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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum die Vereinigten Staaten ihre Verteidigungsanstrengungen erhöhen müssen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Russel E. Dybvik -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der amerikanische Präsident und die Stellvertreterfrage&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten John B. Holway -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lampenfieber am Startkomplex 39 A&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumtransporter COLUMBIA startet voraussichtlich am 10. April -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

8. April

13

1987

I N H A L T

DOKUMENTATION

Reagan verspricht Unterstützung beim Kampf gegen AIDS
- Rede Präsident Reagans vor dem College of Physicians
of Philadelphia -

Nitze:

ABM-Vertrag verbietet lediglich Stationierung von SDI

- Rede über den Vertrag und die Verhandlungen -

HINTERGRUNDMATERIAL

Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollten
- Von Richard R. Burt -

Die Interpretation des ABM-Vertrages
- Kommentar der "Stimme Amerikas "

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�^^°s^&lt;

VON

AMERIKA DIENST
Dokumentation

&amp;

8. April 1987

13
REAGAN VERSPRICHT UNTERSTÜTZUNG BEIM KAMPF GEGEN AIDS

- Rede Präsident Reagans vor dem College of Physicians of Philadelphia -

WASHINGTON - (AD) - In seiner Ansprache vom 1. April 1987 vor dem College
of Physicians of Philadelphia betonte Präsident Reagan die erzielten Fortschritte beim Kampf gegen AIDS (acquired immune deficiency Syndrome = erworbene Immunschwäche). Der Präsident rief die Errungenschaften der letzten
sechs Jahre in Erinnerung, nämlich die Entdeckung des AIDS-Virus, die Entwicklung eines Bluttests zur Überwachung von Bluttransfusionen und die behördliche
Genehmigung eines Medikaments, mit dem AIDS-Patienten geholfen werden kann.
Er fügte wörtlich hinzu, daß "alle Spritzen und Medikamente der Welt nichts an
Tatsache ändern werden, daß Vorbeugung besser ist als Heilung." Er stellte in
Aussicht, daß die Regierung im laufenden Haushaltsjahr insgesamt 416 Millionen
Dollar für die AIDS-Forschung und -Aufklärung ausgeben will.
Nachstehend geben wir die Rede im Wortlaut:
Ganz Amerika
blickt in diesem
Jahr nach Philadelphia, denn wir Amerikaner erinnern uns, daß vor 200
Jahren in dieser Stadt eine kleine
Gruppe von Menschen die Selbstverwaltung als das größte Experiment in der
Geschichte der Menschheit erarbeitete:
die Verfassung der Vereinigten
Staaten von Amerika. Jene Gründungsväter waren die Vertreter des Volkes
dieser Nation, und sie legten ihr
Werk der Nation zur Ratifizierung
vor. Dies war ein Wendepunkt in der
Geschichte.
Denn niemals zuvor hat
sich ein ganzes Volk so friedlich und
erfolgreich zusammengefunden, um sich

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selbst zu regieren.
Die Verfassung sah eine Beschränkung staatlicher Eingriffe vor, und
in den seither vergangenen zwei Jahrhunderten haben sich viele Menschen
in der ganzen Welt gefragt, wie es
möglich ist, daß Selbstverwaltung und
begrenzte staatliche Einflußnahme in
Amerika so gut nebeneinander funktionieren. Die Antwort ist einfach und
Sie sind ein Teil dieser Antwort.
Wie bereits de Tocqueville erkannte,
warten wir Amerikaner nicht darauf,
bis die Regierung etwas tut, wenn wir

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�etwas in Bewegung bringen wollen.
Wir tun uns zusammen und nehmen es
selbst in Angriff. Und es gibt kein
besseres
Beispiel von Amerikanern,
die sich das Gemeinwohl zum Anliegen
machten - ebenfalls vor 200 Jahren
und ebenfalls -in dieser Stadt - als
die Gründungsväter einer der herausragendsten Akademien Amerikas zur Erörterung
von medizinischen Themen,
des College of Physicians.
Im Januar des Jahres 1787 kamen
unter Leitung von Dr. Benjamin Rush
24 Srzte zusammen, um "die medizinische
Wissenschaft
voranzutreiben
und...
das menschliche Leiden zu
verringern". Und seit 200 Jahren hat
das College genau das getan.
Seine
Führungsrolle
bei der
öffentlichen
Gesundheitsfürsorge
begann mit der
Bekämpfung der Gelbfieberepidemie in
Philadelphia im Jahr 1793 und dauert
bis heute an.
Dank seiner Vorrangstellung in der medizinischen Wissenschaft kann sich das College damit
rühmen, eine der ausgezeichnesten und
am häufigsten benutzten Bibliotheken
der Welt zu unterhalten, eine der besten Bibliotheken zur Geschichte der
Medizin, eine der wenigen medizinischen Museen Amerikas und eine Sammlung von Totenschädeln, die Hamlet
wahnsinnig gemacht hätte.
Seit zwei Jahrhunderten hat das
College of Physicians stets seinen
Wahlspruch "Nicht für sich selbst,
sondern für alle" verwirklicht und so
dazu beigetragen, die gesamte amerikanische Medizin zu dem zu machen,
was sie heute ist - die beste der
Welt.
Während wir in diesem Jahr der
Zweihundertjahrfeier
zurückblicken,
müssen wir meines Erachtens auch den
Blick nach vorne richten. Wir müssen
uns fragen: wie bereiten wir Amerika
auf die bevorstehende Reise vor? Wie

bereiten wir Amerika für das 21.
Jahrhundert vor?
Was für ein Land
werden wir unseren Kindern hinterlassen?
Werden unsere Kinder für die
Aufgaben und Möglichkeiten der Zukunft Amerikas bereit sein?
Diese Herausforderung - Amerika
auf das 21. Jahrhundert vorzubereiten
- bedeutet auch, Mittel und Wege zur
besten Nutzung unserer Wissenschaft
und Technik zu finden. Dies beinhaltet die Schaffung einer fairen, offenen
und wachsenden Weltwirtschaft,
aus der viele Berufe der Zukunft hervorgehen. Dazu gehört die Vergewisserung, daß das amerikanische Bildungswesen das beste der Welt ist,
das in unser menschliches und geistiges Kapital investiert, so daß unsere
Kinder für diese Berufe bereit sind.
Dies beinhaltet, die Bedingungen
für die Unternehmerleistungen und das
Wachstum bei uns zu Hause zu verbessern, so daß die einzigen Grenzen
dessen, was unsere Kinder erreichen
können, die
Grenzen
ihrer
Träume
sind. Der Schlüssel hierzu ist eine
Senkung der Steuersätze und weniger
nutzlose Vorschriften. Wir haben auf
diesen beiden Gebieten schon große
Fortschritte erzielt.
Aber die Arbeit ist erst dann getan, wie wir die
Ausgaben des Bundes unter Kontrolle
gebracht haben und die Steuern nicht
wieder ansteigen.
Darum ist es an
der Zeit, daß der Kongreß den Bundeshaushalt kürzt und das Familienbudget
unangetastet bleibt.
Und schließlich gehört zu dieser
Herausforderung - und dies ist der
Grund, warum ich heute hier bin - die
amerikanische Medizin auf das 21.
Jahrhundert vorzubereiten.
Wie ich
bereits sagte, ist die amerikanische
Medizin die beste der Welt.
Hierzu
brauchen wir
keine zweite Meinung
einzuholen, denn dies ist eine unbe-

t

;

�streitbare Tatsache.
Unser Wettbewerbssystem hat die beste medizinische Versorgung hervorgebracht, die
es jemals gab. Und mit jedem Jahr,
das vergeht, werden mehr Leben gerettet, werden Behandlungsmöglichkeiten
für mehr Krankheiten gefunden und das
Leben für mehr Menschen als zuvor
verbessert.
Die
ärztliche
Wissenschaft
in
Amerika ist in der Tat hochentwikkelt, und dehalb hat sich die Lebenserwartung des Menschen erhöht.
Die
früher üblichen Krankheiten wie Tuberkulose, Diphterie und Polio sind
heute fast vergessen.
Die Kindersterblichkeit sinkt, und die Anzahl
der
Amerikaner, die
aufgrund
von
Herzproblemen sterben, geht Jahr für
Jahr zurück.
immer häufiger werden
Krebserkrankungen
früh erkannt und
mit vollem Erfolg behandelt, und ich
selbst
habe
allen
Grund, hierfür
dankbar zu s.ein.
Operationen am grauen Star, die
einst sehr schwierig waren und von
denen man sich nur langsm erholte,
sind heute einfache Routinevorgänge
geworden.
Und für diejenigen, die
sich heute ins Krankenhaus begeben,
hat sich in den letzten zwei Jahren
die
durchschnittliche
Verweildauer
erheblich verringert.
Eine häufige Szene in Kinofilmen
zeigt einen Vater, der sein schwer
verletztes Kind auf dem schnellsten
Weg ins Krankenhaus bringt. Heutzutage wird er bei seinem Eintreffen
dort jedoch feststellen, daß die Arzte besser als jemals zuvor auf die
Situation vorbereitet sind. Die Einrichtung
von Intensivstationen
ist
heute nicht mehr die Ausnahme sondern
die Regel, was genauso auf Unfallstationen zutrifft, die rund um die Uhr
mit Chirurgen besetzt sind. Dies ist
ein wichtiger Grund, warum die Zahl

der Autounfälle mit Todesfolge in den
letzten
zehn Jahren
zurückgegangen
ist.
Unfallopfer
haben eine viel
bessere Uberlebenschance, wenn sie in
jener ersten kritischen Stunde behandelt werden, und dies trifft auf immer mehr von ihnen zu.
Fast alle heute bekannten Krankheiten können schnell diagnostiziert
und behandelt werden.
Die offenkundigste und beunruhigenste Ausnahme
ist AIDS.
Doch auch hier kommt die
Medizin voran. Vor sechs Jahren hatte die Welt noch nie etwas von AIDS
gehört.
Seither ist das AIDS-Virus
isoliert und identifiziert. Man hat
einen AIDS-Test entwickelt, der dazu
beiträgt sicherzustellen, daß Bluttransfusionen
frei von Verseuchung
sind.
Außerdem ist ein Medikament,
das AZT, entwickelt worden, welches
AIDS-Patienten helfen könnte. Gerade
vor zwei Wochen hat dieses Medikament
die Zulassung der Kontrollbehörde für
Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erhalten.
Weitere Medikamente werden
folgen.
Und amerikanische Forscher
werden bald mit der Erprobung von
Impfstoffen beginnen.
Dies ist ein beispielloser Fortschritt im Kampf gegen ein schlimmes
Virus. 40 Jahre Studium waren nötig,
um genau so viel über Polio herauszufinden. Und es dauerte 19 Jahre, um
einen Impfstoff gegen Hepatitis B zu
entwickeln.
Doch unser Kampf gegen
AIDS glich eher einer Notoperation.
Wir haben alles dagegen eingesetzt,
was uns zur Verfügung steht.
Wir haben AIDS zum schlimmsten
Feind unserer öffentlichen Gesundheit
erklärt. Während des laufenden Haushaltsjahres planen wir die Bereitstellung von 416 Millionen Dollar für
die AIDS-Forschung und
-Aufklärung,
und für das Gesamtprogramm 766 Millionen. Im nächsten Jahr wollen wir

- 3 -

�unsere Ausgaben
für Forschung und
Aufklärung um 28 Prozent steigern, so
daß der Gesamtumfang des AIDS-Programms 1 Milliarde Dollar beträgt.
Dem steht die Summe von 8 Millionen
Dollar vor nur fünf Jahren gegenüber.
Die Ausgaben für AIDS sind einer der
am
schnellsten wachsenden
Bereiche
unseres Haushaltes.
Und das ist nicht alles. Kürzlich haben Premierminister Chirac und
ich ein Abkommen angekündigt, mit dem
der Weg für eine Zusammenarbeit von
Forschern in Frankreich und den Vereinigten Staaten geebnet wird.
Wir
sind außerdem dabei, hinderliche Beschränkungen abzubauen, damit AIDSMedikamente
problemloser
vom Labor
des Pharmazeuten auf den Markt gelangen können.
Das AZT hat die Genehmigung der
FDA in nur 4 Monaten erhalten, also
in einem Fünftel der durchschnittlichen Uberprüfungsdauer von Medikamenten.
Die Grenzen der heutigen
AIDS-Forschung sind nicht finanzieller
Natur
oder
mangelnder
Wille.
Vielmehr sind die Kapazitäten bestehender
Forschungseinrichtungen
und
die Anzahl der Personen mit den nötigen
fachlichen Qualifikationen begrenzt.
Aber alle Impfstoffe und Medikamente dieser Welt können eine grundsätzliche Tatsache nicht ändern, nämlich, daß Vorbeugung besser ist als
Heilung.
Dies trifft besonders auf
AIDS zu, für das es derzeit keine
Heilungsmöglichkeit gibt. An diesem
Punkt setzt die Aufklärung ein. Der
öffentliche Gesundheitsdienst hat ein
"Informationsund Aufklärungsprogramm"
zur
AIDS-Bekämpfung
vorgestellt.
Die Rolle der Bundesregierung muß darin bestehen, den im Erziehungswesen Tätigen möglichst genaue Informationen über die Erkran-

kung zu geben. Aber wie diese Informationen genutzt werden, ist Sache
der Schulen und Eltern, nicht der Regierung.
Doch wir müssen auch ehrlich gegenüber uns selbst sein. Information über AIDS kann nicht "wertneutral" sein, wie es manche nennen.
Denn ist es bei der Verhütung von
AIDS nicht so, daß uns Medizin und
Moral die gleiche Lehre erteilen?
Die amerikanische Medizin macht
aus
Wundern
Alltäglichkeiten,
und
dies ist eine gute Nachricht, da Amerika sich eben jetzt auf das 21.
Jahrhundert vorbereitet.
Doch nicht
nur unsere Qualität ist die höchste
in der Welt.
Dies trifft ebenfalls
auf unsere Kosten zu. Im vergangenen
Jahr kletterten die Kosten im Gesundheitswesen sieben mal schneller als
die allgemeine Inflationsrate.
Wir
sind an einem Punkt angekommen, wo
viele Patienten den Eindruck haben,
daß ihr Krankenbett direkt neben der
Kasse stehen müßte.
Ob nun Arzte,
Patienten oder Versicherer - alle haben angesichts der steigenden Kosten
im Gesundheitswesen ein sehr schlechtes Gefühl.
Betrachtet
man
den
Anteil
am
Bruttosozialprodukt, geben wir annähernd doppelt so viel für das Gesundheitswesen aus wie unsere bedeutenden
Handelspartner Japan, Großbritannien
und Kanada. Eine der größten Herausforderungen bei der Vorbereitung auf
das 21. Jahrhundert liegt darin, diese Kostenexplosion im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen.
Am schlimmsten sind die NichtVersicherten und die alten Mitbürger betroffen, die im Rahmen von Medicare
versichert sind, wenn sie von einer
schweren Erkrankung betroffen werden.
Unser Vorschlag zur finanziellen Entlastung bei einer solchen schwerwiegenden Erkrankung wird diesen Medi-

�care-Versicherten zugute kommen. Ein
Teil dieses Gesamtpakets sieht vor,
die Einzelstaaten zu ermutigen, ihre
Befugnisse so anzuwenden, daß schwere
Erkrankungen im Rahmen des Krankenversicherungsschutzes durch Arbeitgeber abgedeckt werden. Das Ziel hierbei ist es, eine Krankenversicherung
anzubieten, die auch den Tankwart
oder den Angestellten im Geschäft um
die Ecke einschließt.
Aber in dem gleichen Maße, wie
wir die Verwundbarsten unter uns absichern, müssen wir auch etwas tun,
um die Kosten niedrig zu halten. Wir
wollen ruhig das Kind beim Namen nennen:
die Regierung hat eine große
Rolle bei der Kostenexplosion im Gesundheitswesen gespielt.
Wie schon
der Chefarzt eines Vorstadt-Krankenhauses vor nicht allzu langer Zeit
gegenüber
einem Reporter
bemerkte,
"haben Anreize bestanden, die Patienten in den Krankenhäusern zu halten,
mehr Tests und Verfahren anzuwenden
und die Kosten zu steigern". Als wir
die Regierung übernahmen, stand Medicare kurz vor der Pleite und die
Schuldzuweisungen durch die Öffentlichkeit trafen auch die Arzte. Die
Berichte über steigende Kosten und
übertriebene Rechnungen schadeten dem
Ansehen des gesamten Berufsstandes.
Vor vier Jahren änderten wir das
Zahlungssystem für Medicare-Krankenhäuser.
Ebenso haben wir Organisationen auf dem Gebiet der Gesundheitsfürsorge und wettbewerbsfähigen
medizinischen Programmen erlaubt, auf
Vertragsbasis Gesundheitsfürsorge zu
leisten.
Die Ergebnisse waren erstaunlich. Die Inflation im Gesundheitswesen wurde um die Hälfte reduziert. Die Leistungsfähigkeit stieg.
Ebenso der Umfang an Dienstleistungen.
Und der Medicare Trust Fund
wurde vor dem Sturz in den Abgrund
bewahrt. Um sicherzustellen, daß der

Fund auch bis ins Jahr 2000 stark
bleibt, müssen wir dennoch mehr tun.
Dies ist der Grund, warum ich ein
neues Paket mit Vorschlägen an den
Kongreß geleitet habe.
In diesem Paket sind eine Menge
von
Vorschlägen
verschnürt:
eine
größere Auswahl für die Begünstigten
von Medicare, mehr Anreize zur Steigerung
der
Leistungsfähigkeit
von
Ärzten sowie mehr Anreize für die
Einzelstaaten,
den
Medicaid-Versicherten
umfangreichere
Wahlmöglichkeiten anzubieten.
Aber lassen Sie
mich hier einen Punkt nennen, der
nicht in irgendeinem zukünftigen Paket meiner Regierung enthalten sein
wird:
ein obligatorisches Kostendämpfungssystem. Ich weiß, daß einige diesen Weg gehen wollen, doch ein
obligatorisches System würde Innovationen
behindern,
Dienstleistungen
einschränken, und einen Schritt zu
mehr Regierungskontrolle über die gesamte Ärzteschaft bedeuten. Das amerikanische Gesundheitswesen ist das
beste in der Welt, weil es privat
ist, und dabei muß es bleiben.
Lassen Sie mich nun zu einem der
wichtigsten Punkte bei der Kostenentwicklung kommen, die sich heute im
Gesundheitswesen und in vielen anderen Bereichen
stellen:
die Haftpflichtversicherung
und die Reform
des Schadenersatzrechts.
Im vergangenen Jahr hat ein Gericht einer Frau
einen Schadensersatzanspruch in Höhe
von einer Million Dollar zuerkannt.
Sie machte geltend, daß eine Computer-Tomographie
ihre
psychischen
Kräfte zerstört hätte. Kürzlich ist
in diesem Fall ein neues Verfahren
eröffnet worden, aber die Exzesse der
Gerichte haben ihren Tribut gefordert.
In der
Konsequenz
war
es
schwangeren Frauen in einigen Landesteilen unmöglich, einen Arzt für ihre
Entbindung zu finden, andere medizi-

- 5 -

�nische Dienstleistungen
und teurer geworden.

sind

rarer

Dies ist sowohl eine Angelegenheit des Bundes wie auch der Einzelstaaten. Als Minister Bowen Gouverneur war, reformierte Indiana sein
Gesetz
zur
Haftpflichtversicherung.
Zwei Drittel der Staaten, einschließlich Pennsylvania, haben sich seit
Anfang 1986 angeschlossen. Es ist an
der Zeit, daß daraus 50 werden und
sich auch der Kongreß anschließt.
Wir können über die Details debattieren, aber es ist wenig sinnvoll, die Juristen einen "hippokratischen Eid" schwören zu lassen, so daß
sie gemäß der Formel "niemandem in
Ausübung ihres Berufes Schaden zufügen". Ich glaube, daß für einige Juristen Schaden eine
Zwangshandlung
ist.
Ich habe heute über einige Herausforderungen gesprochen, mit denen
das
amerikanische
Gesundheitswesen
beim Eintritt in das 21. Jahrhundert
konfrontiert wird.
Manchmal ist es
einfach, sich bei der Suche nach den
Antworten an die Regierung zu wenden,
besonders wenn es um die Kostenproblematik geht. Es stimmt, die Regierung hat hier eine Verantwortung,
doch im Prinzip sind die Arzte für
diese Angelegenheit zuständig.
Und genau wie ein Chirurg entscheiden muß, wann er während einer
Operation
nach
dem
Skalpell, der
Klammer und dem Faden greift, müssen
Sie entscheiden, wann Sie nach den
Werkzeugen greifen, die Ihnen helfen,
die wachsenden Kosten im Gesundheitswesen zu bewältigen.
Einige wenige
fahrlässige Arzte können die Kosten
für die Gesundheitsfürsorge und die
Haftpflichtversicherung
zum
Schaden
aller in die Höhe treiben. Sie müssen entscheiden, ob ärztliche Ver-

einigungen gegen diejenigen vorgehen
sollen, die sich der Fahrlässigkeit
schuldig gemacht haben oder nicht den
ethischen Normen der Medizin genügen.
Da die Patienten mehr von der Medizin erwarten und mehr dafür bezahlen, möchten Sie auch mehr über ihre
Auswahlmöglichkeiten
erfahren.
Sie
müssen entscheiden, wie Sie den Patienten
die Information
vermitteln
wollen. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit preiswerterer und einfacherer
Praktiken, müssen Sie entscheiden,
wann diese angewandt werden sollen.
Die große Tradition des amerikanischen
Gesundheitswesens
mit
ihrer
Heilung aller Bedürftiger unabhängig
von deren Wohlstand liegt in Ihrer
Hand.
Und lassen Sie mich noch einen
anderen Punkt hinzufügen, der für die
Zukunft unseres Landes entscheidend
ist und der in vielerlei Hinsicht
ebenfalls in Ihren Händen liegt: unser Kampf gegen den Drogenmißbrauch.
Sie können Ihre Patienten über die
gesundheitlichen Gefahren durch Drogen informieren.
sie können ihnen,
besonders den jüngeren Patienten zeigen, warum es wichtig für sie, ihre
Familien und ihr Umfeld ist, zu Drogen "einfach nein" zu sagen.
Ihre Hände werden die Zukunft des
amerikanischen Gesundheitswesens formen. Aber ich glaube, das ist ganz
einfach so, also ob man sagt, daß das
amerikanische Gesundheitswesen in den
besten Händen der Welt liegt. Vergleichen Sie einfach Ihre Kraft zu
heilen mit der in irgendeinem anderen
Land der Welt. Nehmen Sie zum Beispiel die Sowjetunion, die so viel
über die hervorragende Qualität Ihrer
Medizin spricht, aber wo die Hygiene
so schlecht ist, daß vor noch nicht
einmal zwei Jahren zwei Drittel aller
Operationen mit post-operativen In-

�fektionen endeten;
wo ein Drittel
aller Krankenhäuser nicht über ausreichende Anlagen für Bluttransfusionen verfügen;
wo, teilweise wegen
der schlechten medizinischen Versorgung, die Lebenserwartung
gefallen
ist
und
die
Kindersterblichkeit
steigt. Weder dort noch irgendwo anders müssen Sie sich einem Wettbewerb
stellen. Sie sind die besten.
,

i

'

Ich sage das im vollen Vertrauen,
denn ich kenne die Qualität und das
Engagement amerikanischer Arzte nicht
nur aus erster Hand, sondern auch
durch meine Familie. Mein Schwiegervater war Arzt.
Ich konnte seine
Hingabe zur Medizin beobachten. Ich
sah seine Hingabe für seine Patienten
und seine Studenten. Ich beobachtete
seine enorme Würde. Ich beobachtete
seine Hingabe an die Perfektion, wie
er dauernd nach besseren Möglichkeiten der Diagnose und Heilung suchte.
Und ich sah, wie er Menschen geholfen
hat, ganz gleich ob diese zahlen
konnten oder nicht, und wie er alle
Patienten mit der gleichen Höflichkeit und dem gleichen Respekt behandelte.
Während sich unsere Nation für
das 21. Jahrhundert vorbereitet, bin
ich beruhigt, daß sich das amerikanische Gesundheitswesen in guten Händen
wie den Ihren befindet.
Darum sage
ich Ihnen, die Sie zu den ausgezeichnetsten Ärzten dieses Landes gehören,
laße uns jetzt damit anfangen, uns
vorzubereiten, damit das amerikanisehe Gesundheitswesen im Jahr 2000
immer noch das beste und weitverzweigteste in der ganzen Welt ist,
und die Arzte in unserem Land sollen
immer noch voll Stolz sagen:
"Nicht
für uns selbst, sondern für alle".

+ + + + + +

- 7

�AMERIKA DIENST
r

%

""*"

Dokumentation

Ä&lt;

8. April 1987

13

NITZE:

ABM-VERTRAG VERBIETET LEDIGLICH STATIONIERUNG VON SDI
- Rede über den Vertrag und die Verhandlungen -

WASHINGTON - (AD) - Als Teilnehmer an den Verhandlungen zum ABM-Vertrag
von 1972 und heutiger Berater von Präsident Reagan und Außenminister Shultz in
Fragen der Rüstungskontrolle hat Paul Nitze am 1. April 1987 in einer Rede bei
der Johns Hopkins University School of Advanced International Studies seiner
Überzeugung Ausdruck verliehen, daß dieser Vertrag lediglich die Stationierung, nicht aber die Entwicklung und Erprobung neuer Raketenabwehrsysteme wie
der Strategischen verteidigungsinitiative untersagt.
Paul Nitzes Ansprache hat folgenden Wortlaut:

Die zentrale Frage in der gegenwärtigen außenpolitischen Debatte zum
Thema Rüstungskontrolle besteht darin, in welchem Ausmaß die Beschränkungen des ABM-Vertrages auf Entwicklung und Erprobung der strategischen
Verteidigung
(SDI) anzuwenden sind.
Diese Debatte hat sich auf zwei alternative Interpretationen der vertraglichen
Verpflichtungen
konzentriert, die sogenannte weite und die
enge Auslegung. Das Problem der Interpretation ergibt sich aus den Formulierungen
des ABM-Vertrages, die
bei der Behandlung gewisser moderner

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Technologien, die sowohl im Rahmen
des amerikanischen SDI-Programms (etwa Laser, Teilchenstrahlen und wuchtabhängige Geräte sowie passive Sensoren) als auch von der Sowjetunion erforscht werden, vieldeutig ist.
Wenn die Sprache eines Vertrages
vieldeutig ist, so sagen Standardwerke des Völkerrechts, dann können bei
der Interpretation des Vertrages die
Verhandlungsprotokolle sowie die von
den Vertragsparteien in der Vergangenheit geübte Praxis in bezug auf
diesen Vertrag zu Hilfe genommen wer-

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�den.
Auch das Ratifizierungsverfahren im Senat hat Einfluß auf diese
Angelegenheit.
Eine
von
der
Administration
durchgeführte
Analyse der Verhandlungsprotokolle, zum ABM-Vertrag wurde
dem Senat übermittelt. Aufgrund dieser Analyse ist Präsident Reagan zu
dem Schluß gelangt, daß die weite
Auslegung völlig gerechtfertigt ist.
Wir unterstützen diesen Schluß weiterhin.
Vor sechs Wochen ordnete der Präsident an, daß auch bezüglich der
beiden anderen Materialkomplexe, die
auf die korrekte Auslegung des Vertrages Einfluß haben können, Analysen
angefertigt werden - die von den Vertragsparteien geübte Praxis sowie die
Unterlagen zum Ratifizierungsverfahren in den Vereinigten Staaten. Diese Studien sollten bis 30. April fertiggestellt sein. Die Administration
wird den Kongreß eingehend zu den Ergebnissen der Studien und zu den Auswirkungen aller drei Analysen auf die
zukünftige Durchführung des SDI-Programms konzultieren.
In der andauernden Debatte über
die Interpretation des ABM-Vertrages
ist es wichtig, die Parameter des
Problems zu verdeutlichen. Ich werde
versuchen, dies zu tun sowie auch
deutlich zu machen, warum meine Rückschau auf die Verhandlungen mich zu
der Überzeugung veranlaßt, daß die
sowjetischen Verhandlungsführer, was
die Sowjetunion selbst angeht, nur
den von einer weiten Auslegung des
Vertrages
gesetzten
Beschränkungen
verbindlich zugestimmt haben.

Der Charakter des Disputs
Zum überwiegenden Teil ist der
ABK-Vertrag, was seine Auswirkungen
- 2

auf das SDI-Programm betrifft, nicht
umstritten.
Das Problem der weiten
oder engen Auslegung bezieht sich auf
die Tatsache, daß zu der Zeit, als
der Vertrag ausgehandelt wurde, alle
damals stationierten oder zur Stationierung vorgesehenen ABM-Systeme auf
einer Kombination von ABM-Abwehrflugkörpern,
Abschußvorrichtungen
für
diese Flugkörper und ABM-Radarsystemen beruhten. Das Problem der weiten
und engen Auslegung betrifft lediglich die Entwicklung und Erprobung
von Systemen, die auf anderen physikalischen Prinzipien beruhen als diejenigen, die bei den genannten ABMAbwehrf lugkör per n , Abschußvorrichtungen und Radarsystemen sowie deren
Komponenten eine Rolle spielen.
Die
gegenwärtige
Debatte
hat
nichts mit der Frage einer Stationierung von Komponenten oder Systemen zu
tun, die auf anderen physikalischen
Prinzipien beruhen; es herrscht Übereinstimmung, daß die
Stationierung
solcher
Komponenten
oder
Systeme
nicht ohne vorhergehende Konsultation
und Änderung des Vertrages erlaubt
ist. Deshalb steht das Grundprinzip
des Vertrages - daß ohne Änderung des
Vertrages keine Seite Systeme oder
Komponenten stationieren darf, ausgenommen der in Artikel III vorgesehenen - außer Frage.
Auch gibt es kein Problem in bezug auf Forschung;
das Wort "Forschung" wird nirgendwo im Vertrag erwähnt.
Bei der Frage der Erprobung betrifft das Problem nicht die Erprobung stationärer, landgestützter ABMSysteme in vertraglich vereinbarten
Test- oder
Stationierungsgebieten,
unabhängig davon, ob ein Abwehrvorgang im Weltraum oder in der Atmosphäre
stattfindet.
Solche
Tests
sind gemäß Artikel IV erlaubt.
Das

�Problem betrifft auch nicht die Erprobung von auf anderen physikalischen Prinzipien beruhenden Systemen,
die stationär und landgestützt sind.
Das Problem betrifft nur die Erprobung von mobilen
(darunter auch
weltraumgestützten) Systemen und ihren Komponenten, die auf anderen physikalischen Prinzipien beruhen und an
die Stelle von 1. ABM-Abwehrflugkörpern, 2. AEM-Abschußvorrichtungen und
3. ABM-RadarSystemen treten können.
Der engen Auslegung zufolge wären
solche Tests nicht erlaubt, da laut
dieser Interpretation die Ersatzkomponente stationär, landgestützt und
in
einem
vereinbarten
Erprobungsoder Stationierungsgebiet disloziert
sein müßte. Der weiteren Interpretation zufolge würden sie jedoch allgemein zulässig sein, selbst wenn sie
mobil (auch weltraumgestützt) wären.

Vertragsbestimmungen
Um zum Verständnis des Interpretationsproblems beizutragen, ist es
nützlich, die einschlägigen Vertragsbestimmungen im Kopf zu haben, die
ich nun in gekürzter Fassung auflisten möchte.
Der volle Text ist
selbstverständlich
erhältlich,
für
diejenigen, die sich dessen bedienen
möchten.
Artikel l des Vertrages untersagt
die Stationierung
von ABM-Systemen
zur territorialen Verteidigung sowie
die Bereitstellung einer Basis für
eine solche Verteidigung. Er untersagt außerdem die Stationierung von
AB^-Systemen zur Verteidigung eines
Gebietes mit Ausnahme der Regelung
des Artikels III.
Artikel I beschränkt
also
die
Stationierung,
nicht die Erprobung, und begrenzt
ABT'-Systeme, nicht ABM-Komponenten.

Artikel II definiert ein ABM-System als "ein System zur Abwehr strategischer ballistischer Raketen oder
deren Bestandteile im Flug, das gegenwärtig besteht aus: "ABM-Abwehrflugkörpern, also Flugkörpern, die
für eine ABM-Rolle konstruiert und
stationiert
sind
oder
Flugkörpern
eines Typs, der für eine ABM-Funktion
erprobt wurde; ABM-Abschußvorrichtungen zum Abschießen von ABM-Abwehrflugkörpern; ABM-Radarsystemen, also
Radarsystemen, die für eine ABM-Rolle
konstruiert
und stationiert wurden
oder Radarsystemen eines Typs, der in
ABM-Funktion erprobt wurde.
Artikel III legt fest, daß keine
ABM-Systeme stationiert werden dürfen
mit Ausnahme derjenigen ABM-Flugkörper, Abschußvorrichtungen und Radarsysteme, die vertraglich zugelassen
sind. Der Artikel benennt anschließend die Gebiete, in denen ABM-Systeme oder deren Komponenten stationiert
werden dürfen und spezifiziert die
Anzahl, die in jenen Gebieten stationiert werden darf.
Artikel IV nimmt solche AEM-Systeme oder deren Komponenten, die zur
Entwicklung oder Erprobung benötigt
werden und sich innerhalb der vereinbarten Testreihen befinden, von den
in Artikel
III niedergelegten Beschränkungen aus.
Artikel V untersagt die Entwicklung, Erprobung und Stationierung von
see- , luft- und
weltraumgestützten
sowie mobilen landgestützten ABM-Systemen und ABM-Komponenten.
Artikel VI, Absatz (a) verbietet
die Ausrüstung von Raketen ohne ABMFähigkeit, Abschußvorrichtungen oder
Radaranlagen mit ABM-Fähigkeit oder
deren Erprobung auf eine mit ABM in
Zusammenhang stehende Art und Weise.

- 3 -

�Übereinkunft D - der Ausschluß
jeder Stationierung von ABM, es sei
denn, sie ist ausdrücklich nach Artikel III genehmigt - sieht folgendes
vor: wenn in Zukunft ABM-Systeme geschaffen werden, die sich auf andere
physikalische Prinzipien stützen als
solche, die für ABM-Komponenten im
Jahr
1972 angewandt
wurden, einschließlich der Komponenten, die in
der Lage sind, einen Ersatz für ABMAbwehrflugkörper,
Abschußvorrichtungen oder Radaranlagen zu bieten, müßten besondere Beschränkungen zu solchen Systemen und Komponenten im Einklang mit Artikel XIII diskutiert und
im Einklang mit Artikel XIV ausgehandelt werden.
Der Streit um die Auslegung dreht
sich um die Frage, welche dieser Bestimmungen auf mobile Systeme zutreffen, die sich auf andere physikalische Gesetze stützen, einschließlich
mobiler Komponenten, mit deren Hilfe
ABM-Komponenten ersetzt werden können.
Die enge Interpretation geht davon aus, daß Artikel V sich auf alle
mobilen ABM-Systeme und Komponenten
bezieht, auch wenn es sich nicht um
die in Artikel II definierte Komponenten handelt und ungeachtet der beteiligten physikalischen Komponenten.
Mobile Systeme, die sich auf andere
physikalische Prinzipien stützen und
deren Komponenten, die in der Lage
sind, konventionelle ABM-Komponenten
zu ersetzen, fielen somit unter das
in Artikel V ausgesprochene Verbot
über die Entwicklung und Erprobung.
Die weite Interpretation besagt,
daß Übereinkunft D den einzigen Teil
des Vertrages bildet, der sich mit
Systemen befasst, die sich auf andere
physikalische
Prinzipien
und deren
Komponenten stützen, und daß Übereinkunft D beiden Parteien gestattet,

solche Systeme zu "schaffen", d.h.
sie bis zum Augenblick der "Schaffung" zu entwickeln und zu erproben,
nicht aber, sie zu stationieren.
Ich bin weiterhin davon überzeugt, daß die amerikanischen Unterhändler, mich eingeschlossen, trotz
ihrer Versuche, ein Verbot über die
Entwicklung und Erprobung von weltraumgestützen
und
anderen
mobilen
Einrichtungen zu erzielen, die in der
Lage sind, ABM-Komponenten zu ersetzen, hier nicht das Maß an Sicherheit
haben walten lassen, das für wichtige
internationale
Abkommen
notwendig
ist. Alles, was wir auf eine Weise
erreicht haben, die die Sowjets als
für sich bindend betrachtet haben,
war ein Verbot zur Stationierung,
nicht aber zur Schaffung solcher Systeme und Komponenten.

Die Verhandlungsprotokolle
Das
Verhandlungsprotokoll
des
ABM-Vertrags
unterliegt,
wie
dies
auch bei anderen Verträgen üblich
ist, der Geheimhaltung.
Aus diesem
Grunde kann ich darauf auch in meinen
Ausführungen
nicht näher
eingehen.
Ich möchte vielmehr auf meine eigenen
Erinnerungen an die Vertragsverhandlungen, mit denen ich näher befaßt
war, zurückgreifen, die durch meine
jüngst erfolgte Einsichtnahme wieder
aufgefrischt wurden.
Die Vereinigten Staaten haben ohne Zweifel vesucht, nicht nur für die
drei in Artikel II definierten Komponenten Regelungen zu treffen - das
heißt, für ABM-Abwehrflugkörper, Abschußvorrichtungen und Radaranlagen sondern für alle Vorrichtungen, die
solche Komponenten ersetzen könnten.
Mit der Bestimmung, die schließlich
zu Artikel V wurde, haben wir versucht, die Entwicklung, Erprobung und

�Stationierung weltraumgestützter oder
anderer mobiler
(1) ABM-Flugkörper,
(2) Abschußvorrichtungen, (3) Radaranlagen und (4) anderer Vorrichtungen
zu verbieten, die die Funktion dieser
Komponenten übernehmen könnten.
Der
sowjetische
Vertragsentwurf
enthielt ebenfalls ein absolutes Verbot der Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung im Weltraum, aber die
Sowjets haben seine Anwendung ausdrücklich
auf Raketen, Abschußvorrichtung und Radaranlagen beschränkt
und sich wiederholt dagegen ausgesprochen, daß der Vertrag sich auf
Vorrichtungen außer diesen Komponenten bezieht. Sie wiesen darauf hin,
daß es unmöglich sei, zu wissen, wie
die Komponenten eines Systems aussähen, das auf noch nicht angewendeten
Tecnnologien basiert, wie sie zu definieren und welche Regelungen für
sie zu treffen seien.
Nach längerem Hin und Her zu dieser Frage haben die Sowjets eine Änderung zu Artikel V vorgeschlagen und
den amerikanischen Unterhändlern versichert, daß die neue Sprachregelung
alle Arten von zukünftigen Komponenten betreffen würde. Wir haben dieser Änderung zugestimmt.
Die
sowjetische
Zusicherung
schien insofern einen Teil der amerikanischen Zielsetzung in die Tat umzusetzen, als daß sie sich auch auf
zukünftige
ABM-Raketen, Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen
bezog.
Aber die von uns bei dieser Bestimmung akzeptierte Änderung führte aufgrund
sowjetischen
Drängens
zur
Streichung der amerikanischen Formulierungen, die sich auch auf Ersatzvorcichtungen solcher Komponenten bezogen.
Gleichzeitig lag den Sowjets ein
Entwurf von Artikel II vor, der einem

ABM-System drei konventionelle Komponenten zuordnete, und zwar ABM-Abwehrflugkörper,
Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen. Darüber hinaus argumentierten die Sowjets weiterhin im
Hinblick auf amerikanische Bestrebungen um eine Regelung für Ersatz-"vorrichtungen", daß sie grundsätzlich
dagegen seien, Regelungen für Unbekanntes zu treffen.
Obwohl dieses Argument wiederholt
vorgebracht wurde und bei den Verhandlungen ein zentrales Thema blieb,
versuchten wir US-Unterhänder nicht
zu bestätigen, daß die Sowjets tatsächlich in Artikel V ihre Zustimmung
zu Regelungen über unbekannte Vorrichtungen gegeben hatten. Wenn wir
das getan hätten, wäre dies im Einklang mit der sowjetischen Haltung
geschehen. Sie hätten uns daran erinnert, daß die sich auf "Vorrichtungen" beziehenden Formulierungen aus
Artikel V entfernt worden seien, und
daß sie zugestimmt hätten, nur Regelungen über zukünftige "Komponenten"
zu treffen, wie sie in ihrem Entwurf
von Artikel II definiert sind, d.h.
ABM-Raketen, Abschußvorrichtungen und
Radaranlagen. Angesichts der darauffolgenden Ereignisse wäre jedes andere Ergebnis unglaubwürdig.
Mit dem Fortschreiten der Verhandlungen haben die Sowjets einen
von amerikanischer Seite vorgeschlagenen Kompromiß zu Artikel II akzeptiert, der die Formulierung "gegenwärtig bestehend aus" vor die Aufzählung der ABM-Komponenten stellt. Es
wurde argumentiert, daß der reviderte
Artikel II so betrachtet werden kann,
daß er die in Artikel V eingegangene
sowjetische Verpflichtung
zum Einschluß von Ersatzvorrichtungen erweitert hat. Dieser Forderung steht jedoch die Tatsache entgegen, daß die
Sowjets die revidierte Fassung nur
akzeptierten, nachdem wir ihnen aus-

- 5 -

�drücklich versichert hatten, daß der
Einschluß von Ersatzvorrichtungen an
anderer Stelle in Artikel II Eingang
fände.

daß sie sie davon abhält, nicht fest
stationierte
Komponenten
zu schaffen?
Auf diese Frage wurde in der
Erklärung nicht eingegangen.

Nach den Verhandlungen zu Artikel
II haben sich, die Sowjets weiterhin
Versuchen entgegengesetllt, Regelungen über Ersatzvorrichtungen zu treffen. Sie schlugen vor, daß wir für
möglicherweise in Zukunft geschaffene
Systeme und Komponenten, die sich auf
andere physikalische Prinzipien stützen, Diskussionen im Ständigen Konsul tativaussschuß
abhalten
werden,
dessen Einrichtung in Artikel XIII
vorgesehen ist.
Wir haben sie gefragt, was geschehen würde, falls
eine Einigung unmöglich sei.
Ihrer
Auffassung nach könnte dann jede Seite vom Vertrag zurücktreten. Ebenso
wie einige andere vertrat ich die
Meinung, daß dies ein zu extremer
Schritt sei. Das führte dann schließlich zu Übereinkunft D, in der die
Sowjets
zustimmten, daß
nach
der
"Schaffung" solcher Vorrichtungen deren
Stationierung, wenn überhaupt,
nur nach Diskussionen und Abkommen
erlaubt werden wird.

An einem Punkt der Verhandlungen
stimmten die Sowjets einem Aspekt der
amerikanischen Haltung bezüglich der
zukünftigen
Ersatzkomponenten
zu.
Ihre Zustimmung
folgte jedoch dem
Wortlaut einer von der amerikanischen
Seite sorgfältig vorbereiteten Stellungnahme, die nur den Vorschlag enthielt, daß die Vertragsparteien sich
auf
ein
Stationierungsverbot
und
nicht auf die Entwicklung oder Erprobung solcher zukünftigen Systeme oder
Komponenten einigen. In dem Dokument
wurde weiterhin an keiner Stelle zwischen stationären, landgestützten Ersatzsystemen und solchen unterschieden, die im Weltraum oder an einem
anderen Ort stationiert werden. Auch
Übereinkunft D enthält diese Unterscheidung nicht.

Einige Befürworter der engen Interpretation erinnern sich daran, daß
ein sowjetischer Unterhändler im Januar 1972 eine mündliche Erklärung
abgab, der zufolge Übereinkunft D den
einzelnen Parteien ausdrücklich erlaubt, feststehende futuristische Systeme zu entwickeln und erproben aber
nicht, sie
zu
stationieren.
Wenn eine solche mündliche Erklärung
abgegeben wurde, würde sie bestätigen, daß Übereinkunft D die "Schaffung" von Komponenten
in Betracht
zieht, die auf anderen physikalichen
Prinzipien basieren und daß "Schaffung" auch Entwicklung und Erprobung
einschließt.
Aber würde solch eine
unbestätigte mündliche Erklärung von
den Sowjets als so bindend angesehen,
- 6

Solange
keine
Definition
vorliegt, mit
der
eine
"Komponente"
eines auf anderen physikalischen Gesetzen beruhenden Systems von einem
"Element" oder nicht integrierten Bestandteil eines solchen Systems unterschieden werden kann, wäre eine
Begrenzung der Entwicklung oder Erprobung solcher Komponenten schwierig, wenn nicht sogar unmöglich in
durchgreifender, konsequenter und verifizierbarer Form anzuwenden.
Mit
diesem Problem sehen wir uns heute
konfrontiert.
Die sowjetischen Wissenschaftler
berichten uns von der Planung einer
Weltraumsonde, die sowohl einen ziemlich starken Laser als auch ein Teilchenstrahlgerät an Bord haben wird.
Sie haben vor, diese Erfindung an
einem der Marsmonde, dem phoebus, zu
erproben.
Nach ihren Aussagen ist
der Zweck dieses Versuchs, Stücke der

�Mondoberfläche
abzuschlagen, anhand
derer die spezifischen Eigenschaften
der
Mondoberfläche
bestimmt
werden
können.
Es wäre schwierig zu beweisen,
daß die Kraft, und Helligkeit sowie
die Verfolgungs- und Zieleigenschaften dieser Geräte für den Nachweis
ausgelegt sind, die Geräte hätten die
Fähigkeit, als Ersatzsystem für ABMKomponenten zu gelten. Ein ähnliches
Problem stellt sich mit Spiegeln, die
Laser- oder andere gebündelte Energiestrahlen reflektieren oder konzentrieren können. Unter welchen Bedingungen würde ein solcher Spiegel die
Definition erfüllen, nach der er die
"Fähigkeit besitzt, Ersatz für" ABMAbwehrflugkörper, ABM-Abschußvorrichtungen oder ABM-Radaranlagen zu sein?
Die Vertragssprache bietet wenig
Hilfe bei der Beantwortung dieser
Fragen. Übereinkunft D enthält keine
Definitionen der Komponenten, die fähig sind, ABM-Abwehrflugkörper, Abschußvorrichtungen oder Radaranlagen
zu ersetzen.
Sie enthält nur die
Feststellung, daß, falls solche Komponenten oder auf sie gestützte Systeme in Zukunft entwickelt werden,
sie im Ständigen Konsultativausschuß
diskutiert werden müssen und erst
nach einer entsprechenden Vertragsänderung disloziert werden können.
Für Raketen, Abschußvorrichtungen
und Radaranlagen ohne ABM-Fähigkeit
sieht Artikel VI, Absatz (a) vor, daß
sie nicht die Fähigkeit zum Abfangen
von strategischen ballistischen Raketen oder Teilen derselben während des
Fluges haben und nicht ABM-erprobt
werden dürfen. Dieser Artikel findet
natürlich keine Anwendung auf Geräte,
die nicht als Raketen, Abschußvorrichtungen
oder
Radaranlagen definiert sind.

- 7

Aufgrund meiner Erinnerungen an
den verhandlungsverlauf bin ich zu
der Überzeugung gelangt, daß die Sowjets verbindlich nur dem verbot der
Stationierung und nicht der Schaffung
(d.h. der Entwicklung und Erprobung)
von Systemen zugestimmt haben, die
sich auf andere physikalische Gesetze
gründen sowie deren Komponenten, die
gemäß Artikel II unabhängig von der
Art ihrer Stationierung in der Lage
sind, konventionelle Teile zu ersetzen.

Die sowjetische
Vertrages

Interpretation

des

Die Sowjets sind einerseits gegen
eine zu weite Auslegung des ABM-Vertrages,
legen
andererseits
jedoch
große Betonung auf Artikel I des Vertrages und auf die Auswirkungen, die
dieser Artikels ihrer Ansicht nach
auf SDI hat.
Die
sowjetische
Seite
stellt
fest, daß Artikel I sowohl die Dislozierung von ABM-Systemen zur Verteidigung des Staatsgebietes eines Landes als auch die Schaffung einer Basis für eine solche Verteidigung verbietet. Sie behaupten, daß SDI, insbesondere im Hinblick auf weltraumgestützte ABM-Systeme, eine Basis für
nationale territoriale Verteidigungssysteme beinhaltet und daß SDI daher
Artikel I verletzt.
Dieses Argument steht im Widerspruch zu den bisher von der sowjetischen Seite gemachten Aussagen.
In einer Grundsatzrede vor dem
Präsidium des Obersten Sowjet im Jahr
1972 sagte der damalige sowjetische
Verteidigungsminister Gretschko kurz
nach der Unterzeichnung des ABM-Vertrages, "der Vertrag legt den auf die
Lösung
der
Verteidigungsprobleme

�eines Landes gegen einen nuklearen
Raketenangriff
ausgerichteten
Forschungsvorhaben und Versuchen keine
Beschränkungen auf".
Gretschkos Ansicht zieht daher eindeutig die Möglichkeit in Betracht, daß beiden Seiten die Durchführung eines strategischen
Verteidigungsprogramms
frei
steht, wie SDI und ein vergleichbares
sowjetisches Programm es beinhalten.
Gretschos
Erklärung
ist jedoch
keine eindeutige Ablehnung des engen
Auslegungsrahmens.
Meine Schlußfolgerung, daß die Sowjets nicht bereit
waren, der engen Auslegung zuzustimmen, gründet sich auf unsere erfolglosen Bemühungen, die Zustimmung der
Sowjets
während
der
Verhandlungen
über die Sprachregelung sicherzustellen, die diese Auslegung verdeutlicht
hätten.

Schlußfolgerung
Als die Regierung im Oktober 1985
die Ergebnisse der Überprüfung der
Verhandlungsprotokolle
bekanntgab,
brachten wir unsere Absicht zum Ausdruck, daß wir - obwohl wir die weite
Auslegung für absolut gerechtfertigt
hielten - aus politischen Erwägungen
mit der Durchführung des SDI-Programms in seiner ursprünglichen Form
fortfahren würden, was mit der engen
Auslegung
im Einklang steht.
Das
Programm hat bis heute diese Form
beibehalten.
Es trifft jedoch auch zu, daß die
beim
SDI-Programm
gemachten
Fortschritte so umfangreich waren, daß
die Kosten der Beibehaltung der engen
Auslegung im Hinblick auf den Zeitund Ausgabenaufwand im Anstieg begriffen sind.
Die für das Programm
Verantwortlichen möchten es im Rahmen
unserer
Vertragsverpflichtungen
so
wirksam wie möglich durchführen.

Wir sind uns jedoch bewußt, daß
alle drei der für die Beweisführung
relevanten Materialkomplexe gegeneinander abgewogen werden müssen.
Das
ist das Verfahren, für das wir uns
entschieden haben.
Wie ich bereits ausgeführt habe,
werden wir unsere Analysen der Protokolle über die nachfolgende Anwendungspraxis und des Ratifizierungsverfahrens, sobald sie fertiggestellt
sind, dem Kongreß übermitteln, ebenso
wie wir es mit unserer Analyse der
Verhandlungsprotokolle
getan
haben.
Wir werden dann eine Reihe von Konsultationen in die Wege leiten, die
auf ein besseres Verständnis der Fragen bezüglich der Auslegung des Vertrages ausgerichtet sind und Richtlinien für die Entwicklungen im Bereich
von SDI und der damit verbundenen Erprobung erarbeiten, die auch weiterhin die Unterstützung des Kongresses,
der Verbündeten und der Bevölkerung
verdienen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
'1,

•"""

Hintergrundmaterial

ck

8. April 1987

13

WARUM AMERIKANISCHE TRUPPEN IN EUROPA BLEIBEN SOLLTEN
- Von Richard R. Burt -

(Der folgende Artikel
Tribüne)

erschien am 25.

WASHINGTON - (AD) - Seit Jahren
gilt die Idee eines amerikanischen
Truppenabzugs aus Europa als Lieblingsthema der Linken
in Amerika.
Dieser Vorschlag erfährt heute auch
zunehmend Unterstützung aus dem konservativen Lager.
Er bleibt jedoch
eine schlechte Idee.
Einige,
unter
ihnen
Henry
Kissinger, haben generell über den
Abbau amerikanischer Truppen in Europa
als
Teil
eines
weitergehenden
Plans zur Reform der NATO gesprochen.
Andere, wie etwa Zbigniew Brzezinski,

United States Information Service
Embassy of the United States of America

März 1987 in der International Herald

präzisierten dies und forderten den
Abzug von 100 000 Soldaten.
Wieder
andere, darunter der neokonservative
Wirtschaftswissenschaftler und Autor
des Buches "How NATO weakens the
West",
Melvin
Krauss,
befürworten
einen vollständigen Rückzug der Amerikaner aus Europa und die Preisgabe
der NATO.
Sie haben unrecht. Die Erhaltung
eines freien, unabhängigen und demokratischen Westeuropa liegt weiterhin
vordringlich im strategischen Interesse der Vereinigten Staaten.
im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�weltpolitischen
Rahmen
betrachtet,
käme
dem Verlust
Westeuropas
die
gleiche Bedeutung zu wie dem Bruch
zwischen China und der Sowjetunion und der Verlierer hieße Amerika.
In dieser Erkenntnis haben zwei
Generationen von Amerikanern und Europäern ein System der Sicherheit errichtet und verbessert, das auf dem
Engagement
amerikanischer
Macht in
Europa basiert - sowohl einer nuklearen Garantie als auch einer erheblichen Kampfpräsenz.
Dieses System
der
Sicherheit
mit
seinen
beiden
wichtigen
amerikanischen
Elementen
war über alle Erwartungen hinaus erfolgreich.
Seit vierzig Jahren ist
Westeuropa gefestigt und frei geblieben.
Die Argumentation für einen Abzug
der amerikanischen Truppen geht von
drei Trugschlüssen aus:
- Man
würde
damit
Geld
sparen.
Melvin Krauss weist darauf hin,
daß das Engagement in der NATO
die Amerikaner mehr als 130 Milliarden Dollar im Jahr kostet und
schlägt vor, das Geld könnte ganz
einfach durch einen Rückzug aus
Europa eingespart werden.
Aber
diese Einsparungen würden nicht
erzielt, wenn die aus Europa abgezogenen Truppen in die vereinigten Staaten oder anderswohin
verlegt würden.
Mehrere Untersuchungen aus jüngster Zeit weisen darauf hin, daß eine Verlegung wahrscheinlich mehr kosten
würde als der Status quo. In der
Bundesrepublik Deutschland stehen
den amerikanischen
Truppen zum
Beispiel mehr als 2 000 Einrichtungen mietfrei zur Verfügung.
Wenn die abgezogenen Truppen bei
ihrer Ankunft zuhause demobilisiert
würden, sollten wir einen solchen Ab-

bau als das betrachten, was er ist:
ein ungeheurer Schritt hin zu einer
einseitigen Abrüstung.
Damit würde
den Vereinigten Staaten eine Armee
von einer halben Million
Soldaten
verbleiben und sie würden von einer
Supermacht in einen militärischen und
politischen Zwerg verwandelt.
- Die Bedeutung Europas nimmt ab.
Zbigniew Brzezinski hat auf die
militärischen Probleme hingewiesen, denen sich Amerika in anderen Teilen der Welt ausgesetzt
sieht, insbesondere am Golf und
in Südwestasien, wo Energieprobleme und religiöser Fundamentalismus weiterhin westliche Interessen bedrohen.
Seiner Argumentation
zufolge würde es durch
eine Reduzierung in Europa leichter, auf Eventualfälle in anderen
Regionen, insbesondere in Mittelamerika, zu reagieren.
Für die Sowjets bleiben die Staaten Westeuropas jedoch der attraktivste Gewinn.
Von allen sowjetischen
Truppen sind die meisten, die fähigsten und die am besten ausgebildeten
gegen Westeuropa
aufgestellt.
Die
Europa
bedrohenden
konventionellen
und nuklearen Streitkräfte der Sowjets sind immer stärker geworden.
Bedrohungen bestehen auch in anderen Regionen, und Amerika muß sich
mit ihnen auseinandersetzen. Aber es
ist eine schlechte Strategie, seine
Fähigkeiten auf dem absolut wichtigsten Schauplatz zu schwächen, nur um
sie andernorts
zu stärken.
Damit
würde es wahrscheinlicher, daß Konflikte anderer Regionen auf Europa
überspringen, wo Amerika nach Abzug
wesentlicher Truppenteile im Nachteil
wäre.
- Ein
amerikanischer
Truppenabzug
würde die Entschlossenheit Euro-

�pas stärken.
In diesem Argument
liegt ein grundlegendes Mißverständnis bezüglich der europäischen Realitäten. Seit 1945 hat
Westeuropa sich allmählich wirtschaftlicher und politischer Einheit angenähert, aber dies war
nur aufgrund der Stabilität möglich, die durch die amerikanische
Truppenpräsenz gewährleistet wurde.
Die Europäer selbst geben zu, daß
sie von militärischer Selbständigkeit
weit entfernt sind. sogar die Franzosen, die größten Verfechter europäischer
Unabhängigkeit
und eigenständiger Verteidigung erklären, die
amerikanische Militärpräsenz sei gegenwärtig unersetzlich. So haben sie
zum Beispiel klargestellt, daß sie
nicht in der Lage wären, die amerikanische
Sicherheitsverpflichtung
gegenüber der Bundesrepublik Deutschland durch eine eigene Garantie zu
ersetzen.
Entgegen
einer
weitverbreiteten
Meinung stellen die Europäer heute
den
Großteil
der
NATO-Streitkräfte
für die Verteidigung Europas.
Sie
stellen 90 Prozent der Landstreitkräfte, 75 Prozent der Seestreitkräfte und 50 Prozent der Luftstreitkräfte in Westeuropa.
Die stärksten Befürworter
verstärkter europäischer Verteidigungsanstrengungen
sind
zufälligerweise
auch die energischsten Anhänger der
amerikanischen Militärpräsenz in Europa. Sie wissen, daß ein amerikanischer Rückzug diejenigen in Europa
stärken würde, die einseitige Abrüstung als Weg für eine Verständigung
mit Moskau bevorzugen. Deshalb würde
ein amerikanischer Truppenabzug gerade diejenigen entmutigen, die sich um
eine stärkere europäische Identität
im Verteidigungsbereich bemühen.
- 3

Die wahre Bedrohung für das Bündnis besteht in der unheiligen Allianz, die sich zwischen linken Kritikern des Bündnisses in Europa und
rechten Kritikern in den Vereinigten
Staaten abzeichnet. Es mag sich ein
perverses
Spiegelbild-Phänomen
entwickeln. Amerikaner, die mehr Unilateralismus
der Vereinigten
Staaten
fordern, werden diejenigen Kräfte in
Europa ermutigen, die eine Politik
der Beschwichtigung befürworten.
Die nächsten Jahre werden für die
NATO entscheidend sein.
Auf beiden
Seiten des Atlantiks wächst der Konsens darüber, daß die Verteidigung
Europas eine Verbesserung der konventionellen
NATO-Streitkräfte
erfordert. Außerdem besteht zunehmend die
in Reykjavik unter Beweis gestellte
Erkenntnis, daß ein geringeres Vertrauen auf Atomwaffen wünschenswert
ist.
Die Vereinigten Staaten könnten
zum Beispiel schon bald ein Abkommen
mit Moskau über die Abschaffung aller
amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen in Europa erreichen. Wie würde sich ein erheblicher
Truppenabzug in die westliche Strategie zur Verbesserung der konventionellen Verteidigung, zum Abbau des
Vertrauens auf Atomwaffen und zur
Schaffung eines stabileren Truppengleichgewichts einfügen? Die Antwort
darauf ist klar: er würde all diese
Bemühungen untergraben.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

8. April 1987

13

DIE INTERPRETATION DES ABM-VERTRAGES
- Kommentar der "Stimme Amerikas" -

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend veröffentlichen wir einen Kommentar der
"Stimme Amerikas", der am 5. April 1987 ausgestrahlt wurde, Der Kommentar
gibt die Ansichten der amerikanischen Regierung wieder.

Die außerordentlich vielschichtige Herausforderung, mit der das Forschungsprogramm
einer
Strategischen
Verteidigung im Weltraum (SDI) seit
nunmehr
fünf
Jahren
konfrontiert
wird, ist die Suche nach einer Verteidigung gegen einen Angriff mit
nuklearen Raketen.
In dem gleichen Maße, wie die SDI
Forschung fortschreitet, sind Abrüstungsexperten
und
internationale
Rechtsgelehrte - innerhalb wie außerhalb der amerikanischen Regierung in eine gleichermaßen vielschichtige

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Debatte verwickelt. Es geht um die
Bedeutung des Vertrages zur Raketenabwehr (ABM-Vertrag) von 1972, und um
die Art von Raketenabwehrprojekten,
die der Vertrag zuläßt. Auch die Sowjetunion hat sich dieser Debatte angeschlossen, aber mit dem Ziel, den
ABM-Vertrag so auszulegen, daß dem
amerikanischen
SDI-Programm
die
größtmöglichen Beschränkungen auferlegt werden.
Einige zentrale Fragen in der Debatte über den ABM-Vertrag sind nicht
strittig.
Die Stationierung
eines

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�landesweiten Verteidigungssystems zur
Raketenabwehr, ob landgestützt oder
im All, ist nach den Bestimmungen des
Vertrages verboten. Andererseits ist
die Erforschung einer Raketenabwehr
weiter erlaubt. Für die Abrüstungsexperten liegt das Problem in den im
Bereich zwischen Forschung und Stationierung angesiedelten Arbeiten an
Raketenabwehrsystemen.
Viele
der
Technologien, die im Rahmen von SDI
studiert werden, gab es zur Zeit des
ABM-Vertrages noch gar nicht. Welche
Art der Erprobung und Entwicklung
dieser Technologien ist nach dem Vertrag erlaubt?

des obersten Sowjet mit der Bemerkung, daß der Vertrag "den auf die
Lösung
der
Verteidigungsprobleme
eines Landes gegen einen nuklearen
Raketenangriff
ausgerichteten
Forschungsvorhaben und Versuchen keine
Beschränkung auferlegt". Die Sowjetunion glaubte, ihre vor Unterzeichnung des ABM-Vertrages begonnenen Raketenabwehrprojekte
weiterhin
ungehindert fortsetzen zu können, einschließlich eines ehrgeizigen Laserwaffen-Programms.
Dieses
fortschrittliche
Raketenabwehrprogramm
wird heute noch fortgesetzt, obwohl
die Sowjets dies bestreiten.

Die Antwort liegt in den Aufzeichnungen über die Vertragsverhandlungen, die Verhandlungen im amerikanischen Senat - der die Macht hat,
Verträge zu ratifizieren oder zurückzuweisen - und in der Art, wie die
Sowjets
den ABM-Vertrag
auf
sich
selbst angewandt wissen wollen. Der
amerikanische
Botschafter
und
Rüstungskontrollberater Paul Nitze erklärt, was der ABM-Vertrag für SDI
bedeutet.
Nach seiner Meinung erlaubt der Vertrag von 1972 eine umfangreiche Erprobung und Entwicklung
der Art von Systemen, die im Rahmen
von SDI studiert werden, verbietet
jedoch deren Stationierung.

Im Gegensatz zu der Geheimhaltung, die die sowjetische strategische Verteidigung
umgibt, ist die
Diskussion in den Vereinigten Staaten
offen und dauert an - ein Zeichen,
daß die Vereinigten Staaten sowohl
SDI wie auch ihre vertraglichen Verpflichtungen ernst nehmen. Wie auch
immer man sich in dieser Diskussion
schließlich einigen wird, wird eine
allgemeine Richtlinie bei der Auslegung sicher angewandt:
der ABM-Vertrag muß für die Vereinigten Staaten
das gleiche bedeuten wie für die Sowjetunion.

Die derzeitigen sowjetischen Behauptungen, daß SDI mit dem ABM-Vertrag unvereinbar sei, entbehren nicht
einer gewissen Ironie. Wie Botschafter Nitze in Erinnerung ruft, waren
es bei Vertragsabschluß im Jahr 1972
die vereinigten Staaten, die danach
strebten, die Entwicklung und Erprobung von weltraumgestützten und anderen mobilen Systemen zu verbieten,
und es waren die Sowjets, die sich
weigerten, dies zu tun. Kurz nachdem
das Abkommen unterzeichnet war, erschien der sowjetische Verteidigungsminister Gretschko vor dem Präsidium
- 2 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan verspricht Unterstützung beim Kampf gegen AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Präsident Reagans vor dem College of Physicians of Philadelphia -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nitze: ABM-Vertrag verbietet lediglich Stationierung von SDI&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede über den Vertrag und die Verhandlungen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum amerikanische Truppen in Europa bleiben sollten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard R. Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Interpretation des ABM-Vertrages&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kommentar der "Stimme Amerikas"&lt;/em&gt;</text>
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8. April 1992

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5300 Bonn ^

JUGOSLAWISCHE REPUBLIKEN BUSH VERKÜNDET ANERKENNUNG EHEMALIGER JUGOSLAWISCHER REPUBLIKEN
Erklärung des Präsidenten

SICHERHEIT

SICHERHEIT AMERIKAS MIT ALLEN STAATEN
EUROPAS VERKNÜPFT
Rede von Verteidigungsminister Cheney
bei der NATO

KSZE

KSZE WESENTLICHER BESTANDTEIL DER
NEUEN FRIEDENSARCHITEKTUR
Rede von Botschafter Kornblum
bei der KSZE

LASTENTEILUNG

LASTENTEILUNG VERSCHIEBT SICH
ZUGUNSTEN AMERIKAS
Erklärung von Sonderbotschafter Holmes

GUS

DIE AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN ZUR GUS
Übersicht des US-Außenministeriums

FULBRIGHT-STIFTUNG

FULBRIGHT-STIFTUNG FEIERT 40JÄHRIGES
JUBILÄUM
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWISCHE

REPUBLIKEN
8. April 1992

BUSH VERKÜNDET ANERKENNUNG EHEMALIGER
JUGOSLAWISCHER REPUBLIKEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 7. April 1992 die völkerrechtliche Anerkennung Bosnien-Herzegowinas, Kroatiens und Sloweniens durch die Vereinigten Staaten sowie die unverzügliche Aufnahme von
Konsultationen über die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen mit diesen drei ehemaligen
jugoslawischen Republiken verkündet.
Bush stellte darüber hinaus fest, die Vereinigten Staaten würden weiterhin intensiv mit der Europäischen
Gemeinschaft zusammenarbeiten, "um die noch bestehenden Probleme zwischen Griechenland und der
Republik Mazedonien rasch zu lösen und damit die Vereinigten Staaten in die Lage zu versetzen, die
Unabhängigkeit dieser Republik ebenfalls formell anzuerkennen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Erklärung im Wortlaut.
Die Vereinigten Staaten erkennen Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien als souveräne und unabhängige Staaten an und werden unverzüglich Konsultationen über die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen aufnehmen. Die Vereinigten
Staaten akzeptieren die Republikgrenzen, wie sie vor
der Krise bestanden, als rechtmäßige internationale
Grenzen von Bosnien-Herzegowina, Kroatien und
Slowenien.
Wir tun diesen Schritt, da wir befriedigt sind, daß diese
Staaten die erforderlichen Kriterien für die Anerkennung erfüllen. Wir tragen dem friedlichen und demokratischen Ausdruck des Willens der Bürger dieser
Staaten nach Souveränität Rechnung.
Wir werden weiterhin intensiv mit der Europäischen
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um die noch bestehenden Probleme zwischen Griechenland und der Republik Mazedonien
rasch zu lösen und damit die Vereinigten Staaten in die
Lage zu versetzen, die Unabhängigkeit dieser Republik ebenfalls formell anzuerkennen. Die Vereinigten
Staaten werden ferner mit den Regierungen Serbiens
und Montenegros ihre Interessen erörtern, in einem als
Jugoslawien bekannten gemeinsamen Staat zu verbleiben.
Im Lichte ihrer Entscheidung zur Anerkennung werden
die Vereinigten Staaten die Wirtschaftssanktionen gegen
Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Mazedonien aufheben. Die Sanktionen wurden am 6.
AMERIKA DIENST 14

Dezember 1991 gegen Jugoslawien verhängt. Wir
werden die Sanktionen gegen Serbien und Montenegro aufheben, wenn Belgrad seinerseits die Wirtschaftssanktionen gegen Bosnien-Herzegowina und Mazedonien einstellt. Das UN-Waffenembargo bleibt in
Kraft.
Während der gesamten Jugoslawien-Krise entsprach
es der Politik der Vereinigten Staaten, jede Lösung zu
akzeptieren, die friedlich, demokratisch und durch
Verhandlungen erreicht wird. Die Vereinigten Staaten
unterstützen energisch den von Cyrus Vance ausgearbeiteten Friedensplan der Vereinten Nationen und die
vollständige Stationierung der UN-Friedenstruppe. Wir
unterstützen weiterhin die EG-Friedenskonferenz als
unerläßliches Forum für die Parteien, um eine friedliche Regelung ihres Streits herbeizuführen und die
Grundlage ihrer künftigen Beziehungen zu schaffen.
Die amerikanische Anerkennung enthält keine Präjudizierung dessen, auf welche Art Vereinigung die jugoslawischen Nachfolgestaaten sich künftig einigen
könnten.
Die Vereinigten Staaten betrachten das von den neuen
Staaten unter Beweis gestellte Engagement zur Achtung von Grenzen und zum Schutz aller jugoslawischen Nationalitäten als unverzichtbares Element für
die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen. Ebenso betrachten wir ein solches Engagement seitens Serbiens und Montenegros als unabdingbar, um die Gespräche über ihren künftigen Status
fortzusetzen.
Seite 1

�Die Stationierung der UN-Friedenstruppe, die Fortsetzung der EG-Friedenskonferenz und des Prozesses
der internationalen Anerkennung bieten allen ehemaligen jugoslawischen Republiken eine historische
Chance, der tragischen Gewalt eine Absage zu erteilen, von der diese Krise gekennzeichnet war. Das

anhaltende Engagement für den friedlichen Dialog
sollte zur Aussöhnung, zur Integration in Europa und
zu herzlichen und produktiven Beziehungen mit den
Vereinigten Staaten führen. Die Vereinigten Staaten
werden sich weiterhin darum bemühen, diese Ziele zu
verwirklichen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 14

�SICHERHEIT
8. April 1992

SICHERHEIT AMERIKAS MIT ALLEN STAATEN
EUROPAS VERKNÜPFT
Rede von Verteidigungsminister Cheney bei der NATO
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Verteidigungsminister Richard Cheney beim Treffen
der NATO-Verteidigungsminister mit Amtskollegen aus Osteuropa am 1. April 1992 gehaltene Rede.
Ich danke Ihnen, Herr Generalsekretär. Auch ich
möchte heute unsere Kollegen aus dem Osten herzlich
willkommen heißen.

würde vielmehrdurch ein vollständig entwickeltes Netz
sich gegenseitig verstärkender Institutionen und Beziehungen geschützt.

Dieses Treffen soll eine Bilanz unserer Bestrebungen
beim Aufbau eines ungeteilten und freien Europas mit
einer starken transatlantischen Bindung ziehen. Für
die NATO-Mitgliedstaaten liegt es auf der Hand, daß
das Nordatlantische Bündnis ein neues Kapitel seiner
Geschichte aufgeschlagen hat. Einen entscheidenden Teil dieses neuen Kapitels bilden unsere heutigen
Bestrebungen zur Erweiterung und Vertiefung unserer
Beziehungen - ein Unterfangen, das einen wichtigen
Beitrag zu unserem Endziel eines vereinten, freien und
friedlichen Europas leisten kann.

Am besten können wir zum Aufbau dieses neuen
Europas beitragen, indem wir unsere Beziehungen
durch einen langfristig auf die Förderung gegenseitiger
Rückversicherung ausgerichteten Prozeß stärken und
enge Bande zwischen all unseren Nationen entwikkeln. Wir sollten einen phantasievollen Ansatz unserer
Zusammenarbeit ermutigen. Wie uns das Jahr 1989
lehrte, kann vieles, was jetzt unmöglich erscheint,
plötzlich möglich werden. Um Präsident Havel vor
dem Europarat im Jahr 1990 zu zitieren: "Es kann
Augenblicke in der Geschichte geben, in denen die
Tatsache, Träume über Prinzipien gehabt zu haben,
sich als praktisch erweisen könnte."

Zukunftsvision
In einer Zeit des Umbruchs stehen Sicherheitsprobleme unweigerlich in einigen Ländern auf der Tagesordnung. Ich kann Ihnen jedoch versichern, wir im Westen
sind davon überzeugt, daß "unsere eigene Sicherheit
untrennbar mit der Sicherheit aller anderen Staaten in
Europa verknüpft ist" - so wie es auch in der NATOGipfelerklärung vom vergangenen November in Rom
niedergelegt wurde.
Und beim Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats in Kopenhagen haben unsere Außenminister folgendes festgestellt:
"Die Festigung und der Schutz demokratischer Gesellschaften und ihr Freisein von jeder Art von Zwang oder
Einschüchterung auf dem gesamten Kontinent sind
daher unser aller Anliegen."
Unsere Vision eines geeinten, freien und friedlichen
Europas ist daher im wesentlichen eine Vision, in der
Sicherheit nicht länger ein Thema für die in diesem
Raum versammelten Nationen ist. Unsere Sicherheit

AMERIKA DIENST 14

Vereinbarte Liaison-Prioritäten
Aus meiner Sicht sollte unser üaison-Programm mehrere
kurzfristige Prioritäten enthalten. Lassen Sie mich
einige der wichtigsten Prioritäten und einige Schlüsselbereiche nennen.
An erster Stelle sollte der Aufbau von Demokratie
durch die Entwicklung einer angemessenen Rolle der
Streitkräfte in den Staaten Europas stehen. Schlüsselbereiche sollten reduzierte Streitkräfte und die demokratische zivile Kontrolle in einem Rechtsstaat umfassen. In dieser Hinsicht möchte ich die Gruppe für
Verteidigungsangelegenheiten auffordern, unverzüglich die Entsendung kleiner Teams ziviler und militärischer Experten für Liaison-Verbindungen in den Verteidigungsministerien und gegebenenfalls anderen
Bereichen zu prüfen.
Eine zweite Priorität besteht in der Förderung von
Stabilität und Sicherheit in ganz Europa. Unsere
Programme sollten beispielsweise starkes gegenseiti-

Seite 1

�ges Engagement für Sicherheit in der gesamten europäischen Region demonstrieren, größere Vertrautheit
und Transparenz unserer Verteidigungseinrichtungen
und Streitkräfte untereinander fördern sowie eine rein
defensive Strategie und Doktrin ermutigen.
Eine dritte Priorität gilt der Stärkung der Volkswirtschaften Osteuropas. Hier könnten wir uns auf die
Erörterung von Verwaltungsfragen in der Rüstungsindustrie konzentrieren, die Verteidigungslast durch die
Reform der Volkswirtschaftem verringern und Beziehungen zwischen Regierung und Rüstungsindustrie in
einer freien Marktwirtschaft entwickeln.
Viertens streben wir humanitäre Hilfe beispielsweise
durch gemeinsame Such- und Rettungsübungen mit
den Streitkräften der interessierten Nationen an, wobei
der Bekämpfung von Flutkatastrophen, Hilfsmaßnahmen bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen besonderes Augenmerk gewidmet wird.
Eine fünfte Priorität sollte darin bestehen, engere
Zusammenarbeit zwischen unseren Streitkräften zu
erlangen, die zur Förderung unseres traditionellen
Ziels eines durch gemeinsame Werte geeinten Europas beiträgt. Unsere Verteidigungseinrichtungen und
Streitkräfte sollten sich selbst als Teil einer demokratischen Staatengemeinschaft mit gemeinsamen Zielen und Werten sehen. Zu den möglichen Projekten
zur Unterstützung dieser Idee zählen:
Umfassende Erweiterung unserer Bildungsprogramme und Erarbeitung von Programmen für
Offiziere aus Osteuropa bei der NATO und
nationalen Militärakademien sowie
Umgestaltung der Flugsicherung in Osteuropa
in ein modernes, mit dem Westen vergleichbares System auf der Grundlage der über die
Kontrolle des Luftraums geführten Gespräche.
Schließlich sollten wir beginnen, gemeinsam mit anderen Institutionen bei der Stärkung von Mechanismen
zur Krisenbewältigung zusammenzuarbeiten.
Mit andern Worten - es gibt viele Bereiche, in denen
unser Verteidigungs-Liaison-Programm einen wesentlichen Beitrag zu Freiheit, Frieden und Sicherheit leisten kann. Ich hoffe, daß der von der Gruppe für
Verteidigungsbelange zu entwickelnde Liaison-Arbeitsplan spezifische Projekte für jeden dieser Bereiche
vorschlägt.
Zusätzliche kurzfristige Prioritäten
Gleichzeitig sollten wir zur Erweiterung unseres Horizonts bereit sein und gegebenenfalls andere kooperative Ideen in Betracht ziehen. Ich weiß zum Beispiel,
daß zahlreiche meiner Kollegen aus Osteuropa sehr
darüber besorgt sind, wie sie den geplanten Abbau
ihrer Verteidigungskomplexe vornehmen sollen. Dies

Seite 2

setzt eine weitere wichtige kurzfristige Priorität für
unser Liaison-Programm - die sozialen Aspekte der
militärischen Umgestaltung.
Während sowohl der Osten als auch der Westen ihre
Streitkräfte verringern, können wir Erfahrungen darüber austauschen, wie dieser Übergang am besten
bewerkstelligt wird und Beeinträchtigungen der Menschen und Volkswirtschaften so gering wie möglich
gehalten werden. Ich möchte mindestens zwei Schlüsselbereiche nennen: Ausbildung und Umschulung
ehemaliger Angehöriger der Streitkräfte sowie Wohnraumbeschaffung.
Ein Gedankenaustausch kann von großem Nutzen
sein, einschließlich der Demobilisierungserfahrungen
der Vergangenheit wie etwa nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu anderen mittelfristigen Schlüsselbereichen
könnten Planungen für den zivilen Notstand, Umstrukturierung der Industrie und Rüstungskonversion zählen.
Weitere Entwicklung von Programmen
Während wir Vertrauen zwischen uns aufbauen, sollten wir auf lange Sicht ehrgeizigere gemeinsame
Unternehmungen in Betracht ziehen. Ein Ansatz
könnte in größerer Offenheit und Transparenz der
Verteidigungsplanung bestehen. Wir sollten eine jährliche Überprüfung unserer Verteidigungsplanung mit
unseren Liaison-Partnern nicht ausschließen. Das
Ziel bestünde in der Förderung von Transparenz und
Vertrauensbildung durch die Bekräftigung des defensiven Charakters unserer militärischen Strukturen.
Unser Programm könnte ferner zur Erweiterung der
europäischen Sicherheitsarchitektur beitragen. Der
Nordatlantische Kooperationsrat (NACC) und andere
Liaison-Gremien könnten entweder einzeln oder als
Durchführungsorgane der KSZE - die positiv auf Hilfsersuchen der KSZE reagieren könnten - als unabhängige Mittler zur Krisenbewältigung und Friedenssicherung in Europa beitragen.
Unter anderem müßten wir erörtern, wie die Ressourcen der NATO einschließlich ihrer Streitkräfte und die
Ressourcen unserer Kooperationspartner am effektivsten genutzt werden könnten. Ich möchte feststellen,
daß die Streitkräfte der NATO-Mitgliedstaaten in den
vergangenen zwei Jahren mindestens achtmal eingesetzt wurden - für Operationen von Wüstensturm bis
zur Evakuierung von Ausländem aus Zaire. Sie kamen
als NATO-Streitkräfte zum Einsatz, als Streitkräfte
unter der Schirmherrschaft der WEU oder als Teil einer
Ad-hoc-Koalition von Nationen wie im vergangenen
Jahr am Persischen Golf.
Wir sollten nicht ausschließen, daß wir zu einem
bestimmten Zeitpunkt die Möglichkeit gemeinsamer
Planung und Ausbildung sowie Übungen für Friedensmissionen in Betracht ziehen möchten.

AMERIKA DIENST 14

�Unsere Vision sollte in der Schaffung einer stabilen
und sicheren euro-atlantischen Gemeinschaft demoUnser Liaison-Programm bietet den Teilnehmern ins- kratischer Werte und Institutionen bestehen, in der
gesamt gesehen eine Chance zur Verwirklichung des keine Nation eine Bedrohung ihrer Nachbarn darstellt.
in Aitikel II des Nordatlantikvertrags verankerten Appells, In diesem Verteidigungsprogramm sehen wir nicht
"zur Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher eine unseren neuen Partnern angebotene NATO-Iniinternationaler Beziehungen beizutragen, indem sie tiative, sondern vielmehr ein auf gegenseitigen Reihre freien Einrichtungen festigen, ein besseres Ver- spekt und Konsultationen mit den Verantwortlichen auf
ständnis für die Grundsätze herbeiführen, auf denen allen Seiten gegründetes Programm. Solange wir den
diese Einrichtungen beruhen und indem sie die Vor- Geist enger Zusammenarbeit aufrechterhalten, bin ich
aussetzungen für den Zusammenhalt und das Wohler- zuversichtlich, daß wir einen bedeutenden Beitrag zur
gehen fördern."
künftigen europäischen Sicherheit leisten können.
Schlußbemerkung

* * * * *

AMERIKA DIENST 14

Seite 3

�KSZE
8. April 1992

KSZE WESENTLICHER BESTANDTEIL
DER NEUEN FRIEDENSARCHITEKTUR
Rede von Botschafter Kornblum bei der KSZE
HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafter John C. Kornblum, dem Leiter der
amerikanischen Delegation beim Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am
31. März 1992 in Helsinki gehaltene Rede, in der er den amerikanischen Ansatz zur KSZE für Helsinki und
darüber hinaus darlegt.

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, einige Erwägungen der amerikanischen Delegation zur Arbeit der Konferenz vortragen zu können.
Wie der Stellvertretende Außenminister Eagleburger
in seiner Rede in der vergangenen Woche hier betonte, erachten die Vereinigten Staaten die KSZE als
wesentlichen Bestandteil der neuen Friedensarchitektur. Die KSZE hat in den vergangenen 15 Jahren
Großes vollbracht. Unseres Erachtens ist sie besonders gut geeignet, in den vor uns liegenden Jahren ihre
bisherigen Leistungen noch zu übertreffen.
Für einen genauen Zuhörer zog sich durch die Reden
beim Ministertreffen der vergangenen Woche ein roter
Faden.
Die Entschlossenheit, die KSZE in eine neues
Zeitalter zu leiten und ihre Strukturen und Praktiken an den Bedarf der Zukunft anzupassen.
Die Besorgnis über die Gefahren der Instabilität
in Europa und die Notwendigkeit, Mechanismen
zur Bewältigung möglicher Krisen zu entwickeln.
Das andauernde Engagement für die Grundpfeiler der KSZE - die Konzentration auf Werte
und Menschenrechte, die politische Natur des
Prozesses und die Bedeutung des Konsensprinzips als Grundlage unserer Arbeit.
Und schließlich die Begrüßung unserer neuen
Mitglieder in der Hoffnung, daß sie sich voll und
ganz an unserer Arbeit beteiligen werden.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich jedem dieser
Ziele uneingeschränkt. Meines Erachtens bieten sie
eine nützliche Grundlage für die Arbeit dieser Konfe-

AMERIKA DIENST 14

renz. Sie zeigen femer die Art von Schlu ßfolgerungen
auf, die unser Gipfeltreffen in drei Monaten unserer
Ansicht nach hervorbringen sollte.
Da mein Land so vielfältige Interessen hat und in so
zahlreichen Institutionen engagiert ist, möchte ich
zunächst einen Punkt hervorheben - die KSZE ist
integraler Bestandteil unserer Bestrebungen zur Herstellung eines dauerhaften Friedens in Europa und der
Welt und wird dies auch in Zukunft sein.
Sowohl innerhalb der KSZE als auch in den mit uns
verbündeten Ländern haben wir die Führungsrolle bei
der Entwicklung der KSZE und der Unterbreitung
neuer Lösungen für neue Probleme übernommen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die von
Außenminister Baker im Dezember 1989 in Berlin
gehaltene Rede verweisen, in der er das Konzept
miteinander verknüpfter Institutionen in Europa darlegte. Das NATO-Gipfeltreffen in London vom Juli
1990 stellte ein Programm zur Entwicklung vor, das in
der Pariser Erklärung beachtlichen Niederschlag fand.
Unser Vorschlag für das Prager Ministertreffen beinhaltete das Büro für Demokratische Institutionen und
Menschenrechte (ODHIR) und das Wirtschaftsforum.
Als Berichterstatter und Pfadfinder waren wir in der
KSZE besonders aktiv. Das hier in der vergangenen
Woche unterzeichnete Abkommen über Offene Himmel gründet sich auf eine weitere Inititative von Präsident Bush. Darüber hinaus haben wir eng mit Norwegen und anderen Ländern zusammengearbeitet, um
den Entwurf eines Mandats für die im Anschluß an
Helsinki stattfindenden Sicherheitsverhandlungen fertigzustellen.

Seite 1

�Wir werden in Helsinki durch eine große und fähige
Delegation vertreten sein, die in allen Bereichen unserer Arbeit aktiv sein wird. Wir waren bestrebt, Lösungen zu unterbreiten, die - wie ich hoffe - die Arbeit
dieser Konferenz weiter vorangebracht haben. Es
kann kein Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen, die KSZE erfolgreich in ein neues Zeitalter zu
leiten.
Vielfalt und Wandel
Amerika ist eine Nation des Wandels. Unseres Erachtens müssen sich die Institutionen angesichts neuer
Erfordernisse und Erfahrungen entwickeln. Die amerikanische Rechtsprechung gründete sich jedoch auch
auf den Glauben an die Entwicklung flexibler Strukturen statt einem vollständigen Austausch der alten
gegen neue.
Dasselbe gilt für die KSZE. Jeder, der den Reden beim
Ministertreffen der vergangenen Woche zugehört hat,
konnte nicht umhin, von der Vielfalt der Völker und ihrer
Probleme beeindruckt zu sein. Ebenso beeindruckend
war die Unsicherheit über die Bewältigung der vor uns
liegenden Herausforderungen.
Wie der Stellvertretende Außenminister Eagleburger
in seiner Erklärung der vergangenen Woche betonte,
besteht unsere eigentliche Aufgabe in Helsinki darin,
eine gänzlich neue Definition der europäischen Sicherheit zu entwickeln. Diese Definition sollte funktional
sein und den Bedümissen aller Völker der KSZE
gerecht werden. Sie sollte ein im wesentlichen statisches, auf die Existenz zweier Blöcke gegründetes
Konzept durch eine vielseitige und vielschichtige Idee
ersetzen, die von den demokratischen Prinzipien, die
Grundlage der KSZE sind, konkreten Gebrauch macht.
Diese Definition muß der großen Vielfalt Rechnung
tragen, von der die Sicherheitsdebatte in Europa gekennzeichnet ist. Um neue Herausforderungen in den
Griff zu bekommen, müssen wir eine Definition von
Sicherheit erarbeiten, die klare Ziele enthält und flexible Methoden anlegt.
Vor allem sollte diese neue Definition auf der Übereinstimmung zu Grundwerten aufbauen, die heute zwischen uns herrscht. Sie sollte Menschenrechte und
demokratische Institutionen zum operativen Schwerpunkt unseres Handelns machen. Die Arbeit bei der
menschlichen Dimension ist noch nicht beendet, wie
einige behaupten könnten. In Wirklichkeit sind wir
unserem Ziel nur einen Schritt näher gekommen. Einst
waren die Menschenrechte zwischen uns ein zentraler
Streitpunkt. Heute sind sie zum gemeinsamen Prinzip
geworden. Unsere nächste Aufgabe ist es, auf unserer
Vielfalt aufzubauen, um dieses Prinzip in die Praxis
umzusetzen.
Das Geniale an unserem KSZE-Prozeß ist gerade
diese Mannigfaltigkeit und Flexibilität. Die KSZE geht

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nicht von denselben Voraussetzungen aus wie beispielsweise NATO und EG. Diese Organisationen
bauen auf dem Gefühl der Sicherheit auf, das bereits
unter ihren Mitgliedern besteht, die eine gemeinsame
Ebene der Entwicklung und des Ansatzes haben.
Die KSZE war auf die Annahme gegründet, daß ihre
Unterzeichner keine gemeinsamen Ansätze hatten.
Sie ist bestrebt, Sicherheit zu schaffen, indem sie
Bereiche der Übereinstimmung inmitten unterschiedlicher Meinungen erweitert. Dieser Konsens wird durch
den politischen Willen ihrer Mitgliedstaaten zur erfolgreichen Definition gemeinsamer Ziele in die Praxis
umgesetzt.
Dieses zugrundeliegende Prinzip ist heute ebenso
gültig wie vor 10 Jahren. Glücklicherweise wurde die
Konfrontation zwischen Streitkräften und Ideologien
überwunden. Es kann jedoch nicht behauptet werden,
daß alle KSZE-Mitgliedstaaten auf der gleichen Entwicklungsstufe stehen oder denselben Ansatz teilen.
Das Konfliktpotential ist nach wie vor groß. Die Notwendigkeit zum Ausbau des demokratischen Konsenses ist lebenswichtiger denn je.
Diese Tatsache wurde uns letzte Woche bei der Einigung über die Konferenz zu Nagomy-Karabach lebhaft
verdeutlicht. Die quälende Suche nach einem Konsens führte zu einer Demonstration des politischen
Willens aller Mitgliedstaaten, die das erste konkrete
Ergebnis bei den Vermittlungsbemühungen zu diesem
tragischen Problem hervorbrachte.
Im Hinblick auf künftige Überlegungen wird es wichtig
sein, diese Beispiele im Auge zu behalten, wenn wii
darüber nachdenken, was bei unserer KSZE wirklich
neu ist.
Es ist kein "neues Denken", bürokratische Organisationen aufzubauen.
Es ist nicht kreativ, geschriebene oder ungeschriebene Regeln anzustreben, mit denen ein
Konsens erzwungen werden soll, wo keiner
existiert.
Es ist kein zukunftsorientiertes Denken, Verträge oder Vereinbarungen anzustreben, um einen
Frieden festzuschreiben, der nicht zunächst durch
die Suche nach einem politischen Konsens
geschaffen wurde.
Dies sind in der Tat die Methoden der Vergangenheit.
Die Geschichte ist voll von gegenseitigen Garantien,
Nichtangriffspakten und Versprechen redlichen Verhaltens.
Was im Hinblick auf den KSZE-Prozeß wahrhaft revolutionär ist, ist deren Fähigkeit, einen politischen Prozeß zwischen Staaten mit vielfältigen Interessen und
Ursprüngen einzurichten und Ergebnisse zu erlangen.

AMERIKA DIENST 14

�Wenn wir bei dieser Konferenz etwas wirklich Kreatives leisten möchten, dann werden wir von der Grundlage der in der Schlußakte dargelegten Werte ausgehen und den politischen Prozeß als operativen Rahmen benutzen.
Ein solches Ziel ist schwerer zu erlangen als eine
Einigung über neue bürokratische Strukturen oder
Schriftstücke. Wenn es verwirklicht werden soll, muß
sowohl in den Staaten des Westens als auch den
neuen Demokratien des Ostens eine Evolution des
Denkens stattfinden.
Insbesondere müssen wir alle damit aufhören, die
Beziehungen innerhalb Europas als eine Art \ on Nullsummenspiel zu betrachten, in dem die Gewinne einer
Gruppe durch Verluste einer anderen ausgeglichen
werden müssen. Unser Ziel lautete heute, die einzelnen Elemente unserer Struktur zu nehmen und sie so
zu kombinieren, daß das Ergebnis größer ist als die
einzelnen Teile des Ganzen.
Um noch einmal den Stellvertretenden Außenminister
Eagleburger zu zitieren - wir gehen davon aus, daß
dieser wahrhaft neue Ansatz bei der KSZE in einer
politischen Erklärung unserer Staats- und Regierungschefs zum Ausdruck kommen sollte, die auf den Errungenschaften der Vergangenheit aufbaut. Sie sollte
folgende Elemente beinhalten:
Die erneute Bestätigung der Grundwerte, an die
die KSZE gebunden ist und die Anwendung
dieser Werte auf einen neuen Verfahrensrahmen.
Die Entwicklung dieses Rahmens auf der Basis
von in Prag formulierten Prinzipien. Das heißt,
daß der Ministerrat und die Zentralorgane des
Ausschusses Hoher Beamter (Committee of
Senior Officials - CSO) in einem politischen
Prozeß verbesserter Konsultationen und konzertierter Aktionen stehen.
Unterstützung für dieses Verfahrensprinzip der
KSZE durch Stärkung der Institutionen und
Methoden. In dieser Hinsicht würden wir Vorschläge zur Entwicklung einer Troika oder des
Konzepts von Planungsgruppen ebenso fördern wie die Expansion und bessere Definition
der Rollen des ODIHR und des Zentrums zur
Konfliktverhütung (Conflici Prävention Center CPC). Wir betrachten unseren Vorsc. .lag für ein
Wirtschaftsforum in diesem selben Kontext.
Die Konzentration der Arbeit dieser Institutionen
auf die zentrale Aufgabe der KSZE in der Welt
nach dem kalten Krieg. Diese Aufgabe wird
vielfach als Konfliktverhütung oder Krisenmanagement beschrieben. Wir würden die Definition erweitern und über den Prozeß der Bewältigung des Wandels sprechen. Veränderungen
finden überall statt, und wir wollen, daß sie
AMERIKA DIENST 14

stattfinden. Aber sie müssen innerhalb bestimmter Grenzen stattfinden. In den kommenden Jahren wird die zentrale politische Aufgabe
der KSZE darin bestehen zu gewährleisten, daß
Veränderungen auf eine positive Art und Weise
stattfinden, die die Entwicklung demokratischer
Institutionen fördert.
Wir stimmen denjenigen zu, die argumentieren, die
KSZE solle ihre Strukturen in diesem Sinne verfeinern
und stärken. In dieser Hinsicht messen wir dem
niederländischen Vorschlag über Frühwarnindikatoren große Bedeutung bei und begrüßen das britische
Papier über Konflikt Verhütung. Unserer Meinung nach
sollte ein bedeutsames Ergebnis dieser Konferenz
eine integrierte Struktur sein, die sich auf die Minister
und den CSO konzentriert und die Fähigkeit der KSZE
zur Bewältigung von Veränderungen steigern.
Abbau der Gefahr von militärischen Konfrontationen und Konflikten durch Vereinbarung einer
umfassenden Struktur für Dialog, Verhandlungen und Kooperation im Bereich militärische
Sicherheit. Die KSZE wird im laufenden Rüstungskontrollprozeß entscheidende Bedeutung
haben und sollte daher ihr eigenes Forum zu
diesem Zweck einrichten. Dieses Forum sollte
jedoch auf seine speziellen Aufgaben beschränkt
bleiben. Es sollte weder Anlaufstelle unserer
Konfliktverhütungsstruktur werden noch der
Grundstein einer Gesamtstruktur für Sicherheit.
Unser Wunsch, des CPC von diesem Forum abzutrennen, basiert auf diesem umfassenden
Konzept. Das CPC sollte allen Aspekten der
Bestrebungen des Rats dienen, die Veränderungen zu bewältigen. Er sollte nicht an ein Segment der KSZE gebunden sein.
Vervollständigung dieser Bestrebungen zum
Verfahren mit kontinuierlichen KSZE-Projekten,
um die tiefliegenden Ursachen der Spannungen
in Angriff zu nehmen. Dies ist der Grund für
unseren Vorschlag zu einem Seminar über
Migration. Wir sind ferner der Meinung, daß
mehr Arbeit zum Thema Minderheiten geleistet
werden sollte. Wichtige Bereiche der Zusammenarbeit bestehen in den Bereichen Wirtschaft,
Wissenschaft, Technik und Umwelt. Darüber
hinaus sind die Bereiche Kultur sowie Presse
und Information für unsere Aufgabe nach wie
vor wichtig.
Vertiefung des Know-hows der KSZE durch den
Ausbau von Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen. Diese
Arbeit sollte mehr Möglichkeiten für Einzelpräsentationen in Gremien und Arbeitsgruppen aller
KSZE-Treffen bieten, eine regelmäßige Teilnahme an Treffen als Beobachter sowie die
Koordination und Kooperation bei speziellen
Projekten vorsehen, die bei der KSZE mit besteSeite 3

�henden Organisationen vereinbart werden. Wir
nehmen das Mandat des Prager Ministertreffens ernst, die Kontakte mit transatlantischen
und europäischen Organisationen auszubauen.
Wir wünschen, es könne jetzt in Kraft treten, da
Helsinki noch läuft. Da dies nicht möglich scheint,
hoffen wir auf eine Vereinbarung zum Ende des
Treffens. In der Zwischenzeit werden wir die
Arbeit der Arbeitsgruppen eingehend beobachten, um sicherzustellen, daß alle relevanten Organisationen an den unterschiedlichen Gruppen teilnehmen, die von ihren Erfahrungen
profitieren können.

rungen am besten in eine positive Richtung geführt
werden können, indem man einen positiven Rahmen
für demokratische Entwicklungen definiert und nicht
subjektive Maßstäbe aufzwingt. Darüber hinaus basiert er auf der Überzeugung, da ß die beste Grundlage
für Frieden in Europa die Entwicklung einer demokratischen Gemeinschaft euro-atlantischer Staaten von
Vancouver bis Wladiwostok ist.
Darum geht es letztlich bei unserer Konferenz. Definieren wir unsere Welt in engen Grenzen, die die
statische Stabilität des kalten Kriegs erhalten wollen.
Oder träumen wir große Gedanken, die den Horizont
all unserer Nationen erweitern? Träumen heißt nicht
verzögern. Ich habe versucht zu demonstrieren, daß
die US-Delegation jetzt viele Ideen für praktische
Sofortmaßnahmen hat, da die Probleme vordringlich
sind.

Ausweitung der Effektivität unserer Arbeit durch
bessere Möglichkeiten der Mitarbeit für nichtstaatliche Institutionen und Organisationen. Die
KSZE darf kein Diplomatenclub werden. Sie
muß die Öffentlichkeit stärker einbeziehen. Wenn
sie das nicht tut, wird sie bald ihre Glaubwürdig- Aber ein Vorgehen ohne Vision ist letztlich richtungslos
und zwecklos. Ich hoffe insbesondere, daß wir diese
keit verlieren.
Plenarsitzungen nutzen können, um unsere gemeinHerr Vorsitzender, ich habe versucht, einen Aktions- same Vision einer euro-atlantischen Welt zu erörtern.
plan zu entwerfen. Er basiert auf einer Definition von Diese Aufgabe ist ebenso wichtig wie viele andere,
Sicherheit, die Veränderungen begrüßt und sie nicht denen wir uns stellen müssen.
fürchtet. Er basiert auf der Annahme, daß Verände-

* * * * *

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AMERIKA DIENST 14

�LASTENTEILUNG
8. April 1992

LASTENTEILUNG VERSCHIEBT SICH
ZUGUNSTEN AMERIKAS
Erklärung vun Sonderbotschafter Holmes
WASHINGTON - (AD) - Dem Sonderbotschafter für Lastenteilung, Allen Holmes, zufolge ist die US-Administration "dem Prinzip verpflichtet, daß Verteidigungskosten gleichmäßig mit unseren Verbündeten geteilt werden
sollten". Dabei habe sich seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren die Lastenteilung "erheblich zu unseren Gunsten
verschoben", stellte Holmes am 1. April 1992 vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für
Lastenteilung fest.
Holmes erklärte, die Beiträge der Verbündeten würden auf vielfältige Art und Weise erbracht. Er verwies
insbesondere auf die von Deutschland getragenen "erheblichen Kosten" für die Beschleunigung des Abzugs der
ehemals sowjetischen Streitkräfte aus Ostdeutschland, die im Interesse aller NATO-Partner liege sowie auf neue
Arrangements mit Japan und Korea, die "deren Beiträge zu den Kosten für die Stationierung amerikanischer
Streitkräfte auf ihrem Territorium wesentlich erhöhen" werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung von Sonderbotschafter Holmes im Wortlaut.

Einleitung
Die amerikanische Regierung ist dem Prinzip verpflichtet, daß die Verteidigungskosten gleichmäßig mit
den Verbündeten geteilt werden sollten. Die Teilung
von Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten für den
Schutz der Sicherheitsinteressen aller bleibt ein zentrales Anliegen der amerikanischen Regierung, da sich
aufgrund der Veränderungen im internationalen Umfeld die Beziehungen der Allianz weiterentwickeln.
Die Beiträge der Verbündeten zur Verwirklichung
gemeinsamer internationaler Ziele werden auf vielfältige Art und Weise erbracht. Die amerikanische Regierung anerkennt und würdigt die gesamte Bandbreite
von Maßnahmen, die von unseren Verbündeten zur
Unterstützung unserer wechselseitigen Interessen
ergriffen werden. Zu diesen Maßnahmen gehört der
direkte Ausgleich amerikanischer Stationierungskosten, die Bereitstellung von Streitkräften für Koalitionsaufgaben sowie nichtmilitärische Aktivitäten, mit denen die Ziele aller unterstützt werden. So trägt die
Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel erhebliche
Kosten, um den Abzug der ehemals sowjetischen
Streitkräfte aus Ostdeutschland zu beschleunigen.
Dies ist ein direkter Beitrag zur Verwirklichung eines
traditionellen Ziels der NATO - der Beseitigung der
sowjetischen militärischen Bedrohung für Westeuropa. Darüber hinaus bedeutet die finanzielle Unterstüt-

AMERIKA DIENST 14

zung Deutschlands und anderer westeuropäischer
Staaten für die wirtschaftliche Erholung Mittel- und
Osteuropas einen großen Beitrag zu wichtigen wirtschaftlichen und politischen Zielen, die wir alle gemeinsam verfolgen. Sicherlich sind die internationalen
Beiträge in Form von Streitkräften, materieller und
finanzieller Unterstützung für die Operationen Wüstenschild und Wüstensturm ein ausgezeichnetes
Beispiel der Zusammenarbeit zur Erlangung gemeinsamer Ziele. Die Vereinigten Staaten - dies sollte
erwähnt werden - erhielten von ihren Freunden und
Verbündeten Finanz- und materielle Hilfe in Höhe von
etwa 54 Milliarden Dollar.
Wie unser in Kürze zur Veröffentlichung freigegebener
"Bericht über Beiträge der Verbündeten zur gemeinsamen Verteidigung" zeigt, befassen sich die Bemühungen der Administration und die Veränderungen in
Streitkräftestruktur und Strategie der NATO weiterhin
damit, wie Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten von
unseren Verbündeten geteilt werden. Wie der Unterausschu ß sehr wohl wei ß, ist die NATO als kollektives
Sicherheitsbündnis selbst ein Mechanismus zur Teilung der Pflichten der gemeinsamen Verteidigung. Die
NATO trägt zur Verteidigung amerikanischer Sicherheitsinteressen ebenso bei wie unsere Präsenz in
Europa die Interessen unserer Verbündeten unterstützt. Die NATO-Partner nehmen uns in vielen kon-

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�kreten Bereichen militärische Lasten ab und unterstützen unsere Ziele au ßerhalb Europas. Und die gemeinsamen Finanzierungsprogramme der NATO - etwa
das Infrastrukturprogramm - helfen uns seit langem
dabei, die Kosten der Verteidigung und der Stationierung amerikanischer Truppen in Europa zu verteilen.
Unsere verschiedenen Verteidigungsabkommen und
die sich daraus ergebenden Pflichten und Beiträge
jedes Mitglieds werden weiterhin wichtige Instrumente
sein, um die Lasten und Vorteile der gemeinsamen
Verteidigung aufzuteilen.
Finanzielle und materielle Unterstützung für die Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte in
Übersee ist ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt im
gesamten Beziehungsgeflecht der Lastenteilung zwischen den Vereinigten Staaten und den einzelnen
Bündnispartnern. Die Administration hat kürzlich neue
Arrangements mit Japan und Korea ausgehandelt, die
deren Beiträge zu den Kosten für die Stationierung
amerikanischer Streitkräfte auf ihrem Territorium
wesentlich erhöhen werden. Zur Zeit verhandeln wir
innerhalb der NATO über ein kollektives Abkommen
zur Kostenteilung, um Operationen und Instandhaltungskosten unserer Verstärkungseinrichtungen zu
decken. Weitere Verhandlungen mit den europäischen Verbündeten werden folgen. Schließlich ist die
Kostenteilung ein wichtiges Element der andauernden
Gespräche über Verteidigungszusammenarbeit zwischen der amerikanischen Regierung und Staaten am
Persischen Golf.
Vornepräsenz und Teilung der Verteidigungskosten
Die Verwirklichung einer gleichmäßigen Verteilung der
Verteidigungskosten erfordert die Auswertung zahlreicher Faktoren. Zur "Gleichung" der Lastenteilung
insgesamt gehören Zweck und Charakter der amerikanischen Präsenz in Übersee, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Bündnispartner, ihre
militärischen, politischen und wirtschaftlichen Beiträge
zu gemeinsamen internationalen Zielen sowie die
kooperativen Rollen und Verpflichtungen, wie sie in
bilateralen und multilateralen Verteidigungsabkommen
festgelegt sind. Der wichtigste dieser Faktoren ist
jedoch der strategische Vorteil, den die Vereinigten
Staaten selbst aus einem Verteidigungsabkommen
ziehen. Dieser Faktor ist besonders wichtig, wenn
darüber befunden wird, welchen Beitrag Verbündete
gegebenenfalls zur Unterstützung der amerikanischen
Vornepräsenz erbringen sollten.
Vomepräsenz ist nach wie vor eine Grundlage der
amerikanischen Militärstrategie. Obwohl die Anzahl
der amerikanischen in Übersee stationierten Streitkräfte reduziert wird, hängt die Glaubwürdigkeit unserer Fähigkeit und Absicht, auf Krisen zu reagieren,
weiterhin von einer vernüftigen Vornepräsenz ab.
Vornepräsenz ist ferner für die Aufrechterhaltung des
Systems der kollektiven Verteidigung unabdingbar, in

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dem die Vereinigten Staaten mit ihren Freunden und
Verbündeten zum Schutz unserer Sicherheitsinteressen zusammenarbeiten, während die Lasten der Verteidigungsausgaben und unnötiger Rüstungswettbewerb verringert werden.
Die Vereinigten Staaten haben Truppen in Europa, im
Pazifik und andernorts stationiert, weil ihre Präsenz die
amerikanischen Sicherheitsinteressen unterstützt. Die
Vereinigten Staaten haben nach wie vor ein vitales
Interesse an Frieden, Stabilität und Wohlstand in Europa.
Die Geschichte lehrt eindeutig, daß unsere Militärpräsenz in Europa einen stabilisiernden Einfluß hat und
gleichzeitig unserer eigenen Sicherheit dient. Das
selbe gilt für die amerikanischen in Nordostasien stationierten Streitkräfte, die zur Sicherheit einer Region
beitragen, die für die Vereinigten Staaten zunehmend
an Bedeutung gewinnt.
Obwohl Struktur, Vornepräsenz und Verstärkungsfähigkeiten der amerikanischen Streitkräfte vornehmlich
auf den Schutz der amerikanischen Interessen ausgelegt sind, ist es unter bestimmten Umständen auch
angemessen, daß die Verbündeten sich an den Kosten unserer Vornepräsenz beteiligen. Die Administration sondiert neue Wege, um die Kosten der Aufrechterhaltung der amerikanischen Vornepräsenz
angesichts der gegebenen Kürzungen des Verteidigungshaushaltes und Gesetzen zu teilen, die eine
verbesserte Kostenverteilung fordern.
Pläne für Verhandlungen über Kostenverteilung
Die Administration ist sich der Tatsache bewußt, daß
der Kongreß der Kostenverteilung im Verteidigungsbereich hohe Priorität einräumt. Das Gesetz über die
Bewilligung der Verteidigungsausgaben von 1992 forderte den Präsidenten zu Konsultationen mit Freunden und Verbündeten auf, um Abkommen über eine
gerechte Kostenverteilung zu erarbeiten. Die Administration nimmt die in diesem Zusatz zum Ausdruck
gebrachte Besorgnis des Kongresses sehr ernst. Ich
habe mit dem US-Verteidigungsministerium zusammengearbeitet, um dort in gegebenen Bereichen
Abkommen über die Kostenverteilung auszuhandeln.
Wie ich im folgenden ausführen werde, machen wir
meines Erachtens Fortschritte.
Wie ich im vergangenen Jahr im Kongreß dargelegt
habe, hat die Administration ein neues Abkommen zur
Kosten verteilung mit Japan ausgehandelt, im Rahmen
dessen Japan den größten Teil der in Yen kalkulierten
Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte
auf japanischem Territorium übernehmen wird, mit
Ausnahme bestimmter Kosten, deren Transfer unangebracht wäre. Die Bereitschaft Japans, einen beträchtlichen und zunehmenden Anteil dieser Kosten zu
tragen, ist ein klarer Hinweis auf den Wert, den Japan
unserer Sicherheitspartnerschaft beimißt. Bis 1995
wird Japan rund drei Viertel der gesamten Stationierungskosten amerikanischer Streitkräfte übernehmen

AMERIKA DIENST 14

�(abzüglich der Gehälter für das amerikanische Militär
und Zivilpersonal). Japan bezahlt zur Zeit fast die
gesamten Baukosten und Mieten für das von den
amerikanischen Streitkräften genutzte Land. Japan
wird bis 1996 die Gesamtkosten für alle Einrichtungen
der US-Streitkräfte in Japan sowie die Gehälter und
Sozialleistungen für das japanisches Personal der
amerikanischen Streitkräfte übernehmen. Die von
Japan getragenen Unterstützungsleistungen des Aufnahmestaats belaufen sich für 1992 auf rund 3,3
Milliarden Dollar. Japan hat femer auch über 1 Milliarde Dollar zu den Operationen Wüstenschild und
Wüstensturm beigesteuert.
Vor kurzem habe ich Gespräche mit koreanischen
Regierungsvertretern über die Durchführung der im
vergangenen Sommer ausgehandelten Vereinbarung
über die Aufteilung von Verteidigungslasten geführt.
Korea hat zugestimmt, bis 1995 ein Drittel der auf der
Grundlage des Won errechneten Stationierungskosten für die amerikanischen Streitkräfte zu übernehmen. Diese Kosten beinhalten Baukosten, einen Anteil
der Arbeitslöhne sowie bestimmte logistische und
operative Ausgaben. Obwohl der koreanische Beitrag
in Dollar gemessen geringer ist als der japanische, ist
der Zuwachs des koreanischen Kostenverteilungsprogramms beeindruckend. Das Programm wurde von 70
Millionen Dollar im Jahr 1990 auf 180 Millionen Dollar
1992 aufgestockt. Bis 1995 könnte sich dieser Betrag
abhängig von unseren Stationierungskosten zu der
Zeit auf über 300 Millionen belaufen. Die Koreaner
haben femer mehreren Verfahrensänderungen zugestimmt, mit denen die Flexibilität des Programms und
die Reaktionsfähigkeit auf den Bedarf der amerikanischen Streitkräfte verbessert wird.
Die koreanischen Beiträge zur Kostenverteilung müssen auch im Kontext der realen und anhaltenden
militärischen Bedrohung aus Nordkorea gesehen
werden. Korea übernimmt Zusehens die Führungsrolle in unserem bilateralen Bündnis. Korea setzt die
Aufrüstung seiner Streitkräfte zur Verbesserung seiner Verteidigungsfähigkeiten fort. Und schließlich hat
Korea eine Reihe weiterer Beiträge zum amerikanischen Verteidigungsbedarf geleistet, einschließlich
finanzieller und materieller Unterstützung der Operation Wüstensturm und Finanzierung der Verlegung
des Stützpunktes Yongson.
Kostenverteilung wird ferner auch als Teil der Verhandlungen über neue Abkommen zur gemeinsamen
Verteidigung in der Region am Persischen Golf erörtert. Das kürzlich mit Kuwait geschlossene Abkommen verpflichtet die kuwaitische Regierung zur Dekkung der Kosten für die Durchführung unserer gemeinsamen Verteidigungsprogramme vor Ort. Das USVerteidigungsministerium zieht bereits Nutzen aus
diesem Kostenverteilungsarrangement in der Form
von kuwaitischer Unterstützung bei gemeinsamen
Übungen. Mit anderen Golfstaaten werden noch
Gespräche geführt, daher bin ich nicht in der Lage,
AMERIKA DIENST 14

über deren Absichten zur Beteiligung an den Kosten zu
sprechen. Dennoch kann ich Ihnen versichern, daß
die amerikanischen Unterhändler gerechte Kosten verteilungsabkommen anstreben.
Die Verteilung der Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten der europäischen Sicherheit wird ebenfalls neu
bewertet während die NATO ihre Strategie und Streitkräftestruktur an ein sich veränderndes Umfeld anpaßt. Im weitesten Sinne hat sich die Gleichung der
Lastenverteilung seit der Zeit, zu der mein Tätigkeitsbereich vor drei Jahren vom Kongreß geschaffen
wurde, erheblich zu unseren Gunsten verschoben.
Die Vereinigten Staaten reduzieren ihre Streitkräfte in
Europa um über 50 Prozent. In der Zwischenzeit
sehen die europäischen Verbündeten Reduzierungen
in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent vor und
tragen damit zur Behebung des von vielen als Ungleichgewicht angesehenen Verhältnisses zwischen
den amerikanischen stationierten Streitkräften und
dem bei, was die Verbündeten für ihre eigene Verteidigung aufbringen konnten.
Darüber hinaus erwägt die Regierung auch direktere
Formen der Teilung von Verteidigungsausgaben in
Europa. In Reaktion auf einen Antrag der Vereinigten
Staaten nutzt die NATO Infrastrukturfonds für andere
Vorhaben, um für den Austausch überschüssigen
vertraglich begrenzten Geräts (Treaty Limited Equipment - TLE) unter den Verbündeten zu zahlen. Mit
Hilfe dieses Programms werden die Streitkräfte mehrerer NATO-Staaten modernisiert, und es wird vermieden, daß die Vereinigten Staaten und andere relativ
modernes Gerät nach dem KSE-Vertrag zerstören
müssen. Das Programm ist ferner ein Beispiel dafür,
daß das Infrastrukturprogramm weiterhin als Mechanismus der Lastenteilung im Bündnis funktioniert.
Gestern bin ich von einer Zusammenkunft im NATOHauptquartier zurückgekehrt, bei der sich der Verteidigungsplanungsausschu ß mit einer weiteren wichtigen
US-Initiative zur kollektiven Kostenteilung beschäftigte. Unserem Vorschlag zufolge würde das Bündnis wiederum durch das Infrastrukturprogramm - die Kosten
für den Betrieb und die Wartung von Einrichtungen
übernehmen, die eine Verstärkung in Europa durch in
den Vereinigten Staaten stationierte Streitkräfte unterstützen. Dazu zählen die Einrichtungen für Verstärkungszüge (POMCUS - Prepositioning of organizational materiel), Reserven für Verstärkungszüge auf dem
Gefechtsfeld, gemeinsame Einsatzflugplätze, in Einsatznähe stationiertes Marinegerät und Kosten für die
Lagerung von Erdöl. Insgesamt beliefen sich die
Kosten für Betrieb und Wartung 1991 auf 287 Millionen
Dollar für diese Einrichtungen.
Am Montag hat der Verteidigungsplanungsausschuß
erörtert, ob diese Kosten für eine kollektive Finanzierung in Frage kommen. Aus den Gesprächen ging
eindeutig hervor, daß unsere Verbündeten unserer
Vornepräsenz die größte Bedeutung beimessen und
Seite 3

�der Ansicht sind, daß unser Vorschlag zur Kostenteilung ausreichend begründet ist, um ernsthafte Erwägungen zu verdienen. Sie erkennen, daß die USVerstärkungsfähigkeit einen einzigartigen und entscheidenden Beitrag für die europäische Sicherheit und
damit etwas Gutes für die gesamte NATO leistet, was
diese wenn möglich unterstützen sollte. Der Verteidigungsplanungsauschuß hat die Initiative an den Infrastrukturausschuß weitergeleitet, der bestimmte Einzelfragen untersuchen und vor Ende April dem Verteidigungsplanungsausschuß vortragen wird. Erwartungsgemäß wird dieser letztlich zustimmen, daß diese Kosten für eine kollektive Finanzierung in Frage
kommen. Wenn das der Fall ist, erwarten wir, daß
Entscheidungen über die Verwendung und Finanzierung so rechtzeitig getroffen werden, daß entsprechende Beiträge der NATO im Haushaltsjahr 1993
geleistet werden können. Die Bereitschaft der NATO
zur Übernahme dieser Kosten wird die Unterstützung
des Bündnisses für eine US-Präsenz in Europa demonstrieren.

hingegen die militärischen Beiträge Japans zu unseren bilateralen Militärbeziehungen ein. Damit kommt
finanzieller Unterstützung in unseren Beziehungen der
Lastenteilung mit Japan eine vergleichsweise höhere
Bedeutung zu.
Wir können auch nicht den Schluß ziehen, die finanzielle Unterstützung für die Operationen Wüstensturm
und Wüstenschild sei ein Vorbild für ähnliche Vereinbarungen mit unseren Freunden und Verbündeten zur
übernähme der Gesamtkosten für die Durchführung
unserer bestehenden bilateralen und multilateralen
Verteidigungsabkommen. Die Unterstützung für
Wüstensturm und Wüstenschild war ein außergewöhnliches Beispiel für verwirklichte Lastenteilung.
Einzelne Länder haben auf der Grundlage ihrer militärischen, finanziellen und materiellen Ressourcen reagiert. Dennoch erfolgte diese überwältigende Unterstützung nur aufgrund der besonderen Situation.

Schließlich müssen die Vereinigten Staaten immer ein
Augenmerk auf ihren Teil der gemeinsamen Rollen,
Die Regierung beabsichtigt femer, mit verschiedenen Risiken, Pflichten und Kosten haben. Wir können nicht
NATO-Verbündeten Fragen der bilateralen Kostentei- erwarten, daß unsere Verbündeten neuen Vereinbalung anzusprechen. Wir werden uns darauf konzen- rungen zur Lastenteilung zustimmen, wenn die Vereitrieren, daß Stationierungskosten auch die Teilung der nigten Staaten zögern, angemessene finanzielle UnKosten für Personal und Einrichtungen sowie andere terstützung für bestehende Programme zu leisten, die
Unterstützungsmittel umfaßt. Ich muß vor unrealisti- kollektiv finanziert werden. Eine bessere Verteilung
schen Erwartungen warnen - sowohl im Hinblick dar- der Verteidigungsausgaben kann auch nicht vor dem
auf, wann diese Vereinbarungen getroffen werden als Hintergrund der Forderung nach drastischen Hausauch über den Umfang der gezahlten Beiträge. Die haltskürzungen und Streitkräftereduzierungen verhanAushandlung neuer Vereinbarungen zur Kostentei- delt werden, die Zweifel an unserem echten Engagelung in Europa wird heute extrem schwierig. Jedes ment für die kollektive Sicherheit aufkommen lassen.
NATO-Land nimmt eine Neugestaltung der Verteidigungspolitik und Haushalte vor, um neuen Bedingun- Wir erwarten, daß unsere Freunde und Verbündeion
gen gerecht zu werden. Darüber hinaus haben einige zur Aufrechterhaltung unserer Verteidigungsvereinbaunserer europäischen Verbündeten - vor allem Deutsch- rungen beitragen. Diese Unterstützung basiert jedoch
land - wichtige neue Belastungen übernommen in auf den gemeinsamen Vorteilen, die wir und unsere
Form von Hilfe für die Länder Mittel- und Osteuropas Partner aus unserem Verteidigungsverhältnis ziehen
und Unterstützung für den Abzug der früheren Sowjet- und der Fähigkeit unserer Verbündeten, sich daran zu
streitkräfte. Diese neuen Beiträge müssen in die beteiligen. Am wichtigsten ist jedoch, aau die VereiGesamtgleichung der Lastenverteilung einbezogen nigten Staaten sich an diesen Vereinbarungen beteiligen, weil sie ihren Sicherheitsinteressen dienen.
werden.
Femer ist es wichtig, sorgfältig zwischen der Teilung
von Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten in der NATO
und unseren Erfahrungen der Kostenteilung mit Japan
zu unterscheiden. Beide Fälle sind nicht vergleichbar.
Die NATO ist ein multilaterales Bündnis mit einem
internationalen Hauptquartier, einer integrierten militärischen Kommandostruktur und einem gut entwickelten System der Zuweisung von Verteidigungsaktivposten - einzelner Länder - für bestimmte Rollen und
Missionen der Koalition. Darüber hinaus verfügt die
NATO über ihre eigenen Programme zur Kostenteilung, wie etwa das Infrastrukturprogramm und das
Militärbudget. Die japanische Verfassung schränkt

Zusammenfassung
Eine gerechte Aufteilung der Rollen, Risiken, Pflichten
und Kosten zum Schutz gemeinsamer Sicherheisinteressen ist Ziel unserer internationalen Sicherheitspolitik. Die Regierung arbeitet daran, mehr Kosten zu
teilen, wo solche Veränderungen angemessen und
notwendig sind. Sowohl aufgrund der Verhandlungsbemühungen der Regierung als auch aufgrund der
stärkeren Unterstützung der Verbündeten für einen
friedlichen Wandel in Mittel- und Osteuropa und veränderter Streitkräftestrukturen der NATO wird die
Gleichung der Teilung von Pflichten jetzt gerechter.

* *

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AMERIKA DIENST 14

�GUS
8. April 1992

DIE AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN ZUR GUS
Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom US-Außenministerium am 6. April 1992
herausgegebene Übersicht zu "Bedeutenden Entwicklungen und Beziehungen zur Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bis zum 3.April 1992".
Hilfsleistungen
Am Freitag übermittelte der Präsident das Gesetz zur
Förderung der Freiheit von 1992 dem Kongreß.
Die folgenden Luftbrücken sind zur Lieferung von
Hilfsgütern genehmigt worden. Die Vereinigten Staaten werden die Treibstoff-, Flug- und Landekosten für
die in sowjetischen Flugzeugen transportierten Lieferungen übernehmen.
Der Children of Chemobyl Relief Fund hat in
Milwaukee über 70 Tonnen an Arzneimitteln,
medizinischen Versorgungsgütern und medizinischem Gerät sowie Nahrungsmitteln gesammelt. Dieses Material wird voraussichtlich am 7.
April verladen und in Stryi und Temopil in der
Ukraine verteilt.
Die Broadmore United Methodist Church of
Shreveport in Louisiana hat über 108 Tonnen an
Nahrungsmitteln gespendet, die um den 11.
April verladen und mit einer Antonov-124 nach
Jekaterinburg in Rußland geflogen werden.
Die Lacrosse-Dubna Friendship Association hat
zusammen mit der Russian Winter Campaign in
La Crosse (Wisconsin) medizinische Versorgungsgüter, Nahrungsmittel und Kleidung gesammelt, die an ihre Partnerstadt Dubna in
Rußland geliefert werden sollen. Dieser Transport soll voraussichtlich Ende dio^er Woche
stattfinden.
Zusammen mit den Lieferungen an Tadschikistan und
Turkmenistan am 30. März belaufen sich die im Rahmen der medizinischen Initiative des Präsidenten "Aktion Hoffnung" - finanzierten Lieferungen medizinischer und pharmazeutischer Güter inzwischen auf
über 30 Millionen Dollar. Zusätzliche Lieferungen sind
in diesem Monat für Minsk und Kaliningrad vorgesehen.

AMERIKA DIENST 14

Vier Teams des Amts für internationale Entwicklung
(AID) sind am Wochenende nach Rußland, Armenien,
Belarus und in die Ukraine abgereist, um eine genaue
Ermittlung des Energiebedarfs vorzunehmen. Die
Teams sollen drei Wochen vor Ort bleiben, und ein
weiteres Team wird am oder um den 11. April nach
Kasachstan und Kirgistan entsandt.
Die Vereinigten Staaten haben einer Luftbrücke für
eine Gruppe amerikanischer Ölbohrexperten und deren
Gerät nach Usbekistan zugestimmt, um eine in Brand
geratene Ölquelle in der Nähe von Mingbulak in Ostusbekistan unter Kontrolle zu bringen. Die Finanzierung
der Luftbrücke mit bis zu sechs Flugzeugen vom Typ
C-141 der US-Luftwaffe erfolgt durch den vom Verteidigungsministerium verwalteten Titel für humanitäre
Katastrophenhilfe (Emergency Humanitarian Account).
Die Operation wird erwartungsgemäß mindestens
600.000 Dollar kosten. Wenn der Brand der Ölquelle
nicht eingedämmt und die Quelle selbst nicht stillgelegt
wird, könnte ö l in einen nahegelegenen Fluß einfließen und das Trinkwasser ebenso verseuchen wie
bewässerte Felder am Unterlauf. Die Vereinigten
Staaten werden diese Operation dann beginnen, wenn
die mit dem Löschen beauftragte amerikanische Firma
ihre Einsatzbereitschaft bekundet.
Das Büro des AID für Katastrophenhilfe im Ausland
(Office of Foreign Disaster Assistance - OFDA) hat am
31. März einen 2-Millionen-Dollar-Vertrag mit CARE
unterzeichnet. Die Fördermittel werden für drei Bereiche aufgewendet: Überwachung der Verteilung von
Hilfsgütem des Verteidigungsmnisteriums in den neuen
unabhängigen Staaten; Gewährung von Unterstützung für amerikanische private Hilfsorganisationen,
die Hilfsgüter des Landwirtschaftsministeriums in den
neuen unabhängigen Staaten verteilen und Überwachung, an wen die Güter letztlich verteilt werden, und
Entwicklung eines Systems von Indikatoren, um zu
prüfen, welche Bevölkerungsgruppen in den neuen
unabhängigen Staaten zu den schwächsten zählen.
Seite 1

�mit Abgeordneten und Mitarbeitern des Kongresses
zusammen, um das amerikanische parlamentarische
Am 2. April haben Außenminister Baker und der Stell- System zu studieren.
vertretende armenische Premierminister Bagratian das
Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staa- Der Stabschef des Präsidenten von Kirgistan, Ednan
ten und Armenien sowie ein OP IC-Abkommen unter- Karabajew, wird am 15. April zu einem intensiven
zeichnet.
Fortbildungskurs in Washington und Idaho eintreffen,
um sich zu informieren, wie man ein effektives PräsiAm 3. April haben Außenminister Baker und der russi- dialamt aufbaut und leitet. Seine Kollegen aus Kasche Botschafter Lukin das OPIC-Abkommen zwi- sachstan und Armenien haben ebenfalls Einladungen
schen den Vereinigten Staaten und Rußland unter- des USIA für ähnliche Besuche im weiteren Verlauf
zeichnet.
des Frühjahrs angenommen.
Handelsabkommen

Internationale Zentren für Wissenschaft und
Technik

Die Botschaft in Moskau hat soeben Verträge mit drei
russischen Verlagen über die Übersetzung und VeröfVergangene Woche ist der Koordinator im Büro des fentlichung amerikanischer Bücher zu Geschichte,
Stellvertretenden Außenministers, Dr. Robert L. Gal- Wirtschaft und Unternehmensführung abgeschlossen.
lucci, in Moskau mit den anderen Gründungsmitglie- Der Verlag des russischen PEN-Zentrums, PPP, wird
dern des Internationalen Zentrums für Wissenschaft die USIA-Tftel "Outline of American History", "Outline
und Technologie - der EG, Japan und Rußland - of American Economy" und "American Life and Instituzusammengetroffen, um die endgültige Sprachrege- tions" veröffentlichen, während der Verlag Moscow
lung des internationalen Abkommens zur Einrichtung University Press "Macroeconomics" von Dornbusch
des Zentrums festzulegen. Wir erwarten, daß dieses und Fisher sowie "Economics Of The Public Sector"
Abkommen in weniger als zwei Wochen unterzeichnet von Stiglitz herausgeben wird.
werden kann.
USIA unterstützt folgende Gruppenaustauschprogramme:
Gallucci traf in Moskau femer mit prominenten Wissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion zusam"Umweltschutz in den Vereinigten Staaten" (7.
men, um Projekte - einschließlich solcher zum UmMärz bis 4. April, sechs Teilnehmer aus der
gang mit Reaktorsicherheit - zu erörtern, die an der
GUS).
Entwicklung von Waffen beteiligten Wissenschaftlern
und Ingenieuren eine angemessene Beschäftigung im
"Kirche und Staat, Kirche und Gemeinde" (16.
zivilen Bereich verschaffen können. Darüber hinaus
März bis 10. April, neun Teilnehmer aus der
inspizierten Gallucci und andere Vertreter der GrünGUS).
dungsmitglieder des Zentrums mehrere potentielle
"Printjournalismus in den Vereinigten Staaten"
Standorte für das Zentrum in Moskau, andere mögli(23. März bis 17. April, acht Teilnehmer aus der
che Standorte werden Ende April besichtigt.
GUS).
Darüber hinaus führte Gallucci am Donnerstag ver"Entscheidungsfindung in der US-Außenpolitik"
gangener Woche in Kiew Gespräche über die Einrich(30. März bis 24. April, zwei Teilnehmer O-JS der
tung eines Zentrums in der Ukraine. Wir werden mit
GUS).
den anderen Regierungen sprechen und unsererseits
10 Millionen Dollar für dieses Zentrum beantragen.
Weiterhin gehen Bewerbungen für das Benjamin FrankDiese Reihe von Zusammenkünften bringt uns dem lin Fellowship Program ein, das ein- oder zweijährige
Ziel näher, das alle Gründungsmitglieder teilen: das Stipendien an amerikanischen Universitäten für graInternationale Zentrum für Wissenschaft und Techno- duierte Studenten der Rechts- und Wirtschaftswislogie soll im Frühsommer in Moskau eröffnet werden. senschaften sowie der öffentlichen Verwaltung aus
der GUS (und dem Baltikum) vergibt. 4.000 Personen
haben sich bereits um die 160 Stipendien beworben.
Information und Austausch
Das US-Informationsamt (USIA) hat soeben einen
einwöchigen Besuch dreier hochrangiger armenischer
Parlamentarier unter Führung des Parlamentsvorsitzenden, Babgen Ararktsian, veranstaltet. Sie trafen

Wir stellen dem Moskauer Fernsehen, das 32 Millionen Zuschauer erreicht, die von USIA erworbene Serie
"Government by Consent" (in russischer Synchronisierung) zur Verfügung.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 14

�FULBRIGHT - STIFTUNG
8. April 1992

FULBRIGHT-STIFTUNG FEIERT
40JÄHRIGES JUBILÄUM
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
Berlin - (AD) - Zum 40jährigen Jubiläum der Fulbright-Stiftung hielt Botschafter Robert Kimmitt am 4. April 1992
eine Rede anläßlich der Eröffnung der Berlin-Woche dieser Stiftung.
Diese Rede veröffentlichen wir nachfolgend im Wortlaut.

Ich danke Ihnen, Herr Professor Dr. Knopp. Ich freue
mich, hier gemeinsam mit Ihnen, Herrn Staatsminister
Albring, Herrn Dr. Littmann und den ehrenwerten Gästen
unserer Fulbright-Kommission die Berlin-Woche 1992
eröffnen zu dürfen. Das Engagement und die harte
Arbeit dieser Kommission - und Ihrer Kollegen in
anderen Kommissionen - haben ein unerläßliches
Netzwerk geschaffen, das Studenten und Wissenschaftler auf der ganzen Welt zusammenführt. Ob Sie

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrestag des
deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms, das zu
einem Vorbild geworden ist, an dem die anderen
Programme auf der Welt gemessen werden. Es hält
diese herausragende Stellung aufgrund der kontinuierlichen Unterstützung der deutschen und amerikanischen Regierung in den vergangenen vierzig Jahren
und aufgrund unseres gemeinsamen Engagements
für die transatlantische Gemeinschaft demokratischer

Fulbright-Stipendiat in Deutschland - wie die meisten

Werte, auf denen dieses Programm gegründet wurde.

von Ihnen - oder andernorts in Europa sind: Sie
können sich glücklich schätzen, in dieser aufregenden
Zeit in der Geschichte Deutschlands, Europas und der
Welt hier zu weilen.

Nicht weniger wichtig ist die Verbindung dieses Programms mit Menschen Ihres Kalibers.

Darüber hinaus können wir alle uns glücklich schätzen,
daß Sie, Herr Senator und Frau Fulbright bei uns sind,
um diesen Gedenktag zu feiern - das 40jährige Jubiläum des deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms.

1

Als Fulbright-Stipendiat ausgewählt zu werden, heißt
zu den Besten der Besten zu zählen. Wenn ich mich
in diesem Saal umsehe, bin ich von der Mannigfaltigkeit beeindruckt, die Sie repräsentieren. Ihnen allen
wurde die Ehre zuteil, für die Teilnahme am FulbrightProgramm ausgewählt zu werden. Aber jeder von
Ihnen hat dem Programm seinen eigenen Stempel
aufgedrückt und daraus sehr persönliche Eitahrungen
gezogen. Die Geschichte von Fulbright ist die Summe
der Geschichte vieler einzelner Stipendiaten.
Es ist auch die Geschichte phantastischer Erfolge.
Jeder von Ihnen hat ebenso wie die anderen Stipendiaten, die jetzt wieder in den Vereinigen Staaten sind
und die Zehntausende vor Ihnen - dazu beigetragen,
diesen Erfolg zu ermöglichen.

AMERIKA DIENST 14

Heute ehren wir den Mann, der das Programm ins
Leben gerufen, genährt und zu seiner Blüte geführt
hat: Senator J. William Fulbright. Als Senator der
Vereinigten Staaten waren Sie ein ehrenwerter Vertreter unserer Regierung. Aber Sie vertraten die Auffassung, daß Regierungen allein die Völkerverständigung
nur unzureichend verwirklichen können. Sie waren der
Meinung, daß die Menschen selbst, in all ihrer Vielfalt,
über nationale Grenzen hinweg dauerhafter miteinander reden als Regierungen. Sie waren Zeuge der
Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und haben Völkerverständigung als der Menschheit beste Hoffnung
auf Überleben erachtet. Sie waren tatsächlich ein
Visionär, Herr Senator, weil Sie Ihre Hoffnungen für die
Zukunft auf die Menschen gründeten statt auf die
Politik.
Tatsächlich ist die Weltgeschichte eine Geschichte der
Menschen, nicht der Regierungen. Imperien unterhalten offizielle Beziehungen, aber Händler, Künstler und
Wissenschaftler tauschen Ideen aus. Ihr Austausch
hat Verständnis hervorgebracht und Mißtrauen überbrückt. Ich bin nicht der Meinung, Verständnis heißt,
zwangsläufig all das was wir in anderen Kulturen

Seite 1

�sehen, zu mögen - und erst recht nicht sich anzueignen. Aber Kommunikation kann persönliche und kulturelle Isolation aufbrechen, und das "Ausländische"
ist nicht länger das "Fremde", etwas, das man fürchten
und vielleicht sogar zerstören muß, sondern vielmehr
ganz einfach etwas anderes, das man verstehen und
sogar mögen kann. Darin liegt die geniale Idee des
Fulbright-Programms und der vielen anderen privaten
und staatlichen Austauschprogramme, die über die
Jahre hinweg nach seinem Vorbild geschaffen wurden.
In sehr realer Weise stehen die von uns in Deutschland
und Mitteleuropa in den vergangenen zwei Jahren
beobachteten historischen Ereignisse - und diejenigen, deren Zeuge wir heute werden - in Zusammenhang mit einem gleichermaßen grundlegenden und
umfassenden Konzept: In einer interdependenten
Welt sind freie Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Gesellschaften wertvoll, weil sie uns
Auseinandersetzungen der offensten, positivsten und
konstruktivsten Art und Weise ermöglichen. Sie sind
die natürliche Erweiterung des Grundrechts der freien
Meinungsäußerung und ein Gedanke, den 45 Jahre
totalitärer Herrschaft in Osteuropa nicht unterdrücken
konnten.
Betrachten wir uns den Erfolg des Fulbright-Programms,
drängen sich uns mehrere Gedanken auf. Der erste
Gedanke ist, wie umfassend sich das Programm mit
dieser grundlegenden Idee der intellektuellen Freiheit
identifiziert. Sich ungehindert ausdrücken zu können,
ist etwas, das wir in den Vereinigten Staaten seit
langem zu schätzen wissen und das seit Jahrzehnten
als Symbol der Hoffnung für unterdrückte Nationen
weltweit gedient hat. Es repräsentiert die Freiheit
jedes einzelnen zu erforschen und zu analysieren, zu
loben und zu kritisieren. Von größerer Bedeutung ist
jedoch die große Chance, die es bietet - die Chance,
die Gesellschaft durch den schnellen Fluß der Gedanken zu formen. Kritisches Urteilsvermögen - gleichgültig, wie unbequem - ist wunderbar geeignet, uns voranzutreiben und uns aus der Selbstgefälligkeit in Aktion
zu versetzen. Selbstkritik- sowohl konstruktiv als auch
negativ - hilft uns, uns selbst zu definieren und dynamisch zu bleiben.
Der Erfolg des Fulbright-Programms drängt mir noch
einen weiteren Gedanken auf. Er betrifft den Wert von
Austauschprogrammen als Instrument der Außenpolitik mit langfristiger Wirkung. Während wir uns dem
Jahr 2000 nähern, treten wir in eine völlig neue Ära der
transatlantischen Beziehungen ein. Seit über 40 Jahren
konzentrierten sich die Energien des westlichen Bündnisses auf die Eindämmung der Bedrohung der freien
Welt durch die Kräfte des Kommunismus. Während
des kalten Kriegs waren die transatlantischen Beziehungen verständlicherweise von ihrer politischen und
militärischen Dimension beherrscht.

Seite 2

Eine alte Ordnung gehört der Vergangenheit an. Die
Deutsche Demokratische Republik ist von der Landkarte verschwunden, ersetzt durch ein freies und vereinigtes Deutschland. Der Großteil der beschämenden Mauer, die einstmals einen Kontinent - in der Tat
eine Welt - teilte, ist in Berlin abgerissen und zu
Souvenirs verarbeitet worden. Die wenigen verbleibenden Teile werden künftigen Generationen als
Mahnmal eines dunklen Zeitalters dienen.
Trotz dieser historischen Ereignisse müssen wir uns
jedoch vor Augen führen, daß das Ende des kalten
Kriegs uns nicht eine Ära ewigen Friedens beschert
hat. Die Ost-West-Konfrontation, die unser Leben seit
über 40 Jahren beeinflußt hat, wird durch neue Herausforderungen und Chancen ersetzt. Die politischen
und militärischen Dimensionen, die einst unser Konzept der nationalen Sicherheit definierten - und die
transatlantischen Beziehungen dominierten - sind nach
wie vor wichtig, werden jedoch immer mehr mit den
wirtschaftlichen, ökologischen und sozio-kulturellen
Dimensionen der nationalen Sicherheit verknüpft.
Bei unserem Kampf der Anpassung an diese sich
rasch verändernden Bedingungen dürfen wir auf beiden Seiten des Atlantiks die Grundlage einer erfolgreichen Partnerschaft nicht aus den Augen verlieren, die
uns das beschert hat, was wir heute haben - Verständnis und Wertschätzung der jeweils anderen Gesellschaft. Die transatlantische Bindung ist für unsere
Zukunft mindestens ebenso wichtig wie für unsere
Vergangenheit und wird in den Vereinigten Staaten wie
auch in Europa gleichermaßen der Sorgfalt und Unterstützung bedürfen.
Eine wichtige Dimension der europäisch-amerikanischen Beziehungen hat besondere Auswirkungen für
die Zukunft. Noch vor wenigen Jahren wurde die
politische und intellektuelle Szene in Europa und den
Vereinigten Staaten von Menschen beherrscht, die
persönlich lebhafte Erinnerungen an den Krieg und die
Jahre unmittelbar danach hatten.
In den Vereinigten Staaten und hier sind jedoch inzwischen neue Generationen herangewachsen, die im
Hinblick auf die europäisch-amerikanischen Beziehungen nicht vom Wiederaufbau der vierziger Jahre
oder der engen Zusammenarbeit der fünfziger und
sechziger Jahre geprägt wurden, sondern vielmehr
von den Spannungen der folgenden Jahrzehnte, die
den dramatischen Ereignissen der Jahre 1989 und
1990 unmittelbar vorausgingen. Die meisten von uns
in diesem Saal sind Vertreter dieser neuen Generation. Insbesondere unter zahlreichen jüngeren Europäern und Amerikanern ist deshalb ein besseres Verständnis der jeweils anderen Gesellschaft ein unerläßliches Element für weiterhin enge transatlantische
Bindungen, während sich die Welt kontinuierlich verändert und die transatlantischen Beziehungen weiter
reifen.

AMERIKA DIENST 14

�In dieser Welt rascher Veränderungen und unmittelbarer Kommunikation besteht die ernste Versuchung,
sogar für die kompliziertesten Probleme nach ebenso
raschen Lösungen zu suchen. Internationale Verständigung entwickelt sich jedoch nicht sofort. Sie ist
vielmehr das Produkt von Zeit, ständigem Kontakt und
muß von enormer Geduld und Erfahrung geleitet werden.
Regierungen können über ihre Botschaften ohne Zeitverzögerung miteinander Probleme erörtern, aber die
Verständigung zwischen den von diesen Botschaften
vertretenen Völkern ist etwas, dessen Aufbau Zeit und
Sorgfalt erfordert.
Und dies ist heute nirgends wichtiger als in jenen neu
emanzipierten Staaten des ehemaligen sowjetischen
Imperiums, die sich bemühen, ihre eigenen Formen
der Demokratie aufzubauen. Ich fühle mich ermutigt,
wenn ich die Geschwindigkeit und den Weitblick sehe,
mit denen Organisationen wie das Fulbright-Programm
- und die Regierungen, die sie unterstützen - sich
dieser Herausforderung stellen. Im Hinblick darauf,
daß noch vor 18 Monaten 17 Millionen Deutsche
Bürger eines Warschauer-Pakt-Landes waren, warich
besonders erfreut, am 6. Januar in Neubrandenburg
verkünden zu können, daß die amerikanische Regierung ihre Mittel für die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission um nahezu eine Million Dollar aufstockt. Diese Entscheidung unserer Regierung während eines besonders schwierigen Haushaltsjahres
hat unser Engagement unter Beweis gestellt, die Fulbright-Chancen für Stipendiaten in den neuen Bundesländern zu erhöhen, ohne unsere Unterstützung für
Stipendiaten in Westdeutschland zu verringern.
*

AMERIKA DIENST 14

*

Das Fulbright-Programm hat der Sache der internationalen Verständigung gerade deshalb so gut gedient,
weil es nicht unmittelbare Ergebnisse anstrebt, sondern langfristig angelegt ist. Der Wert des FulbrightProgramms ist immateriell und sehr real zugleich. Was
das Programm schafft, ist mehr als alles andere ein
System gemeinsamer Erfahrungen und eine Gemeinschaft, die Anteil nimmt. Das Programm verführt
Menschen nicht dazu, ihre Herkunft zu verleugnen,
sondern erweitert ihren Horizont - ebenso wie der erste
Spaziergang eines Menschen auf dem Mond unsere
Perspektive von uns selbst und unserer zerbrechlichen Welt für immer verändert hat. Insgesamt wirken
die Einzelerfahrungen der Fulbright-Stipendiaten zusammen, um eine Gruppe von Menschen hervorzubringen, die besser in der Lage sind, mit dem Ehrgeiz
- und der Torheit - ihrer Mitmenschen umzugehen.
Senator Fulbright, die Welt steht aufgrund Ihrer Vision
und Ihrer Hartnäckigkeit, mit der sie jene Vision in das
Programm umsetzten, das Ihren Namen trägt und so
viel zur Schaffung einer besseren und sichereren Welt
beigetragen hat, in der Tat in Ihrer Schuld.
Ich freue mich erneut, mit Ihnen allen gemeinsam in
Berlin sein zu können. Möge Ihre Teilnahme am
Programm dieser Woche erfreulich und produktiv sein,
und mögen Sie Ihre Arbeit als Fulbright-Stipendiaten
dieses Jahr bei guter Gesundheit und mit Erfolg weiterführen.
Ich danke Ihnen.

*

*

Seite 3

�</text>
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                    <text>Amerika Dienst&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
07&#13;
&#13;
ALBRIGHT: WIR SIND ENTSCHLOSSEN,&#13;
DEN KURS ZU HALTEN&#13;
Erklärung der Außenministerin beim Treffen&#13;
der Kontaktgruppe&#13;
&#13;
KOSOVO&#13;
&#13;
KONTAKTGRUPPE UNTERSTÜTZT&#13;
UNMITTELBARE AUFNAHME DES DIALOGS&#13;
IM KOSOVO&#13;
Erklärung von Außenministerin Albright&#13;
&#13;
USA-DEUTSCHLAND&#13;
&#13;
DIE ERWEITERUNG UND VERTIEFUNG&#13;
DER EUROPAIDEE&#13;
Rede von Strobe Talbott&#13;
&#13;
IRAN&#13;
&#13;
DIE POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN&#13;
GEGENÜBER DEM IRAN&#13;
Rede von Bruce O. Riedel&#13;
&#13;
ELEKTRONISCHER HANDEL&#13;
&#13;
DER INTERNET-MARKT: SEINE FREIHEITEN&#13;
UND VERSPRECHUNGEN AUS&#13;
AMERIKANISCHER SICHT&#13;
Rede von Generalkonsul Hugh G. Hamilton&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-3392956&#13;
Fax: 0228-333138&#13;
Internet: http://www.usembassy.de&#13;
&#13;
�KOSOVO&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Albright: Wir sind entschlossen, den Kurs zu halten&#13;
Erklärung der Außenministerin beim Treffen der Kontaktgruppe&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenministerin Madeleine K. Albright beim Treffen der&#13;
Kontaktgruppe am 25. März 1998 in Bonn abgegebene Erklärung.&#13;
&#13;
Guten Morgen. Ich möchte Ihnen, Klaus, für Ihre&#13;
Gastfreundschaft danken und alle meine Kollegen in&#13;
der Kontaktgruppe zu dieser Sitzung willkommen&#13;
heißen. Besonders herzlich begrüßen möchte ich&#13;
Außenminister Vollebaek und Felipe Gonzalez. Ich&#13;
möchte auch Carlos Westendorp für seine Teilnahme&#13;
danken.&#13;
Wie Sie wissen, haben sich unsere politischen Direktoren gestern Abend auf eine Erklärung zu Bosnien&#13;
geeinigt. Sie bestätigt, daß wir alle dieselbe Einschätzung der Situation dort haben - und entschlossen sind,&#13;
den Kurs zu halten.&#13;
Da wir bezüglich Bosnien alle einer Meinung sind,&#13;
lassen Sie uns diese Erklärung als verabschiedet&#13;
betrachten und uns dem wahren Grund zuwenden,&#13;
aus dem wir uns zum zweiten Mal innerhalb von zwei&#13;
Wochen treffen. Schließlich haben wir seit langem&#13;
nicht das dringende Gefühl gehabt, uns so häufig&#13;
treffen zu müssen. Das war, weil wir uns seit Beginn&#13;
des letzten Balkankriegs nicht mit einem so gefährlichen Problem im ehemaligen Jugoslawien wie der&#13;
Situation im Kosovo konfrontiert sahen.&#13;
Wie ich am 9. März erklärte, ist meine große Sorge,&#13;
daß wir im Kosovo dieselben Fehler machen könnten&#13;
wie in Bosnien vor sieben Jahren. Meine Sorge ist,&#13;
daß Präsident Milosevic so wenig wie möglich tun wird,&#13;
um unsere Forderungen zu erfüllen - außer unter&#13;
Druck - und dann erst in letzter Minute.&#13;
Glücklicherweise haben wir uns bei unserem letzten&#13;
Treffen alle geeinigt zu handeln, bevor es zu spät ist das Morden zu beenden und beide Seiten zu ermutigen, einen sinnvollen politischen Dialog aufzunehmen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Aus diesem Grund einigten wir uns auf die Verhängung von Strafmaßnahmen gegen die für die Gewalt&#13;
Verantwortlichen. Wir haben klargestellt, daß sie nur&#13;
dann aufgehoben würden, wenn Präsident Milosevic&#13;
eine Reihe spezifischer Schritte zur Lösung der Krise&#13;
unternimmt.&#13;
Seit unserem letzten Treffen in London sind Klaus und&#13;
Hubert mit Präsident Milosevic zusammengekommen,&#13;
um ebenso wie Jewgenij unsere Botschaft zu übermitteln. Bob Gelbard war in Belgrad, Pristina und&#13;
Podgorica und wird nach diesem Treffen mit Jeremy&#13;
Greenstock dorthin zurückkehren.&#13;
Der Druck, den wir auszuüben begonnen haben, bringt&#13;
jetzt allmählich Ergebnisse hervor. Am Montag wurde&#13;
eine Vereinbarung zur Umsetzung des Bildungsabkommens unterzeichnet. Wir haben einen anderen&#13;
Ton aus Belgrad gehört.&#13;
Aber die erste Frage, die wir heute beantworten&#13;
müssen, lautet, ob Präsident Milosevic die spezifischen Forderungen der Kontaktgruppe erfüllt hat. Ich&#13;
glaube nicht, daß einer von uns glaubwürdig sagen&#13;
kann, er hätte dies getan.&#13;
Vor sechzehn Tagen forderten wir, daß spezielle&#13;
Polizeieinheiten aus dem Kosovo abgezogen werden.&#13;
Die serbischen Behörden behaupteten zuerst, diese&#13;
Einheiten wären bereits abgezogen. Dann versprach&#13;
Präsident Milosevic bei seinem Treffen mit Klaus und&#13;
Hubert, sie würden abziehen. Aber heute beziehen sie&#13;
feste Stellung, statt abzuziehen. Wie wir bei CNN&#13;
deutlich sehen konnten, werden neue Polizeikasernen&#13;
gebaut, wo vor einigen Tagen noch keine standen.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Vor sechzehn Tagen haben wir Präsident Milosevic&#13;
auch aufgefordert, humanitären Gruppen und Vertretern der Kontaktgruppe die Einreise in den Kosovo&#13;
zu gestatten. Dennoch werden die Diplomaten und&#13;
Mitarbeiter der Hilfsorganisationen von der serbischen&#13;
Polizei weiterhin schikaniert, bedroht, festgenommen&#13;
und sogar geschlagen. Die Amerikaner sind das&#13;
spezielle Ziel dieser Kampagne, der Zweck ist jedoch&#13;
eindeutig, uns alle einzuschüchtern.&#13;
In London haben wir auch gefordert, daß Präsident&#13;
Milosevic sich öffentlich zu einem bedingungslosen&#13;
Dialog verpflichtet. Seit damals hat Präsident Milosevic einen Vertreter für mögliche Gespräche ernannt.&#13;
Aber nur der serbische Präsident Milutinovic ist&#13;
öffentlich Verpflichtungen eingegangen. Und er hat auf&#13;
Voraussetzungen bestanden, die das Ergebnis des&#13;
Dialogs präjudizieren - genau das wäre für uns&#13;
inakzeptabel, wie wir erklärt haben. Dieser Vorschlag&#13;
ist so ausgelegt, daß er abgelehnt werden muß.&#13;
Und schließlich haben wir vor sechzehn Tagen&#13;
gefordert, daß Präsident Milosevic mit den von der&#13;
Kontaktgruppe verabschiedeten Initiativen kooperiert.&#13;
Gestern haben wir erfahren, daß Präsident Milosevic&#13;
Bronislaw Geremek eingeladen hat, um eine Wiederaufnahme der OSZE-Langzeitmission zu erörtern, aber&#13;
er hat die Gonzalez-Mission nicht akzeptiert, und&#13;
bezüglich unserer anderen Punkte hat er widersprüchliche Signale gesendet.&#13;
&#13;
ist es, was wir alle zu tun versprochen haben, als wir&#13;
vor 16 Tagen zusammenkamen. Wir müssen auch&#13;
weiterhin auf der Gonzalez-Mission bestehen. All dies&#13;
ist unerläßlich für die Bewahrung der Glaubwürdigkeit&#13;
und Einheit der Kontaktgruppe.&#13;
Ferner sind wir uns alle einig, daß der einzige Weg zur&#13;
Vermeidung einer Katastrophe im Kosovo jetzt darin&#13;
besteht, einen ernsthaften Dialog einzuleiten. In&#13;
London waren wir uns alle einig, daß beide Seiten&#13;
diesen Dialog ohne Vorbedingungen aufnehmen&#13;
müssen, wenn er nach neun Jahren unablässiger&#13;
Unterdrückung im Kosovo eine Chance auf Erfolg&#13;
haben soll.&#13;
Gestern Abend vereinbarten unsere politischen&#13;
Direktoren, daß wir alle unsere Anstrengungen auf&#13;
dieses Ziel konzentrieren sollten. Präsident Milosevic&#13;
muß den Prozeß des Dialogs jetzt beginnen, er muß&#13;
die Beteiligung anderer akzeptieren, und wir werden&#13;
ihn für jede Verzögerung seitens der Bundesrepublik&#13;
Jugoslawien oder der serbischen Behörden verantwortlich machen. Wir haben die Verhängung von&#13;
zusätzlichen Strafmaßnahmen in vier Wochen vereinbart, wenn er dies nicht tut.&#13;
In diesem Zusammenhang möchte ich vorschlagen,&#13;
daß wir eine Arbeitsgruppe einrichten, die prüft, wie wir&#13;
die Vermögenswerte einfrieren und ausländische&#13;
Direktinvestitionen verbieten können, sollte sich dies&#13;
als erforderlich erweisen.&#13;
&#13;
Wie sollen wir auf all dies Hin und Her reagieren?&#13;
Es ist möglich, daß wir in den vergangenen beiden&#13;
Wochen die ersten zögernden, widerwilligen Schritte&#13;
der Bundesrepublik Jugoslawien zu einer politischen&#13;
Lösung der Krise gesehen haben. Es ist auch möglich, daß wir nicht mehr als zynische halbherzige&#13;
Maßnahmen gesehen haben, die darauf ausgerichtet&#13;
sind, uns zu entzweien, oder auf Zeit zu spielen, bis wir&#13;
das Interesse verlieren.&#13;
In jedem Fall müssen wir uns vor Augen führen, daß&#13;
Fortschritte nur durch andauernden Druck erzielt&#13;
werden. Wenn wir mehr Fortschritte wollen, müssen&#13;
wir zusammenhalten, um diesen Druck weiter auszuüben. Denn wenn wir Präsident Milosevic auch nur&#13;
das kleinste Anzeichen geben, daß er genug getan&#13;
hat, wird er ganz sicher nicht mehr tun. Wenn wir uns&#13;
mit halbherzigen Maßnahmen zufrieden geben,&#13;
werden halbherzige Maßnahmen das Einzige sein,&#13;
was wir bekommen.&#13;
Wir müssen Präsident Milosevic zu den in London&#13;
vereinbarten Maßstäben verpflichten und an dem von&#13;
uns vereinbarten entschlossenen Ansatz festhalten.&#13;
Wir müssen die unverzügliche Verabschiedung der&#13;
Resolution des Sicherheitsrats zum UN-Waffenembargo unterstützen. Das ist das Richtige. Und das&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Ich weiß, daß niemandem die Aussicht auf weitere&#13;
Sanktionen gefällt. Ich weiß, es ist verlockend zu&#13;
sagen, "positiver" Druck wird besser funktionieren.&#13;
Aber unsere Erfahrung lehrt uns, daß wir uns von&#13;
unseren Hoffnungen nicht verleiten lassen dürfen.&#13;
Denken Sie an all die Friedenspläne, die während des&#13;
Bosnienkriegs unterbreitet wurden. Wie viele Male&#13;
schien die eine oder andere Partei unsere Vorschläge&#13;
akzeptieren zu wollen, nur um dann nichts mehr davon&#13;
wissen zu wollen? Wir haben damals gesehen, daß&#13;
Versprechen im ehemaligen Jugoslawien wenig&#13;
bedeuten, bis sie mit Vorsichtsmaßnahmen umgesetzt&#13;
sind. Anreize werden für gewöhnlich gerne aufgenommen, Warnungen werden für gewöhnlich in den Wind&#13;
geschlagen. Die Politiker reagieren nicht auf die ferne&#13;
Androhung von Sanktionen, sondern auf die Realität&#13;
von Sanktionen.&#13;
Heute können wir beweisen, daß wir diese Lektionen&#13;
gelernt haben.&#13;
Wir wollen heute auch ernsthaft darüber nachdenken,&#13;
wie die Kosovo-Albaner unsere Aktionen aufnehmen.&#13;
Die meisten haben sich an die Gewaltfreiheit gehalten.&#13;
Dr. Rugova hat sich zu einem bedingungslosen Dialog&#13;
verpflichtet. Aber die verantwortlichen Politiker im&#13;
Kosovo können nur so lange überleben, wie wir sie mit&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�Druck gegen Belgrad unterstützen. Wir müssen&#13;
entschlossen sein, damit sie flexibel sein können.&#13;
Die Zeit ist nicht auf der Seite der Mäßigung. Jeder&#13;
Augenblick der Verzögerung von Präsident Milosevics&#13;
Seite erhöht die Wahrscheinlichkeit von Gewalt. Jeder&#13;
Augenblick des Zögerns von unserer Seite erhöht die&#13;
Wahrscheinlichkeit, daß er seine Verzögerungstaktik&#13;
fortsetzt.&#13;
&#13;
Am 9. März vereinbarten wir einen gemeinsamen&#13;
Ansatz, um ihn zu Fortschritten zu veranlassen. Ich&#13;
gehe davon aus, daß wir eine umfassende und offene&#13;
Diskussion darüber haben werden, wie das geschehen&#13;
soll. Ich sollte jedoch sagen, daß ich mehr besorgt&#13;
über die Effektivität des Ergebnisses als über die&#13;
Harmonie des Prozesses bin. Wir müssen uns an das&#13;
von uns Vereinbarte halten und dieses Treffen mit&#13;
einer Erklärung abschließen, die ernst genommen&#13;
wird. Ich kann Ihnen versichern, daß die Vereinigten&#13;
Staaten das Erforderliche tun werden.&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�KOSOVO&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Kontaktgruppe unterstützt unmittelbare&#13;
Aufnahme des Dialogs im Kosovo&#13;
Erklärung von Außenministerin Albright&#13;
&#13;
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenministerin Madeleine K. Albright bei der&#13;
Pressekonferenz der Kontaktgruppe am 25. März 1998 in Bonn abgegebene Erklärung.&#13;
&#13;
Wir haben gerade unser zweites Ministertreffen der&#13;
Kontaktgruppe innerhalb von zwei Wochen beendet.&#13;
Seit langem haben wir nicht die Notwendigkeit&#13;
gesehen, uns so häufig treffen zu müssen. Aber es ist&#13;
auch lange her, seit wir uns im ehemaligen&#13;
Jugoslawien mit einem so gefährlichen Problem wie&#13;
der Situation im Kosovo konfrontiert sahen.&#13;
Wir haben heute eine Erklärung zum Kosovo&#13;
verabschiedet, aber ich sollte sagen, wir haben auch&#13;
eine Erklärung zu Bosnien verabschiedet. Es ist ein&#13;
Zeichen der Übereinstimmung in der Kontaktgruppe,&#13;
daß diese Erklärung im wesentlichen ohne Diskussion&#13;
angenommen wurde.&#13;
Von Anfang an habe ich gesagt, was wir im Kosovo&#13;
beobachten, ist genau das Verhalten, das 1991 den&#13;
Krieg im ehemaligen Jugoslawien auslöste.&#13;
Offensichtlich hofft Präsident Milosevic, er könne mit&#13;
seinem bekannten Verhaltensmuster davonkommen,&#13;
die&#13;
internationale&#13;
Gemeinschaft&#13;
aus&#13;
dem&#13;
Gleichgewicht zu bringen und zu entzweien.&#13;
Wenn er seinen Willen bekommt, wird er so wenig wie&#13;
möglich tun, um unsere Forderungen zu erfüllen, und&#13;
dann nur unter Druck und in letzter Minute.&#13;
Ich will nicht so tun, als ob sich die Mitglieder der&#13;
Kontaktgruppe heute in allen Punkten einig waren.&#13;
Aber wir sind entschlossen, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Wir bewegen uns langsam&#13;
aber stetig in die Richtung von größerem Druck auf&#13;
Belgrad. Der einzige Ausweg für Präsident Milosevic&#13;
besteht in einem sinnvollen Dialog mit der kosovoalbanischen Gemeinschaft.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Wir haben in unserer Erklärung festgestellt, daß seit&#13;
unserem letzten Treffen einige Fortschritte erzielt&#13;
wurden - vor allem eine gewisse Bewegung in Belgrads Einstellung zum Dialog bei einer Reihe von&#13;
Themen, darunter die Autonomie des Kosovo und der&#13;
Abschluß der seit langem überfälligen Vereinbarung&#13;
über die Umsetzung des Bildungsabkommens. Wir&#13;
sind dankbar für die von den Außenministern Kinkel,&#13;
Vedrine und Primakow geleistete Arbeit, die in die&#13;
Region gereist sind und unsere gemeinsamen Anliegen verdeutlicht haben.&#13;
Die Kontaktgruppe ist sich jedoch auch einig, daß&#13;
Präsident Milosevic nicht genug getan hat, um die von&#13;
uns in London vereinbarten Forderungen zu erfüllen.&#13;
Wir haben entschieden, die damals angekündigten&#13;
Strafmaßnahmen zu verlängern und anzuwenden. Wir&#13;
alle haben uns verpflichtet, die Verabschiedung des&#13;
Waffenembargos im UN-Sicherheitsrat bis zum 31.&#13;
März anzustreben.&#13;
Wir begrüßten die Unterzeichnung des Bildungsabkommens am Montag, das beweist, daß zwei Seiten&#13;
sich bei schwierigen Themen einigen können, wenn&#13;
sie sich zusammensetzen und reden. Wir freuen uns&#13;
auch, daß sich Dr. Rugova zu einem bedingungslosen&#13;
Dialog verpflichtet und ein Verhandlungsteam benannt&#13;
hat. Wir haben erneut den Terrorismus verurteilt und&#13;
unsere Erwartung bekräftigt, daß die kosovo-albanische Führung ihren Appell zu Gewaltfreiheit einhält.&#13;
Wir haben entschieden, unsere gesamten diplomatischen Bestrebungen auf die Förderung der unmittelbaren Aufnahme des Dialogs zu konzentrieren. Wir&#13;
stellen sehr deutlich fest, daß wir Präsident Milosevic&#13;
dafür verantwortlich machen, wenn entweder die&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Bundesrepublik Jugoslawien oder serbische Behörden&#13;
versuchen, diesen Prozeß zu verzögern oder vom&#13;
Kurs abzubringen.&#13;
Der Standard, den Präsident Milosevic unseren&#13;
Erwartungen gemäß einhalten soll, ist sehr klar. Er&#13;
muß öffentlich zu dem Dialog stehen, ihn ohne Vorbedingungen aufnehmen, die Beteiligung anderer&#13;
akzeptieren und die politische Verantwortung für sein&#13;
Funktionieren übernehmen.&#13;
Wir haben ferner entschieden, daß wir unverzüglich&#13;
Schritte zur Anwendung der von uns in London&#13;
angekündigten zusätzlichen Wirtschaftsmaßnahmen&#13;
unternehmen werden, wenn unsere in London formulierten Forderungen nicht innerhalb von vier Wochen&#13;
erfüllt werden und vor allem wenn Präsident Milosevic&#13;
nicht alles in seiner Macht Stehende zur Aufnahme des&#13;
Dialogs unternimmt.&#13;
Ich muß Ihnen nicht sagen, daß die Vereinigten&#13;
Staaten die Ansicht vertreten, angesichts der jüngsten&#13;
Aktionen Belgrads könnten wir zu Recht noch strengere Maßnahmen verhängen. Aber ich bin zufrieden,&#13;
&#13;
daß die von uns getroffenen Entscheidungen im&#13;
Augenblick ausreichen, um die Glaubwürdigkeit und&#13;
Einheit der Kontaktgruppe zu bewahren. Wir haben&#13;
das Mindestmaß an Druck beibehalten, das erforderlich ist, um den Prozeß voranzubringen.&#13;
Die Kontaktgruppe wird in vier Wochen wieder zusammenkommen. Wenn wir entscheiden, daß ausreichende Fortschritte erzielt wurden, werden wir die&#13;
Maßnahmen erneut prüfen, die wir anwenden. Wenn&#13;
es keine Fortschritte gibt, wird die Unterstützung für&#13;
eine schärfere Vorgehensweise zunehmen. In beiden&#13;
Fällen werden die Kräfte der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im ehemaligen Jugoslawien gestärkt.&#13;
Und ich werde Ihre Aufmerksamkeit auf den letzten&#13;
Absatz unserer Erklärung lenken, der feststellt, daß die&#13;
grundlegende Position der Kontaktgruppe unverändert&#13;
bleibt. Die Lösung dieses Problems muß ein sinnvolles Maß an Autonomie und Selbstverwaltung für&#13;
den Kosovo beinhalten.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
•&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
,&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�USA-DEUTSCHLAND&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Die Erweiterung und Vertiefung der Europaidee&#13;
Rede von Strobe Talbott&#13;
&#13;
BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede im Wortlaut, die der Stellvertretende US-Außenminister&#13;
Strobe Talbott am 20. März 1998 bei der zweiten New Traditions-Konferenz mit dem Titel "Geistige Führung im&#13;
neuen Jahrhundert" in Berlin gehalten hat, die von der Amerikanischen Botschaft und der Amerikanischen&#13;
Akademie zu Berlin gesponsert wurde.&#13;
&#13;
Vielen Dank, [Botschafter] Dick [Holbrooke]. Die&#13;
heutige Anwesenheit so vieler herausragender&#13;
Persönlichkeiten - angefangen mit dem Bundespräsidenten - ist ein Tribut an Sie, dem ich mich anschließe. Viele von Ihnen werden mir zustimmen, daß&#13;
man sich kaum einen besseren Freund als Dick&#13;
vorstellen kann. Das ist er meiner Frau Brooke und&#13;
mir bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten. Während&#13;
der letzten fünf Jahre war Dick auch ein herausragender Kollege - für mich und andere heute anwesende Veteranen der Clinton-Administration: Bill Perry,&#13;
John Deutch, Lloyd Cutler und Winston Lord. Bei&#13;
praktisch jedem Thema, das Klaus Kinkel in seiner&#13;
ausgezeichneten - ich würde sogar sagen, bahnbrechenden - Rede vor wenigen Minuten angesprochen hat, steht Dick Holbrooke an vorderster Front der&#13;
amerikanischen Politik - ein Denker, Politiker, Diplomat, Wortführer und - wie oft angemerkt wird - eine&#13;
Naturgewalt.&#13;
Wir alle sind sehr froh darüber, daß Dick seine enorme&#13;
Energie dafür eingesetzt hat, die Amerikanische&#13;
Akademie zu Berlin ins Leben zu rufen. Diese Institution ist ein lebendiges Symbol der Freundschaft,&#13;
die sich während des letzten halben Jahrhunderts&#13;
zwischen den Vereinigten Staaten und dieser Stadt&#13;
entwickelt hat. Die Akademie wird weiterhin die besten&#13;
Köpfe auf beiden Seiten des Atlantiks zusammenbringen, damit sie die richtigen Antworten auf die&#13;
großen Fragen unserer Zeit finden. Mit anderen&#13;
Worten, dieses Unternehmen widmet sich der Bereitstellung genau des Grundstoffes, den diese Konferenz&#13;
fördern will: Geistige Führung.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Das ist das richtige Thema für diese Zeit und diesen&#13;
Ort. In einer Welt, die oft enormen und kontourlosen&#13;
Kräften ausgeliefert zu sein scheint, ist es leicht, die&#13;
Macht des Intellekts - die guten oder schlechten&#13;
Auswirkungen des Geists des Einzelnen - zu unterschätzen.&#13;
Einer der herausragenden Namensvettern dieser&#13;
Stadt, der verstorbene Isaiah Berlin, erklärte einmal:&#13;
"Die großen Bewegungen ... die große ideologische&#13;
Tyrannei der Rechten und Linken und die explosionsartige Ausbreitung von Nationalismus, Rassismus und&#13;
... religiöser Bigotterie ... alles begann mit Ideen in den&#13;
Köpfen der Menschen."&#13;
Sir Isaiah warnte vor totalitären und utopischen&#13;
Schemata, die im Lauf der Jahrhunderte, insbesondere&#13;
in unserem Zeitalter, so großen Schaden angerichtet&#13;
haben. Aber er hielt andere Ideen in Ehren, die das&#13;
Beste in uns zutage förderten: Freiheit, Toleranz,&#13;
Pluralismus und - am wichtigsten - Demokratie.&#13;
Die Geschichte, so Sir Isaiah, wird "von Propheten mit&#13;
Armeen im Hintergrund" gemacht. Nirgendwo gab es&#13;
einen gewaltsameren und sinnbildlicheren Zusammenprall dieser Armeen als auf diesem Kontinent und in&#13;
diesem Jahrhundert.&#13;
Während der Lebenszeit vieler der hier Anwesenden&#13;
hat Europa zwei Umgestaltungen erlebt: Es entwickelte&#13;
sich vom Brennpunkt eines Weltkriegs über einen&#13;
Bodennullpunkt des Kalten Kriegs zu dem, was es&#13;
heute ist - das modernste und vielversprechendste&#13;
Beispiel weltweit für die Fähigkeit souveräner Nationen, gemeinsam im Namen der besten Ideen für die&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Zukunft gegen die schlimmsten Ideen der Vergangenheit anzugehen.&#13;
Diese Evolution spiegelt sich in der Wandlung dieser&#13;
Stadt wider. Anfang dieses Jahrhunderts war Berlin&#13;
die Quelle von viel Bösem und Leid, das Europa und&#13;
die Welt heimsuchte. Heute ist Berlin zusammen mit&#13;
anderen großen Metropolen auf diesem Kontinent eine&#13;
Quelle des Besten.&#13;
Diese Stadt hat ihre historische Stellung als Hauptstadt&#13;
Deutschlands wiedergewonnen. Noch bedeutender ist&#13;
jedoch, daß sie im Sommer 1999 erstmals Sitz der&#13;
Regierung eines geeinten, demokratischen und fest in&#13;
einem Bündnis von Demokratien verankerten Deutschlands sein wird.&#13;
Es gibt für uns wohl keinen besseren Ort, uns zu&#13;
versammeln, um über Europa und die atlantische Welt&#13;
nachzudenken und zu sprechen. Bei der ersten New&#13;
Traditions-Konferenz in Berlin vor vier Jahren entwikkelten Vizepräsident Gore und Bill Perry eine Vision für&#13;
eine erweiterte NATO und ein neues Konzept für&#13;
Sicherheit in ganz Europa.&#13;
Das grundlegende Versprechen der amerikanischen&#13;
Politik könnte nicht einfacher sein. Ich bin sicher, daß&#13;
Sie alle es kennen, aber es kann nicht oft genug&#13;
wiederholt werden. Es lautet: Das Wohlergehen des&#13;
amerikanischen Volkes hängt in nicht unwesentlichem&#13;
Maße von Frieden und Wohlstand in Europa ab. Der&#13;
amerikanische Internationalismus im Allgemeinen und&#13;
der Atlantizismus im Besonderen wurzeln im aufgeklärten amerikanischen Eigeninteresse.&#13;
Wir haben diese grundlegende Wahrheit mühsam&#13;
gelernt. Die beiden Weltkriege forderten das Leben&#13;
von mehr als einer halben Million Amerikaner, während&#13;
der Kalte Krieg uns umgerechnet mehr als 13 Billionen&#13;
Dollar kostete und uns an den Rand des heißesten&#13;
Krieges brachte, den man sich vorstellen kann.&#13;
Tatsächlich ist heute der Jahrestag des Kalten Krieges. Vor genau 50 Jahren, am 20. März 1948, verließ&#13;
Marshall Wassili Sokoloswki das Treffen des Alliierten&#13;
Kontrollrats in dessen Hauptquartier im Amerikanischen Sektor. Sein dramatischer Abgang signalisierte, daß Joseph Stalin kurz vor Beginn der Blockade&#13;
stand, mit der er die Westmächte aus Berlin verdrängen wollte.&#13;
Somit ist es ein halbes Jahrhundert her, daß wir&#13;
Amerikaner diese Stadt erstmals als Außenposten&#13;
unserer eigenen Freiheit und Sicherheit sahen. Dieses&#13;
Band wurde am 26. Juni 1963 in schwerer Zeit gestärkt, als Präsident Kennedy seinen berühmten&#13;
Besuch in Berlin machte. Und das Band wurde noch&#13;
stärker durch den Triumph der Nacht vom 9. November 1989, als nur wenige Hundert Meter von hier&#13;
entfernt die Mauer fiel. Damals machten die mutigen&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Bürger Ostdeutschlands einen gewaltigen Schritt, sich&#13;
selbst zu befreien und die DDR Geschichte werden zu&#13;
lassen.&#13;
Bill Clinton trat sein Amt in dem klaren Bewußtsein an,&#13;
daß er als erster amerikanischer Präsident nach dem&#13;
Ende des Kalten Krieges gewählt wurde. Daher&#13;
erachtet er es nicht nur als seine Chance, sondern&#13;
auch als seine Pflicht sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun, um&#13;
beim Aufbau eines Europas zu helfen, das ebenso wie&#13;
Deutschland ungeteilt und frei, wohlhabend und&#13;
friedlich, im Inneren geeint und global engagiert ist.&#13;
Während das neue Europa aus dem entsteht, was&#13;
viele Amerikaner noch als die Alte Welt bezeichnen,&#13;
sehen wir ein geeintes, demokratisches Deutschland&#13;
als bedeutendes Symbol und mächtige Triebkraft für&#13;
alles, was in Europa geschieht und sich in Europa als&#13;
Ganzes ereignen kann.&#13;
Die Dynamik Deutschlands ist nicht nur eine Funktion&#13;
seiner Größe, geografischen Lage und starken&#13;
Volkswirtschaft. Sie ist auch das direkte Ergebnis der&#13;
von Deutschland angenommenen Politik gegenüber&#13;
anderen Ländern, die man als "Architekturpolitik"&#13;
bezeichnen könnte.&#13;
Deutschland hat sich sehr&#13;
bewußt, sehr effektiv, sehr klar und sehr klug dazu&#13;
entschlossen, beim Aufbau zahlreicher, sich überlappender und sich gegenseitig verstärkender Institutionen zu helfen, die das neue Europa ausmachen. Es&#13;
gibt Dutzende solcher Einrichtungen, und Deutschland&#13;
engagiert sich dort mehr als jeder andere Staat.&#13;
Diese Gruppierungen machen zusammengenommen&#13;
die Superstruktur einer Gemeinschaft von Nationen&#13;
aus - und, um genauer zu sein, einer Gemeinschaft&#13;
bürgerlicher und politischer Werte. Deutschland ist&#13;
sowohl Konstrukteur und Bauherr als auch bewußter&#13;
Bewohner dieser Superstruktur. Damit hat es seine&#13;
eigene Antwort - die richtige Antwort - auf das gefunden, was Klaus Kinkel als die "Mutter aller Fragen"&#13;
bezeichnete - die historisch bekannte und schwierige&#13;
"deutsche Frage". Und es ist eine einfühlsame&#13;
europäische Antwort.&#13;
&#13;
Obwohl die Vereinigten Staaten einen Ozean entfernt&#13;
sind, teilen wir mit Deutschland die Mitgliedschaft in&#13;
vielen euroatlantischen Institutionen wie der OSZE. In&#13;
anderen, wie dem Europarat, haben die Vereinigten&#13;
Staaten Beobachterstatus. In wieder anderen sind wir&#13;
Amerikaner äußerst interessierte Nichtmitglieder.&#13;
Das vielleicht beste Beispiel in dieser Kategorie ist die&#13;
Europäische Union. Wir haben die europäischen&#13;
Integrationsbestrebungen von Anfang an unterstützt von der Gründung der Montanunion bis zur Schaffung&#13;
des Binnenmarktes.&#13;
Dies geschieht erneut aus&#13;
Gründen eines aufgeklärten Eigeninteresses: Wir&#13;
waren immer der Überzeugung, daß ein politisch&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�geeintes und wirtschaftlich integriertes Europa ein&#13;
stärkerer Partner zur Förderung unserer gemeinsamen&#13;
Ziele ist. Wir sind uns bewußt, daß die Vereinigten&#13;
Staaten alles in ihrer Macht Stehende tun müssen, um&#13;
die transatlantischen Bande zu stärken - selbst wenn&#13;
Sie auf dieser Seite des Atlantiks mit unserer Ermutigung Ihr Ziel der gesamteuropäischen Integration&#13;
verfolgen.&#13;
&#13;
Aber die NATO ist nicht nur eine militärische Organisation; sie ist auch eine politische; sie ist ein Katalysator&#13;
für die Stärkung - und Erweiterung - der Werte,&#13;
Institutionen und Ideen, die die Mitgliedstaaten gemeinsam haben: Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Achtung&#13;
der Menschen- und Bürgerrechte, Toleranz für ethnische und religiöse Unterschiede sowie zivile Kontrolle des Militärs.&#13;
&#13;
Natürlich ist die NATO das stärkste dieser transatlantischen Bande. Die NATO ist einzigartig, weil sie&#13;
allein über Militärmacht verfügt. Und wie wir gesehen&#13;
haben, ist diese besondere Form der Stärke auch im&#13;
Europa nach dem Kalten Krieg noch erforderlich. Von&#13;
Bosnien, Kroatien, Albanien und dem Kosovo auf dem&#13;
Balkan bis nach Tschetschenien und Nagorny-Karabach im Kaukasus sind in den letzten fünf Jahren mehr&#13;
Europäer eines gewaltsamen Todes gestorben als in&#13;
den vorangegangenen 45 Jahren.&#13;
&#13;
Die NATO hat stets diese politische Funktion und&#13;
Verantwortung gehabt, selbst in ihrer alten Inkarnation&#13;
während des Kalten Krieges. In den fünfziger Jahren&#13;
bot das Bündnis den Schutzschild, hinter dem&#13;
Deutschland und Frankreich ihre historische Aussöhnung erreichen konnten.&#13;
&#13;
Ohne die Ausübung von Macht durch die NATO im&#13;
Jahr 1993 - eine Entscheidung, bei der Bill Perry, John&#13;
Deutch, Dick Holbrooke und John Kornblum jeweils&#13;
eine Schlüsselrolle spielten - befände sich Bosnien&#13;
heute noch im Krieg. Tatsächlich hätte sich bereits der&#13;
dritte Balkankrieg dieses Jahrhunderts unheilvoll&#13;
ausbreiten und mit seinem Beginn dem ausklingenden&#13;
20. Jahrhundert eine schaurige und grauenhafte&#13;
Symmetrie verliehen können.&#13;
&#13;
Wie Amerikaner haben kein Geheimnis aus unserer&#13;
Hoffnung gemacht, daß die Erweiterung der NATO zu&#13;
den Bedingungen für die Erweiterung der EU beitragen&#13;
wird. Hier geht es nicht nur darum, daß die NATO ein&#13;
Beispiel gibt. Es geht vielmehr darum, daß die NATO&#13;
ein Umfeld schafft, das - weil es stabiler und friedlicher&#13;
ist - der Erweiterung der EU nach Osten förderlich ist.&#13;
&#13;
Wie Außenminister Kinkel betonte, hat sich Deutschland in den vergangenen fünf Jahren ins Zentrum der&#13;
internationalen Bestrebungen zur Vermeidung dieses&#13;
Alptraums bewegt. Ich freue mich, hier heute meinen&#13;
Freund Wolfgang Ischinger zu sehen - einen Verfechter von Dayton, ein entscheidendes Mitglied der&#13;
sogenannten Kontaktgruppe und ein enger Mitarbeiter&#13;
von mir bei einigen elementaren Anliegen des Bündnisses vor einem Jahr. Er ist einer von vielen Deutschen, die dazu beigetragen haben, den Frieden in&#13;
Bosnien zu schaffen und zu bewahren. Jeden Tag&#13;
leisten Bundeswehrpiloten und -Soldaten ihren eigenen&#13;
Beitrag zu dieser Sache. Deutschland gewährt den&#13;
Flüchtlingen Zuflucht und stellt Milliarden von D-Mark&#13;
für ihre Versorgung und für humanitäre Wiederaufbauprojekte in Bosnien zur Verfügung. Und tragischerweise mußten ebenso wie mehrere Amerikaner einige&#13;
Ihrer engagiertesten Regierungsvertreter ihr Leben&#13;
lassen. Ich denke vor allem an Gerd Wagner, einen&#13;
guten Freund von vielen hier Anwesenden, der in&#13;
Washington so viel für die deutsch-amerikanischen&#13;
Beziehungen geleistet hat, bevor er sein Leben im&#13;
Dienste der Menschheit im September vergangenen&#13;
Jahres in Zentralbosnien verlor.&#13;
Bosnien ist eine Erinnerung an die Fähigkeit der&#13;
NATO, Diplomatie mit Gewalt zu verstärken und diese&#13;
Gewalt gegebenenfalls entschlossen anzuwenden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Ferner ist die NATO-Erweiterung ein mächtiger und&#13;
positiver Faktor bei der Konsolidierung der Aussöhnung zwischen Deutschland und Polen.&#13;
&#13;
Glücklicherweise haben wir den Punkt hinter uns&#13;
gelassen, an dem es große Zweifel an der Erweiterung&#13;
der NATO oder der EU gab. Es wird jedoch immer&#13;
noch debattiert, wie viel weiter diese Prozesse gehen&#13;
sollten.&#13;
Im Hinblick auf die NATO muß die Tür, die von der&#13;
Führung des Bündnisses im Juli vergangenen Jahres&#13;
in Madrid geöffnet wurde, offen bleiben. Sollte es&#13;
anders kommen - sollte die Tür hinter Ungarn, Polen&#13;
und der Tschechischen Republik zuschlagen - würden&#13;
das Bündnis und seine Erweiterung nicht nur scheitern, eine Kraft für Integration zu sein; sie würden zum&#13;
Gegenteil werden: Sie würden eine neue Trennlinie,&#13;
einen neuen Eisernen Vorhang, eine neue Grauzone,&#13;
ein neues strategisches Übergangsstadium schaffen nur weiter im Osten. Sie würden unter den ausgeschlossenen Nationen gegenseitiges Mißtrauen,&#13;
militärische Konkurrenz, Unsicherheit, Instabilität,&#13;
vielleicht sogar Desintegration und Gewalt säen.&#13;
Die richtige Antwort auf Fragen bezüglich der geografischen Grenzen der Erweiterung des Bündnisses&#13;
lautet folgendermaßen: Wir werden sehen - und wir&#13;
wollen nicht voreilig Grenzen proklamieren; wir wollen&#13;
unvoreingenommen sein, wenn wir ostwärts durch die&#13;
offene Tür der neuen NATO blicken. Die falsche&#13;
Antwort wäre von verfrühter und schädlicher Präzision,&#13;
denn das hieße, unsere Verpflichtung zu einem&#13;
ungeteilten, zunehmend integrierten Europa zu&#13;
verraten.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Aus diesem Grund vertreten wir die Auffassung, daß&#13;
die Erweiterung der vielen zentralen transatlantischen&#13;
und europäischen Institutionen zeitlich und räumlich&#13;
fortgesetzt werden muß. Das heißt, sie sollten mit&#13;
offenem Ende erweitert werden ohne willkürliche&#13;
Pausen - und sie sollten den Osten, den Norden und&#13;
den Süden einbeziehen.&#13;
Polen, Ungarn und die Tschechische Republik sind die&#13;
unmittelbaren und äußerst vielversprechenden&#13;
Beispiele für die Integration des Ostens. Auch im&#13;
Norden hat es ermutigende Fortschritte gegeben, nicht&#13;
zuletzt weil Deutschland selbst in dieser Region so&#13;
aktiv ist. Seit dem Ende des Kalten Krieges haben die&#13;
Nationen der nordischen Region ihren Platz im&#13;
europäischen Hauptstrom genau zu der Zeit gefunden,&#13;
in der sie neue Formen der wirtschaftlichen, politischen&#13;
und umweltpolitischen Zusammenarbeit untereinander&#13;
eingeführt haben.&#13;
Norwegen ist beispielsweise&#13;
integraler Bestandteil der NATO, obwohl es der EU&#13;
nicht beitritt, während auf Finnland und Schweden das&#13;
Gegenteil zutrifft: Obwohl sie ihren blockfreien Status&#13;
bewahren, sind sie jetzt aktive Mitglieder der EU.&#13;
Gleichzeitig haben diese drei Länder ihr Engagement&#13;
in subregionalen Organisationen wie dem Euroarktischen Barentsrat, dem Arktischen Rat und dem&#13;
Ostseerat intensiviert.&#13;
Da Deutschland selbst ein Ostseestaat ist, muß das&#13;
Land offensichtlich eine zentrale Rolle bei der Förderung von Mustern der Zusammenarbeit in Nordeuropa spielen. Das ist sowohl Deutschlands Schicksal für die Zukunft als auch sein Vermächtnis der&#13;
Vergangenheit. Im Mittelalter vereinte die Hanseatische Liga viele Gemeinden im Nord- und Ostseeraum&#13;
in einer frühen Version eines riesigen Freihandelsgebiets. Der Handel trug dazu bei, das Leben, die&#13;
Interessen und Kulturen von hanseatischen Städten&#13;
wie Hamburg, Lübeck, Rostock, Riga, Stockholm und&#13;
Novgorod miteinander zu verflechten.&#13;
Heute kann eine Hanse der Neuzeit auf der Grundlage&#13;
wachsender Verbindungen zwischen den Nationen der&#13;
baltischen Küste wiederum dazu dienen, die Zusammenarbeit zwischen Westeuropa, den nordischen&#13;
und baltischen Staaten, der Ukraine und Rußland zu&#13;
untermauern.&#13;
&#13;
Rußland aus beherrscht. Wie weit wir und die Russen&#13;
seit damals gekommen sind. In zehn Wochen werden&#13;
Madeleine Albright, Klaus Kinkel und die anderen&#13;
Außenminister der NATO in Luxemburg mit Jewgenij&#13;
Primakow zum dritten Ministertreffen des Ständigen&#13;
Gemeinsamen NATO-Rußland-Rats zusammenkommen - einem von mehreren Mechanismen, über&#13;
die die NATO und Rußland in konkreter Weise zusammenarbeiten.&#13;
Obwohl Rußland klargemacht hat, daß es nicht die&#13;
Mitgliedschaft im Bündnis selbst anstrebt - und der&#13;
Erweiterung nicht zustimmt - ist das Land dennoch&#13;
immer noch zur Zusammenarbeit mit der NATO im&#13;
Namen der Prinzipien und Ziele bereit, bei denen wir&#13;
übereinstimmen.&#13;
Ich möchte an dieser Stelle gerne Lord Ismays&#13;
berühmt-berüchtigt witzige Bemerkung über den&#13;
vermeintlichen Zweck der NATO anbringen. Das&#13;
Bündnis, sagte er, existierte, um die Amerikaner&#13;
einzubinden, die Russen auszuschließen und die&#13;
Deutschen am Boden zu halten. 1949, als er diese&#13;
Bemerkung machte, war sie schon zu einem Drittel&#13;
gemein - das heißt, in bezug auf Deutschland - und&#13;
sollte sich kurz danach als völlig falsch erweisen. Die&#13;
NATO hat in der Tat zur Förderung der Sicherheit, des&#13;
Wohlstands und vor allem der internationalen Führungsrolle dieses Landes beigetragen. Weit davon&#13;
entfernt, die Deutschen am Boden zu halten, half die&#13;
NATO so dem neuen Deutschland, sich zu erheben.&#13;
Heute ist Lord Ismays Platitüde zu zwei Dritteln&#13;
veraltet. Jetzt, nach dem Ende des Kalten Krieges, ist&#13;
die NATO entschlossen, zusätzlich zu ihrer Hauptaufgabe der kollektiven Verteidigung die neue Mission zu&#13;
übernehmen, ein demokratisches Rußland vollständiger in Europa einzubeziehen. Die einzige noch&#13;
gültige Wahrheit - die einzige Konstante - der IsmayDoktrin ist, daß die NATO immer noch ein Weg ist und&#13;
immer sein wird, die Amerikaner einzubinden.&#13;
&#13;
Eine unabhängige Ukraine ist ein Grundstein in der&#13;
Architektur des neuen Europas. Die Vereinigten&#13;
Staaten und Deutschland teilen ein tiefgehendes&#13;
Interesse an dem Erfolg der Wirtschaftsreformen in der&#13;
Ukraine, an ihrem Übergang zu Demokratie und ihrer&#13;
Sicherheit. Aus diesem Grund arbeiteten wir an der&#13;
NATO-Ukraine-Charta zusammen, die im Juli vergangenen Jahres in Madrid unterzeichnet wurde.&#13;
&#13;
Die neue NATO - die NATO nach dem Kalten Krieg hat sich auch die Aufgabe gestellt, die Südflanke der&#13;
NATO abzustützen und die dort ansässigen Nationen&#13;
vollständiger in unsere Gemeinschaft einzubeziehen.&#13;
Ich bin gestern aus Rumänien in Berlin angekommen,&#13;
und davor war ich in Slowenien, Albanien, der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und Bulgarien. Mehrere Nationen Südosteuropas haben begonnen, alte Meinungsverschiedenheiten unter sich&#13;
auszumachen und auch ihre Verbindungen zum&#13;
übrigen Europa zu stärken. Die deutsche Regierung&#13;
hat ihnen mit der Unterstützung von Wirtschaftsreformen in der Region und der Verbesserung der&#13;
Transport- und Kommunikationswege geholfen.&#13;
&#13;
Rußland stellt eine besondere Herausforderung dar.&#13;
Vor weniger als einem Jahrzehnt wurde der Platz, an&#13;
dem wir jetzt versammelt sind, als DDR-Gebiet von&#13;
&#13;
Dennoch ist der Südosten weiterhin der unruhigste&#13;
Nachbar Europas. Die derzeitige Krise im Kosovo&#13;
erinnert uns daran, wie unruhig er ist - und wie gefähr-&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�lieh - nicht nur für die dort Lebenden, sondern auch für&#13;
uns alle. Der Traum der paneuropäischen Integration&#13;
und des Friedens hatte bereits in Bosnien ein Sterbeerlebnis. Jetzt sieht er sich im Kosovo einer weiteren so tödlichen Bedrohung ausgesetzt.&#13;
&#13;
Europäer unabhängig von ihren gelegentlichen&#13;
Differenzen einer Meinung darüber sind, wie Regierungen und Bürger zusammenarbeiten sollten, um&#13;
bessere Gesellschaften und eine bessere Welt&#13;
aufzubauen.&#13;
&#13;
Außenminister Kinkel sagte gerade: "Auch heute ist&#13;
Geschichte nicht vorbei." Das gilt vor allem für den&#13;
Balkan. Und wir müssen alles in unserer Macht&#13;
Stehende tun um sicherzustellen, daß die Schlacht auf&#13;
dem Kosovofeld nicht die Zukunft ist.&#13;
&#13;
Und ganz offen und ehrlich gesagt, brauchen die&#13;
Vereinigten Staaten ein Europa, das nicht nur ungeteilt,&#13;
frei, wohlhabend, integriert ist und in Frieden lebt - wir&#13;
brauchen auch ein Europa, das unser Partner bei der&#13;
Bewältigung von Herausforderungen in allen Teilen&#13;
dieser zunehmend interdependenten Welt ist.&#13;
&#13;
Wie Außenminister Kinkel auch erklärt hat, ist Deutschland an der Suche nach einer Lösung der Krise&#13;
beteiligt. In der vergangenen Woche haben er und&#13;
Außenministerin Albright gemeinsam mit ihren Kollegen in der Kontaktgruppe beschlossen, Druck auf&#13;
Belgrad auszuüben, um die Brutalität zu beenden und&#13;
einen politischen Dialog mit den Kosovo-Albanern&#13;
aufzunehmen. In der kommenden Woche werden die&#13;
Außenminister der Kontaktgruppe und ihre Amtskollegen aus Südosteuropa hier in Deutschland&#13;
zusammenkommen - wir hoffen, um die notwendige&#13;
Kombination von Druck und Diplomatie fortzusetzen.&#13;
Diese Bemühungen müssen Erfolg haben. Ihr Scheitern würde einen Großteil des von uns Erreichten und&#13;
des von uns Beabsichtigten aufs Spiel setzen. Es&#13;
würde die alten und neuen Wunder gefährden, von&#13;
denen Präsident Herzog so eloquent gesprochen hat.&#13;
Während unser Blick nach Süden gerichtet ist, möchte&#13;
ich einige Worte über ein weiteres wichtiges Land in&#13;
dieser Region sagen, das bereits unser Verbündeter in&#13;
der NATO ist und jetzt die Mitgliedschaft in der Europäischen Union anstrebt. Ich beziehe mich natürlich&#13;
auf die Türkei. Ich möchte direkt darauf zu sprechen&#13;
kommen, warum die Vereinigten Staaten in ihrer&#13;
Kapazität als äußerst interessiertes Nichtmitglied der&#13;
EU hoffen, daß es einen Weg geben wird, das Prinzip&#13;
der offenen Tür auf die Türkei bei ihrem Streben nach&#13;
vollständiger Integration in europäische Institutionen&#13;
und Strukturen anzuwenden. Einfach ausgedrückt, ist&#13;
es folgendermaßen: Wir sind der Ansicht, daß die&#13;
Türkei - ebenso wie Rußland - eher die richtigen&#13;
Entscheidungen über ihre Zukunft trifft, wenn wir, die&#13;
eine Führungsrolle in dem innehaben, was traditionell&#13;
als der Westen bezeichnet wird, klarmachen, daß die&#13;
Zukunft dieser Länder unseres Erachtens bei uns liegt.&#13;
Und das bedeutet, unsere Institutionen derart zu&#13;
gestalten und aufzubauen, daß sie einen Platz für sie&#13;
bereithalten, wenn sie bereit sind.&#13;
Wir Amerikaner hoffen, daß das neue Europa sich&#13;
selbst als expansiv und so einbeziehend wie möglich&#13;
definiert - aus Gründen, die über das spezifische&#13;
Thema Türkei oder Rußland oder ein anderes einzelnes Land hinausgehen. Wir glauben, je aktiver und&#13;
kohärenter die Rolle ist, die Europa als Ganzes auf der&#13;
Weltbühne spielt, desto besser wird es für die Vereinigten Staaten sein. Warum? Weil Amerikaner und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Auch in dieser Hinsicht gebührt der Bundesrepublik&#13;
Deutschland Lob. Deutschland hat in den vergangenen Jahren Rekordleistungen dabei erbracht, global zu&#13;
denken und zu handeln. Selbst während Ihr Land&#13;
beträchtliches Gewicht auf den Prozeß der europäischen Integration gelegt hat, waren Sie zunehmend&#13;
erfindungsreich und großzügig beim Einsatz Ihrer&#13;
Ressourcen und Ihres Geschicks zur Bewältigung&#13;
einiger der dringendsten Anliegen in weit entfernten&#13;
Teilen der Welt.&#13;
Diese Bilanz internationaler guter Staatsbürgerschaft&#13;
untermauert das Argument, das die Vereinigten&#13;
Staaten für die ständige Mitgliedschaft Deutschlands&#13;
im UN-Sicherheitsrat vorbringen. Als Deutschland als&#13;
nichtständiges Mitglied von 1993-96 den Vorsitz im&#13;
Sicherheitsrat führte, half es dem Rat, schwierige&#13;
Probleme wie den Irak in Angriff zu nehmen. Das war&#13;
ein weiteres Beispiel dafür, wie Deutschland Europa&#13;
als Ganzes behilflich ist, internationale Pflichten über&#13;
seine Grenzen hinaus zu übernehmen.&#13;
Unserer Ansicht nach ist dieser Trend - obwohl in&#13;
mancher Hinsicht neu - auch eine Bekräftigung einer&#13;
nach außen gerichteten Vision, die im wesentlichen&#13;
europäisch ist. Die Renaissance erhielt ihren Namen&#13;
zum Teil, weil sie zu einer Zeit erfolgte, in der Europa&#13;
sich der Welt öffnete - und damit der Menschheit&#13;
insgesamt. Zu den Manifestationen dieses andauernden Impulses zählten der Drang zur Entdeckung und&#13;
Erforschung neuer Kontinente, die Zunahme des&#13;
Handels und technologische Erfindungen - vor allem&#13;
Johann Gutenbergs - die die Verbreitung von Wissen&#13;
und Ideen insbesondere derjenigen gestatteten, die&#13;
den Anstand und die Würde des Menschen hervorhoben.&#13;
Später, während der Aufklärung, identifizierte Europa&#13;
sich selbst nicht im Hinblick auf künstliche Grenzen ein Fluß hier, eine Bergkette dort, eine mit Stacheldraht&#13;
bewehrte Betonmauer andernorts - sondern im&#13;
Hinblick auf universelle Werte, von denen mehrere zur&#13;
Gestaltung dessen beitrugen, was jetzt die Vereinigten&#13;
Staaten sind. Einer der vielen Gründe, aus denen wir&#13;
Amerikaner uns mit Europa identifizieren, ist, daß wir&#13;
eine Schwäche für die Idee haben, daß ein Land oder&#13;
eine Union von Ländern mehr als nur ein Ort auf der&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Landkarte ist - es kann und sollte auch eine geistige&#13;
Verbindung mit universellen Prinzipien sein, durch die&#13;
Männer und Frauen ihr politisches Leben ordnen.&#13;
Diese europäische Gedankengang beeinflußte die&#13;
Staatsführung von Jean Monnet, Paul-Henri Spaak,&#13;
Aleide De Gasperi, Robert Schumann, Konrad Adenauer und Willy Brandt sowie die intellektuellen&#13;
Leistungen von Isaiah Berlin. Sie glaubten an die&#13;
Europaidee - eine Idee, von der sie glaubten, daß sie&#13;
Bedeutung über die Grenzen des Kontinents hinweg&#13;
habe. Sie teilten den Traum von Immanuel Kant - der&#13;
Deutsch sprach und in der Hansestadt Königsberg&#13;
lebte, in einer Region Europas, die übrigens heute ein&#13;
Teil Rußlands ist - und der die Lehre des Völkerrechts&#13;
verbreitete, die gleichgesinnte Republiken in einer Liga&#13;
"bürgerlicher Staaten" verbinden würde, die sich - wie&#13;
er es nannte - "ewigen Friedens" erfreuen würde.&#13;
Dieses Ideal ist immer noch genau das - ein Maßstab,&#13;
an dem eine äußerst unvollkommene Realität gemessen wird. Aber diese Realität entwickelt sich vielversprechend. Für Europäer und Amerikaner ist es heute&#13;
leichter als zu jeder anderen Zeit in der Geschichte,&#13;
sich die Verwirklichung dieses Ideals vorzustellen.&#13;
Zum ersten Mal haben wir den praktischen Anreiz, die&#13;
&#13;
geopolitischen Gegebenheiten, die wirtschaftlichen&#13;
Ressourcen, die institutionellen Strukturen, den&#13;
kollektiven Willen, die politische Phantasie und die&#13;
geistige Führung, um auf den Grundlagen der europäischen Zivilisation eine Gemeinschaft von Nationen&#13;
hervorzubringen, die sich nach Westen über den&#13;
Atlantik, nach Osten über den Ural und nach Süden&#13;
über den Bosporus hinaus erstreckt.&#13;
Abschließend möchte ich eine sprachlich Anleihe bei&#13;
einigen EU-Debatten machen und es folgendermaßen&#13;
formulieren: Wir, Ihre amerikanischen Freunde und&#13;
Verbündeten, hoffen, daß Sie, unsere europäischen&#13;
Freunde und Verbündeten, es sich zur Berufung&#13;
machen, die Europaidee sowohl zu vertiefen als auch&#13;
zu erweitern. Das ist das Europa, mit dem verbündet&#13;
zu sein die Vereinigten Staaten stolz sind; und das ist&#13;
die Richtung der Entwicklung Europas, die wir, auf&#13;
unserer Seite des Atlantiks weiterhin erhoffen und&#13;
ermutigen. Wir werden das nicht zuletzt deswegen&#13;
tun, damit wir Amerikaner sicher sein können, in den&#13;
Kreis Ihres aufgeklärten Eigeninteresses aufgenommen zu werden, ebenso wie Sie in unserem aufgenommen sind.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�IRAN&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Die Politik der Vereinigten Staaten&#13;
gegenüber dem Iran&#13;
Rede von Bruce O. Riedel&#13;
HOUSTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Sonderberater des Präsidenten und&#13;
Leitende Direktor für Nahost- und südasiatische Angelegenheiten im Nationalen Sicherheitsrat, Bruce O. Riedel,&#13;
am 2. April 1998 beim Symposium des Baker Institute über den Iran in Houston gehalten hat.&#13;
&#13;
Es ist mir ein großes Vergnügen, heute Nachmittag vor&#13;
diesem Publikum eine Rede über die Politik der&#13;
Vereinigten Staaten gegenüber dem Iran halten zu&#13;
dürfen. Und es ist ein besonderes Vergnügen, von Ed&#13;
Djerejian eingeladen worden zu sein - einem langjährigen Freund und Kollegen, der mich sehr viel nicht nur&#13;
über den Nahen Osten sondern auch über Diplomatie&#13;
und Regierungsarbeit gelehrt hat. Ed, ich erinnere&#13;
mich noch sehr gut an unsere Reise an den Golf und&#13;
unsere vielen Treffen, bei denen wir erörterten, wie die&#13;
amerikanischen Interessen in diesem wichtigen Teil&#13;
der Welt am besten gefördert werden können.&#13;
Die Golfregion wird von jedem amerikanischen&#13;
Präsidenten seit Franklin Delano Roosevelt als eine&#13;
Region von absolut lebenswichtiger strategischer&#13;
Bedeutung für die Vereinigten Staaten angesehen. Sie&#13;
ist nicht nur das Energielager der Welt - das Zuhause&#13;
von zwei Dritteln der vorhandenen Ölreserven des&#13;
Globus - sondern auch der Nexus, an dem drei&#13;
Kontinente zusammenkommen und die Heimat von&#13;
drei großen Religionen. Nirgendwo sonst auf der Welt&#13;
waren amerikanische Streitkräfte im letzten Vierteljahrhundert aktiver engagiert als hier. Von "Earnest Will"&#13;
über "Desert Shield" und "Desert Storm" bis zu&#13;
"Southern Watch", "Northern Watch" und "Desert&#13;
Strike" wurden hier in den vergangenen beiden&#13;
Jahrzehnten die vitalen Interessen der Vereinigten&#13;
Staaten am energischsten verteidigt.&#13;
Als Präsident Clinton 1992 gewählt wurde, erkannte&#13;
seine erste Administration unverzüglich die strategische Bedeutung der Region und erkannte auch, daß&#13;
es für die Stabilität und Sicherheit des Gebiets zwei&#13;
zentrale Bedrohungen gab - Irak und Iran. Wir erkannten ferner von Anfang an, daß diese Bedrohungen&#13;
nicht einzeln gemeistert werden konnten. Die Ver-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
einigten Staaten mußten vielmehr einsehen, daß die&#13;
Bewältigung der durch das eine Land entstandenen&#13;
Bedrohung nicht auf Kosten der Vernachlässigung der&#13;
anderen erfolgen konnte. Infolgedessen benötigten wir&#13;
eine Politik, die auf den Umgang mit der einzigartigen&#13;
Bedrohung ausgerichtet war, die beide Länder darstellten, dies jedoch in koordinierter Weise tat.&#13;
Das war und ist die zugrundeliegende Prämisse der&#13;
als "Doppelte Eindämmung" bekannten Politik. Diese&#13;
Politik versteht die durch diese beiden Länder verursachte einzigartige Bedrohung und versucht, sich mit&#13;
beiden zu befassen - nicht in identischer, aber in&#13;
kohärenter Weise. Bereits frühzeitig verwarfen wir die&#13;
Option zu versuchen, den einen gegen den anderen&#13;
auszuspielen. Diese Politik war früher angewandt&#13;
worden und hatte zu dem gefährlichen Ungleichgewicht der Kräfte in der Region geführt, das die irakische Invasion in Kuwait im August 1990 auslöste.&#13;
Jetzt sind fünf Jahre vergangen, und auf der Welt hat&#13;
sich viel verändert. Aber vieles ist gleich geblieben.&#13;
Wir sehen uns durch Saddam Husseins Irak immer&#13;
noch mit einer sehr ernsthaften Gefährdung der&#13;
Stabilität am Golf konfrontiert. Wir haben gerade eine&#13;
längere Konfrontation mit dem Irak bezüglich der Frage&#13;
beendet, ob den UNSCOM-Inspektoren uneingeschränkter und ungehinderter Zugang zu allen Anlagen im Irak gewährt wird. Diese Krise ist für den&#13;
Augenblick mit einem klaren Ergebnis beendet worden&#13;
- der Irak machte einen Rückzieher und gewährte der&#13;
UNSCOM den Zugang, den sie für ihre Arbeit braucht.&#13;
Die UNSCOM-Inspektoren, darunter auch Amerikaner,&#13;
haben in den vergangenen Wochen Einrichtungen&#13;
inspiziert, die sie vorher nicht betreten durften - wie&#13;
das irakische Gegenstück zum Pentagon. Das ist eine&#13;
beträchtliche Leistung für die durch die Androhung von&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Gewalt unterstützte amerikanische Diplomatie.&#13;
Während dieser Krise haben wir auch erfolgreich das&#13;
ÖI-für-Nahrungsmittel-Programm&#13;
der&#13;
Vereinten&#13;
Nationen maßgeblich erweitert - und dadurch mehr&#13;
Hilfe für das irakische Volk sichergestellt. Saddam&#13;
Husseins Fähigkeit, den humanitären Aspekt zur&#13;
Unterminierung der Sanktionen einzusetzen, wurde&#13;
verringert. Auch das ist ein Sieg für die internationale&#13;
Gemeinschaft.&#13;
Die Bilanz von Saddams Regierung legt jedoch nahe,&#13;
daß wir weiterhin wachsam sein und uns auf zusätzliche Herausforderungen durch das irakische Regime&#13;
vorbereiten müssen. Das wird eine substantielle&#13;
amerikanische Militärpräsenz am Golf erforderlich&#13;
machen, um die Flugverbotszone durchzusetzen und&#13;
unserer Diplomatie die notwendige Schlagkraft zu&#13;
verleihen.&#13;
Heute möchte ich unsere Aufmerksamkeit auf die&#13;
zweite Bedrohung in der Golfregion lenken, die&#13;
Präsident Clinton 1993 erbte - Iran. Was hat die&#13;
Eindämmung gegenüber dem Iran bewirkt?&#13;
Unsere wichtigste Leistung hier war, die internationale&#13;
Aufmerksamkeit auf die Aktionen und das Verhalten&#13;
des Iran zu richten. Die Unterstützug von Terrorismus&#13;
durch den Iran, seine Bestrebungen zur Beschaffung&#13;
von Massenvernichtungswaffen und seine Förderung&#13;
des gewalttätigen Widerstands gegen den NahostFriedensprozeß sind seit 1993 zu einem zunehmend&#13;
wichtigen Bestandteil der internationalen Debatte&#13;
geworden.&#13;
Interessant ist, daß praktisch jeder maßgebliche&#13;
Akteur in der Region mit unserer Einschätzung der&#13;
Gefahr übereinstimmt, die der Iran darstellt. Von&#13;
Algerien bis Zentralasien, von Jordanien bis Pakistan&#13;
haben sich regionale Politiker in den vergangenen&#13;
Jahren immer vehementer gegen die iranischen&#13;
Machenschaften ausgesprochen.&#13;
Auch in anderen Bereichen hatten wir einen gewissen&#13;
Erfolg. Japan setzte sein Hilfsprogramm für den Iran&#13;
mit der Begründung aus, daß das Land den Terrorismus unterstützt, was das iranische Regime über eine&#13;
Milliarde Dollar kostete. Im Frühjahr vergangenen&#13;
Jahres gab Europa ein Waffenembargo bekannt.&#13;
Rußland hat einer Einstellung seiner Waffengeschäfte&#13;
und Schritten zugestimmt, um den Technologietransfer&#13;
mit dem Iran zu kontrollieren. Die Ukraine, Polen und&#13;
andere Staaten haben sich unsere Sorgen über&#13;
gefährliche Waffen- und Technologietransfers aufmerksam angehört. China hat von der Zusammenarbeit mit dem Nuklearprogramm des Iran und dem&#13;
Verkauf destabilisierender konventioneller Waffen&#13;
Abstand genommen.&#13;
Zweitens haben unsere Anstrengungen, das ver-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
brecherische Verhalten des Iran publik zu machen und&#13;
die wirtschaftlichen Kosten solcher Aktionen zu&#13;
erhöhen, Teheran zu schwierigen Entscheidungen&#13;
darüber gezwungen, wo es seine Ressourcen einsetzen soll. In einem Land mit 30 Milliarden Auslandsschulden und einer Bevölkerung, die zur Hälfte jünger&#13;
als 21 ist, können wirtschaftliche Entscheidungen über&#13;
Waffenkäufe von Außenstehenden beeinflußt werden.&#13;
Wir haben darauf hingearbeitet, daß der Iran überdenkt, wie er sein Geld ausgibt. Unter dem starken&#13;
Druck der Beschaffung von harter ausländischer&#13;
Währung mußte der Iran in diesem Jahrzehnt seine&#13;
Käufe ausländischer Waffen kontinuierlich zurückschrauben. Devisenausgaben für Waffen sanken von&#13;
2,5 Milliarden Dollar im Jahr 1991 auf weniger als eine&#13;
Milliarde Dollar in vergangenen Jahr. Das bedeutet,&#13;
daß die militärische Bedrohung der regionalen Sicherheit und Stabilität durch den Iran sich verlangsamt&#13;
hat und schwächer wurde. Es besteht immer noch&#13;
eine Gefahr, aber sie ist nicht das, was sich der Iran&#13;
erhofft hatte, als er versuchte, am Ende des iranischirakischen Krieges seine Streitkräfte wieder aufzubauen.&#13;
Jetzt beginnen wir einige Anzeichen von Veränderungen im politischen Prozeß des Iran zu beobachten.&#13;
Die Wahl von Präsident Khatami im Frühjahr letzten&#13;
Jahres markierte offensichtlich einen Meilenstein in der&#13;
Geschichte der Islamischen Republik. Das iranische&#13;
Volk stimmte in beeindruckender Zahl für eine Änderung von Irans Kurs. Wir wissen die Bedeutung dieser&#13;
Entwicklung zu schätzen. Präsident Clinton begrüßte&#13;
die Wahl Khatamis und erklärte nur wenige Tage nach&#13;
der Auszählung der Stimmen, er hoffe, jetzt würde ein&#13;
Prozeß des Wandels beginnen, der die Entfremdung&#13;
der beiden Länder beenden könnte, die vor nahezu&#13;
zwanzig Jahren begonnen hat.&#13;
Seit Präsident Khatamis Amtseinführung haben wir&#13;
seine Worte und Taten aufmerksam verfolgt. Wir&#13;
haben sein beispielloses CNN-Interview aufmerksam&#13;
beobachtet und seine zahlreichen positiven Äußerungen zur Kenntnis genommen. Wir haben sein Verhalten und seinen generell moderaten Ton beim islamischen Gipfel in Teheran im Dezember letzten Jahres&#13;
beobachtet. Und wir haben mit Interesse seine&#13;
Bemühungen zur Stärkung der Rechtsstaatlichkeit im&#13;
Iran zur Kenntnis genommen. Wir hoffen, daß dies&#13;
zum Schutz aller Iraner führen wird, einschließlich&#13;
religiöser Minderheiten wie den Bahai. Wir hoffen, es&#13;
wird auch zu einem Ende der Bestrebungen führen,&#13;
Salman Rushdies Ermordung zu propagieren.&#13;
Vor allem begrüßen wir Präsident Khatamis Entscheidung, die persönlichen Kontakte zwischen&#13;
unseren beiden Ländern zu verbessern. Letzten&#13;
Monat traf Präsident Clinton mit dem amerikanischen&#13;
Ringerteam zusammen, das in Teheran so herzlich&#13;
empfangen worden war. Wir werden die iranischen&#13;
Ringkämpfer bald in Oklahoma willkommen heißen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�Und wir unterstützen die Bestrebungen von Denkfabriken auf beiden Seiten, die Kontakte zwischen&#13;
Experten über ein breites Spektrum von Fachgebieten&#13;
hinweg zu verbessern. Der Präsident sagte in seiner&#13;
Id al-Fitr-Botschaft an die Muslime auf der ganzen&#13;
Welt: "Der Iran ist ein wichtiges Land mit einem reichen&#13;
und jahrtausendealten kulturellen Erbe, auf das die&#13;
Iraner zu Recht stolz sind. Mit einigen iranischen&#13;
Maßnahmen haben wir echte Schwierigkeiten, aber sie&#13;
sind nicht unüberwindbar. Ich hoffe, daß wir einen&#13;
intensiveren Austausch zwischen unseren Völkern&#13;
haben werden und bald der Tag kommt, an dem wir&#13;
wieder gute Beziehungen zum Iran unterhalten."&#13;
Wir sind bereit, noch weiter zu gehen. Der persönliche&#13;
Dialog ist nützlich, aber die Probleme, die Iran und die&#13;
Vereinigten Staaten entzweit haben, müssen letztlich&#13;
von den Regierungen der beiden Länder angesprochen werden. Die Vereinigten Staaten sind seit der&#13;
Bush-Administration offen für einen Dialog auf Regierungsebene. Wir sind nach wie vor interessiert daran,&#13;
uns mit der iranischen Führung an einen Tisch zu&#13;
setzen, um alle beide Staaten betreffenden Anliegen&#13;
zu erörtern. Wir stellen keine Vorbedingungen. Wir&#13;
bestehen nur darauf, daß der Dialog verbindlich ist das heißt, auf Regierungsebene stattfindet.&#13;
Und bedauerlicherweise gibt es ernsthafte Probleme&#13;
mit Irans Verhalten, das noch angesprochen und&#13;
geändert werden muß. Ich möchte kurz darauf&#13;
eingehen.&#13;
Erstens die Bestrebungen des Iran zur Entwicklung&#13;
von Massenvernichtungswaffen und ballistischen&#13;
Raketen größerer Reichweite. Obwohl der Iran den&#13;
Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen und&#13;
die Chemiewaffenkonvention unterzeichnet hat, sind&#13;
unsere Informationen glasklar: Der Iran versucht, ein&#13;
Arsenal von nuklearen, chemischen und biologischen&#13;
Waffen sowie deren Trägersysteme zu entwickeln.&#13;
Wie CIA-Direktor Tenet dem Kongreß berichtet hat,&#13;
sind dies aggressive Bestrebungen, in die der Iran&#13;
beträchtliche Ressourcen investiert hat.&#13;
Wie ich bereits ausführte, können wir auf der ganzen&#13;
Welt ebenso aggressive Bestrebungen beobachten,&#13;
den Verkauf von Technologie und Gerät für diese&#13;
Programme an den Irak zu verhindern. Unsere&#13;
diesbezügliche Bilanz ist nicht schlecht, aber nicht&#13;
ganz erfolgreich. Wir werden weiterhin unser Bestes&#13;
tun. Der Präsident spricht diese Themen häufig selbst&#13;
auf höchster Ebene an, um einen solchen Transfer zu&#13;
entmutigen.&#13;
Zweitens gibt es immer noch die gefährlichen Beziehungen des Iran zu Terrororganisationen auf der&#13;
ganzen Welt und insbesondere in der muslimischen&#13;
Welt. Trotz der Aussage, daß der Iran den Terrorismus ablehnt, beobachten wir weiterhin vielfältige&#13;
Beziehungen zwischen dem Iran und zahlreichen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Organisationen, die Terroranschläge verüben, darunter der Islamische Heilige Krieg, die Hisbollah und&#13;
die Hamas. Der Iran versorgt diese Gruppen nach wie&#13;
vor mit Waffen, Geld, Ausbildung und Zuflucht. In&#13;
Algerien, Ägypten, Libanon und vielen anderen&#13;
Staaten bietet der Iran Gruppen Hilfe und Unterstützung, die brutale Gewaltakte gegen Zivilisten verüben.&#13;
Aus diesem Grund sind viele der Nachbarn des Iran&#13;
trotz der von Präsident Khatami eingeführten Veränderungen immer noch so mißtrauisch gegenüber&#13;
den iranischen Absichten.&#13;
Drittens sind wir weiterhin besonders besorgt über die&#13;
Unterstützung des gewalttätigen Widerstands gegen&#13;
den Nahost-Friedensprozeß durch den Iran. Wir&#13;
haben Irans etwas gemäßigtere, von vorherigen&#13;
Aussagen abweichende Politik gegenüber der Palästinensischen Autonomiebehörde und den etwas flexibleren Ansatz zur Kenntnis genommen, den das Land&#13;
bezüglich des islamischen Gipfels einnahm. Aber wir&#13;
sind nach wie vor zutiefst besorgt über seine andauernden Verbindungen und die Unterstützung der&#13;
leidenschaftlichsten Feinde des Prozesses. Seinen&#13;
Worte müssen jetzt Taten folgen.&#13;
In einem künftigen Dialog mit dem Iran möchten wir&#13;
daher diese Themen erörtern. Und wir werden&#13;
weiterhin andere Länder davon abzuhalten versuchen,&#13;
den Iran als normalen Partner zu behandeln, bis wir&#13;
Veränderungen im Verhalten des Iran beobachten. In&#13;
diesem Zusammenhang werden wir die vom Kongreß&#13;
erlassenen Gesetze durchführen, die auf die Ermutigung anderer Staaten ausgerichtet sind, den Technologietransfer in den Iran zu kontrollieren und bei ihrem&#13;
Handel mit dem Iran große Sorgfalt und Disziplin&#13;
walten zu lassen.&#13;
Die Vereinigten Staaten und der Iran haben viele&#13;
gemeinsame Interessen und Belange. Wir haben ein&#13;
gegenseitiges Interesse daran, daß der Golf offen für&#13;
den ungehinderten Fluß der Energiereserven des Iran&#13;
ist. Wir haben ein gemeinsames Interesse an Stabilität&#13;
in der Region, so daß die dort lebenden Menschen ihre&#13;
Aufmerksamkeit auf die menschliche Entwicklung,&#13;
nicht die Entwicklung von Waffen konzentrieren&#13;
können. Wir haben ein gemeinsames Interesse daran,&#13;
daß Saddam Husseins Regime im Irak von den UNInspektoren eingedämmt und entwaffnet wird. Wir&#13;
haben ein gemeinsames Interesse daran, daß Afghanistan in Frieden mit sich selbst und seinen Nachbarn&#13;
lebt.&#13;
Die Vereinigten Staaten sind bereit, mit dem Iran über&#13;
alle diese und andere Themen Gespräche zu führen,&#13;
wann immer Teheran bereit ist. Wir sind geduldig und&#13;
bereit zu warten. In der Zwischenzeit werden wir&#13;
weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um den&#13;
Iran in den Bereichen in Schach zu halten, die unsere&#13;
Interessen und die Interessen unserer Verbündeten&#13;
und Freunde bedrohen.&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�ELEKTRONISCHER&#13;
&#13;
HANDEL&#13;
8. April 1998&#13;
&#13;
Der Internet-Markt: Seine Freiheiten und&#13;
Versprechungen aus amerikanischer Sicht&#13;
Rede von Generalkonsul Hugh G. Hamilton&#13;
&#13;
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die Generalkonsul Hugh G. Hamilton bei der&#13;
Konferenz über eCommerce und eBusiness: Geschäfte der neuen Generation am 30. März 1998 in Frankfurt&#13;
gehalten hat.&#13;
&#13;
Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, die Diskussionen&#13;
bei dieser wichtigen Konferenz einleiten zu dürfen. In&#13;
den nächsten beiden Tagen werden Sie einige der&#13;
aufregendsten und aktuellsten Bereiche ansprechen,&#13;
die die Wirtschaft, Gesellschaft und unsere Arbeitsweise betreffen. In der Tat werden die Fortschritte auf&#13;
der Datenautobahn nahezu jeden Aspekt unseres&#13;
täglichen Lebens beeinflussen - nicht nur bei der&#13;
Arbeit, sondern auch bei der Ausbildung unserer&#13;
Kinder, der Gesundheitsfürsorge und unseren Freizeitaktivitäten. Darüber hinaus werden wir diese Erfahrungen nicht als einzelne Völker oder einzelne Länder&#13;
machen, sondern als Teil einer globalen Gemeinschaft, die nicht länger durch Raum und Zeit getrennt&#13;
ist.&#13;
Die Clinton-Administration hat die Implikationen dieser&#13;
Revolution frühzeitig erkannt und arbeitet seit 1992 auf&#13;
die Gewährleistung hin, daß die Vereinigten Staaten&#13;
ihren Vorsprung auf der Informations-Infrastrukturkurve behalten. Im Jahr 1993 veröffentlichte die Administration einen Bericht mit dem Titel Agenda für&#13;
Aktion. Der Bericht beschrieb, was getan werden muß,&#13;
um eine nationale Informationsinfrastruktur Realität&#13;
werden zu lassen und alle Vorteile zu sondieren, die&#13;
sie bieten könnte. Zwei Jahre später gab die Administration einen zweiten Bericht heraus, die Agenda&#13;
für Zusammenarbeit, die sich auf die Entwicklung einer&#13;
globalen Informationsinfrastruktur konzentrierte.&#13;
Angesichts der tiefgreifenden Auswirkungen, die die&#13;
Internettechnologie bereits auf den Handel hat und&#13;
weiterhin haben wird, forderte der Präsident im vergangenen Jahr nahezu 20 Bundesbehörden zur gemeinsamen Erarbeitung des Weißbuchs mit dem Titel Ein&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Rahmen für globalen elektronischen Handel, allgemein&#13;
bekannt als "Der Rahmen", auf.&#13;
Es ist das Ergebnis von anderthalbjährigen Analysen&#13;
und Beratungen mit Wissenschaftlern, Unternehmensvertretern, Verbrauchergruppen und Mitgliedern der&#13;
Internet-Gemeinschaft. "Der Rahmen" legt eine Reihe&#13;
von Prinzipien als Leitfaden für die politische Entwicklung fest. Darüber hinaus legt er die Positionen der&#13;
Administration zu Schlüsselthemen im Zusammenhang mit elektronischem Handel dar. Und schließlich,&#13;
und das ist für dieses Publikum von größtem Interesse,&#13;
bestimmt er, welche amerikanischen Regierungsbehörden die Führung bei der Umsetzung der in dem&#13;
Bericht enthaltenen Ideen übernehmen.&#13;
Ich muß niemandem in diesem Raum sagen, warum&#13;
die US-Regierung dem Thema elektronischer Handel&#13;
so viel Zeit und Anstrengung widmet: Sie sind sich&#13;
seines Potentials bewußt, bis zur Jahrhundertwende&#13;
den Anstoß für Investitionen in den Handel in Milliardenhöhe zu geben und das Wirtschaftswachstum bis&#13;
weit ins 21. Jahrhundert anzukurbeln. Sie sind sich&#13;
auch des Einflusses des Internet auf die Gesellschaften bewußt - er bietet das Potential, zur Demokratisierung von Gesellschaften beizutragen, die noch&#13;
nicht ganz so weit sind.&#13;
Um dieses Potential zu verwirklichen, müssen die&#13;
Regierungen einen marktorientierten Ansatz zu&#13;
elektronischem Handel verfolgen. Dieser Ansatz muß&#13;
das Entstehen eines globalen, transparenten und&#13;
vorhersehbaren Umfelds erleichtern, das Unternehmen und Handel unterstützt. Darüber möchte ich&#13;
heute Morgen sprechen. Ich möchte mit fünf Prinzipien&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�beginnen, von denen die amerikanische Regierungspolitik geleitet ist.&#13;
Erstens müssen die Regierungen die einzigartige Art&#13;
von vernetzter Kommunikation respektieren. Sie&#13;
müssen sich bewußt machen, daß weitverbreiteter&#13;
Wettbewerb und zunehmende Auswahlmöglichkeiten&#13;
der Verbraucher - nicht strenge Regulierung - die&#13;
definierenden Kriterien des neuen digitalen Marktes&#13;
sein können und sollen. Die Regierungen können&#13;
einschneidende Auswirkungen auf das Wachstum von&#13;
elektronischem Handel haben. Es ist jedoch von&#13;
entscheidender Bedeutung, daß sie wissen, wann sie&#13;
handeln müssen - und wann nicht. Vizepräsident Gore&#13;
bezeichnete diese Prinzipien als den Hippokratischen&#13;
Eid für das Internet. Er erinnerte die Regierung an das&#13;
oberste Gebot, "keinen Schaden anzurichten".&#13;
Zweitens wird die Führungsrolle des Privatsektors die&#13;
Ausweitung des Internet in den kommenden Jahren&#13;
antreiben. Die Führungsrolle des Privatsektors war für&#13;
die explosionsartige Erweiterung des Internet in den&#13;
vergangenen Jahren verantwortlich. Es ist allgemein&#13;
bekannt, daß das Internet das Geistesprodukt eines&#13;
Projekts der amerikanischen Rüstungsbehörde&#13;
DARPA war, das Ende der sechziger Jahre ins Leben&#13;
gerufen wurde. Tatsache ist jedoch, daß diese äußerst&#13;
innovative Technologie nur durch die Zunahme von&#13;
Personalcomputern und das Interesse von Einzelpersonen, Informationen on line anzubieten, bald in&#13;
jedem Haushalt anzutreffen war. Als die Unternehmen&#13;
begannen, das Internet für kommerzielle Zwecke zu&#13;
nutzen, lösten sie eine weitere große Welle der&#13;
Ausweitung des Internet aus. Anhand dessen, wie sich&#13;
das Internet bisher entwickelt hat, ist es klar, daß die&#13;
beste Rolle der Regierung darin besteht, sich wann&#13;
immer möglich herauszuhalten.&#13;
Drittens sollten die Regierungen die Selbstregulierung&#13;
der Industrie ermutigen und wenn möglich Organisationen des Privatsektors unterstützen, während sie&#13;
Mechanismen zur Kontrolle des Netzes entwickeln.&#13;
Innovation, erweiterte Dienstleitungen, umfassendere&#13;
Beteiligung und niedrigere Preise werden eine natürliche Folge eines dynamischen Umfelds sein. Aber&#13;
dieses Umfeld kann nicht dynamisch sein, wenn es&#13;
überreguliert ist.&#13;
Viertens sollte die Abwicklung von Geschäften über&#13;
das Internet mit minimaler staatlicher Beteiligung oder&#13;
Intervention möglich sein. Modelle für die Geschäftstätigkeit werden sich in den nächsten Jahren rasch&#13;
entwickeln, und wir sollten von der Einführung neuer&#13;
und unnötiger Regulierungen, bürokratischer Verfahren oder Steuern und Zöllen absehen.&#13;
In Fällen, in denen staatliche Beteiligung notwendig ist,&#13;
sollten wir auf die Durchsetzung eines vorhersehbaren,&#13;
minimalistischen, kohärenten und einfachen rechtlichen Umfelds für den Handel hinarbeiten. Wir sollten&#13;
einen ermächtigenden Ansatz statt eines Ansatzes&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
fördern, der sich auf Regulierung von oben nach unten&#13;
stützt, und unsere Ziele sollten Sicherstellung des&#13;
Wettbewerbs, Schutz des geistigen Eigentums und der&#13;
Privatsphäre, Verhinderung von Betrug, Förderung von&#13;
Transparenz, Unterstützung von kommerziellen&#13;
Transaktionen und Erleichterung der Schlichtung von&#13;
Streitigkeiten sein. In einigen Fällen sollten bestehende Gesetze und Vorschriften, die elektronischen&#13;
Handel behindern könnten, überprüft und überarbeitet&#13;
oder abgeschafft werden, um den Erfordernissen des&#13;
neuen elektronischen Zeitalters gerecht zu werden.&#13;
Fünftens und letztens sollten wir das Wachstum des&#13;
globalen elektronischen Handels ermutigen. Um das&#13;
volle Potential des Internet auszuschöpfen, müssen&#13;
Käufer und Verkäufer sich dabei wohl fühlen, Geschäfte über das Internet zu tätigen. Es muß von&#13;
konsequenten Prinzipien über staatliche, nationale und&#13;
internationale Grenzen hinweg beherrscht sein.&#13;
Transaktionen müssen zu vorhersehbaren Ergebnissen führen, unabhängig von der Rechtsprechung,&#13;
der ein bestimmter Käufer oder Verkäufer untersteht.&#13;
Auf der Grundlage dieser fünf Prinzipien prüfte die&#13;
behördenübergreifende Arbeitsgruppe, die den&#13;
"Rahmen" entworfen hatte, neun Bereiche, für die&#13;
globale Abkommen erforderlich sind, um das Internet&#13;
als Medium zu erhalten, in dem Wettbewerb und&#13;
Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher den Markt&#13;
gestalten.&#13;
1. Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung,&#13;
daß die derzeitige Praxis fortgesetzt werden sollte,&#13;
elektronische Übertragungen nicht als Importe zu&#13;
behandeln, für die Zölle erhoben werden. (Natürlich&#13;
schlagen wir nicht die Abschaffung von Zöllen auf&#13;
Waren vor, die über das Internet bestellt, aber auf&#13;
herkömmliche Weise geliefert wurden, wie Autos&#13;
beispielsweise.) Alle unsere Regierungen kürzen die&#13;
Haushalte, also besteht die Versuchung, sich nach&#13;
Einnahmen umzusehen. Aus diesem Grund ist es&#13;
wichtig, dieses Prinzip der zollfreien Übertragungen&#13;
schnell einzuführen, bevor sich ein Interesse am&#13;
Schutz dieser Zölle herauskristallisiert.&#13;
Steuern, die elektronischen Handel benachteiligen, wie&#13;
die sogenannte Bit-Steuer, sind eine weitere Versuchung, der widerstanden werden sollte. Die internationale Besteuerung für das Informationszeitalter sollte&#13;
den Handel weder verzerren noch behindern und auch&#13;
keine Anreize schaffen, die die Art oder den Ort der&#13;
Transaktionen verändern.&#13;
Wir freuen uns, daß das Positionspapier der Bundesregierung zu elektronischem Handel sicherzustellen&#13;
versucht, daß die über globale Informationsnetze&#13;
gelieferten Dienstleistungen weltweit von Zöllen und&#13;
Abgaben ausgenommen sind und dies auch in Zukunft&#13;
bleiben.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�2. Auf aufladbare Karten, Smart Cards oder andere&#13;
Technologien gestütztes elektronisches Geld befindet&#13;
sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium.&#13;
Angesichts dieser Zeit rapiden Wandels denken wir,&#13;
daß es schwierig sein wird, eine rechtzeitige oder&#13;
geeignete Politik zu elektronischen Zahlungssystemen&#13;
zu entwickeln. Statt unflexible Vorschriften zu erlassen, vertreten die Vereinigten Staaten die Auffassung,&#13;
daß eine Überwachung der Experimente mit elektronischen Zahlungssystemen von Fall zu Fall kurzfristig&#13;
angemessen ist.&#13;
3. Obwohl die Vereinigten Staaten, wie ich bereits&#13;
erwähnte, der Ansicht sind, daß sich die Parteien&#13;
generell frei fühlen sollten, Geschäfte untereinander&#13;
über das Internet zu tätigen, wie es ihnen angemessen&#13;
erscheint, sind wir uns bewußt, daß Privatunternehmen&#13;
und freie Märkte für gewöhnlich dort florieren, wo es&#13;
ein vorhersehbares und weithin akzeptiertes rechtliches Umfeld zur Unterstützung von kommerziellen&#13;
Transaktionen gibt. Aus diesem Grund unterstützen&#13;
wir die jetzt eingeleiteten Bestrebungen des Privatsektors, einen einheitlichen kommerziellen Kodex&#13;
für den Cyberspace zu erarbeiten. Mit anderen&#13;
Worten, eine Reihe von Regeln und Normen, die&#13;
mehreres tun: Elektronisch geschlossene Verträge für&#13;
rechtsgültig zu erklären und anzuerkennen, die&#13;
Charakteristiken rechtsgültiger elektronischer Schriftstücke und Originaldokumente zu definieren und&#13;
elektronische Unterschriften für rechtliche und kommerzielle Zwecke anzuerkennen. In den Vereinigten&#13;
Staaten wurden mehrere Projekte in die Wege geleitet,&#13;
um unseren einheitlichen kommerziellen Kodex an den&#13;
Cyberspace anzupassen, und wir unterstützen ähnliche Bestrebungen zur Erarbeitung von Modellen für&#13;
die internationale Anwendung.&#13;
4. Elektronischer Handel beinhaltet oft den Verkauf von&#13;
geistigem Eigentum und die entsprechende Lizenzerteilung. Wenn der Handel im Internet anwachsen soll,&#13;
müssen die Verkäufer wissen, daß ihr geistiges&#13;
Eigentum nicht gestohlen wird, und die Käufer müssen&#13;
sicher gehen können, daß sie authentische Produkte&#13;
bekommen. Aus diesem Grund halten wir internationale Abkommen über den klaren und wirksamen&#13;
Schutz von Urheber- und Patentrechten sowie Warenzeichen für erforderlich.&#13;
Im Zusammenhang mit den Urheberrechten brachte&#13;
die Weltorganisation für geistiges Eigentum (World&#13;
Intellectual Property Organization - WIPO) im Dezember vergangenen Jahres die Berner Konvention auf&#13;
den neuesten Stand und bot neuen Schutz für ausübende Künstler und Hersteller von Tonträgern. Die&#13;
beiden neuen Verträge sollen die kommerzielle&#13;
Nutzung digitaler Online-Kommunikation beträchtlich&#13;
erleichtern. Beide Verträge beinhalten Bestimmungen&#13;
im Zusammenhang mit technischen Schutzvorrichtungen, Informationen über den Umgang mit Urheberrechten sowie das neue Recht der öffentlichen Wiedergabe. Beide Verträge gestatten den Ländern auch die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
Verlängerung bestimmter Ausnahmebestimmungen&#13;
bis ins digitale Zeitalter hinein, beispielsweise unsere&#13;
Doktrin über "faire Nutzung", die nicht mit der normalen&#13;
Nutzung der Arbeit in Konflikt stehen und die legitimen&#13;
Interessen des Autors nicht ungebührlich beeinträchtigen. Die Administration hat dem Kongreß&#13;
Gesetze zur Umsetzung dieser beiden neuen Verträge&#13;
vorgelegt.&#13;
Viele von Ihnen wissen, daß sich die Anbieter von&#13;
Internet-Diensten große Sorgen über die Haftung für&#13;
die Verletzung von Urheberrechten ihrer Kunden durch&#13;
Dritte machen. Der Kongreß prüft auch verschiedene&#13;
Vorschläge über eine gerechte und ausgewogene&#13;
Lösung der Frage einer Haftung für die Verletzung von&#13;
Urheberrechten in den Fällen, in denen der Anbieter&#13;
sich einer solchen Verletzung nicht bewußt war.&#13;
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Diskussionen&#13;
über die Vor- und Nachteile von Patentschutz für&#13;
Software geführt. Auf internationaler Ebene haben wir&#13;
die Empfehlung abgegeben, daß die Patentämter in&#13;
den Vereinigten Staaten, Japan und Europa einen&#13;
Sonderausschuß zur Ausarbeitung von Empfehlungen&#13;
zu Patentfragen im Zusammenhang mit der globalen&#13;
Informationsinfrastruktur einrichten. In den Vereinigten&#13;
Staaten arbeitet das PTO mit dem Privatsektor an der&#13;
Verbesserung des technischen Fachwissens von&#13;
Patentprüfern für Technologien im Zusammenhang mit&#13;
der globalen Informationsinfrastruktur sowie zur&#13;
Förderung von Gesetzesvorschlägen über die frühzeitige Veröffentlichung von Patentanwendungen.&#13;
Auf dem Gebiet der Warenzeichen wissen die meisten&#13;
von Ihnen sicherlich von den Rechtsstreitigkeiten im&#13;
Zusammenhang mit dem Versuch, im Internet bestimmte Domain-Namen zu registrieren, die eingetragenen oder im Common Law verankerten Warenzeichen ähneln oder sich damit decken. Normalerweise&#13;
werden im Internet Domain-Namen in chronologischer&#13;
Reihenfolge des Antragseingangs vergeben, ohne auf&#13;
mögliche Konflikte über Warenzeichen Rücksicht zu&#13;
nehmen. Da die Nutzung von Domain-Namen jedoch&#13;
zunimmt, haben die Gerichte erkannt, daß der Mißbrauch von Mechanismen zur Identifizierung der&#13;
Quelle geistigen Eigentums wertvolle Warenzeichenrechte beträchtlich verletzen und schwächen könnte.&#13;
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten kann ein selbstregulierendes Regime auf Vertragsbasis für die&#13;
Bewältigung potentieller Konflikte über Domain-Namen&#13;
oder Warenzeichen geschaffen werden. Darüber&#13;
hinaus beteiligen wir uns an internationalen Diskussionen über verschiedene Systeme zur Schlichtung&#13;
von Streitigkeiten.&#13;
5. Der Handel mit Hilfe der globalen Informationsinfrastruktur wird nur florieren, wenn das Recht des&#13;
Einzelnen auf die Achtung der Privatsphäre gegen die&#13;
grundlegenden Prinzipien des Datenschutzes abgewogen wird, die Amerikaner und andere weltweit für&#13;
wichtig erachten. Im Juli vergangenen Jahres befür-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�wortete Präsident Clinton verschiedene Grundsätze&#13;
über den Schutz der Privatsphäre, die auf den grundlegenden Prinzipien von Problembewußtsein und&#13;
Wahlfreiheit basieren:&#13;
Datensammler sollten den Verbrauchern&#13;
mitteilen, welche Informationen sie sammeln&#13;
und wozu diese verwendet werden sollen.&#13;
Datensammler sollten den Verbrauchern eine&#13;
sinnvolle Möglichkeit zur Beschränkung der&#13;
Nutzung und Wiederverwendung ihrer persönlichen Daten geben.&#13;
Präsident Clinton hat den Privatsektor zur Durchsetzung fairer Informationspraktiken aufgerufen, indem&#13;
effektive Verhaltensregeln angenommen und Technologien entwickelt und eingesetzt werden, die den&#13;
Verbrauchern mehr Befugnisse geben, damit das&#13;
Bewußtsein geschärft und Auswahlprinzipien angeboten werden. Wir werden durch die Reaktion des&#13;
Privatsektors auf diese Herausforderung ermutigt.&#13;
6. Die Administration ist sich bewußt, daß die globale&#13;
Informationsinfrastruktur sicher und verläßlich sein&#13;
muß. Käufer und Verkäufer werden sich im Geschäftsverkehr erst dann auf das Internet verlassen, wenn sie&#13;
die Echtheit ihrer elektronischen Kommunikation&#13;
bescheinigen und ihre Vertraulichkeit gewährleisten&#13;
können. Es gibt keine einzelne Technologie zur&#13;
Erlangung dieses Ziels. Vielmehr benötigen wir eine&#13;
Vielzahl von Technologien, einschließlich Kryptographie, Authentifizierung, Kennwortkontrollen und&#13;
Firewalls. Diese müssen durch eine vertrauenswürdige&#13;
Infrastruktur für Verschlüsselung und Sicherheitsmanagement gestärkt werden.&#13;
Wir sind uns aber auch bewußt, daß starke Kryptographie ein zweischneidiges Schwert ist. Einerseits gehen&#13;
anerkannte Unternehmen das Risiko ein, wertvolle&#13;
Daten für immer zu verlieren, wenn sie ihre zur&#13;
Entschlüsselung erforderlichen Informationen verlieren. Andererseits können Kriminelle die Kryptotechnik&#13;
zur Behinderung der Arbeit von Strafverfolgungsbehörden einsetzen. Aus diesem Grund befürwortet&#13;
die Clinton-Administration Kryptographie auf der&#13;
Grundlage der Schlüssel-Hinterlassung. Wir arbeiten&#13;
auf internationaler Ebene an der Förderung der&#13;
Entwicklung einer marktorientierten Infrastruktur für&#13;
das Verschlüsselungsmanagement, das die SchlüsselHinterlassung unterstützt. Zwischenzeitlich haben wir&#13;
aber auch unsere Exportkontrollen für Produkte starker&#13;
kommerzieller Kryptographie liberalisiert.&#13;
7. Der globale elektronische Handel hängt von einem&#13;
modernen, nahtlosen, globalen Telekommunikationsnetz und den daran angeschlossenen Informationsvorrichtungen ab. Bedauerlicherweise behindert in allzu&#13;
vielen Ländern die Telekommunikationspolitik die&#13;
Entwicklung moderner digitaler Netze. Verbindungen&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
sind zu teuer, die Bandbreite ist zu eng, und die&#13;
Dienste sind nicht verfügbar oder unzuverlässig.&#13;
Die Vereinigten Staaten arbeiten auf nationaler Ebene&#13;
bereits an der "nächsten Generation" des Internet und&#13;
auf internationaler Ebene an der Verstärkung von&#13;
Wettbewerb und Marktzugang auf dem Telekommunikationssektor. Die Lektion, die die Vereinigten Staaten&#13;
durch die Abschaffung ihres Telekommunikationsmonopols vor anderthalb Jahrzehnten gelernt haben,&#13;
sollte ständig wiederholt werden: Die Einnahmen&#13;
können sogar dann wachsen, wenn Marktanteile&#13;
verloren gehen. AT&amp;T hat beispielsweise jetzt höhere&#13;
Einnahmen und dabei weniger als die Hälfte des&#13;
Marktes für Ferngespräche als zu dem Zeitpunkt, an&#13;
dem es das Monopol hatte. Mit anderen Worten: Von&#13;
der Liberalisierung haben Verbraucher und Unternehmen Vorteile - sowohl Großunternehmen als auch&#13;
Kleinbetriebe.&#13;
8. Viele machen sich Sorgen über unangemessene&#13;
oder gefährliche Inhalte im Internet. Die einzigartigen&#13;
Merkmale des Internet überzeugen uns jedoch, daß es&#13;
am besten ist, den größtmöglichen Fluß von Informationen über internationale Grenzen hinweg zu fördern.&#13;
Im Gegensatz zu den traditionellen Medien kann jeder&#13;
etwas im Internet veröffentlichen. Gleichzeitig bietet&#13;
das Internet mehr Möglichkeiten für die Nutzer, sich&#13;
und ihre Kinder vor offensiven oder ungeeigneten&#13;
Informationen zu schützen.&#13;
Im Juli wies Präsident Clinton das Wirtschaftsministerium an, gemeinsam mit dem Privatsektor an der&#13;
Förderung von Selbstregulierung und der Entwicklung&#13;
leicht bedienbarar Filtertechnologien zu arbeiten, um&#13;
den Nutzern bei der Prüfung der Eignung von OnlineInformationen zu helfen. Wir arbeiten mit unseren&#13;
Handelspartnern an der Vermeidung unnötiger und&#13;
ineffektiver Bestrebungen zur Kontrolle der Inhalte im&#13;
Internet.&#13;
9. Schließlich ist sich die Clinton-Administration&#13;
bewußt, daß technische Standards für den langfristigen&#13;
wirtschaftlichen Erfolg des Internet wichtig sind, weil sie&#13;
das Zusammenspiel von Produkten und Dienstleistungen unterschiedlicher Verkäufer gestatten,&#13;
Wettbewerb ermutigen und die Unsicherheit auf dem&#13;
globalen Markt verringern.&#13;
Gleichzeitig sind Sie sich zweifelsohne bewußt, daß&#13;
verfrühte Standardisierung veraltete Technologien&#13;
"einsperren" kann. Ebenso können Standards benutzt&#13;
werden, um nichtheimische Unternehmen von einem&#13;
bestimmten nationalen Markt "auszusperren". Die&#13;
Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß der Markt,&#13;
nicht die Regierungen die technischen Standards und&#13;
andere Mechanismen für die Interoperabilität festlegen&#13;
sollten. Darüber hinaus vertreten wir die Ansicht, daß&#13;
es nicht einen einzigen Standard für jedes Produkt&#13;
oder jede Dienstleistung im Zusammenhang mit der&#13;
globalen Informationsinfrastruktur geben muß, und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
�daß Standards nicht vorgeschrieben werden müssen.&#13;
Da sich viele Länder auf staatlich vorgeschriebene&#13;
Standards verlassen, hat unsere Arbeit internationalen&#13;
Charakter. Wir hoffen (und erwarten), daß der Privatsektor in den Vereinigten Staaten auch auf dem&#13;
Gebiet der Standards die Führungsrolle übernehmen&#13;
wird.&#13;
Dies sind die wichtigsten Punkte des Ansatzes der USRegierung zum Internet. Abschließend möchte ich&#13;
unserer Begeisterung über die zahlreichen positiven&#13;
Dinge Ausdruck verleihen, die das Internet nicht nur für&#13;
die Unternehmen, sondern auch für unsere Gesellschaften bewirken kann. Ich habe bereits die Bedeutung des freien Flusses von Informationen für Demokratien, insbesondere aufstrebende Demokratien,&#13;
angesprochen. Aber es geht um weit mehr. Das&#13;
Internet erleichtert Telearbeit und ermöglicht es Eltern,&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 07&#13;
&#13;
zu Hause zu arbeiten und bei ihren Kindern zu sein.&#13;
Es gibt ihnen ein interessantes neues Medium, Seite an&#13;
Seite mit ihren Kindern - und in einigen Fällen von&#13;
ihren Kindern - zu lernen. Dies sind wichtige Vorteile,&#13;
die die Lebensqualität erhöhen und das Internet nicht&#13;
nur zu einer besseren Geschäftsmethode oder einem&#13;
leichteren Zugang zu Informationen machen, sondern&#13;
auch zu einem Mittel, unser Leben zu verbessern.&#13;
Es gibt großartige Chancen für Wirtschaftsaktivität im&#13;
Internet.&#13;
Die Schaffung von Arbeitsplätzen, insbesondere von guten Arbeitsplätzen, ist vielleicht das&#13;
wichtigste Potential des Internet. Wenn der Privatsektor und die Regierungen angemessen vorgehen,&#13;
können diese Chancen zum Vorteil aller Menschen&#13;
genutzt werden.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Umfassende wissenschaftliche Untersuchungen in den USA zur Frage der Strahlungsgefährdung durch Kernwaffenversuche&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von John Kerigan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Lebendige Staatsbürgerkunde&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mitarbeit in der Stadtverwaltung vermittelt Schülern Einblick in den Mechanismus eines Gemeinwesens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Im Karamuhaus sind die Musen zu Hause&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kurz berichtet&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Atom und Technik:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Konferenz in Neapel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Atomstrahlung und Verbrennungsgeschwindigkeit von Flugzeug- und Raketentreibstoffen</text>
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                    <text>amerika dienst
United
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8 9 - 3 2 4 0

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Information
und
Dokumentation

Telex:08-85432

Nummer

8. Mai 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Pennsylvania errichtet Handels-Verbindungsbüro in Europa
Die Auslandshilfebotschaft Präsident Nixons
-Wortlaut-

US-Wirtschaft rechnet mit steigendem Kohleverbrauch
-Interview mit unserem Korrespondenten John Uhler-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
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TeI e x: 08- 85432

9/1974

PENNSYLVANIA ERRICHTET HANDELS-VERBINDUNGSBÜRO IN EUROPA

GENF - (AD) - Der amerikanische Einzelstaat Pennsylvania hat in Genf
ein eigenes Verbindungsbüro eröffnet, um europäische Investitionen im Gebiet
dieses Staates und gleichzeitig seine Exporte zu fördern. Pennsylvania, das
einen eigenen Handelsminister, Walter G. Arader, hat, ist in jüngster Zeit
außerordentlich aktiv gewesen, um das Geschäft zwischen Europa und Amerika
- mit Schwerpunkt auf dem Einzelstaat Pennsylvania - zu beleben. So wurde
kürzlich in Frankfurt ein Büro errichtet, um die Handelsbeziehungen mit dem
Industriegebiet von Pittsburgh zu intensivieren und mehrere Großbanken aus
Philadelphia und Pittsburgh haben in europäischen Hauptstädten Filialen eröffnet. Ein weiteres Regionalbüro für Europa ist noch dieses Jahr in Brüssel
geplant.

Das "Pennsylvania Bureau of International Commerce" (PENBIC) in Genf
(62, Quai Gustave-Ador) will in erster Linie europäische Firmen bei der Errichtung von Zweigniederlassungen in den Vereinigten Staaten beraten. Dazu
stellt es ihnen kostenlos Studien und Unterlagen über Lohnverhältnisse, Steuervorteile, Ubiquitäten und andere für Investitionen relevante Daten zur Verfügung. Darüber hinaus will das Büro Firmen in Pennsylvanien die Herstellung
von Geschäftsbeziehungen mit europäischen Firmen erleichtern.
Wie

- 1 -

�Wie der Direktor des PENBIC, Michel Y.W.Demaurex, betonte, wird die
physische Abwesenheit von Vertretern und Fachleuten des Staates Pennsylvania
in Europa zur Intensivierung der Handels- und Geschäftsbeziehungen über den
Atlantik beitragen. "Die Abwertung des Dollar, die steigenden Arbeitskosten
in Europa und gewisse Restriktionen seitens der Regierungen in den letzten
Jahren", so sagte er, "haben die Wettbewerbsposition vieler aufstrebender
europäischer Firmen verändert. Es ist jetzt an der Zeit, daß diese Firmen
die Vorteile der sich verändernden Weltmärkte wahrnehmen und die in dem ideal
gelegenen Pennsylvania gebotenen geschäftlichen Chancen ergreifen." Er verwies
in diesem Zusammenhang auf die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten und die
hervorragende Infrastruktur sowie die Aufgeschlossenheit der Behörden in
Pennsylvania.

- 2-

�i amerika dienst
United
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9/1974

DIE AUSLANDSHILFEBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS
. - Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
24. April seine Auslandshilfebotschaft vorgelegt, in der er für das Finanzjahr 1974/75 einen Betrag von 5,18 Milliarden Dollar für die Auslandshilfe
der USA anfordert. Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wörtlaut: über
25 Jahre lang hat Amerika großzügig anderen Ländern Auslandshilfe gewährt, um
ihnen dabei zu helfen, ihre Volkswirtschaften weiter zu entwickeln, die humanitären Bedürfnisse ihrer Bevölkerung zu befriedigen und für ihre eigene
Verteidigung zu sorgen.

In dieser Zeit ist die Auslandshilfe zu einem unabdingbaren Bestandteil
unserer Außenpolitik geworden. Ohne diese Hilfe würde Amerika das Risiko eingehen, sich von einem verantwortungsbewußten Engagement in der internationalen
Völkergemeinschaft auszuschließen, auf dem sich unsere eigenen wirtschaftlichen,
sozialen und politischen Institutionen begründen. Bei Fortführung eines vernünftigen Auslandshilfeprogramms können die Vereinigten Staaten weiterhin die
Fortschritte der Welt bei der Errichtung eines dauerhaften Gebäudes des Friedens
maßgebend beeinflussen.

Nachdem wir jetzt den längsten Krieg in unserer Geschichte beendet haben
und zum ersten Mal seit mehr als 10 Jahren keine amerikanischen Truppen mehr
in einem Kampfeinsatz stehen, liegt die Versuchung nahe, sich der Innenpolitik

- 1 -

�i
Innenpolitik zuzuwenden, unsere Hilfsprogramme aufzugeben und sich gegenüber
der großen Not zu verschließen, der sich viele unserer Freunde bei diesem
Prozeß gegenübersehen.

Wir dürfen dieser Versuchung nicht erliegen. Wenn wir die Last jetzt abwerfen, dann werden wir eine friedliche Entwicklung zahlreicher Länder unmöglich machen und sie zum Spielball mächtiger Kräfte werden lassen - sowohl wirtschaftlicher als auch politischer. Ferner werden wir uns dann des besten Hilfsmittels begeben, das wir besitzen, um zur Anbahnung friedlicher Beziehungen
in den eigentlichen Krisengebieten der Welt beizutragen.

Zahlreiche

Länder, deren Fortbestehen einst von unserer direkten Hilfe

abhing, können heute ihren Bedarf auf den Gebieten der Wirtschaft und der Verteidigung selbst ohne unsere Hilfe decken. Diejenigen Länder, die noch weiterhin
unsere Hilfe brauchen, werden diese nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus benötigen. ^
Wir erwarten von diesen Ländern, denen wir helfen, daß sie sich selbst helfen
werden. Wir haben klar gestellt, daß wir nicht die Absicht haben, den WeltPolizisten zu spielen, daß unsere Hilfe kein Ersatz für ihr Vertrauen auf die
eigene Kraft ist und daß wir nicht die Absicht haben, das für andere zu tun,
was man von ihnen selbst erwarten kann.

So lange es jedoch Regierungen gibt, die die Grenzen und die Institutionen
anderer Länder gewaltsam zu ändern suchen, wird auch die Möglichkeit eines internationalen Konflikts weiter gegeben sein. Und so lange es für Millionen Menschen
nicht genügend Lebensmittel, Wohnungen und Arbeitsplätze gibt, werden Unterernährung sowie soziale und wirtschaftliche Unruhen unsere gemeinsame Zukunft
bedrohen.

Unser langfristiges Ziel ist die Schaffung einer internationalen Atmosphäre,
in der Toleranz und Verhandlungen an die Stelle von Aggression und Subversion
als bevorzugte Verfahren zur Beilegung internationaler Streitigkeiten treten
können. Obwohl dieses Ziel nicht mehr so weit wie früher entfernt ist, gestatten
die derzeitigen Gegebenheiten keinen Abbau der Auslandshilfe. Wir müssen nicht
nur unsere Anstrengungen fortsetzen, sondern vielmehr in zwei kritischen Ge- 2-

�Gebieten der Welt - im Nahen Osten und in Indochina r besondere Anstrengungen
unternehmen.
Im Nahen Osten haben wir eine Möglichkeit, einen bedeutsamen Durchbruch
für den Weltfrieden zu erzielen. Vermehrte Auslandshilfe wird eine entscheidend
wichtige Ergänzung unserer Diplomatie sein, um der Anbahnung einer Verhandlungslösung weitere Impulse zu geben, die den Interessen Israels wie auch der arabischen Staaten dient.

In Indochina ist unsere Hilfe nicht weniger wichtig. Südvietnam, Kambodscha
und Laos bemühen sich, den schwierigen Übergang vom Krieg zum Frieden zu vollziehen. Damit sie ihren Verteidigungsbedarf selbst decken und gleichzeitig die
Grundlagen für einen sich selbst tragenden sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt legen können, bedarf es weiterer und wesentlicher amerikanischer Hilfe.

Damit diesen noch bestehenden und besonderen Erfordernissen entsprochen
werden kann, schlage ich dem Kongreß ein Auslandshilfebudget von insgesamt
5,18 Milliarden Dollar für das Finanzjahr 1974/75 vor. Meiner Ansicht nach
stellt dieser Betrag ein Minimum dessen dar, was die Vereinigten Staaten vernünftigerweise investieren müssen, wenn das derzeitige internationale Gleichgewicht erhalten bleiben soll und wenn unsere Bemühungen um die Schaffung eines
dauerhaften Friedens in Wohlstand gefördert werden sollen.

Auf dem Wege zu einem Frieden im Nahen Osten

Die Hoffnung auf eine dauerhafte Lösung des arabisch-israelischen Konflikts ist heute größer als jemals zuvor im letzten ViertelJahrhundert. Die
diplomatischen Initiativen der USA haben mit zur Schaffung der Bedingungen beigetragen, die für eine Beendigung des Konflikts und der Gewalttätigkeiten
notwendig sind. Unsere diplomatischen Bemühungen müssen und werden fortgesetzt
werden, doch gibt es bereits eine Menge Dinge, die getan werden können, um
das zu ergänzen und zu konsolidieren, was bisher erreicht worden ist. Ich beantrage daher ein besonderes Hilfsprogramm für den Nahen Osten und habe den
Kongreß um Bereitstellung der folgenden Mittel ersucht:
- Für
- 3-

�- Für Israel: 50 Millionen Dollar an Hilfe zur Stärkung der Sicherheit
und 300 Millionen Dollar für militärische Beschaffungskäufe auf Kredit. Da
Israel weiterhin in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen, verringert sich
die Aussicht auf einen neuen Konflikt im Nahen Osten, und wir müssen Israel
weiter helfen, sich dieses Potential zu erhalten.

- Für Ägypten: 250 Millionen Dollar an Hilfe für Wiederaufbauaufgaben.
Diese Mittel würden für Aufgaben eingesetzt werden, die sich mit dem Frieden
stellen: Räumung des Suez-Kanals, Beseitigung der Schäden in den angrenzenden
Gebieten und Wiederaufbau des ägqptischen Handels.

- Für Jordanien: 100 Millionen Dollar an nicht rückzahlbarer Militärhilfe. 77,5 Millionen Dollar an Hilfe zur Stärkung der Sicherheit und 30 Millionen für militärische Beschaffungskäufe auf Kredit. Jordanien übte einen
mässigenden Einfluß auf die arabische Welt aus, und diese Gelder werden es in
die Lage versetzen, sich eine Position der Vermittlung und Unabhängigkeit 'zu
erhalten, die für eine dauerhafte Lösung in diesem Gebiet von entscheidender
Wichtigkeit sein wird.

- Für einen Sonderausgabenfonds: 100 Millionen Dollar. Diese Mittel sollen
für etwa sich ergebende neue Aufgaben benutzt werden, wenn sich jetzt die
Konturen einer friedlichen Lösung abzuzeichnen beginnen, unter anderem auch
für den Einsatz einer Friedenstruppe, für Flüchtlingshilfe oder ihre Wiederansiedlung sowie für Entwicklungsprojekte.
Alle diese Hilfe wird dazu beitragen, das Vertrauen zu schaffen, das diese
Länder in die Vereinigten Staaten und in ihre eigene Sicherheit setzen müssen,
damit sie eine Basis für Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden haben.
Sie werden die Kräfte der Mäßigung in einem Gebiet stärken, in dem nur Mäßigung die Basis für eine Regelung schaffen kann, die für alle akzeptabel ist.

Für

�Für den Wiederaufbau Indochinas

Ein weiteres Gebiet, dem die akute und anhaltende Sorge dieser Regierung
gilt, ist Südostasien. Unsere Hilfe für Indochina ist nicht weniger wichtig
als unsere Hilfe für den Nahen Osten,um ein friedliches Ergebnis zu erreichen,
das unsere Interessen schützt und unserem Engagement in diesen beiden Gebieten
in der Vergangenheit entspricht. Ich ersuche den Kongreß um die Bewilligung von
939,8 Millionen Dollar, um Südvietnam, Kambodscha und Laos in ihren Bemühungen
zu unterstützen, ihre Volkswirtschaften von Krieg auf Frieden umzustellen und
den Wiederaufbau ihrer Staatswesen zu beschleunigen.

Wir haben bereits hohe Investitionen in diesen Ländern vorgenommen. Der
Fortschritt war bedeutend und wir nähern uns dem Erfolg unserer Hilfsbemühungen,
sie autark zu machen. Obwohl unsere Gesamtanforderung höher als im letzten Jahr
liegt, ist das von mir vorgeschlagene Budget in Wirklichkeit sehr sparsam. Wir
müssen uns darüber klar sein, daß eine bescheidene Erhöhung der Wirtschaftshilfe zu diesem Zeitpunkt die Entwicklung lebensfähiger, autarker Volkswirtschaften mit einem geringeren Bedarf an Hilfe in einigen Jahren ermöglichen wird.

Die Südvietnamesen stehen vor der ungewöhnlich schwierigen Aufgabe, ihre
Wirtschaft wiederaufzubauen und für die vom Krieg schwer heimgesuchte Bevölkerung
zu sorgen, während die Bemühungen um eine Beendigung der Feindseligkeiten noch
andauern. Der Fortschritt beim Wiederaufbau, bei der wirtschaftlichen Entwicklung und bei den humanitären Programmen, die den Menschen dort Hoffnung auf ein
besseres Leben bieten, sollte deutlich zeigen, daß eine friedliche Beilegung
des politischen Streits im Interesse aller liegt.

In diesem und im nächsten Jahr sehen sich die Vietnamesen verschiedenen
miteinander zusammenhängenden Aufgaben gegenüber, die eine verstärkte amerikanische Wirtschaftshilfe notwendig machen:

- Sie müssen über eine Million Flüchtlinge und Vertriebene wieder ansiedeln.
- Sie

�- Sie müssen die Investitionen durchführen, die zur Schaffung produktiver
Arbeitsplätze für mehrere Hunderttausend Menschen notwendig sind, die ihre Arbeitsplätze mit dem Abzug der amerikanischen Truppen verloren haben.

- Sie müssen die höheren Kosten der notwendigen Importe bestreiten können,
wie Düngemittel und andere wichtige Hilfsmittel, die auf Grund der weltweiten
Inflation gestiegen sind.

- Sie müssen für die Waisen, die Körperbehinderten und die Witwen sorgen,
die das, was sie im Krieg verloren haben, nicht mehr wiedererhalten können.

- Sie müssen die Streitkräfte unterhalten, die für einen weiteren Fortschritt in Richtung auf den Frieden notwendig sind, solange feindliche Truppen
weiter in Südvietnam stehen und vom Ausland her unterstützt werden.

Die Südvietnamesen haben lobenswerte Anstrengungen zur Lösung ihrer eigenen
Probleme gemacht. Sie haben ihre Steuern erhöht - 1973 eine Erhöhung um real
40 Prozent. Sie haben ihren Export ausgeweitet, der durch den Krieg praktisch
auf Null zurückgegangen war - die Exporte haben sich 1972 verdoppelt und dann
1973 noch einmal. Sie haben den Verbrauch von Importgütern stark reduziert und
auch den Erdölverbrauch beachtlich eingeschränkt. Aber nach mehr als 10 Jahren
Krieg können sie ihre Volkswirtschaft und ihr Staatswesen nicht allein wieder
aufbauen. Vermehrte amerikanische Hilfe ist jetzt nötig, um die wachsenden Anstrengungen der Vietnamesen zu unterstützen, Frieden und Autarkie sobald wie
möglich zu erreichen.

In Laos ist eine friedliche politische Beilegung des Konflikts im Gange,
und die Bevölkerung dort kann endlich sicheren und stabilen Verhältnissen entgegensehen. Die Probleme bei der Wiederansiedlung der Flüchtlinge und beim Aufbau einer lebensfähigen Wirtschaft werden jedoch die Fähigkeit der laotischen
Regierung auf die Probe stellen, die Interessen aller wahrzunehmen. Wir werden
unsere Hilfe fortsetzen müssen, um diesem unterentwickelten, von anderen Ländern
eingeschlossenen Land den Wiederaufbau seiner Wirtschaft nach so vielen Jahren
des Krieges zu ermöglichen.
Weitere
- 6 -

�Weitere amerikanische Hilfe ist ferner notwendig, um das harte Los der
kambodschanischen Bevölkerung zu mildern - viele sind Flüchtlinge, die wenig
Möglichkeit haben, für den eigenen Unterhalt aufzukommen, solange nicht die
Feindseligkeiten nachlassen.

Die Investitionen, die ich jetzt vornehmen möchte, - Investitionen, um
den Frieden zu stärken, menschliches Leid im Gefolge des Krieges zu lindern
und der Bevölkerung Indochinas die Möglichkeit zu geben, auf eigenen Füßen zu
stehen - sind gering im Vergleich zu dem, was wir im Laufe der Jahre in Indochina investiert haben. Die potentiellen Erträge dieser Investitionen sind jedoch groß, denn sie stärken die Aussichten auf Frieden in Indochina und überall
auf der Welt.

Entwi cklungshi1fe

Die amerikanischen Hilfsprogramme - die bilateralen wie auch die multilateralen - haben einen sehr wesentlichen Beitrag zu dem wirtschaftlichen
Wachstum der Entwicklungsländer in den letzten 10 Jahren geleistet.

Trotz des ermutigenden Erfolges leben schätzungsweise 40 Prozent der Gesamtbevölkerung aller Entwicklungsländer unter so armseligen Bedingungen, wie
es sie in einer Marktwirtschaft nicht gibt. Diese Menschen erreichen, was Ernährung, Bildung und Gesundheit anbetrifft, immer noch nicht das Existenzminimum.

Es ist klar, daß Friede und Armut in der modernen Welt nicht nebeneinander
bestehen können. Auf lange Sicht

müssen wir Frieden ohne Armut erreichen, oder

wir werden überhaupt keinen dauerhaften Frieden haben. Alles, wofür wir gearbeitet, gekämpft und Opfer gebracht haben, wird gefährdet sein, solange Hunger,
Analphabetentum, Krankheit und Armut für 40 Prozent der Bevölkerung der Entwicklungsländer der Welt ein Dauerzustand sind. Aber der Fortschritt, den herbeizuführen wir bisher mit beigetragen haben, beweist, daß dies kein Dauerzustand zu sein braucht. Unsere Entwicklungshilfe wird weiter erforderlich sein,

- 7-

�sein, um diesen Fortschritt beizubehalten und auszudehnen.

Zwecks Gewährung der benötigten Hilfe ersuche ich den Kongreß um die Bewilligung von 255,3 Millionen Dollar im Finanzjahr 1974/75 für funktionelle
Entwicklungshilfeprogramme zusätzlich zu den im Auslandshilfegesetz des letzten
Jahres bereits bewilligten 618 Millionen Dollar.

Diese zusätzlichen Gelder werden es dem Amt für internationale Entwicklung
(AID) ermöglichen, den Entwicklungsländern bei der Steigerung der Lebensmittelerzeugung zu helfen. Die weitverbreiteten Härten, die durch die Verknappung
der Lebensmittelvorräte der Welt in letzter Zeit hervorgerufen worden waren,
fordern verstärkte Anstrengungen aller zur Steigerung der Produktivität der
Landwirtschaft. Das Bevölkerungswachstum und die kürzlichen Mißernten in vielen
Teilen der Welt haben dazu geführt, daß die Getreidevorräte den niedrigsten
Stand seit vielen Jahren erreicht haben und die Preise gestiegen sind. In
einigen Fällen wird die gesamte Bevölkerung von einer Hungersnot bedroht, und
die Lebensmittelverknappung auf der Welt macht es schwierig, die zur Abwendung
einer solchen Tragödie erforderliche Hilfe zu gewähren. Doch Lebensmittelhilfe
allein ist keine Lösung. Die Entwicklungsländer müssen die Produktivität ihrer
eigenen Landwirtschaft steigern, und fast 60 Prozent aller AID-Entwicklungshilfeprogramme werden auf dieses Ziel abgestellt sein.

Wir werden mit der Neuausrichtung unserer Entwicklungshilfeprogramme fortfahren, wie dies gemeinsam von Kongreß und Administration gefordert worden ist,
um direkter die akuten menschlichen Probleme

der ärmeren Länder anzugehen.

Das AID wird sich daher auf Familienplanung und grundlegende ärztliche Dienstleistungen, auf die Verbesserung der Ausbildung und Programme zur Erschließung
der menschlichen Hilfskräfte, auf die Steigerung der Lebensmittelerzeugung sowie auf die Verbesserung der Ernährung konzentrieren.

Ein starkes bilaterales Auslandshilfeprogramm der USA kann jedoch nur
dann voll wirksam sein, wenn es durch anhaltende aktive multilaterale Hilfeanstrengungen ergänzt wird. Dem Kongreß liegt eine Gesetzesvorläge über Beiträge der Vereinigten Staaten an die Internationale Entwicklungsgesellschaft

�Entwicklungsgesellschaft (IDA) in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vor. Die
kassenmäßige Auszahlung dieser Beiträge wird sich, 1976 beginnend, über
mehrere Jahre erstrecken.

Die Internationale Entwicklungsgesellschaft blickt auf eine 14jährige
erfolgreiche Tätigkeit in der Bereitstellung von Entwicklungsanleihen an die
ärmsten Länder zurück. Wir haben eine Herabsetzung des amerikanischen Anteils
zu den Gesamtbeiträgen für die Hilfe von 40 auf 33 Prozent ausgehandelt und
damit den anderen Ländern eine vermehrte Verantwortung für internationale Anleihen übertragen. Es ist undenkbar, daß die Vereinigten Staaten ein so erfolgreiches internationales Programm aufgeben, und ich ersuche das Repräsentantenhaus, seinen kürzlichen Abstimmungsbeschluß, in dem die IDA-Ermächtigung
abgelehnt wird, nochmals zu überprüfen. Ein solcher Schritt wäre falsche Sparsamkeit und würde gerade die Prinzipien verletzen, die wir mit der Gewährung
von Entwicklungshilfe an andere Länder zu fördern hoffen.

Ebenfalls noch nicht verabschiedet ist die Gesetzesvorlage über einen
Beitrag von 362 Millionen Dollar zum Stammkapital und von 50 Millionen Dollar
zu dem Sonderfonds der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB). Die Leistungen der
jüngeren Asiatischen Entwicklungsbank entsprechen heute denen der IDA. Der
Afrikanische Entwicklungsfonds und die Afrikanische Entwicklungsbank haben ausgezeichnete Aussichten, eine immer wichtigere Rolle in einem Kontinent zu
spielen, dessen Kapitalbedarf gerade in jüngster Zeit erst durch die große
Dürre aufgezeigt worden ist.

Es ist unbedingt erforderlich, daß diese Rahmenermächtigungen wie auch
die für unsere bilateralen Programme verabschiedet werden. Und es ist genauso
wichtig, daß die Bewilligung mit dem vollen Betrag gebilligt werden, der zur
Erfüllung unserer Verpflichtungen gegenüber diesen Institutionen wie auch gegenüber der Interamerikanischen Entwicklungsbank notwendig ist, für die das
entsprechende Gesetz bereits verabschiedet wurde.

Die Vereinigten Staaten führen gegenwärtig Verhandlungen über eine internationale Währungs- und Händelsreform. Es sollte klar sein, daß den unterent- 9 -

�unterentwickelten Ländern, was den Erfolg dieser wichtigen Initiativen anbetrifft, eine bedeutende Rolle zufällt. Diese Länder werden auf die Vereinigten
Staaten blicken, ob diese auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe wie auch bei
der Handels- und Währungsreform weiterhin eine führende Rolle spielen werden.

Sicherheitshilfe

Die Sicherheit unserer Verbündeten und der mit uns befreundeten Länder
ist ein wichtiges Anliegen der Außen- und der nationalen Sicherheitspolitik
der Vereinigten Staaten. Nicht alle sind in der Lage, für ihre Sicherheit zu
sorgen, und unsere Hilfe ermöglicht es diesen Ländern, die Hauptverantwortung
für ihre eigene Verteidigung zu tragen. Sie gibt ihnen das Vertrauen, um mit
ihren potentiellen Gegnern von einer Position der Stärke zu verhandeln und der
Subversion und Einschüchterung zu widerstehen. Die Wirksamkeit und Klugheit
dieser Politik erweist sich heute im Nahen Osten und in Südostasien.

Es kann keinen wirklichen Frieden auf der Welt geben, solange einige Regierungen glauben, daß sie durch Gewalt oder Gewaltandrohung das erreichen
können, was sie durch friedlichen Wettbewerb oder durch Verhandlungen nicht
erreichen können. Unsere Sicherheitshilfeprogramme verringern die Wahrscheinlichkeit, daß derartige Kalkulationen gemacht werden, und erhöhen den Anreiz, internationale Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln beizulegen.

Genauso wie die Sicherheitshilfe die Auswirkungen großer und unerwarteter
Verteidigungslasten auf die Volkswirtschaften befreundeter Staaten mildern kann,
so kann sie auch deren Volkswirtschaften stärken und ihnen so vermehrte militärische Beschaffungskäufe auf Kreditbasis statt auf Schenkungsbasis ermöglichen. Wir brauchen ein flexibles Programm für militärische Beschaffungskäufe
auf Kredit, um die Selbständigkeit befreundeter Staaten zu fördern und zu erleichtern und so mit dazu beizutragen, daß die durch die Gewährung von Sicherheitshilfe für die Vereinigten Staaten entstehenden Kosten sich verringern.

Ich

- 10 -

�Ich ersuche den Kongreß um die Billigung von Bewilligungen in Höhe von
985 Millionen Dollar im Finanzjahr 1974/75 für Militärhilfe auf Schenkungsbasis und von 555 Millionen Dollar für militärische Beschaffungskäufe anderer
Länder auf Kredit zur Finanzierung eines 872,5 Millionen-Dollar-Programms sowie von 385,5 Millionen Dollar für Hilfe zur Stärkung der Sicherheit.

Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten haben erst vor kurzem ein über 10 Jahre dauerndes
Engagement in einem langen, harten und kostspieligen Krieg beendet. Es ist
nichts Ungewöhnliches, wenn im Land eine starke Tendenz festzustellen ist, die
mit einer führenden Rolle in der Welt verbundenen schweren Pflichten aufzugeben. Aber eine vorübergehende Strömung darf nicht die langfristigen Interessen unseres Landes trüben.

Der Prozentsatz des amerikanischen Bruttosozialprodukts, der auf die Auslandshilfe entfällt, ist klein. Er ist in der Tat niedriger als der manches
anderen Landes, doch ist dies eine kluge Investition, die mit der Unterstützung
beider großen politischen Parteien im Interesse unseres eigenen Landes vorgenommen wird - im Interesse unserer historischen Rolle als großzügiger und
mutiger Verteidiger der Freiheit und der Menschenrechte und im Interesse des
Weltfriedens.

Mit unserer Hilfe haben andere Länder einen Punkt erreicht, an dem sie einen
Teil dieser Last übernehmen können. Aber wir haben bis jetzt noch nicht den
Punkt erreicht, an dem wir sie ruhig ablegen dürfen.

Die von mir für das Finanzjahr 1974/75 beantragten Gelder stellen das
Minimum dessen dar, was notwendig ist, um die verantwortungsbewußte und konstruktive Rolle der Vereinigten Staaten zu unterstützen, die sie als international
führende Macht und bei der Zusammenarbeit spielen - eine Rolle, die in unserem
eigenen nationalen Interesse fortgeführt und gestärkt werden sollte.
+ + + + +
- 11 -

�amerika dienst
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53

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9/1974

US-WIRTSCHAFT RECHNET MIT STEIGENDEM KOHLEVERBRAUCH
- Interview mit unserem Korrespondenten John Uhler -

WASHINGTON --(AD)-- Mit einem starken Ansteigen des Kohleverbrauchs der
Welt ist nach Ansicht des Präsidenten des amerikanischen Kohlenbergbauverbandes Carl Bagge als Folge der Energiekrise zu rechnen. Bagge, der von
1965 bis 1971 an maßgebender Stelle für das Bundesamt für Energiewirtschaft
tätig war, weist unter anderem auf die großen Möglichkeiten hin, die die Verfahren zur Kohleverflüssigung und Vergasung bieten, an deren Verbesserung
amerikanische und europäische Wissenschaftler gemeinsam arbeiten. Das dem
Korrespondenten des US-Informationsamtes John Uhler gegebene Interview hat
folgenden Wortlaut:

Frage: Warum ist die Kohle plötzlich so wichtig geworden?

Antwort: Seit dem Erdölembargo des Nahen Ostens hat sich immer mehr die
Erkenntnis durchgesetzt, welche Bedeutung unsere riesigen Kohlevorkommen
als Energiequelle für die Vereinigten Staaten haben.
Die

�«

Die Erkenntnis, daß die Kohle die größte einheimische Energiequelle
ist, und die Folgerungen, die sich aus der Tatsache ergeben, daß wir rund
60 Prozent der Kohlevorkommen der freien Welt besitzen, sprechen für sich.
Die Kohle ist nicht nur der Brennstoff für Kraftwerke und große industrielle Heizanlagen, sondern auch der Ausgangsbrennstoff für eine in der Entwicklung begriffene Industrie für synthetische Brennstoffe, für Gas und für eine
ganze Reihe flüssiger Petroleumprodukte.

Frage: Importieren die Vereinigten Staaten große Mengen Kohle?

Antwort: Die Vereinigten Staaten sind ein Nettoexporteur von Kohle.
Wir haben den großen Vorteil, über eine für metallurgische Zwecke bestens geeignete Kohle zu verfügen, die für die Stahlerzeugung überall auf der Welt
gebraucht wird. Wir haben in der Vergangenheit laufend Kohle für die Stahlindustrie der freien Welt exportiert. Und es ist angesichts der einzigartigen Qualität dieser Kohle unbedingt notwendig, daß wir diese Exporte fortsetzen. Die beste russische und polnische Kohle kann den Anforderungen der
japanischen und der westeuropäischen Stahlindustrie nicht genügen.

Es gibt eine Menge interessante Projekte, die wir gemeinsam unternehmen.
Wir arbeiten gemeinsam an Verfahren zur Filterung der Kohleabgase der Fabrikschornsteine, an Verfahren zur Kohlevergasung und Verflüssigung sowie an
Kohleabbauverfahren. Wir arbeiten mit der Bundesrepublik Deutschland an Verfahren des Kohleabbaus und mit Großbritannien an anderen Projekten. Mit den
Russen arbeiten wir an einem neuen magneto-hydrodynamischen Energieprojekt

�Energieprojekt mit Kohle. Wir sind an zahlreichen gemeinsamen Forschungsprojekten beteiligt, deren Umfang ständig erweitert wird. Auf diese Weise sind
die Kohleindustrien der Welt immer enger zusammengerückt.

Frage: Was sollten die Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren für
den Export von Kohle tun?
Antwort: Die amerikanische Politik sollte auf eine Fortsetzung der Exporte hinauslaufen - im Interesse unserer Freunde in der freien Welt und im
Hinblick auf die Schlüsselstellung der Stahlerzeugung. Ich rechne mit einem
Ansteigen der Kohlenexporte. Das läßt sich durchaus mit dem Bedarf unserer
eigenen Stahlindustrie vereinbaren, die metallurgische Kohle in ausreichender
Menge erhalten wird.
Frage: Gibt es irgendwelche amerikanischen Export-oder Importkontrollen
für Kohle, sollte es welche geben?

Antwort: Wir haben nichts gegen ein Lizensierungsprogramm für Kohlenexporte einzuwenden. Bei unseren Kohlenexporten handelt es sich zu 95 Prozent
um metallurgische Kohle und nicht um Kraftwerkskohle. Kanada ist eine Ausnahme; dorthin liefern wir Kraftwerkskohle im Austausch gegen Kraftstrom.

Langfristige Kontrakte - im allgemeinen über mehr als fünf Jahre - haben
wir mit den Stahlindustrien der Länder der freien Welt. Ein Bruch dieser Kontrakte würde sich sehr nachteilig auf unsere Beziehungen zu den Ländern der
freien Welt auswirken. Dies liegt nicht im Interesse der Vereinigten Staaten.
Frage:

-3-

�9
t

i

Frage: Wie hoch belaufen sich die Investitionen anderer Länder im amerikanischen Kohlenbergbau?

Antwort: Gerade die Japaner haben zahlreichen amerikanischen Bergwerks eignem Geld für den Abbau von metallurgischer Kohle zur Verfügung gestellt.
Auf diesem Gebiet wird eine ganze Menge getan und es wird noch mehr geschehen,
wenn unsere Kohleindustrie weiter expandiert.

Frage: Was wird in der Kohleindustrie in den nächsten Jahren geschehen?

Antwort: Das hängt zu einem großen Teil davon ab, welche Entwicklung die
Politik der amerikanischen Regierung nimmt. Einige Amerikaner sind der Ansicht,
daß der Tagebau eingestellt werden oder auslaufen sollte. Da das Land wieder
erschlossen werden kann, sollten dem Tagebau strikte Auflagen für die Rekultivierung gemacht werden. Wo dies nicht möglich ist darf nicht abgebaut werden. Die Vereinigten Staaten sollten jedoch nicht einfach große Vorkommen stilllegen, weil im Augenblick eine Rekultivierung noch nicht möglich ist. In
Dürregebieten mit weniger als 25 cm Niederschlagsmenge gibt es natürlich
Probleme, die jedoch von der Forschung gelöst werden können. Das braucht nur
etwas Zeit. Wenn wir jetzt aus politischen Gründen einzelne Gebiete blockieren,
dann werden diese künftigen Generationen beim Übergang zu einer synthetischen
Kohleindustrie fehlen, das ist das Problem. Es gibt Umweltschützer, die bestimmte Gebiete am liebsten für immer für den Kohlenabbau sperren möchten.

Der amerikanische Kohlenbergbau hat sich gegenüber der Regierung schriftlich verpflichtet, 60 Millionen Tonnen Kohle zusätzlich zu fördern, damit die

-4-

�die zahlreichen Energieversorgungsbetriebe, vor allem an der Atlantikküste,
die bisher auf Nahostöl angewiesen waren, umgestellt werden können. Die Vereinigten Staaten lassen Gas als Heizstoff für die Elektrizitätsgewinnung
nicht mehr zu. Die Wirtschaftlichkeit solcher technologischen Verfahren zur
Elektrizitätsgewinnung liegt bei nur 35 Prozent, so daß bei der Umwandlung
in Elektrizität rund 65 Prozent der Energie des Brennstoffs verlorengehen.
Praktisch werden also rund 65 Prozent des Gases oder des Erdöls nutzlos abgebrannt.
Frage: Wie hoch sollten die Investitionen in der Kohlenindustrie in den
nächsten fünf Jahren sein? Werden diese Investitionen erfolgen und wohin wird
dieses Geld fliessen?

Antwort: Der Nationale Kohleausschuß hat vor 18 Monaten in einem Bericht
die Investitionen in der amerikanischen Kohleindustrie bis 1985 auf 12 Milliarden Dollar veranschlagt. Das ist einmalig. Der Ausschuß hat weiter angedeutet,
daß die amerikanischen Eisenbahnen weitere 4 bis 6 Milliarden Dollar investieren müssen, um eine solche riesige Expansion möglich zu machen. Solche Investitionen können nur erfolgen, wenn seitens der Regierung eine Politik verfolgt wird, die ein derartiges langfristiges Engagement garantiert.

Entscheidend für die Erschließung der amerikanischen Kohlevorkommen ist
die von den Senatoren Henry Jackson und Jennings Randolph eingebrachte Vorlage, die unter dem Namen "National Coal Conversion Policy Act" läuft. Wir
unterstützen dieses Gesetz.
Dieses

�*

Dieses Gesetz fordert im wesentlichen, daß die Bundesregierung dafür
Sorge tragen müsse, daß alle großen (nicht mit Kernbrennstoff betriebenen)
Kraftwerke in Zukunft mit Kohle und nicht mit Erdöl oder Erdgas heizen. Und
es geht sogar noch weiter und fordert, daß die Industrie künftig für die Erzeugung von Dampf ebenfalls in erster Linie auf Kohle zurückgreifen soll.
Die riesigen Kohlevorkommen werden dann voll genutzt werden.

Frage: Wieso können wir hinsichtlich der Kohlesituation optimistisch
sein?
Antwort: Ich bin hinsichtlich der Zukunft recht optimistisch. Trotz binnenwirtschaftlicher Schwierigkeiten waren die Aussichten für die amerikanische Kohlenindustrie niemals besser.

Innenminister Morton und andere Regierungsvertreter haben davon gesprochen, daß 1985 rund zwei Milliarden Tonnen Kohle jährlich gefördert werden.
Verglichen mit unserer gegenwärtigen Förderung von 600 Millionen Jahrestonnen ist das ein ehrgeiziges Ziel. Selbst in Zeiten, da die Kohle "König" war,
haben wir keine solchen Mengen gefördert. Das Phänomen ist, daß die Förderung überall auf der Welt ansteigt.

Eine vor 18 Monaten von den Vereinten Nationen durchgeführte Studie stellt
fest, daß 93 Prozent aller fossilen Brennstoffe auf der Welt in Form von
Kohle vorkommen. Die Studie kommt dann zu dem Schluß, daß im Jahre 2 000 die
in flüssiger Form vorkommenden fossilen Brennstoffe - Erdöl - zu 87 Prozent
und die als Gas vorkommenden fossilen Brennstoffe zu 80 Prozent erschöpft

-6-

�erschöpft sein werden. Dagegen werden erst zwei Prozent der Kohlevorkommen
der Welt verbraucht sein.

Die Folgerungen, nicht nur für die amerikanische Politik, sondern für
die weltweite Politik auf diesem "Raumschiff Erde", liegen klar auf der Hand.
Wir müssen diese riesigen Kohlevorkommen unter einem völlig anderen Gesichtspunkt als bisher sehen. Selbst wenn mehr Kernenergie für die Elektrizitätsgewinnung zur Verfügung steht, werden die Aussichten für die amerikanische
Kohleindustrie

und die Kohleindustrie überall auf der Welt hervorragend

sein.

+++

�</text>
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U.S. Information Service
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8. Mai 1991

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GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 16. bis 30. April 1991

TERRORISMUS

STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG IMMER
NOCH WICHTIGE TRIEBFEDER
FÜR TERRORISMUS
Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht
des US-Außenministeriums

PARTEIEN IN AMERIKA

REPUBLIKANER UND DEMOKRATEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Everett Carll Ladd

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
8. Mai 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 16. bis 30. April 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
16. bis 30. April 1991 fort.

16. April

18. April

Präsident Bush erklärt, er habe die US-Streitkräfte
angewiesen, unverzüglich mit der Errichtung mehrerer
Lager im Norden des Irak zu beginnen, um im Rahmen
einer neuen Initiative der Vereinigten Staaten den
kurdischen Flüchtlingen Hilfe zu leisten. Die erweiterte
Hilfe sei von humanitären Überlegungen geleitet, erklärt Bush nach Konsultationen mit dem britischen
Premierminister Major, dem französischen Präsidenten Mitterand, dem türkischen Präsidenten özal,
Bundeskanzler Kohl und UNO-Generalsekretär Perez
de Cuellar.

Gemäß Resolution 687 des UNO-Sicherheitsrats zur
Beendigung des Krieges übermittelt der Irak UNOVertretern Informationen über seine chemischen und
biologischen Waffen mit Reichweiten über 150 Kilometern. Die Resolution fordert femer die Zerstörung
solcher Waffen. Eine Sondereinheit der Vereinten
Nationen wird die Zerstörung der chemischen und
biologischen Waffen überwachen und Vor-Ort-Inspektionen im Irak durchführen.

17. April
Die Vereinten Nationen organisieren eine umfangreiche Friedenstruppe zur Überwachung der entmilitarisierten Zone zwischen dem Irak und Kuwait und entsenden im Rahmen der irakisch-kuwaitischen UNOBeobachtermission (UNIKOM) bewaffnetes und unbewaffnetes militärisches Personal.
Der leitende militärische Beobachter der Einheit,
Generalmajor Günther G. Greindl aus Österreich,
befehligt eine Gruppe von 1.440 Mitgliedern aus 36
Ländern: Argentinien, Bangladesh, Chile, China,
Dänemark, Großbritannien, Fidschi, Finnland, Frankreich, Ghana, Griechenland, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Kanada, Kenia, Malaysia, Nepal, Nigeria,
Norwegen, Österreich, Pakistan, Polen, Rumänien,
Senegal, Singapur, Sowjetunion, Schweden, Schweiz,
Thailand, Türkei, Ungarn, Uruguay, den Vereinigten
Staaten und Venezuela.

AMERIKA DIENST 18

In Wien legen irakische Regierungsvertreter gemäß
Resolution 687 des UNO-Sicherheitsrats der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) Informationen über ihre atomaren Arsenale offen.
Die Vereinten Nationen und irakische Regierungsvertreter unterzeichnen in Bagdad eine 21 Punkte umfassende Regierungsvereinbarung, mit der die Vereinten
Nationen und private Organisationen wie das Rote
Kreuz und der Rote Halbmond den Kurden und anderen irakischen Flüchtlingen im nördlichen und südlichen Teil des Landes bis Ende 1991 helfen können.
Die Vereinbarung wurde unterzeichnt vom irakischen
Außenminster Ahmed Hussein und Prinz Sadruddin
Aga Khan, dem Koordinator des Generalsekretärs für
das humanitäre UNO-Programm für Irak, Kuwait und
die irakisch-iranischen und irakisch-türkischen Grenzgebiete.

Seite 1

�21. April
Der Befehlshaber der US-Streitkräfte am Persischen
Golf, General Norman Schwarzkopf, beendet seine
Mission in Saudi-Arabien und verlegt das Hauptquartier von USCENTCOM wieder nach Florida. Er bekundet seine Befriedigung, daß die Streitkräfte ihre Mission der Befreiung Kuwaits beendet haben, zeigt sich
aber auch enttäuscht darüber, daß Saddam Hussein
im Irak immer noch an der Macht ist. Schwarzkopf lobt
Generalleutnant Khalid Bin Sultan Bin Abdul Asis aus
Saudi-Arabien, der die vereinigten arabischen Truppen befehligt hat und verleiht ihm die militärische
Auszeichnung der Vereinigten Staaten "Legion of Merit".
22. April
Im Norden des Irak beginnen multinationale Streitkräfte in der Nähe von Sachu mit dem Aufbau von 20 bis
25 Zeltstädten, um etwa 950.000 irakischen Flüchtlingen zu helfen. Amerikanische, französische, britische,
kanadische und italienische Militärflugzeuge liefern
über 460 Tonnen humanitäre Hilfsgüter und steigern
damit den Umfang der insgesamt seit dem 7. April
gelieferten Güter auf etwa 4.165 Tonnen.
UNO-Generalsekretär Perez de Cuellar verkündet die
Ernennung von Botschafter Rolf Ekeus aus Schweden
zum Vorsitzenden des U NO-Sonderausschusses zur
Überwachung und Verifizierung der Zerstörung irakischer Waffen, wie sie in der Resolution 687 des UNOSicherheitsrats gefordert wird. De Cuellar ernennt Dr.
Robert Gallucci aus den Vereinigten Staaten zum
Stellvertretenden Vorsitzenden dieses Ausschusses,
der seinen Sitz im UNO-Hauptquartier in New York
haben wird.
23. April
Einem Sprecher des Weißen Hauses zufolge haben
sich Belgien, Deutschland, Italien, Kanada, Neuseeland und die Niederlande an den internationalen Hilfsmaßnahmen für irakische Flüchtlinge beteiligt. Die
Vereinigten Staaten ermutigten andere Länder, militärische Einheiten zu den Aktivitäten im Rahmen der
"Operation Provide Comfort" beizusteuern.
Die Vereinigten Staaten haben 63 Millionen Dollar für
diese Maßnahmen zur Verfügung gestellt. Andere
wichtige Geber sind die Europäische Gemeinschaft,
Deutschland, Großbritannien und Japan.
24. April
Amerikanische Truppen übergeben in einer Zeremonie, die den Beginn der Stationierung von UNIKOMEinheiten symbolisiert, einen Posten in der entmilitarisierten Zone im Südirak an Beobachter der Vereinten
Nationen. Die Beobachterund Infanterieeinheiten der
Vereinten Nationen werden Patrouillen in der entmilitarisierten Pufferzone zwischen Irak und Kuwait durchführen. Die Stationierung des ersten Kontingents der

Seite 2

UN-Beobachter leitet einen Prozeß ein, der etwa zwei
Wochen andauern soll und an dessen Ende die letzten
Koalitionstruppen die entmilitarisierte Zone verlassen
haben werden.
Amerikanische Regierungsvertreter teilen dem Kongreß mit, die Vereinigten Staaten planten keine Verurteilung des irakischen Präsidenten in Abwesenheit
wegen Kriegsverbrechen und würden keine militärische Gewalt einsetzen, um den irakischen Führer in
Gewahrsam zu nehmen.
25. April
Der japanische Premierminister Toshiki Kaifu kündigt
an, Japan werde in der ersten japanischen Militäroperation in Übersee seit dem Zweiten Weltkrieg Minenräumboote in den Persischen Golf entsenden.

*•

Irakische Diplomaten bei den Vereinten Nationen
erklären, Bagdad werde im Einklang mit den Vorstellungen der Koalitionsstreitkräfte den Rückzug der irakischen Truppen aus Sachu akzeptieren.
26. April
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar erklärt, die
Vereinten Nationen würden die von den Vereinigten
Staaten und ihren westlichen Verbündeten eingerichteten Flüchtlingslager im Nordirak "so bald wie möglich" übernehmen.
Der Stellvertretende UN-Generalsekretär, Jean Claude Aime und UN-Abteilungsleiter Marrack Goulding
reisen nach Genf, um die Einzelheiten der Übergabe
mit dem Koordinator der UN-Flüchtlingshilfe, Prinz
Sadruddin Aga Khan und dem Hohen Flüchtlingskommissar auszuarbeiten.
29. April
Präsident Bush stellt fest, solange Saddam Hussein
an der Macht s e i , werde es keinen normalen Handel
mit dem Irak geben und "was die Vereinigten Staaten
anbelangt keine Hilfe, bis sie auf zahlreichen Gebieten
Fortschritte machen", die mit der Einhaltung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats in Zusammenhang
stehen.
Amerikanischen Regierungsvertretem zufolge hat der
Irak der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO) in einem neuen Schreiben an diese UNOBehörde in Wien weitere Informationen über die irakischen Vorräte an spaltbarem Material geliefert. Diese
Zusatzinformationen waren eine Reaktion auf Beschwerden, denen zufolge der Irak nicht genug getan
habe, um die UN-Bedingungen über die Preisgabe
seiner nuklearen, chemischen und biologischen Einrichtungen und Bestände zu erfüllen. Der Sprecher
des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, stellt fest,
Washington warte auf die Entscheidung der IAEO im
Hinblick darauf, ob der Irak die Bestimmungen der
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats erfüllt habe.
AMERIKA DIENST 18

^

�30. April

Williams zufolge haben 20 Nationen die Operation
Provide Comfort unterstützt oder Unterstützung zugeDer Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete sagt, und Vertreter der Vereinten Nationen, des InterWilliams, erklärt, da ß mehr als 12. 000 Angehörige der nationalen Komitees vom Roten Kreuz und anderer
multinationalen Koalitionsstreitkräfte aus den Verei- privaten Organisationen haben das Gebiet besucht
nigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Deutsch- und sind mit Vertretern der gemeinsamen Hilfstruppe
land, den Niederlanden, Spanien, Kanada und der zusammengetroffen.
Türkei den irakischen Flüchtlingen Hilfe leisteten.
* *

AMERIKA DIENST 18

* *

Seite 3

�TERRORISMUS
8. Mai 1991

STAATLICHE UNTERSTÜTZUNG IMMER NOCH
WICHTIGE TRIEBFEDER FÜR TERRORISMUS
Auszüge aus dem Terrorismus-Bericht des US-Außenministeriums
WASHINGTON -(AD) - In seinem am 30. April 1991 veröffentlichten Bericht erklärt das US-Außenministerium,
staatliche Unterstützung bleibe einer der wichtigsten Faktoren bei der Förderung des internationalen Terrorismus. Diesem neuesten Jahresbericht zufolge betrachten die Vereinigten Staaten Kuba, Irak, Iran, Libyen,
Nordkorea und Syrien als Staaten, die Terrorismus fördern.
Die Volksrepublik Jemen wurde 1990 von dieser Liste gestrichen, nachdem sich das Land mit seinem Nachbarn
zur Republik Jemen zusammengeschlossen hatte. Der Irak wurde neu in die Liste aufgenommen, weil er 1990
erneut terroristische Vereinigungen unterstützte.
Der Bericht trägt den Titel: "Patterns of Global Terrorism: 1990". Das US-Außenministerium ist gesetzlich
verpflichtet, den Kongreß jedes Jahr über Entwicklungen im internationalen Terrorismus zu informieren.
Die nachfolgend veröffentlichten Auszüge sind den Kapiteln "Yearin Review" und "State-sponsored Terrorism"
entnommen.

Das Jahr 1990 gehörte zu den wenigen Jahren der
jüngsten Vergangenheit, in denen es keine "spektakulären" Terroranschläge mit zahlreichen toten oder
verletzten Opfern gab. Trotzdem haben einige wichtige Entwicklungen im Terrorismus stattgefunden. Unter
anderem stieg die Bedrohung durch den internationalen Terrorimus, weil sich der Irak erneut mit terroristischen Vereinigungen auf der ganzen Welt verbündete.
Die vielleicht wichtigste Entwicklung fand imTusammenhang mit der irakischen Invasion in Kuwait am 2.
August statt. Eine Reihe von Palästinensergruppen unter ihnen die Palästinensische Befreiungsfront
(Palestine Liberation Front - PLF), der Palästinensische Islamische Dschihad (Palestinian Islamic JihadPIJ), die Volksfront für die Befreiung Palästinas (Populär Front for the Liberation of Palestine - PFLP) und das
Generalkommando der Volksfront für die Befreiung
Palästinas (Populär Front for the Liberation of Palestine-General Command - PFLP-GC) - sagten Saddam
Hussein ihre Unterstützung zu, und die meisten drohten für den Kriegsfall Terroranschläge gegen Ziele im
Westen, in Israel und gemäßigten arabischen Ländern
an. Obwohl bis Ende des Jahres keine Anschläge
stattgefunden hatten, bleibt die Bedrohung bestehen.
Eine weitere wichtige Entwicklung war der fehlgeschlagene Angriff der PLF auf israelische Strände am
30. Mai 1990. Die PLF ist Mitglied der Palästinensi-

AMERIKA DIENST 18

schen Befreiungsorganisation (PLO) und hat sich
demzufolge ebenso wie diese der "Ablehnung" des
Terrorimus verschrieben. Nach der Weigerung der
PLO, diesen Anschlag zu verurteilen, haben die Vereinigten Staaten ihren Dialog mit der PLO beendet, bis
die PLO demonstriert, daß sie sich an die im Dezember
1988 vereinbarten Bedingungen hält.
Diese beiden Ereignisse betonen die anhaltende
Bedeutung der Staaten, die Terrorismus unterstützen
und Terroranschlägen Vorschub leisten. Der Anschlag der PLF auf Israel wurde von Libyen aus
geplant und ausgeführt. Im Jahr 1990 wurde der Irak,
der einer steigenden Zahl von terroristischen Verbündeten Hilfe leistet, wieder in die Liste der US-Regierung aufgenommen, in der Staaten, die Terrorimus
fördern, verzeichnet sind. Die anderen Länder auf
dieser Liste-Kuba, Iran, Libyen, Nordkorea und Syrien
- helfen Terroristen in unterschiedlichem Maße: als
Zufluchtsort, durch die Bereitstellung von Reisedokumenten, Waffen, Ausbildung und technischem Knowhow.
Lateinamerika erwies sich 1990 als das Land mit den
häufigsten Terroranschlägen gegen US-Interessen.
Die meisten dieser Anschläge fanden in Chile, Peru
und Kolumbien statt. Lateinamerikanische radikale
oder Guerillagruppen mit terroristischem Anspruch
griffen eher einheimische als ausländische Ziele an.

Seite 1

�Trotz der hohen Zahl von internationalen Terroranschlägen hatte die zunehmende politische Gewalt auf
nationaler Ebene noch größere Auswirkungen auf die
Region.
In Asien nahm der internationale Terrorismus 1990
erheblich zu, insbesondere aufgrund steigender Aktivitäten der kommunistischen Neuen Volksarmee (New
People's Army - NPA) auf den Philippinen. Gleichzeitig erfuhr der Terrorismus in Südasien einen erheblichen Aufschwung, insbesondere in Pakistan, wo der
afghanische Geheimdienst für eine Flut von Terroranschlägen verantwortlich war.
Es gab im Jahr 1990 aber auch positive Entwicklungen
im Hinblick auf den Terrorismus. Acht im Nahen Osten
festgehaltene westliche Geiseln - unter ihnen die
Amerikaner Robert Polhill und Frank Reed - wurden
freigelassen. Darüber hinaus wurden 1990 im Libanon
keine westlichen Ausländer als Geiseln genommen.
Eine weitere positive Entwicklung war der starke
Rückgang des Terrorismus im Nahen Osten und ein
vermindertes "Überschwappen" des Terrorismus aus
dem Nahen Osten in andere Regionen.
Der Übergang zur Demokratie in Osteuropa brachte
Veränderungen bei den Einstellungen der Länder
Osteuropas zum Terrorismus mit sich. Die neuen
osteuropäischen Regierungen waren bestrebt, die
Unterstützung offenzulegen, die frühere Regime den
Terroristen gewährt hatten, etwa die von der DDR
gewährte Zuflucht für Terroristen der Rote Armee
Fraktion und tschechoslowakischen Lieferungen des
Plastiksprengstoffs Semtex. Von offizieller Seite finden Terroristen keine Unterstützung oder Zuflucht
mehr in den aufstrebenden Demokratien Osteuropas.
Die Tendenz zur multilateralen Zusammenarbeit bei
der Terrorismusbekämpfung setzte sich im Laufe des
Jahres fort. Nach grö ßeren Terroranschlägen wie den
Anschlägen auf Pan Am-Flug 103 und UTA-Flug 772
wiesen die Vereinten Nationen die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (International Civil Aviation
Organization - ICAO) an, eine Methode zu entwickeln,
um Plastiksprengstoff so zu "kennzeichnen", daß er
vor der Explosion entdeckt werden kann. Mitglieder
der ICAO leisteten harte Arbeit für eine Konvention,
derzufolge alle Hersteller ihren Plastiksprengstoffen
Chemikalien zusetzen müssen, mit deren Hilfe sie
besser entdeckt werden können. Anfang des Jahres
1991 wurde die Konvention zur Kennzeichnung von
Plastiksprengstoffen zum Zweck der Entdeckung unterzeichnet.
Der Trend früherer Jahre wurde 1990 mit einer Reihe
wichtiger Prozesse gegen Terroristen fortgesetzt, und
Regierungen zogen zunehmend Terroristen zur Rechenschaft.

Seite 2

Staatlich geförderter Terrorismus
Die staatliche Unterstützung des Terrorimus bleibt
einer der wichtigsten Faktoren bei der Förderung des
internationalen Terrorimus. Eine Reihe von Regierungen gewähren Terroristen Zuflucht und stellen Reisedokumente, Waffen, Ausbildung und technisches Knowhow bereit. Viele Regierungen unterstützen nicht nur
terroristische Vereinigungen, sondern nutzen Terrorismus als Mittel ihrer Innen- und Außenpolitik. Andere Regierungen, die keine direkten Förderer terroristischer Vereinigungen sind, unterstützen die Fähigkeiten solcher Gruppen, indem sie ihnen ungehinderte
Durchreise gewähren, die Führung von Geschäften
gestatten und ihnen die Rekrutierung neuer Mitglieder
oder andere Aktivitäten erlauben. Jede Art staatlicher
Terrorismusförderung macht Strafverfolgungsbestrebungen zur Terrorimusbekämpfung wesentlich schwieriger. Deshalb konzentrieren sich die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten bei der Terrorimusbekämpfung darauf, den Preis für diejenigen Regierungen zu erhöhen, die Terrorimus unterstützen, tolerieren und ausüben.
Die Vereinigten Staten setzen gegenwärtig Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien auf ihre Liste der
Länder, die Terrorismus fördern. Diese Liste wird
gemäß Paragraph 6 (j) des Exportgesetzes von 1979
geführt. Diese und andere US-Gesetze verfügen
Handels- und andere Beschränkungen für Länder, die
vom Außenminister der anhaltenden Unterstützung
von Terrorakten bezichtigt werden. Diese Liste wird
jährlich dem Kongreß vorgelegt, dabei können jederzeit neue Länder aufgenommen oder gestrichen werden, wenn die Umstände dies erfordern. Die Volksrepublik Jemen wurde 1990 von der Liste gestrichen,
nachdem sie sich mit ihrem Nachbarn im Norden zur
Republik Jemen vereinigt hatte. Der Irak wurde neu
auf die Liste gesetzt, weil er 1990 terroristischen
Vereinigungen erneut Hilfe geleistet hat.
Die internationalen Bestrebungen zur Abschaffung
des staatlich geförderten Terrorimus haben bemerkenswerte Ergebnisse hervorgebracht. Die internationale öffentliche Meinung und die Zusammenarbeit
gleichgesinnter Länder haben großen Druck auf Regierungen ausgeübt, ihr Verhalten zu ändern oder
zumindest zu versuchen, ihre Beteiligung am Terrorismus zu verschleiern. Dies wird deutlich in der Zahl von
Terroranschlägen, die Regierungen zugeschrieben
werden, die auf der US-Liste von Förderern des Terrorimus stehen. Die Gesamtzahl ist von 176 im Jahr
1988 auf 58 im Jahr 1989 und schließlich auf 54 im Jahr
1990 gesunken. Obwohl diese Zahlen ermutigend
sind, sollte festgehalten werden, daß die Ermittlungen
in bezug auf die Terroranschläge auf Pan Am 103 im
Dezember 1988 und UTA 772 im September 1989
noch andauern und eine Beteiligung von Regierungen
enthüllen könnten, die Terrorismus fördern.

AMERIKA DIENST 18

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t

Tatsächlich zeigte sich die anhaltende Gefahr durch
Länder, die Terrorismus fördern, 1990 in zwei Entwicklungen. Erstens wurde der vom Meer ausgeführte
Anschlag der PLF auf überfüllte israelische Strände
durch die Hilfe der libyschen Regierung bei Ausbildung, Unterhaltung und Transport der PLF-Terroristen
ermöglicht. Obwohl die Operation ohne Verluste unter
der Zivilbevölkerung zerschlagen werden konnte, führte
der Anschlag zu erhöhten Spannungen in der Region
und zur Unterbrechung des Dialogs zwischen den
Vereinigten Staaten und der PLO. Wenn der Anschlag
erfolgreich ausgeführt worden wäre, hätte er unter
Umständen zu zahlreichen Todesopfern an den öffentlichen Stränden von Tel Aviv geführt. Zweitens wurde
die Welt nach der irakischen Invasion in Kuwait Zeuge,
wie der Irak eine eindrucksvolle Bandbreite von terroristischen Vereinigungen um sich versammelte, um
die internationale Koalition gegen die Invasion einzuschüchtern.

nutznießern des geheimen Unterstützungsnetzes in
Kuba. Havanna war der Ursprungsort der meisten
Waffen, die FMLN-Kämpfer bei Revolten und Terroranschlägen in El Salvador benutzten. Auch andere
mittelamerikanische Gruppen, besonders in Honduras
und Guatemala, haben Hilfe aus Kuba erhalten. In
Südamerika waren die linksextremen Gruppen in Chile
Hauptnutznießer kubanischer Unterstützung, aber die
Hilfe ist seit Chiles friedlichem Übergang zu einer
Zivilregierung im März 1990 möglicherweise zurückgegangen.

Libyens Beteiligung am Terrorimus im Jahr 1990 ging
über die Unterstützung für den Anschlag auf Israel am
30. Mai hinaus. Tripolis gewährte der bekannten
Gruppe Abu Nidal (Abu Nidal Organization - ANO)
Zuflucht und Hilfe, finanzierte andere radikale Palästinensergruppen wie die PFLP-GC und unterstützte
terroristische Vereinigungen in anderen Ländern Afrikas, in Lateinamerika und Asien.

Iran

Der Iran nutzte und unterstützte den Terrorimus auch
im Jahr 1990, bedrohte und ermordete iranische Dissidenten im Ausland, griff saudiarabische Beamte und
Interessen an, unterstützte weiterhin Geiselnehmer
von Amerikanern und anderen westlichen Ausländern
im Libanon und unterstützte radikale Palästinensergruppen wie die PIJ und die PFLP-GC. Syrien gewährte libanesischen, palästinensischen, türkischen, japanischen und iranischen Terroristen weiterhin Zuflucht
und Unterstützung und bezeichnete alle Anschläge auf
Israel und die besetzten Gebiete als rechtmäßige
Bestrebungen zur "nationalen Befreiung". Nordkorea
beherbergt weiterhin einige Terroristen der Japanischen Roten Armee (Japanese Red Army - JRA) und
unterstützt die Neue Volksarmee auf den Philippinen.
Kuba beliefert und unterstützt Gruppen, die Terroranschläge unter anderem in El Salvador, Kolumbien,
Peru, Honduras und Chile verüben.
Kuba

Einige Rebellenorganisationen haben Büros und Mitglieder in Havanna stationiert. Oftmals werden verwundete Rebellen in kubanischen Krankenhäusern
behandelt. Mit dem Niedergang der prokubanischen
Regierungen in Panama und Nicaragua hat Kubas
Unterstützung für radikale Gruppen noch an Bedeutung gewonnen.

Der Iran setzte seine weitreichende Unterstützung für
den Terrorismus 1990 fort, obwohl die Zahl der vom
iranischen Staat geförderten Terroranschläge 1990
auf 10 gesunken ist -1989 waren es 24.
Der Iran hat häufig seine Nachrichtendienste eingesetzt, um terroristische Anschläge zu erleichtern und
auszuführen, insbesondere gegen iranische Dissidenten. Geheimdienstoffiziere in den Botschaften haben
die Diplomatenpost benutzt, um Waffen und Gelder an
terroristische Gruppen weiterzuleiten. Der Iran hat
seine Verbindungen zu moslemischen Extremisten in
der ganzen Welt ausgebaut und ihnen häufig Rat und
finanzielle Unterstützung gewährt. Die iranische Unterstützung des Terrorismus im vergangenen Jahr läßt
sich anhand folgender Beispiele belegen:
Wiederholung des Aufrufs zur Ermordung von
Salman Rushdie, dem Autor des Romans Die
satanischen Verse.
Die Ermordung von vier iranischen Dissidenten
- in Pakistan, der Schweiz, Schweden und Frankreich.
Unterstützung von Anschlägen radikaler Schiiten auf saudiarabische Interessen, darunter die
Ermordung von drei saudischen Diplomaten,
als Vergeltung für die Hinrichtung von Personen, die im Rahmen der Pilgerfahrt nach Mekka
Bombenanschläge verübt hatten.

Kuba dient nach wie vor als Hafen für regionale Revolutionäre und stellt radikalen subversiven Terrorgruppen militärische Ausbildung, Waffen, Geld und Knowhow zur Verfügung. Die Insel ist heute ein wichtiges
Ausbildungszentrum und Durchgangsland für lateinamerikanische Untergrundkämpfer und internationale
Gruppen.

Umfassende Unterstützung für die Hisbollah,
die PFLP-GC, die PIJ und andere Gruppen, einschließlich Bereitstellung von Waffen, Geld und
Ausbildung.

Die Nationale Befreiungsfront Farabundo Marti (Farabundo Marti National Liberation Front - FMLN) aus El
Salvador gehörte in den letzten Jahren zu den Haupt-

Vom Iran unterstützte schiitische Gruppen haben
wahrscheinlich die Kontrolle über westliche Geiseln im
Libanon, und die meisten Beobachter gehen davon

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

�aus, daß der Schlüssel zu ihrer Freilassung im Iran
liegt. Sämtliche amerikanischen Geiseln befinden sich
wahrscheinlich in der Gewalt einer dieser Gruppen,
der Hisbollah. Der iranische Präsident, Ali Akbar
Haschemi Rafsandschani, dessen innenpolitische Stärke
im Jahr 1990 gewachsen ist, soll einen pragmatischen
Ansatz in der Außenpolitik und verbesserte Beziehungen zum Westen befürworten, was eine Lösung des
Geiselproblems erfordern würde. So schrieb etwa die
Tageszeitung The Tehran Times, von der man annimmt, daß sie Rafsandschanis Ansichten wiedergibt,
in einem Leitartikel vom 22. Februar, die Geiseln
sollten ohne Vorbedingungen freigelassen werden.
Zwei Monate später wurden die amerikanischen Geiseln Robert Polhill und Frank Reed auf freien Fuß
gesetzt. Einige Hardliner im Iran und innerhalb der
Hisbollah reagierten darauf mit Kritik. Sie fragten, ob
der Iran oder die Geiselnehmer durch ihre Handlungsweise vom Westen irgendwelche Vorteile in Form
einer Geste des guten Willens erhalten hätten. Im Jahr
1990 wurden keine weiteren Geiseln freigelassen, und
Presseberichten zufolge strebte der Iran Belohnungen
an, bevor es zu weiterer Bewegung in der Geiselfrage
kommen könne.
Wichtige Personen der Terrorszene, darunter Ahmed
Dschebril von der PFLP-GC sowie verschiedene prominente Mitglieder der Hisbollah, besuchten häufig
den Iran. Der Iran war Gastgeber einer Weltkonferenz
über Palästina, die im Dezember in Teheran stattfand.
Damit versuchte das Land, seinen Einfluß in islamischen Angelegenheiten allgemein und auf die Palästinenser im besonderen zu stärken. Die Führer verschiedener radikaler palästinensischer und libanesischer Gruppen, darunter Salka, Hamas, Hisbollah und
der Palästinensische Islamische Dschihad nahmen
daran teil.
Irak
Irak wurde aufgrund seiner verstärkten Kontakte mit
und Unterstützung von terroristischen Gruppen im
September 1990 wieder auf die Liste der Staaten
gesetzt, die den Terrorismus unterstützen. Nach der
Bildung einer internationalen Koalition gegen die Invasion in Kuwait gaben irakische Regierungsvertreter
öffentliche Erklärungen ab, in denen der Terrorismus
als legitime Taktik bezeichnet wurde.
Nach der Invasion in Kuwait am 2. August 1990 nahm
die Regierung des Irak systematisch Bürger der Vereinigten Staaten und zahlreicher anderer Nationen gefangen. Dies geschah sowohl in Kuwait als auch im
Irak und dauerte mehrere Monate an. Viele der
Geiseln wurden an strategisch wichtige Orte im Irak
verschleppt, darunter Rüstungsfabriken, militärische
Forschungseinrichtungen und wichtige militärische
Stützpunkte.

tion 664 verlangte der UN-Sicherheitsrat dfe Freilassung dieser Geiseln durch den Irak.
Saddam Hussein setzte die Geiseln schließlich wieder
auf freien Fu ß, wobei Frauen und Kinder zuerst freigelassen wurden. Bis Dezember 1990 waren alle westlichen Geiseln frei, aber viele Kuwaiter blieben in
Gefangenschaft.
Eine Geiselnahme in dem vom Irak begangenen Ausmaß
ist einzigartig in der jüngeren Geschichte. Saddam
Husseins Vorgehensweise stellte einen zynischen und
sinnlosen Versuch dar, ausländische Staatsbürger
und ihre Regierungen zu terrorisieren und die internationale Entschlossenheit zu schwächen, sich der
Besetzung und Annexion Kuwaits entgegenzustellen.
Im Jahr 1990, insbesondere nach dem 2. August,
berichtete die Presse über zunehmende Reisen von
Terroristen nach Bagdad, womit sich eine intensivere
Beziehung zwischen diesen Gruppen und dem Irak
andeutete. Schon vor der Invasion Kuwaits bot der
Irak einen sicheren Hafen, Ausbildung und andere
Unterstützung für palästinensische Gruppen mit terroristischem Hintergrund. Unter diesen Gruppen sind
die Arabische Befreiungsfront (ALF) und die PLF von
Abu Abbas, die für die Entführung der Achille Lauro im
Jahr 1985 und den terroristischen Anschlag auf israelische Strände im Mai verantwortlich sind. Auch die
ANO solle ihre Präsenz im Irak in der ersten Hälfte des
Jahres 1990 erneuert haben. Abu Ibrahim, Führer der
inzwischen nicht mehr existierenden terroristischen
Organisation 15. Mai und bekannt für seine Fähigkeiten als Bombenkonstrukteur, soll ebenfalls seinen Sitz
nach Bagdad verlegt haben.
Mit dem Ende des iranisch-irakischen Kriegs verringerte der Irak seine Unterstützung für anti-iranische
Dissidentengruppen, einschließlich der Mujahedin-eKhalq (MEK). Weiterhin wird über eine verstärkte
irakische Unterstützung der Kurdischen Arbeiterpartei
(PKK) in der Türkei spekuliert. Diese geht Hand in
Hand mit der Verschlechterung der türkisch-irakischen
Beziehungen wegen der türkischen Einhaltung der
UNO-Sanktionen nach dem irakischen Einmarsch in
Kuwait und Auseinandersetzungen über Wasserrechte.
Führende irakische Regierungsvertreter, darunter der
ehemalige Außenminister Tarik Asis, gaben öffentliche Erklärungen ab, in denen der Terrorismus als
legitime irakische Reaktion gerechtfertigt wurde, falls
es zu Feindseligkeiten zwischen dem Irak und der
multinationalen Streitmacht am Golf kommen sollte.
Berichten zufolge plante der Irak die Durchführung
dieser Ankündigungen. So sollen irakische Regierungsvertreter sowie Bagdads palästinensische Stellvertreter verschiedene Ziele in der Koalition ausspioniert haben.

Die Massengeiselnahme wurde von der internationalen Staatengemeinschaft verurteilt, und in der Resolu-

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AMERIKA DIENST 18

�Libyen
Libyen hat im Jahr 1990 durch die Unterstützung des
fehlgeschlagenen Anschlags der Palästinensischen
Befreiungsfront auf israelische Badegäste erneut seine anhaltende Förderung des Terrorismus unter Beweis
gestellt. Tripolis half der PLF bei Planung, Ausbildung,
Nachschub und Durchführung dieser Seeoperation.

«

Seit 1986 hat sich der libysche Staatschef Muammar
Gaddafi öffentlich von der Unterstützung terroristischer Gruppen distanziert. Er stellte seiner terroristischen Klientel jedoch weiterhin Finanzmittel, Ausbildung und andere Unterstützung zur Verfügung. Gaddafis
Behauptungen, er habe gewisse terroristische Gruppen - die PLF, ANO und PFLP-GC - des Landes
verwiesen, konnten bis zum Ende des Jahres 1990
nicht erhärtet werden. Libyen nahm darüber hinaus im
Jahr 1990 die finanzielle Unterstützung der PFLP-GC
und möglicherweise auch anderer palästinensischer
Terrorgruppen wieder auf.
Libyen unterstützt auch weiterhin terroristische Vereinigungen und Untergrundkämpfer in der ganzen Welt.
Auf den Philippinen hat Libyen die NPA unterstützt, die
im Jahr 1990 terroristische Anschläge auf Amerikaner
verübte, denen fünf Personen zum Opfer fielen. Vertreter Costa Ricas gehen davon aus, daß alle 15
Mitglieder der Santamaria Patriotic Organization (OPS),
die im Februar in Costa Rica aufgrund von Granatenanschlägen auf amerikanische Einrichtungen verhaftetwurden, in Libyen ausgebildet wurden. Die Gruppe,
die am 27. Juli bei einem Putschversuch, dem mehrere
Menschen zum Opfer fielen, das Parlament von Trinidad und Tobago angriff, wurde unter anderem von
Libyen ausgebildet und finanziert.
Im April wies Äthiopien zwei libysche Diplomaten aus,
weil sie angeblich an einem Bombenanschlag auf das
Hilton Hotel in Addis Abeba am 30. März beteiligt
gewesen waren.

«

'

Im ganzen Jahr 1990 tauchten neue Hinweise auf die
libysche Verstrickung in frühere Akte des Terrorismus
auf. Deutschen Presseberichten zufolge entdeckten
deutsche Stellen in den Akten des ehemaligen DDRStaatssicherheitsdienstes Beweise dafür, daß Libyen
für den Bombenanschlag auf die Diskothek La Belle in
West-Berlin im Jahr 1986 verantwortlich war.
Auch die Ermittlungen in bezug auf den Bombenanschlag vom September 1989 auf Flug 772 der französischen UTA - bei dem 170 Menschen, darunter 7
Amerikaner, ums Leben kamen - weisen Presseberichten zufolge darauf hin, daß die Bombe mit libyscher
Diplomatenpost in den Kongo geschmuggelt wurde
und von einem libyschen Botschaftsvertreter in Brazzaville an drei in Libyen ausgebildete kongolesische
Terroristen weitergegeben wurde. In afrikanischen
und französischen Presseberichten wird festgestellt,
daß sowohl im Kongo als auch in Zaire Verdächtige

AMERIKA DIENST 18

festgehalten werden, die Libyen mit dem Bombenanschlag in Verbindung bringen.
Auch ein Großteil der Verantwortung für den Bombenanschlag auf Flug 103 der Pan Am vom Dezember
1988 geht laut Presseberichten von Ende 1990 zu
Lasten der Libyer. So schrieb die amerikanische,
britische und französische Presse, die Ermittler hätten
entdeckt, daß der damals verwendete Zünder mit dem
identisch sei, den zwei im Februar 1988 in Dakar
(Senegal) festgenommene libysche Agenten bei sich
trugen. Die offiziellen Ermittlungen dauerten in beiden
Fällen bis Ende 1990 an.
Nordkorea
Seit Mitglieder des nordkoreanischen Geheimdienstes
im Jahr 1987 eine Bombe an Bord eines südkoreanischen Verkehrsflugzeuges schmuggelten, sind keine
weiteren von diesem Land unterstützten Terrorakte
bekanntgeworden. Nordkorea bietet jedoch weiterhin
einer kleinen Gruppe von Mitgliedern der Japanischen
Roten Armee (JRA) Schutz, die im Jahr 1970 ein

japanisches Verkehrsflugzeug nach Nordkorea entführt hatten. Nordkorea hat der New People's Army
auf den Philippinen Unterstützung gewährt. Es hat
sich nicht vom Terrorismus distanziert.
Syrien
Seit 1987 gibt es keinerlei unmittelbare Beweise für die
Beteiligung der syrischen Regierung an terroristischen
Anschlägen außerhalb des Libanon, obwohl Syrien
weiterhin Gruppen, die internationale terroristische
Aktionen durchführen, Unterstützung und Unterschlupf
bietet.
Syrien hat Fortschritte dabei erzielt, sich von der
Unterstützung einiger terroristischer Gruppen zu lösen. Syrien hat darüber hinaus mit dem Iran und
anderen zusammengearbeitet, um die Freilassung
westlicher Geiseln zu erreichen, die von terroristischen Gruppen im Libanon festgehalten wurden. Dazu
gehörte auch die Freilassung der amerikanischen Geiseln
Polhill und Reed im Frühjahr 1990. Die staatlich
kontrollierten Medien haben die Abu-Nidal-Organisation als terroristisch bezeichnet, aber die syrische
Regierung versäumte es, in den syrisch kontrollierten
Gebieten des Libanon konkrete Maßnahmen gegen
die ANO durchzuführen.
Gleichzeitig unterstützt Syrien öffentlich das Recht der
Palästinenser auf bewaffneten Kampf für ihre Unabhängigkeit. Präsident Assad hat palästinensische
Angriffe auf Israel und die besetzten Gebiete öffentlich
verteidigt und unterstützt. Syrien stellt weiterhin politische und materielle Unterstützung für palästinensische Gruppen zur Verfügung, die ihr Hauptquartier in
Damaskus haben und in der Vergangenheit terroristische Anschläge verübten, insbesondere die PFLPGC, deren Propagandasender al Quds in Syrien steht.
Darüber hinaus beherbergt sie die Abu-Musa-Gruppe,
Seite 5

�die Volkskampffront (PSF), die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und die Demokratische Front
für die Befreiung Palästinas (DFLP). Der Führer der
PFLP hat öffentlich erklärt, er werde Anschläge auf
amerikanische Ziele und andere Gegner des Irak
durchführen, falls es zum militärischen Konflikt am
Golf käme. Bis zum Jahresende wurden keine Anschläge dieser Art verübt.

sehen Islamischen Dschihad, die die Verantwortung
für das Massaker an neun israelischen Touristen in
Ägypten übernommen hat. Die Erklärung des PU
wurde vom Rundfunksender der PFLP-GC in Südsyrien ausgestrahlt.

Im Jahr 1990 und insbesondere seit dem irakischen
Einmarsch in Kuwait hat Syrien versucht, seine öffentlichen Verbindungen zu terroristischen Aktivitäten und
Die Vereinigten Staaten haben der syrischen Regie- Gruppen im internationalen Bereich abzuschwächen,
rung gegenüber - sowohl öffentlich als auch vertraulich augenscheinlich in dem Versuch, sein Ansehen im
- weiterhin ihre ernste Besorgnis über die von Syrien Westen zu verbessern. Syrische Reglerungsvertreter
unterstützten terroristischen Gruppierungen zum haben erklärt, das Land engagiere sich für die AufspüAusdruck gebracht. Die syrische Regierung hat einige rung und Bestrafung von Personen im syrischen
positive Schritte unternommen, insbesondere seit Beginn Hoheitsbereich, die terroristischer Anschläge beschulder Golfkrise im August 1990, um die in Syrien behei- digt werden, falls Beweise für ihre Verbrechen vorgemateten terroristischen Gruppen zu zügeln. Sie hat legt werden können. Sie haben darüber hinaus wiejedoch keine Maßnahmen ergriffen, um diese Grup- derholt, daß jede Organisation, die an terroristischen
Verbrechen beteiligt ist, die Folgen zu tragen hat.
pen aufzulösen oder aus Syrien auszuweisen.
Nach dem Besuch von Außenminister Baker in Syrien
Syrien hat keine Schritte unternommen, um die Prä- im September hat der syrische Außenminister Schasenz anderer terroristischer Organisationen abzubau- raa öffentlich erklärt, Syrien verurteile alle Formen des
en oder zu beseitigen, wie etwa der Kurdischen Arbei- Terrorismus, einschließlich von Flugzeugentführunterpartei (PKK), der Armenischen Geheimarmee für gen und Geiselnahmen. Syrien unterscheidet jedoch
die Befreiung Armeniens (ASALA) und der Japani- weiterhin zwischen dem "legitimen Kampf gegen die
schen Roten Armee. Einige dieser Gruppen unterhal- Besatzungstruppen" und Akten des Terrorismus - ein
ten Lager im libanesischen Bekaa-Tal, das von syri- grundlegender Unterschied zwischen amerikanischen
schen Truppen kontrolliert wird. Syrien toleriert ferner und syrischen Nachrichten.
die Präsenz einer Splittergruppe des Palästinensi-

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AMERIKA DIENST 18

•

�PARTEIEN

IN

AMERIKA
8. Mai 1991

REPUBLIKANER UND DEMOKRATEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
von Everett Carll Ladd

BONN - (AD) - Der nachfolgend veröffentlichte Artikel ist im Januar 1991 in der Zeitschrift American Studies
Newsletter erschienen. Der Autor ist Leiter des Roper Institute in Storrs (Connecticut).

Nach jeder wichtigen Wahl in den Vereinigten Staaten
sind Politiker und Insider bestrebt, die Bedeutung des
Ergebnisses zu analysieren. Welche Implikationen
haben die Ergebnisse für die nächste Runde nationaler
Wahlen und ganz allgemein für die Zukunft der Partei?
Die vorherrschende Meinung über die Wahl vom 7.
November 1989 - bei der die Demokraten die Bürgermeisterwahl in New York und die Gouverneurswahlen
in Virginia knapp gewannen und beim Rennen um den
Posten des Gouverneurs von New Jersey gut abschnitten - läßt zwei Schlußfolgerungen zu. Erstens,
daß nach der Reagan-Ära die Demokraten ihren Vorsprung bei den Wahlen wiedergewonnen haben und
zweitens, daß der Widerstand der Republikaner gegen
flexiblere Abtreibungsgesetze sich als politisches
Eigentor erwiesen hat.
Das erste Argument entbehrt jeder Grundlage. Noch
schlimmer ist, daß es die Aufmerksamkeit von dem
Merkmal ablenkt, das den gegenwärtigen Wettbewerb
der politischen Parteien in den Vereinigten Staaten
von dem früherer Zeiten unterscheidet: Wahlergebnisse in den Bundesstaaten und Kommunen weichen
in ihrem Muster stark und kontinuierlich von den landesweiten Wahlen ab, bei denen die Präsidentschaft
im Vordergrund steht. Normalerweise wäre man gut
beraten, den drei Wahlen im November 1989 nicht
allzuviel Bedeutung beizumessen, weil sie als Beispiel
zu unerheblich sind, um etwas über nationale Tendenzen zu verraten, aber die Ergebnisse spiegeln tatsächlich eingefahrene Muster wider.
Ein Jahr zuvor hatten die Republikaner die Präsidentschaft mit Leichtigkeit gewonnen - ihr fünfter Sieg in
den letzten sechs Rennen. In diesem Zeitraum hatten
sie bei den Wählern gegenüber den Demokraten einen
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Vorsprung von 10 Prozentpunkten - 53 Prozent zu 43
Prozent. Diese Spanne ist so groß, daß sie ihresgleichen nur einmal in der amerikanischen Geschichte bei den Wahlen von 1932 - findet (als der Demokrat
Franklin D. Roosevelt 57 Prozent der Wählerstimmen
auf sich vereinigte und damit vor dem Republikaner
Herbert Hoover lag, der 39 Prozent errang). Aber in
der ganzen Zeit hielten die Demokraten ihre Mehrheit
in den Parlamenten der Bundesstaaten und im Kongreß. Nach der Wahl von 1988 führten sie gegenüber
den Republikanern im Senat mit 55 zu 45, im Repräsentantenhaus mit 260 zu 175, bei den Gouverneuren
mit 28 zu 22 und bei den Sitzen in den gesetzgebenden
Körperschaften der Bundesstaaten mit 4.477 zu 2.925.
Wenn die Ergebnisse von 1989 irgendeine besondere
Bedeutung haben, dann die, daß sich die Tradition
geteilter Parteikontrolle in die neunziger Jahre fortsetzt. Warum ist das so?
Bei dem Versuch zu erklären, warum die gegenwärtige
Wählerschaft etwas tut, was amerikanische Wähler
bisher nicht getan haben - unterschiedliche Stimmabgabe bei nationalen und regionalen Wahlen -muß man
zu der Schlu ßfolgerung gelangen, daß die Wähler uns
damit etwas sagen wollen. Ich nenne ihre Reaktion
nach James Madison (US-Präsident von 1809-17),
dem großen Verfechter der geteilten Regierung "kognitiven Madisonismus". Diese Interpretation geht
von der Tatsache aus, daß sich Amerikaner mit einer
politischen Philosophie und begleitenden Institutionen - die einer sich wechselseitig kontrollierenden
Regierungsbefugnis große Bedeutung beimessen und
als Instrument zur Wahrung der Freiheit des einzelnen
dienen - in geringerem Umfang als andere Demokratien durch ein republikanisches Weißes Haus und
einen demokratischen Kongreß beunruhigt fühlen.
Seite 1

�Niemals vor diesen letzten 25 Jahren hat Amerika
erlebt, daß die Parteien sich die Kontrolle über nationale exekutive und legislative Institutionen geteilt haben,
aber ihre ganze Geschichte hatte sie für die zugrundeliegende Idee der geteilten Regierung vorbereitet.

Vorteil, weil sie nach zwei ungewöhnlichen republikanischen Debakeln in den Jahren 1964 und 1974 das
moderne Zeitalter mit mehr Amtsträgern begonnen
haben, die damit einhergehende Vorteile des Amtes in
Anspruch nehmen konnten.

Erhalten die Lehren der Geschichte jetzt eine neue
Perspektive? Sind Amerikaner jetzt empfänglicher für
eine gesteigerte Form geteilter Macht - eine republikanische nationale Exekutive mit einer demokratischen
Vormachtstellung im Kongreß und den Parlamenten
der Bundesstaaten - um neue Perspektiven auszudrücken? Natürlich erklärt die Öffentlichkeit, durch
eine geteilte Parteienkontrolle nicht im mindesten beunruhigt zu sein. Zum Beispiel wurde in einer vom 23.
bis 26. Oktober 1988 von NBC News und dem Wall
Street Journal durchgeführten Untersuchung gefragt:
"Glauben Sie, daß es generell besser ist, wenn dieselbe politische Partei sowohl den Kongreß kontrolliert als
auch den Präsidenten stellt, oder sind Sie der Meinung, es sei besser, wenn unterschiedliche politische
Parteien den Kongreß kontrollieren und den Präsidenten stellen?" Nur 32 Prozent sprachen sich für die
Kontrolle einer Partei aus, während 54 Prozent geteilte
Macht befürworteten. Andere Umfragen haben diese
Tendenz bestätigt.

Die Bindung an eine politische Partei ist das eine Mittel,
diese Dynamik außer Kraft zu setzen. Das heißt, ein
Wähler weiß vielleicht nicht sehr viel über das Wahlergebnis eines Amtsinhabers und stimmt dennoch zugunsten eines weniger bekannten Herausforderers
gegen ihn, weil der Wähler die Partei des Gegners
bevorzugt - und das ist genau das, was historisch
gesehen geschah. Im Verlauf des letzten Vierteljahrhunderts, in dem die Amtsinhaber größere Wahlressourcen als je zuvor aufgebracht haben, hat sich der
Anteil der Wähler mit starken Parteibindungen jäh
verringert. Die Wähler von heute, die über eine bessere Ausbildung verfügen und ihre politischen Informationen im großen und ganzen den Massenmedien entnehmen, gehen sehr viel weniger mit dem Kurs ihrer
Partei konform als ihre Vorgänger dies taten.

Untersuchungen der öffentlichen Meinung in den
Vereinigten Staaten zeigen eine Öffentlichkeit, die
wichtigen politischen Themen höchst ambivalent
gegenübersteht. Insbesondere befürworten Amerikaner ein hohes Maß an staatlichem Schutz und staatlichen Dienstleistungen, kritisieren aber gleichzeitig die
Regierung als zu groß, zu aufgebläht und zu belehrend. Sie erwarten wiedersprüchliche Dinge vom
modernen Staat und sehen, daß Demokraten und
Republikaner zur Rolle der Regierung ganz unterschiedliche Auffassungen haben. Wäre es denn
überraschend, wenn eine Art kognitiver Madisonismus
in modernem Gewand in Erscheinung treten würde?
Nach dem Motto: wir wollen die Ansichten der beiden
Parteien zur angemessenen Rolle der Regierungen
noch spannender gestalten. 1989 ist der republikanische Präsident George Bush fest im Weißen Haus
etabliert und erfreut sich großer Zustimmung, deshalb
wollen wir bei den Gourverneurswahlen in New Jersey
und Virginia eine etwas andere Botschaft aussenden.
Zusätzliche Faktoren als nur der kognitive Madisonismus wirken natürlich jetzt und produzieren geteilte
Wahlergebnisse. Bei den Wahlen 1989 spielten sie
keine große Rolle, aber bei den Wahlen für die gesetzgebenden Körperschaften in den letzten 25 Jahren
haben Amtsvorteile eine gro ße und zunehmende Rolle
gespielt. In vielen Parlamenten der Bundesstaaten
und im Kongreß hatten Amtsinhaber im Hinblick auf
das Personal und die Kampagne einen entscheidenden Vorteil gegenüber ihren Herausforderern - sie
verfügten über entschieden mehr Mittel zur Eigenwerbung. Damit haben die Demokraten einen klaren

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Die Faktoren, die das Wahlverhalten bei Kongreßund Präsidentschaftswahlen beeinflussen, unterscheiden sich grundlegend. Der Politologe S.M. Lipset
argumentiert fogendermaßen:
"Der Kongreß ist der Ort, an dem (Gruppen-)
Konflikte ausgefochten werden. Die Mitglieder
leisten Dienste, fungieren als Ombudsmann
und vertreten Interessen. Sie erheben eher im
kleinen als im großen Rahmen Einspruch. Und
die Demokraten mit ihren Verbindungen zu den
Massen und die Interessen der Öffentlichkeit
vertretenden Lobbyisten sind besser in der Lage,
diese Aufgaben zu erfüllen."
•
Andererseits "kommt den Republikanern auf
nationaler Ebene die Tatsache zugute, daß der
Präsident als ein gewählter Monarch angesehen wird, als Symbol ebenso wie als Führungskraft für das gesamte Land, die im Idealfall über
kleinmütigen Interessenkonflikten steht und sich
vor allem für moralische Werte in der Innensowie die Außen- und Verteidigungspolitik
engagiert. Das Amt ist immanent an Nationalismus gebunden. Demokratische Liberale stehen
vor diesem Hintergrund schwach da. Reagan
und Bush scheinen stark."
Die Meinungen der Analysten gehen auseinander,
inwieweit die öffentliche Meinungsbildung den Republikanern ihren derzeitigen nationalen Vorteil verschafft
hat. Ich kann drei Komponenten ausmachen. Die eine
ergibt sich aus dem enormen realen Wachstum der
Regierung in den sechziger und siebziger Jahren. Als
Reaktion auf diesen Zuwachs wurde das Vorgehen der
Regierung zunehmend als Problem, nicht nur als
Problemlösung gesehen. "Die Regierung verursacht

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�j

Inflation" war ein Teil dessen. "Die Regierung erhebt
zu hohe Steuern" ist heute geläufiger. Für die meisten
Bürger nahm die tatsächliche Steuerlast nach den
fünfziger Jahren drastisch zu.

gehalten. Weiße Südstaatler aus den ländlichen
Gebieten und die Arbeiterklasse des Nordens waren
bezüglich stärkerer staatlicher Eingriffe in den Markt
einer Meinung.

Der zweite Problembereich bezieht sich auf die Außen- und Verteidigungspolitik. Heutzutage vergißt
man leicht, daß zu Zeiten des New Deal [der Innenpolitik von Präsident Franklin D. Roosevelt (1933-34), die
die Erholung der amerikanischen Wirtschaft von der
großen Wirtschaftskrise zum Ziel hatte] die Demokraten die Partei mit der dogmatischeren Außenpolitik
waren. In einigen republikanischen Kreisen machte
sogar der Vorwurf die Runde, die Vereinigten Staaten
"führen Kriege", wenn die Demokraten an der Regierung sind. Zweifelsohne erhielten die Vereinigten
Staaten in den dreißiger und vierziger Jahren von den
Demokraten eine Art au ßenpolitischen Nationalismus,
der intellektuell dem "neuen Nationalismus" entsprach,
den die Partei bei Wirtschaftsbelangen im Inland verfolgte - in beiden Fällen unter der Führung von Franklin
D. Roosevelts republikanischem Vetter Theodore.
Politiker der Demokratischen Partei insistierten, daß
den Vereinigten Staaten große Verantwortung bei der
Förderung spezifischer nationaler Interessen und der
Sache der Demokratie durch das Einbringen amerikanischer Macht in das Weltgeschehen zukäme.

Keine der beiden Gruppen hatte "liberale" Ansichten
zu Themen wie Rassenzugehörigkeit, Patriotismus,
Todesstrafe oder Abtreibung. Sobald diese Themen
politisch in den Vordergrund treten wie in den sechziger Jahren sahen und sehen sich die Demokraten mit
einem nahezu unlösbaren Problem konfrontiert. Wenn
sie eine liberale Haltung zu diesen Themen einnahmen, stießen sie die weißen Südstaatler und einen Teil
der weißen Arbeiterklasse vor den Kopf. Wenn sie
konservative Ansichten vertraten, riskierten sie, die
gebildeten Liberalen zu verlieren, die ihren Wahlkampf
führten und das Geld aufbrachten. Demokratische
Kongreßkandidaten können diesem Problem häufig
ausweichen, da die meisten Wahlbezirke für Kongre ßwahlen relativ homogen sind. Diese Strategie wirkt bei
Wahlen in den Bundesstaaten nicht so gut, vor allem,
wenn der Bundesstaat sozial vielschichtig ist. Bei
landesweiten Wahlen scheint sie überhaupt nicht zu
funktionieren.

Wesentliche Teile der Demokratischen Partei hätten
diesen Ansatz der New Deal-Ära in jedem Fall modifiziert, aber aufgrund des Vietnamkriegs wurde die
Neubewertung beschleunigt und verschärft. Den
Republikanern wurde damit die enorme Chance gegeben, sich als die in Fragen der Außenpolitik realistischer denkende und als die Partei zu etablieren, die
eher zur Aufrechterhaltung einer starken nationalen
Verteidigung und zum Widerstand gegen die kommunistische Expansion bereit ist.
Einige Demokraten vertreten die Auffassung, daß ihr
jüngster Nachteil bei außen- und verteidigungspolitischen Fragen jetzt durch die Entwicklungen in der
UdSSR und Osteuropa abgebaut wird.

i

Aber solche Betrachtungen scheinen eher Hoffnungen
der Demokraten als politische Realität zu sein. Die
Tatsache bleibt bestehen, daß ein republikanischer
und nicht ein demokratischer Präsident zu einem Zeitpunkt auf der Bühne ist, zu dem der Kommunismus
ideologisch das Handtuch geworfen zu haben scheint.
Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, daß sich
die bisherigen Probleme der Demokraten in dem neuen
politischen Umfeld der neunziger Jahre verringern
werden - aber im Augenblick ist das reine Spekulation.
Der dritte Problemkreis, der die Demokraten national
vor eine Herausforderung gestellt hat, umfaßt ein
vielschichtiges Spektrum sozialer Fragen. Christopher Jancks Beobachtungen zufolge wurde die New
Deal-Koalition durch Wirtschaftsinteressen zusammen-

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Viele Analysten sehen jedoch jetzt in der scharfen
Abtreibungskontroverse eine größere Chance für die
Demokraten. Der Politologe William Schneider argumentiert, daß "die Frage des Schwangerschaftsabbruchs einen Pfahl mitten durch die Reagan-Koalition
treiben könnte." Der Grund:
"Religiöse Konservative und wohlhabende
Vorstädter sind die beiden Kemwählerschaften
der Republikanischen Partei. Kein Thema kann
diese beiden Gruppen mehr entzweien als Abtreibung."
In Wirklichkeit war das Tema Schwangerschaftsabbruch für beide Parteien seit über zehn Jahren äußerst schwierig - seit der Zeit, als sich die Amerikaner
der praktischen politischen Konsequenzen einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahr
1973 bewußt wurden, die ein flexibles Recht auf Abtreibung einräumte. Dies ist darauf zurückzuführen,
daß die große Mehrheit der Öffentlichkeit sich weder
im Lager der Befürworter noch der Abtreibungsgegner
wohlfühlt. Die Lobby ist stark polarisiert und vertritt
zunehmend die Auffassung, daß es zu diesem Thema
keinen Mittelweg geben kann. Für viele Amerikaner ist
der Mittelweg jedoch ein weites Feld - und dort wollen
sie stehen.
Ein Teil der von zahlreichen Amerikanern der "breiten
Mitte" vertretenen Auffassung ist, daß bei Abtreibung
wie bei so vielen anderen Fragen der Gedanke der
Entscheidung des einzelnen gro ßen Respekt verdient.
Wenn Meinungsforscher beispielsweise die Frage
stellen: "Sollte einer Frau der Schwangerschaftsabbruch gestattet werden, wenn sie dies wünscht und ihr

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�Arzt zustimmt?", antwortet die große Mehrheit kontinuierlich mit Ja. Der andere Teil argumentiert jedoch,
Abtreibungen würden zu häufig und zu sorglos durchgeführt und daher sei größere Kontrolle vonnöten.

"liberalisiert". Gleichzeitig möchten Demokraten, die
selbst Gegner der Abtreibung sind oder aus Wahlkreisen kommen, in denen die Gegner sehr stark sind, daß
die Partei ihre Einstellung konservativer gestaltet.

Die Auswirkungen dieser unterschiedlichen Einstellungen werden von einer Reihe von Untersuchungen
eindeutig aufgezeigt - dazu gehören auch zwei im März
und September 1989 durchgeführte Meinungsumfragen, bei denen jeweils ein umfassendes Spektrum von
Fragen gestellt wurde. Diesen Untersuchungen zufolge lehnt eine große Mehrheit einen Verfassungszusatz ab, der Schwangerschaftsabbrüche kategorisch
verbieten würde. Eine Frau könnte demnach einen
legalen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen,
wenn die Schwangerschaft die Folge von Vergewaltigung oder Inzest ist oder wenn das Kind mit hoher
Wahrscheinlichkeit an einer Erbkrankheit leiden würde. Nahezu einhellig würden die Amerikaner einen
Schwangerschaftsabbruch befürworten, um das Leben der Mutter zu retten.

Eine Mehrheit aller Amerikaner befürwortet tatsächlich
die Wahlfreiheit des einzelnen und gleichzeitig mit
Nachdruck den Schutz des ungeborenen Lebens. Sie
erwarten von beiden Parteien, daß sie beide Positionen respektieren. Wird eine Partei dabei mehr Erfolg
haben als die andere?

Obwohl die Mutter die Freiheit haben sollte, in einigen
Fällen über den Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden, sollte ihre Wahlfreiheit jedoch nicht uneingeschränkt bestehen. Große Mehrheiten der Bevölkerung würden Abtreibung in den Fällen für illegal erklären, in denen ein Schwangerschaftsabbruch deshalb
gewünscht wird, weil die Geburt eines Kindes die Frau
zwingen würde, ihre berufliche Karriere zu unterbrechen, weil der Vater nicht bereit ist, bei der Kinderbetreuung mitzuhelfen oder weil die Schwangerschaft
eine übermäßige emotionale Belastung darstellen würde.
Nahezu einhellig lehnen die Amerikaner Abtreibung
als Mittel der Geburtenkontrolle ab. Die Analyse von
Erhebungsdaten zur öffentlichen Meinung zeigt sowohl unter Republikanern als auch unter Demokraten
ein breites Meinungsspektrum zum Schwangerschaftsabbruch. Es wurde häufig in den Vordergrund gestellt,
daß es unter den Republikanern einen starken Block
für die Wahlfreiheit beim Schwangerschaftsabbruch
gibt - vielleicht ein Fünftel aller Anhänger der Republikanischen Partei. Man sollte jedoch nicht außer acht
lassen, daß bei den Demokraten die Gegner der
Abtreibung einen noch größeren Prozentsatz ausmachen - meiner Analyse zufolge etwa ein Viertel. Dies
ist ein starker Hinweis darauf, daß beide Parteien bei
ihren traditionellen Wählern Zuspruch einbüßen könnten, wenn die Frage des Schwangerschaftsabbruchs
bei Wahlen größeres Gewicht erhielte.
Verständlicherweise machen sich deshalb auch einige
Vertreter beider Parteien Sorgen über die Auswirkungen des Themas auf das Wählerverhalten. Republikanische Befürworter der Wahlfreiheit beim Schwangerschaftsabbruch, wie etwa die Kongreßabgeordneten
Lynn Martin aus Illinois und Claudine Schneider aus
Rhode Island möchten, daß ihre Partei ihre Haltung

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Zu Beginn der neunziger Jahre haben beide großen
politischen Parteien ihre Hochburgen. Wie bereits
festgestellt, haben die Republikaner institutionell gesehen das nationale Stimmverhalten dominiert, in dessen
Mittelpunkt die Wahl des Präsidenten steht. Gleichzeitig haben die Demokraten bei Wahlen in den Bundesstaaten und Gemeinden ihre Mehrheit ständig ausgebaut. Im Hinblick auf ihre Grundsätze profitieren die
Republikaner wie bereits seit über zehn Jahren weiterhin von dem Glauben, daß der Zuwachs an staatlichem Einfluß zurückgedrängt werden muß, während
die Demokraten durch die weiterhin große Nachfrage
nach öffentlichen Dienstleistungen gestärkt werden.
Moralische Fragen wie die Abtreibung sind Herausforderungen für beide Parteien.
Insgesamt gesehen, haben jedoch die Republikaner
die politische Schlacht der achtziger Jahre gewonnen.
Am Ende des Jahrzehnts hatten sie bei Wähleridentifikation gleichgezogen und bei anderen Faktoren einen Vorsprung erzielt.
Alle wichtigen nationalen Meinungsumfragen weisen
im Lauf des Jahrzehnts beeindruckende Bewegungen
auf: Die Nettoverschiebung zu den Republikanern
betrug bei der Identifikation 15 bis 20 Prozentpunkte in
den Umfragen. Die Ergebnisse schwanken - sie
spiegeln damit sowohl die ihnen eigene Ungenauigkeit
als auch den Fluß der politischen Ereignisse wider -,
aber ein eindeutiger, sich kontinuierlich verstärkender
Trend ist offenkundig.
Jüngste Arbeiten der Politikwissenschaftler Helmut
Norpoth und Michael Kagay liefern dramatische Beweise für den Erfolg der Republikaner bei jungen
Menschen. Norpoth und Kagay kombinierten die
zahlreichen jährlich von CBS und New York Times
durchgeführten Umfragen und erhielten dadurch einen
noch umfassenderen, verläßlicheren Querschnitt. Sie
fanden heraus, daß sich im Jahr 1980 54 Prozent der
18-29jährigen als Anhänger der Demokraten bezeichneten, 33 Prozent als Anhänger der Republikaner-ein
Nettovorsprung der Demokraten von 21 Prozent. Im
ersten Quartal des Jahres 1989 bezeichneten sich
jedoch 52 Prozent der 18-29jährigen als Republikaner
und 38 Prozent als Demokraten - ein 14prozentiger
Vorsprung der Republikaner. Die von Jahr zu Jahr

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�gesammelten Daten machen deutlich, daß dieser
gewaltige Generationen Umbruch die Folge kontinuierlich angesammelter Erfahrungen und keine Reaktion
auf eine plötzlich eintretende Reihe von Ereignissen
war.

i

•

Anderen Maßstäben für die Lage der Parteien zufolge
haben die Republikaner sogar noch größere Fortschritte erzielt. In einer Gallup-Umfrage vom Juli 1989
bezeichneten 51 Prozent der Befragten die Republikaner als die Partei, die eher in der Lage sei, "den
Wohlstand des Landes zu erhalten", während nur 30
Prozent dasselbe von den Demokraten behaupteten.
Bei der jungen Generation war der republikanische
Vorsprung noch größer: 63 Prozent der 18-29jährigen
hielt die Partei für wirtschaftlich kompetenter, während
nur 23 Prozent die Demokraten auswählte. Dagegen
betrug bei den über 50jährigen der Vorsprung der
Republikaner lediglich 43 zu 32 Prozent.

*

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*

Noch wichtiger ist Norpoth und Kagay zufolge die
Tatsache, daß in früheren Zeitabschnitten, als die
Republikaner im Aufwind zu sein schienen, nichts dem
gegenwärtigen Trend bei den Jungwählern vergleichbares geschah. So haben zwar die Republikaner ihr
Ansehen bei denjenigen, die in der Ära Eisenhower
(1953-61) politisch mündig wurden, etwas gesteigert,
jedoch bei weitem nicht in dem Maß, wie dies bei den
Jungwählern der achtziger Jahre der Fall war.
Welches ist die sich daraus ergebende politische
Botschaft? Sicherlich nicht, daß republikanische
Zuwächse im nächsten Jahrzehnt zwangsläufig oder
Siege der Partei bei künftigen Wahlen vorherbestimmt
sind. Die Bilanz der achtziger Jahre endete jedoch mit
dem Ergebnis, daß die Republikanische Partei ihre
Basis gestärkt und bis auf ein Niveau angehoben hat,
wie es sie seit Beginn der Großen Depression der
dreißiger Jahre nicht mehr gegeben hatte.

*

*

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�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Medizin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Krebsbekämpfung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herzforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schnelltest zur Sicherung gegen rheumatisches Fieber&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Antitoxin aus Kaninchenblut für Brandverletzte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Injektion durch Ultraschall&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschliches Skelett aus Kunststoff für anatomisches Studium&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verbesserte Haftgläser&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Krankheit im Alter&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Medicare" vor dem US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Denksport mit "Breitenwirkung" - 19jähriger New Yorker im Kandidatenturnier zur Weltmeisterschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kulturnachrichten aus den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Charles Muench tritt ab&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wechselwirkung zwischen Film und Malerei&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freiwillige Führer für New Yorker Museen</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#
8. J u n i 1988

22
INHALT

DOKUMENTATION
Gipfeltreffen führte zu "erweitertem Dialog"
- Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische
Verifizierungsexperiment
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der
Kernenergie
- Eine Übersicht -

Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum
- Eine Übersicht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Biotechnik - eine Zukunftsindustrie
- OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen -

Erreger der Non-A-non-B Hepatitis entdeckt
- Bluttests in der Erprobung -

* * * * * *

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Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

Dokumentation

^ Js

8. Juni 1988

22

GIPFELTREFFEN FÜHRTE ZU "ERWEITERTEM DIALOG"
Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels -

MOSKAU - (AD) - Der am 1. Juni 1988 im Moskau veröffentlichten gemeinsamen
Gipfelerklärung zufolge befinden sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion inmitten eines "sich entfaltenden Dialogs", der "ein zunehmend wirkungsvolles Mittel zur Lösung von Fragen wird, die von beiderseitigem Interesse
sind und auf beiden Seiten Besorgnis auslösen". Dabei wurden jedoch "aus Geschichte, Tradition und Ideologie herrührende reale Differenzen nicht unterschätzt, die weiterhin das amerikanisch-sowjetische Verhältnis charakterisieren werden".
Die gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut;
Im Einklang mit der beim amerikanisch-sowjetischen
Gipfeltreffen
von Genf im November 1985 erzielten
und beim Washingtoner Gipfeltreffen
vom Dezember 1987 bekräftigten Übereinkunft trafen sich der Präsident
der Vereinigten Staaten von Amerika,
Ronald W. Reagan, und der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion,
Michail S. Gorbatschow, vom 29. Mai
bis 2. Juni 1988 in Moskau.

besonderen Verwendung und Sonderberater des Präsidenten und des Außenministers
in Rüstungskontrollfragen,
Paul H. Nitze, der Sonderberater des
Präsidenten und des Außenministers in
Rüstungskontrollfragen,
Botschafter
Edward L. Rowny, der amerikanische
Botschafter in der UdSSR, Jack F.
Matlock sowie die Leiterin der Abteilung für europäische und kanadische
Angelegenheiten im Außenministerium,
Rozanne L. Ridgway.

Teilnehmer
waren
auf
amerikanischer
Seite:
Außenminister
George P. Shultz, Verteidigungsminister Frank C. Carlucci, der Stabschef des Präsidenten, Howard H. Baker
Jr., der Berater des Präsidenten in
Fragen der nationalen Sicherheit,
Colin L. Powell, der -Botschafter zur

Auf sowjetischer
Seite nahmen
teil:
Mitglied des Politbüros des
Zentralkomitees der KPdSU und Vorsitzender des Präsidiums des Obersten
Sowjet der UdSSR, Andrej A. Gromyko,
das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU, Außenminister
Eduard A. Schewardnadse, das Mitglied

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�des Politbüros des Zentralkomitees
der KPdSU und Sekretär des Zentralkomitees der KPdSU, Alexander N.
Jakowlew, der Kandidat des Politbüros
des Zentralkomitees der KPdSU, Verteidigungsminister Dimitri T. Jasow,
der Sekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, Anatolij F. Dobrynin, der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU, Anatolij S.
Tschernajew,
der
stellvertretende
Außenminister
Alexander
A.
Bessmertnich sowie der Botschafter
der UdSSR in den Vereinigten Staaten
von Amerika, Jurij W. Dubinin.
Der Präsident und der Generalsekretär betrachten das Moskauer Gipfeltreffen als bedeutenden Schritt im
Prozeß der Schaffung einer produktiveren und dauerhafteren Grundlage für
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen. Ihre umfassenden und eingehenden Gespräche
erstreckten sich
über das gesamte Spektrum von Fragen,
auf das sich die beiden führenden Politiker während ihres ersten Treffens
in Genf im November 1985 verständigt
hatten -, Rüstungskontrolle, Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, die Beilegung regionaler Konflikte sowie die bilateralen Beziehungen. Bei wichtigen Fragen bestehen weiterhin ernsthafte Meinungsverschiedenheiten; der zwischen beiden
Ländern entstandene
offene Dialog
bleibt entscheidend für die Überwindung dieser Meinungsverschiedenheiten.
Die Gespräche fanden in einer
konstruktiven Atmosphäre statt, die
breiten Raum für einen offenen Meinungsaustausch bot.
Als Ergebnis
dessen erzielten beide Seiten ein
besseres Verständnis der Positionen
des anderen. Die beiden Staatsmänner
begrüßten die seit ihrem letzten
Treffen in Washington in verschiedenen Bereichen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen trotz der Schwierigkeit und Komplexität der Fragen
erzielten Fortschritte. Mit Befriedigung nahmen sie zahlreiche konkret
erzielte Vereinbarungen zur Kenntnis
und verliehen ihrer Entschlossenheit
Ausdruck, in den kommenden Monaten

die Anstrengungen in den Bereichen zu
verdoppeln, in denen weitere Arbeit
geleistet werden muß. Sie lobten die
von Vertretern beider Seiten in den
letzten Monaten zur Lösung fortbestehender Meinungsverschiedenheiten geleisteten kreativen und intensiven
Bemühungen.
Bei der Einschätzung des Stands
der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen betonten der Präsident und der
Generalsekretär die historische Bedeutung ihrer Treffen in Genf, Reykjavik, Washington und Moskau bei der
Schaffung des Fundaments für ein realistisches Konzept für die Probleme
der Stärkung der Stabilität und der
Verringerung
des
Konfliktrisikos.
Sie bekräftigten feierlich ihre Überzeugung, daß ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals ausgelöst werden darf, ihre Entschlossenheit, jeden Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
- ob nuklear oder konventionell - zu
verhindern sowie ihre Zurückweisung
jeglicher Absichten zur Erlangung militärischer Überlegenheit.
Die
beiden
Staatsmänner
sind
überzeugt, daß die Entfaltung des von
ihnen ins Leben gerufenen Dialogs ein
zunehmend wirksames Mittel zur Lösung
von Fragen wird, die von beiderseitigem Interesse sind und auf beiden
Seiten Besorgnis auslösen. Sie unterschätzen jedoch nicht die aus Geschichte, Tradition und Ideologie
herrührenden realen Differenzen, die
weiterhin
das
amerikanisch-sowjetische
Verhältnis
charakterisieren
werden. Sie sind aber der Ansicht,
daß der Dialog von Dauer sein wird,
da er sich auf Realismus gründet und
sich auf die Erlangung konkreter Ergebnisse konzentriert. Er kann als
konstruktive Grundlage nicht nur für
die Behandlung der Probleme heute,
sondern auch morgen und im nächsten
Jahrhundert dienen. Es ist dies ein
Prozeß, der nach Überzeugung des Präsidenten und des Generalsekretärs den
besten Interessen der Völker der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
dient und einen Beitrag zu einer sta-

- 2 -

�bileren, friedlicheren und sichereren
Welt leisten kann.

Rüstungskontrolle
Nachdem sie das Engagement ihrer
beiden Länder bekundet hatten, auf
den bisher in der Rüstungskontrolle
erzielten Fortschritten aufzubauen,
bestimmten der Präsident und der Generalsekretär die Ziele und nächsten
Schritte für ein breites Spektrum von
Fragen in diesem Bereich. Sie werden
in den kommenden Monaten die Bemühungen beider Regierungen leiten, wenn
diese miteinander und mit anderen
Staaten auf ausgewogene, verifizierbare Vereinbarungen zur Stärkung der
internationalen Stabilität und Sicherheit hinarbeiten.

INF
Der Präsident und der Generalsekretär unterzeichneten das Protokoll
über den Austausch der Ratifizierungsurkunden zu diesem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Beseitigung ihrer Raketen mittlerer und
kürzerer
Reichweite.
Die
beiden
Staatsmänner begrüßten das Inkrafttreten dieses historischen Abkommens,
mit dem zum ersten Mal eine ganze Kategorie amerikanischer
und sowjetischer Atomwaffen beseitigt wird und
neue Maßstäbe für die Rüstungskontrolle gesetzt werden. Die Staatsmänner sind entschlossen, die vollständige Anwendung aller Bestimmungen
und Vereinbarungen der Vertrages zu
erfüllen, und sie betrachten die gemeinsame und erfolgreiche Arbeit in
diesem Sinne als bedeutenden Präzedenzfall für künftige Rüstungskontrollbemühungen.
Die Gespräche über Nuklear- und
Weltraumwaffen
zur

Die beiden Staatsmänner nahmen
Kenntnis, daß ein Gemeinsamer

Vertragsentwurf über die Reduzierung
und Begrenzung strategischer Offensivwaffen
ausgearbeitet
wurde.
Durch diesen Prozeß waren die Seiten
in der Lage, in dem gemeinsamen Vertragsentwurf umfangreiche und bedeutsame Bereiche der Übereinstimmung wie
auch die Detailfragen zu verbleibenden Bereichen der Nichtübereinstimmung festzuhalten.
Obwohl noch zusätzliche wichtige Arbeit geleistet
werden muß, bevor dieser Vertrag unterzeichnungsreif ist, fanden bereits
viele Schlüsselbestimmungen Eingang
in den gemeinsamen Vertragsentwurf
und gelten als einvernehmlich gutgeheißen unter der Bedingung, daß der
Vertrag fertiggestellt und ratifiziert wird.
Unter
Berücksichtigung
eines
Vertrages über strategische Offensivwaffen haben beide Seiten - aufbauend auf der Sprachregelung der
Gemeinsamen
GIpfelerkläruug
von
Washington vom 10. Dezember 1987 ihre Verhandlungen über ein den ABMVertrag betreffendes getrenntes Abkommen
fortgeführt.
Fortschritte
wurden bei der Erstellung des Gemeinsamen Textentwurfs für ein Zusatzprotokoll festgestellt.
In Zusammenhang mit ihren Verpflichtungen
gemäß diesem Protokoll haben sich
beide Seiten insbesondere darauf geeinigt, die Zentren zur Reduzierung
des nuklearen Risikos für die Übermittlung zweckdienlicher Informationen zu nutzen. Die Staatsmänner wiesen ihre Verhandlungsführer an, den
gemeinsamen Textentwurf für ein getrenntes Abkommen auszuarbeiten und
die Arbeiten an dessen Zusatzprotokoll weiterzuführen.
Der
Gemeinsame
Vertragsentwurf
zur Reduzierung und Begrenzung der
strategischen
Offensivwaffen
spiegelt die bereits erzielte Verständigung über die Schaffung von Obergrenzen von maximal 1 600 strategischen
offensiven Trägersystemen und 6 000
GefechtsKÖpfen wider, ferner das Einvernehmen zu den Untergrenzen von
4 900 Gefechtsköpfen auf ballistischen
Interkontinentalraketen

- 3 -

�(ICBMs) und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen (SLBMs) zusammengenommen sowie 1 540 Gefechtsköpfen
auf 154 schweren Raketen.

Erklärungen und zweckmäßiger Benachrichtigungen
zu
Zahl
und
Standort der von START begrenzten
Waffensysteme, darunter auch die
Standorte und Einrichtungen für
Produktion, Endmontage, Lagerung,
Erprobung, Instandsetzung, Ausbildung, Stationierung, Umrüstung
und Beseitigung solcher Systeme.
Derartige Erklärungen werden vor
Unterzeichnung des Vertrages zwischen beiden Seiten ausgetauscht
und regelmäßig fortgeschrieben.

Der Vertragsentwurf fixiert ausserdem die Übereinkunft beider Seiten, wonach als Ergebnis der Reduzierungen
das
Gesamtwurfgewicht
der
ICBMs und SLBMs der Sowjetunion auf
ein Niveau reduziert wird, das etwa
50 Prozent des gegenwärtig bestehenden beträgt und daß dieses Niveau
nicht überschritten wird.
Im Verlauf der Verhandlungen erzielten die beiden Seiten ferner Einvernehmen darüber, bei der künftigen
Arbeit an dem Vertrag davon auszugehen, daß bei stationierten ICBMs und
SLBMs der bestehenden Typen der Zählmodus die in der Gemeinsamen Erklärung vom 10. Dezember 1987 berücksichtigte Zahl von Gefechtsköpfen
einbeziehen wird und daß die Zahl der
für jeden neuen Typ ballistischer Raketen
zugestandenen
Gefechtsköpfe
Verhandlungssache ist.
Ferner verständigten sich beide
Seiten auf einen Zählmodus für in
schweren Bombern mitgeführte Waffen,
demzufolge nur für nukleare Freifallbomben und Angriffsflugkörper kurzer
Reichweite
(SRAMs)
ausgerüstete
schwere Bomber als ein Trägersystem
auf die Obergrenze von 1 600 und als
ein Gefechtskopf auf die Obergrenze
von 6 000 angerechnet werden.
Die Delegationen haben außerdem
gemeinsame Textentwürfe für ein Inspektionsprotokoll, ein Umrüstungsoder Beseitigungsprotokoll und eine
Regierungsvereinbarung über Daten erstellt, die integrale Bestandteile
des Vertrags sind. Diese Dokumente
gründen auf den Verifizierungsbestimmungen des INF-Vertrages, wobei
sie diese unter Berücksichtigung der
höheren Anforderungen, von START erweitern und ausbauen.
Die Verifizierungsmaßnahmen für START werden
mindestens folgendes beinhalten:
A.

Datenaustausch,

einschließlich

B.

Grundinspektionen zur Verifizierung der Richtigkeit dieser Erklärungen.

C.

Vor-Ort-Beobachtung der zur Erreichung der vereinbarten Obergrenzen notwendigen Beseitigung
strategischer Systeme.

D.

Ständige Vor-Ort-Uberwachung von
Umfeld
und
Zugängen wichtiger
Produktionsstätten, um den Produktionsumfang von der Begrenzung
unterliegenden Waffen zu bestätigen.

E.

Kurzfristig anberaumte
Inspektionen an:

Vor-Ort-

(I)
angemeldeten
Stationierungsorten im Verlauf des Verfahrens der Reduzierung auf vereinbarte Obergrenzen;
(II) Stationierungsorten, an denen diesem Vertrag unterliegende
Systeme nach Erreichung der vereinbarten Obergrenzen verbleiben;
(III) Stationierungsorten, an denen solche Systeme stationiert
waren (vormals angemeldete Einrichtungen).
F.

Kurzfristig anberaumte Inspektionen - in Übereinstimmung mit den
vereinbarten Verfahrensweisen von Orten, an denen nach Meinung
einer der Seiten eine geheime
Stationierung, Produktion, Lagerung oder Instandsetzung strategischer Offensivwaffen erfolgen

�kann.
G.

H.

Verbot der Verwendung einer Tarnung sowie anderer Maßnahmen, die
der Erschwerung einer Kontrolle
vermittels nationaler technischer
Mittel dienen. Derartige Bestimmungen würden ein Verbot der
Chiffrierung des Fernmeßverkehrs
einschließen und den vollständigen Zugang zu sämtlichen Fernmeßdaten gewährleisten, die während
des Flugs einer Rakete gesendet
werden.
Verfahrensweisen, die die Verifizierung der Zahl der Gefechtsköpfe auf
stationierten ballistischen Raketen jeden Typs gewährleisten, einschließlich Inspektionen vor Ort.

I. Mit Hilfe nationaler technischer
Mittel
vorgenommene
erweiterte
Beobachtung der Maßnahmen, die
mit der Reduzierung und Begrenzung der strategischen Offensivwaffen
zusammenhängen.
Hierzu
würde die offene Aufstellung der
durch den Vertrag zu begrenzenden
Objekte in den Stützpunkten für
Raketen, Bomber und U-Boote an
den Orten und zu den Zeitpunkten
gehören, die von den inspizierenden Seiten gewählt werden.
Die beiden Seiten begannen ebenfalls mit dem Austausch von Daten
über ihre strategischen Streitkräfte.
Im Verlauf dieses Treffens in
Moskau hat der Meinungsaustausch über
START zu einer weiteren erheblich
Verbreiterung der gemeinsamen Basis
geführt, insbesondere auf den Gebieten der ALCMs und der Versuche, eine
Lösung des Verifizierungsproblems bei
den beweglichen ICBMs zu entwickeln
und sich darauf zu verständigen. Die
Einzelheiten dieser verbreiterten gemeinsamen Basis sind in zwischen den
beiden Seiten ausgetauschten Dokumenten festgehalten worden. Die Delegationen in Genf werden diese Fortschritte in den gemeinsamen Textentwurf des START-Abkommens aufnehmen.

Die Seiten erörterten ferner die
Frage der Begrenzung der nuklear bewaffneten SLCMs längerer Reichweite.
Ronald
Reagan
und
M.S.
Gorbatschow drückten ihr beiderseitiges Vertrauen in die Tatsache aus,
daß die geleistete intensive Arbeit
eine Basis für den Abschluß eines
Vertrages über den Abbau und die Begrenzung strategischer Offensivwaffen
darstellt, der die strategische Stabilität fördern und die Sicherheit
nicht nur der Menschen in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten,
sondern der gesamten Menschheit stärken wird.
Von dieser grundsätzlichen Übereinkunft geleitet vereinbarten der
amerikanische Präsident und der Generalsekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, ihre Bemühungen auf diesem Gebiet nachdrücklich und entschlossen
fortzusetzen. Die Delegationen beider Länder sind beauftragt worden,
sich am 12. Juli dieses Jahres erneut
in Genf zu treffen. Es wurde eine
prinzipielle Übereinstimmung darüber
erzielt, daß nach Lösung noch bestehender Probleme und der Vereinbarung
des Vertrages nebst der mit ihm zusammenhängenden Dokumente diese ohne
Verzug unterzeichnet werden.

Ankündigung des Starts ballistischer
Raketen
Die während des Moskauer Gipfels
unterzeichnete Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zur Ankündigung von Starts
von interkontinentalen und U-Boot-gestützten ballistischen Raketen ist
ein zweckmäßiger neuer Schritt, der
den Wunsch beider Seiten wiederspiegelt, die Risiken des Ausbruchs eines
nuklearen Krieges zu begrenzen, insbesondere als Ergebnis einer Mißdeutung,
einer
Fehlkalkulation
oder
durch Zufall.

- 5 -

�Atomtests
Die Staatsmänner bekräftigten die
Verpflichtung beider Seiten, Schritt
für Schritt in einem speziellen Forum
umfassende Verhandlungen über Fragen
bezüglich Atomtests zu führen.
Im
Laufe dieser Verhandlungen werden die
Seiten als ersten Schritt wirkungsvolle
Kontrollmaßnahmen
abstimmen,
die es erlauben, den sowjetisch-amerikanischen Schwellenvertrag von 1974
(TTBT) und den Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken von
1976 zu ratifizieren und mit Verhandlungen über weitere Zwischenschritte
zur Begrenzung von Atomtests fortzufahren, die zu der letztlich völligen
Einstellung von Atomtests als Teil
eines wirkungsvollen Abrüstungsprozesses führen. Neben anderen Maßnahmen würde dieser Prozeß als oberste
Priorität das Ziel verfolgen, nukleare Waffen abzubauen und schließlich
völlig abzuschaffen.
Zur Verwirklichung des ersten Ziels dieser Verhandlungen, nämlich die Vereinbarung
von wirkungsvollen Uberprüfungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag von
1974, kamen die Seiten überein, ein
gemeinsames
Verifizierungsexperiment
am Versuchsgelände der jeweils anderen Seite zu planen und durchzuführen.
Mit Genugtuung ist daher die Unterzeichnung eines Vertrages über ein
gemeinsames
Verifizierungsexperiment
aufgenommen worden sowie die umfangreichen derzeit laufenden Vorbereitung smaßnahmen für dieses Experiment
und die positive Zusammenarbeit, insbesondere zwischen den derzeit mit
Arbeiten auf dem jeweils anderen Versuchsgelände beschäftigten zahlreichen Personen. Ferner wurde der erhebliche Fortschritt bei dem neuen
Protokoll zum Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken vermerkt und auf anhaltende konstruktive
Verhandlungen über wirkungsvolle Verifizierungsmaßnahmen , des Schwellenvertrags gedrängt.
Während
sie ihrer Überzeugung
Ausdruck verliehen, daß die bisher
erzielten Fortschritte eine solide

Basis für weitere Fortschritte bei
Problemen bezüglich der Atomtests
darstellen, wiesen die Staatsmänner
ihre Unterhändler an, unverzüglich
die Vorbereitung eines Protokolls für
den Vertrag über Atomexplosionen zu
friedlichen Zwecken sowie auch für
den Schwellenvertrag fertigzustellen,
sobald das gemeinsame Verifizierungsexperiment durchgeführt und analysiert worden ist. Sie unterstrichen
ihre Auffassung, daß Verifizierungsmaßnahmen für den Schwellenvertrag in
angemessenem Umfang in zusätzlichen eventuell im weiteren Verlauf erreichten - Abkommen zur Begrenzung
von Atomtests angewendet werden können. Sie erklärten ferner ihre beiderseitige Absicht, die Ratifizierung
der beiden Verträge von 1974 und 1976
anzustreben, wenn die entsprechenden
Protokolle zum Schwellenvertrag und
zum Vertrag über ^tomexplosionen zu
friedlichen Zwecken vorliegen, und
die Verhandlungen wie in der gemeinsamen
Washingtoner
Gipfelerklärung
vereinbart fortzusetzen.

Die Nichtverbreitung von Kernwaffen
Die beiden Staatsmänner vermerkten, daß dieses Jahr der 20. Jahrestag
des
Atomwaffensperrvertrages
(NPT) ist, eines der wichtigsten internationalen RüstungskontrollVerträge mit über 130 Unterzeichnerstaaten.
Sie erneuerten ihre Überzeugung, daß
eine weltumfassende
Befolgung des
Atomwaffensperrvertrages wichtig für
den internationalen Frieden und die
Sicherheit ist. Sie verliehen ihrer
Hoffnung Ausdruck, daß jeder NichtUnterzeichnerstaat dem Vertrag beitritt, oder in vergleichbarer Weise
nach internationalem Recht die Verpflichtung eingeht, auf den Erwerb
von Atomwaffen zu verzichten und deren Verbreitung zu verhindern. Dies
wird die Möglichkeiten für Fortschritte zu einem Abbau von atomarer
Bewaffnung verstärken und die Bedrohung durch einen Atomkrieg verringern.
Die beiden Staatsmänner bestätigten ebenso Jhre Unterstützung für die

�Zentren zur Verringerung des Nuklearen Risikos

chemischer Waffen sowie des Verzichts
auf die Nutzung von zweifach verwendbaren chemischen Wirkstoffen für chemische Waffen verwiesen, betonten die
Staatsmänner die Notwendigkeit konkreter Lösungen des Problems der Sicherstellung einer wirkungsvollen Verifizierung und unverminderter Sicherheit für alle Beteiligten der
Konvention. Ihren jeweiligen Delegationen gaben sie entsprechende Anweisungen.

Die Staatsmänner drückten ihre
Zufriedenheit über die Aktivierung
einer neuen KommunikationsVerbindung
zwischen den beiden Zentren zur Verringerung des Nuklearen Risikos in
Moskau und Washington aus, welche gemäß dem amerikanisch-sowjetischen Abkommen vom 15. September 1987 eingerichtet wurden. Man stimmte überein,
daß die Zentren im Zusammenhang mit
einem zukünftigen Vertrag über den
Abbau amerikanischer und sowjetischer
strategischer Atomwaffen eine wichtige Rolle spielen können.

Beide Seiten waren sich einig,
wie wichtig es ist, daß alle Staaten
größere Offenheit an den Tag legen,
weil dies eir Weg zur Vertrauensbildung und zur Stärkung des Fundaments
für eine wirkungsvolle Konvention
ist. Die Staatsmänner betonten ebenfalls die Notwendigkeit einer engen
Koordinierung auf multilateraler Ebene, um die Teilnahme aller Staaten
sicherzustellen, die gemäß der Konvention im Besitz von chemischen Waffen und zur Herstellung solcher Waffen fähig sind.

Internationale Atomenergiebehörde und
vereinbarten, ihre Anstrengungen zur
weiteren Stärkung der Behörde fc_tzusetzen. Sie hoben erneut den Wert
ihrer
regelmäßigen
Konsultationen
über die Nichtverbreitung hervor, und
kamen überein, daß diese beizubehalten seien.

Chemische Waffen
Die Staatsmänner überprüften den
Stand der laufenden multilateralen
Verhandlungen und bilateralen Konsultationen über ein umfassendes, wirkungsvoll überprüfbares und tatsächlich weltweites Verbot von chemischen
Waffen, welches alle zur Herstellung
chemischer Waffen fähiger Staaten
einschließt.
Ferner verliehen sie
ihrer Besorgnis über das wachsende
Problem der. Verbreitung und des Einsatzes von chemischen Waffen Ausdruck.
Die
Staatsmänner
unterstrichen
die Bedeutung der Anstrengungen, die
auf die Behandlung der unvermindert
dringlichen und unvergleichlich wichtigen Aufgabe des Verbots chemischer
Waffen sowie auf den Abschluß einer
wirkungsvollen Konvention gerichtet
sind. Während sie auf die schon erzielten Fortschritte in den Verhandlungen und die schwierigen Probleme
im Hinblick auf eine wirkungsvolle
Überwachung eines weltweiten Verbots

Beide Seiten verurteilen entschieden die gefährliche Verbreitung
und den rechtswidrigen Einsatz von
chemischen Waffen unter Verletzung
des Genfer Protokolls von 1925. Sie
unterstrichen die Bedeutung von sowohl technischen als auch politischen
Lösungen dieses Problems und bekräftigten ihre Unterstützung für internationale Untersuchungen mutmaßlicher
Verletzungen. Die Staatsmänner verwiesen auf erste Bemühungen zur Kontrolle des Exports von chemischen
Wirkstoffen, die bei der Produktion
von chemischen Waffen verwendet werden, und forderten alle Staaten, die
zur Herstellung solcher Wirkstoffe in
der Lage sind, dazu auf, eine strenge
Exportkontrolle einzuführen, um der
Verbreitung chemischer Waffen Einhalt
zu gebieten.

Konventionelle Rüstungskontrolle
Die Seiten unterstrichen die Bedeutung der Festigung von Stabilität
und Sicherheit in ganz Europa. Sie

- 7 -

�begrüßten in diesem Zusammenhang die
bereits erzielten Fortschritte bei
der Ausarbeitung des Mandats für neue
Verhandlungen über Streitkräfte und
konventionelle Rüstungen und äußerten
ihre Hoffnung auf einen baldigen und
ausgewogenen
Abschluß
des
Wiener
KSZE-Folgetreffens.
Der Generalsekretär und der Präsident stellten zugleich fest, daß die vollständige
Verwirklichung der Bestimmungen des
Dokumentes der Stockholmer Konferenz
über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa in bedeutendem Maße zur Erweiterung der Offenheit und zur Festigung
des gegenseitigen Vertrauens beitragen kann.
Sie erörterten ferner den Stand
der Wiener Verhandlungen über die
beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Europa
(MBFR).

Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
Die Staatsmänner bekräftigten ihr
Engagement zur Fortführung des KSZEProzesses. Die Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten werden ihre Zusammenarbeit mit den anderen 33 Teilnehmerstaaten fortsetzen, um das Wiener KSZE-Folgetreffen zu einem erfolgreichen
Abschluß
zu
bringen.
Dies soll durch bedeutsame Ergebnisse
auf allen Hauptgebieten der Schlußakte von Helsinki und des Madrider Abschlußdokumentes geschehen.

Verbreitung von Technologie ballistischer Raketen
Die
Staatsmänner
kamen
darin
überein, das Problem der Verbreitung
der Technologie von ballistischen Raketen bilateral auf Expertenebene zu
erörtern.

Dritte Sondersitzung
versammlung

der UN-General-

Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen auf die Bedeutung
der laufenden dritten UN-Sondertagung
für Abrüstung.

Menschenrechte und humanitäre Anliegen
Der Präsident und der Generalsekretär sprachen eingehend über Menschenrechte und humanitäre Anliegen.
Die Staatsmänner erörterten den immer
breiteren und detaillierteren amerikanisch-sowjetischen Dialog auf diesem Gebiet und stimmten darin überein, daß dieser auf allen Ebenen
stattfinden sollte, um zu anhaltenden
und konkreten Fortschritten zu gelangen. Es wurde festgestellt, daß dieser Dialog darauf ausgerichtet sein
sollte, die Rechte, Freiheiten und
Menschenwürde des Einzelnen möglichst
umfassend sicherzustellen;
menschliche Kommunikation und Kontakte zu
fördern; einen regen Austausch von
geistigen, kulturellen, historischen
und sonstigen Werten zu betreiben;
und größeren gegenseitiges Verständnis und Respekt zwischen beiden Ländern herbeizuführen. Zu diesem Zweck
erörterten sie die mögliche Einrichtung eines Forums, in dessen Rahmen
sich Vertreter der verschiedenen Bereiche beider Gesellschaftsordnungen
regelmäßig treffen würden.
Bereits
vollzogene Schritte zur Herstellung
eines Austauschs von Informationen
und Kontakten zwischen den gesetzgebenden Körperschaften beider Länder
wurden hervorgehoben. Hierzu gehören
ebenfalls die Diskussionen zwischen
Rechtsexperten, Medizinern und Vertretern anderer Berufsrichtungen, die
direkt in Menschenrechtsfragen engagiert sind, und zwischen Vertretern
von regierungsunabhängigen Organisationen.

�Regionale Angelegenheiten
Der Präsident und der Generalsekretär führten eingehende Gespräche
über ein breites Spektrum regionaler
Fragen,
einschließlich
des
Nahen
Ostens, des Krieges zwischen Iran und
Irak, Südafrika, dem Hörn von Afrika,
Mittelamerika, Kambodscha, der koreanischen Halbinsel und anderer Bereiche. Sie drückten ihre Befriedigung
über den im April 1988 in Genf erfolgten Abschluß eines Abkommens über
eine Regelung für Afghanistan aus.
Obwohl die Gespräche sowohl im Hinblick auf die Beurteilung der Ursachen regionaler Spannungen als auch
bei den Mitteln zu deren Überwindung
ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten
aufdeckten, kamen beide Staatsmänner
überein, daß diese unterschiedlichen
Meinungen kein Hindernis für eine
konstruktive Beziehung zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion darstellen sollten.
Sie bestätigten ihre Absicht, Gespräche
zwischen
den
Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion auf allen
Ebenen weiterzuführen, die darauf abzielen, den an regionalen Konflikten
Beteiligten bei der Auffindung friedlicher Lösungen zu helfen, die ihre
Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit fördern. Sie betonten die Bedeutung, die einer verbesserten Stellung der Vereinten Nationen und anderer internationaler Institutionen im
Hinblick auf ihren Beitrag zur Lösung
regionaler Konflikte zukommt.

Bilaterale Angelegenheiten
Der Präsident und der Generalsekretär erörterten die seit ihrem
Treffen in Washington von Dezember
1987 durch den weiteren Ausbau bilateraler Kontakte, Austauschprogramme
und Zusammenarbeit erzielten Fortschritte. Sie verwiesen auf die zunehmend wichtige Rolle, die ein Austausch zum beiderseitigen Nutzen zwischen beiden Ländern bei der Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses und Schaffung von Stabilität im

amerikanisch-sowjetischen
Verhältnis
spielen kann. Sie erklärten ihre Absicht zur Intensivierung dieser Verbindungen.
Mit besonderer Genugtuung wurde
verzeichnet, daß in den meisten der
bei den Zusammenkünften in Genf,
Reykjavik und Washington definierten
Bereiche konkrete Abkommen erzielt
wurden.

Bilaterale Abkommen
Aktivitäten

und

gemeinsame

Der Präsident und der Generalsekretär begrüßten den Abschluß einer
Reihe bilateraler Abkommen, mit denen
einer fruchtbaren Zusammenarbeit in
den folgenden Bereichen neue Möglichkeiten
eröffnet
werden:
wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit im Verkehrswesen; Seenotrettung; praktische Koordination zwischen amerikanischen und sowjetischen
Funknavigationssystemen im Nordpazifik und der Beringstraße sowie Zusammenarbeit im Fischereiwesen.
Beide Staatsmänner begrüßten die
jüngste Unterzeichnung einer neuen
Vereinbarung über die Atomreaktorsicherheit im zivilen Bereich gemäß
dem bilateralen Abkommen über die
friedliche Nutzung der Atomenergie.
Zur Erweiterung dieses Abkommens fand
ein Notenaustausch statt.
Sie drückten Befriedigung über
die jüngste Unterzeichnung eines neuen Protokolls zum bilateralen Abkommen über das Wohnungswesen aus, das
eine Zusammenarbeit im Bereich der
Bauforschung im Hinblick auf extreme
geologische und ungewöhnliche klimatische Bedingungen vorsieht.
Der Stand der Verhandlungen zwischen beiden Ländern zur Schiffahrt,
den Seegrenzen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR, der Grundlagenforschung und Notfallbeseitigung
von Umweltschäden in der Beringstraße
und der Tschuktschen See wurde einer
Betrachtung unterzogen.
Die Unter-

- 9-

�händler wurden angewiesen, ihre
strengungen zur baldmöglichsten
langung beiderseitig akzeptabler
kommen in diesen Bereichen zu
schleunigen.

AnErAbbe-

Beide Staatsmänner begrüßten die
Aufnahme bilateraler Gespräche zur
Bekämpfung des Drogenhandels.
Mit
Befriedigung verzeichneten sie die
laufenden Konsultationen beider Seiten über See- und Luftrecht, die Sicherheit der Schiffahrt und in Bereichen von gemeinsamem Interesse in juristischen Fragen.

Kulturelle und Austauschprogramme
Beide Staatsmänner verwiesen auf
den Ausbau des Austausches in den Bereichen Erziehung, Wissenschaft, Kultur und Sport nach dem Allgemeinen
Austauschabkommen, begrüßten die Unterzeichnung eines neuen Durchführungsprogramms für 1989-91 gemäß dem
Abkommen und bekundeten ihre Absicht
zum weiteren Ausbau solcher Austauschprogramme.
Im Zeitraum der
Gültigkeit dieses Abkommens werden
beide Seiten unter Berücksichtigung
ihrer gemeinsamen Interessen und der
finanziellen und technischen Voraussetzungen Verhandlungen über die Eröffnung von Kultur/Informationszentren in den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion führen, mit dem Ziel
der Unterzeichnung eines angemessenen
Abkommens durch die Regierungen beider Seiten.
Es wurde mit Befriedigung vermerkt, daß im Verlauf des Dialogs
beider Staatsmänner menschliche Kontakte und Austauschprogramme zwischen
nichtstaatlichen Organisationen erheblich zugenommen haben und zu einem
der lebendigsten Bestandteile in den
bilateralen
Beziehungen
geworden
sind. Sie bestätigten ihr Engagement
für den Ausbau solcher Austauschprogramme, die zum gegenseitigen Verständnis beitragen und begrüßten Pläne für zukünftige erweiterte Austauschprogramme junger Menschen. In
diesem Zusammenhang drückten sie ihre

Bereitschaft aus, das Konzept der
weiteren Erarbeitung von Austauschprogrammen für Schüler weiterführender Schulen in die Praxis umzusetzen.
Sie verwiesen auf jüngste gemeinsame
amerikanisch-sowjetische
Initiativen
in den Bereichen Kultur, Theater und
Film als Beispiele neuer Möglichkeiten der Zusammenführung von Menschen
aus kreativen Berufen.
Beide Staatsmänner bemerkten die
sich schnell intensivierenden Verbindungen zwischen beiden Ländern im
Sport, auch bei den jeweiligen nationalen olympischen Komitees und drückten ihre Unterstützung für die internationale olympische Bewegung aus,
die durch den Wettbewerb der Athleten
internationale Kooperation und Verständigung fördert.

Andere gemeinsame Aktivitäten
Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen auf den erfolgreichen Ausbau der Zusammenarbeit in
der Wissenschaft im Rahmen bilateraler Abkommen zum Umweltschutz, der
Medizin und
dem Gesundheitswesen,
Forschung und Entwicklung künstlicher
Herzen, Landwirtschaft
und Erforschung der Weltmeere, und sie bekundeten ihre Absicht zum weiteren Ausbau von Aktivitäten unter diesen Abkommen in den Bereichen, die für beide Seiten Nutzen bringen.
Der Präsident und der Generalsekretär verzeichneten erfreut die
Aufnahme der Arbeit an der Konzeption
eines Internationalen Thermonuklearen
Experimentellen Reaktors (ITER) unter
der Schirmherrschaft der Internationalen Atomenergiebehörde und unter
Beteiligung von Wissenschaftlern und
Experten aus den Vereinigten Staaten,
der Sowjetunion, den an der Atomenergie arbeitenden europäischen Ländern
und Japan. Beide Staatsmänner verwiesen auf die Bedeutung dieses nächsten Schritts zur Entwicklung der
Kernkraft als preiswerte, umweitfreudliche und Im wesentlichen unerschöpfliche Energiequelle zum Nutzen

- 10 -

�der ganzen Menschheit.
Der Präsident und der Ger.aralsekretär begrüßten die Übereinkunft
von Vertretern der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, Kanadas und
Frankreichs, in nächster Zukunft das
weltraumgestutzte Such- und Rettungssystem zur weltweiten Rettung von
Menschenleben - COSPAS/SARSAT - zu
institutionalisieren.
Beide
Staatsmämmer
bekräftigen
erneut ihre Unterstützung für das
Ziel von WHO und UNICEF, das Ausmaß
der zu verhindernden Kindersterblichkeit mit den wirkungsvollsten Methoden zur Rettung der Kinder zu verringern. Sie drängten andere Länder und
die internationale Gemeinschaft, die
Anstrengungen zur Erlangung dieses
Ziels zu intensivieren.
Initiativen zum Klima auf der Erde
und zur Veränderung der Umwelt
Beide Staatsmänner drückten ihre
Befriedigung über die seit dem Gipfeltreffen in Washington unternommenen Aktivitäten zum Ausbau der Zusammenarbeit im Hinblick auf das Klima
auf der Erde und die Veränderung der
Umwelt aus, einschließlich der beide
Seiten betreffenden Bereiche wie Umweltschutz, insbesondere der Schutz
und die Erhaltung der Ozonschicht und
die mögliche Tendenz zur Erwärmung
des Klimas.
Sie betonten ihren
Wunsch zur aktiveren Nutzung der einzigartigen Möglichkeiten, die die
Weltraumprogramme beider Länder zur
Durchführung der weltweiten Beobachtung der Umwelt und der ökologischen
Bedingungen der Landmassen, Weltmeere
und der Erdatmosphäre bieten.
Sie
unterstrichen die Notwendigkeit der
zukünftigen Weiterführung bilateraler
und multilateraler Zusammenarbeit in
diesem wichtigen Bereich.

Initiative für mehr Zusammenarbeit
bei der zivilen Nutzung des Weltraums
Beide Staatsmänner erkannten das

seit langem bestehende Engagement
beider Länder für die Weltraumwissenschaft und die Erforschung des Alls
an und verwiesen auf die im Rahmen
der Gemeinsamen Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von 1987 über die Erforschung und Nutzung des Weltraums für
friedliche
Zwecke erzielten Fortschritte. In diesem Zusammenhang einigte man sich auf eine neue Initiative zum Ausbau der Zusammenarbeit im
Weltraum im zivilen Bereich durch die
Gewährung gegenseitiger Flugmöglichkeiten für wissenschaftliche Instrumente im jeweils anderen Raumfahrzeug
und durch den Austausch von Ergebnissen unabhängiger nationaler Studien
über zukünftige unbemannte Missionen
zur Erforschung des Sonnensystems.
Damit soll eine Beurteilung über die
zukünftige
amerikanisch-sowjetische
Zusammenarbeit bei solchen Missionen
ermöglicht werden. Beide Staatsmänner vereinbarten ebenfalls den erweiterten Austausch von Daten und Wissenschaftlern im Bereich der Weltraumwissenschaft sowie die Verbesserung des wissenschaftlichen Nutzens,
der aus den Forschungsmissionen beider Länder im Weltraum gezogen werden
kann.
Sie verwiesen auf wissenschaftliche Missionen zum Mond und
zum Mars als Bereiche möglicher bilateraler und internationaler Kooperation.

Kontakte und Kooperation am Nordpol
Beide Staatsmänner berücksichtigten die einzigartigen ökologischen
und
demographischen
Merkmale
des
Nordpols und bestätigten ihre Unterstützung erweiterter bilateraler und
regionaler Kontakte sowie der Zusammenarbeit in diesem Bereich.
Sie
verwiesen auf Pläne und Möglichkeiten
für mehr wissenschaftliche und ökologische Zusammenarbeit im Rahmen einer
Reihe bilateraler Abkommen sowie im
Rahmen eines Internationalen Komitees
zur Erforschung des Nordpols, der
Länder angehören, die Interessen in
der Region verfolgen. Sie haben ihre
Unterstützung für mehr menschliche

- 11 -

�Kontakte zwischen der Bevölkerung
Alaskas und der Sowjetunion bekundet.
Der Präsident und der Generalsekretär verwiesen in diesem Zusammenhang auf die positive Rolle des
multilateralen
Antarktis-Vertrages
und betonten die Bedeutung der wissenschaftlichen und umweltpolitischen
Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in
dieser Region.

Wirtschaft und Handel
Beide Seiten bestätigten ihre
einhellige Unterstützung für den Ausbau von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zum beiderseitigen Nutzen
und verwiesen auf jüngste Aktivitäten
in diesem Bereich. Sie verliehen ihrer Überzeugung Ausdruck, wirtschaftlich lebensfähige und mit den Gesetzen und Bestimmungen beider Länder im
Einklang befindliche Joint Ventures
könnten bei der weiteren Entwicklung
der Wirtschaftsbeziehungen eine Rolle
spielen. Sie begrüßten die Ergebnisse der Zusammenkunft der Gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Wirtschaftskommission im April und bemerkten mit Befriedigung die Schaffung von Arbeitsgruppen im Rahmen der
Kommission, mit denen bessere Bedingungen hervorgebracht werden sollen,
im Rahmen derer sich ein für beide
Seite vorteilhafter Handel entwickeln
kann. Unter Verweis auf die Gemeinsame Erklärung von 1974 sowie das
Protokoll mit dem Anhang des langfristigen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der
Union Sozialistischer Sowjetrepubliken zur Erleichterung wirtschaftlicher, industrieller und technischer
Zusammenarbeit, das beim Abschluß der
Geraeinsamen
Wirtschaftskommission
veröffentlicht wurde, kam man überein, daß die Kommission weiterhin zusammentreffen sollte, ,um auf den bisherigen Impulsen aufzubauen.
Beide Staatsmänner verwiesen auf
den Ausbau der Beziehungen zwischen
Aeroflot und Pan American Airlines
- 1

unter dem zwischen beiden Regierungen
geschlossenen Abkommen über den zivilen Luftverkehr als positives Beispiel der Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen.

Austausch über
Konsulate/Diplomatische und
konsularische Vertretungen
Der Präsident und der Generalsekretär bestätigten ihre Vereinbarung, in Kiew und New York Generalkonsulate zu eröffnen, sobald dies
praktikabel ist.
Beide
Staatsmänner
erörterten
Fragen im Hinblick auf die Gewährleistung angemessener und sicherer Bedingungen für amerikanische und sowjetische diplomatische und konsularische Einrichtungen und deren Personal auf dem Territorium des anderen.
Sie waren sich über die Notwendigkeit
einig, Fragen zu diesem Problemkreis
konstruktiv und auf der Basis der Gegenseitigkit anzugehen.

Zukünftige Treffen
Der Präsident und der Generalsekretär erkennen die Bedeutung ihrer
persönlichen Beteiligung an der Entwicklung der Beziehungen in den kommenden Monaten und wiesen die Außenminister Shultz und Schewardnadze an,
sich gegebenenfalls zu treffen und
ihnen Möglichkeiten vorzuschlagen, um
weitere praktische Fortschritte bei
der gesamten Bandbreite von Themen zu
gewährleisten.
Kontakte auf Expertenebene werden auf einer intensivierten Grundlage weitergeführt.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
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"""

Hintergrundmaterial

Ä&lt;

8. Juni 1988

22

DIE VEREINBARUNGEN ÜBER DAS GEMEINSAME AMERIKANISCH-SOWJETISCHE
VERIFIZIERUNGSEXPERIMENT
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

Die folgende Übersicht zu den Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische Verifizierungsexperiment (JVE) wurde am 31. Mai 1980 in Moskau vom Weißen Haus veröffentlicht:

Die Arbeitsgruppe Sicherheit und
Rüstungskontrolle hat die technischen
Einzelheiten des Gemeinsamen Verifizierungsexperiments
fertiggestellt,
und damit können wir diese Vereinbarungen heute unterzeichnen.
Dies ist ein bedeutender Schritt
zu einem Abkommen über effektive Verifizierungsmaßnahmen, die uns die
Ratifizierung des Schwellenvertrages
(TTBT) und des Vertrages über Kernexplosionen
zu
friedlichen
Zwecken
(PNET) erlauben würden.
Die Vereinbarungen über das JVE
werden jeder Seite eine Gelegenheit
bieten, den Detonationswert einer
Kernexplosion der jeweils anderen
Seite zu messen und dabei jeweils das
eigene, bevorzugte Verfahren anzuwen-

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den.
Die Vereinigten Staaten hoffen,
daß bei Abschluß des JVE-Prozesses zu dem auch die Auswertung durch jede
Seite und der Austausch von Daten gehören - die Sowjets in der Lage sein
werden, die routinemäßige Anwendung
des CORRTEX-Verfahrens als angemessene Verifizierungsmethode der Vereinigten Staaten zu akzeptieren. Wir
hoffen, daß das JVE diesen Sommer abgeschlossen werden kann.
Die
technischen
Vereinbarungen
umfassen ca. 160 Seiten, darunter 37
Anhänge. Die beiden durchzuführenden
Tests werden über 100 Kilotonnen und
annähernd bei der TTBT-Obergrenze von
150 Kilotonnen liegen. Der amerikanische Test wird auf dem Versuchsge-

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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�lande in Nevada, der sowjetische Test
auf dem Versuchsgelände von Semipalatinsk stattfinden.

* * * * *

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AMERIKA DIENST

Ä&lt;

Hintergrundmaterial
8. Juni 1988

22

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ÜBER DIE
FRIEDLICHE NUTZUNG DER KERNENERGIE
- Eine Übersicht Die nachfolgende Übersicht zum amerikanisch-sowjetischen Abkommen über die
Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde am 31. Mai
vom Weißen Haus in Moskau veröffentlicht.

Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über wissenschaftliche und
technische Zusammenarbeit im Bereich
der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde in seiner Urfassung im Juni
1973 von Präsident Nixon und Generalsekretär
Breschnew
unterzeichnet.
Der Energiebehörde obliegt die Verwirklichung der Zusammenarbeit, und
sie trägt die Verantwortung im Hinblick auf den Ablauf und die Oberaufsicht der amerikanischen Beteiligung
an Aktivitäten gemäß diesem Abkommen.
Das Abkommen sieht die Zusammenarbeit in den Bereichen Kernschmelzung und Hochenergiephysik vor und
wird weiterhin als Grundlage für zukünftige bilaterale Aktivitäten zur
zivilen Nutzung der Kernenergie dienen. Beim Abschluß des siebten Tref-

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fens des gemeinsamen Ausschusses für
das Abkommen am 2. Mai 1988 in Washington beschlossen beide Seiten
eine einjährige Verlängerung des Abkommens, damit Zusatzartikel zur Urfassung beschlossen werden konnten,
einschließlich solcher Bestimmungen
zum zusätzlichen
Schutz geistigen
Eigentums.
Beide Seiten bekundeten
nach Vereinbarung der Zusatzartikel
ihr Interesse an der Verlängerung des
Abkommens für einen Zeitraum von fünf
bis zehn Jahren.
Sie vereinbarten
ebenfalls neue Arbeitsprogramme zur
Kernschmelzung und Physik und unterzeichneten eine neue Gemeinsame Vereinbarung über die Sicherheit von
Atomreaktoren im zivilen Bereich, die
damit in Kraft trat.
Angesichts

der sich

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aus diesem

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�seit langem bestehenden Abkommen ergebenden Vorteile und im Hinblick auf
die Bedeutung der neuen Übereinkunft
über Sicherheit von Atomreaktoren
kamen beide Seiten überein, die Verlängerung mit einem Austausch diplomatischer Noten anläßlich des Besuchs
von Präsident Reagan in der Sowjetunion zu vollziehen.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial
8. Juni 1988

22

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES ABKOMMEN ZUR
ZUSAMMENARBEIT IM WELTRAUM
- Eine Übersicht -

Die folgende Übersicht über das amerikanisch-sowjetische Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum wurde vom Weißen Haus am 31. Hai in Moskau herausgegeben :
Im April 1987 unterzeichneten der
amerikanische
Außenminister
Shultz
und der sowjetische Außenminister
Schewardnadse das Abkommen zur Zusammenarbeit bei der Erforschung und
Mutzung des Weltraums zu friedlichen
Zwecken. Das Abkommen sieht die Einrichtung von fünf gemeinsamen Arte itsgruppen auf den Gebieten der Erforschung des Sonnensystems, Weltraum-Astronomie und Astrophysik, Geowissenschaften,
Sonnenphysik
mit
Rückwirkung auf die Erde (solar terrestrial physics), sowie der Weltraumbiologie und -medizin vor. Sämtliche
fünf Arbeitsgrupen haben Sitzungen
abgehalten. Ihre Tagesordnungen basierten auf mindestens einem der ursprünglichen 16 gemeinsamen Projekte,
die im Anhang des Weltraumabkommens
aufgelistet sind.

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Embassy of the United States of America

Angesichts der im Rahmen des
Weltraumabkommens
erzielten
Fortschritte haben beide Seiten vereinbart, die Zusammenarbeit bei der
Weltraumwissenschaft
kontinuierlich
auszuweiten. Sie kamen überein, den
Austausch von Daten aus der Weltraumwissenschaft und von Wissenschaftlern
zu verstärken und gegenseitig Möglichkeiten des Transports von wissenschaftlichen Instrumenten in den bemannten oder unbemannten Raumtransportern beider Seiten einander anzubieten. Schließlich haben sie sich
dazu verpflichtet, die Ergebnisse unabhängiger nationaler Studien über
zukünftige unbemannte Missionen zur
Erforschung des Sonnensystems auszutauschen, um mit deren Hilfe die Aussichten auf eine zukünftige amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit bei
derartigen Missionen zu bewerten.

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Wissenschaft und Technik

8. Juni 1903

22

BIOTECHNIK - EINE ZUKUNFTSINDUSTRIE
- OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen -

Das Amt für Technologiebewertung
(Office of Technology Assessment OTA) , eine Forschungsinstitut des
US-Kongresses hält Umweltprobleme infolge der Freisetzung genetisch veränderter Organismen bei begrenzten
Tests außerhalb von Laboratorien für
unwahrscheinlich. Das geht aus einem
Bericht hervor, der die Ergebnisse
einer von OTA durchgeführten Dreijahresstudie
zusammenfaßt.
Damit
liegt die gründlichste Analyse im
Hinblick auf mögliche Probleme vor,
die durch das Einbringen künstlich
erzeugter Organismen in die Umwelt
entstehen könnten. Die gegenwärtig
üblichen Prüfungsverfahren für die
Felderprobung genetisch manipulierter
Lebensformen reichen demnach aus, um
die meisten denkbaren Probleme im voraus zu erkennen und zu verhindern.

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Luther Val Giddings, der Leiter der
Wissenschaftlergruppe, sieht jedoch
keine Gewähr dafür, daß dies mit
fortschreitender Technik und ehrgeizigeren
Anwendungsversuchen
auch
künftig der Fall sein wird.
Gentechnik zielt darauf ab, die
Erbsubstanz lebender Zellen so zu
verändern, daß diese neue Substanzen
produzieren oder neue Funktionen erfüllen können. Genetisch veränderte
Organismen dienen den verschiedensten
Zwecken - beispielsweise der Gewinnung von Vakzinen zum Schutz von
Mensch und Tier, der Züchtung neuer
Pflanzensorten mit verbesserter Resistenz gegen Krankheiten, Schädlinge
und Herbizide, der Produktion von Mikroben,
die
Ernteverluste
durch
Frosteinwirkung verringern oder durch

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�den Abbau toxischer Abfälle die Qualität der Umwelt verbessern.
Manche Wissenschaftler und Umweltschutzgruppen äußerten sich besorgt, einmal freigesetzte veränderte
Mikroben könnten sich vermehren und
ausbreiten und dann vielleicht andere
Organismen schwer schädigen oder empfindliche ökologische Systeme aus
dem Gleichgewicht bringen. Der OTABericht schließt potentielle Risiken
nicht aus: "Praktisch jeder Organismus, der in eine neue Umgebung gelangt, wird eine geringe, aber doch
reale Chance zu überleben und zur
Vermehrung haben. Das könnte in manchen Fällen unerwünschte Konsequenzen
haben". Jedoch seien solche Sorgen
eher bei irgendwann in der Zukunft zu
erwartenden großräumigen Tests oder
kommerzieller Anwendung berechtigt.
"In der Tat dürften begrenzte,
kleine Feldtests der einzige Weg
sein" - sagen die Verfasser des Berichts - "um Unsicherheiten in bezug
auf diese oder jene kommerzielle Anwendung genetisch veränderter Organismen zu klären. Ergeben sich dabei
keine
besorgniserregenden
Fragen,
dürfte aus wissenschaftlicher Sicht
kein Grund bestehen, Feldtests oder
die Anwendung
in größerem Rahmen
nicht in Angriff zu nehmen". Vor
einem Unterausschuß des US-Repräsentantenhauses verwies Giddings darauf,
es sei für die zuständigen Behörden
wichtig, wenn auch schwierig, die
richtige Mischung von Vorsicht und
sachgerechter Beurteilung zu finden,
so daß kein ehrgeiziges Projekt ohne
angemessene Überprüfung "durchschlüpfen" könne.
Seit Oktober 1986 haben das USLandwirtschaftsministerium
und
die
Bundesumweltschutzbehörde
EPA
34
Feldtests mit genetisch veränderten
Mikroben oder Pflanzen genehmigt.
Als erstes Unternehmen erhielt im
April vergangenen Jahres eine kalifornische Biotechnikfirma die Erlaubnis zu einem Freilandtest mit genetisch veränderten Bakterien, die Erdbeerpflanzen vor Frostschäden bewah-

ren sollten. Inzwischen wurde Anträgen von zwei weiteren Biotechnik-Firmen stattgegeben; über den Antrag
eines vierten Unternehmens auf Erprobung eines gentechnisch produzierten
Pestizids zum Schutz von Mais, soll
in allernächster
Zeit entschieden
werden.
Der
Kongreßabgeordnete
James
Scheuer, Vorsitzender des Unterausschusses für Natürliche Ressourcen,
Agrarforschung und Umwelt, äußerte
allerdings "ernste Besorgnis", ob die
von Bundesbehörden erlassenen Vorschriften im Zusammenhang mit der
Freisetzung genetisch veränderter Organismen den Problemen gerecht werden. "Von konkreten, klaren Verwaltungsvorschriften für biotechnische
Produkte scheinen wir noch weit entfernt zu sein", meinte er. "Dennoch
werden solche Produkte weiterhin geprüft und ihre Freisetzung erlaubt.
Diese Situation dürfte in Zukunft bei
dem erwarteten dramatischen Anstieg
angewandter Biotechnik nicht befriedigend sein."
Die Biotechnik gilt als eine
künftige Schlüselindustrie. Aus diesem Grund kommt nach Ansicht führender Persönlichkeiten in der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (NAS) den Aktivitäten von
Kongreß und Regierung zum Schutze der
Öffentlichkeit,
gleichzeitig
aber
auch zur Bewahrung der Wettbewerbsfähigkeit
der
amerikanischen
Wirtschaft, ganz besondere Bedeutung zu.
Die Akademie kann eine nützliche Rolle spielen, indem sie den Politikern
hilft, zwischen echten und hypothetischen Problemen
zu unterscheiden.
Der NAS-Ausschuß, der im August 1987
einen Bericht zum Thema der Anwendung
gentechnisch
erzeugter
Organismen
veröffentlicht hatte, befürwortet ein
Klassifizierungssystem,
mit
dessen
Hilfe abgeschätzt werden kann, ob genetisch veränderte Organismen, deren
Freisetzen beabsichtigt ist, ein Risiko darstellen. Dieses System könnte z.B. an der Art der durch genetische Manipulation eingeführten Funktionen, an der natürlichen Umwelt und

�den ökologischen Merkmalen der betreffenden Organismen und an den Gegebenheiten des Gebietes orientiert
sein, in dem die Organismen freigesetzt werden sollen .
* * * * *

- 3 -

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AMERIKA DIENST
A

Wissenschaft und Technik

8. Juni 1988

22

ERREGER DER NON-A-NON-B HEPATITIS ENTDECKT
- Bluttests in der Erprobung -

Das dritte Hepatitis-Virus, das
sich im Gegensatz zu den Typen A und
B lange Zeit dem mikrobiologischen
Nachweis entzog, wurde endlich identifiziert. Wissenschaftler der Chiron-Corporation, eines Biotechnik-Unternehmens im Emeryville (Kalifornien) , berichteten kürzlich auf einem
wissenschaftlichen Symposion der Universität Kalifornien in San Francisco
über ihre Entdeckung. Zusammen mit
Forschern der Zentren für Seuchenüberwachung in Atlanta (Georgia) wurden Teile des Erregers sogar schon
kloniert, so daß Aussicht besteht,
Spenderblut auf Verseuchung durch Hepatitis-Viren vom Typ Non-A-non-B testen zu können. Fast 95 Prozent der
Leberentzündungen nach Bluttransfusionen gehen auf das Konto dieses Erregers. Mehr als 15 Jahre lang war

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in vielen Laboratorien der Welt an
seiner
Identifizierung
gearbeitet
worden. Da keine Züchtung auf Gewebekulturen gelang und die herkömmlichen Tiermodelle sich als nutzlos erwiesen, war er nur indirekt, nämlich
durch Ausschließen einer Infektion
mit Viren von Typ A und Typ B, nachweisbar.
Die auf dem Blutwege oder durch
engen persönlichen Kontakt übertragene Infektion ist weltweit ein Problem, vor allem in westlichen und
asiatischen Ländern.
Nach Angaben
der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (National Institutes
of Health - NIH) erkranken in den USA
jährlich bis zu 150 000 Personen infolge einer Bluttransfusion an einer
Leberentzündung, die auf der Infek-

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�tion mit dem Non-A-non-B-Virus beruht. Und pro Woche kommen zu den
Fällen von chronischer Hepatitis, die
auf eine Transfusion zurückzuführen
sind, 1500 neue hinzu.
Edward E. Penhoet, Präsident der
Chiron-Corporation, verwies auf einer
Pressekonferenz in Washington darauf,
daß "unsere Entdeckung und die sich
daran anschließenden Arbeiten einen
bedeutsamen Schritt darstellen, der
Millionen von Menschen zugute kommen
wird". Gegenwärtig werden mit einem
Prototypverfahren
zur
Untersuchung
von Blut auf Antikörper gegen den
dritten Hepatitis-Virustyp und damit
zur Feststellung einer Infektion präklinische
Tests
durchgeführt.
Penhoet ist zuversichtlich, daß die
Behörde für Nahrungsund Arzneimittelüberwachung (FDA) noch in diesem Jahr
die Aufnahme klinischer Tests genehmigen wird. Gegenwärtig gibt es in
den Blutbanken, in Krankenhäusern
oder an anderen Stellen noch keine
Möglichkeit,
Non-A-non-B-Hepatitis
Infektionen direkt zu diagnostizieren. Die Symptome können sich als
milde bis schwere Gelbsucht, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit und
Mattigkeit äußern.
In der chronischen Form kann es zu Lebernekrose
und Leberzirrhose wie auch zu primärem Leberkrebs kommen.
Sobald das neue Verfahren zugelassen und verfügbar ist, könnten
Blutbanken mit einem relativ einfachen Test infiziertes Blut herausfinden. Durch Klonieren bzw. Genisolierung läßt sich Penhoet zufolge das
bei dem Bluttest verwendete Virusprotein reproduzieren.
Außerdem wird
das neue Verfahren die Ärzte in die
Lage versetzen, bei Patienten mit Hepatitissymptomen,
die
verschiedene
Ursachen haben können, exakte Diagnosen zu erstellen und den Verlauf der
Erkrankung während der Therapie zu
kontrollieren. Die Forschungen wurden von der Chiron-Tochterfirma Biocine Company durchgeführt, deren Wissenschaftler mit Ciba-Geigy in Basel
zusammenarbeiten.

- Hepatitis-B Chiron entwickelte auch als erstes Unternehmen auf gentechnischem
Wege eine Vakzine zur aktiven Schutzimpfung gegen Hepatitis-B.
Schätzungsweise 200 Millionen Menschen,
meist in Entwicklungsländern, sind
mit Hepatitis-B infiziert. Die aktive Vakzine wird, da sie sehr kostspielig ist, meist nur bei besonders
exponierten Personen, z.B. im Gesundheitsdienst, durchgeführt.
Es gibt
auch eine passive Immunprophylaxe,
die einige Monate lang bei Infektionen vor der schweren Form einer Hepatitis-B-Erkrankung schützt.

•
i

Wissenschaftler der Universität
Kalifornien in Davis setzten sich
jetzt dafür ein, Tests auf Hepatitis-B-Infektion bei Neugeborenen routinemäßig durchzuführen, um die Babies sofort zu immunisieren und damit
"unsägliches Leid und jährlich Kosten
von Millionen von Dollars zu ersparen".
Gegenwärtig werden, so Dr.
Jose A. Arevalo, nur Schwangere auf
Hepatitis-B getestet, die als "großes
Risiko" gelten. Wird dieses Kriterium jedoch als einziger Indikator
benutzt, übersieht man bis zu 50 Prozent chronisch infizierter schwangerer Frauen. Betrachtet man die direkten und indirekten Kosten der Erkrankungen, so sind Test-und Immunisierungsprozeduren mehr als gerechtfertigt.

- 2 -

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gipfeltreffen führte zu "erweitertem Dialog"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die gemeinsame Abschlußerklärung des Moskauer Gipfels &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinbarungen über das gemeinsame amerikanisch-sowjetische&lt;br /&gt;Verifizierungsexperiment&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen über die friedliche Nutzung der Kernenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Abkommen zur Zusammenarbeit im Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Biotechnik - eine Zukunftsindustrie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;OTA-Studie zu Umweltproblemen durch künstlich erzeugte Organismen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erreger der Non-A-non-B Hepatitis entdeckt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bluttests in der Erprobung&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^r,

D

N ^

Z 12462 C

8. Juni 1994

22

D-DAY

CLINTON RUFT AMERIKANER
ZUM
GEDENKEN AN DIE LEHREN DES ZWEITEN
WELTKRIEGS AUF
Gedenkbotschaft des Präsidenten
CLINTON FORDERT DEN GEIST DER
LANDUNG IN DER NORMANDIE FÜR DIE
HEUTIGEN HERAUSFORDERUNGEN
Erklärung des Präsidenten vor Euröpareise
CLINTON EHRT DIE GEFALLENEN
Ansprache an Bord der USS
Washington

George

AUSSENPOLITIK

DIE AMERIKANISCHE VISION:
EIN
INTEGRIERTES EUROPA VOM ATLANTIK
ÜBER GANZ RUSSLAND
WorldNet-Interview mit Außenminister Christopher
- Auszüge

USA-CHINA

USA
UNTERSTÜTZEN
WELTWEIT
DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE
Ansprache von Außenminister Christopher

NORDKOREA

USA NEHMEN KONSULTATIONEN ÜBER
SANKTIONEN GEGEN NORDKOREA AUF
Gespräche mit UNO und Verbündeten

BOSNIEN

DER
BOSNIEN-VERTRAG
RETTETE
MENSCHENLEBEN
Rede von Botschafter Galbraith in Zagreb

SPORT

"LIEBE IST WIE EIN BASEBALLSPIEL:
ZUSCHAUERSPORTARTEN
UND DIE
AMERIKANISCHE KULTUR (II)
von John R. Eidson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 334102

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON RUFT AMERIKANER ZUM GEDENKEN AN
DIE LEHREN DES ZWEITEN WELTKRIEGS AUF
Gedenkbotschaft des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat die Amerikaner dazu aufgerufen, sich angesichts der
bevorstehenden Feierlichkeiten aus Anlaß des 50. Jahrestages der Landung der Alliierten in der Normandie
erneut mit den aus diesem verhängnisvollen Konflikt zu ziehenden Lehren zu befassen und die Werte des
menschlichen Anstands zu bekräftigen.

In einer am 2. Juni 1994 veröffentlichten Gedenkbotschaft erinnerte Präsident Clinton daran, daß diejenigen,
die den Krieg führten und gewannen den Amerikanern das Recht sicherten, "dem Land der Freiheit
anzugehören. Es ist daher angemessen und erforderlich, daß wir ihrer gedenken und ihnen danken."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten im Wortlaut.

Vor fünfzig Jahren befand sich diese Nation im
Krieg.
Vor fünfzig Jahren kämpften die Amerikaner Seite an
Seite mit Männern und Frauen aus 32 anderen
Ländern - geeint im Kampf gegen die klar definierten
Kräfte des Bösen und der Tyrannei.
Vor fünfzig Jahren hatten diejenigen, die zurückblieben und den Krieg an der Heimatfront kämpften,
keinen Zweifel an der Rechtmäßigkeit unserer Sache
und zeigten sich der Lage ohne Zögern gewachsen.
Jeder einzelne - von den Vertretern unserer Wirtschaft bis zu unseren Müttern und Schwestern, die
sich über Nacht dem Bataillon der Fabrikarbeiterinnen anschlössen - engagierte sich für eine Welt,
deren Rettung der Mühe wert war, für Werte, die zu
erhalten sich lohnte.
Vor fünfzig Jahren führten und gewannen die Amerikaner diesen Krieg. Und als unsere Männer und
Frauen nach Hause zu denjenigen zurückkehrten,
die diesen Krieg mit ihnen gekämpft hatten, wurden
sie als Helden gefeiert - die nicht um ein Imperium
oder einen Schatz gekämpft hatten, sondern um die
Freiheit und das Gute und gegen das Böse.

AMERIKA DIENST 22

Das Böse waren Hitler und der Blitzkrieg, sein
wahnsinniger Eroberungskrieg. Das Böse waren die
Konzentrationslager und die vorsätzliche Ausrottung
von Millionen Menschen. Das Böse waren die
Angriffe auf Pearl Harbor, die Todesmärsche auf den
Philippinen und die Versklavung wehrloser Nationen.
Das Gute waren der Glaube der freien Welt an den
Geist und die Freiheit des Menschen und das einfache Konzept menschlichen Anstands.
Es gibt eine amerikanische Tradition, die aus dem
Ackerland des Südens, dem offenen Land des
äußersten Westens, den Städten des Ostens und den
Industriegebieten des Mittleren Westens stammt - die
Tradition, sich für menschlichen Anstand einzusetzen.
Genau darum ging es im Zweiten Weltkrieg. Das ist
sein Vermächtnis, und ich hoffe, daß bei dem Gedenken an den 50. Jahrestag der Beendigung dieses
Krieges und an den Sieg sich alle Amerikaner erneut
mit den aus diesem verhängnisvollen Konflikt zu
ziehenden Lehren befassen und die Werte des
menschlichen Anstands bekräftigen.
In den kommenden zwei Jahren werden meine Frau,
Tipper und AI Gore und ich hoffentlich mit Ihnen allen
an den Gedenkfeiern aus Anlaß des 50. Jahrestages
der Beendigung des Zweiten Weltkriegs teilnehmen.
Ich habe den Verteidigungsminister gebeten, die aus

Seite 1

�diesem Anlaß abgehaltenen Veranstaltungen aufeinander abzustimmen und rufe alle Veteranen-, Regierungs-, zivilen, wirtschaftlichen und sozialen Organisationen dazu auf zu demonstrieren, daß eine
dankbare Nation im Gedenken geeint ist.

Diejenigen, die vor uns die Stellung hielten, haben
uns das Recht gesichert, dem Land der Freiheit
anzugehören. Es ist angemessen und erforderlich,
daß wir ihrer gedenken und ihnen danken,

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 22

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON FORDERT DEN GEIST DER LANDUNG IN DER
NORMANDIE FÜR DIE HEUTIGEN
HERAUSFORDERUNGEN
Erklärung des Präsidenten vor Europareise
WASHINGTON - (AD) - Angesichts der die Vereinigten Staaten im In- und Ausland konfrontierenden neuen
Herausforderungen kommen die Erfolge Präsident Clinton zufolge nicht mit großer Geschwindigkeit. "Wir
müssen unsere Schlachten jedoch zu einem guten Ende bringen."
Vor dem Aufbruch zu seiner achttägigen Europareise, auf der er an den Gedenkfeierlichkeiten aus Anlaß des
50. Jahrestages der Landung in der Normandie teilnimmt, verglich der Präsident die derzeitige Situation mit
der Militäraktion in der Normandie und zitierte die Äußerung Präsident Franklin Roosevelts vom 6. Juni 1944:
"Der Erfolg wird nicht mit großer Geschwindigkeit kommen. Wir werden jedoch wieder und wieder
zurückkehren."
Nachfolgend veröffentlichen wir die offizielle Version der von Präsident Clinton vor seiner Abreise abgegebenen
Erklärung.

Vielen Dank, Colonel Nechey, für Ihre einleitenden
Worte, Ihre Ausführungen und Ihren heroischen
Einsatz für Ihr Land. General Sullivan, General
Talbott, Herr Stanton.

Ich werde gleich zu der historischen Europareise aus
Anlaß des 50. Jahrestages der Landung der Alliierten
in der Normandie und anderer entscheidender
Schlachten des Zweiten Weltkriegs aufbrechen.

Wir stehen heute im Schatten von Winged Victory,
der Statue zuoberst des Monuments der Ersten
Infanteriedivision, der Big Red 1. Das Motto spricht
für sich: "Kein Auftrag ist zu schwierig, kein Opfer
zu groß, die Schönheit steht an erster Stelle". Die
Nummer Eins ist nicht nur im Namen Ihrer Division
enthalten, sondern demonstriert auch, welches
Vertrauen Ihr Land schon seit langer Zeit in Sie
setzt.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um dem
Verteidigungsministerium und dem Ausschuß für das
Gedenken an den Zweiten Weltkrieg für die bei der
Organisation dieser Feierlichkeiten geleistete harte
Arbeit zu danken. In Europa werden wir der Opfer
der Generation gedenken, die diesen großen Krieg
geführt hat. Sie hat uns zu 50 Jahren der Freiheit
und starken nationalen Souveränität verholten,
Generationen junger Amerikaner hervorgebracht und
uns die Chance gegeben, gemeinsam mit anderen
Ländern den Kalten Krieg zu beenden und das 21.
Jahrhundert vorzubereiten.

Sie standen seit Beginn Ihres Bestehens im Kampf
an erster Stelle: Die ersten in Paris im Ersten
Weltkrieg, die ersten an der Küste der Normandie,
die erste Armeedivision in Vietnam, die ersten, die
bei der Operation Wüstensturm die irakischen
Verteidigungsstellungen durchbrachen.

AMERIKA DIENST 22

Bevor wir abreisen um jener zu gedenken, die im
Zweiten Weltkrieg kämpften und starben, sollten wir
meines Erachtens hier auf amerikanischem Boden
ein Wort über diejenigen sagen, die während des
Krieges zu Hause blieben und ebenfalls Helden sind.

Seite 1

�Sie leisteten einen Beitrag: Die Frauen, die Flugzeuge bauten oder Bandagen rollten, die Landwirte,
die Nahrungsmittel für die Truppen anbauten,
Männer in meinem Bundesstaat und in vielen
anderen, die 16 Stunden in den Kohlenbergwerken
arbeiteten, den Kohlenstaub einatmeten und ihre
Körper schunden, um unsere Produktionsmaschinerie in Gang zu halten, oder die Kinder, die Schrott
und Gummi für die Produktion sammelten. Die
Heimatfront, die Armee der Demokratie, die sich um
ihre Lieben in Übersee sorgte, behielt den Glauben
an die nach dem Krieg zu erntenden Früchte bei,
wodurch die Landung in der Normandie und der
Sieg ermöglicht wurden.
Unter der starken Führung Präsident Roosevelts
weckten diese Menschen das schlummernde Genie
der riesigen amerikanischen Industrie. 1940 besaß
unsere Marine nicht ein Landungsboot. 1944 waren
es mehr als 25.000. 1940 produzierten die Vereinigten Staaten monatlich nicht einmal 500 Flugzeuge. 1941 forderte Franklin D. Roosevelt die Produktion von über 4.000 monatlich an, worauf ihn jeder
füi ein wenig übergeschnappt hielt. Am Tag der
Landung der Alliierten in der Normandie produzierten
die Fabrikarbeiterinnen Amerikas und ihre Kolleginnen andernorts doppelt soviele Flugzeuge, wie
Roosevelt gefordert hatte.
Nach dem Krieg setzte dieselbe Generation ihre
Energie für die Schaffung neuen Wohlstands ein.
Sie baute Schulen und Autobahnen und schuf durch
das Gl-Gesetz, die Wohnungsbauinitiativen und
anderes einen Sinn für das gemeinsame Ziel, der
das Land wieder auf den normalen Weg führte und
zum Entstehen der stärksten Mittelschicht in der
Geschichte des Menschen führte.
Am Tag der Landung der Alliierten in der Normandie
versammelten sich die Amerikaner vor den Radios
und stimmten in Präsident Roosevelts Gebet ein.
"Der Erfolg", äußerte er, "kommt vielleicht nicht mit
großer Geschwindigkeit. Wir werden jedoch wieder

*

Seite 2

*

und wieder zurückkehren. Und wir wissen, daß durch
Deine Gnade und die Rechtmäßigkeit unserer Sache
unsere Söhne triumphieren werden."
Heute werden wir im In- und Ausland mit neuen
Herausforderungen konfrontiert. Wir wissen heute
wie damals, daß der Erfolg sich nicht mit großer
Geschwindigkeit einstellt.
Wir müssen unsere
Schlachten jedoch zu einem guten Ende bringen.
Ebenso wie vor 50 Jahren am Tag der Landung in
der Normandie wird Amerika auch am Montag, den 6.
Juni bei der Arbeit sein. Sie werden an diesem
Montag vielleicht einen Moment in der Arbeit innehalten und jenes Tages vor 50 Jahren gedenken, an
dem die Männer und Frauen Amerikas die Demokratie in Europa retteten und den Lauf der Weltgeschichte veränderten.
Wo immer Sie sich an diesem Tag befinden, werden
Sie hoffentlich etwas Zeit finden, den Feierlichkeiten
zuzuschauen. Ich hoffe, daß Sie sich Gedanken
darüber machen, wie wir das Vermächtnis ehren,
indem wir es fortführen. Das ist die größte Ehrbezeugung überhaupt.
Eines der größten Privilegien, die ich als Präsident
genieße, besteht darin, unser gesamtes Land bei der
Ehrung derjenigen zu vertreten, die den Zweiten
Weltkrieg gewannen. Diese Woche wollen wir alle vom Präsidenten bis zu jedem einzelnen Bürger unser Bestes geben, um einfach Danke zu sagen.
Danke für das von Euch Geleistete. Danke für das
von Euch durch Euer Opfer, Euren Mut und Eure
Entschlossenheit gegebene Beispiel.
Es ist angebracht, daß wir an diesem Ort damit
beginnen - im Schatten dieses großartigen Monuments der Ersten Armeedivision. Wir alle, alle
Amerikaner, sollten diese Woche in Dankbarkeit,
Nachdenklichkeit und mit Entschlossenheit verbringen.
Gott segne Sie alle und Gott schütze Amerika.

*

*

AMERIKA DIENST 22

�D - DAY
8. Juni 1994

CLINTON EHRT DIE GEFALLENEN
Ansprache an Bord der USS George Washington
Colleville-sur-Mer - (AD) - In einer feierlichen Zeremonie im Morgengrauen an Bord der USS George
Washington vor der Küste der Normandie ehrte US-Präsident Clinton am 6. Juni 1994 die vor 50 Jahren am
Tag des Einmarsches der Alliierten in der Normandie Gefallenen.
"Wir versammeln uns heute in der Stille kurz nach Sonnenaufgang, um jenes schicksalsschweren Morgens zu
gedenken, des Dreh- und Angelpunktes des Krieges und vielleicht sogar des 20. Jahrhunderts", erklärte der
Präsident.
"Wir sollten jedoch nie vergessen, daß zu diesem Zeitpunkt am 6. Juni 1944 für die an der Invasion Beteiligten
der Sieg alles andere als sicher war... und diese Wasser sind auf ewig durch ihr Opfer geweiht."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Vielen Dank, Herr Rockwell, Herr Minister, Herr
Admiral, Kapitän Sprigg, verehrte Mitglieder des
Kongresses, des Kabinetts, der Streitkräfte, verehrte
Veteranen, Familienangehörige und Freunde. Diese
neue, dem historischen Tag entsprechende Morgendämmerung ruft uns das Morgengrauen vor 50
Jahren ins Gedächtnis, den Anbruch eines neuen
Zeitalters, als sich Tausende von Kriegsschiffen zur
Befreiung Europas versammelten. Von den Kriegsschiffen der Alliierten abgegebene Geschützsalven
trafen auf die Strände der Normandie, während der
Himmel ein helles Grau annahm. Eine Unzahl
junger Männer in Landungsbooten machte sich an
die Eroberung dieser Strände.
Nach mehr als einjähriger hervorragender Planung
General Eisenhowers und seines aus Mitgliedern der
Alliierten bestehenden Stabs und derjenigen, die
sogar schon früher hier waren und nach einer
quälenden, wetterbedingten Verzögerung brach
endlich der D-Day an - heute vor exakt 50 Jahren.
Wir versammeln uns heute in der Stille kurz nach
Sonnenaufgang, um jenes schicksalsschweren
Morgens zu gedenken, des Dreh- und Angelpunktes
des Krieges und vielleicht sogar des 20. Jahrhunderts.
Wir sollten jedoch nie vergessen, daß zu diesem
Zeitpunkt am 6. Juni 1944 für die an der Invasion

AMERIKA DIENST 22

Beteiligten der Sieg alles andere als sicher war. Das
Wetter war bedrohlich, die See aufgewühlt, der Feind

hatte feste Stellung bezogen. Selbst wenn die Pläne
in allen Einzelheiten vorliegen, kann das Chaos der
Schlacht die besten Pläne über den Haufen werfen,
und bei einigen unserer Einheiten liefen die Pläne
schief. General Eisenhower hatte sogar schon eine
Erklärung für den Fall vorbereitet, daß die Operation
scheitern sollte.
Als die Stunde kam, war jeder an der Invasion
Beteiligte gezwungen, sich auf seine Art darauf
vorzubereiten. Wir wissen heute, daß einige Soldaten und Seeleute Briefe an ihre Frauen schrieben,
oder an ihre Kinder, die sie nie in den Armen gehalten hatten. Einige machten Würfelspiele und hofften
auf eine Glückssträhne. Andere versuchten zu lesen,
wieder andere beteten. Ein jüdischer Offizier, Kapitän Irving Gray, bat den Kaplan seines Landungsbootes, ein Gebet zu sprechen: "An den Gott, an
den wir alle glauben, seien wir Protestanten, Katholiken oder Juden, daß unsere Mission gelingen möge
und wir wieder sicher nach Hause zurückkehren."
Als die Nachricht von der Invasion die zu Hause
gebliebenen Amerikaner erreichte, wandten sie sich
an Gott. In einer Schiffswerft in Brooklyn knieten die
Schweißer auf den Decks ihres Freiheitsschiffes
nieder und beteten zusammen das Vater Unser. Die

Seite 1

�Soldaten, die in Utah und auf Omaha Beach landeten, brauchten diese Gebete, denn sie fanden ein
schreckliches Gemetzel vor. Tausende kehrten nie
mehr nach Hause zurück. Denjenigen, die überlebten, halfen ihr Glaube an die Gnade ihres Schöpfers und an ihre eigenen Fähigkeiten, den Tag zu
überstehen. Und auch schierer Mut, Freiheits- und
Vaterlandsliebe.

Flagge. Als er davonschwamm, flatterte unsere
Fahne in der Meeresbrise. Der Untergang der Corry
war keine Niederlage. Heute liegt das Wrack dieses
Schiffes direkt unter uns - ein unsichtbares Monument für diejenigen, die zum Sieg in diesem großen
Krieg beitrugen. Dreizehn Mitglieder der Besatzung
der Corry liegen ebenfalls hier, und diese Wasser
sind auf ewig durch ihr Opfer geweiht.

Eine der bewegendsten Geschichten, die über DDay erzählt werden, und die der Marineminister
bereits angesprochen hat, ist die Geschichte der
USS Corry. Die von Minen zerrissene Corry, die
feindliche Positionen auf der Utah Beach attackierte,
begann zu sinken. Einer blieb jedoch an Bord. Er
erkletterte das Heck, nahm die Flagge ab, schwamm
und kletterte zum Hauptmast. Dort hißte er die

Vor fünfzig Jahren beendete General Eisenhower
seinen Tagesbefehl mit den Worten: "Wir wollen alle
den Allmächtigen Gott um seinen Segen für dieses
großartige und edle Unterfangen anflehen." Zu
Beginn dieses Gedenktages wollen wir ebenfalls den
Segen Gottes erbitten: Für alle, die vor 50 Jahren im
Dienste der Freiheit gefallen sind, und für die Amerikaner, die ihr nobles Werk fortsetzen. Gott segne
sie, und Gott segne Amerika.

* *

Se

'te

2

*

*

AMERIKA DIENST 22

�AUSSENPOLITIK
8. Juni 1994

DIE AMERIKANISCHE VISION: EIN INTEGRIERTES
EUROPA VOM ATLANTIK ÜBER GANZ RUSSLAND
WorldNet-Interview mit Außenminister Christopher - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Am Vorabend seiner gemeinsamen Europareise mit Präsident Clinton aus Anlaß der
Feierlichkeiten zum 50. Jahrestag der Landung in der Normandie erklärte US-Außenminister Christopher:
"Natürlich ist der Beginn der Reise ein Blick zurück in die Vergangenheit und ein großartiges Gefühl wegen
der Landung in der Normandie. Das wichtigste bei dieser Reise ist für mich jedoch in vielerlei Hinsicht der
Blick in die Zukunft.
In einem WorldNet-Interview mit Teilnehmern aus Bonn, Moskau und Warschau erklärte Außenminister
Christopher am 31. Mai 1994: "Unsere Vision, unser Traum ist der eines integrierten Europas, das sich vom
Atlantik über ganz Rußland erstreckt. Wenn wir das erreichen können, wird die Welt meines Erachtens
sicherer sein."
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Auszug aus dem per Satellit übertragenen WorldNet-Interview des USInformationsamts (United States Information Service - USIA).

Ansager:

eine

daß nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine

internationale Telekonferenz. Live aus unseren
Studios in der amerikanischen Bundeshauptstadt
Washington meldet sich jetzt Jim Harriott.

WorldNet

präsentiert

Dialog,

Anzahl von Institutionen geschaffen wurden, die für
uns gängige Begriffe geworden sind: Die NATO, das
Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT, die
Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung OECD. Aufgrund der Spannungen aus
der Zeit des Kalten Krieges waren wir jedoch nie in
der Lage, die Vorteile dieser wichtigen Institutionen
auf Mittel- und Osteuropa auszudehnen. Folglich
haben der Präsident und ich die Vorstellung, daß jetzt
die Zeit gekommen ist, die Vorteile dieser Organisationen auch dem Osten zugute kommen zu lassen.

Harriott: Ich begrüße Sie zu unserer WorldNetSendung Dialog. Es ist uns eine große Ehre,
Außenminister Christopher bei uns willkommen zu
heißen.
Christopher: Guten Morgen, Jim.
Harriott: Wir freuen uns immer, sie hier bei uns zu
Gast zu haben. Gleich werden die europäischen
Teilnehmer aus Deutschland, Rußland und Polen
zugeschaltet.
Herr Außenminister, Sie reisen
morgen nach Europa und werden an mehreren
Ministerkonferenzen teilnehmen. Könnten Sie bitte
kurz einige der Ziele der Administration bei diesen
Treffen umreißen?
Christopher: Ich werde morgen zusammen mit
dem Präsidenten aufbrechen. Natürlich ist der
Beginn der Reise ein Blick zurück in die Vergangenheit und ein großartiges Gefühl wegen der Landung
in der Normandie. Das wichtigste bei dieser Reise
ist für mich jedoch in vielerlei Hinsicht der Blick in
die Zukunft. Für mich ist die Tatsache interessant,

AMERIKA DIENST 22

Ich werde - soweit ich weiß am 8. Juni - in Paris an
dem Treffen der OECD teilnehmen.
Präsident
Clinton hat sich persönlich dazu verpflichtet, die
Vorteile der OECD den mitteleuropäischen Ländern
wie beispielsweise Ungarn, der Tschechischen
Republik, Polen und der Slowakischen Republik
zugänglich zu machen. Und ich werde bei unseren
Zusammenkünften in Paris darauf drängen. In Paris
soll auch ein bedeutendes Abkommen zwischen der
OECD und Rußland abgeschlossen werden, das
meines Erachtens ein bedeutender Schritt vorwärts
ist, damit Rußland einige der aus einer Mitgliedschaft
in der OECD resultierenden Vorteile genießen kann.

Seite 1

�Anschließend werde ich zu dem NATO-Treffen nach
Istanbul reisen, einer unserer regelmäßigen Zusammenkünfte. Wir werden dort weitere Fortschritte
an unserem Konzept einer Partnerschaft für den
Frieden machen. Es bestärkt uns außerordentlich
zu sehen, daß zum Zeitpunkt dieses Treffens bereits
20 Nationen einen Antrag auf Mitgliedschaft in der
Partnerschaft für den Frieden gestellt haben. Es
handelt sich hier um ein sehr wertvolles Konzept.
Alle Nationen werden an der Partnerschaft für den
Frieden als gleichberechtigte Partner teilhaben.
Keine erhält einen Sonderstatus. Natürlich sehen
wir der Teilnahme Rußlands an der Partnerschaft
erwartungsvoll entgegen. Wir werden im Rahmen
der Partnerschaft für den Frieden sehr wichtige
Beziehungen zu Rußland unterhalten. Gleichzeitig
werden wir jedoch auch außerhalb dieser Partnerschaft Kontakte zu Rußland pflegen, da dieses Land
über einzigartige Eigenschaften verfügt. Dies sind
für unsere Arbeit äußerst bedeutende Zusammenkünfte. Das allgemeine Konzept habe ich bereits
angesprochen - es ist einfach, aber solide und
enthält die Möglichkeit, die von uns nach dem
Zweiten Weltkrieg geschaffenen Institutionen nach
Osten hin zu erweitern. Ich danke Ihnen, Jim.
Harriott: Vielen Dank, Herr Minister. Wir begrüßen
jetzt unseren ersten Teilnehmer aus Bonn, Klaus
Prömpers vom Zweiten Deutschen Fernsehen. Sie
haben das Wort.
Frage: Herr Außenminister, um mit dem ersten Teil
Ihrer Europareise, dem OECD-Treffen in Paris zu
beginnen: Die Europäische Union versucht, Staaten
wie Polen, die Tschechische und die Slowakische
Republik, Ungarn und andere einzubeziehen.
Würden die Vereinigten Staaten Ihrer Ansicht nach
eine Aufnahme dieser Staaten in die Europäische
Union in, sagen wir, fünf oder zehn Jahren begrüßen?
Christopher: Das würden wir. Die Vereinigten
Staaten halten das für einen weiteren Aspekt der
Öffnung der Grenzen nach Osten um sicherzustellen, daß die Nationen Mittel- und Osteuropas in
diese wertvollen Organisationen integriert werden.
Natürlich bleibt die Geschwindigkeit und Methode
dieser Aufnahme der Europäischen Union überlassen. Vom Standpunkt der Vereinigten Staaten
aus handelt es sich hier jedoch um eine äußerst
wünschenswerte Entwicklung.
Frage: Gestatten Sie mir eine Frage zur Konferenz
der NATO-Außenminister in Istanbul? Vergangene
Woche ließ der Ausschuß für Verteidigungsplanung
in Brüssel wissen, daß Herr Gratschow Sonderwünsche hinsichtlich der Teilnahme Rußlands an dem
Programm einer Partnerschaft für den Frieden habe.

Seite 2

Sind Sie der Ansicht, daß Ihr russischer Amtskollege
Kosirew einen genaueren Zeitplan dazu vorlegen
wird, was die Russen als besonderer Partner in dem
Programm wünschen und ob sie als besondere
Supermacht außerhalb bleiben?
Christopher: Ich sehe den Gesprächen mit Andrej
Kosirew über den Beitritt Rußlands zur Partnerschaft
für den Frieden erwartungsvoll entgegen. Ich weiß
nicht genau, wann diese Gespräche stattfinden
sollen, aber wir sprechen bereits seit Monaten über
das allgemeine Konzept. Wenn Rußland der NATO
beitritt - und ich war sehr erfreut über die Äußerung
Verteidigungsminister Gratschows, daß an den Beitritt
keine Bedingungen geknüpft werden sollen - wäre
das Land ein Mitglied wie jedes andere, auf der
Grundlage der Gleichberechtigung.
Natürlich werden wir aufgrund der Größe und Bedeutung Rußlands auch außerhalb der Partnerschaft für
den Frieden weiterhin Beziehungen besonderer Art
zu diesem Land unterhalten. Meines Erachtens sind
die atomaren Fähigkeiten des Landes eindeutig ein
Gebiet, auf dem wir wegen dieser einzigartigen
Befähigung Kontakte zu Rußland pflegen sollten.
Innerhalb der Partnerschaft für den Frieden ist es
meiner Meinung nach jedoch äußerst wichtig, daß
alle Nationen gleichberechtigt sind. Natürlich hat jede
dieser Beziehungen, jedes der Abkommen zwischen
der NATO und den Mitgliedstaaten einen besonderen
Charakter. Sie sind auf das besondere Land zugeschnitten. Im allgemeinen bin ich jedoch sicher, daß
uns die Ausarbeitung einer zufriedenstellenden
Grundlage für die Teilnahme Rußlands an der
Partnerschaft für den Frieden gelingen wird, und wir
werden ferner die Beziehungen aufrechterhalten, die
wir mit dem Land außerhalb der Partnerschaft
pflegen.
Frage: Im Oktober vergangenen Jahres brachten die
Vereinigten Staaten das Programm einer Partnerschaft für den Frieden zur Sprache, und viele Menschen hier in Europa, insbesondere in Deutschland,
hatten den Eindruck, daß dieses Programm darauf
abzielt, die Polen, Tschechen und Slowaken aus der
NATO herauszuhalten. Das Problem könnte für die
Vereinigten Staaten und Rußland gleichermaßen
sein, daß ein Beitritt zur NATO für Polen, die Slowakische Republik, die Baltischen Staaten und andere
ein dringliches Problem darstellt, jedoch nicht dem
Wunsch der Russen entspricht. Ist es jetzt nicht der
Wunsch der Vereinigten Staaten, diesen Ländern
etwas mehr Demokratie und Marktwirtschaft zu
bringen, damit sie - in einigen Jahren - der NATO als
vollwertiges Mitglied beitreten können?
Christopher: Präsident Clinton war meines Erachtens sehr präzise, als er vor nicht allzulanger Zeit

AMERIKA DIENST 22

�äußerte, die Frage, ob Staaten wie Polen NATOMitglied würden, sei beantwortet worden. Die wirkliche Frage ist, wann und wie sie Mitglied werden, ob
sie tatsächlich bereit zu einem Beitritt sind, denn in
dieser Situation ist der Vorteil beiderseitig. Daher ist
meines Erachtens diese zeitliche Abstimmung - die
Möglichkeit einer Teilnahme an der Partnerschaft für
den Frieden - eine ideale Grundlage, auf der diese
Länder ihre Fähigkeit zu einem Beitritt zur Partnerschaft für den Frieden demonstrieren können. Wir
erwarten in Kürze gemeinsame Übungen. Wie Sie
vielleicht bereits wissen, wurde in Mons ein Gebäude
für die Partnerschaft für den Frieden bereitgestellt, in
dem die Länder ihre Beziehungen zur NATO pflegen
können. Wir geben somit sehr aktiv den an der
Partnerschaft teilnehmenden Ländern die Möglichkeit, ihre Fähigkeit zur Vollmitgliedschaft in der
NATO unter Beweis zu stellen.
Ich kann heute keine zeitlichen Prognosen abgeben,
aber um noch einmal auf die Erklärung des Präsidenten zurückzukommen: Es ist nicht eine Frage
ob, sondern nur wann und wie die Länder beitreten.
Frage: Auf dem Brüsseler Gipfel im Januar definierte der Präsident nicht näher seine Äußerung, die
Länder sollten bereit sein. Könnten Sie vielleicht
näher darauf eingehen, was damit gemeint ist.
Beispielsweise Polen - wann ist das Land bereit?
Wenn es 10, 12, 20 oder 100 gemeinsame Übungen
mit Deutschland, Dänemark und anderen abgehalten
hat, oder wenn seine Truppenstruktur jener der
NATO vergleichbar ist oder wenn sein Kommunikationssystem mit unserem in der NATO verglichen
werden kann - oder wann?
Christopher: Meines Erachtens kann in dieser
Situation nicht eine Reihe spezifischer, mathematisch genauer Kriterien angelegt werden. Wichtig ist
sich vor Augen zu halten, daß die NATO eine aus
16 Mitgliedern bestehende Organisation ist, die
ähnliche Zukunftsvorstellungen haben. Die Frage
ist, wann ihrer Ansicht nach Polen für eine Mitgliedschaft bereit ist - denn es muß eine einmütige
Entscheidung sein. Die Frage wird meiner Meinung
nach sein, ob beide Seiten Vorteile genießen, ob
Polen seinen aus einer Mitgliedschaft resultierenden
Pflichten nachkommen kann. Wir sind kein Wohl-

*

AMERIKA DIENST 22

tätigkeitsverein, sondern ein emstzunehmendes
Militärbündnis, das von einem potentiellen Mitglied
Stärke und Engagement verlangt. Aus diesem Grund
ist die Partnerschaft für den Frieden so genial, weil
sie beitrittswilligen Mitgliedern die Chance gibt, den
Mitgliedern zu beweisen, daß sie einen Beitrag
leisten können. Natürlich kann die NATO zu ihnen
sehr viel beitragen. Und ich sehe dem als evolutionäre Entwicklung der kommenden Monate und Jahre
erwartungsvoll entgegen, in denen die NATO-Mitglieder einen solchen Beitritt immer stärker befürworten und Länder wie Polen und andere die Chance zur
Teilnahme an gemeinsamen Übungen und gemeinsamer Planung haben sowie zur Präsenz in Mons, um
das Funktionieren der NATO und die Bedeutung
einer Mitgliedschaft verstehen zu lernen.
Frage: Darf ich noch einmal auf den Beginn Ihrer
Reise zu sprechen kommen. Sie werden mit Präsident Clinton in die Normandie reisen und an den
Feierlichkeiten aus Anlaß des 50. Jahrestages der
Landung in der Normandie teilnehmen. Es war in
den Vereinigten Staaten überall Kritik daran zu hören
- beispielsweise auch von Seiten der Nichte Dwight
D. Eisenhowers - daß Deutschland und Rußland
dabei nicht vertreten sind. Wird der Präsident in
Frankreich in seinen Reden hierauf eine Antwort
geben?
Christopher:
Das muß wohl dem Präsidenten
überlassen bleiben. Ich möchte dem Präsidenten
natürlich nicht zuvorkommen.
Aufgrund meiner
jüngsten Gespräche mit ihm kann ich Ihnen jedoch
zweierlei mitteilen: Der Präsident ist sich durchaus
des großen Beitrags der Russen zum Sieg der
Alliierten im Zweiten Weltkrieg bewußt und mißt
meines Erachtens auch der derzeit von Deutschland
gespielten Rolle eine große Bedeutung zu - dem
Beitrag des Landes zur NATO und seiner Bedeutung
in Europa. Ich bin sicher, daß wir dem in der kommenden Woche oder den kommenden zehn Tagen
Rechnung tragen werden. Wie Sie wissen, sind die
Vereinigten Staaten in Frankreich nicht der Gastgeber. Wir sind ein stolzer Teilnehmer. Ich möchte nur
darauf hinweisen, daß ich persönlich den von Rußland zu den Bestrebungen der Alliierten geleisten
Beitrag würdige sowie die ernormen Anstrengungen
Deutschlands und die Rolle dieses Landes im heutigen Europa.

* * *

*

Seite 3

�USA-CHINA
8. Juni 1994

USA UNTERSTÜTZEN WELTWEIT
DEMOKRATIE UND MENSCHENRECHTE
Ansprache von Außenminister Christopher
NEW YORK - (AD) - Mit dem Hinweis darauf, daß sich die Vereinigten Staaten für Demokratie und
Menschenrechte auf der ganzen Welt engagieren, erklärte US-Außenminister Christopher: "Wir zwingen
anderen kein amerikanisches Modell auf. Wir unterstützen den universellen Impuls für die Freiheit."
Christopher hielt am 27. Mai 1994 eine Ansprache vor der Asia Society in New York - einen Tag, nachdem
Präsident Clinton die Meistbegünstigungsklausel für China verlängert hatte - und betonte gleichzeitig das
fortgesetzte amerikanische Engagement für die Verbesserung der Menschenrechtssituation in diesem Land.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede Außenminister Christophers.

Vielen Dank für die freundliche Einführung. Es ist
mir eine Ehre, vor Amerikas herausragender Organisation zu sprechen, die sich dem Aufbau von Beziehungen über den Pazifik hinweg widmet.
Wir verfolgen ein gemeinsames Ziel: Den Aufbau
einer neuen pazifischen Gemeinschaft in Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Freunden.
Unser Engagement in Asien ist von entscheidender
Bedeutung für die Sicherheit und das Wohlergehen
des amerikanischen Volkes sowie unserer Freunde
in der Region.
Während der vergangenen 16 Monate haben wir die
asiatisch-pazifische Region in den Mittelpunkt der
außenpolitischen Tagesordnung der Vereinigten
Staaten gerückt. Und wir haben gegenüber unseren
asiatischen Partnern demonstriert, daß unser Land
seine zentrale Führungsrolle in der asiatisch-pazifischen Region ausüben wird.
Der Präsident hat einer umfassenden Vision Ausdruck verliehen und sie mit bedeutenden Initiativen
untermauert: Veranstaltung des Treffens der führenden Politiker des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation Forum - APEC) in Seattle im November vergangenen Jahres, Förderung des erstmaligen regionalen Dialogs über Sicherheitsfragen
unter Einbeziehung von Vietnam, Rußland und
China, Einleitung einer Reihe von Rahmengesprächen mit Japan zur Wiederbelebung unserer Wirt-

AMERIKA DIENST 22

schaftsbeziehungen sowie die entschlossene Unterstützung für die Entstehung eines demokratischen
Kambodscha. Ferner haben wir unsere vornestationierte Militärpräsenz aufrechterhalten, die einen
Schlüssel für die strategische Stabilität der Region
und eine Grundlage für ihren fortgesetzten wirtschaftlichen Erfolg darstellt.
Die Schlagzeilen dieser Woche illustrieren auf dramatische Weise unsere Verpflichtung zu einem umfassenden Engagement in Asien und zum Aufbau
einer neuen pazifischen Gemeinschaft. Wir haben
uns mit Japan auf eine Fortsetzung der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen geeinigt. Wir haben
den Vorschlag einer dritten Verhandlungsrunde über
die Nuklearfrage mit Nordkorea unterbreitet. Wir
haben uns mit Vietnam auf die Einrichtung von
Verbindungsbüros in Hanoi und Washington geeinigt,
wodurch eine stärkere Grundlage für die Bemühungen geschaffen wird, das Schicksal der vermißten
Amerikaner zu klären. Und am gestrigen Tag traf der
Präsident eine bedeutsame Entscheidung hinsichtlich
unserer Politik gegenüber China.
Jede der Entwicklungen dieser Woche ist an sich
wichtig. Sie sollten jedoch nicht einzeln betrachtet
werden. Das Zusammenspiel dieser bedeutenden
Entwicklungen spiegelt die Vielfalt unseres umfassenden Engagements in Asien wider. Unser Ansatz ist
auf die Vielschichtigkeit dieser dynamischen Region
abgestimmt.

Seite 1

�Die Stabilität der asiatisch-pazifischen Region liegt
im ureigensten Interesse der Vereinigten Staaten.
Seit 50 Jahren wissen wir bereits, daß das Entstehen einer dominanten feindlichen Macht in Asien
eine Gefahr für unsere wichtigen Verbündeten und
letztlich für Amerika selbst darstellen würde. Instabilität und Konflikte in Asien würden die Aussichten auf ein Wachstum der Weltwirtschaft unterminieren, Demokratien bedrohen und zur Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen ermutigen.
Im vergangenen halben Jahrhundert sind Zehntausende von Amerikanern bei der Verteidigung unserer
Interessen in Asien gestorben. Wir haben starke
Bündnisse mit Japan, Südkorea, Australien, den
Philippinen und Thailand aufgebaut, einem demokratischen Kern, der eine feste Grundlage für die Abschreckung von Aggression darstellt. 37.000 amerikanische Soldaten stehen mutig an Koreas 38.
Breitengrad auf Wacht - an der gefährlichsten
Bruchstelle der Welt.
Amerikas seit langer Zeit bestehende Sicherheitsbindungen zu der Region finden ihre Entsprechung
in unseren explosionsartig wachsenden wirtschaftlichen und kulturellen Bindungen. Die am schnellsten
wachsenden Volkswirtschaften der Welt sind in
Asien. Mehr als 40 Prozent des Handels der Vereinigten Staaten wird mit Asien abgewickelt, wodurch
nahezu 2,5 Millionen Arbeitsplätze erhalten werden.
Millionen Amerikaner asiatischer Herkunft haben
weiterhin ein besonderes Interesse an der Heimat
ihrer Vorfahren.
Alle Amerikaner haben auch ein Interesse an der
Förderung von Demokratie und Menschenrechten in
Asien, weil diese im Einklang mit den Werten
unseres Volkes und den Interessen unserer Nation
stehen. Staaten, die im eigenen Land die Rechtsstaatlichkeit respektieren, sind auch eher zur Beachtung des Völkerrechts im Ausland bereit - und es
ist weniger wahrscheinlich, daß sie Terrorismus
praktizieren oder Flüchtlinge über Grenzen abschieben.
Unser Engagement für Demokratie und Menschenrechte ist weder westlich noch zufällig. Wir zwingen
anderen kein amerikanisches Modell auf.
Wir
unterstützen den universellen Impuls für die Freiheit.
Im vergangenen Jahr hat dieser Impuls die Menschen in Kambodscha inspiriert, wo Bauern, Mönche
und ehemalige Soldaten das Risiko von Gewaltanwendung eingingen, um zu wählen. Diese authentischen Stimmen Asiens unterstützen keine ihnen
fremde Überzeugung, sondern machen ihre Menschenwürde geltend.

Seite 2

Meiner Meinung nach steht die Geschichte auf der
Seite der Freiheit. Es besteht eine mächtige Tendenz zur Öffnung von Märkten und Gesellschaften.
Die wirtschaftliche Entwicklung hängt vom freien
Informationsfluß ab; Computer sind das neue Medium
politischer Äußerungen. Die Software der Freiheit
wird sich letztlich gegenüber der Hardware der
Unterdrückung durchsetzen.
Asien befindet sich derzeit inmitten einer bemerkenswerten Umgestaltung. Es existiert ein wachsendes
Netz konstruktiver Beziehungen zwischen den
wichtigsten Staaten der Region; explosionsartiges
Wirtschaftswachstum; die Ausweitung der Freiheit des
Menschen und neue Bestrebungen zur Förderung
von Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft und
Sicherheit. Diese Leistungen sind auf die Fertigkeiten, den Fleiß und die Entschlossenheit der Menschen dieser Region zurückzuführen. Das Engagement der Vereinigten Staaten kann sogar eine noch
bessere Zukunft ermöglichen. Es ist für den regionalen Frieden, den Wohlstand und die Freiheit von
essentieller Bedeutung.
Unsere vornestationierte militärische Präsenz ist
entscheidend für ein stabiles Kräftegleichgewicht in
der Region. Da wir keine Ambitionen zur Vergrößerung unserer Macht haben, sind wir ein vertrauenswürdiger Partner. Unsere Technologie, unser Kapital
und riesiger Markt machen uns zu einem Magneten
für die Volkswirtschaften Asiens. Und die von uns
verkörperten universellen Werte - Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit - lassen uns zu einem
Leitstern für alle Völker der Region werden.
Praktisch alle asiatischen Länder begrüßen unser
aktives Engagement und drängen darauf.
Sie
wissen, daß ein Mangel an Engagement unsererseits
diese vielversprechenden Zukunftsaussichten gefährden und ihren und unseren Interessen schaden
würde.
Bei drei drängenden Fragen ist das dringliche Engagement der Vereinigten Staaten eindeutig von zentraler Bedeutung: der Evolution in China, dem
Atomwaffenprogramm Nordkoreas sowie der Verbesserung unserer Wirtschaftsbeziehungen zu Japan.
Die Lösung jeder dieser Fragen hat einen direkten
Einfluß auf Sicherheit und Wohlstand der Vereinigten
Staaten.
Mehr als jeder andere Faktor wird die politische,
wirtschaftliche und soziale Umgestaltung Chinas
entscheiden, ob Asien seine verheißungsvollen
Aussichten verwirklicht. Wie Sie wissen, hat der
Präsident gestern bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten den Meistbegünstigungsstatus für
China erneuern und gleichzeitig eine umfassende

AMERIKA DIENST 22

�Strategie zur Förderung von Menschenrechten in
China verfolgen werden.
Die Entscheidung des Präsidenten reflektiert eine
weitgefaßte amerikanische Strategie des Engagements und der Führung im asiatisch-pazifischen
Raum. Sie zielt auf die Einbeziehung Chinas in die
internationale Staatengemeinschaft, nicht auf den
Ausschluß des Landes ab. Sie ermutigt die chinesische Mitwirkung beim Aufbau einer neuen regionalen und internationalen Ordung auf der Grundlage
von Frieden und Sicherheit. Und sie fördert die
friedliche Entwicklung einer demokratischeren und
humaneren Gesellschaft.
Unsere Beziehungen zu China sind für alle Amerikaner von Bedeutung. China hat weltweit die größte
Armee, ein Atomwaffenarsenal und - nicht unbedeutend - ein Vetorecht im UN-Sicherheitsrat. Die
Vereinigten Staaten und China haben ein gemeinsames zwingendes Interesse an einem stabilen und
sicheren Asien und einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel. China kann einen bedeutenden
und verantwortungsvollen Beitrag zur Lösung globaler Fragen leisten, beispielsweise Umweltschutz und
Drogenhandel. China hat die am schnellsten wachsende und drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Über
150.000 amerikanische Arbeitsplätze hängen von
unseren Exporten nach China ab, und die Zahl wird
mit den Jahren noch ansteigen.

Empfehlungen an den Präsidenten das Verhalten
Chinas weder erfinden noch übertrieben darstellen.
Und das habe ich auch nicht getan. Obwohl einige
Verbesserungen zu beobachten waren, finden in
China weiterhin gravierende Menschehrechtsverletzungen statt, darunter Verhaftung und Festnahme
von Personen, die friedlich ihre Meinung äußern, die
Einschränkung der Religionsfreiheit und die Unterdrückung von Religion und Kultur Tibets.
Der Präsident traf im vergangenen Jahr mit seinem
Präsidialerlaß die richtige Entscheidung. Eine Anzahl
chinesischer Dissidenten ist heute teilweise aufgrund
des von uns ausgeübten Drucks in Freiheit. Wie der
Präsident jedoch gestern erklärte, hat die Bindung
der Meistbegünstigung an die Menschenrechtsfrage
uns so weit gebracht wie möglich. Es ist unwahrscheinlich, daß sie zu weiteren Fortschritten bei den
Menschenrechten führt.
China ist nicht länger ein isoliertes Land. Heute
haben zwei Millionen Chinesen Zugang zu westlichem Radio und Fernsehen. Millionen sind in einem
wachsenden und dynamischen Privatsektor am
Handel mit anderen Nationen beteiligt. Dieser Trend
muß ermutigt werden. Nur wenige sind der Ansicht,
eine völlige Aufhebung der Meistbegünstigungsklausel würde die Menschenrechtsbilanz Chinas
verbessern. Wir müssen unser Engagement mit
China intensivieren und erweitern, wenn wir den
Wandel fördern wollen.

Beim Amtsantritt Präsident Clintons existierte nicht
mehr der breite Konsens hinsichtlich unserer Politik
gegenüber China, der nahezu zwei Jahrzehnte
bestanden hatte. Im vergangenen Jahr stellte der
Präsident diesen Konsens durch einen Präsidialerlaß
mit breiter Unterstützung beider Parteien wieder her.
Seitdem haben wir die Menschenrechtsfrage entschieden auf unsere Tagesordnung mit China
gesetzt und gleichzeitig konstruktiv an der Lösung
weiterer Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse gearbeitet.
Der Präsidialerlaß und unsere Strategie des diplomatischen Engagements haben positive Ergebnisse
gezeitigt. Wir haben mit China einen echten Dialog
über Menschenrechtsfragen begonnen. Und China
hat die vorgeschriebenen Bedingungen für eine
Erneuerung der Meistbegünstigungsklausel erfüllt,
insbesondere die im Zusammenhang mit der Emigration und dem Export von Waren, die von Zwangsarbeitern hergestellt wurden.
Im Hinblick auf die fünf anderen, im Präsidialerlaß
festgelegten Kriterien stellen die von China erzielten
Fortschritte keine "insgesamt wesentlichen Fortschritte" dar, wie im Erlaß anvisiert. Vor Monaten
habe ich bereits versprochen, ich würde in meinen

AMERIKA DIENST 22

Ich möchte deutlich machen, daß wir uns nicht allein
auf die unsichtbare Hand der Ökonomie verlassen,
um Fortschritte im Menschenrechtsbereich zu erzielen. Wirtschaftliche Freiheit kann politische Freiheit
fördern, sie allein reicht jedoch nicht aus. Aus
diesem Grund hat der Präsident ein neues nachhaltiges Programm zur Förderung von Menschenrechten
und Demokratie in China bekanntgegeben.
Wir werden gemeinsam mit Vertretern der chinesischen Wirtschaft Grundsätze auf freiwilliger Basis zur
Verbesserung der Arbeitsbedingungen entwickeln.
Wir werden durch Voice of America und Radio Free
Asia die internationalen Rundfunkübertragungen
nach China ausweiten. Wir werden uns zur Gewohnheit machen, mit einem breiten Spektrum chinesischer Bürgerzusammenzutreffen, mit nichtstaatlichen
Organisationen zusammenzuarbeiten und diese zu
unterstützen. Wir werden andere Nationen und die
Vereinten Nationen an unseren Bestrebungen zur
Förderung von Menschenrechten beteiligen. Wir
werden die von uns nach dem Massaker auf dem
Platz des Himmlischen Friedens verhängten Wirtschaftssanktionen beibehalten. Und wir werden den
Import von Munition aus China aufgrund mangelnder
"wesentlicher Fortschritte" bei der Menschenrechts-

Seite 3

�Politik verbieten. Im vergangenen Jahr gelangte fast
eine Million billiger halbautomatischer Gewehre aus
China in die Vereinigten Staaten. Durch die Politik
des Präsidenten wird ihre Einfuhr in unser Land
verhindert.
Wir haben größere Aufmerksamkeit auf die Menschenrechtspraktiken in China gelegt. Diese Prüfung
wird fortgesetzt und unser Dialog über Menschenrechtsfragen mit China intensiviert.
Unterdrückung ist kein Mittel gegen Instabilität.
Langfristig muß politische Demokratie - die Wei
Jingsheng als Chinas "fünfte Modernisierung" bezeichnete - mit wirtschaftlicher Demokratie einhergehen, wenn Chinas großes Experiment von Erfolg
gekrönt sein soll.
Meiner Überzeugung nach bietet unsere Strategie
eines umfassenden Engagements die beste Möglichkeit, Einfluß auf die Entwicklung Chinas zu nehmen.
Auf diese Weise werden wir Sicherheit, Wohlstand
und Werte unseres Landes fördern.
Das drängendste Sicherheitsproblem des asiatischpazifischen Raumes - an dem wir mit der chinesischen Regierung zusammenarbeiten - ist das Atomwaffenprogramm Nordkoreas. Pjöngjangs Streben
nach Nuklearwaffen stellt eine Vielzahl von Gefahren
dar: Es ist eine direkte Bedrohung der Sicherheit
derwichtigsten Verbündeten unseres Landes, erhöht
dramatisch die Wahrscheinlichkeit eines destabilisierenden Rüstungswettlaufs in Asien und beschwört
das Gespenst einer Weitergabe nuklearen Materials
an verbrecherische Regimes wie den Iran herauf.
Bei unserer Zusammenarbeit mit der internationalen
Staatengemeinschaft besteht unser Ziel in der
Eindämmung und Umkehrung des nordkoreanischen
Nuklearprogramms und der Schaffung von Bedingungen für ein stabiles Nordostasien in den kommenden Jahren. Gemeinsam mit unseren südkoreanischen und japanischen Verbündeten und mit
Unterstützung Chinas und anderer Länder der
Region haben wir den Vorschlag unterbreitet, daß
Nordkorea mit uns umfassende und eingehende
Gespräche über zwischen uns ausstehende Fragen
führt. Diese Gespräche würden die Möglichkeit
eröffnen, die Atomwaffenfrage als Teil eines Prozesses der Verbesserung wirtschaftlicher und politischer
Kontakte zu lösen und uns normalen bilateralen
Beziehungen näherbringen.
Bei uns besteht ein entschiedener Konsens über die
von uns unternommenen Bestrebungen zur Herbeiführung einer friedlichen Lösung der Kernwaffenfrage.
Sollte Nordkorea diese Verhandlungen
ablehnen, wird unsere Strategie der Konsensfindung

Seite 4

unsere Fähigkeit stärken, die internationale Staatengemeinschaft für härtere Maßnahmen zu mobilisieren, falls diese erforderlich sein sollten. Dieser
Kurs - internationale Sanktionen - verurteilt Nordkorea
zu fortgesetzter Isolation, wirtschaftlichen Härten und
dem Status eines Paria. Er würde verhindern, daß
die Nordkoreaner die Früchte des derzeitigen dramatischen wirtschaftlichen Fortschritts in Asien ernten
können.
Mittlerweile stehen amerikanische Streitkräfte Seite
an Seite mit denen unseres Verbündeten - Südkorea
- zur Abschreckung und Abwehr jeglicher Aggression
von Seiten Nordkoreas. Konfrontation ist entschieden
nicht der von uns bevorzugte Weg. Wenn Nordkorea
auf eine atomare Zukunft verzichtet und nicht auf
andere Weise den Frieden in Nordostasien unterminiert, hat es von uns oder von Südkorea nichts zu
fürchten. Vielmehr hat das Land durch die Teilnahme
an der internationalen Staatengemeinschaft viel zu
gewinnen.
Unsere Bestrebungen im Zusammenhang mit Nordkorea unterstreichen erneut die weiterhin entscheidende Bedeutung der amerikanisch-japanischen
Beziehungen für dauerhafte Stabilität und Sicherheit
im asiatisch-pazifischen Raum. Unsere Partnerschaft
stellte während des Kalten Krieges den Kern der
amerikanischen Bemühungen dar, den sowjetischen
Expansionismus einzudämmen. Heute steht diese
Partnerschaft im Zentrum unserer Bestrebungen , die
Herausforderungen und Gefahren des Zeitalters nach
dem Kalten Krieg zu bewältigen.
Unser Militärbündnis ist stärker als je zuvor. Wir
haben gemeinsam am Aufbau von Demokratie in
Kambodscha mitgewirkt. Wir arbeiten im Rahmen
der APEC gemeinsam am Ausbau von Wirtschaftsbeziehungen in der gesamten Region. Und wir
haben kühne neue Abkommen über globale Fragen
wie Umwelt und AIDS abgeschlossen.
Unsere wirtschaftlichen Bande zu Japan müssen
ebenso stark werden wie die anderen Bereiche
unserer Beziehungen. Anfang dieser Woche haben
wir uns im Rahmen des amerikanisch-japanischen
Rahmenabkommens für wirtschaftliche Partnerschaft
auf die Wiederaufnahme von Verhandlungen geeinigt.
Wir bemühen uns weiterhin um eine Verbesserung
dieser Beziehungen.
Als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt spielt
Japan bei der Förderung von regionalem und globalem Wohlstand eine entscheidende Rolle. In dem
Rahmenabkommen wird Japan zu einer Ausweitung
des Zugangs zu seinem Markt sowie zu Schritten für
eine Erhöhung seines heimischen Wachstums
aufgerufen. Durch die Verpflichtung zu klaren Zielen

AMERIKA DIENST 22

�für unter diesem Rahmenabkommen ausgehandelte
Übereinkünfte haben die Vereinigten Staaten und
Japan den Weg für Fortschritte geebnet.
Jetzt müssen wir diesen Weg durch den Abschluß
solider Abkommen über spezifische Industriezweige
und Angelegenheiten gehen. Ministerpräsident Hata
gewann meinen Respekt, als wir beide als Außenminister tätig waren. Mein erstes Treffen mit Außenminister Kakizawa zeigt mir, daß er zu einem konstruktiven Ansatz bei der Beilegung unserer Differenzen im Bereich der Wirtschaft entschlossen ist. Vor
dem Hintergrund unserer grundlegend starken
Beziehungen freuen wir uns auf eine Zusammenarbeit mit Japan zur Förderung von Wirtschaftswachstum für unsere Völker und die Welt.
Heute beherrschen die Entwicklungen in Beijing,
Pjöngjang und Tokio unsere Schlagzeilen. Diese
Ereignisse haben tiefgreifende Auswirkungen auf
Amerika, die asiatisch-pazifische Region und tatsächlich die ganze Welt. Auf jedem dieser Gebiete
verfolgt die Clinton-Administration eine vielschichtige
Strategie des Engagements, die das gesamte Spektrum der amerikanischen Interessen am effektivsten
fördert.
*

AMERIKA DIENST 22

Gleichzeitig verfolgen wir ungeachtet der Schlagzeilen dieser Woche eine langfristige Tagesordnung für
die ganze Pazifikregion. Im Juli werde ich zur
Ministerkonferenz des Verbands Südostasiatischer
Nationen (Association of South-East Asian Nations ASEAN) nach Bangkok reisen, um unsere Bindung
zu Südostasien weiter zu stärken. Ferner werde ich
im regionalen Forum der ASEAN am Dialog über
regionale Sicherheit teilnehmen - eine wichtige Übung
in präventiver Diplomatie. Im kommenden Herbst
werden die Minister und führenden Politiker der
APEC erneut zusammentreffen, dieses Mal in Indonesien, um den Kurs für eine Erweiterung der Wirtschaftsbeziehungen im gesamten asiatisch-pazifischen Raum zu planen.
Die Führung der Vereinigten Staaten kann beim
Aufbau einer hoffnungsvolleren Zukunft für alle Völker
der asiatisch-pazifischen Region eine Hilfe sein. Sie
kann die Wahrscheinlichkeit eines Krieges und einer
Weiterverbreitung von Atomwaffen verringern helfen.
Sie kann dazu beitragen sicherzustellen, daß Amerika
Anteil am Wohlstand der Region und die Asiaten
Anteil an der weltweiten Freiheitsbewegung haben.

* * *

*

Seite 5

�NORDKOREA
8. Juni 1994

USA NEHMEN KONSULTATIONEN ÜBER SANKTIONEN
GEGEN NORDKOREA AUF
Gespräche mit UNO und Verbündeten
WASHINGTON - (AD) - Die Botschafterin der
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
Madeleine Albright, bezeichnete den Bericht der
Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
über Nordkorea an die Vereinten Nationen als
"alarmierend" und gab am 3. Juni 1994 bekannt, die
Vereinigten Staaten würden Gespräche mit anderen
Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats über "zeitliche
Abstimmung, Taktik und Inhalt" der Resolution über
Sanktionen aufnehmen.
Nach ihrem Treffen hinter verschlossenen Türen mit
dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation, Hans Blix, äußerte Albright vor
Journalisten: "Wir haben Nordkorea gewarnt, daß
diese Angelegenheit erneut im Sicherheitsrat behandelt würde, wenn das Land weiterhin die Beweise
früherer Reaktoroperationen vernichtet, und unsere
Warnungen wurden offensichtlich ignoriert. Ich muß
leider feststellen, daß Nordkorea sich entschieden
hat, gegen den Willen der internationalen Staatengemeinschaft und des Sicherheitsrats zu handeln."
Albright zufolge kommt der von Blix vorgelegte
Bericht nicht unerwartet, ist aber "dennoch alarmierend".
"Aufgrund unserer Gespräche ist klargeworden, ...
daß es sich um eine ernste Angelegenheit handelt,
und die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, das
Gehörte erfordere eine ernsthafte Antwort des UNSicherheitsrats", teilte die UNO-Botschafterin mit.
Albright fügte hinzu, die Vereinigten Staaten würden
am Wochenende weiterhin ihre Konsultationen in
Washington mit "jenen Ländern der Region" fortsetzen, "für die bei dieser Angelegenheit am meisten
auf dem Spiel steht".
"Meine Regierung wird in Kürze Konsultationen mit
anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats über zeitli-

AMERIKA DIENST 22

che Abstimmung, Taktik und Inhalt der Resolution
über die Sanktionen aufnehmen", fügte sie hinzu. Sie
lehnte es ab, Einzelheiten eines gegen Pjöngjang zu
verhängenden möglichen Sanktionspakets bekanntzugeben.
In einem Brief an den Sicherheitsrat vom 2. Juni
1994 erklärte lAEO-Generaldirektor Blix, auf der
Grundlage der von den I AEO-Inspekteuren in Nordkorea erhaltenen Informationen sei die Behörde zu dem
Schluß gekommen, "die verbleibende begrenzte
Möglichkeit der Internationalen Atomenergie-Organisation, Brennstäbe für spätere Messungen im Einklang mit den Maßstäben der Organisation auszuwählen, zu isolieren und in sichere Verwahrung zu
nehmen, ist verloren".
"Der Grund ist, daß alle hierfür benötigten wichtigen
Teile des Reaktorkerns entfernt wurden", so Blix.
Folglich hat die IAEO nicht länger die Fähigkeit,
zuverlässig festzustellen, ob in der Vergangenheit
aus dem Reaktor abgezweigtes Nuklearmaterial
ebenfalls verloren gegangen ist."
Blix erklärte ferner: "Jede zukünftige Messung an
diesen Brennstäben wäre ohne praktischen Wert, weil
sie auf der Grundlage von Betreiberberichten stattfände, die nicht nachzuprüfen sind und weil es nicht
möglich ist, die Konfiguration der Brennstäbe im Kern
zu rekonstruieren".
"Die aus dieser Entnahme aus dem Reaktorkern
resultierende Situation ist unumkehrbar", fügte Blix
hinzu.
Während einer 1992 durchgeführten Inspektion zeigte
die Analyse der IAEO Widersprüche zwischen den
Angaben Nordkoreas über sein Nuklearmaterial und
den Erkenntnissen der Internationalen AtomenergieOrganisation, was den Schluß zuließ, Nordkorea
habe mehr Plutonium hergestellt - ob in der Größenordnung von Gramm oder Kilogramm ist nicht be-

Seite 1

�kannt - als es der IAEO gegenüber angab. Somit ist
es Generaldirektor Blix zufolge von essentieller
Bedeutung, daß die IAEO Zugang zum Kern des
Versuchsreaktors erhält um feststellen zu können, ob
Brennstäbe wiederaufbereitet werden konnten.
Diplomaten zufolge konzentrierten sich mehrere der
von Mitgliederndes UN-Sicherheitsrats, insbesondere den Vereinigten Staaten und China, an Blix
gerichteten Fragen darauf, ob eine Möglichkeit zur
Rettung des Überprüfungsprozesses besteht.
Um prüfen zu können, ob Pjöngjang kein Nuklearmaterial abgezweigt hat, muß die IAEO ihrem
Generaldirektor zufolge Zugang zu allen Sicherheitsinformationen und -orten erhalten, und dazu ist die
umfassende Kooperationsbereitschaft Nordkoreas
erforderlich.
Am 30. Mai hatte der UN-Sicherheitsrat eine Erklärung abgegeben, in der Nordkorea eindringlich
aufgefordert wurde, seine Operationen nur im
Einklang mit den Erfordernissen der IAEO fortzusetzen.
Als Reaktion auf den Bericht des IAEO Generaldirektors erklärte Robert Gallucci, der Vorsitzende des
hi chrangigen politischen Lenkungsausschusses der
Ci nton-Administration für Korea, Nordkorea sei
wiederholt darauf hingewiesen worden, daß die
Ni. klearfrage letztlich nicht gelöst werden könne,
ohne daß über die Plutoniumherstellung Nordkoreas
in Jer Vergangenheit Rechenschaft abgelegt werde.
Grllucci traf am 3. Juni einzeln mit Vertretern
Südkoreas und Japans zusammen, und die drei
Parteien sollen am 4. Juni gemeinsame Gespräche
beginnen.
Seit Aufnahme der Verhandlungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Nordkorea im Juni vergangenen Jahres hat Amerika Gallucci zufolge
darauf hingewiesen, die Anwesenheit von Vertretern
der IAEO beim Auswechseln der Brennelemente in
dem 5-Megawatt-Reaktor sei eine unverzichtbare
Grundlage für die Fortsetzung des Dialogs. Dies sei
erforderlich, weil Messungen dieser Brennelemente
nötig seien um festzustellen, wieviel Plutonium
hergestellt worden sei.
Nordkorea widersetzte sich Gallucci zufolge jedoch
jeder von der IAEO vorgeschlagenen Methode für
den Erhalt der technischen Möglichkeit, in Zukunft
die Brennelemente zu erfassen und setzte die
absichtliche Vernichtung von Beweismaterial über
seine vergangenen nuklearen Aktivitäten fort.

Seite 2

Im vergangenen Jahr hätten sich die Vereinigten
Staaten ihm zufolge "mit Geduld und taktischer
Flexibilität um eine Lösung auf dem Verhandlungsweg bemüht".
Bei den jüngsten inoffiziellen Gesprächen mit Nordkorea hätten die Vereinigten Staaten das Angebot
einer dritten Runde hochrangiger Gespräche für
Anfang Juni vorgelegt, "um eine umfassende Lösung
nuklearer und anderer Fragen im größeren Kontext
einer Normalisierung der Beziehungen zu erörtern".
Als Grundlage für eine solche umfassende Lösung
hätten die Vereinigten Staaten auf dem Erhalt der
technischen Möglichkeit einer Messung von Brennstäben des Reaktors bestanden.
Nordkorea hatte seine Bereitschaft bekundet, Messungen als Teil einer politischen Lösung zu gestatten,
sich jedoch geweigert, eine dritte Verhandlungsrunde
anzuberaumen, falls die Vereinigten Staaten nicht auf
diese Forderung verzichteten. Das Land begann
jedoch Gallucci zufolge den schnellen Abzug von
Brennstäben mit der Behauptung, es existierten keine
Sicherheitseinwände.
Gallucci wies auf die Feststellung von lAEO-Generaldirektor Blix hin, eine der drei Möglichkeiten zur
Rekonstruktion der Betreibergeschichte des Reaktors
sei "grundlegend und unwiderruflich zerstört" worden.
Ferner machte er vor Fragestellern deutlich, es stehe
mehr auf dem Spiel als die Abzweigung von Brennstäben aus dem Reaktor.
"Wir streben eine atomwaffenfreie koreanische
Halbinsel an. Wir wünschen einen vollständigen
Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag (NW). Wir
bemühen uns um umfassende Sicherheitsvorkehrungen, die Bereitschaft zu Sonderinspektionen und die
Umsetzung der Nord-Süd-Erklärung über die Entnuklearisierung, die ein Verbot jeglicher Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen auf der koreanischen
Halbinsel umfaßt."
Internationale Sanktionen würden Gallucci zufolge
nicht notwendigerweise die Grundlage für eine
Beilegung der Angelegenheit zerstören, "wären
jedoch ein Schritt in die richtige Richtung, weil sie
den Nordkoreanern klarmachen würden, daß es in
diesem Bereich Grenzen dafür gibt, was sie tun
können und was die internationale Staatengemeinschaft toleriert".
Gallucci warnte, die Vereinigten Staaten und die
internationale Staatengemeinschaft würden sich von
der Behauptung Nordkoreas "nicht einschüchtern
lassen", Sanktionen würden als Kriegshandlung
angesehen. "Die derzeit von Nordkorea abgegebe-

AMERIKA DIENST 22

�nen Erklärungen sind vollkommen unangemessen",
so der Botschafter.
"Wir werden bewußt unsere Konsultationen mit
Südkorea, Japan und anderen Staaten der Region
sowie anderen Mitgliedern des Sicherheitsrates
fortsetzen und tun, was angemessen erscheint und
unseren Pflichten entspricht", betonte er.
Gallucci zufolge ist es "äußerst wichtig", daß andere
Nationen, die die Entwicklung von Kernwaffen anstreben, verstehen, "daß man sich nicht ungestraft
den Verpflichtungen im Rahmen des NW entziehen
und Sicherheitsvorschriften mißachten kann".

Die Vereinigten Staaten haben ihm zufolge ihre
Besorgnis über die nuklearen Absichten Libyens,
Iraks und Irans - die alle dem NW angehören ausgedrückt.
Gallucci betonte erneut die Sorge der Vereinigten
Staaten über das ballistische Raketenprogramm
Nordkoreas, das - in Verbindung mit nuklearen
Fähigkeiten - "eine Bedrohung ganz Asiens darstellt",
wenn diese Raketen entwickelt werden - und über die
Raketenexporte dieses Landes nach Iran und Syrien,
die "eine Gefahr für Frieden und Stabilität im Nahen
Osten sind".
Im Hinblick auf die Sicherheit Südkoreas betonte er,
die Vereinigten Staaten hätten das gute Gefühl, das
Notwendige unternommen zu haben, um Südkorea
eine Abschreckung und eine Verteidigung bieten zu
können, "falls es soweit kommen sollte".

* * * * *

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Seite 3

�BOSNIEN
8. Juni 1994

DER BOSNIEN-VERTRAG RETTETE MENSCHENLEBEN
Rede von Botschafter Galbraith in Zagreb
Zagreb - (AD) - In einer am 2. Juni 1994 in Zagreb vor der kroatischen Gesellschaft für politische Wissenschaft
gehaltenen Rede erklärte der amerikanische Botschafter in Kroatien, Peter W. Galbraith, das in Washington
geschlossene bosnisch-kroatische Abkommen (durch das eine Föderation zwischen bosnischen Kroaten und
der bosnischen Regierung sowie eine Konföderation zwischen den Regierungen Bosniens und Kroatiens
geschlossen wurde) habe, was auch immer es sonst noch bewirken möge, "Menschenleben gerettet".
Nachfolgend veröffentlichen wir die in der Fakultät für politische Wissenschaften der Universität Zagreb
gehaltene Rede, der mehr als 200 Zuhörer, darunter Wissenschaftler, Vertreter der kroatischen Regierung und
der westlichen Medien beiwohnten.

Vielen Dank für die freundliche Einführung. Ich
freue mich, hier sein zu dürfen und zu meinen
Professorenkollegen und den Studenten dieser
Fakultät sprechen zu können.
Ich hielt zum letzten Mal am 17. Februar eine Rede
über die amerikanisch-kroatischen Beziehungen. An
diesem Tag lief das Kroatien vom UN-Sicherheitsrat
für den Abzug seiner Truppen aus Bosnien gestellte
Ultimatum aus, und die Möglichkeit einer Verhängung von Sanktionen rückte bedrohlich näher. In
Bosnien litt Sarajevo unter den Nachwirkungen des
Massakers auf dem Zentralmarkt und wir alle wußten
nicht, wie die Serben auf das NATOUItimatum
reagieren würden. Andernorts in Bosnien fanden
viele Kämpfe zwischen den bosnischen Kroaten und
den Muslimen statt, und in einigen Fällen arbeitete
jede dieser Parteien tatsächlich mit den bosnischen
Serben zusammen gegen die andere Seite.
Angesichts der drohenden Verhängung von Sanktionen gegen Kroatien und des zwischen drei Parteien
geführten bosnischen Krieges schien es, daß das
frühere Jugoslawien einer endlosen Zukunft von
Krieg, Isolation, Armut und Hoffnungslosigkeit
entgegensah. Kurz gesagt, die ohnehin schon
düstere Lage schien immer trüber zu werden.
Glücklicherweise wurde dieses Szenarium nicht
Wirklichkeit.
Die kroatische Regierung traf die
Entscheidung, sich gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten für eine Beendigung der Kämpfe zwischen

AMERIKA DIENST 22

Muslimen und Kroaten in Bosnien einzusetzen und
auf eine umfassende Friedenslösung hinzuarbeiten.
Kroatien traf eine sehr inhaltsschwere, und meines
Wissens für viele Kroaten äußerst schwierige Entscheidung.
Insbesondere stimmte Kroatien zu, die Idee einer
separaten kroatischen Republik in einem Teil Bosniens aufzugeben und beschloß statt dessen, die
territoriale Integrität, Unabhängigkeit und Einheit
dieses souveränen Landes voll zu unterstützen.
Durch diese Entscheidung stellte sich Kroatien
deutlich auf die Seite des Völkerrechts und der
Gerechtigkeit. Die kroatische Entscheidung war der
Schlüssel zum Washingtoner Abkommen, einem
politischen Arrangement für eine Föderation zwischen
Muslimen und Kroaten mit einer Regierungsstruktur,
die jeder Volksgruppe ein beträchtliches Maß an
Selbstverwaltung zubilligt und gleichzeitig die politischen und Menschenrechte dieser Gruppen umfassend schützt.
Trotz einer Vielzahl von Hindernissen, einschließlich
der Tatsache, daß der Großteil des von Muslimen
und Kroaten bewohnten Gebietes vom Feind belagert
wird, wurden bei der Umsetzung des Abkommens
über eine Föderation beträchtliche Fortschritte erzielt.
Die Kantonsgrenzen wurden definiert. Ein Präsident
und ein Vizepräsident für die Föderation wurden
ausgewählt. Eine Verfassung wurde entworfen und
angenommen. Das wichtigste Ergebnis des BosnienVertrags war jedoch die fast sofortige Beendigung der

Seite 1

�sinnlosen Kämpfe zwischen den beiden Volksgruppen, die Opfer der serbischen Aggression sind. Was
auch immer das Washingtoner Abkommen sonst
noch bewirken mag, es hat Menschenleben gerettet.

ein Wissenschafts- und Technologieabkommen, und
erst kürzlich empfing Kroatien hier zur Umsetzung
des Abkommens eine große amerikanische Delegation.

Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß das
Abkommen eine solide Grundlage für eine umfassende Lösung in Bosnien-Herzegowina darstellt.
Im Idealfall würden die Serben auch ihr Interesse an
einer Teilnahme an der Föderation bekunden, einem
politischen Arrangement, das ihre Rechte schützt
und gleichzeitig einen in wirtschaftlicher, politischer
und militärischer Hinsicht lebensfähigen Staat
schafft.

Wichtig in finanzieller Hinsicht ist unsere Zusammenarbeit mit multilateralen Institutionen - der Weltbank
und dem IMF - um bisher insbesondere aus politischen Gründen zurückgehaltene Darlehen freizusetzen.

Leider betrachten die derzeitigen Führer der bosnischen Serben ihre Interessen nicht in diesem Licht.
Ich könnte noch beiläufig hinzufügen, daß man nur
schwerlich eine Verbindung zwischen der von der
serbischen Führung eingenommenen Position und
den Interessen der bosnischen Serben sehen kann.
Sie haben sich zur Ablehnung einer Föderation
entschlossen. Wir haben jedoch die Hoffnung, daß
das Abkommen über eine Föderation die Verhandlungsbasis für eine andere Art von politischem
Arrangement zwischen der Föderation der Muslime
und Kroaten sowie der serbischen Seite in Bosnien
darstellen könnte.
Mit anderen Worten hoffen wir, daß die Föderation
der erste Schritt zu einer umfassenden Lösung sein
wird. Selbst wenn dieses Ziel nicht erreicht wird, hat
das Abkommen dennoch ein Bündnis zwischen zwei
Opfern der serbischen Aggression geschlossen und
diese beiden Opfer besser in die Lage versetzt, in
diplomatischer, politischer und militärischer Hinsicht
mit dieser Aggression umzugehen.
Um es noch einmal zu wiederholen: Das Abkommen über eine Föderation wäre nicht möglich
gewesen ohne eine von der kroatischen Regierung
unternommene grundlegende Kursänderung. Als wir
mit Kroatien über die Möglichkeit sprachen, im
Friedensprozeß unser Partner zu werden, erklärten
wir auch, daß wir mit Kroatien als unserem Partner
seine möglichst baldige Integration in die politischen,
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Strukturen
anstreben würden. Und, wie Vizepräsident Gore
Präsident Tudjman bei der Unterzeichnung des
Washingtoner Abkommens mitteilte: "Der heutige
Tag markiert den Beitritt Kroatiens zum Westen."
Nach der Unterzeichnung schlössen wir im Bereich
landwirtschaftlicher Produkte ein Abkommen über 10
Millionen Dollar im Rahmen des Austausches
"Nahrungsmittel gegen Frieden". Wir haben die Zahl
der zwischen unseren beiden Ländern ausgetauschten Fulbright-Stipendiatenverdoppelt. Wirschlossen

Seite 2

Die Clinton-Administration hat sich immer für die
Unabhängigkeit und territoriale Integrität Kroatiens
eingesetzt, und unsere höchste Priorität ist unser
Wunsch, eine friedvolle Wiedereingliederung der von
den Vereinten Nationen errichteten Schutzzonen in
Kroatien zu erreichen. Der Bosnien-Vertrag, der dem
Friedensprozeß neuen Schwung verlieh, schuf auch
eine neue Chance zur Erreichung dieses Ziels. An
dem Morgen, an dem ich mit Präsident Tudjman von
der Unterzeichung des Abkommens zurückkehrte,
ging ich vom Flughafen aus direkt zur Russischen
Botschaft und leitete die erste Phase aus drei Stufen
bestehender Verhandlungen zur Lösung der KrajinaFrage ein.
Nach zwei Nachtsitzungen schlössen wir ein Abkommen über einen Waffenstillstand. Mit einigen Verzögerungen ist der Waffenstillstand jetzt großenteils
in Kraft getreten. Die Schießereien in Kroatien
betragen derzeit weniger als ein Prozent der Vorfälle
vor dem April. Die Infanterie hat sich zurückgezogen
und die schweren Waffen wurden abgezogen. Neben
dem Schutz von Leben und Sachwerten sollte der
Waffenstillstand Kroatien bei der Wiederbelebung
seiner Tourismusbranche helfen und Ressourcen
vom Militär abziehen und den wichtigen Aufgaben
beim Aufbau einer Nation zuführen. Der Waffenstillstand ist an sich schon eine bedeutende Leistung,
stellt jedoch nur den ersten Schritt eines auf die
Wiedereingliederung der UN-Schutzzonen abzielenden dreistufigen Prozesses dar.
Die zweite Phase der Verhandlungen steht im Zusammenhang mit wirtschaftlichen und vertrauensbildenden Maßnahmen. Unser Ziel ist nicht nur die
Verbesserung des Lebens der Menschen, sondern
auch die Einigung auf Schritte, welche die gegenseitige Abhängigkeit der einzelnen Teile Kroatiens
unter Beweis stellen. Diese Gespräche konzentrieren
sich auf die Öffnung von durch die UNO-Schutzzonen
laufenden Verkehrsverbindungen, die Wiedereröffnung der Erdölpipeline, die Versorgung Zadars mit
Wasser, der Krajina mit Strom sowie auf die Versorgung der in den Schutzzonen lebenden Menschen. Sowohl Kroaten als auch Serben werden aus
diesen Schritten Nutzen ziehen. Da die Wirtschaft
dort jedoch dermaßen am Boden liegt, wird der

AMERIKA DIENST 22

�Gewinn für die Bewohner der Schutzzonen vergleichsweise größer sein.

nischen Bundesstaaten, der kanadischen Provinzen
oder der Kantone in Bosnien-Herzegowina.

Wie Sie wissen, haben wir Schwierigkeiten bei der
Aufnahme dieser Wirtschaftsverhandlungen. Ich
habe jedoch aus einem einfachen Grund die Hoffnung, daß sie beginnen. Das pro-Kopf-Einkommen
der in den UNO-Schutzzonen lebenden Menschen
gehört zu den niedrigsten der Welt. Das Einkommen beträgt monatlich etwa 20 Mark. Der Lebensstandard der Menschen dort liegt unter dem in
Bangladesh, was im Herzen Europas kaum vorstellbar ist. Welche Zukunft haben die Menschen dort,
insbesondere die jungen Leute? Sie haben keine
Zukunft, und deshalb werden sie dieses Gebiet
verlassen. Bisweilen behaupten die Serbenführer in
der Krajina, Kroatien habe den Wiedergewinn von
Territorium zum Ziel, jedoch ohne die Serben. In
Wirklichkeit besteht die Politik der Krajina-Serben in
selbstauferlegter Isolation von Kroatien, das die
Serben wahrscheinlich aus den UNO-Schutzzonen
vertreiben wird. Die Wiedereingliederung dieser
Zonen in Kroatien stellt die vielversprechendste
Lösung dar, den serbischen Charakter der Krajina zu
bewahren.

Autonomie umfaßt mit Sicherheit das Recht auf eine
Wahl der Legislative, eine Kontrolle über das Bildungswesen, die Erhebung von Steuern, Gewalt über
das Polizeiwesen und Einfluß auf die Kultur. Sie
kann auch symbolische Elemente enthalten. Die
amerikanischen Bundesstaaten haben ihre eigene
Flagge. Gibt es einen Grund, warum eine autonome
Region, ein autonomer Kanton oder Bundesstaat
nicht auch seine eigene Fahne haben sollte, wenn
die Menschen dies wünschen?

Unser oberstes Ziel besteht darin, jedem aus seiner
Heimat Vertriebenen die Rückkehr nach Hause zu
ermöglichen. Wir hoffen, in der zweiten Verhandlungsphase Übereinkünfte zu erzielen, die Serben
und Kroaten gleichermaßen die Rückkehr in zumindest einige Dörfer auf der jeweils anderen Seite
der Waffenstillstandslinie ermöglichen.
Die dritte Phase der Verhandlungen befaßt sich mit
dem politischen Status. Alle in Kontakt zu den
Krajina-Serben stehenden Diplomaten - die Russen,
Botschafter der Europäischen Union und meine
Person - haben eindeutig gesagt, daß eine unabhängige "Serbenrepublik Krajina" niemals akzeptiert oder anerkannt wird, und diese Gebiete niemals
als Teil Serbiens akzeptiert oder anerkannt werden.
Von den 190 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen
unterstützt nicht ein einziger eine unabhängige
"Serbenrepublik Krajina" oder ihre Bestrebungen,
Teil Serbiens zu werden.
Die endgültigen politischen Arrangements zwischen
den in den UNO-Schutzzonen lebenden Serben und
dem übrigen Kroatien müssen auf dem Verhandlungsweg gelöst werden. Obwohl die Unterhändler
keinen speziellen Plan empfehlen, müssen einige
Elemente eindeutig Bestandteil einer funktionierenden Lösung sein. Eine Lösung muß den mehrheitlich von Serben bewohnten Gebieten ein beträchtliches Maß an Autonomie gewähren. Was
bedeutet ein beträchtliches Maß an Autonomie? Es
gibt verschiedene Modelle, darunter die der amerika-

AMERIKA DIENST 22

Um es deutlich zu machen: Ich gebe hier keine
Empfehlung für die eine oder andere Lösung.
Hierüber müssen die kroatische Regierung und die
Serben in den UNO-Schutzzonen auf dem Verhandlungswege entscheiden. Ich breite vor Ihnen heute
keine amerikanische Formel aus. Dies sind lediglich
die Beobachtungen eines an den Verhandlungen
Beteiligten hinsichtlich einerfunktionierenden Lösung.
Im Rahmen einer ausgehandelten Lösung werden die
Serben ihre Hoffnung auf einen unabhängigen Staat
aufgeben müssen. Kroatien wird vielleicht wider
Willen politische Arrangements akzeptieren müssen.
Betrachten Sie sich jedoch die Alternativen: Fortgesetzte Spaltung des Landes oder Krieg. Es wird
viel über eine militärische Option gesprochen. Selbst
im Falle ihres Erfolgs hätte sie verheerende Konsequenzen für Kroatien. Und es besteht unter den
gegenwärtigen Umständen die nicht zu unterschätzende Möglichkeit, daß die militärische Option
scheitert und Kroatien sich in einer noch schlechteren
Position befindet als derzeit bereits der Fall.
Zum Schluß möchte ich noch einen Punkt ansprechen. Im Verlauf der Verhandlungen ist es für
Kroatien von essentieller Bedeutung, alles in seiner
Macht Stehende zu unternehmen, um zu einem Ort
zu werden, der für die Serben zum Leben akzeptabel
oder sogar erstrebenswert ist.
Die Jahre des Kommunismus und insbesondere der
Krieg haben Bitterkeit hervorgerufen. Folglich war
eine Diskriminierung der Serben im staatlich kontrollierten Teil Kroatiens zu beobachten. Den Serben
wurden ihre Arbeitsplätze gekündigt, sie wurden aus
ihren Wohnungen vertrieben und - was noch betrüblicher ist - mehrere tausend ihrer Häuser wurden in die
Luft gesprengt.
Soweit mir bekannt ist, wurde
niemand wegen dieser Verbrechen verhaftet oder
verurteilt.
Wenn Kroatien den Serben nicht das Gefühl vermittelt, daß Kroatien in jeder Hinsicht ihr Land ist,
besteht keine Aussicht darauf, daß die in den UNO-

Seite 3

�Schutzzonen lebenden Serben jemals in Kroatien
leben wollen. Somit ist der umfassende Schutz der
Rechte der Serben und aller anderen politischen und

Menschenrechte für unser gemeinsames Ziel einer
friedlichen Wiedereingliederung in die UNO-Schutzzonen von essentieller Bedeutung.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 22

�SPORT
8. Juni 1994

"LIEBE IST WIE EIN BASEBALLSPIEL":
ZUSCHAUERSPORTARTEN UND DIE
AMERIKANISCHE KULTUR (II)
von John R. Eidson
Nachfolgend veröffentlichen wir den zweiten Teil des Essays von Professor John R. Eidson.

Der Sport und die amerikanische Vorstellungskraft
Der Sport durchdringt die amerikanische Gesellschaft in solchem Ausmaß, daß praktisch jeder
gezwungen ist sich zu entscheiden, ob er ihn mag,
toleriert oder ablehnt. Intellektuelle definieren sich
häufig im Gegensatz zur Vulgarität des Sports, aber
vom Elfenbeinturm läßt sich das Getöse des Stadions kaum übertönen. Der Collegesport hat bereits
seit den Anfängen des Football die Feindseligkeit
mancher Gelehrter hervorgerufen, und diese Feindseligkeit findet von Zeit zu Zeit literarischen Ausdruck in dem traditionellen amerikanischen Genre
der Jeremiade. Einen hohen moralischen Standpunkt einnehmend, brandmarken hochgestochene
Kritiker die Sportindustrie geradezu als Inkarnation
des amerikanischen Sündenfalls. Einige Intellektuelle - ob in einem Anfall von Populismus oder einem
Zustand hoher ästhetischer Sensibilität - nehmen
den Baseball jedoch von diesem allgemein über den
Sport gefällten strengen Urteil aus. Einer der
bekanntesten Vertreter dieser Kategorie ist der
unlängst verstorbene A. Bartlett Giamatti, der Englischprofessor, der seinen Posten als Rektor der
Yale University aufgab, um Beauftragter für Baseball
zu werden. Giamattis Buch Take Time for Paradise
(Summit Books 1989) gehört zu dem Genre, das die
idyllischen Tugenden des Baseball preist und zu
dem auch politische Kolumnisten, Naturwissenschaftler und Sportjournalisten mit literarischen
Ambitionen ihren Beitrag leisten.
Für die meisten Amerikaner bedeutet der Sport nicht
nur eine Serie von Festen, sondern auch ein Thema,
das das Leben in einem Ausmaß begleitet und
durchdringt, das für den Außenstehenden nahezu
unbegreiflich ist. Die "Heimmannschaft" ist integraler

AMERIKA DIENST 22

Bestandteil lokaler Identität, und ihr Erfolg oder
Scheitern bringt die Leidenschaften ganzer Gemeinden in Wallung. In den siebziger Jahren des 19.
Jahrhunderts machten ortsansässige Förderer
Provinzstädte des Mittleren Westens dadurch bekannt, daß sie die ersten professionellen Baseballmannschaften gründeten, während heute Städte wie
Charlotte, Orlando, Phoenix und Denver um Profimannschaften buhlen und vor Bürgerstolz platzen,
wenn ihre Wünsche erfüllt werden. Die Bürger von
Green Bay (Wisconsin) gründeten eine Aktiengesellschaft, um die traditionsreiche, jedoch abstiegsbedrohte Mannschaft der Packers zu retten, während
die Einwohner von Washington immer noch den
Verlust ihrer geliebten Senators zu Beginn der
siebziger Jahre betrauern. Der meistgehaßte Mann
Baltimores ist immer noch Bob Irsay, der vor vielen
Jahren die Colts nach Indianapolis umziehen ließ. In
Indiana hat der Basketballsport auf High-SchoolEbene regionalen Kultstatus erlangt - eine Tatsache,
die in dem Hollywoodfilm "Hoosiers" von 1986
thematisiert wurde. Dasselbe gilt für Football in
Westtexas, wie Ross Perot feststellen mußte, als er
als Vorsitzender einer Kommission zur Reform des
staatlichen Bildungswesens eine Vorschrift einführen
wollte, derzufolge die Teilnahme am High-SchoolSport von einem bestimmten Mindestnotendurchschnitt abhängen sollte.
Einige Mannschaften fesseln die Phantasie des
ganzen Landes und werden zum Symbol einer
ganzen Ära. In den siebziger Jahren wurden die
Dallas Cowboys zu der Mannschaft, die aufgrund
ihrer aufregenden Spielweise und des von ihr kultivierten Images in ganz Amerika entweder geliebt
oder inbrünstig gehaßt wurde. In der Frühzeit des
College- und Profisports taten die Fans ihre Präferenz für die eine oder andere Mannschaft durch das

Seite 1

�Schwenken von Fähnchen oder das Tragen von
Kappen ihrer Mannschaften kund. Mit der phänomenalen Zunahme der Vermarktung des Sports ziehen
sich Fans heute Kostüme an, die mit den Visionen
Hollywoods von verschwenderischer orientalischer
Pracht konkurrieren können.

größtmögliche Freiheit, ihm eine Bedeutung anzudichten. Der Sport verkörpert eine solch große
Anziehungskraft, weil im Gegensatz zu spezielleren
dramaturgischen Formen jede Vorstellung mehrere
verschiedene Interpretationen für ein einziges zugrundeliegendes Drehbuch zuläßt.

Die Diversifizierung von Waren, die weit über den
Wettbewerb selbst hinausreicht - Schuhe, Kleidung,
"offizielle" Ausrüstung, Literatur, Sammelkarten etc. weist auf das Ausmaß hin, in dem der Sport zu
einem riesigen und äußerst profitablen Industriezweig geworden ist. Die Popularität des Sports
jedoch lediglich als Reflex von Marketingstrategien
zu interpretieren, hieße die Rolle des Zuschauers zu
unterschätzen. Wie der Begriff "Fan" andeutet, ist
das Zuschauerdasein eine Aktivität, und "dem Spiel
zuschauen", bedeutet für den Sportfan eine totale
Erfahrung, die ebenso kostbar ist wie Prousts Abend
in der Oper.

Im Zuschauersport ist die Besetzung auf Antagonisten, Protagonisten und Nebenrollen beschränkt, aber
diese Figuren treten in allen Formen und Dimensionen auf. Wenn der Unparteiische anpfeift, beginnt
das Drama, und jede Rolle bietet ein nahezu unerschöpfliches Reservoir an Variationen. Da sind die
stoischen Spieler, die selbst im Triumph keine
Gefühlsregung zeigen, jungenhafte Spieler, die mit
derselben Spontaneität Freude und Mißfallen bekunden sowie die extravaganten Spieler, die mit wunderbar einstudierter Prahlerei spielen, Spaße machen
und feiern. Da sind Trainer, die wie Bankiers aussehen, Trainer, die vor jedem Spiel zum Gebet
niederknien und Trainer, die von einem Verliererteam
zum nächsten wechseln. Einige Clubbesitzer tragen
Tweed und breite Krawatten, andere sehen aus wie
Gangster aus den zwanziger Jahren; einige Clubbesitzer bleiben in ihren Logen der Masse entrückt,
während andere die Aufgaben ihrer Trainer und
Manager usurpieren. Unter den Reportern sind
Meister des Understatements, Reporter, die überjede
neue sportliche Höchstleistung ins Schwärmen
geraten und Reporter, die dem Trainer ständig
ungebetene Ratschläge erteilen. Einige Fans feuern
die Heimmannschaft an, andere bleiben passiv und
wieder andere applaudieren jedem guten Spielzug
ungeachtet dessen, welcher Mannschaft der Spieler
angehört. Es gibt Fans, die in ausgefallenen Kostümen erscheinen, Fans, die sich mit Statistiken
beschäftigen, und Fans, die über dem Anstehen nach
Bier und Erdnüssen das Spiel verpassen. Zehntausende von Fans drängen sich in den Stadien, während weitere Millionen vor den Fernsehgeräten
hocken. Dazu gehören Gruppen von Freunden
ebenso wie einsame Zuschauer, die sich schon
darauf freuen, das Spiel später im Büro bei einer
Tasse Kaffee mit den Kollegen zu analysieren.

Sportveranstaltungen lassen sich tatsächlich am
besten verstehen, wenn man sie als eine Art von
Gesamtkunstwerk betrachtet, in dessen Rahmen die
Fans ebenso wichtig sind wie all die anderen Beteiligten, darunter Spieler, Trainer, Manager, Talentsucher, Clubbesitzer, Unparteiische oder Schiedsrichter, Reporter und Kameraleute. Der Zuschauersport unterscheidet sich vom Theater nicht nur darin,
daß er zu mehr Publikumsbeteiligung ermutigt,
sondern auch dadurch, daß er den eigentlichen
Konflikt des gesamten Dramas auf eine simple
dualistische Form reduziert, in der die Beziehung
zwischen Protagonisten und Antagonisten reversibel
ist. Jedes Spiel ist eine Schlacht zwischen Doppelgängern, ein Krieg zwischen zwei Thronprätendenten, von denen beide zugleich den Helden, den
Schurken und den dummen August repräsentieren.
Deshalb hat jedes Spiel einen guten "Plot" oder, wie
Northrop Frye in Anlehnung an die literarische Form
des romantischen Abenteuerromans geschrieben
hat, den guten "Plot". Der "Abenteuerroman" - der
Triumph des "Underdog" - ist jedoch nur eine
Möglichkeit für den Verlauf, den das Spiel nehmen
kann. Je nach Regie, Handlungsverlauf und Blickwinkel des Zuschauers kann der athletische Wettbewerb auch ein Epos, eine Tragödie oder eine
Parodie sein, durch die eine gerechte Ordnung
bestätigt, wiederhergestellt oder auf den Kopf gestellt
wird. Die dramatische Form des Sports kann zu
Recht als "primitiv" bezeichnet werden, unter der
Voraussetzung, daß dieser Begriff in der Bedeutung
"undifferenziert" und als grundsätzlich verschwommen verstanden wird. Durch die Simplifizierung der
Handlung, das Auf und Ab in der Beziehung zwischen Protagonisten und Antagonisten sowie die
Vervielfachung der Aspiranten auf Haupt- und
Nebenrollen, verleiht der Sport seinem Publikum die

Seite 2

Die Fans beurteilen die Leistungen der Spieler nicht
nur nach messbaren Maßstäben, sondern auch
aufgrund weithin geteilter, aber auch sehr unterschiedlicher Kriterien für sportliches Verhalten, Mut,
Finesse, trickreiches Spiel und Stil. Der Held des
einen ist der Schurke des anderen, und was die
Bewunderung des einen hervorruft, ist für den anderen verachtenswert. Es gibt jedoch auch besondere
Momente, in denen von allen Beteiligten verlangt
wird, unantastbaren Konventionen ihre Reverenz zu
erweisen, insbesondere während der Zeremonien vor
und nach dem Spiel. Am Ende jedes Basketballspiels schütteln sich die Trainer oberflächlich die

AMERIKA DIENST 22

�Hand, dann geben sie gemeinsam mit den Spielern
Fernsehinterviews, die immer die gleichen bohrenden Fragen enthalten, dieselben hölzernen Antworten und dasselbe peinliche Sammelsurium von Fans,
die in Beifallsrufe ausbrechen oder im Hintergrund
Grimassen schneiden. In jenen seltenen Augenblicken, in denen Sportreporter um Worte verlegen
sind, verfallen sie häufig auf pathetische Phrasen,
indem sie die wohltätigen Aktivitäten eines Spielers,
seine Liebe zu seiner Mutter oder seine Achtung vor
den Mitmenschen ansprechen.
Die Verletzung
dieses Kodex' ist strikter Zensur unterworfen, wie
man an den Reaktionen der Fans auf unsportliches
Verhalten oder der unlängst erfolgten Rüge durch
den Präsidenten ablesen kann, nachdem eine
bekannte Komikerin versucht hatte, zu Beginn eines
Baseballspiels die Nationalhymne zu karikieren.

Right Thing (1989) aufs Korn nahm. Natürlich
spiegeln die Unterstellungen der Fans nicht unbedingt
die Haltung von Spielern und Management wider, und
es mutet wie Ironie an, daß die Mannschaft, die
sowohl den ersten schwarzen Spieler als auch den
ersten schwarzen Trainer einstellte, zum Ventil für
den latenten Rassismus derjenigen Fans werden
sollte, denen die dominierende Rolle schwarzer
Athleten ein Dorn im Auge ist. Andere Fans stellen
ihre liberale Einstellung zur Schau, indem sie Stars
aus anderen ethnischen Gruppen unterstützen als
der, der sie selbst angehören. Die phänomenale
Popularität schwarzer Stars unter Jugendlichen aller
ethnischen Gruppen demonstriert die fortdauernde
Stärke einer ganz und gar amerikanischen Tradition die Jugend macht sich die Kulturen der Minderheiten
zu eigen.

Vor dem Anpfiff und nach dem Schlußpfiff bietet der
Sport unerschöpflichen Stoff für Kommentare und
Spekulationen. Wer wird die Schlacht der Titanen
gewinnen? Wird der neue Spieler gut einschlagen?
Wie wird ein alterndes oder von Verletzungen
geplagtes Team auf eine Herausforderung reagieren? Warum ist ein Spieler an einem Tag "brandheiß" und am nächsten "ausgebrannt"? Wie hat es
der Underdog geschafft, einen Überraschungscoup
zu landen? Eine Analyse der Beiträge von Kommentatoren und der Gespräche von Fans würde den
Sport als eine Domäne "ungezähmten Denkens"
entlarven, wo nichts zufällig geschieht, wo alles
irgendeine Bedeutung hat und wo jede Bedeutung
mit 100 anderen verbunden ist - kurzum, wo Amerikaner von heute in einer Art und Weise denken, die
Anthropologen bisweilen primitiven Völkern zuschreiben. Die Spieler selbst sind notorisch abergläubisch, aber eine nähere Betrachtung des Verhaltens der Fans würde genug diagnostische und
prognostische Konventionen aufdecken, um eine
Enzyklopädie des Volkstums zu füllen.

Aus diesem Grund bietet der Sport sowohl eine
umfassende Erfahrung als auch ein Symbol, das in
die Welt außerhalb des Stadions hineinwirkt. Die
Häufigkeit, mit der Amerikaner entdecken, daß "der
Sport ist wie das Leben", wird lediglich von der
Trivialität dieser Entdeckung übertroffen. Metaphern
aus dem Sport sind besonders in den Bereichen
Politik und Wirtschaft sowie in den Beziehungen
zwischen Mann und Frau anzutreffen. Während der
Präsidentschaftskampagne von Ross Perot im Jahr
1992 beschwerte sich ein Mitglied seiner "Mannschaft" über die politische Unertahrenheit und den
ineffektiven Stil seines Chefs. In einem anonymen
Hintergrundgespräch mit Journalisten führte der
Berater Perots "Zurückfallen" in den Meinungsumfragen auf dessen Weigerung zurück, Fernsehwerbung
einzusetzen, aber er tat diese Äußerung auf typisch
amerikanische Weise: "Das ist so, als ob wir einen
Receiver völlig ungedeckt am anderen Ende des
Spielfelds hätten und der Quarterback immer wieder
den Fullback mit dem Ball durch die Mitte schickt."
Selbst der uniformierte Leser wird diese Erklärung
als Kritik verstehen, aber eine vollständige Interpretation erfordert ein nicht geringes Maß an Insiderwissen vom Footballspiel - ein Wissen, das nahezu
jeder Amerikaner besitzt. Mit dem Ball zu laufen, ist
der traditionelle und meistens weniger aufregende
Weg, um dieses Spiel zu spielen - "drei Yards und
eine Staubwolke", wie man zu sagen pflegt. Die
Entwicklung des "Paßspiels" hat dramatische Umkehrungen des Spielglücks ermöglicht und erheblich zur
wachsenden Popularität des Football beigetragen.
Wenn der "Receiver völlig ungedeckt am Ende des
Spielfelds steht", dann wirft ihm der Quarterback (der
"Spielmacher") die "Bombe" zu und erzielt hoffentlich
einen "Touchdown" - die plötzliche Wendung, die der
Wahlkampfberater durch Fernsehwerbung zu erzielen
hofft. Aber Perot erreichte niemals einen "Touchdown". Statt dessen wurde er von Bush aus dem

Der Sport stellt bisweilen das Rohmaterial für einen
unbewußten Diskurs zur Verfügung, in dem man
Wünschen, Vorurteilen und Schuldgefühlen freien
Lauf lassen kann, die ansonsten unterdrückt werden.
Die vom Fernsehen übertragenen Bilder scheinen
häufig die Teamarbeit zwischen Schwarzen und
Weißen zu betonen, aber die Reaktion der Fans auf
bestimmte Spieler und Mannschaften könnte auch
auf unterschwellige Rassenspannungen hindeuten.
Als die Boston Celtics in den achtziger Jahren gegen
die Los Angeles Lakers spielten, identifizierten sich
viele weiße Fans außerhalb Bostons mit CelticsStars wie Larry Bird, Kevin McHale und Danny
Ainge, während die Sympathien schwarzer Jugendlicher im ganzen Land "Magic" Johnson, James
Worthy und Kareem Abdul-Jabbar galten - eine
Tatsache, die Spike Lee in seinem Film Do the

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�Feld geschlagen, und Clinton gewann, obwohl er in
den Debatten keinen "K.O." landen konnte.
Nach bescheidenen Anfängen als volkstümliche
Propheten gehen einige berühmte Sportler heute mit
einer "Siegesphilosophie" hausieren, die auf Analogien zwischen Sport und dem Leben anspielt. In
den sechziger Jahren machte Vince Lombardi, der
enorm erfolgreiche Trainer der Green Bay Packers,
eine Filmserie, die Schulkindern sowie Männern und
Frauen aus der Wirtschaft im ganzen Land die
tiefgründigeren Lehren des Football näherbringen
sollte. Die in der Evolution am höchsten entwickelte
Spezies ist dieser Abstammungslehre zufolge der
erfolgreiche Athlet oder Trainer, der Führungskräften
der Wirtschaft als "Motivationsredner" dient. Die
zugrundeliegende Voraussetzung lautet, daß das
Geschäftsleben wie der Sport von Wettbewerb
geprägt wird und daß amerikanische Führungskräfte
die Konkurrenz im In- und Ausland "schlagen"
können, wenn sie den richtigen "Trainer" haben, der
die "Mannschaft" motivieren kann. Ein Beispiel für
einen Motivationsredner aus der Welt des Sports ist
der unlängst verstorbene Jim Valvano, der als
Trainer der North Carolina State University einen der
größten Überraschungserfolge in der Geschichte des
Collegebasketballs erzielen konnte. 1983 erreichte
Valvanos niedrig eingeschätzte Mannschaft das
Endspiel der NCAA und schlug die University of
Houston mit dem afrikanischen Superstar Hakeem
Olajuwon. Valvano leitete seine Vorträge vor
Wirtschaftsvertretern für gewöhnlich damit ein, daß
er ein Videoband der letzten fünf Minuten des
Sieges von North Carolina State über Houston
abspielte - denn, wissen Sie, das Leben ist wie ein
Basketballspiel.
Metaphern aus dem Sport werden besonders häufig
auf die Beziehung zwischen Mann und Frau angewandt. Viele Amerikaner erinnern sich noch an den
populären Schlager mit dem Titel "Love is just like a
baseball game" vor zwanzig Jahren, und jeder weiß,
daß einige Männer ihre sexuellen Erfolge bei Frauen
mit Begriffen aus dem Baseball wie "zur 'first base'
vordringen", zur "second base", zur "third base" oder
einen "home run" erzielen, beschreiben. Die Einführung des Begriffs "scoring" (im Sport "einen
Treffer erzielen", hier, eine Frau ins Bett bringen,

* *

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Anm. d. U.) in die Sphäre der Sexualität wird zweifellos den Verdacht mancher Leser bestätigen, der
Sport sei eine der letzten Bastionen des Patriarchats.
Tatsächlich ergehen sich einige Kritiker in Interpretationen von Footballspielen als einer Art von
wollüstigem Passionsspiel, das zur Bekräftigung
archaischer Geschlechterrollen dient. Trotzdem
scheint die Konfrontation zwischen Sport und Feminismus in den meisten Fällen eher reformistische als
abolitionistische Positionen hervorzubringen.
Wie bereits im Fall der Beziehungen zwischen
sozialen Schichten und Rassen, wird der Sport zu
einer symbolischen Arena, in der neue Einstellungen
zu Sexualität und Geschlecht geformt werden. Eine
der ersten geschlechtsspezifischen Reformen war die
Gründung getrennter aber (nicht ganz) gleichwertiger
Collegesportprogramme für Frauen. Nur selten sind
Schritte unternommen worden, um Schulmannschaften oder Profiteams selbst zu integrieren, aber
kürzlich gab die erste Spielerin ihr Debüt in der
National Hockey League - als Torwart! Die größten
Fortschritte wurden vielleicht bei der Integration des
Sportjournalismus und bei der Veränderung oder
Erweiterung der Sportkommentierung erzielt, um ein
breiteres Publikum zu erreichen. Reporterinnen sind
in die Domänen des Baseball, Football und Basketball eingebrochen, und der Zutritt von Frauen zu den
Umkleidekabinen der Männer hat ebensoviel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie die Berufung der
ersten Frau in das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten. Obwohl das Publikum von Sportveranstaltungen in erster Linie aus Männern besteht,
gilt dies keineswegs ausschließlich. Einige Beobachter betrachten die neue Konzentration des Sportjournalismus auf die familiäre Situation der Spieler und
andere Aspekte ihres Privatlebens als Versuch, das
Spiel zu feminisieren und damit seine Anziehungskraft zu verstärken.
Eine der neuesten Episoden in dieser unvollendeten
Revolution trug sich am "ersten Spieltag" 1993 zu, als
Hillary Rodham Clinton, eine begeisterte Anhängerin
der Baseballmannschaft der Chicago Cubs, den
Anbruch des Frühlings in Amerika verkündete - und
die Baseballsaison eröffnete - indem sie den ersten
Ball warf. Wenn man sie schon nicht besiegen kann,
muß man eben mit den Wölfen heulen.

*

*

AMERIKA DIENST 22

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