DIE KSZE
Rede des Außenministers vor KSZE-Ministertreffen
ROM - (AD) - Außenminister Christopher zufolge ist die Vision der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) von umfassender Sicherheit für ein neues Europa auf der Grundlage von Demokratie
und kooperativer Sicherheit noch weit von ihre vollständigen Verwirklichung entfernt.
In seinen Ausführungen vor der KSZE-Plenarsitzung am 30. November 1993 verwies der Außenminister auf drei
Bereiche, in denen weitere Fortschritte zur Umsetzung der vor drei Jahren beim Pariser Gipfeltreffen umrissenen
Vision der KSZE erzielt werden müssen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.
Ich möchte Ministerpräsident Ciampi und Außenminister Andreatta für die Veranstaltung dieses Ministertreffens meinen Dank aussprechen.

dem wurden beachtliche Fortschritte erzielt. Unsere
Vision ist jedoch von ihrer vollständigen Verwirklichung noch wert entfernt.

Dies ist das erste von mehreren wichtigen Treffen, an
denen ich in dieser Woche in Europa teilnehmen
werde, zunächst hier in Rom und dann in Brüssel. In
etwas mehr als einem Monat wird Präsident Clinton
zum NATO-Gipfeltreffen reisen, dem ersten von drei
Besuchen, die er Europa im ersten Halbjahr 1994
abstatten wird. Diese Besuche unterstreichen die
andauernde Bedeutung, die die Vereinigten Staaten
ihren Beziehungen zu Europa beimessen.

Nationen wurden wiedergeboren und ethnische Identitäten fest behauptet. Es entstand jedoch auch aggressiver und häufig myopischer Nationalismus, und
fürchterliche ethnische Konflikte brachen aus. Die
Fundamente demokratischer Institutionen werden
gelegt, aber ihre Strukturen sind noch im Aufbau
begriffen. Eine freie Presse ist ein allgemein anerkanntes Ideal, aber noch keine gemeinsame Realität.
Der steinige Weg zu Wirtschaftsreformen hat begonnen, wirtschaftliche Härten sind jedoch noch immer
wertverbreitet.

Ich möchte dieses wichtige Gremium und die Welt
wissen lassen, daß die Vereinigten Staaten den transatlantischen Beziehungen - sowie der Sicherheit und Die KSZE ist eine kreative und viele Nationen umfasdem Wohlstand Europas - unerschütterlich verpflichtet sende Institution. Wir müssen ihre einzigartigen Fäsind. Mit keiner Region der Welt sind wir enger higkeiten nutzen, um zur Gestaltung eines durch
verbunden. Wir sind nicht nur durch Verträge aneinan- demokratische Institutionen, Achtung der Menschender gebunden, sondern durch die dauerhaften Bande rechte und wachsenden Wohlstand gesicherten neuder Geschichte, Kultur und gemeinsamen Werte.
en Europas beizutragen. Dies ist die einzige Grundlage für ein künftiges Europa im Frieden.
Die Vision der KSZE von umfassender Sicherheit
wurzelt tief in diesen gemeinsamen Werten, und daher Die dauerhafte Besorgnis um die menschliche Würde
ist es mir eine Ehre, die Vereinigten Staaten bei diesem und ihre Achtung sind ein Kernstück der amerikaniMinistertreffen der KSZE zu vertreten.
schen Außenpolitik. Wir sind uns bewußt, daß wir in
den Vereinigten Staaten noch keine perfekte Union
Vor drei Jahren - beim Pariser Gipfeltreffen - umriß die haben. Wir streben jedoch kontinuierlich nach der GeKSZE die Vision eines neuen Europas auf der Grund- währleistung der Achtung und des Schutzes jedes
lage von Demokratie und kooperativer Sicherheit. Seit- einzelnen.

AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Diese Besorgnis um Menschenrechte erstreckt sich
auf alle Beziehungen der Vereinigten Staaten in der
Welt. Obwohl es nicht das einzige uns leitende Prinzip
ist, würde eine amerikanische Außenpolitik ohne das
Engagement für internationale Menschenrechte weder den Idealen noch den Interessen unserer Nation
gerecht.
Jeder KSZE-Mitgliedstaat ist zur Wahrung und zum
Schutz der Rechte des einzelnen verpflichtet. Auf
beiden Seiten des Atlantiks besteht großes Interesse,
Respekt für Vielfalt zu schaffen, Minderheiten das
Wahlrecht zu gewähren und jedem ein Mitspracherecht am nationalen Leben einzuräumen. Wie der
Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums demonstriert, kann kein Staat langfristig Stabilität und Wohlstand ohne eine offene Gesellschaft und ein grundlegendes Engagement für Menschenrechte erlangen.
Seit ihren ersten Tagen hat die KSZE dazu beigetragen, die internationale Besorgnis über die Behandlung
der Bürger eines Landes rechtlich zu untermauern.
Menschenrechte müssen weiterhin an oberster Stelle
der KSZE-Tagesordnung stehen. Der Hochkommissarfürnationale Minderheiten hat einen maßgeblichen
Beitrag zum Schutz von Minderheiten geleistet, in der
ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien, der
Slowakei und Albanien. Das Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte hat Menschenrechtsmissionen effektiv organisiert und Wahlen überwacht.
Im ehemaligen Jugoslawien, in Turkmenistan, Tadschikistan, Usbekistan und anderen KZSE-Staaten
finden jedoch immer noch gravierende Menschenrechtsverletzungen statt. Diese Menschenrechtsverletzungen gilt es zu unterbinden.

Die Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverletzungen und Bedrohungen der Grundfreiheiten ist nur
ein Teil der uns konfrontierenden Herausforderungen.
Wir müssen uns auch mit den Konsequenzen eines
Konflikts befassen, der sich einer Lösung widersetzt
hat, und bei dem die Parteien bisher die Beendigung
des Blutvergießens und Mordens hartnäckig verweigert haben.
In diesem Jahr ist der Winter früh in Bosnien eingebrochen, und die humanitäre Krise hat sich verschärft.
Unter diesen tragischen Umständen werden die Vereinigten Staaten ihre humanitären Bestrebungen zur
Milderung des Leidens verstärken. Wir werden eng mit
dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen zusammenarbeiten, um den wirksamsten Einsatz dieser Hilfe auszumachen. Als größtes einzelnes
Geberland haben wir seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten im Jahr 1991 bereits Hilfsleistungen im Wert
von weit über 400 Millionen Dollar bereitgestellt.
Heute gebe ich einen weiteren Beitrag der Vereinigten
Staaten von 150 Millionen Dollar für Programme und
Organisationen bekannt, die den entscheidendsten
Aspekt der Winterhilfe abdecken. Unser Ziel besteht
in zusätzlichen Nahrungsmittellieferungen, Material,
um die Unterkünfte winterfest zu machen, Flüchtlingshilfe und medizinischer Versorgung für die Menschen
in Bosnien durch folgende Maßnahmen:
Erstens sind wir zur Verdoppelung der amerikanischen
Flüge im Rahmen der multinationalen Luftbrücke für
Sarajevo bereit. Die Vereinigten Staaten fliegen zur
Zeit rund ein Drittel aller Missionen und haben während
der 500tägigen Geschichte der Luftbrücke dank dieser
Bestrebungen insgesamt 6.000 Flüge absolviert. Diese
durch die Luftbrücke geschaffene Lebensader - der
Hauptversorgungsweg für Sarajevo - hat inzwischen
die Dauer der Berliner Luftbrücke von 1948 übertroffen.

Der Schutz der Menschenrechte erfordert freie und
starke Medien. Ein renommierter Richteram Obersten
Bundesgericht, der inzwischen verstorbene Benjamin
Cardozo, hat einmal erklärt: "Redefreiheit ist die
M atrix, d ie u nerlä ßliche Voraussetzu ng praktisch jeder Zweitens sind wir bereit, die benötigten Lieferungen
anderen Form von Freiheit."
zum Flughafen Tuzla zu transportieren, sobald dieser
geöffnet wird. Darüber hinaus werden wir das erforWir müssen sorgfältig beobachten und sicherstellen, derliche Gerät bereitstellen, um ihn offen zu halten.
daß die Redefreiheit nicht nur proklamiert, sondern in Dieser Flughafen könnte die entscheidende Anlaufallen aufstrebenden Demokratien praktiziert wird. stelle für die humanitäre Hilfe werden. Bisher haben
Während diese Länder neue Verfassungen und Ge- die bosnischen Serben und Kroaten die Nutzung des
setze erlassen, sollte die KZSE darauf bestehen, daß Flughafens zu diesem Zweck verhindert. Wir fordern
die Pressefreiheit vollständig geschützt und frei von alle kriegführenden Parteien auf, ihr unverantwortlistaatlicher Einflußnahme ist.
ches Verhalten zu ändern, durch das der Transport
dringend benötigter Lieferungen über diese EinrichBei der Sicherstellung der Pressefreiheit sind Forttung blockiert wird. Wir fordern die kriegführenden
schritte erzielt worden, obwohl bei der Verteilung und
Parteien ferner zur Einhaltung ihrer kürzlich unterVerfügbarkeit von Presseerzeugnissen noch immer
zeichneten Abkommen auf sowie den Landweg für die
starke Einschränkungen bestehen. Ein noch größeres
Hilfskonvois zu sichern. Die kriegführenden Parteien
Hindernis beim Aufbau offener Gesellschaften ist der
müssen erkennen, daß dies in ihrem eigenen InteresMangel an Fortschritten bei der Aufhebung der Fernse liegt. Ungehinderter Zugang wird den vitalen Beseh- und Rundfunkzensur. Das Fernsehen ist das
dürfnissen aller bosnischen Fraktionen dienen.
"größte Megaphon" einer Demokratie und darf nicht
zum Faustpfand irgendeiner Partei werden.

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�Drittens wird unser neuer Beitrag die Fallschirmabwürfe verstärken. In den vergangenen acht Monaten
haben die kontinuierlichen Fallschirmabwürfe von
Nahrungsmitteln und sonstigen Gütern für die isoliertesten und gefährdetsten Gemeinden den Unterschied
zwischen Leben und Tod für Tausende Bosnier bedeutet. Nachdem wir nahzeu 80 Prozent der Flüge übernommen und über 10 Millionen Mahlzeiten abgeworfen haben, wissen wir, daß dieses Programm entscheidend ist. Mit den neuen Mitteln können wir die
Hilfsleistungen verdoppeln, die wir für dieses lebenswichtige Unternehmen bereitstellen. Die Pakete werden femer Material enthalten, um die Unterkünfte
wintertest zu machen, damit die Menschen in den
entlegendsten Regionen den Winter überleben können.
Viertens haben wir entschieden, die Nutzung des
amerikanischen Militärhospitals in Zagreb zu verbessern, um schwer verwundete bosnische Kinder medizinisch versorgen zu können.
Wir fordern andere Regierungen und regionale Organisationen wie die Organisation der islamischen Konferenz auf, ihr Engagement zu verstärken und damit
den unschuldigen Menschen in Bosnien zu helfen,
diesen Winter zu überleben. Was immer wir jedoch an
Hilfe leisten - es ist nie genug. Solange der bewaffnete
Konflikt andauert, ist es nach menschlichem Ermessen unmöglich, das Leiden der Menschen in Bosnien
zu beenden. Die einzige Antwort besteht darin, den
Kämpfen ein Ende zu bereiten, und das einzige Mittel
dafür ist eine Verhandlungslösung. Die Vereinigten
Staaten ermutigen und unterstützen diplomatische
Bestrebungen zu einem Friedensabkommen für Bosnien.

die Opfer von Kriegsverbrechen und anderer Menschenrechtsverletzungen bestehen. Die für die Greueltaten Verantwortlichen müssen für ihr Handeln zur
Rechenschaft gezogen werden. Die Vereinigten Staaten unterstützen das Kriegsverbrechertribunal uneingeschränkt, das seine Arbeit am 17. November aufgenommen hat. Das Tribunal hat die erforderliche Befugnis, um die Kriegsverbrecher der Gerechtigkeit zu
überstellen, wo immer sie auch sein mögen und aufgespürt werden. Keine Nation, die angeklagten oder vom
Tribunal einbestellten Personen Zuflucht gewährt oder in irgendeiner anderen Weise seine Arbeit behindert - kann auf einen guten Stand als Mitglied der
internationalen Staatengemeinschaft hoffen. Die Arbeit
des Tribunals wird zur Abschreckung derjenigen beitragen, die ethnische und territoriale Konflikte durch
Angriffe auf Zivilisten beilegen wollen.
Wir müssen uns auch auf die Verhinderung und Lösung von Konflikten andernorts auf dem Kontinent
konzentrieren. In Rom sollten wir heute eine Entscheidung zur Stärkung der Fähigkeit der KSZE erzielen,
ein sicheres Europa aufzubauen. Insbesondere müssen
wir handeln, um die Fähigkeit der KSZE zur Vorwarnung und Verhinderung von Konflikten zu verbessern.
Die KSZE hat bereits einen Vorsprung bei präventiver
Diplomatie erzielt. In Moldawien, Estland, Lettland,
Georgien, Tadschikistan und Nagomyi Karabach sowie
im ehemaligen Jugoslawien ebnen die KSZE-Missionen den Weg zur Verhinderung von Konflikten, Eindämmung ihrer Ausweitung und Beendigung offener
Kampfhandlungen. Die Mitglieder dieser Missionen
sollten auf ihre Leistung unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen stolz sein, wo ethnische Konflikte
und Menschenrechtsverletzungen das Gefüge von
Staaten und Kulturen zerbrechen lassen. Obwohl wir
einen guten Anfang gemacht haben, ist es eben nur ein
Anfang. Wir müssen mehr tun, insbesondere in den
neuen unabhängigen Staaten, wo die KSZE lebenswichtige Unterstützu ng der Reformer bei Aufbau unabhängiger, demokratischer Gesellschaften leisten kann.

Zwei spezifische KSZE-Aktivitäten verdienen unsere
uneingeschränkte Unterstützung: Die der Sanktionsüberwacher auf dem Balkan und die von Skopje ausgehende Mission zur Eindämmung des Konflikts. Diese
Aktivitäten sind nicht nur unerläßlich für eine mögliche
Lösung, sondern demonstrieren auch unsere Entschlossenheit, eine Ausweitung zu verhindern und die In Georgien müssen wir unsere Anstrengungen verKosten der Aggression in die Höhe zu treiben.
doppeln, um der Regierung bei der Erlangung von
Frieden und Stabilität behilflich zu sein und gleichzeitig
Wir verurteilen jede Einmischung in die Beobachter- die Respektierung der Menschenrechte und territoriamissionen der KSZE im ehemaligen Jugoslawien. Die len Integrität des Landes sicherzustellen. In MoldaVereinigten Staten erachten die Ausweisung der KSZE- wien kann das verbesserte Mandat unserer Mission
Beobachter aus Kosovo, Vojvodina und Sandschak allen Parteien bei der Schaffung eines politischen
als völlig ungerechtfertigt. Wir drängen die KSZE zu Rahmens für Frieden helfen und den baldigen Abzug
weiterem Druck auf die serbischen Behörden, die der verbliebenen russischen Truppen unterstützen. In
Rückkehr der Beobachter zu gestatten und jegliche Tadschikistan kann die unverzügliche Einrichtung einer
Einmischung in die KSZE-Bestrebungen zur Bericht- kleinen Mission am Boden den internationalen Bestreerstattung über die Ereignisse in diesen Regionen zu bungen zur Förderung der politischen Aussöhnung
unterlassen.
behilflich sein, die für Stabilität in dieser krisengeschüttelten Region erforderlich ist.
Während wir versuchen, das Leiden zu mildern und
den Konflikt auf dem Balkan zu beenden, müssen wir In Nagornyi Karabach zwingen uns das andauernde
für das Völkerrecht eintreten und auf Gerechtigkeit für Leiden Hunderttausender Flüchtlinge und die Gefahr

AMERIKA DIENST 49

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�neuer Feindseligkeiten zur Intensivierung unserer
Bestrebungen für die Beendigung des Konflikts. Auf
Initiative Italiens hat die Minsk-Gruppe beachtliche
Fortschritte bei der Sondierung eines gemeinsamen
Standpunkts der Parteien erzielt. Jetzt ist es an der
Zeit für die Zustimmung aller Parteien zu dem so
mühsam von den Unterhändlern dieses Forums ausgearbeiteten Zeitplan. Wir wissen, daß Schweden,
das jetzt den Vorsitz der Minsk-Gruppe innehat, dieses
Ziel entschlossen verfolgen wird.

len, wo wir die Beseitigung von Nuklearwaffen anstreben. Wir begrüßen die Unterzeichnung des STARTVertrags und die Einhaltung des Nichtverbreitu ngsvertrags durch Belarus. Wir begrü ßen darüber hinaus die
Absicht Kasachstans, den START-Vertrag zu unterzeichnen und Präsident Nazarbajews Zusicherung zur
Einhaltung des NW. Wir sehen dem Abschlu ß solcher
Maßnahmen durch die Ukraine entgegen.

Während wir die KSZE stärken, müssen wir auch
andere regionale Institutionen anpassen. Wir können
Das Engagement der KSZE bei diesen Konflikten dauerhaftere europäische Sicherheit durch die Verunterstreicht darüber hinaus die Herausforderung, einen flechtung von Strukturen fördern, die jeweils mit sich
Konsens zu Richtlinien für die Überwachung der regio- ergänzenden Rollen und Aufgaben versehen werden.
nalen Friedenssicherung durch die KSZE zu erzielen. Die NATO steht im Zentrum der transatlantischen
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß Sicherheit und wird der zentrale Punkt des Engagedie KSZE eindeutig Stellung zu den unseren Mitglie- ments der Vereinigten Staaten für die Sicherheit Eurodern angemessen erscheinenden militärischen Aktivi- pas bleiben. Wir arbeiten mit unseren europäischen
täten beziehen muß. Und es ist an der Zeit, die Verbündeten bei der Anpassung der NATO an die
Instrumente zu erarbeiten um sicherzustellen, daß die neuen Herausforderungen eines ungeteilten Europas
mit der Friedenssicherung befaßten Kräfte ihre Aufga- zusammen - und machen ehemalige Gegnerzu neuen
ben in strikter Neutralität und in gutem Glauben aus- Partnern für Frieden.
üben.
Wir haben i-nseren NATO-Verbündeten eine PartnerDarüber hinaus müssen wir das gesamte Spektrum schaft für Frieden vorgeschlagen, die unsere Partner
der KSZE-Konfliktverhinderungsinstrumente besser im Nordatlantischen Kooperationsrat (NAKR) und in
nutzen, vom Mechanismus der "menschlichen Dimen- anderen europäischen Nationen in die praktische Sision" bis zu dem in Stockholm vereinbarten Mechanis- cherheitzusammenarbeit einbeziehen wird. Gleichmus zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten. Bei zeitig schlagen wir vor, die Tür zu einer evolutionären
diesem Treffen werden wir den amerikanischen Vor- Entwicklung der N ATO-M rtgliedschaft zu öffnen. Beim
schlag zur Erarbeitung eines "Plans für schnelles Ministertreffen des Nordatlantikrats und des NAKR
Eingreifen" verabschieden. Ich freue mich, daß wir Ende dieser Woche in Brüssel werden im Vorfeld des
dank dieser Entscheidung Diplomaten und Experten NATO-Gipfels wichtige Initiativen erörtert.
aus dem öffentlichen und privaten Sektor besser einbeziehen können - die zum raschen Einsatz zur Ver- Die Vision der KSZE zwingt uns zu der Erkenntnis, daß
stärkung oder Einleitung einer Mission bereit sind. Die Demokratie und Sicherheit durch Wohlstand nachhalVereinigten Staaten haben Regierungsvertreter als tig unterstützt werden. Beim Pariser Gipfeltreffen
Beobachter zur Unterstützung der KSZE-Missionen 1990 und erneut beim Wirtschaftsforum 1993 sah die
benannt und auch beträchtliche Mittel zur Verfügung KSZE freie Marktwirtschaften als unerläßlichen Begesteift. Wir tragen unseren Teil bei und fordern alle standteil ihrer Vision.
KSZE-Mitgliedstaaten auf, dasselbe zu tun.
Die Nationen Mittel- und Osteuropas, die den schwierigen
Übergang zu marktwirtschaftlichen Demokratien
Die KSZE muß ebenfalls einen Teil durch die Straffung
vollziehen,
müssen ihren Völkern greifbare Vorteile
ihres Entscheidungsfindungsprozesses leisten. Der
bieten
können.
Ihre Bürger müssen wissen, daß ihre
Wert der KSZE hängt von ihrer Flexibilität, ihrer relativ
Opfer
durch
die
Handelspolitik der führenden Indugeringen Bürokratie und ihrer Fähigkeit zu Innovatiostrienationen
belohnt
werden. Unser Engagement für
nen ab. Diese Vorteile müssen gewahrt werden.
die neuen Demokratien des Ostens wird häufig an dem
Darüber hinaus kann die KSZE auch regionale Stabi- Ausmaß gemessen, in dem wir im Westen Marktzulität fördern, insbesondere durch das noch nicht voll gang gewähren.
ausgeschöpfte Potential des Forums für Sicherheitszusammenarbeit. Ein sicheres Europa kann die Ver- Die Öffnung von Märkten in Schlüsselsektoren - und
breitung von Massenvernichtungswaffen nicht zulas- der erfolgreiche Abschlu ß der Uruguay-Runde bis zum
sen. Die Sicherheitsprinzipien der KSZE verpflichten Stichtag am 15. Dezember - wird die ost- und mitteleuuns, auf die Androhung oder den Einsatz von Gewalt ropäischen Nationen auf den Weg zu größerem
gegen die territoriale Integrität und politische Unab- Wohlstand, Sicherheft und Demokratie bringen. Ein
hängigkeit zu verzichten. Diese Prinzipiem bilden die Scheitern wird die Nationen des Westens spalten und
Grundlage der Sicherheitszusagen, die wir den Nach- die Härten für neue und alte Demokratien gleichermafolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geben wol- ßen verschärfen.

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AMERIKA DIENST 49

�Um es nochmals zu wiederholen, wir stehen heute an
einem Wendepunkt für diesen Kontinent. Obwohl die
Umgestaltung des Ostens etwas von ihrer Dynamik
eingebüßt hat, liegt ein sichereres, freieres und besseres Europa noch immer in greifbarer Nähe. Wir wollen
unser Versprechen eines demokratischen und unge-

teilten Europa erfüllen - ein in den Prinzipien dieser
Institution verankertes Versprechen. Wir wollen unser
Engagement für die KSZE verstärken, während wir die
Zukunft Europas in Demokratie und Frieden aufbauen.
Ich danke Ihnen.

* *

AMERIKA DIENST 49

*

Seite 5

�NATO
8. Dezember 1993

CHRISTOPHER ERLÄUTERT PARTNERSCHAFT
FÜR FRIEDEN
Rede vor dem Nordatlantischen Kooperationsrat
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenminister Christopher am 3. Dezember 1993
beim Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) im NATO-Hauptquartier gehaltene Rede.

Mit der von Präsident Clinton im Oktober vorgeschlagenen Partnerschaft für Frieden ist die NATO zur
Erweiterung ihres Engagements für den Osten bereit.
Alle Mitglieder des NAKR - ebenso wie einige andere
europäische Länder - sind zur Beteiligung aufgefordert. Unser Ansatz bezieht alle ein. Jede Nation
entscheidet für sich selbst, wie intensiv und aktiv sie
sich engagieren und welche Ressourcen sie bereitstellen will.

Wir möchten, daß die Partner Seite an Seite mit den
NATO-Mitgliedstaaten planen, ausbilden und üben.
Wir erwarten den Beginn dieser Aktivitäten im nächsten Jahr. Die Partner werden sich an bestimmten, die
Aktivitäten der Partnerschaft leitenden politischen und
militärischen Gremien der NATO sowie an einer militärischen Planungsgruppe beteiligen.

Die Partnerschaft an sich ist ein wichtiger Schritt.
Gleichzeitig werden aktive Teilnehmer an der PartnerDie Partnerschaft für Frieden steht für eine feierliche schaft dazu beitragen, die Länder auf die Erfüllung
Verpflichtung der NATO. Die Mitglieder dieser Part- ihrer Verpflichtungen der NATO-Mitgliedschaft vorzunerschaft werden Verpflichtungen gegenüber der NATO bereiten. Natürlich werden viele andere Faktoren in
und untereinander eingehen. Aktive Partner sollten jede Entscheidung der Mitglieder einfließen, und die
das Recht zu Konsultationen mit der NATO haben, Erweiterung vollzieht sich nicht über Nacht. Mit all der
wenn ihre territoriale Integrität, natürliche Unabhän- wechselseitigen Verantwortung, die sie erfordert, muß
die NATO-Mitgliedschaft das Ergebnis eines evolutiogigkeit und Sicherheit bedroht sind.
nären Prozesses sein. Dieser Prozeß muß die KernDie Partnerschaft für Frieden wird den Ländern nut- funktionen und die operative Effektivität des Bündniszen, die sich beteiligen. Von diesen Ländern wird auch ses erhalten. Und er muß im Einklang mit Artikel 10
erwartet, daß sie ihre Ressourcen und Erfahrung zum des Nordatlantikvertrags stehen.
gegenseitigen Nutzen beitragen.
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
Wir verwenden den Begriff "Partner" absichtlich. Wir die NATO dank der Partnerschaft für Frieden ihre
möchten die beteiligten Nationen in sehr viel engere Stärke, Geschlossenheit und ihre unlösbaren Bande
Beziehungen zur NATO bringen. Die Partnerschaft über den Atlantik hinweg verbessern kann. Die Partwird Zusammenarbeit unter ihren Mitgliedern auf ei- nerschaft wird darüber hinaus ein beispielloses Enganem qualitativ neuen Niveau fördern. Sie wird einen gement für ein Europa mit gemeinsamen Werten und
Rahmen für beträchtlich erweiterte politische und mili- gemeinsamer Sicherheit auf die Probe stellen und zu
tärische Kooperation bieten. Sie wird den Weg für diesem Europa beitragen - im Osten wie im Westen.
gemeinsame Krisenbewältigung, Friedenssicherung
und humanitäre Missionen ebnen. Die Partnerschaft Ich bin zuversichtlich, daß das Bündnis Fortschritte
für Frieden wird die Vielfalt der Instrumente erweitern, machen wird. Ich bin zuversichtlich, daß wir alte
die wir in absehbarer Zukunft auf Sicherheitsprobleme Gegner zu neuen Partnern machen werden, und ich
anwenden können.
bin zuversichtlich, daß wir ein neues Europa aufbauen
werden.
AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Wie ich bereits erwähnte, haben wir gestern im Nord- Sie versichert, daß Ihre Ansichten sorgfältig erwogen
atlantikrat die Aussichten für Partnerschaft verbes- werden, während das Bündnis diese bedeutende Inisert. Heute haben wir das Privileg, diese wichtige neue tiative verfolgt und wir uns auf den Gipfel vorbereiten.
Initiative mit unseren NAKR-Partnem zu erörtern. Seien Ich sehe Ihren Reaktionen erwartungsvoll entgegen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�NATO
8. Dezember 1993

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN:
DER ANDERE TEIL VON MARSHALLS VISION
Rede von Verteidigungsminister Aspin
WASHINGTON - (AD) -In einer Rede vor dem Atlantischen Rat der Vereinigten Staaten am 3. Dezember 1993
erläuterte Verteidigungsminister Les Aspin Präsident Clintons Vorschlag einer Partnerschaft für Frieden und
bezeichnete sie als den anderen Teil von General Marshalls Vision.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers im Wortlaut.

Um die sich uns heute in Europa bietenden Chancen
zu verstehen, sollten wir zunächst Rückblick auf das
Europa vor 45 Jahren zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg halten.
Es war eine Zeit großer Hoffnungen. Der Zweite
Weltkrieg war beendet. Freiheitsliebende Nationen
waren siegreich. Und ebenso wie heute war die
Nachkriegszeit ein historischer Wendepunkt. Gefahren lauerten, aber es gab auch die Chance zum Aufbau
eines sicheren, geeinten Europas.

Europas zu eigen zu machen. Diese Vision ist jetzt in
greifbare Nähe gerückt. Um sie zu nutzen, müssen wir
jedoch drei Dinge vollbringen.
Erstens müssen wir bekräftigen, daß die euro-atlantische Region eine unteilbare geopolitische Region ist
und die Vereinigten Staaten sich infolgedessen weiterhin in Europa engagieren.

Zweitens müssen wir den Erfolg der demokratischen
und wirtschaftlichen Reformen in Mittel- und Osteuropa unterstützen, einschließlich Rußlands, der Ukraine
Das war natürlich die von George C. Marshall umrisse- und der anderen ehemaligen sowjetischen Republine Vision, als er das Mikrophon ergriff, um seine ken. Wir sollten den mutigen Bestrebungen der Reforberühmte Rede bei der Abschlußfeier in Harvard zu mer in diesen Nationen besondere Aufmerksamkeit
widmen. Freiheit und Wohlstand sind die besten
halten.
Garanten von Sicherheit und Stabilität in ganz Europa.
Diese Vision war allumfassend. Marshalls Plan wurde
ganz Europa angeboten, vom Atlantik bis zum Ural, Drittens müssen wir die Entwicklung eines neuen
einschließlich der Sowjetunion und den Ländern Ost- Sicherheitssystems fördern, das sich auf die Realitäeuropas. Seine Vision - ein Kontinent prosperierender tendes heutigen Europas gründet und nicht auf die zur
Demokratien, die zu ihrer gegenseitigen Sicherheit in Teilung Europas während des Kalten Krieges gezogeinternationalen Beziehungen zusammenarbeiteten. Kein nen künstlichen Grenzen. Dies ist natürlich eine
schwierige Aufgabe.
Land war ausgeschlossen.
Meines Erachtens haben wir einen Prozeß in die Wege
geleitet, der ein solches System hervorbringen könnte,
und ich möchte heute darüber sprechen. Es ist ein
Und nur ein Teil von Marshalls Vision wurde verwirk- Vorschlag, den wir unseren NATO-Verbündeten zur
licht.
Erörterung beim Gipfeltreffen im Januar unterbreitet
haben. Er heißt Partnerschaft für Frieden. Ich habe
Heute, 45 Jahre und einen Kalten Krieg später bietet
bei meinen Gesprächen am 20. Oktober 1993 in
sich uns eine weitere Chance - nicht einen neuen
Travemünde diese Partnerschaft grob umrissen, und
Marshallplan vorzulegen, sondern dort weiterzumaAußenminister Christopher hat ausführlich darüber
chen, wo der Kalte Krieg aufhörte, und uns erneut
gesprochen. Heute möchte ich im einzelnen darauf
Marshalls Vision eines ungeteilten, sicheren und freien
eingehen.

Aber die Ereignisse nahmen ihren Lauf. Stalin lehnte
das Angebot ab. Der Eiserne Vorhang fiel.

AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Wir gehen bei unserem Ansatz dazu von bestimmten
Annahmen aus und es ist wichtig, sie eingangs zu
erwähnen. Sie lauten, daß die NATO eine einzigartig
effektive internationale Sicherheitsorganisation ist, die
an die Ära nach dem Kalten Krieg angepaßt werden
sollte, die NATO weiterhin unser Hauptkanal für ein
Engagement in Europa ist und schließlich, daß die
NATO das Kernstück jedes neuen euro-atlantischen
Sicherheitssystems bilden sollte.

anderen Formen der Beteiligung an NATO-Aktivitäten
erarbeiten.
Bis dahin wäre klar, welche Nationen aktive, einen
Beitrag leistende Partner für Frieden zu werden beabsichtigen. Das von den Planern unterbreitete Programm würde der NATO und den politisch befugten
Partnern zur Zustimmung vorgelegt, und der Durchführungsprozeß würde beginnen.

Eines der wesentlichsten Produkte dieses Prozesses
für den aktiven Partner sind Sicherheitskonsultationen. Verbündete und Partner würden Konsultationen
vereinbaren, wenn die territoriale Integrität, politische
Unabhängigkeit oder Sicherheit eines Partnerstaats
bedroht
wären. Diese Konsultationen sollten viel zur
In unserer Vorstellung wird die Partnerschaft den
Verbesserung
des Gefühls von Sicherheit und StabiliRahmen für detaillierte, operative militärische Zusamtät
der
Osteuropäer
beitragen.
menarbeit bei multinationalen Sicherheitsbestrebungen bilden, die das Kernstück der NATO sind.
Es ist wichtig, hier festzustellen, daß die Partnerschaft
Die an der Partnerschaft beteiligten Nationen würden zwei Dinge nicht gewähren kann: Die Sicherheitsgaletztlich mit der NATO an einer Reihe militärischer rantie der NATO und automatische Mitgliedschaft zu
Aktivitäten teilnehmen. Zu diesen Aktivitäten könnten einem späteren Zeitpunkt.
gemeinsame militärische Planung, Ausbildung und
Übungen zählen. Sie könnten sogar Operationen wie Erstens, die Sicherheitsgarantie. Artikel 5 des NordatSuch- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe, Frie- lantikvertrags fordert von allen Parteien, daß ein
bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von
denssicherung und Krisenmanagement beinhalten.
ihnen als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird.
Die Partnerschaft für Frieden leitet einen Prozeß in die Die Garantie von Artikel 5 würde sich nicht auf die
Wege, der uns von u nserem heutigen Stand zu diesem Partner erstrecken.
neuen Stadium der Sicherheitszusammenarbeit bringt.
Die nächste gro ße Frage lautet natürlich, ob der Beitritt
Sie würde folgendermaßen funktionieren:
zur Partnerschaft eine Eintrittskarte zur NATO ist.
Die Staats- und Regierungschefs würden beim NATO- Dies trifft nicht zu. Die Partner für Frieden kommen
Gipfel Anfang nächsten Monats eine Rahmenerklä- nicht automatisch für die Mitgliedschaft in der NATO in
rung über die Partnerschaft abgeben und Einladungen Frage. Sie müssen der NATO noch nicht einmal
an die 22 Mitglieder des Nordatlantischen Koopera- beitreten wollen. Und die Partner hätten kein Vetotionsrats sowie von den NATO-Verbündeten verein- recht bezüglich der Staaten, die der NATO beitreten
barte andere europäische Staaten aussprechen. Jeder möchten.
könnte unterzeichnen.
Andererseits hätten die Partner für Frieden eine ChanInteressierte Nationen würden die Erklärung unter- ce zur Zusammenarbeit mit der NATO bei der Entwickzeichnen und damit ihrer Zustimmung zum Beitritt zu lung der Prinzipien, Zielsetzungen und Fähigkeiten der
der Partnerschaft Ausdruck verleihen.
NATO-Mitgliedstaaten. Obwohl die Partnerschaft keine
Garantie für Mitgliedschaft ist, wäre die aktive BeteiliJeder neue Partner würde dann die Einrichtungen, gung wahrscheinlich eine unerläßliche Voraussetzung
Ressourcen und Streitkräfte angeben, die er der Part- für eine zukünftige NATO-Mitgliedschaft.
nerschaft zur Verfügung stellen will, sowie das Ausmaß seiner Beteiligung an gemeinsamer Ausbildung, Dieser Ansatz birgt sowohl für die derzeitigen NATOPlanung und Operationen.
Mitgliedstaaten als auch die Partner große Vorteile.
Diese Erwägungen beinhalteten unseren Ausgangspunkt, als wir Wege zu einem neuen, besseren Sicherheitssystem in Europa zu sondieren begannen.
Das Ergebnis ist die Partnerschaft für Frieden.

Ein Partner wird darüber hinaus darlegen, was er zur
Erlangung der zivilen Kontrolle über das Militär sowie
zur Transparenz des Verteidigungshaushalts und der
Maßnahmen zu tun bereit ist - das heißt, sie für die
Bürgerschaft sichtbar zu machen.

Erstens nimmt er keine erneute Teilung Europas vor.
Wir haben zwei Generationen lang versucht, den Eisernen Vorhang zu heben. Wir wollen ihn nicht ersetzen, indem wir eine neue Grenze ziehen. Die Partnerschaft für Frieden räumt allen Nationen dieselbe Chance
zur Beteiligung ein, macht die Ergebnisse jedoch von
Schließlich würden die NATO-Offiziere in Zusammen- den Anstrengungen jedes einzelnen Partners abhänarbeit mit Planern aus Partnemationen in einem Pla- gignungsraum in Mons, dem Obersten Hauptquartier der
Alliierten Streitkräfte in Europa, ein Programm für die Zweitens bietet die Partnerschaft für Frieden die richAusbildung, Planung, gemeinsamen Übungen und tigen Anreize. In der alten Welt des Kalten Krieges war

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�die NATO ein für die Reaktion auf eine Bedrohung von
außen geschaffenes Bündnis. In der neuen Welt nach
dem Kalten Krieg kann die NATO ein auf die gemeinsamen Werte von Demokratie und freien Marktwirtschaften gegründetes Bündnis sein. Die Partnerschaft
für Frieden belohnt diejenigen, die Schritte in diese
Richtung unternehmen.

seine Absichten eindeutig klarzustellen, bevor er in
das neue Sicherheitssystem aufgenommen wird. Der
Partnerschaftsprozeß bietet gleichberechtige Chancen, beurteilt die Ergebnisse jedoch ausschließlich am
Verhalten der einzelnen Staaten.

Der Partnerschaftsprozeß setzt keine Zeitpläne oder
strikte Regeln fest, wieviel die Partnertun müssen oder
Drittens erfordert die Partnerschaft für Frieden einen wie schnell. Sie können in dem von ihnen gewährten
echten Beitrag der Partner. Sie fragt nicht nur, was die Tempo arbeiten. Einige Staaten sind vielleicht zuNATO für ihre neuen Partner tun kann, sondern auch, nächst nur mit der Unterzeichnung der Erklärung zuwas die neuen Partner für die NATO tun können. frieden. Andere könnten sich auf eine nominelle
Sicherheitskonsultationen werden beispielsweise den Beteiligung beschränken.
aktiven Partnern zur Verfügung stehen, die einen
Beitrag leisten und sich für die multinationalen Aktivi- Aktive und engagierte Partner, die sich direkt an der
täten engagieren, die das Kernstück der NATO bilden. Planung, den Übungen und der Ausbildung zusammen mit den alliierten Streitkräften sowie an regelmäViertens bleibt die NATO durch die Partnerschaft im ßigen politischen Konsultationen beteiligen, werden
Zentrum der europäischen Sicherheitsbelange und jedoch einen Vorteil haben. Sie werden sich die
das amerikanische Engagement im Zentrum Europas. operativen Verfahren, Kooperationsmechanismen und
routinemäßigen Konsultationen schneller zu eigen
Schließlich rückt die Parnterschaft für Frieden die machen.
Frage der NATO-Mrtgliedschaft für die Partner in den
richtigen Kontext - an das Ende des Prozesses statt an Die Partnerschaft für Frieden war eine Initiative von
den Anfang. Wenn wir einige Erfahrungen mit dem Präsident Clinton. Wir freuen uns, daß sie eine solch
Partnerschaftsprozeß gemacht haben, wird es sehr bemerkenswerte Reaktion hervorgerufen hat. NATOviel klarer sein, welche der in Frage kommenden Generalsekretär Manfred Wörner unterstützt sie unNationen sich wirklich die Ideale der NATO gemeinsa- eingeschränkt. Sie hat die aktive Unterstützung aller
mer demokratischer Werte und kooperativer Sicher- Verbündeten erhalten. Sie wird in Europa weithin als
Beispiel der amerikanischen Führungsrolle in der Welt
heit zu eigen machen wollen.
nach dem Karten Krieg begrüßt.
Einige haben die Partnerschaft mit dem Argument
kritisiert, sie würde die NATO schwächen. Meines Präsident Clinton versteht diese neue Welt. Die PartErachtens wird sie die NATO stärken. Sie macht die nerschaft für Frieden ist ein weiteres Beispiel seines
NATO weiterhin relevant für die Förderung eines Si- Vorgehens, damit die amerikanische Führungsrolle
cherheitssytems für die euro-atlantische Region und auch in Zukunft gesichert ist und gleichzeitig die Ladie Konzentration darauf. Sie wird dazu beitragen, die sten der Verwirklichung unserer gemeinsamen Ziele
NATO an sich wandelnde Zeiten und die Erfordernisse gerecht verteilt sind.
nach zwei Generationen der Konzentration auf den
Wir vertreten die Auffassung, daß die Partnerschaft
Warschauer Pakt anzupassen.
dazu beitragen wird, das von uns allen Gewünschte
Es wurden Beschwerden geäußert, daß die Partner- herbeizuführen - die Vision Marshalls eines friedlichen,
schaft alle ehemaligen kommunistischen Staaten stabilen, sicheren und vereinten Europas.
unabhängig von ihren Absichten gleich behandelt. Im
Gegenteil - sie bietet jedem Staat die gleiche Chance, Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 49

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Seite 3

�</text>
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                <text>Amerikadienst 08.12.1993</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erste Grundsatzrede von Botschafter Holbrooke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gehalten bei der Atlantik-Brücke in Potsdam&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher drängt auf verstärktes Engagement für die KSZE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor KSZE-Ministertreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher erläutert Partnerschaft für Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem nordatlantischen Kooperationsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft für Frieden: der andere Teil von Marshalls Vision&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Aspin&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>9. Juli 1980

INHALT

INFORMATION
Synthesebrennstoff-Gesetz von Präsident Carter unterzeichnet
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zur Registrierungspflicht
HINTERGRUNDMATERIAL
Gedanken zur transatlantischen Partnerschaft
- von James G. Lowenstein überzeugende Starterfolge des US-Energieprogramms
- Integrierende Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- und Forschungspolitik - ein tragfähiges Fundament für die Zukunft Reform der Atomkraftwerks-Sicherheitsbestimmungen
- US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zink-Chlorid-Batterie-System für Elektroautos

Um Über/endung von
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�Information

3

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32

9. Juli 1980

SYNTHESEBRENNSTOFF-GESETZ VON PRÄSIDENT CARTER UNTERZEICHNET

- (AD) - Das Gesetz Über die mit vorerst 20 Milliarden Dollar
aus der Staatskasse zu fördernde großtechnische Produktion von synthetischen
Brennstoffen unterzeichnete President Carter am 30. Juni 1980 1m Rahmen
einer Feierstunde 1m Weißen Haus. Der Kongreß hatte Ende Juni das Kernstück eines schon vor einem Jahr vom Präsidenten eingebrachten Gesetzwerks zur künftigen Energiepol1t1k der Vereinigten Staaten verabschiedet.
Es Ist darauf abgestellt, die Abhängigkeit der USA von Importöl drastisch
zu verringern und die Energieversorgung in höchstmöglichem Umfang aus
einheimischen Quellen zu bestreiten.
Der Präsident bezeichnete die Inkraftsetzung des SynthesebrennstoffGesetzes als einen "stolzen Tag" für Amerika. "Der Grundpfeiler unserer
nationalen Energiepolitit wird endlich gesetzt. Unsere unerträgliche
Abhängigkeit von ausländischem öl bedroht unsere wirtschaftliche Sicherheit
und unsere nationale Sicherheit. Die Energiesicherheit Amerikas ist
der Schlüssel für beides, denn alle drei sind Glieder ein- und derselben
Kette."
Der

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�Der Präsident verwies darauf, daß er mit dem Augenblick seiner
Amtsübernahme im Energieproblem eine ernste Gefahr für Leben und Existenz
der Amerikaner gesehen habe.
die Inflation.

Denn der hohe Preis des Importöls treibe

Mit der Inflation komme Arbeitslosigkeit und sinkende

Produktivität im eigenen Land und Mangel und Armut in weniger entwickelten
Ländern.
"Dies sind die harten Tatsachen", erklärte der Präsident, "und
es fiel uns schwer, uns ihnen zu stellen.

Aber in den vergangenen

12 Monaten haben Amerikaner aller Schichten und von allen Regierungsebenen unsere Entschlossenheit zu erkennen gegeben, daß unser Land
mehr Energie produzieren, entdecken, nutzen und sparen wird - und wir
werden dies mit amerikanischen Ressourcen, amerikanischem Wissen und
Können und amerikanischer Arbeitskraft tun.
Die Verabschiedung des Energiesicherungsgesetzes ist der Glanzpunkt unserer Anstrengungen, eine umfassende nationale Energiepolitik
zu entwickeln und durchzusetzen, nämlich
-

eine Politik, die unseren Energieproblemen gerecht wird;

-

eine Politik, die unser Programm für die Zukunft vorzeichnet;

-

eine Politik, die uns die Waffen an die Hand gibt, um den Energiekrieg zu wagen und zu gewinnen....

Alles in allem wird das Energiesicherungsgesetz in diesem Jahrzehnt
das größte Engagement in bezug auf Kapitalinvestitionen, Technologie,
Arbeitseinsatz und Ressourcen seit dem Raumfahrtprogramm in Gang setzen es wird an Umfang sogar die koordinierten Programme weit in den Schatten
stellen, die uns zum Mond brachten und mit denen wir unser Fernstraßennetz
gebaut haben."
Die

�Die Vereinigten Staaten haben, wie Präsident Carter erklärte, seit
1977 ihre ölimporte um mehr als 1,5 Millionen Barrel (Barrel = Faß mit
159 Litern) pro Tag verringert.

In der ersten Hälfte dieses Jahres

lagen die Importe um 12,9 Prozent unter denen von 1979; der Benzinverbrauch
ging um acht Prozent, der gesamte Ölverbrauch um mehr als neun Prozent
zurück.

Die einheimische Rohöl Produktion steigt wieder an. Und im

ersten Quartal 1980 wurden 16 Prozent mehr amerikanische Kohle gefördert
- Kohle, die in den USA reichlich vorhanden ist und wichtiger Rohstoff
für Synthesebrennstoffe sein wird.
Der Präsident verwies darauf,daß das neue Gesetzeswerk, das mehr
Möglichkeiten zum Energiesparen eröffne und eine neue Industrie zur
Energieproduktion ins Leben rufe, durch die Planung, den Bau und den
Betrieb von Synthesewerken, deren Versorgung mit Rohstoffen sowie die
Gewinnung von Alkohol und anderen Biomasse-Brennstoffen jährlich mindestens
70 000 neue Arbeitsplätze schaffe. Tausende weiterer Arbeitsplätze werden
sich durch die Programme zur Energieeinsparung und Nutzung der Sonnenenergie
sowie durch die indirekten Auswirkungen aller Programme ergeben.
Das Gesetz verfügt die Einsetzung einer staatlichen Gesellschaft
zur Förderung aller notwendigen Maßnahmen, um bis 1992 einen Tagesausstoß
von zwei Millionen Barrel synthetischer Brennstoffe durch Kohleumwandlung,
die Extraktion von öl aus Ölschiefer und Teersanden und durch andere
Mittel zu erreichen. Die Bank für Sonnenenergie und Energieeinsparung
wird mehr als drei Milliarden Dollar in direkten Subventionen an Privathaushalte und Betriebe für Energie-Sparmaßnahmen und zur Nutzung regenerierfähiger Energiequellen geben. Die USA streben an, bis zum Jahr 2 000
etwa 20 Prozent des Energiebedarfs mit Sonnenenergie zu decken. Mit
mehr als einer Milliarde Dollar wird die Produktion von Brennstoffen
wie GAS0H0L (Benzin-AIkohol-Mischkraftstoff) aus Getreide und anderer
"Biomasse" gefördert. Allein im laufenden Jahr wollen die USA ihre
GASOHOL-Produktionskapazität vervierfachen.
In
- 3 -

�In dem Gesetz sind mögliche Umweltprobleme berücksichtigt, die sich
im Zusammenhang mit der intensivierten Energieproduktion und massiven
Kohleverwertung ergeben können.

Es sieht deshalb u.a. die Fertigstellung

einer umfassenden Studie über säurehaltigen Regen und andere Auswirkungen
der Verbrennung fossiler Brennstoffe auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft
vor.
Die Entscheidung über die Einsetzung einer "Energie-MobilisierungsKommission" (Energy Mobilisation Board) steht noch aus.

Die entsprechende

Gesetzesvorlage wurde am 27. Juni noch einmal an den Vermittlungsausschuß
des Kongresses zurückverwiesen.

Präsident Carter richtete einen dringenden

Appell an den Kongreß, die Frage umgehend zu behandeln und ein Gremium
einzusetzen, das Genehmigungsverfahren beschleunigt und für angemessenen
Umweltschutz sorgt.

Auch die Vorlage über die forcierte Umstellung

von ölheizkraftwerken auf Kohle (ein 10-Milliarden-Dollar-Projekt) sollte
nach Ansicht des Präsidenten unverzüglich verabschiedet werden.

+ + + + +

�I

Dokumentation
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Embassy of the United States of America

32

9. Juli 1980

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUR REGISTRIERUNGSPFLICHT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 2. Juli 1980
eine Proklamation unterzeichnet, mit der die Registrierung männlicher
amerikanischer Bürger im Alter von 19 und 20 Jahren für eine eventuelle
Wehrpflicht eingeführt wird. Bei der Unterzeichnung betonte Präsident
Carter ausdrücklich, daß es sich nur um eine Registrierung handle und
für die Wiedereinführung der Wehrpflicht ein eigenes Gesetz verabschiedet
werden müßte.
Die Erklärung des Präsidenten bei der Unterzeichnung hat folgenden
Wortlaut:
Heute vormittag unterzeichne ich eine Proklamation über die Durchführung des Registrierungsgesetzes, das der Kongreß kürzlich verabschiedet
hat. Ich möchte gleich zu Anfang sagen, daß der Kongreß eine sehr kluge
Entscheidung getroffen hat. Ich möchte betonen, daß das Registrierungsgesetz, das jetzt verabschiedet wurde und in Kraft tritt, keine Kriegsdrohung bedeutet, sondern der Erhaltung des Friedens dient.
Die

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Te|ex:

�Die Maßnahme, die von unserem Lande - wie von fast allen anderen
Ländern der demokratischen Welt - ergriffen wurde, soll dazu dienen, den
Frieden zu erhalten.

Wir sind zutiefst besorgt über die ungerechtfertigte

und verwerfliche Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion und die
sowjetische Besetzung dieses unschuldigen und wehrlosen Landes, die
völlig unberechtigt ist.
Wir haben eine Reihe von Schritten unternommen - wirtschaftliche,
diplomatische, politische und militärische Schritte -, um die Sowjetunion
davon zu überzeugen, daß ihr Handeln schlecht beraten ist, und sie
zu ermutigen, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen, und auch um eine
weitere Aggression zu verhindern, falls die Sowjets sich zu einer solchen
versucht fühlen sollten.

All die Maßnahmen, die wir ergriffen haben,

sind ihrer Natur nach friedlich, und wir fühlen uns weiterhin einer
friedlichen Lösung von Streitfällen verpflichtet.
Die Freiheitskämpfer in Afghanistan, die nach der Befreiung ihres
Landes streben, verdienen die Bewunderung der ganzen Welt, und ihr Mut
und ihre Ausdauer sind für sich allein schon das stärkste Gegenmittel
gegen einen Erfolg der sowjetischen Aggression.
Ich möchte betonen, daß das Registrierungsgesetz nicht die Wehrpflicht
bedeutet. Ich bin gegen eine Wehrpflicht in Friedenszeiten. Dieses
Registrierungsgesetz wird ganz wesentlich dazu beitragen, den Widerstand
unseres eigenen Landes aufzurufen, um nicht der Versuchung zu erliegen,
die zum Krieg und damit zur Wehrpflicht führen könnte. Die einzige Zeit,
in der ich an die Unterbreitung eines Wehrpflichtgesetzes im Kongreß
denken könnte, wäre eine Zeit des Krieges oder eine Zeit des nationalen
Notstandes, und in einem solchen Falle, wenn die Sicherheit unseres
Landes bedroht ist, wäre eine getrennte gesetzliche Maßnahme durch den
Kongreß notwendig - ein eigenes Gesetz, um unter solchen Umständen
die Wehrpflicht einzuführen.
Ich
- 2 -

�Ich darf sagen, daß wir uns weiterhin auf die Meldung von Freiwilligen
für die Streitkräfte zur Verteidigung unseres Landes verlassen werden.

Im

übrigen werden wir durch den Haushalt 1981 und durch eine Reihe von
Gesetzen, die einige der Mitglieder des Kongresses, die hinter mir stehen
und wir selbst eingebracht haben, dem Verteidigungshaushalt rund eine
Milliarde Dollar hinzufügen, um zusätzliche Freiwilligenmeldungen von
hochbegabten jungen Männern und Frauen zu bewirken und auch dafür zu
sorgen, daß jene gut ausgebildeten Soldaten länger im Militärdienst
bleiben.
Lassen Sie mich abschließend sagen, daß nach Unterzeichnung dieser
Proklamation junge Männer, die in den Jahren 1960 und 1961 geboren wurden,
sich bei den Postämtern ihrer jeweiligen Gemeinden melden müssen. Das
bedeutet nicht, daß sie eingezogen werden. Es bedeutet, daß wir den
Prozeß beschleunigen, durch der - sollte in Zukunft eine Zeit
des Notstandes oder eine Bedrohung unserer nationalen Sicherheit oder eine
Zeit des Krieges eintreten - die Mobilisierung unseres Verteidigungsmechanismus in Gang gesetzt werden kann. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die dazu dient, unser Land stark zu machen und den Frieden
zu erhalten.
Ich möchte um die Unterstützung aller Amerikaner für diesen Schritt
bitten: der Amerikaner, die registriert werden, und der Amerikaner aller
Altersstufen, die an ein starkes Amerika glauben, die an den Patriotismus
glauben, die an die Erhaltung des Friedens durch Stärke glauben.
Ich möchte jetzt die Proklamation unterzeichnen, die das RegistHerungsgesetz in Kraft setzt.

Und ich möchte jenen Mitgliedern des Kongresses

meinen Dank aussprechen, die so klug und mutig für dieses Gesetz gestimmt
haben.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 3 -

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9. Juli 1980

32

GEDANKEN ZUR TRANSATLANTISCHEN PARTNERSCHAFT
von James G. Lowenstein

James G. Lowenstein ist Botschafter
der USA in Luxemburg. Der Artikel
basiert auf einer Ansprache, die der
Verfasser kürzlich vor dem Politischen
Ausschuß der Ncrdatlantischen
Gesellschaft gehalten hat.

Wir Amerikaner sind stolz auf die Rolle, die wir bisher in Europa
gespielt haben. Wir sind der Ansicht, daß es ohne unsere Hilfe nicht
möglich gewesen wäre, die allgemeine Weltordnung dreißig Jahre lang
angesichts der ernsten Drohungen derjenigen aufrechtzuerhalten, die sie
in einer Weise zu verändern wünschen, die für die demokratischen Gesellschaften
unannehmbare Folgen mit sich gebracht haben würde. Große Befriedigung
ziehen wir Amerikaner aus der Tatsache, anderen mehr Wirtschaftshilfe gegeben
zu haben als irgendein anderes Land, mehr Nahrungsmittel verteilt, mehr
Menschen aus anderen Ländern ausgebildet und mehr Einwanderer wi11 kommen

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�willkommen geheißen zu haben.
Aber für diese dreißig Jahre des Friedens und des Wohlergehens mußte
ein hoher Preis entrichtet werden.

Es ist ein Preis, den die Amerikaner

nicht mehr allein zu zahlen bereit sind.

Und da eine lebensfähige

amerikanische Politik von der Unterstützung des amerikanischen Volkes
abhängt und diese Unterstützung sich wiederum auf die amerikanische
Vorstellung gründet, daß Europa sein Teil dazutut, hängt nunmehr die
Rolle Amerikas im Bündnis im gleichen Maß von Ihnen ab wie von uns.

Aber

ist dies nicht schließlich das Wesentliche einer Partnerschaft?
Wenn es um die weitere amerikanische Unterstützung für die NATO
geht, so ist die Vorstellung in den Vereinigten Staaten, daß uns unsere
europäischen Partner unterstützen, von der gleichen Bedeutung wie die
Vorstellung in Europa, daß die amerikanische Verpflichtung zu Europas
Verteidigung unverändert gilt.
Und meiner Meinung nach ist es gerade der Zustand dieser wechselseitigen Vorstellungen - bzw^ dieser falschen Vorstellungen -, von dem
man sagen könnte, er sei im Mittelpunkt all der Spannungen, die derzeit
in den amerikanisch-europäischen Beziehungen herrschen.
Der derzeitige Unterschied bei den Auffassungen dreht sich um Iran
und Afghanistan. Von unserem Standpunkt aus gesehen ergibt sich folgendes
Bild: obwohl Sie unsere Entrüstung über die Geiselnahme und das Festhalten
der amerikanischen Diplomaten teilen und mit uns einer Meinung sind, daß
die derzeitige Instabilität im Iran eine strategische Bedrohung darstellt,
fürchten Sie doch, daß unsere Reaktion das Risiko in sich birgt, den Iran
in die Arme Moskaus zu treiben. Was Afghanistan angeht, so teilen Sie
unserer Meinung nach zwar unsere Bedenken darüber, daß die sowjetische
Invasion eine Bedrohung des Zugangs zum öl des Persischen Golfs darstellt,
daß sie auf eine größere Bereitschaft der Sowjetunion zur Anwendung

�Anwendung militärischer Gewalt schließen läßt, einen Wandel in den Absichten
Moskaus signalisiert und die Verwundbarkeit des Westens unterstreicht; zugleich
stimmen Sie mit einigen der von uns vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen nicht
überein, vor allem nicht mit vielen der wirtschaftlichen Maßnahmen, für
die wir uns stark gemacht haben - Getreide, Technologie, Olympische
Spiele. Wir sind der Meinung, daß diese Wirtschaftssanktionen dazu
beitragen, die Sowjets von weiteren Abenteuern abzuschrecken. Viele von
Ihnen glauben, daß sie die Sowjets nur bestrafen sollen, daß sie unwirksam
sind und innenpolitisch Opfer bei Handel und Beschäftigung mit sich
bringen, was bei Ihnen zu Hause ernsthafte wirtschaftliche und politische
Probleme verursachen könnte.
Zusammengefaßt: wir tendieren dazu, in Europa einen Mangel an
politischer Bereitschaft zu erkennen, während Sie dazu neigen, in Washington
Unstetigkeit und Unentschlossenheit auszumachen.
Wie sieht die Lösung aus? Wir können diese unterschiedlichen
Auffassungen überbrückt werden? Wir erkennen keine rasche und leichte
Methode, um zu lösen, was in der Tat ein chronisches Problem ist.
Unserer Ansicht nach gilt etwas seit dem Bestehen dieses Bündnisses
- e i n Bündnis, das ein Harvard-Professor namens Henry Kissinger in einem
1965 geschriebenen Buch "The Troubled Partnership" nannte - (im Deutschen
hat das Buch den Titel : "Was wird aus der westlichen Allianz?"d. Red.), daß
nämlich Ruhe, Verläßlichkeit und umfassende Konsultation notwendig sind,
wobei alle Bündnispartner Bereitschaft nicht nur zur Information und
zum Zuhören zeigen, sondern auch zur Anpassung an die Bedenken der
anderen Partner, bevor größere Entscheidungen getroffen werden, die auch
diese anbelangt.
Eine der Sorgen unserer europäischen Verbündeten besteht, wie wir
wissen, darin, wie die Invasion Afghanistans unser Konzept der Ost-WestBeziehungen langfristig beeinflußt.

Kurz: sind wir zum Kalten Krieg

- 3 -

�Krieg zurückgekehrt, und - wenn dem nicht so ist - wollen wir das?

Ich

habe das Außenministerium um eine Antwort auf diese Frage gebeten.

Hier sind

die wesentlichen Elemente der Erwiderung:
Erstens:

Während wir beabsichtigt haben, die Sowjets einen hohen

Preis zahlen zu lassen, von dem wir hoffen, er möge mit dazu beitragen,
vor ähnlichen Schritten anderswo abzuschrecken, waren die von uns
getroffenen Maßnahmen zugleich darauf gerichtet, uns dem Ziel eines
vollständigen Abzugs der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan näherzubringen.
Zweitens: gleichzeitig haben wir ein anhaltendes Interesse an einer
Ausgestaltung der Beziehung zur Sowjetunion, bei der der grundlegende
Wettbewerb durch Zurückhaltung eingeschränkt wird.
'•

Drittens: Mit der Verhängung von Sanktionen haben wir kein einziges
unserer formellen Abkommen mit der Sowjetunion aufgehoben. Das Rahmenwerk
für eine stabilere, für beide Seiten nützliche Beziehung bleibt erhalten.
Viertens: Wir bleiben auch weiterhin Verhandlungen mit den Sowjets
über Rüstungskontrolle verpflichtet. Obgleich wir die politischen
Schwierigkeiten einer Ratifizierung in nächster Zukunft erkennen, so bleiben
wir doch dem SALT II-Vertrag verpflichtet und haben die Absicht, keine
Maßnahmen zu ergreifen, die dem Zweck oder dem Ziel des Vertrags zuwiderlaufen oder die im Widerspruch zum SALT I-Zwischenabkommen stehen,
überdies haben wir unsere Bereitschaft zu erkennen gegeben, in Verhandlungen
über weitreichende nukleare Mittel Streckensysteme (LRTNF) im Rahmen von
SALT III einzutreten und einen vorbereiteten Meinungsaustausch sogar noch
vor der Ratifizierung von SALT II abzuhalten. Wir bedauern nur, daß sich
die Sowjets nicht zu einer positiven Reaktion bereitfinden konnten.
Fünftens

- 4 -

�Fünftens:

Ohne eine Rückkehr zu normalen Geschäftsbeziehungen

zu siganlisieren, erkennen wir doch die Bedeutung der Offenhaltung von
Kommunikationskanälen zu den Sowjets, wie dies durch das Treffen von
Außenminister Muskie mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gromyko in
Wien belegt wurde.
Sechstens: Gleichzeitig haben wir unsere Politik der verstärkten
Bande mit Osteuropa fortgesetzt. Wir beabsichtigen, die Suche nach
verbesserten Beziehungen zu allen osteuropäischen Ländern fortzusetzen
und zwar in dem Maß, in dem sie unser Interesse erwidern und die Bereitschaft dafür zeigen, unsere Bedenken in Rechnung zu stellen. Obgleich wir
jedoch nicht darauf bestehen, daß die Staaten des Warschauer Paktes
unsere Ansichten zu den Ereignissen in Afghanistan teilen, so würden es
doch Schritte ihrerseits, die zur Untergrabung der von uns hinsichtlich
unserer Bezeihungen mit der Sowjetunion getroffenen Maßnahmen dienen würden,
für uns in zunehmendem Maß schwieriger machen, mit den Politiken fortzufahren, die zwischen einzelnen osteuropäischen Staaten und der Sowjetunion
unterscheiden.
Und siebtens:

wir haben erneut unsere Verpflichtung gegenüber dem

KSZE-Prozeß bekräftigt, den wir nicht nur als Teil eines Rahmenwerks
ansehen, der dabei helfen kann, zur Entwicklung einer stabileren Beziehung
zur Sowjetunion beizutragen, sondern auch als einen Prozeß, der auf
konstruktive Weise die osteuropäischen Völker mit einbezogen hat.
Es scheint mir, als stellten diese Elemente kein Rezept für eine
Rückkehr zum Kalten Krieg dar.
Und dennoch besteht die europäische Presse seit einigen Monaten
auf dem Gegenteil.

Mir scheint, einer der Gründe für das Problem der

unterschiedlichen Auffassungen in den Vereinigten Staaten und in Europa
ist die Berichterstattung über Europa in der amerikanischen Presse und

- 5 -

�und über die Vereinigten Staaten in den europäischen Medien. Mein
Eindruck ist, daß die amerikanische Presse nicht nur unzureichend über die
technologischen Fortschritte berichtet, die die europäischen Länder machen
sowie über deren gesellschaftliche Konsequenzen, sondern daß ihre Berichterstattung über das politische Geschehen in Europa sich dem anzuschließen scheint, womit die amerikanische Regierung im Augenblick besonders
beschäftigt ist.

Im letzten Jahr war dies vor allem abwechselnd das

TNF-Problem, Iran und Afghanistan. Aber die Europäer machen sich zumindest ebenso viele Sorgen um den Nahen Osten und um das Erdöl, um die
Stahlpreise und um Dollarschwankungen.

Liest man die amerikanische Presse,

so kann man dies nicht einmal erahnen, und ich finde in der amerikanischen
Presse nur sehr wenige Analysen und Kommentare darüber, in welcher Beziehung
Themen der Außenpolitik zu den innenpolitischen Sorgen in Europa stehen.
Was die Berichterstattung in der europäischen Presse über die Vereinigten
Staaten anbelangt, so kommt sie mir oft genug oberflächlich vor. Ein
Europäer, der über die Vereinigten Staaten liest, hat nur eine sehr
vage Vorstellung von der Vielfalt der amerikanischen Gesellschaft, von
den Konflikten und Widersprüchen zwischen den moralistischen und
materialistischen Aspekten der amerikanischen Psyche oder von der selbstbewußten Geistigkeit der politischen Analyse und des politischen Denkens
in Amerika. Und es gibt viele wichtige Bereiche im politischen und
sozialen Leben Amerikas, die die europäische Presse kaum berührt. Und
auf beiden Seiten des Atlantik scheint bei der Presse eher die Einstellung
zur Kritik als zur Erklärung zu herrschen.
Aber ungeachtet aller Kritik und ungeachtet aller auftretender
Unterschiede in der Auffassung, ist es meiner Meinung nach wichtig,
nicht zu vergessen, daß seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs jeder
amerikanische Präsident und jeder Außenminister das Primat der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber Europa betont hat.
Präsident

�Präsident Carter bekräftigte dies eindringlich am 9. Mai in einer
Rede in Philadelphia, als er die Solidarität mit unseren Verbündeten
als "den Prüfstein unserer Außenpolitik" definierte. Gleichgültig,
weswegen Sie uns sonst auch kritisieren mögen: Tatsache ist, daß wir
Europa nicht den Rücken gekehrt haben - wir haben weder protektionistischem
Druck 1m Wirtschaftsbereich noch isolationsistischem Druck im politischen
Bereich nachgegeben.
Im Gegenteil: während republikanischer und demokratischer Administrationen,
im Verlauf konservativer und liberaler Regierungsperioden der amerikanischen
Geschichte, durch alle politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen
hindurch, die wir in den vergangenen drei Jahrzehnten erlebt haben,
schwankten wir zu keiner Zeit 1n unserer Überzeugung, daß eine möglichst
enge Beziehung zu einem möglichst starken Europa die wesentlichste Bedingung
der amerikanischen Politik ist. Ich bin davon überzeugt, daß die Europäer
nicht wollen, es wäre anders.

+ + + + +

- 7 -

�9. Juli 1980

32

ÜBERZEUGENDE STARTERFOLGE DES US-ENERGIEPROGRAMMS
Integrierende Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- un^ Forschungspolitik
ein tragfähiges Fundament für die Zukunft

- (AD) - Ein überaus wichtiger Markstein auf dem Wege der Vereinigten
Staaten zu größerer Unabhängigkeit vom Ausland in der Energieversorgung
war die Verabschiedung des "Energiesicherungsgesetzes von 1980", das
Präsident Carter am 30, Juni 1980 unterzeichnete. Der US-Kongreß bewilligte 20 Milliarden Dollar für die erste Phase der Produktion synthetischer
Brennstoffe, die Erschließung regenerativer Energiequellen und umfassende
Maßnahmen zur Energieeinsparung,,
Das Gesetz sieht die Errichtung einer unabhängigen staatlichen
Gesellschaft, der "Synthetic Fuels Corporation" vor, deren sieben Direktoren
vom Präsidenten ernannt und vom Kongreß bestätigt werden müssen. Sie
hat die Aufgabe, die großtechnische Produktion von Brennstoffen aus Kohle,
Ölschiefer, Teersanden und anderen alternativer, Quellen zu finanzieren.
Dies geschieht vor allem durch Kredite, Kreditbürgschaften, Abnahmeund Preisgarantien an die Privatwirtschaft für qualifizierte Projekte.
Nach

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T e | e x : 08-85432

�Nach vier Jahren wird der Kongreß unter Bewertung der inzwischen
aufgebauten Produktionskapazitäten und Planungen für die Zukunft darüber
entscheiden, ob weitere 68 Milliarden Dollar (insgesamt 88 Milliarden
waren vom Präsidenten in seinem vor einem Jahr eingebrachten Vorschlag
gefordert worden) für derartige Projekte bereitzustellen seien.

Vorläufiges

Produktionsziel für Synthesebrennstoffe sind täglich 500 000 Barrel
(1 Barrel = 159 Liter) im Jahr 1987, zwei Millionen Barrel pro Tag im
Jahr 1992. Außerdem soll die strategische ölreserve wieder aufgefüllt
und eine Bank mit drei Milliarden Dollar Kapital für Investitionen zur
Energieeinsparung und Erschließung regenerativer Energiequellen, für
zusätzliche Kredithilfen der BrennstoffProduktion aus Biomassen und
Alkohol sowie für Zuschüsse zu Energiespar-Investitionen von Elektrizitätsund Gaswerken eingerichtet werden.
Mit der Verabschiedung des Nationalen Energiegesetzes (NEA) im
November 1978 schuf die US-Regierung bereits eine wichtige Basis für die
jetzt in Gang kommenden Maßnahmen. Diese Politik läßt, wie aus einer
kürzlich vom US-Außenministerium veröffentlichten Übersicht hervorgeht,
nunmehr erste eindrucksvolle Erfolge erkennen. Sie betreffen u.a. die
Einsparung von Energie im wirtschaftlich- industriellen und privaten
Bereich, den Rückgang von Ölverbrauch und ülimporten, den Abbau der
staatlichen Subventionierung von einheimischem Erdgas und Erdöl und die
Entwicklung alternativer Energiequellen. Mit der Verabschiedung des
neuen "Energiesicherungsgesetzes" wird übrigens auch die Nutzbarmachung
der Erdwärme und die Verwertung von Müll zur Energiegewinnung stärker
als bisher gefördert.

- Einsparung von Energie In der Praxis hat gegenwärtig die Einsparung von Energie Vorrang.
Für einschlägige Programme wendet die Bundesregierung im laufenden

- 2 -

�laufenden Haushaltsjahr mehr al 1,5 Milliarden Dollar auf.

Durch

Steuererleichterungen und Regierungszuschüsse ergeben sich allein für
den ßausektor mehr als 3,5 Milliarden Dollar an privaten und öffentlichen
Investitionen,

Außerdem hat die Bundesregierung über die nächsten zehn

Jahre sechs Milliarden Dollar für beschleunigt durchzuführende Energiesparinvestitionen, insbesondere bei Wohnungen für Familien mit mittleren
und niedrigen Einkommen, vorgesehen.

Langfristige Kredite bedeuten für

die Begünstigten Sofortersparnisse bei den Lebenshaltungskosten.

Die

Energieeinsparung als Folge dieser Maßnahmen könnte bis 1990 den ölbedarf
um 500 000 Barrel pro Tag senken.
Großer Wert wird seit Anlaufen eines entsprechenden Programms
im Jahr 1975 auf die verbesserte Wirtschaftslichkeit der Kraftfahrzeuge
gelegt. Die amerikanischen Autohersteller haben bereits bei ihren
Modellen für 1978, 1979 und 1980 die von der Regierung geforderten durchschnittlichen Verbrauchswerte unterschritten. Zunehmend strengere
Anforderungen werden helfen, bis 1985 täglich etwa 500 000 Barrel, bis
1990 sogar mehr als eine Million Barrel zu sparen. Ein im April von
Präsident Carter verkündetes Programm zielt darauf ab, durch die Einrichtung von Fahrgemeinschaften, Training in benzinsparendem Fahren und
die Auszeichnung von Einzelpersonen und Betrieben, die im Energiesparen
besonders erfolgreich sind, die Sparerfolge zusätzlich zu fördern.

- Abbau von Subventionen für öl Die Preisbindung für einheimisches öl läuft am 30. September 1981
endgültig aus. Das Programm begann am 1. Juni 1979, als neu entdeckte
Erdölvorkommen, öl aus Sekundär- und Teritiärförderung, ferner die
Produktion aus unbedeutenden Vorkommen zu höheren als den staatlich festgesetzten Preisen abgegeben werden durfte.

- 3 -

Inzwischen unter!iegen

�unterliegen 38 Prozent des in den USA geförderten Öls keiner Kontrolle
mehr.

Der zu erwartende Nachfragerückgang als Folge der Angleichung

an die Weltmarktpreise ab Oktober 1981 könnte bis 1990 zu einer Importdrosselung um zwei Milliarden Barrel pro Tag führen.

Für schweres öl

aus einheimischer Produktion wurde schon im August 1979 die Preisbindung
aufgehoben.

- Importe Auf dem Wirtschaftsgipfel von Tokio im Juni 1979 erklärten sich
die Vereinigten Staaten bereit, ihre ölimporte auf 8,5 Millionen Barrel
pro Tag zu begrenzen.

Kurz darauf gab Präsident Carter bekannt, daß die

Nettoimporte auf 8,2 Millionen Barrel/Tag und darunter gedrosselt würden
und die Einhaltung der Importquoten kontrolliert werde.

Während den

Vereinigten Staaten auf der Ministerratssitzung der Internationalen
Energieagentur (IEA) im Dezember 1979 täglich 8,5 Millionen Barrel an
Importen zugestanden wurden, begrenzte Präsident Carter diese Menge in
seiner Botschaft zur Lage der Nation im Januar 1980 auf 8,2 Millionen
Barrel.

- Benzinverbrauch im Jahr 1980 Präsident Carter verfügte, daß der durchschnittliche Benzinverbrauch
der USA pro Tag nicht mehr als sieben Millionen Barrel betragen dürfe 5,5 °rozent weniger als 1979. Die Aufteilung unter den Bundesstaaten
erfolgt nach einem den jeweiligen Gegebenheiten entsprechenden Schlüssel.
- Raumtemperaturen -

�- Raumtemperaturen Das Bundesprogramm zur Temperaturkontrolle in nicht als Wohnung
genutzten Gebäuden wurde bis zum 1. Januar 1981 verlängert.

Hierbei

geht es um die von der Regierung verfügte Einhaltung von Höchsttemperaturen
für Heizung und Warmwasser und maximale Kühltemperaturen für Klimaanlagen
bei etwa drei Millionen Gebäuden.

Seit Inkrafttreten des Programms 1m

Juli 1979 dürfte bereits Energie in einem Umfang eingespart worden sein,
der 200 000 bis 400 000 Barrel öl pro Tag entspricht.

- Besteuerung von Situationsgewinnen Präsident Carter unterzeichnete am 1. April 1980 das Gesetz über
die Besteuerung der sog. Situationsgewinne ("Windfall Profits Tax"),
welche den Mineral öl firmen durch die allgemeine Preissteigerung beim
öl und die Aufhebung der Preisbindung für amerikanisches öl zufallen.
Die Einkünfte aus dieser Steuer werden zur Entwicklung alternativer
Energiequellen beitragen, ferner zusätzliche, energiepolitisch wirtschaftliche
Massenverkehrsmittel finanzieren helfen und die finanzielle Unterstützung
von Familien mit geringem Einkommen zum Ausgleich der Energiekostensteigerung nach der Aufhebung der Preisbindung von öl und Gas ermöglichen.

- Kohle statt Erdöl und Erdgas Vom Kongreß noch nicht verabschiedet sind die von Präsident Carter
eingebrachten Gesetze, durch die der Erdöl- und Erdgasverbrauch in
Heizkraftwerken in einem Umfang reduziert werden soll, der 1990 der
Einsparung von etwa 1 Million Barrel öl pro Tag entspricht. Den Ausgleich

- 5 -

�Ausgleich sollen in erster Linie einheimische Kohle und wirkungsvolle
Energiesparprogramme schaffen.

Der ihnen zugrundeliegende Plan ist

darauf abgestellt, mehr Kraftwerke in kürzerer Zeit auf Kohlebefeuerung
umzustellen, als dies auf der Basis bereits geltender Gesetze möglich
ist.

Für die beschleunigte Umstellung sind Zuschüsse von der Bundes-

regierung und eine Straffung der bürokratischen Verfahren vorgesehen.
Die Finanzierung erfolgt über Einkünfte aus der Situationsgewinnsteuer.

- Energie- und Ölverbrauch der USA Der gesamte Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten hielt sich
1979 auf dem Stand von 1978 - gegenüber einer realen Wachstumsrate
des Bruttosozialprodukts um 2,3 Prozent.

Dieser Umstand verweist auf

einen bemerkenswerten Wandel gegenüber der Relation zwischen Energieverbrauch und Wirtschaftswachstumsraten vor Beginn der siebziger Jahre.
Der Ölverbrauch war im Jahr 1979 um 2,4 Prozent niedriger als 1978. In
den ersten viereinhalb Monaten dieses Jahres lag der Tagesverbrauch
bei 17,6 Millionen Barrel und damit um 9,2 Prozent unter dem Verbrauch
des Vergleichszeitraums im Vorjahr.

- Weniger ölimporte Die Netto-Ölimporte der Vereinigten Staaten beliefen sich 1979 auf
7,8 Millionen Barrel pro Tag (einschließlich der Importe für die strategische
ölreserve) - gegenüber 8 Millionen/B/Tag im Jahr 1978 und 8,5 Millionen
Barrel pro Tag im Jahr 1977. In den ersten viereinhalb Monaten des
Jahres 1980 wurden Tagesimporte von 6,8 Millionen Barrel ermittelt,
d.h. 12,7 Prozent weniger als 1979.
- Energie

�- Energie- und Ölverbrauch in Einzelbereichen Verkehrswesen:

Im Jahr 1979 lag der Benzinverbrauch in Amerika

um 5 Prozent unter dem von 1978. Diese Tendenz verstärkte sich inzwischen,
wie der weitere Rückgang um 8,2 Prozent während der ersten viereinhalb
Monate im Jahr 1980 gegenüber 1979 zeigt.
Heizöl:

Sowohl in Privatwohnungen als auch in gewerblich genutzten

Bauten ging der Ölverbrauch von 1973 bis 1979 um 8 Prozent (300 000 Barrel
pro Tag) zurück.
Industrie:

Trotz Wirtschaftswachstum und höherem Produktions-

ausstoß der Industrie lag hier der Energieverbrauch nur geringfügig
über dem von 1973. Seit 1972 haben in den Vereinigten Staaten

die zehn

energieintensivsten Industriebranchen eine um 14 Prozent bessere Effizienz
der Energienutzung erzielt und sparen heute gegenüber 1972 das Äquivalent
von 1,2 Millionen Barrel pro Tag ein.

- Preissituation Von Monat zu Monat wird der gegenwärtige Anteil von 38 Prozent der
nicht preisgebundenen amerikanischen öl Produktion steigen, bis ab
1. Oktober 1981 jegliche Preisbindung entfällt. Selbst mit Subventionen
ist der Unterschied zwischen dem Importölpreis und dem Mischpreis bzw.
den Abnahmepreisen für Raffinierien viel geringer.als allgemein angenommen
wird. Die Rohöl kosten der amerikanischen Raffinerien belaufen sich
im Durchschnitt auf mehr als 80 Prozent des Weltmarktpreises. Dieser
Abstand verringert sich mit der zunehmenden Aufhebung der Preisbindung
für einheimisches öl ständig - bis zur völligen Angleichung an den
Weltmarktpreis im Herbst 1981.
Mit
- 7 -

�Mit Ausnahme von Benzin und Propan unterliegen die Wiederverkaufspreise für Mineralölprodukte keiner Preisbindung mehr.

- Energieproduktion Die einheimische Energieproduktion soll auf den höchstmöglichen
Stand gebracht werden.

Deshalb hat Präsident Carter die Bedeutung eines

sicheren Ausbaus der Kernkraft bekräftigt.

Die Nukleare Aufsichts-

kommi'ssion (NRC) der USA erteilt seit kurzem wieder Genehmigungen für
Kernkraftwerke.

Die Kernkraft spielt auch künftig eine wichtige Rolle

in der amerikanischen Energieproduktion.

Ihr Anteil an der gesamten

Stromproduktion betrug 1979 11,5 Prozent (gegenüber 4,5 Prozent im
Jahr 1973).
Die Kohleproduktion erreichte 1979 die Rekordhöhe von 775 Millionen
short tons (712 Millionen metrische Tonnen) und lag damit um 15,8 Prozent
über der Jahresförderung von 1978. Aufgrund der von der Regierung
verfolgten Politik wird künftig ständig mehr Kohle abgebaut und sowohl
für die Stromerzeugung als auch die direkte industrielle Verwertung u.a. der Erzeugung synthetischer Brennstoffe - eingesetzt werden.
Die stufenweise Aufhebung der Preisbindung für den Erdgasförderpreis
stimuliert die einheimische Erdgasproduktion. Sie erscheint jetzt
lohnender, und der ständige Rückgang in der Reservenergänzung wurde etwas
gebremst. Die vermarktete Produktion im Jahr 1979 lag bei 560 Milliarden cbm,
1,3 Prozent weniger als 1978„ Die US-Regierung verfolgt jetzt das Projekt
einer Alaska-Erdgasleitung mit großem Nachdruck. Seit April 1979 wurden
bereits zahlreiche Umstellungen auf Erdgas vorgenommen; ca. sieben
Prozent der Eigenheime, die bisher Heizöl benutzten, verwenden jetzt

�jetzt Erdgas oder Holz.
Die Inlandförderung von Rohöl lag 1979 bei durchschnittlich 8,5
Millionen Barrel pro Tag gegenüber 8,7 Millionen Barrel im Jahr 1978.
Für Expo"*oration und neue bzw. verbesserte Produktionsstätten wurde in
den USA in letzter Zeit viel unternommen.

Die Zahl der Explorations-

bohrungen erhöhte sich von 1973 bis 1979 um 87 Prozent.

- Forschung und Entwicklung Das Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramm der
Vereinigten Staaten auf dem Energiesektor wird in einem am 25. Juni 1980
von der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris veröffentlichten
Bericht als "gewichtig und breit fundiert" besonders hervorgehoben.
Die Mittel dafür seien von 808 Millionen im Haushaltsjahr 1974 auf
3,8 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1980 angehoben worden (militärische
Energieforschungs- und Entwicklungsprogramme sind dabei nicht berücksichtigt). Im Jahr 1979 entfielen allein 55 Prozent aller in den
21 IEA-Mitgliedstaaten für Energieforschung und Entwicklung aufgebrachten
Mittel auf die Vereinigten Staaten. Um die auf dem Wirtschaftsgipfel
von Venedig anvisierten Ziele für die nächsten zehn Jahre, nämlich
Verdoppelung der Kohleproduktion und Ersatz von öl durch Alternativenergien entsprechend einem Energiegehalt von 15 - 20 Millionen Barrel
öl pro Tag, zu erreichen, ist nach Ansicht von Dr. Donald M. Kerr eine
rasche Kommerzialisierung bereits erarbeiteter Technologien für Alternativenergie notwendig. (Dr. Kerr ist der Vorsitzende des IEA-Komitees für
Forschung, Entwicklung und Demonstration und Direktor des amerikanischen
Wissenschaftlichen Laboratoriums Los Alamos.) Auf dem Gebiet von Forschung
und Entwicklung trete die Kohleforschung mit der Entwicklung besserer
umweltschonender Abbauverfahren und Verbrennungsverfahren mit höherem
Wirkungsgrad bei geringerer Umweltbelastung immer mehr in den Vordergrund.
+ + + + +
- 9 -

�a

i

3

«KlInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

REFORM DER ATOMKRAFTWERKS-SICHERHEITSBESTIMMUNGEN
US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz

- (AD) - Das erste Gesetz zur Neuordnung der Bestimmungen für die
Sicherheit bei Atomkraftwerken wurde kürzlich vom amerikanischen Repräsentantenhaus verabschiedet und dem Senat zugeleitet.

Es leitet Reformen ein,

die nach dem Reaktorunfall von Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvanien)
im März vergangenen Jahres eine Wiederholung solcher oder ähnlicher
Vorkommnisse verhindern sollen.
Der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) der Vereinigten Staaten werden
u.a. zusätzliche Mittel für Kontrollaufgaben auf dem Gesundheits- und
Sicherheitssektor bewilligt.

Vorgesehen sind verbesserte Katastrophen-

schutzmaßnahmen seitens einzelstaatlicher und kommunaler Behörden, bessere
Schutzvorkehrungen gegen Sabotageakte und die Ausarbeitung eines nationalen
Bereitschaftsplanes für eine angemessene Soforthilfe bei nuklearen Unfällen.

Dem

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dem Gesetz zufolge werden 146 hauptamtliche NRC-Inspektoren zusätzlich eingesetzt und den verschiedenen Atomkraftwerken zugeteilt. Das
Gesetz sieht außerdem vor, daß
-

jeder Verstoß gegen Genehmigungsbestimmungen der NRC mit einer
Geldstrafe in Höhe von 25 000 bis 100 000 Dollar geahndet wird;

-

die NRC neue Genehmigungen für den Betrieb von Atomkraftwerken
erst dann erteilen darf, wenn ein vom zuständigen Bundesstaat
oder von zuständigen kommunalen Behörden gebilligter Katastrophenschutzplan über Maßnahmen bei nukleartechnischen Unfällen vorliegt
oder ein Plan für den angemessenen Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit existiert;

-

Sabotage nach dem Strafrecht zu ahnden ist; und

-

neue Bestimmungen für die Standortwahl auszuarbeiten sind, die
gewährleisten, daß neue Atomkraftwerke weitab von dichtbevölkerten
Gebieten errichtet werden.

Im Fall eines nuklearen Unfalls muß der Präsident einen nationalen
Einsatzplan ausarbeiten lassen. Die NRC ist verpflichtet, Ausbildungsprogramme für das Betriebspersonal von Atomkraftwerken zu verbessern und
den Gouverneuren der Bundesstaaten geplante Transporte von Atommüll durch
das ihrer Kontrolle unterliegende Gebiet vorher zu melden.

+ + + + +

�3
i

I 3

Wi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

ZINK-CHLORID-BATTERIE-SYSTEM FÜR ELEKTROAUTOS

- (AD) - Mit einem von dem amerikanischen Unternehmen "Gulf
&amp; Western Industries" entwickelten Zink-Chlorid-Batterie-System fahren
zwei auf Elektroantrieb umgerüstete Testfahrzeuge, die Firmenprä'sident
David N, Judelson kürzlich in New York der Öffentlichkeit vorstellte.
Das mit insgesamt 27 Millionen Dollar von Gulf &amp; Western sowie dem von
der amerikanischen' Kraftwerkindustrie unterhaltenen "Electric Power
Research Institute" und vom US-Energieministerium finanzierte Projekt
wurde bereits 1972 in Angriff genommen. Das Ergebnis bezeichnete
Judelson als "eine der vielleicht sinnvollsten Entwicklungen dieses
Jahrhunderts". Denn im Gegensatz zu den Säurebatterien wird die ZinkChlorid-Batterie nicht aufgebraucht und dürfte, wie aus mehrjährigen
Dauertests zu schließen ist, praktisch unbegrenzt wiederaufladbar sein.
Demonstriert wurde das Batteriesystem an einem Kombifahrzeug
japanischer Bauart und an einem VW-Rabbit. Die Reichweite beträgt
240 km bei einer Fahrgeschwindigkeit von 88 km pro Stunde.

Sie wäre

sicherlich größer, wenn ein speziell dafür konstruiertes Fahrzeug zur

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�zur Verfügung stünde. Autos mit dem Zink-Chlorid-Batterie-System sind
als Zweitwagen vor allem für den wohnortnahen Berufs- und Stadtverkehr
gedacht.

Die Batterie läßt sich aus der Steckdose (Wechselstrom, 220 V)

in sechs bis acht Stunden neu aufladen,,

Bei einem durchschnittlichen

Strompreis von 5 Cents pro Kilowattstunde in den USA lägen nach Berechnungen
von Gulf &amp; Western Industries die Betriebskosten für einen mit vier
Personen besetzten VW-Rabbit bei 1,4 Cent pro Kilometer - im Vergleich
zu gegenwärtig 4 Cent bei dem mit Benzinmotor ausgerüsteten Fahrzeug.
Wie Charles J. Smith vom amerikanischen Energieministerium erklärte,
dürfte die Zink-Chlorid-Batterie früher als andere vom Energieministerium
geförderte Kraftsysteme für Elektroautos zur kommerziellen Anwendung
kommen,

Nach Auskunft eines Firmensprechers könnte damit in etwa vier

Jahren gerechnet werden.

Und es sei denkbar, daß schon in zwei Jahrzehnten

die Produktion von Elektroautos mehr als ein Drittel der gesamten Kraftfahrzeugproduktion ausmache.
Durch weitere technische Verbesserungen will die Firma Gulf &amp; Western
Industries das Batteriesystem (mit einem Gesamtgewicht von ca. 540 kg
einschließlich Kaltspeicher, einiger Tausend Plattenelektroden aus
Graphit sowie Pumpen und Minicomputer zur Steuerung des Betriebsstroms)
noch leistungsfähiger und damit für den Betrieb billiger gestalten.
Das Projekt ist Teil eines von der amerikanischen Privatwirtschaft,
von privaten und staatlichen Forschungsinstituten betriebenen und von
Behörden geförderten Programms zur Entwicklung wirtschaftlicher Elektrofahrzeuge, die schon in absehbarer Zukunft einen nicht zu unterschätzenden
Beitrag zur Einsparung von Importöl leisten könnten. Dabei werden die
verschiedensten technischen Möglichkeiten in bezug auf die Kraftquelle
sowie Kombinationen von Elektroantrieb und Benzinmotor erprobt.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Synthesebrennstoff-Gesetz von Präsident Carter unterzeichnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zur Registrierungspflicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedanken zur transatlantischen Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von James G. Lowenstein -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überzeugende Starterfolge des US-Energieprogramms&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Integrierte Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- und Forschungspolitik - ein tragfähiges Fundament für die Zukunft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reform der Atomkraftwerks-Sicherheitsbestimmungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zink-Chlorid-Batterie-System für Elektroautos</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommunistische Lehrmethoden führen sich selbst ad absurdum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wissenschaft notiert Himmelsphotographie auf neuen Wegen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hundertfache Bildverstärkung des Mount-Palomar-Teleskops&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Textiles U.S.A.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Textilschau im Museum of Modern Art, New York&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;I. Dulles Pressekonferenz vom 18. Dezember 1956&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Wortlaut)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;II. Zur Eisenhower Doktrin&lt;br /&gt;Eisenhower fordert vom Kongress Vollmachten zum Schutz der Mitteelststaaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Mittelost-Botschaft Präsident Eisenhowers vom 5. Januar 1957&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dulles erläutert Mittelostplan Präsident Eisenhowers&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vor dem Außenpolitischen Ausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses (7. Januar 1957)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;III. Nixon über die Lage der Ungarnflüchtlinge&lt;br /&gt;Wortlaut des Berichts an den Präsidenten der Vereinigten Staaten&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>a

Information
und
Dokumentation

i a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980
INHALT
INFORMATION
USA rechnen mit fester Haltung Westeuropas zur sowjetischen Invasion
in Afghanistan
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig DOKUMENTATION
Carter: USA werden sich ihrer Verantwortung stellen
- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 Rede des US-Chefdelegierten vor dem Weltsicherheitsrat
- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan Präsident Carter fordert Verschiebung der Senatsdebatte über SALT II
- Schreiben an Senator Byrd HINTERGRUNDMATERIAL
Die NATO: Ihre Vergangenheit und ihre Zukunft
- Von Senator Jacob Javits Energieversorgung:

Herausforderung der achtziger Jahre

Von John Sawhill
Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten
Weltpreisentwicklungen bei Nahrungsmitteln
- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel

Um Über/endung von
ßclcgcxcmplorcn wird
gebeten

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�Uli ai MI

L alH •i

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980

USA RECHNEN MIT FESTER HALTUNG WESTEUROPAS ZUR SOWJETISCHEN INVASION
IN AFGHANISTAN
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Die Reaktion der Vereinigten Staaten und Westeuropas
auf die sowjetische Aggression in Afghanistan wird sicherlich über den Tag hinaus andauern.

Damit rechnet man jedenfalls in amerikanischen Regierungskreisen,

Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Warren Christopher erklärte am 6. Januar 1980, "eine der Lehren" aus der sowjetischen Invasion der
Tschechoslowakei im Jahr 1968 sei gewesen, "daß die Reaktion entschlossen und
nachhaltig sein muß".
In einem Fernsehinterview im Rahmen der bekannten Sendereihe "Face the
Nation" (Stell Dich der Nation) der Gesellschaft CBS wies Christopher darauf
hin, daß der Nordatlantikrat in der kommenden Woche zusammentreten und über
seine Reaktion beraten werde.

"Ich rechne damit, daß seine Reaktion entschlos-

sen und fest sein wird",so sagte er.
Christopher

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Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�Christopher deutete in dem Interview an, was die Verbündeten Amerikas
tun könnten.

Bisher hat die Regierung Carter eine Reihe einschneidender ein-

seitiger Sanktionen gegen Moskau angekündigt und nur ihrer Erwartung Ausdruck
verliehen, daß Australien, Kanada und die westeuropäischen Länder nicht die
17 Millionen Tonnen Futtergetreide für den sowjetischen Viehbestand liefern
werden, deren Lieferung die Vereinigten Staaten gesperrt haben.
Der Stellvertretende amerikanische Außenminister sprach die Erwartung aus,
daß die westeuropäischen Länder ihre Hilfe für Afghanistan einstellen werden.
Man rechne in Washington ferner mit Maßnahmen hinsichtlich ihrer diplomatischen
Vertretungen in Afghanistan.
Und schließlich sagte Christopher, er rechne damit, daß einige der westeuropäischen Länder den Sowjets Exportkredite verweigern.
Zusammenfassend gesagt

ging es Christopher um folgendes:

- Es ist nicht die Zeit gekommen, "den Tod der Entspannung zu verkünden",
aber "wir werden in Zukunft abwarten müssen", wie sich die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen entwickeln.
- Washington ist "entschlossen", den Sowjets zu zeigen, daß ihre Aggression in Afghanistan ihren Preis haben wird und daß jede folgende Aktion dieser
Art sehr schwere Strafen nach sich ziehen würde.
- Die Regierung Carter betrachtet die sowjetische Invasion als ein mögliches "Trittbrett" für weitergesteckte Ziele, vielleicht ölinteressen Moskaus
in anderen Bereichen der Region.
Auf eine Frage nach amerikanischer Hilfe für Pakistan, dem Nachbarn
Afghanistans, erwiderte Christopher, das werde sich innerhalb der nächsten
Tage entscheiden.
tuation".

Er sprach in diesem Zusammenhang von einer "Ausnahmesi-

Auf mögliche Bedenken Indiens gegen amerikanische Hilfe für Pakistan

- 2 -

�Pakistan angesprochen, betonte Christopher, daß die USA "gute Beziehungen"
zu Indien aufrechterhalten wollten.

Indien müsse schließlich das Vorgehen

der Sowjets in Afghanistan auch als eine Bedrohung seiner eigenen Souveränität
wie der anderer Länder der Region betrachten.

Wenn Pakistan es wünsche, wer-

de Washington mit einer Reihe anderer Staaten, darunter die Volksrepublik
China, über Hilfe für Pakistan sprechen.

Das Fehlverhalten Moskaus in

Afghanistan werde auf jeden Fall Washington nicht davon abhalten, "normale
Beziehungen" zur Volksrepublik China zu entwickeln.

Christopher wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der amerikanische
Verteidigungsminister Harold Brown gegenwärtig in China über das Problem
Afghanistan spreche.

Hier würden sich wichtige Hinweise auf die Art der Zu-

sammenarbeit in jener Region ergeben.

Er betonte jedoch, daß es nicht um

ein militärisches Verhältnis der Lieferung von Waffen an die Volksrepublik
gehe.

Der Stellvertretende amerikanische Außenminister hob ferner hervor, daß
die sowjetische Handlungsweise gegenüber Afghanistan eigentlich den Iran zur
Einsicht bringen und veranlassen sollte, seine Krise mit den Vereinigten Staaten zu beenden und die ameriknaischen Geiseln freizulassen.

Man müsse sich

in Teheran darüber klar werden, daß die "größere Bedrohung" aus Moskau komme.

Schließlich teilte Christopher noch mit, daß Angebote Ägyptens und Israels
für die Benutzung militärischer Einrichtungen durch die USA gegenwärtig "geprüft" werden.

Die Vereinigten Staaten hatten bis vor einigen Tagen höflich

aber bestimmt solche Angebote abgelehnt.

Die Vereinigten Staaten unternähmen

jedoch "wichtige Schritte zur Verbesserung ihrer militärischen Position im
Nahen Osten".

Dazu gehören nach seiner Auskunft eine Flugzeugträger-Gruppe:im

Indischen Ozean und der Ausbau des Stützpunktes Diego Garcia.

Die Vereinigten

Staaten bemühten sich auch um die Benutzungsrechte von Häfen und Flugplätzen
in Oman, Kenia und Somalia.

+ + + + +

- 3 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980

CARTER:

USA WERDEN SICH IHRER VERANTWORTUNG STELLEN

- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 -

WASHINGTON
- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Rundfunkund Fernsehansprache an das amerikanische Volk in der Nacht zum 5. Januar
1980 zu der völkerrechtswidrigen Invasion Afghanistans durch sowjetische
Truppen Stellung genommen und scharfe Maßnahmen der Vereinigten Staaten
angekündigt, falls die Sowjets ihre Truppen nicht zurückziehen, wie dies
auch von der Mehrheit der Völkergemeinschaft gefordert wird. Neben
drastischen Einschränkungen des Handels schloß Carter auch einen Boykott
der Olympischen Spiele 1980 in Moskau nicht aus.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend zu Ihnen über die außerordentlich wichtigen
und sich rasch verändernden Umstände in Südwestasien sprechen.

Ich teile

mit Ihnen weiterhin das Gefühl des Zorns und der Ungeduld wegen des Festhaltens unschuldiger amerikanischer Geiseln durch militante Terroristen
mit Unterstützung und Billigung amtlicher Vertreter des Iran.
Unsere

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Telex:08-85432

�Unsere Zielsetzungen bestehen weiterhin in dem Schutz der langfristigen
Interessen unserer Nation und der Sicherheit der amerikanischen Geiseln.
Wir suchen die Freilassung der Amerikaner durch den Internationalen
Gerichtshof, durch die Vereinten Nationen und durch öffentliche und nichtöffentliche diplomatische Anstrengungen sicherzustellen.
dieses Ziel zu erreichen.

Wir sind entschlossen,

Wir hoffen, dies ohne Blutvergießen und ohne

weitere Gefährdung des Lebens unserer 50 amerikanischen Mitbürger erreichen
zu können.

In diesen Bemühungen haben wir weiterhin die starke Unterstützung

der Weltgemeinschaft.
Unter solch kritischen Umständen sind die Einigkeit und der gesunde
Menschenverstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung
für den Erfolg unserer Bemühungen.
In jüngster Zeit hat sich eine weitere sehr ernste Entwicklung vollzogen, die die Aufrechterhaltung des Friedens in Südwestasien gefährdet.
Massive sowjetische Streitkräfte sind in das kleine, blockfreie,souveräne
Land Afghanistan eingedrungen, das bisher kein besetzter Satellit der
Sowjetunion war.
Rund 50 000 schwerbewaffnete sowjetische Soldaten haben die Grenze
überschritten, sind heute über ganz Afghanistan verteilt und versuchen,
das stolze,unabhängige Moslemvolk dieses Landes zu unterjochen.
Die Sowjets behaupten fälschlicherweise, daß sie nach Afghanistan
eingeladen worden wären, um dieses Land vor einer nicht genannten Bedrohung von außen zu schützen. Aber Präsident Amin, der der Führer
Afghanistans vor der sowjetischen Invasion war, ist - zusammen mit mehreren
Mitgliedern seiner Familie - ermordet worden,nachdem die Sowjets die
Kontrolle über die Stadt Kabul gewonnen hatten.
Die

�Die neue Marionettenregierung wurde erst wenige Tage später durch
die Sowjets nach Afghanistan gebracht.

Diese Invasion ist eine außerordentlich ernste Bedrohung des Friedens wegen der Drohung einer weiteren sowjetischen Expansion in benachbarte
Länder in Südwestasien und auch weil eine solche aggressive Militärpolitik
bei anderen Völkern in der ganzen Welt Unruhe hervorruft.

Sie ist eine rohe Verletzung des internationalen Rechts und der Charta
der Vereinten Nationen.

Sie ist eine bewußte Bemühung einer mächtigen atheistischen Regierung,
ein

unabhängiges islamisches Volk zu unterwerfen.
Wir müssen uns über die strategische Bedeutung Afghanistans für

Stabilität und Frieden im klaren sein.

Ein sowjetisch besetztes Afghanistan bedroht sowohl den Iran als auch
Pakistan und ist ein Trittbrett für die Kontrolle eines großen Teils der
Ölversorgung der Welt durch die Sowjets.

Die Vereinigten Staaten wollen, daß alle Länder der Region frei und
unabhängig sind.

Wenn die Sowjets bei dieser Invasion durch einen

schließlichen Erfolg noch ermutigt werden und wenn sie ihre Herrschaft
über Afghanistan aufrechterhalten und dann ihre Kontrolle auf angrenzende
Länder ausdehnen, dann wird das stabile, strategische und friedliche Gleichgewicht der Welt verändert werden.

Dies würde die Sicherheit aller Länder,

einschließlich selbstverständlich der Vereinigten Staaten, unserer Verbündeten
und unserer Freunde bedrohen.

Deshalb kann die Welt nicht abwarten und der Sowjetunion erlauben, diesen
Akt ungestraft zu begehen.
Fünfzig

- 3 -

�Fünfzig Länder haben den Sicherheitsrat angerufen, die Sowjetunion
zu verurteilen und den sofortigen Abzug aller sowjetischen Truppen aus
Afghanistan zu verlangen.
Wir sind uns darüber im klaren, daß nach der Charta der Vereinten
Nationen die Sowjetunion und andere ständige Mitglieder ihr Veto gegen
ein Handeln des Sicherheitsrates einlegen können.

Wenn der Willen des

Sicherheitsrates in dieser Weise zunichte gemacht werden sollte, dann
wäre ein sofortiges Handeln in der Vollversammlung der Vereinten Nationen
angebracht, wo es kein sowjetisches Veto gibt.
In der Zwischenzeit können weder die Vereinigten Staaten noch irgendeine andere Nation, die sich dem Frieden und der Stabilität in der Welt
verschrieben hat, mit der Sowjetunion umgehen, als wenn nichts wäre.
Ich habe bereits den Botschafter der Vereinigten Staaten aus Moskau
nach Washington zurückberufen.

Er arbeitet mit mir und meinen anderen

leitenden Beratern an einer sofortigen und umfassenden Überprüfung des
gesamten Bereichs unserer Beziehungen zur Sowjetunion.
Die erfolgreiche Aushandlung des SALT II-Vertrages war ein Hauptziel
und eine große Leistung dieser Administration - und aus der erfolgreichen
Kontrolle der strategischen nuklearen Waffen aufgrund der Durchführung
dieses sorgfältig ausgehandelten Vertrags werden wir Amerikaner, das
sowjetische Volk, ja, die ganze Welt Nutzen ziehen.
Wegen der sowjetischen Aggression habe ich jedoch den Senat der
Vereinigten Staaten gebeten, die weitere Erörterung des SALT II-Vertrages
zu verschieben, damit der Kongreß und ich die sowjetischen Aktionen und
Absichten richtig einschätzen und wir unsere Hauptaufmerksamkeit auf
legislative und andere Maßnahmen richten können, die notwendig sind,
um auf diese Krise zu reagieren.
Wenn
- 4 -

�Wenn und sobald sich die Umstände in der Zukunft verändern, werden
wir natürlich die Ratifizierung von SALT II in enger Konsultation mit
den Führern des Senats aktiv überprüfen.

Wir werden die Eröffnung aller neuen amerikanischen und sowjetischen
Konsulatseinrichtungen aufschieben, und auch die Mehrzahl der kulturellen
und wirtschaftlichen Austauschprogramme, die derzeit erwogen wurden, wird
aufgeschoben.
Ich habe beschlossen, die Exporte nach der Sowjetunion auf drei
Gebieten, die für sie von besonderer Bedeutung sind, einzustellen oder zu
reduzieren.

Diese neue Politik wird mit der unserer Verbündeten koordiniert

werden.

-

Ich habe angeordnet, daß keine Lizenzen für den Verkauf von
technisch hochentwickelten oder anderen strategischen Gütern an
die Sowjetunion bis auf weiteres erteilt werden, während wir unsere
Lizenzverfahren überprüfen werden;

-

die der Sowjetunion eingeräumten Fischfangrechte in amerikanischen
Gewässern werden drastisch eingeschränkt werden;

-

die 17 Millionen Tonnen an Getreide, die von der Sowjetunion über
die Menge hinaus bestellt wurden, die wir gemäß dem Fünf-Jahres-Abkommen zu verkaufen verpflichtet sind, werden nicht geliefert werden,
Dieses Getreide war nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt,
sondern sollte zur Ergänzung des sowjetischen Viehbestandes genutzt
werden.

Ich bin entschlossen, die Nachteile, die dem amerikanischen Farmer
aus dieser Aktion erwachsen könnten, so klein wie möglich zu halten.

Das

nicht zur Auslieferung gelangende Getreide wird durch Vorrats- und Preis-

- 5 -

�I

Preisstützungsprogramme sowie durch Ankäufe zu Marktpreisen aus dem Markt
genommen werden.

Wir werden auch größere Mengen von Getreide verwenden,

um den Hunger in den armen Ländern zu lindern, sowie zur Gasohol-Erzeugung
in unserem eigenen Lande.
Nach Konsultationen mit anderen großen getreideexportierenden Staaten
bin ich davon überzeugt, daß sie diese Getreidemengen nicht durch eigene
zusätzliche Lieferungen an die Sowjetunion ersetzen werden.
Diese Aktionen werden ein gewisses Opfer von allen Amerikanern fordern,
aber es kann kein Zweifel bestehen, daß sie im Interesse des Weltfriedens
und der Sicherheit unserer eigenen Nation liegen und auch vereinbar sind mit
den Aktionen, welche von unseren eigenen großen Handelspartnern und anderen
Nationen getroffen werden, die unsere tiefe Besorgnis über diese neue
Bedrohung der Stabilität der Welt durch die Sowjetunion teilen.
Auch wenn die Vereinigten Staaten es vorziehen würden, sich nicht von
den für diesen Sommer in Moskau angesetzten olympischen Spielen fernzuhalten,
so muß die Sowjetunion doch einsehen, daß ihre kontinuierlichen aggressiven
Aktionen sowohl die Teilnahme der Sportler als auch die Reise von Olympiabesuchern nach Moskau, die normalerweise die olympischen Spiele besuchen
möchten, gefährdet.
Zusammen mit anderen Ländern werden wir militärische Ausrüstung, Lebensmittel und andere Hilfe bereitstellen, um Pakistan bei der Verteidigung
seiner Unabhängigkeit und nationalen Sicherheit gegen die außerordentlich
vermehrte Bedrohung zu helfen, der es sich jetzt vom Norden gegenübersieht.
Die Vereinigten Staaten sind auch bereit, anderen Nationen in dieser Region
in ähnlicher Weise zu helfen.
Weder unsere Verbündeten noch unsere potentiellen Gegner sollten auch
nur den geringsten Zweifel an unserem Willen, unserer Entschlossenheit und

- 6 -

�und unserer Fähigkeit hegen, die von mir aufgewiesenen Maßnahmen zu treffen.
Ich habe mich mit den führenden Vertretern des Kongresses beraten, und
ich bin sicher, daß sie die zur Durchführung dieser Maßnahmen etwa erforderliche Gesetzgebung unterstützen werden.
Die Geschichte lehrt vielleicht nur wenige eindeutige Lektionen. Aber
gewiß ist eine solche Lektion, die die Welt mit großen Kosten gelernt hat,
die, daß eine Aggression, der man nicht entgegentritt, zu einer ansteckenden
Krankheit wird.
Die Antwort der internationalen Gemeinschaft auf den sowjetischen
Versuch, Afghanistan zu unterwerfen, muß der Schwere der sowjetischen Tat
entsprechen.
Mit der Unterstützung des amerikanischen Volkes und zusammen mit
anderen Nationen werden wir die Aggression zurückweisen, die Sicherheit
unserer Nation schützen und den Frieden erhalten.
Die Vereinigten Staaten werden ihrer Verantwortung gerecht werden.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980

REDE DES US-CHEFDELEGIERTEN VOR DEM WELTSICHERHEITSRAT
- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK

- (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte

bei den Vereinten Nationen, Botschafter Donald F. McHenry, hat am 6. Januar
1980 vor dem Sicherheitsrat den Abzug der sowjetischen Invasionstruppen aus
Afghanistan gefordert - eine Forderung die weltweit erhoben wird.

McHenry

betonte, daß die Handlung der Sowjetunion nicht nur ein flagranter Bruch
des Friedens und des internationalen Rechts sei, sondern die Grundprinzipien
der Charta der Vereinten Nationen bedrohe.
Die Ausführungen des amerikanischen UN-Delegierten haben folgenden
Wortlaut:
Der Sicherheitsrat tritt heute auf Ersuchen von über 50 Mitgliedstaaten
der Vereinten Nationen aus allen Teilen der Welt und aller politischer
Überzeugungen zusammen. Wir sind hier versammelt, um eine Angelegenheit
von grundlegender Bedeutung für den Weltfrieden und die Prinzipien zu
erörtern, auf die sich die Vereinten Nationen stützen.
Ein

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�Ein Mitgliedstaat dieser Weltorganisation ist das Opfer einer Invasion
durch starke Truppenkontingente eines anderen Staates geworden.
Seine Regierung wurde gestürzt; seine politischen Führer wurden
getötet;

sein Volk wurde mundtod gemacht; und sein Territorium wurde

besetzt.
Die Vereinigten Staaten haben sich dem Ruf nach einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats angeschlossen, um den offenkundigen Akt der
Aggression der Sowjetunion gegen das Territorium und das Volk Afghanistans
zu erörtern. Wir tun dies, weil das Vorgehen der Sowjetunion nicht nur
einen Bruch des Friedens und des internationalen Rechts darstellt, sondern
auch den Bestand der Grundprinzipien bedroht, auf denen die Charta der
Vereinten Nationen beruht.
Der Vertreter der Sowjetunion hat uns eine Vielzahl umfassender
und verwirrender Gründe für die sogenannte "begrenzte", aber sicherlich
tödliche Unterstützung genannt, die dem Volk von Afghanistan aufgezwungen
wird. Werfen wir einen Blick auf die erschreckliche Reihe von Ereignissen,
die mit der Invasion Afghanistans durch die Sowjets im Zusammenhang stehen.
-

In den ersten Dezemberwochen brachte die Sowjetunion den Flugplatz
Bagran nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul durch die
Entsendung von Truppen in Stärke eines Fall Schirmjägerregiments
in ihren Besitz. Sie landete ferner Truppen und Material auf dem
Flughafen von Kabul und mobilisierte gleichzeitig riesige Truppenkontingente in ihren Grenzgebieten zu Afghanistan.

-

Am 25. und 26. Dezember erfolgte eine umfangreiche sowjetische
Luftlandeoperation gegen Kabul; in über 200 Flügen wurden rund
10 000 sowjetische Soldaten nach Afghanistan transportiert.
Am

�-

Am Abend des 27. Dezembers umzingelte eine besondere sowjetische
Angriffstruppe das Präsidenten-Palais in Kabul;

im Zuge dieser

Operation wurden die den Palast verteidigenden afghanischen Soldaten
angegriffen und überwältigt und Präsident Amin in einem summarischen
Verfahren exekutiert.

Gleichzeitig griffen sowjetische Truppen

afghanische Kräfte an, die Radio Afghanistan und andere wichtige
Einrichtungen bewachten, und gewannen die Kontrolle über diese.

-

Die erste Ankündigung des von den Sowjets betriebenen Staatsstreichs und der Ersetzung Präsident Amins durch den bis dahin im
osteuropäischen Exil lebenden Babrak Karmal erfolgte unter Verwendung von Funkfrequenzen, die den Eindruck erwecken sollten,
es handele sich um Radio Kabul, während die Sender, die diese
Bekanntgaben verbreiteten, in Wirklichkeit vom Territorium der
Sowjetunion gesendet haben.

Wir wissen dies, weil Radio Kabul

seine normale Sendefolge nach den ersten diesbezüglichen Bekanntmachungen noch über eineinhalb Stunden fortgesetzt hat.

Nichts

in den Sendungen von Radio Kabul bestätigte den Inhalt der
sowjetischen Sendungen, die im Namen Afghanistans verbreitet
worden waren.

-

Im Anschluß daran brachten sowjetische Truppen alle wichtigen
zivilen und militärischen Einrichtungen im Gebiet von Kabul in
ihren Besitz und zogen rund um Kabul einen Verteidigungskordon.
Die Streitkräfte Afghanistans wurden entwaffnet.

-

Unmittelbar nach dem Staatsstreich drangen zwei sowjetische
motorisierte Infanteriedevisionen auf den Landwege in Afghanistan
ein, die eine bei Kushka und die andere bei Termez.

Einheiten

der westlichen Division erreichten Herat, wo es Berichten zufolge
zu Kämpfen zwischen sowjetischen und afghanischen Truppen gekommen
ist.

Ein großer Teil der Termez-DiVision ist bis in den Raum

- 3 -

�Raum Kabul vorgedrungen.
-

Die Sowjetunion hat gegenwärtig rund 50 000 Soldaten in Afghanistan
stehen.

Gewisse Hinweise deuten darauf hin, daß weitere sowjetische

Divisionen

in das sowjetisch-afghanische Grenzgebiet einrücken.

Sowjetische Einheiten sind angetreten, um andere Städte von größerer
Bedeutung einzunehmen.
Die Sowjetunion behauptet, die politische Führung Afghanistans hätte
um sowjetische Militärhilfe nachgesucht. Welche Führer?

Es steht außer

Zweifel, daß Präsident Amin noch im Amt war, als die sowjetischen Truppen
den Präsidenten-Palast angriffen, und auch noch, als er exekutiert wurde.
Sollen wir glauben, Präsident Amin habe die sowjetischen Truppen aufgefordert,
nach Afghanistan zu kommen, um seinen Untergang und seine Exekution zu
überwachen?
Oder war es die Führung des Babrak Karmal, des von den Sowjets
ernannten Nachfolgers Amins, eines Mannes, der zum Zeitpunkt des sowjetischen
Eingreifens nicht in Afghanistan weilte, sondern noch in der Sowjetunion?
Das afghanische Volk und Einheiten der afghanischen Armee leisten
der sowjetischen Aggression Widerstand - trotz der überwältigenden militärischen
Überlegenheit der Invasoren.

Die Kämpfe dauern in mehreren Gebieten des

Landes noch immer an.
Die Fakten liegen auf der Hand. Die Sowjetunion hat die Besetzung
Afghanistans über Monate hinweg sorgfältig geplant und vorbereitet, weil
sie mit dem Grad der Unterwürfigkeit der Regierung Amin und unzweifelhaft
mit dessen Vorgehen gegen aufrührerische Moslems in Afghanistan unzufrieden
war, die seit langem schon um ihre Rechte kämpften. Die Sowjetunion
hat dann ihre militärischen Operationen ausgeführt - rasch und brutal.
Sie hat der an der Macht befindlichen afghanischen Führung keinerlei

�keinerlei Alternative geboten.

Sie stürzte die Regierung Amin, die sie

zuvor gestützt hatte, und ersetzte sie durch ein Marionettenregime.
Herr Präsident, die bewaffnete Intervention in Afghanistan und die
Anwesenheit nicht gebetener Besatzungsstreitkrä'fte in diesem Land

stellen

eine nackte und offenkundige Verletzung der wichtigsten Prinzipien des
Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen dar.

Was sind dies

für Grundsätze?
-

Daß kein Staat Gewalt gegen die territoriale Integrität und
politische Unabhängigkeit eines anderen Staates anwenden darf;

-

daß sich kein Staat mit Gewalt in die inneren Angelegenheiten
eines anderen Staates einmischen darf;

-

daß alle Staaten den Grundsatz der Gleichberechtigung und der
Selbstbestimmung der Völker respektieren müssen;

-

daß die Grundprinzipien der Menschenrechte von allen Regierungen
respektiert werden müssen; und

-

daß die Staaten internationale Streitigkeiten durch friedliche
Mittel beilegen müssen.

Die Behauptung der Sowjetunion, sie handle in Übereinstimmung mit
dem Prinzip der Förderung der kollektiven Selbstverteidigung gemäß Artikel
51 der Charta, stellt eine Pervertierung der Charta dar - eine beleidigende
Geringschätzung der Intelligenz der Mitglieder dieses Rates. Artikel 51
kann nur dann herangezogen werden, "wenn ein bewaffneter Angriff gegen ein
Mitglied der Vereinten Nationen vorliegt." Von woher kam der bewaffnete
Angriff auf Afghanistan? Der einzige bewaffnete Angriff auf Afghanistan,
der erfolgt ist, war der, der durch die Sowjetunion und vom Gebiet der

- 5 -

�der Sowjetunion her unternommen worden ist.
Niemand kann die Behauptung glauben, die Sowjetunion sei von der
afghanischen Regierung ersucht worden, dergestalt in Afghanistan zu intervenieren, wie sie es getan hat, es sei denn,er kann auch glauben, Präsident
Amin habe die Sowjetunion in das Land gerufen, um ihn zu stürzen.

Artikel 51

der Charta bestimmt, daß Maßnahmen, die Mitgliedstaaten in Ausübung ihres
Rechts der Selbstverteidigung ergreifen, "unverzüglich dem Sicherheitsrat
gemeldet werden

und daß sie in keiner Weise die Autorität und Verantwort-

lichkeit des Sicherheitsrates gemäß der vorliegenden Charta berühren, zu
jedem Zeitpunkt solche Maßnahmen zu ergreifen, die er für notwendig erachtet,
den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen."

Daß weder die Sowjetunion noch das

von ihr eingesetzte Marionettenregime in Afghanistan dem Sicherheitsrat
gemäß Artikel 51 Bericht erstattet haben, ist für sich allein schon ein
Beweis für die Durchsichtigkeit der Bemühungen der Sowjets, sich hinter
der Charta zu

verstecken.

Niemand kann auch glauben, daß die Sowjetunion von der afghanischen
Regierung ersucht worden ist, in Afghanistan gemäß dem 1978 geschlossenen
sogenannten Freundschafts- und Kooperationsvertrag zu intervenieren. Die
Invasion Afghanistans durch die Sowjets verletzt die gemäß den Bestimmungen
dieses Vertrags bestehende Verpflichtung der Sowjetunion, Afghanistans
nationale Souveränität zu respektieren und sich jeder Einmischung in dessen
innere Angelegenheiten zu enthalten.
Die Charta der Vereinten Nationen gibt der Sowjetunion so wenig wie
irgend einem anderen Land das Recht, militärische Maßnahmen in einem anderen
Land durchzuführen, oder dessen Regierung zu ersetzen, weil sie mit der
Politik oder dem Vorgehen der bestehenden Regierung derselben nicht einverstanden ist. Tatsache ist, daß die Sowjetunion das Völkerrecht verhöhnt
und den regionalen und den internationalen Frieden und die regionale und

�•

und internationale Stabilität verletzt.

Daß die Sowjetunion dies, mit

kalter Berechnung und im Voraus geplant, in einem Gebiet der Erde getan hat,
das gegenwärtig besonders unter der Instabilität und unter Spannungen leidet,
macht dieses Vorgehen nur umso ungeheuerlicher und verantwortungsloser.
Und daß die Sowjetunion militärische Maßnahmen gegen ein tief religiöses
und heftig auf seine Unabhängigkeit pochendes Volk unternimmt, das für seine
menschlichen und religiösen Rechte kämpft, unterstreicht die Brutalität und
Rechtswidrigkeit ihres Vorgehens.
Demgemäß liegt es an diesem Rat, Maßnahmen gemäß der Charta zu ergreifen, um den Weltfrieden und die Weltsicherheit wiederherzustellen.
Den sowjetischen Machthabern ist eine schreckliche Fehleinschätzung
unterlaufen. Die Auswirkungen der sowjetischen Invasion in Afghanistan
sind gewaltig, wird doch kein Staat mehr vor größeren und mächtigeren Nachbarn
sicher sein, sollte die internationale Gemeinschaft den Eindruck erwecken,
daß sie bereit ist, den Sowjets nachzugeben und sich mit deren bewaffnetem
Eingreifen abzufinden. Dies muß von besonderer Sorge für solche Staaten
sein, deren Territorium in der Nähe der sowjetischen Grenzen liegt.
Es obliegt deshalb diesem Rat und jedem Lande, das an die Herrschaft
des Rechts glaubt und sich der Gewaltanwendung in weltpolitischen Angelegenheiten widersetzt, diesen gefährlichen Bruch des Friedens und der Sicherheit
zu verurteilen.

Es obliegt diesem Rat, das Gewicht der Weltmeinung zur

Geltung zu bringen.
Wir nehmen die Erklärung der Sowjetunion zur Kenntnis, daß sie ihre
Truppen zu einem gewissen Zeitpunkt aus Afghanistan zurückziehen wird.
Wir fordern sie dringend auf, das sogleich zu tun und dem Volk von
Afghanistan zu gestatten, seine eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln,
sein eigenes Regierungssystem und seine eigenen nationalen Führer ohne
Druck von außen und ohne jegliche Einmischung selbst zu wählen.

- 7 -

Nur auf

�auf diese Weise läßt sich die ernste Bedrohung des internationalen Friedens
und der internationalen Sicherheit.die von der Sowjetunion hervorgerufen
wurde, verringern und diese höchst gefährliche Herausforderung der Grundprinzipien der Vereinten Nationen beseitigen.
Keinem Land, auch keiner Großmacht, kann es gestattet werden, die
Verantwortung und die vertraglichen und moralischen Verpflichtungen
ungestraft zu ignorieren, die es auf sich nahm, als es Mitglied der
Vereinten Nationen wurde.

Die Vereinigten Staaten fordern deshalb alle

Mitglieder des Rates auf, in Erfüllung ihrer Verpflichtur.oen yemäß der
Charta mit Tatkraft zu handeln.

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER FORDERT VERSCHIEBUNG DER SENATSDEBATTE OBER SALT II
- Schreiben an Senator Byrd -

WASHINGTON - (AD) - In einem Schreiben, das Präsident Carter am 3. Januar
1980 an den Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit im Senat, Senator
Robert Byrd, sandte, wird der Senat ersucht, die Schlußberatung über den SALT IIVertrag zu verschieben.
Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Senator Byrd,
angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuche ich Sie darum,
die Schlußberatung des SALT II-Vertrags im Senat aufzuschieben.
Der Zweck dieses Ersuchens besteht nicht darin, den Vertrag einer Prüfung
zu entziehen, sondern die Schlußberatung darüber zu verlegen,so daß der Kongreß
und ich als Präsident die sowjetischen Handlungen und Vorhaben zu beurteilen vermögen und wir außerdem unser Hauptaugenmerk auf legislative sowie anderweitige
Maßnahmen legen können, die als Antwort auf diese Krise erforderlich sind.
Wie

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�Wie Sie wissen, teile ich auch weiterhin Ihre Ansicht, daß der SALT IIVertrag im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten und der
ganzen Welt liegt und daß er vom Senat behandelt werden sollte, sobald diese
dringenderen Themen geprüft worden sind.

•

• Erklärung des Pressesprechers zum Ersuchen Präsident Carters an den Senat In einer Erklärung am gleichen Tag ging der Pressesprecher Präsident
Carters, Jody Powell, auf das Ersuchen des Präsidenten an den Senat ein, die
Schlußberatungen über den SALT II-Vertrag zu verschieben.

Diese Erklärung

hat folgenden Wortlaut:
Nach Konsultation der Senatsführung hat der Präsident den Fraktionsführer
der demokratischen Mehrheit im Senat, Robert Byrd, ersucht, die Schlußberatung
des SALT II-Vertrags im Senat zu verschieben.
Obgleich der Präsident auch weiterhin der Ansicht ist, daß die Ratifizierung des SALT II-Vertrags im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten
Staaten liegt, ist er zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetische Invasion in
Afghanistan ,in Mißachtung der Charta der Vereinten Nationen, die Beratung des
SALT II-Vertrags zu diesem Zeitpunkt unangemessen erscheinen läßt.
Der Präsident hat um den Aufschub ersucht, solange er und der Kongreß die
sowjetischen Handlungen und Absichten beurteilen und ihre Aufmerksamkeit auf
legislative und anderweitige Maßnahmen richten, um auf die Krise zu antworten,
die durch die sowjetische Invasion Afghanistans geschaffen wurde.

+ + + + +

- 2 -

�9. Januar 1980

2

DIE NATO: IHRE VERGANGENHEIT UND IHRE ZUKUNFT
- Von Senator Jacob Javits -

Senator Jacob Javits, Republikaner, gilt
als einer der wichtigsten außenpolitischen
und militärischen Experten des amerikanischen Kongresses; er vertritt seit Jahren den Staat New York im Senat und gehört
dessen Außenpolitischem Ausschuß an.

Die tragende Säule der NATO ist seit ihrer Gründung die multilaterale
Zusammenarbeit zum Zweck der gemeinsamen Sicherheit und des wirtschaftlichen
Wohlergehens; die Ziele sind die Sicherheit und die Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und des Wachstums des Westens.

In den vergangenen Wochen ist deutlich geworden, daß die Lage im Iran
und die sowjetische Invasion in Afghanistan eine der ernsthaftesten Herausforderungen der Einheit des Bündnisses seit seiner Gründung darstellen.

Bisher

war das Bild ermutigend, was die Zusammenarbeit der NATO angesichts solcher
Krisen angeht.

Angesichts der Schwere eben dieser Krisen und anderer Probleme,

vor denen wir in diesem neuen Jahrzehnt stehen werden, scheint es angebracht,

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�angebracht, beim Gedanken an die Zukunft des Bündnisses zugleich auch einen
Blick auf die Vergangenheit der NATO zu werfen.

Trotz periodisch wiederkehrender Schwierigkeiten innerhalb des Bündnisses
und trotz Perioden, da solche Konflikte im Mittelpunkt zu stehen schienen, hat
das Nordatlantische Bündnis dazu beigetragen, im Lauf der letzten 30 Jahre
Europa beispiellosen Frieden und Sicherheit zu bieten.

Wir haben auf jeden Fall

in der modernen industrialisierten Welt ein Maß an wirtschaftlichem Wohlergehen
erreicht, das es bis dahin nicht gab.

Ein großer Teil dieses Erfolgs stellte

sich als Ergebnis amerikanischer Macht ein, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Zenit erreichte.

Das übrige ergab sich aus einer Lage äußerster

Schwäche eines wirtschaftlich verwüsteten Europas der Nachkriegszeit, das angesichts einer überaus realen sowjetischen Bedrohung seine letzten Kräfte zusammenraffte.

Diese beiden Faktoren zusammen gaben den Vereinigten Staaten nach

dem Zweiten Weltkrieg ihre dominierende internationale Rolle.

Die Notwendigkeit einer äußerst engen amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit war eindeutig, vor allem verglichen mit den sich weit weniger widerstrebenden politischen und wirtschaftlichen Interessen zwischen den europäischen
Staaten selbst sowie zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.

Zwar bestan-

den Differenzen, aber sie wurden zugunsten der weit grundlegenderen und dringlicheren Anliegen der Sicherheit und des Wiederaufbaus zurückgedrängt.

Zudem

war die Fähigkeit der Europäer bei diesen Differenzen Druck auf die Vereinigten Staaten auszuüben, aufgrund Europas geschwächter Lage in der Nachkriegszeit
äußerst begrenzt.

Seither waren die Erfolge des Bündnisses eindrucksvoll und dauerhaft.
Die Sicherheit in Europa nahm immer mehr zu.

Und obwohl sich die Vereinigten

Staaten vielleicht öfters - und zu Recht - über das Problem der Verteidigung
der NATO Gedanken machen, da dies der bedeutsamste Punkt ihrer nationalen
Sicherheit ist, so ist es doch am unwahrscheinlichsten, daß hier ein Konflikt
auftreten sollte.

Heute
i

- 2-

�Heute ist ein Krieg in Europa äußerst unwahrscheinlich.

In nicht geringem

Maß liegt der Grund dafür bei dem Beitrag der europäischen Mitglieder der NATO.
Tatsächlich sind sie diejenigen, die den Hauptbeitrag zur Verteidigung des
Bündnisses leisten.

Sowohl Frankreich als auch die Bundesrepublik Deutschland

verfügen über eine Armee von jeweils einer halben Million Soldaten und verfügen über die Kapazität, verhältnismäßig schnell mehr als doppelt so viel Truppen zu mobilisieren.

Großbritannien und die übrigen europäischen NATO-Mitglieder (einschließlich der Mittelmeerstaaten) verfügen zusammen über etwa 1,8 Millionen Soldaten.
Mehr als 75 Prozent der Luftstreitkräfte der NATO, 75 Prozent ihrer Seestreitkräfte und 90 Prozent ihrer Soldaten kommen von den europäischen NATO-Mitgliedern.

Eindeutig verfügt Europa über die Menschen und die Mittel, - wobei es in

beiden Fällen die Sowjetunion übertrifft -, um all das zu tun, was notwendig
ist - sogar ohne die Vereinigten Staaten.

Die europäischen NATO-Mitgliedstaa-

ten haben eine Bevölkerung von über 260 Millionen und ein Bruttosozialprodukt,
das vielleicht doppelt so groß ist wie das der Sowjetunion und das sich auf mehr
als zwei Billionen Dollar beläuft.

Die Tatsache, daß die Europäer selbst

nicht mehr tun, ist - so unangenehm dies häufig für amerikanische Sicherheitsplaner und politisch für die Vereinigten Staaten ist - paradoxerweise eine Bestätigung für das relative Vertrauen, das heutzutage in Europa in. bezug auf
die Sicherheit besteht.

Wenn sich die Europäer sicherer fühlen, weniger be-

droht, so sind sie eher bereit, ihre eigenen nationalen Interessen auch in anderen Bereichen durchzusetzen, wo ihre Interessen mit denjenigen der Vereinigten Staaten kollidieren.

Eine weitere entscheidende Ursache für dieses gewachsene europäische politische

und wirtschaftliche Selbstbewußtsein ist der eindrucksvolle wirtschaft-

liche Wiederaufstieg Europas.

Während Europa am Ende des Zweiten Weltkriegs wirtschaftlich darniederlag, schieben heute der europäische Handel und die europäische Industrie - ganz
zu schweigen von Japan - die amerikanische Industrie in vielen Bereichen ihrer

- 3 -

�ihrer traditionellen wirtschaftlichen Vorherrschaft zur Seite.

Dieses sich

ausweitende Phänomen ist die Folge des umfassenden Wiederaufbaus, den Europa
in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm.

Die Vereinigten Staaten un-

terstützten diesen Prozeß mit einer Politik, die dem wirtschaftlichen Wiederaufbau

Europas Vorrang einräumte - manchmal sogar zu Lasten erheblicher Kosten

für die amerikanische Wirtschaft.

Heute gibt es zwischen den Vereinigten Staa-

ten und ihren Verbündeten einige schwerwiegende wirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten und dies teilweise, weil die gemeinsame Anstrengung zur Wiederherstellung der internationalen Wirtschaftsordnung so erfolgreich war.

Jetzt können

nationale Differenzen hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen zwischen den verschiedenen Staaten viel nachdrücklicher verfochten werden, ohne große Angst vor
der Zerstörung des internationalen wirtschaftlichen Rahmens der industrialisierten Welt zu haben.
Während der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas lange beendet ist, müssen
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nunmehr dazu übergehen, unsere
Vorstellung von den wirtschaftlichen Realitäten zu ändern, vor denen wir jetzt
stehen. Natürlich sehe ich, daß wirtschaftliche Differenzen zwischen uns unvermeidlich sind - und wahrscheinlich besonders heutzutage -, aber ihre Folgen
für das internationale Währungssystem müssen sorgfältig abgewogen werden.
Europa muß jetzt zusammen mit den Vereinigten Staaten mehr von der Verantwortung für die Aufrechterhaltung des internationalen Wirtschaftssystems auf seine
Schultern laden. Beim Welthandel, bei der finanziellen und wirtschaftlichen
Hilfe für die Entwicklungsländer können sich die Europäer nicht mehr länger
hinter restriktiven und protektiom'stisehen Politiken verstecken und die Vereinigten Staaten dazu drängen, all die Schritte zu unternehmen, die zur Aufrechterhai tung des Systems international angemessen sind. Aber die Vereinigten Staaten haben nicht mehr die Kapazität - weder wirtschaftlich noch politisch -, um ihr eigenes nationales Interesse zu opfern und dadurch dem internationalen Wirtschaftssystem zu helfen. Die Vereinigten Staaten werden dies
auch weiterhin versuchen, aber eine größere Anstrengung muß von Europa und
Japan kommen.

�Wir müssen erkennen, daß sich das Problem grundlegend geändert hat.
Die internationale Wirtschaftsordnung hat sich in der Nachkriegszeit grundlegend gewandelt.

Die Führungskapazitäten der wichtigsten Industriemächte

sind gewaltig geschrumpft - zu einem großen Teil aufgrund unserer gefährlichen Abhängigkeit von anderen Ländern bei den Rohstoffen, besonders bei
Energie.

Eine Folge dieser gefährlichen Abhängigkeit (und den manchmal

höchst unterschiedlichen Ausmaßen dieser Abhängigkeit der Industriestaaten)
besteht darin, daß die Interessenkonflikte bei Rohstoffragen und -politiken
besonders zwischen den Vereinigten Staaten, unseren europäischen Verbündeten
und Japan heftiger als je zuvor sind.

Die Abhängigkeit Europas vom OPEC-

Öl hat bereits zu Meinungsverschiedenheiten mit den Vereinigten Staaten in
bezug auf die Iran-Politik und die öl kaufe auf den Spot-Märkten geführt.
Solche Streitigkeiten könnten sich durchaus ausweiten.

Und dabei kann die

Energiekrise einzig durch ernsthafte internationale Zusammenarbeit bewältigt
werden, was drastische Einschränkungen bei unserem Energieverbrauch beinhaltet und möglicherweise eine Verringerung unseres Lebensstandards erfordert.

Die langfristige Antwort auf unsere wirtschaftliche Lage scheint klar:
Die industrialisierte Welt muß so rasch wie möglich wieder ein höheres Maß
an Unabhängigkeit von den Rohstoffen und primär natürlich von der Energie,
erzielen.

Völlige Unabhängigkeit bei Energie ist noch viele Jahre entfernt,

aber ein genügend verbessertes Gleichgewicht zwischen ölverbrauchern und
-Produzenten ist wesentlich, damit die Verteilung politischer Macht zwischen
den beiden zu einem vernünftigeren Gleichgewicht zurückfinden kann.

Für die-

se Antwort ist ein echtes Opfer notwendig, eine Einsparung nämlich, zu der
vielleicht durch eine ständige und weitgehende Erhöhung der Verbraucherkosten
bei Energie ermutigt werden kann.

Dies könnte auch zur Ausnutzung existie-

render Energiequellen sowie zur Entdeckung und Entwicklung neuer und alternativer Quellen anregen.

Es würde mich hier in den Vereinigten Staaten nicht

überraschen, eine Verdopplung der realen Verbraucherkosten für Energie gegen
Ende der achtziger Jahre zu erleben.

Dies würde die amerikanischen ölpreise

lediglich auf einen Stand bringen, den viele der Verbündeten bereits erreicht
haben.

Die Herausforderung für das Bündnis besteht darin, diesen Prozeß so

- 5-

�so zu steuern, daß seine widrigen Auswirkungen auf die Ärmsten in unseren
Gesellschaften sowie auf das internationale Wirtschaftssystem abgeschwächt
werden.

Solche Aussichten kündigen natürlich noch weit größere Konflikte

zwischen den nationalen Interessen der Industriestaaten an, denn die innenpolitischen Schritte zur angemessenen Verteilung solcher Opfer werden sicherlich einschneidend sein.
Auch in der politischen Arena müssen wir begreifen, daß wir nicht beiseite stehen können, während die grundlegenden Werte und Voraussetzungen
der westlichen Welt einem gewalttätigen und breitgestreuten Angriff ausgesetzt sind.

Wir müssen einen Strich ziehen.

NATO-Mitglieder müssen lernen, ihre engen Sonderinteressen zurückzustellen, um das System politischer Werte zu verteidigen, auf dem sich das
Bündnis und die westliche Welt gründen.

Wenn wir uns nicht zur Verteidigung

dieser Werte denjenigen entgegenstellen, die sie zerstören möchten, dann wird
uns das Gebäude aus Wirtschaft und Sicherheit, das wir errichtet haben, letztlich wenig nützen.

Solche Einigkeit gibt es nicht ohne Risiko und Opfer,

aber die Herausforderung ist derart, daß wir uns ihr stellen müssen.
•

Wendet man sich erneut dem Problem der Sicherheit zu, so ist die Lektion,
die das Bündnis für die Zukunft erneut lernen muß, alt. Obgleich ich festgestellt habe, daß Europa heute sicherer ist als jemals zuvor in der Nachkriegszeit, so müssen wir uns zugleich daran erinnern, daß diese Sicherheit
nur als das Ergebnis großer Anstrengungen und Opfer über viele Jahre hinweg
erreicht wurde. Aber auch heute müssen wir wachsam bleiben, denn noch immer stehen wir einer Welt und einem Gegner gegenüber, die uns dazu zwingen, unsere Wachsamkeit aufrechtzuerhalten und unsere Anstrengungen und unsere Opfer
fortzusetzen. Obgleich es unwahrscheinlich ist, daß die wachsenden militärischen Potentiale, die gegen die NATO aufgeboten werden, die Sowjets zu
einem Akt kalkulierter militärischer Aggression führen werden, so können
wir doch nicht garantieren, daß sie nicht handeln werden - sei es aus Berechnung, sei es aus Fehleinschätzung. Unsere Sicherheit besteht darin, unsere

�unsere militärischen Kapazitäten beizubehalten, damit die Sowjets sehen, daß
sie keinerlei vernünftige Gewinnchancen aus einem solchen Vorgehen ziehen
können.

Dies ist das Wesen der Abschreckung.

Wir haben keine andere Wahl

als auf der Seite der Klugheit zu bleiben und auch weiterhin durch unsere
Worte und unsere Taten - politisch und haushaltsmäßig - klarzustellen, daß
wir entschlossen sind, jedwede Hoffnung zu zerstören, die die Sowjets hegen
mögen, was den Gewinn politischer oder militärischer Vorteile aus ihrer militärischen Aufrüstung anbelangt.

Dies bedeutet, daß wir uns dazu entschließen,

den Haushalt auf dem notwendigen Stand zu halten sowie die notwendigen Streitkräfte und Waffen zu dislozieren, um auf Änderungen der gegen die NATO aufgestellten militärischen Kapazitäten zu antworten.

Das ist jedoch kein Rezept,

das mit den Sowjets kopflos Waffe gegen Waffe gleichziehen will.

Manches, was

sie im militärischen Bereich tun, erfordert von uns keine Antwort; und wir
müssen von unseren Militärs ein hohes Maß an Kompetenz verlangen, um den Unterschied zu erkennen.

Aber wir müssen letztlich auch von dem Gedanken loskommen,

daß wir überhaupt nichts zu tun brauchen.
In meinen Augen ist dies bedauerlich, denn wir alle würden es besser
haben, wenn wir die Spannungen und das Ausmaß militärischer Ausgaben reduzieren könnten, zu dem solche Spannungen unausweichlich führen.

Ungeachtet

des derzeitigen Zustands der Ost-West-Beziehungen müssen wir deshalb die bestehende Einladung an die Sowjets trotz der tiefgreifenden Differenzen aufrechterhalten, um die Militärausgaben auf beiden Seiten zu begrenzen.

Unsere

Einladung muß sich jedoch auf ernsthafte Verhandlungen beziehen und wir müssen propagandistischen Angeboten widerstehen, die entworfen wurden, um Zwietracht unter dem Bündnis zu säen, oder um bei einem begrenzten Tausch unbedeutende sowjetische Vorteile im Militärbereich zu suchen.

Stattdessen müssen

wir den Sowjets klarmachen, daß sie mit dem Bündnis nur im Rahmen einer ernsthaften Anstrengung für eine allmähliche, beiderseitig nützliche Rüstungsbeschränkung verhandeln können.

Wir sollten keine dramatischen oder raschen Ergebnisse erwarten; dies
zumindest ist eine Lektion, die wir aus SALT II lernen sollten.

- 7 -

Die Beziehung

�Beziehung zwischen Ost und West ist dergestalt, daß es eher Aussichten auf
begrenzte und allmähliche Ergebnisse gibt und daß sogar dieser Weg große Geduld erfordert.

Und selbst dann weiß ich nicht, ob die Sowjets zu einer sol-

chen Anpassung fähig sind.

Aber ich weiß, daß wir keine andere Alternative

haben, als diese Tür deutlich sichtbar für sie offenzuhalten.

Es ist ein

Paradox unserer Zeit, daß eine solche Politik - die Suche nach Abbau der Spannung und Zurückhaltung bei der militärischen Rüstung - nur dann Ergebnisse bringen kann, wenn sie in Einklang mit solidem und vorsichtigem militärischem
Planen und manchmal sogar mit dem Aufrüsten der militärischen Kapazitäten verfolgt wird.

Es wäre selbstzerstörerisch für uns, die Tür zu einer möglichen

Anpassung zuzuschlagen.

Und es ist gleichermaßen selbstzerstörerisch, von den

Sowjets zu erwarten, daß sie mit allem von uns Erwünschten übereinstimmen,
solange sie nicht auch felsenfest davon überzeugt sind, daß es zugleich zu
ihrem Vorteil ist. Sie werden nur dann davon überzeugt sein, wenn sie begreifen, daß das Bündnis alles tun wird, was militärisch, wirtschaftlich und
politisch notwendig ist, um unsere Sicherheit zu gewährleisten, so wie wir
sie definieren und begreifen.

Ansonsten werden die Sowjets nur wenig oder

gar keinen Anreiz haben, eine ernsthafte Anpassung zu verfolgen.

Dies be-

deutet, mehr für die Verteidigung auszugeben als viele NATO-Mitglieder möchten - was aber sicherlich innerhalb unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten
bleibt -, und viel weniger als Länder des Bündnisses für die Kriege der Vergangenheit ausgegeben haben.

Das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO ist ein allmählicher
und, den Umständen entsprechend, maßvoller Schritt. Er dient zweierlei Absichten: Die Verteidigungsposition des Bündnisses zu stärken und zu rationalisieren. Von den Sowjets sollte er als genau das betrachtet werden, was
er ist: Eine Reaktion auf ihre fortgesetzten Anstrengungen, militärische
Vorteile in Europa zu erzielen. Die bescheidene Modernisierung der weitreichenden Kernwaffen in und für Europa (TNF), die von der NATO durchgeführt
wird, sollte ebenfalls nicht falsch interpretiert werden. Was den Haushalt
angeht, so wird sie die Ausgaben für TNF-Waffen über die nächsten zehn Jahre
hinweg nicht wesentlich erhöhen. Stattdessen wird sie größtenteils inner-

�innerhalb des gegenwärtigen Ausgabenniveaus für solche Waffen erfolgen. Obgleich sie in einigen Bereichen, die wir als Antwort auf sowjetische Schritte
als notwendig beurteilen, zu Erhöhungen führen wird, sind sie in unseren gegenwärtigen Plänen bescheidene Erhöhungen, die weit hinter den Anstrengungen
zurückbleiben, mit dem gleichzuziehen, was die Sowjets besitzen und für die
Zukunft planen.

Dies schließt jedoch weitere Schritte nicht aus, sollte es

das Bündnis nicht schaffen, ein Übereinkommen mit der Sowjetunion zu erzielen
- sei es stillschweigend oder ausdrücklich.
Unsere Entscheidungen sind natürlich auch nicht irreversibel. Wir sind
stets bereit, Einhalt zu gebieten, wenn die Sowjets bereit sind, es mit ihren
Abrüstungsvorschlägen ernst zu meinen. Allerdings können wir unser Handeln
nicht endlos wegen vager und propagandistischer Versprechungen hinausschieben.
Um überhaupt noch ernsthafte Aussichten auf Beschränkung durch Verhandlungen
zu haben, müssen wir bereit sein, alles zu tun, was ohne beiderseitige Beschränkung notwendig ist.
Meine Schlußfolgerungen sind einfach: Die Probleme, die wir in den nächsten zehn Jahren zu lösen haben, sind in mancher Hinsicht in ihrer Komplexität
und in ihrem Umfang ohne Beispiel. Unsere Fähigkeiten, diese Probleme zu lösen, haben sich in mancher bedeutenden Hinsicht vermindert. Aber wir haben
keine andere Wahl, als diese Anstrengung zu unternehmen; und indem wir diese
Anstrengung unternehmen, hilft sie uns dabei, uns immer wieder an den grundlegenden Erfolg und an die grundlegende Stärke des Nordatlantischen Bündnisses
zu erinnern.

+ + + + +

- 9-

�9. Januar 1980

2

ENERGIEVERSORGUNG: HERAUSFORDERUNG DER ACHTZIGER JAHRE
Von John Sawhill
Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten

- (AD) - Die gegenwärtige Weltenergiesituation ist prekär.

Im wesent-

lichen zeichnen sich fünf Probleme ab:
1) Ein großer Teil unseres Importöls kommt aus der politisch instabilsten
und veränderungsträchtigsten Region der Welt.
2) Der ölausstoß der OPEC-Nationen (Organisation Erdöl exportierender
Länder) kann sich auf den gegenwärtigen Stand einpendeln oder wird sogar verringert.
3) Der Weltbedarf an öl wird vermutlich weiter zunehmen.
4) Die öl Produktion der nicht der OPEC angehörenden Länder vermag die
Lücke zwischen verstärkter Nachfrage und zurückgehenden Lieferungen nicht zu
schließen.
5) Die

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�5) Die Verteilung von öl verlagert sich von Verkäufen an die multinationalen Mineral öl gesell schatten zu festen OPEC-Preisen auf direkte Verkäufe
eines Staates an einen anderen Staat oder auf dem freien Markt (Spot-Handel)
zu immer höheren Preisen.

*

Die endlosen Probleme im Iran spiegeln die Unbeständigkeit der Länder am
Persischen Golf lebhaft wider.

Dennoch sind die Vereinigten Staaten, wie die

meisten Industrieländer der Welt, in bezug auf den größten Teil ihrer Ölversorgung stark von diesen Ländern abhängig.

Und solange diese Abhängigkeit an-

hält, müssen wir mit periodischen Produktionseinschränkungen, Lieferunterbrechungen und extremem Preisanstieg rechnen.
Wegen der Besorgnisse über politische und soziale Unruhen im Nahen Osten
und wegen des Einflusses der Entscheidungen der Länder dieser Region auf die
Exporte im kommenden Jahr wird es immer wahrscheinlicher, daß die Produktion
der OPEC-Länder unter den gegenwärtigen Stand von 31 Millionen Barrel (1 Faß
öl = 159 Liter) pro Tag absinkt.

Die OPEC-Staaten können selbst unter Beibe-

haltung des z. Zt. geforderten Preises die Produktion um fast 20 Prozent
drosseln und trotzdem den staatlichen Finanzbedarf decken.

Und da viele Pro-

duzenten überzeugt sind, daß öl im Boden einen besseren Schutz gegen Inflation
bietet als hohe Finanzreserven, könnten 1980 aus der OPEC-Produktion durchaus
zwei Millionen Barrel öl pro Tag auf dem Spiele stehen.
Auf der Bedarfsseite ist die Lage nicht weniger entmutigend. Selbst bei
wirtschaftlicher Rezession dürfte der ölbedarf in den Industrieländern um
300 000 bis 500 000 Barrel pro Tag steigen - und der erhöhte Bedarf der Entwicklungsländer wird diese Menge um weitere 100 000 Barrel pro Tag vergrößern.
Schließlich wird in drei bis vier Jahren die Sowjetunion einen wichtigen Faktor im Weltölmarkt darstellen. Denn bis dahin hat sich das Exportland zu
einem Importland gewandelt, das schätzungsweise 400 000 Barrel öl pro Tag
einführt.
Leider

- 2 -

�Leider vermag die Produktionssteigerung der Länder außerhalb des OPECKartells die Lücke nicht zu schließen, öl und Gas aus Mexiko dürften nunmehr
in größeren Mengen in die Vereinigten Staaten gelangen.

Und Kanada, das

wachsenden Optimismus hinsichtlich seiner Erdgasvorkommen erkennen läßt, hat
soeben neue Exporte in die Vereinigten Staaten genehmigt. Aber die ölproduktion Großbritanniens aus der Nordsee wird schon Mitte der achtziger Jahre
ihren Höhepunkt erreichen.

Wenn keine neuen Felder gefunden werden, dürfte

die Produktion um 1984 bereits wieder absinken.

Deshalb ist schon bald damit

zu rechnen, daß England zur Streckung der Vorräte die Produktion drosselt,
um die Zeit der Importabhängigkeit zu verlängern.

Norwegen ist bereits da-

bei, aus sozialpolitischen Gründen Exploration und Erschließung von Ölvorkommen zu kontrollieren.
Der Ernst der Lage wird durch die das Gleichgewicht störenden Veränderungen der Struktur des internationalen ölmarktes weiter verschlimmert. Traditionsgemäß wurde das meiste Rohöl von großen Mineral öl firmen im Rahmen langfristiger Verträge mit den Regierungen der Förderländer angekauft. Den Preis
hatten die OPEC-Länder offiziell festgesetzt. Aber in den letzten Monaten
wurden immer größere Mengen von OPEC-Öl außerhalb dieser traditionellen Kanäle
gehandelt. Als Folge davon wurde, weltweit gesehen, die seit fünf Jahren vertraglich erfaßte ölmenge von 80 Prozent auf 50 - 60 Prozent reduziert, wobei
die Versorgung durch Verkäufe von Spekulanten und Händlern auf dem Spot-Markt
und andere Mengen, welche über die herkömmlichen Kanäle zu höheren als den
offiziellen Preisen verkauft wurden, wenigstens teilweise aufrechterhalten
wurde. Das daraus resultierende Gerangel um öl vom Spot-Markt trieb die Preise immer höher. Daraus ergeben sich sehr ernste Auswirkungen auf die Marktverhältnisse. Bis zu den frühen siebziger Jahren waren die Importfirmen sowohl beim Transport als auch bei der Verteilung des Öls stark engagiert.
Heute verlieren sie immer schneller die Kontrolle über beides. Die Folge ist
ein internatinales Verteilungssystem für Erdöl, das zunehmend politischen Manipulationen unterworfen ist.

Diese

�Diese Verlagerung der Kontroll funktionell für das Lief er- und Verteilungssystem ist zum Teil für die Preiseskalation auf dem Spot-Markt für öl
verantwortlich, zu der es ungeachtet eines hohen Investitionsniveaus und
einer Verlangsamung wirtschaftlicher Aktivitäten kommt.

Auch trägt die

Furcht vor künftigen Produktionskürzungen, die die Käufer veranlaßte, von den
gegenwärtigen Angeboten zur Versorgung gegen mögliche Lieferunterbrechungen,
Gebrauch zu machen, als weiterer Faktor zu Preissteigerungen bei.
Die allgemeinen Aussichten für die ölpreis- und Versorgungssituation
sind also düster - sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für ihre Verbündeten.

Zusätzliche rapide Preissteigerungen würden die ohnehin schon sehr

labile Weltwirtschaft ernstlich schwächen.

Und die Instabilität bei der Ver-

sorgung unterstreicht noch das Grundproblem - und das besteht in der schädlichen Auswirkung der Energie-Abhängigkeit auf die nationale Sicherheit der
USA und ihrer Verbündeten.
•

Unsere erste Reaktion auf die ölabhängigkeit der Vereinigten Staaten muß
in der Verringerung des Ölverbrauchs und der ölimporte vor allem aus unsicheren Lieferquellen bestehen. Wir ermutigen unsere Verbündeten, ähnlich
zu handeln. Auf der Gipfelkonferenz von Tokio und bei den Besprechungen in
der Folgezeit mit den Energieministern der europäischen Länder und Japans
verpflichteten sich die USA und ihre Verbündeten, bis zum Jahr 1985 die Importe
auf ein Niveau von weniger als 25 Millionen Barrel pro Tag zu verringern
- eine Menge, die unter Außerachtlassung eines Zuwachses etwa dem heutigen
Bedarf entspricht. Es ist von großer Bedeutung, dieses Ziel zu erreichen, •
wenn weitere starke und wirtschaftlich verheerende Preissteigerungen vermieden werden sollen.
Der amerikanische Energieminister Charles Duncan und die Energieminister
von 19 weiteren Ländern, die alle das Internationale Energieabkommen unterzeichnet haben, einigten sich bei ihrem Treffen vom 10. Dezember 1979 in Paris
darauf, mit rigorosen Maßnahmen auf die Eindämmung des weltweiten Bedarfs
hinzuwirken.
Was
- 4 -

�Was wir vermeiden wollen, ist eine Situation, in der sich Regierungen
gezwungen sehen, gegen andere Länder in einem verzweifelten Versuch zu operieren, begrenzte Lieferungen zu sogar noch höheren und weiter steigenden
Preisen zu sichern.

Wir müssen die Stärke und Disziplin mobilisieren, die

sich von gemeinsamen Zielsetzungen und Verpflichtungen herleitet.

Wir in

den Vereinigten Staaten verfolgen eine ganze Reihe von politischen Maßnahmen
und Programmen, um die ölimporte unseres Landes zu verringern und den Übergang zu einer stabileren und sichereren Energieversorgung zu bewerkstelligen.
Die dem zugrunde liegende Strategie ist eindeutig:

Bis 1990 muß die Nation

ihre ölimporte auf die Hälfte zurückschrauben.

Um dieses Ziel zu erreichen und den Übergang zu realisieren, haben wir
Programme entwickelt, mit denen sowohl Energie wirksamer genutzt wird als
auch eine vom ül abhängige Gesellschaft auf einen Zustand umschalten kann,
wo von verschiedenen Formen von Primärenergien Gebrauch gemacht wird.

+ + + + +

- 5-

�9. Januar 1980

2

WELTPREISENTWICKLUNGEN BEI NAHRUNGSMITTELN
- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor Von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel

Dr. Schnittker, Präsident der Beraterfirma
für Nahrungsmittel und Landwirtschaft
"Schnittker Associates" in Washington, war
von 1965-69 Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium. Dr. Abel, von 1966-68
ebenfalls im US-Landwirtschaftsministerium
tätig, ist Vizepräsident des Unternehmens.

- (AD) - Eine Voraussage für die achtziger Jahre läßt sich mit ziemlicher Sicherheit machen: Die Nahrungsmittelpreise werden steigen, nicht fallen. Es gibt jedoch einige Faktoren, die diese Entwicklung abschwächen. Einer
davon ist das Anlegen von Getreidereserven, eine Politik, mit der die Vereinigten Staaten im Jahr 1977 begannen und die auch in den achtziger Jahren fortgesetzt wird. Sie stellt eine wichtige Barriere gegen starke Preiserhöhungen für
Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt in den Jahren 1980 und 1981 dar - trotz steigenden Pro-Kopf-Verbrauchs und steigender Energiepreise.
Seit

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�Seit den schlechten Ernten im Jahr 1971 in einer Anzahl von Ländern und
dem gleichzeitig einsetzenden rapiden Anstieg des Nahrungsmittel Verbrauchs in
vielen Ländern haben die Weltpreise für Nahrungsmittel, auch für Weizen und
Reis, stark angezogen.

Die Tatsache, daß in vielen Ländern die Verbraucher

die höheren Lebensmittelpreise nicht zu spüren bekommen, weil die Wirtschaft
in hohem Maße unter staatlichem Dirigismus steht, steigerte noch diese Eskalation von Nahrungsmittelpreisen auf den Weltmärkten.

Dies gilt für die meisten

zentral gelenkten Planwirtschaften sowie für Marktwirtschaftsländer wie die der
Europäischen Gemeinschaft und für Japan.

In der Europäischen Gemeinschaft gab es beispielsweise Anfang der siebziger
Jahre, als sich die Weltpreise für Getreide und Ölsaaten verdoppelten, keine
Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln, weil sie von den Weltmärkten isoliert
war.

Deshalb verringerte die Europäische Gemeinschaft auch nicht den Verbrauch

in einer Zeit knappen Angebots auf dem Weltmarkt.

Große Teile der Weltbevöl-

kerung hatten bisher wenig direkte Erfahrung mit dem Auf und Ab der Preise für
landwirtschaftliche Produkte, und ihre Verbrauchsgewohnheiten werden von Preisen kaum beeinflußt.

Bei den wichtigsten Nahrungsmitteln erhöhten sich die Weltpreise im Großhandel zwischen 1971 und 1975 um etwa 100 Prozent und blieben dann für einige
Zeit stabil.

Die Preise für Weizen, Reis, Futtergetreide und ölhaltige Pflan-

zenprodukte, die zusammen bis zu zwei Drittel des Weltangebots an Nahrungsmitteln ausmachen und im Welthandel sogar einen noch größeren Anteil haben,
gingen in den Jahren 1976 und 1977, als gute Ernten eingebracht wurden, sogar
merklich zurück.

Als Folge davon lagen die Nahrungsmittel preise auf den Welt-

märkten Ende 1979 nur etwa 20 Prozent höher als 1975.

Die Ernte 1978/79 war die beste, die es je gab, und die Ernte 1979/80,
die jetzt nahezu eingebracht ist, steht dem nicht viel nach.

Die Weltgetreide-

vorräte, die größtenteils in Exportländern wie den USA und Kanada gehalten
werden, haben einen beruhigend hohen Stand und liegen weit über den gefährlich
niedrigen Mengen von 1974 und 1975.

Diese beiden Faktoren im Verein mit der

Tatsache, daß die Weltgetreidepreise durch eine Art Versteigerungsmarkt an- 2 -

�anstatt nach dem kartellähnlichen System der OPEC (Organisation Erdölexportierender Länder) festgesetzt werden, geben die Gewähr, daß in den Jahren 1980
und 1981 die Nahrungsmittelpreise keine willkürliche Steigerung erfahren.

Als Weltgetreideproduktion 1979/80 wird derzeit eine Menge von 1,5 Milliarden Tonnen erwartet.
wurde.

Dies ist die zweitbeste Ernte, die jemals eingebracht

Dennoch liegt sie um 72 Millionen Tonnen unter dem Rekordertrag des

Vorjahres.

Und der Verbrauchsanstieg ist so stark und vollzieht sich so rapide,

daß Mitte 1980 die Weltgetreidevorräte um 45 Millionen Tonnen abgenommen haben werden.

Somit besteht die größte Gefahr für die Nahrungsmittelpreise in schlechten Ernten in den Jahren 1980 und 1981 - zu einem Zeitpunkt, in dem die Hälfte
der Welt mehr pro Kopf verbraucht als je zuvor.
Die rasche Ausweitung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Produkten
in den siebziger Jahren zeigt die wachsende Abhängigkeit von Importen, um in
bestimmten Ländern und Regionen, insbesondere in der Sowjetunion und in Osteuropa, den Getreidebedarf zu decken.

In diesen Ländern wie auch in den In-

dustrieländern, die Getreide importieren, beruht das Ansteigen der Einfuhren
auf dem wachsenden Bedarf der Verbraucher an Fleisch und tierischen Produkten,
der Berücksichtigung dieses Bedarfs seitens der Regierungen und der Unfähigkeit
der betreffenden Länder, dem Bedarf aus der einheimischen Getreideproduktion
gerecht zu werden.

Beweis für die wachsende Bevorzugung von Fleisch ist die

Tatsache, daß der Handel mit. Futtergetreide eine schnellere Ausweitung erfuhr
als der mit Weizen und Reis.

Der Handel mit ölhaltigen Pflanzenprodukten ist

sogar noch rascher als der mit Futtergetreide gewachsen, und der Bedarf an eiweißhaltigen Lebensmitteln erfuhr eine um Vieles raschere Zunahme als der an
Pflanzenfetten.

Auch in den Entwicklungsländern stiegen die Agrarimporte schnell an.
großer Teil dieser Zunahme entfällt auf Weizenimporte.

Ein

Aber die Zunahme an

Futtergetreideeinfuhren war in vielen Entwicklungsländern (z.B. Südkorea, Taiwan,
Mexiko und Nigeria) ganz besonders stark, da steigende Einkommen in diesen
- 3 -

�diesen Ländern die Nachfrage nach Fleisch, Geflügel und Molkereiprodukte,
für deren Erzeugung Futtergetreide notwendig ist, angeheizt haben.
Die jährliche Wachstumsrate bei Futtergetreideimporten für die Tier- und
Geflügelzucht lag in 15 wichtigen Entwicklungsländern in den Jahren 1971/72 und
1977/78 bei 21 Prozent.

Für einige Länder war die jährliche Wachstumsrate für

Importe sogar extrem hoch: Sie betrug 50 Prozent in Tunesien, 47 Prozent in
Mexiko und 38 Prozent in Algerien.

In den letzten Jahren entfielen auf diese

Länder 13 Prozent des gesamten Futtergetreidehandels der Welt.
Im gleichen Zeitraum stiegen die Weizenimporte dieser Länder um nur neun
Prozent jährlich an, wobei die Anteile zwischen einer verschwindend geringen
Wachstumsrate für Taiwan und 25 Prozent für den Irak variieren.

Insgesamt ent-

fielen in den letzten paar Jahren auf die 15 wichtigsten, ihren Entwicklungsstand rasch verbessernden Entwicklungsländer. 20 Prozent des gesamten Weltweizenhandels.
Andere Länder werden sich in dem Maße, in dem ihr Einkommen wächst, zu
immer größeren Märkten für Getreideexporte entwickeln.

Viele früher auf Le-

bensmittelhilfe angewiesene Nationen bieten heute einen bemerkenswerten kommerziellen Absatzmarkt und tragen viel zum Wachstum des Weltverbrauchs an Futtergetreide bei.
Nicht alle Entwicklungsländer sind in der Lage, mit ziemlicher Regelmäßigkeit große Getreidemengen zu importieren, so wie es z.B. Nigeria oder Taiwan
ohne Schwierigkeiten tun. Aber fast alle - die ärmsten ausgenommen - haben
bereits die zunehmende Nachfrage nach tierischen Produkten erkannt; sie sind
bereit, das Getreide einzuführen und es zu bezahlen.
Die Länder mit zentraler Planwirtschaft nehmen einen besonderen Platz
im Weltnahrungsmittel System ein, weil ihre Wirtschaften vom Weltmarkt für landwirtschaftliche Produkte weitgehend isoliert sind.

Als Folge davon kann die

Handlungsweise jener Länder, vor allem die der Sowjetunion, tiefgreifende de-

4 -

�destabilisierende Auswirkungen auf den Welthandel und die Getreidepreise sowie auf die Preise für andere Nahrungsmittel haben.

Beispielsweise kaufte Rußland im Jahr 1972, als die eigene Unterproduktion
in jenem Jahr offenbar wurde, riesige Getreidemengen auf.

Die Sowjets ent-

schieden sich dafür, das Niveau des Inlandsverbrauchs mittels erhöhter Getreideimporte zu halten, anstatt wegen der Rückgänge in der eigenen Produktion den
Gürtel enger zu schnallen, wie sie es früher getan hatten.

Diese unerwartet

großen Aufkäufe in einem Jahr, in dem die Weltproduktion insgesamt niedriger
Lag, leiteten vier Jahre einer angespannten Weltversorgung und hoher Weltpreise
ein, wobei die reichen und die armen Marktwirtschaften den Hauptanteil der Anpassungsbürde zu tragen hatten.

Diese Bürde fiel den ärmeren Entwicklungslän-

dern besonders schwer, die sich hohen Importen und hohen Weltpreisen zu einer
Zeit gegenübersahen, in der sie sich die Kosten kaum leisten konnten.

Kostensteigerungen um 20 bis 35 Prozent für Erdölimporte würden sich zwar
ungünstig auf die Nahrungsmittelmärkte auswirken, brauchen aber nicht zu katastrophalen Konsequenzen zu führen.

Nur wenn es 1980/81 gleichzeitig zu

sehr schlechten Welternten und zu starken Preisanhebungen für OPEC-Öl kommt,
wird sich die Welt einer zweifachen Geißel - nämlich echtem Nahrungsmittelmangel und hohen Preisen - gegenübersehen.

Dazu kann es kommen - jedoch wird

eine solche Situation eher durch unvorhersehbare Wetterbedingungen denn durch
öl Preiserhöhungen hervorgerufen.

Der Umfang der jährlichen Weltgetreideernten

und der Lagerhaltung für Getreide werden die Schlüsselindikatoren für kurzfristige Preisbewegungen bei Nahrungsmitteln bleiben.

Weltweite Entwicklungen auf den Sektoren Ernährung und Landwirtschaft von
1972 bis 1975, insbesondere Ereignisse, die zur Welternährungskonferenz vom
November 1974 führten und die danach zu verzeichnen waren, lenkten die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit einer Vorratshaltung für Getreide.

Solche

Vorräte sind notwendig,

- um Importeuren zu helfen, die Auswirkungen schlechter Ernteergebnisse
auszugleichen;

�- um Exportländern die Möglichkeit zu geben, ihre regulären Abnehmer
voll zu beliefern, auch wenn ihre Ernten den Erwartungen nicht entsprechen;
- um ausreichend Nahrungsmittel für Hilfsprogramme zu gewährleisten,, wenn
ernste Verknappungen an Lebensmitteln und Hunger drohen; und
- um Warenpreise weltweit zu stabilisieren und die Positionen nationaler
Zahlungsbilanzen, insbesondere die der armen Nationen, zu schützen.
Auf der Welternährungskonferenz wurde dringend an alle Länder appelliert,
Nahrungsmittelreserven anzulegen.

Sie drang ferner auf die Schaffung einer

Weltgetreidereserve, die hauptsächlich von den Industrieländern bereitgestellt
und nach internationalen Abmachungen verwaltet werden sollte.
Internationale Gespräche unter den Auspizien der Welternährungskonferenz
und später des Weltweizenrates erwiesen sich als wenig produktiv.

Gute Ernten

in den Jahren 1976 und 1977 in den meisten Ländern lenkten die Aufmerksamkeit
von Nahrungsmittelverknappungen der jüngsten Zeit und von hohen Preisen ab.
Regierungen waren nicht mehr in dem Maße an einer Getreidereserve interessiert
wie zur Zeit des begrenzten Angebots.
Als Folge davon entschlossen sich die Vereinigten Staaten im Jahr 1977
zur Einführung eigener Maßnahmen zur Vorratshaltung von Getreide, wohl wissend,
daß die Angelegenheit zu wichtig war, um für die Dauer komplizierter internationaler Verhandlungen eine Verzögerung zu riskieren. Auch liegt die Getreidevorratshaltung im amerikanischen Interesse selbst, insbesondere im Hinblick auf die gelegentlich eintretende Notwendigkeit, bei dringender Hungersnot im Ausland einzuspringen und die Chancen zur Steigerung kommerzieller Exporte offenzuhalten. Seit 1977 haben die Vereinigten Staaten die Kosten auf
sich genommen, etwa 12 Millionen Tonnen Weizen und 15 - 18 Millionen Tonnen
Futtergetreide als Reserven zu halten und nicht auf den Markt zu bringen, um
sicherzugehen, im Fall einer drohenden ernsten Verknappung irgendwo auf der
Welt Nahrungsmittel für den Export zur Verfügung zu haben.
Der

�Der Mechanismus der amerikanischen Vorratshaltung ist einfach:

Farmer

schließen mit einer staatlichen Behörde Verträge über die Bevorratung von Weizen oder Futtergetreide im eigenen Betrieb für eine Frist bis zu drei Jahren
oder solange, bis Marktpreise als Reaktion auf verringertes Angebot einen wesentlichen Anstieg erfahren haben.

Die Regierung gibt den Farmern Kredite zu

einem günstigen Zinssatz und bezahlt die Kosten der Getreidebevorratung.

Stei-

gen die Preise auf ein zuvor festgesetztes Niveau an, beliefern die Farmer den
Markt mit einem Teil oder der gesamten Menge des Reservegetreides und helfen
so, die Preise zu stabilisieren.

Die amerikanische Regierung plant ferner im

Jahr 1980 die Einrichtung einer Staatsreserve im Umfang von drei bis vier Millionen Tonnen für Notfälle im Ausland.
Andere Länder haben Gelegenheit, sich den amerikanischen Anstrengungen
zur Vorratshaltung anzuschließen, um eigenen Interessen gerecht zu werden oder
bei internationalen Notlagen aktiv zu werden. Kanada und Indien erwiesen sich
als besonders aktiv. Beide Länder verfügen über große Getreidevorräte, die im
Fall von Ernteeinbußen im Jahr 1980 helfen können, die Weltpreise für Nahrungsmittel zu stabilisieren.

- 7 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen mit fester Haltung Westeuropas zur sowjetischen Invasion in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: USA werden sich ihrer Verantwortung stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des Chefdelegierten vor dem Weltsicherheitsrat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert Verschiebung der Senatsdebatte über SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben an Senator Byrd -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO: Ihre Vergangenheit und ihre Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Senator Jacob Javits -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Energieversorgung: Herausforderung der achtziger Jahre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Sawhill&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltpreisentwicklungen bei Nahrungsmitteln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nroimcition
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

Jy. Januar 1985

I N H A L T

DOKUMENTATIUN
USA und UdSSR kündigen neue Aürüstunysverhandlungen an
- Genfer E r k l ä r u n g von A u ß e n m i n i s t e r S h u l t z -

HINTE RG RUNÜMA TL" R1AL
Die Strategische

Verteidigungsinitiative

- F a k t e n und H i n t e r g r ü n d e

"Freiheit für Anatolij

-

Schtscharanskij1."

- M i t g l i e d e r des Repräsentantenhauses a p p e l l i e r e n an d i e Sowjets

WISSENSCHAFT UND TLCHNIK
Raumfähre D1SLLVERY im A u f t r a g des U S - V e r t e i d i g u n g s m i n i s t e r i u m s
- S t a r t f ü r 2 3 . Januar 1985 vorgesehen -

E n r i c o F e r m i - P r e i s 1984
- Robert Wilson und Georges Vendryes ausgezeichnet

Um Über/endung von
ßckgcKcmplorcn
wird gebeten

-

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�y . Ja m a r

1*85

USA UND UDSSR KÜNDIGEN NEUE ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN AN
- Genfer E r k l ä r u n g von A u ß e n m i n i s t e r S h u l t z

GENF -

-

(AD) - Nach Beendigung der z w e i t ä g i g e n Gespräche zwischen dem

amerikanischen A u ß e n m i n i s t e r George S h u l t z

und seinem s o w j e t i s c h e n Amts-

kollegen Andrei

Januar

Presse d i e

Gromyko

gab S h u l t z

folgende Erklärung

am 8.

ab, die

zugleich

198b

die

in

Genf

vor

gemeinsame

der

amerika-

nisch-sowjetische Erklärung e n t h ä l t :

tortlaut

der gemeinsamen a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n E r k l ä r u n g :

Entsprechend e i n e r

früheren

Vereinbarung

wurde am 7.

und

1985 i n Genf zwischen George P. S h u l t z , dem ameriKanischen
und A n d r e i A.

Gromyko, dem M i t g l i e d

der KPdSU, dem E r s t e n S t e l l v e r t r e t e r

des P o l i t b ü r o s

des

des V o r s i t z e n d e n

8.

Januar

Außenminister,
Zentralkomitees

des

Ministerrates

d e r UdSSR und A u ß e n m i n i s t e r d e r UdSSR e i n T r e f f e n a b g e h a l t e n .

Im V e r l a u f des T r e f f e n s

besprachen s i e Thema und Z i e l e der

henden a m e r i k a n i s c h - s o w j e t i s c h e n

Verhandlungen über

Kern-

und

bevorsteWeltraum-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�und Weltraumwaffen. Beide Seiten stimmten überein, daio das Thema der Verhandlungen ein Fragenkomplex sein wird, der die Weltraum- und Kernwaffen
sowohl strategischer als auch mittlerer Reichweite betreffen wird, und
zwar mit all den Fragen, die in bezug auf deren wechselseitiges Verhältnis in Erwägung gezogen una gelöst werden müssen.

Das Ziel der Verhandlungen wird es sein, wirksame Abkommen auszuarbeiten, die darauf zielen, ein Kettrüsten im Weltraum zu verhindern und
es auf der Erde selbst zu beenden und zugleich die Kernwaffen zu begrenzen und zu verringern sowie die strategische Stabilität zu stärken.

Die Verhandlungen werden auf jeder Seite von einer in drei Gruppen
unterteilten Delegation geführt werden.

Beide Seiten sind der Überzeu-

gung , daf3 die anstehenden Verhandlungen letztlich, wie auch die Bemühungen allgemeiner Art zur Begrenzung und Verringerung von Waffen, zu der
vollständigen Beseitigung der Kernwaffen allerorts führen sollten.

Der Zeitpunkt des Beginns der neuen Verhandlungen und der Ort dieser
Verhandlungen werden innerhalb eines Monats auf dem Wege diplomatischer
Kanäle festgelegt.

(Ende der gemeinsamen Erklärung)

* * *

Wbrtlaut der Erklärung von Auf3enminister Shultz

Obgleich die Erklärung für sich selbst spricht, würde ich gerne meine
eigene Ansicht zu dem mitteilen, was während dieses zweitägigen Treffens
erreicht worden ist.

Aus unserer Sicht stellen diese Ireffen einen wichtigen Anfang dar.
- 2 -

�Anfang dar.

Wir können nicht sicher sein, wohin diese Verhandlungen füh-

ren werden, und es ist offenkundig, daß ein weiter Weg vor uns liegt.
Noch immer gibt es viele schwere und komplizierte Fragen zu lösen.

Wir sind jedoch hier in Genf hinsichtlich der Ziele für neue Verhanalungen über Kern- und Weltraumwaffen übereingekommen.

Wir sind auch da-

hingehend übereingekommen, dab diese Verhandlungen von jeder Seite durch
jeweils eine in drei Grupper, unterteilte Delegation geführt werden.

Wir kamen mit großen Hoffnungen, aber realistischen Erwartungen nach
Genf.

Unser vorangegangener Gedankenaustausch hat bestätigt, daß wir ye-

nereil darin übereinstimmen, daß die Probleme der Kern- und Weltraumwaffen miteinander in Beziehung stehen und daß ueide Seiten die Priorität
darin sehen, radikale Verringerungen bei den Kernwaffen als einen ersten
Schritt in Richtung auf ihre vollständige Beseitigung zu erzielen.

Wir wußten aber zugleich, daß Meinungsverschiedenheiten dahingehend
bestehen, auf welche Weise wir diese Ziele erreichen.

Die Tatsache, daß

wir in der Lage waren, heute ein Einverständnis über neue Verhandlungen
zu erreichen, läßt, wie wir hoffen, ein gemeinsames Interesse uaran erkennen, bei dem notwendigen Geben und Nehmen voranzukommen, aas notwendig
ist, um ein Aükommen zu erreichen, das dem Anlieyen beider Seiten gerecht
wird.

Ein wichtiges Element meiner Darlegungen gegenüber Herrn Gromyko betraf unsere Sicht der Natur unserer strategischen Beziehungen und unserer
Ziele für die Zukunft.

Ich erklärte, dau wir kurzfristig neben dem Bemühen um radikale Verringerungen der Kernwaffen der Erosion des ABM-Vertrags Einhalt gebieten
sollten, die sich im Verlauf der vergangenen zehn Jahre bemerkoar gemacht
hat.

In bezuy auf die Frage

der Strategischen

Verteiaigungsimtiative

(SDI) erklärte ich Herrn Gromyko, daß die SD1 ein Forschungsprogramm dar- 3 -

�Forschungsprogramm darstellt, die das Ziel hat, festzustellen, ob es möglich sei, zu einer stabileren Beziehung zu gelangen, zu der eine stärkere
Akzentuierung der Defensivsysteme gehören würae.

Ich stellte fest, daß

sie in vollem Einklang mit dem ABM-Vertrag steht und dalo keinerlei Entscheidungen gefallen seien, über die Forschung hinauszugenen und daß dererlei Entscheidungen auch mehrere Jahre lang

nicht getroffen werden

könnten.

Während die Fragen, die die SOI aufwirft, die Zukunft oetreffen, erklärte ich Herrn Gromyko, daß wir jetzt dennoch bereit seien, die Frage
der strategischen Verteidigung zu diskutieren.

Unsere Ansichten gehen in

dieser Fragen auseinander, wir haben uns jedoch auf ein Forum geeinigt,
um diese Fragen frontal mit dem Ziel anzugehen, Verringerungen bei den
Kernwaffen anzustreben und die strategische Stabilität zu stärken.

Zusätzlich zu einer Gruppe, in der wir beabsichtigen, sowohl auf der
Erde als auch im Weltraum stationierte oder zielgerichtete Weltraumwaffen
zu behandeln, sind wir mit den Sowjets übereingekommen, zwei weitere neue
Verhandlungsgruppen einzurichten, um Begrenzungen und Verringerungen bei
den strategischen Kernwaffen und den nuklearen Mittelstreckensystemen zu
besprechen.

Ich erklärte Herrn Gromyko, daß wir neue Ideen erarbeitet

haben, um alle diese Bereiche zu untersuchen und daß wir uns eine gleichermaßen konstruktive Haltung seitens der Sowjetunion wünschen.

Herr Gromyko und ich sind der Meinung, daß unser Austausch offen,
sachlich und nützlich war.

Wir beschäftigen uns mit dem Problem der

schwierigsten Fragen zwischen unseren beiden Ländern.

Es ist dies eine

Herausforderung, die unserer größten Anstrengungen würdig ist.

Beide Seiten werden diesem Meinungsaustausch sorgfältige Überleguny
angedeihen lassen und werden auch während der Vorbereitung der neuen Verhandlungen über Kontakte und diplomatische Kanäle in Verbindung bleiben.

Der Erfolg unseres Treffens hier wurde zu einem nicht geringen Teil
möglich durch den Rat und die Unterstützung der hervorragenden Delegati- 4 -

�hervorragenden Delegation, die mich hierher begleitet hat.

Hier hoif

wirklich jeder und leistete seine Beiträge, wobei ich besonders dem nationalen Siehe) u.ltsberater Robert McFarlane danken möchte.

Mitglieder unserer Delgation werden unsere Verbündeten und Freunde
innerhalb der nächsten Tage informieren und wir werden natürlich dem Kongreß eine sorgfältige Dokumentation vorlegen.

Ich werde dem Präsidenten

morgen persönlich über die Ergebnisse dieses Treffens berichten, wie ich
dies per Telefon schon heute nacht kurz getan habe.

Ich weiß, daß es seine Absicht ist, diese Verhandlungen mit Ausdauer
und Entschlossenheit zu verfolgen.

******

- b-

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

y. Januar l*ö!&gt;

DIE STRATEGISCHE VERTE^DIGUNGSlNxTIATIVE
- Fakten und Hintergründe -

Washington -(AD)- Anläßlich der Genfer Gespräche der Außenminister
Shultz und Gromyko am 7. und 8. Januar 198:? über Fragen der Rüstungskontrolle veröffentlichte die amerikanische Regierung am 3. Januar ein
Informationspapier

über die sogenannte

"Strategie Defense

initiative"

(SDI) , die Initiative der Vereinigten Staaten zur Entwicklung einer strategischen Verteidigung. Diese Veröffentlichung hat folgenden Wortlaut:

Vorwort des Präsidenten

Seit der Entwicklung der Atomwaffen ist jeder Präsident bestrebt gewesen, die Gefahr einer atomaren Vernichtung nach Möglichkeit zu verringern, und zwar einerseits durch die Aufrechterhaltung von Streitkräften,
die eine wirksame Abschreckung gegen Aggression ausüben können, andererseits aber auch durch den Versuch, ergänzend hierzu abkommen über Rüstungskontrolle abzuschließen. Dieser Weg hat sich als gangbar erwiesen.
Uns und unseren Verbündeten ist es gelungen, einen Atomkrieg nun schon
fast 40 Jahre lang zu verhüten und dabei gleichzeitig die Sicherheit des

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Sicherheit des Westens zu wahren.

Ursprünglich beruhte unsere Abschreckungsstrategie auf einem ausgewogenen Konzept von Offensiv- und Defensivstreitkräften. Während der letzten zu Jahre haben die Vereinigten Staaten jedoch die Bemühungen um die
Entwicklung und Einführung von Verteidigungsmitteln gegen Kernwaffen nahezu aufgegeben und sich stattdessen fast ausschließlich auf aie Drohung
mit nuklearer Vergeltung verlassen. Wir akzeptierten die Vorstellung, daß
eine stabile und dauerhafte Abschreckung dann gewährleistet sei, wenn sowohl wir als auch die Sowjetunion einen Erstschlag einstecken und danach
immer noch mit vernichtender Kraft Vergeltung üben könnten. Dies ziemlich
neuartige Konzept erschien seinerzeit aus zwei Gründen als einleuchtend:
Erstens erklärten die Sowjets, daß sie glaubten, daß ueide Seiten ungefähr gleich starke Streitkräfte besitzen sollten und daß keine Seite versuchen dürfe, dieses Gleichgewicht zu verändern, um einseitige Vorteile
zu gewinnen. Zweitens schien es keine Alternative zu geben. Nach dem damaligen Stand der Technik waren wirksame Defensivsysteme nicht möglich.

Heute werden diese beiden Grundannahmen Zusehens fragwürdig. Das Tempo der sowjetischen Aufrüstung Dei den Offensiv- wie bei den Defensivwaffen hat das Gleichgewicht in den Bereichen, die in Krisenzeiten am wichtigsten sind, ins Wanken gebracht. Darüberhinaus stenen heute moderne
Technologien zur Verfügung, die eine tatsächlich wirksame nichtnukleare
Verteidigung möglich machen könnten.

Aus ciesen Gründen und wegen aer schrecklichen Zerstörungskraft nuklearer Waffen müssen wir nach anderen Mitteln der Kriegsverhütung Ausschau halten. Dies ist militärisch wie auch moralisch geboten. Es muu
einfach einen besseren Weg zur Stärkung von Frieden und Stabilität geben,
einen Weg fort von einer Zukunft, in der man sich in einem derart starken
Maße auf die Moolichkeit sofortiger und massiver nuklearer Vergeltung
stützen muß, und hin zu einem Konzept, das stärker auf Defensivsystemen
beruht, die niemanden bedrohen.

Am 23. März 1983 gab ich meine Entscheidung bekannt, einen wichtigen
ersten Schritt in Richtung auf dieses Ziel zu tun. Zu diesem Zweck ordne- l

�Zweck ordnete

ich

die tinleitung

schungsprogramms, die

strategische

eines umfassenden, intensiven f-orVerteidigungsinitiative, an. Dieses

Programm soll die Bedrohung durch Nuklearwaffen tragende ballistische Raketen schließlich beseitigen.
Bei der strategischen Verteidigungsinitiative (.SD1) handelt es sich
um ein nachdrückliches Forschungsprogramm, in dessen Mittelpunkt modernste Defensivtechnologien stehen und dessen Ziel darin besteht, Mittel und
Wege zu finden, wie man die Abschreckung gegen Angriffskriege auf eine
bessere Grundlage stellen, die Stabilität stärken und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten erhö'nen

könnte. Durch dieses

Forschungsprogramm wird einem künftigen Hrasidenten una einem künftigen
Kongreß das technische Wissen zur Verfügung gestellt, das sie benötigen,
um eine Entscheidung darüber treffen zu Können, ob fortscnrittlicne uefensivsysteme tatsächlich entwickelt und eingeführt werden sollen.
Gleichzeitig bleiben die Vereinigten Staaten entschlossen, über verifizierbare Abkommen auf der Grundlage des Prinzips der Gleichbehandlung
beider Seiten zu verhandeln, d.h. , über Abkdmmen, die zu einer tatsächlichen Verringerung der Zerstörungskraft der Atomwaffenarsenale beider Seiten führen. Zu diesem Zweck nat meine Administration der Sowjetunion ein
umfangreiches

Paket

von

Rüstungskontrollvorschlägen

unterbreitet.

Wir

sind unermüdlich bemüht, in dieser Hinsicht Erfolge zu erzielen, aber bei
unseren Versuchen zur Festigung des Friedens können und müssen wir noch
ein übriges tun.

Unsere Forschungsarbeiten im Rahmen der strategischen Verteidigungsinitiative bilden eine Ergänzung zu unseren Bemühungen um Rüstungskontrolle und tragen dazu bei, einer stabileren und sichereren Welt den Weg
zu bereiten. Diese Forschungsarbeiten stehen im Einklang mit allen unseren vertraglichen Verpflichtungen, auch mit dem AdM-Vertrag von 197z.

Kurzfristig gesehen bildet dieses Forschungsprogramm auch eine Antwort auf die laufenden, umfangreichen Anstrengungen der Sowjets im Bereich der Raketenabwehrsysteme (ABM-Systeme); Bemühungen, die bereits bis
zur tatsächlichen Staticnierung solcher Systeme gediehen sind. Unser Pro- 3 -

�Unser Programm bildet auch ein gewichtiges Argument für die Sowjets, davon Abstand zu nehmen, ihr Raketenabwehrsystem über den nach dem ABM-Vertrag zulässigen Rahmen hinaus auszubauen, langfristig yesenen sind wir
zuversichtlich, daß die strategische Verteidigungsinitiative

die ent-

scheidende Grundlage schaffen wird, auf der aie Vereinigten Staaten und
die Sowjetunion sich unter Wahrung ihrer Sicherheit auf einschneidende
Verminderungen und schlieülich auch auf eine Beseitigung aer ballistischen Raketen und der auf ihnen montierten Nuklearwaffen verständigen
können.

Unseie vitalen Interessen und die unserer Verbündeten sind unauflöslich verknüpft. Ihre Sicherheit und die unsrige bilden ein einheitliches
Ganzes. Auch unsere Verbündeten verlassen sich auf unsere Nuklearstreitkräfte, um vor einem Angriff auf sie abzuschrecken. Wenn wir also den
Möglichkeiten nachgehen, die sich uns durch die SDI bieten, dann werden
wir dabei auch weiterhin eng mit unseren Freunden und Verbündeten zusammenarbeiten. Falls einmal entschieden werden sollte, üefensivsysteme zu
entwickeln und einzuführen - eine Entscheidung, bei der die Konsultationen mit unseren Verbündeten eine wichtige Rolle spielen würden - so werden wir dabei sicherstellen, daü dies die Sicherheit der Vereinigten
Staaten und inrer Verbündeten vor Angriffen erhöht.

Mit dem SDI-Forschungsprogramm habe ich die besten wissenschaftlichen
Köpfe unseres Landes dazu aufgerufen, der Sache der Festiyung des Weltfriedens einen Dienst zu erweisen, indem sie dafür sorgen, daß die ballistischen Raketen eine wertlose und veraltete Waffe werden. Was ich vorgeschlagen habe, läuft, kurz gesagt, darauf hinaus, unser überragendes
technisches Können in den Dienst des Aufuaus einer sichereren und stabileren Welt zu stellen. Ich möchte hervorheben, daü die Vereinigten Staaten mit diesem Forschungsprogramm weder militärische Überlegenheit noch
politische Vorteile anstreben. Unser einziges Ziel besteht darin, Mittel
und Wege zur Verminderung der Gefahr eines Atomkriegs zu finden.

Wenn Sie die folgenden Seiten lesen, sollten Sie sich, wie ich meine,
vor Augen halten, daü es um unsere Zukunft geht und daü unser Ziel darin
besteht, unsere Fähigkeit zur Erhaltung des Friedens zu verbessern und

- 4-

�verbessern und g l e i c h z e i t i g von der Drohung mit nuklearer Vergeltung abzurücken, auf die wir uns gegenwärtig noch stützen müssen. Ich möchte Sie
ferner b i t t e n , das SOI-Forschungsprogramm sowohl im Lichte der diesbezügl i c h e n fortlaufenden und umfangreichen Anstrengungen der Sowjetunion als
auch im Lichte der verfassungsmäßigen Verpflichtung unserer eigenen Regierung zur Gewährleistung der gemeinsamen Landesverteidigung zu betracht e n . Ich h o f f e , daß danach auch Sie diese Forschungsanstrengungen nachh a l t i g und konsequent unterstützen werden, denn diese Anstrengungen könnten sich a l s entscheidend f ü r die Zukunft unserer Nation erweisen.

Die strategische Verteidigungsinitiative des Präsidenten
"Wie wäre e s , wenn f r e i e Menschen sicher leben könnten i n dem Wissen,
dab i h r e Sicherheit nicht auf aer amerikanischen uronung einer
Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen A n g r i f f

sofortigen

abzuschrecken; dab

wir strategische Raketen abfangen und vernichten könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen V"
(Auszug aus der Rede Präsident Reagans vom Z3. März 1983)
Die Vision des Präsidenten

In seiner Rede an die Nation vom 23. März 1983 oeschrieb der Präsident seine Vision einer Welt, die sich nicht mehr in solch überwältigendem Mabe auf Kernwaffen verlassen muu, einer Welt, die ein für allemal
von der Gefahr des Atomkriegs befreit ist. Für sich genommen kann die
strategische Verteidigungsinitiative weder diese Vision in vollem Umfang
Wirklichkeit werden lassen noch all die Sicherheitsprobleme lösen, denen
wir und unsere Verbündeten sich in der Zukunft gegenübersehen werden. Dazu werden wir nach vielen Lösungen Ausschau halten müssen, nach technischen wie nach politischen. Vor uns liegen ein langer Weg und viel narte
Arbeit. Der Präsident ist jedoch der Auffassung, dab wir damit heute beginnen müssen. Die strategische Verteidigungsinitiative bildet einen entscheidenden ersten Schritt.

Die Grundlagen der Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beruhen in unserer gemeinsamen Fähigkeit, einen Aggressor abzu- 5 -

�Aggressor abzuschrecken. Unsere nuklearen Vergeltungswaffen tragen dazu
bei,

diese

Sicherheit

zu

gewährleisten; sie verhüten nun schon seit

40 Jahren den Ausbruch eines Krieges. Seit dem Zweiten Weltkrieg sind
keine Atomwaffen mehr eingesetzt worden. Es hat keinen direkten militärischen Konflikt zwischen den Deiden Weltmächten gegeben, una Luropa hat
seit dem letzten Jahrhundert keine so lange Zeit des Friedens mehr erlebt. Tatsache ist jedoch, daß wir gegen einen Angriff mit ballistischen
Nuklearraketen keine Verteidigungsmöglichkeiten haben. Da die sowjetische
Aufrüstung das Ungleichgewicht in Schlüsselbereichen der Offensivwaffen
vertieft und Moskau Systeme einführt, deren Stellenwert und Eigenschaften
immer schwieriger abzuschätzen sind, werden wir und unsere Verbündeten in
immer höherem Maße verwundbar für Erpressungsversuche. Falls die Abschreckung versagte, hätte der amerikanische Präsident nur die Wahl, zu
kapitulieren oder den Vergeltungsschlag anzuordnen. Nukleare Vergeltung ganz gleich, ob begrenzt oder massiv - würde jedoch zum Verlust von Millionen von Menschenleben führen.

Der Präsident ist fest davon überzeugt, daß wir uessere Mittel und
Wege finden müssen, um eine glaubwürdige Abschreckung zu gewährleisten.
Wenn wir das überragende Können unserer Wissenschaftler und inyenieure
auf das Problem der Abwehr von ballistischen Raketen anwenden, dann gibt
es eine reale Möglichkeit, daß zukünftige Präsiaenten einmal in der Lage
sein werden, Kriege anders zu verhüten als durch die Drohung, jeden Aggressor zu vernichten. Ihnen werden dann vielleicnt Mittel zur Verfügung
stehen, die keine Bedrohung für irgendjemanden bilden.

Das Ziel des Präsidenten und seine Erwartung an unsere Wissenschaftler und Ingenieure besteht darin, die technischen Probleme zu erfassen
und die technischen Mittel zu ihrer Lösung zu finden, so dau wir uns gegebenenfalls der einem

strategischen Verteidigungssystem

innewohnenden

Möglichkeiten bedienen Können, um auf wirksamere und stabilitätsdienlichere Weise die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
vor Aggression und Erpressung zu gewährleisten. Die Vereinigten Stabschefs, viele angesehene Wissenschaftler und

andere Experten sind der

Auffassung, daß sich unter einer entschlossenen Führung und bei ausreichender Finanzierung die jüngsten Fortschritte im Bereich der Defensiv- 6 -

�der Defensivtechnologien in entsprechende Abwehrsysteme ummünzen lieben.

Worum geht es bei der strategischen Verteidigungsinitiative des Präsidenten ?
Der Präsident gab seine strategische Verteidigungsinitiative (Sül) in
seiner Rede an die Nation vom 23. März 1983 bekannt. Das Ziel dieser Initiative besteht darin, Mittel und Wege zu üestimmen, wie man sicn kürzlich erzielte technologische Fortschritte im Bereich der Abwehr ballistischer Raketen, die Möglichkeiten für eine Verbesserung der Abschreckung
bieten, zunutze machen könnte, um unsere Sicherheit und die unserer Verbündeten zu erhöhen. Das Programm soll eine Reihe von grundlegenden wissenschaftlichen und technischen Fragen beantworten, mit denen man sich
auseinandersetzen muk), bevor die diesen Technologien innewohnenaen Möglichkeiten in vollem Umfang gewürdigt werden können. Das Forschungsprogramm wird einem künftigen Präsidenten una einem künftigen Kongreß aas
technische Wissen zur Verfügung stellen, das sie benötigen, um Anfang der
neunziger Jahre eine cntscneidung darüber treffen zu können, oo fortschrittliche Defensivsysteme tatsächlich entwickelt und eingeführt werden
sollen.

Die SJI ist ein breit angelegtes Forschungsprogramm. Sie beruht nicht
auf einer einzelnen oder von vornherein feststehenden Vorstellung davon,
wie ein wirksames Abwehrsystem auszusehen hätte, eine Anzahl verschiedener Konzepte, die eine große Spannbreite von Technologien einbeziehen,
wird gegenwärtig geprüft. Bislang ist kein einzelnes Konzept oder keine
einzelne Technologie als das bzw. die beste oder angemessenste hervorgehoben worden. Mehrere nichtnukleare Technologien versprechen Möglichkeiten zur wirksamen Abwehr von ballistischen Raketen.
Wir meinen jedoch, dau die Technologien, die heute verfügoar weraen,
die Möglichkeit zum Aufbau eines gestaffelten Abwehrsystems bieten könnten, eines Systems, das sich verschiedener Technologien bedient, um angreifende Raketen in jeder Flugphase zu zerstören.

- Einige Raketen könnten kurz nach dem Start zerstört werden, während
- 7 -

�werden, während ihre Triebwerke noch brennen und sie ihre Gefechtsköpfe in den Weltraum befördern. Wenn man eine Rakete noch in der
Startphase zerstört, zerstört man mit einem Schlag auch alle ihre Nukleargefechtsköpfe. Interkontinentalraketen etwa

würden wahrschein-

lich schon zerstört werden, bevor sie über aas Hoheitsgebiet des Aggressors hinaus wären.
- teiterhin könnte man Diejenigen Nukleargefecntskopfe, die die btartphase überstehen, zerstören, indem man sie während der Marschphase
angreift. In aieser Phase würden sich die Mbwehrwaffen gegen üie Vorrichtung auf der Spitze der Rakete richten, deren Zweck darin besteht, die Gefechtsköpfe über einen bestimmten Zielraum zu verteilen.
Der Abwehrschlag würde in dem Augenblick erfolgen, in dem dieser Behälter seine Fracht freigibt. Wenn man inn zerstört, kann man alle
Gefechtsköpfe vernichten, die er noch nicht abgestoßen hat.

- Diejenigen Gefechtsköpfe, die abgestoßen worden sind und bis zu diesem Punkt überlebt haben, fliegen zehn oder mehr Minuten lang auf ihren ballistischen Flugbahnen durch die Weite des Weltraums auf ihre
Ziele zu. Man müßte nun zwar die einzelnen Gefechtsköpfe selbst orten, identifizieren und zerstören, aoer diese relativ lange mittlere
Flugphase gibt uns noch einmal Zeit, um bestimmte fortschrittliche
Technologien zum Linsatz zu bringen und genau dies zu erreichen.

- Schließlich könnten diejenigen Gefechtsköpfe, die die äußeren Abwehrgürtel heil passiert naben, nocnmals in der Enoanflugphase angegriffen werden, während

sie

sich

dem Ende

ihrer

ballistischen

Bahnkurve nähern.

Das Konzept eines gestaffelten Mbwenrsystems könnte sich als außerordentlich wirksam erweisen, weil die hintereinander gestaffelten Abwehrgürtel so zusammenwirken, daß sich viele Gelegenheiten ergeben würden,
die angreifenden Nukleargefechtsköpfe lange, bevor sie unser Hoheitsgebiet oder das unserer Verbündeten erreichen könnten, zu zerstören. Einern
Gegner, der es mit mehreren getrennten Abwehrgürteln zu tun hätte, würde
es schwerfallen, seine Raketen und deren Nukleargefecntskopfe technisch
- 8 -

�Nukleargefeentskopfe technisch sc aozuwandein, da^ sie alle uiese uürcel
zu durchdringen vermöchten. Eine Abwehr in der Start-, Nachstart- und
Marschphase ballistischer Raketen würde keine unterschiede naen aen Zielen der angreifenden Raketen machen. Sie würde einfach angreifende Nukleargefechtsköpfe zerstören und dabei unser i_ana und dessen Büryer senützen. Um die Abschreckung merklich zu stärken, müßte das in mehrere Gürtel
gestaffelte Abwehrsystem nicht unbedingt eine insgesamt hundertprozentige
Schutzwirkung erreichen. Es genügt, wenn es im Bewußtsein eines möglichen
Aggressors ein hinreichendes Maß an Ungewißheit darübei schafft, ob es
ihm gelingen wird, einen Angriff erfolgreich durchzuführen. Das Konzept
einer gestaffelten Mbwenr ist sicherlich geeignet, diesen Effekt hervorzurufen.

Seit die Vereinigten Staaten

in den sechziger Jahren die ersten

Schritte zur Entwicklung von Raketenabwehrsystemen getan haben, sind erhebliche technologische Fortschritte erzielt worden, zum ZeitpunKt der
Unterzeichnung des ABM-Vertrages (1^72) besenränkten sich die Möglichkeiten der Raketenabwehr im wesentlicnen darauf, Nukleargefeentskopfe in der
Endanflugphase mit Abfangraketen, die ihrerseits einen Nukleargefechtskopf trugen, anzugreifen, inzwischen eröffnen neue lechnologien oie Möglichkeit , Raketen und die von ihnen beförderten Nukleargefechtsköpfe in
allen Fluypnasen mit nichtnuklearen Mitteln zu zerstören. Neue lecnnologien könnten den Aufbau einer gestaffelten Abwehr ermöglichen, weil sie
uns folgende Hilfsmittel an die Hand geben: Sensoren, mittels aerer Raketen und Nukleargefechtsköpfe identifiziert und erfaßt werden können; moderne bouen- und weltraumgestützte Aofangsysteme und Waffen, die nach dem
Prinzip der Energiebündelung und -ausrichtung

arbeiten, Systeme also,

mittels derer sowohl Raketen als auch einzelne Nukleargefeentskopfe zerstört werden können; ferner die Befehls-, Kommando- und Fernmeldeeinrichtungen, die zum Betrieb eines gestaffelten Aowehrsystems erforderlich
sind.

Bei den Planungen für das Sui-Forschungsprogramm entschieden wir uns
bewußt dafür, eine breite Palette von Möglichkeiten der Raketenabwehr zu
prüfen und dabei eine Abwehr in allen Fluypnasen einer Raketen in Betracht zu ziehen, d.h., in der Start-, Nachstart-, Marsch- und Endanflug- &gt; -

�und Enaanflugphase. Es ist zwar noch zu früh, um im einzelnen sagen zu
können, welche Technologien oder Anwendungsmöglichkeiten sich schließlich
als die effektivsten erweisen werden, aber das Konzept einer gestaffelten
Abwehr erlaubt den größtmöglichen Einsatz neuer Technologien und bietet
die Möglichkeit, Nukleargefechtsköpfe lange, bevor sie aas Hoheitsgebiet
der Vereinigten Staaten oder ihrer Verbündeten erreichen, zu zerstören.

Wie Präsident Reagan bei tinleitung des SDi-Forschungsprcgramms klargestellt hat, steht es im Einklang mit allen vertraglichen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten, einschließlich des AtM-Vertrags. Die Sowjets
unterhalten das einzige bestehende Raketenabwehrsystem der Welt (es bildet einen Schutzgürtel um MosKau), und sie verbessern es fortlaufend, inr
Forschungsprogramm im Bereich der herkömmlichen und modernen Raketenabwehrtechnologien läuft seit vielen Janren una wird weitergeführt. Während
Präsident Reagan jedoch angeordnet hat, daß das amerikanische Programm in
einer Art und Weise vorangetrieben wird, die im Einklang mit uem AüM-Vertrag steht, kann man mit einiger Gewißheit davon ausgehen, daß die Sowjetunion diesen Vertrag verletzt, indem sie bei Krasnojarsk in Sibirien
eine große Raketenfrühwarnradaranlage baut, die in einer Art und Weise
aufgestellt und ausgelegt ist, die nach den Bestimmungen des Vertrages
unzulässig

ist. Diese

Radaranlage

könnte

die

ohnehin

beträchtlichen

Möglichkeiten der Sowjetunion zum schnellen Ausbau inres bereits bestehenden Raketenabwehrsystems noch einmal erheblich erweitern.

Die Vereinigten Staaten haben angeboten, mit der Sowjetunion die Polgewirkungen der vdn beiden Ländern genutzten Defensivtechnologien zu erörtern. Solcne Gespräche wären insofern nützlich, als sie dazu beitragen
könnten, Klarheit darüber zu schaffen, wie beide Seiten den Zusammenhang
zwischen offensiven und defensiven Waffen sehen und welche Zielsetzungen
dem amerikanischen und dem scwjetischen Programm zugrunde liegen. Darüberhinaus könnte ein solcher Dialog zu einer Übereinkunft führen, gemeinsam auf strategische Verhältnisse hinzuarbeiten, die stabiler sind
als die heute bestehenden.
Warum strategische

- 10 -

�Warum strategische Verteidigung ?

Strategische Verteidigung und Apschreckung: Die hauptaufgade einer
Regierung besteht darin, für die Sicherheit ihres Volkes Sorge zu tragen.
Die Verhütung von Aggression durch Abschreckung bildet den sichersten
Weg, zu gewährleisten, daß wir und unsere Verbündeten als freie und unabhängige Nationen überdauern werden. Die Schaffung einer besseren und stabileren Grundlage für eine verstärkte Abschreckung bildet das Kernziel
der strategischen Verteidigungsinitiative.
Im Rahmen dieses Programms betreiben wir intensive Forschung, in deren Mittelpunkt die modernen Defensivtechnologien stehen und deren Ziel
darin besteht, die Grundlagen der Abschreckung zu festigen, die Stabilität zu stärken und somit die Sicherheit der Vereinigten Staaten und inrer
Verbündeten zu erhöhen. Der Präsident hat bei vielen Gelegenheiten seiner
festen Überzeugung AusdrucK verliehen, dald "ein Atomkrieg nicht zu gewinnen ist und daher niemals geführt werden darf". Die amerikanische Politik
war stets auf die Verhütung von Aggression durch MDscnreckung gerichtet
und wird dies auch weiterhin bleiben, selbst wenn in der Zukunft entschieden werden sollte, Defensivsysteme aufzustellen. Der Sinn der initiative zur Entwicklung einer strategischen Verteidigung besteht darin,
die AQsenreckung zu stärKen und den umfang der Nuklearstreitkräfte zu
verringern.

Defensivsysteme stehen sowohl historiscn als auch theoretiscn mit aer
Abschreckungspolitik im Einklang. Heute verlassen wir uns im Hinblick auf
die strategische Abscnreckung zwar fast ausschließlich auf die Dronung
der Vergeltung mittels Offensivwaffen, aber dies war nicht immer so. Während der gesamten fünfziger und während eines Großteils der sechziger
Jahre unterhielten die Vereinigten Staaten zum Schutze Nordamerikas gegen
sowjetische Bomberverbände ein ausgedehntes Luftverteidigungsnetz. Damals
bildete dieses Netz einen wichtigen Bestandteil unseres Abschreckungspotentials. Wir maßen ihm erst dann weniger Bedeutung bei, als die Sowjets
sich in verstärktem Maße auf Interkontinentalraketen konzentrierten, die
eine Bedrohung bilden, gegen die es früher Keine wirksame Verteidigung
gab. Die Fortschritte, die in der jüngeren Vergangenheit im Bereich der
- 11 -

�Bereich der Raketenabwehrtechnologien erzielt werden konnten, geben jedoch mehr als genug Grund zu der Annahme, daß Defensivsysteme letztlich
eine bessere und stabilere Grundlage für die Aoschreckung abgeben können.

Eine wirksame Raketenabwehr könnte in der Zukunft die Abschreckung in
mehrfacner Hinsicht stärken. Erstens dürfte sie es für einen Aggressor
erheblich ungewisser machen, ob seine Waffen eine solche Abwehr durchdringen und unsere Raketen und andere militärischen Ziele zerstören könnten. Es wäre für einen möglichen Aggressor ungemein schwierig, vorherzusagen, wie weit er angesichts solcner Ungewißheiten selbst verwunduar wäre. Er müßte dann wieder davon ausgehen, daß er, wenn er angriffe, ninterher auf keinen Fall in einer günstigeren Position wäre. Wenn ein Aggressor sich seines Erfolges nicht sicher sein kann, dann ist es selbst
unter Krisenbedingungen

weitaus weniger

wahrscheiniicn, dau

er einen

Atomschlag in Erwägung zieht.

Solche Ungewißheiten würden auch aen Anreiz zu einem trstschlag vermindern oder beseitigen. Wenn man moderne, treffsichere Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen in einer im Verhältnis zum militärischen Potential des Gegners ausreichenden Zahl aufstellt - was die Sowjets getan haben -, dann erhält man die Möglichkeit zu einem schnellen
Erstschlag, mit dem man den Gegner der Fähigkeit zur wirksamen Vergeltung
berauben kann. Moderne Abwehrsysteme könnten nun aber aiesen potentiellen
Hauptfaktor von Instabilität beseitigen, indem sie die Eignung ballistischer Raketen zum wirksamen Angriff auf militärische Ziele herabsetzen
oder ganz aufheben und sie somit als Instrumente der Aggression unwirksam
und veraltet machen.

Zusammen mit dem Luftabwehrsystem könnte ein hochwirksames Raketenabwehrsystem schließlich dazu beitragen, den militärischen Nutzen eines
atomaren Angriffs für einen Aggressor zu verminaern oder aufzuheoen. Wenn
ein Aggressor nicht mehr in der Lage ist, einen größeren Teil unseres
Landes zu zerstören, dann hat er nichts mehr zu gewinnen, wenn er zuerst
zuschlägt. Daher könnte ein hochwirksames Abwehrsystem die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs erheblich nerabsetzen.
Wenn wir
- 12 -

�Wenn wir in umsichtiger Weise die notwendigen Schritte zur Aufrechterhaltung eines starken und glaubwürdigen militärischen Potentials ergreifen, dann spricht alles dafür, daß die Abschreckung aucn weiterhin
den Frieden bewahren wird. Aber selbst bei äußerster Wachsamkeit gibt es
auf dieser Welt nur weniges, dessen man sich absolut gewiß sein kann, eine verantwortungsbewußte Regierung muß daher auch die entfernte Möglichkeit eines Scheiterns der Abschreckung in Betracht ziehen, heute verfügen
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten über keinerlei Abwehrmöglichkeiten gegen einen Angriff mit ballistiscnen Kaketen. Aucn unsere
Möglichkeiten, die Vereinigten Staaten gegen einen Angriff feindlicher
Bomoer zu verteidigen, sind senr Gegrenzt. Wenn die Abschreckung versagte, ohne daß wir irgendeinen Schutzschild besäßen, dann könnte dies den
Tod des überwiegenden Teils unserer Bevölkerung und die Zerstörung unserer Nation, wie wir sie kennen, zur Folge haben. Das Programm zur Entwicklung einer strategischen Verteidigung Dildet langfristig unsere einzige Hoffnung auf eine Änderung dieser Situation.

Ein Abwehrsystem könnte aucn eine Art Rückversicherung gegen den irrtümlichen Abschuß ballistischer Raketen bilden und auch gegen ihren Einsatz durch irgendeinen irrationalen Staatschef, den es irgenawann in der
Zukunft einmal geben könnte und der in den Besitz von Nuklearraketen gelangen könnte. Dergleichen ist unwahrscheinlich, aber nicht undenkbar.
Die Vereinigten Staaten und andere Atommächte haben gegen einen unabsichtlichen Abschuß ihrer eigenen Raketen

angemessene

^icnerheitsvor-

kehrungen getroffen und gemeinsam politische Richtlinien formuliert, um
eine Weiterverbreitung von Atomwaffen auszuschließen. Dennoch läßt sich
schwer vorhersehen, wie sich die Dinge weiterentwickeln werden. Wir hoffen und erwarten zwar, daß unsere intensiven Bemühungen auch weiternin
erfolgreich

sein werden, aber

ein energisches Forschungsprogramm

zur

Entwicklung einer strategischen Verteidigung, das eine zusätzliche Absicherung gegen solche Eventualfälle und ihre möglicherweise katastrophalen
Folgen darstellen könnte, ist sicherlich geeignet, unseren nationalen Sicherheitsinteressen zu dienen.

Heute bildet unser Vergeltungspotential ein scharfes Schwert, das
eine abschreckende Wirkung gegen Angriffe ausübt. Der Präsident sucht
- 13 -

�Präsident sucht jedoch nach einem besseren Weg zur Aufrechterhaltung der
Abschreckung. Das SDI-Programm soll uns für die Zukunft einen Schutzschild verschaffen, der mehr leisten wird, als einfacn nur die Abschrekkung stärker zu machen. Er wird uns in die Lage versetzen, die Aoschrekkung auf eine bessere und stabilere Grundlage zu stellen. Gleichzeitig
wird dieser Schild für den Schutz sorgen, der dann notwendig würde, wenn
sich ein Aggressor nicht abschrecken ließe.

Rückversicherung gegen das sowjetische

Defensivtechnologieprogramm:

Während wir unser Programm als die strategische Verteidigungsinitiative
des Präsidenten bezeichnen, hängen einige Leute der irrigen Vorstellung
an, daß einzig die Vereinigten Staaten sich mit vermehrtem Nachdruck aem
Konzept eines Abwehrsystems widmeten und daß es sich hierbei um ein einseitiges amerikanisches Voryehen handele, durch das sich das strategische
Gleichgewicht ändern werde. Dies ist nicht der Fall. Die Sowjetunion hat
ein solches Defensivkonzept stets als einen zentralen una selbstverstänalichen Bestandteil ihrer nationalen Sicherheitspolitik

betrachtet. Das

ausgedehnte, moderne sowjetiscne L.uftverteidigungsnetz und die umfangreiche Zivilverteidigung bilden offensichtliche Beispiele für diese Priorität.

Darüberhinaus arbeiten die Sowjets seit vielen Jahren an einer Reihe
von Technologien, herkömmlichen und modernen, die gewisse Möglichkeiten
zur Raketenabwehr eröffnen könnten. Beispielsweise ist die Sowjetunion
gegenwärtig dabei, die Leistungsfähigkeit

des einzigen einsatzbereiten

Raketenabwehrsystems der Welt - dem, das Moskau umgibt - zu verbessern,
eine Maßnahme, die sich innerhalb der durch den ABM-Vertrag gesetzten Beschränkungen bewegt.

Die Sowjets betreiben auch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für
ein Raketenabwehrsystem, das sehr schnell aufgestellt werden könnte und
Anlaß zu der Sorge gibt, daß sie möglicherweise in oer i_aye sind, urplötzlich den vom ABM-Vertrag gesteckten Rahmen zu sprengen und, falls
sie sich dazu entschließen, innerhalb der näcnsten zehn Jahre ein landesweites Raketenabwehrsystem aufzubauen. Wenn sie tatsächlich das in die
Tat

umsetzten, wozu

sie

theoretisch
- 14 -

imstande

sind, dann

würde

die

�würde die Abschreckung zusammenbrechen, so daB uns nur die Wahl zwischen
Kapitulation und Selbstmord bliebe.
Nicht nur diese Anstrengungen im Bereich der Raketenabwehr, sondern
auch einige sowjetische Flugabwehrraketen und -radaranlagen geben Anlab
zu besonderer Sorge. Die Sowjetunion unterhält bereits ein ausgeaehntes
LuftVerteidigungsnetz. Wenn die Verbesserung dieses Netzes weiter voranschreitet , könnte es der Sowjetunion und ihren Verbünaeten im Ranmen des
Warschauer Paktes auch einen gewissen Schutz gegen Raketen verschaffen,
und dies formal innerhalo der vom ABM-Vertrag gezogenen Grenzen.

Seit Ende der sechziger Jahre treibt die Sowjetunion außerdem ein
umfangreiches Programm zur Nutzung moderner üefensivtechnologien voran,
das sich in vielen Fällen mit den gleichen Technologien befabt, für die
sich auch die Vereinigten Staaten im Rahmen der Sül interessieren. Das
sowjetische Programm erfaßt nicht nur eine breite Spanne moderner Technologien, wie z.B. verschiedene Laser- und Neutralpartikelstrahlen, sonaern
ist augenscheinlich auch sehr viel umfangreicher als sein amerikanisches
Gegenstück, wenn man die eingesetzten Ressourcen - Produktionsanlagen,
Kapital und Arbeitskräfte - berücksichtigt. Tatsächlich hat die Sowjetunion während der letzten beiden Jahrzehnte groo gerechnet für Defensivsysteme das gleiche ausgegeben, wie für ihre massive Aufrüstung im Bereich der Offensivwaffen.

Das SDI-Programm ist eine wohiabgewogene Erwiderung auf die sehr intensiven sowjetischen Forscnungs- und Entwicklungsarbeiten

auf diesem

Gebiet und bildet eine Rückversicherung gegen sowjetische BestreDungen,
einseitig ein modernes Abwehrsystem zu entwickeln und aufzustellen, im
Verein mit dem massiven Offensivpotential der Sowjetunion una mit ihrer
schon heute beeindruckenden Luftverteidigung und ihren passiven Schutzeinrichtungen würde eine einseitige Aufstellung eines solchen modernen
Abwehrsystems durch die Sowjets die Grundlagen zerstören, auf denen die
Abschreckung seit 10 Jahren Deruht.

Mit der strategischen Verteidigungsinitiative versuchen die Vereinigten Staaten, für die Zukunft Bedingungen zu schaffen, die nicht nur den
- 15 -

�nur den Sicherheitsinteressen Amerikas und seiner Verbündeten, sondern
auch denen der Sowjetunion dienen, Wenn es sich daher als möglich erweisen sollte, ein hochwirksames Mbwenrsystem gegen ballistische Raketen zu
entwickeln, würde uns ein paralleler Aufbau desselben in den Vereinigten
Staaten wie auch in der Sowjetunion vorschweben, wobei das Resultat eine
Stärkung der beiderseitigen Sicherheit und der internationalen Stabilität
wäre.

Die Erforoernisse für ein wirksames Abwehrsystem

Wenn moderne Defensivtechnologien wirklich einen Nutzen naben sollen,
dann müssen sie zumindest die Möglichkeit schaffen, einen so großen Teil
der anfliegenoen Raketen eines Aggressors zu vernichten, daß er nicnt auf
den Erfolg eines Angriffs vertrauen kann oder daß er nicht mehr in der
Lage ist, einen militärisch ins Gewicht fallenden Prozentsatz der angegriffenen Ziele auch tatsächlich zu zerstören. Gegenwärtig ist es nicht
möglich, definitiv zu sagen, wie hoch der Wirkungsgrad eines Aowenrsystems sein muß, wenn es dieser Zielsetzung gerecht werden soll; das hängt
ab vom Umfang, der Zusammensetzung, der Leistungsfähigkeit und der passiven 'Überlebensfähigkeit

des

militärischen

Potentials

der

Vereinigten

Staaten im Vergleich zu den entsprechenden Eigenschaften oes sowjetiscnen
Potentials. Jedes wirksame Abwehrsystem muß natürlich aucn überlebensfähig und kosteneffektiv sein.

Um das notwendige Maß an überlebensfä'higkeit zu erlangen, muß ein Abwehrsystem nicht unbedingt unverwundbar sein, aber es muß selbst dann,
wenn es selbst mit Entschiedenheit angegriffen wird, genügend Wirksamkeit
bewahren, um seine Funktion erfüllen zu können. Dies ist nicht nur für
die Aufrechterhaltung der Wirksamkeit eines Apwehrsystems, sondern auch
für die Wahrung der Stabilität wesentlich.

Damit es nicht zu einer Vermehrung des Bestandes an ballistischen Raketen kommt, muß ein Abwehrsystem schließlich seine Wirksamkeit gegen einen Angriff zu geringeren Kosten bewahren können, als aufgewendet werden
müßten, um offensive Gegenmittel gegen ein solches System zu entwickeln
oder um die Zahl der ballistischen Raketen soweit zu ernöhen, dau sie
- 16 -

�daß sie dieses System überwinden könnten. Den Raketenabwehrsystemen der
Vergangenheit ging diese wesentliche Eigenschaft ab, aber die nun verfügbar werdenden Technologien, denen das Programm

zur Entwicklung

einer

strategischen Verteidigung gewidmet ist, sind in dieser Hinsicht äußerst
vielversprechend.

Laufende Programme
Heute beruht die Abschreckung vor einer sowjetischen Aggression nanezu ausschließlich auf der Schlagkraft unseres offensiven Vergeltungspotentials, und dies wird wahrscheinlich noch für eine geraume Zeit so
bleiben. Daher sollte das SDI-Programm nicht als Anzeichen für eine kurzfristig zu erwartende Abkehr von der Modernisierung unserer strategischen
Waffen, unserer nuklearen Mittelstreckenwaffen und unserer konventioneilen Streitkräfte verstanden werden. Während wir uns der Entwicklung tecnnisch realisierbarer Defensivmöglichkeiten widmen, bleibt diese Modernisierung wesentlich für die Aufrechternaltung der Abschreckung. Und falls
ein zukünftiger Präsident beschließen sollte, ein Abwehrsystem tatsächlich aufzubauen, wäre ein modernes und schlagkräftiges Vergeltungs- uro
Abschreckungspotential wesentlich für die Erhaltung eines stabilen Umfeldes, in dem der Übergang zu einer anderen und tragfänigeren Grundlage für
die Abschreckung vollzogen werden könnte.

Rüstungskontrolle

Gemäß den /Anweisungen des Präsidenten wird das SDi-Forschunysprogramm
in einer Art und Weise vorangetrieben werden, die mit allen vertraglichen
Verpflichtungen der Vereinigten Staaten einschließlich des ABM-Vertrags
von 1972 völlig in Einklang steht. Der ABM-Vertrag verbietet die Entwicklung, Erprobung und Aufstellung von Raketenabwenrsystemen oder Teilen davon, die Weltraum-, luft-, see- oder in mobiler Weise landgestützt sind.
Wie jedocn Gerard Smith, der amerikanische InefUnterhändler bei den AöMVernandlungen, 1972 vor dem Streitkräfteausschuß des amerikanischen Senats aussagte, erlaubt das Abkommen Forschungsarbeiten, sofern aiese
nicht bis zur praktischen Erprobung eines Prototyps eines Raketenabwehrsystems oder einzelner Bestandteile eines solchen Systems getrieben wer- 17 -

�getrieben werden. Das SDI-Programm wird sicn auf Forschungsarbeiten dieser zulässigen Art beschränken.

Ein zukünftiger nationaler Bescnluß zum Aufbau von Mbwenrsystemen
würde natürlich zu einer wichtigen Veränderung der Struktur des amerikanischen und sowjetischen Potentials führen. Wir prüfen, wie das Verhältnis von Offensiv- zu Defensivwaffen so ausgelegt werden kann, daß sich
auf dem Wege der strategischen Rüstungskontrolle ein stabileres oleichgewicht herstellen läßt. Vor allem sind wir bestrebt, sicherzustellen, daß
durch das Zusammenspiel von Offensiv- und Defensivwaffen beiden Seiten
die Möglichkeit zum Erstschlag genommen wird.

Die Vereinigten Staaten sehen in Defensivmaßnahmen kein Mittel zur
Erlangung militärischer "Überlegenheit. Da wir in dieser Hinsicht keinerlei Ambitionen haben, wäre es am sinnvollsten, den Aufbau von Deiensivsystemen im Gesamtzusammenhang einer gemeinsam zu erarbeitenden, fairen und
verifizierbaren Rüstungskontrollregelung

durchzuführen, die Richtlinien

für die Entwicklung und den Aufbau offensiver wie auch defensiver Waffensysteme in den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vorgibt. Eine solche Regelung wäre besonders nützlich in der Periode des Übergangs, die
bei einem Abschreckungpotential, das auf der Dronung mit nuklearer Vergeltung beruht, beginnt, dann fortschreitet zu einer Abschreckung auf der
Grundlage eines Gleichgewichts zwischen offensiven und defensiven Waffen
und schließlich mit dem Abschluß der Neukonzeption der Grundlagen der Abschreckung und des Mufbaus moderner Defensivsysteme endet. Während dieses
Übergangs könnten Rüstungskontrollabkommen

dazu beitragen, Richtlinien

für den Aufbau solcher Defensivsysteme zu setzen und anzuwenden.

Das

SDI-Forsc.hungsprogramm

wird

die

Bestrebungen

der

Vereinigten

Staaten, durch Rüstungskontrollverhandlungen angemessene und verifizierbare Verminderungen der offensiven Nuklearwaffen herbeizuführen, ergänzen
und unterstützen. Solche Verminderungen würden einen nützlichen Beitrag
zu mehr Stabilität darstellen, und zwar sowohl im Rahmen des heutigen Abschreckungssystems als auch im Rahmen eines möglichen zukünftigen Abschreckungssystems, in dem Defensivsysteme die größte Rolle spielen würden.
Eine künftige
- 18 -

�Eine künftige Entscheidung zur Entwicklung und zum Aufbau wirksamer
Abwehrsysteme gegen ballistische Raketen könnte unserer auf erhebliche
Verminderungen der Bestände an solchen Raketen gerichteten Politik neuen
Nachdruck verleihen. In dem Maße, in dem solche Abwehrsysteme die Schlagkraft und somit auch den Wert ballistischer Raketen herabzusetzen vermöchten, könnten sie auch stärkere Anreize für die Verminderung dieser
Raketen auf dem Verhandlungswege schaffen. Tiefgreifende Verminderungen
wiederum würden die Wirksamkeit und den Abschreckungswert der Abwehrsysteme erhöhen.

Die strategische Verteidigungsinitiative und die Verbündeten
Da unsere Sicherheit unlösbar mit der unserer Freunae und Veralindeten
verknüpft ist, wird das SDI-Programm sich nicht allein auf eine Nutzung
solcher Technologien beschränken, die Möglichkeiten zur Abwehr von Interkontinentalraketen und unterseebootgestützten Raketen eröffnen, sondern
auch eine sorgfältige Untersuchung von Technologien einoeziehen, die sich
möglicherweise zur Abwehr von ballistischen Raketen mit kürzerer Reichweite eignen.

Eine wirksame Abwehr gegen solche Waffen könnte eine erhebliche Bedeutung für die Abschreckung vor einer Aggression in Europa haben. Die
nicht

strategischen Raketen der

Typen SS-ZU, SLALEBÜARD

USW.

, deren

Reichweiten sich teilweise überlappen, geben den Sowjets die Möglichkeit
zu Schlägen gegen das gesamte Territorium aller europäischen NATU-Staaten. Außerdem betont die sowjetische Militärdoktrin den Einsatz ballistischer Raketen mit konventionellem üefechtskopf zu raschen und weitreichenden Angriffen auf wichtige militärische Ziele der NATQ in ganz Europa. Der Zweck dieser Taktik besteht darin, die Kampfkraft der NATU soweit
zu schwächen, daß sie dem ersten Aufprall der angreifenden konventionellen Streitkräfte der Sowjets nicht standhalten kann, und die NATO nacn
Möglichkeit daran zu hindern, der kämpfenden Truppe von außerhalb Europas
Nachschub und Verstärkungen zuzufünren. Wenn Defensivsysteme die Schlagkraft solcher ballistischer Raketen herabsetzen oder aufheben könnten,
würde dies nicht nur die Apschreckung gegen einen strategischen Atomkrieg , sondern auch die Abschreckung vor nuklearen und konventionellen
- 19 -

�und konventionellen Angriffen auf unsere Verbündeten verstärken.

In den nächsten Jahren werden wir eng mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dato, falls einmal entschieden werden
sollte, Defensivsysteme aufzubauen (eine Entscheidung, bei der Konsultationen mit unseren Verbündeten eine wichtige Rolle spielen würden), nicht
nur die Sicherheit der Vereinigten Staaten, sondern auch die ihrer Verbündeten erhöht würde.

Behauptungen und Tatsachen bezüglich der strategischen Verteidigungsinitiative

Vorbemerkung

Die strategische Verteidigungsinitiative ist ein Forschungsprogramm,
kein Rüstungsprogramm. Diese Grundtatsache

wird

von vielen Kritikern

nicht zur Kenntnis genommen. Die Frage, ob man zum tatsächlicnen Aufbau
eines Abwehrsystems gegen ballistische Raketen übergehen soll, wird sich
erst in den kommenden Jahren stellen, nämlich dann, wenn die Forscnungsarbeiten im Rahmen der SDI Möglichkeiten zur Entwicklung von Abwehrsystemen aufzeigen, die leistungsfähig, technisch macnoar und

finanzierDar

sind.

Kritiker der SDI erheben oftmals irreführende Anschuldigungen und Behauptungen:

Behauptungen und Tatsachen
Behauptung: Die SDI bedeutet einen radikalen Wandel der Grundlagen
der politisch-militärischen Strategie der Vereinigten Staaten.

Tatsache: Der Grundgedanke der Verteidigungspolitik der Vereinigten
Staaten und der NATO besteht in der Kriegsverhütung durch Abschreckung.
Eine Kombination von Offensiv- und Defensivsystemen ist mit diesem Ziel
ohne weiteres verträglich. Der Zweck der SDI besteht darin, herauszufinden, ob es kosteneffektive Defensivtechnologien gibt, die die nbschrek- 20 -

�die Abschreckung verstärken und die Stabilität erhöhen könnten. Technologische Fortschritte haben zwangsläufig tiefgreifende militärische und politische Auswirkungen. Die Aufgabe des Staatsmannes besteht nicnt darin,
den technischen Fortschritt zu ignorieren, sondern vielmehr darin, nach
vorn zu schauen und die Vorteile und möglichen Tücken solcher Fortschritte zu studieren, insbesondere aber ihre Auswirkungen auf die internationale Sicherheit, Genau dies ist der Sinn der Initiative zur Entwicklung
einer strategischen Verteidigung.

Behauptung: Die SDI wird dazu führen, daß unsere Verbündeten wenrlos
dastehen; sie ist gleichbedeutend mit einer Rückkehr zum Konzept der "Festung Amerika".

Tatsache: Der Präsident hat klargestellt, daß der technologische tandel an unseren Bündnisverpflichtungen

niemals etwas änaern kann oder

wird. Insbesondere Dehält die NATO-Strategie aer flexiblen Reaktion, die
die Grundlage für Abschreckung und Frieden in Europa bildet, heute die
gleiche Gültigkeit, die sie bei inrer Einführung im Jahre 1967 natte. in
seiner Rede vom März 1983, in der er die strategische Verteidigungsinitiative ankündigte, hat der Präsident ausdrücklich unterstrichen, daß wir
an unseren Bündnisverpflichtungen

festhalten. Folgerichtig

befaßt sich

die SDI daher mit der gesamten Bandbreite der Bedrohung durcn ballistische Raketen, d.h., die Bedrohung durch Raketen kürzerer Reichweite, der
sich unsere Verbündeten gegenübersehen, wird einbezogen.

Behauptung: Die Experten wüßten sehr wohl, daß schon der Versuch
einer Verteidigung gegen ballistische Raketen sinnlos ist.

Tatsache: Die Geschichte der technologischen Entwicklungen spricht
nachdrücklich gegen die Position derjenigen, die schlichtweg behaupten,
daß etwas technisch unmöglich sei. Die Fortschritte in der Physik, der
Datenverarbeitung und anderen Bereichen lassen es mehr als gerechtfertigt
erscheinen, zu prüfen, ob es auf diesen und anderen Gebieten Technblogien
gibt, die zur Verteidigung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten
eingesetzt werden können. Meinungsunterschiede zwischen den Wissenschaftlern des Westens über die Möglichkeit einer Verteidigung gegen ballisti- 21 -

�gegen ballistische Raketen können nur durch weitere Forschungsarbeit beigelegt werden. Die besagte Behauptung ist auch ein Lieblingsargument der
"besorgten sowjetischen WLssenschaftler", die vor westlichem Publikum zu
sagen pflegen, daß die Vereinigten Staaten davon Abstand nehmen sollten,
überhaupt zu prüfen, ob eine Verteidigung gegen nukleare uffensivsysteme
möglich sei. Dabei sehen sie über die diesbezüglichen Bemühungen der Sowjetunion sorgfältig und ganz bewuot hinweg.

Behauptung: Mit der SDi beschleunigen die Vereinigten Staaten einseitig den Rüstungswettlauf.

Tatsache: Wie schon bemerkt, arbeiten die Sowjets bereits intensiv an
Technologien für die Verteidigung gegen ballistische Raketen, wobei sie
ihre Aufmerksamkeit unter anderem den Lasern und anderen Richtene giewaffen widmen. Auch konventionellere Ansätze im Bereich der Verteidigung gegen ballistiscne Raketen werden verfolgt. Die Verbesserung des Raketenabwehrsystems, das um Moskau herum in Stellung gebracht ist (und das einzige einsatzfähige System dieser Art auf der Welt Dildet), und die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für ein neues Raketenabwehrsystem, das
sehr schnell aufgebaut werden könnte, sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Diese sowjetischen Programme laufen, ohne daß ein Zusammenhang zu
amerikanischen Unternehmungen uestünde. Die meisten wurden schon viele
Jahre vor der Rede des Präsidenten über strategiscne Verteidigung in Uany
gebracht. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, daß sie angehalten würden,
wenn wir jetzt beschlössen, unsererseits keine Forschungsarbeiten aufzunehmen. Während des letzten Jahrzehnts haben die Sowjets außerdem in allen Offensivwaffenbereichen massiv aufgerüstet, und zwar ungeachtet des
ABM-Vertrags und der Tatsache, daß er auf eine öeschränkung sowohl der
Offensiv- als auch der Defensivwaffen abzielt.

Behauptung: Eine Verteidigung gegen ballistische Raketen wäre immens
teuer und könnte durch Gegenmaßnahmen leicht funktionsunfähig

gemacht

werden.

Tatsache: Es ist viel zu früh, Urteile über technische Machbarkeit
und

mögliche

Kosten

(einschließlich
- zz -

des Kostenvernaltnisses

zwischen

�Kostenverhältnisses zwischen Offensiv- und Defensivwaffen,) abzugeben. Soweit sie nicht Ausdruck von Vorurteilen oder Voreingenommenheit

sind,

zeugen die Behauptungen vieler Kritiker von einer statiscnen Einstellung
zu komplexen Fragen der technologischen Entwicklung und der strategischen
Abschreckung, Gebiete, die ihrem Wesen nach äußerst dynamisch sind.

Behauptung: Indem sich die Vereinigten Staaten der Frage einer Verteidigung

gegen ballistische

Raketen

widmen, streben

sie

eine Erst-

schlagsfähigkeit an.

Tatsache: Die Vereinigten Staaten streben keine Erstschlagsfähigkeit
an und werden nicht versuchen, eine solche Fähigkeit zu erlangen. Der
Präsident hat bestätigt, daß wir im Bereich der Verteidigung gegen ballistische Raketen keinen einseitigen Vorteil suchen. In Wirklichkeit würde
eine leistungsfähige Verteidigung gegen ballistische Raketen dadurch, dau
sie die Ungewißheiten erhöht, denen sich ein möglicher Angreifer gegenübersähe, einen Faktor darstellen, der es allen Seiten höchst unratsam
erscheinen lassen müßte, einen nuklearen Erstschlag in Erwägung zu ziehen. Durch eine Verringerung der ballistischen Offensivraketen Könnte man
dies sogar noch unratsamer machen - und genau dieses Ziel haben wir im
Rahmen der Rüstungskontrolle zu erreichen versucht. Das urundziel der
amerikanischen Rüstungskontrollpolitik besteht darin, ein Rüstungsgleichgewicht auf dem niedrigstmöglichen Niveau herzustellen, wobei die Streitkräfte beider Seiten so strukturiert sein sollten, daß die Krisenstabilität nach Möglichkeit erhöht wird. Das strategische Modernisierungsprogramm der Vereinigten Staaten soll einerseits die Sowjetunion zu Schritten in diese Richtung bewegen und andererseits die Abschreckung und Stabilität verstärken, unabhängig davon, ob die Sowjets sich zu solchen
Schritten bereitfinden oder nicht. Bei sowjetischen Kommentatoren kann
man sich natürlich darauf verlassen, daß sie jede neue amerikanische Waffe als "Erstschlagssystem" bezeichnen; sie haben soyar die amerikanische
Raumfähre mit aiesem Begriff belegt. Vergleichbare sowjetische Systeme
einschließlich vieler, die Jahre vor ihren amerikaniscnen Gegenstücken
eingeführt wurden, werden hingegen niemals so benannt. Die sowjetischen
Äußerungen zur SDI entsprechen voll und ganz diesem Muster.
Behauptung: Die
- 23 -

�Behauptung: Die SDI verstößt gegen den ABM-Vertrag.
Tatsache: Die Vereinigten Staaten verletzen keineswegs i h r e v e r t r a g l i c h e n Verpflichtungen und werden dies auch i n Zukunft nicht t u n . Die A r t
von Forschungsarbeit, die im Rahmen der SDI vonstatten gehen s o l l ,
nach dem ABM-Vertrag ausdrücklich erlaubt una wird v o l l s t ä n d i g

ist

innerhalo

der durch den Vertrag gezogenen Grenzen bleiben. K r i t i k e r , die oehaupten,
daß die SDI diesen Vertrag oder andere v e r l e t z e , sind s c h l i c h t im I r r t u m ,
oftmals deshalb, w e i l sich i h r e K r i t i k

gegen e i n Programm r i c h t e t , das

nach Natur und Richtung l e d i g l i c h i n i h r e r Phantasie e x i s t i e r t , dem t a t sächlich geplanten Forschungsprogramm der Vereinigten Staaten aüer
nesfalls entspricht.

Außerdem betreiDen die Sowjets

seit

kei-

v i e l e n Jahren

g l e i c h a r t i g e Forschungsarbeiten. Sie haben im Zusammenhang mit ihrem e i genen Programm nicht von einer Verletzung des ABM-Vertrags gesprochen wir i n diesem Zusammenhang übrigens auch n i c h t . Die Sowjets sind jedoch
dabei,

eine

array radar)

große

Radaranlage

mit

phasengesteuerter

Abtastung

zu bauen, die i h r ABM-Potential verbessern w i r d ,

Ortes und der A r t und Weise i h r e r A u f s t e l l u n g s t e l l t

(phased

liegen des

diese Anlage

fast

mit Sicherheit einen Verstoß gegen den ABM-Vertrag von 1972 dar. Dieser
Vertrag sieht sowohl die Möglichkeit
mäßige Kontrollausschußsitzungen

von Zusatzklauseln a l s auch r e g e l -

vor,

auf

denen mögliche

Veränderungen

besprochen werden können. Wenn die Forschungsarbeiten im Rahmen der SDi
tatsächlich

konkrete Möglichkeiten

zur Entwicklung

Raketenaowehrsystemen aufzeigen, werden wir
dieser

und A u f s t e l l u n g

vdn

uns überlegen, ob wir

uns

Verfahrensregeln bedienen s o l l e n , um eine Änderung des Vertrags

herbeizuführen.

Bis dahin jedoch sind die Vereinigten Staaten und die

UdSSR durch den ABM-Vertrag aufgerufen, wirksame Maßnanmen zur Verminderung i n r e r nuklearen Offensivwaffen zu t r e f f e n . Die Vereinigten Staaten
begrüßen die Entscheidung der Sowjetunion, die diesDezüglichen Verhandlungen, die sie s e i t Ende 1983 b o y k o t t i e r t haben, wiederaufzunehmen. Darüberhinaus haben wir den Sdwjets wiederholt zu verstehen gegeben, daß wir
die Auswirkungen dieser neuen Defensivtechnologien gern mit ihnen auf Regierungsebene e r ö r t e r n möchten.

Wir haben Vorschläge bezüglich des Ta-

gungsorts gemacht und die Sowjets a u f g e f o r d e r t , i h r e Vorstellungen darzulegen.
Behauptung: Die
- 24 -

�Behauptung: Die SDi bedeutet "die Militarisierung des Weltraums".

Tatsache: Die sowjetische Propaganda betont neuerdings die angebliche
Notwendigkeit, "die Militarisierung des Weltraums zu verhindern". Tatsächlich jedoch besitzen die Sowjets schon seit mehr als einem Jahrzehnt
ein voll einsatzbereites Antisatellitensystem, das einzige seiner Art auf
der Welt. (Ein amerikanisches Antisatellitensystem befindet sich noch im
Entwicklungsstadium.) Ende der sechziger Jahre entwickelten die Sowjets
ein Mehrkomponenten-ürbitalbombardierungssystem, zu dem auch ein Nukleargefechtskopf in einer Erdumlaufbahn gehörte. Zu diesem System gab es weder damals noch später ein amerikanisches Gegenstück. Muüerdem begann die
"Militarisierung des Weltraums" schon Ende der fünfziger Jahre mit der
Erprobung der ersten sowjetischen ballistischen Raketen. Das angebliche
sowjetische Anliegen, die Vereinigten Staaten an der "Militarisierung aes
Weltraums" zu hindern, ist daher, um es wohlwollend auszudrücken, nicht
eben originell. Falls irgendwann in der Zukunft beschlossen würde, ein
Raketenabwehrsystem aufzubauen, könnte es gut sein, dato einige seiner
Teile weltraumgestützt wären. Dabei würde es sich jedoch um Defensivsysteme handeln, deren Zweck darin bestünde, den Einsatz von Waffen zu vereiteln, die sich ihrerseits aurch den Weltraum bewegen, um Ziele auf der
Erde anzugreifen. Es ist schwer einsichtig, warum es falsch sein sollte,
zumindest darüber nacnzuaenken, wie man den Weltraum nutzen kann, um nukleare Verheerungen auf der Erde zu verhindern. Schon heute wird der
Weltraum in beträchtlichem Umfang "militärisch" genutzt, aber in einer
Art und Weise, die unmittelbar zur Erhaltung der Stabilität und zur Bewahrung des Friedens beiträgt. Beispielsweise nutzen sowohl die Vereinigten Staaten als auch die UdSSR den Weltraum zum Zwecke der Frühwarnung
oder der Überwachung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen.

Fragen und Antworten zur SDI

Frage: Worum handelt es sich bei der SDi, einer initiative, die zuweilen mit dem Stichwort "Krieg der Sterne" beschrieben wird ? Bedeutet
sie, daß wir das Vertrauen in die Abschreckung verloren haben V

Antwort: Unser nukleares Abschreckungspotential bewahrt den Frieden

- 25 -

�den Frieden seit fast 40 Jahren. Es hat nicht nur einen Atomkrieg, sondern auch andere direkte militärische Konflikte zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion und zwischen Ost und West in Europa verhindert. Wie Präsident Reagan im März 1983 darlegte, ist es jedoch gleichzeitig wichtig, zu prüfen, was die Defensivtechnologien zur noch weitergehenden Verminderung der Kriegsgefahr möglicherweise beitragen könnten.
Er beschrieb die seiner Initiative zugrunde liegende Vision mit den folgenden Worten: "Wie wäre es, wenn freie Menschen sicher leben könnten in
dem Wissen, dau ihre Sicherheit nicht auf der amerikanischen Urohung
einer sofortigen Vergeltung beruht, um vor einem sowjetischen Angriff
abzuschrecken;

daü

wir

strategische

Raketen

aofangen

und

vernicnten

könnten, bevor sie unseren Boden oder den unserer Verbündeten erreichen 't
Dies könnte in der Zukunft zu einer sichereren und staoileren Welt führen." Bei der SDi handelt es sich um ein Forschungsprogramm zur intensiven Untersuchung neuer Technologien, die genutzt werden können, um eine
Verteidigung gegen ballistische Raketen zu schaffen, wodurch die Abschreckung gestärkt und unsere Sicherheit wie auch die unserer Vercü'ndeten erhöht werden könnte. Dieses Forschungsprogramm soll einen zukünftigen Präsidenten und einen zukünftigen Kongreß in die Lage versetzen,
eine Entscheidung darüber zu fällen, ob ein solches System tatsächlich
gebaut werden

soll. Die SDI ist mit all unseren

vertraglichen Ver-

pflichtungen im Rahmen der Rüstungskontrolle voll zu vereinbaren.
Frage: Warum hat die Administration die SDi eingeleitet i
Antwort: Prinzipiell aus drei Gründen: Erstens könnte eine Verteidigung gegen ballistische Raketen die Abschreckung und die StaDilität
erheblich stärken. Zweitens legen die technologischen Durchbrüche der
jüngeren Vergangenheit die Annahme nane, dab es möglicn sein könnte, die
Schwierigkeiten zu überwinden, die einer Verteidigung gegen ballistische
Raketen bislang im Wege gestanden haben. Drittens arbeiten die Sowjets
seit langem intensiv auf diesem üebiet. Wir können es uns nicht erlauben,
das Risiko einzugehen, daü sie einen erheblichen tecnnologischen Vorsprung gewinnen, der mit der Zeit in einen militärischen Vorsprung umgesetzt werden könnte. Wenn wir nun Forschungsarbeiten im Bereich der strategischen Verteidigung einleiten, dann werden wir mehr über die Aussich-

�die Aussichten einer Verteidigung gegen oallistische Raketen erfahren und
können uns wohlweislich gegen die Möglichkeit eines sowjetischen Durchdruchs auf dem Gebiet der üefensivtecnnologien absichern - und aucn dagegen, daß die Sowjets urplötzlich den vom ABM-Vertrag gesteckten Rahmen
sprengen oder diesen Vertrag für ungültig erklären.

Frage: Was genau unternehmen die Sowjets im Bereich der strategischen
Verteidigung ?
Antwort: Die Sowjets setzen seit langem für die strategische Verteidigung weitaus größere finanzielle und personelle Ressourcen ein, als wir
das tun. Sie unterhalten das einzige einsatzbereite Raketenabwehrsystem
der Welt. Es ist um Moskau herum in Stellung gebracht und wird gegenwärtig verbessert. Sie bauen in Sibirien eine neue Radargroßanlage mit phasengesteuerter Abtastung, die fast mit Sicherheit gegen den ABM-Vertrag
verstößt. Ferner betreiben die Sowjets Forschungs- und EntwicKlungsarbeiten für ein neues Raketenabwehrsystem, das schnell aufgebaut werden
und die Grundlage für eine landesweite Verteidigung bilaen könnte, falls
Moskau sich zur Errichtung einer solchen entschlösse. Darüberhinaus betreiben die Sowjets seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten intensive Forschungsarbeiten im Bereich moderner Technologien - unter anderem Laserund Neutralpartikelstrahlen -, die für Zwecke der Raketenaowenr eingesetzt werden könnten.

Frage: Worin bestent der Unterschied zwischen der SDi una den Antisatellitenwaffen ?

Antwort: Sowohl die SDI als auch unser Hntisatellitenprogramm verfolgt - allerdings in unterschiedlicher Weise - das Ziel, die Abschrekkung zu stärken und aie strategische Stabilität zu erhöhen. Viele der
Technologien, um die es bei diesen beiden Programmen geht, sind miteinander verwandt. Bei dem Antisatellitenprogramm handelt es sich jedocn um
kurzfristige Bemühungen zur Entwicklung entsprechender Waffen, die ein
Ungleichgewicht in einem ganz bestimmten militärischen Bereicn ausgleichen sollen. Bei der SDi handelt es sich dagegen um ein langfristig angelegtes Forschungsprogramm zur Untersuchung künftiger Möglichkeiten oer
- 27 -

�Möglichkeiten der Verteidigung gegen die Bedrohung durch ballistische Raketen. Dies Programm soll darüberhinaus eine Rückversicherung gegen einen
möglichen sowjetischen Entschluß zur Aufstellung weiterer Raketenabwehrsysteme bilden.
Frage: Ist die SD1 nach dem AEM-Vertrag zulässig (
Antwort: Ja. Bei der SDI handelt es sich um ein Forschungsprogramm.
Der ABM-Vertrag erlaubt Forschung. Die Vereinigten Staaten und, in noch
größerem Umfang, auch die Sowjetunion haben seit der Unterzeichnung des
Vertrages schon andere Forschungsprogramme durchgeführt.

Frage: Wie würde eine Verteidigung gegen ballistische Raketen funktionieren ? tos würde uns eine Verteidigung gegen ballistische Raketen
nützen, wenn wir immer noch von Bombern und Marschflugkörpern angegriffen
werden könnten ?

Antwort: Im Rahmen unseres Forschungsprogramms untersuchen wir eine
Reihe von Möglichkeiten, so unter anderem, ob neue Technologien sich so
kombinieren lassen, daß sie ein Verteidigungsnetz ergeben - bestehend etwa aus verschiedenen Systemen, die auf verschiedenartigen Tecnnologien
beruhen -, das ballistische Raketen aDwehren kann. Ein solches System
bzw. eine solche Kombination von Systemen wäre so ausgelegt, daß es ballistische Raketen in den verschiedenen Phasen inres Fluges abwehren könnte, d.h., in der Startphase, während des Fluges und bei der Zielannäherung. Wir konzentrieren uns auf die Verteidigung gegen ballistische Raketen, weil sie wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und den dementsprechend
kurzen Vorwarnzeiten sowie wegen ihrer groben Zerstörungskraft die Stabilität stärker gefährden, als Bomber oder Marschflugkörper mit ihrer geringeren Fluggeschwindigkeit. Eine Überprüfung von Technologien, die für
eine Verteidigung gegen Bomoer und Marschflugkörper in Frage kommen, ist
jedoch ebenfalls veranlaßt.

Frage: Führt die SDI nicht zu einem weiteren Rüstungswettlauf, und
wird sie die Bereitschaft der Sowjets zu einer Verringerung der Offensivwaffen nicht noch weiter vermindern ?
Antwort: Das
- 28 -

�Antwort: Das sowjetische Programm zur strategischen Verteidigung oesteht unabhängig von den amerikanischen Unternehmungen auf diesem Gebiet,
und dies wird so bleiben. Die SD! wird keinen neuen Rüstungswettlauf auslösen, sondern vielmehr unsere Bemühungen um faire und verifizierbare Abkommen zur Verringerung der Bestände an nuklearen Offensivwaffen ergänzen. Diese Wechselbeziehung zwischen den Offensiv- und den Defensivwaffen
ist seit langem ein wichtiger Aspekt in unserem strategischen Denken und
bei der Konzipierung von Rüstungskontrollabkommen. Im gleichen Maße, in
dem das SDI-Forschungsprogramm sich als erfolgreich erweist una zu Mdwehrmöglichkeiten gegen ballistische Raketen führt, würden dieselben ihren Wert als Offensivwaffen einbüßen. Dies wiederum könnte es beiden Seiten mehr als bisher sinnvoll erscheinen lassen, die Zahl ihrer ballistischen Raketen erheblich zu verringern.

Frage: Könnte ein Raketenabwehrsystem dazu führen, daß lebenswichtige
Entscheidungen im Bereich der Landesverteidigung nicht mehr vom Präsidenten, sondern von Lomputern getroffen werden V

Antwort: Die Vereinigten Staaten sind stets mit Vorrang bestreut gewesen, sicherzustellen, daß die Kontrolle über unser Abscnreckungspotential in den Händen des Präsidenten bleibt. Die SDl beinnaltet nicnts, was
daran etwas ändern würde. Ein hauptziel dieses Forschungsprogramms bestent darin, zu gewährleisten, daß jedes mögliche Verteidigungssystem von
einem Höchstmaß an Sicherheit und Zuverlässigkeit gekennzeichnet

sein

würde und dab sein Status als Instrument in der Hand der politischen Führung in keiner Weise in Frage gestellt würde.

Frage: Würde der Aufbau einer Verteidigung gegen ballistische Raketen
bedeuten, daß deren Schutzwirkung sich nur auf die Vereinigten Staaten
selbst, nicht aber auf die NATO-Verbündeten, Japan und die anderen Sicherheitspartner im pazifischen Raum erstrecken würde ?

Antwort: Nein. Onsere Verpflichtung zum Schutz unserer Verbündeten
bleibt unberührt. Wir werden dafür sorgen, daß jegliches Verteidigungssystem, das wir in der Zukunft vielleicht entwickeln werden, die weltweite
Stabilität stärken und nicht nur die Sicherheit der Vereinigten Staaten,
- 29 -

�Vereinigten Staaten, sondern auch die unserer Verbündeten ernönen würde.
Wir untersuchen nicht nur solche Verteidigungstechnologien, mittels derer
sich ballistische Raketen, die die Vereinigten Staaten treffen können,
abwehren ließen, sondern auch solche Technologien, die man gegen ballistische Raketen kürzerer Reichweite, die unsere Verbündeten bedrohen,
einsetzen könnte. Wir stehen bezüglich der SDI in engen Konsultationen
mit unseren Verbündeten und anderen Nationen und werden diese Konsultationen fortführen, während das Programm voranschreitet.

Frage: Was für eine Rechtfertigung gibt es dafür, Milliarden von uollars für die Erforschung von etwas auszugeben, das vielleicht niemals gebaut werden wird ?

Antwort: Angesichts der Fortschritte, die die Sowjetunion auf aiesem
Gebiet gemacht hat, und im Hinblick auf den Beitrag zur Abschreckung, den
eine strategische Verteidigung vielleicht leisten könnte, bildet dieses
Forschungsprogramm eine kluge und notwendige Investition in die Sicherung
unserer Zukunft. Nacn unseren Schätzungen wird das SDl-Forschungsprogramm
in den Haushaltsjahren von 1985 bis 1990 rund 26 Milliarden Dollar kosten, d.h. , etwa zehn Dollar pro Jahr für jeden amerikanischen bürger.
Wenn es gelingt, auf diese Weise die Kriegsverhütung durch Abschreckung
aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den militärischen Wert ballistischer
Raketen zu vermindern, dann wird man sagen können, dab sich diese Investition gelohnt hat.

- 30 -

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. Januar 1984

"FREIHEIT FÜR ANATOLIJ SCHTSCHARANSKIJ!"
- Mitglieder des Repräsentantenhauses appellieren an die Sowjets -

WASHINGTON - (AD) - Mehrere Angehörige des amerikanischen Repräsentantenhauses forderten am 3. Januar 1985 auf einer von dem Kongreßabgeordneten John Kasich organisierten Pressekonferenz, an der auch die Frau des
sowjetischen Dissidenten Anatolij Schtscharanskij teilnahm, mit Nachdruck
dessen Freilassung und wiesen darauf hin, daß das bevorstehende Treffen
zwischen dem amerikanischen Außenminister Shultz und dessen sowjetischem
Amtskollegen Gromyko hierzu der geeignete Moment sei.

Die Pressekonferenz hatte folgenden Wortlaut:

JOHN KASICH (Republikanisches Mitglied des Repräsentantenhauses für
Ohio): Ich habe Frau Schtscharanskij von unseren ständigen Bemühungen im
Kongreß hinsichtlich der Menschenrechte, der politischen Oppositionellen
in der Sowjetunion und insbesondere hinsichtlich ihres Ehemannes, Anatolij Schtscharanskij, berichtet.
Ich habe Frau

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Ich habe Frau Schtscharanskij in Jerusalem getroffen, wobei sie mir
erklärte, sie sei hierher gekommen, um Mr. Armacost (den Staatssekretär
für politische Angelegenheiten im Außenministerium) zu treffen und ihm
gegenüber auf die bevorstehenden (Genfer) Gespräche sowie darauf zu verweisen, daß ihr Problem zur Sprache gebracht werden solle, wobei der Präsident erklärt hat, es werde auf jedem Treffen angesprochen.

Auf Frau Schtscharanskijs Frage nach unserer Unterstützung erklärte
ich: "Wenn Sie nach Washington kommen, so wird es schwer werden, aber wir
werden versuchen, so viele von jenen, die im Kongreß an vorderster Front
der Menschenrechtsbewegung wirken, wie nur möglich dazu zu bringen, mit
Ihnen vor das Kapitol zu ziehen, um erneut unsere Unterstützung für Anatolij Schtscharanskij sowie für Ihre Anstrengungen zum Ausdruck zu bringen, mittels derer Sie nun schon seit sage und schreibe zehn Jahren versuchen, für Ihren Mann die Freiheit zu erringen."

Wir sind davon überzeugt, daß es wichtig ist, die Stimme zu erheben.
Frau Schtscharanskij wird Ihnen das bestätigen; und es ist für die Vereinigten Staaten wichtig, diese Frage immer wieder aufzuwerfen, denn es
übt Druck auf die Sowjetunion aus, und dadurch wird letztlich die Freilassung von Anatolij Schtscharanskij möglich werden - genau wie die der
anderen politischen Oppositionellen, und dies wird der Anfang der Lösung
des Menschenrechtsproblems sein, das es in der Sowjetunion gibt.

Wir werden noch heute einen Brief an Herrn Tschernenko schicken, in
dem wir ihn dazu auffordern, etwas über den Zustand von Anatolij Schtscharanskij zu sagen.

Erst jetzt wieder wurde Frau Schtscharanskij berichtet, daß ihr Ehemann krank sei und in einem Krankenhaus liege. Wir wissen nichts über
seinen Zustand. Wir werden Herrn Tschernenko auffordern, uns darüber zu
informieren, und die Freilassung Anatolij Schtscharanskijs fordern.

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, daß in den sieben Jahren, die er
nun schon gefangen ist, seine Frau insgesamt ganze sieben Briefe von ihm
- 2-

�von ihm erhalten hat.

Hier mit uns sind heute zwei Männer, die hinsichtlich der Menschenrechtsbemühungen im Kongreß

wirklich

führend

sind. Der eine ist Tom

Lantos, ein Demokrat aus Kalifornien, der selbst die Tyrannei kennengelernt hat. Mit der Hilfe von Raoul Wallenberg konnte er dieser Tyrannei
entkommen und gelangte schließlich in die Vereinigten Staaten, wo er Mitglied des Kongresses wurde. Tom, würden Sie bitte etwas zu Frau Schtscharanskij sagen.

TOM LANTOS (Demokratisches Mitglied des Repräsentantenhauses für Kalifornien): Wir sind der Meinung, daß das bevorstehende Treffen zwischen Herrn
Gromyko und Außenminister Shultz eine gute Gelegenheit für die Freilassung von Anatolij Schtscharanskij ist. Schtscharanksij ist ein Symbol der
Unterdrückung geworden; und wenn wir jetzt hoffentlich auf eine neue Ära
zugehen, in der es zu Abkommen über die Rüstungskontrolle kommt, dann
müssen wir auch Fortschritte im Bereich der Menschenrechte machen.

Anatolij Schtscharanskij hat mehr gelitten, als der Mensch verstehen
und aushalten kann. Ein Jahrzehnt ist im Leben eines jeden Menschen eine
lange Zeit. Er ist inzwischen krank und schwach. Er ist ein Mann von unglaublichem moralischen Mut, der nun endlich wieder zu seiner Frau kommen
sollte, die mit Mut und Ausdauer zu ihm gehalten hat.

Wir fordern die Sowjetunion auf, diese Gelegenheit zu ergreifen, da
die ganze Welt mit Hoffnung und in Gebeten nach Genf blickt, eine symbolische Geste zu machen - Anatolij Schtscharanskij freizulassen.

JOHN PORTER (Republikanisches Mitglied des Repräsentantenhauses für Illinois und Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses): An diesem Tag, da
wir den 99.

Kongreß eines freien Volkes eröffnen, erinnert uns Avital

Schtscharanskij an unsere wichtigste und größte Verpflichtung als Amerikaner - nämlich das Bemühen um die Menschenrechte für alle Völker dieser
Welt und insbesondere das Bemühen um die Freilassung ihres Mannes, Anato-

�Mannes Anatolij Schtscharanskij, der nun schon so lange wegen seiner
Überzeugung gefangengehalten wird und dem in der Sowjetunion die Menschenrechte vorenthalten werden.

Wir erneuern heute unsere Verpflichtung als Amerikaner, als ein Volk,
das der Herrschaft des Rechtes verpflichtet ist, und als ein Volk, dessen
Verpflichtung für die Menschenrechte in der ganzen Welt auch der Entlassung von Anatolij Schtscharanskij gilt, einem Symbol für Unterdrückung
und Tyrannei in der Sowjetunion.

FRAU SCHTSCHARANSKIJ:

Ich bin den Mitgliedern des Kongresses zutiefst

dankbar dafür, daß sie heute an einem solch wichtigen Tag mit mir sind,
und ich hoffe, daß die sowjetischen Behörden, das sowjetische Volk uns
heute hören, daß sie die Menschenrechte achten und die Regierung meinen
Ehemann diesmal gehen läßt.

Wir haben seit Monaten nichts mehr über Anatolij gehört. Etwas Handgeschriebenes von ihm haben wir seit dem 5. September nicht mehr, eine
letzte Botschaft kam an seine Mutter in Moskau, wo die arme alte Frau von
einem Amt zum andern läuft, um etwas darüber zu erfahren, wo er ist.

Er ist angeblich vom Gefängnis in ein Lager gekommen, und auf den Ämtern sagt man ihr immer nur, es sei alles mit ihm in Ordnung, er sei gesund und sie werde einen Brief von ihm bekommen; aber sie hörte erst am
vergangenen Donnerstag etwas, als ein hochrangiger Angehöriger der kommunistischen Partei sie anrief und ihr mitteilte, Anatolij sei im Krankenhaus.

Er weigerte sich, Näheres mitzuteilen. Er sagte nur, sie werde später
mehr hören. Aber ich kann Ihnen über Anatolij nichts weiter sagen. Seine
Mutter rief mich nur in Israel an und sagte mir, sie wisse nicht, ob er
noch am Leben sei.

Aufgrund dessen und aufgrund der schrecklichen Lage der sowjetischen
Juden insgesamt sowie der neuen Inhaftierten, von denen einige schon fast

�schon fast zu Tode geprügelt wurden, machen wir uns größte Sorge um sein
Leben und seine Gesundheit. Wir wissen nicht, wo er ist.

Letzte Nacht rief ich Anatolijs Bruder Leonid in Moskau an; normalerweise sprechen wir einige Minuten miteinander. Aber als ich erwähnte, ich
würde heute hier mit Mitgliedern des Kongresses zusammenkommen, meine
Sorge zum Ausdruck bringen und den Kongreß um Hilfe bitten, wurde das
Gespräch unterbrochen. Die sowjetische Vermittlung wurde sehr nervös.

Ich wende mich erneut an das amerikanische Volk und die amerikanische
Regierung und bitte, alles nur Mögliche zu unternehmen, um herauszufinden, wie seine Lage ist, und die Russen aufzufordern, ihn freizulassen.

Ich glaube, dafür gibt es jetzt eine gute Gelegenheit; zwei Länder
reden in Genf über den Frieden, und ich glaube, dies ist eine Frage des
Friedens.

- 5-

�9. Januar 1985

RAUMFÄHRE DISCORERY IM AUFTRAG DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS
- S t a r t f ü r 23. Januar 1985 vorgesehen -

- (AD) - Zum ersten Mal i n der Geschichte der bemannten Raumfahrt der
Vereinigten Staaten wird e i n Unternehmen a u s s c h l i e u l i c h

im Auftrag des

amerikanischen Verteidigungsministeriums durchgeführt werden.

Es handelt

sich um den f ü r den 23. Januar 1985 vorgesehenen Einsatz der Raumfähre
DISCOVERY.

Aus Sicherheitsgründen werden an die Medien weder Vorausin-

formationen über abzusetzende Geräte und Nutzlasten gegeben, noch werden
s p e z i e l l e Z i e l e der Mission e r ö r t e r t .
die Ö f f e n t l i c h k e i t s a r b e i t
streitkräfte

zuständige

Wie General Richard A b e l , der f ü r
Offizier

der

amerikanischen

e r k l ä r t e , e n t f a l l e n auch exakte Zeitangaben f ü r

Luft-

den S t a r t

vom Kennedy-RaumfahrtZentrum - dieser erfolge "irgendwann zwischen 19.15
und 22.15 Uhr MEZ" - die Landung werde frühestens 16 Stunden vor dem vorgesehenen Zeitpunkt angekündigt.
zen aus dem Weltraum mit

Mit den bisher üblichen Pressekonferen-

der Besatzung, Fernsehaufnahmen von Bord der

DISCOVERY oder dem Mithören von Berichten der Astronauten während des
Fluges sei nicht zu rechnen.
Kommandant

der

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Kommandant der DISCOVERY ist Thomas "Ken" Mattingly, der im Juni/Juli
1982 den Einsatz der COLUMBIA bei ihrem vierten und letzten Testflug leitete.

Auch der Kopilot, Loren Shriver, und die beiden Missionsspezia-

listen, James Buchli und Ellison Onizuka, sind NASA-Astronauten.

Für die

militärische Nutzlast ist Major uary Payton verantwortlich - der erste
von 25 Astronauten des amerikanischen Verteidigungsministeriums, die für
Raumtransporterflüge ausgebildet wurden.

Laut General Abel werden allerdings offizielle Sprecher über das Ergebnis der weiteren Erprobung der sog. Inertial-Stufe U U S ) oerichten.
Dabei handelt es sich um ein für einen Satellitenstart aus dem Orbit benutztes zweistufiges Antriebsaggregat, mit dem Nutzlasten großer Masse in
höhere Umlaufbahnen katapultiert werden.

Die erste Erprobung im April

1983, bei der das Aggregat einen TDRS-Satelliten der NASA (TDRS = "Tracking and Data Relay Satellite", d.h. Satellit für Bahnbeobachtung und Datenübermittlung) zum geostationären Orbit in 36 01)0 km Höhe transportieren sollte, war insofern nur ein Teilerfolg, als TDRS 1 zunächst 640 km
an Höhe fehlten.

Mit Hilfe, diffiziler Korrekturmanöver gelang es jedoch

innerhalb von zwei Monaten, seine Bahn weiter anzuheben und ihn über Brasilien zu stationieren.

Das von der amerikanischen Luftwaffe entwickelte IUS-System macht es
möglich, Satelliten bis etwa 2250 kg Masse auf sog. erdsynchrone Bahnen
zu bringen.

Das bedeutet, dato ihre Umlaufgeschwindigkeit der Erddrehung

entspricht und sie deshalb als Relaisstation für weite Regionen der Erdoberfläche ständig erreichbar sind.
In einer früheren Presseverlautoarung des Verteidigungsministeriums
war mitgeteilt worden, daß der bevorstehende Flug u.a. Verbesserungen für
Nachrichtentechnik und Überwachung, präzisere Navigationshilfen, umfangreichere Wetterinformationen und zuverlässigere und schnellere Warnungen
vor Angriffen zum Ziel habe.

Ein Beispiel für ein Satellitensystem, das

}.m Auftrag des Verteidigungsministeriums mit Hilfe der Raumfähren eingerichtet werden soll, ist das "NAVSTAR Global Positioning System". NAVSTAR
umfaßt 18 Satelliten in 20 200 km hohen Umlaufbahnen.
- 2 -

Jedes Gerät meldet

�Jedes Gerät meldet kontinuierlich seine Position und die exakte Sendezeit. Diese Daten geben Schiffen und Flugzeugen die Möglichkeit, mit Hilfe der NAVSTAR-Signale die eigene Position und Flughöhe auf 19 m genau zu
bestimmen, wo immer sie sich gerade befinden.
soll das System voll betriebsbereit sein.

* * * * *

- 3 -

Ende der achtziger Jahre

�9. Januar 15»ö!&gt;

ENRICO FERMI-PREIS 1984
- Robert Wilson und Georges Vendryes ausgezeicnnet -

-

(AD) - Der Enrico Fermi-Preis 1984 ging an den Amerikaner Robert

Wilson und den Franzosen Georges Vendryes i n Anerkennung i h r e r Verdienste
um die kernphysikalische Grundlagenforschung und die Nutzbarmachung der
Kernenergie zur Erzeugung von Strom.

Der Preis wurde 1984 zu Ehren des

berühmten

Physikers

der

mit

italienisch-amerikanischen
einer

Gruppe

von M i t a r b e i t e r n

in

Enrico

Lhicago

Fermi

gestiftet,

den ersten

kleinen

"Atommeiler" k o n s t r u i e r t e und d a r i n im Dezember 1942 die erste k o n t r o l l i e r t e Kettenreaktion i n Gang setzen konnte.

Es i s t die höchste wissen-

s c h a f t l i c h e Auszeichnung, die das amerikanische Energieministerium
gibt.

ver-

Sie i s t mit L00 üOO D o l l a r f ü r jeden Preisträger d o t i e r t . " I n d i e -

sem Jahr geht der Enrico Fermi-Preis an zwei Wissenschaftler, die sich um
die Entwicklung und den Einsatz e i n z i g a r t i g e r technischer Anlagen f ü r die
nukleare Forschung besonders verdient gemacht haben", e r k l ä r t e Energiemin i s t e r Donald Hodel, der den beiden Preisträgern am 2U. Dezember 1984 die
Ehrenurkunde von Präsident Reagan und die Goldmedaille überreichte.

Dr. Robert

Wilson,

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dr. Robert Wilson, 1914 in Frontier, Wyoming, geboren, gilt als einer
der genialsten und erfolgreichsten Konstrukteure von Teilchenbeschleunigern.

Als Direktor des firme National Accelerator Laboratory baute er

ein Projekt auf, dessen Höhepunkt die Inbetriebnahme des Tevastrons im
vergangenen Jahr war.

Bei dieser Anlage werden supraleitende Magnete zur

Beschleunigung atomarer Teilchen in ringförmiger Bahn benutzt.

Das Tevatron ist ein unterirdisch angelegtes 4,6 kg grobes Synchrotron-System, wo Protonen so stark beschleunigt werden können, daß sie nahezu mit Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen.

Dabei werden sie in

kleinere atomare Teilchen aufgebrochen, deren Studium der kernphysikalischen Forschung wichtige Anhaltspunkte zum Wesen der Materie und der Naturkräfte vermittelt - von Kräften, die im Kosmos wirksam sind und bei
der Entstehung des Universums wirKsam waren.

Georges Vendryes, 1920 in Paris geboren, spielte in Frankreich während der letzten drei Jahrzehnte bei der crschlieüung der Kernkraft als
Energiequelle eine besonders wichtige Rolle.

U.a. setzte er sich für die

Entwicklung des mit Flüssigmetall gekühlten schnellen Brüters ein.

Sei-

ner Sachkenntnis undn Initiative ist es mit zu verdanken, daß das internationale Projekt "Superphenix" in Gang kam, an dem neben Kraftwerksgesellschaften aus Frankreich auch solche der Bundesrepublik Deutschland
und Italiens beteiligt sind.

* * * * *

- 2-

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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA und UdSSR kündigen neue Abrüstungsverhandlungen an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Genfer Erklärung von Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Strategische Verteidigungsinitiative&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fakten und Hintergründe -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Freiheit für Anatolij Schtscharanski j:"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mitglieder des Repräsentantenhauses appellieren an die Sowjets -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfähre DISCOVERY im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Start für 23. Januar 1985 vorgesehen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enrico Fermi-Preis 1984&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Robert Wilson und Georges Vendryes ausgezeichnet -&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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23

9. Januar 1991

GOLFKRISE

EIN ANGRIFF AUF DIE ENTSPANNUNG
Warum Saddam Hussein seine Beute
nicht behalten darf
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
16. bis 3 1 . Dezember 1990
INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche
und politische Maßnahmen

WIRTSCHAFT

DIE WIRTSCHAFT IM 2 1 . JAHRHUNDERT
Von William Van Düsen Wishard

US-ENTWICKLUNGSHILFE

US-ENTWICKLUNGSHILFE FÖRDERT
WACHSTUM ARMER LÄNDER
Übersicht über den Entwicklungshilfeetat für das Haushaltsjahr 1991

»

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432 /

�GOLFKRISE
9. Januar 1991

Ein Angriff auf die Entspannung
Warum Saddam Hussein seine Beute nicht behalten darf
Bonn - (AD) - Der Artikel von Botschafter Vernon Walters, den wir nachfolgend mit freundlicher Genehmigung
der Wochenzeitung Die Zelt veröffentlichen, erschien dort am 28. Dezember 1990.

Die Annexion des souveränen Staates Kuwait durch
den Irak liegt bereits mehr als vier Monate zurück.
Seitdem hat sich Kuwait, ein einst friedliches, blühendes und sicheres Land in einen Ort der Zerstörung und
Verwüstung verwandelt. Täglich werden kuwaitische
Kinder, Frauen und Männer auf menschenverachtende Weise terrorisiert und ermordet.

Dollar pro Jahr für die Verteidigung aufgebracht, errechnet in konstanten Preisen des Jahres 1990; daraus ergibt sich für diesen Zeitraum ein Gesamtbetrag
von 3086 Milliarden Dollar.
Nur im Märchen ist den Menschen ein Leben im Glück
vergönnt, ohne daß sie dafür Opfer zu bringen haben
- die Geschichte verläuft leider anders.

Um eine

Der Einfall Iraks in Kuwait ist ein eindeutiger Akt der
Aggression. Zudem lassen der von Saddam Hussein
ehrgeizig forcierte Aufbau einer der größten Armeen
der Welt und die Produktion von Massenvernichtungswaffen vermuten, daß Kuwait nicht das letzte Eroberungsziel auf seiner Liste ist. Der eigentliche Grund für
die enormen diplomatischen und militärischen Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft liegt
deshalb darin, Aggression dieser Art endlich Einhalt zu
gebieten. Die Welt hat die bittere Lektion verstanden,
die ihr durch die Geschichte dieses Jahrhunderts
erteilt wurde. Saddam Hussein ist nicht Hitler. Aberbei
der Antwort auf die irakische Aggression sollte man
sich doch vor Augen halten, daß Deutschland die
Leiden und die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs
erspart geblieben wären, wenn Hitler frühzeitig Einhalt
geboten worden wäre. Bis heute hat sich Saddam
Hussein geweigert, die Forderungen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu erfüllen. Aber die
internationale Staatengemeinschaft einschließlich der
Vereinigten Staaten faßt sich weiterhin in Geduld. Es
ist das Ziel aller, eine friedliche Lösung des Konflikts zu
erreichen.

glückliche Zukunft zu haben, müssen wir unseren
internationalen Verpflichtungen entschlossen nachkommen und unseren Prinzipien ohne Rücksicht auf
finanzielle Kosten treu bleiben. Es gibt auch gute
Gründe, weshalb wir jetzt nicht unbeschränkt zuwarten können:

Nach vierzig Jahren voller Opfer, die wir Amerikaner
erbracht haben, um zur Beendigung des Kalten Krieges
beizutragen, hätte kein Land eine Atempause in den
internationalen Spannungen mehr begrüßt als die
Vereinigten Staaten. Von 1981 bis 1991 hat das
amerikanische Volk durchschnittlich 280,5 Milliarden

Schließlich sollten jene, die ein Jahr oder mehr
abwarten wollen, um die Sanktionen voll wirksam werden zu lassen, nicht vergessen, daß
Irak ein ehrgeiziges Programm zur Entwicklung
von Atomwaffen hat.

AMERIKA DIENST 1

Saddam Hussein ist ein gefährlicher Diktator; er
verfügt über chemische und biologische Waffen
und hat sie sogar gegen sein eigenes Volk
eingesetzt.
Die Auswirkungen der Golfkrise sind nicht auf
die unmittelbare Region beschränkt. Die Volkswirtschaften der Nachbarstaaten wie der Türkei, Jordaniens und Ägyptens werden durch das
Handelsembargo und die Auswirkungen anderer Sanktionen stark beeinträchtigt.
Die labile volkswirtschaftliche Basis der jungen
Demokratien in Osteuropa und insbesondere
vieler Länder in der Dritten Welt wird zunehmend Schaden nehmen, wenn die Golfkrise
weiterhin ungelöst bleibt.

Seite 1

�Wenn Saddam sich für Frieden entscheidet - indem er
sich aus Kuwait zurückzieht und die Forderungen der
Resolutionen des Sicherheitsrats vollständig erfüllt -,
dann deshalb, weil er die Stärke der gegen ihn gerichteten internationalen Koalition und ihre Entschlossenheit anerkennt, nötigenfalls Gewalt anzuwenden.

bewußt und gewähren zusätzliche Unterstützung für
die multinationalen Maßnahmen. Außerdem wird sich
das vereinigte Deutschland aufgrund seiner gewachsenen Bedeutung in Europa bald entscheiden müssen, welche Mittel es zur Verteidigung seiner vitalen Interessen in einer Region wie dem Golf einsetzen will.

Wir sind dankbar, daß die deutsche Regierung trotz
der Inanspruchnahme durch Wahlen und die Vereinigung die internationalen Bemühungen unterstützt hat.
Wir dürfen aber nicht übersehen, daß bei einem Anhalten der Krise weitere Kosten entstehen werden, die
eine menschliche wie finanzielle Dimension haben.
Wir hoffen, die Bundesrepublik und andere beteiligte
Staaten bleiben sich dieser steigenden Anforderungen

Die Welt steht vor einer Entscheidung. Nimmt sie hin,
daß ein gefährlicher Diktator die Früchte seines brutalen Angriffs ernten kann? Oder macht sie Saddam
Hussein und allen, die es ihm nachtun wollen, unmißverständlich klar, daß sich solche Überfalle nicht auszahlen? Die irakische Aggression richtet sich nicht nur
gegen Kuwait, sie richtet sich gegen die neue Ära des
Friedens und der Entspannung.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 1

�GOLFKRISE
9. Januar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 31. Dezember 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 31. Dezember 1990 fort.

17. Dezember
Nach Gesprächen mit den Botschaftern aller Koalitionsländer gibt Präsident Bush gegenüber der Presse
bekannt, "niemand von uns will Krieg, aber niemand ist
bereit, eine Teillösung zu akzeptieren".
Dem amerikanische Botschafter in Kuwait, Nathaniel
Howell, zufolge unternehmen die Iraker nichts, aus
Kuwait abzuziehen, sondern "machten ihre Stellungen
winterfest", als er das Land verließ. Präsident Bush
trifft mit Howell zu einem Gespräch unter vier Augen
zusammen.
Dem designierten US-Botschafter in Kuwait, Edward
Gnehm, zufolge werden über Sanktionen hinausgehende Schritte erforderlich sein, wenn man Saddam
Hussein davon überzeugen will, Kuwait zu verlassen.
Gnehm erklärt gegenüber dem Middle East Institute,
"der Irak hat seine Militärpräsenz in Kuwait um zehn
Prozent erhöht", seit Präsident Bush angeboten hat,
Außenminister Baker nach Kuwait zu entsenden und
den irakischen Außenminister Tarik Asis in Washington zu empfangen.
Der irakische Präsident Saddam Hussein befiehlt allen
wehrfähigen Männern über 33, sich zu melden. Hierbei handelt es sich um den dritten größeren Aufruf von
Reservisten in den letzten Wochen.
Vierzehn ehemalige führende Vertreter der US-Regierung aus dem militärischen und zivilen Bereich schreiben einen offenen Brief an den irakischen Außenminister Tarik Asis, in dem sie "Iraks versuchte Vernichtung Kuwaits und Saddam Husseins Fähigkeiten und
Drohungen zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen" anprangern. Die ehemaligen hochrangigen
Regierungsvertreter erklären, den Einsatz von Gewalt

AMERIKA DIENST 1

gegen Kuwait unterstützten zu wollen, wenn das Land
sich weigert, gemäß Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats seine Truppen aus Kuwait bis zum 15. Januar
abzuziehen. Zu der Gruppe von Regierungsvertretern
zählen der frühere Sicherheitsberater Präsident Reagans, Richard V. Allen, Admiral Thomas H. Moorer,
der ehemalige Stellvertretende Verteidigungsminister
und Kongreßabgeordnete Robert Ellsworth, der frühere Sicherheitsberater Präsident Reagans, Robert C.
McFarlane, der ehemalige Marineminister John F.
Lehman und der frühere Befehlshaber der US-Marineinfanteristen General P.X. Kelly.
Der Charge d'affaires der US-Botschaft, Joseph Wilson, überbringt dem irakischen Staatssekretär Nizar
Hamdoun eine Note, in der das Angebot von Au ßenminister Baker wiederholt wird, sich zu einem beliebigen
Zeitpunkt zwischen dem 20. Dezember und dem 3.
Januar mit Saddam Hussein zu treffen. In Washington
wird dem irakischen Botschafter in den Vereinigten
Staaten, Mohamed Al-Mashat, eine gleichlautende
Botschaft überbracht.
Die in Brüssel zusammentreffenden 16 Außenminister
des Nordatlantikrats veröffentlichen eine Erklärung, in
der bekräftigt wird, daß der Irak sich vollständig und
bedingungslos aus Kuwait zurückziehen muß. Zu
einem früheren Zeitpunkt hatte Außenminister Baker
den NATO-Verbündeten erklärt, der Irak könne sich als Schachzug - unter Umständen teilweise aus Kuwait
zurückziehen, um die Koalition zu spalten.
Die beiden letzten westlichen Diplomaten in Kuwait,
der britische Botschafter in Kuwait und sein Konsul,
besteigen ein Flugzeug nach London.
Das britische Außenministerium gibt eine Warnung an
britische Staatsbürger - unter ihnen 10 400 Frauen

Seite 1

�und Kinder in Bahrain, Katar und Teilen Saudi-Arabiens - aus, vor dem 15. Janaur auszureisen.
18. Dezember
Vizepräsident Dan Quayle erklärt bei einer Konferenz
des Foreign Policy Research Institute in Washington
den Grund für Präsident Bushs Angebot, Außenminister Baker nach Bagdad zu entsenden, "weil der
Präsident beim Streben nach Frieden nichts unversucht läßt".
Der irakische Präsident Saddam Hussein erklärt in
einem türkischen Fernsehinterview, er schließe Friedensverhandlungen mit den Vereinigten Staaten aus,
wenn sie beabsichtigen, sich auf die UN-Resolutionen
zu versteifen, die Bagdad bereits abgelehnt hat.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen
verurteilt mit einer überwältigenden Mehrheit von 144
zu 1 Stimme Iraks "schwere Verletzungen der Menschenrechte gegenüber dem kuwaitischen Volk und
Drittstaatlern". Mit lediglich einer Gegenstimme des
Irak und keinen Enthaltungen verabschiedet die Versammlung eine 10-Punkte-Resolution, in der die fortgesetzten und zunehmenden Akte der Folter, Verhaftungen, Massenexekutionen und Entführungen irakischer Besatzungstruppen verurteilt werden. Die
Resolution verleiht darüber hinaus ihrer "großen Sorge" über die systematische Zerstörung und Plünderung der kuwaitischen Volkswirtschaft Ausdruck und
ihrer "tiefgreifenden Besorgnis" über die zunehmend
schwierigen Lebensbedingungen insbesondere der
Frauen, Kinder, älteren Bürger und Drittstaatler im
besetzten Kuwait.
19. Dezember
Amnesty International veröffentlicht einen ausführlichen Bericht, der den Irak für unzählige Menschenrechtsverletzungen in Kuwait verantwortlich macht
und die irakische Regierung auffordert, die Brutalität,
Vergewaltigungen, Verhaftungen, Folter und den vorsätzlichen Völkermord am kuwaitischen Volk zu beenden. Der Bericht enthält umfangreiche Augenzeugenberichte über Mord und vielfältige Formen der Folter an
kuwaitischen Bürgern nach Berichten von Mitarbeitern
des Roten Halbmonds, Ausländern, ehemaligen kuwaitischen Regierungsvertretern sowie kuwaitischen
Geschäftsleuten und Krankenhausärzten.
Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt
Präsident Bush, die Vereinigten Staaten "werden
weiterhin versuchen, eine Lösung für die Golfkrise zu
finden". Aber der Präsident besteht darauf, daß es
sich um keine Lösung handeln darf, die den irakischen
Präsidenten Saddam Hussein "für ein einziges Zugeständnis" belohnt.
20. Dezember
Vertreter der zivilen Verteidigung und der regierenden
Baath-Partei veröffentlichen Verhaltensmaßregeln für
Seite 2

die Evakuierung von etwa einer Million Einwohner
Bagdads in ein nicht näher bezeichentes Gebiet außerhalb der Hauptstadt. In den vergangenen zwei
Wochen sind mehr als 130 000 Iraker in ziviler Verteidigung ausgebildet worden und die Medien in Bagdad
haben die Öffentlichkeit informiert, was im Falle eines
Luftangriffs oder Einsatzes chemischer oder nuklearer
Waffen zu tun ist. Eine ähnliche Aktion wird in der
zweitgrößten Stadt des Irak, in Basra, durchgeführt.
Der Mehrheitsführer im Senat, George Mitchell, und
die Mitglieder einer Delegation amerikanischer Senatoren erklären nach ihrer Rückkehr von einer Reise an
den Persischen Golf, sie seien nunmehr stärker als je
zuvor davon überzeugt, daß "der Irak aus Kuwait
abziehen muß" - zu welchem Preis auch immer. "Wenn
es zum Krieg kommt, haben die Vereinigten Staaten
gute Chancen, zu gewinnen und können gegebenenfalls Mitte Januar angreifen," erklärte Mitchell. Die
Vereinigten Staaten "stehen einig hinter einer Politik,
die gewährleistet, daß der Irak Kuwait verlassen muß",
fügte der Senator hinzu.
21. Dezember
Nach einem einstündigen Treffen mit dem neuen britischen Premierminister John Major erklärt Außenminister Baker, das Verhalten des Irak biete kaum Anlaß zu
Optimismus für eine friedliche Lösung der Krise am
Persischen Golf. "Wir können die (irakische) Aggression ganz einfach nicht beschönigen", erklärt Baker.
Aber er weist auf "die starke Präferenz" Großbritanniens und der Vereinigten Staaten für eine friedliche
und diplomatische Lösung am Golf hin, "wenn das
möglich ist".
Im amerikanischen Fernsehen erklärt der britische
Premierminister Major, Saddam Husseins einzige
Chance zur friedlichen Beilegung der Krise bestehe im
vollständigen Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Major fügt hinzu, Saddam Hussein "kann kein Spiel
treiben. Ein Teilabzug ist inakzeptabel. Er hat einen
festen Termin. Es gibt die Resolutionen des UNSicherheitsrats. Entweder, er befolgt sie, oder er muß
die Konsequenzen der Nichteinhaltung tragen."
In einer Zusammenfassung einer Reihe von Anhörungen im Repräsentantenhaus zur Invasion Kuwaits
erklärt der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses
im Repräsentantenhaus, Les Aspin, Sanktionen allein
seien "nicht die Antwort" zur Lösung der Golfkrise.
Aspin zufolge hat zwischen der Administration und
dem Kongreß im gesamten Verlauf der Krise "ein
hohes Maß an Übereinstimmung" bestanden.
23. Dezember
Verteidigungsminister Richard Cheney und Colin Powell,
der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, erklären
bei einer Pressekonferenz in Saudi-Arabien im Anschluß an einen fünftägigen Besuch am Golf, die
300 000 in Saudi-Arabien und am Persischen Golf
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�stationierten amerikanischen Soldaten seien einsatzbereit. Bei Besuchen auf amerikanischen Kriegsschiffen, Luftwaffenstützpunkten und in Wüstencamps stellt
Cheney fest, die irakischen Streitkräfte in Kuwait und
im Süden des Irak beliefen sich jetzt auf 500 000 Mann
und Saddam Hussein zeige keine Bereitschaft zur
Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats,
die den Abzug des Irak aus Kuwait fordern.
Bei einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten
Mubarak und Verteidigungsminister Abu Taleb erklärt
Cheney in Kairo, "jeder Tag, der verstreicht, jede
Woche ohne Anzeichen des irakischen Abzugs bringen uns immer näher an den Punkt, an dem die
Mitglieder der (internationalen) Koalition keine andere
Option als den Einsatz militärischer Gewalt zur Verwirklichung unserer (von der UNO verfügten) Ziele
haben."
25. Dezember
Die Vertreter des Golf-Kooperationsrats aus Bahrain,
Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen in Doha zusammen und einigen sich auf umfassende Vereinbarungen
zur Sicherheit und Verteidigung, mit denen die regionale und nationale Sicherheit der Mitgliedstaaten des
Golf-Kooperationsrats gewährleistet werden sollen. In
der Erklärung von Doha betonen sie die Notwendigkeit
des "bedingungslosen und vollständigen Abzugs der
irakischen Streitkraft aus Kuwait und die Wiedereinsetzung seiner rechtmäßigen Regierung unter dem
Emir, im Einklang mit den arabischen, islamischen und
internationalen Resolutionen."
26. Dezember
Der ägyptische Mufti, Mohammed Sayyed Tantawi,
gibt eine Erklärung ab, in der die irakische Invasion
Kuwaits gemäß dem islamischen Gesetz Scharia als
illegal verurteilt wird. Der Religionsführer appelliert an
die Mitgliedstaaten der Arabischen Liga, in jedem Land
einen Mufti zu benennen, der so bald wie möglich mit
den anderen zusammenkommen und eine rechtlich
bindende islamische Entscheidung zu den Ereignissen am Golf bekanntgeben soll.
Die Presse in Bangladesch berichtet, daß 75 000
entlassene Arbeiter aus Bangladesch, die am Golf
gearbeitet haben, sich zur Teilnahme an einem Krieg
gegen den Irak verpflichteten. In Leitartikeln werden
die irakische Besetzung Kuwaits verurteilt, die Hoffnung auf einen Erfolg der diplomatischen Bestrebungen am Golf zum Ausdruck gebracht und alle Parteien
aufgefordert, eine Lösung auf dem Verhandlungsweg
anzustreben.
Mit dem Ziel, die Evakuierung ihrer Staatsbürger aus
Irak bis zum 10. Januar abzuschließen, entsendet die
Sowjetunion zwei hochrangige Emissäre nach Bagdad. Sie hofft, praktisch alle der 1 700 noch im Irak
unter Vertrag stehenden sowjetischen Fachleute und
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Berater bis fünf Tage vor Ablauf des UN-Ultimatums
zum Abzug des Irak aus Kuwait in die Sowjetunion
zurückholen zu können.
27. Dezember
Präsident Bush verfügt den vollständigen Erlaß der
Restschulden Ägyptens in Höhe von 1 Milliarde Dollar
der Gesamtschulden von 6,7 Milliarden Dollar bei den
Vereinigten Staaten für Waffenkäufe, um Ägypten
einen Teil der Lasten abzunehmen, die diesem Land
durch seine Rolle bei der Koalition zur Bekämpfung der
irakischen Aggression gegen Kuwait entstanden sind.
Mit dieser Maßnahme wird das vom amerikanischen
Kongreß verabschiedete Paket zum Schuldenerlaß im
Rahmen des Auslandshilfeprogramms für 1991 vervollständigt.
28. Dezember
Beim größten Aufmarsch amerikanischer Kriegsschiffe seit Vietnam werden 16 000 amerikanische Seeleute und Marineinfanteristen von 5 Häfen an der amerikanischen Ostküste zu Kampfstationen im Persischen
Golf entsandt.
Zum zweiten Mal binnen einer Woche schießt der Irak
eine Boden-Boden-Rakete ab und provoziert damit
dem amerikanischen Zentralkommando zufolge Alarmbereitschaft. Sie war nicht auf die multinationale
Streitmacht in Saudi-Arabien gerichtet, und es könnte
sich um einen Test gehandelt haben. Unter fast den
gleichen Umständen feuerte der Irak am 26. Dezember eine Rakete ab, so das amerikanische Militär.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im
amerikanischen Repräsentantenhaus, Les Aspin, gibt
ein "Weißbuch" heraus, in dem die Richtlinien zur
Beurteilung einer diplomatischen Beilegung der Golfkrise umrissen sind. Aspin verweist darauf, daß alle
diplomatischen Bestrebungen durch militärischen und
wirtschaftlichen Druck seitens der Koalition gegen den
Irak unterstützt und ergänzt werden müssen. Hierbei
handelt es sich um eines von drei Weißbüchern, die
Aspin in den folgenden Wochen der Anhörungen zur
Golfkrise vor dem Ausschuß veröffentlichen wird.
30. Dezember
Die Außenminister der Europäischen Gemeinschaft
vereinbaren eine Sondersitzung am 4. Januar, um eine
Initiative zu erörtern, die darauf abzielt, den Irak vor
Ablauf des UN-Ultimatums am 15. Januar vom Abzug
seiner Streitkräfte aus Kuwait zu überzeugen. Die
Sitzung der EG wird in Luxemburg anberaumt, das am
1. Januar für sechs Monate die Präsidentschaft der
Europäischen Gemeinschaft übernimmt.
Vizepräsident Dan Quayle tritt eine Dreitagesreise an
den Persischen Golf zum Besuch amerikanischer
Truppen und einem Treffen mit dem saudiarabischen
König Fahd und dem kuwaitischen Emir an.

Seite 3

�biologische Kriegführung zu lagern. Er droht massive
Vergeltung an, falls der Irak biologische oder chemiDem britischen Verteidigungsminister Archie Hamilton sche Waffen gegen die verbündeten Streitkräfte im
zufolge hat Großbritannien begonnen, Medikamente Golf einsetzt.
für die eventuelle Impfung britischer Truppen gegen
31. Dezember

* * * * *

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AMERIKA DIENST 1

�GOLFKRISE
9. Januar 1991

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die irakische
Invasion in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf bis zum 19. Dezember 1990 eingegangene
Informationen und ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Am 17. Dezember veröffentlicht der Nordatlantikrat
nach einem Ministertreffen eine Erklärung, in der die
Einhaltung des vom UN-Sicherheitsrat für den irakischen Rückzug aus Kuwait gesetzten Termins, des
15. Januar 1991, verlangt wird. Die Minister stellen
darüber hinaus fest, die irakische Invasion sei eine
"grundlegende Herausforderung für die internationale
Ordnung", die "die historisch einmalige Chance" der
UNO gefährde, ihre "ursprüngliche Vision" von der
Förderung des Weltfriedens zu verwirklichen. Der
Verteidigungsplanungsausschuß der NATO bekräftigt
nach einem Ministertreffen in seinem am 7. Dezember
1990 veröffentlichten Kommunique die Absicht des
Bündnisses, weiterhin die vollständige Einhaltung der
einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
zu gewährleisten. Darin heißt es weiter: "Iraks Überfall auf Kuwait widerspricht der Vision einer friedlichen
Weltordnung und unterstreicht die Notwendigkeit, daß
alle Länder, die sich zu Frieden und Völkerrecht bekennen, zusammenstehen müssen." Die 16 Bündnispartner hatten unmittelbar nach der irakischen Invasion
Kuwaits bis heute andauernde Konsultationen aufgenommen. Die Außenminister trafen am 10. August
1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um die
Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu erörtern
und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der
Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO kamen
weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich - zusammen,
um Maßnahmen zu koordinieren und Informationen
sowie nachrichtendienstliche Erkenntnisse auszutauschen. Die Außenminister der NATO-Partner kamen

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am 10. September 1990 zusammen, um die Koordinierung zu intensivieren.
NATO-Mitgliedstaaten

Belgien
Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerte. Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff in den Golf von
Oman. Zwei C-130 werden für den Heimflug ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait zur Verfügung gestellt,
eine Fregatte wird zur Begleitung und zum Schutz von
Schiffen, die eine Durchsetzung des Embargos gewährleisten, zum Golf entsandt. Vier weitere C-130
werden für die WEU-Länder bereitgestellt.
Bundesrepublik Deutschland
Setzt das Embargo des UN-Sicherheitsrats unverzüglich in Kraft und friert irakische Vermögenswerte ein.
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff ins östliche Mittelmeer, um die Seewege
zu schützen und die Verlegung von Schiffen der NATO
für den Einsatz im Golf zu ermöglichen. Genehmigt die
Nutzung von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland zur Unterstützung der Golfmission und beschleunigt die Abwicklung von Überfluganträgen. An Hilfsleistungen für die Flüchtlinge in Jordanien stellt die
Bundesrepublik zunächst 4,5 Tonnen Nahrungsmittel,
Zelte und Krankenwagen sowie zwei Charterflugzeuge für den Rückflug von Ägyptern aus Jordanien bereit.
Leistet Zahlungen in Höhe von 187 Millionen Dollar an
den EG-Fonds für die Golfkrise. Verpflichtet sich zur
Zahlung weiterer 2,2 Milliarden Dollar an zusätzlichen

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�Hilfsleistungen, einschließlich militärischem Gerät,
Hilfsleistungen an die Frontstaaten sowie für die Verlegung von Streitkräften und Gerät. 60 ABC-Spürpanzer des Typs Fuchs werden für den Einsatz der Streitkräfte in der Golf region modernisiert und umgerüstet.
Darüber hinaus stellt sie Ausbildung der Mannschaften
und logistisches Material zur Verfügung und übernimmt die Kosten. Deutschland hat als finanziellen
Beitrag für die Operation Wüstenschild 267 Millionen
Dollar an die Vereinigten Staaten überwiesen. Mit
diesem Beitrag sind die von Bundeskanzler Kohl für
1990 eingegangenen finanziellen Verpflichtungen erfüllt.
Dänemark
Die Korvette "Olfert Fischer" ist im Golf eingetroffen.
Die Kosten der Operation belaufen sich bis Ende 1990
schätzungsweise auf 22,5 Millionen Kronen. Das
Parlament hat 7 Millionen Kronen als Anschubfinanzierung für ein Lazarettschiff bewilligt, das gegebenenfalls im Golf eingesetzt werden soll. Die dänische
Regierung trägt 4 Millionen Dollar zur Unterstützung
von Flüchtlingen aus dem Irak und Kuwait bei. Erlaubt
die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in SaudiArabien. Die Regierung hat sich darüber hinaus bereiterklärt, im Bedarfsfall Seetransportdienste zur Verlegung von ägyptischen Truppen und Material an den
Golf zur Verfügung zu stellen. Dänemark hat ferner
seine Bereitschaft zur Teilnahme an einer eventuellen
UN-Friedensmission am Golf erklärt. Hat positiv auf
die Bitte reagiert, ABC-Schutzausrüstung an die saudiarabische Regierung zu liefern. Will darüber hinaus
Lücken in der NATO-Verteidigung schließen, die sich
aus der Verlegung von Gerät der Bündnispartner an
den Golf ergeben könnten, insbesondere der Seestreitkräfte. Unterstützt Sanktionen der EG gegen den
Irak und das UN-Ölembargo.

zusetzen. Aufgrund des irakischen Angriffs auf die
Residenz des französischen Botschafters in Kuwait
gibt Präsident Mitterand am 15. September die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach SaudiArabien bekannt. Marineeinheiten einschließlich eines Flugzeugträgers verstärken die zwei bereits in den
Golf entsandten Kriegsschiffe. Befehl an die 3 000
Mann starken Seestreitkräfte, gegebenenfalls Gewalt
zur Durchsetzung des Embargos einzusetzen. Aufklärungstruppen des französischen Heeres sind Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf die
Arabische Halbinsel verlegen wird. Eine nachrichtendienstliche Einheit des Heeres soll in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt werden. Frankreich
schließt sich der UN-Resolution über wirtschaftliche
Sanktionen gegen den Irak an. Öl- und Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke. Drastische
Einschränkung der Bewegungsfreiheit einer Gruppe
irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät und Radaranlagen ausgebildet wurden.
Griechenland
Entsendung einer Fregatte ins Rote Meer. Unbürokratische Bereitstellung von vier unter griechischer Flagge fahrenden Schiffen für militärische Transporte.
Vollständige Einhaltung der UN- und EG-Sanktionen,
einschließlich des Ölembargos. Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Überflugerlaubnis für Militärflugzeuge der Vereinigten Staaten und verbündeter
Länder auf dem Weg zum Golf. Uneingeschränkte
Zusammenarbeit bei Zwischenlandungen und Auftanken von Flugzeugen. Bereitstellung der Hafenanlagen
für verbündete Seestreitkräfte.
Großbritannien

Frankreich
Am 11. Dezember wird bekanngegeben, daß Frankreich ca. 4 300 Mann als Verstärkung nach SaudiArabien entsenden wird. Damit belaufen sich die
französischen Truppen auf rund 10 000 Mann. Der
französische Verteidigungsminister erklärt, die Entscheidung sei eine direkte Folge von UN-Resolution
678, die das Ultimatum für den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait für den 15. Januar festsetzt. Frankreich entsendet ferner 6 zusätzliche Kampfflugzeuge 4 Jaguar-Kampfbomber und 2 Mirage 2000 zur Luftverteidigung. Zur Zeit befinden sich rund 6 250 mit
Panzerabwehr-Hubschraubern und leicht gepanzerten Fahrzeugen, 8 Jaguar-Kampfbombern, 8 Mirage
F1-CR Aufklärungsflugzeugen und 8 Mirage 2000
ausgerüstete französische Soldaten in Saudi-Arabien.
Die französische mit Hubschraubern bestückte Korvette LA MOTTE-PIQUET ist anstelle der Fregatte
MONTCALM in die Straße von Hormuz entsandt worden,
um das internationale Embargo gegen den Irak durch-

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Entsendet weitere 14 000 Mann Bodentruppen in die
Region, mit denen der personelle Beitrag zu Operation
Wüstenschild nahezu verdoppelt wird. Bis Ende Januar werden sich die britischen Streitkräfte in der
Region auf rund 30 000 Mann belaufen. Darüber
hinaus entsendet Großbritannien zur Verstärkung der
120 bereits stationierten weitere 43 Panzer des Typs
Challenger sowie zwei Minensuchboote. Bereits stationiert sind: Mit Rapier-Flugabwehrraketen ausgerüsteten Einheiten, 4 Kampfschiffe mit Unterstützungseinheiten, ein Geschwader Tornado-Abfangjäger, ein
Geschwader Tornado-Kampfflugzeuge, ein Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankf lugzeuge und
Nimrod-Seeaufklärer, 2 Schiffe für den Seetransport.
Friert als zweites Land die kuwaitischen und irakischen
Vermögenswerte (im Gesamtwert von 7,2 Milliarden
Dollar) ein. Uneingeschränkte Unterstützung der UNWirtschaftssanktionen zu beträchtlichen Kosten für
die britische Handelsbilanz. Die Königliche Marine
beteiligt sich aktiv am Abfangen von Schiffen, in denen

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�unter Verletzung der Sanktionen für den Irak oder
Kuwait bestimmte Güter vermutet werden. Unterbrechung sämtlicher Luft- und Seeverkehrsverbindungen
mit dem Irak und Kuwait, au ßer für Evakuierungsflüge.
Bewilligt 10,8 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe, wovon
4,2 Millionen im Rahmen des EG-Beitrags zur Verfügung gestellt werden.

werden für die EG-Bemühungen in der Region und 1,3
Millionen Dollar für Hilfe an die Türkei, Jordanien,
Ägypten und Bangladesch zur Verfügung gestellt.
Unterstützung des Ölembargos, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.

Island

Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Entsendung von zwei Fregatten und einem Versorgungsschiff in den Golf. Angebot zur Entsendung
eines Geschwaders von 18 F-16 in die Golfregion.
Kostenlose Lieferung von 50 000 ABC-Schutzanzügen im Gesamtwert von 20,4 Millionen Dollar an die
Türkei. Bereitstellung von 3 Millionen Dollar Flüchtlingshilfe. Eine weitere Million wird von privaten Geldgebern gespendet.

Erklärt seine uneingeschränkte Unterstützung der UNWirtschaftssanktionen gegen den Irak. Gibt die Bereitstellung von 2,5 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe
bekannt, die folgendermaßen aufgeteilt werden sollen:
Isländisches Rotes Kreuz, Nahrungsmittel und Versorgungsgüter für Flüchtlinge in Jordanien und Ägypten, die Persischer-Golf-Mission des Roten Kreuzes
auf Zypern, Flüchtlingshilfe kirchlicher Stiftungen und
noch zu benennende andere Kanäle.

Italien
Berichten zufolge will Italien seine Seepräsenz im Golf
um 4 bis 5 Einheiten und rund 300 Mann aufstocken,
falls sich die Lage in der Region verschlechtert. Acht
Tornado-Kampfflugzeuge wurden in die Vereinigten
Arabischen Emirate entsandt. Vier Marineschiffe wurden
in die Golfregion verlegt. Gibt die Ausweisung der
irakischen Militärattaches und die Einschränkung der
Bewegungsfreiheit irakischer Diplomaten bekannt.
Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren irakischer
und kuwaitischer Vermögenswerte. Verbot irakischer/
kuwaitischer Luft- und Seetransportdienste. Erlaubnis zur Nutzung von US-Stützpunkten in Italien. Bereitstellung von Hilfsgütern als Flüchtlingshilfe. Sagt
die Bereitstellung von zivilen Transportschiffen zur
Verlegung amerikanischer Truppen und Versorgungsgüter zu. Genehmigt Hilfsleistungen in Höhe von 160
Millionen Dollar für die Frontstaaten, die unmittelbar
von der Blockade des Irak betroffen sind.
Kanada
Entsendet ein CF-18-Geschwader, zwei Zerstörer und
ein Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht an den Golf. Verspricht Hilfsleistungen in Höhe von 75 Millionen Dollar für die Türkei,
Ägypten, Jordanien, die Philippinen, Sri Lanka und
Bangladesch. Abbruch der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur Bereitstellung
von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als Flüchtlingshilfe
zwischen dem Internationalen Komitee vom Roten
Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden sollen.
Luxemburg
Die Regierung stellt vorläufig 2 Millionen Dollar als
Beitrag zu den Transportkosten für Männer und Material in die Region bereit. Diese Mittel werden für die
Hilfsleistungen der WEU-Partner Belgien, Niederlande und Portugal gewährt. Weitere 2 Millionen Dollar

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Niederlande

Norwegen
Humanitäre Hilfe in Höhe von 52,6 Millionen Dollar,
darunter 30 Millionen an die Türkei, Ägypten und
Jordanien sowie 20 Millionen für die Repatriierung von
Flüchtlingen aus Bangladesch, Indien, Pakistan und
Sri Lanka, um die für diese Länder durch die Krise
entstehenden Kosten zu mildern. Militärflugzeuge
werden für den Transport von Nahrungsmitteln und
medizinischer Ausrüstung nach Jordanien und von
Flüchtlingen nach Kairo bereitgestellt. Angebot von
Dekontaminierungsgerät sowie ABC-Schutzkleidung
für die multinationale Streitmacht. Norwegen stellt im
Rotationsverfahren ein Schiff für den ständigen Einsatzverband Atlantik der NATO zur Verfügung und
bietet die Bereitstellung zweier weiterer Schiffe an, um
zum Golf entsandte Schiffe der Verbündeten zu ersetzen. Ein Schiff der norwegischen Küstenwache befindet sich zur Unterstützung der dänischen Korvette im
Golf. Sechzehn Luftabwehrraketen werden der dänischen Marine zur Verfügung gestellt und 9 Freund/
Feind-Erkennungssysteme an Großbritannien ausgeliehen. Norwegen berät mit den Vereinigten Staaten
über die Bereitstellung eines Tankers mit Treibstoff für
die Marinestreitkräfte im Golf. Einfrieren kuwaitischer
und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von
Nahrungsmitteln für die Flüchtlinge.
Portugal
Vollständige Einhaltung des UN-Embargos. Den
Vereinigten Staaten wird die Nutzung des Stützpunkts
auf den Azoren für Truppentransporte gestattet. Ein
über die WEU bereitgestelltes Marinetransporlschiff
befördert gegenwärtig eine erste Lieferung von Nahrungsmitteln und Medikamenten zu den britischen
Truppen am Golf. Britische Fregatten nehmen an der
NATO-Übung "on call force" im östlichen Mittelmeer
teil. Zwei Handelsschiffe werden an die American
Maritime Authority für Transportoperationen vermietet. Portugiesisches Ärzteteam wird in jordanische
Flüchtlingslager entsandt, Regierung bietet ein Feldla-

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�zarett, Medikamente sowie deren Transport an. Eine
C-130 der Luftwaffe wird zur Unterstützung des Transports ägyptischer Flüchtlinge aus Jordanien bereitgestellt. Öl- und Waffenembargo. Vollständige Durchführung aller anderen von der UNO beschlossenen
Sanktionen.
Spanien
Entsendung einer Fregatte und zweier Korvetten in die
Straße von Hormuz und das Rote Meer als Teil der
WEU-Bemühungen zur Durchsetzung des Embargos.
Einfrieren irakischer Vermögenswerte und Handelsembargo. Erhebliche Unterstützung für den Transit
amerikanischer Einheiten durch gemeinsame Nutzung
militärischer Einrichtungen in Spanien. Benutzung
spanischer Häfen für logistische Unterstützung und
Reparatur von Transportschiffen. Spanische Luftwaffe liefert humanitäre Hilfsmittel für Flüchtlinge in Jordanien und hilft bei der Repatriierung ägyptischer und
asiatischer Flüchtlinge aus Jordanien.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Verweigert die Einfahrt eines mit Natriumzyanid beladenen Schiffes in den Hafen Mersin, dessen Ladung
voraussichtlich über den Iran in den Irak transportiert
werden soll. Vollständiges Handelsembargo mit Ausnahme von dringend benötigten Nahrungs- und Arzneimitteln. Vollständige Einhaltung des Luftverkehrsembargos. Hat mindestens zwei zivile Flugzeuge mit
Ziel Irak aufgehalten und ihnen die Benutzung des
türkischen Luftraums untersagt. Eröffnet ein Auffanglager in Habur, um Tausenden von Flüchtlingen (zumeist
aus Bangladesch und Pakistan), die Irak auf dem
Landweg verlassen, Unterkunft und Verpflegung zu
bieten. Das Parlament ermächtigt die Regierung im
Falle eines Angriffs durch den Irak zur Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen und zum
Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.
Vereinigte Staaten
Geben die Entsendung weiterer 200 000 Mann der
Luft-, See- und Landstreitkräfte an den Golf bekannt.
Derzeit beläuft sich das Truppenniveau auf über 250 000
Mann der Land- und Seestreitkräfte. Zur Zeit befinden
sich 9 Kriegsschiffe und zwei Flugzeugträger im Golf.
Verhängung eines vollständigen Handelsembargos,
das kommerzielle Nahrungsmittellieferungen einschließt,
gegen den Irak und das besetzte Kuwait. Aussetzung
der Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Einfrieren der
irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte. Die
Vereinigten Staaten werden zur Unterstützung der
UN-Sanktionen irakische Öllieferungen in der Golfregion abfangen. Weisen 36 der 55 zuvor an der
irakischen Botschaft in Washington akkreditierten
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Personen aus, verfügen die Ausweisung von drei
weiteren Diplomaten bis zum 28. September. Die
Vereinigten Staaten verpflichten sich zu Hilfsleistungen in Höhe von 28 Millionen Dollar für die Flüchtlinge
in der Region. Die Vereinigten Staaten leiten Initiativen
zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die Wege.
Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Berichten zufolge bildet das Land eine aus Freiwilligen
bestehende Sanitätseinheit, einschließlich eines Teams
zur Abwehrchemischer Kriegführung, zur Entsendung
an den Golf aus. Bulgarien hat sich als Urlaubs- und
Erholungsort für die amerikanischen Streitkräfte am
Golf angeboten. Bulgarien hat seine Unterstützung für
Resolution 678 des UN-Sicherheitsrats zum Ausdruck
gebracht und bekräftigt seine Verpflichtung zu umfassenden Sanktionen.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UN-Sicherheitsrats
über Sanktionen, vollständige Durchführung der UNMaßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten
Handelsembargos. Ernennung des finnischen Botschafters bei den Vereinten Nationen zum Leiter der
Gruppe von Ländern, die die Einhaltung der UNSanktionen gegen Irak überwachen. Bereitstellung
von 11,2 Millionen Dollar für humanitäre Zwecke und
Wirtschaftshilfe für die Golfregion.
Irland
Irland unterstützt uneingeschränkt die vom UN-Sicherheitsrat im Zusammenhang mit der Golfkrise bereits
verabschiedeten Resolutionen. Beteiligt sich voll und
ganz an den Wirtschafts- und Handelssanktionen der
Europäischen Gemeinschaft.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak zum Abzug der Invasionstruppen auf. Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen.
Durchführung der UN-Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak.
Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
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�Malta
Verbot aller Ex- und Importe aus und nach Irak und
Kuwait.
Österreich
Vollständige Einhaltung der UN-Sanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo für die Region. Blockiert den
Transfer irakischer Vermögenswerte. Erteilt amerikanischen militärischen Transportflugzeugen die Überflugerlaubnis für Österreich. Beitrag von etwa einer
Million Dollar an Hilfe für Ägypten, Jordanien und die
Türkei.
Polen
Vollständige Einhaltung des Handelsembargos gegen
den Irak. Waffenembargo, Verurteilung der Annexion
Kuwaits. Strikte Einhaltung der Resolutionen des UNSicherheitsrats. Regierung kündigt Entsendung eines
Lazarettschiffs und eines Feldlazaretts zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht in der Golf region
an. Vorübergehende Einstellung des Betriebs der
polnischen Botschaft in Kuwait, weil der Irak Strom und
Wasser abgesperrt, die Telefonverbindungen unterbrochen hat, Wachen der irakischen Armee den Zugang zum Gebäude verweigern - und damit den normalen Betrieb der Botschaft unmöglich machen. Diese
Entscheidung hat keinerlei Einfluß auf die erklärte
Position Polens im Hinblick auf die irakische Aggression in Kuwait und die Annexion dieses Landes, die
Polen nicht anerkennt.
Rumänien
Wird UN-Sanktionen gegen den Irak befolgen. Während seiner Präsidentschaft im UN-Sicherheitsrat im
August stimmte Rumänien zugunsten der Resolutionen zum Irak. Zusätzlich zur Einhaltung der UNOSanktionen gegen den Irak hat Rumänien den am Golf
stationierten amerikanischen Truppen Erholungseinrichtungen, Raffinerieanlagen für Flugzeugtreibstoff
sowie ein Ärzteteam zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht angeboten.
Schweden
Vollständige Durchführung und Einhaltung sämtlicher
UN-Sanktionen. Wirtschaftsembargo gegen den Irak
mit Ausnahme von Gütern für humanitäre oder medizinische Zwecke. Sperrung des schwedischen Luftraums für Flugzeuge mit Gütern für oder aus Irak und
Kuwait. Stellt 20 Millionen Dollar an Flüchtlingshilfe
bereit und verpflichtet sich zur Zahlung weiterer 23
Millionen Dollar für Jordanien, Ägypten und die Türkei.
Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel,
au ßer mit medizinischen Gütern für humanitäre Zwekke. Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal in ihrer
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Geschichte an UN-Wirtschaftssanktionen. Entsendet
ein Hilfsteam für Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Invasion und Annexion Kuwaits durch
den Irak. Verhängung eines einseitigen Waffenembargos gegen den Irak. Unterstützt UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Verabschiedung gemeinsamer Erklärungen mit den Vereinigten Staaten, Japan und der Europäischen Gemeinschaft, in denen die
irakische Aggression verurteilt und der Abzug der
irakischen Streitkräfte aus Kuwait gefordert wird.
Ermutigt zur Anwendung multilateraler Mechanismen,
wie etwa des UN-Sicherheitsrats und des Generalstabsausschusses des UN-Sicherheitsrats. Betont
weiterhin die Notwendigkeit einer politischen Lösung
für diese Krise. Als Ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats stimmt die Sowjetunion für den Einsatz aller
möglichen Mittel, um den Abzug des Irak aus Kuwait zu
erzwingen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Durchführung der UN-Sanktionen, einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe von und nach
Irak und Kuwait. Präsident Havel erklärt die Bereitschaft seiner Regierung zur Entsendung einer 200
Mann starken Sanitätseinheit zur Abwehr chemischer
Waffen, um die multinationale Streitmacht in SaudiArabien zu verstärken. Die ersten 61 Fahrzeuge für
eine 170 Mann starke Heereseinheit zur Abwehr chemischer Waffen wurden nach Saudi-Arabien verlegt.
Die Einheit soll saudiarabische Soldaten ausbilden
und die Zivilbevölkerung mit Schutzmaßnahmen gegen Massenvernichtungswaffen vertraut machen.
Ungarn
Öl- und Handelsembargo. Die Regierung schlägt dem
Parlament die Entsendung eines Sanitätsteams in die
Golfregion vor.
Vatikan
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits. Lobt die
Resolutionen der Vereinten Nationen über Sanktionen
gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen den Irak.
Andere Organisationen - regional und international
Afghanische Interimsregierung
Das Kabinett der Afghanischen Interimsregierung stimmt
der Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach Saudi-Arabien zur Verstärkung der multilateralen Streitmacht offiziell zu.

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�Andenpakt
Die Präsidenten von Bolivien, Ecuador, Kolumbien,
Peru und Venezuela geben eine Erklärung ab, mit der
der Irak zur Einhaltung der UN-Resolutionen und zum
Abzug aus Kuwait aufgefordert wird. Die Präsidenten
bekräftigen ihre Unterstützung für eine friedliche Lösung der Golfkrise im Einklang mit der Charta der
Vereinten Nationen und fordern einen Dialog zwischen
den interessierten Parteien nach dem Abzug des Irak
aus Kuwait.
Arabische Liga
Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UN-Sicherheitsrats.
Bewegung der Blockfreien
Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt die Ausweisung aller irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplomaten, die in den
Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten akkreditiert sind,
aus Protest gegen die irakischen Übergriffe auf die
diplomatischen Missionen Frankreichs, Belgiens und
der Niederlande in Kuwait. Verhängt allgemeines
Handelsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Einfrieren von irakischen und kuwaitischen
Vermögenswerten sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit dem Irak und dem besetzten Kuwait.
Unterstützt uneingeschränkt alle UN-Resolutionen zum
Irak und fordert die Freilassung aller Geiseln in Irak und
Kuwait. Die EG stellt 78 Millionen Dollar in Form von
Transport, Nahrungsmitteln und humanitärer Hilfe für
Flüchtlinge bereit. Die EG-Außenminister haben die
italienischen Botschafter in asiatischen, lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern angewiesen,
diplomatische Schritte zur Förderung der Reise eines
Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen zu unternehmen, der in Bagdad die Freilassung der in Irak und
Kuwait festgehaltenen Ausländer erwirken soll. Italien
hat zur Zeit die Präsidentschaft der EG inne. Die
italienischen Diplomaten werden von Diplomaten aus
Irland und Luxemburg unterstützt.
Europaparlament
Verabschiedung einer Reihe von Resolutionen, in denen
die Invasion des Irak in Kuwait, die irakischen BestreReite 6

bungen zur "Auslöschung der kuwaitischen Identität"
und die Festsetzung der Geiseln verurteilt werden. Die
Gespräche mit dem irakischen Parlament werden
ausgesetzt, bis alle Geiseln freigelassen sind und der
Irak vollständig und bedingungslos aus Kuwait abgezogen ist. Unterstützung der Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak.
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Streitkräfte. Hat rund 7 000 Mann Bodentruppen zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht in SaudiArabien stationiert. Saudi-Arabien hat die Vereinigten
Staaten und andere Länder um militärische Hilfe zur
Verteidigung gegen eine mögliche irakische Aggression gebeten. Saudi-Arabien verpflichtet sich darüber
hinaus zu höherer Ölförderung, um die Produktionsausfälle in Irak und Kuwait wettzumachen. Verweigert
einem irakischen Tanker das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate öffnen ihre militärischen Einrichtungen für multinationale Streitkräfte und verweigern einem irakischen Tanker die Einfahrt in den Hafen
von Dubai. Katar stellt seine militärischen Einrichtungen der multinationalen Streitmacht zur Verfügung.
Berichten zufolge öffnen auch Bahrain und Oman ihre
militärischen Einrichtungen. Der Golf-Kooperationsrat
ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Bahrain,
Oman, Katar und Kuwait besteht. Die Föderation der
Kammern der Mitgliedstaaten im Golf-Kooperationsrat
beschließt, die Mitgliedschaft des Irak zu beenden.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO), eine
Unterorganisation der UNO, fordert den Irak auf, unverzüglich Schritte zur Freilassung aller in Irak und
Kuwait festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer
zu ergreifen. Der Verwaltungsrat der IAO beschließt,
eine Beschwerde der drei kuwaitischen Mitgliedsgruppen (Regierung, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorga-.
nisation) gegen die irakische Behandlung von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Kuwait an den IAOAusschu ß für Assoziationsfreiheit weiterzuleiten. Der
Bericht soll im Februar 1991 abgeschlossen sein. Der
Verwaltungsrat der IAO akzeptiert eine Beschwerde
des ägyptischen Gewerkschaftsdachverbands gegen
die Regierung des Irak wegen der Verletzung der
Rechte ägyptischer Gastarbeiter im Irak. Die Beschwerde wird zur Untersuchung und Beschlußfassung an einen drittelparitätisch besetzten Ausschuß
verwiesen. Im November gibt die IAO bekannt, daß sie
die irakischen Behörden ersuchen will, die Reise einer
IAO-Delegation nach Kuwait zu genehmigen, die Berichte
über sich verschlechternde Bedigungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber und deren Verbände seit der
irakischen Invasion in Kuwait prüfen soll. Die irakischen Behörden werden gebeten, zu angeblichen

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�Plünderungen und der Zerstörung von Einrichtungen
der kuwaitischen Arbeitgeberorganisation und der
Gewerkschaftsbewegung sowie der Verhaftung oder
Ausweisung ihrer Vorsitzenden Stellung zu nehmen.
Karibische Gemeinschaft und Gemeinsamer Markt
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach unverzüglichem und bedingungslosem Abzug der Invasionsstreitkräfte. Die CARICOM
besteht aus Antigua und Barbuda, den Bahamas,
Barbados, Dominica, Grenada, Guyana, Jamaica,
Montserrat, St. Kitts-Nevis, St. Lucia, St. Vincent sowie
Trinidad und Tobago. Die Dominikanische Republik,
Haiti und Surinam haben Beobachterstatus.
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (KSZE)
Die Außenminister der KSZE-Staaten verabschieden
am 2. Oktober in New York eine Erklärung, mit der sie
sich den Vereinten Nationen "bei der Verurteilung der
irakischen Invasion und Besetzung Kuwaits" anschließen. Darüber hinaus fordern sie die Regierung des
Irak zum unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
aus Kuwait auf und erklären ihre volle Unterstützung
für die UNO-Resolutionen zur Verurteilung des Irak.
Sie bringen ferner ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, "die vollständige und wirksame Durchsetzung"
der UN-Sanktionen zu gewährleisten und unterstützen
"die Länder, die aufgrund der vom Irak herbeigeführten Krise besonders gelitten haben". Die KSZE umfaßt 34 Nationen, darunter die Vereinigten Staaten, die
Sowjetunion und praktisch ganz Europa.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.
Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt wird. Der Nordische Rat ist eine regionale Organisation, die sich aus
Vertretern Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Erdölförderung über die
vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch
das Embargo gegen den Irak verursachten Produktionsausfall von 4 Millionen Barrel täglich wettzuma-

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chen. Saudi-Arabien und Venezuela hatten ihre Ölförderung bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen
Emirate, Nigeria, Gabun und Ecuador werden ihre
Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der
Iran und Libyen stimmen gegen die Resolution, planen
jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen
Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung der irakischen Invasion und Annexion
Kuwaits. Unterstützt alle diesbezüglichen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Fordert
die Freilassung aller ausländischen Geiseln im Irak.
Die OAS ist eine regionale Organisation mit Vertretern
der Karibikstaaten sowie aller Staaten Mittel-, Süd und
Nordamerikas außer Kuba.
Organisation der Islamischen Konferenz (OIC)
Am 1. Oktober veröffentlichen die Außenminister bei
den Vereinten Nationen das Schlußkommunique des
jährlichen Koordinationstreffens, in dem die OIC die
irakische Invasion und Besetzung Kuwaits "auf das
schärfste verurteilt", die Annexion Kuwaits durch den
Irak für null und nichtig erklärt und die Entschlossenheit der Mitgliedstaaten bekräftigt, die Durchführung
der UN-Resolutionen zu dieser Krise anzustreben.
Der Irak wird ferner aufgefordert, "seine Truppen
vollständig, unverzüglich und bedingungslos abzuziehen", alle Geiseln freizulassen sowie seinen internationalen Verpflichtungen im Hinblick auf diplomatische
und konsularische Vertretungen nachzukommen. Die
"volle Unterstützung und Solidarität" der OIC mit SaudiArabien und anderen Mitgliedstaaten in der Golfregion
wird bekräftigt.
Südasiatischer Verband für Regionale Zusammenarbeit (SAARC)
Der Südasiatische Verband für Regionale Zusammenarbeit (SAARC) veröffentlicht am 23. November eine
Erklärung, in der die Einhaltung der Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats zum Irak bekräftigt wird. Der SAARC
fordert den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug
der irakischen Streitkräfte aus Kuwait sowie die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits,
betont jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit einer friedlichen Lösung der Krise.
Vereinte Nationen
Der UN-Sicherheitsrat hat bisher 12 Resolutionen zur
Invasion des Irak in Kuwait verabschiedet. Sie haben
folgenden Wortlaut:
1.

Resolution 660 vom 2. August 1990 - Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait und Forderung nach unverzüglichem und bedingungslosem Abzug der irakischen Streitkräfte aus Kuwait.

Seite 7

�2.

Resolution 661 vom 6. August 1990 - Anordnung
eines Handels- und Finanzembargos gegen den
Irak und Kuwait.

3.

Resolution 662 vom 9. August 1990 - Erklärung
der irakischen Annexion Kuwaits für null und
nichtig.

4.

Resolution 664 vom 25. August 1990 - Forderung nach Freilassung aller Ausländer durch
den Irak.

5.

Resolution 665 vom 25. August 1990 - Der
internationalen Staatengemeinschaft wird das
Recht eingeräumt, das Wirtschaftsembargo
gegen den Irak durchzusetzen, indem die
Schiffahrt nach und aus diesem Land unterbunden wird.

6.

Resolution 666 vom 13. September 1990 - Die
Vereinten Nationen legen strenge Verfahrensweisen für die Lieferung von Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke in den Irak
und das besetzte Kuwait fest.

7.

Resolution 667 vom 16. September 1990 - Verurteilung des Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.

8.

Resolution 669 vom 24. September 1990 - Die
Vereinten Nationen beauftragen den Sanktionsausschuß mit der Prüfung aller Unterstützungsanträge der Länder, die von dem Embargo
gegen den Irak wirtschaftlich stark betroffen
sind.

9.

Resolution 670 vom 25. September 1990 - Verhängung eines Luftverkehrsembargos gegen
den Irak.

10.

Resolution 674 vom 29. Oktober 1990 - Forderung, daß sich der Irak menschlicher gegenüber
Angehörigen von Drittstaaten und Diplomaten
verhält. Darüber hinaus wird der Irak für die von
der Invasion Kuwaits verursachten Schäden
verantwortlich gemacht und dazu aufgefordert,
Geiselnahmen sowie die Mißhandlung und
Unterdrückung von Kuwaitern und Bürgern aus
Drittstaaten unverzüglich einzustellen sowie die
Ausreise aller Angehörigen von Drittstaaten und
Diplomaten, die dies wünschen, zu gestatten
und zu fördern. Ferner wird erklärt, daß der
Sicherheitsrat weitere Maßnahmen im Rahmen
der UNO-Charta ergreifen wird, wenn sich der
Irak nicht an die UNO-Resolutionen hält.

11.

Resolution 677 vom 28. November 1990 - Entscheidung, Daten über Kuwaits Bevölkerungsstatistik zu sammeln.

12.

Resolution 678 vom 29. November 1990 - Dem
Irak wird "eine letzte Chance" zum Abzug aus

Seite 8

Kuwait eingeräumt. Erklärung, daß die Mitgliedstaaten "alle erforderlichen Mittel einsetzen"
dürfen, um die UNO-Resolutionen durchzusetzen und "internationalen Frieden und Sicherheit" in der Region wiederherzustellen, wenn
der Irak die UNO-Resolutionen nicht bis zum 15.
Januar 1991 vollständig verwirklicht hat.
Westeuropäische Union
Die neun Mitgliedstaaten der WEU verständigen sich
darauf, die Marineoperationen im Nahen Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng aufeinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie sich bereit,
zusammen mit den Vereinigten Staaten Verantwortung für die Durchsetzung der UNO-Sanktionen gegen
den Irak zu übernehmen. Vier WEU-Mitglieder - die
Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie
Griechenland als Nichtmitglied der WEU kündigen die
Entsendung von Kriegsschiffen in den Nahen Osten
an, die sich den bereits dort stationierten französischen und britischen Luft- und Marineeinheiten anschließen sollen. Zur Zeit sind 35 Kriegsschiffe der
WEU-Mtigliedstaaten an der Durschsetzung des
Seembargos gegen den Irak beteiligt. Die WEUMitgliedstaaten haben darüber hinaus für die von der
Krise am härtesten betroffenen Länder finanzielle Mittel
und logistische Unterstützung bereitgestellt. Beim
Treffen der WEU am 10. Dezember wurde die Verpflichtung zur Beilegung der Krise auf der Grundlage
der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats bekräftigt.
Die WEU ist eine politische Organisation mit Vertretern
aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal und Spanien.
Nichteuropäische Staaten
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 15 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern. Ausweisung des irakischen Verteidigungsattaches und zweier weiterer irakischer Diplomaten.
Äthiopien
Präsident Mengistu Haile Mariam kritisiert die irakische Invasion Kuwaits, fordert die Wiederherstellung
der Souveränität Kuwaits und betont "den festen Standpunkt und die Verurteilung der Einmischung in die
inneren Angelegenheiten souveräner Staaten" durch
Äthiopien. Unterstützt eine friedliche Beilegung der
Krise.

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�Algerien
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits. Einhaltung
der UN-Sanktionen gegen den Irak, ausgenommen
Lieferungen von Nahrungsmitteln und Medikamenten
aus humanitären Gründen. Präsident Chadli Bendjedid setzt sich für die arabischen Vermittlungsbemühungen ein, die einen Dialog zwischen Saudi-Arabien
und dem Irak sowie den Abzug der irakischen Streitkräfte aus Kuwait zum Ziel haben.
Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe in die Region. Verhandelt gegenwärtig mit Saudi-Arabien über die Entsendung von
zwei Transportmaschinen der Luftwaffe sowie Bodentruppen.

zur Unterstützung der multinationalen Streitmacht.
Durchführung der UN-Sanktionen gegen den Irak,
einschließlich des Handels mit Waren und Dienstleistungen und der Lieferung von Tee.
Belize
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
Bolivien

Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs sowie eines Sanitätsteams zum Persischen Golf. Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe, um die UN-Sanktionen zu unterstützen. Öl- und
Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Verurteilung der irakischen Invasion Kuwaits und
Forderung nach Abzug der Invasionsstreitmacht.
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.
Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den vollständigen und bedingungslosen Rückzug der Invasionstruppen. Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte. Unterstützung und vollständige Einhaltung der Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats. Hat Einheiten seiner Streitkräfte für die multinationale Streitmacht in Saudi-Arabien zur Verfügung gestellt. Hat einer erheblichen
Aufstockung der multinationalen Marine- und Luftstreitkräfte in seinen Einrichtungen zugestimmt. Hat seinen
Botschafter in Kuwait City belassen. Hat Tausende
kuwaitischer Flüchtlinge aufgenommen und ihnen
geholfen.
Bangladesch
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait.
Entsendet über 2 000 Soldaten nach Saudi-Arabien

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Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait. Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak.
Botswana
Hat den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait bis zum Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait eingestellt.

Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich Nahrungsmittellieferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Waffenembargo. Einhaltung der Sanktionen zum WirtschaftsSchiffs- und Luftverkehr mit dem Irak dauert an.
Unterstützt die UN-Resolutionen zur Verurteilung der
irakischen Invasion und Annexion Kuwaits und Forderung nach Wirtschaftssanktionen. Lehnt den Einsatz
von Gewalt zur Beilegung der Krise ab. Fordert eine
Verhandlungslösung der Krise durch die arabischen
Staaten.
Costa Rica
Zur Unterstützung der UN-Resolutionen gegen den
Irak verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.

Seite 9

�Cote d'lvoire

Indien

Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak stehen. Vollständiges Handelsverbot mit dem Irak und Kuwait,
außer für Arnzei- und Nahrungsmittel zu humanitären
Zwecken.

Ecuador
Präsident Borja und Außenminister Cordovez haben
die Absicht ihrer Regierung bekräftigt, alle UN-Resolutionen zur Golfkrise vollständig zu befolgen, einschließlich der Wirtschaftssanktionen. Ecuador unterhielt vor
der Krise jedoch keine Handelsbeziehungen zum Irak,
und es existieren allen Erkenntnissen zufolge keine
irakischen oder kuwaitischen Firmen oder Vermögenswerte im Land.

Indonesien
Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.
Verstärkung der eigenen Erdölförderung.
Iran

El Salvador
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und bekräftigt
seine Anerkennung der rechtmäßigen Regierung
Kuwaits unter Führung des Emirs. Fordert den unverzüglichen und bedingungslosen Abzug der irakischen
Truppen aus Kuwait. Uneingeschränkte Unterstützung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats.
Gabun
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait, unterstützt
alle UN-Sanktionen gegen den Irak.
Gambia
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.
Guatemala
Uneingeschränktes Wirtschaftsembargo gegen den
Irak und das besetzte Kuwait.
Guayana
Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats
gegen den Irak. Unterzeichnet die CARICOM-Erklärung mit der Forderung nach unverzüglichem Rückzug
der irakischen Truppen aus Kuwait.
Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Bietet die Entsendung eines Truppenkontingents an, das sich der multilateralen Streitmacht am Golf anschließen soll. Hat
an konkreten Maßnahmen zur Durchsetzung der Wirtschaftssanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen den
Irak mitgearbeitet.
Hongkong

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt sich zur Steigerung der Ölförderung bereit,
um die Ausfälle in Irak und Kuwait auszugleichen.

Israel
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak.
Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UN-Sanktionen
gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation
Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative,
im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait auf
das schärfste verurteilt wird.
Japan
Ölembargo, Einstellung von Handel und Hilfe. Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Japan. Zieht
unter Berufung auf die irakische Invasion und Annexion Kuwaits "und andere Maßnahmen" - Berichten
zufolge werden 139 Japaner in wichtigen Einrichtungen als "menschliche Schutzschilde" festgehalten seine Einladung an den Irak zurück, am 12. November
an der Inthronisation von Kaiser Akihito teilzunehmen.
Stellt Finanzhilfe in Höhe von 4 Milliarden Dollar bereit,
davon 2 Milliarden Dollar für die multinationale Streitmacht. Dazu gehören Beiträge zur Unterstützung von
Streitkräften, Ausrüstung und Gerät.
Entsendet
medizinisches Personal zur Arabischen Halbinsel, das
bis zu 100 Personen umfassen wird. Die restlichen 2
Milliarden Dollar sind als Finanzhilfe für die Türkei,
Ägypten und Jordanien bestimmt, um die durch die
irakische Invasion in Kuwait verursachten wirtschaftlichen Härten zu mildern. Stellt weitere 22 Millionen
Dollar an Flüchtlingshilfe bereit. Veröffentlichung
gemeinsamer Erklärungen mit der Sowjetunion und
Gro ßbritannien, in denen der Irak zur Freilassung aller
ausländischen Geiseln und zum Abzug seiner Truppen aus Kuwait aufgefordert wird. Stellt gegenwärtig
ein UN-Friedenskorps auf, das die Entsendung ausgewählten Personals nach Übersee in Zusammenhang
mit Operationen zur Friedenssicherung gestatten würde.

Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Friert irakische und kuwaitische
Vermögenswerte ein.
Seite 10

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�Jemen
Befolgt die UN-Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Jordanien
Einhaltung der UN-Sanktionen gegen den Irak. Stimmt
mit der Arabischen Liga zugunsten der UN-Resolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
'
»

Macao
Befolgt die UN-Sanktionen.

Katar

Madagaskar

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stellt der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung.

Präsident Ratsiraka verurteilt am 5. August die irakische Invasion Kuwaits und bekundet seine Zustimmung zu den Maßnahmen des Sicherheitsrats.

Kenia

Vizepräsidentschaft des UN-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.

Unterstützt die UN-Resolution zu Sanktionen gegen
den Irak. Vollständige Einhaltung der Sanktionen,
Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte. Erhöht die
Ölproduktion um 55 000 Barrel pro Tag auf die Höchstmenge von 650 000 Barrel pro Tag, um den Bedarf der
Länder zu decken, die von irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet für die Flüchtlingshilfe
in Jordanien Nahrungsmittel im Wert von 100 000
Dollar.

Korea (Rep.)

Malediven

Kündigt uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak an.
Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels,
außer mit Gütern für medizinische oder humanitäre
Zwecke. Ankündigung eines 220-Millionen-DollarPakets zur Unterstützung der multilateralen Verteidigungsbemühungen und betroffenen Frontstaaten.

Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.

President Moi erklärt, daß Kenia alle Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats im Hinblick auf die Invasion Kuwaits unterstützt.
Kolumbien

Kuba
Befolgung der UN-Sanktionen gegen den Irak.
Laos
&gt;

'

Lage am Golf verursacht. Der Generalversammlung
der Vereinten Nationen teilt er mit, daß Lesotho "diesen Akt nicht nur als illegal und den vorherrschenden
Geist internationaler Entspannung vergiftend, sondern auch als gefährlichen Präzedenzfall für die weitere Existenz und Sicherheit kleiner Staaten" verurteilt.

Verurteilt in einer Erklärung den irakischen Einsatz von
Gewalt und fordert den unverzüglichen Abzug des Irak
aus Kuwait.
Libanon
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.
Lesotho
Der Vorsitzende des Militärrats und des Ministerrats,
Generalmajor J. M. Lekhanya erklärt, die irakische
Invasion habe eine neue und völlig unannehmbare

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Malaysia

Mali
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait.
Mauritius
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer in Irak und Kuwait. Befolgt
die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zum Irak und
hat Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen für bisher aus Kuwait importiertes Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat etwa 1 200 Soldaten nach SaudiArabien und 5 000 in die Vereinigten Arabischen Emirate
zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht entsandt. Ausweisung zweier irakischer Beamter aus
Marokko als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung seiner Diplomaten im Irak. Bemüht
sich auf diplomatischem Wege aktiv im Einklang mit
den Forderungen der Vereinten Nationen um eine
Beilegung der Krise.

Seite 11

�s

Mexiko
Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Myanmar
Befolgt die Resolutionen der Vereinten Nationen zum
Irak.
Nepal
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.
Niederländische Antillen
Einfrieren irakischer Vermögenswerte, Einstellung des
Zahlungsverkehrs mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait.
Neuseeland
Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot von
Importen. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden. Ölembargo,
Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Stellt den
Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei
Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für Flüchtlinge aus dem Irak und Kuwait. Übernimmt die Wartung von Transportflugzeugen für die
Evakuierung von Flüchtlingen nach Pakistan und Manila.
Bietet den Vereinten Nationen zwei zivile Flugzeuge
mit Besatzungen und dem Internationalen Komitee
vom Roten Kreuz ein 40köpfiges ziviles medizinisches
Versorgungsteam für den Einsatz in Saudi-Arabien an.
Nicaragua
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Niger
Entsendung eine Kontingents von 481 Soldaten an
den Golf zur Verteidigung Saudi-Arabiens vor irakischer Aggression und Beteiligung am Schutz der heiligen Stätten des Islam. Zum ersten Mal setzt Niger
seine Streitkräfte außerhalb des Landes ein. Außenminister Sani Bako zufolge werden die Truppen stationiert, weil Niger als Signatarstaat der Charta der
Vereinten Nationen die Annexion eines Mitgliedstaats
der Vereinten Nationen durch ein anderes Mitglied
nicht akzeptieren kann und Niger auf den Appell der
moslemischen Länder reagiert, sich am Schutz der
heiligen Stätten des Islam zu beteiligen.

Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, in denen der
Irak zum Abzug aus Kuwait aufgefordert wird. Begrü ßt
alle friedlichen Bemühungen zur Beilegung der Krise.
Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga,
dem Golf-Kooperationsrat und den UN-Resolutionen
seine Unterstützung zugesagt und fordert den Abzug
der Invasionstruppen.
Pakistan
Im politischen Bereich unterstützt Pakistan die Resolutionen und Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen den Irak. Die Regierung hat die Behörden angewiesen, die Sanktionen durchzuführen und etwa 2 000
Soldaten zur Verteidigung Saudi-Arabiens entsandt.
Einstellung des Luft- und Seeverkehrs mit dem Irak
und dem besetzten Kuwait. Schließt sich dem Appell
von sechs nichtarabischen islamischen Staaten Asiens
an Saddam Hussein an, sich in Einklang mit den UNResolutionen aus Kuwait zurückzuziehen. Verpflichtet
sich zur Entsendung weiterer 3 000 Soldaten nach
Saudi-Arabien, so daß die Gesamtstärke einer Infanteriebrigade mit Unterstützungseinheiten erreicht wird.
Das zweite Kontingent steht bereit, ist jedoch noch
nicht verlegt worden, da die Arrangements mit SaudiArabien im Hinblick auf Transport und logistische
Unterstützung noch nicht abgeschlossen sind.
Panama
Unterstützt die Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen
die Ladung oder das Löschen jeder Art von Waren aus
dem Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde
erläßt Vorschriften für die Behandlung irakischer und
kuwaitischer Vermögenswerte. Der irakischen Schiffahrt
wird die Durchquerung des Panamakanals gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits auf s schärfste
und unterstützt die UN-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden soll.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak. Untersagt jeglichen Handel, alle finanziellen Transaktionen
und Geschäftsbeziehungen mit dem Irak. Die Abgeordnetenkammer verabschiedet einstimmig eine Resolution, in der die irakische Invasion verurteilt und die
UN-Sanktionen unterstützt werden.

Nigeria
Peru
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung der Ölf örderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten). Unterstützt die

Seite 12

Unterstützung und Einhaltung aller Resolutionen der
Vereinten Nationen zum Irak.

AMERIKA DIENST 1

�Philippinen

Sri Lanka

Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an; Ölembargo. Präsidentin Aquino gibt bekannt, daß
die Philippinen ein medizinisches Versorgungsteam
nach Saudi-Arabien entsenden werden, um ihre uneingeschränkte Unterstützung für dieses Land sowie die
gemeinsamen Bestrebungen mit anderen Ländern zu
demonstrieren, im Einklang mit den Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats eine friedliche Lösung der Golfkrise anzustreben.

Wird alle erforderlichen Schritte unternehmen, um die
Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen gegen
den Irak durchzusetzen.

Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
In internationalen Foren, der Arabischen Liga und im
Golf-Kooperationsrat hat Saudi-Arabien den irakischen
Einmarsch in Kuwait verurteilt und den bedingungslosen und unverzüglichen Abzug der Invasionstruppen
gefordert. Bittet eine multinationale Streitmacht, darunter Streitkräfte der Vereinigten Staaten, um die
Verteidigung Saudi-Arabiens. Der Transport irakischen Erdöls durch Saudi-Arabien wurde eingestellt.
Erhöht die Ölförderung, um die Ausfälle in Irak und
Kuwait auszugleichen. Saudi-Arabien hat sämtliche
von der UNO gegen den Irak verhängten Sanktionen
ohne wenn und aber verwirklicht.
Senegal
Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den bedingungslosen Abzug der Invasionstruppen sowie die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits. Entsendet am 17. September 500
Soldaten nach Saudi-Arabien. Einhaltung der UNSanktionen, Einfrieren irakischer und kuwaitischer
Vermögenswerte, ausgenommen der Mittel für den
Weiterbetrieb der Botschaften.
Simbabwe
Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft.
Singapur
Wirtschaftsembargo gegen den Irak und das besetzte
Kuwait. Finanztransaktionen der rechtmäßigen Besitzer kuwaitischer Vermögenswerte werden unter bestimmten Bedingungen gestattet.
Somalia
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits
und fordert den unverzüglichen und bedingungslosen
Abzug der Invasionsstreitkräfte sowie die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits. Unterstützt alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und
der Arabischen Liga zur Golfkrise. Bietet die Entsendung von Truppen zum Schutz Saudi-Arabiens an.
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Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Südafrika
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den unverzüglichen Abzug der irakischen Streikräfte.
Präsident de Klerk bekräftigt später im Weißen Haus,
daß Südafrika die irakische Aggression auf das schärfste ablehnt.
Surinam
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Wird die Wirtschafts- und Finanzsanktionen
der Vereinten Nationen gegen den Irak einhalten.
Swasiland
Bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen
erklärt Premierminister Diamini am 5. Oktober seine
uneingeschränkte Unterstützung für die Resolutionen
des Sicherheitsrats zur Golfkrise. Er verurteilt die
irakische Invasion und Geiselnahme und fordert den
Irak zum Abzug aus Kuwait auf.
Syrien
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Landstreitkräfte in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.
Taiwan
Lehnt die irakische Invasion Kuwaits energisch ab und
spricht sich für die Unterstützung der UN-Sanktionen
gegen den Irak aus. Erklärt, in Taiwan befänden sich
keine irakischen Vermögenswerte, stoppt die Lieferung aller in Taiwan hergestellten Waren in den Irak,
unterbindet Erdölimporte aus dem Irak. Gibt bekannt,
daß Taiwan Jordanien, der Türkei und Ägypten Direkthilfe in Höhe von 30 Millionen Dollar gewähren wird.
Tansania
Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen. Unterstützt die UN-Sanktionen gegen
den Irak.

Seite 13

�Togo
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und erklärt
seine Unterstützung für die Resolution des UN-Sicherheitsrats, in der der Irak zum Abzug aus Kuwait aufgefordert wird. Begrü ßt alle Bemühungen zur friedlichen
Beilegung der Krise.
Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNSanktionen gegen den Irak.

Tunesien
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Erklärt seine Bereitschaft, alle Resolutionen des UNSicherheitsrats zum Irak einzuhalten, einschließlich
der Handelssanktionen. Friert irakische Vermögenswerte ein und beschränkt den zivilen Luftverkehr.
Tunesische Diplomaten bleiben in der Botschafterresidenz in Kuwait.
Uganda
Fordert den Abzug der irakischen Streitkräfte aus
Kuwait. Unterstützt die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Verhängung von Sanktionen gegen den
Irak.
Uruguay
Verurteilt den Einsatz von Gewalt durch den Irak und
fordert den UN-Sicherheitsrat auf, Frieden und Sicherheit in der Region wiederherzustellen. Befolgt die
Sanktionen der Vereinten Nationen gegen den Irak

und wird jedes Angebot kostenlosen Öls aus dem Irak
ablehnen. Prüft die Möglichkeit der Entsendung von
Truppen an den Golf für den Fall, daß dies angebracht
und notwendig ist und realistisch zur raschen Beilegung der Krise beitragen könnte.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UN-Sanktionen gegen den Irak.
Venezuela
Unterstützt die UN-Sanktionen gegen den Irak. Wird
im Dezember 1990 die Ölförderung auf 500 000 Barrel
pro Tag erhöhen.
Vereinigte Arabische Emirate
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den bedingungslosen und unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen sowie die Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits. Gewähren den
Vereinigten Staaten und anderen an der Operation
Wüstenschild beteiligten Ländern die umfassende
Nutzung von militärischen Einrichtungen und Unterstützung. Rigorose Durchführung aller von der UNO
beschlossenen Sanktionen gegen den Irak und Erhöhung der Ölförderung, um die Ausfälle in Irak und
Kuwait wettzumachen. Stellen femer 1 Milliarde Dollar
bereit, um von den Sanktionen betroffene Staaten zu
unterstützen.

* * * *

Seite 14

*

AMERIKA DIENST 1

�WIRTSCHAFT
9. Januar 1991

DIE WIRTSCHAFT IM 21. JAHRHUNDERT
von William Van Düsen Wishard
Der nachfolgende Beitrag wurde in gekürzter Form der Mai-Juni 1987 Ausgabe von The Futurist entnommmen.
Mit freundlicher Genehmigung der World Future Society, 4916 St. Elmo Avenue, Bethesda, Maryland 20814.
Copyright (c) 1987 World Future Society.

Die Geschichte ist von Wandel und Wachstum gekennzeichnet. Ausmaß, Geschwindigkeit und Verflechtung des derzeit stattfindenden Wandels und
Wachstums verleihen dem letzten Viertel des 20.
Jahrhunderts eine einzigartige Qualität.
Ein Bereich des Lebens, der sich heute in rasendem
Tempo verändert, ist die Wirtschaft - die Mittel, mit
denen der Mensch Wohlstand produziert und verteilt.
Im folgenden wird ein kurze Analyse einiger - von der
internationalen Presse aufgegriffener - Trends und
Ereignisse vorgenommen, die in ihrer Gesamtheit
betrachtet die Dimensionen des wirtschaftlichen Wandels
andeuten, der heute die Welt verändert.
Neue Erkenntnisse
Die treibende Kraft der Weltwirtschaft heute ist die Flut
neuer Erkenntnisse, die aus den Forschungslabors
der Welt strömt. Wissenschaftler schätzen, daß sich
weltweit das Potential wissenschaftlicher Erkenntnisse jedes Jahrzehnt verdoppelt.
Die Vereinigten Staaten, die ungefähr 5 Prozent der
Weltbevölkerung ausmachen, bringen rund die Hälfte
der wissenschaftlichen Informationen der Welt hervor.
Noch vor 10 Jahren waren es 75 Prozent, und nach
einem weiteren Jahrzehnt könnten sie nur noch ein
Drittel des Gesamtvolumens ausmachen. Dieser Abstieg
ist nicht darauf zurückzuführen, daß die Vereinigten
Staaten weniger Informationen hervorbringen, sondern die restlichen 95 Prozent der Welt mehr produzieren werden. Diese Sintflut an Forschungsergebnissen
produziert mit solcher Geschwindigkeit neue Technologien, daß die meisten dieser Technologien binnen

AMERIKA DIENST 1

fünf bis sieben Jahren veraltet sind. Im Elektroniksektor sind es nur zwei bis drei Jahre.
Internationalisierung
Ein zweiter entscheidender Trend ist die Verlagerung
von autarken Volkswirtschaften zu einem integrierten
System weltweiter Produktion. Japan, Deutschland,
China und Frankreich haben jeweils Vereinbarungen
getroffen, um sich die an amerikanischen Universitäten betriebene Forschung zu moderen Computertechnik, Molekularbiologie, Materialverarbeitung und Ozeanographie nutzbar zu machen. Das Georgia Institute
of Technology und die chinesische Gesellschaft für
Wissenschaft und Technologie haben zur Modernisierung der chinesischen Industrie ein Joint Venture
gegründet. Die Mitarbeiter des Georgia Institute übernehmen eine Beraterfunktion, und 1,4 Millionen chinesische Wissenschaftler und Techniker unterrichten
das Joint Venture über die jüngsten Modernisierungsbestrebungen Chinas.
Dank preiswerter Computer-Telekommunikationsnetze haben Techniker und Geschäftsleute von Brasilien
bis Korea in der verarbeitenden Industrie unmittelbar
Zugriff auf die neuesten Technologien und Produktionstechniken. So werden Mikrochips in Kalifornien
entworfen, zur Fabrikation nach Schottland geschickt,
zur Erprobung und Montage in den Femen Osten
verschifft und dann in den Vereinigten Staaten verkauft.
Kapitalbewegungen
Der Welthandel hat ein Volumen von rund 2 Billionen
Dollar jährlich. Die Devisentransaktionen betragen
Seite 1

�jedoch ungefähr 150 Milliarden Dollar pro Tag oder
rund 35 Billionen Dollar pro Jahr. Darüber hinaus
beläuft sich der Betrag der privaten Pensionskassen
der 24 OECD-Mitgliedstaaten - Mittel, die konstant
zwischen den Kapitalmärkten der Welt transferiert
werden - heute auf 1,4 Billionen Dollar und wird in fünf
Jahren voraussichtlich die 3-Billionen-Dollar-Grenze
erreichen. Daher sind vielmehr Kapitalbewegungen
als der Handel zur treibenden Kraft der Weltwirtschaft
geworden. Die Waren- und Dienstleistungswirtschaft
und die Geld-, Kredit- und Kapitalwirtschaft sind nicht
länger eng miteinander verknüpft. Sie bewegen sich in
verschiedene Richtungen und mit unterschiedlicher
Geschwindigkeit.
Die Wirtschaftstheorie lehrt, daß der relative Vorteil bei
Kosten für Löhne und Gehälter, Energie und Transport
die Wechselkurse bestimmt. In zunehmendem Maße
entscheiden jedoch die Wechselkurse den Vergleich
zwischen den Lohnkosten von Land zu Land. Eines
Tages werden niedrige Lohnkosten wahrscheinlich im
internationalen Handel einen geringeren Stellenwert
einnehmen, schlicht und einfach, weil Lohnkosten mit
zunehmender Automatisierung in den Industriestaaten einen geringeren Teil der Gesamtkosten ausmachen.
Die Wechselkurse der führenden Währungen sind
heute zu einem entscheidenden Faktor geworden.
Das hei ßt, jedes in der Weltwirtschaft tätige Unternehmen betreibt zwei Geschäfte gleichzeitig: Es ist ein
Hersteller von Waren oder Anbieter von Dienstleistungen, und es ist ein Finanzunternehmen.
Börsengeschäfte rund um die Uhr
Der Effektenverkehr mittels Computer führt zu einer
neuen Generation von Finanztransaktionen. Während
man mit dem Personalcomputer Echtzeitdaten erhält,
hat sich das Tempo des Effektenverkehrs beschleunigt und an Umfang zugenommen.
In den vergangenen 10 Jahren ist das Volumen der
Effektentransaktionen sprunghaft um über 700 Prozent angestiegen. Die Zahl der von Wertpapierfirmen
angestellten Börsenmakler ist um 400 Prozent in die
Höhe geschnellt, und die Zahl der Anlageberater hat
sich mehr als verdreifacht. Informationen, die bis vor
nicht allzu langer Zeit per Mundpropaganda weitergegeben wurden, laufen heute über den Computer.
Computer tasten die Devisenmärkte auf der ganzen
Welt konstant ab, um die Händler unverzüglich darauf
aufmerksam zu machen, wenn sie von Schwankungen
bei Dutzenden von Wechselkursen profitieren können.
Echtzeitinformationen vereinen die Finanzwelt.
NASDAQ - das automatische Kursnotierungssystem nennt die Preise für 300 britische und andere internationale bei der Londoner Börse notierte Effekten. Die
Effekten von über 500 führenden Unternehmen der
Welt werden mindestens an einer ausländischen Bör-

Seite 2

se gehandelt. Das Globalangebot von British Telecommunications PLC wurde auf fünf Märkten in London , New York und Tokio gehandelt. Börsengeschäfte
rund um die Uhr werden voraussichtlich in fünf Jahren
überall zu finden sein.
Keine Entindustrialisierung in Amerika
Die Produktion der verarbeitenden Industrie als Prozentsatz des amerikanischen Bruttosozialprodukts ist
von 1950 bis 1984 in etwa gleich geblieben. Im Jahr
1950 betrug sie 21,4 Prozent, 1985 lag sie bei 21,7
Prozent. Veränderungen ergeben sich durch den
zunehmenden Einsatz modernster Technologie, mit
der sich die Zahl der Beschäftigten in der Fertigungsindustrie verringert.
In den Jahren 1973 bis 1985 stieg jedoch die Produktion der verarbeitenden Industrie in den Vereinigten
Staaten um etwa 40 Prozent. Dennoch sind heute in
der amerikanischen Fertigungsindustrie fünf Millionen
weniger Fabrikarbeiter beschäftigt als 1975.
Trotzdem ist in den vergangenen 12 Jahren die Beschäftigtenrate in den Vereinigten Staaten schneller
gewachsen als jemals zuvor in der Geschichte irgendeines Landes in Friedenszeiten - von 1973 bis 1985
von 82 auf 110 Millionen. Seit 1970 ist die Zahl der
Arbeitsplätze bei den Anbietern von Dienstleistungen
sprunghaft von 47,3 Millionen auf 72,4 Millionen angestiegen. Nahezu 90 Prozent davon entfallen auf den
Dienstleistungsbereich.
Höhere Produktivität in der Fertigungsindustrie könnte
bedeuten, daß die Vereinigten Staaten nicht mehr wie
1980 etwa 25 Prozent aller Arbeitskräfte in der verarbeitenden Industrie beschäftigen, sondern zu Beginn
des nächsten Jahrhunderts weniger als 10 Prozent.
Die japanische Herausforderung
Japan ist auf dem besten Weg, der führende Investor
und Gläubiger der Welt zu werden. Japans wirtschaftlicher und finanzieller Einfluß könnte möglicherweise
die Macht Großbritanniens im 19. Jahrhundert und der.
Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg in
den Schatten stellen. Der Wert japanischer Vermögenswerte im Ausland beträgt gegenwärtig 100 Milliarden Dollar mehr als ausländische Investitionen in
Japan. Damit steht Japan vor den Vereinigten Staaten
und Großbritannien an erster Stelle bei internationalen
Investoren.
Japan verfügt über den zweitgrößten Finanzmarkt der
Welt. An der Tokioter Börse wurden 1986 Aktien im
Wert von 817 Milliarden Dollar gehandelt, in New York
für 1,7 Billionen und in London für 290 Milliarden Dollar.
In den letzten zwei Jahren haben japanische Unternehmen über 25 neue Forschungslabors für die Industrie eröffnet. Allein 1985 wurden 15 neue Labors
geschaffen. Diese Labors werden die zukünftigen

AMERIKA DIENST 1

�Möglichkeiten von Biochips, künstlicher Intelligenz,
Keramik, Robotik, elektrisch leitfähigen Kunststoffen,
modernen Materialien für die Elektronik und Chancen
der Biowissenschaften erforschen.

in einer Weltwirtschaft bestehen kann, die von Interdependenz, rasanten technischen Entwicklungen und
der Notwendigkeit schneller Entscheidungen geprägt
ist.

Einige japanische Beobachter verwerfen nicht leichtfertig den Appell der Mayekawa-Kommission, die japanische Wirtschaft umzustrukturieren. Sie erinnern
daran, daß Japan zweimal in einem Jahrhundert auf
ausländischen Druck hin seine Wirtschaft umstrukturiert hat. Beide Male - nach der Meiji-Restauration
1886 und nach dem Zweiten Weltkrieg war Japan in
der Weltwirtschaft konkurrenzfähiger. Wieder einmal
fordert Japan eine nationale Umstrukturierung, im
Rahmen derer sogar das Bildungswesen neu gestaltet
werden soll, um Arbeitnehmer heranzubilden, die mehr
Individualismus und Initiative demonstrieren. In diesem Zusammenhang haben die Japaner verschiedene amerikanische Universitäten gebeten, sich an der
Einrichtung neuer Universitäten amerikanischen Stils
in Japan zu beteiligen, damit eine Neuorientierung im
Bildungswesen stattfinden kann.

Sowjetische Joint Ventures

Angesichts der neuen Realität des starken Yen sind
japanische Unternehmen bestrebt, in der Nähe ihrer
wichtigsten Märkte Betriebe zu bauen oder zu vergrößern, billige Arbeitskräfte im Ausland zu rekrutieren
und die Konkurrenz aufstrebender Industrieländer aus
dem Feld zu schlagen. Die Firma Matsushita Electronics, die gegenwärtig 17 Prozent ihrer Produktion in 26
Auslandsbetrieben herstellt, plant eine Steigerung ihrer
Auslandsproduktion auf 30 Prozent. Sony fertigt etwa
47 Prozent seiner Produkte in Betrieben außerhalb
Japans. Mazda plant, einen in Korea gebauten Kleinwagen zu erwerben und an Ford weiterzuverkaufen,
das ihn dann in den Vereinigten Staaten vertreibt.
Privatisierung
Eines der augenfälligsten Merkmale in der Weltwirtschaft ist der Abbau zentral kontrollierter Produktion
und die Förderung privaten Unternehmertums. In
Großbritannien hat die Regierung seit 1979 Staatseigentum im Wert von 11 Milliarden Dollar verkauft und
hofft auf den Absatz von weiterem Besitz im Wert von
30 Milliarden. Die französische Regierung plant die
Privatisierung von neun führenden Konzernen und 36
Banken, und dem französischen Kabinett gehört ein
Minister für Privatisierung an. Mexiko hat seine Absicht bekundet, 482 Staatsbetriebe zu veräußern, zu
schließen oder zusammenzulegen.
Bis 1990 werden private Aktionäre das japanische
Telephonnetz, die größte Fluglinie und die nationale
Eisenbahngesellschaft kontrollieren. China führt zum
ersten Mal seit über 35 Jahren Aktien ein und zahlt den
im Betrieb beschäftigten Aktionären Dividenden.
Mit dem Übergang ins 21. Jahrhundert tritt immer
deutlicher zutage, daß eine Planwirtschaft mit ihren
Verkrustungen und dem Mangel an Wettbewerb nicht

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Die Sowjetunion erwägt die Möglichkeit von Joint
Ventures mit westeuropäischen und japanischen Firmen. So kann sie sich westliche Technologie sichern,
ohne ihre schrumpfenden Devisenreserven angreifen
zu müssen.
Solche Joint Ventures wären Bestandteil einer Kampagne, mit der die sowjetische Industrie gezwungen
werden soll, ihre Produktion auf Weltniveau anzuheben. Gegenwärtig entsprechen lediglich 29 Prozent
aller in der UdSSR hergestellten technischen Produkte
internationalen Maßstäben. Die Sowjets hoffen, den
Prozentsatz in den neunziger Jahren auf vielleicht 85
Prozent erhöhen zu können.
Darüber hinaus stellen Joint Ventures eine wichtige
Veränderung in der sowjetischen Ideologie dar, weil
damit verdeutlicht wird, daß ausländisches Kapital,
ausländisches Eigentum und ausländische Gewinne
eine Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung eines
sozialistischen Landes spielen können.
Umfangreiche Verschuldung
Solomon Brothers, eine Brokerfirma an der Wall Street,
weist darauf hin, daß in den sechziger Jahren - größtenteils einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs die Verschuldung in den Vereinigten Staaten jährlich
um 7,25 Prozent zunahm. Gegenwärtig beträgt ihr
Anstieg 12 Prozent. Die Verschuldung der Unternehmen belief sich 1985 auf 12,4 Prozent gegenüber
durchschnittlich 9,4 Prozent in den sechziger Jahren.
Die Schulden der Privathaushalte betrugen 1986 11,8
Prozent, verglichen mit durchschnittlich 8,6 Prozent in
den sechziger Jahren. Die Staatsverschuldung hat bei
einer Wachstumsrate von 2 Prozent in den sechziger
Jahren über 9 Prozent in den siebziger Jahren auf 16
Prozent in den achtziger Jahren zugenommen.
Umstrukturierung von Unternehmen
Angesichts der rasanten Veränderungen in der verarbeitenden Industrie ist jedes Großunternehmen in
Amerika gezwungen, seinen Geschäftsbereich neu zu
definieren.
Deshalb haben nahezu 30 Prozent der 900 führenden
amerikanischen Unternehmen seit Anfang 1984 eine
"betriebliche Umstrukturierung" vorgenommen - durch
Übernahme, Verkauf oder Konsolidierung von Unternehmen. So ist etwa General Motors nicht nur Hersteller von Automobilen. GM ist heute der größte Hypothekenanbieter des Landes. Darüber hinaus ist das
Unternehmen in den Bereichen Rüstung und Datenverarbeitung tätig, es bietet Finanzdienstleistungen

Seite 3

�an, arbeitet in den Bereichen Robotik und künstliche
Intelligenz und ist gegenwärtig im Begriff, seine Aktivitäten auf das Gesundheitswesen auszudehnen und
eine Broker-Firma zu erwerben.
Da die Entwicklungskurven der Produkte ständig schrumpfen (sie sind heute nur noch halb so lang wie vor zehn
Jahren), streben die Unternehmen nach mehr Flexibilität. Unternehmen, die stets danach trachteten, so viel
wie möglich selbst herzustellen - von der Rohstoff gewinnung bis zur Wartung der von ihnen hergestellten
Produkte beim Endverbraucher -, wenden sich heute
an andere Firmen, um Teile und Produkte zu erwerben.
Einer der wichtigsten Gründe für diese Veränderungen
in der Industrie besteht darin, daß die Technik solch
rasanten Veränderungen unterworfen ist, daß die
Unternehmen nicht unbedingt Kapazitäten mit der
Herstellung eines bestimmten Produkts binden möchten. Joint Ventures und andere Kooperationsformen
bieten in einem sich rasch verändernden Umfeld weit
größere Flexibilität.
Umgang mit der Automatisierung
Die Führungskräfte der neunziger Jahre werden ihre
Unternehmensentscheidungen in einem industriellen
Umfeld treffen, in dem Roboter agieren könnten, die
ebenso große oder sogar noch mehr Intelligenz besitzen als Menschen, deren Bewußtsein im Hinblick auf
ihre eigene Existenz dem menschlichen ähnelt und die
in gewisser Hinsicht vernunftbegabt sind. Einige
Experten gehen davon aus, daß wir noch vor der
Jahrhundertwende Mikroprozessoren besitzen werden, deren Schaltkreise kleiner als Mikroben sein
werden, jeder Chip aber ebensoviele Informationen
enthalten wird wie eine Straßenkarte der gesamten
Vereinigten Staaten. Damit könnte jeder Gymnasiast
per Knopfdruck sämtliches Wissen von seinem Schreibtischcomputer abrufen.
Berufliche Weiterbildung
Jahr für Jahr geben amerikanische Unternehmen über
30 Milliarden Dollar für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten in schulähnlichen Organisationsformen aus.
Die Industrie bietet über 3 000 verschiedene Lehrgänge an. Allein IBM wendet jährlich 900 Millionen Dollar
für Fortbildungszwecke auf.
Führungsstil
Die Tatsache, daß sich der Schwerpunkt der amerikanischen Wirtschaftstätigkeit von der Schwerindustrie
in den Dienstleistungsbereich und zur Hochtechnologie verschoben hat, erfordert einen neuen Typus von

Führungskräften. Der "Organisator" wird von einem
Managertyp verdrängt, der an persönliche Verdienste
glaubt, risikobereit ist, das mittlere Management verkleinert, stark an Persönlichkeit und Intuition glaubt
und persönliche Phantasie entwickelt.
Die neuen Manager sind am Erfolg ihres Unternehmens beteiligt und bieten ihren Beschäftigten erhebliche Beteiligungen am Aktienkapital an. Ihr Stil ist eher
am Menschen orientiert - insbesondere in den am
stärksten automatisierten Unternehmen. Im Informationszeitalter sind Menschen wertvoller als Kapital.
Die neuen Führungskräfte sind völlig international, und
ihr Markt ist die Welt.
Einige Schlußfolgerungen für die Zukunft
Welche Schlüsse sind aus der weltweiten Dimension
des stattfindenden wirtschaftlichen Wandels für die
Zukunft zu ziehen? Welcher Kern schält sich als
Grundlage der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung heraus?
Erstens muß sich die Entwicklung auf sämtliche Bereiche menschlichen Seins beziehen - Wirtschaft, Umwelt, Soziales, Kultur und geistige Entwicklung. All
diese Elemente müssen zusammenwirken, sonst ist
der Fortschritt eine Illusion.
Zweitens scheinen Länder in allen Erdteilen aufs neue
die grundsätzliche wirtschaftliche Tatsache zu lernen,
daß Wohlstand durch die Bemühungen des einzelnen
entsteht, nicht durch staatliche Verfügungen. Die
Funktion des Staates besteht in der Entwicklung eines
politischen Umfelds, das die Privatinitiative fördert und
gleichzeitig die unvermeidlich entstehenden Nachteile
abmildert.

Drittens wird der Blickwinkel der wirtschaftlichen und
politischen Analyse von der nationalen auf die weltwirtschaftliche Ebene erweitert werden müssen. Diese
Entwicklung hat wahrscheinlich bereits begonnen.
Schließlich ist jede Wirtschaftstheorie im Grunde eine
Wiederspiegelung der Haltungen und Werte der Kul-.
tur, in die sie eingebettet ist. Sie ist Ausdruck des
kollektiven Willens eines Volkes, das in der Natur
schlummernde Potential nutzbar zu machen. Damit
besteht die wirtschaftliche Realität letztlich in der Sichtweise eines Volkes in bezug auf die tiefere Bedeutung
und Möglichkeiten seiner Existenz. Mit der fortschreitenden Globalisierung wirtschaftlicher Tätigkeit im 21.
Jahrhundert tritt deshalb eine Vision von unserer Zukunft
auf diesem Planeten als Gemeinschaft von Menschen
mit einem gemeinsamen Schicksal notwendigerweise
in den Vordergrund.

rt rt

Seite 4

AMERIKA DIENST 1

�US-ENTWICKLUNGSHILFE
9. Januar 1990

US-Entwicklungshilfe fördert Wachstum armer Länder
Übersicht über den Entwicklungshilfeetat für das Haushaltsjahr 1991

WASHINGTON - (AD) - Das von Präsident Bush am 5.
November 1990 unterzeichnete Entwicklungshilfegesetz bewilligt bilaterale und multilaterale Programme
im Umfang von 15,3 Milliarden Dollar für wirtschaftliche und militärische Hilfe im Haushaltsjahr, das am 30.
September 1991 endet.
Das Ausgabengesetz sieht 3,6 Milliarden Dollar für
bilaterale Entwicklungshilfe, 1,9 Milliarden Dollar für
multilaterale Wirtschaftshilfe, 3,1 Milliarden Dollar für
Wirtschaftshilfefonds und 5,3 Milliarden Dollar für bilaterale Militärhilfe sowie kleinere Beträge für diesbezügliche Ausgaben und angeschlossene Programme
vor.
Das Entwicklungshilfegesetz entspricht mit einem
Mehraufwand für Aufbauhilfe und verringerter Militärhilfe den Erfordernissen der Zeit nach dem kalten
Krieg. Verglichen mit dem Haushaltsjahr 1990 weist
das Gesetz bei der bilateralen Entwicklungshilfe einen
Anstieg von 340 Millionen Dollar auf, während die
Militärhilfe um 252 Millionen Dollar zurückging. Die
Aufwendungen für den Wirtschaftshilfefonds stiegen
um 403 Millionen Dollar für diejenigen Länder, an
denen die Vereinigten Staaten ein besonderes sicherheitspolitisches Interesse haben.
Im Hinblick auf die Veränderungen in der Zeit nach
dem kalten Krieg wird Osteuropa etwa 370 Millionen
Dollar Wirtschaftshilfe erhalten, die vom Amt für Internationale Entwicklung (Agency for International Development-A. I.D.) in Form von Programmen für technische Hilfe und Ausbildung, Wohnungsbau, Energie
und Umwelt sowie Programmen zur Förderung des
demokratischen Pluralismus vergeben werden.
Die Ausgaben im Rahmen des Entwicklungshilfegesetzes gliedern sich wie folgt:

AMERIKA DIENST 1

Bilaterale Entwicklungshilfe
(in Millionen Dollar)

Entwicklungsfonds für Afrika

800,0

Auswanderungs- und Flüchtlingshilfe

485,6

Landwirtschaft, ländliche Entwicklung
und Ernährung

481,6

Bevölkerung

250,0

Peace Corps

186,0

Umwelt- und Energieprogramme
für den Privatsektor

152,2

Internationale Drogenbekämpfung

150,0

Gesundheit

135,0

Aus- und Fortbildung

134,2

Kinderhilfsfonds

100,0

Andere

755,4

Insgesamt

3 630,0

Multilaterale Wirtschaftshilfe
(in Millionen Dollar)
Internationale Entwicklungsorganisation
Internationale Organisationen
und Programme
Asiatischer Entwicklungsfonds

1 064,2
254,7
126,9

Seite 1

�Weltbank

110,6

Afrikanischer Entwicklungsfonds

105,5

Interamerikanische Entwicklungsbank

78,3

Europäische Entwicklungsbank

70,0

Internationale Finanz-Corporation

40,3

Internationaler Fonds für
landwirtschaftliche Entwicklung

30,3

Andere

43,5

Insgesamt

1 924,0

Wirtschaftshflfefonds
(in Millionen Dollar)
Israel

1 200,0

Ägypten

815,0

Projektgebundene Kredite

300,0

Hilfe zur Drogenbekämpfung (Andenregion) 62,5
Jordanien

35,0

Marokko

20,0

Zypern

15,0

Westjordanland und Gazastreifen

12,0

Andere
Insgesamt

681,5
3 141,0

Militärhilfe
(in Millionen Dollar)
Rüstungsgeschäfte auf Kreditbasis
Militärische Ausbildungshilfe
Andere
Insgesamt

4 663,4
47,2
664,9
5 375,5

Bilaterale Entwicklungshilfe
Afrika südlich der Sahara: Über das AID und ähnliche
Behörden werden den Ländern südlich der Sahara 800
Millionen Dollar an Entwicklungshilfe zur Verfügung
gestellt. Davon sind mindestens 50 Millionen Dollar
zur Unterstützung von Maßnahmen der Konferenz für
die Koordinierung der Entwicklung im südlichen Afrika
und bis zu 3,5 Millionen für den Aufbau von privaten
Kleinunternehmen durch benachteiligte Südafrikaner
vorgesehen.
Auswanderungs- und Flüchtlingshilfe: Aus dem Auslandshilfebudget werden 485,6 Millionen Dollar für das
Internationale Komitee vom Roten Kreuz, das ZwiSeite 2

schenstaatliche Komitee für Auswanderung sowie den
Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen
bereitgestellt, darunter mindestens 45 Millionen für
sowjetische, osteuropäische und andere Flüchtlinge,
die sich in Israel niederlassen wollen. Weitere 8
Millionen Dollar sollen an Flüchtlinge im thailändischkambodschanischen Grenzgebiet und 500 000 Dollar
an tibetische Flüchtlinge gehen. 35 Millionen Dollar
sind für Notmaßnahmen, etwa die Hilfe an Flüchtlinge
aus der Golfregion, vorgesehen.
Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Ernährung:
481,6 Millionen Dollar werden für vom AID und anderen Behörden durchgeführte Gesundheits-, Ernährungs- und ländliche Entwicklungsprogramme in der
dritten Welt bereitgestellt. Dazu gehören mindestens
10 Millionen Dollar für ein Programm zur Bekämpfung
des Vitamin A-Mangels.
Bevölkerung: 250 Millionen Dollar sind für Familienplanung und Maßnahmen zu deren Unterstützung
vorgesehen. Das Gesetz beinhaltet jedoch einen
Passus, demzufolge keinerlei Mittel für Kliniken bereitgestellt werden dürfen, die Zwangsabtreibungen oder
unfreiwillige Sterilisationen durchführen. Weitere 100
Millionen Dollar werden an den Kinderhilfsfonds vergeben.
Gesundheit: 52 Millionen Dollar werden für die Erforschung von AIDS in Entwicklungsländern bereitgestellt, darunter 23 Millionen Dollar für das weltweite
AIDS-Programm der Weltgesundheitsorganisation
(WHO). Weitere 3 Millionen Dollar sollen das Überleben von Kindern und die Familienplanung in Rumänien
unterstützen.
Aus- und Fortbildung: Für Projekte in diesen Bereichen werden 134,2 Millionen Dollar bereitgestellt,
einschließlich von 67,1 Millionen Dollar für Bildungsprojekte an Grund- und weiterführenden Schulen. Ein
Teil dieser 67,1 Millionen Dollar wird dem für Afrika
südlich der Sahara vorgesehenen Entwicklungshilfefonds entnommen. Weitere20 Millionen Dollar werden
Studentenaustauschprogrammen zufließen. Davon
sind 3 Millionen Dollar für Studenten aus Polen, der
Tschechoslowakei und Ungarn vorgesehen.
Umwelt und Energie: 152,2 Millionen Dollar sind für
diesen Bereich veranschlagt, wobei 80 Millionen Dollar
für spezifische Umwelt- und Energiemaßnahmen
vorgesehen sind. Von dieser Summe sind 30 Millionen
Dollar für die "Erderwärmungsinitiative" und 10 Millionen Dollarfür das Montrealer Protokoll überozonschädigende Substanzen eingeplant. Darüber hinaus werden
15 Millionen Dollar für Maßnahmen zur Erhaltung der
Artenvielfalt eingesetzt.
Internationale Drogenbekämpfung: Von den 150 Millionen Dollar, die für diesen Zweck bereitgestellt werden, dürfen laut Gesetz bis zur Vorlage eines Berichts
des Außenministers, in dem die zur Behebung von

AMERIKA DIENST 1

�Mißständen auf Managementebene im Internationalen Amt für Drogenfragen ergriffenen Maßnahmen
erläutert werden, höchstens 117,8 Millionen ausgegeben werden.
Kleinunternehmen: 75 Millionen Dollar sind für Projekte zur Entwicklung von Kleinunternehmen vorgesehen. Ein Teil dieser Mittel stammt aus dem Wirtschaftshilfefonds.
Multilaterale Wirtschaftshilfe
Das Gesetz bewilligt 1,064.2 Milliarden Dollar als
amerikanischen Beitrag zur Internationalen Entwicklungsorganisation, 110,6 Millionen Dollar für die Weltbank sowie 40,3 Millionen Dollar für die Internationale
Finanz-Korporation.
Weitere 126,9 Millionen Dollar wurden für den Asiatischen Entwicklungsfonds, 105,5 Millionen Dollar für
den Afrikanischen Entwicklungsfonds, 78,3 Millionen
Dollar für die Interamerikanische Entwicklungsbank
und 70 Millionen Dollar für die Europäische Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) bewilligt.
Für internationale Organisationen und Programme
wurden als amerikanischer Anteil der Etataufstockungen zusätzlich 254,7 Millionen Dollar bereitgestellt.
Von der Gesamtsumme gehen 109 Millionen Dollar an
das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen,
75 Milionen Dollar an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, 23,6 Millionen Dollar an die Internationale Atomenergie-Organisation, 15,8 Millionen Dollar an
das Umweltprogramm der Vereinten Nationen und 6,5
Millionen Dollar an den Afghanistan-Trustfonds der
Vereinten Nationen.
Wirtschaftshilfefonds (ESF)
Mit dem Gesetz wird die derzeitige Obergrenze des
Wirtschaftshilfefonds für gebundene Kredite von 5
Millionen auf 300 Millionen Dollar erhöht. Darüber
hinaus wird verfügt, daß maximal diese Summe des
ESF zur Finanzierung gebundener Unterstützungskredite bereitgestellt werden darf, vorbehaltlich der
Entscheidung des Präsidenten, daß dies im nationalen
Interesse liegt.

Unterstützung bei der Strafverfolgung an Kolumbien,
Bolivien, Ecuador und Peru bei der Verwirklichung der
Drogenbekämpfungsprogramme zugewiesen werden.
Das Gesetz verfügt, daß Zaire keine Mittel aus dem
ESF bewilligt werden, da dieses Land keine Fortschritte auf dem Weg zur Demokratie erzielt.
Von El Salvador werden die für die Sondermittlungseinheit bestimmten 1,5 Millionen Dollar zur Untersuchung der Ermordung amerikanischer Staatsbürger
einbehalten, bis vom amerikanischen Außenminister
ein Bericht vorgelegt wird, der gewährleistet, daß die
Einheit ziviler und nicht militärischer Kontrolle untersteht.
Initiativen zur besonderen Unterstützung
Das Gesetz bewilligt 160 Millionen Dollar für die philippinische multilaterale Unterstützungsinitiative, von denen
60 Millionen Dollar zu gleichen Teilen durch Entwicklungshilfe und den Wirtschaftshilfefonds bereitgestellt
werden. Weitere 40 Millionen Dollar können unter
bestimmten Bedingungen an die Philippinen überwiesen werden.
Insgesamt 369,7 Millionen Dollar werden Osteuropa
als wirtschaftliche Sonderhilfe zur Verfügung gestellt.
113,7 Millionen Dollar sind für technische Hilfe und
Ausbildung, 15 Millionen für Wohnungsbau, 75 Millionen für Umweltschutzmaßnahmen und Energiewirtschaft sowie 19 Millionen für Aktivitäten zur Förderung
des demokratischen Pluralismus vorgesehen. Weitere 90 Millionen Dollar werden für den polnischamerikanischen und den ungarisch-amerikanischen
Unternehmensfonds und 27 Millionen Dollar für andere privatwirtschaftliche Aktivitäten in Osteuropa bewilligt. Darüber hinaus wird zur Unterstützung der Agrarhilfeprogramme ein Agrarkonto in Höhe von 40 Millionen Dollar für Osteuropa eingerichtet.
Andere Bestimmungen des Gesetzes
Hilfsleistungen aus dem Militär- und Wirtschaftshilfefonds für Pakistan in Höhe von 600 Millionen Dollar,
wurden aufgrund des von diesem Land verfolgten
Kernwaffenprogramms unterbunden.

Bis zu 62,5 Millionen Dollar des ESF können für
Wirtschaftshilfe, Rechtsprechung, militärische Hilfe und

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AMERIKA DIENST 1

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Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Das Porträt&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abraham Lincoln - Abbild Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zum Geburtstag Abraham Lincolns am 12. Februar&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Arnold Gates&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zitate aus Reden und Schriften Lincolns&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Von Kunst und Künstlern&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kultursubventionen - Ja oder Nein?&lt;br /&gt;Eine für die USA höchst ungewöhnliche Diskussion&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Gesundheitswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das exklusivste Krankenhaus Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aus der Arbeit der Forschungsinstitute des Öffentlichen Gesundheitsdienstes der USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Victoria Stone&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mehr Heilerfolge bei Krebs&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Atom und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bodenuntersuchungen mit Radioisotopen-Sonden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Zyklotron für Lawrence-Strahlenforschungsinstitut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterirdische Speicher für Gaswerke</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. Februar 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan legt Haushalt 1983/84 vor
- Senkung der allgemeinen Staatsausgaben - Stärkung des
Verteidigungshaushaltes Bush:

Oberstes Ziel ist Frieden durch Abrüstung

- Rede des US-Vizepräsidenten vor der Genfer Abrüstungskonferenz

WIRTSCHAFT
Präsident Reagan unterbreitet Jahreswirtschaftsbericht
- Begleitbotschaft des Präsidenten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Generationenkluft im Atlantischen Bündnis
- Von Hodding Carter III Darum wird Amerika nicht schlafen
- E i n Kommentar der Stimme Amerikas

Um Uber/endung uon
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation

I

United States Information Service
Embassy of the United States of America

9. Februar 1983

PRÄSIDENT REAGAN LEGT HAUSHALT 1983/84 VOR
Senkung der allgemeinen Staatsausgaben - Stärkung des
Verteidigungshaushaltes -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat dem amerikanischen
Kongreß am 31. Januar 1983 seinen Haushaltsvoranschlag für das Haushaltsjahr 1984 - vom 1. Oktober 1983 bis 30. September 1984 - vorgelegt. Bei
geschätzten Einnahmen von 659,7 Milliarden Dollar und veranschlagten Ausgaben von 848,5 Milliarden Dollar wird das Defizit voraussichtlich 188,8
Milliarden Dollar betragen.
Der amerikanische Finanzminiter Donald Regan erklärte vor der Presse,
der Haushaltsvoranschlag vermittle eine "ernste Botschaft" und sei das Ergebnis "harter Arbeit und schwieriger Entscheidungen".

Die Staatsausgaben

müßten gesenkt und das Defizit verkleinert werden.
Die Ausgaben sollen nach dem Voranschlag gegenüber dem vorangegangenen
Haushaltsjahr um 43,3 Milliarden Dollar steigen.

Inflationsbereinigt blei-

ben die Ausgaben jedoch gegenüber dem Haushalt 1983 praktisch unverändert.
Von den 43,3 Milliarden Dollar Mehrausgaben entfallen allein 30 Milliarden
Dollar auf die Verteidigung.
Die wesentlichen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die wesentlichen Haushaltsposten sind folgende:
Die Verteidigungsausgaben sollen von 208,9 Milliarden Dollar im Haushalt 1983 auf 238,6 Milliarden Dollar im Haushalt 1984 steigen.

Inflations-

bereinigt würde das eine Ausgabenerhöhung um rund 10 Prozent bedeuten.

Der

Anteil der Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt würde sich von 5,5
Prozent im Jahr 1981 auf 7 Prozent 1984 erhöhen.
Die übrigen Ausgaben würden, wenn der Kongreß dem Haushaltsvoranschlag
des Präsidenten folgt, gegenüber dem Haushaltsjahr 1983 um real 2,95 Prozent
zurückgehen.

Das Defizit soll von 6,5 Prozent des Bruttosozialprodukts 1983

bis 1986 auf 3,6 Prozent zurückgehen, den gleichen Prozentsatz wie 1982.
Die vorgeschlagene Bedarfsfall Steuer soll im Haushaltsjahr 1986 in
Kraft treten, wenn der Kongreß die veranschlagten Haushaltskürzungen billigt
und das Defizit in jedem Jahr trotzdem über 2,5 Prozent des Bruttosozialprodukts liegt.
Die Ausgaben der Bundesregierung insgesamt, die derzeit 25,2 Prozent
des Bruttosozialprodukts ausmachen, sollen bis 1986 auf 23,9 Prozent gesenkt
werden.
Der vorliegende Haushalt geht davon aus, daß die Leistung der Wirtschaft um 1,4 Prozent höher liegen wird als 1982 und danach bis 1988 ein
vierprozentiges Wachstum erreichen wird. Die Arbeitslosigkeit wird 1983
mit durchschnittlich 10,7 Prozent angesetzt und soll bis 1988 auf 6,5 Prozent zurückgehen. Für die Verbraucherpreise wird 1983 ein Anstieg von 4,9
Prozent und in den nächsten fünf Jahren zwischen 4,4 und 4,6 Prozent erwartet. Ferner wird mit einem weiteren Rückgang der Zinsen gerechnet.
Das Einfrieren der Regierungsausgaben würde sich auf Kürzungen der
Gesundheitsprogramme, kleinere Kürzungen in Energieforschung und -entwicklung
sowie auf ein Einfrieren der Agrarsubventionen erstrecken.

Mehr Mittel sind

für die Verteidigung und in kleinerem Umfang für den Strafvollzug, die Rausch-

�die Rauschgiftbekämpfung und Programme auf dem Arbeits-, Ausbildungs- und
Wissenschaftssektor vorgesehen.
Weitere Einsparungen werden von einer sechsmonatigen Verschiebung der
Lebenskostenanpassung der Sozialversicherungsbezüge sowie einem 12monatigen
Einfrieren der Gehälter der bundesstaatlichen Bediensteten herrühren.
In der Haushaltsbotschaft des Präsidenten, die dem umfangreichen Haushaltsvoranschlag beiliegt, heißt es unter anderem:
Vor zwei Jahren habe ich mich in meiner ersten Ansprache an das amerikanische Volk gewandt, um über den Zustand unserer Wirtschaft zu berichten,
die unter den vielen Jahren einer arg fehlgeleiteten Politik gelitten hatte.
Dabei ging ich die Verpflichtung ein, einen Wandel bei der herkömmlichen,
kurzsichtigen Einstellung gegenüber den wirtschaftlichen Prioritäten herbeizuführen, damit unser Ziel langfristiger Prosperität erzielt werden könnte.

Und ich erklärte, daß eine gewaltige Aufgabe vor uns liege...
Das Wirtschaftsprogramm, das ich damals vorschlug, konzentrierte sich

auf ein langfristiges, reales Wachstum.

Meine Steuervorschläge zielten

darauf ab, die so notwendigen privaten Anreize zu schaffen, um Spartätigkeit
und produktive Investitionen anzuregen.
ihrer soliden Geldpolitik.

Ich unterstützte die Bundesbank bei

Ich arbeitete mit dem Kongreß zusammen, um das

Anwachsen der Regierungsprogramme umzukehren, das zu stark geworden war und
bei weitem deren Nützlichkeit überwog.

Und ich arbeitete daran, unnötige

oder lästige Vorschriften zu beseitigen oder zu vereinfachen.
Die beispiellose Zunahme inflationärer Kräfte in den siebziger Jahren
verschlimmerte jedoch Stärke und Dauer des wirtschaftlichen Abschwungs der
letzten Jahre.
des Bundes.

Dabei war eine der widrigsten Kräfte der wachsende Haushalt

Trotz unserer erfolgreichen Verringerung der Wachstumsrate

bei nichtmilitärischen Ausgaben in den letzten beiden Haushalten werden die
Ausgaben 1983 das Niveau von 1981 um 21 Prozent übersteigen, was fortdauernde
Erhöhungen gesetzlicher verankerter Programme, wesentliche Erhöhungen bei
- 3 -

�Erhöhungen bei den Verteidigungsausgaben und den rapiden Anstieg der Zinsbelastung widerspiegelt.
Daher brauchen die Änderungen, die wir gemacht haben, Zeit, um ihre
ganze Wirkung zu erzielen. Überreaktion mit kurzfristigen Mitteln kann
nicht die Antwort sein. Entscheidend ist vielmehr, daß wir auch weiterhin
zusammenarbeiten, um dieses Land wieder aufzubauen, ohne dabei die vier
Grundpfeiler unseres Wirtschaftsprogramms aus den Augen zu verlieren:
- Begrenzung der Steuerlasten auf ein Mindestniveau, das nötig ist, um
die wesentlichen staatlichen Dienstleistungen zu finanzieren und dadurch Anreize für Spartätigkeit, Investitionen, Arbeit, Produktivität
und Wirtschaftswachstum zu schaffen.
- Verringerung des Anwachsens der Gesamtausgaben des Bundes durch Einstellung jener staatlichen Aktivitäten, die den angemessenen Verantwortungsbereich des Bundes überschreiten, sowie durch Beschneidung
des Ausgabenzuwachses bei anderen staatlichen Tätigkeiten.
- Verringerung der staatlichen Vorschriftenlast in Bereichen, wo die Regierung unnötigerweise in die Privatsphäre eindringt oder sich unnötigerweise in die Geschäftstätigkeit des privaten Bürgers oder die Arbeit der einzelstaatlichen und kommunalen Behörden einmischt.
- Unterstützung einer moderaten und beständigen Geldpolitik, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen.
Während der vergangenen zwei Jahre kam es zu eindrucksvollen Verbesserungen bei der Art und Weise, in der die Regierung unsere Wirtschaft beeinflußt. Der Kongreß und meine Administration unternahmen eine kooperative
und politisch mutige Anstrengung, um ein Jahrzehnt der erschreckenden Zunahme der Ausgaben- und Steuerlasten, der Anhäufung unnötiger Bestimmungen
und des anwachsenden Bürokratismus sowie der Aushöhlung unserer militärischen
Stärke umzukehren.
Di
Res ultate

�Die Resultate können sich sehen lassen:
- Während die Steigerungsrate der Ausgaben 1980 mit 17,4 Prozent jährlich
nahezu außer Kontrolle geraten war, geht sie nunmehr drastisch zurück auf 10,5 Prozent

in diesem Jahr und - mit Hilfe dieses Haushalts - im

kommenden Jahr auf 5,4 Prozent, was nicht mehr über der projektierten
Inflationsrate liegen wird, ja, ein umfassendes Einfrieren aller Bundesausgaben bedeutet.
- Während von 1978 bis 1981 der Ausgabenanstieg insgesamt 220 Milliarden
betrug - ein Anwachsen von 48 Prozent -, werden die Ausgaben von 1981
bis 1984 nur um 27 Prozent ansteigen - trotz der gesetzlichen Lebenshai tungskonstenanpassung und der notwendigen Verbesserung der Verteidigung.
- Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wurde das Steuersystem des
Bundes grundlegend umstrukturiert. Die Einkommenssteuern wurden beträchtlich verringert und haben das Klima für Spartätigkeit und Investitionen
erheblich verbessert. Durch eine Reform der Abschreibungsgesetze wurde
die exzessive Besteuerung des Wirtschaftseinkommens beseitigt, die durch
die Inflation unangemessen worden war. Schlupflöcher der Steuergesetzgebung wurden abgedichtet, die Steuerstruktur wurde dadurch ausgeglichener.
- Die übermäßigen Zuwachsraten der staatlichen Förderungs- und Unterstützungsprogramme wurden beschnitten.

Ausufernde Anspruchskriterien

wurden gestrafft, um die Sozial ausgaben mehr auf die wirklich Bedürftigen
zu begrenzen und unnötige und kostspielige Zahlungen an jene zu beseitigen oder zu begrenzen, die verhältnismäßig gutgestellt sind und sich
selbst unterhalten können oder es sollten.

Zu großzügice und unnötig

häufige Anpassungen der Lebenshaltungskosten wurden zurückgeschnitten.
Dennoch ist die Kontrolle des Anwachsens dieser Programme schwierig und
bleibt auch weiterhin die Hauptursache der höheren Defizite.
- Erzielt wurden
- 5 -

�- Erzielt wurden eine Begrenzung der staatlichen Kreditaufnahme und der
Ausgaben außerhalb des Budgets (Off-budget-spending).
- Die Auswüchse bei Bestimmungen und Bürokratismus wurden beschnitten.
Die Zahl vorgeschlagener neuer Vorschriften wurde in den vergangenen
zwei Jahren um ein Drittel reduziert.
- Verbesserungen gab es auch bei der Arbeitsweise staatlicher Stellen.wie
etwa verbesserte Verfahren zur Eintreibung von Geldern, die dem Staat
geschuldet werden; dadurch konnten Verschwendung, Betrug und Mißbrauch
bei Regierungsprogrammen verringert werden.
Während der ganzen zwei Jahre haben wir auch entscheidende Maßnahmen
ergriffen, um unsere militärische Stärke zu erhöhen.

Gleichzeitig wurden

diplomatische Schritte zur Erhöhung unserer nationalen Sicherheit - wie etwa Abrüstungsgespräche - tatkräftig verfolgt.
Die Verbesserung unserer Verteidigung umfaßt all deren wesentliche
Elemente. Die lang überfällige Modernisierung unserer strategischen Streitkräfte wird mittels neuer Bomber-, U-Boote- und landgestützter Raketen-Programme durchgeführt. Auch unsere konventionellen Streitkräfte werden durch
neue Schiffe, Panzer und Flugzeuge modernisiert und gestärkt. Vor allem kam
es durch erfolgreiche Rekrutierungen während der vergangenen 18 Monate dazu,
daß alle unsere Streitkräfte über eine größere Mannschaftsstärke tüchtiger
und gutausgebildeter Männer und Frauen verfügen. Unsere aus Freiwilligen
bestehenden Streitkräfte funktionieren jetzt gut. Welche Maßstäbe man auch
anlegen mag: All dies sind Leistungen, auf die man stolz sein kann. Und
ich bin stolz darauf. Wir haben große Fortschritte dabei erzielt, Ordnung
in das Chaos zu bringen, das in unserer Wirtschaft und unseren Regierungsangelegenheiten vor zwei Jahren noch herrschte...
Lassen Sie mich einen vierteiligen Plan zur Verstärkung des Wirtschaftswachstums und der Verringerung der Defizite umreißen.
Erstens empfehle
- 6 -

�Erstens empfehle ich ein Einfrieren der Bundesausgaben.

Ich weiß,

daß es sich hierbei um eine bittere Medizin handelt, aber bislang haben
wir nur die Zuwachsrate der öffentlichen Ausgaben beschnitten.

Die Regie-

rung gab auch weiterhin jedes Jahr mehr Geld aus, wenn auch nicht um so
viel mehr, als dies in der Vergangenheit geschah.

Insgesamt gesehen wird

der von mir vorgeschlagene Haushalt für das nächste Haushaltsjahr um nicht
mehr als die Inflationsrate ansteigen...
Ich werde darauf drängen, daß das vorgeschlagene, sechsmonatige Einfrieren des Lebenshaltungskostenausgleichs auch auf andere Pensionsprogramme
der Regierung angewendet wird. Zudem werde ich ein einjähriges Einfrieren
für eine ganze Reihe von Ausgaben-Programmen sowie für die Gehälter der Bundesbediensteten im zivilen und militärischen Bereich und für Pensionen vorschlagen.
Zweitens werde ich den Kongreß ersuchen, Maßnahmen zur Kontrolle des
Zuwachses von sogenannten "unkontrollierbaren" Ausgabenprogrammen zuzustimmen.

Hierbei geht es um automatische Ausgabenprogramme wie Lebensmittelgut-

scheine, die nicht einfach eingefroren werden können und die seit 1970 um
über 400 Prozent angestiegen sind.

Sie sind die größte Einzelursache für

das "strukturelle" Defizitproblem.

Unser Maßstab wird hierbei Fairness sein,

damit sichergestellt wird, daß die hart verdienten Dollar des Steuerzahlers
nur den wirklich Bedürftigen zugutekommen, daß keiner von diesen davongeschickt wird, daß aber Betrug und Verschwendung ausgemerzt werden.
muß leider sagen - es gibt hiervon eine ganze Menge.

Und ich

Allein beim Lebensmittel-

gutscheinprogramm ermittelten wir im vergangenen Jahr fast 1,1 Milliarden
Dollar an Oberzahlungen.

Die Steuerzahler sind dabei nicht die alleinigen

Opfer solcher Art von Mißbrauch; die wirklich Bedürftigen leiden darunter,
daß ihnen Mittel, die für sie vorgesehen sind, von den Habgierigen weggenommen
werden.

Zum Wohle aller müssen wir solcher Verschwendung und Korruption ein

Ende setzen.
Drittens werde ich unser Programm zur Erneuerung der Verteidigung Amerikas
einer Anpassung unterziehen, indem ich über die nächsten fünf Jahre 55 Milliarden Dollar an Einsparungen bei der Verteidigung vorschlage.
- 7 -

Es handelt

�Es handelt sich um Einsparungen, die mir der Verteidigungsminister empfohlen
hat, der mir zugleich versichert hat, daß sie ohne Schwierigkeiten erzielt
werden können und weder unsere Fähigkeit einschränken, Rüstungsverminderungen
auszuhandeln, noch Amerikas Sicherheit gefährden.

Wir werden mit unserem

nationalen überleben kein leichtfertiges Spiel betreiben.

Als Anteil vom

Bruttosozialprodukt gesehen, ist der Betrag, den ich für 1984 bei den Verteidigungsausgaben vorschlage, niedriger als der, den die Vereinigten Staaten
in den sechziger Jahren ausgaben.

Als Prozentanteil vom Gesamtbudget sind

sie weit niedriger als die für die nationale Verteidigung in jenen Jahren bereitgestellten Mittel.
waffnung Amerikas.

Seit zwei Jahren läuft unser Programm der Wiederbe-

Es ist von einschneidender Bedeutung, den Schwung bei

diesem Programm beizubehalten, wenn wir verhindern wollen, daß wir in die
ineffizienten und abträglichen Muster unruhig fluktuierender Verteidigungsausgaben zurückfallen.
Viertens, werde ich - da wir eine Verringerung und schließlich eine
Beseitigung der Defizite über die nächsten Jahre sicherstellen müssen - eine
Bedarfsfallsteuer vorschlagen, die auf nicht mehr als ein Prozent des Bruttosozialproduktes begrenzt sein soll und im Haushaltsjahr 1986 beginnen würde.
Sie würde nicht länger als drei Jahre bestehen und nur dann einsetzen, wenn
der Kongreß zunächst unserem Einfrieren der Ausgaben und unserem Programm
zur Kontrolle des Haushalts zugestimmt hat. Man könnte sagen, es handelt
sich um eine Art Vorsorgeprogramm für die Zukunft - ein Mittel das für den
Bedarfsfall bereit steht, zu dem man aber nur greift, wenn es absolut notwendig ist...
Nach zwei Jahren der Verringerung eines Großteils der überausgaben
sind wir nun bei vielen Stellen bis ans Ende gekommen - bei Programmen, wo
wir keine weiteren Verringerungen mehr vorschlagen werden. Meine Administration wird nun mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um jenen speziellen Anliegen der Legislative gerecht zu werden, die in der Vergangenheit unnötige
Spannungen verursacht haben...
Vertei di gungshaushalt
- 8 -

�VERTEIDIGUNGSHAUSHALT
Mit 238,6 Milliarden Dollar hat Präsident Reagan fast 30 Milliarden
Dollar mehr für den Verteidigungshaushalt angefordert als im laufenden Haushaltsjahr.

Verteidigungsminister Weinberger hob vor der Presse hervor, daß

diese Erhöhungen notwendig seien, um den Wiederaufbau der Stärke Amerikas
angesichts der ständigen sowjetischen Aufrüstung zu gewährleisten.

Die Ver-

einigten Staaten, so betonte Weinberger, hätten ein Jahrzehnt lang ihre Verteidigung vernachlässigt.

Jetzt komme es darauf an, die Einsatzbereitschaft

und Durchhaltekraft der Streitkräfte wiederherzustellen.
Unter der Überschrift "Nationale Verteidigung" heißt es in dem neuen
Haushaltsvoranschlag unter anderem:
Das Grundziel unseres Verteidigungsprogramms ist die Verhütung sowohl
eines nuklearen wie eines konventionellen Krieges.

Unser Verteidigungspro-

gramm sucht andere Länder davor abzuschrecken, unsere lebenswichtigen Interessen und die unserer Verbündeten und Freunde zu bedrohen.

Diese Abschrek-

kung muß auf der Aufrechterhaltung strategischer Nuklearkapazitäten beruhen,
die einen Atomkrieg gegen uns zu einer unannehmbaren Option machen; der
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Flottenstärke in Schlüsselgebieten;
starken vorne-dislozierten Streitkräften in der NATO und in Nordwestasien;
sowie auf der Fähigkeit, unsere Streitkräfte rasch weltweit dislozieren und
aufrechterhalten zu können...
Die amerikanische Verteidigungspolitik dient dazu, vor einem Krieg
abzuschrecken - durch die Aufrechterhaltung nuklearer und konventioneller
Streitkräfte, die stark genug sind, um jeden potentiellen Gegner davon zu
überzeugen, daß der Preis für eine Aggression zu hoch wäre, einen Angriff
zu rechtfertigen... Das erfordert, daß unser laufendes Verteidigungsprogramm:
- alle Komponenten der strategischen Streitkräfte der USA modernisiert,
um ihre Fähigkeit, vor einem nuklearen Angriff abzuschrecken,

zu ge-

währleisten, und - falls ein solcher Angriff stattfinden sollte - 9 -

�stattfinden sollte - ihre Fähigkeit, zu überleben und zurückzuschlagen;
- die Fähigkeit unseres Landes verbessert, auf Krisen überall in der
Welt militärisch reagieren zu können;
- eine ausreichende Flottenstärke aufrechterhält, um unsere Fähigkeit
zu gewährleisten, amerikanische Streitkräfte in kritischen Gebieten
in Obersee dislozieren zu können, um unsere Interessen zu schützen,
unsere Verbündeten zu unterstützen und den ungehinderten Zugang zu
lebenswichtigen Ressourcen zu gewährleisten;
- Bündnisse und Koalitionen neu belebt,um amerikanische Interessen
weltweit zu schützen und vor allem die Ziele der NATO zu erreichen;
und
- die Einsatzbereitschaft und das Durchhaltevermögen der konventionellen
Streitkräfte verbessert und das Gerät dieser Streitkräfte modernisiert. ..

Nachforderungen und Streichungen für das Haushaltsjahr 1983
Der Präsident wird für das Haushaltsjahr 1983 Nachtragsmittel anfordern
für die Beschaffung der MX-Rakete, die PERSHING II-Rakete und für eine Reihe
NATO-bezogener Programme. Die Beträge für die MX-Rakete werden von der Begutachtung der Empfehlungen der Kommission für strategische Streitkräfte
durch den Präsidenten abhängen. Die Mittel für die PERSHING II werden nach
der erfolgreichen Flugerprobung der Rakete angefordert werden. Zu den Anforderungen für NATO-bezogene Programme werden Mittel gehören für die landgestützten Marschflugkörper; die Vorauseinlagerung von Gerät in Europa, für
das Abkommen über Unterstützung durch den Aufnahmestaat in Krise oder Krieg
mit der Bundesrepublik Deutschland sowie eine allgemeine Bestimmung für die
Aufhebung der Beschränkungen beim Einkauf besonderer Metalle und besonderer
- 10 -

�und besonderer Geräte bei unseren Verbündeten.

Die vorgeschlagenen Strei-

chungen werden später festgelegt und dem Kongreß zugeleitet.
Strategische Streitkräfte - Das Programm der Administration für die Modernisierung der strategischen Streikräfte wird im Haushaltsjahr 1984 fortgesetzt.

Das Programm besteht aus sechs Verstärkungselementen:

Verbesserung

unserer Befehls-, Leit-, Kommunikations- und Aufklärungssysteme; Modernisierung unserer Langstreckenbomber-Streitmacht durch Beschaffung des neuen BlB-Bombers und durch Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet eines hochtechnologisch entwickelten Bombers (Tarnbombers, der nicht durch Radar zu
erfassen ist); weitere Dislozierung der unterseebootgestützten TRIDENT-I-Rakete und Entwicklung einer neuen, stärkeren und treffsichereren TRIDENT-IIRakete; Verbesserung der Kapazität unserer landgestützten Interkontinentalraketen durch die MX-Rakete (Friedensbewahrer); und Stärkung unserer strategischen Verteidigung.

Zu weiteren in der Entwicklung befindlichen Projekten

gehören unterseebootgestützte Marschflugkörper, neue Raketen-Gefechtsköpfe
und Anti-Satelliten-Systeme.

Zusammen werden diese Programme für absehbare

Zukunft eine glaubwürdige nukleare Abschreckung bieten.
Allgemeine Streitkräfte - Die allgemeinen Streitkräfte,die vor einer
nicht-nuklearen Aggression abschrecken oder ihr begegnen sollen, müssen in
der Lage sein, auf den schwersten potentiellen Konflikt - einen Krieg zwischen
NATO und Warschauer Pakt - reagieren zu können, und gleichzeitig die Flexibilität behalten, anderen Bedrohungen amerikanischer Interessen entgegenzutreten. Folgende aktive Streitkräfte stehen dafür zur Verfügung: 16 Heeresdivisionen, 3 Marinekorpsdivisionen, 3 Luftgeschwader des Marinekorps, 26
taktische Luftgeschwader der Luftwaffe und 371 Kriegsschiffe der allgemeinen
Seestreitkräfte, darunter 13 Flugzeugträger und 13 trägergestützte Luftgeschwader. ..
Allgemeine Seestreitkräfte - Diese Streitkräfte müssen sowohl in Friedens- wie auch in Krisenzeiten eine Abschreckung vor einer militärischen
Aggression bieten...
Die einsatzbereite
- 11 -

�Die einsatzbereite Streitmacht der Marine wird sich von 506 Schiffen im
Haushaltsjahr 1983 auf 526 Schiffe im Haushaltsjahr 1984 verstärken.

Wir

müssen jedoch ferner die Modernisierung unserer Marine-Waffensysteme fortsetzen und den Stand dieser Streitkräfte weiter erhöhen.

Ein Fünfjahresplan

für den Schiffbau sieht von 1984 bis 1988 den Bau von 124 Schiffen vor.
Die aktiven Seeluftstreitkräfte werden 16 taktische Luftgeschwader
(13 Marine und 3 Marinekorps), 24 landgestützte Aufklärungsstaffeln und
verschiedene Versorgungsflugzeuge umfassen...
Allgemeine Luftstreitkräfte - ...Um die Kampfkraft der taktischen Lufteinheiten zu stärken, sieht der Haushalt 1984 die Beschaffung von Jagdflugzeugen der Typen F-15 und F-16, Aufklärungsflugzeuge desTyps TR-1 sowie besonders treffsicheren, präzisionsgesteuerten Bomben und Raketen vor.

Der

landgestützte Marschflugkörper wird im Rahmen des Modernisierungsprogramms
der taktischen Nuklearstreitmacht der NATO beschafft...
See- und Luftbrückenkapazität - ...Die Einsatzbereitschaft dieser Streitmacht wird durch Verbesserung der vorhandenen Transportflugzeuge wie z.B.
durch Ersatz der Tragflächen der C-5A und die Beschaffung weiterer Ersatzteile erreicht. Die Fähigkeit zur raschen Dislozierung wird durch die Beschaffung einer modernisierten Version des C-5-Transportflugzeuges sowie
von mehr Tank-Lastflugzeugen vom Typ KC-10A, die Modernisierung der Nachschubschiffe vom Typ SL-7 durch Roro-Kapazität und die Charterung weiterer
Schiffe für die Vorausbereitstellung von Nachschub und Gerät gesteigert...

INTERNATIONALE ANGELEGENHEITEN
Die wesentlichen Auszüge aus dem Abschnitt "Internationale Angelegenheiten", der sich unter der Rubrik Auslandshilfe in die beiden Bereiche
Sicherheitshilfe und wirtschaftliche und finanzielle Hilfe gliedert, haben
folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten
- 12 -

�Die Vereinigten Staaten streben eine Weltordnung an, deren Wesenszüge
Frieden, Sicherheit und Wohlstand sind und in der der einzelne sich politischer und wirtschaftlicher Freiheit erfreut.

Die in diesem Haushalt für

internationale Angelegenheiten vorgeschlagenen Mittel sind für die Durchführung der amerikanischen Außenpolitik und das Erreichen der Ziele der nationalen Verteidigung notwendig.

Für 1984 werden 16,8 Milliarden Dollar

an

Haushaltsermächtigungen und 13,2 Milliarden Dollar an geschätzten Ausgaben
gefordert.

Im Vergleich hierzu betrugen die Schätzungen 1983

17,1 Milliar-

den Dollar bzw. 11,9 Milliarden.

Internationale Sicherheitshilfe
Die Programme der Sicherheitshilfe sind entscheidende Instrumente der
nationalen Sicherheit und der Außenpolitik der Vereinigten Staaten und dienen
der Stärkung verbündeter und befreundeter Regierungen, mit denen die Vereinigten Staaten besondere Sicherheitsanliegen verbindet. Durch diese Programme helfen die Vereinigten Staaten anderen Ländern dabei, militärische
Ausrüstung zu kaufen, das notwendige Personal dafür auszubilden und einzusetzen, das für ihre Verteidigung nötig ist; zudem wird hierdurch die wirtschaftliche und politische Stabilität gefördert. Die Sicherheitshilfe steht
auch in Beziehung zum amerikanischen Zugang zu Militärbasen und -anlagen
im Ausland.
Angesichts der anhaltenden Herausforderungen, denen sich die amerikanischen Interessen gegenübersehen, und angesichts der wirtschaftlichen Schwie
rigkeiten in vielen Bereichen der Welt sieht der Haushalt eine beträchtliche
Erhöhung der Sicherheitshilfe (sowohl wirtschaftlich als auch militärisch)
vor. Die vorgeschlagene Haushaltsermächtigung steigt für 1984 auf 4,7 Milliarden Dollar - 183 Millionen Dollar über dem Betrag von 1983
Hauptprogramme

- 13 -

�Hauptprogramme (in Millionen Dollar)
1982 (Ist)

1983
(Voranschlag)

1984
(Voranschlag)

2 919

2 956

2 949

Ausland auf Kredit

800

1 175

1 000

Militärhilfe

179

457

747

Verschiedenes

221

77

108

Internationale Sicherheitshilfe
Mittel für wirtschaftliche Unterstützung
Militärische Lieferungen ins

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgung
Zwischensumme, Internationale
Sicherheitshilfe

-

199
3 919

-

155
4 509

-

112
4 692

Wirtschaftliche und finanzielle Auslandshilfe
Obergreifendes Ziel der Programme für wirtschaftliche und finanzielle
Auslandshilfe ist es, die Ausweitung eines marktorientierten internationalen
Wirtschaftssystems zu unterstützen und dazu beizutragen, die entwicklungspolitischen und humanitären Bedürfnisse der Entwicklungsländer zu befriedigen.
In diesem Bereich belaufen sich die Haushaltsermächtigung,
die für 1984
beantragt wird, auf 4,9 Milliarden Dollar, die geschätzten Ausgaben für 1984
auf 4,5 Milliarden Dollar.
Die Multilateralen Entwicklungsbanken. Diese Banken spiele eine besonders wichtige Rolle bei der Förderung solider Wirtschaftspolitiken in den
Empfängerstaaten. Insgesamt verliehen diese Institutionen während ihrer letzten vollständigen Haushaltsjahre fast 18,2 Milliarden Dollar, um langfristige
Projekt- und technische Hilfe zu gewähren. ...Für 1984 beträgt die vorgeschla
gene Haushaltsermächtigung für die Banken 1,6 Milliarden Dollar...
Internationale Organisationen
- 14 -

�Internationale Organisationen. Die Vereinigten Staaten leisten freiwillige Beiträge für die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen und Programme, die für Entwicklung, humanitäre Hilfe und wissenschaftliche Zusammenarbeit tätig sind.

Die Beteiligung an diesen multila-

teralen Programmen vervollständigt die direkte Hilfe von Land zu Land, um
die Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik zu verwirklichen.

Den-

noch werden die amerikanischen Beiträge im Jahr 1984 gegenüber dem Umfang
der vergangenen Jahre abnehmen.

Denn während manche dieser Programme auf

internationaler Ebene einen bedeutenden Beitrag im humanitären und Entwicklungsbereich leisten, erhalten sie eine geringere Priorität als andere Maßnahmen, die auf die gleichen Ziel ausgerichtet sind.

Es wird hier eine

Haushaltsermächtigung von 190 Millionen Dollar vorgeschlagen.
Amt für internationale Entwicklung (AID). Programme der bilateralen
Entwicklungshilfe werden in großem Umfang von AID durchgeführt. Die vorgeschlagene Haushaltsermächtigung von 1,9 Milliarden Dollar für 1984 wird das
Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern durch Projekte in Bereichen
wie der Landwirtschaft, der Bevölkerungspolitik, der Gesundheitsvorsorge,
der Ausbildung und der Energie fördern.
...Die Initiativen der Administration bei den AID-Programmen umfassen zudem die Unterstützung solider Wirtschaftspolitiken in den Empfängerländern, den verstärkten Einsatz der Mittel
des Privatsektors - sowohl des amerikanischen als auch desjenigen der
Empfängerländer - bei der Entwicklung sowie den Aufbau von Institutionen
und die Förderung von Wissenschaft und Technologie in den Entwicklungsländern.
Flüchtlingshilfe.

Die Vereinigten Staaten sind sich auch weiterhin

ihrer internationalen und humanitären Verpflichtungen hinsichtlich einer
Verbesserung der Lage der Flüchtlinge in vielen Teilen der Welt bewußt.
Budget enthält 344 Millionen Dollar an Haushaltsermächtigung

Das

für 1984,

um Flüchtlinge im Ausland zu unterstützen und 72 000 Flüchtlingen in den
Vereinigten Staaten eine neue Heimat zu geben...
Austausch- und Informationsprogramme.

Diese Programme erhöhen das Ver-

ständnis für die Vereinigten Staaten und ihre Politik im Ausland.
- 15 -

Für 1984

�Für 1984 werden 832 Millionen Dollar an Haushaltsermä'chtigung

vorgeschla-

gen, die Ausgaben auf 828 Millionen Dollar geschätzt, was einen Anstieg von
108 Millionen Dollar bzw. 124 Millionen Dollar gegenüber 1983 bedeutet.
Ab 1983 wird das US-Informationsamt (USIA) mit einer umfassenden mehrr
jährigen Ausweitung und Modernisierung der Sendeanlagen der "Stimme Amerikas"
beginnen.

Die notwendigen Entwicklungs- und technischen Arbeiten werden 37

Millionen Dollar an Haushaltsermächtigung für 1983 und 48 Millionen für 1984
erfordern.

Außerdem wird USIA 1983 eine neue, größere Anstrengung unter-

nehmen, um die Entwicklung demokratischer Werte und Institutionen im Ausland
zu fördern, wie dies der Präsident in seiner Rede vom 8. Juni 1982 vor dem
Parlament in London ankündigte...
Hauptprogramme (in Millionen Dollar)
1982 (Ist)

1983
(Voranschlag)

1984
(Voranschlag)

1 262
215

1 537

1 618

254

190

1 847
1 000
105
423
61

1 797

1 871

1 028

1 052

109
395
65

109
344
148

Wirtschaftliche und finanzielle
Auslandshilfe:
Multilaterale Entwicklungsbanken
Internationale Organisationen
Amt für Internationale Entwicklung (AID)
Lebensmittelhilfe (Gesetz 480)
Friedenskorps
Flüchtlingshilfe
Verschiedenes
Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst, Tilgung

361

-

430

-

466

Zwischensumme

4 552

4 755

4 868

Gesamtsumme der Auslandshilfe

8 471

9 264

9 560

+ + + + +

16

�9. Februar 1983

BUSH: OBERSTES ZIEL IST FRIEDEN DURCH ABRÜSTUNG
Rede des US-Vizepräsidenten vor der Genfer Abrüstungskonferenz

GENF - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident George Bush hat am 4. Februar 1983 in einer Rede vor dem Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen, der
in Genf verhandelt, den Weltfrieden durch Abrüstung als oberstes Ziel der
Vereinigten Staaten bezeichnet.

Bush forderte die Sowjets auf, eigene Pläne

zur Beseitigung von nuklearen Mittel Streckensystemen vorzulegen, und sicherte
die ehrliche Verhandlungsbereitschaft Amerikas zu.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten hat folgenden Wortlaut:
Keine Stadt hat mehr dazu beigetragen, den ältesten, aber doch so schwer
zu fassenden Traum der Menschheit näher zu bringen: mit dem Nachbarn in Frieden zu leben.

Dies ist die Stadt Rousseaus, der uns gelehrt hat, daß der

Mensch frei und gut geboren wird - ein Gedanke, der eine höchst tiefgreifende
Auswirkung auf mein Land und viele andere gehabt hat.
Es war hier in der Nähe, wo Voltaire seinen Wohnsitz genommen hat, als
sein durchdringender, aber oft respektloser Geist ihm den Unmut seines Königs
einbrachte.

Nach dem Unglück des Ersten Weltkrieges wurde der Völkerbund

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Völkerbund gegründet und nahm seinen Sitz hier in diesem Gebäude - in
der Hoffnung, daß hier in dieser freien Stadt Genf diese Verkörperung der
besten Absichten der Menschheit gedeihen möge.
Heute richten sich die Friedenshoffnungen dieser Welt erneut auf diese
Stadt.

Hier finden gegenwärtig zwei lebenswichtige bilaterale Verhandlungen

statt, die einem gemeinsamen Ziel dienen: Wesentliche Verringerungen der
Nukleararsenale der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion vorzunehmen und
damit die internationale Stabilität zu stärken und die Sicherheit aller Staaten zu vergrößern.
Und hier in diesem Ausschuß sind multilaterale Bemühungen im Gange,
um mit anderen dringenden Aspekten der Rüstungskontrolle fertig zu werden:
Wie man wirksam chemische Waffen aus den Arsenalen der Welt verbannen kann;
wie man Einschränkungen der Nuklearversuche wirksam verifizieren kann; wie
man die Frage einer möglichen weitergehenden Rüstungskontrolle im Weltraum
anpacken kann.
Meine Botschaft an Sie ist einfach und eindeutig: Die Vereinigten
Staaten werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um eine Grundlage für
einen dauerhaften Weltfrieden durch Rüstungskontrolle und durch Abkommen
zu schaffen, die der Förderung der internationalen Sicherheit und Stabilität
dienen. Diese Aufgabe hat für den Präsidenten höchsten Vorrang, und er hat
mich gebeten, Ihnen mitzuteilen, daß wir mit äußerster Entschlossenheit vernünftige und durchführbare Rüstungskontroll initiativen verfolgen werden.
Aber wir werden - und dürfen - nicht mit Wegen einverstanden sein, die
nicht vernünftig sind und keine wirksamen und verifizierbaren Abkommen versprechen.
Wie stehen die Aussichten für einen Fortschritt in Genf? Ich möchte
Ihnen die Meinung der Vereinigten Staaten über den Stand unserer bilateralen
und multilateralen Bemühungen darlegen, der Sache des Friedens durch ein
Übereinkommen über wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen zu dienen.
Präsident Reagan
- 2 -

�Präsident Reagan hat sein Amt in einer Zeit wachsender Besorgnisse
des amerikanischen Volkes über das Verhalten der Sowjetunion und ihrer Verbündeten übernommen.

Die Sowjetunion schien mit ihrer Außenpolitik wie

auch ihrer unbarmherzigen militärischen Aufrüstung entschlossen zu sein,
ihre eigenen Interessen auf Kosten der Interessen aller anderen voranzutreiben.
Diese Entschlossenheit fand ihren Ausdruck in der Invasion Afghanistans,
in der Unterdrückung der Menschenrechte in Polen, im Einsatz chemischer und
toxischer Waffen in Südostasien und in Afghanistan unter Verletzung des Völkerrechts und bestehender internationaler Konventionen und in der ständigen
Anhäufung ungeheurer Mengen an modernen Waffen, die weit über alle vernünftigen Verteidigungserfordernisse hinausgeht.
Dieses Verhalten erforderte natürlich eine Neuankurbelung unserer eigenen Verteidigung, die in vielen Aspekten militärischer Macht zurückgeblieben war. Die Vereinigten Staaten haben diese Anstrengung nicht mit einem
Blick auf Eroberung oder Einschüchterung unternommen, sondern nur, um unsere
Fähigkeit zur Abschreckung vor einer Aggression aufrechtzuerhalten und damit
unsere lebenswichtigen Interessen und die unsere" Freunde und Verbündeten gegen die Androhung von Zwang zu verteidigen. Ich weiß, daß Präsident Reagan
unsere Mittel viel lieber für andere Aufgaben ausgeben würde. Aber wir werden
und wir müssen alles Notwendige tun, um unsere Interessen zu verteidigen und
den Frieden zu erhalten.
Aber die Bereitstellung der Mittel ist nur ein Aspekt der Gewährleistung
der eigenen Sicherheit. Die Reagan-Administration ist der Überzeugung, daß
Rüstungskontrollmaßnahmen ein lebenswichtiger Teil unserer nationalen Sicherheit sein und gerechte und wirksam verifizierbare Rüstungskontroi labkommen
diese Sicherheit erhöhen können. Eine der ersten Maßnahmen, die Präsident
Reagan ergriffen hat, war die all ergründlichste Überprüfung unserer Rüstungskontroll pol itik, die je von einer neuen Administration vorgenommen wurde.
Um mit

�Um mit der veränderten Situation fertig zu werden, in der sich die Vereinigten Staaten als Ergebnis einer jahrzehntelangen Aufrüstung der Sowjets
fanden, war eine neue Einstellung zur Rüstungskontrolle notwendig.
kontrolle war nicht weniger wichtig geworden.

Rüstungs-

Ja, wirksame Rüstungskontrolle

war im Gegenteil wichtiger geworden, da das militärische Gleichgewicht auf
allen Ebenen instabiler geworden war.
Präsident Reagan verkündete die allgemeinen Prinzipien, die unsere
Rüstungskontroilbemühungen leiten, in einer Erklärung vom 18. November 1982.
Sie sind wert, hier wiederholt zu werden:
Erstens, die Vereinigten Staaten wollen die Zahl und die Zerstörungskraft
von Kernwaffen wesentlich verringern - und sie nicht einfach auf einem hohen
Stand einfrieren, wie dies durch frühere Abkommen geschehen ist.
Zweitens, wir wollen Abkommen, die zu beiderseitigen Verringerungen auf
einen gleichen Stand der Streitkräfte beider Seiten führen werden.

Ein un-

ausgewogenes Abkommen kann, wie ein unausgewogenes Kräfteverhältnis der
Streitkräfte, zur Aggression ermutigen.
Drittens, wir wollen Abkommen, die die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihrer Verbündeten stärken und das Risiko eines Krieges verringern.
Rüstungskontrolle ist kein Selbstzweck, sondern ein lebenswichtiges Mittel,
um Frieden und internationale Stabilität zu gewährleisten.
Viertens, wir werden die Bestimmungen von Rüstungskontroi labkommen sorgfältig ausarbeiten und auf Maßnahmen beharren, die sicherstellen, daß sich
auch alle Vertragsparteien an den Vertrag halten.
Mit anderen Worten, wir werden darauf beharren, daß Abkommen verifizierbar sein müssen.

Andernfalls können die Vertragsparteien kein Vertrauen

haben, daß sich alle an die Bestimmungen des Abkommens halten werden.

Das

ist vor allem auf dem nuklearen Bereich wichtig, wo wir einschneidende Kür-

- 4 -

�einschneidende Kürzungen des amerikanischen und des sowjetischen Arsenals
vorgeschlagen haben.

Das ist auch entscheidend wichtig für unsere Bemühun-

gen hier in diesem Ausschuß, chemische Waffen zu verbieten und wirksame Begrenzungen von Nuklearversuchen zu erreichen.
Auf der Grundlage dieser Ziele hat meine Regierung seither ein dynamisches Programm von Rüstungskontrollinitiativen unterbreitet - in unseren
bilateralen Verhandlungen mit der Sowjetunion, in der Arbeit in diesem Ausschuß hier

und - zusammen mit unseren Verbündeten - in den Wiener Verhand-

lungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen in Europa.
Lassen Sie mich auf jene eingehen, die für die Mitglieder dieses Ausschusses
von besonderem Interesse sind.
Das Problem, Verringerungen der Nukleararsenale der Welt zu erreichen,
ist unsere größte Herausforderung. Die Vereinigten Staaten haben auf diese
Herausforderung reagiert, indem sie, wie Präsident Reagan es nannte, das umfassendste Programm der nuklearen Rüstungskontrolle ausgearbeitet haben, das
je von meinem Lande vorgeschlagen wurde. Diese Vorschläge liegen hier in
Genf auf dem Verhandlungstisch - bei den Verhandlungen über nukleare Mittelstreckensysteme (INF) und bei den START-Verhandlungen über die Verringerung
der strategischen Nuklearstreitkräfte.
Was ich hier unterstreichen möchte, ist die Tatsache, daß es bei den
Vorschlägen der Vereinigten Staaten bei den START-Verhandlungen um tiefe und
wesentliche Einschnitte in die amerikanischen und sowjetischen Nukleararsenale geht - eine 50prozentige Verringerung unserer strategischen Raketen.
Bei den INF-Verhandlungen haben wir die Beseitigung dieser ganzen Waffenklasse vorgeschlagen. Die Vereinigten Staaten schlagen einen Weg vor, der
ausgewogen ist und das Risiko eines Krieges verringert. Darum geht es schließlich bei all den Verhandlungen. Stabilität und Sicherheit könnten wesentlich
gestärkt werden, wenn beide Seiten ihre Arsenale auf diese Weise verringern
würden, und genau darum haben wir wesentliche Verringerungen vorgeschlagen.
Bei den

�Bei den INF-Verhandlungen liegt jetzt ein weitreichender amerikanischer
Vorschlag auf dem Tisch, der mit einem Streich die ganze Klasse amerikanischer
und sowjetischer weiterreichender INF-Raketen beseitigen würde - die Systeme,
die beiden Seiten die größten Sorgen bereiten.
Nach unserem Vorschlag müßte die Sowjetunion alle ihre landgestützten
Raketen dieses Typs abschaffen.

Diese Raketen - die Typenbezeichnung dafür

im Westen ist SS-4, SS-5 und SS-20 - stehen heute an Ort und Stelle bereit.
Die Vereinigten Staaten müßten auf die Dislozierung ihrer in etwa vergleichbaren Raketen verzichten.

Wie Sie wissen, sollen sie gemäß der Entscheidung

des NATO-Bündnisses, beginnend in diesem Jahr, in Europa disloziert werden.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß jedes solches Abkommen über Nuklearstreitkräfte ausgewogen und wirksam sein muß.
nukleare Bedrohung für beide Seiten wirklich senken.
fordern.

Es muß die Stabilität

Und es muß das Risiko eines Konflikts verringern.

erfüllt all diese Kriterien.

Es muß die
Unser Vorschlag

Er packt das Problem wirklich an der Wurzel an.

Die Vorschläge, die die Sowjets bisher bei diesen Verhandlungen unterbreitet haben, sind darauf ausgerichtet, ihnen einen wesentlichen Vorteil
zu belassen - nämlich ein Monopol in den weiterreichenden INF-Raketen gegenüber den Vereinigten Staaten. Die kürzlich von Generalsekretär Andropow
geäußerten Gedanken haben genau dieses Ziel. Wir werden selbstverständlich
weiterhin jeden konstruktiven sowjetischen Vorschlag mit größter Ernsthaftigkeit prüfen. Wir Vertretern keinen "Alles oder Nichts"-Standpunkt.
Wir sind jedoch der Meinung, daß die Sowjetunion bei diesen Verhandlungen
unsere legitimen Sicherheitsansprüche anerkennen muß. Wir glauben, eine moralische - ja, eine moralische - Position zu vertreten. Was ist daran falsch,
das Angesicht dieser Erde von einer ganzen Klasse neuer, tödlicher Raketen
zu befreien? Das einzige Argument, das ich gehört habe, warum wir nicht
diese ganze Generation von INF-Raketen beseitigen können, ist, daß die Sowjetunion dagegen ist.
Sie sagt
- 6 -

�Sie sagt einfach:

"Wir sind dagegen".

Ich kann mir aber nicht vor-

stellen, daß das in diesem schrecklichen Atomzeitalter ein stichhaltiges
Argument ist.

Unsere Herausforderung an die Sowjetunion ist also die:

Legt

einen Plan vor, um diese INF-Raketen zu verbieten, und laßt uns in einem
freien und offenen Dialog über Initiativen sprechen, die zu diesem moralischen
Ziel führen werden.
Wie bei den Verhandlungen über Mittelstreckenraketen legen wir auch
bei den START-Verhandlungen den Nachdruck auf wirkliche und wesentliche Verringerungen des Standes der strategischen Rüstungen beider Seiten auf eine
gleiche Höchstgrenze.

Wie Präsident Reagan betont hat, würden unsere Vor-

schläge bei diesen Verhandlungen etwa 4700 Gefechtsköpfe und 2250 Raketen
aus den nuklearen Arsenalen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zusammen abschaffen.
Wir sind durch die Tatsache ermutigt, daß die Sowjetunion ernsthaft
verhandelt - wir haben das in aller Öffentlichkeit gesagt, und ich wiederhole es hier gerne - und das Konzept einer Verringerung akzeptiert hat, obwohl wir den von ihr unterbreiteten Vorschlag nicht ausreichend finden. Ihr
Vorschlag konzentriert sich nicht auf die mehr destabilisierenden Elemente
der strategischen Streitkräfte - nämlich die ballistischen Raketen, vor allem die Interkontinentalraketen - und geht im Sinne einschneidender Kürzungen der Raketenstreitmacht, die wir für notwendig erachten, nicht weit genug. Wir sind jedoch der Auffassung, daß die gezeigte Einstellung eine
Grundlage für Verhandlungen bietet, und wir haben die Absicht, Wege zu sondieren, um solche Verringerungen zu erreichen und die Verhandlungen ernsthaft und konstruktiv fortzusetzen.
Unser Präsident hat, als er von einem Vorschlag Andropows hörte, die
Ernsthaftigkeit der Zielsetzung anerkannt, was - wie ich meine - richtig
war und von der Öffentlichkeit anerkannt werden sollte.
Ich werde während meines Besuches hier in Genf mit der amerikanischen
und der sowjetischen Delegation bei diesen kritischen Verhandlungen zusammen- 7 -

�Verhandlungen zusammentreffen.

Ziel und Zweck dabei ist, die große Bedeu-

tung hervorzuheben, die die Vereinigten Staaten - und Präsident Reagan persönlich - einem erfolgreichen Ergebnis dieser beiden Verhandlungen beimessen.
Ich werde an unsere Delegationen die Hoffnung des Präsidenten weitergeben,
daß sie, die Unterhändler, mit Tempo und Energie die Dinge vorantreiben werden, sowie seine Wünsche, daß diese ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sein
werden.

Ich weiß, daß alle seine Wünsche darin gipfeln, daß ihre Bemühungen

erfolgreich sein werden. Ich weiß, daß Sie alle hier diese Hoffnung teilen.
Ich werde auch, wie ich auf allen anderen Stationen meiner Reise unterstrichen habe, klarmachen, daß ich kein Unterhändler bin.

Die Unterhändler

sitzen hier in Genf und verhandeln derzeit ernsthaft mit ihren sowjetischen
Verhandlungspartnern.
Lassen Sie mich jetzt etwas zur direkten Arbeit dieses Ausschusses hier
sagen, der wir ebenfalls größte Bedeutung zumessen.
Der Ausschuß steht vor einer Reihe wichtiger Fragen.

Nichts hat für

die Vereinigten Staaten eine höhere Priorität als die Bemühungen, eine ganze
andere Klasse von Waffen aus den Arsenalen der Welt zu verbannen.

Wie Prä-

sidnet Reagan erklärt hat, ist es das Ziel der amerikanischen Politik, die
Drohung einer chemischen Kriegführung zu beseitigen, indem ein vollständiges
und verifizierbares Verbot chemischer Waffen erreicht wird.
Die Nationen der Welt haben bereits den Ersteinsatz von chemischen und
biologischen Waffen durch das Genfer Protokoll von 1925 verboten und durch
die Konvention von 1972 über biologische und toxische Waffen den Besitz von
biologischen und toxischen Waffen als ungesetzlich erklärt.
Wie die meisten anderen an diesem Tisch hier vertretenen Länder sind die
Vereinigten Staaten Vertragsparteien dieser Verträge, und wie die meisten anderen halten wir uns voll und ganz an ihre Bestimmungen, über die Bestimmungen dieser Verträge hinaus besteht ein noch viel stärkeres, moralisches Verbot

- 8 -

�moralisches Verbot der Anwendung dieser Waffen.

Präsident Franklin Roosevelt

hat es vielleicht am treffendsten formuliert, als er erklärte, ihre Anwendung
sei "durch die allgemeine Auffassung der zivilisieren Welt geächtet worden".
Alle Formen der Kriegführung sind schrecklich.

Aber diese Waffen sind

besonders furchterregend wegen des menschlichen Leidens, das sie hervorrufen
können.

Darum hat die zivilisierte Welt ihre Anwendung verurteilt.

Leider

hat die Menschheit trotzdem wiederholte Beispiele der Grausamkeit und des
Schreckens erlebt, die durch die Anwendung solcher Waffen verursacht wurden.
Und heute werden in Verletzung des Völkerrechts und internationaler Rüstungskontroi labkommen chemische und toxische Waffen in Afghanistan und in Südostasien eingesetzt.

Diese Verletzungen werden darüber hinaus noch durch die

Tatsache verschlimmert, daß ihre Opfer weder über die Mittel verfügen, vor
solchen Angriffen gegen sie abzuschrecken

noch sich gegen diese Waffen zu

verteidigen oder zu schützen.
Die Vereinigten Staaten haben der Weltgemeinschaft schlüssige Beweise
für die Tatsachen vorgelegt, die mit der Anwendung chemischer und toxischer
Waffen zusammenhängen. Auch andere haben Beweise unterbreitet. Wir sind
nicht zu unseren Schlußfolgerungen gekommen, um eine Konfrontation herbeizuführen, und es geschah auch nicht übereilt, sondern erst nach eingehender
Prüfung. Die Auswirkungen, die sich aus dem Einsatz dieser Waffen ergeben,
sind so ernst, daß viele Leute es vorziehen, einfach nicht daran zu glauben
oder ihn zu ignorieren. Aber wir müssen uns den Tatsachen stellen.
Der Fortschritt der Welt zu zivilisierteren Beziehungen unter Staaten
war sehr langsam und wurde ständig von Ängsten, Ambitionen und Rivalitäten
unter den Ländern heimgesucht. Wir dürfen daher nicht zulassen, daß der
Fortschritt zur Zivilisation, den wir erreicht haben, wieder zunichte gemacht wird. Wenn wir das täten, dann würden wir anfangen, unaufhaltsam in
ein neues dunkles Zeitalter sinnloser Barbarei zurückzugleiten. Darum geht
es heute - und das ist es, was wir verhüten müssen.
Was muß

�Was muß also jetzt getan werden?

Die Vereinigten Staaten haben bereits

an die Sowjetunion und ihre Verbündeten appelliert, sofort den illegalen
Einsatz dieser Waffen einzustellen.
Appell.

Ich wiederhole hier und heute diesen

Und ich fordere die Sowjetunion und alle anderen Mitglieder des

Ausschusses auf, zusammen mit den Vereinigten Staaten ein vollständiges und
wirksames und verifizierbares Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung
und Weitergabe chemischer Waffen auszuhandeln - ein Verbot, das gewährleistet,
daß diese Schrecken niemals wieder auftreten können.
Ein vollständiges, wirksames und verifizierbares Verbot chemischer Waffen ist längst überfällig.

Meine Regierung würde es daher begrüßen, wenn

die Arbeit dieses Ausschusses beschleunigt werden könnte und Verhandlungen
über einen Vertrag zur Beseitigung der Bedrohung durch chemische Waffen geführt würden.
Wenn wir jedoch erfolgreich über einen solchen Vertrag verhandeln wollen, dann muß natürlich eine Reihe entscheidend wichtiger Fragen gelöst werden. In den kommenden Tagen wird die amerikanische Delegation diesem Ausschuß ein neues Dokument vorlegen, das unsere detaillierten Auffassungen bezüglich des Inhalts einer Konvention enthält, die nach unserer Auffassung
die Bedrohung durch chemische Waffen wirksam - und vor allem verifizierbar beseitigen würde. Wir ergreifen diese Initiative mit dem Ziel, die Arbeit
des Ausschusses weiter zu fördern und Beiträge und Kooperation auch anderer
Länder zu beflügeln.
Der Schlüssel zu einer wirksamen Konvention - zu einer, die die Möglichkeit eines chemischen Krieges ein für allemal beseitigen würde - ist
die feste Zusicherung, mittels wirksamer Verifizierung für ihre Einhaltung
zu sorgen. Dieses Prinzip ist von absolut grundsätzlicher Bedeutung. Wirksame Verifizierung ist - wie die Erfahrungen der jüngsten Zeit hinsichtlich
des Einsatzes von chemischen und toxischen Waffen zeigen - für alle künftigen
Abkommen eine absolute Notwendigkeit.
Und genau
- 10 -

�Und genau aus diesem Grund streben die Vereinigten Staaten ein Niveau
der Verifizierung an, das die Zivilisation, uns selbst, unsere Verbündeten,
ja, die Menschheit selbst schützt.

Denn heute hat sich die Bedrohung durch

eine chemische Kriegführung noch verstärkt.

Und solange es kein wirksames

Abkommen gibt, müssen die Vereinigten Staaten - genau wie andere - auch
weiterhin sicherstellen, daß sie vor einem Einsatz von chemischen Waffen
gegen ihre Staatsbürger und gegen ihre Freunde abschrecken können.
Wenn wir von anderen Staaten erwarten wollen, sich der Fähigkeit zu
begeben, vor einem chemischen Krieg abzuschrecken, so müssen diese Staaten
auch über das Vertrauen verfügen können, daß die anderen, die das Verbot akzeptieren, sich ihren Verpflichtungen nicht entziehen können und später dann
den Frieden durch chemische Waffen bedrohen. Sie müssen die Gewißheit haben,
daß sie keinen Angriffen mit solchen Waffen seitens solcher Staaten ausgesetzt sein werden, die - genau wie sie - der chemischen Kriegführung abgeschworen hatten. Kurz, für uns müssen die Bestimmungen der Verifizierung
und der Einhaltung eines umfassenden Vertrages über chemische Waffen auch
wirklich effektiv sein.
Wir wissen, daß die meisten Mitglieder dieses Ausschusses - genau wie
wir - der Erfüllung dieser bedeutsamen Aufgabe verpflichtet sind. Aber dieses Ziel bedarf mehr als nur unserer Verpflichtung. Es bedarf größerer Bereitschaft und größerer Flexibilität seitens der Sowjetunion und ihrer Verbündeten, um ernsthaft und konstruktiv an der Lösung dieser so bedeutenden
anstehenden Frage zu arbeiten - insbesondere, was die Bereiche Verifizierung
und Einhaltung anbelangt. Diese Frage muß gelöst werden, wenn wir zu einem
echten Fortschritt gelangen wollen. Denn wenn manche auch argumentieren, es
könnten Fortschritte dadurch erzielt werden, daß man sich auf die "leichteren"
Themenbereiche konzentriert oder hierfür sogar schon Vertragstexte entwirft,
so würde es sich hierbei doch nur um vergebliche Bemühungen handeln, solange
die Verifizierungsfrage nicht gelöst werden kann.
Wir werden hier eine solche Fehlleitung der Anstrengungen nicht unterstützen.
Ich möchte
- 11 -

�Ich möchte alle Mitglieder dieses Ausschusses ersuchen, in dieser
Sitzungsperiode mit den Verhandlungen zu beginnen, um die Kernfragen zu beantworten, vor denen wir auf diesem Gebiet stehen, und sich uns dabei anzuschließen, ein umfassendes und verifizierbares Verbot der chemischen Waffen
herbeizuführen.
Der Ausschuß steht zudem noch vor einer Reihe von Fragen, die die
Kontrolle der Kernwaffen betreffen.

Die Beseitigung der Bedrohung durch

Kernwaffen ist eindeutig von höchstrangiger Bedeutung für uns alle, und die
Vereinigten Staaten sind sich voll ihrer besonderen Verantwortung in diesem
Bereich bewußt.

Wir erkennen diese Verantwortung auf die wirksamste Weise

an, die wir uns vorstellen können - hier in Genf, in gutem Glauben am Verhandlungstisch gegenüber der Sowjetunion.
Gleichzeitig hat dieser Ausschuß im Bereich der Kernwaffenkontrolle
eine Rolle zu spielen. Eine der wichtigsten ihm vorliegenden Fragen ist
die eines umfassenden Verbotes von Atomversuchen. Ein solches Verbot bleibt
langfristiges Verhandlungsziel amerikanischer Politik, und wir werden auch
weiterhin darauf hinarbeiten, daß es erreicht wird. Die Arbeit, die in diesem Ausschuß von einer Gruppe von Wissenschaftlern bei der Entwicklung eines
weltweiten Systems der Überwachung von Kernexplosionen bereits geleistet
wurde, ist von großem Wert.
Zudem bildete dieser Ausschuß auf Vorschlag der Vereinigten Staaten im
vergangenen Jahr eine Arbeitsgruppe, um die Probleme der Verifizierung und
Einhaltung zu untersuchen, die das Verbot von Atomversuchen mit sich bringt.
Gerade die Verifizierung ist ein Bereich, von dem die Vereinigten Staaten
der Meinung sind, in ihm müsse größerer Fortschritt erzielt werden, soll es
zu Fortschritten in Richtung auf ein Verbot von Atomversuchen kommen. Wir
hoffen deshalb, daß der Ausschuß seine Arbeit in diesem Bereich auch dieses
Jahr fortsetzt.
Meine Regierung ist der Überzeugung, daß die Verhandlungen in diesem
Gremium über eine Konvention zum Verbot von Strahlenwaffen Aussicht auf einen
- 12 -

�auf einen bescheidenen, aber wirklichen und echten Schritt nach vorn bietet
- einen Schritt, der einen potentiell überaus gefährlichen Waffentypus eliminiert.

Wir sollten es zu einer der Hauptregeln dieses Ausschusses machen:

Wenn Aussicht auf echten Fortschritt in Richtung auf ein Abkommen besteht,
verfolgen wir diesen Weg bis zum Ende. Wenn auch eine Anzahl von Themenkreisen noch auf ihre Lösung wartet, so sind wir doch der Meinung, daß ein
Abkommen für den Ausschuß in Reichweite liegt und daß wir in angemessener
Geschwindigkeit vorangehen sollten, um die Verhandlungen über diesen Vertrag
zu einem Ende zu bringen.
Ich möchte gern noch ein Wort über weitere Rüstungskontrollmaßnahmen sagen, die den Weltraum angehen. Die Vereinigten Staaten sind führend in der
friedlichen Erforschung und Nutzbarmachung des Weltraums. Wir beabsichtigen,
diese Führungsrolle beizubehalten. Manche dieser Aktivitäten im Weltraum sind
für unsere Sicherheit und für die unserer Verbündeten wichtig. Sie tragen
dazu bei, den Frieden zu überwachen, vor Kriegsdrohung zu warnen, die angemessenen Kommando- und Kontrollfunktionen für unsere Streitkräfte in weltweitem Rahmen sicherzustellen, unsere Abschreckungskapazität aufrechtzuhalten und die Verifizierung von Rüstungskontrollabkommen zu unterstützen.
Der Vertrag über das begrenzte Verbot von Atomversuchen, der Weltraumvertrag von 1967, der Vertrag über Umweltveränderungen

und der Vertrag über

Raketenabwehr-Raketen (ABM-Vertrag), der eines der SALT I-Abkommen ist, - sie
alle enthalten wichtige Rüstungskontroilbestimmungen, die den Weltraum betreffen.

Mancher mag fragen, warum jetzt noch weitere Maßnahmen gefordert

werden und wenn, welcher Art diese sein sollten?

Die Vereinigten Staaten

haben keine einfache Antwort auf diese Fragen, und wir beschäftigen uns deshalb weiterhin mit diesen Problemen.
Es liegt auf der Hand, daß die Bedingungen nicht gegeben sind, die für
Verhandlungen angemessen sind.

Dennoch sind wir bereit, unsere Eindrücke mit

anderen Mitgliedern dieses Ausschusses auszutauschen, und sind der Meinung,
daß der Ausschuß die Angelegenheit auf systematischere Weise angehen sollte,
als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.
Schließlich möchte
- 13 -

�Schließlich möchte ich diese Gelegenheit benutzen, um jemandem unter
uns heute meine Reverenz zu erweisen, dessen unermüdliche Anstrengungen - ein Leben lang - kürzlich durch die Verleihung des Friedensnobelpreises
gewürdigt wurden.

Die Leistungen von Botschafter Garcia Robles sind viel zu

zahlreich, als daß ich sie hier aufzählen könnte.

Lassen Sie mich deshalb

lediglich unterstreichen, daß Sie der vollen Zusammenarbeit der Delegation
der Vereinigten Staaten bei den Bemühungen sicher sein können, die Arbeit
über ein realistisches und umfassendes Abrüstungsprogramm zu einem Ende zu
bringen.
Zum Abschluß noch ein Gedanke, den ich dem Ausschuß mitgeben möchte ein Gedanke, der unserer Haltung bei der Rüstungskontrolle und den Problemen
zugrundeliegt, mit denen sich dieser Ausschuß befaßt.

Und dies ist, daß der

Abschluß wirksamer Rüstungskontrollabkommen eine schwierige Aufgabe ist.
Sie bedarf der Hingabe, der Zähigkeit, der Toleranz, des Respektes vor den
Ansichten

der anderen und - vor allem - des Glaubens daran, daß ein Kon-

flikt verhindert werden kann und daß Lösungen, wie schwierig auch immer, gefunden werden können.
Die gefährlichste Vorstellung für die Menschheit - vor allem in diesem
Atomzeitalter - ist die, daß ein Krieg unvermeidlich sei. Ich weise diese
Vorstellung mit allem Nachdruck zurück, denn eine solche Vorstellung erhöht
nur die Neigung dazu, sie zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung zu
machen. Widmen wir uns in diesem Ausschuß und in jeglichem anderen verfügbaren Forum wieder der harten und ernsten Arbeit, die für eine Verhinderung
des Krieges von höchster Bedeutung ist.

+ + + + +

- 14 -

�9. Februar 1983

PRÄSIDENT REAGAN UNTERBREITET JAHRESWIRTSCHAFTSBERICHT
- Begleitbotschaft des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat dem amerikanischen Kongreß am
2. Februar 1983 seinen diesjährigen Jahreswirtschaftsbericht unterbreitet
und die Senatoren und Abgeordneten aufgefordert, Maßnahmen zu vermeiden, die
zu nur kurzfristigen wirtschaftlichen Resultaten führen würden. Der Kongreß,
so heißt es in dem Bericht, solle sich vielmehr auf Lösungen für langfristige
Strukturprobleme konzentrieren.
Die Begleitbotschaft des Präsidenten

zum Bericht

hat folgenden Wortlaut:

Vor zwei Jahren kam ich in der tiefen persönlichen Entschlossenheit
nach Washington, die wirtschaftliche Zukunft Amerikas zu verändern, über ein
Jahrzehnt lang hatte die Wirtschaft unter einem niedrigen Produktivitätsanstieg und unter einer steigenden Inflationsrate gelitten. Die öffentlichen
Ausgaben verschlangen einen wachsenden Anteil des Volkseinkommens. Eine kurzsichtige Vorstellung von den wirtschaftlichen Prioritäten zerstörte unsere
Aussichten auf langfristigen Wohlstand.
Das von

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das von mir kurz nach Amtsantritt vorgeschlagene Wirtschaftsprogramm
betonte das wirtschaftliche Wachstum und eine Rückkehr zur Preisstabilität.
Meine Steuervorschläge sollten dazu dienen, die Privatinitiative anzuregen
und zu Spartätigkeit und produktiven Investitionen zu ermutigen.

Meine Unter-

stützung und Ermutigung galt der Bundesbank bei ihrem Verfolg der Preisstabilität durch eine solide Geldpolitik.

Meine Administration hat die Zunahme

von staatlichen Vorschriften verlangsamt und in einer Reihe von Wirtschaftssektoren die Wettbewerbskräfte gestärkt.

Und ich habe mit dem Kongreß zu-

sammengearbeitet, um eine Gesetzgebung zu verwirklichen, die das Anwachsen
solcher Regierungsprogramme verhinderte oder doch begrenzte, die zu umfangreich geworden waren oder deren Nützlichkeit sich überlebt hatte.
Auch wenn die volle Wirkung dieses Wandels der amtlichen Politik erst
mit der Zeit eintreten wird, so sind einige ihrer Vorzüge doch bereits deutlich.

Der Verbraucherpreisanstieg zwischen Dezember 1981 und Dezember 1982

betrug lediglich 3,9 Prozent, etwa ein Drittel der Rate des Jahres vor meinem
Amtsantritt.

Die Zinsen sind nunmehr niedriger als bei meiner Amtsübernahme

und sind in den letzten sechs Monaten rapide gefallen.
Die Administration wird in den kommenden Jahren noch eine Menge weiterer
Maßnahmen vorschlagen, um stärkere wirtschaftliche Anreize zu schaffen, die
Last der Vorschriften zu verringern, die Kapitalbildung zu erhöhen und unseren Lebensstandard zu verbessern. Man kann nur zu leicht diese langfristigen Ziele in einem Jahr wie 1982 aus den Augen verlieren, in dem sich die
Wirtschaft in einer verlängerten Rezession befand. Ich mache mir tiefe Sorgen über den derzeitigen Umfang der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten und über das Leiden und die Angst, die sie für Millionen Amerikaner bedeutet. Die Arbeitslosigkeit, unter der viele unserer Bürger leiden, ist
eine Folge der zurückgehenden Inflationsrate, die notwendigerweise dem beschleunigten Preisauftrieb des letzten Jahrzehnts folgen mußte. Hätte man
zugelassen, daß der Aufwärtstrend der Inflation andauert, so hätte man für
die Zukunft noch größere Anstiege bei der Arbeitslosigkeit riskiert. Trotz
der gegewnärtig hohen Arbeitslosenrate und der sie begleitenden Härten ist
es von entscheidender Bedeutung für uns, das zu wahren, was wir gegenüber der
- 2 -

�gegenüber der Inflation an Boden gewonnen haben - und zwar unter erheblichen
Kosten.

Ein weiterer Erfolg bei der Zähmung der Inflation wird eine solidere

Grundlage für einen wirtschaftlichen Wiederaufstieg im Jahr 1983 und in den
Jahren danach sein.

Verringerung der Arbeitslosigkeit
Die Bundesregierung kann bei der Verringerung der Arbeitslosigkeit eine
wichtige Rolle spielen.

Ich meine jedoch, die Regierung sollte ihre Aufmerk-

samkeit auf jene Gruppen konzentrieren, die auch nach Beginn eines wirtschaftlichen Wiederaufschwungs noch vor hohen Arbeitslosenzahlen stehen werden.
Wenn wir ihnen dabei helfen, ihre beruflichen Fähigkeiten zu entwickeln, werden sie nicht in aussichtslosen Stellen enden, sondern in der Privatwirtschaft
eine produktive Arbeit finden.

Diese Betonung der Ausbildung und der Beschäf-

tigung im Privatsektor steht im Mittelpunkt des Ausbildungsgesetzes (Jobs
Training Partnership Act), für das ich mich eingesetzt habe und das ich 1982
durch meine Unterschrift zum Gesetz machte.

Ich werde in diesem Jahr noch

weitere Schritte vorschlagen, um die staatlichen Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme zu verstärken und den strukturellen Arbeitslosen dabei zu helfen,
Dauerstellungen zu finden.
Es ist verständlich, daß viele wohlmeinende Kongreßmitglieder auf die
derzeit hohe Arbeitslosenrate reagiert haben, indem sie die verschiedensten
staatlichen Beschäftigungsprogramme vorgeschlagen haben. Ich bin jedoch davon überzeugt, daß solche Programme die Arbeitslosigkeit nur auf Kosten eines
ansteigenden Defizits der öffentlichen Haushalte von einer Industrie zur anderen schieben würden.
Auch wenn Programme zur Hilfe bei der strukturellen Arbeitslosigkeit
wichtig sind, so kann doch nur eine ausgewogene und dauerhafte wirtschaftliche
Gesundung eine Verringerung der Arbeitslosigkeit in größerem Umfang bewirken.
Es gibt derzeit über vier Millionen mehr Arbeitslose, als dies auf dem Höhepunkt des letzten Konjunkturzyklus der Fall war.
- 3 -

Neun Millionen Menschen

�Millionen Menschen werden bis zum Jahr 1988 neu auf den Arbeitsmarkt kommen.

Nur eine gesunde und wachsende Wirtschaft kann die mehr als 13 Mil-

lionen Arbeitsstellen bieten, die notwendig sind, um im Verlauf der nächsten
fünf Jahre ein stetig niedrigeres Niveau der Arbeitslosigkeit herbeizuführen.

Die Aussichten auf wirtschaftlichen Wiederaufschwung
Es gibt jetzt Zeichen für den baldigen Beginn eines wirtschaftlichen
Wiederaufschwungs.

Bis Dezember 1982 war der Index der wichtigsten Wirt-

schaftsindikatoren in sieben der letzten acht Monate

gestiegen.

Der Bau

von Häusern wuchs gegenüber dem vergangenen Jahr beträchtlich an, die Zahlen
lagen im Dezember 1982 um 39 Prozent höher als 12 Monate vorher.

Die Lager-

bestände gingen stark zurück, so daß sich vermehrte Verkäufe rasch in erhöhter
Produktion und stärkerer Beschäftigung, bemerkbar machen sollten.
Lang- als auch Kurzzeitzinsen sind beträchtlich gefallen.

Sowohl

Die Aussagen der

Administration über die Wirtschaftsentwicklung gehen dahin, daß das Bruttosozialprodukt im ersten Quartal 1983 nach oben gehen und dann im Lauf des
Jahres noch rascher ansteigen wird.

Auch die meisten privaten Beobachter

der Wirtschaftsentwicklung sagen für 1983 einen Aufschwung voraus.
Die Geldpolitik wird beim Verfolg einer soliden und anhaltenden wirtschaftlichen Erholung eine entscheidende Rolle spielen. Wenn die Geldmengen
zu langsam wachsen, fehlen der Wirtschaft die Mittel, die sie für ein anhaltendes Wachstum braucht. Aber wenn man zuläßt, daß diese Geldmengen zu rasch
expandieren, wären ein Anstieg der Inflation und ein nur kurzlebiger Aufschwung das Ergebnis. Ich bin mir der Schwierigkeiten bewußt, vor denen die
Bundesbank steht und auch weiterhin stehen wird.wenn es darum geht, die Zunahme der Geldmengenversorgung zu lenken - in einer Zeit, da weitreichende
regulatorische Veränderungen es so schwierig machen, sich auf die alten Richtlinien zu verlassen. Ich hege die Erwartung, daß die Bundesbank im Jahr 1983
die Geldversorgung in bescheidenem Umfang ausweiten und so in Einklang sowohl mit einer anhaltenden Gesundung als auch weiterem Fortschritt im Kampf
gegen die Inflation stehen wird.
Investitionen und

�Investitionen und Wirtschaftswachstum
Eine wirtschaftliche Wiederbelebung, 1983 beginnend, sollte nicht nur
einen Rückgang der Arbeitslosigkeit, sondern zugleich einen Anstieg der Investitionen mit sich bringen, die sich auch über die nächsten Jahre erstrecken.
Ein größeres Maß an Investitionen ist ein wichtiges Mittel für höhere Produktivität und für wirtschaftliches Wachstum.

Bei Hinwendung der Wirtschaft

von Rezession zu Wiederaufschwung werden die Investitionsanreize eine kräftigere Wirkung zeigen.

Aber die Investitionen der Wirtschaft werden nur dann

rasch steigen, wenn die von der Administration zur Verringerung potentiell
großer Defizite des Bundeshaushalts vorgeschlagenen Maßnahmen ergriffen werden.
Die Kreditaufnahme des Staates steht im Widerstreit mit den Privatinvestitionen um die verfügbaren Ersparnisse. Wenn die Regierung weiterhin
große Beträge aufnimmt, um ihr Defizit zu finanzieren, werden die Realzinsen
hoch bleiben und die Privatinvestitionen abschrecken. Dieser Verdrängungsprozeß hat die Tendenz, die Investitionen der Privatwirtschaft in den kommenden Jahren zu unterdrücken, solange das Haushaltsdefizit nicht schrittweise verringert wird.

Haushaltsvorschläge für das Fiskaljahr 1984
Es ist wichtig, zwischen dem zyklischen Teil des Haushaltsdefizits und
dem strukturellen Teil zu unterscheiden, der sogar auf dem Höhepunkt eines
Wirtschaftszyklus erhalten bleibt. Annähernd die Hälfte des Defizits des
Haushalts 1983 geht auf den depressiven Zustand der Wirtschaft zurück. Mit
geringeren Einnahmen und Gewinnen sind die Steuereinnahmen beträchtlich zurückgegangen und haben die Ausgaben zugenommen. Mit dem wirtschaftlichen
Wiederaufschwung wird der zyklische Teil des Defizits zurückgehen. Aber der
zyklische Aufschwung allein wird das Defizit nicht auf eine annehmbare Größe
zurückbringen.
In dem

�In dem jetzt von mir dem Kongreß vorgelegten Haushalt schlage ich dramatische Schritte vor, die nötig sind, um die Defizite des Staatshaushalts in
den kommenden Jahren zu verringern.

Meine Haushaitsvorschlä'ge dienen dazu,

das Defizit zu verringern, indem sie sich direkt mit dem raschen Anwachsen
der staatlichen Ausgabenprogramme (abgesehen von den Zinszahlungen) der
Bundesregierung auseinandersetzen.

1970 machten diese Programme zehn Pro-

zent des Bruttosozialprodukts und 48 Prozent der Bundesausgaben aus.

1980

waren diese Programme auf 14 Prozent des Bruttosozialproduktes und 63 Prozent
des Haushalts angestiegen.

Ich stehe auch weiterhin zu der Vorstellung, daß

wir die Haushaltsdefizite ohne zusätzliche Lasten für die Armen, ohne Schwächung unserer nationalen Verteidigung und ohne Zerstörung der wirtschaftlichen
Anreize durch konterproduktive Steuererhöhungen verringern können.
Eine rasche Verabschiedung des Haushaltes durch den Kongreß würde ein
deutlicher und glaubwürdiger Beweis dafür sein, daß die Bundesregierung
nicht beabsichtigt, in den kommenden Jahren den Kapitalmärkten schwere Lasten
aufzubürden. Eine solche Zusicherung sollte den Rückgang der Zinsen - vor
allem der langfristigen Zinsen bei Wertpapieren und Hypotheken - beschleunigen und die Aussichten auf einen Wiederaufschwung in der Bauwirtschaft,
der Automobilindustrie und den Sektoren der Kapitalinvestitionen in der
Wirtschaft verbessern.
Ich bin mir der besonderen Bedeutung des Schutzes der Sozialversicherung
und der Gesundheitsprogramme für Rentner und deren Angehörige bewußt. Diese
Programme stehen derzeit vor schwerwiegenden finanziellen Problemen. Die
überparteiliche nationale Kommission zur Reform der Sozialversicherung hat
kürzlich eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen - denen ich zugestimmt habe -,
um den kumulativen Minuseffekt von 150 Milliarden Dollar auf 200 Milliarden
Dollar aus der Welt zu schaffen, der für das Sozialversicherungssystem für
die Jahre 1983 bis 1989 vorausgesagt wird. Es ist von entscheidender Bedeutung, jetzt die Änderungen in den Sozialversicherungsprogrammen vorzunehmen,
um ihre Zahlungsfähigkeit und finanzielle Verläßlichkeit auch für die kommenden Jahre zu sichern.
Die verbleibende
- 6 -

�Die verbleibende Last staatlicher Wirtschaftsbestimmungen
Viele Jahrzehnte lang hat die Bundesregierung Preis- und Zugangsbestimmungen für den Markt durch Vorschriften reguliert, durch die viele Bereiche
der amerikanischen Volkswirtschaft beeinflußt wurden.

Viele dieser Bestim-

mungen sind nicht mehr den Bedingungen der heutigen Wirtschaftssituation angemessen.

Seit längerer Zeit schon dienen diese Bestimmungen - durch Behin-

derung des Wettbewerbs und durch die Entwicklung neuer Dienstleistungen und
Technologien - weder den Interessen des Verbrauchers noch des Produzenten.
Seit vor einigen Jahren in manchen Marktbereichen die Beseitigung von Vorschriften einsetzte, war die dabei gewonnene Erfahrung fast stets ermutigend.
Meine Administration unterstützt diese schrittweisen Anstrengungen zur Verringerung der Vorschriften auf Märkten, die ohne diese wieder wettbewerbsfähig wären.

Es ist jetzt Zeit, Maßnahmen in größerem Umfang zu erwägen, um

viele dieser Wirtschaftsbestimmungen zu beseitigen, besonders in den Bereichen
des Erdgases, des Transport- und Kommunikationswesens und der Finanzmärkte.

Die Zinsen und das amerikanische Handelsdefizit
Die überaus hohen Real Zinssätze der letzten Jahre sind eine der Hauptursachen für den scharfen Anstieg des Kurswertes des Dollar gegenüber den
anderen Währungen.

Dieser Anstieg hat die Fähigkeit der amerikanischen Ex-

porteure vermindert, auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu bleiben und hat
umgekehrt die Wettbewerbsfähigkeit von Importen auf dem Inlandsmarkt erhöht.
Vor allem aus diesem Grunde wies die amerikanische Handelsbilanz im Jahr 1982
ein beträchtliches Defizit auf.
Unser derzeitiges Handelsdefizit erinnert uns an die Bedeutung des Welthandels für die amerikanische Wirtschaft.

Der Exportanteil des amerikanischen

Bruttosozialproduktes hat sich während der letzten drei Jahrzehnte mehr als
verdoppelt.

Amerikanische Arbeiter, amerikanische Unternehmer und amerika-

nische Farmer leiden darunter, daß ausländische Regierungen die amerikanischen
Erzeugnisse daran hindern, auf ihren Markt zu gelangen und dadurch den Umfang
- 7 -

�den Umfang der amerikanischen Exporte verringern.

Aber

obgleich die Ver-

einigten Staaten dazu gezwungen sein könnten, auf diese den Handel verzerrenden Maßnahmen ausländischer Regierungen dadurch zu reagieren, daß sie
zu entsprechenden Maßnahmen greifen, so fordern derlei Praktiken doch keine
umfassenden protektionistischen Schritte - wie etwa die Vorschriften für
den rein amerikanischen Ursprung von in den Vereinigten Staaten verkauften
Automobilen.

Denn eine protektionistische Politik in größerem Umfang würde

auch die amerikanischen Verbraucher schädigen - die Erzeugnisse, die sie
kaufen, würden teurer, und manches von dem Druck würde entfallen, der durch
den internationalen Wettbewerb auf Kosten und auf Qualität ausgeübt wird.
Zudem würde Protektionismus hier zugleich auch die Arbeiter, Farmer und Firmen in den Vereinigten Staaten treffen, die Güter und Dienstleistungen für
den Export bereitstellen, da dies fast unvermeidlich zu erhöhtem Protektionismus seitens ausländischer Regierungen führen würde.

Ich fühle mich einer Po-

litik verpflichtet, die verhindert, daß protektionistische Maßnahmen in den
Vereinigten Staaten ergriffen werden müssen, und ich werde auch weiterhin
die anderen Staaten davon zu überzeugen suchen, ihre handelsverzerrenden
Praktiken einzustellen, die die Lebensfähigkeit des Welthandels.systems bedrohen, von dem das Wohlergehen der Welt abhängt.

Der Handel mit Gütern und Dienstleistungen ist nur ein Aspekt unserer
Wirtschaftsbeziehungen zur übrigen Welt. Von großer Bedeutung ist auch der
internationale Kapitalfluß in die Vereinigten Staaten und von den USA ins
Ausland. Die Vereinigten Staaten sollten eine Hauptrolle dabei spielen, die
Lebensfähigkeit des internationalen Kapitalmarktes zu bewahren. 1982 kam
es zu ernsthaften Spannungen auf diesem Markt, als mehrere Staaten in Schwierigkeiten gerieten, ihre Auslandsschuldenlasten angemessen zu begleichen. 1982
arbeitete die Bundesregierung eng mit den Gläubiger- und Schuldnerländern sowie den wichtigsten internationalen Kreditinstituten zusammen, um Funktionsstörungen der internationalen Kapitalmärkte zu verhindern. Nunmehr entwerfen jene Länder, die bei ihrem Schuldendienst in besonderen Schwierigkeiten
stecken, gemeinsam mit einer ganzen Anzahl von Gläubigern Wirtschafts- und
Finanzprogramme, die es ihnen ermöglichen werden, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen.
Die kommenden
- 8 -

�Die kommenden Jahre
Wir befinden uns derzeit an einem für die amerikanische Wirtschaft entscheidenden Punkt.

Die Rezession hat zu erheblichem Druck seitens einiger

Mitglieder des Kongresses und von anderer Seite geführt, unser Eintreten
für eine Politik aufzugeben, die auf ein langfristiges Wirtschaftswachstum,
auf Kapitalbildung und auf Preisstabilitä't abzielt.

Es gibt viele, die auf

neue Ausgabenprogramme der Regierung drängen und die Bundesbank zwingen wollen, die Geldzuwachsraten auf ein Niveau anzuheben, das nur wieder die Inflation neu entfachen würde.
Ich bin davon überzeugt, daß eine solche Politik den langfristigen
Interessen des amerikanischen Volkes zum Nachteil gereichen würde. Unsere
Wirtschaft ist trotz der Rezession außerordentlich elastisch und ist nunmehr auf dem Weg zu einem gesunden Wiederaufschwung. Im kommenden Jahr ist
es von entscheidender Bedeutung,daß die Administration und der Kongreß zusammenarbeiten, sich auf eine langfristige Perspektive einstellen und eine
Wirtschaftspolitik verfolgen, die zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum
und zu größerem Wohlstand für alle Amerikaner führt.

+ + + + +

�9. Februar 1983

DIE GENERATIONENKLUFT IM ATLANTISCHEN BÜNDNIS
- Von Hodding Carter III -

Nachdruck nur mit Genehmigung des Wall
Street Journal, Copyright Dow Jones and
Company, Inc. 1983.
Alle Rechte vorbehalten.
Der Artikel erschien in der Ausgabe vom
3. Februar 1983

Seit einiger Zeit schon zeigen sich Spannungen im westlichen Bündnis und sie nehmen deutlich zu.

über die Ursachen läßt sich streiten,und die

Verantwortung für die Verwirrung läßt sich dem anderen leichter dadurch zuschieben, daß man politisch mit dem Finger auf ihn deutet.als durch eindeutige Beweise.

Aber an der Realität kommt keiner vorbei.

Die Front ist ins

Wanken geraten.
Im vorigen Jahr auf die Anzeichen aufmerksam geworden, habe ich an dieser Stelle den Vorschlag gemacht, daß es an der Zeit sei, im Bündnis zu einer
geordneten "großen Debatte" zu gelangen, in die alle Bereiche des nationalen
Lebens aller Bündnisländer einbezogen sein müßten und die auf eine Neudefinition unserer gemeinsamen Anliegen und unseres gemeinsamen Auftrages ausgerichtet sein müßte.
Niemand braucht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Niemand braucht derzeit die Sturmglocken zu läuten,und eine Art Debatte
ist durchaus im Gange.

Aber sie ist sporadisch, im Anfangsstadium und zu-

gleich unlösbar verbunden mit dem politischen Standort der Führer im Westen.
Zudem konzentriert sie sich zu sehr auf die engen Fragen des Tages - vor allem jene, bei denen es um die im Raum stehende Dislozierung neuer amerikanischer nuklearer Mittel Streckensysteme in Europa geht.
Aber es geht um Grundlegenderes als um die Einstellungen der Führer von
heute.

Denn einer der bedeutsamsten Risse innerhalb der westlichen Gemein-

schaft verläuft nicht

so sehr zwischen den Staaten, als zwischen den

Generationen.
Jene von uns, die alt genug sind, zu begreifen, um was es im Zweiten
Weltkrieg ging, oder die gar an ihm teilgenommen haben, leben mit einer Vorstellung, die sich ganz beträchtlich von derjenigen unterscheidet, die jene
sich machen, die man die "Nachfolgergeneration" genannt hat.

Für uns sind

die Schlagworte und die Postulate des Bündnisses mit lebhaften persönlichen
Erinnerungen verbunden.

Aggression war eben nicht etwas, das sich irgendwo

in der Dritten Welt zutrug.

Nachdem wir dafür gekämpft haben, die Grundwerte

unserer politischen und moralischen Überlieferung zu retten,oder persönliche
Erfahrungen in diesem tödlichen Kampf gemacht haben, nehmen viele von uns all
diese Dinge ernst.

Wir haben ein starkes Gefühl dafür, daß wir im Westen eine

gemeinsame Vorstellung vom Menschen und von der Welt haben, die uns weit mehr
und dauerhafter verbindet als Verträge oder eine Bedrohung von außen.
Dies gilt für meine Kinder und die anderen Kinder hier und im Ausland
weit weniger.

Der Zweite Weltkrieg findet im Geschichtsbuch statt.

Als

Opfer eines Erziehungssystems, das selbst eine Vertrauenskrise durchmachte
und das in großem Maß mit der Vermittlung von Wertvorstellungen Schluß gemacht hat - ja nicht einmal einen sinnvollen Geschichtsunterricht kennt reagieren sie weit schwächer auf echte oder vermeintliche Bedrohungen ihres
wertvollsten Erbes, der Idee und der Tatsache der Freiheit.
Was innerhalb

�Was innerhalb von Staaten gilt, hat seine Auswirkungen auch auf die
Beziehungen zwischen Staaten.

Wenn die alten Werte bei der jüngeren Genera-

tion in Mißkredit stehen, so hat sie natürlich auch weniger Interesse daran,
in ihren ausländischen Zeitgenossen - in Amerika oder in Europa - mehr zu
sehen als nur die Fremden, die in Zerrbildern von Staaten leben und die man
lediglich als "anders" begreift.
Dies ist ein Grund dafür, dem Projekt, das vor neun Monaten von Präsident Reagan ins Leben gerufen wurde und dem sich Charles Wick, der Direktor
des US-Informationsamtes (USIA),seither widmet, begeistert Beifall zu zollen
- der Anstrengung, den Austausch von Jugendlichen zwischen den Partnerstaaten des Bündnisses kräftig auszuweiten. Was zu Beginn vielleicht für den
zynischen Beobachter lediglich wie eine Öffentlichkeitswirksame Werbeaktion
ausgesehen haben mag, hat sich als eine ernsthafte Verpflichtung erwiesen,
an der Regierung, Großunternehmen und eine ganze Reihe von Privatorganisationen beteiligt sind, die bereits ihre ganze Kraft auf dem Feldedes internationalen Austausches einsetzen.
Hier in Amerika ist es das Ziel der Administration, innerhalb von etwa
drei Jahren zehn Millionen Dollar an Spenden von privater Seite zu erhalten,
die, zusammen mit den zehn Millionen Dollar an öffentlichen Mitteln, dazu
verwendet werden sollen, die bereits laufenden Austauschprogramme noch mehr
zu intensivieren.

Zielgruppe sind vor allem die 15- bis 19Jährigen, und

Bundeskanzler Kohl faßte das Ziel der Aktion bei seiner Begrüßungsansprache
für Vizepräsident Bush am Montag in Bonn in die richtigen Worte:
"Freundschaft, Herr Vizepräsident, lebt aus Begegnung und Gespräch.
Dabei liegt mir die Beteiligung der jungen Generation unserer beiden Länder
besonders am Herzen. Wir wollen die persönlichen Kontakte, die Verbesserung
des Austausches zwischen unseren Ländern nachdrücklich ermutigen und fördern.
Wir wenden uns dabei vor allem an die jungen Menschen, damit sie jenen lebendigen Dialog erneuern, der in den ersten Nachkriegsjahren eine ganze Generation
- und ich zähle mich dazu - von Deutschen und Amerikanern geprägt hat."
Und das
- 3 -

�Und das ist es, worum es bei diesem Austauschgedanken wirklich geht Ermutigung zu Dialog und Entwicklung der kulturellen und persönlichen Bindungen.

Zu diesem Thema eine persönliche Anmerkung:

Zwischen Mitte der

sechziger und Mitte der siebziger Jahre nahm ich selbst an einer Reihe von
Austauschprogrammen teil, gefördert von einer Gruppe, die "American Council
of Young Political Leaders" (Amerikanischer Rat junger Politiker) hieß und
zu einem großen Teil von USIA finanziert wurde.

Wir gingen nach Europa und

Japan, in die Sowjetunion und nach Afrika, trafen dort Menschen, mit denen
wir uns über Politik, über Verteidigung und über das Leben allgemein unterhielten.

Umgekehrt empfingen wir überall in den Vereinigten Staaten Delega-

tionen ausländischer Besucher und ließen sie Einblick in die Realitäten des
Lebens in Amerika nehmen.

Ganz offen gesagt:

Was ich bei diesem Austausch,

hier wie dort, lernte, trug mehr dazu bei, meine Vorstellungen von der Außenpolitik zu gestalten

als all die Bücher, die ich je gelesen habe,und all

die Kurse, an denen ich in Schule und Hochschule teilnahm.

Das Netz von

Freunden und Bekannten - manche von ihnen jetzt im Ausland in hohen Regierungsämtern -, das damals gesponnen wurde, ist ganz außerordentlich.
Die Initiative des Präsidenten ist noch viel breiter angelegt; sie wirft
ihre Netze aus, um alle möglichen jungen Menschen einzubeziehen - politische
ebenso wie unpolitische - und sie in unmittelbaren Kontakt zum Leben jener
"anderen" zu bringen, mit denen wir so vieles gemeinsam haben. Vor acht Tagen beschrieb es Außenminister Shultz bei der Begrüßung der Delegierten der
Williamsburg-Konferenz über internationalen Jugendaustausch, einem beim
Versailler Gipfel vereinbarten Treffen, mit den folgenden Worten:
"Derzeit wird so viel über Waffen und Abrüstung gesprochen. Aber es
sind nicht die Waffen, die uns interessieren, es sind die Werte, die uns
interessieren. Wir versuchen, sie zu verteidigen. Und um sie verteidigen
zu können, müssen wir sie begreifen, sie teilen und sie weiterentwickeln.
Und das ist genau das, worum es Ihnen allen geht."
+ + + + +

- 4 -

�7

9. Februar 1983

DARUM WIRD AMERIKA. NICHT SCHLAFEN
Ein Kommentar der Stimme Amerikas

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten pflegen traditionsgemäß
ihre Streitkräfte, kaum ist ein Krieg beendet, abzurüsten. Heute aber, in
einer Zeit, in der wir mit allen Ländern auf der Erde in Frieden leben,
sehen wir uns durch äußere Umstände genötigt, unsere Rüstungsausgaben aufzustocken.
Der Regierungshaushalt, den Präsident Reagan dem Kongreß in diesen Tagen
zugeleitet hat, spiegelt diese Tedenz zu steigenden Militärausgaben deutlich
wider, die zu einer Zeit großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten um sich
greift. Es gibt andere wichtige Aufgaben, auf die unser Volk das viele Geld
weit lieber verwenden würde als auf die Verteidigung. Staatskunst aber ist
keine Frage der Befriedigung von Bürgerwünschen allein.
Wir werden so viel Mittel aufwenden wie notwendig, um das militärische
Gleichgewicht mit der Sowjetunion wiederherzustellen. Jahrelang schon betreibt
Moskau den Ausbau sowohl seiner konventionellen als auch seiner nuklearen
Rüstung, in einem bisher einmaligen Umfang. Westeuropa sieht sich durch die

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�durch die sowjetische Militärmacht bedroht wie nie zuvor.
Streitkräfte haben

Die sowjetischen

im Zuge eines südwärts gerichteten Vorstoßes, der West-

asien und den gesamten Nahen und Mittleren Osten gefährdet, Afghanistan besetzt; unser eigenes Territorium wird von sowjetischen strategischen Streitkräften bedroht, die so stark sind, daß manche Analytiker fürchten, der
Kreml könnte sich eines Tages versucht fühlen, einen nuklearen Erstschlag
zu führen oder mit einem solchen zu drohen.
Hiervor müssen wir uns als Nation schützen.

Die Vereinigten Staaten

haben aber als Großmacht auch noch andere internationale Verantwortung zu
tragen,

über formelle wie informelle Vereinbarungen hängen viele andere

Länder, was ihre Verteidigung gegen einen sowjetischen Angriff mit nuklearen
oder auch konventionellen Waffen angeht, von unserer Unterstützung ab.
In praxi besitzen die Vereinigten Staaten als einzige Macht die Kombination aus wirtschaftlichen Hilfsquellen und Militärtechnologie, um die
Welt in dem Bestreben anzuführen, die Sowjets daran zu hindern, ihre militärische Dominanz auf weitere Gebiete der Erde auszudehnen.
Das aber ist ein kostspieliges Unterfangen. Wir verwenden annähernd
acht Prozent unseres Bruttosozialproduktes auf die Verteidigung - immer
noch weit weniger als die schätzungsweise 15 Prozent,die Moskau hierfür ausgibt.
Wir würden es deshalb begrüßen, wenn die beiden Supermächte ihre Streitkräfte so weit reduzieren würden, daß dadurch das Gleichgewicht zwischen
ihnen wiederhergestellt wird. Die einzige Methode aber, die sowjetischen
Machthaber von der Notwendigkeit ernsthafter Verhandlungen zu überzeugen,
besteht offenkundig darin, ihnen klarzumachen, daß ihnen die Weigerung,
ernsthaft zu verhandeln, nichts einbringen kann. Das ist der Grund dafür,
daß wir selbst angesichts großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten entschlossen
sind, wiederaufzurüsten.
+ + + + +

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan legt Haushalt 1983/84 vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Senkung der allgemeinen Staatsausgaben - Stärkung des Verteidigungshaushaltes -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush: Oberstes Ziel ist Frieden durch Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Vizepräsidenten vor der Genfer Abrüstungskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan unterbreitet Jahreswirtschaftsbericht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Begleitbotschaft des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Generationenkluft im Atlantischen Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Hodding Carter III -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darum wird Amerika nicht schlafen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

9. Februar 1994

BOSNIEN

USA ENTSETZT ÜBER GRANATENANSCHLAG
AUF MARKT IN SARAJEVO
Erklärungen von Clinton, Christopher und Perry

USA-DEUTSCHLAND

INTENSIVE GESPRACHE ÜBER BOSNIEN
Erörterung der deutsch-amerikanischen
Beziehungen

WIEDERERÖFFNUNG DES US-GENERALKONSULATS IN DÜSSELDORF
Ansprache von Botschafter Holbrooke

PARTNERSCHAFT MIT DEUTSCHLAND
KÖNNTE EUROPAPOLITIK DER USA LEITEN
Neues Buch von Daniel Hamilton

VERTEIDIGUNG

PERRY UMREISST SECHS GRUNDLEGENDE
AUFGABEN DES VERTEIDIGUNGSMINISTERS
Anhörung vor Senatsausschuß

DER WESTEN KANN ENTWICKLUNGEN IN
RUSSLAND MASSGEBLICH BEEINFLUSSEN
Rede von Verteidigungsminister
Perry bei Wehrkundetagung
bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�Y

ABRÜSTUNG

ENDE DES KALTEN KRIEGES ERHÖHT
NOTWENDIGKEIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE
Rede des neuen ACDA-Direktors bei
Genfer Abrüstungskonferenz

MENSCHENRECHTE

FORTSCHRITTE BEI DER
MENSCHENRECHTSSITUATION 1993,
VERLETZUNGEN DAUERN JEDOCH AN
Jahresübersicht des US-Außenministeriums

USA-EUROPA

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA:
DAS VERGANGENE UND DAS KOMMENDE JAHR
Rede von Abteilungsleiter Oxman

•

�BOSNIEN
9. Februar 1994

USA ENTSETZT ÜBER GRANATENANSCHLAG
AUF MARKT IN SARAJEVO
Erklärungen von Clinton, Christopher und Perry
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verliehen ihrem "Entsetzen" über das Blutbad auf dem
Zentralmarkt in Sarajevo, das zahlreiche Menschenleben und Verletzte forderte, in von Präsident Clinton und
Außenminister Christopher am 5. Februar 1994 in Washington abgegebenen Erklärungen Ausdruck. Der
anläßlich der Wehrkundetagung in München weilende Verteidigungsminister Perry veröffentlichte seine Erklärung am 6. Februar 1994.
Nachfolgend drucken wir den Wortlaut der Erklärungen.

Erklärung von Präsident Clinton
Ich bin entsetzt über diesen mutwilligen Angriff auf die
Menschen in Sarajevo. Es kann keine militärische
Rechtfertigung für einen Anschlag auf einen Wochenmarkt geben, auf dem Frauen, Männer und Kinder ihre
täglichen Einkäufe machten.
Die Vereinten Nationen sollten in diesem Vorfall unverzüglich ermitteln und unzweifelhaft die Schuldigen
ausmachen.
Ich habe Außenminister Christopher angewiesen,
Konsultationen mit unseren Verbündeten in Europa
und den Vereinten Nationen über die Lage und angemessene nächste Schritte aufzunehmen. Wie er und
der Verteidigungsminister erklärt haben, schließen wir
nichts aus.
Ich habe auch das Verteidigungsministeriu m angewiesen, seine Hilfe bei der Evakuierung, Unterbringung in
Krankenhäusern und Behandlung der bei diesem
grausamen Anschlag Verletzten anzubieten.
Ich weiß, daß ich für alle Amerikaner spreche, wenn ich
unsere Abscheu und unseren Zorn über diese feige
Tat zum Ausdruck bringe.
Erklärung von Außenminister Christopher
Die Vereinigten Staaten teilen das Entsetzen der übrigen Welt über den Granatenangriff auf den Zentral-

AMERIKA DIENST 6

markt in Sarajevo, der mit einem Schlag die meisten
Menschenleben seit Beginn des Konflikts gefordert
hat. Es ist offenkundig, daß sich in diesem Gebiet
keine militärischen Ziele befinden. Wer immer diesen
Anschlag ausgeführt hat, mußte wissen, daß sich viele
Zivilisten auf dem Samstagsmarkt im Zentrum von
Sarajevo befanden, um Lebensmittel und Dinge des
täglichen Bedarfs zu kaufen. Dies war eindeutig ein
mutwilliger verbrecherischer Anschlag, der eine hohe
Zahl unschuldiger Menschen das Leben kosten sollte.
Wir werden auf unverzügliches Vorgehen der Vereinten Nationen drängen, um die für diesen Anschlag
Verantwortlichen auszumachen. Wir schließen Luftangriffe der NATO nicht au s, sobald wir wissen, wer die
Verantwortung trägt. Ich habe dies bereits mit dem
britischen Außenminister Douglas Hurd diskutiert, und
wir werden am kommenden Wochenende unsere
Verbündeten konsultieren. Dieser unverzeihliche Vorfall
steht als eindeutiger Beweis für die Notwendigkeit,
eine Verhandlungslösung im Konflikt im ehemaligen
Jugoslawien zu finden.
Erklärung von Verteidigungsminister Perry
Meine Damen und Herren, die Vereinigten Staaten
teilen das Entsetzen der Welt über diesen mutwilligen
Anschlag auf unschuldige Menschen in Sarajevo. Es
kann keine Rechtfertigung fürdiesen Anschlag auf den
Wochenmarkt geben, wo Frauen, Männer und Kinder
die Dinge destäglichen Bedarfs zu kaufen versuchten.

Seite 1

�Gestern abend sprach Präsident Clinton im Namen
aller Amerikaner, als er unsere Abscheu und unseren
Zorn über diesen feigen Akt zum Ausdruck brachte.

gen Jugoslawien unter Beweis. Das Blutvergießen
muß ein Ende haben, und der Wahnsinn muß enden.
Es ist an der Zeit für verantwortungsbewu ßte Politiker
unter den Kriegsparteien, vorzutreten. Es ist an der
Zeit für die internationale Staatengemeinschaft, zusammenzustehen und maximalen Druck auszuüben.

Ich reise heute nachmittag nach Washington zu Gesprächen mit Präsident Clinton und zu einer Einschätzung der zu ergreifenden Maßnahmen. In der Zwischenzeit stehen wir in Kontakt mit unseren Verbünde- Die Situation im ehemaligen Jugoslawien führt uns die
ten und den Vereinten Nationen.
Gefahren vor Augen, mit denen wir uns in dieser neuen
Zeit nach dem Kalten Krieg konfrontiert sehen. Sie ist
Ein Team amerikanischer Stabsärzte ist inzwischen in nur ein Beispiel ethnischer Konflikte, die wüten könnSarajevo eingetroffen. Wir haben Evakuierungspläne ten, wenn wir die Integration Rußlands und der ehefür die Verwundeten, und unsere vollständig ausgerü- mals der Herrschaft des sowjetischen Imperiums unsteten Teams stehen zur Unterstützung bereit.
terworfenen Länder in das neue Europa nicht sorgfältig
meistern. Bei diesen Bestrebungen muß die NATO
Dieser unverzeihliche Vorfall stellt die Notwendigkeit eine entscheidende Rolle spielen.
für eine Verhandlungslösung im Konflikt im ehemali-

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 6

�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

INTENSIVE GESPRÄCHE ÜBER BOSNIEN
Erörterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard C.
Holbrooke, erklärte am 3. Februar 1994, es finde zur
Zeit ein "intensiver Meinungsaustausch über die in
Bosnien zu ergreifenden nächsten Schritte" statt. Aus
diesem Grund "wäre es für mich derzeit nicht angebracht, Einzelheiten" über die Ansichten der Bundesund der US-Regierung bekanntzugeben, teilte er mit.
Bei einer Pressekonferenz betonte Botschafter Holbrooke die Bedeutung der Haltung und Rolle Deutschlands bei dieser und anderen Fragen. "Die sich abzeichnende Rolle des vereinigten Deutschland liegt
sehr stark im Interesse der Vereinigten Staaten", stellte er fest. In Deutschland findet ihm zufolge "eine
interne Debatte über die Politik nach dem Ende des
Kalten Krieges statt", die in der Hand der Deutschen
liege. Die Vereinigten Staaten begrüßten jedoch eine
wichtige Rolle Deutschlands in der Welt sehr. "Die
Vereinigten Staaten haben nicht nur keine Angst vor
einer Rolle Deutschlands, sondern begrüßen sie sogar", so der Botschafter.
Auf die Frage, ob es im Hinblick auf Kontakte zum Iran
Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland gebe, antwortete Holbrooke: "Der Dialog
zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland
über den Iran wird fortgesetzt". Ferner äußerte er:
"Das ist eines der wenigen Gebiete, bei denen unsere
beiden Länder meines Erachtens beträchtliche Meinungsverschiedenheiten haben". An anderer Stelle
fügte er hinzu: "Wir versuchen, unsere Standpunkte
zu klären."

"Wir widersetzen uns nicht dem entscheidenden Dialog zwischen der Europäischen Union (EU) und dem
Iran", betonte Holbrooke. Die Vereinigten Staaten
"unterstützen jedoch keine Kontakte mit Terroristen
und Mörderbanden". Ihm zufolge hat es wenig Sinn
und ist sehr riskant, mit Befürwortern des Terrorismus
zu sprechen.
Holbrooke erörterte auch die amerikanische und deutsche Haltung zur Initiative Partnerschaft für Frieden.
"Jede Regierung hatte mit derselben Frage zu kämpfen", nämlich der Gestaltung der Initiative und damit,
wie schnell die NATO erweitert werden kann.
"Im Oktober, November und Dezember näherten sich
die Vereinigten Staaten und Deutschland in bezug auf
die Partnerschaft für Frieden allmählich aneinander
an", stellte der Botschafter fest. "Innerhalb beider
Regierungen gibt es zu dieser Angelegenheit jedoch
noch immer eine Vielzahl von Meinungen."
Auf die Frage nach Polen und ob die Vereinigten
Staaten und Deutschland unterschiedliche Ansichten
dazu haben, wie schnell Polen in das westliche Bündnis integriert werden könnte, antwortete Botschafter
Holbrooke: "Die Vereinigten Staaten und Deutschland
sind die beiden Länder, die das größte Interesse an
Polen haben." Die beiden Länder bringen ihm zufolge
den Dialog über die polnische Frage entscheidend
voran.

* * * * *

AMERIKA DIENST 6

Seite 1

�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

WIEDERERÖFFNUNG DES
US-GENERALKONSULATS IN DÜSSELDORF
Ansprache von Botschafter Holbrooke
DÜSSELDORF - (AD) - Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Johannes Rau gab der
amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard C. Holbrooke, am 9. Februar 1994 die
Wiedereröffnung des US-Generalkonsulats in Düsseldorf bis Ende des Jahres bekannt.
Das Generalkonsulat wird sich Handelsaktivitäten widmen und zusammen mit dem Amerika Haus Köln eine
Vorreiterrolle bei den Bestrebungen der amerikanischen Regierung übernehmen, die deutsch-amerikanischen
Handels- und Kulturbeziehungen im Bundesland Nordrhein-Westfalen zu vertiefen. Gleichzeitig soll die
Wiedereröffnung des Büros in Düsseldorf die Bedeutung der Stadt als Wirtschaftszentrum in Europa unterstreichen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafter Holbrooke.

Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren.
Amerika ist wieder in Düsseldorf. Heute geben wir die
beabsichtigte Wiedereröffnung unseres Generalkonsulats bis Ende dieses Jahres bekannt. Es wird sich
Wirtschaftsaktivitäten und der Förderung des Handels
widmen. Wir sind dabei, einen Generalkonsul zu
ernennen und haben bereits einen zweiten Beamten
fürdas Generalkonsulat bestimmt, derzurZeit in Tokio
ist und sowohl Japanisch als auch Deutsch spricht.
Diese Tatsache hat nicht nur symbolischen Gehalt:
Düsseldorf ist der europäische Hauptsitz der Japaner
- und wird auch für Amerika zu einem bedeutenden
Handelszentrum werden.
Nach einer Unterbechung von sechs Jahren kehren
die Vereinigten Staaten aus drei äußerst wichtigen
Gründen nach Düsseldorf zurück. Erstens ist unser
Engagement für Deutschland was unsere Außenpolitik und unsere bilateralen Beziehungen anbetrifft weiterhin ungeschmälert. In der Zeit nach dem Kalten
Krieg markiert es jedoch den Anfang einer neuen
Politik, in der wir sowohl zusätzliche Themen als auch
die traditionelle Sicherheitskomponente betonen.
Das strategische Engagement für Deutschland und
Europa ist unverändert, da wir weiterhin 100.000
amerikanische Soldaten in Europa, die Mehrzahl davon
in Deutschland, stationiert haben. Das vereinte Deutschland ist für die Vereinigten Staaten nicht weniger
wichtig als das geteilte Deutschland, die Betonung hat

AMERIKA DIENST 6

sich jedoch verlagert. Der Abzug amerikanischer
Truppen und die größere Volkswirtschaft des vereinigten Deutschland schaffen eine andere Dymanik, in
der die wichtigsten Aspekte u nserer bilateralen Beziehungen nicht nur strategischer, sondern auch handelspolitischer und kultureller Natur sind.
Zweitens hat Präsident Clinton Wirtschafts- und Handelsfragen zum Kernstück der amerikanischen Außenpolitik erklärt. Er hat seine Administration zum
Abbau von Handelsschranken und der Öffnung von
Märkten für amerikanische Unternehmen verpflichtet.
Der Präsident hat eine nationale Exportstrategie entwickelt. Im Rahmen dieser nationalen Exportstrategie
haben wir Deutschland als "Schaufenster" gewählt.
Deutschland wurde als einziges OECD-Land für dieses Programm ausgewählt und wird allen anderen
Ländern als Modell dienen.
"Schaufenster Deutschland"
kratische Barrieren zwischen
teilungen sowie Konsulaten
schäftswelt Dienstleistungen
cher anzubieten.

wird traditionelle büroHandels- und Kulturababbauen, um der Gedirekter und zugängli-

Wirtschaftsbeamte werden mit der Denkweise des
Privatsektors vertraut gemacht, damit sie besser auf
die Erfordernisse der Unternehmen eingehen können.
Die Amerika Häuser werden nicht nur Kulturzentren,
sondern auch Informationszentren für Unternehmen

Seite 1

�sein. Das Amerika Haus Köln wird eng mit dem
Generalkonsulat in Düsseldorf zusammenarbeiten, und
seine Programme werden hier eine prominente Stellung einnehmen. Konsularbeamte werden zu Wirtschaftsbeamten ausgebildet und Anträge amerikanischer und deutscher Geschäftsleute beschleunigt
bearbeiten. "Schaufenster Deutschland" steht für
das uneingeschränkte Engagement unserer Mission.
Mit dem "Schaufenster Deutschland" wollen wir auch
bei großen europäischen Handelsmessen Besucher in
bisher ungekannter Weise zu den amerikanischen
Ständen bringen und von der einzigartigen Situation in
Deutschland profitieren, wo es so viele große Handelsmessen gibt. Im Hinblick auf die Beziehungen zu
deutschen Firmen wollen wir den Kaufbedarf ermitteln,
der von amerikanischen Lieferanten gedeckt werden
kann. Mit anderen Worten: Totales Engagement im
Handel. Die Wiedereröffnng eines Generalkonsulats
in Düsseldorf, das sich Handelsaktivitäten widmet, ist
Teil von "Schaufenster Deutschland" und der übergreifenden nationalen Exportstrategie. Wir sind hier,
um die amerikanisch-deutschen Handelsbeziehungen
zu beleben.

Bundeslandes - Nordrhein-Westfalen. Dieses Bundesland produziert über 20 Prozent des deutschen
Bruttoinlandsprodukts, und mehr als 600 amerikanische Firmen sind hier tätig. Diese Region exportiert
mehr als die 1,4 Milliarden Menschen Chinas und
zusammengenommen übertrifft das Bruttoinlandsprodukt von Nordhrein-Westfalen und Bayern das gesamte Bruttoinlandsprodukt der vier Tiger Asiens - Singapur, Hongkong, Taiwan und Südkorea. Das ist beeindruckend! Ich habe die Bedeutung von Handelsmessen bereits erwähnt. Nun, angesichts der großen
Messen in Düsseldorf, Köln und Essen ist dies der
richtige Ort. Und schließlich habe ich auch die Tatsache berücksichtigt, daß jede führende Nation ein
Generalkonsulat in Düsseldorf unterhält. Wir sprechen von freundlichem Wettbewerb unter Nationen.
Die Vereinigten Staaten werden hier sein, um zu
konkurrieren.
Herr Ministerpräsident, wir freuen uns, wieder in Düsseldorf zu sein. Wir sind entschlossen, bis zum
Äußersten zu gehen, um Handel und Kultur zum
Brennpunkt unseres Engagements in Düsseldorf zu
machen.

Drittens ist Düsseldorf eine großartige Stadt, eines der
wichtigsten Handels- und Industriezentren in Deutsch- Ich danke Ihnen.
land sowie die Hauptstadt des bevölkerungsreichsten

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 6

�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

PARTNERSCHAFT MIT DEUTSCHLAND KÖNNTE
EUROPAPOLITIK DER USA LEITEN
Neues Buch von Daniel Hamilton
WASHINGTON - (AD) - Daniel Hamilton, dem Autor
eines neuen Buches über die deutsch-amerikanischen
Beziehungen, zufolge könnte eine neue strategische
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und
einem vereinten Deutschland die Triebfeder für eine
neue Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Europa sein.
"Die Neuformulierung der Politik gegenüber Deutschland ist ein wesentliches Element des neuen politischen Denkens in den Vereinigten Staaten zu Europa
und der amerikanischen Rolle in der Weh", stellt Hamilton
in der Einleitung seines Buches Beyond Bonn: America
and the Berlin Republic (Nach Bonn - Amerika und
die Berliner Republik) fest.
"Der Ausgangspunkt ist das Verständnis, daß die sich
abzeichnende Berliner Republik nicht einfach eine
Bonner Republik im Großformat ist. Es bedeutet auch,
Bilanz der ungewissen Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt zu ziehen."
"Ungeachtet dieser Herausforderungen sind die Vereinigten Staatenund Deutschland nach wie vorführende
Partner - sowohl füreinander als auch bei der internationalen Ordnung", bekräftigte Hamilton.
Bei einer Pressekonferenz am 27. Januar 1994 anläßlich der Vorstellung des Buches erklärte Hamilton vor
Journalisten, das Deutschland von heute sei die größte Macht Europas - "eine offenere, aber dennoch
weniger gefestigte Gesellschaft, die politisch unbeständiger ist, wirtschaftlich mehr unter Druck steht und
international weniger besonnen ist als die Bonner
Republik, an die sich ihre Nachbarstaaten und die
meisten Amerikaner in den vergangenen 40 Jahren
gewöhnt hatten."
Hamiltons Buch fordert eine Reihe bilateraler Initiativen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Dazu zählen:

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Eine deutsch-amerikanische strategische Partnerschaft mit dem Osten,
gemeinsame Bestrebungen zur Integration transatlantischer Mechanismen in die erweiterte Europäische Union,
eine strategische Umwertinitiative,
Gemeinschaftsunternehmen, die "neue Koalitionen" außerhalb der nationalen Regierungen
schaffen.
"Zusammengenommen definieren diese Initiativen einen
neuen amerikanischen Ansatz zu Deutschland, der
das Kernstück eines transatlantischen Handels in der
Zeit nach dem Kalten Krieg bildet", so Hamilton.
Hamilton zufolge könnte die deutsch-amerikanische
Partnerschaft internationale Bestrebungen zur Konsolidierung des Rüstungsabbaus und der Marktreformen
in Mittel- und Osteuropa sowie den Nachfolgestaaten
der ehemaligen Sowjetunion auslösen, die östlichen
Länder in westliche Strukturen integrieren und Europas kollektive Verteidigung und Sicherheitsorganisationen neu gestalten.
"Andere Nationen sollten einbezogen werden", fügte
er hinzu, "aber die bilaterale Partnerschaft wird der
unerläßliche Dreh-und Angelpunkt des Wandels sein."
Hamiltons Buch unterschätzt die mit einer deutschamerikanischen strategischen Partnerschaft einhergehenden Schwierigkeiten nicht.
"Wenn die Berliner Republik nicht nur eine Bonner
Republik im Großformat ist, dann auch nicht nur ein
Amerika im Kleinformat", führte Hamilton aus.
"Die amerikanische Erwartung eines neuen und mächtigen Juniorpartners in der Welt - der automatisch das
Weltbild der Vereinigten Staaten teilt, konsequent
amerikanische Initiativen unterstützt und stets rück-

Seite 1

�sichtsvoll gegenüber amerikanischen Empfindlichkeiten ist - wird zwangsläufig enttäuscht."

kanische Beziehungen der Stiftung. Hamilton war der
Leiter dieser Gruppe.

Das von der Carnegie Endowment for International
Peace (Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden)
veröffentlichte Buch gründet sich auf die Erkenntnisse
einer Studiengruppe von Experten für deutsch-ameri-

Nach langjähriger Mitarbeit wird Hamilton die Stiftung
in Kürze verlassen, um hochrangiger Berater von
Richard C. Holbrooke, dem amerikanischen Botschafter in Bonn, zu werden.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 6

�VERTEIDIGUNG
9. Februar 1994

PERRY UMREISST SECHS GRUNDLEGENDE
AUFGABEN DES VERTEIDIGUNGSMINISTERS
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Der derzeitige Stellvertretende Verteidigungsminister und designierte Verteidigungsminister William Perry erklärte, im Falle seiner Bestätigung durch den Senat zur Ablösung des scheidenden
Verteidigungsministers Les Aspin würden seine Aufgaben in sechs umfassende Kategorien aufzuteilen sein.
Bei seiner Anhörung vordem Streitkräfteausschu ß des Senats am 2. Februar 1994 umriß erfolgende Pflichten
eines künftigen Verteidigungsministers:
Der Überprüfung und Beurteilung von Kriegsplänen und Aufmarschbefehlen höchste Priorität einzuräumen,
die Streitkräfte bei ihren Vorbereitungen zur Gewährleistung ihrer militärischen Einsatzbereitschaft zu
kontrollieren,
ein vollwertiges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats sowie des engeren außen- und sicherheitspolitischen Beraterteams des Präsidenten zu sein,
verantwortlich für die militärische Komponente der nationalen Sicherheitsstrategie zu zeichnen,
den jährlichen Verteidigungshaushalt zur Vorlage beim Kongreß durch den Präsidenten vorzubereiten
und
während der derzeitigen langen Periode des Streitkräfteabzugs die begrenzten Ressourcen effektiv
einzusetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung William Perrys vor dem Streitkräfteausschuß des
Senats.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich bin stolz, heute hier sein zu dürfen und fühle mich
geehrt durch die Entscheidung Präsident Clintons,
mich für das Amt des Verteidigungsministers zu
nominieren
Wir begrüßen das Ende des Kalten Krieges, haben
jedoch im vergangenen Jahr gelernt, weniger zuversichtlich im Hinblick auf die erhofften Vorteile zu sein.
Es wurde oft argumentiert, daß nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nur eine geringe Zahl von
Streitkräften erforderlich sein würde. Das Ende des
Kalten Krieges hat nicht "das Ende der Geschichte" mit
sich gebracht, wie Professor Fukuyama andeutete.
Jeden Tag wird Geschichte gemacht - auf den Hügeln

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Bosniens, den staubigen Straßen Somalias und in den
unterirdischen Bunkern Nordkoreas,
lm

letzten Jahr hat eine Vielzahl nationaler Sicherheitsprobleme die dringende Notwendigkeit starker,
flexibler und einsatzbereiter Streitkräfte unter Beweis
gestellt,

He

ute sind sie weltweit für eine Vielzahl von Aufgaben
stationiert - Friedenssicherung, Friedensschaffung,
Grenzschutz, humanitäre Hilfe und Abschreckung durch
Präsenz. Einige Truppen in Übersee liegen in Garnison e i n i e i n
&gt;
9
Ausbildungslagern, mehr als 80.000 sind
J e d o c n z u r Z e i t a n aktiven Operationen beteiligt und
erfüllen täglich schwierige Pflichten, die nur sie mit

Seite 1

�ihren Fähigkeiten und ihrer Ausbildung bewältigen
können.
Das vergangene Jahr hat erneut gezeigt, daß alte
Bedrohungen immer noch neue Gefahren für Frieden
und Sicherheit darstellen können - ich beziehe mich
auf das Konfliktpotential auf der koreanischen Halbinsel. Die Aussicht, daß das verbrecherische Regime
Nordkoreas die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen
erwirbt, um diese seinem enormen Arsenal konventioneller Waffen hinzuzufügen, symbolisiert die uns derzeit konfrontierende Problematik der Weiterverbreitung. Wir setzen unsere entschiedenen diplomatischen Bestrebungen fort, um dieses alptraumartige
Szenario zu bewältigen, aberdie Präsenz von 100.000
amerikanischen Soldaten, Seeleuten, Fliegern und
Marineinfanteristen im Westpazifik ist ein bedeutender
Faktor bei unserer Abschreckungsplanung.
Wir haben bereits gesehen, daß der Weg zu Demokratie und Stabilität in Rußland steinig und gewunden ist.
Das Entstehen mächtiger reaktionärer Kräfte bedroht
den Prozeß des Aufbaus demokratischer Institutionen
und Traditionen. Keine Frage der nationalen Sicherheit ist wichtiger für uns und unsere Kinder als die einer
stabilen, der Demokratie verpflichteten Regierung in
Rußland.
Natürlich haben wir das Ergebnis der Ereignisse in
Rußland nicht unter Kontrolle - das hat nur das russische Volk. Wir können jedoch einen beträchtlichen,
positiven Einfluß darauf ausüben. Präsident Clinton
hat die Unterstützung der demokratischen Reformen
in Rußland zur Priorität der nationalen Sicherheit
gemacht. Das Verteidigungsministerium spielt bei
diesen Bestrebungen eine Schlüsselrolle.
Wir haben Maßnahmen zur Erleichterung eines sicheren und zügigen Abbaus der Atomwaffen ergriffen.
Das kürzlich von den Präsidenten Clinton, Jelzin und
Krawtschuk unterzeichnete trilaterale Nuklearwaffenabkommen ist ein konkretes Ergebnis dieser Aktionen.
Wir haben Maßnahmen eingeleitet, um amerikanischen Unternehmen bei ihren Bestrebungen beizustehen, die russische Verteidigungsindustrie zur Herstellung kommerzieller Produkte umzuwandeln.
Wir haben auf jeder Ebene Kontakte zwischen den
Militärs gefördert. Ungeachtet dessen, was in Rußland geschehen mag, wird das Militär immer eine
einf lu ßreiche Institution bleiben, und wir wollen alles in
unserer Macht Stehende tun, um das russische Militär
dazu zu ermutigen, eine Reformkraft, kein Reformgegner zu sein.
Die Führungsrolle Präsident Clintons trug dazu bei, die
Initiative Partnerschaft für Frieden mit der NATO ins
Leben zu rufen. Das Verteidigungsministerium wird in
den Vereinigten Staaten die Schlüsselrolle bei der
praktischen Umsetzung dieses Programms spielen.

Seite 2

All diese Bestrebungen zielen auf die Unterstützung
der Administration bei ihrem Bemühen um die Integration Rußlands in der Welt und die Durchführung demokratischer Reformen in diesem Land ab. Sie sind
jedoch an Fortschritte gebunden. Wir müssen uns
weiterhin gemeinsam mit unseren Verbündeten engagieren, falls dieser Prozeß umgekehrt werden sollte,
aber wir müssen auch Geduld zeigen und dürfen uns
nicht von vorübergehenden Rückschlägen abschrekken lassen.
Dies sind nur einige Beispiele für die Bedeutung und
Vielfalt der Aufgaben, die amerikanische Streitkräfte
durchführen und die wir in der Zeit nach dem Kalten
Krieg fortsetzen werden.
All diese Aufgaben sind zu einer Zeit sinkender Verteidigungsbudgets zu bewältigen. Diese Abnahme steht
im Einklang mit der verringerten Bedrohung der Vereinigten Staaten und der amerikanischen Interessen.
Sie konfrontiert uns jedoch auch mit dem schwierigen
Problem, in der Übergangszeit richtig mit diesen Vermögenswerten und Streitkräften umzugehen.
In der Vergangenheit haben wir derartige Haushaltskürzungen und den damit einhergehenden Streitkräfteabbau nicht sehr gut gehandhabt. Die Erfahrungen
sind bekannt und bestens dokumentiert. Die raschen
Kürzungen nach dem Zweiten Weltkrieg hinterließen
Truppen, die auf die Herausforderungen zu Beginn
des Koreakrieges unzureichend vorbereitet waren.
Der Truppenabbau nach dem Vietnamkrieg führte zu
den "hohlen Truppen" Mitte der siebziger Jahre. Diesmal müssen wir es richtig machen, sonst werden wir
den Preis später in Blut, Gütern oder beidem zahlen.
Dies ist die beängstigende Herausforderung, der sich
der Verteidigungsminister heute gegenübersieht, und
ich bin mir der schwerwiegenden Probleme, mit denen
ich im Falle meiner Bestätigung konfrontiert werde,
sehr wohl bewußt. Ich bin stolz auf das mir von
Präsident Clinton erwiesene Vertrauen, der mich gebeten
hat, die Aufgaben eines amerikanischen Verteidigungsministers zu übernehmen.
Grob zusammengefaßt lassen sich diese Pflichten
meines Erachtens in sechs umfassende Bereiche
aufteilen:
Erstens hat der Verteidigungsminister die Aufgabe, die
Vereinigten Stabschefs und Oberbefehlshaber bei der
Leitung der Militäroperationen zu überwachen. Im
Falle meiner Bestätigung als Verteidigungsminister
werde ich der Überprüfung und Beurteilung von Kriegsplänen und Aufmarschbefehlen höchste Priorität einräumen, und den Oberbefehlshabern bei der Führung
unserer Truppen im Feld die erforderliche Unterstützung zukommen zu lassen.
Zweitens hat der Verteidigungsminister die Aufgabe,
durch Kontrolle über die Ausrüstung und Ausbildung
unserer Streitkräfte ihre Einsatzbereitschaft zu geAMERIKA DIENST 6

�währleisten. Zur Zeit sind unsere Streitkräfte, um mit
den Worten Präsident Clintons zu sprechen, "die besten,
über die unsere Nation je verfügte". Im Falle meiner
Bestätigung werde ich gemeinsam mit dem Präsidenten dafür sorgen, daß sie "die am besten ausgerüstete,
am besten ausgebildete und am besten vorbereitete
Kampftruppe auf der Welt" bleiben.
Drittens muß der Verteidigungsminister ein wichtiges
Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats sein. Präsident Clinton hat bei seinen jüngsten Gipfeltreffen den
erforderlichen Weitblick an den Tag gelegt. Aber die
Wasser sind unerforscht, und wir schulden dem Präsidenten, ihn bei seiner Planungsstrategie bestmöglich
zu beraten, während wir uns durch die Untiefen derZeit
nach dem Kalten Krieg manövrieren. Im Falle meiner
Bestätigung werde ich konstruktiv und nach besten
Kräften als aktives Mitglied in diesem Team tätig
werden und mich für alle wichtigen Fragen der nationalen Sicherheit engagieren.
Viertens ist der Verteidigungsminister verantwortlich
für die militärische Komponente unserer nationalen
Sicherheitsstrategie. Das setzt gute Beziehungen zur
militärischen Führung und ihre Achtung voraus, so daß
wir ihre Fähigkeiten und ihr Fachwissen zur Entwicklung der besten Ideen und Optionen nutzen können.
Verteidigungsminister Aspin hinterließ uns mit seiner
grundlegenden Umstrukturierung der Streitkräfte ein
wunderbares Erbe. Wir werden unsere Arbeit auf
dieser ausgezeichneten Grundlage aufbauen. Im Falle
meiner Bestätigung werde ich in meinem Ministerium
unterMilitärsund Zivilisten gleichermaßen Teamarbeit
fördern, um die erforderliche Militärstrategie und die
Optionen vorzubereiten.
Fünftens muß der Verteidigungsminister den jährlichen Verteidigungshaushalt zur Vorlage beim Präsidenten und beim Kongreß ausarbeiten, in dem schwie-

*

AMERIKA DIENST 6

rige Ressourcenverteilung und Programmentscheidungen vorgenommen werden. Im Falle meiner Bestätigung werde ich mit dem Militär und dem Kongreß
bei diesen Bestrebungen zusammenarbeiten. Ich
werde nicht davor zurückschrecken, die nötigen schweren Entscheidungen zu treffen um sicherzustellen, daß
unsere Nation über die zur Durchsetzung unserer
Strategie erforderlichen einsatzbereiten Streitkräfte
verfügt.
Sechstens mu ß der Verteidigungsminister - insbesondere in dieser schwierigen Zeit des Truppenabbaus die Mittel verwalten. Im Falle meiner Bestätigung
werde ich innovative Managementtechniken einführen, eine Reform des Beschaffungswesens durchsetzen und die notwendige industrielle Basis schaffen.
Ich verpflichte mich auch Ihnen mitzuteilen, welche
Hilfe ich vom Kongreß benötige, um dieser Verpflichtung nachkommen zu können.
Und schließlich, Herr Vorsitzender, sehr geehrte
Ausschußmitglieder, verpflichte ich mich zum Dienst
an den Männern und Frauen, die heute die Uniform der
Vereinigten Staaten tragen und an denen, die sie in
Zukunft tragen werden.
Im Pentagon hängt über dem Treppenabsatz neben
meinem Büro das Bild eines Soldaten, der gemeinsam
mit seiner Familie in einer Kirche betet - vielleicht vor
einem Einsatz in Übersee. Darunter sind die Worte
aus Jesaja zu lesen: "Wen soll ich senden, und wer
wird für uns gehen?" Die Männer und Frauen in
Uniform haben auf diesen Ruf der Nation geantwortet:
"Hier bin ich! Sende mich." Wir schulden ihnen, ich
schulde ihnen, alles in meiner Macht Stehende zu tun,
und das werde ich.
Ich danke Ihnen.

*

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
9. Februar 1994

DER WESTEN KANN ENTWICKLUNGEN IN
RUSSLAND MASSGEBLICH BEEINFLUSSEN
Rede von Verteidigungsminister Perry bei Wehrkundetagung
MÜNCHEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Verteidigungsminister William Perry am 6. Februar
1994 bei der Wehrkundetagung in München gehaltene Rede.

Es ist mir eine Ehre, hierbei der Wehrkundetagung mit
so vielen führenden Persönlichkeiten des atlantischen
Bündnisses zusammenzutreffen. Die NATO ist gegenwärtig das erfolgreichste Sicherheitsbündnis der
Welt und steht an erster Stelle der vitalen Interessen
der Vereinigten Staaten. Und sie ist durchaus noch
eine sehr lebendige Organisation. Nicht nur, daß keine
Mitgliedstaaten austreten - viele Länder haben auch
ein starkes Interesse bekundet, ihr beizutreten. Um
ein bekanntes Zitat vom Mark Twain zu paraphrasieren: Die Nachricht vom Tod der NATO ist stark
übertrieben.
Ich möchte hier meinem Freund Manfred Wörner meinen besonderen Dank aussprechen. Er führte das
Bündnis in der Endphase des Kalten Krieges konsequent und umsichtig, und nun hat er uns ein Leitbild für
die Zusammenarbeit mit den nun unabhängigen Staatendes früheren OstblockszurGestaltung einerneuen
Zukunft gegeben.
Wenn wir uns Europa heute anschauen, gibt es viele
Dinge, fürdie wirdankbar sein können. Der Kalte Krieg
ist zu Ende. Die Wahrscheinlichkeit massiver Landschlachten oder gegenseitiger Raketenangriffe ist gering.
Die Feinde von gestern sind die potentiellen Partner
von heute. Und doch müssen wir weiter wachsam
bleiben, denn die Warnzeichen der Geschichte umgeben uns auf allen Seiten.
Wenn wir hier in einem modernen, wohlhabenden
Deutschland zusammenkommen, können wir die historische Parallele der Weimarer Republik Anfang der
dreißiger Jahre nicht vergessen. Die europäischen
Nationen, die Vereinigten Staaten, und vor allem das
deutsche Volkund seine Führungskräfte waren nicht in
der Lage, die deutsche Demokratie aufzubauen und zu

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kräftigen. Der Zusammenbruch dieser jungen Demokratie gab den Anstoß zu einer Reihe von Ereignissen,
deren Narben Europa für immer tragen wird.
Direkt vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges
gelang es dem britischen Dichter W.H. Auden, den
Zeitgeist in einem brillianten Vierzeiler zusammenzufassen: "Im Alptraum der Finsternis heulen alle Hunde
Europas, und die lebendigen Nationen warten, jede
gelähmt und gefangen in ihrem Haß."
Die Folgen waren über 25 Millionen Tote und eine
ganze Reihe nachfolgender Katastrophen.
Wenn wir Audens Gedicht auf unsere heutigen Verhältnisse anwenden, müssen wir uns vor allem Sorgen
machen um die Entwicklungen in den Ländern der
früheren Sowjetunion.
Die Frage, der wir uns nun gegenüber sehen, lautet,
was wir als Regierungen tun können, um derartige
Ereignisse zu verhindern. Erstens müssen wir dazu
sagen, daß wir sie alleine nicht verhindern können.
Nur die Russen können das Schicksal Rußlands bestimmen. Und die anderen Nationen der ehemaligen
Sowjetunion können ihre jeweilige Rolle spielen. Aber
wir im Westen können einen starken positiven Einfluß
auf die Ereignisse ausüben. Und eben darauf ist
unsere Politik ausgerichtet.
Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, was sich in
Rußland gegenwärtig abspielt, und feststellen, daß
eine derart monumentale Veränderung in solch einem
wichtigen Land höchst selten ohne eine vorhergehende große Niederlage in einem Krieg geschieht. Ich
möchte behaupten, daß die gegenwärtige Umgestaltung selbst das Ausmaß der Russischen Revolution
von 1917 übersteigt.

Seite 1

�Das russische Volk versucht, im kurzen Zeitraum von
ein paar Jahren ein autoritäres Regime in eine demokratische Regierung, und eine Planwirtschaft in eine
Marktwirtschaft umzuwandeln. Im Moment befindet
es sich dabei in einem Zwischenstadium, es hängt
sozusagen in der Luft. Ein großes Reich ist in 15
unabhängige Nationen zerfallen. Eine Armee von fünf
Millionen ist auf weniger als zwei Millionen zusammengeschrumpft. Das sind die Keime der turbulenten
Umgestaltung und des Chaos, das heute in Rußland
herrscht.

gegen den bloßen Versuch sträuben? Für Amerika und Europa - steht ungeheuer viel auf dem Spiel.

Inmitten dieser revolutionären Veränderung war es die
Ironie, und hoffentlich nicht die Tragik, des Schicksals,
daß sich ein Supermacht-Arsenal von über 25.000
Atomwaffen auf diesem Gebiet befindet. Man benötigt
keine übermäßige Vorstellungskraft, um zu begreifen,
daß wir ein entscheidendes nationales Sicherheitsinteresse an diesen Entwicklungen haben.

Streitkräfte, damit wir das russische Militär dazu ermutigen können, eine Reformkraft und nicht ein Reformgegner zu sein. Was immer geschieht, wollen wir
offene Kommunikationswege haben.

Schließlich ist Rußland von anderen Nationen umgeben, die früher ein Teil der Sowjetunion waren und die
vor 1917 schon seit Generationen, sogar Jahrhunderten, von Moskau aus regiert worden waren. In allen
leben beträchtliche russischsprachige Minderheiten,
die häufig mit Abneigung und Mißtrauen bedacht werden.
Es überrascht daher nicht, daß der russischen Regierung das Wohl dieser Bevölkerungsgruppen am Herzen liegt. Viele Länder der ehemaligen Sowjetunion
fürchten wiederum die Wiederentstehung des imperialistischen Ru ßland. Eines dieser Länder, die Ukraine,
hat das drittgrößte Arsenal von Atomwaffen in der
Welt.

Im kommenden Juli werden wir unsere erste gemeinsame Übung zur Friedenssicherung im Wolgagebiet
abhalten, an dem unsere 3. Infanteriedivision und die
russische 27. MOT-Schützendivision teilnehmen werden. Wir leisten auch Hilfestellung bei den Entnuklea-

Was können wir also tun?

Erstens tun wir alles Erdenkliche, die Geschehnisse
dort in Richtung auf Reform zu beeinflussen, obwohl
wir uns bewußt sind, daß nur Rußland Rußlands
Zukunft bestimmen wird. Wir unterstützen die Demokratie in Rußland. Wir haben dies bisher in erster Linie
durch Unterstützung der Reform und der Reformkräfte
getan, wo immer wir sie ausmachen. Gegenwärtig ist
Was wir in Rußland sehen, ist ein tief gespaltenes die Jelzin-Regierung die Hauptkraft in der Gesellpolitisches System mit völlig entfremdeten und desillu- schaft, die Demokratie und Wirtschaftsreform fördert.
sionierten Elitegruppen, wirtschaftlicher Ungewißheit Deshalb bieten wir ihr unsere uneingeschränkte, wenn
und sozialer Auflösung als Resultat der drastischen auch nicht kritiklose Unterstützung. Wir sehen ein,
Veränderungen, die stattgefunden haben. Die politi- daß es Fehler und Mängel bei der Umsetzung der
sche Instabilität wurde durch den versuchten Staats- Reformen gibt. Aber wir glauben, daß die Alternativen
streich von Ruzkoj und Consorten, nur zu deutlich ge- zu einem Rückfall in eine dem Westen feindlich gesinnmacht. Inflation und Währungsprobleme untergraben te totalitäre Gesellschaft führen könnten.
Zuversicht und Hoffnung. Und mit dem ZusammenWir unterstützen Jelzins Regierung politisch und wirtbruch der Wirtschaft sind kriminelle Elemente zum
Vorschein gekommen, die vom Volk ebenso gefürch- schaftlich, ebenso wie es viele Ihrer Regierungen tun.
Präsident Clinton besprach diese Bestrebungen austet werden wie jede Bedrohung von außen.
führlich während seiner Gipfeltreffen im letzten Monat.
Überdies haben wir es mit einer Nation von 180 Millio- Aber ich möchte auch darauf verweisen, daß wir
nen Menschen zu tun, welche die Ideologie verloren Anstrengungen und Gelder unseres Verteidigungsaphaben, die sie - wenn auch noch so brutal - bisherdurch parats zur Unterstützung der russischen Reform aufihr ganzes Leben geleitet hat. Diese Ideologie ist wenden, nicht zuletzt des Militärs. Das russische
zerschlagen, diskreditiert, und nichts ist bisher an ihre Militär spielt eine Schlüsselrolle bei der Zukunft RußStelle getreten.
lands. Wir pflegen Kontakte auf allen Ebenen unserer

Es tut mir leid, daß Verteidigungsminister Gratschow
heute nicht hier sein kann, aber ich hoffe, in absehbarer Zukunft wieder mit ihm zusammenzutreffen.

risierungsbestrebungen in Rußland. Wir finanzieren

die Bemühungen bei der Rüstungskonversion. Wir
ermutigen Partnerschaften zwischen amerikanischen
Firmen und russischen Rüstungskonzernen zur Herstellung und zum Verkauf von kommerziellen Produkten als Alternative zur Waffenproduktion.

Und schließlich arbeiten wir aktiv mit Rußland und der
Ukraine zusammen, um ihre unmittelbaren SicherAlles in allem haben wir Grund, einen neuen Alptraum heitsbedenken abzubauen - ihre gegenseitigen Bezieder Finsternis in Europa zu befürchten, fallsdie Reform hungen zu verbessern. Das trilaterale Abkommen,
scheitern sollte und Reaktionen erfolgen. Und wir das die Präsidenten Clinton, Jelzin und Krawtschuk
haben Grund für die Art von aktiven Maßnahmen, vor drei Wochen in Moskau bekanntgegeben haben,
welche die Welt in den dreißiger Jahren versäumt hat war eine außerordentliche diplomatische Leistung. Im
zu ergreifen. Wir haben keine Erfolgsgarantie. Aber Rahmen dieser Vereinbarung werden alle nuklearen
wer würde sich angesichts eines derartigen Alptraums Gefechtsköpfe aus der Ukraine in unmittelbarer ZuSeite 2

AMERIKA DIENST 6

�kunft nach Rußland verlegt. Die Ukraine wird nach
dem Übereinkommen direkt für den Wert des hochangereicherten Urans in den Gefechtsköpfen entschädigt, in Form von Atombrennstäben für die ukrainischen zivilen Reaktoren. Das Abkommen sieht ferner
Sicherheitszulagen für die Ukraine von seiten der
Vereinigten Staaten und Rußlands vor, die mit der
Ratifizierung des START-Vertrags durch die Ukraine
und ihren Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag in Kraft
treten. Das Abkommen ist nicht nur eine Absichtserklärung, sondern leitet auch einen Aktionsplan in die
Wege.
Ein Übereinkommen dieser Art wäre nicht möglich
gewesen, ohne die Sicherheitsbedenken der Ukraine
zu berücksichtigen. Zum einen waren die Vereinigten
Staaten bereit, ein Partner zu sein. Darüber hinaus
trug der beim Brüsseler Gipfel im vergangenen Monat
angenommene Plan der Partnerschaft für Frieden den
ukrainischen Bedenken Rechnung, indem er das Recht
zur Konsultation mit der NATO für aktive Partnerländer
vorsieht, die sich bedroht fühlen. Dies ist das erste
Beispiel einer positiven Auswirkung der Partnerschaft
für Frieden auf die europäische Sicherheit.

essen in starken und vielseitigen Beziehungen ein
Fundament zur Lösung der konkreten Probleme auf
eine Art bieten, die die Interessen anderer respektiert.
Unsere größte Hoffnung gilt einer zukünftigen europäischen Sicherheitssphäre, in der keine Nation ihre
Nachbarn bedroht. Im Europa der Zukunft soll es keine
gemeinsamen Gegner geben. Wir bemühen uns um
ein europäisches Sicherheitssystem, das die Vereinigten Staaten und Kanada sowie ganz Europa einschlie ßt. Es mu ß auf dem gemeinsamen Engagement
für Demokratie und freie Marktwirtschaft gründen. Es
muß auf der beidseitigen Achtung der Menschenrechte gründen. Und es muß sich auf die Unabhängigkeit
der Staaten und die Sicherheit ihrer Grenzen gründen.
Wie Präsident Clinton erklärte, haben wir die Vision
von einem Europa, das zum ersten Mal in der Geschichte nicht durch aktuelle Konflikte oder schwelende Feindseligkeiten geteilt ist. Und wir wollen, daß
Rußland seinen Platz in der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur einnimmt.

Aus all den von mir hier dargelegten Gründen, die
durch den hohen Anteil reaktionärer Stimmen bei den
Da es sich hierbei u m ein sowohl von Ru ßland als auch jüngsten Wahlen in Rußland noch unterstrichen werder Ukraine gewünschtes Abkommen handelt, das sie den, gilt es zur Erreichung eines solchen europäischen
aber nicht aus eigenen Kräften erzielen konnten, wird Sicherheitssystems noch echte Herausforderungen
unter Beweis gestellt, daß der Weg der Zusammenar- zu überwinden.
beit das Potential zur Eingliederung Rußlands in EuroDie Partnerschaft für Frieden bietet einen einzigartipa bietet.
gen Weg zu einem solchen Sicherheitssystem. Sie
Rußland wird aufgrund seiner geographischen Lage gründet sich auf folgende Voraussetzung: Die Vereinigten Staaten und ihre Bündnispartner werden alles
und seiner Macht Teil des europäischen SicherheitsErforderliche zur Erhaltung unserer kollektiven Sichersystems werden. Es liegt in unser aller Interesse - und
heit
tun, falls das Schlimmste eintreten sollte. Wir
besonders im Interesse Rußlands - daß seine Rolle
werden
jedoch auch alles realistischerweise Mögliche
konstruktiv und kooperativ wird.
tun, um das Schlimmste zu verhindern.
Wir haben unsere Ansicht schon eindeutig klargestellt,
daß Rußland seinen Teil der Verantwortung für eine Der doppelte Charakter dieser Politik prägt die Partnerschaft für Frieden. Er bringt uns voran und bietet
stabile Ordnung in Europa tragen muß, sowohl in der
gleichzeitig
eine Absicherung für den Fall eines ScheiArt, wie es seine Eigenstaatlichkeit definiert, als auch
terns.
durch seine Beziehungen zu den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Wenn russische Streitkräfte außerZiel der Partnerschaft ist es, die Sicherheit in Europa
halb der russischen Grenzen operieren, muß das im
zu verbessern und in einem den Interessen und FähigEinklang mit dem Völkerrecht geschehen. Rußlands
keiten jedes Partners angepaßten Tempo neue Siberechtigte Sorge bezüglich der Stabilität an seinen
cherheitsbeziehungen zu schaffen.
Grenzen darf weder durch die alte sowjetische Praktik
der Einschüchterung und Dominierung beschwichtigt
Die Partnerschaft für Frieden steht allen Staaten des
werden, noch durch die Untergrabung der Souveräniehemaligen Warschauer Pakts sowie anderen NATOtät und Unabhängigkeit seiner Nachbarn, ungeachtet
Nichtmitgliedstaaten in Europa offen. Diese Nationen
des Zeitraums ihrer Unabhängigkeit.
werden die Chance zur Entwicklung der kooperativen
Gewohnheiten haben, die das Kernstück eines wirWir sind uns darüber im klaren, daß Rußlands Außenkungsvollen Bündnisses bilden. Sie können sich den
politik unter jeder Regierung von Rußlands Interessen Streitkräften des Bündnisses bei militärischen Aktivitäbestimmt wird. Ru ßland ist eine Großmacht. Wie alle ten wie Friedenssicherungsbestrebungen, KatastroNationen wird es Interessen haben, die sich von unse- pheneinsätzen und Rettungsaktionen anschließen. Die
ren und denen seiner Nachbarn unterscheiden. Eine
Partner können sich mit der NATO an Planung, ÜbunPartnerschaft zwischen Nationen bedeutet nicht, daß gen und Ausbildung zusammen mit den Streitkräften
ihre Ansichten identisch sein müssen, sie ist vielmehr des Bündnisses beteiligen. Sie werden in den militäbegründet in der Erkenntnis, daß gemeinsame Interrischen und politischen Gremien der NATO vertreten
AMERIKA DIENST 6

Seite 3

�sein. Die Partner werden die Chance haben, die
regulären Verfahren und Konsultationsmechanismen
der NATO kennenzulernen. Mit der Zeit werden die
Partner Streitkräfte entwickeln, die besser mit denen
der NATO-Mitgliedstaaten operieren können.
Aktive Partner können auch an politischen Konsultationen teilnehmen. Wie ich im Zusammenhang mit der
Ukraine bemerkte, werden sie ein verankertes Recht
auf Konsultationen mit der NATO haben, wenn sie eine
Bedrohung ihrer Sicherheit ausmachen.
Die Partnerschaft bietet die richtigen Anreize für ehemals kommunistische Staaten, um die demokratischen
Verfahren einzuführen, dieden NATO-Mitgliedstaaten
gemeinsam sind. Zum Beispiel werden die Partner die
Schritte spezifizieren, die sie zur demokratischen
Kontrolle ihres Militärs zu unternehmen gedenken, und
sie werden ihren Verteidigungshaushalt offenlegen.

stitionen sind erforderlich, und der Ertrag unserer
Investitionen ist hoch.
Wir müssen schnell ein Format für die von den Partnern vorzulegenden Dokumente ausarbeiten. Es ist
wichtig, daß wir die neuen Partner jetzt mit den Verteidigungsverfahren der NATO vertraut machen.
Wir müssen unseren Dialog mit den potentiellen Partnern aggressiv verfolgen. Wir haben bereits NATOTeams entsandt, um sie zu unterrichten. Diese Teams
erklären interessierten Ländern genau, wie der Prozeß
funktioniert und helfen ihnen, den Anfang zu ihrer
Beteiligung an den Aktivitäten der Partnerschaft für
Frieden zu machen.
Wir müssen unverzüglich handeln, um Aktivitäten der
Partnerschaft für Frieden und Vertreter der Partner in
relevante NATO-Organisationen einzugliedern.

Einige der ehemals kommunistischen Staaten haben
mehr Fortschritte erzielt als andere. Aber die Partnerschaft für Frieden möchte alle diese Nationen ermutigen, in diese richtige Richtung zu gehen.

Wir müssen die praktische Planung gemeinsamer
Übungen beginnen. Derartige Übungen müssen noch
in diesem Jahr stattfinden, wenn wir die Partnerschaft
glaubwürdig machen wollen.

Kurzum, die Partnerschaft ist ein greifbarer Beweis für
die Bereitschaft der NATO, neue Sicherheitsbeziehungen mit ihren östlichen Nachbarn zu schaffen. Sie
leitet sogar einen Prozeß in die Wege, der mit der Zeit
zur Erweiterung der NATO führen wird. Letztlich wird
sie dazu beitragen, andere Nationen auf eine mögliche
Mitgliedschaft in der NATO vorzubereiten, wenn diese
die von der Partnerschaft gebotenen Möglichkeiten
voll ausschöpfen und sich nicht vom Weg zu Demokratie, friedlichen Beziehungen zu ihren Nachbarn und
Wirtschaftsreform abbringen lassen.

Als weiteren Punkt möchte ich anführen, daß die
Vereinigten Staaten die Schaffung einer europäischen
Sicherhefts- und Verteidigungsidentität durch die
Westeuropäische Union unterstützen. Ein starker
europäischer Pfeiler ist entscheidend für ein starkes
Bündnis. Eine europäische Verteidigungsidentität sollte
die NATO ergänzen, nicht mit ihrkonkurrieren. Unsere
Unterstützung einer realen, aber die Dinge nicht
komplizierenden europäischen Verteidigungsfähigkeit
manifestiert sich in unserer Unterstützung des Konzepts eines Interalliierten Gemeinsamen Einsatzverbands. Damit wird es NATO-Mitgliedern und anderen
Koalitionen interessierter Nationen ermöglicht, gemeinsame Einsätze zu unternehmen, wenn die NATO
diese ablehnt, und ohne verschwenderische Duplikation von Ressourcen.

Es war eine kluge Entscheidung des Bündnisses, die
Partnerschaft für Frieden anzunehmen. Ich möchte
die Bündnispartner und besonders Generalsekretär
Wörner zu seiner Führung beglückwünschen. Die
Partnerschaft bietet eine dynamische Lösung für ein
dynamisches Problem.
Aber nachdem wir nun die politische Entscheidung
getroffen haben, müssen wir zur Tat schreiten. Wir
müssen praktische Schritte zu ihrer Durchführung
unternehmen, und wir dürfen keine Zeit mit Streitereien über Haushalts- und bürokratische Fragen vergeuden.
Vier Nationen sind der Partnerschaft für Frieden bereits beigetreten, und die Mehrzahl der mittel- und
osteuropäischen Länder hat ihre Absicht zum Beitritt
bekundet. Es ist Zeit zum Handeln.
Wir müssen alle unverzüglich die angemessenen Mittel bereitstellen, sowohl für die bescheidenen gemeinsamen Auslagen der NATO, als auch für ein aktives
Programm der Beteiligung unserer Streitkräfte an
Aktivitäten der Partnerschaft. Nur bescheidene Inve-

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Die Initiative der Partnerschaft für Frieden geht von
einem optimistischen Szenario aus und ist auf positive
Resultate ausgerichtet. Sie vermeidet neue Sicherheitsgrenzen in Europa zu einer Zeit, in der wir auf ein
integriertes Europa hinarbeiten, das besonders auch
Rußland miteinbezieht. Mein Kollege Strobe Talbott
formulierte unsere Zielvorstellungen kürzlich folgendermaßen: Ein stabiles, demokratisches, marktorientiertes Rußland, ein in seinen eigenen Grenzen sicheres Ru ßland, das die Grenzen anderer Länder respektiert, ein integriertes statt eingedämmtes Rußland."
Aber wir haben auch eine Art Rückversicherung gegen
negative Ergebnisse. Wenn Rußland sich an einen
Kurs innenpolitischer Reformen, Respektierung der
Unabhängigkeit seiner Nachbarn und Zusammenarbeit mit dem Westen hält, wird die NATO weiterhin
immer mehr Nationen einbeziehen. Wenn die Reform
in Rußland jedoch scheitern sollte, wird die NATO

AMERIKA DIENST 6

�immer noch da sein, um für die kollektive Verteidigung
ihrer Bündnispartner zu sorgen und wird bereits durch
die Partnerschaft mit deren aktiven Teilnehmerstaaten
die regionale Sicherheit verbessert haben.
Kurzum, Rußland hat die Wahl. Und welche Wahl
Rußland trifft, wird die Zukunft der NATO und der
Partnerschaft für Frieden maßgeblich beeinflussen.
Ich habe unsere Besorgnis und unsere Hoffnung
bezüglich Rußland ehrlich dargestellt. Aber ich möchte noch einmal eindeutig klarstellen, daß es äußerst
voreilig und zutiefst falsch wäre, wenn wir uns durch
diese Besorgnis dazu hinreißen ließen, unsere Bestrebungen für ein grundsätzlich neues Europa aufzugeben. Wenn wir das zu unserer Politik machten, würde
ich mit T.S. Eliot sagen: "Wir hatten die Erfahrung,
aber wir haben das Ziel verfehlt."
Um den Historiker Gordon Craig aus seiner Studie der
Weimarer Republik zu zitieren: 'Wenn ein wohlwollender Geist den Völkern Deutschlands und seiner benachbarten Staaten auch nur eine bruchstückhafte
Vorschau gegönnt hätte davon, was sie in den vierziger Jahren erwartete, ist es unmöglich zu glauben, daß

*

AMERIKA DIENST 6

sie nicht jedes nur mögliche Opfer gebracht hätten, um
die Weimarer Republik gegen ihre Feinde zu verteidigen. Aber diese Art Voraussicht ist dieser Welt nicht
gegeben, und die deutsche Republik hatte nie Freunde
und Unterstützung, wenn sie diese am dringendsten
brauchte."
Präsident Clinton hat klarzum Ausdruck gebracht, daß
die russischen Demokraten die nötigen Freunde haben werden. In einer Ansprache an das russische Volk
erinnerte er daran, daß "es wenige Menschen auf der
Welt gibt, die ein tieferes Wissen der Geschichte
besitzen, sowohl ihrer positiven als auch negativen
Erscheinungen, und die mehr Grund zu Hoffnung auf
die Zukunft haben als Sie." "Ich weiß," sagte er, "daß
die Gegenwart schwer ist, aber wenn Sie die richtige
Entscheidung treffen, wenn Sie Hoffnung statt Furcht
wählen, dann wird die Zukunft Ihren Mut und Ihre
Vision belohnen."
Und im tieferen Sinne würden wir alle an dieser Belohnung teilhaben, ebenso wie wir auch die Kosten mittragen, wenn diese Hoffnungen enttäuscht würden.
Vielen Dank.

* * *

*

Seite 5

�ABRÜSTUNG
9. Februar 1994

ENDE DES KALTEN KRIEGES ERHÖHT
NOTWENDIGKEIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE
Rede des neuen ACDA-Direktors bei Genfer Abrüstungskonferenz
GENF-(AD)-Aufgrund neuer "Quellen der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen", so John Holum,
"hat das Ende des Kalten Krieges die Notwendigkeit für Rüstungskontrolle faktisch erhöht".
In einer Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz erklärte John Holum, der neue Direktor des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung (Arms Control and Disarmament Agency - ACDA) am 25. Januar 1994,
"ehemals eingedämmte ethnische Spannungen sind in Gebieten freigesetzt worden, in denen die Gegner allzu
bereit zum Einsatz von Gewalt als erstem Mittel sind".
Der ACDA-Direktor stellte fest, Rüstungskontrolle könne "uns bei der Bewältigung der Herausforderung helfen,
Frieden und Stabilität in eine krisengeschüttelte neue Weltordnung zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die gekürzte Fassung der Ausführungen von Direktor Holum.

"Herr Präsident, meine Damen und Herren, dies ist für
mich die erste Gelegenheit, als Direktor des US-Amts
für Rüstungskontrolle und Abrüstung auf einer Sitzung
der Genfer Abrüstungskonferenz zu sprechen. Dieses
Forum dient der Sache einer sichereren und stabileren
Welt, und meine heutige Anwesenheit demonstriert
das Engagement der Clinton-Administration für die
Ziele der Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung. Bei meiner Bestätigung für dieses Amt
sicherte mir der Präsident zu, welch hohe Priorität er
persönlich konkreten, unverzüglichen Fortschritten bei
der Stärkung der internationalen Sicherheit durch
multilaterale Zusammenarbeit beimißt. Das Ende des
Kalten Krieges beinhaltet für die Abrüstungskonferenz
besondere Möglichkeiten, und ich versichere Ihnen
heute, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht
Stehende unternehmen werden, um das Beste daraus
zu machen. In diesem Zusammenhang möchte ich
eine an diese Konferenz gerichtete Botschaft von
Präsident Clinton verlesen:
'Ich bin dankbar für diese Gelegenheit, mich an
alle Teilnehmer der Genfer Abrüstungskonferenz wenden zu können. Diese Konferenz hat
zu Beginn der Sitzungsperiode 1994 mehrere
wichtige Punkte auf ihrer Tagesordnung, darunterTransparenz im Rüstungsbereich, und könnte noch weitere aufnehmen, wie das Verbot der
Produktion spaltbaren Materials für NuklearexAMERIKA DIENST 6

plosionen. Keine Angelegenheit ist wichtiger als
die Aushandlung eines umfassenden und verifizierbaren Verbots atomarer Explosionen. Dieses schwierige aber entscheidende Ziel ist die
oberste Priorität dieser Konferenz. Sie reflektiert unseren gemeinsamen Wunsch nach entschiedenen Maßnahmen, die das globale atomare Nichtverbreitungsregime unterstützen und
ergänzen werden und den Erwerb sowie die
Entwicklung von Nuklearwaffen weiter einschränken.
Regionale Instabilitäten, das Ende des Kalten
Krieges sowie die wachsende Gefahr einer Weiterverbreitung von Atomwaffen haben neue und
zwingende Umstände geschaffen, um den
begonnenen Abrüstungsprozeß weiter fortzusetzen. Entsprechend entschied ich im Juli
vergangenen Jahres, das Moratorium für das
Verbot von Atomtests in den Vereinigten Staaten zu verlängern und setzte mich für den Abschluß eines Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot ein. Gleichzeitig rief ich die
anderen Staaten im Besitz von Atomwaffen
dazu auf, sich an das Atomtestmoratorium zu
halten, und das tue ich heute erneut.
Ich bin zuversichtlich, daß Botschafter Ledogar
und die amerikanische Delegation gemeinsam

Seite 1

�mit Ihnen mutige Schritte unternehmen werden,
um durch die möglichst baldige Aushandlung
eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot, der die Sicherheit aller Nationen stärken
wird, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen. Während dieser bedeutenden Konferenz
begleiten Sie meine besten Wünsche.'
Die Abrüstungskonferenz ist das einzige multilaterale
Forum zur kontinuierlichen Verhandlung von Fragen
der globalen Rüstungskontrolle und Abrüstung. Ihre
Teilnehmer kommen aus allen Regionen der Erde und
spiegeln eine breite Palette von Sorgen und Interessen
wider. Wir alle halten dieGenfer Abrüstungskonferenz
für einen Marktplatz der Ideen und einen Ort, an dem
die Nationen sich praktischen Dingen widmen und
Abkommen schließen, die die internationale Sicherheit erhöhen.
Die Vereinigten Staaten erkennen die Bedeutung der
Abrüstungskonferenz als multilaterales Rüstungskontrollgremium an, und wir haben eine angemessene
Ausweitung der Mitgliedschaft stets befürwortet. Wir
bestehen jedoch darauf, daß es unangebracht wäre,
den Status von Ländern bei der Konferenz zu verbessern, deren Verhalten weiterhin den Zielen der Organisation diametral entgegengesetzt ist. Wir hoffen,
daß die Teilnehmer der Konferenz weiterhin zusammenarbeiten, um einen Konsens über ein akzeptables
Mitgliedschaftspaket zu schmieden.

von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme verhindern. Wir können zur Schaffung von
Vertrauen beitragen, indem wir unsere militärischen
Aktivitäten transparenter gestalten. Diese Dinge sind
kein Anzeichen für Schwäche oder Kapitulation, sondern eine kluge Investition in die Zukunft und ein
sicherer Weg, unsere gesamten vitalen nationalen
Interessen zu sichern."
Anschließend ging der ACDA-Direktor auf derzeitige
Entwicklungen im Abrüstungsbereich ein, unter anderem die Unterzeichnung des trilateralen Abkommens
durch die Präsidenten der Ukraine, der Russischen
Föderatbn und der Vereinigten Staaten vor drei Wochen,
das die Verlegung aller Atomwaffen von ukrainischem
Gebiet nach Rußland und ihre dortige Verschrottung
vorsieht. Auch erwähnte er regionale Abrüstungsbestrebungen wie die ACRS-Arbeitsgruppe (Arms Control and Regional Secur'ity) als Teil des Friedensprozesses im Nahen Osten sowie ein neues, vom ASEAN
geschaffenes regionales Forum. Angesichts der
Dynamik des Abrüstungsprozesses enthält die Tagesordnung der Abrüstungskonferenz die folgenden schwierigen Themen:
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (CTBVertrag)

"Ich möchte eindeutig klarstellen: Die Politik der
Vereinigten Staaten besteht - wie von Präsident Clinton am 3. Juli 1993 angekündigt - in der entschiedenen
Die Chemiewaffenkonvention demonstriert lebhaft, wie Unterstützung für den möglichst baldigen Abschluß
konstruktiver Ideenwettbewerb und die Verfolgung eines CTB-Vertrags. In der heutigen Zeit nach dem
verschiedener Interessen und Anliegen zu Leistungen Ende des Kalten Krieges gewinnt ein solcher Vertrag
führen können, die dergesamten internationalen Staa- noch an Bedeutung. Ein CTB-Vertrag wird ein bedeutengemeinschaft nutzen. Ich beglückwünsche Sie zu tender Teil unserer Bestrebungen zur Nichtverbreidieser beachtlichen Errungenschaft.
tung von Atomwaffen sein und den im Besitz dieser
Waffen befindlichen Ländern beträchtliche BeschränDies ist jedoch nicht der Zeitpunkt, die Hände in den kungen auferlegen.
Schoß zu legen. Es bleibt viel zu tun, den Anforderungen muß sofort entsprochen werden, und wir haben Ein CTB-Vertrag wird nur mit Teilnahme und Untereine einzigartige Gelegenheit, an der konstruktiven stützung der fünf Atommächte und breiter internatioGestaltung der Welt mitzuwirken.
naler Zustimmung erfolgreich sein. Die Atommächte
tragen eine besondere Verantwortung, einen Beitrag
Das Ende des Kalten Krieges hat jedoch die Notwen- zu diesen Verhandlungen zu leisten, und die Vereinigdigkeit von Rüstungskontrolle faktisch erhöht. Es gibt ten Staaten werden ihrer Verantwortung mit Engageneue Quellen der Weiterverbreitung von Massenver- ment nachkommen. Unserer Ansicht nach ist die
nichtungswaffen und ihrer Abschußvorrichtungen. Verlängerung des amerikanischen Moratoriums für
Ehemals eingedämmte ethnische Spannungen sind in Atomtests ein greifbarer Beweis unseres EngageGebieten freigesetzt worden, in denen die Gegner ments für den CTB-Vertrag. In seiner an Sie gerichteallzu bereit zum Einsatz von Gewalt als erstem Mittel ten Botschaft hat der Präsident die anderen, im Besitz
sind. Bedauerlicherweise gibt es genügend Anhalts- von Atomwaffen befindlichen Länder erneut dazu
punkte dafür, daß wir in einer Welt leben, in der die aufgerufen, von Atomtests abzusehen.
Technologie schnellere Fortschritte macht als die
Klugheit der Menschen.
Stärkung des Nichtverbreitungsregimes
• i

Rüstungskontrolle kann uns bei der Bewältigung der
Herausforderung helfen, Frieden und Stabilität in eine
krisengeschüttelte neue Weltordnung zu bringen. Wir
können destabilisierende militärische Kräfte begrenzen und abbauen. Wir können die Weiterverbreitung

Seite 2

'\r-t

Nach dem Ende des Kalten Krieges haben wir uns aus
einer bipolaren Welt in eine multipolare Welt begeben.
Die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen
bleibt bestehen, und damit auch die Notwendigkeit,
den Nichtverbreitungsvertrag (NW) als wichtigstes

AMERIKA DIENST 6

�Bollwerk gegen die weitere Verbreitung von Atomwaffen zu erhalten. Der N W reflektiert einen breiten
Konsens gegen die Weiterverbreitung. Der Vertrag
errichtet auch einen Rahmen für die Verhinderung der
Weiterverbreitung von Atomwaffen sowie für erleichterte und geregelte staatliche Zusammenarbeit bei der
friedlichen Nutzung von Atomenergie. Ferner hat er
sich als bedeutendes Instrument fürdie Förderung der
sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung seiner Mitgliedstaaten erwiesen.
Die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Jahr 1995 wird gewährleisten, daß die
vielen Vorteile des Vertrags für seine Parteien in
Reichweite bleiben. Durch die unbegrenzte Verlängerung wird die internationale Staatengemeinschaft den
Möchtegern-Weiterverbreitern das eindeutigste Signal
senden, daß ihre Aktivitäten nicht toleriert werden.
Unterbindung der Produktion von spaltbarem Material
Unser Ziel der Neugestaltung der nuklearen Kontouren der sicherheitspolitischen Landkarte der Welt nach
dem Kalten Krieg endet hier noch nicht. Die erfolgreiche Inkraftsetzung des INF-Vertrags, die Durchsetzung unilateraler Initiativen wie der Abbau und die
Zerlegung von taktischen Nuklearwaffen, Abkommen
zur Reduzierung strategischer Waffen, einschließlich
des START I- und des START Il-Vertrags stellten
wichtige Beiträge zur Eindämmung der Weiterverbreitung von Atomwaffen dar. Jetzt können wir dem nicht
nurdie CTBT-Verhandlungen und die Erweiterung des
Nichtverbreitungsvertrags hinzufügen, sondern auch
die Verhandlungen über ein weltweites Abkommen
über das Verbot der weiteren Produktion von hochangereichertem Uran und Plutonium außerhalb der internationalen Schutzvorschriften oder für Explosivverfahren, wie Präsident Clinton in seiner Rede vor der
UN-Generalversammlung im September vergangenen Jahres forderte.
Ein derartiges Abkommen sollte hier auf der Abrüstungskonferenz offiziell ausgehandelt werden. Die
übereinstimmende Unterstützung einer solchen Konvention durch die Vereinten Nationen war uns eine
große Ermutigung. Ein nichtdiskriminierendes, multilaterales und wirksam verifizierbares Verbot der Produktion von spaltbarem Material könnte die ungeschützten Nuklearprogramme bestimmter Staaten, die
dem Nichtverbreitungsvertrag nicht beigetreten sind,
erstmals gewissen Einschränkungen unterwerfen. Auch
würde dadurch die Produktion von Plutonium und
hochangereichertem Uran für Nuklearwaffen in den
fünf erklärten Atomstaaten beendet.
Negative Sicherheitszusagen
Negative Sicherheitszusagen sind ebenfalls mit der
Sache der Nichtverbreitung eng verbunden.

AMERIKA DIENST 6

Wir können die Erfindung von Atomwaffen nicht rückgängig machen, wir können diese Waffen jedoch unter
Kontrolle bringen. Wir können ihre Auswirkungen und
ihren Einflu ß begrenzen. Ein starker Abbau des Atomwaffenbestands, gestärkte und erweiterte Nichtverbreitungsnormen, der Abschluß des CTB-Vertrags,
ein weltweites Verbot der Produktion von spaltbarem
Material und weitere Maßnahmen werden die Rolle
von Atomwaffen in der Welt des 21. Jahrhunderts
grundlegend verändern. All diese Schritte werden
einen Beitrag zu dem wichtigen Ziel leisten, dem wir
alle verpflichtet sind - einer sichereren und stabileren
Welt.
Die Herausforderung konventioneller Waffen
Das verheerende Zerstörungspotential von Atomwaffen und die durch andere Massenvernichtungswaffen
entstehenden Gefahren erfordern, daß sie auf unserer
Tagesordnung der Rüstungskontrolle ganz oben stehen, aber sie dürfen nicht einfach nur Tagesordnungspunkte sein. Ein weiteres wichtiges Element der
Rüstungskontrolle stellen konventionelle Waffen dar.
Der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE-Vertrag) ist ein Meilenstein beim Abbau konventioneller Waffen. Er dient als Grundlage für die Sicherheitsarchitektur Europas nach dem Kalten Krieg, die
auf Kooperation anstelle von Konfrontation basiert.
Wir sehen der vollen Umsetzung des Vertrags im Jahr
1995 erwartungsvoll entgegen und stellen mit Befriedigung fest, daß Zehntausende von Ausrüstungsgegenständen bereits zerstört worden sind.
Die unmittelbare Herausforderung für dieses Forum
besteht in der Förderung von mehr Transparenz in
Sicherheitsfragen. Transparenz wiederum führt zu
mehr Vertrauen, das die Grundlage für stabile politische Beziehungen bildet.
Im vergangenen Jahr rief die Genfer Abrüstungskonferenz einen Ad-hoc-Ausschuß über Transparenz bei
Rüstungsfragen (Transparency in Armaments - TIA)
ins Leben. Dieser seit mehreren Jahren erste von der
Abrüstungskonferenz eingerichtete Ausschuß stellte
die Fähigkeit der Konferenz unter Beweis, sich an die
Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg
anzupassen. Er ist auch von Bedeutung, da er der
einzige Punkt auf Ihrer Tagesordnung ist, der sich mit
konventionellen Waffen befaßt. Ich ermutige Sie entschieden, Ihre Arbeit auf der im vergangenen Jahr vom
TIA-Ad-hoc-Ausschuß gelegten sehr nützlichen Grundlage fortzusetzen. Ich empfehle Ihnen ferner, die
Ideen in Erwägung zu ziehen, die vergangenes Jahr
von den Vereinigten Staaten zu r Förderung von Transparenz bei konventionellen Waffen unterbreitet wurden.
Eine weitere Frage im Bereich der konventionellen
Waffen, bei der wir bereits erste Schritte unternommen
haben, bezieht sich auf Landminen. Diese Waffen

Seite 3

�fordern weiterhin unter der Zivilbevölkerung große
Opfer, ungeachtet dessen, ob sie sich in einer aktiven
Kampfzone befinden. Die Vereinten Nationen haben
übereinstimmend die von den Vereinigten Staaten
initiierte Resolution unterstützt, die ein Moratorium für
den Export von gegen lebende Ziele gerichtete Landminen fordert. Jetzt müssen wir den nächsten Schritt
tun und das weltweite Moratorium zu einer Realität
machen. Dadurch werden wir nicht nur die Zukunft
vieler unschuldiger Zivilisten schützen, sondern auch
die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Problemen
lenken, die lange Zeit für unlösbar gehalten wurden.
Eine umfassende Tagesordnung für die Zukunft
Trotz der Tatsache, daß die Chemiewaffenkonvention
jetzt nicht länger in den Zuständigkeitsbereich der
Genfer Abrüstungskonferenz fällt, bin ich mir bewußt,
daß viele von Ihnen großes Interesse am weiteren
Schicksal der Konvention haben. Im vergangenen
November unterbreitete Präsident Clinton in Washington dem Senat diese Konvention zur Beratung und
Annahme und wird sich für ihre Ratifizierung zu Beginn
dieses Jahres einsetzen. Die Vereinigten Staaten
fordern alle anderen Signatarstaaten dringend dazu
auf, ebenso zu handeln, damit die Konvention für die
entscheidenden Parteien möglichst bald in Kraft treten
kann.
Die Konvention über biologische- und Toxinwaffen
wurde seit ihrem Inkafttreten durch die Erhöhung der
Mitgliederzahl und durch von mehreren Überprüfungskonferenzen entwickelte vertrauensbildende Maßnahmen gestärkt. Wir sind der Ansicht, daß die Welt noch
mehr unternehmen kann. Präsident Clinton hat bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten neue
Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz von
Aktivitäten und Einrichtungen fördern werden, bei denen
biologische- und Toxinwaffen Anwendung finden. Die
Vereinigten Staaten unterstützen auch die Arbeit der
Ad-hoc-Gruppe von Regierungsfachleuten, die zur
Identifizierung und Untersuchung möglicher Verifizierungsmaßnahmen für die Konvention über biologische- und Toxinwaffen unter einem wissenschaftlichen und technischen Gesichtspunkt gebildet wurde.
Wir sprechen uns für die baldige Einberufung einer
Konferenz aus, um den Bericht zu prüfen und die
nächsten Schritte zur Stärkung der internationalen
Normen gegen eine Geißel zu beraten, die durchaus
zur Massenvernichtungswaffe der Zukunft werden
könnte.

*

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Die Nichtverbreitungspolitik der Clinton-Administration umfaßt auch den Versuch, nach Lösungen zu
suchen, wo die Nichtverbreitungsnormen nicht greifen. Die Vereinigten Staaten haben im Hinblick auf die
Ambitionen Nordkoreas im Atomwaffenbereich eine
entschiedene Haltung eingenommen. Das bedeutet,
daß Nordkorea ein vollwertiges Mitglied des Nichtverbreitungsvertrags bleiben und mit der Internationalen
Atomenergie-Organisation in allen Bereichen zusammenarbeiten muß, einschließlich der Zustimmung zu
regulären und außerordentlichen Inspektionen sowie
der umfassenden Durchsetzung des von Nord- und
Südkorea erzielten Entnuklearisierungsabkommens.
Die Gefahr der Weiterverbreitung ist in Südasien und
dem Nahen Osten akut. Die Vereinigten Staaten
ermutigen Indien und Pakistan, sich multilateralen
Bestrebungen zur Überprüfung der regionalen Sicherheit und Rüstungskontrolle anzuschließen. Wir unterstützen auch in Zukunft die Aktivitäten der Rüstungskontrollgruppe für den Nahen Osten und der Arbeitsgruppe für regionale Sicherheit.
Die Verbreitung von Raketentechnologie macht die
Welt für uns alle zu einem gefährlicheren Ort. Die
Vereinigten Staaten streben eine Stärkung des Raketentechnologie-Kontrollregiemes (Missile Technology
Control Regime - MTCR) an um sicherzustellen, daß
es weiterhin ein wirksames Instrument zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Raketen bleibt.
Schlußfolgerung
Herr Präsident, die Abrüstungskonferenz wird durch
ihre bei der Chemiewaffenkonvention erzielten Erfolge
gestärkt. Sie wird angespornt durch die Aussicht auf
die Aushandlung eines umfassenden Atomtestverbots. Sie wird gefordert durch den Ruf nach einer
Erhöhung der Transparenz bei Rüstungsfragen. Sie
wird gestärkt durch au ßerhalb dieses Gebäudes stattfindende wichtige Entwicklungen im Rüstungskontrollbereich.
Unsere Verantwortung heute liegt darin, das Meiste
aus der sich uns bietenden Chance zu machen. Die
Aufgabe liegt unmittelbar vor uns, ihre Ergebnisse
werden jedoch von langer Dauer sein. Die Herausforderungen sind enorm, aber ihnen steht auch das
Versprechen greifbarer Ergebnisse gegenüber. Der
Weg ist steinig, aber wenn wir am Ziel ankommen, wird
es jegliche Mühe wert gewesen sein. Lassen Sie uns
an die Arbeit gehen."

* * *

*

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�MENSCHENRECHTE
9. Februar 1994

FORTSCHRITTE BEI DER
MENSCHENRECHTSSITUATION 1993,
VERLETZUNGEN DAUERN JEDOCH AN
Jahresübersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Trotz 1993 bei der Menschenrechtssituation erzielter Fortschritte sind in diesem Jahr
weltweit immer noch Verletzungen von Menschenrechten zu verzeichnen, und politischer Unterdrückung wurde
an allzuvielen Orten kein Ende gesetzt, so die Jahresübersicht des US-Außenministeriums.
Die am 1. Februar 1994 veröffentlichte Übersicht mit Berichten aus 193 Ländern belegt, daß Rückschläge bei
den Menschenrechten zwar die "in einigen Teilen der Welt erzielten Fortschritte wieder aufwiegen", jedoch der
tägliche Kampf für Menschenrechte auf globaler, nationaler und lokaler Ebene mehr Aufmerksamkeit erhielt als
je zuvor."
Besondere Besorgnis riefen dem Jahresbericht für 1993 zufolge hervor: "Folter, willkürliche Festnahme,
Straffreiheit für Menschenrechtsverletzer sowie die Tatsache, daß die Rechte von Frauen, Kindern, Urbewohnern und Arbeitnehmern in vielen Teilen der Welt mit Füßen getreten werden".
Zu den positiven Entwicklungen des Jahres 1993 zählten verstärkte Bewegungen an der Basis zur Förderung
von Menschenrechten, "da die Menschen ihre unveräußerlichen Rechte einfordern und von ihren Regierungen
Rechenschaft verlangen", so das Dokument.
Die Jahresübersicht basiert auf von amerikanischen Botschaften, ausländischen Regierungen, internationalen
Organisationen und anderen Quellen erhaltenen Informationen. Sie setzt internationale Menschenrechtsnormen als Maßstab für die Bewertung der Menschenrechtssituation eines Landes ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über den Jahresbericht 1993.

Grund für die Erstellung der Berichte
Diese Übersicht wird dem Kongreß vom Außenministerium im Einklang mit Artikel 116(d)(1) und Artikel
502B(b) des Auslandshilfegesetzes von 1961 in seiner
geänderten Form sowie Artikel 505(c) des Handelsgesetzes von 1974 in seiner geänderten Form vorgelegt.
Artikel 116(d)(1) des Auslandshilfegesetzes stellt fest:
"Der Außenminister soll dem Speaker des Repräsentantenhauses und dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten bis zum 31. Januar jedes Jahres
einen umfassenden und vollständigen Bericht überdie
Situation der international anerkannten Menschenrechte geben - nach Absatz (A) in Ländern, denen
gemäß dieser Bestimmungen Auslandshilfe gewährt
wurde, sowie nach Absatz (B) in allen anderen Ländern, die Mitglied der Vereinten Nationen sind und

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nicht unter diesem Gesetz auf andere Weise Gegenstand eines Menschenrechtsberichts sind." Wir haben
auch Berichte über einige Länder einbezogen, die
nicht in die von diesen Gesetzesbestimmungen festgesetzten Kategorien und somit nicht unter diese
Erfordernisse des Kongresses fallen.
Die Idee, daß die Vereinigten Staaten sich für die
Einhaltung international anerkannter Menschenrechtsnormen einsetzen sollten, nahm in den siebziger Jahren Gestalt an. 1976 erließ der Kongreß Gesetze zur
Einrichtung des Büros eines Koordinators für Menschenrechte im Außenministerium, das später zum
Amt eines Abteilungsleiters aufgewertet wurde. Der
Kongreß verlieh auch der offiziellen Forderung Gesetzeskraft, daß die amerikanische Außen- und Handelspolitik die Situation der Menschen- und Arbeitneh-

Seite 1

�merrechte in anderen Ländern in Betracht ziehen sollte
und dem Kongreß jährlich Länderberichte vorgelegt
werden. Bei der erstmaligen Erstellung dieser Übersicht 1977 wurden nur die 82 Empfänger amerikanischer Hilfe erfaßt; für 1993 wurden Berichte über 193
Länder erstellt und veröffentlicht.
Verfahren zur Erstellung der Berichte

im Bereich der amerikanischen Außenpolitik, der
Ausbildung und der Hilfszuweisungen dienen. Er soll
femer die Grundlage für konstruktiven Dialog und
Planung zu Möglichkeiten bilden, wie die Vereinigten
Staaten mit ausländischen Regierungen und privaten
Gruppen zur Verbesserung der weltweiten Menschenrechtsbilanz zusammenarbeiten können.

Die Länderberichte zur Menschenrechtssituation
umfassen international anerkannte Rechte des einzelnen, politische, Bürger- und Arbeitnehmerrechte, wie
in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
enthalten. Dazu gehören auch das Recht auf Freiheit
vor Folter sowie vor grausamer, unmenschlicher und
erniedrigender Behandlung oder Bestrafung, vor längerer Inhaftierung ohne Anklage, Verschwinden aufgrund von Verschleppung oder heimlicher Festnahme
sowie anderen eklatanten Verletzungen des Rechts
auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Der
einzelne genießt das unveräußerliche Recht auf die
Absetzung der Regierung mit friedlichen Mitteln und
auf die bürgerlichen Freiheiten wie Meinungs-, VerUnsere Botschaften, die erste Entwürfe für die Berich- sammlungs-, Religionsfreiheit und Freizügigkeit ohne
te vorlegten, sammelten während des ganzen Jahres Diskriminierung aufgrund von Rasse, Nationalität oder
Informationen aus einer Vielzahl von Quellen, ein- Geschlecht. Freie Gesellschaften bedürfen auch freischließlich Kontakten zum gesamten politischen Spek- er Gewerkschaften. Die Berichte beurteilen die intertrum, Regierungsbeamten, Juristen, Militärs, Journali- national anerkannten wichtigsten Arbeitnehmerrechsten, Menschenrechtsbeobachtern, Akademikern und te, einschließlich der Koalitionsfreiheit, dem Recht,
Gewerkschaftsmitgliedern. Das Einholen von Infor- sich zu organisieren und Tarifverträge auszuhandeln,
mationen kann gefährlich sein. Die Angehörigen des dem Verbot von Zwangsarbeit, Mindestalter für die
diplomatischen Dienstes unternehmen oftmals große Beschäftigung von Kindern sowie annehmbare ArAnstrengungen unter schwierigen und bisweilen ge- beitsbedingungen.
fährlichen Bedingungen, um gemeldete MenschenDie Übersicht von 1993
rechtsverletzungen zu überprüfen, sich für einzelne
Bürger einzusetzen und Wahlen zu überwachen.
Die Übersicht über die Berichte von 1993 beschreibt
eine Welt, die von den Vorstellungen unseres Landes
Die Berichtsentwürfe wurden von den einzelnen Bot- und anderer Staaten noch weit entfernt ist. Auf der
schaften nach Washington übermittelt und dort vom ganzen Welt leiden Menschen, die das Recht auf ein
Büro für Menschenrechte und humanitäre Angelegen- Leben in Freiheit und Würde haben, allzuoft unter der
heiten in Zusammenarbeit mit anderen relevanten Grausamkeit von Behörden, die sie ihrer Rechte beStellen des Außenministeriums sorgfältig geprüft. Bei rauben, um ihre eigene Macht zu sichern. 1993 wurde
der Erhärtung, Analyse und Herausgabe der Berichte Kindern viel zu oft ihr Geburtsrecht verweigert - in von
bedienten sich die Mitarbeiter des Außenministeriums Diktatoren beherrschten oder von bewaffneten Konzusätzlich ihrer eigenen Informationsquellen, darunter flikten erschütterten Ländern, in denen Gewehrkugeln,
Berichte von amerikanischen und ausländischen Folter, willkürliche Festnahme, Vergewaltigung, VerMenschenrechtsvereinigungen, Vertretern ausländi- schleppung und andere Menschenrechtsverletzungen
scher Regierungen, Angehörigen der Vereinten Natio- dazu benutzt werden, die nach politischer Freiheit
nen sowie anderen internationalen und regionalen Strebenden zum Schweigen zu bringen, jene zu unterOrganisationen und Institutionen, Fachleuten aus
drücken, deren ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht,
Akademikerkreisen und den Medien und hielten KonRasse oder Religion sie zu möglichen Opfern von
sultationen mit all diesen Quellen ab. Die Mitarbeiter
Diskriminierung machen oder die Schwächsten einzudes Außenministeriums zogen auch Experten für
schüchtern oder zu mißhandeln. Die Charta der
Arbeitnehmerrechte, Flüchtlingsfragen, militärische und
Vereinten Nationen bekräftigt "Würde und Wert der
polizeiliche Angelegenheiten, Exil-, Frauen- und Rechtsmenschlichen Persönlichkeit". 1993 wurde jedoch an
fragen zu Rate. Ziel dieser Bestrebungen war sicherallzu vielen Orten die Würde des Menschen verletzt,
zustellen, daß sämtliche relevanten Informationen in
Gewalt wurde durch Straffreiheit verewigt, die für
Betracht gezogen wurden und die Einschätzungen so
massive Menschenrechtsverletzungen Verantwortliobjektiv, gründlich und fair wie möglich waren. Der
chen kamen ungestraft davon und politischer UnterBericht wird als Quelle für die Entscheidungsfindung
drückung wurde kein Einhalt geboten.
Die Menschenrechtsberichte sind das Ergebnis des
engagierten Einsatzes Hunderter von Mitarbeitern des
Außenministeriums und anderer Angestellter der USRegierung während des ganzen Jahres. Im August
1993 erließ der Außenminister eine Richtlinie, mit der
die Menschenrechtsstruktur in unseren Botschaften
weiter verbessert wurde. Sämtliche Abteilungen jeder
Botschaft wurden ersucht, Informationen zu liefern
und Berichte über Menschenrechtsverletzungen zu
erhärten. Es wurden erneut Anstrengungen unternommen, um die Arbeit der Auslandsvertretungen
stärker mit der Förderung von Menschenrechten und
Demokratie zu verknüpfen.

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•

•

�Dieses Jahr wenden wir unsere besondere Aufmerksamkeit einigen Tendenzen zu, die aus den Berichten
von 1993 ersichtlich sind. Bewaffnete Konflikte stellten diegrößte Bedrohung der Menschenrechte dar. Im
Gegensatz dazu sind der historische Händedruck
zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und dem Führer der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO), Yassir Arafat, die
Bemühungen des Vorsitzenden des Afrikanischen
Nationalkongresses (ANC), Nelson Mandela, und des
Präsidenten von Südafrika, F.W. de Klerk, um Wahlrecht für alle Bürger, für die ihnen der Nobelpreis
verliehen wurde, sowie der Friedensprozeß in El Salvador Beispiele für die Annäherung an eine Versöhnung, wo diese vorher unmöglich schien.
Dieser Gegensatz zwischen Gewalt und Versöhnung
war typisch für ein Jahr, in dem die Sache von Demokratie und Menschenrechten sowohl Fortschritte als
auch Rückschritte zu verzeichnen hatte. Der Demokratisierungsprozeß in Kambodscha machte mit der
erfolgreichen Veranstaltung von Wahlen Fortschritte,
erlitt jedoch auf Haiti einen Rückschlag, wo das Militär
die Rückkehr von Präsident Aristide verhinderte.
Gleichzeitig setzten sich die Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt fort. Besondere Besorgnis riefen 1993 bei uns die folgenden Vorfälle hervor:
Folter, willkürliche Festnahme, Straffreiheit für Menschenrechtsverletzer sowie die Tatsache, daß die
Rechte von Frauen, Kindern, Eingeborenen und Arbeitnehmern in vielen Teilen der Welt mit Fü ßen getreten werden.
1993 waren jedoch auch positive Tendenzen zu verzeichnen. Staaten, die im Rahmen der Vereinten
Nationen, der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der Organisation für
Afrikanische Einheit (OAE) zusammenarbeiten, unterstützten neue Demokratien, vermittelten in Konflikten
und unternahmen Schritte, um sich gegenseitig für
Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu
ziehen. Auf der ganzen Welt verbreiteten sich Basisgruppen zur Förderung von Menschenrechten und
Demokratie, während die Menschen ihre unveräußerlichen Rechte einforderten und ihre Regierungen zur
Verantwortung zogen.
I. Bewaffnete Konflikte
In Bosnien, dem Sudan, Burundi, Somalia, Angola,
Irak, Aserbaidschan, Georgien und andernorts führten
bewaffnete Konflikte zu einer großen Zahl von Zivilopfern, Flüchtlingsströmen und Menschenrechtsverletzungen. Viele der Konflikte wurden von unverantwortlichen Politikern geschürt, die die Angst der Menschen ausnutzten.
In vielen Gebieten des ehemaligen Jugoslawien dauert das Gemetzel an. 1993 wurden, wie schon 1992,
Angehörige aller Nationalitäten gequält, und es waren

AMERIKA DIENST 6

zahlreiche Verletzungen der Genfer Konventionen zu
beobachten. Die Streitkräfte der bosnischen Serben
setzten mit Unterstützung Belgrads und der serbischen paramilitärischen Truppen hartnäckig ihr Programm der"ethnischenSäuberungen"fort, einschließlich der Belagerung von Städten, dem wahllosen
Beschuß von Zivilisten, der Vergewaltigung und Exekution von Nichtkombattanten und der Behinderung
humanitärer Hilfslieferungen. Die Kriegshandlungen
wurden 1993 ungehindert fortgesetzt, wobei auch die
bosnische Regierung und die kroatischen Streitkräfte
ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen begingen.
Im Sudan machten sich sowohl die Regierung als auch
die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (Sudanese
People's Liberation Army - SPLA) weitverbreiteter
Menschenrechtsverletzungen schuldig, darunter Folter, Zwangsumsiedlungen und Massaker an Zivilisten.
In Somalia wurde durch die internationalen humanitären Hilfsleistungen zwar eine Hungersnot großen
Ausmaßes verhindert, die meisten Somalier setzten
sich jedoch überdie Vorschriften sowie den Schutz der
Rechtsstaatlichkeit und sozialen Ordnung hinweg.
Im Irak setzte Saddam Husseins Regime seine eklatanten Menscherechtsverletzungen fort, indem es
militärische Operationen gegen Zivilisten durchführte,
Dörfer niederbrannte und dem Erdboden gleichmachte und die Menschen zum Verlassen ihrer Häuser
zwang, insbesondere die in den Sumpfgebieten im
Süden des Irak lebenden Schia-Araber.
In Aserbaidschan führte der fortdauernde Konflikt über
Nagomyj Karabach bei allen Konfliktparteien zu Menschenrechtsverletzungen.
In der georgischen Provinz Abchasien begannen
abchasische Separatisten ein Schreckensregime,
nachdem sie durch eine erfolgreiche Offensive Kontrolle über die Provinz erlangt hatten. Eine Vielzahl
georgischer Zivilisten und Truppen wurden Opfer von
Folterungen oder Massenexekutionen.
II. Versöhnung
Trotz dieses Blutvergießens war 1993 auch ein Jahr,
im dem einige Länder unter Überwindung von Schwierigkeiten einer Versöhnung näherkamen. 1964 schrieb
Nelson Mandela:
"Ich habe gegen die Herrschaft der Weißen
gekämpft, und ich habe gegen die Vorherrschaft
der Schwarzen gekämpft. Ich habe das Ideal
einer demokratischen und freien Gesellschaft in
Ehren gehalten, in der alle Menschen in Harmonie miteinander leben und Chancengleichheit
herrscht. Es ist ein Ideal, für das ich lebe und
das ich hoffentlich erreiche."
Dreißig Jahre späterführten Nelson Mandela und F.W.
de Klerk ihr Land zu diesem Ideal.
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�Auch beim Friedensprozeß im Nahen Osten wurden
Fortschritte erzielt. An einem warmen Septembertag
in der Bundeshauptstandt Washington wurde die Welt
Zeuge des historischen Händedrucks zwischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und PLO-Führer Yassir
Arafat, der jahrelang andauernde Konflikte überwand.
In diesem Moment vereinigten die beiden Männer die
Hoffnungen ihrer Völker auf Frieden.
Im einst von Bürgerkrieg erschütterten El Salvador
vollendete die UN-Wahrheitsfindungskommission ihre
Untersuchungen der im letzten Jahrzehnt begangenen Menschenrechtsverletzungen und empfahl spezifische Maßnahmen zur Förderung des Versöhnungsprozesses.
In Mosambik waren beim politischen Versöhnungsprozeß zwar viele Rückschritte zu verzeichnen, die
Umsetzung der Friedensvereinbarungen von 1992
wurde jedoch fortgesetzt, wodurch die Mosambikaner
größeren Schutz vor Menschenrechtsverletzungen
sowie die Chance auf mehr bürgerliche und politische
Rechte erhalten.
Obwohl die Menschenrechtsverletzungen in diesen
Ländern andauerten, werden auch Fortschritte erzielt.
III. Demokratie
Im Jahr 1993 träumten Menschen auf der ganzen Welt
von Demokratie. Es waren Fortschritte und Rückschläge zu beobachten. In Kambodscha nahmen
nach der historisch größten UN-Friedensmission 90
Prozent der Wahlberechtigten an freien und fairen
Wahlen teil - den ersten in einem Jahrzehnt - und
schufen somit die Möglichkeit einer langfristigen
demokratischen Evolution. Die verbleibenden 370.000
kambodschanischen Flüchtlinge, die überwiegend an
der Grenze zu Thailand lebten, wurden unter Aufsicht
des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen aus freiem Entschluß in ihre Heimat zurückgeführt.
Im Gegensatz dazu verhinderte das Militär auf Haiti
weiterhin die Rückkehr des demokratisch gewählten
Präsidenten Aristide. Eng mit dem Militär verbündete
rechtsradikale Mörderbanden ermordeten den rechtmäßig ernannten Justizminister und verübten gezielt
Mordanschläge auf bestimmte Personen.

Fortschritte bei bürgerlichen und politischen Rechten
gab es Rückschläge, vor allem während der gewalttätigen Verfassungskrise im Oktober.
In Burma weigerten sich die Militärbehörden weiterhin,
die Ergebnisse der Wahlen vom Mai 1990 umzusetzen, bei denen ihre Herrschaft abgelehnt worden war.
In Nigeria machte das Militär die Wahlergebnisse
zunichte, löste alle demokratischen Institutionen auf
und regiert das Land jetzt per Dekret.
In Burundi wurde der erste demokratisch gewählte
Präsident ermordet, was einen blutigen Konflikt auslöste.
Die Grundlage einer demokratisch gewählten Regierung ist das Recht der Bürger, ihre Regierung durch
freie und faire Wahlen zu bestimmen. Wahlen sind
natürlich nicht der Inbegriff einer Demokratie, aber
eine Grundlage. Demokratie erfordert auch die Schaffung bürgerlicher Gesellschaften, in denen die Menschen sich uneingeschränkt am demokratischen Prozeß beteiligen können. Rechtsstaatlichkeit, bürgerliche Kontrolle des Militärs, eine unabhängige Gerichtsbarkeit, freie Medien und das Recht der Menschen auf
Rede-, Koalitions- und Versammlungsfreiheit sind
unabdingbare Elemente demokratischer Gesellschaften.
IV. Folterung, willkürliche Verhaftung und die
Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzern
Gravierende Verletzungen der Menschenrechte fanden nicht nur in von Kriegen erschütterten Ländern
statt. Menschenrechtsverletzungen kamen auch weithin in Ländern vor, in denen die Verletzer nicht zur
Rechenschaft gezogen wurden. Wenn Menschenrechtsverletzer straffrei ausgehen, multiplizieren sich
die Menschenrechtsverletzungen.
Im Iran nimmt die Regierung nach wie vor Folterungen
und Massenexekutionen vor und unterbinde die Rede-, Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit.
Gruppen religiöser Minderheiten, einschließlich der
Bahai, sehen sich systematischer Unterdrückung ausgesetzt.

Nordkorea ist weiterhin eines der repressivsten Länder
der Welt. Die Regierung erachtet die Rechte des
In Guatemala wurde Präsident Jorge Serrano friedlich einzelnen als potentiell subversiv für die Ziele des
und verfassungsmäßig entmachtet, nachdem er mehrere Staats und der Partei.
Artikel der Verfassung außer Kraft gesetzt sowie den
In Burma verstärkt das autokratische Militärregime
Kongreß, den Obersten Gerichtshof und das Verfasseine Macht mit einem perversen Sicherheitsapparat.
sungsgericht aufgelöst hatte. Als der Kongreß wieder
Die Menschen werden willkürlich verhaftet und Gefanzusammentrat, wählte er Ramiro de Leon Carpio, den
gene mißhandelt. Den Bürgern werden grundlegende
ehemaligen Menschenrechts-Ombudsman, zum Präpolitische Rechte sowie das Recht auf Rede- und
sidenten.
Versammlungsfreiheit verweigert.
In Ru ßland wurden zum zweiten Mal in der Geschichte Zaire erlebt die schlimmste Menschenrechtskrise seit
des Landes demokratische Parlamentswahlen abge- dem Ende des Bürgerkriegs in den sechziger Jahren.
halten. Trotz dieses Ereignisses und kontinuierlicher
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AMERIKA DIENST 6

�Das Mobutu-Regime war verantwortlich für massive
Menschenrechtsverletzungen, einschließlich von
Morden, unrechtmäßigen Verhaftungen, ethnischer
Gewalt, Folterung und dem Verschwinden von Personen.

widmet. Physische Mißhandlungen sind das offenkundigste Beispiel. In vielen afrikanischen Ländern dauert
die Praxis der Verstümmelung weiblicher Genitalien
an. In Pakistan sehen sich zahlreiche Frauen in
Polizeigewahrsam sexueller oder physischer Gewalt
ausgesetzt. Auf mehreren Kontinenten werden FrauIn China werden in der chinesischen Verfassung ver- en und Kinder als Prostituierte verkauft. In vielen
ankerte Grundrechte in der Praxis häufig ignoriert, und Golfstaaten werden Hausangestellte aus Südostasien
Angriffe auf die politische Autorität der Kommunisti- zu übermäßig langen Arbeitszeiten gezwungen und
schen Partei werden oft hart und willkürlich abgewehrt. gelegentlich physisch und sexuell mißbraucht. In
China hat einige positive, aber kleine Schritte im Be- Bangladesch und Indien kommen immer noch Todesreich der Menschenrechte unternommen, einschließ- fälle aufgrund der Mitgift vor. Vergewaltigung in der
lich der Freilassung prominenter politischer Gefange- Ehe wird in zahlreichen Ländern nicht als Verbrechen
ner. Es gibt jedoch noch immer Hunderte, vielleicht angesehen, und zu Hause vergewaltigte oder geschlaTausende politische Gefangene. Berichte über physi- gene Frauen haben häufig keine Zuflucht. Daß das
sche Mißhandlungen dauern an, darunter durch die Leben einer Frau nicht so hoch bewertet wird wie das
Polizei und Gefängniswärter vorgenommene Folte- eines Mannes ist offenkundig in Ländern wie China, wo
rungen. Dies traf besonders auf politisch aufsässige Berichten zufolge sehr viel mehr weibliche Föten
und von Minderheiten bewohnte Regionen wie Tibet abgetrieben werden als männliche.
zu. Im November gab China bekannt, es werde einen
Antrag des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Neben physischer Mißhandlung werden die politischen,
für einen Besuch in China wohlwollend in Erwägung bürgerlichen und gesetzlich verankerten Rechte von
ziehen.
Frauen häufig verweigert. 1993 sahen sich Frauen auf
der ganzen Welt gravierenden und diskriminierenden
In Peru nahmen die Terroraktivitäten des Leuchtenden Einschränkungen solcher Grundrechte wie freie Wahl,
Pfads nach der Gefangennahme ihres Anführers im Heirat, Reisen, Aussagen vor Gericht, Erben und
Jahr 1992 ab. Die Anzahl der von der Regierung Besitz von Eigentum sowie Sorgerecht für die Kinder
ermittelten und verurteilten Morde und verschwunde- ausgesetzt. Allzuoft erleben Frauen und Mädchen,
nen Personen verringerte sich ebenfalls. Dennoch daß ihnen der Zugang zu Bildung, Beschäftigung,
dauerten Menschenrechtsverletzungen an und ernst- Gesundheitsfürsorge und sogar Nahrungsmitteln aufhafte Fragen bezüglich der Rechtmäßigkeit von Mili- grund ihres Geschlechts verwehrt wird.
tärgerichtsverfahren für Zivilisten wurden aufgeworfen.
VI. Die Rechte der Arbeitnehmer
In Kuba untersagt die Regierung inländischen oder
internationalen Menschenrechtsgruppen, legal tätig
zu werden. Menschenrechtsaktivisten und politische
Dissidenten werden durch die Polizei und die Sicherheitsbeamten systematisch belästigt, geschlagen und
auf andere Weise mißhandelt.
In der Türkei begingen Terrorgruppen der Regierung
und auch der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Menschenrechtsverletzungen, einschließlich Folterungen.
In Ägypten dauerten die Folterungen und andere
Menschenrechtsverletzungen an. Als einen positiven
Schritt ließ der Oberste Gerichtshof des Landes 25
Angeklagte frei, deren Geständnisse unter Folter erzwungen worden waren.
In Indonesien gab es immer wieder Fälle von ungesetzmäßigen Festnahmen und Inhaftierungen sowie
Folterungen der Festgenommenen. In Osttimor konnten keine maßgeblichen Fortschritte bei der Rechenschaft über die Vermißten nach der Schießerei im
November 1991 in Dili verzeichnet werden.
V. Die Rechte von Frauen
1993 haben wir dem Problem gravierender Diskriminierung von Frauen besondere Aufmerksamkeit geAMERIKA DIENST 6

In zu vielen Ländern erfüllt das Recht der Arbeitnehmer auf Koalitionsfreiheit - das vornehmste Recht, auf
das Gewerkschaften ihre Fähigkeit zu Tarifverhandlungen, Verteidigung der Beschwerden ihrer Mitglieder
und deren Schutz vor unfairen und unsicheren Arbeitsbedingungen gründen - die von der Internationalen
Arbeitsorganisation (International Labor Organization
- ILO) festgesetzten Normen nicht. Es gibt vielfältige
Beschränkungen der Koalitionsfreiheit. Sie reichen
von direkter und totaler staatlicher Kontrolle aller Formen von Arbeitnehmerorganisationen zu so komplizierten Rechtsvorschriften, daß deren vollständige
Einhaltung praktisch unmöglich ist und den Behörden
den Vorwand zu willkürlichen Eingriffen bietet.
1993 dauerte die Praxis von Zwangsarbeit ebenso an
wie die Ausbeutung eingewanderter Arbeitnehmer,
vor allem Hausangestellter. In einigen Ländern existiert die Sklaverei noch immer, vor allem in Mauretanien und im Sudan. Angesichts der zunehmenden
Sorge über die Auswirkungen des internationalen
Handels auf die Normen für Arbeitnehmerrechte konzentrieren sich die diesjährigen Berichte mehr auf
Kinderarbeit in Exportindustrien, auf Mindestlöhne und
Arbeitssicherheitsnormen. Unsere Berichte dokumentieren eine Reihe ernsthafter Probleme mit Kinderarbeit, insbesondere in Südasien und Nordafrika.
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�VII. Rechenschaftspflicht
Angesichts der weitverbreiteten Menschenrechtsverletzungen, der Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzern und dem Fehlen von Rechtsstaatlichkeit wurden 1993 auf internationaler Ebene gewisse Fortschritte bei der Entwicklung neuer globaler Institutionen zur Förderung der Rechenschaftspflicht bei Menschenrechtsverletzungen erzielt.

Die Organisation für Afrikanische Einheit war an den
Schlichtungsbemühungen in Burundi beteiligt, die zur
Lösung der Verfassungs- und humanitären Krise dieses Landes beigetragen haben.
Die Organisation Amerikanischer Staaten spielte bei
der Durchsetzung von Menschenrechten und rechtmäßigen Verfahren, vor allem in Nicaragua, eine wichtige Rolle.

Im Februar 1993 gründeten die Vereinten Nationen ein
Kriegsverbrechertribunal zur Verfolgung der für gravierende Menschenrechtsverletzungen im ehemaligen Jugoslawien Verantwortlichen. Bis Ende des
Jahres waren alle Richter vereidigt.

VIII. Basisbewegungen für Menschenrechte und
Demokratie

Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) war eine treibende Kraft, die Länder
bei der Einhaltung von Menschenrechtsnormen zur
Rechenschaft zu ziehen. Im September veranstaltete
die KSZE eine Überprüfungskonferenz, um die Fortschritte aller Teilnehmerstaaten bei der Umsetzung
ihrer Verpflichtungen im Rahmen der "menschlichen
Dimension", einschließlich von Menschenrechten,
Grundfreiheiten und Rechtsstaatlichkeit zu beurteilen.
Die KSZE war darüber hinaus aktiv an der Schlichtung
von Streitigkeiten beteiligt, vor allem durch die Arbeit
des Hochkommissars für nationale Minderheiten. In
Lettland und Estland prüften die KSZE und andere
internationale Wahrheitsfindungsmissionen Beschuldigungen wegen Menschenrechtsverletzungen. Obwohl
sie keine systematischen Menschenrechtsverletzungen ausmachen konnten, forderten sie diese Regierungen zur Verabschiedung eines umfassenden Ansatzes zum Bürger- und Ausländerrecht sowie zur
Sicherstellung der gerechten und nichtdiskriminierenden Behandlung von in ihren Ländern lebenden gebürtigen Russen auf. Lettland und Estland haben beide
der Einrichtung von KSZE-Missionen zur Verbesserung ihrer Beziehungen zugestimmt.

gen dokumentieren und ihre Regierungen in die Verantwortung nehmen. Diese Wächter der Menschenrechte verkörpern Hoffnung. Inmitten der Menschenrechtsverletzungen von 1993 gibt es auch eine andere
Geschichte, die der zahllosen Männer und Frauen, die
sich erhoben und "Nein("sagten, Nein zu Ungerechtigkeit, Nein zu Tyrannei, Nein zu Folterung und Nein zu
Zensur. Wir würdigen diejenigen, die gegen große
Unbilden bei der Förderung von Menschenrechten und
Demokratie ankämpfen:

Die Bereitschaft der Nationen, sich gegenseitig bei
Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu
ziehen, spiegelt die Arbeit von Einzelpersonen wider,
Aufgrund der Empfehlung der im Juni in Wien veran- ihre eigenen Regierungen in die Verantwortung zu
stalteten Weltkonferenz über Menschenrechte rief die nehmen. Weltweit unterstützten Basisbewegungen
UN-Generalversammlung das Büro des Hochkommis- 1993 die Verbreitung von Menschenrechten, Freiheit
sars für Menschenrechte mit dem Mandat ins Leben, und Demokratie. Das Engagement dieser Menschen,
alle Hemmnisse gegen die uneingeschränkte Wahr- die mit Hilfe von nichtstaatlichen Organisationen arbeinehmung grundlegender Menschenrechte abzubau- ten, fand in der Abschlu ßerklärung der im Juni in Wien
abgehaltenen Weltkonferenz über Menschenrechte
en.
Niederschlag - daß der einzelne, und nicht der Staat,
Die Weltkonferenz empfahl darüber hinausdie Einrich- im Zentrum von Entwicklung steht. Darüber hinaus
tung eines Sonderberichterstatters für Gewalt gegen darf Unterentwicklung niemals MenschenrechtsverletFrauen. Die Menschenrechtskommission wird dieses zungen rechtfertigen. Es besteht in der Tat eine
Projekt 1994 in Angriff nehmen.
wichtige Verbindung zwischen Menschenrechten,
Demokratie und Entwicklung: Der Schutz von MenIn der Zwischenzeit veranlaßte das UN-Menschen- schenrechten und die uneingeschränkte Beteiligung
rechtszentrum Berichterstatter zu einer Einschätzung des einzelnen an seinem eigenen politischen System
der Lage in Ländern wie Burma, Irak und Kuba, wo schaffen den notwendigen Rahmen für Entwicklung.
Menschenrechte weitgehend mißachtet werden. Andere
Gremien wie das Komitee gegen Folter überwachten Menschenrechte werden ohne die konstante Wachdie Einhaltung von UNO-Verträgen und -Konventio- samkeit mutiger Einzelpersonen nicht geschützt, die
nen.
Menschenrechte fördern, Menschenrechtsverletzun-

Seite 6

Monique Mujawamariya, die in Ruanda und
Burundi arbeitet, und ihresgleichen, deren Körper die Narben von Mörderbanden als Preis für
die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen tragen,
Mansour Kikhiya aus Libyen und alle anderen
"Verschwundenen", die aufgrund ihrer Arbeit für
Menschenrechte verschleppt wurden,
Liu Gang, die in China inhaftiert ist, und alle, die
für die friedliche Artikulierung ihrer Meinung gefangengenommen wurden,

AMERIKA DIENST 6

�Sebastian Arcos aus Kuba und alle, die sich
weigern zu schweigen, wenn andere mißhandelt werden,
Aung San Suu Kyi, die sich seit nunmehr fünf
Jahren in Burma in Hausarrest befindet, und
alle, die um den Preis ihrer eigenen Freiheit für
Freiheit kämpfen,

schen Wandel Auftrieb gewann. In diesem Jahr bekräftigte die internationale Staatengemeinschaft ihre
Verpflichtung zum Schutz und zur Förderung der
Menschenrechte in Wien beim 45. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die Macht
dieser Bewegung wurde von Eleanor Roosevelt in
einer Rede vor den Vereinten Nationen im Jahr 1958
mit folgenden Worten wiedergegeben:

die Mitarbeiter des Tageszeitung von Sarajevo,
Oslobodjenje, und alle, die für eine freie Presse
arbeiten und demonstrieren, daß Serben und
Kroaten, Muslime und Juden friedlich Seite an
Seite arbeiten und leben können.
Wir würdigen diese Menschen und die Zehntausenden
mutiger Arbeiter für Menschenrechte auf der ganzen
Welt.
Das Jahr 1993 war ein schwieriges Jahr für die Menschenrechte, ein Jahr, in dem Rückschläge die in
einigen Teilen der Welt erzielten Fortschritte aufwiegen. Paradoxerweise war es auch ein Jahr, indemder
tägliche Kampf für Menschenrechte auf globaler, nationaler und lokaler Ebene mehr Aufmerksamkeit erhielt als je zuvor, ein Jahr, in dem die weltweite
Basisbewegung für Menschenrechte und demokrati-

"Wo beginnen Menschenrechte eigentlich? An
kleinen Orten, in unmittelbarer Umgebung - so
unmittelbar und klein, daß sie auf den meisten
Weltkarten nicht wahrnehmbar sind. Und dennoch sind sie die Welt der Einzelperson, die
Nachbarschaft, in der man lebt, die Schule oder
das College, das man besucht, die Fabrik, Farm
oder das Büro, in dem man arbeitet. Das sind
die Orte, wo jeder Mann, jede Frau und jedes
Kind Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde
ohne Diskriminerung anstrebt. Wenn diese
Rechte dort keine Bedeutung haben, bedeuten
sie nirgendwo etwas. Ohne Aktionen besorgter
Bürger, sie in ihrer unmittelbaren Umgebung zu
wahren, werden wir alle vergeblich nach Fortschritten auf der Welt Ausschau halten."

* * * * *

AMERIKA DIENST 6

Seite 7

�USA-EUROPA
9. Februar 1994

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA:
DAS VERGANGENE UND DAS KOMMENDE JAHR
Rede von Abteilungsleiter Oxman
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wirdievomAbteilungsleiterfüreuropäischeund kanadische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stephen A. Oxman, am 27. Januar 1994 bei dem vom Europe
Magazine veranstalteten Forum gehaltene Rede.

Dies ist eine besonders geeignete Zeit, um Bilanz der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa zu ziehen. Erst vor zwei Wochen reiste
Präsident Clinton zum historischen NATO-Gipfel und
anderen ebenso bedeutenden Gesprächen nach Europa. Die Ergebnisse dieser Reise waren wichtig und
konkret. Die Öffentlichkeit widmete ihre Aufmerksamkeit natürlich zu Recht der Partnerschaft für Frieden
und der Bekräftigung seitens derNATO, sie sei füreine
Erweiterung ihrer Mitgliedschaft als Teil eines evolutionären Prozesses offen. Darüber hinaus haben wir
auch die nukleare Gefahr weiter gebannt, die in den
letzten 50 Jahren unser kollektiver Alptraum war,
indem wirden Weg zur Entnuklearisierung der Ukraine
geebnet und mit Rußland vereinbart haben, daß unsere Tausende nuklearer Gefechtsköpfe nicht länger
gegen unsere jeweiligen Städte gerichtet sind. Und
schließlich führte uns das Treffen des Präsidenten mit
Yassir Arafat - obwohl dies nicht in meinen Aufgabenbereich fällt - die großen Fortschritte vor Augen, die wir
zu einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten erzielt
haben.
Diese dramatischen Ereignisse waren jedoch bei weitem nicht die einzigen wichtigen Aspekte der Reise des
Präsidenten. In der Tat kann die Reise als Anlaß
genommen werden, die Leistungen von Präsident
Clintons erstem Amtsjahr zu rekapitulieren, und als
Leitfaden für die von uns im nächsten Jahr angestrebten Leistungen dienen. Ich möchte zunächst über die
von Präsident Clinton mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Brüssel geführten
Gespräche und sein Treffen mit Politikern aus Mittelund Osteuropa in Prag berichten. Dann möchte ich auf
den NATO-Gipfel eingehen. Und abschließend werde

AMERIKA DIENST 6

ich kurz einige Anmerkungen zu den Auswirkungen
des ersten Staatsbesuchs des Präsidenten in Europa
machen.
Erstens, Präsident Clintons Gespräch mit Präsident
Delors und Ministerpräsident Papandreou, das sich
auf Wirtschaftsfragen konzentrierte. Wie Sie wissen,

steht das Versprechen des Präsidenten zur Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft im Brennpunkt
unserer Außen- wie auch unserer Innenpolitik. Die
Staats- und Regierungschefs der EU sind ebenso
besorgt um die Wiederbelebung ihrer jeweiligen Volkswirtschaften. Wir konzentrieren uns auf die Stimulierung unserer Wirtschaft durch vermehrten Handel, und
wir haben beeindruckende Fortschritte bei der Off nung
von Märkten und dem Abbau von Handelsschranken
erzielt.
In ihren Gesprächen haben Präsident Clinton und die
Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union
zunächst eine Bilanz der bemerkenswerten Fortschritte gezogen, die wir im vergangenen Jahr bei der
Öffnung von Märkten und dem Abbau von Handelsschranken gemacht haben. Wir erzielten Einigung
unter der G-7 über ein Paket zur Verbesserung des
Marktzugangs. In Zusammenarbeit mit der EU haben
wie einen erfolgreichen und weitreichenden Abschluß
der Uruguay-Runde herbeigeführt. Wir haben femer
die Ratifizierung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens durch den Kongreß sichergestellt.
Zusammengenommen werden diese Leistungen Märkte
für Exporte in Milliardenhöhe öffnen und Millionen von
Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten scharfen.
Unsere Handelspartner in Europa und andernorts werden
gleichermaßen davon profitieren. Dies sind historische Leistungen.
Seite 1

�Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
haben sich auch auf eine gemeinsame wirtschaftliche
Tagesordnung für das nächste Jahr verständigt. Wir
werden erstens unser Ziel weiterverfolgen, Handelsschranken abzubauen und den Zugang zu Märkten auf
der ganzen Welt zu verbessern. Wir werden die
Ratifizierung und Umsetzung des GATT-Abkommens
voranbringen. Wir werden versuchen, unsere verbleibenden Differenzen in wichtigen Bereichen wie audiovisuelle und finanzielle Dienstleistungen beizulegen.
Darüber hinaus werden wir auch Angebote zu verbessertem Marktzugang von Japan und anderen Ländern
einholen um sicherzustellen, daß unsere Produkte
eine faire Wettbewerbschance haben.
Zweitens stimmten der Präsident und die Staats- und
Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft
überein, die Schaffung von Arbeitsplätzen an oberste
Stelle unserer Prioritätenliste zu stellen. Die EU sieht
sich mit anhaltender hoher Arbeitslosigkeit und schleppendem Wachstum konfrontiert. Präsident Delors
Weißbuch war ein wichtiger Schritt zur Inangriffnahme
dieses Problems. Die Vereinigten Staaten verzeichnen einen wirtschaftlichen Aufschwung - angekurbelt
durch den Wirtschafts- und Haushaltsplan des Präsidenten - müssen jedoch noch mehr Arbeitsplätze
schaffen, um die Wirtschaft in Schwung zu halten, wie
Präsident Clinton neulich feststellte. Aus diesem
Grund müssen wir und die europäischen Länder Mittel
und Wege finden, um all unseren Arbeitnehmern gute
und hochbezahlte Arbeitsplätze bieten zu können. Die
von der Administration fürdieses Frühjahr anberaumte
Konferenz zur Schaffung von Arbeitsplätzen wird es
uns gestatten, unsere jeweiligen Bestrebungen auszuwerten, Gedanken auszutauschen und sich gegenseitig verstärkende Strategien zur Schaffung von Arbeitsplätzen auf der ganzen Welt zu entwickeln.
Drittens müssen wir beginnen, die nächste Generation
von Handelsfragen anzusprechen. Vielfach wird die
Auffassung vertreten, die Uruguay-Runde werde sich
als die letzte große multilaterale Verhandlungsrunde
erweisen, die sich auf den Abbau von Zöllen und
anderen Handelshemmnissen konzentriert. Unsere
Aufmerksamkeit wird sich jetzt Themen wie der Harmonisierung von Umweltschutzvorschriften mit internationalem Handel, der Handels- und Wettbewerbspolitik (einschließlich dem Kartellrecht und Subventionen) sowie Handels- und Arbeitsnormen zuwenden.
Die bahnbrechenden Bestimmungen des NAFTA zum
Umweltschutz sind ein gutes Beispiel für die Art von
Abkommen, die wir in der Zukunft anstreben.
Unsere wirtschaftlichen Leistungen und unsere Tagesordnung belegen in konkreter Weise einen Grund,
warum die Vereinigten Staaten die Integration Europas so uneingeschränkt unterstützen: Die Vorteile
einer Auseinandersetzung mit der Europäischen Union
bei Fragen wie dieser. Die durch die Europäische
Union verkörperte Einheit ist kein Mythos. Aus meiner
eigenen Erfahrung und durch das Treffen in Brüssel
Seite 2

bekräftigt, kann ich sagen, wie wertvoll unsere Partnerschaft mit der Europäischen Union für die Vereinigten Staaten ist. Der Erfolg unserer wirtschaftlichen
Tagesordnung erfordert konstante, enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der EU
der Art, wie wir sie in den vergangenen Jahren erlebt
haben.
Eine der uns heute konfrontierenden Hauptaufgaben,
die auch ein wesentlicher Punkt bei der Reise des
Präsidenten war, ist die Ausweitung der europäischen
Integration nach Osten. Ich werde später auf die
Partnerschaft für Frieden eingehen - einen wichtigen
Schritt in diese Richtung. Bei den Gespächen mit den
Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union
und bei den Treffen des Präsidenten in Prag haben wir
jedoch darauf hingearbeitet, die Spaltung Europas aus
der Zeit des Kalten Krieges durch eine auf die gemeinsamen Werte Demokratie und Marktwirtschaft gegründete Integration zu ersetzen. Sowohl die EU als auch
wir stellen bereits beträchtliche Hilfe für die Länder
Mittel- und Osteuropas bei ihrem schwierigen Übergang zu demokratischen und freien Marktwirtschaften
bereit. Im nächsten Jahr werden die Vereinigten
Staaten nach neuen Wegen Ausschau halten, um
regionale Kooperation unter den neuentstehenden
Demokratien zu fördern. Wir werden uns femer auf die
Unterstützung der Ausweitung von Demokratie konzentrieren. Präsident Clinton hat beispielsweise bekanntgegeben, daß wir ein Demokratie-Netz schaffen
werden, das den unabhängigen Basisorganisationen
in der Region neue Ressourcen vermitteln wird.
Mehr als Hilfe benötigen diese Länder jedoch Handel,
der Arbeitsplätze und Wohlstand schafft und die Integration eines ehemals geteilten Europas konsolidiert.
Die EU und wir müssen zusammenarbeiten, um mehr
zur Öffnung unserer Märkte für Waren aus dem Osten
zu tun. Wir müssen uns vor Augen halten, daß offene
Märkte nicht nur den neuentstehenden Demokratien
Vorteile verschaffen. Wohlstand und Stabilität im
Osten werden zur Gewährleistung der Sicherheit in
ganz Europa beitragen. Und die Länder Mittel- und
Osteuropas sind nicht nur potentielle Exporteure, sondern
auch potentielle Importeure. Sie können neue Märkte
für westliche Waren und Dienstleistungen bieten.
Ich möchte mich jetzt dem NATO-Gipfel zuwenden.
Ich werde Sie jedoch noch einmal kurz auf die Folter
spannen: Bevor ich überdie Partnerschaft für Frieden
spreche, möchte ich einige der vom Bündnis bei dem
Gipfeltreffen unternommenen Schritte erläutern, um
die NATO zur Bewältigung der Sicherheitsbedrohungen der Zeit nach dem Kalten Krieg umzugestalten.
Historisch gesehen bestand die Aufgabe der NATO in
der Abschreckung und gegebenenfalls Zurückschlagung einer massiven Invasion ausdem Osten, und ihre
Streitkräfte waren auf die Erfüllung dieser Mission
ausgerichtet. Einer solchen Bedrohung sehen wir uns
heute nicht gegenüber. Instabilität, nicht Invasion, ist

AMERIKA DIENST 6

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i
*

�heute unsere größte Angst. Und zur Bekämpfung
eines Frontalangriffs konzipierte Streitkräfte sind nicht
zwangsläufig gut an die Bewältigung solcher Probleme
wie ethnische oder regionale Konflikte und die Verbreitung von Nuklearwaffen angepaßt. Mehrere beim
Gipfel ergriffene Maßnahmen werden der NATO bei
der Reaktion auf diese neuen Gefahren behilflich sein.
Erstens verabschiedeten die Verbündeten unseren
Vorschlag zur Einrichtung einer gemeinsamen Eingreiftruppe (Combined Joint Task Forces - CJTF)
innerhalb der NATO. Diese gemeinsame Eingreiftruppe wird Planungsressourcen und Kommandos im
Hauptquartier bereitstellen, die das unverzügliche
Zusammenziehen und die Dislozierung von Streitkräften auf Ad-hoc-Basis ermöglichen. Diese Truppen
sollten auf Eventualfälle mit Ausnahme der umfassenden Verteidigung Westeuropas reagieren, die traditionell die militärische Aufgabe der NATO ist. Die gemeinsame Eingreiftruppe wird Operationen mit Streitkräften aus NATO-Mitgliedstaaten, gegebenenfalls
Operationen außerhalb des NATO-Territoriums und
Operationen zur Unterstützung der Vereinten Nationen, der KSZE oder der Partnerschaft für Frieden
ermöglichen. Die gemeinsame Eingreiftruppe ist somit
ein konkreter Schritt zur Verbesserung der Fähigkeit
der NATO, flexibel auf das breite Spektrum der heutigen Sicherheitsbedrohungen zu reagieren und wird
den NATO-Partnern behilflich sein, unverzüglich und
effektivzur Bewahrung des Friedens zu handeln, wenn
sie dies wünschen.
Zweitens wurde beim Gipfeltreffen die Entwicklung
von Sicherheitsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa angesprochen. Der Vertrag
von Maastricht verpflichtete die Europäische Union zur
Erarbeitung einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität - eine von den Vereinigten Staaten
begrüßte Entwicklung. Als Ergebnis der bei dem
Gipfel getroffenen Entscheidungen wird jetzt auch die
NATO diesen Prozeß unterstützen und ermutigen. Die
gemeinsame Eingreiftruppe wird es der Westeuropäischen Union oder den europäischen Ländern gestatten, vom NATO-Potential Gebrauch zu machen, selbst
wenn sich die NATO gegen ein Engagement entscheidet. Dies wird die europäische Integration fördern, die
Duplizität militärischer Strukturen vermeiden und ein
ausgewogeneres Gleichgewicht der Verantwortung
innerhalb der NATO zwischen Europa und den Vereinigten Staaten herstellen. Die amerikanischen Truppen in Europa werden nach wie vor der Eckpfeiler
unserer Verteidigung sein, aber ein starker europäischer Pfeiler der NATO ist ebenso wichtig.
Drittens entschied sich die NATO auch zur Intensivierung und Erweiterung ihrer Bestrebungen zur Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Sie wird
natürlich nicht versuchen, die in anderen Foren wie der
Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen stattfindenden Anstrengungen zu kopieren. Die NATO wird
jedoch einen Rahmen für politische und eventuell
AMERIKA DIENST 6

militärische Reaktionen auf die Bedrohung der Weiterverbreitung erarbeiten, der auf den zentralen Zweck
der NATO abgestimmt ist, die Sicherheit der Verbündeten zu schützen.
Bei dem Gipfeltreffen wurde auch die Bosnien-Frage
angesprochen. Die amerikanische Politik soll drei
Zielsetzungen erfüllen: Einen für alle Parteien akzeptablen tragfähigen Frieden zu erlangen, humanitäre
Hilfslieferungen bereitzustellen und die Ausweitung
des Konflikts zu verhindern. Die bosnische Situation
ist so frustrierend aufgrund der Tatsache, daß Frieden
nur erlangt werden kann, wenn die Parteien selbst sich
für die Einstellung der Kämpfe entscheiden, und sie
sind noch nicht dazu bereit. Wir werden sie weiterhin
ermutigen, in gutem Glauben einertragfähigen Lösung
zuzustimmen, und wir sind vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses nach wie vor zur Beteiligung an
einer Umsetzung durch die NATO bereit.
In der Zwischenzeit haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten enorme Mengen an Hilfslieferungen
mit der Luftbrücke transportiert und per Fallschirm
abgeworfen undTausendenMenschendas Überleben
im Winter auf dem Balkan gesichert. Darüber hinaus
hat die NATO angeboten, Luftstreitkräfte zur Verfügung zu stellen, wenn die Vereinten Nationen um
Unterstützung der angegriffenen UNPROFOR-Truppen bitten, oder um die Abschnürung Sarajevos oder
anderer Gebiete in Bosnien zu verhindern. Diese
Androhung wurde beim Gipfel bekräftigt und - wie
Präsident Clinton betonte - wurde sie in voller Absicht
ihrer Ausführung gemacht. Wir halten uns an diese
Verpflichtung. Es scheint in der Tat, daß die Entschlossenheit der NATO eine Rotation der Srebrenica
schützenden UNO-Truppen möglich macht. Wir erwarten ferner, sehr bald den Plan der UN PROFOR zur
Öffnung des Flughafens von Tuzla zu erhalten, den die
NATO gegebenenfalls aus der Luft unterstützen wird.
Schließlich haben unsere Durchsetzung der Flugverbotszone, die Entsendung unserer Truppen zur Verstärkung des UNPROFOR-Bataillons in Makedonien
und unsere Warnung an Serbien, wir würden im Falle
von durch die Serben ausgelösten Gewaltakten im
Kosovo reagieren, bisher dazu beigetragen, eine
Ausweitung des Konflikts zu verhindern. Wir werden
weiterhin mit den Verbündeten zusammenarbeiten
und alles in unserer Macht Stehende tun, um das
Morden in Bosnien zu beenden - aber es kann keine
magische Lösung und keinen Frieden geben, solange
sich nicht alle Parteien dem Frieden verpflichten.
Nun möchte ich mich der "Schlagzeile" des NATOGipfels zuwenden: der Partnerschaft für Frieden sowie
der Erklärung, daß das Bündnis für eine Erweiterung
offen ist. Wir waren sehr dankbar für die starke und
positive Reaktion auf die Partnerschaft für Frieden von
Seiten unserer Verbündeten und der jungen Demokratien. Die Partnerschaft für Frieden wurde jedoch
bisweilen kritisiert, sie gehe nicht weit genug, um die

Seite 3

�Sicherheit der Länder Mittel- und Osteuropas zu
gewährleisten, und insbesondere, weil sie ihnen nicht
eine sofortige Mitgliedschaft in der NATO anbiete.
Eine sofortige Mitgliedschaft in der NATO erscheint
wie eine einfache Lösung des Sicherheitsproblems in
Osteuropa, aber - wie H.L. Mencken feststellte: "Für
jedes komplizierte Problem gibt es eine geschickte,
plausible - und falsche - Lösung." Ich bin davon
überzeugt, daß die Partnerschaft für Frieden gegenüber der Politik einer sofortigen Erweiterung große
Vorteile hat. Sie wird in Partnerschaft verbundenen
Nationen die Chance bieten, auf militärischem und
verteidigungspolitischem Gebiet mit der NATO und
untereinander zusammenzuarbeiten und die Fähigkeit
zur Übernahme der aus einer NATO-Vollmitgliedschaft
resultierenden Verantwortung zu entwickeln. Sie wird
auch zur Schaffung eines wirklich integrierten Europa
beitragen, ohne neue Grenzen zu ziehen, die einige
Länder ausschließen. Und all das wird geschehen,
ohnedaßdie Fähigkeiten des Bündnisses geschwächt
oder seine Hauptaufgabe beeinträchtigt werden.
Die Kritiker der Partnerschaft für Frieden haben das
furchterregende Gespenst von München aus dem
Jahr 1938 wiederbelebt. Sie argumentieren, daß es
"Beschwichtigung" sei, die osteuropäischen Länder
nicht in die NATO aufzunehmen und einen neuen
Eisernen Vorhang zu ziehen, der den Rest Europas
von Rußland trennt. Meines Erachtens ist das eine
falsche Analogie zu Deutschland. Ich möchte Sie
vielmehr bitten, sich vor Augen zu halten, wie wir
Deutschland nach den beiden Weltkriegen behandelten - und zu welchem Ergebnis die jeweilige Politik
führte.
In Versailles wurde Deutschland von den Siegermächten isoliert und mit politischen und wirtschaftlichen
Strafmaßnahmen belastet. Dieser Ansatz schuf
Bedingungen, die den Aufstieg Hitlers begünstigten.
Im Gegensatz dazu haben wir Deutschland nach dem
Zweiten Weltkrieg in wirtschaftlicher und politischer
Hinsicht unterstützt und in Westeuropa integriert. Das
Ergebnis waren ein halbes Jahrhundert währender
Friede und Stabilität in Westeuropa.
Ich bin mir bewu ßt, da ß keine Analogie perfekt ist, aber
die Geschichte deutet darauf hin, daß angesichts
dieser zwei Optionen unsere heutige Politik gegenüber
Rußland wie unsere Politik 1945 aussehen sollte, und
nicht wie 1918. Und das ist genau der Ansatz, den wir
mit der Partnerschaft für Frieden verfolgen. Wir streben ein vollkommen integriertes Europa mit demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Staaten an,
die der Sicherheit ihrer Partner ebenso verpflichtet
sind wie die NATO-Staaten heute untereinander. Dieses
Ziel kann am besten erreicht werden, wenn wir Rußland erfassen und einladen, Teil dieses Prozesses zu
werden, anstatt es außen vor der Tür des neuen
Europa stehen zu lassen.

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Im kommenden Jahr wird eine unserer Hauptaufgaben
darin bestehen, die Partnerschaft für Frieden funktionsfähig zu machen. Ein führender polnischer Politiker sagte mir im vergangenen Jahr, bei der Partnerschaft für Frieden zählten die Details. Durch die
Details werden wir in der Lage sein, die Partnerschaft
zu einem wirksamen Instrument zur Förderung unseres Ziels eines integrierten Europa zu machen.
Während die künftigen Partner einen Antrag stellen,
machen sie auch Vorschläge, wieviele militärische
Mittel sie für die Partnerschaft zur Verfügung stellen
werden. Sie beschreiben die von ihnen zu ergreifenden Schritte zur Sicherstellung der zivilen Kontrolle
über das Militär und zur Offenlegung ihrer Verteidigungshaushalte. Die Partner werden Vertreter zum
NATO-Hauptquartier entsenden, die untereinander und
mit der NATO gemeinsame Übungen und Operationen
planen. Und wir erwarten, daß Ende dieses Jahres
gemeinsame friedenssichernde Geländeübungen
durchgeführt werden. Bei diesen Übungen werden
NATO-Truppen Seite an Seite mit ihren ehemaligen
Gegnern aus dem Warschauer Pakt zusammenarbeiten.
Und genau das meinen wir, wenn wir sagen, daß die
Partnerschaft für Frieden den jungen Demokratien bei
der Entwicklung von Zusammenarbeitsmechanismen
und routinemäßigen Konsultationen helfen wird, die
den Lebensnerv des Bündnisses darstellen. Die Teilnahme an der Partnerschaft ist keine Garantie für eine
NATO-Mitgliedschaft. Die Partnerschaft wird helfen
sicherzustellen, daß im Falle einer NATO-Erweiterung
die neuen Mitglieder den der NATO zugrundeliegenden politischen Prinzipien verpflichtet sind und bereitwillig die aus einer Mitgliedschaft resultierenden Pflichten übernehmen. Die Partnerschaft für Frieden ist die
richtige Politik für das Europa von heute. Sie gestattet
uns, auf das beste Ergebnis für Europa hinzuwirken,
während wir uns für den Notfall auf das Schlimmste
vorbereiten.
Ich möchte meine Ausführungen mit einer allgemeineren Bemerkung über den Stand unserer Beziehungen
zu Europa abschließen. In den vor der Reise des
Präsidenten liegenden Wochen und Monaten wurde
die Politik der Administration gegenüber Europa von
einigen Gelehrten kritisiert. Sie behaupteten, die
Administration sei sich nicht ausreichend bewußt, welche
Bedeutung Europa hat und daß wir auf die Führungsrolle Amerikas in der Welt verzichtet hätten.
Nach der Reise des Präsidenten hört man diese Kritik
nicht mehr so oft - und das aus gutem Grund. Sie war
damals nicht berechtigt und ist es auch heute nicht.
In seiner Rede im Brüsseler Rathaus bekräftigte Präsident Clinton erneut die Bedeutung unserer engen
Bande zu Europa. Er erklärte: "Europa bleibt für die
Interessen der Vereinigten Staaten von zentraler
Bedeutung, und... wir werden gemeinsam mit unseren

AMERIKA DIENST 6

�Partnern daran arbeiten, die sich uns allen bietenden
Chancen zu ergreifen." In seiner Rede zur Lage der
Nation von dieser Woche erinnerte der Präsident uns
an den Stellenwert von Stabilität und Sicherheit in
Europa für die Vereinigten Staaten.
Europa ist nicht - wie einige fürchten - von unserer
Tagesordnung gestrichen worden. Im Gegenteil: Die
Errungenschaften dieser Administration während ihres ersten Jahres sind eine Spitzenleistung an amerikanischem Engagement und Führungsrolle in Europa.
Der Einsatz des Präsidenten für freien Handel und
unsere engen Konsultationen mit der EU trugen entscheidend zu m Abschlu ß der Uruguay-Runde bei. Die
großen Leistungen des NATO-Gipfels - die Partnerschaft für Frieden, die Unterstützung einer europäischen Verteidigungsfähigkeit durch die NATO, die
gemeinsame Eingreiftruppe sowie die Schritte zur
Nichtverbreitung-waren das Ergebnis amerikanischer
Initiativen und enger Konsultationen mit unseren Verbündeten. Der Gipfel selbst war ein Vorschlag Präsident Clintons. Und wir waren an der Aushandlung des
trilateralen Abkommens über die ukrainischen Nuklearwaffen maßgeblich beteiligt.

Die Vereinigten Staaten werden weiterhin in Europa
engagiert bleiben. Zusätzlich zu der für dieses Frühjahr angesetzten Arbeitsplatzkonferenz wird Präsident
Clinton im Sommer dieses Jahres zweimal nach Europa reisen - im Juni zum Gedenken an die Invasion der
Normandie und im Juli zum G-7-Gipfel in Neapel.
Gegen Ende des Jahres werden wir eine Konferenz
über Handel und Investitionen in Mittel- und Osteuropa
abhalten und weiterhin mit der EU an verbessertem
Marktzugang für Waren aus dem Osten arbeiten.
Die Bande zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa sind einzigartig - Bande der Geschichte, Familie,
des Handels, der Sicherheit und vor allem des tiefempfundenen und leidenschaftlichen Engagements für das
Ideal der Freiheit des einzelnen. Diese Bande bilden
die Grundlage für unsere dauerhafte Partnerschaft.
Während des nächsten Jahres - und auch in absehbarer Zukunft - werden wir wie in der Vergangenheit eng
mit der Europäischen Union sowie unseren Freunden
und Verbündeten in Europa zusammenarbeiten, um
gemeinsam die uns konfrontierenden Herausforderungen anzugehen.
Ich danke Ihnen. Jetzt bin ich gerne bereit, Ihre Fragen
zu beantworten.

*

AMERIKA DIENST 6

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