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43

^ \ November 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:

Außenminister Kissinger unterrichtete NATO»Botschafter über Lage
im Nahen Osten
-Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2.November-

Erklärung von Unterstaatssekretär Kubisch zu den Vorgängen in Chile

WIRTSCHAFT:
Kommende Verhandlungen sollen Lebensmittelversorgung der Welt sicherstellen
Von John J.Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Raumsonde unterm Sonnenschirm
-MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und MerkurVon Gertrud Weiss
PIONIER 10 vor dem Ziel
-Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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43/1973

AUSSENMINISTER KISSINGER UNTERRICHTETE NATO-BOTSCHAFTER ÜBER LAGE
IM NAHEN OSTEN

-Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2.November-

WASHINGTON —(AD)»= Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
hat die Botschafter der 14 anderen NATO-Staaten am 2. November im State
Department zu einem Gedankenaustausch über die Lage im Nahen Osten empfan.
gen und sie über die Auffassungen der USA unterrichtet. Der Sprecher des
amerikanischen Außenministeriums, George Vest, gab im Anschluß an das
90 Minuten dauernde Gespräch folgende Erklärung ab:
"Die Botschafter wurden von dem Außenminister eingehend über die
Ereignisse im Nahen Osten unterrichtet. Sie gaben ihrer Befriedigung und
Anerkennung über diese sehr umfassende Unterrichtung Ausdruck und stimmten ganz allgemein zu, daß dies ein äußerst nützlicher Gedankenaustausch
war.
Sie gaben ferner der Hoffnung Ausdruck, daß sie in dem vor ihnen
liegenden Zeitabschnitt in enger Verbindung bleiben werden."

Maßgebende

-1-

�Maßgebende amerikanische Kreise betonten später, daß die Atmosphäre wäh
rend der Aussprache "sehr freundschaftlich" gewesen sei. Außenminister Kissi
ger habe ein Resümee des gesamten arabisch-israelischen Problems gegeben
und die Hoffnung auf noch dynamischere und umfassendere Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren atlantischen Verbündeten unterstrichen, um so ein besseres Verständnis für die Situation zu schaffen. Ein solches Verständnis, so wurde hervorgehoben, sei für eine einheitliche Position
des Westens gegenüber dem Nahen Osten unbedingt notwendig.

-H-+

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43/1973

ERKLÄRUNG VON UNTERSTAATSSEKRETÄR KUBISCH ZU DEN VORGÄNGEN IN CHILE
WASHINGTON --(AD)— Der Unterstaatssekretär für Interamerikanische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Jack B. Kubisch, hat in einer
Erklärung vor dem Unterausschuß für Interamerikanische Angelegenheiten des
Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 20.September kategorisch erklärt, daß die Vereinigten Staaten keinerlei vorherige Kenntnis
des Staatsstreiches in Chile am 11.September hatten.Die klärenden Ausführungen des Unterstaatssekretärs, haben folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses:
Ich freue mich, heute vor diesem Ausschuß erscheinen zu dürfen und über
die jüngsten Ereignisse in der Politik Chiles und der Vereinigten Staaten zu
sprechen. Obwohl dies mein erster formeller Auftritt vor dem Ausschuß ist,
seit ich vor einigen Monaten den Posten als Unterstaatssekretär für Interamerikanische Angelegenheiten übernommen habe, so habe ich doch den Kontakt
mit dem Vorsitzenden aufrechterhalten und Gelegenheit gehabt, von Zeit zu
Zeit mit anderen Mitgliedern des Ausschusses informell zusammenzutreffen.
Ich begrüße diese Gelegenheit, einige einleitende Bemerkungen zu machen
und werde dann gerne all die Fragen beantworten, die Sie stellen möchten.
Ich bin ferner außerordentlich interessiert, Ihre Auffassungen zu hören,
und ich darf Ihnen versichern, daß sie sorgfältige Erwägung finden werden.
Es mag einige Fragen geben, die Sie nicht gerne zu diesem Zeitpunkt
öffentlich behandelt sehen mögen, da die Entwicklungen in Chile noch nicht
abgeschlossen sind. Ich darf Ihnen jedoch versichern, daß ich bereit bin,
alle einschlägigen Fragen so umfassend und rückhaltlos zu behandeln, wie
ich nur kann, und falls es sich als unzweckmäßig erweisen sollte, einige
dieser Fragen in öffentlicher Sitzung zu behandeln, so bin ich durchaus
bereit, diese Anhörung in geschlossener Sitzung weiterzuführen. Im Anschluß
daran könnten wir selbstverständlich alle die Aussagen veröffentlichen, die
keiner Einstufung als Verschlußsache bedürfen.
Wenn

�Wenn Sie, Herr Vorsitzender, erlauben, möchte ich Ihnen gerne eine
kurze Zusammenfassung der gegenwärtigen Situation in Chile aus unserer Sicht
geben,obwohl ich davon ausgehe, daß die.meisten der anwesenden Mitglieder ein
gutes Bild von den heutigen allgemeinen Zuständen im Lande (Chile) und den
Ereignissen haben, die zu dem Staatsstreich führten.
Ich möchte jedoch gerne diese Gelegenheit benutzen, um gleich zu falschen Anschuldigungen von einigen Seiten Stellung zu nehmen, daß die amerikanische Regierung vorherige Renntnis gehabt hätten oder in irgend einer Weise
an dem Sturz und dem Tod von Präsident Allende beteiligt gewesen wären.
Meine Herren, ich möchte so klar und kategorisch, wie ich nur kann, erklären, daß wir keine vorherige Kenntnis von dem Staatsstreich hatten, der am
11. September stattfand. Im Lichte dessen, was ich als eine recht ungenaue
Berichterstattung in dieser Angelegenheit erachte, möchte ich unterscheiden
zwischen dem Eingang von Berichten über die Möglichkeit eines Staatsstreiches
in Chile und der vorherigen Kenntnis, daß ein Staatsstreich stattfinden würde.
Tatsache ist, daß wir über eine lange Zeitspanne hinweg viele Berichte
über die Möglichkeit eines Staatsstreiches in Chile erhielten. Solche Berichte und Spekulationen grassierten in Chilu selbst. Ja sogar Präsident Allende
selbst äußerte sich öffentlich zu ihnen, und eine in Santiago erscheinende
Tageszeitung brachte sogar am 11. September einen Bericht, daß am gleichen
Tage ein Staatsstreich der chilenischen Streitkräfte geplant sei.
.Alle diese früheren Berichte, die über Umsturzversuche spekulierten
falsch
oder solche vorausgesagt hatten, erwiesen sich als/- mit Ausnahme des letzten
Berichtes, der am Dienstag, den 11. September, morgens bei uns im Amt eintraf, nachdem der Staatsstreich bereits begonnen hatte.
Es bestand jedbch zwischen den Organisatoren und den Führern des Staatsstreiches keinerlei direkter Kontakt zu uns, und wir hatten im voraus keine
definitive Kenntnis von dem Staatsstreich.

la

-2-

�In ähnlicher Weise ist die amerikanische Regierung direkt oder indirekt
der Verwicklung in oder der Mitschuld an dem Staatsstreich beschuldigt worden. Das ist absolut falsch. Wie amtliche Sprecher der amerikanischen Regierung wiederholt erklärt haben, waren wir in keiner Weise in den Staatsstreich verwickelt.
Ich möchte an diesem Punkt auch etwas zu den amerikanisch-chilenischen
Wirtschaftsbeziehungen während der letzten Jahre sagen.
Nach meiner Auffassung war der Standpunkt der amerikanischen Regierung durchaus korrekt und absolut verständlich. Die Vereinigten Staaten hatten nicht den Wunsch, eine Konfrontation mit der Regierung Allende zu provozieren. Es wurden im Gegenteil wiederholt nachhaltige Versuche unternommen, um Mittel und Wege zur Beilegung unserer Differenzen zu finden, obwohl die chilenische Regierung in diesem Zeitraum amerikanische Privatinvestitionen in Höhe von über 700 Millionen Dollar entschädigungslos enteignet
hatte. Darüber hinaus ist Chile im gleichen Zeitraum mit Schulden in Höhe
von über 100 Millionen Dollar gegenüber den Vereinigten Staaten in Verzug
geraten.
Tatsache ist, daß dem Handel mit Chile keine Embargos oder Restriktionen auferlegt wurden. Amerikanische Firmen bleiben weiterhin die Hauptlieferanten fün Nahrungsmittel, Ersatzteile und Gerät für die chilenische Wirtschaft.

Bilateral setzten wir eine Vielzahl von Programmen fort, wie bei-

spielsweise AID, People-to-People-Programme, Lebensmittel-für-den-FriedenHilfe, Friedenskorps sowie wissenschaftliche und kulturelle Austauschprogramme. Wir setzten die

normale Auszahlung der noch offenstehenden AID-

Anleihen fort, nachdem Dr.Allende sein Amt übernommen hatte. Es wurden zwar
keine neuen bilateralen Entwicklungsanleihen vergeben, jedoch muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß wir die AID-Entwicklungsanleihetätigkeit in Lateinamerika, einschließlich Chile,scharf reduziert
hatten, noch bevor1 die Regierung Allende ihr Amt übernahm. Im übrigen hat
die chilenische Regierung keine neuen Entwicklungsanleihen beantragt.

Auf
-3-

�Auf internationalem Gebiet setzten multilaterale Banken die Auszahlung
zugesagter Anleihen an Chile in einer Gesamthöhe von 83 Millionen Dollar von
August 1971 bis August 1973 fort , wobei diese Summe eine Zunahme der jährlichen Auszahlungen gegenüber den drei Jahren vor der Machtübernahme
Dr. Allendes bedeutete.
Die Wirtschaftspolitik selbst jedoch, die die Regierung Allende verfolgte, bewirkte eine stetige Verschlechterung der wirtschaftlichen

Lage.

Die mangelnde Bereitschaft der Regierung, ihre Politik zu ändern, "führte
unausweichlich dazu, daß internationale Finanzierungsinstitute ihre Programme
für Chile kürzten,und die Vereinigten Staaten hätten schon wegen rechtlicher Beschränkungen nicht für einige dieser Hilfsprogramme stimmen können.
Der Klub von Paris, dem verschiedenartige Kreditorenländer angehören,
kam zu dem Schluß, daß für Chile nur wenig getan werden konnte, solange
Chile keine Politik einschlug, die er hätte unterstützen können. Ich wiederhole jedoch, daß es nicht die Vereinigten Staaten waren, die diese Beschlüsse faßten, sondern die Finanzierungsinstitute selbst.
Alles in allem ist es unrichtig, zu sagen, die amerikanische Regierung
sei - direkt oder indirekt - für den Sturz des Allende-Regimes verantwortlich.
Große Besorgnis hat natürlich die menschliche Tragödie ausgelöst, die
durch die jüngsten Ereignisse in Chile entstanden ist. Das amerikanische
Volk und seine Regierung haben stets ihre Sorge um das Leider anderer in
der ganzen Welt bekundet. Die Vereinigten Staaten haben auf viele Weise
aktiv dazu beigetragen , Leiden zu erleichtern und die Achtung vor den
Menschenrechten zu stärken. Was Chile anbetrifft, so haben wir bereits
unser Bedauern über den Verlust von Menschenleben und den Tod von Präsident
Allende zum Ausdruck gebracht.
Wir sind auch über Berichte über Verletzungen der Menschenrechte in
Chile besorgt. Meines Wissens sind jedoch viele dieser Berichte unbegründet und nicht notwendigerweise aufschlußreich ttyC.'J die Politik, die die
neue Regierung Chiles verfolgen wird, wenn sich die Situation dort erst
voll stabilisiert hat.
Darüber

�Darüber hinaus haben die chilenischen Behörden bereits der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen Zusicherungen bezüglich der Flüchtlinge in jenem Lande gegeben.
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses, abschließend möchte ich
noch einmal unterstreichen, daß die Entwicklung in Chile noch im Fluß
ist. Wenn die neue Regierung beginnt, ihre Wirtschafts-, Sozial- und sonsti
ge Politik abzustecken, werden wir uns bemühen, unsere eigene Politik zu
formulieren, um uns auf die Realitäten der neuen Situation einzustellen.
Wir waren für die Schwierigkeiten nicht verantwortlich, in denen
sich Chile befand, und es steht uns nicht an, darüber zu urteilen, was für
das chilenische Volk das Beste gewesen wäre oder jetzt das Beste wäre.
Das ist eine Sache, die die Chilenen selbst entscheiden müssen, und
wir achten ihr Recht auf diese Entscheidung. Wenn wir bei den Aufgaben, vor

denen sie jetzt stehen, helfen können, und wenn Chile unsere Hilfe wünscht,
dann werden wir, dessen bin ich sicher, unser Bestes tun,um diese Hilfe
in dem Geist der Verständigung und Freundschaft zu gewähren, den das amerikanische Volk dem chilenischen Volk seit langem entgegengebracht hat.".

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KOMMENDE VERHANDLUNGEN SOLLEN LEBENSMITTELVERSORGUNG DER WELT SICHERSTELLEN
Von John J. Harter

WASHINGTON —(AD)-- Mit der Frage, wie die Lebensmittelversorgung der Welt
auch künftig sichergestellt werden kann, befassen sich bereits zahlreiche
internationale Gremien wie die Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation
der Vereinten Nationen (FAO), die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), das Allgemeine Zoll-und Handelsabkommen
(GATT), die Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD). Aber
auch den Regierungen der einzelnen Länder kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu, und die jetzt im Rahmen des GATT angelaufene Tokio-Runde
von Handelsverhandlungen bietet ihnen erneut Gelegenheit, dieser Verantwortung zu entsprechen.
Erst vor wenigen Tagen hat der stellvertretende Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,Botschafter Harald B. Malmgren,
vor dem GATT-Ausschuß für Handelsverhandlungen (TNC), der dem von den

-1-

�den Ministern in Tokio erteilten Mandat folgend die einzelnen Arbeitsgruppen
sowie die bei der neuen Verhandlungsrunde zu beachtenden Richtlinien festgelegt hatte, erklärt, die Vereinigten Staaten erwarteten, "daß alle den
derzeitigen Handelsverzerrungen zugrundeliegenden Faktoren behandelt werden.1
Dies gelte auch, so führte der Botschafter damals aus, für die Bevorratungspolitik bei Agrarprodukten. Die USA erwarteten nicht, daß andere Foren hier
spezifische Rahmenvereinbarungen aushandelten, denn alle multilateralen
Verpflichtungen für eine Lebensmittelbevorratung ständen in direkter Beziehung zum Welthandel, zur Handelspolitik der einzelnen Länder sowie zu dem
Modus für eine Beilegung et.:.i.g&gt;r Handelsstreitigkeiten.
In anderen Gremien werden solche Fragen zwar in groben Zügen im Zusammenhang mit der Welternährungslage behandelt. Die Vorschläge der Vereinigten Staaten, diese Fragen dort zu erörtern, besagen jedoch nicht, daß damit
versuchen werden soll, die entscheidenden Agrarfragen aus den multilateralen
Handelsverhandlungen auszusondern und anderen Gremien zu übertragen. Jede
derartige Verlagerung wäre mit der grundlegenden Auffassung der USA nicht
zu vereinbaren, daß die Landwirtschaft ein unerläßlicher Bestandteil der
neuen Handelsverhandlungen als ganzes sein muß.
. Zwar hat der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger in seiner
Rede vor der UN-Vollversammlung am 24. September 1973 für 1974 die Einberufung einer Welternährungskonferenz unter den Auspizien der Vereinten Nationen vorgeschlagen, um die Kräfte aller Länder für den Kampf gegen Hunger und
Unterernährung als Folge von Naturkatastrophen zu mobilisieren. Botschafter
Malmgren hat das Ziel einer solchen Konferenz jetzt dahingehend definiert,
daß sie Möglichkeiten für eine internationale Zusammenarbeit aufzeigen soll,
um etwa auftretende weltweite Ungleichgewichte in der Lebensmittelversorgung
ausgleichen zu können.

Bereits

�Bereits auf ihrer 17. Zwei Jahreskonferenz im November in

Rom wird die

FAO die Lebensmittelsituation der Welt und im besonderen die Ausweicung der
Lebensmittelerzeugung erörtern. Und auch die OECD hat sich erst kürzlich mit
diesen Themen befaßt. Eine solche internationale Diskussion über die Welternährungslage wie auch über die Aufstockung der internationalen Bestände an
Agrarprodukten wird von den USA durchaus begrüßt,die ohnehin kurzfristig mit
einer deutlichen Zunahme der Weltagrarerzeugung sowie einer Verbesserung der
Bevorratungslage rechnen.
Amerikanische Regierungskreise haben sich schon immer ganz generell dafür ausgesprochen, durch Verhandlungen neue Abkommen zu erreichen, die eine
wirksamere Nutzung der landwirtschaftlichen Hilfsquellen der Welt sicherstellen. Und auch die Frage der Bevorratung ist nach amerikanischer Auffassung ein zentrales Problem. Eine durch internationale Verhandlungen zu erreichende Lösung wäre zum Beispiel eine zentral verwaltete"Lebensmittelbank"
oder eine Vereinbarung über eine gegenseitige Abstimmung der nationalen Bevorratungspolitik.
Wie man in Washington betont, steht jedoch die Frage der internationale
Lebensmittelbevorratung ohne jeden Zweifel in engem Zusammenhang mit anderen
den Welthandel und die nationale Landwirtschaftspolitik betreffenden Fragen.
Gerade die in den kommenden Monaten auf allen Ebenen, inner-und außerhalb de
Vereinten Nationen, geführten Verhandlungen, so hofft man in der amerikanischen Hauptstadt, werden die Vor-und Nachteile der verschiedenen Vorschläge
von allen Seiten beleuchten helfen, die den einzelnen Arbeitsgruppen der
neuen GATT-Verhandlungsrunde vorliegen.

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RAUMSONDE UNTERM SONNENSCHIRM
-MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und MerkurVon Gertrud Weiss

--(AD)-- Der Planet Venus, vor ein paar Monaten durch neue Radarmessungen mit den mächtigen Antennen des Goldstone-Laboratoriums in der MojaveWüste in Kalifornien teilweise "demaskiert", wird im Februar 1974 wohl
mehr von seinen Geheimnissen preisgeben müssen. Am 5. Februar fliegt die
am 3. November 1973 gestartete amerikanische Raumsonde MARINER 10 in
ca. 5 000 km Abstand an ihm vorbei. Sie wird ihn vorher und danach - insgesamt 17 Tage lang - mit zwei Fernsehkameras und sechs Meßinstrumenten
sondieren.
Allerdings ist noch nicht vorauszusehen, in welchem Umfang mehr über
die Beschaffenheit dieses "Schwesterplaneten" der Erde zu erfahren sein
wird. Wohl haben die Meßdaten von MARINER 2 (1962) und MARINER 5 (1967)
sowie von sowjetischen Raumsonden schon manche Kunde von dem ständig unter
einer dichten Wolkendecke verborgenen Planeten V e n u s gebracht. Man weiß
z.B., daß die Temperatur auf der Tagseite weit über 400 Grad Celsius und
der atmosphärische Druck etwa das Hundertfache des Luftdrucks an der Erdoberfläche beträgt. Den Meßdaten der im Juli 1972 weich gelandeten sowjetischen Sonde VENUS 8, die 50 Minuten lang Signale übermittelte, war u.a. zu
entnehmen, daß der Untergrund am Landeort vermutlich aus granitähnlichem
Gestein besteht.
Die

-1-

�Die bisher aufschlußreichsten Informationen über die Oberfläche der
Venus lieferten nach den noch relativ groben Radarmessungen vom Jahre 1970
die neuen, detaillierten Radaruntersuchungen vom Radioobservatorium Goldstone
aus. Dabei wurde ein 1,3 Millionen qkm großes Gebiet im Äquatorgürtel abgetastet. Die Echos nahmen zwei leistungsstarke Antennen in Kalifornien auf,
die ca. 20 km auseinanderliegen, so daß mit Hilfe dieser "Stereotechnik11
eine äußerst präzise Vermessung möglich wurde. Die jetzt vorliegende Karte
zeigt eine pockennarbige Oberfläche, der des Mondes nicht unähnlich. Der
größte Krater hat 160 km Durchmesser.Die Höhenunterschiede sind jedoch alles
in allem viel geringer als auf dem Mond; sie dürften kaum mehr als 1 100 m
betragen. Nach Meinung von Prof. Richard M. Goldstein vom Jet Propulsion
Laboratory in Pasadena (Kalifornien) sind die Krater in diesem Gebiet in
erster Linie auf Meteoriteneinschläge und nicht primär auf vulkanische Vorgänge zurückzuführen. Sie könnten durch ein massives Bombardement aus dem
Weltraum bereits zu einer Zeit entstanden sein, als die Venus noch gar keine
Atmosphäre besaß.
', Die Hoffnung ist gering, daß die Fernsehkameras von MARINER 10 beim
Vorbeiflug an der Venus etwa durch ein zufällig aufgerissenes Loch in der
mindestens 13 km dicken Wolkenhülle einen Blick auf die Oberfläche erhaschen,
obgleich den Meßdaten von VENUS 8 zufolge hie

und da Sonnenlicht bis zum

Boden durchdringt. Aber schon die farbigen Fernsehbilder von der Wolkendecke
und ihrer Struktur, welche besonders im Bereich der Grenzlinie

zur Nacht-

seite gut zu erkennen sein dürfte, wären aufschlußreich, da sich daraus im
Verein mit den Meßdaten der ebenfalls mitgeführten Radarsonde Rückschlüsse
auf die Oberfläche ziehen lassen. Die Radarsondierung von Goldstone aus wird
zu diesem Zeitpunkt wieder aufgenommen.
Man vermutet ein reguläres Zirkulationsschema für die Wolkenhülle, die
den Planeten - unabhängig von dessen sehr langsamer Eigenrotation - einmal
in fünf Tagen umkreist. Die Ursache für dieses Phänomen ist unbekannt. Sensoren an den Fernsehausrüstungen sollen helfen, die schon häufig beobachteten Ultraviolett-'Tlecke", die ebenfalls eine Umlaufzeit von vier bis fünf

-2-

�/
fünf Tagenhaben, näher zu untersuchen. Die TV~Geräte selbst sind mit denen
der erfolgreichen Marssonde MARINER 9 nahezu identisch, besitzen jedoch
durch die Ausstattung mit 1 500 mm-Cassegrain-Teleskopen ein höheres Auflösungsvermögen. Dieses liegt bei etwa 50 m« Von Infrarot-Sensoren erhoffen
sich die Wissenschaftler Hinweise auf die Zusammensetzung der Atmosphäre,
die, wie man weiß, hauptsächlich aus Kohlendioxid besteht. Das interplanetare Plasma, d.h. die von der Sonne ständig abströmende Materie mit elektrisch geladenen Partikeln wie Protonen und Elektronen, wird, ebenso wie
Magnetfelder,auf dem ganzen Flugweg gemessen, aber besonders aufmerksam in
der unmittelbaren Umgebung des Planeten beobachtet.
Sechs Wochen später wiederholt sich das Arbeitsprogramm zur ersten
Nahbeobachtung des Planeten Merkur, den die 500 kg schwere Sonde MARINER 10
am 29. März 1974 in nur 1 000 km Abstand passieren soll. Bei diesem Ausflug
'

zu den sonnennächsten Planeten wird übrigens zum ersten Mal von der sogenannten Swing-by-Technik Gebrauch gemacht. Die Flugbahn des MARINER 10 zur

I

Venus ist so berechnet, daß die Sonde mit Hilfe der Schwerebeschleunigung
bei der größten Annäherung im Februar umgelenkt und, wie aus einer Schleuder katapultiert, in Richtung Merkur weitertransportiert wird. Diese Technik
hilft Treibstoff sparen - aber die Voraussetzung für ihr Funktionieren ist
eine äußerst exakte Anflugbahn.
Wegen der im Vergleich zur Umgebung der Erde um das Zehnfache höheren
Temperaturen im inneren Bereich des Sonnensystems werden die Instrumente
der Sonde durch sonnenschirmähnliche Vorrichtungen geschützt. Selbst die
Solarzellen, die ja den Betriebsstrom für die Instrumente und Funkgeräte
liefern, müssen in Sonnennähe so gekippt werden, daß sie nur noch einen
Bruchteil der Gesamtstrahlung empfangen.
Von der Erde aus ist die Beobachtung des Merkur, des sonnennächsten
und mit nur 4 800 km Äquatordurchmesser kleinsten Planeten unseres Sonnensystems, allein schon deshalb außerordentlich schwierig, weil dabei die
Sonne immer stört. Ein paar Fakten sind bekannt: so beträgt die Umlauf-

-3-

�Umlaufzeit um das Zentralgestirn knapp 88 Tage. Sie scheint auf eigenartige
Weise mit der Eigenrotation gekoppelt zu sein - der Merkur dreht sich nämlich
im Verlauf von vier "Jahren" dreimal um die eigene Achse. Auf diesen Umstand
dürften, in Verbindung mit der relativ stark exzentrischen Umlaufbahn, die
sogenannten heißen Flecke auf seiner Oberfläche zurückzuführen sein. Diese
Stellen sind stets dann der Sonne zugewandt, wenn ihr der Merkur am nächsten
ist. Die Temperaturunterschiede zwischen der Tag-und Nachtseite scheinen sehr
krass zu sein - sie werden mit + 400 und - 100 Grad Celsius angenommen.
Der Merkur dürfte nur geringe oder gar keine Atmosphäre haben. Besonders interessant ist jedoch seine Dichte. Sie beträgt 5,3 g/ccm und kommt
damit jener der Erde (5,52 g/ccm) unter allen Planeten am nächsten. Vielleicht helfen die MARINER 10-Instrumente die Frage beantworten, weshalb dieser kleine Planet so "schwer" ist.
Nach Abschluß der Messungen und Fernsehaufnahmen am Merkur tritt
MARINER 10 als künstlicher Planet in eine Umlaufbahn um die Sonne ein. NASAWissenschaftler hoffen, diese Bahn so steuern zu können, daß die Sonde ein
zweites Mal in Merkurnähe gelangt, um den Planeten noch einmal zu inspizieren. Wenn dies gelingt »könnte sie am 24. September 1974 eine zweite Bilderserie zur Erde funken.

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PIONIER 10 VOR DEM ZIEL
Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter

--(AD)-- Zwanzig Farbaufnahmen vom Jupiter, dem Riesen unter den neun
Hauptplaneten des Sonnensystems, und vielleicht sogar Aufnahmen von einem
seiner 12 Monde hoffen die NASA-Wissenschaftler im Dezember 1973 übermittelt zu bekommen, wenn die amerikanische Raumsonde PIONIER 10 in etwa
160 000 km Abstand an dem Planeten vorbeizieht. 950 Millionen km weit war
der Anflugweg, der in die unbekannte Welt jenseits des Mars und des
Asteoridengürtels führte.Bisher verlief alles nach Plan. Auch die befürchteten Beschädigungen durch mögliche Kollisionen mit Meteoriten beim Durchgang
durch den Hunderte von Millionen Kilometern breiten Asteoridengürtel blieben aus. Seit dem 2. März 1972 ist PIONIER 10 unterwegs, seit dem 5. April
1973 folgt eine zweite, identische Sonde, PIONIER 11. Diese wird, wenn
weiter alles programmgemäß verläuft, im Dezember 1974 die Nahbeobachtungen
am Jupiter fortsetzen können.
Auf Minuten genau muß die Flugkontrolle der amerikanischen Weltraumbehörde NASA die Zeit der Ankunft an einem bestimmten Bahnpunkt am 3. Dezember 1973 errechnen. Diese Information wird z.B. benötigt, um Manöver wie
den Vorbeiflug der Sonde auf der Rückseite des orangefarbenen Jupitermondes Io und den Zeitpunkt des Absendens der Funkbefehle von der Erde für die

�die Sondierung des Jupiter präzise zu planen. Denn die Funksignale brauchen
46 Minuten, bis sie - bei Lichtgeschwindigkeit - PIONIER 10 überhaupt erreichen. Für die Nahbeobachtungen ist eine ganze Woche vorgesehen.
Mit 12 Instrumenten soll Jupiter, der allein mehr Masse besitzt als die
übrigen acht Hauptplaneten des Sonnensystems zusammen, während des Vorbeifluges beobachtet werden. Vom Infrarot-Radiometer erwartet man Informationen
über die wahrscheinlich sehr tiefe Atmosphäre des Giganten, dessen Durchmesser am Äquator 142 700 km, also mehr als das Elffache des Erddurchmessers beträgt. Da der Planet sehr schnell rotiert - er braucht nicht einmal 10 Stunden für eine Umdrehung «, ist er an den Polen stark abgeplattet.
Das Hochfeld-Magnetometer dürfte besonders interessante Daten liefern.
Vorläufig ist die Frage noch offen, woher bezw. aus welchen Prozessen Jupiter den "Überschuß" an Energie bezieht. Denn die Sonne kann eigentlich angesichts seiner Energiebilanz nicht die einzige Energiequelle sein. Der "Rote
Fleck" auf der Südhalbkugel beschäftigt die Planetenforscher schon seit langer Zeit. Auch die farbig abgesetzte Streifenstruktur der Atmosphäre gibt
manche Rätsel auf.
Schon auf dem Anflugweg registrierte PIONIER ständig

die Meteoriten-

dichte sowie den "Sonnenwind", d.h. die Strömungsrichtung und die Dichte der
von der Sonne fortlaufend an den interplanetaren Raum abgegebenen Schwaden
von Materieteilchen, und dazu die mit ihnen wandernden schwachen Magnetfelder. Vier Instrumente erfaßten

besonders energiereiche Partikel,

die sowohl von der Sonne als auch aus dem galaktischen Raum stammen können.
Und ein Ultr^violett-Instrument mißt Wasserstoff und Helium aus dem interstellaren Raum, d.h. von Bereichen außerhalb unseres eigenen Sonnensystems.
Der Planet Jupiter ist Von der Erde aus gesehen das vierthellste Objekt
am Himmel. Jedoch ist immer nur die "Tagseite" sichtbar. PIONIER 10 soll nun
zum ersten Mal Messungen vom Gebiet der Tag-und Nächtgrenze übermitteln.

-2-

�übermitteln. Spektrographische Aufnahmen von der Erde aus ergaben, daß die
Atmosphäre hauptsächlich aus Wasserstoff, Ammoniak, Methan und Wasserdampf
besteht. Wie es unterhalb der Atmosphäre aussieht, weiß niemand. Wohl gibt
es verschiedene Modelle, die den Aufbau des Planeten darzustellen versuchen
- er könnte beispielsweise einen sehr dichten Gesteinskern, darum einen Mantel aus metallischem Wasserstoff und eine Oberfläche aus flüssigem oder
festem Wasserstoff haben. Vielleicht helfen die PIONIER-Experimente, auch
einige Antworten auf diese Fragen zu finden.

-3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Kissinger unterrichtete NATO-Botschafter über Lage im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2. November -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Unterstaatssekretär Kubisch zu den Vorgängen in Chile&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommende Verhandlungen sollen Lebensmittelversorgung der Welt sicherstellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumsonde unterm Sonnenschirm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und Merkur -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;PIONIER 10 vor dem Ziel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter -&lt;/em&gt;</text>
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lO

Information
und
Dokumentation

CO

mSBiBi

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. November 1979

43
INHALT

INFORMATION
Präsident Carter ernennt Juristin zur Leiterin des neuen Bildungsministeriums
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Robert David Hormats: Stellvertreter des amerikanischen Sonderbeauftragten
für Handelsverhandlungen
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Michael Smith:

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-

-

Der neue Leiter der US-Handelsdelegation in Genf

WIRTSCHAFT
Staatssekretär Solomon zu amerikanisch-europäischen Wirtschaftsfragen
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- Vortrag vor der Friedrich-Ebert-Stiftung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Folgerungen aus dem Reaktorunfall von Harrisburg
Untersuchungskommission fordert einschneidende Änderungen bei Konstruktion,
Betrieb und Überwachung von Kernkraftwerken
Neue Maßnahmen zur Verbesserung der Weltwetterwacht

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�1

Information

I

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7. November 1979

43

PRÄSIDENT CARTER ERNENNT JURISTIN ZUR LEITERIN DES NEUEN
BILDUNGSMINISTERIUMS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 30. Oktober 1979 die Bundesrichterin Shirley Mount Hufstedler aus Kalifornien zur Leiterin des erst kürzlich geschaffenen Bundesministeriums für Bildung und Erziehung nominiert.
Bei Bestätigung durch den Senat wird Frau Hufstedler einem Ministerium vorstehen, das über ein Budget von 14,2 Milliarden Dollar verfügt und 17 000 Mitarbeiter beschäftigt.
Nach Juanita Kreps, der ehemaligen Handelsministerin, und Patricia Harris,
der derzeitigen Gesundheitsministerin, wird Frau Hufstedler die dritte Frau
sein, die Präsident Carter auf einen Kabinettsposten berufen hat.
Groß war das Lob, mit dem er die neue Ministerin bedachte: Er nannte
sie "einen der besten Köpfe unseres Landes"und hob hervor, daß Frau Hufstedler,
"eine starke, schöpferische Denkerin, die die Art und Weise, wie wir unsere
Kinder erziehen, aus einem neuen Blickwinkel betrachten könnte", auch "das
vollste Vertrauen und Unterstützung" des Präsidenten genieße.
Frau

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�Frau Hufstedler, die gegenwärtig als Richterin am Kassationsgericht in
Los Angeles tätig ist, wird seit langem als eine der führenden Juristen des
Landes angesehen, öfters wurde sie schon als mögliche erste weibliche Kandidatin für den Obersten Gerichtshof genannt.
In einer Erklärung unmittelbar nach der Ankündigung ihrer Ernennung durch
das Weiße Haus umriß Frau Hufstedler ihre Arbeitsvorhaben im Bildungsministerium:

Einen Großteil ihrer Zeit wolle sie damit verbringen, "Eltern, Lehrern,

Schülern und Studenten und anderen Leuten zuzuhören, die sich Gedanken um
die Erziehung in diesem Land machen".

Auf dem Gebiet der Erziehung sei es am

wichtigsten, "allen Lernenden beim Lernen zu helfen".
türlich auch, die Verpflichtung der Regierung Carter

Ihre Absicht sei es nazu verwirklichen, "die

Aufmerksamkeit auf die echten erzieherischen Erfordernisse unserer Kinder zu
konzentrieren."
Shirley Mount Hufstedler wurde am 24. August 1925 in Denver, Colorado,
geboren, studierte an der Universität von New Mexico und besuchte dann die
Juristische Fakultät der Stanford-Universität in Kalifornien, wo sie auch
ihren jetzigen Ehemann kennenlernte, der heute ein angesehener,Anwalt in
Kalifornien ist; das Ehepaar hat einen 26jährigen Sohn, Steven.
Bis 1961, dem Jahr ihrer Ernennung zur Richterin am Obersten Gericht
von Los Angeles durch den kalifornischen Gouverneur Edmund G. Brown, war sie
als Anwältin tätig und wurde 1968 von Präsident Lyndon B. Johnson als erste
Frau an ein amerikanisches Kassationsgericht berufen.
Frau Hufstedler ist in der Frauenrechtsbewegung tätig und wird als liberalgemäßigte Demokratin bezeichnet. Ihre pädagogischen Interessen kommen auch
darin zum Ausdruck, daß sie Kuratoriumsmitglied
des Occidental College,
des Aspen-Instituts für humanistische Studien und des California Institute
of Technology ist.
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Information

I

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7. November 1979

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ROBERT DAVID HORMATS: STELLVERTRETER DES AMERIKANISCHEN
SONDERBEAUFTRAGTEN FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Der bisherige Stellvertretende Unterstaatssekretär
für wirtschaftliche und Handelsangelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Robert David Hormats, ist von Präsident Carter zum Stellvertreter des
Sonderbeauftragten für Handelsverhandlungen, Reubin Askew, ernannt worden.
Hormats verfügt über eine reiche Erfahrung in internationalen Wirtschaftsfragen und gehörte zu den wenigen Mitarbeitern, die die Position Präsident
Carters für seine Wirtschaftsgipfeltreffen mit anderen Staats- und Regierungschefs ausgearbeitet haben. Er wird wesentlich an der Durchsetzung der neuen
amerikanischen Handelspolitik mitwirken, die sich aus den Abkommen im Rahmen
der Multilateralen Handelsverhandlungen (Tokio-Runde) ergeben hat und die gegenwärtig dem amerikanischen Kongreß zur Billigung vorliegt.
Robert David Hormats wurde 1943 in Baltimore im Staate Maryland geboren
und besuchte die Tuft-Universität in Massachusetts. Sein Interesse an internationalen Angelegenheiten wurde schon als Kind durch Briefmarkensammeln und
die Lektüre von Geschichtswerken und Biographien geweckt. Im Jahre 1963 erhielt er von der Tufts-Universität ein Stipendium zum Studium der Wirtschaft-

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�wirtschaftlichen Entwicklung in Kenia, um später an der Universität von
Tanzania seine Studien fortzusetzen.

Im Jahre 1969 promovierte er an der

Fletcher School of Law and Dipiomacy zum Ph. D.

Nach seiner Promotion wurde

er Assistent von C. Fred Bergsten, damals leitender Mitarbeiter im Arbeitsstab für Internationale Wirtschaftsfragen im Nationalen Sicherheitsrat, und
nahm später dessen Platz ein. Anfang der siebziger Jahre machte er sich
als Fachmann für internationale Währungsfragen einen Namen.
Hormats ist Junggeselle und reist gerne, was eine gute Voraussetzung für
seine jetzige Tätigkeit bietet.

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�Information

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7. November 1979

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MICHAEL SMITH: DER NEUE LEITER DER US-HANDELSDELEGATION IN GENF

WASHINGTON - (AD) - Botschafter Michael Smith ist zum neuen Leiter der
amerikanischen Delegation für die Handelsverhandlungen in Genf ernannt worden
und wird gleichzeitig als Stellvertretender Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen die Vereinigten Staaten beim Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) vertreten. Smith ist somit einer der Stellvertreter von Reubin
Askew, dem neuen Sonderbeauftragten Präsident Carters für Handelsverhandlungen. Smith wird ferner mit seinem Stab die Vereinigten Staaten auch bei
der Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung (UNCTAD)
vertreten.
Botschafter Smith hat bereits als amerikanischer Unterhändler bei den
schwierigen Textilverhandlungen im Rahmen der Tokio-Runde große Erfahrungen
gesammelt und gilt bei seinen Verhandlungspartnern als pragmatischer, sachlicher Verhandlungsführer.
Michael Brackett Smith wurde 1936 in Marblehead im Staate Massachusetts,
einem der ältesten Häfen Amerikas, geboren und ist seit seiner Jugend mit dem Meer
vertraut.

Er studierte an der Harvard-Universität Staatslehre und Internatio-

nale Beziehungen und trat nach seinem Studienabschluß im Jahre 1958 in den

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�den Auswärtigen Dienst seines Landes ein.
in aller Welt, darunter in

Er bekleidete diplomatische Posten

Teheran, Fort Lamy, Straßburg und Lyon.

Anfang

der siebziger Jahre war er drei Jahre lang im Weißen Haus für die Korrespondenz des Präsidenten verantwortlich.
Er ist seit 1959 mit der früheren Nancy Pickering verheiratet und hat
zwei Kinder, Leslie und Eric.

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�Wirl/choft
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7. November 1979

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STAATSSEKRETÄR S0L0M0N ZU AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSFRAGEN
- Vortrag vor der Friedrich-Ebert-Stiftung -

Der Staatssekretär für Währungsangelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium,
Anthony M. Solomon, hat am 27. Oktober 1979
in Port ehester im Staate New York zu amerikanisch-europäischen Wirtschaftsfragen Stellung genommen. Seine Ausführungen machte
er auf der vom 26. bis 28. Oktober von der
deutsch-amerikanischen Konferenz zu wirtschafts- und finanzpolitischen Themen.
Das amerikanische Finanzministerium gab dazu
den nachfolgenden in 33 Punkte gegliederten
Text heraus:

1. Diese Konferenz ist europäischen und amerikanischen Perspektiven wirtschaftspolitischer Fragen in den achtziger Jahren gewidmet. Ich möchte zunächst einige spezifische Punkte der Binnen- und Außenwirtschaftspolitik der
Vereinigten Staaten erwähnen und dann im Zusammenhang mit den amerikanischeuropäischen Beziehungen auf ein generelleres Thema zu sprechen kommen.
2. Im eigenen Lande ist die Notwendigkeit, die Inflation unter Kontrolle
zu bekommen, das überragende Ziel der amerikanischen Wirtschaftspolitik. Die

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Telex:08-85432

�Die Regierung ist sich darüber im klaren, daß die Eindämmung der Inflation
die Grundlage für die Wiederherstellung eines gesunden wirtschaftlichen Wachstums
ist.

Ein wesentlicher Teil der ungünstigen Preisentwicklung in den letzten

Monaten ist direkt auf Energie und Nahrungsmittel zurückzuführen.

Diese Quellen

der Inflation werden sich in den kommenden Monaten etwas auflösen, wenn die
jüngsten öl Preiserhöhungen von der Wirtschaft verkraftet sind, und aufgrund der
zu erwartenden guten Ernten.

Aber selbst wenn man all diese besonderen Faktoren

in Rechnung stellt, dann ist die grundlegende Inflationsrate noch immer unerträglich.
3. Alle wichtigen Elemente der amerikanischen Wirtschaftspolitik sind
auf eine Eindämmung der Inflation ausgerichtet.

Es ist der Regierung gelungen,

den Trend zur Erhöhung der Haushaltsdefizite und zur Ausweitung der Bundesansprüche an die Volkswirtschaft umzukehren.

Das Defizit (des Bundeshaushaltes)

ist von drei Prozent des Bruttosozialprodukts im Jahre 1976 in diesem Jahr auf
ein Prozent zurückgegangen.

Im gleichen Zeitraum sind die Ausgaben des Bundes

von 22,6 Prozent des Bruttosozialproduktes auf 21,5 Prozent gesenkt worden.
Wir wollen hier weitere Fortschritte erreichen, mit dem Ziel, im Laufe der
Zeit die Ansprüche der Bundesregierung an die Wirtschaft zu verringern und
wesentliche Mittel für den privaten Sektor freizustellen.
4. Die Bundesbank trifft energische Maßnahmen, um die Wachstumsrate beim
Geld- und Kreditmarkt zu reduzieren. Die von der Bundesbank zu Anfang dieses
Monats angekündigten Maßnahmen sind einschneidend und werden ihre Wirkung haben.
Sie haben sich bereits sehr deutlich auf die Einstellung und die Erwartungen
der Öffentlichkeit ausgewirkt.
5. Unser freiwilliges Lohn-Preis-Programm ist bei der Dämpfung der Preisanstiege und der Lohnabschlüsse in dem vom Programm erfaßten Gebieten weitaus
wirksamer gewesen, als dies allgemein bekannt ist. Wir beabsichtigen, das
Management und die Gewerkschaften bei der Festsetzung der Normen für die Löhne
im Verlauf des zweiten Jahres stärker heranzuziehen, um auf diese Weise unbillige Härten zu vermeiden, die sich sonst im Verlauf der Zeit ergeben könn-

- 2 -

�könnten.

Ein Dreier-Ausschuß für Lohnfragen - unter dem Vorsitz von John

Dunlop - wird geschaffen, dessen erste Aufgabe es sein wird, Lohnnormen für
die nächste Zeitspanne zu empfehlen.

Die Administration hat in diesem Zu-

sammenhang mit der amerikanischen Gewerkschaftsführung einen Kompromiß erreicht, der den Kampf gegen die Inflation unterstützen wird und eine Beteiligung der Gewerkschaften bei dem Lohn-Preis-Programm vorsieht.

Ich persön-

lich bin heute zuversichtlicher als in der Vergangenheit, daß die freiwilligen Leitlinien eine wirksame Ergänzung zu der geforderten Zurückhaltung sein
können.

Die die gesamte Wirtschaft erfassenden destruktiven Auswirkungen

der Inflation sind dem amerikanischen Volk akut zum Bewußtsein gelangt.

Das

Gefühl für die unbedingte Notwendigkeit, die Inflation unter Kontrolle zu
bekommen, ist in der Öffentlichkeit allgemein verbreitet und tiefverwurzelt.
Vor allem angesichts der jetzt herrschenden stärkeren Überzeugung, daß die
Administration entschlossen ist die Inflation in den Griff zu bekommen - und
mit der sich daraus ergebenden Dämpfung der Inflationsaussichten - kann das
freiwillige Programm greifbare und starke Wirkungen haben.

6. Der zehnfache Anstieg der Weltölpreise ist der Hauptfaktor bei der
Beschleunigung der Inflation in diesem Jahrzehnt sowohl in den Vereinigten
Staaten wie in anderen Ländern gewesen.

Das Ziel der Vereinigten Staaten,

in der Energieversorgung unabhängig zu werden, ist fraglos durch Gründe der
nationalen Sicherheit motiviert.

Aber es ist auch ein wichtiges Element in

unserem Bemühen, die Inflation einzudämmen und die amerikanische Außenposition zu stärken.

Präsident Carter hat sich seit zweieinhalb Jahren um Unter-

stützung für ein breitangelegtes und umfassendes Energieprogramm bemüht. Die
Vielfalt der Umstände und Interessen in einem Land von der Größe der Vereinigten
Staaten hat es qualvoll schwierig werden lassen, ein nationales Energieprogramm
auf den Weg zu bringen.
gestellt.

Einige wichtige Teile des Programms sind bereits auf-

Der Präsident hat kürzlich zwei wichtige Maßnahmen - in bezug auf

die Freigabe der Preise für einheimisches Rohöl und die Begrenzung der öleinfuhren - gemäß der ihm zustehenden Machtbefugnisse getroffen.

Weitere ent-

scheidend wichtige Teile des Programms werden weiterhin aktiv im Kongreß beraten.
7. Unser

�7. Unser Programm soll, sobald es voll wirksam ist, die ölimporte um
50 Prozent - das sind vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag - gegenüber dem
derzeitigen Volumen senken und um acht bis neun Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem Volumen, auf das die Importe ohne ein umfassendes Energieprogramm
angestiegen wären.
8. Die Aufrechterhaltung der Stabilität an den Devisenmärkten ist ein
wichtiger Faktor bei unseren Bemühungen zur Verringerung der Inflation und
zur Erhaltung eines gesunden Wachstums- und Investitionsklimas.

Die von uns

getroffenen innenpolitischen Maßnahmen sind ebenfalls notwendigem den Vereinigten Staaten eine starke Außenposition und einen gesunden und stabilen
Dollar zu sichern.

Die gegenwärtige amerikanische Leistungsbilanz verstärkt

sich rapide. Trotz eines Anstiegs unserer ölimporte um 16 Milliarden Dollar
werden wir in diesem Jahr nur ein Defizit von wenigen Milliarden Dollar haben
und hoffen, im Jahr 1980 zu einem beträchtlichen Überschuß zu gelangen.
9. In Zusammenarbeit mit den monetären Behörden mehrerer, eine Schlüsselposition einnehmender Staaten - die Bundesrepublik Deutschland, Japan und die
Schweiz - greifen wir aktiv und energisch an den Devisenmärkten ein, um die
Aktion im Fundamentalen zu unterstützen.
10. Die beträchtliche positive Wende in der amerikanischen Zahlungsbilanz, die willkommenen Veränderungen in den Zahlungsbilanzpositionen der
Bundesrepublik Deutschland und Japans, unser gemeinsam geführter Kampf gegen
die Inflation und eine wirksame internationale Zusammenarbeit auf monetärem
Gebiet - dies alles wirkt zusammen, um eine feste Basis für die Stabilität
an den Devisenmärkten und die Stärke des Dollar in der kommenden Zeit zu
schaffen. Wir werden diesen Kurs beibehalten.
11. Was die internationale Wirtschaftslage anbetrifft, so wird das Bild
hier erneut von der Auswirkung der OPEC-Öl Preiserhöhungen beherrscht.

Die Po-

sition der OECD wird sich in diesem Jahr wahrscheinlich um rund 38 Milliarden
Dollar verschlechtern, von einem Überschuß von acht Milliarden zu einem Defizit von etwa 30 Milliarden Dollar.

Diese kumulative Verlagerung wirft na-

�natürlich einen Schatten auf die bedeutende Verbesserung, die sich in dem
Verhältnis der Ungleichgewichte zwischen den größeren Ländern abzeichnet.

12. Der laufende Kontostand der nicht über öl verfügenden Länder mit
niedrigem Entwicklungsstand dürfte sich in diesem Jahr um zehn Milliarden
Dollar verschlechtern und im Jahre 1980 um weitere zehn Milliarden Dollar
auf Defizite von 30 Milliarden Dollar 1979 und 40 Milliarden Dollar 1980.
Unsere Schätzungen lassen erkennen, daß sich diese Verschlechterung - glücklicherweise - auf die Positionen einiger weniger relativ fortgeschrittener
Länder mit auskömmlichen Reserven und Zugang zu den privaten Märkten konzentrieren wird.

Für die meisten Länder mit niedrigem Entwicklungsstand wird

die Verschlechterung wahrscheinlich innerhalb des Bereichs der zu erwartenden Erhöhung der amtlichen Entwicklungshilfe liegen.
13. Kurz gesagt, wir rechnen nicht mit einem allgemeinen Finanzierungsproblem.

Es wird wahrscheinlich einige einzelne Problemfälle geben, und wir

müssen mit erhöhten Anforderungen an den IWF um Zahlungsbilanzfinanzierungen
rechnen.

Der Fonds ist in einer sehr starken Position, erhöhten Anforderungen

nachzukommen, und seine Mittel werden durch eine 50prozentige Quotenerhöhung
Ende nächsten Jahres beträchtlich vermehrt werden.

Die Vereinigten Staaten

werden die Gesetzesvorlage für die Erhöhung ihrer Quote in Kürze unterbreiten.

14. Obwohl wir der Überzeugung sind, daß die internationalen Finanzauswirkungen der jüngsten öl Preiserhöhungen ohne ernsthafte Schwierigkeiten in
den Griff zu bekommen sind, bleiben doch die realen Auswirkungen - nachlassendes Wachstum und beschleunigte Inflation.

Der Nachdruck der Vereinigten

Staaten auf die Kontrolle der Inflation und die Stabilisierung der Wirtschaft
ist der wesentlichste Beitrag, den wir zur Wiederherstellung einer gesunden
Weltwirtschaft leisten können.

Aber insbesondere hinsichtlich der zu erwar-

tenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA ist es umso notwendiger, daß andere wichtige Länder ihre Politik auf anhaltendes wirtschaftliches
Wachstum im Rahmen der Eindämmung der Inflation ausrichten.

- 5 -

Ebenso wichtig

�wichtig ist, daß wir alle den Schwung des k'ürzlichen Abkommens im Rahmen
der Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN) aufrechterhalten und uns protektionistischen Maßnahmen widersetzen und daß wir anderen Ländern mit finanziellem Bedarf Zugang zu unseren Kapitalmärkten gewähren.
15. Wir müssen auch weiterhin auf längerfristige Verbesserungen des
internationalen Handels- und Währungssystems drängen.

Diese Bemühungen er-

folgen auf drei Hauptwegen:
- Aufsicht des IWF über den Prozeß des Zahlungsbilanzausgleichs;
- Erörterungen über ein mögliches Substitutionskonto, um die Rolle der
Sonderziehungsrechte im internationalen Währungssystem zu stärken;
- Erörterungen über.eine Überwachung und mögliche Schritte für eine
bessere Handhabung des Eurowährungsmarktes.
16. Die Vereinigten Staaten beteiligen sich aktiv an jeder dieser
drei Bemühungen und werden sich auch weiterhin für einen Fortschritt einsetzen.
17. Das führt mich zu dem meiner Ansicht nach,zentralen politischen
Problem der achtziger Jahre: Ob die Welt nämlich lernen wird, die Prozesse
der Koordinierung der internationalen Wirtschaftspolitik zu stärken - Management der Interdependenz -, oder in einen nationalistischen Weg zur Lösung spezifischer Probleme zurückverfallen wird.
Ich bin der Meinung, daß die Welt durch die Ereignisse zu einer Wahl
dieser Bedeutung und Größenordnung gezwungen wird, und daß es entscheidend
wichtig ist, daß wir die Existenz der größeren Frage erkennen, wenn wir an
die Lösung von Einzelfragen gehen.
18. Die

�18. Die amerikanisch-europäische Beziehung und unsere gemeinsamen Beziehungen zu anderen wichtigen Ländern sind von zentraler Bedeutung, wie
diese Frage beantwortet werden wird.

Wenn wir nicht durch eine gewichtige

Koordinierung der Politik zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa
mit gutem Beispiel vorangehen, dann besteht wenig Hoffnung, einen breiteren
Erfolg zu erwarten.

19. Das Verständnis für die Vorstellungen des anderen ist die Voraussetzung für den Aufbau einer stärkeren Beziehung.
gegenseitig anerkennen und auf ihnen aufbauen.

Wir sollten unsere Erfolge

Die Nachkriegszeit wird von

einer engen amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit beherrscht.

Aber es be-

stehen auch Irritationen und Ursachen der Spannung - einige von ihnen klein,
aber auch größere und potentiell wichtige - die behandelt und begriffen werden
müssen.

Ich möchte nur einige aus einer offenen amerikanischen Sicht heraus

erwähnen.

Es ist nicht meine Absicht, eine ausgewogene Darstellung zu geben,

sondern ich möchte die Dinge aus einer besonderen Sicht darstellen - in der
Hoffnung, daß dies zum Verständnis und schließlich zu Lösungen beitragen wird.
Ich erwarte eine in gleicher Weise offene europäische Darstellung der Probleme,
die es mit den Amerikanern gibt.

20. Erstens, ich sehe ein Problem des Tons und der Einstellung in dem
wirtschaftlichen Gesamtverhältnis zwischen den USA und Europa - eine Zwiespältigkeit in den europäischen Auffassungen hinsichtlich der Natur dieses Verhältnisses.

Diese Zwiespältigkeit wird durch ein Zitat aus einem anderen Ge-

biet deutlich.

Raymond Aron erklärte kürzlich in einem Artikel, "Europäer

setzen ihr Vertrauen nicht mehr in die NATO oder in den amerikanischen Nuklearschirm.

Worauf sie heute vertrauen, ist die Vorsicht der Bolschewiken, die

sich, wie sie es müssen, der unberechenbaren Gefahren eines Angriffs auf Westeuropa bewußt sind."

Der Punkt ist natürlich, daß diese Vorsicht eben durch

die Existenz der NATO und des Nuklearschirms diktiert wird, aber der Punkt
geht in dieser spezifischen europäischen Darstellung des amerikanisch-europäischen Verhältnisses verloren.
21. Eine

- 7 -

�21. Eine ähnliche Zwiespältigkeit herrscht bezüglich einiger Fragen der
Initiative und Führung auf wirtschaftlichem Gebiet. Die Vereinigten Staaten
vernehmen ständig europäische Rufe nach stärkerer amerikanischer Führung auf
wirtschaftlichem Gebiet, vor allem auf dem Gebiet der Währung. Und wir hören
immer wieder europäische Kritik an dem Versagen Amerikas, diese Führung auszuüben - dem Versagen Amerikas, seinen Verantwortlichkeiten in der Welt richtig nachzukommen. Wenn die Vereinigten Staaten jedoch versuchen, Führung auszuüben, dann kommt es häufig zu einem Mangel an europäischer Bereitschaft, zu
folgen.
22. Das ist kein neues Phänomen. Es kennzeichnet die Diskussionen Ende
der sechziger Jahre über das Wechselkurssystem, durch die die Vereinigten
Staaten gegen ihren Willen gezwungen wurden, einseitige Maßnahmen zu ergreifen, um einen Wandel herbeizuführen, der schließlich unvermeidbar wurde. Und
es beherrschte die Debatte über die Währungsreform Anfang der siebziger Jahre.
23. Es ist begreiflich, daß es Unterschiede der Auffassung über den sachlichen Inhalt solcher Fragen gibt. Sie sind unausweichlich, über den sachlichen Inhalt kann man sprechen. Aber Europa selbst sollte eine wachsende Verantwortung für die Ausübung von Führung erkennen, nicht nur im Ausdruck seiner
Auffassungen, sondern in der Konzentration auf die Lösung gemeinsamer Probleme.
Verantwortung kann nicht einseitig sein, und Europa zusammen verfügt selbst
über ein großes Führungsprotential. Was nicht konstruktiv ist - und sogar
Gift für das Verhältnis sein und bestimmte Probleme nur noch verschlimmern
kann - ist, wenn Europa seine wesentlichen Meinungsverschiedenheiten überdeckt
und es vermeidet, seine eigenen Verantwortungen zu übernehmen, indem es sich
auf Anschuldigungen des Versagens des amerikanischen Willens und der amerikanischen Führung ausruht.
24. Viele dieser Probleme mögen durchaus in einem Zusammenhang zu der
besonderen Phase der europäischen Anstrengungen stehen, sich im Rahmen der
Gemeinschaft zu einigen. Es ist ein vereintes Europa, in dem eine echte und
konstruktive Führung möglich wird. Aber der heutige EntScheidungsprozeß macht
es schwierig, diese Möglichkeit zu verwirklichen.
c«.
9r

�25. Es gibt eine Vielzahl multilateraler Fragen, die wir mit der Europäischen Gemeinschaft zu koordinieren suchen - beispielsweise Fragen, die in
der UNCTAD und anderen Foren der Vereinten Nationen zur Sprache kommen, Fragen, die im IWF oder in der Weltbank behandelt werden, usw.
zu finden scheinen, ist eines von drei Dingen:

Was wir häufig

In einigen Fällen haben die

EG-Staaten bereits eine interne Entscheidung getroffen, und es gibt keinen
Spielraum mehr für die Aushandlung einer Position, die für die Vereinigten
Staaten und andere Industrieländer akzeptabler wäre.

In anderen Fällen sind

die EG-Länder nicht in der Lage, sich unter sich selbst einig zu werden, und
es gibt praktisch keine EG-Auffassung, mit der man arbeiten könnte.

Und in

wieder anderen Fällen laufen die EG-Bemühungen, zu einer internen Auffassung
zu kommen, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hinaus - oder in einigen Fällen auf eine Auffassung, die zu weit geht - und führt zu Ergebnissen, die für
die Mehrzahl der EG-Länder selbst nur am Rande akzeptabel und für die Vereinigten Staaten und andere nicht akzeptabel sind.

26. Im wesentlichen herrscht zu Zeiten eine Starrheit im europäischen
Entscheidungsprozeß, mit der nicht nur schwer zu arbeiten ist, sondern die es
auch Europa selbst schwer macht, die Verantwortung und Führung auszuüben,
die seine eigene wirtschaftliche Position rechtfertigt.

Es steht zu hoffen,

daß sich dieses Problem im Zuge der Entwicklung des Einigungsprozesses verflüchtigen wird.

Es wird generell auf dem Gebiet des Handels am wenigsten

evident, wo die EG formelle Kompetenz hat - aber es stellt eine echte Erschwernis für eine wirklich bedeutsame Koordinierung der Politik in globalem Maßstab
dar.

27. Nun zu einigen spezifischen Punkten, auch wenn sie fraglos mit dem
mehr allgemeinen Problem in Zusammenhang stehen:

28. Der Dollar spielt weiterhin eine außerordentlich starke Rolle bei den
offiziellen Reserven und privaten internationalen Transaktionen.

In einem

gewissen Maß mag diese dem Dollar zufallende Rolle ein bei den Problemen des
Devisenmarktes mitwirkenden Faktor sein, und sie ist zweifellos immer wieder

- 9-

�wieder Ziel der europäischen Kritik.

Zur gleichen Zeit aber besteht auf

europäischer Seite die entschiedene Abneigung, eine Veränderung in dieser
dem Dollar zufallenden Rolle in Aussicht zu nehmen oder zu erleichtern, etwa
durch eine größere Bereitwilligkeit, selbst internationale Kredite zu vergeben, eine größere Verwendung der eigenen Währungen als Reserven zuzulassen oder
ernsthaft Schritte in Erwägung zu ziehen, die dazu führen könnten, den Sonderziehungsrechten allmählich eine größere Rolle zuzuerkennen.

Ich erkenne

bereitwillig die für die Vereinigten Staaten bestehende Verantwortung an, eine
vernünftige Ausgewogenheit in ihren Konten aufrechtzuerhalten.

Aber ich kann

die Ideenicht akzeptieren, die meiner Meinung nach der Kritik an der internationalen Rolle des Dollar sehr oft zugrundeliegt, daß die Verfügbarmachung
des internationalen Kredits stark beschnitten werden sollte und daß es den Vereinigten Staaten obliegt, dies zu tun.

Es besteht ein reales Kreditbedürfnis

zur Inganghaltung einer funktionierenden Weltwirtschaft.

Es ist nur vernünftig,

zu erwarten, daß Europa eine größere Rolle bei der Bereitstellung dieses Kredits übernimmt.
29. Zweitens, die Vereinigten Staaten übernehmen auch weiterhin starke
Devisenausgaben - in der Größenordnung von netto 2,5 Milliarden Dollar pro
Jahr - auf dem Gebiet der europäischen Verteidigung.

Ich denke auch nicht

einen Augenblick daran, zu bestreiten, daß dies in unserem gemeinsamen Interesse liegt, und will keineswegs den Vorschlag machen, erneut Verhandlungen
über einen Zahlungsbilanzausgleich zu führen.

Was ich jedoch meine, ist, daß

man daran bei der Formulierung der europäischen Bewertung der amerikanischen
Außenposition und der hierzu erteilten Ratschläge denken sollte.
30. Drittens, auf dem Energiegebiet erkenne, ich ebenfalls die große Verantwortung der Vereinigten Staaten dafür an, ihre eigene Energiesituation unter Kontrolle zu bringen und ihre Ansprüche auf dem Weltölmarkt zu reduzieren.
Wir wollen dieser Verantwortung gerecht werden. Zugleich aber haben die Vereinigten Staaten große Anstrengungen unternommen, um die OPEC zu einer Preismäßigung - und zur Aufrechterhaltung und Erweiterung der Produktionsmengen zu
bewegen. Das ist von lebenswichtiger Bedeutung für alle öl importierenden Länder - und sicherlich in Europas Interesse genau so wie in unserem eigenen. Aber
- 10 -

�Aber in wichtigen Punkten blieben die Vereinigten Staaten in diesem Bemühen
allein.

Wir hoffen, daß Europa den länderspezifischen Zieldaten zustimmen

wird, durch die die ölimporte im Jahre 1980 begrenzt werden, indem es einen
positiven Mechanismus zu diesem Zweck akzeptiert und der Versuchung widersteht, diese Bemühungen zu verwässern.

Wir sind besorgt über Berichte, wonach

einige europäische Regierungen sich um Sonderpräferenzen bei den öl produzierenden Ländern zur Sicherstenung ihrer eigenen öllieferungen bemüht haben und
sich dabei offensichtlich wenig um das globale Problem kümmerten.

Für die OPEC

muß sich das so darstellen, daß sie es mit einer unkoordinierten und schwachen
Gruppe von Abnehmern zu tun hat.

Ein klareres Bild auf Seiten der bedeutenden

Industrieländer aber könnte außerordentlich dazu beitragen, die Schlüsselstaaten der OPEC dahin zu bringen, eine gemäßigte und konstruktive Linie einzuhalten.
31. Viertens, Europa zeigte sich nicht gewillt, auf den Gebieten der
Handelsfinanzierung und der Investitionen das zu tun, was es auf dem Gebiet
des Handels zu tun bereit war - die Subventionen einzuschränken. Ich glaube,
man wird der amerikanischen Auffassung kaum widersprechen, daß eine subventionierte Exportkreditkonkurrenz für uns alle eine unnütze und kostspielige Sache
ist, die letztlich niemandem von uns nützt. Aber die Konsensregel in der EG
hat den Fortschritt im Bemühen um eine Einigung in bezug auf Begrenzung des
Konkurrenzstrebens bei Exportkrediten trotz jahrelanger Anstrengungen vereitelt.
Und in der Frage der Anreize für internationale Investitionen hat Europa
noch nicht einmal die Grundthese akzeptiert - die nach unserer Ansicht ausnahmslos Geltung hat - daß ein Konkurrenzstreben dieser Art genau so schädlich
sein kann wie auf dem Gebiet des Handels.
32. Ich beabsichtige nicht, die Liste endlos fortzusetzen.

Diese Punkte

verdeutlichen die aus der Sicht der Vereinigten Staaten bestehende Notwendigkeit, daß Europa einen größeren Teil von Verantwortung übernimmt, daß stärker
zum Bewußtsein kommt, daß Europas eigene Aktionen sich auf das globale Klima
nicht nur auswirken, sondern es auch gestalten helfen können, und daß das Verhältnis Europa-USA zu einer besseren Ausgewogenheit gelangt.
- 11 -

Wenn ich diese

�diese Perspektive der Probleme vom amerikanischen Gesichtspunkt aus bedenke,
dann fällt es mir nicht schwer, einige Punkte vorwegzunehmen, die in einer
europäischen Perspektive zu Worte kommen würden, und es ist nicht zu leugnen,
daß die USA selbst einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung des Verhältnisses
leisten müssen.
33. Den Vereinigten Staaten und Europa kommt eine zentrale Verantwortung
für die Aufrechterhaltung eines kooperativen und glatt funktionierenden globalen Wirtschaftssystem zu. Wir werden dieser Verantwortung in wirkungsvoller
Weise gerecht werden, wenn wir unser eigenes kooperatives Verhältnis vertiefen - was vor allem erfordert,daß einer des anderen Probleme und Perspektiven
versteht.

Konferenzen wie diese können ein nützlicher Schritt in diesem Pro-

zeß sein.

- 12 -

�vO

mm
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

43

7. November 1979

FOLGERUNGEN AUS DEM REAKTORUNFALL VON HARRISBURG
Untersuchungskommission fordert einschneidende Änderungen
bei Konstruktion, Betrieb und Überwachung von
Kernkraftwerken

- (AD) - Die von Präsident Carter eingesetzte Kommission zur Untersuchung
des Reaktorunfalls im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvanien)
legte nach sechsmonatiger Arbeit am 30. Oktober 1979 ihren Bericht vor. Aufgrund der Prüfungsergebnisse hält sie einschneidende Änderungen hinsichtlich
der Organisation, der Genehmigungsverfahren, Praktiken und vor allem der Einstellung der Nuklearen Aufsichtskommission der USA (NRC) für dringend erforderlich. Das gelte auch für die Atomindustrie, sofern die von der Untersuchung
erfaßten Einrichtungen für diese Branche als typisch anzusehen seien.
Die aus zwölf Personen bestehende Kommission, in der John G. Kemeny den
Vorsitz führte, unterbreitete Präsident Carter 44 Empfehlungen. Ein sofortiges
Moratorium für den Bau neuer Kernkraftwerke wird jedoch nicht gefordert. In
einer ersten Äußerung verwies der Präsident darauf, daß einige der Empfehlungen
von ihm ausgeführt werden könnten. Andere seien von der Industrie wahrzunehmen,
der Rest verlange gesetzliche Regelungen durch den US-Kongreß. "Ich werde dem
Kongreß und der Nation über weitere Schritte berichten, die notwendig sind, m

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�um die Gesundheit und Sicherheit der Öffentlichkeit hinsichtlich der Kernkraft zu verbessern und zu schützen", sagte Präsident Carter.
Der Ausschußvorsitzende Kemeny hob hervor, daß technisches Versagen zwar
bis zu einem gewissen Grade zu dem Reaktorunfall in der Station Three Mi 1e
Island beigetragen habe, daß aber die schwerwiegendsten Probleme den Faktor
Mensch beträfen.

"Wir sind überzeugt, daß wir heute nicht hier stünden, wenn

technisches Versagen das einzige Problem gewesen wäre", erklärte er.

Zu den

Problemen zählten nicht nur unzureichende Ausbildung des Betriebspersona's und
des leitenden Personals sowie verwirrende Instruktionen, sondern auch die "Einstellung", daß Kernkraft nach jahrelangem sicherem Betrieb eben "sicher" sei.
Diese Mentalität hätten die NRC und die Industrie verführt, notwendige Maßnahmen zu unterlassen, die den Unfall von Three Mi 1e Island hätten verhindern
können.
Die Untersuchungsergebnisse besagen u.a.:
- Die gegenwärtige Organisation, Besetzung und Geisteshaltung machen es
der NRC und der Industrie unmöglich, ein "akzeptables Sicherheitsniveau für
Kernkraft zu schaffen".
- Das Versorgungsunternehmen Metropolitan Edison verfügte weder "über
ausreichendes Wissen und ausreichende Sachkenntnis noch über das Personal, um
das Atomkraftwerk sicher zu betreiben".
- Die Ausbildung war "völlig unzureichend", insbesondere die Vorbereitung
des Personals auf Maßnahmen und Reaktionen im Notfall.
- Für Notfallsituationen war wenig oder gar nicht vorgesorgt worden.
"Niemand war auf einen Nuklearunfall wirklich vorbereitet", sagte Kemeny.
- Es kam zu ernsten Problemen wegen der Art und Weise, wie vom Betreiber
und von der NRC Gesundheitsschutzmaßnahmen durchgeführt wurden.
- Bei
- 2 -

�- Bei der Berichterstattung über den Vorfall haben zwar die Nachrichtenmedien Sensationsmache vermieden, versorgten aber die Öffentlichkeit nicht mit
exakten Informationen - hauptsächlich deshalb, weil die zitierten offiziellen
Quellen "verworrene" Auskunft gaben oder unfähig waren, technisch komplizierte
Vorgänge richtig zu erklären.
Empfohlen wird u.a.:
- Reorganisation der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) unter Abschaffung
der fünfköpfigen Kommission und Einsetzung eines Administrators.
- Schaffung eines 15köpfigen Überwachungsausschusses, um auf hohem Niveau
eine Überprüfung nukleartechnischer Vorschriften und Betriebsdaten außerhalb
der täglichen Betriebspraxis zu gewährleisten.
- Schaffung eines Anhörungsrates innerhalb der neuen NRC, um im Rahmen
der Genehmigungsverfahren bis zur endgültigen Entscheidung auch gegenteiligen
Meinungen entsprechendes Gewicht zu verschaffen. Der Rat würde sich mit den
Vertretern von Bürgerinitiativen in Verbindung setzen und anderweitig helfen,
daß die Repräsentation unterschiedlicher öffentlicher Interessengruppen sichergestellt ist.
- Künftige Atomkraftwerke sollten nicht in der Nähe dichtbesiedelter Gebiete gebaut werden.
- Vor Erteilung neuer Bau- oder Betriebsgenehmigungen soll die NRC "die
Notwendigkeit zur Einführung neuer verbesserter Sicherheitsvorkehrungen gemäß
dem Empfehlungen in diesem Bericht sowie in Studien der NRC und der Industrie
in Erwägung ziehen; sie soll ferner in Anbetracht der in diesem Bericht gegebenen Empfehlungen die Kompetenz des Antragstellers für den Betrieb einer
nukleartechnischen Anlagen überprüfen, ebenso die Qualität seines Ausbildungsprogramms für das Betriebspersonal; auch sind bei der Genehmigung die staatlichen und kommunalen Pläne für Notsituationen mit zu überprüfen und zustimmungspflichtig."

n.p

�Die letztgenannte Empfehlung bezeichneten Kemeny und andere Ausschußmitglieder als "höchst bedeutsam".

Eine Gesamtbewertung der Nuklearindustrie

war vom Untersuchungsausschuß nicht vorgenommen worden.
sich mit den "Risiken" der Kernkraft befaßt.

Ebensowenig hatte er

"Unsere Resultate führen, für

sich betrachtet, nicht zu der Schlußfolgerung, daß Kernkraft ihrer Natur nach
zu gefährlich sei, um sie weiterhin als eine Form der Energieerzeugung zuzulassen und auszubauen, sagte Kemeny.

"Sie besagen ebensowenig, daß Amerika

die Erstellung zusätzlicher kommerzieller Kernkraftwerke forcieren soll.

Sie

stellen einfach fest, daß, sofern sich das Land aus übergeordneten Gründen
den mit der Kernkraft naturgemäß gegebenen Risiken stellen will, grundlegende
Änderungen notwendig sind, wenn diese Risiken in erträglichen Grenzen gehalten
werden sollen."

(Anmerkung:

Inzwischen verfügte die Nukleare Aufsichtskommission - NRC -,

vorläufig keine neue Betriebsgenehmigung für Atomkraftwerke zu erteilen.)

- 4 -

�7. November 1979

43

NEUE MASSNAHMEN ZUR VERBESSERUNG DER WELTWETTERWACHT

- (AD) - Im November 1979 geht ein weltweiter meteorologisches Experiment
(Global Weather Experiment - GWE) zu Ende, das einen wichtigen Beitrag dazu
leisten kann, die exakte kurzfristige Wettervorhersage auf größere Zeiträume,
nämlich auf Fristen bis zu zwei Wochen, auszudehnen.
nur für drei bis fünf Tage möglich.

Gegenwärtig ist diese

Das Experiment galt der Wetterbeobach-

tung rund um den Erdball unter Einbeziehung der Meßdaten von verankerten und
frei driftenden Bojen sowie solcher Werte, die automatisch von Flugzeugen im
Weltluftverkehr über Erdsatelliten an bestimmte Daten- und Auswertungszentralen
weitergegeben werden.

Diese neuen Verfahren des Sammeins von Wetterdaten sollen

routinemäßig in das künftige System der "Weltwetterwacht" (WWW) einbezogen
werden.

Außerdem suchte und sucht man noch immer nach Mitteln und Wegen, die

WWW-Systeme auf die Entwicklungsländer auszudehnen.

Dafür bedarf es natürlich

einer sorgfältigen Auswahl der für diese Länder am besten geeigneten Ausrüstungen.

Als augenblicklich noch wichtiger erweist sich jedoch immer mehr die

sachgerechte Information über die Vorteile, die eine zuverlässige kurzfristige
Wettervorhersage bei der Realisierung von Entwicklungsprogrammen mit sich
bringen kann.

WWW

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�WWW ist ein schon 1960 gestartetes Projekt der Meteorologischen Weltorganisation WMO, somit ein Unternehmen der Vereinten Nationen.

Die nationalen

Wetterdienste der 149 Mitgliedstaaten der WMO arbeiten im Rahmen dieses Projekts eng zusammen und stellen Dienstleistungen aller Art samt modernsten
Ausrüstungen wie Satelliten und Großcomputer zur Verfügung.

Umgekehrt gewähr-

leistet das WWW-Programm, daß alle WMO-Mitglieder jene meteorologischen Informationen erhalten, die sie sowohl für die Tagesaufgaben ihrer Wetterdienste
als auch für die Forschung benötigen.
Zu den wichtigsten Elementen des WWW-Beobachtungssystems gehören:
- mehr als 9200 Stationen für Beobachtungen an der Oberfläche; von dieser
sind 848 außerdem für Höhenbeobachtungen ausgerüstet;
- sechs verankerte Beobachtungsplattformen im Meer;
- ca. 7000 Schiffe im Weltschiffsverkehr, die aus dem Bereich ihrer
Fahrrouten Wetterbeobachtungen melden;
- mehr als 1500 Berichte pro Tag aus Flugzeugen;
- geostationäre Satelliten in ca. 36 000 km Höhe über dem Äquator, die
Wetterfronten und Wolkenfelder beobachten und auf diese Weise Hinweise auf Windrichtungen und Windgeschwindigkeiten geben können;
- Satelliten auf polarer Umlaufbahn mit Infrarot-, Mikrowellen- und anderen Spezialinstrumenten an Bord, deren Meßwerte Informationen über Temperatur
und Wasserdampfgehalt der Atmosphäre, Wolkenverteilung bei Nacht und Oberflächentemperatur der Erde liefern.
An die WWW gekoppelt ist das "Globale Atmosphären-Forschungsprogramm
(GARP)", das die WMO und der Internationale Rat Wissenschaftlicher Gesellschaften (ICSU) gemeinsam fördern. Im GARP-Programm arbeiten Wissenschaftler staat-

- 2 -

�staatlicher Institute sowie von Laboratorien der Industrie und von Universitäten zusammen, um die Kenntnis der globalen atmosphärischen Bewegung zu vertiefen und Einzelvorgänge und Entwicklungen besser zu verstehen.
Nach Abschluß des GEW-Projekts geht jetzt die Meteorologische Weltorganisation daran, die Wettervorhersage-Verfahren im Rahmen der Weltwetterwacht
auf weltweiter Basis zu überprüfen. Sie hofft, dank der Einführung modernster
Nachrichtenübermittelungssysteme mit der Einbeziehung von Satelliten, weiter
verbessertenDatenverarbeitungsgeräten und automatisch arbeitenden Plattformen
für die Wetterbeobachtung die Vorhersagen noch präziser zu gestalten und
schließlich die Präzision für Vorhersagefristen bis zu zwei Wochen halten zu
können.
Den Aufbau der neuen Weltwetterwacht leitet James Neilon, der Chef der
Abteilung Nachrichtenübermittlung beim US-Wetterdienst in Washington und Präsident der WMO-Kommission für Basissysteme. Er machte jetzt erneut darauf
aufmerksam, daß der kurzfristige Bereich der Wetterentwicklung bei der Vorhersage noch sehr viel mehr Informationen benötige, insbesondere dann, wenn es
um dramatische Entwicklungen wie z.B. das Auftreten und die Bahn von Wirbelstürmen gehe. Vorwarnzeiten von 12 bis 24 Stunden mit präzisen Angaben seien
erforderlich. Man könne nicht ganze Küstenstriche (wie kürzlich im Fall des
Hurrikans David in Florida) evakuieren, wenn man nur ungefähr annehme, daß
ein Wirbelsturm kommt. Vielmehr müsse die Bevölkerung mit einem hohen Grad
an Zuverlässigkeit und mit ausreichender Vorwarnzeit informiert werden, damit
die richtigen Schutzmaßnahmen ergriffen werden können.

Sonnenaktivität und Wetter
Nicht das kurzfristige Wettergeschehen, möglicherweise aber längerfristige und großräumige Entwicklungen könnten, wie der Sonnenphysiker Dr. David
M. Rust (Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland) vermutet, durch
starke Eruptionen auf der Sonne beeinflußt werden. Bei solchen Eruptionen wer-

- 3 -

�werden riesige Ströme energiereicher subatomarer Partikel ausgestoßen.

Gerät

die Erde in einen solchen Strom, kann dies bedeuten, daß Funkverbindungen empfindlich

gestört und, infolge der emittierten Röntgenstrahlung, Bildqualitäten

beim Fernsehempfang stark beeinträchtigt werden. Aber "solange unsere Erkenntnisse über solare Materie- und Strahlungsausbrüche nicht wesentlich verbessert
werden, gibt es keine zuverlässige Basis dafür, vorauszusagen, wann sich Sonnenaktivität auf die Erde bzw. das irdische Umfeld auswirkt", meint Dr. Rust.
Für das Studium von Sonneneruptionen - "Flares", wie sie im Englischen
heißen - bietet sich derzeit eine gute Gelegenheit.
erneut ein Maximum der Sonnenaktivität bevor.

Im Frühjahr 1980 steht

In den Vereinigten Staaten allein

konzentrieren sich etwa 400 Wissenschaftler 19 Monate lang (vom 1. August 1979
bis 28. Februar 1981) auf besonders intensive Beobachtungen der Sonne.

Die

Untersuchungen werden mit jenen von Forschern aus weiteren 17 Ländern koordiniert.

Sie gelten in erster Linie den Sonnenflecken und deren Magnetfeldern,

Materie- und Strahlungsausbrüchen und anderen Turbulenzen auf der Sonne, die
nach Zahl und Stärke variieren und im Durchschnitt alle 11 Jahre einen Höhepunkt
erreichen.
registriert.

Die stärkste jemals beobachtete Aktivität wurde im September 1957
In jenem Jahr maximaler Sonnenaktivität zählte man (nach der

Züricher Zählmethode) 201 Sonnenflecken.

Jetzt richtet sich die Forschung auf

die zweitgrößte Zahl ein, die seit den ersten Beobachtungen von Sonnenflecken
durch Galilei Anfang des 17. Jahrhunderts ermittelt worden ist.
Die Wissenschaftler suchen vor allem mehr Informationen darüber zu gewinnen, wie "Flares" aufgebaut, wie gewaltige Energiemengen aus ihnen freigesetzt werden und welche Auswirkungen die Sonnenaktivität im interplanetaren
Raum hat. Entdeckungen aus der jüngsten Zeit lassen vermuten, daß der Zyklus
der Sonnenaktivität nicht jenes verläßliche periodische Phänomen ist, als das
es in der Astronomie bisher gegolten hat. Mehrmals in der bekannten Geschichte
war die Sonnenaktivität nahezu verschwunden - mit ernsten Konsequenzen für das
Leben auf der Erde. Die letzte Zeit der "stummen Sonne" fiel mit der kältesten
Periode der "Kleinen Eiszeit" von etwa 1645 bis 1715 zusammen.
+ + + + +
- 4 -

�</text>
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U-IfiiTilU-Til

und
Dekumenlolion
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. November 1984

45

INHALT

INFORMATION
Präsident Reagan siegt mit überwältigender Mehrheit
- Keine tiefgreifenden Veränderungen im Kongreß -

Neue außenpolitische Impulse nach Reagans Wiederwahl
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten halten an Nonproliferation fest
- Rede von Außenminister Shultz -

Vereinigte Staaten haben Osteuropa nicht aufgegeben
- Interview mit Vizepräsident Bush -

Um Uber/endung von
ßelegeifemploren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Information
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. November 1984

45

PRÄSIDENT REAGAN SIEGT MIT ÜBERWÄLTIGENDER MEHRHEIT
- Keine tiefgreifenden Veränderungen im Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan - Kandidat der Republikanischen Partei - konnte bei den Wahlen am 6. November 1984 die 525 Wahlmännerstimmen von 49 Einzelstaaten der Vereinigten Staaten gewinnen, während sein Herausforderer Walter Mondale - Kandidat der Demokratischen
Partei - nur die drei Wahlmännerstimmen des Districts of Columbia - d.h.
der Hauptstadt Washington - und die zehn seines Heimatstaates Minnesota
für sich verbuchen konnte.

Für den Sieg ist eine Mehrheit von 270 der

insgesamt 538 Wahlmännerstimmen notwendig.

Nach Wählerstimmen gemessen,

sieht das Verhältnis jedoch etwas anders aus:

Hier erreichte Reagan mit

über 53 Millionen Stimmen rund 58 Prozent und Mondale mit über 36 Millionen Stimmen immerhin 41 Prozent.

Im amerikanischen Senat - der einen starken Einfluß auf die Außenpolitik hat - ging die Mehrheit der Republikanischen Partei von 55 Sitzen
auf 53 Sitze zurück, während die Demokraten jetzt 47 statt bisher 45 Senatoren stellen.
Im

Repräsentantenhaus

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�Im Repräsentantenhaus konnten sich 182 Abgeordnete der Republikanischen Partei im Sog der Popularität Reagans durchsetzen, was eine Zunahme
von 14 Abgeordneten bedeutet.
Abgeordneten eine Mehrheit.

Allerdings behalten die Demokraten mit 253
Da bei Abstimmungen im amerikanischen Kon-

greß die Parteizugehörigkeit jedoch keine so entscheidende Rolle spielt
und ein Fraktionszwang unbekannt ist, können sich je nach Lage der Dinge
unterschiedliche Mehrheiten bilden.

Nachdem sich am späten Abend nach allen Hochrechnungen der "Erdrutschsieg"

an Wahlmännerstimmen

für Reagan

abzeichnete,

gab Walter

Mondale entsprechend der politischen Tradition Amerikas eine Erklärung
seines "Eingeständnisses der Wahlniederlage" ab, in der er mitteilte, daß
er dem neugewählten Präsidenten zu seinem Sieg gratuliert habe, und mit
dem Dank an seine Familie, Mitarbeiter und Wahlhelfer die Aufforderung
verband, zum Wohle Amerikas zu Ronald Reagan zu stehen.

Er kündigte fer-

ner an, daß seine Partei in vier Jahren wieder alle Anstrengungen machen
werde, ihren Kandidaten ins Weiße Haus zu entsenden.

Eine ähnliche Erklärung gab kurz danach auch die Kandidatin der Demokraten für das Amt des Vizepräsidenten, Geraldine Ferraro, ab - die
erste Frau, die für einen solchen Posten nominiert wurde.

Danach sprach der Wahlsieger, Präsident Ronald Reagan vor seinen jubelnden Anhängern in Los Angeles.

In seiner kurzen Rede - die wie die

Ausführungen Mondales, Ferraros und später Bushs von allen Fernsehanstalten in den Vereinigten Staaten übertragen wurde -, forderte Reagan die
Schaffung einer gerechten Gesellschaft der "unbegrenzten Möglichkeiten",
in der sich jeder entfalten könne.

Die Wahl habe - wie alle vorigen -

gezeigt, daß in Amerika das Volk bestimme.

Reagan wies darauf hin, daß er seine Versprechungen nach seinem Wahlsieg vor vier Jahren - eine starke Wirtschaft und ein starkes Amerika gehalten habe.

Damals habe man statt zu klagen die Ärmel hochgerollt und

gemeinsam gearbeitet.

"Aber", so rief der Präsident aus, "unsere Aufgabe
- 2 -

�"unsere Aufgabe ist noch nicht beendet".

Vor allem müsse den Städten,

der Landwirtschaft und den älteren Industriezweigen geholfen werden. "Der
Aufschwung ist nicht abgeschlossen, ehe er nicht für jeden erreicht ist",
so erklärte er.

Der Wahlsieg sei nicht der Abschluß einer Sache, sondern

ein neuer Anfang in dem Bemühen, das wirtschaftliche Wachstum ohne Inflation weiter zu gewährleisten und Amerika noch sicherer zu machen.

Auch Vizepräsident Bush versicherte, daß das Ziel weiterhin der Frieden und das Wohlergehen Amerikas und der Welt sei.

Die Amtseinführung Ronald Reagans für seine zweite Amtszeit als Präsident - nach der Verfassung sind nur zwei Amtsperioden möglich - erfolgt
am 20. Januar 1985.

- 3 -

�7. November 1984

45

NEUE AUßENPOLITISCHE IMPULSE NACH REAGANS WIEDERWAHL
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

Los Angeles -(AD)- Am Morgen des 7. November 1984, Stunden nach seinem spektakulären Wahlsieg, erläuterte Präsident Reagan vor Journalisten
in Los Angeles Aspekte der amerikanischen Außenpolitik, die ihn in seiner
zweiten Amtsperiode beschäftigen werden.
Die Pressekonferenz, die wir in Auszügen wiedergeben, hatte folgenden
Wortlaut:
FRAGE: Berichten zufolge hat in Nicaragua ein Schiff angelegt, das
möglicherweise sowjetische MiG-Kampfflugzeuge an Bord hat. Können Sie uns
sagen, ob dieses Schiff tatsächlich MiGs an Bord hat, und, falls ja, was
die Vereinigten Staaten zu unternehmen beabsichtigen ?

ANTWORT: Ich kann über mögliche Pläne und Maßnahmen unsererseits noch
nichts sagen. 3is jetzt liegen uns noch keine Informationen vor. Wir haben das Schiff beobachtet, und es hat unsere Aufmerksamkeit erregt, aber
wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, ob MiGs oder andere Flugzeuge an
Bord sind. Aber wir behalten die Dinge sorgfältig im Auge. Über das, was

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Telex: 8-85432

�das, was sich später ergeben könnte, kann ich mich, wie gesagt, noch
nicht äußern ...

FRAGE: Einige Ihrer Mitarbeiter haben gesagt, die Sache könnte sich
als sehr ernstzunehmen erweisen ...

ANTWORT; Ja.

FRAGE; Wie würden Sie das sehen ?

ANTWORT: Ich meine, wenn sich diese Vermutungen bestätigen würden,
wäre das in der Tat eine sehr ernste Angelegenheit. Wir haben die Nicaraguaner wissen lassen, daß wir eine Stationierung solcher Hochleistungskampflugzeuge - die sie mit Sicherheit nicht wirklich brauchen - in ihrem
Lande dahingehend auffassen würden, daß sie ihre Nachbarländer bedrohen
wollen ...

FRAGE: In der vergangenen Nacht sagten Sie, daß es an der Zeit sei,
sich mit den Sowjets zu Gesprächen zusammenzusetzen. Wie beurteilen Sie
die Aussichten für ein Gipfeltreffen ? Glauben Sie, daß die Ernennung eines Rüstungskontrollbeauftragten in Ihrer Administration dazu beitragen
könnte, die Auseinandersetzungen innerhalb des Kabinetts über die Rüstungskontrollpolitik beizulegen ?

ANTWORT: Solche Auseinandersetzungen gibt es innerhalb des Kabinetts
nicht. Den Gedanken der Rüstungskontrolle befürworten wir ganz einhellig;
ich weiß wirklich nicht, wo all dies Gerede herkommt. Wir sind bereit,
die Rüstungskontrollgespräche

voranzutreiben, und ich glaube bestimmt,

daß die Sowjets sich uns bei diesen Bestrebungen anschließen werden ...

FRAGE: Wird es ein Gipfeltreffen zwischen Ihnen und Ihrem sowjetischen Amtskollegen geben ? Werden Sie einen Sonderbeauftragten ernennen ?
ANTWORT: Die Idee eines Sonderbeauftragten ist nur eines der Themen,
das wir mit den Sowjets erörtert haben. Es ging darum, ob ihnen daran läge, einen speziellen Informationskanal einzurichten, so daß wir in Kon- 2 -

�in Kontakt bleiben könnten und sie in der Lage wären, uns gegebenenfalls
wissen zu lassen, daß es etwas gibt, worüber wir verhandeln sollten. Wir
haben darüber noch keine Entscheidung getroffen, aber wir haben die Sache
mit ihnen erörtert ... Sie ist noch im Stadium der Überlegungen.

FRAGE: Und ein Gipfeltreffen ?

ANTWORT: Wie ich schon gesagt habe, würde ich das befürworten. Das
habe ich praktisch vorgeschlagen, als ich vor den Vereinten Nationen die
Vorstellung eines allgemeinen Bezugsrahmens für die Verhandlungen entwickelte. ...

FRAGE: ... In Korea sind immer noch amerikanische Truppen stationiert, und das Land ist immer noch geteilt. In welcher Weise wollen Sie
als Freund dieses Landes zur Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel
beitragen ?

ANTWORT: ... Wir sind gewiß bereit, eine solche Wiedervereinigung zu
fördern. Es sind bestimmte Schritte unternommen worden, bestimmte Gesten
der einen Seite ... Beispielsweise haben die Südkoreaner mit den Nachbarn
im Norden darüber gesprochen, ob es nicht möglich wäre, eine gemeinsame
Olympiamannschaft aufzustellen, die ganz Korea vertritt. Wir hoffen, daß
sich das einrichten läßt. Wir haben dies befürwortet und darüber auch mit
anderen Staaten gesprochen, die Interessen in der Region haben, nämlich
mit der Volksrepublik China, mit Japan und mit anderen ...

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

45

7. November 1984

VEREINIGTE STAATEN HALTEN AN NONPROLIFERATION FEST
- Rede von Außenminister Shultz -

New York -(AD)- In einer Rede vor der Amerikanischen Gesellschaft für
die Vereinten Nationen erklärte US-Außenminister Shultz am 1. November
1984 in New York, daß die Reagan-Administration ebenso wie frühere amerikanische Regierungen entschieden am Grundsatz der Nonproliferation, d.h.,
der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen, festhalte.
Die Ausführungen des Ministers haben folgenden Wortlaut:

Anfang der 60er Jahre, also unter der Präsidentschaft John F. Kennedys, waren sich Verteidigungsexperten darin einig, daß es Mitte der ÖUer
Jahre - d.h. heute - zwischen 15 und 25 Staaten geben werde, die über
Kernwaffen

verfügten.

Ernstzunehmende

Kommentatoren

fanden

sich

fast

selbstverständlich mit der Vorstellung ab, daß die Verbreitung der Kernwaffen so unerbittlich wie eine griechische Tragödie einem furchtbaren,
von vornherein feststehenden Ende zusteuern werde.

Nun, glücklienerweise kann ich heute feststellen, daß sie sich geirrt
haben. Wir schreiben das Jahr 1984, und trotz der kontinuierlichen und

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Telex: 8-85432"

�kontinuierlichen

und

raschen Entwicklung

der Nutzung

der Kernenergie

überall auf der Welt beläuft sich der Zahl der Staaten, von denen man sicher weiß, daß sie Kernwaffen besitzen, seit dem Test der ersten chinesischen Atombombe vor 20 Jahren immer noch auf nur fünf. Darüberhinaus hat
nur ein einziges Land, nämlich Indien, jemals einen Kernsprengsatz zur
Explosion gebracht, und auch das liegt schon zehn Jahre zurück.

Die möglichen Gefahren bestehen natürlich eindeutig weiter. Regionale
Rivalitäten und hochfliegender Ehrgeiz bringen auch weiterhin manche Länder in die Versuchung, mit der gefährlichen und irrigen Vorstellung zu
kokettieren, daß sie ihre Sicherheit erhöhen könnten, wenn sie sich Kernwaffen zulegten oder zumindest den Eindruck erweckten, daü sie dazu im
Stande seien.
Aber solche Versuchungen können und werden im Zaum gehalten. Die Propheten des Verhängnisses haben sich mit der Voraussage, daß die Weiterverbreitung der Kernwaffen unvermeidbar sei, geirrt, weil sie nicht vorausgesehen haben, daß die Völkergemeinschaft zielstrebige Anstrengungen
unternehmen würde, um der Ausbreitung dieser tödlichen Waffen einen Riegel vorzuschieben. Ohne diese Bestrebungen hätte der Alptraum einer ungezügelten Weiterverbreitung von Kernwaffen sehr wohl Wirklichkeit werden
können.

Während die Verhandlungen zwischen den Supermächten über eine Begrenzung des Anschwellens der atomaren Arsenale Schlagzeilen gemacht haben,
sind die Bestrebungen zur Verhütung der Weiterverbreitung von Kernwaffen
weithin außerhalb des Rampenlichts des öffentlichen Interesses geblieben.
Unter sieben Administrationen haben die Vereinigten Staaten bei den gemeinsamen internationalen Anstrengungen, diese Bedrohung des Weltfriedens
in den Griff zu bekommen, eine führende Rolle gespielt. Herausgekommen
ist dabei ein Geflecht

institutioneller Regelungen, rechtlicher Ver-

pflichtungen, technischer Sicherungen und alternativer Mittel, um bestehenden Sicherheitsinteressen Rechnung zu tragen.

Der anhaltende Kampf gegen die Weiterverbreitung von Kernwaffen bildet ein erstklassiges Beispiel für konstruktive Diplomatie und innenpoli- 2 -

�und innenpolitisch Zusammenarbeit. Bei diesem Unterfangen hat sich herausgestellt, daß nicht nur zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern sowie zwischen den Lieferanten und den Abnehmern von Kernbrennstoffen, sondern auch zwischen uns und der Sowjetunion eine gemeinsame
Basis besteht. Wir alle teilen die Einsicht, daß eine Weiterverbreitung
von Kernwaffen bestehende politische Spannungen zwischen den Völkern verschärfen, die Unsicherheit in einzelnen Regionen verschlimmern und die
Welt insgesamt wesentlich instabiler machen würde.
Seit dem Tag seiner Amtsübernahme ist es eines der grundlegendsten
Ziele Präsident Reagans gewesen, die Gefahr zu verringern, die von den
Kernwaffen für den Weltfrieden und die weltweite Stabilität ausgeht. Die
bekannten Bestrebungen des Präsidenten, eine Verringerung der strategischen Rüstung und der nuklearen Mittelstreckenwaffen zu erwirken, bilden
nur einen Teil seiner Anstrengungen. Die Verhütung der Weiterverbreitung
von Kernwaffen bildet ein weiteres Kernelement.
Bei unserem Bemühen, die Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen
in den Griff zu uekommen, müssen wir uns ebenso wie bei unseren Versuchen, die atomare Rüstung herunterzuschrauben, von Realismus leiten lassen. Wir können die Atomkraft durch bloße Beschwörungsformeln nicht mehr
aus der Welt schaffen und sollten uns daher in dieser Beziehung von jeglichem Wunschdenken freimachen. Die Geheimnisse dieser Kraft sind entschlüsselt worden, und sie hat der Menschheit großen Nutzen gebracht. Die
friedliche Nutzung des Atoms hat uns nicht nur eine wirtsciiaf tliche und
zuverlässige Energiequelle, sondern auch eine Vielfalt von Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen der Medizin und Landwirtsctiaft erschlossen. Wir fangen gerade erst an, die Möglichkeiten zu erkennen, die die
friedliche Nutzung der Atomtechnologie für die Anhebung des Lebensstandards und die Verbesserung der Existenz von Millionen von Menschen auf
dieser Eide eröffnet.

Aber wir dürfen vor dem Unheil, das aus einem Mißbrauch dieser mächtigen Kraft erwachsen könnte, nicht die Augen verschließen. Wenn die Nukleartechnologie

von bestimmten Mächten

zum

Bombenbau

zweckentfremdet

würde, so könnte daraus eine Gefahr für den Frieden entstehen oder zumin- 3 -

�I

oder zumindest die weltweite Stabilität erschüttert werden.

Viele von Ihnen haben zweifellos die Presseberichte über die Studie
der Carnegie-Stiftung zur Frage der Weiterverbreitung von Kernwaffen verfolgt, die vor einigen Tagen veröffentlicht wurde. Durch diese Studie
wurde eine Tatsache ins öffentliche Bewußtsein gerückt, die denen von
uns, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, seit langem schmerzlich
bewußt ist: Solange es in der Welt Spannungen und Konflikte gibt, wird es
auch unzuverlässige oder verantwortungslose Staatschefs geben, die versuchen, die Kräfteverhältnisse in ihrer Region drastisch zu verändern, indem sie sich eine "Geheimwaffe" verschaffen.

Wir und andere verantwortungsbewußte Mitglieder

der Völkergemein-

schaft sind unermüdlich damit beschäftigt, die nicht zum Zuge kommen zu
lassen, die in Versuchung kommen könnten, den Segen der Kernenergie in
den Fluch der Atomwaffen umzuwandeln. Obwohl wir nicht sicher sein können, daß sich die Weiterverbreitung von Kernwaffen für alle Zeiten verhindert läßt, können wir doch eine ganze Menge unternehmen, um diese Entwicklung nach Möglichkeit zu verlangsamen und zu erschweren.

Realistischerweise können die Vereinigten Staaten auch nicht erwarten, daß es ihnen möglich sein wird, eine Weiterverbreitung von Kernwaffen im Alleingang zu verhindern. Amerika hat im Bereich der Nukleartechnologie wissenschaftlich und kommerziell längst nicht mehr die dominierende Position inne, die es früher einmal hatte. Immer mehr Staaten beherrschen die entsprechende Technologie, und es wird daher immer schwieriger, andere dazu zu überreden, sich unserer Führungsrolle unterzuordnen, geschweige denn, ihnen ihr Verhalten und ihre Entscheidungen vorzuschreiben. Mehr aenn je erfordert eine erfolgreiche Nonproliferationspolitik heute Zusammenarbeit zwischen den Lieferanten und den Abnehmern von
Nukleartechnologie, wobei der Energiebedarf und die geschäftlichen Interessen der letzteren ebenso berücksichtigt werden müssen, wie ihre Sorgen
über ihre nationale Souveränität.

Gleichermaßen wichtig ist, daß wir die Frage der nuklearen Proliferation bei den Ursachen und nicht nur bei den Symptomen anpacken. Dem Stre- 4 -

�Dem Streben nach Kernwaffen kann zwar im Einzelfall schlicht der Größenwahn eines bestimmten Staatschefs zu Grunde liegen, aber es ist weitaus
wahrscheinlicher, daf3 ein Land diesen Weg einschlägt, weil es sich in Zusammenhang mit bestehenden Rivalitäten in der jeweiligen Region bedroht
fühlt. Tatsächlich wird sich jedoch eine "Sicnerheit", die durch Entwicklung von Kernwaffen erlangt wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit als illusionär erweisen. Wenn ein Staat nach Kernwaffen greift, veranlaßt er damit andere dazu, dies auch zu tun, was gleichbedeutend ist mit Instabilität und auf den Verlust der Sicherheit aller hinausläuft.

Solange solche Bedrohungsgefühle bestehen, könnte es dennoch sein,
daß Sanktionen, die an sich ein wichtiges Abschreckungsmittel bilden,
nicht in jedem Fall ausreichend sind, um Länder, die die Fähigkeit zum
Waffenbau besitzen, davon abzubringen, diese Fähigkeit auch wirklich zu
nutzen. Wenn dem Streben nach Kernwaffen wirklich Einhalt geboten werden
soll, müssen die Ursachen der Spannung und Unsicherheit angegangen werden. Wir können dies tun, indem wir befreundete Ländern, die um ihre Sicherheit fürchten, politisch, wirtschaftlich und militärisch unterstützen. Außerdem können wir - wie wir dies beispielsweise im Nahen Osten und
im südlichen Afrika getan haben - auch weiterhin unsere Kräfte in den
Dienst der Lösung von Konflikten stellen, die die Wurzel des Problems
bilden.

Als Außenminister habe ich die Erfahrung gemacht, daß das Problem der
Verhütung der Weiterverbreitung von Kernwaffen so kompliziert und politisch, intellektuell und diplomatisch anspruchsvoll ist, wie nur irgendeines, mit dem ich bislang zu tun hatte. Bei der Auseinandersetzung mit
anderen schwierigen Problemen, die gleichzeitig auch eine moralische Herausforderung darstellen - ich nenne die Abrüstungs- und die Menschenrechtsthematik - haben wir feststellen müssen, daß die Suche nach effektiven Lösungen uns oft zu sehr harten Entscheidungen zwingt.

Unsere Hände sauber behalten zu wollen, indem wir uns aus den Problemen heraushalten oder jeglichen Umgang mit möglichen Missetätern meiden,
ist keine Lösung. Wir müssen uns mit den Ursachen der Probleme auseinandersetzen und Alternativen zu ihrer Lösung anbieten, wenn wir unseren
- 5 -

�wir unseren Einfluid in Ländern, die vielleicht einmal nach Kernwaffen
streben könnten, erhalten und andere, oft sehr wichtige gemeinsame Interessen nicht in Gefahr bringen wollen. Der Versuch, diese unterschiedlichen und manchmal in Widerspruch zueinander stehenden politischen Erwägungen auf einen Nenner zu bringen, kann schwierige Güterabwägungen mit
sich bringen.

Wenn wir die Bereitschaft zur Zusammenarbeit seitens anderer Nationen, deren Mitarbeit im Rahmen jeder iMonproliferationsregelung unabdingbar ist, erhalten wollen, müssen wir gleichzeitig ihre Ansprüche, ihre
Interessen und ihre Souveränität respektieren.

Dies sind einige der Überlegungen, die in die Nonproliferationspolitik der Reagan-Administration Eingang gefunden haben.

Entwicklung der Nonproliferationspolitik

Während der letzten drei Jahrzehnte hat sich Amerikas Nonproliferationspolitik einer bemerkenswerten Kontinuität und Zielstrebigkeit erfreut.

Im Jahre 1953 tat Präsident Eisenhower kurz nach seiner Wahl einen
historischen Schritt, indem er das Programm "Atome für den Frieden" in
Gang brachte. Hierdurch erklärten sich die Vereinigten Staaten freiwillig
bereit ihre friedliche Nukleartechnologie zum Nutzen der gesamten Menschheit mit anderen Nationen zu teilen.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) wurde, ebenfalls auf Anregung Präsident Eisenhowers, im Jahre 1957 gegründet. Auch diese internationale Institution sollte im Dienste des genannten Zieles stehen. Der
IAEA wurde eine zweifache Aufgabe gestellt: die friedliche Nutzung der
Kernenergie zu fördern und ein System internationaler Sicherungen gegen
die Zweckentfremdung nuklearen Materials zu nicht friedlichen Zwecken zu
verwirklichen. In den Jahren seither ist der IAEA als Schlüsselinstrument
im Rahmen der Nonproliferationsregelung eine noch gröbere Bedeutung zugewachsen. Die Vereinigten Staaten zählen die Behörde zu den wichtigsten
- 6 -

�den wichtigsten internationalen Institutionen.

Der im Jahre 1968 unterzeichnete Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferationsvertrag) lieferte einen juristischen Rahmen für die diesbezüglichen Bemühungen. Die Staaten, die den
Vertrag unterzeichneten, ohne selbst Kernwaffen zu besitzen, verpflichteten sich darin, Kernsprengmittel weder zu entwickeln noch sich anderweitig zu verschaffen und all ihre Unternehmungen im Bereich der Nukelartechnologie bestimmten Sicherheitskontrollen zu unterwerfen. Gleichzeitig
wurde diesen Staaten Zugang zur friedlichen Nutzung der Kernenergie zugesichert, während die Lieferanten von Nukleartechnologie sich ihrerseits
verpflichteten, dafür Sorge zu tragen, daß Exporte nuklearen Materials
aus ihren Ländern den Sicherheitskontrollen der IAEA unterworfen werden.
Die Signatarstaaten des Vertrags kamen ferner überein, sich nach Kräften
um eine Verlangsamung des nuklearen Wettrüstens zu bemühen.

Die frühen 70er Jahre - und zwar besonders die Jahre nach der Energiekrise von 1973 - bilden wahrscheinlich die Zeit, in der die Kernenergie am unangefochtensten war. Die Elektrizitätserzeugung durch Kernkraft
nahm rapide zu, und die Nonproliferationsregelung entwickelte sich weiter
und erschien hieb- und stichfest. Als Indien jedoch im Jahre 1974 eine
Atomsprengladung zur Explosion brachte, obwohl es sich im Rahmen bilateraler nuklearer Kooperationsabkommen zu einer ausschließlich friedlichen
Nutzung der Kernkraft verpflichtet hatte, versetzte dies den Lieferanten
nuklearer Technologie einen Schock und veranlaßte sie, ihre Nonproliferationspolitik zu überdenken.

Schon vor der indischen Versuchsexplosion war zunehmend klar geworden, daß Unterschiede in der Exportpolitik der verschiedenen Lieferländer
für nukleare Technologie es schwierig machten, eine Weiterverbreitung von
Kernwaffen durch Anwendung einheitlicher Maßnahmen zu verhindern. Um diese Lücken zu stopfen, kamen die nuklearen Lieferländer im Jahre 1974 in
London zu Gesprächen über eine gemeinsame Exportpolitik zusammen.
GemäC den 1976 verabschiedeten Richtlinien kamen die Mitglieder dieser Gruppe von Lieferländern überein, bestimmte Technologien, Ausrüstung
- 7 -

�Technologien, Ausrüstung und Materialien nur dann weiterzugeben, wenn das
Abnehmerland sich bereit erklärte, die gelieferte Ware den Sicherheitskontrollen der IAEA zu unterwerfen und ihre friedliche Nutzung zu gewährleisten.

Seit fast drei Jahrzehnten vertrauen die Vereinigten Staaten und andere Länder, die ihre Auffassungen teilen, bei der Eindämmung der nuklearen Proliferation auf diese Kombination aus politischen Initiativen, internationalen Sicherheitskontrollen, bilateralen Exportbestimmungen und
technischen Beschränkungen. Die Nonproliferationsstrategie mußte jedoch
kontinuierlich der technischen Entwicklung und den sich wandelnden politischen Umständen angepaßt werden.

Als die Carter-Administration ins Amt kam, stand ihre Politik grundsätzlich im Zeichen der Auffassung, daß der weltweite Ausbau der Kernenergie erhebliche Risiken der Proliferation mit sich bringe. Es wurde
entschieden, die Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen und die Verwendung von Plutonium in unserem Lande aufzuschieben. Mit diesen innenpolitischen Entscheidungen gingen Versuche einher, die Lieferungen von nuklearer Technologie ins Ausland zu drosseln und insbesondere andere wichtige
Industrienationen von der Verwendung von Technologien abzubrinyen, die
auf Plutonium als Brennstoff basierten.

Mit dieser negativen Haltung gegenüber der Kernenergie hatte man eigentlich anderen ein "gutes Beispiel" geben wollen. Tatsächlich wurde sie
jedoch von einigen unserer Freunde als Affront gegen ihr Streben nach Unabhängigkeit im Bereich der Energieversorgung

aufgefaßt. Das Ergebnis

war, daß unser internationaler Einfluß auf dem Feld der Kernenergiepolitik vermindert wurde und das Vertrauen in die Vereinigten Staaten als einen zuverlässigen Lieferanten nuklearen Materials sank.

Die Verabschiedung des Nonproliferationsgesetzes unter der Carter-Administration stellte einen ernsthaften Versuch zur Einführung strengerer
und einheitlicherer internationaler Maßstäbe für den Export nuklearer
Technologien dar. Gleichzeitig hinderte uns das Gesetz jedoch auch an der
Erfüllung von bestimmten Lieferverträgen und Abkommen über Zusammenarbeit
- 8 -

�über Zusammenarbeit im Kernenergiebereich, wodurch wir immer weniger in
der Lage waren, anderen Ländern in dieser Hinsicht Anreize zu bieten und
sie so zu veranlassen, sich entsprechend der Ziele der Nonproliferationspolitik zu verhalten. Dies führte dazu, daü es uns immer schwerer fiel,
die Unterstützung dieser Staaten im Hinblick auf bestimmte Probleme der
Lieferung nuklearer Technologie, der damit zusammenhängenden Sicherheitskontrollen und andere Aspekte der Nonproliferationspolitik zu finden.

Die Politik und die Leistungen der Reagan-Administration

Präsident Reagan wählte daher einen Ansatz, der die Zusammenarbeit
mit unseren Freunden und Verbündeten erleichtern und uns eine klare Führungsrolle im Bereich der internationalen Kernenergiepolitik verschaffen
sollte.
Die Reagan-Administration ist für die Kernenergie. Wie ich eingangs
sagte, sind wir Realisten. In den kommenden Jahrzehnten wird die Kernenergie

zwangsläufig

Elektrizitätserzeugung

bei der umweltverträglichen

und

wirtschaftlichen

in den Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle

spielen.

Ebenso klar ist, daf3 die Energiegewinnung durch Einsatz von Kernkraft
auch für die wirtschaftliche Entwicklung und eine gesicherte Energieversorgung in vielen anderen Staaten dieser Welt eine immer größere Bedeutung erlangen wird. Für diese Länder - Japan und ein grotier Teil Westeuropas gehören dazu - ist die Kernkraft entscheidend für die Stabilität
ihrer Volkswirtschaft und für die Sicherheit ihrer Energieversorgung.

Wir müssen in vernünftiger Weise unterscheiden zwischen engen Freunden und Verbündeten, die kein nennenswertes Risiko im Sinne der Nonproliferation darstellen, und anderen Gebieten der Welt, im Hinblick auf welche wir uns über die Verbreitung von Kernwaffen ernsthafte Sorgen machen.
Eine restriktive Politik gegenüber Ländern, die im Sinne der Nonproliferation einen ausgezeichneten Ruf genießen, wäre sowohl willkürlich als
auch

kontraproduktiv.

Andererseits

sind

wir

jedoch

entschlossen,

an

strikten Sicherheitsvorkehrungen festzuhalten, die gewährleisten sollen,
- 9 -

�gewährleisten sollen, daß unsere Bereitschaft zur Zusammenarbeit im Bereich der Kernenergiepolitik nicht mißbraucht wird. Insbesondere sehen
wir eine eindeutige Notwendigkeit

zur Beschränkung der Lieferung

von

heikler Nukleartechnologie in Gebiete, in denen Instabilität herrscht und
wo Anlaß zur Sorge über die Möglichkeit der nuklearen Proliferation besteht. Zu diesen Gebieten zählen beispielsweise der Nahe Osten und das
südliche Asien.

Gleichzeitig sind wir bemüht, den Beweggründen entgegenzuwirken, die
einige Staaten veranlassen, mit Kernwaffen zu liebäugeln. Wir versuchen
in Zusammenarbeit mit diesen Staaten, die Stabilität in ihrer Region wie
auch

weltweit

zu

stärken.

Diesem

Zweck dient beispielsweise unser

3,2 Milliarden Dollar schweres Paket an Wirtschafts- und Militärhilfe für
Pakistan.

Wir befürworten engere Konsultationen und Zusammenarbeit. Angesichts
der früher von unseren Partnern im Bereich der Kernenergiepolitik geäußerten Kritik und im Bewußtsein der Tatsache, daß Amerika auf diesem Feld
keine beherrschende Rolle mehr spielt, sind wir bestrebt gewesen, den Akzent wieder auf Zusammenarbeit zu setzen. Natürlich ist es nicht in jedem
Falle möglich, volle Übereinkunft über strittige Fragen zu erzielen. Aber
wir

versuchen

zumindest,

unsere

Nonproliferationspolitik

mit

einem

Höchstmaß an Konsultation und Einverständnis mit anderen Nationen durchzuführen. Unser Ansatz soll unseren engsten Handelspartnern im Bereich
der Kernenergie eine stabilere und

berechenbarere

Grundlage für ihre

energiepolitischen Grundsatzplanungen verschaffen, gleichzeitig aber auch
unseren Zielen im Hinblick auf die Nonproliferation dienen.

Auch unsere Verhandlungen mit der Volksrepublik China über Zusammenarbeit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie haben wichtige Rückwirkungen auf die Verbesserung der weltweiten Nonproliferationsordnung.
Die Entscheidung, der Internationalen Atomenergiebehörde beizutreten, die
China im Verlauf dieser Verhandlungen traf, bildete einen bedeutsamen
Schritt in diese Richtung. Chinas Entschlossenheit, seine zukünftigen Nuklearexporte den Sicherheitskontrollen der IAEA zu unterwerfen, und seine
mit Nachdruck abgegebene Erklärung, daß es keinesfalls anderen Nationen
- 1U -

�anderen Nationen zum Besitz von Kernwaffen verhelfen werde, bezeugen die
wachsende Einbindung der Volksrepublik in die weltweiten Nonproliferationsbemünungen.

Wir sind der Überzeugung, daß eine nukleartechnische Zusammenarbeit
mit China auf der Grundlage eines Abkommens, das allen Erfordernissen unserer Gesetze und politischen Grundsätze entspricht, unseren weltweiten
Nonproliferationszielen dienlich sein, unsere politischen Beziehungen zu
China insgesamt verbessern und die amerikanischen Wirtschaftsinteressen
fördern wird.

Obwohl zwischen uns und der Sowjetunion im Hinblick auf eine Vielzahl
von Fragen der Rüstungskontrolle erhebliche Gegensätze bestehen, haben
wir auf dem Gebiet der Nonproliferation weithin gemeinsame Interessen, im
Herbst 1982 vereinbarte ich mit Außenminister Gromyko, bilaterale Konsultationen über die Frage der Nonproliferation in die Wege zu leiten. Seit
diesem Zeitpunkt haben drei sehr nützliche Gesprächsrunden stattgefunden,
bei denen beide Seiten feststellen konnten, dau die Aspekte, über die sie
sich einig waren, zahlreicher waren, als die, über die gegensätzliche
Auffassungen bestanden. Wir erwarten, daß gegen Ende dieses Monats eine
weitere Zusammenkunft

über diesen

Gegenstand

stattfinden

kann. Beide

Länder sind eindeutig der Meinung, daß eine Weiterverbreitung von Kernwaffen in niemandes Interesse läge. Außerdem stimmen wir darin überein,
daß unsere beiden Staaten eine hohe Verantwortung für eine Verbesserung
der Nonproliferationsordnung tragen.

Wir sind dafür, den Dialog auf eine breitere Grundlage zu stellen. In
einigen Ländern, wie z.B. in Brasilien, Argentinien und Südafrika, deren
Industrialisierung

rapide

voranschreitet,

laufen

Entwicklungsprogramme

für die friedliche Nutzung der Kernenergie. Außerdem werden sie über kurz
oder lang selbst in der Lage sein, als Lieferanten von Nuklearmaterial
aufzutreten. Unsere Beziehungen mit diesen Ländern im Bereich der friedlichen Nutzung der Kernenergie waren praktisch unterbrochen, aber wir haben um einer wirksamen Nonproliferationsregelung willen den Dialog wiederaufgenommen.
Bei unseren
- 11 -

�Bei unseren Bemühungen, einem Mißbrauch von Nuklearexporten zu nichtfriedlichen Zwecken vorzubeugen, sind wir bestrebt, uns ihrer Zusammenarbeit und Unterstützung zu versichern. Gleichzeitig haben wir betont, daß
es der Stabilität in der jeweiligen Region dienen würde, wenn sie die internationalen Sicherheitsvorkehrungen in verstärktem Maße auf ihre eigenen Kernenergieprogramme anwenden würden.

Wir haben mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß die Regierung
Südafrikas öffentlich erklärt hat, daß sie all ihre zukünftigen Nuklearexporte den Sicherheitskontrollen der IAEA unterwerfen werde. Ferner hat
Südafrika die Gespräche mit der IAEA über die Anwendung dieser Sicherheitsvorkehrungen auf eine neue, große, halbkommerzielle Anreicherungsanlage wiederaufgenommen.

Wir glauben, daß unsere Gespräche mit Brasilien und Argentinien bewirkt haben, daß diese Länder unsere Sorgen im Hinblick auf die Nonproliferation nun besser nachvollziehen können. Wir messen den Versicherungen
Brasiliens und Argentiniens, daß ihre Kernenergieprogramme ausschließlich
friedlichen Zwecken dienen, große Bedeutung bei, und es wird uns eine Genugtuung sein, unseren Dialog sowohl auf der multilateralen Bühne als
auch im Rahmen bilateraler Gespräche fortzuführen.

Wir drängen auch weiterhin all diese Länder, am Nonproliferationsvertrag und - soweit Staaten der westlichen Hemisphäre betroffen sind - am
Vertrag von Tlatelolco festzuhalten und alle ihre nukleartechnischen Anlagen internationalen Sicherheitskontrollen zu unterwerfen.
Ferner befürworten wir eine Verbesserung der amerikanischen Exportbestimmungen. Ich habe bis zu diesem Punkt zwar hauptsächlich über die politisch-diplomatischen Vorstöße unserer Administration gesprochen, aber
wir haben auch die technische Seite des Problems nicht vernachlässigt, in
seiner Erklärung zur Nonproliferationspolitik von 1981 hat der Präsident
bestätigt, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin die Weitergabe sensitiver nukleartechnischer Materialien, Anlagen und Technologien untersagen werden, insbesondere in Fällen, wo die Gefahr der Weiterverbreitung
von Kernwaffen Zurückhaltung gebiete.
Die Wiederaufbereitung

�Die Wiederaufbereitung von Kernbrennstoffen und andere sensitive Nukleartechnologien bergen insofern Risiken, als sie direkt zur Waffenproduktion genutzt werden können, und wir sind uns dieser Tatsache in vollem
Umfang bewußt. Wir erkennen die Notwendigkeit, im Hinblick auf diese Risiken grüßte Vorsicht und Zurückhaltung zu üben, wie auch die Bedeutung
einer Beschränkung

heikler Anlagen

und

Arbeitsprozesse

auf

so wenig

Standorte wie möglich. Selbst dann sollte die Wiederaufbereitung

von

Kernbrennstoffen jedoch nur an Orten erfolgen, an denen keine Gefahr einer Abzweigung spaltbaren Materials zur Waffenproduktion besteht.

Einige wenige, aber wichtige Staaten der Welt beschwören in akuter
Weise die Gefahr einer Weiterverbreitung von Kernwaffen herauf. Libyen
gehört dazu. In unserem Bestreben, diesen Staaten den Weg zu Kernwaffen
zu versperren, haben wir ein ganzes Spektrum politischer, wirtschaftlicher und militärischer Maßnahmen ergriffen. Natürlich sind wir auch bestrebt, andere Lieferanten von Nukleartechnologie dazu zu bewegen, ähnliche Bestimmungen und Beschränkungen einzuführen, wie wir selbst. Unsere
Anstrengungen waren bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt erfolgreich, so dab
Kernwaffen bislang nicht in den Besitz von unsoliden und unverantwortlichen Regierungen gelangt sind, in deren Händen sie eine Katastrophe hervorrufen könnten. Dennoch bleibt unermüdliciie Wachsamkeit geboten.

Weiterhin befürworten wir eine Verbesserung der internationalen Sicherheitskontrollen. Wir bleiben in unserer diesbezüglichen Auffassung
beständig und fest, da wir erkennen, daß es sich hier um ein Gebiet handelt, auf dem wir nicht zulassen dürfen, daß der technische Fortschritt
den Kontrollmöglichkeiten davonläuft. Es ist offenkundig, daß der Internationalen Atomenergiebehörde in dem Maße, in dem moderne Nukleartechnologien weltweit verfügbar werden, geschultes Personal und die nötige Ausrüstung zur Durchführung der erforderlichen Sicherheitskontrollen an die
Hand gegeben werden müssen. Im Rahmen unseres technischen Hilfsprogramms
für die Sicherheitsvorkehrungen der IAEA leisten wir hierzu auch weiterhin maßgebliche Beiträge.

In einer großen Rede zum Thema der Rüstungskontrolle, die Präsident
Reagan im vergangenen Jahr hielt, forderte er alle Lieferanten von Nukle- 13 -

�von Nukleartechnologie auf, nennenswerte neue Lieferverpflichtungen nur
unter der Bedingung einzugehen, daß der Empfängerstaat alle seine Unternehmungen im Bereich der Kernenergie umfassenden Sicherheitsvorkehrungen
unterwirft. Während der vergangenen drei Jahre haben wir auf diplomatischem Wege versucht, unter den Lieferländern einen Konsens über diese
Frage herzustellen.

Sie stand beispielsweise auf der Tagesordnung der Zusammenkunft nuklearer Lieferantenstaaten, die in diesem Jahr in Luxemburg stattgefunden
hat. Die dort vertretenen Nationen, stimmten darin überein, daiö die Einführung umfassender Sicherheitsvorkehrungen

ein höchst wünschenswertes

Ziel der Nonproliferationspolitik bleibe.

Wir versuchen, auf den Ergebnissen von Luxemburg aufzubauen, indem
wir prüfen, wie weitere Abnehmerstaaten dazu bewegt werden können, umfassende

Sicherheitsvorkehrungen

zu

akzeptieren.

Im

Verlaufe

unseres

Dialogs mit den Ländern, die in die Rolle von Lieferanten von Nukleartechnologie hineinwachsen, werden wir bestrebt sein, sicherzustellen, daß
auch sie die Grundsätze der Nonproliferation, die die traditionellen Lieferstaaten während des letzten Vierteljahrhunderts entwickelt haben, verstehen und sich zu eigen machen.

Weiterhin sind wir dafür, die Entwicklungsländer am Nutzen der Kerntechnologie teilhaben zu lassen. Bei unseren Arbeiten zur Entwicklung der
Kernkraft für friedliche Zwecke - von der Medizin bis zur Energiegewinnung - haben wir die legitimen Bedürfnisse der technologisch weniger weit
fortgeschrittenen

Nationen, die an der

friedlichen Nutzanwendung

der

Kernkraft teilhaben möchten, nicht unbeachtet gelassen. Wir werden auch
weiterhin sicherstellen, dal3 Nationen, die im Sinne der Nonproliferation
einen guten Ruf genießen, darauf vertrauen können, daß sie auf bilateralem Wege wie auch durch die IAEA in den Genuß dieser Vorteile kommen.

In Ostasien und Lateinamerika hat die IAEA in der jüngeren Vergangenheit Initiativen zur Förderung verstärkter Zusammenarbeit bei der Forschung, Entwicklung und Ausbildung im Kernenergiebereich in die Wege geleitet. Wir unterstützen solche regionale Initiativen und prüfen gegen- 14 -

�prüfen gegenwärtig, ob es möglich ist, in die Arbeiten in Lateinamerika
andere Länder der westlichen Hemisphäre einschließlich der Vereinigten
Staaten einzubeziehen.

Ein letztes Wort zu der geplanten Folgekonferenz zur Bewertung der
Ergebnisse des Nonproliferationsvertrags. Während der letzten Jahre haben
wir uns un eine Verbesserung der Wirksamkeit des Vertrags bemüht, der der
internationalen Nonproliferationsordnung zu Grunde liegt. In den letzten
vier Jahre konnten zehn weitere Länder zum Beitritt bewegt werden, womit
der Nonproliferationsvertrag mit nunmehr 125 Unterzeichnern von allen Rüstungskontrollabkommen der Geschichte dasjenige ist, das auf der breitesten Grundlage steht.

Die Vorbereitungen für eine weitere Konferenz, die 19d5 stattfinden
und auf der die Verwirklichung des Vertrags bewertet werden soll, laufen
bereits. Was uns angeht, so werden wir mit allen anderen Ländern gemeinsam versuchen, diese Folgekonferenz zu einem Erfolg werden zu lassen. Wir
würden eine umfassende Debatte begrüBen, und ich bin sicher, dab dabei
der entscheidende Beitrag des Vertrags zur internationalen Sicherheit und
zum Weltfrieden nicht übersehen werden würde.

- 15 -

�flmIER1Kb
DlEl11SO
V

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

45

7. November 1^84

VEREINIGTE STAATEN HABEN OSTEUROPA NICHT AUFGEGEBEN
- Interview mit Vizepräsident Bush -

Washington -(AD)- Vizepräsident Bush hat unlängst unterstrichen, daß
sich die Reagan-Administration dagegen verwahrt, das Jalta-Abkommen dahingehend zu interpretieren, daß die Vereinigten Staaten Osteuropa aufgegeben hätten. Bush sagte dies in einem Interview, das er Jan Nowak, einem
der Direktoren des Polnisch-Amerikanischen Kongresses, gab. Der PolnischAmerikanische Kongreß ist ein Dachverband polnischer Vereinigungen in den
Vereinigten Staaten und umfaßt rund drei Millionen Mitglieder. Das Interview wurde am 24. Oktober zur Veröffentlichung freigegeben und hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Herr Vizepräsident, während Ihres Besuches in Wien im September 198i haben Sie als erster Vertreter der Reagan-Administration darauf
hingewiesen, daß diese sich dagegen verwahre, das Jalta-Abkommen im Sinne
einer Teilung Europas in Einflußsphären zu interpretieren. Präsident Reagan und Außenminister Shultz haben dies kürzlich wiederholt. Warum distanzieren Sie sich dann nicht gleich pauschal von dem gesamten Jalta-Abkommen ? Das polnische Volk ist der Meinung, daß es in Jalta von seinen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�von seinen Verbündeten verraten wurde.

BUSH: Die Erklärungen, in denen wir uns gegen das verwahren, wozu
Jalta in der Nachkriegszeit geführt hat, werden zuweilen mißverstanden.
In Europa werden sie manchmal so aufgefaßt, als wollten wir die Veränderungen der Staatsgrenzen in der Nachkriegszeit rückgängig machen. Darum
geht es uns jedoch nicht, denn wegen bestimmter Elemente des Jalta-Abkommens - beispielsweise der, die den Status Berlins betreffen - läge dies
in niemandes Interesse. In Jalta gelobten die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Sowjetunion, durch freie Wahlen Regierungen einzusetzen, die dem Willen ihrer Völker unterliegen. Durch unsere Erklärungen
wollten wir zu verstehen geben, daß wir die Weigerung der Sowjets, gemäß
ihrem

Versprechen

in

Osteuropa

demokratische,

pluralistische

Wahlen

stattfinden zu lassen, ebenso mißbilligen wie ihren Anspruch auf unantastbare politische Herrschaft über diese Länder. Wir verwahren uns auch
dagegen, daß das Jalta-Abkommen dahingehend interpretiert wird, daß wir
Osteuropa aufgegeben hätten. Wir waren immer der Meinung und sind dies
auch weiterhin, daß die Staaten Osteuropas ein Recht darauf haben, ihr
gesellschaftliches und politisches System frei zu wählen und eine vollständig unabhängige Politik zu betreiben. Unsere Politik ist darauf gerichtet, Anzeichen von und Hinweise auf Unabhängigkeit zu respektieren,
wo immer sie sich in Usteuropa zeigen, und gemeinsam mit den betreffenden
Regierungen auf eine Verbesserung der Menschenrechte und der Grundfreiheiten der Menschen dieser Länder hinzuarbeiten. Davon werden wir nicht
abgehen.
FRAGE: In der Vergangenheit wurden bestimmte Konzepte vorgetragen,
die besagten, daß man sich mit der Sowjetunion verständigen könne, wenn
man sich darauf einigen könne, daß wir aufhören, uns über die mißliche
Lage der Völker Osteuropas Gedanken zu machen, wenn sich die Sowjets aus,
sagen wir Mittelamerika, heraushalten. Bedeuten Ihre Erklärung in Wien
und die des Präsidenten, daß die Reagan-Administration einen solchen Ansatz verwirft ?

BUSH: Diesen Ansatz verwerfen wir in der Tat. Alle Erfahrungen der
gesamten Nachkriegszeit lehren, daß der sowjetische Drang zum Expansio- 2 -

�zum Expansionismus durch solche Lösungen nicht wirksam zu bremsen ist.
Außerdem werden hier zwei völlig verschiedene Themen verquickt. Einerseits haben wir es mit dem Versuch der Sowjetunion zu tun, ihren Einfluß
und ihre Herrschaft auf andere Teile der Welt auszudehnen, indem sie Regierungen, die den Vereinigten Staaten freundlich gesonnen sein könnten,
unterwandert oder stürzt und sie durch kommunistische Diktaturen ersetzt.
Dem müssen wir immer entgegentreten, vor allem aus moralischen Gründen,
denn wir können nicht mübig bleiben und Nachsicht üben, wenn unschuldige
Menschen unter das Joch einer totalitären Ideologie geraten.
Andererseits - und das ist ein ganz anderes Thema - geht es darum,
auf mehr Achtung für die Menschenrechte und ein höheres Mab an Freiheit
in der Sowjetunion und in Osteuropa zu dringen. Im Gegensatz zum sowjetischen Expansionismus birgt dies nicht die Gefahr in sich, daü die bestehende politische Ordnung der Welt aus den Fugen gerät. Es geht lediglich
darum, die Sowjetunion und ihre Verbündeten dazu anzuhalten, die Verpflichtungen, die sie in Helsinki übernommen haben, getreulich einzulösen. Es würde unseren moralischen und politischen Verpflichtungen widersprechen, um irgendeines Arrangements mit der Sowjetunion willen von unserer Anteilnahme an der Lage der Menschenrechte in Osteuropa Abstand zu
nehmen. Wir müssen sowohl dem sowjetischen Expansionismus entgegentreten
als auch auf mehr Freiheit für die Menschen in der OdSSR und in Osteuropa
dringen.

FRAGE: In seiner Rede vor Amerikanern polnischer Abkunft erklärte
Präsident Reagan am 17. August, daü eine

vollständige

und sinnvolle

Durchsetzung des Amnestiedekrets in Polen ein günstiges Klima für die
Aufnahme Polens in den Internationalen Währungsfond schaffen würde. Hat
es in den vergangenen beiden Monaten in dieser Frage irgendwelche Fortschritte gegeben ?

BOSH: Wir hoffen, daü die Amnestie bald vollständig verwirklicht werden wird. Wie Sie wissen, sitzen einige politische Gefangene immer noch
hinter Gittern. Wir machen uns Desondere Sorgen um Führer der Gewerkschaft Solidarität, die keiner Gewaltverbrechen oder der Vorbereitung von
Gewalttaten beschuldigt werden. Sie sind Gefangene aus Gewissensgründen
- 3 -

�aus Gewissensgründen im Sinne der von Amnesty International getroffenen
Definition.

FRAGE: Die gegenwärtige amerikanische Administration wird von den in
Amerika lebenden Polen oft kritisiert, weil sie das Getreideembargo aufgehoben hat. Da der Präsident sich völlig zu Recht auf den Standpunkt gestellt hat, daß Jaruzelski unter sowjetischem Druck handelte, als er die
legale Organisation der Solidarität zerscnlug, fragen sich die Leute,
warum nur gegen das Regime in Polen Sanktionen verhängt werden 7

BUSH: Unsere Sanktionen richteten sich nicht nur gegen das Regime in
Polen. Eine Reihe von Sanktionen wurde auch gegen den Anstifter, die
UdSSR, verhängt.

Was das Getreideembargo anbelangt, so glauben wir nicht, daß es wirksam war, da es sich dabei nur um eine unilaterale, d.h., einseitige Maßnahme handelte. Das von den Vereinigten' Staaten verhängte Embargo fügte
nur unseren Farmern und der amerikanischen Wirtschaft erheblichen Schaden
zu, ohne den Sowjets besonders weh zu tun. Die Sowjets kauften ihr Getreide einfach anderswo.

Indem wir Sanktionen gegen das Regime in Polen verhängt und gleichzeitig der Bevölkerung durch nicht regierungsamtliche Kanäle humanitäre
Hilfe geleistet haben, konnten wir die Menschen in Polen sowohl moralisch
als auch materiell in ihrem gewaltfreien Kampf für mehr Achtung vor den
Menschenrechten unterstützen. Auch unser Plan, Radio Free Europe und die
Voice of America zu modernisieren und besser auszustatten, und unsere
Initiative zur Einrichtung einer Nationalstiftung für Demokratie zielen
darauf ab, die polnische Regierung zu mehr Achtung vor den Menschenrechten und cien Grundfreiheiten anzuhalten.

FRAGE: Bei verschiedenen Anlässen hat Präsident Reagan Polen unter
der Bedingung, daß sich die politische Lage im Lande verbessere, Wirtschaftshilfe angeboten. Unter welchen Umständen könnten die sich noch in
Kraft befindlichen Sanktionen aufgehoben und die früheren Vergünstigungen
wiederhergestellt werden ?
BUSH: Der

�BUSH: Der Präsident hat Ihre Frage bereits beantwortet, indem er gesagt hat, daß die amerikanisch-polnischen Beziehungen wieder den Stand
von vor Dezember 19dl erreichen könnten, wenn alle politischen Gefangenen
freigelassen, die grundlegenden Menschenrechte wiederhergestellt und die
Behörden einen Dialog mit dem Volk suchen würden. Lech Walesa hat erklärt, daß ein solcher Dialog durch die Wiederherstellung des Gewerkschaftspluralismus in die Wege geleitet werden könne. Dies ist ein sehr
weitgefaßter Ansatz, der eine Menge Spielraum für Kompromisse auf beiden
Seiten läßt. Jeder konkrete, greifbare Schritt in Richtung auf eine nationale Aussöhnung würde auch uns zu entsprechenden Schritten veranlassen.

Da Sie die Frage der Wirtschaftshilfe anschnitten, möchte ich hinzufügen, daß wir hoffen, daß die polnische Regierung schließlich ihre Zustimmung zu dem Plan einer kirchlichen Stiftung zur Unterstützung selbstständiger Bauern geben wird. Wie Ihnen bekannt ist, haben die Vereinigten
Staaten angeboten, zu diesem Fonds zehn Millionen Dollar beizusteuern,
und falls dieses Modellprojekt funktioniert, sind wir bereit, Hilfsmaßnahmen in gröberem Maßstab in Erwägung zu ziehen.

* * * * *

- 5-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan siegt mit überwältigender Mehrheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Keine tiefgreifenden Veränderungen im Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue außenpolitische Impulse nach Reagans Wiederwahl&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten halten an Nonproliferation fest&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von Außenminister Shultz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten haben Osteuropa nicht aufgegeben&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Vizepräsident Bush -&lt;/em&gt;</text>
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Embassy of the United States of America

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7. November 1990

44

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 1. bis 15. Oktober 1990
DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse
vom 17. bis 30. Oktober 1990

TERRORISMUS

IRAKS UNTERSTÜTZUNG DES TERRORISMUS
Übersicht des Weißen Hauses

UMWELT

DAS GESETZ ZUR LUFTREINHALTUNG UND
SEINE AUSWIRKUNGEN AUF
KRAFTFAHRZEUGE, INDUSTRIE
UND KRAFTWERKE
Eine Übersicht

Die in der vergangene Woche angekündigte Chronologie der Ereignisse am Golf vom
1.-15. Oktober wird aufgrund eines technischen Versehens in der heutigen Ausgabe
nachgeliefert

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
7. November 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 17. bis 30. Oktober 1990
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für die Zeit vom 17. bis
30. Oktober fort.

17. Oktober
Außenminister Baker erklärt vor dem Auswärtigen
Ausschuß des Senats, die Iraker "löschen Kuwait als
Land und als Gesellschaft aus". Die Vereinigten
Staaten streben Baker zufolge nach einer "friedlichen
politischen und diplomatischen Lösung" für die Lage
am Golf. "Wir können die Möglichkeit des Einsatzes
von Gewalt nicht ausschließen ... wir haben sie aber
auch nicht bewußt herbeigeführt."
18. Oktober
In einem nach einem zweitägigen Arbeitsbesuch in
Nigeria veröffentlichten gemeinsamen Kommunique
fordern Präsident Gnassingbe Eyadema aus Togo und
Präsident Ibrahim Babangidaaus Nigeria den Irak zum
Abzug aus Kuwait auf und bekunden ihre Unterstützung für die Resolution des UN-Sicherheitsrats, in der
alle friedlichen Bestrebungen zur Lösung der Golfkrise
begrüßt werden.
19. Oktober
Einer amtlichen Bekanntmachung aus Bagdad zufolge
stellt der Irak Ausländern, die im irakisch besetzen
Kuwait leben, ein zweiwöchiges Ultimatum, um sich
bei den Einwanderungsbehörden registrieren zu lassen, andernfalls würden sie bestraft. Gründe für diese
Maßnahme werden nicht genannt.
20. Oktober
Die Interparlamentarische Union (IPU) fordert den
"unverzüglichen Abzug der irakischen Truppen aus
Kuwait" und fordert "alle Parlamentarier und Regierungen" auf, die neun bisher verabschiedeten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zu unterstützen und

AMERIKA DIENST 44

das Embargo gegenüber Bagdad strikt zu befolgen.
Die IPU ist eine der ältesten internationalen Organisationen der Welt. Mehr als 450 Parlamentsabgeordnete
aus 88 Ländern trafen sich in Montevideo. Die Resolution der IPU bezeichnet Iraks Invasion als "Akt der
Aggression", der"die Integrität jedes Landes der internationalen Staatengemeinschaft bedroht".
22. Oktober
König Fahd erklärt, Saudi-Arabiens Haltung gegenüber "Iraks krimineller Aggression gegenüber Kuwait
ist entschlossen, unwiderruflich, eindeutig und unzweifelhaft." Dem König zufolge ist diese Haltung in all
ihren Punkten kein Gegenstand von Verhandlungen.
Der französische Verteidigungsminister Chevenement
und US-Verteidigungsminister Cheney erklären in einer
gemeinsamen Pressekonferenz, die Vereinigten Staaten und Frankreich seien gleichermaßen der Meinung,
daß Saddam Hussein im Einklang mit den UN-Resolutionen zum Persischen Golf seine Streitkräfte aus
Kuwait abziehen muß.
23. Oktober
Präsident Bush bekräftigt in seinen Reden in New
Hampshire und in Vermont, im Hinblick auf die irakische Aggression "kann es niemals einen Kompromiß
geben". Er beschuldigt Saddam Hussein, "kleine
Botschaften in Kuwait auszuhungern" und erklärt, der
Akt "ist eine grobe Verletzung der Menschenwürde".
Bush nennt die irakischen Greueltaten "Verbrechen
gegen die Menschlichkeit", die Grundlage von Gerichtsverfahren im Stil der Nürnberger Prozesse nach
dem Zweiten Weltkrieg sein könnten, in denen die
Nazi-Kriegsverbrecher abgeurteilt wurden.

Seite 1

�25. Oktober

29. Oktober

Verteidigungsminister Cheney erklärt, die Vereinigten
Staaten würden unter Umständen zusätzliche Truppen an den Golf schicken.

Mit 13:1 Stimmen bei Enthaltung von Kuba und Jemen
verabschiedet der UN-Sicherheitsrat die Resolution
674, seine zehnte Resolution mit dem Ziel, den Irak
zum Abzug aus Kuwait zu zwingen. Diese Maßnahme
26. Oktober
fordert ein sofortiges Ende der Geiselnahmen und
appelliert an den Irak, für unverzüglichen Zugang zu
CIA-Direktor William Webster erklärt, der Golf könne
Nahrungsmitteln, Wasser und elementaren Dienstleisolange nicht sicher sein, wie Saddam Hussein den
stungen zu sorgen, die zum Schutz von Kuwaitern und
Irak regiert. Er deutet an, daß es zur Aufrechterhaltung
Angehörigen von Drittstaaten, einschließlich von Dides Friedens erforderlich sein könnte, das Waffenarplomaten, in Kuwait erforderlich sind. Die Resolution
senal des Irak zu zerstören. Vertreter des Pentagon
stellt fest, daß der Irak für sämtliche durch die Invasion
stellen fest, die Vereinigten Staaten beabsichtigten bis
Kuwaits verursachten Verluste haftbar gemacht wird.
zum Jahresende die Entsendung von mindestens 50 000
Sie betont die dringende Notwendigkeit des unverzügbis vielleicht sogar 100 000 zusätzlichen Soldaten
lichen und bedingungslosen Abzugs aller irakischen
sowie mehreren hundert weiteren Panzern in den
Truppen aus Kuwait, der Wiederherstellung von SouNahen Osten.
veränität, Unabhängigkeit und territorialer Integrität
Das bulgarische Parlament beschließt, eine aus Frei- Kuwaits sowie der Autorität seiner legitimen Regiewilligen bestehende Militäreinheit zu entsenden, die rung.
sich als Teil der UN-Bemühungen gegen den Irak der
multinationalen Streitmacht am Golf anschließen soll. Außenminister Baker erklärt, daß der irakische PräsiDie Freiwilligen, zu denen auch Ärzte und Sanitätsper- dent Saddam Hussein "sich der Tatsache bewußt
sonal gehören werden, sollen eine Einheit für Abwehr- werden muß, daß der Geduld der internationalen
Staatengemeinschaft Grenden gesetzt sind". In einer
maßnahmen gegen chemische Kriegführung bilden.
Rede in Los Angeles stellt Baker fest, Saddam HusDie Generalversammlung der Internationalen Zivilluft- sein müsse darüber hinaus erkennen, daß er im Falle
fahrtorganisation (ICAO) verabschiedet eine einmüti- eines Einsatzes von chemischen oder biologischen
ge Resolution, derzufolge die Mitgliedstaaten weder Waffen "mit den schlimmsten Folgen rechnen muß.
Ersatzteile noch Dienstleistungen für die nach der Wir können den möglichen Einsatz von Gewalt nicht
Invasion Kuwaits durch den Irak beschlagnahmten 15 ausschließen, falls der Irak Kuwait weiterhin besetzt
kuwaitischen und 1 britisches Flugzeug zur Verfügung hält."
stellen dürfen. Diese technische UNO-Behörde mit
Sitz in Montreal, die alle Aspekte der internationalen 30. Oktober
Zivilluftfahrt regelt, verurteilt die Plünderung des interDie Gründung einer neuen irakischen Oppositionsparnationalen Flughafens von Kuwait durch den Irak seit
tei, der Ummah-Partei, in der die meisten der 17
der Invasion am 2. August.
irakischen politischen Gruppierungen außerhalb des
Irak zusammengeschlossen sind, wird von ihrem
27. Oktober
Präsident, Sad Salih Jabr, bekanntgegeben. In einer
Der amerikanische Kongreß stimmt einem Schulden- in London veröffentlichten Presseerklärung bekräftigt
moratorium für Ägypten bis zum 31. März 1991 zu und Jabr "de Ablehnung der Übergriffe von Saddam Hussein
ermächtigt den Präsidenten, Ägypten sämtliche Schul- sowohl innerhalb als auch außerhalb Kuwaits durch
den einseitig zu erlassen, falls er zu dem Schluß das irakische Volk". Ziel der neuen Ummah-Partei ist
kommt, daß dies lebenswichtig für die nationale Si- Jabr zufolge die Gewährleistung individueller und
cherheit der Vereinigten Staaten ist und unter Berück- gesellschaftlicher Freiheit sowie die Achtung der
sichtigung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Nachbarstaaten des Irak und des Völkerrechts.
Golfkrise auf die ägyptische Volkswirtschaft.

*

Seite 2

*

* *

AMERIKA DIENST 44

�GOLFKRISE
31. Oktober 1990

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Oktober
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse im Zusammenhang mit der
Golfkrise für den Zeitraum vom 1. bis 15. Oktober 1990.

1. Oktober
Der US-Senat verabschiedet eine Resolution, in der
Präsident Bushs Bestrebungen, "die irakische Aggression abzuschrecken", unterstützt werden.
3. Oktober
Die bei den Vereinten Nationen zusammentretenden
Außenminister der Organisation der Islamischen
Konferenz (OIC) verurteilen die irakische Invasion
Kuwaits auf das schärfste, erklären die Annexion für
null und nichtig und fordern die Befolgung der Resolutionen des Sicherheitrats durch den Irak.

Amnesty International beschuldigt irakische Soldaten,
seit der irakischen Invasion Kuwaits am 2. August
unzählige Menschen gefoltert und exekutiert zu haben, unter anderem halbwüchsige Jungen. Der Bericht basiert auf Interviews mit vielen Menschen, die
aus Kuwait geflohen sind sowie mit Opfern und Augenzeugen von Mißhandlungen, die von zwei Vertretern
von Amnesty International in Bahrain interviewt wurden.
4. Oktober
Das irakische Fernsehen zeigt Saddam Hussein bei
seiner angeblich ersten Reise in das besetzte Kuwait.

Im Abschlußkommunique der OIC erklären die Minister ihre einhellige Unterstützung und Solidarität für
den Emir von Kuwait, das Königreich Saudi-Arabien
und andere Golf Staaten, die ausländische Streitkräfte
um Hilfe zur Verteidigung ihres Landes ersucht haben.

In einem Brief an den UN-Generalsekretär beschuldigt
die kuwaitische Exilregierung die irakischen Besetzer
der Durchführung einer Kampagne zur Veränderung
der Bevölkerungsstrukturen in Kuwait.

Das Kommunique fordert den Irak weiterhin auf, "seine
Repressionskampagne im besetzten kuwaitischen
Territorium unverzüglich aufzugeben, umgehend alle
festgehaltenen Bürger von Drittstaaten und Geiseln
freizulassen und deren sichere und ehrenvolle Rückkehr in ihre Heimatländer zu veranlassen".

Mehr als 100 Außenminister und Leiter von UN-Delegationen der Blockfreien-Bewegung veröffentlichen
eine Erklärung, in der die irakische Vorgehensweise
am Golf als "unannehmbar" bezeichnet und der unverzügliche und bedingungslose Abzug aus Kuwait gefordert wird. Alle Länder werden darin aufgefordert, "die
Bestimmungen der einschlägigen Resolutionen des
Sicherheitsrats streng zu befolgen".

Die Stimme Amerikas (VOA) überträgt erstmals täglich Botschaften der Familien an die im Irak und Kuwait
festgehaltenen Amerikaner.
Ein Abgesandter des sowjetischen Präsidenten Gorbatschow fährt in den Nahen Osten. Tass zufolge wird
General Jewgeni Primakow sowohl Bagdad als auch
Amman besuchen, wo er mit König Hussein und PLOChef Arafat zusammentreffen soll.

AMERIKA DIENST 43

5. Oktober
Der sowjetische Sonderbotschafter Jewgeni Primakow, Mitglied von Michail Gorbatschows Präsidialrat,
überbringt beim zweiten Treffen hochrangiger Vertreter beider Länder seit der irakischen Invasion in Kuwait
einen Brief des sowjetischen Präsidenten an den irakischen Präsidenten Saddam Hussein.

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�Die Palästinensische Volksarmee/Schwarze- PantherEinheit erklärt in Zypern, ein Angriff auf den Irak werde
die "unverzügliche Vergeltung zu Lande, zur See und
in der Luft" zur Folge haben. Die in Bagdad ansässige
Arabische Befreiungsfront stellt fest, sie werde "energisch und unverzüglich mit machtvollen Schlägen
antworten".

Flüchtlingen aus Kuwait, die über irakische Gewalttaten gegen Kuwait und gegen irakische Staatsbürger
berichten.

Zum Abschluß eines sechstägigen Besuchs in den
Vereinigten Staaten auf Einladung des Vorsitzenden
der Vereinigten Stabschefs, Colin Powell, erklärt der
sowjetische Generalstabsschef Michail Moissejew, die
Sowjets unterstützten die von den Vereinten Nationen
gegen den Irak verhängten Wirtschaftssanktionen,
einschließlich der Luftblockade.

10. Oktober

Verteidigungsminister Cheney stellt fest, daß der Irak
"mehr als 350 000 Soldaten - über 20 Divisionen" im
besetzten Kuwait und im südlichen Irak stationiert hat.
Cheney erklärt, daß sich 25 Staaten - darunter Ägypten, Syrien, Marokko und andere arabische Staaten an der Stationierung von Luft-, See- und Landstreitkräften beteiligt haben.
9. Oktober
In einer von Radio Bagdad ausgestrahlten Botschaft
behauptet Saddam Hussein, der Irak habe eine neue
Rakete (die Steinschleuder oder AI Hajar) entwickelt,
die mit ihrer Reichweite in der Lage sei, die 300 000 zur
Verteidigung des Landes gegen eine mögliche irakische Aggression in Saudi-Arabien stationierten Soldaten der multinationalen Streitmacht zu treffen. Er tut
dies nach Zusammenstößen zwischen israelischen
Sicherheitskräften und palästinensischen Demonstranten in Jerusalem am 8. Oktober und fordert Israel und
die Vereinigten Staaten auf, sich aus arabischen
Gebieten zurückzuziehen.
Das US-Außenministerium berichtet, daß die Iraker
weitere drei Amerikaner im besetzten Kuwait festgenommen haben und jetzt mindestens 104 Amerikaner
vom Irak festgehalten werden.
Japan widerruft seine Einladung an den Irak zur Entsendung eines hochrangigen Vertreters zur Inthronisierung Kaiser Akihitos am 12. November. Ein Sprecher des Außenministeriums erklärt, "angesichts der
irakischen Invasion und Annexion Kuwaits sowie anderer
Handlungen wurde die Einladung an den Irak zurückgezogen".
Der kuwaitische Botschafter in den Vereinigten Staaten, Scheich Saud Nasir al-Sabah, berichtet dem
amerikanischen Kongreß, daß irakische Soldaten die
Zivilbevölkerung Kuwaits terrorisieren, sich an Massenexekutionen ohne Gerichtsverfahren, Vergewaltigungen sowie der Plünderung und Verwüstung seines
Landes beteiligten. AI Sabah sagt vordem Menschenrechtsausschuß des Repräsentantenhauses aus,
zusammen mit Zeugen von Amnesty International und

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Bolivien kündigt an, daß das Land aufgrund eines
Überfalls irakischer Truppen im vergangenen Monat
seine Botschaft in Kuwait schließen wird.

Dem US-Außenministerium zufolge holen die irakischen Behörden 17 amerikanische Staatsbürger und
deren Familienangehörige aus einer Chartermaschine, mit der Amerikaner und Ausländer aus Kuwait und
dem Irak evakuiert werden. Die übrigen 271 Amerikaner und deren Familienangehörige fliegen an Bord des
von der US-Regierung gecharterten Flugzeugs der
Iraqi Airways nach London.
12. Oktober
Der kuwaitische Botschafter Mohammad Abulhasan
bittet den UN-Generalsekretär, die Lieferung von dringend benötigten Medikamenten nach Kuwait zu veranlassen. Abulhasan zufolge ist die kuwaitische Regierung "alarmiert über die Zahl der Todesfälle infolge
mangelnder Arzneimittel", insbesondere Insulin, Antibiotika und Blutplasma, da die Arzneimittelvorräte in
der Woche nach der Invasion von den irakischen
Streitkräften beschlagnahmt wurden.
13. Oktober
Die politisch Verantwortlichen in Kuwait kommen vom
1 3 . - 1 5 . Oktober 1990 in Dschidda (Saudi-Arabien)
zusammen, um Wege zur Befreiung ihres Landes zu
erörtern und dem irakischen Präsidenten Saddam
Hussein zu signalisieren, daß die irakische Invasion
und Annexion Kuwaits keinen Bestand haben wird.
"Wir sollten unsere Aufmerksamkeit auf das Kuwait
der Zukunft lenken", erklärt der Emir von Kuwait vor
1 200 kuwaitischen Zuhörern beim Volkskongreß und
betont, daß demokratische Reformen in die Wege
geleitet werden. 700 ehemalige Minister und Parlamentsmitglieder, andere gewählte Vertreter der Regierung, Industrie, Gewerkschaften und Pädagogen
waren besonders zur Teilnahme am Kongreß eingeladen worden.
Die derzeitige Lage in Kuwait ist "entschieden schlimmer als wir erwartet haben", erklärt einer der kuwaitischen Organisatoren des zivilen Widerstands gegen
die irakische Invasion, Tareq AI Suwaidan, vor Reportern in Dschidda.
Ihm zufolge wurden in der vergangenen Woche rund
50 Exekutionen vorgenommen. Laut AI Suwaidan hält
der zivile Ungehorsam an und das Volk weigert sich, in
irgendeiner Weise mit dem Regime zusammenzuarbeiten. Es befinden sich noch zwischen 200 000 und
250 000 Kuwaitis im Land, vor der Invasion waren es
700 000.

AMERIKA DIENST 43

�14. Oktober
Premierminister Saad a-Abdallah al Salim al-Sabah,
der am zweiten Tag zu über 1 000 Kuwaitis beim
Volkskongreß in Dschidda spricht, erklärt, die kuwaitische Regierung werde keine andere Lösung als die
vollständige Durchführung der Resolutionen des UNSicherheitsrats akzeptieren, die den unverzüglichen
und bedingungslosen Abzug der irakischen Streitkräfte von kuwaitischem Territorium fordern. Er stellt fest,
die kuwaitische Regierung "behält sich weiterhin das
Recht vor, Entschädigung vom irakischen Regime für
den materiellen und moralischen Schaden an unserem
Volk und Land sowie für all das Kuwait gestohlene
Geld zu verlangen".
15. Oktober
Über 1 000 im Exil lebende Kuwaitis, unter ihnen
Studenten, Intellektuelle und Geschäftsleute geloben
dem Emir bei Beendigung des Kongresses in Dschidda Einheit als "eine Familie". In ihrem Schlußkommunique verurteilen sie die irakische Besetzung Kuwaits

*

AMERIKA DIENST 43

als kriminelle Aggression und Verletzung des Völkerrechts, einschließlich der Charta der Arabischen Liga
und der Vereinten Nationen. Das Kommunique fordert
alle im Exil lebenden Kuwaitis auf, "an der Befreiung
ihres Heimatlandes und der Vertreibung der Aggressoren zu arbeiten".
Die kuwaitische Regierung, die Kuwait beim Einmarsch
der irakischen Streitkräfte am 2. August verlassen
hatte, erklärt ihre Bereitschaft zur Erörterung aller
ungelösten Streitigkeiten mit Bagdad, sobald die
Besatzungstruppen das Emirat verlassen, erklärt
Ölminister Rashid Salem al-Ameeri bei einer Pressekonferenz in Dschidda.
Iran und Irak nehmen nach einem Jahrzehnt der
Feindseligkeiten wieder diplomatische Beziehungen
auf, und die Botschaften in den beiden Hauptstädten
werden erneut geöffnet, berichtet die offizielle iranische Nachrichtenagentur der Islamischen Republik.

*

Seite 3

�TERRORISMUS
7. November 1990

IRAKS UNTERSTÜTZUNG DES TERRORISMUS
Übersicht des Weißen Hauses
Nachfolgend bringen wir eine Übersicht über Maßnahmen des Irak zur Unterstützung des internationalen
Terrorismus, die am 5. November 1990 vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit im Außenministerium veröffentlicht
wurde.

Iraks Unterstützung der Terroristen
Saddam Hussein hat einen Djihad oder "Heiligen
Krieg" gegen diejenigen gefordert, die die Verurteilung
des Irak durch die UN unterstützen. Als Reaktion auf
die Erklärung Präsident Bushs, er werde den Irak für
alle terroristischen Anschläge gegen die Vereinigten
Staaten verantwortlich machen, warnte das irakische
Außenministerium am 13. September, die amerikanische Militärpräsenz am Persischen Golf würde "eine
natürliche Reaktion der arabischen und islamischen
Massen zur Folge haben". Zu einem früheren Zeitpunkt hatte der irakische Außenminister Tariq Asis
erklärt, Bagdad habe keine moralische Verpflichtung,
von terroristischen Anschlägen abzusehen, wenn es
von den Regierungen Frankreichs, Großbritanniens
und der Vereinigten Staaten bedroht werde.
Der Irak verfügt über ein weltweites Netz zur Unterstützung terroristischer Operationen. In der Vergangenheit hat Bagdad Angehörige ziviler und militärischer
Nachrichtendienste, diplomatische Einrichtungen, die
Büros irakischer Fluggesellschaften und irakische
Kulturzentren sowohl zur Unterstützung seiner eigenen, vornehmlich gegen regionale Rivalen - Iran und
Syrien - und irakische Dissidenten gerichteten Operationen als auch zur Unterstützung der Operationen
nichtirakischer Gruppen genutzt. Darüber hinaus bietet
Bagdad palästinensischen Terroristengruppen seine
Unterstützung an. Viele dieser Gruppen erklären, sie
seien zur Unterstützung des Irak bereit, indem sie
Anschläge gegen Einrichtungen und Bürger westlicher, gemäßigter arabischer Staaten und Israels durchführen.

AMERIKA DIENST 44

Mehrere Hundert Zivilisten - vor allem aus den Vereinigten Staaten, Westeuropa und Japan - wurden in
strategische Einrichtungen im ganzen Land verschleppt,
und Tausenden anderer Zivilisten wurde die Ausreisegenehmigung verweigert. Einige, die Kuwait und den
Irak verlassen konnten, erklären, sie seien mit Gewalt
aus ihren Häusern geholt und von ihren Familien
getrennt worden.
Staatlich geförderter Terrorismus
Der Irak hat wiederholt unter Beweis gestellt, daß er
Terrorismus als legitimes Mittel zum Schlag gegen
seine aus- und inländischen Gegner ansieht. Während der siebziger Jahre gewährte Bagdad Elementen
der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO)
ebenso Unterstützung wie anderen Gruppen, die den
bewaffneten Kampf gegen Israel und den Westen
befürworteten. Bagdad hat Elementen der PLO-Sicherheitsorganisation AI Fatah und auch Abdullah alHamid Labib (Oberst Hawari) Unterschlupf gewährt,
der in den achtziger Jahren mit einer Welle von Bombenanschlägen in ganz Europa in Verbindung gebracht wurde. Im Jahr 1988 wurde er in Abwesenheit
von einem französischen Gericht für seine Rolle beim
Anlegen eines Waffendepots in Paris verurteilt.
Saddam Hussein hat seit Jahren terroristische Anschläge gegen politische Gegner seines Regimes
verüben lassen. Bagdad ist für die Ermordung von drei
im Exil in Großbritannien, dem Sudan und Norwegen
lebenden Dissidenten verantwortlich.
Der Irak gewährt Dissidentenorganisationen Unterschlupf, die Terroranschläge gegen die Regierungen

Seite 1

�von Syrien und dem Iran verübten und nutzt diese
Verbindungen, um in Zeiten verschärfter Spannungen
den Druck auf seine Rivalen zu erhöhen. In den späten
achtziger Jahren bildeten sechs von Irak aus operierende Dissidentenorganisationen die Syrische Nationale Heilsfront, die den bewaffneten Kampf als Mittel
gegen das Assad-Regime befürworten. Die prominenteste Gruppe innerhalb der Syrischen Nationalen
Heilsfront ist die militante Moslembruderschaft, die
bewaffnete Zellen in Syrien unterhält und Berichten
zufolge im Jahr 1989 Anschläge gegen dessen Diplomaten im Ausland und erneut Anfang 1990 in Brüssel
verübte. Der Irak unterstützt offen die am engsten mit
Terroranschlägen in Verbindung gebrachte iranische
Dissidentengruppe Mudschahedin Khalq und liefert
deren nationaler Befreiungsarmee Waffen.
Der Irak hat historische Verbindungen zu den radikalen Palästinensergruppen, einschließlich der Abu Nidal
Organisation (ANO), Splittergruppen der Volksfrontfür
die Befreiung Palästinas von George Habbash (PFLP)
wie der Volksfront zur Befreiung des Palästinensischen Sonderkommando (PLFP-SC) und der von dem
Bombenspezialisten Abu Ibrahim geführten Organisation 15. Mai. Die Gruppe 15. Mai war für eine Reihe von
Anschlägen verantwortlich, einschließlich der Bombenexplosion an Bord eines Pan Am-Flugzeugs über
Honolulu im Jahr 1982, mehrere Anschläge auf israelische Botschaften und El AI-Büros sowie auf Kaufhäuser in London, Paris und Brüssel. Im Jahr 1979
machten die Vereinigten Staaten den Irak in Abschnitt
6 (j) des Exportkontrollgesetzes für staatlich geförderten Terrorismus verantwortlich.
Der Irak zeigte während des Krieges mit dem Iran von
1980 bis 1988 ein geringeres Interesse an Terroranschlägen gegen westliche Ziele. Anfang des Jahres
1980 unternahm Bagdad eine Annäherung an die
Politik seiner gemäßigten arabischen Nachbarn, indem es seine Unterstützung für nichtpalästinensische
Terroristen teilweise aufgab und vielen Palästinensergruppen Beschränkungen auferlegte. Daraufhin wurde der Irak 1982 von der in den Vereinigten Staaten
geführten Liste der Staaten gestrichen, die den Terrorismus fördern. Als weiteres Beispiel seiner geänderten Politik wies der Irak 1983 die Abu Nidal Gruppe
aus.
Unmittelbar nach dem Krieg mit dem Iran verfolgte
Saddam Hussein seine weitreichenden Ambitionen in
der arabischen Welt weiter. Im Libanon leistete Bagdad mehr Hilfe an antisyrische Gruppen (die libanesische Miliz und syrische Dissidenten) und an palästinensische Terroristengruppen mit historischen Verbindungen in den Irak - der Palästinensischen Befreiungsfront PLF und Oberst Hawari. Anfang August
1990 intensivierte der Irak Kontakte mit mehreren
palästinensischen Terroristengruppen - einige haben
öffentlich mit terroristischen Übergriffen gegen die
Gegner Bagdads gedroht. Am 1. September 1990

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setzte die US-Regierung infolge der neuerlichen Unterstützung des Iraks für terroristische Vereinigungen
und seiner Verhaftung von Ausländern den Irak erneut
auf die Liste der Länder, die den Terrorismus unterstützen.
Palästinensische Terroristengruppen sagen dem
Irak Unterstützung zu
Der Irak versucht, seine Unterstützung für palästinensische Gruppen, auch wenn sich sich für den Terrorismus einsetzen, damit zu rechtfertigen, daß sie im
Einklang mit der Politik für den Kampf um einen
Palästinenserstaat stünde. Darüber hinaus sieht der
Irak seine Hilfe als Mittel, das Ansehen des Landes zu
verbessern und vor allem Syrien davon abzuhalten,
die Bewegung für ein unabhängiges Palästina unter
Kontrolle zu bekommen. Bisher haben sich die meisten Palästinensergruppen revanchiert, indem sie dem
Irak politische Unterstützung im Krieg mit dem Iran
anboten, und einige haben dem Irak geholfen, sich
gegen Syrien zu wenden.
In den letzten Wochen haben die Führer verschiedener palästinensischer Terroristengruppen Saddam
Hussein Tribut gezollt und im Falle einer militärischen
Intervention gegen Bagdad Anschläge auf eine große
Bandbreite von Zielen angedroht. Die Kampfbereitschaft des Irak und die Hoffnung auf Unterstützung
haben Gruppen auf den Plan gerufen, die seit langem
den Einsatz von Gewalt zur Lösung des arabischisraelischen Konflikts propagieren.
Palästinensergruppen, einschließlich der PLO-Mitglieder haben gelobt, "jedes verfügbare Mittel" einzusetzen, um Truppen der Vereinigten Staaten und anderer
Länder zum Abzug aus Saudi-Arabien zu bewegen.
Der Führer der Palästinensischen Befreiungsfront,
Abu Abbas, hat den Irakern ausdrücklich seine Unterstützung versichert. Nur wenige Tage nach Bagdads
Invasion in Kuwait forderte er seine Anhänger auf,
"überall das Feuer auf den amerikanischen Feind zu
eröffnen. La ßt die Erde unter den Fü Ben der Amerikaner, der NATO-Invasoren und der Kollaborateure
erbeben." Am 1. Oktober droht Abu Abbas, ein
amerikanisches Flugzeug abzuschießen, falls eine
irakische Maschine im Rahmen der von der UNO
verordneten Luftblockade zur Landung gezwungen
würde. (Die Gruppe unter Abu Abbas hat 1985 das
italienische Kreuzfahrtschiff Achille Lauro entführt und
im Mai 1990 vom Meer einen erfolglosen Angriff auf
Zivilisten an israelischen Stränden geführt. Abu Abbas
Bekenntnis zu diesem Angriff wurde vom irakischen
Rundfunk übertragen.)
Einige von Syrien aus operierende Palästinensergruppen haben ihre Bereitschaft bekundet, Saddam Hussein in einem Konflikt mit den Vereinigten Staaten zu
unterstützen. Ihre Gründe liegen möglicherweise eher
im Enthusiasmus für ihre Organisation begründet als in
der Unterstützung für Bagdads regionale Ambitionen.

AMERIKA DIENST 44

v

&gt;

�Der Leiter der PFLP, George Habbash, hat öffentlich
erklärt, im Irak ein Büro zur Unterstützung Saddam
Husseins eröffnen zu wollen. Er erklärte ferner, seine
Organisation werde im Falle einer militärischen Konfrontation Angriffe gegen die Vereinigten Staaten und
andere Gegner des Iraks führen. In den siebziger und
frühen achtziger Jahren tötete die PFLP im Nahen
Osten und in Europa Zivilisten bei ihren Anschlägen
auf Flugzeuge und Busse.

*

Ahmed Jabrils stark prosyrische Volksfront für die
Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC)
und die Organisation Abu Musa haben sich vor kurzem
zu Saddam Hussein bekannt. Ende September empfing
Saddam Hussein den Führer der Bewegung des Palästinensischen Islamischen Djihad (PIJ), Scheich AlTamini, der den Irak seiner Unterstützung versicherte.
Die PIJ übernahm die Verantwortung fürden Anschlag
auf einen ägyptischen Bus im Februar 1990, bei dem
es neun Tote und 16 Verletzte gab.
Die Gruppe Abu Nidal gewinnt an Einfluß
Den Vereinigten Staaten zufolge schickt die Gruppe
Abu Nidal (ANO) - eine der gefährlichsten Terroristengruppen - Anhänger ihrer Organisation aus Libyen
zurück nach Bagdad. Seit Gründung der ANO im Irak
im Jahr 1974 haben ihre Mitglieder mehr als 900
Menschen in drei Erdteilen getötet oder verwundet.
Als Gegenleistung für einen sicheren Unterschlupf,
logistische Unterstützung und finanzielle Hilfe führte
die Gruppe jahrelang ihre Operationen mit Hilfe dreier
Länder durch, die den Terrorismus unterstützen - Irak,
Syrien und Libyen. In den letzten Monaten haben
ANO-Führer in mörderischen Kämpfen viele Mitglieder
getötet.
Der Führer der ANO, Sabri al-Banna, war bis 1974
Vertreter der PLO in Bagdad und brach dann zusammen mit anderen Mitgliedern mit der Fatah, weil er die
diplomatischen Bemühungen der PLO-Führung zur
Lösung des arabisch-israelischen Konflikts verurteilte.
In den siebziger Jahren führte die ANO ihre Anschläge
von ihrem Hauptquartier im Irak aus - zumeist gegen
die PLO, syrische und jordanische Ziele. 1980 verfolgten der Irak und die ANO nicht mehr die gleichen Ziele.
Die ANO führte eine Reihe schrecklicher Anschläge
auf Synagogen in Europa durch, die für die Organisation typisch werden sollten. Die Anschläge standen im
Gegenstz zu Bagdads Versuchen, für seinen Krieg mit
dem Iran Unterstützung aus Europa zu gewinnen.
Möglicherweise aufgrund des Drucks aus den Vereinigten Staaten und Europa bestand Bagdad darauf,
daß die ANO ihre Operationsbasis aus dem Irak verlegte.
Syrien hat der Gruppe von Sabri al Banna - bisweilen
mit Hilfe syrischer Geheimdienstoffiziere - gestattet,
ihre Operationen in Europa und Nahost auszuweiten.
Mitte der achtziger Jahre führte die ANO Anschläge in
den Flughäfen von Rom und Wien durch, setzte ihre

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Bomben- und Maschinengewehrattacken gegen Synagogen in Europa und der Türkei fort und beging über
ein Dutzend Anschläge gegen jordanische Ziele, darunter Diplomaten in Ankara und Bukarest sowie Büros
der jordanischen Fluglinie in Europa.
Nach öffentlichen Enthüllungen im Hinblick auf die
syrische Verwicklung in Terroranschläge in Europa
wurde für Syrien der Preis für seine Unterstützung des
Terrorismus höher als der Gewinn. In der britischen
Anklage gegen Nezar Hindawi - den Mann, der versucht hatte, eine Bombe in eine El AI-Maschine zu
schmuggeln - wurden Angehörige des syrischen Luftwaffengeheimdienstes, der syrischen Fluglinie und
der syrischen Botschaft belastet. Daraufhin brach
Großbritannien die diplomatischen Beziehungen zu
Syrien ab, die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland beriefen ihre Botschafter zurück,
und die Europäische Gemeinschaft beschloß verschiedene politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen
Syrien. Auf Druck der Vereinigten Staaten sowie
europäischer und befreundeter arabischer Staaten
veranlaßten die Syrer im Juni 1987 die ANO zur
Verlegung ihrer Zentrale nach Libyen. Syrien gestattete es jedoch Terroristen der ANO weiterhin, im
syrisch kontrollierten Bekaa-Tal im Libanon zu operieren.
Die ANO, die erhebliche finanzielle und logistische
Unterstützung (einschließlich von Waffen und Reisedokumenten) aus Libyen erhält, führte im Juli 1988
einen Anschlag gegen das griechische Kreuzfahrtschiff City of Porös durch, bei dem neun Zivilisten
getötet und 98 verletzt wurden. Darüber hinaus tötete
die ANO im Mai 1988 acht Personen und verletzte 21
bei ihren Anschlägen auf das Hotel Acropole und den
British Sudan Club in Khartum.
Die ANO hat Stützpunkte im Irak, im Libanon, in
Libyen, Nordafrika und Europa, die für Operationen
gegen die Gegner der irakischen Invasion Kuwaits
benutzt werden konnte. Glaubwürdigen Quellen zufolge sind bereits Agenten der ANO auf dem Weg nach
Europa und Ländern des Nahen Ostens, wo die Behörden Maßnahmen treffen, um terroristische Anschläge
zu verhindern.
Eine internationale Reaktion auf den Terrorismus
Präsident Bush und Außenminister Baker haben
unmittelbar auf die irakische Aggression und die Androhung von Terroranschlägen auf Amerikaner und
Bürger anderer Länder reagiert. Die amerikanische
Regierung arbeitet ferner mit der internationalen Staatengemeinschaft zusammen, um den Irak und die von
ihm unterstützten Gruppen von Geiselnahmen und
Übergriffen auf Zivilisten abzubringen. Zu dieser
Zusammenarbeit gehören auch über diplomatische
Kanäle vorgebrachte Bitten an diejenigen, die bei
Bagdad und den palästinensischen Terrorgruppen
Einfluß haben, diesen zu nutzen, um einem Ausbruch

Seite 3

�internationaler terroristischer Gewalt entgegenzuwir-

mationsaustausch bis zur Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen gegen terroristische Anschläge.

Die Drohung terroristischer Anschläge wird ernstgenommen. Sowohl die Regierung des Irak als auch die
von ihr unterstützten Gruppen haben bereits in der
Vergangenheit solche Operationen durchgeführt. Sie
besitzen die Mittel und Infrastruktur für weitere Aktionen dieser Art. Die amerikanische Regierung gibt
Warnungen für Reisen und Gefahrenhinweise heraus,
mit denen die amerikanische Öffentlichkeit und andere, einschließlich ausländischer Regierungen, auf diese
Bedrohung aufmerksam gemacht werden. Die internationale Staatengemeinschaft bemüht sich daraufhin, die Zusammenarbeit bei der Abwehr des Terrorismus auf Operationsebene zu verbessern - von Infor-

Die Vereinigten Staaten haben klargestellt, daß sie
den Irak für von ihm selbst durchgeführte Terroranschläge wie auch für in seinem Auftrag verübte Anschläge verantwortlich machen. Für den Terrorismus
gibt es keine moralischen Argumente. Die Vereinigten
Staaten werden sich weiterhin zusammen mit anderen
Nationen darum bemühen, rechtlichen, wirtschaftlichen und anderen Druck auf Bagdad auszuüben,
damit der Irak seine Geiselnahme von Zivilisten und
seine Unterstützung für terroristische Gruppen einstellt, die Zivilisten mit Bombenanschlägen, Ermordung und anderen Gewalttaten bedrohen.

*

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*

* *

AMERIKA DIENST 44

�UMWELT
7. November 1990

DAS GESETZ ZUR LUFTREINHALTUNG
UND SEINE AUSWIRKUNGEN AUF
KRAFTFAHRZEUGE, INDUSTRIE UND KRAFTWERKE
Eine Übersicht
WASHINGTON - (AD) - Im folgenden veröffentlichen wir eine Zusammenfassung der wichtigsten Bestimmungen des am 27. Oktober 1990 vom Kongreß verabschiedeten Gesetzes zur Luftreinhaltung, das sich auf
Unterlagen des Senatsausschusses für Umwelt und öffentliche Versorgungsbetriebe stützt.

Titel I: Bestimmungen für Fälle, bei denen nicht
die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllt werden
Gegenwärtig entsprechen in den Vereinigten Staaten
über 100 Regionen nicht den Gesundheitsnormen, wie
sie im Gesetz zur Luftreinhaltung von 1970 für Ozon
(Smog) festgelegt wurden, mehr als 40 Regionen
erfüllen nicht die Normen für Kohlenmonoxid, und in
schätzungsweise 58 Regionen übersteigt die Zahl der
Partikel (particulate matter - PM-10) den gesundheitlich unbedenklichen Wert. Die Regierungen der Bundesstaaten und Gemeinden sind zur Durchführung
von Maßnahmen verpflichtet, mit denen die Umweltverschmutzung auf ein Niveau abgebaut wird, das
keine gesundheitliche Bedrohung darstellt. Die Bundesregierung definiert bestimmte Mindestanforderungen und stellt sicher, daß die einzelnen Staaten ihren
Verpflichtungen nachkommen.
Titel I des Gesetzes von 1990 teilt Regionen, die nicht
unter die oben genannten Normen für Umweltverschmutzung fallen, in Kategorien ein, die von der
Dringlichkeit des Problems abhängen und legt für jede
Kategorie unterschiedlich strenge Regeln fest.
Je nach Dringlichkeit des Problems der Umweltverschmutzung müssen Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllen (sogenannte
"non-attainment areas") innerhalb von 5,10,15 oder
17 Jahren den gesundheitlich unbedenklichen Ozonwert erreicht haben. Im Fall Los Angeles, der Stadt mit
der landesweit höchsten Luftverschmutzung, sollen es
20 Jahre sein.

AMERIKA DIENST 44

Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für jeden
einzelnen Schadstoff erfüllen, müssen vom gegenwärtigen Zeitpunkt bis zur Erfüllung der Norm bestimmte
Zuwachsraten erreichen. Mit dieser neuen Regel wird
ein sofortiger Ozonabbau sichergestellt und zum ersten Mal ein stetiger Fortschritt bis zur Erfüllung der
Norm gewährleistet. Im Fall Ozon müssen einzelne
Regionen die Emission flüchtiger organischer Verbindungen, einer Vorstufe des Ozons, bis zur Erfüllung
der Norm um jährlich 3 Prozent reduzieren (wobei
unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen zulässig sind).
In Regionen mit überhöhten Ozonwerten müssen
Tankstellen mit einem Umsatz über 380 000 Litern
(bei Kleinbetrieben 190 000 Litern) Benzin monatlich
ihre Pumpen so umrüsten, daß die Emission flüchtiger
organischer Verbindungen reduziert wird.
Programme zur Inspektion und Wartung von Kraftfahrzeugen müssen in ozon- und kohlenmonoxidbelasteten Regionen verbessert und in möglichst vielen
Regionen, wo sie noch nicht existieren, eingeführt
werden.
Das Umweltschutzamt (Environmental Protection
Agency - EPA) muß eine der folgenden Strafen verhängen, wenn eine Region keinen Plan zur Erlangung
einer gesundheitlich unbedenklichen Luftqualitätsnorm
erarbeitet oder durchführt: es muß die Verwendung
von Mitteln aus den Fonds für Bundesautobahnen
kürzen oder bestimmen, daß neue Industrieunternehmen ihre Emissionen um die Hälfte reduzieren.

Seite 1

�Die Definition von Großanlagen wird in der neuen
Gesetzgebung modifiziert, so daß auch kleinere Emittenten flüchtiger organischer Verbindungen ihre Emissionen kontrollieren müssen (45 Tonnen in mäßig oder
stark belasteten Regionen, 22,5 Tonnen in stark belasteten Regionen und 9 Tonnen in extrem stark belasteten Regionen).
Wenn ein Bundesstaat keinen Plan erarbeitet, der die
Gesetzesbestimmungen berücksichtigt, muß das
Umweltschutzamt eine Durchführungsverordnung der
Bundesregierung verfügen.
Das Umweltschutzamt muß für eine Reihe von Verursachem der Umweltverschmutzung, auch für Handelsware und Komsumgüter, Regeln zu deren Kontrolle aufstellen.
Titel II: Bestimmungen für Kraftfahrzeuge
Autos und Lastwagen sind gegenwärtig für 50 Prozent
der Ozonbelastung und 90 Prozent der Kohlenmonoxidbelastung in amerikanischen Städten verantwortlich. Darüber hinaus sind sie die Ursache erheblicher
Emissionen toxischer Schadstoffe. Es sind nicht nur
die Kraftfahrzeuge, sondern ihre Treibstoffe, die zur
Umweltverschmutzung führen.
Das Gesetz beschreibt folgende Maßnahmen zur
Schadstoffreduzierung:
Neue Zusammensetzung des Benzins
Eine saubere Benzin verbrennung mit neu zusammengesetztem Benzin wäre ab 1995 in den neun Städten
mit der stärksten Ozonbelastung Pflicht. Einzelne
Staaten könnten wählen, ob die Regel auch in anderen
Städten mit problematischer Ozonbelastung gelten
soll.
Verglichen mit herkömmlichem Benzin müßte die neue
Zusammensetzung bis 1995 um 15 Prozent niedrigere
Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen und
toxischer Stoffe und bis zum Jahr 2000 um 20 bis 25
Prozent niedrigere Werte zur Folge haben. Das Gesetz
enthält darüber hinaus zusätzliche Normen für Sauerstoff, Benzol und Duftstoffe.
Die Vereinbarung sieht ab 1992 in 44 kohlenmonoxidbelasteten Städten einen Sauerstoffgehalt von 2,7
Prozent vor. Diese Bestimmungen werden zur Verwendung von sauerstoffhaltigen Additiven wie Äthanol
und MTBE, einem Naturgasprodukt, ermutigen.
Abgasnormen für Kraftfahrzeuge und Lastwagen
Autohersteller müssen die Abgasemissionen von
Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden, die Smog verursachen, jeweils um 35 Prozent und 60 Prozent
abbauen, angefangen bei 40 Prozent der 1994 verkauften Kraftfahrzeuge und gesteigert auf 100 Prozent
bei den 1998 verkauften Kraftfahrzeugen. Vergleichbare Senkungen werden für leichte Lastwagen, wie
Kleintransporter und Pickups gefordert.

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Der Zeitraum, in dem Kraftfahrzeuge zurückgerufen
werden können, wenn sie nicht den Emissionsnonnen
entsprechen, würde sich auf 10 Jahre oder 160 000
Kilometer verdoppeln, je nachdem, welcher Stand
eher erreicht wird.
Eine zusätzliche Reduzierung der Kraftfahrzeugemissionen, eine 50prozentige Reduzierung unter die für
Mitte der neunziger Jahre angestrebten Nonnen wäre
nach dem Jahr 2003 erforderlich, wenn das Umweltschutzamt zu dem Schluß gelangt, daß diese neue
Norm notwendig und technisch durchführbar ist.
Andere Regeln
Autohersteller müssen Systeme einbauen, die den
Fahrer alarmieren, wenn ein Emissionskontrollsystem
nicht funktioniert.
Autohersteller müssen ab 1995 in Kraftfahrzeugen
Kanister einbauen, um Kohlenwasserstoffe aufzufangen, die sonst während des Tankens in die Atmosphäre entweichen. Wenn diese Geräte vom Umweltschutzamt und dem Verkehrsministerium als sicher
eingestuft werden, müssen sie stufenweise innerhalb
von drei Jahren eingebaut werden.
Ab 1994 müssen neue Transitbusse mit sauberen
Kraftstoffen wie etwa Erdgas oder Methanol fahren,
um den Normen für Partikel zu enstprechen. Das
Gesetz fördert Emissionen von sauberem Diesel und
neue Testverfahren für Dieselfahrzeuge.
Wie beim gegenwärtigen Gesetz können andere Staaten die Autonormen von Kalifornien übernehmen und
durchführen.
In den am stärksten belasteten Regionen muß eine
verbesserte Inspektion von Kraftfahrzeugen stattfinden. Jährliche, zentral durchgeführte Inspektionsprogramme oder andere Programme, die ebensolche
Reduzierungen in den am stärksten belasteten Regionen, die nicht die Gesundheitsnormen für alle Schadstoffe erfüllen, zur Folge haben, werden Pflicht.
Flottenfahrzeuge
Die Vereinbarung umfaßt ein Programm für Flottenfahrzeuge. Flottenfahrzeuge würden im Rahmen des
Programms erheblich sauberer als konventionelle
Fahrzeuge.
Das vereinbarte Flottenprogramm wird die kalifornischen Normen für Fahrzeuge mit geringen Emissionen (low emission vehicle - LEV) bis 1998 für Lieferfahrzeuge und kleine Lastwagen mit einem Gewicht
unter 2 700 Kilo zwingend vorschreiben, wenn diese
Fahrzeuge in Kalifornien verkauft werden sollen. Bis
zum Jahr 2001 müssen Fahrzeuge diese Normen
erfüllen, auch wenn sie nicht in Kalifornien vertrieben
werden. Die Abgasnorm für diese Fahrzeuge beinhaltet eine Beschränkung auf 0,047 Gramm nicht methanhaltigen Kohlenwasserstoffs, verglichen mit 0,156
Gramm bei konventionellen Kraftfahrzeugen.

AMERIKA DIENST 44

�Das Umweltschutzamt muß eine gleichartige "umfassende" Norm (für Emissionen aus Abgasen, Verdampfung und Tanken zusammengenommen) für LEVs
unter 3 825 Kilo erlassen. Die umfassende Norm muß
sich auf LEVs stützen, die mit neu zusammengesetztem Benzin fahren. Die Entscheidung, ob sie die
Abgasnorm oder die umfassende Norm anlegen wollen, bleibt den Autoherstellern überlassen.
Schwerlastflottenfahrzeuge mit einem zulässigen
Gesamtgewicht von 3,8 bis 11,7 Tonnen müssen eine
kombinierte Stickoxid-Kohlenwasserstoff-Emissionsnorm von 3,15 Gramm pro gebremster PS-Stunde
erfüllen, was einem 50prozentigen Abbau gegenüber
den geschätzten Emissionen eines Schwerlastdieselmotors Baujahr 1994 entspricht. Sollte das EPA
feststellen, daß diese Norm für einen mit schadstoffarmem Diesel betriebenen Motor nicht möglich ist, könnte sie durch eine nur 30prozentige Verringerung ersetzt werden.
Die Garantiezeit für die Abgasreinigungskomponenten der meisten PKW und leichten LKW wird ab 1995
auf 2 Jahre oder 38 400 Kilometer verkürzt, für über
200 Dollar kostende größere Bauteile (wie etwa Katalysatoren, Borddiagnosegeräte und elektronische
Kontrollsysteme) jedoch auf 8 Jahre oder 128 000
Kilometer verlängert. Diese Änderung gilt nur für PKW
und leichte LKW.
Pilotprogramm für Kalifornien
Für Kalifornien wurde ein Pilotprogramm ins Leben
gerufen. Ab 1996 müssen 150 000 mit sauberem
Kraftstoff betriebene Fahrzeuge pro Jahr für den Verkauf in Kalifornien produziert werden. Bis 1999 muß
diese Zahl auf 300 000 erhöht werden. Diese Fahrzeuge müssen die kalifornische TLEV-Übergangsnorm (transitional low emissions vehicle - Übergangsnorm für schadstoffarme Fahrzeuge) von 0,078 Gramm/
km nicht methanhalöger organischer Gase, 0,25 Gramm/
km Stickoxid, 2,125 Gramm/km Kohlenmonoxid und
0,009 Gramm/km Formaldehyd bis zum Jahr 2000
erfüllen, ab dem sie den Grenzwerten für Schadstoff arme Fahrzeuge von 0,047 Gramm/km nicht methanhaltiger organischer Gase, 0,125 Gramm/km Stickoxid,
2,125 Gramm/km Kohlenmonoxid und 0,009 Gramm/
km Formaldehyd entsprechen müssen. Kalifornien
muß sicherstellen, daß ausreichend schadstoffarme
Treibstoffe produziert, geliefert und für alle LEVs
angeboten werden, damit diese in dem von dem Programm abgedeckten Gebiet ausschließlich mit solchen Brennstoffen betrieben werden können. Falls es
Kalifornien nicht gelingt, ein diese Anforderungen erfüllendes Brennstoffprogramm zu verabschieden, muß
das EPA binnen drei Jahren ein solches Programm ins
Leben rufen.
Andere Bundesstaaten mit gravierender, schwerer
oder extremer Ozonbelastung können die kalifornischen Normen einführen. Diese freiwillige Option darf
Produktion oder Verkauf von Fahrzeugen oder Brenn-

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stoffen nicht erzwingen, sondern muß statt dessen
deren Verkauf und Betrieb ermutigen.
Titel III: Bestimmungen über toxische Luftschadstoffe
Emissionen von Großanlagen
Die Chemie-, Papier-, Plastik-, Gummi-, Auto- und
Metallindustrie sind die größten Verursacher industrieller Emissionen toxischer Luftschadstoffe. Das Gesetz
zur Reinhaltung der Luft aus dem Jahr 1970 verpflichtet das EPA, Luftschadstoffe zu benennen, die den
Tod oder schwere Krankheiten verursachen und Emissionsnormen für diese Schadstoffe aufzustellen. Bis
heute hat das EPA für weniger als 10 toxische Schadstoffe Emissionsnormen aufgestellt.
Das neue Gesetz setzt 189 solcher Chemikalien auf
eine verbindliche Liste und fordert das EPA auf, Normen für alle Kategorien wichtiger Verursacher aufzustellen. Rund 250 solcher Kategorien werden geregelt. Für unterschiedliche Kategorien werden unterschiedliche Normen angewendet. Das EPA wird für
jede Kategorie von Verursachern eine Norm bekanntgeben, die vom Verursacher dieser Kategorie die
Einführung der MACT-Technologie (maximum achievable control technology - maximal erreichbare Meßund Steuerungstechnologie) fordert. Die MACT ist
unter Berücksichtigung der Kosten für gewöhnlich die
beste verfügbare Kontrolltechnologie.
Alle Normen müssen binnen 10 Jahren bekanntgegeben werden, wobei für 41 Kategorien von Verursachern binnen 2 Jahren Normen festgelegt werden.
Die derzeitigen Verursacher müssen die MACT-Normen binnen drei Jahren nach ihrer Bekanntgabe erfüllen (ein Jahr Verlängerung ist möglich).
Bei der Auflistung von Schadstoffen und Festsetzung
von Normen muß das EPA die Auswirkungen auf die
Umwelt ebenso berücksichtigen wie diejenigen für die
menschliche Gesundheit.
Jeder Verursacher, der einen freiwilligen Abbau der
Emissionsmenge von 1987 um 90 Prozent vornimmt,
erhält eine 6jährige Verlängerung der MACT-Frist.
Unter bestimmten Umständen gewährt die MACT nicht
genügend Schutz für die öffentliche Gesundheit. Falls
nach Einführung der MACT ein beträchtliches Risiko
bestehen bleibt, muß das EPA die Normen 8 Jahre
nach der erstmaligen Bekanntgabe der MACT-Normen verschärfen.
Die Schutznorm beinhaltet "einen breiten Sicherheitsrahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit", es
sei denn, schärfere Normen zum Schutz der Umwelt
werden erforderlich.
Das EPA muß solche Normen für "Restrisiken" bei
Schadstoffen festlegen, die Krebs verursachen können, wann immer das Risiko für eine den Emissionen
einer Kategorie von Verursachern ausgesetzten Per-

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�son der Gesamtbevölkerung größer als 1 zu 1 Million
ist.
Jeder unter diese Normen fallende Verursacher muß
gemäß Titel IV des Gesetzes eine Genehmigung
beantragen. Das Genehmigungsverfahren wird von
den Bundesstaaten gehandhabt solange sie die staatlichen Mindestvorschriften erfüllen.
Kokereien, die strikte Schadstoffkontrollen verwirklichen, können für eine Verlängerung der Frist für Normen von Restrisiken bis zum Jahr 2020 in Frage
kommen.
Kraftwerksemissionen von toxischen Luftschadstoffen werden erst nach Prüfung durch das EPA und nur
dann geregelt, wenn das EPA feststellt, daß eine
solche Regelung gerechtfertigt ist.
Das EPA muß die toxische Belastung der Großen
Seen prüfen, die Folge der atmosphärischen Ablagerungen von Metallen und anderen toxischen Partikeln
ist. Das EPA muß Maßnahmen zum Schutz der
Wasserqualität der Gro Ben Seen und der Chesapeake
Bay ergreifen.
Emissionen von Kleinanlagen
Anhand der obengenannten Liste von Schadstoffen
kann das EPA ferner Kategorien von Kleinanlagen
(Reinigungen, Tankstellen, Holzöfen, kleine Verbrennungsanlagen usw.) ebenso auflisten wie das Amt
Kategorien von Großanlagen aufführt und die MACT
vorschreibt. Das EPA muß genügend Kategorien von
Verursachern auflisten, um sicherzustellen, daß 90
Prozent der Emissionen der 30 wichtigsten Kleinanlagen geregelt werden.
Es gibt ein alternatives Kontrollprogramm für diejenigen Kleinanlagen, die ein beträchtliches Gesundheitsrisiko darstellen, für die jedoch die beste verfügbare
Technologie zu teuer ist.
Das EPA muß ein breites Spektrum von Schadstoffen
in Städten mit über 250 000 Einwohnern überwachen,
um festzustellen, welche Schadstoffe in den Städten
das größte Risiko darstellen.
5 Jahre nach Inkrafttreten mu ß das EPA eine nationale
Strategie zur Verminderung toxischer Luftschadstoffe
in den Städten unterbreiten, um das mit toxischen
Luftschadstoffen in den Städten verbundene Krebsrisiko um 75 Prozent zu verringern. Das EPA muß in
Acht- und Zehnjahresintervallen über den erzielten
Abbau berichten.
Versehentliche Freisetzungen
Das Gesetz enthält Bestimmunge zur Verhütung von
Unfällen in der chemischen Industrie.
Diese Bestimmungen verpflichten den Besitzer oder
Betreiber einer Einrichtung, in der extrem gefährliche
Substanzen verarbeitet werden, zum sicheren Betrieb
der Einrichtung.

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Das EPA muß eine Liste von mindestens 100 extrem
gefährlichen Luftschadstoffen veröffentlichen, von denen
rund 20 im Gesetz enthalten sind.
Jeder Besitzer einer Einrichtung, in der extrem gefährliche Substanzen verarbeitet werden, mu ß eine Analyse der Einrichtung vornehmen, um mögliche Gefahren
für die öffentliche Gesundheit aufzuzeigen. Diese
Studie würde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Das Gesetz sieht die Gründung einer Kommission für
chemische Sicherheit, ähnlich der Kommission für
Verkehrssicherheit vor, die Chemieunfälle prüfen soll.
Das EPA ist ermächtigt, Bestimmungen zur Unfallverhütung bekanntzugeben.
Gemeindeverbrennungsanlagen
Das Gesetz enthält Bestimmungen zur Kontrolle der
Emissionen von Gemeinden, Krankenhäusern sowie
anderer kommerzieller und industrieller Verbrennungsanlagen.
Titel IV: Bestimmungen über sauren Regen
Saurer Regen stellt weiterhin eine Bedrohung für die
öffentliche Gesundheit und die Umwelt dar. Das
Gesetz hat die Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen (So2) um neun Millionen Tonnen pro Jahr zum
Ziel und sieht eine nationale Obergrenze für So2Emissionen vor. Dieser Titel ist ferner darauf ausgerichtet, die Emissionen von Stickoxid (NOx) um etwa
1,8 Millionen Tonnen jährlich zu senken.
Vorschriften zur Reduzierung von Schwefeldioxid
Das Gesetz schreibt die Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen um neun Millionen Tonnen unter
dem Stand von 1980 vor.
Der jährliche Ausstoß von Schwefeldioxid wird vom
Jahr 2000 an begrenzt.
Verkäufliche Quoten
Zusätzlich zur Genehmigung zum Ausstoß einer bestimmten Menge an Schadstoffen werden jeder Emissionsquelle bestimmte "Quoten" zugeteilt, die dem
zulässigen Schadstoffausstoß entsprechen. Diese
Quoten sind verkäuflich und entsprechen einer Emissionsmenge von je 0,9 Tonnen Schwefeldioxid.
Wenn eine Schadstoffquelle ihre Emissionen um mehr
als das gesetzlich vorgeschriebene Maß verringert,
kann sie den verbleibenden Teil ihrer Quoten an eine
andere Schadstoffquelle verkaufen. Diese zweite
Quelle würde somit Schadstoffe über das gesetzlich
vorgeschriebene Maß ausstoßen dürfen und trotzdem
das Gesetz einhalten. Damit soll sichergestellt werden, daß die Gesamtreduzierung auf kostengünstigstem Wege erzielt und die Kosten der Reduzierung
gerecht verteilt werden.
Phase I
In der am 1. Januar 1995 beginnenden Phase I müssen Kraftwerke mit einer Emissionsmenge über 1,125

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�Kilogramm Schwefeldioxid pro Million britische Wärmeeinheiten (Btu) ihre Emissionen auf 1,125 kg pro
Million Btu reduzieren, multipliziert mit deren durchschnittlichem Brennstoffverbrauch aus den Jahren
1985-87. Etwa 111 Kraftwerke fallen in diese Kategorie.
Kraftwerke, die bestimmte Technologien zur Schadstoffreduzierung anwenden, um ihren Reduzierungsverpflichtungen in Phase I gerecht zu werden, können
eine Verlängerung dieser Frist bis 1997 oder einen
Bonus erhalten, falls sie die Reduzierung zwischen
1995 und 1997 erreichen. Darüber hinaus wird allen
Phase I-Kraftwerken, die bestimmte Technologien zur
Kontrolle des Schadstoffausstoßes anwenden, ein
Guthaben von zwei-zu-eins für jede reduzierte Tonne
unter einem Niveau von 0,54 kg pro Million Btu eingeräumt.
Eine Sonderzuteilung von 200 000 Jahresquoten wird
in jedem der fünf Jahre von Phase I den Kraftwerken
in Illinois, Indiana und Ohio eingeräumt, die Reduzierungen gemäß den Bestimmungen für Phase I durchführen müssen. Viele der schmutzigsten Kraftwerke
stehen im Mittleren Westen. Deshalb wären die Kosten für die Reduzierung in diesen Staaten am höchsten, und diese Regelung dient dazu, die Kosten etwas
abzumildern.
Phase II
In der am 1. Januar 2000 beginnenden Phase II
müssen alle Kraftwerke, deren Emissionen den Grenzwert von 0,54 kg pro Million Btu überschreiten, ihren
Schadstoffausstoß auf diesen Grenzwert von 0,54 kg
pro Million Btu reduzieren, der mit ihrem durchschnittlichen Brennstoffverbrauch von 1985-87 multipliziert
wird.
Landesweit dürfen Kraftwerke, die Schwefeldioxidmengen unter 0,54 kg pro Million Btu ausstoßen, ihre
Emissionen von heute bis zum Jahr 2000 um etwa 20
Prozent erhöhen. Danach gilt dieser Grenzwert auch
für sie. Diese Regelung ist notwendig, um die landesweite Obergrenze für Schwefeldioxidemissionen aufrechtzuerhalten.
Bonusquoten werden eingeräumt, um dem Zuwachs
an Einheiten in denjenigen Staaten gerecht zu werden,
in denen die durchschnittlichen Emissionswerte unter
0,36 kg pro Million Btu liegen. Kraftwerke, deren
Nutzung in den letzten fünf Jahren zugenommen hat,
erhalten ebenfalls Bonusquoten.

Gegenwärtig im Bau befindliche Kraftwerke werden
entweder Quoten erhalten, um ihre Emissionen auszugleichen, oder sie werden völlig von dem Programm
zur Schadstoffbegrenzung ausgenommen.
Das EPA wird Quoten versteigern, um ihre Verfügbarkeit für Versorgungsbetriebe sicherzustellen, die nicht
in der Lage sind, diese auf dem freien "Quotenmarkt"
zu erwerben.
Stickoxidemissionen der Kraftwerke
Bis 1993 muß das EPA bestimmte Leistungsnormen
erarbeiten, denenzufolge Kraftwerke, die zur Reduzierung der Schwefeldioxidemissionen in Phase I verpflichtet sind, auch ihren Stickoxidausstoß abbauen
müssen, und zwar aufgrund von Leistungsnormen für
bestimmte Kesseltypen. Grundlage dieser Emissionsnormen wird die Technologie für Brenner mit niedrigem Stickoxidausstoß sein.
Bis 1997 muß das EPA Leistungsnormen für alle
übrigen Kraftwerkskessel festlegen. Diese Normen
müssen dann bis zum Ende der Phase II eingehalten
werden. Diese Normen werden ebenfalls auf der
Grundlage der Brennertechnologie mit niedrigem Stikkoxidausstoß festgelegt und mit der Entwicklung neuer
Technologien weiter verschärft.
Im Hinblick auf Kraftwerkskessel muß das EPA eine
überarbeitete Leistungsnorm für neue Stickoxidquellen erlassen.
Das Programm wird flexibel gehandhabt werden, weil
es Bestimmungen über Durchschnittswerte für Emissionen sowie eine Fristenverlängerung für Kraftwerke
zuläßt, deren Schadstofffilterdie Normen nicht erfüllen
oder die mit Lieferengpässen bei der Beschaffung der
erforderlichen Technik konfrontiert sind.
Titel V: Genehmigungsvorschriften
Verschiedene Verursacher von Luftschadstoffen müssen
Betriebsgenehmigungen einholen, mit denen die Einhaltung der einschlägigen Bestimmungen des Gesetzes zur Luftreinhaltung sichergestellt werden. Dieses
Genehmigungsprogramm orientiert sich an dem bereits bestehenden Programm im Rahmen des Wasserschutzgesetzes.

50,000 Bonusquoten pro Jahr werden den Kraftwerken in zehn Staaten des Mittleren Westens zugeteilt,
die Reduzierungen gemäß Phase I durchführen.

Das EPA muß innerhalb eines Jahres Bestimmungen
für die Erteilung von Betriebsgenehmigungen erarbeiten. Danach müssen die Bundesstaaten Programme
entwickeln, die mit diesen Bestimmungen in Einklang
stehen. Die Programme würden innerhalb von vier
Jahren in Kraft treten, und die Verpflichtung zum
Besitz einer Genehmigung würde in den folgenden drei
Jahren eingeführt.

Einheiten, in denen Energie eingespart wird oder die
erneuerbare Energien einsetzen, werden besondere
Vergünstigungen für die frühzeitige Reduzierung der
Schwefeldioxidemissionen erhalten.

Das EPA erhält das Recht, die von einem Staat
vorgeschlagenen Genehmigungen zu überprüfen und
Einspruch gegen Genehmigungen einzulegen, die das
Gesetz zur Luftreinhaltung verletzen. Das EPA würde

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Seite 5

�darüber hinaus die Möglichkeit haben, auf die Überprü- der Ozonschutzschild in den oberen Schichten der
fung von Genehmigungen für kleine Schadstoff quellen Atmosphäre abgebaut wird. Der Einsatz von Fluorchzu verzichten.
lorkohlenwasserstoffen, Halonen und Tetrachlorkohlenstoff wird bis 1999, der von Methylchloroform bis
Falls das EPA gegen eine Genehmigung, die das
2001 beendet.
Gesetz zur Luftreinhaltung verletzt, keinen Einspruch
einlegt, kann jedermann sich auf dem Petitionsweg an Hydrofluorchlorkohlenwasserstoffe bilden eine wenidas EPA wenden, um einen solchen Einspruch einzu- ger große Gefahr für die Ozonschicht. Ihre Produktion
legen. Die Petition muß sich auf Bedenken stützen, die wird bis zum Jahr 2015 eingefroren und bis zum Jahr
während der Frist für die Anhörung der Öffentlichkeit 2030 eingestellt. Vom Jahr 2015 an wird ihr Einsatz
vorgebracht wurden, außer, der Antragsteller legt allgemein begrenzt, außer bei Verwendung als Kühlglaubhaft dar, daß die in der Petition enthaltenen mittel für Haushaltsgeräte, wobei die Begrenzung im
Gegenargumente zu jener Zeit nicht geltend gemacht Jahr 2020 beginnt.
werden konnten (oder daß deren Vorbringung nicht
praktikabel war). Die Petition hat keine aufschiebende Den Vereinigten Staaten wird gestattet, Beiträge in
Wirkung für eine bereits erteilte Genehmigung. Das den internationalen Fonds einzuzahlen, der zur UnterEPA muß innerhalb von 60 Tagen nach Eingang der stützung von Entwicklungsländern bei der AbschafPetition entscheiden und gegebenenfalls Einspruch fung dieser zerstörerischen Verbindungen eingerichgegen eine Erlaubnis einlegen, wenn der Antragsteller tet wurde.
beweisen kann, daß die Genehmigung nicht in Ein- Studien über die Quellen und Optionen für die Kontrolklang mit dem Gesetz steht.
le von Methanemissionen werden ebenfalls genehmigt.
Titel VI: Schutz des stratosphärischen Ozons
Das Gesetz enthält Kompromißbestimmungen, um
den Einsatz von Verbindungen einzustellen, mit denen

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                <text>&lt;strong&gt;1. Weltpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pekings Parolen ziehen nicht mehr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rotchinesische Pressestimmen offenbaren bedenkliche Lockerung der öffentlichen Disziplin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;75 Jahre Krebsforschungszentrum in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Elektronisches Stethoskop erleichtert Herzdiagnose&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sceptron - Speicher für optische und akustische "Zeichen"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlerin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Große Oper in Chicago&lt;br /&gt;&lt;em&gt;100jährige Tradition und Liebe zur Oper kennzeichnen Chicagos Musikleben&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Robert C. Marsh, Musikkritiker der "Chicago Sun-Times"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Corcoran-Galerie in Washington zeigt Ausstellung deutscher abstrakter Kunst der Gegenwart&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Gedenktage im Januar 1963&lt;/strong&gt;</text>
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                    <text>und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Reagans zum US-Lufteinsatz im Libanon

HINTERGRUNDMATERIAL
Ein guter Tag für das Bündnis
- Von Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der Besonderen
Beratungsgruppe der NATO (SCG) -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Was macht im Weltraum krank?
- Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen biomedizinische Probleme klären Korrosionsschutzmittel in Boilern
- Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00

Tel.: 0228-339 20:

I

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. Dezember 1983

49

ERKLÄRUNG REAGANS ZUM US-LUFTEINSATZ IM LIBANON

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 4. Dezember 1983 zum Einsatz amerikanischer Flugzeuge im Libanon folgende Erklärung abgegeben:
Seit einiger Zeit haben wir unbewaffnete Flugzeuge zu regulären und routinemäßigen Aufklärungsflügen im Libanon eingesetzt und zwar im Rahmen
des Schutzes und der Verteidigung unserer dort stationierten Truppen. Wir
haben die Syrer bereits vor einiger Zeit darüber in Kenntnis gesetzt und ihnen
versichert, daß diese Flugzeuge unbewaffnet seien und daß diese Einsätze ausschließlich der Aufklärung dienten.

Es hat einige Fälle gegeben, in denen von

unbekannter Seite hin und wieder auf diese Flugzeuge geschossen worden ist.
Gestern früh wurden zwei dieser Einsätze von buchstäblich Hunderten von Flugabwehrgeschützen sowie der Kombination von Boden-Luft-Raketen unter Beschuß
genommen, was seitens der Syrer von mehreren Abschußanlagen koordiniert wurde.

Heute vormittag haben wir auf diesen unprovozierten Angriff geantwortet,

indem wir die Anlagen, von denen der Angriff ausging, bombardierten.
Wir wollen

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Wir wollen dort keine Feindseligkeiten. Unsere Aufgabe ist nach wie
vor, zur Stabilisierung der Situation in Beirut beizutragen, bis alle ausländischen Truppen abgezogen werden können und die Regierung des Libanon die
Autorität über ihr eigenes Territorium ausüben kann. Aber wir werden unsere
Truppen dort verteidigen, und dies war der Grund und der Zweck unseres Einsatzes von heute vormittag.

+ + + + +

�Hintergrundmateriell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

EIN GUTER TAG FÜR DAS BÜNDNIS
- Von Richard Burt Unterstaatssekretä'r für Europäische Angelegenheiten im
amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der
Besonderen Beratungsgruppe der NATO (SCG)

Nachdruck mit freundlicher Genehmigung
der Washington Post vom 27. November 1983.

- (AD) - Die Abstimmung im Deutschen Bundestag am 22. November 1983 war
ein bedeutsamer Erfolg für Bundeskanzler Helmut Kohl und für das Atlantische
Bündnis insgesamt.

Diese Abstimmung hat, wie andere ähnliche Abstimmungen in

ganz Westeuropa, die feste Unterstützung für den NATO-Doppelbeschluß von 1979
bekräftigt - trotz einer intensiven vierjährigen Kampagne der Sowjets, das
Bündnis zu spalten.

Als Ergebnis beginnt jetzt die Dislozierung von PERSHING II

und Marschflugkörpern in Europa.
Diese Dislozierung stellt einen wichtigen Schritt dar, nicht weil die
Reagan-Administration oder Regierungen von Bündnisländern das so wollten, sondern weil die Sowjetunion die Frage bewußt zu einem Prüfstein ihrer Fähigkeit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�4

ihrer Fähigkeit gemacht hat, Sicherheitsentscheidungen im Bündnis beeinflussen
zu

können.

Was als sowjetischer Versuch angefangen hat, die Glaubwürdigkeit

des Westens auf die Probe zu stellen, hat auf die Glaubwürdigkeit der Sowjetunion zurückgeschlagen.
Die Antwort der Sowjets auf die Abstimmung im Deutschen Bundestag - ihre
Entscheidung, die INF-Verhandlungen in Genf zu verlassen, und Androhung von
Gegenmaßnahmen durch Juri Andropow - machen nur den ganzen Umfang der selbstverschuldeten Niederlage Moskaus deutlich.
Was die NATO erreicht hat, liegt im wesentlichen nicht in der Zahl der
dislozierten Raketen - zunächst werden es ohnehin nur einige wenige sein, und
die volle Anzahl von 572 wird erst im Laufe der nächsten fünf Jahre erreicht
werden, wenn nicht, wie die Reagan-Administration hofft, ein Rüstungskontrollabkommen diesen Prozeß stoppt oder

umkehrt.

Das Wesentliche dessen, was

die NATO erreicht hat, ist vielmehr die Demonstration der Stärke und des Zusammenhaltes des Bündnisses unter Druck und Belastung - eine Stärke und einen
Zusammenhalt, die viele Beobachter hier und in Europa bezweifelt haben.

Die

Bedeutung dieser Angelegenheit geht weit über die engen Grenzen der Frage der
nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) hinaus.
Um die Bedeutung der Dislozierungen zu verstehen, muß man erkennen, um
was es im Grunde beim Doppelbeschluß der NATO von 1979 geht.
Die Sowjetunion hat nie das Grundkonzept des Atlantischen Bündnisses
akzeptiert - daß Westeuropa das gleiche Maß an Sicherheit zusteht wie den Vereinigten Staaten.

Während die Sowjetunion, zumindest rhetorisch, bereit war,

die Vereinigten Staaten als gleichgestellte Supermacht anzuerkennen, so hat
sie 30 Jahre lang versucht, Europa zur Geisel
machen.

ihrer überlegenen Stärke zu

In der Erkenntnis, daß nur ein amerikanisches Engagement das euro-

päische Gleichgewicht stabilisieren kann, hat sich Moskau auf den Versuch
konzentriert, die militärische und politische Verbindung zwischen Europa und
Nordamerika zu durchtrennen und damit Westeuropa der sowjetischen Macht allein gegenüberstehen zu lassen.
Diese sowjetische
- 2 -

�Diese sowjetische Bemühung, eine Hegemonie über Europa zu erringen,
wurde in den siebziger Jahren durch die Dislozierung mobiler SS-20-Raketen
unterstrichen, die wegen ihrer mittleren Reichweite nicht durch amerikanisch-sowjetische Abkommen über strategische Waffen begrenzt waren, aber
eine direkte Bedrohung der Verbündeten der Vereinigten Staaten darstellten.
Zusammen mit der Tatsache, daß die Sowjets die strategische Parität mit den
Vereinigten Staaten erreicht hatten, bot das Entstehen der Bedrohung durch
die SS-20 Moskau ein mächtiges neues Instrument, um eine politische Hebel Wirkung auf die westeuropäischen Verbündeten auszuüben, indem sie deren
Sicherheit von dem strategischen Schutzschirm der Vereinigten Staaten abkoppelten.
Es war diese Bedrohung, auf die Helmut Schmidt in seiner heute berühmten Rede vom Oktober 1977 reagierte, als er eine Lösung des Problems der
potentiellen nuklearen Beherrschung Europas durch die Sowjets forderte.
Und es war eine Antwort auf diese Situation, daß das Bündnis nach eingehenden Konsultationen den sogenannten Doppelbeschluß vom Dezember 1979 faßte,
in dem einmal die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme der
NATO und zum anderen amerikanisch-sowjetische Rüstungskontroll Verhandlungen
zur Reduzierung und Begrenzung dieser Waffen vorgeschlagen wurden.
Vier Jahre lang war es das oberste Ziel der sowjetischen Außenpolitik,
die Entscheidung vom Dezember 1979 zu untergraben.

In der Erkenntnis dessen,

um was es strategisch dabei geht, hat die Sowjetunion eine steigende Mischung von Drohungen und Schmeicheleien benutzt, um die Einigkeit der NATO
zu unterminieren und ein wirksames sowjetisches "Veto" hinsichtlich der Verteidigungsprogramme des Bündnisses zu gewinnen.

Diese Kampagne der Sowjets

deckte sich mit eigenständigen Sorgen vieler Menschen im Westen über das Risiko eines Atomkriegs und versuchte, diese Besorgnisse auszuschlachten.
Als Ergebnis befindet sich der Westen nicht nur in einem strategischen
Wettstreit mit der Sowjetunion um die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen
Abschreckung in Europa, sondern auch in einem politischen Wettstreit um die

- 3 -

�4

um die Erhaltung des Zusammenhalts des Bündnisses angesichts sowjetischer
Versuche, es zu spalten.
Diese Kampagne der Sowjets, um einen Keil zwischen die Verbündeten zu
treiben, hat vielerlei Formen angenommen:
- Moskau war bemüht,

die Vereinigten Staaten von Europa zu trennen,

indem es versuchte, das INF-Programm als eine einseitige amerikanische
Initiative hinzustellen statt einer Antwort des Bündnisses auf Besorgnisse, die zuerst von europäischen Führern geäußert wurden.
- Moskau war

bemüht,

Europa von Asien zu trennen, indem es versuchte,

das Hauptaugenmerk der Genfer Verhandlungen auf Europa zu lenken, ohne
den Zuwachs seiner starken gegen Asien gerichteten Streitkräfte einzuschränken.
- Moskau hat versucht, die Nuklearmächte Europas von den Nichtnuklearmächten zu trennen, indem es die Einbeziehung der britischen und französischen Nuklearsysteme verlangte - als Vorwand für die Verhinderung
amerikam'scher Dislozierungen.
- Moskau hat versucht, die Öffentlichkeit in den westlichen Ländern von
ihren Regierungen zu trennen, indem es die Angst schürte und die Nuklearfrage zu emotionalisieren suchte.
Wie die Debatte im Deutschen Bundestag am 22. November deutlich machte,
sind diese sowjetischen Bemühungen fruchtlos geblieben.

Das transatlantische

Verhältnis ist gestärkt, nicht geschwächt worden durch die Verwirklichung des
Beschlusses vom Dezember 1979.

Wenn je ein Schritt demokratisch sanktioniert

wurde, dann die NATO-Dislozierungen.

Bei den Wahlen in diesem Jahr in der

Bundesrepublik, in Italien und in Großbritannien - den Ländern, in denen die
ersten amerikanischen Flugkörper stationiert werden -, wurden alle drei Regierungen wiedergewählt, die sich nachhaltig für das NATO-Programm einsetzen.
In den letzten Wochen haben Parlamentsdebatten in Belgien, den Niederlanden,
- 4 -

�den Niederlanden, Italien, Großbritannien und in der Bundesrepublik Deutschland diese Unterstützung nachdrücklich bestätigt.
Die Ergebnisse dieser Erfahrung mit den nuklearen Mittel Streckensystemen
sind bisher dreierlei:
1. Die strategische Einigkeit des Bündnisses ist vertieft worden. Die
Dislozierungen gewährleisten, daß die Sowjetunion weiß, daß die Vereinigten Staaten in einem Konflikt von Anfang an engagiert wären, und damit
wird die Dislozierung die Abschreckung vor einer sowjetischen Aggression und politischer Erpressung stärken.
2. Der politische Zusammenhalt des Bündnisses ist gestärkt worden. Trotz
all der Demonstrationen und Kontroversen ist das grundsätzliche Übereinkommen der NATO über kollektive Sicherheit bestärkt worden. Das berührt
alle Mitglieder des Bündnisses,einschließlich jener, die nicht an dem INFProgramm beteiligt sind, wie etwa Frankreich, das in dieser Frage der
Einigkeit des Bündnisses starke und aktive Unterstützung gewährt hat.
Darüber hinaus hat das Problem zum erstenmal zu einer Erkenntnis gemeinsamer Sicherheitsinteressen der europäischen Verbündeten und Japans
geführt.

Wie die Führer der sieben großen demokratischen Industrie-

staaten in Williamsburg im Juni dieses Jahres erklärt haben, "ist die
Sicherheit unserer Länder unteilbar und muß auf globaler Basis betrachtet werden."
3. Innerhalb des Bündnisses haben sich beispiellose Verfahren für die Konsultation über Rüstungskontrolle entwickelt.

Die Vereinigten Staaten

haben in Genf nicht für sich allein verhandelt.

Die Intimität und Inten-

sität der Konsultationen über nukleare Mittel Streckensysteme haben nicht
nur zur Einigkeit des Bündnisses beigetragen, sondern haben auch die Position des amerikanischen Unterhändlers Paul Nitze in Genf erheblich
gestärkt.
Wohin geht
- 5 -

�Wohin geht der Weg jetzt?

Zunächst einmal ist die sowjetische Entschei-

dung, die gegenwärtige Runde der Genfer Verhandlungen zu beenden, weder gerechtfertigt noch erklärlich.

Die Vereinigten Staaten haben zwei Jahre lang

mit der Sowjetunion verhandelt, während diese ihre SS-20-Streitmacht um über
300 Gefechtsköpfe vergrößert hat. Daher wird die sowjetische Behauptung, daß
die Dislozierung amerikanischer Raketen es Moskau unmöglich mache, in Genf zu
bleiben, bei der öffentlichen Meinung im Westen wenig Verständnis finden.
Einer der wichtigsten Beiträge, die die Friedensbewegung jetzt leisten könnte,
wäre es, den Sowjets die Notwendigkeit klarzumachen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Dies ist in der Tat nicht das erstemal, daß die Sowjets versuchten,
ernsthaften Verhandlungen aus dem Weg zu gehen. Die erste sowjetische Reaktion auf den Doppelbeschluß vom Dezember 1979 war die Ablehnung des Verhandlungsangebots. Aber schließlich willigte Moskau dann doch ein, nach Genf zu
gehen, weil die Sowjets erkannt hatten, daß das Bündnis an seinem Beschluß
festhalten werde. Anhaltende Entschlossenheit des Bündnisses kann also die
Sowjets an den Verhandlungstisch zurückbringen.
Als die NATO den Beschluß vom Dezember 1979 gefaßt hat, glaubte niemand,
daß seine Durchführung leicht sein werde.

Sie war auch nicht leicht. Aber

die Herausforderung,an einer umstrittenen Verpflichtung festzuhalten, hat die
gesunde Nebenwirkung gehabt, daß die Demokratien des Westens ihre gemeinsamen
strategischen Interessen wiederentdeckten.
Wie sollte das Bündnis auf diesem vorzeigbaren Erfolg weiter aufbauen?
So wichtig das nukleare Element für die Abschreckung auch ist, so muß das
Bündnis jetzt militärisch seine Bemühungen auf die Verbesserung der konventionellen Verteidigung der NATO richten.

Es kann dabei die Vorteile neuer

technologischer Entwicklungen ausnutzen, die es dem Westen ermöglichen würden, der zahlenmäßigen Überlegenheit der Sowjets zu begegnen.

Wie dies seit

langem der Fall war, besteht der beste Weg zur Verringerung des Risikos eines
nuklearen Konflikts in der Stärkung der konventionellen Kapazität der NATO.
In der
- 6 -

�In der Rüstungskontrolle muß das Bündnis, über die Verringerung und
Begrenzung von Streitkräften hinaus, Mittel und Wege finden, um das Risiko
eines Konflikts aus Zufall oder Fehleinschätzung so klein wie möglich zu
machen.

Präsident Reagan hat kürzlich bedeutsame neue Maßnahmen zu diesem

Zweck vorgeschlagen, einschließlich der Verbesserung des amerikanisch-sowjetischen "Heißen Drahtes".
Die NATO-Länder werden jetzt auf der Konferenz über Abrüstung in Stockholm, an der 35 Länder teilnehmen und die Januar 1984 beginnt, neue Maßnahmen
vorschlagen. Diese "vertrauensbildenden Maßnahmen" sollen dazu dienen, die
Sichtbarkeit militärischer Aktivitäten zu erhöhen, und damit das Risiko verkleinern, daß die eine oder andere Seite im Krisenfalle zu falschen Schlüssen
kommt. Zum erstenmal sollen sich diese Maßnahmen auf den ganzen europäischen
Kontinent bis zum Ural erstrecken.
Was Genf anbelangt, so ist die Reagan-Administration weiterhin überzeugt, daß die Sowjetunion trotz ihrer fehlgeleiteten Entscheidung, die Verhandlungen zu verlassen, genau wie die Vereinigten Staaten weiterhin ein wich
tiges Interesse an der Verringerung und Begrenzung der Kernwaffen hat.

Wenn

die Sowjetunion sich entschließt, an den Verhandlungstisch zurückzukehren,
dann wird sie in den Vereinigten Staaten dort einen bereitwilligen Partner
finden.

- 7 -

�7. Dezember 1983

49

WAS MACHT IM WELTRAUM KRANK?
Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen
biomedizinische Probleme klären -

- (AD) - "Weltraumkrankheit" ist eine der wichtigsten Forschungsaufgaben im Zusammenhang mit dem ersten Flug des europäischen Vielzwecklabors
SPACELAB an Bord der amerikanischen Raumfähre COLUMBIA. Fast alle Raumfahrer
werden davon betroffen. Allerdings äußert sie sich bei etwa 60 Prozent von
ihnen nur in leichten Symptomen, während die übrigen 40 Prozent Schwindelanfälle, Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit massiv zu
spüren bekommen. Im allgemeinen tritt sie nur während der ersten zwei bis
drei Flugtage auf. Dann hat sich der Organismus auf den schwerelosen Zustand
umgestellt.
Raumkrankheit kann nicht nur die Durchführung der Arbeitsprogramme beeinträchtigen, sondern auch die Sicherheit der Astronauten gefährden. Sie
entwickelte sich eigentlich erst in den letzten Jahren zu einem Problem, seitdem wesentlich größere Raumfahrzeuge zur Verfügung stehen und die Astronauten
darin sehr viel mehr Bewegungsfreiheit haben.

Die Krankheit ist allerdings

kein auf den Weltraum beschränktes Phänomen, sondern, wie Dr. Laurence R. Young

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�.

Dr. Laurence R. Young vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) meint,
eine Variante der altbekannten Reise- oder Bewegungskrankheit. Diese macht
manchen Personen beim Fliegen, bei Auto- und Omnibusfahrten, auf Bahn- und vor
allem auf Schiffsreisen viel zu schaffen.

Nicht wenige verlieren den Mut,

überhaupt noch Reisen zu unternehmen, wenn die - meist vorbeugend - eingenommenen Medikamente nicht die erhoffte Wirkung zeigen.
Zahlreiche Experimente, die für den neunten amerikanischen Raumtransporterflug (STS-9) ausgearbeitet wurden, sollen helfen, den tatsächlichen Ursachen
der Bewegungskrankheit auf die Spur zu kommen.

Die vier Wissenschaftler an

Bord - Dr. Ulf Merbold, Dr. Byron Lichtenberg, Dr. Owen Garriott und Dr. Robert
Parker - hatten z.T. überaus rigorose Versuche auszuführen.

Die Folge

war, daß keiner der vier völlig von Symptomen der Raumkrankheit verschont blieb.
Am stärksten bekam sie am zweiten Flugtag Nutzlastspezialist Lichtenberg zu
spüren.

Er mußte den gerade laufenden Versuch abbrechen. Aber schon am nächsten

Tag trat er, offensichtlich sehr gut erholt, wieder zu seiner 12-StundenArbeitsschicht im SPACELAB an.
Zuständig für die Überwachung und Auswertung der Experimente, für die z.T.
auch neue Meß- und Beobachtungsinstrumente entwickelt worden waren, sind Dr. Young,
Dr. M.F. Reschke vom Johnson-Raumfahrtzentrum in Houston und Dr. R. von Baumgarten
von der Gutenberg-Universität in Mainz.

Ober Wochen vor dem Start hatten die

Wissenschaftsastronauten für SPACELAB 1 ganze Serien flugmedizinischer Experimente über sich ergehen lassen, bei denen, gewissermaßen zur "Vorausinformation",
Symptome und verschiedene Stadien von Raumkrankheit künstlich erzeugt wurde.
Merbold und Lichtenberg trugen schon beim Start und während des ganzen Fluges
kleine Meßgeräte am Kopf, die alle Kopfbewegungen registrieren; gleichzeitig
wurden die Herzströme aufgezeichnet. Außerdem sprachen die Wissenschaftler
sofort beim Auftreten von Mißempfindungen ihre Beobachtung auf Tonband.

Die

Auswertung wird zeigen, ob und welche Zusammenhänge zwischen Kopfbewegungen
und bestimmten Symptomen von Weltraumkrankheit bestehen.

Eine systematische

Erforschung der Phänomene könnte Hilfe sowohl für Raumfahrer als auch für die

- 2 -

�für die gegen Bewegungskrankheit besonders anfälligen Personen sowie für Patienten
bringen, die an bestimmten Krankheiten des Innenohrs leiden.
Denn Bewegungskrankheit (Kinetose) tritt, wie Dr. Young auf einer Pressekonferenz in Houston erklärte, dann auf, wenn das Gleichgewichtssystem im Innenohr - jener Mechanismus, der das Gehirn zwischen "oben" und "unten" unterscheiden
läßt - die Bezugsrichtung verliert.

Der Gleichgewichts- oder Vestibularapparat

besteht aus zwei Hauptteilen, (1) dem Labyrinthvorhof mit sämtlichen Sinnesendstellen zur Gleichgewichtsempfingung, und (2) den in drei Achsen aufeinander
senkrecht stehenden Bogengängen.

Nach einer schon vor fast 140 Jahren aufge-

stellten Theorie bilden letztere das Organ zur Erfassung von Änderungen in der
Vorwärtsbewegung und in Drehbewegungen von Kopf und Körper.

Für die statischen

Funktionen wirken Lymphflüssigkeit in den Kammern und Statolithen (früher irrtümlicherweise "Hörsteine" oder auch Otolithen genannt, ihrer Natur nach winzige
Kristalle aus kohlensaurem Kalk) mit den Rezeptorzellen zusammen, mit denen die
Kammerwände ausgekleidet sind.
Wenn die Statolithen unter normaler, irdischer Schwerkraft zu den Rezeptorzellen am Boden der Kammern absinken, und wenn entsprechende Informationen
weitergeleitet und verarbeitet werden, registriert das Gehirn, daß der Körper
aufrecht steht.

Bei Schwerelosigkeit aber schweben die Statolithen ohne eine

bestimmte Ausrichtung im Innenohr, was für den Gleichgewichtsmechanismus des
Gehirns problematisch ist und, so Young, Raumkrankheit auslöse.
reagiert äußerst empfindlich darauf.

Der Organismus

So werden z.B. Blutdruck, Herztätigkeit

und Blutzusammensetzung verändert.
Wahrnehmungen über die Augen und Augenreaktionen spielen ebenfalls eine
wichtige Rolle.

Den Astronauten wurden zeitweilig die Augen verbunden, Warm-

und Kaltluft in die Ohren geblasen.

In ein schachtelähnliches Gerät, in dem

innen ein Zylinder mit verschiedenfarbigen und unterschiedlich großen Punkten
rotierte, mußte als erster Parker seinen Kopf stecken.

Während die Farbpunkte

vorüberflitzten, fotografierte eine Kamera seine Augenreaktionen - ein Versuch

- 3 -

�ein Versuch unter vielen,Zusammenhänge zwischen Augenbewegung und Gleichgewichtssinn in der Schwerelosigkeit aufzudecken.
Mit Hilfe eines von Dr. von Baumgarten entwickelten, mit Sonden vollgepackten Helmes werden beim Träger (die Wissenschaftsastronauten setzen ihn
abwechselnd auf) durch eine Mini-Fernsehkamera vom einen Auge Bewegungen und
Reaktionen auf bestimmte Reize aufgezeichnet, während gleichzeitig das andere
Auge über einen kleinen Fernsehschirm unterschiedlichen optischen Reizen ausgesetzt wird.
Lichtenberg und Garriott absolvierten spezielle Tests mit plötzlich und
unvermutet

einsetzenden Bewegungen.

In elastischen Haltebändern schwebend,

wurden sie mehrmals hintereinander in verschiedene Richtungen geschnellt.
In leichter Abwandlung dieses Tests legte man Garriott zusätzlich an einem
Bein Elektroden an und versetzte ihm leichte Stromstöße.

Den Wissenschaft-

lern im Kontroll Zentrum gaben diese Versuche Gelegenheit, Wechselwirkungen
zwischen dem Statolithenmechanismus und spinalen wie muskulären Reflexen der
Astronauten zu beobachten.

Man wußte ja bereits, daß es Labyrinthreflexe

gibt - die durch eine Reizung von Lagerezeptoren im Innenohr hervorgerufene
Zusammenziehung von Muskeln am Hals, an Rumpf und an Gliedmaßen.

Auch ruck-

artige Bewegungen der Augäpfel zählen zu solchen Reaktionen in plötzlich verändertem Schwerkraftfeld.
Wie laufen sie ab, wie werden sie gesteuert, wie sind sie zu beeinflussen? Eine Klärung dieser und vieler anderer Fragen im Zusammenhang mit den
verschiedenen Formen von Kinetose könnte auch der Allgemeinmedizin in manchen
Bereichen nützlich sein. "Wir piesacken euch ganz schön", meinte 'Mission
Control' in Houston. "Aber ihr haltet euch prächtig dort oben!"
Merbold und Parker schnallten sich für bestimmte Versuche Instrumentensätze mit Mini-Beschleunigungsmessern und einem kleinen EKG-Gerät auf den
Rücken.

Vielleicht spielen aber auch individuell unterschiedliche Reaktionen

auf veränderte Gravitationsfelder eine Rolle, ob und in welchem Ausmaß je-

- 4 -

�Ausmaß jemand "raumkrank" wird.

Dr. Young ist der Ansicht, daß unkontrol-

lierte Kopfbewegungen viel dazu beitragen, um die Raumkrankheit auszulösen.
So hatte beispielsweise Parker mit dem Kopf unter der "Schachtel" kaum Mißempfindungen, weil sein Kopf fixiert blieb.

Er konnte ihn während des Ex-

periments nicht bewegen.
Einer der Versuche galt der Prüfung einer 1914 aufgestellten Theorie,
die besagt, daß ein Gefühl von Bewegung hervorgerufen werde, wenn man das
eine Ohr erwärmt, das andere dagegen nicht. Wie Young erklärte, habe man
damals postuliert, daß die Bewegungsempfindung in den flüssigkeitsgefüllten
Innenohr-Kammern, und zwar durch Konvektionsströme (Flüssigkeitsbewegungen
unter der Wärmeeinwirkung) ausgelöst werde. Jedoch könne es unter Schwerelosigkeit keine Konvektionsströme (mit Steigen und Sinken von Flüssigkeitsschichten unterschiedlicher Dichte) geben, sagte Young. Somit dürfte auch
die Versuchsperson im All bei einem solchen Experiment (wie mit Kalt- und
Warmluft ausgeführt) nicht die Empfindung von Bewegung haben. Dr. Parker,
"Versuchskaninchen" für dieses Experiment, bestätigte das.
Inzwischen wird vermutet, daß mehr und andere Mechanismen neben den
"schwebenden Statolithen" im Spiele sind. Beispielsweise dürften Sehen und
Wahrnehmung über die Augen eine sehr viel größere Rolle spielen als bisher
angenommen, ähnlich wie das Stehen auf harter Oberfläche dem Gehirn hilft,
die Position zu ermitteln, in der sich der Körper befindet. Diese Theorie
wird erst in den letzten Flugtagen näher untersucht, wenn einige der Besatzungsmitglieder erneut den Kopf in den rotierenden Zylinder unter der Schachtel stecken. Haben sie dabei mehr Phantomempfindungen von Bewegung als zuvor, würde dies bedeuten, daß das visuelle System für den Orientierungssinn
wichtiger geworden ist als das Statolithensystem.
Wenn der Flug COLUMBIA/SPACELAB 1 weiterhin so gut verläuft wie bisher,
dürfte er um einen Tag verlängert werden.

Ursprünglich war die Rückkehr für

den 7. Dezember, 17.11 Uhr MEZ, angesetzt.

Die Raumfähre wird auf dem Flug-

hafen Edwards Air Force Base in Kalifornien landen.
+ + + + +

- 5 -

�Wi//cn/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

49

7. Dezember 1983

KORROSIONSSCHUTZMITTEL IN BOILERN
Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich

- (AD) - In Systemen zur Erzeugung und Weiterleitung von Dampf und Heißwasser werden vielfach chemische Zusätze benutzt, um Korrosionserscheinungen
zu unterdrücken. Manche dieser Zusätze können jedoch gesundheitsschädlich
sein, wie Untersuchungen in den Vereinigten Staaten zeigten. So warnte kürzlich das Komitee für Toxikologie des Nationalen Forschungsrates vor der Anwendung von Morpholin und Diäthylaminoäthanol (DEAE), wenn Dampf z.B. mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommt.
Anlaß für eine gründliche Prüfung aller verfügbaren Literatur durch den
Ausschuß für Toxikologie war eine Anfrage der amerikanischen Marine, die in
einer zentralen Heizanlage, welche auch einen marineeigenen Krankenhauskomplex
im US-Bundesstaat Illinois mit Dampf versorgt, die beiden Verbindungen einsetzen wollte. Aber die Morpholin-Herstellerfirma Texaco Chemical Co. riet davon ab, weil Tests im Jahr 1980 den Verdacht hatten aufkommen lassen, daß
Morpholin schwache mutagene Wirkungen haben könne. (Darunter sind Veränderungen der Erbanlagen unter der Einwirkung chemischer Substanzen zu verstehen.)
Die Marine hatte die Verwendung der Substanzen in einem Heizsystem beabsichtigt, das nicht nur für die Zubereitung von Speisen, sondern auch zum Anfeuch-

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�auch zum Anfeuchten der Luft und zur Sterilisierung chirurgischer Instrumente
benutzt wird.
Der Ausschuß fand heraus, daß sowohl Morpholin als auch DEAE Nitrosamine
bilden können - d.h. von Verbindungen, die im Verdacht stehen, beim Menschen
Krebs hervorzurufen.

Und tatsächlich wurde N-Nitrosomorpholin in Nahrungs-

mitteln gefunden.

Sie waren vermutlich mit Morpholin-behandeltem Dampf in

Kontakt gekommen.

Aufgrund seiner chemischen Struktur könnte auch DEAE, so

das Komitee, zwei bestimmte Nitrosamine bilden.

Jedoch gebe es noch keine

Unterlagen über den Umfang dieser Reaktion in DEAE-behandeltem Dampf.
Beide Stoffe gehören außerdem zu einer Gruppe von Aminen, von denen einige Verbindungen die Atmung bei Personen beeinträchtigen, die an Asthma leiden oder früher beruflich solchen Chemikalien ausgesetzt waren.

Aus diesem

Grund könnte sich für Krankenhauspatienten ein besonderes Risiko ergeben, wenn
DEAE und Morpholin verwendet werden.

Weder für kranke Personen noch für die

Allgemeinheit gebe es hinsichtlich einer fortdauernden Exposition über einen
längeren Zeitraum irgendwelche Richtlinien, erklärte der Ausschuß.

Zwar habe

das US-Amt für Arbeitsschutz Höchstwerte festgesetzt, aber diese gelten nur
für den Acht-Stunden-Arbeitstag bei einer 40-Stunden-Woche.

Die Bundesbehörde

für Nahrungs- und Arzneimittel (FDA) erlaubt unter bestimmten Bedingungen die
Verwendung von Morpholin und DEAE bei Kontakt mit Nahrungsmitteln, solange
die Konzentrationen festgesetzte Maximalwerte nicht überschreiten.

Jedoch er-

wäge jetzt die FDA, die Genehmigung der Verwendung von Morpholin-behandeltem
Dampf wegen der Nitrosamingefahr zu widerrufen, sofern dem Dampf Nahrungsmittel ausgesetzt werden.
Weniger problematisch scheine Cyclohexylamin als Korrosionsschutzmittel
zu sein, bemerkte das Komitee, weil dabei die "Wahrscheinlichkeit zur Bildung
eines stabilen Nitrosamins geringer ist als bei Morpholin und DEAE".

Jedoch

lägen über mögliche andere Gesundheitsschäden durch diese Verbindung noch keine
Untersuchungen vor, so daß sie noch nicht empfohlen werden könne.
Der Ausschuß

�Der Ausschuß setzt sich dafür ein, in Boilersystemen nicht gleichzeitig
Morpholin und DEAE zu verwenden.
sion
ter[

Außerdem sei es ratsam, Zusätze gegen Korro-

"kontinuierlich in kleinen Mengen" zu geben anstatt jeden Tag in bestimmhöherer Dosis.

Dadurch könnten die Anfangskonzentrationen im Dampf nied-

riger gehalten werden, und die Möglichkeiten zur Bildung von Nitrosaminen
würden vermindert.
gendeiner

Behandelter Dampf aus Systemen, mit dem Menschen in ir-

Form in Berührung kommen, sollte ständig auf seine Konzentrationen

an Aminen und Nitrosaminen kontrolliert werden.

Außerdem seien weitere Stu-

dien zur Nitrosierung von Morpholin und DEAE sowie über die Langzeitauswirkungen
von Aminen bei sehr niedriger Konzentration in der Umgebungsluft erforderlich.

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Reagans zum US-Lufteinsatz im Libanon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein guter Tag für das Bündnis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard Burt, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium und Vorsitzender der Besonderen Beratungsgruppe der NATO (SCG) -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was macht im Weltraum krank?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rigorose Experimente an den Wissenschaftsastronauten sollen bio-medizinische Probleme klären -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Korrorsionsschutzmittel in Boilern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Manche Verbindungen sind gesundheitsschädlich -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

Sonderdienst

7. Dezember 1987

HINTERGRUNDMATERIAL ZUM GIPFELTREFFEN ZWISCHEN
PRÄSIDENT REAGAN UND GENERALSEKRETÄR GORBATSCHOW IN WASHINGTON
- 7. BIS 10. DEZEMBER 1987 -

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�7 . Dezember

I N H A L T

INF "Erster Schritt* zu einer sichereren Welt
- Auszüge aus einer Rede Präsident Reagans in Florida

Die Konsultationen im atlantischen Bündnis
- Eine Übersicht -

Die Initiative des Präsidenten zu regionalen Konflikten
- Eine Übersicht -

Die sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen
- Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten -

* * * * * *

1987

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

"V,oN^

7. Dezember 1987

INF "ERSTER SCHRITT" ZU EINER SICHEREREN WELT
Auszüge aus einer Rede Präsident Reagans in Florida

JACKSONVILLE, FLORIDA - (AD) - Präsident Reagan zufolge ist die bevorstehende Unterzeichnung des Vertrages über Mittelstreckenraketen (INF) ein "erster Schritt über die offene Grenze hin zu einer sichereren Welt ...".
In seinen am 1. Dezember 1987 vor Schülern der Duval county High School
und deren Eltern gemachten Ausführungen betonte der Präsident ferner, daß
"wahrer Frieden" Gespräche mit der Sowjetunion in den Bereichen der Übereinstimmung wie denen der Meinungsverschiedenheiten erfordere bis hin zur Lage in
Afghanistan und Mittelamerika.
Nachfolgend bringen wir Auszüge der Ansprache Präsident Reagans

In nur wenigen Tagen werde ich
mit Generalsekretär Gorbatschow zusammenkommen.
Wir werden das erste
Rüstungskontrollabkommen in der Geschichte der Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern unterzeichnen.
Jahrelang haben die Kritiker auf
der ganzen Welt beharrlich wiederholt, daß es unmöglich sein würde,
ein Abkommen des Inhalts zu erzielen,
wie wir es jetzt erarbeitet haben.
Vor sechs jähren, als ich die Beseitigung einer gesamten Kategorie amerikanischer und sowjetischer Mittel-

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streckenraketen vorschlug, spotteten
sie, daß dies doch wohl nicht mein
Ernst sein könne. Ihrer Meinung nach
war es ein sicheres Anzeichen dafür,
daß ich von vorneherein gegen jegliche Abrüstung eingestellt sei. Und
sie fügten hinzu, ich solle etwas anbieten, dem die Sowjets zustimmen
könnten - selbst wenn ich nicht der
Überzeugung wäre, daß dies im besten
Interesse Amerikas läge. Und dennoch
haben wir - und unter wir verstehe
ich Sie und all die Amerikaner, die
am Wiederaufbau
unserer
nationalen
Verteidigung mitgewirkt und uns in

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�unserem Entschluß unterstützt haben,
daß kein Rüstungsabkommen immer noch
besser ist als ein schlechtes Rüstungsabkommen - alle zusammengehalten.
Wir haben Ziele gesetzt. Wir
haben Pläne gemacht. Wir haben hart
gearbeitet.
Viele eben dieser Kritiker haben
auch vorgebracht, es sei provokativ,
die Wahrheit über Repression in der
Sowjetunion zu sagen, über die sowjetischen Abenteuer in Übersee, über
die sowjetischen Vertragsbrüche der
Vergangenheit. Wir haben dem entgegengehalten,
daß
die
Vereinigten
Staaten von Amerika niemals davor zurückschrecken dürften, die Wahrheit
über jeden zu sagen.
Als Ergebnis der harten Arbeit
und der unendlichen Geduld stehen wir
jetzt kurz vor der Unterzeichnung eines Abkommens, das genau die von mir
vor sechs Jahren gemachten Vorschläge
verwirklichen wird, von denen die
Kritiker behaupteten, sie seien unmöglich,
zum ersten Mal in der Geschichte werden wir eine gesamte Kategorie
amerikanischer
und
sowjetischer Nuklearwaffen von der Erdoberfläche verbannen.
Im Anschluß an das Gipfeltreffen
werden unsere Unterhändler die Arbeit
an einem Abkommen fortsetzen, das zu
einer 50prozentigen Reduzierung der
amerikanischen und sowjetischen atomaren Langstreckenarsenale
und der
Wiederherstellung des Kräftegleichgewichts
bei
den
konventionellen
Streitkräften
führen könnte - das
heißt, der Armeen, die sich in Europa
gegenüberstehen.
Es besteht ein Ungleichgewicht zugunsten der Sowjets.
Mit dem Abkommen über atomare Mittelstreckenwaffen machen wir einen ersten Schritte über die offene Grenze
hin zu einer sichereren Welt für Sie
und Ihre Kinder. Und mein Plan - un-

ser Plan - sollte darin bestehen, auf
diesem Weg weiter voranzuschreiten.
In all der Aufregung über den
Gipfel, die Unterzeichnung des Vertrages u.s.w. dürfen wir nicht vergessen, daß Frieden mehr bedeutet,
als den Abbau von Waffen. Vor über
einem Jahrzehnt gab es in den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine
Annäherung, die wir als "Detente" bezeichneten.
Während sie jedoch von
Freundschaft sprachen, arbeiteten die
Sowjets intensiver denn je am umfangreichsten militärischen Aufrüstungsprogramm
der
Weltgeschichte.
Sie
verstärkten ihre Aggression in der
gesamten Welt. Und ihre Innenpolitik
wurde immer repressiver. Wir wollen
keine bloßen Worte. Dieses Mal wollen wir wahren Frieden.
Ein osteuropäischer Dissident hat
einmal geschrieben: "... die Wahrung
der Menschenrechte ist die grundlegende Bedingung und alleinige Garantie für wahren Frieden." Ich glaube,
er hat Recht.
wahrer Frieden und
Freiheit sind unteilbar.
Aus diesem
Grund ist es für uns alle so wichtig,
daß die Sowjets im vergangenen Jahr
über 200 politische Gefangene freigelassen und anscheinend die Zensur in
Kunst und Medien etwas gelockert haben.
Deshalb sind wir auch so besorgt
darüber, daß sich noch viel mehr politische Gefangene im Gefängnis, in
der Verbannung und in psychiatrischen
Anstalten befinden.
Etwa 10 000 Juden warten auf die Genehmigung zur
Ausreise. Die Verfolgung von Gläubigen dauert an.
Einige, wie etwa
Ludmilla
Andruschenko
und
Pater
Alsonas Swarinskas sind inhaftiert ihr einziges Verbrechen bestand darin, daß sie ihre Religion ausüben
und Gott huldigen wollten. Nun, Herr
Gorbatschow und ich werden auch dar-

�über sprechen.

men.

Wir werden auch über den sowjetischen Expansionismus in der ganzen
Welt, wie etwa in Afghanistan, sprechen.
Seit der Invasion der Roten
Armee vor acht Jahren hat das afghanische Volk eine Million Opfer zu beklagen gehabt. Mindestens vier Millionen wurden zur Flucht ins Exil getrieben, während Freiheitskämpfer gegen die Invasoren zu den Waffen griffen.

Ich werde ihm ebenso sagen, daß
es für die Sowjets an der Zeit ist,
Kambodscha, Äthiopien, Angola und Nicaragua zu verlassen.

Wer sind diese Freiheitskämpfer?
Viele würden zu Ihren Mitschülern gehören, lebten sie hier in Jacksonville - so jung sind sie. Sie haben
gegen eine der größten und bestgerüsteten Armeen der Welt zu den Waffen
gegriffen, weil sie gesehen haben,
was kommunistische Unterdrückung bedeutet. Für einige von ihnen bedeutet sie, daß sie gehindert werden,
nach den Geboten ihrer Religion zu
leben.
Für andere, daß ihre Eltern
ermordet und die Ernte sowie selbst
ganze Dörfer
in willkürlichen und
wiederholten Überfällen der Sowjets
zerstört wurden. Oder, daß ein kleiner Bruder oder eine Schwester durch
als Spielzeug getarnte
sowjetische
Minen eine Hand verlor.
Die Unterdrückung hat viele Gesichter.
Es
gibt viele Gründe, für die Freiheit
zu kämpfen.
Die einfachen Menschen Afghanistans stellen keine Bedrohung sowjetischen Territoriums dar.
Sie tun
dies heute nicht. Sie haben dies nie
getan. Die Sowjetunion hat in diesem
Krieg kein legitimes Ziel. ich werde
Herrn Gorbatschow sagen, daß es für
die Sowjets an der Zeit ist, ein endgültiges Datum für den Rückzug festzulegen, Gespräche mit den Freiheitskämpfern zu führen und dem Volk von
Afghanistan
zu
gestatten,
sein
Schicksal selbst in die Hand zu neh-

Selbst während die fünf mittelamerikanischen Länder nach Wegen zum
Frieden suchen, fließt ein Strom von
Kanonen, Flugzeugen, Geschossen, Panzern und anderen Hilfsmitteln im Wert
von Milliarden von Dollar nach Nicaragua. Warum? Um einen unserer führenden nationalen Strategen, zbigniew
Brzezinski, zu zitieren: "Im Mittelamerika steht potentiell die Fähigkeit der Vereinigten Staaten auf dem
Spiel, westliche Interessen in der
ganzen Welt zu verteidigen."
Und er
fügt hinzu: "Wenn die sowjetisch-kubanische Präsenz in Nicaragua die gesamte Region destabilisiert, ... werden sich die Vereinigten Staaten unweigerlich (aus Europa und dem Pazifik) zurückziehen", um ihre eigene
Grenze zu verteidigen.
Ich möchte, daß mein Treffen mit
Generalsekretär Gorbatschow dazu beiträgt, wahren Frieden zu schaffen,
der Ihr Leben lang andauert, während
des Lebens Ihrer Kinder und Ihrer
Kindeskinder. Deshalb werden wir die
Bereiche der Übereinstimmung zwischen
uns behandeln und ebenso die Streitpunkte zwischen uns betonen.
Manch
einer meint, es werde den Sowjets unmöglich sein, zuzuhören.
Aber wir
haben schon einen weiten Weg zurückgelegt, indem wir stark, beständig
und entschlossen waren.

- 3 -

�x^° S ^

AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VION ^

7. Dezember 1987

DIE KONSULTATIONEN IM ATLANTISCHEN BÜNDNIS
- Eine Übersicht -

- (AD) - Die Organisation des Nordatlantikvertrags hält auf politischer
und militärischer Ebene eingehende und forlaufende Konsultationen ab.
Die
Konsultationen unter den Mitgliedstaaten der NATO finden in einer Vielzahl von
Foren und auf zahlreichen Ebenen sowohl multilateral wie bilateral statt, vor
Beginn jedes amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffens und im Anschluß daran
werden üblicherweise Beratungen auf höchster Ebene durchgeführt. Einzelne Unterorganisationen der NATO kommen in regelmäßigen Sitzungen zur ständigen Beratung zusammen. Nachfolgend geben wir einen kurzen Abriß einiger Gremien.

I.

Der Nordatlantikrat - NAC

Der Nordatlantikrat und der Verteidigungs-Planungsausschuß
(DPC)
sind die höchsten Gremien für Entscheidungen und Foren für Konsultationen im Bündnis und setzen sich aus
Vertretern der 16 Mitgliedstaaten zusammen. Der Rat kommt auf der Ebene
der Ständigen Vertreter (Botschafter)
mindestens einmal in der Woche zusammen.
Die Tagungen der Außenminister
finden zweimal jährlich statt. Gelegentlich tritt der Rat auch mit Vertretern aus den Hauptstädten oder -

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sofern erforderlich - auf der Ebene
der Staats- und Regierungschefs zusammen.

II. Der Verteidigungs-Planungsausschuß - DPC
Der
Verteidigungs-planungsausschuß besteht aus den Vertretern der
Mitgliedstaaten und behandelt Fragen,
die spezifisch mit der Verteidigung
zusammenhängen. Wie der Rat tagt er
sowohl in ständiger Sitzung auf der
Ebene der Botschafter als auch zwei-

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�mal im Jahr auf der Ebene der Verteidigungsminister.

III.
pe - NPG

Die Nukleare Planungsgrup-

Die Nukleare Planungsgruppe wurde
aus der Notwendigkeit gegründet, die
Mitgliedstaaten der NATO ohne Nuklearwaffen an der nuklearen Planung des
Bündnisses zu beteiligen. An den Tagungen nehmen 14 Staaten teil (alle
NATO-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von
Frankreich und Island, wobei letzteres
derzeit
Beobachterstatus
einnimmt).
Die Nukleare Planungsgruppe
tritt unter Vorsitz des Generalsekretärs der NATO zusammen, ebenso wie
dies auch bei Treffen auf der Ebene
der Ständigen Vertreter und zweimal
jährlich auf der Ebene der Verteidigungsminister eforderlich ist.

IV.

Der Militärausschuß

Der Militärausschuß ist die höchste Instanz des Bündnisses und erteilt dem Rat und dem Ausschuß Empfehlungen.
Er
besteht
aus
den
Stabschefs der Mitgliedsländer außer
Frankreich und Island.
(Frankreich
ist durch den Chef der französischen
Militärmission
im
Militärausschuß
vertreten.
Island unterhält keine
Streitkräfte, kann aber mit einem zivilen
Vertreter
an
den
Sitzungen
teilnehmen).
Der
Militärausschuß
kommt zweimal im Jahr zusammen und
tagt in ständiger Sitzung mit den von
jedem Stabschef ernannten und delegierten ständigen militärischen Vertretern.

wurde im Jahr 1979 zur Unterstützung
der Verhandlungen im Zusammenhang mit
dem NATO-Doppelbeschluß von 1979 eingesetzt, insbesondere für die amerikanisch-sowjetischen
Verhandlungen
über
Mittelstreckensysteme
(INF).
Alle NATO-Mitgliedstaaten mit Ausnahme von Frankreich und Island sind in
der Besonderen Beratungsgruppe vertreten.
Den Vorsitz haben die Vereinigten Staaten inne und hochrangige
Vertreter
der Außenministerien
der
verbündeten Staaten nehmen an den
Sitzungen teil.
Die Besondere Beratungsruppe tritt zusammen, wenn es
der amerikanische Vorsitzende für erforderlich erachtet.

VI. Die Hochrangige Beratergruppe - HLG
Die
Hochrangige
Beratergruppe
wurde zur Unterstützung der Stationierungsentscheidung des NATO-Doppelbeschlusses von 1979 gegründet und
ist ein Gremium der Nuklearen Planungsgruppe.
Sie
setzt
sich
aus
hochrangigen Vertretern der Verteidigunsministerien
der
NATO-Mitgliedstaaten außer Frankreich und Island
zusammen und steht unter dem Vorsitz
der Vereinigten Staaten.
Die Hochrangige
Beratergruppe
beschäftigt
sich mit von der Nuklearen Planungsgruppe
gestellten
Sonderprojekten.
Sie tritt zusammen, wenn es der amerikanische Vorsitzende für erforderlich erachtet.

* * * * * *
V.
Die
pe - SCG
Die

Besondere

Besondere

Beratungsgrup-

Beratungsgruppe

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

^ r I O N *&gt;

7. Dezember 1987

DIE INITIATIVE DES PRÄSIDENTEN ZU REGIONALEN KONFLIKTEN
- Eine Übersicht -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - In einer Rede vor den Vereinten Nationen hat Präsident Reagan am 24. Oktober 1985 eine tiefgreifende Initiative
zur Erlangung von Frieden und innerer Aussöhnung, Beendigung ausländischen militärischen Engagements und Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in
den Konfliktherden Afghanistan, Kambodscha, Nicaragua, Angola und Äthiopien
angekündigt. Der Präsident erklärte damals:
"... das durchgängige Muster,
das wir bei diesen fünf Konflikten feststellen, sollte so bald wie möglich
durchbrochen werden." Bis heute hat es keinerlei formelle Reaktion der Sowjetunion auf diesen Vorschlag gegeben. Sie steht der Politik der Vereinigten
Staaten in der Dritten Welt weiterhin sehr kritisch gegenüber.

Trotzdem haben die Sowjets in
jüngeren Verlautbarungen zu einigen
regionalen
Konflikten, z.B. Afghanistan
und
Kambodscha,
begonnen,
teilweise
die
Sprache, wenn
auch
nicht die Substanz, dieser Initiative
zu übernehmen.
Die regionale Initiative baut auf
dem im Jahr 1985 aufgenommenen Zyklus
jährlicher
amerikanisch-sowjetischer
Regionalgespräche
auf, der Treffen
zwischen hochrangigen amerikanischen
und sowjetischen Experten zu Afghanistan, dem Mittleren Osten, dem Süd-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

lichen Afrika, Ostasien und dem Pazifik sowie Mittelamerika und der Karibik vorsieht. Im Jahr 1986 wurde der
Dialog auf allgemeine regionale Übersichten
auf
Abteilungsleiterebene
ausgedehnt. Der dritte Zyklus dieses
Dialogs, der zur Klarstellung von Positionen beigetragen und beiden Seiten gestattet hat, Möglichkeiten der
Zusammenarbeit beim Abbau regionaler
Spannungen zu sondieren, ist nun nahezu beendet, im Jahr 1987 wurden im
Juli der Mittlere Osten und das Südliche Afrika behandelt, die Experten
zu Afghanistan und Ostasien trafen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�sich im September, und Gespräche zu
Mittelamerika wurden Ende Oktober geführt, in seinen Treffen mit führenden sowjetischen Politikern hat der
Präsident die Sowjetunion gedrängt,
sich über das Gesprächsstadium hinaus
zu Handlungen bereitzuerklären, die
der Lösung regionaler Probleme dienen.
Der Plan des Präsidenten aus dem
Jahr 1985 enthält einen umfassenden
und flexiblen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen den kriegführenden
Parteien, zwischen den Vereinigten
Staaten und der UdSSR sowie zwischen
anderen interessierten Parteien. Der
Plan, der bestehende Friedensbemühungen ergänzen und fördern würde, sieht
Handlungen auf drei Ebenen vor:
- Den Ausgangspunkt bildet ein Verhandlungsprozeß
zwischen
den
kriegführenden
Parteien
selbst.
"Die Form dieser Gespräche kann
und soll variieren", erklärte der
Präsident, "aber Verhandlungen und eine Verbesserung der innenpolitischen
Bedingungen - sind
unerläßlich
für die Beendigung
der Gewalt, den Rückzug der ausländischen Truppen und die nationale Aussöhnung."
- Die zweite Ebene sieht amerikanisch-sowjetische Gespräche darüber vor, wie die zwischen den
kriegführenden Parteien stattfindenden Gespräche am besten gefördert werden können, wenn echte
Fortschritte bei diesen Verhandlungen erzielt werden. "In jedem
Fall", so sagte der Präsident,
"besteht die primäre Aufgabe darin, dieses Ziel zu fördern: die
überprüfbare Beseitigung der ausländischen Militärpräsenz und Zurückhaltung
bei
Waffenlieferungen."
- Die

dritte

Ebene

beinhaltet

in- 2

ternationale Bemühungen, um diese
Länder wieder in die Weltwirtschaft
einzugliedern.
"Trotz
vergangener
Meinungsverschiedenheiten", versprach der Präsident,
"würden die Vereinigten Staaten
großzügig auf eine demokratische
Aussöhnung mit dem Volk, die Wahrung der Menschenrechte und Rückkehr in die Familie der freien
Nationen reagieren."
Der Plan erlegt die Hauptlast zur
Erzielung einer gütlichen Einigung den kriegführenden Parteien
auf, nicht den Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion, um Lösungen zu erzwingen.
Wie der
Präsident feststellte, bietet der
Plan
jedoch
"der
sowjetischen
Seite eine außergewöhnliche Chance, einen Beitrag zu regionalem
Frieden zu leisten, der widerum
den künftigen Dialog und Verhandlungen über andere ernste Probleme fördern kann."

Die fünf Konfliktherde
Die fünf Kriege bilden den Kern
internationaler
Spannungen.
obwohl
ihnen allen lokale Streitigkeiten zugrunde liegen, besitzen sie gemeinsame Merkmale. Der Präsident beschrieb
diese Kriege folgendermaßen:
- "... (sie) sind das Ergebnis einer von außen aufgezwungenen Ideologie, die die Nationen entzweit
und Regime schafft, die sich nahezu seit dem Tage ihrer Machtergreifung im Kriegszustand mit dem
eigenen Volk befinden."
- "... (sie) fordern enorme Opfer
an Menschen und drohen, sich über
die Grenzen auszubreiten und gefährliche Konfrontationen auszulösen."

�- "... (sie haben) eine große Rolle
bei der Bildung von Argwohn und
Spannungen ... im Hinblick auf
den zweck der sowjetischen Politik gespielt."
Die sowjetisch geprägten Regime
wurden in allen fünf Fällen durch eine direkte militärische Intervention
erzwungen oder durch sowjetische Hilfe an der Macht gehalten. Ihre Politik hat zur Bildung einer inneren Opposition geführt, die danach trachtet, sie zu liberalisieren oder zu
stürzen. "Bis diese Verhandlungen zu
definitiven
Fortschritten
führen",
bekräftigte der Präsident, "darf und
wird die Unterstützung der Vereinigten Staaten für den Kampf der demokratischen
Widerstandskräfte
nicht
aufhören."

* * * * *

- 3

�AMERIKA DIENST
'VON

Hintergrundmaterial

4

7. Dezember 1987

DIE SOWJETISCHE NICHTEINHALTUNG VON RÜSTUNGSKONTROLLABKOMMEN

- Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten -

- (AD) - (Die folgenden Auszüge aus dem Bericht des Präsidenten über die
sowjetische Nichteinhaltung von Rüstungskontrollabkommen enthalten Erkenntnisse auf dem stand vom 2. Dezember 1987.)

Der ABM-Vertrag

chen Verpflichtung dar.

Vertragsstatus
1.
Der ABM-Vertrag von 1972 und dessen Protokoll untersagen die Stationierung von ABM-Systemen, ausgenommen
ein ABM-System um die Landeshauptstadt
jedes Vertragspartners oder,
alternativ dazu, um ein Stationierungsgebiet von ICBMs. Der ABM-Vertrag ist in Kraft und von unbegrenzter Dauer. Sowjetische Handlungen im
Widerspruch zum ABM-Vertrag stellen
deshalb Verletzungen einer rechtli-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Das Radar von Krasnojarsk

Verpflichtung:
Um die Entwicklung einer territorialen Verteidigung
oder die Schaffung einer Basis für
eine
territoriale
ABM-Verteidigung
auszuschließen, bestimmt der ABM-Vertrag, daß Radarsysteme für die Frühwarnung vor Angriffen mit ballistischen Raketen nur an der Peripherie
des Staatsgebietes einer jeden Vertragspartei aufgestellt werden dürfen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�und daß sie nach außen orientiert
sein müssen. Der Vertrag erlaubt die
Stationierung (ohne Ansehen der Lage
oder
Orientierung) großer Radarsysteme mit phasengesteuerter Abtastung
zum zwecke der Verfolgung von Objekten im Weltraum oder zur Nutzung als
nationales
technisches
Mittel
zur
Verifizierung der Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen.
Fragestellung:
Der Bericht des
Präsidenten vom März 1987 untersuchte
die Frage, ob das Radar von Krasnojarsk den Bestimmungen des ABM-Vertrags über Radarsysteme mit phasengesteuerter Abtastung entspricht. Wir
haben diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung bestätigt den Schluß des Berichts vom März 1987, wonach das
neue, sich in Krasnojarsk im Bau befindliche Radarsystem zur phasengesteuerten Abtastung eine Verletzung
der
rechtlichen Verpflichtungen
im
Rahmen des ABM-Vertrages von 1972
darstellt.
Dies
ist
deshalb
der
Fall, weil es in seiner Verbindung
von Ort der Stationierung, Orientierung und Fähigkeit durch diesen Vertrag verboten ist. Die Bautätigkeit
hielt im Jahr 1987 an. Die Abwesenheit glaubwürdiger anderweitiger Erklärungen
haben unsere
Beurteilung
seines zwecks erhä'rtet.
Trotz amerikanischer Aufforderungen sind keinerlei
Korrekturmaßnahmen
getroffen
worden. Diese und andere sowjetische
Aktivitäten bezüglich ABM deuten an,
daß die UdSSR mit Arbeiten an einer
ABM-Verteidigung
ihres
nationalen
Territoriums befaßt sein könnte.

die Entwicklung, Erprobung oder Stationierung von mobilen, landgestützten ABM-Systemen oder Komponenten.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag ein mobiles, landgestütztes ABM-System oder Komponenten für
ein solches System entwickelt hat.
Wir haben diese Frage erneut untersucht und dabei die Auswirkungen der
sowjetischen Arbeiten in Gomel einbezogen.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung
bestätigt die
Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, wonach
die Beweislage im Hinblick auf sowjetische Aktivitäten bezüglich der Mobilität von Komponenten eines ABM-Systems unklar ist, daß jedoch Entwicklung und Erprobung von Komponenten
eines ABM-Systems durch die Sowjetunion, die anscheinend zur Stationierung in Stellungen ausgelegt sind,
für die relativ geringfügige Vorbereitungen benötigt werden, eine potentielle Verletzung der Verpflichtungen gemäß dem ABM-Vertrag darstellen.
Die kürzlich vorgenommene Verlegung von Teilen eines Systems der
Typen FLAT TWIN und PAWN SHOP verstärkt unsere Bedenken gegenüber der
Mobilität von ABM-Systemkomponenten.
Diese
sowie
weitere
ABM-relevante
sowjetische Aktivitäten deuten darauf
hin, daß die UdSSR mit Arbeiten zur
Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

3.
Gleichzeitige
Erprobung
von
ABM- und Luftverteidigungskomponenten
2. Die Mobilität von
ponenten

ABM-Systemkom-

Verpflichtung:
Paragraph 1 von
Artikel V des ABM-Vertrages untersagt

Verpflichtung:
Durch den ABMVertrag und dessen Protokoll wird den
Parteien eine Begrenzung auf je ein
ABM-Stationierungsgebiet
auferlegt.

�Zusätzlich zu den ABM-Systemen und -Komponenten in diesem einen Stationierungsgebiet
können die Parteien
ABM-Systeme und Komponenten für Entwicklungs- und
Erprobungszwecke
besitzen, wenn diese sich in den vereinbarten
Erprobungsgebieten
befinden. Der Vertrag untersagt außerdem,
Komponenten, die nicht zum ABM-System
gehören, die Fähigkeit zu verleihen,
"strategische
ballistische
Raketen
oder ihre Elemente im Flug abzuwehren" und verbietet es den Parteien,
sie in "einer ABM-Form" zu erproben.
Die Parteien kamen überein, daß die
gleichzeitige Erprobung von SAM- (Boden-Luft-Rakete) und ABM-Systemkomponenten verboten ist.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion gleichzeitig Elemente
der
SAM- und
ABM-Systeme
getestet
hat, was eine Verletzung ihrer gegenteiligen
rechtlichen
Verpflichtung
von 1978 darstellt. Diese Verpflichtung hatte zum Ziel, die Erprobung
von Luftverteidigungssystemen in ABMForm weiter zu begrenzen. Wir haben
diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis:
Die amerikanische Regierung
bestätigt die Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, daß die
Beweise für sowjetische Aktivitäten
im Bereich gleichzeitiger Operationen
unzureichend sind, um die Einhaltung
der sowjetischen Verpflichtungen im
Rahmen des ABM-Vertrags umfassend bewerten zu können.
Die Sowjetunion
hat jedoch Versuche unter Einbeziehung
von
Luftverteidigungs-Radarsystemen bei ABM-relevanten Aktivitäten
durchgeführt.
Die zahlreichen und
anhaltenden Vorfälle des gleichzeitigen Betriebs von ABM- und SAM-Komponenten sowie die mangelhafte sowjetische Berücksichtigung der amerikanischen Bedenken sind Zeichen dafür,
daß die UdSSR wahrscheinlich das Ver-

bot der Erprobung von SAM-Komponenten
in ABM-Form verletzt hat. In mehreren Fällen scheint dies sehr wahrscheinlich. Diese und andere ABM-relevante
Aktivitäten
deuten
darauf
hin, daß die UdSSR mit der Vorbereitung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

4.
ABM-Fähigkeit
steme

moderner

SAM-Sy-

Verpflichtung:
Gemäß Artikel VI,
Absatz
(a) des
ABM-Vertrags
verpflichtet sich jede Partei, nicht im
ABM-Vertrag definierte Abfangraketen,
Abschußvorrichtungen
oder
Radarsysteme auch nicht mit
"Fähigkeiten
auszustatten, um strategische ballistische Raketen oder deren Elemente
im Flug abzuwehren und diese nicht in
ABM-Form zu testen..."
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen im Rahmen
des ABM-Vertrags ein SAM-System oder
eine Komponente in ABM-Form getestet
oder sie mit Fähigkeiten ausgestattet
hat, strategische ballistische Raketen oder deren Elemente im Flug abzuwehren. Wir haben diese Frage erneut
untersucht.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des
Berichts
vom
März
1987, wonach die Beweise für sowjetische Handlungen
zur Verbesserung
von SAM unzureichend sind, um die
Einhaltung
der
sowjetischen
Verpflichtung im Rahmen des ABM-Vertrags
zu bewerten.
Diese und andere ABMrelevante
Aktivitäten
der
Sowjets
deuten darauf hin, daß die UdSSR mit
Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein
könnte.

- 3 -

�5.
Schnelles Nachladen
schußvorrichtungen

von

ABM-Ab-

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
beschränkt die Anzahl von dislozierten ABM-Abschußvorrichtungen und von
dislozierten Abfangraketen auf 100.
Er begrenzt nicht die Anzahl der Abfangraketen, die gebaut und gelagert
werden können. Paragraph 2, Artikel
V des Vertrags verbietet die Entwicklung, Erprobung oder
Stationierung
von "automatischen oder halbautomatischen oder anderen ähnlichen Systemen
zum schnellen Nachladen" der erlaubten Abschußvorrichtungen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjetunion in Verletzung ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag automatische, halbautomatische
oder
ähnliche
Systeme
zum
schnellen Nachladen von ABM-Abschußvorrichtungen entwickelt, erprobt und
disloziert hat. Wir haben diese Frage erneut untersucht.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bekräftigt die Erkenntnisse
des Berichts
vom
März
1987, wonach auf der Grundlage des
zur Verfügung stehenden Beweismaterials die Handlungen der UdSSR in bezug
auf das schnelle Nachladen von ABMAbschußvorrichtungen
gemäß
ihrer
rechtlichen Verpflichtungen aus dem
ABM-Vertrag zu verschiedenen Deutungen Anlaß geben. Die Nachladefähigkeit der Sowjetunion erfüllt uns mit
ernster Besorgnis. Diese und andere
ABM-relevante Handlungen deuten darauf hin, daß die UdSSR mit der Vorbereitung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein könnte.

6.

ABM-Komponeneten in Gomel
- 4

Verpflichtung:
Zur Verhinderung
der Stationierung einer territorialen
Verteidigung oder der Bereitstellung
einer
Grundlage
zur
territorialen
Verteidigung enthält der ABM-Vertrag
die Verfügung, daß ABM-Komponenten
nicht außerhalb des zulässigen Stationierungsgebiets
für
ABM-Systeme
oder eines bestimmten ABM-Erprobungsgeländes für welchen Zweck auch immer
disloziert werden dürfen.
Fragestellung:
im März 1987 wurde von der amerikanischen Regierung
in einer Elekronikfirma im ca. 550
Kilometer südwestlich von Moskau gelegenen Gomel das Auftauchen größerer
Teile des ursprünglichen FLAT TWIN
Radars einschließlich aller Modularsektionen
des
Radargehäuses
sowie
eines PAWN SHOP Transporters beobachtet . Der Zeitpunkt der Ankunft der
Teile des FLAT TWIN und des PAWN SHOP
deuten darauf hin, daß sie von den
Radars stammten, die vom Raketenerprobungszentrum von Sary Shagan abgezogen worden waren, wo die Sowjets im
Januar 1987 beim Abbau einer Vielzahl
dieser
ABM-Komponenten
beobachtet
werden konnten.
Die Besorgnis der
Vereinigten Staaten über das Problem
der mobilen ABM-Komponenten, das bereits mit den Sowjets erörtet wurde,
könnte durch dieses Vorgehen der sowjetischen Seite noch verschärft werden.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten kommt zu der Schlußfolgerung, daß die Handlungen der
Sowjets
im
Zusammenhang
mit
dem
Transfer eines FLAT TWIN ABM-Radars
und eines PAWN SHOP Transporters, die
Komponenten eines ABM-Systems sind,
von einem Erprobungsgelände und dem
Beginn der Stationierung auf einem
Gelände außerhalb des ABM-Stationierungsgebiets
oder
einem ABM-Erprobungsgelände eine Verletzung des ABM-

�Vertrages darstellt.
Obwohl es unwahrscheinlich erscheint, daß die Aktionen in Gomel zur Unterstützung der
ABM-Verteidigung in diesem Gebiet gedacht sind, steht die Stationierung
solcher Radars in Gomel unabhängig
von ihrer Funktion nicht im Einklang
mit den Verpflichtungen des ABM-Vertrags. Diese und andere ABM-relevante Aktivitäten der Sowjetunion legen
die Vermutung nahe, daß die UdSSR mit
Arbeiten zur Schaffung einer landesweiten ABM-Verteidigung befaßt sein
könnte.

(z. B. Bau von Radaranlagen, gleichzeitige Erprobung, Modernisierung von
SAM, schnelles Nachladen von ABM,
ABM-Mobilität und die Stationierung
von ABM-Komponenten in Gomel) darauf
hindeuten, daß die UdSSR mit Arbeiten
zur Schaffung einer landesweiten ABMVerteidigung befaßt sein könnte.

7.

Vertragsstatus:
Die
Konvention
über biologische und toxische Waffen
aus dem jähr 1972 (BWC) sowie das
Genfer Protokoll von 1925 sind multilaterale Verträge, bei denen sowohl
die Vereinigten Staaten als auch die
Sowjetunion
Vertragsparteien
sind.
Sowjetische Handlungen, die nicht im
Einklang mit diesen Verträgen und dem
völkerrechtlichen
Brauch
gemäß dem
Genfer
Protokoll von 1925 stehen,
sind Verletzungen
rechtlicher
Verpflichtungen.

Territoriale ABM-Verteidigung

Verpflichtung:
Der
ABM-Vertrag
und das Protokoll erlauben jeder Partei eine einzige operative Stellung.
Ausdrücklich erlaubt sind die Modernisierung und Ersetzung von ABM-Systemen oder deren Komponenten, und
ausdrücklich anerkannt ist die Existenz von ABM-Erprobungsgebieten zur
Entwicklung und Erprobung von ABMKomponenten. Der ABM-Vertrag verbietet
jedoch die Dislozierung eines
ABM-Systems zur Verteidigung des nationalen
Territoriums der
Parteien
und untersagt ihnen, einen Stützpunkt
für solch eine Verteidigung zur Verfügung zu stellen.
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte die Frage, ob
die Sowjets ein ABM-System zur Verteidigung ihres Staatsgebiets disloziert oder einen Stützpunkt für solch
eine Verteidigung zur Verfügung gestellt haben.
Dieser Bericht untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des
Berichts
vom
März
1987, daß im ganzen gesehen die Handlungen der Sowjetunion im Hinblick
auf ABM und ABM-relevante Aktivitäten

Die Konvention über biologische Waffen und das Genfer Protokoll von 1925
Chemische,
sche Waffen

biologische

und

toxi-

Verpflichtungen:
Die BWC-Konvention verbietet die Entwicklung, Produktion, Lagerung oder den Besitz und
Transfer von mikrobischen oder anderen biologischen Mitteln oder Giften
außer in kleinen Mengen zu prophylaktischen, Verteidigungs- oder anderen
friedlichen Zwecken.
Sie verbietet
auch Waffen, Ausrüstung oder Mittel
zur Verbreitung
solcher
Wirkstoffe
oder Gifte. Das Genfer Protokoll von
1925 sowie die damit im Zusammenhang
stehenden Regeln des völkerrechtlichen Brauchs verbieten den Ersteinsatz von erstickenden, giftigen oder
anderen Gasen im Krieg sowie von allen entsprechenden Flüssigkeiten, Materialien oder Vorrichtungen und verbietet die Verwendung bakteriologischer Methoden der Kriegführung.

- 5 -

�Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte, ob die Sowjets
Bestimmungen verletzt haben, die Entwicklung, Produktion, Transfer, Besitz und Verwendung biologischer und
toxischer Waffen verbieten und ob sie
für die Verwendung tödlicher Chemikalien verantwortlich waren.
Dieser
Bericht untersucht erneut diese Frage.
Ergebnis: Die Regierung der Vereinigten Staaten ist zu dem Schluß
gekommen, daß anhaltende Aktivitäten
im Verlauf des Jahres 1987 in vermuteten Einrichtungen für biologische
und toxische Waffen in der Sowjetunion und Berichte, daß ein sowjetisches BW-Programm jetzt die Prüfung
neuer Arten von Wirkstoffen zur biologischen
Verteidigung
beinhalten
könnte, die Schlußfolgerung des Berichts vom März 1987 bestätigen, wonach die Sowjetunion in Verletzung
ihrer rechtlichen Verpflichtung gemäß
der Konvention über biologische und
toxische Waffen aus dem Jahr 1972 ein
offensives Programm sowie eine Kapazität der biologischen Kriegführung
aufrechterhält.
Beschuldigungen hinsichtlich des
Einsatzes tödlicher Chemikalien oder
Gifte in Kambodscha, Laos oder Afghanistan im Jahr 1987 konnten gemäß der
strengen Richtlinien unserer Beweisführung nicht bestätigt werden. Daher gibt es keine Grundlage für eine
Erweiterung der Schlußfolgerung vom
März 1987, wonach die Sowjetunion in
Verletzung
ihrer
rechtlichen
Verpflichtung gemäß dem Völkerrecht, wie
dies im Genfer Protokoll von 1925 und
in der Konvention über biologische
und toxische Waffen aus dem Jahr 1972
kodifiziert ist, Produktion, Transfer
und Einsatz von Trichothezen-Mykotoxinen zu militärischen . Zwecken in
Laos, Kambodscha und Afghanistan betrieben hat.

Vertrag
über
suchsverbot

ein

begrenztes

Ver-

Vertragsstatus: Der Vertrag über
ein begrenztes Verbot von Atomversuchen (LTBT) in der Atmosphäre, im
Weltraum und unter Wasser ist ein
multilateraler Vertrag, der für die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Jahr 1963 in Kraft trat.
Sowjetische Schritte, die nicht mit
diesem Vertrag in Einklang stehen,
sind Verletzungen einer rechtlichen
Verpflichtung.

*

»

Verpflichtung:
Dieser
Vertrag
verbietet speziell Atomexplosionen in
der Atmosphäre, im Weltraum und unter
Wasser. Er verbietet auch Atomexplosionen
in jeder anderen Umgebung,
"wenn solche Explosionen dazu führen,
daß radioaktive Rückstände außerhalb
der Landesgrenzen des Staates anfallen, unter dessen Gesetzgebung oder
Kontrolle
eine
solche
Explosion
durchgeführt wird".
Fragestellung:
Der Bericht vom
März 1987 untersuchte, ob die unterirdischen Atomversuche der UdSSR dazu
führten, daß radioaktive Rückstände
außerhalb ihrer Landesgrenze anfielen.
Dieser Bericht untersucht erneut diese Frage.
Die
Regierung
der
Vereinigten
Staaten bestätigt die Erkenntnisse
des Berichts vom März 1987, nach denen die sowjetischen Praktiken bei
unterirdischen
Atomversuchen
dazu
führten, daß bei zahlreichen Gelegenheiten radioaktive Stoffe frei wurden
und radioaktive Rückstände in Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen
gemäß dem begrenzten Teststoppvertrag
auch außerhalb des Territoriums der
Sowjetunion gelangten.
Die Sowjetunion traf nicht die notwendigen Vor-

*

�kehrungen, um die Verseuchung der Umwelt durch radioaktive Substanzen so
gering wie möglich zu halten und dies
trotz
zahlreicher
amerikanischer
Schritte und Forderungen nach Korrektivmaßnahmen. Diese Praktiken dauern
an. Seit der Wiederaufnahme der sowjetischen unterirdischen Atomversuche
im Februar 1987 haben die Vereinigten
Staaten der Sowjetunion bei zwei verschiedenen
Gelegenheiten
Demarchen
überbracht, bei denen den Sowjets
eindeutig die Freisetzung radioaktiver Rückstände nachgewiesen
werden
konnte.

* * * * *

- 7

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON**

45

7. Dezember 1988

INHALT

DOKUMENTATION
NATO sollte sich auf Modernisierung und Rüstungskontrolle
konzentrieren
- Rede von Paul Nitze zur Verleihung des Atlantic Award -

INFORMATION
Barbara Bush erhebt Kampf gegen Analphabetentum zu ihrer Priorität
- Porträt der künftigen First Lady -

HINTERGRUNDMATERIAL
Powell; Bush wird amerikanisch-sowjetische Beziehungen festigen
- Artikel über eine Pressekonferenz mit Colin Powell -

WIRTSCHAFT
Handelskonferenz in Montreal mit umfassender Tagesordnung
- Überblick über die zu erörternden Themen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Eltern formieren sich
- EURAD - Europäische Elternliga gegen Drogenmißbrauch -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
'VON

4

4ri

Dokumentation

7. Dezember 1988

NATO SOLLTE SICH AUF MODERNISIERUNG UND RÜSTUNGSKONTROLLE KONZENTRIEREN
- Rede von Paul Nitze zur Verleihung des Atlantic Award -

BRÜSSEL - (AD) - Um auch in den neunziger Jahren ein starkes Abschrekkungspotential gegen eine Aggression seitens des Warschauer Pakts aufrechtzuerhalten, sollte die NATO dem Berater der amerikanischen Regierung in Rüstungskontrollfragen, Paul H. Nitze, zufolge weiterhin an zwei Fronten vorgehen: Modernisierung der Streitkräfte und Rüstungskontrolle. Nitze erklärte
dies im Anschluß an die Entgegennahme des von der NATO verliehenen Atlantic
Award in Brüssel.
Die Modernisierung der NATO-Streitkräfte sollte die stationären, landgestützten Raketen sowie die nach Beseitigung der INF-Systeme verbleibenden
"veraltenden" Systeme umfassen, sagte Nitze, dessen Rede wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen.
Herr Generalsekretär, Exzellenzen, meine Damen und HerrenI
Ich fühle mich durch die Verleihung des Atlantic Award 1988 und auch
durch Ihre freundlichen Worte, Herr
Generalsekretär, tief geehrt. Es ist
wahrlich ein Privileg, in die erlesene Gesellschaft der früheren Preisträger Dr. Markussen, Professor Van
Der Beugel, Dr. Kaiser und Herrn
Harmel aufgenommen zu werden. Hätte
es insbesondere den Harmel-Bericht
nicht gegeben, so wäre zweifelhaft,
ob der politische Konsens, der nützliche
RüstungskontrollVerhandlungen
mit den Sowjets ermöglicht hat, jemals .zustande gekommen wäre.
Lassen Sie mich ein paar Worte
über den Weg sagen, den das Bündnis

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in den acht Jahren der Reagan-Administration zurückgelegt hat.
Danach
werde ich mich Themen zuwenden, die
vielleicht wichtiger sein mögen - die
vor uns liegenden Herausforderungen
in der Verteidigung sowie die Lehren,
die wir aus unseren jüngsten Erfahrungen bei der Bewältigung solcher
Herausforderungen ziehen sollten.

Die Bemühungen in der Sicherheitsund Rüstungskontrollpolitik 1981-88
Die vergangenen acht Jahre umspannen einen Zeitraum, in dem die
NATO vor enormen Herausforderungen
stand, die aufgrund von Entschlossenheit, Geduld und vor allem Einigkeit
mit großem Erfolg bewältigt wurden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Zu Beginn des Jahres 1981 gab die
Lage im INF-Bereich Anlaß zu erheblicher Besorgnis. Die Sowjets setzten im großen Stil ihre Aufrüstung
mit SS-20 fort während die NATO damit
beschäftigt war, sich die Unterstützung der Öffentlichkeit für den Doppelbeschluß aus dem Jahr 1979 zu bewahren. Nach einigem Widerstand hatten sich die Sowjets zu Verhandlungen
über die INF-Systeme bereiterklärt.
Sie bestanden jedoch darauf, daß diese Verhandlungen nur solange stattfinden könnten, wie die NATO auf die
Stationierung amerikanischer INF-Raketen verzichtete.
Ob die NATO den Stationierungsteil des Doppelbeschlusses erfolgreich durchführen könnte, unterlag
angesichts der sowjetischen Haltung,
des verbreiten öffentlichen Widerstands gegen die Stationierung und
der im Jahr 1983 in wichtigen Stationierungsländern anstehenden Wahlen,
bei denen INF ein Hauptthema sein
würde, erheblichen Zweifeln.
Wenn wir uns diese Lage erneut
vor Augen führen, so können wir feststellen, wie erfolgreich die Anstrengungen des Bündnisses bei INF gewesen
sind.
Die Stationierungen wurden
planmäßig durchgeführt, und dieser
Erfolg machte den heute gültigen INFVertrag möglich.
Auch in anderen Bereichen wurden
Fortschritte erzielt. Die Grundzüge
eines START-Vertrages wurden formuliert. Zusammen mit mehreren Verbündeten starteten die Vereinigten Staaten ein Programm mit Namen SDI, um
die Durchführbarkeit defensiver Technologien als sichereres Mittel der
Abschreckung zu erforschen.
Ferner
haben wir mit den Sowjets einen Rahmen abgesteckt, wie SDI und deren
vergleichbares Programm in eine RUstungskontrollregelung
einbezogen
werden könnten.
Gespräche über Atomtests haben
die Fertigstellung eines Protokolls
zum bestehenden Schwellenvertrag und
zum Vertrag über Kernexplosionen zu

friedlichen Zwecken in greifbare Nähe
gerückt, das die Verifizierung dieser
Abkommen erleichtern und die amerikanische Administration in die Lage
versetzen würde, das Ratifizierungsverfahren für diese Verträge einzuleiten.
Wichtige vertrauensbildende Maßnahmen wurden im Rahmen der Stockholmer KVAE, durch den Ausbau des
Heißen Drahts und die Errichtung von
Zentren zur Verringerung des nuklearen Risikos sowie durch den Abschluß
des Abkommens über die Benachrichtigung beim Abschuß ballistischer Raketen geschaffen.
Im nichtnuklearen Bereich wurden
Fortschritte auf dem Weg zu einem umfassenden Verbot chemischer Waffen
erzielt, und wir scheinen heute einem
Mandat für Gespräche über konventionelle Stabilität sehr nahe zu sein.
Dieser Rückblick ist jedoch keine
Litanei
abgeschlossener
Aufgaben,
sondern guter Anfänge, die noch zu
Ende gebracht werden müssen. Selbst
das INF-Problem wird nicht passe
sein, bis der Vertrag erfolgreich
verwirklicht worden ist. In anderen
Bereichen liegt noch ein langer Weg
vor uns. Lassen Sie mich also nun
auf die vor dem Bündnis liegenden
Aufgaben eingehen.

Die zukünftigen Herausforderungen
Auch in der Zukunft wird das
grundsätzliche Ziel des Bündnisses
unverändert bleiben - die Fähigkeit
seiner Mitgliedstaaten zu schützen,
in Frieden und Freiheit zu leben und
dies durch die Abschreckung eines
Krieges zu erreichen.
Zur Aufrechterhaltung eines starken Abschreckungspotentials bis in
die neunziger Jahre hinein muß die
NATO nach wie vor an zwei Fronten
vorgehen. Sie muß durch Modernisierung der Streitkräfte die Schritte
unternehmen, die zur Bewahrung eines
lebensfähigen Abschreckungspotentials

�notwendig sind, und sie muß durch Rüstungskontrolle weiterhin versuchen,
das Ausmaß der Konfrontation zwischen
Ost und West zu begrenzen und zu verringern.

Erfordernisse der Streitkräftemodernisierung
In allen Bereichen der NATO-Triade besteht die Notwendigkeit einer
Streitkräftemodernisierung.
Im Hinblick auf den strategischen
Bereich sind die Vereinigten Staaten
bei der Modernisierung ihrer seegestützten
Streitkräfte
- mit dem
U-Boot Trident, der Rakete D-5 und
dem seegestützten Marschflugkörper und ihrer luftgestützten Streitkräfte
- mit dem B 1 und dem Tarnbomber sowie dem luftgestützten Marschflugkörper - ein gutes Stück vorangekommen.
Die landgestützten Systeme stehen
jedoch auf einem anderen Blatt, und
hierauf müssen sich die Modernisierungsbemühungen in der nahen Zukunft
konzentrieren.
Unsere stationären,
landgestützten
Raketen
sind schon
seit einiger Zeit für einen sowjetischen Angriff verwundbar, und das
Problem verschlimmert sich zusehends.
Mehrere amerikanische Administrationen haben Pläne für die überlebensfähige Stationierung
moderner ICBMs
vorgelegt. Diese Pläne stießen jedoch nicht auf dauerhafte Unterstützung. Die Bush-Administration muß in
diesem Bereich zu einem besseren Ergebnis kommen, wenn die Vereinigten
Staaten eine überlebensfähige strategische Triade aufrechterhalten wollen.
Auch im Bereich der strategischen
Verteidigung sollten die Anstrengungen fortgesetzt werden. Ein solides
SDI-Forschungsprogramm
ist
wichtig
und notwendig, und zwar als Absicherung gegen das bedeutende sowjetische
SDI-Programm, das seit über zwei
Jahrzehnten existiert, sowie aufgrund
der sichereren Welt, die mit einer
auf
Verteidigung
gegründeten
Abschreckung potentiell erreicht werden

kann.
Es bleibt jedoch weiterhin entscheidend, daß SDI von den Kriterien
Überlebensfähigkeit
und Kostenwirksamkeit geleitet ist. Die Stationierung eines weltraumgestützten Verteidigungssystems, das selbst für Angriffe verwundbar ist, würde die Sowjets dazu ermutigen, dieses System
in einem frühen Stadium einer Krise
anzugreifen. Die Stationierung eines
nicht kostenwirksamen Systems würde
die UdSSR ermutigen, ihrerseits mehr
billigere offensive Systeme zu produzieren.
Im Hinblick auf den nichtstrategischen nuklearen Bereich der NATOTriade besteht die wichtigste Aufgabe
in der Modernisierung des veraltenden
Arsenals nuklearer Systeme, das die
NATO nach Beseitigung der INF-Systeme
beibehalten wird.
Dazu gehört als
wichtigstes eine neue Luft-Boden-Rakete für die Mehrzweckkampfflugzeuge
der NATO sowie ein Nachfolgesystem
der Lance.
Letztere Frage bedarf
selbstverständlich besonderer Sensibilität.
In Zusammenhang mit einer
solchen Modernisierung könnte es möglich sein, den Gesamtumfang des
kriegsschauplatzgebundenen
Kernwaffenarsenals zu verringern.
In bezug auf die konventionellen
Streitkräfte der NATO möchte ich nur
sagen, daß es unklug wäre, anzunehmen, das riesige Ungleichgewicht zwischen den konventionellen Fähigkeiten
der NATO und des Warschauer Pakts
könne lediglich durch Verhandlungen
über konventionelle Rüstungskontrolle
behoben werden, insbesondere, wenn
die NATO in solchen Gesprächen kein
Druckmittel In Gestalt von erheblichen, kontinuierlichen Mondernisierungsbemühungen besitzt.
Dabei muß
auch die Tatsache berücksichtigt werden, daß angesichts früherer Versuche
der konventionellen Rüstungskontrolle
jegliche Erleichterung in diesem Bereich wahrscheinlich erst in einigen
Jahren zu erreichen ist.

- 3-

�rungsvorschläge
werden.

Rüstungskontrollbemühungen
Im Hinblick auf das Rüstungskontrollprogramm der NATO in den kommenden Jahren haben die NATO-Minister
Prioritäten festgelegt, die mir als
richtig erscheinen und die sich wahrscheinlich im Gesamtkonzept widerspiegeln werden.
Ich habe auch am
Programm an sich nichts auszusetzen,
sondern vielmehr an dem, wie ich finde, vorherrschenden Eindruck, der
Großteil dieses Programms liege bereits hinter uns.
Dieses Problem tritt am deutlichsten im Hinblick auf den STARTVertrag zutage. Wie ich bereits ausführte, ist der START-Vertrag in seinen Grundzügen fertiggestellt - eine
annähernde
Halbierung
der strategischen nuklearen Gefechtsköpfe sowie
beim Wurfgewicht
der sowjetischen
ballistischen
Raketen auf gleiche
Obergrenzen, mit etwas geringfügigeren Reduzierungen bei. Trägersystemen
und mit Untergrenzen für die destabilisierendsten
Systeme.
Bei START
bleiben jedoch immer noch schwierige
Fragen zu lösen, und deshalb liegen
noch langwierige Verhandlungen vor
uns.
Zum Beispiel liegen die Standpunkte der Vereinigten Staaten und
der UdSSR bei der Frage der SLCMs
noch weit auseinander. Die Sowjets
beharren darauf, daß der START-Vertrag eine strikte Begrenzung der
SLCMs und Verifizierungsbestimmungen
für diese Flugkörper enthält, die denen für andere strategische Systeme
vergleichbar sind. Wir haben den Sowjets erklärt, daß wir zahlenmäßigen
Begrenzungen für nuklear bestückte
SLCMs zustimmen könnten, wenn eine
wirksame Verifizierungsregelung erarbeitet werden könnte. Bis jetzt müssen wir jedoch noch ein Mittel finden, um die SLCM-Begrenzungen effektiv zu verifizieren ohne zu sehr in
geheimhaltungsbedürftige Sektoren der
Marine einzudringen und andere bedeutende Sicherheitsinteressen zu gefährden, und wir sind überzeugt davon, daß die sowjetischen Verifizie- 4

nicht

funktionieren

Aufgrund des Fehlens einer wirksamen
Verifizierungsregelung
haben
wir vorgeschlagen, daß beide Seiten
Erklärungen über ihre Stationierungspläne bei nuklear bestückten SLCMs
austauschen, aber die Sowjets haben
uns mitgeteilt, daß sie an einem solchen Ansatz nicht interessiert sind.
Ferner bleiben weiterhin erhebliche Meinungsverschiedenheiten bei
den Zählregeln sowie anderen, auf
ALCMs anwendbaren Verfügungen, bei
den Verifizierungsmaßnahmen und Begrenzungen für mobile ICBMs, falls
diese erlaubt werden, bei einer Untergrenze für ICBM-Gefechtsköpfe sowie dem Junktim zwischen einem STARTVertrag
und
Begrenzungen
strategischer Verteidigungssysteme bestehen.

*

Es müssen weiterhin noch Hunderte
von Einzelheiten ausgearbeitet werden, insbesondere bei den Verifizierungsverfahren.
Ich sage dies nicht, um die bis
jetzt
erzielten
Fortschritte
zu
schmälern. Der gemeinsame START-Vertragsentwurf
dokumentiert
einen
großen Schritt nach vorn im Hinblick
auf den Abschluß einer Vereinbarung
und bietet eine gute Möglichkeit für
einen solchen Abschluß in den kommenden zwei Jahren.
Aber bis der
Schlußstrich darunter gezogen wird,
müssen noch viele Hürden überwunden
werden, und es steht noch nicht von
vornherein fest, daß dies auch gelingt.
Dasselbe gibt für die Verhandlungen über Verteidigung im Weltraum.
Hier ergibt sich die Hauptschwierigkeit aus den unterschiedlichen Interpretationen der vereinbarten, aber
nicht eindeutigen Formulierung in der
Gemeinsamen Erklärung des Washingtoner Gipfeltreffes, daß beide Seiten
in einem bestimmten Zeitraum "den
ABM-Vertrag in seiner 1972 unterzeichneten Fassung anerkennen und
gleichzeitig ihre Forschung, Entwick-

»

*•

�lung und Erprobung wie vorgesehen
weiterführen, wie dies nach dem ABMVertrag auch gestattet ist". Natürlich legen die Sowjets diese Formulierung als strengere Einschränkung
der Entwicklung und Erprobung weltraumgestützter ABM-Systeme und ihrer
Komponenten aus als wir das tun.

fizierungssystem
zu schaffen, das
neue Technologien, die zunehmende
Verbreitung, eine flexible chemische
Industrie und die Notwendigkeit berücksichtigt ,
geheimhaltungsbedürftige Informationen, die nicht unmittelbar chemische Waffen betreffen,
bei Inspektionen zu schützen.

Die Sowjets schlagen den Abschluß
eines Vertrages über Verteidigung im
Weltraum vor, der die Sprachregelung
der Erklärung von Washington lediglich in rechtsgültige Form umsetzt.
Das scheint ganz einfach zu sein, beinhaltet
jedoch gefährliche Fallstricke.
Angesichts einer fehlenden
Übereinkunft über die Bedeutung dieser Sprachregelung könnten die Sowjets aus dieser Doppeldeutigkeit
Vorteile ziehen und jede der amerikanischen Aktivitäten zur Entwicklung
und Erprobung als Verletzung des Abkommens werten, um im Hinblick auf
diese Aktivitäten den Widerstand der
Öffentlichkeit und Beschränkungen des
Kongresses zu mobilisieren.

Schließlich dürfen wir uns in bezug auf die Gespräche über konventionelle Stabilität keine Sorgen darüber
machen, daß wir unsere Leistungen
überbewerten, da die Gespräche noch
aufgenommen werden müssen. Aber wir
sollten uns vor Augen führen, wie
wichtig es ist, der Versuchung zu widerstehen ,
Rüstungsbeschränkungen
vorherzusagen und die Struktur unserer Streitkräfte sowie Modernisierungspläne vorzeitig anzupassen. Erfahrung und Logik lehren uns, daß
solche Aktionen die Wahrscheinlichkeit reduzieren, daß die vorgesehenen
Beschränkungen
jemals
vorgenommen
werden, wenn wir der anderen Seite
den Anreiz nehmen, daß unsere Reduzierungen ihren Preis haben.

Daher ist es erforderlich, über
die Sprachregelung der Gemeinsamen
Erklärung hinaus eindeutig klarzustellen, welche Aktivitäten zur Entwicklung und Erprobung beide Seiten
in dem festgesetzten Zeitraum des
Nicht-Rückzugs vom ABM-Vertrag durchführen dürfen. Und es ist erforderlich, andere Probleme zu lösen und
etwa die Verpflichtung, sich nicht
vom ABM-Vertrag zurückzuziehen, so zu
definieren, daß beide Seiten ihre
souveränen Rechte zum Schutz ihrer
höchsten nationalen Interessen behalten und am Ende des Nicht-RUckzugszeitraums
die
Stationierungsrechte
beider Seiten detailliert niederzulegen.
Möglicherweise
machen uns die
Verhandlungen über chemische Waffen
die vor uns liegenden Schwierigkeiten
eher bewußt. Man darf die komplexen
Zusammenhänge
nicht
unterschätzen,
die mitspielen, um die Teilnahme aller Staaten zu gewährleisten, die
chemische Waffen besitzen und einsetzen können und um ein wirksamen Veri-

All das heißt, das Bündnis muß
sich über die Modernisierung seiner
Streitkräfte hinaus einem höchst umfangreichen Programm von Rüstungskontrollanstrengungen stellen.
Es besteht die Möglichkeit zu großen Fortschritten, wenn der Umfang militärischer Konfrontation zwischen Ost und
West auf der ganzen Linie reduziert
wird.
Gleichgültigkeit ist jedoch
nicht gerechtfertigt - wenn dieses
Ziel verwirklicht werden soll, liegt
viel harte Arbeit vor uns.

Lektionen für die vor uns liegenden
Herausforderungen
Das Bündnis kann seine Aufgaben
in den Bereichen Modernisierung und
Rüstungskontrolle am wirksamsten angehen, wenn es sich die aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu ziehenden Lehren vor Augen führt. Ich
möchte sechs Lektionen als Leitlinien
für die Bestrebungen des Bündnisses
vorstellen.

- 5 -

�Lektion Nummer eins:
Die richtige Rolle der
Rüstungskontrolle
Erstens sollten wir uns immer die
angemessene Rolle der Rüstungskontrolle vergegenwärtigen und uns klarmachen, was Rüstungskontrolle leisten
kann und was nicht.
Rüstungskontrolle kann eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum
geht, unsere Sicherheit zu verbessern
und
stabilere
Ost-West-Beziehungen
hervorzubringen. Aber sie kann kein
Ersatz für eine angemessene Verteidigung sein. Statt dessen ist sie lediglich ein Bestandteil unserer gesamten Sicherheitspolitik, eine Ergänzung der Maßnahmen, die wir von
unserer Seite aus treffen müssen, wie
die Unterhaltung der für eine angemessene Abschreckung notwendigen Waffen und Streitkräfte.
Tatsächlich
lehrt die Erfahrung, daß alles, was
wir als Bündnis für uns selbst zu tun
bereit und in der Lage sind, wichtiger ist als das, was wir durch Rüstungskontrolle erreichen können.
Dieser Punkt wird insbesondere
für die Beurteilung des Beitrages
wichtig, den der künftige START-Vertrag für unsere Sicherheit leistet.
Damit wird es wünschenswert, unseren
gegenwärtigen Kurs bei den START-Verhandlungen weiter fortzusetzen.
Wie Sie wissen, behaupten einige
frühere amerikanische Regierungsvertreter wie etwa Henry Kissinger, daß
der künftige START-Vertrag die Verwundbarkeit
amerikanischer
strategischer Streitkräfte erhöhen und damit die Stabilität abbauen würde.
Dieser Ansicht bin ich nicht. Das
Argument von Kissinger basiert auf
übertriebenen Erwartungen im Hinblich
darauf, was Rüstungskontrolle leisten
kann.
Rüstungskontrolle
allein
kann
nicht die Probleme der Uberlebensfähigkeit unserer Streitkräfte lösen.
Aber sie kann es uns leichter machen,
die notwendigen Schritte einzuleiten,
um die Überlebensfähigkeit unserer

Streitkräfte zu verbessern, indem wir
die angemessenen Möglichkeiten zu ihrer Modernisierung schützen und die
sowjetische
Bedrohung
abbauen und
eingrenzen, die andernfalls die Wirkung dieser Verbesserungen aufheben
würde. START kann dies leisten.
Wie ich bereits erwähnte, besteht
das Problem der Überlebensfähigkeit
amerikanischer strategischer Streitkräfte vor allem bei landgestützten
Systemen. Unsere festen Silos sind
jetzt und in Zukunft verwundbar, daran kann kein Rüstungskontrollabkommen etwas ändern. Es ist also wichtig, sicherzustellen, daß Rüstungskontrolle keine Maßnahmen blockiert,
mit denen die Uberlebensfähigkeit von
ICBMs gesteigert werden kann, sondern
die Verbesserung der Uberlebensfähigkeit mittels solcher Maßnahmen erleichtert.
Es wird keinen START-Vertrag geben, der mobile und transportable
ICBMs verbietet. Das mobile System
würde schienenbewegliche und straßenbewegliche ICBMs sowie andere Möglichkeiten der Stationierung überlebensfähiger ICBMs schaffen. Darüber
hinaus würde START durch den erheblichen Abbau sowjetischer Gefechtsköpfe auf ballistischen Raketen und
Wurfgewichte die Fähigkeit der Sowjets beschränken, solcherart stationierte ICBMs durch Großangriffe zu
zerstören. Damit würde START uns die
notwendigen Rechte zur Stationierung
überlebensfähiger ICBMs einräumen und
die Bedrohung für diese Streitkräfte
verringern.
Was die seegestützten Streitkräfte anbelangt, so besteht für die Vereinigten Staaten die Möglichkeit zur
Reduzierung auf 18 SSBN, was manche
für eine gefährlich niedrige Zahl
halten. Aber wir planen auch ohne
START eine Verringerung auf etwa 20
Trident, da diese - leiser und in
größeren Meeresgebieten einsatzfähig
als die Poseidons - überlebensfähiger
sind. Dieser Plan ist von niemandem
in Zweifel gezogen worden.

�Es stellt sich also die Frage,
warum die Zahl von 20 U-Booten akzeptiert wird, nicht aber die Zahl 18,
oder genauer gesagt, warum 13 U-Boote
auf See akzeptiert werden, aber nicht
12. Darüber hinaus haben wir im Rahmen von START vorgeschlagen, daß einige überholte U-Boote von der Zählung der Gefechtsköpfe ausgenommen
werden; diese Bestimmung würde uns
gestatten, unter START so viele SSBNs
mit jeweils 20 Gefechtsköpfen zu stationieren wie ohne START geplant.
Aber ob wir 18 oder 20 SSBNs stationieren, so sehen die amerikanischen Nachrichtendienste zumindest
bis zum Ende des Jahrhunderts keine
erhebliche
Bedrohung
für
unsere
SSBNs. Sollte sich diese Ansicht ändern und sollten wir über die Uberlebensfähigkeit unserer SSBNs besorgt
sein, dann gibt es START zufolge keine Beschränkung, die eine Verteilung
unserer SLBM-Gefechtsköpfe auf einer
größeren Zahl von Plattformen durch
die Stationierung einer geringeren
Zahl von Gefechtsköpfen auf jedem
U-Boot verhindert.
Im Hinblick auf die Luftstreitkräfte haben wir aufgrund unseres Erfolges bei der Aushandlung der Zählregeln von Waffen in Bombern unser
Recht bewahrt, alle Bomber, die wir
auch ohne START stationieren wollten,
zu dislozieren.
Insgesamt würde START die Probleme der Uberlebensfähigkeit unserer
Streitkräfte nicht verschärfen.
Es
würde
den
notwendigen
Spielraum
schaffen, um sie abzuwenden und den
Abbau und die Eingrenzung der sowjetischen Bedrohung erleichtern.
Es
erfüllt alle Bedingungen eines guten
Rüstungskontrollabkommens.
Meiner
Ansicht nach wäre die Bush-Administration gut beraten, den gegenwärtigen Kurs der START-Verhandlungen mit
Unterstützung der NATO fortzuführen.
Lektion Nummer zwei:
Die Bedeutung der Berücksichtigung des richtigen Ziels.

Die zweite Lektion besteht in der
Notwendigkeit, stets das vordringliche Ziel unserer Rüstungskontrollund Sicherheitsbemühungen im Auge zu
behalten, das da lautet:
Erhöhung
der Stabilität.
Wir streben nach dem Abbau möglicher Anreize für die andere Seite,
in einer Krise den Erstschlag auszuführen oder eine Krise heraufzubeschwören, die zu einer militärischen
Konfrontation führen könnte. Um den
Warschauer Pakt davon abzubringen,
ein rücksichtsloses Vorgehen in Betracht zu ziehen, sollten unsere
Streitkräfte insgesamt die notwendigen Eigenschaften der Wirksamkeit,
Flexibilität, Vielfalt und Überlebensfähigkeit gegenüber einem direkt
gegen sie gerichteten Angriff besitzen.
Es ist gelegentlich zu hören, der
Abbau der Streitkräfte sei an sich
ein achtbares Ergebnis von RUstungskontrollbemühungen, als ob dies unser
vordringliches Ziel wäre. Doch Reduzierungen per se sind nicht notwendigerweise positiv zu bewerten. Wenn
die verbleibenden Streitkräfte gegenüber einem Erstschlag verwundbarer
sind oder wenn das Niveau der verbleibenden Streitkräfte der anderen
Seite einen größeren Anreiz zu rücksichtslosem Vorgehen bietet, verringert sich die Stabilität. Reduzierungen sollten vielmehr als ein Mittel betrachtet werden, das bei richtiger Nutzung dem Ziel der Steigerung
von Stabilität dienen kann.
Dies ist der Grund, warum wir uns
bei den START-Verhandlungen durch die
Festlegung von Untergrenzen für Gefechtsköpfe auf Reduzierungen bei den
am meisten destabilisierenden Systemen konzentriert haben. Darum haben
wir auch bei dem INF-Vertrag darauf
bestanden, daß zur Erzielung des
gleichen Niveaus Reduzierungen asymmetrisch vorgenommen wurden.
Dies ist eine Lektion, die im
Vorfeld der Gespräche über konventio-

- 7 -

�nelle Stabilität ganz besonders wichtig wird.
Einige Vorschläge zum Abbau der
konventionellen Streitkräfte und sogar asymmetrische Einschnitte zugunsten des Westens mögen verlockend
scheinen, tatsächlich aber verschärfen sie die Situation im Hinblick auf
unsere Sicherheit. Es wird von grosser Bedeutung sein, daß sich das
westliche Bündnis nicht auf den Umfang der Reduzierungen konzentriert,
sondern vielmehr auf die nach diesen
Reduzierungen verbleibenden Streitkräfte, um festzustellen, ob das Ergebnis eine größere oder geringere
Stablität als die heutige Situation
hervorbringt.
Lektion Nummer drei:
Beharrlichkeit bei Prinzipien,
Kreativität auf anderen Gebieten.
Die dritte Lektion bezieht sich
auf die zahlreichen Probleme, die im
Verlaufe jeder Verhandlungen auftauchen werden. Um Verhandlungen wirkungsvoll voranzutreiben, ist die
Kenntnis der Unterschiede zwischen
prinzipiellen Problemen und anderen
Themen entscheidend. Bei den erstgenannten muß man geduldig an seiner
eigenen Position festhalten, bei der
letztgenannten ist zur Problemlösung
Kreativität gefragt.
In der Frühphase der INF-Verhandlungen hat die NATO die fünf Prinzipien genannt, von denen die amerikanischen Bemühungen gekennzeichnet waren: Gleichheit der Rechte und Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion; Einschränkungen ausschließlich bei amerikanischen und sowjetischen Systemen ohne Kompensation von Systemen aus
Drittländern;
die weltweite Anwendung der Obergrenzen; keine Schwächung des amerikanischen Beitrags zur
konventionellen Abschreckung der NATO
und wirkungsvolle Überprüfung.
Trotz Widerständen auf Seiten der
Sowjetunion und erheblicher Skepsis
in der Öffentlichkeit haben wir ge-

duldig an diesen Prinzipien festgehalten und haben schließlich einen
Vertrag erarbeitet, der all diesen
Prinzipien gerecht wird.
Doch ein
solcher Vertrag wäre nicht möglich
gewesen, wenn wir nicht dazu bereit
gewesen wären, kreativ und bei einer
ganzen Bandbreite anderer INF-Probleme flexibel zu arbeiten.
Verhandlungen müssen immer von
Geben und Nehmen gekennzeichnet sein.
Ein guter Verhandlungspartner muß
nicht nur ein guter Verfechter seiner
Sache, sondern auch ein guter Zuhörer
sein. Wir müssen die legitimen Sicherheitsbedenken der anderen Seite
anerkennen und unseren Ideenreichtum
einsetzen, um für beide Seiten zufriedenstellende Kompromisse zu finden.
Eine Rüstungskontrollverhandlung sollte kein Nullsummen-Spiel
sein, sondern eine Suche der Verhandlungspartner nach Lösungen, die eine
Verbesserung der Situation für beide
mit sich bringt.
Daher müssen wir uns bei der
Fortsetzung laufender Verhandlungen
und beim Eintritt in Verhandlungen
über konventionelle Waffen über unsere Prinzipien ebenso im klaren sein
wie über die minimalen Bedingungen,
die ein Abkommen annehmbar machen.
Wir müssen darauf vorbereitet sein,
an diesen Prinzipien unnachgiebig
festzuhalten.
Gleichzeitig
müssen
wir in Kauf nehmen, daß die Verhandlungen fehlschlagen, wenn die einzige
Alternative darin besteht, ein Abkommen zu unterzeichnen, das diesen
grundsätzlichen
Sicherheitsanforderungen nicht gerecht wird. Innerhalb
dieser prinzipiellen Rahmenbedingungen müssen wir jedoch zu einer flexiblen Arbeit bereit sein, um zu beiderseitig akzeptablen Ergebnissen zu
gelangen.
Lektion Nummer vier:
Die richtige Methode für die
Einhaltung
Die vierte Lektion bezieht sich
auf die Politik der Einhaltung von
Verträgen, auf die Art, wie wir der
anderen Seite Anreize geben, Verein-

�barungen zu befolgen. Hierzu gehören
zwei wesentliche Aufgaben: die Fähigkeit, die Einhaltung vertraglicher
Verpflichtungen zu verifizieren, und
der Nachweis, daß im Falle der festgestellten Nichtbefolgung der Wille
zur Reaktion vorhanden ist.
Im Hinblick auf die Verifizierung
ist es für uns wichtig, angemessene
Richtlinien
für ausgehandelte und
einzuhaltende Regularien festzulegen.
Es wäre hervorragend, wenn wir zu einer perfekten Verifizierung gelangen
könnten, wenn wir also sicher sein
könnten, jede Verletzung einer vertraglichen Bestimmung sofort zu ermitteln. Ein solcher Standard jedoch
ist unerreichbar, selbst mit dem weitestgehenden vorstellbaren Verifizierungsregularien.
Darüber hinaus müssen wir klar
erkennen, daß wir mit der Durchsetzung des Rechts, das unseren Inspektoren Zugang zu den Einrichtungen der
anderen Seite verschafft, gleichzeitig auch die Voraussetzung für den
gleichen Zugang ihrer Inspektoren zu
unseren Anlagen schaffen.
Und es
gibt zahlreiche stark gefährdete Anlagen, denen durch Inspektoren der
anderen Seite Schaden für unsere Sicherheit zugefügt würde.
Daher sehen wir uns bei der
Schaffung von Verifizierungsregularien mit dem unvermeidlichen Dilemma
konfrontiert, das durch zwei schwer
zu vereinbarende Ziele geschaffen
wird: dem Wunsch nach Zugang zu möglichst vielen Anlagen der anderen
Seite, um Betrug zu ermitteln und abzuwenden, und die Notwendigkeit des
Schutzes unserer eigenen gefährdeten
Anlagen vor Inspektoren der anderen
Seite. Keine Lösung dieses Problems
kann
vollkommen
zufriedenstellend
sein; wir müssen eine Lösung anstreben, die Sorgen über die Verifizierung und unsere Sicherheitserfordernisse in angemessener Weise miteinander in Einklang bringt.
Wir sind der Meinung, daß ein
solcher Ausgleich im INF-Vertrag er-

reicht wurde. Wir sind uns bewußt,
daß wir uns der Aufdeckung jedes
denkbaren Vorfalls einer sowjetischen
Verletzung des INF-Vertrages nicht
sicher sein können.
Gleichzeitig
sind wir uns darüber im klaren, daß
wir hierzu nicht zwangsläufig in der
Lage sein müssen. Vielmehr sollten
wir zuversichtlich sein, daß wir eine
sowjetische Vertragsverletzung erkennen, diese wirksam erwidern und dadurch den Sowjets den Vorteil einer
Vertragsverletzung
nehmen
könnten,
falls sie sich auf irgendeine militärisch bedeutsame Weise außerhalb
der Grenzen des Vertrages bewegen.
Diese Anforderungen nennen wir
wirksame Verifizierung. Es ist eine
Notwendigkeit, daß die Uberprüfungsrichtlinien zum INF-Vertrag ausreichen. Dies ist die Richtlinie, der
wir bei den anderen Verhandlungen
ebenso folgen sollten.
Auf der anderen Seite der Medaille steht die Frage, was zu tun ist,
wenn eine Vertragsverletzung ermittelt wird.
Sicherlich genügt es
nicht, die Fähigkeit zur Ermittlung
von Vertragsverletzungen zu besitzen.
Wenn wir der anderen Seite deutliche
Anreize zur Einhaltung von Vereinbarungen geben wollen, müssen wir ihr
gegenüber unsere Entschlossenheit zur
Erwiderung jeder Vertragsverletzung
in einer Weise verdeutlichen, die ihr
den Vorteil verweigert, den sie sich
von einer derartigen Nichteinhaltung
versprechen könnte.
In den vergangenen Jahren konzentrierten sich Probleme der Einhaltung
von Verträgen zunächst auf den SALT
II- und dann auf den ABM-Vertrag.
In beiden Fällen hatten wir Schwierigkeiten, eine angemessene und entsprechende Erwiderung zu erarbeiten,
als die Sowjets sich unseren Bemühungen widersetzten, sie zu einem überdenken ihrer Vertragsverletzungen zu
bewegen.
Die meisten Alternativen
erschienen entweder ohne Bezug, unangemessen im Hinblick auf die Vertragsverletzungen oder auch politisch
nicht durchsetzbar.

- 9-

�Im Falle der sowjetischen Vertragsverletzungen von SALT II entschied Präsident Reagan schließlich,
daß wir uns nicht länger an die Beschränkungen des Vertrages gebunden
fühlen und doch gleichzeitig bei der
Strukturierung unserer strategischen
Streitkräfte auch weiter Zurückhaltung üben würden. Diese Entscheidung
hatte nicht die von vielen befürchteten Konsequenzen.
Es kam nicht zu
einer massiven Aufrüstung jenseits
der vom SALT II-Vertrag gesetzen
Grenzen. Tatsächlich mag sich diese
Entscheidung langfristig als ein die
Rüstungskontrolle fördernder Faktor
entpuppen, wenn den Sowjets dadurch
klar wird, daß die Vereinigten Staaten bei nicht zurückgenommenen Vertragsverletzungen Maßnahmen der Erwiderung ergreifen.
Beim derzeitigen Ringen um das
Problem des Radars von Krasnojarsk
wollen wir hoffen, daß unsere Maßnahmen beim SALT II-Vertrag, die einhellige Ansicht des Westens über die
klare Verletzung des ABM-Vertrages
durch das Radar und unser Beharren,
bis zur Korrektur der Vertragsverletzungen keine weiteren strategischen
Rüstungsabkommen
zu
unterzeichnen,
ausreichen werden, um die Sowjets von
einer Behebung dieses Problems zu
überzeugen.
Beim Abwägen von Reaktionen auf
die Nichteinhaltung müssen wir eine
langfristige Perspektive im Auge behalten. Der unmittelbar angebrachte
Kurs könnte so aussehen, daß wir Verletzungen ignorieren und uns gegenseitig versichern, sie hätten keine
so großen Auswirkungen. Kurzfristig
gesehen könnte dies tatsächlich so
sein, aber damit wird der anderen
Seite eine Botschaft übermittelt, die
langfristig
beträchtliche
Probleme
mit der Einhaltung hervorrufen könnte.
Lektion Nummer fünf:
Die Bedeutung der Einheit des
Bündnisses und der Unterstützung
durch Parlament und
Öffentlichkeit

Die fünfte Lektion ist uns allen
wohl bekannt. Ich möchte sie dennoch
wiederholen, da sie in den vergangenen fünf Jahren noch an Bedeutung gewonnen hat. Die Lektion besteht in
der vorrangigen Bedeutung der Entwicklung von Programmen und Positionen, mit denen die Einheit des Bündnisses gefördert und Unterstützung
durch Parlament und Öffentlichkeit
geboten wird.
Ein Großteil der Geschichte der
INF-Verhandlungen besteht in sowjetischen Versuchen, das Bündnis zu
spalten und unsere Bevölkerungen und
Parlamente gegen uns aufzubringen.
Entsprechend ist der Vertrag ein Tribut an und ein Produkt der Einheit
des Bündnisses - die Entschlossenheit
der Stationierungsländer, die Dislozierung vorzunehmen, die Geschlossenheit der NATO bei jeder Phase der
Verhandlungen sowie die Solidarität
unserer Verbündeten und Freunde in
Asien, die in so entschiedenem Maße
zu der weltweiten Null-Lösung beigetragen haben.
Solche Einheit und Unterstützung
werden bei den Verhandlungen über
konventionelle Stabilität ebenso wie
bei anderen Verhandlungen unabdingbar
sein.
Während wir neue Positionen
erwägen, müssen wir uns daher beständig die Frage stellen: Können wir
mit einer solchen Haltung den Konsens
im Bündnis und die Unterstützung
durch Öffentlichkeit und Parlament
angesichts der Bestrebungen des Ostblocks aufrechterhalten, diese zu unterminieren?
Lektion Nummer sechs:
Der richtige Ansatz beim Junktim
Die letzte Lektion betrifft eine
umfassendere Perspektive - das Junktim zwischen den jeweiligen Rüstungskontrollbestrebungen und zwischen den
anderen Aspekten der Ost-West-Beziehungen.
Wir Ihnen bekannt sein dürfte,
hat die Reagan-Administration darauf
beharrt, daß die amerikanisch-sowje-

- 10 -

�tischen Gespräche sich nicht nur auf
Rüstungskontrolle konzentrieren, sondern vielmehr eine umfassende Tagesordnung abdecken, die auch Menschenrechte, regionale Konflikte sowie bilaterale Angelegenheiten einschließt.
Dies ist eine Anerkennung der Tatsache, daß die Beziehungen zwischen
unseren Ländern sehr viel mehr beinhalten als das Rüstungsniveau, das
tatsächlich nur eine von vielen Ursachen für Spannungen und Mißtrauen
ist.
Eine ebenso umfassende Perspektive wird im KSZE-Prozeß aufrechterhalten, wo wir darauf beharren, daß die
Fortschritte zwischen Sicherheitsbelangen und Menschenrechtsfragen ausgewogen sind.
Ich unterstütze diesen Ansatz,
stimme jedoch nicht mit jenen überein, die ihn zu weit auslegen, indem
sie darauf bestehen, daß der Abschluß
eines jeden Vertrages eng an Verträge
oder das zufriedenstellende Verhalten
der anderen Seite in anderen Bereichen geknüpft sein muß.
Man hat beispielsweise das Argument vorgebracht, wir sollten keinen
INF-Vertrag mit den Sowjets schliessen, bevor sie ihre Truppen aus Afghanistan abgezogen oder ihr Verhalten zu Menschenrechtsfragen verbessert hätten. Dies ging an der Tatsache vorbei, daß wir den INF-Vertrag
nicht ausgehandelt haben, um den Sowjets einen Gefallen zu erweisen und
ihnen damit Konzessionen bei anderen
Problemen als Gegenleistung abzuverlangen. Wir haben den Vertrag ausgehandelt, um uns selbst einen Gefallen
zu erweisen, indem wir unsere Sicherheit verbesserten.
Als wir einen
solchen Vertrag schließen konnten,
gab es keinen Grund, uns die unmittelbare Verwirklichung seiner Vergünstigungen zu verweigern.
Wir haben natürlich auf Fortschritte bei Themen wie Afghanistan,
Menschenrechten sowie anderen OstWest-Problemen gedrängt und sie im
einzelnen erörtert, während wir ihren

Stellenwert in den Beziehungen insgesamt stets im Auge behalten haben.
Und wir haben auch in diesen Bereichen Fortschritte erzielt.
Das vorherrschendere Junktim, von
dem heute gesprochen wird, besteht
zwischen START und den Verhandlungen
über konventionelle Stabilität und
zwar dahingehend, daß die einen nicht
vor den anderen abgeschlossen werden
sollten. Ein solches Junktim impliziert, daß ein START-Vertrag unsere
Abschreckung gegen einen konventionellen Angriff schwächen würde oder
daß die Sowjets einen START-Vertrag
so unbedingt benötigen, daß sie - um
dies sicherzustellen - ein konventionelles RUstungsabkommen unterzeichnen
würden, das sie unter anderen Umständen nicht akzeptieren würden. Aber
keiner dieser Umstände trifft zu.
Ein START-Vertrag und ein gut
formuliertes Abkommen über konventionelle Rüstung liegen beide im Interesse des Westens, unabhängig davon, ob sie getrennt oder gemeinsam
erwogen werden. Jedes dieser Abkommen sollte seinen eigenen Verhandlungsverlauf nehmen.

Nachsatz - Wie die NATO auf
Gorbatschow reagieren sollte
Meinen sechs Lektionen möchte ich
einen Nachsatz darüber hinzufügen,
wie die NATO auf Generalsekretär
Gorbatschow und den sich in der UdSSR
vollziehenden Wandel reagieren sollte.
Es besteht kein Zweifel mehr darüber, daß sich in der Sowjetunion
Außerordentliches abzeichnet.
Dies
wurde während der sechs Reisen offensichtlich, die ich in den vergangenen
drei Jahren dorthin unternommen habe.
Noch nicht klar ist jedoch, in welche
Richtung diese Veränderungen gehen,
ob sie andauern und welche Auswirkungen sie langfristig auf die sowjetischen Beziehungen zum Westen haben
werden.

- 11 -

Gorbatschow scheint heute unter-

�schiedlichem Druck im Inland ausgesetzt, das internationale Verhalten
der Sowjetunion zu mäßigen und Fortschritte bei der Aushandlung ernsthafter Rüstungskontrollmaßnahmen zu
erzielen.
Eine Art von Druck ergibt sich
aus der Schwierigkeit, das Ziel der
Perestrojka im Inland zu verwirklichen und gleichzeitig die Bürde
wirklich außerordentlich hoher Militärausgaben der Vergangenheit auf die
Wirtschaft aufrechtzuerhalten.
Ein
anderer Druck resultiert aus der
wachsenden Erkenntnis in der Sowjetunion, daß aufgrund von Glasnost die
Bedrohung eines Angriffs der NATO auf
den Warschauer Pakt eine ganz und gar
überzogene Illusion war.
Die sowjetische Rhetorik einer
"defensiven Verteidigung" und eines
"militärisch vernünftigen und ausreichenden Niveaus" liefert Grund zu der
Annahme, daß dieser Druck eines Tages
ein wünschenswertes Ergebnis produziert. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, unsere Sicherheitspolitik auf
die sowjetischen Fähigkeiten statt
auf Hoffnungen oder Absichtserklärungen zu gründen. Bis heute gibt es
keinen Beweis dafür, daß sich ihre
militärischen
Fähigkeiten
geändert
haben.
Ferner sind optimistische Anzeichen aus der Sowjetunion nicht nur
das Ergebnis des Drucks im Inland,
sondern auch der Anreize aus dem Ausland, die mit der Fähigkeit und Entschlossenheit der NATO, sich inakzeptablem Verhalten der Sowjets zu widersetzen, unter Beweis gestellt werden. Wenn wir die Chancen einer Verwirklichung der erhoften Verbesserungen maximieren wollen, müssen wir
diese Anreize beibehalten.

Perestrojka zu verzögern. Ebensowenig klar ist, ob der NATO aus solcher
Hilfe langfristig ein Vorteil erwachsen würde.
Während wir die Vorgänge in der
Sowjetunion sorgfältig im Auge behalten, sollten wir vielmehr weiterhin
vehement unsere eigenen Interessen
verfolgen. Wir sollten alles erforderliche zur Aufrechterhaltung angemessener
Abschreckungsfähigkeiten
tun. Wir sollten den Sowjets nach
wie vor Anreize bieten, bedeutungsvolle und stabilisierende Rüstungskontrollabkommen zu schließen.
Und
wir sollten Möglichkeiten eröffnen
und vorbereitet sein, kreativ auf
Chancen für konkrete Leistungen in
den Ost-West-Beziehungen zu reagieren.

Schlußbemerkung
Im Verlauf der vergangenen acht
Jahre ist viel gute Arbeit geleistet
worden. Meiner Ansicht nach können
wir ruhig sagen, daß sich die NATO
seit 1981 entscheidend verbessert
hat. Aber es nicht an der Zeit, sich
auf den Lorbeeren auszuruhen.
Es
bleibt noch viel zu tun, und große
Leistungen können noch erbracht werden.
Wenn wir bei unseren Fortschritten von klarem Zweckdenken und
von Einigkeit geleitet sind, kann das
Bündnis den Herausforderungen der vor
uns liegenden Jahre begegnen und noch
bessere Gewährleistung dafür bieten,
daß unsere Fähigkeit, in Frieden und
Freiheit zu leben, aufrechterhalten
wird.

Wir sollten uns inständigem Bitten um "Beistand für Gorbatschow" widersetzen. Es ist nicht klar, ob die
Wirtschaftshilfe der NATO an die
UdSSR mehr bewirken würde als den
Druck nach Durchführung der vordringlichsten und schwierigsten Teile der
- 12 -

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Information

45

7. Dezember 1983

BARBARA BUSH ERHEBT KAMPF GEGEN ANALPHABETENTUM ZU IHRER PRIORITÄT
- Porträt der künftigen First Lady -

WASHINGTON - (AD) - Die Frau des neu gewählten Präsidenten George Bush bezeichnet sich selbst als "Spätzünder", der an "Lebensabschnitte" glaubt - an
Zeiten, in denen man sich im Leben mit aller Kraft für eine Sache einsetzt.

"Meiner Ansicht nach tut es gut,
sich alle zehn Jahre ein neues Thema
vorzunehmen", erklärt sie. "Es tut
gut, den Arbeitsplatz zu wechseln,
neue Menschen zu treffen und neue
Projekte in Angriff zu nehmen."
Im Weißen Haus wird sie jedoch
wahrscheinlich ihr Lieblingsprojekt,
"den nationalen Kreuzzug zur Ausmerzung des Analphabetentums" weiterführen.
"Bei all meinen Anliegen - Umwelt, AIDS, Schwangerschaft von Minderjährigen - könnte Besserung eintreten, wenn mehr Menschen lesen und
schreiben könnten", so Barbara Bush.
"Eine Million amerikanischer Kinder pro Jahr erhalten keinen Schulab-

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schluß", erklärt sie. "Wenn einer
von uns nicht lesen kann, zahlen wir
alle dafür."
Das Problem betrifft diese eine
Million vorzeitige Schulabgänger sowie schätzungsweise
1,4 Millionen
Flüchtlinge und legale und illegale
Einwanderer. In der langen Reihe von
Arbeitslosen fehlen mehr als der
Hälfte die Fähigkeiten zur Kommunikation und die Motivation, schreibt
Mrs. Bush. "Schätzungsweise 23 Millionen Amerikaner stehen wegen ihres
Analphabetentums im Schatten." Ihr
zufolge gibt das Land etwa sechs Milliarden Dollar pro Jahr für Soziales
und Arbeitslosenprogramme aus, die
sich direkt auf Analphabetismus zurückführen lassen.

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�Mrs. Bush ist jedoch der Ansicht:
"Wir stehen jetzt kurz vor der Lösung
eines großen, aber größtenteils verborgenen nationalen Problems."
Mehrere tausend Freiwillige helfen etwa 100 000 Schülern pro Jahr
beim Lesenlernen.
Mit Mrs. Bushs
Hilfe wurde ein "Heißer Draht für Lesen und Schreiben" eingerichtet, um
Schiller und Lehrer in Kontakt zu
bringen. Barbara Bush freut sich auf
die Zeit, wenn jedes Kind nicht nur
lesen und schreiben, sondern auch einen Computer bedienen kann.
Mrs. Bush war "eine treibende
Kraft hinter der Sensibilität von
George Bush im Hinblick auf das Bildungswesen", erklärte ein Mitarbeiter
des neu gewählten Präsidenten.
Ihr Interesse an dem Thema wurde
entfacht als bei ihrem Sohn Neil eine
Leseschwäche
diagnostiziert
wurde.
Sie fand Lehrer, die mit ihm arbeiteten, und er konnte schließlich seinen
Magister an der Universität machen.
Seit dem Zeitpunkt, als die dreijährige Tochter Robin der Familie
Bush 1953 an Leukämie starb, hat
Barbara Bush auch Interesse an der
Bekämpfung dieser Krankheit bekundet.
Sie ist Ehrenvorsitzende der Gesellschaft zur Bekämpfung der Leukämie in
Amerika.
Die Obdachlosen sind ihr ein weiteres wichtiges Anliegen, insbesondere die 30 Prozent der Frauen mit Kindern. Die Väter "werden nicht für
die Kinder zur Verantwortung gezogen", erklärt sie, "sie gründen neue
Familien und helfen nicht den Frauen
und ihren Kindern, um die ich am meisten besorgt bin."
Mrs. Bush weigert sich, ihre persönliche politische Überzeugung zu
diskutieren.
In der Vergangenheit
hat sie Abtreibung befürwortet, während sich ihr Mann dagegen ausspricht. "Wenn ich zu kontroversen
Themen befragt werde, sage ich immer
'Lassen Sie mich Ihnen erklären was

George Bush dazu meint'. Ich bin mit
George über verschiedene Fragen geteilter Meinung, die ich aber nicht
preisgeben möchte.
Ich habe seine
Ansichten in 43 Jahren nicht verändert, und wüßte nicht, warum ich
jetzt damit anfangen sollte."
Barbara Bush erklärt: "Ich nehme
keine politischen Standpunkte ein,
weil ich mich als Ehepartner eines
gewählten Regierungsvertreters genauso fühle wie der Vizepräsident gegenüber dem Präsidenten. Man schuldet
dieser Person - diesem gewählten Vertreter - in der Öffentlichkeit Unterstützung. Hinter verschlossenen Türen kann man seine eigene Meinung
vorbringen. Aber ich bin kein gewählter
Regierungsvertreter.
Wenn
ich es wäre, würde ich auch von
George Bush verlangen, daß er mich
unterstützt."
Dennoch erklärt Mrs. Bush, daß
sie als First Lady eine Zwischenlösung zwischen Rosalynn Carters öffentlichem Engagement und dem privaten Stil von Nancy Reagan anstrebt.
Barbara Bush ist 63, Mutter von
vier Söhnen und einer Tochter und
zehnfache Großmutter.
Sie ist die
Tochter des Präsidenten der Zeitschrift McCall's und besuchte exklusive Mädchenschulen. Sie traf ihren
Mann bei einer Weihnachtsfeier, als
sie 16 und er 17 war. Kurz bevor er
im Zweiten Weltkrieg als Kampfpilot
nach Übersee geschickt wurde, verlobten sie sich, und Barbara Bush
verließ 1945 das College, um zu heiraten.
Nachdem George Bush in Yale Examen gemacht hatte, zog das Ehepaar
Bush in den Westen von Texas, wo
George Bush im Ölgeschäft ganz unten
anfing.
Seine
Familie lieh ihm
schließlich das Geld zur Gründung einer eigenen Firma.
Von dort aus zog Barbara Bush mit
ihrem Mann im Laufe seiner Zeit als
Regierungsvertreter 17 mal um, auch
nach Peking, wo er Leiter des Verbin-

- 2 -

�dungsbüros war, bevor die Vereinigten
Staaten und die Volksrepublik. China
formell Beziehungen aufnahmen.
Es
existiert ein Photo von ihnen mit ihren Fahrrädern auf dem Platz des
Himmlischen Friedens, und seitdem interessiert sich Mrs. Bush für chinesische Geschichte und Kunst. Nach
ihrer Rückkehr bereiste sie Amerika
mit einer Diavorführung über China,
das damals Ausländern weitgehend verschlossen war. Insgesamt hat sie 68
Länder und alle 50 amerikanischen
Bundesstaaten besucht.
Bei ihren Reden im Wahlkampf erzählte sie gerne Witze über sich
selbst. Um Geld für ihre Anliegen zu
sammeln, gab sie ein Buch mit Geschichten heraus, die im Namen des
Hundes der Familie namens C. Fred geschrieben sind. Bei einer Autogrammstunde für das Buch wollte ihr zufolge eine Frau wissen, wo C. Fred denn
sei. Auf die Antwort, er sei zuhause
in Washington, war die Dame beleidigt
und erwiderte: Sie meinen also, ich
bin umsonst hierher gekommen?
Beim Empfang einer Botschaft für
Vizepräsident Bush, so erinnert sie
sich, wurde sie von einem Gast mit
einem
freundlichen
"Hallo,
Mrs.
Shultz" begrüßt, während ein anderer
ihr mit den Worten "Willkommen in unserem Land" die Hand schüttelte.
Bei einem Auftritt mit dem Vizepräsidenten im Wahlkampf rief ein
Fotograph: "Würde die Dame im roten
Kleid bitte aus dem Bild gehen?"
Nach einem Blick auf ihr Kleid erkannte sie dann: "Mein Gott, er meint
mich."

* * * * * *

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

7. Dezember 1988

45

POWELL: BUSH WIRD AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN FESTIGEN
- Artikel über eine Pressekonferenz mit Colin Powell -

WASHINGTON - (AD) - Reagans Nationalem Sicherheitsberater zufolge wird
Präsident Reagan Generalsekretär Gorbatschow nächste Woche davon unterrichten,
daß der neu gewählte Präsident Bush die ausgezeichneten Beziehungen zwischen
Washington und Moskau weiter ausbauen will.
Generalleutnant Colin Powell erklärte am 2. Dezember 1988 gegenüber Journalisten, Reagan sei "stolz auf die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte - wozu er auch allen Grund hat. Ich bin sicher, er wird dies auch
dem Generalsekretär übermitteln."
Bush dem beipflichten wird."

Reagan vertritt die Auffassung,
daß seine Zusammenkünfte mit Gorbatschow den Beziehungen eine neue und
in der Geschichte einmalige Richtung
gegeben haben - durch das Abkommen
über die Beseitigung einer gesamten
Kategorie von Kernwaffen, den Abbau
regionaler Konflikte, die Verbesserung der Menschenrechte in der Sowjetunion und den Ausbau der bilateralen Beziehungen.

Die Vereinigten Staaten "haben
keine wichtigen neuen Vorschläge zu
unterbreiten" erklärte Powell, "und
Entwürfe sind mir nicht bekannt".
Wenn es Vorschläge von seiten der Sowjets gibt, wird Reagan Powell zufolge bereit sein, "diese aufmerksam anzuhören und darauf zu antworten oder
sie gegebenenfalls zu überdenken."

Powel erklärte im Rahmen seines
Gesprächs mit Journalisten über das
bevorstehende
Treffen von Reagan,
Gorbatschow und Bush am 7. Dezember,
der Präsident werde "dem Generalsekretär bedeuten, daß unsere Leistungen
der letzten drei Jahre von Vizepräsident Bush fortgeführt werden, und ich
bin sicher, daß auch Vizepräsident

Die Spitzenpolitiker werden angesichts des Ablaufs der Reagan-Jahre
eine Bilanz über Fortschritte im Bereich der Rüstungskontrolle ziehen
und erörtern, "welche Schritte Vizepräsident Bush bei seiner Amtsübernahme im Januar generell zu unternehmen gedenkt. Ich erwarte keine detaillierten Vorschläge" . .. Reagan

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�und Gorbatschow wird mit diesem letzten Zusammentreffen die Möglichkeit
geboten, "eine Bestandsaufnahme der
gegenwärtig stabilen und sich verbessernden Beziehungen vorzunehmen und
dem Vizepräsidenten Gelegenheit zu
einem kurzen Gespräch mit dem Generalsekretär über den weiteren Ausbau
dieser Beziehungen gegeben".
Powell erklärte, unter protokollarischen Gesichtspunkten werde Bush
als Vizepräsident und nicht als designierter Präsident an der Zusammenkunft auf Governor's Island teilnehmen.
Er fügte hinzu, entgegen anderslautender Spekulationen sei ein
privates Treffen zwischen Bush und
Gorbatschow nicht vorgesehen.
Gorbatschow wird sich nach seiner
Ansprache vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen mit dem Schiff zu
der Insel begeben, um dort mit Reagan
und Bush in der Residenz des Kommandeurs der Küstenwache der amerikanischen Atlantikflotte (Quarters One)
zusammenzukommen. Zum Auftakt ihrer
Gespräche werden die drei Politiker
auf privater Ebene zusammentreffen
und anschließend gemeinsam mit ihren
Beratern ein Arbeitsessen einnehmen.
Auf Seiten der Vereinigten Staaten
werden Reagan und Bush begleitet von
Außenminister George Shultz, Powell,
Rozanne Ridgway, Abteilungsleiterin
für europäische Angelegenheiten im
Außenministerium, dem Stabsschef im
Weißen Haus, Ken Duberstein, und Jack
Matlock, amerikanischer Botschafter
in Moskau.
Nach dem Essen werden die drei
Staatsmänner vom auf der Insel gelegenen Liberty Village aus Sehenswürdigkeiten im Hafen von New York besichtigen, einschließlich der nahegelegenen Freiheitsstatue. Anschliessend werden Reagan und Gorbatschow
zur Verabschiedung des Generalsekretärs zur Anlegestelle der Insel fahren.
Powell geht von einem inhaltsreichen Arbeitsessen aus, erwartet aber
keine Überraschungen.
Die Diskus-

sion, so Powell, werde der vereinbarten vierteiligen Tagesordnung folgen,
welche auch bei den Gipfeltreffen
zwischen Reagan und Gorbachev eingehalten wurde. Wie üblich werde, fuhr
Powell fort, in den Diskussionen auch
die Frage der Menschenrechte "vorrangig behandelt".
Auch Rüstungskontrolle, regionale Konflikte und bilaterale Fragen würden erörtert, fügte
Powell hinzu.
Powell hob hervor, daß Gorbatschow seit seinem letzten Besuch vor
einem Jahr in Washington "seine Führungsrolle in der Sowjetunion gestärkt hat und vielerlei Änderungen
erfolgt sind". Er sagte, Washington
sei durch die Beendigung der Störung
westlicher Radioübertragungen in die
Sowjetunion und die Gewährung von
Ausreisegenehmigungen an eine Zahl
von langjährigen Regimekritikern "ermutigt".
Powell erklärte, die Sowjetunion
sehe sich mit erschreckenden Problemen konfrontiert, zu denen die Aufstände in den sowjetischen Republiken, insbesondere im Kaukasus, und
der schwierige Kampf zur Verbesserung
wirtschaftlicher Leistungen gehöre.
Er fügte hinzu, die Vereinigten
Staaten begrüßten "Fortschritte in
einigen für die Supermächte kontroversen Bereichen" regionaler Konflikte, insbesondere in Afghanistan, Angola und Kambodscha. Von Gorbatschow
erwarte er eine recht eingehende Erörterung sowjetischer Vorschläge zu
einer Ubergangsregierung in Afghanistan, wobei die Genfer Vereinbarungen über den sowjetischen Truppenabzug bis zum 15. Februar überprüft
werde.
Powell sagte, Reagan werde
seine Haltung hierzu wiederholen,
nämlich daß die Parteien selbst über
eine dem derzeitigen Regime nachfolgende Regierung in Kabul entscheiden
sollten und dies nicht von Moskau
oder Washington durchgesetzt werden
könne.
Powell zufolge wird der Präsident
erklären, daß "Fortschritte (bei der

- 2 -

�Beilegung regionaler Konflikte) ohne
Rückschläge andauern sollen", und erwarte eine Erneuerung des Moskauer
Versprechens, die Truppen bis zum 15.
Februar 1989 aus Afghanistan abzuziehen.
Auf eine Frage erwiderte Powell,
er sehe in dem Besuch Gorbatschows in
Kuba keinen Auftakt für den Versuch
Moskaus, seine Prioritäten in Nicaragua zu verlagern.
Die sowjetische
Seite ist sich nach Powells Ansicht
der
traditionellen
amerikanischen
Übe rzeugung bewußt, daß die Situation
in Mittelamerika entschieden verbessert würde, "wenn die 500 Millionen
Dollar an Militärhilfe", die sie dem
sandinistischen Regime in Managua zur
Verfügung stellen, "einem anderen Regime gegeben würden, das sich dem
Wohlstand und Wohlergehen der Menschen mehr verpflichtet fühlt".

reitungsgesprächen zwischen dem amerikanischen und sowjetischen Außenminister.)
"Auf beiden Seiten besteht Interesse an einer Belebung der Beziehungen", erklärte Powell, "und an Fortschritten.
Andererseits
sind die
Termine zu Beginn der Amtszeit der
neuen Administration bereits dichtgedrängt und ich weiß, daß auch die andere Seite Anfang des Jahres einige
Vorhaben hat ... Ich möchte mich hier
keinen Spekulationen darüber hingeben, was in Generalsekretär Gorbatschow und Vizepräsident Bush vorgeht."

Powell verlieh seiner Hoffnung
Ausdruck, Gorbatschow möge erkennen,
"daß es immer einen Störfaktor in unseren Beziehungen geben wird, solange
nichts im Hinblick auf das durch Kuba
und Nicaragua entstandene Problem getan wird und wir nicht so weit gehen
können, wie wir es bei den regionalen
Problemen gerne täten".
Seinen Worten zufolge erwartet er
einen Abzug der kubanischen Truppen
aus Angola entsprechend dem Zeitplan,
wenn das noch ausstehende Abkommen
zwischen Angola und Namibia unterzeichnet wird, und betonte die "konstruktive Rolle" der sowjetischen
Diplomatie bei der Schlichtung von
Konflikten im südlichen Afrika.
Seiner Aussage nach war ihm nicht
bekannt, ob die Möglichkeit eines
frühen
Gipfeltreffens
zwischen
Gorbatschow und Bush erörtert würde.
Nach seinen allgemeinen Gesprächen
mit Bush gehe er davon aus, daß der
Vizepräsident keinen festen Termin
mit nach Governor's Island nehmen
werde. (Bush hat erklärt, er wünsche
ein Treffen mit Gorbatschow zu einem
frühen Zeitpunkt, aber erst nach Konsultationen mit der NATO und Vorbe-

- 3-

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
Wirtschaft

'V,oN *

7. Dezember 1988

45

HANDELSKONFERENZ IN MONTREAL MIT UMFASSENDER TAGESORDNUNG
- Überblick über die zu erörternden Themen -

WASHINGTON - (AD) - Wenn die Handelsminister aus 105 Ländern nächste Woche
für eine "Zwischenbilanz" der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche in
Montreal zusammenkommen, werden in 15 verschiedenen Bereichen Verhandlungen
geführt.
Obwohl einige Entscheidungen bereits getroffen wurden, sind Abkommen
bei zahlreichen Schlüsselthemen noch
nicht in greifbare Nähe gerückt.

darüber erzielt werden können,
was die Minister bis 1990 verwirklichen wollen:
Geistiges Eigentum
Dienstleistungen
Zölle
Handelsbezogene
Investitionsmaßnahmen
Nichttarifäre Maßnahmen

Aus Sicht amerikanischer Reglerungsvertreter können die in Montreal
zu erörternden Themen in drei Bereiche unterteilt werden:

Themen, bei denen greifbare Ergebnisse erzielt werden können:
Landwirtschft
Tropische Produkte
Beilegung von Konflikten
Funktionsweise des GATT-Systems

2.

Themen, bei denen Rahmenabkommen

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3.

Übrige Bereiche, zu den Berichte
über den Stand der Verhandlungen
vorgelegt werden:
Textilien
Natürliche Ressourcen
Sicherungsklauseln
GATT-Abkommen (z.B. Zahlungsbilanzbestimmungen,
Umgang
mit

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�nicht
marktorientierten
Wirtschaften)
Subventionen
GATT-Kodizes (z.B. Regierungsbeschaffung, Zolldeklarierung).
Die Vereinigten Staaten werden
die Mitglieder der GATT-Runde in
Montreal auch dazu drängen, sich in
einem Abkommen zur Beendigung der
Runde im Jahr 1990 zu verpflichten,
und sie nicht bis in die neunziger
Jahre fortzusetzen.

Ein verwandtes Thema, das voraussichtlich Gegenstand bilateraler Gespräche bei dem Treffen sein wird,
betrifft die Erklärung des amerikanischen Handelsbeauftragten Yeutter
vom vergangenen Monat, er sei im Begriff, Maßnahmen gegen Japan wegen
der kontinuierlichen unfairen Handelspraktiken dieses Landes zu ergreifen, es sei denn, Japan erkläre
sich beim Treffen von Montreal bereit, Reis als einen Bereich einzubeziehen, in dem die Handelsschranken
abgebaut werden müssen.

Landwirtschaft
Tropische Produkte
Eindeutig eines - wenn nicht das
umstrittenste - Thema bei den Verhandlungen ist die Forderung der Vereinigten Staaten nach der Abschaffung
aller handelsverzerrenden staatlichen
Subventionen für Bauern zu einem noch
auszuhandelnden Zeitpunkt. Die Europäische Gemeinschaft hat dagegen Einspruch erhoben und fordert stattdessen kurzfristige Maßnahmen zur Verringerung der derzeitigen Überproduktion - eine Situation, die sich kostenintensiv auf die Haushalte ausgewirkt und zum Dumping von Überschüssen auf andere Märkte geführt hat.
Das Treffen in Montreal könnte zu einem Abkommen über ein Einfrieren dos
derzeitigen Niveaus an staatlicher
Unterstützung,
Subventionen
und
Schutzmaßnahmen
führen. Diese Aussicht erscheint vielen Gruppen verlockend - der EG, der Cairns-Gruppe
(eine Gruppe von 13 Agrarexportländern) und den Entwicklungsländern.
Aber die Vereinigten Staaten erklären, sie würden sich einem solchen
Abkommen widersetzen, es sei denn, es
würde an die Verpflichtung gekoppelt,
die
langfristigen
Strukturprobleme
der Agrarsubventionen anzusprechen.
Die Cairns-Gruppe ist der Ansicht,
daß ein Zurückschrauben der Subventionen erforderlich sein könnte, um
einen Rückfall in protektionistische
Praktiken zu vermeiden, und daß unverzügliche Maßnahmen - wie ein Einfrieren - selbst ohne langfristige
Verpflichtungen
ergriffen
werden
sollten.

Die Entwicklungsländer sehen ein
Abkommen in diesem Bereich als Lackmustest für die Aufrichtigkeit der
Industrienationen an, die Entwicklungsländer
in den multilateralen
Handelsprozeß einzubeziehen.
Grundsätzlich beinhaltet dies Zollsenkungen und den Abbau anderer nichttarifärer Handesschranken bei tropischen
Agrarprodukten (Kaffee, Kakao, Reis,
Pflanzenöle, Bananen usw.) sowie tropischen Industrieprodukten (Holz und
Gummi, Jute, Hartfasern usw.). Amerikanische Regierungsvertreter haben
Fortschritte bei diesen Verhandlungen
an Fortschritte im umfassenderen Bereich des Agrarhandels geknüpft. Um
ein Abkommen in Montreal zu erzielen,
müssen die Entwicklungsländer - ebenso wie Japan und die Europäische Gemeinschaft - amerikanischen Regierungsvertretern zufolge größere Verantwortung beim Abbau der Handelshemmnisse
für
tropische
Produkte
übernehmen. In dieser Hinsicht haben
nach Aussage der amerikanischen Regierungsvertreter Brasilien, Kolumbien, Malaysia, Thailand - und in begrenztem Maße - Mexiko Fortschritte
erzielt.

Beilegung von Konflikten
Zahlreiche Länder sehen die Art
und Weise, in der das GATT Handelskonflikte behandelt, als lästig und
übertrieben langwierig an. Verände-

- 2 -

�rungen werden bei den Bestimmungen
angestrebt, um das Verfahren zur Beilegung von Konflikten zu beschleunigen, indem dem GATT-Generaldirektor
eine verstärkte Schlichtungsrolle zugewiesen und die Auswahl und das Vorgehen von Schlichtungsgremien verbessert wird. Die Vereinigten Staaten
würden gerne einen Zeitraum von insgesamt 15 Monaten zur Vervollständigung des Schichtungsverfahrens festlegen.
Aussagen amerikanischer Regierungsvertreter zufolge wurde bereits Einigung zu zahlreichen Themen
erzielt und ein vorläufiges Abkommen
von Montreal, das 1989 in Kraft
tritt, ist wahrscheinlich. Ein noch
umstrittener Bereich betrifft die Art
und Weise, wie die in einem Konflikt
unterlegene Partei davon abgehalten
werden kann, die Durchführung einer
vom GATT-Ausschuß getroffenen Entscheidung zu verhindern, wie es zur
Zeit noch möglich ist.

Funktionsweise des GATT-Systems
Bestrebungen in diesem Bereich
zielen darauf ab, die Rolle des GATT
dahingehend zu erweitern, mehr entsprechend den Richtlinien des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu arbeiten.
Dies würde die Einführung
einer
in
regelmäßigen
Abständen
durchgeführten rigorosen Überwachung
der Handelspolitik der Mitgliedsländer des GATT, mindestens alle zwei
Jahre ein Treffen auf Ministerebene
der GATT-Mitglieder sowie erweiterte
Zusammenarbeit zwischen dem GATT und
Institutionen wie dem IWF beinhalten.
Einer der umstritteneren Vorschläge
in diesem Bereich sieht vor, daß eine
kleine Gruppe von HandelsminiStern
aus etwa 12 bis 15 Entwicklungs- und
Industrienationen
sich
häufiger
trifft, um zur Steuerung der GATT-Politik beizutragen. Amerikanische Regierungsvertreter sind der Ansicht,
zu öinigen dieser Themen könnte in
Montreal Einigung erzielt und mit Beginn des Jahres 1989 deren Einführung
auf vorläufiger Basis vorgenommen
werden.

Geistiges Eigentum
Einem der kontroversen Themen bei
den Verhandlungen, verbesserte internationale Normen für den Schutz von
Patenten, Urheberrechten, Warenzeichen, den Aufbau von Halbleitern sowie Geschäftsgeheimnisse, gilt das
besondere
Interesse
der
amerikanischen Industrie und des Kongresses.
Die Haltung der Vereinigten Staaten geht davon aus, daß der unzureichende Schutz der Rechte an geistigem
Eigentum amerikanische Firmen jährlich über 43 Milliarden Dollar kostet, die wirtschaftliche Entwicklung
in allen Ländern bremst sowie von Investitionen in Forschung und Entwicklung abschreckt, die zu technologischen Durchbrüchen führen könnten.
Während einige Entwicklungsländer
wie Hongkong, Singapur, Thailand, Argentinien, Chile und Industriestaaten
wie
Australien,
Neuseeland,
die
Schweiz, Schweden, die EG-Staaten,
Japan und Kanada schärfere Regelungen
in diesem Bereich unterstützen, lehnt
eine von Brasilien und Indien angeführte Gruppe von Entwicklungsländern
jegliche Rolle des GATT bei dieser
Frage ab.
Letztere argumentieren,
die bestehenden Organisationen, wie
etwa die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), seien der richtige Ort, um solche Vereinbarungen
auszuhandeln.
Die Vereinigten
Staaten haben
keine Bedenken gegen Verhandlungen
über einen besseren Schutz geistigen
Eigentums innerhalb der WIPO, wie ein
führender amerikanischer Handelsvertreter am 30. November 1988 einem Reporter erklärte, solange ein solcher
Schutz bis zum planmäßigen Ende der
Uruguay-Runde im Jahr 1990 vereinbart
werden kann. Er bezweifelte jedoch,
daß in der Wipo bis zu diesem Termin
ein angemessener Schutz ausgehandelt
werden könne.
Ferner bestehen Meinungsverschiedenheiten darüber, ob an den internationalen Grenzen schärfere Uberwa-

�chungsmaßnahmen benötigt werden, um
den Handel mit Gütern zu stoppen, die
Rechte an geistigem Eigentum verletzen, und ob diese Maßnahmen im Inland
angewandt werden sollten.

Dienstleistungen
In bezug auf einen der am schwierigsten faßbaren Verhandlungsbereiche
streben die Vereinigten Staaten in
Montreal eine politische Übereinkunft
dazu an, welche allgemeinen Handelsprinzipien auf einen Dienstleistungskodex anzuwenden seien, sowie einen
Zeitplan für Verhandlungen darüber,
welche Dienstleistungsindustrien genau von diesen allgemeinen Prinzipien
erfaßt würden und wie diese Verhandlungen abgewickelt werden sollten.
Zum Beispiel könnten sich die Unterhändler darauf verständigen, die Verhandlungsgruppe Dienstleistungen in
Untergruppen wie etwa Bankwesen, Versicherungswesen, Tourismus etc. aufzuteilen. Der Handel mit Dienstleistungen umfaßt
schätzungsweise 25
Prozent des gesamten Welthandels.
Und obwohl dies der am schnellsten
wachsende Sektor der amerikanischen
Wirtschaft ist, der zudem 62 Prozent
des amerikanischen Bruttosozialprodukts erwirtschaftet, werden Dienstleistungen gegenwärtig nicht von den
GATT-Regeln erfaßt.
Führende
Handelsvertreter
der
Vereinigten Staaten erklären, der von
der Verhandlungsgruppe Dienstleistungen in Montreal den Ministern vorzulegende Textentwurf sei kaum lesbar,
da er soviele strittige Punkte enthält. Während die amerikanische Position von den meisten Industriestaaten und einigen Entwicklungsländern
unterstützt wird, ist eine andere
Gruppe von Ländern, unter ihnen Brasilien, Indien, Peru, Nigeria, Tansania, Jugoslavien, Kuba und Nicaragua,
der Auffassung, die amerikanischen
Vorschläge würden zu einer Monopolisierung der Märkte von Entwicklungsländern durch die Dienstleistungsindustrien der Industriestaaten führen.
Diese Länder streben einen Sondersta-

tus für Entwicklungsländer an, darunter bevorzugten Marktzugang zu den
Dienstleistungsmärkten der Industriestaaten, das Recht zur Beschränkung
ausländischer Geschäftspraktiken sowie Regelungen, die ihnen den Technologietransfer zu Vorzugsbedingungen
garantieren würden. Die Vereinigten
Staaten lehnen einen solchen Sonderstatus ab, räumen jedoch ein, daß
Entwicklungsländer
einen
längeren
Zeitraum für die Einführung neuer Regelungen zu Dienstleistungen benötigen könnten und anfangs vielleicht
bestimmte Maßnahmen aus entwicklungspolitischen Gründen aussetzen müßten.

Handelsbezogene Investitionsmaßnahmen
Als die Uruguay-Runde im Jahr
1986 initiiert wurde, vereinbarten
die Minister lediglich, handelsbeschränkende Maßnahmen im Hinblick auf
Investitionen zu untersuchen, wobei
die Möglichkeit einer Ausdehnung der
bestehenden GATT-Verfügungen ins Auge
gefaßt wurde, "die zur Vermeidung
solch gegenteiliger Effekte für den
Handel notwendig sein könnten".
Obwohl neue GATT-Sanktionen in
diesem Bereich von den Entwicklungsländern scharf abgelehnt werden, die
der Meinung sind, Regierungen besäßen
das souveräne Recht, ausländische Investitionen in ihren Volkswirtschaften zu kontrollieren, erwarten die
Vereinigten Staaten in Montreal eine
Vereinbarung
der zufolge Maßnahmen
in bezug auf Investitionen dem GATTKodex unterworfen werden. In diesem
Zusammenhang soll bis 1990 Übereinstimmung über eine Liste von Maßnahmen erzielt werden, die als handelsverzerrend betrachtet werden sowie
darüber, welche bestehenden GATT-Kodizes oder neuen GATT-Regelungen zur
Beseitigung solcher Maßnahmen notwendig sind. Vertreter der Vereinigten
Staaten betrachten dies gegenwärtig
nicht als kontroverses Thema, teilweise aufgrund einer Erklärung im
Vertragsentwurf, die eine Berücksichtigung entwicklungspolitischer Ziele

- 4 -

�bei der Schaffung neuer GATT-Verfügungen in diesem Bereich gestatten
würde.
Ein Beispiel handelsbezogener Investitionsmaßnahmen wäre die Bedingung, der zufolge ein Tochterunternehmen in ausländischem Besitz einen
festgelegten Prozentsatz der Produktion oder eine Mindestanzahl oder einen Mindestwert an Waren exportiert.
Bis heute haben die Unterhändler 13
verschiedene handelsbezogene Investitionsmaßnahmen bestimmt.

Zölle
Die meisten Länder haben Einigung
über die Notwendigkeit erzielt, die
Zollsätze erheblich zu senken.
Es
bestehen jedoch weiterhin Meinungsverschiedenheiten darüber, ob alle
Zölle mit der gleichen mathematischen
Formel gesenkt werden sollten oder ob
die Länder Zugeständnisse bei den
Zöllen in bilateralen Verhandlungen
erreichen sollten, deren Ergebnisse
auf der Grundlage der Meistbegünstigung (die Verpflichtung, daß ein Land
einem anderen Land die niedrigsten
einem Drittland zugestandenen Zollsätze gewährt) verwirklicht würden.
Amerikanischen
Vertretern
zufolge
würden bei Anwendung des Formelansatzes alle Länder daran teilnehmen müssen, während bei Verhandlungen in der
Vergangenheit einige Länder sich entschieden, keine Senkungen der Zölle
durchzuführen, gleichzeitig aber von
den Zollsenkungen
anderer Staaten
profitierten.
Obwohl die meisten
Staaten sich bereit erklärt haben,
überwiegend "gebundene" Zölle einzuführen - unter der Voraussetzung, daß
das Zollniveau nicht angehoben wird
-, muß noch ausgehandelt werden, wie
umfassend diese Bindung sein würde.
Die Vereinigten Staaten haben
ferner unlängst vorgeschlagen, alle
Zölle der Industriestaaten auf Produkte aus den ärmsten Entwicklungsländern abzuschaffen. Eine Vereinbarung zu diesem Vorschlag wird in
Montreal nicht erwartet.

Subventionen und Gegenmaßnahmen
Der Schwerpunkt der Verhandlungen
in diesem Bereich liegt auf der Verbesserung der gegenwärtigen GATT-Vereinbarung über Subventionen, die der
Auffassung zahlreicher Länder zufolge
unter mangelnder an Klarkeit und unzureichenden Bestimmungen über Sanktionen leidet. Im jetzigen Stadium
sind die Länder jedoch in höchstem
Maße gespalten darüber, welche Subventionen als zulässig zu erachten
sind, in welchem Umfang ein Land gegen eine Subventionierung vorgehen
kann und ob einem Entwicklungsland
Sonderbehandlung zugestanden werden
sollte.
Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge wird von den Ministern in Montreal erwartet, daß sie
ein vom Vorsitzenden der Arbeitsgruppe Subventionen verfaßtes Rahmenabkommen "zur Kenntnis" nehmen, ohne
entsprechende Verpflichtungen einzugehen. Dieses Abkommen würde Subventionen in drei Kategorien unterteilen: verbotene Subventionen, gestattete, aber anfechtbare sowie erlaubte
Subventionen. Es betrifft ebenfalls
verbesserte Abhilfe und gestraffte
Schlichtung von Streitigkeiten. Amerikanische Regierungsvertreter erwarten, daß die letzten zwei Verhandlungsjahre schwierig und kontrovers
verlaufen werden.
Obwohl die Vereinigten Staaten das Konzept des Rahmenabkommens befürworten, haben sie
ernsthafte Vorbehalte gegen Bestimmungen, die Subventionen, Erhebung
von Ausgleichszöllen
und erlaubte
Subventionen definieren.

Nichttarifäre Handelshemmnisse
Zielsetzung der Uruguay-Runde in
diesem Bereich ist die Abschaffung
nichttarifgebundener
Handelshindernisse (NTB) - unter anderem Quoten,
Subventionen
und
diskriminierende
staatliche
Beschaffungspraktiken
die
von
bestehenden
GATT-Kodizes
nicht ausreichend erfaßt werden. Eine Reihe dieser NTBs wird von anderen

- 5 -

�Verhandlungsgruppen der Uruguay-Runde
abgedeckt. Die Gruppe ist angesichts
der von den Vereinigten Staaten vorgelegten Liste der von 32 Ländern
aufgebauten 150 Hindernissen gegenwärtig damit befaßt, diese Hindernisse zu identifizieren. Der im Rahmen
der Zwischenbilanz vorgelegte Bericht
soll ein Statusbericht vergangener
Treffen wie auch eine Richtlinie für
zukünftige Verhandlungen sein.

Bei den Runden erzielte
Vereinbarungen und Kodizes
Im Rahmen der letzten 1979 abgeschlossenen Runde von Handelsverhandlungen wurden sechs Kodizes ausgehandelt und damit neue Regeln zur staatlichen Beschaffung, Normen, Zolldeklarierung, Importlizenzen, Antidumping, Subventionen und Ausgleichszölle festgesetzt. Die Direktive dieser
Gruppe liegt gegebenenfalls in der
Klärung und Verbesserung der Kodizes.
Bis jetzt haben sich die Verhandlungen auf Normen, Importlizenzen und
Antidumping konzentriert. Im Rahmen
des Normencodes unterstützen die meisten Länder Bestrebungen zur besseren
Disziplin bei Zustimmungs-, Inspektionsund
Testverfahren.
Neue
Sanktionen bei Importlizenzen stießen
auf wenig Zustimmung. Und eine Reihe
von Ländern streben Änderungen an, um
einem Land Antidumpingmaßnahmen zu
erschweren.
Es wird erwartet, daß
die Minister in Montreal den gegenwärtigen Stand der Gespräche zur
Kenntnis nehmen, Bereiche der Übereinstimmung umreißen und intensivierte Verhandlungen fordern.

Sicherungsklauseln
Artikel 19 des GATT gestattet gegenwärtig
einem Importland, seine
heimische Industrie zeitweise zu sichern, wenn eine Zunahme der Importe
ernsthafte Nachteile mit sich bringt
oder mit sich zu bringen droht. Dennoch sind die Vorschriften vage und
werden oftmals umgangen.

Angesichts der den Entwicklungsländern zugestandenen hohen Priorität
sind die Verhandlungen dennoch nur
langsam vorangekommen, weil Vereinbarungen darüber fehlten, ob es einem
Land gestattet sein soll, nur Maßnahmen gegen die .Länder zu ergreifen,
die das Problem angeblich verursachen
oder ob gegen alle Länder einheitliche Maßnahmen ergriffen werden sollen. Die Zwischenbilanz wird die Unterhändler
erwartungsgemäß
auffordern, bis Mitte 1989 Verhandlungen
über die Bestandteile der neuen Sicherungsklauseln aufzunehmen.

Artikel des GATT
Die Zielsetzung dieser Gruppe ist
die Überarbeitung bestehender GATTArtikel, Bestimmungen und Sanktionen
auf Wunsch der GATT-Mitglieder. Unter den von dieser Gruppe erörterten
Problemen befindet sich eine Bestimmung, die es einzelnen Ländern gestattet, Handelsschranken zu errichten, wenn sie sich im Hinblick auf
ihre Zahlungsbilanz in Schwierigkeiten befinden wie auch eine Bestimmung
über die Behandlung der nicht marktwirtschaftlich
orientierten
Volkswirtschaften des GATT.
Die Länder
befinden sich immer noch im Prozeß
der Prüfung, und über einzelne GATTArtikel sind noch keine Verhandlungen
aufgenommen worden.

Stillstand und Rückschläge
Im Jahr 1986 haben die Mitgliedstaaten des GATT gefordert, daß die
Errichtung
neuer
Handelsschranken
vermieden und alle den Handel einschränkenden oder verzerrenden Maßnahmen abgeschafft werden, die nicht
mit gegenwärtigen Bestimmungen des
GATT im Einklang stehen. Gegen die
Verletzung dieser Forderung sind viele Einwände
erhoben worden.
In
Montreal wird die Wirksamkeit dieser
Verpflichtung überprüft und das GATT
wahrscheinlich gebeten werden, bis
Juli 1989 eine eingehende Bewertung
dazu durchzuführen.
Ferner werden

�die Handelsminister kommenden Monat
zur Bestätigung ihrer Verpflichtung
aufgefordert werden.

Textilien
Die Länder haben Informationen
ausgetauscht, aber noch keine Verhandlungen aufgenommen. Die Entwicklungsländer haben ein Ende des bestehenden Multifaser-Abkommens (Multifiber Arrangement - MFA) gefordert,
mit dem den Importländern gestattet
wird, Länderquoten mit den einzelnen
Textilherstellern auszuhandeln.
Obwohl die Vereinigten Staaten ihre
Verhandlungsposition noch nicht dargelegt haben, behandeln alle bisher
vorgelegten Dokumente Verfahrensweisen zur Einstellung des MFA.

Produkte aus Rohstoffen
Die Vereinigten Staaten haben
vorgeschlagen, daß das ursprünglich
die Überprüfung von Problemen des
Marktzugangs bei nicht eisenhaltigen
Metallen, forstwirtschaftlichen Produkten und Fischereierzeugnissen umfassende Mandat der Gruppe jetzt auf
energiewirtschaftliche Produkte ausgedehnt werden soll.
Die Gruppe
überprüft gegenwärtig noch Marktzugangsbeschränkungen und berät andere
Gruppen der Uruguay-Runde über Möglichkeiten der Verbesserung von GATTSanktionen im Hinblick auf diese Produkte.

* * * * * *

- 7 -

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AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik
7. Dezember 1988

45

ELTERN FORMIEREN SICH
- EURAD - "Europäische Elternliga gegen Drogenmißbrauch" -

WASHINGTON - (AD) - "Einer der wichtigsten Beiträge, den die Vereinigten
Staaten zu den internationalen Anstrengungen bei der Bekämpfung von Drogenproduktion und Drogenhandel leisten können, besteht in der Verringerung der Nachfrage bei uns." Ann Wrobleski, Unterstaatssekretärin für Internationale Drogenangelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, stellte sich auf der
ersten PRIDE-Konferenz in der Bundesrepublik Deutschland am 22. November 1988
in Stuttgart uneingeschränkt hinter das von Präsident Reagan am 18. November
unterzeichnete neue Anti-Drogengesetz mit seinen außerordentlich verschärften
Maßnahmen. Es soll außerdem "... jenen ein Mittel an die Hand geben, deren
tägliche Aufgabe darin besteht, die Straßen und Städte Amerikas von der Geißel
illegaler Drogen zu säubern".

PRIDE bedeutet "Parents Resources
Institute for Drug Education". Die
Organisation ging aus einer vor 12
Jahren in Atlanta (Georgia) gegründeten Elterninitiative hervor, sowohl
die Jugend wachsam gegenüber Drogen
zu machen und sich der Verführung zu
widersetzen, als auch die Eltern über
die Fakten gründlich zu informieren
und zur strikten Überwachung ihrer
Kinder zu "erziehen".
Eine solche
Überwachung sei natürlich bei 17jährigen nicht mehr möglich, sagt Dr.
Thomas Gleaton, Präsident der amerikanischen PRIDE-Organisation.
"Aber
bei Kindern bis 16 wollen wir zum
mindesten vorbeugen." So ist die Arbeit der kommunalen PRIDE-Vereinigungen mit Aktionen aller Art in ganz
Amerika verbunden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Inzwischen haben sich nach dem
Modell von Atlanta auch in einer Reihe
anderer Länder oder Regionen
PRIDE-Organisationen
konstitutiert.
Die jüngste mit Namen EURAD (European
Parents against Drug Abuse), wurde in
Stuttgart aus der Taufe gehoben wurde. Dr. Gleaton vom US-Informationsamt (USIA) hatte als Vertreter von
AMPART, der amerikanischen PRIDE-Sektion, an der Stuttgarter Konferenz
teilgenommen.
Nach
der
Rückkehr
zeigte er sich sehr beeindruckt von
der Entschlossenheit der Partner in
Europa, sich der Drogenflut entgegenzustemmen und auch schon gegen gelegentlichen Drogenkonsum hart vorgehen
zu wollen.
Die Äußerungen der ca. 700 Teilnehmer aus zehn europäischen Ländern

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�hätten erkennen lassen, daß EURAD eine "viel militantere Position" einnimmt, als dies bei den amerikanischen Bürgergruppen
anfangs der
Fall war. Der europäisch Regionalorganisation gehören die Staaten Bundesrepublik
Deutschland,
Dänemark,
Großbritannien, Frankreich, Irland,
Niederlande,
Norwegen,
Portugal,
Schweden und Spanien an. "Die Europäer wissen sehr genau, was in ihren
Ländern vorgeht, und vertreten deshalb schon von Anfang an einen härteren Standpunkt", meinte Gleaton. Die
Regierung kann unterstützen, sie kann
ermutigen, sie kann etwas erleichtern
- aber das Drogenproblem braucht Initiativen aus der Bevölkerung.
Und
die Europäer sagen, auch der gelegentliche Konsument dürfe nicht ungestraft davonkommen."
EURAD wurde ins Leben gerufen, um
Eltern, Bürgerschaft und Politikern
ein Forum für engere Zusammenarbeit
und
Informationsaustausch
zwischen
den Staaten zu geben.
Gegenwärtig
sei man dabei, so Gleaton, das "Netzwerk" betroffener Personen - Eltern,
Behördenvertreter, Experten - enger
zu knüpfen. Vor Stuttgart waren Konferenzen in verschiedenen Regionen
der Welt, zuletzt In Tel Aviv und
Kairo, abgehalten worden. Kairo wurde 1988 die sechste PRIDE-Sektion im
Ausland. Dr. Gabriel Nahas, der in
Ägypten geborene
Pharmakologe und
Psychiater, wandte sich als einer der
ersten gegen den Mythos, Marihuana
sei harmlos. Der Schwede Dr. Nils
Bejerot ist Spezialist in der Suchtforschung. Dem Amerikaner Dr. Mark
Gold sind die meisten Erkenntnisse
über die sekundären Auswirkungen von
Kokain zu verdanken.
Alle von diesen und vielen anderen Forschern erarbeiteten Erkenntnisse werden den PRIDE-Elternvereinigungen sofort zur Kenntnis gebracht.
Sie arbeiten erfolgreich, wie nicht
zuletzt durch die Tatsache belegt
wird, daß nach dem amerikanischen Modell ähnliche Initiativen in Belize,
Bolivien, Australien, Kanada, den
Caum-Inseln, Honduras, Panama und

Nigeria entstanden.
Die Mitarbeit der Eltern kann gar
nicht hoch genug bewertet werden.
Denn selbst die wirksamste, professionell durchgeführte Drogen-Rehabilitation hat "bestenfalls 50 Prozent
Erfolg", berichtet Gleaton. Außerdem
sei ein Erfolg nur zu halten, wenn er
extensiv von Therapie und der verständnisvollen Mithilfe von Familie
und Umwelt gestützt werde. Dr. Gold
schätzt, "daß bestenfalls auf eine
Dauererfolgsrate von 25 Prozent, das
heißt Heilung, gehofft werden kann".
Und aus diesem Grund kommt der Vorbeugung die allergrößte Bedeutung zu.
Die nächste Jahreskonferenz in
Atlanta, zu der auch die Delegierten
aller ausländischen PRIDE-Sektionen
kommen, ist für April 1989 vorgesehen.

* * * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO sollte sich auf Modernisierung und Rüstungskontrolle konzentrieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Paul Nitze zur Verleihung &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;des Atlantic Award&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Barbara Bush erhebt Kampf gegen Analphabetentum zu ihrer Priorität&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der künftigen First Lady&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Powell: Bush wird amerikanisch-sowjetische Beziehungen festigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Artikel über eine Pressekonferenz mit Colin Powell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelskonferenz in Montreal mit umfassender Tagesordnung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Überblick über die zu erörternden Themen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eltern formieren sich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;EURAD - Europäische Elternliga gegen Drogenmißbrauch&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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cimerikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

7. Dezember 1994

48

KSZE

CLINTON: "SCHLEIER DER INDIFFERENZ"
KANN EISERNEN VORHANG NICHT ERSETZEN
Rede des Präsidenten beim KSZE-Gipfel

NATO

NATO SOLL OSTERWEITERUNG
VORBEREITEN
Außenminister Christopher vor dem Nordatlantikrat

BOSNIEN

NATO WARE ZUM EINSATZ VON
LUFSTREITKRÄFTEN BEREIT
Eröffnungsansprache des Außenministers

AUSSENPOLITIK

LAKE WARNT VOR EINSEITIGER AUFHEBUNG
DES BOSNISCHEN WAFFENEMBARGOS
Rede vor der Princeton University

MILITÄR

CLINTON KÜNDIGT NEUE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE AN
Erklärung des Präsidenten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�KSZE
7. Dezember 1994

CLINTON: "SCHLEIER DER INDIFFERENZ" DARF
EISERNEN VORHANG NICHT ERSETZEN
Rede des Präsidenten beim KSZE-Gipfel
BUDAPEST - (AD) - Beim Gipfeltreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE)
am 5. Dezember 1994 in Budapest appellierte Präsident Clinton an die Nationen Europas, aus den Ereignissen
in Bosnien Lehren zu ziehen und nicht zuzulassen, daß der Eiserne Vorhang durch einen "Schleier der
Indifferenz" ersetzt wird.
Mit der Feststellung, daß keine Seite den Sieg in Bosnien davontragen könne, erklärte der Präsident, die KSZE
müsse die durch den Zerfall der Sowjetunion entstandenen Chancen ergreifen, "um ein neues sicherheitspolitisches Gefüge für das vor uns liegende Zeitalter zu schaffen".
"Unsere Frustration über diesen Krieg darf uns nicht dazu verleiten, unsere Bemühungen, ihn zu beendigen,
einzustellen", so Clinton. "Und die Vereinigten Staaten werden dies nicht tun."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten vor der Plenarsitzung des KSZE-Gipfeltreffens.

Ich danke Ihnen. Ich freue mich, hier in dieser
großartigen Stadt in Mitteleuropa bei dieser historischen Zusammenkunft anwesend zu sein.
Die Vereinigten Staaten engagieren sich für den
Aufbau eines vereinten, freien und sicheren Europas.
Unseres Erachtens erfordert dieses Ziel
entschlossene Anstrengungen zur weiteren Verringerung der nuklearen Bedrohung; eine an neue
Herausforderungen angepaßte starke NATO; eine
starke KSZE, die unter anderem darauf hinarbeitet,
eine Führungsrolle bei Bestrebungen zur Vermeidung eines erneuten Bosnien zu übernehmen; große
Bemühungen zurZusammenarbeit mit den Vereinten
Nationen und Bestrebungen aller Nationen Europas,
bei gemeinsamen Problemen und Chancen in
Harmonie zusammenzuarbeiten.
Im 20. Jahrhundert haben Konflikte und Mißtrauen
Europa beherrscht. Die von uns heute unternommenen Schritte werden zu der Gewährleistung beitragen, daß im 21. Jahrhundert Frieden und Wohlstand
herrschen.
Die Kräfte, die Europa zerrissen haben, wurden
besiegt. Aber weder der Triumph des Friedens noch
der Demokratie ist gesichert. Das Ende des Kalten
Krieges bietet uns die Chance, das Versprechen von
Demokratie und Freiheit zu erfüllen. Und wir müssen diese Chance zu ergreifen, um ein neues sicher-

AMERIKA DIENST 48

heitspolitisches Gefüge für das vor uns liegende
Zeitalter zu schaffen. Wir dürfen nicht zulassen, daß
der Eiserne Vorhang durch einen Schleier der Indifferenz ersetzt wird. Wir dürfen die neuen Demokratien
nicht in eine Grauzone verweisen.
Statt dessen wollen wir die Sicherheit aller verbessern, die alten Trennlinien auslöschen, ohne willkürlich neue zu ziehen, die aufstrebenden Demokratien stärken und die Nationen Europas in einen
Kontinent integrieren, auf dem Demokratie und freie
Märkte keine Grenzen kennen, aber die Grenzen aller
Nationen sicher sind.
Wir erzielen Fortschritte bei den für die Zukunft
relevanten Fragen. Heute werden fünf Mitgliedstaaten dieser Organisation - Belarus, Kasachstan,
Rußland, die Ukraine und die Vereinigten Staaten den START I-Vertrag in Kraft setzen und die nukleare
Bedrohung verringern, die seit nahezu einem halben
Jahrhundert wie ein Damoklesschwert über unseren
Köpfen schwebte.
START I wird strategische Bomber und Trägersysteme für Raketen beseitigen, die über 9.000 Gefechtsköpfe tragen. Und er öffnet die Tür zur unverzüglichen Ratifizierung von START II, mit dem weitere
5.000 Gefechtsköpfe abgebaut werden.
Diese
Aktionen werden das Arsenal der Vereinigten Staaten
und der ehemaligen Sowjetunion um mehr als 60

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�Prozent der Höchstzahl aus den Zeiten des Kalten
Krieges verringern. Infolgedessen wird die Welt zu
einem sichereren Ort.
Aber selbst während wir diese bahnbrechende
Errungenschaft für den Frieden feiern, wütet der
schreckliche Konflikt in Bosnien keine 480 Kilometer
von dieser Stadt entfernt. Nach drei Jahren des
Konflikts sind die Kombattanten in einen schrecklichen Krieg verstrickt, den niemand gewinnen kann.
Alle sehen sich jetzt mit derselben Entscheidung
konfrontiert: Sie können die militärische Pattsituation
verlängern oder das Blutvergießen beenden und
anfangen, Frieden zu schließen.
Die Regierung von Bosnien-Herzegowina hat mit der
Annahme des internationalen Friedensplans und der
Zustimmung zu den jüngsten Forderungen nach
einem Waffenstillstand die richtige Entscheidung
getroffen. Daher sage ich den bosnischen Serben
nochmals: Beenden Sie die Aggression, stimmen
Sie dem Waffenstillstand und neuen Verhandlungen
auf der Grundlage des Plans der Kontaktgruppe zu.
Legen Sie ihre Differenzen am Verhandlungstisch
bei - nicht auf dem Schlachtfeld.
Unsere Frustration über diesen Krieg darf uns nicht
dazu verleiten, unsere Bemühungen, ihn zu beendigen, einzustellen. Und die Vereinigten Staaten
werden dies nicht tun. Wenn wir irgend etwas aus
der Agonie Bosniens gelernt haben, dann zweifelsohne, daß wir daraus Lehren ziehen müssen. In
anderen Teilen Europas drohen ethnische Auseinandersetzungen und Kräfte des Hasses und der
Verzweiflung sowie Demagogen, die Vorteil daraus
ziehen wollen, die neue Welle der Freiheit umzukehren, die den Kontinent erfaßt hat.
Während wir das Ende des Krieges in Bosnien
anstreben, müssen wir darauf hinarbeiten, ein erneutes Bosnien zu verhindern. Und wir müssen die
Strukturen aufbauen, die seit kurzem freien Nationen
behilflich sind, ihre Umgestaltung zu marktwirtschaftlichen Demokratien erfolgreich zu vollziehen und ihre
Freiheit zu bewahren.
Wir wissen, daß dies nicht über Nacht geschehen
wird, aber mit der Zeit. Die NATO, die KSZE und
andere europäische und transatlantische Institutionen können in enger Zusammenarbeit mit den
Vereinten Nationen die Demokratie, Stabilität und
den Wohlstand unterstützen und erweitern, deren
sich Westeuropa und Nordamerika seit 50 Jahren
erfreuen. Das ist die Zukunft, die wir aufbauen
wollen.
Die NATO bleibt das Fundament der Sicherheit in
Europa. Da auf dem Kontinent Veränderungen

Seite 2

stattfinden, ändert sich ihre Rolle jedoch. Im Januar
öffnete die NATO ihre Tür für neue Mitglieder und rief
die Partnerschaft für den Frieden ins Leben. Seitdem
sind 23 Nationen der Partnerschaft beigetreten, um
gemeinsame Ausbildungsprogramme und militärische
Übungen durchzuführen und engere politische
Kontakte zu knüpfen.
Vergangene Woche haben wir weitere Schritte zur
Vorbereitung einer Erweiterung unternommen, indem
wir die Ausarbeitung der Voraussetzungen für die
Mitgliedschaft begannen.
Die neuen Mitglieder
werden dem Bündnis allmählich und offen Land für
Land beitreten. Jedes neue Mitglied muß der Demokratie und freien Marktwirtschaft verpflichtet und in
der Lage sein, einen Beitrag zur europäischen
Sicherheit zu leisten. Die NATO schließt keine
Nation automatisch von einem Beitritt aus. Gleichzeitig hat kein Nichtmitgliedsland ein Vetorecht gegen
eine Erweiterung.
Durch die Erweiterung der NATO wird die Sicherheit
für alle europäischen Staaten erhöht, denn das
Bündnis ist keine aggressive, sondern eine offensive
Organisation. Die neuen und alten Mitglieder der
NATO sowie die Nichtmitgliedstaaten werden sicherer.
Während die NATO ihre Mission fortsetzt, können
und sollten andere Institutionen einen Teil der Last
zur Erhöhung der Sicherheit und besondere Pflichten
übernehmen. Eine starke und aktive Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ist von
essentieller Bedeutung.
Über ein Jahrzehnt lang richteten mutige Männer und
Frauen, die unter großen persönlichen Risiken die
Tyrannei bekämpften, um die in der Schlußakte von
Helsinki niedergelegten Menschenrechte zu erringen,
ihren Blick auf die KSZE. Jetzt kann die KSZE
Hilfestellung beim Aufbau eines neuen, integrierten
Kontinents leisten. Sie verfügt zur Erfüllung dieser
Aufgabe über einzigartige Instrumente.
Die KSZE ist das einzige regionale Forum, dem
nahezu jede Nation Europas und Nordamerikas
angehört. Sie hat bei der friedlichen Beilegung von
Konflikten Pionierarbeit geleistet - von Pendeldiplomatie bis zu Langzeitmissionen in Spannungsgebieten. Jetzt, da Europa die Freiheit gewonnen hat,
kann die KSZE eine bedeutendere Rolle spielen um
zu gewährleisten, daß die Freiheit nie wieder verloren
geht.
Der vorgeschlagene neue Name - Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa - symbolisiert die neue und bedeutende Mission, die sie
unseres Erachtens übernehmen muß. Die KSZE

AMERIKA DIENST 48

�sollte unsere erste flexible Verteidigungslinie gegen
ethnische und regionale Konflikte darstellen. Ihre
Regeln können vor dem Streben nach Hegemonie
und Einflußsphären schützen. Sie kann den Nationen bei der gemeinsamen Schaffung von Wohlstand
helfen. Und sie kann die Integration Europas Stück
für Stück fördern.
Durch die Konzentration auf Menschenrechte, Konfliktvermeidung und Schlichtung von Streitigkeiten
kann die KSZE ein erneutes Bosnien verhindern
helfen. Wir unternehmen bei diesem Treffen bedeutende Schritte zur Erreichung dieses Ziels - durch
die Stärkung des Hochkommissars für nationale Minderheiten, Festlegung eines Verhaltenskodex zur
Erzielung demokratischer ziviler Kontrolle über das
Militär, Stärkung der Grundsätze zur Nichtverbreitung
von Massenvernichtungswaffen sowie Vorbereitung
der Entsendung von KSZE-Beobachtern und -Friedenstruppen in potentielle Unruhegebiete außerhalb
Bosniens. Diese Aktionen werden nicht zu Triumphen und Schlagzeilen führen, könnten aber vielleicht Tragödien verhindern helfen.
Die in Rom verabschiedeten Grundsätze machen
deutlich, daß jede Friedenssicherungsmission eine
von den Parteien selbst ausgehandelte Regelung
zum Ziel haben muß und keine von außen aufoktroyierte Lösung. Und sie legen fest, daß kein
Land regionale Konflikte, so bedrohlich sie auch sein
mögen, zur Erhöhung seiner Sicherheit auf Kosten
anderer nutzen darf.
Ich finde es äußerst ermutigend, daß wir mit Unterstützung und Beteiligung der Russischen Föderation
kurz vor einer Übereinkunft stehen, daß die KSZE
eine multinationale Friedenssicherungstruppe nach
Nagornyj Karabach entsendet.
Die Vereinigten
Staaten begrüßen die Bereitschaft einer Vielzahl von
Nationen, für diese Mission Truppen und Material
bereitzustellen.
Die andauernde Tragödie in Nagornyj Karabach
erfordert doppelte Anstrengungen zur Förderung
eines dauerhaften Waffenstillstands und einer
gerechten Lösung. Die Vereinigten Staaten sind ein
entschiedener Befürworter dieser Bestrebung und

*

AMERIKA DIENST 48

rufen alle KSZE-Mitgliedstaaten auf, hierzu einen
Betrag zu leisten.
Die KSZE sollte auch bei der Förderung von Wirtschaftswachstum eine wichtige Rolle spielen, während sie gleichzeitig die Ressourcen und Umwelt
Europas schützt. Wir sollten sie bei ihrem Bemühen
um verstärkte regionale und grenzüberschreitende
Zusammenarbeit unterstützen.
Dadurch können
Menschen zusammengeführt werden, um neue
Straßen, Brücken und Kommunikationsnetze zu
bauen - die Infrastruktur der Demokratie.
Seit 1975, als die Länder Europas ihrem Wunsch
nach Bildung einer Wertegemeinschaft Ausdruck
verliehen und die KSZE gründeten, wurden mehr
Fortschritte erzielt als selbst Träumer sich erhofft
hatten. Wir wissen, daß Wandel möglich ist. Wir
wissen, daß ehemalige Gegner sich versöhnen
können. Wir wissen, daß eloquente Absichtserklärungen über Demokratie und Menschenrechte den
Frieden fördern können, wenn den Worten Taten
folgen.
Heute, nahezu 20 Jahre später, besteht unsere
Herausforderung darin, die errungenen Freiheiten zu
verbreiten und zu konsolidieren. Diese Aufgabe
erfordert Energie und Stärke. Alte Regime sind
zusammengebrochen, aber ein neues Erbe und
Mißtrauen bleiben bestehen.
Nationen wurden
befreit, aber ethnischer Haß bedroht Frieden und
Toleranz. Demokratie und Marktwirtschaften sind im
Entstehen begriffen, aber der Wandel verursacht
überall Angst und Unsicherheit.
Bereits dreimal in diesem Jahrhundert haben unsere
Nationen ihre ganze Energie aufgeboten, um die
dunklen Kräfte der Geschichte zu besiegen. Sie
haben uns eine große Verantwortung und eine
außergewöhnliche Chance hinterlassen.
Jetzt
besteht unsere Aufgabe darin, eine neue Welt für
unsere Kinder zu gestalten - eine Welt mit mehr
Demokratie, mehr Wohlstand und mehr Sicherheit.
Die KSZE muß hierbei eine entscheidende Rolle
spielen.
Ich danke Ihnen, Herr Vorsitzender.

* * *

*

Seite 3

�NATO
7. Dezember 1994

NATO SOLL OSTERWEITERUNG VORBEREITEN
Außenminister Christopher vor dem Nordatlantikrat
BRÜSSEL - (AD) - US-Außenminister Warren Christopher forderte die Mitgliedstaaten der NATO dazu auf,
unverzüglich die praktischen Erfordernisse einer Erweiterung des Bündnisses zu prüfen und bis Dezember
einen ersten Gedankenaustausch mit potentiellen neuen Mitgliedern durchzuführen.
Bei dem Treffen des Nordatlantikrats in Brüssel erklärte der Außenminister am 1. Dezember 1994, der Prozeß
der NATO-Erweiterung solle stetig, besonnen und transparent verlaufen, und die neuen Mitglieder müßten einer
verantwortungsbewußten Sicherheitspolitik verpflichtete marktwirtschaftliche Demokratien sein, die einen Beitrag
zu dem Bündnis leisten können.
Christopher versicherte den westlichen Verbündeten, die Interessen Amerikas in Europa hätten sich nicht
geändert und die NATO sei jetzt und in Zukunft der Anker des Engagements der Vereinigten Staaten in Europa
und der Kern transatlantischer Sicherheit.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Außenministers vor dem Nordatlantikrat.

Herr Generalsekretär, verehrte Kollegen und Freunde. Ich freue mich, gemeinsam mit Ihnen an diesem
wichtigen Treffen des Nordatlantikrats teilzunehmen.
Gestatten Sie mir, erneut unseren neuen Generalsekretär zu begrüßen, der seine neue Aufgabe zu
einem entscheidenden Zeitpunkt in der Geschichte
der NATO und Europas übernimmt.
Dies ist eine Zeit großer Veränderungen in Europa.
Die Interessen der Vereinigten Staaten in Europa
haben sich jedoch nicht verändert - ebensowenig
wie die unser Engagement bestimmenden Grundsätze, die seit langem von beiden Parteien unterstützt
werden.
Der erste Grundsatz lautet, daß die NATO der Anker
des amerikanischen Engagements in Europa und
der Kern transatlantischer Sicherheit ist und bleibt.
Die Vereinigten Staaten pflegen dauerhafte politische, militärische, wirtschaftliche und kulturelle
Beziehungen zu Europa, die bewahrt werden müssen.
Der zweite Grundsatz des amerikanischen Engagements bleibt unsere Unterstützung für die europäische Integration sowie unsere Partnerschaft mit der
Europäischen Union. Die Vereinigten Staaten haben
die europäische Integration von Anfang an gefördert.
Die EU ist bei Handel, Diplomatie und in zunehmen-

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dem Maße im Bereich der Sicherheit, wo wir gemeinsam die Weiterverbreitung von Waffen und den
Terrorismus bekämpfen, ein unerläßlicher Partner.
Eine echte europäische Verteidigungsidentität und
effektive Zusammenarbeit zwischen der NATO und
der Westeuropäischen Union (WEU) sind entscheidende Elemente dieser Beziehungen. Die Stärkung
des europäischen Pfeilers des Bündnisses trägt zu
Stabilität in Europa und transatlantischer Lastenteilung bei. Ferner verbessert sie unsere kollektive
Handlungsfähigkeit. Ich begrüße die am 14. November von den Ministern der WEU-Mitgliedstaaten
geäußerte Aufforderung, die Arbeit an dem Konzept
eines interalliierten gemeinsamen Einsatzverbands zu
beschleunigen. Der Einsatzverband ist ein praktisches Mittel, der WEU unter bestimmten Umständen
die Vorzüge und Fähigkeiten der NATO zur Verfügung zu stellen.
Ich habe gerade gesagt, daß sich die amerikanischen
Interessen in Europa nicht geändert haben. In den
letzten Jahren hat sich jedoch eines geändert: Die
Sphäre politischer und wirtschaftlicher Freiheit in
Europa ist größer als je zuvor. Das bringt mich zum
dritten Grundsatz unseres Engagements: Ein Abbau
der Ost und West trennenden Schranken kommt
unserem kollektiven Interesse an umfassenderer
europäischer Stabilität entgegen. Unser Bündnis von

Seite 1

�Demokratien kann zur Konsolidierung der Demokratie in einem friedlichen, ungeteilten Europa beitragen. Wir können eine umfassende, alle einbeziehende Struktur entwerfen, die Sicherheit und Freiheit
für alle fördert.
Unsere Integrationsstrategie bietet greifbare positive
Ergebnisse. Sie wird Stabilität in Osteuropa fördern
- der Region, in der zwei Weltkriege und der Kalte
Krieg begannen. Sie wird die Kräfte stärken, die
sich für politische, militärische und wirtschaftliche
Reformen einsetzen. Und sie wird sicherstellen, daß
kein Teil Europas wieder zu einem Spielball der
Großmächte oder einem Einflußbereich wird und
keine Nation isoliert bleibt.
Die uns heute konfrontierende Herausforderung ist
derjenigen nicht unähnlich, der sich Westeuropa vor
50 Jahren stellte. Nach dem Zweiten Weltkrieg
waren sich Präsident Truman und die Außenminister
Marshall und Acheson bewußt, daß Sicherheit und
wirtschaftliche Zusammenarbeit für die Verteidigung
der Demokratie von essentieller Bedeutung waren.
Innerhalb von fünf Jahien nach dem Einmarsch der
Alliierten in der Normandie hatten Amerika und seine
Verbündeten den Marshallplan ins Leben gerufen,
die NATO und das GATT geschaffen und die Grundlagen für die spätere EU und OECD gelegt. Diese
Institutionen trugen zur Schaffung bereits ein halbes
Jahrhundert währenden einzigartigen Friedens und
Wohlstands bei - jedoch nur für den halben Kontinent.
Seit dem Fall der Berliner Mauer sind jetzt fünf Jahre
vergangen. Wir müssen eine Sicherheitsgemeinschaft aller demokratischen Nationen in der euroatlantischen Region aufbauen - die auch in den
Bereichen Bestand hat, wo der Wiener Kongreß, das
Konzert der europäischen Mächte und Versailles
letztlich scheiterten, und die auf der Stärke unseres
Erfolgs nach dem Kalten Krieg in Westeuropa
aufbaut.
Die Entwicklung der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur beginnt mit der Stärkung ihres
Fundaments - des Bündnisses, das bereits ein
halbes Jahrhundert lang unsere Sicherheit und
unseren Wohlstand bewahrt hat. Die NATO war
schon immer viel mehr als eine vorübergehende
Antwort auf eine temporäre Bedrohung. Sie ist ein
Garant europäischer Demokratie und eine Kraft für
europäische Stabilität. Die von ihr verteidigten
grundlegenden Werte - Demokratie, Freiheit und
Rechtsstaatlichkeit - sind jetzt auf der ganzen Welt
im Vormarsch. Aus diesen Gründen sind die Vorteile der NATO für die neuen Demokratien Europas
offensichtlich.

Seite 2

Seit dem NATO-Gipfel im letzten Januar haben wir
bemerkenswerte Schritte unternommen, um das
Bündnis zu erneuern und zu stärken. Wir haben
unser historisches Ziel einer Vertiefung der Bindungen zu den neuen Demokratien im Osten erreicht. In
weniger als einem Jahr hat sich die Partnerschaft für
den Frieden von einer bloßen Idee zu einer gewagten
Realität entwickelt.
Die Vereinigten Staaten erachten die Partnerschaft
als integralen und dauerhaften Bestandteil der neuen
europäischen Sicherheftsarchitektur. Aus diesem
Grund hat Präsident Clinton im Juli darauf hingewiesen, daß er den Kongreß im nächsten Haushaltsjahr
um die Bewilligung von 100 Millionen Dollar zur
Förderung von Zielen der Partnerschaft ersuchen
wird. Ich freue mich bekanntgeben zu können, daß
der Kongreß bereits zusätzliche 30 Millionen Dollar
zur Stärkung des Programms der Partnerschaft für
gemeinsame Manöver im kommenden Jahr zugesagt
hat. Es bleibt zu hoffen, daß andere NATO-Mitglieder bald ähnliche Beiträge ankündigen und wir zur
Erzielung eines optimalen Ergebnisses unsere
Bestrebungen koordinieren können. Natürlich ist es
vor allem die Aufgabe der Partner sicherzustellen,
daß die Partnerschaft ihr volles Potential entfaltet.
Die Vereinigten Staaten streben eine Einigung über
zusätzliche Maßnahmen im kommenden Jahr an.
Erstens drängen wir auf die Eingliederung von
Übungsprogrammen für 1995 und danach in einen
Fünfjahresplan sowie auf das progressive Streben
nach komplexeren und vielfältigeren Ausbildungsszenarien. Zweitens muß die NATO eine angemessene Finanzierung der im Zusammenhang mit der
Partnerschaft stehenden Kosten gewährleisten. Und
schließlich sollten wir bis Anfang 1995 die Einrichtung
einer funktionierenden partnerschaftlichen Verteidigungsplanung anstreben.
Die Partnerschaft an sich ist ein entscheidendes
Instrument. Sie ist auch der beste Weg zur Mitgliedschaft für Länder, die dem Bündnis beitreten wollen.
Wie sowohl Präsident Clinton als auch Vizepräsident
Gore betont haben, muß die NATO offen für eine
Erweiterung sein. Eine Politik der Ausgrenzung
würde die Aufrechterhaltung der alten Trennlinien
durch Europa riskieren - oder willkürlich neue ziehen.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die
institutionellen Arrangements Europas von den
objektiven Anforderungen der Gegenwart, nicht von
den Tragödien der Vergangenheit Europas bestimmt
werden sollten.
Aus der Sicht der Vereinigten Staaten ist es an der
Zeit, den Prozeß zu beginnen und die Erörterung der
praktischen Anforderungen für die Aufnahme neuer
Mitglieder in das Bündnis aufzunehmen. Es ist

AMERIKA DIENST 48

�unabdingbar, daß wir als Bündnis bei Ziel und
Zweck dieser historischen Evolution übereinstimmen.
Der Washingtoner Vertrag ist keine schriftliche
Garantie. Neue Mitglieder werden feierliche Verpflichtungen und Verantwortung übernehmen,
ebenso wie wir unsere feierlichen Verpflichtungen
auf sie ausdehnen. Dies erfordert sorgfältige Erwägung und Vorbereitung.
Wir entscheiden heute, daß das Bündnis seine
internen Beratungen über die Erweiterung aufnimmt.
Ein Prozeß hat begonnen. Es ist auch unerläßlich,
daß wir im Verlauf des Jahres 1995 beginnen,
interessierten Partnern unsere Sichtweise darzulegen. Ich gehe davon aus, daß die nächsten Monate
besonders arbeitsintensiv werden, während wir eine
gemeinsame Präsentation des Bündnisses formulieren. Wir haben Ihren Regierungen bereits unsere
ersten Gedanken unterbreitet und schlagen vor, bei
der Erarbeitung eines Konsenses im Bündnis darauf
aufzubauen. Ich verpflichte mich persönlich, diese
Angelegenheit voranzubringen.
Unsere Präsentation für die Partner sollte die praktischen Implikationen und Verpflichtungen der NATOMitgliedschaft erläutern. Wir sollten eindeutig klarstellen: Dieser erste Austausch soll nicht den
Anfang der Beitrittsverhandlungen darstellen. Er ist
auch kein Anzeichen dafür, daß ein Partner zwangsläufig ein Kandidat für die Aufnahme ist. Dieser
Gedankenaustausch spiegelt jedoch unsere Entschlossenheit wider, daß der Erweiterungsprozeß
von Anfang an offen und einbeziehend sein soll.
Der Prozeß der Erweiterung sollte stetig, besonnen
und transparent sein. Jede Nation sollte individuell
betrachtet werden.
Kein Nichtmitgliedstaat der
NATO wird ein Vetorecht gegenüber einem anderen
haben. Aus unserer Sicht gibt es jedoch im Washingtoner Vertrag niedergelegte bestimmte grundlegende Anforderungen für die Mitgliedschaft. Neue
Mitglieder müssen marktwirtschaftliche Demokratien
und einer verantwortlichen Sicherheitspolitik verpflichtet sein sowie einen Beitrag zum Bündnis
leisten.
Wie ich heute morgen bereits festgestellt habe,
können wir die NATO-Erweiterung nicht in Isolation
vornehmen. Die neue Sicherheitsarchitektur für
Europas Zukunft muß durch andere starke Pfeiler
unterstützt werden. Keine Institution allein hat das
Mandat oder die Fähigkeit, jeder Herausforderung in
Europa zu begegnen.
Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa - die KSZE - hat als Organisation erprobte
Erfahrungen und unerschlossenes Potential, die zur
Lockerung von Spannungen und Verhinderung

AMERIKA DIENST 48

zukünftiger Konflikte beitragen können. Mit ihrer
umfangreichen Mitgliedschaft und einzigartigen
Erfahrung bei präventiver Diplomatie, Schutz von
Menschenrechten und Schlichtung von Streitigkeiten
kann die KSZE die essentielle Rolle der NATO
ergänzen. Um sie effektiver zu gestalten, müssen wir
ihre Mission jedoch neu definieren.
Beim KSZE-Gipfel in Budapest werden die Vereinigten Staaten mit ihren Verbündeten und Partnern
auf die Erweiterung der KSZE-Fähigkeiten hinarbeiten. Präsident Clinton wird auf seine Kollegen
einwirken, seinem Vorschlag zur Stärkung der Rolle
und Struktur der Organisation zuzustimmen. Wir
hoffen, die Rolle der KSZE in der europäischen
Sicherheitsarchitektur zu klären und ihre Fähigkeit zu
verbessern, ein erneutes Jugoslawien zu verhindern.
Unsere wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen
Institutionen schaffen allmählich die veralteten
Grenzen des Kalten Krieges ab. Die Sicherheit und
der Wohlstand ganz Europas sind untrennbar mit der
stabilen Entwicklung der aufstrebenden Demokratien
im Osten Europas verbunden.
Unser Ziel ist die erfolgreiche Umgestaltung des
postkommunistischen Europas in eine Gemeinschaft
souveräner demokratischer Staaten. Eine Schlüsselkomponente ist die Entwicklung eines demokratischen, marktorientierten Rußlands. Ebenso wichtig
ist eine stabile, demokratische, atomwaffenfreie
Ukraine und die Verwirklichung des in den START Iund START Il-Abkommen enthaltenen Versprechens
größerer Sicherheit. In Budapest werden wir einen
entscheidenden Schritt nach vom unternehmen, wenn
Präsident Clinton zusammen mit Präsident Jelzin und
Premierminister Major die Beitrittserklärung der
Ukraine zum Nichtverbreitungsvertrag entgegennimmt
und Sicherheitszusagen für die Ukraine, Belarus und
Kasachstan unterzeichnet. Diese Maßnahme wird
den Weg zum Inkrafttreten von START I ebnen.
Wir begrüßen es, daß ein demokratisches Rußland
bei den gemeinsamen Bestrebungen zum Aufbau
neuer Strukturen eine uneingeschränkte Rolle übernehmen wird. Wir begrüßen das Abkommen über
das individuelle Partnerschaftsprogramm zwischen
der NATO und Rußland, das wir heute abend unterzeichnen werden. Es sendet ein unmißverständliches
Signal des Wunsches unseres Bündnisses, Rußland
in einen kooperativen Ansatz zur Sicherheit in Europa
einzubeziehen.
Gleichzeitig werden wir weiterhin außerhalb der
Partnerschaft für den Frieden Wege der Kooperation
zwischen der NATO und Rußland sondieren. Die
Vereinigten Staaten waren erfreut über das erste
Treffen zwischen einer Arbeitsgruppe des Bündnisses

Seite 3

�und Rußland über die Frage der Zerlegung von
Nuklearwaffen. Wir unterstützen auch die Intensivierung der Kooperation zwischen Rußland und der
G-7. Und wir fördern die Mitgliedschaft Rußlands im
GATT und seiner Nachfolgeorganisation, der Welthandelsorganisation (WTO).

diese zentralen Prinzipien einhalten, wird unseren
und Europas vitalen Interessen dienen - insbesondere der Nationen, die sich erst kürzlich von der kommunistischen Herrschaft befreit haben. Ebenso wird
die Erweiterung westlicher Institutionen nach Zentraleuropa Rußland dienen.

Integration wird die Sicherheit Rußlands in einem
größeren Europa verbessern und Rußlands Zugang
zu Märkten und Kapital erweitern. Die Integration
bringt jedoch auch Verpflichtungen für alle westlichen Nationen mit sich. Die GATT-Mitgliedschaft
wird Rußlands Handelspraktiken in Einklang mit den
Weltnormen bringen. Erweiterte Beziehungen zur
NATO und der EU werden zusammen mit gestärkten
KSZE-Prinzipien in Rußland die Demokratie und
Achtung der Souveränität seiner Nachbarstaaten
fördern.

Indem wir die von mir heute dargelegten Schritte
unternehmen, werden wir unser gemeinsames
Interesse am Aufbau eines in Frieden lebenden
demokratischen, wohlhabenden, integrierten Europas
fördern. Diese Schritte reflektieren die zentralen
Prinzipien unseres Engagements in Europa - unsere
unerschütterliche Verpflichtung zur NATO, unsere
kontinuierliche Unterstützung der europäischen
Integration und unsere Entschlossenheit zur Erweiterung von Sicherheit und Stabilität auf den Osten. Die
Vereinigten Staaten verstehen, daß unsere Führungsrolle zur Erlangung dieser Ziele unerläßlich ist. Und
wir sind entschlossen, sie bereitzustellen.

Unsere Unterstützung für russische Maßnahmen, die

* * * * *

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AMERIKA DIENST 48

�BOSNIEN
7. Dezember 1994

NATO WÄRE ZUM EINSATZ VON
LUFTSTREITKRÄFTEN BEREIT
Eröffnungsansprache des Außenministers
BRÜSSEL - (AD) - In seiner Eröffnungsansprache beim Treffen des Nordatlantikrats erklärte Außenminister
Warren Christopher am 1. Dezember 1994: "Der schreckliche Konflikt in Bosnien widersetzt sich weiterhin
einer Lösung. Er stellt eine Herausforderung für die NATO und alle Institutionen dar, die sich mit ihm
befassen."
Der Außenminister führte aus, die NATO habe in bezug auf die Situation in Bosnien alles von der UNO
Geforderte getan und zählte von der NATO unternommene Aktionen auf.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Außenminister Christopher.

Herr Generalsekretär, verehrte Kollegen und Freunde. Es ist ein Privileg, bei unserem ersten offiziellen
Treffen seit der Wahl von Willy Claes zum Nachfolger des brillianten und engagierten Manfred Wörner
Ehrenpräsident zu sein.
Generalsekretär Claes hat die Leitung zu einer Zeit
historischer Chancen und Herausforderungen für das
Bündnis übernommen. Wir haben großes Glück,
diesen erfahrenen und starken Staatsmann an der
Spitze der NATO zu haben, während wir die europäische Sicherheit für das 21. Jahrhundert aufbauen.
Die beiden größten Schlachten des 20. Jahrhunderts, der Kampf gegen Faschismus und Kommunismus, sind vorüber. Der gefallene Eiserne Vorhang
hat ein Fenster der Chancen für offene Gesellschaften und offene Märkte aufgestoßen, die auf
einem im Frieden lebenden Kontinent überdauern.
Man muß sich vor Augen führen, daß die NATO eine
wesentliche Rolle dabei gespielt hat, uns an diesen
hoffnungsvollen Punkt zu bringen. Seit über vier
Jahrzehnten hat sie den Frieden bewahrt, unsere
Freiheit erhalten, bei unterdrückten Völkern Hoffnung
genährt und schließlich dazu beigetragen, den
Kalten Krieg zu beenden - ein Sieg für alle Freiheitsliebenden.
Seit einem halben Jahrhundert hat die NATO auch
die Grundlage geboten, auf der unsere Nationen die
größte Gemeinschaft der Welt mit Frieden und
Wohlstand aufgebaut hat. Sie hat enge Beziehungen zwischen ehemaligen Gegnern in Westeuropa

AMERIKA DIENST 48

geschmiedet. Sie bildete das Kernstück unserer
transatlantischen Gemeinschaft - und knüpft Bande,
die niemals gelöst werden können. Die im Washingtoner Vertrag verankerten Ideale - Demokratie,
Freiheit und Rechtsstaatlichkeit - haben sich als
ebenso mächtig wie die Arsenale dieses Bündnisses
erwiesen. Dean Acheson hat es am besten formuliert: "Die Bedeutung der NATO geht auf lange Sicht
weit über die Schaffung militärischer Stärke hinaus...
Zukünftige Hoffnung liegt im Entstehen einer Gemeinschaft freier Menschen..."
Die NATO besitzt aber nicht nur für gestern Gültigkeit, sondern auch für heute und morgen - für Dean
Achesons "zukünftige Hoffnung".
Ich möchte mich unmißverständlich zur Überzeugung
meiner eigenen Nation ausdrücken: Europa ist der
Brennpunkt für die Macht und Zielsetzung der Vereinigten Staaten und wird dies auch in Zukunft sein.
Dieses Bündnis wird weiterhin den Anker des amerikanischen Engagements in Europa bilden, den Drehund Angelpunkt der transatlantischen Sicherheit. Seit
über vier Jahrzehnten haben wir unter demokratischen und republikanischen Administrationen die
überparteiliche Verpflichtung zu einem freien, stabilen, sicheren und wohlhabenden Europa aufrechterhalten. Heute haben wir uns als Teil unseres
andauernden Engagements zur weiteren Stationierung von 100.000 amerikanischen Soldaten auf
europäischem Boden verpflichtet.
Während wir heute zusammenkommen, um dieses
großartige Bündnis an die neuen Zeiten anzupassen,

Seite 1

�sind wir uns bewußt, daß das Ende des Kalten
Krieges nicht nur Chancen, sondern auch ernsthafte
Herausforderungen mit sich gebracht hat. Der
schreckliche Konflikt in Bosnien widersetzt sich
weiterhin einer Lösung. Er stellt eine Herausforderung für die NATO und alle Institutionen dar, die sich
mit ihm befassen. Als sich dieser Krieg an der
Asche des Kalten Krieges entzündete, war die
internationale Staatengemeinschaft offen gesagt
unzureichend vorbereitet. Die Welt wandte sich
schließlich zur Übernahme der Hauptverantwortung
an die Vereinten Nationen.
Die NATO ihrerseits hat in bezug auf die Situation in
Bosnien alles von der UNO Geforderte getan. Sie
hat eine Flugverbotszone eingerichtet und die
Ausweitung des Konflikts zu einem Luftkrieg verhindert. Sie hat den Druck der Sanktionen aufrechterhalten und eine zentrale Rolle bei der Verhinderung einer Ausweitung des Konflikts gespielt.
Entgegen einigen Berichten hat die NATO den
Einsatz von Luftstreitkräften nicht ausgeschlossen.
Die NATO ist auf Bitte und im Einklang mit den
Resolutionen der Vereinten Nationen zum Einsatz
von Luftstreitkräften bereit.
Unsere Aufgabe besteht jetzt weiterhin darin, ein
friedlich ausgehandeltes Ende des Konflikts anzustreben, das die territoriale Integrität Bosniens
bewahrt. Wir sollten unsere Bemühungen um einen
unverzüglichen Waffenstillstand und die generelle
Einstellung der Feindseligkeiten verstärken. Wir
sollten aufbauend auf dem Plan der Kontaktgruppe
die Bedingungen für eine Lösung mit den Parteien
erarbeiten.
Ich möchte eine wichtige Tatsache unterstreichen:
Die Krise in Bosnien geht um Bosnien und das
ehemalige Jugoslawien. Sie schmälert die andauernde Bedeutung der NATO nicht. Die Verbündeten
sind der unersetzlichen Rolle der NATO als Schlüssel zur europäischen Sicherheit nach wie vor verpflichtet. Es gibt unter uns keine Meinungsverschiedenheiten zu diesem Punkt.
Die Tragödie des Krieges und Blutvergießens in
Bosnien verringert nicht unsere Verantwortung zum
Aufbau einer umfassenden europäischen Sicherheitsarchitektur, die Stabilität konsolidiert, die heutigen Konflikte anspricht und das Ausbrechen neuer
Konflikte in der Zukunft verhindert. Im Gegenteil, die
Tragödie im ehemaligen Jugoslawien unterstreicht
die Dringlichkeit dieser Aufgabe.
Kernstück des Aufbaus einer umfassenden Sicherheitsarchitektur für Europa ist ein ausgewogener
Prozeß der NATO-Erweiterung zusammen mit der
kontinuierlichen europäischen Integration und der

Seite 2

Entschlossenheit zur Stärkung der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.
Gestern hat die NATO zur Aussöhnung ehemaliger
Gegner, zur Einbeziehung freier Länder in starke und
solide Institutionen und zur Schaffung eines dauerhaften Gefühls gleicher Zielsetzungen bei der Sicherheit
des jeweils anderen beigetragen. Heute muß die
NATO dasselbe tun - mit neuen Ländern, aber mit
derselben Zielsetzung. Diese Allianz muß ihre
zentrale Rolle als Verteidigungsbündnis bewahren
und ihre Streitkräfte an die Bewältigung der neuen
Forderungen von Krisenmanagement und Friedensschaffung anpassen. Dieses Bündnis muß auch den
neuen Partnern behilflich sein, die westlichen Normen
der Kooperation zu erlernen und sie in die praktische
Arbeit der NATO einbeziehen, Stabilität in Europa zu
gewährleisten.
Beim NATO-Gipfel im Januar verpflichtete sich das
Bündnis mit der Annahme von Präsident Clintons
Vorschlag über die Partnerschaft für den Frieden zur
Vertiefung der Beziehungen zu den aufstrebenden
Demokratien. In weniger als einem Jahr wurde die
Partnerschaft ins Leben gerufen. 23 Nationen
einschließlich Rußlands sind inzwischen beigetreten.
Belarus hat gerade seine Absicht bekanntgegeben,
unser 24. Partner zu werden. Heute abend werden
die NATO und Rußland sich auf umfassende Kooperationsmöglichkeiten einigen, darunter auch das
russische Programm der Partnerschaft für den
Frieden. Truppen, die sich im Kalten Krieg ein
halbes Jahrhundert lang gegenüberstanden, halten
jetzt gemeinsam militärische Übungen ab.
Unsere Staatsoberhäupter haben im Januar auch
erklärt, daß das Bündnis offen für neue Mitglieder ist.
Heute unternehmen wir einen wichtigen Schritt in
dem Prozeß, der zur Erweiterung der NATO führen
wird. Ich finde, wir sollten jetzt mit den internen
Beratungen über die Erweiterung beginnen und 1995
mit den Partnern die Verpflichtungen und Implikationen der Mitgliedschaft erörtern.
Dies wird ein stetiger, freiwilliger und transparenter
Prozeß sein. Ich möchte betonen, daß die Erweiterung die NATO nicht verwässern darf und wird. Die
NATO muß jedoch mit der Zeit zur Aufnahme der
Nationen bereit sein, die zur Übernahme der mit der
Bündnis-Mitgliedschaft einhergehenden Verpflichtungen willens und in der Lage sind, und deren Mitgliedschaft für die Ziele des Bündnisses und der umfassenderen europäischen Sicherheit stehen. Wenn
die Erweiterung kommt, wird sie die Stabilität für alle
in Europa verbessern - für Mitglieder und Nichtmitglieder gleichermaßen.

AMERIKA DIENST 48

�Während wir die NATO-Erweiterung vorantreiben,
müssen wir auch andere Strukturen der Sicherheitskooperation stärken. Keine Institution allein hat das
Mandat oder die Fähigkeit, sich jeder Herausforderung in Europa zu stellen. Unser NATO-Bündnis
muß durch andere Institutionen ergänzt werden, die
das gesamte Spektrum von Herausforderungen
ansprechen, mit denen sich die Zukunft Europas
konfrontiert sieht. Wir messen der europäischen
Integration mit Unterstützung der Europäischen
Union eine wichtige Rolle bei. Es gibt noch eine
weitere Institution, deren Potential noch nicht erschlossen ist: Die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa. Wir müssen auf ihre
einzigartige Stärke als eine Struktur für Konfliktlö-

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sung und -Verhinderung sowie als eine Institution aufbauen, die das Ideal eines ungeteilten Europas
verkörpert.
Da ich als ihr Ehrenpräsident spreche, kann ich voller
Vertrauen sagen, daß das Bündnis bereit ist, sowohl
die Herausforderungen von heute als auch die von
morgen anzunehmen. Und als Vertreter Präsident
Clintons und des amerikanischen Volkes sage ich mit
demselben Vertrauen, daß die Verpflichtung der
Vereinigten Staaten zu aktiver Beteiligung an der
Aufrechterhaltung von Sicherheit, Wohlstand und
Freiheit in Europa unerschütterlich ist.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 3

�AUSSENPOLITIK
7. Dezember 1994

LAKE WARNT VOR EINSEITIGER AUFHEBUNG
DES BOSNISCHEN WAFFENEMBARGOS
Rede vor der Princeton University
WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration bekräftigte am 30. November 1994, eine einseitige
Aufhebung des Waffenembargos gegen Bosnien durch die Vereinigten Staaten "könnte den tiefsten Riß in der
Geschichte der NATO hervorrufen".
Anthony Lake, Präsident Clintons Nationaler Sicherheitsberater, stellte fest, es wäre ein "gravierender Fehler",
das von der Muslim-Regierung Bosniens verhängte Waffenembargo einseitig aufzuheben - wie von Senator
Dole, dem voraussichtlichen Mehrheitsführer im Senat im kommenden Jahr, vorgeschlagen. Dole war nach
Europa gereist und kritisierte die schwache Reaktion der Vereinten Nationen auf die serbische Aggression
gegen die UN-Schutzzone Bihac und forderte Präsident Clinton zur Aufhebung des Waffenembargos auf, damit
die bosnische Regierung sich selbst verteidigen könne. Dole äußerte, er werde im Kongreß auf die
Beendigung des Embargos hinarbeiten.
In einer Rede vor der Woodrow Wilson School der Princeton University schloß Lake aus, daß die Vereinigten
Staaten ihr "gesamtes militärisches Gewicht" hinter die bosnische Regierung stellen würden und fügte hinzu:
"Uns des Problems durch eine einseitige Aufhebung des Waffenembargos zu entledigen und diesem Problem
den Rücken zu kehren, wäre ein gravierender Fehler."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Nationalen Sicherheitsberaters im Wortlaut.

Ich möchte heute zu Ihnen über die Notwendigkeit
des amerikanischen Engagements im Ausland
sprechen. Es gibt kein geeigneteres Forum für eine
solche Diskussion. Schließlich war Präsident Woodrow Wilson einer der ersten und eloquentesten
Verfechter des amerikanischen Internationalismus.
"Ob wir wollen oder nicht - wir sind am Leben der
Welt beteiligt", stellte er fest. "Die Interessen aller
Nationen sind unsere Interessen... Die Belange der
Menschheit sind unweigerlich unsere Belange."
Ich freue mich über diese Gelegenheit, einer Gruppe
talentierter junger Menschen in der außenpolitischen Domäne zu vermitteln, daß Engagement
wichtiger als je zuvor ist, daß wir den neuen Isolationismus ablehnen und eine Koalition der Mitte bilden
müssen - eine Koalition, die beide Parteien und
beide Enden der Pennsylvania Avenue umfaßt.
Eine Koalition, die willens ist, Märkte zu öffnen und
Handel für die Vereinigten Staaten freier und fairer
zu machen. Eine Koalition, die zur Unterstützung
der Demokratiebewegung bereit ist, von der die Welt
erfaßt wird. Eine Koalition, die zur Übernahme einer
Führungsrolle bei dem historischen Unternehmen

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entschlossen ist, die Bedrohung durch Nuklearwaffen
zu verringern. Eine Koalition, die bereit ist, die
Chancen zu ergreifen und die Verpflichtungen eines
Engagements zu übernehmen.
Es ist eine Ironie des Schicksals, daß nach den
größten Leistungen des Engagements - dem Sieg
des Containment über den Kommunismus - einige
wollen, daß die Vereinigten Staaten sich hinter die
Mauern der Isolation zurückziehen. Ironisch, aber
nicht überraschend. Ohne eine klare, einigende
Bedrohung aus dem Ausland möchten die Amerikaner natürlich ihre Aufmerksamkeit auf die Belange im
Inland lenken. Und wir sehen uns mit einem Problemkomplex konfrontiert, der uns zum Zurückschrekken vor einem Engagement veranlaßt - von der
Bedrohung einer "traditionellen" Aggression durch
räuberische Nationalstaaten über transnationale
Bedrohungen wie Überbevölkerung bis zu schrecklichen ethnischen Konflikten.
Gleichzeitig wurde das Argument vorgebracht, daß
der Sieg im Kalten Krieg uns zum Ende der Geschichte geführt hat und wir uns folglich nicht länger
für die Welt hinter unseren Grenzen engagieren

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�müssen. Nichts ist weniger zutreffend. In der Tat ist
dieselbe vom Kommunismus und davor vom Faschismus angegriffene Idee heute noch immer
Angriffen ausgesetzt. Damals wie heute müssen wir
eine Idee verteidigen, die viele Namen - Demokratie,
Freiheit, Staatsbürgertum, Pluralismus - aber ein
unveränderliches Kriterium hat: Das Kriterium der
toleranten Gesellschaft.
Präsident Clinton stellte fest: "Wir sehen uns mit
einem Wettkampf konfrontiert, der so alt ist wie die
Geschichte - einem Kampf zwischen Freiheit und
Tyrannei, zwischen Toleranz und Isolation. Es ist
ein Kampf zwischen denjenigen, die von Gesetzen
geregelte freie Gesellschaften aufbauen wollen und
denjenigen, die ihren Willen mit Gewalt aufzwingen
wollen. Unser heutiger Kampf ... ist der jahrtausendealte Kampf zwischen Hoffnung und Angst."
Trotz dieser Herausforderung - und trotz der Chancen der Zeit nach dem Kalten Krieg - ist ein gefährlicher Rückfall in den Isolationismus spürbar. Dieser
Reflex ist so alt wie unsere Republik. Als aufstrebende Nation, die ihre Unabhängigkeit stärken wollte
und durch große Ozeane geschützt war, lag es
damals im Interesse Amerikas, George Washingtons
Warnung vor ausländischen Verwicklungen zu
befolgen. Amerika hielt sich völlig aus der großen
Machtpolitik heraus und stellte sich selbst - mit
Thomas Jeffersons Worten - "als anschauliches
Monument und Beispiel" für alle Völker der Welt dar.
Unsere anfängliche Tendenz, auf die entfernten
kriegführenden Kontinente aus einer Position der
moralischen und materiellen Überlegenheit zu
blicken, hielt uns nicht davon ab, eine Politik der
Expansion auf unserem Kontinent und der Monroedoktrin in dieser Hemisphäre zu verfolgen. Aber
abgesehen von diesem "Manifest Destiny" dauerte
die Welle des Isolationismus in Amerika bis zur
Jahrhundertwende an.
Teddy Roosevelt war der erste Präsident, der eine
Umkehrung dieser Welle und die Bekräftigung
globaler Interessen für Amerika anstrebte. Er
erkannte, daß die Konsolidierung eines großen
Territoriums zusammen mit exponentiellem Wachstum unserer Bevölkerung und wirtschaftlicher Produktion die Vereinigten Staaten zur mächtigsten
Nation auf der Welt gemacht hatten. Und er unterstrich, daß Technologie den isolierenden Effekt der
Ozeane schwächte.
Die Erfahrungen und Werte der Vereinigten Staaten
erschwerten es der Nation jedoch, die Außenpolitik
Roosevelts anzunehmen. Woodrow Wilsons Ansatz
hatte größere Resonanz. Er ergänzte Roosevelts
Internationalismus durch Moral und gestattete es so

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den Vereinigten Staaten, im Namen von Prinzipien nicht Macht - eine Führungsrolle in der Welt zu
übernehmen. Seine Vision fand ihren Höhepunkt im
Völkerbund, einer universellen Gruppe vornehmlich
demokratischer Staaten, die als die "Treuhänder des
Friedens" dienen würden.
Aber Wilsons Vertrauen in die Macht der Moral - und
seine Sorge über die Unsterblichkeit der Macht waren fehlgeleitet und unterminierten seine Förderung kollektiver Sicherheit und Selbstbestimmung.
Und Wilsons hochfliegende Rhetorik machte es leicht,
seine Kampagne für eine demokratische und sichere
Welt ins Lächerliche zu ziehen.
Infolgedessen wurde der Völkerbund für Amerika zu
einem aufgeschobenen Versprechen. Skeptische
Internationalisten betrieben Haarspalterei über seine
praktischen Unzulänglichkeiten. Wiederauftretende
Isolationisten verurteilten ihn, weil er Amerika eine zu
globale Rolle zugewiesen hatte. Und in einem
Augenblick großer historischer Tragweite stimmte der
Senat gegen den Völkerbund. Niemand kann sagen,
wie anders die beiden folgenden Jahrzehnte verlaufen wären, wenn die Vereinigten Staaten dem
Völkerbund beigetreten wären. Aber wir wissen, daß
Amerika und die übrige Welt in den nächsten beiden
Jahrzehnten unter Isolation, wirtschaftlicher Stagnation und schließlich einem neuen Krieg litten, der den
Planeten erfaßte.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg verlieh eine bemerkenswerte überparteiliche Generation von Amerikanern endlich Wilsons Vision praktischen Ausdruck.
Diese Generation gestaltete die Vereinten Nationen
... und die Welt. Sie trug zur Schaffung von Strukturen bei - der NATO, dem Marshallplan und den
Bretton Woods-Institutionen - die ein halbes Jahrhundert von Sicherheit und Wohlstand in Amerika,
Europa und Japan sicherstellten. Und sie überdauerte den Kommunismus.
Heute müssen wir diesen Geist der Nachkriegsgeneration beim Schmieden der Koalition der Mitte
wiedererlangen. Dabei sollten wir einen Kurs einschlagen, der weder so rigide wie der Wilsonsche
noch klassisch realistisch ist.
Die Realisten mögen recht haben, daß Macht wichtig
ist. Die Vereinigten Staaten müssen mit allen erforderlichen Mitteln zur Verteidigung ihrer Interessen
bereit sein, wann immer und wo immer sie bedroht
sind.
Ebenso dürfen wir in unseren Prinzipien nicht so
absolut sein, daß Lähmung eintritt, während wir mit
einer sich rasch wandelnden Welt konfrontiert sind.
Und unsere Rhetorik darf die Realität nicht verdrän-

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�gen - wenn dies geschieht, riskieren wir ein Klima
der Desiilusionierung wie in den zwanziger Jahren.
Wilson hatte jedoch recht, daß Prinzipien wichtig
sind - daß von Prinzipien losgelöste Macht uns
steuerlos herumtreiben läßt. Und seine Vision einer
Welt der Demokratien berührte eine zentrale Wahrheit, die für uns immer noch Gültigkeit besitzt. Diese
Wahrheit lautet: Je größer die Gemeinschaft der
Demokratien, desto wahrscheinlicher werden Frieden
und Wohlstand auf der Welt gedeihen. Demokratien
schaffen freie Märkte, die wirtschaftliche Chancen
bieten und verläßlichere Handelspartner hervorbringen. Sie mißbrauchen für gewöhnlich nicht die
bürgerlichen und politischen Rechte ihrer Bürger.
Und Demokratien werden sehr viel seltener Krieg
gegeneinander führen. Obwohl Wilson es nicht so
formuliert haben würde, liegt die Erweiterung der
Gemeinschaft von Demokratien im Interesse Amerikas.
Wilson erkannte auch, daß die Ereignisse innerhalb
von Nationen grundlegend für ihr Verhalten untereinander sind. Insbesondere in der heutigen hitzigen
globalen und wirtschaftlichen Diskussion - bei der
Ideen, Informationen, Geld und Menschen den
Planeten nahezu in Schallgeschwindigkeit umkreisen
- ist die Realpolitik des 19. Jahrhunderts gefährlich
überholt. Jeden Tag verwenden wir in einem Land
entworfene, in einem anderen aus in einem dritten
Land gefertigten Teilen hergestellte und auf der
ganzen Welt vermarktete Produkte. Jeden Abend
sehen wir im Fernsehen auf allen Kanälen die Bilder
entfernter Konflikte und Katastrophen, die unsere
Emotionen und unseren Intellekt berühren. Wir sind
engagiert, ob wir es wollen oder nicht.
Mit anderen Worten: Wilsons feste Überzeugungen
- die Verbreitung von Demokratie in andere Nationen, die Bedeutung von Prinzipien und vor allem die
Notwendigkeit des Engagements - besitzen mehr
Gültigkeit als je zuvor. Und sie beleben die Arbeit
dieser Administration, wie sie in den vergangenen 50
Jahren die Arbeit unsere Vorgänger belebt haben.
Es ist unsere Überzeugung, daß Amerika nur mit
einer Führungsrolle im Ausland - nur durch die
Erfüllung der Verpflichtung zu Engagement und dem
Ergreifen von Chancen - weiterhin Wohlstand und
Sicherheit im Inland gewährleisten kann. Es ist
unerläßlich für die Zukunft der Vereinigten Staaten,
daß dieser neue Kongreß - Republikaner und
Demokraten gleichermaßen - mit der Administration
bei der Umsetzung dieses grundlegenden Projekts
zusammenarbeitet.

Wohlstand "die Mauer in unserem Denken zwischen
Innen- und Außenpolitik niederreißen und die Chancen im Ausland ergreifen müssen". Er war sich
darüber im klaren, daß das Wachstum unserer
Volkswirtschaft sowie die Quantität und Qualität der
von ihr geschaffenen Arbeitsplätze durch unsere
Fähigkeit verbessert würden, über unsere Grenzen
hinaus Handel zu treiben und zu investieren. Aus
diesem Grund gehen wir so aggressiv bei der Förderung von offenen Märkten und freiem Handel vor.
Wir haben im letzten Jahr mit dem harten Kampf um
das NAFTA begonnen, das unsere Exporte nach
Mexiko bereits um 20 Prozent erhöht und Zehntausende neuer, besserbezahlter Arbeitsplätze hervorgebracht hat. Beim APEC-Gipfeltreffen erhielten wir
die Zusage, bis zum Jahr 2020 freien und fairen
Handel in Asien sicherzustellen - einer Region, die
bereits für ein Drittel unserer Exporte steht und über
2 Millionen amerikanischer Arbeitsplätze unterstützt.
Und nächste Woche werden wir beim Gipfel der
amerikanischen Staaten in Miami wichtige Schritte zur
Gründung einer Partnerschaft zwischen den Demokratien auf unserer Hemisphäre unternehmen.
Keine unserer Unternehmungen in diesem Jahr wird
das Ziel der Öffnung von Märkten und der Schaffung
von Wohlstand mehr voranbringen als die Verabschiedung des GATT - des größten, umfassendsten
Handelsabkommens der Geschichte. Seit 40 Jahren
sind unsere Märkte offener als die anderer Nationen.
Das GATT wird durch gleiche Chancen für unsere
Unternehmen und Arbeitnehmer sicherstellen, daß
der Handel freier und fairer wird. Dank des GATT
können Millionen Amerikaner von den Vorteilen des
globalen Wachstums profitieren.
Meines Erachtens ist die morgige Abstimmung des
Senats über das GATT ein bahnbrechendes Ereignis
- wie die Abstimmung über den Völkerbund am Ende
des Ersten Weltkriegs und die Abstimmungen über
den Marshallplan nach dem Zweiten Weltkrieg.
Damals wie heute hat der Senat die Chance zu
beweisen, wofür dieses Land steht und in welche
Richtung wir gehen - und ob eine Koalition der Mitte
möglich ist. Ich hoffe, der Senat läßt sich von
Senator Vandenbergs Appell von vor 50 Jahren
inspirieren, "in diesem entscheidenden Moment mit
einer Stimme zu sprechen". Durch Erneuerung
dieser überparteilichen Geisteshaltung bei der Verabschiedung des GATT - durch die Entscheidung für
Engagement statt Flucht vor der Wirklichkeit, wie der
ehemalige Außenminister James Baker es formulierte
- werden wir die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu freiem Handel, Arbeitsplätzen und Wachstum
sowie unserer Führungsrolle in der Welt ratifizieren.

Präsident Clinton übernahm sein Amt in der Überzeugung, daß wir zur Sicherstellung von wirklichem

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�In der Welt nach dem Kalten Krieg haben wir auch
die Chance, einst unlösbar erscheinende Probleme
in Angriff zu nehmen. Manche vertreten die Ansicht,
wir sollten uns keine Mühe geben, sondern unsere
Ressourcen sparen, unseren eigenen Weg gehen
und andere sich selbst überlassen. Sie haben
unrecht.
Der Preis eines solch blinden und willkürlichen
Ansatzes wären verpaßte Chancen - Chancen, allen
Amerikanern mehr Sicherheit zu geben. Dieser
Preis wäre zu hoch. Betrachten wir uns einige
dieser Chancen:
Im Nahen Osten, in Nordirland und Südafrika erlauben uns der Großmachtstatus Amerikas und unsere
Fähigkeit, als ehrlicher Makler zu agieren, eine
Erleichterung des Wandels. Durch die Inangriffnahme dieser Herausforderungen tragen wir dazu
bei, Konflikt durch Kooperation, Krieg und Kampf
durch Frieden und Stabilität zu ersetzen - und die
Weltgemeinschaft freier und offener Gesellschaften
zu vergrößern. Das ist für alle Amerikaner von
Vorteil.
Ferner müssen wir bei unserer Unterstützung der
Reformen in der ehemaligen Sowjetunion Standhaftigkeit zeigen. Nichts ist für die langfristige Sicherheit der Vereinigten Staaten wichtiger als die erfolgreiche Umgestaltung Rußlands und der anderen
Sowjetrepubliken zu demokratischen, das Völkerrecht und die Rechte ihrer Bürger achtenden Nationen. Insbesondere ein wiederauflebendes, revanchistisches Rußland könnte einen Großteil der
Errungenschaften des Kalten Krieges gefährden.
Ein demokratisches, marktwirtschaftliches Rußland
kann in Fragen und Regionen, an denen wir ein
großes nationales Interesse haben, ein mächtiger
Partner werden. Darauf arbeiten wir hin.
Gleichzeitig sind russische Raketen als Ergebnis
unseres Engagements nicht länger auf amerikanische Städte und Bürger gerichtet. In der Ukraine
hilft unsere starke Unterstützung für Präsident
Kuchma diesem Land bei der Beseitigung seines
aus 1.800 Gefechtsköpfen bestehenden Atomwaffenarsenals. Und wir tragen dazu bei, Kasachstan und
Belarus von Massenvernichtungswaffen zu befreien.
Sie haben wahrscheinlich vergangene Woche über
unsere Geheimoperation gelesen, hochangereichertes Uran - ausreichend für die Produktion von 50
Bomben - aus Kasachstan an einen sicheren Ort zu
bringen. Der Umfang des vorhandenen Materials
und der Mangel an Sicherheitskontrollen machen es
für Schmuggler und Terroristen zu einem besonders
verlockenden Ziel. Dank der ausgezeichneten Arbeit
des Verteidigungs-, Energie- und Außenministeriums

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und der Kooperationsbereitschaft der kasachischen
Regierung konnte diese Verlockung nicht zu einer
Tragödie werden.
Die Situation in Bosnien ist seit mehr als drei Jahren
eine Tragödie. 1991 entschied sich die NATO, nicht
direkt zu intervenieren und überließ den Vereinten
Nationen die Führungsrolle. Ob diese Entscheidung
nun richtig oder falsch war - sie hat Konsequenzen,
mit denen wir uns weiterhin auseinandersetzen
müssen.
Die Vereinten Nationen sind der Ansicht, daß ihre
bedeutende humanitäre Mission eine unparteiische
Haltung vorschreibt. Folglich stellt es für die UNOKommandeure eine Notlösung dar, die NATO wegen
Angriffen der bosnischen Serben auf Schutzzonen zu
Vergeltungsmaßnahmen aufzufordern. Zudem sind
die Truppen der UNO, deren Aufgabe der Schutz von
Mitarbeitern humanitärer Hilfsdienste in Bosnien ist,
nur leicht bewaffnet und nicht in der Lage, sich vor
Angriffen zu schützen. Jede Entscheidung der
Vereinten Nationen über Aktionen der NATO muß die
Sicherheit dieser Truppen und der Angehörigen
humanitärer Hilfsdienste berücksichtigen. Obwohl die
NATO in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt ist,
steht sie dennoch bereit, auf Ersuchen die Maßnahmen zu ergreifen, die sie immer zugesagt hat Bereitstellung von Luftunterstützung, Durchführung
von Operationen zugunsten von UNO-Mitarbeitern
sowie Durchsetzung von Schutz- und Sperrzonen.
Wir sind folglich mit schwierigen politischen Entscheidungen ohne einfache Lösungen konfrontiert.
Unser gesamtes militärisches Gewicht hinter die
Truppen der bosnischen Regierung zu stellen würde
bedeuten, mehr als 100.000 amerikanische Bodentruppen in einem Konflikt zu gefährden, der keine
direkte Bedrohung unserer Sicherheit darstellt - so
wichtig die auf dem Spiel stehenden Interessen auch
sein mögen.
Uns des Problems durch eine einseitige Aufhebung
des Waffenembargos zu entledigen und diesem
Problem den Rücken zu kehren, wäre ein gravierender Fehler. Eine einseitige Aufhebung des Waffenembargos würde unsere Fähigkeit aufs Spiel setzen,
Sanktionen gegen den Irak, Libyen und andere zu
verhängen, die amerikanische Interessen gefährden.
Eine solche Aufhebung könnte den tiefsten Riß in der
Geschichte der NATO hervorrufen und zweifelsohne
den tiefsten seit der Sueskrise von 1956. Sie könnte
unsere Verbündeten und andere dazu bringen, sich
vom Problem Bosnien abzuwenden und allein den
Vereinigten Staaten die Verantwortung dafür zu
überlassen. Und das würde die Frage des Einsatzes
amerikanischer Bodentruppen in Bosnien aufwerten.

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�Eine dritte Option wäre, alles in unserer Macht
Stehende zu unternehmen, um den Parteien zu
einer diplomatischen Lösung zu verhelfen. Dieser
Weg ist übersät mit Frustrationen und Rückschlägen
- aber es ist der beste, stetigste Kurs. Ich möchte
nochmals die grundlegenden Bestandteile der
Situation in Bosnien und unserer Politik darlegen:
Erstens kann keine Partei auf dem Schlachtfeld
einen endgültigen, entscheidenden Sieg davontragen. Trotz ihrer Verluste in Bihac behalten die
bosnischen Regierungstruppen zumindest in Zentralbosnien ihre Stärke bei. Beide Seiten stehen vor
derselben Wahl: Entweder eine Fortsetzung der
blutigen militärischen Pattsituation oder ein Ende des
sinnlosen Mordens und eine Lösung.
Zweitens ist der einzige Ausweg aus dem bosnischen Inferno ein mit Verhandlungen über eine
politische Lösung verbundener Waffenstillstand. Das
ist und bleibt die Politik dieser Administration. Wir
werden weiterhin bei den Kriegsparteien auf einen
Waffenstillstand und eine Verhandlungslösung
drängen. Am Freitag wird Außenminister Christopher mit unseren Partnern über den besten Weg
hierzu beraten.
Drittens bleiben die Vereinigten Staaten der territorialen Integrität und Souveränität des bosnischen
Staates verpflichtet. Wir befürworten keine Konföderation zwischen den bosnischen Serben und
Serbien. Wie wir während der vergangenen zwei
Jahre immer wieder betont haben, ist es jedoch die
Aufgabe der Konfliktparteien, sich auf zukünftige
konstitutionelle und geographische Abmachungen zu
einigen.
Und schließlich gehen der Präsident und seine
Berater weiterhin davon aus, daß die NATO zum
Einsatz von Gewalt bereit sein sollte, wenn sie dazu
aufgefordert wird.
Wir haben den Serben keine Konzessionen gemacht. Wir sind entschlossen, alles in unserer
Macht Stehende zu tun, um die Konfliktparteien zum
Frieden zu führen.
Die bosnische Tragödie lehrt uns, wie wichtig die
Ausbreitung von Demokratie, Stabilität und Wohlstand - deren sich Westeuropa schon seit 50 Jahren
erfreut - in ganz Europa ist. Aus diesem Grund
haben die Vereinigten Staaten bei der Gründung der
Partnerschaft für den Frieden sowie der Vorbereitung der Osterweiterung der NATO die Führungsrolle
übernommen. Aus diesem Grund schauen wir auf
die KSZE.

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Diese und andere Strukturen werden dazu beitragen,
die Vision Präsident Clintons von einem integrierten
Europa, einschließlich Rußlands, umzusetzen, indem
sie das Fundament für Stabilität im kommenden
Jahrhundert legen. Sie sollten auch dafür sorgen,
daß ethnische Spannungen in Europa nicht außer
Kontrolle geraten.
Insbesondere eine gestärkte
KSZE mit Schwerpunkt auf Menschenrechten,
Konfliktlösung und Friedenssicherung könnte eine
erste, flexible Verteidigungslinie gegen ein erneutes
Bosnien darstellen.
All diese Bestrebungen, Amerika und unseren Verbündeten zu mehr Wohlstand und Sicherheit zu
verhelfen und die Gemeinschaft demokratischer
Staaten zu erweitern, sind Möglichkeiten für ein
Engagement. Wir haben aber auch die Pflicht, der
Vielzahl von Bedrohungen unseres Wohlstands und
Wohlergehens zu begegnen, die in der chaotischen
Welt nach dem Kalten Krieg entstehen.
Das ist nicht einfach. Dieser Welt mangelt es nicht
an Unrecht, und durch das alles erfassende Auge der
Medien wird Druck ausgeübt, es ohne Unterschied
anzugehen.
Der schwierige Teil und die Pflicht jeder Administration besteht darin, selektiv vorzugehen - eine solches
Unrecht mit unseren Interessen in Einklang zu
bringen. Dieses Kalkül soll entscheiden, ob wir in
Form von militärischer Gewalt, Wirtschaftssanktionen,
anhaltenden diplomatischen Bemühungen - oder gar
nicht - intervenieren. Und es wird - wenn wir Maßnahmen ergreifen - entscheiden, ob wir das im
Alleingang, mit interessierten Verbündeten oder
einem breiten Querschnitt der internationalen Staatengemeinschaft tun.
Letztlich ist das einzige Kriterium für eine Intervention
- in welcher Form sie auch stattfinden mag - eine
Kombination aus Eigeninteresse und Idealismus.
Unsere Politik sollte von Mitgefühl beseelt, jedoch
nicht diktiert werden. In einem Zeitalter begrenzter
Mittel können keine Kreuzzüge für die Demokratie
geführt werden. Wo unsere Interessen es erfordern,
können wir einem Engagement nicht ausweichen,
denn das würde bedeuten, einem neoisolationistischen Impuls nachzugeben und damit die Stabilität
und Sicherheit in unserer Hemisphäre und andernorts
zu unterminieren. Halten Sie sich einige jüngste
Beispiele vor Augen:
Hätten wir am Persischen Golf, vier Jahre nach der
Operation Wüstensturm, nicht schnell auf die jüngsten Provokationen des Irak reagiert, hätte es schnell
zu einem weiteren großangelegten Krieg kommen
können. Statt dessen veranlaßte unsere umgehende,

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�entschiedene Dislozierung von Truppen, Schiffen
und Kampfflugzeugen den Irak, seine an der kuwaitischen Grenze zusammengezogenen Streitkräfte
abzuziehen.
Oder betrachten Sie sich unsere jüngsten Aktionen
auf der koreanischen Halbinsel und in Haiti.
In Nordkorea haben sich frühere Administrationen
ebenfalls um eine Beendigung der Gefahr nuklearer
Weiterverbreitung bemüht. Manche argumentieren
jedoch, es sei nicht unsere Aufgabe, mit dem
nordkoreanischen Regime zu verhandeln, und
Drohungen, nicht geduldiges und realistisches
Engagement seien der einzig richtige Weg. Durch
unsere entschlossenen diplomatischen Bestrebungen
erzielten wir jedoch ein Abkommen, das von Pjöngjang zunächst ein Einfrieren und dann den Abbau
seines Nuklearprogramms erfordert. Zum Erstaunen
der Kritiker des Abkommens haben diese Woche
Inspektoren der Internationalen Atomenergie-Organisation verifiziert, daß Nordkorea tatsächlich - wie in
dem Abkommen gefordert - sein Nuklearprogramm
sowie den Bau von zwei Reaktoren gestoppt hat. Im
Laufe der Zeit, wenn das Abkommen seine gesamte
Wirkung zeitigt, werden die koreanische Halbinsel
und die ganze Welt weniger gefährdet und sicherer.
Wenn wir in Haiti nicht gehandelt hätten, wäre das
Militärregime immer noch an der Macht und würde
das haitianische Volk in Angst und Schrecken versetzen. Zehntausende von Flüchtlingen würden
weiterhin eine Gefahr für die Stabilität unserer
Region darstellen. Durch unseren sorgfältig erwogenen Einsatz von Gewalt bewahrten wir statt dessen
die Stabilität und gaben Haiti eine weitere Chance
für Demokratie.
In diesen beiden Fällen erfüllten wir unsere Pflicht zu
geduldigem, beharrlichem und pragmatischem
Engagement. Und wir trugen mit minimalen Opfern
und maximalem Erfolg unseren bedeutenden nationalen Interessen Rechnung.
Die jüngst von uns bei diesen und anderen Fragen
erzielten Fortschritte wären ohne die Männer und
Frauen unserer Streitkräfte unmöglich gewesen. Sie
verliehen der amerikanischen Diplomatie Überzeugungskraft. Sie sind eine unausgesprochene Bedrohung, wenn wir Wirtschaftssanktionen verhängen.
Und sie erledigen die Arbeit in den Fällen, in denen
alle Mittel mit Ausnahme von Gewalt ausprobiert
wurden und scheiterten.
Präsident Clinton ist entschlossen, unser Militär
weiterhin als die am besten ausgebildete, am besten
ausgerüstete und am besten vorbereitete Streitmacht
der Welt zu erhalten. Und das tut er. Amerikas

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Truppen waren nie in einem besseren Zustand. Wer
daran zweifelt, sollte mit unseren Befehlshabern
sprechen. Er sollte nach Haiti oder an den Golf
reisen. Er sollte sich aus erster Hand ein Bild davon
machen, was unsere Soldaten leisten.
Zu Beginn meiner Ausführungen habe ich Präsident
Wilsons eindringliche Aufforderung zu Engagement
zitiert. Ich möchte ein wenig über den Hintergrund
dieser Worte sagen.
Der Präsident wollte die konservativen Internationalisten davon überzeugen, einen überparteilichen
Konsens für den Völkerbund zu schmieden. Er
äußerte ihnen gegenüber, der Völkerbund sei die
größte Hoffnung, den schrecklichen Krieg in Europa
zu beenden und die Welt auf einen friedlicheren Weg
zu bringen. Damals verglichen die Experten seine
Rede mit vielen anderen - der berühmten Rede
Lincolns in Gettysburg bis zur Unabhängigkeitserklärung. Aber nur drei Jahre später stimmte der
Senat gegen den Völkerbund, und Amerika zog sich
in die Isolation zurück.
Manche unter uns vertreten heute wieder die Ansicht,
Amerika solle sich zurückziehen. Diese Menschen
stehen für zwei Seiten derselben Medaille - im Lager
der Rechten drängen sie auf Isolation, weil Amerika
zu gut für die Welt sei, im Lager der Linken, weil
Amerika nicht gut genug sei. Und dann gibt es
diejenigen, die zur Entschuldigung nicht einmal eine
Ideologie anführen können - die Neonichtwisser ohne
irgendwelche Überzeugung - die ihre Stimme dem
Chor der Isolationisten hinzufügen.
Ich bin hierhergekommen, um Ihnen zu sagen, daß
sie alle unrecht haben - und Woodrow Wilson recht
hatte als er sagte, das Schicksal Amerikas sei
untrennbar mit dem anderer Nationen verknüpft.
Darüber hinaus bin ich hier, weil renommierte Universitäten ein guter Ort für die Belebung der Debatte
sind, derer wir für die Entscheidung zwischen Isolation und Engagement bedürfen. Diese Debatte dreht
sich nicht um eine Abstimmung wie beim GATT - so
wichtig diese Abstimmung auch sein mag. Sie wird
auch nicht mit Hilfe von Seminaren und Artikeln
gewonnen - so überzeugend die Argumente auch
sein mögen. Vielmehr wird sie im Laufe der Zeit
versiegen - durch den täglichen Kampf um die unsere
Diplomatie unterstützenden erforderlichen Ressourcen, durch die Demonstration der mit einer Führungsrolle einhergehenden Chancen und Verpflichtungen,
durch die Bildung einer Koalition der Mitte, um einen
vernünftigen Kurs für unser Land zu planen.
Dies ist ein entscheidender Moment für Amerika. Wir
stehen, um mit den Worten des Präsidenten zu
sprechen, am dritten großen Wendepunkt dieses

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�Jahrhunderts. Nach dem Ersten Weltkrieg beschlossen wir, uns zurückzuziehen, und hinterließen ein
Vakuum, das mit den Kräften des Hasses und der
Tyrannei gefüllt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg
entschieden wir uns für Engagement und riefen die
Institutionen ins Leben, die bereits ein halbes Jahrhundert währenden Wohlstand, Sicherheit und

Triumph über den Kommunismus garantiert haben.
Jetzt, nach unserem Sieg im Kalten Krieg, dürfen wir
den Frieden nicht verlieren. Wir müssen uns den
Feinden offener Gesellschaften stellen und die
Herausforderung des Engagements angehen. Das ist
die Aufgabe meiner - und Ihrer - Generation.

* * * * *

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�MILITÄR
7. Dezember 1994

CLINTON KÜNDIGT NEUE VERTEIDIGUNGSINITIATIVE AN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton gab am 1. Dezember 1994 eine aus fünf Elementen bestehende
Initiative bekannt, die gewährleisten soll, "daß unsere Streitkräfte die Mittel und Unterstützung bekommen, die
sie zur Aufrechterhaltung ihres hohen Leistungsniveaus benötigen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ankündigung des Präsidenten.

Verteidigungsminister Perry, General Shalikashvili,
Mitglieder der Vereinigten Stabschefs. Ich habe
versprochen, daß unter dieser Administration unser
Militär die am besten ausgebildete, am besten
ausgerüstete und einsatzbereiteste Streitmacht der
Welt bleiben wird. Ich freue mich, heute gemeinsam
mit Minister Perry und den Vereinigten Stabschefs
diese Verpflichtung erneut zu bekräftigen und eine
neue Initiative anzukündigen, durch die unsere
Einsatzbereitschaft gewährleistet und unseren
Soldaten sowie ihren Familien die verdiente Unterstützung geboten wird.
Während unseres ersten Amtsjahrs haben wir eine
grundlegende Überprüfung der Verteidigungsfähigkeit unserer Nation und unserer Strategie vorgenommen. Aufbauend auf den Bestrebungen der vorigen
Administration und mit überparteilicher Unterstützung
im Kongreß setzen wir die Umstrukturierung unserer
Streitkräfte fort, um den Herausforderungen der
amerikanischen Führungsrolle im Zeitalter nach dem
Kalten Krieg zu begegnen. Ich habe angeordnet,
daß unsere Truppen zur Bewältigung von zwei
praktisch gleichzeitig stattfindenden größeren regionalen Konflikten bereit sein sollten. Seitdem habe
ich mich wiederholt Forderungen nach einem weiteren Abbau unserer Streitkräfte und Kürzungen
unseres Verteidigungshaushalts über das in der
umfassenden Überprüfung empfohlene Maß hinaus
widersetzt und weiteren Einsparungen in diesem
Bereich einen Riegel vorgeschoben.
Während der letzten beiden Jahre hat unser Militär
mehrmals seine Einsatzbereitschaft und seine
Fähigkeiten zur Kriegführung und Friedenssicherung
unter Beweis gestellt - von Korea über Makedonien
und Ruanda bis Haiti. Wir haben unseren Männern
und Frauen in Uniform große Lasten aufgebürdet,

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und sie haben wunderbar darauf reagiert. Sie haben
eine wahrhaft herausragende Fähigkeit zur schnellen
Dislozierung, Gewährleistung von Sicherheit und
Stabilität demonstriert. Als unsere Streitkräfte im
Oktober außerordentlich schnell und effizient an den
Persischen Golf entsandt wurden, verstand Saddam
Hussein, was das bedeutet. Wir haben gegen die
irakische Bedrohung der Sicherheit dieser Region
eine wirksame Abschreckung geboten. Und als
unsere Truppen in Haiti in einzigartiger Kooperationsbereitschaft zur Unterstützung unserer diplomatischen
Bestrebungen bereit standen, trugen wir dazu bei, in
dieser Nation die Weichen für eine Wiederherstellung
der Demokratie zu stellen.
Ob unsere Soldaten an Kampfhandlungen beteiligt
sind oder zur Friedenssicherung oder Bereitstellung
humanitärer Hilfsdienste eingesetzt werden - wir
müssen weiterhin ihren Bedürfnissen Rechnung
tragen, ausreichende Finanzmittel bereitstellen und
unseren militärischen Vorsprung bewahren. Minister
Perry und ich haben wiederholt darauf hingewiesen,
daß unser oberstes Ziel die Einsatzbereitschaft und
das Wohlergehen unserer Männer und Frauen in
Uniform sind und wir uns dafür engagieren. Heute
möchte ich eine aus fünf Elementen bestehende
Initiative bekanntgeben, durch die gewährleistet
werden soll, daß unsere Streitkräfte die Mittel und
Unterstützung bekommen, die sie zur Aufrechterhaltung ihres hohen Leistungsniveaus benötigen.
Erstens werde ich den Kongreß um zusätzliche 25
Milliarden Dollar für unsere in den nächsten sechs
Jahren geplanten Verteidigungshaushalte ersuchen.
Zweitens werde ich die höchste gesetzlich mögliche
Gehaltserhöhung für unser Militär bis zur Jahrhundertwende anstreben. Drittens werde ich die anderen
von Verteidigungsminister Perry im vergangenen

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�Monat dargelegten Initiativen zur Verbesserung der
Lebensqualität uneingeschränkt unterstützen. Wir
werden das Erforderliche ausgeben um sicherzustellen, daß unsere Streitkräfte in angemessenen Wohnungen leben und die notwendige Kinderbetreuung
sowie die Unterstützung erhalten, die unsere Soldaten und ihre Familien benötigen, um unserer
Nation zu dienen. Viertens werde ich den Kongreß
bitten, in den letzten beiden Jahren unseres nächsten Sechsjahresplans für reales Wachstum des Verteidigungshaushalts zu sorgen, damit gewährleistet
ist, daß das amerikanische Militär im 21. Jahrhundert
mit dem modernsten verfügbaren Gerät ausgerüstet
ist.
Und schließlich werden wir im nächsten Jahr dem
Kongreß zusammen mit unserem Haushalt eine
zusätzliche Notfallfinanzierungshilfe für das laufende
Haushaltsjahr übermitteln, um den Streitkräften
unvorhergesehene Ausgaben für die Operationen
am Golf, der Adria, in Haiti und andernorts zu
erstatten und zu verhindern, daß wir wichtige Mittel
des Bereischaftsfonds anzapfen. Dank dieser Fonds
können wir die zur Erfüllung unserer Missionen im
kommenden Jahr erforderliche Bereitschaft und
Ausbildung aufrechterhalten.

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Seite 2

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Ich fordere den Kongreß auf, diesen Nachtragshaushalt rasch anzunehmen, damit wir uns nicht mit
den Problemen wie im Herbst konfrontiert sehen, als
der Kongreß seine Zustimmung zum letzten Nachtragshaushalt verzögerte.
Die heute von mir angekündigten Aktionen unterstreichen die Verpflichtung unserer Administration
und meine persönliche Verpflichtung, für unsere
Streitkräfte den höchsten Ausbildungsstand aufrechtzuerhalten und sie auf die Entsendung zu Missionen
auf der ganzen Welt binnen Stunden vorzubereiten.
Diese Aktionen werden auch gewährleisten, daß
unsere Männer und Frauen in Uniform von der
besten Unterstützung für ihre Familie überzeugt sein
können, die sie benötigen und verdienen. Wir fordern
viel von unseren Streitkräften, und wir schulden ihnen
viel. Unsere Streitkräfte sind das Rückgrat unserer
nationalen Sicherheitsstrategie. Sie stehen hinter
unseren Bestrebungen zur Bewahrung von Frieden
und Sicherheit auf der ganzen Welt. Ich fordere den
neuen Kongreß auf, diese Initiativen uneingeschränkt
zu unterstützen.
Ich danke Ihnen.

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AMERIKA DIENST 48

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