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                <text>&lt;strong&gt;1. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Massennahrung aus Pilzen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Landwirtschaft im Atomzeitalter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Sommer in Chautaqua&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Geistige und seelische Erneuerung für jährlich 50 000 Amerikaner&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über 53 000 Auslandsstudenten in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Dichter und der Präsident&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Stewart L. Udall&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kulturkurznachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Feuchtwangers "Simone" von Ben Hecht dramatisiert&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kunst im Italien der Nachkriegszeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hal Holbrook spricht Wittlinger&lt;br /&gt;</text>
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                    <text>nrormouon
und
Dokumentation

i\

TT

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
8. September 1982

35
INHALT

4
DOKUMENTATION
Reagan fordert Neubeginn im Nahen Osten
- Fernsehrede des US-Präsidenten vom 1. September 1982

HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen des US-Außenministeriums zur Nahostpolitik
USA wollen Wettrüsten im Weltraum verhindern
Zwei Polen
- Kommentar der Stimme Amerikas -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Forschungszentrum für keramische Werkstoffe

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. September 1982

35

REAGAN FORDERT NEUBEGINN IM NAHEN OSTEN
• Fernsehrede des US-Präsidenten vom 1. September 1982

BURBANK, KALIFORNIEN - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat in einer vielbeachteten Fernsehansprache an das amerikanische Volk am 1. September 1982
einen "Neubeginn" im Nahen Osten gefordert, der in Weiterführung der Obereinkommen von Camp David zu einem umfassenden und dauerhaften Frieden in dieser
Region führen solle. Als Nahziel schlug der Präsident eine Obergangsperiode
vor, während der die Bewohner des Westjordanlandes (West Bank) und des Gazastreifens volle Autonomie erhalten sollten. Eine sofortige Einstellung der Besiedlungspolitik Israels, so betonte Reagan, könne das Vertrauen zu weiteren
Gesprächen und Verhandlungen schaffen.
Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Heute ist ein Tag, der uns alle mit Stolz erfüllen sollte. Er hat das
Ende der erfolgreichen Evakuierung der PLO aus dem Libanon gebracht. Dieser
friedliche Schritt hätte niemals vollzogen werden können ohne die guten Dienste
der Vereinigten Staaten und vor allem das wahrhaft heldenhafte Wirken eines

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wirken eines großen amerikanischen Diplomaten: Philip Habib. Dank seiner Bemühungen bin ich in der glücklichen Lage, Ihnen bekanntzugeben, daß die Einheit des amerikanischen Marinekorps, das bei der Überwachung der Evakuierung
mitgeholfen hat, seine Aufgabe beendet hat.
Unsere jungen Männer dürften den Libanon innerhalb von zwei Wochen verlassen haben. Auch sie haben der Sache des Friedens mit Auszeichnung gedient,
und wir dürfen alle sehr stolz auf sie sein.
Aber die Situation im Libanon ist nur ein Teil des Gesamtproblems des
Konflikts im Nahen Osten. So hat sich Amerika während der letzten zwei Wochen, während die Ereignisse in Beirut die Schlagzeilen beherrschten, in
einer stillschweigenden Anstrengung hinter den Kulissen bemüht, die Grundlagen für einen weitergefaßten Frieden in der Region zu schaffen. Endlich gab
es einmal keine verfrühten undichten Stellen, wenn amerikanische Diplomaten
in Hauptstädte des Nahen Ostens reisten und ich hier zuhause mit einer Vielzahl von Experten zusammentraf, um eine amerikanische Friedensinitiative für
die schon so lange leidgeprüften Völker des Nahen Ostens - Israelis wie Araber - auszuarbeiten.
Es schien mir, daß sich uns mit dem Abkommen im Libanon eine Chance für
eine sehr viel weiter reichende Friedensanstrengung in der Region bot - und
ich war entschlossen, diese Chance zu ergreifen. Mit den Worten der Schrift
war die Zeit gekommen, "auf das bedacht zu sein, was dem Frieden dient".
Heute abend möchte ich Ihnen über die Schritte berichten, die wir ergriffen haben, und über die Aussichten, die sich für einen gerechten und
dauerhaften Frieden im Nahen Osten eröffnen können. Amerika hat sich seit langem verpflichtet, dieser geplagten Region den
Frieden zu bringen. Seit mehr als einer Generation haben amerikanische Regierungen in der Folge sich bemüht, einen fairen und durchführbaren Prozeß zu
entwickeln, der zu einem wahren und dauerhaften arabisch israelischen Frieden

�israelischen Frieden führen könnte. Unser Engagement in der Suche nach dem
Frieden im Nahen Osten ist keine Sache der freien Wahl, sondern ein moralisches Gebot. Die strategische Bedeutuqng der Region für die Vereinigten Staaten ist bekannt.
Aber unsere Politik wird durch mehr motiviert als nur strategische Interessen. Wir haben eine unumstößliche Verpflichtung für das überleben und
die territoriale Integrität befreundeter Staaten. Und wir können auch ebenso wenig die Tatsache außer acht lassen, daß das Wohlergehen eines großen
Teiles der Weltwirtschaft mit der Stabilität des von Streit heimgesuchten
Nahen Ostens verknüpft ist; Und schließlich verlangen unsere traditionellen
humanitären Anliegen eine anhaltende Anstrengung zur friedlichen Lösung von
Konflikten.
Als unsere Administration im Januar 1981 ihr Amt antrat, beschloß ich,
daß der allgemeine Rahmen für unsere Mittelost- und Nahostpolitik im großen
und ganzen den von meinen Vorgängern festgelegten Richtlinien folgen sollte.
Zwei grundlegende Probleme waren es, denen wir uns zuwenden mußten.
Erstens gab es die strategische Bedrohung der Region durch die Sowjetunion
und ihre Stellvertreter - wie sie am deutlichsten durch den brutalen Krieg
in Afghanistan zum Ausdruck kommt - und zweitens den Friedensprozeß zwischen
Israel und seinen arabischen Nachbarn. Was die Bedrohung durch die Sowjets
angeht, so haben wir unsere Anstrengungen verstärkt, um zusammen mit unseren
Freunden und Verbündeten eine gemeinsame Politik zu entwickeln, um die Sowjets
und ihre Stellvertreter von einer weiteren Expansion in der Region abzuhalten und, wenn notwendig, uns dagegen zu verteidigen. Was den arabisch-israelischen Konflikt anbetrifft, so haben wir den Rahmen von Camp David als den
einzigen Verfahrensweg benutzt. Wir haben jedoch erkannt, daß die Lösung
des arabisch-israelischen Konflikts

allein nicht den Frieden in einer gan-

zen Region sichern kann, die so groß ist wie der Nahe und Mittlere Osten.
Unser erstes Ziel im Rahmen des Prozesses von Camp David bestand darin,

- 3 -

�bestand darin, die erfolgreiche Erfüllung des ägyptisch-israelischen Friedensvertrages sicherzustellen.

Dies wurde durch die friedliche Rückgabe des Sinai

an Ägypten im April 1982 erreicht. Um das herbeizuführen, haben wir mit unseren
ägyptischen und israelischen Freunden und schließlich mit uns befreundeten Staaten hart gearbeitet, um die multinationale Streitmacht zu schaffen, die jetzt
im Sinai tätig ist.
Während dieses ganzen Zeitraums schwieriger und langwieriger Verhandlungen
haben wir niemals den nächsten Schritt von Camp David aus dem Auge verloren Autonomiegespräche, um den Weg zu ebnen, dem palästinensischen Volk die Ausübung seiner legitimen Rechte zu erlauben. Aufgrund der tragischen Ermordnung
von Präsident £adat und anderer Krisen in dem Gebiet dauerte es bis Januar 1982,
bevor wir in der Lage waren, eine große Anstrengung zu unternehmen, um diese
Gespräche wieder aufzunehmen. Außenminister Haig und Botschafter Fairbanks haben in diesem Jahr drei Besuche in Israel und Ägypten gemacht, um das Ziel der
Autonomiegespräche zu verfolgen. Es wurden beträchtliche Fortschritte bei der
Ausarbeitung des Grundkonzepts der amerikanischen Position hierzu erzielt, die
Ägypten und Israel nach dem April dargelegt werden sollte.
Der erfolgreiche Abschluß des Abzugs Israels vom Sinai und der bei dieser
Gelegenheit von Ministerpräsident Begin und Präsident Mubarak an den Tag gelegte
Mut bei der Erfüllung ihrer Abkommen brachte mich zu der Überzeugung, daß die
Zeit für eine neue amerikanische Politik gekommen sei, um zu versuchen, die verbliebenen Differenzen zwischen Ägypten und Israel bezüglich des Autonomieprozesses zu überbrücken. Daher forderte ich im Mai spezifische Maßnahmen und einen
Zeitplan für Konsultationen mit den Regierungen Ägyptens und Israels über die
nächsten Schritte des Friedensprozesses. Bevor diese Bemühung jedoch eingeleitet werden konnte, kam der Konflikt im Libanon unseren Anstrengungen zuvor. Die
Autonomiegespräche wurden praktisch auf Eis gelegt, während wir versuchten, die
Parteien im Libanon auseinander zu bekommen und die Geschütze zum Schweigen zu
bringen.
Der Krieg

�Der Krieg im Libanon hat uns - so tragisch er war - eine neue Chance
für den Frieden im Nahen Osten gebracht. Wir müssen diese Chance jetzt ergreifen und diesem geplagten Gebiet, das so entscheidend wichtig ist für
die Stabilität in der Welt, Frieden zu bringen, solange noch Zeit ist. Es
war diese nachhaltige Überzeugung, die mich vor über einem Monat - noch bevor die gegenwärtigen Verhandlungen in Beirut abgeschlossen waren - dazu
veranlaßten, Außenminister Shultz anzuweisen, unsere Politik erneut zu überprüfen und eine große Zahl hervorragender amerikanischer Bürger über die besten Mittel und Wege zur Stärkung der Chancen für den Frieden im Nahen Osten
zu konsultieren. Wir haben viele der Amtspersonen konsultiert, die im Laufe
der Geschichte mit dem Prozeß zu tun hatten, mit Mitgliedern des Kongresses
und mit privaten Bürgern - und hatten intensive Gespräche mit meinen eigenen
Beratern über die Prinzipien, die ich Ihnen heute abend darlegen möchte.
Der Abzug der PLO aus Beirut ist jetzt abgeschlossen. Und wir können
jetzt den Libanesen helfen, ihr vom Krieg heimgesuchtes Land wieder aufzubauen. Wir sind es uns und unserer Nachwelt schuldig, rasch an diesen Wiederaufbau zu gehen. Ein stabiler und neubelebter Libanon ist von entscheidender Bedeutung für all unsere Hoffnungen auf Frieden in der Region. Die
Bevölkerung des Libanon verdient die größten Anstrengungen der internationalen Gemeinschaft, um die Alpträume der letzten Jahre in eine neue Morgenröte
der Hoffnung zu verwandeln.
Aber die Möglichkeiten für einen Frieden im Nahen Osten erschöpfen sich
nicht im Libanon. Neben unserer Hilfe für den Wiederaufbau des Libanon müssen wir auch darangehen, die tieferliegenden Ursachen des Konfliktes zwischen
den Arabern und den Israelis in den Griff zu bekommen.
Der Krieg im Libanon hat vieles aufgezeigt, aber für den Friedensprozeß sind zwei Folgerungen von grundlegender Bedeutung:
Erstens: Die militärischen Verluste der PLO haben das Verlangen des

�Verlangen des palästinensischen Volkes nach einer gerechten Befriedigung
seiner Ansprüche nicht vermindert.

Zweitens: Während die militärischen Er-

folge Israels im Libanon demonstriert haben, daß seine Streitkräfte in dieser Region wirklich niemandem nachstehen, können sie allein doch keinen gerechten und dauerhaften Frieden für Israel und seine Nachbarn herbeiführen.
Die Frage ist nunmehr, wie die legitimen Sicherheitsanliegen Israels
mit den legitimen Rechten der Palästinenser versöhnt werden können. Und diese Antwort kann nur am Verhandlungstisch gefunden werden. Jede Partei muß
einsehen, daß das Ergebnis für alle annehmbar sein muß, und daß ein wirklicher Frieden Kompromisse von allen erforderlich macht.
Daher rufe ich heute abend zu einem Neubeginn auf. Dies ist der Augenblick für all jene, die unmittelbar betroffen sind, sich an einer funktionierenden Grundlage für den Frieden zu beteiligen - oder ihr Unterstützung
zu gewähren. Das Camp-David-Abkommen bleibt die Grundlage unserer Politik.
Sein Text bietet allen Parteien die Bewegungsfreiheit, die sie für erfolgreiche Verhandlungen brauchen.
Ich rufe Israel dazu auf, klarzustellen, daß die Sicherheit, die es fordert, nur durch einen echten Frieden erreicht werden kann, durch einen Frieden, der Großmut, Weitblick und Mut erfordert.
Ich rufe das palästinensische Volk dazu auf, einzusehen, daß seine eigenen politischen Hoffnungen unlösbar mit der Anerkennung von Israels Recht auf
eine sichere Zukunft verbunden sind.
Und ich rufe die arabischen Staaten dazu auf, die Realität Israels zu
akzeptieren - sowie die Tatsache, daß Frieden und Gerechtigkeit nur durch
harte, faire und direkte Verhandlungen erreicht werden können.
Wenn ich andere zu all dem aufrufe, so tue ich das in der Erkenntnis, daß
die Vereinigten Staaten eine besondere Verantwortung tragen. Kein anderes Land

- 6 -

�anderes Land ist in der Position, sich mit den entscheidenden Parteien des
Konflikts auf der Grundlage von Vertrauen und Verläßlichkeit auseinanderzusetzen.
Die Zeit für einen neuen Realismus seitens aller Völker im Nahen Osten
ist gekommen. Der Staat Israel ist eine vollendete Tatsache; er verdient
innerhalb der Staatengemeinschaft unangefochtene Legitimität. Aber Israels
Legitimität ist bisher von noch zu wenigen Staaten anerkannt worden und
wurde Israel von allen arabischen Staaten mit der Ausnahme von Ägypten verwehrt. Israel existiert; es hat ein Recht, in Frieden hinter sicheren und
zu verteidigenden Grenzen zu existieren, und es hat ein Recht, von seinen
Nachbarn zu verlangen, daß sie diese Tatsachen anerkennen.
Der Krieg im Libanon hat eine weitere Realität der Region aufgezeigt.
Der Abzug der Palästinenser aus Beirut hat auf dramatischere Weise denn je
die Heimatlosigkeit des palästinensischen Volkes deutlich gemacht. Die Palästinenser fühlen zutiefst, daß ihre Sache mehr ist als eine Flüchtlingsfrage. Ich stimme dem zu. Das Camp-David-Abkommen war sich dieser Tatsache
bewußt, als es von den legitimen Rechten des palästinensischen Volkes und
seinen rechtmäßigen Forderungen sprach. Damit es zu einem dauerhaften Frieden kommt, müssen all jene einbezogen werden, die von dem Konflikt am unmittelbarsten betroffen sind. Nur durch eine breitere Beteiligung am Friedensprozeß - zu allererst durch die Beteiligung Jordaniens und der Palästinenser - wird Israel in der Lage sein, Zuversicht aus dem Wissen zu gewinnen,
daß seine Sicherheit und Integrität von seinen Nachbarn respektiert werden.
Nur durch den Verhandlungsprozeß können alle die Nationen des Nahen Ostens
einen sicheren Frieden verwirklichen.
Dies also sind unsere allgemeinen Ziele. Welche sind die speziellen,
neuen amerikanischen Positionen und warum beziehen wir sie?
Im Verlauf der Camp-David-Gespräche haben sich bislang sowohl Israel
als auch Ägypten die Freiheit genommen, ihre Ansichten hinsichtlich des

�hinsichtlich des Ergebnisses offen zur Sprache zu bringen. Verständlicherweise unterschieden sich ihre Ansichten in vielen Punkten voneinander.
Die Vereinigten Staaten haben bisher versucht, die Rolle eines Mittlers
zu spielen. Wir haben öffentliche Kommentare zu den entscheidenden Fragen vermieden. Wir waren stets der Ansicht - und sind dies auch weiterhin -, daß nur
eine freiwillige Vereinbarung zwischen den unmittelbar in den Konflikt verstrickten Parteien eine dauerhafte Lösung bieten kann. Aber es ist für mich
offenkundig geworden, daß eine etwas klarere Darstellung der Haltung Amerikas
zu den entscheidenden Fragen notwendig ist, um zu größerer Unterstützung des
Friedensprozesses zu ermutigen.
Erstens: Wie in den Camp-David-Vereinbarungen dargelegt, muß es einen
Zeitraum geben, innerhalb dessen die palästinensischen Einwohner des Westjordanlandes und des Gazastreifens volle Autonomie über ihre eigenen Angelegenheiten haben. Dabei müssen das Prinzip der Selbstverwaltung durch die Einwohner dieser Gebiete und die legitimen Sicherheitsanliegen der betroffenen
Parteien in angemessener Weise berücksichtigt werden.
Zweck der fünfjährigen Übergangsperiode, die nach freien Wahlen zu
einer autonomen palästinensischen Regierung einsetzen würde, ist es, den
Palästinensern zu beweisen, daß sie sich um ihre Angelegenheiten selbst kümmern können und daß eine solche palästinensische Autonomie keine Bedrohung
der Sicherheit Israels darstellt.
Während der Übergangsperiode werden die Vereinigten Staaten die Verwendung weiterer Landstriche zum Zweck der Besiedlung nicht unterstützen. Ja,
die unverzügliche Einstellung der Besiedlung durch Israel könnte - mehr als
jede andere Maßnahme - das Vertrauen schaffen, das für eine breiter angelegte
Beteiligung an diesen Gesprächen notwendig ist. Eine weitere Siedlungstätigkeit ist für die Sicherheit Israels in keinster Weise notwendig und verringert
nur das Vertrauen der Araber darauf, daß ein endgültiges Ergebnis frei und
fair ausgehandelt werden kann.

T h mxrhtp

�Ich möchte, daß die amerikanische Position klar verstanden wird: der Zweck
dieser Übergangsperiode ist die friedliche und geordnete Übertragung der einheimischen Verwaltung von Israel auf die palästinensischen Einwohner des Westjordanlandes und des Gazastreifens. Gleichzeitig darf eine solche Übertragung
nicht die Sicherheitserfordernisse Israels beeinträchtigen.
Beim Blick über die Übergangsperiode hinaus in die Zukunft des Westjordanlandes und des Gazastreifens scheint mir klar, daß es einen Frieden nicht
durch die Bildung eines unabhängigen palästinensischen Staates auf diesen
Territorien geben kann. Es kann aber auch kein Frieden auf der Grundlage israelischer Souveränität oder permanenter Kontrolle über das Westjordanland
und den Gazastreifen erreicht werden.
Daher werden die Vereinigten Staaten nicht die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates im Westjordanland und im Gazastreifen unterstützen - und wir werden nicht die Annexion oder die permanente Kontrolle
durch Israel unterstützen.
Es gibt jedoch einen anderen Weg zum Frieden. Der letztendliche Status
dieser Gebiete muß natürlich durch das Geben und Nehmen bei Verhandlungen
erreicht werden. Es ist jedoch die feste Überzeugung der Vereinigten Staaten,
daß Selbstverwaltung der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen
in Assoziation mit Jordanien

die beste Möglichkeit für einen dauerhaften,

gerechten und beständigen Frieden bildet.
Wir gründen unsere Haltung voll und ganz auf dem Prinzip, daß der arabisch-israelische Konflikt durch Verhandlungen gelöst werden sollte, die den
Austausch von Territorium gegen Frieden beinhalten. Dieser Austausch ist in '
der Resolution 242 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen enthalten, die
wiederum in allen ihren Bestandteilen Eingang in die Camp-David-Vereinbarungen
gefunden hat. Die UN-Resolution 242 behält als Grundstein der amerikanischen
Friedensbemühungen im Nahen Osten ihre volle Gültigkeit.
Es ist

�Es ist die Position der Vereinigten Staaten, daß - im Austausch für einen
Frieden - die Rückzugsbestimmungen der Resolution 242 für alle Fronten gelten einschließlich des Westjordanlandes und des Gazastreifens.
Wenn es zu Verhandlungen über die Grenze zwischen Jordanien und Israel
kommt, so wird unserer Ansicht nach das Ausmaß, in welchem Israel aufgefordert
werden sollte, Territorium aufzugeben, in starkem Umfang von dem Maß an echtem Frieden, Normalisierung und Sicherheitsvereinbarungen abhängen, die im
Gegenzug angeboten werden.
Schließlich sind wir weiterhin davon überzeugt, daß Jerusalem ungeteilt
bleiben muß, aber sein endgültiger Status sollte durch Verhandlungen entschieden werden.
Im Zuge der künftigen Verhandlungen werden die Vereinigten Staaten Positionen unterstützen, die uns als faire und vernünftige Kompromisse erscheinen
und ein sinnvolles Abkommen fördern dürften. Wir werden ebenfalls eigene detaillierte Vorschläge unterbreiten, wenn dies nach unserer Ansicht nützlich
sein kann. Und, damit keine Mißverständnisse entstehen, die Vereinigten Staaten werden jeden Vorschlag ablehnen - von welcher Seite und zu welchem Punkt
im Laufe des Verhandlungsprozesses er auch kommen mag -, der die Sicherheit
Israels bedroht. Amerikas Verpflichtung für die Sicherheit Israels ist unverbrüchlich. Und ich möchte hinzufügen, auch die meine.
Während der letzten Tage haben unsere Botschafter in Israel, Ägypten,
Jordanien und Saudi-Arabien den Regierungen, bei denen sie akkreditiert sind,
die Vorschläge umfassend dargelegt, die ich hier heute abend umrissen habe.
Ich bin überzeugt, daß diese Vorschläge einem arabisch-israelischen Frieden Gerechtigkeit und Sicherheit bringen und Dauerhaftigkeit verleihen können.
Die Vereinigten Staaten werden mit voller Hingabe zu diesen Grundsätzen
stehen. Sie stehen voll und ganz in Obereinstimmung mit den Sicherheitserfor-

�den Sicherheitserfordernissen Israels und den Bestrebungen der Palästinenser. Wir werden hart daran arbeiten, die Beteiligung am Verhandlungstisch
zu erweitern, wie dies in den Abkommen von Camp David vorgesehen ist. Und
ich hoffe zutiefst, daß die Palästinenser und Jordanien, mit Unterstützung
ihrer arabischen Kollegen, diese Chance aufgreifen werden.
Die tragische Unruhe im Nahen Osten geht bis auf den Beginn unserer Geschichte zurück. In unserer Zeit hat ein Konflikt nach dem anderen seinen
brutalen Blutzoll gefordert. In einem Zeitalter der nuklearen Bedrohung und
der wirtschaftlichen Interdependenz sind solche Konflikte eine Bedrohung der
gesamten Menschheit, nicht nur des Nahen Ostens selbst. Es ist für uns alle
- im Nahen Osten und überall auf der Welt - an der Zeit, dem Konflikt, dem
Haß und dem Vorurteil Einhalt zu gebieten; es ist für uns alle an der Zeit,
eine gemeinsame Anstrengung für den Wiederaufbau, den Frieden und den Fortschritt zu beginnen.
Es ist schon oft gesagt worden - und bedauerlicherweise ist es schon zu
oft wahr gewesen -, daß die Geschichte der Suche nach Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten eine Tragödie der unterlassenen Möglichkeiten und Chancen ist. Im Gefolge der Regelung im Libanon stehen wir nunmehr vor der Möglichkeit eines breiteren Friedens. Dieses Mal dürfen wir diese Chance unseren Händen nicht entgleiten .lassen. Wir müssen über die Schwierigkeiten
und Hindernisse der Gegenwart hinausblicken und mit Fairness und Entschlossenheit in eine hellere Zukunft gehen. Nichts weniger als dies sind wir uns
selbst wie auch der Nachwelt schuldig. Denn wenn wir diese Gelegenheit zu
einem Neubeginn nicht ergreifen, dann schauen wir vielleicht später bei der
Suche nach einem neuen Ausgangspunkt auf diesen Augenblick zurück und erkennen,
wieviel unser Versagen uns alle gekostet hat.
Dies sind also die Grundsätze, auf die sich die amerikanische Politik
in der Frage des arabisch-israelischen Konfliktes stützen wird. Ich habe

- 11 -

�Ich habe mich persönlich verpflichtet, dafür zu sorgen, daß sie von Dauer
sind und daß sie mit Gottes Willen einmal von allen vernünftigen, von Mitgefühl erfüllten Menschen als fair, erreichbar und im Interesse aller liegend erkannt werden, die Frieden im Nahen Osten wünschen.
Heute abend, am Beginn dessen, was eine neue Hoffnung für die Menschen
im geplagten Nahen Osten und für alle in der Welt werden kann, die von
einer gerechten und friedvollen Zukunft träumen, bitte ich Sie, meine
amerikanischen Mitbürger, um Ihre Unterstützung und Ihre Gebete für dieses große Vorhaben.

+ + + + +

12 -

�8. September 1982

35

ERLÄUTERUNGEN DES US-AUSSENMINISTERIUMS ZUR NAHOSTPOLITIK

WASHINGTON - (AD) - Ein leitender Vertreter des amerikanischen Außenministeriums hat vor Journalisten die Nahostpolitik der Vereinigten Staaten
erläutert, die Präsident Reagan in seiner Rede am 1. September 1982 dargelegt
hat. Reagan hatte in seiner Rede einen "Neubeginn" gefordert.
Die wesentlichen Passagen dieser Erläuterungen haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte die Hauptziele aufzeigen, an die der Präsident in seiner Rede
dachte.
Das erste Ziel ist der Frieden - Frieden überall, aber vor allem Frieden
im Nahen Osten, wo wir in der Geschichte und vor allem kürzlich im Libanon so
viel Konflikt erlebt haben. Wir haben eine Lehre bekommen, was passiert, wenn
der Friedensprozeß zusammenbricht. Oberstes Ziel also ist der Frieden.
Das zweite Ziel, das für uns alle von außerordentlicher Bedeutung ist, und
für den Präsidenten ganz besonders, ist die Sicherheit Israels ...
Das dritte

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�Das dritte Ziel - das damit in Übereinstimmung steht und das dazu beiträgt ist die Wichtigkeit, angemessen und gerecht die Ansprüche des palästinensischen
Volkes zu erfüllen. Und wenn das erreicht werden kann und eine Reihe von Abkommen
mit den Nachbarn Israels ausgearbeitet werden kann, damit die Bedingungen des
Friedens in der Nachbarschaft Israels die Oberhand gewinnen können, dann sind
das nach meiner Ansicht die wesentlichen Bestandteile einer echten und dauerhaften Sicherheit.
Wenn der Präsident in seiner Rede einen Neubeginn fordert in einem eindeutig alten und schwierigen Prozeß, dann denkt er genau an das. Er ist der
Auffassung, daß die Zeit gekommen sei, in der es wesentlich ist, wieder die
Initiative zu ergreifen und etwas für den Frieden im Nahen Osten zu tun, für
die Sicherheit Israels und für die legitimen Rechte des palästinensischen Volkes.
Frage: Ich frage mich, ob Sie uns sagen können, was der nächste Schritt
in dem Friedensprozeß sein wird? Wir haben unsere Ideen dargelegt. Die Israelis
haben bereits negativ reagiert...
Wie wollen wir es erreichen, daß die verschiedenen Parteien sich zusammensetzen und ernsthaft über diese Ideen verhandeln?
Antwort: Vor allem geht es jetzt darum, diese Ideen vorzutragen, damit die
Menschen sie kennenlernen und erfassen.
Wie die Reaktion der Parteien im einzelnen aussehen wird, bleibt abzuwarten.
Wir appellieren an sie, die Vorschläge des Präsidenten zu prüfen und seine Rede
anzuhören und sorgfältig darüber nachzudenken, denn sie müssen, ebenso wie wir,
ein sehr großes Interesse an einem erfolgreichen Ausgang haben.
Wir werden sie also ersuchen, das zu tun, und wenn sie es tun

und wenn es

uns gelingt, das zu erklären, was wir uns vorstellen, und wir ihnen zuhören, dann
hoffen wir, daß mehr Mitspieler am Tisch sitzen werden, und das wird uns in die
Lage versetzen, einen Friedensprozeß zu erleben, der vorankommt.
Frage: Während
- 2 -

�Frage: Während der letzten Jahre ist gewöhnlich König Hussein als der
entscheidend wichtige Mann angesehen worden, und er hat wiederholt, gerade
letzten Sonntag, erklärt, daß er mehr oder weniger darauf wartet, ersucht zu
werden, wieder die Macht oder die Kontrolle auszuüben oder als Sprecher der
Palästinenser im Westjordanland aufzutreten. Haben Sie irgendein Verfahren,
das König Hussein wieder in diesen Prozeß einschalten würde?
Antwort: Ich glaube, daß der Präsident bei der Darlegung und Ausarbeitung
seiner Vorschläge sehr stark daran gedacht hat, wie wichtig es ist, eindeutige
Erklärungen bezüglich seiner Haltung gegenüber dem Palästinenserproblem zum
Ausdruck zu bringen. Bei der Übermittlung seiner Vorschläge an König Hussein
hat er seine Überzeugung und seine Hoffnung unterstrichen, daß König Hussein
diese Vorschläge als einen ernsthaften und wichtigen Schritt dazu betrachten
wird, bei den Palästinenserproblemen wirklich hilfreich zu sein. Das könnte
König Hussein veranlassen, in den Prozeß einzutreten. Das bleibt abzuwarten.
König Hussein selbst hat keinerlei solche Zusicherungen gegeben.
Frage: Aber es gibt keinen genauen Plan, wie etwa die Abhaltung einer
Volksabstimmung im Westjordanland, um herauszufinden, ob die Leute wollen,
daß König Hussein sie vertritt?
Antwort: Der Präsident hat in seiner Rede das Wesentliche dessen niedergelegt, was er zu diesem Zeitpunkt für wichtig erachtet. Offensichtlich geht es
hier um Verhandlungen,und Verhandlungen bedeuten immer ein Wechselspiel zwischen
Sache und Verfahren. Es ist also jetzt ein wichtiges Sachelement hinsichtlich
der Haltung der Vereinigten Staaten dargelegt worden, und wir werden sehen, zu
was für eine Art von Prozeß das führen kann.
Frage: Wenn der Präsident in seiner Rede von dem Verhältnis zwischen
Israel und Jordanien spricht, dann sagt er, daß es die feste Überzeugung der
Vereinigten Staaten sei, daß die Selbstverwaltung der Palästinenser im Westjordanland und im Gazastreifen in Assoziation mit Jordanien die beste Chance
für einen dauerhaften gerechten Frieden bietet. Können Sie uns etwas genauer

- 3 -

�etwas genauer sagen, an welche Art von Assoziation hier gedacht wird?
Antwort: Ich glaube, es gibt alle Arten von Möglichkeiten, und ich möchte
es dem Verhandlungsprozeß überlassen, sie zu bestimmen. Nach meiner Beobachtung
ist es bei Verhandlungen so, daß die Leute, wenn sie erst an dem Punkt angekommen sind, wo es um etwas geht, was ihnen wichtig ist und was sehr stark in
ihrem Interesse liegt, auch den Einfallsreichem entwickeln, um einen Weg zur
Verwirklichung der Ziele zu finden, um die es geht. Ich glaube daher, daß es
viele verschiedene Möglichkeiten gibt, wie dies Zustandekommen könnte. Und der
Präsident hat hier, wie ich meine, klar dargelegt, was er nicht unterstützen
wird, und dann ein Beispiel dessen aufgezeigt, was er unterstützen würde.
Frage: Rechnen Sie im einzelnen damit, daß das Westjordanland ein Teil des
Staates von Jordanien sein würde?
Antwort: Ich glaube, Sie müssen, wenn Sie sagen "Westjordanland", sehr
vorsichtig sein, denn offensichtlich geht es bei dem Stück Land, von dem wir
sprechen, geographisch um etwas, was Thema der Verhandlungen ist. Und in
diesen Verhandlungen werden die Sicherheitsinteressen Israels notwendigerweise
stark in Rechnung gestellt werden müssen. Der Präsident hat dies festgestellt,
wenn er erklärt, daß die Natur dessen, worauf man sich einigen wird, wesentlich
das zum Ausdruck bringen wird, wie diese Sicherheitsinteressen erfüllt werden.
Wenn Sie also von "Westjordanland" sprechen, dann wird es wahrscheinlich Verhandlungen über die genauen Grenzen und Sicherheitsabmachungen der einen oder anderen
Art geben, die möglicherweise am Ende dann für dauernd festgelegt würden.
Frage: Einer der Punkte, der hier herausgehoben wird, ist der, daß die Vereinigten Staaten nicht die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates
unterstützen würden, und dann wird dazu erklärt, daß wir eine Annexion oder ständige
Kontrolle nicht unterstützen würden. Gibt es irgendwas in dem Meinungsaustausch
zwischen Ihnen und Verteidigungsminister Sharon oder anderen israelischen
Regierungsvertretern während der letzten Wochen, das die Befürchtung erhöht
hätte, daß es zu einer solchen Annektion durch Israel kommen könnte?
Antwort: Die

�Antwort: Die Antwort ist, daß wir in dieser Erklärung nicht auf irgendetwas
Bestimmtes eingehen, sondern es handelt sich mehr um eine Beobachtung, die viele
Beobachter gemacht haben, und der Präsident bringt also ganz einfach zum Ausdruck, welchen Standpunkt er in dieser Frage einnimmt.
Frage: Der Präsident äußert sich sehr eindeutig bezüglich weiterer israelischer Siedlungen im Westjordanland. Gibt es irgendwelche Hinweise, daß Israel
bereit wäre, seine Politik in dieser Hinsicht aufzugeben?
Antwort: Es hat zu Zeiten verschiedene Standpunkte gegeben, die Angehörige
der israelischen Regierung eingenommen haben, wenn sie erklärten, daß ihrer
Meinung nach der Siedlungsprozeß so weit wie nötig gediehen sei, aber ich gehe
nicht davon aus, daß es hier zum jetzigen Zeitpunkt irgendwelche Zusicherungen
gibt. Der Präsident bringt seine Meinung zum Ausdruck, und ich muß sagen, daß
ich sie teile, daß nämlich die weitere Ausdehnung der Siedlungen kein konstruktives Element in diesem Prozeß ist, denn dadurch wird immer mehr Land besetzt,
und die Ausdehnung der Siedlungen ist, wie ich weiß, eines der Dinge, die viele
in der arabischen Gemeinschaft zu der Ansicht gebracht hat, daß Israel am Ende
sein Territorium nicht aufgeben wird. Ich bin also der Meinung, daß eine Erklärung
seitens Israels in der Siedlungsfrage ein sehr positiver Schritt in dieser
ganzen Frage wäre.
Frage: Könnte dieser Prozeß, wie Sie ihn sich vorstellen, weitergehen,
während israelische Truppen im Libanon stehen?
Antwort: Ja, aber wir rechnen mit dem Abzug nicht nur der israelischen
Truppen, sondern auch der syrischen Truppen und der verbleibenden PLO-Kräfte
aus dem Libanon und haben diesen Abzug gefordert.
Frage: Haben Sie irgendwelche Zusicherungen beispielsweise seitens der
Ägypter, daß sie über diese Punkte mit den Israelis zu sprechen bereit sind,
solange israelische Truppen noch im Libanon stehen?
Antwort: Wir haben

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�Antwort: Wir haben unsere Botschafter in jedem der vier Länder, die im
einzelnen besucht wurden, nämlich Israel, Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien und sie haben diese Vorschläge dargelegt, und wir haben die Leute dort ersucht,
sie sorgfältig zu prüfen. Wir rechnen, daß die entscheidenden Leute antworten
werden. Bis jetzt haben wir noch

keine direkte Antwort von ihnen.

Frage: Was wird Ihrer Meinung nach der nächste Schritt sein?
Antwort: Wir werden unsere Vorschläge in diesem Land erläutern, damit die
Menschen hier eine klare Vorstellung davon bekommen, welchen Standpunkt der
Präsident einnimmt.
Wir erwarten Reaktionen von anderen, und wir sind bereit, in einen Dialog
einzutreten

oder an allgemeinen Verhandlungen teilzunehmen, wenn sich solche

mit den entscheidenden Parteien im Nahen Osten ergeben. Darüber hinaus müssen wir,
wie ich meine, abwarten, wie die Reaktionen sein werden, vor allem die wohlüberlegten Reaktionen, nachdem die Leute die Rede des Präsidenten gelesen und sorgfältig geprüft haben.
Frage: Können Sie uns irgendeine Zusicherung geben, daß dies mehr ist als
nur eine vage Hoffnung? Denn schließlich verlangen Sie ja von den Israelis etwas
- das Westjordanland und den Gazastreifen aufzugeben -, von dem sie ganz offen
gesagt haben, daß sie es nicht tun werden.
Antwort: Aus meiner Sicht ist die Haupttriebkraft aller Parteien hierbei die
Möglichkeit für einen Frieden. Frieden ist für alle Menschen allerorts wichtig.
Und ich glaube, er ist ganz besonders wichtig für die Menschen in diesem Gebiet,
jetzt, da sie unmittelbar vor den Verwüstungen stehen, die der Konflikt mit sich
brachte.
Dies ist das Entscheidende, und es könnte sehr wohl die Menschen dort motivieren. Wenn es gelänge, könnte das arabische Interesse an einer Mitarbeit an dieser
Frage und an einer Einigung mit den Israelis schließlich eine großartige Möglichkeit sein. Die arabische Welt brauchte nur mitzumachen.
Frage: Noch

�Frage: Noch etwas hierzu: Haben Sie konkrete israelische Hinweise darauf,
daß Israel bereit ist, seine seit langem gültige Position zu ändern?
Antwort: Wir haben all dies Israel vorgelegt, und wir warten noch auf die
Antwort durch Ministerpräsident Begin.
Frage: Der Präsident fordert eine breiter angelegte Beteiligung an dem
Friedensprozeß - zuvörderst durch Jordanien und die Palästinenser. Welche
Palästinenser wären Ihrer Meinung nach politisch frei genug und zu einer sofortigen
Beteiligung bereit?
Antwort: Da ist zunächst die Frage, ob Jordanien in der Lage ist, sich zu
beteiligen. Dann ist da die Frage der Menschen, die im Westjordanland und im
Gazastreifen leben. Wie ich und auch andere oft genug betont haben: Man braucht
Menschen, die von den Palästinensern selbst als legitim angesehen werden.
Ich will hier nicht irgendein sofortiges Plebiszit oder dergleichen, aber ich
bin sicher, daß die Zeit kommen wird, da diese Art von Ernennung das Angemessene
sein wird.
Frage: In dem Abschnitt über die Siedlungen heißt es, die Vereinigten Staaten
werden die Verwendung weiteren Landes zum Zweck der Besiedlung während der Übergangsperiode nicht unterstützen. Diese aber beginnt erst nach jener Art von Wahl,
von der der vorausgehende Paragraph spricht. Bedeutet dies, daß die Vereinigten
Staaten nicht daran denken, konkrete Schritte hinsichtlich der derzeitigen Besiedlungsaktivitäten zu unternehmen?
Antwort: In der Rede des Präsidenten heißt es, daß bei der Besiedlung ein
Einfrieren gefordert wird, aber kein Abriß. Dies bedeutet, daß man die Besiedlung
nicht auf weiteres Territorium ausdehnt oder neue Siedlungen errichtet.
Frage: Von wann ab?
Antwort: Von jetzt an.
Frage: In welchem
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�Frage: In welchem Maß sind die dargelegten amerikanischen Positionen
flexibel? Erwägt die Administration den Einsatz ihrer Wirtschafts- und Militärhilfsprogramme an diese Länder als eine Art Hebel, um den Prozeß zu fördern?
Antwort: Hinsichtlich der Flexibilität: Der Präsident hat etwas dargelegt,
was man "prinzipielle Richtlinien" nennen könnte - und er beabsichtigt nicht, sie
zu ändern. Sie sind offensichtlich Erklärungen dessen, was die Haltung der Vereinigten Staaten ist und wovon der Präsident überzeugt ist. Andere Parteien
können sehr wohl andere Positionen einnehmen. Im Diskussions- und Verhandlungsverlauf werden wir sehen müssen, was dabei herauskommt. Aber der Präsident hatte
den Eindruck, es sei wichtig, den Menschen eine Vorstellung davon zu geben, in
welche Richtung unsere Konzeption weist und was er davon denkt. Es schien ihm
wichtig, den Palästinensern und den arabischen Staaten zu sagen, daß wir nicht
plötzlich einen Palästinenserstaat im Westjordanland unterstützen werden. Wir
werden nicht letztlich eine Selbstverwaltung unterstützen, die so definiert wird,
daß sie als ein Palästinenserstaat im Westjordanland verstanden werden kann obgleich das grundlegende Prinzip der Selbstverwaltung, demzufolge Menschen über
ihre eigene Regierung bestimmen können, offenkundig ist und auch von den Vereinigten Staaten hochgeschätzt wird.
Er hat in dieser Hinsicht, wenn Sie so wollen, versucht, ein Signal zu setzen.
Und andererseits auch, daß wir nicht die Annexion des Westjordanlandes durch
Israel unterstützen würden. Es wurden hier also bestimmte Dinge festgelegt, von
denen ich nicht glaube, daß der Präsident sie ändern würde. Aber der Verhandlungsprozeß umfaßt auch andere Leute, die unmittelbarer in diesem Gebiet präsent sind.
So werden wir dann sehen, was sie sagen und was sich aus all dem entwickelt.
Was die Möglichkeit einer Hebelwirkung angeht, so scheint mir der wichtigste,
und auch sehr kraftvolle Hebel in der Möglichkeit eines Friedens zu bestehen. Dies
wollen wir betont herausstellen.
Ich hatte Gelegenheit, kurz nach Präsident Sadats erstem Besuch in
Jerusalem in Israel zu sein, und ich war wirklich beeindruckt. Ich werde nie

�werde nie das Gefühl vergessen, das die Möglichkeit eines Friedens - noch nicht
einmal die Wahrscheinlichkeit eines Friedens - bei den Menschen hervorrief, die
ich damals traf. Es war diese ungeheuer erregende Möglichkeit für Menschen, die
doch in einer Welt lebten, wo ein Krieg früher oder später mehr oder minder Gewissheit war. Deshalb sollte die Möglichkeit eines Friedens nicht nur für die
Israelis, sondern auch für die Menschen in den arabischen Ländern ein gewaltiger
Anreiz sein. Das ist es, was wir den Menschen dort immer wieder klarmachen müssen.
Frage: Schließen Sie also den Einsatz von Wirtschafts- oder Militärhilfe als
Form des Druckes aus?
Antwort: Ich schließe nichts aus und nichts ein - ich glaube, so sollte man
nicht vorgehen. Die Vereinigten Staaten haben zum Beispiel eine feierliche und
dauerhafte Verpflichtung zur Sicherheit Israels. Teil dieser Verpflichtung zur
Sicherheit ist eine militärische Verpflichtung. Ich glaube nicht, daß es angemessen wäre, diese auch nur in irgendeiner Weise zu verletzen. Wir müssen uns hier
immer wieder an den Gedanken der Sicherheit für Israel halten. Wenn ich dies
sage, so muß ich aber noch einmal auf die Bedeutung des Friedens und der Macht
des Friedensgedankens überall, besonders aber in diesem Gebiet zurückkommen.
Frage: Der Präsident hat in seiner Rede die PLO nicht ausdrücklich genannt abgesehen von der Tatsache der Abnahme ihrer militärischen Macht. Würden sich
die Vereinigten Staaten mit ihr als Vertreterin der Palästinenser des Westjordanlandes beschäftigen?
Antwort: Die Position des Präsidenten und der Vereinigten Staaten hinsichtlich
Gespräche mit der PLO ist bereits sehr deutlich gemacht worden - gerade wieder in
der jüngsten Pressekonferenz des Präsidenten. Dies ist unser Standpunkt in bezug
auf die PLO.
Was ihr Auftreten an einem Verhandlungstisch unter anderen Umständen anbelangt,
so müssen das andere genauso wie wir entscheiden - und ich habe nicht den Eindruck,
daß die Israelis zu diesem Zeitpunkt die Arme ausbreiten und die PLO umarmen wollen.

- 9 -

�umarmen wollen.inHinblick auf Gespräche

zwischen den Vereinigten Staaten und

der PLO sind die Erklärungen des Präsidenten Position der Vereinigten Staaten.
Frage: Da die Rede des Präsidenten so kurz nach dem Abzug der PLO erfolgte,
würde ich gern wissen, ob es irgendwelche Absprachen bei den Verhandlungen in
Beirut darüber gab, daß so etwas folgen würde, daß die USA eine neue Initiative
vorlegen würden?
Antwort: Nein. So etwas war nicht ausdrücklich Teil dieses Plans, auch wenn
verschiedene amerikanische Stimmen, insbesondere der Präsident während all unserer
Bemühungen in Beirut immer wieder auf die Bedeutung des zugrundeliegenden
palästinensischen Problems und auf die Notwendigkeit hinwiesen, es so rasch wie
möglich in den Griff zu bekommen, damit es zu keinem weiteren Zyklus der erlebten
Art kommen würde. Sicher haben alle dortigen Besucher dies in vielen öffentlichen
Erklärungen unterstrichen - und auch Leute in dem Gebiet dort haben es unterstrichen. Während der schlimmsten Tage in Beirut wurde oft von der Notwendigkeit
gesprochen, das palästinensische Problem anzugehen - auf eine Weise, die einem
das Gefühl gab, es gebe einen Wendepunkt, an dem die Leute dort spüren, sie
müßten sich jetzt zusammensetzen und den Versuch machen, eine Lösung zu finden.
Frage: Die Leute, die hier gewesen sind, um über diese Frage zu sprechen,
waren an dem Palästinenserproblem interessiert, aber Verteidigungsminister Sharon
sieht das Problem doch sicherlich anders. Und nachdem Israel doch einer der
wesentlichen Sieger im Libanon zu sein scheint, möchte ich fragen, wie beabsichtigen Sie Israel zu einer Sinneswandlung in all diesen Punkten zu bewegen?
Antwort: Die Tatsache der Stärke angesichts der Kriegsdrohung und der Bedrohung der Sicherheit Israels und auch die Notwendigkeit größerer Bereitstellungen und Abzweigungen von Ressourcen für militärische Mittel können vielleicht
ein Faktor sein, der Leute dazu veranlaßt, an eine Änderung zu denken. Ich meine,
es ist nicht unbekannt in der Geschichte der Menschheit, daß einem Sieg oft
Großmut und Kompromiß folgen. Ich will damit nicht sagen, daß dies so sein wird,
aber manchmal ist es doch so.
Frage: Könnten Sie
- 10 -

�Frage: Könnten Sie etwas näher erläutern, welche Schwierigkeiten Sie darin
sehen, daß sich Jordanien in irgendeiner Weise der Palästinenser annimmt und die
Israelis entsprechend einen Teil des Grenzgebietes aufgeben?
Antwort: Es gibt alle nur möglichen administrativen Fragen, denen man
sich dann gegenübersieht, und diese werfen Probleme der einen oder anderen Art
auf. Aber es handelt sich im wesentlichen um lösbare Probleme. Und ich glaube,
es gibt auch eine Menge an Vorteilen.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Rolle einer Besatzungsmacht im
Westjordanland oder im Gazastreifen sehr erfreulich ist, und ganz ohne Frage
sind damit bestimmte Kosten verbunden genauso wie für Jordanien hinsichtlich
des unsicheren Status des Westjordanlandes. Es gibt sehr starke wirtschaftliche
und persönliche Verbindungen zwischen den Menschen in Jordanien und im Westjordanland und im Gazastreifen. Ich denke also, daß es eine Menge von Vorteilen gibt,
wenn dies geregelt wird.
Frage: Sie sagten, Sie hätten mit den vier Ländern Israel, Jordanien, SaudiArabien und Ägypten gesprochen. Sprachen die Amerikaner auch mit den Palästinensern?
Antwort: Nein, aber wir rechnen damit, daß andere mit den Palästinensern gesprochen haben.
Frage: Auch auf die Gefahr hin, daß ich Ihre Geduld zu sehr strapaziere,
könnten Sie etwas dazu sagen, was heute abend aus Israel durchgesickert ist;
es gibt Berichte aus Israel, wonach Sie gewisse Abweichungen von den Camp-DavidAbkommen vorgeschlagen haben; beispielsweise, daß die arabischen Einwohner
Jerusalems für die Autonomie stimmen sollten und daß die Sicherheit für das
Westjordanland den arabischen Stellen übertragen werden sollte. Stimmen diese
Berichte, und sind Sie schon in diese Detailfragen eingetreten?
Antwort: Mit den Berichten, die da aus Israel oder aus anderen Orten
durchsickern, bin ich im Augenblick nicht vertraut. Aber über die Frage, wer

- 11 -

�Frage, wer im Falle einer Abstimmung über die Selbstverwaltungsautorität für
das Westjordanland seine Stimme abgeben würde, ist schon viel gesprochen worden.
Das ist also meiner Meinung nach nichts Außergewöhnliches im Rahmen von Camp
David.
Wir betrachten die Abkommen von Camp David und die Resolution 242, auf die
in den Abkommen Bezug genommen wird, als den grundsätzlichen Rahmen, innerhalb
dessen diese Vorschläge oder Ideen vorgebracht werden, und es ist unsere Ansicht
sowie die Ansicht derjenigen, die sich hiermit schon seit einiger Zeit beschäftigt
haben, daß wir in Obereinstimmung mit Camp David handeln. Und selbstverständlich
werden diejenigen, die hiervon betroffen werden, ihre Stellungnahmen abgeben.
Aber ich bin der Meinung, daß sich diese Vorschläge absolut im Rahmen von Camp
David halten.
+++++

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�8. September 1982

USA WOLLEN WETTRÜSTEN IM WELTRAUM VERHINDERN

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten messen der Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum höchste Bedeutung bei. Dies betonte der amerikanische
Botschafter Louis Fields am 2. September vor dem Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen in Genf. "Als wichtige Weltraum-Macht betrachten die Vereinigten Staaten die Frage von Rüstungskontrolle und Abrüstungsvereinbarungen
im Weltraum als eine bedeutsame und ernste Angelegenheit... und messen der
weiteren Erhaltung des Weltraums für friedliche Zwecke größte Bedeutung bei",
so erklärte der Leiter der amerikanischen Delegation in einer Rede vor dem
Ausschuß.
Der Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen, dem 40 Nationen angehören ,
ist von der Vollversammlung der Auftrag erteilt worden, über Abrüstungsmaßnahmen im Weltraum zu verhandeln.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Behandlung dieses Themas im
Ausschuß voll und ganz, so unterstrich Fields, da eine hemmungslose Konkurrenz
in der Entwicklung und Dislozierung von Waffen für den Weltraum dem größeren
Ziel einer friedlichen Welt widersprechen würde.

"Und es gibt noch eine ein-

fache Tatsache, die nicht zu bestreiten ist", so fuhr Botschafter Fields fort,
"und zwar die, daß die Sowjetunion - aus welchen Gründen auch immer - seit

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�immer - seit einer Reihe von Jahren aktiv mit der Entwicklung und Erprobung
von Anti-SatellitenwaffenSystemen befaßt ist.
für die Satelliten aller Nationen dar.

Dieses System stellt ein Risiko

Angesichts dieser Tatsache ist meine

Regierung zu dem Schluß gekommen, daß sie gar keine andere vernünftige Wahl
hat, als ein eigenes Programm fortzusetzen, um eine ähnliche Kapazität zu entwickeln."
Der amerikanische Chefdelegierte unterstrich, daß die Vereinigten Staaten jedoch weiterhin bereit seien, weitere Maßnahmen zu prüfen, um zu zusätzlichen Rüstungskontrollabkommen für den Weltraum zu gelangen.

Fields erinner-

te an die Erklärung von Präsident Reagan am 4. Juli, in der dieser die Prüfung
weiterer Optionen für Rüstungskontroi labkommen für den Weltraum zugesagt hatte.
Fields erinnerte daran, daß der Weltraumvertrag von 1967 das bisher umfassendste Rüstungskontroi labkommen für diesen Bereich sei. "Er verbietet es,
Kernwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen in eine Umlaufbahn um die Erde
zu bringen", so erklärte der Botschafter. Ferner sei die Stationierung solcher
Waffen auf Himmelskörpern verboten. Der Vertrag trage der Tatsache Rechnung,
daß der Weltraum eine wichtige Rolle bei der Erhaltung von Frieden und Sicherheit auf der Welt spiele.
Die wirksame Überwachung durch Satelliten, so führte Fields weiter aus,
trage zur Einhaltung jener Rüstungskontroi labkommen bei, die im wesentlichen
von der Verifizierung durch "nationale technische Mittel" abhingen und deren
Verifizierung sonst unmöglich wäre.
Der Botschafter verwies ferner auf den Vertrag über ein begrenztes Versuchsverbot, der nukleare Explosionen im Weltraum verbietet, sowie auf die
Konvention über das Verbot feindseliger Veränderungen der Umwelt von 1964,
die jedwede nachteilige Veränderung der Umwelt, einschließlich des Weltraums,
ächtet.
Diese Abkommen,

�Diese Abkommen, so hob der amerikanische Botschafter hervor, müßten unbedingt eingehalten werden, denn das würde sich positiv auf die Rüstungskontrolle im Weltraum auswirken. Wenn man die Bestimmungen dieser Abkommen
betrachte, dann rücke die weitverbreitete Vorstellung, daß ein Wettrüsten
im Weltall eine unmittelbare Bedrohung darstelle, in eine etwas realistischere
Perspektive. Die Vereinigten Staaten, so betonte Fields, hätten seit langem
die Führung übernommen, wenn es gelte, der Welt die Technologie und Vorteile
ihres Weltraumprogramms zur Verfügung zu stellen.

+ + + + +

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�35

8. September 1982

ZWEI POLEN
Kommentar der Stimme Amerikas

- (AD) - Winston Churchill hat einmal gesagt: Es gab stets zwei Polen:
Das eine im Kampf um die Verkündung der Wahrheit, das andere in Schurkerei
am Boden kriechend. Das gilt auch heute noch. Das eine Polen kämpft um die
Freiheit; das andere Polen - die Militärregierung - kriecht vor einer äußeren
Macht, die die Unterdrückung der Freiheit in Polen fordert.
Beide Polen konnte man sehr deutlich am 31. August sehen, als die dortige
Militärregierung versuchte, die Demonstrationen zu unterdrücken, die den zweiten Jahrestag der Reformbewegung "Solidarität" markierten.
Und das Polen, das so viele Menschen in der ganzen Welt während der
letzten zwei Jahre bewundert haben, sah man in der Entschlossenheit so vieler
einfacher Polen, die den Jahrestag begingen - trotz der angedrohten Vergeltung
durch die Regierung und trotz solcher Ablenkungsmanöver wie den Höhepunkten
der jüngsten FußballWeltmeisterschaft im Fernsehen just zum Zeitpunkt der Demonstrationen.
Aber da

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�Aber da gab es unzweifelhaft auch das andere Polen - nämlich die Sicherheitskräfte, die den Versuch unternahmen, die Wünsche Moskaus, denen Jaruzelskis
Militärregime nachkommt, zu verwirklichen und darauf zu achten, daß die Gewerkschaftsbewegung "Solidarität" nicht wieder ihre Stimme erhebt. Die offenkundige Eskalation bei den gegen die Demonstranten eingesetzten Waffen, zu denen nunmehr Blendgranaten und Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke gehören,
erinnerte daran, wie weit das Regime in Warschau offensichtlich zu gehen bereit ist.
Trotz der Anstrengungen der Militärjunta, der polnischen Nation zu diktieren, wird deutlich, daß das polnische Volk und die Regierung nunmehr einen
Dialog auf der Straße austragen. Aber natürlich ist dies kein Ersatz für jene
Art von politischem Dialog, der in Polen zwischen Staat und Volk stattfinden
sollte. Es war vielmehr ein gefährliches Potential für weitere Gewalt. Die
Folge könnte eine weitere Polarisierung zwischen dem Volk und der Regierung
sein, aber keine Schlichtung, die das Land so bitter nötig hat. Es reicht jedoch, um den Geist der "Solidarität" am Leben zu erhalten.
Die unabhängige Gewerkschaftsbewegung wurde unterdrückt. Aber die Hoffnung auf Freiheit und ein besseres Leben, die ihr Antrieb ist, ist ungebrochen.
Wir wünschen der "Solidarität" und dem wirklichen Polen, das sie repräsentiert,
ein langes Leben - dem Polen, das im Kampf um die Verkündung der Wahrheit liegt.

�Wis/en/chaft
vnd Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. September 1982

35

FORSCHUNGSZENTRUM FÜR KERAMISCHE WERKSTOFFE

(AD) - Keramikmassen gewinnen immer größere Bedeutung als Werkstoffe für
die Elektrotechnik im weitersten Sinn sowie für Bauteile, von denen hohe
Festigkeit unter Beanspruchung bei hohen Temperaturen verlangt wird. Die
Herstellung keramischer Produkte schlägt bei der amerikanischen Industrie
zur Zeit mit ca. 50 Milliarden Dollar zu Buche. Welche Bedeutung den Keramikmaterialien und ihrer ständig sich ausweitenden Anwendung beigemessen wird,
zeigt die Einrichtung eines Nationalen Forschungszentrums für keramische Werkstoffe an der Rutgers-Universität im US-Bundesstaat New Jersey. Es wird in den
ersten fünf Jahren mit einem Beitrag der Nationalen Forschungsstiftung (NSF National Science Foundation) in Höhe von 750 000 Dollar sowie jährlichen Beiträgen von zunächst sechs großen US-Firmen finanziert und soll danach von der
Industrie unterhalten werden. Das Zentrum ist dem "Department of Ceramics"
des Rutgers College für Technik in Piscataway angegliedert und untersteht dem
Leiter des Departments, Dr. Mal comb G. McLaren.
Wie Dr. McLaren

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�Wie Dr. McLaren erklärte, soll durch Grundlagenforschung und angewandte
Forschung dazu beigetragen werden, die zur Herstellung hochwertiger Industrieprodukte so wichtigen keramischen Stoffe weiter zu verbessern und neue Anwendungsmöglichkeiten für sie zu erschließen. In den ersten Jahren stehen Dr.
McLaren zufolge acht Forschungsprojekte im Vordergrund: Die sogenannte Sol-GelTechnologie, das Sintern von keramischem Pulver, Festigkeit - Zähigkeit Mikrogefüge, Korrosion von Keramikmassen, Materialen für die Elektronik, Oberflächenforschung, oxydfreie Keramikmassen (z.B. Karbide) und Fragen der
Rheologie (d.h. der Fließeigenschaften und Verformbarkeit) keramischer Stoffe.
Keramische Materialien spielen beispielsweise in der Festkörper-Elektronik,
als Träger für elektronische Schaltkreise in Computern oder als direkter Bestandteil von Schaltkreiselementen eine wichtige Rolle. Andere Keramikwerkstoffe
werden beim Bau von Turbinen und Dieselmotoren für Autos, Flugzeuge und Generatoren (Maschinen mit hoher Wärmebelastung) sowie für die Herstellung von
Isoliermaterial verwendet, mit dem z.B. der Raumtransporter verkleidet werden
muß. Die Verfeinerung des Sol-Gel-Verfahrens zur Gewinnung hochreiner Keramikmassen stehe, wie Dr. McLaren berichtete, obenan. Denn bei dieser Methode werde
weitaus weniger Wärmeenergie als bei den bisher üblichen Herstellungsverfahren
benötigt. Auch die Verbesserung der Festigkeit und Steigerung der Lebensdauer
keramischer Massen seien ganz wichtige Punkte.
Bei dem Keramikzentrum an der Rutgers-Universität handelt es sich um das
achte Institut, das mit Förderung der Nationalen Forschungsstiftung eingerichtet
wurde, um zwischen Universitäten und der Industrie die Zusammenarbeit in der
Forschung zu verbessern. Am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in
Cambridge z.B. gibt es schon seit längerem ein Zentrum für die Verarbeitung von
Polymeren, das sich seit 1978 selbst trägt. Ferner existiert ein Zentrum für
Computergraphik am Rensselaer Polytechnic Institute (Bundesstaat New York),
ein Forschungszentrum für Polymere an der Universität Massachusetts (Boston),
ein Zentrum für Schweißtechnik an der Staatsuniversität von Ohio, ein Zentrum
für die Anwendung von Polymeren an der Case Western Reserve University
(Cleveland, Ohio), ein Zentrum für Robotertechnik an der Staatsuniversität von

- 2 -

�Staatsuniversität von Rhode Island

und ein Zentrum für Kommunikationstechnik

und Signal Verarbeitung an der Staatsuniversitä't North Carolina. Sie alle
sollen helfen, den Informationsfluß zwischen akademischen Forschungsstätten
und industriellen Zentren für die Produktion hochwertiger Technik zu intensivieren.
Dieses Thema wurde kürzlich von George A. Keyworth, dem Wissenschaftsberater
Präsident Reagans, in einem Vortrag an der Stanford-Universität (Kalifornien)
ausführlich behandelt. "Wir haben uns der Forderung zu stellen - und beginnen
dies jetzt zu tun -, uns mit den Möglichkeiten und Bedürfnissen unserer Nation
in den achtziger Jahren und danach zu befassen", erklärte Keyworth. Es komme
nun darauf an, "wie wir unser Wissen mobilisieren und die Industrie, die
technisch hochwertige Produkte herstellt, motivieren, unsere Wirtschaft - und
die Wirtschaft großer Teile der übrigen Welt - aus dem stagnierenden Zustand
herauszubringen, in den sie in den letzten Jahren geraten ist". Die Vereinigten
Staaten verfügten über die stärkste Kapazität für Grundlagenforschung, die die
Welt kenne. Dies sei ein überaus bedeutsamer Aktivposten, der geschützt und erhalten werden müsse, um zu verhindern., daß die USA die Führung auf diesem Gebiet
verlieren.
Die Annäherung zwischen Forschung und Industrie mit einem regen Austausch
von Ideen und Erfahrungen sei deshalb ein ganz wichtiger Punkt. Und es sei zu
begrüßen, daß Wissenschaftler ihre Zurückhaltung, ja selbstgeschaffene Abschirmung gegen "Profitanreize" aufgeben und daß die amerikanische Industrie
von der Konzentration auf kurzfristig gesteckte Ziele abrücke. Dadurch seien
in der Vergangenheit Forschungsmöglichkeiten, die sich nicht innerhalb von
zwei bis drei Jahren amortisierten, vernachlässigt worden, was die Wettbewerbssituation vieler technologieabhängiger Industrien gegenüber dem Ansland beeinträchtige.Jedoch sei die Industrie jetzt entschlossen aufzuholen, was ihre um
15 Prozent erhöhten Aufwendungen für Forschung und Entwicklung im vergangenen
Jahr zeigten. Im laufenden Jahr seien vergleichbare Aufwendungen zu erwarten.
Ein Schulbeispiel für die so nützliche Symbiose von Universität und Industrie

- 3 -

�und Industrie seien die engen Beziehungen zwischen der Stanford-Universität
und dem "Silicon-Valley" in Kalifornien, wo sich zahlreiche, meist kleinere
Elektronikfirmen angesiedelt haben, die Produkte höchster Qualität liefern.
Alles in allem gesehen sei der Technologietransfer innerhalb des Landes, d.h.
von den Forschungsstätten der Universitäten zur amerikanischen Industrie, ein
weitaus schwerwiegenderes und wichtigeres Problem als der Transfer von den
Vereinigten Staaten ins Ausland, meinte Keyworth.
+++++

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan fordert Neubeginn im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehrede des US-Präsidenten vom 1. September 1982 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen des US-Außenministeriums zur Nahostpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Wettrüsten im Weltraum verhindern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwei Polen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommentar der Stimme Amerikas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschungszentrum für keramische Werkstoffe</text>
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ra

cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

5. September 1990

35

GOLFKRISE

BUSH FORDERT KOORDINIERTE HILFE IN DER
GOLFKRISE
Erklärung des Präsidenten
ISOLIERUNG DES IRAKS EINZIGES MITTEL
ZUR FRIEDLICHEN KONFLIKTLÖSUNG
US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Repräsentantenhauses
DIE GOLFKRISE: EINE CHRONOLOGIE
Stand: 28. August

KONGRESS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

KONGRESS UNTERSTUTZT BUSHS
MASSNAHMEN IN DER GOLFKRISE
Erklärungen führender Persönlichkeiten
aus dem Kongreß

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
5. September 1990

BUSH FORDERT KOORDINIERTE HILFE
IN DER GOLFKRISE
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 30. August 1990 im Rahmen einer Pressekonferenz erklärt, daß
die Vereinigten Staaten die Führungsrolle bei der Koordinierung von Hilfsmaßnahmen für Länder übernehmen
werden, deren Wirtschaft durch die irakische Invasion in Kuwait geschädigt wurde. Darüber hinaus kündigte er
die Entsendung von Außenminister Baker und Finanzminister Brady in den Nahen Osten, nach Europa und Asien
an, um diese Bemühungen zu beschleunigen. Der Plan erfordere "erhebliche Wirtschaftshilfe" für die Türkei,
Ägypten und eine Reihe anderer Länder.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Zusammen mit der überwältigenden Mehrheit der
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen engagieren
sich die Vereinigten Staaten für kollektive Anstrengungen, um die Folgen der irakischen Aggression zu
beseitigen. Unsere Ziele, die in fünf Resolutionen des
Sicherheitsrats der Vereinten Nationen dargelegt
wurden, sind eindeutig: der unverzügliche und bedingungslose Abzug der irakischen Streitkräfte aus Kuwait,
die Wiedereinsetzung der legitimen Regierung Kuwaits, die Stabilität Saudi-Arabiens und am Persischen Golf sowie der Schutz amerikanischer Staatsbürger.
In dieser Angelegenheit steht wahrhaft viel auf dem
Spiel - die Verläßlichkeit des amerikanischen Engagements für unsere Freunde und Verbündeten, die
Gestaltung der Welt nach der Nachkriegszeit, die
Ablehnung von Aggression, die mögliche Beherrschung
der für die gesamte Welt entscheidenden Energiequellen. Diese Bemühungen waren von Beginn an wahrhaft international. Viele andere Länder leisten ihren
Beitrag. Zuletzt hatten 22 Länder entweder der Bitte
Saudi-Arabiens entsprochen, zur Abschreckung weiterer Aggression beizutragen oder gemäß der Resolution 665 des UNO-Sicherheitsrats Marinestreitkräfte
entsandt. Andere Staaten erbringen ihren Beitrag in
Form finanzielle) und materieller Unterstützung für
diese Verteidigungsanstrengungen oder für Länder,
deren Volkswirtschaften unter den Sanktionen oder
höheren Ölpreisen zu leiden haben. Und noch andere
zahlen einen hohen wirtschaftlichen Preis für die Einhaltung der UNO-Sanktionen.

AMERIKA DIENST 35

Es ist unabdingbar, daß die erheblichen von diesen
Bemühungen verursachten Belastungen auch von
denjenigen getragen werden, die verteidigt werden
und von denen, die vom freien ölfluß profitieren.
Jeder, der ein Interesse an der Weltordnung hat, muß
auch daran interessiert sein, unser aller Erfolg sicherzustellen.
Für die Vereinigten Staaten ist das Gleichgewicht von
großer Bedeutung, und sie sind damit in Einklang
stehende Verpflichtungen eingegangen. Wir sind mehr
als bereit, unseren fairen Anteil an den Lasten zu
tragen. Dazu gehören vor allem die Tausende von
Männern und Frauen unserer Streitkräfte, die heute
am Golf stehen, aber wir erwarten auch von anderen,
daß sie ihren fairen Anteil tragen.
Eine Reihe von Ländern hat schon ihre Bereitschaft
erklärt, denen zu helfen, die durch dieses Unterfangen
wirtschaftlich benachteiligt werden. Hierbei muß es
sich jedoch zwangsläufig um konzertierte und koordinierte Maßnahmen handeln, an denen sich alle betroffenen Länder beteiligen. Es ist wichtig, die richtigen
Prioritäten zu setzen und sicherzustellen, daß diejenigen, die unsere Hilfe am meisten benötigen, diese
auch bekommen und diejenigen, die am ehesten dazu
in der Lage sind, ihren Beitrag leisten.
Aus diesem Grund habe ich eine interministerielle
Arbeitsgruppe angewiesen, eine Strategie zur Verwirklichung dieses Ziels zu entwickeln. Der Bericht
dieser Gruppe wurde beim gestrigen Treffen des

Seite 1

�Nationalen Sicherheitsrats vorgelegt, und ich habe
heute morgen einen Aktionsplan genehmigt. Unser
Ansatz fordert erhebliche Wirtschaftshilfe für diese
Staaten - ich möchte hier insbesondere die Türkei und
Ägypten nennen, die einen großen Teil der von den
Sanktionen und höheren Ölpreisen verursachten Lasten
zu tragen haben. Der Plan führt darüber hinaus noch
weitere Länder auf, darunter Jordanien, die Staaten
Osteuropas und andere, die besonderer Hilfe bedürfen. Die Vereinigten Staaten werden ferner eine
Verteilung der aus ihren eigenen Anstrengungen resultierenden Lasten anstreben.
Wir werden gleichzeitig andere Regierungen, darunter
die Japans, Südkoreas, der Bundesrepublik Deutschland, Saudi-Arabiens, der Emirate, des freien Kuwait
und anderer Staaten ersuchen, sich uns anzuschließen und den Ländern, die am meisten unter der
gegenwärtigen Lage zu leiden haben, finanzielle sowie
gegebenenfalls Energieressourcen zur Verfügung zu
stellen.
Um dieses Unterfangen zu beschleunigen, habe ich
Außenminister Baker und Finanzminister Brady gebeten, an der Spitze hochrangiger Delegationen zum
Persischen Golf, nach Europa und Asien zu reisen. Ich
werde ferner direkten Kontakt mit den Staats- und
Regierungschefs dieser Länder aufnehmen, bevor die
Minister Baker und Brady dort eintreffen, um ihnen
unsere allgemeinen Ziele zu erläutern.
Abschließend möchte ich wiederholen, was ich bereits
gestern bei meinem Treffen mit führenden Politikern
des Kongresses erklärt habe. Unsere Politik liegt im
Grundsatz fest. Das irakische Regime steht in Opposition zur gesamten Welt und den Interessen des
irakischen Volkes. Der Irak stellt sich wahrhaft gegen
die gesamte Welt. Ich möchte jedoch klarstellen, daß

*

*

wir keinen Streit mit dem irakischen Volk haben.
Die Sanktionen beginnen bereits zu greifen. In der
Zwischenzeit möchten wir sicherstellen, daß die Länder, die zu dieser einmaligen kollektiven Antwort beitragen, darunter nicht leiden müssen. Was ich heute
verkündet habe und was in den folgenden Tagen
verwirklicht werden soll, wird dazu beitragen, ein Umfeld
zu schaffen, in dem die Sanktionen gegen den Irak mit
den beabsichtigten Folgen aufrechterhalten werden
können.
Eine weitere Maßnahme einmaliger internationaler
Solidarität war die Bereitschaft der OPEC, den durch
das Embargo gegen irakisches und kuwaitisches ö l
entstandenen Produktionsausfall wettzumachen. In
diesem Zusammenhang habe ich mich heute morgen
mit unseren Energieberatern getroffen, die den ö l markt sehr genau beobachten. Wir begrüßen den Beschluß der OPEC, die Verringerung der ölfördermenge teilweise aufzufangen. Obwohl wir uns meiner
Meinung nach in einer Übergangsphase befinden,
scheint die Lage kontrollierbar zu sein.
Wir erwarten zur Zeit keine größeren Verwerfungen
auf dem Ölmarkt. Wir besitzen jedoch unsere bewährte Strategische ölreserve, die zur Verfügung steht,
wenn dies wirklich erforderlich ist. Unsere Energiepolitik hat darüber hinaus eine verstärkte Erdölförderung
sowie eine Umstellung auf Erdgas und andere Brennstoffe zur Folge. Ich möchte ferner meinen früheren
Appell an die Amerikaner wiederholen, Energie zu
sparen. Ich fordere alle Beteiligten auf, sich verantwortungsbewußt zu verhalten. Gegenwärtig ist die Lage
meines Erachtens relativ stabil, und ich bin sehr zufrieden mit der Koordinierung, die mit vielen Ländern zur
Aufrechterhaltung einer angemessenen Brennstoftversorgung stattgefunden hat.

*

*

AMERIKA DIENST 35

�GOLFKRISE
5. September 1990

ISOLIERUNG DES IRAKS EINZIGES MITTEL
ZUR FRIEDLICHEN KONFLIKTLÖSUNG
US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge ist die "koordinierte und umfassende internationale
Isolierung des Iraks der einzig friedliche Weg" zur Beendigung der Golfkrise.
"Auf diplomatischem Wege haben wir von Anfang an versucht, eine konzertierte internationale Reaktion auf die
irakische Aggression zu fördern", erklärte Baker am 4. September 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Repräsentantenhauses. Er bezeichnete die Ergebnisse als außerordentlich und einmalig.
Dem US-Außenminister zufolge verspüren die Vereinigten Staaten Genugtuung über die im UNO-Sicherheitsrat geleistete "verantwortungsbewußte und produktive Arbeit" und über die "Unterstützung seitens der
Arabischen Liga und der Blockfreien".
Als Erklärung für das, was im Golf auf dem Spiel steht, nannte Baker folgende Punkte:
"Iraks nichtprovozierte Aggression ist ein politischer Prüfstein, wie die Welt nach dem kalten Krieg
funktioniert."
"Einschüchterung und Gewalt sind keine erfolgreichen Mittel, um mit dem unbeständigen Nahen Osten
- oder irgendeiner anderen Region - umzugehen."
Die Weltwirtschaft ist von den Energieressourcen am Golf abhängig.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bakers Ansprache im Wortlaut:

Ich bin heute hierhergekommen, um vor Ihnen - und
damit vor dem amerikanischen Volk- über die Krise am
Persischen Golf und ihre Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten zu sprechen.

und wir sind darüber hinaus verpflichtet, unsere Pläne
zur Verwirklichnug dieses Ziels zu erläutern, um unsere langfristigen Interessen am Golf und anderswo zu
fördern.

Ich möchte diese Krise im Rahmen meiner Rede in
einen großen Zusammenhang stellen. Die ganze Welt
ist mobilisiert, um die Aggression gegen ein kleines,
weit entferntes Land abzuwenden. Natürlich zahlen
wir jetzt schon höhere Preise an der Tankstelle. Sie
haben darüber hinaus darauf hingewiesen, daß Tausende unserer besten jungen Männer und Frauen jetzt
in der Hitze des Persischen Golfs Wache halten.

Ich möchte mit Erläuterungen darüber beginnen, was
auf dem Spiel steht. Zunächst ist die nichtprovozierte
Aggression des Iraks ein politischer Prüfstein, wie die
Welt nach dem kalten Krieg funktioniert. Inmitten der
Revolutionen, die die Welt bewegt haben und der
Veränderungen der Ost-West-Beziehungen befinden
wir uns nunmehr an einem kritischen Wendepunkt der
Geschichte. Die irakische Invasion Kuwaits ist einer
der wichtigsten Augenblicke einer neuen Ära, eines
neuen Zeitalters voller Hoffnungen, das aber darüber
hinaus viele Herausforderungen bereithält.

Der Präsident hat eindeutig erklärt, daß wir dem
amerikanischen Volk gegenüber eine klare Verpflichtung haben. Um es offen zu sagen, wir sind verpflichtet
auszusprechen, was infolge von Saddam Husseins
Invasion in Kuwait auf dem Spiel steht. Wir sind in der
Tat verpflichtet, unserem Volk zu erklären, welche
unmittelbaren Ziele wir in diesem Konflikt verfolgen,
AMERIKA DIENST 35

Während die im kalten Krieg aufgestellten Regeln
letztlich den Frieden zwischen Ost und West in Europa
bewahrt haben, besteht die Aufgabe jetzt darin, einen
dauerhaften Frieden zu schaffen, der weltweit gilt,
Seite 1

�nicht nur auf Europa beschränkt ist und seine Ursprünge nicht in Konfrontation und Spannungen hat.
Wenn wir einen stabilen und umfassenderen Frieden
schaffen wollen, müssen wir auf die charakteristischen
Momente dieser neuen Ära reagieren und die sich für
uns ergebenden Gefahren erkennen. Wir treten in ein
Zeitalter ein, in dem ethnische und religiöse Konflikte
leicht neue Gewalt und neue Konflikte hervorbringen
können. Dies ist ein Zeitalter, in dem neue Feindseligkeiten und Bedrohungen auftreten können, wenn fehlgeleitete Politiker ihre regionale Vormachtstellung sichern
wollen, bevor Grundsätze einer neuen Ordnung akzeptiert werden können.
Demgemäß stehen wir vor einer einfachen Wahl.
Wollen wir in einer Welt leben, in der Aggression
weniger wahrscheinlich ist, weil darauf eine eindeutige
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft
erfolgt, einer Welt, in der zivilisierte Verhaltensregeln
gelten? Oder wollen wir in einer Welt leben, in der
Aggression sich unkontrolliert ausbreiten kann, wo sie
Erfolg hat, weil wir nicht soviel gemeinsame Willenskraft aufbringen können, um ihr die Stirn zu bieten?
Leider wird Saddam Husseins Angriff auf Kuwait nicht
der letzte Akt der Aggression sein, dem sich die
internationale Staatengemeinschaft stellen muß.
Solange ruchlose Aggressoren weiter wirken können,
ist es nur folgerichtig, daß solche Übergriffe von Zeit zu
Zeit auch stattfinden. Aber mit der gegenwärtigen
Krise bietet sich erstmals die Gelegenheit, eine solche
Gefahr zu begrenzen, die Maßstäbe zivilisierten Verhaltens zu stärken, wie sie in der UNO-Charta verankert sind und eine friedlichere internationale Ordnung
zu schaffen, die auf den hoffnungsvollen jüngsten
Tendenzen in Europa und anderswo beruht. Unsere
Ansicht lautet, daß wir die Gelegenheit ergreifen müssen,
um die Grundregeln der neuen Ordnung auf ein solides
Fundament zu stellen.
Zweitens müssen wir vom strategischen Standpunkt
zeigen, daß Einschüchterung und Gewalt keine erfolgreichen Mittel sind, um mit dem unbeständigen Nahen
Osten - oder irgendeiner anderen Region - umzugehen. Die Kombination ungelöster regionaler Konflikte,
turbulenter sozialer und politischer Veränderungen,
Massenvernichtungswaffen und das Vorhandensein
eines großen Teils der Weltenergievorräte macht den
Nahen Osten besonders explosiv. Niemand kann sich
Konflikten im Nahen Osten entziehen. Und niemand
kann sich sicher fühlen, wenn die Gefahr eines im
Nahen Osten eskalierenden Kriegs so groß ist.
Wenn wir friedliche Veränderungen fördern und die
Sicherheit all unserer Freunde in der Region erhalten
wollen, müssen wir ein verläßlicher Partner für den
Frieden bleiben. Wir müssen demonstrieren, daß
Saddam Husseins gewaltorientiertes Vorgehen ein
Anachronismus und kein Kurs für die Zukunft ist.

Seite 2

Drittens und vielleicht am offensichtlichsten steht eine
wirtschaftliche Komponente auf dem Spiel, die Abhängigkeit der Welt vom Zugang zu Energieressourcen
des Persischen Golfs. Die Auswirkungen auf unsere
Wirtschaft und die Menschen sind bereits spürbar.
Aber wir sprechen hier nicht vom Preisanstieg einer
Gallone Benzin an unseren Tankstellen. Die Frage
des Ölflusses aus Kuwait und dem Irak spielt nur eine
untergeordnete Rolle. Es geht hier um die Frage nach
einem Diktator, der allein und ohne Herausforderungen die Weltwirtschaftsordnung zerrütten und per Erlaß
verfügen könnte, ob wir alle eine Rezession oder sogar
eine Depression hinnehmen müssen.
Eine anhaltende ölpreisspirale ähnlich der Ereignisse
in den Jahren 1973 und dann wieder 1979 könnte
weltweit zu höherer Inflation und höheren Zinsen führen, wobei wir alle in die Rezession abgleiten würden.
Die Belastung könnte sich insbesondere auf die neuen
Demokratien in Osteuropa auswirken und drohen, die
demokratischen Revolutionen von 1989 rückgängig zu
machen. Auch in den ärmeren Ländern Mittelamerikas, Südasiens und Afrikas bekämen es diejenigen zu
spüren, die jetzt marktorientierte Reformen verwirklichen und den Lebensstandard ihrer verarmenden
Millionen zu verbessern suchen.
Einfach gesagt ist dies der Einsatz, der durch die
irakische Invasion gegen Kuwait auf dem Spiel steht.
Die Frage lautet also meiner Ansicht nach, wie wir und
die internationale Staatengemeinschaft darauf reagiert haben.
Für die Vereinigten Staaten hat der Präsident vier Ziele
definiert.
Erstens den unverzüglichen, vollständigen und bedingungslosen Abzug aller irakischen Truppen aus Kuwait, wie er in Resolution 660 des UNO-Sicherheitsrats
gefordert wird.
Zweitens die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
Regierung Kuwaits.
Drittens der Schutz des Lebens amerikanischer Bürger, die vom Irak sowohl dort als auch in Kuwait als
Geiseln gehalten werden.
Viertens ein Engagement für die Sicherheit und Stabilität der Region des Persischen Golfs.
Unsere Strategie besteht darin, die Führungsrolle in
einem weltweiten politischen Bündnis zu übernehmen,
um den Irak politisch, wirtschaftlich und militärisch zu
isolieren. Im Hinblick darauf sind wir bestrebt, daß der
Irak einen so hohen Preis für seine Aggression zahlen
muß, daß er gezwungen ist, aus Kuwait abzuziehen
und Amerikaner und andere als Geiseln festgehaltene
Menschen freizulassen.

AMERIKA DIENST 35

�Dies würde im Gegenzug zur Wiedereinsetzung der
rechtmäßigen Regierung Kuwaits führen. Es würde
auch die Möglichkeiten für langfristige Sicherheit und
Stabilität im persischen Golf auf eine Weise verbessern, die auf den einmaligen internationalen Konsens
baut, der sich bereits gebildet hat.
Unsere Strategie hat sich aus zwei Wegen zu diesem
Ziel ergeben, die sich gegenseitig verstärken. Ich
möchte Ihnen unsere Bestrebungen darlegen. Auf
diplomatischem Wege haben wir von Anfang an versucht, eine konzertierte internationale Reaktion auf die
irakische Aggression zu fördern. Die Ergebnisse waren,
wie auch Sie, Herr Vorsitzender, ausgeführt haben,
außerordentlich und man kann sie schon als einmalig
bezeichnen. Fünf einstimmige Resolutionen des UNOSicherheitsrats sind verabschiedet worden, und es ist
nur fair zu sagen, daß der Irak inzwischen geächtet
wird.
Die Vereinigten Staaten verspüren Genugtuung über
die im UNO-Sicherheitsrat geleistete verantwortungsbewu ßte und produktive Arbeit, die wir gemeinsam mit
den anderen Ständigen Mitgliedern, Großbritannien,
Frankreich, der Sowjetunion und der Volksrepublik
China geleistet haben und über die Unterstützung der
Arabischen Liga und der Blockfreien.
Wie Mr. Broomfield bereits erläuterte, hat sich insbesondere die Sowjetunion als verantwortungsbewußter
Partner erwiesen und neue Möglichkeiten für eine
aktive Zusammenarbeit der Supermächte bei der
Bewältigung regionaler Konflikte aufgezeigt. Der
Präsident wird sich bei seinem Treffen mit Präsident
Gorbatschow in Helsinki am kommenden Sonntag (9.
September) bemühen, unsere partnerschaftlichen
Bindungen weiter zu verstärken.
Langfristig sollten wir uns daran erinnern, wie dieser
Konflikt ausgesehen hätte, wenn die sowjetische Politik im Persischen Golf immer noch durch das althergebrachte Nullsummendenken bestimmt würde. Die
NATO, die Europäische Gemeinschaft und die Westeuropäische Union haben sich in großartiger Weise
beteiligt. Unser NATO-Verbündeter Türkei sollte wegen
seiner raschen, effektiven und sehr mutigen Zusammenarbeit besonders herausgehoben werden.
Schließlich hat eine breite regionale Koalition, zu der
Ägypten, Saudi-Arabien, Kuwait, die Golfstaaten und
Syrien gehören, viel getan, um die internationale
Geschlossenheit zu fördern. In dieser Hinsicht möchte
ich noch einen entscheidenden Punkt zur Sprache
bringen. Seit ihrem Amtsantritt hat diese Administration mit unseren Freunden in Asien und Europa, mit
den Sowjets und mit Organisationen wie der NATO
und der Europäischen Gemeinschaft konzertierte
Anstrengungen unternommen, um sich den regionalen Konflikten innewohnenden explosiven Gefahren zu
widmen. Bei der Antwort auf die Invasion des Iraks

AMERIKA DIENST 35

konnten wir uns auf die neuen internationalen Bindungen stützen, die aufgrund dieser Strategie entstanden
sind.
Die Kuwaiter selbst verdienen unser Mitgefühl und
unseren Respekt. Sie mußten eine brutale Invasion,
die Plünderung ihres Landes und eine traumatische
Erfahrung erdulden. Es kam zu tragischen Verlusten
an Menschenleben, und Tausende von Kuwaitern
flohen in Nachbarstaaten und konnten in vielen Fällen
nur mit dem, was sie auf dem Leibe trugen, entkommen.
Aber die Kuwaiter wehren sich, und sie wehren sich
heldenhaft. Sie kollaborieren nicht mit dem Irak.
Sämtliche Teile der kuwaitischen Bevölkerung, von
den religiösen Konservativen bis zu den säkular eingestellten Liberalen haben ihre Unterstützung für die
Wiedereinsetzung der Regierung bekundet. Im Land
selbst hat sich ein Widerstand formiert. Er führt den
Kampf gegen die irakische Aggression innerhalb Kuwaits.
Darüber hinaus stellt die kuwaitische Exilregierung
finanzielle Hilfe bereit, um unsere militärischen Bemühungen zu unterstützen und zur Beseitigung wirtschaftlicher Probleme beizutragen, die Staaten wie
Ägypten entstanden sind.
Kurzum: Kuwait ist besetzt worden - aber Kuwait
wurde nicht erobert.
Die in dem Grundsatz vereinte politische Koalition, daß
Saddam Hussein nicht die Früchte seiner Aggression
ernten darf, hat unter dem Schirm der Vereinten Nationen ein Wirtschaftsembargo verwirklicht, das voll und
ganz wirksam ist. Die importabhängige Volkswirtschaft des Iraks spürt schon die Auswirkungen, und
der internationale Druck wird mit der zunehmenden
Verknappung weiter anwachsen. Sanktionsverletzer
könnten, wie dies in solchen Lagen stets der Fall ist,
durch große finanzielle Profite in Versuchung geführt
werden, aber die Resolution 665 des UNO-Sicherheitsrats, die eine Durchsetzung des Embargos mit
allen angemessenen Mitteln vorsieht, sollte gewährleisten, daß die Möglichkeiten des Iraks zum Export
seines Öls und zum Import wichtiger Waren mit der
Zeit stark eingeschränkt werden.
Saddam Husseins Aggression hat Ländern in der
Region und in der ganzen Welt enorme Kosten verursacht. Die Zerstörung der kuwaitischen Volkswirtschaft durch die irakischen Angreifer hat große wirtschaftliche Verwerfungen bei befreundeten Staaten in
der Region zur Folge gehabt. Dies betrifft insbesondere Ägupten und die Türkei. Andere Länder, die wirtschaftlich auf schwachen Füßen stehen, besonders in
Osteuropa, müssen einen sehr hohen Preis bezahlen.
Auch die Notwendigkeit, die Lasten unserer eigenen
militärischen Bemühungen auszugleichen, muß angesprochen werden. Wie der Präsident am vergangenen
Donnerstag (30. August) verkündete, haben wir einen

Seite 3

�Aktionsplan beschlossen, um diesen Erfordernissen
gerecht zu werden. Unsere Freunde in der ganzen
Welt haben darauf reagiert und tun dies auch weiterhin. Saudi-Arabien bestreitet einen Großteil der Treibstoffkosten für unsere Bemühungen, und andere Golfstaaten stellen den betroffenen Staaten Brennstoffe
und Finanzmittel zur Verfügung.
Der Präsident hat Finanzminister Brady und mich
gebeten, wichtige Staaten am Golf, in Europa und
Asien zu besuchen, um die internationalen Bemühungen zu mobilisieren und koordinieren. Wir werden
bestrebt sein zu gewährleisten, daß Kosten und Verantwortlichkeiten gleichmäßig verteilt werden und unsere
Anstrengungen einander auf verschiedenen Ebenen
ergänzen. Das Ziel ist die Wahrung der lebenswichtigen Interessen der beteiligten Parteien und die Aufrechterhaltung der Solidarität der internationalen
Koalition. Die Zeit kann auf der Seite der internationalen Staatengemeinschaft sein. Der Diplomatie kann
zum Erfolg verholten werden.
Auf der militärischen Ebene stellen heute 25 Staaten
Soldaten und Material zur Unterstützung der Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats bereit. Die amerikanischen Ziele sind die Abschreckung eines irakischen
Angriffs auf Saudi-Arabien sowie die Gewährleistung
der wirksamen Einhaltung der UNO-Sanktionen. Unsere
Streitkräfte sind darüber hinaus dort anwesend, um
das Leben amerikanischer Bürger zu schützen und
eine effektive und entschiedene militärische Reaktion
sicherzustellen, falls der Irak seine Aggression zu
aktiven Gefechten mit der multinationalen Streitmacht
eskaliert.
Wenn jedoch die gegenwärtige Gefahr vorüber ist,
können wir ihre Lehren nicht unbeherzigt lassen. Wir
stehen in der Verantwortung, dem amerikanischen
Volk zu versichern, daß nicht zehn Jahre später seine
Söhne und Töchter gefährdet werden, weil wir es
versäumt haben, langfristige Lösungen für die Probleme am Golf zu finden. Der von uns zustande gebrachte historische internationale Konsens kann eine solide
Grundlage sein, um unsere unmittelbaren Ziele zu
verwirklichen und eine sicherere Zukunft aufzubauen.
Er kann ein künftiges Umfeld am Golf fördern, das
unsere Interessen schützen und uns helfen wird, eine
Wiederholung solcher massiven diplomatischen und
militärischen Anstrengungen in der Zukunft zu vermeiden.
Langfristig streben wir einen stabilen Golf an, an dem
die Staaten dieser Region und deren Völker in Frieden
und ohne Furcht vor Nötigung leben können. Wir
streben eine Region an, in der Veränderungen stattfinden können und darüber hinaus legitimen Sicherheitsanliegen auf friedlichem Wege Rechnung getragen
wird. Ferner streben wir eine Region an, in der
Energielieferungen frei fließen können. Wir werden
mit den Regierungen am Golf und außerhalb zusammenarbeiten müssen, um eine dauerhaftere Ordnung
zu schaffen.
Seite 4

Wir möchten gewährleisten, daß unsere Freunde in
der Region die Mittel besitzen, um Aggressionen
abzuschrecken und sich zu verteidigen, damit die
Notwendigkeit verringert wird, amerikanische Männer
und Frauen zu ihrer Unterstützung zu entsenden. Wir
werden mit den andere Mitgliedern der regionalen und
internationalen Staatengemeinschaft zusammenarbeiten, um weiteren irakischen Expansionsbestrebungen
sowie irakischen Bemühungen, Massenvernichtungswaffen zu erwerben und zu produzieren, Einhalt zu
gebieten.
Die Bewältigung der heutigen Bedrohung könnte ferner zur Ausgangsbasis für dauerhafte internationale
Bemühungen werden, um die Verbreitung chemischer,
biologischer und atomarer Waffen und ballistischer
Raketen in der Region und andernorts zu verhindern.
Sie kann ein Sprungbrett für neue Versuche zur Lösung von Konflikten werden, die einer solchen Verbreitung zugrundeliegen, einschließlich des schwelenden
Konflikts zwischen Israel und seinen palästinensischen und arabischen Nachbarn. Es reicht nicht aus
zu zeigen, daß sich Aggression und Einschüchterung
nicht auszahlen. Wir müssen auch zeigen, daß es
einen Weg zu Aussöhnung und Frieden gibt, der mit
gutem Willen und Vertrauen auf allen Seiten beschritten werden kann. Abschließend möchte ich Saddam
Husseins Überfall auf Kuwait in eine historische Perspektive stellen.
Seit über vierzig Jahren stand der Konflikt zwischen
Ost und West im Mittelpunkt der internationalen Beziehungen. Der kalte Krieg erfaßte den ganzen Erdball
und betraf jeden. Ein Großteil der amerikanischen
Außenpolitik wurde entweder von unseren Bemühungen zur Eindämmung der stalinistischen Aggression
bestimmt oder leitete sich daraus her.
Heute hat die zentrale Auseinandersetzung der Nachkriegszeit, der Ost-West-Konflikt über die Zukunft
Europas, einen Umbruch erfahren. Die Volksrevolutionen des vergangenen Jahres in Mittel- und Osteuropa haben die Diktaturen der Vergangenheit hinweggefegt. An ihrer Stelle finden die Menschen nun die
Freiheit. Europa wird ungeteilt und frei, Deutschland
wird in Frieden und Freiheit vereint werden. Eine
aufgeklärte sowjetische Führung hat zu friedlichen,
demokratischen Veränderungen als einzig legitimem
Weg zum Fortschritt ermutigt.
Diese Administration hat aktiv auf die Verfechter des
neuen Denkens und der Reformen in der Sowjetunion
eingewirkt. Zusammen entdecken wir gemeinsame
Interessen, die Ost und West vereinen werden. In
dieser Beziehung wird Konflikt durch Partnerschaft
abgelöst.
Wie ich bereits viele Male erklärt habe, ist die Rolle der
Vereinigten Staaten in diesem gewaltigen Umbruch in
der Weltpolitik sehr aufrichtig. Wir müssen nicht nur
den kalten Krieg hinter uns lassen, sondern auch die
ihm zugrundeliegenden Konflikte.
AMERIKA DIENST 35

�Und das ist der Grund, warum, wie der Präsident
erklärt hat, die Aggression des Iraks nicht Bestand
haben kann.
Die Linie im Sand Arabiens bedeutet auch eine Linie in
der Zeit. Durch seinen Einfall in Kuwait tat Saddam
Hussein einen gefährlichen Schritt zurück in die Vergangenheit. Vielleicht dachte er nur, die Welt würde
Kuwait für entbehrlich halten, wir würden es lediglich
als kleines, weit entferntes Land betrachten, von dem
wir wenig wissen und das uns ziemlich egal sei.
Vielleicht erinnerte er sich an die dreißiger Jahre, als
der Völkerbund es versäumte, entschieden auf die
Aggression Mussolinis gegen Abessinien, dem heutigen Äthiopien, zu reagieren. Sicher dachte Saddam
Hussein, sein Verbrechen werde sich auszahlen, aber
die Welt hat sich anders entschieden. Es darf ihm nicht
gestattet werden, seine Beute zu behalten.
Der Präsident hat unsere Haltung klargestellt. Die
Welt muß gemeinsam dafür sorgen, daß die in der
Charta der Vereinten Nationen verankerten Prinzipien
verteidigt werden. Bei diesen Bemühungen, Herr
Vorsitzender und verehrte Ausschußmitglieder, müssen die Vereinigten Staaten führen, und unser Volk

*

AMERIKA DIENST 35

muß das verstehen. Wir bleiben die einzige Nation, die
das erforderliche politische, militärische und wirtschaftliche Instrumentarium besitzt, um eine erfolgreiche
kollektive Antwort der internationalen Staatengemeinschaft zu fördern.
Geographisch liegen wir von großen Teilen der Erde
weit entfernt, da wir durch den Atlantik und den Pazifik
getrennt sind. Politisch, wirtschaftlich und strategisch
gibt es jedoch keine Ozeane, und in einer Welt ohne
Ozeane ist eine Politik des Isolationismus keine Option. Nur durch amerikanisches Engagement kann die
friedliche Welt aufgebaut werden, die sich unser Volk
so sehnsüchtig wünscht.
Wir gehen davon aus, daß diese koordinierte und
umfassende internationale Isolierung des Iraks der
einzig friedliche Weg ist, um die vom Präsidenten
verkündeten Ziele zu erreichen. Unsere Anstrengungen werden jedoch Zeit erfordern, und darum bitten wir
insbesondere das amerikanische Volk. Bleiben Sie
fest. Haben Sie Geduld. Bleiben Sie vereint, auf daß
wir zusammen zeigen können, daß sich Aggression
nicht auszahlt.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
5. September 1990

DIE GOLFKRISE: EINE CHRONOLOGIE
Stand: 28. August
Als Unterzeichner der Charta der Vereinten Nationen haben sich sowohl der Irak als auch Kuwait verpflichtet,
"in ihren internationalen Beziehungen auf Androhung oder Einsatz von Gewalt gegen die territoriale Integrität
oder politische Unabhängigkeit eines Staates zu verzichten".
Irak erkannte den unabhängigen Staat Kuwait im Jahr 1963 offiziell an und verpflichtete sich, seine Souveränität zu respektieren. Die folgende Chronologie schildert die Ereignisse, die auf die Verletzung dieser bindenden
Erklärung durch den Irak mit seiner Invasion und Annexion Kuwaits folgten. Angeführt vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen hat die internationale Staatengemeinschaft diesen Bruch von Gesetzen und Prinzipien
verurteilt, die friedliche Beziehungen zwischen den Nationen regeln.

16. Juli: Der irakische Außenminister Aziz legt dem
Sekretariat der Arabischen Liga in Tunis ein Schreiben
vor, in dem Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate der "direkten Agression" gegen Irak beschuldigt werden. Zu den Vorwürfen gehören Übergriffe auf
irakisches Territorium und überhöhte Ölproduktion.
17. Juli: Der irakische Präsident Saddam Hussein
beschuldigt Kuwait und die Vereinigten Arabischen
Emirate, die von der OPEC festgesetzten Produktionsgrenzen zu überschreiten und damit den Rohölpreis niedrigzuhalten. Hussein zufolge gingen Irak
durch dieses Vorgehen Öleinnahmen in Höhe von 14
Milliarden Dollar verloren. Er droht, die Überproduktion notfalls mit Gewalt zu stoppen.
18. Juli: Saddam Hussein bekräftigt den irakischen
Anspruch auf Öl in einem umstrittenen Grenzgebiet in
Kuwait. Er erklärt, Kuwait habe Rohöl im Gegenwert
von 2,4 Milliarden Dollar aus den dortigen Ölquellen
gestohlen und fordert Rückzahlung.
Die kuwaitische Nationalversammlung beschließt,
mehrere hochrangige Regierungsvertreter in arabische Hauptstädte zu entsenden, um die kuwaitische
Position darzulegen. Der saudiarabische König Fahd
telefoniert mit Saddam Hussein und drängt auf Zurückhaltung.
Das US-Außenministerium wiederholt, die amerikanische Politik am Golf bestehe darin, "den ungehinderten Öltransfer durch die Straße von Hormus sicherzustellen und den Grundsatz der Freiheit der Schiffahrt
zu verteidigen".

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19. Juli: Der kuwaitische Außenminister übermittelt
der Arabischen Liga ein Antwortschreiben auf die
irakischen Vorwürfe und bittet um Schlichtung der
Grenzstreitigkeiten durch die Arabische Liga.
20. Juli: Die kuwaitischen Streitkräfte werden in
Alarmbereitschaft versetzt.
21. Juli: Der Generalsekretär der Arabischen Liga,
Klibi, reist zu Konsultationen nach Kuwait. Saddam
Hussein spricht mit dem ägyptischen Präsidenten
Mubarak.
22. Juli: Der irakische Außenminister kommt mit
Präsident Mubarak in Kairo zusammen. In Kuwait
akkreditierte Militärattaches der NATO berichten nach
Besuchen im Irak von Panzerverlegungen auf Eisenbahnwaggons nach Süden und 2 000 bis 3 000 Lastwagen, die 30 000 Soldaten zur Grenze bringen.
23. Juli: Saudiarabische Streitkräfte im nördlichen
und östlichen Kommandobereich werden in Alarmbereitschaft versetzt. Der ägyptische Staatspräsident
Mubarak und König Hussein von Jordanien beraten
über die Spannungen am Golf.
24. J uli: Mubarak reist als Vermittler nach Bagdad und
Kuwait und schlägt ein Treffen der arabischen Außenminister in Kairo vor. Das Pentagon bestätigt, daß die
amerikanische Marine gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Ausbildungsoperation
im Golf durchführt. Das kuwaitische Militär wird von
Alarmbereitschaft in den niedrigeren Bereitschaftszustand "erhöhte Wachsamkeit" versetzt. Bei einer

Seite 1

�OPEC-Sondersitzung in Genf einigen sich die Unterhändler rasch auf Produktionsgrenzen, die für alle 13
Mitgliedstaaten akzeptabel sind.
25. Juli: Der Aufmarsch irakischer Streitkräfte wird
fortgesetzt, das kuwaitische Militär wieder in Alarmbereitschaft versetzt. Der amerikanische Botschafter
April Glaspie trifft in Badgad mit Saddam Hussein
zusammen, der erklärt, er hoffe auf eine friedliche
Lösung des Konflikts und den Botschafter von seinen
Plänen zu Gesprächen mit Kuwait unterrichtet. Er
verspricht, fürdie Dauer der Vermittlungsbemühungen
werde militärisch "nichts unternommen". Saddam
erklärt Mubarak gegenüber, der Irak plane keinen
Angriff auf Kuwait.

Der kuwaitische Botschafter in den Vereinigten Staaten verurteilt Iraks Invasion seines Landes aufs Schärfste und richtet einen Appell für Militärhilfe an alle
Nationen der Welt. "Meines Erachtensistdie Intervention der Vereinigten Staaten zu diesem Zeitpunkt von
vorrangiger Bedeutung", erklärt er.
Präsident Bush verurteilt die Invasion als "nackte
Aggression" und fordert den "unverzüglichen und
begingungslosen Abzug" irakischer Truppen. Bush
unterzeichnet eine Durchführungsverordnung zur
Unterbindung jeglichen Handels mit Irak, dem Einfrieren der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte
und fordert andere Regierungen auf, entsprechende
Schritte zu unternehmen.

26. Juli: Die OPEC-Vereinbarungen über Produktionsdrosselung und Exportbeschränkungen werden
offiziell festgelegt. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate verpflichten sich zur Einhaltung des
Abkommens.

Die Mitglieder des amerikanischen Kongresses bringen ihre Empörung über die irakische Invasion zum
Ausdruck. Sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus verurteilen Bagdads Vorgehen und unterstützen Präsident Bushs Embargo.

27. Juli: Der amerikanische Senat stimmt für die
Sperrung aller landwirtschaftlichen Kredite an Irak und
verbietet den Transfer von Munition und militärisch
anwendbarer Technologie.

3. August: Das irakische Heer stößt in Richtung
Saudi-Arabien vor. Präsident Bush läßt dem Irak eine
ernste Warnung zukommen, nicht in das Königreich
einzumarschieren, bezeichnet die Besetzung Kuwaits
als "inakzeptabel" und erklärt, eine weitere Ausweitung "wäre noch weniger akzeptabel". Bush zufolge
werden sich die Vereinigten Staaten alle Optionen
offenhalten und "wären zu jeder nur denkbaren Hilfe
bereit", wenn Saudi-Arabien um Hilfe bitten sollte. Der
amerikanische Präsident führt Telefongespräche mit
arabischen Regierungsvertretern.

31. Juli: Nachrichtendienstliche Quellen berichten
von einem enormen irakischen Truppenaufmarsch,
bei dem nahezu 100 000 Mann entlang der Grenze zu
Kuwait massiert werden - was ungefähr fünfmal der
Größe des kuwaitischen Heeres entspricht. Vertreter
des Iraks und Kuwaits treffen sich in Saudi-Arabien,
um Verhandlungen über die Ölfelder entlang der Grenze aufzunehmen, die jedoch nach zwei Stunden abgebrochen werden. Das amerikanische Außenministerium bekräftigt die Unterstützung der diplomatischen
Bemühungen durch die Vereinigten Staaten zur "Entschärfung der Spannung" am Golf.
1. August: Der irakische Botschafter in Washington
wird zu Konsultationen mit Abteilungsleiter John Kelly
ins Au ßenministerium gerufen, der "die amerikanische
Überzeugung einer friedlichen Beilegung" des Konflikts zwischen Irak und Kuwait bekräftigt.
2. August: Im Laufe der Nacht überqueren Hunderte
von irakischen Panzern in Begleitung von Tausenden

von Landstreitkräften die Grenze nach Kuwait und
besetzen den Palast des Emirs sowie andere Regierungsgebäude und strategische Einrichtungen.
In einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen wird das irakische Vorgehen mit
14:0 Stimmen verurteilt, ein Waffenstillstand und der
Abzug irakischer Truppen aus Kuwait gefordert. Die
Sowjetunion, ein Hauptlieferant von Waffen an den
Irak, stimmt für die Resolution und verkündet ein
Waffenembargo gegen dieses Land.

vSeite 2

Saddam Hussein kündigt eine Zusammenkunft mit
dem kuwaitischen Emir in zwei Tagen an und verspricht den Abzug der irakischen Truppen zu Beginn
dieses Tages. Bagdad fängt an, internationale Rundfunksendungen einschließlich der arabischen Sendungen der Stimme Amerikas zu stören.
US-Au ßenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Schewardnadse veröffentlichen erstmals eine
gemeinsame Erklärung, in der sie die Invasion Kuwaits
durch den Irak verurteilen.
Belgien, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg
schließen sich Bestrebungen an, kuwaitische Vermögenswerte in ihren Ländern einzufrieren. Die irakische
Invasion wird von der Europäischen Gemeinschaft,
Luxemburg, Österreich, Griechenland, Spanien und
Brasilien verurteilt.
4. August: Satellitenfotos deuten auf eine Verstärkung, keinen Abzug irakischer Truppen aus Kuwait
hin.
Kanada verhängt ein Embargo auf ölimporte aus
Kuwait und dem Irak und bereitet neben anderen

AMERIKA DIENST 35

�Sanktionen Exportkontrollen für den Irak vor. Das
stark von importiertem Öl abhängige Japan erklärt, es
werde Ölimporte aus dem Irak und Kuwait ebenso wie
Exporte in diese Länder boykottieren. Die Europäische Gemeinschaft spricht sich für die Verhängung
ähnlicher Sanktionen aus.
6. August: König Fahd bittet befreundete Streitkräfte
zur Verstärkung seiner Verteidigung nach Saudi-Arabien, Bush entsendet ein Geschwader von Kampfflugzeugen des Typs F-15 und die 82. Luftlandedivision
auf einen saudiarabischen Luftstützpunkt.
Die Vereinten Nationen stimmen 13:0 für ein obligatorisches Embargo gegenüber dem Irak. Der Gesandte
der US-Botschaft, Joseph Wilson, trifft Saddam Hussein in Bagdad und bekräftigt Washingtons Forderung
nach einem Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Saddam verkündet, seine Annexion Kuwaits sei "nicht
rückgängig zu machen".
7. August: Die Truppenbewegungen von US-Streitkräften werden der Öffentlichkeit bekanntgegeben und
Tausende von Soldaten bereiten ihre Verlegung auf
saudiarabische Luftstützpunkte vor.
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte trifft die neutrale
Schweiz die Entscheidung, sich der Staatengemeinschaft anzuschließen und verhängt Sanktionen gegen
den Irak.
Venezuela informiert Washington, die OPEC werde
die durch das internationale Embargo gegen den Irak
und Kuwait verursachten ölengpässe ausgleichen.
8. August: In einer Fernsehansprache gibt Bush
offiziell die Stationierung von Truppen im Nahen Osten
bekannt und bittet US-Bürger um ihre Unterstützung
für diese Maßnahme, denn "die souveräne Unabhängigkeit Saudi-Arabiens ist von entscheidendem Interesse für die Vereinigten Staaten." Er betont, "Appeasement - eine Beschwichtigungspolitik - funktioniert
nicht".
Bush erklärt die vier Grundsätze amerikanischer Politik: die Forderung nach Abzug irakischer Truppen aus
Kuwait, Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung Kuwaits, das amerikanische Engagement für
Frieden und Stabilität am Persischen Golf und der
Schutz des Lebens amerikanischer Bürger in der Region.
Der Irak verkündet die Annexion Kuwaits.
Großbritannien entsendet zusätzliche Luftwaffen- und
Marineeinheiten zur Verteidigung Saudi-Arabiens.
9. August: Arabische Führer treffen sich in Kairo in
dem Versuch, die Lage unter sich zu lösen, aber die
Gespräche werden um einen Tag verschoben. Das
US-Außenministerium bringt seine wachsende Sorge
über die 3 000 Amerikaner zum Ausdruck, die durch
die Invasion in Kuwait festgehalten werden. Ein Spre-

AMERIKA DIENST 35

cher des Außenministeriums bekräftigt, die irakische
Regierung habe sich am 2. August verpflichtet, die
Sicherheit amerikanischer Bürger und anderer Ausländer zu garantieren.
Präsident Bush unterrichtet den Kongreß offiziell über
die Vornestationierung der Truppen im Nahen Osten.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erklärt die
irakische Annexion Kuwaits einstimmig für "null und
nichtig". Ein Sonderausschuß wird zur Überwachung
der Einhaltung von Sanktionen gegenüber dem Irak
gebildet.
10. August: Der Irak fordert zum "heiligen Krieg"
gegen Amerikaner und Israelis auf und verfügt die
Schlie ßung aller Botschaften in Kuwait. Die Arabische
Liga vereinbart die Entsendung von Friedenstruppen
nach Saudi-Arabien. Zwölf von zwanzig Mitgliedern
stimmen dafür, drei dagegen (Irak, Libyen und die
PLO), zwei enthalten sich der Stimme (Jemen, Algerien), und ein Mitglied ist nicht anwesend (Tunesien).
Jordanien, Mauretanien und Syrien bringen ihre "Vorbehalte" zum Ausdruck.
Die NATO-Minister in Brüssel versichern der Stationierung im Golf ihre "einhellige Unterstützung" und erklären Maßnahmen von Mitgliedern, etwa das Engagement der Marine Frankreichs und Gro ßbritanniens und
die Entscheidung Italiens, Spaniens und Portugals zur
Bereitstellung von Luftstützpunkten für gerechtfertigt.
Bush erweitert alle Sanktionen gegenüber dem Irak
auf Kuwait.
11. August: Ägyptische und marokkanische Truppen
landen in Saudi-Arabien, um der Bedrohung einer
irakischen Invasion vorzubeugen. Vertreter Syriens
erklären, Damaskus werde sich wahrscheinlich an den
gemeinsamen islamischen Bestrebungen beteiligen.
12. August: Präsident Bush erklärt, er werde USTruppen anweisen, irakische ölexporte und alle Importe in dieses Land außer einige Nahrungsmitteltransporte abzufangen. London gibt bekannt, ein britischer Geschäftsmann sei bei dem Versuch, aus dem
Irak zu fliehen, erschossen worden.
13. August: König Hussein von Jordanien beschuldigt
die Vereinigten Staaten, im Nahen Osten eine "explosive" Lage zu schaffen. Vertreter der Vereinigten
Staaten erklären, der jordanische Hafen Akaba solle
geschlossen werden (Jordanien hatte erklärt, es würde sich den UNO-Sanktionen anschließen).
Pakistan äußert seine Bereitschaft, der islamischen
Streitmacht in Saudi-Arabien beizutreten.
14. August: Diplomatische Bestrebungen zur Lösung
der Golfkrise werden verstärkt und Gespräche zwischen amerikanischen und europäischen Außenministern, kuwaitischen Vertretern im Exil, irakischen

Seite 3

�Vertretern und den Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen aufgenommen. Die
Amerikaner und Briten im Irak werden als "Festgehaltene" bezeichnet. Immer mehr Bürgern anderer Nationalitäten wird die Ausreise verwehrt.
Saddam Hussein bietet an, "endgültig Frieden" mit
dem Iran schließen, Territorium zurückgeben und
Kriegsgefangene austauschen zu wollen.
16. August: Nach der Zusammenkunft mit dem jordanischen König Hussein erklärt Präsident Bush, Jordanien bekräftige seine Verpflichtung zur Einhaltung der
UNO-Sanktionen. Bush weist die US-Marine an, die
Schiffahrt von und nach dem Irak und Kuwait zu
unterbinden. Die irakische Regierung befiehlt Amerikanern und Briten in Kuwait, sich in bestimmten Hotels
einzufinden.
17. August: Der Sprecher des irakischen Parlaments
Sadi Mahdi erklärt, Bürger "aggressiver" Länder würden nicht freigelassen, bis die Bedrohung eines Kriegs
gegen den Irak endet.
18. August: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet einstimmig Resolution 664 mit der
Forderung, daß der Irak die unverzügliche Ausreise
der Ausländer aus Kuwait und dem Irak "gestattet und
erleichtert". Darüber hinaus fordert die Resolution, der
Irak solle keine Schritte unternehmen, um die Sicherheit oder das Wohlergehen dieser Bürger aus Drittstaaten zu gefährden, den unmittelbaren und ständigen Zugang von Konsularbeamten gewährleisten, seinen
Befehl zur Schließung diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Kuwait und Aufhebung der
Immunität von Botschaftspersonal zurückziehen.
19. August: Der irakische Präsident Hussein bietet
die Freilassung der Internierten an, wenn Präsident
Bush schriftlich garantiert, daß die amerikanischen
Streitkräfte aus Saudi-Arabien abgezogen werden und
der Wirtschaftsboykott gegen den Irak eingestellt wird.
Er läßt keinen Zweifel daran, daß die Ausländer als
Schutzschild benutzt würden. "Ihre Präsenz und die
irakischer Familien an lebenswichtigen Zielen kann
eine militärische Aggression verhindern," erklärt er.
Besorgt über Berichte, denenzufolge französische
Bürger widerrechtlich in Bagdad festgehalten werden,
weist die französische Regierung ihre Flotte in der
Golfregion an, gegebenenfalls Gewalt anzuwenden,
um die Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen den
Irak sicherzustellen.
20. August: Präsident Bush nennt die irakischen
Beschränkungen gegenüber "unschuldigen Zivilisten
aus zahlreichen Ländern" unannehmbar und eine
"Verletzung aller internationalen Verhaltensnormen".
Er fordert die Führung des Iraks auf, "alle Ausländer
unverzüglich freizulassen" und ihnen das Recht zu

Seite 4

geben, "zu kommen und zu gehen wann sie wollen".
Zum ersten Mal seit Beginn der Krise bezeichnet Bush
die festgehaltenen Ausländer als "Geiseln".
21. August: Der irakische Präsident Saddam Hussein
fordert Präsident Bush auf, eine friedliche Lösung der
Golfkrise anzustreben, andernfalls werde er ein weltweites "Desaster" verursachen. Gleichzeitig betont
AußenministerTarik Aziz die Bereitschaft des Iraks zu
Gesprächen mit den Vereinigten Staaten, solange ein
Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait keine Vorbedingung sei. In einer Erklärung in Amman fordert
Aziz die Vereinigten Staaten auf, mit dem Irak Verhandlungen über alle Aspekte der Krise aufzunehmen.
Das Weiße Haus antwortet dem Irak unverzüglich, daß
keine Gespräche möglich sind, bevor der Irak nicht
bedingungslos die Forderung der Vereinten Nationen
nach Abzug seiner Truppen aus Kuwait erfüllt.
22. August: Die Außenminister der 12 EG-Mitgliedstaaten lehnen die vom Irak für die Schließung der
ausländischen Botschaften in Kuwait gesetzte Frist bis
zum 24. August ab.
23. August: Der irakische Präsident Saddam Hussein
tritt mit britischen Geiseln im irakischen Fernsehen
auf.
Die Europäische Gemeinschaft kündigt an, daß sie 1,3
Millionen Dollar bewilligt hat, um Flüchtlinge aus Jordanien auszufliegen. Die Türkei und andere Staaten,
deren Volkswirtschaften besonders stark unter der
Golfkrise leiden, erhalten Finanzhilfen.
24. August: In Anerkennung der Lasten, die Jordanien durch die Zehntausende von Flüchtlingen aus
dem Irak und Kuwait aufgebürdet werden, bewilligen
die Vereinigten Staaten eine Million Dollar, um dringende humanitäre Erfordernisse in Jordanien zu erfüllen.
25 Staaten haben sich geweigert, den irakischen Forderungen nach Schließung ihrer Botschaften in Kuwait
nachzukommen. Mindestens neun, darunter die Missionen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens,
sind von Truppen umstellt, nachdem die Diplomaten
eine irakische Anordnung zur Schließung mißachten.
Über 100 amerikanische Botschaftsangehörige, darunter etwa 30 Kinder, verlassen Kuwait und reisen
nach Bagdad.
24. August: Der sowjetische Präsident Gorbatschow
sendet Saddam Hussein eine dringende Botschaft mit
der Warnung, daß die Situation im Persischen Golf
"extrem gefährlich" sei. Mit dem Bruch seines Schweigens zur Durchsetzung der Sanktionen gegen den Irak
signalisiert Gorbatschow, daß er bereit ist, zusätzliche
Maßnahmen zur Verschärfung des UNO-Embargos
zu unterstützen.

AMERIKA DIENST 35

�25. August: In einer überwältigenden Abstimmung
von 13:0 bei Stimmenthaltung von Jemen und Kuba
verabschiedet der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Resolution 665, die "Maßnahmen... die gegebenenfalls notwendig sind", einschließlich militärischer
Maßnahmen, vorsieht, um das Wirtschaftsembargo
gegen den Irak durchzusetzen.

»

Der Irak sichert zu, die in Bagdad festgehaltenen
Familienmitglieder der amerikanischen Diplomaten aus
Kuwait ausreisen zu lassen. Der irakische Botschafter
in den Vereinigten Staaten erklärt, daß die in Kuwait
akkreditierten Diplomaten nicht freigelassen werden
können, "weil sie keinen diplomatischen Status haben".
26. August: Der sowjetische Außenminister Eduard
Schewardnadse erklärt, Moskau werde sich zwar dem
Einsatz militärischer Mittel zur Unterstützung des UNOEmbargos durch andere Staaten, einschließlich der
Vereinigten Staaten, nicht widersetzen, aber die Sowjets
hätten "keine Pläne zur Anwendung von Gewalt oder
Beteiligung an einer solchen Maßnahme".
Die Vereinten Nationen kündigen an, daß Generalsekretär Perez de Cuellar am 30. August in Jordanien mit
dem irakischen Außenminister zusammentreffen werde,
um die Golfkrise zu erörtern.
Der Irak gestattet 55 Frauen und Kindern als Familienmitgliedern amerikanischer Diplomaten an der USBotschaft in Kuwait die Reise von Bagdad in die Türkei

*

AMERIKA DIENST 35

in einem Autokonvoi. Bei Erreichen der Grenze wird
nur 52 die Ausreise in die Türkei erlaubt. Drei junge
Männer, die vom US-Außenministerium als Familienangehörige amerikanischer Diplomaten bezeichnet
werden, werden ohne Erklärung nach Bagdad zurückgeschickt.
27. August: Als Antwort auf die illegale Anordnung
des Iraks zur Schließung der amerikanischen Botschaft in Kuwait kündigt das US-Außenministerium an,
daß "das zulässige Personal an der irakischen Botschaft in Washington von gegenwärtig 55 auf 19
verringert" wird. Die amerikanische Maßnahme stehe
"peinlich genau mit amerikanischem und internationalem Recht in Einklang".
28. August: Ein nicht identifizierter Amerikaner, der
im Irak als Geisel gehalten wird, verstirbt nach Angaben des US-Außenministeriums, das sich auf die
irakischen Behörden beruft. Der Amerikaner, angeblich ein Mann Mitte 50, soll in Basra an einem Herzanfall gestorben sein. Die irakische Regierung erklärt,
sein Leichnam werde der amerikanischen Botschaft in
Bagdad übergeben.
Das US-Außenministerium kündigt ferner an, daß der
Irak als Antwort auf die amerikanische Entscheidung
vom 27. August, 36 irakische Botschaftsangehörige
bis 30. August aus den Vereinigten Staaten auszuweisen, eine ungenannte Anzahl amerikanischer Diplomaten in Bagdad ausweisen wolle.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRISE
5. September 1990

KONGRESS UNTERSTÜTZT PRÄSIDENT BUSHS
MASSNAHMEN ZUR GOLFKRISE
Erklärungen führender Persönlichkeiten aus dem Kongreß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush genießt für
seine Politik zur Eindämmung der irakischen Aggression im Nahen Osten breite überparteiliche Unterstützung im Kongreß.

Der demokratische Senator John Kerry aus Massachussetts stellte vor Reportern fest, daß seiner Meinung nach "die Unterstützung des Kongresses (für die
Politik Präsident Bushs) sehr, sehr stark" ist.

Presseberichten zufolge unterstützen die meisten
Parlamentarier Bushs grundsätzlich harte Haltung in
der Region. Nach einem Treffen mit dem Präsidenten
im Weißen Haus am 28. August 1990 wird er jedoch
zunehmend gedrängt, sich um mehr finanzielle Unterstützung von Verbündeten für den US-Militäreinsatz
am Golf zu bemühen.

Am 29. August erklärte Kerry in einem Fernsehinterview, "Meiner Ansicht nach zollten meine Kollegen bei
dem gestrigen Informationsgespräch der Art und Weise,
wie der Präsident bisher vorgegangen ist, einmütig
Respekt, wenn nicht sogar Bewunderung".

Der republikanische Senator Richard Lugar aus Indiana, ein einflußreiches Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Senats, nahm eine weit härtere Haltung
ein als Bush, indem er den Sturz Saddam Husseins
und die Zerstörung der irakischen Chemiewaffen und
nuklearen Anlagen forderte.
Selbst nach einem Abzug des Iraks aus Kuwait, so
Lugar, müssen die irakischen Chemiewaffen und die
potentiellen nuklearen Fähigkeiten des Landes "als
Bedrohung beseitigt werden. Andernfalls müßten die
Vereinigten Staaten und andere Mitglieder der Vereinten Nationen zweifelsohne lange Zeit in Saudi-Arabien
und anderen Ländern des Nahen Ostens bleiben."
Lugar erklärte, er sei "pessimistisch" im Hinblick auf
Möglichkeiten, den Rücktritt Saddam Husseins auf
dem Verhandlungsweg zu erreichen.
Die Invasion in Kuwait hat Lugar zufolge dem Irak "die
Kontrolle über Preis und Verfügbarkeit" eines großen
Teils der Weltölversorgung verschafft. Deshalb besitze Saddam Hussein heute die "Fähigkeit, andere zu
erpressen und ihm die Mittel zu liefern, die er benötigt,
um nicht nur Saudi-Arabien, sondern auch Teile Europas, die Sowjetunion und Asien zu terrorisieren".
AMERIKA DIENST 35

"Senator Lugar und ich teilen wohl die Ansicht, daß es
sich hierbei um eine außerordentlich bedeutsame
Entwicklung handelt ... das Vorgehen der Vereinten
Nationen und der weltweite Konsens, der mit Beteiligung der Sowjetunion erarbeitet wurde ... all dies
drängt zu einer Lösung in der Region", fügte er hinzu.
Kerry fuhr fort, "hierin Massachusetts befindet sich die
Volkswirtschaft in einer Krise, und zwar in vielen Teilen
des Landes. Es fällt uns schwer, das Geld (für die
Militäroperation) aufzubringen, andererseits hat der
Präsident jedoch eindeutig klargestellt, daß er auf eine
größere Lastenverteilung und intensivere Beteiligung
anderer Länder drängt. Meines Erachtens wird dies
geschehen, und ich glaube, es ist sehr wichtig, so
vorzugehen. Wir sollten nicht die Volkswirtschaften
anderer Länder aussparen und unserer eigenen schaden."
Aber "die Kritik, die ich vom Mann auf der Straße höre",
erklärte der Kongreßabgeordnete William S. Broomfield aus Michigan, "kommt von denjenigen, die fragen,
'Was tut die Bundesrepublik?', 'Was tut Japan?'. Diese
beiden Länder profitieren am meisten von Ölkrise."
Auch die demokratische Vertreterin des Repräsentantenhauses Patricia Schroeder aus Colorado betonte
die wirtschaftlichen Bedenken des Kongresses und
Seite 1

�stellte fest, "Ich frage mich wirklich, wie wir es anstellen, abgesehen von Stimmabgaben in den Vereinten
Nationer; sehte Unterstützung durch unsere Verbündeten zu erhalten. Es geht hier darum, die Wirtschaft
unseres Landes zu schützen, und wenn wir unsere
Wirtschaft ruinieren, während wir die Volkswirtschaften alier anderen Länder aussparen, wäre das nicht
sonderlich klug.
Der Vorsitzende der demokratischen Mehrheit im
Repräsentantenhaus Richard Gephardt aus Missouri
fügte hinzu, "Wenn bisher Einigung über den Haushalt
erforderlich war, benötigen wir sie noch dringlicher,
seit dies passiert ist."
"Wenn wir die Verteidigungsausgaben zu dem hinzuaddieren, was bereits vorhanden war," erklärte
Gephardt, "dann müssen wir uns beim Haushalt zweifelsohne dahingehend einigen, daß Einsparungen an
anderer Stelle vorgenommen werden müssen oder
irgendetwas auf der Einnahmenseite geschehen muß."
Der demokratische Senator Patrick Leaky aus Vermont erklärte gegenüber Journalisten, er habe den
Präsidenten aufgefordert, eine neue Sondersteuer zu
erheben, um den Truppenaufmarsch am Golf zu finanzieren und "der Welt zu demonstrieren, daß wir uns
dort langfristig engagieren".
Presseberichten zufolge erklärte Bush den Abgeordneten, seine Strategie laute jetzt, abzuwarten, ob das
von den Vereinten Nationen gebilligte Embargo aus-

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Seite 2

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reicht, um den Irak "ohne weitere Gewaltanwendung"
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen.
Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, George
Mitchell aus Maine, erklärte, der Präsident "hat die
richtige Entscheidung getroffen", als er US-Streitkräfte zur Verteidigung Saudi-Arabiens und Durchsetzung
des Embargos gegen den Irak entsandte, aber er
antwortete auf die Frage, ob Bush einen "Blankoscheck" von den Politikern erhalten habe, "eine Zustimmung zu den bisherigen Aktionen ist keine automatische Zustimmung zu allen künftigen Aktionen,
wenn der Charakter dieser Aktion nicht bekannt ist".
Der Sprecher des Repräsentantenhauses, der demokratische Senator Thomas S. Foley aus Washington,
erklärte, Bush habe bis jetzt "den Einsatz von Gewalt
klugerweise eingeschränkt". Der Abgeordnete Jim
Leach, ein Republikaner aus Iowa, stimmte zu, daß
"bis jetzt keine einzige Kritik an der Aktion laut geworden ist"., obwohl "schwierige Entscheidungen anstehen".
Der demokratische Senator Claiborne Pell aus Rhode
Island verwies darauf, es sei "ein glücklicher Umstand", daß bei diesem Problem "die Vereinten Nationen Geschlossenheit zeigen".
Das amerikanische Volk sollte darüber informiert werden,
daß es keine Patentlösungen gibt und "wir einen
langen Weg vor uns haben", fügte der republikanische
Senator John H. Chafee aus Rhode Island hinzu.

*

*

AMERIKA DIENST 35

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush fordert koordinierte Hilfe in der Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Isolierung des Iraks einziges Mittel zur friedlichen Konfliktlösung &lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Außenminister Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise: eine Chronologie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stand 28. August&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress unterstützt Bushs Maßnahmen in der Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen führender Persönlichkeiten aus dem Kongreß&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
,
#
^gfcassy of the United States of America

8. September 1993

36

BOSNIEtf^P*

«*&lt;?

CHRISTOPHER FORDERT VON SERBEN UND
KROATEN FLEXIBILITÄT BEI FRIEDENSGESPRÄCHEN
Neuordnung für gerechtere Lösung

VERTEIDIGUNG

ASPIN BEZEICHNET EINSATZBEREITSCHAFT IN ZWEI KRISENHERDEN
GLEICHZEITIG ALS SCHLÜSSEL FÜR
KÜNFTIGES VERTEIDIGUNGSKONZEPT
Grundlegende Überprüfung der
Verteidigungsstrategie

USA-RUSSLAND

GORE UND TSCHERNOMYRDIN UNTERZEICHNEN ABKOMMEN ZU RAUMFAHRT
UND ENERGIE
Rede von Vizepräsident Gore
STELLUNGNAHME ZUM ABKOMMEN MIT
RUSSLAND ÜBER MTCR, RAUMFAHRT UND
ENERGIE
Äußerungen eines hochrangigen
Regierungsvertreters

PAZIFIK

USA FÜR STÄRKERE PAZIFISCHE
GEMEINSCHAFT
Außenpolitisch vielversprechendes Gebiet

KRIEGSVERBRECHEN

REGIERUNGEN DRÄNGEN AUF
ENTSCHIEDENERES EINTRETEN GEGEN
KRIEGSVERBRECHEN
Erneuter Anstieg von Gewalt und
Grausamkeiten

EINWANDERUNG

AMERIKANISCHE KÜSTENWACHE FOLGT
CLINTONS AUFRUF ZUR BEENDIGUNG
DES MENSCHENSCHMUGGELS
Weltweites Abfangnetz

MUSIK

BLUEGRASS-MUSIC
von Bruce Watson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�BOSNIEN
8. September 1993

CHRISTOPHER FORDERT VON SERBEN UND
KROATEN FLEXIBILITÄT BEI FRIEDENSGESPRÄCHEN
Neuordnung für gerechtere Lösung

WASHINGTON - (AD) - In offiziellen diplomatischen
Botschaften hat Außenminister Christopher die Präsidenten Serbiens und Kroatiens aufgefordert, bei der
Prüfung der von der bosnischen Regierung zur Beilegung des erbitterten ethnischen Konflikts vorgeschlagenen Neuordnung mehr Flexibilität zu zeigen.
"Wenn die Verhandlungen aufgrund der Halsstarrigkeit und Unnachgiebigkeit der Serben und Kroaten
zusammenbrechen, dann sollte die Völkergemeinschaft
sie unserer Meinung nach dafür zur Verantwortung
ziehen", erklärte Christopher am 2. September 1993
vor Journalisten im US-Außenministerium.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der Ansicht,
daß eine Aufhebung des UN-Embargos, die der bosnischen Regierung ihre Bewaffnung und Verteidigung
ermöglichen würde, "eine Option ist, die für zukünftige
Überlegungen zurückgestellt werden sollte", so Christopher, "aber zur Zeit wäre es am besten, wenn die
Konfliktparteien an den Verhandlungstisch zurückkehren würden".

Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter
erklärte, die von Botschafter Redman übergebenen
Demarchen brächten die Unterstützung für eine spezifische, von der bosnischen Regierung angestrebte
Neuordnung zum Ausdruck, einschließlich eines ga"Die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst die Einstel- rantierten Korridors durch Kroatien, der Zugang zum
lung der Genfer Friedensgespräche", erklärte er und Meer gewähren soll, sowie die Vergrößerung des unter
forderte die Konfliktparteien eindringlich zur Wieder- der Kontrolle der bosnischen Regierung liegenden Geaufnahme ihrer Verhandlungen auf.
bietes um die belagerte Stadt Bihac.
"Insbesondere sind wir der Ansicht, daß die Serben
und Kroaten größere Flexibilität zeigen sollten, wenn
sie die von der bosnischen Regierung vorgeschlagene
Neuordnung prüfen, die eine gerechtere Lösung erzielen soll", so der Minister. "Ich habe Anweisung gegeben, Botschaften in diesem Tenor an die Serben und
Kroaten zu senden", fügte er hinzu.
Die offiziellen diplomatischen Demarchen sollen dem
serbischen Präsidenten Milosevic und dem kroatischen Präsidenten Tudjman in Genf von Botschafter
Charles Redman, dem Sondergesandten für das
ehemalige Jugoslawien, übergeben werden.
Der amerikanische Außenminister teilte vor Journalisten mit, nach Ansicht der Vereinigten Staaten seien
die Konfliktparteien bei ihren jetzt vertagten Genfer
Friedensverhandlungen über Bosnien-Herzegowina
einer Lösung nahegekommen. I n Anbetracht des
bevorstehenden Winters wäre es besonders tragisch,
wenn sie nicht die Gelegenheit nutzen, um eine in
greifbare Nähe gerückte Beilegung der Streitigkeiten
zu erzielen."
AMERIKA DIENST 36

In einem Interview mit dem Radiosender National
Public Radio hatte Christopher bereits zuvor erklärt, es
habe "einige Verbesserungen in Sarajevo" gegeben,
und festgestellt, daß die Bombardierung der Stadt
durch die bosnischen Serben zumindest zeitweise
ausgesetzt wurde und auch geringe Mengen Lebensmittel in die Stadt gelangten. "Wir sind keinesfalls von
der Verpflichtung der NATO abgerückt", militärische
Maßnahmen zu ergreifen, wenn die Serben ihre Belagerung von Sarajevo nicht beenden. "Wenn die Serben Sarajevo weiterhin einkesseln, ist die NATO zum
Handeln bereif, erklärte Christopher im National Public
Radio. "Es hat einige Verbesserungen gegeben, aber
diese sind bei weitem nicht ausreichend."
Die NATO hat Christopher zufolge "im Hinblick auf die
mögliche Einkesselung Sarajevos" und anderer Schutzzonen in Bosnien eine unverrückbare Haltung eingenommen. Die Vereinigten Staaten wollen weiterhin im
Rahmen der NATO handeln, so der Minister.
Auf einer Pressekonferenz teilte Außenamtssprecher
McCurry später mit, am 1. September seien 21 HilfsSeite 1

�tlüge der Verbündeten nach Sarajevo gelangt. Die
Situation in der bosnischen Hauptstadt habe sich
leicht verbessert", jedoch müßten noch die Elektrizitätsversorgung und andere lebenswichtige Dienstleistungen wieder in Gang gebracht werden.

Die Vereinigten Staaten "zeichnen keine Landkarten
oder schauen sich die Größe der durch die östlichen
Schutzzonen laufenden Korridore oder Landrouten
an", so McCurry. "Uns scheint lediglich insgesamt
gesehen und auf der Grundlage der Kontakte, die
Botschafter Redman in Genf hatte, daß diese von der
Es seien zwar Schritte zur Lockerung der Einkessemuslimischen Regierung vorgeschlagene Neuordnung
lung Sarajevos unternommen worden, McCurry beton- nicht eine Einigung verhindern sollte", erklärte er. "Wir
te aber: "Wir wünschen angesichts des nahenden ermutigen die Parteien, in diesem Geiste an den
Winters eine beständige Verbesserung der Situation in Verhandlungstisch zurückzukehren und diese AngleiBosnien, und aus diesem Grund beobachten wir die chungen genau zu prüfen."
Lage sehr genau."
Auf den Kommentar Präsident Tudjmans angesproDer Außenamtssprecher wies Andeutungen zurück, chen, der Krieg werde weitergehen, erwiderte McCurim Laufe des Tages von Christopher und Präsident ry kurz: "Das ist eine Behauptung mit verhängnisvollen
Clinton abgegebene Kommentare kämen "unbeholfe- Auswirkungen."
ner Diplomatie" gleich. Statt dessen bezeichnete
McCurry diese Kommentare als "Erinnerung daran, McCurry deutete an, die Demarchen Christophers an
daß es zweifellos Konsequenzen haben wird, wenn die Führer der Serben und Kroaten wiederhotten die
erstens die Einkesselung Sarajevos fortgesetzt und Androhung einer militärischen Intervention der NATO,
zweitens der Versuch zur Wiederaufnahme der Kämp- falls "die Einkesselung Sarajevos" fortgesetzt werde
fe und insbesondere zur Bombardierung Sarajevos oder die humanitären Hilflieferungen andernorts in
unternommen wird."
Bosnien blockiert würden.
"Die Vereinigten Staaten machen sich wirklich große
Sorgen über die Lage in Bosnien", erklärte der Außenamtssprecher. "Wir haben keine bevorzugte Lösung
für die Gespräche oder die Verhandlungen selbst",
aber "man könnte eine gerechtere Lösung finden,
wenn die Konfliktparteien größere Bereitschaft zeigen
würden, die von der bosnischen Regierung vorgelegten spezifischen Angleichungen zu prüfen".
"Wir nehmen nicht die Haftung ein, daß das Paket neu
geöffnet oder neu verhandelt werden sollte", so McCurry. "Unserer Ansicht hat Präsident Izetbegovic einige
Vorschläge gemacht, die von den Kroaten und den
Serben in Betracht gezogen werden sollten."

*

Seite 2

Der Außenamtssprecher beschrieb die Situation als
"ziemlich im Fluß" - die Konfliktparteien gäben jeweils
ihre nächsten Schritte bekannt - , wies jedoch darauf
hin, das NATO-Kommunique lege klar fest, "unter
welchen Bedingungen das Bündnis einen Luftangriff
beginnen wird".
In den Vereinigten Staaten glaubt man dem Außenamtssprecher zufolge, daß Serbien und Kroatien "einen
gewissen Einfluß auf von ihnen unterstützte Gruppen
in Bosnien" haben. "Aber wir hatten auch Kontakt zu
den bosnischen Serben und den bosnischen Kroaten",
stellte er fest.

* * *

*

AMERIKA DIENST 36

�VERTEIDIGUNG
8. September 1993

ASPIN BEZEICHNET EINSATZBEREITSCHAFT IN ZWEI
KRISENHERDEN GLEICHZEITIG ALS SCHLÜSSEL FÜR
KÜNFTIGES VERTEIDIGUNGSKONZEPT
Grundlegende Überprüfung der Verteidigungsstrategie

WASHINGTON - (AD) - Die Bereitschaft, gegebenenfalls auf zwei nahezu gleichzeitig auftretende regionale
Konfliktegrößeren Ausmaßes reagieren zu können, ist
US-Verteidigungsminister Les Aspin zufolge die dem
amerikanischen Militär zugrundeliegende langfristige
Strategie im Zeitalter nach dem Kalten Krieg.
Gemeinsam mit General Colin Powell, dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, gabMinister Aspin die
Schlußfolgerungen der Clinton-Administration aus der
am 1. September 1993 von Vizepräsident Gore vorgelegten grundlegenden Überprüfung des Verteidigungsministeriums bekannt.
Eine der wichtigsten Folgerungen der Überprüfung
besteht in einem Abbau der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe. Diese Reduzierung soll jedoch nicht unter den
Stand fallen, der notwendig ist, um in zwei nahezu
gleichzeitig auftretende regionale Konflikte eingreifen
zu können und dabei eine kleine Reserve zum Schutz
vor einer militärischen Konfrontation kleineren Ausmaßes in einer dritten Region zu behalten.

Regionale Angelegenheiten wir aggressive Akte
größeren Ausmaßes, ethnische und religiöse
Konflikte oder staatlich unterstützter Terrorismus.
Interne Bedrohungen für junge Demokratien in
den Staaten des ehemaligen Ostblocks oder
den Entwicklungsländern.
Eine am nationalen Wohlstand, der internationalen Wettbewerbsfähigkeit oder dem Umweltschutz gemessen schwache amerikanische
Wirtschaft.
Im Verteidigungsministerium gelangte man zu der
Ansicht, daß die Beschränkung der amerikanischen
Streitkräfte auf die Bereitschaft zur Teilnahme an nur
einem größeren Krieg die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten Opportunismus von seiten unverantwortlicher Regime gegenüber ungeschützt ließe. Der
Zusammenbruch der Sowjetunion schließe die Möglichkeit aus, daß eine feindliche Supermacht ein solches Szenario inszeniert; die Verwicklung der Vereinigten Staaten in einen Konflikt könnte jedoch Aspin
und Powell zufolge ein totalitäres Regime zu einem
Angriff in einer anderen Region veranlassen.

"Es kann gar nicht anders sein", erklärte Aspin. "Wir
werden auf zukünftige Anforderungen vorbereitete
Truppen haben, eine abgespeckte, bewegliche, hochtechnisierte, einsatzbereite Streitmacht, um die Ame- Folglich sieht das neue Konzept des US-Verteidirikaner gegen die in diesem neuen Zeitalter auftreten- gungsministeriums vor, daß die Vereinigten Staaten in
der Lage sein müssen, sich an zwei Kriegen mit einer
den realen Gefahren zu verteidigen."
leichten zeitlichen Überlappung zu beteiligen. Das
Aspin legte nochmals die aus amerikanischer Sicht würde Luft- und Seetransporteinheiten gestatten, eine
vierfachen möglichen Bedrohungen dar:
umfangreiche Stationierung von Kampftruppen abzuschließen und dann die nächste zu beginnen, während
Die Weiterverbreitung von Massenvernichtungs- der erste Krieg noch im Gange ist.
waffen, insbesondere durch so "unverantwortlich" handelnde Staaten wie Nordkorea, Iran Jeder regionale Krieg wird dem Bericht zufolge wahroder Irak.
scheinlich vier oder fünf Divisionen des Heeres, vier
oder fünf Marinebrigaden, zehn Jagdgeschwader der

AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�Luftwaffe, 100 schwere Bomber und vier oder fünf
Trägerverbände erfordern. Die Streitkräfte sollen auf
diese Erfordernisse zugeschnitten werden.

sionen im Falle eines Konfliktes ausreichendes
voreingelagertes Gerät.
Nordostasien: Dort sollen 100.000 Bodentruppen, einschließlich zwei Brigaden und eines
Luftwaffengeschwaders präsent sein, um Südkorea bei der Verteidigung gegen Pjöngjang zu
helfen, sowie zur Unterhaltung von zwei Brigaden ausreichendes voreingelagertes Gerät, falls
eine Brigade wie geplant von der Halbinsel
abgezogen wird.

Nach diesem Plan würden die Bodentruppen kleiner
aber beweglicher werden. Das Heer soll über zehn
aktive Divisionen und 15 Reservebrigaden verfügen,
die der Stärke nach fünf zusätzlichen Divisionen entsprechen. Das Marinekorps soll seine jetzigen drei
aktiven Divisionen sowie eine zusätzliche Reservedivision behalten.
Die Bodentruppen des Heeres und des Marinekorps
würden folglich einem Äquivalent von 13 Kampfdivisionen und sechzehn Reservedivisionen entsprechen.

Südwestasien: Vier bis sechs Schiffe der Marine werden wie schon seit 1945 im Persischen
Golf patrouillieren und die Seewege für den
Transport von Erdöl sowie gegebenenfalls für
die Zuführung von zwei amerikanischen Brigaden offenhalten, deren Gerät in Kuwait und
benachbarten Ländern voreingelagert wird.

Die Marine würde ihre Streitkräfte in elf Kampftruppen
organisieren, die jeweils einem Flugzeugträger zugeordnet sind. Ein zusätzlicher Flugzeugträger würde
hauptsächlich als Schulschiff dienen, jedoch kurzfristig einsatzbereit sein.

Afrika: Hier werden die Vereinigten Staaten mit
befreundeten Regierungen Abkommen über den
Zugang zu amerikanischen Stellungen abschließen, um schnelle Truppenbewegungen zu
ermöglichen, wie die der 4.000 Soldaten, die zur
Zeit in Somalia im Rahmen der UN-Operation
UNOSOM im Einsatz sind.

Für die Luftwaffe sind 13 Jagdgeschwader im aktiven
Dienst und sieben Reservegeschwader vorgesehen.
Ihre B-1 - und B-2-Bombergeschwader sollen von ihren
vornehmlich atomaren Trägersystemen auf konventionelle Fähigkeiten umgerüstet werden.
Der Erfolg dieser neuen Strategie hängt auch von dem
Ausmaß ab, in dem die Verbündeten der Vereinigten
Staaten in jeder Region gemeinsam mit ihnen auf eine
Krise reagieren können. "Wir werden weiterhin unseren Verbündeten in den wichtigsten Regionen bei der
Verbesserung ihrer eigenen Verteidigungsfähigkeit
behilflich sein", so das Dokument des Verteidigungsministeriums.
Das Konzept sieht jedoch vor, daß umfangreiche
amerikanische Streitkräfte in einigen Gebieten der
Welt weiterhin vorne stationiert bleiben sollen. Hierzu
zählen unter anderem:
Europa: Auf diesem Kontinent sollen 100.000
Bodentruppen in zwei Divisionen weiterhin integraler Bestandteil der NATO bleiben, zusammen mit mindestens zwei Luftwaffengeschwadern und zur Unterhaltung von drei Bodendivi-

Lateinamerika: Das amerikanische Militär wird
seine Verteidigungskräfte am Panamakanal
belassen, bis die Kontrolle über den Kanal im
Jahr 1999 an Panama abgetreten wird. Amerikanische Streitkräfte werden die jungen lateinamerikanischen Demokratien sowie den Kampf
gegen den Drogenschmuggel unterstützen.
Die grundlegende Überprüfung des Verteidigungsministeriums hatte zum Ziel, das Militär im Rahmen der
durch Haushaltsengpässe gesetzten Beschränkungen auf neue Aufgaben vorzubereiten, so Minister
Aspin und General Powell. Das neue Konzept kann im
Rahmen der gegenwärtig geplanten Verteidigungsausgaben umgesetzt werden, die einer im Zeitraum
von fünf Jahren erfolgenden schrittweisen Kürzung
unterliegen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DENST Sf

�USA-RUSSLAND
8. September 1993

GORE UND TSCHERNOMYRDIN UNTERZEICHNEN
ABKOMMEN ZU RAUMFAHRT UND ENERGIE
Rede von Vizepräsident Gore
WASHINGTON - (AD) - Am 2. September 1993 unterzeichneten der russische Ministerpräsident Viktor
Tschernomyrdin und der amerikanische Vizepräsident Gore zum Abschluß des Treffens der gemeinsamen
amerikanisch-russischen Kommission über Zusammenarbeit im Weltraum und Energiebereich eine Serie von
Vereinbarungen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die bei der feierlichen Unterzeichnung vom amerikanischen Vizepräsidenten
gehaltene Rede im Wortlaut.

Der Ministerpräsident und ich haben in den letzten
beiden Tagen hart gearbeitet, um die zuerst von den
Präsidenten Clinton und Jelzin bei ihrem Gipfeltreffen
in Vancouver entworfene Vision zu verwirklichen: Es
ist an derzeit, die Oberreste des Karten Krieges hinter
sich zu lassen und eine neue Partnerschaft zwischen
den Vereinigten Staaten und Rußland anzustreben.

und außenpolitische Aspekte, sondern auch eine
zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit umfaßt.

Ganz besonders erfreut bin ich über die Ergebnisse,
die sich bereits abzeichnen, insbesondere die Abkommen über Zusammenarbeit in der Raumfahrt, die wir
heute unterzeichnet haben. Alle werden sich daran
erinnern, daß jedes unserer Raumfahrtprogramme
Diese Partnerschaft wird nirgends so stark zu spüren etwas zum ersten Mal erreicht hat. Der Start des
sein wie bei unserer Zusammenarbeit im Bereich der ersten Erdsatelliten - Sputnik 1 - am 4. Oktober 1957
Spitzentechnologie. Jedes unserer beiden Länder hat begeisterte die Wert. Und wir fanden den ersten
während des Kalten Krieges seine Ressourcen in den bemannten Raumflug 1961 mit Juri Gagarin ebenso
Konkurrenzkampf gepumpt. Es wurde sehr viel er- aufregend. Dem folgte die großartige Zeit der Mondreicht, aber auch ein hoher Preis dafür gezahlt. Jetzt landungen mit dem amerikanischen Apollo-Programm
können wir zusammenarbeiten, um eine gemeinsame und - auf russischer Seite - den Luna-Raumsonden.
Tagesordnung in den Bereichen Energie und Raumfahrt, Wissenschaft und Technologie aufzustellen. Durch Obwohl die von uns am heutigen Tag unterzeichneten
Kooperation können wir die Kosten niedrig halten, mit Vereinbarungen den Errungenschaften aus der Zeit
unseren begrenzten Ressourcen sparsam umgehen unseres Konkurrenzkampfes viel verdanken, haben
sie ihre Wurzeln hauptsächlich in dem Treffen der
und zum beiderseitigen Vorteil zusammenarbeiten.
Raumsonden Apollo und Sojus und ihrer Koppelung im
Einen vierzig Jahre arten Konkurrenzkampf in Zusam- Juli 1975. Im Rahmen dieses Projektes begannen
menarbeit umzuwandeln ist keine leichte Aufgabe. Die russische und amerikanische Wissenschaftler, IngeniPräsidenten stimmten in Vancouver darin überein, daß eure, Astronauten und Kosmonauten ihre Zusammenunsere Zusammenarbeit auf höchster Ebene in die arbeit. Ich freue mich, daß heute General Tom StafWege geleitet werden muß, und durch ihre Überein- ford und General Alexei Leonow zugegen sind, die
kunft wurde diese Kommission ins Leben gerufen. zusammen an dieser bahnbrechenden Mission teilMinisterpräsident Tschernomyrdin und ich haben uns nahmen, und bitte die Herren, sich zu erheben.
während der beiden Tage hier in Washington völlig
darauf konzentriert, den Prozeß in Gang zu bringen. Die Zukunft hält noch mehr von dem bereit, von dem
Unser Ziel ist die Ausweitung der amerikanisch-russi- das Apollo-Sojus-Projekt einen Vorgeschmack gab:
schen Partnerschaft, damit diese nicht nur sicherheits- Enge Zusammenarbeit zur Minimierung der Kosten

AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�und der für die Durchführung der Projekte benötigten
Zeit bei gleichzeitiger Verbesserung der Leistungen.
Ich möchte kurz die Vereinbarungen im Bereich der
Raumfahrt ansprechen, die wir unterzeichnet haben:
Erstens, das Abkommen über den Start kommerzieller
Satelliten, das Rußland Zugang zum Markt internationaler Satellitenflüge gibt, und zweitens eine gemeinsame Erklärung über Zusammenarbeit im Weltraum, die
einen schrittweisen Ansatz für Kooperation bei der
bemannten Raumfahrt festlegt. Diese Erklärung enthält das Potential für Zusammenarbeit in einer wirklich
internationalen Raumstation, falls die Voraussetzungen auf den Gebieten Technik und Partnerschaft
gegeben sind. Schließlich zwei gemeinsame Erklärungen, eine über die Überwachung der Umwelt aus
dem Weltraum sowie Raumfahrtwissenschaft und die
andere über Luftfahrt, die uns den Entwurf einer breit
angelegten Strategie zur Zusammenarbeit im Bereich
der Umwelt sowie beim Flugzeugbau der Zukunft
ermöglichen wird.

amerikanischen Unternehmer profitiert haben. Wir
begrü ßen den Beitrag der Geschäftswelt au ßerordentlich und möchten im Rahmen des gemeinsamen
amerikanisch-russischen Komitees zur wirtschaftlichen
Entwicklung (U.S.-Russian Business Development
Committee), dem auf amerikanischer Seite Wirtschaftsminister Brown und auf russischer Seite der Stellvertretende Ministerpräsident Shokhin vorstehen wird,
direkt mit den Unternehmen zusammenarbeiten.
Schließlich ist es die amerikanische Wirtschaft, und
nicht nur die amerikanische Regierung, die das Kapital
und die Technologie bereitstellt, die Rußland zur Fortführung seiner langfristig angelegten Reformen benötigt.

Ich möchte einige unserer Errungenschaften im Energiebereich ansprechen: Wir werden eng mit Rußland
und unseren Unternehmern zusammenarbeiten, um
die vielen Gas-und Erdölgeschäfte im amerikanischen
Privatsektor abzuschließen, die startbereit sind. Ich
freue mich bekanntgeben zu können, daß wir Einigung
NASA-Direktor Dan Goldin und Juri Koptjew, der Di- über zwei Projekte mit dem Privatsektor erzielt haben.
rektor der russischen Raumfahrtagentur, werden in Bei einem leistet die staatliche Entwicklungsgesellden kommenden Monaten viel zu tun haben, um die schaft (Overseas Private Investment Corporation Tagesordnung für unsere gemeinsame Arbeit festzu- OPIC) Kreditbürgschaften und Versicherungsbeihilfen
setzen. Ich weiß jedoch, daß sie diese Aufgabe mit in Höhe von 28 Millionen Dollar für das 80 Millionen
Begeisterung in Angriff nehmen, und wir stehen zu Dollar teure Ölbohrungsprojekt der Texaco in Westsibirien. Bei dem anderen richten die OPIC und die
ihrer Unterstützung bereit.
russische staatliche Investitionsgesellschaft gemeinIn vielerlei Hinsicht stellen die von uns unterzeichneten sam einen neuen Investitionfonds unter der VerwalVereinbarungen im Bereich der Raumfahrt den Beginn tung von PaineWebber ein. Diese Investitionen - 50
dessen dar, was wir - Rußland und die Vereinigten Millionen Dollar von der OPIC und 25 Millionen Dollar
Staaten - gemeinsam erreichen wollen: Einen umfas- von russischer Seite - sind für einen privaten Investisenden Zugang der Russen zum Markt für Produkte tionsfonds bestimmt, der ein Modell für die von uns
der Spitzentechnologie sowie enge und produktive angestrebte Zusammenarbeit ist.
Zusammenarbeit bei Langzeitprojekten.
Wir werden sehr hart an der Ausweitung von Handel
Gleichzeitig möchte ich besonders auf eine heute von und Investitionen im Energiebereich arbeiten. Jede
uns unterzeichnete Übereinkunft hinweisen, mit der unserer Regierungen wird einen Ombudsmann bewir ein wichtiges Problem gelöst haben: Die Regie- nennen - einen Amerikaner und einen Russen - der
rungsvereinbarung über das Raketentechnologiesich der Identifizierung und Überwindung von HinderKontrollregime (Missile Technology Control Regime nissen für bestimmte Investitions- und HandelsprojekMTCR). Durch seine Verpflichtung, sich an die Richt- te widmen wird. Gleichzeitig wird Energieministerin
linien des MTCR zu halten, demonstriert Rußland O'Leary mit ihrem Amtskollegen, Minister Shafrannik,
seine Bereitschaft, beim Verkauf von Waren und Dienst- bei der Neudefinition politischer Maßnahmen zusamleistungen im Spitzentechnologiebereich ein verläßli- menarbeiten, die die Kooperation im Energiesektor
cher Partner zu sein. Dies ist ein begrüßenswerter und fördern.
wichtiger Schritt, und ich möchte in diesem Zusammenhang insbesondere die von Staatssekretärin Davis Schließlich einigten wir uns auf den Beginn einer
und dem Stellvertretenden russischen Ministerpräsi- bedeutenden gemeinsamen Untersuchung über die
denten Shokhin geleistete harte Arbeit hervorheben.
Sicherheit von Kernkraftwerken. Sie wird das im Laufe
der letzten Jahre erworbene Wissen bereichem und
Wir haben uns auf unserem Treffen jedoch nicht nur uns helfen, die produktivsten Gebiete für eine Zusammit der Raumfahrt befaßt, sondern führten außeror- menarbeit bei der Reaktorsicherheit auszuwählen. Ich
dentlich fruchtbare Gespräche über Energiefragen - möchte ganz besonders das persönliche Engagement
Gas, Erdöl und Atomenergie - sowie über unsere des Ministerpräsidenten zur Erhöhung der Sicherheit
beiderseitigen Bemühungen zum Abbau von Handels- der Kernkraftwerke seiner Nation hervorheben.
und Investitionshindernissen. Der Ministerpräsident
wird in diesem Zusammenhang wohl mit mir überein- Der Ministerpräsident und ich haben bei unseren Trefstimmen, wenn ich sage, daß wir während unserer fen vereinbart, daß die Kommission ihre Arbeit insbeSitzungen von der Erfahrung und den Vorschlägen der sondere auf zwei andere wichtige Bereiche konzenSeite2

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�frieren sollte: Umwelt und Wissenschaft. Wir werden
zwei Gruppen organisieren, um diese Tagesordnung
umzusetzen, und erwarten erste Beiträge beim nächsten Treffen der Kommission, das im Laufe der nächsten Monate stattfinden wird. Der Ministerpräsident
hat mich zu einem Besuch in Ru Bland im Herbst dieses
Jahres eingeladen, worauf ich mich freue.
Abschließend mochte ich denjenigen auf amerikanischer und russischer Seite meinen Dank ausspre-

chen, die dieses Treffen ermöglicht haben. Herr
Ministerpräsident, wenn die Anfänge dieser Kommission etwas über ihre Zukunft aussagen, dann wird sie
eine der produktivsten Triebkräfte werden, die uns auf
neue Gebiete von Zusammenarbeit und Partnerschaft
befördern. Ebenso wie Sie begrüße ich diese Herausforderung und sehe einer Zusammenarbeit mit Ihnen
erwartungsvoll entgegen.

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�USA-RUSSLAND
8. September 1993

STELLUNGNAHME ZUM ABKOMMEN MIT RUSSLAND
ÜBER MTCR, RAUMFAHRT UND ENERGIE
Äußerungen eines hochrangigen Regierungsvertreters

WASHINGTON - (AD) - Die Zustimmung Rußlands,
die Bestimmungen des Raketentechnologie-Kontrollregimes (Missile Technology Control Regime - MTCR)
einzuhalten, "ist in der Tat ein gutes Signal für die
Absicht Rußlands, im Hinblick auf die Nichtverbreitung
ein verläßlicher Partner zu werden", erklärte ein hochrangiger Regierungsvertreter am 2. September 1993.
In seinen im Anschluß an die Unterzeichnung der
Regierungsvereinbarung zwischen den Vereinigten
Staaten und Rußland zum MTCR sowie einer Reihe
von Abkommen zu Raumfahrt, Energie und technischer Zusammenarbeit gemachten Äußerungen stellte der Regierungsvertreter fest, er messe der Regierungsvereinbarung zum MTCR "höchste Bedeutung"
bei.

Bereichen Erdöl und Gas, Sicherheit von Kernkraftwerken sowie generell beim Abbau von Handels- und
Investitionshemmnissen tätig", fügte er hinzu.
Im Hinblick auf die Kooperation bei der Raumfähre
stellte der Regierungsvertreter fest: "Zweifelsohne
wollen wir bis M itte der neunziger Jahre eine Raumfähre ins All schicken." Die Vorteile der Zusammenarbeit
bestünden in "niedrigeren Kosten, kürzerer Vorlaufzeit
bei den Weltraumprojekten, kurzer Konstruktionszeit
und weniger Zeitverlust, bis die mit Experimenten
befaßten Wissenschaftler ins All entsandt werden
können".

Der hochrangige Regierungsbeamte äußerte sich ferner zu den außenpolitischen Gesprächen zwischen
Präsident Clinton und Ministerpräsident TschernomyrIhm zufolge sind andere Vereinbarungen, insbesonde- din.
re das Abkommen über Zusammenarbeit bei der
Raumfahrt und der Entwicklung einer Raumfähre Im Hinblick auf die Beziehungen zwischen Rußland
ebenfalls bedeutend und ein Signal für neue Beziehun- und der Ukraine erklärte er, der Präsident "hat unser
gen zwischen den beiden Nationen im Bereich der Engagement bekräftigt, alles in unserer Macht Stehende zur Verbesserung der Beziehungen zwischen
wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Rußland und der Ukraine zu tun sowie unser Interesse
Die Abkommen waren das Ergebnis zweitägiger - natürlich so schnell wie möglich - eine atomwaffenGespräche der amerikanisch-russischen Kommission freie Ukraine anzustreben".
über Zusammenarbeit im Weltraum und Energiebereich, die beim Gipfertreffen von Vancouver zwischen Zum Baltikum, so der Regierungsvertreter, habe Präden Präsidenten Clinton und Jelzin ins Leben gerufen sident Clinton "unser anhaltendes Interesse an einem
wurde. Das Treffen in Washington fand unter Vorsitz frühzeitigen Abzug der russischen Streitkräfte aus
von Vizepräsident Gore für die Vereinigten Staaten Estland und Lettland unterstrichen". Tschernomyrdin
und Ministerpräsident Victor Tschernomyrdin für Rußland vermittelte "stark den Eindruck, daß die russische
Regierung die Notwendigkeit zum Abzug der Truppen
statt.
versteht. Er zählte die Probleme auf, die derzeit einen
Die Abkommen sehen femer die Gründung von sechs frühzeitigen Abzug verhindern. Er verwies jedoch
Arbeitsgruppen unter der Schirmherrschaft der Kom- darauf, daß die Russen ziemlich sicher einen Plan zum
mission vor. "In vieler Hinsicht ist das Komitee zur Abzug ihrer Truppen haben", fügte er hinzu.
wirtschaftlichen Entwicklung (U.S.-Russian Business
Development Committee) am wichtigsten", so der Im Hinblick auf den Jackson-Vanik-Zusatzartikel äuRegierungsbeamte. "Dieses Komitee wird in den ßerte der Regierungsbeamte: "Wir haben keinen
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�festen Termin, um Jackson-Vanik außer Kraft zu setzen. Wir vertreten die Ansicht, daß es weiterhin ein
Problem mit den Betonköpfen in Rußland gibt. Juden
und Christen wird aus zwei Gründen immer noch das
Recht auf Emigration verweigert - zum einen aus
Sicherheitsgründen und zum anderen wegen der sogenannten 'armen Verwandten'".

"Aus unserer Sicht muß die russische Regierung
unbedingt eine Kommission gründen, die in Zukunft
die Fälle nach der möglichen Außerkraftsetzung des
Jackson-Vanik-Zusatzartikels überprüfen kann. Wir
sprechen jetzt jedoch noch nicht davon, weil es noch
nicht soweit ist. Wir haben nur nochmals unsere
Position für die russische Seite dargelegt", so der
Regierungsvertreter.

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�PAZIFIK
8. September 1993

USA FÜR STÄRKERE PAZIFISCHE GEMEINSCHAFT
Außenpolitisch vielversprechendes Gebiet

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten streben mit Hilfe anderer Nationen den Aufbau einer
gestärkten pazifischen Gemeinschaft auf der Grundlage wirtschaftlicher Zusammenarbeit an, wobei gleichzeitig die in dieser Region existierenden Spannungen
abgebaut werden sollen, so der für dieses Gebiet
zuständige Experte des US-Außenministeriums.
Winston Lord, Abteilungsleiter für ostasiatische und
pazifische Angelegenheiten im Außenministerium,
erklärte am 31. August 1993 vor Journalisten, Präsident Clinton und Außenminister Christopher betrachteten die Pazifikrandstaaten als äußerst vielversprechend für die amerikanische Außenpolitik.
Angesichts der Ausbreitung der Demokratie in vielen
dieser Staaten erscheine die Region stabil, obwohl
Winston Lord zufolge viele totalitäre Regime an der
Macht blieben. Er verwies auch auf die "vielversprechenden" Regionalstrukturen dort, einschließlich des
Verbandes Südostasiatischer Nationen (ASEAN) und
des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit (APEC).
Lord, ehemaliger US-Botschafter in China, führte den
ASEAN als ein Beispiel an, da dieser bei seinen dem
Ministertreffen folgenden Gesprächen im Juli die Aufnahme anderer Nationen - einschließlich Rußlands,
Chinas und Vietnams - als Mittel zum Abbau von
Spannungen in der Region und zur Förderung der
Zusammenarbeit in Erwägung gezogen habe.

Ihm zufolge möchten amerikanische Regierungsvertreter, die bisher von den Reaktionen auf das in Seattle
anberaumte Treffen ermutigt wurden, nach der Tagung mit den Staatsoberhäuptern der APEC-Staaten
regionale Fragen auf inoffizielle Weise erörtern.
Lord betonte, die Vereinigten Staaten hätten keinen
Plan für die Zukunft des Pazifischen Beckens. Durch
Konsultationen mit anderen Nationen wollten sie jedoch in "kollektiven Bemühungen" eine bessere Zukunft für die Region erreichen, unterstrich er.
Die Vereinigten Staaten, erklärte er, wünschten weltweite wirtschaftliche Entwicklung durch den erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde der Handelsgespräche, auf regionaler Ebene durch die APEC und
bilateral durch die amerikanisch-japanischen "Rahmen"-Verhandlungen.
In der Zwischenzeit behielten die Vereinigten Staaten
ihre Streitkräfte im Pazifik bei, während die militärische
Präsenz in Europa verringert wird. "Wir werden in
Asien weiterhin präsent sein", so Winston Lord, der
feststellte, daß die ASEAN-Staaten Einrichtungen und
Ausbildungsgelände angeboten hätten, um einen
Ausgleich für den Abzug der amerikanischen Truppen
von Militärstützpunkten auf den Philippinen zu schaffen.
Lord begrüßte die Entwicklung regionaler Sicherheitsarrangements als Mittel zum Abbau künftiger Spannungen und betonte, die Förderung von Demokratie
sei der Schlüssel für Wirtschaftsentwicklung und Sicherheit in der Region.

Der Botschafter verwies auch darauf, welche Bedeutung die Clinton-Administration während ihrer ersten
sechs Monate asiatischen Angelegenheiten eingeräumt habe - einschließlich des Besuchs von Präsident Zu anderen Themen gab Lord die folgenden KommenClinton in Tokio im Juli aus Anlaß des Wirtschaftsgip- tare ab:
fels der G-7, der Besuche von Außenminister ChristoWaffen. Die Aufrüstung in der Region sei fürdie
pher und anderen Vertretern des US-AußenministeVereinigten Staaten ein Grund zur Beunruhiriums sowie des Treffens der aus 15 Nationen bestegung. Viele Nationen, die zur Zeit ihr Arsenal
henden APEC-Gruppe im November in Seattle unter
konventioneller Waffen zur Verteidigung aufVorsitz der Vereinigten Staaten.

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�bauen, taten dies jedoch von einer sehr niedrigen Ausgangsbasis aus.

eigenem Interesse, die international anerkannten Werte im Bereich der Menschenrechte zu
unterstützen. Die Vereinigten Staaten wollten
mit China Rücksprache über seine Einhaltung
des Raketentechnologie-Kontrollregimes (Missile Technology Control Regime - MTCR) halten.

Australien. Der Handel sei der einzige Bereich
in den amerikanisch-australischen Beziehungen, der Anlaß zur Besorgnis gebe. Einige von
den Vereinigten Staaten als Reaktion auf von
der Europäischen Gemeinschaft ergriffene Maßnahmen hätten sich nachteilig auf australische
Exporte ausgewirkt, und diese Fragen sollten
mit einem erfolgreichen Abschluß der UruguayRunde geklärt werden.

Indonesien. Die Rüstungskäufe dieses Landes "beunruhigen" die Vereinigten Staaten in
keinerlei Hinsicht. Die Rolle Indonesiens bei
den friedenserhaltenden Operationen der UNO
und die führende Rolle dieses Landes in der
ASEAN müßten lobend erwähnt werden. Die
amerikanisch-indonesischen Beziehungen hätten "viele positive" Aspekte, und die beiden
Nationen arbeiteten in Problembereichen eng
zusammen.

China. Die Probleme zwischen der Volksrepublik China und Taiwan sollten "friedlich" und
"frei" gelöst werden. Die Vereinigten Staaten
wünschten "stetige" Fortschritte bei Menschenrechtsfragen in China, und es liege in Chinas

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�KRIEGSVERBRECHEN
8. September 1993

REGIERUNGEN DRÄNGEN AUF ENTSCHIEDENERES
EINTRETEN GEGEN KRIEGSVERBRECHEN
Erneuter Anstieg von Gewalt und Grausamkeiten

GENF - (AD) - Vertreter aus 160 Staaten riefen anläßlich der Genfer Konferenz über den Schutz von Kriegsopfern die internationale Staatengemeinschaft dazu
auf "sicherzustellen, daß Kriegsverbrecher ordnungsgemäß strafrechtlich verfolgt werden und nicht ungestraft davonkommen".
Die Delegierten der Internationalen Konferenz über
den Schutz von Kriegsopfern verabschiedeten am 1.
September 1993 einen Deklarationsentwurf, der die
zunehmende Verbreitung von Menschenrechtsverletzungen, insbesondere Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, verurteilt.
Nach Meinung von Warren Zimmermann, dem Direktor des Büros für Flüchtlingsprogramme im US-Außenministerium, ist es mit der Konferenz gelungen, die
internationale Aufmerksamkeit auf das Leiden der
Kriegsopfer zu lenken.

In der Erklärung werden die Regierungen zu "entschlossenen Maßnahmen"gegen Staaten aufgerufen,
"die für Verletzungen des Völkerrechts verantwortlich
sind".
Die Schweizer Regierung, auf deren Territorium die
Genfer Konventionen verwahrt werden, wurde um die
Bildung einer aus Vertretern mehrerer Staaten bestehenden Expertengruppe gebeten, "die nach praktischen Mitteln zur Förderung der vollen Respektierung"
der Konventionen suchen soll, die von den meisten
Nationen der Welt unterzeichnet wurden.
Viele Delegierte auf der Konferenz brachten ihre Entrüstung über den Anstieg von Gewalt gegen Zivilisten
zum Ausdruck, insbesondere in internen Konflikten,
die im Gefolge des Kalten Krieges auf der ganzen Welt
entstanden.

"Wir haben die Schwelle dessen, was bei einer modernen Kriegführung toleriert werden kann, überschritten
- insbesondere im Hinblick auf die Behandlung der
Zivilbevölkerung", erklärte der UN-Hochkommissar für
Flüchtlinge (UNHCR), Frau Sadako Ogata, auf der
Konferenz. Das Internationale Rote Kreuz und die ihr
unterstehende Behörde werden ihr zufolge mit "erEr führte diesen Gewaltanstieg zum Teil auf die Aus- schreckend häufiger und offenkundiger Mißachtung
breitung des Nationalismus zurück, "der an sich schon der elementarsten Grundsätze des Menschenrechts"
eine Art von Doktrin darstellt, die Feindseligkeit gegen- konfrontiert.
über anderen ethnischen Gruppen schafft".
Man kann nicht vom UNHCR und anderen humanitäZimmermann war der Leiter der amerikanischen Dele- ren Organisationen erwarten, daß sie "unendlich lange
gation auf der dreitägigen Konferenz, die von der in einer Umgebung tätig sind, die nicht nur feindlich
Schweizer Regierung und dem Internationalen Komi- sondern offenkundig barbarisch ist", so Frau Ogata.
tee des Roten Kreuzes organisiert wurde.
Sie machte gehend, humanitäre Institutionen würden
von Konfliktparteien "manipuliert und erpreßt", um
Die Schlu ßerklärung der Konferenz bekräftigt die Prinderen "nicht-humanitäre Ziele zu erreichen". In Boszipien der Menschlichkeit, die bereits in den Genfer
nien-Herzegowina ist die Mißachtung der grundlegenKonventionen von 1949 niedergelegt sind - internatioden Prinzipien in Kriegszeiten "eher die Regel als die
nalen Verträgen zum Schutz von Kombattanten und
Ausnahme", stellte sie fest.
Zivilisten in Konfliktzeiten.

"Wir beobachten meines Erachtens einen seh langem
nicht dagewesenen erneuten Anstieg von Gewalt und
Grausamkeit", erklärte der ehemalige US-Botschafter
in Jugoslawien in einem Interview nach Abschluß der
Konferenz.

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�Der russische Außenminister Kosirev erklärte, die
internationale Staatengemeinschaft werde mit bewaffneten Konflikten "einer neuen Art" konfrontiert. "Es
handelt sich bei alledem nicht einfach um von Individuen begangene Greueltaten, sondern um das Ergebnis der bewußten Umsetzung von Doktrinen, die mit
dem bösen Geist des aggressiven Nationalismus und
des Fremdenhasses infiziert sind", äußerte er.
Schätzungen des russischen Außenministers zufolge
waren 126.000 der im Krieg in Bosnien getöteten
170.000 Menschen Angehörige der Zivilbevölkerung.
Die Russische Föderation machte den Vorschlag, das
Jahr 1994 zum "Jahr des Schutzes der Opfer bewaffneter Konflikte" zu erklären.
Während seines Aufenthalts in Genf gab Kosirev auch
bekannt, Rußland sei bereit, Truppen zur Umsetzung
des Friedensplans in Bosnien zur Verfügung zu stellen, falls ein solcher Plan vom UN-Sicherheitsrat gebilligt werde. Am 1. September erklärte er jedoch auf
einer Pressekonferenz, die Russische Föderation wolle,
daß ein derartiges Abkommen "Hand in Hand mit einer
Aufhebung der gegen Jugoslawien verhängten Sanktionen geht".
Unabhängig davon teilte Torkel Opsahl, der amtierende Vorsitzende der UN-Kriegsverbrecherkommission
auf einer Pressekonferenz mit, die Kommission habe
viele Aussagen gesammelt, verfüge aber über wenig
konkretes Beweismaterial, das in einem Kriegsverbrechertribunal Verwendung finden könnte.

gemeldete Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen
die Menschlichkeit auf dem Gebiet des ehemaligen
Jugoslawien zu untersuchen.
Auf die Frage, ob der Kommission Beweismaterial
vorliege, das zur Anklage einer der Parteien bei den
andauernden Friedensverhandlungen in Genf dienen
könne, antwortete Opsahl: "Es gibt Aussagen, aber
keine Beweise."
Die Datenbank der Kriegsverbrecherkommission enthält ihm zufolge viele Aussagen, aber diese könnten
nicht durch Datenverarbeitung in das für eine strafrechtliche Verfolgung notwendige Beweismaterial
umgewandelt werden.
Die Untersuchung von Massengräbern in der Nähe
von Vukovar wird ihm zufolge jedoch im nächsten
Monat fortgesetzt. Die Exhumierung der Leichen wird
von Dr. Clyde Snow, einem bekannten Gerichtsmediziner und Anthropologen geleitet, für dessen Mitarbeit
amerikanischen Regierungsvertretern zufolge die
Vereinigten Staaten aufkommen.
Der Kriegsverbrecherkommission gingen Berichte über
Massengräber an 200 Orten auf dem Gebiet des
ehemaligen Jugoslawien zu, sie ist Opsahl zufolge
jedoch nicht in der Lage, allen nachzugehen. Die
Kommission wird nur die Gräber untersuchen lassen,
bei denen der Anschein erweckt wird, daß Menschen
"unter Verletzung der Menschenrechte umgebracht
und begraben wurden".

Die UN-Kriegsverbrecherkommission wurde im letzten August vom Sicherheitsrat ins Leben gerufen, um

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�EINWANDERUNG
8. September 1993

AMERIKANISCHE KÜSTENWACHE FOLGT CLINTONS
AUFRUF ZUR BEENDIGUNG DES
MENSCHENSCHMUGGELS
Weltweites Abfangnetz

Nation - mehr als 80.200 nicht im Besitz der erforderlichen Einwanderungspapiere befindliche Personen
abgefangen, die Mehrheit - über 65.900 - waren Haitianer. Ein dramatischer Anstieg war bei der Zahl der
Einwanderungswilligen aus den Pazifikrandstaaten zu
verzeichnen. 1990 fing die Küstenwache 20 chinesische Migranten ab; 1992 waren es 613 und in diesem
Konteradmiral Richard Appelbaum, der die Bemühun- Jahr bisher schon 2.500.
gen der Küstenwache zum Abfangen illegaler Einwanderer aus der Volksrepublik China und anderen Natio- Appelbaum, Chef des Büros für Strafverfolgung und
nen leitet, erklärte, die Initiative Präsident Clintons Verteidigungsoperationen der Küstenwache erklärte,
stelle für die Küstenwache eine Aufgabe "von hoher das Mandat seiner Behörde für den Kampf gegen den
Priorität"dar - "im Hinblick auf unseren Etat, im Hinblick Schmuggel mit illegalen Einwanderern gehe weit über
auf unsere Ausbildung, im Hinblick auf unsere Zusam- die amerikanischen Hoheitsgewässer hinaus. "Wir
unterhalten eine signifikante Präsenz in der Karibik, im
menarbeit mit anderen Behörden".
Westpazifik, dem Beringmeer, dem Golf von Alaska
Operationen im Kampf gegen illegalen Menschen- und anderen Orten, an denen unsere Ressourcen in
schmuggel machen "zur Zeit den Löwenanteil unserer einer Vielzahl von Aktivitäten eingesetzt werden", äußerte
Aktivitäten" aus, äußerte er kürzlich in einem Interview er.
mit dem US-Informationsamt.
"Außerdem", fügte er hinzu ."haben wir nicht nur SchifDie im Juni vom Präsidenten angenommene neue fe, Boote, Flugzeuge und Hubschrauber der US-KüInitiative zur Koordinierung der Bemühungen von zwölf stenwache, sondern können bei Bedarf auch über die
Regierungsstellen und -behörden, den Schmuggel mit Mittel anderer staatlicher Behörden verfügen, und wir
illegalen Einwanderern durch organisierte Verbrecher- genießen die Unterstützung des nationalen Nachrichsyndikate zu unterbinden, umfaßt Maßnahmenfürden tendienstes".
verstärkten Einsatz der Strafverfolgungsbehörden sowie
Zum Abfangen illegaler Einwanderer wurde die Küzum Abfangen und Umleiten der Schmuggelschiffe.
stenwache durch eine Erklärung des Präsidenten aus
Im Juli bat der Präsident den Kongreß zusätzlich um dem Jahr 1981 ermächtigt, "die den Zugang von
neue Gesetze für den Kampf gegen Menschenschmug- Personen ohne gültige Einreisepapiere in die Vereiniggel und kündigte einen umfassenden Plan zur Verhin- ten Staaten auf dem Seeweg ausschließt", sowie
derung illegaler Einwanderung in die Vereinigten Staa- durch eine Durchführungsverordnung des Präsidenten an, einschließlich verstärkter Grenzkontrollen, ten von 1992, "diedie Küstenwache anweist, auf hoher
verbesserter Einreisegenehmigungsverfahren, be- See abgefangene Personen, die nicht mit den nötigen
schleunigter Vernehmung von Asylsuchenden sowie Papieren versehen sind, direkt in ihr Herkunftsland
der Bekämpfung der Schleppertätigkeit von Grund auf. oder ein anderes Land zurückzuschicken". Die Durchführungsverordnung, so Appelbaum "beauftragte die
Seit 1981 hat die amerikanische Küstenwache - die Küstenwache auch mit der Inkraftsetzung des Verbots
wichtigste seegestützte Strafverfolgungsbehörde der der Einwanderung auf dem Seeweg von Personen

WASHINGTON - (AD) - Als Reaktion auf Präsident
Clintons Aufruf zur Unterbindung des Schmuggels mit
illegalen Einwanderern hat die amerikanische Küstenwache zusammen mit anderen Regierungsstellen eine
Großoffensive zur Beendigung dieser kriminellen
Machenschaften begonnen.

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Seite 1

�ohne die notwendigen Papiere durch das Abfangen
'bestimmter' Schiffe, die solche Personen befördern".
Diese umfassen Schiffe, die unter keiner Flagge segeln, in den Vereinigten Staaten registrierte Schiffe
und diejenigen Schiffe, die bei Nationen registriert
sind, mit denen die Vereinigten Staaten "besondere
Vereinbarungen über solche Maßnahmen" getroffen
haben.
Verdächtige Schiffe werden von der Küstenwache im
Einklang mit dem Völkerrecht auf ihre Registrierung
und die Natur ihrer Reise hin untersucht. Wenn
festgestellt wird, daß ein Schiff sich am Schmuggel mit
illegalen Einwanderern beteiligt, arbeitet die Küstenwache mit anderen betroffenen Behörden zusammen,
damit die US-Regierung über die weitere Verfahrensweise entscheiden kann. Die Vereinigten Staaten
erhalten von dem Staat, unter dessen Flagge das
Schiff segelt, die rechtliche Zuständigkeit über das
Schiff und konsultieren andere Regierungen, um nähere
Informationen über die Auswanderer und das Schiff zu
erharten.
In einigen Fällen eskortiert die Küstenwache das Schiff
und die an Bord befindlichen Einwanderungswilligen
zurück in das Herkunftsland des Schiffs. In anderen
Fällen kann die Küstenwache das Schiff und seine
Passagiere in ein kooperierendes Drittland befördern,
das dann angemessene Maßnahmen ergreift. Der
Kapitän und die Besatzung von Schmuggelschiffen
können strafrechtlich verfolgt werden.
Appelbaum betonte, daß neuerdings das größte Risiko potentieller illegaler Einwanderung in die Vereinigten Staaten die Pazifikrandstaaten seien.
Schiffe, die nicht im Besitz von Einwanderungspapieren befindliche, aus China kommende Personen befördern, können verschiedene Routen nehmen, erklärte
er. "Viele durchqueren auf direktem Weg den Pazifischen Ozean und kommen entweder in Hawaii oder an
der Westküste der Vereinigten Staaten an; andere
durchqueren den Pazifischen Ozean mit dem Ziel
Mittel- und Südamerika, von wo aus die illegalen
Einwanderer die lange Landreise in die Vereinigten
Staaten antreten; wieder andere durchqueren den
Indischen Ozean, umschiffen Südafrika und kommen
über den Atlantik entweder in karibischen oder amerikanischen Häfen an."
Aber ungeachtet der gewählten Route sind Schmuggeloperationen nicht erfolgreich, warnte Appelbaum.
"Die Schmuggler sollten wissen, daß wir einen großen
Teil unserer Zeit, Energie und Ressourcen einsetzen
um sicherzustellen, daß diese Schmuggelschiffe weit
von der Küste entfernt abgefangen werden und die
Operationen scheitern", erklärte er. "Wir haben auch
zweifelsohne ein Interesse daran, daß die Urheber
dieser Schmuggelaktionen für ihre kriminellen Machenschaften ordnungsgemäß bestraft werden."

Seite 2

Die Küstenwache ist auch besorgt um die Sicherheit
der Schmuggelopfer - "der Ausländer, der nicht im
Besitz gültiger Papiere befindlichen Auswanderer, die
zum Opfer der Schmuggler werden", so Appelbaum.
"Es geht hier nicht nur darum, ihnen die illegale Einwanderung in die Vereinigten Staaten zu verwehren,
sondern auch um ihre Sicherheit auf See."
Die Schiffe mit chinesischen Auswanderern an Bord
befinden sich "in einer solch schlechten Verfassung
und sind für derartige Reisen so schlecht geeignet und
ausgerüstet, daß sie offenkundig nicht sicher sind",
stellte erfest. "Es handelt sich hierum eine ganz große
Dummheit. Das Unternehmen ist so gefährlich, daß
niemand wissentlich ein solches Risiko eingehen sollte."
Seine Warnung bezüglich der Sicherheit auf hoher
See wurde auch von Kapitän James Carmichael, dem
Chef der Strafverfolgungsbehörde der US-Küstenwache wiederholt. Die am Schmuggel mit illegalen Einwanderern Beteiligten "müssen wissen, daß sie auf
außerordentlich unsicheren Schiffen befördert werden, die nicht einmal minimalen Sicherheitsanforderungen genügen, und um so wenigerden in internationalen Konventionen festgelegten und auf der ganzen
Welt als im Interesse der Sicherheit auf See anerkannten Normen", so Carmichael.
"Wir haben in jedem Fall gesehen", stellte Carmichael
fest, "daß Besatzung und Passagiere unter gesundheitsschädlichen Umständen leben und während langer und anstrengender Ozeanüberquerungen in schrecklichen Bedingungen hausen mußten, während sie
gleichzeitig der potentiellen Gefahr von lebensbedrohlichen Stürmen auf dem Ozean entgegensahen."
"Die kriminellen Schmugglerorganisationen scheinen
keinen Gedanken an die Sicherheit dieser Menschen
zu verschwenden. Ihre Ankunft in der Nähe der
amerikanischen Küsten ist unserer Einschätzung nach
eher auf Glück als auf Planung zurückzuführen. Und
wenn sie das Glück haben, in Küstennähe zu gelangen, werden sie abgefangen und in angemessener
Weise wieder nach China zurückgebracht."
Korvettenkapitän Douglas Eames, ebenfalls Mitarbeiter der Abteilung für Strafverfolgung, erklärte, die zur
Beförderung einer großen Zahl von chinesischen Einwanderungswilligen verwendeten Schiffe seien lediglich für die Beförderung kleiner Frachten, beispielsweise gefrorenen Fisch, oder die Unterbringung einer
kleinen Besatzung, im allgemeinen von nicht mehr als
20 Mitgliedern, geeignet.
"Wir fanden heraus, daß die Mehrheit der illegalen
Einwanderer im Frachtraum dieser Schiffe auf provisorischen Lagern untergebracht ist", erklärte Eames.
"Oft ist nicht einmal genug Platz vorhanden, damit sie
sich alle gleichzeitig hinlegen können, weshalb sie in
Schichten schlafen. Die Bedingungen sind wirklich
erbärmlich."
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�Kapitän Carmichael zufolge werden die Chinesen von
Verbrecherorganisationen betrogen, die oft 30.000
Dollar pro Passagier verlangen. "Man verspricht ihnen

eine Menge und sie bekommen sehr wenig", stellte er
abschließend fest.

* * * *

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�MUSIK
8. September 1993

BLUEGRASS-MUSIC
von Bruce Watson
Mit ihren Wurzeln in britischen Balladen und den das harte Leben in den Appalachen wiedergebenden Klängen
der Fiedel ist die Bluegrass-music in den Vereinigten Staaten und weltweit populärer als je zuvor. In dem
nachfolgenden Artikel beschreibt der Autor die Ereignisse rund um das wichtigste Bluegrass-Festival des Jahres
und die herausragenden Künstler dieser Musiksparte.
Der Verfasser ist freiberuflicher Mitarbeiter der Zeitschrift Smithonian. Veröffentlichung und Übersetzung mit
freundlicher Genehmigung des Smithonian. Copyright (c) 1993 Bruce Watson.

Früher wurden Mais, Kartoffeln, Hafer und Gras auf
der Kitchen Farm in Summersville (West Virginia)
angebaut. Heute pflanzen Edgar und Eunice Kitchen
jedoch eine besondere, in Kentucky heimische Sorte
von Gras an.

wagen-Stadt. Dann, spät am Abend, gegen Sonnenuntergang, öffnen die Gäste zerbeulte Kästen, nehmen die Gitarren und Banjos heraus, und das Spiel
beginnt.

In den Heuschobern unter den Ahornbäumen hinter
der Bühne erweckt ein kleiner Kreis von Fremden eine
Melodie zu neuem Leben, die so alt ist wie die Berge.
Ein klapperdürrer Mandolinenspieler mit gestreiftem
Hemd und Cowboyhut stimmt die schwungvolle Melodie an und gibt sie an einen stämmigen Mann mit
Baseballkappe weiter, der ein Banjo umgehängt hat.
Das Banjo erklingt unter seinen wurstigen Fingern, die
auf dem Hals des Instruments ihr Spiel vollführen und
den Ton an den Fiedler weitergeben, dessen fuchtelnder Geigenbogen ein Teil seines Armes zu sein scheint.
In vierstimmiger Harmonie (und kleinen Dissonanzen)
singt die Band Lieder der Berge - "Sunny Side of the
Mountain" und "Mountain Dew". Als sie ihre InstruSie kommen aus allen amerikanischen Bu ndesstaaten mente auspackten, waren sie Fremde. Aber nach ein
und aus Kanada, Japan, Norwegen, Deutschland und paar Liedern wissen sie, wo sie stehen und wofür sie
Australien - und die Fahrzeugkolonne wälzt sich durch stehen. Sie glauben an das Bluegrass-Gospel.
die Berge mit Minibussen, Wohnwagen und Wohnmobilen, die größer als manche Häuser in diesen Bergen Ob in Tanglewood (Massachusetts), Marlboro (Versind. Stoßstange an Stoßstange mit anderen Wohn- mont) oder Monterey (Kalifornien) - die meisten Musikwagen geparkt, werden Zelte errichtet und mit Later- Festivals sind autokratisch. Die Künstler geben ihre
nen in leuchtenden Farben geschmückt. Auf proviso- Darbietung auf der Bühne, das Publikum hört zu,
rischen Vorplätzen werden Klappmöbel aufgestellt, applaudiert und geht nach Hause. Ein BluegrassFußmatten zur Begrüßung ausgelegt und Holzplaket- Festival jedoch ist Demokratie in der Note G. Hier, bei
ten angebracht, in die der Familienname und die Edgar und Eunice Kitchens "Music in the Mountains"
Heimatstadt eingraviert sind.
und bei praktisch jedem der weltweit stattfindenden
500 Bluegrass-Festivals pro Jahr nehmen die Fans
Bis Mittwoch, dem Tag vor dem Beginn dieses verita- selbst die Musik in die Hand und machen die gesamte
blen "Bluegrass-Woodstock", ist das Campinggelände Weh zur Bühne.
der Kitchens eine auf den Wiesen angesiedelte Wohn-

Welche Route man auch nimmt - der Weg zur Kitchen
Farm ist lang und einsam. Im Herzen der Appalachen
gelegen, ist Summersville mit seinen 2.906 Einwohnern eine Tagesreise von der nächsten Großstadt
entfernt. Die tiefen, weitläufigen Täler, die einem
Werbespot West Virginias zufolge "himmelsgleich"
sind, weichen hier sanften Hügeln, Seen und verträumten Städtchen mit überdachten Eingangsportalen und onkelhaften Namen wie Carl und Calvin. Egal,
wohin man fährt - durch Summersville kommt man nie
- aber Ende Juni, einige Tage vor der jährlichen Bluegrass-Ernte der Kitchens meldet sich Besuch an.

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�Einige sagen, Bluegrass sei eine Religion. Andere
bezeichnen es als Krankheit. Wie das Banjo, dessen
durchdringender Klang verstopfte Gehörgänge freimacht und widerspenstige Tapetenreste löst, ist die
Musik der Berge Geschmacksache. Seit seiner Geburtsstunde Ende der dreißiger Jahre wurde Bluegrass als "Hillbilly-music" abgetan und in eine kleine
Ecke der Country-Musikszene verbannt. Aber Bluegrass-Festivals ziehen Herden von Fans an, die tagelang fahren, sich auf Banjo, Fiedel, Mandoline und
Dobro (eine akustische Gitarre, deren Decke aus
Metall besteht) stürzen, sich dann in alle Winde zerstreuen und schwören, beim Treffen am nächsten
Wochenende in einem anderen dunklen Tal einige
Hundert Meilen weiter dabeizusein.
Religion oder Krankheit? Als einer der Getreuen gebe
ich ersteremden Vorzug. Näher an Einkaufspassagen
als Bergen aufgewachsen, bin ich weder Hill- noch
City-Billy. Ich kann nicht behaupten, daß mir Bluegrass im Blut liegt. Aber im Juni 1992 ging ich nach
Summersville, um meine regelmäßige Transfusion zu
bekommen und herauszufinden, ob ein Vorort-Billy
sein Banjo mitten im Herzen des Bluegrass-Landes
virtuos spielen könnte. Wenn der Mut anhielt, würde
ich in das "Foggy Mountain Breakdown" der um den
alten Wohnwagen Versammelten einstimmen und in
die anderen fünf Lieder, die ich kenne. Aber selbst
wenn meine flinken Finger mich im Stich ließen, hätte
ich einen seltenen Musiker gesehen.
Mit 81 ist Bill Monroe noch gesund und munter - und
spielt noch immer. Es war Monroe, der unumstrittene
Vater der Bluegrass-music, der die Kirchen- und Folkmusik seines Heimatstaates Kentucky um die "Schnellfeuer"-Mandoline und hohen Singstimmen bereicherte
und sein Markenzeichen, diesen "hohen, einsamen
Klang" schuf. Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte
er den glänzenden Banjo-Spieler Earl Scruggs und
den Meister gedehnter Töne, Lester Flatt, die später
ihre eigene Gruppe gründeten. Bis 1950 war Monroes
zu Ehren von Kentucky "Blue Grass Boys" genannte
Band zum Versuchsgelände aufstrebender Spieler
avanciert. (Mit der Zeit wurde die Musik nach dem
Namen der Band benannt). Am Samstagabend, 60
Jahre nach seinem ersten Bühnenauftritt, würde Monroe
in Summersville spielen.

Mitternacht kann man die Musik auf dem gesamten
Campinggelände hören.
Bis Donnerstagnachmittag haben sechs umfunktionierte Greyhound- Busse mit den Namen der Bands
entlang der Bühne in Summersville geparkt. Mehr als
jede andere Musikform ist Bluegrass eine Road-Show.
Country-music-Star Hank Williams Jr. verspottet den
"Hillbilly-Bus" und singt ausgelassen darüber, wie man
von Show zu Show hetzt - aber Bluegrass-Musiker
sind stolz auf ihre vielen Reisen. An aufeinanderfolgenden Wochenenden Mitte 1992 spielten die Bass
Mountain Boys bei Festivals in Indiana, Georgia, Oklahoma, Maryland, North Carolina, Pennsylvania und
Kentucky. Der Bus und die Straße sind ebenso
symbolisch für die Musik wie das Banjo.
Wie ihren Herden folgende Nomaden jagen und sammeln die Bluegrass-Fans die Musik der Berge. Auf
dem Campinggelände von Summersville parkten
Wohnwagen aus 25 Staaten von Florida bis Alaska.
Wenn Festival-Fans alte Freunde zu sein scheinen,
dann weil sie Bluegrass-Kumpel geworden sind. "Wir
kennen zwei- oder dreihundert Leute hier nur von den
Festivals", erklärt Howard Van Meter, ein pensionierter
Postbote aus Kentucky, der auf der Suche nach ein
paar guten Klängen Tausende Meilen pro Jahr zurücklegt. "Hierherzukommen ist wie ein Treffen."
Bei jeder sich zum Bluegrass-Festival versammelnden
Menschenmenge gibt es welche, die aussehen, als
seien sie der Folklore entsprungen. In der ersten
Reihe in Summersville saß mit sportlich-schulterlangem weißem Haar, buschigem Bart und Zylinderhut
der Großvater der Bluegrass-Nomaden, "Hobo Bob".
Der pensionierte Computertechniker Bob Larkin spielt
kein Instrument, singt noch nicht einmal mit. Aber
Summersville ist eines der 40 Festivals, an denen er
jährlich in seinem Wohnwagen hausend teilnimmt.

Festivals finden das ganze Jahr über statt, die große
Welle der Bluegrass-Völkerwanderung ergießt sich
jedoch von Mai bis Oktober. Man kann seine Uhr nach
dem Festival-Terminplan stellen. Anfang Mai muß es
das jährliche Festival in Sigourney (Iowa) sein. Am
Memorial Day Ende Mai spielt die Musik in Beaver
(Pennsylvania), Glen Rose (Texas) und im Yosemite
National Park in Kalifornien. Im Juni spielen sie in
Nicht eine bloße Reihe von Konzerten, ist ein BlueDahbnega (Georgia), landaufwärts in Manitowish Waters
grass-Festival totales Eintauchen in Kultur und Kame- (Wisconsin), im Westen in Grass Valley (Kalifornien)
raderie. Die Menschen kommen wegen der Musik, und im Mekka des Genres, Bill Monroes Geburtsort
aber sie bleiben wegen der Gesellschaft. Wie TouriRosine in Kentucky, auf. Kommt der Juli, blühen die
sten in einem Nationalpark reisen die Fans an und Festivals wie Orangen. Im November, wenn die Musik
beschlagnahmen ein Stück Boden. Sie sondieren die in Säle verlagert wird, haben in 45 Bundesstaaten
Szenerie und eilen dann "nach Hause", um zu kochen, Bluegrass-Festivals stattgefunden. Wer nichts dageein Schläfchen zu machen oder mit den Nachbarn zu gen hat, der Musik der Berge auf den Wellen zu
schwätzen. Sie vergleichen Instrumente, tauschen lauschen, für den gibt es jährlich eine "BluegrassTonbänder aus und ergehen sich daran, mit Leuten Kreuzfahrt", bei der jeden Februar mehrere Bands an
zusammenzutreffen, die ihre Augen nur auf ein Banjo Bord eines Kreuzfahrtschiffes auf die Bahamas fahrichten, wenn sie eines spielen. Von 9 Uhr morgens bis ren.

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�Wie andere Religionen hat Bluegrass zwei Sekten - die
Orthodoxen und die Reformer. Seit Anfang der siebziger Jahre haben die Innovatoren Bob Dylan, die
Beatles, originalen Jazz, Soul, Motown, sogar Beethovens Fünfte auf Banjos und ähnlichem gespielt. Als
"Newgrass" oder "progressiv" bezeichnet, zieht diese
Mischung die Jüngeren zu Stadt- und College-Festivals. Aber in Summersville bleiben die Fans der Musik
treu, mit der sie aufgewachsen sind. Und die Musiker,
die das Genre in den fünfziger Jahren verbreiteten - die
Osborne Brothers, die Stanley Brothers und die Clinch
Mountain Boys, Jim &amp; Jesse und die Virginia Boys
sowie andere - machen immer noch die FestivalRunde. Dank des guten Geschäftssinnes zweier
pensionierter Lehrer kommen sie jetzt alle Ende Juni
nach Summersville.
Auf dem hügeligen Gelände der Farm, auf der sie
geboren wurde, haben Eunice Kitchen und ihr Mann
Edgar das Summersville-Music-Campinggelände errichtet. Vor ihrem Ruhestand war Eunice Lehrerin, die
mit dem Unterricht in einem einzigen Klassenzimmer
begann, Edgar in der Verwaltung tätig und Gelegenheitsfiedler. Vor zwölf Jahren entschieden sie, daß es
Spaß machen würde, Bluegrass auf ihrer Farm zu
hören.
"Wir dachten, wir verteilen einfach ein paar Flugblätter
und an die 10.000 Leute kommen hierher", erinnert
sich Edgar. "Wir gaben 1.000 Dollar für ein Zelt aus.
Ich baute die Bühne, und wir brachten 1.200 Dollar für
die Tonanlage auf. Das lange Wochenende am Labor
Day kam, und zum Festival erschienen 98 Erwachsene, ein Junge und ein Hund."
Die Kitchens lernten jedoch schnell, Bluegrass zu
kultivieren. Wenn das Telefon an einem FestivalWochenende klingelt, ist es häufig ein um Rat bittender
Veranstalter. Das Ehepaar rät ihm, engagiert die
besten Bands, die Ihr Euch leisten könnt. Macht viel
Reklame. Und haltet es sauber. Aufgrund von Alkohol
und Drogen wurden einige Festivals abgebrochen,
und die Kitchens tolerieren keine Fans, die lieber high
als einsam wären. "Es dauert lange, einen Ruf aufzubauen", stellt Edgar fest, "aber man kann ihn in einer
Sekunde verlieren."
Ohne Drogen und Alkohol ist das Summersville-Festival zu einem der größten Treffen von Anhängern der
Bluegrass-music in den ländlichen Gebieten der Vereinigten Staaten geworden.
Seit den siebziger Jahren ist Bluegrass ein musikalischer Exportartikel der Amerikaner. Da in England,
Estland, der Slowakei, Schweden, Schottland, Kanada, Mexiko, Deutschland und Japan jährliche Festivals
abgehalten werden, müssen die Fans nicht extra nach
Summersville kommen. Manchmal tun sie es dennoch. Hajime Onuma auf Osaka nahm sich extra frei,
um nach Summersville reisen und seine Idole - Monroe
und die Country Gentlemen - sehen zu können. Obwohl

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er nur wenig Englisch spricht, singt Onuma, der in einer
der vielen japanischen Bluegrass-Bands Kontrabaß
spielt, Klassiker wie "Salty Dog Blues". Harald Hougaard kam den langen Weg von Oslo, wo er Bluegrassmusic aufnimmt und in Kaffeehäusern spielt. Der Text
mag im Norwegischen zwar etwas verlieren, aber der
Klang des Banjos in Hougaars "C-Moll-Breakdown" ist
unverkennbar.
Bluegrass verbindet das Bittere und das Süße aus den
verschiedensten Quellen. Ich lauschte, als die Musik
zwischen zwei Wohnwagen erklang. Ein kräftiger,
wortkarger Mann, der einen Geigenkasten aus irgendeinem ominösen Grund bei sich tragen könnte, spielte
mit seinen Pranken auf diesem zierlichen Instrument.
Ein spindeldürrer Zeitgenosse, der einem Bild von
Norman Rockwell entsprungen zu sein schien, zupfte
die Seiten seines Banjo. An der Gitarre war ein
Jugendlicher mit Bürstenschnitt, der gerade auf Heimaturlaub von der Armee zu sein schien. Mit einem
Mandolinenspieler, der wie jedermanns Lieblingsonkel
aussah, benötigte diese Band keine Hilfe meinerseits.
Als sie jedoch die Mörderballade "Long Black Veil"
sangen, schlenderte eine wettergegerbte Frau mittleren Alters mit einem Kontrabaß herbei. Sie setzte das
Instrument ab und fing an, es zu bearbeiten. Der
Fiedler forderte mich mit einer Geste auf, mitzumachen. Ich hätte sie wahrscheinlich nur blamiert. Ich
spielte nicht, sondern beschränkte mich darauf, lächelnd zuzuhören. "She walks these hüls in a long
black veil/Visits my grave while the night winds wail/
Nobody knows, nobody sees, nobody cares but me."
Das Spiel ging noch bis nach Mitternacht weiter.
Am Freitag morgen, als die bekannteren Bands auf die
Bühne kamen, baute die Bluegrass-Demokratie Schranken ab. Rock-Musiker reisen mit ihren Leibwächtern.
Klassische Musiker halten würdevolle Distanz. In
Summersville trennten jedoch nur die Mikrophonkabel
und der Transporter für die Verstärkeranlage das
Publikum von den Kulissen. Um einen legendären
Bluegrass-Musiker zu treffen, ging man nur um den ÜWagen herum und wartete auf die nächste Pause.
Unter den Bäumen tauschten die Musiker Geschichten aus, gaben Autogramme und begrüßten einander
freundschaftlich, nachdem sie sich einige Monate nicht
gesehen hatten.
Die Kameradschaft des Bluegrass geht noch auf die
Zeiten zurück, als die Musiker im dunklen Zeitalter vor
der Erfindung des Femsehens in klapperigen Radios in
die Wohnzimmer kamen.
Heutzutage muß man jedoch im Radio genau zur
richtigen Zeit den richtigen Sender einstellen, um
Bluegrass-music hören zu können. Aus Angst, daß es
einen Beigeschmack von Heuballen und Schweinezucht haben könnte, vermeiden viele lokale Radiosender Bluegrass wie einen Mißton, womit sie einer anhaltenden Fehde neue Nahrung geben. Präsidenten
zitieren Texte der Country-music. Nashville durch-

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�dringt diese Hohlräume mit seinem eigenen Kabelnetz, aber Bluegrass bleibt mit Ausnahme seiner Stars
für alle ein Heimgewerbe. Für Hunderte aufstrebender
Bands ist der beste geschäftliche Ratschlag der Titel
eines Bluegrass-Albums "Don't Quit Your Day Job" Gib' Deine reguläre Arbeit nicht auf!

transport, Bergstraßen und Familien, die miteinander
spielten.

Wenn also die Bluegrass-Musiker von Tradition sprechen, dann tun sie das als wahre Gläubige. Trotz der
Innovationen bleiben die Grundzüge der Musik bestehen: Ein schnelles Tempo aber keine Ausschmückungen, kräftige Mandolinenklänge anstelle von Schlaginstrumenten, stimmliche Harmonie durch tiefe Baßund nasale Soprantöne sowie Instrumentalsolos in
jeder Tonlage. In den Texten kommen Züge und
Lastwagen, Bergwerke und Mühlen, Zusammenbruch
und Zerfall vor. Ebenso wie die Tröstungen, die das
Evangelium spendet.

Da Bluegrass ein relativ junges Genre ist, hatten die
Kitchens keine Schwierigkeit, nahezu jeden Gründervater des Bluegrass für ihr Festival zu gewinnen. Am
Freitag abend erschienen die Legenden. Der sauertöpfische Fiedler Kenny Baker, der in seinen Jahren
mit Monroe die Inkarnation des Bluegrass-Fiedlers
war, spielte mit "Onkel Josh" Graves, dem Pionier der
Bluegrass-Dobro mit Flatt &amp; Scruggs. Später kam
"Chubby" Wise. Dann war da noch Ralph Stanley, der
ein Gospel a Cappella sang, und dessen kratziger
Tenor wie altes Eichenholz klang, das gegen die
Faserung geschmirgelt wird. Und schließlich kam der
Samstag nachmittag.

Angesichts des Gewichts der Tradition ist auf einigen
Festivals ein anderes Ritual bereits bekannt. Am
Freitag abend beschlich mich - nachdem 20 Bands
aufgetreten waren - das Gefühl, daß ich diesen Song
Bluegrass und Country-music haben gemeinsame und diese Band bereits gehört hatte. Während die
Wurzeln - englische Balladen und vom harten Leben in Kitchens mit den anderen Fans ein Hühnchen zum
den Appalachen erzählende Fiedelklänge. Monroe Abendessen verspeisten, verließ ich den Bühnenbewurde vom Blues und insbesondere dem schwarzen reich und suchte mein Banjo für ein "kleines Duell".
Gitarristen und Fiedler Arnold Schultz beeinflußt. Als
Monroe seine Musik komponierte, wurde sie für der Hinter der Bühne stieß ich auf eine kleine Gruppe und
hängte mein Instrument um. Beim Bluegrass ist
Country-music von Roy Acuff oder Minnie Pearl ähnliche Musik gehalten. Aber die musikalischen Wasser Urning äußerst wichtig. Wenn man nur sechs Songs
wurden von dem "King" höchstpersönlich geteilt. Elvis spielen kann, muß man solange warten, bis jemand
Presleys erste Schallplatte enthielt eine Rock-Version einen davon erwähnt. "Das hört sich ja ganz nach
von Monroes "Blue Moon of Kentucky". Als Elvis und 'Foggy Mountain Breakdown' an." Das war mein
der Rock jedoch die Country-music auf den Charts Stichwort. Ich stürzte mich auf das Lied und spielte wie
ersetzten, mußten sich die Country-Musiker entschei- wild, ohne auch nur einmal aufzuschauen um zu
den, ob sie Elektronik einbauen oder sich eine andere sehen, ob die Anwesenden - wie die meisten BlueArbeit suchen wollten. Einige tauschten ihre Gitarren grass-Fans - genug von der Klassik hatten. Ein Fiedler
stimmte mit ein - mehr aus Mitleid als wegen der
gegen E-GKarren und fügten ihnen dann Blasinstrumente, Klaviere und das Tempo der Rockmusik hinzu, Harmonie. Beim zweiten Song gab jedoch mein Banjo
um den Nashville-Sound zu kreieren. Andere wieder- auf - das hatte etwas mit fehlerhaftem Stimmen zu tun.
um vertieften ihre Country-music-Wurzeln, nannten Stockend gelang es mir noch, den Song zu beenden.
ihre Musik "Bluegrass" und nagten am Hungertuch. In Bluegrass-Musiker sind in der Regel Amateuren geden späten fünfziger Jahren verbrachte sogar Monroe genüber höflich. Der Fiedler bot mir an, einen weiteren
mehr Zeit auf seiner Farm, weil er seinen Terminkalen- Song zu spielen. Aber wie klein die Bühne auch sein
mag, ein Vorort-Billy sollte wissen, wann er sie unaufder nicht füllen konnte.
fällig verlassen sollte. Ich spielte scheu einen Backup
Erst der Boom der Folk-music Anfang der sechziger für ein paar andere Songs und machte mich davon.
Jahre führte zu einer Wiederbelebung des Genre. Flatt
&amp; Scruggs, die auf der Folk-Welle schwammen und im Als ich mein Banjo einpackte, hörte ich eine Woge von
Femsehen auftraten, spielten auf dem Newport Folk Applaus aus dem Publikum. Vielleicht für eine neue
Festival und anschließend in der Carnegie Hall. Das Band. Da man aber weiß, wie schnell sich Nachrichten
erste 1965 abgehaltene Bluegrass-Festival stellte die auf einem Festival verbreiten, hätte die Ovation auch
Weichen für größere und längere Treffen und Konzer- meiner Entscheidung gelten können, mein Banjo tief
te auf dem Campus der Colleges in den siebziger im Kofferraum meines Autos zu lassen. Egal. Jetzt
Jahren. Bluegrass war sowohl Musik als auch Ware kann ich sagen, ich hätte in Summersville Ovationen
bekommen.
geworden.

Wenn sich eine Band zu stark von ihren Wurzeln
entfernt, scheinen die engen Viertel eines Festivals
plötzlich offen für die sich wandelnde Welt von außerhalb. Wenn eine Band sich jedoch an den Grundlagen
orientiert, bleibt der Kreis geschlossen. Ein paar Verse
lang wird oin gefährdetes Leben rekonstruiert - Güter-

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Stellen Sie sich vor, Sie nähmen an einem Musikfestival teil, auf dem hauptsächlich Mozart gespielt wird,
und auf dem Mozart dann persönlich auftaucht. Stellen Sie sich vor, Sie wären auf einem Bluesfestival, an
dem W.C. Handy teilnimmt. Am Samstag um ein Uhr

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�Mittags, nachdem eine schick gekleidete Band mit
dem vielversprechenden Namen The Blue Grass
Boys" auf die Bühne gekommen war, gesellte sich der
Vater des Bluegrass zu ihnen.

die 21jährige Alison Krauss, die in Summersville mit
Ausnahme "des Vaters" selbst mehr Beifall als jeder
andere bekam. Und die Innovatoren bringen die Musik
auf einen neuen Kurs.

Seine Stimme war nicht so hoch wie in den dreißiger
Jahren, als er diese Stücke in Kirchen und Schulen
spielte. Aber Monroes Mandoline hüpfte durch den
Instrumentalteil und schwebte über seinem Song über
den Onkel, der ihn inspirierte: "Late in the evenin'
about sundown/High on a hill up above the town/Uncle
Pen played the fiddle, you coukJ hear it ring/You could
hear it talk, you could hear it sing."

Das International Bluegrass Music Museum in Owensboro (Kentucky), in der Nähe von Bill Monroes Geburtsort gelegen, bewahrt das Erbe. Es besteht jedoch
die Sorge, daß der Bluegrass seinen Halt verlieren
wird, wenn seine Gründerväter sterben. "Wenn erst
einmal Typen wie wir, Jim &amp; Jesse, Monroe und
Stanley nicht mehr sind, wird es im Bluegrass große
Veränderungen geben", so Bobby Osborne, Mandolinenspieler bei den Osborne Brothers. "Es wird wahrscheinlich immer noch Bluegrass sein, aber nicht so
traditionell, wie wir es halten wollten."

"Bluegrass-music stirbt nie!", rief Monroe in den Applaus hinein. Hinter der Bühne belehrte er seinen
ehrfürchtigen Vorstadt-Billy über die dauerhafte Qualität der Musik. "Nun, mir scheint, sie wird sich lange
halten", erklärte er zu seiner Kreation. "Sie hat ein
bestimmtes Feeling, das Feeling der methodistischen
und baptistischen Wurzein. Die Menschen wissen,
daß Bluegrass sie erfreuen soll. Es hat mehr Menschen zusammengebracht als jede andere Musik der
Welt. Und an dieser Stelle möchte ich alle meine Fans
grüßen."
Je mehr man sich mit der Bluegrass-music befaßt,
desto mehr scheint sie auf Glauben und guten Taten
zu gründen. Gute Taten waren allgegenwärtig - so
ernstgemeint wie die der Männer, die sich am Samstagabend um die Motorhaube eines bockenden alten
Lieferwagens scharten, um ihn wieder in Gang zu
bringen, so herzlich wie die der Fremden, die mir einen
Teller hausgemachter Suppe anbot, als ich an ihrem
Wohnwagen vorbeikam. Hobo Bob erklärte: "Wenn
Du zu einem Bluegrass-Festival kommst, gibt es niemanden, den Du nicht kennst." Und der Glaube wurde
am Sonntagmorgen beim Spielen der Gospels vermittelt.
Bluegrass-Fans sprechen von einem "goldenen Zeitalter" und meinen damit die frühen fünfziger Jahre, als
Monroe, Flatt &amp; Scruggs und die Stanley Brothers auf
den Hügeln und im Äther spielten. Dies könnte jedoch
ein zweites goldenes Zeitalter sein. Nahezu alle
Pioniere des Bluegrass treten noch auf. Frauen stehen auf der Bühne - nicht länger als Verstärkung der
Baßstimmen im Hintergrund, sondern als Stars - wie

*

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*

Zur Zeit wird der Sound von Religion, Heim und Herd,
in Einklang mit dem Zupfen der Saiten und der Wahrheit, in Hochgeschwindigkeit gespielt an die nächste
Generation weitergegeben, und junge Musiker wie der
14jährige Ralph Stanley jr. spielen Gitarre in der Band
des Vaters.
Am Sonntag ging das Summersville-Festival nach
einem letzten Nachmittag voller Musik dem Ende zu.
"Seid Ihr nächsten Monat auf der Frontier Ranch?"
"Das hoffe ich doch." "Dann werden wir uns da wohl
sehen."
Und dann löste sich die Diaspora auf, als die Wohnwagen in die Welt hinausrumpelten, in der selten ein Wort
über Musik verloren wird. Die Fans streben nach
Hause. Bands gehen zu Festivals nach Carrollton
(Georgia), Martinsville (Indiana), Renfro Valley (Kentucky) ... Und ich machte mich auf, um ein paar
Banjostunden zu nehmen.
Begleitet von den rhythmischen Tönen aus den Kassettendecks raste ein Strom roter Rücklichter die aus
Summersville führenden Straßen entlang. Die Gläubigen wußten, daß sie sich wiedersehen. Sie würden
neben einem nebelverhangenen Berg ein Lager aufschlagen, ihre Instrumente auspacken und sich im
Namen des Bluegrass versammeln - das so hoch ist
wie eh und je, aber vielleicht nicht so einsam.

*

*

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Bonn-Bad

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Telex:

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Information
und
Dokumentation

0 8 - 8 54 3 2

2o

8. Oktober 1975

Inhalt

INFORMATION;

Sonderprogramm des Smithsonian I n s t i t u t s zur 200-Jahrfeier
US-Projekt "Unabhängigkeit" wird mit Nachdruck verfolgt
-Präsident Ford fordert Schaffung einer "Energie-Autarkiebehörde"

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Motorlauf - Elektronisch reguliert

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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300

T e I e x : 08 - 8 54 32

20/1975

SONDERPROGRAMM DES SMITHSONIAN INSTITUTS ZUR 200-JAHRFEIER

WASHINGTON --(AD)-- Unter der Bezeichnung "The American Experience" wird
das Smithsonian Institut in Washington anläßlich des zwei hundertjährigen Bestehens der Vereinigten Staaten von Amerika eine Reihe von Sonderausstellungen
veranstalten. So wird am 4. Juli 1976 ein neues Nationalmuseum für Luft-und
Raumfahrt eröffnet, das in 26 Hallen die gesamte Entwicklung auf dem genannten
Gebiet darstellt. Ein Nationalmuseum für Geschichte und Technologie soll die
Entstehung der USA aus vielen Nationalitäten aufzeigen, während ein Nationalmuseum für Naturgeschichte einen Oberblick über die Ökologie im Laufe von 200
Jahren geben soll.
Auch auf dem Gebiet der bildenden Kunst sind zahlreiche Sonderausstellungen vorgesehen. Ebenso wird vom 16. Juni 1976 bis 6. September 1976 ein reichhaltiges Programm amerikanischer Folklore geboten.
Besucher erhalten Auskünfte - auch in deutscher Sprache -, wenn sie
ihre Anfrage richten an:
Visitor Information renter
Smithsonian Institution
Washington, D.C. 20560
(Telefon (202) 381-6264)

XXX

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20/197 E;

US-PROJEKT "UNABHÄNGIGKEIT" V.'IRC KIT NACHDRUCK VERFOLGT
Einheimische Energie-Produktion schafft Millionen neuer Arbeitsplätze
Präsident Ford fordert Schaffung einer "Energie-Autarkiebehörde"

WASHINGTON - (AD) - Ir. einer Rede vor der
amerikanischen Gewerkschaft ö.er Baufacharbeiter anr ?.'•'. September 1976 ir. Scn Francisco
forderte US-Präsident Gerald Fcrd die Schaffung einer direkt dem US-Prä'sidenten unterstellten "Energie-Autarkiebehörde". Sie
soll über eir. Kapitalvolumen von insgesamt
ICC Milliarden Dollar verfügen und spezielle
Projekte der Erschließung und Entwicklung
auf den Energie-Sektor finanzieren, die dazu bei träger., die Vereinigten Staaten vom
Ausland unabhängig zu machen. Gleichzeitig
wird erwartet, daß die mit der Tätigkeit
dieser Behörde verbundenen Maßnahmen das
Wirtschaftswacr.stum anregen und Millionen
neuer Arbeitsplätze schaffen helfen. Im
Folgenden wird die Rede Präsident Fords auszugsweise wiedergegeben:

''Während Amerika das zweite Jahrhundert seiner Geschichte vollendet,
sehen wir uns einiger sehr ernsten Problemen gegenüber. Aber neneir.san werden
wir diese Probleme lesen. Wenn irgendeine Mafien oder eine Gruppe von fiaticnen
dieser Welt - jene eingeschlossen, die von der Natur mit reichen Ölvorkommen
gesegnet wurden - der Meinung sind, Amerika sei am Ende, Amerika könne sein Geschick und seine Finanzen nicht mehr selbst steuern, so werden diese umdenken
müssen.

�Sie und ich wissen, daß wir unsere Energie selbst produzieren können.
Sie und ich wissen, daß wir uns gegen willkürliche Preiserhöhungen durch
andere Nationen schützen können.
plätze schaffen können.

Sie und ich wissen, daß wir mehr Arbeits-

Sie und ich wissen, daß wir der unerträglichen Si-

tuation für Amerika ein Ende machen können, mehr als 25 Milliarden Dollar pro
Jahr für Importöl an das Ausland bezahlen zu müssen, während wir zu Hause
über ein eigenes reiches Energiepotential verfügen.

Mit dem Geld, das wir

in diesem Jahr für ausländisches öl ausgeben, könnten die Löhne für 1 Million amerikanischer Arbeiter bezahlt werden.
Wenn ich über Energie spreche, spreche ich von Arbeitsplätzen - Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten.

Im vergangenen Jahr wurden etwa drei

Viertel aller geplanten Kernkraftwerke und mehr als ein Viertel aller Kohlekraftwerke, die in den nächsten zehn Jahren gebaut werden sollten, vorläufig
gestoppt oder überhaupt gestrichen.

Die einheimische öl Produktion hier im

Herzen Amerikas ging seit 1973 um 11 Prozent zurück.

Die Erdgasproduktion

fiel derart krass ab, daß im kommenden Winter Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet sind.
Im vergangenen Jahr bezahlte jeder amerikanische Haushalt etwa 360 Dollar
für ausländisches öl, im Jahr 1970 im Vergleich dazu nur 45 Dollar Die erdölproduzierenden Länder wissen, daß wir heute abhängiger und verletzlicher
sind denn je zuvor. Es ist möglich, daß das ausländische ölkartell der OPECLänder erneut die Preise erhöht. Wir brauchen dem nicht tatenlos zuzusehen
- und wir werden das auch nicht tun. Wollen wir, um einen Anfang zu machen,
doch einige der Milliarden Dollar, die wir bisher für ausländisches öl und
ausländische Arbeitskräfte ausgaben, für amerikanische Arbeitsplätze aufwenden.
Wir können Arbeitsplätze für Bauarbeiter schaffen, Kapital für die industrielle
Expansion aufbringen und zusätzliche Energie für alle Amerikaner erzeugen.
Das alles bedeutet Unabhängigkeit.
Als Antwort an die Nationen, die unsere Energieversorgung und Energiepreise und somit unsere Zukunft kontrollieren könnten, sage ich der Industrie,
den Bauarbeitern und allen Amerikanern: Wir wollen uns im eigenen Interesse

�Interesse selbst ans Werk machen.

Lassen Sie uns für Amerika in Amerika

mit amerikanischen Arbeitskräften Energie produzieren.

Im Januar ersuchte ich den Kongreß, aktiv zu werden.

Das umfassende

Programm, des ich damals urriß, war auf meiner; festen Glauben an Amerika gegründet.

Bis zum Jahr 1985 habe ich ins Auge gefaßt:

- 2CC große Kernkraftwerke;
- ?5C neue große Kohlegruben;
- 15C große Kohlekraftwerke;
- 30 neue gro°e Ölraffinerien;
- 2C neue große Betriebe zur Herstellung synthetischer Brennstoffe;
- die Erschließung Tausender neuer Ölquellen;
- die Isolierung von 18 Millionen Wohnhäusern;
- und schließlich Herstellung und Absatz vor, Millionen neuer Personenwagen, Lastwagen und ;mnibusse, die sehr viel weniger Kraftstoff verbrauchen.

Ich jedenfalls glaube, daß wir dies erreichen können.

In einer früheren

Krisenzeit - es war im Jahr 1942 t erklärte Präsident Franklin D. Roosevelt,
daß unser Land jährlich 50 OüC Kriegsflugzeuge bauen werde.
verhöhnten uns.
pro Jahr.

Unsere Feinde

Aber schon 1943 erreichte unsere Produktion 125 000 Flugzeuge

Wir haben es damals geschafft.

Offen gesagt:

Wir können es wieder schaffen.

wir kennen nicht länger au* den Kongreß warten, bis dieser

auf mein umfassendes Energieprogramm hin Maßnahmen ergreift.

Langfristige

Sicherheit, Arbeitsplätze und Energie sir.G nicht voneinander zu trennen.

Es

ist höchste Zeit, zur Erlangung der Unabhängigkeit auf dem Energiesektor aktiv
/L '-erden.
Demgemäß werde ich in Kürze den Kongreß ersuchen, alle Zweifel an der
Fähigkeit Amerikas zur Inangriffnahme entspn

hender Aktionen auszuräumen.

Ich verde vorschlagen, eine völlig neue, mit 1C0 Milliarden Dollar ausgestattete Regierungsirstitution zu gründen, die mit der Privatwirtschaft und
den Gewerkschaften zusammenarbeitet, damit im Verlauf des nächsten Jahrzehnts
Unabhängigkeit in öer Energieversorgung erzielt wird.
Diese
- 3 -

�Diese Behörde für Energie-Autarkie wird zur Ergreifung aller geeigneten
Finanzierungsmaßnahmen - der Aufnahme und Vergabe von Krediten - ermächtigt,
um in Sachen Energie aktiv zu werden.

Sie wird Katalysator und Stimulanz sein

und über die amerikanische Industrie - nicht an Stelle der Industrie - tätig
werden.
- Sie kann das Wirtschaftswachstum anregen.
- Sie kann neue Arbeitsplätze schaffen.
- Wir können durch sie unsere Zukunft steuern.
- Sie kann den davonlaufenden Energiepreisen ein Ende bereiten, die von
fremden Ländern diktiert werden.
- Sie kann anderen Nationen einen neuen Einblick in das vermitteln, was
Amerikaner mit unseren reichen Ressourcen zu tun vermögen, wenn wir
nicht länger reden, sondern anfangen zu handeln.
Das ist meine Antwort an jene, die uns erzählen wollen, Amerikaner
könnten nicht mehr das tun, was sie sich vorgenommen haben. Ich spreche
heute zur großen Mehrheit jener, die an die Fähigkeiten Amerikas - nicht an
*
die Unfähigkeit Amerikas - glauben. Ich spreche zu allen Amerikanern, die
wissen, daß dies noch immer die gleiche Nation ist, die sich während des zwei- „
ten Weltkrieges zur Entwicklung von synthetischem Kautschuk entschloß - und
es geschafft hat; zu allen, die wissen, daß dies noch immer die gleiche Nation
ist, die entschied, mit dem Projekt Manhattan die Atomkraft zu bezwingen - und
dieses Ziel erreichte; zu jenen, die wissen, daß dies noch immer die gleiche
Nation ist, die sich vornahm, als erste einen Menschen zum Mond zu senden
- und es auch tat. Die Leute sagten bei allen diesen Projekten, sie seien
nicht durchführbar. Aber Amerikaner haben das "Unmögliche" möglich gemacht.
Die vorgeschlagene Energie-Autarkiebehörde soll 10 Jahre lang bestehen
und sich dann selbst auflösen. Sie ist aufgebaut, um etwas zu vollbringen,
was viele für unmöglich halten, Unabhängigkeit in der Energieversorgung bis
zum Jahr 1985. Aber dies ist ein Programm zur Sicherung unserer Arbeitsplätze,
unseres Lebensstandards und des nationalen Interessen der Vereinigten Staaten.
Die
- 4 -

�Die neue Regierungsinstitution wäre eine unabhängige Bundesbehörde,
die dem Präsidenten direkt unterstellt ist.
als parteipolitisches Denken.

Diese Konzeption ist umfassender

Ich bin entschlossen, hervorragende Persönlich-

keiten der amerikanischen Nation ohne Rücksicht auf ihre Parteizugehörigkeit
als Direktoren zu berufen.

Die neue Energie-Autarkiebehörde strebt an:
- Neue Technologien zur Unterstützung, direkten Produktion oder für den
Transport einheimischer Energie;
- Technologien zur Unterstützung der nuklearen Entwicklung in Amerika;
- Stromerzeugung aus amerikanischer Kohle und aus nuklearen und geothemischen Quellen.

Die Energie-Autarkiebehörde wird nur solche Projekte in Angriff nehmen,
die die Privatwirtschaft allein nicht bewältigen kann.

Sie wird Hilfestellung

leisten.

Meines Erachtens sind umfassende Aktionen notwendig, um ül und Gas aus
Kohle zu produzieren, auf sichere und saubere Weise Strom aus Kohle und Atomenergie zu gewinnen, die Energie der Sonne und die natürliche Erdwärme zu
nutzen und zahlreiche andere Energie-Anlagen zu bauen.

Die Energie-Autarkiebehörde würde zur Finanzierung solcher Projekte
dienen, die für die Unabhängigkeit der amerikanischen Energieversorgung unbedingt nötig sind und siebst mit den großen privaten Kapitalreserven unseres
Landes nicht finanziert werden.

In den nächsten 10 Jahren brauchen wir über 600 Milliarden Dollar für
Energie-Investitionen, um die Unabhängigkeit Amerikas in der Energieversorgung
zu finanzieren.

Wie stets wird der größte Teil dieser Investitionen aus pri-

vaten Quellen kommen.

Aber ich bin überzeugt, daß wir nicht warten dürfen,

bis aus den sich anbahnenden neuen Technologien herkömmliche Technologien geworden sind.

Wir müssen jetzt handeln, um ihre Entwicklung zu beschleunigen.

Wir müssen auch sicherstellen, daß für konventionelle Projekte mit sehr hohem

- 5-

�I

I
hohem Kapitalbedarf Investitionsmittel .in ausreichedem Umfang zur Verfügung
stehen.
Der Grundfehler des gegenwärtigen Energiesystems in Amerika ist der, daß
es sich am stärksten auf öl und Erdgas, also auf jene einheimischen Energiequellen stützt, die besonders knapp sind, und am wenigsten Kohle und Atomkraft,
d.h. die am reichlichsten vorhandenen Energiequellen, benutzt.

Meines Erach-

tens ist eine - mit aktivem Umweltschutz koordinierte - rapide und umfassende
Erschließung dieser reichen Ressourcen notwendig.

Die ölschiefervorkommen

Amerikas sind weitaus größer, als alle Ölvorkommen der Nahoststaaten zusammen.
ven.

Amerikas Ölvorkommen sind zehnmal größer als unsere Ölschieferreser-

Und die Fähigkeit Amerikas zur Nutzbarmachung der Atomkraft ist legendär

- angesichts des bekannten Potentials zur Produktion unbegrenzter Mengen
sauberer, sicherer Energie.
Ohne die Energie-Autarkiebehörde dürften die riesigen Schätze unseres
Landes wohl niemals oder erst zu spät erschlossen werden, um Amerika die führende Stellung in der Welt zu erhalten. Mit einer Energie-Autarkiebehörde jedoch werden wir die Finanzierungsmöglichkeiten haben, um in dem kommenden kritischen Jahrzehnt alle Energiequellen anzuzapfen. Die Energie-Autarkiebehörde
wird ein wichtiges neues Element, aber eben nur ein Element in unseren gesamten nationalen Anstrengungen sein, in der Energieversorgung unabhängig zu werden.
Wir braucher. dramatische Aktionen, um synthetische Brennstoffe - mindestens
1 Million Barrel (1 Barrel = 159 Liter) pro Tag - zu erzeugen, schwimmende
Kernkraftwerke, neue Fernleitungen für öl und Gas und riesige Energie-Parks
in ganz Amerika zu bauen.
Ich sehe ein Amerika vor mir, daß wiederum ans Werk geht und in dem sich
die Wirtschaftsaktivität wie eine Kettenreaktion in allen 50 Bundesstaaten
ausbreitet.

Den Energiesektor ausbauen bedeutet, Energie - und Arbeitsplätze -

auf allen Gebieten des nationalen Lebens zu schaffen.
Es
- 6 -

%

�Es wurde errechnet, daß sich für jeden in der Industrie direkt geschaffenen Arbeitsplatz zumindest ein zweiter Arbeitsplatz innerhalb der Wirtschaft ergibt.

Die Gesamtzahl der dadurch entstehenden Arbeitsplätze wird

mehr als das Doppelte der energiebezogenen Arbeitsplätze betragen.
Sie mich ein Beispiel anführen:

Lassen

400 000 Mann-Jahre an Arbeit sind erforder-

lich, um Anlagen und Ausrüstungen für 50 Kernkraftwerke zu bauen.

Dies ent-

spricht 650 000 Mann-Jahren an Arbeit innerhalb des erforderlichen zeitlichen
Rahmens.

Ich möchte in den nächsten zehn Jahren Millionen neuer Arbeitsplätze

mit gesunden weiterführenden Wachstumseffekten in der gesamten Wirtschaft sehen.

Meine Berater in Energie- und Wirtschaftsfragen weise ich an, alle er-

forderlichen Schritte in der kürzestmöglichen Zeit zu tun, um diese Vision
Wirklichkeit werden zu lassen."

+ + + + +

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20/1975

MOTORLAUF - ELEKTRONISCH REGULIERT
--(AD)-- Ein "geschlossenes" elektronisches System zur kontinuierlichen Regulierung des Kraftstoff-Luftgemischs und des Zündzeitpunkts im Motor wurde
von einer Wissenschaftlergruppe der Stanford-Universität (Kalifornien) entwickelt. Der Kraftstoff wird auf diese Weise in Benzinmotoren besonders wirtschaftlich genutzt. Elektronische Rückkopplungssignale von Sensoren, die fortlaufend Zylinderdruck sowie Abgassauerstoff und Abgastemperatur messen, regulieren die Verbrennung. Die Zündung erfolgt jeweils zum optimalen Zeitpunkt,
um den Druck in Zylinder gleichmäßig zu halten.
Die Kontrolle des Kraftstoff-Luftgemischs wird über einen ZirkondioxidSensor im Abgasstrom erreicht. Die Versuche wurden mit einem Ein-Zylinder-Experimentiermotor mit Kraftstoff-Einspritzung durchgeführt. Professor J. David
Powell vom Department für Maschinenbau, der die Entwicklungen leitet, ist jedoch überzeugt, daß das System auch bei einem Mehr-Zylinder-Motor und mit
einem gewöhnlichen Vergaser funktioniert und zu erheblichen Einsparungen im
Kraftstoffverbrauch beitragen könnte. Vertreter der amerikanischen Automobilindustrie, die sich für das neue System interessiert, haben inzwischen Verhandlungen mit der Abteilung für Technische Lizenzen der Stanford-Universität
aufgenommen.
XXX

�</text>
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und
Dokumentation

a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

45

8. Oktober 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Carter sagt volle Unterstützung des IWF und der Weltbank zu
- Ansprache auf der gemeinsamen Sitzung in Washington Muskie unterstreicht US-Beitrag zum Aufbau einer freiheitlichen
Weltordnung
- Wortlaut der Rede vor dem Wirtschaftsclub in Memphis -

INFORMATION
Solarstrom für Georgetown-Universität

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Viren, Krebs und Altern
- Forschung kommt wichtigen Mechanismen auf die Spur -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�«MMOI
»

45

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. Oktober 1980

CARTER SAGT VOLLE UNTERSTÜTZUNG DES IWF UND DER WELTBANK ZU
- Ansprache auf der gemeinsamen Sitzung in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) und der Weltbank die volle Unterstützung der Vereinigten
Staaten zugesagt. Auf einer gemeinsamen Sitzung der beiden internationalen
Institutionen sagte der Präsident am 30. September 1980, die amerikanische
Unterstützung reflektiere "sowohl unsere fundamentalen humanitären Prinzipien
als auch unsere wirtschaftlichen Interessen," Gleichzeitig warnte Carter
die beiden Institutionen davor, sich durch Druck von außen beeinflussen zu
lassen.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Es ist mir ein Vergnügen, Sie hier zur 35, Jahresversammlung dieser
beiden großen Institutionen begrüßen zu dürfen. Und es ist mir eine besondere
Freude, alle neuen Mitglieder willkommen zu heißen.
Ihre

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

T e l : 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Ihre Anwesenheit hier symbolisiert den Einsatz von mehr als 140
Ländern für ein dynamisches System der internationalen wirtschaftlichen
Zusammenarbeit und ihre Verpflichtung gegenüber deren zentrale Institutionen,
dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank.
Ihre Verpflichtung stärkt die Aussichten für einen dauerhaften Weltfrieden, weil der Friede nicht garantiert werden kann, wenn Hunderte von
Millionen Menschen keine Hoffnung haben, der Armut und der wirtschaftlichen
Unsicherheit zu entfliehen.

Die Weltbank und der Internationale Währungs-

fonds bieten diese Hoffnung.
Sie passen sich schnell den neuen großen Aufgaben an.

Wir unterstützen

diesen Prozeß des Wandels. Die Antwort auf eine sich ändernde Welt kann
am besten im Rahmen dieser Institutionen formuliert werden, und zwar indem
Sie auf Ihren eigenen Gebieten der Kompetenz und der Erfahrung handeln.
Sie sollten sich in ihrer Arbeit nicht durch politische Streitfragen von
außen ablenken lassen.

Und wenn Sie diesen Prozeß der Formung und der

Anpassung vollziehen, dann müssen Sie voll und ganz davon überzeugt sein,
daß Ihre Entscheidungen nicht in einem anderen Rahmen wieder aufgehoben
oder neu verhandelt werden. Jeder politische Druck oder jede ungerechtfertigte Einflußnahme seitens irgendeines internationalen Forums wäre
weder nötig noch wünschenswert.
Der IWF ist die hauptsächliche offizielle Quelle der Zahlungsbilanzfinanzierung. Bisher hat der Fonds in diesem Jahr über 5,5 Milliarden
Dollar für seine Programme bereitgestellt. Aber es sind noch mehr Mittel
notwendig, und daher sind Maßnahmen im Gange, um diese Ressourcen auszuweiten. Der IWF hat ferner in seiner Politik wichtige politische Änderungen
eingeführt, wodurch er besser auf die sich wandelnden Erfordernisse und
Interessen seiner Mitgliedstaaten reagieren kann.
Während

�während der vergangenen 12 Monate hat die Weltbankgruppe über
12 Milliarden Dollar an die Entwicklungsländer entliehen.

Davon gingen

nahezu 4 Milliarden Dollar zu Vorzugsbedingungen an die ärmsten Länder.
Die Weltbank ergreift Initiativen, um es den Entwicklungsländern zu
ermöglichen, mehr Energie zu erschließen und zu erzeugen, während gleichzeitig andere wichtige Programme der Bank durchgeführt werden.

Ein

erweitertes Programm der Weltbank für Energieerschließung und -entwicklung
würde für uns alle von Nutzen sein.
Die Weltbank hat ferner ein Vergabeprogramm sowie einen Beratungsdienst gestartet, um den Entwicklungsländern zu helfen, die durch die
höheren Energiepreise erforderlichen strukturellen Anpassungen vorzunehmen.
Ich kann die Rolle der Weltbank nicht erörtern, ohne die Führung
und den Einsatz von Robert McNamara während der letzten 12 Jahre zu würdigen.
Unter der Führung von Bob McNamara ist die Weltbank zu einem Brennpunkt der internationalen Zusammenarbeit zur Verbesserung der menschlichen
Bedingungen sowie zu einem hervorragenden Beispiel dafür geworden, wie eine
solche Zusammenarbeit wirksam sein kann,

Bob, Sie werden Ihrem Nachfolger

einen hohen Standard und eine feste Grundlage für die Zukunft hinterlassen.
Die Unterstützung des IWF und der Weltbank durch die Vereinigten
Staaten reflektiert sowohl unsere fundamentalen humanitären Prinzipien
als auch unsere wirtschaftlichen Interessen.

Die Gesetzgebung, durch

die unsere Beteiligung an der Quotenerhöhung des IWF gesichert ist,wurde
in der vergangenen Woche vom Repräsentantenhaus verabschiedet.

Ich setze

mich mit Nachdruck für die Verabschiedung im Senat ein, und ich werde
das Gesetz, sobald es auf meinem Tisch liegt, unterzeichnen.
Darüber

�Darüber hinaus werde ich den Kongreß drängen, der für einen späteren
Zeitpunkt in diesem Jahr vorgesehenen sechsten Aufstockung der Mittel der
Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) hohe Priorität zu geben.
Im nächsten Jahr werden wir eine Gesetzesvorlage für unsere Subskription
zur allgemeinen Kapitalerhöhung der Weltbank einbringen.

Sowohl der Fonds

wie die Weltbankgruppe müssen all die Mittel haben, die sie für ihre
Arbeit brauchen.
Lassen Sie mich ferner verschiedene andere von den Vereinigten Staaten
getroffene

Maßnahmen erwähnen, die mithelfen werden, die Weltwirtschaft

zu stabilisieren.
Wir haben ein energisches Antiinflationsprogramm fiskalischer und
monetärer Zurückhaltung eingeführt.
Wir haben mit einem die ganze Nation umspannenden Programm begonnen,
um unsere industrielle Basis neu zu beleben und das Wachstum der Produktivität
zu beschleunigen.

Dieses neue Programm wird den Anteil an unserem Brutto-

sozialprodukt, der für Investitionen eingesetzt wird, erhöhen; es wird
die Inflation abbauen und unserer Wirtschaft wieder Innovationsfreudigkeit
und Energie geben.
Wir haben ferner ein umfassendes Programm zum Wiederaufbau unserer
Energiebasis in Angriff genommen.

Dieses neue Programm trägt bereits

Früchte.

In den letzten drei Jahren haben wir die öleinfuiren um 24 Prozent

gesenkt.

Wir führen in diesem Jahr mehr Gas- und Ölbohrungen durch und

fördern mehr Kohle als jemals zuvor in unserer Geschichte.

Wir bemühen

uns sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten dem Weltbedarf an Kohle
gerecht werden können.

Wir

�Wir haben mit einem massiven Investitionsprogramm zur Erhöhung
der Produktion von synthetischen Treibstoffen begonnen. Wir geben vier
Milliarden Dollar im Jahr für die Forschung und Entwicklung aus und
weitere Milliarden für Anreize zur besseren Nutzung der Energie in unseren
Häusern, Industrien, im Handel und dem Transportwesen.
Die WeltölVorräte haben einen bisher einmaligen Höchststand erreicht,
und diese Reserven werden mithelfen, die Auswirkungen vorübergehender
Nachschubverringerungen, so wie sie durch den derzeitigen Konflikt
zwischen dem Irak und dem Iran verursacht werden, auszugleichen.
Dennoch sind wir uns sehr wohl bewußt, daß einige Nationen auch schon
durch eine vorübergehende Unterbrechung der ülzufuhren ernsthaft bedroht
werden, und sind daher darum bemüht, diesen Konflikt so rasch wie möglich
zu beenden.
Unser Energieprogramm ist Teil einer weitreichenden Anstrengung,
zu der wir uns auf dem Wirtschaftsgipfel in Venedig verpflichtet haben.
Das gemeinsame dort akzeptierte Ziel besteht darin, mehr öl einzusparen
und das Äquivalent an alternativen Energien von 15-20 Millionen Barrel
öl pro Tag bis zum Ende dieses Jahrzehnts zu produzieren. Das wird
den Druck von den ölmärkten nehmen, die Zahlungsbilanzprobleme erleichtern
und den Entwicklungsländern die Möglichkeit geben, einen größeren Anteil
an den Weltöllieferungen zu erlangen.
Unser langfristiges Ziel bei diesen Energieanstrengungen im eigenen
Lande und auf internationaler Ebene ist ein faires Geschäft für alle
öl produzierenden und ölverbrauchenden Länder:
-

durch das die Gefahren abrupter Schwankungen im ölpreis vernr ndert
werden;
- durch

- 5 -

�-

durch das den Verbraucherländern die Gewähr für eine in ihrer
Höhe einigermaßen voraussagbare Menge an öl lieferungen gesichert
wi rd;

-

und durch das eine sich ausweitende Inflation verhindert wird.

Sowohl die öleinfuhr- wie die ölausfuhrländer können zu diesem Bemühen
ihren Beitrag leisten.

Für sie alle steht dabei etwas auf dem Spiel.

Diese Versammlung findet zu einer für uns alle kritischen Zeit
statt.
Die Welt setzt ein ungeheueres Vertrauen in Ihr Urteil und in die
Arbeit der Weltbank und des IWF.
worden.

Dieses Vertrauen ist nie enttäuscht

Und ich bin sicher, daß es für die Zukunft noch mehr gerechtfertigt

sein wird.
Im Namen der Vereinigten Staaten versichere ich Ihnen, daß wir
weiterhin aktiv an den Entscheidungen und kooperativ an den auf uns zukommenden Aufgaben mitzuwirken gedenken.

+ + + + +

�i

Dokumentation

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

45

8. Oktober 1980

MUSKIE UNTERSTREICHT US-BEITRAG ZUM AUFBAU EINER
FREIHEITLICHEN WELTORDNUNG
- Wortlaut der Rede vor dem Wirtschaftsclub in Memphis -

MEMPHIS, TENNESSEE - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Edmund Muskie hat am 6. Oktober 1980 inMemphis im amerikanischen Bundesstaat Tennessee vor den Mitgliedern des dortigen Wirtschaftsclubs die
Außenpolitik der Vereinigten Staaten umrissen und dargelegt "wie unsere
Nation mit einer Welt des raschen Wandels und der neuen Herausforderungen
fertigwerder wird."
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Dieses Ereignis hier nennt sich "Bürgerversammlung", und ich freue
mich auf einen Gedankenaustausch mit genauso vielen Fragen und mit genauso
großer Lebhaftigkeit, wie dies bei den Bürgerversammlungen in meinem
Heimatstaat in Neuengland der Fall ist.
Bevor

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Bevor wir zum interessanten Teil unserer Versammlung kommen - zur
Diskussion der Themen, die Sie vorbringen möchten -, gestatten Sie mir einige
Bemerkungen zu einer für uns grundlegenden Frage: wie unsere Nation mit
einer Welt des raschen Wandels und der neuen Herausforderungen fertigwerden
wi rd.
Ober 200 Jahre lang ist Amerika gediehen und erblüht - nicht, weil
es vor Veränderungen in der Welt zurückschreckte, sondern weil es an
ihrer Gestaltung mitarbeitete.

Wir haben festgestellt, daß Veränderung

der notwendige Begleiter menschlichen Fortschritts ist.
Wir gingen voran, indem wir die Welt betrachteten, so wie sie ist
und wie sie sein kann - nicht, indem wir auf eine einfachere Welt zurückblickten, an die wir uns erinnern.
Der Anfang der Weisheit ist das Verstehen - das Verstehen, daß wir
heute in einer Zeit des umfassendsten Wandels in der Geschichte des Menschen
leben.
Lassen Sie mich damit beginnen, einige dieser Veränderungen und
Herausforderungen zu erwähnen:
-

Die Sowjetunion ist zu einer militärischen Supermacht geworden und beabsichtigt, dies zu bleiben.

Der Einsatz der sowjetischen

Militärmacht in Afghanistan und an anderen Orten hat neue Risiken
für den Weltfrieden mit sich gebracht;
-

im Zeitraum von weniger als einer halben Generation haben wir die
Geburt von mehr als 100 neuen Staaten erlebt.

Jeder von ihnen

kämpft darum, den zunehmenden, manchmal sogar gewaltsamen Forderungen
seiner Bevölkerung nach raschem wirtschaftlichem und politischem
Fortschritt zu genügen;
- regionale
- 2 -

�-

regionale Rivalitäten haben sich zu einer neuen Gefahr entwickelt
durch die Verbreitung hochmoderner Waffen sowie durch die Bereitschaft
der Sowjets, der Kubaner und anderer, sie auszunützen;

-

unsere Binnenwirtschaft ist mehr denn je zuvor Teil einer Weltwirtschaft, und Länder mit neuer Wirtschaftsmacht üben neuen
Einfluß auf unser tägliches Leben aus;

-

und während der Wohlstand unserer traditionellen Verbündeten in
Westeuropa und in Japan gewaltig zu unserer gemeinsamen Stärke
beiträgt, hat er doch zugleich das Potential für Spannungen zwischen
uns erhöht.

Einige dieser neuen Gegebenheiten sind bedrohlich. Andere wiederum
tragen das Potential zu Gut oder Böse in sich - in nicht geringem Maß abhängig davon, wie wir ihre Entwicklungsrichtung gestalten.
Aber bei allen handelt es sich um Realitäten.
hinweghexen.

Wir können sie nicht

Und wir können sie nicht durch bloßes Reden ändern.

Wir müssen uns schöpferisch und illusionslos mit ihnen befassen mit allen.
Ich möchte heute abend kurz darüber sprechen, wie die Vereinigten
Staaten sich mit diesen neuen Realitäten befassen - darüber, wo wir stehen
und in welche Richtung wir uns bewegen.
Erstens:

wir bauen unsere militärische Stärke aus.

Nahezu zwei Jahr-

zehnte lang hat die Sowjetunion ihre militärische Stärke mit vier Prozent
oder mehr ausgebaut.
Grundlage.

Währenddessen schrumpfte unsere eigene militärische

Derzeit führen die Vereinigten Staaten die weitreichendste

Militärmodernisierung seit den frühen sechziger Jahren durch.
Wir
- 3 -

�Wir verbessern jeden Bereich unserer strategischen Kernwaffen - zu
Lande, zur See und in der Luft.

Der Präsident hat die umfassende Entwicklung

einer schlagkräftigen, neuen bodengestlitzten Rakete, der MX, befohlen.
Das erste unserer hochmodernen neuen TRIDENT-U-Boote wurde in diesem Jahr
vom Stapel gelassen.

1982 werden wir damit beginnen, unsere B-52 mit neuen

Marschflugkörpern auszurüsten.
Gleichzeitig bauen wir die Verteidigungskapazitäten unserer Bündnisse
aus.
-

Im Jahr 1978 riefen wir und unsere NATO-Partner auf amerikanische
Initiative hin ein langfristiges militärisches Verbesserungsprogramm ins Leben.

-

Dieses Programm läuft bereits gut.

Gegen Ende 1979 beschlossen wir und unsere NATO-Verb'ündeten ein
Programm zur Modernisierung unserer Kernwaffen in Europa, um einen
jahrzehntelangen sowjetischen Aufbau einzuholen.

Wir werden mit

diesem Programm vorangehen, während wir gleichzeitig faire und
verifizierbare, durch Verhandlungen zustandegekommene Begrenzungen
mit der Sowjetunion anstreben.
Und wir bauen unsere militärische Kapazität aus, um rasch auf ernste
Krisen zu reagieren, woimmer solche auftreten mögen - einschließlich der
lebenswichtigen Region des Persischen Golfs.
Damit es keine Mißverständnisse gibt:
kostet viel Geld.

dieses Modernisierungsprogramm

In den vergangenen vier Haushaltsjahren haben die

Vereinigten Staaten ihre Verteidigungsausgaben um zehn Prozent erhöht.
Das Verteidigungsprogramm des Präsidenten wird die Ausgaben im Lauf der
nächsten vier Jahre um weitere 17 Prozent erhöhen.
Dieses

�Dieses Modernisierungsprogramm ist notwendig, um sicherzustellen,
daß wir in den kommenden Jahren ein militärisches Gleichgewicht mit der
Sowjetunion aufrechterhalten.

Es handelt sich um ein beständiges und

verläßliches amerikanisches Verteidigungsprogramm, nicht um eine
verschwenderische und mutwillige Anstrengung, um eine unerreichbare
"Superiorität" zu erzielen - eine Anstrengung, die nur zu den Gefahren
eines umfangreichen neuen Wettrüstens führen würde.
Zweitens:

Die Vereinigten Staaten machen heute ihre Führungskraft

geltend, im die internationale Haltung gegenüber der sowjetischen Aggression
zu stärken.
Der sowjetischen Anstrengung zur Zerstörung der nationalen Unabhängigkeit
Afghanistans durch militärische Gewalt muß durch die internationale Gemeinschaft entschlossen Widerstand entgegengesetzt werden. Es handelt sich
hier um einen Versuch, nackte militärische Gewalt anzuwenden, um einem Volk
und einem Staat die Freiheit zu verwehren. Durch seine Beispielhaftigkeit
und durch die geographische Nähe erhöht dieser Versuch die sowjetische
Bedrohung in einer Weltregion, die für die Vereinigten Staaten, für die
Industriedemokraten, für die ganze Welt von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Durch die Haltung, die wir - bei Getreide, beim Verkauf von Technologie,
bei den Olympischen Spielen - eingenommen haben, haben wir die Enrsthaftigkeit
des amerikanischen Volkes deutlich und konkret zum Ausdruck gebracht.
Die meisten Amerikaner unterstützen die von uns ergriffenen Maßnahmen.
Denn sie verstehen, daß wir unsere nationale Entschlossenheit nicht ohne
individuelle Opfer zum Ausdruck bringen können.

Opfer von den Bauern,

Opfer von den Geschäftsleuten, von den Sportlern,von uns allen.
Und dennoch sehen wir im Senat und auch anderswo Anstrengungen, das
Getreideembargo aufzuheben.
Es
- 5 -

�Es gibt hier eine kurze, knappe Antwort:

wir können die sowjetische

Aggression nicht dadurch besser bekämpfen, daß wir als Amerikaner weniger
Opfer bringen.
Die entschlossenen Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten in den
letzten Monaten ergriffen haben, haben nicht zur Absicht, eine Konfrontation
zu provozieren, sondern eine Konfrontation zu vermeiden, indem sie vor
künftigen sowjetischen Abenteuern abschrecken.
Diese Maßnahmen wurden ergriffen, um die einzige Grundlage zu erhalten, auf der eine Abnahme der Spannungen erfolgen kann - deutlichgemachte sowjetische Zurückhaltung.

Wir müssen, wie der Präsident gesagt

hat, bereit sein, jene Maßnahmen durchzuhalten, solange sowjetische Truppen
in Afghanistan stehen.
Weiterhin müssen wir sowjetische Zurückhaltung durch ausgewogene
und vollziehbare Abkommen zu erreichen suchen, die die Aufrüstung begrenzen.
Da die Sowjets nunmehr ihre Vorbedingungen haben fallen lassen,werden
wir noch in diesem Monat mit den Vorgesprächen zur Begrenzung der Nuklearen
Mittel Streckensysteme (TNF) von großer Reichweite beginnen.
Und wir werden uns um die Ratifizierung des SALT II-Vertrags - eines
Abkommen, das zutiefst in unserem nationalen Interesse liegt - bemühen,
sobald es Anfang nächsten Jahres möglich ist.
Zunehmende Spannungen schmälern nicht den Anlaß für SALT; stattdessen erinnern sie uns daran, warum Rüstungskontrolle so wesentlich ist um die auf uns gerichteten Arsenale zu reduzieren, um ein sinnloses
Wettrüsten zu verhindern, um die Möglichkeit zu verringern, daß eine
verhängnisvolle Fehlberechnung beide Länder in Schutt und Asche legt.
Denn

�Denn wir stärken unsere langfristige Sicherheit nicht durch Worte,
sondern durch eine klare und dauerhafte Demonstration, daß wir den nationalen
Willen haben, uns einer Aggression entgegenzustellen.

Und wir stärken unsere

Sicherheit auch durch die Bereitscahft, zu konkreten übereinkommen zu
gelangen, die die nuklearen Bedrohungen begrenzen, denen wir gegenüberstehen.
Drittens:

Die Vereinigten Staaten sind heute energisch auf der

Suche nach friedlichen, durch Verhandlungen zustandegekommene Lösungen für
möglicherweise explosive regionale Streitigkeiten.
Zum erstenmal seit seiner Gründung lebt Israel mit Ägypten, seinem
stärksten arabischen Nachbarn, nicht in einem zerbrechlichen Waffenstillstand, sondern in einem soliden Frieden. Und zum erstenmal gibt es
Verhandlungen über die grundlegenden Fragen, die beantwortet werden müssen,
um in diesem Teil des Nahen Ostens einen breiterangelegten Frieden zu
erzielen.
Das Übereinkommen, das wir mit Panama nach 14 Jahren der Verhandlungen
erzielt haben, hat dem Kanal eine sicherere Zukunft eröffnet und unsere
Position in ganz Lateinamerika verbessert.
Unsere unerschütterliche Unterstützung der Verhandlungen in Rhodesien
half mit, den blutigen Bürgerkrieg dort zu beenden, die Mehrheit an die
Regierung und eine echte Hoffnung auf Frieden in Freiheit vor äußerer
Einmischung zu bringen.
Jeder Schritt, den wir heute auf eine Milderung dieser internationalen
Spannungen hin tun, ist ein Schritt auf die Verhinderung größerer Konflikte
morgen.
Ich glaube, daß das amerikanische Volk will, daß wir diese Anstrengungen
fortsetzen.
Viertens
- 7 -

�Viertens:

Die Vereinigten Staaten von heute arbeiten daran, unsere

wirtschaftliche Position in der Welt zu stärken - zugunsten unserer
Verbraucher und Geschäftsleute, unserer Bauern und unserer Arbeiter.
Wir haben ein wichtiges internationales Handelsabkommen erzielt, das
sicherstellt, daß wir in einem fairen Wettbewerb bleiben.
Wir verfolgen ein Programm vermehrter amerikanischer Produktivität.
Mehr denn je koordinieren wir durch Gipfeltreffen und ständige
Konsultationen unsere Wirtschaftspolitiken mit unseren wichtigsten Verbündeten; dies geschieht zum Vorteil von uns allen.
Und was vielleicht am wichtigsten ist:
Energiebereich verbessert.

wir haben unsere Lage im

Die amerikanischen Erdöleinfuhren sind seit

1977 um 25 Prozent gesunken; unsere inländische Energieproduktion steigt;
und zusammen mit unseren Verbündeten haben wir die Vorkehrungen verbessert,
um im Fall schwerwiegender Knappheit auf den Weltmärkten Energie zu teilen.
Wir müssen auf dem Weg der Einsparung und der vermehrten Produktion
noch weiter gehen.

Aber schon der kleine Sicherheitspielraum, den wir

erreicht haben und den wir während des iranisch-irakischen Konfliktes brauchen,
zeigt, daß wir auf dem richtigen Weg sind.
Fünftens:

Die Vereinigten Staaten haben eine Außenpolitik, die unsere

nationale Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten bekräftigt.
Amerikas Stärke in der Welt hängt nicht nur von unserer militärischen
Stärke ab.

Sie liegt vielmehr darin, wofür wir als Nation einstehen.

Wir stehen für die menschliche Freiheit ein.
eint uns als ein Volk.

Menschliche Freiheit

Menschliche Freiheit unterscheidet uns von unseren

- 8 -

�unseren Widersachern.

Und unser Einstehen für die menschliche Freiheit

liegt zutiefst in unserem nationalen Interesse.
Wie wir Amerikaner wissen,stärken sich Freiheit und Stabilität
gegenseitig.

Unterdrückung kann die Bande zwischen einer Regierung und

ihrem Volk zerbrechen und das Potential für gewalttätige Veränderung erhöhen.
Wir haben gesehen, wie die Wirren konvulsiven Wandels - etwa im Iran unsere eigene Nation unmittelbar beeinflussen können. Wir werden nicht
ruhen, bis alle unsere Leute aus dem Iran in die Heimat zurückgekommen
sind - sicher und frei. Dies ist ein dunkles Kapitel für all jene in der
ganzen Welt, die die Menschenrechte schätzen.
Aber während wir einen klaren Blick auf die Welt werfen, sehen wir
zugleich ein erneutes Auftauchen der demokratischen Werte, die wir unterstützen.

In Portugal, Spanien und Griechenland, in Nigeria, Ghana urd

Zimbabwe, in Ekuador und Peru hat die Demokratie ihren Völkern die Kontrolle
ihres eigenen Schicksals wiedergegeben.
Wir sollten aus dieser Bewegung erneuertes Vertrauen dafür gewinnen,
daß die Strömung der Demokratie und menschlichen Freiheit auch weiterhin
in der Welt stark ist und daß es in unserem eigenen Interesse liegt, sie zu
unterstützen und ein Teil davon zu sein.
Sechstens und abschließend: Die Vereinigten Staaten entwickeln heute
stärkere Beziehungen zu Ländern mit wachsender Bedeutung auf der Bühne dieser
Welt.
Ein Viertel der Weltbevölkerung lebt in China. Und heute schaffen
wir ein neues Verhältnis zu der Regierung dieses Landes, das sich auf
normalisierte Beziehungen gründet.
In
- 9 -

�In weniger als 20 Jahren werden vier von fünf Menschen auf dieser
Welt in den Entwicklungsländern leben.

Der wirtschaftliche Fortschritt und

die langfristige Stabilität der Entwicklungsländer gewinnt in zunehmendem
Maß für unser eigenes tägliches Leben an Bedeutung.
Wir können nicht ihre Unterstützung bei Angelegenheiten erwarten,
die für uns wichtig sind, wenn wir nicht bereit sind, praktische Unterstützung bei Problemen zu gewähren, die für sie wichtig sind - etwa die
Verteidigung ihrer nationalen Unabhängigkeit und den Aufbau ihrer Volkswirtschaften und Gesellschaften.
Daher müssen in unserem eigenen Interesse die nächsten Jahre eine
Zeit sein, in der wir vorangehen - und nicht zurückfallen, um unsere
Beziehungen zu den Ländern Afrikas, Lateinamerikas, Asiens und des Nahen und
Mittleren Ostens auszubauen.
Diese Politik und diese Leistungen helfen dabei, eine Welt im Wandel
zu gestalten.
Natürlich wird es Diskussionen über einzelne Entscheidungen geben,
die getroffen wurden.

Aber ich bin fest davon überzeugt, daß trotz

aller Gefühle der Frustration, die die Auseinandersetzung mit dieser neuen
Welt auch bringt, Amerika sich auf dem rechten Weg befindet - dem Weg
des Engagements und des Fortschritts, nicht der Isolation und der Reaktion.
Unser Kurs ist sinnvoll.
umkehren.

Wir sollten so weitermachen und nicht

Ein amerikanischer Autor hat einmal gesagt:
rückwärts in die Zukunft gehen".
anderen gehören.

"Wir können nicht

Wenn wir dies versuchen, wird die Zukunft

�Mit der ständigen Zunahme ameri kanischer Stärke, mit dem amerikanischen
Pragmatismus, der für die amerikanis chen Ideale nutzbar gemacht wird, werden
wir auch weiterhin auf eine Zukunft zugehen, bei deren Schöpfung wir
behilflich sind.

- 11 -

�Information

3

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8. Oktober 1980

SOLARSTROM FÜR GEORGETOWN-UNIVERSITÄT

- (AD) - Mit einer Solarzellen-Belegfläche von 16 275 Quadratmetern erhält ein neues Institut der Georgetown-Universität in Washington das größte
Sonnendach, mit dem je ein Gebäude ausgestattet wurde. Kleine Siliziumplättchen wandeln Licht in elektrischen Strom um, der in das Versorgungsnetz der
Universität eingespeist wird. Das neue "Intercultural Center" mit Abteilungen für Fremdsprachenstudien und Linguistik, Diplomatenschule, Studium der
Kultur des arabischen, lateinamerikanischen, russischen und deutschen Sprachraums, Wirtschaftsdiplomatie und Amerikanistik ist ein sechstöckiges Gebäude,
das mit finanzieller Unterstützung eines Privatunternehmens sowie des USEnergieministeriums ein Demonstrationsprojekt für die Nutzung photovoltaischer
Zellen werden soll. Die Solargeneratoren auf dem Dach sind Teil eines langfristigen Planes, die Georgetown-Universität von Energiezufuhr von außen unabhängig zu machen. Dazu soll u.a. eine Kesselanlage beitragen, die nach
dem Verfahren der Wirbelbettverbrennung arbeitet und mit Kohle abgasfrei geheizt wird.

+ + + + +

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Tel: 0228-89 32 40
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�3
I a

Wi//en/chaft
und Technik
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8. Oktober 1980

VIREN, KREBS UND ALTERN
Forschung kommt wichtigen Mechanismen auf die Spur

WASHINGTON - (AD) - Zum Thema "Fronten der Alterns- und Krebsforschung"
fand vom 21. bis 26. September 1980 in Washington eine erste internationale
Tagung statt, die für weitere Symposien und wissenschaftliche Konferenzen
in aller Welt den Anstoß geben sollte. Sie wurde von einem Sonderausschuß
des US-Repräsentantenhauses, dem amerikanischen Nationalen Krebsforschungsinstitut und dem Nationalen Institut für Alternsforschung in Bethesda (Maryland) initiiert und von privater Seite großzügig unterstützt. Mehr als 400
Wissenschaftler aus 20 Ländern, unter ihnen fünf Nobelpreisträger, erörterten die neuesten Erkenntnisse auf den Fachgebieten Virusforschung, Krebsforschung, Gerontologie und Molekularbiologie in dem Versuch, "Natur und Anatomie der Zelle", "Organisation und Funktionieren des genetischen Materials"
(das die Zellaktivität steuert), "Zellwachstum, Zellbewegung und Zelldifferenzierung", "die Rolle von Viren in Alterns- und Krebsprozessen" und "das Immunsystem des Körpers" (das auch einen Schutz gegen Krebs darstellt) besser zu
verstehen.

Die Aufklärung der Struktur der Desoxyribonukleinsäure (DNS) durch Watson;
Wilkins und Crick in den fünfziger Jahren hatte im Verein mit der sich daraus

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�daraus entwickelnden Technik der Aufspaltung und Rekombination von genetischem
Material zu einer "ganz neuen Revolution in der Biologie" geführt, wie Dr.
Lewis Thomas, Kanzler des "Memorial Sloan-Kettering Cancer Center" in New York,
erklärte.

"In den letzten drei oder vier Jahren kam es in Forschungslabora-

torien hier in den Vereinigten Staaten und im Ausland zu Entwicklungen, die
die Biologie zu einer ganz neuen Art von Wissenschaft machten.

Wir beginnen

jetzt wesentliche Aspekte der lebenden Zelle in einer Weise zu verstehen, die
vor wenigen Jahren buchstäblich undenkbar war-"
Damit spielte Thomas darauf an, daß die Wissenschaft nunmehr in die Funktionen und die Rolle von Genen sowie die Zellmechanismen Einblick erhält, die
alles normale, aber auch alles anomale und zum Krebs entartete Zell verhalten
steuern.

Im Laboratorium ist es heute möglich, die Zellaktivität zu manipu-

lieren und dabei z.B. zu untersuchen, wie Krebs beginnt und wächst, oder auf
welche Weise Substanzen wie Interferon in größeren Mengen zu produzieren sind.
Interferon wird normalerweise in winzigen Mengen von der Zelle gebildet, sobald in diese ein Virus eindringt. Viele Wissenschaftler sind überzeugt, daß
Interferon, ein Abwehrstoff gegen Virusinfektionen, auch helfen könnte, Krebs
und Tumoren zu bekämpfen.
Keiner der anwesenden Experten konnte bisher den Beweis erbringen, daß
Viren beim Menschen Krebs verursachen, obgleich bestimmte Viren als Krebsursache bei Tieren eindeutig erkannt worden sind. Die Virusgene produzieren
Proteine, die in normale Zellen gelangen und bei diesen ein anomales Verhalten
provozieren - beispielsweise Zellwucherung. Durch mikroskopische Untersuchungen
wurde nachgewiesen, daß "Proteinmoleküle an der Zelloberfläche hübsche kleine
Rezeptoren bilden", erklärte Thomas, "um damit von außen all das einzufangen
und ins Zellinnere zu schleusen, was die Zelle braucht". Probleme, für deren
Lösung man Jahre angenommen hatte oder für die man überhaupt keine Lösungsmöglichkeiten sah, könne man dank der neuen Forschungsverfahren jetzt innerhalb von wenigen Wochen aufklären.
Diskutiert wurden u.a.:
- ein

�- Ein neues Laborverfahren zur Züchtung menschlicher Zellen in Gewebekulturen.

Es ermöglichte bereits das Studium von 400 menschlichen Genen und

dürfte in den nächsten fünf Jahren die Untersuchungen von weiteren 1000 menschlichen Genen erlauben.
- Leukämiezellen können, so wurde beobachtet, von dem gleichen Hormon
kontrolliert werden, das die Blutzellenproduktion steuert. Einige dieser
Hormone wurden isoliert und von Beimengungen gereinigt, was die Möglichkeit
eröffnet, sie für die Leukämiebehandlung zu nutzen.
- Es gibt Anzeichen dafür, daß Tumorzellen in der Lage sind, neue Hormone
zu produzieren, die zum Wachstum von noch mehr Tumorzellen anregen.
- Das Studium von virusinduziertem Krebs bei Tieren führte zu einem
besseren Verständnis der molekularen Grundlagen für die Mechanismen von Veränderungen des Zell Wachstums, wie sie im Zusammenhang mit Krebs eintreten.
- Dank der DNS-Technologie kennt die Wissenschaft nunmehr bei mehreren
Tumorviren

die gesamte Struktur.

Jede Art von Tumorvirus besitzt ein Gen,

das Tumorwachstum auslöst und ein Protein "kodiert", das die Zellproliferation
anregen kann.

Zusammen mit anderen viralen Genen wird dieses Gen in die Zell-

chromosomen eingebaut und so an die Tochterzellen weitergegeben, die dann
ihrerseits alle das virus-"kodierte", tumorverursachende Protein produzieren.
In vielen Fällen handelt es sich bei diesem Protein um ein Enzym, das die
Zellproteine verändert.
- Viren sind an degenerativen Erkrankungen des Nervensystems und des
Gehirns beteiligt.
- Winzige virusähnliche Einheiten führen bei Pflanzen wie z.B. Kartoffeln,
Tomaten und Gurken zu ausgedehnten Krankheiten.
- Viren

�- Viren können Krebs entweder durch eine Blockierung der Zelldifferenzierung oder durch Anregen des Zellwachstums verursachen.

Die bisher vorlie-

genden Forschungsergebnisse deuten eher darauf hin, daß der Anregung des Zellwachstums die größere Bedeutung zukommt.
- Einige Tumorviren haben offenbar einzelne Gene, die allein für Krebs
verantwortlich zu machen sind.

Ganz ähnlich - vielleicht sogar identisch -

ist das Vorhandensein von Krebsgenen in normalen Zellen, deren Funktion bei
normalem Wachstum und bei normaler Entwicklung aber reguliert ist.
- Bei der Umwandlung normaler Zellen in Krebszellen kommt es zu einer
bestimmten Folge von Ereignissen.

Experimente in Israel haben demonstriert,

daß nach einer solchen Veränderungssequenz durch die Induzierung einer normalen Zelldifferenzierung einige Formen von Leukämie dazu gebracht werden
können, von der bösartigen Verlaufsform in den normalen Zustand zurückzukehren.

Diese "Umkehr"-Möglichkeit kann für die Behandlung von Krebs beim

Menschen von Bedeutung werden.
- Bei manchen Pflanzenarten kommt es dann zu Tumoren, wenn die Zellkerne
bestimmte DNS-Segmente eines Bakteriums, das die Pflanze infiziert hat, einbauen.
- Eine Schädigung der DNS-Erbsubstanz kann zu Krebs führen. Die Fähigkeit der Zelle, geschädigte DNS selbst zu "reparieren", scheint das Krebsrisiko ganz wesentlich zu senken. Ältere Zellen akkumulieren geschädigte
DNS. Dies scheint jedoch nicht eine Folge unwirksamer werdender Reparaturmechanismen zu sein. Die Forschung muß noch zeigen, ob die "Heilungsfähigkeit" wegen des Zellalters abnimmt, oder ob die Zelle altert, weil sie ihre
Selbstheilungsfähigkeit verliert.
- Umweltfaktoren, die DNS schädigen, können - vermutlich wegen der Verursachung von Mutationen - Krebs auslösen.

Wenn beispielsweise bei Bakte-

rien die DNS geschädigt wird, tritt eine Anzahl von Genen in Funktion, die

�die normalerweise nicht aktiv sind.
- Wissenschaftler haben an der Innenseite der Zellmembran zwei krebsproduzierende Proteine lokalisieren können.

Ein Protein, das bei Hühnern

gefunden wurde, war das Produkt eines krebsauslösenden Virus, das zweite
(bei Mäusen entdeckt) das Produkt eines Mäusekrebsvirus.

Im ersten Fall

befindet sich das Protein genau dort, wo Zellen einander berühren und sich
"verständigen" und von wo aus deshalb die Weitergabe von Informationen zwischen Zellen reguliert werden kann.

- 5 -

�</text>
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                    <text>c^°S^&lt;

VON

AMERIKA DIENST

&amp;

8. November 1989

41

INHALT

DOKUMENTATION

Die USA und Ihr Beitrag zur Bekämpfung weltweiter Klimaveränderungen
- Rede des Umweltbeauftragten William Reilley Keine Einigung bei Umweltkonferenz in Sofia
- Erklärung der amerikanischen Delegation Zahl von Staaten im Besitz ballistischer Raketen könnte sich
verdoppeln
- Stellungnahme von Vertreter des US-Außenministeriums -

* * * * *

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Dokumentation

41

8. November 1989

DIE USA UND IHR BEITRAG ZUR BEKÄMPFUNG WELTWEITER KLIMAVERÄNDERUNGEN
- Rede des Umweltschutzbeauftragten Willlara Reillv -

NORDWIJK - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden dem Leiter des US-Umweltschutzamts (Environmental Protection Agencv ~ EPA), William Reilly, zufolge
"ihren Teil beitragen", um die negativen Auswirkungen der weltweiten Klimavei—
änderungen zu bekämpfen. Dies erklärte Reilly am 6. November 1989 bei der
Weltklimakonferenz in den Niederlanden.
Reilly zufolge werden die Vereinigten Staaten "weiterhin eine führende Rolle
bei Bestrebungen zur Erweiterung unseres Bewußtseins für Klimaveränderungen
spielen". Die Bush-Administration wird ihr Augenmerk jedoch insbesondere darauf richten, daß die von ihr geförderten Programme "wissenschaftlich abgesichert sind".
Nachfolgend veröffentlichen wir Reillys Rede im Wortlaut.

Weltweit nimmt das Bewußtsein über
die Notwendigkeit der Erhaltung des
ökologischen Gleichgewichts der Erde
zu.
Dazu zählt die Erkenntnis, daß
atmosphärische Veränderungen das Klima auf unserem Planeten verändern
könnten.
Die Möglichkeit weltweiter Klimaveränderungen zwingt uns, diese Erde als
integriertes Gefüge zu betrachten.
Die Lösung dieses Problems erfordert
somit ein multilaterales Engagement
der Staatengemeinschaft. Ebenso notwendig ist ein einheitlicher politischer Ansatz, weil weltweite Klimaveränderungen
ebenso
Bereiche
wie
Wissenschaft, Energie, Wirtschaft und
Außenpolitik betreffen wie Umwelt.
Unter

den

Wissenschaftlern

besteht

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zunehmend Einigkeit, daß eine Erwärmung der Erdatmosphäre aufgrund von
Emissionen künstlicher Treibhausgase
möglich ist, wenn sich die Emissionen
in
bisherigem
Umfang
fortsetzen.
Dennoch besteht weiterhin Unklarheit
über Umfang, Zeitraum und regionale
Variationen der Erwärmung des Erdklimas.
Die Vereinigten Staaten werden
weiterhin eine führende Rolle bei Bestrebungen
zur Erweiterung
unseres
Bewußtseins
für
Klimaveränderungen
spielen. Wir werden unser Augenmerk
insbesondere darauf richten, daß die
von uns geförderten Programme w1ssenschaftlich abgesichert sind. Darüber
hinaus fördern die Vereinigten Staaten erstmalig eine Partnerschaft zwischen dem Privatsektor, Universitäten
und ihren eigenen staatlichen Forschungseinrichtungen, um das bestmög-

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�liehe Verständnis des Problems der
Klimaveränderung durch alle in diesem
Land verfügbaren Quellen zu gewährleisten.
Zur Beseitigung noch bestehender Unklarheiten
haben
die
Vereinigten
Staaten ihr Budget für die wissenschaftliche Erforschung der Ursachen
und Auswirkungen von Kltmaveränderungen erheblich erhöht. Präsident Bush
hat eine drastische Steigerung der
Ausgaben für Grundlagenforschung und
Versuche vorgeschlagen, um schwierige
wissenschaftliche Probleme im Bereich
der
Klimaveränderungen
zu
lösen.
Deshalb werden die Vereinigten Staten
im kommenden Haushaltsjahr voraussichtlich etwa 500 Millionen Dollar
ausgeben, unter anderem für satellitengestützte Untersuchungen der Erdoberfläche und andere Aktivitäten zur
Beobachtung und Erforschung der ökologischen Systeme auf der Erde. Präsident Bush hat beim jüngsten Weltwirtschaftsgipfel die anderen Länder
zu gemeinsamen Forschungsaktivitäten
aufgefordert.
Ich möchte diese Aufforderung heute gegenüber den hier
vertretenen Ländern wiederholen.
Wir können es uns jedoch nicht leisten zu warten, bis alle Unklarheiten
beseitigt sind, bevor wir etwas unternehmen.
Aus diesem Grund haben
die Vereinigten Staaten mit der Verwirklichung mehrerer Schritte begonnen, die unseres Erachtens zur Bewältigung des weltweiten Klimaproblems
beitragen werden.
So hat Präsident
Bush zu Beginn dieses Jahres die erste eingehende Überarbeitung unserer
Gesetze zur Luftreinhaltung seit über
einem Jahrzehnt angeordnet. Mit diesem Vorschlag wird der Schwefeldioxydausstoß von Kraftwerken sowie die
durch Automobile sowie Fabriken und
andere Unternehmen verursachte Umweltverschmutzung einschneidend abgebaut werden. Mit der Festlegung einer Obergrenze fflr den Ausstoß von
S02, die weit unter den heute zulässigen Emissionswerten liegt, hat
Präsident Bush ein Programm in Angriff genommen, das einen starken Anreiz zur Energieeinsparung bietet -

denn nur durch Energieeinsparung können
die
Stromversorgungsunternehmen
die vorgeschriebene Norm einhalten.
Wir erwarten, daß allein diese Art
von Initiative zur Reduzierung des
sauren Regens zu einem erheblichen
Abbau der Emissionen auf nationaler
Ebene beitragen kann.
Zweitens hat der Präsident einer Entscheidung zugestimmt, die eine Vei—
schärfung der Normen für den Flottenverbrauch von Automobilen in den Vereinigten Staaten vorsieht. Durch die
Senkung des durchschnittlichen Treibstoffverbrauchs der gesamten Flotte
werden sowohl die Abhängigkeit der
Vereinigten
Staaten von Ölimporten
als auch die Emissionen
von
CO2
verringert.
Drittens hat der Präsident die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
einen weltweiten vollständigen Verzicht auf die Verwendung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen bis zum Jahr
2 000 zugesichert. Der Präsident hat
eine Gebührenordnung für die Herstellung von FCKW vorgeschlagen, die eine
erhebliche Reduzierung von Produktion
und Einsatz dieser Substanzen zur
Folge haben wird. Die Zustimmung des
Kongresses zu diesem Vorschlag steht
kurz bevor.
Viertens hat der Präsident die Schaffung einer breitangelegten Nationalen
Energiestrategie gefordert.
Die gegenwärtig unter der Leitung des Energieministers
entwickelte
Strategie
wird zweifelsohne dazu führen, daß
Energieeinsparung
in
Zukunft
eine
größere Rolle spielen wird.
Schließlich
sind
die
Vereinigten
Staaten, wie bereits erwähnt, dazu
bereit, ihr Engagement bei der Erforschung des Erdklimas aufrechtzuerhalten.
Ich erwarte, daß unsere Forschungsausgaben in den kommenden Jahren weiter steigen werden.
Mit Blick auf die Zukunft beschäftigen sich die Vereinigten Staaten zur
Zeit aktiv mit weiteren Initiativen
in Bereichen wie Energieeinsparung

�und Wiederaufforstung.
Unseres Erachtens sollten alle Staaten solche
Maßnahmen
treffen, die
auch
dann
schon slnnvoll sind, während wir noch
weitere Erkenntnisse über das Erdklima sammeln. Ein umsichtiges Vorgehen
heute bedeutet eine Rückversicherung
gegen mögliche schädliche Auswirkungen des Treibhauseffekts in der Zukunft.
Wie Präsident Bush und die anderen
Staats- und Regierungschefs auf dem
Weltwirtschaftsgipfel
im
Juli
beschlossen haben, benötigen wir gemeinsame Anstrengungen, um die Emissionen von Kohlendioxyd und anderen
Treibhausgasen
zu
begrenzen.
Die
Vereinigten
Staaten sind sich der
Notwendigkeit bewußt, umfassende Maßnahmen - auf der Basis gesicherter
wissenschaftlicher Erkenntnisse - zur
Begrenzung
der
Emissionen
aller
Treibhausgase zu treffen, um die Erwärmung des Erdklimas zu verlangsamen. Obwohl alle Staaten auf dieses
Ziel hinarbeiten müssen, ist eine
Führungsrolle der Industriestaaten in
diesem Bereich besonders wichtig.
Die Vereinigten Staaten unterstützen
voll und ganz die Arbeit der Zwischenstaatlichen Kommission zur Klimaveränderung (IPCC), die unter der
Schirmherrschaft des Umweltprogramms
der Vereinten Nationen und der Weltorganisation für Meteorologie ins Leben gerufen wurde. Wir erwarten von
ihr, daß sie eine solide Grundlage
für
internationale
Schritte, einschließlich
nachfolgender
Vereinbarungen für Kontrollmaßnahmen, liefern
wird. Wir in den Vereinigten Staaten
beabsichtigen, dieses Gremium zu dem
Forum zu machen, in dem das Problem
auf internationaler Ebene behandelt
wird.
Wir erwarten, daß der IPCC-Prozeß zu
einer Rahmenkonvention über Klimaveränderung führt.
In dieser Hinsicht
genießt die Arbeit der IPCC die volle
Unterstützung der Vereinigten Staaten.
Die Vereinigten Staaten sind der Auf-

fassung, daß ein Abkommen über die
allgemeinen Prinzipien oder Leitlinien der beste und vernünftigste Weg
zur Lösung des anstehenden Problems
ist. Ein solcher Ansatz wird uns einen Rahmen bieten, mit dessen Hilfe
wir den weltweiten Konsens über geeignete Reaktionen auf die Veränderung des Erdklimas fördern können.
Um diese Diskussion aufzunehmen, haben die Vereinigten Staaten als Inhaber des Vorsitzes der IPCC-Arbeitsgruppe für Reaktionsstrategien eine
Tagung ausgerichtet, auf der die voraussichtlichen Punkte einer Rahmenkonvention über die Veränderung des
Erdklimas behandelt wurden. Mit dieser Tagung erhielten über 30 Staaten
eine erste Gelegenheit für den Versuch, einen gemeinsamen Ansatz zu den
vielfältigen Problemen zu erarbeiten,
die von einer solchen Rahmenkonvention abzudecken sind.
Zusätzlich
zu
den
multilateralen
IPCC-Bestrebungen
muß
jetzt
jedes
Land eine Bestandsaufnahme der Situation im Inland vornehmen und die möglichen Kosten und
wirtschaftlichen
Auswirkungen von Maßnahmen zur Eindämmung
der
Treibhausgasemissionen
oder zur Anpassung an die Klimaveränderungen sowie deren Nutzen für die
Umwelt
vornehmen.
Die
Vereinigten
Staaten haben sich zur Erforschung
aller möglichen Optionen auch im Hinblick auf ihren Nutzen, ihre technische Durchführbarkeit und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen verpflichtet.
Die Verelngten Staaten setzen
sich für die Anwendung eines marktortentierten Ansatzes zur Eindämmung
der Treibhausgase ein, den wir bereits in unserem Gesetz zur Reinhaltung der Luft festgelegt haben. Wir
hoffen, daß dieses Gesetz Vorbildcharakter für Marktanreize im Bereich
des Umweltschutzes haben wird.
Zur
Zeit prüfen wir kostengünstige kurzfristige Maßnahmen für die Bereiche
Energiewirtschaft, Forstwesen und andere Sektoren.
Zur Verringerung von
Emissionen auf längere Sicht setzen
wir darüber hinaus unsere Prioritäten
in den Bereichen Forschung und Tech-

�nologie.
Wir hoffen, im kommenden
Frühjahr eine erste Bestandsaufnahme
vorlegen zu können.
Ich möchte eindeutig klarstellen, daß
die Vereinigten Staaten sich der besonderen Schwierigkeiten der Entwicklungsländer bei der Bekämpfung der
weltweiten
Umweltprobleme
bewußt
sind.
Wir unterstützen die Bestrebungen
der
Entwicklungsländer
zur
wirtschaftlichen Entwicklung voll und
ganz und teilen sie sogar. Aus diesem Grund fördern wir ein breites
Spektrum bilateraler und multilateraler Bestrebungen zur finanziellen und
technischen Unterstützung - von denen
wir viele selbst in die Wege geleitet
haben. Ferner sind wir uns der Notwendigkeit
bewußt,
die
weltweite
Wirtschaftsentwicklung
in
Einklang
mit einer Umwelt zu bringen, die zur
Aufrechterhaltung dieses Wachstums in
der Lage ist.
Den einzigartigen Gegebenheiten in
den Entwicklungsländern wird Rechnung
getragen.
Wir haben beispielsweise
erst
kürzlich
eine
Expertenstudie
darüber in Auftrag gegeben, wie den
Entwicklungsländern
Umwelttechnologten zur Verfügung gestellt werden
können.
Darüber hinaus prüfen wir
die Möglichkeit eines Schuldennachlasses als Gegenleistung für Natürschutzmaßnahmen und andere innovative
finanzielle Ansätze.
Das amerikanische Amt für internationale Entwicklung
hat ferner einen
ehrgeizigen Plan entwickelt, der die
Integration von Umweltfragen und dauerhaftem Wachstum in ihre Programme
für die Entwicklungsländer vorsieht.
Darüber hinaus vertreten wir die Auffassung, daß die Weltbank und andere
multilaterale Entwicklungsbanken bei
der Förderung kontinuierlicher Entwicklung eine besonders wichtige Rolle spielen müssen, die unserer Ansicht nach noch an Bedeutung gewinnen
wird, wenn sich die internationale
Staatengemeinschaft
organisiert, um
mit einer Rahmenkonvention und den
Begleitprotokollen auf die Klimaver-

änderungen zu reagieren. Wir unterstützen die Bestrebungen der Entwicklungsbanken uneingeschränkt, Umweltaspekte in ihren EntScheidungsprozeß
einzubeziehen und bei der Auswertung
von Rohstoffprojekten den treibhauseffekt zu berücksichtigen.
Nach Auffasung der Vereinigten Staaten sind wir von den weltweiten K Ü maveränderungen
alle
gleichermaßen
betroffen. Um Präsident Bush zu zitieren, als er in seiner jüngsten Rede vor den Vereinten Nationen das
Problem der Erwärmung der Erde zur
Sprache
brachte:
"Die Vereinigten
Staaten werden
ihren Teil beitragen."
Der Präsident ist fest davon
überzeugt, daß Erfolg der Zusammenarbeit aller Länder bedarf.
Einigung
auf vernünftige internationale Strategien setzt voraus, daß wir alle unser Bestes geben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
41

8. November 1989

KEINE EINIGUNG BEI UMWELTKONFERENZ IN SOFIA
- Erklärung der amerikanischen Delegation -

SOFIA - (AD) - Die KSZE-Umweltkonferenz endete am 3. November 1989 ohne Einigung auf ein von allen 35 Nationen gebilligtes Schlußdokument. Rumänien legte
als einziges Land aufgrund des Passus über das Recht auf Versammlungs-, Veröffentlichungs- und Redefreiheit Einspruch ein.
"Meine Delegation bedauert zutiefst, daß nur 34 der 35 Nationen zu einem Konsens bereit waren", erklärte der amerikanische Delegationsleiter, Botschafter
Richard Smith, gegenüber den Konferenzteilnehmern.
"Wir sind bezüglich des
Schlußdokuments völlig unvoreingenommen bierhergekommen", fuhr er fort, "sind
inzwischen jedoch überzeugt, daß unsere Arbeit in einem einvernehmlichen Dokument festgehalten werden sollte."
Nachfolgend veröffentlichen wir die offizielle Erklärung von Botschafter Smith
im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, das KSZE-Treffen
zum Umweltschutz steht kurz vor seinem Abschluß. In nur drei Wochen haben wir Beachtliches geleistet, eine
Bestandsaufnahme der bisherigen Arbeit vorgenommen und zukünftige Möglichkeiten in drei Umweltbereichen Industrieunfällen, Gefahrstoffen und
Wasserverschmutzung - ebenso wie die
Schärfung des Problembewußtseins der
Öffentlichkeit erforscht.

Beitrag zu einem solchen Gedankenund
Erfahrungsaustausch
leisten zu
können. Die hier unter Experten sowohl bei den offiziellen als auch bei
informellen Treffen geführten Gespräche waren in der Tat produktiv und
informativ.
Sie haben zum besseren
Verständnis der uns betreffenden Umweltprobleme geführt und Mittel und
Wege zur Bewältigung dieser Probleme
aufgezeigt.

Die
Vereinigten Staaten erwarteten
von diesem Treffen einen Gedankenund Erfahrungsaustausch über Probleme
in diesen Umweltbereichen und deren
mögliche Lösungen.
Angesichts der
von den Vereinigten Staaten in die
Wege geleiteten umfangreichen Bestrebungen zum Schutz der Umwelt hatten
wir den Eindruck, einen maßgeblichen

Darüber hinaus sollte dieses Treffen
als Grundlage für die Arbeit in anderen internationalen Foren - insbesondere der Wirtschaftskommission
für
Europa - sowie für im Inland zu ergreifende Maßnahmen dienen.
Es wurden viele nützliche Vorschläge unterbreitet und den Delegationen - Finnland, Österreich, Schweden und der

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�Schweiz -, die sehr lange daran gearbeitet haben, Bestandteile von allgemeinem Interesse, bei denen eine Einigung
eigentlich
möglich
gewesen
sein müßte, in Vorschlag SEM. 36 einzuarbeiten, gebührt unser Dank für
die Koordinierung der Arbeit.
Die Vereinigten Staaten waren besonders über die Bestimmungen in ihrem
Vertragsentwurf erfreut, die sich auf
das Recht des einzelnen, von Gruppen
und Organisationen beziehen, ihre Ansichten zu sie betreffenden Umweltthemen frei zum Ausdruck zu bringen,
sich
friedlich versammeln, direkte
und unabhängige Kontakte schaffen und
aufrechterhalten
sowie
zu
diesem
Zweck an öffentlichen
Diskussionen
teilnehmen zu können. Darüber hinaus
begrüßen wir die Bestimmung zur Informationspflicht gegenüber der möglicherweise
betroffenen
Öffentlichkeit über die Risiken, Sicherheitsmaßnahmen und andere mit in ihrer Umgebung befindlichen Industrieeinrichtungen in Verbindung stehende Angelegenheiten.
Der Bericht enthält ferner eine wichtige Verfügung, in deren
Rahmen der Öffentlichkeit die Möglichkeit zum Mitspracherecht bei Entscheidungen
über
Vorbeugemaßnahmen,
Einsatzbereitschaft und Notstandsplanung gegeben wird.
Wie ich bereits
in einer früheren Erklärung ausgeführt habe, sind Problembewußtsein,
Besorgnis und Beteiligung der Öffentlichkeit Schlüsselfaktoren für wirksame Bestrebungen zum Schutz der gesunden Umwelt.
Die Delegation der Vereinigten Staaten freut sich, bekanntgeben zu können, daß auch sie Vorschlag SEM.36
unterstützt.
Wie bereits an dieser Stelle erklärt
wurde, ist es außerordentlich bedauerlich, daß nicht zwischen allen 35
Teilnehmerstaaten
ein Konsens über
die Schlußfolgerungen und Empfehlungen dieser Konferenz erzielt werden
konnte. Einvernehmen über den gesamten Inhalt des Berichtsentwurfs, einschließlich der von mir soeben er-

wähnten Bestimmungen, herrschte zwischen 34 Delegationen. Aber eine Delegation - nur eine einzige - verweigerte ihre Zustimmung zur Verabschiedung dieses Entwurfs. Die Bestimmungen, die auf den Widerspruch Rumäniens stießen, standen völlig im Einklang mit dem Mandat für dieses Treffen, gehörten zu den wichtigsten Maßnahmen, die zum Schutz der Umwelt unternommen werden sollten und waren
für die anderen teilnehmenden KSZEStaaten annehmbar. Die Weigerung Rumäniens, diese Bestimmungen anzunehmen, ist ein Symbol für die eindeutige Mißachtung der Menschenrechte und
Grundfreiheiten durch die rumänische
Regierung, obwohl sie sich zu deren
Einhaltung verpflichtet hatte. Diese
Mißachtung,
die
in
der Menschenrechtspolitik der rumänischen Regierung so deutlich zum Ausdruck kommt,
verdient unsere schärfste Kritik.
Natürlich können die in SEM.36 enthaltenen Gedanken auch in anderen Foren behandelt und dem für 1992 anberaumten Helsinki-Folgetreffen unterbreitet werden.
Wir müssen jedoch
auch andere Vorschläge berücksichtigen. So waren die Vereinigten Staaten beispielsweise erfreut über die
positiven Reaktionen auf den von uns
eingebrachten Vorschlag - SEM.29 -,
der von 20 weiteren Teilnehmern mitgetragen
wurde.
Die
Vereinigten
Staaten werden die in diesem Vorschlag enthaltenen Gedanken auch weiterhin verfolgen. Ferner enthält der
von
Ungarn
eingebrachte
und
von
Österreich mitgetragene Vorschlag
SEM.l (überarbeitete Fassung) - interessante Ideen zur gemeinsamen Einrichtung nationaler und internationaler Parks und Naturschutzgebiete, die
weitere Untersuchung verdienen.
Ich
möchte hier anmerken, daß die nichtstaatliche
Organisation Friends of
the Earth
International bei ihrem
Jahreskongreß
in
Washington
D.C.
kürzlich eine Resolution verabschiedet hat, die solch einen internationalen Park an der Donau vorsieht.
Ich hoffe, daß wir auch nach der
Rückkehr in unsere Hauptstädte diese

�Vorschläge weiter im Auge behalten,
die soviel Aufmerksamkeit erregt haben.

»
*

Die Vereinigten Staaten werden ferner
auf weitere Anstrengungen im Bereich
des Umweltschutzes drängen. So sind
wir etwa der Ansicht, daß die Regierungen erwägen sollten, Privatpersonen und nichtstaatlichen Organisationen eine noch größere Rolle bei der
Auswahl umweltpolitischer Maßnahmen,
Programme und Praktiken einzuräumen
sowie juristische oder Verwaltungsverfahren einzuführen - etwa eine unabhängige, unparteiische Justiz -,
mit deren Hilfe die Bürger sicherstellen können, daß Maßnahmen, Programme und Praktiken in Übereinstimmung mit den Gesetzen durchgeführt
werden. Jeder von uns muß die Anliegen der Bürger, denen wir dienen sollen, ebenso berücksichtigen wie wir
die Anliegen der anderen an diesem
Treffen teilnehmenden Regierungen berücksichtigt haben.
Im Hinblick auf die Organisation dieses Treffens möchte ich dem Exekutivsekretariat für seine ausgezeichnete
Arbeit danken. Dabei möchte ich die
Kooperation des Sekretariats bei der
Erleichterung der Teilnahme an diesem
Treffen für Privatpersonen und nichtstaatliche
Organisationen
aus den
Vereinigten Staaten und anderen Teilnehmerstaaten, einschließlich Bulgarien, besonders hervorheben.

^

J

Herr Vorsitzender, dieses Treffen in
Sofia trägt zum KSZE-Prozeß nicht nur
deshalb bei, indem es ein Forum für
Diskussionen und Übereinkünfte bietet, wie gemeinsame Umweltprobleme zu
lösen sind, sondern es dient auch als
Erinnerung an das enge Verhältnis
zwischen den vielen von der KSZE abgedeckten Bereichen, wie der Achtung
der Menschenrechte und Grundfreiheiten. Ich hege die Hoffnung, daß dieses Treffen einen Schritt zur Verwirklichung der erstmals vor 14 Jahren in der Schlußakte von Helsinki
niedergelegten Prinzipien darstellt nicht nur durch das, was jetzt in
diesem Raum geschieht, sondern auch
- 3

durch die Ereignisse außerhalb dieses
Saals in unserem Gastgeberland.
Erst vor kurzem haben zum Beispiel
einige Bürger Bulgariens ein unabhängiges Helsinki-Komitee gegründet, das
ebenso wie andere Gruppen in anderen
Teilnehmerstaaten eine Rolle zu spielen sucht, die wir im Hinblick auf
die Erlangung Her KSZE-Ziele als "bedeutsam und positiv" bezeichnet haben.
Angesichts des Fortschritts,
den wir in den letzten Wochen wahrgenommen haben, gehen wir davon aus,
daß die bulgarische Regierung unabhängige Beobachtungsaktivitäten zuläßt und tatsächlich "das Recht der
Menschen respektiert, die Durchführung der KSZE-Bestimmungen zu beobachten, zu fördern und sich zu diesem Zweck mit anderen zusammenzuschließen", wie es im Schlußdokument
von Wien heißt. Dies gilt für den
Helsinki-Ausschuß,
die
Unabhängige
Gesellschaft für den Schutz der Menschenrechte, den Ausschuß zur Verteidigung der Religionsfreiheit, Ecoglasnost, Podkrepa, das Komitee 273
und andere unabhängige Gruppen in
Bulgarien.
In gleicher Weise hoffen wir, daß die
Gespräche in Kuwait zwischen Bulgarien und der Türkei erfolgreich und
im Einklang mit den KSZE-Prinzipien
den Weg für verbesserte Beziehungen
zwischen beiden Ländern ebnen werden. Darüber hinaus hoffen wir, daß
diese Gespräche zur größeren Beachtung ethnischer, kultureller und religiöser Rechte führen werden. Die
Vereinigten Staaten werden die Entwicklungen in diesen Bereichen sehr
aufmerksam beobachten und nachdrücklich eine bessere Einhaltung der
KSZE-Bestimmungen über Minderheitenund andere Menschenrechte fordern.
Ich möchte hinzufügen, daß unsere
Sorge über die Menschenrechte nicht
auf einen Teilnehmerstaat begrenzt
ist. Zum Beispiel sind wir ernsthaft
besorgt über die vergangene Woche von
Behörden anderer KSZE-Länder getroffenen Maßnahmen gegen Menschen, die
versucht haben, ihr Recht auf fried-

�liehe Versammlungen auszuüben sowie
über die anhaltende Verfolgung und
Inhaftierung derjenigen, die ihre in
der Schlußakte von Helsinki und den
KSZE-Folgedokumenten
garantierten
Rechte und Freiheiten in Anspruch
nehmen wollen. Menschenrechtsverletzungen wie diese müssen aufhören,
wenn wir echte Sicherheit und Zusammenarbeit haben wollen, wie sie die
KSZE vorsieht.
Herr Vorsitzender, zum Schluß möchte
meine Regierung betonen, daß ungeachtet dessen, was hier in Sofia geschieht, andere ihr Augemenrk darauf
richten werden, was nach diesem Treffen an Taten auf unsere Worte hier
folgen wird. Meine Delegation hofft,
daß dieses Treffen als Katalysator
betrachtet werden wird, der Regierungen veranlaßt, konkrete Schritte zu
unternehmen und unmittelbare Maßnahmen in bezug auf die Probleme zu ergreifen, die wir in diesen letzten
drei Wochen hier besprochen haben.
In dieser Hinsicht hoffen wir trotz
des fehlenden Konsens' auf die Durchführung des Vorschlags SEM.36 als
Ganzes.
Wenn wir in unsere Hauptstädte zurückkehren, müssen wir sicherstellen, daß unser gemeinsamer
Vorsatz zur Behandlung der Umweltkrise nicht erschüttert wird.

* * * * *

-4

�AMERIKA DIENST
Dokumentation

8. November 1989

AI

ZAHL VON STAATEN IM BESITZ BALLISTISCHER RAKETEN KÖNNTE SICH VERDOPPELN
- Stellungnahme von Vertreter des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter der Abteilung für militärpolitische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Richard Clarke, zufolge könnte die Zahl der
Länder, die selbst entwickelte ballistische Raketen besitzen, bis zum Ende
dieses Jahrhunderts von 10 auf 20 steigen. Vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats betonte Clarke am 31. Oktober 1989, obwohl die Vereinigten Staaten "die
Weiterverbreitung von Raketen bis zu einem gewissen Grad behindern" könnten,
sei "ein multilaterales Vorgehen die einzig realistische Antwort".
Clarke's Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Ich freue mich, zur amerikanischen
Politik in bezug auf die Verbreitung
von Raketen Stellung nehmen zu können. Angefangen beim Präsidenten und
beim Vizepräsidenten hat diese Administration die Nichtverbreitung zu
einer vordringlichen Aufgabe ihrer
Außenpolitik erklärt. Sicherlich gehört dieses Thema seit meinem Amtsantritt als Leiter der Abteilung für
militärpolitische Angelegenheiten zu
meinen Prioritäten.
Ich teile das
Interesse des Ausschusses daran, daß
die Vereinigten Staaten jede Anstrengung unternehmen, um die Weiterverbreitung von Raketen unter Kontrolle
zu bringen.
Ich
der

möchte die gegenwärtige Politik
Vereinigten
Staaten gegen die

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Weiterverbreitung
zusammenfassen.

von

Raketen

kurz

Die Ziele der Vereinigten Staaten
Seit die von der Weiterverbreitung
von Raketen ausgehende Bedrohung vor
einigen Jahren offen zutage trat, haben sich die Vereinigten Staaten aktiv an Bemühungen beteiligt, diesen
Prozeß aufzuhalten. Ballistische Raketen, die schnell und schwer zu entdecken sind, bergen in sich die Bedrohung eines Überraschungsangriffs.
Ihr Vorhandensein kann in politischen
Spannungsgebieten
destabili sierende
Auswirkungen haben.
Noch bedrohlicher ist jedoch die Tatsache, daß einige Länder in der Lage sind, sie mit

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�chemischen, biologischen oder nuklearen Gefechtsköpfen zu bestücken.

dinierung unter diesen
ten erforderlich macht.

Heute besitzen etwa 10 Staaten selbst
entwickelte
ballistische
Raketen.
Diese Zahl könnte sich bis zum Ende
dieses Jahrhunderts verdoppeln. Viele dieser Länder befinden sich in Regionen, in denen starke Spannungen
und ein hohes Konfliktpotential bestehen.

Unser Hauptinstrument der multilateralen Zusammenarbeit ist die von uns
zusammen mit den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland, Frankreichs,
Großbritanniens, Italiens, Japans und
Kanadas am 16. April 1987 beschlossene Vereinbarung zur Kontrolle der Raketentechnologie - (Missile Technology Control Regime) MTCR. Diese Vereinbarung ist kein Vertrag und - rein
formal gesehen - noch nicht einmal
ein
internationales Abkommen.
Wie
die Nuclear Suppliers Group stellt
sie identische Richtlinien auf. die
von den Mitgliedstaaten im Einklang
mit ihren nationalen Gesetzen angewendet werden sollen.
Die Vereinbarung sieht ferner - soweit notwendig
und angebracht - einen Austausch einschlägiger Informationen mit den anderen Partnern vor.

Wir unternehmen Schritte, um die mit
dem Erwerb, Bau oder Verkauf dieser
Waffen
einhergehenden
politischen,
wirtschaftlichen
und
diplomatischen
Kosten zu erhöhen. Wir bemühen uns
in Übereinstimmung
mit unseren
Zielen der Nichtweiterverbreitung
von Raketen den Verkauf oder Erwerb von Raketen zu verhindern;
den Erwerb zu verzögern, indem
wir den Zeitraum und die notwendigen Mittel , die zur Entwicklung
oder zum Kauf von Raketen erforderlich sind, ausweiten;
den internationalen Druck auf die
Anbieterstaaten
zu erhöhen, um
diese davon abzuhalten, wichtige
Ausrüstungsteile und Technologien
zu verkaufen;
die potentiellen Nachteile für
unsere Politik oder Interessen zu
begrenzen, wo ein Erwerb von Raketen nicht verhindert oder verzögert werden kann.

Multilaterale Bemühungen
Obwohl die Weiterverbreitung von Raketen durch isolierte Bemühungen der
Vereinigten Staaten bis zu einem gewissen Grad behindert werden kann,
ist ein multilaterales Vorgehen die
einzig realistische Antwort.
Ungefähr 10 Länder kommen als Lieferanten
für Raketentechnik in Frage, und wir
haben bereits in einem frühen Stadium
erkannt, daß jeglicher Versuch, die
Weiterverbreitung dieser Technologie
unter Kontrolle zu bringen, die Koor-

Anbieterstaa-

Des weiteren haben wir mit den anderen Mitgliedstaaten eng zusammengearbeitet, um das Angebot an Raketentechnik sowohl als allgemeinpolitisches Ziel als auch in bestimmten
Einzelfällen
zu
beschränken.
Den
MTCR-Richtlinien zufolge kontrollieren unsere Partner und wir die Ausfuhr von Ausrüstung und Technologie
für Raketen, die als Träger einer
Nutzlast von mindestens 500 kg in
Frage kommen und eine Reichweite von
mindestens 300 km haben. Diese Parameter wurden aus technischen und geopolitischen Gründen vereinbart. Darunter fallen Systeme wie die indische
Prithvi, die argentinisch-ägyptischirakische Condor sowie die sowjetische SCUD.
Unsere Bemühungen
beschränken
sich
jedoch nicht auf die MTCR. Wir haben
uns ferner um Gespräche mit anderen
Anbieterstaaten, wie etwa der Sowjetunion, der Volksrepublik China und
einigen neutralen Ländern sowie den
aufstrebenden Lieferanten wie Argentinien und Brasilien bemüht.
Wir
planen in naher Zukunft eine weitere
Gesprächsrunde
über die Weiterverbreitung von Raketen mit der Sowjet-

- 2 -

�union. Das Ziel dieser Gespräche besteht darin, mehr Zurückhaltung bei
der Lieferung von Raketentechnologie
zu bewirken sowie unsere Besorgnis
über bestimmte Projekte und Lieferungen zum Ausdruck zu bringen. Ferner
haben wir Gespräche zwischen den
Schlüsselländern
sowohl
im
Nahen
Osten als auch in SUdasien gefördert,
um die dort empfundene Notwendigkeit
des Besitzes von Raketen und Raketentechnologie abzubauen.

Verstärkte Bemühungen des Außenministeriums
In den Vereinigten Staaten haben wir
mehrere Maßnahmen getroffen, um unsere Kontrolle über raketenverwertbare
Exporte zu verstärken und unseren
laut MTCR eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Der für Militärhilfe, Wissenschaft und Technologie
zuständige Staatssekretär koordiniert
die Maßnahmen im Hinblick auf die
Weiterverbreitung von Raketen.
Er
hat den Vorsitz des interministeriellen Koordinierungsausschusses (Policy
Coordination Committee - PCC) für
Maßnahmen zur Nichtweiterverbreitung,
darunter nukleare, chemische und biologische Waffen sowie Raketen. Alle
mit diesem Problem befaßten Behörden
sind im PCC vertreten.
Innerhalb des Außenministeriums liegt
die Hauptverantwortung für alle Maßnahmen in bezug auf die Weiterverbreitung von Raketen beim Militärpolitischen Büro (Politico-Military Bureau - BM)
Um unsere Bemühungen
noch zu verstärken, wird eine neue
Dienststelle für die Nichtweiterverbreitung (Office of Proliferation)
geschaffen, die alle Maßnahmen zur
Nichtweiterverbreitung
von
Raketen
wie auch von chemischen und biologischen waffen koordinieren wird.
Wir sind bestrebt, Normen für die
Prüfung von Exportvorfällen, die der
Kontrolle von Wirtschafts- und Außenministerium unterworfen sind, festzulegen und den interministeriellen Koordinierungsprozeß zu verbessern. So

haben wir als erstes im vergangenen
Juni die vom PM geleitete Arbeitsgruppe zur Kontrolle Raketentechnischer Exporte (Missile Technology Export Control Group - MTEC) ins Leben
gerufen. Mit Beteiligung von Raketentechnikexperten des Außen-, Verteidigungs- und
Wirtschaftsministeriums, der NASA, des ACDA und der Geheimdienste hat diese Gruppe inzwischen die Vergabe von Ausfuhrlizenzen
in über 200 Fällen überprüft. Die
Gruppe entwickelt gegenwärtig ein System für die Prüfung von Fällen, die
in
den
Verantwortungsbereich
des
Wirtschafts- und
des
Außenministeriums fallen.
Ferner haben wir die Arbeitsgruppe
für die Untersuchung des Handels mit
Raketen (Missile Trade Analysis Group
- MTAG) gebildet, um die Aktivitäten
ausländischer Körperschaften zu untersuchen, die zur Weiterverbreitung
von Raketen beitragen könnten. Die
MTAG liefert einen formellen Rahmen
für die Zusammenarbeit von Außen-,
Verteidigungs- und
Wirtschaftsministerium, ACDA und den Geheimdiensten
im Hinblick auf die ausländische Beteiligung an Programmen für ballistische Raketen und Weltraumträgersysteme. Die MTAG tritt regelmäßig zusammen, um frühzeitig und angemessen auf
Informationen reagieren zu können,
die mit der Bereitstellung von Gütern
und Dienstleistungen für Entwicklung,
Erprobung und Herstellung von Raketen
in Zusammenhang stehen.
Sie prüft
nachrichtendienstliche Informationen,
koordiniert vorgeschlagene Demarchen,
liefert einen zentralen Mechanismus
für die Freigabe nachrichtendienstlicher Informationen und kümmert sich
um die notwendigen Folgemaßnahmen.
Drittens planen wir eine erhebliche
Erweiterung der Dienststelle für Munitionskontrolle (Office of Munitions
Control), das die Ausfuhrgenehmigungen für mit Raketentechnologie in
Verbindung stehende Posten auf der
US-Munitionsliste
(U.S.
Munitions
List) bearbeitet. Wir stellen neue
Beamte ein und installieren ein neues
Computersystem für die Bearbeitung

- 3 -

�von Fällen.
Mit diesen Maßnahmen
wird die effiziente Bearbeitung von
Ausfuhranträgen sowie eine rigorose
Anwendung von Beschlüssen zur Förderung unserer Ziele der Nichtweiterverbreitung von Raketen sichergestellt.
Die Ministerien für Wirtschaft und
Verteidigung sowie das ACDA haben
ferner verschiedene Schritte unternommen, um die Durchführung unserer
Nichtverbreitungspolitik zu fördern.
Bedeutende Erfolge
Wie gut haben wir bei der Kontrolle
der Verbreitung von Raketen und Raketentechnologie abgeschnitten?
Trotz
einiger Rückschläge haben wir meines
Erachtens
bei
unseren
Bemühungen
wichtige Erfolge errungen. Mit der
MTCR haben die Vereinigten Staaten
ein
wirkungsvolles
diplomatisches
Druckmittel - ohne tatsächlich Sanktionen einzusetzen - angewendet, um
die Exporte anderer Staaten zu begrenzen und die Entwicklung besorgniserregender Raketenprojekte zu verzögern. Obwohl ich aus Gründen der
Geheimhaltung hier nicht detailliert
Stellung nehmen kann, möchte ich doch
einige unserer Erfolge kurz ansprechen.
In Zusammenarbeit mit unseren MTCRPartnern ist es uns gelungen, erheblichen Einfluß auf das Raketenprogramm Condor zu nehmen, das von den
Regierungen
Ägyptens, Argentiniens
und des Irak gemeinsam betrieben
wird. Wir haben unsere Besorgnisse
im Hinblick auf die Condor mit hochrangigen Vertretern der beteiligten
Regierungen zur Sprache gebracht und
erreicht, daß konspirative Vertriebsnetze für dieses Programm in Westeuropa zunichte gemacht wurden.
Unsere gemeinsamen Bestrebungen mit
der italienischen und der Bundesregierung hatten Erfolg, da sie Exporte
von Firmen aus diesen Ländern für das
Condor-Programm
beschränkten.
Als
Ergebnis hat die italienische Regie-

rung Maßnahmen ergriffen, um die Beteiligung kleiner und großer italienischer Unternehmen am Condor-Programm zu stoppen.
Italien hat die
strafrechtliche Verfolgung von verschiedenen kleinen Firmen und Personen aufgenommen, die sich daran beteiligt hatten. Senator Bingaman hat
auf diese Maßnahmen in den Kongreßakten verwiesen.
Ebenso wie Senator
Bingaman sind wir mit der Kooperation
der italienischen Regierungen zu diesem Problem zufrieden.
Darüber hinaus haben wir eng mit der
Regierung der Bundesrepulbik Deutschland zusammengearbeitet. Unsere Kooperation hat dazu geführt, daß die
Bundesregierung bei besorgniserregenden Projekten Maßnahmen zur Einschränkung
von Exporten ergreift.
Darauf würde ich in einer nicht-öffentlichen Sitzung gern näher eingehen. Der Deutsche Bundestag arbeitet
an einer strengen staatlich unterstützten Gesetzgebung zur Nichtweiterverbreitung von Raketen, um die
Aktivitäten von Bundesbürgern besser
zu kontrollieren und die Durchführung
der MTCR auf deutscher Seite zu erleichtern.
Vor Juni dieses Jahres hatten wir zu
diesem Thema mehrmals einen sehr produktiven Austausch mit der Volksrepublik China, insbesondere nachdem sie
Raketen des Typs CSS-2 an Saudi-Arabien geliefert hatte. Als Reaktion
auf die von uns geäußerte Besorgnis
haben die Chinesen uns auf eine Art
und Weise geantwortet, die andeutet,
daß sie ihre Mittelstreckenraketen
ausschließlich
nach
Saudi-Arabien
liefern werden.

Perspektiven
In den nur zwei Jahren ihres Bestehen
hat die MTCR bei der Kontrolle der
Weiterverbreitung einen guten Anfang
gemacht. Die von mir bereits angesprochenen
Verbesserungen
bei der
Überprüfung von Fällen zur Raketentechnologie haben zusammen mit den
von unseren Partnern bei MTCR erziel-

�ten Verbesserungen die Vereinbarung
erheblich gestärkt.
Wir haben zusätzliche Maßnahmen zu ihrer weiteren
positiven Entwicklung vorgeschlagen.
Diese Maßnahmen werden gegenwärtig
mit unseren MTCR-Partnern erörtert.
Erstens wollen wir bei MTCR mehr als
die ursprünglich sieben Mitglieder
gewinnen.
Die anstehende Auflösung
von Handelsschranken im Zusammenahng
mit dem Europäischen Binnenmarkt 1992
macht es für die MTCR-Mitglieder
dringend erforderlich, daß sich die
acht übrigen EG-Regierungen der Vereinbarung
anschließen.
Wenn
sie
nicht dafür gewonnen werden, könnte
ein MTCR-Mitglied in der EG nach 1992
nicht in der Lage sein, den Export
eines EG-Landes an ein Nicht-Mitglied
der MTCR zu kontrollieren, und die
Waren konnten von diesem Nicht-MTCRMitglied ihren Weg zu einem für uns
bedenklichen Raketenprogramm nehmen.
Die europäischen MTCR-Partner hegen
wie wir den Wunsch, alle EG-Staaten
einzubeziehen.
Darüber hinaus ist
die Mitgliedschaft bei MTCR oder eine
ähnliche Einschränkung anderer Zulieferländer wünschenswert.
Zweitens arbeiten wir mit unseren
MTCR-Partnern an der Überwindung von
Meinungsverschiedenheiten bei der Interpretation
der
MTCR-Richtlinien.
Die Vereinigten Staaten exportieren
keine Geräte oder Technologie für
Raumfahrtsysteme an Länder mit Programmen
für ballistische Raketen,
weil in den meisten Fällen Raumfahrtsysteme und Gerät sowie Technologie
für militärisch einsetzbare Raketen
austauschbar, wenn nicht identisch
sind. Unserer Ansicht nach ist das
Risiko einer Zweckentfremdung von zivilen Weltraumprogrammen zu Raketenprogrammen nicht akzeptabel .
Andererseits ist sich der Ausschuß
zweifellos der Berichte über einen
geplanten französischen Transfer von
Raumfahrttechnologie in genau so einem Fall bewußt.
Gemäß der MTCRRichtlinien stehen wir mit der französischen Regierung in Konsultationen
über diese Angelegenheit.
Ich kann

Ihnen versichern, daß wir den Franzosen unsere Besorgnis an höchster
Stelle vermittelt haben. Meine Mitarbeiter haben den Ausschuß in einer
nicht-öffentlichen Sitzung über den
Stand dieser Konsultationen informiert.
Schließlich habe ich bereits auf unsere Gespräche mit der Sowjetunion
und der Volksrepublik China hingewiesen. Wir werden sie und andere Zulieferländer ermutigen, ihren Handel
mit Raketen einzuschränken.

Gesetze zur Weiterverbreitung
Wir haben die Gesetzentwürfe zur
Nichtweiterverbreitung
von
Raketen
eingehend verfolgt. Wir haben bestehende Bestimmungen überprüft und sind
zu dem Schluß gekommen, daß kein neues Gestz zur Durchführung unserer Politik der Nichtweiterverbreitung erforderlich ist. Tatsächlich habe ich
Bedenken, Gesetze könnten den gegenteiligen Effekt haben und unsere Fähigkeit zur Reaktion auf die Herausforderung der Weiterverbreitung von
Raketen eher behindern als verbessern. Wir sind in Sorge, daß Gesetze
entscheidende Bestrebungen der internationalen Kooperation im Bereich der
Weiterverbreitung zerstören könnten.
Die Vereinigten Staaten können ihr
Ziel der Nichtweiterverbreitung von
Raketen ohne diese Kooperation nicht
verwirklichen.
Ich habe bereits darauf verwiesen,
daß MTCR unser wichtigster Mechanismus zur Verwirklichung der Nichtweiterverbreitung von Raketen ist. Dabei möchte ich betonen, daß es sich
hierbei um ein freiwilliges Arrangement der Kooperation auf der Grundlage von diplomatischer Konsultation
und
Informationsaustausch
handelt.
Obwohl die neuen Gesetze mehr Bestimmungen über die Verhängung von Sanktionen vorsehen und damit versuchen,
einen größeren Spielraum zu gewähren,
besteht doch das vordringliche Ziel
der meisten Gesetze darin, ausländischen Firmen oder Ländern für nicht

- 5 -

�gerechtfertigte Raketenexporte strenge Sanktionen aufzuerlegen.
Eine
Mußvorschrift über einseitige Sanktionen gegen unsere MTCR-Partner würde dem Geist der Vereinbarung zuwiderlaufen und wahrscheinlich zu Spannungen führen, mit denen die Effektivität der Vereinbarung als kooperativer Mechanismus ernsthaft bedroht
würde.
Das trifft insbesondere für
den gegenwärtigen Zeitpunkt zu, an
dem wichtige Fragen im Rahmen von
MTCR erörtert werden.
Darüber hinaus könnte die Möglichkeit
der Vereinigten Staaten, einseitig
gegen eine ausländische Firma oder
ein anderes Land vorzugehen, die Mechanismen des Informationsaustauschs
innerhalb von MTCR ernsthaft gefährden. Partner, die mit uns Aktivitäten ihrer Firmen im Zusammenhang mit
Raketen erörtern wollen, würden wahrscheinlich davon Abstand nehmen, wenn
dies amerikanische Sanktionen gegen
diese Unternehmen nach sich ziehen
würde.
Auch wenn die Sanktionen
nicht für Aktivitäten verhängt werden, die den Gesetzen des ausländischen Landes nach legal sind, wären
Informationsaustausch und Konsultationen in dem Fall problematisch, wo
die Aktivitäten eines Unternehmens
ein Grenzfall wären. Die Regierung
könnte eine Entscheidung über die Legalität der Aktivitäten abwarten, bevor sie wichtige Informationen weitergibt. Und tatsächlich könnte eine
Entscheidung über die Legalität von
dem Wissen beeinflußt werden, daß eine Feststellung illegaler Aktivitäten
zu amerikanischen Sanktionen fünren
würde.
Damit hätten die Sanktionen
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen dämpfenden Effekt auf die effektive Durchführung
der MTCR.
Ich möchte nochmals betonen, daß es
sich bei MTCR nicht um ein internationales Abkommen handelt, sondern
die Vereinbarung enthält Richtlinien,
an die sich alle Mitgliedern im Einklang mit ihren nationalen Gesetzen
halten sollen. Ihre Stärke liegt in
diplomatischen Konsulationen und In-

formationsaustausch. Da die Gesetzentwürfe wahrscheinlich diesen Informationsaustausch und die damit einhergehenden Konsultationen behindern,
könnten die Gesetze möglicherweise
MTCR auf eine von ihren Anhängern
nicht beabsichtigte Weise beeinflussen und damit erheblich schwächen keineswegs stärken.
Eine Gesetzgebung könnte unsere Bestrebungen zur Erweiterung der Vereinbarung verkomplizieren, wenn sie
sich der Vereinbarung selbst bedient,
um amerikanische
Sanktionen gegen
ausländische Firmen zu verhängen.
Länder, die ihre Mitgliedschaft noch
erwägen, könnte dies abschrecken.
Der Präsident muß sich die Flexibilität zur Entscheidung darüber erhalten, mit welchen Maßnahmen die von
uns angestrebten Ergebnisse am besten
erzielt werden können.
Wir hatten
mit diplomatischem Druck und Überzeugungskraft Erfolge, die wir mit wenig
flexiblen Sanktionen nicht erzielt
hätten. Der Zwang zu Sanktionen würde es unmöglich machen, zwischen
ernsthaften Verstößen - bei denen der
Präsident ohnehin zur Verhängung von
Sanktionen befugt ist - und vergleichsweise geringfügigen Abweichungen zu differenzieren.
Die Nichtweiterverbreitung von Raketen ist lediglich ein Element der Außenpolitik,
und der Präsident muß so flexibel
sein können, die unterschiedlichen
Interessen gegeneinander abzuwägen.
Ein Verzicht darauf oder sogar Bedingungen, die Gelegenheiten einschränken, bei denen Sanktionen verhängt
werden können, lösen dieses zugrundeliegende Problem nicht.
Schließlich brauchen wir keine neue
Gesetzgebung in diesem Bereich. Die
bestehenden Gesetze gewähren genügend
Autorität, um das zu tun, was getan
werden muß. Zum Beispiel würden neue
Gesetzentwürfe im Hinblick auf Exporte amerikanischen Usprungs zumindest
teilweise die bestehenden Strafen
verdoppeln. Mit dem Gesetz zur Kontrolle von Waffenexporten (Arms Export Control Act - AECA) und dem Au-

�ßenhandelsgesetz (Export Administration Act - EAA) sind wir befugt, die
Lieferung amerikanischer Raketentechnologie in Länder oder für Projekte
zu unterbinden, gegen die wir Bedenken
haben.
Beide
Gesetze
sehen
strenge zivilrechtliche, strafrechtliche und Ordnungsstrafen vor.
Darüber hinaus kann im Rahmen von AECA
auch die Verweigerung einer Exportgenehmigung als Sanktion gegen ein Land
- oder Länder, die solche Bestrebungen unterstützen - eingesetzt werden,
das Langstreckenraketen herstellt und
damit amerikanische Sicherheitsinteressen oder die regionale Stabilität
gefährdet.
Auf
internationaler Ebene verfügen
wir über die notwendigen Instrumente
zur
Durchführung
unserer
Politik.
Zusätzlich zu unserer Fähigkeit, amerikanische Exportgenehmigungen vorzubehalten oder zu verweigern, haben
wir Verfahren zur Koordinierung nachrichtendienstlicher
Informationen
eingeleitet und diplomatischen Druck
intensiviert.

und der Bundesrepublik Deutschland, zu beschränken. Wir arbeiten an der Erweiterung von MTCR
und der Abstimmung entsprechender
Maßnahmen.
Schließlich nutzen wir weiterhin
unsere diplomatischen Kanäle, um
andere Zulieferer und Länder mit
besorgniserregenden Projekten vom
Handel abzuhalten.
Aus diesem Grunde hegen wir auf der
Grundlage unserer Prüfung von Gesetzentwürfen ernsthafte Bedenken, ob Gesetze das richtige Mittel sind.
Ich hoffe, meine Ausführungen verdeutlichen
den
Ausschußmitgliedern,
wie die Administration die Weiterverbreitung
von
Raketen
in
Angriff
nimmt. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit für unser gemeinsames Ziel.

* * * * *

Zusammenfassung und Schluß
Ich habe eine Bilanz gezogen, wie wir
unsere Bestrebungen
zur
Bekämpfung
der Weiterverbreitung von Raketen intensivieren.
-

Im Außenministerium rufen wir eine neue Dienststelle ins Leben,
die sich der Nichtweiterverbreitung von Raketen widmet.

-

Wir haben zwei interministerielle
Gruppen eingesetzt, von denen eine Fälle des Außen- und WirtSchaftsministeriums
behandelt,
die andere beschäftigt sich mit
Außenhandel.

-

Wir bauen die Dienststelle
Munitionskontrolle aus.

*

für

Auf internationaler Ebene haben
wir die MTCR eingesetzt, um Exporte für besorgniserregende Projekte, insbesondere aus Italien

7 -

�</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
8. November 1995

31

NAHER OSTEN

WER FRIEDEN LIEBT, MUSS RABINS KAMPF
WEITERFÜHREN
Ansprache von Präsident Clinton beim
Staatsbegräbnis

BOSNIEN

USA BETEILIGEN SICH AN NATO-MISSION IN
BOSNIEN
Rede von Präsident Clinton

DEMOKRATIE

DIE ELEKTRONISCHE REPUBLIK
von Lawrence Grossman

BÜRGERRECHTE

DER LANGE KAMPF UM BURGERRECHTE
IN DEN USA
Rede vor der Black Lawyers Association

VETERANS DAY

AMERIKANISCHE STREITKRÄFTE FORDERN
DEMOKRATIE UND FRIEDEN
Proklamation zum 11. November

SPORT

DIE OLYMPISCHEN SPIELE
von Stephen E. Roulac

Diese Artikel sind elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�NAHER

OSTEN
8. November 1995

Wer Frieden liebt, muß Rabins Kampf weiterführen
Ansprache von Präsident Clinton beim Staatsbegräbnis
JERUSALEM - (AD) - Der israelische Ministerpräsident Yitzhak Rabin "hat den Weg geebnet und jetzt ist es
an uns allen, die den Frieden lieben, ... den Kampf fortzuführen, den er ins Leben rief und für den er sein
Leben ließ", äußerte Präsident Clinton beim Staatsbegräbnis für Rabin auf dem Har Herzl-Friedhof in
Jerusalem. Der Präsident erklärte, der Geist des ermordeten israelischen Politikers "wird weiterhin den Weg
weisen. Sein Geist lebt fort in dem wachsenden Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn. Er lebt fort
in den Augen der Kinder, der jüdischen und arabischen Kinder, die eine Vergangenheit der Angst für eine
Zukunft der Hoffnung hinter sich lassen. Er lebt fort in dem Versprechen echter Sicherheit."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Grabrede des Präsidenten im Wortlaut.

Liebe Leah, liebe Familienangehörige, Präsident
Weizman, amtierender Ministerpräsident Peres,
Mitglieder der israelischen Regierung und der
Knesset, verehrte Staats- und Regierungschefs aus
dem Nahen Osten und der ganzen Welt, Seine
Majestät König Hussein - herzlichen Dank für Ihre
bemerkenswerten und schönen Worte -, Präsident
Mubarak, daß Sie diese historische Reise nach hier
angetreten haben, liebe Israelis.
Das amerikanische Volk trauert mit Ihnen um den
Verlust Ihres Ministerpräsidenten. Und ich trauere
mit Ihnen, denn er war mein Partner und Freund.
Jeder mit ihm verbrachte Augenblick war eine
Freude, denn er war ein guter Mann, und eine
Inspiration, denn er war auch ein großer Mann.
Leah, ich weiß, daß Sie zu häufig im Leben dieses
Landes gefordert waren, den Müttern und Vätern,
den Ehemännern und Ehefrauen, den Söhnen und
Töchtern beizustehen und Trost zu spenden, die
einen geliebten Angehörigen durch Gewalt und
Rache verloren hatten. Sie gaben ihnen die Stärke.
Jetzt wollen wir hier und die Millionen Menschen auf
der ganzen Welt Ihnen in aller Bescheidenheit und
Ehrerbietung unsere Stärke anbieten. Möge Gott
Sie trösten unter all den Trauernden von Zion und
Jerusalem.
Yitzhak Rabin lebte die Geschichte Israels - mit jeder
Prüfung und mit jedem Triumph - dem Kampf für
Unabhängigkeit, den Kriegen ums Überleben, dem
Streben nach Frieden - und bei all dem diente er an
der Frontlinie - dieser Sohn Davids und Salomons

AMERIKA DIENST 31

ergriff die Waffen, um Israels Freiheit zu verteidigen
und ließ sein Leben, um Israels Zukunft zu sichern.
Er war ein Mann ohne jegliche Verstellung, wie alle
seine Freunde wußten. Ich habe gelesen, daß David
Ben Gurion ihn 1949, nach dem Unabhängigkeitskrieg, als Vertreter Israels zu den Waffenstillstandsgesprächen nach Rhodos entsandte - und er hatte
bis damals noch nie eine Krawatte getragen und
wußte nicht, wie man sie bindet. Das Problem wurde
von einem Freund gelöst, der die Krawatte vor seiner
Abreise für ihn band und ihm zeigte, wie man den
Knoten bewahrt, indem man einfach die Krawatte
lockert und über den Kopf zieht. Das letzte Mal als
wir zusammen waren, vor nicht einmal zwei Wochen,
erschien er zu einer Veranstaltung, bei der ein
Smoking als Kleidung vorgeschrieben war - aber
ohne Fliege. Also borgte er sich eine Fliege, und ich
hatte die Ehre, sie für ihn zurechtzurücken. Diesen
Augenblick werde ich solange ich lebe im Gedächtnis
bewahren. Für ihn waren Zeremonien und Worte
weniger wichtig als Handeln und Taten.
Vor sechs Wochen - wie sich König Hussein und
Präsident Mubarak erinnern werden - waren wir zur
Unterzeichnung des israelisch-palästinensischen
Abkommens im Weißen Haus. Es wurden viele
Reden gehalten. Ich habe gesprochen, der König
sprach, der PLO-Vorsitzende Arafat sprach, Präsident
Mubarak sprach, alle unsere Außenminister sprachen. Und schließlich erhob sich Ministerpräsident
Rabin um zu sprechen und sagte: "Zuerst die gute
Nachricht - ich bin der letzte Redner."

Seite 1

�Er wußte jedoch auch um die Macht der Worte und
der Symbolik. "Sehen Sie auf das Podium", äußerte
er in Washington, "der König von Jordanien, der
Präsident von Ägypten, der PLO-Vorsitzende Arafat,
und wir, der Ministerpräsident und der Außenminister
von Israel - alle auf diesem Podium versammelt.
Bitte betrachten Sie sich das ganz genau. Was Sie
sehen, war vor nur drei Jahren noch völlig undenkbar. Nur Dichter träumten davon. Und zu unserem
großen Schmerz mußten Soldaten und Zivilisten ihr
Leben lassen, damit dieser Moment Wirklichkeit
werden konnte." Das waren seine Worte.
Heute bitte ich Sie alle auf der ganzen Welt, sich
dieses Bild genau zu betrachten. Blicken Sie auf die
Staats- und Regierungschefs aus dem Nahen Osten
und der ganzen Welt, die heute wegen Yitzhak
Rabin und für den Frieden hierhin gereist sind.
Obwohl wir nicht länger seine tiefe, wohlklingende
Stimme vernehmen, ist er es, der uns erneut hier in
Worten und Taten für den Frieden zusammengeführt
hat.
Jetzt ist es an uns allen, die den Frieden lieben und
die ihn liebten, den Kampf fortzuführen, den er ins
Leben rief und für den er sein Leben ließ. Er hat
den Weg geebnet, und sein Geist wird weiterhin den
Weg weisen. Sein Geist lebt fort in dem wachsenden Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn.
Er lebt fort in den Augen der Kinder, der jüdischen
und arabischen Kinder, die eine Vergangenheit der
Angst für eine Zukunft der Hoffnung hinter sich
lassen. Er lebt fort in dem Versprechen echter
Sicherheit.
Daher möchte ich dem Volk Israels sagen, selbst in
der Stunde der Dunkelheit lebt sein Geist fort, und
so dürfen Sie nicht Ihren Mut verlieren. Betrachten
Sie das von Ihnen Geleistete - Sie bringen eine einst
öde Wüste zum Blühen, Sie bauen eine aufstrebende Demokratie in feindlichem Terrain auf, Sie
gewinnen Schlachten und Kriege und erlangen jetzt
den Frieden, der der einzig dauerhafte Sieg ist.
Ihr Ministerpräsident war ein Märtyrer des Friedens
und wurde ein Opfer des Hasses. Wenn wir eines
aus seinem Martyrium lernen sollten, dann folgendes: Wenn die Menschen nicht ihren Haß gegen
ihre Feinde aufgeben können, riskieren sie, Haß
unter sich selbst zu säen.
Ich bitte Sie, das israelische Volk, im Namen meiner
Nation, die selbst eine lange Litanei des Verlustes
kennt - von Abraham Lincoln über Präsident Kenne-

*

Seite 2

dy bis zu Martin Luther King - dies nicht mit Ihnen
geschehen zu lassen.
Bleiben Sie auf dem richtigen Kurs - in der Knesset,
in Ihrem Heim, in Ihren Gotteshäusern. Wie Moses
zu den Kindern Israels sagte, als er wußte, daß er
nicht ins Gelobte Land kommen würde: "Seid mutig
und stark. Fürchtet euch nicht, denn dein Gott ist es,
der mit dir zieht. Er wird dich weder im Stich lassen
noch dich gänzlich verlassen."
Präsident Weizmann, amtierender Ministerpräsident
Peres, dem Volk Israels gelobe ich, während Sie den
Kurs des Friedens halten: Auch Amerika wird euch
nie gänzlich verlassen.
Die Legende belegt, daß seit Menschengedenken in
jeder Generation von Juden ein gerechter Führer
auftrat, um sein Volk zu schützen und ihm den Weg
in die Sicherheit zu weisen. Ministerpräsident Rabin
war solch ein Führer. Er wußte, als er vor zwei
Jahren auf dem Rasen des Weißen Hauses seine
Worte an die Welt richtete, daß die Zeit gekommen
ist, "eine neue Zeitrechnung in den Beziehungen
zwischen Menschen, zwischen vom Krieg ermüdeten
Eltern, zwischen Kinder zu beginnen, die den Krieg
nicht kennenlernen werden". Hier in Jerusalem bin
ich festen Glaubens, daß er sein Volk zu diesem
Gelobten Land führte.
In dieser Woche lesen Juden auf der ganzen Welt
den Teil der Thora, in dem Gott den Glauben von
Abraham, des Patriarchen der Juden und Araber, auf
die Probe stellt. Er befiehlt Abraham, Isaak zu
opfern. "Nimm bitte deinen Sohn, deinen einzigen
Sohn, den du so liebst." Als Abraham in seiner
Gottesfürchtigkeit seinen Sohn töten wollte, verschonte Gott Isaak, wie wir wissen. Jetzt stellt Gott
unseren Glauben auf noch viel schrecklichere Weise
auf die Probe, denn er hat Yitzhak von uns genommen. .
Aber Israels Bündnis mit Gott - für Freiheit, Toleranz,
Sicherheit und für Frieden - dieses Bündnis muß
halten. Dieses Bündnis war Ministerpräsident Rabins
Lebenswerk. Jetzt müssen wir es zu seinem dauerhaften Vermächtnis machen. Sein Geist muß in
uns fortleben.
Das Kaddisch, das jüdische Gebet für Verstorbene,
spricht nie vom Tod, aber häufig vom Frieden. Die
letzten Worte lauten: "Mögen eure Herzen ein Maß
an Trost und eure Seelen die ewige Hoffnung finden."

* * *

*

AMERIKA DIENST 31

�BOSNIEN
8. November 1995

USA beteiligen sich an NATO-Mission in Bosnien
Rede von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, das keinen Feind benötigt, um nützlich und
geeint zu bleiben, erklärte Präsident Bill Clinton bei einem Dinner des Truman Library Institute am 25. Oktober
1995. Sollten die Vereinigten Staaten jedoch keine Bodentruppen nach Bosnien entsenden, würde das
Bündnis zersplittern und Washington seine Führungsrolle in der NATO aufgeben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Präsident Clintons im Wortlaut.

Ich wurde gebeten, über die Bedeutung des Vermächtnisses von Harry Truman für die Gegenwart
und die Zukunft zu sprechen. Aufgrund der Gespräche, die ich gerade bei den Vereinten Nationen
geführt habe und der Arbeit, die wir 50 Jahre nach
der Gründung dieser Organisation leisten, halte ich
es für angebracht, Ihnen einige meiner Gedanken
über das Vermächtnis Harry Trumans und seine
Bedeutung heute und morgen darzulegen.
Jeder amerikanische Präsident, einschließlich meiner
beiden herausragenden Vorgänger, die heute abend
hier sprachen, ist in die Fußstapfen Harry Trumans
getreten und hat die Führungsrolle Amerikas in der
Welt weiterentwickelt. Diese Tradition einer Fortsetzung der Führungsrolle und des Engagements
der Vereinigten Staaten war so erfolgreich und
wurde von Präsidenten aus den Reihen der Demokraten und der Republikaner gleichermaßen so
konsequent beibehalten, daß einige von uns vergessen, welchen Mut sie am Anfang erforderte.
Bevor ich heute abend hierherkam, waren Ministerpräsident Rabin und ich in einer Besprechung über
den Friedensprozeß im Nahen Osten. Harry Truman
erkannte als erster führender Politiker der Welt den
Staat Israel an. Und sein Engagement, uns die
Fähigkeit zu verleihen, zu führen und uns für den
Frieden einzusetzen, leitete einen Prozeß ein, der
sich wie ein silberner Faden bis zu den außergewöhnlichen Errungenschaften Präsident Carters und
all den Dingen zog, die wir seitdem erreicht haben.
Die Trumandoktrin, der Marshallplan, das NATOBündnis - das alles waren einzigartige Schritte.
Die NATO, die Präsident Truman zu Recht als eine
seiner größten Errungenschaften betrachtete, war
unser erstes in Friedenszeiten eingegangenes

AMERIKA DIENST 31

Bündnis. Vor der NATO-Gründung hatten wir nie ein
Militärbündnis in Friedenszeiten. Dieser entscheidende Wandel entstand aus der Überzeugung heraus
- die von General Marshall, Senator Vandenberg,
Dean Acheson und vielen anderen geteilt wurde daß wir uns niemals wieder von der Welt zurückziehen können. Schließlich hatten wir uns nach dem
Ersten Weltkrieg isoliert und mußten einander daher
bekämpfen. Harry Truman beschloß, daß dies nicht
noch einmal geschehen dürfe. Und er mußte sich
fast direkt der furchterregenden Aussicht auf den
Kalten Krieg stellen und sämtliche Entscheidungen
zur Einleitung einer Politik treffen, die letztlich zuließ,
daß in diesem Krieg die Freiheit die Oberhand
gewann.
Er mußte das mit einer Nation erreichen, die des
Krieges und des Engagements müde war, in der die
Menschen sich danach sehnten, sich nur auf die
kleinen alltäglichen Dinge des Lebens zu konzentrieren, die den meisten von uns so viel bedeuten.
Weil Truman diese Entscheidung traf, feiern wir jetzt
das 50jährige Bestehen der Vereinten Nationen. Es
gab keinen weiteren Weltkrieg, es wurden keine
Atombomben mehr abgeworfen, und wir sind weltweit
Zeuge der Bewegung für Frieden, Freiheit und
Demokratie.
Was werden wir unternehmen, um auf Trumans
Leistungen aufzubauen? Was müssen wir tun, um im
kommenden Jahrhundert den Frieden zu sichern?
Die neuen Errungenschaften der Freiheit ermöglichen
es uns meines Erachtens, zum Aufbau eines Europas
beizutragen, das demokratisch, friedlich und erstmals
seit dem Entstehen von Nationalstaaten auf diesem
Kontinent ungeteilt ist.

Seite 1

�Wir können ein Europa schaffen, das sich für Freiheit, Demokratie und Wohlstand engagiert, das auf
dem gesamten Kontinent wirklich sicher ist und zum
ersten Mal überhaupt mit anderen, gleichgesinnten
Völkern zusammengeschlossen ist. Und ich verpflichte mich, alles in unserer Macht Stehende zu
unternehmen, um dieses Europa zu gestalten, das
auf drei Grundsätzen basiert: Erstens, der Förderung von Demokratie in den seit kurzem freien
Nationen Europas. Zweitens, der Erhöhung der
wirtschaftlichen Lebensfähigkeit in Europa mit Hilfe
Amerikas und anderer Partner durch offene Märkte
und erweiterten Handel, und zur Unterstützung der
ehemals kommunistischen Staaten bei der Vervollständigung ihres Übergangs zur Marktwirtschaft - ein
Zug, der die Demokratie dort stärken und zur Eindämmung von extremem Nationalismus und ethnischem Haß beitragen wird.
Und schließlich scharfen wir die transatlantische
Gemeinschaft von morgen, indem wir unsere sicherheitspolitische Zusammenarbeit vertiefen, anstatt
uns zurückzuziehen. Jetzt, da die übergreifende
Bedrohung durch den Kommunismus verschwunden
ist, sind Haß und Intoleranz immer noch gegenwärtig, haben aber ein anderes Gesicht: Ethnische
und religiöse Konflikte, organisiertes Verbrechen und
Drogenhandel, staatlich geförderter Terrorismus, die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Amerika kann sich von diesen Bedrohungen ebensowenig
isolieren, wie es sich nach dem Zweiten Weltkrieg
isolieren konnte. Tatsächlich haben wir hierfür sogar
weniger Optionen, da die Welt immer enger zusammenwächst.

die Zuversicht, ihren alten Haß zu überwinden. Es
gab ihnen die Sicherheit, den Wohlstand zu säen,
den wir heute genießen.
Durch die Gründung der NATO tat Amerika von
unserem Blickwinkel aus sogar etwas noch Wichtigeres. Wir schufen die Sicherheit, die für unser Gedeihen und Wohlergehen wichtig ist. Jetzt müssen wir
auf den Errungenschaften Präsident Trumans aufbauen. Bei der Bekanntgabe der Trumandoktrin
erklärte er: "Die Welt ist nicht statisch, und der
Status quo nicht geheiligt. Wir müssen die NATO
anpassen, und meines Erachtens sollten wir die
Türen der NATO für neue Mitglieder öffnen." Das
Ende des Kalten Krieges kann nicht das Ende der
NATO bedeuten, und es kann keine der Vergangenheit verhaftete NATO bedeuten, denn es gibt keinen
anderen Eckpfeiler für ein integriertes, sicheres und
stabliles Europa der Zukunft.
Der Erfolg der NATO beinhaltet die Förderung von
Sicherheitsinteressen, Werten, Demokratie und
wirtschaftlichen Chancen. Wir haben buchstäblich
eine Werte- und Interessengemeinschaft sowie ein
gemeinsames Verteidigungsbündnis geschaffen.
Jetzt wollen die neuen Demokratien Zentral- und
Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion sich
daran beteiligen, den Kreis von Ländern mit gemeinsamen Zielen zu erweitern und dadurch unsere
eigene Sicherheit zu erhöhen.
Aus diesem Grund haben wir die Partnerschaft für
den Frieden ins Leben gerufen. In weniger als zwei
Jahren haben wir 26 Nationen in ein Programm zur
Förderung von Vertrauen und Freundschaft eingebracht. Ehemalige Gegner nehmen jetzt während
des ganzen Jahres an Manövern teil und knüpfen
Bande, anstatt Schlachtpläne zu schmieden. Das ist
gut für uns und gut für Europa.

Indem wir uns unseren Verbündeten anschließen
und andere mit einbeziehen, die unsere Wertvorstellungen teilen, können wir uns zwar nicht von
diesen Bedrohungen isolieren, aber wir können mit
Sicherheit eine bessere Verteidigung bereitstellen.
Der Erfolg der NATO ist ein Beweis für das, was wir
bewirken können, wenn wir zusammenarbeiten. Die
NATO verbindet die westlichen Demokratien durch
ein gemeinsames Ziel und gemeinsame Werte. Und
ich bin fest davon überzeugt, daß die Einheit oder
der Nutzen der NATO nicht von der ständigen
Präsenz eines Feindes abhängen.

Jetzt sollten diese Nationen in der Region, die ihre
Demokratie bewahren, weiterhin Wirtschaftsreformen
fördern und sich verantwortungsbewußt verhalten, in
die Lage versetzt werden, der NATO beizutreten.
Das wird ihnen das Vertrauen geben, ihre Freiheit zu
konsolidieren, ihre Volkswirtschaften aufzubauen und
unsere Sicherheit zu erhöhen.

Das Bündnis stärkt all seine Mitglieder von innen
und verteidigt sie vor Bedrohungen von außen. Sie
sehen das, wenn Sie die heute in Westeuropa
herrschende Stabilität, wirtschaftliche Stärke und
Harmonie mit den Bedingungen vor wenigen Jahrzehnten zur Zeit Präsident Trumans vergleichen.
Das Bündnis brachte ehemalige Gegner zusammen,
stärkte die Demokratie, bot mit dem Marshallplan
schwachen Volkswirtschaften einen Schutz und
brachte sie wieder in Gang. Das gab den Völkern

Die NATO hat eine Studie darüber abgeschlossen,
wie sie neue Mitglieder aufnehmen sollte. Wir wollen
vorsichtig, überlegt und offen vorgehen und die
Schlußfolgerungen dieser Studie allen zugänglich
machen, die sich an der Partnerschaft für den Frieden beteiligen. Wir müssen jetzt jedoch stetig und
sorgfältig zur nächsten Stufe übergehen, überlegen,
wer die neuen Mitglieder sein sollten und wann sie
zum Beitritt aufgefordert werden können. Während
dieses Prozesses werde ich mit dem Kongreß und

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�dem amerikanischen Volk in Verbindung stehen und
die Art von parteiübergreifender Partnerschaft anstreben, die Harry Trumans bedeutende Errungenschaften ermöglicht hat.
Ich möchte einen wichtigen Punkt betonen: Die
Aufnahme neuer Mitglieder in die NATO wird die
Sicherheit eines jeden in Europa, einschließlich
Rußlands, der Ukraine und der anderen ehemaligen
Sowjetrepubliken erhöhen, nicht unterminieren. Wir
haben Rußland versichert, daß die NATO ist, was
sie immer war - ein Verteidigungsbündnis. Die
Erweiterung der Zone von Sicherheit und Demokratie in Europa kann zur Verhinderung neuer Konflikte
beitragen, die sich in vielen Fällen im Laufe von
Jahrhunderten aufgebaut haben. Für Rußland und
alle seine Nachbarn ist dies ein besserer Weg.
Ich möchte Sie auch wissen lassen, daß wir - wie
Sie an dem Foto mit Präsident Jelzin und mir sehen
können, auf dem wir beide lachen - positive Beziehungen zu Rußland aufbauen. Wer sich mit der
Geschichte dieses großartigen Landes auskennt
weiß, daß seine heroischen Bestrebungen, eine
zuversichtliche und stabile Demokratie zu werden, zu
den bedeutendsten Entwicklungen unserer Zeit
gehören.
Einer unserer früheren Kollegen, Präsident Nixon,
der nicht länger unter uns weilt, schrieb mir einen
Monat vor seinem Tod einen Brief zum Thema
Rußland - den ich verwahrt habe und hin und wieder
lese - in dem er die außergewöhnliche historische
Bedeutung des mutigen Strebens der Russen nach
Demokratie und Freiheit unterstreicht.
Auch Rußland kann in dem neuen Europa einen
Beitrag leisten, und wir haben dem Land ein starkes
Bündnis mit der NATO sowie Zusammenarbeit im
Rahmen der Partnerschaft für den Frieden angeboten. Diese Partnerschaft wird vertieft. Morgen
werden die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und
Rußlands unter der Schirmherrschaft der Partnerschaft für den Frieden in Fort Riley (Kansas) gemeinsame Manöver zur Friedenssicherung beginnen.
Wir möchten mit ihnen tägliche, umfassende, routinemäßige Beziehungen unterhalten. Wir wollen
jeden Schritt des Weges gehen, Vertrauen, Sicherheit und ein demokratisches Rußland zu schaffen.
Wir sind jedoch nicht der Meinung, daß die Öffnung
der NATO nach Osten und unsere Beziehungen zu
Rußland sich gegenseitig ausschließen.
Ich möchte noch etwas hervorheben: Die NATO ist
genau in diesem Moment für uns am Werke - sie
stellt in Bosnien unter Beweis, wie entscheidend sie
für die Sicherung des Friedens in Europa ist. Die
Bestrebungen unserer Unterhändler, die militäri-

AMERIKA DIENST 31

schen Veränderungen am Boden und die Luftangriffe
der NATO haben diese Parteien an den Verhandlungstisch gebracht und zu einem Abkommen über
die Grundprinzipien einer Lösung sowie eines landesweiten Waffenstillstands geführt.
Nächste Woche werden die Präsidenten Bosniens,
Kroatiens und Serbins zu einem historischen Treffen
zur Regelung der verbleibenden Fragen nach Dayton
(Ohio) reisen. Die sich abzeichnende politische
Lösung wird Bosnien als einheitlichen Staat erhalten
und einen fairen Kompromiß für eine territoriale
Lösung bieten. Die Parteien werden zur Veranstaltung freier Wahlen, Gründung demokratischer Institutionen und Respektierung der Menschenrechte
verpflichtet.
Viele Menschen haben eine Rolle dabei übernommen, diesen Prozeß so weit zu bringen. Ich möchte
einem von ihnen am heutigen Abend für seine
herausragenden Bestrebungen danken - Präsident
Carter. Aufrichtigen Dank für das von Ihnen Bewirkte.
Es gibt keine Garantie für den Frieden, aber er ist
dank der NATO in hohem Maße möglich. Abschließend möchte ich Sie noch um etwas bitten: Nachdem der Friede ausgehandelt worden ist, muß die
NATO zur Durchsetzung der Vereinbarung bereit
sein. Es gibt keinen Frieden ohne eine internationale
Militärpräsenz in Bosnien, eine Präsenz, die glaubwürdig sein muß. Die NATO ist hierfür unerläßlich,
um den Parteien den Rückhalt zu bieten, den sie für
einen Friedensschluß benötigen.
Ich möchte Ihnen folgende Frage stellen: Würde
Harry Truman, wenn er noch Präsident wäre, von den
Vereinigten Staaten als führendem NATO-Mitglied
erwarten, Truppen nach Bosnien zu entsenden? Ich
denke, Sie kennen die Antwort. Die Antwort lautet
Ja. Und wir müssen dementsprechend handeln.
Meine amerikanischen Mitbürger, ich möchte Mißverständnissen vorbeugen: Wenn wir nicht in Bosnien
sind, werden viele unserer Partner ihre Verpflichtungen erneut überdenken. Wenn wir nicht dort sind,
wird Amerika seine Führungsrolle in der NATO
opfern. Wenn wir nicht dort sind, begehen wir einen
schweren Fehler. Ich bin entschlossen, uns an
dieser NATO-Mission zu beteiligen.
Ich arbeite mit dem Kongreß zusammen und führe
einen wichtigen Dialog. Ich traf vor nicht allzulanger
Zeit mit einer überparteilichen Gruppe von Politikern
zusammen. Heute möchte ich Senator Nunn ein
besonderes Wort des Dankes für seinen bemerkenswerten Beitrag zu dieser Zusammenkunft sagen
sowie für seinen bemerkenswerten Beitrag zu unse-

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�rem Land, den wir alle vermissen werden, wenn er
gegangen ist.
Meine amerikanischen Mitbürger, wenn Sie wollen,
daß vier Jahre des blutigen Konflikts enden, müssen
Sie das gemeinsame Vorgehen der Vereinigten
Staaten und der NATO bei der Umsetzung des
Friedensabkommens unterstützen. Wir haben keine
Truppen in den Kampf entsandt. Wir haben nicht
Partei ergriffen. Wir waren nicht an der UNPROFOR-Mission am Boden beteiligt. Aber wir müssen
dies tun, wenn Sie wollen, daß Ihr Land und die
NATO in der heutigen Zeit so effektiv sind, wie es
Präsident Trumans Vision zu seiner Zeit war.
Ich möchte nochmals wiederholen, wenn wir dies
nicht tun, wären die Konsequenzen für unser Land
in der Tat gravierend. Dies ist der schwerwiegendste Konflikt auf dem Kontinent seit dem Ende des
Zweiten Weltkriegs. Die NATO muß zu seiner
Beendigung beitragen. Wenn es uns nicht gelingt,
diesen Frieden zu sichern, wie können wir dann ein
integriertes, friedliches und geeintes Europa schaffen? Wenn es uns nicht gelingt, diesen Frieden zu
sichern, werden unsere Erfolge auf der Welt und ein
Großteil unseres Erfolgs im Inland, der von der
amerikanischen Führungsrolle herrührt, geschwächt.
Wenn es uns nicht gelingt, diesen Frieden zu
sichern, könnte der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien auf andere Nationen übergreifen und unsere
Söhne und Töchter in einen Konflikt in Europa
einbeziehen.
Abschließend möchte ich sagen, daß wir vor wenigen Tagen Seine Heiligkeit Papst Johannes Paul II.
in den Vereinigten Staaten begrüßen durften. Ich
habe ungefähr eine halbe Stunde alleine mit ihm
verbracht, und er begann die ungewöhnlichste

Unterhaltung, die ich je mit ihm oder einem anderen
Staatsoberhaupt geführt habe.
Er sagte: "Ich
möchte über die Welt sprechen, und ich möchte
wissen, was Sie denken." Ich antwortete: "Die
Welt?" Er meinte: "Ja, die ganze Welt." Und ich
entgegnete: "Wo sollen wir anfangen?" Er erwiderte:
"Fangen Sie mit Bosnien an."
Also sprachen wir über Bosnien. Und dann über die
ganze Welt. Am Ende sagte er: "Sie wissen, ich bin
nicht mehr jung. Ich habe den Großteil dieses
Jahrhunderts durchlebt. Das 20. Jahrhundert begann
mit einem Krieg in Sarajevo. Herr Präsident, Sie
dürfen nicht zulassen, daß das 20. Jahrhundert mit
einem Krieg in Sarajevo endet."
Ich bitte Sie, daran zu denken, meinen amerikanischen Mitbürger, an diesen ersten Krieg in Sarajevo das war Harry Trumans Krieg. Das war der Krieg, an
dem er teilnahm, obwohl er alt genug und sein
Augenlicht schlecht genug war, ihn davor zu bewahren. Das ist der Krieg, der den Menschen die Führungsfähigkeiten bewies, über die er verfügte. Und
unser Versagen nach diesem Krieg führte Franklin
Roosevelt in einen anderen Krieg, führte dazu, daß
Harry Truman diesen Krieg mit schwierigen, schmerzlichen Entscheidungen beendete - darunter den
Abwurf der Atombombe - und veranlaßte ihn zu der
Entscheidung, dies nie wieder zuzulassen. Aus
diesem Grund tat er all die Dinge, die wir heute
abend feiern.
Wenn er hier wäre, würde er sagen: "Wenn Ihr mich
wirklich ehren wollt, bereitet Euch auf die Zukunft vor,
wie ich es getan habe."
Ich danke Ihnen. Gott schütze Sie.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 31

�DEMOKRATIE
8. November 1995

Die elektronische Republik
von Lawrence Grossman
(AD) - Lawrence Grossman, Präsident von Horizons Cable Network und ehemaliger Präsident des Public
Broadcasting Service und von NBC News, ist der Autor von The Electronic Dialogue: Reshaping
Democracy in the Information Age.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Übersetzung der unwesentlich gekürzten Einleitung zu seinem Buch.
Copyright (c) Lawrence K. Grossman, 1995. Alle Rechte vorbehalten. Herausgegeben von Viking Penguin,
einer Abteilung von PENGUIN Books USA Inc.

In den Vereinigten Staaten nimmt ein neues politisches System Gestalt an. An der Schwelle zum 21.
Jahrhundert verwandelt sich Amerika in eine elektronische Republik, ein demokratisches System, das
die tägliche Einflußnahme des Bürgers auf die
Entscheidungen des Staates enorm vergrößert.
Neue Elemente der direkten Demokratie werden
unserer traditionellen repräsentativen Regierungsform aufoktroyiert, verändern die Natur des politischen Prozesses und stellen einige der grundlegenden Voraussetzungen für das politische Leben in
Frage, die seit der Gründung der Nation vor über
200 Jahren existieren.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß sich die
Amerikaner zunehmend machtlos, zynisch und
frustriert fühlen, während sich tatsächlich die Distanz
zwischen den Regierten und den Regierenden
dramatisch verringert. Sehr viel mehr Bürger erhalten ein größeres Mitspracherecht bei der Gestaltung
der öffentlichen Politik als je zuvor seit der direkten
Demokratie der griechischen Stadtstaaten der Antike
vor rund 2.500 Jahren. Populistische Maßnahmen
wie eine Begrenzung der Amtszeit, Zusatzartikel
über den Haushaltsausgleich, direkte Vorwahlen in
den Bundesstaaten und Parteiversammlungen sowie
der zunehmende Einsatz von Wahlinitiativen und
Referenden verringern die Machtbefugnis der
gewählten Regierungsvertreter, ermöglichen den
Wählern die Entscheidung für ihren eigenen Präsidentschaftskandidaten, umgehen Gesetze und
ermächtigen das Volk zur Formulierung seiner
eigenen Gesetze. Ständige Meinungsumfragen und
immer moderneres interaktives Telekommunikationsgerät setzen die Regierung unverzüglich in Kenntnis
über den Willen des Volkes - und sie reagiert darauf.
Einige sagen, zu stark - für das Wohl des Volkes.

AMERIKA DIENST 31

Während die Gewählten versuchen, auf jede Stimmung der Wählerschaft einzugehen, übernehmen die
Bürger insgesamt eine direktere Rolle in der Regierung als die Gründerväter je beabsichtigten.
Diese demokratische politische Umgestaltung wird im
großen und ganzen von zwei Entwicklungen getragen
- dem 200 Jahre langen Marsch zu politischer Gleichberechtigung für alle Bürger und der explosionsartigen Zunahme neuer Telekommunikationsmedien,
der bemerkenswerten Konvergenz von Fernsehen,
Telefon, Satelliten, Verkabelung und Personalcomputern. Dies ist die erste Generation von Bürgern, die
ihre Politiker gleichzeitig und unverzüglich sieht, hört
und beurteilen kann. Es ist auch die erste Generation von Politikern, die zur gesamten Bevölkerung
sprechen kann und unmittelbar ein Feedback darüber
erhält, was die Menschen denken und wollen.
Interaktive Telekommunikation verleiht dem Durchschnittsbürger immer direkteren Zugang zu den
wichtigen politischen Entscheidungen, die ihr Leben
und Eigentum betreffen.
Die aufstrebende elektronische Republik wird eine
politische Hybride sein. Die Bürger werden nicht nur
die sie Regierenden wählen können wie bisher,
sondern sie werden sich auch in zunehmendem
Maße an der Formulierung der Gesetze und Maßnahmen beteiligen können, von denen sie regiert werden.
Durch den Einsatz von immer moderneren digitalen
Zweiwege-Breitbandtelekommunikationsnetzen erlangen die Mitglieder der Öffentlichkeit einen eigenen
Sitz am Tisch der politischen Macht. Selbst während
die Ungeduld der Öffentlichkeit mit der Regierung
zunimmt, verwandelt der unerbittliche Fortschritt der
Demokratisierung zusammen mit bemerkenswerten
Fortschritten bei interaktiver Telekommunikation das

Seite 1

�Volk selbst in den neuen vierten Zweig der Regierung. In der elektronischen Republik wird es nicht
länger die Presse, sondern die Öffentlichkeit sein,
die als die mächtige "vierte Gewalt" neben der
Exekutive, der Legislative und der Judikative funktioniert.
Der Aufstieg der elektronischen Republik mit ihrer
wahrscheinlich unvermeidlichen Tendenz, schnell auf
alle Aspekte der öffentlichen Meinung zu reagieren,
wird einige der am meisten geschätzten verfassungsmäßigen Schutzmechanismen gegen potentielle Exzesse von Impulsen der Mehrheit aushöhlen wenn nicht sogar grundlegend verändern. Diese
Schutzmechanismen wurden von den Gründervätern
eingeführt, die gegenüber der reinen Demokratie so
wachsam waren wie sie die Regierungsbefugnis
fürchteten. Die Verfassung versuchte nicht nur, das
Volk vor der überragenden Macht der Regierung zu
schützen, sondern auch die neue Nation vor den
überragenden Ansprüchen des Durchschnittsbürgers, insbesondere der Armen, zu schützen.
Telekommunikationstechnologie hat die traditionellen
Barrieren von Zeit und Raum abgebaut. Auf die
gleiche Weise kann sie auch die traditionellen
verfassungsmäßigen Barrieren der gegenseitigen
Kontrolle und gemeinsamen Verantwortung von
Kongreß und Regierung sowie der Gewaltenteilung
abbauen, zu deren Erhalt die neue Nation James
Madison zufolge aufgrund ihrer reinen Größe und
Komplexität beitragen würde. "Erweitert die Sphäre,
und ihr bezieht eine größere Vielfalt von Parteien
und Interessen ein; ihr macht es weniger wahrscheinlich, daß eine Mehrheit des Ganzen ein
gemeinsames Motiv hat, in die Rechte anderer
Bürger einzugreifen." Während jedoch Distanzen
verschwinden und Telekommunikation sich in der
Sphäre verliert, während der exekutive und legislative Zweig der Regierung enger mit der öffentlichen
Meinung und den Ansprüchen der Öffentlichkeit
verflochten werden, könnten nur die Gerichte als
effektive Bastion gegen die Tyrannei der Mehrheit
übrigbleiben.
Die Judikative, der Zweig der Regierung, der am
wenigsten auf die Gefühlsbewegungen des Volkes
reagieren soll, wird die immer schwierigere und
schwerere Last tragen, die Rechte des einzelnen vor
einem Angriff des Volkes zu schützen.
Direkte Demokratie, auf die wir unerbittlich zuzusteuern scheinen, war die früheste Form der Demokratie.
Sie entstand im fünften Jahrhundert vor Christus in
den kleinen, unabhängigen Stadtstaaten des klassischen Griechenland.
Während der 200 Jahre
währenden direkten Demokratie Athens, im antiken
Stadtstaat, über dessen Regierungsführung wir am

Seite 2

meisten wissen, waren einige privilegierte Bürger
gleichzeitig Regierende und Regierte, erließen
Gesetze und führten sie selbst aus. "Obwohl die
Staatsbürgerschaft im alten Athen auf männliche
einheimische Erwachsene beschränkt war, garantierte
sie die umfassende und aktive Beteiligung an jeder
Entscheidung des Staates ungeachtet von Besitzstand oder Klassenzugehörigkeit." Die Demokratie in
Athen ging so weit, wie es auch in der heutigen Zeit
der Fall wäre.
Im Gegensatz dazu ist die repräsentative Regierung die zweite Form der Demokratie - ein relativ neues
Phänomen, das vor etwas mehr als zwei Jahrhunderten in den Vereinigten Staaten entstand. In der
repräsentativen Demokratie können die Amerikaner zuerst wenige Privilegierte und jetzt jeder Bürger über
18 Jahren - diejenigen wählen, die die Gesetze
erlassen, denen sie unterliegen. Im Unterschied zum
alten Griechenland spezifiziert unsere Verfassung
eine Regierung, bei der die Regierenden von den
Regierten getrennt sind. Sie verbindet das Volk
durch Wahlen mit der Regierung, distanziert die
Regierung aber vom Volk, indem sie die Gewählten
zu denjenigen macht, die tatsächlich die Gesetze
erlassen und die Regierungsgeschäfte führen. Ein
Politologe formulierte es folgendermaßen:
"Der
verfassungsmäßige Raum ist das Genie der amerikanischen Republik. Er hält den Demokratisierungsprozeß unter Kontrolle und verhindert, daß unsere
Demokratie sich selbst ruiniert, indem sie ins Extrem
verfällt."
Heute schrumpft dieser verfassungsmäßige Raum.
Neue populistische Prozesse und Telekommunikationstechnologien verstärken die Stimme des Volkes
insgesamt und bringen die Öffentlichkeit voll in den
Entscheidungsfindungsprozeß der Regierung ein.
Während die Macht der öffentlichen Meinung steigt,
nimmt die Rolle der traditionellen politischen Vermittler - der Parteien, der Experten in den Massenmedien, der regierenden Elite - ab. Institutionen, die
den Willen des Volkes behindern oder zwischen ihm
und den Aktionen der Regierung stehen, werden
übergangen.
Telekommunikationstechnologien - Computer, Satelliten, interaktives Fernsehen, Telefon und Radio überwinden die uralten Hindernisse von Zeit und
Raum, die ursprünglich die Bürger daran hinderten,
direkt für die Gesetze und Maßnahmen zu stimmen,
von denen sie geleitet werden. Die allgemeine
Überzeugung lautet, daß die repräsentative Regierung die einzige Form der Demokratie ist, die in den
ausufernden heterogenen Nationalstaaten von heute
möglich ist. Interaktive Telekommunikation ermöglicht
es Millionen weit verstreut lebender Bürger, die
Informationen zu erhalten, die sie zur Ausführung der

AMERIKA DIENST 31

�Regierungsarbeit, für den Zugang zur Politik und für
die Kontrolle ihres eigenen Lebens sowie der Güter
benötigen, die Politiker ihrer Ansicht nach vergeuden.
Die elektronische Republik hat also bereits begonnen, die traditionelle Rolle der Bürger und der
politischen Führung neu zu definieren. Heute ist es
mindestens so wichtig, die Wählerschaft - die
Öffentlichkeit als Ganzes - anzusprechen und die
öffentliche Meinung zu beeinflussen wie die Vertreter
der Öffentlichkeit, die Gesetze erlassen und die
Maßnahmen umsetzen. Der Literaturkritiker Sven
Birkerts formulierte es in seinem Buch The Gutenberg Elegies über das Lesen in einer elektronischen
Kultur folgendermaßen: "Der Anbruch des Computerzeitalters und die durch unsere elektronischen
Kommunikationsmedien erzielte erstaunliche technische Perfektion haben zusammengenommen eine
Vielzahl isolierter Veränderungen systematisch
geordnet. Die Art und Weise, in der die Menschen
die Welt erleben, hat sich in den vergangenen 50
Jahren mehr verändert als in den vielen Jahrhunderten zuvor."
Das Entstehen der elektronischen
Republik erfordert ein neues Denken, neue Vorgehensweisen, neue Maßnahmen und sogar neue
politische Institutionen um sicherzustellen, daß in
kommenden Jahrhunderten die Impulse der Mehrheit
nicht auf Kosten der Rechte des einzelnen und
unpopulärer Minderheiten gehen.
Wir müssen uns der vom interaktiven Telekommunikationszeitalter hervorgebrachten bemerkenswerten Veränderungen in unserem politischen
System bewußt werden. Wir müssen die Konse-

*

AMERIKA DIENST 31

*

quenzen des Marsches zur Demokratisierung verstehen. Wir müssen mit den Versprechen und
Gefahren der elektronischen Republik umgehen. Sie
ermöglicht es der Regierung, intensiv auf die Stimmungen des Volkes zu reagieren. Und sie kann die
Reaktionsfähigkeit auf die Spitze treiben, womit
Manipulation, Demagogie oder Tyrannei der Mehrheit
Tor und Tür geöffnet wird, die "eine Flamme entfacht
... und im gesamten Land eine Feuersbrunst auslöst".
Die meisten Studien der Regierung, Politik und der
Medien beginnen an der Spitze mit der Untersuchung
der Führungsqualitäten, die das politische Leben
definieren. Meine Botschaft lautet jedoch, daß im
kommenden Zeitalter staatsbürgerliche Qualitäten
ebenso wichtig sind wie die politischer Führung. In
einer elektronischen Republik wird es entscheidend
sein, Politik nicht nur von oben nach unten, sondern
auch von unten nach oben zu betrachten.
Was ist erforderlich, um die Vereinigten Staaten in
eine Nation qualifizierter Bürger umzuwandeln, die
nicht als isolierte Individuen ihre eigenen Ziele
verfolgen, sondern sich als engagierte Mitglieder der
Öffentlichkeit für das Allgemeinwohl engagieren? In
einer elektronischen Republik ist es von essentieller
Bedeutung, die Antwort auf diese Frage zu finden.
Um Thomas Jefferson zu zitieren: "Ich kenne keinen
sichereren Verwahrungsort für die höchste Gewalt
der Gesellschaft als den Menschen selbst, und wenn
wir ihn nicht für aufgeklärt genug halten, seine
Kontrolle mit einem gesunden Maß an Besonnenheit
auszuüben, liegt die Lösung nicht darin, ihn der
Kontrolle zu berauben, sondern vielmehr darin, ihn so
zu informieren, daß er besonnen handeln kann.

*

*

Seite 3

�BURGERRECHTE
8. November 1995

Der lange Kampf um Bürgerrechte in den USA
Rede vor der Black Lawyers Association
WASHINGTON - (AD) - Der längste idealistische Kampf in der Geschichte der Vereinigten Staaten "ist der
Kampf um Bürgerrechte, unser Streben nach Gerechtigkeit, Fairness und Gleichheit", so Deval Patrick,
Abteilungsleiter für Bürgerrechte im US-Justizministerium.
Die Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre führte ihm zufolge zu zahllosen mutigen und mitfühlenden
Taten, und ihre Dramen sind jetzt triumphierend in die Annalen der Geschichte eingegangen, aber wir sind
noch nicht am Ziel.
Patrick zufolge besteht in vielen amerikanischen Städten, wenn auch nicht de jure, so doch de facto
Rassentrennung, und die Abteilung für Bürgerrechte im Justizministerium erhält jährlich Tausende ernsthafter
Beschwerden über Diskriminierung verschiedenster Art.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede, die Deval Patrick im Rahmen eines Programms des
US-Informationsamts vor der Black Lawyers Association in Johannesburg hielt.

Der größte idealistische Kampf der Vereinigten
Staaten zu meinen Lebzeiten und der längste
idealistische Kampf in der Geschichte unserer Nation
ist der Kampf um Bürgerrechte, unser Streben nach
Gerechtigkeit, Fairness und Gleichheit.
Es gab eine Zeit, in der ganz Amerika die Hoffnung
der von Dr. Martin Luther King Jr. ausgesandten
Botschaft verspürte, in der wir das Gefühl hatten, die
von uns selbst geschaffenen Probleme auch lösen
zu können.
Auf die eine oder andere Weise wurden alle Amerikaner von der Macht der Bürgerrechtsbewegung in
den sechziger Jahren beeinflußt. Denn die einfache
Gerechtigkeit, um die es dabei ging, wurde nie in
Frage gestellt. Es ging darum, das amerikanische
Versprechen der Freiheit zu erfüllen, die durch
Gleichheit, Chancen und Fair play definiert wird.
In diesem Sinne repräsentierte die amerikanische
Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre die
besten Ideale der Vereinigten Staaten. Sie führte zu
zahllosen mutigen und mitfühlenden Taten - kleinen
und großen. Ihre Dramen sind jetzt triumphierend in
die Annalen der Geschichte eingegangen:
Wie der Sohn eines afroamerikanischen
Gepäckträgers namens Thurgood Marshall
brillant die Strategie konzipierte und umsetzte,

AMERIKA DIENST 31

die das Oberste Bundesgericht überzeugte,
Rassentrennung in öffentlichen Schulen zu
beenden.
Wie eine am Ende ihres langen Arbeitstages
müde Afroamerikanerin namens Rosa Parks
sich weigerte, in einem Bus in Montgomery
(Alabama) ihren Sitzplatz für einen Weißen
freizumachen und damit einen Boykott auslöste, der Jim Crow (die nach einem Variet6Künstler des 19. Jahrhunderts benannte und
jetzt verfassungswidrige Reihe von Gesetzen
über die Rassentrennung) zu Fall brachte.
Wie die Welt Zeuge der Macht, Leidenschaft
und Nachdenklichkeit eines jungen Geistlichen
namens Martin Luther King wurde, der mit
einer eloquenten eindringlichen Rede aus einer
Gefängniszelle in Birmingham heraus das
Gewissen Amerikas aufrüttelte.
Wie mutige Männer und Frauen aus allen
Lebensbereichen und allen Teilen des Landes
ihre Körper und allzuoft ihr Leben opferten um
sicherzustellen, daß jeder Bürger wählen darf.
Seit Jahrhunderten wurde den amerikanischen
Idealen von Gleichheit, Chancen und Fair play durch
die Politik und die Praktiken der Teilung und des
Ausschlusses entgegengewirkt. Langsam, schmerz-

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�haft, im Verlauf mehrerer Jahrzehnte haben Männer
und Frauen guten Willens und mit Weitblick, Menschen wie die von mir Erwähnten und ihresgleichen
überall, Menschen, die sich der Kluft zwischen der
Realität und unseren Idealen stellten und sich für die
Ideale einsetzten, Druck ausgeübt, Forderungen
gestellt und sich dafür engagiert, diese Kluft zu
schließen.
Es erforderte viel harte Arbeit, Opfer und Vertrauen,
um dorthin zu gelangen, wo wir jetzt stehen. Millionen von Amerikanern aus allen Lebensbereichen
und von überall folgen ihrem Gewissen. Gefordert
waren der politische Mut und die Staatskunst von
Demokraten und Republikanern gleichermaßen.
Nötig waren die Wachsamkeit von Gerichten und
unabhängigen Anwälten, die sich dem Geist unserer
Verfassung und ihrer Forderung nach gleichem
Schutz für alle verpflichteten. Und es bedurfte der
unermüdlichen Bestrebungen engagierter Regierungsangestellter in der Abteilung für Bürgerrechte
im Justizministerium, die immer wieder ihre Bereitschaft unter Beweis stellten, sich den zahllosen
Versuchen der Obstruktionspolitiker entgegenzustellen, grundlegende Gesetzesbestimmungen zu
umgehen.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Dank dieser
Arbeit, dieser Opfer, dieses Glaubens genießt
unsere Gesellschaft heute mehr Freiheit, mehr
Demokratie, mehr Integration und mehr Gleichheit
als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte.
Aber wir sind noch nicht am Ziel angelangt.
Drei Jahrzehnte nachdem Dr. King uns von seinem
Traum erzählte, besteht in vielen unserer Städte,
wenn auch nicht de jure, so doch de facto Rassentrennung.
Nahezu vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung bekommt die Abteilung für Bürgerrechte im Justizministerium weitertiin Tausende ernsthafter Beschwerden
über Diskriminierung aller Art. Die Kommission für
Chancengleichheit am Arbeitsplatz, eine unabhängige Bundesbehörde, die sich auch mit Vorwürfen
wegen Diskriminierung am Arbeitsplatz befaßt,
erhielt allein im letzten Jahr über 90.000 Beschuldigungen der Voreingenommenheit am Arbeitsplatz.
Die Antidiffamierungsliga berichtet, daß Haßverbrechen landesweit den höchsten Stand erreicht
haben.
Wir in den Vereinigten Staaten waren in wenigen
Jahrzehnten nicht in der Lage, die Auswirkungen
von mehr als drei Jahrhunderten der Erniedrigung,
Entbehrung und Diskriminierung zu heilen. In der

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Zwischenzeit haben die Kämpfe anderer benachteiligter rassischer, ethnischer und religiöser Gruppen,
von Frauen und Behinderten ihren rechtmäßigen
Platz an der Seite des Kampfes der Afroamerikaner
eingenommen.
Manche verleihen ihrer Bestürzung darüber Ausdruck,
daß wir als Nation noch einen so weiten Weg vor uns
haben. Aber Präsident Lincoln erklärte uns vor
langer Zeit eine nützliche Wahrheit. Er wußte, daß
der Kampf zur Förderung von Gleichheit, zur Bereitstellung von Chancen und Sicherstellung von Fairness ein andauernder, wenn auch kein ewiger Kampf
sein würde. Er sagte uns, diese grundlegenden
amerikanischen Werte "sollten allen geläufig sein und
von allen hochgehalten werden; sie sollten konstant
beachtet werden, und wir sollten konstant dafür
arbeiten; und obwohl sie nie vollkommen erreicht
werden können, sollten wir uns ständig darum
bemühen, damit sie ihren Einfluß verbreiten und
vertiefen, das Glück und die Lebensqualität von
Menschen aller Hautfarbe überall erhöhen".
Er wußte, was President Thomas Jefferson meinte,
als er schrieb, "ständige Wachsamkeit ist der Preis
der Freiheit". Und er wußte, daß Rasse in Amerika
eine Gewissensfrage darstellt, mit der jede Generation konfrontiert wird.
Während des Großteils meines Lebens hatte unsere
Nation mit den mahnenden Worten Präsident Lincolns zu kämpfen. Es ist das Verdienst unserer
Nation, daß wir unser Bestes gegeben und an der
Ausweitung des Gleichstellungsideals gearbeitet
haben, um uns der Rassentrennung in unserer Nation
zu stellen und sie zu beheben. Bisweilen schien es,
daß nur ganz langsame Fortschritte gemacht wurden,
und unser Erfolg war nur sehr unvollständig. Aber
wir sind uns im Grunde genommen über unser Ziel
einig. Wir glauben an eine gerechte und integrierte
Gesellschaft. Und wir haben trotz der uns behindernden Neinsager, Demagogen und Zyniker auf weitere
Fortschritte gedrängt, wie wir es in der gesamten
Menschheitsgeschichte getan haben.
Jetzt fürchte ich allerdings, daß wir uns rückläufig
entwickeln. Heute haben sehr viele Afroamerikaner
und andere benachteiligte ethnische Gruppen das
Gefühl, weniger Chancen zu erhalten. Sie fühlen
sich ihrer Gleichstellung nicht mehr so sicher und
vertrauen weniger auf faire Behandlung als während
sehr vieler Jahre.
Heute scheint das kollektive Nachdenken unserer
Gesellschaft über die Bedeutung von Chancen mit
dem Thema Gleichstellung anzufangen und aufzuhören. Diese Debatte ist wenig konstruktiv. Wir
scheinen die Erfordernisse der Verbrechensbekämp-

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�fung und den Nutzen von Meinungsumfragen höher
zu bewerten als die grundlegenden Konzepte, sich
an die Spielregeln zu halten und alles seinen geregelten Gang gehen zu lassen. Heute wird der
Begriff Gleichheit nie in öffentlichen Debatten erwähnt, als ob die Umgehung des Begriffs zu einer
Umgehung des Problems führen würde. Manche
stellen öffentlich die Frage, ob die Bürgerrechtsbewegung zu weit gegangen ist und verhalten sich,
als ob die Geschichte Amerikas eine Geschichte der
Diskriminierung von Weißen gewesen wäre. Andere,
darunter viele Afroamerikaner, fragen sich, ob
Integration je ein richtiges Ziel gewesen ist.
Bedauerlicherweise gehen täglich unzählige Bilder
von Rückzug und Rückschritt über meinen Schreibtisch und den meiner Kollegen in den Bundesstaaten
und Gemeinden. Man braucht sich nicht auf in die
Öffentlichkeit getragene Beispiele zu beschränken,
sondern muß nur einen Afroamerikaner - männlichen
oder weiblichen Geschlechts, von den erfolgreichsten bis zu den erfolglosesten - ansprechen, um
eine herzzerreißende Geschichte nach der anderen
über rassisch motivierte Ungerechtigkeit, Feindschaft
oder sogar Gewalt zu hören.
Ich möchte Ihnen versichern, daß dies nicht nur
unsere Ängste sind. Es sind auch die Ängste weißer
Frauen, Hispanoamerikaner, Amerikaner asiatischer,
jüdischer und anderer Abstammung, die aufgrund
dessen, wer sie sind und was sie glauben, allzuoft
Ungerechtigkeit ausgesetzt sind. Tatsache ist, daß
dies die Ängste aller Amerikaner mit gutem Willen
und Weitblick sind, ungeachtet ihrer Rasse, ethnischen Zugehörigkeit, ihres Glaubens oder Geschlechts.
Sie sind Zeuge zunehmender Intoleranz. Sie sind
Zeuge von Bestrebungen zur Zerstörung unseres
nationalen Konsenses über Bürgerrechte und zur
Rassentrennung um des politischen Vorteils oder
Schlimmerem willen. Viele Menschen in unserem
Land fragen sich, ob wir als Nation bei unserem
Kampf um gleiche Chancen und grundlegende
Fairness einen riesigen Rückschritt machen.
In diesem besonderen und in mancherlei Hinsicht
unverantwortlichen Umfeld findet unsere wachsende
nationale Debatte über Gleichstellung statt. Reduziert auf beißende, aber sinnlose Äußerungen,
unterstützt von Mythen, aber wenig nützlichen Daten,
angetrieben von der Politik der Trennung kämpft
unsere Nation mit der tiefgründigen Frage, ob ihr
trauriges Vermächtnis des Ausschlusses aufgrund
von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit oder Geschlecht wirklich hinter ihr liegt - und falls nicht, ob
wir über den kollektiven Willen verfügen, etwas
dagegen zu unternehmen. Für solch ein entschei-

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dendes Thema, das so eng mit der Frage verbunden
ist, was für eine Gesellschaft wir sein werden, mangelt es der Debatte wirklich an Perspektive. Deshalb
hat Gleichstellung meines Erachtens eine symbolische Bedeutung, die überhaupt nicht mit ihren
praktischen Auswirkungen in Einklang steht.
Die Gleichstellungsgegner bestreiten die Angemessenheit (manche halten es für eine Ironie) eines
rassenbewußten Heilmittels. Sie stellen die Haltbarkeit eines solchen Heilmittels ebenso in Frage wie
die Angemessenheit einer Abkehr von einem sogenannten "farbenblinden" Ideal.
Für besonnene
Menschen sind diese Fragen nicht einfach zu beantworten. Dasselbe gilt auch für mich und für die
gesamte amerikanische Öffentlichkeit.
Wir alle müssen verstehen, daß einige Amerikaner
das Gefühl haben, sie müßten für die von anderen
begangenen Sünden zahlen und Gleichstellung
räume Minderheitengruppen unfairerweise bestimmte
Präferenzen ein. Ihrer Ansicht nach sollten wir uns
als "farbenblinde" Gesellschaft bezeichnen, in der
weder Weiße noch Minderheiten aufgrund ihrer
Rasse auf irgendeine Art bevorzugt oder benachteiligt
werden. Nicht alle, die ein solches "farbenblindes"
Ideal fordern, betreiben Obstruktion. Manche sind
nachdenkliche Menschen guten Willens und vielleicht
etwas naiv. Ihrer Ansicht nach ist es einfach nur an
derzeit, daß unsere Gesellschaft aufhört, in Rassenkategorien zu denken. Als ihre Mitbürger sind wir
ihnen zumindest den Versuch schuldig, sie zu verstehen. Andernfalls gibt es keine Hoffnung auf eine
sinnvolle Debatte.
Natürlich haben nicht alle Kritiker die besten Motive.
Manche, die eine "farbenblinde" Gesellschaft befürworten, gehören zu denen, die seit Jahren jeden
Versuch zur Förderung der Bürgerrechte bekämpft
haben - sogar Versuche zur Ächtung unserer eigenen
Form der Apartheid, der veralteten amerikanischen
Jim Crow-Gesetze. Einige sind Heuchler erster Güte,
die noch vor kurzem Gleichstellung forderten, sie jetzt
jedoch als offensichtlich "falsch" kritisieren. Einige
beteiligen sich an einem simplen Rassenwettbewerb
und versuchen, politische Vorteile zu erlangen, indem
sie bei den Präsidentschaftswahlen 1996 im Topf der
Gleichstellung rühren, ebenso wie andere bei vielen
vergangenen Präsidentschaftswahlkämpfen
aus
politischen Gründen im Topf der rassischen Intoleranz rührten. Einige weigern sich, irgendwelche
Unterschiede zwischen Gleichstellung (die gesetzmäßig ist) und Quoten (die es nicht sind) anzuerkennen
- trotz der Entscheidungen und klaren Bestimmungen
des Obersten Bundesgerichts. Sie sehen in jedem
Gleichstellungsplan Quoten, ebenso wie Kinder in
jedem dunklen Schrank ein Monster sehen. Sie
leisten keinen Beitrag zur Verständigung oder zu

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�konstruktivem Handeln, sondern "sie entflammen
nur", wie Leonard Fein es nennt.
Die Befürworter der Gleichstellungspolitik, einschließlich vieler benachteiligter rassischer und ethnischer
Gruppen, hegen den Verdacht, "Farbenblindheit" sei
nur ein hochfliegendes Konzept, das die Fortschritte
der Gesellschaft zu Chancengleichheit hemmen soll.
Für viele Minderheiten hat der Ruf nach "Farbenblindheit" etwas Surrealistisches: Wir sollen unverdienterweise besondere Privilegien erhalten, obwohl
wir wissen, daß kaum ein Weißer heute freiwillig mit
uns tauschen würde.
Der Mangel an Perspektive in dieser Debatte ist auf
die Tatsache zurückzuführen, daß wir nicht definieren, worüber wir sprechen. Gleichstellungspolitik in
den Vereinigten Staaten besteht tatsächlich aus
einer Vielzahl von Mitteln. An einem Ende des
Spektrums steht Einbeziehung und Einstellung - das
Spannen eines großen Netzes im traditionellen und
in anderen Bereichen für qualifizierte Minderheiten
und Frauen, damit sie sich am Wettbewerb beteiligen können. Kaum jemand ist dagegen - zumindest
in der Öffentlichkeit. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich diejenigen, die in zunehmender
Zahl in der Schule oder am Arbeitsplatz von speziell
für Angehörige bestimmter Gruppen reservierten
Plätzen profitieren - ungeachtet ihrer Qualifikationen.
Gegen diese Praktik gibt es vielleicht die größte
Opposition. Das ist die Art von Quote, die ich und
jedes andere Mitglied der Clinton-Administration
verurteilen und die die Gerichte unseres Landes
ziemlich konsequent ablehnen.
Mir scheint, daß es bei der wirklichen Debatte um
einen Mittelweg geht. Das bezeichne ich als "Erwägung von Gleichstellung", wobei Rasse, ethnische
Zugehörigkeit oder Geschlecht bei der Bewertung
qualifizierter Kandidaten ein Faktor, jedoch nicht
notwendigerweise entscheidend sind. Diese Art von
Gleichstellung gibt überhaupt keine Garantie. Sie
fördert Leistung. Sie betont Qualifikationen. Sie
verkörpert Flexibilität und das Streben nach Integration am Arbeitsplatz oder in der Schule. Diese Art
von Gleichstellung wurde von ihren frühen Verfechtern - Republikanern und Demokraten - unterstützt.
Heute sehe ich jedoch geteilte Unterstützung für
diese Gleichstellungsmethode. Dafür gibt es zwei
Gründe: Erstens hat sie zweifelsohne in bestimmten
Formen und bei bestimmten Gelegenheiten einfach
nicht funktioniert. Faule, nachlässige oder bisweilen
übereifrige Arbeitgeber oder Schulbehörden haben
gelegentlich solche Bestrebungen in Zahlenspiele
verwandelt und dabei Leistung, Qualität und Urteilsvermögen der als "Quote" bezeichneten numerischen Zwangsjacke geopfert. Firmen in Besitz von

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Mehrheiten, die sich hinter Minderheitenfirmen
"verstecken", um Verträge zu bekommen, andere
kleine Vergehen und unlogische Erfordernisse für die
Anerkennung von Unternehmern sind zu beobachten.
Wir müssen diese Probleme ohne zu zögern angehen. Wir müssen sie lösen, und auf Bundesebene
werden wir dies tun. Das sollte uns jedoch ebensowenig verleiten, vom Prinzip abzuweichen, wie
Mißbrauch der Vertragsnehmer bei der Beschaffung
im Verteidigungsbereich die US-Luftwaffe dazu
verleiten sollte, keine Flugzeuge mehr zu kaufen oder
die Wahl eines durchschnittlichen Kongreßabgeordneten uns dazu verleiten sollte, die Demokratie
aufzugeben.
Der zweite Grund, warum die Unterstützung für die
Erwägung von Gleichstellungsmaßnahmen geteilt ist,
liegt in der gekonnten, übelwollenden Rhetorik. Die
Werbeindustrie hat uns gelehrt, daß Wiederholung
und Schock die beiden erfolgreichsten Mittel sind,
uns von etwas zu überzeugen. Einzelne Fälle von
Mißbrauch des Gleichstellungsprinzips sind daher
zum Mythos geworden. Wir sollen glauben, daß es
eine vollständige Entrechtung der Chancen anderer
Amerikaner (vermeintlich derjenigen, die es besser
"verdienen") gibt, einfach deswegen, weil sie nicht
identifizierbaren benachteiligten rassischen oder
ethnischen Gruppen angehören.
Aber die Fakten geben dem nicht recht. Von allen
Klagen über Diskriminierung bei der Beschäftigung,
die in den vergangenen vier Jahren bei unseren
Bundesgerichten eingereicht wurden, war nur ein
winziger Bruchteil sogenannte "umgekehrte Diskriminierung" - Diskriminierung männlicher Weißer und weniger als eine Handvoll wurden als begründet
angesehen. In der Tat sind nicht einmal zwei Prozent der bei der Bundeskommission für Chancengleichheit am Arbeitsplatz anhängigen Verfahren
Klagen von männlichen Weißen. Unser Oberstes
Bundesgericht hat - zuletzt im vergangenen Sommer
- konsequent die Meinung zurückgewiesen, daß alle
Gleichstellungsmaßnahmen an sich schon unrechtmäßige Diskriminierung sind.
Tatsache ist: Diskriminierung aufgrund von Rasse,
ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht besteht in
den Vereinigten Staaten immer noch. Die Gesellschaft, in der wir leben, straft die angebliche Sonderbehandlung für Benachteiligte und Frauen Lügen.
Die Arbeitslosenrate für schwarze Männer in den
Vereinigten Staaten ist immer noch doppelt so hoch
wie die weißer Männer.
Selbst Schwarze und
Hispanier mit Collegeausbildung sowie Frauen aller
Rassen und ethnischen Zugehörigkeit werden
schlechter bezahlt als entsprechend gebildete und
ausgebildete weiße Männer. Es ist immer noch

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�schwieriger für Schwarze und Lateinamerikaner und in einigen Fällen für Frauen - eine Wohnung zu
mieten, eine Hypothek zu bekommen, eingestellt
oder befördert zu werden, an manchen Orten sogar
wählen zu dürfen, als für Weiße.
Wir haben uns zur Fortsetzung der Bestrebungen
zur Öffnung unserer Gesellschaft und der Gewährleistung verpflichtet, daß alle Amerikaner gleiche
Chancen haben, ihr anzugehören. Das heißt, daß
wir unseren Kampf zur Abschaffung der Diskriminierung ebenso offen wie geschickt, offenkundig und
diskret weiterführen müssen. Das bedeutet auch,
daß wir die Probleme von Gewaltverbrechen und
Zerfall der Familien ansprechen und unsere öffentlichen Schulen dazu bringen müssen, arme Kinder
nicht länger zu benachteiligen. Die Volkswirtschaft
muß auf allen Ebenen Chancen verbessern.
Wir dürfen jedoch nicht vorgeben, daß es keine
Diskriminierung mehr gibt, oder daß ihre Vergangenheit keine weitverbreiteten Auswirkungen auf die
Gegenwart hat. Wo das Vermächtnis dieser Diskriminierung Frauen und andere benachteiligte
Gruppen der Chance beraubt, sich um einen Arbeitsplatz oder einen Platz in der Schule auf gleicher
Basis mit anderen Amerikanern zu bewerben, unterstützt das Gesetz zu Recht diese Mittel, die Chancengleichheit für alle sicherstellen.
Manchmal könnte dies Gleichstellung bedeuten,
wenn es richtig gehandhabt wird: Flexibel, vernünftig, praktisch, rechtmäßig und ohne Qualifikationen zu opfern.
Präsident Clinton äußerte vor kurzem: "Wir unterstützen Gleichstellung ohne Quoten, ohne bei der
Qualität Abstriche zu machen, ohne sogenannte
umgekehrte Diskriminierung, ohne Betrug und Mißbrauch." Ich möchte es noch krasser formulieren:
Wir unterstützen Gleichstellung ohne Täuschung,
ohne Angst und ohne Entschuldigungen.
Die Regierung spielt dabei jedoch nur eine relativ
kleine Rolle. Die meisten Gleichstellungsmaßnahmen haben heute nichts mit der Regierung zu tun.
An allen Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft und
den Gemeinden Amerikas haben die Arbeitgeber
den prognostizierten Arbeitsmarkt von morgen sowie
die Bedürfnisse und Wünsche ihrer jeweiligen
Kunden berücksichtigt und versuchen freiwillig, eine
gewisse Vielfalt bei ihren Beschäftigten zu haben.
Universitäten und Colleges haben den erzieherischen Wert einer gemischten Studentenschaft
erkannt und darauf reagiert - nicht indem sie Wettbewerbsnormen opferten, sondern indem sie aus
allen amerikanischen Gemeinden Menschen zusammenführten, die diese Normen erfüllen können.

AMERIKA DIENST 31

Es gibt Bestrebungen - Bestrebungen, das tägliche
amerikanische Leben zu integrieren - die wir in
unserem Land seit Jahrzehnten begrüßt und ermutigt
haben. Wenn diese Bestrebungen flexibel gehandhabt werden, ohne das Verdienst zu opfern und ohne
die berechtigten Interessen des anderen zu verletzen,
gibt es kein Gesetz, das sie verbietet. Und kein
Gesetz sollte sie verbieten.
Die Perspektive erfordert, daß wir die Debatte über
Gleichstellung im größeren Kontext dessen betrachten, was unsere Nation zu dem macht, was sie ist.
Die Menschen sind aus aller Welt, in allen möglichen
Booten an die amerikanischen Küsten gekommen
und haben aus der Wildnis eine der außergewöhnlichsten Gesellschaften der Erde aufgebaut. Wir sind
besonders bemerkenswert, nicht nur aufgrund dessen, was wir geschaffen haben, sondern aufgrund der
Ideale, denen wir uns verschrieben haben. Wir
haben unsere Ideale im Lauf der Zeit mit den Prinzipien der Gleichheit, Chancen und des Fair play
definiert.
Bürgerrechte sind der Kampf für diese Ideale. Es
geht nicht um ein abstraktes rassisches Gewinnsystem.
Es geht darum, künstliche Schranken
jeglicher Art gegen Gleichheit, Chancen und Fair play
niederzureißen. Es geht darum, allen eine faire
Chance zur Leistung zu gewährleisten. Es geht
darum, dieses grundlegend amerikanische Gefühl der
Hoffnung einzulösen. Es geht darum, unsere fundamentalen Werte und unser Streben als Nation zu
bekräftigen.
Künftiger Fortschritt hängt ebenso von der nächsten
Generation ab wie der heutige Fortschritt von uns
abhängt. Bürgerrechte sind, wie ein Freund es
formulierte, "ein Staffellauf für Gerechtigkeit". Unser
Vorwärtsdrang als eine Gesellschaft hängt von der
Klarheit und Perspektive ab, mit der die nächste
Generation die Herausforderung sieht und der
Kreativität, mit der sie sie in Angriff nimmt. Das
wiederum hängt davon ab, ob sie die amerikanischen
Ideale der Gleichheit, Chancen und des Fair play
versteht und annimmt - und sich inspiriert fühlt,
danach zu handeln.
Die Politiker und Erwachsenen von heute müssen
diese Verantwortung übernehmen. Wenn wir den
Idealismus der jungen Menschen von heute nicht
nähren und sein Wachsen nicht ermutigen, wenn wir
nicht "ihr besseres Wesen" hervorbringen wie andere
es zu unserer Zeit getan haben, dann werden die
Protagonisten verlogener Rhetorik und zynischer
Politik gewinnen und zwar zu einem unsäglichen
Preis. In unserem Land gab es nationale Zielsetzungen - wie die Bürgerrechte - und nationale Helden wie Martin Luther King - die an unseren Idealismus

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�appellierten und diese Nation mit einer Gewissensherausforderung konfrontierten. In Anfällen und
Anwandlungen von Mut und Schmerz reagierten wir
auf diesen Appell und überwanden unsere Unterschiede, wenn auch nur vorübergehend, um unserer
Menschheit gewahr zu werden.
Wie in allen anderen Zeiten ist der menschliche
Geist heute gleichgeblieben. Junge Menschen
nähren immer noch einen Idealismus - ein wenig
schüchtern vielleicht und mit einer gewissen Zurückhaltung. Was sollen wir ihnen anbieten? Wer wird
ihren Idealismus hervorbringen? Wer wird seine
eigene Entmutigung und seinen Überdruß lange
genug ablegen, um ein Feuer der Zielsetzungen zu
schüren? Was wird die Geschichte über das Vermächtnis und die Herausforderung berichten, die wir
ihnen hinterlassen?
Während wir das abstrakte Verdienst der Farbenblindheit diskutieren, gibt es Millionen junger Menschen im ganzen Land, Kinder, die nicht einbezogen
und zurückgelassen werden - die niemals Ärzte oder
Rechtsanwälte oder Lehrer oder Polizisten oder
etwas ähnliches werden - deren latenter Idealismus
nie befreit wird, um zu Mitgefühl und Handlungsfähigkeit zu wachsen - weil es keinen Lehrer, keinen
Rechtsanwalt oder Arbeitgeber oder Kirchenvertreter
gab, der sie durch sein Handeln oder sein Vorbild
leise inspirierte; ihnen zeigte, nach oben zu blicken,
nicht nach unten; ihnen half, an der Realisierung
ihrer eigenen Träume und denen ihrer Nachbarn mitzuwirken; ein Leben berührte und damit einem
anderen einen Grund zur Hoffnung gab. Das ist es,
was heute in den Vereinigten Staaten auf dem Spiel
steht.

Und was müssen wir die nächste Generation lehren,
wenn nicht sogar auch unsere eigene? Daß Bürgerrechte ein Kampf für das amerikanische Gewissen
sind und immer waren. Und daß wir alle ein Interesse an diesem Kampf haben. Wenn ein Afroamerikaner für Qualität und integrierte Ausbildung eintritt,
tritt er für uns alle ein. Wenn eine Hispanierin für die
Chance eintritt, für den Kandidaten ihrer Wahl zu
stimmen, tritt sie für uns alle ein. Wenn eine Rollstuhlfahrerin für eine leicht zugängliche Wohnung
eintritt, tritt sie für uns alle ein. Wenn ein Jude sich
gegen diejenigen wehrt, die sein Gotteshaus verwüsten, wehrt er sich für uns alle. Weil Bürgerrechte
immer noch unsere grundlegenden Werte und unser
Streben als Menschen und als Nation bekräftigen.
Es geht um die beständige amerikanische Herausforderung, die anderen einzubeziehen - über die
willkürlichen und künstlichen Schranken von Rasse,
Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Behinderung
und Klasse und Religion hinweg, über unsere Furcht
und Hoffnungslosigkeit hinweg - um unserer Menschheit gewahr zu werden und unser Interesse daran zu
sehen.
Dies ist ein entscheidender Augenblick in der Geschichte: Junge Menschen werden zunehmend von
der bürgerlichen Gesellschaft entfremdet, und zu
viele von uns übrigen haben ihr Leben von Zynismus
und Egoismus definieren lassen. Menschen in ganz
Amerika suchen nach einem Grund für Hoffnung und
beobachten ängstlich, ob wir immer noch die Gesellschaft sind, die zu werden wir uns zum Ziel gemacht
haben. Soll die Geschichte festhalten, daß wir uns
zu unserer Zeit mit der Herausforderung konfrontiert
sahen, uns zu erinnern, wer wir sind und schließlich
zu glauben, "daß wir mehr sind als unseres Bruders
Hüter, daß wir auf dieser Erde sein Retter sind und er
unserer".

*

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*

AMERIKA DIENST 31

�VETERANS

DAY
8. November 1995

Amerikanische Streitkräfte fördern
Demokratie und Frieden
Proklamation zum 11. November
WASHINGTON - (AD) - In seiner jährlichen Proklamation zum Veterans Day lobt Präsident Clinton die Loyalität
und den Mut der amerikanischen Streitkräfte und verweist darauf, daß die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer
Bestrebungen ein Symbol der Hoffnung für all jene sind, die Demokratie und Frieden suchen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus am 24. Oktober 1995 herausgegebenen Text der
Proklamation des Präsidenten.

In Kriegs- und in Friedenszeiten haben die Streitkräfte der Vereinigten Staten dazu beigetragen, die
in unserer Verfassung garantierten grundlegenden
Rechte und Freiheiten zu schützen. Unsere Männer
und Frauen in Uniform sind jeden Tag rund um die
Uhr wachsam um sicherzustellen, daß unsere Nation
keinen Schaden nimmt und unsere Bürger frei von
Angst leben können. Die von den amerikanischen
Truppen erbrachten Opfer, ihr in der gesamten
Geschichte gezeigtes Engagement und Pflichtbewußtsein haben Demokratie und Menschenwürde
auf der ganzen Welt gefördert.
Seit Generationen reagieren mutige Bürger aus allen
Lebensbereichen auf den Ruf zum Wehrdienst und
kämpfen für die Verteidigung der Ideale, die uns lieb
und teuer sind. In langen Jahren der Trennung und
Härte haben die von unseren Veteranen geleisteten
selbstlosen Beiträge die Segnungen der Freiheit
bewahrt. Während wir ihre heroischen Taten ehren,
sollten wir auch der Familien gedenken, deren
Unterstützung und Gebete so viel bewirkt haben.
Wir schulden all jenen aufrichtigen Dank, deren
Einsatz und Mühe - sowohl auf dem Schlachtfeld als
auch in den Gemeinden im gesamten Land - die
starke Grundlage für den Frieden und die Sicherheit
legten, deren wir uns heute erfreuen.
50 Jahre nach der Beendigung des Zweiten Weltkriegs ehren wir mit besonderem Stolz diejenigen,
die den Vereinigten Staaten während dieses
schrecklichen Konflikts dienten - die 16.535.000
Männer und Frauen, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um die Unterdrückung zu bekämpfen. Das
darauffolgende halbe Jahrhundert führte zu umwälzenden Veränderungen bei den globalen Angelegenheiten, und die Veteranengeneration, die über

AMERIKA DIENST 31

die Tyrannei triumphierte, hat weiterhin einen besonderen Platz im Herzen unserer Nation.
Den Veteranen aus anderen in der Geschichte
unserer Nation geführten Kriegen gebührt nicht
weniger Ehre. Heute gibt es in Amerika ungefähr 27
Millionen Veteranen, deren Dienst vom Ersten
Weltkrieg über den Kalten Krieg bis zum Golfkrieg
und unsere jüngsten Militärmissionen auf dem
gesamten Globus reicht. Dank ihrer Loyalität und
ihres Mutes bleibt dieses Land auch in Zukunft ein
Symbol der Hoffnung für all jene, die Demokratie und
Frieden anstreben. Am Veterans Day sowie an
jedem anderen Tag im Jahr wollen wir der Opfer
unserer Veteranen gedenken und unsere Verpflichtung erneuern, das Schicksal ihrer Kameraden in
Uniform zu erforschen, die unbekannt und unbestattet
auf fernen Schlachtfeldern gefallen sind.
Um denjenigen Ehre zu erweisen, die in unseren
Streitkräften Dienst taten, legte der Kongreß fest
(5 U.S.C. 6103(a)), daß der 11. November jedes
Jahres dafür vorgesehen ist, den amerikanischen
Veteranen Anerkennung zu zollen.
Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton,
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
hiermit Samstag, den 11. November 1995, zum
Veterans Day. Ich fordere alle Amerikaner auf, die
Entschlossenheit und das Engagement unserer
Veteranen durch angemessene öffentliche Feiern und
private Gebete zu ehren. Ich rufe die Staatsbediensteten auf nationaler, bundesstaatlicher und kommunaler Ebene auf, die Flagge der Vereinigten
Staaten zu hissen, patriotische Aktivitäten in ihren
Gemeinden zu ermutigen und daran teilzunehmen.
Ich fordere Bürgergruppen und Vereine, Religions-

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�Stätten, Schulen, Unternehmen, Gewerkschaften und
die Medien dazu auf, diesen nationalen Gedenktag
mit angemessenen Feierlichkeiten und Programmen
zu begehen.

Unterzeichnet am 24. Tag des Oktober im Jahre des
Herrn 1995 und im 220. Jahr der Unabhängigkeit der
Vereinigten Staaten von Amerika,

* * * * *

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AMERIKA DIENST 31

�SPORT
8. November 1995

Die Olympischen Spiele
von Stephen E. Roulac
(AD) - Die Veranstaltung der Olympischen Sommerspiele 1996 bietet der Stadt Atlanta (Georgia) eine Chance,
sich der Welt als attraktiver Ort zum Leben und Arbeiten darzustellen. Der Verfasser unterbreitet Vorschläge,
wie die Stadt ihr Prestige und ihre Bekanntheit infolge der Olympischen Spiele verbessern kann und gibt
Empfehlungen, wie Fehler bei der Veranstaltung vermieden werden können.
Der Autor ist Partner der Roulac Gruppe, einer Wirtschafts-Beratungsfirma. Er blickt auf langjährige Erfahrung
in der Vermarktung von Sportveranstaltungen zurück und hat eine Reihe von Städten beraten, darunter Atlanta
und Los Angeles.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Futurist, Ausgabe
November/Dezember 1993, herausgegeben von der World Future Society, 7910 Woodmont Ave., Suite 450,
Bethesda, MD 20814, USA. Copyright (c) 1993 World Future Society.

Wahrscheinlich kommt keine andere Veranstaltung
in der gegenwärtigen Gesellschaft den Auswirkungen der Olympischen Spiele auf die Wirtschaft, das
Selbstbewußtsein und die Rolle einer Region in der
internationalen Staatengemeinschaft gleich. Das
olympische Schlaglicht fällt auf die Stadt, die Gastgeber für Athleten, Regierungsvertreter und Besucher aus allen Kontinenten und nahezu 200 Ländern
ist, die sich vor weltweit 3 Milliarden Fernsehzuschauern versammeln.
Positive und negative Aspekte der Region werden
vorgestellt und wie durch eine Lupe betrachtet.
1984 genoß Los Angeles großes Ansehen bei der
internationalen Staatengemeinschaft aufgrund der
erfolgreichen Ausrichtung der Olympiade, bei der
guter Wille und finanzieller Erfolg in krassem Gegensatz zu den Querelen und wirtschaftlichen Belastungen früherer Olympiaden standen. Nachdem die
Wahl auf Atlanta (Georgia) als Veranstalter der
hundertsten Olympischen Sommerspiele 1996
gefallen ist, muß die Stadt die Euphorie aufgrund der
Entscheidung mit der Realität des langfristigen
Pragmatismus in Einklang bringen.
Die Olympiade wird nicht automatisch positive
Publicity und wirtschaftlichen Wohlstand über die
auserwählte Stadt bringen. Aber die Spiele bieten
den gastgebenden Städten die Chance, in der Welt
bekannt zu werden und sich als attraktiver Ort zum
Leben und Arbeiten darzustellen.

AMERIKA DIENST 31

Die Unterstützung der Gemeinden von Los Angeles
für die Sommerspiele 1984 erfolgte anfänglich wenig
begeistert, nahm jedoch kurz vor den Spielen rasch
zu, als offenkundig war, daß die Spiele ein finanzieller, logistischer und künstlerischer Erfolg würden. Die
Spiele von Atlanta beginnen mit beträchtlichem
lokalem Enthusiasmus und Stolz, aber während die
Aufregung über die außerordentliche Leistung,
Ausrichter der Spiele von 1996 zu sein, abnimmt, ist
die Bewahrung des Enthusiasmus und der kommunalen Unterstützung entscheidend. Die Programme müssen die breitgefächerte Beteiligung an der
Planung und Veranstaltung der Spiele beinhalten.
Wirtschaftliche Erwägungen
Die Olympischen Spiele in Los Angeles sollen
Berichten zufolge brutto rund 1,4 Milliarden Dollar
gekostet und ungefähr 75.000 temporäre Arbeitsplätze geschaffen haben. Erste Schätzungen für die
Olympischen Spiele in Atlanta belaufen sich auf 3,5
Milliarden Dollar an primären und sekundären Aufwendungen der Volkswirtschaft von Georgia und die
Schaffung von ca. 83.000 Arbeitsplätzen.
Die Vorteile der Ausrichtung der Spiele liegen vielleicht nicht immer sofort auf der Hand. Die Olympiade ist die einmalige Chance, bekannt zu werden. Die
Bekanntheit, die Barcelona durch die Veranstaltung
der Sommerspiele 1992 erhielt, war eine wichtige
Erwägung bei Entscheidungen über Unternehmensexpansionen in Spanien und von internationalen

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�Firmen, die sich in Spanien ansiedeln wollten.
Entsprechend war Calgary in Alberta (Kanada) vor
der Veranstaltung der Winterolympiade 1988 nicht
besonders bekannt, wurde danach jedoch zu einer
führenden Touristenattraktion insbesondere für
Asiaten.
Für Atlanta gilt, daß eine Veranstaltung wie die
Olympischen Spiele das Niveau der Stadt hebt, aber
nicht einen Zustrom sich ansiedelnder Unternehmen
garantiert. Solche Entscheidungen müssen letztlich
auf Unternehmensgrundsätzen basieren.
Eine Olympiade kann jedoch neues Vertrauen in die
Region wecken, Investoren motivieren, die vorher
diese Region nicht als Ziel für Kapitalaufwendungen
in Betracht gezogen hatten. Dieses Phänomen ist in
Atlanta offenkundig, wo Investoren, die bisher nicht
geneigt waren, Hotelinvestitionen vorzunehmen, jetzt
neues Vertrauen in die Region zeigen und aktiv
Hotelinvestitionschancen suchen.
Die Olympischen Spiele können die Anziehungskraft
eines Ausrichtungsortes weltweit und unter den
Ortsansässigen verstärken. Aber die Anziehungskraft garantiert nicht andauernde wirtschaftliche
Lebensfähigkeit und soziale Harmonie, wie durch die
Rassenspannungen und wirtschaftlichen Härten in
Los Angeles in den letzten Jahren lebhaft demonstriert wurde. Ein noch dramatischeres Beispiel der
Dominanz des Ausrichtungsortes über den Zauber
der Olympischen Spiele war das Versagen der
Winterolympiade in Sarajevo 1984, den Weg zu
innenpolitischer Harmonie zu ebnen. Statt dessen
gab es bürgerliche Konflikte und Unruhen, die ein
Jahrzehnt später zu einem Konflikt eskaliert waren.
Das Gepränge der olympischen Feiern ist kein
Ersatz für die Anziehungskraft des Ortes: Als Ort
zum Leben und Arbeiten, mit einer gut ausgebildeten
und motivierten Erwerbsbevölkerung, verfügbarem
und finanzierbarem Wohnraum, guten Verkehrsanbindungen, einer Regierung, die Unternehmen
keine ungebührlichen Restriktionen und hohen
Steuern auferlegt und vor allem - Lebensqualität.
"Gewinnen" bei den Olympischen Spielen
Vor dem außergewöhnlichen Erfolg der Spiele von
Los Angeles bestand ein wachsender Konsens
darüber, daß die Auswahl der Stadt für die Veranstaltung Olmypischer Spiele die klassische Geschichte mit einer guten und einer schlechten
Nachricht war, wobei die gute Nachricht das Prestige
und die Werbung für die Stadt, die schlechte Nachricht die resultierenden finanziellen Verpflichtungen
waren. Tatsächlich war die finanzielle Bilanz der
Olympischen Spiele vor Los Angeles katastrophal.

Seite 2

Montreal (Gastgeber der Sommerspiele von 1976)
machte Berichten zufolge Verluste in Höhe von 1
Milliarde Dollar.
Sowohl Montreal als auch Moskau (Sommerspiele
1980) tätigten beträchtliche Ausgaben für den Bau
von Einrichtungen, während Los Angeles weitgehend
auf bestehende Einrichtungen zurückgreifen konnte,
die zum Teil für die Sommerspiele 1932 errichtet
worden waren. Das Fahrradrennen von 1984 wurde
auf den Straßen der Gemeinde Mission Viejo abgehalten, während in Moskau speziell für den olympischen Wettbewerb ein 12 Kilometer langer Straßenabschnitt gebaut wurde. Obwohl sie damals eine der
besten Einrichtungen für Fahrradrennen der Welt
darstellte, war die Straße bereits ein Jahrzehnt später
baufällig, und durch ihre Risse wuchs Unkraut. Die
Anwohner führen dort ihre Hunde aus.
Einer der größten Vorteile der Ausrichtung Olympischer Spiele ist ihre anregende Wirkung auf den
Ausbau der Infrastruktur. Die Spiele von Los Angeles
boten einen wichtigen Anreiz für umfangreiche
Renovierungsarbeiten des internationalen Flughafens
von Los Angeles. Da der Flughafen oft den ersten
Kontakt eines Besuchers mit der Region darstellt,
sollten seine Einrichtungen neu, sauber und effizient
sein. Besondere Aufmerksamkeit sollte der Begrüßung von Besuchern und ihrer reibungslosen Beförderung in ihre Quartiere gewidmet werden. Diese
Bestrebungen erhöhen die Chance, daß die Besucher
der Olympischen Spiele guter Laune eintreffen.
Langfristige Verbesserungen
Die wirtschaftlichen Kosten größerer Kapitalaufwendungen zur Verbesserung der Qualität von
Unterbringungs- und Erholungseinrichtungen sind so
groß, daß die Veranstalter sich keine Ausgaben
leisten können, die ineffizient sind oder keinen
langfristigen Nutzen haben. Man kann von den in
New Orleans (Louisiana) und Knoxville (Tennessee)
gemachten Fehlem lernen: In Erwartung der Nachfrage bei der Weltausstellung fand am oberen Ende
des Hotelmarktes eine dramatische Bauaktivität statt,
die zu einem beträchtlichen Überschuß an Hotelzimmern führte. In Atlanta wären die Planer gut beraten,
sich auf den Bau von Häusern für die "mittlere
Einkommensklasse" zu konzentrieren, die nach den
Spielen umgebaut und als dauerhafter Wohnraum
genutzt werden können.
Alles in allem erwiesen sich die Olympischen Spiele
von Los Angeles als große wirtschaftliche Belebung
der Region. Sie erfüllten die Menschen mit Stolz,
motivierten sie zur Zusammenarbeit und ermutigten
die überwiegend positive Entwicklung der Infrastruktur. Letztlich waren die Olympischen Spiele ein

AMERIKA DIENST 31

�Wendepunkt für eine Stadt, die man nicht verstand.
Atlanta kann durch angemessene Planung und
gemeinsame Bestrebungen ein ähnlich positives
Ergebnis erzielen.
Atlanta könnte sogar noch mehr von der mit den
Olympischen Spielen einhergehenden weltweiten
Aufmerksamkeit profitieren als Los Angeles. Da At-

*

AMERIKA DIENST 31

lanta in anderen Ländern nicht besonders bekannt ist
- man assoziiert die Stadt vor allem als Schauplatz
von "Vom Winde verweht" - könnten die langfristigen
Vorteile erfolgreicher Olympischer Spiele sehr groß
sein. Der hundertste Jahrestag der modernen
Olympischen Spiele bietet Atlanta eine einzigartige
Chance, sich zu einer wichtigen Weltstadt des 21.
Jahrhunderts zu entwickeln.

* * * *

Seite 3

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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

8. Dezember 1982

-

INHALT

DOKUMENTATION
Chemische Kriegsf'dhrimg in Afghanistan, Laos und Kampuchea
dauert an
- Bericht des US-Außenministeriums über Beweise für
"Gelben Regen" -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Privatwirtschaft investiert mehr in Forschung und Entwicklung

«p

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

48

8. Dezember 1982

CHEMISCHE KRIEGSFÜHRUNG IN AFGHANISTAN, LAOS UND KAMPUCHEA DAUERT AN
- Bericht des US-Außenministeriums über Beweise für "Gelben Regen" -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium hat am 29. November 1982 einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß die chemische Kriegführung in Laos, Kampuchea und Afghanistan andauert. Ein erster
Bericht zu diesem Thema war vom State Department bereits im März 1982 vorgelegt worden.
Außenminister Shultz, der den neuen Bericht dem amerikanischen Kongreß
unterbreitete, erklärte in diesem Zusammenhang, daß die Bemühung der Vereinigten Staaten, die öffentliche Meinung der Welt bezüglich des Einsatzes
chemischer Waffen zu mobilisieren und alarmieren, vor deren Anwendung nicht
abgeschreckt habe. Statt dessen versuchten die Sowjets sowie die von ihnen
gestützten Regime, die Wahrheit zu verschleiern. Die Welt, so unterstrich
der amerikanische Außenminister, dürfe angesichts solcher menschlicher Leiden
und einer solchen zynischen Mißachtung des Völkerrechts und internationaler
Abkommen nicht schweigsam bleiben.
Die wichtigsten Auszüge aus dem jüngsten Bericht des State Department
haben folgenden Wortlaut:
Einleitung
Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Einleitung
Unsere März-Studie machte deutlich, daß Krankheits- und Todesfälle in
Südostasien und in Afghanistan auf chemische Angriffe zurückzuführen waren
und daß sowohl in Laos als auch in Kampuchea Gifte der Trichothecen-Gruppe
verwendet wurden.

Die jüngsten Beweise zeigen, daß diese Angriffe in allen

drei Ländern fortgesetzt werden; auch in Afghanistan wurden dabei TrichothecenGifte eingesetzt.
Bei der Analyse wurden dieselben rigorosen Maßstäbe angelegt wie bei
unserer März-Studie - sie sind dort im einzelnen beschrieben -, um zu dem
Urteil zu gelangen, wie es die auf den neuesten Stand gebrachte Untersuchung
enthält.

Angesichts der großen Wirkung, die der März-Bericht in der Öffent-

lichkeit hatte, unternahmen die Analytiker der amerikanischen Regierung besondere Anstrengungen, um zu verhindern, daß sie durch möglicherweise falsche
Berichte irregeleitet werden könnten, die aus propagandistischen oder anderen Gründen in Umlauf gesetzt worden sein mögen, und um die Möglichkeit auszuschließen, daß es aufgrund falscher oder unsachgemäßer Behandlung zu Fehlurteilen über die chemischen oder toxischen Agenzien kommt.

Alle Berichte

wurden einer sorgfältigen Prüfung unterzogen.
Die Beweisführung der März-Studie gründete sich auf eine große Bandbreite von Daten, einschließlich der Zeugenaussage von Ärzten, Flüchtlingshelfern und Journalisten. Auch wenn einige der neuen Berichte lediglich auf
eine Quelle zurückgehen, konnten doch die meisten davon durch andere Quellen
und Parallelinformationen erhärtet werden. Zudem verleiht gerade das Persönliche der Aussage auch den anderen Berichten Glaubwürdigkeit, formt sich
aus allem ein kohärentes Bild. Das in diesem Bericht präsentierte Material
stellt nur einen verhältnismäßig kleinen Ausschnitt des gesamten Beweismaterials dar. Diese zusätzlichen Informationen werden im Annex im Detail dargelegt. Verbesserte Verfahrensweisen zur Beweisfindung, bessere Qualität der
Krankengeschichten und der Untersuchung der Kranken, Dokumentation mit Hilfe
von Fotos der Verstümmelungen und Krankenhauspapiere aus Südostasien sowie

�Südostasien sowie Interviews mit Fachpersonal haben unsere früheren Schlußfolgerungen bestätigt und zu neuen Erkenntnissen geführt.
Mit wachsender internationaler Beunruhigung über dieses Thema aufgrund
immer neuer Beweise aus vielen Ländern wurden weitere unabhängige Analysen
auch von Ärzten, Journalisten, unabhängigen Wissenschaftlern und Laboratorien
anderer Länder erstellt.

Für die in den Vereinigten Staaten erstellte Analyse

waren diese Nachforschungen sowohl zur Unterstützung der eigenen Beweisführung
als auch - noch wichtiger - für die Ausweitung dieser Untersuchungen von großer
Hilfe.

Neuere Ergebnisse
Gestützt auf die sorgfältigste Analyse neuester Informationen sind wir
zu folgendem gelangt:
- Berichte über chemische Angriffe von Februar bis Oktober 1982 weisen
darauf hin, daß die sowjetischen Streitkräfte

mit dem selektiven Ein-

satz chemischer und giftiger Kampfstoffe gegen die Widerstandsbewegung
in Afghanistan fortfahren.

Zudem verstärken neue Beweise - im Jahr 1982

über die Verwendung von chemischen Waffen durch die sowjetischen und
afghanischen Regierungsstreitkräfte von 1979 bis 1981 gesammelt - unsere
bisherige Beurteilung, daß tödliche chemische Mittel gegen die afghanische
Widerstandsbewegung eingesetzt wurden.

Ärztliche Beweise aus Afghanistan

belegen auch den erneuten Einsatz von Mykotoxinen.
- Vietnamesische und laotische Truppen haben unter direkter sowjetischer
Oberaufsicht auch weiterhin tödliche und kampfunfähig machende chemische
Stoffe und Gifte gegen die

Hmong-Widerstandsbewegung in Laos einge-

setzt - mindestens bis in den Juni 1982 hinein.
- Die vietnamesischen Streitkräfte haben tödliche und kampfunfähig machende
chemische Kampfstoffe und Toxine mindestens bis zum Juni 1982 gegen Wider- 3 -

�gegen Widerstandskräfte in Kampuchea eingesetzt.
Trichothecen-Gifte wurden im Urin, im Blut und im Gewebe von Opfern
von Angriffen mittels "Gelbem Regen" in Laos und Kampuchea sowie in
Niederschiags-Testmengen gefunden, die nach solchen Angriffen eingesammelt wurden.
Auch weiterhin zeigt sich als gemeinsamer Faktor der Beweise eine
sowjetische Verstrickung in den Einsatz dieser Waffen in allen drei
Ländern. Erneute Analyse älterer Daten und neugewonnene Informationen
über die sowjetische Mykotoxinforschung und -entwicklung, über Ausbildung in chemischer Kriegsfiihrung in Vietnam, über die Anwesenheit sowjegischer Berater in chemischer Kriegsführung in Laos und Vietnam sowie
die Präsenz derselben ungewöhnlichen Trichothecen-Gifte in Proben, die
aus allen drei Ländern stammen, verstärken unsere frühere Schlußfolgerung über die Komplizenschaft der Sowjetunion sowie über deren Ausmaße.

Beweise - Zusammenfassung
Afghanistan:
Die Beweise belegen, daß die Sowjets den selektiven Einsatz ihrer Kampfstoffe in Afghanistan bis in den Oktober 1982 hinein fortgesetzt haben. Zum
erstenmal haben wir eindeutige Beweise über den Einsatz von Mykotoxinen durch
die sowjetischen Streitkräfte aufgrund zweier verseuchter sowjetischer Gasmasken erhalten, die aus Afghanistan stammen. Die Analyse und die Quantifizierung des Materials, das von der äußeren Oberfläche einer der Masken genommen wurde, zeigt das Vorhandensein von Trichothecen-Mykotoxin; die Analyse
eines Schlauches an der zweiten sowjetischen Gasmaske ergab das Vorhandensein
weiterer, verschiedener Mykotoxine. Zudem zeigte eine Vegetationsprobe aus
Afgahnistan erste Beweise für das Vorhandensein von Mykotoxinen.
Unser Verdacht hinsichtlich der Verwendung von Mykotoxinen in Afghanistan
wurde nunmehr erhärtet. Berichte aus den Jahren 1980 und 1981 sprachen von

�sprachen von einem gelb-braunen Nebel, der sich bei Angriffen bildete und
der Blasen, Gefühle der Übelkeit, Erbrechen und andere Symptome ähnlich
jenen hervorrief, die von Opfern des "Gelben Regens" in Sü'dostasien beschrieben wurden.

Aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu überlebenden, die noch

diese Symptome zeigten, sowie aufgrund der großen Schwierigkeiten, Bodenund andere physikalische Proben vom Ort der Angriffe zu erhalten, waren wir
nicht in der Lage, in dem Bericht vom 22. März mit Sicherheit zu der Schlußfolgerung zu gelangen, daß in Afghanistan Mykotoxine verwendet werden.

Wir

sind nunmehr zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetischen Streitkräfte in
Afghanistan zumindest seit 1980 Trichothecen-Mykotoxine einsetzen.
Eine ganze Anzahl von Berichten läßt darauf schließen, daß die chemischen
Angriffe auch 1982 fortgesetzt werden.

Wenn wir dies auch nicht in allen Ein-

zelheiten nachweisen können, so addieren sich die einzelnen Beweisstücke in
diesen Berichten doch zu einem übereinstimmenden Bild.

So berichtete z. B.

ein Arzt, der Verwundete unter den Widerstandskämpfern behandelte, daß darunter 15 Männer mit Hautverletzungen waren, die seiner Aussage nach von chemischen Angriffen der Sowjets in der Provinz von Kandahar im Mai und Juni 1982
stammten.

Drei der Freiheitskämpfer starben innerhalb von 12 Stunden nach

einem Angriff im Gebiet Maharijat südlich von Kandahar.

Die Widerstands-

kämpfer erklärten, die sowjetischen Hubschrauber hätten Raketen abgefeuert,
die beim Auftreffen schwarze, gelbe und weiße Gase freisetzten.

Der Arzt be-

richtete, die überlebenden Opfer hätten auf herkömmliche medizinische Behandlung nicht reagiert.
Wir erhielten Berichte, denen zufolge sowjetische Soldaten am 20. September 1982 Grundwasser in der Lowgar-Provinz südlich von Kabul vergifteten,
wo sich Freiheitskämpfer versteckt hielten.
in Pakistan zufolge
1982;

Einem Kommandeur der Majahedin

geschah Ähnliches in derselben Provinz am 13. September

60 Erwachsene und 13 Kinder starben dabei.

Die beiden, voneinander

unabhängigen Berichte erwähnten ein sowjetisches Panzerfahrzeug, das durch
einen Schlauch gelbes Gas in die Wasserleitungen pumpte.
Den Berichten
- 5 -

�Den Berichten über die Angriffe vom September 1982 zufolge zersetzten
sich die Körper der Opfer rasch, wobei sich das Fleisch von den Knochen löste,
sobald der Versuch unternommen wurde, die Leichen wegzutragen.

Seit 1979 be-

richten Führer der Widerstandsbewegung, Flüchtlinge, Journalisten und afghanische Überläufer von chemischen Angriffen, bei denen fast identische Symptome
aufgetreten waren.

Die meisten Berichte sprechen davon, daß die Haut der

Toten blauschwarz war.

Und auch wenn solche Symptome grotesk scheinen mögen,

so zwingt doch die große Zahl der Berichte aus unterschiedlichen Quellen seit
1979 dazu, nicht einfach über sie hinwegzugehen.
1982 berichtete ein sowjetischer Soldat, der zu den Freiheitskämpfern
überlief, im Gespräch mit einem britischen Journalisten von einem sowjetischen
Giftstoff, der "100 Prozent tödlich" sei, indem er das Fleisch aufweicht.
Der sowjetische Überläufer erklärte, die Sowjets unterhielten Lager mit "Pikrinsäure" (wahrscheinlich Chlorpikrin, ein potentiell tödliches Tränengas);
außerdem berichtete er, daß
- nichtidentifizierte Giftstoffe im Juni 1982 auf der Landstraße zwischen
Termez und dem Salang-Paß nördlich von Kabul eingesetzt wurden;
- das "100 Prozent tödliche" Mittel mit Raketen verteilt wurde;und
- "Pikrinsäure" sowie eine kampfunfähig machende Substanz aus Behältern
kamen, die von Flugzeugen aus abgeworfen wurden.
Der Überläufer sagte aus, die Sowjets seien vor allem mit dem Schutz
der Landstraßen beschäftigt und versprühten daher aus Flugzeugen chemische
Substanzen auf das Land entlang dieser Wege. Berichten zufolge wurden auch
chemische Granaten eingesetzt, doch sind die entsprechenden Daten zu ungenau,
um Hypothesen über den Inhalt zuzulassen, auch wenn einige der Symptome mit
denen identisch sind, die von Mykotoxinen verursacht werden.
Wir sind auch weiterhin in tiefer Sorge über Berichte von Menschen,
deren Haut sich innerhalb von nur ein bis drei Stunden nach ihrem Tod auf- 6 -

�Tode auflöst.

Wir kennen keine chemischen oder biologischen Giftstoffe,

die den Körper in dieser Weise verändern.

Stellt man gelegentliche Ungenauig-

keit in den Berichten der Journalisten und der überlebenden solcher Angriffe
in Rechnung, so ist doch möglich, daß Phosgene oder Phosgenoxime nach drei
bis sechs Stunden ähnliche Wirkungen zeigen - allerdings mit einer weit geringeren Aufweichung des Gewebes, als dies aus den Berichten hervorgeht, wonach "die Finger durch die Haut hindurchgehen können und Gliedmaßen abfallen".
Die Wirkung anderer Angriffe mit Giftstoffen, von denen berichtet wird, ist
dieselbe, wie sie der Einsatz des Nervengases Tabun zeigt.

Wir verfügen über

Informationen, nach denen sowohl Phosgenoxime als auch Tabun von den Sowjets
in Afghanistan gelagert wird.
Der britische Journalist, der mit dem sowjetischen Überläufer sprach,
berichtete außerdem von zwei Angriffen, von denen afghanische Freiheitskämpfer
ihm erzählten, die jedoch noch nicht bestätigt wurden. Der eine war ein Angriff auf Kaiba im Frühjahr 1982, als sowjetische Soldaten Berichten zufolge
Opfer niederschössen, die bereits durch ein Gas bewußtlos geworden waren;
der andere fand im Sommer 1982 in der Nähe von Herat statt, wo sowjetische
Truppen den Berichten zufolge die Opfer eines Gasangriffs auf einen Lastwagen
luden und davonfuhren. Verläßlichen Berichten zufolge setzten die Sowjets
auch chemische Bomben gegen die Majahedin Ende September 1982 und Anfang Oktober 1982 in der Baghlan-Provinz ein.
Unsere ersten Ergebnisse werden verstärkt durch einige Berichte, die
wir in diesem Jahr über frühere Angriffe erhalten haben und auf die unser
März-Bericht noch nicht eingeht:
- Einem früheren Offizier der afghanischen Armee zufolge versprühte ein
sowjetischer Hubschrauber im September 1981 in der Paktia-Provinz
(Sheikn Amir) einen gelben Nebel und verursachte 16 Todesfälle.

Die

überlebenden bluteten aus der Nase, und die Augen tränten; bei den Toten
wurden starke innere Blutungen festgestellt.
Der afghanische
- 7 -

�Der afghanische Offizier beschrieb einen ähnlichen Angriff in der Provinz Nangarhar während des gleichen Monats, bei dem vier Menschen getötet
wurden.
- Anfang Dezember 1981 wurden - nach dem Bericht von überlebenden - 15
Flüchtlinge, die nach Pakistan zu entkommen versuchten, von einem Hubschrauber angegriffen, der Gas einsetzte.

Vier oder fünf Personen

wurden getötet - die jüngsten und die ältesten - während die übrigen
fünf bis sechs Stunden bewußtlos liegen blieben.

Der Angriff erfolgte

etwa 60 km nordwestlich von Jalalabad.
- Nach dem Bericht eines sowjetischen Soldaten, der 1980 in Afghanistan
stationiert war und persönlich den Einsatz chemischer Kampfmittel erlebte, versprühten die Sowjets Chemikalien von Kampfflugzeugen und Angriffshubschraubern aus.

Er sagte, daß ein Flugzeug oder ein Hub-

schrauber zunächst einen Behälter abwarf und dann im zweiten Anflug
eine Bombe, was zu einer Mischung zweier verschiedener Chemikalien
führte, die innerhalb des verseuchten Gebietes alles Leben vernichtete.
Wir sind überzeugt, daß der Soldat den Einsatz von zwei getrennten chemischen Kampfmitteln beschrieben hat.
- Ein afghanischer Veterinär hat kürzlich einen Vorfall vom Mai 1979 beschrieben, bei dem in der Nähe von Kandahar 20 Menschen und eine Anzahl Schafe getötet wurden. Sowjetische Labormitarbeiter erklärten,
daß der Fall auf Milzbrand zurückzuführen sei. Der Tierarzt wußte jedoch, daß diese Erklärung nicht den von ihm beobachteten Symptomen entsprach. Ortsansässige Afghanen teilten dem Arzt mit, daß vor dem Zwischenfall sowjetische Fahrzeuge in der Gegend gewesen waren und ein
gelblich-weißes Pulver verstreut hätten.
- Im Juni 1980 berichtete ein Angestellter des Flugplatzes in Kandahar,
daß er 200 bis 300 mit Tarnfarben gestrichene Gasbehälter gesehen habe.
Die Behälter waren 90 bis 100 cm hoch und hatten einen Durchmesser von
65 bis 75 cm.

Ein Untergebener berichtete, daß sich in den Behältern
- 8 -

�den Behältern drei Arten von Gas befanden:

eines, das Brennen und

Würgen in der Kehle und Erstickungserscheinungen verursache; eines,
das einen Hautausschlag hervorrufe, wie bei Pocken; und eines, das
die Opfer schläfrig und müde und unfähig mache zu kämpfen.

Der Mann

teilte weiter mit, daß die Behälter in Spezialhüllen verpackt würden,
die von Flugzeugen abgeworfen werden und beim Aufschlag explodieren
und eine große, gewöhnlich gelbe aber auch in anderen Farben schillernde Rauchwolke verbreiten.

Er habe, so sagte er, Freiheitskämpfer

von solchen Gasangriffen sprechen hören und selbst Tiere gesehen, die
durch die Gase umgekommen waren.

Wir halten diesen Bericht für glaub-

würdig, denn es ist uns aus anderen Beweisen bekannt, daß auf dem Flugplatz Kandahar, einem wichtigen Einsatzort für sowjetische Militäroperationen, Chemikalien

lagern.

Und schließlich haben die in diesem Jahr eingegangenen Informationen
ergeben, daß ein sowjetischer Berater, der schon vor der Invasion
Afghanistans Unterbringungsmöglichkeiten für sowjetische Truppen inspizierte, andeutete, daß sowjetische Entgiftungstrupps, die nach Afghanistan
kämen, große Vorräte toxischen Materials mitbringen würden.

Der Bera-

ter ließ durchblicken, daß eine vorgeschlagene Kaserne für diese Entgiftungstrupps der sowjetischen Armee in Kabul selbst nicht geeignet sei,
da das mitgeführte Material bei einem Unglücksfall die ganze Stadt
verwüsten könnte.

Laos:
Flüchtlinge des Hmong-Stammes kamen jeden Monat von Januar bis Juli
1982 nach Thailand und erzählten Einzelheiten über Angriffe mit toxischen
Kampfmitteln; sie zeigten schwere medizinische Symptome durch die Einwirkung
der Kampfmittel.

Sie brachten weitere durch einen gelben, klebrigen Stoff,

der als "Gelber Regen" bezeichnet wird, vergiftete Proben mit; dieser wurde
von Flugzeugen und Hubschraubern auf ihre Dörfer und Felder verstreut.

- 9 -

F^

�Es liegen uns erste Berichte vor, daß diese Angriffe noch bis Oktober 1982
andauerten.

Wir wissen, daß der "Gelbe Regen" Trychothecen-Toxine und an-

dere Substanzen enthält, die bei den Opfern Erbrechen, Blutungen, Hautreizungen und schwere Hautschä'den sowie andere schleichende Anzeichen und Symptome
verursachen, die von Fachärzten festgestellt wurden.

Die Experten sind sich

einig, daß diese Menschen einem toxischen Kampfmittel ausgesetzt waren und daß
keine einheimische Krankheit, Pflanze oder chemische Substanz solche Symptome
hervorrufen könnte.
Laboranalysen von Blutproben dieser Opfer und Tierversuche haben gezeigt, daß Trichothecen-Gifte sehr viel länger im Körper gespeichert werden,
als man ursprünglich angenommen hatte. Wir sind der Überzeugung, daß die von
Ärzten bei den Opfern festgestellten Hautschädigungen eine wichtige Rolle
spielen.

Opfer, deren Blut bei der Analyse einen hohen Grad an Trychothecen-

Toxinen aufwies, zeigten solche Hautschädigungen.
Die Beschreibungen von Angriffen im Jahr 1982 unterscheiden sich nicht
wesentlich von den Beschreibungen früherer Angriffe. Die Angehörigen des
Hmong-Stammes berichten gewöhnlich, daß Flugzeuge und Hubschrauber eine gelbe
Substanz über ihre Dörfer und Felder abregnen. In einigen Fällen sind die
Symptome ähnlich, wie sie in unserer Studie vom 22. März beschrieben werden,
und wir schreiben sie daher dem Einsatz von Trychothecen-Giften zu. In vielen
Fällen traten jedoch keine Blutungen, sondern nur Schmerzen im Unterleib und
längere Krankheit auf. Diese schon in früheren Jahren beschriebenen Symptome
deuten darauf hin, daß noch immer ein weiteres Kampfmittel oder ein« weitere Kombination von Kampfmitteln benutzt wird. Die Erklärung ist sehr kompliziert,
denn bei Männern, Frauen, Kindern und Tieren werden unterschiedliche Symptome
beschrieben. Es ist möglich, daß unterschiedliche Kampfstoffe oder geringere
Konzentrationen der gleichen Kampfstoffe eingesetzt werden oder daß klimatische Verhältnisse die Wirkung der Kampfmittel beeinflußt haben.
Das medizinische Personal der Lager für laotische Flüchtlinge in Thailand
war 1982 besser ausgerüstet, die Opfer zu untersuchen, als in früheren Jahren.
Die Ärzte benutzen heute routinemäßig umfangreiche Fragebogen und führen eingehendere medizinische Untersuchungen durch, einschließlich sofortiger Blut- 10 -

�sofortiger Blutuntersuchungen noch an Ort und Stelle.

Ausgebildetes medizi-

nisches Hilfspersonal überwacht die Blutabnahme und die Blutproben bei der
Vorbereitung und dem sachgemäßen Abtransport nach den Vereinigten Staaten
oder anderen Ländern zur chemischen Analyse.

Einige Patienten mit akuten

Symptomen werden jetzt über längere Zeit beobachtet.
Eine Reihe von Blutproben aus Laos ist zur Analyse in den Vereinigten
Staaten gesammelt worden.

Alle biologischen Spezies wurden von qualifiziertem

medizinischen Personal gesammelt, und die Proben wurden bis zu ihrer Analyse
in den Vereinigten Staaten eingefroren.

Analysen dieser Proben haben ergeben,

daß weiterhin Trychothecen-Mykotoxine gegen Dörfer der Hmong eingesetzt werden,

über die Blut- und Urinproben von Opfern chemischer Kriegsführung hinaus

haben wir in diesem Jahr zusätzliche physikalische Proben gesammelt.

Diese

Proben bestehen aus mehr Oberresten des Gelben Regens, die Mykotoxine aus
den gleichen Angriffen enthalten, die bei menschlichen biologischen Spezies
positive Reaktionen auf diese gleichen Toxine ergeben haben.
Eine Reihe der Angriffe in Laos, über die berichtet wurde, hat sich
nicht wesentlich von den häufig berichteten Angriffen in vergleichbaren Zeiträumen der Jahre 1977 bis 1981 unterschieden.

Die tödlichen Verluste pro

Angriff in den Jahren 1981 und 1982 scheinen offensichtlich niedriger zu liegen, was darauf schließen läßt, daß weniger tödliche: Kampfmittel oder geringere Konzentrationen dieser Kampfmittel benutzt werden.

Der offensichtliche

Rückgang war jedoch statistisch nicht sehr bedeutsam und könnte auch durch
andere Ursachen hervorgerufen werden, wie etwa:
- Durch Abwanderung und die hohe Zahl der Todesfälle bis mindestens 1976
leben die Hmong in kleineren, zerstreuteren Gemeinschaften;
- überlebende Hmong, die sich noch in Laos befinden, sind Krieger, die
rascher Deckung suchen können und beim ersten Anzeichen eines Angriffs
rudimentäre Schutzmaßnahmen ergreifen;
- die Hmong
- 11 -

�- die Hmong nahmen sich nicht die Zeit, die Toten zu zählen - was durch
die Tatsache untermauert wird, daß nur sehr wenige Berichte die genaue
Zahl der von einem Angriff mit toxischen Kampfmitteln betroffenen Opfer
angeben.
Wie in dem Bericht im März festgestellt, unterhält die Sowjetunion in
Laos eine beachtliche Anzahl von Beratern, die Hilfe, technische Unterstützung
und Ausbildung in konventioneller und chemischer Kriegsführung leisten.

Ein

früherer laotischer Pilot, der Transportmaschinen flog und Anfang dieses Sommers übergelaufen ist, hat Lufttransporte von toxischen Kampfstoffen innerhalb
von Laos unter sowjetischer Aufsicht beschrieben.

Kampuchea:
Die meisten Berichte über Angriffe mit toxischen Kampfmitteln in
Kampuchea für den Zeitraum von 1978 bis Juni 1982 stammen aus Quellen des
Demokratischen Kampuchea (DK), darunter Interviews mit DK-Soldaten. Beweise
aus anderen Quellen bestätigen die meisten dieser Berichte. Nach Berichten
fanden 1982 die meisten Angriffe in der Nähe der thailändischen Grenze statt,
was das Sammeln von Proben und anderen direkten Beweisen des Einsatzes
toxischer Kampfmittel erleichterte.
In den ersten sechs Monaten des Jahres 1982 lag die Zahl der berichteten Angriffe mit toxischen Kampfmitteln in Kampuchea etwa um die Hälfte
niedriger als im gleichen Zeitraum 1980 und 1981. Auch die Zahl der angegebenen Todesopfer pro Angriff nahm ab, aber die Angaben waren zu unvollständig,
um festzustellen, ob diese Abnahme statistisch relevant war. Uns liegen ferner erste Berichte über Angriffe bis Anfang November 1982 vor.
Im Februar und März 1982 fanden einige Angriffe nahe der Grenze zu
Kampuchea noch auf thailändischem Boden statt. Analysen von Proben, die nach
diesen Angriffen gesammelt wurden, wurden in Kanada, Thailand und in den Ver-

- 12 -

�den Vereinigten Staaten durchgeführt.

Obwohl unterschiedliche Techniken

bei der Entnahme von Proben beträchtliche Probenfehler verursachen und zu
etwas unterschiedlichen Analyseergebnissen führen können, haben die mit der
Analyse betrauten Wissenschaftler sowohl in den Vereinigten Staaten als auch
in Thailand bei Anwendung unterschiedlicher Analysetechniken in ihren Proben
Trychothecen-Toxine festgestellt.

Das kanadische Team, das diese Angriffe

untersuchte, hat einen medizinischen Bericht veröffentlicht, in dem eine detaillierte medizinische Beurteilung der Symptome der Opfer enthalten ist:
Er kommt zu dem Schluß, daß tatsächlich Erkrankungen auftraten, die durch ein
toxisches Kampfmittel verursacht wurden, obwohl erste Untersuchungen nach
Trychothecen noch keinen schlüssigen Beweis ergaben.
Blut- und Urinproben von aus Kampuchea stammenden Opfern eines Artillerieangriffs mit toxischen Kampfmitteln am 13. Februar 1982 enthielten Trychothecen-Toxine.

Darüber hinaus enthielten nach dem Tode entnommene Gewebe-

proben von Opfern dieses gleichen Angriffs ebenfalls Trychothecen-Toxine.
Die Vietnamesen haben in diesem Jahr gegen eine weitere Widerstandsgruppe, die Volksbefreiunsstreitkräfte Kampucheas, Angriffe mit toxischen
Kampfmitteln durchgeführt. Bei mehreren Gelegenheiten von März bis Mai 1982
wurde das Lager der Widerstandskämpfer in Sokh Sann mit Artilleriefeuer und
Bomben mit toxischen Kampfstoffen belegt. Proben von verseuchten Pflanzen
und Reste des Gelben Regens aus diesen Angriffen werden derzeit analysiert.
Im Juni 1982 stattgefundene Angriffe in Kampuchea haben neue Proben ergeben.
Qualitative Untersuchungen deuten darauf hin, daß das Vorhandensein von Trychothecen wahrscheinlich ist. Die Ergebnisse der endgültigen Analysen stehen
noch aus.
Mehrere vietnamesische Überläufer aus Kampuchea haben 1981 und 1982
wertvolle Informationen über den Einsatz chemischer Waffen im vietnamesischen
Programm der chemischen Kriegsführung geliefert und mitgeteilt, daß einige
Arten dieser Kampfmittel aus der Sowjetunion geliefert werden.

Informationen

aus anderen Quellen bestätigen ebenfalls unsere Auffassung, daß die Vietnamesen
Munition mit toxischen Kampfmitteln besitzen und ihre Truppen mit zusätzlichem
Schutz ausstatten.
+ + + + +
- 13 -

�!

ainIERlIK H
Dl El1!ST3

Uli/zcn/chcifl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

8. Dezember 1982

48

US-PRIVATWIRTSCHAFT INVESTIERT MEHR IN FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG

- (AD) - Mindestens 40,2 Milliarden Dollar beabsichtigen amerikanische
Firmen im Jahr 1983 für Forschung und Entwicklung zu investieren.
acht Prozent (inflationsbereinigt: zwei Prozent) mehr als 1982.

Das sind
Die Bundes-

regierung in Washington hat für diese Gebiete Aufwendungen in Höhe von 43,2
Milliarden Dollar vorgesehen.

Die Industrie bringt somit fast die Hälfte der

"F &amp; E"-Felder auf, wobei in der von der Nationalen Forschungsstiftung (NSF)
vorgenommenen Untersuchung nur Projekte der Wirtschaft berücksichtigt sind,
für die keine staatlichen Mittel eingesetzt werden.
Die Zuwachsrate liegt gegenüber jener bei den Aufwendungen für 1982 um
zwei Prozent niedriger. Dies sei, wie Firmensprecher erklärten, auf die unsichere Wirtschaftssituation, niedrigeren Gewinn und die im Sommer 1982 noch
sehr hohen Zinssätze zurückzuführen. Dennoch werde jetzt in der Wirtschaft
das Gebiet Forschung und Entwicklung stärker berücksichtigt als andere Sparten,
weil die Firmen die Bedeutung technischer Verbesserungen höher als in den
letzten Jahren bewerten und die dafür vorgesehenen Steuervergünstigungen
nutzen wollen.
Chemische Industrie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Chemische Industrie
Spitzenreiter ist mit einer 17prozentigen Steigerung der Aufwendungen
auf ca. 5,7 Milliarden Dollar im Jahr 1982 - und vermutlich weiteren 14 Prozent im Jahr 1983 - die chemische Industrie.

Bedeutsame Problemlösungen in

der biologischen und biochemischen Forschung in jüngster Zeit sowie die Marktchancen, die sich aus diesem "Durchbruch" für neue und bald absehbare Technologien ergeben, wirken sich auf die gesamte Industrie aus. Dieser Trend
spornte in Verbindung mit den von der Bundesbehörde für Lebensmittel und
pharmazeutische Produkte (FDA) getroffenen Maßnahmen zur Abkürzung der Zeitspanne für die Zulassung eines neuen Präparats die "F &amp; E"-Aktivi täten deutlich an.

Auf dem Arzneimittelsektor verzeichnen Forschung und Entwicklung

jetzt eine jährliche Zuwachsrate von fast 20 Prozent.

Aber auch die in- und

ausländische Konkurrenz ist für die einzelnen Firmen ein wichtiger Faktor,
eigene Leistungen zu verbessern.

Und die Tatsache, daß die pharmazeutische

Industrie auch für den Bau neuer Anlagen und die Erweiterung bestehender Betriebe mehr als bisher investiert, wird als Anzeichen für ein rasches weiteres
Anwachsen von Forschung und Entwicklung in naher Zukunft gedeutet.

Wi ssenschaftlich-techni sehe Instrumente
Auf diesem Gebiet dürfte Schätzungen der NSF zufolge mit einer fortlaufenden hohen Zuwachsrate bei Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen zu
rechnen sein - mit 15 Prozent im Jahr 1982 und weiteren 14 Prozent auf ca.
3,3 Milliarden Dollar im Jahr 1983. Für die Ausweitung werden mehrere Gründe
genannt: 1) Die z. Zt. verwendeten Geräte veralten immer rascher, der Marktbereich wird größer. 2) Jeder Forscher benötigt immer mehr und empfindlichere
Ausrüstungen. 3) Auch der wachsende Bedarf im Gesundheitswesen, insbesondere
an diagnostischen und chirurgischen Instrumenten, trägt zum Boom auf diesem
Gebiet bei. 4) Angesichts der ausländischen Konkurrenz sind beträchtliche
Investitionen für Entwicklung und Vervollkommnung erforderlich, aber auch im
Interesse der Kalkulation, damit die amerikanischen Erzeugnisse sowohl auf

- 2 -

�sowohl auf dem Inlands- als auch auf dem Weltmarkt erschwinglich und konkurrenzfähig sind.

Elektronik und Elektroausrüstungen
Experten für Forschung und Entwicklung auf diesem Sektor nennen kürzere Lebensdauer der Produkte, Ausweitung der Technologien und wachsende
Konkurrenz als Schlü'sselfaktoren für die Anhebung der "F &amp; E"-Mittel um 12
Prozent im Jahr 1982. Für 1983 wird eine Steigerung um neun Prozent (auf
7,7 Milliarden Dollar) erwartet. Technische Fortschritte in jüngster Zeit
zur Datenintegration bei Großsystemen und Herstellung integrierter Schaltkreise mit sehr hoher Arbeitsgeschwindigkeit bedeuten zwar große Möglichkeiten für die Schaffung verbesserter Systeme, brachten aber gleichzeitig neue
Kosten- und Produktionsprobleme, für die von Forschung und Entwicklung Lösungen erhofft werden. Weitere Impulse für "F &amp; E"-Aktivi täten sowohl bei
Elektronik als auch Maschinenbau ergeben sich aus dem wachsenden Interesse
an Robotern für die Fabrikation.

Maschinenbau
An Hand der Stellungnahmen aus Sektionen mit den verschiedensten Tätigkeitsbereichen im Maschinenbau (einschließlich der Unternehmen, die Büround Buchungsmaschinen sowie Computer herstellen) wird die Zuwachsrate der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung im Jahr 1983 auf acht Prozent geschätzt. Damit würden 6,9 Milliarden Dollar erreicht. Die gegenwärtig schwächere Absatzlage habe auch Forschung und Entwicklung beeinträchtigt. Die ComputerIndustrie bemüht sich jedoch sehr, mit technologischen Erfordernissen, insbesondere in der Halbleiterforschung Schritt zu halten. Die raschen Fortschritte
und Veränderungen, dazu die große Konkurrenz vor allem auf dem Gebiet der
Mikro- und Mini-Computer, zwingen die Computer-Industrie, auf dem Forschungssektor immer mehr zu investieren. Ein weiterer Impuls ergibt sich aus der

- 3 -

�aus der ständig wachsenden Notwendigkeit einer Verbesserung der Fabrikationsprozesse in der gesamten Industrie - z. B. die Weiterentwicklung computer-gestützter Konstruktion (CAD), computer-gestützter Fabrikation (CAM), der Informationsverarbeitung und der Programmier-Systeme.

t

Fahrzeugbau

*

Rezession und hohes Zinsniveau halten Forschungsinvestitionen in bescheidenerem Rahmen. Die Zuwachsrate beträgt nur vier bis fünf Prozent, wobei die meisten anderen Betriebssparten wesentlich kürzer gehalten werden.
Immerhin geben General Motors mehr als zwei Milliarden Dollar, die Ford Motor
Company ca. 1,7 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus. Die hohen Importe ausländischer Kraftfahrzeuge schaffen neben der gegenwärtigen
Rezession zusätzliche Probleme. Das Schwergewicht der Forschung liegt auf
technischen Verbesserungen einschließlich Kostenreduzierung, Treibstoffökonomie und Qualitätsverbesserungen.

Luft- und Raumfahrtindustrie
Die Situation unternehmenseigener Forschungs- und Entwicklungsprojekte
ist weiterhin nicht gerade rosig. Seit 1981 gibt es keine nennenswerte Zuwachsrate mehr für deren Finanzierung. Angesichts der schlechten Absatzlage,
der Mitte 1982 noch immer hohen Zinsen sowie der Beendigung einiger wichtiger
Entwicklungsaufgaben leiden "F &amp; E" auf diesem Sektor auch in der nächsten
Zukunft unter Geldmangel. Erst nach 1983 könnten aufgrund der jetzt absehbaren technologischen Fortschritte, insbesondere in der Fluggeräteelektronik,
im Zellenbau und bei Antrieben, die Aussichten günstiger werden. Während 1982
noch mit einem Zuwachs der "F &amp; E"-Aufwendungen von fünf Prozent zu rechnen ist,
dürften diese 1983 um zwei Prozent zurückgehen. Mehr als 3,2 Milliarden Dollar
Forschungsausgaben sind dann auf diesem Industriesektor kaum zu erwarten.
+ + + + +

- 4 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chemische Kriegsführung in Afghanistan, Laos und Kampuchea dauert an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bericht des US-Außenministeriums über Beweise für "Gelben Regen" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Privatwirtschaft investiert mehr in Forschung und Entwicklung&amp;nbsp;</text>
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