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Information
und
Dokumentation

'•TS

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Januar 1980

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Afghanistankrise und ihre Auswirkungen auf das Ost-West-Verhältnis
- Von Helmut Sonnenfei dt -

WIRTSCHAFT
Trends im Produktivitätswachstum in Amerika
- Ausblick auf die achtziger Jahre Von Dr. Mark Perlman

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Fahrzeugbau:

Neue Treibstoffe verlangen andere Motoren

- Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie •
Unwirksame Pestizide
- Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�30. Januar 1980

7

DIE AFGHANISTANKRISE UND IHRE AUSWIRKUNGEN AUF DAS OST-WEST-VERHÄLTNIS
- Von Helmut Sonnenfeldt

Helmut Sonnenfeldt war von 1974 bis 1977
Berater im amerikanischen Außenministerium
und lehrt gegenwärtig an der Brookings
Institution in Washington.

Ober viele Jahre hinweg hat die Sowjetunion ihre wachsenden militärischen
Möglichkeiten dazu benutzt, ihren Einfluß geltend zu machen und Präsenz rund um
die Welt zu erringen. Von der Unterdrückung von Volksaufständen und Liberalisierungsbestrebungen in Osteuropa unter Militäreinsatz abgesehen, haben es die
Sowjets im allgemeinen vermieden, ihre eigenen regulären Truppen bei regionalen
Konflikten oder Aufruhr im Innern einzusetzen. Stattdessen haben sie es vorgezogen, Waffen und Ausrüstung zu liefern und Berater zu schicken. Das Kämpfen
erledigten andere, vor allem die Kubaner, deren Heimat solange durch die Sowjets
militärisch geschützt wurde.
In gewissem Sinne stellen die Ereignisse in Afghanistan den Höhepunkt dieses Trends dar, da die Sowjets nunmehr ihre eigenen Streitkräfte ganz schamlos
einsetzen.

Sie eröffnen aber auch eine neue Phase, weil die sowjetische Mili-

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�Militärmacht zum erstenmal seit Ende der vierziger Jahre in dem Versuch eingesetzt wird, die sowjetische Herrschaft über ihren bisherigen Machtbereich
auf der eurasischen Landmasse auszudehnen.

Obwohl in den Augen mancher Leute geographisch weit entlegen, hat
Afghanistan in der Tat eine strategische Lage von höchster Bedeutung.

Denn

die Tatsache, daß die stärkste Militärmacht in Eurasien dieses Land zum erstenmal in der Geschichte besetzt hält, bedeutet - sogar wenn der Widerstand andauert - ,daß die UdSSR sich nunmehr gleichzeitig entlang ausgedehnter Landmassen
zweier Länder erstreckt, von denen eines reich an lebenswichtigen ölvorräten
ist und die beide Zugang zu Seewegen bieten, die von entscheidender Bedeutung
für den Welthandel und das geopolitische Gleichgewicht der Welt sind.

Präsident Carter hat wahrscheinlich nicht unrecht, wenn er sagt, daß die
sowjetische Invasion Afghanistans die größte Bedrohung des Friedens seit dem
Zweiten Weltkrieg ist.

Es stimmt, daß die Vereinigten Staaten in Korea und

Vietnam in blutigen Kriegen kämpften, bei denen die Sowjets jedesmal unseren
Feinden Unterstützung gewährten.

Wir erlebten auch eine Reihe hitziger Kon-

frontationen wegen Berlin, dem Nahen Osten und wegen Kuba.

Aber alle diese

Konflikte und Krisen waren begrenzt.

Für einen großen Teil Südwestasiens und den Nahen Osten könnte das von
den Sowjets besetzte Afghanistan eine Bedrohung von unbestimmter Dauer darstellen, die von der Sowjetunion selbst ausgeht und durch die Stützpunkte verstärkt
wird, die bereits auf der Arabischen Halbinsel und in Ostafrika errichtet sind.
Zugleich stellt es einen weiteren Baustein des Einkreisungswalls dar, den die
Sowjets gegen China zu errichten suchen.

Ob die militärischen Optionen, die sich durch die Besetzung des Territoriums von Afghanistan eröffnen, von der sowjetischen Führung auch wahrgenommen werden, kann nicht vorausgesagt werden.

Selbst wenn dies nicht bald

geschieht, so hat sich doch die strategische Landkarte der Welt für all jene
zum Schlechteren hin verändert, die sich über die Ausdehnung des sowjetischen

- 2-

�sowjetischen Einflusses und sowjetischer Macht Sorgen machen.

Bestimmte "defensive" Motivationen mögen bei dem sowjetischen Marschbefehl eine bedeutsame Rolle gespielt haben.

Ganz generell betrachtet haben

die Sowjets schon mehrere Jahre lang besorgt beobachtet, wie ihre Hauptgegner
Kontakt miteinander aufgenommen haben.

Eine feindliche Koalition von Japan

über China bis zur NATO, Europa und den Vereinigten Staaten ist nahezu mit
Sicherheit eine echte sowjetische Angst gewesen.

Umso mehr, als Moskau in

den bewegten fünfziger Jahren das Ende der kapitalistischen Einkreisung ausgerufen hatte.

Gegenmaßnahmen verschiedenster Art - Entspannung mit dem Westen,

Drohungen wie Lockrufe gegenüber Japan, Warnungen, Eröffnungen und Gegeneinkreisung vis-5-vis China - wurden alle mit mehr oder weniger Erfolg ergriffen.

Der marxistische Staatsstreich in Afghanistan im Jahre 1978 - zunächst
zufällig, dann aber kraftvoll von Moskau unterstützt - könnte als eine zusätzliche, konkrete Antwort auf das gesehen werden, was Moskau als feindliches
westlich-chinesisches Manövrieren ansieht.

Als das neue prosowjetische Re-

gime ins Schwanken geriet und vor der wachsenden Bedrohung durch eine Widerstandsbewegung stand, die in mehreren der islamischen Volksgruppen verwurzelt
war, die sich ebenfalls Sympathien von außen erfreuten, sahen sich die Sowjets
offensichtlich gezwungen, dem Verlust ihrer Zugewinne des Jahres 1978 Einhalt
zu gebieten.

Die sowjetische Aktion könnte auch durch die Furcht motiviert sein,daß
die moslemische Bevölkerung der UdSSR selbst von dem angesteckt werden könnte,
was sich sowohl in Afghanistan als auch im Iran zutrug.

Mehr Gewicht muß je-

doch das Urteil gehabt haben, die große und mächtige Sowjetunion sei berechtigt, Ordnung in einem Land zu erzwingen, das nach sowjetischem Dafürhalten
nunmehr in den Wirkungskreis der Breschnew-Doktrin geraten war.

In diesem

Zusammenhang lohnt es sich festzuhalten, daß die Sowjets ihren Vertrag über
Freundschaft und Zusammenarbeit mit Afghanistan als legale Grundlage für ihre
neueste Intervention benützten - genauso wie sie den Warschauer Pakt als legale Rechtfertigung für ihre Intervention in Ungarn und in der Tschechoslowakei
anführten.

Verträge ähnlicher Art gibt es mit Angola, Mozambique, dem S'üd- 3 -

�Südjemen, Äthiopien, dem Irak und Vietnam - obgleich die Entfernung zwischen
diesen Ländern und der UdSSR und andere Umstände sie weniger wahrscheinlich
zu Kandidaten für die massive Art von Intervention machen dürfte, wie sie in
Afghanistan stattgefunden hat, wenn innere Unruhen diese Regime bedrohen sollten.
Letztendlich aber kann eine "defensive" Motivgruppe als machtvolleres
Stimulierungsmittel für solche Aktionen dienen als der Wunsch nach Expansion.
Und natürlich ist es für die Sowjets - nachdem sie erst einmal Blut, militärische Macht und Prestige eingesetzt haben, um die politische Orientierung
Afghanistans aufrechtzuerhalten und Widerstand gegen das dortige Regime zu
unterdrücken - kein an den Haaren herbeigezogener Schritt, über die Grenzen
dieses Landes vorzustoßen, um Afghanistan gegen äußere Angriffe - seien sie
echt oder eingebildet - zu schützen.
Was bedeuten nun diese Entwicklungen für die Entspannung und, noch allgemeiner, für die Ost-West-Beziehungen?
Afghanistan sagt uns weniger darüber, ob die Entspannung gescheitert
ist, als vielmehr, daß Entspannung - begreift man sie als eine Beziehung
gegenseitiger Zurückhaltung bei der Verfolgung von Interessen - nicht automatisch aus guten Absichten oder Kriegsfurcht oder wirtschaftlichen Notwendigkeiten oder nicht einmal aus verstärkten menschlichen Kontakten hervorgeht. Die Sowjets befinden sich in einer expansionistischen - oder imperialen - Phase ihrer Entwicklung. Sie mögen sogar glauben, daß die Zeit gegen
sie arbeitet. Ihre gegenwärtigen Sorgen umfasen das Auftreten Chinas, die zunehmenden Anstrengungen im Westen, das militärische Gleichgewicht zu korrigieren, zunehmende wirtschaftliche und demographische Probleme im Innern der
UdSSR, ein mögliches Defizit in der Energieproduktion der nächsten Jahre und
viele andere Faktoren - einschließlich des fortgeschrittenen Alters vieler
Mitglieder der sowjetischen Führung. Um mit diesen sowjetischen Impulsen und
den von ihnen ausgelösten Politiken fertigzuwerden, bedarf es einer anhaltenden Anstrengung - nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern all derjenigen,
die sich um eine geordnetere und weniger gefährliche Welt Sorgen machen.
Daher
- 4 -

�Daher wären kurzfristig die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
sowie all diejenigen Länder, deren Interessen betroffen sind, gut beraten,
sich rasch auf den geordneten Aufbau ihrer Stärke - einschließlich der militärischen - zu konzentrieren, um dadurch die Sowjets der Risiken ihrer Abenteuer über Afghanistan hinaus bewußt zu machen.

Die schwerste Bürde fällt

dabei zweifellos den Vereinigten Staaten zu, aber die NATO-Verbündeten und
auch Japan werden für ihre eigene und die gemeinsame Verteidigung wahrscheinlich mehr tun müssen.

Militärischer und wirtschaftlicher Beistand für Pakistan

und Unterstützung für andere Nahoststaaten sollte wahrscheinlich ebenfalls
nicht ausschließlich von den Vereinigten Staaten kommen.
Rolle spielen.

Auch China muß eine

Es ist klar, daß im Fall Pakistans die Befürchtungen Indiens

n'cht übersehen werden dürfen, aber Indien fühlt sich wahrscheinlich auch
nicht allzu wohl angesichts der umfangreichen neuen Sowjetstreitkräfte in
dieser Weltgegend.
Normale Wirtschaftsbeziehungen mit der UdSSR sind unmittelbar nach der
Afghanistankrise unangemessen.

Die Vereinigten Staaten haben bereits wesent-

liche Wirtschaftsaktivitäten beschnitten.

Westeuropa und Japan zögern offen-

sichtlich mehr, die Bindungen zu zerreißen, die so mühsam mit dem Osten aufgebaut wurden und die für beide Seiten von nicht geringem Nutzen sind.

Dennoch

müssen diese Staaten sich fragen, ob solche Beziehungen tatsächlich vollkommen von den politischen Verhältnissen abgesondert werden können - und werden
sollten.

Es kann die Sowjets nicht völlig kalt lassen, wenn deutlich würde,

daß Industrie- und Technologieprojekte im Wert von Milliarden von Dollar aufs
Spiel gesetzt werden, falls sie weitere Demonstrationen des Expansionismus
durchführen.

Gleichzeitig scheint es nunmehr so, daß sich den Regierungen der demokratischen Industrieländer eine neue Gelegenheit bietet, in Zukunft einen bewußteren Einsatz der Wirtschaftspolitik als integralen Bestandteil der Gesamtanstrengungen zu planen, sich mit der Sowjetunion auseinanderzusetzen.

Vor

allem aber muß die westliche Welt einen besser koordinierten oder zumindest
sich gegenseitig verstärkenden Zugang bei ihren Wirtschaftsbeziehungen mit

- 5 -

�mit der Sowjetunion suchen.

Einer der Gründe dafür, daß die Entspannung

sich als trügerisch erwiesen hat, ist die Tatsache, daß Moskau immer irgendwelche Möglichkeiten hatte, einen Verbündeten gegen einen anderen auszuspielen.

Diese sowjetische Manövrierfähigkeit gilt es einzuschränken - auf wirt-

schaftlichem wie auf anderen Gebieten.
Langfristig ist klar, daß die Vereinigten Staaten anhaltende Anstrengungen unternehmen müssen, um ihre Streitkräfte auszubauen, damit deren Einsatz
in den vielen Teilen der Welt möglich wird, wo die sowjetische Macht sich
fühlbar machen kann.

Die Europäer mögen und müssen sich Fragen stellen, ob

und wie sie zum Schutz derjenigen Interessen außerhalb Europas beitragen können, die für sie mindestens ebenso lebenswichtig sind wie für die Vereinigten
Staaten.

Japan könnte seinerseits gezwungen sein, die Erhöhung seiner An-

strengungen zur Verteidigung des es umgebenden See- und Luftraums ins Auge zu
fassen.

Zunehmende Kontakte mit China bei Verteidigungsangelegenheiten soll-

ten von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten sorgfältig gepflegt
werden.

Solche Verteidigungsprogramme sollten keine RüstungskontrollVerhand-

lungen ausschließen, aber es ist wichtig festzuhalten, daß daraus hervorgehende Abkommen wahrscheinlich in ihren Auswirkungen marginal sein werden und
nicht als Ersatz für zusätzliche Verteidigungsanstrengungen dienen können.
Als Schlußfolgerung kann gesagt werden, daß man Afghanistan nicht lediglich als einen "Verkehrsunfall" definieren kann, wie man 1968 einmal von der
Tschechoslowakei sagte. Es ist ein ernstes und gefährliches Ereignis. Meiner Ansicht nach hat es die ursprünglichen Prämissen einer zähen, aber flexiblen Politik gegenüber der UdSSR nicht beeinträchtigt. Es sollte jedoch ein
für allemal die Illusion beseitigen, daß die Abkommen der frühen siebziger
Jahre einen unumkehrbaren Trend zu verbesserten Beziehungen garantieren.
Ich glaube nicht, daß es zu spät ist, die wesentliche Beziehungsstruktur aufzubauen, die vor zehn Jahren entworfen wurde - in allen ihren Elementen. Aber
ich glaube auch, daß wir dazu nicht so bald wieder die Möglichkeit haben werden, wenn wir nicht jetzt sofort Schritte unternehmen, um kurzfristig die unmittelbaren Gefahrenbereiche anzugehen und langfristig das Gesamtverhältnis
mit der UdSSR zu gestalten.
+ + + + +

- 6-

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
30. Januar 1980

TRENDS IM PRODUKTIVITÄTSWACHSTUM IN AMERIKA
- Ausblick auf die achtziger Jahre Von Dr. Mark Perlman

Professor Dr. Mark Perlman lehrt Nationalökonomie an der Universität von Pittsburgh
und hatte früher einen Lehrstuhl an der
Johns Hopkins-Universität inne. Er hat zahl
reiche Bücher und Artikel über Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsanalyse und Arbeitskraft verfaßt und ist Herausgeber des
"Journal of Economic Literature".
Das Produktivitätswachstum in den Vereinigten Staaten ging im vorigen
Jahrzehnt stark zurück und verlangsamte

sich auf etwa die Hälfte des durch-

schnittlichen Wachstums von drei Prozent während der sechziger Jahre.
letzten Jahren war die Verlangsamung sogar noch stärker.

In den

Der Rückgang der Pro-

duktivitätsrate wird als einer der Hauptfaktoren für das Sinken des Dollar,
das langsame Wirtschaftswachstum und die steigende Inflation betrachtet.
Der Zuwachs der Produktivität in der amerikanischen Wirtschaft insgesamt
ging in den Jahren 1973 bis 1977 auf jährlich 1,1 Prozent zurück, nachdem er
in den Jahren 1948 bis 1955 einen Höchststand von jährlich 3,4 Prozent erreicht
hatte.

Vom zweiten zum dritten Quartal 1979 war bei den nicht-landwirtschaft-

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�nicht-landwirtschaftlichen Privatunternehmen ein Produktivitä'tsrückgang mit
einer Jahresrate von 0,7 Prozent zu verzeichnen.

Das Produktivitätswachstum

hat sich in Amerika deutlich ungünstiger entwickelt als in anderen industriellen Volkswirtschaften, wie beispielsweise Japan, Frankreich, die Bundesrepublik
Deutschland und Kanada.
Man kann zwar Produktivität auf verschiedene Weise definieren, aber im
allgemeinen versteht man darunter das Verhältnis zwischen dem Wert der Produktion (Output) eines Betriebes oder Landes in einer bestimmten Zeitspanne zu
dem Aufwand - Eingangswert - (Input) in der gleichen Zeitspanne. Herkömmlicherweise rechnet man zur Produktion auf dem privaten Sektor nur die Güter und
Dienstleistungen, die verkauft oder auf Lager genommen werden.

Was den Ein-

gangswert betrifft, so konzentriert man sich auf den Arbeitsaufwand gemessen
in Arbeitsstunden, obwohl in jüngerer Zeit die Maßstäbe neu definiert werden
und auch Kapital und Material kosten einschließen.
Es ist außerordentlich kompliziert, die unbefriedigende Produktivitätsleistung in den Vereinigten Staaten während der letzten Zeit zu erklären, aber
die jüngste Geschichte Amerikas bietet einige Hinweise. Einigen nationalen
Zielen ist eine höhere Priorität eingeräumt worden als der Produktivität. Darüber hinaus haben andere Entwicklungen und Ereignisse einen Einfluß auf die
Produktivität ausgeübt. Zu den Ursachen für den Rückgang gehören:
Ausweitung der Arbeitsplätze
Seit dem Zweiten Weltkrieg ist eine gewaltige Ausweitung der Beschäftigtenzahl eingetreten. Vor allem die starken Geburtsjahrgänge nach dem Krieg brachteneine Schwemme junger Menschen, die sich in den Arbeitsprozeß einreihten.
Die Zahl der Beschäftigten in Amerika ist von 1960 bis 1979 um 41 Prozent gestiegen. Im Jahre 1960 gehörten 39 Prozent der Beschäftigten in die Altersklasse von 16 bis 35 Jahren; im Jahre 1979 betrug der Anteil bereits 50 Prozent. Der unverhältnismäßig große Anteil an jungen Menschen senkt den Durchschnittsstand an Fähigkeiten und Erfahrungen der Beschäftigten. Ferner trat

- 2 -

�trat ein Rückgang des Durchschnittsalters und der Erfahrung auf allen Ebenen
des Managements ein - was zu einer raschen Erhöhung der Zahl der Manager
wiederum wegen der raschen Zunahme der Beschäftigtenzahl führte.
Frauen und Minderheiten
Im Rahmen des Programms für die Gleichheit der Chancen haben Arbeitgeber
in zunehmendem Maße Frauen und Angehörige von Minderheiten eingestellt. Die
Zahl der weiblichen Beschäftigten erhöhte sich von 1947 bis 1960 um 39 Prozent.
Diese Veränderungen mögen sich zwar auf lange Sicht als vorteilhaft erweisen,
indem sie neue Leistung und Qualität bringen und besser bezahlte Arbeitsplätze
schaffen, aber die unmittelbaren Auswirkungen auf die Produktivität waren negativ. Man hat geschätzt, daß etwa 25 bis 35 Prozent des Rückgangs der Produktivitätszuwachsrate in den Jahren von 1965 bis 1973 auf die Veränderungen
in der Zusammensetzung der Beschäftigten insgesamt und das Anwachsen der Minderheitengruppen zurückzuführen seien.
Staatliche Bestimmungen
Seit Mitte der sechziger und Anfang der siebziger Jahre haben die Vereinigten Staaten eine Umweltschutzpolitik verfolgt. Dieses Programm fordert
seitens der Privatunternehmen eine Anschaffung von Kapitalgütern und hohe Berichtskosten sowie hohe Beobachtungs- und Registrierungskosten seitens der
Regierung. Das Ergebnis trägt zwar zur Verbesserung der Lebensverhältnisse
bei, bringt jedoch keinen wirtschaftlichen Nutzen. Die Kosten für die Bekämpfung von Verschmutzung dürften in den siebziger Jahren die jährliche Wachstumsrate der Produktivität um 0,1 Prozent gesenkt haben. Ferner haben auch die
Bundes- und einzelstaatlichen Behörden ihre Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz verschärft, was nicht nur zusätzliches Gerät erfordert, sondern auch
wiederum dem privaten Sektor Kosten für die Berichte und dem Staat für die
Überwachung aufbürdet.

Entwicklung

�Entwicklung von Notstandsgebieten
In den Vereinigten Staaten sind große Anstrengungen unternommen worden, in
wirtschaftlichen Notstandsgebieten Arbeitsplätze zu schaffen, ohne daß dabei
immer die Effizienz berücksichtigt wurde. Auf lange Sicht treten die Kosten
einer solchen Entscheidung eben doch zutage.
Forschung und Entwicklung
Aus vielerlei Gründen haben Privatunternehmen und Regierungsstellen weniger
für Forschung und Entwicklung ausgegeben als Ende der fünfziger Jahre und in
den sechziger Jahren. Private Hochschulen hatten und haben mit Finanzproblemen
zu kämpfen, und viele Unternehmen haben entschieden, daß in einer Zeit hoher
Inflation die Erträge aus Forschung und Entwicklung zu unsicher seien.
Die Kapital läge
Es gibt Hinweise, daß amerikanische Fabriken zu alt sind; daß amerikanische Betriebe weniger produktiv sind als neue, und daß das Verhältnis von
neuen und alten Fabriken in Amerika ungünstiger ist als etwa in der Bundesrepublik Deutschland, Japan oder Frankreich. Weder die Ereignisse noch der
Kongreß haben einen Anreiz für eine massive Modernisierung geboten. Obwohl
der Bestand an investiertem Kapital pro Arbeiter - ein wichtiger Faktor für
den Produktivitätszuwachs - nicht zurückgegangen ist, wären die Kapitalanlagen
pro Arbeiter größer gewesen, wenn die Zahl der Arbeitskräfte nicht so rapide
zugenommen hätte.
Inflation
Die Auswirkung der Preisinflation, die den Arbeitnehmer in höhere Einkommensteuerklassen treibt, hat die "reale Steuerlast" wesentlich erhöht - vor
allem was die Facharbeiter angeht.

Das hat dazu geführt,daß der Arbeitsanreiz

sinkt.
Brennstoffkosten

�Brennstoffkosten

Daß die ölpreise im letzten Jahrzehnt sprunghaft angestiegen sind, ist
bekannt.

Damit sind die realen Preise für andere Formen der Energie gestie-

gen und ebenso die Inflationsrate.
ab.

Dies wiederum schreckte vor Investitionen

Die Last der Brennstoffpreise hatte auch tiefgreifende Auswirkungen auf

das Transportgeschäft und die Landwirtschaft - beide stark vom Erdöl abhängig.

Veränderungen der sektoralen Zusammensetzung der Wirtschaft

Die Produktivität in der Landwirtschaft und in der Gütererzeugung der
amerikanischen Volkswirtschaft stieg in den vierziger und fünfziger Jahren stark
an.

Aber mit dem Rückgang der Beschäftigtenzahl in diesen Sektoren in den

sechziger und siebziger Jahren war die Wahrscheinlichkeit gering geworden, die
hohen Zuwachsraten der Produktivität halten zu können.

Da aber im gleichen

Zeitraum die Zahl der Beschäftigten insgesamt gewaltig anstieg, führte das zu
einer Umverteilung des Gros der Arbeitskräfte in den Dienstleistungssektor
und den Regierungsdienst, wo es sehr viel schwieriger, wenn nicht unmöglich
ist, die Produktivität zu messen.

Daraus läßt sich unschwer erkennen, warum

die Prioritäten in den Vereinigten Staaten von heute einen negativen Effekt
auf das Produktivitätswachstum hatten.

An künftigen Trends zeichnet sich folgendes ab:

- Die Steigerung der Zahl der Arbeitsplätze verlangsamt sich.

Die geburten-

starken Jahrgänge nach dem Zweiten Weltkrieg sind fast völlig in den Arbeitsmarkt absorbiert, und die Rate des Anteils der weiblichen Beschäftigten wird
nicht mehr so stark steigen - schon allein weil ein sehr hoher Anteil erreicht ist.

- Die politischen Maßnahmen zur "verstärkten Eingliederung" dürften in
den ersten Jahren einen sehr negativen Einfluß auf die Produktivität gehabt
haben, aber man wird bereit sein, diese Programme zu verlangsamen, um künftige Belastungen der Wirtschaft zu vermeiden.

_M

�- Man übt mehr und mehr Zurückhaltung in der Verabschiedung weiterer
und strengerer Umweltschutzprogramme.

Auch die Programme für den Schutz am

Arbeitsplatz dürften ihre kostspieligste Phase erreicht haben und später nicht
mehr so teuer sein.
•

- Die Steuerpolitik kann stärker auf eine Förderung der Investitionen
in Forschung und Entwicklung in Privatunternehmen ausgerichtet werden.

Auch

Regierungsstellen könnten wieder mehr für die Forschung und Entwicklung tun,
wie etwa Anfang der sechziger Jahre.
- Es werden Steueranreize erwogen, um die Modernisierung von Fabriken
zu fördern.

Große Betriebe sind dazu übergegangen, unwirtschaftliche Betriebe

zu schließen.
- Es ist mit Programmen für die beschleunigte Einführung sicherer Kernkraftwerke und umweltfreundlicherer Kohlekraftwerke zu rechnen, was wiederum
Alternativen zu den erdölbeheizten Kraftwerken bietet.
Die Faktoren, die das Produktivitätswachstum in den - miteinander konkurrierenden - Industriestaaten beeinflussen,sind nicht überall die gleichen.

So

kamen beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland die geburtenstarken
Jahrgänge später als in den Vereinigten Staaten, und die deutsche Bundesregierung steht noch mehr oder weniger vor diesem Problem.
wenige

Und es gibt auch nur

Staaten, die so strenge Umweltschutzbestimmungen eingeführt haben wie

die USA.
Und der kritische

Punkt ist, ob und wann die amerikanische Wählerschaft

sich entscheidet, etwas zur Verbesserung des Produktivitätszuwachses in den
Vereinigten Staaten zu tun.

Wenn dieser Zeitpunkt gekommen ist, dann wird es

ganz schnell gehen, wie es in der Vergangenheit immer schnell gegangen ist.
+ + + + +

�I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30. Januar 1980

FAHRZEUGBAU: NEUE TREIBSTOFFE VERLANGEN ANDERE MOTOREN
Rechtzeitige Planung lebenswichtig für die Industrie

- (AD) - Womit wird man in den nächsten zwanzig Jahren in Amerika
die Tanks der Autos füllen?

Der Energieexperte E. Eugene Ecklund, Chef

der Abteilung "Alternative Brennstoffe" im Bundesenergieministerium, ist
der Ansicht, daß es zunächst Mischkraftstoffe aus Mineralölprodukten und
Alkohol, später Synthesebrennstoffe aus Ölschiefer und Kohle sein werden.
Er setzt sich für eine solche Entwicklung ein - obgleich er sie noch nicht
für gewährleistet hält -, da er eine rechtzeitige Anpassung der Vereinigten
Staaten an die Realität schwindender ölreserven in der Welt für unumgänglich
hält.
Seit dem Jahr 1975 untersucht das US-Energieministerium Möglichkeiten,
Erdöl durch andere Energieträger zu ersetzen. Inzwischen stellten sich
drei brauchbare Alternativen heraus: 1) Synthetische Brennstoffe aus
Ölschiefer und Kohle, 2) Methanol (Methylalkohol) aus Kohle, und schließlich
3) Wasserstoff aus Wasser. Es dürfte jedoch, wie Ecklund vermutet,
15 Jahre dauern, bis Kohle oder Ölschiefer den Energiebedarf für Verkehrs-

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Verkehrsmittel in den USA decken können. Mittlerweile sollten die USA
versuchen, die vorhandenen Erdölreserven durch Einsparung von Energie,
die Verwendung von Autos mit geringerem Treibstoffverbrauch und die
technische Erschließung sogenannter erneuerungsfähiger Energiequellen wie
Sonnenenergie zu strecken.
GASOHOL, der Mischkraftstoff aus Alkohol (10 Prozent) und Benzin
(90 Prozent), ist bereits recht beliebt.

Die Zahl der Tankstellen, wo

GASOHOL abgegeben wird, erhöhte sich von 200 Ende 1978 auf ca. 2 500 Anfang
1980.

Der Äthylalkohol für den neuen Kraftstoff kann durch Vergären

landwirtschaftlicher Produkte wie Getreide, vor allem Mais, Zuckerrohr
und Rüben gewonnen werden.

Im Energieministerium verlautet, daß die

kommerzielle Anwendung von GASOHOL in den nächsten paar Jahren nur deshalb
noch eingeschränkt sei, weil es vorläufig nicht genügend Destillieranlagen
gebe.

Zur Oberwindung dieses Engpasses hat die Regierung Carter eine Reihe

von Programmen, einschließlich Steuererleichterungen, vorgesehen, für die in
den achtziger Jahren Summen zwischen 8,5 und 13 Milliarden Dollar bereitzustellen wären.

Davon sollen allein drei Milliarden Dollar in der Form

von Krediten und Kreditgarantien für den Bau kleiner und mittelgroßer
Betriebe vergeben werden, die Alkohol und andere Brennstoffe aus Pflanzen
und tierischen Grundstoffen herstellen.
Im Jahr 1979 wurden in den USA etwas mehr als 300 Millionen Liter
Äthanol erzeugt, was jedoch nur für die Versorgung kleiner Absatzmärkte
ausreichte. Nach den Vorstellungen Präsident Carters soll diese Menge
bis Ende 1980 vervierfacht werden. Und im Verlauf des Jahres 1981 "dürften
wir in der Lage sein," so der Präsident, "die Äthanol Produktion auf eine
Jahresmenge von 1,89 Milliarden Liter zu steigern". Damit würden nach
Schätzungen des Energieministeriums alle verfügbaren landwirtschaftlichen
Rohstoffe aufgebraucht.
Mischkraftstoffe

�Mischkraftstoffe wie GASOHOL werden den Übergang von Kraftstoffen
auf Erdölbasis zu solchen auf der Basis synthetischer Rohöle erleichtern.
Jedoch ist man im Energieministerium der Ansicht, daß synthetische Flüssigbrennstoffe, z.B. aus Kohle, vor der Jahrhundertwende kaum in nennenswerten Mengen verfügbar sein dürften.

(Das Energieministerium läßt z.Zt.

von der Industrie in drei ersten Versuchsreihen Flüssigbrennstoffe aus
Kohle zum Betrieb von stationären Dieselaggregaten erproben.

Das Schweröl

ist nach dem SRC-Verfahren in der Pilotanlage Fort Lewis im Bundesstaat
Washington gewonnen; später soll während der 16-monatigen Versuchsphase
auch Kraftstoff aus Ölschiefer verwendet werden.

Zunächst geht es darum,

die Leistung von Dieselmotoren mit niedriger Laufgeschwindigkeit, die z.B.
für bestimmte Zwecke der Industrie oder in Kleinkraftanlagen benutzt werden,
im Betrieb mit dem neuen Treibstoff so weit wie nur irgend möglich zu
verbessern.)

Einer kommerziellen Produktion von flüssigen Brennstoffen aus

Ölschiefer stehen derzeit noch erhebliche Probleme in bezug auf Umweltbeeinträchtigung und der anzuwendenden Technik im Wege.

Und ist dann

erst einmal ein Großprojekt zur Ölschieferverwertung in Angriff genommen,
wird es etwa zehn Jahre dauern, bis ein der Brennstoffgewinnung auf
Kohlebasis vergleichbares Produktionsniveau erreicht werden kann - d.h. die
Erzeugung von 68 000 bis 137 000 Tonnen pro Tag.

Eine offenbar zwingende Notwendigkeit sind nach Meinung Ecklunds
geeignete Motoren, die mit diesen neuen Kraftstoffen betrieben werden können.
Das Interesse konzentriert sich gegenwärtig auf Gasturbinen (kontinuierliche
Verbrennung) und Stirling-Motoren (Verbrennung außerhalb des Arbeitszylinders).
Sie akzeptieren ein breites Spektrum von Kraftstoffen.

Außerdem experimentieren

Energiefachleute mit neuen Gasmotoren ähnlich dem herkömmlichen Benzinmotor,
die jedoch im Gegensatz zu diesem eine weitergestreckte Kraftstofftoleranz
aufweisen.

Man muß sich aber darüber im klaren sein, daß jeder Motor an

Leistung verliert, wenn er mit verschiedenartigen Kraftstoffen betrieben
wi rd.
Später

- 3 -

�Später könnte auch einmal Wasserstoff als Treibstoffkandidat in
Frage kommen. Ob er sich aber durchzusetzen vermag, hängt von vielen
Faktoren ab - u.a. Konkurrenzfähigkeit, allgemeiner Verfügbarkeit und
guter Speichermöglichkeit im Fahrzeug.

Die Entwicklungsarbeiten befinden

sich laut Ecklund noch im "EmbryonalStadium".

In Elektrofahrzeugen und

Fahrzeugen mit neuartigen Motoren sieht der Experte aus dem Energieministerium den Beginn revolutionärer Veränderungen, ebenso in KraftstoffMotor-Kombinationen, die notwendig wären, um z.B. reinen Alkohol, Wasserstoff oder minderwertige synthetische Brennstoffe zu verwenden.

Mischungen

aus Synthesebrennstoffen mit Rohölen aus natürlichen Quellen oder von
geringeren Anteilen Alkohol mit Benzin sind nach Meinung Ecklunds als
Entwicklungen in dieser Richtung anzusehen.

Allerdings bilde das Fest-

halten am Hergebrachten und die Höhe der notwendigen Investitionen noch
erhebliche Barrieren für einen zügigen Ausbau der neuen Techniken.

+ + + + +

�30. Januar 1980

7

UNWIRKSAME PESTIZIDE
Resistenzentwicklung bei Insekten nimmt zu

- (AD) - In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Insektenarten, die gegen mindestens ein Insektenvertilgungsmittel immun sind,
nahezu verdoppelt. Heute sind es etwa 400 Arten, denen die Chemie weitaus
weniger als in den vorangegangenen Jahrzehnten anhaben kann. Und die
Tendenz hält an - ungeachtet der vielfältigen Anstrengungen der Wissenschaftler, diese Entwicklung zu stoppen. So ist es im Labor des Entomologen
George Georghiou in einem Institut der Universität Kalifornien in Riverside
auch nichts Ungewöhnliches mehr, wenn eine DDT-Dosis, die früher 50 000
Fliegen getötet hätte, ein "modernes" Exemplar dieser Gattung nicht im
geringsten stört. "Im gleichen Tempo, in dem wir neue Chemikalien entwickeln, werden Schädlinge gegen Insektizide resistent", meint Professor
Georghiou.

Der Wissenschaftler, der sowohl die Weltgesundheitsorganisation
(WH0) als auch die Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FA0)
der Vereinten Nationen berät, hat erlebt, wie sich z.B. die Resistenz

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Reistenz der Moskitos und als Folge davon das Wiederaufflammen von
Malariaerkrankungen um die ganze Welt ausbreitete.

Allein in den letzten

fünf Jahren haben sich die Fälle von Malariaerkrankungen verdoppelt und
die hohe Zahl von mehr als 200 Millionen erreicht, Malaria ist wieder
zur hartnäckigsten und häufigsten Krankheit geworden, deren Erreger
durch Insekten übertragen wird.

-

Superinsekten -

Zu Resistenz kommt es durch genetische Veränderungen, die bei
Insekten, welche die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln überleben,
auf jeden Fall auftreten. Nach zehn bis 15 Generationen einer Insektenpopulation, gegen die regelmäßig das gleiche Sprühmittel angewandt wurde,
haben sich aus den überlebenden der ersten Behandlung "Superinsekten"
entwickelt, deren Erbgut nunmehr ein Gen enthält, das das ursprünglich
wirksame Gift neutralisiert. Durch solche Insekten sind inzwischen
57 Präparate, in die viele Millionen Dollar investiert worden waren,
nutzlos geworden. Außerdem stellte sich heraus, daß Populationen, die gegen
ältere Chemikalien resistent sind, auch gegen neue Gifte Immunität entwickeln. Das gilt selbst für Insektizide der sog. dritten Generation Substanzen, mit denen Insektenhormone nachgeahmt wurden und die, als Lockstoffe verwendet, die Fortpflanzung sabotieren sollten.
Angesichts solcher Erfahrungen müßten Entomologen, Agrarwissenschaftler und Chemiker lernen, die Zeit der möglichen Anwendung von
Chemikalien maximal zu nutzen, erklärt Georghiou.

"Andernfalls haben wir

bald keine Reserven und Ausweichmöglichkeiten mehr".

Versuche hätten auch

gezeigt, daß sogar Pyrethrine, natürliche Pflanzenprodukte, Resistenzentwicklungen hervorrufen.

Künstliche Imitationen davon sind in manchen

Haushalt-Sprühmitteln enthalten.

"Gewöhnlich ist es nur eine Frage der

- 2 -

�der Zeit", so Georghiou, "bis Schädlinge wie z.B. Küchenschaben gegen
ein neues Präparat resistent werden - besonders dann, wenn jemand lieber
sprüht als daß er die Küche einwandfrei sauber hält".
Georghiou verzeichnet alle greifbaren Informationen über Insektenresistenz in einem von ihm geführten Katalog.

Im Frühjahr dieses Jahres

soll ein Kompendium über Immunitätsentwicklung bei Schädlingen aus aller
Welt veröffentlicht werden.

Karten und Wandtafeln in seinem Arbeitsraum

zeigen die geographische Verteilung resistent gewordener Insekten und
der immer häufiger werdenden Populationen mit "Kreuzresistenz" - d.h.
jener Insektenstämme, die gegen mehrere Chemikalien immun geworden sind.

- Resistenz-Management Pionierarbeit leistete Georghiou für Untersuchungen, mit denen
herausgefunden werden soll, wie massive Insektenresistenz verzögert
werden kann. Jedoch steckt dieses Forschungsgebiet, wie der Entomologe
erklärt, "noch in den Kinderschuhen". Denn "Resistenz-Management", wie
er es nennt, verlange eingehende Kenntnis der Genetik, Biologie und des
Verhaltens eines Schadinsekts in freier Natur sowie sämtlicher Mechanismen
einer chemischen Einwirkung. Wenn man über dies alles genügend Informationen
habe, könne man daran gehen, ein Computermodell zu erarbeiten, das zeigt,
wie schnell sich im Rahmen einer Vielzahl der verschiedensten Bedingungen
Resistenz entwickelt.
Professor Georghiou sammelt gegenwärtig solche Daten über die
kalifornischen Moskitos, die Träger eines Erregers von Hirnhautentzündung
sind.

Der Wissenschaftler möchte es soweit bringen, daß derartige Modelle

Hilfestellung geben für die Wahl des Zeitpunktes, der Mengen, der Konsistenz
und der Art der zu verwendenden Pestizide.

- 3 -

Er zeigte bereits Wege zur

�zur Resistenzbekämpfung für den Fall auf, daß man von dem jeweiligen
Schädling nicht allzu viel weiß.

So sollte man z.B. Pestizide verwenden,

die sich im Anwendungsbereich schnell zersetzen, und man sollte "Taschen"
geringeren Befalls unbehandelt lassen - als Brutreservoir für Insekten,
die gegenüber Insektiziden noch anfällig sind.

Die zeitliche Anwendung

eines Pestizids sollte anhand detaillierter Forschungsergebnisse so gewählt
werden, daß die Ausbildung von Kreuzresistenz auf ein Mindestmaß beschränkt
wird.
"Resistenz zu verzögern oder zu verhindern ist ein Umstand, der
immer größere Bedeutung erlangt", erklärt Professor Georghiou, "weil wir
nur sehr wenig neue Chemikalien finden.

Und häufig ist durch Resistenz

bei den Schädlingen ein Präparat schon veraltet, noch ehe es die ursprüngliche
Investitionen - bei landwirtschaftlichen Pestiziden ca. 13 Millionen Dollar hereingebracht hat."
Die Kosten für Resistenz sind hoch - gleichgültig, wie man sie
mißt. Nach vorsichtigen Schätzungen dienen etwa 50 Prozent aller Insektizide,
die jährlich in den Vereinigten Staaten gekauft werden, zur Bekämpfung
resistenter Insektenarten. Diese Präparate verursachen Ausgaben in Höhe
von etwa 100 Millionen Dollar.
Inzwischen wurde am Universitätsdepartment "Nahrungsmittel und
Landwirtschaft" in Riverside aufgrund der Anregungen, die Francis A. Günther,
Professorin für Entomologie und Chemie, und der kanadische Gastforscher
B.B. Berck gaben, eine tragbare Feldausrüstung zur Messung von PestizidRückständen im Boden und auf Blattwerk entwickelt. Das RFM-Verfahren
(RFM ist die Abkürzung für "Rapid Field Method" = Schnellverfahren zur
Feldanalyse)macht es möglich, innerhalb von 30 Minuten den Pestizidspiegel einer Probe zu ermitteln. Allerdings wird es nur zur Messung der
Rückstände von Organophosphat-Pestiziden benutzt, jedoch nicht der Rückstände anderer Pestizide wie z.B. von Carbamaten.
Auch

�Auch für die Resistenzbekämpfung könnte sich die RFM-Methode als
nützlich erweisen.

Denn mit diesem Verfahren ließe sich an Ort und Stelle

die Konzentration von Rückständen eines Pestizids rasch ermitteln.

Ist

diese niedrig genug, könnte man anschließend zur biologischen Bekämpfung
der Schadinsekten übergehen und nun umgehend solche Insekten freisetzen,
die Schädlinge als Wirtskörper benutzen oder die deren natürliche Feinde
sind.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                    <text>L*T

Information
und
Dokumentation

£•1

31
_

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

^M

4. Februar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Haushaltsvoranschlag Präsident Carters für 1980/81
- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft an den Kongreß
Auszüge aus dem Haushaltsvoranschlag 1981
- Verteidigungshaushalt - Internationale Angelegenheiten -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rekordetat für Wissenschaft und Technik
- Präsident Carter fordert mehr als 38 Milliarden Dollar für 1981
Einsparung - Kohle - Sonnenenergie
- Schwerpunkte auf dem Energiesektor im neuen US-Haushalt -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gcbcccn

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�8

4. Februar 1980

HAUSHALTSVORANSCHLAG PRÄSIDENT CARTERS FÜR 1980/81
- Auszüge aus der HaushaKsbotschaft an den Kongreß -

WASHINGTON

- (AD) -

Präsident Jimmy Carter hat am 28. Januar

1980

dem amerikanischen Kongreß seinen Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr
1980/81 - vom 1. Oktober 1980 bis 30. September 1981 - übermittelt, der mit
Ausgaben von rund 615,8 Milliarden Dollar eine Erhöhung um 9 Prozent vorsieht.

Hohe Priorität im Haushaltsjahr 1981 wird der Verteidigung einge-

räumt, für die über 5 Prozent mehr - insgesamt 161,8 Milliarden Dollar aufgewandt werden sollen, aber auch die Mittel für Forschung und Entwicklung
sind beträchtlich - auf über 38 Milliarden Dollar - erhöht worden.

Immerhin

sind aber auch die Sozialbereiche und der Schuldendienst mit 37 Milliarden
Dollar mehr bedacht worden.

Für Energieprogramme - unter anderem Ausgaben

für das Energieministerium und für das Erdöl-Lagerhaltungsprogramm - sind
insgesamt rund 8,1 Milliarden Dollar angesetzt. Alle übrigen Programme
bleiben in etwa auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr.

Das Haushalts-

defizit wird mit rund 16 Milliarden Dollar veranschlagt - verglichen mit
rund 40 Milliarden Dollar für das laufende Haushaltsjahr.

Steuersenkungen

sind im Haushaltsjahr 1981 nicht vorgesehen.
Die

�Die wesentlichen Auszüge aus der Haushaltsbotschaft des Präsidenten
an den Kongreß haben folgenden Wortlaut:
"Dieser Haushalt für 1981 ist umsichtig und verantwortungsbewußt.
Er hält an der Strategie der Zurückhaltung fest, die ich vorgeschlagen
habe und die der Kongreß für den Haushalt 1980 akzeptiert hat. Gleichzeitig schlägt er jedoch ausgewählte wesentliche Erhöhungen auf Gebieten
hoher Priorität und großer nationaler Anliegen vor.
Auf diese Weise versucht er, einen Ausgleich zwischen der Notwendigkeit der haushaltsmäßigen Zurückhaltung und der Notwendigkeit
bestimmter Ausgaben zu schaffen.

Ich rechne damit, daß der Kongreß

ihn unterstützen wird.
Die in diesem Haushalt 1981 veranschlagten Ausgaben belaufen sich
auf insgesamt 615,8 Milliarden Dollar, was eine Erhöhung um 9 Prozent
bedeutet.

Nach Berücksichtigung der Inflation liegt dieser Haushaltsvor-

anschlag jedoch praktisch auf der gleichen Höhe wie die Ausgaben im Haushaltsjahr 1980. Die Gesamteinnahme für das Haushaltsjahr 1981 werden
auf insgesamt 600 Millionen Dollar veranschlagt.

Im Hinblick auf die der-

zeitige Wirtschaftslage ist der einzige große Steuervorschlag im Haushalt
die von mir vorgeschlagene Situationsgewinn-Steuer (Windfall Profit Tax),
die der Kongreß gegenwärtig behandelt.

Gesamthaushalt

- 2 -

�Gesamthaushalt
(in Milliarden Dollar)
1979

1980

1981

1982

1983

VORANSCHLAG

Einnahmen

466

524

600

691

799

Ausgaben

494

564

616

686

774

Defizit oder Überschuß

-28

-40

-16

+5

+25

Ausgabeermä'chti gungen

557

654

696

775

868

Damit veranschlage ich ein Defizit von 15,8 Milliarden Dollar, also
das niedrigste seit sieben Jahren. Das Defizit wird gegenüber dem Haushalt
1980 um 60 Prozent gesenkt. Und was noch wichtiger ist, es liegt rund
50 Milliarden Dollar niedriger als zu der Zeit, als ich mich zum erstenmal
um die Präsidentschaft bewarb. Als Prozentsatz des Haushaltsvoranschlages
und des Bruttosozialprodukts ist das Defizit das zweitniedrigste der letzten
zehr. Jahre.
Dieser Haushalt wird stark von den wirtschaftlichen Aussichten
beeinflußt. Es sieht heute so aus, daß der lange wirtschaftliche Wiederaufschwung während meiner ersten Amtszeit in diesem Jahr nachlassen könnte.
Ich bin daher davon ausgegangen, daß im Laufe des Jahres 1980 ein Rückgang
des Bruttosozialprodukts eintreten wird, auf den 1981 wieder ein mäßiges
Wachstum folgen dürfte. Daher werden die Haushaltseinnahmen geringer
werden, und bestimmte Ausgaben werden automatisch steigen. Daher ist
mein Haushalt 1981 im Defizit. Wenn entgegen unserer Annahmen die Wirtschaftstätigkeit stark genug sein wird, um die Arbeitslosenrate auf dem

- 3-

�dem gegenwärtigen Stand zu halten, dann würde der Haushalt 1981 einen
Überschuß aufweisen.
Wir müssen die wirtschaftliche Entwicklung genau beobachten. Wenn
die Wirtschaftstätigkeit merklich nachlassen sollte, dann werde ich
Steuersenkungen und temporäre Ausgabenprogramme für die Schaffung von
Arbeitsplätzen erwägen, die sich gezielt auf besonders belastete Sektoren
der Wirtschaft richten. Die derzeitige Wirtschaftslage spricht jedoch
nach meiner Auffassung für eine fiskalische Zurückhaltung.
Nach meiner Ansicht gehen diese Beurteilung und dieser Haushalt
davon aus, daß eine vertretbare fiskalische Zurückhaltung von entscheidender
Bedeutung in unseren Anstrengungen zur Bekämpfung der Inflation ist; daß
die Arbeitslosen nicht die Kosten für unsere anti-inflationären Maßnahmen
tragen sollten; und daß wir vor allem weiterhin die Ziele der Vollbeschäftigung,
der Preisstabilität und des ausgewogenen Wachstums anstreben. Die in
diesem Haushalt veranschlagten fiskalischen und programmatischen Maßnahmen
sind nach meiner Überzeugung wesentlich, wenn wir in den achtziger Jahren
die genannten Ziele rasch erreichen wollen.
Die in diesem Haushalt vorgeschlagene Zurückhaltung ist sogar
von entscheidender Bedeutung für die Erreichung dieser Ziele. Die derzeitige unerträglich hohe Inflationsrate ist eindeutig auf viele, tief
verwurzelte, langfristig wirkende Kräfte zurückzuführen. Die Bekämpfung
dieser Inflation erfordert anhaltende Maßnahmen auf einem weiten Spektrum:
- Wir müssen unsere Abhängigkeit von ausländischem öl verringern.
t

-

Wir müssen die Produktivität unserer Wirtschaft steigern.

- Wir müssen unsere Anstrengungen zur Förderung des Wettbewerbs
und der Innovation durch weitere Abschaffung von Verordnungen

- 4 -

�Verordnungen fortsetzen.
-

Wir müssen die weitere Einhaltung der Lohn- und Preisrichtlinien
der Regierung sicherstellen.

Keine dieser Anstrengungen kann jedoch zum Erfolg führen, wenn
wir nicht die Ausgaben des Bundes unter Kontrolle halten. Durch die
Fortsetzung einer klaren und kontinuierlichen Politik der Zurückhaltung
stellt der Voranschlag 1981 sicher, daß der Bundeshaushalt keine inflationäre
Kraft in der Wirtschaft sein wird.
Obwohl ich dafür gesorgt habe, daß die Ausgaben real nicht steigen
werden, hielt ich es für notwendig, die Mittel auf einigen wenigen kritischen
Gebieten zu erhöhen. Die wichtigsten dieser Gebiete sind die Verteidigung,
die Energie, die Grundlagenforschung und die Ausbildung und Beschäftigung
der jungen Menschen in unserem Lande.
Verteidigung:

Der Rückgang in den realen Verteidigungsausgaben,

der im Jahre 1969 begann, ist ins Gegenteil verkehrt worden.

Die unsichere

und gelegentlich feindselige Welt, in der wir leben, erfordert, daß wir
unsere Verteidigungsstreitkräfte wieder verstärken.

Die Vereinigten Staaten

werden auch weiterhin danach streben, internationale Streitigkeiten mit
friedlichen Mitteln beizulegen.

Aber wir können die großen Erhöhungen

der sowjetischen Militärausgaben nicht ignorieren, die in den letzten
zwanzig Jahren unerbittlich stattgefunden haben.

Ich kann unsere Ver-

pflichtung gegenüber unseren NATO-Verbündeten zu allseitigen realen Erhöhungen unserer Investitionen in die nationale Verteidigung nicht ignorieren.
Ich kann die Auswirkungen des Terrorismus im Iran und der sowjetischen
Aggression in Afghanistan nicht ignorieren.
Daher sieht mein Haushaltsvoranschlag für 1981 ein Verteidigungsprogramm von 158,2 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen vor, was

- 5 -

�was eine Erhöhung um real 5 Prozent bedeutet.

Die Ausgaben für die

Verteidigung werden 142,7 Milliarden Dollar betragen, was eine reale
Steigerung um über 3 Prozent bedeutet.
Darüber hinaus habe ich mich im Rahmen des politischen Grundsatzprogramms zu einer weiteren realen Steigerung der Verteidigungsausgaben
bekannt,
erhöhen.

und ich plane, meine Verteidigungshaushalte bis 1985 zu
Nach meinem Vorschlag soll das Verteidigungsprogramm der

Vereinigten Staaten in dem Zeitraum von 1981 bis 1985 um insgesamt 90
Milliarden Dollar zunehmen.
Energie:

Dieser Haushalt läßt die wichtigen Fortschritte erkennen,

die meine Administration in Richtung auf ein umfassendes und praktikables
Programm zur Lösung der Energieprobleme gemacht hat, vor denen unser Land
in den nächsten zehn Jahren stehen wird.

Ich bin überzeugt, und der

Haushalt 1981 geht davon aus, daß der Kongreß zu Anfang der Sitzungsperiode 1980 die entscheidenden Maßnahmen verabschieden wird, die ich im
vorigen Jahr vorgeschlagen habe:

die Besteuerung der Situationsgewinne

(Windfall Profit Tax), die Gesellschaft zur Sicherung der Energieversorgung,
die Einsparungsmaßnahmen und das Amt für Energiemobilisierung.
Mit diesem Haushalt müssen wir ein Energieprogramm verwirklichen,
das aus den folgenden Elementen zusammengesetzt ist:
1.

Realistische Preisgestaltung und faire Besteuerung: Meine
Entscheidung über die Abschaffung von Preiskontrollen vom April
vorigen Jahres ist jetzt in Kraft. Sie ist schmerzlich, und
niemand kann so tun, als ob das nicht so wäre. Aber wir können
kein Energieprogramm brauchen, das Illusionen nährt. Energie
ist nicht billig, und diese Tatsache müssen wir akzeptieren.

Meine

- 6 -

�Meine Situationsgewinnsteuer, die Anfang dieses Jahres verabschiedet werden soll, behält einen Teil der Erhöhungen des
Energiepreises für die Öffentlichkeit ein.

Das wird sicher-

stellen, daß erhöhte Energiepreise zu neuen öffentlichen
Investitionen in die Energieerzeugung führen werden.

Sie wird

ferner gewährleisten, daß die Lasten höherer Energiekosten fair
verteilt werden.
2.

Einsparung:

Der Haushalt 1981 stellt Mittel für steuerliche

Anreize, subventionierte Anleihen zu niedrigen Zinsen und
andere Maßnahmen bereit, um zu weiteren Einsparungen anzuregen.
Einsparung ist der rascheste und billigste Weg, um mit unserem
Energieproblem fertig zu werden.
3.

Erzeugung:

Dieser Haushalt sieht die Schaffung der Gesellschaft

für Energiesicherung vor, um die Entwicklung synthetischer
Brennstoffe und ein großes neues Gasohol-Programm zu fördern.
Es unterstützt ferner weitere neue Investitionen in jene EnergieInitiativen, die in den beiden vorigen Haushalten begonnen wurden.
Wir werden unsere Ausgaben für fossile Brennstoffe, Sonnenenergie und Kernfusion beträchtlich erhöhen.

Auf der anderen

Seite geht die Kernfusionsforschung zurück, und zwar in dem
Maße, in dem größerer Nachdruck auf die Lösung der gegenwärtigen
Probleme der Kernkraft gelegt wird.
4.

Schutz: Wenn wir uns den neuen Realitäten der Energiesituation
anpassen, dann müssen wir weiterhin jene schützen, die am meisten
verwundbar sind.

Der Haushalt 1981 stellt weiterhin Mittel für

die ärmere Bevölkerung zur Wärmedämmung ihrer Häuser und Wohnungen
bereit - Mittel, um die am meisten benachteiligten Amerikaner in
die Lage zu versetzen, mit den steigenden Energiekosten fertig
zu werden;

und Mittel für Hilfe bei Energiekrisen.
Mein
- 7 -

�Mein Energieprogramm ist notwendigerweise langfristig angelegt.
Aber wenn wir es durch das neue Jahrzehnt durchhalten, dann
werden wir den Verbrauch drosseln, die Produktion aus einheimischen
Quellen steigern und alternative Energieformen fördern.

Wir

werden unsere gefährliche Abhängigkeit von ausländischem öl
wesentlich verringern.

Wir werden eine der Hauptquellen der

Inflation beseitigen.

Unsere Wirtschaft und unser Land werden

aus den achtziger Jahren stärker hervorgehen, als wir jetzt sind.
Grundlagenforschung:

Auf lange Sicht hängt das Wirtschaftswachstum

entscheidend von der technologischen Entwicklung ab.

Viele Jahre lang

war unser Land in der Entwicklung neuer Technologie führend.
Gefahr, diese Führung zu verlieren.

Wir laufen

Der Haushalt 1981 schreibt meine

seit langem bestehende Verpflichtung zur Umkehr dieses Trends der letzten
zwei Jahrzehnte fort und stellt Mittel für große und anhaltende Erhöhungen über die Inflationsrate hinaus - in den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen
bereit.

Die Zuweisungen für Forschung und Entwicklung werden um 13 Prozent

steigen, für die Grundlagenforschung um 12 Prozent.

Seit 1978 werden

die Zuweisungen für die Grundlagenforschung um 40 Prozent gestiegen sein.
Dies sind nach meiner Überzeugung mit die wichtigsten Ausgaben, die wir
machen können.

Der Ertrag ist, vor allem was die Grundlagenforschung

angeht, langfristig, aber gewaltig.

Wir profitieren schon heute - in

neuen Industrien, in Millionen von Arbeitsplätzen, in geretteten Leben und
in verlängerten Leben - von den Investitionen in die Wissenschaft, die vor
Jahrzehnten getätigt wurden.

Wir müssen solche Investitionen heute fort-

setzen, um morgen solche Erträge zu ernten.
Menschliche Hilfsquellen:

Mein Haushalt sieht - so zurückhaltend

er ist - die notwendige Untersützung für jene Amerikaner vor, die am
stärksten Not leiden.

Die meisten Erhöhungen im Haushalt 1981 gegenüber

1980 sind auf die automatische Erhöhungen zur Angleichung an die gestiegenen
Lebenshaltungskosten in den Programmen für die Armen und alten Menschen

�Menschen zurückzuführen.
bessert.

Ich habe diese Programme fortgesetzt und ver-

Darüber hinaus habe ich je nach Bedarf Erhöhungen in einem

weiten Bereich von Programmen vorgeschlagen, die denjenigen in unserer
Gesellschaft zugute kommen, die am meisten benachteiligt sind.

Der Haushalt sieht 687 Millionen Dollar für die Ausweitung der Gesundheitsdienste für die Armen und unterversorgten Menschen vor...
Ferner ist eine 24prozentige Erhöhung der Ausbildungsprogramme für die
Benachteiligten auf der Grund- und Sekundarstufe vorgesehen.

Insgesamt

empfehle ich eine Erhöhung der Unterstützung für die Armen und ihren Schutz
vor den Auswirkungen der Inflation um 7 Milliarden Dollar.

Gleichzeitig schlage ich eine große neue Initiative vor, die die
benachteiligten Jugendlichen in unserem Lande in die Lage versetzen
wird, eine gute Grundausbildung zu erhalten und Arbeitsplätze zu finden
und zu behalten...

Landwirtschaft:

Wegen der Aggression der Sowjetunion in Afghanistan

habe ich beschlossen, daß wir es jetzt nicht zulassen können, daß die UdSSR
von unserer produktiven Landwirtschaft profitiert.

Am 4. Januar habe ich

die Aussetzung der Lieferungen von Getreide, Sojabohnen und ihren Nebenprodukten an die Sowjetunion bekanntgegeben.

Dieser Haushalt sieht die

notwendigen Schritte vor, um die verheerenden Wirkungen zu verhindert,
die diese Maßnahme für unsere Farmer und Getreideexporteure haben könnte.
So wird der Landwirtschaftsminister insbesondere

- Kontrakte mit der Sowjetunion zu Preisen übernehmen, wie sie am
4. Januar gegolten haben oder darüber lagen;

-

wenn notwendig das Eigentumsrecht an dem Getreide erwerben,
das für den Export in die Sowjetunion bestimmt ist, und es aus
dem Markt nehmen;
bis
- 9 -

�bis zu vier Millionen metrische Tonnen Weizen für eine internationale Lebensmittel- und Hilfsreserve aufkaufen;
-

das Anleiheniveau für Futtergetreide und Weizen um je 10 und
15 Cent pro Bushel (3,68 Dollar und 5,51 Dollar pro metrische
Tonne) erhöhen;

-

und

die im Besitz der Farmer befindliche Getreidereserve modifizierens
um die Farmer zu ermutigen, noch mehr Getreide in die Reserve
einzubringen.

Am 19. Januar habe ich als zusätzliche Schritte zur Vermeidung
der Auswirkungen unserer Aussetzung der Lieferungen bekanntgegen, daß
die Regierung:
-

die Programme im Rahmen des öffentlichen Gesetzes 480 (Lebensmittelhilfe, Anm. der Redaktion) für 1980 und 1981 erhöhen
wird, um die Getreidelieferungen nach Obersee zu steigern; und

-

Mais direkt am Erzeugungsort aufkaufen wird, um die Barverkaufsmärkte zu stabilisieren und Transportprobleme zu erleichtern.

Ich bin jederzeit bereit, weitere Maßnahmen zu ergreifen, wenn sich
die genannten als unzureichend erweisen sollten.
Sonstige Verpflichtungen:

Auf anderen wichtigen Gebieten spiegelt

der Haushalt 1981 die Reorganisationserfolge der Administration wider;
setzt den bereits erreichten bedeutsamen Fortschritt in der Städte- und
Gemeindeentwicklung fort;

bringt meine Verpflichtung zur Reform des

Wohlfahrtswesens und zu einem nationalen Gesundheitsplan zum Ausdruck Programme, die in künftigen Haushaltsjahren anlaufen werden;

und be-

kräftigt mein Bekenntnis zur verbesserten Gestaltung und Verwaltung des

- 10 -

�des Bundeshaushaltes...
...Dieser Haushalt enthält wichtige politische Entscheidungen wesentliche Abweichungen, neue Initiativen, größere und längerfristige
Verpflichtungen. Jede für sich ist die Sache wert. Zusammengenommen
können all diese Vorschläge auch allgemeiner charakterisiert werden.
Sie spiegeln einen Reifeprozeß der Administration in den grundlegenden,
zusammenhängenden, fundamentalen Themen der Politik wider: Zurückhaltung
in der Veranschlagung der Dollar des Steuerzahlers; die Stärkung unserer
Verteidigung; Sicherung der Energieversorgung für die Zukunft; Verbesserung
der Chancen für die jungen Menschen in unserem Lande und Verbesserung der
Funktion der Regierung.
Wir sind ein großes und komplexes Land. Die heutige Gestaltung
unserer Gesellschaft ist das Ergebnis schwieriger, nicht immer miteinander
im Einklang stehender Entscheidungen der Vergangenheit, die aus einem
demokratischen Volk hervorgegangen sind. Der Wandel vollzieht sich manchmal
langsam, da er auf Übereinstimmung beruht. Aber eine intelligente,
folgerichtige Führung, die nachhaltig zum Tragen gebracht wird, kann
einen Wandel in der Politik herbeiführen und das Wohlergehen unserer
Gesellschaft und ihrer Menschen fördern. Ich bin der Überzeugung, daß
dieser Haushalt, und jene Haushalte, die ich in der Vergangenheit unterbreitet habe, die grundlegende Politik tragen, die Amerika auf das kommende
Jahrzehnt vorbereiten wird."

+ + + + +

- 11 -

�I

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Februar 1980

AUSZÜGE AUS DEM HAUSHALTSVORANSCHLAG 1981
- Verteidigungshaushalt -

WASHINGTON

- (AD) - Der Haushaltsvoranschlag des Präsidenten

für den Bereich der Verteidigung, dem ein langes Kapitel gewidmet ist,
macht die Absicht der Regierung Carter deutlich, die Verteidigungsausgaben
bis ins Jahr 1985 zu erhöhen.
Als grundlegend werden dabei die folgenden Verteidigungserfordernisse
angesehen:
" - Das amerikanische Volk, seine Institutionen und sein Land vor
ausländischen Aggressionen zu schützen;
- das gegenwärtige militärische Gesamtgleichgewicht zwischen
den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten sowie der Sowjetunion und ihren Verbündeten zu verbessern;

vor

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�-

vor einem Kernwaffenangnff auf die vereinigten Staaten oder
ihre Streitkräfte oder auf andere Länder, deren Sicherheit für
die Vereinigten Staaten von Bedeutung ist, abzuschrecken und sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten im Fall des Fehlschlagens
der Abschreckung der Sowjetunion im Zug der Vergeltung unannehmbaren Schaden zufügen können;

-

zusammen mit unseren Verbündeten eine ausreichende Militärmacht
zu unterhalten, um weltweit jeden Angriff abwehren zu können;

-

internationale Abkommen zur Rüstungsbegrenzung und -Verminderung
anzustreben, die Proliferation von Kernwaffentechnologie zu
verhindern, den Waffenhandel einzuschränken, Streitfragen auf
friedlichem Weg beizulegen und die internationale Stabilität
zu stärken.

Um diesen nationalen Bedürfnissen zu entsprechen, sieht der Haushalt
1981 für die Landesverteidigung eine Ausgabenermächtigung in Höhe von
161,8 Milliarden Dollar vor. Dabei werden die Ausgaben für die Aufgaben
der nationalen Verteidigung auf 146,2 Milliarden im Jahr 1981 geschätzt,
für 1982 eine Steigerung auf 165,5 Milliarden veranschlagt.

Verteidigungsministerium
Die Grundziele der nationalen Sicherheit für die Vereinigten Staaten
bestehen darin, für ihre physische Sicherheit als freie Nation Sorge zu
tragen; ihre fundamentalen Institutionen und Werte zu erhalten und die
Interessen der Vereinigten Staaten in der Welt zu fördern und zu schützen.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir imstande sein, vor Angriffen auf
die Vereinigten Staaten, auf ihre Verbündeten und Freunde abzuschrecken;

�abzuschrecken;

andere daran zu hindern, den Vereinigten Staaten ihren

politischen Willen durch militärische Mittel aufzuzwingen;

auf die

weltpolitischen Angelegenheiten aus einer Position anerkannter Stärke
Einfluß zu nehmen und - wenn notwendig - mit Erfolg zu kämpfen.

Wir

sind bemüht, vor einem bewaffneten Konflikt abzuschrecken, die internationale
Sicherheit durch Rüstungskontrolle und andere internationale Abkommen zu
fördern und die Proliferation von Kernwaffen zu verhindern.
Unsere nationale Sicherheit hängt nicht allein von den Streitkräften
ab, die wir aufbieten können; sie wird vielmehr auch durch die Stärke
der gegnerischen Streitkräfte, die diesen entgegentreten könnten, bestimmt.
Unsere Streitkräfte sind ausreichend, um uns gegen heute drohende Gefahren
zu schützen, aber die militärische Kapazität der Sowjets nimmt weiter
zu. Unsere Streitkräfte müssen verstärkt werden, wenn sie die sowjetische
Aggression im Zaum halten und unsere Sicherheit auch in Zukunft weiterhin
gewährleisten sollen. Das wird eine anhaltende Anstrengung über eine
Reihe von Jahren erfordern. Die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten
haben sich hierzu verpflichtet, wobei jeder zugesagt hat, seine Verteidigungsausgaben real um drei Prozent oder mehr pro Jahr zu erhöhen.
Die Vereinigten Staaten haben diese Verpflichtung auf ein dreiprozentiges Wachstum während der vergangenen zwei Jahre erfüllt. Angesichts der internationalen Entwicklungen geht der Haushalt 1981 über
diese Verpflichtung hinaus. In ihm spiegelt sich eine reale Erhöhung
des Programms in der Gesamtausgabeermächtigung und der Haushaltsermächtigung
von mehr als fünf Prozent wider. Von 1981 bis einschließlich 1985 ist
ein realer Programmzuwachs von mehr als vier Prozent jährlich vorgesehen.
Hierin zeigt sich ein großer - aber eindeutig notwendiger - Einsatz zur
Stärkung unserer Verteidigungskapazität. Die für die Jahre 1981 bis zum
Ende 1985 vorgesehenen Gesamtaufwendungen für die Verteidigung liegen
kumulativ um etwa 100 Milliarden Dollar über den Beträgen, die notwendig
wären, um lediglich das Niveau von 1980 in realen Werten beizubehalten.

Das
- 3 -

�Das erhöhte Niveau an Verteidigungsmitteln, das für 1981 vorgeschlagen
wird, wird dazu beitragen, die strategische Abschreckung zu erhalten,
die Kampfkraft und Bereitschaft unserer NATO-Streitkräfte zu steigern und
unsere Fähigkeit zu vermehren, durch die rasche Dislozierung von Streitkräften weltweit vor Konflikten abzuschrecken.
Die Gesamtausgabeermächtigung (TOA) für die militärischen Aufgaben
des Verteidigungsministeriums ist für 1981 auf 158,7 Milliarden Dollar
angesetzt und für das Jahr 1982 auf 180 Milliarden Dollar.

Die Ausgaben

werden für 1981 auf 142,7 Milliarden Dollar geschätzt, was ein Anstieg
um 15,3 Milliarden Dollar gegenüber 1980 und ein Zuwachs in realen Werten
von ungefähr 3,3 Prozent darstellt.
Die wichtigsten Vorschläge, wie sie im Haushalt 1981 zum Ausdruck
kommen, sind:
•

-

Qualitative Verbesserung unserer strategischen Streitkräfte,
damit der Beginn eines Nuklearkrieges auch weiterhin für die
Sowjetunion nachteilig bleibt.

-

Verbesserung der Fähigkeit unserer Streitkräfte, in Zusammenarbeit
mit unseren NATO-Verbündeten rasch mobil zumachen und wirksam
für die Verteidigung Europas zu kämpfen, um den Beginn eines
konventionellen Kriegs für die Sowjetunion und ihre Verbündeten
des Warschauer Pakts eindeutig als unvorteilhaft erscheinen zu
lassen.

-

Verstärkung unserer Kapazität, vor Krisen außerhalb Europas
abzuschrecken und, wenn notwendig, ihnen vor allem in so kritischen
und potentiell instabilen Gebieten wie Nordostasien, dem Mittleren
Osten und dem Persischen Golf zu begegnen.
Fortführung

�-

Fortführung der Modernisierung unserer Seestreitkräfte, um
die Freiheit der Meere zu gewährleisten, die Seeverbindungswege
zu erhalten und unsere Fähigkeit zur Durchführung militärischer
Operationen zu vergrößern, wo immer wir herausgefordert werden.

-

Beibehaltung unserer Fähigkeit zur Überwachung ausländischer
militärischer Entwicklungen und Aktivitäten und zur Verifikation
von Rüstungskontrollabkommen mit einem hohen Maß an Zuverlässigkeit.

-

Verbesserung der Besoldung, um auch in den kommenden Jahren genug
erfahrenes Militärpersonal zu interessieren und zu halten.

-

Weitere Verbesserung der Effizienz des militärischen Betriebes
durch stärkeren Wettbewerb im Beschaffungsprozeß, durch Reformen
des Nachschubsystems sowie durch wirksameren Einsatz von Zivilpersonal .

Diese Haushaltsvorschläge stehen mit den von der NATO vereinbarten
Zielsetzungen für Verteidigungsausgaben in Einklang. 1977 und erneut
1979 stimmten die NATO-Verbündeten den amerikanischen Vorschlägen zu,
daß jedes Mitglied auf eine jährliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben
um ungefähr 3 Prozent über die Inflationsrate hinaus hinzielen sollte, um
den Abschreckungswert der NATO-Streitkräfte beizubehalten und den starken
Erhöhungen der sowjetischen Verteidigungskapazität zu begegnen.
Budget geht über das Ziel hinaus.

Dieses

Viele Jahre lang erlaubten die wachsenden sowjetischen Militärausgaben einen ständigen Anstieg in Umfang und Kampfkraft der sowjetischen
Streitkräfte.

Dieser Anstieg fand größtenteils in einer Periode statt,

in der die amerikanischen Verteidigungsausgaben nach einem Höhepunkt im
Vietnamkrieg real ständig sanken. Mitte der siebziger Jahre wurde augenscheinlich, daß die NATO-Mitglieder ihre Verteidigungsanstrengungen erhöhen

- 5 -

�erhöhen mußten, um den Streitkräften des Warschauer Paktes nicht eine
Position militärischer Überlegenheit zu ermöglichen

Strategische Streitkräfte
Die größte Bedrohung unserer Sicherheit ist ein Atomkrieg.

Die

Möglichkeit eines solchen Krieges wurde durch den Abschreckungseffekt
unserer Triade strategischer Nuklearstreitkräfte sehr gering gehalten.
Diese müssen in der Lage sein, mit vernichtender Wirkung zu vergelten,
sogar nachdem sie einen Erstschlag erlitten haben. Außerdem müssen sie
in einer Weise antworten können, die den verschiedenen Angriffsstufen
angemessen ist. Dies stellt sicher, daß die sowjetische Führung keinen
Anreiz dazu hat, einen Kernwaffenangriff gegen die Vereinigten Staaten
in die Wege zu leiten; außerdem wird ihr die Drohung mit einem Nuklearangriff keinerlei Vorteil in einem konventionellen Konflikt verschaffen.
Zu diesem Zweck schlägt der Haushalt 1981 die Modernisierung
jeder Komponente der strategischen Triade vor. Unsere landgestützten
ballistischen Interkontinentalraketen werden durch die größere, treffsicherere und weniger verwundbare MX verstärkt.
Das Budget unterstützt auch Programme zur Dislozierung von Marschflugkörpern auf modernisierten B-52 Bombern.
Für 1981 wird die Ermächtigung für das neunte TRIDENT
gefordert.

U-Boot

Die TRIDENT U-Boote werden die POLARIS und POSEIDON U-Boote

ersetzen, deren Nutzungszeit zu Ende geht.
Unsere in Europa stationierten Kernwaffen mittlerer Reichweite
dienen zur Abschreckung gegen eine mögliche militärische Aggression der

�der Sowjets. Um diese Abschreckung auch weiterhin zu garantieren,
müssen wir die sowjetische Dislozierung der neuen SS-20 Nuklearraketen,
die auf Westeuropa gerichtet sind, ausgleichen.

In Zusammenarbeit mit

unseren NATO-Verbündeten beginnen wir mit der Modernisierung der NATOKernwaffen von mittlerer Reichweite durch die Dislozierung landgestützter
Marschflugkörper und neuer ballistischer Raketen vom Typ PERSHING II
Obwohl die Vereinigten Staaten die größeren wirtschaftlichen und
technischen Möglichkeiten haben, die zur Dislozierung noch umfangreicherer
Nuklearstreitkräfte notwendig sind, so liegt dies doch nicht in unserem
Interesse, solange wir ausgewogene und verifizierbare Begrenzungen beim
strategischen Wettbewerb mit der Sowjetunion erzielen können.

Allgemeine Streitkräfte
Der große Teil des Verteidigungshaushaltes ist für die konventionellen
Streitkräfte vorgesehen, die dabei helfen, vor einer nichtnuklearen
Aggression abzuschrecken oder ihr zu begegnen. Der Haushalt des Jahres 1981
schlägt eine Erhöhung von 6,7 Milliarden Dollar gegenüber der Haushaltsermächtigung von 1980 vor. Die aktiven Streitkräfte umfassen 16 Heeresdivisionen, 3 Marinedevisionen (Marinekorps), 3 Luftgeschwader des Marinekorps, 26 Geschwader der taktischen Luftwaffe und 295 Kriegsschiffe,
einschließlich 12 Flugzeugträgern und 12 trägergestützten Luftgeschwadern
Die Heerestruppen sind dazu bestimmt, die Schwerste aller Aufgaben
der allgemeinen Streitkräfte zu bestehen - einen Konflikt zwischen den
Mitgliedern der NATO und den Ländern des Warschauer Pakts -, müssen
aber gleichzeitig die Flexibilität besitzen, mit anderen Ernstfällen fertigwerden zu können, die amerikanische Interessen anderswo bedrohen.
Zu

- 7 -

�Zu den für 1981 vorgeschlagenen Verbesserungen gehören:
-

Modernisierung der Ausrüstung, einschließlich der Einführung
neuer Panzertypen, Infanteriekampfwagen, Hubschrauber und neuer
Luftverteidigungssysteme;

-

Lagerung zusätzlicher Ausrüstung in Europa, um in einem Ernstfall
die rasche amerikanische Verstärkung der NATO zu erleichtern;
•

-

Erhöhung der Einsatzbereitschaft von in Europa stationierten
Kampfeinheiten und ausgewählten Kampfeinheiten in den Vereinigten
Staaten;

-

verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen für unsere Soldaten; und

-

Verbesserung der Fähigkeit unserer Streitkräfte, nuklearen,
biologischen und chemischen Angriffen widerstehen zu können.
•

Der Kampfpanzer XM-1 bedeutet für das Heer eine wesentliche Steigerung
der Überlebensfähigkeit und der Beweglichkeit auf dem modernen Schlachtfeld.
Dank seiner neuartigen Panzerung kann der XM-1 direkte Treffer überstehen
und weiterhin kampfeinsatzfähig bleiben.

Stärkere Motoren und verbesserte

Laufketten verleihen dem XM-1 auch in schwierigem Gelände eine größere
Schnelligkeit als andere Panzer.

Das Budget sieht die weitere Anschaffung

von XM-1 Panzern im Jahre 1981 vor.

Das neue Infanterie-Kampffahrzeug des

Heeres, das ebenfalls in das Budget für 1981 aufgenommen wurde, wird der
Infanterie die Schnelligkeit, den Schutz und die Feuerkraft geben, die
notwendig sind, um im Verband mit dem XM-1 Panzer zu kämpfen.
Das Patriot-Raketensystem zur Luftabwehr wird einen wirksamen
Schutz für wichtige Ziele wie Depots, Brücken und Flugplätze bieten.
Dieses System kann gegen massierte Luftangriffe auf längere Entfernungen

�Entfernungen und größere Höhen als die bisherigen Systeme eingesetzt
werden.
Die Fähigkeit der Kampf- und Nachschubeinheiten zu wirksamen Gegenmaßnahmen, falls dies erforderlich ist, hängt von dem Zustand der Ausrüstung und dem Vermögen gutausgebildeter Kampfeinheiten ab, mit Zuversicht,
Geschick und koordiniert vorzugehen. Um unsere militärischen Streitkräfte
in einem Zustand hoher Bereitschaft zu erhalten, sieht der Haushalt 1981
eine ständig*Steigerung der Ausbildung für die Einheiten und eine weitere
Entwicklung der nationalen Ausbildungszentren für Landstreitkräfte vor.
Größere Mengen von Waffensystemen, die längst zur Wartung und Überholung
anstehen, werden gemäß den Vorschlägen dieses Haushalts reduziert werden.
Die ErsatzteiHager werden ausgebaut werden, um die Kampfeinsatzfähigkeit
der Waffensysteme und Ausrüstung unserer Streitkräfte zu verbessern.
Angesichts der jüngsten Beschlüsse zum Ausbau der militärischen Stärke
Nordkoreas kommt die Entscheidung des Präsidenten, den Abzug der zweiten
Infanteriedivision aus Korea zu verschieben, auch im Budget zum Ausdruck.
Dies wird dazu beitragen, die Stabilität in Nordostasien zu erhalten.

Die taktischen Flugzeuge der Luftwaffe müssen in der Lage sein,
die Luftüberlegenheit zu erringen, den Landstreitkräften direkte Unterstützung zu gewähren, die feindlichen Kräfte hinter der Front zu stören
und die Luftangriffe auf Streitkräfte und Anlagen der Verbündeten zu
begrenzen.
Das Budget 1981 schlägt die Beschaffung folgender taktischer Flugzeuge und Geräte vor:
-

F-15-Kampfflugzeuge für die Sicherung der Luftüberlegenheit;

-

F-16-Mehrzweckkampfflugzeuge für die Sicherung der Luftüberlegenheit und den Angriff von Bodenzielen;
Verbesserte
- 9 -

�-

Verbesserte Versionen der Sidewinder- und Sparrow-Luft/LuftRaketen für Kampfflugzeuge;

-

EF-lllA-Flugzeuge zur Störung der gegnerischen Radarabwehrsysteme;

-

A-10 Angriffsflugzeuge zur direkten Unterstützung unserer Landstreitkräfte durch Bekämpfung von Panzern und ähnlichen Zielen;

-

K-10-Tankflugzeuge zur Betankung von Kampfflugzeugen, Bombern und
Transportmaschinen über größere Entfernungen;

-

und

TR-1-Taktische Aufklärer mit neuartigen Radareinrichtungen zur
Verbesserung unserer Fähigkeit, gegnerische Streitkräfte im
Gelände auszumachen.

Die taktischen Einheiten der Luftwaffe werden weiterhin in voller
Bereitschaft stehen, um rasch nach Übersee an jeden möglichen Gefahrenherd
entsandt zu werden.

Alle neuen Kampfflugzeuge sind mit Lufttankanlagen

versehen, die eine solche Dislozierung erleichtern.

Reale Erhöhungen

werden für die taktischen Operationen der Luftwaffe vorgeschlagen, um eine
größere Einsatzbereitschaft und ein realistischeres Training zu ermöglichen.
Die Verteidigung der NATO wird durch die Dislozierung der neuen Frl5Kampfflugzeuge und der A-10-Angriffsflugzeuge nach Europa verstärkt.
Außerdem werden viele Luftstützpunkte der Verbündeten verbessert,
damit sie im Mobilisierungsfall von den Vereinigten Staaten benützt werden
können und so die amerikanische Flexibilität erhöhen.

Schließlich werden

im Haushalt weitere Mittel für die amerikanische Beteiligung am Fliegenden
Frühwarn- und KontrollSystem (AWACS) gefordert.

Seestreitkräfte

- 10 -

�Seestreitkräfte
Die Seestreltkräfte stellen ein sichtbares Symbol der Unterstützung
unserer Verbündeten und ein Mittel der Abschreckung vor einem militärischen
Angriff in Friedenszeiten und in Zeiten der Krise dar...

Um unsere maritime

Überlegenheit aufrechtzuerhalten, ist eine laufende Modernisierung dieser
Waffensysteme erforderlich.

Deshalb fordert der 5-Jahres-Plan der Jahre

1981-85 für den Schiffbau in Höhe von 45 Milliarden Dollar den Bau von
97 neuen Schiffen, sechs TRIDENT U-Boote eingeschlossen.

Der Haushalt von

1981 umfaßt die Beschaffung folgender neuer Kriegsschiffe:
-

zwei große Kriegsschiffe (Zerstörer), ausgerüstet mit dem AEGISLuftabwehrsystem, um die Flotte vor Flugzeug- und Raketenangriffen
zu schützen;

-

vier kleinere Schiffe (Fregatten), um Militärkonvois und Flotten
zu schützen;

-

zwei Transportschiffe zur Verschiffung der Kampfausrüstung des
Marinekorps als Teil unserer Schnellen Eingreiftruppen und ein
amphibisches Landungsschiff;

-

ein nuklear angetriebenes Angriffs-U-Boot und fünf Überwachungsschiffe zur Abwehr feindlicher U-Bootbedrohung;

-

und

ein Bergungsschiff für getroffene Schiffe oder Flugzeuge.

Der Haushalt fordert Mittel zum Entwurf neuer Schiffe, die verhältnismäßig preiswert sind und in Mengen beschafft werden können, um die
amerikanische Überlegenheit zur See aufrechtzuerhalten

Durch die

Verwendung eines einzigen Flugzeugtyps für einen großen Teil der Kampfund Angriffsunternehmen werden die Marine und das Marinekorps die Beschaffungs-

- 11 -

�Beschaffungs- und Unterhaltskosten für eine den nationalen Sicherheitsbedürfnissen entsprechende Zahl von Flugzeugen herabsetzen können.

Schließlich

soll auch die verfügbare Kapazität an Flugzeugträgern wirkungsvoller genutzt
Men.
.

Luft- und Seebrückenstreitkräfte
Die Luft- und Seebrückenstreitkräfte garantieren die tägliche Neuversorgung der in Übersee stationierten amerikanischen Streitkräfte in
Friedenszeiten und müssen in der Lage sein, Soldaten und Gerät rasch in
die Kampfzonen zu verlegen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten

sind für das Durchhalten ihrer Streitkräfte von raschem Transport und
rascher Neuversorgung abhängig.

Aggressionen gegen mit den Vereingten

Staaten befreundete Länder können nur dadurch abgewendet werden, daß sich
der Gegner der amerikanischen Fähigkeit der raschen Verstärkung und Neuversorgung bewußt ist.
Der große Teil der für die Luft- und Seebrückenstreitkräfte angeforderten Ausgabeermächtigungen in Höhe von 2,4 Milliarden Dollar ist
für den täglichen Betrieb und die Wartung vorgesehen.
Es werden verschiedene Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, daß
amerikanische Streitkräfte rasch an jeden Punkt der Welt disloziert
werden können. Das C-54-Transportflugzeug wird modifiziert, um schwerste
Frachten zu transportieren und über das Jahr 2000 hinaus im Dienst zu
bleiben. Die C-141-Flugzeuge werden modifiziert, damit sie im Flug
aufgetankt werden können und dadurch ihre Reichweite zunimmt. Außerdem
wird ein neues Langstreckenflugzeug, die CX, entworfen, um unsere Fähigkeit
zu verbessern, im Krisenfall rasch zu reagieren....
Forschung
- 12 -

�nicht nur hart getroffen, sondern auch von der Steigerung der Preise
flir andere Produkte und von den verminderten Exporterlösen als Folge
des langsamen Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern.
Im Vergleich zu den Erfordernissen für Hilfszwecke, ist der Betrag
von 7,5 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigungen klein,... der 1981
für Zwecke der wirtschaftlichen und finanziellen Auslandshilfe vorgeschlagen
wird.

Deshalb wird der Verbesserung der Wirksamkeit und der Hilfsprogramme

große Sorgfalt gewidmet.

BEDARF FÜR DIE PFLEGE INTERNATIONALER BEZIEHUNGEN
(in Millionen Dollar)
Voranschlag
Hauptprogramme

1979
(tatsächlich)

1980
(geschätzt)

1981
(geschätzt)

1821
2515
806
99

1989
3234
840
106

2225
1666
1129
119

2321

2152

2106

227

496

567

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst und Tilgung

-310

-306

-356

Zwischensumme der Wirtschaftlichen
und Finanziellen Auslandshilfe

7479

8512

7456

Ausgabenermächtigungen
Wirtschaftliche und Finanzielle
Auslandshilfe:
Amt für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung
Multilaterale Entwicklungsbanken
Lebensmittelhilfe (Gesetz 480)
Friedenskorps
Fonds für wirtschaftliche Unterstützung/ Maßnahmen zur Erhaltung
des Friedens
Flüchtlingshilfe

- 15 -

�1979

1980

1981

(tatsächlich)

(geschätzt)

(geschätzt)

Militärhilfe
Nichtzurückzahl bare Militärhilfe

209

110

105

34

28

32

1024

669

714

800

236

Einnahmen aus Zahlungsausgleich,
Schuldendienst und Tilgung

-274

-273

-258

Zwischensumme der Militärhilfe

1793

770

594

Gesamtsumme der Auslandshilfe

9272

9282

8050

Militärische Ausbildung Ausländischer
Soldaten
Ausland-Soldaten
Militärische Lieferungen ins Ausland
auf Kredit
Verlegung militärischer Einrichtungen
(Israel)

...Wegen des jüngsten sowjetischen Vorgehens in Afghanistan, das
Pakistan bedroht, wird im Haushaltsvoranschlag eine zusätzliche Bewilligung
für Pakistan in Höhe von 100 Millionen Dollar für 1980 vorgeschlagen.

Eine

Ergänzung des Haushalts wird für Pakistan auch für 1981 vorgeschlagen werden,
Die jüngsten Ereignisse haben die Notwendigkeit rascher amerikanischer
Schritte in Reaktion auf mit der Sicherheit zusammenhängende unvorhersehbare
Erfordernisse unterstrichen.

Um eine unmittelbare amerikanische Reaktion in

derartigen Situationen zu gewährleisten, enthält der Haushaltsvoranschlag
1981 einen Betrag von 50 Millionen Dollar, der nicht zweckgebunden ist.
Diese Mittel werden dem Präsidenten zugewiesen und dienen als Reserve für
unvorhersehbare Erfordernisse

Militärhilfe

16

�Forschung und Entwicklung

...Der Haushalt 1981 sieht für Forschung und Entwicklung eine
Steigerung von 3 Milliarden Dollar gegenüber der Haushaitsermä'chtigung
von 1980 vor, um unsere technologische Basis zu verstärken..."

Die wesentlichen Forschungs- und Entwicklungsprogramme beschäftigen
sich mit der umfassenden Entwicklung des neuen landgestützten ballistischen
Interkontinental-Raketensystems MX und - im taktischen Bereich - mit der
Entwicklung neuer Luftverteidigungssysteme des Heeres sowie mit dem Fernmeldebereich und der Elektronik.

Für die in den Bereich des Energie-

ministeriums fallenden Aufgaben der nuklearen Verteidigung - darunter
Forschung und Entwicklung, Erprobung und Herstellung von Kernwaffen, Lagerung
von nuklearen Abfällen aus Verteidigungsprogrammen und die Entwicklung
von Kernreaktoren für Kriegsschiffe - sind 3,4 Milliarden Dollar gegenüber
3,0 Milliarden Dollar im Haushalt 1980 vorgesehen.

- Internationale Angelegenheiten -

Die wesentlichen Auszüge aus dem Abschnitt "Internationale Angelegenheiten hagen folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten spielen eineaktive Führungsrolle in den
internationalen Angelegenheiten, weil unser Wohlergehen als Nation zum
Teil von Ereignissen jenseits unserer Grenzen abhängt.

Unsere nationalen

Erfordernisse in der Weltpolitik umfassen den Schutz der amerikanischen
Interessen im Ausland sowie die Schaffung von Verhältnissen überall in der

- 13 -

�der Welt, die jenen Interessen förderlich sind.

Die amerikanische

Außenpolitik erstrebt eine Welt, die im Frieden lebt und gemeinsam akzeptierte
Regeln des Völkerrechts einhält - eine Welt, die Völkern überall auf der
Erde Gelegenheit bietet, ihre menschlichen Grundbedürfnisse zu befriedigen,
eine Welt, die die Menschenrechte und die Würde des Menschen respektiert....
Die in diesem Haushaltsvoranschlag enthaltenen Schätzwerte sind
so gehalten, daß sie den Vereinigten Staaten die Fortführung ihrer langfrsitigen Führungsrolle in der Weltpolitik gestatten. Obwohl die angeführten Gesamtziffern dem Wandel in der Weltpolitik Rechnung tragen,
können die jüngsten Ereignisse im Iran und in Afghanistan weitere Anpassungen in unseren Ausgabenansätzen für internationale Angelegenheiten
erforderlich machen.

Diese werden nachgereicht werden, sobald die Er-

fordernisse klar erkenntlich werden, und sie werden durch die Positionen
für Notstandssituationen abgedeckt

Wirtschaftliche und finanzelle Auslandshilfe
Aufgabe der wirtschaftlichen und finanziellen Auslandshilfe ist es:
-

humanitäre Hilfe an notleidende Menschen im Ausland zu leisten;

• •'- die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern; und
-

die außenpolitischen Interessen der Vereinigten Staaten zu stützen.
•

Die Notwendigkeit amerikanischer Hilfe zur Lösung dieser Aufgabe
wächst. Eine Handvoll Entwicklungsländer, die meisten von ihnen mit einer
kleinen Bevölkerung, profitiert erheblich von den öl Preiserhöhungen. Die
Mehrheit aber der Länder der Dritten Welt wird von der Energiesituation nicht

- 14 -

�Militärhilfe
Die internationale Sicherheitshilfe ist ein wesentliches Instrument
für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele. Sie besteht aus der
Militärhilfe und der sicherheitsbezogenen Wirtschaftshilfe (Fonds für
wirtschaftliche Unterstützung und Maßnahmen zur Friedenssicherung). Diese
Programme geben die Grundlage für die Fähigkeit unseres Landes ab, Verbündeten
und befreundeten Nationen bei der Aufrechterhaltung notwendiger Verteidigungskräfte zu helfen und die wirtschaftliche Stabilität in Gebieten zu fördern,
in denen die Vereinigten Staaten besondere Sicherheitsinteressen haben.
Die Militär- und die sicherheitsbezogene Wirtschaftshilfe werden auch im
Zusammenhang mit amerikanischen Militärbasen und Einrichtungen im Ausland
herangezogen. Diese Programme werden die Vereinigten Staaten auch künftig
in die Lage versetzen, sich für den Frieden im Nahen Osten einzusetzen,
Südostasien rechtzeitig Hilfe zu gewähren, die Südostflanke der NATO zu
stärken, zur Aufrechterhaltung eines stabilen Kräftegleichgewichts auf der
koreanischen Halbinsel beizutragen und die Länder Lateinamerikas in dem
Streben zu unterstützen, die Bedrohungen ihrer Unabhängigkeit und demokratischen Institutionen abzuwehren. Sie werden von entscheidender Bedeutung
auch für den Erfolg unserer Anstrengungen sein, den Herausforderungen zu
begegnen, die die Ereignisse in Afghanistan und in anderen Gebieten der
Erde darstellen

Das Schwergewicht der Militärhilfeprogramme wird sich weiterhin
von nichtrückzahlbaren Zuschüssen auf Kredite verlagern - ein Trend, der
neben der verbesserten militärischen Fähigkeit einiger Empfängerstaaten,
die geleistete Hilfe zu bezahlen, den Auftrag des Kongresses widerspiegelt,
die nichtrückzahlbare Militärhilfe um rund 1 Milliarde Dollar zu kürzen

Internationale

- 17 -

�Internationale Finanzierungsprogramme
Zweck unserer internationalen Finanzierungsprogramme ist es, die
amerikanischen Interessen durch Verbesserung der Funktionsweise des
internationalen Finanzierungssystems zu fördern und die amerikanische
Beteiligung am Welthandel zu erleichtern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

wurde das internationale Finanzierungssystem durch eine engere Zusammenarbeit unter den Regierungen gestärkt.

Dennoch bestehen manche Probleme

und Marktschwächen fort, die staatliche Maßnahmen zur Erleichterung der
amerikanischen kommerziellen Ausfuhren und der militärischen Lieferungen
ins Ausland erforderlich machen.

Darüber hinaus besteht das Bedürfnis,

das Eigenkapital des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhöhen, um
ihn in die Lage zu versetzen, wirtschaftliche Programme zu fördern, die
Mitgliedstaaten in der Absicht unternehmen, Zahlungsbilanzschwierigkeiten
zu beseitigen um auf diese Weise zur weltweiten Währungsstabilität beizutragen.

Die Mitgliedstaaten des IWF haben sich auf eine 50prozentige

Erhöhung ihrer Einlagen im IWF geeinigt, die im Kalenderjahr 1980 erfolgen
soll.

Die Administration ersucht den Kongreß um die Billigung der

amerikanischen Beteiligung an dieser Kapitalerhöhung.

Beim derzeitigen

Wechselkurs wird die amerikanische IWF-Quote von 11 Milliarden auf 16,5
Milliarden Dollar aufgestockt.
Im Einklang mit der Politik der Ausfuhrförderung des Präsidenten
erfuhren die Programme der Export-Importbank eine beträchtliche Ausweitung.
Das geplante Ausleiheplafonds wird beibehalten; es wird der Bank gestatten, Finanzierungen durch den privaten Sektor der Wirtschaft zu ergänzen und, wo erforderlich, in Wettbewerb mit staatlichen Krediten zu
treten."

+ + + + +

- 18 -

�- Reform des Patentrechts und Einschränkung des staatlichen Verordnungswesens sowie bestimmter Steuern, um die industrielle Forschung und Entwicklung zu fördern.

50 Millionen Dollar sind für Innovationsaktivitäten

der Industrie, einschließlich der Einrichtung von Technologiezentren, vorgesehen; mit 13 Millionen Dollar des Betrages ist die Forschungsaktivität von Kleinbetrieben zu unterstützen.
- Mit 4,011 Milliarden Dollar für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf
dem Gebiet des Gesundheitswesens werden ca. 17 400 Kontrakte mit privaten
Institutionen und Universitäten sowie Projekte an Bundesinstituten wie
dem Krebsinstitut der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) in
Bethesda (Maryland) finanziert.
- Um neue Bewilligungen in Höhe von 5,106 Milliarden Dollar für Forschung
und Entwicklung hat das Energieministerium ersucht. Dieser Betrag soll
unabhängig von Forschungsmitteln aus der sog. Situationsgewinnsteuer
(Windfall Profits Tax) zur Verfügung gestellt werden. Wie Dr. Press erklärte, seien aus diesem Fonds nach Verabschiedung des Gesetzes durch
den Kongreß mindestens 4,6 Milliarden Dollar für Energieforschungszwecke
zu erwarten.
- Von den für die Nationale Wissenschaftsstiftung (NSF) vorgesehenen
1,056 Milliarden Dollar sind ca. 80 Prozent für Grundlagenforschung an
Universitäten und privaten Institutionen bestimmt. Außerdem dürfte das
US-Verteidigungsministerium seine Zuwendungen an Universitäten für Auftragsforschungen um 25 Prozent erhöhen.
Im neuen Bundeshaushalt sind außerdem zahlreiche Beträge in Millionenhöhe
für Sonderprojekte vorgesehen: z.B. pflanzliche und tierische Agrarforschung,
Umweltforschung, die Anstellung von wissenschaftlichen und technologischen Beratern bei der Verwaltung größerer Städte und die Ausbildung von Oberschülern
aus Minderheitengruppen an naturwissenschaftlichen Universitätslaboratorien
(1000 Schüler im Jahr 1980, 2000 im Jahr 1981).
Auf
- 3 -

�Auf dem Gebiet der internationalen Zusammenarbeit wird die Kooperation
mit chinesischen Wissenschaftlern ausgeweitet - ein Projekt, das mit zusätzlich zwei Millionen Dollar finanziert werden soll. Ein neues Abkommen mit
der Volksrepublik China sieht gemeinsame Studien in der Erdbebenforschung und
die Teilnahme Chinas am amerikanischen LANDSAT-Programm (Satelliten zur Fernerkundung der Erde) vor. China beabsichtigt den Kauf einer Bodenstation für
den Direktempfang von LANDSAT-Daten. Die beiden Länder werden auch die Möglichkeiten für künftige neue Gemeinschaftsprojekte auf so verschiedenartigen
Gebieten wie Umwelt, Verkehr, Grundlagenforschung, Luftfahrt, Nuklearenergie,
Elektronik und Fernmeldewesen sondieren. Die bereits bestehende Zusammenarbeit auf Gebieten wie Raumfahrttechnik, Aeronomie, Medizin und öffentliches
Gesundheitswesen wird fortgesetzt.

+ + + + +

�ml-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Februar 1980

REKORDETAT FÜR WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Präsident Carter fordert mehr als 38 Milliarden Dollar für 1981 -

WASHINGTON - (AD) - In dem Haushaltsvoranschlag Präsident Carters für 1981
sind mehr als 38 Milliarden Dollar für Wissenschaft und Forschung vorgesehen.
Mit dieser Summe werden - inflationsbereinigt und bezogen auf das Gesamtbudget •
die Rekordaufwendungen vom Jahr 1968, als sich das APOLLO-Programm auf seinem
Höhepunkt befand, zum ersten Mal übertroffen. Mehr als zwei Milliarden Dollar
sind für Institutsbauten und Forschungsausrüstungen, 20 Millionen Dollar für
die Modernisierung von Laboratorien vorgesehen. Der Rest von über 36,1 Milliarden Dollar, 13 Prozent mehr als im Haushaltsjahr 1980, dient der in Bundesregie oder im Regierungsauftrag durchgeführten Aktivitäten von Forschung und
Entwicklung. Davon entfallen fast 5,1 Milliarden Dollar auf die Grundlagenforschung.
Wie Dr. Frank Press, der Wissenschaftsberater Präsident Carters, berichtet, sieht der Präsident in der Grundlagenforschung ein wichtiges Instrument
zur Sicherung der Zukunft auf wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet.
Seit der Vorlage seines ersten Budgets für das Finanzjahr 1978 wurde dieser
Posten um 40 Prozent erhöht (inflationsbereinigt: 9 Prozent), während die
Steigerung für das Gesamtbudget bei ca. fünf Prozent liegt. Sie beträgt für

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�für das Haushaltsjahr 1981 gegenüber dem Vorjahr im Durchschnitt 12 Prozent;
auf die einzelnen Fachgebiete entfallen Erhöhungen zwischen neun und 28 Prozent.

Diese Aufteilung läßt Schwerpunkte erkennen - so soll die Computerfor-

schung mit 28 Prozent, die mathematische und physikalische Grundlagenforschung
mit 16,7 Prozent mehr Mitteln ausgestattet werden.
Zu den wichtigen Einzelprojekten, die aus dem Wissenschaftsetat finanziert werden sollen, gehören:
- Ein Weltraumobservatorium für den Gammastrahlenbereich zur Beobachtung
von Objekten und Prozessen im Universum mit der höchsten Energieumsetzung
- Neutronensterne, explodierende und pulsierende Sterne, Quasare,
Galaxien, kollidierende Galaxien und sog. schwarze Löcher.
- Neuartiger Satellit für die Datenmessung über den Weltmeeren - ein Gemeinschaftsprojekt der Marine, der Weltraumbehörde NASA und der Bundesbehörde
für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA).
- Erster Testflug des Raumtransporters (Space Shuttle) auf orbitaler Bahn.
Das NASA-Budget wurde gegenüber 1980 um 16 Prozent erhöht.
- Wissenschaftliches Zehnjahres-Programm zur Erforschung und Bestimmung der
Art der Sedimente in der Grenzzone zwischen Kontinentalabfall und Tiefseeboden. Für diese Gemeinschaftsaufgabe der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) und der amerikanischen Ölindustrie wird die GLOMAR EXPLORER
mit Bohrausrüstungen versehen, die bei Suchbohrungen im Meer ein Durchgehen der Quelle beim Anzapfen eines ölfeldes verhindern. Die GLOMAR
EXPLORER kann bei Wassertiefen bis 4000 m als Bohrschiff operieren und die
Bohrung etwa 2400 m in die Erdkruste vortreiben.
- Ein mit 1 Milliarde Dollar ausgestattetes Zehnjahres-Projekt gemeinschaftlicher Fahrzeugforschung von Industrie, Verkehrsministerium und NSF.
- Reform

�4. Februar 1980

8

EINSPARUNG - KOHLE - SONNENENERGIE
Schwerpunkte auf dem Energiesektor im neuen US-Haushalt

WASHINGTON - (AD) - In seinem Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr
1981 ersucht Präsident Carter den amerikanischen Kongreß, mehr Geld für Projekte zur Energieeinsparung, für Kohle- und Solarenergie-Forschung bereitzustellen.

Dagegen sollen die Mittel für Forschungen auf dem Gebiet der Kern-

spaltung gekürzt werden, was vor allem mit der Beendigung des Brutreaktor-Projekts Clinch River in seiner ursprünglichen Form in Zusammenhang steht. Mit
einem auf 50 Prozent gekürzten Etat wird nur noch ein Basisprogramm weitergeführt, das die Verfügbarkeit und Verbesserung der Brütertechnologie für den
Fall sichert, daß sie später gebraucht wird.
nächsten Jahrhunderts eintreten.

Dies dürfte kaum vor Beginn des

Und bis dahin könnten auf diesem Gebiet neue

Entwicklungen so weit gediehen sein, daß der Brutreaktor keine Gefahrenquelle
mehr für die mögliche Weiterverbreitung von Kernwaffen darstellt.

Im Gegen-

satz zum Brutreaktor wird jedoch der Leichtwasserreaktor auch künftig, und
zwar mit aufgestockten Mitteln, gefördert.

Auch für die nukleare Entsorgung

hat Präsident Carter mehr Geld angefordert, ebenso für Kernbrennstoff-Studien
zur Verringerung des Uran-Anreicherungsgrades, was ebenfalls der nuklearen
Proliferation entgegenwirken könnte.
Alles

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�Alles in allem ersucht Präsident Carter um eine Aufstockung der Mittel
für das Energieministerium um acht Prozent.

Die tatsächlichen Aufwendungen

für Energieprogramme jeder Art seitens der amerikanischen Regierung im Finanzjahr 1981 werden auf 8,1 Milliarden Dollar geschätzt - 400 Millionen Dollar
mehr als im laufenden, am 30. September 1980 endenden Haushaltsjahr, und 1,3
Milliarden Dollar mehr als im Jahr davor.

Die Aufwendungen sollen künftig

sprunghaft weiter steigen und z.B. 1983 ca. 13,5 Milliarden Dollar erreichen.
Inwieweit jedoch der für 1981 zusätzlich angeforderte Betrag von 2,4 Milliarden Dollar für den Ausbau der strategischen ölreserve

in unterirdischen

Lagern benötigt wird, hängt nach Aussage von Energieminister Charles Duncan
von der Verfügbarkeit zusätzlicher ölmengen und Verhandlungen der USA mit
ihren internationalen Partnern ab. Aus dem Haushaltsentwurf ausgeklammert
blieben jedoch die 20 Milliarden Dollar, die für die erste Phase eines Programms zur Produktion synthetischer Brennstoffe und einige andere Aktivitäten
auf dem Energiesektor vorgesehen sind.

Denn deren Finanzierung soll aus der

Situationsgewinnsteuer (Windfall Profit Tax) für die Mineralölindustrie erfolgen, über die der Kongreß gegenwärtig abschließend befindet.
Maßnahmen zur Energieeinsparung werden zum ersten Mal mit einem Betrag
finanziert, der die Einmilliarden-Dollarmarke überschreitet.

Duncan bezeich-

net diese Aktivitätten als "den Eckstein" des Programms des Energieministeriums
für 1981. Sie umfassen Forschung, Beihilfen und Steuererleichterungen für private Haushalte und Betriebe, die energiesparende Maßnahmen durchführen,sowie
ein Programm zur Information der Öffentlichkeit.
Der größte Einzelposten im Energie-Forschungsetat von mehr als vier Milliarden Dollar entfällt mit einer Milliarde Dollar auf die Kohleforschung.
Dazu gehören auch zwei Demonstrationsanlagen für die Gewinnung synthetischer
Flüssigbrennstoffe nach dem SRC-Verfahren. Ein drittes Projekt hat die Umwandlung von Kohle in Gas der Qualität von Fernleitungsgas zum Ziel. Andere
Forschungs- und Entwicklungsprojekte z.B. die Wirbelbettverbrennung zur Verwertung stark schwefelhaltiger Kohle bei verstärkter Schadstoff-Abfilterung,
werden fortgesetzt.
Mehr
- 2 -

�Mehr Mittel als im laufenden Haushaltjahr sollen für elektrische Energiesysteme und die Energiespeicherung eingesetzt werden. Dies gilt vor allem für
fotoelektrische Systeme mit Sammlerplatten, die Stromerzeugung aus Wind und
Wärme, supraleitende Kabel und Studien über Umweltauswirkungen. Auch die Entwicklung von besseren Batterien und von Schwungradbremsen für Elektroautos
zählen dazu. Insgesamt sind für Sonnenenergie, geothemische Energie und Wasserkraft 870 Millionen Dollar vorgesehen (1980: 770 Millionen Dollar). Die
Summe schließt Forschungsmittel für bessere Umwandlungssysteme bei der Nutzung
von Biomassen und neue Technologien zur Energiegewinnung aus kaltem Tiefenwasser im Meer vor den Küsten Hawaiis ein. Stärker als bisher sollen Forschungsprojekte gefördert werden, die zum Ziel haben, mittels magnetischer Fusion
elektrischen Strom auf sichere, billige und umweltfreundliche Weise zu erzeugen.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Haushaltsvoranschlag Präsident Carters für 1980/81&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Haushaltsbotschaft an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Haushaltsvoranschlag 1981&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verteidigungshaushalt - Internationale Angelegenheiten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rekordetat für Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter fordert mehr als 38 Milliarden Dollar für 1981 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einsparung - Kohle - Sonnenenergie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schwerpunkte auf dem Energiesektor im neuen US-Haushalt -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Februar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums
- Auszüge -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

6. Februar 1980

JAHRESBERICHT DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am
29. Januar 1980 seinen Jahresbericht für das Haushaltsjahr 1981 veröffentlicht,
der einen überblick über die verteidigungspolitische Konzeption der Regierung
Carter bietet.

Die für Europa besonders relevanten Kapitel haben folgenden

Wortlaut:

Rüstungskontrolle und Abrüstung
Wenn der Zeitpunkt kommt, die Ratifizierung des SALT II-Vertrages zu
überlegen, dann sollte der Vertrag um seiner selbst willen beurteilt werden.
Wir haben die Möglichkeit und den Apparat, in anderen Verhandlungen über die
anderen Aspekte der Handhabung des militärischen Wettstreits mit den Sowjets
zu sprechen. Wir haben beides genutzt.
Wir haben zusammen mit den Briten einen wesentlichen Fortschritt bei den
Verhandlungen mit den Sowjets über ein umfassendes Verbot der Kernversuche erzielt.

Wir haben unser Hauptaugenmerk auf die Entwicklung von Verifizierungs-

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Telex:08-85432

�;

Verifizierungsmaßnahmen gerichtet, die die vorhandenen nationalen technischen
Mittel für die Verifikation wirksam ergänzen könnten.

Es ist ein prinzipielles

Übereinkommen über Vereinbarungen für die Einleitung und Durchführung freiwilliger Inspektionen vor Ort und für die Errichtung eines Systems seismischer Stationen auf dem Territorium der Vertragsparteien erzielt worden.

Es bleibt je-

doch noch viel Arbeit zu tun, bis diese prinzipiellen übereinkommen in detaillierte Verifizierungsabkommen umgesetzt werden, die für die Vertragsparteien
befriedigend sind.
Bei den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen (MBFR) haben sich die seitens der NATO und des Warschauer Paktes beteiligten Länder im Prinzip auf das Ziel einer gemeinsamen kollektiven Obergrenze
für die Landstreitkräfte jeder Seite geeinigt.

Es ist jedoch uns und unseren

NATO-Verbündeten noch nicht gelungen, diese prinzipielle Einigung in die Praxis
umzusetzen, weil wir die Meinungsverschiedenheiten mit den Sowjets und ihren
Verbündeten im Warschauer Pakt über die Zahl der Truppen, die sie gegenwärtig
in den relevanten Gebieten Osteuropas stationiert haben, nicht beilegen konnten.

Wir sind uns noch nicht einmal über die Stärke der sowjetischen Streit-

kräfte einig, die nach dem von Breschnew angekündigten Abzug von 20 000 Soldaten und 1000 Panzern in dem Gebiet sein werden.

Diese einseitigen Verringerun-

gen sind auf jeden Fall weit geringer als die bei den MBFR-Verhandlungen angestrebte Komponente der beiderseitigen Verringerungen.

Und selbst wenn der an-

gekündigte Abzug in vollem Umfang stattfinden sollte, dann gibt es keinen
rechtlichen Riegel gegen eine Wiedereinführung der Truppen, keine Verifizierungsmaßnahmen und keine vertrauensbildenden Maßnahmen wie Manöverbeobachter.
Wir und unsere NATO-Verbündeten haben daher in Wien weiterhin ein handfestes
ausgehandeltes Abkommen angestrebt, das zu gemeinsamen kollektiven Höchstgrenzen
für die Zahl der Soldaten auf beiden Seiten führt - auf der Basis des Abbaus
vom gegenwärtigen Stand aus und auf der Basis beiderseits anerkannter Daten.
In der Zwischenzeit hat die NATO in Übereinstimmung mit den westlichen
Verhandlungszielen - vor allem der Schaffung einer Parität in Form einer gemeinsamen kollektiven Höchstgrenze für die Truppenstärken im Reduktionsgebiet - ein

- 2 -

�ein vorläufiges Abkommen vorgeschlagen, das sich zunächst auf den Abzug amerikanischer und sowjetischer Soldaten auf der Basis vereinbarter amerikanischsowjetischer Daten und damit zusammenhängende Maßnahmen auf multilateraler Basis konzentrieren würde.

Dieses Interimsabkommen würde den Weg für ein Folge-

abkommen auf der Basis vereinbarter Gesamtdaten bereiten, das einen weiteren
Truppenabbau aller direkt Beteiligten auf einen kombinierten gemeinsamen kollektiven Höchststand für jede Seite von rund 700 000 Mann für die Landstreitkräfte und rund 900 000 Mann für die Land- und Luftstreitkräfte zusammen bringen würde.

Ein wesentliches Paket damit verbundener Maßnahmen würde einen integralen
Bestandteil jedes MBFR-Abkommens darstellen.

Die NATO hat kürzlich ihre Ar-

beit an einem solchen Paket von Maßnahmen abgeschlossen und es dem Osten in
Wien unterbreitet.

Diese Maßnahmen sollen dazu dienen, die militärische Sta-

bilität und das Vertrauen durch eine Regelung militärischer Aktivitäten zu fördern, die ausreichende Verifizierung eines MBFR-Abkommens zu sichern und die
unverminderte Sicherheit für Länder an den Flanken des mitteleuropäischen Gebietes, in der ein Truppenabbau im Rahmen von MBFR stattfinden würde, zu gewährleisten.

Die letzte formelle Gesprächsrunde mit den Sowjets über die Weitergabe
konventioneller Waffen fand vor über einem Jahr statt.

Damals erzielten wir

einigen Fortschritt in der Ausarbeitung allgemeiner Richtlinien für die Begrenzung dieser Weitergabe.

Sollten diese Gespräche jedoch wieder aufgenommen

werden, dann wird in der Ausarbeitung dieser Richtlinien mehr getan werden
müssen, wie auch hinsichtlich ihrer befriedigenden Anwendung in bestimmten Regionen.

Die letzte Runde der Gespräche über eine Rüstungskontrolle auf dem Gebiet
der Satellitenbekämpfung (ASAT) wurde im Juni 1979 abgeschlossen, und eine
neue Gesprächsrunde ist noch nicht vereinbart.

Ein gewisser Fortschritt ist

hinsichtlich eines Abkommens über das Verbot bestimmter Maßnahmen gegen
Satelliten und der Begrenzung in der Entwicklung von ASAT-Systemen erreicht

- 3 -

�erreicht worden.

Die Gespräche über eine Stabilisierung der militärischen

Präsenz beider Seiten im Indischen Ozean wurden im Februar 1978 ausgesetzt,
und es bestehen keine Pläne für eine weitere Gesprächsrunde über dieses Thema.
Auf der anderen Seite ist ein Fortschritt zur Kontrolle von chemischen Waffen
und Strahlungswaffen erzielt worden.

Obwohl wir uns mit den Sowjets darüber

einig sind, daß wir chemische Waffen kontrollieren sollten, haben wir das Problem noch nicht gelöst, wie Waffenlager und Einrichtungen spezifiziert werden
sollen, wie eingeführte Kontrollen verifiziert werden könnten oder wann ein Abkommen in Kraft treten sollte.

Wir haben jedoch dem Abrüstungsausschuß in

Genf einen gemeinsam vereinbarten Vorschlag über Strahlungswaffen vorgelegt,
von dem wir hoffen, daß er rasch zu einer Konvention formuliert werden kann,
die dem internationalen Beitritt offen steht. Was als nächstes geschehen wird,
hängt von dem Ausschuß ab.
In der NATO haben wir und unsere Verbündeten die Prinzipien ausgearbeitet,
die für die Behandlung amerikanischer und sowjetischer nuklearer Mittelstrekkensysteme (Long-Range Theater Nuclear Systems - LRTNF), vor allem der SS-20»
angewendet werden sollen. Die NATO hat den Vereinigten Staaten ihre Zustimmung gegeben, RüstungskontrollVerhandlungen mit der Sowjetunion über LRTNF
zu führen, und trotz der derzeitigen sowjetischen Ablehnung, über diese Fragen zu verhandeln, rechnen wir mit Gesprächen über die genannten Systeme im
Rahmen von SALT III.
Das sind weder aufregende Ergebnisse noch eine Basis für große Hoffnungen
auf die Zukunft. Obwohl beide Seiten noch immer das gemeinsame Ziel der Verringerung des Risikos eines Atomkrieges haben, bleibt das Verhältnis zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion seiner Natur nach weitgehend gegnerisch. Gerade aus diesem Grund werden wir wie in SALT unsere Bemühungen
zu gegebener Zeit fortsetzen, um die sowjetische Bedrohung und die Gefahren
eines Konflikts durch spezifische, gerechte und verifizierbare Rüstungskontrollmaßnahmen einzudämmen. Gleichzeitig müssen wir erkennen, daß die Außenpolitik
und die militärischen Kapazitäten der Sowjetunion das Potential und möglicherweise auch die Absicht besitzen, unsere Sicherheit zu untergraben.
Regionale

�Regionale Entwicklung

Wenn wir an die Bedrohung unserer nationalen Sicherheit denken, dann
neigen wir dazu, nur spektakuläre und mit Kernwaffen zusammenhängende Ereignisse zu sehen, wie Diebstahl von Kernwaffen, schreckliche Vernichtungsdrohungen, Überraschungsangriffe aus heiterem Himmel, rasche nukleare Rache.

Die

Gefahren haben sich jedoch als traditioneller und weniger apokalyptisch erwiesen.

Die meisten sind lokalen oder regionalen Ursprungs.

Westeuropa

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß Westeuropa von lebenswichtigem
Interesse für die Vereinigten Staaten ist. Mit einer Bevölkerung von zusammen
rund 260 Millionen und einem Bruttosozialprodukt von 2 Billionen Dollar ist es
außerhalb Nordamerikas die größte Konzentration wirtschaftlicher Macht in der
Welt.

Seine Länder sind wie die Vereinigten Staaten Demokratien.

Die meisten

unserer Menschen und der größte Teil unserer Kultur haben dort ihren Ursprung.
Wir sind seit Gründung unserer Republik in europäische Angelegenheiten verwikkelt gewesen.

Bei unseren beiden größten Kriegen ging es um Europa.

Wir sind

bereit, wenn notwendig, erneut für die Verteidigung unserer europäischen Verbündeten zu kämpfen.

Einige der Gefahren für das nicht-sowjetische Europa stammen aus den eigenen Reihen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist der anhaltende Streit

zwischen Griechenland und der Türkei, der die südliche Flanke der NATO geschwächt
hat.

Die wirtschaftliche Notlage in Portugal und in der Türkei berührt nicht

nur den Beitrag dieser Länder zur gemeinsamen Verteidigung, sondern sie macht
sie auch anfällig für politische Instabilität und Subversion durch anti-demokratische Elemente.

Innere Schwierigkeiten in Jugoslawien könnten den ordnungs-

gemäßen Übergang zu Marschall Titos Nachfolgern gefährden und die Gelegenheit
für eine Einmischung von außen schaffen.

Aber die beiden größten Gefahren

kommen von außerhalb Europas.
Die
- 5-

�Die erste Gefahr ergibt sich aus der starken Abhängigkeit Europas vom
OPEC-Öl und der Möglichkeit, daß die Versorgung unterbrochen werden könnte.
Die zweite Gefahr ergibt sich aus der massiven militärischen Präsenz der
Sowjetunion in Osteuropa und aus den zahlreichen und immer moderneren nuklearen
Mittel Streckensystemen (Long-Range Theater Nuclear Delivery Vehicles), die in
der UdSSR stationiert sind.

Wir und unsere Verbündeten haben eine Vielfalt

von Maßnahmen entwickelt, um mit dem Energieproblem fertig zu werden einschließlich der Anlegung von Vorratslagern und eines Abkommens, den Mangel gerecht
zu verteilen, sollte die Versorgung mit öl über einen längeren Zeitraum wesentlich eingeschränkt werden. Aber was immer wir auf diesem Gebiet tun oder nicht
tun, es gibt keinen sichtbaren Weg, daß militärische Macht an die Stelle der
Einsparung von Energie oder die Entwicklung neuer Brennstoffe und neuer Quellen
bestehender Brennstoffe treten könnte.

Unsere Fähigkeit, mit der sowjetischen

Bedrohung fertig zu werden, hängt in der Tat zum Teil von unserer Fähigkeit ab,
Energie zu sparen und unsere Versorgungsquellen zu diversifizieren.

Gleich-

zeitig müssen wir uns darüber im klaren sein, daß die militärische Präsenz der
Sowjets ein Phänomen ist, mit dem unsere Außenpolitik nur fertig werden kann,
wenn eine beträchtliche militärische Macht hinter ihr steht.

Wir neigen zu der Betrachtungsweise, die sowjetische Gefahr für Westeuropa gehe in erster Linie von der konventionellen militärischen Kapazität
der Sowjets aus, und wir haben uns angesichts der Modernisierung dieser Kapazität in zunehmendem Maße Sorgen gemacht, daß sie zu plötzlichen und massiven
Angriffen in Mitteleuropa benutzt werden könnte. Ohne Zweifel sind diese Sorgen berechtigt, aber sie schließen keineswegs alle Möglichkeiten ein. Die
Sowjets haben die nukleare Kapazität - strategisch und taktisch (im MittelStreckenbereich) - die auf Westeuropa gerichtet ist, entwickelt und verbessern
sie jetzt weiter. Sie sind an ihrer Nordflanke in zunehmendem Maße selbstsicher geworden. Und sie müssen ohne Frage bezüglich des Gangs der Ereignisse
in Osteuropa nervös bleiben. Die größten Gefahren für Europa würden daher weniger durch plötzliche nicht provozierte Angriffe entstehen als durch große
Krisen zwischen Ost und West, ausgelöst durch Schwierigkeiten im sowjetischen
Machtbereich oder in dessen Nähe.
Wir

�Wir haben versucht, die Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern
des Warschauer Paktes durch verstärkte Kontakte, verstärkten Handel,
institutionelle Zusammenarbeit und Informationsaustausch zu verbessern.
Wir haben heute mit allen osteuropäischen Ländern, mit Ausnahme der
Tschechoslowakei, Konsularabkommen.

Seit Anfang 1976 haben die Ost-

europäer amerikanische landwirtscahftliche Erzeugnisse im Werte von
über 2 Milliarden Dollar und amerikanische Fertigwaren im Werte von fast
1 Milliarde Dollar gekauft.

Im Jahre 1978 haben wir Waren im Werte von

rund 1,4 Milliarden Dollar an diese Region geliefert, und wir haben
Polen, Rumänien und Ungarn in unseren Handelsbeziehungen die Meistbegünstigungsklausel eingeräumt.

Es wäre jedoch sinnlos, wollten wir vor-

geben, daß die Maßnahmen für sich allein die Unzufriedenheit in Osteuropa
beheben oder den Hang der Sowjets mildern könnten, eine maximale Kontrolle
über Osteuropa auszuüben.

Entschlossenheit und sichtbare militärische

Fähigkeit sind ebenso wie erweiterte wirtschaftliche und3&gt;nstige Beziehungen zu Osteuropa entscheidend wichtig, wenn wir wirksam, aber mit
friedlichen Mitteln mit diesen Gefahren fertig werden wollen.
Um das Problem der sowjetischen Dislozierung der SS-20-Rakete und
des Backfire-Bombers anzupacken, hat das Bündnis eine Gruppe auf Hoher
Ebene (High Level Group - HLG) eingesetzt, um das ganze Spektrum der
Abschreckung zu prüfen und über geeignete Maßnahmen zur Modernisierung
der nuklearen Abschreckung des Bündnisses zu entscheiden.

Gleichzeitig

prüfte eine NATO-Sondergruppe für Rüstungskontrolle (Special Group on
Arms Control) ergänzende Vorschläge für Rüstungsbegrenzungen auf diesem
kritischen Gebiet.
Um die Fähigkeit der NATO aufrechtzuerhalten, ihre Strategie der
flexiblen Antwort (flexible response) durchzuführen und auf die durch
die sowjetische Dislozierung neuer und stärkerer TNF (SS-20-Raketen
und Backfire-Bomber) geschaffene Bedrohung reagieren zu können, haben
die Verteidigungs- und Außenminister der NATO im Dezember 1979 zwei

- 7 -

�zwei wichtige Schritte beschlossen.

Das Bündnis wird mit der Modernisierung

seiner nuklearen Mittel Streckensysteme (LRTNF) beginnen und 108 Pershing
II-Raketen auf Abschußeinrichtungen sowie 464 landgestützte Marschflugkörper (GLCMS) von 1983 an in ausgewählten westeuropäischen Ländern
dislozieren.

Im Zusammenhang mit dieser Modernisierung werden die

Vereinigten Staaten 1 000 nukleare Gefechtsköpfe aus ihren europäischen
Arsenalen abziehen.
In einer parallelen Rüstungskontroll initiative sprachen sich die
Minister für amerikanisch-sowjetische Verhandlungen über LRTNF im Rahmen
von SALT III aus.

Sie kamen überein, daß diese Verhandlungen eine Verringerung

der Zahl sowjetischer LRTNF - vor allem der SS-20-Raketen - anstreben, so
bald wie möglich beginnen, in enger Konsultation mit unseren NATO-Verbündeten geführt und von folgenden Grundsätzen geleitet sein sollten:
-

Alle künftigen Begrenzungen amerikanischer TNF-Systeme (für
den Einsatz in Europa) sollten von entsprechenden Begrenzungen
sowjetischer TNF-Systeme begleitet werden.

-

Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer LRTNF-Systeme
sollten bilateral im Rahmen von SALT III Schritt für Schritt
ausgehandelt werden.

-

Das unmittelbare Ziel dieser Verhandlungen sollte die Festlegung vereinbarter Begrenzungen amerikanischer und sowjetischer
landgestützter LRTNF-Raketensysteme sein.

-

Alle vereinbarten Begrenzungen dieser Systeme müssen im Einklang
mit dem Grundsatz der Gleichheit für beide Seiten stehen.

Daher

sollten die Begrenzungen in Form der de jure Gleichheit der
Höchstgrenzen und der Rechte durchgeführt werden.
Alle

�-

Alle vereinbarten Begrenzungen müssen in ausreichendem Maße
verifizierbar sein.

So wichtig diese Programme sein mögen, die größte Bewährungsprobe
für die NATO in den achtziger Jahren wird mit der Frage kommen, wie gut
die Verbündeten in der Verwirklichung der übrigen Teile des langfristigen
Verteidigungsprogramms zusammenarbeiten werden.

Der Plan enthält neun

weitere Vorrangkategorien:
-

Verstärkte Bereitschaft, um mit den Risiken eines Blitzkriegs
des Warschauer Paktes mit kurzer Vorwarnzeit fertig zu werden;

-

Sehr viel raschere Verstärkung der dislozierten Streitkräfte
der NATO, vor allem aus den Vereinigten Staaten;

-

verstärkte und erhöhte europäische Reservestreitkräfte;

-

qualitative Verbesserungen der maritimen Kapazität des
Bündnisses;

-

ein integriertes Luftverteidigungssystem des Bündnisses, da
eine wirksame Luftverteidigung in Europa auf nationaler Basis
unmöglich ist;

-

Erhöhung der Interoperabilität und Standardisierung der
Befehls-, Leit- und Fernmeldesysteme, die für eine gemeinsame
Kriegsführung lebenswichtig sind;

-

ein bündnisweites Programm für elektronische Kriegführung,
um den großen sowjetischen Fortschritten auf diesem Gebiet
begegnen zu können;
rationalere

�-

rationalere Verfahren für Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
Rüstung innerhalb der NATO;

-

und

verstärkte Bemühungen um die Verbesserung der logistischen
Koordinierung sowie Erhöhung der Kriegsreserven.
•

Zwei von diesen Programmen müssen besonderen Nachdruck erhalten.
Die Sowjets produzieren weiterhin Panzer, Kanonen und Flugzeuge in einer
Zahl, die um das zwei- bis dreifache über der der Vereinigten Staaten
liegt.

Sie investieren etwa zweimal soviel in die Forschungs- und

Entwicklungsprojekte der Verteidigung.

Wir müssen auf unsere NATO-

Verbündeten zählen können, um viele dieser Differenzen wettzumachen.
Um zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen, müssen wir und unsere
Verbündeten nicht nur wirksamere Beschaffungsverfahren entwickeln, sondern
auch die Duplikation bei den Forschungs- und Entwicklungsprogrammen
verringern.

Wenn wir über die nationalen Grenzen hinweg zu optimalen

Ergebnissen gelangen wollen, müssen wir mehr dazu bereit sein, das Gerät
vom anderen zu kaufen.

Gleichzeitig müssen wir mehr zusammenarbeiten,

um dem Wert von 20 Milliarden Dollar an Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die das Bündnis zur Zeit darin investiert, so nahe wie möglich
zu kommen, anstatt uns mit einem Ergebnis von 15 bis 16 Milliarden Dollar
zu begnügen, zu dem die NATO insgesamt in ihrer Produktion jetzt gelangt.
Die rasche Verstärkung Europas durch die USA ist ein anderer
entscheidender Faktor für die Abschreckungseffizienz der NATO.

Eines

der ernsthaftesten Probleme des Bündnisses, vor allem in der zentralen
Region, ist der Mangel an operativen Reserven.

Wenn unter den derzeitigen

Umständen ein Angriff mit nur kurzer Vorbereitungszeit erfolgte und wenn
unsere vorderen Verteidigungslinien im ersten Stadium dieses Angriffs
durchbrochen würden, dann hätte SACEUR möglicherweise zu wenig Landstreitkräfte und taktische Flugzeuge in Reserve, um dem Einbruch erfolgreich
entgegenzuwirken.
Seit
- 10 -

�Seit vielen Jahren ist es der Plan der Vereinigten Staaten, der
NATO mit massiven Verstärkungen zur Hilfe zu kommen, aber mangelnde Lufttransportkapazität und das Fehlen einer angemessenen Nachschubstruktur
für diese Verstärkungen bedeuteten, daß viele der zur Verstärkung entsandten
Einheiten zu spät eintreffen könnten, um mit dieser besonderen Notlage
fertig zu werden. Um diese Schwäche zu beheben, haben wir ein Programm
zur raschen Verstärkung aufgebaut, das die amerikanischen Landstreitkräfte mehr als verdoppeln und die taktischen Luftverbände verdreifachen
wird, die von Tag zu Tag in Europa disloziert werden - und beides in
weniger als zwei Wochen.

Dies, so sollte ich noch hinzufügen, heißt

nicht zwei Wochen nach Beginn eines Angriffs, sondern zwei Wochen, nachdem
der Beschluß zur Verstärkung getroffen ist. Was das bedeutet, läßt
sich ermessen, wenn man die sich daraus ergebende amerikanische Präsenz
mit der größten Streitmacht in Westeuropa vergleicht.

Das Programm

zur raschen Verstärkung wird mit M-14 eine Gesamtfeuerkraft der
amerikanischen Landstreitkräfte ergeben, die größer ist als die in der
gesamten Armee der Bundesrepublik vorhandene und die die Zahl der Luftgeschwader, über die die Luftwaffe verfügt, um das Doppelte übertrifft.
Die rechtzeitige Bereitstellung dieser massiven Verstärkung hängt
in erster Linie von unserer Fähigkeit ab, Vorausstellungen von Ausrüstung
und Gerät in Europa anzulegen, Truppen dahin mit Passagierflugzeugen einzufliegen und unsere Kampfgeschwader auf geschützte und wohl versehene
alliierte Luftstützpunkte zu dislozieren. Solche Maßnahmen wiederum
erfordern die Mitarbeit unserer europäischen Verbündeten. Sie müssen
die Lagerplätze und Arsenale für das im voraus deponierte Gerät, planmäßig angelegte Operationsbasen für unsere Luftgeschwader und Depots
für unsere Munition und andere Kampfmittel verfügbar machen. Das meiste
davon kann durch das NATO-Infrastrukturprogramm finanziert werden, zu dem
die Vereinigten Staaten den größten Einzelbeitrag leisten. Aber dazu
wird eine weitaus höhere Bereitstellung von Mitteln für die Infrastruktur
notwendig sein, als unsere Verbündeten bisher zu gewähren bereit waren.

Es
- 11 -

�Es trifft ebenfalls zu, daß wir - wenn wir uns für diese massive,
mit größter Geschwindigkeit erfolgende Dislozierung amerikanischer Kampftruppen entscheiden - auf die gleichzeitige Dislozierung einiger Nachschubeinheiten verzichten müssen, die notwendig sind,und uns in stärkerem
Maße für den Nachschub und die Instandhaltung auf das Konzept der Unterstützung durch den Gaststaat verlassen müssen, wobei unsere euroäischen
Verbündeten helfen werden, uns zu einem großen Teil die Nachschubkapazität
zu gewähren, die für unsere Kampfleistung so entscheidend wichtig ist
und zwar aus den gleichen mobilisierten zivilen Hilfsquellen, die sie zur
Unterstützung ihrer eigenen Streitkräfte nutzen würden.

Das heißt, sich

auf sie hinsichtlich des Seetransport und des Lufttransports, hinsichtlich
der Häfen und Fluglandeplätze und Entladungseinrichtungen, hinsichtlich
des Transports ins Kampfgebiet und einer Unzahl anderer Notwendigkeiten
verlassen, wie beispielsweise Treibstofflager, Tankwagen, Depots und
Lazaretteinrichtungen.
•

Die erforderliche Unterstützung würde nur einen Bruchteil von den
gewaltigen zivilen Hilfsquellen und der Infrastruktur in Anspruch nehmen,
die in den hochentwickelten Volkswirtschaften Europas vorhanden sind.

In

Friedenszeiten wären nur sehr geringe Kosten damit verbunden, und in
Kriegszeiten würden wir für alle Güter und Dienstleistungen, die von
den Verbündeten gestellt werden, bezahlen.

Aber wenn auch über die Einzel-

heiten der Unterstützung durch das Gastland zur Zeit aktiv verhandelt wird,
so geht der gesamte Prozeß doch nur langsam voran.
Kurzum, wir haben ein transatlantisches Geschäft vorgeschlagen.
Wir werden für eine rasche und massive Dislozierung von Kampftruppenverstärkungen für die NATO sorgen, wenn unsere Verbündeten uns bei der
Bereitstellung der europäischen Anlagen und Einrichtungen helfen und die
Gastlandunterstützung gewähren werden, die zur Durchführung einer solchen
Dislozierung notwendig sind.

Aber diese komplexe Anstrengung wird nicht

ohne eine größere Zusammenarbeit seitens der anderen Mitglieder des
•

•

- 12 -

�des Bündnisses erfolgreich sein.

Sie ist und muß ein gemeinsames Unter-

fangen sein, zu dem der Beitrag der Verbündeten genau so entscheidend
ist wie der unsrige.

Doch muß die in ihr liegende Möglichkeit zur kollektiven

Verteidigung im Anfangsstadium eines Konflikts größeren Nachdruck erhalten,
wenn die Glaubwürdigkeit einer nichtnuklearen Abschreckung in dem vor uns
liegenden Jahrzehnt erhalten bleiben soll.
sie müssen erfüllt werden.

- 13 -

Die Anforderungen sind hart -

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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1980

10

INHALT

WIRTSCHAFT
Der Wirtschaftsbericht Präsident Carters
- Auszüge -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�1

Wirt/chaft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

7. Februar 1980

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - In seinem jüngsten Wirtschaftsbericht an den
amerikanischen Kongreß hat Präsident Carter am 30. Januar 1980 erneut
unterstrichen, daß die Inflationsbekämpfung weiterhin oberste Priorität
in der Wirtschaftspolitik der USA haben werde und in diesem Rahmen
verhindert werden müsse, daß die Auswirkungen der öl Preiserhöhungen
eine Lohn-Preis-Spirale in Bewegung setzen.
Wir veröffentlichen nachstehend wesentliche Auszüge aus diesem
Bericht:
Letztes Jahr stiegen die ölpreise um mehr als das Doppelte. Diese
Preiserhöhung wird sich mit ungefähr 200 Milliarden Dollar zu Buche
schlagen, die die Verbraucherländer zusätzlich für importiertes Erdöl
zu zahlen haben. Höhere ölpreise waren der Hauptgrund für eine weltweite
Beschleunigung der Inflation im Jahr 1979 und die sich trübenden Aussichten
auf ein Wachstum im Jahr 1980.
Die

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten waren wie andere öl importierende

Länder

hart getroffen. Unser Anteil an der zusätzlichen ölrechnung wird sich
in diesem Jahr auf nahezu 45 Milliarden Dollar belaufen. Wenn nicht
allein deshalb, so hat sich die Inflation doch wegen höherer ölpreise
scharf beschleunigt.

Der Verbraucherpreisindex stieg um über 13 Prozent.

Die Produktion des Landes an Gütern und Dienstleistungen - deren Anstieg
um 2,25 Prozent im Lauf der vier Quartale des Jahres 1979 im Wirtschaftsbericht des letzten Jahres vorausgesagt worden war - stieg um weniger als
ein Prozent.
Obgleich sich das Wachstum verlangsamte, bot unsere Wirtschaft
den Rezessionskräften heftigen Widerstand.

Trotz praktisch allseitiger

Voraussagen einer bevorstehenden Rezession stieg der Ausstoß während
der gesamten zweiten Hälfte des letzten Jahres. Der Verkauf und der Bau
von Häusern hielt sich bis weit ins Jahr hinein besser als erwartet.
Durch Verminderung ihrer Spareinlagen hielten die Verbraucher auch angesichts
der Schwächung der Kaufkraft durch höhere ölpreise in einem Umfang von
vielen Milliarden Dollar das Ausgabenniveau.

Da die Lagerbestände der

Wirtschaft bemerkenswert niedrig gehalten wurden, führten Verkaufsrückgänge nicht zu wesentlichen Bestandskorrekturen.

Generell gesehen war die

wirtschaftliche Erholung der letzten Jahre frei von Verzerrungen, die in
der Vergangenheit die Wirtschaft gegenüber rezessiven Kräften anfällig
machten.
Das Beschäftigungswachstum hielt sich sogar noch besser als der
Ausstoß, und die Arbeitslosigkeit blieb das ganze Jahr über unter sechs
Prozent.
Leider spiegeln die starken Gewinne im Bereich der Beschäftigung
einen scharfen Rückgang bei der Produktivität wider - 2 Prozent im Jahr.
Dieser Produktivitätsverlust erhöhte die Kosten und war daher mitverantwortlich für die höhere Inflation.
Obwohl
- 2 -

�Obwohl die Inflation 1979 zunahm, konzentrierte sich ein großer
Teil der Beschleunigung auf einige wenige Bereiche:

Energie, Hausbesitz

und Geldwesen sowie - im Frühjahr - auf landwirtschaftliche und Nahrungsmittel.

Ansonsten war die Verbraucherpreisinflation zurückhaltender:

die Preise stiegen im Lauf des Jahres um 7,5 Prozent.

Lohn- und Gehalts-

erhöhungen waren nicht höher als 1978, trotz der Beschleunigung der
Inflation.

Die freiwilligen Lohn- und Preisrichtwerte der Regierung wurden

großenteils

beachtet und begrenzten scharf ein übergreifen der Inflation

von öl und einigen anderen Problembereichen auf den Rest der Wirtschaft.

Die Bedeutung einer Verminderung der Inflation
Es ist meine innerste Überzeugung, daß die Inflation das wirtschaftliche
Problem Nr. 1 dieses Landes bleibt. Die Preise für Energie und Wohnungsbau
steigen noch immer rasch, tragen unmittelbar zur Inflation bei und bedrohen
die übrige Wirtschaft mit einer neuen Lohn-Preis-Spirale. Sogar abgesehen
von diesen speziellen Problembereichen beläuft sich die Inflation jetzt
auf etwa 8 bis 9 Prozent, verglichen mit 6 oder 6,5 Prozent vor einigen
Jahren - dies teilweise wegen einer enttäuschenden Produktivitätsleistung.
Unser erstes Ziel für 1980 muß es sein, ein übergreifen zweistelliger
Preisanstiege aus dem ölbereich und anderen Problembereichen auf die
übrige Wirtscahft zu verhindern. Mein Haushalt und unsere Wirtschaftspolitik haben dies als ihr oberstes Ziel. Wir teilen dieses gleiche
drängende Ziel mit praktisch allen anderen öl importierenden Ländern.
Der Ausdehnung der Inflation Einhalt zu gebieten, ist jedoch nicht genug.
Wir müssen Schritte zu ihrer Verminderung unternehmen.
Seit den sechziger Jahren brachte jede neue Inflationsrunde unserem
Land einehöhere zugrundeliegende Inflationsrate. Ohne Langzeitpolitiken,

�Langzeitpolitiken, die die gegenwärtige Rate von 8 bis 9 Prozent niederdrücken,wird unser Land gegenüber weiteren Anstiegen verwundbar bleiben.
Ein weiterer starker Anstieg der öl preise oder eine weltweite Mißernte
könnten die Schraube erneut anziehen

Eine Strategie zur Inflationsbekämpfung
Um die Inflation zu bekämpfen, schlage ich Schritte in vier Bereichen
vor;

der erste davon ist eine zurückhaltende Steuer- und Währungspolitik:
-

Unter den Wirtschaftsbedingungen, vor denen wir stehen, müssen
wir uns auf eine Verminderung des Haushaltsdefizits konzentrieren,
indem wir die Bundesausgaben niedrig halten und auf Steuererleichterungen verzichten.

Wir können uns kein permissives

Wirtschaftsumfeld leisten, in dem die durch das öl gesteuerte
Inflation des Jahres 1979 eine weitverbreitete Beschleunigung
der Lohn- und Preissteigerungen in den Jahren 1980 und 1981
zuläßt.
-

Um die Inflation in den folgenden Jahren zu vermindern, muß der
Haushalt angespannt bleiben. Dies bedeutet nicht, daß er nicht
mehr auf die sich ändernden wirtschaftlichen Umstände reagiert
oder daß es überhaupt keine Steuersenkungen mehr geben wird.
Aber im Vergleich zu früheren, weniger inflationären Zeiten
ist der Spielraum für budgetäre Manöver deutlich begrenzt.

-

Die Währungspolitik muß auch weiterhin die gleichen antiinflationistischen Ziele mit Festigkeit unterstützen.
Der

�Der zweite Handlungsbereich ist die Zurückhaltung des Privatsektors
bei seinen Lohn- und Preisentscheidungen. Mit Hilfe der Überlegungen der
im letzten Jahr eingesetzten Beratungsausschlisse bei Lohn- und Preisfragen ("Pay and Price Advisory Committees") konnten wir die freiwilligen
Lohn- und Preisrichtlinien auf einen neueren Stand bringen und verbessern.
Als dritten Handlungsbereich müssen wir Maßnahmen ergreifen, um
zum Produktivitätswachstum anzuregen, unsere Wirtschaft rasch an die
Tatsache geringerer Ölversorgung anzupassen und um unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Weltwirtschaft zu verbessern. Indem wir diese grundlegenden Aspekte der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit angehen, versuchen
wir sicherzustellen, daß die langfristigen Währungs- und Steuerbeschränkungen,
die zur Eindämmung der Inflation notwendig sind, mit einem gesunden
Wachstum der Produktion der Beschäftigung und des Lebensstandards Hand
in Hand gehen. Diese Maßnahmen werden uns auch dabei helfen, Inflationsdruck von der Kostenseite her zu vermindern.
Die jüngste Geschichte hat uns die Lektion gelehrt, daß Ereignisse
außerhalb unseres Landes - wie weltweite Mißernten

oder plötzliche

Preisanstiege der OPEC - überaus starke inflationäre Wirkungen auf die
Binnenwirtschaft haben können.

Der vierte Handlungsbereich muß daher das

Ergreifen von Maßnahmen bei Energie und Nahrungsmitteln sein, die unsere
Verwundbarkeit durch äußere inflationäre Schübe herabsetzt.

Der kurzfristige wirtschaftliche Ausblick
Wir stehen in den nächsten zwei Jahren vor einer schwierigen
wirtschaftlichen Übergangszeit. Meinen Wirtschaftsberatern zufolge wird
unsere Wirtschaft in den ersten Monaten dieses Jahres durch eine milde
Rezession hindurchgehen.

Die meisten privaten Voraussagen teilen diese

- 5 -

�diese Ansicht.

Die Kaufkraft der Verbraucher wird durch steigende Energie-

preise abgeschöpft; außerdem dürfte der Wohnungsbau noch weiter zurückgehen aufgrund des begrenzten Angebots an Hypothekendarlehen und der hohen
Darlehenszinssätze.
Da das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre gut ausgewogen war,
gibt es keine ernsthaften Verzerrungen in unserer Wirtschaft, um die
Rezessionskrä'fte zu verstärken.

Daher dürfte eine wirtschaftliche

Abschwächung - sollte es zu einer solchen kommen - kurz und mild sein.
Gegen Jahresende dürfte unsere Wirtschaft wieder anziehen und das Expansionstempo 1981 wahrscheinlich zunehmen.
Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr wahrscheinlich leicht zunehmen.

Nächstes Jahr wird ein stärkeres Expansionstempo mehr neue Stellen

schaffen, und die Arbeitslosigkeit wird wieder sinken.
Die Inflation entwickelte sich in unserem Land über eineinhalb
Jahrzehnte hinweg, und es wird viele Jahre ständiger Anstrengung bedürfen,
um wieder davon herunterzukommen. In diesem Jahr werden die Energiepreise
weiterhin rascher steigen als die anderen Preise, aber weniger rasch als
1979. Einige der anderen Faktoren, die letztes Jahr zur Inflation beitrugen, dürften dies 1980 nur noch in geringerem Umfang oder überhaupt
nicht mehr tun. Die Verabschiedung des von mir vorgeschlagenen Haushalts
und die fortgesetzt geübte, vernünftige Zurückhaltung von Arbeitgeberund -nehmerseite bei ihren Lohn- und Preisentscheidungen sollten es möglich
machen, die Inflationsrate von den 13 Prozent des Jahres 1979 auf bis zu
10 Prozent im Jahr 1980 herunterzuschrauben und auf eine Höhe von 8 oder
9 Frozent im Jahr 1981. Aber diese Leistung wird die Inflation noch immer
in einem völlig unannehmbaren Tempo davonlaufen lassen. Wir können und
werden nicht ruhen, bis eine vernünftige Preisstabilität erreicht worden

Haushaltspolitik

�Haushaitspoli ti k
Meine Haushaltsvorschläge werden das Haushaltsdefizit des Bundes
im Haushaltsjahr 1981 um mehr als die Hälfte auf 16 Milliarden Dollar
senken.

Um diese Senkung zu erreichen - trotz der Auswirkung langsameren

Wirtschaftswachstums auf die Steuereinnahmen des Bundesäußerster Zurückhaltung bei den Bundesausgaben.

bedurfte es

Die Ausgaben

werden von

564 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 616 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1981 steigen.

Obwohl die Verteidigungsausgaben zunehmen werden, werden

die Bundesausgaben inflationsbereinigt praktisch konstant bleiben.

Ich

schlage vor, die Ausgaben - von der Verteidigung abgesehen - nach Angleichung
an die Inflation zu senken.
Mein Haushalt für das Jahr 1981 stützt sich ganz einfach auf die
Prämisse, daß es oberste Priorität der Wirtschaftspolitik bleiben muß,
die Inflation zu beenden. Es werden nicht nur die Haushaltsausgaben auf
einem Mindeststand gehalten, der noch in Einklang mit den drängenden
nationalen Forderungen steht, sondern es wird auch auf Steuersenkungen
verzichtet. Diese karge Haushaltspolitik ist in Verbindung mit unterstützender währungspolitischer Zurückhaltung eine notwendige Bedingung
zur Kontrolle der Inflation.
Bürger im ganzen Land stehen vor wachsenden Steuerlasten wegen zunehmender Steuern für die soziale Sicherheit und weil die Inflation den
einzelnen in die Klammern höherer Einkommensteuern treibt.

Sie fordern

und verdienen Steuererleichterungen, sobald Senkungen in Rahmen einer
umsichtigen Haushaltspolitik gewährt werden können.

Die Wirtschaft braucht

stärkere Anreize, um in neuen und modernen Betriebsanlagen und in Ausrüstung
zu investieren, die für das Anwachsen unserer Produktivitätskapazität und
für die langfristige Verbesserung der Effizienz der Wirtschaft entscheidend
sind.

Wenn wir auch weiterhin das Anwachsen der Bundesausgaben straff

zügeln, wird es Steuersenkungen geben. Aber ich konnte dieses Jahr keine

- 7 -

�keine Steuererleichterungen vorschlagen - und habe es nicht getan....
In dieser ungewissen Zeit kann man die Wirtschaftspolitik nicht
festschreiben und sie dann vergessen.

Sollten sich die Wirtschaftsbedingungen

und Aussichten deutlich verschlechtern, bin ich bereit, dem Kongreß zusätzliche steuerliche Maßnahmen vorzuschlagen, um Produktion und Beschäftigung
in einer Weise und unter Umständen zu unterstützen, die mit dem fortgesetzten Kampf gegen die Inflation in Einklang stehen

- .

Lohn- und Preisrichtlinien
Vor etwa einem Jahr forderte ich Arbeitgeber und -nehmer auf, sich
mir im Kampf gegen die Inflation dadurch anzuschließen, daß freiwillige
Richtlinien für Löhne und Preise befolgt würden. Die Zusammenarbeit auf
meine Bitte hin war groß. Die Beschleunigung der Inflation im letzten
Jahr stellte keinen Zusammenbruch der Lohn- und Preisrichtlinien dar.
Himmel stürmende Energiepreise und steigende Kosten für Hauskauf und
-finanzierung waren die Ursache für die deutliche Verschlechterung der
Inflation. Auch die sinkende Produktivität trug zu Geschäftskosten und
Preisen bei.
Tatsächlich haben die Lohn- und Preisrichtlinien dem Land gutgetan.
Obwohl die Preisrichtlinien bei den Nahrungsmitteln, bei Energie und bei
den Immobilienpreisen nur in geringem Ausmaß anwendbar waren, beschleunigten
sich die Preise in den übrigen Wirtschaftsbereichen, für die die Richtlinien
entworfen waren, im ersten Jahr des Programms nur wenig. Die Lohnerhöhungen
waren nicht größer als im Jahr 1978, obwohl die Lebenshaltungskosten rascher
stiegen. Die Erhöhungen bei den Energiepreisen wirkten sich nicht allzu
stark bei den Löhnen und dem übrigen Spektrum der Industrie- und Dienstleistungspreise aus.
Am

�Am 28. September 1979 erzielten meine Regierung und die Führung
der Gewerkschaften ein landesweites Übereinkommen.

Wir vereinbarten,

daß unsere Antiinflationspolitik wirkungsvoll und ausgeglichen sein müsse
und daß wir trotz des Kampfes gegen die Inflation unsere Anstrengungen
nicht aufgeben würden, die Ziele der Vollbeschäftigung und des ausgeglichenen
Wachstums zu verfolgen.

Als eines der Ergebnisse dieses Übereinkommens setzte ich einen
"Ausschuss für Lohnberatungen" (Pay Advisory Committee) ein, um in Zusammenarbeit mit meiner Regierung die Lohnrichtlinien zu überprüfen und
Vorschläge zu unterbreiten, wie sie durchgesetzt werden könnten.

Ein

"Ausschuß für Preisberatungen" (Price Advisory Committee) wurde eingerichtet, um Empfehlungen hinsichtlich Preisrichtlinien zu unterbreiten.

Das vordringlichste Problem im Jahr 1980 ist es, sicherzustellen,
daß die scharfen Preisanstiege für Energie nicht eine neue Bewegung der
Lohn- und Preisspirale zur Folge haben, die die gegebene Inflationsrate
noch viele Jahre lang verschlimmern würde.

Es ist verständlich, daß

die Arbeiter, die Industriemanager und andere Gruppen einen Ausgleich
für reale Einkommensverluste suchen und dies tun, indem sie höhere
Lohn- und Gehaltszuschläge und andere Einkommensformen fordern.

Solche

Anstrengungen würden nicht die durch steigende Weltölpreise und gesunkene
Produktivität verminderten Realeinkommen zurückbringen, sondern sie
würden nur die Inflation verschärfen.

Verbesserungen unseres Lebens-

standards können nur durch größere Effizienz unserer Wirtschaft und durch
geringere Abhängigkeit von importiertem öl erreicht werden.

Freiwillige Richtlinien für Löhne und Preise sind zusammen mit einer
disziplinierten Steuer- und Währungspolitik die wesentlichen Bestandteile
einer Strategie zur Senkung der Inflation.

Während der nächsten Jahre

wird durch Währungs- und Steuerpolitik versucht, die Inflation langsam
aber ständig zu senken.

Zurückhaltung bei Anleihen und Ausgaben bedeutet

- 9 -

�bedeutet in sich selbst verhältnismäßig langsames Wirtschaftswachstum
und etwas höhere Arbeitslosigkeit mit brachliegender Kapazität.

Wirksame

Richtlinien zur Mäßigung bei Lohn- und Preissteigerungen werden zu Fortschritten bei der Senkung der Inflation führen und dadurch die Last auf
Währungs- und Steuerpolitik mindern sowie Spielraum für rascheres Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze schaffen

;

Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftsleistung
Befriedigendes Wirtschaftswachstum zu erreichen, die Arbeitslosigkeit
zu verringern und gleichzeitig steten Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung zu machen, stellt eine gewaltige Herausforderung für die
Wirtschaftspolitik dar.
Um die Inflation zu drücken, müssen wir den schmerzlichen Weg
weitergehen, der notwendig ist, um die Nachfrage zu dämpfen. Aber Nachfragedämpfung allein ist nicht genug. Wir müssen daran arbeiten, die
Angebotsseite unserer Wirtschaft zu verbessern, und ihren Anpassungsprozeß in einer Zeit knapper Energie beschleunigen, ihre Effizienz
erhöhen, die Wirkungsweise des Arbeitsmarktes verbessern und ihren
Kapitalsockel verbreitern. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, unsere
Verwundbarkeit bei inflationären Ereignissen zu vermindern, die sich
außerhalb unserer eigenen Volkswirtschaft zutragen. Nur eine Methode,
die sich mit Nachfrage und mit Angebot auseinandersetzt, kann das Land
in die Lage versetzen, ein gesundes Wirtschaftswachstum mit Preisstabilität
zu kombinieren.

Langfristige

- 10 -

�Langfristige Energiepolitik
Im Lauf der letzten drei Jahre habe ich einen Großteil meiner
eigenen Anstrengungen und der meiner Regierung darauf verwendet, für
dieses Land eine langfristige Energiepolitik zu entwerfen.

Viel ist

bereits in Zusammenarbeit mit dem Kongreß erreicht worden oder steht kurz
vor seiner Verabschiedung.
Die schrittweise Freigabe der Preise für Erdgas und inländisches
Rohöl wird ein starkes, eindeutiges Signal setzen, zur Energieeinsparung
ermutigen und die Entwicklung inländischer Energieversorgung anregen.
Aber die Freigabe der ölpreise bringt angesichts der sehr hohen OPECPreise unvermeidlicherweise gewaltige Situationsgewinne mit sich. Die
Steuer auf diese Situationsgewinne (Windfall Profit Tax), die ich vorgeschlagen habe, wird einen beträchtlichen Teil dieser Gewinne für den
öffentlichen Gebrauch abschöpfen.
Die zusätzlichen Bundeseinnahmen durch diese Steuer werden es möglich
machen, die Armen vor den Auswirkungen der höheren ölpreise zu schützen,
unsere Investitionen im öffentlichen Verkehrswesen zu erhöhen und Programme
für den beschleunigten Ersatz ölbetriebener Elektrizitätswerke und für
vermehrte private und kommerzielle Energieeinsparung zu unterstützen.
Ich habe auch Anreize für die Entwicklung von Sonnenenergie und Energie
aus Biomasse gegeben und den Kongreß um die Ermächtigung ersucht, eine
Energiesicherungsbehörde (Energy Security Corporation) ins Leben zu rufen,
um auf einer geschäftsmäßigen Grundlage Anreize und Beistand für die
beschleunigte Entwicklung synthetischer Brennstoffe zu gewähren. Weitere
von mir vorgeschlagene Gesetze, die zur Zeit ebenfalls einem Beratungsausschuß des Kongresses vorliegen, würde ein Energiemobilisierungsamt
schaffen, um den Behördenweg zu verkürzen und die Entwicklung wesentlicher
Energieprojekte zu beschleunigen. Ich fordere den Kongreß auf, die letzten
Schritte zu tun, um die für meine Energieinitiativen notwendige Gesetz-

- 11 -

�Gesetzgebung zu verabschieden.
•

Diese Politiken werden die Wirksamkeit wesentlich erhöhen, mit der
unser Land Energie verbraucht, und das Spektrum wirtschaftlich ausnutzbarer
Energiequellen vergrößern.

Auf diese Weise werden sie dabei helfen, unsere

Volkswirtschaft weniger inflationsanfällig zu machen.

Sie werden auch

unsere Abhängigkeit von importiertem öl drastisch reduzieren und die Wahrscheinlichkeit plötzlicher Inflationsschübe dadurch herabsetzen, daß unser
Land durch plötzliche Preisanstiege beim öl auf den Weltmärkten weniger
verwundbar ist.
Gegen Ende dieses Jahrzehntes werden wir uns wahrscheinlich schon
am Ende der Übergangsperiode zu einer neuen Welt der knapperen öl Vorräte
nähern.

In der Zwischenzeit bleibt unser Land jedoch noch immer den

Unberechenbarkeiten der Weltölmärkte auf gefährliche Weise ausgeliefert.
Ich verfolge Maßnahmen, um mit diesen Übergangsproblemen fertigzuwerden. Zusammen mit anderen wichtigen öl Verbraucher!ändern in der Internationalen Energieagentur arbeiten wir daran, verbesserte Möglichkeiten
zu entwickeln, um künftigen Kürzungen bei der Ölversorgung durch gemeinsames
Handeln zur Verminderung der ölnachfrage zu begegnen. Wir können die
Chancen auf weitere starke Preiserhöhungen vermindern, indem wir ein
kompetitives Gedränge nach knappem öl vermeiden.
Letztes Jahr versprach ich, daß unser Land niemals wieder mehr öl
als im Jahr 1977 importieren würde: 8,5 Millionen Barrel pro Tag. in
diesem Jahr setzte ich ein niedrigeres Importziel von 8,2 Millionen
Barrel pro Tag fest. Ich bin bereit, dieses Ziel weiter herabzusetzen,
sollten Diskussionen im Rahmen der Internationalen Energieagentur ein
faires und ausgeglichenes Abkommen erzielen, das noch niedrigere Importe
fordert. Ich werde eine Abgabe für den Kauf von ausländischem Erdöl
einführen, falls dieser die von mir festgesetzten Grenzen zu überschreiten
droht.
Ebenso
- 12 -

�Ebenso wesentlich wie die internationale Zusammenarbeit sind Maßnahmen,
die wir selbst ergreifen können.

In Einklang mit den im letzten Jahr

erlassenen Gesetzen hat die Regierung einen Notplan zur Benzinrationierung
entwickelt, um mit größeren Versorgungsstörungen fertigzuwerden - definiert
als ein Versorgungsdefizit von 20 oder mehr Prozent.

Dieser Plan wird dem

Kongreß im Februar vorgelegt. Aber sogar noch geringere Versorgungsstörungen können schwerwiegende wirtschaftliche Probleme hervorrufen.

Wir

überlegen daher Vorschläge für Notmaßnahmen, die zu ergreifen sind, wenn
geringfügigere, aber noch immer beträchtliche Unterbrechungen auftreten
sollten.

Die Strategische Benzinreserve (SPR) kann die Auswirkung eines

plötzlichen Lieferausfalls abschwächen.

Mein Haushalt sieht Mittel dafür

vor, Käufe im Rahmen dieser Reserve in diesem Jahr wieder aufzunehmen,
wenn es die Umstände erlauben.

Verbesserung des Arbeitsmarktes
Anhaltende hohe Arbeitslosigkeit bei bestimmten Berufsgruppen,
stürmische Nachfrage nach Arbeitskräften andererseits und in manchen
Bereichen nur sehr niedrige Arbeitslosigkeit: das ist nicht nur ein
großes soziales Problem, sondern eine Verschwendung nationaler Ressourcen.
Der Mangel an Fertigkeiten, die Mängel des Arbeitsmarktes und in manchen
Fällen die Diskriminierung, die eine solche Situation entstehen läßt,
vermindern die nationale Produktivität und tragen zur Inflation bei.
Obgleich unser Arbeitsmarkt für die meisten Menschen im Moment
ziemlich gut arbeitet, so tut er dies nicht für die benachteiligten
Jugendlichen und die jungen Angehörigen der Minderheiten.

Angesichts

dieser Tatsache habe ich kürzlich dem Kongreß Vorschläge zugeleitet, die
die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen sollen
Reform
- 13 -

�Reform gesetzlicher Vorschriften
Der Bereich der gesetzlichen Vorschriften ist neben der Besteuerung,
der Verteidigung und der Bereitstellung der Sozialversorgung eine der
Hauptbeschäftigungen der Regierung.

Unnötige Vorschriften, aber auch

notwendige Vorschriften, die unverhältnismäßige Lasten auferlegen, senken
die Effizienz und erhöhen die Kosten.
In den letzten drei Jahren habe ich mich entschieden für eine grundlegende Methode zur Reform der Vorschriften eingesetzt:

unnötige Vor-

schriften, wie tief auch immer in der Tradition verwurzelt, sollten
abgeschafft und die Rolle des Wettbewerbs sollte verstärkt werden;
notwendige Vorschriften sollten ihre sozialen Zielsetzungn zu minimalen
Kosten erreichen.
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß wurde die Luftfahrtindustrie von
einschränkenden Bestimmungen befreit. Nunmehr arbeiten wir mit Kongreßausschüssen zusammen, um die Arbeit für eine faire und wirkungsvolle
Gesetzgebung zu beenden, die die kostspieligen Teile der Vorschriften in
der Lastwagen-, der Eisenbahn-, der Kommunikations- und der Finanzindustrie
beseitigt.
Innerhalb der Exekutive steigern wir die Qualität der Vorschriften
und senken ihre Kosten. Der Rat zur Koordinierung staatlicher Vorschriften
(Regulatory Council), den ich vor einem Jahr eingesetzt habe, fördert
unser Verständnis für das ganze Ausmaß der Bundesaktivitäten im Bereich
der Bestimmungen und die Art und Weise,in der diese Aktivitäten insgesamt
die einzelnen Industrien und Sektoren beeinflussen. Eine Reihe von
weisungsbefugten Behörden experimentiert mit neuen Techniken, die die
Zielsetzungen zu weit niedrigeren Kosten zu erreichen versprechen.

Steigerung

- 14 -

�Steigerung der Investitionen und Ermutigung von Forschung und Entwicklung
Wir kennen nicht alle Ursachen der Verlangsamung des Produktivitätswachstunis, die in den letzten Jahren unsere Volkwirtschaft charakterisiert
hat.

Aber wir wissen, daß Investitionen, Forschung und Entwicklung bei

der Umkehrung dieses Trends eine wesentliche Rolle werden spielen müssen.
Um die kräftig gestiegenen Bedürfnisse des Landes nach Investitionen
im Bereich der Energieproduktion und -einsparung zu befriedigen, um seinen
Auftrag nach sauberer Luft und klarem Wasser sowie verbesserter Gesundheitsfürsorge und Sicherheit am Arbeitsplatz zu erfüllen und um gleichzeitig weitere und bessere Werkzeuge für eine wachsende amerikanische
Arbeitnehmerschaft zur Verfügung zu stellen, muß unser Land im kommenden
Jahrzehnt den Anteil seiner Mittel erhöhen, der für Kapitalinvestitionen
bereitgestellt wird.
Einen Schritt in diese Richtung unternahmen wir mit dem Einkommenssteuergesetz von 1978, das größere Steuererleichterungen für Investitionsmaßnahmen vorsieht.

Die Verabschiedung meiner anhängigen Energiegesetz-

gebung wird umfangreiche neue Anreize und finanziellen Beistand für
Investitionen

bei Produktion und Einaprung von Energie verfügbar machen.

Sobald die Wirtschaftsbedingungen für weitere Steuersenkungen angemessen
sind, werden wir meiner Meinung nach einen wesentlichen Teil jeder Steuerherabsetzung auf die Bereitstellung weiterer Anreize für allgemeine
Kapitalinvestitionen umleiten müssen.
Einer der bedeutsamsten Faktoren zur Sicherstenung eines starken
Produktivitätswachstums ist ein ständiger Fluß neuer Ideen aus dem
Industriebereich. Dieser Fluß hängt in erster Linie von einer soliden
Grundlage wissenschaftlicher Kenntnis ab. Die wichtigste Quelle solchen
Wissens ist die Grundlagenforschung, deren größter Teil aus Bundesmitteln
finanziert wird.
Zwischen
- 15 -

�Zwischen 1968 und 1975 fielen die Bundesausgaben für Grundlagenforschung - in gleichbleibenden Dollar gemessen - sogar. Aber seit 1975
und besonders während meiner Regierungsjahre stieg die Bundeshilfe für
die Grundlagenforschung kräftig.

Trotz der im allgemeinen angespannten

wirtschaftlichen Lage fordert der Haushaltsplan für 1981, den ich dem
Kongreß vorlege, eine weitere erhebliche Zunahme der realen Bundeshilfe
für die Grundlagenforschung.

Gerade in einer Zeit wirtschaftlicher

Schwierigkeiten können wir es uns nicht leisten, die Basis zukünftigen
Wohlstands zu schmälern....

Die Weltwirtschaft
Neben unserem Land erlitten auch andere Staaten im Jahr 1979
beträchtliche Rückschläge durch die dramatischen Preissteigerungen beim
öl. Die Wachstumsaussichten verschlechterten sich, die Inflation nahm
zu und die Zahlungsbilanzdefizite wuchsen. In solch schwierigen Zeiten ist
die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Staaten besonders wichtig.
Gemeinsame Schritte der öl Verbraucherstaaten sind notwendig, um den
Nachfragedruck auf das Angebot zu reduzieren und die Ordnung auf den
Weltölmarkten wiederherzustellen. Zusammenarbeit ist notwendig, um die
internationalen Finanzmärkte gegen potentiell mögliche Unterbrechungen
zu schützen, die aus der Notwendigkeit herrühren, stark erhöhte Zahlungen
für das Erdöl finanzieren zu müssen. Und Zusammenarbeit ist ebenfalls
notwendig, um eine zerstörerische Runde des Protektionismus zu verhindern.

Da der Dollar der wichtigste internationale Wertspeicher und die
sichtigste Valuta ist, ist die Stabilität der internationalen Finanzmärkte eng mit der Stärke des Dollar verbunden. Die im November 1978
von den Vereinigten Staaten und unseren Verbündeten ergriffenen Maßnahmen

�Maßnahmen zur Stärkung und Stabilisierung des Dollar funktionierten im
vergangenen Jahr gut. Die Tatsache, daß der Dollar sich trotz einer
beschleunigten Inlandsinflation gut hielt, ist teilweise auf eine deutliche
Verbesserung unserer gegenwärtigen Zahlungsbilanz im Verlauf des Jahres 1979
zurückzuführen. Unsere Exporte nahmen rasch zu und trugen dadurch dazu
bei, die steigenden Zahlungen für Erdöl auszugleichen. Im Herbst 1979
kam der Dollar jedoch unter rückläufigen Bewegungsdruck. Die Maßnahmen
der Bundesbank vom Oktober zur Änderung der Techniken der Geldpolitik
halfen dabei, die Inflationserwartungen zu dämpfen, die teilweise für den
Druck auf den Dollar verantwortlich gewesen waren. Wir müssen als Staat
die Bedeutung eines stabilen Dollar nicht nur für die Vereinigten Staaten
erkennen, sondern für die Weltwirtschaft als ganzes, und unsere Verantwortung
zur Verfolgung einer Politik übernehmen, die zu dieser Stabilität beiträgt.
Die multilateralen Handeslverhandlungen der Tokio-Runde wurden
erfolgreich abgeschlossen und erlangten im Lauf des Jahres 1979 in den
Vereinigten Staaten Gesetzeskraft. Diese Handelsvereinbarungen sind eine
bedeutsame Leistung für die Weltwirtschaft. Durch Senkung der Zollschranken
in den Vereinigten Staaten und im Ausland werden sie dabei helfen, unsere
Exporte zu erhöhen und uns Amerikanern Zugang zu ausländischen Gütern zu
verschaffen, die weniger kosten. Vielleicht noch wichtiger ist, daß diese
Abkommen restriktive und unfaire Handelspraktiken begrenzen und für
deutliche Heilmittel dort sorgen werden, wo es Mißbrauch gibt. Sie können
zwar nicht allein eine reibungslose Lösung aller Handelsfragen garantieren,
und tatsächlich wird die eigentliche Bewährungsprobe erst kommen, wenn wir
mit ihrer Ausführung beginnen. Dennoch stellen die im letzten Jahr
erreichten Abkommen eine klare Verpflichtung zur Bewahrung und Verbesserung
eines offenen Welthandelssystems dar.

Schlußfolgerung

- 17 -

�•

Schlußfolgerung
Die siebziger Jahre waren ein Jahrzehnt der wirtschaftlichen Unruhe.
Die Weltölpreise stiegen um mehr als das Zehnfache und trugen dazu bei,
zwei große Inflationswellen und die schlimmste Rezession seit vierzig
Jahren auszulösen.

Das internationale Wä'hrungssystem mußte einen schwierigen

Übergang von festen zu floatenden Wechselkursen durchmachen.

In der

Landwirtschaft wechselte eine chronische Überangebotslage in eine Situation
über, in der sich Zeiten des knappen Angebots mit Zeiten des Überangebots
abwechselten.
Es war ein inflationäres Jahrzehnt.

Es brachte in die Pläne der

Geschäftswelt und der Verbraucher für die Zukunft zunehmende Ungewißheit.
Wir unternehmen jetzt Anpassungen an die Realitäten der wirtschaftlichen
Welt, die uns die siebziger Jahre brachten.
eine schwierigere Welt als die vor ihr.

Sie ist in vieler Hinsicht

Dennoch sind die von ihr gestellten

Probleme nicht unüberwindlich.
Es warten keine Wirtschaftswunder auf ihre Verwirklichung. Aber
mit Geduld und Seibstdiziplin in Verbindung mit etwas Erfindungsreichtum
und Sorgfalt können wir uns erfolgreich mit dieser neuen Welt auseinandersetzen. Die achtziger Jahre können ein Jahrzehnt verminderter Inflation
und gesunden Wachstums werden.

+ + + + +

�</text>
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und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Februar 1980

11

INHALT

DOKUMENTATION
Rüstungskontrolle bleibt Ziel der Vereinigten Staaten
- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz HINTERGRUNDMATERIAL
US-Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten nimmt zum
Ost-West-Verhältnis Stellung
- USICA-Interview mit George West USA um gemeinsame Kernbrennstoff-Politik bemüht
- INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der KernwaffenProliferation Rasche Erschließung von Alaska-Dlfeldern geplant
- Präsident Carter ersucht Kongreß um Genehmigung -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Kohleveredelung und Gesundheitsschutz
- Biomedizinische Untersuchungen zu Prozeßprodukten Steuerungszentren für die Genfunktion
- Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und höheren Organismen

Um Übcf/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�9

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11

13. Februar 1980

RÜSTUNGSKONTROLLE BLEIBT ZIEL DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede von Botschafter Fisher vor der Genfer Abrüstungskonferenz

GENF - (AD) - Der amerikanische Delegierte bei der Konferenz
des Abrüstungsausschusses der Vereinten Nationen, Botschafter Adrian
S. Fisher, betonte am 7. Februar 1980 in Genf, daß die Aushandlung
durchsetzbarer Rüstungskontroi labkommen auch weiterhin das Ziel der
amerikanischen Politik sei - trotz der sowjetischen Intervention in
Afghanistan. Nach kurzen Begrüßungsworten machte der Botschafter folgende
Ausführungen:
...Herr Vorsitzender, die sowjetische Aggression in Afghanistan hat
einen Schatten über den Prozeß der Rüstungskontrolle und über die Arbeit
geworfen, die wir heute hier beginnen.

Diese Aggression, die von der

überwältigenden Mehrheit der Staaten in den Vereinten Nationen verurteilt
wurde, hat offensichtlich eine schwierige Lage hervorgebracht, die die
Arbeit dieses Ausschusses unmittelbar beeinflußt.

Sie zeigt, daß Rüstungs-

kontrolle begleitet sein muß von Zurückhaltung in den internationalen
Beziehungen und von strikter Beachtung der Prinzipien und Verpflichtungen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Verpflichtungen der Charta der Vereinten Nationen durch alle Staaten.
Ohne eine solche Zurückhaltung werden unsere Anstrengungen hier von
geringem Nutzen sein.

Die Ereignisse in Afghanistan unterstreichen die

Notwendigkeit realistischer Verhandlungen, und sie machen die Gefahren
wohlmeinender Erklärungen deutlich, die sich nur auf Hoffnung oder unangebrachtes Vertrauen gründen.
Trotzdem bleibt die Aushandlung durchsetzbarer Rüstungskontroi 1vereinbarungen, die wirksame und angemessene Verifizierungsmaßnahmen enthalten, auch weiterhin ein gültiges Ziel dieses Ausschusses.
Hinsicht liegen wichtige und dringende Aufgaben vor uns.

In dieser

In den kommenden

Monaten müssen wir unsere Aufmerksamkeit auch weiterhin auf diese Aufgaben
richten.

Wir müssen rasch und wirkungsvoll voranschreiten, wollen wir

einen echten Fortschritt bei der Arbeit erzielen, die schon begonnen hat
oder mit dieser Sitzung anfängt:
-

Vor uns liegt die Aufgabe, den Text der ersten internationalen
Konvention auszuhandeln, über die im Rahmen dieses Gremiums
seit der Vollendung des Vertrags über Umweltveränderung

("En-

vironmental Modifikation Treaty") verhandelt wird - eine Konvention
zum Verbot von Strahlenwaffen.
-

Von besonderer Bedeutung ist für viele Mitglieder die Frage
einer Konvention über chemische Waffen. Wir müssen über die besten
und praktischsten Mittel zur Verbesserung des allgemeinen Verständnisses in der Frage kommender Probleme entscheiden und den
Grundstein legen für ein mögliches Abkommen über einen
wirkungsvollen und verifizierbaren Vertrag im Bereich der
chemischen Waffen.

Die

�-

Die Vollversammlung hat uns darum ersucht, unsere Arbeit auf
der Grundlage fortzuführen, daß Staaten, die über keine Atomwaffen
verfügen, Garantien gegen einen Kernwaffenangriff erhalten - ein
Thema, bei dem es noch immer eine Fülle unterschiedlicher Ansichten
gibt.

-

Die Vollversammlung hat uns auch den Bericht der letztjährigen
Konferenz der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen über ein
umfassendes Programm zur Abrüstung zum Zweck der Prüfung vorgelegt.

Natürlich wird es für uns auch andere Themen zu diskutieren geben,
und vielleicht werden sie ausdrücklich auf unsere Tagesordnung gesetzt.
Es wird Meinungsverschiedenheiten darüber geben, wie diese Themen angegangen
werden sollen, aber meine Delegation hegt die Hoffnung, daß das Beispiel
freier Meinungsäußerung, gemildert durch die Bereitschaft, Wege zu einem
Konsens zu suchen, sich von der ersten Sitzungsperiode des Ausschusses im
vorigen Jahr auf die Sitzungsperiode des Jahres 1980 übertragen wird.
Es herrscht kein Mangel an konstruktiver Arbeit, die es zu tun gibt.
Nützen wir unsere Zeit mit Klugheit - zwar nicht uneingedenk der stürmischen
Zeit, in der wir leben, aber doch entschlossen, Fortschritte auf die Ziele
hin zu machen, die den Anlaß für die Errichtung des Abrüstungsausschusses
und seiner Vorgänger bildeten.
Im vorigen Jahr unterstrich ich in meinen Anmerkungen zu Beginn vor
dem Ausschuß die Bedeutung der Ausdauer als entscheidender Qualität zur
Erreichung dieser Ziele.
brachter.

Heute ist diese Ermahnung vielleicht noch ange-

Wir dürfen es uns nicht erlauben, uns der Verzweiflung und der

Ernüchterung hinzugeben, wenn beim Fortschritt Schwierigkeiten auftreten.
Wenn es die Ziele der internationalen Stabilität und der Verminderung
des Kriegsrisikos wert sind, verfolgt zu werden - und die Vereinigten

- 3 -

�Vereinigten Staaten sind dieser Ansicht -, dann sollten Geduld und Ausdauer,
die nötig sind, um sie zu erreichen, in diesem Gremium nicht fehlen.
Das Inkrafttreten des SALT II-Vertrags ist für meine Regierung eine
Angelegenheit des größten Interesses und der ernsthaftesten Bedenken, wie
es dies sicher auch für andere Mitglieder dieses Ausschusses ist.

In

diesem Zusammenhang möchte ich diesem Ausschuß das Schreiben vorlesen,
das Präsident Carter am 3. Januar 1980 an den Fraktionsführer der demokratischen
Mehrheit im Senat der Vereinigten Staaten gerichtet hat und in dem ersucht
wird, die Schlußbetrachtung des Senats über den SALT II-Vertrag zu verschieben.
•

"Sehr geehrter Senator Byrd,
angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuche ich Sie
darum, die Schlußberatung des SALT II-Vertrags im Senat aufzuschieben.
Der Zweck dieses Ersuchens besteht nicht darin, den Vertrag einer
Prüfung zu entziehen, sondern die Schlußberatung darüber zu verlegen,
so daß der Kongreß und ich als Präsident die sowjetischen Handlungen und
Vorhaben zu beurteilen vermögen und wir außerdem unser Hauptaugenmerk
auf legislative sowie anderweitige Maßnahmen legen können, die als Antwort
auf diese Krise erforderlich sind.
Wie Sie wissen, teile ich auch weiterhin Ihre Ansicht, daß der
SALT II-Vertrag im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten
und der ganzen Welt liegt und daß er vom Senat behandelt werden solle,
sobald diese dringenderen Themen geprüft worden sind.
gezeichnet:

Jimmy Carter."

�Die Führung des Senats entsprach der Forderung Präsident Carters.
Ich möchte betonen, daß der Vertrag nicht vom Senat fallengelassen wird;
der Fortgang des Verfahrens wurde lediglich bis auf weiteres hinausgeschoben.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation vom 23. Januar hat
Präsident Carter erneut seine feste Verpflichtung zum Gesamtprozeß der
Kontrolle von Kernwaffen und besonders zur Ratifizierung des SALT IIVertrags bekräftigt, sobald es die Umstände erlauben. Ich möchte den
entscheidenden Abschnitt zitieren:
"Die Vermeidung eines Atomkrieges ist die oberste
Verantwortung der beiden Supermächte. Aus diesem
Grund handelten wir die Verträge über die Begrenzungen der strategischen Rüstungen aus - SALT I
und SALT II. Gerade jetzt in einer Zeit großer
Spannungen wird die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten
Beschränkungen im besten Interesse beider Länder
sein - und dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren.
Ich werde eng mit dem Kongreß zusammenarbeiten bei
unserem Bemühen um die Kontrolle von Kernwaffen.
Diese Anstrengung wird nicht aufgegeben."
Ich möchte anmerken, daß auch die Sowjetunion in den letzten Tagen
öffentlich erneut versichert hat, sie wünsche die Ratifizierung von
SALT II. Mit schwebendem Inkrafttreten des Vertrags und unter der Annahme
einer ähnlichen sowjetischen Haltung, wird meine Regierung alles tun,
was sie vermag, um das SALT-Verfahren aufrechtzuerhalten.
An dieser Stelle möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Haltung
lenken, die die Vereinigten Staaten hinsichtlich Rüstungskontrol 1 ver-

- 5 -

�RüstungskontrollVerhandlungen im Anschluß an die sowjetische Invasion
Afghanistans und die darauffolgende Beeinträchtigung unserer Beziehungen
zur Sowjetunion eingenommen hat.
In seiner Botschaft über die Lage der Nation sagte Präsident Carter:
.

"Wir bleiben auch weiterhin dem Prozeß gegenseitiger und verifizierbarer Rüstungskontrolle
zutiefst verpflichtet, insbesondere der Anstrengung,
die Verbreitung und weitere Entwicklung der Kernwaffen zu verhindern."
Wir verfolgen auch weiterhin die tri lateralen Verhandlungen mit
Großbritannien und der Sowjetunion über ein umfassendes Verbot von Kernversuchen.

Tatsächlich fing ja hier in Genf am 4. Februar eine neue

Verhandlungsrunde an. Wir hegen die Erwartung, daß diese Gespräche sachlich
verlaufen;

unsere Unterhändler werden wie bisher die schwierigen technischen

und politischen Probleme angehen, die mit der Verifizierbarkeit eines
umfassenden Teststoppabkommens verbunden sind.
Das Problem der Verifizierbarkeit eines umfassenden Teststoppabkommens ist natürlich für diesen Ausschuß von besonderem Interesse, und
wir hoffen auf weitere Fortschritte bei der Arbeit der Experten für
Seismik, die sich von kommendem Montag an erneut unter dem Dach des Abrüstungsausschusses treffen werden.
Bilaterale Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über eine Konvention über chemische Waffen werden nächste Woche
wieder aufgenommen, und die Vereinigten Staaten werden alle Anstrengungen
darauf verwenden, Fortschritte in Richtung auf die versprochene gemeinsame
Initiative über ein wirkungsvolles Verbot chemischer Waffen zu erzielen.
Die
- 6 -

�Die gemeldete Verwendung chemischer Waffen in Südostasien und noch
kürzlich in Afghanistan unterstreicht die Bedeutung und Dringlichkeit
eines Verbots der Entwicklung, Produktion und Lagerung solcher Waffen.
Bei all diesen Verhandlungen sehen die Vereinigten Staaten den
Abschluß befriedigender Abkommen als Beiträge zur Stärkung der internationalen Sicherheit und des Weltfriedens. Wir werden diese Ziele auch
weiterhin verfolgen.
Natürlich gibt es noch andere Problemkreise, bei denen unsere Beteiligung Teil einer viel umfassenderen internationalen Anstrengung ist.
Die Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation) von Kernwaffen ist heute mehr
denn je ein lebenswichtiges internationales Anliegen. Wir warten auf
den Abschlußbericht der Konferenz über die Internationale Bewertung von
Kernbrennstoff-Zyklen (INFCE), der Ende dieses Monats vorgelegt wird.
Seine Empfehlungen werden gewichtigen Einfluß haben auf die zukünftige
Verwendung der Atomenergie in einer Welt, in der die begrenzten Vorräte
an fossilen Brennstoffen und der verständliche Wunsch vieler Länder
nach Erringung größerer Unabhängigkeit im Energiebereich dazu führen,
daß sich immer mehr Staaten für die Kernkraft interessieren.

Viele der hier

in diesem Saal vertretenen Staaten haben an den INFCE-Anstrengungen
teilgenommen, einschließlich jener, die den Nichtweiterverbreitungsvertrag
nicht unterzeichnet haben.
Wir alle müssen an die Folgen der Verwendung von Kernkraft denken und
erkennen, welch ein Interesse wir daran haben, sicherzustellen, daß ein
solches Wachstum nicht von der Weiterverbreitung von Kernwaffen begleitet
wird, da dies ohne Frage die Gefährdung des Weltfriedens in großen Ausmaß
erhöhen würde.
An

- 7 -

�An die zweite Konferenz zur Überprüfung des Nichtweiterverbreitungsvertrages, die planmäßig am 11. August beginnen soll, erinnern wir uns alle,
und sie ist bei der Durchführung unserer Arbeit für manche von uns von
höchstem Belang.

Der Meinung der Vereinigten Staaten nach müssen alle

Staaten - ob Unterzeichner des Vertrages oder nicht - ein entscheidendes
Interesse an dem erfolgreichen Abschluß dieser Konferenz haben.
Ich habe bereits bezug genommen auf eine der wesentlichen Aufgaben
dieses Ausschusses, der Aushandlung einer internationalen Konvention zum
Verbot der Entwicklung, der Produktion und der Lagerung von Strahlenwaffen.
Diese Konvention wird ein sehr reales Problem behandeln und ist der größten
Anstrengungen dieses Ausschusses wert.
Obwohl solche Waffen vielleicht heute noch nicht existieren, wurde
in dem Zeitraum unmittelbar nach dem ersten erfolgreichen Bau von Atombomben die Möglichkeit dafür mit Nachdruck untersucht.
Strahlenwaffen sind möglich. Die Charakteristiken verwendbarer
radiologischer Stoffe sind bekannt und es wäre keine unüberwindliche
Aufgabe, daraus Waffen herzustellen.
Zudem sind weltweit die Vorräte von radioaktivem Material und seine
Verfügbarkeit seit jenen frühen Möglichkeitsberechnungen enorm angewachsen. Jetzt sind wir in der Lage, die Entwicklung einer Waffenkategorie
zur Massenvernichtung zu verhindern, die äußerst schwer zu beherrschen und in
weltweitem Maßstab erhältlich wäre - was schreckliche Gefahren mit sich
bringen könnte.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß alle die hier vertretenen Länder
den wesentlichen Elementen einer Konvention gegen Strahlenwaffen, die
Juli vorigen Jahres gemeinsam von den Vereinigten Staaten und der UdSSR
vorgelegt wurde, ernsthafte und sorgfältige Aufmerksamkeit geschenkt haben

- 8 -

�haben.

Der erfolgreiche Abschluß eines solchen Vertrags wäre ein be-

scheidener, aber nützlicher Beitrag zu einer sichereren Welt.
Herr Vorsitzender, die Tagesordnung der Rüstungskontroilanstrengungen
des Jahres 1980 ist lang und die Herausforderungen, vor denen wir stehen,
sind schrecklich.

Die Delegation der Vereinigten Staaten wird alle

Anstrengungen unternehmen, um diesem Ausschuß bei der Erfüllung der Aufgabe
zu helfen, die die Welt von ihm erwartet.

+ + + + +

- 9 -

�11

13. Februar 1980

US-UNTERSTAATSSEKRETÄR FÜR EUROPÄISCHE ANGELEGENHEITEN
NIMMT ZUM OST-WEST-VERHÄLTNIS STELLUNG
- USICA-Interview mit George Vest -

WASHINGTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, George S. Vest, ging am 31. Januar
1980 in einem Interview mit Candis Cunningham, der Korrespondentin des US-Amtes
für Internationale Kommunikation (USICA), auf das NATO-Bündnis und die OstWest-Beziehungen nach der sowjetischen Intervention in Afghanistan ein.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Mr. Vest, wie definieren Sie die Ost-West-Entspannung als Möglichkeit einer aktiven Politik im Licht des kürzlichen sowjetischen Einfalls
in Afghanistan?
ANTWORT: Entspannung ist in der Tat ein komplexes Zusammenspiel von Zusammenarbeit und Wettstreit. Unter Zusammenarbeit verstehen wir die Bereiche,
die zum gegenseitigen Nutzen sind und keinem Schaden zufügen. Wir sehen natürlich ein, daß unvermeidlicherweise mit dieser Zusammenarbeit auch der Wett-

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Wettstreit verbunden ist. Aber wir halten auch fest, daß der Wettbewerb
innerhalb bestimmter Grenzen stattfindet und daß wir uns über einen bestimmten Punkt hinaus nicht gegenseitig auf die Zehen treten.
In der Vergangenheit hatten wir meistens eine klare Vorstellung davon,
daß dieser Bereich der Zusammenarbeit begrenzt und nur bis zu einem bestimmten Punkt nützlich war.

Er würde sicherlich kein Wundermittel für das ganze

Spektrum von

Schwierigkeiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjet-

union sein.

Aber gleichzeitig erwarteten wir etwas innerhalb dieses Bereiches

der Zusammenarbeit - und was die Sowjets in Afghanistan getan haben, geht über
diese Grenzen hinaus.

Daraus ergibt sich, daß dies seine Auswirkung auf den

Entspannungsprozeß hat, der - obgleich wertvoll - sicherlich davon betroffen
ist.
FRAGE: Die Vereinigten Staaten legen großen Wert auf enge Arbeitsbeziehungen zu den NATO-Verbündeten. Könnten Sie bitte vor allem erklären, wie
wir unsere Verbündeten im Anschluß an die Afghanistaninvasion konsultiert haben?
ANTWORT: Es handelt sich um eine so umfassende Konsultation, daß es
schwer für mich ist, auch nur mit einer Aufzählung anzufangen. Natürlich
hatten wir seit vorigem Dezember eine gespanntere Krisenlage,als dies seit
langem der Fall war. Als Folge davon ergaben sich wiederholte Besuche in
Europa - zwei davon durch den Stellvertretenden Außenminister Christopher.
Auch ich und andere waren dort. Es handelte sich um Besuche in mehreren
der bedeutendsten Hauptstädte und wiederholte Besuche beim NATO-Rat selbst.
Mit anderen Worten, eine Krise diesen Ausmaßes erforderte ein Höchstmaß an
Konsultation auf allen Ebenen und in allen Gremien.
FRAGE: Warum sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß die Solidarität der Verbündeten angesichts der sowjetischen Bedrohung wichtig ist
- besonders was die Interessen des Bündnisses im Mittleren Osten angeht?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen die Tatsache anerkennen, daß die Inva-

sion Afghanistans eine weltweite Auswirkung hatte.

Sie verletzt jede Form

des internationalen Anstands, der für uns Teil unseres Lebens ist.

Daher ist

dies zwar insbesondere innerhalb des NATO-Bündnisses von Bedeutung, aber auch
für andere westliche Länder.

Man muß bedenken, daß die neutralen Länder sich

durch einen solchen Schritt sehr gefährdet fühlen.

Das gleiche gilt sicher

für die Staaten der Moslemwelt und die blockfreien Staaten, denn Afghanistan
war ein blockfreies Land.

Aus diesem Grund fühlen wir alle die Wirkung eines

solchen Schrittes.

FRAGE:

Ist die Unterstützung für die amerikanischen Ziele innerhalb des

Bündnisses soweit ausreichend gewesen oder brauchen wir in manchen Bereichen
eine noch größere Einigungsanstrengung?

ANTWORT:

Es gibt im allgemeinen, was unsere Zielsetzungen anbelangt,

kein Problem zwischen uns und unseren Hauptverbündeten.

Ich glaube, wir stim-

men alle völlig über die Unannehmbarkeit dessen überein, was die Sowjets getan haben, und über die Notwendigkeit, den Sowjets ein deutliches Signal darüber zu geben, daß eine Strafe für einen solchen Schritt erfolgen wird und sie
ihn nicht unternehmen können, ohne echte Schwierigkeiten zu schaffen.

Auch

müssen wir sie in Zukunft möglichst vor einem solch rücksichtslosen Verhalten
abschrecken.

Wir müssen in diesem Zusammenhang sehen, daß hier eine Situation herrscht,
die sich rasch ändert.

Verschiedene Länder können verschiedene Dinge tun.

Nicht alle würden dasselbe tun.
ist

Innerhalb dieser Bandbreite der Möglichkeiten

meiner Meinung nach, ein guter Anfang gemacht worden.

Ich glaube, die

Summe unserer Schritte hat bereits eine deutliche Wirkung gehabt - erkennbar
für die ganze Welt und sicherlich als ziemlich unangenehm empfunden, was die
Sowjets angeht.

Es gilt noch mehr Einklang zu erzielen, um sicherzustellen,

daß die Schritte, die wir im Westen unternehmen, sich gegenseitig ergänzen und
wirkungsvoll sind.

FRAGE:
- 3-

�FRAGE:

Was ist die logische Begründung für das amerikanische Fernbleiben

von den Olympischen Spielen in Moskau, und wie hoch schätzen wir die Unterstützung der westeuropäischen Regierungen für unsere Haltung ein?
ANTWORT:
erklärt wird.

Unsere logische Begründung ist etwas, das durch die Sowjets selbst
In einem für die Olympischen Spiele vorbereiteten Dokument

stel-

len die Sowjets die Spiele als eine bedeutsame Veranschaulichung der Kraft des
politischen Systems der Sowjetunion dar; und wenn dies wahr ist - wie sie es
sagen -, dann stellen die Olympischen Spiele einen bedeutenden politischen Faktor in den Augen der Sowjets dar.

Da dies der Fall ist, sind wir der Ansicht,

daß wir im Lichte ihrer Taten ihr politisches System nicht bekräftigen sollten,
das gerade den Einmarsch in ein anderes Land abgeschlossen hat.
FRAGE:

Beziehen Sie sich auf das 'Kleine Buch für Parteiaktivisten" der

Sowjets?
ANTWORT: Das ist richtig; das "Kleine Buch" beschreibt die Olympischen
Spiele unter politischen Gesichtspunkten. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, es kann nicht ignoriert werden, daß die Sowjets die Olympischen Spiele
als ein politisches Ereignis betrachten. Und weil sie es so sehen, halten wir
es nicht für richtig, wenn unsere Sportler hingehen. Wir haben dies öffentlich klargemacht und haben unseren Freunden in Europa, Bündnismitgliedem und
auch anderen, gesagt, daß wir hoffen, sie würden das gleiche tun. Wir sehen
auch, daß es in jedem Land besondere Probleme gibt hinsichtlich der Beziehung
zwischen Regierung und Nationalen Olympischen Komitee. Aber wir hoffen, daß
die Triftigkeit dieses Argumentes ankommen wird.
FRAGE:

Wie steht es um die Zielsetzung einer Nichtteilnahme an den

Olympischen Spielen in Moskau als Vergeltungsmaßnahme, um das interne Prestige
der Sowjets zu verletzen sowie ihr Prestige in der Welt?
ANTWORT:

Ich glaube, das ist eine unvermeidliche Folge.

Wenn man der Mei-

nung ist, sie seien ein Staat, der auf illegale, illegitime Weise gehandelt
hat, so ist dies eine Möglichkeit, es zu zeigen.
FRAGE:
- 4 -

�FRAGE:

Die Verbündeten sagen, sie würden die amerikanischen Handels-

sanktionen gegen die UdSSR nicht unterlaufen, aber einige Länder - Frankreich,
die Bundesrepublik Deutschland und Italien - sagen, sie würden mit schon eingeführten Handelspraktiken fortfahren.

Glauben Sie, daß diese Länder - von

den offensichtlichen Wirtschaftsinteressen abgesehen - deshalb zögern, ihre bedingungslose Unterstützung zu gewähren, weil sie befürchten, die Vorteile zu
verlieren, die sie durch die Entspannung erzielt haben?

ANTWORT:

Ich glaube nicht, daß Befürchtungen hierbei überhaupt eine Rolle

spielen, noch bin ich der Meinung, daß die Länder weiterhin ihre Geschäfte wie
üblich betreiben wollen, um es einmal so zu nennen.

Aber es handelt sich um

ein kompliziertes Problem - wie jedes Land seine Aktivitäten, die im Verlauf
des vergangenen Jahrzehnts entwickelt wurden, modifiziert.

Wir führen eine Rei-

he von Gesprächen mit Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft, bei denen wir
die Liste der Güter durchgehen, die nach der Sowjetunion exportiert werden - Produkte einer hochentwickelten Technologie und militärische Technologie und ähnliches.

Auf diese Weise prüfen wir Mittel und Wege zu einer Begrenzung und

Einschränkung des Handels mit der Sowjetunion.

Es wäre voreilig, darüber ein

Urteil zu fällen, was das eine oder andere Land tun könnte oder nicht tun
sollte, aber ich bin zuversichtlich, daß das Gesamtergebnis ein wirksames Signal für die Sowjets sein wird.

FRAGE:

Glauben Sie, daß die Verbündeten hinsichtlich der Entspannung

noch die gleiche Auffassung vertreten wie die Vereinigten Staaten?

Und wenn

ja, warum sind sie dann offensichtlich nicht gewillt, die gleichen Risiken zu
übernehmen wie wir?

ANTWORT:

Alsojch kann der Frage nicht so ganz zustimmen.

uns mit ihrem ersten Teil beginnen.
die gleiche Auffassung wie wir.
das.

Aber lassen Sie

Haben sie, was die Entspannung anbetrifft,

Im großen und ganzen, so glaube ich, haben sie

Ich möchte betonen, daß die Maßnahmen, die der Präsident getroffen hat,

sehr bedacht dem, was man so vage als Entspannung bezeichnet, eine erhebliche
Rolle belassen haben.

Wir haben SALT nicht zurückgezogen, wir haben es ledig-

- 5 -

�lediglich aufgeschoben.

Wir haben erklärt, daß wir eine Reihe von wichtigen

Aktivitäten zur Rüstungskontrolle, die im Gesamtfeld der Entspannung weitergehen, fortzusetzen wünschen - wie beispielsweise MBFR, die Verhandlungen über
ein umfassendes Kernwaffen-Versuchsverbot und Dinge ähnlicher Art.

Vor allem

aber haben wir erklärt, daß wir auch weiterhin die Möglichkeit für eine Nachfolgekonferenz zu den Übereinkommen von Helsinki von 1975 für den Herbst dieses
Jahres in Madrid offenhalten wollen.
Damit haben wir auf jedem dieser Gebiete einen Hinweis gegeben - aber auch
durch unseren Versuch, die Wege zu anderen osteuropäischen Staaten offen zu
halten - daß wir der Ansicht sind, daß Entspannung einen Wert für uns darstellt.
Das tun auch die westlichen Länder.

Wenn ihre Erklärungen den Anschein erwek-

ken, daß sie eine unterschiedliche oder vielleicht auch eine ehrgeizigere Auffassung von Entspannung haben als wir, dann glaube ich, daß das eine Konsequenz
ihrer geographischen Lage ist. Sie sind unmittelbare Nachbarn des Ostens.
Es sind Länder, die Verantwortungen in verschiedenster Weise in bezug auf Berlin
haben, mit Menschen auf beiden Seiten der Grenzlinie, mit eng verknüpfter Regelung des Besucherverkehrs und des Austausches.

Dies sind Dinge, aufgrund

deren es für sie notwendig ist, präziser über das nachzudenken, was wir ändern
wollen.

Aber ich glaube, wir teilen die gleiche Grundauffassung über die Ent-

spannung.
FRAGE: Angesichts des sowjetischen Einfalls in Afghanistan hat Senator
Javits angeregt, daß die NATO ihre Einflußsphäre in den Mittleren Osten ausweiten sollte, einschließlich neuer NATO-Stützpunkte, um unsere Energie- und
anderen Interessen zu schützen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?
ANTWORT:

Wie Sie wissen, hat es seit Jahren umfangreiche Debatten darüber

gegeben, was denn nun das eigentliche Hauptanliegen der NATO sei
extensiv es zu fassen sei.

oder wie

Ich glaube die meisten Länder erkennen an, daß es

wichtige Anliegen für einen oder für mehrere von uns, vielleicht für die
meisten von uns, gibt, die sich jetzt außerhalb des Vertragsgebietes abspielen.
Trotzdem ist es unwahrscheinlich, daß die Länder, die diesen Vertrag durch ihre
Parlamente gebracht haben, nunmehr sich bereitfinden werden, die vertragsbe- 6

�vertragsbezogenen Aktivitäten auf Gebiete außerhalb der Vertragsgrenzen zu tragen.
Das heißt jedoch nicht, daß ich die Möglichkeit ausschließe, daß einige
der verbündeten Staaten, individuell, deren Engagement der einen oder anderen
Art in Gebieten außerhalb des Vertragsgebietes größer ist, nicht nach Mitteln
und Wegen suchen, um zu handeln, um die Situation zu festigen und ihre Interessen zu schützen.

Was ich dagegen für unwahrscheinlich halte, ist, daß wir

zu einem allgemeinen Konsens gelangen können, die Gesamtperspektive von etwas
zu verändern, das fünfzehn Parlamente hat passieren müssen.
FRAGE: Glauben Sie, die Sowjets werden versuchen, eine größere Kontrolle
über die osteuropäischen Länder in ihren Beziehungen zum Westen auszuüben, wenn
man bedenkt, wie stark die weltweite Reaktion auf die Invasion Afghanistans
gewesen ist?
ANTWORT:

Ja, ich glaube, das ist fast unvermeidlich.

Vielleicht ist ein

Zeichen dafür bereits in der Tatsache zu sehen, daß es eine Reihe höherer Politiker gibt, die in die osteuropäischen Länder reisen oder von dort kommen
sollten und deren Besuche ohne jede Erklärung oder nur mit sehr höflichen Erklärungen abgesagt wurden.

Das ist zwar ein Symbol, ein Signal, aber ich glaube,

es ist unvermeidlich, daß die Sowjets versuchen werden, die Zügel dort anzuziehen, wo sich in vielen Bereichen ein sehr warmes und herzliches Verhältnis
zwischen Ost und West herausgebildet hat; und solche Überlegungen werden für
die Sowjets sicher nicht sehr attraktiv sein.
FRAGE: Mr. Vest, wie sollten die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten
Ihrer Meinung nach ihre Beziehungen mit den osteuropäischen Ländern angesichts
der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gestalten?
ANTWORT:

Ich bin der Ansicht, wir sollten die wechselseitig' fruchtbaren

Beziehungen zwischen uns und den osteuropäischen Ländern in einem Höchstmaß
aufrechterhalten, das uns möglich ist.
- 7 -

Diese verbesserten Beziehungen, diese

�diese evolutionäre Serie von Aktivitäten zwischen uns und ihnen ist, so meine
ich, zu unserem Vorteil.

Wir wünschen den osteuropäischen Ländern mehr Zu-

gang, mehr wechselseitige Beziehungen, mehr Bewegungsfreiheit, weniger Verletzungen der Menschenrechte, mehr Reisen - alles Dinge, die sich teilweise
als Ergebnis unserer - von Land zu Land unterschiedlichen - Politiken entwikkelt haben.

In dem Maße, in dem dies Europa zusammenführt und die osteuropäischen

Länder auf Westeuropa hinorientiert und auf den Westen insgesamt, bin ich voll
dafür.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, daß wir unsere Beziehungen zu den ost-

europäischen Ländern nicht durch den augenblicklichen Stand unserer Beziehungen
mit der Sowjetunion beeinflussen lassen sollen?
ANTWORT:

Das sage ich nicht, denn es ist unvermeidlich insofern, als die

osteuropäischen Länder an einem Strick ziehen, eine Politik übernehmen und uns
gegenüber feindselige Erklärungen abgeben, um dem Drängen der Sowjets nachzugeben.

Dies wird unvermeidlicherweise Auswirkungen auf unser weiteres Verhält-

nis zu ihnen haben.

Aber in dem Maß, in dem wir eine wechselseitig nützliche

Beziehung haben, bin ich fürs Weitermachen.
FRAGE: Welche Auswirkungen werden Ihrer Meinung nach die Afghanistaninvasion und die sowjetischen Schritte gegen Andreij Sacharow auf den Fortgang
der KSZE-Bemühungen haben - zu einem Zeitpunkt, da sich die 35 Signatarstaaten
des Abkommens auf die Folgekonferenz in Madrid in diesem Jahr vorbereiten? Werden die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit den Osteuropäern auch
weiterhin bilaterale Gespräche zur Vorbereitung des Treffens führen, wie dies
in der Vergangenheit der Fall war?
ANTWORT:

Im großen und ganzen erwarte ich, daß wir und unsere Verbünde-

ten, die neutralen, die bündnisfreien und die osteuropäischen Länder den Prozeß bilateraler Konsultationen fortsetzen - jetzt wohl mit beträchtlich mehr
Vorsicht.

Wir wissen noch nicht, was sich zwischen heute und, sagen wir, Sep-

tember ereignen wird.

In einem Zeitraum von Februar bis September kann viel

�viel geschehen - denken Sie doch daran, was allein in den letzten drei Wochen
passiert ist.

Ohne also im voraus darüber zu urteilen, was in diesem Zeit-

raum geschehen könnte, würde ich annehmen, daß wir alle auch weiterhin - wenngleich mit mehr Vorsicht - herausfinden wollen, was in Madrid erreicht werden
kann.

FRAGE:

Wie steht es mit den sowjetischen Schritten gegen Andreij Sacharow

im Licht der Übereinkommen von Helsinki?

ANTWORT:

Ich glaube, man könnte sagen, daß dies nur ein weiterer Grund für

uns ist, uns in Madrid zu treffen.

Denn schließlich ist es ja ein wesentlicher

Gesichtspunkt dieses Treffens, daß wir in der Lage sein sollten, die Situation
im Licht des Übereinkommens von Helsinki zu überprüfen.

Unter den zu überprü-

fenden Tatbeständen wäre aber auch das Verhalten des einen oder anderen unserer
Länder, das den Eindruck erweckt, die Prinzipien der Schlußakte von Helsinki
zu verletzen.

Der Fall Sacharow ist genau die Art von Vorkommnissen, die man

nicht vergessen wird.

FRAGE:

Sie glauben also, daß über Menschenrechtsverletzungen gesprochen

werden wird?

ANTWORT:

Ich bin immer davon ausgegangen, daß wir, wenn wir nach Madrid

gehen, alle Körbe - wie wir das nennen - behandeln werden, die in der Schlußakte enthalten sind und wo die Menschenrechtsverletzungen ein Teil des Ganzen
sind.

Aber ich kann Ihnen versichern, daß es eine ganze Reihe von Ländern gibt,

einschließlich der Vereinigten Staaten, die gesagt haben, daß die sowjetische
Behandlung von Dr. Sacharow nur unterstreicht, wie wichtig es ist, nach Madrid
zu gehen.

All dies ist Teil des Langzeitprozesses der KSZE, die einen gesetz-

mäßigen Rahmen abgibt, um sicherzustellen, daß Menschenrechtsverletzungen nicht
übersehen werden.

FRAGE:

Gibt es irgendeine Möglichkeit, daß Güter und Technologie, die

aus dem Westen in die osteuropäischen Länder kommen, schließlich in der Sowjet-

- 9-

�Sowjetunion landen?

Was werden die Vereinigten Staaten unternehmen, um dies

zu verhindern?
ANTWORT:

Man sollte nie sagen, etwas sei unmöglich; aber ich glaube,

die unvermeidliche Konsequenz der Lage, in der wir uns befinden, ist, daß es
eine viel schärfere Überwachung oder Kontrolle darüber geben wird, welche Güter und Exporte von uns in die osteuropäischen Länder gehen.
Wenn man über Nahrungsmittel und Industriegüter spricht, so glaube ich,
daß diese Länder die Grundlage, auf der sie gerade diese Produkte erhalten,
aufs Höchste schätzen, und sie werden sicherlich alles daransetzen, daß diese
Aktivität, dieser Austausch nicht beeinträchtigt wird.

Meiner Meinung nach

werden sie daher ein Weiterleiten in die Sowjetunion auch selbst nicht wollen.
Aber wir werden versuchen, sicherzustellen, daß die osteuropäischen Länder
nicht unter Druck etwas tun müssen, was sie nicht tun wollen.
FRAGE:
nach Tito?

Welche Probleme sehen Sie für Jugoslawiens weitere Unabhängigkeit

ANTWORT: Ich gehe von der Annahme aus, daß Jugoslawien seine Unabhängigkeit auch nach Tito behalten wird. Während der Woche, in der er operiert
wurde, war es höchst interessant zu sehen, daß man nicht den Eindruck gewann,
Jugoslawien gerate in Panik. Das Land war gut organisiert, voll Selbstvertrauen, achtete klug auf seine Eigeninteressen - und ich glaube, dies ist charakteristisch für das Jugoslawien, das sich in letzter Zeit unter Titos Herrschaft herausgebildet hat. (Mit seinem System der rotierenden kollektiven Führung).
Die Jugoslawen sind äußerst zähe, unabhängige Menschen, voller Selbstvertrauen.

Daher ist es nur zu verständlich, daß wir alle großen Respekt vor ih-

nen haben,und ich bin voller Zuversicht, daß sie ihre eigene Unabhängigkeit,
territoriale Integrität und Einheit erhalten werden.
+ + + + +
- 10 -

�11

13-. Februar 1980

USA UM GEMEINSAME KERNBRENNSTOFF-POLITIK BEMÜHT
INFCE-Organisation festigte Basis für Eindämmung der
Kernwaffen-Proliferation

- (AD) - Die Vereinigten Staaten bemühen sich um internationalen Konsens
hinsichtlich der Mittel und Wege, die praktikabel erscheinen, um zur Deckung
des weltweiten Energiebedarfs die Anwendung von Kernenergie auszuweiten, ohne
gleichzeitig das Risiko der Kernwaffen-Proliferation zu erhöhen. Das wichtigste
Forum zur Erörterung war in den letzten zwei Jahren die auf Anregung Präsident
Carters ins Leben gerufene "Internationale Konferenz über die Bewertung von
Kernbrennstoff-Zyklen" (INFCE - International Fuel Cycle Evaluation), die vom
26.- 27. Februar 1980 zu ihrer letzten Plenarsitzung in Wien zusammentritt.
Vertreter von 66 Ländern und verschiedenen internationalen Organisationen werden Bilanz ziehen über die Ergebnisse von Studien und Analysen, die in den letzten 16 Monaten über alternative Kernbrennstoff-Zyklen durchgeführt wurden.
Hauptziel ist nach wie vor, Wege zu finden, die Produktion von waffenfähigen
Materialien wie Plutonium und hochangereichertem Uran auf ein Mindestmaß zu
beschränken.
Offizielle Vertreter der amerikanischen Seite betonen, daß in bezug auf
zwei elementare Faktoren einer breiten internationalen Übereinstimmung "eindeutige und nachweisbare" Fortschritte erzielt wurden, nämlich
...
n u
1) hinsieht-

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1) hinsichtlich des Grundsatzes, daß das Proliferationsrisiko bei allen
Entscheidungen über Kernbrennstoffzyklen beachtet werden müsse, und
2) hinsichtlich der Forderung, die Produktion von waffenfähigem Material
so weit wie nur irgend möglich auf die unmittelbaren Erfordernisse von Forschung
und Entwicklung für zukunftsträ'chtige Nukleartechnologien zu begrenzen.
Die Carter-Regierung verfolgte von Anfang an das Ziel, ein überwechseln
zum Plutonium-Brennstoffzyklus zu vereiteln, solange es die notwendigen Sicherungen gegen die damit verbundenen zusätzlichen Risiken der Weiterverbreitung
von Kernwaffen nicht gibt.

Plutonium, ein spaltbares Element, das in Kernreak-

toren zur Energieerzeugung genutzt werden kann, wird durch Bestrahlung des
reichlich vorhandenen Uranisotops Uran-238 gewonnen.

Mit Brennstoffzyklen, bei

denen das auf diese Weise erzeugte Plutonium in Brutreaktoren verwendet wird,
kann der Strombedarf eines Landes unter Einsatz wesentlich geringerer Mengen
des Ausgangsbrennstoffes Uran gedeckt werden, als es bei den heute üblichen
Reaktoren der Fall ist.

Diese haben einen Brennstoffzyklus, bei dem der Kern-

brennstoff im einmaligen Durchsatz verwendet wird.
Eine Anzahl von Ländern, die nicht über Uranvorkommen wie z.B. die Vereinigten Staaten verfügen, sind überzeugt, daß künftige Energieverknappung und
zu starke Abhängigkeit von ausländischem Kernbrennstoff durch eine frühzeitige
Umstellung auf eine Kernbrennstoffwirtschaft auf Plutonium-Basis zu vermeiden
wären. Eine solche Politik würde eine stärkere Verwendung von Plutonium in
heute üblichen Kernbrennstoffzyklen für die - in der Mehrzahl - Leichtwasserreaktoren nach sich ziehen und schließlich zum Übergang auf schnelle Brutreaktoren führen, die mehr Plutonium-Brennstoff erzeugen als sie selbst verbrauchen. Beides würde kostspielige Anlagen zur chemischen Aufarbeitung von Abbrandelementen erfordern, aus denen Plutonium und anderes spaltbares Material
gewonnen werden.
Auf amerikanischer Seite räumt man ein, daß die Verwendung von Plutonium
in schnellen Brutreaktoren für gewisse Länder Anfang des nächsten Jahrhunderts

- 2 -

�Jahrhunderts ein brauchbares Verfahren darstellen könnte.

Aber man ist auch

überzeugt, daß die Entwicklung von Brutreaktoren vermutlich zu kostspielig
ist, als daß sich mehr als einige wenige wohlhabende Nationen dies leisten
könnten.

Auch sei die Stationierung von Brutreaktoren nur dort attraktiv,

wo es ein umfangreiches Stromverteilernetz gebe.

Nach amerikanischer Auffas-

sung arbeite ein Atomkraftwerk mit den heute üblichen Reaktoren bei einer
Rückführung von Plutonium in den Brennstoffzyklus günstigstenfalls am Rande
der Wirtschaftlichkeit.

Die Ergebnisse neuer Untersuchungen zeigen z.B.,

daß die kommerzielle Rückgewinnung von Plutonium und Uran aus Abbrandelementen bis zu acht Mal so teuer kommen könne wie die Urangewinnung aus Erz. Die
vorhandenen Uranressourcen reichten jedoch nach amerikanischen Berechnungen
zufolge aus, um zumindest bis zum Ende dieses Jahrhunderts, wahrscheinlich sogar bis ins nächste Jahrhundert hinein, den abschätzbaren Weltbedarf zu dekken.

Sofern zur Ergänzung des verhütteten Urans zusätzliche Wiederaufarbei-

tung und Anreicherung erforderlich sei, sollte die Anzahl solcher Anlagen begrenzt und wirksamer internationaler Kontrolle unterstellt werden.

Im Verlauf der INFCE-Gespräche erklärten Vertreter der USA wiederholt,
daß Abbrandelemente über lange Zeit sicher gelagert werden könnten, und daß
für eine sichere und wirtschaftliche nukleare Entsorgung nicht, wie manche
Länder behaupteten, die Wiederaufarbeitung notwendig sei.

Gleichzeitig ver-

wiesen sie auf die Möglichkeiten für eine merklich bessere Ausnutzung des
Kernbrennstoffs in Leichtwasserreaktoren.

In dem jetzt vom US-Energieministerium fertiggestellten Bericht über alternative Brennstoffzyklen heißt es u.a., daß mit veränderten Brennstoffsätzen, besserem Brennstoff-Management (einschließlich der Extraktion von mehr
verwendungsfähigem Uran aus dem Erz) und Konstruktionsveränderungen bei Atomkraftwerken der Brennstoff-Wirkungsgrad in Leichtwasserreaktoren schätzungsweise bis um 30 Prozent gesteigert werden könnte.

Von besonderer Bedeutung

sei außerdem die Tatsache, daß "kein nuklearer Brennstoffzyklus, der in den
nächsten Jahrzehnten kommerziell einsatzfähig werden könnte, einer Proliferation mehr hinderlich wäre als der des einfachen Brennstoff-Durchsatzes beim

- 3 -

�beim Leichtwasserreaktor - ein Zyklus, bei dem der Reaktorabbrand in Zwischenlagern sicher gelagert und die Anreicherung im Lohnverfahren von den darauf
spezialisierten Lieferanten durchgeführt wird."

Im Brennstoffzyklus eines

Leichtwasserreaktors, der mit niedrig angereichertem Uran arbeitet, kommt es
nicht zur Produktion von kernwaffenfä'higem Material.
Selbstverständlich konnte, wie John M. Deutch, Staatssekretär im USEnergieministerium, kürzlich vor Kongreßmitgliedern erklärte, die INFCE-Konferenz keine technische oder wirtschaftliche Zauberformel finden, um die Nutzbarmachung von Kernenergie risikofrei zu machen.

Das habe man auch nicht er-

wartet, denn "alle Brennstoffzyklen enthalten ein gewisses Proliferationsrisiko.

Aber INFCE half, die Legitimation, ja sogar die Notwendigkeit für einen

Vergleich der Hemmfaktoren für Proliferation bei verschiedenen Alternativtechnologien zu begründen und eine wichtige Basis für Entscheidungen in der Kernbrennstoff-Strategie zu schaffen."

Man habe jedoch mehrere wichtige Vorschlä-

ge erörtert - u.a. die Schaffung internationaler Mechanismen, die allen interessierten Nationen die Versorgung mit Kernbrennstoff gewährleisten, sowie die
Ausweitung internationaler Kontrollen über Abbrand-Zwischenlager -, denen die
beteiligten Ländern wahrscheinlich weiter nachgehen werden.
Mittlerweile sei, so Deutch, die IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation) weltweit tätig geworden, um eine Überwachung der Plutonium-Lagerhaltung
und ein internationales Verwaltungssystem für abgebrannten Kernbrennstoff zuwege zu bringen. Deutch verwies auf die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit der nuklearen Liefer- und Verbrauchernationen, um die neuen Nonproliferationsvereinbarungen nach Abschluß der INFCE-Gespräche zu definieren. Fortschritte auf diesem Gebiet werden auch Einfluß auf den amerikanischen Zeitplan
für die erneute Erörterung bilateraler Abkommen über nukleare Zusammenarbeit
mit anderen Ländern sowie darauf haben, welche Position die Vereinigten Staaten
in künftigen internationalen Verhandlungen über die Frage der Proliferation von
Kernwaffen einnehmen.

+ + + + +

�13. Februar 1980

11

RASCHE ERSCHLIESSUNG VON ALASKA-ÖLFELDERN GEPLANT
• Präsident Carter ersucht Kongreß um Genehmigung -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat in seiner Haushaltsbotschaft
vom 28. Januar 1980 den US-Kongreß um dessen Zustimmung zu einer beschleunigten Erschließung der regierungseigenen Erdölfelder in Alaska durch amerikanische Privatfirmen ersucht.

"Ich bin überzeugt", so der Präsident, "daß

die Exploration und Erschließung dieser Ressourcen am raschesten und kostengünstigsten für die Regierung durch ein Pachtprogramm zwischen Bundesbehörden
und Privatfirmen zu erreichen ist."
Wie aus Behördendaten hervorgeht, enthält das Feld der sog. nationalen
Erdölreserve - ein 9,3 Millionen Hektar großes Areal in Nordalaska, etwa
100 km westlich des staatseigenen ölfeldes an der Prudhoe Bay und der Transalaska ölpipeline - schätzungsweise 960 Millionen Tonnen Rohöl und 392 Milliarden cbm Erdgas. Falls der Kongreß in dieser Sitzungsperiode entsprechende
Gesetze verabschiedet, könnten Anfang 1982 die ersten Pachtabkommen abgeschlossen werden. Die Zeit bis dahin ist erforderlich, um die notwendigen Erschließungspläne, ökologischen Gutachten und Pachtbedingungen auszuarbeiten.

Die

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�Die US-Regierung würde, sofern das Areal der nationalen Erdölreserve
der Erschließung durch die Privatwirtschaft zugänglich gemacht wird, für die
ersten zehn Jahre Parzellen in der Größe von 24 280 Hektar anbieten»

Die Ge-

setzesvorlage sieht eine Vielfalt miteinander konkurrierender Angebotsformen
vor, u.a. solche auf der Basis von Barprämien, Nettogewinnen, Tantiemen und
bestimmten Produktionsmengen.

Vom Weißen Haus wurde darauf verwiesen, daß es sich bei den Zahlenangaben
zur ölreserve nur um Schätzungen handle.

Die Rentabilität der Erdöl- und Gas-

förderung hänge außerdem weitgehend davon ab, welche Schwierigkeiten unter den
besonders harten arktischen Verhältnissen zu überwinden seien.

Dennoch er-

scheine .dieses öl- und Gasfeld vorteilhafter als die Offshore-Vorkommen im Raum
Alaska.

Inzwischen veröffentlichte das Wall Street Journal eine Meldung, derzufolge das Geologische Bundesamt der USA seine Schätzungen über Offshore-Felder
an öl und Gas in Alaska erheblich nach oben korrigiert habe.

So werden jetzt

die Ölvorkommen im Navarin-Becken (im Beering-Meer vor der Westküste Alaskas)
auf 528 Millionen Tonnen geschätzt (1975: 50 Millionen Tonnen).

Für Erdgas

wurden die Schätzwerte von ca. 26 Milliarden cbm auf fast 400 Milliarden cbm
angehoben.

Im Beaufort-Becken (in der Beaufort-See an der Nordküste Alaskas)

dürften neuesten Angaben zufolge 580 Millionen Tonnen öl liegen (Schätzzahl
von 1975: 450 Millionen Tonnen).

Und für Erdgasvorkommen werden jetzt 462 Mil-

liarden cbm angenommen (1975: 230 Milliarden cbm).

Verhandlungen über Alaska-Pipeline angelaufen

Mit einer Grundsatzvereinbarung wurden Ende Dezember 1979 Verhandlungen
zwischen dem US-Energieministerium und amerikanischen Privatfirmen eingeleitet,
welche zunächst 500 Millionen Dollar zur Planung und technischen Vorbereitung
des Baues einer Gasleitung von Nordalaska durch Kanada nach den USA beitragen,
Die Pipeline soll bei Calgary im Südwesten Kanadas in zwei Leitungen

- 2 -

aufge-

�aufgeteilt werden, wobei eine bis in den amerikanischen Mittelwesten (Raum
Chicago), die andere zur amerikanischen Westküste durch die Bundesstaaten
Washington, Oregon und Kalifornien bis in die Nähe von San Francisco geführt
wird.

Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 23 Milliarden Dollar veranschlagt,
wovon 11 Milliarden auf den durch Alaska verlaufenden Teil von 1176 km Länge
entfallen (die Streckenlänge durch Kanada beträgt 3255 km). Bei der Ausarbeitung der Finanzierungsmodalitäten für die Realisierung des Projekts werden
Energieministerium und Privatwirtschaft eng zusammenarbeiten.

Bei der Bundesenergie-Aufsichtskommission (Federal Energy Regulatory
Commission) sind mittlerweile Vorschläge darüber eingegangen, die westliche
Abzweigung von Calgary (Alberta, Kanada) sofort in Angriff zu nehmen, damit
bereits im Winter 1980/81 Kalifornien mit täglich 6,7 Millionen Kubikmetern Erdgas

- vorläufig aus Kanada importiert - versorgt werden könnte.

Die oberste

kanadische Energiebehörde hat den Gasexport nach dem Westen der USA in der vorgeschlagenen Menge bis 1984 bereits genehmigt.

Nach Fertigstellung der Alaska-

Gas-Pipeline im Jahr 1984 würden täglich mehr als 67 Millionen cbm Erdgas von
der Prudhoe-Bay in Nordalaska nach den kontinentalen Bundesstaaten der USA
fließen.

- 3 -

�I

3

Uli/zen/chofl
und Technik
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13. Februar 1980

11

KOHLEVEREDELUNG UND GESUNDHEITSSCHUTZ
Biomedizinische Untersuchungen zu Prozeßprodukten

- (AD) - Eventuelle gesundheitliche Auswirkungen von Stoffen, die beim
SRC-II-Verfahren zur Kohleverflüssigung entstehen, waren Gegenstand von Forschungsaufträ'gen des US-Energieministeriums.

Mit Hilfe dieses Verfahrens

(SRC ist die Abkürzung von "Solvent Refined Coal") werden aus stark schwefelhaltiger Kohle flüssige Brennstoffe destilliert, die sich neben einem sehr
niedrigen Schwefelgehalt auch durch geringen Aschegehalt auszeichnen. Bau
und Betrieb einer Demonstrationsanlage in der Nähe der amerikanischen Stadt
Morgantown im US-Bundesstaat West Virginia mit einem Tagesdurchsatz von 6000
Tonnen Kohle wurden als Gemeinschaftsprojekt zwischen den Vereinigten Staaten
und der Bundesrepublik vereinbart.
Die Ergebnisse der Studien über mögliche gesundheitliche Auswirkungen
sind in einem Bericht zusammengefaßt, der den Titel trägt:

"Biomedical Studies

on Solvent Refined Coal (SRC-II) Liquefaction Materials: A Status Report".
Er wurde im "Pacific Northwest Laboratory" des US- Energieministeriums in
Richland (Washington) ausgearbeitet und basiert auf Untersuchungen in der Pilotanlage von St. Lewis im Bundesstaat Washington.

In dem Bericht werden u.a. die

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�die Betriebsbedingungen erläutert, unter denen die zur Diskussion stehenden
Prozeßprodukte entstanden, und es wird erörtert, welche Bedeutung die durchgeführten Studien für den Betrieb von Demonstrationsanlagen sowie für die kommerzielle Kohleverflüssigung haben.
(Der Bericht, Katalognummer PNL-3189, kann vom amerikanischen "National
Technical Information Service" in Springfield, Virginia, 22151, bezogen werden,
Preis: 5,25 Dollar).

+ + + + +

�I 3

UUi//cn/choft
wui Technik
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13. Februar 1980

11

STEUERUNGSZENTREN FÜR DIE GENFUNKTION
Grundlegende Unterschiede zwischen niedrigen und
höheren Organismen

- (AD) - Neue Erkenntnisse der molekularbiologischen Forschung
lassen Zweifel daran aufkommen, ob der "genetische Code" tatsächlich als
die fundamentale, allgemein gültige Regel für die Steuerung von Lebensfunktionen und Vererbungsmechanismen bei allen Organismen anzusehen ist.
Zumindest scheint die Verschlüsselung der "Sprache des Lebens" bei höheren
Organismen wesentlich komplizierter zu sein als bisher angenommen und
vielleicht auch Gesetzen zu folgen, die man noch nicht kennt.
Dafür spricht z.B. die jüngste Entdeckung von Biologen der Carnegie
Institution in Washington, daß zwischen dem Funktionsablauf in den Genen
von Bakterien und in jenen höher organisierter Lebewesen wie Lurchtieren
(als Experimentiermaterial wurden Zellen vom Xenopus-Frosch verwendet)
ein grundlegender Unterschied besteht. Wie Prof. Donald Brown Ende
Januar 1980 auf einer Pressekonferenz in Washington berichtete, hatte
man nach langwierigen Untersuchungen am genetischen Material von Bakterien

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�Bakterien herausgefunden, daß sich das Steuerungszentrum für die Genfunktion, von dem z.B. das Kommando zur Synthese einer Aminosäure ausgeht
und die Reaktion auch beendet wird, an den beiden Gen-Enden befindet.
Aber das gilt eben juir_ für Bakterien, Vertreter der sog. Prokaryonten.
Beim Frosch-Gen dagegen liegt es in der Mitte.

Eine besondere

Überraschung für die Wissenschaftler bedeutete ferner die Tatsache, daß
das Gen sogar bei Entfernung zahlreicher Komponenten voll funktionsfähig
bleibt, solange das mittlere Dirttel, das Steuerungszentrum, unversehrt ist.
Verständlich, daß sich nun das Interesse immer stärker auf die Identifizierung
jener Moleküle konzentriert, die in Zellen höherer Organismen die Genaktivität steuern.
Zum Umdenken zwang bereits die Beobachtung, daß in Zellen von
Eukaryonten (vom Hefepilz bis zum Menschen) die genetische Codierung für
den Aufbau eines Proteins im Gegensatz zu dem entsprechenden Vorgang im
Bakterium nicht aus kontinuierlich übersetzten Sequenzen des DNS-Muttermoleküls besteht.

Statt dessen werden die in dieser doppelsträngigen

Spirale enthaltenen Informationen für die Synthese wichtiger Makromoleküle
wie z.B. eines Proteins aus langen Teilen des DNS-Moleküls (Desoxyribonucleinsäure) auf RNS (Ribonucleinsäure) als eine Art Arbeitskopie "umgeschrieben"
und in mehrere, nicht kontinuierliche Segmente gespalten.

Diese Aufteilungen

bewirken Zwischensegmente oder Gen-Insertionen von Nucleotiden (Einheitsbausteine für DNS- und RNS-Moleküle), deren genaue Funktion aber noch
nicht ermittelt werden konnte.

Seltsamerweise werden nur Teile der

kopierten Segmente für den Aufbau der RNS-Matrize zusammengefügt, welche
dann die Proteinsynthese steuert.
Diese Entdeckung, über die die Zeitschrift MOSAIC der Nationalen
Wissenschaftsstiftung der USA (NSF) in der September/Oktober-Ausgabe 1979
berichtet hatte, deutet nach Ansicht zahlreicher Wissenschaftler auf Unterschiede zwischen Zellen niedriger und höherer Organismen hin, die von

- 2 -

�von größerer Bedeutung sein duften als das Hauptunterscheidungsmerkmal die Tatsache nämlich, daß Eukaryonten einen jeweils typischen Zellkern
als wichtigsten Träger der Erbinformationen besitzen, Prokaryonten dagegen
nur ein chromosomenartiges Gebilde in der Form eines DNS-Moleküls im
Zellinnern.

Möglicherweise verkörpern die beiden Gruppen nicht Unterschiede

im Grad der biologischen Evolution, sondern voneinander abweichende Wege
der Evolution.
Sowohl Prof. Brown als auch die Verfasser des MOSAIC-Berichtes
verweisen darauf, daß die neuen Entdeckungen u.a. dazu zwingen, die möglichen
Ursachen verschiedener erheblicher Anomalien neu zu überdenken. Manche
könnten die Folge von Mutationen in den "inaktiven" Gen-Insertionen sein,
die die aktiven Teile eines DNS-Stranges unterteilen, nicht aber von
Mutationen in den aufgestückelten "Minigenen" selbst. Auch die Entstehung
von Krebs und einer Reihe anderer Krankheiten erscheint nun in einem
neuen Licht.
Die neuen Forschungsergebnisse stützen die Vermutung, daß Erkenntnisse
über die molekulare Biologie bei Bakterien nicht ohne weiteres oder eben
nur bedingt auf das Verständnis der molekularen Biologie höherer Organismen
anzuwenden sind, Seit Jahren diente das Darmbakterium Escherichia coli
als Lehrmoden zum Studium des Materials und der Prozesse, die am Vererbungsgeschehen beteiligt sind. Es hat gegenüber vielen anderen Organismen
den Vorzug der raschen Aufeinanderfolge von Generationen (zur Zellteilung
kommt es im Durchschnitt alle 20 Minuten) und der relativen Kleinheit der
genetisch wirksamen Substanz, eines ringförmig gestalteten DNS-Moleküls
im Zellinnern. Die Zell große beträgt etwa 1/500 der Zell große bei höheren
Organismen. Der Großteil der Tausende verschiedener Molekülarten und
ungefähr 30 Prozent der chemischen Reaktionen in der Escherichia coli-Zelle
konnten bereits aufgeklärt werden.
Bakterien

�Bakterien erwiesen sich, ähnlich wie z.B. in der klassischen Genetik
die Fruchtfliege beim Studium der Gesetze von Mutationen, als ideales
Material zur Untersuchung so wichtiger Fragen wie etwa die der Funktion
von Genen (kleinste Funktionseinheiten der Erbsubstanz, die z.B. für den
Aufbau spezifischer Proteine aus Aminosäuren verantwortlich sind, während
andere als "Operatoren" solche Vorgänge steuern und eine dritte Gruppe
die Aktivitäten der Operator-Gene regelt).

An Hand der bei Bakterien

beobachteten Vorgänge konnten die wichtigsten Gesetze der Weitergabe von
Erbinformationen an die nächste Generation, d.h. für die identische
Verdoppelung des genetischen Materials, ausfindig gemacht werden.

Ähnliches

gilt für die Aufklärung der Aufeinanderfolge bzw. Lokalisierung von Genen
bestimmter Funktion und für die Untersuchung vieler anderer mikrobiologischer
Probleme bis hin zur Übertragung und zum Einbau von Genen in die Erbsubstanz
eines artfremden Organismus.

Immer wieder zeigte sich, daß es nur vier

molekulare Nukleotide sind, die, in spezifischer Reihenfolge angeordnet,
als Symbole einer Art Schlüsselsprache den "genetischen Code" für die Bauund Funktionspläne bei jeder lebenden Zelle ergeben - vom niedrigsten
Bakterium über die Zellen höherer Lebewesen bis hin zum Menschen.

Aber in der Benutzung und wohl auch Deutung der Schlüsselsprache
scheinen tiefgreifende Unterschiede in dem so vielfältigen "biologischen
Spektrum" zu bestehen. Sie werden erst jetzt allmählich erkennbar, seitdem
die Biochemie mit ungemein verfeinerten Methoden sich auch an die Analyse
der überaus komplexen DNS-Moleküle von Zellen höherer Organismen wagen und
bestimmte Funktionseinheiten wie beispielsweise jenes Frosch-Gen isolieren
kann. Dank gentechnischer Verfahren wurden damit Milliarden von funktionsfähigen exakten Kopien erzeugt, die man in einen Extrakt von Zellkernen
lebender Froscheier einbrachte. Das Gen nahm die ihm zukommende Funktion
auf, als sei es "zu Hause" im Frosch-Organismus. So wurde es im Verlauf
langwieriger Experimente möglich, im Molekül verband des wohl aus Hunderten
von Nukleotidgruppen bestehenden Gens das aktive Zentrum ausfindig zu
machen. Dieses nach Struktur und detaillierter Funktionsweise zu analysieren
ist eine Aufgabe, die noch viel Zeit und Mühe kosten wird.

+ + + + +
- 4-

�</text>
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und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of Amenci

20. Februar 1980

12

INHALT

INFORMATION
Langfristige nukleare Entsorgung
- Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an Pressekonferenz Präsident Carters vom 13. Februar 1980
- Auszüge
DOKUMENTATION
Erklärung des amerikanischen Außenministers vor der Vollversammlung
des IOC
USA würdigen Schlußbericht der Brandt-Kommission
- Presseverlautbarung der IDCA HINTERGRUNDMATERIAL
Sowjetische Beschuldigungen gegen die USA "vollkommen aus der Luft
gegriffen"
Die Bedeutung wissenschaftlicher Ost-West-Kontakte
- USICA-Interview mit Dr. Philip Handler, Präsident der Nationalen
Akademie der Wissenschaften WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lizenz für akustisches Mikroskop an Fa. Leitz

Um Übcr/cnJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Information
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20. Februar 1980

12

LANGFRISTIGE NUKLEARE ENTSORGUNG
Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an

- (AD) - In einer dem amerikanischen Kongreß am 12. Februar 1980
unterbreiteten Botschaft kündigte Präsident Carter ein umfassendes
Sondierungs- und Forschungsprogramm zur nuklearen Entsorgung für Abfälle
aus Atomkraftwerken und der militärischen Forschung an, das vorläufig auf
fünf Jahre befristet ist. Bundesregierung und Einzelstaaten sollen eng
zusammenarbeiten, um in den Vereinigten Staaten geeignete unterirdische
Lagerstätten zu finden, wo radioaktive Abfälle völlig isoliert von Menschen
und den von ihnen benutzten Dingen und Materialien deponiert werden können.
Präsident Carter hofft, daß bis Mitte der achtziger Jahre mehrere
in Frage kommende Lagerstätten ausfindig gemacht werden und Mitte der neunziger Jahre betriebsbereit sind.

"Mein Hauptziel im Zusammenhang mit der

nuklearen Entsorgung ist es, die Gesundheit und Sicherheit aller Amerikaner
zu schützen - jetzt genauso wie in der Zukunft", erklärte der Präsident.
Die Verantwortung für die Lösung des Problems dürfe nicht künftigen Generationen zugeschoben werden.
Die

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�Die bisherigen Bemühungen der Regierung um die Beseitigung radioaktiver Abfälle und die nukleare Entsorgung waren nach Ansicht Präsident
Carters "vom technischen Standpunkt aus gesehen nicht ausreichend".

Um-

weltschutzverbände und andere öffentliche Interessengruppen bezeichneten
den Plan des Präsidenten als "den ersten Schritt in Richtung auf ein
vernünftiges" nukleares Entsorgungsprogramm.

Nukleare Abfälle wurden

bisher in Zwischenlagern deponiert.
Kernstück des Carter-Planes ist ein umfassendes geologisches Forschungsund Explorationsprogramm, in dessen Verlauf zahlreiche unterirdische
Gesteinsarten und verschiedene Regionen untersucht werden sollen. Gesteinstypen vulkanischen Ursprungs wie Basalt und Tuff würden ebenso einbezogen wie Salzstöcke und andere Salzablagerungen, Granit, Schiefer- und
Tonschichten.

Die Formationen müssen isoliert sein von Quellen für

Grundwasser, frei von Rissen, über die Wasser einsickern könnte, und sie
dürfen sich nicht in erdbebengefährdeten Zonen befinden.
"Von der Idee langfristiger oberirdischer Lagerung halten wir nichts",
meinte Stuart Eizenstat, Berater Präsident Carters, nach der Ankündigung
des Programms. Dem Kongreß liegen z.Zt. mehrere Vorschläge über eine
langfristige oberirdische Lagerung vor, über die noch nicht entschieden
wurde.
Präsident Carter betonte, daß die Suche nach unterirdischen Lagerstätten mit einem Höchstmaß an Gründlichkeit erfolgen müsse, denn die
Eignung eines möglichen Deponieortes kann nur mit Hilfe detaillierter und
zeitraubender standortspezifischer Analysen sowie genauer Untersuchung
des geologischen Umfeldes ermittelt werden. Außerdem müßten Anlage und
Ausbau einer Lagerstätte "sorgfältig Schritt für Schritt" durchgeführt
werden.
Das

�Das bisher einzige Projekt für die unterirdische Lagerung radioaktiver
Abfälle - die Pilotanlage zur Abfall Isolierung bei Carlsbad, New Mexiko wird, wie Präsident Carter ankündigte, nicht weitergeführt.

Jedoch wird

der Standort als Entsorgungszentrum zusammen mit zehn weiteren möglichen
unterirdischen Deponieplätzen in den USA weiterhin geprüft.

Neben der

Durchführung geologischer Untersuchungen wird das amerikanische Energieministerium auch Forschungsprojekte auf dem Gebiet anderer Entsorgungstechniken wie z.B. der chemischen und metallurgischen Behandlung oder
dem absolut lecksicheren "Einpacken" von radioaktivem Material erheblich
ausweiten. "An diesem ergänzenden Forschungs- und Entwicklungsprogramm"
so Präsident Carter, "sollen sich die besten Naturwissenschaftler,
Ingenieure und Spezialisten anderer Gebiete...von den Universitäten,
der Industrie und von staatlichen Instituten beteiligen."

Mittlerweile wurde der Kongreß ersucht, die Genehmigung zum Ankauf,
Bau oder zur Verbesserung von Anlagen zu erteilen, wo verbrauchter Kernbrennstoff amerikanischer Herkunft "und eine begrenzte Menge verbrauchten
Kernbrennstoffs ausländischer Herkunft für den Fall gelagert werden kann,
daß damit den Zielen unserer Nonproh'ferationspol itik gedient wird", solange keine Endlagerstätten dafür vorhanden sind.

Die Vorschläge des

Präsidenten basieren auf den Ergebnissen zweijähriger Untersuchungen
einer Studiengruppe aus Vertretern von öffentlichkeit, Industrie, Bürgerinitiativen, einzelstaatlichen und kommunalen Behörden, Kongreß sowie
von Wissenschaftlern aller Fachgebiete, die die nukleare Entsorgung überprüften .

Angesichts des wachsenden öffentlichen Interesses an der Mitwirkung
bei Entscheidungen über die nukieare Entsorgung schuf der Präsident einen
"Planungsrat der Einzelstaaten", cem d^e Gouverneure der amerikanischen
Bundesstaaten angehören.

Er soll dazu beitragen, "unserer gemeinsamen

Verantwortung für den Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit
gerecht zu werden".

Außerdem wies Präsident Carter sämtliche Ministerien

- 3 -

�;

•&gt;

i

Ministerien und Behörden an, alle Mechanismen zu verbessern, um die
Beteiligung und Unterrichtung der Öffentlichkeit hinsichtlich aller
Aspekte des nuklearen Entsorgungsprogramms zu gewährleisten.
In einer nach der Ankündigung des Programms einberufenen Pressekonferenz wiesen Stuart Eizenstat, Wissenschaftsberater Dr. Frank Press
und Dr. John Deutch, Leiter der Forschungsabteilung im amerikanischen
Energieministerium,.darauf hin, daß die Atommüll-Frage "ein zähes Problem
sei und man noch einen langen Weg zu gehen habe.

+ + + + +

- 4-

�3

CO

I

Dokumentation
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12

20. Februar 1980

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT CARTERS VOM 13. FEBRUAR 1980
- Auszüge -

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf seiner Presse-

konferenz am 13. Februar 1980 vor allem zu Fragen Stellung genommen, die
sich mit der Lage der amerikanischen Geiseln in Teheran sowie mit der
durch den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan hervorgerufenen weltpolitischen
Situation befaßten.

Ein Teil der Pressekonferenz war auch innenpolitischen

Problemen sowie Wahl kämpfthemen gewidmet.
Nachstehend geben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zu den
außenpolitischen Themen wieder.
Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz mit folgender Erklärung:
Seit dem Tage, an dem unsere Botschaft in Teheran besetzt wurde, hatten
wir zwei Ziele: das erste, die Sicherheit und Freilassung der als Geiseln
festgehaltenen Amerikaner und das zweite, den Schutz unseres nationalen
Interesses in diesem kritischen Gebiet der Welt. Seit jenem Tag haben wir

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Telex:08-85432

�wir jede Möglichkeit zur Erreichung dieser Ziele verfolgt.

Nichts ist

bei der Suche nach einer Lösung unversucht geblieben.
Während der letzten Wochen sind unsere Bemühungen und Aktivitäten
außerordentlich

Jelikat und intensiv geworden.

Kürzlich gab es einige

positive Zeichen, aber die Erfahrung hat uns gelehrt, uns vor jedem übermäßigen Optimismus zu hüten.

Seit Mitte November haben wir und Vertreter

des Iran mit dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Waldheim, seinen
Vorschlag erörtert, eine Untersuchungskommission nach Teheran zu entsenden.
Wir würden Schritte der Vereinten Nationen unterstützen, die zu der Freilassung der Geiseln führen könnten, wenn diese Schritte mit unseren
eigenen Zielen und unseren wesentlichen internationalen Grundsätzen
vereinbar sind.

Eine geeignete Kommission mit einer sorgfältig fest-

gelegten Zielsetzung wäre ein Schritt zur Lösung dieser Krise.
Ich weiß, daß Sie und das amerikanische Volk verstehen werden, daß
es mir zu diesem kritischen Zeitpunkt nicht möglich ist, über irgendwelche
spezifischen Bemühungen zu sprechen oder ausführlicher zu ihnen Stellung
zu nehmen, die vielleicht im Gange sind oder über Vorschläge, die zur
Beendigung der Krise nützlich sein könnten. Ich danke Ihnen
FRAGE: Herr Präsident, wenn die Krise in Afghanistan eine so reale
und so schwerwiegende ist, wie Sie gesagt haben, daß sie es sei, haben
die Vereinigten Staaten dann überhaupt die militärische Kapazität, um mit
ihr fertig zu werden, ohne Kernwaffen einzusetzen?
ANTWORT:

Es ist eine große Krise, die durch die sowjetische Invasion

in Afghanistan ausgelöst wurde und zwar aus mehreren Gründen.

Vor allem

ist dies ein entscheidend wichtiges Gebiet der Welt, für uns, für unsere
Verbündeten und für andere Länder.

Zweidrittel aller ölexporte in die gesamte

Welt kommen aus dem Gebiet um den Persischen Golf.

Zum anderen ist es ein

außerordentlich unbeständiger, sich rasch wandelnder und instabiler Teil

- 2 -

�Teil der Welt.

Dirttens, haben die Sowjets im Verlauf einer Reihe von

Jahren eine stetige militärische Aufrüstung betrieben, die uns Sorge
bereitet hat, und auf die wir, seitdem ich im Amt bin, reagiert haben.
Und viertens, haben die Sowjets in einer beträchtlichen Abweichung von
allem, was sie seit dem Zweiten Weltkrieg bisher getan haben, nunmehr
gezeigt, daß sie gewillt sind, ihre Streitkräfte über ihre eigenen Grenzen
hinaus zu einer massiven Invasion Afghanistans einzusetzen.
Die von mir ergriffenen Gegenmaßnahmen auf diese Schritte sind zweckmäßig und, wie ich glaube und hoffe, angemessen. Wir müssen die Sowjetunion
durch friedliche Mittel überzeugen, daß sie nicht ungestraft in ein
unschuldiges Land einfallen kann, und die Sowjets müssen die Konsequenzen
aus ihren Aktionen tragen.

zur
von
uns
daß
daß
für

Alles, was wir getan haben, war ein Beitrag zur Stabilität, zur Mäßigung,
klaren Linie, zur Festigkeit und zum Frieden. Wir haben unsere Aktionen
uns aus getroffen und wir haben unsere Verbündeten und andere gebeten, sich
anzuschließen in der Verurteilung der Sowjetunion und in der Forderung,
sich die Sowjets aus Afghanistan zurückziehen, und sie zu überzeugen,
jedesweitere Abenteusr
von ihrer Seite schwerwiegende Konsequenzen
die Sowjetunion haben würde
FRAGE:

akzeptabel?

Nochmal zu Afghanistan, was für eine Regierung wäre für Sie
Die Russen haben gesagt, daß, wenn sie abziehen, sie -

darauf deutet es hin - ein Marionettenregime hinterlassen würden.

Würden

Sie auf einem neutralen Regime bestehen, oder welche Aktion werden Sie unternehmen?
ANTWORT:

Was wir vor allem haben wollen, ist ein sowjetischer Rück-

zug und die Verpflichtung, die verifiziert und durchgeführt werden könnte,
daß die Sowjets nicht in ein anderes Land einfallen werden oder ihre Streitkräfte über ihre eigenen Grenzen hinaus wieder einsetzen, um den Frieden

- 3 -

�Frieden zu erschüttern.

Wir möchten ein neutrales Land.

Wenn es dazu

einer Übergangsphase bedarf, in welcher eine neutrale und verantwortliche
Regierung, die für das afghanische Volk akzeptabel ist, eingesetzt werden
könnte, dann könnte vielleicht eine von den Vereinten Nationen aufgestellte
Friedenstruppe - vielleicht aus moslemischen Truppenteilen oder anderen
gebildet - während dieser Übergangsphase eingesetzt werden, aber meine
Haupterwägung ist, sicherzustellen, daß die Sowjets erkennen, daß ihre
Invasion nicht akzeptabel ist, und so viel Unterstützung wie nur möglich bei
den anderen Ländern der Welt aufzubieten, um eine weitere Bedrohung des
Friedens und einen Anlaß zum Krieg zu verhindern.
•
•

Ich glaube, durch Stärke können wir den Frieden erhalten, aber wir
müssen entschlossen sein, wir müssen konsequent bleiben und unsere Maßnahmen
müssen den Charakter einer langfristigen, vorhersehbaren Aktion haben, die
von der Sowjetunion klar verstanden wird.
FRAGE: Herr Präsident, Sie fordern eine Steigerung der Ausgaben für
die militärische Verteidigung um fünf Prozent. Einige Mitglieder des
Kongresses haben gemeint, daß das angesichts der sowjetischen Invasion in
Afghanistan zu wenig sein könnte. Würden Sie einen Plan des Kongresses
unterstützen, sogar bis zu einer Verdopplung der derzeitigen fünfprozentigen
Steigerung für die militärischen Ausgaben zu gehen?
•

ANTWORT: Seit meinem ersten Amtsjahr als Präsident hat bei uns eine
kräftige und ständige Steigerung der Verteidigungsausgaben stattgefunden,
denn ich erkannte bei meinem Amtsantritt einige Schwächen in unserem
Verteidigungspotential. Um ganz genau zu sein, möchte ich hinzufügen, daß
Präsident Ford mit diesem Ausbau kurz vor Ende seiner Amtszeit begonnen
hat. Ich habe ihn fortgesetzt.
Meiner Meinung nach hat der Militärhaushalt, den wir dem Kongreß in
den letzten Wochen vorgelegt haben, den angemessenen Ausgabenumfang. ^r_

- 4 -

�Er ist sehr sorgfältig angepaßt an das Tempo, mit dem wir Waffen kaufen
und entwickeln können, und genau an die Fernziele der Dislozierung unserer
Truppen, der Mobilität unserer Truppen und der Wechselbeziehung mit unseren
Verbündeten angeglichen.
Ich sage damit nicht, daß ich nicht mit weiterer Feinabstimmung oder
anderen Modifikationen des Haushalts einverstanden wäre. Aber ich würde
mich sehr energisch jeder Anstrengung widersetzen, den Verteidigungshaushalt - wie dies erst kürzlich vorgeschlagen wurde - stärker zu kürzen
als es mein Vorschlag vorsieht.
FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben gesagt, die Sowjets müßten dazu

gebracht werden, einen Preis für ihre Invasion Afghanistans zu bezahlen;
und ihr Berater sagte, daß unser Boykott der Olympischen Spiele nicht als
Strafe gedacht sei. Wie erklären Sie den Gegensatz, der zwischen diesen
beiden Standpunkten zu bestehen scheint?
ANTWORT: Wir hegen nicht den Wunsch, die Olympischen Spiele als Mittel
der Strafe zu verwenden, nur legen die Sowjets auf die Abhaltung der
Olympischen Spiele in der Sowjetunion einen so hohen Wert. In ihrem eigenen
Propagandamaterial erheben sie den Anspruch, daß die Bereitschaft des
Internationalen Olympischen Komitees, die Spiele in Moskau stattfinden
zu lassen, eine Bestätigung der Außenpolitik und der friedliebenden Natur
der Sowjetunion sei. Meiner Meinung nach ist es für jede Nation unverantwortlich, Athleten unter dem Schutz der Spiele in die Hauptstadt eines
Landes zu senden, wenn dieses Land, das Gastgeberland, sich aktiv an der
Invasion eines anderen Landes und der Unterdrückung unschuldiger Menschen
beteiligt. Und daher glaube ich aus diesem Grund nicht, daß wir verpflichtet
sind, unsere Athleten nach Moskau zu schicken.
Ich möchte wiederholen:

Falls die Sowjetunion ihre Truppen nicht bis

zum 20. dieses Monats aus Afghanistan zurückzieht, werden weder ich, noch

- 5 -

�noch das amerikanische Volk, noch der Kongreß es unterstützen, daß eine
Olympiamannschaft diesen Sommer nach Moskau geschickt wird.
FRAGE:

Herr Präsident, falls die Sowjets womöglich ihre Truppen

zwischen dem 20. Februar und dem 24. Mai aus Afghanistan abziehen sollten,
wenn die Olympischen Komitees ihre Entscheidungen bekanntgeben:

Besteht dann

die Möglichkeit, daß Sie vielleicht Ihre Meinung ändern und es unterstützen,
daß ein amerikanisches Team nach Moskau geschickt wird?
ANTWORT:
FRAGE:

Ich glaube nicht an die erstere Möglichkeit.
Herr Präsident, wie Sie wissen, haben die Franzosen nicht

zugestimmt, noch in diesem Monat in Rom zu einer Außenministerkonferenz
zusammenzutreffen.

Die Westdeutschen haben dem Olympiaboykott nicht zuge-

stimmt und es gab, glaube ich, einige Unzufriedenheit über die Reaktion
Ihrer Regierung auf die Japaner. Waren Sie völlig mit der japanischen,der
französischen und der westdeutschen Reaktion auf Ihren Appell nach Bestrafung und Sanktionen gegen die Sowjetunion zufrieden?
ANTWORT:

Ja, im allgemeinen war ich sehr damit zufrieden.

Es gibt

zwischen all unseren Hauptverbündeten ein bemerkenswertes Maß an Einmütigkeit über den Ernst der sowjetischen Bedrohung in Afghanistan und
die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um dieser Bedrohung zu begegnen
und eine weitere Aggression der Sowjetunion zu verhindern.
Es gibt feine Unterschiede. Die Länder sind unterschiedlich, sie
haben unterschiedliche Perspektiven, sie haben unterschiedliche Regierungsformen. Manche haben Koalitionsregierungen, wo der Regierungschef einen
Außenminister hat, der eine andere Partei vertritt und so weiter. Es
gibt Zeiten, da wir zum Beispiel gereizt und ungehalten über die Franzosen
sind. Und es gibt Zeiten, da die Franzosen gereizt und ungehalten über
uns sind.
Die
6 -

�Die kürzliche Meinungsverschiedenheit über den genauen Zeitpunkt und
die Zusammensetzung sowie die beizubehaltende Verschwiegenheit auf dem
Außenministertreffen war bedauerlich. Meine Haltung dazu ergab sich aus
einem Telefongespräch mit Bundeskanzler Schmidt, nachdem dieser sich
mehrere Tage lang mit Präsident Giscard d'Estaing getroffen hatte. Ich war
der Ansicht, daß Zeitpunkt und Ort von ihnen vereinbart worden waren und
daß ich ihrer Bitte entsprach. Es war jedoch nicht die gleiche Ansicht,
die die Franzosen hatten. Unsere Kommunikation war unzureichend.
Aber diese Meinungsverschiedenheit ist nur geringfügig im Vergleich
zu den großen Übereinstimmungen, auf die wir die gegenwärtige und die
zukünftige Politik zwischen den Verbündeten der Vereinigten Staaten gründen.
FRAGE: Herr Präsident, Sie haben einmal gesagt, es sei für Sie nicht
sicher, ob amerikanische Soldaten jemals für die Verteidigung Jugoslawiens
eingesetzt werden sollten. Marschall Tito ist schwer krank. Ist dies
angesichts Afghanistans immer noch Ihre Meinung?
ANTWORT: Wir haben mit der Führung Jugoslawiens sehr eingehende
Gespräche geführt, unter anderem auch mit Marschall Tito bei seinem Besuch
vor nicht allzu langer Zeit. Nach dem Gesamtbild, das sie uns dabei übermittelten, und das ich als ein genau zutreffendes akzeptiere, ist Jugoslawien
ein auf seine Unabhängigkeit stolzes, mutiges und gut ausgerüstetes Land,
das sich selbst verteidigen kann.
Wenn wir dazu aufgefordert werden, dem jugoslawischen Volke in der
Zukunft irgendwelche Hilfe zu leisten, würden wir dies sehr ernsthaft
in Erwägung ziehen und überlegen, was nach unserer Meinung für sie und für
uns das Beste wäre.
Ich habe in jüngster Zeit mehrfach mit führenden Männern Europas
über die Notwendigkeit gesprochen, unsere Bindungen mit Jugoslawien zu

- 7 -

�zu verstärken und seine Blockfreiheit zu schützen, so daß es von der
Sowjetunion weder beherrscht noch erfolgreich bedroht werden kann.

Wir

werden das, was immer notwendig ist tun, um diese Ziele zu erreichen, aber
den aktuellen Notwendigkeiten und den spezifischen von Jugoslawien selbst
ausgehenden Anforderungen entsprechen.
•

Ich danke Ihnen!

+ + + + +

�V# J

M 1 •1H|
3

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20. Februar 1980

12

ERKLÄRUNG DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS
VOR DER VOLLVERSAMMLUNG DES IOC

LAKE PLACID - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyril Vance
begründete in einer Erklärung vor der Vollversammlung des Internationalen
Olympischen Komitees (IOC) am 9. Februar 1980 in Lake Placid, warum sich
die amerikanische Regierung gegen die Olympischen Sommerspiele in Moskau
ausgesprochen hat. "Wir wollen nicht, daß die olympische Bewegung Schaden
erleidet. Wenn jedoch die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert
werden, dann wird die Zukunft der Spiele selbst aufs Spiel gesetzt." Die
Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Im Auftrag Präsident Carters und als ehrenamtlicher Vizepräsident
des amerikanischen olympischen Komitees habe ich die Ehre, dieses hochgeschätzte Komitee in den Vereinigten Staaten und in Lake Placid willkommen
zu heißen und die Sportler aus der ganzen Welt zu den Olympischen Winterspielen 1980 zu begrüßen.
Während

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�Während wir heute abend hier zusammentreffen, sieht sich die Welt einer
schweren Bedrohung des Friedens gegenüber, die für die olympische Bewegung
eine Frage von fundamentaler Bedeutung aufwirft.
Seit ihren Anfängen im alten Griechenland symbolisieren die Olympischen
Spiele einige der vornehmsten Prinzipien der Menschheit.

Unter ihnen steht

der Friede an erster Stelle.
Bei den Spielen der Neuzeit spiegelt sich dieses Prinzip in den
Eröffnungsfeiern wider, wenn man Tauben aufsteigen läßt, um den Frieden zu
symbolisieren.
Die Spiele im Altertum wurden im Stadtstaat von Elis abgehalten.
Mit ihnen setzte ein "Götterfrieden" ein.

Während dieser Zeit des Friedens

war ein offener Krieg gegen oder durch den gastgebenden Stadtstaat verboten.
Nach Auffassung meiner Regierung wäre es eine Verletzung dieses
fundamentalen olympischen Prinzips, olympische Spiele in einem Land durchzuführen oder zu besuchen, das zur Zeit in einen aggressiven Krieg
verwickelt ist und das sich geweigert hat, der Forderung der Weltgemeinschaft
nach Beendigung seiner Aggression und Zurückziehung seiner Streitkräfte
zu entsprechen.
Lassen Sie uns über die grundlegende Frage klar sein, vor der wir
stehen.
Es geht hier nicht um die Frage, ob die Mannschaft eines Staates aus
politischen Gründen von den Wettkämpfen ausgeschlossen werden sollte. Wir
heißen jede Mannschaft willkommen, die dieses Komitee zu diesen Winterspielen eingeladen hat.

Die

�Die Frage, vor der wir jetzt stehen, ist gänzlich anderer Art.

Es

geht darum, ob die Spiele in einem Land abgehalten werden sollten, das
selbst einen schwere Bruch des internationalen Friedens begeht.

Dies

zu tun, wäre nach unserer Überzeugung völlig unvereinbar mit dem Sinn
der Olympischen Spiele.

Es ist unmöglich, diese Entscheidung von ihren politischen Konsequenzen
abzutrennen.

Die Olympischen Spiele in einem Land abzuhalten, das gegen

ein anderes Krieg führt, heißt, den olympischen Mantel über die Aktionen
dieses Landes decken.

Wir sehen bereits, wie das Land, das als Gastgeber für die Sommerspiele ausgewählt wurde, seine Wahl als eine Anerkennung der "Richtigkeit
(seiner) Außenpolitik" und seiner "gewaltigen Verdienste...im Kampf für
den Frieden" bezeichnet.
Die unausweichliche Tatsache ist, daß den Kämpfen der Nationen und
Völker um die Erhaltung ihrer Unabhängigkeit - um die Erhaltung des
Friedens jetzt und für die Zukunft - entgegengetreten wird und man sie
herabsetzt, wenn die Olympischen Spiele in einem Land stattfinden, das
wegen fortgesetzter Aggression von der überwältigenden Mehrheit der UNVollversammlung verurteilt wurde.

Die Verantwortung für diese Angelegenheit sollte nicht auf die
Sportler abgewälzt werden.

Damit würde man sie lediglich zwingen, eine

Last zu tragen, die eigentlich den Führern der olympischen Bewegung
zukommt.

Niemand wünscht, daß unsere Sportler darunter leiden. Aber

wir dürfen auch nicht zulassen, daß sie ausgenutzt werden.

Über die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf den internationalen
Frieden hinaus sollten wir uns auch Gedanken machen über die sich daraus
ergebenden Konsequenzen für die olympische Bewegung.
Die
- 3 -

�Die Vereinigten Staaten sind tief überzeugt vom Wert der Olympischen
Spiele und den Prinzipien, die sie tragen. Wir sind außerordentlich stolz
auf unsere Sportler und auf die Sportler der anderen Nationen, die lang
und hart trainiert haben. Wir wollen nicht, daß die olympische Bewegung
Schaden leidet.
Wenn jedoch die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert werden,
dann wird die Zukunft der Spiele selbst aufs Spiel gesetzt.
In der ganzen Welt findet sich eine breite und wachsende Opposition
bei den Regierungen und den Menschen, die Spiele durchzuführen - so als
sei nichts geschehen.

Das zu tun, würde das Interesse und die Unterstützung

durch breite Kreise der Öffentlichkeit gefährden, auf denen diese und
künftige Olympiaden beruhen.
Vorzuziehen wäre es, die Spiele in diesem Sommer von Moskau an einen
anderen Ort oder an mehrere zu verlegen. Sicherlich gibt es bei der Durchführung Schwierigkeiten, aber diese könnten überwunden werden. Auch für
ein Absagen der Spiele existieren bereits Präzedenzfälle. Oder aber es
wäre möglich, die Spiele durch eine einfache Änderung der Regeln für ein
oder mehrere Jahre aufzuschieben.
Lassen Sie mich die Position meiner Regierung klarstellen: wir werden
uns der Teilnahme einer amerikanischen Mannschaft an jeglichen olympischen
Spielen in der Hauptstadt eines Landes widersetzen, das gewaltsam in ein
anderes Land einfällt.
Diese Position ist fest.

In ihr finden die tiefen Überzeugungen des

amerikanischen Kongresses und des amerikanischen Volkes ihren Ausdruck.
Um solche Probleme in Zukunft zu vermeiden, treten wir für die
Schaffung einer ständigen Heimstatt für die olympischen Winter- und

�und Sommerspiele ein.
Ich weiß, daß dieses hochgeschätzte Gremium sorgfältig die jetzt vor
ihm '»egenden Fragen abwägen wird.

Indem wir d^e Prinzipien der olympisch

Spiele hochhalten, wenn sie gefährdet sind, wenden wir Sinn und Bedeutung
der Olympischen Spiele für die künftigen Zeiten bewahren,

+ + + + +

�3
I 3

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20. Februar 1980

12

USA WORDIGEN SCHLUSSBERICHT DER BRANDT-KOMMISSION
_ Presseverlautbarung der IDCA -

WASHINGTON - (AD) - Der engste Berater Präsident Carters für
Entwicklungspolitik und Direktor der amerikanischen Behörde für internationale
Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten (International Development
Cooperation Agency - IDCA), Thomas Ehrlich, hat den am 12. Februar 1980
veröffentlichten Bericht der Brandt-Kommission über die Nord-Süd-Situation
"eine überaus wichtige Darstellung der drängendsten Bedürfnisse der
Entwicklungsländer" genannt, die die "wohlerwogene Aufmerksamkeit" der
ganzen internationalen Gemeinschaft erfordern.
Die Pressemitteilung, die von der IDCA am 13. Februar herausgegeben
wurde, hat folgenden Wortlaut:
Thomas Ehrlich, der Direktor der amerikanischen Behörde für internationale Zusammenarbeit bei Entwicklungsprojekten kündigte heute (13.
Februar) an, daß die Behörde, die vor einiger Zeit geschaffen wurde, um
die Entwicklungspolitik der amerikanischen Regierung darzulegen und die
Aktivitäten in diesem entscheidenden Bereich amerikanischer Außenpolitik

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�Außenpolitik zu koordinieren, die Führung bei den zwischenbehördlichen
Anstrengungen übernehmen wird, den Bericht der Brandt-Kommission zu
analysieren, der gestern (12. Februar) vorgelegt wurde.
Die 18-köpfige Kommission unter Führung des ehemaligen Bundeskanzlers
Willy Brandt wurde vor zwei Jahren eingesetzt, um sich mit Nord-SüdFragen zu beschäftigen.

Sie bestand aus Persönlichkeiten aus Industrie-

und Entwicklungsländern.
Mr. Ehrlich, der engste Berater des Präsidenten für amerikanische
Entwicklungspolitik, stellte fest, daß der Bericht (Bericht der unabhängigen
Kommission über internationale Entwicklungsfragen, "Nord-Süd:

ein Über-

lebensprogramm") "eine überaus wichtige Darstellung der drängendsten
Bedürfnisse der Entwicklungsländer (ist), Bedürfnisse, die die wohlerwogene Aufmerksamkeit der ganzen internationalen Gemeinschaft erfordern.
•

Der Brandt-Bericht enthält eine Fülle von Empfehlungen, und niemand
kann Übereinstimmung bei allen erwarten", stellte er fest. "Aber als ein
Bericht, der von Persönlichkeiten sowohl aus Industrie- als auch aus
Entwicklungsländern erarbeitet wurde, sollte er einen starken Anstoß
für Länder aus Nord und Süd darstellen, um in gemeinsamer Anstrengung
zur Förderung der Entwicklung zusammenzuarbeiten.
Beim ersten Durchlesen war ich erfreut zu sehen, daß der Bericht
besondere Aufmerksamkeit für die am wenigsten entwickelten Länder fordert
und der Beseitigung des Hungers in der Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts sowie den besonderen Problemen der Entwicklungsländer, die durch
den raschen Anstieg der ölpreise entstanden sind Priorität einräumt,"
fügte Ehrlich hinzu.
•

Der Bericht der Brandt-Kommission drängt auf ein Notprogramm in
den nächsten Jahren, das vier grundlegende Elemente enthalten würde:

�i

würde:

erhöhter Transfer von Entwicklungshilfe; eine neue internationale

Energiestrategie; ein weltweites Nahrungsmittel Programm und Beginn einiger
langfristiger Reformen, deren das Weltwirtschaftssystem bedarf.
Der IDCA-Direktor stellte fest, daß man zwar im Kreis der amerikanischen
Regierung bisher noch keine Gelegenheit gehabt habe, den Brandt-Bericht in
seinen Einzelheiten zu analysieren, aber "Anstrengungen unternommen werden,
die Empfehlungen in ihrem ganzen Umfang zu prüfen."
Die IDCA, die der amerikanischen Regierung als Sammelpunkt für
Wirtschaftsfragen dient, die die Entwicklungsländer berühren, wurde am
1. Oktober 1979 gegründet. Sie besteht aus der Behörde für internationale
Entwicklung, der Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee und einem
geplanten Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit.
Außerdem ist die IDCA verantwortlich für Entwicklungsfragen, die sich bei
der amerikanischen Beteiligung an internationalen Organisationen stellen,
einschließlich der Entwicklungsprogramme der Vereinten Nationen. Mit
dem Finanzministerium teilt es sich in die Verantwortung für die amerikanische
Beteiligung an den Multilateralen Entwicklungsbanken und mit dem Landwirtschaftsministerium die Verantwortung für die Lenkung des amerikanischen
Programms "Lebensmittel für den Frieden". (PL 480).

+ + + + +

- 3 -

�12

20. Februar 1980

SOWJETISCHE BESCHULDIGUNGEN GEGEN DIE USA
"VOLLKOMMEN AUS DER LUFT GEGRIFFEN"

WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten sowjetischen Erklärungen, die den Vereinigten Staaten die Schuld für die Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion in die Schuhe zu schieben trachten, dienen nur dem Zweck, "die internationale Kritik zu entschärfen", die gegenwärtig allenthalben geübt wird, erklären offizielle amerikanische Regierungsstellen.

Die Sowjets behaupten, daß

"eine Einmischung von außen her" durch die Vereinigten Staaten und andere Länder den Einmarsch der Sowjetunion rechtfertige.
Es wird amerikanischerseits betont, daß die sowjetische "Desinformierungskampagne" voll von "falschen Rechtfertigungsgründen für die sowjetische Aggression und die hieraus resultierende Krise in den Ost-West-Beziehungen sei.
Die russische Propagandakampagne ist nach Auffassung amtlicher Washingtoner
Kreise in Entgegnung der Verurteilung eingeleitet worden, die die Invasion in
Afghanistan weltweit erfahren hat.

Ein

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�Ein Beispiel für die sowjetische Kampagne ist ein Leitartikel, der am
29. Januar in der Prawda erschienen und als bezahlte Anzeige der sowjetischen
Presseagentur Nowosti auch in der Washington*
schen Tageszeitungen veröffentlicht wurde.

Post und in anderen ausländi-

In dem Leitartikel wird unter an-

derem behauptet, die seitens der Sowjetunion geleistete "Hilfe" sei "in Antwort auf ein Ersuchen der legitimen Führung Afghanistans erfolgt" und diene
dem Zweck, das Land vor einer "Bedrohung von außen her" zu schützen.
Amerikanische Regierungsvertreter ziehen die sowjetische Behauptung in
Zweifel, daß sie auf ein Hilfeersuchen einer legitimen afghanischen "Führung"
geantwortet hätten.

Präsident Taraki, so betonen sie, "wurde Mitte September

durch einen Gewaltstreich gestürzt.
dazu auffordern können.

Sein Nachfolger Amin hätte die Sowjets

Aber wenn er dies getan, hätte, hätte er es sicherlich

nicht in der Absicht getan, seine eigene Exekution zu beschleunigen."
Man weist in Washington in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Präsident
Babrak Karmal in Afghanistan erst nach dem Coup und dem Beginn der Invasion
eingetroffen ist. "Die erste Ankündigung, daß Babrak Amin ersetzt habe, erfolgte von Sendern in der Sowjetunion, die Frequenzen benutzten, die den Eindruck erwecken sollten, daß es sich um Radio Kabul handelte. Obwohl der Sender Kabul einem Angriff sowjetischer Streitkräfte ausgesetzt war, setzte er
seine normale Sendefolge mindestens eineinhalb Stunden über den Zeitpunkt hinaus fort, an dem die besagten Ankündigungen erstmals zu hören waren," betonte
ein Sprecher in Washington.
Bezugnehmend auf die Behauptung der Prawda, Afghanistan sehe sich einer
"Bedrohung von außen" ausgesetzt, die von Lagern in Anrainerstaaten ausgeht,
wo ausländische Berater afghanische Flüchtlinge militärisch ausbilden, betonen amerikanische Regierungskreise, daß weit über 500 000 Afghanen, darunter
zahlreiche Frauen und Kinder, in Folge politischer Unterdrückung und religiöser Verfolgung aus ihrer Heimat geflohen sind und Zuflucht in Pakistan gesucht haben.
"Wenngleich
- 2 -

�"Wenngleich nicht zu leugnen ist, daß Flüchtlinge aus solchen Lagern nach
Afghanistan zurückgekehrt sein mögen, um dort zu kämpfen," betont man amerikanischerseits, "stellen diese Lager keineswegs militärische Ausbildungsbasen
und auch keine Bedrohung Afghanistans oder der Sicherheit der Sowjetunion dar."

Die Sowjets behaupten auch, die Vereinigten Staaten verstärkten ihre Streitkräfte im Gebiet des Persischen Golfs als ein Teil ihrer Anstrengungen, "eine
amerikanische militärische Überlegenheit herzustellen."

Amerikanischerseits

hält man dem entgegen, den Sowjets müsse aus öffentlichen und vertraulichen
Äußerungen bekannt sein, daß die amerikanischen Streitkräfte im Indischen Ozean
nicht gegen die Sowjetunion aufgeboten wurden und aufgeboten sdhd, und daß
die Vereinigten Staaten niemals die Absicht hatten, sich in Afghanistans innere Angelegenheiten einzumischen.

"Unsere Entscheidung, eine Streitmacht für rasche Reaktionen zu bilden
und uns um den Zugang zu militärischen Anlagen im Nahen Osten für die Verwendung in einem Ernstfalle zu bemühen, wurde vielmehr in Erwiderung

auf die Be-

drohung unternommen, die die Sowjetunion für die leichtverletzlichen Staaten
in diesem Raum darstellt.

Nicht die Sowjetunion zu bedrohen, sondern zu dem

Zweck wurden diese Maßnahmen ergriffen, daß wir eine Position erlangen, unsere
Interessen wie auch die unserer Verbündeten und Freunde gegen den sowjetischen
Expansionismus verteidigen zu können."

In Klarstellung der amerikanischen Haltung unterstrich Präsident Carter,
daß die Vereinigten Staaten als "die andere Supermacht der Erde".eine "Verantwortung tragen", starke Maßnahmen zu ergreifen, um der Sowjetunion die
Kosten ihres Verhaltens wie auch die Entschlossenheit und die Willensstärke
des amerikanischen Volkes klar vor Augen zu führen.

Regierungssprecher in Washington weisen darauf hin, die sowjetischen
Maßnahmen in Afghanistan seien in klarer Verletzung des Völkerrechts wie auch
der Charta der Vereinten Nationen erfolgt, die die Androhung oder die Verwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Landes verbieten.
- 3 -

In
-~

�In ähnlicher Weise, so wird betont, stellt das sowjetische Vorgehen
eine direkte Verletzung der Bestimmungen des 1978 abgeschlossenen sowjetischafghanischen Vertrages der Freundschaft, guten Nachbarschaft und Zusammenarbeit dar, der von der "Achtung der natioanlen Souveränität" und "der gegenseitigen Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des anderen" spricht.
Der Versuch, die Schuld an der Zunahme der internationalen Spannungen
den Vereinigten Staaten in die Schuhe zu schieben und letztere als Grund der
Rechtfertigung der sowjetischen Invasion in Afghanistan auszugeben, "kann
nur als eine den Eigenihteressen dienende Verdrehung der Wahrheit angesehen
werden, die die Aufmerksamkeit von der wahren Ursache der derzeitigen Spannungen ablenken soll:

die brutale und zynische sowjetische Aggression gegen

ein blockfreies Land," betont man offiziellerseits in USA.
In dem Leitartikel der Prawda wird die Behauptung aufgestellt, die CarterAdministration messe dem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion über die Begrenzung der strategischen Waffen (SALT II) "geringstmögliche Dringlichkeit" bei.
Dagegen machen amerikanische Regierungskreise deutlich, daß der Präsident
erst kürzlich die Verpflichtung der Vereinigten Staaten gegenüber SALT bekräftigt und dessen zunehmende Bedeutung in einer Zeit der Spannung festgestellt
hat. "Die Vereinigten Staaten haben die Absicht zum Ausdruck gebracht, auch
weiterhin keinerlei Schritte zu unternehmen, die nicht mit der Bestimmung
des SALT I-Zwischenabkommens in Einklang stehen und nichts zu tun, was Ziel
und Zweck des SALT II-Vertrags vereiteln könnte," stellen diese Kreise
fest.
Sie weisen darauf hin, daß es eine allgemein bekannte Tatsache sei, daß
die NATO-Entscheidung über die Modernisierung der nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) vom 12. Dezember 1979 vor dem Hintergrund der anhaltenden und
bedeutsamen Ausweitung der sowjetischen Mittel Streckenkapazitäten stattfand,
die gegen Europa gerichtet sind. Insbesondere die Dislozierung der SS-20,

- 4 -

�SS-20, einer mobilen Rakete mit Mehrfachgefechtsköpfen, die eine stark verbesserte Zielgenauigkeit hat, stelle eine wesentliche Verstärkung der sowjetischen
Kapazität dar. Gegenwärtig habe die NATO dieser Kapazität nichts Gleichwertiges
entgegenzusetzen.
Gleichzeitig wird betont, daß die NATO-Entscheidung ausdrücklich das Interesse der Verbündeten unterstreicht, Begrenzungen bei Mittel Streckenwaffen in
Europa durch Rüstungskontroll Verhandlungen mit der Sowjetunion zu erzielen.
Das am 12. Dezember 1979 von den Außen- und Verteidigungsministern der NATO
veröffentlichte gemeinsame Kommunique betonte die "große Bedeutung" von Rüstungskontrolle "als Beitrag zu einer stabileren militärischen Beziehung zwischen Ost
und West und zur Förderung des Entspannungsprozesses." Die Minister sprachen
sich für die Einbeziehung bestimmter amerikanischer und sowjetischer weiterreichender TNF-Systeme ("long-range Theater Nuclear Systems") in die laufenden
Rüstungskontroilanstrengungen aus, um ein stabileres Gesamtgleichgewicht bei
geringerem Umfang der Anzahl von Kernwaffen auf beiden Seiten zu erzielen.
Amerikanische Regierungskreise erwähnen besonders, daß die "kollektive
Natur" der NATO-Entscheidung "in sich selbst den sowjetischen Vorwurf widerlegt, sie seien in irgendeiner Weise den NATO-Verbündeten durch die Vereinigten
Staaten aufgezwungen worden."
Unter Hinweis auf die sowjetische Beschuldigung, die Regierung Carter
habe "die berüchtigte China-Karte" ausgespielt, stellen diese Kreise weiter
fest, daß die Reise von Verteidigungsminister Harold Brown vom 6. - 13. Januar
1980 "schon lange vor der sowjetischen Invasion in Afghanistan geplant und eine
ganz natürliche Folge des Prozesses der Normalisierung der amerikanischchinesischen Beziehungen war."
"Dieser Besuch richtete sich nicht gegen die Sowjetunion",so wird erklärt, "sein Zweck war vielmehr die Errichtung einer normalen Beziehung
schen den Verteidigungssystemen beider Länder.

- 5-

zwi-

Dennoch gab die Tatsache, daß

�daß die sowjetische Invasion unmittelbar vor dem Besuch stattfand, diesem
zusätzliche Bedeutung."

Diese Kreise stellen fest, daß die Chinesen, "eben-

so wie die meisten Staaten der internationalen Gemeinschaft" die amerikanischen Bedenken hinsichtlich der Bedrohung des Friedens teilen, den die
sowjetischen Schritte darstellen.

+ + + + +

�31
I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Februar 1980

12

DIE BEDEUTUNG WISSENSCHAFTLICHER OST-WEST-KONTAKTE
- USICA-Interview mit Dr. Philip Händler, Präsident
der Nationalen Akademie der Wissenschaften -

- (AD) - Den grundsätzlichen Standpunkt seines Landes zum wissenschaftlichen Austausch zwischen Ost und West angesichts der weltpolitischen
Spannungen hat der Präsident der amerikanischen Nationalen Akademie der
Wissenschaften (NAS), Dr. Philip Handler, in einem Interview mit dem
Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA),
Michael Saks, dargelegt. Dr. Handler ist der Leiter der amerikanischen
Delegation auf dem Hamburger Wissenschaftsforum der 35 Staaten, die 1975
die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa KSZE - unterzeichnet haben, das am 18. Februar 1980 begann und bis zum
2. März dauert. Der Leiter der amerikanischen Delegation machte folgende
Ausführungen:
FRAGE:

Wie beurteilen Sie als Leiter der amerikanischen Delegation

betiWissenschaftsforum der KSZE in Hamburg die Bedeutung dieser Tagung für
die Vereinigten Staaten?
ANTWORT

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Zum einen erfüllen wir mit unserer Teilnahme eine Verpflichtung.

Mit der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki erklärten wir uns bereit,
an einer Reihe von Sonderkonferenzen teilzunehmen, zu denen das Wissenschaftsforum gehört.

Das ist keine bilaterale Konferenz zwischen den Vereinigten

Staaten und der Sowjetunion, sondern eine Tagung von Delegierten aller
35 Signatarstaaten.

Und was immer vorübergehend unsere Beziehungen zu

irgendeinem der Länder beeinflußt, sollte nicht darüber entscheiden, ob
wir zu einer großen multinationalen Tagung mit alten Freunden oder BeinaheFreunden gehen.
FRAGE:

Ist der eigentliche Wert der Konferenz eher wissenschaftlicher

oder politischer Natur?
ANTWORT:

Wahrscheinlich ist sie mehr von politischer als von wissen-

schaftlicher Bedeutung, aber sicherlich trifft in Wahrheit beides zu
- in dem Sinne nämlich, als das primäre Programm

von Anfang an eine Erörterung

der Mittel und Wege zur Förderung verstärkter Kommunikation und eines
verstärkten Austausches in bezug auf Wissenschaftsfragen unter allen
Signatarmächten, und natürlich ganz besonders über die Ost-West-Grenzen
hinweg war.

Das ist noch immer ein vernünftiges Ziel, auch wenn im

gegenwärtigen Augenblick die Beziehungen zur Sowjetunion vor allem durch
Afghanistan belastet sind.
Es sind Delegierte von all den anderen osteuropäischen Nationen
anwesend, und unter den gegenwärtigen Umständen ist es wichtiger denn je,
daß wir Beziehungen zu den anderen osteuropäischen Nationen unterhalten,
die so herzlich wie nur irgend möglich sind.

Kommunikation und Austausch

in den Wissenschaften sind dafür besonders gut geeignet und erleichtern sie.
FRAGE:

Es gab in den Vereinigten Staaten Stimmen, diese Konferenz

zu boykottieren.

Wie stehen Sie dazu?
ANTWORT

�ANTWORT:

Wenn der Boykott ein Mittel ist, einer der 35 Nationen

unsere Besorgnisse zum Ausdruck zu bringen, so verstehe ich nicht, weshalb
wir nicht gehen sollten, um mit den anderen 34 zu reden. Außerdem halte
ich dies für eine viel zu gute Gelegenheit, als daß sie versäumt werden
dürfte, um unserem Lande eine Chance zu geben, Auge in Auge mit der gesamten
Delegation der Sowjetunion dieser die wahre Tiefe der Sorge der amerikanischen
Wissenschaftlergemeinschaft kundzutun.
ihrer Regierung zur Kenntnis bringen.

Die Russen können dann das Gehörte
Wenn wir jedwede Kommunikation

abschneiden, verlieren wir unser Blickfenster zur Gemeinschaft der sowjetischen
Wissenschaftler.

Wir würden dann die einzigen offenen Kommunikations-

kanä'le verschließen.

Das hätte meines Erachtens katastrophale Folgen.

Reden mag wertlos erscheinen.

Aber wir müssen es weiterhin versuchen,

denn irgendwo in der Zukunft lauert das Gespenst des Atomkrieges; und
diesen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern, ist
gewiß jede Mühe wert.

Deshalb sollten diejenigen von uns, die dank

wissenschaftlicher Austauschprogramme bis zu einem gewissen Grade Zugang
zu sowjetischen Ohren haben, diese Chance nutzen.
Wir sind beunruhigt, daß jene Personen in der Sowjetunion, die
Sektionen von Amnesty International und Organisationen zur Beobachtung der
Einhaltung des Abkommens von Helsinki geschaffen haben, sich nicht mehr
in der Lage sehen, diese lebensfähig zu erhalten. Sie wurden belästigt,
gestoppt, und einige wurden sogar wegen dieser Aktivitäten eingesperrt.
Wir beabsichtigen darüber mit der sowjetischen Delegation ein ernstes Wort
zu reden.
Und wir haben in die Waagschale zu werfen, daß der wissenschaftliche
Austausch des Westens voll und ganz von der freiwilligen Mitarbeit und dem
begeisterten Einsatz seiner Wissenschaftlergemeinschaft abhängt.

Wenn diese

unterbunden werden, kann weder die NAS noch der Kongreß der Vereinigten Staaten
ein Austauschprogramm zuwege bringen.

Und sie sind dabei, unterbunden

- 3 -

^

�zu werden.

Durch die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit Andrej

Sacharow ist dies sehr, sehr nahe gerückt.
FRAGE:

Wie ist die Reaktion der amerikanischen Wissenschaftler auf

die Verhaftung und Verbannung Dr. Sacharows?
ANTWORT: Sie sind offensichtlich sehr beunruhigt. Sacharow ist eine
überaus ungewöhnliche Persönlichkeit. Man nannte ihn "das Gewissen der
Menschheit". Vielleicht ist er das. Es waren Russen, die ihn mir als
einen "lebenden Heiligen" beschrieben. Er war ein wahrhaft großer
theoretischer Physiker; seine Leistungen sind über jeden Zweifel erhaben.
Es beunruhigt uns sehr, daß ein Mann, dessen Schriften - so unangenehm
sie auch für die regierenden Kreise in der Sowjetunion sein mögen - voll
und ganz dem Wohl der Menschheit gelten, aus eben diesem Grunde eingekerkert
werden soll. Ich bin in der Tat besorgt, daß die gegenwärtige Situation
nicht lange währen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, daß er sich in
Gorki nicht äußert und untätig ist. Er wird sicherlich in naher Zukunft
etwas sagen oder tun, was die sowjetische Regierung als Provokation betrachtet,
und ich weiß nicht, was dann geschehen wird.
FRAGE: Welches sind einige der Fragen, die unsere Delegierten wahrscheinlich ihren sowjetischen Kollegen stellen wollen?
ANTWORT: Ich glaube, daß die Fragen, die wir stellen wollen, weniger
wichtig sind als die Sorgen, mit denen wir kommen. Wir haben ein Paket
maßvoller, konstruktiver Vorschläge über erweiterten Austausch in ganz
Europa im Rahmen des wissenschaftlichen Porgramms dabei. Das bedeutet
beispielsweise Austausch im Zusammenhang mit Nahrungsmittel Versorgung,
Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens, mehr Erkenntnissen über
die Ursachen von Krebs und Herzerkrankungen und Austausch im Zusammenhang
mit neuen Methoden, um der Ausbreitung von Viruskrankheiten Einhalt zu gebieten.
Die

�Die amerikanischen Wissenschaftler sind außerdem über Prozesse einer
Kommunikation sowohl mit Westeuropa als auch Osteuropa ehrlich besorgt.
So haben wir beispielsweise mit Großbritannien, Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland keine offiziellen Austauschprogramme.

Wir verlassen

uns auf freiwillig unternommene Aktionen der Gemeinschaft der Wissenschaftler.
Aber die Mittel, mit denen solche Verfahrensweisen gewöhnlich unterstützt
wurden, sind spärlicher geworden.

Ich muß leider sagen, daß unser Austausch

mit dem Westen abgenommen hat. Wir wissen vielleicht weniger darüber, was
in bestimmten Laboratorien in Frankreich, Deutschland und Schweden geschieht,
als was in der Sowjetunion passiert.
FRAGE: Welche Vorteile ergaben sich nach Ihrer Ansicht für die
Vereinigten Staaten in den letzten 20 Jahren aus deren Austauschprogramm
mit der Sowjetunion?
ANTWORT: Sicherlich ist der politische Vorteil am höchsten zu bewerten. Es gab eine Reihe anderer greifbarer Entwicklungen wie z.B. die
Zusammenarbeit in der nuklearen Fusionsforschung. Auch die Zusammenarbeit
in der Raumfahrt fing gerade an, bei der Planetenforschung konkrete
Ergebnisse zu zeitigen und die landwirtschaftliche Forschung war sehr
erfolgreich.
FRAGE: Wie beurteilen Sie Auswirkungen der sowjetischen Invasion in
Afghanistan und der Verbannung Sacharows auf die amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen im Wissenschaftsbereich?
ANTWORT:

Ich glaube, wir müssen hier zwischen dem Verhalten der

amerikanischen Regierung als dem einer Regierung und den amerikanischen
Wissenschaftlerkreisen eine Trennung machen.

Unsere Regierung gibt der

Sowjetunion ihr Mißfallen hinsichtlich Afghanistan deutlich zu erkennen.
Ganz

- 5 -

�Ganz abgesehen von der Einschränkung der Getreideverkäufe hat unsere
Regierung beschlossen, den wissenschaftlichen Austausch auf Einzelbesuche
in beiden Richtungen zu begrenzen.

Alle die großen, bilateralen Konferenzen,

die vorgesehen waren, sind auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der große

Tunnel für die MHD-Maschine, der hier von der Fa. Westinghouse gebaut wurde
und sich auf dem Weg in die Sowjetunion befand, wird jetzt zurückgehalten.
Und alle übrigen offen sichtbaren Aspekte des Austauschprogramms der
amerikanischen Regierung sind blockiert.
In unseren Programmen an der Nationalen Akademie der Wissenschaften
haben wir im wesentlichen die gleiche Entscheidung getroffen.

Wir unter-

halten eine Reihe bilateraler Seminare, obgleich unser Programm vornehmlich
darin besteht, einzelnen Wissenschaftlern Gastaufenthalte zu ermöglichen.
Wir sagten, daß wir im wesentlichen dasselbe wie die Regierung tun
würden.

Wir wären mit Besuchsreisen einzelner Wissenschaftler in beiden

Richtungen einverstanden.

Und ob sich dann der eine oder andere Amerikaner

dafür entscheidet, nicht zu gehen, muß er mit seinem eigenen Gewissen ausmachen.

Wir haben die Abhaltung der großen bilateralen Seminare, für die wir

verantwortlich sind, zunächst verschoben.
FRAGE:

Welchen Umfang wird nach Ihrer Meinung der wissenschaftliche

Austausch zwischen den Vereinigten Staaten und osteuropäischen Ländern
künftig haben?
ANTWORT: Wir erwarten jetzt, daß er planmäßig weitergeht. Wenn die
Dinge so laufen, wie wir es in der Akademie und in der Regierung gerne
sähen, würden diese Austauschvorhaben in keiner Weise von unserem Verhältnis
zur Sowjetunion beeinflußt.
FRAGE:

Mit welchen osteuropäischen Ländern außerhalb der Sowjetunion

haben wir die aktivsten Austauschprogramme?
ANTWORT
- 6 -

�ANTWORT:

Der Austausch über die Nationale Akademie der Wissenschaften

mit der Tschechoslowakei, mit Ungarn und Polen hat etwa die gleichen Größenordnung.

Mit Jugoslawien ist er etwas umfangreicher als mit den erstgenannten

Ländern, mit Rumänien und Bulgarien etwas geringer.
wir ein Austauschprogramm mit Ostdeutschland.

Vor kurzem begannen

Wir nahmen die Gespräche mit

den Ostdeutschen darüber bereits auf, als es noch keine diplomatischen
Beziehungen zwischen unseren Ländern gab.
Das Programm der Akademie mit den Sowjets reicht bis 1958 zurück- es
begann fast zwei Jahrzehnte früher als das Regierungsprogramm.
Wir brachten im Jahr 1972 Gespräche mit den Chinesen und Austauschprogramme in Gang, also weit vor der Änderung in den Beziehungen der beiden
Regierungen. Diese Art von Erörterungen und Aktivitäten haben sicherlich
den Weg geebnet.

+ + + + +

- 7 -

�3
I 3
12

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
20. Februar 1980

LIZENZ FÜR AKUSTISCHES MIKROSKOP AN FA. LEITZ

- (AD) - Die Stanford-Universität (Kalifornien, USA) vergab an die
Fa. Ernst Leitz in Wetzlar die Lizenz zum Bau des sog. akustischen Mikroskops.
Wie Niels J. Reimers, der an der Stanford-Universität für TechnologieLizenzabkommen zuständig ist, dazu erklärte, wurden nunmehr die Voraussetzungen
geschaffen, das in fünfjähriger Gruppenarbeit entwickelte Ultraschallmikroskop auf den Markt zu bringen. Die Entwicklungen standen unter der
Leitung von Prof. Calvin F. Quate vom Department für angewandte Physik und
Elektrotechnik.
Die Arbeitsweise des Instruments beruht auf dem Prinzip, Objekte, die
mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar sind, mit Schallwellen sehr hoher
Frequenz - 500 Millionen bis 1 Milliarde Schwingungen in der Sekunde abzutasten, die am Objekt entstehenden Echosignale mittel eines piezoelektrischen Transducers in elektrische Signale umzuwandeln und auf einem
Bildschirm sichtbar zu machen. (Zum Vergleich: Das menschliche Ohr
vermag "normale" Schallwellen mit etwa 20 bis 20 000 Schwingungen pro
Sekunde zu erfassen.)
Mit

Postfach 20 0 3 OO
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Mit der Stanford-Entwicklung erhielt die Ultraschall-Technik nicht
nur Eingang in einen Bereich der Mikroweit, der bisher dem optischen
Mikroskop vorbehalten war, sondern sie vermochte diesen sogar zu erweitern.
Denn durch die Sondierung mit Ultraschall wellen werden in zahlreichen
Fällen Details erkennbar, die bei der Betrachtung unter dem Lichtmikroskop
überhaupt nicht in Erscheinung treten.

So werden u.a. an biologischen

Präparaten wie Zellen, ja sogar bei Komponenten des Zellkerns innere
Strukturen sichtbar und in mehrtausendfacher Vergrößerung abgebildet.

Man

hofft, mit der Zeit die Technik so zu verbessern, daß auch die lebende Zelle
der mikroskopischen Ultraschall-Untersuchung zugänglich wird.
Wie Prof. Quate erklärte, sind "einige Substanzen durchlässig für
Lichtwellen, nicht aber für akustische Wellen.

Bei anderen Substanzen,

z.B. bei einem metallischen Film, ist es genau umgekehrt.

So lassen sich

mit dem Schallstrahl des akustischen Mikroskops Schichten durchdringen, die
optisch nur schwer oder überhaupt nicht zu untersuchen sind".

Das Ultra-

schallmikroskop erlaubt außerdem die Prüfung bestimmter Eigenschaften
des Objekts, die das optische Bild niemals wiedergeben könnte.

Das kommt

daher, daß z.B. die Dichte, Elastizität und Viskosität des Probenmaterials
die auftreffenden Schallwellen auf typische Weise verändern, was deren
Echos und damit die Wiedergabe des Objekts auf dem Bildschirm beeinflußt.
Dr. Werner A. Noli von der Fa. Leitz rechnet mit der Anwendung des
akustischen Mikroskops vor allem auf dem Gebiet der industriellen Werkstofftechnik, der Elektronik und der biologischen Forschung. In Wetzlar,
am Sitz des Unternehmens mit einer 128jährigen Tradition für den Bau
optischer Geräte, leitet K. Heitmann das gesamte Projekt. Ein Prototyp des
Instruments dürfte nach Meinung Heitmanns in etwa einem Jahr fertiggestellt
sein. Einige Komponenten sollen in den Vereinigten Staaten hergestellt
werden; Verhandlungen mit amerikanischen Elektronik-Firmen über diesen
Plan sind noch im Gange.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Langfristige nukleare Entsorgung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Carter kündigt Sonderprogramme an -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Carters vom 13. Februar 1980&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des amerikanischen Außenministers vor der Vollversammlung des IOC&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA würdigen Schlussbericht der Brandt-Kommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Presseverlautbarung der IDCA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische Beschuldigung gegen die USA "vollkommen aus der Luft gegriffen"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung wissenschaftlicher Ost-West-Kontakte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Interview mit Dr. Philip Handler, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lizenz für akustisches Mikroskop an Fa. Leitz</text>
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Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13
INHALT

DOKUMENTATION
Brief des US-Botschafters in Moskau an die "Literaturnaja Gazeta"
- Wortlaut Die sowjetische Invasion Afghanistans und die Reaktion der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten
- Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris Erklärung des Weißen Hauses zu den Olympischen Spielen in Moskau
Erklärung des Weißen Hauses zur Untersuchungskommission im Iran

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Regierung über GiftmUn-Export besorgt
- Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Menschliche Gene werden kartiert

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Dokumentation

I 1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

BRIEF DES US-BOTSCHAFTERS IN MOSKAU AN DIE "LITERATURNAJA GAZETA"
- Wortlaut -

MOSKAU - (AD) - Der Botschafter der Vereinigten Staaten in der
UdSSR, Thomas A. Watson, hat in einem Schreiben an die sowjetische Zeitschrift "Literaturnaja Gazeta" den nachhaltigen Wunsch Amerikas nach
"friedlichen und beiderseits nützlichen Beziehungen" zur Sowjetunion
unterstrichen. Die Zeitschrift hatte am 6. Februar einen offenen Brief
an Präsident Carter veröffentlicht, in dem eine Reihe von Maßnahmen der
amerikanischen Regierung als eine Fehleinschätzung der sowjetischen Rolle
in Afghanistan und als Bedrohung des Weltfriedens dargestellt wurde.
In seinem Schreiben an den Chefredakteur der "Gazeta", Alexander
Tschakowskij, gab Botschafter Watson seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Zeitschrift seine Antwort in voller Länge abdrucken werde, damit die Leser
sich ein umfassendes Bild machen könnten.
Am 22. Februar teilte die "Literaturnaja Gazeta" der amerikanischen
Botschaft in Moskau mit, daß sie das Antwortschreiben Watsons nicht

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�nicht veröffentlichen könne.
Das Schreiben von Botschafter Watson an die sowjetische Zeitschrift
hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Tschakowskij,
In der Ausgabe der "Literaturnaja Gazeta" vom 6. Februar haben Sie
einen offenen Brief an Präsident Carter veröffentlicht.

Wie Sie wissen,

haben in jüngster Zeit verschiedene große amerikanische Nachrichtenmedien,
darunter Newsweek, The New York Times

und die International Herald Tribüne,

Erklärungen sowjetischer RegierungsVertreter, in denen die sowjetischen
Ansichten zum derzeitigen Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
dargelegt wurden, im vollen Wortlaut veröffentlicht.

Ich vertraue darauf,

daß Sie im gleichen Geiste in der Lage sein werden, diese Antwort in voller
Länge abzudrucken, damit die Leser Ihrer wichtigen Zeitschrift eine ähnliche
Gelegenheit erhalten, sich ein Bild über alle Gesichtspunkte zu machen.
Sie haben Ihrem Brief ein Vorwort vorangestellt, in dem Sie tiefe
Unzufriedenheit und Besorgnis über eine, wie Sie es nannten, "scharfe
Kursänderung in der Politik der amerikanischen Regierung und ihrer möglichen
unerwünschten Folgen für den Weltfrieden" zum Ausdruck brachten. Sie
führten eine Reihe von Maßnahmen der Carter-Administration an, die, wie Sie
sagten, zu einer Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
geführt und letztlich die Intervention der Sowjetunion in Afghanistan
gerechtfertigt hätten. Und schließlich haben Sie den Präsidenten beschuldigt,
die sowjetische Rolle in Afghanistan falsch zu interpretieren und die Motive
und die moralische Berechtigung der amerikanischen Reaktion auf die dortigen
Ereignisse in Frage gestellt.
Es steht außer Frage, Herr Tschakowskij, daß sich die Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern in letzter Zeit verschlechtert haben.

Wie

�Wie Präsident Carter am 20. Januar festgestellt hat, besteht eine eindeutige Bedrohung des Friedens. Aber Ihre Analyse der für diese Situation
verantwortlichen Faktoren ist nicht richtig.
Es ist vielmehr so, daß der Verlauf der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen seit 1973 durch eine Reihe sowjetischer Handlungen negativ
beeinflußt wurde, die in den Vereinigten Staaten die generelle Unterstützung besserer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern und eines
Abbaus der Spannungen in der ganzen Welt untergraben haben. Ich will nicht
versuchen, in diesem Schreiben die ganze traurige Geschichte aufzurollen.
Ich möchte jedoch, daß Ihre Leser erkennen, daß in den Vereinigten Staaten
der überwältigende Wunsch herrscht, friedliche und beiderseits nützliche
Beziehungen zur Sowjetunion herzustellen; daß die Amerikaner jedoch meinen,
daß es die sowjetischen Maßnahmen waren, die die Entwicklung solcher Beziehungen
verhindert haben.
Die jüngste Aktion dieser Art - der Einmarsch sowjetischer Streitkräfte in Afghanistan - hat eine sehr negative Auswirkung auf die amerikanischen Vorstellungen bezüglich der vor den Sowjets in der Welt verfolgten
Zielen gehabt. Damit Ihre Leser jedoch nicht glauben, diese Reaktion stehe
lediglich in Verbindung mit der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, möchte ich die Reaktionen der Völkergemeinschaft der Welt aufzählen.
-

Schon wenige Tage nach der Invasion Afghanistans durch sowjetische
Truppen forderten über 50 Nationen - die Mehrzahl von ihnen
Entwicklungsländer und blockfreie Staaten - den Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen auf, die sowjetische Aktion zu verurteilen
und den Rückzug aus Afghanistan zu verlangen. Die Sowjetunion machte
von ihrem Vetorecht Gebrauch, um so eine Resolution zu blockieren,
die von den Blockfreien abgefaßt und mitgetragen wurde.
Eine

- 3 -

�-

Eine Woche später stimmten 104 Mitglieder der UN-Vollversammlung
- eine überwältigende Mehrheit - für eine ähnliche Resolution, wie
die von der Sowjetunion durch ihr Veto im Sicherheitsrat zu Fall
gebrachte

Wiederum wurde diese Resolution von Mitgliedern der

blockfreien Gruppe abgefaßt und eingebracht.
•

-

Schließlich verurteilten auf der Konferenz von Islamabad vom 26.
bis 29. Januar über 35 islamische Außenminister die sowjetische
Invasion Afghanistans und forderten den Abzug der sowjetischen
Truppen sowie den Abbruch der Beziehungen zu dem mit sowjetischer
Waffengewalt in Afghanistan eingesetzten Regime.
•

-

Diese Reaktionen zeigen die klare Erkenntnis, daß die sowjetische
Invasion Afghanistans eine Herausforderung der gesamten inter- .
nationalen Völkergemeinschaft darstellt.

Noch nie ist eine Aktion

einer Weltmacht auf eine raschere und allgemeinere Verurteilung
gestoßen.

Ihre Leser mögen sich fragen, warum die Welt so energisch

und hart reagierte; eine Rekapitulation der Tatsachen wird ihnen zum
Verständnis helfen:
-

In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember begann eine massive Luftlandeoperation sowjetischer Truppen in Kabul und an anderen Punkten in
Afghanistan, die bis zum 27. Dezember anhielt. Angeblich waren
diese Truppen von dem Amin-Regime angefordert worden.

-

Am Abend des 27, Dezember erlangten diese Streitkräfte nach intensiven
Kämpfen mit afghanischen Truppen die Kontrolle über Kabul und
stürzten

die bestehende Regierung.

Präsident Amin, dessen repressives

Regime die UdSSR mit Waffen, Menschen und Material unterstützt hatte,
wurde liquidiert,

(Sowjetische Behauptungen, Amin sei ein amerika-

nischer Agent gewesen, stießen auf ein klares Dementi, und selbst diejenigen, die unseren Dementis nicht glauben, müssen einsehen, daß

�daß - wären diese Behauptungen wahr gesesen - ein angeblicher
CIA-Agent doch wohl kaum sowjetische Truppen in sein Land gerufen
hätte, damit sie ihn absetzen.)
-

Die erste Bekanntgabe von der Ersetzung Amins durch Babrak Karmal
erfolgte nicht von Radio Kabul, das damals unter dem Angriff
sowjetischer Truppen stand, sondern von Sendern in der Sowjetunion.
Karmal war zu jener Zeit offensichtlich nicht einmal in Kabul,
sondern erschien erst einige Tage später in der Öffentlichkeit.

-

Inzwischen hatten sowjetische Truppen in Stärke von 50 000 Mann
die afghanische Grenze überschritten und verteilten sich über das
ganze Land, wobei sie die wichtigsten städtischen Zentren unter
ihre Kontrolle brachten.

-

Zur Zeit befinden sich über 90 000 sowjetische Soldaten in Afghanistan
- wohl kaum ein begrenztes Truppenkontingent.

-

Sie führen Operationen gegen die auf ihre Unabhängigkeit stolze und
religiöse muselmanische Bevölkerung durch. Diese Bevölkerung hatte
früher gegen das Taraki- und Amin-Regime gekämpft, um ihren Glauben
und ihre Lebensformen zu bewahren. Behauptungen, daß die Opposition
des afghanischen Volkes gegen Taraki, Amin und jetzt gegen Karmal
von außen her angefacht worden sei, werden durch keine Tatsachen
gestützt.

-

Ohne die massive sowjetische Präsenz in Afghanistan würde das
Karmal-Regime zusammenbrechen, da es von der Bevölkerung nicht
getragen wird.

-

Ich habe mich mit diesen Tatsachen etwas eingehender befaßt, weil
ich möchte, daß Ihre Leser wissen, warum die öffentliche Welt-

- 5 -

�Weltmeinung von den Ereignissen in Afghanistan so betroffen wurde.
Dies erschien der Welt als ein klares Beispiel für die Einmischung
in die inneren Angelegenheiten eines kleinen, von Unruhen heimgesuchten
Landes durch eine benachbarte Supermacht.

Angesichts der eindrucks-

vollen militärischen Stärke der Sowjetunion ist es schwer zu
akzeptieren, daß dabei irgendeine Gefahr für lebenswichtige sowjetische
Interessen mit im Spiel war, und daher ist es besonders schwer zu
verstehen, warum die sowjetische Regierung sich zu einer Aktion
entschließen sollte, durch die die internationalen Spannungen an
diesem so entscheidend wichtigen Zeitpunkt in der Weltpolitik
gefährlich erhöht werden.
Wie Sie wissen, wurde der wichtige Vertrag über die Begrenzung der
strategischen Kernwaffen, der in Wien von Präsident Carter und Präsident
Breschnew unterzeichnet worden war, dem Senat der Vereinigten Staaten zur
Ratifizierung vorgelegt und eine ernsthafte Debatte während mehrerer Monate
darüber geführt. Angesichts des sowjetischen Vorgehens in Afghanistan hat
Präsident Carter jedoch die weitere Erörterung des Vertrages durch den Senat
ausgesetzt. Er wird auch weiterhin in engen Beratungen mit dem Kongreß
stehen, um die Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen, und ich hoffe, daß es
bald möglich sein wird, die Erörterungen des SALT II-Vertrages im Senat
wieder aufzunehmen.
Was die weiteren von Präsident Carter in Reaktion auf die Invasion
angekündigten Maßnahmen anbetrifft, so sind sie zweifellos für unsere
Beziehungen bedeutsam. In ihnen kommt der Ernst der Situation zum Ausdruck,
die durch die Sowjetunion geschaffen wurde. Wie der Präsident hervorhob,
können die Vereinigten Staaten - zusammen mit anderen Ländern, die sich
zu den Prinzipien der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit bekennen angesichts dieser Herausforderung gegenüber den etablierten Grundsätzen
des Völkerrechts und des internationalen Verhaltens in ihrem Umgang mit
der Sowjetunion nicht weiterhin so tun, als wäre nichts geschehen. Das

- 6 -

�Das heißt nicht, daß wir die Rückkehr in den Kalten Krieg wollen, und es
heißt auch keinesfalls, daß wir das sowjetische Volk und seine offiziellen
Vertreter, mit denen wir viele gute Möglichkeiten für eine für beide Seiten
nützliche Zusammenarbeit und einen Gedankenaustausch geschaffen haben,
"bestrafen" wollten.

Es heißt jedoch, daß wir wollen, daß die sowjetische

Regierung und das sowjetische Volk verstehen, wie stark wir von dem betroffen sind, was in Afghanistan geschah.
Vor diesem Hintergrund können Sie und Ihre Leser vielleicht die
Trauer verstehen, mit der Amerikaner solche maß- und zügellosen Erklärungen,
wie die in Ihrem Brief aufgestellte Behauptung entgegennehmen, daß Präsident
Carter den Kurs eines "rapiden und hysterischen Anti-Sowjetismus" eingeschlagen habe. Das ist einfach nicht wahr. Ihren Lesern eine solche falsche
Anschuldigung vorzusetzen, erschwert nur unnötig den künftigen Kurs unserer
Beziehungen und die Aussichten auf eine friedliche Welt ohne Gefahr eines
Krieges und ohne Verletzung der Souveränität und Unabhängigkeit der Völker.
Sie fragen in Ihrem Brief, welches die Ziele der USA in der kommenden
Zeit seien. Sie können versichert sein, daß sie sich nicht geändert haben.
Unsere Ziele sind: den Frieden erhalten, Mittel finden (vor allem durch
Rüstungskontrolle), um die Spannungen zwischen unseren beiden Ländern und
in der Welt insgesamt zu verringern, und wo es möglich ist und in unserem
beiderseitigen Interesse liegt, die Kooperation zwischen Ost und West zu
erweitern. Aber ehe wir realistisch einen weiteren Fortschritt in Richtung
auf diese Ziele hin erwarten können, muß die Sowjetunion ihrerseits eine
Frage beantworten: Wird die Sowjetunion helfen, stabilere internationale
Verhältnisse zu schaffen, in denen ihre eigenen und die legitimen friedlichen
Anliegen anderer Länder wahrgenommen werden können und wo kein Land die
Invasion durch ein anderes Land zu fürchten hat?
Hochachtungsvoll
gez.: Thomas J. Watson, Jr.
+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

DIE SOWJETISCHE INVASION AFGHANISTANS UND DIE REAKTION
DER VEREINIGTEN STAATEN UND IHRER VERBÜNDETEN
Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris

PARIS

- (AD) - In einer Rede vor dem "American Club of Paris" ging

der Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich, Arthur A Hartman,
am 20. Februar 1980 auf die amerikanische Reaktion auf die sowjetische
Invasion Afghanistans sowie auf die Haltung der europäischen Verbündeten
in dieser Frage ein.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte eindringlich und ernsthaft zwei Aspekte des gleichen
Problems behandeln - erstens, die amerikanische Analyse der Ereignisse
in Afghanistan und die darauffolgende Reaktion und zweitens,warum wir nach
meiner Ansicht in dieser Frage Schwierigkeiten mit unseren europäischen
Freunden haben.

Zu

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Zu Anfang meiner Ausführungen möchte ich sagen, daß ein Großteil
unseres Problems zurückgeht auf die Anwendung des französischen Wortes
"detente" - ein großes Mißverständnis, weil entgegen der gängigen Weisheit
die französische Sprache nicht immer eine Hilfe für luzide Klarheit ist,
sondern vielmehr beim Geschriebenen das bewirken kann, was ein Löschblatt
hervorruft, wenn man darauf mit Tinte schreibt. Vom Standpunkt des Westens
läßt sich der Ausdruck "detente" im allgemeinen Sinne als das Verhalten
beschreiben, das man gegenüber einer expansionistischen und mächtigen
Sowjetunion zu einer Zeit einnimmt, in der ein uneingeschränkter Krieg
durchaus zu einem Mittel geworden ist, um die Welt zu zerstören.

Das

Problem in dieser Form hat uns seit über einem Jahrzehnt begleitet und
stellte sich somit zumindest für die letzten drei amerikanischen Präsidenten:
Nixon, Ford und Carter - als Aufgabe und Herausforderung.

Ich habe an den

Bemühungen um eine Definition von Entspannung (detente) in jeder dieser
Administrationen teilgenommen und bin mehr erstaunt über die Kontinuität
dieser Anstrengungen als über ihre Unterschiede.

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten bedeutete Entspannung stets eine zweigleisige Politik.
Einerseits bot sie die Aussicht auf ein sichereres und kooperativeres
Verhältnis zur Sowjetunion:

Verminderung des strategischen Wettrüstens,

Steigerung des für beide Seiten vorteilhaften Handels und Investierens,
Schaffung eines Netzes von Beziehungen auf wissenschaftlichem und kulturellem
Gebiet.

Andererseits erforderte die Entspannung eine Zurückhaltung der

Sowjets in ihrem globalen Verhalten sowie eine ausreichende militärische
Stärke Amerikas, um eine glaubhafte Abschreckung gegen den sowjetischen
Expansionismus zu bieten.

Jeweils war der eine Aspekt dieser Politik

immer von entscheidender Wichtigkeit für den anderen; die Verbindung von
Anreiz und Warnung, von Zuckerbrot und Peitsche mußte zusammen bestehen.
Es erwies sich, daß sich eine solche Politik unter den amerikanischen
Gegebenheiten nur sehr schwer durchführen ließ.

So wurde beispielsweise

die eine Seite - die des Anreizes oder Zuckerbrots - durch die Aktion
des Kongresses im Jahre 1974 geschwächt, die ein absolutes Junktim zwischen

- 2 -

�zwischen dem Handel und der sowjetischen Bereitschaft forderte, eine
bestimmte Quote von Emigranten zuzulassen, und die damit der Administration
die Hände band. Moskau lehnte ein solches Junktim ab, und der Handel
welkte. Auf der Seite der Warnung oder der Peitsche blieb der sowjetischkubanische Vorstoß nach Angola Ende 1976 weitgehend unbeantwortet, weil
es in der Öffentlichkeit keine Unterstützung gab, um ihn zu kontern. Aber
wenn es auch in der Durchführung der amerikanischen Politik Inkonsequenzen
gab, so war es doch die sowjetische Aggressivität, die primär für die
Verschlechterung der Beziehungen im Verlauf der letzten Jahre verantwortlich
war. Niemand in der amerikanischen Führung hat sich je irgendwelche
Illusionen über den rücksichtslosen Opportunismus gemacht, dem Moskau
folgte. Die Sowjets selbst haben sich darüber recht deutlich ausgesprochen.
Wie Breschnew im Jahre 1976 sagte: "Entspannung hebt nicht im geringsten...
die Gesetze des Klassenkampfes auf..." Auf den Vorstoß in Angola erfolgten
die von den Sowjets gestützten Bewegungen in Äthiopien, im Südjemen, in
Kambodscha und in jüngster Zeit in Afghanistan.

Auf welche Weise hat die Regierung Carter die Entspannung betrieben?
Nicht viel anders als ihre Vorgänger, nämlich als eine Kombination von
Verhandlungen zur Ermutigung eines zivilisierten sowjetischen Verhaltens
und von Strafen zur Entmutigung sowjetischer Aggressivität.

Die stärkere

öffentliche Betonung der Menschenrechte lag genau auf dieser Linie und
bedeutete eher einen Wechsel in der Betonung und im Stil.
Auf der einen Seite unternahm der Präsident große Anstrengungen,
um den SALT II-Vertrag fertigzustellen - einen Vertrag, der eindeutig
im Interesse der Vereinigten Staaten liegt, errichtet er doch Höchstgrenzen
für die strategische Rüstung der Sowjetunion. Obgleich die Invasion
Afghanistans den Vertrag gefährdet, bleibt der Präsident doch auch weiterhin
der Kontrolle von Kernwaffen verpflichtet. Auf der anderen Seite gibt es
eine Tendenz, die Schritte zu vergessen, die die Regierung Carter schon
vor Afghanistan unternommen hat, um auf die sowjetische Aufrüstung zu

- 3 -

�zu antworten.

Wir entschlossen uns dazu, die mobile Rakete MX zu bauen,

um eine unverwundbare landgestützte Abschreckungswaffe zu bekommen.

Wir

übernahmen eine führende Rolle bei der Entscheidung des Bündnisses,
modernisierte Kernwaffen in Europa als Antwort auf die sowjetische SS-20
zu dislozieren.

Wir begannen mit der Verbesserung unserer Fähigkeit,

amerikanische Streitkräfte rasch in entfernte Gebiete zu dislozieren.
Hierbei handelt es sich um langfristige Politiken.

Die Invasion Afghanistans

machte deutlich, daß auch eine unmittelbarere Antwort erforderlich war.
Was bedeutet Afghanistan?

Meiner Meinung nach wurden viel Tinte und

Worte in dem Versuch verschwendet, die Beweggründe der Sowjets zu definieren.
Aber was immer ihre Beweggründe sind, so ergeben sich doch bestimmte objektive
Konsequenzen aus der Brutalität der sowjetischen Intervention und den dabei
verwendeten Mitteln:
-

Erstens,

zum erstenmal wurden ganze Einheiten sowjetischer Truppen

außerhalb Osteuropas eingesetzt, um die koloniale Herrschaft
Moskaus auszuweiten.

Und wie die Sowjets den Warschauer Pakt

benützten, um die Invasion in Ungarn und in der Tschechoslowakei
zu rechtfertigen, so haben sie ihren Vertrag über Freundschaft
und Zusammenarbeit mit Afghanistan angeführt, um ihre dortige
Invasion zu verteidigen. Es verdient Beachtung, daß Moskau ähnliche
Verträge mit sechs weiteren Ländern hat. Drei davon - Südjemen,
Äthiopien und Irak - in der kritischen Golfregion.
-

Zweitens, die Einnahme Afghanistans spiegelt eine weitere Ausdehnung
des Machtbereichs Moskaus über seine Grenzen hinaus wider und verstärkt die Stützpunkte auf der arabischen Halbinsel und in Ostafrika.

-

Drittens, sowjetische Truppen sind nunmehr in einer Position, um
die Nachbarn Afghanistans unmittelbar zu bedrohen. Sie sind an
den Grenzen zu Pakistan. Außerdem besteht eine zusätzliche Bedrohung

�Bedrohung des angrenzenden Iran, der bereits durch einen Prozeß
der Desintegration gefährdet ist.

Zudem wird das nahegelegene China

unter zusätzlichen Druck gesetzt.

-

Viertens, der sowjetische Vorstoß nach Afghanistan bedroht eine
Region, in der mehr als zwei Drittel des exportierbaren Öls der Welt
lagern.

Unter solchen Umständen war eine kraftvolle amerikanische Reaktion
eindeutig erforderlich.

Versuchen Sie sich einmal die Lage vorzustellen,

hätte es keine solche amerikanische Reaktion gegeben.

Sicherlich würde

eine ganze Reihe der Staaten - vielleicht einschließlich einiger in dem
kritischen Golfgebiet -, die jene 104: 18-Abstimmung bei den Vereinten
Nationen gegen die sowjetische Invasion zustandebrachten, sich stattdessen
untereinander um eine Beilegung des Streites mit den Sowjets streiten.
Diejenigen in Moskau, die begierig danach sind, ihre Macht auszuweiten,und
von den Kosten nicht überzeugt sind, würden den Schluß gezogen haben,
daß sich ihr Einsatz ausgezahlt hat und das Spiel ungestraft erneut
versucht werden könnte.

Und schließlich:

Viele von denjenigen in West-

europa, die heute von amerikanischer Überreaktion flüstern, würden sich
darüber aufgeregt haben, daß die Vereinigten Staaten "ein weiteres Land
verloren" haben.

Daher war der Schritt des Präsidenten, den Sowjets Getreidelieferungen
und fortgeschrittene Technologie vorzuenthalten, sowie seine Anstrengungen
zur Verlegung, Absagung oder Verschiebung der Olympischen Spiele die
richtige Antwort.
unangemessen.

Manche Leute in Europa kritisieren unsere Schritte als

Ich warte noch immer auf eine Liste der angemessenen Schritte.

Manche sagen, diese Schritte würden dem Volk von Afghanistan nicht helfen.
Ich bin mir nicht so sicher.

Aber es geht ohnehin nicht darum!

Das Ziel

der Schritte des Präsidenten war es nicht, die Sowjets zu bestrafen, sondern
sie dadurch vor einer zukünftigen Aggression abzuschrecken, daß ihnen klar-

- 5-

�klargemacht wird, daß sie dafür einen hohen Preis zahlen müssen.
Aufgrund der Bedrohung angrenzender Gebiete beschränkte sich unsere
Reaktion nicht auf Schritte, die unsere bilateralen Beziehungen mit der
Sowjetunion betreffen.

Wir haben auch unser grundlegendes Interesse an

dem Gebiet um den Persischen Golf zum Ausdruck gebracht und unternehmen
Schritte, um die Sicherheit in dieser Region zu erhöhen:
-

Der Präsident hat die Warnung geäußert, daß jeder Versuch einer
außen stehenden Macht, die Kontrolle über die Region um den
Persischen Golf zu erringen, unter "Einsatz aller notwendigen
Mittel, einschließlich militärischer Macht" zurückgeschlagen werden
wi rd.
•

-

Wir haben unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht und
verstärkt und unternehmen derzeit Schritte, damit wichtige Flottenund Luftstützpunkte in dem Gebiet um Nordostafrika und den
Persischen Golf von unseren Streitkräften benützt werden können.

-

Wir haben unser Abkommen aus dem Jahr 1959 bekräftigt, Pakistan
bei der Wahrung seiner Unabhängigkeit und Integrität zu helfen,
und arbeiten an einem militärischen und wirtschaftlichen Hilfsprogramm für Pakistan.
"

•

•

'

'

"

•

!

.

-

Wir haben Frau Gandhi gegenüber unser Interesse an einer engeren
Zusammenarbeit mit Indien zum Ausdruck gebracht und betont, daß
unserer Ansicht nach eine aggressive Sowjetunion auch für Indien
eine Gefahr darstellen kann.

-

Wir werden mit der Normalisierung unserer Beziehungen zu China
fortfahren und der Volksrepublik militärisches Hilfsgerät - jedoch
keine eigentlichen Waffen - verkaufen.
über
- 6 -

�über die Golfregion hinaus sind wir auch in anderen Gebieten wachsam,
die sowjetischem Druck gegenüber verwundbar sein könnten. Auf dem Balkan
ist die Stabilität unseres Verbündeten Türkei und des bündnisfreien
Jugoslawien für die amerikanische Politik von größter Bedeutung.

Und wir

arbeiten daran, einen Konflikt im Nahen Osten zu verhindern.
Als Ergebnis des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel hat
Israel nunmehr zwei Drittel des Sinai an Ägypten zurückgegeben,und die
Beziehungen zwischen den beiden Ländern verbessern sich ständig. Dies ist
eine bemerkenswerte Tatsache, wenn man sich an die Kriege der Jahre 1967
und 1974 zwischen diesen beiden Ländern und an das Maß erinnert, zu welchem
diese die Großmächte hätte einbeziehen können - und auf diese Weise das
Risiko eines Weltkrieges. Was in Camp David erreicht wurde, ist nicht
vollkommen. Wir wissen, daß es heutzutage keine wichtigere Aufgabe gibt
als diejenige, Fortschritte bei der Palästina-Frage zu erzielen. Ein
Fehlschlag bei dieser Aufgabe würde den Nahen Osten zu dauernder Unsicherheit
und Gefahr verurteilen.
Dies also ist Teil einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die die Regierung
der Vereinigten Staaten ergriffen hat. Unsere Antwort auf die Ausweitung
sowjetischer Macht wurde auf mehreren Ebenen gegeben: bilateral, regional
und global. Es handelt sich um eine Antwort, die auf einen Rückzug der
sowjetischen Truppen abzielt, und um einen Versuch, eine garantierte Neutralität
für Afghanistan zu finden. Zugleich ist es eine umfassendere Antwort entworfen, um die Sowjetunion vor Schritten der Aggression an anderen
Stellen abzuschrecken. Sie ignoriert nicht die Tatsache, daß wir uns aus
eigenem Interesse auch weiterhin mit der Sowjetunion auseinandersetzen
werden, besonders in dem Bereich der strategischen Rüstungskontrolle.
Entspannung, verstanden als Methode, die sowohl Anreize als auch Strafen
umfaßt, hat nicht versagt. Aber die sowjetische Aggression hat Strafen
notwendig werden lassen.

Es wird sowjetischer Zurückhaltung bedürfen, um

- 7 -

�um eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit zu ermöglichen. Präsident Carter
deutete die Option an, als er feststellte:
grundlegende Fragen beantworten:

"Die Sowjetuniom muß einige

Will sie dabei helfen, ein stabileres

internationales Umfeld zu fördern, in dem ihre eigenen legitimen, friedlichen
Anliegen verfolgt werden können?

Oder will sie fortfahren, ihre militärische

Macht weit über ihre echten Sicherheitsbedü'rnisse hinaus auszudehnen und
diese Macht für koloniale Eroberung auszunützen?"
Ich glaube, daß die Amerikaner in der gegenwärtigen Krise auf die
einhellige Reaktion unseres Landes auf die zweifache Herausforderung durch
Iran und Afghanistan stolz sein können.

Als Regierung und als Volk haben

wir entschlossen und vernünftig gehandelt - mit Kraft, wenn dies erforderlich
war, mit Zurückhaltung, wenn es solcher bedurfte.

Unsere Antwort auf diese

Herausforderungen hat uns über die Ära nach Vietnam und Watergate hinweggeführt, als wir uns nur allzu oft unbeweglich und gelähmt fanden.
haben wir unsere Stimme und unser Selbstvertrauen wiedergefunden.
eine ruhige, stetige und folgerichtige Politik.

Endlich
Wir verfolgen

Wir würden bei unseren

Verbündeten gern ein gleiches sehen.
Erlauben Sie mir, daß ich mich nun dem Problem zuwende, wie Europa
es sieht»und damit der Frage, warum wir Schwierigkeiten bekamen, zu einer
Verständigung zu gelangen. Erstens, wir sind eine große, offene Demokratie,
die zu ihren Entscheidungen gelangt, indem sie eine unterschiedliche
breite Öffentlichkeit von kontinentalem Größenmaß auf eine vom Präsidenten
vertretene Politik vereint. Fehlt diese Unterstützung durch die breite
Öffentlichkeit, dann kann kein Präsident stark und zielbewußt erscheinen oder in der Tat stark sein. Ein wichtiges Element für jeden amerikanischen
Präsidenten ist die Bekundung vor der Öffentlichkeit, daß unsere Verbündeten
in den gleichen Bahnen denken wir wir selbst.
•

Daher haben die amerikanischen Präsidenten - selbst wenn es keinen
anderen triftigen Grund gab - die Notwendigkeit empfunden, mit ihren

- 8 -

�ihren Verbündeten zu einem Austausch der Ansichten, der Lagebeurteilungen
und der vorgesehenen Strategien zusammenzutreffen.

In Europa scheint in

gewissen Kreisen der entgegengesetzte Impuls zu herrschen.

Da wir relativ

groß und mächtig sind und die einzelnen europäischen Nationen sich selbst
als klein und relativ schwach ansehen, besteht bei den Europäern und vor
allem bei den Franzosen die Tendenz, sich möglichst nicht in eine Lage zu
bringen, in der nach ihrem Gefühl die innenpolitischen Gegner die Führung
beschuldigen könnte, sie beuge sich dem amerikanischen Druck.

Ich fürchte,

daß diese Situation bestehen bleibt bis zu der Zeit, da die wirtschaftliche
Stärke der Europäischen Gemeinschaft -die fast so groß wie die unsrige ist in eine nutzbare politische Kraft und Entscheidung verwandelt werden wird.

Aber wenn wir in dieser Zwischenzeit auch Verständnis für die Probleme
der Form zeigen müssen, was sind denn nun die Fakten?
Als erstes ist hervorzuheben, daß die amerikanischen Ziele und die
unserer Verbündeten die gleichen sind.

Wir wie sie wollen die Bedingungen

schaffen, die notwendig sind, um eine Wiederholung der sowjetischen Aggression
zu verhindern.

Wir wie sie wollen in unseren Beziehungen zu Moskau zu

dem richtigen Gleichgewicht zwischen Festigkeit und Kooperation gelangen,
in dem sich zeigt, was wahre Entspannung überhaupt ist.

Wie sollte das Vorgehen des Westens aussehen?

-

Es muß in der Überzeugung verankert sein, daß Entspannung nicht
teilbar ist; mit anderen Worten, die Sowjets dürfen nicht glauben
können, daß das, was sie in Afghanistan getan haben, in keinem
Zusammenhang mit ihren Beziehungen zu den westlichen Staaten stehe.

-

Ein westliches Vorgehen muß über die bloße Rhetorik hinaus zur
Aktion schreiten.

Die Sowjets werden sich durch Worte allein nicht

davon abbringen lassen, weitere Risiken einzugehen.

- 9-

Sie müssen

�müssen wissen, daß ein fühlbarer Preis zu zahlen sein wird.

So

zu tun, als ob nichts gewesen wäre - das ist kein Rezept für eine
wirksame westliche Antwort auf Afghanistan.
Das westliche Vorgehen muß nicht identische Aktionen seitens der
Verbündeten erfordern, aber es sollte zu parallelen Aktionen führen.
Wie Henry Kissinger vor einigen Wochen in Paris sehr richtig sagte,
wird es nicht gehen,daß die Europäer für sich das Monopol der
Mäßigung haben, während die Amerikaner das Monopol für Druck erhalten.
Das westliche Vorgehen muß nicht die Stärke zum Opfer bringen, die
wir aus unserer politischen Vielfalt ziehen, aber es muß in unseren
gemeinsamen Interessen und Zielsetzungen verwurzelt sein, die uns
als Verbündete einen. Ich glaube, wir sahen diesen Geist in der
Erklärung von Präsident Giscard und Bundeskanzler Schmidt vor zwei
Wochen, als sie die Loyalität ihrer beiden Ländern gegenüber dem
atlantischen Bündnis und ihre Entschlossenheit, ihre dem Bündnis
gegenüber eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, bekräftigten.
In dieser Hinsicht können die Erklärungen gewisser Politiker, daß
Europa "de-nationalisiert" werden und daß Frankreich "einen neuen
Weg zwischen den beiden Supermächten" finden sollte, nur als Ausdruck
neutralistischen Unsinns bezeichnet werden. Es erinnert mich an
eine Episode im Jahre 1939, kurz bevor Hitler den Zweiten Weltkrieg
begann, als die belgische Armee Manöver durchführte, die gegen
Frankreich gerichtet waren, nur um damit ihre Neutralität zu zeigen.
Es scheint mir wichtig, nicht zu vergessen, auf welcher Seite man
steht.

Schließlich gehört zu einem westlichen Vorgehen die Notwendigkeit
häufiger Konsultationen unter den Verbündeten, damit die Gewähr
gegeben ist, daß unsere gemeinsamen Zielsetzungen verfolgt werden,

�werden, daß unsere Lagebeurteilung den letzten Entwicklungen
entspricht und daß unsere Politik in parallelen Richtungen verläuft. Die Mißverständnisse, die die Vorbereitung des Bonner
Treffens überschatteten, sollten nicht unser grundsätzliches Vorgehen überschatten. Ich bin überzeugt, daß das Zusammentreffen
von Außenminister Vance mit Außenminister Francois-Poncet in einem
positiven Geist stattfinden wird.
Warum ist ein einheitliches westliches Vorgehen so wichtig?

Zunächst

einmal deshalb, weil die Vereinigten Staaten kein Monopol auf alle Gelehrsamkeit haben. Wir brauchen den Rat, den Beistand und die Beteiligung
Europas. Außerdem würde ein Mangel an westlicher Einheit es den Sowjets
erlauben, ihr altes Spiel zu betreiben, Europa von den Vereinigten Staaten
zu trennen und Führern in anfälligen Teilen der Welt das Signal zu geben,
daß der Westen Schwäche gezeigt hat. Drittens ist deutlich - auch wenn ich
mir nicht anmaßen möchte, für Europa zu sprechen -, daß die grundlegenden
Interessen Europas betroffen sind, wie die europäische Abhängigkeit von
importiertem Erdöl - neben anderen Faktoren - deutlich machen dürfte.
Wir fordern Europa nicht einfach geistlos dazu auf, sich uns anzuschließen;
aber wir haben ein Recht darauf, von Europa zu erwarten, daß es sich nicht
deshalb von uns distanziert, um seine Unabhängigkeit zu zeigen. Wir fordern
Europa lediglich dazu auf, die Vereinigten Staaten nicht als Kontrastfigur
anzusehen, sondern seine eigenen Interessen zu definieren und danach zu
handeln.
Im Licht unserer gemeinsamen westlichen Ziele kann ich nur erwarten,
daß ein europäischen Vorgehen zum Schutz seiner Interessen den Zusammenhang des Bündnisses stärken würde.

Es wäre tragisch, wenn wir dabei

versagen würden, uns der sowjetischen Herausforderung zu stellen, denn wr
sind so stark, wenn wir einig sind.

Die Sowjets, nicht wir, leiden an

einer alternden Führung, an beginnenden Produktivitätskrisen, an schwerwiegenden Nationalitätenproblemen, hervorgerufen durch die diktatorische

- 11 -

�diktatorische Natur des Regimes.
an zwei Grenzen kümmern.

Sie, nicht wir, müssen sich um Gegner

Sie leiden unter der Unfähigkeit, ihren Einfluß

ander als durch die Ausübung roher Gewalt geltend zu machen,und sind jetzt
von der islamischen Welt als gottlos abgestempelt.

Trotz seiner wirtschaft-

lichen Schwierigkeiten hat der Westen eine wirtschaftliche und technologische
Dynamik - sowie eine politische und moralische Dynamik -, der die Sowjets
nichts entgegensetzen können.
Was wir - wie in allen Zeiten der Krise - als Verbündete brauchen,
ist der politische Wille, uns der Herausforderung auf eine Weise zu stellen,
die unsere gemeinsamen Werte verstärkt. Das ist nicht zuviel verlangt von
Ländern, die das gleiche politische Erbe, die gleichen Vorstellungen von
Freiheit und Demokratie teilen. Die gegenwärtige Herausforderung durch die
Sowjetmacht ist komplex und gefährlich. Aber was mich angeht, so sehe
ich mehr Grund zum Optimismus, was die Antwort der Verbündeten angelangt,
als zur Verzweiflung. Gemeinsam haben wir uns schon früher solcnen Herausforderungen gestellt - in Berlin 1948, in Kuba 1962 und bei der Entscheidung
im vorigen Dezember, der Herausforderung durch die SS-20 mit neuen Raketen
in Westeuropa zu begegnen. Kühle politische Analyse, eine entschlossene
Antwort und eine Fähigkeit, für ein gemeinsames Ziel zusammenzuarbeiten
liegen sicherlich nicht außerhalb unserer Möglichkeiten. Es ist Zeit für
uns alle, daran zu denken, daß das, was uns einigt, wichtiger ist, als was
uns trennt - und weiterzumachen.

+ + + + +

..

.

- 12 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZU DEN OLYMPISCHEN SPIELEN IN MOSKAU

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus gab am 20. Februar bekannt,
daß Präsident Carter dem amerikanischen Olympischen Komitee empfohlen hat,
keine Mannschaft der Vereinigten Staaten zu den Olympischen Sommerspielen
in Moskau zu entsenden.
Vor einem Monat hatte Präsident Carter erklärt, der werde die Führung
des Nationalen Olympischen Komitees der USA auffordern, die Moskauer
Spiele zu boykottieren, falls die sowjetischen Streitkräfte nicht bis zum
20. Februar 1980 aus Afghanistan abgezogen seien.
Nachdem diese Frist unbeachtet abgelaufen war, erklärte das Weiße
Haus:

"Der Präsident hat deshalb dem Olympischen Komitee der Vereinigten

Staaten mitgeteilt, daß seine Entscheidung unverändert feststehe und wir
keine Mannschaft nach Moskau schicken sollten."
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:

Am

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Am 20. Januar schrieb der Präsident an den Präsidenten des Olympischen
Komitees der Vereinigten Staaten,Kane, um das Komitee aufzufordern, sich
an das Internationale Olympische Komitee mit dem Vorschlag zu wenden,
die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau zu verlegen, zu verschieben oder
abzusagen, sollten die sowjetischen Streitkräfte nicht innerhalb eines
Monats vollständig aus Afghanistan abgezogen sein.

Der Präsident forderte

darüber hinaus, daß das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten auch
keine Mannschaft zu den Moskauer Spielen entsenden sollte, falls diese
Vorschläge nicht angenommen würden.
Diese Haltung erhielt die vollste Unterstützung des Kongresses der
Vereinigten Staaten und des amerikanischen Volkes.
Am 12. Februar kündigte das Internationale Olympische Komitee an,
daß es bei seinen Plänen bleiben werde, die Spiele in Moskau abzuhalten.
Am 14. Februar veröffentlichte der Präsident des amerikanischen Olympischen
Komitees, Kane, eine Erklärung, in der es hieß, das Olympische Komitee der
Vereinigten Staaten werde selbstverständlich jede Entscheidung des
Präsidenten darüber akzeptieren, ob eine Mannschaft nach Moskau geschickt
werden solle.
Ein Monat ist jetzt vergangen und die sowjetischen Streitkräfte haben
noch nicht einmal mit dem Abzug aus Afghanistan begonnen. Der Präsident
hat deshalb dem Olympischen Komitee der Vereinigten Staaten mitgeteilt,
daß seine Entscheidung unverändert feststehe und wir keine Mannschaft
nach Moskau schicken sollten. Der Präsident dankte dem Komitee für dessen
Eifer und patriotischen Anstrengungen bei der Unterbreitung des Vorschlags
einer Verlegung, Verschiebung oder Absage der Spiele und ersuchte es,
unverzüglich Schritte einzuleiten, um die Billigung seiner Entscheidung
zu formalisieren.
Das

- 2 -

�Das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten hängt bei seinen
Mitteln von der Großzügigkeit amerikanischer Bürger und der amerikanischen
Geschäftswelt ab.

Obgleich keine amerikanische Mannschaft nach Moskau

geschickt wird, führt das Komitee eine Vielzahl anderer wichtiger und
wertvoller Tätigkeiten durch, um ausgezeichnete Leistungen der Athleten in
diesem Land zu unterstützen.

Der Präsident fordert alle amerikanischen

Bürger dazu auf, ihre finanzielle und moralische Unterstützung des
Komitees fortzusetzen.

+ + + + +

- 3 -

�31
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

27. Februar 1980

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUR UNTERSUCHUNGSKOMMISSION IM IRAN

WASHINGTON - (AD) - In einer vom Weißen Haus am 20. Februar 1980
veröffentlichten Erklärung wird unterstrichen, daß die von den Vereinten
Nationen eingesetzte Untersuchungskommission kein Tribunal sei, sondern
eine Mission zur "Tatsachenfeststellung" unternehme, die die Beschwerde
beider Seiten anhören werde. Es wird darin die Hoffnung zum Ausdruck
gebracht, daß die Kommission "eine baldige Lösung der Krise zwischen
unseren beiden Ländern erzielen wird, was die Freilassung der Geiseln
erfordert."
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Generalsekretär Waldheim hat die Errichtung einer Untersuchungskommission
angekündigt, die nach Iran gehen soll, um die Beschwerde des Iran anzuhören
und eine baldige Lösung der Krise zwischen dem Iran und den Vereinigten
Staaten zu ermöglichen. Er hat erklärt, daß die Kommission mit allen unseren
Leuten sprechen wird.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten und der Iran stimmen in der Einsetzung der
Kommission, wie sie vom Generalsekretär vorgeschlagen wurde, durch beiderseitig annehmbare offizielle Antworten an ihn Liberein.
Bei ihrem Einverständnis haben die Vereinigten Staaten die Erklärung
des Generalsekretärs zur Kenntnis genommen, daß die Kommission eine
Mission zur Tatsachenfeststellung unternehmen wird.
ein Tribunal handeln.

Es wird sich nicht um

Die Vereinigten Staaten setzen voraus, daß die

Kommission die Beschwerden beider Seiten anhören und dem Generalsekretär
berichten wird.

Das amerikanische Volk ist tief gekränkt darüber, daß

der Iran unsere Mitbürger - nachdem er ihnen Schutz zugesagt hatte - als
Geiseln genommen und seit 108 Tagen unter unerträglichen Bedingungen
festgehalten hat.

Die Vereinigten Staaten hegen keinerlei Wunsch, sich in

die inneren Angelegenheiten des Iran einzumischen, aber sie bestehen auf
der sofortigen Rückkehr der 53 Amerikaner, die derzeit illegal in Teheran
festgehalten werden.
•

Die Vereinigten Staaten haben ebenfalls ihre Haltung dahingehend
klargestellt, daß das Zusammentreffen der Kommission mit unseren Mitbürgern
in Einklang mit dem Völkerrecht stehen muß

und daß die Geiseln unter

keinen Umständen einem Verhör unterworfen werden dürfen.

Es ist für die

Kommission jedoch von größter Bedeutung, daß sie ihre vollzählige Anwesenheit feststellen und ihren Zustand beurteilen kann.
Wir hoffen, daß die Kommission - wie es der Generalsekretär gesagt hat
eine baldige Lösung der Krise zwischen unseren beiden Ländern erzielen
wird, was die Freilassung der Geiseln erfordert.

+ + + + +

- 2 -

�3

I a

(KlInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

27. Februar 1980

US-REGIERUNG ÜBER GIFTMULL-EXPORT BESORGT
Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung prüft z.Zt. die
Rechtslage hinsichtlich der ihr möglichen Maßnahmen im Zusammenhang mit
Giftmüllexporten der US-Industrie in andere Länder. Atommüll ist davon
ausgenommen, weil in den Vereinigten Staaten anfallender Atommüll nicht
außer Landes gebracht werden darf. Manche amerikanische Firmen haben mit
anderen Ländern Kontrakte zur Aufnahme von Giftmüll abgeschlossen bzw.
verhandeln noch über solche Projekte, die Transaktionen im Wert von
Millionen von Dollar darstellen.
"Wir sind über mögliche Umwelt- und Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit einer Giftmüll-Lagerung im Ausland besorgt", erklärt Dr. Jack
Blanchard vom Referat Umwelt und Gesundheit im amerikanischen Außenministerium.

Mit dem gleichen Fragenkomplex wurden die Vereinigten Staaten

konfrontiert, als noch vor wenigen Jahren die amerikanische Industrie sich
giftiger Chemikalien und anderer gefährlicher Substanzen an Hunderten von
Stellen im Lande auf verschiedene Weise entledigte.

In einigen Fällen

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Fällen verseuchten die Abfälle in der Folgezeit das Grundwasser oder
vergifteten anderweitig die Umwelt, was bei Einwohnern des betreffenden
Gebietes gesundheitliche Schäden hervorrief.
In Kürze wird im Rahmen des neuen Gesetzes über den Schutz und die
Rückgewinnung von Rohstoffen die Beseitigung von Sondermüll in den
Vereinigten Staaten mit Hilfe der gegenwärtig von der amerikanischen Umweltschutzbehörde ausgearbeiteten Bestimmungen überwacht.

Es gibt bei be-

stimmten Abfällen genügend Möglichkeiten zur Entgiftung, Entseuchung und
auch zur Lagerung.

Bei anderen chemischen Stoffen müssen erst noch

Verfahren zur sicheren Beseitigung oder Lagerung entwickelt werden.
"Wir würden es vorziehen", so Dr. Blanchard, "dieses Problem nicht zu
exportieren".

Aber die Situation ist heikel, weil die Absicht der

Regierung gleichbedeutend mit einer Einmischung in Verfahren der Abfallbeseitigung bei amerikanischen privaten Unternehmen
in die Importpolitik fremder Regierungen ist.

und darüberhinaus

"Wir können nur hoffen, daß

jene Regierungen, die der Aufnahme von Sondermüll zustimmen, auch in der
Lage sind, ihn ordnungsgemäß zu lagern", meinte Dr. Blanchard.

Er spielte

damit auf die Tatsache an, daß sich manche Regierungen von dem Abschluß
solcher Kontrakte Einnahmen, neue Arbeitsplätze oder anderweitige Vorteile
von der Abnahme oder Aufarbeitung von Sondermüll versprechen.
Die Frage des Sondermüllexports wurde im Oktober 1979 aktuell, als
die Firma NEDLOG TECHNOLOGY Group, Inc., berichtete, daß sie mit der
Regierung von Sierra Leone in Verhandlungen stehe, um gegen die Zahlung
von Millionen von Dollar Sondermüll in dieses Land verbringen zu können.
Die Abfälle würden bei Zustandekommen des Vertrags von einem Hafen der
Republik Sierra Leone aus ins Landesinnere gebracht, wo die Fa. NEDLOG
den Bau einer Aufarbeitungs- und Rückgewinnungsanlage plane. Abfälle,
aus denen sich keine brauchbaren Chemikalien, Metalle oder andere Stoffe
würden gewinnen lassen, werde man in nicht mehr benutzten Erzbergwerken

- 2 -

�Erzbergwerken, abgeschlossen von der Außenwelt, lagern. Damals wurde
bekannt, daß sich NEDL06 auch an Chile und ein nicht näher bezeichnetes
drittes Land gewandt hatte.
Seitdem berichtete die amerikanische Presse des öfteren über Firmen,
die angeblich andere afrikanische sowie südamerikanische Regierungen ersucht
hätten, Sondermülldeponien gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen.
Während die Fa. NEDLOG seit dem vorigen Jahre ihre Auslandspläne mit
Vertretern der amerikanischen Bundesregierung erörtert und, wie sie
erklärt, zur Zeit keinen Sondermüll zu exportieren habe, sind die zuständigen
Bundesbehörden besorgt, daß die ihnen bekannt gewordenen Fälle nur die
Spitze eines Eisbergs darstellen könnten. Man sei sich darüber im klaren,
daß es künftig immer häufiger zu einer solchen Situation kommen könne,
weil die Gesetze von Bund, Einzelstaaten und Kommunen immer strenger werden
und sowohl die Kosten als auch die technischen Schwierigkeiten der Sondermüllbeseitigung zunehmen.
So hatte beispielsweise die Fa. Allied Chemical im Jahr 1978 mit
einem Unternehmen in Großbritannien, das über eine Anlage zur Entgiftung
des Pestizids Kepone verfügte, einen Vertrag über Sondermüll abgeschlossen.
In den USA war die Kepone-Beseitigung zu einem Politikum geworden, weil
12 Angestellte einer Firma, die das Pestizid herstellte, an Vergiftungen
erkrankten. Außerdem war durch Kepone eine erhebliche Verseuchung des
James River im Bundesstaat Virginia verursacht worden. Aber auch in
Großbritannien kam es zu Reaktionen der Öffentlichkeit; schließlich erklärte
sich ein westdeutsches Unternehmen mit entsprechenden Anlagen bereit,
Kepone sachgemäß zu vernichten. In jedem Fall arbeitete laut Dr. Blanchard
die amerikanische Regierung "eng mit dem Unternehmen und hohen Regierungsbeamten der betreffenden Länder zusammen, um zu gewährleisten, daß jede
relevante Information über die Gefahren von Kepone allen, die mit der Sache
zu tun hatten, zugänglich gemacht wurde". Im allgemeinen jedoch möchte
die amerikanische Regierung einen gewissen Frei räum zwischen Staat und

- 3 -

�und Privatindustrie erhalten.
Gegenwärtig arbeiten amerikanische Regierungsbeamte an der Formulierung
geeigneter Richtlinien für den Export von Sondermüll, was getrennt von den
Bemühungen läuft, Maßnahmen hinsichtlich des Exports gefährlicher Produkte
zu entwickeln, die in den Vereinigten Staaten nur begrenzt oder überhaupt
nicht angewendet werden düfen.

(Für derartige Produkte mußes vielfach

unterschiedliche AnwendungsVorschriften geben: Während beispielswiese
das Schädlingsbekämpfungsmittel DDT in den USA nur mit starken Einschränkungen
verwendet werden darf, gilt es in einer Reihe anderer Länder für MoskitoVernichtungsaktionen und damit für den Schutz vor Malaria als dringend
notwendig.)
Sowohl in bezug auf gefährliche Produkte als auch Abfall Stoffe überprüft
gegenwärtig die amerikanische Regierung die im Zusammenhang mit dem Export
solcher Substanzen üblichen Meldeverfahren. Sie unterstützt, wie Dr.
Blanchard betont, "voll und ganz die Resolutionen des Umweltprogramms der
Vereinten Nationen und der UN-Vollversammlung, die vollständige Informationen
über verbotene oder gefährliche Chemikalien verlange, welche für Exporte
vorgesehen sind und deren Ausfuhr erschwert werden solid'.

+ + + + +

�I

Wi//cn/chaft
und Technik
International Cominunication Agency
Embassy of ihe United States of America

13

27. Februar 1980

MENSCHLICHE GENE WERDEN KARTIERT

- (AD) - Ein relativ schnelles und einfaches Verfahren zur Ortsbestimmung von Genen in menschlichen Chromosomen hat eine Gruppe von
Biochemikern, Medizinern und Genetikern der Universität Kalifornien in
einem Institut in San Francisco und am Lawrence Livermore Laboratory
entwickelt. Es gelang ihnen, die Zeit für den Prozeß der Lokalisierung
eines Gens auf ein paar Wochen zu verkürzen, wofür bisher unter Umständen
mehrere Jahre erforderlich waren.
Wie schwierig die Genbestimmung beim Menschen ist, erhellt schon
aus der Tatsache, daß die Gesamtzahl der Gene, die beim gesunden Menschen
auf den 46 Chromosomen gespeichert sind, vorläufig nur geschätzt werden
kann - auf 50 000 bis 100 000, von denen bisher 3 000 identifiziert wurden.
Davon konnte man inzwischen an die 300 lokalisieren, d.h. sie einem der
46 Chromosomen zuordnen und ihren Platz innerhalb des betreffenden
Chromosoms ermitteln. Eine Kartierung der Gene trägt dazu bei, die Struktur
des genetischen Materials für den menschlichen Organismus besser zu bestimmen und vielleicht auch das Zusammenwirken von Genen bei den ver-

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
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�verschiedensten Arten gesundheitlicher Störungen zu erfassen.

Die Gen-

Kartierung könnte außerdem Hinweise auf die Natur von chromosomalen Defekten
geben, die schwerwiegende Auswirkungen haben.

Den Ort jener Gene zu finden,

die beispielsweise für Krankheiten wie Hämophilie (Bluterkrankheit),
bestimmte Formen von geistiger Behinderung oder von Polyarthrosen verantwortlich sind, könnte breits den ersten Schritt zu einer die Ursache angehenden
Therapie bedeuten.
Der Schlüssel zu dem jetzigen Erfolg der Wissenschaftler (beteiligt
sind Tony Carrano vom Lawrence Livermore Laboratory, Roger Lebo und Yuet Kan
vom Institut für Genetik in San Francisco und eine Anzahl von Mitarbeitern)
war die Verwendung des am Livermore-Institut entwickelten Zell-Separators.
Mit Hilfe dieser Maschine ist es möglich, Zellen oder Chromosomen blitzschnell zu analysieren und zu trennen.

Von Tausenden menschlicher Zellen

wurden die Chromosomen abgetrennt - mit einer "Ausbeute" von 200 Chromosomen
pro Sekunde.

Dann ging man daran, den Chromosomenverband in seine ver-

schiedenen Untergruppen zu zerlegen.

Dies hätte bei der Anwendung der

bisherigen Verfahren eine Arbeit von Jahren bedeutet, weil bei den im
Labor gewonnenen Zellkulturen nur eine Isolierung von Chromosomen durch
natürliche Prozesse genutzt

werden konnte.

Ein wichtiger Test für das im Lawrence Livermore Laboratory (LLL
abgekürzt) angewandte Verfahren war die Lokalisierung des Gens, das für
die Produktion des Proteins Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) "zuständig"
ist. Die Forscher begannen die Prozedur mit einer "Kopie" des HämoglobinGens. Diese Kopie, in Bakterien kloniert, war ein genaues Duplikat des
"echten" Gens und dazu radioaktiv markiert. Dies wurde durch die
Verwendung eines radioaktiven Isotops von Phosphor erreicht.
Dann galt es, herauszufinden, welchem der 46
Hämoglobin-Gen zuzuordnen ist.

Chromosomen das

Die Wissenschaftler brachten eine Kopie

des Gens mit jedem einzelnen der voneinander getrennten 46 Chromosomen

- 2 -

�Chromosomen in einem "Hybridisierung" genannten Prozeß zusammen.

Beim

Chromosom 11 schließlich war es soweit - die Gen-Kopie verband sich mit
der DNS (Desoxyribonukleinsäure) im Chromosom, das zuständige Chromosom
war gefunden.

Nun wurde der Gen-Ort immer enger eingekreist, bis endlich

mit einer besonderen Aufnahmetechnik die von der Gen-Kopie abgegebene
Radioaktivität den genauen Ort des Hämoglobin-Gens auf dem Chromosom
bestätigte.
"Was unsere Arbeit zur Genort-Bestimmung bisher behinderte, war
die geringe Anzahl von Gen-Kopien, die uns gegenwärtig von verschiedenen
Genen zur Verfügung stehen", berichtet Carrano. Der Forscher hofft, daß
man auf diesem Spezialgebiet schneller vorankommen wird, sobald mehr GenKopien verfügbar werden und mehr Forschungszentren mit besonders leistungsfähigen Zell-Separatoren arbeiten können.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brief des US-Botschafters in Moskau an die "Literaturnaja Gazeta"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Invasion Afghanistans und die Reaktion der Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zu den Olympischen Spiele in Moskau&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zur Untersuchungskommission im Iran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung über Giftmüll-Export besorgt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschliche Gene werden kartiert&amp;nbsp;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of Amei i

5. März 1980

14
INHALT

DOKUMENTATION
Rede des amerikanischen Außenministers Vance vor dem "Chicago Council"
- Wortlaut Interview des Stell vertretenden US-Außenministers mit dem holländischen
Fernsehen

INFORMATION
Von der Konfrontation zur Annäherung der Meinungen
- US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der Konferenz über
Kernbrennstoffzyklen und die Risiken nuklearer Proliferation HINTERGRUNDMATERIAL
—

—

-

—

-

•*

i

i

•

Die sowjetische Intervention in Afghanistan - Moskau auf der Suche nach
einem Vorwand
- Von Marshall Shulman Mit freundlicher Genehmigung von World Paper
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-Regierung fördert Bau von Hydrierwerken
- Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren -

Um Ubcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
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Tel: 02221 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

REDE DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS VANCE VOR DEM "CHICAGO COUNCIL'
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor dem "Chicago Council on Foreign
Relations" umriß der amerikanische Außenminister Cyrus Vance am 3. März 1980
die Ziele der amerikanischen Außenpolitik im Hinblick auf die Lage in
Afghanistan und im Iran.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, hier bei Ihnen zu sein.

Der "Chicago Council on Foreign

Relations" blickt auf eine stolze Tradition zurück als ein Forum, auf dem bedeutsame Fragen der Weltpolitik untersucht und diskutiert werden können.

Seit nahe-

zu 60 Jahren ist diese Organisation ein Zentrum des Nachdenkens, der Erziehung
und der durchdachten Debatte über Amerikas Weg in der Welt.
Ich möchte mich heute mit Ihnen über diesen Weg unterhalten. Denn nie
war es in den zurückliegenden Jahren für unser Volk wichtiger, sich über die
Ziele unserer Nation klar zu sein und über die Schritte, die wir zu deren Verwirklichung zu unternehmen bereit sind.
c ,
So lange

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Solange Amerikaner im Iran gefangengehalten werden, ist ihre unversehrte
Befreiung unser oberstes Ziel.

Die Angelegenheit hat derzeit ein heikles und

schwieriges Stadium erreicht.

Es wäre nicht angemessen, wenn ich heute im De-

tail zu dieser Situation Stellung nehmen würde.
Lassen Sie mich ganz einfach feststellen, daß es unser Ziel ist, die gegenwärtige Krise zu einem frühen Ende zu bringen. Wir hoffen, daß die Arbeit
der Kommission zu diesem Ziel beiträgt.

Unsere Geiseln müssen freigelassen

und unversehrt in die Vereinigten Staaten zurückgebracht werden.

Gleichzeitig

hoffen wir auf einen unabhängigen und sicheren Iran und haben keinerlei Wunsch,
uns in seine inneren Angelegenheiten einzumischen.
Heute möchte ich mich mit Ihnen über eine andere ernste Herausforderung
unterhalten, vor der wir stehen:

die sowjetische Aggression gegen Afghanistan

und die Schritte, die wir in deren Beantwortung unternommen haben.
Ich möchte insbesondere die Absichten diskutieren, die unseren Schritten
zugrundeliegen - und in welcher Beziehung sie zu den langfristigen Zielen der
amerikanischen Außenpolitik stehen.
Lassen Sie mich damit beginnen, zu unterstreichen, worum es geht.
Aufgrund unserer Verpflichtung gegenüber den Prinzipien der nationalen
Unabhängigkeit, der territorialen Integrität und der Menschenrechte können wir
uns nicht abwenden, wenn Staatsgrenzen verletzt werden, - wenn die Unabhängigkeit eines anderen Landes zerstört wird, - wenn der Volkswille durch rohe militärische Gewalt unterdrückt wird.
Worum es in Afghanistan vor allem geht, ist die Freiheit einer Nation und
eines Volkes.
Wir haben es zugleich mit der umfassenderen Bedrohung zu tun, die die
sowjetischen Schritte für Südwestasien und das Gebiet um den Persischen Golf
darstellen.

Wi&gt;

- 2 -

�Wir hängen von diesem Teil der Welt durch ungefähr 25 Prozent unserer
jährlichen Erdöleinfuhren ab.

Unsere Verbündeten und andere Staaten - Entwicklungsländer ebenso wie
Industrieländer - sind in noch größerem Maß von dem öl aus diesem Gebiet abhängig.

Annähernd zwei Drittel der ölimporte Westeuropas und drei Viertel der

japanischen öleinfuhren kommen aus dem Persischen Golf.

Und wir dürfen nicht

vergessen, daß unsere eigene wirtschaftliche Gesundheit eng mit der ihrigen
verbunden ist.

Unser Interesse an dieser Region geht jedoch über das öl, über das Wirtschaftliche hinaus.

Friede und Stabilität in dieser Region sind für die Zukunft unserer
Freunde dort von entscheidender Bedeutung.

Die Stärke und die Fertigkeit,

die wir bei der Unterstützung ihrer Unabhängigkeit zeigen, wird ihnen und anderen die Beständigkeit unserer Absicht demonstrieren.

Dies ist für den

Charakter unserer Bündnisse wichtig, ist wichtig für unsere Beziehungen zu
befreundeten Nationen in allen Regionen der Welt und für unsere zukünftigen
Beziehungen zur Sowjetunion

Es ist daher absolut zutreffend zu sagen, daß die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten, ja, fast der ganzen Welt, in dieser Region auf
dem Spiel stehen.

Ein Versuch jeder äußeren Kraft, die Kontrolle über die

Golfregion zu erlangen, würde einen Angriff auf diese lebenswichtigen Interessen bedeuten.

Und wie der Präsident gesagt hat, würde er "mit allen notwen-

digen Mitteln zurückgewiesen werden, einschließlich militärischer Gewalt."

Nicht einmal die gründlichste Analyse kann mit Sicherheit die sowjetischen
Absichten in diesem Gebiet festlegen - ob ihre Motive in Afghanistan begrenzter Natur sind oder Teil einer umfassenderen Strategie.

Tatsache ist, daß

Zehntausende sowjetischer Soldaten in Afghanistan stehen.

Tatsache ist, daß

die sowjetischen Schritte eine potentielle Bedrohung für die Sicherheit der

- 3 -

�der Staaten in dieser Region und für den freien Zugang der Welt zu den lebenswichtigen Rohstoffquellen und Schiffahrtslinien geschaffen haben.
Eine entschlossene Antwort auf diese potentielle Bedrohung zu geben, bedeutet nicht, apokalyptisch zu sein; es bedeutet lediglich, klug zu sein.
In einer solchen Lage müssen unser eigenes Volk, unsere Verbündeten und
die Führung der Sowjetunion nicht nur verstehen, was die Vereinigten Staaten
in dieser Krise tun, sondern auch, warum sie es tun.
Vor einigen Tagen flog ich auf den Wunsch des Präsidenten hin nach Europa,
um eine Reihe unserer Verbündeten wegen der sowjetischen Invasion Afghanistans
zu konsultieren.

Wir sprachen über unsere gemeinsamen Interessen und über un-

sere gemeinsamen Verantwortlichkeiten.
Ich erklärte, wie die Schritte Amerikas fünf wesentlichen Zielen dienten.
Heute möchte ich sie Ihnen - und der größeren Zuhörerschaft über diesen Raum
hinaus - kurz umreißen.
Unsere erste Absicht ist es, einen hohen Preis für diese Aggression aufzuerlegen - aufgrund unserer Abscheu vor dem, was dem afghanischen Volk angetan wurde, und um dabei zu helfen, vor ähnlichen Unternehmungen anderswo abzuschrecken. Die sowjetische Führung muß begreifen, daß die internationale
Reaktion auf Aggression rasch und entschlossen ist.
Die Schritte, die wir unternommen haben - hinsichtlich Getreide, Technologie, der Olympischen Spiele, der Fischerei rechte und auf anderen Gebieten zeigen unsere Entschlossenheit auf das deutlichste.
Diese Maßnahmen stehen indessen nicht allein.

Denn die Sowjets begegnen

einem hartnäckigen, weitgestützten afghanischen Widerstand.

Und sie wurden

von der überwältigenden Mehrheit der Staaten dieser Welt verurteilt.
.

•

Die

�Die von uns ergriffenen Maßnahmen enthalten Opfer - für unsere Bauern
und unsere Geschäftswelt, für unsere Sportler und unsere Wissenschaftler, ja,
für uns alle.
Aber das amerikanische Volk ist bereit, für den Frieden, den wir lieben,
Opfer zu bringen.
Die Schritte, die wir unternommen haben, dienen aber auch dazu, uns einem
zweiten Ziel näherzubringen: dem Abzug aller sowjetischer Streitkräfte aus
Afghanistan.
Lassen Sie mich heute unterstreichen, daß die Sanktionen, die wir als
Antwort auf die sowjetische Invasion ergriffen haben, so lange in Kraft bleiben werden, bis alle sowjetischen Truppen aus Afghanistan abgezogen sind.
Lassen Sie mich ebenso deutlich unterstreichen, daß es unsere Absicht
ist, diese von uns auferlegten Sanktionen seit der Invasion dieses Landes zurückzunehmen, wenn diese Invasion aufhört, wenn die sowjetischen Truppen vollständig aus Afghanistan abgezogen sind.
Um zu diesem Abzug zu ermutigen, sind wir ebenso bereit - der Präsident
hat es gesagt -, Anstrengungen der internationalen Staatengemeinschaft für
eine neutrale, bündnisfreie afghanische Regierung zu unterstützen, die sich
den Wünschen des afghanischen Volkes empfänglich zeigt. Bei einem sofortigen
Rückzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan wären die Vereinigten Staaten bereit, sich den Nachbarn Afghanistans anzuschließen, um Afghanistans
echte Neutralität und die Nichteinmischung in seine inneren Angelegenheiten
zu garantieren.
Eine solche politische Regelung würde der Brutalität und dem Blutvergießen in Afghanistan ein Ende setzen. Sie würde keinerlei Interessen irgendeines anderen Landes bedrohen, und sie würde unser aller Interesse dienen.
Aber

- 5 -

�Aber lassen Sie mich offen sein: derzeit gibt es keinerlei Anzeichen
für einen sowjetischen Abzug.

Wenn Liberhaupt, so weisen die gegenwärtigen

Zeichen auf das Gegenteil hin.

Der sowjetische Aufmarsch geht weiter, und

ständige Einrichtungen werden geschaffen.
Dies macht unser drittes Ziel umso wichtiger.

Während für die Aggression

so lange wie nötig Strafmaßnahmen auferlegt werden, liegt es zutiefst im Interesse der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten, die Ost-West-Beziehungen in einer Weise zu unterhalten, die deren wesentliches Rahmenwerk bewahrt.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion waren und werden im wesentlichen kompetitiver Natur sein.

Unsere fundamentalen Werte unterscheiden sich.

Interessen divergieren häufig.

Unsere

Wir werden unsere Interessen und unsere Werte

fördern, und wir werden der Aggression entgegentreten.
Aber unser Wettstreit muß durch Zurückhaltung und durch das Gefühl für
die lebenswichtigen Interessen des anderen in Schranken gehalten werden.
Denn eine solche Beziehung zwischen den beiden Supermächten ist für den Frieden von zentraler Bedeutung.
Wir trachten nicht nach der Rückkehr zum Kalten Krieg, zur blinden Konfrontation früherer Zeiten.
Wir werden auch weiterhin unsere, nationalen Interessen im Rahmen ausgewogener und verifizierbarer Rüstungskontroll Vereinbarungen verfolgen - beim
SALT-Prozeß, bei den konventionellen Streitkräften und den nuklearen Mittelstreckensystemen in Europa (TNF), bei den Teststopps für Kernwaffen und in anderen Bereichen.

Vor allem bleibt das Angebot zur Aushandlung eines Abkommens

über die Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa auf dem Tisch.
Die Sowjetunion sollte es mit uns verfolgen.
•

Unser Land hat aus den Rüstungskontroi labkommen Nutzen gezogen, die wir
erzielt haben.

Im Jahr 1963 stellten wir die verderblichen Kernwaffentests

in der Atmosphäre ein.

Das SALT I-Zwischenabkommen fror die Anzahl der stra-

�strategischen Offensivwaffen ein, als die Sowjets in diesem Bereich aufrüsteten, wir aber nicht. Der Vertrag über die ballistischen Abwehrraketen hielt
ein potentiell kostspieliges und destabilisierendes Wettrüsten bei diesen Defensivwaffen auf.
Der SALT II-Vertrag, den wir ausgehandelt haben, dient ebenfalls den
Sicherheitsinteressen Amerikas. Er würde die strategischen Programme der
Sowjets bis 1985 einschränken. Er würde die künftigen Bedrohungen begrenzen,
vor denen wir stehen werden und daher unsere eigene Verteidigungsplanung gesicherter machen. Er würde uns unsere Fähigkeit bewahren, die strategischen
Entwicklungen der Sowjets zu überwachen. Und er würde uns den Fortgang unserer eigenen Modernisierungsanstrengungen erlauben.
SALT II ist kein Zuckerbrot. Und auch keine Peitsche. Er spricht für
sich als integraler Teil unserer nationalen Sicherheitspolitik.
Er ist von besonderer Bedeutung in einer Zeit der erhöhten Spannung zwischen den beiden Supermächten.
Wir bleiben der Ratifizierung des Vertrags zutiefst verpflichtet.

Es

liegt nicht in unserem Interesse, auf seine Sicherheitsvorteile zu verzichten
Es ist auch nicht in unserem Interesse, im Lauf einer Periode erhöhter
Spannung das Rahmenwerk der Ost-West-Beziehungen niederzureißen, das in mehr
als zwei Jahrzehnten aufgebaut wurde.
Um dabei zu helfen, dieses Rahmenwerk zu bewahren und auch, weil wir uns
dem Völkerrecht unterwerfen, brechen wir keine formellen Abkommen mit der
Sowjetunion.
Wir fahren mit den Vorbereitungen für die Folgekonferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa fort, die in diesem Jahr in Madrid abgehalten
wi rd.
Wir

�Wir werden unsere Politik fortsetzen, engere Beziehungen zu den Staaten
Osteuropas zu unterhalten.
Und wir sind weiterhin bereit, eine stabilere Beziehung zur Sowjetunion
aufzubauen, sobald es die Umstände erlauben.
Unser viertes Ziel ist es, mit den Staaten von Südwestasien sowie mit
anderen zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit, die Stabilität und die Unabhängigkeit dieser Region zu stärken.

Es ist unser tiefer Glaube, daß die

Staaten dieser Region ihr eigenes Schicksal bestimmen sollten.

Und ganz ent-

schieden sind wir der Ansicht, daß die Rohstoffe dieser Region ihren Staaten
und ihren Völkern gehören.
uns dar.

Ihre Unabhängigkeit stellt keine Bedrohung für

Die Bedrohung würde in dem Verlust ihrer Unabhängigkeit liegen.

Wir verstärken unsere Fähigkeit, rasch und wirkungsvoll zu reagieren,
wenn unsere lebenswichtigen Interessen gefährdet sind. Wir haben unsere
Flottenpräsenz im Indischen Ozean verstärkt. Wir hatten positive Gespräche
mit Staaten in diesem Gebiet über amerikanischen Zugang zu Luft- und SeestützPunkten..
Unsere eigene militärische Bereitschaft ist jedoch nur ein Element unserer Strategie in dem Gebiet. Die Schaffung eines Rahmenwerks für Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich in dem Gebiet muß, ihrem Wesen gemäß, ein kooperatives Unternehmen sein.
Dies bedeutet, daß wir mit den Staaten der Region zusammenarbeiten, um
dabei zu helfen, ihre Fähigkeit zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit und
zur Vergrößerung ihrer politischen und wirtschaftlichen Stabilität zu verstärken.
Es bedeutet, daß wir auch weiterhin mit anderen auf friedliche Lösungen
der Spannungen zwischen Staaten in der Region hin zusammenarbeiten werden
- am wichtigsten zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn.
Und

�Und es bedeutet, daß wir daran arbeiten werden, unsere Beziehungen zu
all den Staaten in der Region zu verbessern, bei denen es eine Basis der
gemeinsamen Interessen gibt.

Die Vereinigten Staaten begrüßen die wachsende

Lebenskraft der islamischen Welt und sehen darin einen schöpferischen Beitrag
zu einer Welt, die sich auf Vielfalt und Selbständigkeit gründet.

Unser fünftes Ziel muß es sein, aus diesen Ereignissen eine erneuerte
Verpflichtung zum Ausbau der grundlegenden militärischen und wirtschaftlichen
Stärke Amerikas zu ziehen.

Unser Land hat mit der umfassendsten Modernisierung unserer Verteidigungskräfte über einen Zeitraum von mehr als einem Jahrzehnt begonnen.

Wir

werden schnell mit den begonnenen Programmen weitermachen, um jeden Pfeiler
unserer strategischen Streitkräfte zu modernisieren, um die NATO-Entscheidung vom vorigen Dezember über unsere nuklearen Mittel Streckensysteme in Europa auszuführen und unsere konventionellen Streitkräfte zu verstärken.

Afghanistan bringt die Bedeutung dieser langfristigen Verteidigungsinvestitionen in aller Schärfe zum Vorschein und rückt erneut die Notwendigkeit erhöhter militärischer Mobilität in den Mittelpunkt.

Diese Programme erfordern höhere Verteidigungshaushalte - in diesem
Jahr und für die absehbare Zukunft.

Unsere Entschlossenheit muß deutlich

werden, den Erfordernissen der Sicherheit und des Schutzes für unser Land
und unsere Verbündeten nachzukommen.

Die Ereignisse in Südwestasien müssen außerdem unsere Entschlossenheit
stärken, eine zukünftige Energiekatastrophe zu verhindern.

Denn, ganz schlicht

gesagt, genau das ist es, was auf uns zukommen könnte.

Es sollte keines Winkes hinsichtlich der Kosten und der Risiken unserer
Abhängigkeit im Energiebereich bedürfen.

Sie
- 9-

�Sie heizt unsere

Inflation an.

schwächt unsere Zahlungsbilanz.

Sie setzt den Dollar unter Druck.

Sie

Sie erhöht unsere Verwundbarkeit.

Die Botschaft ist klar; Energiepolitik ist für unsere Außenpolitik entscheidend.

Langfristig gesehen, können wir nicht unabhängig, stark und frei

sein - und gleichzeitig in hohem Maße von ausländischer Energie abhängig
bleiben.
Wir haben in den vergangenen Jahren einigen Fortschritt gemacht.

Unser

Gesamtölverbrauch fiel 1979. Dies galt auch für den Benzinverbrauch.

Unter

der Führung des Präsidenten haben wir wesentliche Schritte auf größere Energiesicherheit hin getan.

Aber, wie der Präsident gesagt hat, es muß noch viel

mehr getan werden.
Die Kontrolle über unsere Energiezukunft zu gewinnen, ist wesentlicher
Teil einer klugen Antwort auf die kürzlichen Ereignisse in Südwestasien.
Jedes dieser Ziele - das Erreichen eines Rückzugs aller sowjetischen
Streitkräfte aus Afghanistan, die Abschreckung weiterer sowjetischer Aggression, die verständige Handhabung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
in einer Zeit gesteigerter Spannungen, die Hilfe bei der Stärkung der Staaten
in der Golfregion und der Ausbau der Stärke Amerikas -, jedes dient nicht nur
den Interessen Amerikas, sondern auch all jener Staaten, die ein Interesse
am Frieden und an der Stabilität der Welt haben. Und sie beinhalten die Anstrengungen anderer wie auch unsere eigenen.
Während wir gemeinsam weitergehen, müssen unsere Verbündeten wissen, daß
die Vereinigten Staaten stark bleiben.

Und wir werden es.

Sie müssen wissen, daß wir der gemeinsamen Verteidigung verpflichtet
sind.

Wir sind es, und wir bleiben es.
Sie
- 10 -

�Sie müssen gleichzeitig wissen, daß die Vereinigten Staaten, was die
USA anbelangt, eine stabilere Beziehung zur Sowjetunion begrüßen würden.
Und wir würden das.
Wir fordern unsere Verbündeten nicht auf, das Rahmenwerk der Ost-WestBeziehungen niederzureißen. Wir fordern sie auf, Maßnahmen zu ergreifen in
der Absicht, den Rückzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan herbeizuführen und die Sowjets vor neuen Abenteuern abzuschrecken, die neue
Krisen bewirken werden.
Entspannung kann nicht von Abschreckung getrennt werden. Wenn wir der
Aggression jetzt Widerstand leisten, dann fördern wir damit den Frieden in
der Zukunft - die Verhältnisse für einen Fortschritt in den Ost-West-Beziehungen. Es wäre kurzsichtig und gefährlich, anzunehmen, daß wir den Nutzen
der Entspannung erlangen könnten, wenn wir die Notwendigkeit für eine Abschreckung außer acht ließen. Ich bin davon überzeugt, daß wir dies nicht
tun werden.
Wenn wir mit anderen Nationen zusammenarbeiten, dann bemühen wir uns
gleichzeitig auch um das Verständnis und die Unterstützung des amerikanischen
Volkes für die von mir beschriebenen Ziele.
Die Stärke Amerikas liegt nicht nur in unseren Waffen und Laboratorien,
unseren Fabriken und unseren Farmen - sie wurzelt in der Entschlossenheit
und dem Urteilsvermögen unseres Volkes, wenn es sich zu gemeinsamen Vorhaben zusammenschließt.
Denn die Gestaltung unserer Zukunft hängt von unserem Willen und unserer
Klugheit ab - dem Willen, auf Aggression mit einer erneuerten nationalen
Stärke zu reagieren, und der Klugheit, bei unserer Antwort auf unmittelbare
Krisen eine neue nationale Einheit für unsere Außenpolitik in der Zukunft
zu finden.
Das
- 11 -

�Das führt mich zu meinem letzten Punkt.
Die sowjetische Invasion Afghanistans hat eine entscheidende Auswirkung auf unsere Außenpolitik gehabt, auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und auf die gemeinsame Agenda mit unseren Verbündeten.

Aber sie

sollte uns nicht - und wird es auch nicht - ablenken von den fundamentalen
Zielen, die unsere Länder in der Welt verfolgt haben.

Sie bleiben weiterhin

zutiefst in unserem nationalen Interesse.
•

- Es liegt in unserem nationalen Interesse, der Aushandlung friedlicher
Lösungen bei regionalen Spannungen Amerikas vollste Unterstützung zu
leihen.
•.

•

Schwärende regionale Streitfragen heizen ein örtliches Wettrüsten an,
das wiederum für humane Erfordernisse dringend benötigte Mittel abzweigt.

Sie bieten günstige Gelegenheit für eine Intervention und Aus-

beutung von außen.

Und sie können sich zu offenen Konflikten entwic-

keln, die die Gefahr größerer Kriege mit sich bringen.
Gerade weil die Welt in den vergangenen Monaten ein gefährlicherer Ort
geworden ist, werden wir auch weiterhin daran arbeiten, die Gefahren
zu vermindern.
- Es liegt in unserem nationalen Interesse, unsere traditionellen Bündnisse auch in Zukunft zu stärken, neue Beziehungen anzuknüpfen, wie dies
mit China der Fall war, und mit unseren Bemühungen zum Aufbau kooperativer Beziehungen mit den Entwicklungsländern fortzufahren.
•

-,

•

•

Der beste Weg, um eine sowjetische Einmischung in der Dritten Welt zu
vereiteln, liegt darin, dort eine eigene positive Politik zu verfolgen
- eine Politik, die sich den wahren Interessen zuwendet, die wir hinsichtlich der Freiheit der Entwicklungsländer gemeinsam haben - der Freiheit von der Beherrschung von ausländischen Mächten, von der Bitterkeit

�Bitterkeit rassischer Ungerechtigkeiten, von der Verschwendung, die
regionale Konflikte mit sich bringen, von den Lasten der Armut.

Diese Strategie bedeutet nicht, daß wir unsere Meinungsunterschiede
mit den Entwicklungsländern verbergen.

Aber wir können überaus wirk-

sam bei Fragen von entscheidender Bedeutung zusammenarbeiten, wenn sie
wissen, daß wir ihre Ziele der politischen Unabhängigkeit und der wirtschaftlichen Gerechtigkeit teilen.
Diese Politik baut auf unsere Stärke auf - denn es ist meistens der
Westen, an den diese Länder sich zuerst wenden, um Unterstützung bei
der Erfüllung ihrer wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Belange
zu finden.

Und diese Politik greift auch.

Es gibt zwar ernsthafte Krisenpunkte.

Aber es ist eine Tatsache, daß unsere Beziehungen mit den meisten Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas heute stärker sind, als dies
seit Jahren der Fall war.

- Und schließlich liegt es nicht nur in unserem Nationalcharakter, sondern auch zutiefst in unserem nationalen Interesse, unser Eintreten
für die Freiheit in eine praktische Unterstützung für die menschliche
Freiheit in anderen Ländern umzusetzen.

Länder, die die Rechte ihrer Bürger respektieren, die offen sind gegenüber dem Ausdruck und der Anpassung miteinander in Konflikt stehender
Ansichten und Interessen, befinden sich in einer stärkeren Position, um
ihr nationales Gleichgewicht und ihre nationale Unabhängigkeit zu bewahren.

Wir sind uns darüber im klaren, daß schwelende Frustrationen schnell
Radikalismus und Gewalt führen können, die die Interessen Amerikas gefähr.

Aber es ist auch wahr, daß heute immer häufiger der Wandel und die Ver-

- 13 -

�Veränderung auf friedlicher Weise stattfinden - und dies führt zur Freiheit
des Menschen.
Es liegt in unserem Interesse, Teil dieser Entwicklung zu werden.

Und

es liegt in unserem Interesse, die Menschenrechte zu verteidigen, wenn sie
in Gefahr sind.
Ja, eine zentrale Frage, vor die sich die gesamte Welt aufgrund der
sowjetischen Maßnahmen in Afghanistan gestellt sieht, ist die der Menschenrechte:
- Das Recht, über seine eigene Regierung zu entscheiden;
- das Recht auf religiöse Freiheit; und
- das Recht, in Frieden zu leben.
Wir werden auch weiterhin nach diesen Dingen streben - wir wollen nicht
anderen unsere eigenen Einrichtungen auferlegen, sondern wir wollen anderen
dabei helfen, sich auf ihre eigene Weise auszudrücken - bei ihrem ununterdrückbaren Menschenrecht, frei zu sein.
Letztendlich liegt das Ziel - und das Maß - unserer Außenpolitik in
ihrer Auswirkung auf das Leben unseres Volkes und anderer.
Seit über 200 Jahren stehen die Vereinigten Staaten auf der Seite der
Freiheit und des Fortschrittes. Wenn wir die Welt auch als einen gefährlichen
Ort kennengelernt haben, der unsere Stärke und unsere Wachsamkeit erfordert,
so haben wir auch erkannt, daß sie uns nicht feindlich gesonnen zu sein braucht.
Wenn sich die menschlichen Bedingungen verbessern, wenn die Menschen überall
in der Welt ein besseres und sichereres Leben führen können, dann wird diese
Welt auch ein sichererer Ort für Amerika.

�Es ist diese Überzeugung, die den amerikanischen Charakter seit Bestehen
unserer Republik geprägt hat.
Wir glauben auch heute daran.

+ + + + +

- 15 -

�1

1
I

3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

5. März 1980

INTERVIEW DES STELLVERTRETENDEN US-AUSSENMINISTERS
MIT DEM HOLLÄNDISCHEN FERNSEHEN

WASHINGTON

- (AD) - Nachstehendes Interview, das der Stellver-

tretende amerikanische Außenminister Warren Christopher dem niederländischen
Fernsehnetz VARA-TV am 29. Februar über Satellit gewährte, betrifft wichtige
politische Tagesfragen:

Afghanistan und die amerikanisch-europäischen

und die Ost-West-Beziehungen.

Als Gesprächspartner Christophers waren an

der Sendung W.L. Brugsma von VARA-TV, Andre Fontaine von Le Monde, Ingeborg
Wurster vom ZDF und Peter Jenkins von The Guardian beteiligt.
Die Fernsehdebatte hatte folgenden Wortlaut:
JENKINS:

Herr Christopher, lassen Sie mich eine Frage stellen, die

meiner Auffassung nach die grundlegendste aller hier zu erörternden Fragen
ist:

Womit haben wir es nach Auffassung der Administration der Vereinigten

Staaten auf beiden Seiten des Atlantik

in Wirklichkeit zu tun?

Geht es

um eine Art von globalem Vorstoß der Sowjetunion, der in die Richtung
der lebenswichtigen Ölvorkommen im Nahen Osten zielt, oder geht es um

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�um weniger als das, eher um eine lokale Angelegenheit?
CHRISTOPHER:

Herr Jenkins, es geht um die objektive Tatsache, daß

ein Land, Afghanistan, das bisher ein Puffer war,nunmehr zu einem Keil
geworden ist. Die Sowjetunion ist in Abweichung von ihrer bisherigen
Politik in ein unabhängiges Land eingedrungen.

Ihre Zukunftsabsichten

sind selbstverständlich schwer zu deuten, und unsere Analytiker bemühen
sich sämtlich

um eine solche Deutung.

Beabsichtigen sie einen Vorstoß in warme Gewässer?

Beabsichtigen

sie einen Vorstoß nach dem Iran oder in den Persischen Golf?

Was wirklich

zählt, ist die objektive Tatsache, daß sie in ein zuvor unabhängiges Land
eingefallen sind, dort die Staatsgewalt übernommen haben und nunmehr
versuchen, die Bevölkerung zu unterjochen.
FONTAINE:

Sie erwähnten eben, daß Afghanistan vor der Invasion ein

Pufferstaat war. Tatsächlich aber hat sich Afghanistan, wie ich die Dinge
sehe, im April 1978 dem Sowjetblock angeschlossen, und es waren dort seither viele sowjetische Berater einschließlich Militärberater tätig.

Warum

also hat die Regierung der Vereinigten Staaten mit ihrer Reaktion auf die
Entwicklungen in Afghanistan gewartet, bis es zu der Invasion großen Stils
kam, die dann im Dezember letzten Jahres erfolgt ist?
CHRISTOPHER: Herr Fontaine, nach meinem Dafürhalten ist am Weihnachtstag des vergangenen Jahres tatsächlich eine grundlegende Änderung eingetreten, als die Invasion Afghanistans durch sowjetische Truppen erfolgte.
Zuvor war jenes Land Teil der Bewegung der Blockfreien. Das dortige
Regime war in der Tat der Sowjetunion freundlich gesonnen; die Präsenz
von rund 100 000 bewaffneten sowjetischen Soldaten in Afghanistan aber
stellt eine grundlegende Veränderung in der Politik der Sowjetunion dar.
Und eben diese Veränderung hat die sehr scharfe Reaktion seitens der
Vereinigten Staaten wie auch ihrer westlichen Verbündeten hervorgerufen.
FONTAINE:
- 2 -

�FONTAINE:

Herr Außenminister, natürlich wünscht ein jeder, daß diese

Invasion aufhört und die sowjetischen Truppen Afghanistan räumen. Glauben
Sie aber wirklich, Sie können die Sowjets durch Sanktionen und Boykotte
aus Afghanistan vertreiben?
CHRISTOPHER: Unserer Überzeugung nach ist der Sowjetunion mit dem
Einmarsch in Afghanistan eine grundlegende Fehleinschätzung der Lage unterlaufen. Die Ereignisse überall auf der Erde aber haben den Sowjets vor
Augen geführt, ein wie hoher Preis für Invasionen dieser Art zu entrichten
ist. Wir hoffen, dies wird sie dazu bewegen, das Richtige zu tun: nämlich
ihre Truppen zurückzuziehen und jenem Land zu gestatten, eine neutrale
blockfreie Position einzunehmen.
FONTAINE: Herr Christopher, das ist eine interessante Antwort, weil
es mir noch vor einigen Wochen so schien, als ob das Schwergewicht der
amerikanischen Politik darauf gerichtet schien, den Sowjets einen sehr
hochen Preis dafür abzufordern, was sie getan haben - und zwar in der Absicht,
sie davor abzuschrecken, etwas ähnliches noch einmal zu versuchen.
Wie Sie es soeben formuliert haben, steht zu vermuten, daß Ihre
Diplomatie darauf gerichtet ist, sie dazu zu überreden, aus Afghanistan
herauszugehen.

Stellt dies einen Wandel dar?

CHRISTOPHER: Nein, wir haben stets ein doppeltes Ziel verfolgt.
Wir haben versucht, den Sowjets das Fehlerhafte dessen aufzuzeigen, was
sie getan haben, damit sie ihre Truppen aus Afghanistan abziehen. Wir
haben aber auch das andere Ziel zu erreichen versucht, ihnen klarzumachen,
daß für diese Art aggressiver Aktionen ein sehr hoher Preis besteht.
FONTAINE:

Und Sie glauben, daß sie ihre Truppen aus Afghanistan

zurückziehen werden?
CHRISTOPHER:

- 3 -

�CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten werden sie im Laufe der Zeit

einsehen, daß sie ein unabhängiges Land nicht unterjochen können.

Es

ist nach meinem weiteren Dafürhalten eine faire Chance gegeben, daß die
Sowjetunion im Laufe der Zeit aus der scharfen Reaktion der Völkergemeinschaft
herauslesen wird, daß die Kosten des Verbleibs in Afghanistan höher sind
als die des Abzugs.
Ich möchte realistisch bleiben und sagen, daß dies wahrscheinlich nicht
in sehr naher Zukunft der Fall sein wird, obwohl die Ereignisse in
Afghanistan innerhalb der letzten 48 Stunden erkennen lassen, welche
Schwierigkeiten die Sowjets mit der Unterjochung der dortigen Bevölkerung
haben.
FONTAINE: Ein Rückzug der Sowjets aus Afghanistan liefe meiner
Meinung nach aber auf das Eingeständnis eines völligen Fehlschlags hinaus.
Ich glaube nicht, daß es viele Präzedenzfälle eines solchen Eingeständnisses
durch die Sowjetunion gibt. Nach meinem Dafürhalten müssen Sie den Sowjets
eine irgendwie geartete Möglichkeit bieten, einigermaßen Gesicht zu bewahren.
Ferner möchte ich hieran die Frage nach der Art der Sanktionen anschließen, die die Regierung der Vereinigten Staaten gegen die Sowjetunion
anwendet. Die meisten Sanktionen stehen im Zusammenhang mit dem Boykott
der Olympischen Spiele oder berühren wirtschaftliche Belange. Die Sowjetunion sieht sich im gegenwärtigen Augenblick vor große wirtschaftliche
Schwierigkeiten gestellt, und ich glaube, auch ihre Satellitenstaaten
stehen vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Glauben Sie nicht, daß diese Schwierigkeiten und damit auch die
Spannungen innerhalb des sowjetischen Blocks mit der Verlagerung der
Drohung auf das wirtschaftliche Gebiet noch vergrößert werden - und
das zu einem Zeitpunkt, zu dem Sie sicher sein können, daß die sowjetische

�sowjetische Regierung das Gewicht ihres Mi 11tSrhaushalts keineswegs
vermindern wird?

Birgt das nicht das Risiko, daß es auf Grund der wirt-

schaftlichen Sanktionen zu einer Vermehrung der Spannungen kommen wird,
was darauf hinauslaufen würde, daß die Sanktionen das Gegenteil des erwünschten Effekts bewirken?
CHRISTOPHER: Es ist uns, wie ich klarstellen möchte,sehr daran
gelegen, daß das Rahmenwerk der amer^kanischen-sowjetisehen Beziehungen
in Takt bleibt. Wir geben auf vielfältige Weise zu erkennen, daß wir im
Bereich der Rüstungsbeschränkungen, um ein Beispiel zu nennen, eifrig
bemüht sind, die verschiedenen Rüstungsbegrenzungsbemühungen weiterzuverfolgen, über die bereits Verhandlungen im Gange waren.
Wir halten auch an den Regierungsabkommen fest, die wir mit der
Sowjetunion getroffen haben.
aufrecht - hier wie in Moskau

Wir halten den Dialog mit der Sowjetunion
Wir beabsichtigen mit der Konferenz

in Madrid, der KSZE-Konferenz, voranzugehen

Wir erwarten sehr wohl,

wie ich hier unterstreichen möchte, daß die Sowjets einen hohen Preis
für ihre Invasion Afghanistans entrichten müssen, sehen aber dennoch
dem Tag erwartungsvoll entgegen, an dem uns T hr Verhalten die Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit ihnen gestatten wird
Nach meinem Dafürhalten sind die wirtschaftlichen Schritte, die
wir eingeleitet haben, anderen Formen der Gegenwirkung weitaus vorzuziehen, derer sich die Vereinigten Staaten und die restliche Welt ebenfalls
hätten bedienen können.
JENKINS:

Ich möchte mich nunmehr den militärischen Aspekten der

Antworten der Vereinigten Staaten zuwenden.
Ihre erste Antwort, Herr Christopher.

Ich komme damit zurück auf

Sie erklärten darin, die objektive

Tatsache der Anwesenheit der Sowjets in Afghanistan zähle unabhängig
davon, was "ihre Motivation war oder bleiben wird.

- 5 -

Der Präsident verkündete

�verkündete das, was man in Kurzfassung die Carter-Doktrin nennen kann.
Sie besagt im Grunde, daß es zu militärischen Gegenmaßnahmen kommen wird,
falls die Sowjetunion die öl lieferungen aus dem Gebiet des Golfs in den
Westen bedroht.
Welche Art der militärischen Entgegnungen außer einem dritten Weltkrieg steht den Vereinigten Staaten zur Verfügung?
CHRISTOPHER:

Was der Präsident erklärte - und hier sollten wir uns

sehr präzise ausdrücken -, besagt, daß jeder Versuch einer dritten Macht,
Kontrolle über das Gebiet des Persischen Golfs zu erlangen, seitens der
Vereinigten Staaten als ein Angriff auf ihre lebenswichtigen Interessen
angesehen werden würde. Die Vereinigten Staaten würden angemessene
Maßnahmen ergreifen, einschließlich militärischer Aktionen, um diese Kräfte
zurückzudrängen.
Ich halte es nicht für nützlich, Spekulationen über eine ganze Reihe
von möglichen Entwicklungen anzustellen. Ich denke, wir haben der Sowjetunion inzwischen klar zu verstehen gegeben, daß die Vereinigten Staaten
im Falle eines Versuchs der Sowjets, die Kontrolle über das Gebiet des
Persischen Golfs zu erlangen, sehr starke Maßnahmen ergreifen würden.
JENKINS:

Sehr viele amerikanische Kommentatoren bezweifeln die

Fähigkeit der Vereinigten Staaten, die militärischen Drohungen des Präsidenten
wahrzumachen. .
CHRISTOPHER:

Wir haben, davon bin ich überzeugt, sehr viele Möglich-

keiten, und wir sind dabei, unsere Kapazitäten weiter auszuweiten.

Wir

stärken unsere Seemacht im Gebiet des Persischen Golfs; wir erhalten
Zutritt zu zusätzlichen Einrichtungen in jenem Gebiet; und wir unternehmen Schritte, die unabhängigen Länder jener Region zu stärken, die ergänzt werden durch die Hilfe, die unsere Verbündeten in Europa hierzu leisten.
Nach

�Nach meinem Dafürhalten sollte niemand die Macht der Vereinigten
Staaten unterschätzen.

Ich möchte mich hier nicht auf Säbelrasseln

verlegen - das wäre das letzte, was ich wollte. Auf der anderen Seite wäre
es ein ernster Fehler für jedes Land der Erde, unsere Macht zu unterschätzen.
BRUGSMA:

Da ist noch eine Frage an Sie zum gleichen Thema aus einem

mit uns verbündeten Land, aus Deutschland.
WURSTER:

Frau Wurster.

Herr Christopher, können Sie mir sagen, auf welches der

Länder jener Region Sie sich wirklich verlassen können?
CHRISTOPHER: Nach meiner Auffassung unterhalten wir unterschiedliche
Beziehungen zu den verschiedenen Ländern in jenem Gebiet. Ich rechne nicht
damit, daß wir jene Art der engen Allianz dort haben werden, die wir in
Westeuropa haben. Andererseits meine ich, daß jedes der Länder in diesem
Gebiet die eigene Unabhängigkeit schätzt und daß wir ihrer Mitarbeit sicher
sein können, wenn sie sich von Kräften von außen her bedroht fühlen.
FONTAINE:

Sie haben lange auf den Iran vertraut, dem Sie in Jahren

sehr wichtige Hilfe geleistet haben.

Fürchten Sie nicht, daß andere

Länder, auf die Sie sich heute stützen, dem Beispiel des Iran folgen könnten?
CHRISTOPHER: Meiner Meinung nach muß jedes Land auf seine eigene
innere Stabilität bedacht sein und versuchen, dort Abhilfe zu schaffen,
wo diesbezügliche Probleme gegeben sind. Die Rolle der Vereinigten Staaten
besteht meiner Auffassung nach darin, jenen Ländern im Verein mit ihren
Verbündeten zu helfen, ihre Unabhängigkeit zu wahren.
Natürlich müssen diese selbst es wünschen, ihre Unabhängigkeit
aufrechtzuerhalten. Ich glaube aber, daß dies das gemeinsame Bestreben
aller Länder dieser Region ist.
WURSTER:

�WURSTER:

Herr Außenminister, besteht hierbei nicht die Gefahr,

daß Amerika dieselben Fehler macht, die es im Iran und in Pakistan gemacht
hat?
CHRISTOPHER:

Ich glaube, daß Pakistan erkannt hat, daß es einer neuen

Bedrohung gegenübersteht, die in der Vergangenheit nie bestanden hat.
Wir beabsichtigen Pakistan auf eine Art und Weise zu helfen, die es zufriedenstellen wird.

Meiner Auffassung nach befleißigt sich der Führer -

der derzeitige Führer - Pakistans, Präident Zia, einer ruhigen Analyse
der Situation.

Wir führen unsere Politik der Non-Proliferation und der

Verwirklichung der Bürgerrechte weiter; die Sicherheit Pakistans aber
ist für uns im gegenwärtigen Zeitpunkt von größerer Wichtigkeit,und wir
haben die Absicht, jenem Land zu helfen.
Meines Wissens sind sich die führenden Politiker Pakistans der
Situation ihres Landes sehr bewußt.
FONTAINE:

Herr Christopher, Amerikas Beziehungen zu Rotchina

entwickeln sich gegenwärtig zu einer Art Bündnis. Haben Sie nicht das
Gefühl, dieses Bündnis könnte die Sowjetunion dazu verleiten, eine äußerst
defensive Haltung sowohl gegenüber China als auch gegenüber den Vereinigten
Staaten zu beziehen?
CHRISTOPHER: Die Vereinigten Staaten haben, wie Sie, Herr Fontaine,
wissen,ihre Beziehungen zur Volksrepublik China etwa vor vierzehn Monaten
normalisiert. Wir sind auf dem ordentlichen Weg zur Normalisierung ein
großes Stück vorangekommen. Wir sind aber tatsächlich gegenüber einer
Reihe von westeuropäischen Ländern auf dem Weg zur Normalisierung weit im
Hintertreffen. Ich würde unsere Beziehungen keineswegs als Bündnis darstellen wollen.

Wir

�Wir pflegen freundlicheren Umgang untereinander als in der Vergangenheit.
Wir haben aber kein militärisches Bündnis mit China.
China militärische Waffen zu verkaufen.

Wir beabsichtigen nicht,

Meiner festen Überzeugung nach

bietet unser Verhalten gegenüber China keine Grundlage für irgendwelche
Besorgnisse anderer Länder.

FONTAINE:

Schließen Sie die Möglichkeit des Verkaufs von Waffen an

China vollständig aus?
CHRISTOPHER:

Ja, wir haben nicht die Absicht, China militärische

Waffen zu verkaufen.

JENKINS:

Unsere derzeitige Politik verbietet uns das.

Herr Christopher, es bildet sich auf dieser Seite des

Atlantik - wie Sie sicherlich wissen - die Auffassung heraus, daß man für
den Fall, daß das Problem im Nahen Osten darin besteht, die Stabilität
der Nachbarstaaten Afghanistans und des Iran zu erhalten, der Beendigung
oder dem Näherkommen einer angemessenen Lösung des arabisch-israelischen
Konflikts hohe Dringlichkeit beimessen muß.

Einige europäische Regierungen würden meines Wissens gerne über
die Vorschläge von Camp David hinausgehen, die sie vor dem Hintergrund
der Autonomiegespräche wahrscheinlich als nicht sehr produktiv ansehen, und
die Resolution 242 des Sicherheitsrats am liebsten neu formulieren, um das
Recht des palästinensischen Volkes auf irgendeine Form der Selbstbestimmung
zum Ausdruck zu bringen.

Was sagen Sie hierzu?

CHRISTOPHER:

Ich sage, die höchste Priorität kommt im gegenwärtigen

Zeitpunkt den Autonomiegesprächen zu.

Wie Sie wissen, ist Botschafter

Linowitz bestrebt, den Teilnehmern an diesen Verhandlungen Hilfestellung
zu leisten.

Es gibt einen wichtigen Termin im Mai, den 24. Mai, den Jahrestag

- 9 -

�Jahrestag der Unterzeichnung der Vereinbarungen von Camp David.
•

Wir sollten uns meiner Meinung nach auf den Zeitraum zwischen heute
und dem 24. Mai konzentrieren, wenn uns daran gelegen ist, maximale Fortschritte in den Autonomiegesprächen zu machen.

Das sind entsetzlich

schwierige Probleme mit einer langen ernsten Vorgeschichte.

Lösungen

können wir meiner Meinung nach nicht von heute auf morgen finden.

Meiner

Erfahrung mit Gesprächen mit Vertretern des Nahen Ostens und Menschen überall
auf der Welt nach zu urteilen, ist das, worauf es ankommt, daß Fortschritte
erzielt werden.

Und ich glaube, daß Botschafter Linowitz und seine

Verhandlungspartner aus Israel und Ägypten im gegenwärtigen Zeitpunkt echte
Fortschritte machen, und das ist genau das, worauf wir uns meines Erachtens
konzentrieren sollten.
JENKINS:

Wenn ich da kurz nachhaken darf:

stimmen Sie darin mit

mir 'überein, daß viele islamische und arabische Regierungen den arabischisraelischen Konflikt als eher noch ominöser und als von noch größerer
Dringlichkeit für sich selbst ansehen als, sagen wir einmal, die Invasion
Afghanistans?
CHRISTOPHER:
ist.

Ich bin sicher, daß dies für diese von hoher Priorität

Auf meiner jüngsten Reise nach dem Nahen Osten war ich verblüfft,

feststellen zu müssen, wieviel Angst die Invasion Afghanistans durch die
Sowjets in diesem Raum hervorgerufen hat. Die Ergebnisse der islamischen
Konferenz sind nach meinem Dafürhalten ein Hinweis auf den Ernst jener
Besorgnisse.
Wenn Sie sich die Entschließung der islamischen Konferenz zur Hand
nehmen, gewinnen Sie einen anderen Maßstab für den Ernst der Besorgnisse,
als ihn Ihre Frage impliziert. Das heißt, die islamischen Länder scheinen
jener besonderen Bedrohung eine höhere Priorität beizumessen. Nun möchte
ich sicherlich die Bedeutung des Versuchs nicht unterschätzen, jenes

- 10 -

�jenes langbestehende historische Problem zu lösen.

Was ich sagen möchte,

ist vielmehr-und ich hoffe, das klingt nicht allzusehr nach Eigenlob daß die Vereinigten Staaten eines der Länder der Welt

die sich aktiv

an den Versuchen zur Lösung jenes Problems beteiligen.
BRUGSMA: Darf ich das Gespräch an diesem Punkt kurz unterbrechen?
Ich möchte die Diskussionsteilnehmer, ehe wir uns einem anderen Gebiet
zuwenden, fragen, ob Sie noch irgendwelche weitere Fragen zum Nahen Osten
oder dem israelisch-arabischen Konflikt haben?
Keine; gut also, ich gehe davon aus, daß wir gewissermaßen mit
Siebenmeilenstiefeln durch verschiedene Regionen der Erde gestreift sind.
Jetzt kehren wir zurück auf unseren alten eigenen Kontinent, nach Europa,
und zu unseren alten Verbündeten. Sicherlich bestehen bezüglich dieses
Themenkreises verschiedene Fragen, und ich möchte Frau Ingeborg Wurster
bitten, die erste an Sie zu stellen.
WURSTER: Wir wissen, daß die Amerikaner über ihre europäischen
Verbündeten recht entäuscht sind. Wir wissen auch, daß selbst Walter
Cronkite neulich von sogenannten Verbündeten sprach. Sie wissen aber
genauso gut, daß wir auch einigermaßen über Washington enttäuscht sind,
und deshalb meine Frage: Können Sie uns einen Grund nennen, warum Sie
uns nicht schon frühzeitig informieren, warum Sie keine Konsultationen
führen?
CHRISTOPHER:

Lassen Sie mich allem voraus sagen, daß ich von unseren

westeuropäischen Verbündeten nicht enttäuscht bin. Außenminister Vance
ist eben erst von einer Europareise zurückgekehrt, und ich habe mit ihm
sehr ausführlich darüber gesprochen.

Wir haben ein gemeinsames Bewußtsein

der Bedrohung, die von der sowjetischen Aktion in Afghanistan ausgeht.
Wir sind uns in der gemeinsamen Beurteilung einig, daß es notwendig ist,
feste Schritte zu unternehmen.

Kleine Unterschiede bestehen in bezug auf

- 11 -

�auf die Taktik.
So gehe ich nicht konform mit der Auffassung, wir seien von unseren
Verbündeten enttäuscht.

Ich bin vielmehr stolz auf unsere Verbündeten.

Auf der anderen Seite ihrer Frage darf ich sagen, daß das Problem der
Konsultation dem Streben nach Perfektionen verhaftet ist.

Wir geben uns

Mühe, bei jeder Gelegenheit die richtige Art der Konsultation zu finden.
Manchmal gelingt uns das sehr gut - beispielsweise in der Frage der
nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) gab es gute Konsultationen bezüglich
des gesamten Fragenkomplexes.
Es gibt auch Zeiten, in denen wir das Ideal perfekter Konsultationen
nicht erreichen.

Die Vereinigten Staaten bedauern es, wenn es dazu kommt,

und ein solches Versäumnis bestärkt uns in dem Entschluß, es das nächste
Mal besser zu machen.

Ich war im Januar zweimal in Europa, in den ersten

Tagen des Monats und am 15.}und sprach über die Problemkreise, die wir
hier behandelt haben.
Das war eine Form der Konsultation. Wenn wir aber in manchen Fällen
nicht zu perfekten Konsultationen finden, dann kann ich dazu nur sagen,
daß wir entschlossen sind, uns so weitgehend gegenseitig zu konsultieren,
wie wir nur können - auf allen Ebenen. Und wenn es in der jüngsten
Vergangenheit nicht so ganz geklappt hat, dann wird dies nur unseren
Entschluß verdoppeln, es in Zukunft besser zu machen.
WURSTER: Darf ich weiterfragen zu dem.was Sie eben gesagt haben?
Sie haben Ihren Besuch im Januar erwähnt. Ich darf Sie daran erinnern,
daß Sie im Januar auch in Bonn waren. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel
geben für das, was ich meinte, als ich von dem Versäumnis sprach, uns
rechtzeitig zu informieren und zu konsultieren.
Meines

- 12 -

�Meines Wissens wurden Sie während Ihres Hierseins 1m Januar gefragt,
was es mit den GerUchten Über einen geplanten Boykott der Olympischen
Sommerspiele auf sich habe.

Meines Wissens haben Sie geantwortet, dem

sei nicht viel Gewicht beizumessen, es gäbe keine diesbezügliche Entscheidung,und es würde Wochen dauern, bis sich Amerika darüber klar
werde.

Sie waren kaum abgereist, als Ihr Präsident im Fernsehen bekanntgab,

daß ein Boykott erfolgen werde.

Ist es möglich, daß Sie selbst nicht informiert waren?

CHRISTOPHER:
hinweg rundweg

Nun, es ist nicht sehr eizvoll, Ihnen über den Atlantik

widersprechen zu müssen;

ich glaube aber, wenn Sie sich

die Mühe machen wollten, die Protokolle dessen nachzulesen, was ich in
Europa öffentlich erklärt habe - nicht nur an einem Ort, sondern an
verschiedenen Orten - werden Sie sehen, daß ich von einer steigenden Flut
der Opposition gegen eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in den
Vereinigten Staaten sprach und auch davon, daß ich eine ähnliche Welle
auch in Europa angetroffen habe.

Im übrigen wurde hierüber in den Vereinigten Staaten berichtet.
Man machte sich mancherorts sogar über mich lustig und meinte, das wäre
vielleicht lediglich ein Trick meinerseits gewesen.

Das aber, was ich in

Europa Mitte jener Woche, mämlich am 15. und 16.,gesagt habe, hätte als
Hinweis darauf dienen können, daß wir uns, wenn ich schon von einer
steigenden Flut sprach, in die Richtung auf eine Entscheidung über Olympia
bewegten.

Erst am Sonntag jener Woche hat der Präsident die Entscheidung der
Vereinigten Staaten im Fernsehen bekanntgegeben.

Diese Entscheidung wurde

mithin fünf oder sechs Tage nach meiner Europareise getroffen - sie wurde
über das Wochenende getroffen und am Sonntag bekanntgegeben.

Wenn es in

dieser Frage zu einem Fehlverhalten gekommen sein sollte, dann bestand es,

- 13 -

�es, glaube ich, wohl darin, daß wir in den Tagen unmittelbar vor der
Entscheidung des Präsidenten nicht jenes Maß an Perfektion erreichten,
von dem ich vorhin in bezug auf die Konsultationen gesprochen habe.
FONTAINE:

Herr Christopher, ich glaube,wir haben alle mit großem

Interesse Ihre positive Beurteilung des Verhaltens der europäischen
Regierungen in der Afghanistan-Krise zur Kenntnis genommen.

Sie unterscheidet

sich allerdings sehr stark von dem, was wir beispielsweise in der amerikanischen Presse zu lesen bekommen haben. Wir bekommen zu lesen, daß der
amerikanische Botschafter in Paris von neutralistischem Unsinn spricht.
Stimmen Sie hierin mit Herrn Hartman überein?
•

CHRISTOPHER:
gesagt haben soll?
FONTAINE:
BRUGSMA:

Verzeihung, würden Sie wiederholen, was Herr Hartman
Die Tonübertragung ist nicht sehr gut.

Neutralistischer Unsinn.
Mit diesen Worten umschrieb der Botschafter die Haltung einiger

Europäer oder einiger europäischer Länder.
CHRISTOPHER: Meine Antwort hierauf lautet: Außenminister Vance
kam aus Europa in der Überzeugung zurück, daß die Beurteilung der Bedrohung,
die von der Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion ausgeht, in allen
Ländern, die er besuchte, die gleiche war.
Ich glaube,wir hoffen alle, daß sich

die Sowjetunion aus Afghanistan

zurückziehen und jenes Land in einem neutralen oder blockfreiem Status zurücklassen werde. Wenn dies die Kommentare zu harmonisieren vermag, ist es gut,
denn mehr kann ich nicht tun.

Für mich selber aber darf ich sagen:

Wir

haben Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Taktik, und es mag Gebiete
geben, auf denen wir hoffen, daß unsere Verbündete Schritte im wirtschaftlichen
Bereich unternehmen, die stärker und den unsrigen gleichgerichteter sein

- 14 -

�sein sollten.

Dennoch halte ich das Bündnis für intakt und stark.

Und

ich erwarte von uns allen, daß wir gemeinsame Schritte unternehmen, der
gemeinsamen Bedrohung entgegenzutreten.
JENKINS: Herr Christopher, ich glaube, daß hier eine echte Meinungsverschiedenheit besteht, eine Meinungsverschiedenheit, derer sich keiner
unter uns zu schämen braucht oder hinter den Berg zu halten braucht.
Sie wird im Zusammenhang mit der fast theologischen Frage erörtert, ob
die Detente teilbar oder unteilbar ist.
Nach meinem Verständnis bedeutet das, daß die europäischen Länder ein
sehr echtes Interesse an der Entspannung haben, daß beim Abwägen diese
Krise schwerer wiegt als die Sorge der Vereinigten Staaten nicht nur in
bezug auf das weltweite Verhalten der Sowjetunion, sondern auch in bezug
auf die iranische Krise und auf die Geiseln in den Händen der Iraner und
auch in bezug auf die bevorstehende Präsidentschaftswahl.
CHRISTOPHER:
kann.

Lassen Sie mich das so klar heraustellen.wie ich nur

Wir sind an der Entspannung so sehr interessiert wie nur irgendwer

auf der Erde.

Unsere wichtigste Verantwortung ist die Verhinderung eines

Atomkrieges.
Wir haben keine Wiederaufnahme des Kalten Krieges im Sinn. Wir
sorgen uns ebenso um die unteilbare Detente wie nur irgendjemand in Europa,
und wir wollen mit Ihnen zusammenarbeiten,um sie zu erhalten.
Wenn sie durch die jUngsten Ereignisse verletzt worden sein sollte wir wünschen uns nichts mehr,als daß uns das Verhalten der Sowjetunion in
die Lage versetzt, in die Zeit der Kooperation zurückzufinden.
BRUGSMA:

Das bringt uns zu dem Schlußthema dieses transatlantischen

Teils der Aussprache.

Die Situation ist einigermaßen verwirrend,und die

- 15 -

�die berühmte Quizfrage lautet:

Wie finden wir heraus aus diesem Wirrwarr?

Im Denken der europäischen Teilnehmer an dieser Diskussion steht ganz
vorn sicherlich die Frage, was vermag Europa zu tun, aus dieser mißlichen
Situation herauszukommen, und sowohl unseren amerikanischen Verbündeten
als auch unseren sowjetischen Gegnern dabei zu helfen, ihr Gesicht zu wahren.
CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten liegt die Hauptverantwortung

hier bei der Sowjetunion.

Ihr Verhalten hat uns in dieses Problem hinein-

gebracht,und ihr Verhalten muß uns den Weg aus diesem Problem weisen.

Ich

möchte aber noch einmal auf die Bemerkung zurückkommen, die ich schon
eingangs gemacht habe, daß wir nämlich ein neutrales, blockfreies Afghanistan
begrüßen würden und bereit wären, uns den Ländern jenes Raumes um Afghanistan
bei der Garantie anzuschließen, daß keine Intervention von dritter Seite
erfolgen wird.
Mag sein, daß die Verantwortlichkeit für die Rückkehr auf den Pfad
der Zusammenarbeit auf jenem Gebiet liegt - einer Zusammenarbeit, die
sicherlich ein wichtiges Ziel für die Vereinigten Staaten und, dessen bin
ich sicher, für ganz Europa darstellt.
FONTAINE: Glauben Sie, daß die Idee der Neutralisierung Afghanistans,
die von den Ministerpräsidenten der neun Länder Westeuropas vorgebracht
wurde, mit dazu beitragen kann, eine Lösung zu finden?
CHRISTOPHER: Ja, ich halte das für eine wertvolle Idee. Sie ist
sehr vielschichtig und es wird viel Zeit in Anspruch nehmen, sie voll auszuarbeiten.
Es gibt aber gewisse Anzeichen in der Rede Breschnews und gewisse
Anzeichen in Äußerungen Gromykos, daß die Sowjets willens sein könnten,
diese Idee zumindest weiter zu sondieren.

Was sie gesagt haben, erfordert

ein hohes Maß an Klarstellung, und die Rede Breschnews mag in mancher

�mancher Hinsicht nicht entgegenkommend sein, wie frühere Erklärungen.
Dennoch ist es unsere Pflicht, diese so sorgfältig wie nur möglich zu
prüfen und uns Gedanken darüber zu machen, wie ein Weg gefunden werden
kann, Afghanistan wieder in die Hände: der Menschen dieses Landes zurückzugeben,statt

es unter die Kontrolle der sowjetischen Armeen zu bringen.

WURSTER: Sie haben vorhin erwähnt, daß Sie bemüht seien, den Dialog
an verschiedenen Orten offenzuhalten. Es scheint mir aber augenfällig,
daß Ihr heißer Draht, oder wie immer Sie Ihr Telefon oder Ihren roten
Fernschreiber bezeichnen mögen, nicht benutzt wird.
Können Sie sich vorstellen, daß ein Dritter zu erfolgreichen Schlichtungsbemühungen beitragen oder als Vermittler fungieren könnte?
CHRISTOPHER: Ja, ich kann mir eine Reihe von Dritten vorstellen,
die in dieser Hinsicht behilflich sein können. Einige der Länder in jenem
Raum könnten sehr hilfreich sein. Wir würden ihre Vermittlerdienste sehr
begrüßen, solange sie einsehen, daß das, was wir hierbei zu erreichen
suchen, der Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan und die Schaffung
eines blockfreien Staates ist, der seinem Volk ermöglicht, seine eigenen
Rechte wahrzunehmen.
JENKINS:

Herr Christopher, es gab sehr viele Diskussionen um die Frage,

was die angemessene Arbeitsteilung zwischen der europäischen und der amerikanischen Seite des Bündnisses wäre. Aber würden es die Vereinigten Staaten
gerne sehen, wenn der europäische Teil der NATO eine militärische Rolle
außerhalb ihres derzeitigen Gebietes spielen wollte?
CHRISTOPHER:

Nach meinem Dafürhalten werden die Länder der NATO

sicherlich wichtige Hilfe außerhalb der NATO leisten.

Das Bündnis als

Ganzes - das ist wirklich eine Frage des Bündnisses selbst. Wir glauben
aber, daß es - wie Sie sagen - eine Rolle für Arbeitsteilung gibt, während

- 17 -

�während wir dabei sind, unsere Streitkräfte im südwestasiatischen Raum
und im Gebiet des Persischen Golfs zu verstärken.
BRUGSMA:
Außenminister.

Und jetzt eine letzte Frage von mir, Herr stellvertretender
Welche Rolle soll Europa bei dieser Arbeitsteilung spielen?

CHRISTOPHER:

Die Rolle der Europäer konnte darin bestehen, uns in die

Lage zu versetzen, das Recht zu erlangen, verschiedene Territorien zu überqueren, uns bei der Erlangung von Einrichtungen und Anlagen in einigen
Ländern im Nahen Osten zu helfen, zu denen Sie besonders starke Beziehungen
unterhalten.

Ich kann mir Länder in Europa vorsellen, die ihre eigene

Stärke im Nahen Osten verfestigen.
Ich möchte aber sagen, daß der Hauptinhalt dessen, was wir zusammen
tun können, die Stärkung unserer Verteidigung ist - durch Stärkung der
NATO und durch Verringerung unseres Energieverbrauchs.

Das sind die beiden

Dinge, die den Westen stark machen und in die Lage versetzen werden, seine
Position in der Welt zu wahren.

+ + + + +

- 18 -

�Information

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

VON DER KONFRONTATION ZUR ANNÄHERUNG DER MEINUNGEN
US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der
Konferenz über Kernbrennstoffzyklen und die Risiken
nuklearer Proliferation

- (AD) - Die von der "Internationalen Konferenz über die Bewertung
von Kernbrennstoff-Zyklen (INFCE)" veranlaßten Studien haben in amerikanischer Sicht das Bewußtsein für die politischen Risiken der Nukleartechnologie in der ganzen Welt geschärft. Die Ergebnisse, die unter Führung
eines technischen Koordinierungsausschusses von acht Fachgruppen im Verlauf
von zwei Jahren erarbeitet wurden, liegen jetzt in einer neunbändigen Studie
vor. Sie wurden in den Hauptpunkten auf der abschließenden Plenartagung
in Wien (25.-27. Februar 1980) erörtert.
Die INFCE-Organisation, die auf Anregung Präsident Carters vor
etwas mehr als zwei Jahren als Studien- und Beratungsgremium geschaffen
wurde und der 66 Länder sowie fünf internationale Organisationen angehörten,
bemühte sich in zahlreichen Untersuchungen und Analysen um die Klärung
nuklearwirtschaftlicher und nukleartechnischer Fragen im Zusammenhang mit

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex: 08-85432

�mit den Risiken einer Weiterverbreitung von Kernwaffen (nukleare Proliferation)
als Folge der Entwicklung und des fortgesetzten Gebrauchs von Kernkraft.

Sie

hatte nicht die Aufgabe, als Verhandlungsrunde zu fungieren, die einen für
Regierungen bindenden Vertragstext ausarbeitet.

Es galt vielmehr, ungeachtet

der unterschiedlichen Einzelinteressen Experten und Wissenschaftler der
beteiligten Länder zu Wort kommen zu lassen und unter Vermeidung von Polemik
nach Wegen zu suchen, die die Nutzung von Kernkraft in größerem Umfang
ermöglichen und dennoch die Risiken nuklearer Proliferation auf ein Minimum
beschränken.

INFCE hat sowohl Regierungen als auch den mit Atomenergie

befaßten internationalen Organisationen wichtige Anregungen geben können.
Sonderbotschafter Gerard Smith, der Leiter der amerikanischen Delegation
für die Abschlußtagung in Wien, unterstrich in seinem Resümee den nützlichen
und konstruktiven Charakter der Konferenz trotz der zutage getretenen
Meinungsunterschiede.

Smith erklärte am 25. Februar 1980 in Wien u.a.:

"Wir alle teilen die Überzeugung, daß Kernkraft notwendig ist, um
wertvolle, nicht regenerierbare Ressourcen zu schonen und in vielen Ländern
unerträgliche Abhängigkeiten von importierten fossilen Brennstoffen zu
vermindern.

Gewiß wollen wir alle auch sicherstellen, daß Kernkraft nur

unter Bedingungen erzeugt wird, die der Verringerung der Gefahren nuklearer
Proliferation auf ein Minimum dienlich sind.
Mehr als zwei Jahre lang haben sich Delegierte der hier versammelten
Länder und Organisationen gemeinsam und gründlich in einer bisher einzigartigen Aktion internationaler Zusammenarbeit bemüht. Wir haben unsere
besten Analytiker vereint, damit sie die verschiedenen Brennstoffzyklen,
deren Risiken und die Möglichkeiten prüfen, wie diese Risiken durch
institutionelle und technische Maßnahmen auf ein Mindestmaß veringert werden
könnten. Wir haben nach Mitteln und Wegen gesucht, die nuklearen Versorungsgarantien zu verbessern, und wir haben die Aufmerksamkeit auf die besonderne
Erfordernisse der Entwicklungsländer gelenkt.
Wir
- 2 -

�Wir hatten nicht die Aufgabe, über Lösungen zu verhandeln, sondern
Analysen der Auswirkungen verschiedener Technologie-Linien zu erarbeiten,
um sie den Regierungen an die Hand zu geben.
Staaten war INFCE ein Erfolg.

Nach Überzeugung der Vereinigten

Unser besonderer Dank sollte der Internationalen

Atomenergie-Organisation (IAEO) für ihre wertvolle Hilfe und Professor
Abram Chayes gelten, der in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des
Technischen Koordinierungsausschusses eine Schlüsselrolle dabei spielte,
den erfolgreichen und rechtzeitigen Abschluß dieser Bewertung sicherzustellen.

Wenn ich INFCE als Erfolg bezeichne, so soll das nicht heißen, daß
die Vereinigten Staaten oder irgendeine andere Nation mit allem übereinstimmen,
was in den Berichten gesagt wird.

Die Teilnehmer an INFCE haben als

Experten gearbeitet, die sich um Konsens bemühten.

Die Berichte sind das

Spiegelbild eines weiten Spektrums von Anschauungen, Urteilen und Standpunkten.

Sie enthalten beispielsweise die Standpunkte von Entwicklungs-

ländern,die sich den Zugang zu den Vorteilen der Kernkraft sichern wollen.
Sie enthalten ebenso die Anschauungen sowohl von Exporteuren als auch
Importeuren von Uran, Anreicherungsleistungen und Reaktoren.

Sie zeigen

die Standpunkte von Nationen wie z.B. meinem Land, die überzeugt sind, auf
vernünftige Weise Maßnahmen,die zwangsläufig zu einer Plutomium-Wirtschaft
führen, aufschieben zu können.

In der Mehrzahl der wesentlichen Punkte gelang es den Mitgliedern der
Arbeitsgruppen und des Technischen Koordinierungsausschusses, sich auf
eine bestimmte Meinung zu einigen.

In einigen Fragen jedoch wurde eine

solche Annäherung der Standpunkte nicht erreicht, und die verbleibenden
Meinungsunterschiede kommen in den Berichten zum Ausdruck.

Das gesamte

Verfahren hat, ohne die Atomkraftpolitik irgend einer Nation oder einer
Gruppe von Nationen zu rechtfertigen oder zu'kritisieren, eine gemeinsame
Basis von Fakten und Resultaten geschaffen, die unser Denken leiten,neue
internationale Verständigung auf politischer Ebene erleichtern und zur
Schaffung einer besser geordneten internationalen Gemeinschaft beitragen

- 3 -

�beitragen sollte, wenn wir uns darum bemühen, die Vorteile der Kernkraft
unter Bedingungen zu realisieren, die mit Non-Proliferations-Politik vereinbar sind.
In der festen Überzeugung, daß INFCE konstruktiv war, möchte ich auf
einige Dinge zu sprechen kommen, die uns besonders nützlich erscheinen,
und auch kurz auf ein paar Gebiete eingehen, wo unseres Erachtens Vorsicht
geboten ist... INFCE hat zu einer besseren Kommunikation zwischen den Ländern
mit Atomprogrammen und zu einem Abbau von Spannungen und Mißverständnissen
zwischen Liefer- und Verbraucherländern viel beigetragen.

Wir haben jetzt

mehr Verständnis für die Ziele, Erfordernisse und Interessen des anderen.
Wir alle sind jetzt besser über den weltweiten Atomenergiebedarf und die
nuklearen Ressourcen, die weltweite Besorgnis über die nukleare Proliferation
und über die technischen und institutionellen Probleme und Möglichkeiten
informiert, die vor uns liegen.

Wir hoffen, daß die IAEO unsere Resultate

gemeinsam mit allen interessierten Staaten prüfen wird, damit jene INFCEAufgaben benannt werden, die eine Weiterführung durch IAEO-Maßnahmen verdienen.
Innerhalb der INFCE wurde klar erkannt, daß Kernkraft jetzt und künftig
für viele unserer Volkswirtschaften von Bedeutung ist. Gleichzeitig
bestand weitgehend Übereinstimmung hinsichtlich der Existenz von ProliferationsRisiken im Zusammenhang mit Kernkraft und der Notwendigkeit von Maßnahmen,
die solche Risiken erträglicher machen und durch die man sie besser in den
Griff bekommt. Wir alle wissen, daß Proliferation im Grunde eine politische
Angelegenheit ist, und daß eine Nation, die sich zur Entwicklung nuklearer
Sprengsätze entschließt, dies ohne Mißbrauch ziviler Atomkraftanlagen tun
kann. INFCE hebt jedoch die Möglichkeit zum Mißbrauch solcher Anlagen hervor
und verweist darauf, daß es deshalb wichtig sei, künftige Brennstoffzyklen
unter sorgfältiger Beachtung der Proliferationsrisiken zu planen. Die
Vereinigten Staaten haben erkannt, daß solche Risiken in jedem BrennstoffZyklus liegen. INFCE hat keine einzige technische Lösung aufgezeigt, die

- 4 -

�die solche Risiken ausschaltet. Aber die Konferenz identifizierte eine
Anzahl wichtiger positiver Faktoren,die für die künftige Planung nützlich
sind.
Wir akzeptieren den INFCE-Standpunkt, daß Verallgemeinerungen hinsichtlich
vergleichender Proliferationsrisiken der verschiedenen Brennstoffzyklen
unangebracht sind. Wir haben beispielsweise Verständnis dafür, daß bei
einem Vergleich zwischen der Proliferations-Resistenz des Leichtwasserreaktors
mit seinem Kernbrennstoff-Zyklus des einmaligen Durchsatzes und alternativen
Brennstoffzyklen auch der Standort und die Art der Urananreicherungsanlagen sowie die Art und Weise in Betracht gezogen werden müssen, wie diese
gegen Mißbrauch gesichert sind.
Ich glaube, wir alle wissen, daß es im Zusammenhang mit für Waffen
geeigneten Materialien und den Technologien zu deren Produktion erhebliche
Risiken gibt. Dies sollte helfen, die Zukunft der Kernkraft in sicherere
Richtungen zu steuern.. Neue Schutzmaßnahmen unter Einschluß verbesserter
Sicherungen, jedoch nicht nur diese, sind erforderlich, um Brennstoffzyklen
gewachsen zu sein, die leichten Zugang zu erheblichen Mengen von waffenfähigem Material bieten.
Wir sind uns jetzt der langfristigen Auswirkungen mittelfristiger
Aktionen besser bewußt und schicken uns bereits an, die Verwendung waffenfähiger Materialien in Reaktoren zu begrenzen, wenn diese Verwendung nicht
unbedingt notwendig ist.

Ein Beispiel dafür ist der kürzlich eingebrachte

Antrag, Forschungsreaktoren auf Kernbrennstoff mit geringerem Anreicherungsgrad umzustellen.
Ein einziger Brennstoffzyklus wird den Erfordernissen aller Nationen
nicht gerecht werden können. Unterschiedliche Gegebenheiten bei den
einzelnen Nationen verlangen eindeutig unterschiedliches Vorgehen. So
wird beispielsweise die Notwendigkeit und der Zeitpunkt für eine Brüter-

- 5 -

�Brüter-Entwicklung bei den einzelnen Ländern entsprechend ihrer technischen
Infrastruktur, dem Umfang ihres Stromverteilernetzes, dem Vertrauen in die
Verfügbarkeit von Uranressourcen und anderen Faktoren variieren

Besonders

wichtig ist die Relation zwischen Strombedarf und der Verfügbarkeit sowie
dem Preis von Uran.
Hinsichtlich der Rohstoff-Frage leistete meines Erachtens INFCE
gute Dienste in der Bewertung der Faktoren, die für die Aussichten auf
die Verfügbarkeit von Natururan von Bedeutung sind. Auf der Bedarfsseite
wird es notwendig sein, die in der INFCE-Konferenz erarbeiteten Schätzdaten
von Zeit zu Zeit zu überprüfen. So kam es beispielsweise seit Aufstellung
dieser Schätzdaten vor zwei Jahren zu einem erheblichen Rückgang bei Reaktoraufträgen und von langwierigen Verzögerungen in der Bauausführung. Für
die Vereinigten Staaten, die einen hohen Anteil am Gesamtbedarf haben, führte
dies zu einer Minderung der für 1995 vorausgesagten Nuklearkapazität um
30 Prozent. Da die Dringlichkeit des Baues zusätzlicher BrennstoffzyklusAnlagen und der Einführung neuer Technologien von der Relation zwischen
Bedarf und Angebot abhängt, ist es wichtig, Schätzungen auf dem jeweils
neuesten Stand zu halten.
Bedarfs- und Angebotsrelationen sind auch wichtigem beurteilen
zu können, ob es genügend und angemessene Anreicherungsdienste gibt« Wir
dürften uns darüber einig sein, daß zumindest bis Mitte der neunziger Jahre
eine ausreichende Anreicherungskapazität vorhanden ist. Neue Kapazitäten
können rechtzeitig in Betrieb genommen werden, um den nach diesem Zeitpunkt
sich ergebenden Bedarf zu decken.
Wiederaufarbeitung, Rückführung von Plutonium in Hochtemperaturreaktoren
und die Notwendigkeit sowie der Zeitplan für Brutreaktoren waren Schlüsselfragen im INFCE-Forum. Aus unserer Perspektive ergeben sich mehrere wichtige
Einsichten: Während Wiederaufarbeitung in einigen Ländern als der Weg zur
Behandlung verbrauchten Kernbrennstoffs bevorzugt wird, macht die INFCE-

�INFCE-Bewertung deutlich, daß es andere Möglichkeiten gibt. Verbrauchter
Kernbrennstoff kann mittel- oder langfristig sicher gelagert werden, und
eine Endlagerung ohne Wiederaufarbeitung scheint sowohl aus wirtschaftlichen
Gründen als auch aus Gründen der Non-Proliferation eine realistische Möglichkeit
zu sein. Ich hebe diesen Punkt hervor, weil ich glaube, daß Nuklearenergie
nur davon profitieren kann, wenn hinsichtlich der im Zusammenhang damit
eingeschlagenen Wege Flexibilität vorhanden ist. Die große Mehrheit der
INFCE-Teilnehmer teilte die Auffassung, daß aus wirtschaftlichen Gründen
Wiederaufarbeitungsanlagen, wenn sie gebaut werden, ebenso wie Anreicherungsanlagen als große Betriebe konzipiert sein sollten. Und abgesehen von der
Wirtschaftlichkeit ist die Größenordnung aus Gründen der Non-Proliferation
ein wichtiger Faktor. Außerdem lohnt es sich, hier die übereinstimmende
Meinung aller Beteiligten zu vermerken, daß der wirtschaftliche Nutzen einer
Plutoniumrückführung in Leichtwasser-Reaktoren günstigstenfalls gering sein
wi rd.
Die INFCE-Arbeitsgruppen kamen zu dem Schluß, daß wirksame internationale
Sicherungsmaßnahmen ein wesentliches Merkmal für Anlagen für den nuklearen
Brennstoffzyklus darstellen. Die besondere Notwendigkeit der Anwendung
wirksamer Sicherungen - insbesondere für die sensitiven Phasen des Brennstoffkreislaufs wie Anreicherung, Wiederaufarbeitung und Herstellung von
Kernbrennstoff unter Verwendung von Plutonium oder stark angereichertem Uran wurde unterstrichen. Man fordert die Einbeziehung einer Planung für Sicherungsmaßnahmen schon in die allerersten Stadien der Bauplanung. Es wurde betont,
wie wichtig es sei, der Erprobung und Optimierung neuer, verbesserter
Sicherungsverfahren für die sensitiven Phasen des Brennstoffkreislaufs
höchste Priorität zu geben.
In diesem Zusammenhang möchte ich hervorheben, welch große Bedeutung
die Vereinigten Staaten der Anwendung wirksamer Sicherungsmaßnahmen der
Internationalen Atomenergie-Organisation in allen zivilen Nuklearanlagen
beimessen.

Für ebenso wichtig halten sie es, daß die IAEO zusätzliche Mittel,

- 7 -

�Mittel, mehr ausgebildetes Personal und die politische Unterstützung erhält,
die sie zur Wahrnehmung ihrer sich ausweitenden Sicherungsaufgaben benötigt.
Wenn auch Sicherungsmaßnahmen allein nicht ausreichen, um Proliferationsrisiken aus sensitiven Brennstoffzyklus-Phasen so gering wie möglich zu
halten, sind wir doch von der Notwendigkeit umfassender Sicherungsaktivitäten
überzeugt, wenn die Kernenergie die ihr angemessene Rolle bei der Deckung
des Weltenergiebedarfs spielen soll.
Die Teilnehmer schienen die Ansicht zu teilen, daß die gegenwärtig
bestehenden Beschränkungen hinsichtlich einer Wiederaufarbeitung und des
abgetrennten Plutoniums durch andere Schutzmechanismen verstärkt werden
müssen.

So wurde beispielsweise bei der Erörterung der besonders ernsten

Besorgnisse im Zusammenhang mit abgetrenntem Plutomium empfohlen, künftig
besonders aufmerksam darauf zu achten, daß überschüssiges Plutonium
internationaler Kontrolle unterstellt wird.

Die Vereinigten Staaten sind

bereit zur Zusammenarbeit, um ein wirksames internationales Verfahren der
Plutonium-Lagerung zu schaffen.

Wir beteiligen uns außerdem an der Studie

der IAEO über internationale Vorkehrungen zur Lagerung verbrauchter Brennelemente.
Die Notwendigkeit von Brutreaktoren und die Aussichten dieser Technologie
erfahren verständlicherweise große Aufmerksamkeit angesichts dessen, was
sie verheißen,und des Interesses, das einige Nationen an dieser Technologie
haben. Zweifellos könnten, langfristig gesehen, die Uranreserven durch
Brutreaktoren auf dramatische Weise gestreckt werden. Dies ist der Grund
für die hohen Investitionen, die die Vereinigten Staaten und andere Länder
für die Brüterentwicklung und für die Analyse der Möglichkeiten zu einer
technischen Realisierung, der wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Technologie
sowie ihrer Auswirkungen auf die nukleare Proliferation aufwenden. Jedenfalls gibt es keinen Brüter ohne seine hohen Kosten, seine Risiken und
Ungewißheiten. Von diesen sind einige im Bericht der Arbeitsgruppe Fünf
aufgeführt, wenn auch dieser Bericht erheblich mehr auf die positiven

�positiven Aspekte der Technologie ausgerichtet ist. Wir nehmen zur Kenntnis,
daß der Bericht zu dem Schluß kommt, die Entwicklung und Stationierung von
Brutreaktoren sei für .Nationen mit bescheidenen Atomkraftprogrammen
wirtschaftlich wohl kaum attraktiv.

INFCE vermittelte wertvolle Einsichten in

die speziellen Bedürfnisse von Entwicklungsländern.

Wir hoffen, daß die

IAEO als Teil ihrer Anschluf3maßnahmen mit besonderem Nachdruck Empfehlungen
verfolgt, die für die Dritte Welt von größtem Interesse sind.
Bei der Prüfung möglicher Proliferationsrisiken, die sich aus den
verschiedenen Wegen zur Nutzung von Kernkraft ergeben, befaßten sich die
INFCE-Berichte ausgiebig mit denkbaren Maßnahmen zur Verringerung solcher
Risiken. Man kam allgemein zu dem Resultat, daß eine Kombination von
neuen Sicherungsaktivitä'ten, technischen und institutionellen Maßnahmen wie
z.B. der Schaffung multinationaler Unternehmen, einen verheißungsvollen
Weg darstellen. Es wird große Anstrengungen seitens vieler Nationen erfordern,
um solche Maßnahmen bis zu dem Zeitpunkt durchzusetzen, an dem sie notwendig
sind, damit in angemessener Weise den Proliferationsrisiken im Zusammenhang
mit sensitiven Anlagen begegnet werden kann. Wir müssen jetzt handeln,
nachdem schon viel zu lange darüber geredet worden ist.
Schließlich hat INFCE auch eine Anzahl wichtiger Empfehlungen auf dem
Gebiet der nuklearen Versorgung gegeben, die in künftigen Regierungsentscheidungen vorrangig berücksichtigt werden sollten.

Demnach muß ein Land

mit einem Atomkraftprogramm vertrauensvoll z.B. hinsichtlicn der ReaktorBrennstoffversorgung und der Entsorgung für verbrauchten Kernbrennstoff
vorausplanen können.

Wir sind alle der Meinung, daß es von entscheidender

Bedeutung sein wird, ein hohes Maß an Vertrauen und Stabilität in den
Beziehungen bei der nuklearen Versorgung

zu erhalten, wenn die Kernkraft

eine lebensfähige Energiequelle bleiben und die verfrühte Ausbreitung
sensitiver Anlagen verhindert werden soll.

Den Berichten der Arbeitsgruppen

ist zu entnehmen, daß man der Notwendigkeit einer besseren Vorhersehbarkeit
der Bedingungen für eine Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und den nach-

- 9 -

�nachteiligen Folgen abrupter oder einseitiger Veränderungen in der Versorgungslage besondere Aufmerksamkeit widmet.

Andererseits erkennen die Berichte an,

daß von den Lieferstaaten nicht zu erwarten ist, an einer starren Politik
festzuhalten oder Situationen zu ignorieren, die Anstrengungen zur Verhinderung
einer Proliferation nuklearer Sprengsätze ernstlich erschweren.
Die in den Berichten erhobene Forderung nach einem höheren Grad von
Sachgerechtigkeit und Voraussehbarkeit in den Handelsbedingungen auf
nukleartechnischem Gebiet stellt uns eine bedeutsame Aufgabe. Die Vereinigten
Staaten sind überzeugt, daß dieses Ziel erreichbar ist, und wir beabsichtigen,
unsere Energien und Ideen dafür einzusetzen, dieser Aufgabe baldmöglichst
gerecht zu werden."

+ + + + +

'.,

10 -

�I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

5. März 1980

DIE SOWJETISCHE INTERVENTION IN AFGHANISTAN - MOSKAU AUF DER SUCHE
NACH EINEM VORWAND
Von Marshall Shulman
Mit freundlicher Genehmigung von World Paper
Copyright: World Paper 1980
Die sowjetische Invasion und Besetzung Afghanistans hat die internationale Landschaft für die nächste Zeit beträchtlich verändert.

Für die Vereinig-

ten Staaten ist es bedauernswert, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen als Folge von Moskaus schlechtberatenem Kurs gelitten haben. Aber während
die weiterreichenden Folgen des sowjetischen Rückgriffs zur Gewalt gegen einen
bündnisfreien Nachbarn deutlich werden, ist es - weltweit gesehen - die Stabilität des internationalen Systems selbst, die gelitten hat. Alle Länder sind
weniger sicher, wenn ein einziges Land seine Souveränität und Unabhängigkeit
durch die sowjetische Aggression verliert.
Es wird wahrscheinlich niemals möglich sein, all die Berechnungen zufriedenstellend zu rekonstruieren, die in Moskaus Entscheidung einflössen.

Deut-

lich ist, daß es irgendwann einmal grobe Fehleinschätzungen gab - oder vielleicht sogar während all der Monate, in denen Moskau seine Intervention vorbereitete.

Für denjenigen, der sich mit der sowjetischen Außenpolitik auseinan-

dersetzt, ist indessen überraschend, daß man dabei versagte, eine plausible Er-

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Erklärung parat zu haben, die den extremen Schritt einer bewaffneten Invasion
rechtfertigen könnte.

Die sowjetische Version der Ereignisse fiel immer dann

in sich zusammen, sobald sie dem prüfenden Urteil unterzogen wurde, und machte
es dem Analytiker und dem Politiker unmöglich, mehr als nur Vermutungen darüber
anzustellen, was wirklich zu dem Coup vom 27. Dezember gegen Präsident Hafizullah
Amin führte

und was es für die zukünftigen sowjetischen Absichten bedeutet.

Vielleicht ist es erhellend, einige der Widersprüchlichkeiten der Moskauer
Erklärungen zu untersuchen und an dem zu messen, was über die Ereignisse in Kabul
bekannt ist.

Der Kern der offiziellen sowjetischen Erklärungen an die Vereinig-

ten Staaten und viele andere. Regierungen bestand angeblich darin, daß ihre militärischen Streitkräfte von der afghanischen Regierung eingeladen wurden, um ihr
in einem Kampf gegen äußere Kräfte beizustehen.

Dies spricht den überwältigen-

den Beweisen dafür Hohn, daß die sowjetische Invasion in erster Linie die Absicht hatte, einen Volksaufstand gegen eine repressive Regierung zu unterdrücken.
Man könnte der sowjetischen Version leichter Glauben schenken, wären die
Ereignisse in jener Nacht des 27. Dezember während der sowjetischen Übernahme
glatter abgelaufen. Afghanische Truppen jedoch, die loyal zu Präsident Amin
standen, eröffneten einen harten Kampf gegen die Sowjets, die ihn im DurulamanPalast am Rande von Kabul angriffen und ihn töteten. Hunderte von Toten auf
beiden Seiten gaben Zeugnis für den afghanischen Widerstand gegen ein von den
Sowjets eingesetztes Regime ab. Vielleicht wäre der Widerstand ohne sowjetische
Täuschung noch größer gewesen: Die afghanischen Streitkräfte wurden zum Teil
durch sowjetische Militärberater auf dem Kampfplatz neutralisiert, die vorgaben, Afghanistan zu helfen - ein anschauliches Beispiel für andere Länder - wo
sowjetische Militärberater anwesend sind.
Andere Aspekte des Coups waren ebenfalls nicht gerade perfekt in Einklang gebracht. Eine auf Tonband aufgenommene Meldung des Exilkommunisten
Babrak Karmal, der von Moskau als Instrument ausgewählt worden war, wurde von
einem Sender auf sowjetischem Territorium ausgestrahlt. Die Meldung über den

- 2 -

�den Coup kam angeblich von Radio Kabul, das in Wirklichkeit von sowjetischen
Truppen belagert wurde.

Erst mehrere Stunden später sendete der echte Sender

Kabul die Meldung - und erst mehrere Tage später zeigte sich Babrak Kamal
öffentlich im Land.

Es war dies ein hervorragendes Beispiel für eine schief-

gelaufene sowjetische Bühneninszenierung.

Eine weitere Widersprüchlichkeit in der Serie der Ereignisse, die den
Coup begleiteten, war der unerklärliche Tod von Viktor Paputin, dem Ersten
Stellvertretenden Innenminister: der Sowjetunion.

Paputins Anwesenheit in

Kabul wurde Anfang Dezember festgestellt, obgleich über seine Mission keine
offizielle Erklärung abgegeben wurde.

Die nächste öffentliche Erwähnung

Paputins geschah Anfang Januar in der "Prawda" - in einer Todesanzeige.

Die

Todesanzeige stand an weit weniger ins Auge fallender Stelle,als dies bei
Paputins Stellung zu erwarten gewesen wäre, und es wurden auch keine Einzelheiten über seinen Tod bekanntgegeben - lediglich das Datum: 28. Dezember
1979, der Tag nach dem Coup in Afghanistan.

Wenn der sowjetische Anspruch, zur Invasion eingeladen worden zu sein,
dürftig ist, so ist es auch das Argument, daß Afghanistan durch äußere Kräfte
bedroht gewesen sei.

Erst Wochen nach der Invasion und erst infolge der Ab-

stimmungen in den Vereinten Nationen zur Verurteilung Moskaus (12 : 2 im
Sicherheitsrat, 104 : 18 in der Vollversammlung) entwickelte die sowjetische
Propaganda diese hohle Anschuldigung.

Am 19. Januar sprach Alexeij Petrow in

einem Leitartikel der "Prawda" von "zehntausenden" von Söldnern, die angeblich vor der sowjetischen Invasion an den Kämpfen in Afghanistan beteiligt gewesen seien.

Dennoch brachte die frühere afghanische Regierung zu keiner Zeit

eine Klage bei den Vereinten Nationen vor, und die Tatsachen zeigen an, daß
der Widerstand gegen die von Amin geführten Kommunisten im wesentlichen eine
einheimische, selbständige Bewegung islamischer Nationalisten war.

Petrow

behauptete auch, die Namen zweier Schiffe zu kennen, die angeblich afghanische
Rebellen, die von Pakistan aus operierten, mit Waffen versorgten.
hauptungen verdrehen den wahren Sachverhalt:

Seine Be-

Die meisten der von den Gegnern

des "revolutionären" Regimes benutzten Waffen, das 1978 zur Macht kam, waren

- 3 -

�waren sowjetischer Herkunft und von der afghanischen Armee gestohlen; später
konnten sie erlangt werden, weil afghanische Militäreinheiten in großem Umfang
desertierten.
Keine sowjetische Intrigengeschichte ist vollständig ohne das amerikanische Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) - und so klebte Petrow dem
bekannten amerikanischen Anthropologen Louis Dupree, der in Pakistan lebt
und dessen Hunderte von Freunden in dieser Gegend wissen, daß diese Behauptung falsch ist, einfach ein CIA-Etikett an.

Eine sogar noch erstaunlichere

Anschuldigung hinsichtlich CIA-Verbindungen war eine Sendung von Leonid
Samjatin, einem führenden Propagandisten des Stabs des Zentralkomitees der
WdSU Ende Januar im Moskauer Fernsehen.

Samjatin behauptete, Präsident

Hafizullah Amin sei ein CIA-Agent gewesen, der die Revolution betrügen wollte.

Es gelang Samjatin jedoch nicht, zu erklären, warum ein CIA-Agent ver-

sucht haben sollte, seinem Land ein marxistisches Regime aufzuzwingen - wie
Amin es getan hatte.

Es gelang Samjatin auch nicht, zu erklären, warum ein

CIA-Agent um eine massive sowjetische Militärintervention hätte ersuchen sollen - was Amin der sowjetischen Propaganda nach ausgerechnet vor seinem Tod
getan haben soll.

Man kann nur feststellen, daß es Präsident Breschnew

- nicht Präsident Carter - war, der Amin zu seiner "Wahl" zum Präsidenten
von Afghanistan im September 1979 gratulierte.
Die Versuche zur Diskreditierung Amins und die erfundenen sowjetischen
Behauptungen über äußere Kräfte, die Afghanistan bedrohten, weisen auf eine
Mutmaßung über die echten Gründe für die sowjetische Invasion hin. Die Sowjetunion bemerkte eine allmähliche Verschlechterung der innenpolitischen Lage
des marxistischen Regimes, das Präsident Daoud im April 1978 abgesetzt hatte,
und verlor die Geduld mit Amins Gruppe, die sich weigerte, sowjetischen Rat
anzunehmen, wie das Land zu regieren sei. Nicht gewillt, den Ereignissen
ihren eigenen Lauf zu lassen, setzten die Sowjets durch bewaffnete Intervention eine Marionettenregierung ein. Die große Gefahr besteht darin, daß sie
damit Erfolg haben und dies den sowjetischen Appetit auf ähnliche Aggressionen
anderswo anregt.
Die
- 4 -

�Die Antwort des afghanischen Volkes und der gesamten internationalen
Gemeinschaft gibt Grund für die Hoffnung, daß der sowjetische Schritt in
Afghanistan keinen Erfolg haben wird.

Ist dieser weitverbreitete Widerstand

erst einmal von Moskau erkannt und sind die sowjetischen Streitkräfte zurückgezogen, kann die Aufgabe des Wiederaufbaus der erschütterten internationalen
Stabilität von neuem beginnen.

+ + + + +

- 5 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. März 1980

14

US-REGIERUNG FÖRDERT BAU VON HYDRIERWERKEN
Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren

- (AD) - Pläne zum Bau einer Demonstrationsanlage für Kohlevergasung
im US-Bundesstaat Tennessee gab jetzt das amerikanische Energieministerium
bekannt.

Sobald der genaue Standort feststehe, könne, wie Energieminister

Charles W. Duncan erklärte, das 700-Millionen-Dollar-Projekt in Angriff genommen werden.

Die Anlage soll stark schwefelhaltige Kohle aus den

amerikanischen Oststaaten in Gas umwandeln, das für die industrielle Verwendung geeignet ist. Man hoffe, das Synthesegas ab 1984 in Versorgungsleitungen einspeisen zu können.

Das amerikanische Energieministerium werde

außerdem Studien für eine weitere Kohleveredelungsanlage im benachbarten
Kentucky finanzieren.

Während beim erstgenannten Betrieb die Stadt Memphis

Partner Washingtons ist, wird es in Kentucky die W.R. Grace

Company sein.

In dieser zweiten Anlage, in der neben bereits bewährten Verfahren wie z.B.
dem Lurgi-Prozeß auch völlig neue Technologien angewandt bzw. erprobt
werden sollen, will man Kohle zunächst in Gas umwandeln und dieses dann
zur Benzinproduktion nutzen.

Unter Umständen wird das Versuchswerk zu einer

kommerziellen Großanlage bei Gesamtinvestitionen in der Größenordnung von

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�von drei Milliarden Dollar ausgebaut.
Das amerikanische Energieministerium fördert nach Aussage des Fachministers Test- und Demonstrationsanlagen verschiedener Art, um die bestmöglichen Verfahren zur Verwertung der nach Art und Qualität recht unterschiedlichen amerikanischen Kohlearten zu finden.

Im Werk Memphis will man

das sogenannte U-Gas-Verfahren anwenden, das vom Institut für Gastechnologie
in Chicago entwickelt wurde und sich vor allem für die Verwertung von Kohle
aus den amerikanischen Oststaaten eignet, die leicht verbackt und darauf
nicht eingerichtete Vergasungsanlagen bald blockiert.

Um das Verbacken zu

verhindern, werden der Retorte von unten her Wasserdampf und Sauerstoff zugeführt und mit fein gemahlener Kohle "verwirbelt".

Die Anlage würde pro Tag

3 100 Tonnen stark schwefelhaltige Kohle in 4,3 Millionen Kubikmeter Gas
von mittlerem Heizwert umwandeln.

Dieses erreicht zwar nicht den Wirkungs-

grad von Erdgas, eignet sich jedoch zum Beheizen von Kesseln in zwei riesigen
Industriekomplexen, in deren Nähe die Vergasungsanlage erbaut werden soll.
In der Anlage von Kentucky, für die das Energieministerium vorläufig
12 - 16 Millionen Dollar bereitstellt, will man für die Benzingewinnung aus
Kohle zwei neue Verfahren kombinieren. Das Synthesegas, eine Mischung aus
Kohlenmonoxid und Wasserstoff, wird zu anderen Produkten weiterverarbeitet.
Die Fa. W.R. Grace beabsichtigt, das erste Produkt, Kohlegas, nach dem
Einschleusungsverfahren der Texaco Oil Company herzustellen. Im Gegensatz
zum U-Verfahren wird Kohle zunächst mit Wasser aufgeschlämmt und die Masse
dann mit hoher Geschwindigkeit durch den Reaktor geführt. Das Produktgas
wird für weitere Reaktionen zur Herstellung von Methanol genutzt. Anschließend soll mit einem neuen, von der Mobil Oil Company entwickelten
Verfahren unter Einsatz eines Katalysators Methanol in Benzin hoher Oktanzahl umgewandelt werden. Dieser Prozeß wurde bereits in einem Betrieb der
Mobil Oil in New Jersey demonstriert. Zur Zeit werden Pläne ausgearbeitet,
um eine nach diesem Verfahren arbeitende Anlage mit einer Tagesproduktion
von knapp 16 000 Litern Benzin in der Bundesrepublik Deutschland zu bauen.
Vertreter

�Vertreter der Fa. W.R. Grace schätzen, daß ca. 29 000 Tonnen hochschwefelhaltiger Kohle pro Tag erforderlich wären, um daraus täglich 16 000 Tonnen
Methanol herzustellen, das wiederum in 11,95 Millionen Liter Benzin umgewandelt würde. Der Preis für "M-Benzin" dürfte, vor Steuern und Verteilungskosten, bei knapp 48 Cents pro Liter liegen.

Den Preis von Kohlegas aus

dem U-Vergasungsverfahren wird 1985 ungefähr dem von Erdgas entsprechen oder
geringfügig niedriger sein. Vertreter der Industrie in Memphis nehmen an,
daß sie für das Synthesegas ebensoviel zu zahlen hätten wie für das öl, das
sie jetzt verfeuern.

Robert Porter vom amerikanischen Energieministerium

erklärte, die Bundesregierung unterstütze die beiden Projekte vor allem
deshalb, weil "wir überzeugt sind, daß sich damit Brennstoff produzieren
läßt, der ab 1985 mit Importöl konkurrieren kann".

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des amerikanischen Außenministers Vance vor dem "Chicago Council"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Interview des Stellvertretenden US-Außenministers mit dem holländischen Fernsehen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von der Konfrontation zur Annäherung der Meinungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Sonderbotschafter Gerard Smith zu den Ergebnissen der Konferenz über Kernbrennstoffzyklen und die Risiken nuklearer Proliferation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Intervention in Afghanistan - Moskau auf der Suche nach einem Vorwand&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Marshall Shulman -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mit freundlicher Genehmigung von World Paper&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung fördert Bau von Hydrierwerken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gas und Benzin aus Kohle mit teilweise neuen Verfahren -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

\*Ä

finül

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Carter legt Bericht über Rüstungskontrolle vor
- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongreß US-Verteidigungsminister erläutert Reaktion auf Afghanistan-Krise
- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations Vance beantwortet Fragen zur Weltlage

WIRTSCHAFT
US-Industrie: Produktionssteigerung mit weniger Energie

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gcbcccn

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

PRÄSIDENT CARTER LEGT BERICHT ÜBER RÜSTUNGSKONTROLLE VOR
- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. März 1980 dem amerikanischen Kongreß seinen Jahresbericht über die Rüstungskontrolle unterbreitet
und in diesem Zusammenhang die Überzeugung seiner Regierung unterstrichen, daß
die Rüstungskontrolle einen echten Beitrag zur nationalen Sicherheit leisten
könne.
In einem Begleitschreiben zu dem 200 Seiten umfassenden Bericht erklärte
der Präsident, er glaube mit Sicherheit, daß bei der Behandlung des SALT II-Vertrages durch das Plenum des Senats "diejenigen, die sich um unsere nationale
Sicherheit Gedanken machen, den Vertrag als einen klugen und umsichtigen Schritt
unterstützen werden".
Das Begleitschreiben Carters hat folgenden Wortlaut:

An

;

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�An den Kongreß der Vereinigten Staaten.
Ich freue mich, Ihnen den Jahresbericht 1979 des amerikanischen Amtes
für Rüstungskontrolle und Abrüstung unterbreiten zu können.

Während der letz-

ten Jahre hat SALT unser Denken über die Rüstungskontrollmaßnahmen der Vereinigten Staaten mehr oder weniger beherrscht.

SALT ist eine der vielen

Rüstungskontroilbemühungen, die in diesem Bericht beschrieben werden.

Im

Juni vorigen Jahres unterzeichnete ich gemeinsam mit dem sowjetischen Staatsund Parteichef Breschnew in Wien den SALT II-Vertrag und unterbreitete ihn dem
Senat mit der Bitte um Rat und Zustimmung zur Ratifizierung.
war SALT Gegenstand einer intensiven nationalen Debatte
von Anhörungen durch drei Ausschüsse des Senats.

Seit dieser Zeit

sowie auch Gegenstand

Im November unterbreitete

der Außenpolitische Ausschuß den Vertrag befürwortend dem Plenum des Senats.
Nach der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuchte ich den Senat jedoch, die Erörterung des SALT II-Vertrags im Plenum aufzuschieben, damit der
Kongreß und die Exekutive ihr Hauptaugenmerk auf legislative und andere Angelegenheiten richten könne, die als Reaktion auf diese Krise erforderlich sind.
Ich habe jedoch die Absicht, den Senat um Behandlung des Vertrages zu ersuchen,
nachdem diese dringenderen Angelegenheiten erledigt sind. In meiner Botschaft
über die Lage der Nation erklärte ich hier vor Ihnen: "Gerade jetzt in einer
Zeit großer Spannung wird die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten Beschränkungen im besten Interesse beider Länder
sein und dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren." Wenn das Plenum des Senats mit der Aussprache über SALT II beginnt, dann bin ich überzeugt, daß
diejenigen, die sich um unsere nationale Sicherheit Gedanken machen, den Vertrag als einen klugen und umsichtigen Schritt unterstützen werden.
Meine Administration ist weiterhin der Überzeugung, daß die Rüstungskontrolle
echte Beiträge zu unserer nationalen Sicherheit leisten kann.

Wir bleiben dem

Prozeß der beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungskontrolle zutiefst verpflichtet, vor allem auch dem Bemühen, die Verbreitung und Weiterentwicklung
nuklearer Waffen zu verhindern.
Diejenigen
- 2 -

�Diejenigen von Ihnen, die die Gelegenheit haben, den beigefügten Bericht zu lesen, und sich darüber Gedanken machen, werden zwingende Beweggründe für die Bedeutung der darin beschriebenen Arbeit feststellen - für
uns, für unsere Verbündeten und für diejenigen, die von uns in der Welt eine
führende Rolle erwarten.

Wir müssen sorgfältig ausgehandelte, verifizier-

bare Lösungen für das Wettrüsten anstreben, auf das sich einige Länder jetzt
eingelassen haben. Wir müssen bereit sein, mit anderen zusammenzuarbeiten,
um der Welt Frieden und Stabilität zu bringen.
Wenn wir uns nun darauf verlassen, daß das Amt für Rüstungskontrolle
und Abrüstung, das Verteidigungsministerium sowie andere Behörden hinsichtlich ihrer Aufgaben und Pflichten wachsam sind, so sollte doch keiner von
uns die Gefahr übersehen, der wir uns alle - einzeln und gemeinsam - gegenübersehen und die uns als souveräne Nation und als Teil der Staatengemeinschaft der Welt bedroht.

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

US-VERTEIDIGUNGSMINISTER ERLÄUTERT REAKTION AUF AFGHANISTAN-KRISE
- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations -

NEW YORK

- (AD) - Verteidigungsminister Harold Brown ging am

6. März 1980 vor dem "New York Council on Foreign Relations", einer Privatorganisation von Bürgern, deren Interesse der Außenpolitik gilt, auf die
amerikanische Reaktion gegenüber der sowjetischen Invasion Afghanistans
ein.
Die Rede des Verteidigungsministers hat

folgenden Wortlaut:

Die siebziger Jahre gingen mit der sowjetischen Invasion Afghanistans
zu Ende.

Die achtziger Jahre begannen - in diesem Land und in der ganzen

Welt - mit der sich daran anschließenden Debatte darüber, wie auf diese
Invasion zu reagieren sei.

Diese Debatte - zeitweise konfus, zeitweise

ärgerlich, zeitweise scharfsinnig - ist noch nicht abgeschlossen.
Ich möchte in meinen Amerkungen heute übe die amerikanischen Interessen - von denen einige lebenswichtig sind - in jenem Teil der Welt

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Welt sprechen, über die Natur der Herausforderung, die die sowjetische
Bedrohung dort darstellt, über unsere Antwort auf diese Herausforderung
und insbesondere darüber, wie unsere militärischen Kapazitäten sich in
einen sicherheitspolitischen Gesamtrahmen für diese Region einfügen und zu
dieser Antwort beitragen.
Obgleich die jüngsten Ereignisse in Afghanistan von entscheidender
Bedeutung sind, so machen sie dennoch bei weitem nicht das gesamte Problem
aus.

Jede Diskussion über die angemessene amerikanische Antwort muß damit

beginnen, diese besonderen Ereignisse - die Invasion und deren Folgen in den weiteren Kontext vergangener und möglicher oder wahrscheinlichter
zukünftiger Entwicklungen zu stellen.
Der vollständige Kontext der sowjetischen Invasion umfaßt die historischen
Ambitionen Rußlands in dieser Region, umfaßt 20 Jahre Aufrüstung der sowjetischen Streitkräfte, umfaßt die jüngere Entwicklung der sowjetischen
Fähigkeii. zur Machtdarstellung und schließlich die allerjüngsten Umwälzungen
in der islamischen Welt.
Die Erklärungen für die Gründe der sowjetischen Invasion sind unterschiedlich.

Es bleibt die einfache Tatsache bestehen, daß ihre Motive

höchstwahrscheinlich gemischter Natur sind und wir die genaue Mischung
nicht kennen.

Aber Politiker kommen nicht darum herum, sich sowohl mit

dem besonderen Vorfall - der Invasion - als auch mit der langfristigen
Frage zu beschäftigen, wie man in Zukunft vor solchen Schritten abschrecken
kann.
In Überlegung dessen vollzog sich die amerikanische Antwort seit
der Dezember-Invasion auf zwei Ebenen:
-

Zum ersten wurde den Sowjets für diesen besonderen Fall direkter
Aggression ein echter Preis abgerungen.
Zum
- 2 -

�Zum zweiten wurde damit forgefahren, eine Strategie zu entwerfen,
und eine Reihe wirtschaftlicher, politischer, diplomatischer und
militärischer Maßnahmen entwickelt, um vor ähnlichen sowjetischen
Schritten in Zukunft abzuschrecken oder solche zu vereiteln Schritte, die noch unmittelbarer amerikanische Interessen bedrohen
könnten.

Die amerikansichen Interessen
Die amerikanischen Interessen hinsichtlich der Region um den Persischen
Golf im sü'dwestasiatisehen Raum konzentrieren sich kurzfristig sicherlich
auf die sichere und schnelle Freilassung der Amerikaner, die in Teheran
als Geiseln festgehalten werden; längerfristig können unsere Interessen
ziemlich schlicht so dargestellt werden:
1) den Zugang zur angemessenen Ölversorgung sicherzustellen;
2) der sowjetischen Expansion zu widerstehen;
3) die Stabilität in dieser Region zu fördern und
4) den Friedensprozeß im Nahen Osten voranzutreiben sowie gleichzeitig
die weitere Sicherheit des Staates Israel sicherzustellen (und gerade
bei dieser Sicherstellung zu helfen).
Betrachten wir diese einzelnen Punkte der Reihe nach.
öl ist der Lebenssaft der modernen Industriegesellschaften.
des importierten Erdöls der ganzen Welt kommen aus diesem Gebiet:

60 Prozent
etwa

13 Prozent des in den Vereinigten Staaten verbrauchten Öls und viel höhere
prozentuale Anteile unserer Verbündeten - 45 Prozent des Öls der Bundesrepublik Deutschland, 75 Prozent des Öls für Frankreich und für Japan.
Der
- 3 -

�Der Verlust dieses Öls würde für die Volkswirtschaften des Westens
und des industrialisierten Fernen Ostens ein Schlag katastrophalen Ausmaßes
darstellen.
Sogar bei einem Erfolg in der so notwendigen Anstrengung zur Verminderung
der amerikanischen Abhängigkeit von importierten Erdöl

würde der Verlust

der Lieferungen aus dem Persischen Golf unseren Verbündeten und Freunden
irreparablen Schaden zufügen.

Tatsächlich würde eine sowjetische Kontrolle

dieses Gebietes große Teile der industrialisierten Welt und der Entwicklungsländerpraktisch zu wirtschaftlichen Vasallen machen.

Die UdSSR würde noch

nicht einmal den ölfluß auch wirklich zu unterbrechen brauchen.
•

'

Die russischen Träume und Pläne von Expansion und Herrschaft in dieser
Region gehen noch auf zaristische Tage zurück.

Aber unseren langfristigen

Interessen und denjenigen dieses Gebietes ist am besten gedient, wenn die
Staaten dieser Region die Freiheit haben, sich in ihrer eigenen Weise
zu entwickeln, ohne ausländischem Druck oder Herrschaft zu unterliegen.
Sitzt die Sowjetmacht erst auf den ausgedehnten ölreserven, so würde der
Sowjetstaat zum erstenmal einen internationalen ökonomischen Hebel besitzen,
der seiner militärischen Macht entspräche.
Stabilität in dieser Region bedeutet nicht, daß keine Veränderungen
stattfinden. Es bedeutet starke Sicherheitsmaßnahmen bei jedem dieser
Staaten sowie Gelegenheiten für gewaltlose Lösung örtlicher Spannungen
und Unterschiede. Die Einflüsse sowohl des industrialisierten Westens
als auch des islamischen Fundamentalismus werden auch weiterhin das Leben
des einzelnen und die Zukunft der Nationen in dieser Region unmittelbar
berühren. Aber wir können dort eine Rolle beim Aufbau individueller und
kollektiver Sicherheit spielen und gleichzeitig solch destabilisierende
Entwicklungen wie die Proliferation von Kernwaffen verhindern.

�Der Friedensprozeß im Nahen Osten ist grundlegender Teil der amerikanischen
Politik - genauso wie unsere Verpflichtung zur Sicherheit von Israel.
Aspekte des Strebens nach einem stabilen und sicheren Nahen

Diese

Osten haben in

der Folge der kürzlichen Ereignisse im Iran und in Afghanistan neue Bedeutung
gewonnen.
Der Weg hin zum Frieden im Nahen Osten ist lang, steinig und gefährlich.
Aber Fortschritt auf diesem Weg ist - insgesamt gesehen - eine der großen
Erfolgsmeldungen der internationalen Politik gewesen. Noch im Jahre 1973
lagen Israel und Ägypten miteinander im Krieg. Als diese Regierung ihr Amt
antrat, kam der einzige internationale Austausch zwischen diesen beiden
Staaten aus den Läufen der Gewehre bei Grenzangriffen. In dem kurzen Zeitraum von drei Jahren sind wir Zeugen der Vereinbarungen von Camp David
geworden, des Rahmenwerks eines umfassenden Friedens und der offenen
Grenzen und des Austausches von Botschaftern. Bei der Verfolgung des
Friedens werden wir auch weiterhin unserer nationalen Verpflichtung zur
Sicherheit Israels nachkommen. Wir werden auch mit unseren arabischen
Freunden bei der Erstellung eines Sicherheitsrahmens zusammenarbeiten, der
dazu beiträgt, diese Region von dem sowjetischen Expansionismus und jeder
sich daraus ergebenden Bedrohung des freien ölflußes zu schützen, der für
sie und die übrige Welt so wichtig ist.
Beim Versuch der Förderung dieser vier Interessen wird unsere Entschlossenheit zur Beantwortung jeder Bedrohung dieser Interessen deutlich.
Präsident Carter formulierte es in seiner Botschaft über die Lage der
Nation so: "Ein Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die
Region des Persichen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden. Und
solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel, einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden."
Internationale

�Internationale Komplikationen für die Sowjets
Bevor ich auf unsere Strategie und unsere Fähigkeit im einzelnen zu
sprechen komme, in Zukunft eine solche Bedrohung abzuwenden, möchte ich
einige andere Faktoren darlegen, die in die sowjetischen Überlegungen in
diesem Gebiet einfließen und die zur Lösung unserer dortigen Probleme
beitragen könnten.
An deren erster Stelle steht der Wiederaufstieg des Islam, der eine
historische Bewegung hin zum Nationalismus in diesem Teil der Welt verstärkt.

Im Gegensatz zur Sowjetunion versuchen wir nicht, eine starke

islamische Bevölkerung von den Einflüssen ihrer religiösen Tradition zu
trennen.

Wir versuchen nicht, religiösen Aktivismus in der islamischen

Welt zu unterdrücken.

Und dies gilt auch hinsichtlich des Iran.

Wie wir

im Verlauf der andauernden Geiselkrise oft klargestellt haben, kommt eine
äußere Bedrohung der islamischen Revolution des Iran - sollte es eine
solche Bedrohung geben -, von der Sowjetunion, nicht von den Vereinigten
Staaten.
Der zweite Faktor - und mit dem ersten verwandt - ist der aktive
Widerstand von Völkern voller Nationalgefühl gegen äußere Beherrschung.
Die kürzlichen Ereignisse in Afghanistan erinnern uns - und zweifellos
noch unmittelbarer die Sowjets - an die zeitlose Wahrheit der Beschreibung,
die uns Toynbee vom klassischen Problem der Eindringlinge gegeben hat:
...Ein anmaßendes Selbstvertrauen, geboren aus diesem falsch verstandenen Glauben an ihre eigene Unbesiegbarkeit, führt sie in die Katastrophe durch unbesonnenen Angriff auf noch immer ungebrochene Völker,
deren Geist und Fähigkeit zum Widerstand sie völlig überrascht.
Ich möchte damit nicht sagen, daß die Sowjets sich nicht in
Afghanistan durchsetzen können. Sie können es - aber nur zu einem bestimmten

�bestimmten Preis, einem hohen Preis.
Und welche Probleme die Kräfte der Religion und der Unabhängigkeit, die
über dieses Gebiet hinwegstürmen, uns auch immer bringen:

vergessen wir

nicht, daß sie uns letztlich dabei helfen können, den sowjetischen Expansionismus zu behindern.
Die Bedenken der Dritten Welt haben im Nachklang der sowjetischen
Invasion eine - für manche Beobachter überraschende - Rolle gespielt.
Afghanistan gab sich freundlich, ja, prosowjetisch. Als unterentwickeltes
Land ist es in der Geschichte ein Pufferstaat zwischen den rivalisierenden
Großmächten gewesen. Die rasche Verlegung sowjetischer Panzer, Kampfhubschrauber und Zehntausender Soldaten zur Unterdrückung des "befreiten"
Afghanistan schockierte zu Recht einen großen Teil der Dritten Welt.
Unsere Verbündeten und die anderen industrialisierten Demokratien
(sowie, um ein weiteres Beispiel zu nehmen, auch China) teilen unser
Interesse und unsere Bedenken in diesem Gebiet - sowie, im großen und ganzen,
unsere Beurteilung der Gefahren, auch wenn sie nicht jedes Element unserer
Formeln zur Behandlung der Lage übernehmen. Westeuropa und Japan hängen
noch stärker als wir von den ülVorräten der Region ab. Viele unserer Verbündeten haben mit den Ländern dort historische Bindungen. Während wir die
Unterstützung der Verbündeten in diesem Gebiet suchen, müssen wir indessen
erkennen, daß direkte Beiträge nicht der einzige Weg sind, auf dem sie
helfen können. Zum Beispiel geben uns die Beiträge der Verbündeten zu
ihrer eigenen Sicherheit größere Beweglichkeit bei den Maßnahmen, die wir
ergreifen müssen, um unsere militärischen Kapazitäten zu stärken, damit wir
uns den Bedrohungen des Friedens und unserer gemeinsamen Interessen im
Persischen Golf und in Südwestasien stellen können.
Diese verschiedenartigen Faktoren können uns dabei helfen, der von den
Sowjets gestellten Herausforderung entgegenzutreten, ja, sie sind unabdingbarer

�unabdingbarer Bestandteil einer umfassenden Antwort.

Dennoch gibt es

keinen Zweifel darüber, daß die Vereinigten Staaten die Führung bei der
Organisierung einer solchen umfassenden Antwort auf die sowjetische
Aggression in Afghanistan und einer wirkungsvollen Abschreckung vor noch
gefährlicheren Schritten übernehmen müssen, die die Sowjets ansonsten
in Zukunft zu ergreifen versucht sein könnten.

Diese umfassende Antwort

muß vielseitig - militärisch und nichtmilitärisch - sein.

Die nichtmilitärischen Komponenten der Abschreckung
Der erste nichtmilitärische Bestandteil ist eine wirkungsvolle, langfristige Energiepolitik zur Verminderung unserer Abhängigkeit von importiertem
Erdöl.
Es muß jedoch Klarheit darüber herrschen, daß kein vorstellbarer
Maßnahmenkatalog - Einsparung, Lagerung oder alternative Energiequellen das kurzfristige Sicherheitsproblem eliminieren kann, das durch die Bedrohungen des Golfs und seines Öls geschaffen wurde. Die harte Tatsache
ist, daß die Vereinigten Staaten oder unsere Partner in der industrialisierten
Welt oder die Entwicklungsländer im kommenden Jahrzehnt oder wahrscheinlich
sogar im darauffolgenden nichts tun können, um schweren Schaden von sich
zu wenden, wenn der Großteil der Ölversorgung aus dem Persischen Golf für
einen längeren Zeitraum abgeschnitten würde.
Es handelt sich bei diesem Problem hier nicht darum - wie manche
behaupten -, ob es wegen der OPEC Krieg geben wird, oder darum, Schlangestehen vor den Zapfsäulen zu vermeiden.
nötig.

Einsparung ist in jedem Fall

Aber hierfür einzutreten als Ersatz für amerikanische Führung

bei der Stärkung der Sicherheit der Golfregion bedeutet lediglich, den
Ernst der wirklichen Lage nicht zu erfassen oder ihn zu verdrängen - denn

- 8 -

�denn dies betrifft nicht nur uns, sondern auch unsere Verbündeten und Freunde.
Sogar für ein energieunabhä'ngiges Amerika gäbe es keine Sicherheit in einer
Welt, in der Westeuropa oder Japan, die Türkei oder Brasilien im Energiebereich zu Geiseln einer freindlichen Macht würden.
Der zweite nichtmilitärische Aspekt betrifft die Wirtschaftshilfe
für jene Länder in dieser Region, die mit den Problemen der Entwicklung
ringen. Ein besonders wichtiges Beispiel bietet der Fall unseres Verbündeten
Türkei. Wirtschaftliche Unsicherheit läuft darauf hinaus, politische
Instabilität zu fördern. Hilfe für ein Land zur Lösung seiner internen
Probleme ermöglicht es diesem, sich wirkungsvoller mit der gemeinsamen
Sicherheit und anderen regionalen Belangen zu befassen. Wir erwarten von
unseren Freunden in der industrialisierten Welt und den reichen Olförderla'ndern in diesem Gebiet, ihren vollen Anteil auf dieser Seite der Aufgabe
zu übernehmen.

Militärische Komponenten der Abschreckung
Ich möchte mich nun den militärischen Komponenten zuwenden. Bei
unseren militärischen Planungen für den Persischen Golf und Südwestasien
- wie überhaupt insgesamt - ist unser oberstes Ziel die Abschreckung.
Das bedeutet, wir versuchen klarzumachen, daß mit einer Aggression große
Risiken und Strafen verbunden sind. Wir müssen notfalls in der Lage sein,
eine Aggression auf verschiedenen Ebenen niederzuschlagen. Ohne Frage
stellen eine solche Fähigkeit und der Wille zur Tat die wirkungsvollste
Abschreckung dar.
Bevor ich zur Erörterung der Arten von Streitkräften übergehe, die
zur Durchführung dieses Operationsziels notwendig sind, möchte ich noch
vier allgemeine Überlegungen zu den militärischen Komponenten unserer

�unserer Antworten anstellen.
Erstens, obgleich die Ausdrücke "Schnelle Eingreiftruppen" ("Rapid
Deployment Forces") und "Machtdarstellung" ("Power Projection") relativ
neue Schöpfungen der Fachsprache sind, so sind die militärischen Aufgaben,
die sie bedeuten, überhaupt nicht neu. Die Vereinigten Staaten betreiben
schon seit ziemlich langer Zeit dieses Geschäft des schnellen Dislozierens
und der Machtdarstellung.

Wer daran zweifelt, sollte die Angehörigen des

Marinekorps fragen, die vor fünf Jahren ihren 200. Jahrestag feierten.
In beiden Weltkriegen, in Korea und später in Vietnam zeigten wir,
daß wir in der Lage waren, Streitkräfte in sehr bedeutenden Größenordnungen
weit von unseren Küsten entfernt zu unterhalten.

Was immer auch unsere

anderen Schwierigkeiten in jenen Fällen waren, so waren die logistischen
Kapazitäten, die die Vereinigten Staaten zeigten, doch in der Tat eindrucksvoll.

Darüber hinaus ist es seit langer Zeit Teil unserer Militärdoktrin,

bereit und im Stande zu sein, in Krisenfällen auch in räumlich entfernten
Gebieten einzugreifen, ohne dadurch unsere Fähigkeit zur Abschreckung und
Verteidigung auf anderen Schauplätzen zu gefährden.
Zweitens, ich lehne schlechthin die These ab, daß wir die Kapazität
zu einem wirksamen Einsatz von Streitkräften gar nicht entwickeln sollten,
da wir sonst versucht sein könnten, sie unklug einzusetzen. Ich glaube,
das amerikanische Volk und seine politische und militärische Führung sind
klug genug - und wie man hinzufügen könnte, erfahren genug - um einige
einfache Wahrheiten zu begreifen und zu akzeptieren:
•. &gt; -.

-

Daß nämlich Streitkräfte allein nicht alle Probleme der Welt
zu lösen vermögen;
•

-

daß ihr Einsatz eine sehr schwerwiegende Sache ist;
daß
- 10 -

�-

daß derartige Streitkräfte und der Wille zu ihrem Einsatz, fall dies
notwendig sein sollte, wesentlich für die Verteidigung unserer
lebenswichtigen Interessen sind; und

-

daß diese Interessen sorgfältig definiert werden müssen.

Wir müssen uns von den Lehren der Geschichte leiten, aber nicht von
ihren Gespenstern bedrücken lassen.
Drittens, in der Presse ist verschiedentlich berichtet worden, daß
die Vereinigten Staaten sich angeblich für eine Strategie des "Stolperdrahts"
entschieden hätten, bei der wir - aus eigener Wahl oder durch Notwendigkeit
gezwungen - rasch zu taktischen Kernwaffen greifen würden, um uns gegen
einen sowjetischen Angriff in dem Gebiet zu verteidigen. Hier sind verschiedene Punkte zu klären. Jeder direkte Konflikt zwischen amerikanischen
und sowjetischen Streitkräften trägt das Risiko einer Intensivierung und
geographischen Ausbreitung des Konflikts in sich. Wir können nicht zulassen, daß die Sowjets allein über Schauplatz und Aktionen entscheiden.
Das bedeutet keinesfalls, daß die Eskalation bis zum Einsatz von
Kernwaffen die unbedingte Konsequenz eines amerikanisch-sowjetischen
Zusammenpralls in Südwestasien sein wird. Teils um ein solches Resultat
weniger wahrscheinlich zu machen, ist ein großer Teil unserer Anstrengungen
in dieser Region darauf gerichtet, die konventionelle Stärke zu verbessern,
die wir dort zum Tragen bringen können. Geht man von den amerikanischen
Kapazitäten und denen der anderen aus, deren Interessen durch eine sowjetische
Aggression gefährdet werden, berücksichtigt man die Schwierigkeiten, die
mit allen sowjetischen militärischen Aktionen über die Grenzen des eigenen
Landes hinaus in schwierigem Terrain und gegenüber einer feindseligen
Bevölkerung verbunden sind und nimmt man dazu den weiten Bereich unserer
Optionen, sowohl andere verwundbare Stellen der Sowjets für uns zu nutzen
und uns gegen den Angriff zu verteidigen, so sind konventionelle Abschreckung

- 11 -

�Abschreckung und Verteidigung durchaus realisierbare Ziele.
Viertens aber vertrete ich ganz generell die Ansicht, daß die Gesamtreaktion eine multilaterale ist und sein muß, die örtliche Streitkräfte,
amerikanische Verbände und Streitkräfte anderer
liegender Länder einschließt.

außerhalb der Region

So bemühen wir uns beispielsweise bei

verschiedenen Ländern der Region um einen stärkeren amerikanischen Zugang
zu örtlichen Anlagen und Einrichtungen.

Wir führen Gespräche sowohl mit

potentiellen Geber- wie potentiellen Empfängerländern über Programme für
Wirtschaftshilfe und Sicherheitsbeistand, die notwendige Ergänzungen zu
unseren anderen Anstrengungen darstellten.

Und wir stehen in Konsultationen

sowohl mit Ländern innerhalb wie außerhalb dieser Region über eine militärische
Zusammenarbeit in diesem Gebiet.
Trotz der Schwierigkeiten, die in einer von unabhängigen Staaten
getragenen multilateralen Aktion liegen, sind wir insgesamt bei unseren
Bemühungen bisher ganz erfolgreich gewesen und rechnen damit, dies auch
weiterhin zu sein.

Ich sollte vielleicht darauf hinweisen, daß wir in

vielen Fällen nicht um formelle, öffentliche Garantien und Abkommen bemüht
sind, sondern vielmehr um die Schaffung eines Systems besonnener Konsultation
und paralleler Verfolgung gemeinsamer Sicherheitsziele.
•

Um zum Ziel der Abschreckung zu gelangen, wird eine Kombination von
örtlichen Streitkräften für die Selsbtverteidigung von in dem Gebiet
präsenten amerikanischen Streitkräften und - soweit angebracht - von
amerikanischen und anderen Streitkräften erforderlich sein, die rasch disloziert
werden können, um bedrohte Gebiete zu verstärken.
•

In den meisten Fällen - ja,wohl beinahe in allen Fällen - würden
die örtlichen Streitkräfte in dem Land, das einem Angriff ausgesetzt ist
oder direkt bedroht wird, mobilmachen, um sich zu verteidigen.

Wir können

nicht hoffen, und es ist auch keinesfalls unsere Absicht, Völker in dieser

- 12 -

�dieser Region zu verteidigen, die nicht mithelfen wollen, sich selbst zu
verteidigen.

Genauso aber erwarten wir, daß wir dort, wo wir uns engagieren,

nicht allein stehen.

Weil die Aggression gegen einen sich zu einer Gefahr

für alle ausweiten könnte, dürften wohl andere in der Region sich der kollektiven
Verteidigungsanstrengung anschließen,und sicherlich sollten sie es tun.
Die Hilfe, die sie leisten könnten, würde von Fall zu Fall in ihrer Art
sehr unterschiedlich sein, von der Verfügbarmachung der notwendigen Zugangswege und Nachschubeinrichtungen bis zur Mobilisierung von Streitkräften,
die an unserer Seite stehen würden, um den Gegner abzuschrecken und zu
bekämpfen.
Die Abschreckung braucht außer den einheimischen Streitkräften sowohl
die militärische Präsenz der USA in dem Unruhegebiet als auch weitere amerikanische Streitkräfte, die rasch dahin gebracht werden können. Wichtig
dabei ist die Fähigkeit, Streitkräfte schnell in das Gebiet bringen zu
können und zwar mit der Stärke, Mobilität und Kampfkraft, die die Vorausverbände des Gegners daran hindern, lebenswichtige Punkte zu erreichen.
Es ist nicht notwendig, daß unsere ersten Kampfeinheiten imstande sind,
die gesamte Streitmacht zu schlagen, die ein Gegener schließlich ins Feld
führen kann. Es ist für uns genauso wenig notwendig, zu warten, bis der
erste Schuß fällt oder die ersten feindlichen Streitkräfte im Land sind.
Viele unserer Truppen können auf eine strategische Warnung hin in Marsch
gesetzt werden und einige schon nach Erhalt selbst sehr frühzeitiger und
durchaus noch nicht eindeutiger Anzeichen.
Eine wirksame amerikanische Antwort auf eine Aggression in diesem oder
anderen Unruhegebieten besteht aus verschiedenen Elementen. Beim ersten
Bestandteil - einer verstärkten kontinuierlichen Präsenz in Friedenszeiten werden vor allen die Seestreitkräfte ins Spiel treten. Unsere derzeigen Seestreitkräfte in der Region sind denen der Sowjetunion in diesem Gebiet
weit überlegen. Sie bieten uns eine taktische Luftstreitmacht, die sofort
eingreifen kann. Ich möchte hinzufügen, daß auch die Franzosen starke

- 13 -

�starke Seestreitkräfte im Indischen Ozean haben.

Außerdem machen wir

weiterhin ständige Fortschritte bei dem vor mehreren Jahren begonnenen
Ausbau unserer Anlagen auf Diego Garcia.

Unsere ständige Präsenz in dieser

Region wird um vieles größer sein als noch vor einem Jahr.
Die Vorausbereitstellung von Gerät ist der zweite lebenswichtige
Bestandteil.

Wir haben ein Programm in Angriff genommen, um eine Reihe

von Vorausbereitstellungsschiffen der US-Marine zu beschaffen, die uns
eine größere Flexibilität verleihen und uns der Probleme großer ständiger
amerikanischer Stützpunkte in Übersee in sensitiven Gebieten entheben werden.
Als kurzfristige Option stellen wir derzeit aktiv eine Flotte von
sieben Schiffen zusammen, die aus Schiffstypen besteht, wie sie in der
Handelsmarine verwandt werden, einschließlich von Roll-on/Roll-off- Schiffen
(Schiffe mit einer eigenen Laderampe, auf die Fahrzeuge ohne Hilfe von
Ladekränen oder sonstigen Ladeeinrichtungen direkt fahren können, Anm.
des Übersetzers), Großraumfrachtern und Tankern, um uns schon in den
nächsten Monaten mit dieser Kapazität auszustatten.

Diese Schiffe werden

mit der Ausrüstung ganzer Einheiten, Nachschubgütern, Brennstoff und Wasser
beladen werden - Mengen,die eine Landungsbrigade des amerikanischen Marinekorps in Stärke von etwa 10 000 Mann sowie mehrere Staffeln von Kampfflugzeugen der amerikanischen Luftwaffe in die Lage versetzen würden,
unabhängig zu operieren bis weiterer Nachschub aus den Vereinigten Staaten
eintreffen kann.
•

Die beladenen Schiffe werden Vorauspositionen beziehen, die nur
wenige Tagereisen vom Seegebiet des Persischen Golfes und des Arabischen
Meeres entfernt sind. Im Ernstfall könnten sie in einen vorbestimmten
Hafen nahe des Zielgebietes einlaufen und sich dort mit Flugzeugen und
Mannschaften treffen, die direkt von Stützpunkten in den Vereinigten
Staaten eingeflogen werden. Diese Einrichtung wird uns die Fähigkeit verleihen, innerhalb von Tagen statt von Wochen auf eine Krise in dem Gebiet

- 14 -

*

�Gebiet zu reagieren.
Mobilität - vor allem Luft- und Seebrückenkapazität - ist der dritte
Bestandteil. Wir stehen heute nicht ohne eine solche Kapazität da. So
könnten beispielsweise die ersten landgestützten taktischen Flugzeuge
innerhalb von Stunden in der Region sein, und größere Einheiten unterstützt
von dem fliegenden Frühwarn- und Leitsystem AWACS innerhalb weniger Tage.
Das erste Bataillon der 82. Luftlandedivision könnte innerhalb 48 Stunden
nach dem Marschbefehl eintreffen, die gesamte Division etwa innerhalb von
zwei Wochen. Eine volle Landungsstreitmacht des Marinekorps (eine Division
und ein Luftgeschwader)könnte in vier Wochen disloziert werden.
Darüber hinaus haben wir wichtige Verbesserungen unserer Kapazität
für einen raschen Einsatz (Soforteinsatzkapazität) vorgesehen. Vor einigen
Jahren begannen wir mit der Beschaffung von Maschinen des Typs KC-10 zur
Betankung aus der Luft (Tankflugzeugen), und wir beschleunigen jetzt
diese Anschaffungen. Wir haben ferner ein langfristiges Beschaffungsprogramm
für ein neues Transportflugzeug vom Typ "CX" begonnen (das entweder nach
einem neuen Entwurf oder auf der Grundlage eines vorhandenen Flugzeuges
gebaut wird), das für die Dislozierung überdimensionaler Lasten über große
Entfernungen hinweg geeignet ist. Wir sind schließlich, als Interimsmaßnahme,
dabei, schnelle Handelsschiffe zu erwerben, die ein unmittelbares militärisches
Seebrückenpotential darstellen.
Der vierte Bestandteil betrifft die Zugangs- und Durchgangsrechte, auf
die ich bereits abgehoben habe. Wir stehen in intensiven - und meinem Urteil
nach erfolgreichen - Verhandlungen über verbesserten Zugang zu See-, Luftund anderen Stützpunkten, um unsere Fähigkeit zur Versorgung von Schiffsund Flugzeugdislozierungen zu erhöhen. Lassen Sie mich noch einmal den
Unterschied zwischen der Suche nach Zugang und der Suche nach ständigen
Stützpunkten unterstreichen. Im wesentlichen ersuchen wir verschiedene
Länder in der Region, uns in die Lage zu versetzen, ihnen wirkungsvollere

- 15 -

�wirkungsvollere Unterstützung zu gewähren, sofern sie uns brauchen und uns
wollen.

Dies ist etwas ganz anderes als sie aufzufordern, ständige

amerikanische Stützpunkte zu beherbergen.
•

Häufige Dislozierung und Übungen in dem Gebiet enthalten einen
anderen wesentlichen Bestandteil.

Wir haben den Umfang und das Tempo der

regelmäßigen Dislozierungen unserer Seestreitmacht in dem Gebiet ausgeweitet.
Um zum Beispiel einen bestimmten Zeitpunkt herauszugreifen:

Vorigen

Oktober führte die Kampfgruppe unseres Flugzeugträgers "Midway" zusammen
mit Flotteneinheiten Großbritanniens und Australiens ein Manöver durch.
Außerdem waren vier Schiffe der amerikanischen Mittelost-Streitmacht im
Persischen Golf stationiert.

Eine zweite Flugzeugträger -, Kampfgruppe

erreichte außerdem im Dezember ? vom Westpazifik kommend - das Arabische
Meer.

Seit dieser Zeit stehen über 150 trägergestützte taktische Flugzeuge

und 14 Kriegsschiffe im Persischen Golf und im Arabischen Meer in ständiger
Bereitschaft, um eine sichtbare Präsenz der USA zu unterhalten.
Unsere Fähigkeit zur Darstellung von Luftmacht über große Entfernungen
wurde außerdem durch drei B-52 Seeüberwachungs- und drei fliegende

Früh-

warn- und Kontrollmissionen demonstriert, die im Gebiet des Indischen Ozeans
geflogen wurden.

Schließlich wird eine Landungseinheit des Marinekorps

gegen Ende dieses Monats im Arabischen Meer eintreffen.

Und schon vorher

haben wir dort taktische Flugzeuge disloziert - zum Beispiel F-15 und Frühwarnsysteme (AWACS) in Saudiarabien als Teil unserer Antwort der Bedrohung
des Nordjemen.
In der Debatte, die aus der Krise um den Persischen Golf erwachsen
ist, scheinen wir manchmal gegen den Angriff einer seltsamen Kombination
von Kritikern zu kämpfen.

Auf der einen Seite sind jene, die auf das Rede-

pult hämmern und nach schlecht definierten harten Maßnahmen schreien (oft,

�(oft, um Probleme zu lösen, für die es keine militärische Lösung gibt),
während sie gleichzeitig unsere militärischen Fähigkeiten verhöhnen.

Auf

der anderen Seite erklären unterschiedliche Stimmen, daß wir vor keinerlei
Problemen stehen, ausgenommen derer, die wir durch unsere eigene Überreaktion
schaffen und daß wir uns daher über unsere militärischen Kapazitäten überhaupt keine Sorgen zu machen brauchten.
Jede dieser Einstellungen - zur nationalen Politik erhoben - würde
unsere Sicherheit großen Gefahren aussetzen und würde der Sowjetunion ein
auf ernste und gefährliche Weise falsches Signal geben.

Schlußfolgerung
Die Politiken und die Methoden, die ich dargelegt habe, sind keine
Schritte in Richtung Krieg.
Krieg zu verhindern.

Sie sind dazu entworfen, stark zu machen und

Was wir tun, stellt eine notwendige und vernünftige

Antwort auf konkrete Erfordernisse dar.
Militärkapazitäten ist ein Faktum.

Der massive Zuwachs der sowjetischen

Ihre Bereitschaft, Stellvertreter und

sogar Einheiten der Roten Armee zu benutzen, um militärische und politische
Macht außerhalb der Grenzen der Sowjetunion auszuüben, wurde demonstriert.
Die Vereinigten Staaten und die Staaten, mit denen wir am engsten verbunden
sind, sind derzeit - und noch für eine lange Zeit - durch eine überaus
verwundbare Lebensader mit dem Nahen Osten und dem Persischen Golf verbunden.
Vielleicht werden die Sowjets diese Lebensader niemals bedrohen.
Vielleicht sind die "milderen" Interpretationen ihrer Invasion Afghanistans
- sofern man das Wort "mild" überhaupt gebrauchen kann - korrekt.

Aber als

Politiker, als verantwortungsbewußte Bürger und als Weltmacht können wir
dies nicht gefahrlos sagen.

Tatsächlich sind die Schritte, die wir unter-

nehmen müssen, um uns vor den Folgen der unmittelbaren Bedrohung durch das

- 17 -

�das kürzliche aggressive sowjetische Verhalten zu schlitzen, wahrscheinlich
der wirkungsvollste Weg, um langfristig die künftigen sowjetischen Unternehmungen einzudämmen.
Wir sagen zu den Sowjets nicht, daß Wettstreit der einzige Weg für
uns Ist. Wir sind auch weiterhin gewillt, auf den Gebieten zusammenzuarbeiten, wo sich unsere Interessen decken - wie dies bei SALT der Fall
ist.

Aber dort, wo sie unsere Interessen bedrohen, werden wir uns ihnen

auch auf dieser Grundlage entgegenstellen.
-

Wir müssen der Sowjetunion zeigen:
-

daß die Invasion Afghanistans in dem Teil der Welt, der nicht von
Moskau beherrscht wird, durchweg als rohe Verletzung der Normen
internationalen Verhaltens angesehen wird;

-

daß ihre dafür abgegebene Rechtfertigung weltweit als eine durchsichtige Verdrehung angesehen wird; und

-

daß die internationale Gemeinschaft der Ansicht ist, daß ähnliche
Schritte in der Zukunft die ernsthaftesten Gefahren sowohl für die
Sowjets als auch für die übrige Welt mit sich bringen würden.

Damit die Vereinigten Staaten in Zukunft ihre angemessene Rolle bei
der Abschreckung vor einer solchen Aggression spielen können, müssen wir
die angemessene militärische Kapazität und den Willen haben, sie zu gebrauchen, sollte dies notwendig sein.
Wenn wir die Absicht haben, eine Supermacht zu bleiben und unser
eigenes pluralistisches politisches und wirtschaftliches System zu schützen,
müssen wir uns langfristig verpflichten zu
wirtschaftlichem

- 18 -

�1) wirtschaftlichem Wiederaufbau,
2) einem Programm der Verminderung unserer Abhängigkeit von importierter
Energie und - nicht minder wichtig 3) einer Erhöhung unserer militärischen Kapazität, einschließlich
der Fähigkeit, Streitkräfte in Gebiete zu dislozieren, die weit
weg, aber lebenswichtig für uns sind - in einem Sicherheitsrahmen,
der bei der Stabilisierung solcher Gebiete hilft.
Diese Aufgaben werden nicht leicht sein. Sie können nicht als einmaliges Sofortprogramm durchgeführt werden. Aber wenn wir bei ihrer Durchführung versagen, wird das 21. Jahrhundert wahrscheinlich gefährlich werden für unsere Ideale, für unsere Sicherheit und für unsere Kinder.

+ + + + +

- 19 -

�Dokumentation

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

VANCE BEANTWORTET FRAGEN ZUR WELTLAGE

CHICAGO - (AD) - Im Anschluß an seine Rede vor dem "Rat für
außenpolitische Beziehungen" (Chicago Council on Foreign Relations) am
3. März 1980 in Chikago stellte sich der amerikanische Außenminister
Cyrus Vance den Fragen seiner Hörer. Die Fragen und Antworten hatten
folgenden Wortlaut:
FRAGE: Sie bezogen sich (in Ihrer Rede) auf Ihre Gespräche mit
dem französischen Staatspräsidenten Giscard d'Estaing und Bundeskanzler
Helmut Schmidt, die später, nach der Invasion Afghanistans, eine energische
Erklärung zur Unterstützung der Einheit des Bündnisses veröffentlichten.
Dennoch haben viele Beobachter über die Reibungen innerhalb des Bündnisses
in den letzten Monaten gesprochen,und die Frage ist, wie einig unsere
europäischen Verbündeten hinter Ihnen und Ihrer Politik im Nahen Osten
und Südwestasien stehen?
ANTWORT:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Lassen Sie mich zunächst sagen, daß wir über eine Reihe

gemeinsamer Zielsetzungen, eine Reihe gemeinsamer Ziele sprechen.
Der Hauptzweck meiner Reise war es, mit den Staatschefs der vier
Länder, die ich besucht habe, über unsere Beurteilung der Bedrohung, vor
der wir stehen, sowie die kurzfristigen und langfristigen Ziele zu sprechen,
so wie wir sie sehen.

Drüber hinaus erörterten wir die Frage, welche

Schritte unternommen werden könnten, um diese Ziele zu erreichen.
Was die Beurteilung dieser Bedrohung anging sowie kurz- und langfristige Ziele, fand ich, daß es ein hohes Maß an Übereinstimmung gab ja, daß wir auf derselben Linie lagen.
Als wir zur Frage der konkreten Schritte kamen, gab es Meinungsunterschiede bei einigen Punkten. Ich meine, das ist verständlich - es ist
für mich verständlich. Wir werden unsere Konsultationen fortführen bei
der gemeinsamen Arbeit, diese gemeinsamen Ziele und Zielsetzungen in die
Tat umzusetzen; und wir werden versuchen, sowohl gemeinsame Schritte als
auch parallele Schritte zu finden, durch die wir diese unsere gemeinsamen
Ziele erreichen werden. Ich bin der Ansicht, daß es im Gegensatz zu vielem,
wovon man von Zeit zu Zeit hört, unter uns Einigkeit gibt.
FRAGE: Herr Minister, eine Reihe von Fragen wird sich natürlich
mit den verschiedenen Aspekten der Lage im Iran und in Afghanistan beschäftigen» eine Reihe davon sind Beschwerden darüber, warum uns unsere
Verbündeten angeblich nicht mehr Unterstützung gewährt haben, andere fragen
wegen der Olympischen Spiele: Werden wir den Boykott tatsächlich durchziehen?
Inwieweit läßt sich die gegenwärtige Situation mit den Olympischen
Spielen im Nazi-Deutschland des Jahres 1936 vergleichen? Tun wir unseren
Sportlern und uns selbst mehr weh als den Sowjets?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Lassen Sie mich mit dem letzteren beginnen und erinnern

Sie mich dann noch einmal an die anderen Fragen.
Was die Olympischen Spiele angeht, so haben wir hierzu unsere Entscheidung getroffen:

Wir haben gesagt, wir würden nicht an Olympischen

Spielen teilnehmen, die in der Hauptstadt eines Landes stattfinden, das in
ein anderes Land einfällt.
Entscheidung.

Diese Entscheidung wurde getroffen, es ist unsere

Und es ist die Entscheidung, der wir folgen werden.

FRAGE: Unter den Kritikern der harten Reaktion der Regierung auf die
Invasion Afghanistans waren Ronald Reagan und George Kennan. Kennan stellte
fest, daß sich vom geopldtitischen Standpunkt aus die Meinung vertreten ließe die angeblich Mr. Reagan geäußert haben soll -, daß es vernünftiger wäre,
energische Schritte gegen Kuba, das nur 90 Meilen von unserer Küste entfernt
liegt, zu unternehmen, als zu versuchen, das sowjetische Verhalten 5000
Meilen weit weg zu beeinflussen, in einem Land, das an der sowjetischen
Grenze liegt.
Was ist Ihre Antwort?
ANTWORT:

Meine Antwort lautet, daß es für mich schwierig ist, diese

Eingebung von Mr. Kennan zu verstehen.

Der Vorschlag, wir sollten über

Kuba in diesem Moment eine Blockade verhängen, mit all den Gefahren, die
das mit sich bringen würde - und wir erinnern uns ja noch daran, was
damals, 1962, geschah -, ist meinem Urteil nach zu dieser Zeit nicht sehr
sinnvoll.
Ich meine, es ist ganz deutlich, daß unsere lebenswichtigen nationalen
Interessen sowie diejenigen unserer Verbündeten durch den Schritt bedroht
sind, den die Sowjets in Afghanistan getan haben, indem sie Zehntausende
ihrer Soldaten in dieses Land schickten und dabei nicht nur alle Regeln
der Charta der Vereinten Nationen und des Völkerrechts verletzten,sondern

- 3 -

�sondern auch die Menschenrechte der Menschen dieses Landes, und gleichzeitig zur Bedrohung der umliegenden Länder wurden

sowie zu einer potentiellen

Bedrohung - ich erwähnte es eben schon - der lebenswichtigen Interessen,
die wir alle am Fluß des Erdöls aus dieser wichtigen Region haben.
Aus diesem Grund, so will es mir scheinen, sollten wir unsere Aufmerksamkeit hierauf konzentrieren; und unsere Verbündeten teilen diese
Ansicht.
FRAGE:

Eine Anzahl von Fragen unserer Zuhörer geht

darauf ein, was

Sie über die Notwendigkeit einer starken Verteidigung gesagt haben.

Die

Leute machen sich besonders Gedanken über das Problem der Freiwilligenstreitkräfte.

Werden die Vorschläge zur Registrierung junger Männer und

Frauen zur Wehrdienstpflicht führen?

Und

inwieweit sollten Ihrer Meinung

nach auch Frauen bei Kampfeinheiten dienen?
ANTWORT: Was die Registrierung angeht, so habe ich sehr klare persönliche Ansichten. Und ich vertrete sie schon lange, auch wenn sie oft
nicht mit den Ansichten anderer Leute übereinstimmen.
Ich bin der Ansicht, daß es ein Fehler war, die Wehrdienstpflicht
abzuschaffen und zur Freiwilligenarmee überzugehen. Meiner Überzeugung
nach sollte es nicht nur Wehrdienstpflicht geben, sondern allumfassenden
Dienst, und jeder sollte seiner Regierung dienen müssen.
Ich meine nicht, daß dieser Dienst notwendigerweise Militärdienst
sein muß; aber man sollte zumindest ein Jahr irgendeiner Art Dienst für
das eigene Land widmen.

(Beifall!)

FRAGE: Herr Minister, hier ist eine Frage, die sich auf eine Umfrage
des "Chicago Council ori Foreign Relations" vor einem Jahr bezieht, als die
Mehrheit der Befragten große Bedenken über die immer schwächer werdende

- 4 -

�werdende Stellung der Vereinigten Staaten in der Welt zum Ausdruck brachte.
Nach der Hauptursache für diesen Niedergang befragt, führten es die meisten
der Befragten auf den verminderten Wert des US-Dollar zurück, nicht auf die
wachsende militärische Macht der Sowjetunion.
Die Frage ist:

Was hat die Regierung Carter getan, bzw. was tut sie,

um den Niedergang des Dollar aufzuhalten?
ANTWORT:

Eines der entscheidenden Dinge, die die Regierung im Zu-

sammenhang mit dem Problem des Dollar tun muß,ist es, die notwendigen Schritte
an der Energiefront zu unternehmen, wie ich es schon besprochen hatte.
Dies steht im Zentrum der zu ergreifenden Maßnahmen, denn das hat entscheidende
Auswirkung darauf, was mit dem Wert des Dollar geschieht.
Außerdem müssen wir, das ist offensichtlich, hier zu Hause Schritte
unternehmen, um die Inflation in den Griff zu bekommen;

denn das ist das

zentrale innenpolitische Thema in diesem Augenblick, ein Thema, dem diese
Regierung und der Kongreß jetzt und in den kommenden Monaten ihre Aufmerksamkeit widmen müssen.
FRAGE: Eine Reihe von Fragen zielt auf verschiedene Aspekte der Energieprobleme und unsere internationalen Beziehungen in diesem Zusammenhang. Wie
groß sind die Chancen, die Internationale Energieagentur (IEA) innerhalb
eines vernünftigen Zeitraums zu einem wirkungsvollen Verbraucherkartell
oder zu einem Bündnis der Verbraucher zu machen, um der OPEC entgegenzutreten?
ANTWORT:

Meinem Urteil nach wird die Internationale Energieagentur

im großen und ganzen auch weiterhin so arbeiten,wie sie das im Moment tut,
das heißt, sie dient als Körperschaft, die zu Zeiten zum Handeln aufgerufen
wird, da die Preise über den Gefahrenpunkt hinausgehen und es dann für sie
- nämlich die 20 Staaten, die der IEA angeschlossen sind - notwendig wird,

- 5 -

�wird, die Last zu teilen, die ihnen auferlegt wird.

Ich glaube, sie

wird eher dabei bleiben.als eine andere Gestalt anzunehmen.
FRAGE:

Herr Minister, da dies hier im Mittleren Westen ein land-

wirtschaftliches Gebiet ist, gibt es noch eine Reihe von Fragen über den
Getreideboykott.

Dies zeigt deutlich, daß viele sich über die Auswirkungen

des Getreideembargos auf die Herstellung und Weiterverarbeitung von Nahrungsmitteln Gedanken machen.

Der Londoner "Economist" hat die These aufgestellt,

daß es den amerikanischen Farmern und Steuerzahlern möglicherweise mehr
Schmerz bereiten könnte als der Sowjetunion.
Welches sind die wirtschaftlichen Folgen in den Vereinigten Staaten,
und wie weh können wir der Sowjetischen Regierung durch dieses Embargo tun?
ANTWORT: Was die letztere Frage angeht, so glaube ich, daß das
Getreideembargo über 17 Millionen Tonnen, die die Vereinigten Staaten nicht
verschiffen werden, seine Wirkung hat und auch weiterhin seine Wirkung auf
die Sowjetunion haben wird. Ich bin der Ansicht, daß es außerdem Wirkung
auf einige der Länder haben wird, die in diesem Bereich von der Sowjetunion
abhängig sind, und ich glaube daher, daß das Getreideembargo in seiner
kombinierten Wirkung bedeutungsvoll sein wird.
Es ist ein Schritt, der Opfer fordert. Aber wie ich bereits gesagt
habe: andere werden Opfer bringen müssen und bringen sie. Dies ist notwendig, wenn wir die Schritte unternehmen wollen, die unsere Entschlossenheit
und unsere Standhaftigkeit angesichts der Lage zeigen, vor der wir stehen und
die in der Tat eine kritische Lage ist.
FRAGE:Es

bleibt uns noch Zeit für zwei weitere Fragen.
•

.

•

Interessant ist, daß sich eine Reihe von Fragen eher mit Südostasien
als mit Südwestasien beschäftigt.

In Kambodscha und auch in anderen Bereichen

�Bereichen dieser Region haben die Vietnamesen große Verwüstung angerichtet.
Außerdem wurde da gestern in einem Artikel des "New York Times Magazine"
die bohrende Frage nach Kindern amerikanischer Soldaten gestellt, die in
Vietnam zurückgelassen wurden.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, daß wir

in absehbarer Zukunft diplomatische Beziehungen mit Vietnam aufnehmen - wie
auch immer geartete diplomatische Beziehungen?

Und

inwieweit droht die

vietnamesische Armee, auch weiterhin in dieser Region umfangreiche Gewinne
zu erzielen?
ANTWORT:

Ich glaube, es ist unwahrscheinlich, daß wir in absehbarer

Zeit Beziehungen zu Vietnam aufnehmen werden.

Zu Beginn der Regierung Carter

wiesen wir darauf hin, daß wir zu einem Schritt in dieser Richtung bereit
seien, falls die andere Seite entsprechend reagiert.
Zuerst stellten die Vietnamesen uns gegenüber die Forderung nach
"Reparationen", wie sie das nannten. Wir sagten, daß dies unter keinen
Umständen geschehen würde; und dies bildete ein Hindernis auf dem Weg zu
jeder Art Forschritt, bis sie es zurücknahmen. Etwa gleichzeitig aber
begannen sie mit dem Programm, Zehntausende von Menschen ins Meer zu treiben die "boat people". Und zur gleichen Zeit bereiteten sie sich auf die Invasion
Kambodschas vor.
Damals sagten wir ihnen, daß wir keinen Fortschritt auf eine Normalisierung
hin machen könnten, solange diese beiden Maßnahmen ihrerseits fortgesetzt
würden. Hinsichtlich der "Bootsmenschen" gab es einigen Fortschritt; es
gab ein Moratorium über einen Zeitraum der Vertreibung der "Bootsmenschen"
aus Vietnam. Aber was Kambodscha angeht, so stehen vietnamesische Truppen
noch immer dort und wurden nicht abgezogen; deshalb bleibt dies auch weiterhin ein Hindernis.
Langfristig erstreben wir eine Normalisierung der Beziehungen, aber
wir müssen uns um diese drängenden Fragen kümmern,und diese Art Probleme

- 7 -

�Probleme muß erst überwunden sein, bevor wir zu jenem Punkt kommen können.
FRAGE:

Eine letzte Frage:

Der Fragesteller weist darauf hin, daß der

Ansicht mancher Leute nach die Weltstabilitä't stärker durch die Instabilität
bedroht wird, die auf Präsident Titos Tod folgen könnte.
Wird die Sowjetunion eine Krisenlage ausnützen, die sich vielleicht
nach Titos Tod entwickelt,und versuchen, das Machtgleichgewicht der Welt
zu ändern?
ANTWORT: Die Führung in Jugoslawien ist fähig, stark und entschossen;
und wir vertrauen darauf, daß sie in der Zeit nach Tito ihren Staat mit
Stärke und Weisheit führen kann.
Was uns anbelangt, so unterstützen wir voll und ganz ihre unerschütterliche Haltung hinsichtlich der Bedeutung ihrer Unabhängigkeit, ihrer
Souveränität und ihrer territorialen Integrität.
Was unsere eigenen Beziehungen angeht, so sind unsere Beziehungen
zu Jugoslawien gut, ja,ich glaube, sie sind tief und stark.

Ich glaube

nicht, daß für Jugoslawien in der Zeit nach Tito Gefahr besteht.

Die

Führung ist gut und stark, und sie wird in der Lage sein, ihr Land gut und
weise zu führen.

+ + + + +

�a
I 3

e

Wift/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. März 1980

15

US-INDUSTRIE: PRODUKTIONSSTEIGERUNG MIT WENIGER ENERGIE

- (AD) - Angesichts der steil ansteigenden Energiekosten versucht die
amerikanische Industrie öl ,zu sparen, wo immer ihr dies möglich erscheint.
Und dabei stellt sie fest, daß dennoch die Produktion keineswegs absinken
muß, sondern sogar erheblich gesteigert werden kann. Der Wirkungsgrad der
Energienutzung sollte von 1972 bis 1980 um 17 Prozent verbessert werden
- ein Ziel, das bereits 1978 erreicht wurde. Die Bemühungen der Industrie,
Energie immer rationeller zu nutzen, gehen weiter, teilweise mit staatlicher
Förderung, teilweise auch unter staatlichem Druck: 1) Industrie-Investitionen
für energiesparende Ausrüstungen werden mit einem zehnprozentigen Steuerkredit
honoriert; 2) neue Kesselanlagen und Industrieöfen müssen mit Kohle befeuert,
bereits vorhandene Großanlagen,wo immer möglich, von ül- auf Kohlebefeuerung
umgestellt werden; 3) für die zehn größten Sektoren der Industrie wurden für
1980 spezielle Richtwerte für den Wirkungsgrad der Energienutzung festgesetzt.
Alles in allem entfallen zur Zeit auf die amerikanische Industrie etwa
35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und 20 Prozent des Ölverbrauchs in
den Vereinigten Staaten.

Da früher Energie reichlich vorhanden und billig

war, hatte man sich zunächst wenig um energie-effiziente Produktionsprozesse
gekümmert.

Dies ist aber in den letzten paar Jahren anders geworden. Die

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die jährliche Zuwachsrate des Energieverbrauchs ging erheblich zurück.

Beim

öl betrug sie 1979 noch drei Prozent gegenüber sieben Prozent vor vier Jahren.
Beamte des US-Energieministeriums schätzen, daß der Ölverbrauch der amerikanischen Industrie von nun an ständig weiter sinken wird.
Zum Teil sind die öleinsparungen auf den verstärkten Einsatz von Kohle
zurückzuführen - der Kohleverbrauch der amerikanischen Industrie lag trotz
der damit verbundenen Umweltprobleme im vergangenen Jahr um vier Prozent höher
als 1978, nachdem er in den Jahren davor ständig weiter abgesunken war. Ungeachtet der reichlich vorhandenen Vorräte ging gleichzeitig der Verbrauch an
Erdgas sprunghaft zurück - eine Spätfolge der 1973 sich abzeichnenden Tendenz
zu unzureichender Erdgasversorgung aus amerikanischen Quellen, was die Regierung veranlaßt hatte, eine Umstellung auf ölfeuerung zu empfehlen.

Die Mineral-

öl gesell Schäften hatten dadurch, wie sie sagen, eine Absatzeinbuße von mehr
als 85 Milliarden cbm; der Verkauf von 28,3 Milliarden cbm sei ihnen für immer
verloren gegangen, weil die Kunden kostspielige Umrüstungen auf ölbefeuerte
Kessel vornahmen.
Heute versuchen sie, ehemalige Abnehmer zurückzugewinnen und neu hinzukommende Verbraucher für die Verwendung von Gas zu interessieren. Zum einen,
so argumentieren sie, seien künftige Verknappungen nicht zu befürchten. Zwar
sei in der Gasproduktion in den USA ein langsamer Rückgang zu verzeichnen, jedoch würde aus Kanada und Mexiko sowie - in der Form von verflüssigtem Erdgas - aus Algerien und Indonesien ständig mehr geliefert. Und schließlich
sei Gas noch immer billiger als öl. Außerdem werde man in Zukunft aus Ölschiefer, Kohle, Torf und Abfall Gas auf synthetischem Wege gewinnen. Als eine
weitere Quelle kämen extrem tief liegende natürliche Vorkommen in Frage, sofern die notwendige Technik für ihre Ausbeutung zur Zufriedenheit entwickelt
werden könne.

Industriebranchen

�Industrieb ra n c h en yerfo1ge n ehr g ei z i g e Spar z i e 1 e

Die riesige chemische Industrie hatte sich 1972 zum Ziel gesetzt, den
Energieverbrauch um eine Menge zu drosseln, die knapp 43 000 Tonnen öl pro
Tag bzw. einer Verbesserung der Energienutzung um 14 Prozent gegenüber 1972
entsprach.

Im Jahr 1978 (das z. Zt. letzte Jahr, für das vollständige Sta-

tistiken vorliegen) jedoch war der entsprechende Wert bereits auf 17 Prozent,
drei Prozent über den Richtwert, geklettert.

Dies wurde durch Ersetzen al-

ter, wenig wirtschaftlicher Fabrikationsanlagen, das Verbrennen flüssiger
und gasförmiger Prozeß-Abfallprodukte in neuartigen Kesselanlagen und die Installierung von Kesselreglern für wirtschaftliche Energienutzung erreicht.

Einige Unternehmen geben hohe Summen dafür aus, um beispielsweise Phosphatgestein naß zu mahlen und auf die normalerweise vorangehende Trocknung zu verzichten.

Andere sind jetzt in der Lage, mit Wasser geschlämmte Kohle anstatt

öl zu verbrennen.

Die Mineralöl- und Kohleindustrie sind selbst die drittgrößten Energieverbraucher bei der Herstellung ihres "Produkts" - nämlich Energie.

Sie hatten

sich vorgenommen, bis 1980 eine Energiemenge einzusparen, die 28 600 Tonnen öl
pro Tag entspricht.

Ähnlich wie die chemische Industrie haben sie dieses Ziel

bereits 1978 erreicht, und zwar durch bessere Isolation und neue, hochmoderne
Wärmeaustauscher.

Außerdem verwenden sie unter hohem Druck stehende flüssige

und gasförmige Prozeßprodukte, um damit Turbinen anzutreiben, Strom zu erzeugen oder mechanische Arbeiten zu verrichten.

Rauchgas wird in Kohlendioxid

umgewandelt, um Dampf für Generatoren zu produzieren.

Die größten Energieverbraucher in der Industrie sind die Rohmetallhersteller.

Die Produzenten von Eisen, Stahl und Aluminium hatten sich eine neun-

prozentige Verbesserung der Energieausnutzung vorgenommen (dies entspricht mehr
als 28 600 Tonnen öl pro Tag)5ein Ziel, das 1978 erreicht war.

Alte und ver-

altete Anlagen waren stillgelegt und leistungsfähigere Elektroofen installiert
worden; pro Tonne Roheisen verbrannte man weniger Koks, und Abwärme wurde in

- 3 -

�in den Prozeß zurückgeführt.
Den Fahrzeugherstellern war es gelungen, bis 1978 ihren Richtwert für verbesserte Energienutzung von 16 Prozent auf 21 Prozent zu bringen und ihn seitdem noch weiter zu erhöhen.

Vertreter der Branche berichten, daß beispiels-

weise der Ersatz von Metallteilen durch Kunststoffteile, Konstruktionsänderungen an bestimmten Teilen zur Verringerung der Wärmebehandlungszeit und die Einführung elektrischer Induktionserhitzung dazu verholfen hätten.
Bei der Textilindustrie, bei Fertigfabrikaten in der Metallindustrie sowie in den Branchen Steine und Glas gab es 1978 noch Rückstände zu den für 1980
gesetzten Zielen, jedoch war mehr erreicht worden, als zunächst vorhergesagt.
Textilfirmen kümmerten sich um bessere Isolier- und Kühl verfahren, leistungsfähigere Kessel anlagen, Abwärmerückführung, Verringerung der Prozeß-Temperaturen,
generelle Verkürzung der Produktionsverfahren und Reduzierung der Trocknungszeiten auf ein Minimum.
Ziegelwerke berichten über bessere Isolierung der Brennöfen.

Die Herstel-

ler von Portland-Zement verwenden einen Trocken-Prozeß-Ofen, der, wie sie sagen, 18 Prozent weniger Energie verbrauche.

Umgebaute und besser isolierte

Öfen in Metall betrieben der weiterverarbeitenden Industrie brachten eine um
22 Prozent bessere Energieausnutzung.
Nur die Papierindustrie kämpft noch darum, die angestrebten 20 Prozent
besserer Energieverwertung zu erreichen.

Bis 1978 hatte sie 14 Prozent er-

reicht - in erster Linie durch Umstellung der Kesselbefeuerung von öl auf das
bei ihnen reichlich anfallende Abfallholz.

Einer der Betriebe deckt derzeit

80 Prozent seines Energiebedarfs aus dieser Quelle.
Allgemein gesehen wird es aber immer schwieriger, die Energienutzung weiter
zu rationalisieren.

"Von jetzt an ist harte Technik notwendig, das Warten auf

den Verschleiß alter Ausrüstungen
leute.

und Innovation im Prozeß", meinen die Fach-

Ganze Betriebe müssen möglicherweise aufgegeben, die Belegschaften um-

- 4 -

�umgeschult werden.

Dennoch zeichnen sich immer wieder neue Wege ab, wie die

Aluminiumindustrie demonstriert:

Sie Verbrauchterbeispielsweise im Jahr 1978

für die Gewinnung von einem Kilogramm Aluminium 17 Kilowatt Strom.

Neue Pro-

duktionsverfahren, auf die sie gegenwärtig umstellt, dürften diese Strommenge
bis zum Ende des Jahrhunderts - vielleicht auch schon früher - auf 11 oder
gar weniger als neun Kilowatt verringern.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 12.03.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt Bericht über Rüstungskontrolle vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens an den US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Verteidigungsminister erläutert Reaktion auf Afghanistan-Krise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Browns vor dem New York Council on Foreign Relations -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vance beantwortet Fragen zur Weltlage&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Industrie: Produktionssteigerung mit weniger Energie</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

31

L HifiMH

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. März 1980

16

I N H A L T

DOKUMENTATION

Präsident Carter gibt Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung bekannt
- US-Bundesbank zieht die Kreditbremse -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Den Feinreaktionen des Zell Wachstums auf der Spur
- Signal für Zellteilung kommt von der Oberfläche Laser-Zündung für die Analyse von Verbrennungsreaktionen

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�16

19. März 1980

PRÄSIDENT CARTER GIBT MASSNAHMEN ZUR INFLATIONSBEKÄMPFUNG BEKANNT
- US-Bundesbank zieht die Kreditbremse -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 14. März 1980 ein umfassendes Programm zur Bekämpfung der Inflation in den Vereinigten Staaten
bekanntgegeben.

Gleichzeitig führte die amerikanische Bundesbank (Federal

Reserve Board) Maßnahmen zur Krediterschwerung ein.
Auf einer Pressekonferenz am gleichen Tage betonte Carter, daß die Maßnahmen zur Eindämmung der Inflation "schmerzlich" seien und nicht über Nacht
wirken würden-

Aber sie seien notwendig, um die Stärke der größten Wirt-

schaftsmacht der Erde zu erhalten.

Carter teilte mit, daß die Maßnahmen mit

den führenden Vertretern der Demokratischen Partei im Kongreß abgestimmt worden seien und daß führende Vertreter der Republikanischen Partei ihre Unterstützung zugesichert hätten, wenn die Demokraten die Führung im Kampf gegen
die Inflation übernehmen würden.
Der Präsident kündigte an, daß er durch Kürzungen und Einsparungen - so
sollen bis 1. Oktober dieses Jahres durch eine Einstellungssperre 20 000 Planstellen im zivilen Bundesdienst wegfallen - für das Finanzjahr 1980/81 (vom

�(vom 1. Oktober 1980 bis 30. September 1981) entgegen dem Voranschlag einen
ausgeglichenen Haushalt vorlegen werde.

Um dies zu erreichen, müssen über

13 Milliarden Dollar eingespart werden.

Die entsprechenden Maßnahmen auf dem Energiesektor sehen eine Importabgabe von 4,62 Dollar pro Barrel vor, die sich nur auf den Benzinpreis auswirken soll und diesen um rund 10 Cent pro Gallone (knapp 5 Pfennig pro Liter)
erhöhen wird.

Die Ziele für den Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten

werden 5,5 Prozent unter dem Verbrauch des Jahres 1979 angesetzt.

Die amerikanische Bundesbank (Zentralbank) wird die Banken ersuchen,
ein freiwilliges Krediteinschränkungsprogramm zu befolgen, das die Zunahme
ihrer Kreditausweitung auf unter neun Prozent festlegt.

Für bestimmte Arten

der Kreditaufnahme der Banken, einschließlich Depositenzertifikate und Eurowährungskreditaufnahmen, werden die Mindestreservesätze erhöht.

Ferner wird

die Bundesbank eine Kontrolle über Konsumentenkredite, vor allem mit Hilfe
von Kreditkarten, ausüben, wobei allerdings Hypothekenkredite, Kredite für
Autos und Kredite für größere Haushaltsanschaffungen nicht eingeschlossen
sind.

Investmentfonds und andere Anlagefirmen, die mehr Zinsen bezahlen als

die Sparzinsen, müssen bei jeder Erhöhung ihres Anlagekapitals eine Sonderrücklage von 15 Prozent bei der Bundesbank hinterlegen.

Schließlich werden die Anleihen und Anleihegarantien des Bundes im Haushaltsjahr 1980/81 um fast vier Milliarden Dollar gekürzt.

Die freiwilligen Lohn- und Preisrichtlinien werden verschärft und genauer
überwacht.

Der Präsident der amerikanischen Bundesbank, Paul Volcker, betonte am
15. März vor der Presse, die getroffenen Maßnahmen dienten dem Hauptziel, die
Ausweitung des Geld- und Kreditvolumens in den USA besser unter Kontrolle zu
bringen und damit der Inflation Einhalt zu gebieten.

Er gab unter anderem be-

kannt, daß der Diskontsatz für kleine Banken und für gelegentliche Anleihen

- 2-

�Anleihen der Großbanken zwar nicht erhöht werden, daß aber wiederholte
Kreditaufnahmen von Großbanken mit einer dreiprozentigen Sonderabgabe belegt
werden - was einer Erhöhung des Diskontsatzes auf 16 Prozent entspricht.
Unter diese

Bestimmungen fielen 177 amerikanische Banken, so sagte Volcker.

Er wies darauf hin, daß das Kreditvolumen gewaltig zugenommen habe.

Die

Käufe auf Kreditkarten nahmen nach Auskunft Volckers mit einer Rate von
15,5 Prozent, die persönlichen Kredite mit 11,5 Prozent zu; die ausstehenden
Kredite auf Kreditkarten sind auf 68 Milliarden Dollar und die anderen Personalkredite auf 116 Milliarden Dollar aus einer Gesamtkonsumentenverschuldung von 381 Milliarden Dollar angewachsen.

Die ausländischen Banken,vor allem solche mit Zweigniederlassungen

in

den Vereinigten Staaten, werden nach Auskunft des amerikanischen Bundesbankpräsidenten ersucht, an dem neuen Kreditdämpfungsprogramm mitzuwirken.
Präsident Carter hat an das amerikanische Volk appelliert, nicht über
seine Verhältnisse zu leben und seinen Kampf gegen die Inflation zu unterstützen, der höchsten Vorrang habe.

Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:

Die anhaltend hohe Inflation bedroht die wirtschaftliche Sicherheit unseres Landes.

Seit meinem Wirtschaftsbericht und meinem Haushaltsbericht im Januar
haben rasche Veränderungen in den Geschehnissen der Welt urd in den wirtschaftlichen Aussichten es notwendig gemacht, unseren Kampf gegen die Inflation zu
verstärken.

In den letzten acht Wochen sind die Zinssätze auf eine nie dagewesene
Höhe geklettert, und die Inflation hat sich stark beschleunigt.

Das

- 3 -

�Das ist ein weltweites Problem.

In den letzten beiden Berichtsmonaten

haben die Zunahmen des Großhandelspreisindexes in Japan, Großbritannien und
Italien die 25 Prozentmarke überschritten.

Selbst in der Bundesrepublik

Deutschland betrug die Inflationsrate bei den Großhandelspreisen 13 Prozent.
Die Inflation, mit der wir es zu tun haben, hat tiefe Wurzeln.

Ihre

vielerlei Ursachen sind im Laufe von mehr als zehn Jahren entstanden.

Die

wichtigsten dieser Ursachen sind die rapide steigenden ölpreise, die Verlangsamung des Produktivitä'tswachstums sowie unser Versagen, als Regierung, als
Einzelperson und als Gesellschaft unseren Verhältnissen entsprechend zu leben.
Die Inflation ist ein Symptom einer wirtschaftlichen Notlage.

Die Wahr-

heit ist, daß wir Inflation haben, weil unsere Wirtschaft nicht produktiv
genug ist, all das zu leisten, was wir von ihr verlangen.

Wir wollen, daß

sie uns höhere Einkommen, größere Gewinne und umfangreichere Regierungsprogramme auf unserem Lieblingsgebiet beschert.
Die Bundesregierung muß aufhören, Geld auszugeben, das wir nicht haben,
und sich Geld zu leihen, um das fehlende Geld zu beschaffen.
Unsere ganze Gesellschaft - alle Amerikaner - müssen noch härter versuchen, mit dem auszukommen, was sie haben. Als Einzelpersonen wie als Nation
müssen wir damit anfangen, nur so viel Geld auszugeben, wie wir uns auf die
Dauer leisten können - nicht so viel, wie wir uns kurzfristig leihen können.
Es gibt keine raschen Antworten auf das Problem der Inflation und vor
allem keine Antworten, die nicht wehtun.

Wenn es solche Lösungsmöglichkeiten

gäbe, dann hätte man sie schon lange versucht.

Wir können die Inflation nicht

über Nacht abschaffen, indem wir einfach ein Gesetz gegen sie erlassen.

Nur

durch eine langfristige Anstrengung - in Partnerschaft mit Unternehmen, Gewerkschaften, dem einzelnen Bürger und allen Ebenen und Zweigen der Regierung - können wir dieses Problem erfolgreich in den Griff bekommen.
Die

�Die jetzige gefährliche Situation verlangt rasche Maßnahmen.
müssen fest und entschieden handeln.

Wir müssen jetzt handeln.

Wir
Wir müssen

alle Zweifel über den Willen unserer Nation beseitigen, die schmerzlichen
Maßnahmen zu ergreifen, um die Inflation unter Kontrolle zu bringen.

Wir

können hohe Inflationsraten nicht einfach als eine ständige Tatsache des
Lebens akzeptieren.
Das von mir heute verkündete intensive Antiinflationsprogramm umfaßt
fünf Hauptbestandteile:
- Erstens:

Disziplin durch Kürzung des Bundeshaushalts;

- zweitens: Disziplin durch Kreditrestriktionen;
- drittens:

Disziplin durch Lohn- und Preismaßnahmen;

- viertens: Disziplin durch stärkere Einsparung von Energie; und
- fünftens: Strukturänderungen zur Ermutigung von Produktivität, Spartätigkeit, Forschung und Entwicklung.
Lassen Sie mich die Punkte im einzelnen durchgehen.
Erstens:

Der Haushalt

Ich werde bald einen neugefaßten Voranschlag für das Haushaltsjahr 1981
vorlegen, das am 1. Oktober dieses Jahres beginnt.

Es wird ein ausgeglichener

Haushalt sein, und ich beabsichtige, ihn ausgewogen zu halten.
Seit dem letzten ausgeglichenen Etat vor 12 Jahren sind unsere Staatsschulden um nahezu 500 Milliarden Dollar angewachsen.

Wir werden im Jahr 1981

wieder ein Ziel erreichen, das unser Land fast niemals - in guten wie in
schlechten Zeiten - erreicht hat: einen ausgeglichenen Haushalt.
Gegen Monatsende werde ich dem Kongreß eine weitgehend revidierte Fassung meiner beiden Haushaltsvoranschläge für 1980 und 1981 vorlegen.

Ich

�Ich werde bedeutende Kürzungen bei der Ausgabeermächtigung des laufenden
Haushalts vorschlagen, um die Ausgaben in diesem und dem nächsten Haushaltsjahr zu beschneiden.
\ " .

•

.

Ich werde die Ausgaben im Haushalt 1981 um mehr als 13 Milliarden Dollar
kürzen und werde zu diesem Zweck:
- die meisten der neuen oder der erweiterten Programme verschieben, kürzen oder streichen, die ursprünglich im Haushalt 1980 vorgeschlagen wurden;
- die Ausgaben für Personal, Betrieb und Unterhaltung im gesamten Regierungsbereich kürzen;
•

•

- bei den Zivil beschäftigten im Bundesbereich die Stellen ab sofort einfrieren, und strenge Höchstgrenzen einhalten, damit wir bis Oktober dieses
Jahres 20 000 weniger Bundesbedienstete haben werden;
- laufende Ausgabenprogramme im Gesamtbereich der Bundesregierung reduzieren.
Ich fordere den Kongreß dringend dazu auf, die Spar- und Einkommensmaßnahmen in dem von mir im Januar vorgelegten Haushalt anzunehmen. Ich möchte
im besonderen auf die Gesetzgebung hinweisen, die notwendig ist, um die Krankenhauskosten zu dämpfen, die Besoldung des Bundes zu reformieren und die Steuereinnahmen zu beschleunigen.
Wenn Haushaltskürzungen von vielen Amerikanern Opfer fordern, dann ist
es untragbar, daß sich manche der pünktlichen Zahlung ihrer Steuern entziehen.
Ich werde dem Kongreß Gesetzesvorlagen unterbreiten, um sicherzustellen, daß
Steuerschulden aus Einkommen durch Zinsen und Dividenden ebenfalls und rechtzeitig bezahlt werden.
Ich werde auch weiterhin meiner Verpflichtung zu einer starken Verteidigung und zu dem Realzuwachs der Verteidigungsausgaben nachkommen, zu dem
- 6 -

�dem wir uns unseren NATO-Verbündeten gegenüber verpflichtet haben.

Aber

auch das Verteidigungsministerium wird nicht gegen das Haushaltssparprogramm
gefeit sein.

Ich fordere insbesondere das Ministerium zu Einsparungen auf,

die unsere militärische Bereitschaft nicht beeinträchtigen.

Ich erachte den

vorgeschlagenen Verteidigungshaushalt als für die Erfordernisse unseres Landes ausreichend.

Wir müssen einen sparsamen Haushalt und verantwortungsbe-

wußtes fiskalisches Denken bei allen Regierungsbehörden aufrechterhalten.

Gegründet auf unsere Vorausschätzungen der wirtschaftlichen und haushaltsmäßigen Entwicklungen werden die von mir beschriebenen Schritte im Finanzjahr 1981 einen ausgeglichenen Haushalt zur Folge haben.

In unserem System kontrolliert der Kongreß, für welchen Zweck die Mittel
ausgegeben werden.

Die intensiven Anstrengungen der führenden Vertreter im

Kongreß in letzter Zeit und meine engen Konsultationen mit ihnen haben mich
davon überzeugt, daß der Kongreß in der Tat einen ausgeglichenen Haushalt,
wie von mir vorgeschlagen, verabschiedet und tragen wird.

Um aber dieses

Ergebnis sicherzustellen, werde ich alle mir zu Gebote stehende Macht nutzen.:

- Wie vorige Woche bei einem populären Gesetzesvorschlag

werde ich mein

Veto gegen jedes Gesetz einlegen, das über die Ausgabengrenzen hinausgeht,
die mit einem ausgeglichenen Haushalt in Einklang stehen.

- Ich werde meine weitreichenden Vollmachten gemäß dem Haushaltsreformgesetz des Jahres 1974 einsetzen, um die Bundesausgaben einzudämmen, einschließlich einiger Ausgaben, für die bereits eine Ermächtigung erteilt worden ist.

- Sollte ich im Laufe des Jahres zu der Ansicht gelangen, daß diese Maßnahmen und Vollmachten nicht ausreichend sind, werde ich den Kongreß um die
zeitweilige Gewährung außerordentlicher Vollmachten ersuchen, um sicherzustellen, daß die Ausgaben eingedämmt werden.

Die

- 7 -

�Die Kürzung von Bundesausgaben, um sie mit den Einnahmen in Einklang
zu bringen, ist kein Allheilmittel, aber es ist ein wesentlicher erster
Schritt.

Die Inflationsursachen sind viel zu komplex, als daß man ihnen durch

ein einziges Hilfsmittel beikommen könnte. Aber nichts wird helfen, solange
nicht die Bundesregierung zeigt, daß sie ihre eigenen Ausgaben und Schulden
in den Griff bekommen kann - nicht nur als eine Sache, die man ein Jahr lang
betreibt, sondern als eine langfristige Politik.

Genau das werden wir zusam-

men tun. Wir werden mit der Vorstellung Schluß machen, daß wir auf ewig im
Defizit leben müssen.
Ich möchte, was diese Haushaltskürzungen angeht, absolut ehrlich sein.
Wir haben bisher Verschwendung und Schwindel beseitigt und das Fett abgeschmolzen, das die Bürokratie angesetzt hat. Aber dieses Mal wird es auch
Kürzungen bei guten, wertvollen Programmen geben - bei Programmen, die ich
nachhaltig unterstütze.
In dieser kritischen Lage müssen wir alle über einige unserer lohnendsten
unmittelbaren Ziele hinaus blicken auf die überragenden ständigen Belange der
ganzen Nation.
Unser zweiter Bereich des Handelns ist die Eindämmung des Kreditzuwachses.
Genauso wie unsere Regierungen Schulden gemacht haben, um über die Runden zu kommen, so haben es auch die einzelnen Amerikaner getan.

Aber wenn

wir versuchen, die Inflation mit geliehenem Geld zu bekämpfen, dann machen
wir die Sache nur noch schlimmer.
Die Inflation wird durch Ausgaben, die über Kredite finanziert werden,
nur angeheizt.

Die Verbraucher haben sie zu tief in Schulden gestürzt.

Die

Spareinlagen in unserem Land waren seit über 25 Jahren noch nie so niedrig.
Mit steigender Inflationserwartung werden Unternehmer und andere Kreditnehmer
verlockt, Kredite nicht nur zur Finanzierung von produktiven Unternehmungen,
sondern auch von Spekulationsgeschäften zu verwenden.
Die

�Die herkömmlichen Werkzeuge, die die Bundesbank verwendet, um die Geldund Kreditexpansion zu kontrollieren, sind grundlegender Bestandteil der
Inflationsbekä'mpfung.

Aber unter den gegenwärtigen Umständen müssen diese

Werkzeuge geschärft werden, damit eine wirkungsvolle Zurückhaltung in einer
Weise erreicht werden kann, die die Last vernünftig und fair verteilt.
Ich werde daher meine Vollmacht gemäß dem Kreditkontroilgesetz des Jahres 1969 gebrauchen, um die Bundesbank zu ermächtigen, dem Kreditzuwachs auf
beschränkter und sorgfältig ausgerichteter Grundlage neue Beschränkungen aufzuerlegen. Kraft dieser Ermächtigung wird die Zentralbank:
- Kontrollen für Kreditkarten und andere nichtabgedeckte Darlehen einführen - jedoch nicht für gedeckte Kredite auf Häuser, Autos und andere Dauergüter;
- die Kreditausweitungen von Handelsbanken beschränken, die keine Mitglieder des Bundesbanksystems sind, sowie von bestimmten anderen Kreditgebern auf dem Geldmarkt.
Der Bundesbankpräsident wird ein freiwilliges Programm ankündigen, das
sofort in Kraft tritt, um übermäßigen Darlehenszuwachs größerer Banken und
anderer Geldgeber zu beschränken. Gleichzeitig wird das Programm den Fluß
der verfügbaren Kreditmittel für Investitionen und andere produktive Verwendung anspornen. Besondere Aufmerksamkeit wird dem speziellen Bedarf des
gewerblichen Mittelstandes, der Landwirte und derjenigen gewidmet, die sich
ein Haus kaufen wollen. Ich unterstütze diese Initiativen der Bundesbank.
Diese genau gezielten Maßnahmen werden die Produktionskapazität unseres
Landes nicht schädigen.

Durch Beschränkungen einer übermäßigen Kreditauf-

nahme und durch Dämpfung der Inflation sollten sie - zusammen mit den Haushaltsmaßnahmen, die ich angekündigt habe - die Aussichten auf Verminderung
des Drucks beschleunigen, der auf den Finanzmärkten lastet.
Zusatz!ich

�Zusätzlich werde ich Schritte unternehmen, um die Verschuldung der
Bundesregierung einzuschränken.

Bundesdarlehen und Darlehensgarantien werden

im Haushaltsjahr 1981 um annähernd 4 Milliarden Dollar beschnitten.
1

•

Als längerfristige Maßnahme dränge ich den Kongreß darauf, den Kredithaushalt einzuführen, den ich im Januar vorgeschlagen habe. Er wird uns dabei behilflich sein, die Darlehen und Darlehensgarantien wirkungsvoller zu
kontrollieren, die die Bundesregierung gewährt.
Unser dritter Bereich für Maßnahmen sind die freiwilligen Lohn- und
Preisrichtlinien.
Ich habe keine Ermächtigung, Kontrollen aufzuerlegen.
Ermächtigung auch nicht.
kontrollen verfügen.

Ich möchte diese

Wir werden keine obligatorischen Lohn- und Preis-

Lohn- und Preiskontrollen der Regierung haben in Frie-

denszeiten nie gewirkt.

Sie schaffen nur unfaire ökonomische Verzerrungen

und schaden der Produktivität.

Solche Ergebnisse zwangen stets dazu, die

Preiskontrollen zunächst zu lockern und dann aufzugeben - während die Inflation weitertobte.
Kontrollen schaffen Härten - und die größte Härte ist ihre Auswirkung
auf die Durchschnittsfamilie.

Wie sogar die glühendsten Verfechter obliga-

torischer Kontrollen einräumen, würden die Kosten der lebensnotwendigen Dinge
wie Nahrung und Brennstoff auf diejenigen abgewälzt werden, die von eingefrorenen Löhnen und festgeschriebenen Einkommen leben.
Wir können die Inflation nicht durch eine massive Bundesbürokratie verbieten, oder sie mit magischen Formeln wegzaubern.
Andererseits bieten freiwillige Lohn- und Preisrichtlinien die Flexibilität, die wir benötigen, um unsere komplexe Wirtschaft zu meistern.
Der Rat für Lohn- und Preisstabilität hat gerade verbesserte Lohnricht- 10 -

�Lohnrichtlinien herausgegeben und eine Ausweitung der Preisrichtlinien bestätigt.
Die neuen Lohnrichtlinien wurden in Anlehnung an die Empfehlungen einer
Dreierkommission entwickelt, der Vertreter der Arbeitgeber, -nehmer und der
Öffentlichkeit angehörten.

Die Kommission empfahl einstimmig Leitlinien für

Lohnerhöhungen im Umfang von 7,5 bis 9,5 Prozent und stellte fest, daß die
Erhöhungen unter normalen Umständen im Durchschnitt 8,5 Prozent betragen sollten.

Ich bin entschlossen, dieses Ziel zu erreichen.

Angesichts der vorjährigen Erhöhung des Verbraucherpreisindex um 13 Prozent und der noch höheren Rate der letzten Monate spiegelt diese einstimmige
Empfehlung der Lohnkommission - in der Absicht, einen durchschnittlichen
Anstieg der Löhne und Gehälter um 8,5 Prozent zu erhalten - einen löblichen
Geist der Zurückhaltung und Zusammenarbeit wider, und mit der Unterstützung
von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Öffentlichkeit, können wir dieses
Ziel der Beschränkung erreichen.
Auf meine Veranlassung hin wird der Rat für Lohn- und Preisstabilität
seine auf die Beobachtung der Lohn- und Preisentwicklung abzielenden Funktionen erheblich erweitern. Sein Mitarbeiterstab, zur Zeit 80 Mann, wird mehr
als verdreifacht. Der Rat wird Expertenteams zusammenstellen, die die Lohnund Preisentwicklungen in jedem größeren Industriezweig verfolgen. Er wird
mit den führenden Vertretern spezifischer Industrien zusammenarbeiten, um
sich ihrer Mitarbeit zu versichern. Wo es notwendig ist, wird er große Firmen darum bitten, von bedeutsamen Preiserhöhungen im Voraus unterrichtet zu
werden. Wir werden Lohn- und Preiserhöhungen, die aus dem Rahmen der Normen
zu fallen scheinen, eingehend überprüfen. Ich werde diese Rahmenwerte hart
und energisch sowohl gegenüber der Industrie wie gegenüber der Gewerkschaft
vertreten.
Unser viertes Aktionsfeld ist die Energie.

Die

�Die schlichte Wahrheit ist, daß wir niemals im eigenen Land vollkommen
stark oder außerhalb unserer Grenzen völlig sicher sein werden, ehe wir nicht
endlich die Libermäßige Abhängigkeit unseres Landes von ausländischem öl überwunden haben.
Der Preis für Importöl hat sich in den letzten zwölf Monaten mehr als
verdoppelt.

Der Anstieg im vorigen Jahr allein war größer als alle Preiserhö-

hungen seit dem ölembargo von 1973 zusammengenommen.
Wir müssen mit aller Kraft auf das von mir im vorigen Jahr gesetzte Ziel
hinstreben - die Menge des von uns importierten Öls bis 1990 um die Hälfte zu
senken.

Dazu wird notwendig sein, die Produktion von öl, Erdgas und Kohle im

eigenen Lande zu steigern - die Anstrengungen zur Energieeinsparung unermüdlich
fortzusetzen - und alternative Energiequellen so rasch wie möglich zu entwickel
Seit drei Jahren habe ich für eine nationale Energiepolitik gekämpft, um
jedes dieser Ziele zu erreichen. Heute sind wir nun doch endlich nahe daran,
einer solchen Politik Gesetzesform zu geben. Wir dürfen jetzt nicht schwanken.
Ich ersuche den Kongreß, mit den drei wesentlichen Komponenten dieses
Energieprogramms ohne Verzögerung zum Abschluß zu kommen - mit der Situationsgewinnsteuer (windfall profit tax), mit der Energiesicherungsgesellschaft und
dem Amt für Energiemobilisierung. Diese Gesetze sind Grundsteine für die Sicherung unserer Energieversorgung, unsere nationale Sicherheit und den Kampf
gegen die Inflation.
Ich habe vor kurzem dem Kongreß einen Vorschlag unterbreitet, um Energie
in Kraftwerken einzusparen und sie von öl auf Kohle und andere Brennstoffe umzustellen.

Auch diese Vorlage muß rasch verabschiedet werden.
: i

•

Aber wir können uns von unserer Energieabhängigkeit niemals freimachen,
wenn wir nicht mit dem Problem des verschwenderischen Benzinverbrauchs fertig
werden.
Benzin

�Benzin ist das wichtigste und am meisten verschwendete Erdölprodukt
in den Vereinigten Staaten.

Rund 40 Prozent des gesamten von uns verbrauchten

Erdöls entfallen auf Benzin.

In fast allen Industriestaaten liegt der durch-

schnittliche Benzinverbrauch des einzelnen Bürgers weit unter dem unsrigen und
der Durchschnittspreis weit darüber.

Die Amerikaner haben im vorigen Jahr bei

der Benzineinsparung schon einiges geleistet,, Wenn wir jedoch unsere Abhängigkeit von ausländischem ül weiter verringern wollen, dann müssen wir noch
mehr tun.

Kraft meiner Vollmacht als Präsident erlasse ich daher eine Benzinsparsteuer für Importöl.

Diese wird ausschließlich auf Benzin in einer Höhe von

rund 10 Cent pro Gallone (knapp 5 Pfennige pro Liter) erhoben.
wird die Kosten für andere ölprodukte nicht erhöhen.
winne der ölgesellschaften nicht erhöhen.

Die Steuer

Sie wird auch die Ge-

Sie sollte jedoch die Importe bis

Ende dieses Jahres um 100 000 Barrel pro Tag verringern und diese Reduzierung
später auf 250 000 Barrel pro Tag steigern.
Ich werde dem Kongreß den Antrag auf eine spezifische Benzinsteuer vorlegen, die später an die Stelle der Einsparungssteuer treten wird.

Die Mittel aus dem Aufschlag zur Benzineinsparung werden in Reserve gehalten oder zur Verringerung der staatlichen Verschuldung benutzt werden.

Es ist

nicht meine Absicht, diese Einnahmen zum Ausgleich des Haushalts oder als Ersatz für notwendige Ausgabenkürzungen zu verwenden.

Aber diese Einnahmen, die

sich unmittelbar anzusammeln beginnen werden, werden für den Haushalt eine
Sicherheitsmarge bedeuten - die die Gewähr bietet, das er ausgeglichen bleibt,
selbst wenn sich die Bedingungen oder die Schätzungen ändern sollten.

Wir können jetzt neue Ziele für den Benzinverbrauch in unserem gesamten
Land festsetzen, durch die der Verbrauch um 400 000 Barrel pro Tag verringert
wird.

Diese Aktion unterstreicht gleichzeitig die Verpflichtung zu größerer Spar-

- 13 -

�Sparsamkeit, der sich unsere Freunde im Ausland - sowohl die Erzeuger- als
auch die Verbraucherstaaten - anschließen und die sie unterstützen können.
Und schließlich hat der Energieminister einen Plan aufgestellt, um der
Nation die Probleme des Energieverbrauchs intensiver zu Bewußtsein zu bringen.

Unser Ziel ist es, alle Bereiche der Regierung, der Wirtschaft und der

Gewerkschaften - ja jeden einzelnen Bürger - zur Einsparung von Energie anzuhalten.
Unser fünftes Aktionsfeld umfaßt langfristige strukturelle Veränderungen
zur Förderung der Produktivität, der Spartätigkeit sowie der Forschung und
Entwicklung.
Wir haben bereits erste Fortschritte bei der Reform von Regierungsvorschriften gemacht, die mit diesen Zielsetzungen nicht in Einklang stehen.
Seit meiner Amtsübernahme habe ich an der Ausmerzung unnötiger Vorschriften
und an der Kostenwirksamkeit derjenigen gearbeitet, die notwendig sind.
Ich fordere den Kongreß auf, das Gesetz über die Reform solcher Bestimmungen
zu verabschieden, das unsere Anstrengungen unterstützen wird.
Im Rahmen des Möglichen müssen wir dem System der Privatwirtschaft die
Freiheit des Wettbewerbs lassen. Es ist uns gelungen, die Luftfahrtgesellschaften von einschränkenden Bestimmungen zu befreien. Ich fordere den
Kongreß auf, die Verabschiedung umfassender Gesetze zu beschleunigen, um
die Dienst- und Betriebsvorschriften im Bankenwesen, im Transportsystem,
bei der Eisenbahn und im Fernmeldewesen zu beschneiden.
Wir müssen auch die Spartätigkeit ermutigen. Dahin gelangen wir am
ehesten, wenn wir die Höchstgrenzen für Zinserträge abschaffen, die die
meisten Kleinsparer erzielen können. Ein Gesetz zur Reform der Finanzinstitutionen, das diese Änderung herbeiführen wird, ist gerade von einem Vermittlungsausschuß beider Häuser des Kongresses gebilligt worden. Ich dränge auf
seine rasche Verabschiedung.
Wir
- 14 -

�Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, daß im Lauf der letzten zehn
Jahre das Tempo des Produktivitätszuwachses in unserem Land stark nachgelassen hat.

Im vorigen Jahr ging die Produktivität sogar zurück.

Dieser Trend ist ein bedeutsamer Langzeitfaktor der Inflation.

Er muß

umgekehrt werden.
Ich ersuche meine Präsidialkommission für die Aufgaben der achtziger
Jahre, im Rahmen ihrer Arbeit spezielle Empfehlungen für die Wiederbelebung
unserer Wirtschaft zu entwickeln.
Höchsten Vorrang hat für uns jetzt ein ausgeglichener Haushalt. Sobald
aber diese Ausgabenbegrenzungen auch tatsächlich erreicht worden sind, können
wir Steuererleichterungen gewähren, um die Investitionstätigkeit anzuregen.
Durch Steuerdisziplin heute können wir morgen die Mittel für die Produktivität
freistellen, die die Steuersenkungen ermöglicht, die unser Land braucht.
Eine solche Disziplin ist nicht einfach.
den sehr angespannt sein.

Unserer neuen Haushalte wer-

Es wird einige Dinge geben, die wir uns nicht leisten

können - zumindest nicht jetzt.

Aber das wichtigste1, was win uns nicht leisten

können, ist die landesweite Selbsttäuschung, der wir uns über die Inflation
hingegeben haben.

Wir können uns das Märchen nicht leisten, daß man die In-

flation einfach dem anderen zuschieben kann - oder der nächsten Generation.
Die Maßnahmen, die ich dargelegt habe, bringen Kosten mit sich. Sie
bringen Schmerzen mit sich. Aber wenn wir handeln, dann kostet es uns viel weniger, als wenn wir nichts tun. Was Opfer und Disziplin heute an Schmerz verursachen, ist - für uns alle zusammen - weit geringer als der viel stärkere,
dauernde Schmerz einer steigenden Inflation. Für uns alle, aber besonders
für die Bedürftigsten unter uns, ist die Inflation die grausamste aller
Steuern.
Wenn wir diese notwendigen Schritte gegen die Inflation unternehmen, wird

- 15 -

�wird das Ergebnis kein rascher Sieg sein.

Wahrscheinlich wird die Inflation

auch in den nächsten Monaten auf einem hohen Stand bleiben.

Wir müssen Ge-

duld und Ausdauer zeigen.
Ich bin zuversichtlich, daß die Inflationsrate aufgrund der von mir
heute vorgeschlagenen Maßnahmen gegen Jahresende zurückgehen wird.

Sobald

dies eintritt, können wir auf ruhigere Geldmärkte und niedrigere Zinssätze
hoffen.
Indem wir dieses Problem in den Griff bekommen - was zugleich heißt,
uns selbst in den Griff zu bekommen -, können wir die Angst vor der Zukunft
bannen, die so viele unserer Landsleute und unserer Institutionen erfaßt hat.
Bei dem Kampf gegen die Inflation geht es um mehr als materiellen Wohlstand oder materiellen Komfort.

Es geht darum, ob wir Amerikaner - als Staat,

als Volk-tHiser eigenes Geschick in die Hand nehmen können oder nicht.
Bei Krisen im Ausland haben wir immer wieder unserer Fähigkeit unter
Beweis gestellt, standhaft und mutig zu reagieren. Jetzt müssen wir die
gleiche Entschlossenheit dabei zeigen, uns der Herausforderung durch die
Inflation zu stellen.
Ob Inflation, Verteidigung oder Energie, unsere Verantwortung ist eindeutig:
- Wir müssen uns der Welt so stellen, wie sie ist, und bei den harten
Entscheidungen, die notwendig sind, ehrlich sein;
- diese Entscheidungen treffen und sie ausführen; und
- gemeinsam eine starke, sichere und vielversprechende Zukunft für alle
Amerikaner aufbauen.
Mit geziemender Disziplin werden wir in unserem Kampf gegen die Inflation
die Oberhand behalten.
+ + + + +

�Wi//en/chaft
und Technik
»

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
19. März 1980

16

DEN FEINREAKTIONEN DES ZELLWACHSTUMS AUF DER SPUR
• Signal für Zellteilung kommt von der Oberfläche -

Eine chemische Verbindung, die für den Beginn der Zellteilung eine wichtige Rolle spielt, wurde kürzlich von Wissenschaftlern der Universität Kalifornien in Irvine identifiziert. Damit konnte ein bedeutsamer Beitrag zur Erforschung von Molekülen geleistet werden, die das Zellwachstum steuern oder
auslösen. Die Arbeiten im Laboratorium von Dr. Dennis Cunningham, Professor
der Mikrobiologie am "College of Medicine" in Irvine, führten zur Entdeckung
jenes Proteins auf der Zelloberfläche, das mit dem Enzym Thrombin reagiert.
Thrombin hat die Fähigkeit, die Mitose, (d.h. die exakt erbgleiche Zellteilung
mit gleicher genetischer Information in den Tochterkernen) zu fördern. Gleichzeitig vermag es auch Proteine (Eiweißkörper) aufzuspalten, hat also die Funktion einer Protease.
Prof. Cunningham verwies darauf, daß die neuen Forschungsergebnisse helfen, die Rolle besser zu verstehen, die die Oberflächenmembran der Zelle für
die Steuerung der Proliferation tierischer Zellen spielt, d.h. deren Regeneration oder Neuaufbau. Die Zell pro!iferation ist notwendig für Wachstum und
Wundheilung. Gerät sie außer Kontrolle, kann es z.B. zur Entstehung von Tumoren kommen.
Bei

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Bei früheren mikrobiologischen Experimenten hatten Prof. Cunningham
und Mitarbeiter entdeckt, daß die Fähigkeit von Thrombin, Proteine abzubauen,
für die Einleitung des Prozesses einer Zellteilung notwendig ist.

Aufgrund

dieser Erkenntnis begannen sie nach Fragmenten spezifischer ZelloberflächenProteine zu suchen, die vorhanden sein müssen, damit eine Zellteilung stattfinden kann.

Die Forscher konnten ferner nachweisen, daß Thrombin durch Re-

aktionen an der Zell Oberfläche, nämlich Eingehen einer Verbindung mit dem
spezifischen Rezeptor, die Zellteilung signalisiert. Bis dahin hatte man angenommen, Thrombin müsse ins Zell innere eingeschleust worden sein, um von dort
aus die Zellteilung in Gang zu bringen.
•

Aufgrund der Versuchsergebnisse ist Prof. Cunningham zufolge jedoch anzunehmen, daß Thrombin nach der Verbindung mit dem Rezeptormolekül an der
Zell Oberfläche dieses abbaut und daß die Fragmente in die Zelle transportiert
werden. Dieser Rezeptor ist übrigens nicht nur auf Zellen vorhanden, die mit
ihrer Teilung auf das Enzym Thrombin reagieren, sondern auch an der Oberfläche
von Zellen, die inaktiv bleiben. Zur Aufspaltung des Rezeptors kommt es allerdings nur bei den "teilungsbereiten" Zellen. Die Identifizierung von Spaltungsreaktionen und der Veränderungen, die das Thrombin-Rezeptorprotein durchmacht, sind eine wesentliche Hilfe für das Studium der Mechanismen von Wachstumsfaktoren und von deren Fähigkeit, die Zellteilung herbeizuführen. Das gelte
auch, wie Prof. Cunningham erklärt, für die Erforschung des Wundheilungsprozesses. "Wenn Blutgefäße oder Gewebe geschädigt sind, wird das Protein Prothrombin in Thrombin umgewandelt, das dann seinerseits der Zelle das Signal
zur Teilung gibt. Damit wird die Geweberegeneration eingeleitet. Wenn wir
im einzelnen mehr darüber wissen, wie das Zellwachstum gesteuert wird, könnte
uns dies vielleicht beim klinischen Studium der Probleme von anomalem Zellwachstum helfen. Und dazu gehört auch das unkontrollierte Wachstum von Krebszellen."

(Mitverfasser des Berichts über den Thrombinrezeptor sind Kevin Glenn
von der Universität Kalifornien in Irvine und Dr. Darrell Carney, jetzt
Assistenzprofessor für Humanbiochemie und Genetik am medizinischen Department
der Universität Texas in Galveston.)
+ + + + +
- 2 -

�31
I 3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. März 1980

16

LASER-ZÜNDUNG FÜR DIE ANALYSE VON VERBRENNUNGSREAKTIONEN

- (AD) - Mit Hilfe eines Laser-Zünders versuchen Wissenschaftler der
Universität Colorado und des amerikanischen "National Bureau of Standards" ,
den Aufbau und die Abläufe der chemischen Reaktionen zu entschlüsseln, zu
denen es bei der Verbrennung von fossilen Kraftstoffen kommt. Denn die genaue Erforschung der einzelnen Phasen und Teilschritte der sehr schnellen
"Kettenreaktionen" bei der Verbrennung könnte wertvolle Informationen liefern, um die Technologie deutlich zu verbessern und den Wirkungsgrad der
KraftstoffVerbrennung in Motoren zu erhöhen.
Das von David J. Nesbitt und Dr. Stephen R. Leone (Joint Institute for
Laboratory Astrophysics in Boulder, Colorado) entwickelte Instrument arbeitet mit sehr kurzen Laser-Impulsen im Ultraviolett-Bereich. Mit diesen Energie"Paketen" werden in einer Reaktionskammer, durch die ein Gasgemisch strömt,
spezifische Verbrennungsreaktionen in Gang gebracht. Durch Beobachtung der
Infrarotstrahlung, welche die am Verbrennungsprozeß beteiligten Moleküle abgeben, kann der gesamte Aufbau der Reaktion verfolgt werden. Dabei wird die
Infrarotstrahlung von äußerst empfindlichen Meßfühlern erfaßt. Das Verfahren
hat nach Angaben der beiden Wissenschaftler den großen Vorteil, daß mit der
Zündung durch Laser-Licht-Impulse kontrollierbare und reproduzierbare Reaktionen in Gang gebracht werden, die im Vergleich zu der sich anschließenden

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�anschließenden "Verbrennung" sehr schnell ablaufen.

Die Infrarotsensoren,

die ein sehr hohes Auflösungsvermögen besitzen, machen es möglich, Einblick
in die "chemische Evolution" des Verbrennungsprozesses zu bekommen.
In den Vereinigten Staaten wurde Anfang 1980 als Gemeinschaftsprojekt
einer Reihe von Universitäts- und Forschungsinstituten ein Programm in Angriff genommen, das die Aufklärung der Vorgänge bei der Verbrennung in allen
Einzelheiten zum Ziel hat.

Es soll helfen, bessere Voraussetzungen für die

optimale Ausnutzung fossiler Brennstoffe zu schaffen.

Chemiker, Maschinen-

bauingenieure, Experten für Quantenchemie, Kollisionstheorie und viele andere Spezialgebiete bringen ihr Fachwissen dafür ein.

Die amerikanischen Na-

tionallaboratorien Argonne, Brookhaven und Arnes, das Sandia-Livermore-Institut,
die Universitäten Princeton und Kalifornien stellen geeignete Versuchseinrichtungen zur Verfügung.

Koordiniert wird das Projekt von der Auswertungs-

Zentrale "National Resource for Computation in Chemistry" am Lawrence Berkeley
Laboratory (LBL) an der Universität Kalifornien.
Die Wissenschaftler konzentrieren sich bei ihren Untersuchungen "auf
die elektronische Struktur und die Kollisionsdynamik bei Reaktionssystemen,
an denen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff beteiligt sind". Projektleiter Dr. William A. Leste Jr. vom LBL bezeichnete das Unternehmen als die
umfassendste Studie, die auf diesem Gebiet bisher unternommen wurde. Ihr
komme angesichts der gegenwärtigen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen
außerordentliche Bedeutung zu. Schon allein beim Verbrennen von Kohle beispielsweise habe man es mit einer ganzen Reaktionskette zu tun, von deren
Einzelstufen man viel zu wenig wisse. "Verbrennung" ist ja nicht ein Einzelvorgang, sondern eine komplizierte Serie von Reaktionsmechanismen, wobei
manche Phasen schon in weniger als einer Millionstel Sekunde beendet sind.

+ + + + +

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