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                    <text>nfoimation
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Juli 1982

26
INHALT
DOKUMENTATION

Amerikas Hauptziel bei den START-Verhandlungen in Genf: Weniger Kernwaffen
- Interviews mit Botschafter Rowny Schreiben Reagans an den Chefdelegierten der START-Verhandlungen
- Ziel:

Beseitigung der Bedrohung durch Kernwaffen -

HINTERGRUNDMATERIAL
Reagan: Embargo für ölgerät prinzipieller Schritt
- Sowjetunion hat Unterdrückung in Polen nicht gelockert
Wieder neue Abschußanlagen für SS-20-Raketen
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig WIRTSCHAFT
USA begrüßen EG-Entscheidung über Exportkredite
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Der Routineeinsatz kann beginnen
- Harte Belastungsproben für COLUMBIA beim vierten Testflug
NASA plädiert für bemannte Raumstation
- Nächster Schritt im US-Raumfahrtprogramm -

Um Ubcr/endung von
ßclcgcxemplorcn
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

7. Juli 1982

AMERIKAS HAUPTZIEL BEI DEN START-VERHANDLUNGEN IN GENF: WENIGER KERNWAFFEN
- Interviews mit Botschafter Rowny -

GENF - (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte bei den START-Verhandlungen
- den amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Verminderung der strategischen Waffen (Strategie Arms Reduction Talks) - in Genf, Botschafter Edward
Rowny, erklärte nach Beendigung der Eröffnungssitzung am 29. Juni 1982 vor
Journalisten:
- Alle Elemente der amerikanischen strategischen Nuklearrüstung werden in
den START-Verhandlungen zur Diskussion stehen, einschließlich der MX- und der
TRIDENT II-Systeme;
- die START- und die INF-Verhandlungen (Verhandlungen über die Mittel Streckensysteme in Europa) seien "ParallelVerhandlungen" und es bestünde eine sehr enge
Koordination zwischen den jeweils in ihnen verfolgten Zielsetzungen; und
- die von den Kernwaffengegnetn rund um die Erde zum Ausdruck gebrachten
Besorgnisse seien auch die Besorgnisse des amerikanischen Volkes. "Es besteht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�"Es besteht kein Widerspruch zwischen ihnen und uns" so sagte Rowny.
Auf die Frage eines Reporters, was er sich von den START-Verhandlungen
erhoffe, was nicht schon mit SALT II erreicht worden war, antwortete Botschafter
Rowny wörtlich: "... ein Rüstungsbeschränkungsabkommen. Ich habe erlebt, wie
gegen Ende der SALT-Verhandlungen das Ergebnis verwässert wurde. In seiner Endfassung war dies kein Rüstungsbeschränkungsvertrag; er begrenzt die Rüstungen
lediglich auf einem extrem hohen Stand, und das auf eine Weise, die beide Seiten
daran hindert, je davon abzugehen. Ich befasse mich schon seit langem mit der
Frage der Rüstungsbeschränkung sehr ernsthaft und befürworte die Rüstungsbeschränkung schon seit 30 Jahren. Deshalb möchte ich hierfür alles tun, was in
meinen Kräften steht. Zu meinem Glück habe ich in Präsident Reagan einen
Förderer gefunden, der hierin voll und ganz mit mir übereinstimmt. So erhoffe
ich mir eine gleichgewichtige und verifzierbare Vereinbarung, die den Rüstungsstand erheblich senkt und uns der Lösung der Aufgabe näherbringt,

die strate-

gischen Waffen zu verringern."
Auf die Frage, wie der Weiterbau des MX-Systems und anderer Systeme das
Ergebnis der START-Verhandlungen beeinflussen könnte, erwiderte Rowny "... in
positiver Weise, weil die Vereinigten Staaten, wie der Präsident erklärt hat,
die 15-jährige Vernachlässigung ihrer Streitkräfte wettmachen, diese modernisieren und für ihre eigene Sicherheit sorgen müssen. Vorsorge für die eigene Sicherheit zu treffen wird es uns gestatten, zu einem Rüstungsbeschränkungsabkommen
zu gelangen."
Nach der Stimmung auf der Eröffnungssitzung gefragt, entgegnete der amerikanische Chefdelegierte: "Sie war herzlich, sachlich, offen, ernst."
Auf die Rückwirkung der Friedensbewegungen in Europa und den Vereinigten
Staaten angesprochen, führte Rowny u.a. aus: "Sie (die Sowjets) verstehen nicht
ganz, warum wir diese Friedensbewegungen haben und dulden. Sie haben keine
Friedensbewegung, und die jüngste Elfergruppe kam in Moskau nicht sehr weit.
Ich hege die Erwartung und Hoffnung, daß dann, wenn das Volk verstehen lernt,

- 2 -

�verstehen lernt, daß wir uns - indem wir die Rüstungen vermindern und uns auf
die am stärksten destabilisierend wirkenden Waffen konzentrieren - in Richtung
auf eine Verminderung der Gefahr eines Krieges mit Kernwaffen hin bewegen, eine
vernünftigere Haltung an die Stelle von Emotionen treten wird, die gut gemeint
sind und die ich nicht verunglimpfen möchte: die Menschen fürchten das Unbekannte,
sie fürchten diese Waffen. Ich glaube aber, wenn Sie (die anwesenden Journalisten)
und andere dies erst einmal klar genug aussprechen, und wenn die anderen (die
Friedensfreunde) begreifen, worum es uns geht, dann werden sich diese Bewegungen
zerstreuen. Zwischen ihren Zielen und unseren Zielen besteht ja gar kein Gegensatz. Wir wollen die Gefahr eines Atomkrieges verringern, indem wir die Nuklearwaffen abbauen."
Was die Ziele der Amerikaner bei den am 29. Juni in Genf aufgenommenen Verhandlungen angeht, so hat Chefdelegierter Rowny diese in einem Interview, das er
in Washington vor seiner Abreise nach Genf unserem Korrespondenten William H.
Durham gegeben hat, ausführlich dargelegt. Dieses Interview hat folgenden Wortlaut:
Frage: Wie kamen die START-Vorschläge zustande? Welche Instruktionen haben
Sie erhalten, und wie stehen Sie zu diesen?
Antwort: Die Positionen für die START-Verhandlungen wurden über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr hinweg entwickelt. Am Angang haben wir - nicht nur
ich, sondern auch die in den zuständigen Behörden in Washington damit befaßten
Fachkräfte - eine Reihe von Zielsetzungen aufgestellt, die wir zu erreichen
suchen. Das höchste Ziel ist die Verringerung der Gefahr eines Krieges mit
Kernwaffen. Es soll erreicht werden durch wesentliche - nicht nur symbolische
- Verringerungen der Kernwaffen auf eine Art und Weise, daß sich auf einem
niedrigeren Niveau die Abschreckung

verstärkt, die ein hohes Ziel darstellt.

Wir wollen von einem Krieg mit Kernwaffen abschrecken und die Stabilität in
Kriegszeiten erhöhen.
Mit anderen Worten: Wenn es zu einer Krise kommen sollte, in der sich ein
Krieg mit konventionellen Waffen zu einem Atomkrieg ausweiten könnte, wollen wir
das verhindern, wollen wir jede Anwendung von Kernwaffen verhindern. Somit ist
- 3 -

�Somit ist Stabilität in Krisenzeiten ein sehr wichtiges Kriterium.
Das nächste Kriterium bei alledem ist die Gleichheit. Das war die Losung:
Jede Vereinbarung muß von vorne bis hinten und in allem was sie bestimmt, gleichgewichtig sein. Und dann mußten unsere Vorschläge einfach gehalten sein. Das
läßt sich schwer verwirklichen, weil es hier um ein sehr vielschichtiges Thema
geht. Schließlich muß der Vertrag in Verhandlungen erreichbar sein: er muß uns
etwas einbringen, und er muß den Sowjets etwas einbringen.
Angesichts dieser Kriterien war der START-Vorschlag zu entwickeln. Wir
haben diesen Kriterien Rechnung getragen. Es sollen wesentliche Verringerungen
vorgenommen werden. Ein Beispiel: die nuklearen Gefechtsköpfe.für ballistische
Raketen sollen um mindestens ein Drittel vermindert werden.
Frage: Wird es zu wesentlichen Verringerungen kommen?
Antwort: Zu wesentlichen (substantial) Verringerungen, ganz richtig.
"Signifikante Verringerungen" war der Schwellenbegriff in SALT II, und bedeutete
Verringerungen um 10 bis 15 Prozent. Wir sprechen nun von wesentlichen Verringerungen, weil diese weit darüber hinausgehen - ein Drittel.
Frage: Würden Sie von einschneidenden Verringerungen sprechen?
Antwort: Nein, ich würde das Wort einschneidend nicht benutzen, denn wenn
Präsident Carter von einschneidenden Kürzungen sprach, wollte er nur einige
hundert Waffen übriglassen. Und das halten wir auch nicht für realistisch.
"Wesentliche Verringerungen" aber halten wir für einen guten Begriff. Für uns
bedeutet er, da wir heute beide etwa die gleiche Zahl von rund 7 500 Nukleargefechtsköpfen für ballistische Raketen besitzen, daß wir diese Zahl beide auf
ein gleiches niedrigeres Niveau von etwa 5 000 reduzieren.
Um jedoch sicherzustellen, daß sowohl die Abschreckung als auch die Krisenstabilität gestärkt wird, erklärten wir, daß nicht mehr als die Hälfte der verbleibenden Gefechtsköpfe für Interkontinentalraketen (Intercontinental Ballistic

�(Intercontinental Ballistic Missiles - ICBM) oder landgestützte ballistische
Raketen (Land-Based Ballistic Missiles - LBBMs) sein dürfen, weil die Gefechtsköpfe von ICBMs eine viel größere Zielgenauigkeit und eine größere Sprengkraft
aufweisen und weil diese - als starre Systeme - leichter verletzlich sind. Und
gerade das ist es, was die Stabilität mehrt.
Frage:

Sind die Interkontinentalraketen eines der Gebiete, auf dem das

SALT-II-Abkommen enttäuscht?
Antwort: Es bestand nur die Illusion der Gleichheit. Aber 2 400 Startgeräte
auf beiden Seiten hätten die Ungleichheit verborgen, die hinter oder in diesen
Startgeräten bestanden hätte. Wir sind für START zu neuen Maßeinheiten gelangt Startanlagen sind Gewehren mit einem oder solchen mit mehreren Geschossen vergleichbar. Ob man ein Geschoß für ein Gewehr oder drei oder vier für es hat,
macht einen großen Unterschied.
Unter SALT II wäre es den Sowjets gestattet, dreimal soviele ICBM-Gefechtsköpfe zu besitzen wie wir - und das wäre ein destabilisierender Faktor. Die
Sowjets besitzen gegenwärtig etwa 5 900, wir aber nur 2 100 Gefechtsköpfe für
Interkontinentalraketen. Wir versuchen, das Arsenal an ICBM-Gefechtsköpfen im
START-Vertrag durch Verminderung der Gesamtzahl der ICBM-Gefechtsköpfe von
5 900, die SALT-II gestattet hätte, auf 2 500 abzubauen.
Frage: Wie kommen Sie mit der Tatsache zurecht, daß die landgestützten
sowjetischen ICBMs größer, dicker und schwerer sind als unsere?
Antwort: Man kann - da haben Sie recht - mit Zahlen von Gefechtsköpfen allein
nichts anfangen. Wir bedienen uns einer anderen Maßeinheit. Man muß das Wurfgewicht mit in Betracht ziehen. Was zählt, ist die Nutzlast (Wurfgewicht) - Zahl
und Gewicht der Gefechtsköpfe -, die eine Rakete auf ein Tausende von Kilometern
entfernt liegendes Ziel zum Einsatz bringen kann. Wir werden in einer zweiten
Phase der Verhandlungen vor der Notwendigkeit stehen, daß beide Seiten niedrigere
Wurfgewichte anstreben: Ein Niveau, das unterhalb unserer Millionen von Kilogramm
Wurfgewicht liegt.
Frage: Kommen

�Frage: Kommen wir auf den Terminus Wurfgewicht zurück. Bedeutet es die
Sprengkraft in Megatonnen (MEGATONNAGE)? Entspricht das Wurfgewicht also der
Megatonnage?
Antwort: Nicht genau. Das Wurfgewicht entspricht dem Zerstörungspotential,
das eine bestimmte Rakete befördern kann.
Frage: Zerstörungspotential oder Zerstörungskapazität?
Antwort: Ja, es zählen tatsächlich die Gefechtsköpfe, das Gewicht der
Gefechtsköpfe,und das läßt sich gewöhnlich ziemlich exakt mit der Sprengkraft
in Beziehung setzen.
Hinzu kommt, daß wir Verminderungen auf nicht mehr als die Hälfte der derzeitigen Zahl der dislozierten ballistischen Raketen wünschen. Wir haben zur
Zeit rund 1 600 Raketen disloziert, die Sowjets etwa 2 350. Wir sagen, daß in
praxi beide Seiten ihre ballistischen Raketen auf 850 dislozierte Einheiten abbauen sollen. Wir werden uns auf diese Art Dinge konzentrieren: die ballistischen
Raketen, und insbesondere die Interkontinentalraketen, weil sie destabilisierend
wirken. Unser Ziel ist es, Krisenstabilität zu erreichen.
.

Frage: Und was verstehen Sie unter Krisenstabilität?
Antwort: Die Tatsache, daß die Sowjets dreimal so viele ICBM-Gefechtsköpfe
haben wie wir, bedeutet, daß die Lage angespannt ist. Sie besitzen die Option,
einen Erstschlag gegen uns zu führen und 90 Prozent unserer ICBMs zu zerstören und sie hätten noch immer sehr viele davon, selbst wenn wir einen Vergeltungsschlag mit all dem führen, was uns noch - unzerstört - übriggeblieben ist. Das
wirkt destabilisierend. Das macht unser ICBM-System verletzlich und destabilisiert
die Lage.
Frage: Das würde den Sowjets gestatten, einen zweiten Schlag gegen uns zu
führen, nachdem wir unseren Gegenschlag geführt haben?
Antwort: Richtig.
- 6 -

�Antwort: Richtig. Und eben das versuchen wir zu vermeiden oder zu verhindern
und sie von einem Schlag gegen uns abzuschrecken.
Frage: Wird es in der ersten Phase de facto eine Begrenzung der Macht geben?
Antwort: Ja, de facto in der ersten Phase, weil die Sowjets, wenn sie auf
gleich hohe Obergrenzen von 5 000, 2 500 und 850 Einheiten verringern, de facto
einen wesentlichen Teil ihrer Macht aufgeben müßten, um auf jene Ziffern zu
kommen. Man bedenke, daß sie weit mehr gebaut haben als wir - über jeden Schein
der Gleichheit hinaus. Wir und die Sowjets müssen beide an Zahl und Zerstörungskraft gleich sein. Sie werden aber in stärkerem Maße vermindern müssen, um in
der zweiten Phase zur Gleichheit zu gelangen.
In der zweiten Phase wird sich die Frage der Macht stellen, wenn wir die
Gleichheit auf oder unter dem derzeitigen jeweiligen Niveau anstreben. Wir werden
dann auch Diskussionen und Verhandlungen über weitere Begrenzungen bei den
Bombern und Marschflugkörpern führen. Wie der Präsident sagte, in diesem Stadium
ist alles auf dem Tisch.
Frage: Entspricht es den Anweisungen Präsident Reagans, daß alles auf dem
Tisch ist?
Antwort: Ich erwarte die Anweisungen in den nächsten Tagen. Demzufolge was
der Präsident bisher gesagt hat, steht bis zum Abschluß alles zur Verhandlung.
Frage: Welche Rolle spielen die Unterseeboote?
Antwort: Von den je 7 500 Gefechtsköpfen, die wir beide besitzen, haben
die Vereinigten Staaten etwa 5 050 für U-Boote und etwa 2 150 für Interkontinentalraketen vorbereitet. Bei den Sowjets ist es fast gerade umgekehrt: Bei ihnen entfallen etwa 5 900 auf ICBMs und etwa um die 1 600 auf U-Boote. Wenn wir beide
auf 5 000 verringern, so geben wir, schon per definitionem, eine Menge von U-BootsGefechtsköpfen auf, weil wir bei dieser Art der Zählung ohnehin einige Gefechtsköpfe

- 7 -

�einige Gefechtsköpfe für ICBMs behalten wollen. Wir werden mindestens 2 500
Gefechtsköpfe für U-Boote aufgeben - allein per definitionem. Die Sowjets werden etwa 3 400 Gefechtsköpfe für ICBMs aufgeben müssen, um unter die Obergrenze
von 5 000 zu kommen. Somit würden sie die destabilisierend wirkenden Systeme
vermindern, was wir um der Gleichheit willen für notwendig erachten: Stabilität
zur Verringerung der Gefahr eines Krieges. Dem sowjetischen Argument, es wäre
einseitig, von ihnen zu verlangen, ihr überhöhtes Wurfgewicht aufzugeben - sie
verfügen über 5 Millionen Kilogramm, wir nur über zwei Millionen -, halten wir
entgegen: "Ja, aber warum sollten wir Sie dafür belohnen, daß Sie vorangeprescht
sind und dieses destabilisierende System gebaut haben." Und darüber hinaus:
Während wir die Sowjets auffordern, eine Menge von ICBM-Gefechtsköpfen aufzugeben, bis herab zu 2 500, möge man doch darauf achten, was wir tun. Wir geben
Gefechtsköpfe für U-Boot-gestützte ballistische Raketen (Submarine-Launched
Ballistic Missile - SLBM) auf - sogar einige Gefechtsköpfe für Raketen-U-Boote,
die unter der Bezeichnung D-5 oder TRIDENT II bekannt wurden und frühestens
Ende dieses Jahrzehnts auf See stationiert werden können. Somit würden die
Sowjets die Zahl dieser neuen U-Boot-Gefechtsköpfe mitbestimmen oder begrenzen
können. Das wäre ein großer Vorteil für sie, weil diese Gefechtsköpfe zielgenauer
sind als die der derzeitigen U-Boot-Raketen. Sie haben zudem eine größere
Sprengkraft und ein höheres Wurfgewicht pro Rakete; und sie sind auch weniger
verletzlich. Sie werden dank ihrer größeren Reichweite nicht nur im Atlantik,
sondern auch im Pazifik patrouillieren. Es wäre für die Sowjets deshalb ein
großer Vorteil, in diesem Falle wie auch bezüglich unserer MX-Raketen eine
Handhabe zu bekommen.
So verlangen wir, auf kurze Sicht, von den Sowjets, eine Menge aufzugeben,
um damit zu beginnen, auf den Gleichstand herabzukommen; längerfristig geben
aber auch wir eine Menge auf. Das erst macht es möglich, hierüber zu verhandeln.
I

Frage: Die MX-Rakete trägt zehn MIRVs (Multiple Independently-Targetable
Re-entry Vehicles) oder zehn Gefechtsköpfe; wieviele trägt die SS-18?
Antwort: Sie trägt zehn, hat aber ein so großes Wurfgewichtspotential, daß
sie 25 oder 30 tragen könnte. Die MX aber hat nur die Hälfte des Wurfgewichts
- 8 -

�des Wurfgewichts der SS-18, einer großen, schweren Rakete. Somit haben die
Sowjets ein großes Wurfgewichtsplus, das sie für die Mitnahme von mehr Gefechtsköpfen nutzen könnten. Wenn wir somit zu gleichen Ziffern und gleichen Wurfgewichten gelangen, begrenzen wir damit nicht nur die Zahl der Gefechtsköpfe,
sondern schaffen gleichzeitig auch die Gewähr, daß die Sowjets kein, wie wir
es nennen, Ausreißerpotential erlangen, daß sie ihr Wurfgewichtsplus nicht
später in mehr Gefechtsköpfe ummünzen können.
Frage: Was geschieht, wenn wir in Verhandlungen über gleiche Zahlen, gleiche
Obergrenzen und gleiche Wurfgewichte eintreten und die Sowjets erklären, sie
würden nicht mitmachen?
Antwort: Dann haben wir es immerhin versucht, und Hoffnung keimt ja immer
wieder neu auf. Wir glauben andas Prinzip der Gleichheit, und es gibt keinen
Grund, warum wir beide uns nicht auf eine Gleichheit auf weit niedrigerem Niveau
sollten einigen können - warum sollten wir das" befürchten? Nach unserem Dafürhalten gibt es genug Feedback von Leuten, die dieser Frage in der Sowjetunion
nachgegangen sind. Sie ist wirklich daran interessiert, ebenfalls zur Stabilität zu gelangen.
Frage:
Antwort:

Ist sie das?
Ja.

Sie erleben einen Präsidenten, der an seine Oberzeugungen

glaubt und willens ist, Versäumnisse hinsichtlich unserer Verteidigung nachzuholen.

Präsident Reagan ist überzeugt, daß wir unsere Sicherheit auf zwei Wegen

bessern können: durch Rüstungsbeschränkungen und durch Verteidigungsvorkehrungen.
Frage: Machen sich die Sowjets Sorgen wegen unserer neuen Raketen - der
MX und der TRIDENT?
Antwort:

Ja, sie machen sich deretwegen Sorgen.

Frage: Ich leite dies davon ab, daß Sie sagten, wir wären in praxi bereit,
die Zahl dieser neuen Raketen, die wir zu dislozieren gedenken, zu verringern,
sofern sie ihrerseits vermindern.
Antwort:

�Antwort:
Wir sagen ihnen, wenn wir derzeit jeder 7 500 Gefechtsköpfe haben und uns
beide darauf einigen, künftig nur noch 5 000 zu haben, geraten die Dinge doch
in Bewegung. Man kann ja doch nur so und soviele MX-, Minuteman-, Trident IIund POSEIDON II-Raketen im Gesamtarsenal haben. Es entsteht eine Art Gedränge.
Man kann einfach nicht soviele Raketen haben, wie man gerne haben möchte.
Frage: Und wie steht es mit den Bombern des Typs B-I und der Radar-Unsicht- •
barkeit? Machen sich die Sowjets wegen der B-l Sorgen?
Antwort: Ja, sogar sehr viele.
Frage: Auch wegen des Radar-unsichtbaren Bombers, dem Bomber mit der hochtechnischen Ausrüstung?
Antwort: Sehr viele. Sicherlich sehr viele. Sie wissen, daß der Bomber
vom Typ B-52 durch die B-l ersetzt werden wird, und die B-l wiederum wird so
schnell wie möglich durch das Radar-unsichtbare Flugzeug STEALTH ersetzt werden,
worüber sie sehr besorgt sind. Somit haben auch sie hier etwas zu gewinnen.
Deshalb werden wir uns die ganzen Verhandlungen hindurch ihre Vorschläge zur
Beschränkung der Bomber auf beiden Seiten auf die gleiche Zahl sorgfältig anhören.
Frage: Und wie steht es um die derzeitigen Zahlen?
Antwort: Wir haben gegenwärtig etwa 350 B-52, sie etwa 415 schwere Bomber.
Frage: Sind das die Bomber vom Typ Backfire?
Antwort: Die Backfires nebst der Bären und den Bisons. Sie haben 150 Bären
und Bisons. Der Rest sind Backfires.
Frage: Somit haben sie etwa 300 Backfires?
Antwort: Weniger, sie werden aber bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem wir mit
einem Vertrag rechnen können, so viele haben.
Frage: In
- 10 -

�Frage: In welchen Zeitbegriffen denken Sie? Wie meinen Sie, daß diese Gespräche in Gang kommen werden? Wird es zu einer längeren Periode des sich gegenseitigen Abtastens kommen?
Antwort: Nein, wir haben einander schon Maß genommen. Viktor Pawlowitsch
Karpow und ich kennen uns nun schon sechseinhalb Jahre lang, waren wir doch
beide von Anfang an an den SALT-II-Verhandlungen beteiligt.
Frage: Ist er der sowjetische ChefUnterhändler?
Antwort: Ja, wir können uns eine Menge Zeit sparen. Er garantiert eine gewisse Kontinuität. Er bringt General Starodubow mit, der etwa die Hälfte der
Verhandlungsdauer an SALT I teilgenommen hatte. Und ich bringe eine ganze Reihe
von Leuten mit, die über Vorerfahrungen mit SALT und im Umgang mit den Sowjets
verfügen. So werden wir in der ersten Runde nicht allzuviel Zeit aufwenden müssen,
um unsere Vorschläge zu unterbreiten und deren Sinn zu erläutern. Wir werden
sehen, wie sie darauf reagieren. Wir werden ihnen sorgfältig zuhören. Wir brauchen
das Rad nicht ein zweites Mal zu erfinden. Wir wollen uns darauf konzentrieren,
einen Vertrag der Gleichheit zu erlangen.
Frage: An welche Art von Zeitplanung denken Sie angesichts der Basis, der
Grundlage oder des Fundaments, von dem Sie ausgehen müssen?
Antwort: Das vorherzusagen, ist mir fast unmöglich.
Frage: Beabsichtigen Sie, an einem gewissen Punkt zu versuchen, die INFGespräche - die Gespräche über die nuklearen Mittelstreckenraketen (Intermediate
Range Nuclear Force Talks) oder was man in einigen Kreisen die Europäischen
Raketengespräche nennt - in die START-Gespräche einzubringen?
Antwort: Im gegenwärtigen Augenblick sind dies getrennte Gespräche. Wir
verhandeln auf der Basis des Kommuniques von Rom, in dem es heißt, daß das, was
man als nukleare Gefechtsfeldwaffen (Theater Nuclear Force - TNF) zu bezeichnen
pflegte, im SALT-Rahmen zur Verhandlung gestellt werden solle. INF aber, wie
- 11 -

�aber, wie die Bezeichnung für TNF lautet, wird im Zusammenhang mit START ausgehandelt werden. Beide Verhandlungen sind sehr eng miteinander verknüpft: durch
unsere Politik, die in Washington festgelegt wird, und durch die enge Koordination
zwischen Botschafter Nitze und mir. Wir werden in derselben Stadt arbeiten, im
selben Gebäude sogar, und beide Gesprächsrunden gleichzeitig führen. Wir schlagen
eine Null-Lösung vor. Er verhandelt über die SS-4-, die SS-5- und die SS-20-Raketen sowie die landgestützten Marschflugkörper (GLCMs) und die PERSHING IIRaketen. Es mag sich an irgend einem Punkt durchaus als sinnvoll erweisen, beide
Verhandlungen ineinander einmünden zu lassen. Dieser Punkt ist aber nicht erreicht und dürfte noch in weiter Ferne liegen. Wir werden, beginnend im Dezember
1983, unsere GLCMs und PERSHING II dislozieren - es sei denn, die Sowjets zeigen
Entgegenkommen. Damit meine ich, daß wir bereit sind, unsere Dislozierungen auf
Null zu belassen, wenn sie ihre bereits dislozierten SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen abwracken.
Frage: Die Null-Option?
Antwort: Wir nennen dies die Null-Lösung, weil es dann auf beiden Seiten
"null" dieser Raketen geben wird. Wenn sich die Sowjets selbst treu bleiben,
werden sie in dem Versuch fortfahren, Keile zwischen die Verbündeten zu treiben,
die Vereinigten Staaten von ihren Verbündeten zu trennen, wie Breschnew in
seiner Rede vor dem Komsomol ausdrückte. Sie werden bis zur letzten Minute warten,
weil die Europäer diese Raketen nicht aufzunehmen wünschen - das heißt, daß wir
mit Herbst nächsten Jahres rechnen müssen.
Frage: In diesem Falle würden wir mithin, was die für Dezember 1983 angesetzte Dislozierung angeht, in der Tat sofort beginnen, trifft das zu?
Antwort: Wir machen damit direkt voran, richtig - Vorbereitung von Abschußplätzen und dergleichen. Und wir machen mit der Produktion und der Erprobung
unserer GLCMs und PERSHING IIs voran.
Frage: Welche

�Frage: Welche sehen Sie als die leichteren Verhandlungen an, die INF- oder
die START-Gespräche?
Antwort: Das kann ich nicht sagen. Diese Frage gleicht der Frage: welches
Kind lieben Sie am meisten. START ist umfassender, erheblich weiter gespannt.
Trotzdem meine ich damit nicht, daß die INF-Gesprä'che einfach sind. Die Phase
eins von INF ist einfach, aber selbst wenn wir die Null-Lösung erzielen, bleibt
ein Ungleichgewicht von sechs zu eins zu ihren Gunsten hinsichtlich der verbleibenden Flugzeuge bestehen.
Frage: Wenn sich die Sowjets aber nicht zur Null-Lösung bereitfinden, verlieren sie damit die Propaganda-Initiative in Europa und rund um die Erde, nicht
wahr?
Antwort: Das scheint mir auch, aber wer weiß, wie sie das dann hindrehen
oder darstellen werden.
Frage: Welche Art von Vertrag wird Ihrer Auffassung nach der Senat bereit
sein zu akzeptieren?
Antwort: Einen, der Gleichheit bringt, einen, der verifizierbar ist.
Frage: Wird er verifizierbar sein?
Antwort: Er muß es sein. Wir werden keinen Vertrag mit nach Hause nehmen,
der nicht verifizierbar ist; wir bestehen auf die Verifizierbarkeit. Das ist
eines der Kriterien, das ich eingangs schon hätte anführen sollen, neben der Abschreckung, der Stabilität, der Einfachheit und dem Verhandlungsspielraum. Bedenken Sie: 70 Prozent des amerikanischen Volkes wünschen, einer Meinungsumfrage
zufolge, die etwa ein halbes Jahr zurückliegt, einen Vertrag. Die gleiche
Meinungsumfrage ergab aber auch, daß 70 Prozent der Amerikaner den Russen mißtrauen. Und vor wenigen Wochen zeigte eine weitere Meinungsumfrage: Noch immer
wünschen 70 Prozent der Bevölkerung einen Vertrag; aber nunmehr mißtrauten

- 13 -

�nunmehr mißtrauten 82 Prozent den Russen. Mit anderen Worten: sie blicken
nach Swerdlovsk, denken an den gelben Regen - und an Afghanistan und Polen.
Und deshalb muß der Vertrag verifizierbar sein. Das ist ein sehr wichtiger
Aspekt.
Frage: Nun, wenn es uns gelingt, die Verifizierbarkeit eines START-Vertrages
festzuschreiben, wie läßt sich diese aber über die "Nationalen Technischen
Mittel der Verifizierung" (National Technical Means of Verification - NTM) hinausgreifend bewerkstelligen?
Antwort: Sie läßt sich mit dem bewerkstelligen, was wir als "über die
Nationalen Technischen Mittel der Verifizierung hinausgehend" ansehen: kooperative Maßnahmen einer gewißen Art. Mit anderen Worten: Die Sowjets und wir sind
uns darin einig, daß wir gewisse Methoden oder Geräte benutzen werden müssen,
die die Verifizierung erleichtern werden. Man könnte zum Beispiel einen Radius
um jeder Raketenabschußbasis festlegen und erklären, daß innerhalb dieses Radius
keine zusätzlichen Raketen oder Gefechtsköpfe gelagert werden dürfen. Und dieser
Radius mußte groß genug sein, daß deren Anlieferung nicht innerhalb einer Nacht
zu schaffen ist.
Die Entfernung zum nächsten Lagerort muß größer sein als die Strecke, die
in einer Nacht zu bewältigen ist. Man müßte auch die Möglichkeit der Inspektion
auf Abruf haben. Inspektionen an Ort und Stelle dürften nicht ausgeschlossen
sein. Wir sind, ebenso wie die Sowjets, sicher, daß wir über die Nationalen
Technischen Mittel der Verifizierung hinausgehen müssen. Und wir haben ihnen
das hinter verschlossenen Türen und auch inoffiziell gesagt. .
Frage: Wie wichtig ist es für diese Gespräche, daß wir unsere Verteidigung
hier in diesem Lande weiter verstärken.
Antwort: Sehr wichtig, kann man doch schon an der relativen Größe ihrer
und unserer Raketen ablesen, daß wir die schwächeren Waffen besitzen, eine
geringere Zahl an stärkeren Waffen. Und wenn wir unser Modernisierungsprogramm

�unser Modernisierungsprogramm nicht fortsetzen, besteht für die Sowjets kein
Anreiz zu Verhandlungen. Wir werden zuerst für unsere eigene Sicherheit sorgen
müssen. Und wenn wir für unsere eigene Sicherheit sorgen, wird das auch der
Rüstungsbegrenzung dienlich sein, weil die Sowjets sich andernfalls nur hinsetzen
und abwarten und versuchen würden, unsere Schwäche in den Verhandlungen auszunutzen. Wir müssen von Stärke ausgehend verhandeln.
Das einzige, was ich vermutlich hierüber sagen kann, ist, daß ich eben
eine Runde von Blitzbesuchen in europäischen Hauptstädten hinter mich gebracht
habe und dabei in jeder der sechs besuchten Hauptstädte mit dem Außenminister
und anderen Regierungsbeamten gesprochen habe, und bei ihnen auf einhellige
Billigung und Zustimmung dieses START-Vorschlags als eines guten Vorschlags gestoßen bin. Man fand ihn realistisch und recht und billig, sobald man ihn erst
einmal verstanden hatte. Manche Leute haben ihn aber nicht verstanden, weshalb
wir mit unseren Verbündeten im Nordatlantikrat in Brüssel informelle und
formelle Konsultationen geführt haben.
Der Höhepunkt meiner Reise war für mich persönlich eine Audienz beim Papst.
Ich hatte Gelegenheit, mit ihm über unsere neuen Vorschläge zur Rüstungsbegrenzung
zu sprechen und ich hatte ferner Gelegenheit, ihm dafür zu danken, daß er in
seiner von Kardinal Casseroli vorgetragenen UN-Adresse erklärte, die Abschreckung
sei moralisch akzeptabel.
Es findet hier unter Theologen eine große Debatte statt, derzufolge eine
Abschreckung, die auch Atomwaffen einschließt, moralisch unakzeptabel sei.
Kardinal Casseroli erklärte im Namen des Papstes, die Abschreckung sei moralisch
akzeptabel, und das ist ein Plus.
Frage: Wie weit wird dieses Wort getragen? Wie weit werden die Gespräche
gehen, um die europäische und die amerikanische Friedensbewegung zu befriedigen?
Antwort: Ich würde sagen, direkt proportional dazu, wie es uns gelingt,
dieses Wort zu verbreiten. Einfrierung auf dem derzeitigen Stand ist ein so

- 15 -

�ein so populäres Schlagwort, weil sich das so gut anhört. Man sehe aber einmal,
was es bedeutet - man kann noch nicht einmal über die Verifizierung einer
Einfrierung verhandeln, und Einfrierung bedeutet, daß die Sowjets beibehalten,
was sie in Europa bereits stehen haben, und daß wir unsere Systeme in Europa
nicht dislozieren. Das wiederum bedeutet, daß die Dinge ziemlich unausgewogen
sind.
Deshalb ist eine Einfrierung vom sowjetischen Standpunkt betrachtet sicherlich gut - gut auch für Menschen, deren Blick die Oberfläche nicht durchdringt.
Wir haben erklärt, daß wir SALT II nicht unterlaufen werden, daß wir die dort
genannten hohen Obergrenzen nicht überschreiten werden. Eine Einfrierung aber
wäre sinnlos. Wir wollen zu einem niedrigeren Niveau gelangen. Einfrierung bedeutet ein Festhalten an einem hohen Niveau, statt ein Zurückgehen auf ein
niedrigeres Niveau - warum also sollten wir die Dinge einfrieren?
Eine weitere Angelegenheit, die manche Europäer verwirrt, ist, daß ihrer
Meinung nach in unserem Land viel Sympathie für die Doktrin besteht, keinen
Erstschlag mit Kernwaffen in Europa zu führen. Sie hören das nicht gerne, weil
die Ungewissheit darüber, wie und wann wir unsere Streitkräfte einschließlich
unserer Atomstreitmacht zum Einsatz bringen würden, der Abschreckung dient.
Frage: ... und die Europäer vor sowjetischen Angriffen schützt?
Antwort: Ja. Die Sowjets besitzen die Überlegenheit in der konventionellen
Bewaffnung, die Überlegenheit im europäischen Bereich, und nun auch die strategische Überlegenheit. Wir müssen in der Lage sein, dieser konventionellen
Überlegenheit etwas entgegenzusetzen, und wir verfolgen eine Politik der
flexiblen Antwort (flexible response). Das besagt, daß wir nukleare Waffen zum
Zwecke der Abschreckung in Europa stehen haben - nicht um einen Krieg mit
Kernwaffen zu führen, sondern um zu verhindern, daß je ein nuklearer Krieg
stattfindet.

Die eigentliche

- 16 -

�Die eigentliche Basis unseres Vorschlags ist die Gleichheit. Gleichheit
zwischen uns und den Sowjets aber trägt zur Stabilität.und zur Abschreckung
bei und vermindert auf diese Weise die Gefahr eines Krieges mit Kernwaffen
ganz erheblich. (Ende des Interviews)
+++++

- 17 -

�26

7. Juli 1982

SCHREIBEN REAGANS AN DEN CHEFDELEGIERTEN DER START-VERHANDLUNGEN
- Ziel: Beseitigung der Bedrohung durch Kernwaffen -

WASHINGTON/GENF - (AD) - In einem Schreiben an Botschafter Edward B.
Rowny, den Leiter der amerikanischen Delegation bei den Genfer Verhandlungen
über eine Verringerung der strategischen Rüstungen (START) brachte der amerikanische Präsident am 29. Juni 1982, dem Tag des Verhandlungsbeginns, die
Hoffnung zum Ausdruck, beide Seiten würden "die historische Gelegenheit ergreifen..., die vor uns liegt" und "die Bedrohung durch die nuklearen Arsenale beenden". Bei den START-Verhandlungen,die laut Aussage von Rowny "in
enger Koordination" mit den Verhandlungen über die nuklearen Mittel Streckensysteme (INF-Verhandlungen) geführt werden, geht es um mehr als nur eine Begrenzung der strategischen Kernwaffen. "Unser Vorschlag ist eine Verminderung der Waffen." Zu diesem Zweck hat Präsident Reagan vorgeschlagen, daß
die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die Gefechtsköpfe ihrer ballistischen Raketen um etwa ein Drittel der derzeitigen Anzahl auf ein gleiches
Niveau von etwa 5000 für jede Seite vermindern. Als zweite Phase sollen dann
auch bei anderen Elementen der amerikanischen und sowjetischen strategischen
Nuklearwaffen gleiche Begrenzungen erreicht werden, wobei der Hauptakzent au"f
einer Begrenzung des Wurfgewichts der ballistischen Raketen liegt, die unter
dem derzeitigen amerikanischen Niveau zu finden wäre. Die veränderte Ausgangs-

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�veränderte Ausgangslage wurde von Rowny beschrieben, als er nach seiner Reaktion auf die Ankunftserklärung seines Gesprächspartners, des sowjetischen
Delegationsleiters Karpow gefragt wurde.

Er sagte:

"Ich habe mich über seine

Erklärung gefreut, daß wir wegen ernsthafter Verhandlungen hier seien und
daß wir eng zusammenarbeiten werden.

Ich freue mich auch, daß er die Ansicht

vertrat, er könne gut mit mir zusammenarbeiten, was ich umgekehrt ebenfalls
hoffe und erwarte... Wie Sie wissen, haben wir (für die Verhandlungen) den
Namen 'Verhandlungen über eine Verminderung der strategischen Rüstungen START' gefunden, um zu unterstreichen, daß es sich hier um etwas anderes
handelt.
begrenzen.

Wir wollen"bei diesem neuen Abkommen die Waffen nicht nur einfach
Unser Vorschlag soll eine Verringerung der Waffen bringen."

Das Schreiben, das Präsident Reagan an Botschafter Rowny zum Verhandlungsbeginn richtet, hat folgenden Wortlaut:
Sie sind dabei, eine der wichtigsten Aufgaben unseres Zeitalters zu
übernehmen - die Verhandlungen über ein wirksames und ausgewogenes Abkommen
über die Verringerung der strategischen Rüstungen.

Ihre Anstrengungen in die-

sem Unterfangen sind von lebenswichtiger Bedeutung für die Bürger der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - ja, für die ganze Menschheit.
Trotz mehr als eines Jahrzehnts der intensiven Verhandlungen wird die
Zahl der Kernwaffen weiterhin immer größer und die strategische Beziehung
zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten wurde immer instabiler.
Ein Hauptgrund für diese Tatsache ist die massive Aufrüstung der ballistischen
Raketenstreitmacht der Sowjetunion während der vergangenen 15 Jahre.
Es bietet sich jetzt für die Vereinigten Staaten wie für die Sowjetunion
eine historische Gelegenheit, diesen Prozeß umzukehren und sowohl die Anzahl
als auch das Zerstörungspotential der Kernwaffen beträchtlich zu verringern.
Solche Verringerungen auf ein gleiches Niveau müssen sich sofort auf die am
meisten destabilisierenden Elemente des strategischen Gleichgewichts konzentrieren, wenn wir rasch zu einer Erhöhung von Abschreckung und Stabilität

- 2 -

�und Stabilität gelangen und dadurch das Risiko eines Atomkriegs verringern
wollen.

Bei Erreichung dieses Ziels würde zudem die Atomangst stark ver-

ringert werden, die in der ganzen Welt zu einem solch, augenfälligen Merkmal
der öffentlichen Besorgnis geworden ist.
Ich unterschätze nicht das gewaltige Ausmaß dieser Aufgabe einer wirksamen Waffenverminderung.

Aber wenn diese Aufgabe auch ungeheuer ist, so

wird die Bedeutung der Durchführung dieser Verhandlungen doch vom amerikanischen und, wie ich glaube, dem sowjetischen Volk voll gewürdigt.

Wir müs-

sen aus den Unzulänglichkeiten früherer Anstrengungen lernen, denn, wie Sie
wissen, wird das amerikanische Volk nur dann ein Abkommen akzeptieren, wenn
es ausgewogen und verifizierbar ist und zur Stabilität beiträgt.
Die Vorschläge, die Sie mit nach Genf nehmen, sind ein praktischer,
schrittweiser Plan, der die legitimen Sicherheitsinteressen beider Seiten
schützt. Er ist dazu gedacht, die Abschreckung zu erhöhen und Stabilität zu
bringen,indem er die Nuklearwaffen beider Seiten in verifizierbarer Weise
auf ein gleiches Niveau bringt. Seine Bestimmungen reduzieren die Streitkräfte sowohl der Sowjetunion als auch der Vereinigten Staaten erheblich und
enthalten daher Vorteile für beide Seiten - und für die übrige Welt.
Ich weiß, daß Sie und Ihre Delegation diese Vorschläge klar und überzeugend präsentieren werden - wie auch die prinzipiellen Erwägungen, die ihnen
zugrundeliegen. Und ich möchte die sowjetische Delegation wissen lassen, daß
ihre Anliegen und Vorschläge auch von uns sorgfältig abgewogen werden. Was
uns angeht, so sind die Vereinigten Staaten bereit, rasch auf ein Abkommen zuzugehen, das die strategischen Kernwaffen vermindert, und ich bin zuversichtlich, daß wir die historische Gelegenheit ergreifen können, die vor uns liegt,
wenn die Sowjetunion unseren Anstrengungen mit derselben ernsthaften Zielsetzung entgegenkommt.
Als die beiden'führenden Nuklearmächte der Welt sind die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion Treuhänder der Menschheit bei der gewaltigen Auf-

- 3 -

�gewaltigen Aufgabe, die Bedrohung durch die nuklearen Arsenale zu beenden
und sie in Instrumente der Friedensstärkung zu verwandeln. Ich bin davon
überzeugt, daß dies getan werden kann, wenn beide Nationen voll das Prinzip
anerkennen, daß die einzig legitime Funktion der Kernwaffen die Abschreckung
vor einer Aggression ist.
Ich wünsche Ihnen bei Ihren Anstrengungen Gottvertrauen und versichere
Ihnen, daß ich diesen Verhandlungen meine persönliche Aufmerksamkeit schenke,

gez.: Ronald Reagan

+ + + + +

�7. Juli 1982

26

REAGAN: EMBARGO FÜR ÖLGERÄT PRINZIPIELLER SCHRITT
Sowjetunion hat Unterdrückung in Polen nicht gelockert -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat keinen Zweifel daran gelassen,
daß das von ihm verhängte Embargo für öl- und Erdgasgerät gegen die Sowjetunion aus prinzipiellen Erwägungen beschlossen wurde, da die Unterdrückung
des polnischen Volkes durch Helfer Moskaus nicht nachgelassen habe. Auf
seiner Pressekonferenz am 30. Juni 1982 erinnerte Reagan daran, daß das
erste Embargo im Dezember vorigen Jahres nach der Verhängung des Kriegsrechts in Polen beschlossen wurde.

"Wir sind der festen Überzeugung, daß

die Sowjetunion für die schwere Lage in Polen verantwortlich und die Adresse
ist, an die man sich in dieser Angeigenheit wenden muß", sagte der Präsident.
Reagan versicherte erneut, daß die Sanktionen sofort aufgehoben würden,
wenn die Unterdrückung des polnischen Volkes aufhöre. Der Präsident erklärte
weiter, seine Administration plane keine weiteren Schritte im Sinne von Sanktionen für die Lieferung von Gerät für die sowjetische Erdgasleitung.
Er begreife, so der Präsident, daß die Sanktionen Erschwernisse für die
europäischen Verbündeten der USA mit sich brächten, aber, so fügte er hinzu,

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�er hinzu, wir versuchen, unsere Verbündeten davon zu überzeugen, daß sie aus
zwei Gründen nicht in das Erdgasgeschäft einsteigen sollten:
Es besteht ein Risiko, daß die Länder Westeuropas von der Sowjetunion
industriell abhängig werden, da alle Verschlußventile sich auf der sowjetischen
Seite der Grenze
sung ausüben".

befinden.

Dadurch kann die Sowjetunion eine Art Erpres-

Reagan wies ferner darauf hin, daß die Sowjetunion nach Fertig-

stellung der Erdgasleitung mit einer jährlichen Deviseneinnahme von zehn bis
zwölf Milliarden Dollar rechnen könne.

Bei der gegenwärtigen Politik Moskaus

werde das Geld benutzt, um weiter gegen die USA und ihre Verbündeten aufzurüsten.
In amerikanischen Regierungskreisen wird immer wieder betont, daß Präsident Reagan bei der Verhängung der Sanktionen für amerikanische Firmen am
29. Dezember 1981 - also nach Verhängung des Kriegsrechts an Polen - drei Bedingungen für die Aufhebung genannt hat: Freilassung der politischen Gefangenen, Aufhebung des Kriegsrechts und Wiederherstellung eines Dialogs zwischen
Regierung,

Gewerkschaft Solidarität und Kirche.

Am 18. Juni 1982 wurde das Embargo auf die Lieferung von öl- und Erdgasgerät
ausgedehnt, das im Ausland von amerikanischen Firmen oder von ausländischen
Firmen mit amerikanischen Lizenzen hergestellt wird. Amerikanische Regierungsvertreter bedauern zutiefst, daß dies einige europäische und japanische Hersteller auf diesem Fachgebiet betrifft, sind jedoch der Meinung, daß die Verbündeten Amerikas*bereit sein müßten, ihren Anteil an den wirtschaftlichen und
politischen Belastungen zu tragen, die erforderlich sind, um ein Ende der
sowjetisch- gestützten Unterdrückung in Polen herbeizuführen. Man ist in
Washington der Überzeugung, daß die amerikanischen Restriktionen eine weit
mäßigendere Auswirkung auf das Verhalten der Sowjets haben werden als das
unglückliche Getreideembargo, das Präsident Carter 1980 nach der sowjetischen
Invasion Afghanistans verhängte. Damals hätten die Sowjets genügend Ausweichmöglichkeiten gefunden. Mit dem öl- und Gasgerät sei ein ganz anderer Weg
eingeschlagen worden, mit dem man an den Kern der Deviseneinnahmen und an
das Energieprogramm der Sowjets herankomme.
In amerikanischen

�In amerikanischen Regierungskreisen wird eingeräumt, daß unmittelbar
vor dem Beschluß des Präsidenten, die Sanktionen gegen die Sowjetunion auszuweiten, nicht mit allen westeuropäischen Verbündeten und Japan Konsultationen gepflogen worden seien, aber der amerikanische Standpunkt in dieser
Frage sei bei zahlreichen Gelegenheiten öffentlich dargelegt worden.

Im

übrigen habe der Präsident im Dezember klar gesagt, daß die Vereinigten
Staaten sich gezwungen sehen würden, weitere wirtschaftliche und politische
Maßnahmen zu ergreifen, wenn es in Polen nicht in einem vernünftigen Zeitraum zu einer Versöhnung komme.
In amerikanischen Kreisen wird die Vermutung ausgesprochen, daß einige
westeuropäische Regierungen das Embargo für öl- und Erdgastechnologie mit
einer parallelen, aber völlig davon unabhängigen Initiative der Vereinigten
Staaten verwechselt haben, eine Zurückhaltung bei der Vergabe westlicher
Kredite an die Sowjetunion zu erreichen. Die letztere Initiative, so wird
in Washington betont, soll mit Nachdruck weiterverfolgt werden, sie habe
jedoch nichts mit den Sanktionen zu tun. Diese könnten aufgehoben werden,
wenn eine Versöhnung in Polen stattfindet.

- 3 -

�7. Juli 1982

26

WIEDER NEUE ABSCHUSSANLAGEN FÜR SS-20-RAKETEN
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Trotz der jüngsten Ankündigung von Leonid Breschnew
über ein einseitiges Einfrieren des weiteren Ausbaus der gefürchteten SS-20Raketenstreitmacht, die auf Ziele in Westeuropa gerichtet ist, gehen die Arbeiten für Abschußanlagen im westlichen Teil der UdSSR weiter. Zwar hatte
Breschnew am 16. Mai 1982 ein Moratorium für die Dislozierung der SS-20Systeme verkündet und im Mai darauf hingewiesen, daß mit diesem Moratorium
ein Ende der Dislozierungsvorbereitungen solcher Raketen ins Auge gefaßt sei.
Dennoch haben die Vereinigten" Staaten Beweise dafür, daß die Arbeiten auf SS-20Basen, die vor dem 16. Mai begonnen wurden, noch andauern.
Tatsache ist, daß seit März zwei SS-20-Basen fertiggestellt wurden und
nunmehr einsatzbereit sind - und somit insgesamt 315 SS-20-Trägerraketen mit
945 Gefechtsköpfen existieren. Auch bei anderen Anlagen geht der Bau weiter.
"Wir sind der Meinung, daß die sowjetischen Erklärungen zu diesem Thema irreführend sind und es von Bedeutung ist, die Angelegenheit ins richtige Licht
zu rücken", erklärte der designierte US-Unterstaatssekretär für europäische
Angelegenheiten, Richard Burt, am 30. Juni in Brüssel.
Die SS-20 steht

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�Die SS-20 steht im Mittelpunkt der Gespräche in Genf zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über eine Begrenzung der nuklearen Mittel Streckensysteme (INF) in Europa.
Burt, der sich als Vorsitzender der Sonderberatungsgruppe der NATO in
Brüssel befand, unterstrich erneut die amerikanische Verpflichtung, "bei den
INF-Verhandlungen ernsthaft und in gutem Glauben zu verhandeln".
Als die INF-Verhandlungen im November 1981 begannen, war die NATO der Ansicht, daß Moskau schon zu diesem Zeitpunkt ein gefährliches übergewicht bei
den SS-20-Raketen von 250 zu Null hatte. Bei Verhandlungsbeginn boten die
Vereinigten Staaten an, NATO-Pläne über eine Ende 1983 beginnende Dislozierung
von 572 neuen PERSHING II-Raketen und landgestützten Marschflugkörpern in
Westeuropa aufzugeben, falls Moskau all seine SS-20-, SS-4- und SS-5-Raketen
abbaut.
Burt erklärte, daß die Sowjets bedauerlicherweise bei ihrem Monopol der
landgestützten INF-Raketen großer Reichweite noch keinerlei Bewegung gezeigt
und auch den amerikanischen Vorschlag noch nicht aufgegriffen hätten, auf ein
Ergebnis hinzuarbeiten, das auf beiden Seiten bei den Raketen großer Reichweite die Null-Lösung vorsieht.
In einer Presseerklärung betonte Burt, daß die sowjetischen Verlautbarungen über ein SS-20-Moratorium auch Skepsis angebracht erscheinen lassen
"hinsichtlich des Wertes der sowjetischen Erklärung über den Verzicht auf
den Einsatz von Atomwaffen."
"Es ist offensichtlich, daß eine deklamatorische Verpflichtung zum Nichtersteinsatz angesichts des Fehlens ausgehandelter Beschränkungen bei vorhandenen militärischen Kapazitäten keinerlei Garantie darüber geben kann, daß
Kernwaffen in Zeiten der Krise nicht eingesetzt werden", erklärte Burt.

Er

spielte damit auf die sowjetische Erklärung über den Verzicht auf einen Ersteinsatz von Kernwaffen an, die der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko

- 2 -

�Andrej Gromyko am 15. Juni 1982 vor der Abrüstungssondersitzung der Vereinten Nationen in New York in~Breschnews Namen verlesen hatte. Burts Bericht über die 45 zusätzlichen SS-20-Gefechtsköpfe seit Breschnews Verpflichtung zu einem Einfrieren vom März erschien nur einen Tag nach dem Beginn
der Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Rüstungen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion (START), die nunmehr parallel
zu den INF-Verhandlungen in'Genf stattfinden.

+ + + + +

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7. Juli 1982

USA BEGRÜSSEN EG-ENTSCHEIDUNG ÜBER EXPORTKREDITE

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Finanzministerium hat in einer
Presseverlautbarung die Entscheidung der Europäischen Gemeinschaft begrüßt,
die internationalen Vereinbarungen über Exportkredite durch eine Verringerung
der amtlichen Kreditsubventionen zu verbessern.
Die vom Ministerium am 1. Juli 1982 herausgegebene Presseerklärung hat
folgenden Wortlaut:
Finanzminister Donald T. Regan begrüßte die Entscheidung der Europäischen
Gemeinschaft, Verbesserungen der internationalen Vereinbarungen für Exportkredite durch Verringerung der amtlichen Exportkreditsubventionen zu akzeptieren. Minister Regan erklärte, "in einer Zeit, in der viele Länder vor
wirtschaftlichen Schwierigkeiten'im eigenen Lande stehen, und ein mehr wettbewerbsorientiertes internationales Handelssystem herrscht, ist es besonders
ermutigend, daß die Hauptexportländer in der Lage sind, ihr Hauptaugenmerk
auf das langfristige Ziel"des Abbaus verschwenderischer und handelsverzerrender Exportkreditsubventionen'zu richten. Wir begrüßen die Annahme der neuen
Vereinbarungen durch die EG als einen positiven Schritt auf dem Gebiet des
internationalen Handels".
Der Minister

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�Der Minister fügte hinzu, "für die Vereinigten Staaten findet der meiste
Wettbewerb in der amtlichen Exportfinanzierung in den fortgeschrittenen Entwicklungsländern statt, wo die amerikanische Export-Import-Bank 75 Prozent
der Finanzierung vornimmt.

Für diese Länder erhöhen die gegenwärtigen Ver-

besserungen zusammen mit jenen vom vergangenen Herbst den Minimalzins für
langfristige Anleihen um 3,6 Prozentpunkte
sollen bis Ende des Jahres in Kraft treten.

gegenüber den Vorjahressätzen und
Dieser Satz wird jetzt 10,75 Pro-

zent und ab 1. Januar 11,35 Prozent betragen, was eine Erhöhung der Minimalzinssätze gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent bedeutet."
Der Minister erklärte, "durch eine Kombination der Neuklassifizierung
des Kreditnehmerlandes und Erhöhungen der Zinssätze im Laufe des Jahres hat
sich der von der Sowjetunion geforderte Minimalzinssatz um annähernd 4 Prozentpunkte seit vorigem Jahr auf jetzt 12,4 Prozent erhöht.

Die frühere Einord-

nung erlaubte der Sowjetunion, einem industrialisierten Land, die Vorzugssätze zu erhalten, die fortgeschrittenen Entwicklungsländern eingeräumt werden.
Diese Anomalie ist durch die neue Vereinbarung korrigiert worden."
Zu den wichtigsten Punkten der neuen Vereinbarung gehören:
- Neuklassifizierung der Kreditnehmerländer;
- Erhöhung der Minimal zinssatzregeln;
- die Zustimmung Japans, 0,30 Prozent mehr für ihre kommerzielle langfristige Primarate bei Yen-Anleihen zu fordern. Darüber hinaus haben die Japaner zugestimmt, ihre Kapitalmärkte zu öffnen, um ausländischen Exportkreditanstalten eine Yen-Finanzierung anzubieten;
- eine Verpflichtung, nicht vondiesen Bedingungen der Beachtung der Minimalzinssätze und Maximalbedingungen abzuweichen und keine gemischten Kredite
anzubieten, in denen der Zuwendungsteil weniger als 20 Prozent beträgt.
Nachdem, die Vereinbarung getroffen ist, können die Beteiligten jetzt mit
Erörterungen fortfahren, um die Kreditsubventionen in zwei getrennten Sektoren
zu verringern, die von dieser Vereinbarung nicht getroffen sind - Flugzeugindustrie und Kernkraftwerke.
+ + + + +

- 2 -

�7. Juli 1982

DER ROUTINEEINSATZ KANN BEGINNEN
Harte Belastungsproben für COLUMBIA beim vierten Testflug

(AD) - Bei strahlendem Wetter, erwartet von mehreren hunderttausend Schaulustigen, kehrte die amerikanische Raumfähre COLUMBIA von ihrem vierten und
letzten Testflug nach sieben Tagen zur Erde zurück. Auch Präsident Reagan und
Frau Nancy beobachteten zusammen mit zahlreichen Gästen auf einer Ehrentribüne
nahe dem Luftwaffenstützpunkt "Edwards Air Force Base" in Kalifornien das Einschweben des 70 Tonnen schweren Raumgleiters, dem zum ersten Mal eine Betonpiste,
4 600 m lang, als Landebahn diente. Schon nach kurzer Rolldauer kam das Raumflugzeug auf der Mitte der Bahn zum Stehen.
Damit konnte auch der letzte Punkt auf der langen Aufgabenliste im Flugprogramm abgehakt werden: Denn bei künftigen Routineflügen werden amerikanische
Raumtransporter am Kap Canaveral nicht nur starten, sondern auch landen. Die
dafür schon angelegte Betonpiste vermochten übrigens Kommandant Thomas Mattingly
und Kopilot Henry Hartsfield bei Erdbeobachtungen während ihres Raumflugs gut
auszumachen. Das neue Verfahren spart Zeit und Geld zur Vorbereitung eines
"Space Shuttle" für seinen nächsten Einsatz. Auf die bisher benutzten Hartpisten

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�benutzten Hartpisten auf ausgetrockneten Salzseen im Westen der USA wird in der
Regel nur noch dann zurückgegriffen werden, wenn aus irgendwelchen Gründen mit
Schwierigkeiten für eine Landung in Florida zu rechnen wäre.
Wie schon die Zwei-Mann-Besatzungen bei den ersten drei Flügen im April
und November 1981 sowie im März 1982 äußerten sich auch die Astronauten
Mattingly und Hartsfield begeistert über ihre "Flugmaschine". Die COLUMBIA war,
insbesondere im thermischen Bereich, harten Belastungsproben ausgesetzt worden.
Sie dürften sich, wie Flugdirektor Harold Draughon erklärte, in dieser Form
künftig kaum wiederholen.
So flog die Raumfähre bald nach ihrem Start (27. Juni 1982) gut zwanzig
Stunden lang, d.h. für mehr als 13 der insgesamt 112 Erdumkreisungen, mit dem
Bauch zur Sonne. Grund: Die Kacheln des Schutzschildes, die vor dem Start in
Kap Canaveral während eines Gewitter- und Hagelsturms zu viel Feuchtigkeit aufgenommen hatten, sollten getrocknet werden. Man wollte verhindern, daß durch
Eisbildung in der Weltraumkälte die Keramikkacheln möglicherweise durch Rißbildung beschädigt oder gelockert würden und dann nicht mehr ihre Schutzfunktion
beim Eintritt in die Erdatmosphäre erfüllen könnten. Dadurch war aber die im
Schatten liegende Oberseite mit den Toren der Ladebucht für die gleiche Zeitdauer, d.h. 20 Stunden, Temperaturen von minus 93 Grad Celsius ausgesetzt. Eines
der Tore verzog sich und rastete nicht mehr ein.
Angesichts der Tatsache, daß fest schließende Tore eine Voraussetzung für
die sichere Rückkehr der Raumfähre und ihrer Besatzung sind, mußte eine Lösung
gefunden werden. Sie bestand im Temperaturausgleich für die gesamte Außenfläche
des Orbiter durch Drehbewegungen mit Hilfe der Lagesteuerungsdüsen. Ein ähnliches
Problem war beim dritten Testflug aufgetreten; es wurde auf die gleiche Weise gelöst. Obgleich laut Draughon künftig nicht mehr mit so extremen Lagepositionen
wie beim vierten Testflug zu rechnen sei (vom 1. Juli bis zur letzten Ruhepause
der Astronauten vor ihrer Rückkehr am 4. Juli 1982 flog die COLUMBIA mit dem
Heck zur Sonne), werde das Temperaturverhalten der Bauteile noch gründlich untersucht werden. Vielleicht seien noch bessere technische Lösungen zu finden. Die

- 2 -

�finden. Die Position

Heck zur Sonne

war deshalb für so lange Zeit gehalten

worden, um den Ingenieuren zusätzliche Daten über das thermische Verhalten
einzelner Orbiter-Systeme im Hinblick auf die unterschiedlichen Aufgabenstellungen bei späteren Einsätzen an die Hand geben zu können.
Für den auf 15 m ausfahrbaren Robotarm, das in Kanada gebaute Hebe- und
Transportgerät, gab es harte Arbeit. Das vielseitige Bordgerät ist mit drei
Gelenken ausgerüstet, die Schulter-, Ellbogen- und Handgelenk vergleichbar sind
und von jeweils sechs Elektromotoren angetrieben werden. Der Robotarm hob u.a.
einen schreibtischgroßen, 363 kg schweren Monitor aus der Ladebucht, um ihn einen
ganzen Tag lang für jeweils gewisse Zeit an verschiedenen Positionen voll ausgestreckt über dem offenen Orbiter zu halten. Der Monitor enthält empfindliche
Meßinstrumente, die Emissionen wie Staub oder Gase aus der Raumfähre, aber auch
die Rückstände vom Zünden der Manövrier- und Lagesteuerungsdüsen ermitteln. Diese
Art von Untersuchungen sollen helfen, mögliche Auswirkungen solcher Art von
"Verschmutzung" auf wissenschaftliche Ausrüstungen an Bord oder auf Satelliten
aufzuklären, die bei späteren Missionen zu einem Rendezvous angeflogen werden.
Hartsfield kommentierte das Arbeiten mit dem Gerät ebenso wie die Oberwachung der Bewegungsabläufe am Datenkontrollgerät als sehr zufriedenstellend.
Obgleich das 363 kg schwere "Gepäckstück" so gut wie gewichtslos war, hatte es
dennoch "Masse". Und wenn der Robotarm diese Masse zu bewegen begann, setzte
diese die Bewegung fort, bis der Arm sie gewaltsam stoppte.
- Experimente für spätere Industrieproduktion Am zweiten Flugtag setzten die Astronauten die zwei Meter hohe, 270 kg
schwere Apparatur zur elektrophoretischen Trennung biologischer Substanzen in
Gang. Es war die erste Nutzlast, die im Auftrag der Industrie in den Weltraum
mitgenommen worden war. Erprobt werden sollte das "Elektrophoreseverfahren mit
kontinuierlichem Fluß" in der Schwerelosigkeit, wovon sich die pharmazeutische
Industrie bessere Präparate bei wesentlich höherer Produktionsausbeute verspricht.
Die Entwicklung

�Die Entwicklung der von den McDonnell Douglas-Werken und Johnson &amp; Johnson
gebauten Apparatur hatte sechs Jahre in Anspruch genommen. Sie trennt biologische
Materialien, beispielsweise menschliche Zellen, im elektrischen Feld entsprechend
ihrer elektrischen Ladung an der Oberfläche. Langjährige Erfahrungen mit dem
Verfahren haben gezeigt, daß die Zellbewegung und damit die Trennung der Zellen
voneinander unter dem Einfluß der irdischen Schwerkraft z.T. erheblich behindert
wird, somit also die Trennungsmöglichkeiten eingeschränkt und die Gewinnung
medizinisch brauchbarer Materialien ziemlich begrenzt sind. Im Weltraum dagegen
kann man die beim Trennungsprozeß benutzte Stromstärke erhöhen, ohne eine Steigerung der Arbeitstemperaturen infolge Konvektion und durch diese verursachte
Turbulenzen in den Flüssigkeiten befürchten zu müssen. Die Trennung könnte um das
300- bis 400fache effektiver, der Reinheitsgrad der Produkte bis zum Fünffachen
höher sein.
Im Verlauf der nächsten zwei Jahre wird das Elektrophorese-System bei sechs
Orbiter-Flügen weiter erprobt, damit aufgrund der damit gesammelten Erfahrungen
der Prototyp einer für kommerzielle Zwecke geeigneten Produktionseinheit gebaut
werden kann. Diese soll ab 1986 zur Verfügung stehen. Ziel ist die Massenproduktion im Weltraum von Stoffen zur Behandlung von Diabetes, Krebs, Hautverbrennungen, Emphysem, Thrombenbildung und Geschwüren.
In Fortsetzung eines schon beim dritten Testflug im März begonnenen
Experiments wurde das "Monodisperse Latex Reactor System" erneut aktiviert.
Es ist ein Versuchsgerät zur Herstellung mikroskopisch kleiner Latexkügelchen
von völlig einheitlicher Größe, welche in der Medizin, insbesondere für den
Transport von bestimmten pharmazeutischen Präparaten und Radioisotopen in Körperbereiche mit Krebsgeschwülsten, eine wichtige Rolle spielen könnten.
Die Studenten von Utah hatten Glück - ihre neun Experimente, verstaut in
einem 61 x 91 x 25 cm großen Kanister, konnten nach "Startschwierigkeiten"
infolge eines Kabelbruchs von den Astronauten doch noch

so rechtzeitig in Gang

gesetzt werden, daß die gestellten Aufgaben zu 90 Prozent erfüllt worden sein
dürften. Es handelte sich um eine Anzahl biologischer Experimente, u.a. die

- 4 -

�u.a. die Beobachtung der Entwicklung von Krabben und Fruchtfliegen, von Algen
und Entengrütze in der Schwerelosigkeit, dazu um einige technische Versuche
zur Qualitätsverbesserung von Werkstoffen. Von den Studenten waren, um den Ablauf ihrer biologischen Experimente nach der Rückkehr der COLUMBIA studieren zu
können, Kameras im Kanister eingebaut worden. Hinter dem Algenversuch stand
übrigens die Idee, später vielleicht einmal den bei der Atmung dieser Organismen
freiwerdenden Sauerstoff als Sauerstoffquelle in Raumstationen zu nutzen.
Experimente dieser Art werden von der NASA gegen Entrichtung einer relativ
niedrigen "Platzmiete" mitgenommen. Sie müssen so angelegt sein, daß sie
während des Fluges wartungsfrei ablaufen und die Arbeit an Bord nicht stören.
Der erwähnte Kabelbruch hatte jedoch die Stromzuleitung von der Schaltzentrale
zu einem Transformator blockiert, der seinerseits die Relais für den Experimentierbetrieb aktivierte. Zehntausend Dollar waren schon vor sechs Jahren von Gilbert
Moore (Utah) für die Mitnahme eines solchen Kanisters an die NASA bezahlt worden.
Daß er ihn als Teil einer 50 000 Dollar-Spende den Studenten zur Verfügung
stellte, soll Ansporn für den wissenschaftlichen Nachwuchs sein, mit neuen
Ideen zur Weiterentwicklung der Raumfahrttechnik beizutragen.
Beim Start der COLUMBIA am 27. Juni gingen die Gehäuse der beiden Feststoffraketen, die nach dem Ausbrennen abgeworfen werden und, wie bei den ersten
drei Flügen, 2urWiederverwendung geborgen werden sollten, verloren. Obgleich sie
automatisch ihre Fallschirme entfaltet hatten, versanken sie ca. 250 km vor der
Küste, ehe die Bergungsschiffe sie erreichen konnten. Die Ursache für diese
50 Millionen Dollar teure Panne wird noch untersucht.
Thomas Mattingly, Kommandant beim soeben beendeten Flug STS-4, hatte zusammen mit Henry Hartsfield ein ungewöhnlich reichhaltiges Arbeitsprogramm zu
bewältigen. Die Astronauten haben es gemeistert, und die COLUMBIA ist, wie
erste Inspektionen ergaben, in bester Verfassung zurückgekommen. Damit wurde
die "letzte Stufe" zu den routinemäßigen Arbeitsflügen, wie Mattingly sagte,
überwunden. Am 11. November 1982 soll die Raumfähre erneut starten, und zwar
mit vier Astronauten an Bord. Der Jungfernflug der CHALLENGER, des zweiten Orbitalfluggeräts aus der amerikanischen Raumtransporterserie, ist für Januar 1983 geplant.
+++++
- 5 -

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UJi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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7. Juli 1982

NASA PLÄDIERT FÜR BEMANNTE RAUMSTATION
Nächster Schritt im US-Raumfahrtprogramm

- (AD) - Zur Sicherung der Rolle der Vereinigten Staaten als führende
Raumfahrtnation brauche das NASA-Programm eine neue Dimension: James M.
Beggs, der Leiter der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, sieht in der Entwicklung einer bemannten Raumstation den nächsten logischen Schritt für die
amerikanische Raumfahrttechnik.

Ein solches Programm baue auf den Erfahrungen

des Raumtransporterprojekts auf.

Die Raumstation, die die Erde in niedriger

Umlaufbahn umkreisen soll, sei sowohl für Aufgaben der Weltraumforschung,
der Erderkundung, für bestimmte technologische Entwicklungen, die Nutzanwendung der Raumfahrttechnik und zur Wahrung der'nationalen Sicherheit zweckmäßig.

Ihre Existenz zeuge davon, daß die Vereinigten Staaten einen festen

Platz im Weltraum haben.
Vor dem Wirtschaftsclub von Detroit (Michigan) wies Beggs in einem Vortrag am 23. Juni 1982 darauf hin, daß das Raumfährenprojekt ursprünglich als
Teil eines Programms für den Bau von-bemannten Weltraumstationen in Angriff
genommen worden sei.

"Vor mehr als einem Jahrzehnt sah das Gesamtkonzept vor,

daß die Raumfähre ("Space Shuttle") mit Nutzlasten zwischen Erde und Raumstation pendelt. Jetzt erkennen wir, daß die bemannte Raumstation viele

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Raumstation viele Rollen übernehmen könnte:

Sie würde als wissenschaftliches

Labor dienen, als technische Zentrale für den Zusammenbau, die Nachschubversorgung und die Wartung von Satelliten, als Startplatz für den Aufstieg von
unbemannten Satelliten in einen höheren Orbit oder ihren Einschuß in interplanetare Bahnen.

Selbstverständlich hätte sie auch in der nationalen Ver-

teidigung eine Rolle zu spielen."
Je mehr Erkenntnisse die Forschung z.B. über die Chemie an der Oberfläche des Planeten Mars, über die Geologie der Venus, die Entwicklung und
die Zusammensetzung anderer Planeten in unserem Sonnensystem gewinne, desto
genauere Prognosen könne sie'zur Frage des Fortgangs der Entwicklung unserer
Erde geben.

Auch der internationalen Zusammenarbeit der freien Welt im All

eröffneten sich mit der bemannten Raumstation neue Chancen.

Sie könne zum

Mittelpunkt vieler Bereiche wissenschaftlich-technischer Interessen und Fähigkeiten der Verbündeten und Freunde Amerikas in aller Welt werden.
Gegenwärtig sind über 1000 Vereinbarungen der NASA mit mehr als 100 Nationen über Programme zur Zusammenarbeit im Weltraum in Kraft. Zu ihnen gehört beispielsweise die Entwicklung des Manipulatorsystems für den Geräteund Lastentransport an Bord des Space Shuttle durch Kanada sowie das von europäischen Ländern unter maßgeblicher Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland mit einem Kostenaufwand von einer Milliarde Dollar gebaute "Weltraumlabor"
(Spacelab). Die erste flugfähige Einheit wird 1983 mit dem Raumtransporter
gestartet.
In der amerikanischen Öffentlichkeit findet das Raumfahrtprogramm heute
mehr Unterstützung denn je zuvor seit Gründung der NASA im Jahr 1958, erklärte Beggs. Dies habe eine Meinungsumfrage der Nachrichtenagentur Associated
Press und der Rundfunkanstalten der National Broadcasting Company gezeigt,
bei der sich 60 Prozent für den Raumtransporter als gute Investition aussprachen. Er ist u.a. in der Lage, neue technisch wesentlich verbesserte
und sehr viel schwerere Satelliten, als es die bisher üblichen Trägerraketen
vermögen, zu einem Bruchteil der heute erforderlichen Startkosten in den

- 2 -

�in den Weltraum zu befördern.

Gegenwärtig sind komplizierte und teure Boden-

stationen notwendig, um Fernseh-, Funk- und Nachrichtenverbindungen über
Satelliten zu bekommen.

Die neuen, schweren Satelliten von morgen aber wer-

den mit Antennen auf dem Hausdach zu empfangen sein.

Dies dürfte, so schrieb

die englische Zeitschrift "The Economist" anläßlich des ersten Space ShuttleStarts im vergangenen Jahr, den Beginn des echten internationalen Funk- und
Fernmeldezeitalters bedeuten.

Verstärkung der Raumtransporterflotte empfohlen
Entwicklung und Bau von Raumtransportern kosteten die Vereinigten Staaten seit der Bewilligung der ersten Mittel im Jahr 1972 bisher ca. 10 Milliarden Dollar. Das zweite einsatzfähige Raumflugzeug nach der COLUMBIA, die
CHALLENGER, wird der NASA in wenigen Wochen Libergeben. Zwei weitere Raumfähren sind noch in Bau und sollen 1983 bzw. 1984 geliefert werden. Diese
Flotte von wiederverwendbaren Raumtransportern müßte jedoch nach Meinung von
Philip Culbertson, eines Stellvertreters von James M. Beggs, um mindestens
ein Fluggerät verstärkt werden. Denn die vier Raumflugzeuge reichten nicht
aus, um dem erwarteten Bedarf an Einsätzen Ende der achtziger Jahre gerecht
zu werden.
Vor einem Unterausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses erklärte
Culbertson am 15. Juni 1982, mit den vier Raumfähren könnten von 1988 an möglicherweise 24 Flüge pro Jahr unternommen werden. Auch 30 Einsätze jährlich
seien dann denkbar, falls dies erforderlich würde, wobei dem Transportbedarf
an zivilen und militärischen Nutzlasten noch voll Rechnung getragen werden
könne. Nach diesem Zeitpunkt jedoch bedeuteten die weiter steigenden Anforderungen für die Flotte von vier Raumflugzeugen eine zu hohe Belastung, so daß
eine fünfte Raumfähre notwendig werde. Auch könne der Verlust eines Raumtransporters durch einen Unfall oder die Notwendigkeit einer längeren Reparatur
"Kosten- und Terminauswirkungen für alle Benutzer haben - jene mit der höchsten
Dringlichkeitsstufe vielleicht ausgenommen".
Fiele beispielsweise
- 3 -

�Fiele beispielsweise im Jahr 1986 eines der vier Fluggeräte aus, würde
nach Schätzungen der NASA die Einsatzfrequenz um acht Flüge jährlich, d.h.
ein Drittel der geplanten Kapazität, verringert.

Das Verteidigungsministerium

habe bei Startterminen Vorrang, so daß möglicherweise die Reservierungen für
vorgesehene private Missionen von einer reduzierten Startfrequenz betroffen
würden.

Da die Raumtransporterflüge für die nächsten paar Jahre weitgehend

ausgebucht seien, beginnen sich bereits viele kommerzielle

Benutzer für Flug-

missionen zu interessieren, die mit dem europäischen Trägergerät ARIANE durchgeführt werden.
In einer ganzen Reihe von Betrieben, die am Bau der Raumfähren beteiligt
sind, laufen die Arbeitsprogramme für dieses Projekt demnächst aus. Deshalb
müsse die Entscheidung über ein fünftes Fluggerät bald fallen, weil bei späterer Auftragsvergabe mit'20 bis 25 Prozent höheren Kosten zu rechnen sei.
Ähnliche Hinweise gibt ein Bericht des vom US-Kongreß eingerichteten
"Amtes für Technologiebewertung" (OTA). Ausländische Konkurrenz beginne,
wie es in dem Bericht heißt, die führende Rolle der USA auf dem Gebiet "kommerziell einträglicher und politisch bedeutsamer Raumfahrttechnologien" zu
gefährden.
Inzwischen gab die NASA bekannt, daß die Kosten für jeden Raumtransporterstart zwischen 1985 und 1988 etwa 71 Millionen Dollar (inflationsbereinigt,
den Dollarwert von 1982 zugrundegelegt) betragen dürften. Man halte sie dennoch für konkurrenzfähig mit jenen, die sich bei Verlustgeräten wie z.B. der
amerikanischen DELTA ATLAS CENTAUR oder der europäischen ARIANE ergeben.
Inzwischen hat die "Space Transportation Company" in Princeton (New
Jersey) dem Unterausschuß für Weltraumwissenschaft und angewandte Raumfahrttechnik den Vorschlag unterbreitet, ein fünftes Raumflugzeug privat zu kaufen
und als Gegenleistung die Alleinrechte auf den Transport aller kommerziellen
und ausländischen Nutzlasten zu bekommen.

Ein privat finanzierter Raumtrans-

porter biete, wie das Unternehmen erklärte, die Gewähr, daß die Vereinigten

- 4 -

�die Vereinigten Staaten mit kommerziell in Startsystemen des Auslandes wirksam konkurrieren und die amerikanischen Möglichkeiten in der Raumfahrt auf
den Weltmärkten ausweiten könnten.

4

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Hauptziel bei den START-Verhandlungen in Genf: Weniger Kernwaffen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interviews mit Botschafter Rowny -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben Reagans an den Chefdelegierten der START-Verhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ziel: Beseitigung der Bedrohung durch Kernwaffen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan: Embargo für Ölgerät prinzipieller Schritt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sowjetunion hat Unterdrückung in Polen nicht gelockert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wieder neue Abschlussanlagen für SS-20-Raketen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen EG-Entscheidung über Exportkredite&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Routineeinsatz kann beginnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Harte Belastungsproben für COLUMBIA beim vierten Testflug -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NASA plädiert für bemannte Raumstation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Nächster Schritt im US-Raumfahrtprogramm -&lt;/em&gt;</text>
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cimcrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

7. Juli 1993

G-7

DER GIPFEL VON TOKIO
von Lloyd Bentsen

•!••

$?','&amp;'
V

USA ERWARTEN SUBSTANTIELLE GESPRÄCHE
BEI WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
Ausführungen eines hochrangigen
US-Regierungsvertreters

HILFE DES WESTENS KÖNNTE SCHLÜSSELROLLE BEI RUSSISCHEN REFORMEN
SPIELEN
Übersicht zur Rußlandhilfe der G-7

WIRTSCHAFT

BENTSEN: USA NACHDRUCKLICH FÜR
MARKTÖFFNUNG IM AUSLAND
Rede von Finanzminister Bentsen

BOTSCHAFTER

CLINTON ERNENNT RICHARD HOLBROOKE
ZUM BOTSCHAFTER IN DEUTSCHLAND
Erklärung des Weißen Hauses

4. JULI

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG DER
WELTWEITEN DEMOKRATIEBEWEGUNG AUF
Botschaft zum amerikanischen
Unabhängigkeitstag

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�DROGEN

CLINTON MÖCHTE NACHFRAGE NACH
DROGEN DURCH PRÄVENTION
BEKÄMPFEN
Erklärungen von Clinton und Lee Brown
NEUE ZUSAMMENARBEIT BEI STRATEGIE
ZUR BEKÄMPFUNG DES DROGENMISSBRAUCHS
von David Clark Scott
KAMPF GEGEN DROGEN SOLLTE ZU
HAUSE BEGINNEN
von Peter Hakim

�G-7
7. Juli 1993

DER GIPFEL VON TOKIO
von Lloyd Bentsen
WASHINGTON - (AD) - Der folgende Beitrag des amerikanischen Finanzministers erschien unter dem Titel "Die
G-7 und Arbeitsplätze - Wie die Gespräche der G-7 mehr gute Arbeitsplätze im Inland schaffen können" am 4.
Juli 1993 in der Washington Post.

Die Außenpolitik wirkt sich immer stärker im Inland
aus. Wenn sich Präsident Clinton sowie die Staatsund Regierungschefs anderer Industriestaaten diese
Woche in Tokio zum 18. G-7-Gipfel versammeln,
werden sie sich auf einkommensrelevante Fragen
konzentrieren - Fragen wie Arbeitsplätze, die amerikanische Familien unmittelbar betreffen.

Deshalb ist es so wichtig, daß Präsident Clinton seinen
Plan zum Defizitabbau im Umfang von 500 Milliarden
Dollar vorgelegt hat. Vorher waren die Vereinigten
Staaten in keiner Position, zum Beispiel Europa zu
drängen, seine Inflationsängste zu ignorieren und die
Zinssätze zu senken, und wir waren in keiner Position,
Japan zur Ankurbelung seiner Wirtschaft anzuhalten.
Heute jedoch haben beide Häuser des amerikaniZur Debatte werden Themen wie Wirtschaftswachs- schen Kongresses sich bereiterklärt, populäre Buntum, Welthandel sowie die Bemühungen Rußlands zur desprogramme zu kürzen und die Steuern zu erhöhen,
Ausweitung seines Privatsektors stehen. Nicht zur um 12 Jahre defizitärer Tendenzen zu beenden. Die
Debatte stehen werden viele der Fragen, die im Zeit- endgültige Verabschiedung in diesem Sommer wird
alter des Kalten Krieges die internationalen Gespräche unsere Aussichten auf langfristiges Wirtschaftswachsbeherrschten. Anzeichen für diesen Wandel waren tum erheblich aufhellen.
erkennbar, als sich die Staatschefs der Vereinigten
Staaten und Ru ßlands dieses Jahr in Vancouvertrafen Präsident Clintons Initiative zum Defizitabbau hat bereits
und wesentlich ausführlicher über Hilfe als über Waf- mehr getan, als eine dramatische Senkung der amerifen sprachen. Vancouver war der erste Gipfel dieser kanischen Zinssätze zu verursachen. Sie hat die
Art, zu dem der Präsident der Vereinigten Staaten Aussichten auf kooperative Bemühungen zur Ankurseinen Finanzminister einlud.
belung des Weltwirtschaftswachstums bedeutend
verbessert.
In gewissem Sinne gestaltet das Ende des Kalten
Krieges unsere internationalen Beziehungen kompli- Beim Treffen der G-7-Finanzminister im Februar in
zierter. Die Demokratien des Westens haben keinen London - nach Bekanntgabe des Programms des
gemeinsamen Gegner mehr, der sie vereint, und die Präsidenten - waren die Vereinigten Staaten in der
Frage lautet, ob sie der amerikanischen Führung fol- Lage, die internationale wirtschaftliche Zusammenargen werden wie in der Vergangenheit. Werden wir beit zu fördern. Seither haben wir mehrere ZinssenVerbündete bleiben, wenn es um Fragen wie den kungen in Europa erlebt - erst in der vergangenen
Woche senkte die Bundesbank erneut den DiskontHandel geht?
satz -, und Japan hat einen ersten Schritt zur Belebung
Das hängt teilweise davon ab, ob die Industriemächte seiner Wirtschaft unternommen.
der Welt sich der Tatsache bewußt werden, daß
Wirtschaft kein Nullsummenspiel ist, daß alle Länder Gewiß möchten wir an beiden Fronten noch mehr
der Welt, wenn wir weltweites Wirtschaftswachstum sehen, und weitere kooperative Bemühungen zur
hervorbringen können, die Chance haben, sich ein Ankurbelung des weltweiten Wirtschaftswachstums
größeres Stück von einem größeren Kuchen zu si- werden in Tokio auf der Tagesordnung stehen. Die
chern. Dies hängt auch von der Führung ab.
amerikanische Wirtschaft mag sich nicht so schnell
AMERIKA DIENST 27

Seite 1

�erholen, wir wir alle es uns wünschen, aber sie stellt die
aller anderen G-7-Staaten in den Schatten. Dies ist
vielleicht weniger Anlaß zum Stolz als zu Besorgnis.
Schwaches Wachstum in anderen Ländern bedeutet,
daß sie es sich nicht leisten können, viele Waren mit
dem Stempel "Made in USA." zu kaufen.

nischen Wahlen in diesem Monat zu erzielen. Aber wir
sind entschlossen. Wenn der japanische Handelsüberschuß auf sein historisches Niveau zurückgeht,
könnte dies für die Weltwirtschaft vielleicht zwei Millionen Arbeitsplätze und weitere 60 Milliarden Dollar an
Exporten bedeuten.

Die Zahl amerikanischer Arbeitsplätze, die von Exportenabhängen, ist nicht länger marginal. Seit 1987 war
die exportgestützte Beschäftigung für rund ein Drittel
des Gesamtwachstums der amerikanischen Beschäftigung verantwortlich. In den siebziger Jahren standen
wenigerals 10 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts
mit dem Welthandel in Zusammenhang, heute sind es
über 30 Prozent.

Die Uruguay-Runde des GATT

Mit Hilfe der G-7 erwiesen sich die Volkswirtschaften
angesichts des Crashs als elastisch, und 1988 folgte
darauf ein kräftiges Wachstum. Wenn aus dem diesjährigen Gipfel ein Plan für kooperative Bemühungen
zur Beilegung von Spannungen und Steigerung der
Wirtschaftsleistung weltweit hervorgeht, werden unsere Bemühungen erfolgreich sein.

Die Entwicklungsländer

Ein erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde des
GATT ist unerläßlich, um das Welthandelssystem zu
stärken. Der Präsident hat verdeutlicht, daß wir sie
rasch und erfolgreich abschließen wollen. Die von uns
angestrebte gegenseitige Abschaffung von Zöllen in
wichtigen Sektoren könnte im nächsten Jahrzehnt
weitere 1,4 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten
Beim Tokioter Gipfel werden wir weiterhin Fortschritte Staaten schaffen.
erzielen. Das heißt jedoch nicht, daß der Gipfel
spezielle Aktionspläne hervorbringen wird, die in dem Rußland
Augenblick, in dem der Gipfel zu Ende geht, Millionen
Im vergangenen Monat konnte ich mich in Moskau aus
von Arbeitsplätzen schaffen. Darum geht es bei Giperster Hand über Fortschritte bei der Eindämmung der
feltreffen nicht; bei Gipfeltreffen geht es um langfristige
Inflation und der Staatsausgaben, bei der VerwirkliZusammenarbeit. Denken Sie zurück an das Treffen
chung marktwirtschaftlicher Reformen und bei der
der Finanzminister in London zu Beginn des Jahres.
Privatisierung von Industrien informieren, die sich einst
Alles, was wir am Ende des Treffens verkünden konnim Staatsbesitz befanden. Es bestehen dort enorme
ten, war ein neuer Geist der Zusammenarbeit. Erst
Chancen, und die Entscheidung des Internationalen
Wochen, sogar Monate später wußten wir, daß dieser
Währungsfonds aus der vergangenen Woche, einen
"Geist" in niedrigere Zinssätze in Europa und wirtersten Kredit von 1,5 Milliarden Dollar für Rußland
schaftliche Impulse in Japan umgesetzt wurde.
freizugeben, war ein erster wichtiger Schritt zu ihrer
Die Bedeutung der Zusammenarbeit der G-7 trat ebenso Verwirklichung. In Tokio werden wir weiterhin auf
deutlich im Oktober 1987 zutage, als die amerikani- Wirtschaftshilfe drängen. Kein Problem ist von grundsche Börse an einem Tag um 500 Punkte absackte. legenderer Bedeutung für die weltweite Sicherheit.

Wir werden uns insbesondere auf folgende Bereiche
konzentrieren:
Zusammenarbeit für weltweites Wachstum
Die Aussichten für Europa sind beunruhigend. Die
Arbeitslosigkeit dort erreicht nahezu 21 Millionen
Menschen, und die meisten Länder befinden sich in
oder nahe an einer Rezession. Die Aussichten auf
baldige Erholung sind ungewiß.

Wir können es uns nicht leisten, die einstmals so
bezeichnete Dritte Welt oder die Notwendigkeit zu
ignorieren, die Verschmutzung unserer Luft und unseres Wassers zu reduzieren. Der Präsident hat bereits
Mittel zum Schuldenabbau in Afrika sichergestellt, und
wir werden unsere Unterstützung für den weltweiten
Umweltschutz aufrechterhalten.
Die meisten Teilnehmer am Gipfel werden nicht die
Vollmacht haben, sich einseitig zu Veränderungen zu
verpflichten. Andere Entscheidungsträger müssen die
Unterstützung ihrer Amtskollegen und parlamentarischer Mehrheiten haben, ebenso wie wir nichts ohne
die Zustimmung des Kongresses tun können. Aber
alle teilnehmenden Staats- und Regierungschefs haben
die Pflicht, den von ihnen geführten Bürgern Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Beim Streben nach
diesem gemeinsamen Interesse wäre es nicht akzeptabel zu versuchen, den internationalen Status quo
beizubehalten, demzufolge einige Staaten auf Kosten
der anderen als die gro ßen Gewinner dastehen. Wenn
man das Wachstum der Weltwirtschaft erörtert, muß
man sich glücklicherweise nicht mit einem solchen
Ergebnis zufriedengeben.

Der Handel mit Japan gibt ebenfalls Anlaß zu Besorgnis. In den achtziger Jahren bestand das Handelsproblem in den amerikanischen Defiziten. Heute sind es
die weltweiten japanischen Überschüsse, und sie sind
chronisch und werden von Jahr zu Jahr größer. Getrennt vom Gipfel haben wir deshalb mit Japan Gespräche geführt, die dem weltweiten Markt für Exporte
zugute kommen sollen. Die Unterhändler haben vergangene Woche keine Einigung erzielt, und es wird
schwierig aber nicht unmöglich sein, sie vor den japa- Von all den Unterlagen, die ich zur Vorbereitung auf
den Gipfel gelesen habe, fühlte ich mich besonders
Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�von einigen 20 Jahre alten außenpolitischen Magazi- lung von gutbezahlten Arbeitsplätzen anführen - hatnen angezogen. Ich stellte fest, daß sich einige Dinge ten keine Anzeigen geschaltet. Das liegt daran, daß
kaum verändert haben. Die Diskussionen über Han- sie 1973 noch nicht existierten.
delsprobleme sind auffallend ähnlich.
Wenn daraus eine Lehre zu ziehen ist, dann die
Eines, was sich jedoch geändert hat, ist die Tatsache, folgende: Obwohl sich die Welt und mit ihr unsere
daß viele amerikanische Firmen, die Anzeigen in die- Wirtschaft verändert haben, trifft dies nicht auf unsere
sen Magazinen hatten, nicht mehr existieren. Sie Politik zu. Dieser Rückstand hat einige dieser alten
wurden übernommen oder stellten ihre Tätigkeit ein, Unternehmen geschädigt, und für die neuen war er
weil sie nicht weltweit konkurrenzfähig waren. Und nicht gerade hilfreich. Dies ist eine Lehre, die Präsieinige der stärksten amerikanischen Unternehmen - dent Clinton, der gewählt wurde, um einen Wandel zu
insbesondere die in der Spitzentechnik, die heute bewirken, mit nach Tokio nehmen wird.
unser Land beim Export von Waren und der Bereitstel* * * *

AMERIKA DIENST 27

*

Seite 3

�G-7
7. Juli 1993

USA ERWARTEN SUBSTANTIELLE GESPRÄCHE
BEI WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
Ausführungen eines hochrangigen US-Regierungsvertreters
WASHINGTON - (AD) - Einem führenden Vertreterder
US-Administration zufolge erwarten die Vereinigten
Staaten beim kommenden Wirtschaftsgipfel der sieben führenden Industriestaaten (G-7) in Tokio substantielle Gespräche.
Auf die Frage, ob die Auflösung der japanischen
Regierung die Vorbereitungen für den Gipfel erschwere, erklärte der Regierungsvertreter am 30. Juni, "es
wäre unehrlich zu sagen, daß [bei der Planung der
G-7-Gespräche] nicht einige ernste Schwierigkeiten
vor uns liegen".
Die politischen Veränderungen in Japan "haben es
schwieriger gemacht, wesentliche Fortschritte" bei den
zwischen Japan und den Vereinigten Staaten zur
Debatte stehenden Gipfelthemen zu erzielen, äußerte
er bei einem Informationsgespräch mit ausländischen
Journalisten im Foreign PressCenterdes US-Informationsamts in Washington.
Der Regierungsvertreter betonte jedoch, daß die Vereinigten Staaten und Japan Verbündete seien und die
"Gespräche des vergangenen Wochenendes in Japan
den Prozeß tatsächlich vorangetrieben haben". Er
bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten in Japan
"langfristige, auf Gegenseitigkeit beruhende Interessen" verfolgen und eine weitere "Ausweitung des
Handels" mit ihren japanischen Partnern sowie die
"Reduzierung wirtschaftlicher Spannungen" und die
"Koordinierung wirtschaftspolitischer Maßnahmen"
anstreben.
Der Regierungsvertreter stellte fest, die Vereinigten
Staaten und Japan hätten "gemeinsame Interessen",
etwa im Hinblick auf den erfolgreichen Abschluß der
Uruguay-Runde von Handelsgesprächen sowie die
Hilfe für Rußland. Er fügte hinzu, die Clinton-Administration fühle sich insbesondere "sehr ermutigt durch
die japanische Entscheidung, ihre Auslandshilfeprogramme" mit dem Näherrücken des Wirtschaftsgipfels
auszubauen.

AMERIKA DIENST 27

Auf die Frage nach dem möglichen Schwerpunkt der
bevorstehenden politischen Diskussionen bei den
G-7-Gesprächen stellte er fest: "Ich erwarte voll und
ganz, daß die G-7-Länder den staatlich geförderten
Terrorismus" im Kontext der "internationalen Sicherheit" in "wesentlichen Einzelheiten erörtern werden".
Auf Fragen nach möglichen Diskussionsthemen, die
Präsident Clinton bei seinem Besuch in Südkorea
gegenüber der koreanischen Führung zur Sprache
bringen wird, antwortete der Vertreter: "Die Vereinigten Staaten werden ihre nachhaltige Wertschätzung
für den stattfindenden Demokratisierungsprozeß" in
diesem Land zum Ausdruck bringen. Die Administration wolle "mit Korea bei Sicherheitsfragen zusammenarbeiten und die sehr effektiven Beziehungen
fortführen, die in der Vergangenheit funktioniert haben". Darüber hinaus würden sich die amerikanischkoreanischen Gespräche auf "Nichtverbreitung" und
"Handelsfragen" konzentrieren.
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten Beweise für
eine ausländische Beteiligung an dem Bombenanschlag auf das World Trade Center sowie an anderen
vermuteten Terrorkomplotten in New York hätten,
äußerte sich der Regierungsvertreter folgendermaßen: "Meines Erachtens haben die Ermittlungen in
New York bis heute keine Anhaltspunkte für Verbindungen ins Ausland ergeben."
Im Hinblick auf die amerikanische Politik zu BosnienHerzegowina stellte der Regierungsvertreter fest, die
Vereinigten Staaten seien nach wie vor der Auffassung, es wäre eine "wünschenswerte Maßnahme",
das Waffenembargo gegen die bosnischen Muslime
aufzuheben und sogar "Luftangriffe auszuführen oder
anzudrohen, um die Bewaffnung [der Muslime in Bosnien]
zu gestatten". Jedoch aufgrund des Fehlens von
Unterstützung für eine solche Aktion durch die Verbündeten oder die Vereinten Nationen "sind wir nicht
bereit, eine einseitige Aktion durchzuführen".

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�Im Hinblick auf Südafrika wies der Regierungsvertreter
darauf hin, die Clinton-Administration sei bereit, bei
jeder künftigen "demokratischen und nichtrassischen"
Wahl Unterstützung zu gewähren, etwa durch "Ausbildung von Wahlbeobachtern", und man sei bereit,
Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, "um das Wirtschaftswachstum in Südafrika zu fördern".

Zu möglichen amerikanischen Plänen, in den Beziehungen mit Vietnam Fortschritte zu erzielen, erklärte
er, die amerikanische Unterstützung für Hilfe durch die
internationalen Finanzinstitutionen an dieses Land hänge
weiterhin "vom bestmöglichen Nachweis des Verbleibs
unserer Kriegsgefangenen und Vermißten ab".

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AMERIKA DIENST 27

�G-7
7. Juli 1993

HILFE DES WESTENS KÖNNTE SCHLÜSSELROLLE
BEI RUSSISCHEN REFORMEN SPIELEN
Übersicht zur Rußlandhilfe der G-7

rungsprogramm zufolge wird der IWF 4,1 Milliarden
Dollar in Form eines standardisierten Hilfsdarlehens
bereitstellen. Dieser Betrag wird phasenweise gewährt werden und ist an Fortschritte bei der Erreichung
bestimmter wirtschaftlicher Ziele und Bedingungen
gebunden. Weitere 6 Milliarden Dollar werden aus
Während der letzten Monate verlautete aus Kreisen einem speziellen IWF-Fonds vergeben, um den Wert
der G-7, der Gruppe der wichtigsten Industrienationen, des russischen Rubels zu stabilisieren, nachdem die
sie würden Rußland Hilfe in Höhe von 43,4 Milliarden Wirtschaftsreformen in Kraft gesetzt wurden.
Dollar zur Verfügung stellen; ein Großteil davon ist Teil
eines vorausgesetzten Übereinkommens zwischen Unterstützung für Strukturreformen
Rußland und dem Internationalen Währungsfonds über
Während der ersten zwei Phasen wird Rußland eine
einen Wirtschaftsreformplan.
Finanzierung benötigen, die es ihm gestattet, essenUngefähr 15 Milliarden Dollar der Gesamtsumme der tielle Waren und Dienstleistungen zu importieren. Diese
Hilfe stellen eine Stundung der im Jahr 1993 fälligen Finanzierung umfaßt 3,4 Milliarden Dollar an Darlehen
Schuldendienstleistungen dar.
der Weltbank zur Unterstützung der Entwicklung von
Energie- und Landwirtschaftssektoren sowie politiEin Großteil der verbleibenden Hilfe wird phasenweise scher Reformen auf Gebieten wie Privatisierung staatgewährt, wodurch Vertretern der Vereinigten Staaten licher Betriebe, 500 Millionen Dollar der Europäischen
zufolge die Kontinuität des Wirtschaftsreform- und Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) als
Demokratisierungsprozesses in Rußland gewährt wird. Kofinanzierung zur Unterstützung der Energiedarlehen der Weltbank, 300 Millionen Dollar der EBWE zur
Anfängliche Unterstützung für die Stabilisierung
Errichtung eines Fonds zur Unterstützung kleinerund
mittlerer
Privatunternehmen sowie 10 Milliarden Dollar
Der IWF wird im Rahmen seiner neugeschaffenen
an
direkten
Krediten und Garantien von den für ExportFazilität für die Umgestaltung des Systems (Systemic
kredite
der
G-7
zuständigen Behörden.
Transformation Facility) ungefähr 3 Milliarden Dollar
zur Verfügung stellen -1,5 Milliarden Dollar sind Bestandteil einer politischen Verpflichtung der russischen Bilaterale Hilfe der USA
Regierung zur Stabilisierung, und die verbleibenden Die Clinton-Administration hat 1,8 Milliarden Dollar an
1,5 Milliarden sollen der Eindämmung der Inflation neuer bilateraler US-Hilfe vorgeschlagen, von denen
dienen. Der IWF gab am 1. Juli seine Absicht bekannt, 1,3 Milliarden zur Unterstützung von Initiativen in den
unter der Fazilität für die Umgestaltung des Systems Bereichen Energie, Kemkraftsicherheit, Umweltschutz,
seine erste Teilzahlung an Rußland zu leisten. Die Unterbringung von Angehörigen des Militärs, SchafWeltbank wird zu diesem Zeitpunkt 1,1 Milliarden fung kleinerer Betriebe, Medizin, Handel und InvestiDollar an Hilfe bereitstellen.
tionenvorgesehen sind. Die verbleibenden 500 Millionen Dollar sollen einem neuen multilateralen Fonds
Umfassendes wirtschaftliches Stabilisierungspro- zur Unterstützung der Privatisierung russischer Indugramm
strien zugute kommen. Die Clinton-Administration
Einem Übereinkommen zwischen dem IWF und Ruß- hatte ursprünglich einen Privatisierungsfonds in Höhe
land über ein umfassendes wirtschaftliches Stabilisie- von 4 Milliarden Dollar vorgesehen, wovon die Hälfte

WASHINGTON - (AD) - Wenn es Rußland gelingt, die
wichtigsten Wirtschaftsreformen einzuleiten, wird dieses Land mehr Finanzhilfe erhalten als jedes andere
Land, seit die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten
Weltkrieg den Wiederaufbau Europas unterstützten.

AMERIKA DIENST 27

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�von den Regierungen der G-7 zur Verfügung gestellt
werden sollte, die andere Hälfte von den internationalen Finanzinstitutionen. Haushaltsschwierigkeiten in
Europa haben die Erwartungen an einen Fonds dieser

Größenordnung gesenkt. Regierungsvertreter sprechen zur Zeit von einem Pilotprogramm in Höhe von
vielleicht 2 Milliarden Dollar.

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AMERIKA DIENST 27

�WIRTSCHAFT
7. Juli 1993

BENTSEN: USA NACHDRÜCKLICH FÜR
MARKTÖFFNUNG IM AUSLAND
Rede von Finanzminister Bentsen
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verfolgen eine aktive Exportpolitik, denn "unsere Märkte sind
offen und andere Märkte nicht", erklärte Finanzminister Lloyd Bentsen am 30. Juni 1993 vor einer amerikanischen Handelsgruppe.
Dieser Aktivismus sei in den Verhandlungen über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Mexiko
und Kanada, bei Gesprächen zur Schaffung eines neuen Rahmens für die Wirtschaftsbeziehungen zu Japan
sowie in den Bemühungen zur Beschleunigung des erfolgreichen Abschlusses der Uruguay-Runde unter Beweis
gestellt worden, die die Schranken für amerikanische Exporte senken werden, stellte Bentsen bei einem von der
Organisation Consumers for World Trade veranstalteten Abendessen fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bentsens Rede in leicht gekürzter Fassung.

Ich danke Ihnen für diese Ehre. Bei Terminen wie
diesem weiß ich, daß diese Achttagewochen, die wir
gearbeitet haben, der Mühe wert sind. Es bedeutet für
mich sehr viel, wenn eine Organisation dieses Renommees feststellt, ich hätte etwas für dieses Land geleistet.

Unsere Handelspolitik der aktiven Exportförderung
beruht auf einer einfachen Prämisse: Die Weltmärkte
sollten ebenso offen sein wie unsere.

Um dies in die Perspektive zu rücken, sollten wir einen
Moment über Offenheit nachdenken. Wenn man es
als Anteil am BIP betrachtet, dann hat Japan unsere
Es ist mir ferner eine besondere Ehre, hier zur gleichen Märkte nahezu zweimal so stark durchdrungen wie die
Zeit geehrt zu werden, da Sie die Beiträge von Präsi- Märkte der Europäischen Gemeinschaft. Nach demdent Salinas würdigen. Ihm gebührt ein großes Ver- selben Maßstab hat Europa einen nahezu doppelt so
dienst für die mutigen Schritte, die er unternommen hohen Anteil an unserem Markt wie am japanischen
hat. Botschafter Montano, würden Sie Präsident Sa- Markt errungen. Hier stimmt irgend etwas nicht, und
ich sage Ihnen, was es ist: Unsere Märkte sind offen
linas bitte meine Glückwünsche übermitteln?
und andere Märkte nicht.
Es ist schon spät, und ich werde mich kurz fassen. Ich
möchte einige Minuten über unsere Handelspolitik Selbst in Bereichen, in denen wir irgendeine Art von
sowie darüber sprechen, was wir bei einigen wichtigen Schutz vor ausländischer Konkurrenz bieten, sind wir
Handelsthemen unternehmen.
immer noch weit offener als unsere wichtigsten Konkurrenten. Wir führen pro Kopf mehr Textilien ein als
Wir sollten einen Augenblick innehalten und uns die die EG, Japan oder Kanada. Ausländische Automobiljüngste Geschichte des Handels vor Augen führen. hersteller haben einen 24prozentigen Marktanteil bei
Seit 1959 hat sich der Anteil der Exporte an unserem uns, jedoch lediglich 12 Prozent in der EG und 4
Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt.
Prozent in Japan. Der OECD zufolge sind unsere
landwirtschaftlichen Subventionen wesentlich niedriSeit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben wir
ger als in Europa und Japan. Auch hier stimmt etwas
Handelsschranken als Preis des Wiederaufbaus in
nicht.
Europa und Japan grundsätzlich akzeptiert. Heute
wird der Rest der Welt ebenso wohlhabend wie wir, Es ist dieses Ungleichgewicht bei der Offenheit, das
einige Länder sogar noch wohlhabender. Es ist des- die Grundlage für unseren aktiven Ansatz im Exporthalb die Zeit gekommen, Veränderungen vorzuneh- sektor bildet. Die Tatsache, daß unsere Märkte schon
men.
AMERIKA DIENST 27

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�so lange so offen sind, bedeutet, daß andere Industriestaaten, insbesondere diejenigen mit chronischen
Außenhandelsüberschüssen, wesentlich mehr tun
müssen, um ihre Märkte zu öffnen. Wir streben nichts
an, was wir nicht selbst bereits getan haben.

Das ändert überhaupt nichts an unseren Zielen. Wir
erwarten weiterhin von Japan, daß es seinen Handelsüberschu ß auf ein Niveau senkt, das mehr im Einklang
mit der historischen Entwicklung steht. Fernerverhandeln wir über Marktzugang.

Ich mochte Ihnen kurz skizzieren, was wir zur Verwirk- Wenn Sie dies von der Warte des Verbrauchers belichung dieser Politik unternehmen.
trachten, dann ist es meiner Ansicht nach an der Zeit,
daß Japan seinen Verbrauchern ebensoviel AufmerkErstens zu NAFTA: Ich bin sicher, viele von Ihnen samkeit schenkt wie seinen Unternehmen.
haben von der heutigen richterlichen Entscheidung
gehört, derzufolge wir vor der Inkraftsetzung von NAFTA Japan ist ein modernes Land. Sein BIP pro Kopf gehört
eine Umweltverträglichkeitserklärung benötigen. Ich zu den höchsten der Welt. Es ist höher als unseres.
möchte sagen, daß wir diese Entscheidung scharf Japan hat höhere Stundenlöhne in der Produktion.
ablehnen. Wir werden dagegen Berufung einlegen.
Wir sind darüber besorgt. Sie könnte zu einer unver- Aber schauen Sie sich den Lebensstandard an. Gestern
hältnismäßigen Verzögerung des NAFTA führen, und habe ich einige Zahlen aus einer gemeinsamen amedas möchten wir nicht. Darüber hinaus greift sie in die rikanisch-japanischen Preisstatistik gesehen. Sie beFähigkeit des Präsidenten zur Durchführung der legten, daß die Japaner nahezu 50 Prozent mehr für
Nahrungsmittel ausgeben als wir. Eine Packung FrühAußenpolitik ein.
stückskost ist fast 80 Prozent teurer als in den VereiWir streben effektive Zusatzvereinbarungen - zur Umwelt nigten Staaten. Ein Paar Bluejeans kostet 74 Prozent
und zu Arbeitsfragen - an, die das Abkommen stärken mehr. Der Studie zufolge zahlen Japaner 40 Prozent
werden. Ich kann sagen, daß ich mich durch die mehr für einen Laserdrucker, der auch noch in Japan
Behandlung des NAFTA im kanadischen Senat ver- hergestellt wurde. Die Liste ist lang. Ich kann Ihnen
gangene Woche ermutigt fühle. Ich hoffe, wir werden sagen, diese Preise sind nicht gerade verbraucherfreundlich.
bald in der Lage sein, dasselbe zu tun.
Das NAFTA ist von lebenswichtiger Bedeutung. Es
bedeutet Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätze
und höhere Einkommen. Kurzum, es bedeutet Wohlstand.

Es ist klar, daß dort Schranken gegen offenen und
freien Handel bestehen. Wenn es in Japan einen
verbraucherfreundlicheren Ansatz gäbe - die japanischen Verbraucher hätten mehr Geld, das sie für die
Verbesserung ihres Lebensstandards ausgeben könnEinige scheinen im Hinblick auf NAFTA etwas schwer- ten.
hörig zu sein. Wenn ich hinhöre, dann höre ich eine
Flut von Waren und nicht von Arbeitsplätzen nach Der Punkt ist, daß die Verbraucher überall profitieren
Süden rauschen. Die Arbeitsplätze sind in den Verei- werden, wenn der Marktzugang erweitert wird, wenn
nigten Staaten und dienen der Herstellung von Waren geschützte Märkte dem Wettbewerb geöffnet werden.
für den Export.
Die Zeit ist gekommen, daß wir diese Probleme in
Vor fünf Jahren hatten wir im Handel mit Mexiko ein Angriff nehmen. Hier stehen das Wachstum der
Defizit zu verzeichnen. Nachdem Präsident Salinas Weltwirtschaft sowie die Arbeitsplätze auf dem Spiel,
die Handelsschranken abgebaut hat, erzielen wir heute die damit einhergehen. Die Vereinigten Staaten köneinen erheblichen Überschuß in der Größenordnung nen nicht allein die gesamte Weltwirtschaft ziehen.
von 5 Milliarden Dollar. Unsere Exporte nach Mexiko Wenn zum Beispiel der japanische Handelsüberschuß
sind in den vergangenen 5 Jahren um 25 Milliarden auf das angemessene Niveau gesenkt wird, könnte
dies für die Weltwirtschaft ein bis zwei Millionen ArDollar jährlich gestiegen.
beitsplätze sowie zusätzliche Exporte von 60 MilliarFür mich ist das ein sicheres Zeichen, daß freierer den Dollar bedeuten.
Handel Wachstum und Wohlstand hervorbringt, und
meines Erachtens wird die überwältigende Mehrheit Das dritte Vorhaben, mit dem einige dieser Probleme
der Sektoren in unserer Volkswirtschaft vom NAFTA mit der Offenheit von Märkten gelöst werden und die
profitieren. Es handelt sich um ein Abkommen, das gut Weltwirtschaft angekurbelt wird, ist ein erfolgreicher
Abschluß der Uruguay-Runde von GATT-Gesprächen.
für den Verbraucher und gut für die Wirtschaft ist.
Der Präsident hat eindeutig festgestellt, daß wir dies
Zweitens haben wir mit Japan Gespräche über einen rasch und erfolgreich erreichen möchten.
neuen Rahmen für unsere Wirtschaftsbeziehungen
geführt.
Nun hat jeder eine andere Definition dessen, was ein
Erfolg ist. Im Hinblick auf das GATT möchte ich Ihnen
Diese Gespräche sind nicht so gut verlaufen, wie wir meine Definition darlegen.
uns erhofft hätten, aber es gibt dort nur eine Übergangsregierung, und das macht es etwas schwieriger, Meines Erachtens können wir von Erfolg sprechen,
derzeit konkrete Ergebnisse zu erzielen.
wenn wir die tarifären und nichttarifären Hemmnisse
Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�für unsere Exporte abbauen. Wir streben die gegen- mit unseren Kollegen eine Reihe anderer Themen zu
seitige Beseitigung von Zöllen in den wichtigen Berei- erörtern, zum Beispiel Demokratie und Marktreformen
chen der pharmazeutischen Produkte, Elektronik, in Rußland. Wir sind führend bei den HilfsbestrebunFertigwaren und in anderen Sektoren an. Wir möch- gen für die Russen, und ich freue mich, daß der IWF
ten, daß unsere Dienstleistungsunternehmen, etwa heute für die Freigabe eines Kredits von 1,5 Milliarden
Banken und Versicherungsgesellschaften, mehr Zu- Dollar gestimmt hat.
gang zu Auslandsmärkten haben.
Meines Erachtens werden wir diesen Gipfel als ein
Wenn wir diese Runde abschließen können, bedeutet Ereignis erleben, das kurz an Förmlichkeiten und lang
das für die Amerikaner sehr viel. Präziser gesagt, es an Substanz ist. Die Entscheidungsträger werden viel
bedeutet Wachstum und Arbeitsplätze.
Zeit haben, um offen miteinander zu sprechen, einander besser kennenzulernen und zusammenzuarbeiWir gehen davon aus, daß unser Output im nächsten ten. Dieser Gipfel wird ihnen erlauben, sich auf die
Jahrzehnt um 1 Billion Dollar steigt und der Weltoutput derzeit wichtigsten Probleme zu konzentrieren, also
um bis zu 5 Billionen zunehmen kann. Das bedeutet die Wiederherstellung des weltweiten Wirtschaftswachsfür die vierköpfige Durchschnittsfamilie 17.000 Dollar. tums, die Öffnung von Märkten sowie die UnterstütEs bedeutet, daß aufgrund zusätzlichen Handels in zung des russischen Reformprozesses. Wir müssen
Verbindung mit der GATT-Runde weitere 1,4 Millionen nicht den Saal verlassen und irgendwelche bombastiamerikanischer Arbeitsplätze geschaffen werden schen Erklärungen abgeben, um Fortschritte bei diekönnen.
sen Themen erzielt zu haben.
Bevor ich zum Schluß komme, möchte ich darauf
hinweisen, daß ich nächste Woche mit Präsident Clinton zum Wirtschaftsgipfel nach Tokio reisen werde.
Wir treten in einer starken Position an, der stärksten
seit Jahren, weil wir unsere wirtschaftlichen Hausaufgaben gemacht haben. Unsere Führung hat dem
bereits dahinsiechenden G-7-Prozeß neues Leben
eingehaucht, und unsere Glaubwürdigkeit dürfteunsere Partner in der G-7 dazu ermutigen, weitere kooperative Schritte zu unternehmen, um ihre Volkswirtschaften anzukurbeln und Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen.

Wir sind uns bewußt, daß nicht jeder die Autorität
haben wird, um sich bei diesem Gipfel an Ort und Stelle
zu Veränderungen zu verpflichten. Unsere japanischen Gastgeber zum Beispiel werden 10 Tage danach ein neues Parlament wählen. Das bedeutet, daß
wir ein noch nachhaltigeres Engagement zur Führung
unter Beweis stellen müssen, um die von uns unternommenen Bemühungen zur Ankurbelung der Weltwirtschaft in die Tat umzusetzen.

Abschließend möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich mich
entschlossen hatte, mit dem Ende meiner Amtszeit im
Senat in den Ruhestand zu treten. Das war, bevor
Eine der Botschaften, die ich in jüngster Zeit ausge- mich Präsident Clinton bat, sein Finanzminister zu
sandt habe, lautet, daß wir, die Vereinigten Staaten, werden. Ich sah einen Präsidenten mit dem politiden Rest der Weltwirtschaft nicht allein mitziehen schen Mut, zu tun, was in dieser Stadt in den vergankönnen. Dies muß eine kooperative Bestrebung sein. genen 12 Jahren nicht getan wurde, und das ist:
Aus diesem Grund arbeiten wir so hart an der Öffnung Unsere Wirtschaft in den Griff zu bekommen und
von Märkten und der Umsetzung koordinierter und unsere wirtschaftliche Zukunft zu verändern. Ein Teil
kooperativer binnenwirtschaftlicher Maßnahmen. Wir davon ist sein energisches Engagement für die Öffmüssen diesen Prozeß solide fortsetzen.
nung von Märkten und die Verfügbarkeit von mehr
Waren
für mehr Menschen. Ich bin üoerzeugt, daß die
Der Gipfel wird uns allen - dem Präsidenten, mir und
von uns an der Handelsfront angestrebten Aktionen
Außenminister Christopher - die Gelegenheit geben,
dies bewirken werden.

* *

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Seite 3

�BOTSCHAFTER
7. Juli 1993

CLINTON ERNENNT RICHARD HOLBROOKE
ZUM BOTSCHAFTER IN DEUTSCHLAND
Erklärung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat seine Absicht bekanntgegeben, Richard Holbrooke zum
Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland zu ernennen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der vom Pressesprecher des Weißen Hauses am 30. Juni 1993
herausgegebenen Erklärung.

Präsident Clinton hat heute seine Absicht bekanntgegeben, Richard Holbrooke zu seinem Botschafter in
Deutschland zu ernennen...
"Die Mitarbeiter, die wir heute unserem außenpolitischen Team hinzufügen, bringen außerordentliche
Leistungen und Charakter mit", erklärte der Präsident.
"Ich freue mich besonders, daß Richard Holbrooke
unserem Land als Botschafter in Deutschland dienen
wird. Während seiner Tätigkeit in der Regierung und
in jüngster Zeit als Manager im Privatsektor hat er
bewiesen, daß er über die für eine solch bedeutende
Position erforderlichen Begabungen verfügt."
Richard Holbrooke war seit 1985 geschäftsführender
Direktorder Investmentfirma Lehman Brothers in New
York sowie Vorsitzender des überparteilichen Ausschusses für die Erneuerung der Regierung, der von
der Carnegie-Stiftung und dem Institute for International Economics gefördert wird. Von 1977-1981 war er

Abteilungsleiter des Außenministeriums für Ostasien
und den Pazifik. Davor war er von 1962-1969 im
Auswärtigen Dienst der Regierung tätig, arbeitete in
Vietnam, im Stab des Weißen Hauses und gehörte der
Delegation bei den Pariser Verhandlungen über einen
Friedensschluß in Vietnam an.
Von 1970-1972 war Holbrooke Direktor des Friedenskorps in Marokko und diente von 1974-1975 als hochrangiger Berater im Ausschu ß des Präsidenten für die
Organisation der Regierung bei ihrer außenpolitischen
Tätigkeit. Auch war Holbrooke Chefredakteur des
außenpolitischen Magazins Foreign Policy, freier
Mitarbeiter bei Newsweek International und beriet
1976 im Wahlkampf das Team Carter/Mondale in
sicherheitspolitischen Fragen.
Richard Holbrooke hat einen Bachelor of Arts der
Brown University und war Gastdozent der Woodrow
Wilson School. Erist 52 Jahre alt und hatzwei Söhne...

* * * *

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Seite 1

�4. J U L I
7. Juli 1993

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG
DER WELTWEITEN DEMOKRATIEBEWEGUNG AUF
Botschaft zum amerikanischen Unabhängigkeitstag
WASHINGTON - (AD) - Mit der Feststellung, daß das Echo der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung heute
auf der ganzen Welt zu hören ist, fordert Präsident Clinton die Amerikaner auf, sich erneut ihren Idealen zu
verschreiben und die weltweite Bewegung für Demokratie und Freiheit zu unterstützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag im Wortlaut.

Am Unabhängigkeitstag begehen wir die Geburt der
ersten und größten Demokratie der Neuzeit. Die in der
Unabhängigkeitserklärung verkörperten Ideale haben
unserer Nation als Leitlinie und den Völkern auf der
ganzen Welt als Inspiration gedient. Dieses Dokument
hat die Idee von Amerika exakt umrissen: daß die
Rechte des Einzelnen nicht von der Großzügigkeit der
Regierung herrühren, sondern aus der Hand des Allmächtigen stammen. Die Gründerväter gaben auf
immer ihre Bindung an die alten europäischen Klassenvorstellungen auf und verschrieben sich statt dessen dem Glauben, daß alle Menschen gleich sind.
Die herausragenden Männer, die sich vor 218 Jahren
in Philadelphia versammelten, um die Unabhängigkeit
unserer Nation zu erklären, riskierten ihre Ehre, ihr
Vermögen, sogar ihr Leben, um eine bessere Zukunft
für ihre Kinder und Enkel zu schaffen. Als Erben des
Vermächtnisses der Freiheit verdanken wir unsere
Freiheiten der Tatsache, daß die Gründerväter unserer Nation die Notwendigkeit für tiefgreifenden Wandel
erkannten und dementsprechend handelten.

Heute finden auf der ganzen Welt einschneidende
Veränderungen statt. Nationen, die seit Jahrhunderten nichts als Tyrannei kannten, verschreiben sich
plötzlich den Idealen von Freiheit und Demokratie.
Und überall, wo die Freiheit verkündet wird, ist das
Echo der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten
Staaten von Amerika zu hören. Die Worte von Thomas
Jefferson werden in Dutzenden von Nationen in Hunderten von Sprachen gesprochen.
Wir sind zu Recht stolz auf den Einfluß, den unsere
Überzeugungen auf die Welt hatten. Aber die Mission
Amerikas ist noch lange nicht erfüllt. Die Welt ist zwar
voller Chancen, aber auch voller Unsicherheiten. Wir
müssen uns der Aufgabe widmen, die Träume unserer
Gründerväter zu bewahren und der unvollendeten
amerikanischen Autobiographie unser eigenes Kapitel
hinzuzufügen. Indem wir die Veränderungen begrüßen, die die Welt von heute umgestalten, tragen wir zur
Schaffung einer schöneren, demokratischeren und
friedlicheren Welt bei. An diesem Unabhängigkeitstag
ermutige ich alle Amerikaner, sich erneut der Überzeugung zu verschreiben, daß unsere heroische Reise
immer nach oben führen muß.
Ich wünsche allen einen wunderbaren Tag.

* * * *

AMERIKA DIENST 27

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Seite 1

�DROGEN
7. Juli 1993

CLINTON MÖCHTE NACHFRAGE NACH DROGEN
DURCH PRÄVENTION BEKÄMPFEN
Erklärungen von Clinton und Lee Brown
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, "durch Prävention die Nachfrage nach Drogen
... zu ersticken", äußerte Präsident Clinton am 1. Juli 1993. "Das bedeutet mehr und bessere Erziehung, mehr
ehandlung und mehr Rehabilitation", erklärte der Präsident anläßlich der Vereidigung von Lee Brown als
irektor des Büros für nationale Drogenkontrollpolitik.
Der Präsident verwies darauf, daß er trotz haushaltspolitischer Engpässe die Mittel zur Eindämmung der
Nachfrage nach illegalen Drogen um 10 Prozent aufgestockt und "eine dramatische Erhöhung der Mittel zur
Polizeiarbeit in den Gemeinden" bereitgestellt habe.
Brown zufolge ist der Drogenmißbrauch ein "unversöhnlicher, unbarmherziger Feind", der häufig "ganze
Stadtviertel überwältigt" hat... Er "hat Amerika seiner Vitalität und Wettbewerbsfähigkeit beraubt und plündert
unsere Zukunft."
Brown erklärte, er werde frühere Versuche zum Abfangen von Drogenlieferungen in die Vereinigten Staaten
untersuchen und "die aufgeben, die nicht funktioniert haben", und er werde danach trachten, die "internationale Ablehnung des Drogenschmuggels... zu mobilisieren", insbesondere bei den lateinamerikanischen Staaten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus den Erklärungen von Präsident Clinton und Lee Brown.

Zuviele junge Amerikaner werden ihrer Zukunft und
sehr viele ihres Lebens beraubt. Aus all diesen Gründen erfordert der Kampf gegen Drogen eine facettenreiche Offensive und den größtmöglichen Einsatz der
Ressourcen, die wir als Volk besitzen. Das haben wir
in dieser Administration zu erreichen versucht. Trotz
aller Haushaltskürzungen und eines fünfjährigen strikten Einfrierens der Gesamtausgaben im Inland steigen
unsere Haushaltsmittel zur Nachfragereduzierung um
Lee Browns Führungsrolle bei der Gewährleistung von 10 Prozent, und es gibt eine dramatische Erhöhung
Sicherheit für unsere Gemeinden und Bürger ist unü- der Mittel zur Polizeiarbeit in den Gemeinden sowie
bertroffen, und heute muß er diese Qualitäten und all eine eindeutige Verpflichtung, die Behandlung von
diese Erfahrung einsetzen, um die destruktiven Ver- Drogenabhängigen in das nationale Krankenversichelockungen illegaler Drogen in den Griff zu bekommen. rungsprogramm aufzunehmen, das unsere Administration in naher Zukunft vorlegen wird.
Wir wissen, daß die erfolgreiche Kontrolle von Drogen
nicht in einem Vakuum stattfindet. Es handelt sich hier Am wichtigsten ist jedoch, daß unsere Anstrengungen
um ein vielköpfiges Ungeheuer. Drogen verletzen nun durch Lee Brown koordiniert, zusammengefaßt
unsere Grenzen, wenn Schmuggler sie als illegale und geleitet werden. Das Büro des Direktors für
Fracht einführen. Unsere Gefängnisse sind überfüllt, Drogenpolitik wird nicht länger vom Rest der Regieund unsere Gerichte sind überlastet durch Konsumen- rung getrennt fungieren und lediglich die Rolle einer
ten und Händler. Verbrechen und Gewalt werden in Kanzel für Moralpredigten spielen. Von nun an wird es
große und kleine Gemeinden getragen, und dasselbe Hand in Hand mit den anderen Ministerien arbeiten,
gilt für Schüsse aus fahrenden Autos und willkürliche und damit wird unsere Effektivität gesteigert. Unser
Morde.
Ziel besteht darin, die Nachfrage nach Drogen durch
Präsident Clinton: Als ich Lee Brown zum Leiter des
Büros für nationale Drogenkontrollpolitik berief, bezeichneten ihn viele als eine hervorragende Wahl. Ich
meine, dies ist eine zutreffende Charakterisierung,
denn Lee Brown bringt dreißigjährige Erfahrung in
höchsten polizeilichen Positionen in einigen der härtesten Städte unseres Landes mit: New York, Houston
und Atlanta...

AMERIKA DIENST 27

Seite 1

�Prävention im Keim zu ersticken. Das bedeutet mehr
und bessere Erziehung, mehr Behandlung und mehr
Rehabilitation.

Bereichen der Prävention, Erziehung, Behandlung,
Strafverfolgung und Bekämpfung des Schmuggels
hinzuarbeiten. Die nationale Drogenkontrollstrategie,
die ich für den Präsidenten und das amerikanische
Gleichzeitig möchten wir den Nachschub abschnüren, Volk entwickeln möchte, wird Mittel dort einsetzen, wo
indem wir mehr Polizeibeamte einsetzen, indem wir die Probleme am schwierigsten sind. Sie wird Ansätze
den Gesetzen in unseren Gemeinden und an den mit erwiesener Effektivität unterstützen, etwa die PoAußengrenzen des Landes Geltung verschaffen und lizeiarbeit auf Gemeindeebene. Wir werden die Tatsawir unseren Freunden und Verbündeten helfen, das- che unterstreichen, daß Drogensucht ebenso ein
selbe jenseits unserer Grenzen zu tun. Wir verpflich- Problem der öffentlichen Gesundheit wie der Justiz ist,
ten uns, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, indem wir die Verfügbarkeit von Behandlungsmöglichdie den Mut und den politischen Willen demonstriert keiten erweitern und deren Qualität verbessern.
haben, die Drogenhändler im eigenen Land zu verfolgen, die ihre Gesellschaften und ihre Volkswirtschaf- Wir werden unsere Bemühungen verdoppeln, in der
ten destabilisieren...
amerikanischen Jugend ein Wertegefüge zu verankern, das sie letztlich gegen die Verlockungen des
Die Pioniertaten, die Lee Brown bei der Polizeiarbeit Drogenhandels und die Flucht in die Drogenabhängigvor Ort in Houston und New York vollbracht hat, sind keit immun macht. Wir werden das amerikanische
heute legendär. Dabei lernten Beamte als Fußstreifen Volk davon überzeugen, daß seine Besonnenheit und
ihre Nachbarn kennen und engagierten sich bei der die seiner Kinder ebenso Teil des Amerikanischen
Prävention von Verbrechen ebenso wie bei der Ergrei- Traums ist wie der Besitz eines Eigenheims oder eine
fung von Kriminellen.
Collegeausbildung. Und dieses Heim und die Familie
gehen, wenn sie überhaupt jemals erworben wurden,
Dies ist ein Kampf, der uns gewiß alle über die Grenzen
rasch verloren, wenn sie in dem Alptraum der Drogenvon Parteien, Rassen, Regionen und Einkommen hinweg
sucht zu Treibgut werden.
vereinen kann. Wir kämpfen für unsere Familien,
unsere Kinder, unsere Gemeinden und unsere Zu- Obwohl die Drogenprobleme im Bewußtsein der Öfkunft. Jeder einzelne Amerikaner - täuschen wir uns fentlichkeit einen Teil ihres Einflusses verloren haben,
nicht - trägt auch persönliche Verantwortung, eine werden wir das amerikanische Volk auffordern, die
Rolle in diesem Kampf zu spielen. Jeder, der denkt, Kampagne gegen Drogen zum persönlichen Kreuzzug
Lee Brown oder irgend jemand sonst könne dieses zu machen. Und ich bin überzeugt, daß wir Erfolg
Problem für das amerikanische Volk anstatt mit dem haben werden. Wir werden frühere Versuche zum
amerikanischen Volk lösen, wird sich noch wundem... Abfangen von Drogenlieferungen untersuchen und die
aufgeben, die nicht funktioniert haben. Wir werden aus
Lee Brown: Herr Präsident, erlauben Sie mir zu
unseren Fehlern lernen und Fortschritte machen.
Beginn, meinen aufrichtigen Dank für die Berufung in
Ihr Kabinett als Direktor des Büros für nationale Dro- Wir werden eng mit unseren Freunden auf der Welt
genkontrollpolitik zum Ausdruck zu bringen. Durch die zusammenarbeiten, besonders mit unseren lateinaAufwertung des Postens zum Kabinettsrang haben merikanischen Nachbarn, umdie internationale AblehSie der Nation und der Welt Ihre Entschlossenheit nung des Drogenschmuggels und seiner kriminellen
bekundet, das amerikanische Volk im Innern ebenso Profite zu mobilisieren. Wir werden dies und noch
unmißverständlich zu schützen und zu verteidigen wie mehr tun. Aber eines werden wir niemals tun: Vor
im Ausland.
denjenigen kapitulieren, die uns in dem Glauben wiegen möchten, das Drogenproblem sei zu weitverbreiDies ist zu Recht der Fall. Denn die Drogensucht in
tet, zu tief verwurzelt oder zu kostspielig, um etwas
Amerika, die soviele ihrer Opfer unter unseren jungen
dagegen zu tun. Wir werden den Sirenenklängen der
Menschen, sogar unter Neugeborenen, fordert, hat
sich als unversöhnlicher, unbarmherziger Feind erwie- Legalisierung widerstehen und denjenigen, die mit
sen. Häufig hat sie ganze Stadtviertel überwältigt und Drogen handeln, eine bewährte Botschaft senden,
Straßen zu Schlachtfeldern gemacht. Sie hat Amerika indem wir sie ins Gefängnis stecken.
seiner Vitalität und Wettbewerbsfähigkeit beraubt und Wir werden Drogenhandel stets als schweres Verbreplündert unsere Zukunft.
chen gegen die Gesellschaft behandeln, und wir werden diejenigen, die den Klauen der Abhängigkeit entSo unversöhnlich der Gegner auch sein mag, in dieser
fliehen möchten, mit Mitgefühl und echter UnterstütAdministration hat er einen hartnäckigen Feind...
zung behandeln. Unser Ziel wird es sein, den DrogenIch verspreche, mit dem Kongreß und den anderen konsum in Amerika zu reduzieren, nicht, weil dies ein
Mitgliedern des Kabinetts auf die Schaffung einer leicht erreichbares Ziel wäre, sondern weil das Wohleffektiven, dauerhaften öffentlichen Politik in den ergehen der Nation dies erfordert und weil das gute
Gewissen jedes Amerikaners es verlangt.
* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 27

t

&gt;

�DROGEN
7. Juli 1993

NEUE ZUSAMMENARBEIT BEI STRATEGIE ZUR
BEKÄMPFUNG DES DROGENMISSBRAUCHS
von David Clark Scott
Die von vielen hochrangigen Drogenbekämpfern in ganz Amerika verspürte Frustration bringt ein beispielloses
Ausmaß an Zusammenarbeit zwischen den Nationen der westlichen Hemisphäre sowie den Ruf nach einer
durchgreifenden Überarbeitung der Drogenbekämpfungsstrategie hervor. Der Beschluß der Clinton-Administration, den Kampf gegen den Konsum im Inland gegenüber Programmen zur Eindämmung des Drogenschmuggels und Vernichtung von Anbauflächen im Ausland zu forcieren, ermutigt auch andere Regierungen.
David Clark Scott ist Mitarbeiter von The Christian Science Monitor. Reprinted by permission of The Christian
Science Monitor. Copyright (c) 1993 The Christian Science Publishing Society. All rights reserved.

Drogenbaron Pablo Escobar ist auf der Flucht. Immer
mehr Kokain und Heroin wird sichergestellt. In Kanada
und den Vereinigten Staaten geht der Verbrauch illegaler Drogen zurück. Aber niemand feiert. Statt
dessen steigt die Frustration bei den führenden Drogenbekämpfern in ganz Amerika.

Marti Guillo, Sekretärderguatemaltekischen Kommission gegen Sucht und Handel mit illegalen Drogen bei
einer Kaffeepause während der CICAD-Konferenz.

Die 1986 gegründete CICAD ist die Unterorganisation
der Organisation Amerikanischer Staaten, die zum
Forum für die Koordinierung der Bemühungen zur
"Je mehr wir das Problem loszuwerden scheinen, Drogenbekämpfung in der Region wird. CICAD finandesto größer scheint es zu werden", erklärt Miguel ziert und unterstützt die Verteilung von Informationen
Angel Gonzalez Felix, Koordinator für Menschenrech- über nationale Drogenerziehungsprogramme. Sie hat
te und Drogenschmuggel im mexikanischen Ministe- beispielhafte Gesetze zur Beendigung der Geldwärium für Auswärtige Beziehungen. "Unsere Gefäng- sche und zur Kontrolle des Handels mit Chemikalien
nisse sind voller Drogenschmuggler. Wir hatten große entwickelt, die bei der Herstellung von Drogen verwenErfolge beim Abfangen von Drogenlieferungen aus det werden. Sie richtet juristische Zentren ein, um die
dem Ausland, aber Anbau und Abhängigkeit auf loka- Angleichung von Gesetzen und grenzüberschreitende
ler Ebene steigen. Das ist wie bei einem mit Wasser Zusammenarbeit zwischen Richtern und Staatsanwälgefüllten Ballon. Man drückt auf einer Seite, und die ten zu fördern.
andere Seite schwillt an."
"Die CICAD ist für uns ein sehr wichtiges multilaterales
Diese Frustration bringt ein beispielloses Ausmaß an Forum. Keine andere Organisation konzentriert sich
Zusammenarbeit zwischen den Staaten der westli- auf dieses Problem als hemisphärisches Problem",
chen Hemisphäre hervor. Sie führte beim 13. Halbjah- erläutert Eva Kmiecic, Generaldirektorin des kanadirestreffen der Interamerikanischen Kommission zur schen Direktorats für Polizei und Strafverfolgung.
Kontrolle des Drogenmißbrauchs (CICAD) Anfang März
1993 in Costa Rica zu Rufen nach einer durchgreifen- Aber bis noch vor drei oder vier Jahren hielten sich die
24 Teilnehmerstaaten der CICAD an Fragen von
den Erneuerung der Drogenbekämpfungsstrategie.
Souveränität und Korruption auf. Sie klassifizierten
"Dies ist wesentlich mehr geworden als ein nationales einander als "Produzenten"-, Transit"- oder "Verbrauoder regionales Problem. Der einzige Weg, um dage- cher-Staaten. Heute werden sie durch einen Gegner
gen anzugehen, besteht darin, sich zusammenzu- vereint, der keine Unterscheidungen dieser Art trifft.
schließen und die Strategie zu koordinieren. Es gibt in
Amerika kein einziges Land, das heute nicht sowohl Ein Land nach dem anderen berichtet über steigenden
mit dem Problem des Konsums als auch dem des Verbrauch harter Drogen. Die meisten lateinamerikaDrogenschmuggels konfrontiert ist", so Jose Eduardo nischen Staaten führen keine Statistiken, aber anhand
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�der beschlagnahmten Mengen, Anzahl der Festnahmen, Krankenhausberichte und einiger weniger statistischer Untersuchungen läßt sich der Trend belegen.

Vega Pinzon, Direktor des nationalen Rauschgiftbüros
von Kolumbien. "So gibt es zum Beispiel in vielen
Ländern keine Kontrolle chemischer Grundstoffe. Die
Verpflichtung dazu wird lediglich auf Diskussionsebe"Chile erklärte früher stets, es benötige kein Drogener- ne behandelt. Auf Handlungsebene gibt es nur leere
ziehungsprogramm", so der Generalsekretär der CICAD, Versprechungen."
Irving Tragen. "Letztes Jahr [1992] wurde die Regierung durch eine Studie schockiert, derzufolge 18 Pro- Aber die politische Macht und Verantwortung der CICADzent der Gymnasiasten in Nordchile bereits bazuko Vertreter ist im Wachsen begriffen, erklärt Alberto
(Kokainpaste) konsumiert hatten. Mit dem Schrump- LeStelle, der argentinische Minister für das Programm
fen des US-amerikanischen Markts stellen wir heute zur Verhütung der Drogensucht und den Kampf gegen
einen rapiden Anstieg des Verbrauchs in ganz Latein- Drogenhandel.
amerika fest."
"Ich hoffe, daß eines Tages Vertreter der DrogenbeExperten führen für diesen Trend eine Reihe von kämpfung auf Ministerebene hier teilnehmen werden.
Gründen an. Erfolgreiche Bemühungen zur Eindäm- Wenn Außenminister hier anwesend sind, die uneinmung des Drogenschmuggels in Mexiko und der Kari- geschränkte Macht über das gesamte Vorhaben habik haben die Drogenschmuggler gezwungen, ihre ben, dann weiß ich, daß wir auf dem Weg zu einer
Verteilungswege anzupassen. Mehr Flugzeuge lan- wirklichen Lösung sind", fügt LeStelle hinzu.
den in Mittelamerika oder werfen dort ihre Drogenlieferungen ab. Seit Mitte der achtziger Jahre haben die Lateinamerikanische Länder haben die Vereinigten
Drogenschmuggler begonnen, ihre Komplizen mit Staaten in der Vergangenheit kritisiert, weil sie den
Löwenanteil der Gelder zur Drogenbekämpfung für die
Drogen statt mit Geld zu entlohnen.
Unterbindung des Schmuggels und Programme zur
"Wir fangen an, das Problem des Konsums in wirt- Reduzierung des Angebots im Ausland anstatt für die
schaftlich schwachen und ländlichen Gebieten Latein- Reduzierung des Konsums im Inland ausgaben. Deshab
amerikas festzustellen, wo es kein Geld gibt, Men- fühlten sich viele CICAD-Mitglieder durch den amerischen jedoch heute harte Drogen nehmen. Dies ist kanischen Vertreter bei der Konferenz, J. Phillip McLean,
ermutigt, der einen Rückgang des Verbrauchs festAnlaß zu ernster Sorge", erklärt Gonzalez Felix.
stellte und versprach, die Nachfrage nach Rauschgift
Der Verbrauch steigt in Europa, was ebenfalls Einfluß weiter abzubauen.
auf die Verteilungsrouten hat. "In Lateinamerika gibt
es keinen internationalen Flug- oder Seehafen, der "Wir werden unseren größten Beitrag zur internationaheute nicht als Umschlagplatz für Drogen benutzt len Rauschgiftbekämpfung leisten, wenn wir Jahr für
wird", erläutert Juan Carlos Antoniassi, ein Verbin- Jahr den Drogenkonsum in den USA reduzieren. Die
neue Administration wird ihr Hauptaugenmerk dem
dungsoffizier von Interpol.
Konsum widmen", so McLean, der Stellvertretender
Maßnahmen zur Bekämpfung der Kokain- oder Hero- Abteilungsleiter für interamerikanische Angelegenheiinproduktion in Kolumbien, Peru und Bolivien haben ten im US-Außenministerium ist.
einige Anbauer und Laboratorien gezwungen, sich in
Nachbarländern niederzulassen. Das Wirtschafts- Mittlerweile leiten die Mitglieder der CICAD auf Anrewachstum in der Region steigt, und wenn die Nachfra- gung Mexikos eine gründliche Bewertung dessen ein,
ge in den Vereinigten Staaten und Kanada zurückgeht, was bis heute geleistet wurde und welche neuen
haben die Händler eine solch große Gewinnspanne, Strategien erforderlich sind, um die ausufernde Geißel
daß sie ihr überschüssiges Kokain zu niedrigeren des Drogenhandels zu bekämpfen.
Preisen in Lateinamerika loswerden und immer noch
"Viele Länder tun, was sie tun sollten. Tag für Tag
einen Profit machen können.
jedoch stellen wir den Einsatz immer raffinierterer
"Das Problem des Drogenschmuggels ist so ernst, es Systeme und Taktiken durch die Schmuggler fest.
zerstört unsere Länder, unsere Regierungen und unsere Was sollen wir also tun? Wir müssen unsere in den
Kinder. Wir müssen zusammenarbeiten. Es ist eine vergangenen sechs Jahren angewandten Strategien
Frage des Überlebens", meint die venezolanische überprüfen und für die Zukunft planen", meint der
Vertreterin bei der CICAD, Senatorin Sonia Sgambatti. mexikanische Vertreter bei der CICAD, Gonzalez Felix.
Trotz der Fortschritte bei der Entwicklung eines regionalen Konsenses erklären viele CICAD-Mitglieder, es
müsse noch viel getan werden, bis die Region in ihrem
Kampf gegen illegale Rauschmittel wirklich vereint ist.
"Sie können feststellen, daß die Zahl der Länder, die
sich des Problems annehmen, steigt. Aber es gibt
immer noch viel Heuchelei", äußert sich Gabriel de
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Er führt die Notwendigkeit einer reibungsloseren Zusammenarbeit zwischen nationalen und internationalen Dienststellen an. Es könnte mehr in den Bereichen
Geldwäsche, Kontrolle des Waffenhandels und Finanzierung alternativer Entwicklungsstrategien getan
werden, anstatt bei Programmen zur Vernichtung von
Anbauflächen, erläutert er.

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�Das Umdenken bei der Strategie und der Trend zu
verstärkter Zusammenarbeit werden wahrscheinlich
einen Wandel in den Hilfsprogrammen der Vereinigten
Staaten und der Vereinten Nationen für Lateinamerika
erzwingen.
In der Vergangenheit sind Gelder vielleicht in die
Vernichtung von Anbauflächen oder ein Drogenerzie-

hungsprogramm eines Landes geflossen, nicht aber in
ein Nachbarland. "Eine der wichtigsten Dimensionen
des Drogenproblems besteht darin, daß es vor Landesgrenzen nicht haltmacht. Wir müssen unsere Hilfe
- technischer und wirtschaftlicher Art - ebenso grenzüberschreitend bündeln", erklärt CICAD-Generalsekretär Tragen.

* * * *

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*

Seite 3

�DROGEN
7. Juli 1993

KAMPF GEGEN DROGEN SOLLTE
ZU HAUSE BEGINNEN
von Peter Hakim
Ungeachtet dessen, wie viele illegale Drogen die Vereinigten Staaten jenseits ihrer Grenzen beschlagnahmen,
werden immerwieder neue ins Land geliefert, soder VerfasserdesvorliegendenArtikels. Er argumentiert, "unser
Krieg gegen Drogen wird zu Hause gewonnen oder verloren". Peter Hakim ist amtierender Präsident von InterAmerican Dialogue mit Sitz in der Bundeshauptstadt Washington.
Copyright (c) 1993 Peter Hakim. Aus The Christian Science Monitor.
Der Gebrauch und Mißbrauch von illegalen Drogen
scheint von der politischen Tagesordnung der Vereinigten Staaten verschwunden zu sein. Im Wahlkampf
des Jahres 1992 war er für die Kandidaten kaum noch
ein Thema. In den ersten Wochen seiner Amtszeit
nahm Präsident Clinton drastische Kürzungen beim

Mitarbeiterstab des Drogenbeauftragten vor, ohne auf
sichtbare Proteste zu stoßen, und wird noch eine
bedeutende politische Erklärung über Suchtmittel
abgeben müssen.

werden könnten. Die Inkraftsetzung dieser Vorschriften würde von den Vereinigten Staaten erfordern, sich
nicht länger auf die Strafverfolgung zu verlassen,
sondern in die Erziehung, Prävention und Behandlung
zu investieren. Eine Empfehlung sticht besonders
hervor: Die Vereinigten Staaten sollten ihre Drogenprobleme nicht länger außerhalb ihrer eigenen Grenzen zu lösen versuchen, sei es durch das Abfangen
von Drogenlieferungen oder durch die Vernichtung
des Nachschubs in den Ursprungsländern.

Was für ein Unterschied zu der Zeit vor einigen
Jahren, als Drogen die öffentliche Gefahr Nr. 1 waren,
als der damalige Präsident Bush eine seiner ersten
großen Ansprachen aus dem Oval Office nutzte, um
eine neue Drogenbekämpfungsstrategie bekanntzugeben, als er die Invasion in Panama teilweise auch
aus dem Grund begann, dem Drogenhandel und der
Geldwäsche dort ein Ende zu setzen, und als er zwei
Drogengipfel mit den Präsidenten lateinamerikanischer Länder anberaumte.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die von den
Vereinigten Staaten in Übersee geführten Schlachten
zur Drogenbekämpfung keinen Einfluß auf das Drogenproblem im Inland hatten und in Zukunft wohl auch
nicht haben werden. Trotz der für diese Bekämpfung
ausgegebenen Milliarden Dollar stellte der Bundesrechnungshof im Jahr 1991 fest, daß die in die USA
gelangende Flut von Drogen keinesfalls eingedämmt
worden war. Falcos Buch führt den Grund hierfür an:
"Eine relativ geringe Menge an Drogen kann unseren
gesamten... Markt versorgen. Ein 52 QuadratkilomeIllegale Drogen sind so leicht zu bekommen wie eh und ter großes Opiumfeld kann genug Heroin abwerfen,
je, und die im Zusammenhang mit ihnen stehende um die Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu dekGewalt und Kriminalität ist ungebrochen. Es besteht ken. Vier Boeing 747-Transportflugzeuge ... können
die Hoffnung, daß sich die Gemüter in Zusammen- den amerikanischen Kokainverbrauch eines Jahres
hang mit dieser Angelegenheit soweit beruhigt haben, herbeischaffen. Wann immer eine Quelle zum Versiedaß klügere und effektivere Ansätze gewählt wer- gen gebracht wird, kann sie schnell durch eine andere
den können. Wenn das der Fall ist, dann ist das neue ersetzt werden."
Buch The Making of a Drug Free America (Times
Books, 1992) gerade zur rechten Zeit erschienen. Das "Das Abfangen von Drogenlieferungen an der Grenze
von Mathea Falco, der hochrangigen Beauftragten für hat kaum Auswirkungen auf die Straßenpreise... Nur
internationale Suchtangelegenheiten des früheren 10 Prozent des... Kokainpreises gehen an diejenigen,
Präsidenten Carter verfaßte Buch verweist auf eine die Kokapflanzen anbauen oder Kokain schmuggeln...
Reihe von funktionierenden Drogenbekämpfungspro- Selbst wenn wir in der Lage wären, die Hälfte des aus
grammen, die auf umfassenderer Ebene durchgeführt Südamerika kommenden Kokains zu beschlagnahAMERIKA DIENST 27

Seite 1

�men - eine sehr optimistische Prognose - würden die
Kokainpreise in amerikanischen Städten um weniger
als fünf Prozent ansteigen." Kurzum: Ungeachtet
dessen, wie viele Koka- oder Opiumfelder vernichtet
oder wie viele Herstellungseinrichtungen zerstört werden,
nehmen immer wieder neue die Produktion auf.
Ungeachtet dessen, wie viele Drogen konfisziert werden, werden immer neue verschifft. Nichts, das die
Vereinigten Staaten außerhalb ihrer Grenzen unternehmen können, wird viel zur Lösung ihres Drogenproblems im Land beitragen. Unser Krieg gegen Drogen
wird zu Hause gewonnen oder verloren.

oftmals mit regierungsfeindlichen Aufständischen
zusammen. Die Vereinigten Staaten sollten in dem
globalen Krieg gegen Drogen nicht aufgeben, sondern
den Ländern bei ihrem Kampf gegen die Gefahren für
Demokratie und politische Stabilität beistehen. Dieser
Krieg wird jedoch einen anderen Ansatz verlangen.
Washington sollten den Staaten beim Entwurf und der
Durchführung ihrer eigenen Drogenkontrollstrategien
helfen, und bei ihnen nicht auf die Übernahme amerikanischer Heilmittel dringen. Die Vereinigten Staaten
sollten insbesondere andere Länder nicht zu zwingen
versuchen, ihr Militär zur Drogenbekämpfung einzusetzen, da dadurch die zivile Kontrolle über das Militär
Diese Binsenweisheit ist jedoch kein Argument für die untergraben werden kann. Militärische und paramilitäVereinigten Staaten, den Kampf gegen den Drogen- rische Streitkräfte der Vereinigten Staaten sollten nicht
handel in Übersee aufzugeben. In vielen lateinameri- andernorts in Drogenoperationen eingesetzt werden.
kanischen Ländern unterminiert der Drogenhandel die
Aussichten auf eine demokratische Zukunft. Richter, Die Clinton-Administration sollte weiterhin in dem glogewählte Beamte, Angehörige des Militärs und Polizi- balen Kampf gegen Drogen engagiert bleiben, jedoch
sten werden mit Drogendollar gekauft und von den aus den richtigen Gründen und mit den richtigen TakDrogenbaronen gewaltsam eingeschüchtert.
tiken - nicht unsere eigenen Drogenprobleme zu lösen,
sondern anderen Ländern bei der Lösung ihrer ProbleKriminelle haben die Kontrolle übergroße Gebiete des me zu helfen.
nationalen Territoriums übernommen und arbeiten
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 27

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und
Dokumentation

08-85432

16

7. August 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Nixon kündigt weitere Maßnahmen gegen die Inflation an
»Rede des Präsidenten am 25. Juli 1974-

INFORMATION:
Alan Greenspan
-Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates Präsident NixonsGreenspan-Interview mit der Zeitschrift "Business Week"

USA FARNBOROUGH »74
-Große amerikanische Beteiligung an der diesjährigen Luftfahrtschau
in Großbritannien-

DOKUMENTATION:
Die amerikanisch-spanische Grundsatzdeklaration
-Wortlaut«

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Manganquelle im Mittelatlantik?
-FAMOUS=.Expedition mit Tauchbooten am Meeresgrund-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Wirtschaft

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16/1974

NIXON KÜNDIGT WEITERE MASSNAHMEN GEGEN DIE INFLATION AN
- Rede des Präsidenten am 25. Juli 1974 -

LOS ANGELES — ( A D ) — Präsident Nixon hat in einer Rundfunk-und Fernsehansprache an das amerikanische Volk weitere Maßnahmen gegen die Inflation angekündigt, die er als das gegenwärtig wichtigste Problem der Vereinigten
Staaten bezeichnete. Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte zu Ihnen über das wichtigste Problem sprechen, vor dem Amerika heute steht - nämlich die Inflation.

Ich möchte darlegen, wo wir im Kampf gegen die Inflation stehen, wie
wir dahin gekommen sind und was wir gegen die Inflation tun.

Lassen Sie mich damit beginnen, daß ich kurz auf die Art und die Ursachen der Inflation eingehe, die wir heute erleben. Im Grunde ist es so,
daß wir und die anderen Industrieländer eine Generation der Inflation erlebt haben, weil die Regierungen in der ganzen Welt über einen langen

-1-

�langen Zeitraum zugelassen - ja ermutigt haben -, daß die Nachfrage nach
Gütern und Dienstleistungen die Kapazität überstieg statt diese Nachfrage
durch eine steigende Produktion zu decken.

Immer wieder haben Regierungen ihre eigenen Ausgaben stärker erhöht als
die Besteuerung. Sie haben dadurch zu einer erhöhten Nachfrage beigetragen,
ohne eine entsprechende Einschränkung der privaten Ausgaben vorzunehmen. Sie
haben neues Geld geschöpft, um mehr Kredite und Investitionen zu finanzieren,
als die Menschen aus ihren Ersparnissen zu finanzieren bereit waren. All dies
hat zu dem Preisdruck nach oben beigetragen.

Die große.weltweite Woge der Inflation, die uns in den letzten anderthalb
Jahren überschwemmt hat, wurde durch drei außergewöhnliche Umstände ausgelöst, die gleichzeitig auftraten. Einmal war die Weltgetreideernte aufgrund
der ungünstigen Witterung in zahlreichen Anbaugebieten niedriger ausgefallen.
Zweitens hatte das Ölembargo zusammen mit den Maßnahmen der erdölexportierenden Länder plötzlich zu einer Steigerung der Erdölpreise auf das Vierfache
geführt. Und drittens hatte eine gleichzeitig in allen Industriestaaten auftretende Hochkonjunktur zu einer Steigerung der Nachfrage nach Gütern geführt,
die weit über die vorhandenen Produktionskapazitäten hinausging.

Glücklicherweise hat die Nahrungsmittelproduktion jetzt wieder zugenommen, obwohl der inflationistische Druck auf den anderen Gebieten weiter anhält. Die Erdölpreise haben nachgegeben. Der weltweite Wirtschaftsboom hat
sich abgeflacht.
Diese

�Diese besonderen inflationistischen Kräfte treiben die Inflationsspira.e
nicht länger mehr in dem gleichen Maße in die Höhe wie in der Vergangenheit.
Wir müssen uns allerdings darüber klar sein, daß das bei Erdöl und anderen
Rohstoffen erreichte höhere Preisniveau weiterhin einen starken Druck nach
oben ausüben wird,bis die Wirtschaft diese Preise verkraftet hat.

Wir bekommen jetzt ferner die Auswirkungen des Preisanstiegs des letzten
Jahres in Form eines starken Druckes nach wesentlichen Lohnerhöhungen zu
spüren, wenn die Arbeiter nachzuziehen suchen.

Angesichts einer nicht mehr tragbaren Inflationsrate einerseits und eines
vorübergehenden Rückgangs der Wirtschaftstätigkeit auf der anderen Seite haben
in letzter Zeit viele Stimmen schnelle und spektakuläre Maßnahmen gefordert.
Einige verlangen die Wiedereinführung der Lohn-und Preiskontrollen. Andere
empfehlen, die Wirtschaft durch höhere Steuern und eine stark restriktive Währungspolitik gesundzuschrumpfen. Ihnen stehen wieder andere gegenüber, die
Steuersenkungen verlangen, um auf diese Weise die Wirtschaft schneller in Gang
zu bringen. Wieder andere schlagen vor, daß wir einfach aufgeben sollen - daß
wir eine ausufernde Inflation als eine mysteriöse und unheilbare Krankheit
hinnehmen und uns darauf konzentrieren sollten, zu lernen, mit ihr zu leben.

Wir werden nichts von alledem tun. Ich werde Ihnen sagen, warum, und
ich werde Ihnen sagen, was wir stattdessen tun werden. Wenn die Erfahrung uns
etwas gelehrt hat, so ist es dies, daß eine ausschließlich auf kurzfristige
Erleichterungen ausgerichtete Wirtschaftspolitik langfristig nur zu oft zu
Schwierigkeiten führt.
Wir

-3

�r

Wir müssen lernen, weniger in Programmen und mehr in politischen Maßnahmen zu denken - in einer Politik, die die grundlegenden Gesetze und Kräfte
des Marktes respektiert und anerkennt, daß in ihnen der Schlüssel zu unserer
wirtschaftlichen Zukunft liegt.

Ich möchte Ihnen zunächst sagen, was wir nicht tun werden.

Wir werden nicht zu der zweifelhaften Patentmedizin der Lohn-und Preiskontrollen greifen. Eine Rückkehr zu Kontrollen jetzt, um eine vorübergehende Erleichterung zu erreichen, würde nur zu neuen Verzerrungen führen und
damit unsere langfristigen Schwierigkeiten noch vergrößern.

Wir werden auf die kurzfristige Wirtschaftsflaute nicht damit reagieren,
daß wir die Inflation durch ein erneutes Defizit-Spending, durch erneute
Krediterleichterungen oder durch Steuersenkungen anheizen, um so die Inflation noch schlimmer zu machen. Das wäre dasselbe, als wenn wir Benzin ins
Feuer gießen.

Genauso wenig werden wir eine Schocktherapie durchführen, indem wir die
Inflation plötzlich und drastisch "aushungern" unter Kosten einer hohen Arbeitslosigkeit, die nicht mehr tragbar sein würde.

Und jetzt möchte ich Ihnen sagen, was wir tun werden.
Unser Ziel ist es, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, gleichzeitig
aber mehr zu produzieren, so daß die Bevölkerung besser leben kann. Der
Schlüssel hierzu liegt in einer Politik, die das Augenmerk auf das Langfristi-

-4-

�wir
Langfristige legt - und zwar auch in der Zeit, in der/ uns aktiv um die Bewältigung unserer kurzfristigen Schwierigkeiten kümmern. Er liegt in einer
Politik, die sich für einen vernünftigen, realistischen Kurs entscheidet
und an diesem festhält, gleichgültig, welcher Druck auf sie ausgeübt wird.
Und dies ist genau das, was wir tun werden.
Wir werden weiterhin jeden einzelnen Wirtschaftssektor beobachten. Wir
werden alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um unnötige Härten zu vermeiden. Aber wir werden nicht auf allgemeine oder spezifische Härten mit Flickwerk oder Gefühlsduselei reagieren und wir werden beständig auf unserem grundlegenden antiinflationistischen Kurs fortfahren.
Eine Politik zur Eindämmung der Inflation ist im Grunde genommen nichts
anderes als eine Politik, die die Zunahme der Nachfrage in einer Relation zur
Zunahme des Angebots hält. Kurzfristig muß das Augenmerk darauf konzentriert
werden, ein Ansteigen der Nachfrage zu unterbinden, da die Steigerung des Warenangebots eine gewisse Zeit benötigt.

Allerdings gibt es Ausnahmen, in denen eine Änderung der Politik der Regierung zu einer schnellen Ausweitung des Güterangebots führen kann. Beispiele für von uns bereits ergriffene Maßnahmen sind die erneute Bestellung von
Millionen Hektar brachliegendem Ackerland, das in der Vergangenheit aus der
Bestellung genommen worden war, sowie der Verkauf bestimmter Rohstoffe aus
überschüssigen Regierungsbeständen.

Langfristig können wir uns mehr auf eine Steigerung der Wachstumsrate
der Gütererzeugung konzentrieren - auf eine erhöhte Produktion und nicht auf

�auf eine Eindämmung der Nachfrage. Unsere Politik muß somit zwei Elemente aufweisen - kurzfristig in erster Linie eine Eindämmung der Nachfrage und langfristig eine Ausweitung des Warenangebots.

Das Nächstliegende, was die Bundesregierung zur Eindämmung der Nachfrage
tun kann, ist eine Kürzung ihrer eigenen Ausgaben. Der Ausgabenvoranschlag in
dem von mir im Februar für das laufende Finanzjahr unterbreiteten Haushalt beträgt 305 Milliarden Dollar. Zahlreiche Faktoren, vor allem im Kongreß anstehende Gesetze, die über diesen Voranschlag hinausgehen würden, drohen den
Haushalt auf 312 Milliarden Dollar zu erhöhen.
gabenvorschläge in den nächsten

Zweifellos werden weitere Aus-

Monaten im Kongreß eingebracht werden.

*
Ich werde eine solche Haushaltsinflationierung nicht akzeptieren. Im Gegenteil bin ich entschlossen, diese 305 Milliarden Dollar zu kürzen, wobei
i

das Ziel 300 Milliarden Dollar sind. Ich beabsichtige ein Veto gegen Beschlüsse des Kongresses einzulegen, die die Gesamtausgaben über den Haushaltsvoranschlag hinaus erhöhen würden. Darüber hinaus habe ich die Leiter aller Ministerien und Bundesbehörden - ohne jede Ausnahme - angewiesen, die bereits programmierten Bundesausgaben in Richtung auf dieses angestrebte Ziel von 300
Milliarden Dollar zusammenzustreichen.
Ich habe ferner angeordnet, daß die Zahl der in dem Haushalt für das laufende Finanzjahr vorgesehenen Bundesbediensteten um 40 000 gekürzt wird.
Allein hierdurch werden 300 Millionen Dollar eingespart werden.
Für

�Für das Finanzjahr 1975/76, das in elf Monaten beginnt, werde ich einen
Haushalt vorlegen, der nicht nur ausgeglichen sein wird, sondern der auch
die Wachstumsrate der Bundesausgaben tatsächlich senken wird - so daß die
Zunahme zwischen dem Finanzjahr 1974/75 und dem Finanzjahr 1975/76 geringer - und nicht größer - als die zwischen dem Finanzjahr 1973/74 und dem
Finanzjahr 1974/75 sein wird. Notfalls werde ich vorschlagen, gültige Gesetze aufzuheben, die bindende Ausgaben verursachen.

Vor zwei Wochen habe ich das Budget-und Einsparungskontrollgeeetz 1974
des Kongresses unterzeichnet. Zum ersten Male in der Geschichte der Vereinigten Staaten gibt dieses Gesetz dem Kongreß die Möglichkeit, den Gesamthaushalt und nicht nur seine Teile eingehend zu prüfen. Es wird notwendig sein,
daß hiervon wirksam Gebrauch gemacht wird mit dem klaren und ständigen Ziel,
Ausgaben zu kürzen oder zu streichen, die zwar einigen helfen, aber für die
Gesamtbevölkerung höhere Kosten bringen würden.

Der Präsident allein kann die Regierungskosten nicht senken. Dieses
neue Gesetz ist ein Mittel, mit dem der Kongreß und der Präsident gemeinsam
auf die Verwirklichung dieses Zieles hinarbeiten können.

Ich bin zuversichtlich, daß die Mehrheit der Mitglieder des Kongresses
die Bemühungen des Präsidenten um einen Ausgleich des Bundeshaushalts unterstützen wird, so daß Millionen Amerikaner ebenfalls ihr eigenes Familienbudget ausgleichen können.

Die andere wichtige Waffe in dem Arsenal der Regierung zur Kontrolle
der Inflation ist die Währungspolitik - die Kontrolle der Geld-und Kredit-

�Kreditausweitung.

Es ist Aufgabe des Federal Reserve Systems, für eine ausreichende Geldund Kreditversorgung zu sorgen, aber zu verhindern, daß dieses Angebot zu
schnell steigt. Die

Federal Reserve Bank tut dies. Die Begrenzung der Geld-

und Kreditmenge angesichts einer schnellen Inflation führt zu hohen Zinsen,
was niemand gerne sieht. Würde jedoch eine noch schnellere monetäre Expansion zugelassen, so würde dies zu einer noch schnelleren Inflation und zu
noch höheren Zinsen führen. Daher ist der von der Federal Reserve Bank eingeschlagene Weg der notwendige, um die Inflation einzudämmen und die Zinsen zu
senken.

Wie bei jedem anderen Teil des Anti-Inflationsprogrammes kann auch die
monetäre Zurückhaltung übertrieben werden. Das ist bisher nicht geschehen und
wird auch nicht geschehen. Wir werden die erforderliche Geld-und Kreditaus- *
weitung zulassen, um ein gemäßigtes Wirtschaftswachstum zu vernünftigen Preisen zu unterstützen. Der Vorsitzende (des Federal Reserve Board) Burns hat
mir versichert, daß die Federal Reserve Bank extreme Restriktionen vermeiden
wird, wenn sie jetzt eine wirksame anti-inflationistische Währungspolitik
verfolgt - eine Politik, die jeder Amerikaner unterstützen sollte. Es wird
nicht zu einer so starken Kreditverknappung kommen, daß für die notwendigen
Wirtschaftsaktivitäten kein Geld mehr da ist.

Was die Bundesregierung anbetrifft, so werden wir die Zuwachsrate der
Bundesausgaben senken. Wir werden die Zunahme der Geld-und Kreditmenge niedrig halten, um die Privatausgaben einzudämmen. Und ich werde die Regierungen

�Regierungen der Bundesstaaten sowie die Kommunalverwaltungen,die Wirtschaft
und die Verbraucher aufrufen, als ihren Beitrag im Kampf gegen höhere Preise
ihre eigenen Ausgaben einzuschränken und ihre Sparrücklagen zu erhöhen.

Ich weiß, daß einige Amerikaner ihre Ausgaben nicht einschränken können, ohne daß dies zu wirklichen Härten führen würde. Einige Ausgaben der
Wirtschaft können nicht gesenkt werden, ohne daß dies zu einer Kürzung der
Produktion jetzt oder künftig führen würde.

Aber die meisten Familien könnten einige Ausgaben einschränken oder
hinausschieben - und stattdessen ihre Sparrücklagen erhöhen -, ohne daß dies
zu Härten führt. Jedes Unternehmen hat noch Fettpolster, so wie dies bei allen Bundesbehörden der Fall ist. Und die Regierungen der Bundesstaaten sowie
die Kommunalverwaltungen, deren Ausgaben in der Vergangenheit schnell gestiegen waren, sollten dem Beispiel der Bundesregierung folgen und unnötige Ausgaben abbauen.

Es gibt Zyniker,die sagen werden, daß ein Appell an den Gemeinsinn des
amerikanischen Volkes nutzlos ist. Ich glaube dies nicht. Wir haben erlebt,
welche Sparleistungen das amerikanische Volk während des zweiten Weltkrieges
erbrachte. Gerade erst im letzten Winter haben wir erlebt, wie es Benzin und
Heizöl einsparte. Auf meinen letzten Konferenzen zur Erörterung der Wirtschaftslage wie auch in meiner täglichen Post habe ich immer wieder Zeichen
der Bereitschaft von Seiten des amerikanischen Volkes gefunden, nicht nur
mitzuarbeiten, sondern sich auch aktiv an dem Kampf gegen die Inflation zu
beteiligen.
Weniger
-9-

�Weniger Ausgaben bedeutet weniger Druck auf die Preise heute. Mehr Ersparnisse bedeutet mehr Investitionen in neue Wohnungen und neue Produktion
- und damit niedrigere Preise morgen. Der Verbraucher gewinnt in beiden Fällen.

Ich habe zuvor auf die Bedeutung verwiesen, die eine Differenz im Bundes
haushält von 12 Milliarden Dollar haben würde. Eine Einschränkung bei den
persönlichen Verbraucherausgaben um nur 1 1/2 Prozent - wenn bei Ausgaben von
jeweils 1,10 Dollar immer 15 Cent beiseite gelegt würden - könnte zu einer
ähnlichen Differenz im Kampf gegen die Inflation führen.

Wie schnell uns eine Eindämmung der Inflation gelingt, wird ebenso von
der Wirtschaft oder den Arbeitnehmern abhängen. Wenn sie weiterhin Preise und
Löhne schnell in die Höhe treiben, so wird der inflationistische Druck fortdauern. Aber die Umsätze werden leiden, da die Verbraucher sich weigern werden, die höheren Preise zu zahlen, und der Beschäftigungsstand wird ebenfalls
darunter leiden. Niemandem wird damit gedient sein.

Daher ist es im Interesse aller wie auch im Interesse des Landes erforderlich, daß Wirtschaft und Arbeitnehmer sich bei ihren Preis-und Lohnforderungen verantwortungsbewußt verhalten. Wir werden nicht zu Preis-und Lohnkontrollen zurückkehren. Aber ich werde meinen ganzen Einfluß als Präsident
nutzen, um eine positive freiwillige Zurückhaltung seitens der Wirtschaft wie
auch der Arbeitnehmer zu erreichen.

Kurzfristig

-10-

�Kurzfristig müssen wir, wie ich bereits sagte, uns auf Maßnahmen zur
Eindämmung der Nachfrage konzentrieren. Um jedoch langfristig Prosperität ohne
Inflation zu erreichen, müssen wir uns vor allem auf eine Ausweitung der Produktion konzentrieren, damit uns ohne Preisanstieg mehr Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

Um langfristig eine dynamische Ausweitung des Angebots zu erreichen,sind
eine Reihe entscheidend wichtiger Maßnahmen erforderlich.
Ein gutes Beispiel ist die Landwirtschaft, wo heute weniger als fünf Prozent unserer Bevölkerung ganz Amerika ernährt und noch zur Ernährung der übrigen Welt beiträgt. Wir müssen unsere Agrarprogramme auf eine Politik des Überflusses abstellen, wie dies jetzt der Fall ist, und nicht auf eine Politik der
Verknappung.

Wir haben deutlich gesehen, wie wichtig Energieversorgung und Energiepreise für die amerikanische Wirtschaft sind. Wir müssen alle erforderlichen
Maßnahmen ergreifen, um für uns eine zuverlässige Versorgung zu den geringstmöglichen Kosten sicherzustellen. Darum geht es bei dem Projekt Unabhängigkeit, bei dem wir ständig Fortschritte machen. Wir werden alle erforderlichen
Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten niemals
wieder von einem anderen Land durch Abschneiden der entscheidend wichtigen
Energieversorgung erpreßt werden können.

Wir müssen eine ausreichende Versorgung mit langfristigem Kapital für Investitionen sicherstellen. Im Mai habe ich den Vorsitzenden des Wirtschafts-

-11-

�Wirtschaftsbeirates angewiesen, eine besondere Studie über unseren Bedarf an
langfristigem Kapital durchzuführen, damit das stetige Wachstum unserer Wirtschaft gewährleistet ist, sowie darüber, wie dieser Kapitalbedarf gedeckt
werden kann.

Zu oft werden heute die schöpferischen Kräfte in unserem Wirtschaftssystem durch eine lästige Reglementierung abgewürgt, die noch auf einer Politik basiert, die in einer vergangenen Ära entwickelt wurde. Zum Beispiel müssen Lkw's oftmals aufgrund staatlicher Bestimmungen Leerfahrten machen, wodurch Brennstoff vergeudet wird und sich die Frachtkosten für den Verbraucher
erhöhen. Ich habe eine schnelle Überprüfung dieser Maßnahmen mit dem Ziel angeordnet, daß die erforderlichen Empfehlungen ausgearbeitet werden, um diese
Bestimmungen in Einklang mit den Erfordernissen einer neuen Zeit zu bringen,
in der die Steigerung der Produktivität das wichtigste Mittel zur Verwirklichung unseres Hauptzieles ist: Prosperität ohne Inflation.

Einige der wichtigsten Bestimmungen in dieser Hinsicht wurdennicht von
der Bundesregierung, sondern von den Einzelstaaten oder von den Kommunen erlassen, wie zum Beispiel veraltete Baunormen. Daher wird diese Überprüfung
die auf allen Ebenen erforderlichen Reformen einschließen. Gleichzeitig ersuche ich erneut den Kongreß nachdrücklich, die von mir bereits vorgeschlagenen Änderungen zu verabschieden - zum Beispiel auf dem Transportsektor und im
Finanzwesen -, damit unser Wirtschaftssystem produktiver und weniger inflationistisch wird.
Wir

-12-

�Wir müssen erneut die Beziehungen zwischen einer Steigerung der Gütererzeugung und bestimmten anderen Zielen untersuchen, zum Beispiel Verbesserung der Umwelt und Erhöhung der Sicherheit. Das alles ist wichtig, aber wir
sind nur zu oft geneigt, bestimmte soziale Ziele so schnell und so weit
voranzutreiben, daß andere wichtige wirtschaftliche Ziele unnötig auf der
Strecke bleiben.

Der Kongreß sollte das Gesetz über die Reform des Handels verabschieden,
so daß die Verhandlungen über einen Abbau der Handelsschranken beginnen können. Der ausländische Wettbewerb kann als gewichtige Kraft zur Steigerung der
Produktivität in den Vereinigten Staaten beitragen, mehr Arbeitsplätze schaffen, dem amerikanischen Verbraucher ein größeres Warenangebot verfügbar machen und die Preise niedrig halten.
Schließlich, und das ist am wichtigsten, müssen wir uns wieder darüber
klar werden, daß wir nur mehr haben können, wenn wir mehr produzieren. Das
i

trifft für die Länder zu und das trifft auch für den Einzelnen zu. Zu viele
Länder befinden sich in größten Schwierigkeiten, weil ihre Bevölkerung glaubt,
sie könne mehr haben, wenn ihre Regierung mehr ausgibt, obwohl nicht mehr produziert wird.

Es ist oft gesagt worden, daß wir eine weltweite Inflation haben, weil
die Menschen größere Ansprüche stellen. Dies ist nur die halbe Wahrheit. Wir
haben eine weltweite Inflation, weil der Forderung der Menschen nach mehr Waren nicht die Bereitschaft und die Fähigkeit gegenübersteht, mehr zu produ-

-13-

�i

produzieren. Nachfrage wird nur zu oft als Werben, um Stimmen betrachtet,
nicht als Angebot von Arbeit, Sparkapital, Initiative und Neuerungen.

In Amerika ist die Macht der Regierung die Macht des Volkes. Daher
liegt die äußerst wichtige Aufgabe jedes Amerikaners bei der Bekämpfung der
Inflation in Ihrem Verantwortungsbewußtsein als Bürger. Ich kann Ihnen versichern, daß Ihre Regierung entschlossene Maßnahmen ergreifen wird - Maßnahmen, die bei vielen besonderen Interessengruppen unpopulär sein werden. Die
Stimme des Volkes, das eine gesunde, anti-inflationistische Politik unterstützt, muß in Washington mehr Gehör finden, als die Stimmen spezieller Interessengruppen.

Praktisch brauchen wir in unserem eigenen Lande die eine Lobby, die wir
nicht haben, nämlich eine anti-inflationistische Lobby. Dies sollte keine
Lobby mit Luxusbüros in Washington und hochbezahlten Angestellten sein. Diese
Lobby sollte in jedem Heim in Amerika zu Hause sein und jeder Bürger sollte
ihr angehören. Wenn jeder im Öffentlichen Dienst - sei es in der Exekutive,
im Kongreß, in den Regierungen der Einzelstaaten oder den KommunalVerwaltungen - weiß, daß diese Lobby anti-inflationistische Maßnahmen belohnt und inflationistische Maßnahmen bestraft, dann wird der Kampf gegen die Inflation
gewonnen werden.

Trotz ihrer Schwierigkeiten wird die amerikanische Wirtschaft heute von
der übrigen Welt beneidet.

So schmerzlich unsere eigene Inflation für uns ist, so ist sie doch geringer als die in Frankreich, in Italien, in Großbritannien oder in Japan •=

-14-

�Japan - sie liegt niedriger als in den meisten Industriestaaten der Welt.

Praktisch stelle ich immer wieder fest, daß die Staatsmänner der anderen
Länder die große wirtschaftliche Stärke Amerikas bewundern - und daß sie
wünahteij, sie könnten ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegen die unsrigen
eintauschen.

Wenn wir auf die Schwierigkeiten in unserer Wirtschaft heute blicken, so
dürfen wir ihre Stärken dabei nicht übersehen. Wir haben heute in Amerika
mehr Arbeitsplätze als jemals zuvor, und es werden höhere Löhne als in jedem
anderen Land gezahlt. Die jungen Amerikaner finden Arbeit und unterliegen
nicht mehr der Wehrpflicht.

Wir können dankbar sein, daß es sich bei unseren heutigen Problemen um
Probleme des Friedens handelt und nicht um Probleme eines Krieges.

Wir werden den Kampf gegen die Inflation gewinnen, nicht durch einmalige
dramatische Maßnahmen, sondern durch die kumulative Wirkung von Maßnahmen, di
in sich selbst oft ganz undramatisch sind - Maßnahmen, die keine Schlagzeilen
in den Morgenzeitungen abgeben, aber die richtig sind.

In der Wirtschaftspolitik ist Ungeduld der größte Feind jeder gesunden
Politik. Wenn Sie auf den Verlauf der Inflation in Amerika zurückblicken,
dann kann das meiste der Ungeduld zugeschrieben werden: Ungeduld, Geld auszugeben, das noch nicht verdient ist, oder Steuern auszugeben, die noch nicht
eingegangen sind; Ungeduld, alle unsere sozialen Wünsche auf einmal zu erfüllen, ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß wir uns nicht alles auf einmal

-15-

�f
einmal leisten können; Ungeduld bei kurzfristigen Dislozierungen, die oftmals
Teil langfristiger Anpassungen sind, wie sie zur Aufrechterhaltung eines gesunden - und nicht eines ungesunden - Wachstums erforderlich sind.

Der entscheidende Punkt im Kampf gegen die Inflation ist daher Beharrlichkeit: Beharrlichkeit, die die Notwendigkeit harter Entscheidungen, gelegentliche unerfreuliche Statistiken und kurzfristig selbst ein gewisses Maß
an Opfern akzeptiert, um langfristig ein stabiles Wachstum sicherzustellen;
Beharrlichkeit, die gegenüber der Forderung fest bleibt, dramatische Maßnahmen
nur um den Schein eines Fortschrittes zu ergreifen; die Art von Beharrlichkeit,
die Flickwerk ablehnt und den gewaltigen schöpferischen Kräften des Marktes
eine Möglichkeit zur Entfaltung gibt.

Wir befinden uns auf dem rechten Wege in Richtung auf unser Ziel: Prosperität für alle ohne Krieg und ohne Inflation. Wir werden auf diesem Wege bleiben. Wir werden standhaft bleiben, die Bundesausgaben niedrig zu halten, und
die Ausweitung des Haushalts verlangsamen.

Wir werden schöpferisch mit anderen Nationen zusammenarbeiten, um der Inflation in ihren weltweiten Dimensionen entgegenzutreten.

Wir werden neue Maßnahmen ergreifen, um die Produktivität zu fördern und
das Angebot an knappen Hilfsquellen zu vergrößeren. Im besonderen werden wir
mit Nachdruck auf eine Steigerung der Energie-und Lebensmittelversorgung hinwirken - die die wesentlichen Komponenten der jüngsten Inflationswelle sind.

4-H

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16/1974

ALAN GREENSPAN

Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons

WASHINGTON --(AD)-- Mit

-lan Greenspan hat Präsident Nixon einen professio-

nelen Wirtschaftsberater als Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates berufen.
Greenspan, der am 1. September die Nachfolge von Herbert Stein antreten soll,
ist 48 Jahre alt und ein nachdrücklicher Verfechter der freien Marktwirtschaft,
In Übereinstimmung mit Finanzminister William Simon tritt Greenspan für eine
restriktive Haushalts-und Geldpolitik ein, um die Inflation zu bekämpfen.

Seine Karriere begann Alan Greenspan nicht als Wirtschaftler sondern
als Berufsmusiker. Nach dem Besuch der George Washington Highschool in New
York besuchte er die Juilliard School of Music und spielte in einer Tanzkapelle Klarinette und Saxophon. Nach diesem etwas ungewöhnlichen Anfang studierte
er an der Universität von New York und erwarb dort 1948 den akademischen Grad
eines Bachelor of Science und anschließend an der Columbia-Universität im
Jahre 1950 den Grad eines Masters in Nationalökonomie, um dann unter Arthur
Burns, dem heutigen Präsidenten des Federal Reserve Board (Bundesbank), seine

�1

seine Doktorarbeit zu schreiben.

Greenspan ist seit langem als Berater des Präsidenten tätig gewesen und
hat den Posten des Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates mehrfach angeboten
bekommen. Er zog es jedoch vor, an der Spitze seiner im Jahre 1953 gegründeten Industrieberaterfirma in New York zu bleiben. Seit 1968 war er als offizieller Berater des Wirtschaftsbeirates des Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board tätig. Er gilt allgemein als unabhängiger Fachmann für Fragen
des wirtschaftlichen Wachstums, des Außenhandels, der Finanzwirtschaft und
der Börse und verfügt über Beziehungen zu allen Wirtschaftskreisen.

Greenspan selbst hat betont, daß das Problem der Inflationsbekämpfung
nicht einfach ist, daß er jedoch mit aller Offenheit an diese Aufgabe herangehen wolle. Er ist der Überzeugung, daß die Vorstellungen über das politisch
Machbare sich ändern werden und eine normalerweise unpopuläre Politik der
Ausgabenrestriktion und des knappen Geldes allgemeine Zustimmung finden wird.
Seine Auffassung gibt vielleicht am deutlichsten ein Schreiben an einen Kunden im vorigen Jahr wider, in dem es heißt: "Wir betrachten die Inflation im
wesentlichen als ein politisches und nicht als

ein wirtschaftliches

Problem. Angesichts der wachsenden Politisierung der Wirtschaftspolitik glauben wir kaum an eine baldige Umkehr der Trends, die sich seit dem letzten
Jahrzehnt und länger entwickelt haben."

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16/1974

GREENSPAN-INTERVIEW MIT DER ZEITSCHRIFT "BUSINESS WEEK"

Der von Präsident Nixon zum neuen Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates berufene
Wirtschaftsexperte Alan Greenspan hat sich
in einem Interview mit der Zeitschrift
"Business Week" zu den vordringlichen Gegenwartsproblemen geäußert. Der im Folgenden mit Genehmigung des Verlages wiedergegebene Wortlaut ist nur zur Information,
nicht zum Abdruck bestimmt.
U

1974 McGraw Hill Inc.)

Nachdem die Administration sich jetzt die "altbewährte Theorie" wieder
zu eigen gemacht hat, die Inflation durch einen Ausgleich des Haushalts und
eine Eindämmung der Regierungsausgaben zu bekämpfen, ist die Entscheidung
Präsident Nixons, Herbert Stein als Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates im
September durch Alan Greenspan zu ersetzen, nur natürlich. Unter den konservativen Volkswirtschaftlern genießt Greenspan hohes Ansehen und Sparsamkeit
ist sein Credo.

Greenspan, ein erfahrener Geschäftsmann und Leiter der New Yorker Beraterfirma Townsend-Greenspan und Co., war seit Ende der sechziger Jahre privater

-1-

�i
privater Berater Präsident Nixons und seiner Wirtschaftspolitiker. Seine Berufung zum Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates wurde von Wirtschaftsexperten
aller Richtungen, von den Liberalen wie Walter W. Heller bis zu den Konservativen wie Murray L. Weidenbaum, begrüßt. In einem Interview mit der Zeitschrift "Business Week" hat Greenspan jetzt zu zahlreichen Wirtschaftsfragen
Stellung genommen.

Frage: Was kann Ihres Erachtens im Kampf gegen die Inflation getan werden?
Antwort: Ich stehe voll zu der Richtung der gegenwärtigen Politik. Es
hat lange gedauert, zu einer Politik der Einschränkung zu gelangen, aber ich
begrüße das, was jetzt geschieht. Es steht so viel auf dem Spiel, daß man
meiner Ansicht nach einen solchen Versuch einfach machen muß. Es geht letztlich
um die grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Freiheiten, auf denen
unser Land basiert.
Aufgrund des wachsenden inflationistischen Druckes ist es zu einer beträchtlichen Instabilität der Volkswirtschaften auf der Welt gekommen. Wir haben noch nie etwas derartiges in Friedenszeiten erlebt. Infolgedessen

sind

alle unsere Wirtschaftstheorien völlig unzulänglich. Alles, was wir an neuen
Techniken, Erkenntnissen und Analogien aufzuweisen haben, um die relevanten
Entwicklungen zu beeinflussen, kann zur Formulierung unserer Wirtschaftspolitik beitragen. Dies ist die grundlegende Aufgabe, die ich für den Wirtschaftsbeirat sehe.
Frage:

-2-

�Frage: Was könnte am ehesten wieder zu einem wirtschaftlichen Gleichgewicht

auf der Welt führen?

Antwort: Zwei Dinge, ein ausgeglichener Haushalt der USA und ein Rückgang der internationalen Rohölpreise.

Frage: Würden Sie eine restriktivere Steuerpolitik empfehlen?
Antwort: Nicht unbedingt. Wir könnten jetzt bei der Inflationsrate einen
beachtlichen Einbruch erzielen, doch glaube ich, daß kurzfristig nicht sehr
viel getan werden kann. Natürlich würde ich es gerne sehen,daß eine solche
Haushaltskürzung bald erfolgt, doch möchte ich das nicht zu sehr betonen. Ich
möchte mich in erster Linie auf solche Dinge konzentrieren, die sich im Finanzjahr 1975/76 auswirken, in dem ich einen ausgeglichenen Haushalt oder
einen Haushaltsüberschuß erzielen möchte. Damit will ich nicht sagen, daß wir
das Kurzfristige ignorieren sollten, doch oft verfolgen wir nur eine Politik,
um Zeit zu gewinnen. Das Entscheidende ist, in einem oder in zwei Jahren einen
stabilen und vernünftigen Ausgleich des Wirtschaftssystems zu erreichen.

Frage: Wie betrachten Sie die Aussichten für einen ausgeglichenen Haushalt im Finanzjahr 1975/76?
Antwort: Gelinde gesagt mit einer gewissen Unruhe. Ich bin nicht so
naiv,anzunehmen, daß die derzeitigen Programme rein zufällig in den Bundeshaushalt aufgenommen wurden. Es gibt sehr gewichtige Gründe und sehr wichtige
fiskalische Erwägungen, die jedem dieser Programme zu Grunde liegen.
Frage:

-3

�I

Frage: Sind Sie mit den Plänen der Administration einverstanden, die sogenannten nicht-gebundenen Ausgaben zu kürzen?

Antwort: Selbstverständlich. Sofern wir unsere Ansichten bezüglich dieser nicht-gebundenen Ausgaben nicht ändern, bleibt die Inflation ein absolut
unlösbares Problem. Es ist entscheidend wichtig, daß der Kongreß zahlreiche
seiner in der Vergangenheit verabschiedeten Programme überprüft.

Frage: Würden Sie eine Verlangsamung des Wachstums auf dem öffentlichen
Sektor empfehlen?

Antwort: Von der Idee her würde ich dies gerne sehen, aber das ist mehr,
als meines Erachtens realistisch wäre. Wenn sich die Wachstumsrate der Bundesausgaben drastisch verringern würde, dann würde ich sagen, wir sind auf dem
richtigen Wege.

Woran ich im Grunde genommen interessiert bin, ist, in welchem Maße die
Regierung die Kapitalmärkte in Anspruch nimmt. Sie müssen den Haushalt, die
nicht in den Haushalt einbezogenen Dienststellen und die halbamtlichen Kreditinstitute in ihrer Gesamtheit sehen. Die de facto-Kreditgarantien, ihre Auswirkung auf die Kapitalmärkte und die Absorption privater Spargelder läßt
sich von den direkten Kreditaufnahmen des Schatzamtes nicht trennen.

Frage: Wenn sich die Ausgaben nicht unter Kontrolle bringen lassen, sollten wir dann die Steuern erhöhen?
Antwort:

-4-

�1
Antwort: Letztlich ist eine Steuererhöhung nur eine kurzfristige Lösung. Der Zeitpunkt, da man die wachsenden Ausgaben in den Griff bekommt,
wird damit nur hinausgeschoben.

Frage: Sind Sie für irgendeine Form von Lohn-, Preis-oder Kreditrichtlinien?
Antwort: Eine solche Medizin wäre äußerst unerfreulich. Die von uns
bisher auf diesem Sektor gemachten Erfahrungen zeigen, daß derartige Programme schließlich nur die Probleme der Inflation vergrößern.
Frage: Bedeutet dies, daß das Land eine Zeit eines gemäßigten Wachstums durchstehen muß?
&lt;

Antwort: Dies ist nicht unbedingt eine Voraussetzung, um aus der Inflation herauszukommen, aber ein wahrscheinliches Erfordernis. Es ist möglich,
daß sehr große Fortschritte auf fiskalischem Gebiet dazu führen könnten,
daß die Inflationsgewinne zusammenbrechen, die Preiserwartungen auf das Normale zurückgeschraubt werden und der Verbrauchermarkt gestärkt wird - aber
diese Entwicklung ist nicht wahrscheinlich.
Frage: Wird dies den Kapitalinvestitionen schaden?
Antwort: Dies ist eine ungewöhnliche Zeit, in der es durchaus möglich
ist, daß sich die Verbraucherausgaben deutlich verlangsamen, während die Kapitalanlagen dennoch einen starken Zuwachs erfahren. Der Nachholbedarf an
geplanten Ausgaben für Kapazitätserweiterungen und für die Produktion gewinnbringender Anlagen, die Energie ersetzen, gibt auf Jahre hinaus starke Expansiontanreize.
Frage:

-5-

�l
Frage: Könnten das verlangsamte Wirtschaftswachstum und die Inflation
sich zu einer Rezession ausufern?

Antwort: Dafür besteht nur geringe Wahrscheinlichkeit, doch muß man darauf achten.
Frage: Aber gehen wir nicht auch ohne Rezession einer höheren Arbeitslosigkeit entgegen?
Antwort: Ich mag die Konzeption eines starren Zieles nicht. Meines Erachtens sollte sich die Wirtschaftspolitik darauf konzentrieren, längerfristig den höchstmöglichen Beschäftigtenstand und die niedrigstmögliche
Arbeitslosigkeit zu erreichen. Aber wir haben uns zu oft darauf konzentriert,
kurzfristig die Arbeitslosigkeit zu senken, was zu einem verheerenden Wechsel
zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation geführt hat. Die ideale Arbeitslosigkeit ist meines Erachtens die niedrigstmögliche, die sich auf lange Zeit
durchhalten läßt, doch kann ich nicht genau sagen, ob dies nun 4 oder 4,5
oder 5 Prozent sein werden.
Es ist geradezu eine Tragödie, daß wir es zugelassen haben, daß dieses
Problem solche Ausmaße angenommen hat. Viele werden dadurch geschädigt. Wir
zahlen jetzt den Preis für eine kurzfristige ad hoc-Politik, die uns in diese Situation gebracht hat, und ich hoffe, wir werden die Kosten in Grenzen
halten können.

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USA FARNBOROUGH ' 74
Große amerikanische Beteiligung an der diesjährigen Luftfahrtschau
in Großbritannien
Mit einem Beitrag in bisher nicht dagewesenem Umfang werden
die Vereinigten Staaten auf der diesjährigen Luftfahrtgeräteschau von
Farnborough (Großbritannien) vertreten sein.

Die Ausstellung, die vom 2. -

8. September 1974 stattfindet, hat ausgesprochen internationalen Charakter.
Das Ausstellungsgelände mit den traditionellen Zeltständen wurde um eine
große feste Halle erweitert, in der allein für die vom US-Handelsministerium
arrangierten Gemeinschaftsschau der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie
sowie des US-Bundesamtes für die zivile Luftfahrt (FAA - Federal Aviation
Agency) mehr als 7CO gm Fläche reserviert sind.

"Flugsicherheit" ist das zentrale Thema der amerikanischen Ausstellung,
auf der u.a. die neuesten Verfahren, Instrumente und Ausrüstungen auf diesem
Spezialgebiet zur Anwendung am Boden und in der Luft gezeigt werden. Außerdem nehmen amerikanische Flugzeuge, Helikopter und Segler der verschiedensten
Typen an den Flugvorführungen teil.
Auf der Gemeinschaftsschau der USA (Stand Nr. 49 in der "North Exhibition
Hall") sind fast 70 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen vertreten. Die
Besucher passieren zunächst die FAA-Informationsschau, die,in Themengruppen
unterteilt, an Fernsehmonitoren die wichtigsten Bereiche der Organisation und
Abwicklung des Flugverkehrs und der Flugsicherung demonstriert.

Die Präsen-

tation , die jeweils drei Minuten dauert, gibt u.a. einen Überblick über "Flug-

- 1 -

�"Flugsicherung im Flughafenbereich", "Navigation und Kommunikation", "Kontrolle und Sicherung auf der Route", "Flugplätze, Befeuerung und Beleuchtung",
"Künftige Entwicklungen".

Dies alles ist Teil des "National Airspace System",

des Nutzungs- und Kontrollsystems für den amerikanischen Luftraum, das einen
Investitionskomplex von vielen Milliarden Dollar darstellt.

Spezialisten, die

selbst an seinem Aufbau mitgewirkt haben oder aktiv auf diesem Gebiet tätig
sind, halten sich während der Dauer der Ausstellung bereit, Interessenten zu
beraten und ihnen mit zusätzlichen Informationen zur Verfügung zu stehen.

Die amerikanische Gemeinschaftsschau zeigt u.a. die modernsten Entwicklungen für die Kontrolle des Flugverkehrs, Navigationshilfen und Nachrichtensysteme für Bodenausrüstungen und fliegendes Gerät, Motoren, elektronische
Komponenten und Instrumente, TreibstoffSysteme und Zubehörausrüstungen, Bordbeleuchtungsanlagen, Hydraulik-Ausrüstungen, Ausrüstungen für Sicherheitskontrollen in Flughäfen und Beförderung von

Frachtgut und Gepäck, Werkstoffe für

die Luft- und Raumfahrtindustrie, Werkzeuge und zahlreiches Gerät,das den
Stand der Technologie auf den verschiedensten Gebieten des Sektors Flugtechnik
demonstriert.

Die ersten drei Tage der Luftfahrtschau von Farnborough sind ausschließlich für die Vertreter von Industrie und Wertschaft bzw. Gäste mit besonderer
Einladung reserviert. Ab 5. September wird auch die Öffentlichkeit zugelassen.

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16/1974

DIE AMERIKANISCH-SPANISCHE GRUNDSATZERKLÄRUNG
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die von Präsident Nixon am 19. Juli in San demente unterzeichnete amerikanisch-spanische Grundsatzerklärung

hat folgenden Wort-

laut:
1.

Die Regierungen Spaniens und der Vereinigten Staaten erklären, daß ihre

Zusammenarbeit seit 1953 für die Sicherheit beider Länder nutzbringend gewesen ist, daß sie die Verteidigung des Westens gestärkt hat und daß sie zur
Erhaltung des Weltfriedens beigetragen hat, wobei Spanien in dieser Hinsicht
eine wichtige Rolle in den Atlantik-und Mittelmeerzonen zukommt.

2.

Sie bekunden ihre Entschlossenheit, ihre Bemühungen zur Konsolidierung

des Friedens sowie zur Entspannung fortzusetzen und nehmen zu diesem Zweck
an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an wichtigen
internationalen Verhandlungen teil, wobei sie erneut ihren Glauben an die
Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen und ihre Unterstützung
der von diesen geförderten Tätigkeiten bekräftigen. Solange jedoch eine

-1-

�eine allgemeine, vollständige und kontrollierte Abrüstung die Ausschaltung
des Risikos einer Aggression noch nicht zuläßt, glauben sie, daß die gemeinsamen defensiven Bindungen beibehalten werden müssen, weil ihre Sicherheit
nicht vernachlässigt werden darf. . .

3.

Sie bekräftigen daher erneut ihre Absicht, die bestehende - auf einer

festen Freundschaft basierende - Zusammenarbeit durch gegenseitige Unterstützung ihrer Verteidigungsanstrengungen fortzusetzen, um ihre eigene Sicherheit und damit die Sicherheit des Westens zu stärken.

4.

Sie bestätigen, daß ihre Zusammenarbeit über 20 Jahre lang den Westen

praktisch gestärkt und dadurch mitgeholfen hat, die Werte, Ideale und Hoffnungen zu erhalten, die auf der Würde und Freiheit des Einzelnen beruhen.

5.

Sie bekräftigen, daß souveräne Gleichheit, territoriale Unversehrtheit,

politische Unabhängigkeit sowie das Recht auf freie Regierungsbildung und auf
die Erlangung von Wohlstand Fundamentalprinzipien sind, die beide Länder gewissenhaft respektieren werden.

6.

Sie glauben, daß ihre gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen eine Ergän-

zung zu den bestehenden Sicherheitsabmachungen im atlantischen Rahmen bilden
und daß allen Ländern dieses Gebietes die gleiche Behandlung zuteil werden
sollte. Dementsprechend liegt es in ihrer Absicht, daß ihre Verteidigungszusammenarbeit unter Förderung geeigneter Beziehungen zu diesen Abmachungen koordiniert wird, da sie überzeugt sind, daß die gegenseitige Sicherheit und
Integrität wesentlich für die Erhaltung des Friedens sind und daß die Sicher-

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16/1974

DIE AMERIKANISCH-SPANISCHE GRUNDSATZERKLÄRUNG
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die von Präsident Nixon am 19. Juli in San demente unterzeichnete amerikanisch-spanische Grundsatzerklärung

hat folgenden Wort-

laut:
1.

Die Regierungen Spaniens und der Vereinigten Staaten erklären, daß ihre

Zusammenarbeit seit 1953 für die Sicherheit beider Länder nutzbringend gewesen ist, daß sie die Verteidigung des Westens gestärkt hat und daß sie zur
Erhaltung des Weltfriedens beigetragen hat, wobei Spanien in dieser Hinsicht
eine wichtige Rolle in den Atlantik-und Mittelmeerzonen zukommt.

2.

Sie bekunden ihre Entschlossenheit, ihre Bemühungen zur Konsolidierung

des 'riedens sowie zur Entspannung fortzusetzen und nehmen zu diesem Zweck
an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an wichtigen
internationalen Verhandlungen teil, wobei sie erneut ihren Glauben an die
Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen und ihre Unterstützung
der von diesen geförderten Tätigkeiten bekräftigen. Solange jedoch eine

-1-

�1
eine allgemeine, vollständige und kontrollierte Abrüstung die Ausschaltung
des Risikos einer Aggression noch nicht zuläßt, glauben sie, daß die gemeinsamen defensiven Bindungen beibehalten werden müssen, weil ihre Sicherheit
nicht vernachlässigt werden darf.

3.

Sie bekräftigen daher erneut ihre Absicht, die bestehende - auf einer

festen Freundschaft basierende - Zusammenarbeit durch gegenseitige Unterstützung ihrer Verteidigungsanstrengungen fortzusetzen, um ihre eigene Sicherheit und damit die Sicherheit des Westens zu stärken.

4.

Sie bestätigen, daß ihre Zusammenarbeit über 20 Jahre lang den Westen

praktisch gestärkt und dadurch mitgeholfen hat, die Werte, Ideale und Hoffnungen zu erhalten, die auf der Würde und Freiheit des Einzelnen beruhen.
»
5.

Sie bekräftigen, daß souveräne Gleichheit, territoriale Unversehrtheit,

politische Unabhängigkeit sowie das Recht auf freie Regierungsbildung und auf
die Erlangung von Wohlstand Fundamentalprinzipien sind, die beide Länder gewissenhaft respektieren werden.
6.

Sie glauben, daß ihre gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen eine Ergän-

zung zu den bestehenden Sicherheitsabmachungen im atlantischen Rahmen bilden
und daß allen Ländern dieses Gebietes die gleiche Behandlung zuteil werden
sollte. Dementsprechend liegt es in ihrer Absicht, daß ihre Verteidigungszusammenarbeit unter Förderung geeigneter Beziehungen zu diesen Abmachungen koordiniert wird, da sie überzeugt sind, daß die gegenseitige Sicherheit und
Integrität wesentlich für die Erhaltung des Friedens sind und daß die Sicher-

-2-

�Sicherheit des Atlantik-und Mittelmeerraumes die Anstrengung aller Betrot''
erfordert.
7.

Die beiden Regierungen sind sich bewußt, daß Sicherheit und Unversehrt-

heit beider - der Vereinigten Staaten und Spaniens - unerläßlich für die gemeinsame Sicherheit sind. Sie bekräftigen daher erneut, daß eine Bedrohung
oder ein Angriff gegen eines der beiden Länder für beide ein Anlaß zu ernster
Besorgnis sein würde und daß jedes Land Maßnahmen ergreifen würde, wie es
sie im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Verfahren für angemessen erachten
mag. In diesem Sinne werden sie auch weiterhin durch enge und häufige Konsultationen ihre Verteidigungszusammenarbeit konsolidieren, um die Wirksamkeit
ihrer Bemühungen zu gewährleisten.
8.

Da sie sich dessen bewußt sind, daß eine Zusammenarbeit sich auf allen

Gebieten niederschlagen sollte, glauben sie, daß harmonische politische und
wirtschaftliche Beziehungen eine wertvolle Unterstützung für die Sicherheit
darstellen, weil sie es jedem Land ermöglichen, aus dem Fortschritt des an
ren Nutzen zu ziehen..Zu diesem Zweck werden beide Regierungen bestrebt sein,
Konflikte in ihrer Wirtschaftspolitik zu vermeiden und alle Hindernisse zu
beseitigen, die bei ihrer Zusammenarbeit auftreten könnten. Sie werden ihre
wirtschaftliche, technische und technologische Zusammenarbeit auf jede Weise
fördern. Genau so werden sie sich weiterhin - geleitet durch ihre andauernde
Freundschaft und um der Erreichung gemeinsamer Ziele willen - häufig auf
allen dazu geeigneten Ebenen über alle Fragen gemeinsamen Interesses konsultieren.
9.

-3-

�9.

Sie sind sich der Bedeutung bewußt, die Fortschritt und Wohlstand für

4

alle Nationen, besonders aber für die Entwicklungsländer, bei der Erhaltung
des Weltfriedens haben, und sie bringen erneut ihren Willen zum Ausdruck, entscheidend zur Förderung dieser Ideale der sozialen Gerechtigkeit für alle
Völker und der universalen Achtung der Menschenrechte beizutragen.

10.

Schließlich erklären sie, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen

Spanien und den Vereinigten Staaten nicht gegen irgendein Land gerichtet
sind, sondern ihr Ziel darin besteht, Unabhängigkeit und Wohl ihrer Völker
zu fördern, in dem Wunsche, daß ihre gemeinsamen Anstrengungen auch weiterhin zum Weltfrieden und zum Fortschritt der Menschheit beitragen werden.

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16/1974

MANGANQUELLE IM MITTELATLANTIK?
FAMOUSoExpedition mit Tauchbooten am Meeresgrund

»&lt;=(AD)-~ Wohl kaum ein anderes Gebiet auf hoher See ist bisher so gründlich
sondiert und inspiziert worden wie der Operationsraum für das Projekt FAMOUS
im Atlantik. Die französisch«=amerikanische Gemeinschaftsexpedition FAMOUS
("French-American Mid-Ocean Undersea jJtudy") befaßt sich seit drei Jahren
ca. 300 km südwestlich der Azoren unter allen nur erdenklichen Aspekten der
ozeanegraphischen und geologischen Forschung mit den dortigen Gegebenheiten
- von der Oberfläche bis zum Meeresgrund. Flugzeuge, Forschungsschiffe und
jetzt vor allem Spezialtauchboote werden dafür eingesetzt.

Von Bord der französischen Tauchboote ARCHIMEDE und CYANA und des ame»
rikanischen Tauchbootes ALVIN, das sogar noch in 3 700 m Tiefe dem gewaltigen
Wasserdruck widersteht, werden gegenwärtig die Schluchten, Berge und Talsohlen des atlantischen Unterwassergebirges in einem Gebiet zwischen dem 33. und
36. Längengrad West und dem 35. und 37. Breitengrad Nord untersucht. Wo immer
es möglich ist, wird fotografiert, gemessen und in Augenschein genommen, und

»i-

�und neben Wasserproben werden auch Boden-und Gesteinsproben für die Untersuchung im Laboratorium geborgen.

Die Berge, die aus Tausenden von Metern Tiefe bis etwa 2 000 m unter
der Wasseroberfläche aufsteigen, sind Teil des Mittelatlantikrückens, der
sich als ein bis zu 1 500 km breites Gebirge von der Arktis durch den ganzen
Atlantik und um die Südspitze Afrikas in den Indischen Ozean zieht. Bei dem
Projekt FAMOUS geht es in erster Linie um geologische Untersuchungen in der
Umgebung und an der Sohle des zentralen Kammtales, das in Längsrichtung des
Gebirgsmassivs verläuft und eine mittlere Tiefe von etwa 3 600 m hat. Auch
einige der Quertäler, die bis zu 16 km weit und 3 200 m tief sind, werden
durch Fernmessung und Erforschung an Ort und Stelle sondiert.

Mit Spezialwerkzeugen und Greifarmen klopfen die Wissenschaftler aus
ihrem Tauchboot die Talwände ab. Sorgfältig werden das Gestein und die
stellenweise kissenartig erstarrte Lava untersucht. Die Wassertemparatur
wird laufend registriert. Sie kann Auskunft darüber geben, wo sich möglicherweise Stellen befinden, an denen heißes Material aus der Tiefe nach oben
dringt - ein Vorgang, der nun schon seit Jahrmillionen andauert und die
Kontinente zu beiden Seiten des Atlantik immer weiter auseinandertreibt.
Herauszufinden, wie dieses Material beschaffen ist und in welchen Prozessen
es möglicherweise zum Aufbau von Erzvorkommen beiträgt, ist ein Hauptziel des
Unternehmens.

Wie Ende Juli die New York Times meldete, haben französische Teilnehmer
der Expedition bei einem Tauchversuch in dem zentralen Längsspalt des Mittel-

�Mittelatlantikrückens tatsächlich eine Art Geysir entdeckt, der vermutlich
fast reines Mangan in Mineralform an die Oberfläche transportiert. Sie
haben Erzproben, die von einem kegelförmigen Gebilde stammen, mit ihren
Greifinstrumenten geborgen. Die Aufregung unter den Expeditionsmitgliedern
ist groß, denn es handelt sich um den gleichen Erztyp, der vor einiger Zeit
bei Dredge-Versuchen an die Oberfläche geholt wurde. Mit den durch biochemische Prozesse entstandenen Manganknollen, die in riesigen Feldern vor allem
im Pazifik entdeckt worden sind, ist dieses Erz jedoch nicht verwandt. Die
Mineralogen und Chemiker sind sich noch nicht klar darüber, wie es entstanden
sein könnte - vor allem deshalb, weil es Einschlüsse enthält, die bei der Entstehung aus einer sogenannten hydrothermalen Lösung nicht zu erwarten sind.
Das amerikanische Tauchboot ALVIN soll nun versuchen, durch detaillierte
Messungen und weitere Untersuchungen die Bestätigung dafür zu finden, daß es
sich tatsächlich um ein aktives Zentrum handelt.

Aufgrund anderweitig gemachter Beobachtungen hatte man vermutet, daß
Eruptionen aus dem Boden dieses Längstales Metalle tief aus dem Erdinnern nach
oben bringen. Beim Durchströmen der mit diesem Prozeß ausgeworfenen Lava löst
heißes Wasser die Metalle heraus, die dann entweder als Erzadern in Gesteinsrissen angereichert oder durch heiße Quellen und Geysire über den Tiefseeboden
verteilt und später von Sedimenten zugedeckt werden. Es wird angenommen, daß
solche Vorgänge der Entstehung von besonders reichen Erzvorkommen, wie man sie
heute auf dem Festland findet, zugrundeliegen.

- Erz

-3-

�- Erz aus der Tiefsee -

Die Manganknollenfelder im Pazifik sollen in nicht allzu ferner Zukunft
- vielleicht schon in den achtziger Jahren • industriell abgebaut werden und
Rohstoffe liefern, die auf dem Festland immer knapper werden. Aber noch weiß
man zu wenig darüber, wie die mit solcher Aktivität verbundenen Eingriffe in
die naturgegebenen Bedingungen das ökologische Gleichgewicht verändern und
der Umwelt schaden könnten. Das US»Bundesamt für Meeres=&gt;und Atmosphärenforschung (NOAA) bemüht sich gegenwärtig unter Einsatz von Expeditionen in verschiedenen Gebieten des Pazifik, Fragen dieser Art zu klären. Der Forschungs«
fahrt der MOANA WAVE, die im Frühjahr 1974 auf einer mehrwöchigen Kreuzfahrt
in einem 26 000 qkm großen Gebiet südöstlich von Hawai zahlreiche biologische, chemische, geologische und physikalische Daten sammelte, sollen jetzt
weitere Expeditionen folgen. Sie gelten Gebieten, wo die in Tausenden von
Metern Tiefe liegenden Felder von Manganknollen, die überdies noch reich an
Kupfer, Nickel und Kobalt sind, die Industrie locken. Diese hat bereits zwei
Grundverfahren - Erzförderung mit Kettenbagger oder auf hydraulichem Wege entwickelt, um die Erzgewinnung in großtechnischem Umfang vorzubereiten.

Durch solche Aktivitäten könnte aber die natürliche "Ordnung" erheblich
gestört werden.

Eine mögliche Folge wäre z.B.,daß Bodenwasser nach oben gelangt, Oberflächenwasser mit Nährstoffen anreichert

und die Vermehrung von Phyto-

plankton erheblich steigern würde. Die Auswirkungen einer solchen Veränderung

=&gt;4-

�Veränderung der natürlichen Bedingungen sind noch nicht abzuschätzen. Ein
weiterer Punkt der Untersuchungen ist, herauszufinden, ob sich nach Beendigung der Erzförderung das früher vorhandene Gleichgewicht wieder einstellt,
und, wenn ja, wie lange der Normalisierungsprozeß dauert. Derzeit werden genaue Analysen von lebenden Organismen, Sedimenten, der Zusammensetzung des
Wassers vom Boden bis zur Oberfläche, der Temperaturen, Nährstoffkonzentrationen, des Säurewertes und Sauerstoffgehaltes sowie biologisch aktiver Spurenmetalle wie Blei, Zink, Quecksilber und Silizium gemacht, die man in Manganknollen gefunden hat. In den oberen Wasserschichten wird außerdem die
Lichtintensität bis in bestimmte Tiefen und die Konzentration an Chlorophyll
gemessen.

+-H-

-5-

�</text>
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          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. August 1985

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Reagan:

Niemals wieder Einsatz von Atomwaffen

- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs Reagan b i e t e t ständiges Moratorium f ü r Kernwaffenversuche an
- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -

HINTERGRUNDMATERIAL
Kostendämpfung für den Raumflug
- SDI-Chef Abrahamson f o r d e r t "Nationale I n i t i a t i v e "

* * * * *

Um Ubcr/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�7. August 1985

32

PRÄSIDENT REAGAN: NIEMALS WIEDER EINSATZ VON ATOMWAFFEN
- Erklärung zum 40. Jahrestag des ersten Atombombenabwurfs -

WASHINGTON -

(AD) - Präsident Ronald Reagan hat i n einer

Erklärung

zum 40. Jahrestag des Abwurfs einer Atombombe auf Hiroshima b e t o n t , daß
a l l e Nationen der Welt dafür sorgen müssen, daß das Atom niemals wieder
a l s Waffe des Krieges Verwendung finden w i r d .

I n seiner Erklärung vom 6.

August 1985 hat der Präsident hervorgehoben, daß die Vereinigten Staaten
a l l e s tun werden, um eine f r i e d l i c h e r e Welt aufzubauen.

Reagan wies auch

darauf h i n , daß das Ende des Zweiten Weltkriegs den Beginn einer
spiellosen Freundschaft

bei-

zwischen den Vereinigten Staaten und Japan ge-

bracht habe.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
I n dieser Woche gedenken M i l l i o n e n von Menschen auf der ganzen Welt
des 40. Jahrestages der ersten und einzigen Einsätze von Kernwaffen - Geschehnisse, die einen langen und schrecklichen Krieg beendet haben.

Mit

dem Ende des Krieges entstand eine beispiellose Freundschaft zwischen den

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zwischen den freien Völkern und demokratischen Regierungen der Vereinigten Staaten und Japans.

Wenn wir also über die Bedeutung der Ereignisse

vor 40 Jahren nachdenken, dann dürfen wir und die Bevölkerung Japans
stolz darauf sein, daß wir gezeigt haben, daß selbst zwischen früheren
Gegnern im Kriege eine dauerhafte Versöhnung möglich ist.

Wir dürfen niemals vergessen, was die Kernwaffen über Hiroshima und
Nagasaki gebracht haben.

Und doch dürfen wir auch nicht vergessen, daß

die Aufrechterhaltung unserer starken nuklearen Abschreckung vier Jahrzehnte lang die Sicherheit der Vereinigten Staaten und die Freiheit unserer Verbündeten in Asien und Europa gewährleistet hat.

In Europa bedeu-

ten diese Jahre die längste Friedensperiode seit Anfang des 19. Jahrhunderts.

Der Frieden hat uns nicht selbstgefällig gemacht, denn wir streben
weiterhin nach Hegen, um die Risiken eines Krieges noch mehr zu verringern.

Wie ich oft erklärt habe:

"Ein Atomkrieg kann nicht gewonnen wer-

den und darf niemals geführt werden."

Dieser Jahrestag ist daher nicht

nur Anlaß zur Erinnerung, sondern auch zum Handeln.

Die Vereinigten Staaten werden jeden vernünftigen Schritt tun, um eine friedlichere Welt aufzubauen.

Erst vorige Woche habe ich der sowjeti-

schen Führung eine Einladung zukommen lassen, ein Team sowjetischer Experten nach unserem Versuchsgelände in Nevada zu entsenden, um einen amerikanischen Atomversuch zu beobachten und seine Stärke zu messen.
Angebot gilt ohne Vorbedingungen.

Mein

Den sowjetischen Experten wurde frei-

gestellt, alle Instrumente und Einrichtungen mitzubringen, die sie für
notwendig erachteten, um die Stärke des Versuches zu messen.
war einfach und klar:

Unser Ziel

Einen Prozeß in Gang zu setzen, der hinsichtlich

der Begrenzung von Nuklearversuchen das Vertrauen und die Zusammenarbeit
zwischen unseren Nationen wesentlich erhöhen könnte.

Ich hoffe, daß die sowjetische Führung diese Einladung im Geiste des
guten Willens annehmen wird, in dem sie ergangen ist.

Ich möchte auch an

die Führung der Sowjetunion appellieren, mit uns zusammenzuarbeiten, um
- 2 -

�zusammenzuarbeiten, um einschneidende, v e r i f i z i e r b a r e
ringerungen der Nukleararsenale

und gerechte

zu erreichen; die Fragen bezüglich

Verder

Einhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen zu lösen und einen kons t r u k t i v e n Dialog über M i t t e l und toege zur Verringerung des Risikos eines
unbeabsichtigten Krieges i n Gang zu bringen.
Wir müssen auch wachsam sein i n unseren Bemühungen, die Ausbreitung
von Kernwaffen zu verhindern - und h i e r müssen a l l e

Nationen die

tragen h e l f e n .

Nukleartechnologie

Jene, die aus dem Transfer s e n s i t i v e r

Last

i n Unruhegebiete der Erde Gewinn schlagen möchten, s t e l l e n eine Bedrohung
des Weltfriedens dar.

Hier miß gehandelt werden, und wir ermutigen a l l e

Länder, sich uns i n der Forderung nach umfassenden Sicherheitsgarantien
a l s Vorbedingung für den Nuklearexport anzuschließen.
Wir sehen der d r i t t e n Uberprüfungskonferenz

für den Nichtweiterver-

b r e i t u n g s v e r t r a g , die i n diesem Monat beginnen w i r d , mit Interesse entgegen.

Die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion und a l l e Länder der Welt

müssen das i h r i g e t u n , um zu gewährleisten, daß das Atom niemals wieder
als eine Waffe des Krieges, sondern nur noch a l s Instrument des Friedens
verwendet w i r d .

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. August 1985

32

REAGAN BIETET STÄNDIGES MORATORIUM FÜR KERNWAFFENVERSUCH AN
- Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 5. August 1985 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat e i n ständiges Moratorium f ü r Kernwaffenversuche angeboten, wenn die Sowjets b e r e i t wären, i h r
z e i t l i c h begrenztes Moratorium f ü r Kernversuche nach dem 1 . Januar 1986
i n e i n ständiges Moratorium zu verwandeln oder wenn sie b e r e i t s e i e n , b i l a t e r a l e Inspektionen der Versuche der j e w e i l s anderen Seite zuzustimmen.
Auf einer vom amerikanischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 5.
August 1985 betonte der Präsident, daß dieses Angebot für den Zeitpunkt
nach dem Abschluß der gegenwärtigen amerikanischen Versuchsreihe

gelte.

Diese Versuche seien durch die massive sowjetische Aufrüstung notwendig
geworden.

Reagan wies darauf h i n , daß eine Lösung a l l dieser Fragen an

den Konferenztisch i n Genf gehöre, denn wenn man zu einer Einigung über
eine wesentliche Verringerung und schließliche Abschaffung a l l e r Kernwaffen kommen könne, dann gäbe es auch keine Notwendigkeit mehr f ü r Kernwaffenversuche.

Der

Stellvertretende

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�Der Stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses Edward Djerejian erklärte später vor der Presse, der Präsident habe mit seinem Angebot "keine neue Initiative vorgeschlagen".

Die Vereinigten Staaten unterstützten

seit langem das Ziel von Verhandlungen über ein Versuchsverbot im Zusammenhang mit einschneidenden und verifizierbaren Verringerungen der Kernwaffen, wesentlich verbesserten Verifizierungsmethoden, verstärkten vertrauensbildenden Maßnahmen und der Aufrechterhaltung einer wirksamen Abschreckung.

Im wesentlichen, so betonte der Stellvertretende Sprecher

des Heißen Hauses, gehe es um das Verifizierungsproblem und um den Vorsprung der Sowjetunion in der Entwicklung und Modernisierung von Kernwaffen.

"Wir dürfen nicht vergessen", so betonte Djerejian, "daß die

grundsätzliche Notwendigkeit für unsere Versuche aus der massiven Aufrüstung der sowjetischen Offensivkraft herrührt".

Der Präsident eröffnete die Pressekonferenz, die sich zu einem großen
Teil mit Fragen des amerikanischen Haushalts und der Gesundheit des Präsidenten befaßte, mit einer einleitenden Erklärung, die folgenden Wortlaut hat:
Ich möchte zunächst eine Erklärung abgeben.

Ich möchte diese Gele-

genheit benutzen, einen Blick zurück zu tun und auch einen Blick in die
Zukunft auf unsere Erwartungen für diesen Herbst.
tet sich zu einem Jahr des Fortschritts.

Das Jahr 1985 gestal-

Die Wirtschaft erfreut sich gu-

ter Gesundheit, Amerika lebt in Frieden und trägt dazu bei, die Grenzen
der Freiheit zu erweitern.

Wir können Vertrauen aus der Tatsache schöpfen, daß die Zinssätze
noch immer nach unten neigen, daß die Inflationsrate noch immer unter
vier Prozent bleibt und daß in diesem Jahr fast 600 000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Und jetzt, da die Batterien der Wirtschaft neu

aufgeladen sind, starten wir mit neuem Schwung.

Der Weg vor uns läßt ei-

nen starken Arbeitsmarkt erkennen, ohne neue Steuererhöhungen, die uns
bremsen würden und ohne dunkle Walken der Inflation am Horizont.

Aber es gibt
- 2 -

�Aber es gibt vieles, was wir tun können und müssen, um dieses Jahr zu
einem noch besseren Jahr zu machen.

Wir haben die Absicht, eine große

Herbstoffensive zu starten und uns an das Volk zu wenden und mit dem Kongreß zu arbeiten, um große und dringend erforderliche Reformen zu erreichen.

Wir werden unsere Bemühungen um eine Haushaltsreform, um ein Veto-

recht für Einzelposten - das A3 Gouverneure von Einzelstaaten bereits besitzen - und um einen ausgewogenen

Haushalt

intensivieren, um damit

schließlich dem Kongreß aufzuerlegen, daß er nicht mehr ausgibt, als er
einnimmt.

Wir können die chronischen Überausgaben des Kongresses nicht

mit dem Zuckerbrot freundlicher Appelle an gute Absichten verringern,
sondern wir müssen auch in der Lage sein, die Peitsche echter Disziplin
zu schwingen.

Wir werden auch den Gebieten der Landwirtschaft und des Handels besondere Aufmerksamkeit zuwenden, weil sie eine so große Auswirkung auf
den Haushalt und die Gesundheit unserer Wirtschaft haben.

Bis zum Tag

der Arbeit (2. September) werden wir alle Hindernisse für die Verabschiedung der Steuerreform aus dem Wege räumen.

Wir können uns nicht mit den

Ungerechtigkeiten und Erschwernissen der derzeitigen Steuersätze abfinden.

Wir müssen sie durch ein neues System ersetzen, das dem amerikani-

schen Volk niedrigere Hächststeuersätze und eine größere Fairness bietet.
Um unserer Zukunft willen gibt es keine höhere oder dringendere Priorität.

Von Seiten der Legislative erreichten wir nicht alle die Einsparungen, die wir angestrebt haben, aber wir haben an dem Prinzip festgehalten
- und es ist uns gelungen, daran festzuhalten, das ich als entscheidend
wichtig ansehe, wenn es um den Abbau des Haushaltsdefizits geht, daß wir
nicht das Einkommen der Menschen senken, sondern die Ausgaben der Regierung.

Es werden viele Bewilligungsgesetze anstehen, und ich bin ent-

schlossen, jedes von ihnen Zeile um Zeile genau zu prüfen, um, wenn notwendig, mein Veto einzulegen.

Was die Außenpolitik angeht, so haben wir die Woge der schrittweisen
sowjetischen Expansion, die vor fünf Jahren so deutlich zu erkennen war,
zurückgedrängt.

Unsere Bündnisse sind stärker und wir haben unsere Füh-

�unsere Führungsposition wiedergewonnen, wir arbeiten an der Lösung der
internationalen Schuldenlast, wir marschieren der Ausbreitung der Demokratie voran und wir suchen echte Fortschritte in entscheidenden globalen
Fragen von den Menschenrechten bis zur Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen.

In Genf sind wir in der besten Position seit über einer Generation,
um echte Verringerungen der Kernwaffen zu erreichen.

Alles, was wir

brauchen, ist eine ernsthafte Einstellung der Sowjets.

Ich sehe meinem

Zusammentreffen mit Generalsekretär Gorbatschow in Genf im November dieses Jahres mit Erwartung entgegen.

Und auch dieses:
zubauen.

Wir haben begonnen, unsere Verteidigung wieder auf-

Unsere konventionellen Streitkräfte sind stärker.

Der Kongreß

hat unser strategisches Modernisierungsprogramm unterstützt und unsere
Abschreckung ist stärker.

Aber wir müssen weitermachen und dieses Pro-

gramm abschließen.

Wir setzen auch unsere Forschung auf dem Gebiet unserer nichtnuklearen strategischen Verteidigungsinitiative

fort, die die große hbffnung

bietet, daß wir vielleicht eines Tages die Menschen dieses Planeten vor
der Drohung eines nuklearen Angriffs schnützen können.

Und wir haben ei-

nen Durchbruch erzielt, als der Kongreß die Bedeutung Mittelamerikas für
unsere nationale Sicherheit erkannte und der Hilfe für die Freiheitskämpfer zustimmte.

Die Sache der Freiheit ist die Sache des Friedens und ich möchte all
jenen im Kongreß, die für die Unterstützung der Freiheitsbewegung in Nicaragua , Afghanistan und Kambodscha, und für die Aufhebung des Clark-Gesetzeszusatzes gestimmt haben - der die Hilfe für die Freiheitskämpfer in
Angola verbot -, mein Lob aussprechen.

Wir haben also, wie ich gesagt

habe, gut angefangen, aber es bleibt noch vieles zu tun.

Die außenpolitischen Fragen und Antworten der Pressekonferenz haben
folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Herr Präsident,

�FRAGE:

l-terr Präsident, eine Frage zu Südafrika.

Beabsichtigen Sie

die Fortsetzung Ihrer Politik des konstruktiven Engagements oder sind Sie
der Ansicht, jetzt sei bald die Zeit gekommen, Schritte - wie etwa Sanktionen - zu unternehmen?

ANTWORT:

Ich bin der Meinung, daß die Ergebnisse, die dieses kon-

struktive Engagement mit Südafrika gezeitigt haben, ein Fortführen dieser
Politik rechtfertigt.
Sicherlich sind wir alle der Meinung - und wir haben dies auch deutlich gemacht -, daß die Apartheid abstoßend ist...

Man sollte aber auch

das Positive betrachten, das unser sogenanntes "konstruktives Engagement"
bislang mit sich gebracht hat - in immer größerem Maß vollständige zweirassige Eriehung; dann die Tatsache der über 100 Millionen Dollar, die
die dortige amerikanische Geschäftswelt im Lauf der vergangenen Jahre für
Ausbildung und Unterkunft der Schwarzen beigetragen hat; schließlich das
Faktum, daß das Verbot gemischtrassiger Ehen nicht länger existiert; daß
rund

vierzig Geschäftsbereiche

für Geschäfte

freigegeben wurden, die

Schwarzen gehören; Schwarze in der Gewerkschaftsbewegung; verstärkte Aufhebung der Rassentrennung in Hotels, Restaurants, Parks, Sportanlagen und
dergleichen.

Ich kann gar nicht alles aufzählen; aber alles trägt zur letztendlichen Antwort bei.

Und nimmt man die Worte von Buthelezi, des Führers der

Zulu, die ja rund ein Drittel der schwarzen Bevölkerung Südafrikas ausmachen, dann zeigt sich:

Er spricht gegen den Gedanken der Feindschaft,

der Sanktionen und sagt, was auch wir sagen, daß derlei nur den Menschen
schaden würde, denen wir zu helfen suchen.

FRAGE:

Sie werden also Ihr Veto einlegen?

ANTWORT:

... Im Prinzip bleibt es bei dem, was ich schon sagte: Mei-

ner Meinung nach ist die Fortführung unseres derzeitigen Programms der
beste Weg, auf dem wir eine Hilfe für die schwarze Bevölkerung Südafrikas
sein können.
FRAGE: Aber der

�FRAGE:
che.

Aber der Ausnahmezustand geht jetzt schon in seine dritte Wo-

Ihre Regierung hat seine Aufhebung gefordert und doch gab es keine

Reaktion hierauf.

Was werden Sie tun, um der südafrikanischen Regierung

dies stärker zu verdeutlichen?

ANTWORT:

Ich glaube, wir haben schon einigen Einfluß ausgeübt, und

sie selbst haben Fortschritt in diese Richtung versprochen.

Jetzt aller-

dings sprechen Sie von einer Regierungsreaktion auf Gewalt, die für alle
Menschen dort schädlich war.

Wir sahen Gewalt zwischen Schwarzen ebenso

wie seitens der Polizei gegen aufrührerisches Verhalten. Man muß bisweilen auch die Tatsache von Aktionen anerkennen, die in dem Bemühen ergriffen werden, Gewalt zu verhindern.

FRAGE:

Würden Sie Ihr Veto gegen ein Gesetz einlegen, das bereits

vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde und das, wie es den Anschein
hat, auch im Senat durchkommen wird?

ANTWORT:

Lassen Sie mich warten, bis ich sehe, was auf meinen

Schreibtisch kommt.

Ich weiß, daß es hier Dinge gibt, die gerade in der

Richtung nützlich sind, von der ich gesprochen habe.

Ich weiß allerdings

auch, daß die Sanktionen nicht nur für die Schwarzen dort Schaden anrichten würden, sondern daß sie auch schlecht für die angrenzenden Staaten
wären, deren Volkswirtschaften hinsichtlich Handel und Wirtschaftsbeziehungen von Südafrika abhängen.

FRAGE:

Könnte man also mit Recht sagen, daß es in der amerikani-

schen Politik keine Änderungen geben wird, daß man die Zügel nicht etwas
strafft?
ANTWORT:

Das hängt davon ab, was Sie unter Änderung verstehen; wenn

Sie damit Sanktionen und dergleichen meinen - nein.

Aber es kann natür-

lich Fluktuationen im Gespräch und in den Beziehungen zu einer anderen
Regierung geben.

FRAGE:
- 6 -

Was halten

�FRAGE:

Was halten Sie von den konservativen Attacken gegen Außenmi-

nister Shultz, er sei nicht antikommunistisch genug?

ANTWORT:

Sie entbehren jeglicher Grundlage und sie sind zutiefst

lächerlich.

Ich habe völliges Vertrauen in Außenminister Shultz und in

die Tatsache, daß er die Politik betreibt, an die ich glaube.

FRAGE:

Sie wissen, Gorbatschow sagte, wir seien Barbaren gewesen,

die Atombombe abzuwerfen.
ANTWORT:

Was halten Sie davon?

Ich dachte immer, es sei barbarisch von Stalin gewesen, 20

Millionen seiner eigenen Landleute umzubringen.

Wir hingegen warfen die Bombe in dem Bestreben ab, das zu beenden,
was der größte Krieg in der Geschichte der Menschheit war.

Der Wider-

stand des Feindes und die Inselkämpfe, die zur Invasion Japans führten,
bewiesen uns, daß wir auf Widerstand bis zum Tode treffen würden.

Man

schätzte die Verluste bei weiterem Vorrücekn auf mehr als eine Million.
Und ich glaube, jenen, die damals diese schreckliche Entscheidung zu
treffen hatten, jetzt etwas anderes unterstellen zu wollen, ist lächerlich.

Schrecklich wie es war, müssen wir meiner Meinung nach doch auch sagen, daß dadurch die Welt eine Vorstellung von dem Schrecken der Kernwaffen erhielt.

Und das hilft uns jetzt vielleicht dabei, uns eines Tages

von ihnen zu befreien.

Dies müssen wir erkennen - und auch die Tatsache ,

daß die Präsenz unserer Kernwaffen als ein Mittel der Abschreckung uns
die längste Periode des Friedens - 40 Jahre Frieden - gebracht hat, die
es jemals gab.

FRAGE:

Hierzu noch:

Warum greifen Sie nicht Gorbatschows Vorschlag

eines gemeinsamen Moratoriums bei Nuklearversuchen auf?

ANTWORT:

Die Sowjetunion ist uns bei der Entwicklung und der Moder-

nisierung der Kernwaffen voraus.

Sie hat eben ihre Versuche beendet, ein
- 7 -

�beendet, ein paar stehen vielleicht noch aus, die sie womöglich noch vor
dem 6. - dem vorgeschlagenen Beginn - dazwischenquetschen werden.

Aber

sie hatte ihre Versuche mit der SS-24, der SS-25 und der SS-18 beendet,
die unserer MX vergleichbar ist. Und wir haben mit den Versuchen bei einigen unserer Waffentypen, die mit den ihrigen Schritt halten sollen,
noch nicht einmal richtig begonnen, geschweige denn die Tests abgeschlossen.

Deshalb kommtihr Vorschlag für ein beiderseitiges - erst einseitiges
- Moratorium für mehrere Monate nach Abschluß ihrer Versuche.
chen nichts mehr zu tun.

Sie brau-

Ihr Drängen auf ein beiderseitiges Moratorium

bedeutet, daß wir dann nicht mehr in der Lage wären, mit ihnen Schritt zu
halten.

Und wir haben hierfür ein Beispiel aus der Zeit Kennedys.

Damals ging es um Versuche bei ABM und dergleichen.

Wir bemühten uns

um einen Vertrag, die Sowjetunion weigerte sich; sie brachte ihre Versuche zu einem Ende. Als dann der Kongreß für uns grünes Licht gab, sagten
die Sowjets sofort zu Präsident Kennedy:

"Oh ja, wir sind jetzt bereit,

über ein Moratorium bei Tests zu sprechen."

Und aus diesem Grund haben wird gesagt:
suche durchführen - genau dieselben wie ihr.

"Wir müssen noch unsere VerIhr könnt gern jemand her-

überschicken und alle unsere Versuche beobachten."

Und wir würden gern noch Folgendes hinzufügen:

Wenn sie nach dem be-

grenzten Moratorium, das etwa im Dezember zu Ende gehen sollte, bereit
sind, es zu einem ständigen Moratorium zu machen oder wenn sie bereit
sind, mit uns übereinzustimmen und bilaterale Inspektionen bei den Test
der jeweils anderen Seite zu haben, so sind wir hierzu auch bereit.

FRAGE:

Sie sagten, alle unsere Versuche zu beobachten?

Sie würden

bis zu einem totalen Moratorium gehen, einem ständigen Moratorium bei allen unterirdischen Tests? Allen Tests?

ANTWORT:
- 8 -

Ich weiß

�ANTWORT:

Ich weiß n i c h t , ob wir i n der Lage wären, unsere b i s zum

Jahresende zu beenden.

Vtenn wir unsere abgeschlossen haben und sie keine

neuen unternehmen FRAGE:

Nun, sie sagen, wir h ä t t e n . . .

ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Ja, das wäre gut.
. . . unsere i n Nevada abgeschlossen.
Oh nein.

Wir sprechen noch immer vom Typ MIDGETMAN, um

i h r e SS-24 oder SS-25 aufzuwiegen.

Und wir haben bis j e t z t noch nicht

einmal damit angefangen.
FRAGE:
ANTWORT:

Vtenn könnte das sein?
Das weiß ich n i c h t .

kreten Fakten zurückkehren.

Innerhalb eines Jahres?
Lassen Sie uns inzwischen zu zwei kon-

I n Genf s o l l t e n die Entscheidungen g e t r o f f e n

werden und nicht mit Moratorien dieser A r t .

Vfenden wir uns dem Bemühen

z u , e i n f ü r a l l e Mal die Anzahl der Kernwaffen zu v e r r i n g e r n , was hoff e n t l i c h zu i h r e r v ö l l i g e n Beseitigung führen w i r d .
überhaupt keine Notwendigkeit mehr für Versuche.

* * * * *

- 9 -

Dann gäbe es nämlich

�7. August 1985

31

KOSTENDÄMPFUNG FÜR DEN RAUMFLUG
5DI-Chef Abrahamson f o r d e r t "Nationale I n i t i a t i v e " -

-

(AD) - Zu den sich j e t z t abzeichnenden und zukünftigen S t a r t e r f o r -

dernissen i n den neunziger Jahren äußerte sich während einer

dreitägigen

Anhörung Generalleutnant James Abrahamson, Direktor der Organisation für
die Strategische V e r t e i d i g u n g s i n i t i a t i v e
ses

für

Wissenschaft

amerikanischen

und Technologie

Repräsentantenhauses.

(SDI) vor Gremien des Ausschussowie des Militärausschusses

des

Seinen

die

Worten

zufolge

Stationierung einer Abschirmung gegen nukleare b a l l i s t i s c h e

würde

Raketen "den

Shuttle-Unternehmen vergleichbare Flüge" e r f o r d e r n , die sowohl der gegenwärtigen als auch der vorgesehenen

rationalen

S t a r t k a p a z i t ä t i n etwa e n t -

sprächen oder sogar merklich darüber lägen.

In einer Diskussion betonte

Abrahamson außerdem die Notwendigkeit einer

"nationalen I n i t i a t i v e "

Senkung der Kosten für den Transport i n den Waltraum.

Ebenso wie das ge-

samte SDI-Programm müsse die Beförderung eines Verteidigungssystems
Raketenabwehr i n den Erdorbit

"kosteneffektiv"

sein.

zur
zur

Wir bringen nach-

folgend den Wortlaut der Erklärung Abrahamsons:
Das Thema ' Transport

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Das Thema ' Transport i n den Weltraum'
teidigungsinitiative

des

Präsidenten

von

ist

für die Strategische

außerordentlicher

Ver-

Bedeutung.

Der Transport i n den Vteltraum wird i n unseren gegenwärtigen Untersuchungen a l s k r i t i s c h e Technologie und wichtigste Kategorie für den Kostenanstieg i d e n t i f i z i e r t .

Dies wird durch die Folgerungen b e s t ä t i g t , zu denen

das von Dr. Fletcher geführte Team zum Studium der Verteidigungstechnologien gekommen i s t .
den unsere

Die r e l a t i v hohen Kosten für unsere Startsysteme wer-

Fähigkeit,

eine

finanzierbare

strategische

Verteidigung

zu

d i s l o z i e r e n , wesentlich beeinflussen.

Es i s t unsere A b s i c h t , f ü r v i e l e unserer technologischen Forschungsprogramme

den Raumtransporter

Wir gehen davon aus,

als

das primäre

Startgerät

zu benutzen.

im Rahmen der Grundlagenforschungen während der

Haushaltsjahre 1987 bis 1991 den Raumtransporter i n einem Umfang zu nutzen, der i n etwa einem Flug pro Jahr e n t s p r i c h t .

Wir nehmen a n , diesem

Erfordernis am besten gerecht zu werden, wenn wir innerhalb dieser
j e w e i l s zweimal die Hälfte des Frachtraums belegen.
sich ändern.

Zeit

Diese Schätzung mag

So könnte beispielsweise für unseren ersten STS-Flug (Space

Transportation System) im Haushaltsjahr 1987 der gesamte Frachtraum benöt i g t werden.
spielsweise

Außerdem werden zahlreiche SDI-Sekundärexperimente wie b e i das

überaus

erfolgreiche

Hochpräzisions-Nachführexperiment,

das während eines der jüngsten Shuttle-Flüge durchgeführt wurde, i n Erwägung gezogen und bei künftigen Shuttle-Unternehmen m i t g e f ü h r t .

Wir

planen

die

SDI-Forschung

im

Hinblick

auf

ausreichenden

Fort-

s c h r i t t und technische R e i f e , so daß e i n k ü n f t i g e r Präsident ebenso wie
der Kongreß Anfang der neunziger Jahre entwicklungstechnische

Entschei-

dungen f ü r e i n Verteidigungssystem für die Vereinigten Staaten und unsere
Verbündeten

treffen

können.

Vfenn diese

Entscheidungen

zu

technischen

Entwicklungen führen s o l l e n , e r f o r d e r t dies zweifellos zusätzliche Transporte i n den Vteltraum.
die Erfordernisse

Es i s t schwierig, j e t z t schon zu sagen, wie groß

wären; grob geschätzt könnten s i e , beginnend mit dem

Haushaltsjahr 1992, fünf Raumtransporterflügen pro Jahr entsprechen. Diese Flugerfordernisse sind mit den Anforderungen vereinbar, die den L u f t s t r e i t k r ä f t e n f ü r die Zusammenstellung der Missionsmodelle auf nationaler

�auf nationaler Ebene und für das Verteidigungsministerium im Zusammenhang
mit STS-Einsätzen eingeräumt wurden.
derungen d e f i n i e r t

Je besser unsere Entwicklungsanfor-

werden können, desto e f f e k t i v e r

werden auch unsere

Fluganforderungen r e v i d i e r t und mit den verantwortlichen Organisation koordiniert.
Vorausschätzungen einer möglichen SDI-Dislozierung sind nur v o r l ä u f i ger Natur und ihrem Wssen nach äußerst dynamisch.
ren wir

viele

mögliche

Startanforderungen.

Schemata

mit

Gegenwärtig a n a l y s i e -

einem b r e i t e n Spektrum

denkbarer

Diese Schemata sind noch keineswegs ausgereift

und

machen es äußerst schwierig, zum gegenwärtigen Zeitpunkt e i n genaues Missionsmodell

aufzustellen.

Um jedoch auf

Ihre Fragen zu den möglichen

SDI-Startanforderungen für eine System-Dislozierung zurückzukommen, möchte ich eine Anzahl von shuttle-äguivalenten Flügen vorschlagen, die i h r e r
Natur nach der gegenwärtigen und k ü n f t i g vorgesehenen nationalen S t a r t k a pazität entsprächen oder sie sogar d e u t l i c h überstiegen.

Es steht kaum außer Z w e i f e l , daß auf längere Sicht der Umfang der nat i o n a l e n Startanforderungen die gegenwärtigen Startkapazitäten ü b e r s t e i gen w i r d .

Aus diesem Grund gab der Präsident k ü r z l i c h Anweisung f ü r die

Fertigstellung

einer

natonalen Studie

über

Transporte

in

den

Vfeltraum

e i n s c h l i e ß l i c h der e r f o r d e r l i c h e n I n f r a s t r u k t u r , die vom Verteidigungsministerium und dem Amt für L u f t - und Raumfahrt (NASA) gemeinsam ausgearbeitet wird.
gierung

für

Die Studie wird p o t e n t i e l l e Missionserfordernisse der Renationale und z i v i l e

Aufgaben im Vteltraum für die Z e i t ab

1995 ausweisen, die verschiedenen Möglichkeiten für die T r a n s p o r t - I n f r a struktur

zur aufgabengerechten Durchführung dieser Missionen d e f i n i e r e n ,

anwendbare Technologien für die Trägergeräte angeben und s c h l i e ß l i c h die
j e w e i l i g e n Aufgabenspektren benennen.

In der Studie wird man sich mit

a l l e n Aspekten von Startmöglichkeiten befassen, e i n s c h l i e ß l i c h der j e w e i l i g e n Operationen, der
auch am Boden.

Wartung und der L o g i s t i k

sowohl im Weltraum a l s

Die Regierung vertraut darauf, daß die mit der Studie ge-

gebenen Empfehlungen die USA i n die Lage versetzen werden, fortdauernden
Zugang zum Weltraum und die führende Rolle beim Transport i n den Weltraum
zu behalten.

Der endgültige Bericht

s o l l im Mai 1986 vorgelegt werden.

- 3 -

�vorgelegt werden.

Von diesem Bericht wird ein breit angelegtes Technolo-

gie-Investitionsprogramm

für künftige nationale Erfordernisse ausgehen.

Als potentieller Anwender für eine verbesserte nationale Startkapazität
in der Zukunft wird SDI in den nächsten Jahren Forschungsinvestitionen
vornehmen um, dazu beizutragen, daß dramatisch niedrigere Kosten und erhöhte Operationsflexibilität im Bedarfsfall verfügbar sind.

Unser besonderes Interesse gilt einem breiten Spektrum modernster
Technologien.

Diese Technologien könnten sowohl einem nach dem Shuttle-

Prinzip projektiertem Startvehikel als möglicherweise auch einem völlig
neuem System dienen.

Am Anfang steht die Forderung, daß wir unsere ge-

genwärtigen arbeitsintensiven Aufgaben wesentlich reduzieren müssen.

Um

dies zu erreichen, suchen wir nach Verbesserungen in unseren gegenwärtigen Operationen am Boden und im Waltraum, bei der Missionsplanung, in Fabrikation und Produktion, in der Ausarbeitung der Software und in der Logistik.

Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt unsere künftigen Starterfordernisse
noch ziemlich unklar sind, ist Flexibilität jetzt eines unserer Hauptziele.

Ich bezweifle, daß ein einziger Typ von Startgerät diesen Anforde-

rungen gerecht werden könnte, und es ist wahrscheinlich, daß eine ganze
Familie von Trägergeräten gebraucht würde.

Meines Erachtens liegt auch

der Schlüssel zu künftigen leistungsfähigen Startoperationen für kommerzielle Zwecke in flexiblen Operationen.

Die Vereinigten Staaten und die

westliche Veit haben eine aufregende und lebendige Zukunft in Waltraumaktivitäten aller Art vor sich.

Der Schlüssel zu dieser Zukunft - seien

es Aktivitäten im Interesse der Sicherheit, der wissenschaftlichen Forschung oder der kommerziellen Nutzung - der Schlüssel also liegt in einem
flexiblen und rentablen Waltraumtransportsystem.

Die Vereinigten Staaten

müssen Menschen, Ideen, Geld und Führungskraft investieren, um diese Zukunft Wirklichkeit werden zu lassen.

- 4 -

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7. August 1991

KSZE

KAMPELMAN: BEHANDLUNG DER
MINDERHEITENPROBLEME VORDRINGLICH
Rede von Botschafter Kampelman
vor Kongreßkommission

GOLFKRISE

UNO NACH WIE VOR UNBEUGSAM
GEGENÜBER IRAK
Interview mit Botschafter Pickering

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG
IN AMERIKA
Umfrage zur Golfkrise

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse in den
Monaten Juni und Juli 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�KSZE
7. August 1991

KAMPELMAN: BEHANDLUNG DER MINDERHEITENPROBLEME VORDRINGLICH
Rede von Botschafter Kampelman vor Kongreßkommission
WASHINGTON - (AD) - In einer Rede vor der Kongreßkommission für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
erklärte der Leiter der amerikanischen Delegation bei der bevorstehenden Moskauer Konferenz über die
Menschliche Dimension, Botschafter Kampelman, am 31. Juli 1991 zum Ausmaß, in dem die Vereinigten Staaten
Menschenrechtsbelange in Moskau vorbringen werden: "Ich habe mich in meinem Handlungsspielraum niemals
eingeschränkt gefühlt". Zur Frage der Menschenrechte im allgemeinen fügte er hinzu, er sei bereit, einzelne Fälle
vorzutragen.
In seinen Ausführungen unterschied Kampelman zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung und dem Recht
auf Abspaltung. Seiner Ansicht nach sei das Recht auf Sezession "durch die Schlußakte von Helsinki nicht für
unverletzbar erklärt oder legitimiert". Minoritäten, die eine Abspaltung befürworteten, sollten diese "durch
friedliche Verhandlungen" anstreben.
Kampelman kommentierte ferner das kürzlich in Genf beendete KSZE-Treffen zu Minderheiten. Er erwähnte
den dort von den Vereinigten Staaten eingebrachten Vorschlag, dereinen Schlichtungsprozeß der KSZE fordert,
"um die in Europa bestehenden irritierenden und gefährlichen Minderheitenprobleme" zu behandeln. Dieser
Vorschlag habe "breiten Konsens" erzielt und es herrsche das Gefühl vor, er solle auf die "gesamte menschliche
Dimension" ausgeweitet werden, fuhr der Botschafter fort. "Dies ist daher eines der Hauptziele, die unsere
Delegation in Moskau verfolgen wird", fügte er hinzu.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kampelman im Wortlaut.

Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihnen heute meine
Bilanz des jüngsten KSZE-Treffens zu nationalen
Minderheiten darlegen zu können. Ich bin sicher, Sie
sind über die einzelnen greifbaren Ergebnisse bereits
informiert, da sie in dem einstimmig beim Genfer
Treffen verabschiedeten Schlußbericht enthalten sind.
Sie waren bescheiden, jedoch von entscheidender
Bedeutung. Sie haben auch die von mir bei dem
Treffen abgegebenen Erklärungen sowie die Beiträge
unserer Delegationsmitglieder gesehen.
Bevor ich fortfahre, möchte ich jedoch Ihnen und den
Mitgliedern der Kommission meinen Dank für die
ausgezeichnete Unterstützung aussprechen, die Sie
unserer Delegation gewährt haben, indem Sie uns Ihre
Mitarbeiter als Delegationsmitglieder zur Verfügung
gestellt haben. Ohne sie hätten wir nicht angemessen
arbeiten können. Unter der Anleitung von Samuel
Wise und David Evans haben Ihre hervorragenden
Mitarbeiter unserer Delegation mit Erfahrung, Kennt-

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nis nichtstaatlicher Organisationen, Urteilsvermögen,
Schriftsätzen und Verhandlungsgeschick zur Seite
gestanden.
Das Genfer Treffen war besonderer Art und nicht
vorgesehen, als Ende 1988 in Genf die Entscheidung
getroffen wurde, die KSZE-Fahne zwischen dem Folgetreffen in Wien und dem geplanten Folgetreffen in
Helsinki 1992 hochzuhalten. Dieses besondere Treffen wurde von den Außenministern und Staats- und
Regierungschefs beim Pariser Gipfel im vergangenen
November in Anbetracht der wachsenden Erkenntnis
anberaumt, daß wir mit Abbau der Spannungen zwischen Ost und West einen krassen Anstieg der Spannungen bei Minderheiten beobachten konnten. Dies
wurde mit Beginn unseres Genfer Treffens am 1. Juli
deutlich.
Die in Jugoslawien ausgebrochene Gewalt überschattete unsere Sitzungen, als wir unsere Erörterungen

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�aufnahmen. Die Gefahr, daß die Gewalt über die
jugoslawischen Grenzen ausufern und andere Staaten einbeziehen würde, war real. Zwei im Rahmen der
KSZE-Verfügungen mögliche außerordentliche Sitzungen wurden in die Wege geleitet als wir uns versammelten. Eine davon in Wien, durch die eindeutigen
Anzeichen gerechtfertigt, daß in Jugoslawien ungewöhnliche militärische Aktivitäten stattfanden. Ein
weiteres Treffen wurde in Prag unter den vereinbarten
Bestimmungen für eine friedliche Lösung von Streitfällen zwischen Staaten einberufen. Dies war das Hauptthema unserer Besorgnis und Gespräche während der
ersten Woche. Am Sonntagabend vor Eröffnung unserer
Sitzung traf ich mit Botschafter John Maresca zusammen, der die Vereinigten Staaten sowohl bei den
Pariser als auch bei den Wiener Gesprächen vertritt,
und der nach Genf gekommen war, um mich über die
Ereignisse in Jugoslawien aus seiner Sicht zu unterrichten. Darüber hinaus stellten wir fest, daß eine
Reihe der für unser Treffen in Genf vorgesehenen
Delegationsleiter in Wien und Genf anderweitig beschäftigt waren.
Glücklicherweise erzielten die Delegationen in Genf
einen Konsens, daß es nicht unsere Aufgabe sei, die
spezielle jugoslawische Krise zu behandeln, während
sie andernorts bereits angesprochen wurde. Es lag
jedoch auf der Hand, daß die Spannungen zwischen
Serbien, Kroatien und Slowenien sowie die Probleme
bezüglich Albaniens und des Kosovos die Aufmerksamkeit Europas erforderten und vom KSZE-Prozeß
nicht ignoriert werden konnten. Unsere jetzt von einem
Gefühl der Dringlichkeit geleitete Aufgabe bestand
darin zu sondieren, wie die KSZE gegebenenfalls
europaweite Interessen bei der Beilegung von Spannungen bei Minderheiten vertreten könnte, wo immer
sie ohne Gewalt und im Kontext der Stabilität entstehen.
Die amerikanische Delegation war bei diesem Genfer
Treffen von zwei umfassenden Prinzipien geleitet.
Erstens waren wir an der Erarbeitung eines Konsenses interessiert, daß die KSZE bei der Behandlung
dieser Minderheitenprobleme eine unanfechtbare Rolle
zu spielen hat. Zweitens wollten wir unser Treffen nicht
ohne einen wirklich substantiellen Schlu ßbericht beenden, der nicht nur die Vereinbarungen von Kopenhagen wiederholen sollte.
Als wir nach Genf kamen, vertrat ich die Meinung, daß
es wahrscheinlich keinen Weg gab, mit dem wir die
Vereinbarungen von Kopenhagen signifikant verbessern könnten. Es war nur ein Jahr vergangen, seit
diese außerordentliche Erklärung verabschiedet worden war. Ich hatte vielmehr das Gefühl, unsere
Aufgabe sollte darin bestehen zu erforschen, wie die
Kopenhagener Vereinbarungen verwirklicht wurden
und wie diese Verwirklichung infolge unserer Erörterungen verbessert werden könnte. Es war mir außerordentlich daran gelegen sicherzustellen, daß wir nicht

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versuchen sollten, das in Kopenhagen Niedergelegte
zu wiederholen - aus der Sorge heraus, dies könne die
Vermutung nahelegen, die in Genf nicht wiederholten
Kopenhagener Verfügungen könnten von geringerer
Bedeutung sein. Glücklicherweise wurden unsere
Zielsetzungen von nahezu allen anderen Delegationen geteilt.
Die in Europa bestehenden Spannungen bei Minderheiten wurden in unseren Sitzungen deutlich, aber es
schien kein Wunsch zu bestehen, diese Dispute durch
besondere Betonung in Genf zu verschärfen. Es wird
Sie nicht verwundern, Herr Vorsitzender, daß die
amerikanische Delegation die Unterdrückung im Kosovo in ihre Liste von Anliegen aufnahm, weil wir nicht
der Auffassung sind, die Behandlung ernsthafter Probleme bestehe darin, sie zu ignorieren. Wir verwiesen
ferner auf die andauernde Diskriminierung der Ungarn
in Rumänien. Wir haben einen tiefgreifenden Gedankenaustausch mit Vertretern beider Länder in dem
Bestreben geführt, diesen verständlicherweise bitteren Disput in konstruktive Bahnen zu lenken. Wir
haben die beachtlichen Verbesserungen in Bulgarien
festgestellt, insbesondere im Hinblick auf die Behandlung der türkischen Minderheiten in diesem Land. Wir
haben jedoch auch Privatgespräche über die ernsthafte Kritik geführt, die wir in Bulgarien über die Mängel
der neuen Verfassung vernommen haben. Darüber
hinaus wurden die Probleme zwischen Griechenland,
der Türkei und Zypern bei unserem Treffen festgehalten, obwohl unsere Delegation sie nicht behandelt hat,
weil offensichtlich in anderen Foren ernsthafte Bemühungen zur Bewältigung dieses Problems im Gange
sind.
Sie sind sich zweifelsohne bewußt, daß die Vereinigten Staaten in ihrer Eröffnungs- und Schlußerklärung
den Wunsch der baltischen Staaten nach Unabhängigkeit unterstützt und der Hoffnung Ausdruck verliehen
haben, daß Estland, Lettland und Litauen in nicht allzu
ferner Zukunft Vollmitglieder der KSZE werden. Darüber hinaus schloß sich unsere Delegation der Initiative der schwedischen Delegation an, die den Vorsitz
einer Gruppe "Freunde des Baltikums" übernommen
hat. Wir sind mit den baltischen Vertretern zusammengetroffen, haben sie unterrichtet und versucht, ihnen
bei ihren Bestrebungen behilflich zu sein, das Bewußtsein der Delegationsmitglieder für ihre Belange zu
schärfen.
Zwei unserer Tagesordnungspunkte zur Überprüfung
der Durchführung und auf nationaler Ebene gesammelte Erfahrungen könnten für das Treffen bei der
Behandlung von Minderheitenfragen hilfreich sein. Wir
haben natürlich in beiden Bereichen umfassend mitgearbeitet. Wir mußten einige Überredungskünste aufbieten, um eine Reihe unserer Verbündeten dazu zu
veranlassen, mit uns gemeinsam den Tagesordnungspunkt Durchführung zu behandeln. Einige taten es.
Andere entschieden sich dafür, ihre Kommentare zur

AMERIKA DIENST 31

�Durchführung in den Kontext ihrer auf nationaler Ebene
gesammelten Erfahrungen zu stellen. Ich möchte in
diesem Zusammenhang anmerken, daß ich vom
Ausmaß der geäußerten Selbstkritik positiv beeindruckt war. Wir haben ferner sehr viel darüber erfahren, was von einzelnen Ländern getan wird, um die
Chancen und demokratischen Rechte ihrer Minderheiten auszubauen. Wir haben zu diesem Lernprozeß
erheblich beigetragen, indem wir unsere eigene Bürgerrechtsbilanz und unsere Bemühungen in diesem
Bereich sowie unsere Minderheitenprobleme erörterten und ausführliche Erklärungen zu unseren rechtlichen Traditionen und Praktiken in diesem Bereich einschließlich unserer Gesetze über Verbrechen aus
Haß - abgaben.
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß die Kommission
bei anderen Gelegenheiten ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht hat, den Begriff "nationale Minderheit"
zu definieren. Das ist nicht geschehen. In der Tat
drangen zahlreiche Delegationen ausdrücklich darauf,
dies nicht zu tun, weil es sich als ein Ding der Unmöglichkeit erweisen könnte. Ein ranghoher Diplomat wies
mich zum Beispiel darauf hin, daß die Vereinten Nationen in all den Jahren ihres Bestehens außerstande
waren, eine solche Definition zu erarbeiten.
Dies ist ein wichtiges Thema. Seine Bedeutung wurde
mir in Kopenhagen bewußt, als einer meiner europäischen Kollegen nach einer intensiven Verhandlungsrunde mit einer Reihe unserer Verbündeten und Freunde darauf hinwies, daß die meisten europäischen
Länder im Gegensatz zu uns in den Vereinigten Staaten eine solch umfassende Definition von Minderheiten einfach nicht kennen - und genau dies sei die
Wurzel einiger unserer Meinungsverschiedenheiten
darüber, wie wir dieses Problem angehen sollten. Er
gab zu verstehen, für die meisten europäischen Staaten müsse eine besonders geschützte Minderheit
einheimisch und tief in der jeweiligen Gesellschaft
verwurzelt sein. Neueinwanderer kämen ihm zufolge
in ihre neue Heimat in dem vollen Bewußtsein, daß sie
in ein Land einwanderten, dessen Kultur und Sprache
sich von ihrer unterscheiden. Sie reisten aus freien
Stücken dorthin und hätten deshalb die Pflicht, die
Kultur der Mehrheit anzunehmen ohne der betreffenden Gesellschaft eine zusätzliche Last aufzuerlegen.
Wir in den Vereinigten Staaten gehen natürlich über
den einheimischen Indianer und die in unserer Gesellschaft lebenden einheimischen Schwarzen hinaus und
bieten auch den Neueinwanderern unseren gesetzlichen Schutz.
Wir haben alles in unserer Macht Stehende unternommen, um die amerikanische Position zur Frage der
Minderheiten zu erläutern. Für uns ist der gemeinsame Nenner das Individuum, dessen Menschenrechte
es zu schützen gilt. Wir gingen davon aus, daß die
europäischen Staaten in dem Maße, in dem sie den
Erfordernissen des Kopenhagener Dokuments gerecht werden, die Rechte des einzelnen schützten;
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daß ihre Gesellschaften auf politischer Demokratie,
Rechtsstaatlichkeit und politischem Pluralismus gründeten. Per definitionem käme die unvermeidliche
Folge dieses Geflechts aus Recht und Politik allen
zugute, unabhängig von den Gruppen, denen sie
angehörten. Wenn also einer Einzelperson zum Beispiel das Recht gewährt würde, jede von ihr gewünschte Sprache zu sprechen und sich frei mit Gleichgesinnten unabhängig vom politischen, wirtschaftlichen, religiösen oder sozialen Zweck zu versammeln, so wäre
es nicht erforderlich oder gar wüschenswert, besondere Gruppenrechte gesetzlich festzuschreiben. Dieses
Konzept wird bei künftigen KSZE-Treffen erneut vorgetragen werden, da eine Reihe europäischer Staaten
diesen Ansatz zu Rechten und Gemeinschaften nicht
als selbstverständlich annimmt oder versteht.
Ich möchte nun kurz auf das Schlußdokument eingehen, das ich als "bescheiden" bezeichnet habe. Wir
sind über Kopenhagen hinausgegangen, indem wir die
erforderlichen Mittel zur Verwirklichung der Kopenhagener Prinzipien identifiziert haben. Wir haben vierzehn alternative Möglichkeiten aufgelistet, die in verschiedenen Staaten ausprobiert wurden, um den Opfern
von Diskriminierung Abhilfe zu bieten.
Wir haben die Kopenhagener Anliegen im Hinblick auf
Haß erweitert, und zwar auf eine Art und Weise, die mit
unserer Verfassung in Einklang steht. Wir haben den
Gedanken akzeptiert, daß Akte, die eine Anstachelung
zur Gewalt darstellen, verboten werden sollten. Wir
haben die Versammlung femer über unser Gesetz zur
Statistik für Haßverbrechen von 1990 informiert und
stießen auf Zustimmung, daß auch in anderen Staaten
eine Schärfung des öffentlichen Bewußtseins für Vorurteile und Haß durch die Veröffentlichung solcher
Statistiken erforderlich ist.
Wir haben ausführlich über verschiedene Arten grenzüberschreitender Zusammenarbeit gesprochen, die
wünschenswert seien, um einen freien Informationsfluß zu gewährleisten. Wir stellten fest, daß es selbst
bei voller Wahrung von Minderheitenrechten erforderlich sei abzuschätzen, daß auch innerhalb von hauptsächlich von einer Minderheit besiedelten Gebieten
Angehörige anderer Minderheiten sowie der Bevölkerungsmehrheit leben könnten, die ebenfalls ein Recht
auf Schutz haben. Wir betonten den Wunsch, lokale
Probleme mit einer Zentralregierung auf ein Mindestmaß zu beschränken, indem die örtlichen Vertreter
gewählt und nicht von der Zentralregierung ernannt
werden. Darüber hinaus befürworteten wir die Anwesenheit von Beobachtern bei Wahlen unterhalb der
nationalen Ebene.
Ich möchte hier noch ein Wort zu den Zigeunern
sagen. Vor wenigen Monaten suchte mich ein Vertreter der europäischen Zigeuner hier in Washington auf.
Ich versicherte ihm, wir würden einen Weg finden, um
das Bewußtsein für ihre Notlage in Europa zu schärfen. Das Kopenhagener Dokument enthielt zum er-

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�sten Mal eine Anerkennung dieses Problems. Ich
habe ihn darüber hinaus jedoch aufgefordert, im Plenum erzieherisch zu wirken. Ich freue mich sagen zu
können, daß solche Bemühungen wirklich stattfanden
und sich als wirksam erwiesen. Eine Reihe von
Delegationen erwähnten die Notlage der Zigeuner in
den von ihnen vertretenen Staaten. Viele nahmen an
den von Zigeunern organisierten Veranstaltungen teil,
die dazu dienten, das Bewu ßtsein zu schärfen und das
Wissen über ihre Kultur und Schwierigkeiten zu vergrößern.
Es gibt zwei wichtige Probleme von möglicherweise
großer Bedeutung für die Zukunft, die ich nun kurz
ansprechen möchte. Das erste betrifft die ganze
Frage der "Selbstbestimmung der Völker". Dieses
Konzept wird heute allgemein anerkannt, aber es
besteht überhaupt keine Übereinstimmung darüber,
was es bedeutet, und es ist für sich gesehen zweifellos
von begrenztem Nutzen. Es gibt keine Definition
davon, was unter "Völkern" zu verstehen ist und keine
Klarheit über die Grenzen des von diesen Völkern
bewohnten geographischen Gebiets.
Eine der Hauptschwierigkeiten besteht meines Erachtens in der Tatsache, daß das Recht auf Selbstbestimmung in den Köpfen vieler Menschen - darunter auch
vieler Staatsoberhäupter - mit dem Recht auf Sezession verwechselt wurde. Das ist nicht dasselbe. Es
handelt sich um unterschiedliche Rechte, und das
Recht auf Sezession wird meines Erachtens durch die
Schlußakte von Helsinki nicht für unverletzlich erklärt
oder legitimiert. Ein Land kann in seiner Verfassung
oder seinen Gesetzen das Rechtauf Sezession verankern, und das ist in Ordnung. Andere Länder können
das Recht auf Sezession verweigern, und auch das ist
der Schlußakte von Helsinki zufolge in Ordnung. Wir
wollten die Achtung des einzelnen: Rechte, unabhängig von der Zugehörigkeit des einzelnen zu Mehrheit
oder Minderheit. Wir wollen, daß Mitglieder von Minderheiten - wenn sie dies wünschen - die Möglichkeit
haben, sich friedlich zu versammeln und politisch,
wirtschaftlich oder gesellschaftlich zu wirken, wie sie
möchten, ihre Muttersprache zu sprechen, wenn sie
möchten, ihre Kinder mit ihrer traditionellen Kultur
vertraut zu machen, wenn sie möchten. Aber wenn sie
sich abspalten möchten, so ist dies meiner Meinung
nach kein Recht, das sie gemäß der Schlußakte von
Helsinki geltend machen können. Dies ist ein Ziel, das
sie durch friedliche Verhandlungen anstreben sollten.

*

Seite 4

*

Herr Vorsitzender, diese theoretische Unterscheidung
hat einen praktischen Zweck. Aber, so möchte ich
gleich hinzufügen, sie ist nicht auf das Verhältnis der
baltischen Staaten zur Sowjetunion anwendbar. Wir
und viele andere Staaten haben den Akt sowjetischer
Aggression niemals anerkannt oder legitimiert, der zur
Eroberung dieser Staaten durch die Streitkräfte der
Sowjetunion führte. Ihre Forderung nach Unabhängigkeit ist keine Forderung nach Selbstbestimmung. Es
ist die Forderung nach Wiedererlangung der Freiheit,
die ihnen durch Akte bewaffneter Aggression geraubt
wurde.
Meine letzte Bemerkung bezieht sich darauf, was die
Geschichte einst als wichtigste Entwicklung von Genf
einstufen mag. Die Vereinigten Staaten unterbreiteten
einen formlosen Vorschlag zur Schaffung eines Schlichtungsverfahrens der KSZE, um die in Europa bestehenden irritierenden und gefährlichen Minderheitenprobleme zu behandeln. Uns allen schien offenkundig,
daß der Ansatz in Genf auf breite Unterstützung stieß.
Tatsächlich herrschte die starke Überzeugung, daß
das von uns geforderte Schlichtungsverfahren für die
gesamte menschliche Dimension und nicht nur für
Minderheitenprobleme gelten solle. Dies ist deshalb
eines der Hauptziele, die unsere Delegation in Moskau
verfolgen wird. In der bis zum Moskauer Treffen
verbleibenden Zeit beabsichtigen wir, andere Staaten
zu konsultieren und unsere Gedanken neu zu definieren.
Zum Abschluß, Herr Vorsitzender, möchte ich erklären, daß ich die von Ihren Mitarbeitern angefertigte
Zusammenfassung unseres Treffens gelesen habe
und es nicht für notwendig halte, die Substanz dieses
Berichts heute nachmittag noch einmal zu wiederholen. Es trifft zu, daß die Vereinigten Staaten eine
wichtige Rolle dabei gespielt haben sicherzustellen,
daß ein konstruktives Schlußdokument bei diesem
Treffen erstellt wurde. Ohne diese Bemühungen wäre
es wahrscheinlich nicht zu einem solchen Dokument
gekommen. Wir freuen uns, daß wir in diesem Maß
dazu beitragen konnten.
Schließlich möchte ich Ihnen nochmals meinen Dank
aussprechen für das Entgegenkommen, das Sie mir
erwiesen haben und für die wirklich besondere Zusammenarbeit, die ich stets von Ihnen und den Mitarbeitern
der Kommission erfahren durfte.

*

*

AMERIKA DIENST 31

�GOLFKRISE
7. August 1991

UNO NACH WIE VOR UNBEUGSAM GEGENÜBER IRAK
Interview mit Botschafter Pickering
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der "Schock und die Abscheu" gegenüber Saddam Husseins Invasion und
Besetzung Kuwaits sowie seiner Mißachtung der UN-Resolutionen trugen dazu bei, die internationale Koalition
zu schmieden, die sich zusammenfand, um Iraks Aggression Einhalt zu gebieten, erklärte der amerikanische
Botschafter Thomas Pickering in einem Interview mit dem US-Informationsamt USIA am 2. August 1991
anläßlich des Jahrestages der irakischen Invasion in Kuwait.
Obwohl zahlreichen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats und der blockfreien Länder der Einsatz von Gewalt zur
Vertreibung der irakischen Truppen aus Kuwait zunächst unbehaglich war, erleichterte Saddam Husseins
Reaktion auf die Resolutionen des Sicherheitsrats Botschafter Pickering zufolge das Vorgehen des Rats.
"Auf lange Sicht war unsere Richtschnur, daß wir uns in der Sicherheitsstruktur nach dem kalten Krieg mit einer
riesigen Kluft konfrontiert sehen würden, die nirgendwo überbrückt werden kann, wenn die Bestrebungen des
Rats scheitern", erklärte Pickering.
Ein Jahr nach der Besetzung Kuwaits zog Botschafter Pickering Bilanz über die Entscheidungen des Sicherheitsrats und betonte, der Rat sei nach wie vor "der Verwirklichung seiner Resolutionen stark verpflichtet".
Nachfolgend veröffentlichen wir das Interview mit Botschafter Pickering in wesentlichen Auszügen.

Frage: Könnten Sie rückblickend erklären, wie und
warum es der gegen Saddam Hussein gebildeten
internationalen Koalitionsstreitmacht möglich war, sich
so schnell zu formieren?
Antwort: Das Bemerkenswerteste war, daß die Koaliton
sich praktisch von Anfang an aufgrund des Schocks
und der echten Abscheu gegenüber Saddam Husseins Vorgehen selbst gebildet hat. Es war in der Tat
die Art seiner Aggression und sein Verhalten gegenüber dem Rat - oder in den meisten Fällen seine
Mißachtung des Rats - die dazu beitrugen, die Menschen in der absoluten Notwendigkeit zusammenzuführen, der Aggression durch Aktionen im Sicherheitsrat zu begegnen. Der erste Gedanke waren Sanktionen. Sie wurden unverzüglich durchgeführt und dann
in jedem Stadium verstärkt, in dem Saddam - wie ich
sagte - den Rat zu mi ßachten schien, dessen Maßnahmen zu ignorieren versuchte und Drohgebärden machte.
In der Tat wurde das außerordentlich hohe Maß an
Konsens über den Einsatz von Gewalt - Resolution
678 - erzielt, weil Präsident Bush und Außenminister
Baker beide der Überzeugung waren, es sei eine
absolut notwendige Maßnahme, die von jedem rational denkendem Menschen, der sich mit der Angelegenheit befaßte, als weiterer Schritt abgesehen von
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einem Krieg angesehen würde. Ihr enormes persönliches Engagement in dieser besonderen Phase bewirkte einen ungeheuren Wandel bei der Konsensbildung . Da die Entscheidung, einen Krieg zu führen oder
ihn zu genehmigen von den Staats- und Regierungschefs selbst getroffen wird, erfordert es diplomatisches Geschick des Präsidenten und des Außenministers, um den Zusammenhalt des Rats zu bewahren
und auf den nächsten Schritt vorzubereiten.
Meines Erachtens war den Ratsmitgliedern der Gedanke nicht ganz behaglich, daß der Rat seine Entscheidungen nicht durchsetzen konnte und dies zum
Einsatz von Gewalt führen würde. Sie konnten jedoch
ruhigen Gewissens dem Gedanken zustimmen, daß
wir eine Entscheidung zugunsten des Einsatzes von
Gewalt treffen, eine Pause des guten Willens einlegen,
Diplomatie zur Lösung des Problems anwenden sollten, und dann - wenn alle anderen Bemühungen
scheiterten - lautete das oberste Gebot, daß das
Prinzip der internationalen kollektiven Sicherheit gegebenenfalls unter Einsatz von Gewalt verteidigt würde.
Frage: Sie deuteten Überraschung über Saddam
Husseins Mißachtung des Rats an und erklärten, dies
habe sich im Nachhinein als hilfreich erwiesen. Könnten Sie das etwas erläutern?

Seite 1

�Antwort: Es war Saddams Reaktion auf die Ratsentscheidungen, die es erleichterten, die Geschlossenheit im Rat zu kräftigen und von einem schwierigen
Schritt zum nächsten zu gehen. Das war die Überraschung. Wenn jemand zu Anfang gesagt hätte, der
Rat bliebe unbeugsam und würde diesen gesamten
Prozeß so durchlaufen, wie er im Jahr 1945 vorgesehen worden war, hätte ich gesagt, die Chancen sind
ziemlich gering.
Aber als der Prozeß voranschritt, gewannen wir alle
meines Erachtens mehr Zuversicht, daß der Rat zusammenhalten würde und das Faszinierende an der
Sache war, daß es zu allen Resolutionen 12 oder 13
Ja-Stimmen gab. Der andere interessante Aspekt ist,
daß der Rat weiterhin der Verwirklichung seiner Resolutionen stark verpflichtet ist.
Frage: Schien die Stimmung der Ratsmitglieder zu
schwanken - vielleicht unbeugsamer gegenüber Saddam Husseins offensichtlicher Kompromißlosigkeit als Sie sich zusammensetzten, um Saddams Aggression zu stoppen?
Antwort: Auf lange Sicht war unsere Richtschnur,
daß wir uns in der Sicherheitsstruktur nach dem kalten
Krieg mit einer riesigen Kluft konfrontiert sehen würden, die nirgendwo überbrückt werden kann, wenn die
Bestrebungen des Rats scheitern.
Wenn wir Erfolg haben würden, hätten wir einen ernsthaften Fortschritt im Geiste und in der Tat im Wortlaut
der UN-Charta bei der Schaffung eines Systems der
internationalen kollektiven Sicherheit erzielt, eines
Systems, das zum Einsatz von Gewalt zur Bekämpfung eindeutiger und offenkundiger Aggression bereit
ist, wenn es für die internationale Staatengemeinschaft absolut notwendig ist.
Frage: Als Sie die Resolutionen gegen den Irak
verabschiedeten, konnten Sie sich da an Präzedenzfällen orientieren oder haben Sie generell Neuland
beschritten?
Antwort: In jeder Phase gab es herkömmliche Elemente und bahnbrechende Elemente mit Auswirkungen auf die Zukunft, bis zur letzten umfangreichen
Resolution 687 - die an sich schon einzigartig ist, weil
der Sicherheitsrat erstmals Stellung zu den Schritten
nach dem Konflikt beziehen mußte, um eine solidere
Grundlage für regionale Sicherheit zu schaffen.
Zum Beispiel waren die ersten Sätze der Resolution
660 von gesundem Menschenverstand geleitet. Die
Resolutionen über Sanktionen basierten auf entsprechenden früheren Resolutionen, zum Beispiel auf denen,
die sich mit der Rhodesien-Frage und anderen Problemen beschäftigten.
Was die Resolutionen über eine Verschärfung der
Sanktionen betrifft, so hatte die Resolution über den

Seite 2

Einsatz der Marine zumindest in etwa einen Vorläufer
in einer Maßnahme bei der Rhodesienkrise. Bei der
Resolution über den Einsatz von Gewalt mußte man
natürlich nur einem Vorbild folgen: was 1950 in Korea
getan worden war. Es war nicht ganz dasselbe, weil
man neue und andere Gegebenheiten in Betracht
ziehen mußte.
Aber der Rat mußte im Hinblick auf Resolution 687
tatsächlich Neuland beschreiten, weil er sich der Notwendigkeit gegenübersah, eine ganze Bandbreite von
Problemen nach dem Konflikt zu lösen. Wie Sie
wissen, befaßte er sich unter anderem mit dem Problem eines Schadenersatzfonds, den Grenzen und
einer Sonderkommission für Inspektionen. Dies alles
bringt neue Probleme mit sich, mit Ausnahme der
Beobachtermission, die an der Grenze zur entmilitarisierten Zone patrouilliert.
Frage: Waren Sie überrascht über die in Saddam
Husseins Arsenal entdeckten Waffen und darüber, wie
schnell die Koalitionsstreitkräfte die irakischen Truppen aus Kuwait vertrieben haben?
Antwort: Wir waren uns alle darüber im klaren, daß er
ungeheure Geldsummen und viel Zeit in die Programme der Massenvernichtungswaffen und auch der
konventionellen Waffen gesteckt hatte. Aber meiner
Ansicht nach waren wir trotzdem angenehm überrascht - auch wenn manches nicht eindeutig klar war
und wir auf Vermutungen angewiesen waren - daß sein
Militär tatsächlich nach einem viertägigen Landkrieg
zusammenbrach.
Ich denke, der alliierten militärischen Führung und
allen Boden-, Luft- und Seestreitkräften gebührt Dank
dafür, daß wir diese Ziele so schnell erreicht haben.
Dieser ganze Prozeß bietet viele kleine und große
Überraschungen. Es gab Hinweise, daß er über ein
umfangreiches C-Waffenprogramm verfügte, aber
trotzdem haben uns die Details und präzisen Zahlen
erst vor Augen geführt, daß dieser Mensch unglaublich
viel Geld ausgab und Aufwand trieb, um eine große
Militärmaschinerie aufzubauen. Seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnten ihn veranlaßt haben,
einen weiteren Eroberungsfeldzug zu führen. Der Irak
befand sich in einer Art Teufelskreis, der wohl eine
Zeitlang unterschätzt worden ist.
Nach seiner Invasion Kuwaits konnte man ihn kaum
noch unterschätzen. Vorher war es leichter zu unterschätzen, wer und wie er war und was er vorhatte.
Frage: Der Sicherheitsrat hat bis jetzt die Gratwanderung zwischen Festigkeit gegenüber Saddam Hussein
und Mitgefühl und Verständnis für die Leiden der
kurdischen Flüchtlinge und andere Zivilisten in der
Region bewältigt. Glauben Sie, daß dies dem Sicherheitsrat in den kommenden Monaten weiterhin gelingen wird?

AMERIKA DIENST 31

�Antwort: Das glaube ich schon. Es war die auch vom
Präsidenten geäu ßerte Grundlage unserer Politik, daß
die Vereinigten Staaten ein starkes humanitäres Interesse am Wohlergehen des irakischen Volkes haben,
und wir nehmen unsere Verpflichtung in dieser Hinsicht sehr ernst. Wir sind bestrebt, alles in unserer
Macht Stehende zu tun, um es aus seiner besonderen
Zwangslage zu erlösen, obwohl seine Führung in
unseren Augen verwerflich handelt.
Jüngste Meinungen hier in New York und andernorts
gehen dahin, daß im Hinblick auf die humanitären
Probleme nicht die internationale Staatengemeinschaft
die Rechnung zahlen soll, sondern der Irak. Aber der
Irak sollte es auf eine Weise tun, bei der die gegen
Saddam Hussein und seine Partei getroffenen Regelungen nicht gefährdet werden. Es scheint, daß
Möglichkeiten dazu jetzt von den Ratsmitgliedern
vorgeschlagen und vorsichtig erwogen werden, und
meiner Ansicht nach ist dies eine wichtige und nützliche Entwicklung.
Daher sprechen wir nicht mehr über die Aufhebung von
Sanktionen sondern darüber, daß der Irak für die
humanitäre Hilfe direkt zahlen soll - möglicherweise
durch Öllieferungen - und die Sanktionen gegen Saddam und sein Gefolge in Kraft bleiben. Sie sollen
isoliert bleiben und sich keine Vorteile verschaffen
können.
Ich habe dem Kongreß vorgetragen, daß ein solches
Vorgehen den Vereinten Nationen zwei wichtige Rollen verschaffen würde, die den Druck aufrechterhalten
und vielleicht sogar noch verstärken würden. Die
Vereinigten Staaten würden die Erlöse aus dem Verkauf von Öl kontrollieren. Die Vereinten Nationen
könnten bei der Überwachung der Verteilung von
Nahrungsmitteln und Medikamenten im Irak strenger
und sorgfältiger vorgehen, um zu gewährleisten, daß
Saddam nicht mehr - wie in der Vergangenheit geschehen - Mittel nur für seine Parteilieblinge, seine Freunde
im Militär und die Leute abzweigt, die ihm in seiner
Heimatstadt und deren Umgebung grundlegende
Unterstützung gewährt haben.
Frage: Glauben Sie, daß diese Ereignisse am Golf
positive Veränderungen im Hinblick auf den Vertrag
über die Nichtverbreitung von Kernwaffen, das Verifizierungsregime und die Einhaltung des Vertrags über
C- und B-Waffen hervorbringen wird?
Antwort: Davon gehe ich aus. Meines Erachtens
haben wir gelernt, daß kurzfristig anberaumte Verdachtsinspektionen als Bestandteil eines Rüstungskontrollregimes teilweise die Fähigkeit liefern, Betrugsmanöver aufzudecken und ans Licht zu bringen.
Es gab sicherlich kein vollständig vereinbartes Regime, und es ist klar, daß der Irak seine Sicherheitsarrangements laut Nichtverbreitungsvertrag ständig
gebrochen hat. Ebenso waren die irakische Behandlung der Inspektionen sowie die Art und Weise, in der
die Iraker mit den Inspektionen umgegangen sind
AMERIKA DIENST 31

unserer Ansicht nach eindeutige Verletzungen der
Resolution 687 und ihrer Verfügungen.
Dies scheint seitens des Irak chronisch zu sein. Bisweilen scheinen die Iraker einerseits bis zu einem
gewissen Punkt weitere Informationen zu liefern. Das
ist wie bei einem Kriminellen, der hofft, daß er die von
ihm begangenen schwerwiegenden Verbrechen verschweigen kann, wenn er ein Geständnis über die
weniger bedeutenden ablegt. Aber wie bei jedem
Kriminellen, der sich vor Gericht oder in den Händen
der Polizei befindet, ist es offensichtlich, daß diese
Leute versuchen werden, den ganzen Fall zu lösen.
Über die IAEO und die Sonderkomission bemühen
sich die Vereinten Nationen derzeit intensiv, dies zu
tun.
Frage: Im Hinblick auf die irakische Weigerung,
umfassend mit den Inspektionsteams zusammenzuarbeiten, die sich um die Überprüfung der atomaren,
chemischen und biologischen Waffen des Irak bemühen, können Sie unter den Sicherheitsratsmitgliedern
eine Tendenz feststellen, derzufolge das Verifizierungsregime der IAEO gestärkt oder erneut untersucht
werden soll?
Antwort: Dr. Hans Blix, der Generaldirektor der IAEO,
hat selbst von möglichen Wegen zur Stärkung des
Regimes gesprochen, und er selbst wei ß sehr wohl um
den Wert einiger der Inspektionsverfahren, die in
Resolution 687 ausgeführt sind. Ich bin deshalb sicher, daß man sich sehr sorgfältig mit diesem Teil
beschäftigen wird.
Eines ist dabei zutage getreten, nämlich die Tatsache,
daß ein Land mit einer relativ modernen industriellen
Struktur, mit Entschlossenheit und dem notwendigen
Ausbildungsstand keiner großartigen Hilfe von außen
bedarf, um mit der Entwicklung eines Nuklearprogramms zu beginnen. Sicherlich schienen die vom
Irakin Angriff genommenen Verfahren zurelektromagnetischen Trennung von Isotopen in diese Kategorie
zu fallen.
Man kann daher nicht alle Kontrollen zur Nichtverbreitung einzig auf dem Gedanken aufbauen, daß nur
importiertes Material oder importierte Technologien
oder Aktivitäten zu kontrollieren sind. Es müssen
vielmehr durchgreifende Maßnahmen getroffen werden, um sicherzustellen, daß die einzelnen Staaten
ihre Verpflichtungen auch bei national produziertem
Material erfüllen. Das ist eine schwierigere Frage,
wenn nicht irgendeiner Organisation das Recht eingeräumt wird, Inspektionen durchzuführen, insbesondere dort, wo einzelne Staaten dies nicht melden und wo
die Überwachung des internationalen Handels nicht
zur Entdeckung dieser Materialien führt.
Frage: Glauben Sie, daß die Effektivität der Vereinten
Nationen bei der Lösung der Golfkrise andere Nationen dazu veranlaßt hat, die UNO um Hilfe bei der
Lösung ihrer Probleme zu bitten?
Seite 3

�Antwort: Das ist möglich. Man sollte in diesem
Zusammenhang zwei Punkte erwähnen. Der eine ist,
daß der Wandel in den Vereinten Nationen bereits vor
einiger Zeit eingesetzt hat und bereits einige Zeit
anhält, und dies war unterschwellig eine Grundlage für
die folgende Entwicklung. So ergab sich die Regelung
für Angola aus der Lösung für Namibia. Es dauerte
zehn Jahre, um die Regelung für Namibia zu erreichen.
Die UNO spielte in den vergangenen zwei Jahren eine
wichtige Rolle bei ihrer Verwirklichung.
Bei der weiteren Entwicklung dieser Prozesse spielt
jedoch meines Erachtens zunehmend das durch den
Golf krieg geschärfte Bewußtsein der Öffentlichkeit

*

Seite 4

*

und der politisch Verantwortlichen in der Welt sowie
das enorme weltweite Interesse daran und die Berichterstattung der Medien über den Golfkrieg eine Rolle.
Dies hat die Möglichkeiten der UNO zur Erfüllung einer
effektiveren Rolle in all diesen Bereichen in den Augen
der Menschen erhöht, die sich zu diesem Zweck an sie
wenden oder auf sie stützen könnten.
Es handelt sich um eine Symbiose. Es hängt zusammen. Es war nicht der Golfkrieg, der die UNO verändert hat. Vielmehr vollzog sich in der UNO gerade ein
Wandel, als der Golfkrieg ausbrach. Die UNO und die
Veränderungen und der Golf krieg waren Teil gemeinsamer Bemühungen.

* *

AMERIKA DIENST 31

�GOLFKRISE
7. August 1991

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG IN AMERIKA
Umfrage zur Golfkrise
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einige in Amerika aktuelle Problembereiche zur Golf krise
und die Meinung der Bürger zu diesen Themen, wie sie aus jüngsten Meinungsumfragen hervorgehen. Das
Material zu diesen Umfragen wurde vom Roper Center for Public Opinion an der University of Connecticut
gesammelt.

Amerikanische Maßnahmen am Golf immer noch
gut zu begründen

Saddam Hussein soll nicht mehr die Macht haben,
Kriege zu führen

Ein Jahr nach der irakischen Invasion Kuwaits halten
die meisten Amerikaner den Golfkrieg immer noch für
gerechtfertigt und geben an, immer noch über die
Bedingungen in der Region besorgt zu sein. Eine Mitte
Juli durchgeführte Umfrage von Associated Press
fragte, welcher der folgenden Punkte (im nachhinein)
"für die Vereinigten Staaten eine gute oder keine gute
Begründung waren, um gegen den Irak Krieg zu führen".

Antworten:

Der Irak soll daran gehindert werden, ein wichtiges Weltölreservoir zu kontrollieren.

Antworten:

Antworten:
Gute Begründung

72%

Keine gute Begründung

25%

Keine Meinung

3%

Der Irak soll an der Entwicklung von Atomwaffen
gehindert werden.
Antworten:
Gute Begründung

86%

Keine gute Begründung

12%

Keine Meinung

AMERIKA DIENST 31

Gute Begründung

85%

Keine gute Begründung

12%

Keine Meinung

2%

Irakische Truppen dürfen die Menschen in Kuwait
nicht mehr töten und mißhandeln

Gute Begründung

86%

Keine gute Begründung

13%

Keine Meinung

1%

Die kuwaitische Regierung muß wiedereingesetzt
werden
Antworten:
Gute Begründung

69%

Keine gute Begründung

26%

Keine Meinung

5%

1%

Seite 1

�Gegenwärtige Sorgen

Die Mehrheit hält den Golfkrieg für gerechtfertigt

USA Today befragte die Amerikaner über ihre aktuellen Sorgen zur Golfregion. Auf die Frage, ob sie über
"Kuwaits demokratische Fortschritte" besorgt seien,
antworteten sie:

Es wurde ferner die Frage gestellt: "Meinen Sie
aufgrund dessen, was Sie heute wissen, daß der
amerikanische Angriff auf die irakischen Streitkräfte
richtig oder falsch war?"

Sehr besorgt

24%

Etwas besorgt

47%

Richtig

79%

Nicht sehr besorgt

18%

Falsch

16%

Überhaupt nicht besorgt

9%

Keine Meinung

5%

Antworten:

Keine Meinung

Von der Nachrichtenagentur Associated Press wurde darüber hinaus gefragt, ob rückblickend "die Vereinigten Staaten den Kampf (gegen den Irak) hätten
fortsetzen sollen, um Saddam Hussein zu stürzen?"

Das irakische Atomwaffenprogramm
Sehr besorgt

67%

Etwas besorgt

22%

Nicht sehr besorgt

6%

Überhaupt nicht besorgt

4%

Keine Meinung

1%

Antworten:

43%

Etwas besorgt

40%

Ja

70%

Nein

22%

Keine Meinung

8%

Die von USA Today gestellte Frage, ob die Vereinigten Staaten "derzeit (weitere) militärische Maßnahmen gegen den Irak ergreifen sollten", wurde dagegen
folgendermaßen beantwortet:

Das Schicksal der Kurden
Sehr besorgt

5%

21%
Nicht sehr besorgt

8%

Überhaupt nicht besorgt

5%

Keine Meinung

4%

71%
Keine Meinung

7%

Saddam Husseins weiterer Verbleib an der Macht
Sehr besorgt

74%

Etwas besorgt

17%

Nicht sehr besorgt

4%

Überhaupt nicht besorgt

5%

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�GOLFKRISE
7. August 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse in den Monaten Juni und Juli 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Fortsetzung der Chronologie zu den Ereignissen
am Golf.

5. Juni
Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater,
konstatierte in einer Sondererklärung des Weißen
Hauses, der Irak habe systematisch erhebliche Mengen der im Rahmen des Weltnahrungsmrttelprogramms
(World Food Program - WFP) gelieferten Nahrungsmittel in reguläre Lebensmittelrationen des Handelsministeriums umgewandelt. "Dies ist ein weiteres
Beispiel für Saddams zynische Mißachtung schwacher Gruppen von Frauen und Kindern zugunsten von
Stützungsmaßnahmen für sein Regime", erklärte Fitzwater. Das WFP beschränkt die Verteilung von Lieferungen in dem Land, bis das Problem angemessen
gelöst ist.
7. Juni
Den Vereinten Nationen zufolge soll die erste Gruppe
von Waffenexperten zur Überwachung der Zerstörung
von chemischen und biologischen Waffen des Irak am
9. Juni in Bagdad eintreffen.
Die Sonderkommission der Vereinten Nationen (U.N.
Special Commission - UNSCOM) zur Überwachung
der Abrüstung im Irak schätzt, daß der Irak etwa 600
Tonnen chemische Waffen besitzt und erklärt, sie
verfüge über "Hinweise einiger Regierungen, daß es
mehr chemische Waffen gibt als der Irak zugibt." Die
Inspektionen von UNSCOM werden bestimmen, ob
der Irak Material zur Herstellung biologischer Waffen
besitzt, das zerstört werden sollte.
8. Juni
Die kuwaitische Regierung verkündet eine Aufhebung
des Kriegsrechts zum 25. Juni. Der kuwaitische JuAMERIKA DIENST 31

stizminister erklärt, alle Gerichtsverfahren würden nach
dem 25. Juni von regulären Gerichten erneut verhandelt.
Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen ist für die Abwicklung der Operation Provide
Comfort - dem gemeinsamen Hilfsprogramm für kurdische Flüchtlinge in Nordirak - zuständig. Er wird
femer die Rolle der nichtstaatlichen und privaten Hilfsorganisationen koordinieren, die Nahrungsmittel und
Wasser verteilen, medizinische Hilfe leisten und im
Irak Versorgungscamps für die Flüchtlinge aus dem
Irak aufbauen.
10. Juni
Der Botschafter der Vereinigten Staaten in Kuwait,
Edward Gnehm, begrüßt Kuwaits "unglaubliche Leistungen" beim Wiederaufbau seit der Befreiung von
der irakischen Besetzung. Gnehm fordert die Kuwaitis
auf, "in demselben Maße Gerechtigkeit und Kontinuität
für alle Menschen in Kuwait walten zu lassen, in dem
die ganze Welt diese Grundsätze für die Kuwaitis
erkämpft hat".
11. Juni
Die irakische Einhaltung von Resolution 687 des UNSicherheitsrats zur Beendigung des Krieges war "weniger als eine angemessene, befriedigende Einhaltung," deshalb werden die Handelssanktionen gegen
Bagdad wahrscheinlich weiterhin gelten, erklärte der
US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Alexander Watson, nach einem zweistündigen Folgetreffen
des UN-Sicherheitsrats. Resolution 687 stellt einen
Zeitplan auf, nach dem der Irak die Bedingungen
erfüllen muß. Die Resolution fordert eine schrittweise
Seite 1

�Aufhebung des Handelsembargos, wenn der Irak entsprechende Bedingungen erfüllt.

Beamte der Vereinten Nationen bestätigen, daß etwa
10 Beamte und Waffenexperten der IAEO und UNSCOM in den Irak zurückkehren sollen, um Berichte
12. Juni
über zusätzliche Einrichtungen zu prüfen, die zur
Waffenherstellung
Uran verarbeiten. Die Gruppe will
UN-Generalsekretär Perez de Cuellar leitet eine KonBehauptungen
eines
irakischen Wissenschaftlers
ferenz in Genf, um Geld für die Programme an der
verifizieren,
der
im
Nordirak
zu den US-Truppen überGrenze des Irak zu Kuwait, der Türkei und dem Iran zu
gelaufen
ist
und
demzufolge
das irakische Regime
sammeln. Die Vereinten Nationen erklären, ihren
versucht
hat,
Uran
zur
Waffenherstellung
zu verarbeiHilfsprogrammen für den Irak, Kuwait, den Iran und die
Türkei fehlten 240 Millionen Dollar, und sie benötigten ten und über vier geheime Einrichtungen verfügt, die
dringend Geld für Nahrungsmittel und zur Unterstüt- im Krieg nicht von den Bomben der Alliierten zerstört
wurden.
zung der UNO-Truppen in kurdischen Städten.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschie13. Juni
det einstimmig die UN-Resolution 699, die dem Plan
US-Botschafter Alexander Watson erklärt dem UN- des Generalsekretärs zustimmt, daß die IAEO und
Sicherheitsrat, daß 50 Prozent der irakischen Ölein- UNSCOM die Zerstörung irakischer Waffen durchfühnahmen zur Abgeltung der Schäden des Golfkriegs ren sollen.
verwendet werden sollten. Watson zufolge liegt Perez
de Cuellar mit seiner Empfehlung von 30 Prozent In einer gesonderten Abstimmung verabschiedet der
"etwas zu niedrig". Die obligatorischen Sanktionen UN-Sicherheitsrat Resolution 700, mit der das Waffengegen irakisches Öl sind jedoch immer noch in Kraft, embargo gegen den Irak bestätigt wird. Das Embargo
deckt alle Arten von konventionellen Waffen und miliund in absehbarer Zukunft werden keine irakischen
tärischem Gerät ab, chemische und biologische WafÖlverkäufe erwartet.
fen und ihre Bestandteile, alle ballistischen Raketen
mit einer Reichweite über 150 Kilometer und Atomwaf14. Juni
fen, Material oder Bestandteile. Der Rat bittet alle
Der Stellvertretende UN-Generalsekretär Richard Foran Länder, Waffenlieferungen zu überwachen und für
erklärt, Kuwait werde die erste größere Lieferung Verletzungen Strafen zu verhängen.
seines vom Irak erbeuteten Eigentums - 3.216 Goldbarren - in zwei Wochen erhalten, bei einer Übergabe 20. Juni
in Arar, Saudi-Arabien, 60 km südlich der irakischen
Grenze und 400 km westlich von Kuwait. Foran Der Stellvertretende Sprecher des Außenministeriums,
zufolge gibt es bisher keine Hinweise, daß Exponate Richard Boucher, bekräftigt die Sorge der Vereinigten
Staaten über die Notwendigkeit angemessener Rechtaus den kuwaitischen Museen auf dem internationalen
sprechung bei den weiterhin nach dem Kriegsrecht
Kunstmarkt gehandelt werden.
geführten Prozessen in Kuwait. "Wir haben der kuwaitischen
Regierung gegenüber... immer wieder betont,
17. Juni
wie wichtig die Achtung der Menschenrechte und
Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium, John ordentliche Prozesse sind, und das haben wir auch bei
Kelly, erklärt dem Kongreß, die Vereinigten Staaten den laufenden Gerichtsverfahren betont," erklärt
werden weiterhin die Vereinten Nationen ermutigen, Boucher.
die Bestimmungen der Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats zu verwirklichen, die ein andauerndes Em- 21. Juni
bargo militärischer Lieferungen an den Irak fordert,
ferner die internationale Überwachung der Zerstörung Das US-Finanzministerium setzt sieben Personen auf
von irakischen Massenvernichtungswaffen und balli- seine Liste von Firmen, die als Tarnunternehmen für
stischen Raketen mit Reichweiten über 150 Kilome- den Irak gearbeitet haben. Damit setzt das Ministerium seine Untersuchung fort, um die weltweite Betern.
schaffung und das finanzielle Netzwerk des Irak aufzuDem Stellvertretenden Sprecher des Weißen Hauses, decken und unschädlich zu machen. Es handelt sich
Richard Boucher, zufolge ist es wichtig, daß die In- um Ali Hassan Al-Majid, Saddams Cousin väterlicherspektionsteams der IAEO und UNSCOM ihre Autorität seits und Innenminister des Irak; Hussein Kanel Al"bestmöglich nutzen", um "kurzfristige Inspektionen Majid, Saddams Schwager und Leiter des Ministeverdächtiger Einrichtungen" durchzuführen und somit riums für Industrie und militärische Industrialisierung;
die Beseitigung der Fähigkeit des Irak zur Herstellung Barzan Ibrahim Hassan Al-Takriti, Saddams Halbbruvon Atomwaffen zu gewährleisten. Vorsitzender der der und Ständiger Vertreter des Irak bei den Vereinten
UNSCOM ist Botschafter Rolf Ekeus aus Schweden, Nationen in Genf; Sabawi Ibrahim Al-Takriti, Saddams
sein Stellvertreter ist Dr. Robert L. Gallucci aus den Halbbruder und Leiter des irakischen NachrichtenVereinigten Staaten. Der Kommission gehören Abrü- dienstes; Watban Al-Takriti, Saddams Halbbruder und
Beamter im irakischen Präsidentenpalast; Udai Sadstungsexperten aus 19 weiteren Ländern an.

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�dam Hussein, Saddams ältesten Sohn und Latif Nusayyif Jaasim, Mitglied des Revolutionären Kommandorats und früherer Minister für Kultur und Information
in der irakischen Regierung.
Die Mehrheit der 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats
einigt sich darauf, daß die Handelssanktionen gegen
den Irak nicht aufgehoben werden. Die Aufrechterhaltung der Handelssanktionen gegen den Irak sei jedoch
nicht gegen irakische Zivilisten gerichtet, erklärt Botschafter Alexander Watson. "Die Lage im Irak kann
aus einer Vielzahl von Gründen schwierig sein ... die
auf das Verhalten der irakischen Regierung zurückzuführen sind", fügt der Botschafter hinzu.
24. Juni
Das von der Sonderkommission der Vereinten Nationen (UNSCOM) entsandte Team zur Zerstörung der
C-Waffen veröffentlicht eine Erklärung über die Ergebnisse seiner ersten Inspektion der Muthanna-Anlage
im Irak. Es berichtet, irakische Vertreter hätten dem
Team gegenüber erklärt, die Anlage sei für die Produktion der Unkrautvernichtungsmittel Propanil und Dalapon sowie für Forschung an den Nervengasen Soman
und VX verwendet worden, eine umfangreiche Produktion von Nervengasen habe jedoch nicht stattgefunden. Der Bericht gelangt zu dem Schluß, daß die
Besichtigung "nur eine erste Sondierungsinspektion"
gewesen und es nicht möglich sei, Schlußfolgerungen
über den Wahrheitsgehalt der generellen Erklärung
des Irak zur Muthana-Anlage zu ziehen.
25. Juni
Die kuwaitische Regierung gibt die Aufhebung des
Kriegsrechts bekannt.
26. Juni
Die Vereinigten Staaten beschuldigen den Irak der
absichtlichen Täuschung der Vereinten Nationen und
der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO)
über sein Atomwaffenprogramm und verurteilen Bagdad für die Verhinderung der Überraschungsinspektion einer Militäranlage, in der Material zur Kernspaltung vermutet wird. Die Vereinigten Staaten "sind tief
besorgt über die Umgehung der Verpflichtungen des
irakischen Regimes gemäß UN-Resolution 687", stellt
die Sprecherin des US-Außenamts, Margaret Tutwiler, in einer Sondererklärung fest.
Der Irak verweigert der Sonderkommission der Vereinten Nationen (UNSCOM) im Irak die Verifizierung und
Offenlegung von Material zur Kernspaltung und Massenvernichtungswaffen des Irak, erklärt der Abteilungsleiter im US-Außenministerium, John Kelly, vor
dem Kongreß. Der Irak verhindert den Zugang zu
Anlagen, "in denen verdächtige Aktivitäten stattfinden", so Kelly. "Wir sind nicht bereit, Nein als Antwort
zu akzeptieren.. Wir sind fest entschlossen, für die
vollständige Durchführung dieser Resolutionen Sorge

AMERIKA DIENST 31

zutragen. Wir werden darauf drängen, daßdie Vereinten Nationen eine unerschütterliche Haltung gegenüber dem Irak einnehmen, weil diese Art von Verletzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats... nicht
hinnehmbar ist."
Der UN-Sicherheitsrat hält offizielle und inoffizielle
Sitzungen ab, "um tiefe Bestürzung über den Versuch
des Irak zum Ausdruck zu bringen, das Ausmaß seiner
mit Atomwaffen zusammenhängenden Programme zu
verschleiern." Der Rat weist seinen derzeitigen Präsidenten, den Vertreter der Elfenbeinküste, Jean-Jacques Bechio, an, sich mit dem ständigen Vertreter des
Irak zu treffen, um "neue schriftliche Versicherungen
der Einhaltung von Resolution 687 durch den Irak" zu
fordern. Der Ratspräsident ist angewiesen, die unbeugsame Haltung des Sicherheitsrats anzudeuten,
daß der Irak unverzüglich der Sonderkommission das
von der Anlage im Irak entfernte Gerät zur Verfügung
stellt.
27. Juni
Der Unterabteilungsleiter im US-Außenministerium,
David Mack, beruft den Leiter der irakischen Interessenvertretung in Washington ins Außenministerium,
um Bagdad zu warnen, daß es die Bestimmungen der
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats bezüglich der
Inspektion seiner Nuklearanlagen strikt einhalten muß.
28. Juni
Die Vereinigten Staaten erklären, am 28. Juni seien
Warnschüsse auf Inspektionsteams abgefeuert worden, als irakische Behörden die Überraschungsinspektion einer Militäreinrichtung zum zweiten Mal binnen
einer Woche verhinderten. Mit der Verurteilung der
"totalen Mißachtung" der Resolution 687 des UNSicherheitsrats durch den Irak, die den ungehinderten
Zugang zu vermuteten Atomanlagen fordert, charakterisiert die Sprecherin des US-Außenministeriums,
Margaret Tutwiler, das Verhalten des Irak als "einen
eindeutigen und offenkundigen Bruch der Resolution
687 des UN-Sicherheitsrats".
In einer in Kennebunkport (Maine) abgegebenen Erklärung bekräftigt Präsident Bush, daß der irakische
Präsident Saddam Hussein die UN-Resolutionen einhalten muß. "Wie alle anderen möchte auch ich die
vollständige Verwirklichung dieser UN-Resolutionen
sehen", stellt der Präsident fest.
Der UN-Sicherheitsrat entscheidet die Entsendung
einer Sonderdelegation nach Bagdad, um mit den
irakischen Behörden den jüngsten Vorfall zwischen
dem irakischen Militär und einem UN-Team zu erörtern, das versuchte, vermutlich in eine zweite irakische
Anlage verlegtes uranangereichertes Material zu inspizieren. Dem schwedischen Diplomaten Rolf Ekeus
zufolge, der die UN-Sonderkommission leitet, wurde
dem Team am Morgen des 28. Juni erneut der Zugang
zur AI Falluja-Anlage verweigert. Mit diesem ZwiSeite 3

�schenfall hat der Irak zum zweiten Mal in einer Woche
Resolution 687 des UN-Sicherheitsrats verletzt.
30. Juni
Eine UN-Delegation mit Botschafter Rolf Ekeus, dem
Vorsitzenden der UNSCOM, Hans Blix, dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation und Yasushi Akashi, dem Stellvertretenden UNGeneralsekretär für Information bricht in den Irak auf.
5. Juli
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen umfangreiche
diplomatische Konsultationen zum kontinuierlichen
Widerstand des Irak gegen internationale Nuklearinspektionen, erklärt der Stellvertretende Pressesprecher des Weißen Hauses, Roman Popadiuk.
9. Juli
Die Vereinigten Staaten fordern die vollständige Enthüllung der Nuklearaktivitäten des Irak und unverzüglichen Zugang zu irakischen Einrichtungen für UNInspektoren. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Margaret Tutwiler, erklärt, die irakische Regierung habe in einem 29 Seiten umfassenden Schreiben
an UN-Generalsekretär Perez de Cuellar zugegeben,
aus bestimmten "nationalen Sicherheitserwägungen"
Gerät vor der UN und IAEO versteckt zu haben, jedoch
eingeräumt, ihr Programm diene nur friedlichen Zwekken. Die vom Irak abgegebenen Erklärungen zum
Umfang seiner Fähigkeiten decken sich nicht mit den
wissenschaftlichen Daten der Vereinigten Staaten über
die irakischen Programme, so Tutwiler. "Wir finden
dies völlig inakzeptabel", stellt sie fest und verweist auf
die Zustimmung des Irak zu Resolution 687 des UNSicherheitsrats und deren vollständiger Verwirklichung.
Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete
Williams, erklärt, von den auf dem Höhepunkt der Krise
rund 500.000 Geflohenen, "verbleiben nur ungefähr
9.500 im UN-Camp in Sacho". Ihm zufolge ist die
humanitäre Mission der amerikanischen Streitkräfte
im Nordirak "praktisch abgeschlossen".
Beim Treffen der fünf Ständigen Vertreter des UNSicherheitsrats über Rüstungstransfers und Nichtweiterverbreitung in Paris wird eine von Massenvernichtungswaffen freie Zone im Nahen Osten gefordert. Die
Vereinigten Staaten, Großbritannien, China, Frankreich und die Sowjetunion erklären den Nahen Osten
zum Hauptspannungsgebiet und vereinbaren ein Treffen im September, um Konsultationen und einen Informationsaustausch über Waffenlieferungen in die Region
zu erarbeiten.
11. Juli
Die Regierung des Irak ist sowohl im Rahmen des
gültigen Völkerrechts als auch der Resolution 687 des
UN-Sicherheitsrats "voll und ganz verantwortlich" für

Seite 4

während der Besetzung Kuwaits verursachte "mutwillige" Umweltverschmutzung, erklärt der Rechtsberater
des US-Außenministeriums, Michael J. Matheon, vor
dem Kongreß.
12. Juli
Dem Pentagon-Sprecher Pete Williams zufolge haben
die Nordirak verlassenden Koalitionsstreitkräfte den
Irak vor einer erneuten Verletzung des Friedens in der
Region gewarnt. Williams erklärt, irakische Regierungsvertreter seien über die besonderen Forderungen der Koalitionsstreitmacht informiert worden: Irakische Flugzeuge dürfen nicht nördlich des 36. Breitengrades fliegen, und die irakische Armee, Sonderpolizei
und militärischen Grenzschutzbeamten müssen ausserhalb der Sicherheitzone bleiben.
Die fünf Ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats mahnen
den Irak, in den nächsten zwei Wochen sein gesamtes
Nuklearwaffenmaterial offenzulegen oder sich auf
ernsthafte Konsequenzen gefaßt zu machen. Westliche Diplomaten geben keine Einzelheiten über das
Treffen hinter verschlossenen Türen zwischen den
fünf Botschaftern und dem irakischen Botschafter Abdul
Amir Al-Anbari preis. Die Fünf räumen Bagdad eine
Frist bis zum 25. Juli zur uneingeschränkten Zusammenarbeit mit den UN-Teams im Land ein.
Der kurdische Rebellenführer Jalal Talabani trifft mit
dem irakischen Staatspräsidenten Saddam Hussein
zusammen und erklärt anschließend, das Gespräch
habe einige Hindemisse auf dem Weg zu einer Vereinbarung über kurdische Autonomie aus dem Weg geräumt. Dagegen stellt der Anführer der Kurdischen
Demokratischen Partei, Massud Barzani, fest, es gebe
noch eine Reihe ungelöster Probleme mit der irakischen Regierung, darunter der Umfang des künftigen
autonomen Kurdengebiets sowie Bestimmungen in
einem Mehrparteiengesetz, die es allein der regierenden Baath-Partei Saddam Husseins gestatten würden, in den Streitkräften und Sicherheitszonen zu
werben.
15. Juli
Die humanitären Grundbedürfnisse des irakischen
Volkes könnten dem Stellvertretenden Sprecher des
US-Außenministeriums, Richard Boucher, zufolge im
Rahmen der bestehenden Sanktionen des UN-Sicherheitsrats befriedigt werden. Gleichwohl gingen die
Vereinigten Staaten davon aus, daß jeder zur Grundversorgung des irakischen Volkes entwickelte Liefermechanismus "strikte Kontrollen und genaue Überwachung beinhalten muß". Boucher erklärt, daßseitdem
22. März 1991 Lieferungen von über 1,1 Millionen
Tonnen an Nahrungsmitteln (für den Irak) bekanntgeworden seien, also etwa eine Tonne auf 18 Iraker. Die
Vereinigten Staaten stünden "in engen Konsultationen
mit den Mitgliedern des Sicherheitsrats und unseren
Koalitionspartnern".

AMERIKA DIENST 31

�Die UNO-Sonderkomission (UNSCOM) berichtet, sie
habe eine weitere viele Milliarden Dollar teure Stätte
zur Anreicherung von Uran ermittelt, die Bagdad in
seiner Deklaration für den UN-Sicherheitsrat nicht
erwähnt habe. Dem Bericht zufolge bestehen weiterhin Diskrepanzen zwischen den von Irak gemeldeten
Beständen und den Ermittlungsergebnissen der Experten bei Inspektionen von Einrichtungen im gesamten Land. Das Team erklärt, der Typ der bisher
untersuchten Einrichtungen sei für die friedliche Nutzung der Kernenergie ungeeignet.
Die UNSCOM bestätigt Berichte, wonach sie am 18.
Juni 1991 abgeschickte Dokumente vom Irak erhalten
habe, in denen Bagdad den Bau einer "Superkanone"
zugibt. Noch im Mai hatte der Irak den Besitz einer
solchen Kanone dementiert. Aus diplomatischen Kreisen
verlautet, die Kommission versuche herauszufinden,
ob diese Waffe chemischen, biologischen oder nuklearen Zwecken dienen sollte.
18. Juli
Der Abteilungsleiter im US-Außenministerium, John
Bolton, erklärt in einer Stellungnahme im Kongreß zur
Freigabe irakischer Vermögenswerte und deren Übergabe an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
(UNICEF), die Vereinigten Staaten stünden den Bedürfnissen des irakischen Volkes und den Absichten
dieses Vorschlags wohlwollend gegenüber. "Der erste
Schritt muß jedoch von Bagdad ausgehen. Man hat
dort keinerlei humanitäre Anzeichen gegeben."
US-Botschafter Thomas Pickering erklärt nach einer
scharfen Verurteilung der irakischen Verletzungen des
Waffenstillstandsabkommen zur Beendigung des
Golfkrieges vor dem Kongreß, jegliche Hilfslieferungen an irakische Bürger müßten strikt kontrolliert und
von der internationalen Staatengemeinschaft überwacht werden.
19. Juli
Die UNSCOM erklärt, "es bleibt noch viel zu tun", um
das gesamte Ausmaß des irakischen Programms zu
klären. Ein Drittel der Nuklearexperten und IAEOVertreter besichtigten gegenwärtig Standorte und
sammelten Daten im Irak.
Die U NO-Truppen im Nordirak berichten von Zusammenstößen zwischen kurdischen und irakischen Streitkräften. Erste beim Chefdelegierten Prinz Sadruddin
Agha Khan in Genf eingegangene Berichte sprechen
von 50 bis 500 Opfern. Die Zahl der Verletzten ist
unklar.
23. Juli
Das Exekutivrat der UN-Entschädigungskommission,
dem Vertreter der gegenwärtigen 15 Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats angehören, tritt zum ersten Mal in

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Genf zusammen, um Leitlinien für die Stellung und Bewertung von Forderungen aufgrund der irakischen Besetzung Kuwaits festzulegen.
24. Juli
Fausto Pocar, Menschenrechtsexperte aus Italien und
Vorsitzender des Menschenrechtskomitees der Vereinten Nationen, kritisiert den Irak wegen "unbefriedigender" Antworten auf Fragen zur Einhaltung internationaler Menschenrechtsnormen und erklärt, das
Komitee "sei überhaupt nicht zufrieden" mit den Antworten des Irak auf Fragen über seine Aktionen im
Umfeld der Invasion Kuwaits. In einigen Fällen seien
die Antworten "nicht existent", stellt er fest.
25. Juli
Die von den fünf Ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats gesetzte Frist für die vollständige Bekanntgabe seines Nuklearprogramms durch den Irak verstreicht, ohne daß die Diplomaten mit den Antworten
Bagdads zufrieden sind.
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO)
erklärt, der Irak habe nicht - wie von der Waffenstillstandsresolution des Sicherheitsrats verlangt - das
vollständige Ausmaß seines Atomprogramms preisgegeben und darüber hinaus den Vertrag über die
Nichtverbreitung von Kernwaffen gebrochen. Die IAEO
plant deshalb eine vierte Inspektion der Einrichtungen
des Irak. Der britische Botschafter Hannay stellt in

diesem Zusamenhang fest: "Wir alle überlegen uns
sehr sorgfältig, was wir nun unternehmen, und dies ist
in den kommenden Tagen ein Hauptanliegen für den
Sicherheitsrat." Er fügt hinzu: "Auf die eine oder
andere Weise wird das Atomprogramm des Irak beseitigt werden."
Der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, Pete
Williams, stellt fest, obwohl "Äußerungen über militärische Aktionen nie besonders an den Stichtag 25. Juli
gebunden waren ... sind wir weiterhin bereit, militärische Maßnahmen zu ergreifen, wenn wir den Befehl
dazu erhalten".
26. Juli
Präsident Bush benachrichtigt den Kongreß, daß er
die Anweisungen vom 2. und 9. August 1990 über ein
vollständiges Embargo für den Handel mit dem Irak
verlängert hat.
Dem Präsidenten zufolge hat das irakische Regime
"weiterhin grundlegende Menschenrechte verletzt, indem
es die irakische Zivilbevölkerung unterdrückt, ihr
humanitäre Hilfe vorenthalten und es versäumt hat,
sich voll und ganz an die verbindlichen Resolutionen
des UN-Sicherheitsrats zu halten. Die Vereinigten
Staaten werden die Wirtschaftssanktionen aufrechterhalten, um den Irak von der Bedrohung des Friedens
und der Stabilität der Region abzuschrecken."

Seite 5

�30. Juli
UN-Vertreter bestätigen, daß Kuwait das Gold, die
Banknoten und Währungsreserven, die vom Irak
gestohlen wurden, ab dem 5. August 1991 zurückerhalten wird.
Die Überführung von 3.216 Goldbarren wird von den
Vereinten Nationen in der saudiarabischen Stadt Arar
60 Kilometer südlich der irakischen Grenze und 400
Kilometer westlich von Kuwait überwacht. Hans Glittenberg, Verwaltungschef des Wiener UNO-Büros,
wird den Transfer beaufsichtigen. Zwei Goldexperten
der Österreichischen Nationalbank werden daran teilnehmen.

der chemischen Waffen und Einrichtungen", die sie
Mitte Juni während ihrer ersten Inspektion eines Standorts von 25 Quadratmeilen Größe bei Samarra vorfanden, überrascht gewesen. Als Ergebnis der Enthüllungen wird die Sonderkommission Ekeus zufolge "ein
umfassendes und komplexes Inspektionsprogramm"
mit "fünf aufeinanderfolgenden Inspektionen" durchführen. Ein Team von 70 Chemiewaffenexperten soll
im September für sechs bis acht Wochen in den Irak
reisen. Zwei weitere Missionen an anderen Standorten sollen im August stattfinden.

Der Generaldirektor der IAEO, Hans Blix, erklärt in
einem Bericht an den Sicherheitsrat über die Ergebnisse der dritten Inspektion der irakischen Nukleareinrichtungen,
einen bevorstehenden Besuch zur BesichtiUNSCOM-Inspektoren zufolge besitzt der Irak46.000
gung
biologischer
Waffenstandorte und Pläne zur
Chemiewaffen - viermal soviel wie ursprünglich gemelÜberwachung
der
langfristigen
Einhaltung der Waffendet. In seinem Bericht an den UN-Sicherheitsrat hatte
stillstandsbedingungen
durch
den
Irak, das vollständiBagdad angegeben, es besitze 11.100 mit Wirkstoffen
ge
Ausmaß
der
irakischen
nuklearen
Fähigkeiten sei
gefüllte Waffen sowie 1.000 Tonnen an Wirkstoffen
unbekannt
und
die
IAEO
besitze
noch
keine Aufstelund chemischen Grundstoffen.
lung allen Nuklearmaterials in dem Land.
"Die Mitglieder des Sicherheitsrats waren von den
neuen Zahlen über chemische Waffen und der Menge 2. August
der Bestände schockiert, die ihnen zum ersten Mal Ein UN-Team von Inspektoren für biologische Waffen
mitgeteilt wurden", erklärt Botschafter Pickering.
trifft in Bagdad ein, obwohl der Irak erklärt hat, er habe
Der Vorsitzende von UNSCOM, Botschafter Rolf Ekeus, kein B-Waffenprogramm.
stellt fest, die Ermittler seien von "Menge und Umfang

Seite 6

AMERIKA DIENST 31

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                <text>&lt;strong&gt;1. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampelman: Behandlung der Minderheitenprobleme vordringlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kampelman vor Kongreßkommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UNO nach wie vor unbeugsam gegenüber Irak&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Botschafter Pickering&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die öffentliche Meinung in Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfrage zur Golfkrise&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse in den Monaten Juni und Juli 1991&lt;/em&gt;</text>
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dienet&#13;
&#13;
Herausgeber: U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
Z12462 C&#13;
15&#13;
&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
ASEAN&#13;
&#13;
AMERIKANISCHES ENGAGEMENT FÜR&#13;
SICHERHEIT UND WOHLSTAND&#13;
UNERLÄSSLICH&#13;
Rede von Außenminister Christopher&#13;
&#13;
BOSNIEN&#13;
&#13;
DIE SICHERUNG DES FRIEDENS IN BOSNIEN&#13;
von John Kornblum&#13;
&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
ISOLATIONISMUS WIRD AMERIKA SCHADEN&#13;
Rede von ACDA-Direktor John Holum&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
DIE WIRTSCHAFTLICHEN UND DIPLOMATISCHEN ZIELE DER VEREINIGTEN STAATEN&#13;
Rede von Staatssekretärin Joan Spero&#13;
&#13;
UMWELT&#13;
&#13;
DIE UMWELT ALS TAGESORDNUNGSPUNKT&#13;
FÜR DIE NACHRICHTENDIENSTE&#13;
Rede von CIA-Direktor John Deutch&#13;
&#13;
Informationen über die Politik der US-Regierung und&#13;
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können&#13;
auf der Home Page von USIS-Deutschland&#13;
im World Wide Web des Internet unter&#13;
http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
abgerufen werden.&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Deichmanns Aue 29&#13;
D 53170 Bonn&#13;
&#13;
Tel.: 0228-339 2372&#13;
&#13;
Fax: 0228-333 138&#13;
e-mail: bbsbonn@usia.gov&#13;
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html&#13;
&#13;
�ASEAN&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Amerikanisches Engagement&#13;
für Sicherheit und Wohlstand unerläßlich&#13;
Rede von Außenminister Christopher&#13;
&#13;
JAKARTA - (AD) - "Die Vereinigten Staaten teilen die Überzeugung nahezu aller asiatischen Nationen, daß das&#13;
amerikanische Engagement für die Sicherheit und den Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region ... nach wie&#13;
vor unerläßlich ist", äußerte Außenminister Warren Christopher am 23. Juli 1996 vor dem regionalen Forum des&#13;
Verbands Südostasiatischer Nationen ASEAN.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Außenministers im Wortlaut.&#13;
&#13;
Es ist mir eine Ehre, Leiter der amerikanischen&#13;
Delegation beim dritten Treffen des regionalen Forums&#13;
des ASEAN (ASEAN Regional Forum - ARF) sein zu&#13;
dürfen. Im Namen der Vereinigten Staaten möchte ich&#13;
Außenminister Alatas von Indonesien für seine im&#13;
vergangenen Jahr geleistete harte Arbeit danken, um&#13;
den Erfolg unseres heutigen Treffens sicherzustellen.&#13;
Die Anwesenheit von 21 Nationen an diesem Tisch&#13;
steht für die durch das Ende des Kalten Krieges&#13;
herbeigeführten großen Veränderungen in der&#13;
asiatisch-pazifischen Region. Vor einem Jahrzehnt&#13;
wäre der Gedanke, daß wir uns alle hier versammeln,&#13;
um Sicherheitsbelange anzusprechen, wahrscheinlich&#13;
so weit hergeholt erschienen wie die Voraussage im&#13;
Jahr 1945, Asien würde die Welt beim Wirtschaftswachstum anführen.&#13;
Obwohl unsere Nationen nie eine größere Chance zur&#13;
Zusammenarbeit für Frieden und Stabilität hatten,&#13;
bleiben wichtige Herausforderungen bestehen. Das&#13;
Wirtschaftswachstum kurbelt Kooperation und Integration an, aber der Konkurrenzkampf um Ressourcen und Märkte schafft neue Spannungen. Viele&#13;
asiatische Nationen befinden sich in einem Prozeß des&#13;
Übergangs. Und wir alle müssen komplexe neue&#13;
Bedrohungen bekämpfen wie die Verbreitung von&#13;
Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, Verbrechen&#13;
und Drogenhandel sowie die weitreichenden Konsequenzen der Umweltzerstörung.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten teilen die Überzeugung&#13;
nahezu aller asiatischen Nationen, daß das amerikanische Engagement für die Sicherheit und den Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region in diesem&#13;
neuen Zeitalter nach wie vor unerläßlich ist. Präsident&#13;
Clinton hat erkannt, daß diese Region seit dem Ende&#13;
des Kalten Krieges wichtiger für unsere Interessen ist&#13;
als je zuvor. Es sollte absolut kein Zweifel daran&#13;
bestehen, daß die Vereinigten Staaten beabsichtigen,&#13;
weiterhin eine pazifische Macht zu bleiben. Während&#13;
der vergangenen drei Jahre hat der Präsident in&#13;
Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten und&#13;
Freunden eine Reihe wichtiger strategischer Entscheidungen zur Verstärkung unseres Engagements&#13;
getroffen - durch unsere Bündnisse, unsere vornestationierte Präsenz, unsere Verpflichtung zur weiteren&#13;
Stationierung von ungefähr 100.000 Soldaten im&#13;
Pazifik und unsere Beteiligung an regionalen Sicherheitsdialogen wie diesem. Unser Ziel ist, zum&#13;
Aufbau einer pazifischen Gemeinschaft beizutragen,&#13;
die auf unseren gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Zielen und dem Streben nach nützlicher&#13;
Zusammenarbeit für beide Seiten gründet.&#13;
Die Grundlage unseres Engagements in der Region&#13;
bilden nach wie vor unsere fünf Bündnisse, angefangen von unserer Partnerschaft mit Japan. Die von&#13;
Präsident Clinton und Ministerpräsident Hashimoto im&#13;
April unterzeichnete gemeinsame Erklärung wird die&#13;
Fähigkeit unseres Bündnisses zur Förderung von&#13;
Sicherheit und Stabilität für alle Nationen in der Region&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�stärken. Durch ihre gemeinsamen Bestrebungen zur&#13;
Lösung der atomaren Krise und der Erlangung eines&#13;
dauerhaften Friedens auf der koreanischen Halbinsel&#13;
haben die Vereinigten Staaten und Südkorea ihre&#13;
Beziehungen verstärkt und ihre Zusammenarbeit&#13;
erweitert. Wir haben unsere starken Bande zu Thailand, den Philippinen und Australien bekräftigt, wohin&#13;
ich in zwei Tagen reisen werde, um Wege zur Vertiefung der amerikanisch-australischen Zusammenarbeit&#13;
zu sondieren. Wir haben unsere Sicherheitsarrangements mit unseren ASEAN-Partnern erweitert.&#13;
&#13;
Wir begrüßen die vom ARF im vergangenen Jahr&#13;
erzielten Fortschritte. Insbesondere in Bereichen wie&#13;
Vertrauensbildung, friedenssichernde Operationen&#13;
sowie Such- und Rettungsaktionen wird die Arbeit des&#13;
ARF die Sicherheit und Stabilität verbessern. Das&#13;
Engagement der Vereinigten Staaten im ARF wird sich&#13;
verstärken, vor allem während sich das ARF zu einem&#13;
Forum für präventive Diplomatie entwickelt. Wir wollen&#13;
die Fähigkeit des ARF zur Erörterung wichtiger&#13;
regionaler Sicherheitsfragen in einer bedeutenden&#13;
Weise gewährleisten.&#13;
&#13;
Ferner haben wir unser Engagement für andere&#13;
Nationen verstärkt und ein neues Kapitel unserer&#13;
Beziehungen zu Vietnam geöffnet, setzen unsere&#13;
Unterstützung der Reformen in Rußland fort und&#13;
erweitern unsere Zusammenarbeit mit Indien.&#13;
&#13;
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß&#13;
das ARF weiterhin eine konstruktive Rolle bei der&#13;
Entschärfung von Spannungen im Zusammenhang mit&#13;
territorialen Ansprüchen im südchinesischen Meer und&#13;
auf die Spratly-Inseln spielen kann. Die Sicherstellung&#13;
der Navigationsfreiheit in Wasserstraßen, auf denen&#13;
25 Prozent der Güter der Welt transportiert werden, ist&#13;
entscheidend für die Sicherheit und den Wohlstand der&#13;
asiatisch-pazifischen Region. Die Vereinigten Staaten&#13;
stehen zu den Prinzipien ihrer Erklärung vom 10. Mai&#13;
1995: Obwohl wir keine Position zu individuellen&#13;
territorialen Ansprüchen beziehen, werden wir keine&#13;
hinnehmen, die nicht im Einklang mit dem Völkerrecht&#13;
stehen, einschließlich dem Seerecht der Vereinten&#13;
Nationen aus dem Jahr 1992. Wir lehnen den Einsatz&#13;
oder die Androhung von Gewalt ab, fordern alle&#13;
Parteien zur Intensivierung ihrer diplomatischen&#13;
Anstrengungen auf und sind bereit, in jeder Weise zu&#13;
helfen, die eine klagende Partei als nützlich erachtet.&#13;
&#13;
Natürlich wird keine Nation eine größere Rolle bei der&#13;
Gestaltung der Zukunft Asiens spielen als China. Die&#13;
kontinuierliche Modernisierung und Entwicklung des&#13;
Landes ist unabdingbar für die Sicherheit und den&#13;
Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region und der&#13;
Welt. Wir haben hart gearbeitet, um ein breites&#13;
Spektrum gemeinsamer Interessen zu fördern und vor&#13;
kurzem mehrere wichtige Übereinkommen erzielt, die&#13;
unsere gemeinsame Verpflichtung zu Nichtverbreitung&#13;
sowie erweitertem Handel und Investitionen stärken.&#13;
Wir sind uns bewußt, daß es weiterhin Meinungsverschiedenheiten geben wird, die wir konstruktiv beilegen müssen. Die Vereinigten Staaten sind fest von der&#13;
Notwendigkeit überzeugt, ein stabiles Umfeld für die&#13;
friedliche Lösung von Problemen zwischen der&#13;
Volksrepublik China und Taiwan sicherzustellen. Wir&#13;
ermutigen beide Seiten zu weiteren Schritten zur&#13;
Verringerung der Spannungen in der Straße von&#13;
Taiwan, darunter die Wiederaufnahme des Dialogs&#13;
über die Überquerung der Straße. Ich blicke weiteren&#13;
Fortschritten bei meinem Treffen hier mit Außenminister Qian Qichen erwartungsvoll entgegen unserem 14. seitdem ich Außenminister wurde.&#13;
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß&#13;
ihre Beteiligung am regionalen Forum des ASEAN,&#13;
dem nordostasiatischen Sicherheitsdialog und anderen&#13;
Mechanismen ihre bilateralen Bestrebungen zur&#13;
Förderung der Stabilität ergänzen. Im vergangenen&#13;
Jahr fanden über 130 multilaterale Treffen über&#13;
Sicherheitsfragen in der asiatisch-pazifischen Region&#13;
statt - ein Beweis dafür, daß Harold Macmillan nicht&#13;
der einzige war, der an den Satz "Reden ist besser als&#13;
Krieg" glaubte. Dieses neue Netz von Kontakten trägt&#13;
zur Verringerung von Spannungen und Mißtrauen bei&#13;
und fördert gewohnheitsmäßige Konsultationen. Das&#13;
ARF - der einzige regionale Sicherheitsdialog auf&#13;
Regierungsebene - hat den Weg durch Förderung des&#13;
Dialogs, Ermutigung von Transparenz und Erweiterung&#13;
der Zusammenarbeit geebnet.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Wir begrüßen auch die kontinuierliche Unterstützung&#13;
der Bestrebungen zur Erlangung eines dauerhaften&#13;
Friedens auf der koreanischen Halbinsel durch das&#13;
ARF. Das mit Hilfe unserer Verbündeten und Partner&#13;
erzielte Rahmenabkommen zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten und der Demokratischen Volksrepublik&#13;
Nordkorea hat die Beseitigung einer verhängnisvollen&#13;
Bedrohung der regionalen Sicherheit eingeleitet. Das&#13;
nordkoreanische Nuklearprogramm ist unter internationaler Überwachung eingefroren. Die Umsetzung&#13;
der Bedingungen des Rahmenabkommens hat das&#13;
Konfliktrisiko dramatisch reduziert und den Weg zu&#13;
Fortschritten mit Nordkorea bei Problemen wie der&#13;
Nichtverbreitung von Raketen und Vermißten geebnet.&#13;
Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten&#13;
Staaten, Südkorea und Japan ist stärker als je zuvor.&#13;
Und wir drängen Nordkorea weiterhin zu einer positiven Reaktion auf den von Präsident Kim und Präsident&#13;
Clinton unterbreiteten Vorschlag zu Vierparteiengesprächen zwischen den Vereinigten Staaten,&#13;
Südkorea, Nordkorea und China.&#13;
Jeder von uns hat ein großes Interesse an der Förderung dieser positiven Entwicklungen auf der Halbinsel. Ich darf Ihnen versichern, daß Präsident Clinton&#13;
sich der Sicherstellung starker Unterstützung des&#13;
Rahmenabkommens durch die Vereinigten Staaten&#13;
verpflichtet hat. Aber während die zur Umsetzung des&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Rahmenabkommens ins Leben gerufene Energieentwicklungsorganisation der koreanischen Halbinsel&#13;
(Korean Peninsula Energy Development Organization KEDO) Fortschritte macht, sieht sie sich mit einer&#13;
beträchtlichen Finanzierungslücke konfrontiert. Viele&#13;
der hier vertretenen Nationen sind der KEDO bereits&#13;
behilflich. Ich fordere diejenigen, die noch keine Hilfe&#13;
leisten, zu maßgeblicher und kontinuierlicher Unterstützung auf. Gemessen an den Kosten verschärfter&#13;
Spannungen - ganz zu schweigen von einem bewaffneten Konflikt - ist diese Unterstützung eine verantwortungsvolle Investition in die Sicherheit und den&#13;
Wohlstand der asiatisch-pazifischen Region. Alle&#13;
unsere Nationen haben ferner ein Interesse an der&#13;
Wiederaufnahme des Nord-Süd-Dialogs, der zur&#13;
Beendigung der grausamen Teilung der Halbinsel&#13;
unerläßlich ist.&#13;
Seit seiner Gründung ist sich das ARF der Bedrohung&#13;
für regionale und globale Sicherheit durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bewußt. Jetzt&#13;
haben unsere Nationen die Chance, auf der letztes&#13;
Jahr ausgehandelten unbegrenzten Verlängerung des&#13;
Nichtverbreitungsvertrags ( N W ) durch die Unterstützung des Abschlusses eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban&#13;
Treaty - CTBT) aufzubauen, der Nuklearexplosionen&#13;
für immer verbieten wird. Die aktuelle Version des&#13;
Vertrags ist ein konkreter und unerläßlicher Schritt zur&#13;
weiteren nuklearen Abrüstung, und wir fordern alle in&#13;
der Kommission für Abrüstung vertretenen Nationen zu&#13;
seiner Unterstützung auf.&#13;
Wir appellieren an die ARF-Teilnehmer, ihre Unterstützung für die globalen Nichtverbreitungsregime mit&#13;
einschneidenden&#13;
Exportkontrollmaßnahmen&#13;
zu&#13;
verstärken, die den destabilisierenden Transfer&#13;
sicherheitsempfindlicher Güter und Technologien&#13;
verhindern. Da moderne Rüstungsgüter das Potential&#13;
besitzen, alte regionale Rivalitäten zu schüren, sind die&#13;
Ermutigung von Transparenz und Zurückhaltung beim&#13;
Waffentransfer nach wie vor wichtig für die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Stabilität. Wir sollten&#13;
uns weiterhin auf die Möglichkeit konzentrieren, unsere&#13;
Beteiligung am UN-Register für konventionelle Waffentransfers zu verbessern und im nächsten Jahr ein&#13;
regionales Register entwickeln.&#13;
Als Organisation, die sich dem "konsultativen Dialog&#13;
und Konsultationen über politische und Sicherheitsinteressen von gemeinsamem Interesse und Anliegen"&#13;
verschrieben hat, sollte das ARF auch die Auswirkungen der derzeitigen Gegebenheiten in Burma auf die&#13;
Region berücksichtigen. Die Weigerung der SLORC,&#13;
dem Wunsch der Mehrheit des burmesischen Volkes&#13;
nach demokratischer Herrschaft nachzugeben und die&#13;
zunehmende Schikanierung der demokratischen&#13;
Opposition verletzen nicht nur grundlegende, universelle Menschenrechte, sondern vergrößern auch&#13;
die Möglichkeit von Instabilität, Blutvergießen und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Migration innerhalb Burmas und über die Grenzen&#13;
hinaus. Die stetige wachsende Beeinträchtigung der&#13;
Rechtsstaatlichkeit hat die Bedrohung vergrößert, die&#13;
Burmas florierender Drogenhandel für die Bürger von&#13;
Bangkok bis Berlin und von Schanghai bis San&#13;
Francisco darstellt.&#13;
Der Ansatz unserer Nationen zu Burma mag unterschiedlich sein, wir haben jedoch ein gemeinsames&#13;
Interesse und ein gemeinsames Ziel: Einen bedeutungsvollen politischen Dialog, der zu größerer&#13;
Stabilität und Offenheit führt. Präsident Clinton hat vor&#13;
kurzem zwei Sondergesandte zu engen Konsultationen mit Freunden und Verbündeten in die Region&#13;
entsandt.&#13;
Es ist von Bedeutung, daß wir unser&#13;
Engagement für Burma zur Förderung konkreter&#13;
Ergebnisse nutzen, insbesondere nach diesen Treffen&#13;
in Jakarta. Burmas Beteiligung am ARF und die&#13;
engeren Beziehungen des Landes zum ASEAN&#13;
unterstreichen wie wichtig es ist, daß der Versöhnungsprozeß Fortschritte macht und nicht Rückschläge erleidet.&#13;
Die kontinuierlichen Fortschritte Kambodschas zur&#13;
Aussöhnung und beim Wiederaufbau sind ebenfalls&#13;
unabdingbar für die regionale Sicherheit. Die Vereinigten Staaten begrüßen Kambodschas Aufnahme&#13;
als Vollmitglied des ASEAN im Jahr 1997. Wir haben&#13;
uns zu Hilfe bei der stetigen Demokratisierung und&#13;
Entwicklung verpflichtet und sind der Auffassung, daß&#13;
starke internationale Unterstützung für kommunale&#13;
Wahlen im Jahr 1997 und nationale Wahlen im Jahr&#13;
1998 unerläßlich für die Erlangung dieser Ziele ist.&#13;
Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit noch auf ein weiteres&#13;
Thema lenken: Die Bedrohung, die Terrorismus für&#13;
alle unsere Länder darstellt. Von Tokio bis Manila&#13;
wurde die Region Zeuge der grausamen Bedrohung&#13;
durch diese gesetzlosen Mörder. Wir fordern alle&#13;
Nationen dringend zur Ratifizierung der 11 bestehenden internationalen Abkommen zur Terrorismusbekämpfung und zur Verabschiedung praktischer&#13;
Maßnahmen für die Bekämpfung des Terrorismus auf,&#13;
die beim Treffen der P-8 im vergangenen Monat in&#13;
Lyon befürwortet wurden.&#13;
Wir sehen der Zusammenarbeit zur Erfüllung der&#13;
ehrgeizigen Ziele der Arbeitsgruppen des nächsten&#13;
Jahres erwartungsvoll entgegen.&#13;
Unsere sieben&#13;
Treffen zwischen den Sitzungsperioden bieten uns die&#13;
Chance zur Erweiterung unserer Kooperation auf&#13;
wichtige neue Bereiche, von Koordinierung der&#13;
Katastrophenhilfe bis zu gemeinsamen Bestrebungen&#13;
zur Entschärfung von Landminen. Wir sind besonders&#13;
erfreut über die Zustimmung Chinas, gemeinsam mit&#13;
den Philippinen Zusammenkünfte zu vertrauensbildenden Maßnahmen zu veranstalten. Um greifbare&#13;
Ergebnisse der ARF-Aktivitäten des nächsten Jahres&#13;
sicherzustellen, sollten wir die größere Beteiligung von&#13;
Vertretern des Militärs und der Rüstungsindustrie&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�ermutigen - ein entscheidender Schritt für das Ziel des&#13;
ARF von Vertrauensbildung und praktischer Zusammenarbeit.&#13;
In den vergangenen drei Jahren hat die Verpflichtung&#13;
des ARF zu Konsultationen und Konsens Früchte&#13;
getragen. Die Fähigkeit der ARF-Mitglieder zur&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Erörterung sicherheitsempfindlicher Themen mit&#13;
Offenheit und gegenseitigem Respekt wird entscheidend für den dauerhaften Erfolg dieses Forums sein.&#13;
Jetzt haben wir die Verantwortung, den Inhalt unserer&#13;
Treffen zum Symbol unseres Erfolgs zu machen.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die Sicherung des Friedens in Bosnien&#13;
von John Kornblum&#13;
&#13;
(AD) - Der nachfolgende Artikel wurde vom Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im&#13;
US-Außenministerium, John Kornblum, verfaßt und erschien erstmals am 14. Juli 1996 im Sunday Star-Ledger&#13;
von Newark. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Sunday Star-Ledger.&#13;
Copyright © 1996 The Sunday Star-Ledger.&#13;
&#13;
Sieben Monate nach seiner Unterzeichnung wird das&#13;
Abkommen von Dayton nahezu ständig einer Prüfung&#13;
unterzogen. In den Nachrichten finden wir abwechselnd Berichte über Erfolge und Konflikte. Die Kämpfe&#13;
wurden eingestellt - aber ist der Frieden wirklich&#13;
möglich? Die realistische Beantwortung dieser Frage&#13;
ist für die Zukunft Europas und die Rolle der Vereinigten Staaten auf dem alten Kontinent von elementarer Bedeutung. In diesem Zusammenhang könnten&#13;
einige Anmerkungen hilfreich sein:&#13;
Zuallererst hat das Friedensabkommen sehr erfolgreich zur Beendigung des Krieges geführt. Der IFORFriedenstruppe gelang eine nahezu reibungslose&#13;
Entflechtung der Kriegsparteien, bei der es keine Opfer&#13;
gab. Die meisten Militärexperten bezweifeln, daß die&#13;
Feindseligkeiten in vollem Umfang Wiederaufflammen&#13;
könnten, selbst wenn eine Seite das wünschte.&#13;
Dayton ist jedoch mehr als ein Waffenstillstand. Es ist&#13;
ein umfassender Plan zur Wiederherstellung des&#13;
normalen Lebens. Sein Ziel ist der Erhalt des Staates&#13;
Bosnien-Herzegowina unter freiheitlichen und marktwirtschaftlichen Bedingungen. Hierzu müssen wir drei&#13;
Ziele erlangen: Alle Bürger müssen frei dort leben und&#13;
arbeiten dürfen, wo sie es wünschen. Es muß eine&#13;
demokratische Regierungsform geben, die eine&#13;
politische Beteiligung aller Bürger erlaubt.&#13;
Das&#13;
Wirtschaftsleben muß wiederaufgebaut werden.&#13;
Ein Besuch in Bosnien zum jetzigen Zeitpunkt konfrontiert uns mit den Widersprüchen eines vom Krieg&#13;
verwüsteten Landes. Es wurde bereits viel erreicht.&#13;
Die Normalität stellt sich wieder ein. Überall gibt es&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Anzeichen für Fortschritt. Gleichzeitig bestehen aber&#13;
auch Frustrationen und Probleme fort.&#13;
Die traumatisierten Gesellschaften der drei Volksgruppen sind weiterhin von gegenseitigem Mißtrauen&#13;
erfüllt. Die Angst und Gewalt des Krieges sind in ihren&#13;
Köpfen und Herzen noch tief verankert. Öffentlich&#13;
angeklagte Kriegsverbrecher wie die Führer der&#13;
bosnischen Serben, Radovan Karadzic und General&#13;
Ratko Mladic, üben weiterhin Einfluß aus und behindern die Durchsetzung des Friedens. Die Rückkehr&#13;
der Flüchtlinge geht nur langsam vonstatten, und der&#13;
Wiederaufbau gestaltet sich schwieriger als man&#13;
gedacht hatte.&#13;
Vor einem Jahr erschien die Schaffung gesetzmäßiger&#13;
staatlicher und politischer Strukturen für den Erhalt&#13;
eines unabhängigen und souveränen Bosnien-Herzegowina unmöglich. Heute trennt uns lediglich eine&#13;
Menge harter Arbeit von der Realisierung dieser&#13;
Vision.&#13;
Das Friedensabkommen enthält zwei starke Werkzeuge: Truppen mit einem klar definierten Mandat zur&#13;
Durchsetzung seines militärischen Teils (IFOR) sowie&#13;
ergänzend eine zivile Verwaltungsstruktur zur Durchführung eines über fünf Jahre laufenden Wiederaufbauprogramms.&#13;
Diese zwei Werkzeuge sollten nicht verwechselt&#13;
werden. Der Abzug der IFOR-Truppen wird nicht die&#13;
umfassendere Verpflichtung der internationalen&#13;
Staatengemeinschaft zum Wiederaufbau Bosniens&#13;
beenden.&#13;
Der Wiederaufbau Bosniens ist eine&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufgabe, keine&#13;
militärische.&#13;
Zur Wiederherstellung von Vertrauen und einer&#13;
lebensfähigen staatsbürgerlichen Gesellschaft stellten&#13;
die Verfasser des Daytoner Abkommens absichtlich&#13;
einen ehrgeizigen Zeitplan für seine Umsetzung auf.&#13;
Man sah vorher, daß die Dynamik für den Frieden nur&#13;
erhalten werden kann, wenn die Bewegung hin zu&#13;
einer geeinten Gesellschaft zügig und anhaltend&#13;
genug ist, um die Bestrebungen der nationalistischen&#13;
Kräfte zu vereiteln, die das Land immer noch spalten&#13;
wollen. Der Wiederaufbau der zivilen Strukturen der&#13;
Gesellschaft mußte schnell und geordnet erfolgen, um&#13;
den Aufbau separater Strukturen zu vermeiden, die zu&#13;
einer permanenten Trennung führen könnten.&#13;
Von zentraler Bedeutung bei diesem Bestrebungen&#13;
sind die für den 14. September anberaumten Wahlen&#13;
zur Wiederherstellung einer multiethnischen Regierung. Der Erfolg der Kommunalwahlen vom 30. Juni in&#13;
der krisengeschüttelten Stadt Mostar ist ein Hinweis&#13;
auf die Bedeutung der Wahlen für die Versöhnung der&#13;
entzweiten Volksgruppen Bosniens.&#13;
Eine neue, national gewählte Regierung wird ein&#13;
Partner beim Wiederaufbau des Landes und gleichzeitig das für die vollständige Erfüllung der im Daytoner&#13;
Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zuständige Organ sein. Im Herbst werden die Vereinigten&#13;
Staaten und ihre internationalen Partner die erforderliche technische und politische Unterstützung bereitstellen, damit die gewählte Regierung so bald wie&#13;
möglich funktionsfähig ist.&#13;
&#13;
Zusätzlich zu den eindeutigen Erfolgen der IFOR&#13;
verlaufen die Vorbereitungen für nationale Wahlen im&#13;
Zeitrahmen. Niemand würde behaupten, daß die&#13;
gespaltene bosnische Gesellschaft wieder zusammengewachsen ist, aber es werden stetige Fortschritte&#13;
gemacht.&#13;
Die Freizügigkeit wird verbessert, und täglich überqueren mehr als 10.000 Menschen die ehemalige Frontlinie. Die vom US-Amt für internationale Entwicklung&#13;
(USAID) gewährte Wiederaufbauhilfe hat jetzt das&#13;
Land erreicht. Diese Gelder, die äußerst schnell&#13;
bereitgestellt wurden, werden für den Hausbau, die&#13;
Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen sowie den Wiederaufbau der kommunalen&#13;
Infrastruktur verwendet. Alle diese Aktivitäten schaffen&#13;
Arbeitsplätze und bieten den Flüchtlingen damit einen&#13;
Anreiz zur Rückkehr in ihre Heimat.&#13;
Dieser Krieg hat tiefe Spaltungen hervorgerufen, deren&#13;
Überwindung vielleicht eine Generation dauert. Ohne&#13;
die von den Vereinigten Staaten übernommene&#13;
Führungsrolle hätte Bosnien jedoch nicht diese&#13;
Chance, sich wieder zu einer Nation zu entwickeln, die&#13;
im heutigen Europa wirksam funktionieren kann. Die&#13;
Umsetzung des Friedensabkommens stellt einen&#13;
vernünftigen und realistischen Einsatz der amerikanischen Macht dar. Unser Engagement hat sowohl&#13;
klare Ziele als auch ein definiertes Ende, womit es ein&#13;
Modell für die Ausübung amerikanischen Einflusses in&#13;
Abstimmung mit der NATO zur Entwicklung funktionierender Lösungen für die komplexen Gegebenheiten&#13;
der Welt nach dem Kalten Krieg ist.&#13;
&#13;
Hat diese Strategie kurzer Fristen und ständigen&#13;
politischen Drucks bisher funktioniert?&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Isolationismus wird Amerika schaden&#13;
Rede von ACDA-Direktor John Holum&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten "können es sich nicht leisten, daß isolationistische Tendenzen&#13;
oder politische Kontroversen" ihre Bestrebungen zum Abbau und zur Bekämpfung der Verbreitung von&#13;
Massenvernichtungswaffen beeinträchtigen, erklärte der Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&#13;
(U.S. Arms Control und Disarmament Agency - ACDA), John Holum, bei einer vom Rat für internationale&#13;
Beziehungen und dem US-Außenministerium in Kansas veranstalteten Treffen am 18. Juli 1996.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des ACDA-Direktors im Wortlaut.&#13;
&#13;
Die Berliner Mauer ist in Trümmer und Memorabilien&#13;
zerfallen. Die Sowjetunion besteht seit langem nicht&#13;
mehr. Der Kommunismus ist eine gescheiterte Doktrin&#13;
mit einer schrumpfenden Basis. Was für eine großartige Gelegenheit, die Verschwendung von Ressourcen für internationale Angelegenheiten zu beenden und "Relikte des Kalten Krieges" wie Rüstungskontrolle&#13;
beiseite zu legen. Oder?&#13;
Ganz im Gegenteil. Präsident Clinton hat die Notwendigkeit der amerikanischen Führungsrolle im Ausland&#13;
vehement bekräftigt - was mit seinen Worten zum Teil&#13;
bedeutet, "die ehrgeizigste Tagesordnung zum Abbau&#13;
und zur Bekämpfung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen seit dem Anbruch des Nuklearzeitalters" umzusetzen.&#13;
Mit gutem Grund.&#13;
Im vergangenen Jahr wurden wir Zeuge, wie Zivilisten&#13;
in der Tokioter U-Bahn mit chemischen Waffen&#13;
terrorisiert wurden. Wir sahen das Entsetzen der&#13;
Bombenanschläge auf das World Trade Center und&#13;
das Bundesgebäude in Oklahoma City. Und angesichts der Explosion einer Autobombe in Dhahran im&#13;
letzten Monat sehen wir uns erneut mit der Verletzbarkeit konfrontiert, vor der auch das mächtigste Militär&#13;
der Welt nicht gefeit ist. Dieser blanke Hohn hat das&#13;
dringende Gebot unterstrichen, auch die primitivsten&#13;
nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen nicht&#13;
in die falschen Hände gelangen zu lassen.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Dennoch hätten jetzt über 40 Länder die&#13;
technischen und materiellen Fähigkeiten zur&#13;
Entwicklung von Nuklearwaffen, wenn sie sich&#13;
dafür entscheiden würden.&#13;
Mehr als 15 Nationen verfügen zumindest&#13;
über Kurzstreckenraketen - und viele von&#13;
ihnen streben den Besitz von Massenvernichtungswaffen an.&#13;
Ungefähr 20 Länder - von denen uns viele&#13;
feindlich gesinnt sind - unterhalten Chemiewaffenprogramme; weitere 15 verfügen über&#13;
die Fähigkeit und Motivation.&#13;
Und der Irak führt uns vor Augen, daß biologische Waffen auch für geächtete Regierungen&#13;
und Gruppen attraktiv sind.&#13;
Unterdessen führen wir noch immer nicht beendete&#13;
strategische&#13;
Rüstungskontrollverhandlungen&#13;
mit&#13;
Rußland - dem Land, das eine verheerende atomare&#13;
Zerstörung in den Vereinigten Staaten anrichten&#13;
könnte.&#13;
Und während Verträge eingehalten und Waffen zerlegt&#13;
werden, wird Rußland auch zum zentralen Element bei&#13;
der Lösung des Problems, daß das Fachwissen und&#13;
Material zur Herstellung von Atomwaffen zu verbrecherischen Staaten oder Terrorgruppen durchsickern könnte.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Diese alten und neuen Herausforderungen auf meinem&#13;
Gebiet sowie in vielen anderen Bereichen machen&#13;
eine intensivierte amerikanische Führungsrolle für eine&#13;
Welt im Umbruch erforderlich. Denn die Vereinigten&#13;
Staaten führen seit über 40 Jahren mit Worten und&#13;
Taten die Bestrebungen zur Schaffung von Sicherheit&#13;
durch die Kontrolle von Waffen an.&#13;
Dank der Initiative von Präsident Kennedy und mit&#13;
Unterstützung von Präsident Eisenhower haben die&#13;
Vereinigten Staaten ein kleines, spezialisiertes,&#13;
unabhängiges Amt - bekannt als ACDA - ausschließlich für diese Sache ins Leben gerufen. Wir handeln&#13;
Abkommen wie den Vertrag über die Verringerung&#13;
strategischer Rüstungen mit Rußland und die globale&#13;
Chemiewaffenkonvention aus und setzen sie um. Wir&#13;
fördern regionale Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung, einschließlich der im Rahmen der Beilegung&#13;
des Bosnien-Konflikts vereinbarten Begrenzungen.&#13;
Wir beraten den Präsidenten und den Außenminister&#13;
direkt und ohne bürokratische Behinderungen oder&#13;
Kompetenzgerangel zur Rüstungskontroll- und&#13;
Nichtverbreitungspolitik. Und trotz des Endes des&#13;
Kalten Krieges - und in mancher Hinsicht wegen ihm sind wir in der Tat mehr beschäftigt als früher.&#13;
Es wird Amerika schaden, wenn wir in Isolationismus&#13;
verfallen oder die Außenpolitik vornehmlich als&#13;
Plattform für politische Selbstdarstellung im Inland&#13;
benutzen.&#13;
Zugegeben, die Politik bewegt sich seit einiger Zeit auf&#13;
Messers Schneide - und die Außenpolitik der Exekutive zu stören ist in keiner Weise eine Erfindung des&#13;
heutigen Kongresses. Aber jetzt drohen eine extrem&#13;
parteipolitische Gruppe und neue Rufe nach Isolationismus unsere nationale Sicherheit zu unterminieren.&#13;
Eine unserer wichtigsten Aufgaben im Bereich der&#13;
nationalen Sicherheit heute besteht in der Realisierung&#13;
der Vorteile des zweiten Vertrags über die Verringerung strategischer Rüstungen START II. Damit&#13;
werden die ehemaligen amerikanischen und sowjetischen strategischen Nuklearwaffen auf ein Drittel&#13;
reduziert. Präsident Clinton und sein Amtskollege&#13;
Jelzin haben vereinbart, daß dieser Vertrag die Tür zu&#13;
Gesprächen über künftige Begrenzungen öffnen wird.&#13;
START II legt zwingende Gründe für Rüstungskontrolle&#13;
als Kontrolle der Bedrohung vor: In den siebziger und&#13;
achtziger Jahren waren einige Experten alarmiert&#13;
angesichts einer nuklearen "Lücke", die die Vereinigten Staaten im Falle eines sowjetischen Erstschlags verletzbar machte, der mit über 300 sowjetischen schweren landgestützten SS-18-Raketen&#13;
geführt würde, die mit je 10 Gefechtsköpfen mit&#13;
unabhängiger Zielerfassung bestückt waren.&#13;
Ein zur Zerstörung der SS-18 entworfenes amerikanisches Waffensystem würde optimistischen Schät-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
zungen zufolge viele Milliarden Dollar kosten, wäre&#13;
nicht 100 Prozent zuverlässig und könnte nur mitten in&#13;
einem Nuklearkrieg eingesetzt werden. Aber im&#13;
Rahmen von START II werden diese SS-18 völlig&#13;
zerstört - sicher und verifizierbar, ohne daß ein&#13;
einziger Schuß abgefeuert wird.&#13;
START II ist jedoch in Gefahr. Solche Begrenzungen&#13;
für strategische Offensivwaffen wurden seit langem in&#13;
Zusammenhang mit Begrenzungen bei defensiven&#13;
Rüstungen gestellt, wie sie der ABM-Vertrag von 1972&#13;
vorsieht. Der Grund liegt auf der Hand: Während die&#13;
Zahl von Offensivwaffen auf einer Seite reduziert wird,&#13;
nimmt die Bedeutung jeder Defensivwaffe auf der&#13;
anderen Seite zu bis zu dem Punkt, an dem das erste&#13;
Land sich über seine Fähigkeit zur Abschreckung&#13;
eines Angriffs Sorgen machen könnte. Aufgrund&#13;
dieser Logik haben die Russen, die START II noch&#13;
nicht ratifizierten, stets ein Junktim zwischen dem&#13;
Vertrag und der weiteren Gültigkeit des ABM-Vertrags&#13;
von 1972 hergestellt. Als sie START I ratifizierten - der&#13;
die erste Hälfte der SS-18 eliminiert - machten sie klar,&#13;
daß START I in der Tat vom ABM-Vertrag abhängt.&#13;
Einige Mitglieder des Kongresses haben jedoch&#13;
ausgerechnet diese Zeit - zu Beginn der offiziellen&#13;
Umsetzung von START I und mitten im Drängen auf&#13;
die Ratifizierung von START II durch die Russen - für&#13;
die Forderung gewählt, daß der ABM-Vertrag voll und&#13;
ganz ausrangiert wird und wir unverzüglich mit dem&#13;
Aufbau einer nationalen Raketenverteidigung an&#13;
mehreren Standorten beginnen.&#13;
Ich vermute, daß hier politischer Opportunismus am&#13;
Werk ist - denn Meinungsumfragen belegen, daß die&#13;
meisten Amerikaner der Ansicht sind, wir hätten bereits&#13;
eine solche Verteidigung und würden sie begrüßen.&#13;
Natürlich sind nicht die Umfragen die öffentliche&#13;
Rechtfertigung, sondern die Behauptung, daß wir einer&#13;
Bedrohung durch Langstreckenraketen begegnen&#13;
müssen - jetzt nicht von Rußland, sondern von verbrecherischen Staaten wie Iran, Irak oder Nordkorea.&#13;
Das ist eine potentielle Gefahr, aber die Nachrichtendienste erklären, jede Bedrohung für eine Stadt wie&#13;
beispielsweise Kansas City sei mindestens 10 bis 15&#13;
Jahre entfernt. Als Schutz entwickeln die Vereinigten&#13;
Staaten eine angemessene Verteidigung, die bereits in&#13;
sechs Jahren bereit sein könnte, wenn wir sehen, daß&#13;
sich eine solche Bedrohung abzeichnet.&#13;
Aber jetzt eine nationale Raketenverteidigung zu&#13;
erzwingen, ergibt weder militärisch, diplomatisch,&#13;
wirtschaftlich noch sicherheitspolitisch einen Sinn. Wir&#13;
wären den Technologien von heute verhaftet und&#13;
würden modernere und effizientere Ansätze ausschließen.&#13;
Das Haushaltsbüro des Kongresses&#13;
erklärt, es würde den Etat um bis zu 60 Milliarden&#13;
Dollar aufstocken. Und wie ich bereits ausgeführt&#13;
habe, würde damit alles aufs Spiel gesetzt, was die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�letzten drei Präsidenten bei den tatsächlichen Reduzierungen strategischer Offensivwaffen erzielt haben.&#13;
Dieser Plan wird als das "Gesetz zur Verteidigung&#13;
Amerikas" bezeichnet. Man könnte es genausogut das&#13;
"Gesetz zum Erhalt der russischen schweren Raketen"&#13;
nennen. Denn im Namen der Verteidigung gegen&#13;
Gefahren, die eines Tages Wirklichkeit werden, würde&#13;
es bestehende Gefahren verlängern, die wir sonst&#13;
beseitigen könnten.&#13;
Ich möchte mich nun einem zweiten Bereich zuwenden, in dem die Interventionen des Kongresses noch&#13;
schwerer zu erklären sind - Nordkoreas Nuklearwaffenpotential.&#13;
Nordkorea ist eine isolierte, verunsicherte, militarisierte, zunehmend verarmte und hungrige Nation. Wie&#13;
würde unser Sicherheitsumfeld aussehen, wenn&#13;
Nordkorea im Besitz von Atomwaffen wäre? Was&#13;
wäre, wenn das Land genug Nuklearmaterial oder&#13;
sogar Nuklearwaffen hätte, um sie an andere Staaten&#13;
wie Iran oder Libyen zu verkaufen - oder direkt an&#13;
Terrorgruppen?&#13;
Solche Aussichten mußten bis Ende 1994 nicht nur als&#13;
möglich, sondern als wahrscheinlich angesehen&#13;
werden - als wir ein Rahmenabkommen zu Abwendung des nordkoreanischen materiellen Potentials zur&#13;
Herstellung von über einem Dutzend Atomwaffen pro&#13;
Jahr unterzeichneten. Seit jenem Tag ist das nordkoreanische Nuklearprogramm eingefroren. Der zur&#13;
Verbreitung geeignete Reaktor wurde stillgelegt, und&#13;
der Bau von zwei größeren eingestellt. Die Wiederaufbereitungsanlage, mit der waffenfähiges Plutonium&#13;
aus verbrauchten Brennstäben gewonnen werden&#13;
konnte, ist geschlossen, und der erschöpfte Brennstoff&#13;
wurde in Kanistern versiegelt, die aus dem Land&#13;
transportiert werden. All dies geschieht unter kontinuierlicher internationaler Überwachung.&#13;
Dennoch ist auch dieses Abkommen in Gefahr.&#13;
Bei dem Abkommen von 1994 ging es um den Ersatz&#13;
verlorener Energiequellen. In der nächsten Zeit&#13;
werden zwei Leichtwasserreaktoren, die nicht für die&#13;
Herstellung von waffenfähigem Material geeignet sind,&#13;
die von Nordkorea stillgelegten ersetzen. Als Überbrückung wird in der Zwischenzeit Schweröl geliefert.&#13;
Japan und Südkorea werden zusammen über 4&#13;
Milliarden Dollar zum Bau der neuen Reaktoren&#13;
beitragen. Die Vereinigten Staaten werden im Vergleich dazu einen sehr viel geringeren Betrag für&#13;
Schweröl beisteuern, der sich in diesem Jahr auf rund&#13;
25 Millionen Dollar beläuft. Dennoch hat der Kongreß&#13;
in diesem Sommer diesen bescheidenen Beitrag&#13;
nahezu halbiert - auf 13 Millionen Dollar.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Ich kann nicht erklären, warum das Rahmenabkommen weiterhin solches Unheil anzieht - warum so viele,&#13;
die bei seiner Aushandlung nicht anwesend waren, so&#13;
zuversichtlich sind, sie hätten einen besseren Deal&#13;
abgeschlossen. Aber selbst sie würden sich hartem&#13;
Druck ausgesetzt sehen, Japan und Südkorea zur&#13;
Einhaltung ihrer Abmachung aufzufordern - oder&#13;
darauf zu bestehen, daß Nordkorea seinen Verpflichtungen nachkommt - wenn wir unsere nicht&#13;
erfüllen können. Und wenn dieses Abkommen für&#13;
ungültig erklärt werden sollte und wir uns erneut mit&#13;
den Gefahren eines atomar bewaffneten Nordkorea&#13;
konfrontiert sehen, frage ich mich, ob die Väter dieser&#13;
Kürzung in Höhe von 12 Millionen Dollar nach vorne&#13;
treten werden und die Verantwortung für die von ihnen&#13;
vorgenommenen großen Einsparungen übernehmen.&#13;
Vor kurzem hatten wir eine knappe Entscheidung im&#13;
Kongreß zu einem weiteren wichtigen Ziel - ein&#13;
umfassendes Verbot für alle weiteren Atomtests aller&#13;
Länder, an allen Orten und unabhängig von den&#13;
Gründen.&#13;
Eisenhower war unser erster Präsident, der einen&#13;
solchen Vertrag anstrebte. Präsident Clinton hat ihn&#13;
schließlich in greifbare Nähe gerückt - nicht nur durch&#13;
die grundsätzliche Unterstützung des Testverbots,&#13;
sondern auch, indem er ihn auf den Verhandlungsweg&#13;
brachte und einen wirklich umfassenden Vertrag ohne&#13;
Ausnahmen befürwortete, der die gleiche Behandlung&#13;
aller Länder vorsieht.&#13;
Das Atomtestverbot wird dazu beitragen, die Gefahren&#13;
und Kosten jedes weiteren qualitativen Rüstungswettlaufs abzuwenden und eine zusätzliche Barriere gegen&#13;
die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen in mehr&#13;
Länder zu errichten. Heute lautet die Frage jedoch&#13;
nicht, ob das Testverbot in unserem Interesse, sondern ob es in Reichweite liegt.&#13;
Nach zweieinhalb Jahren harter Arbeit hätte das&#13;
Endspiel der Genfer Abrüstungskonferenz schon&#13;
längst stattfinden müssen. Die Konferenz hätte ihre&#13;
Arbeit vor der letzten Sitzungsperiode, die am 28. Juni&#13;
endete, abschließen sollen. Diese Frist hielt sie nicht&#13;
ein. Sollten die Mitgliedstaaten jetzt nicht am 29. Juli&#13;
mit der Bereitschaft zu einer umgehenden Einigung auf&#13;
den Vertragstext an den Verhandlungstisch zurückkehren, könnte der Abschluß des Vertrags über ein&#13;
umfassendes Atomtestverbot für dieses Jahr und&#13;
wahrscheinlich noch für viele weitere Jahre scheitern.&#13;
Bei den Verhandlungen waren zahlreiche Punkte&#13;
umstritten, einschließlich unseres Beharrens auf einem&#13;
soliden Verifizierungsregime mit gegenseitigen&#13;
Inspektionen vor Ort und dem Recht auf Verwendung&#13;
nationaler technischer Hilfsmittel - Satelliten und&#13;
anderen Technologien - zur Überwachung der Einhaltung. Andere waren stärker mit dem Schutz vor&#13;
einer Verifizierung beschäftigt.&#13;
Einige blockfreie&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Länder drängten darauf, den Vertrag mit der Forderung übermäßig zu belasten, alle Nuklearwaffen bis zu&#13;
einem bestimmten Zeitpunkt zu vernichten und in der&#13;
Zwischenzeit lediglich für den Schutz und die Betriebssicherheit der Arsenale erforderliche Explosionen zu&#13;
gestatten. Die Verfahrensweise zur Inkraftsetzung des&#13;
Vertrags bleibt umstritten. Mit anderen Worten - die&#13;
Arbeit in Genf ist schwierig.&#13;
Auf dem Höhepunkt all dieser Entwicklungen wurde im&#13;
Juni im Senat ein Zusatzantrag vorgelegt, der die&#13;
Vereinigten Staaten zu einer Wiederaufnahme von&#13;
Nukleartests im Herbst ermächtigen sollte. Er hätte zu&#13;
keinem besseren Zeitpunkt kommen können, um&#13;
unsere Glaubwürdigkeit bei den Verhandlungen zu&#13;
unterminieren.&#13;
Glücklicherweise wurde in diesem Fall das Richtige auf&#13;
die richtige Art und Weise getan. Eine überparteiliche&#13;
Mehrheit - unter der Führung von Demokraten wie den&#13;
Senatoren James Exon und Sam Nunn und den&#13;
republikanischen Senatoren Mark Hatfield, John&#13;
Chaffee und Nancy Kassebaum - stimmte gegen den&#13;
Antrag. Im Senat gewannen die langjährigen Verfechter des Testverbots die Oberhand, und bei einem&#13;
Erfolg in Genf wird ihnen daher ein Großteil des&#13;
Verdienstes gebühren. Bleiben Sie am Ball.&#13;
Weniger erfolgreich waren wir mit dem Einsatz unserer&#13;
Mittel auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle und&#13;
Nichtverbreitung. Die von den Vereinigten Staaten&#13;
übernommene Führungsrolle bei diesen Fragen wird&#13;
durch die uns vom Kongreß auferlegte Handlungsunfähigkeit gefährdet.&#13;
Präsident Clinton und Außenminister Christopher&#13;
erfüllten das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung&#13;
mit neuem Leben, damit es die Speerspitze der&#13;
amerikanischen Bestrebungen zur Rüstungskontrolle&#13;
und Nichtverbreitung wird. Vergangenes Jahr wurden&#13;
wir mit dem Versuch des Kongresses konfrontiert, uns&#13;
aufzulösen - das Amt ganz abzuschaffen. Bislang&#13;
haben wir das überlebt.&#13;
Jetzt sehen wir uns jedoch andauernden Bestrebungen zur Abstumpfung des Speers gegenüber - indem&#13;
man uns die Mittel verweigert, die wir für die Erledigung der uns vom Präsidenten zugewiesenen Arbeit&#13;
benötigen. Der Haushalt des ACDA ist seit mehreren&#13;
Jahren real geschrumpft, während unsere Arbeit&#13;
zugenommen hat. Einen Großteil dieses Jahres&#13;
operierten wir mit einer erlaubten Ausgabenquote, die&#13;
53 Prozent unter dem Antrag des Präsidenten liegt.&#13;
Meine Sorge geht jedoch weit über den Haushalt des&#13;
ACDA hinaus. Als kleine Behörde verlassen wir uns&#13;
zusammen mit 37 anderen Ämtern darauf, daß die&#13;
Botschaften und Missionen des Außenministeriums&#13;
unserer Stimme im Ausland Gehör verschaffen. Bei&#13;
Fragen, die anhaltende bilaterale Diplomatie erfordern,&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
beispielsweise das Rahmenabkommen mit Nordkorea,&#13;
übernimmt das Außenministerium oft die Führung und&#13;
ACDA bietet technische und politische Unterstützung.&#13;
Daher bin ich äußerst besorgt, daß die Finanzierung&#13;
internationaler Bestrebungen insgesamt, einschließlich&#13;
des Außenministeriums, jetzt nur noch die Hälfte der&#13;
Summe von vor 12 Jahren beträgt - bei konstantem&#13;
Dollarkurs. Einige Vorschläge des Kongresses sehen&#13;
jedoch Kürzungen um ein weiteres Drittel in den&#13;
nächsten fünf Jahren vor. Das würde unsere diplomatische Struktur wirklich erschüttern.&#13;
Hans Morgenthau, der kein Wilsonscher Idealist war,&#13;
machte die Beobachtung, daß die Qualität der Diplomatie einer Nation "die wichtigste" Komponente ihrer&#13;
internationalen Macht ist. Man braucht damit gar nicht&#13;
vollkommen übereinzustimmen, um die große Gefahr&#13;
in der Vorstellung zu sehen, daß wir bei internationalen&#13;
Angelegenheiten mit wenig mehr als Renomiergehabe&#13;
durchkommen könnten.&#13;
Ich wäre weniger insistent, wenn diese Arbeit nur&#13;
marginale Auswirkungen hätte.&#13;
Aber unsere&#13;
Rüstungskontroll- und Nichtverbreitungsbestrebungen&#13;
sind großartig vorangekommen.&#13;
Zusätzlich möchte ich noch folgende Anmerkungen&#13;
machen:&#13;
Der START I-Vertrag wurde in Kraft gesetzt,&#13;
was erst möglich war, nachdem die Ukraine,&#13;
Kasachstan und Belarus sich auf den Verzicht&#13;
auf alle nach dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion auf ihrem Territorium&#13;
verbliebenen Nuklearwaffen geeinigt hatten.&#13;
Die letzten werden Ende dieses Jahres abgezogen.&#13;
Unter der Führung Präsident Clintons und&#13;
trotz zahlreicher Schwierigkeiten wurde der&#13;
Nichtverbreitungsvertrag - unter dem verbotene Nuklearprogramme ausfindig gemacht und&#13;
bestraft werden können - unbegrenzt verlängert und hat jetzt mit 182 Mitgliedern nahezu&#13;
universellen Charakter.&#13;
Wir vereiteln die irakischen Bestrebungen zur&#13;
Umgehung von UNO-Sanktionen solange, bis&#13;
das Land die Wahrheit über seine Massenvernichtungswaffen sagt.&#13;
Aufgrund unserer mit dem Irak gemachten&#13;
Erfahrungen haben wir internationale Bestrebungen für neue internationale Techniken und&#13;
Regeln geleitet, um das Abzweigen von&#13;
Material aus friedlichen Zwecken dienenden&#13;
Nuklearprogrammen für Waffenprogramme zu&#13;
verhindern.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Der Senat wird bis Mitte September einen&#13;
einstimmigen Beschluß über die Chemiewaffenkonvention fassen, die Präsident Bush&#13;
1993 abschloß. Das bedeutet, daß dieses&#13;
bahnbrechende Abkommen - das eine ganze&#13;
Waffengattung verbietet und über das einschneidendste Verifizierungssystem verfügt im kommenden Frühjahr in Kraft treten wird.&#13;
Erstmals werden in der Zeit nach dem Kalten&#13;
Krieg konventionelle Waffen in gemeinsame&#13;
Exportkontrollen einbezogen, die sicherheitsempfindliche Technologien von verbrecherischen Staaten fernhalten sollen.&#13;
Und dieses Jahr gibt es eine globale Übereinkunft über das Verbot langlebiger, nicht aufspürbarer Antipersonenminen, die nach einem&#13;
Krieg noch jahrelang scharf sind und unschuldige Zivilisten töten und verstümmeln.&#13;
Mit anderen Worten: Wir verfolgen wichtige Ziele, und&#13;
trotz großer Hindernisse machen wir bei ihrer Erlangung große Fortschritte. Dies ist nicht die richtige&#13;
Zeit, sich zurückzuziehen.&#13;
&#13;
Schlußbemerkung&#13;
Die Realität ist, daß wir immer noch in einer gefährlichen Welt leben - die aufgrund der Überrüstung aus&#13;
der Zeit des Kalten Krieges noch von Waffen starrt und uns neuen Gefahren gegenübersehen wie&#13;
Weiterverbreitung,&#13;
fanatischem&#13;
Nationalismus,&#13;
Terrorismus, Umweltzerstörung, Drogenhandel und&#13;
vielen anderen, uns direkt betreffenden Problemen. In&#13;
einer solchen Welt können es sich die Vereinigten&#13;
Staaten nicht leisten, daß isolationistische Tendenzen&#13;
oder politische Kontroversen ihre ohnehin enormen&#13;
Aufgaben noch erschweren. In Anlehnung an den&#13;
bekannten chinesischen Fluch können wir sagen, daß&#13;
die Zeit, in der wir leben, bereits interessant genug ist.&#13;
Wir müssen jetzt vielmehr auf ernsthafte internationalistische Politiker beider großen Parteien blicken,&#13;
die - selbst wenn unsere Regierung uneinig ist - eine&#13;
einheitliche Außenpolitik machen, wie sie einer&#13;
Großmacht in einer gefährlichen Welt ansteht. Nur&#13;
dann wird sich die Geschichte so entwickeln, wie wir&#13;
es anstreben - hin zu Demokratie, Entwicklung und&#13;
Frieden.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die wirtschaftlichen und diplomatischen&#13;
Ziele der Vereinigten Staaten&#13;
Rede von Staatssekretärin Joan Spero&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die wirtschaftliche Komponente der amerikanischen Diplomatie gewinnt zunehmend an&#13;
Bedeutung, während die Vereinigten Staaten die Förderung ihrer langfristigen Ziele - Frieden, Wohlstand und&#13;
Stabilität in der Welt nach dem Kalten Krieg - anstreben, erklärte die Staatssekretärin für wirtschaftliche und&#13;
landwirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Joan Spero, am 18. Juli 1996 vor Vertretern&#13;
regionaler Medien. Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede der Staatssekretärin im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich freue mich, heute mit Ihnen über die wirtschaftliche&#13;
Dimension der amerikanischen Außenpolitik sprechen&#13;
zu können. Außenminister Christopher und wir alle im&#13;
Außenministerium schätzen diese Gelegenheiten zur&#13;
Erörterung außenpolitischer Angelegenheiten mit&#13;
Ihnen, zur Darlegung der Ziele unserer Politik und&#13;
Beantwortung Ihrer Fragen.&#13;
Präsident Clintons Außenpolitik verfolgt ein einfaches,&#13;
aber großes Ziel: Die Förderung von Sicherheit und&#13;
Wohlstand des amerikanischen Volkes. Wir leben&#13;
heute in einer Welt ohne einen eindeutigen gemeinsamen Feind, einer Welt mit drängenden globalen&#13;
Problemen wie Terrorismus, Bedrohungen unserer&#13;
Gesundheit und Umweltzerstörung - einer Welt, in der&#13;
nationale Grenzen aufgrund wirtschaftlicher Interdependenz zunehmend verwischt werden.&#13;
Unsere&#13;
heutige außenpolitische Herausforderung besteht in&#13;
der Anpassung unserer dauerhaften Ziele Frieden und&#13;
Wohlstand an die Welt nach dem Kalten Krieg.&#13;
Wie Außenminister Christopher heute bereits erwähnte, kommt der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik&#13;
in dieser neuen Welt eine zentrale Rolle zu. Wir&#13;
verfolgen wirtschaftliche Ziele um ihrer selbst willen weil sie von Vorteil für amerikanische Unternehmen,&#13;
amerikanische Arbeitnehmer und die amerikanische&#13;
Wirtschaft sind. Ferner bedienen wir uns der Wirtschaftsdiplomatie zur Unterstützung der traditionellen&#13;
außenpolitischen Ziele Frieden und Sicherheit. In&#13;
Bosnien, Haiti, Rußland, den neuen unabhängigen&#13;
Staaten der ehemaligen Sowjetunion und im Nahen&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Osten haben wir gesehen, daß die Mehrung des&#13;
Wohlstands den Frieden und die demokratische&#13;
Entwicklung fördert. Somit setzen wir traditionelle&#13;
wirtschaftliche Hilfsmittel ein. In dieser Zeit der&#13;
Haushaltskürzungen konzentrieren wir uns auf die&#13;
Förderung von Wirtschaftsreformen im Inland, regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie Auslandsinvestitionen und Handel.&#13;
Ein ebenso bedeutendes Ziel unserer internationalen&#13;
Wirtschaftspolitik ist die Wahrung des amerikanischen&#13;
Einflusses in den Schlüsselregionen der Welt. Historisch gesehen hat uns die NATO militärisch in Europa&#13;
verankert, und das amerikanisch-japanische Sicherheitsbündnis ist der Pfeiler unserer Sicherheitspräsenz in Asien. Heute bieten Wirtschaftsbeziehungen und die daraus hervorgegangenen neuen wirtschaftlichen Institutionen - beispielsweise die Welthandelsorganisation (WTO) und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) - ebenso&#13;
wichtige Verankerungen für die Projizierung des&#13;
politischen Einflusses der Vereinigten Staaten in die&#13;
ganze Welt.&#13;
Unterstützung von Frieden und Demokratie&#13;
Heute möchte ich mit Ihnen erörtern, wie wir uns für&#13;
die Verfolgung der zunehmend verflochtenen&#13;
Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen unserer Nation&#13;
einsetzen. Erstens nutzen wir, wie bereits erwähnt, die&#13;
Wirtschaft zur Unterstützung unserer diplomatischen&#13;
Ziele Frieden und Demokratie. In den letzten Monaten&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�haben wir beachtliche Fortschritte zum Frieden in den&#13;
lange Zeit von Streitigkeiten geplagten Regionen&#13;
beobachtet - vom Nahen Osten bis zum Balkan. In&#13;
Südafrika, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion&#13;
und Haiti errichten von den Bürgern gewählte Regierungen die Grundlage für eine stabile, demokratische&#13;
Herrschaft. Die amerikanische Diplomatie ist für diese&#13;
Entwicklungen von elementarer Bedeutung, wirtschaftliche Sicherheit ist entscheidend für ihren Erhalt.&#13;
Lassen Sie mich mit dem Nahen Osten beginnen einem Modell wirtschaftlicher Unterstützung von&#13;
Frieden und Sicherheit. Die Tatsache bleibt bestehen,&#13;
daß Frieden und Sicherheit im Nahen Osten heute in&#13;
größerer Reichweite liegen als zu jedem anderen&#13;
Zeitpunkt in der neueren Geschichte, und wirtschaftliche Hilfsmittel haben in diesem Prozeß eine wichtige&#13;
Rolle gespielt.&#13;
Die Vereinigten Staaten bleiben&#13;
optimistisch, daß der Friedensprozeß weitere Fortschritte machen wird, und dabei wird Wirtschaftsdiplomatie auch in Zukunft bedeutende Impulse und&#13;
Beistand geben.&#13;
Heute wählten die Palästinenser einen Palästinensischen Nationalrat, und sie haben in Gaza und den&#13;
meisten Städten des Westjordanlands Selbstverwaltung. Der Wirtschaftsboykott Israels gehört der&#13;
Vergangenheit an.&#13;
Israel und Jordanien haben&#13;
Frieden geschlossen. Nur wenigen Menschen ist&#13;
bewußt, daß wirtschaftliche Zusammenarbeit eine&#13;
zentrale Rolle bei der Weichenstellung für den Friedensvertrag zwischen diesen beiden Ländern spielte.&#13;
Tatsächlich enthält das Friedensabkommen zwischen&#13;
Israel und Jordanien eine Vielzahl von Wirtschaftsklauseln - ebenso wie das Abkommen zwischen den&#13;
Israelis und den Palästinensern.&#13;
Eine der bemerkenswertesten Veränderungen im&#13;
Nahen Osten während der letzten Jahre ist die veränderte Einstellung - die Erkenntnis, daß wirtschaftliche Entwicklung und enge, grenzüberschreitende&#13;
Handelsbeziehungen von entscheidender Bedeutung&#13;
sind, wenn der Frieden in der Region Fuß fassen soll.&#13;
Israelis und Araber gleichermaßen wissen die Ausweitung des Handels, das Wirtschaftswachstum und&#13;
den höheren Lebensstandard zu schätzen, die mit&#13;
regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit einhergehen können. In der Tat hat sich der Friedensprozeß&#13;
als Segen für die Wirtschaft erwiesen, da er die Region&#13;
für ausländische Investoren attraktiver machte.&#13;
Ferner entwickelten wir neue Arten von Wirtschaftsdiplomatie zur Unterstützung des Friedensprozesses.&#13;
Im Mittelpunkt dieser Bestrebungen stehen die jährlichen Wirtschaftsgipfel des Nahen Ostens und&#13;
Nordafrikas, die 1994 in Casablanca begannen. Diese&#13;
Gipfeltreffen führten hochrangige Regierungs- und&#13;
Wirtschaftsverteter aus dem Nahen Osten und der&#13;
ganzen Welt zusammen, um die wirtschaftliche&#13;
Entwicklung in der Region zu unterstützen. Die&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Zusammenkünfte fördern die regionale wirtschaftliche&#13;
Integration und bringen Privatkapital direkt in den&#13;
Friedensprozeß ein. Das möchte ich jetzt näher&#13;
erläutern.&#13;
Zweifellos sind die Unternehmen - nicht die Regierung - der wirkliche Motor für Wirtschaftsentwicklung.&#13;
Vor zwei Jahren trafen in Casablanca Regierungsund Wirtschaftsvertreter aus der gesamten Region&#13;
- Araber und Israelis - ungehindert zusammen und&#13;
sprachen über geschäftliche Dinge. Letztes Jahr in&#13;
Amman wurden Abkommen unterzeichnet. Israel und&#13;
Jordanien einigten sich auf die gemeinsame Entwicklung des Senkungsgrabens des Jordan - eine strittige&#13;
Grenzfrage. Sie wollen in der Region Elat/Aqaba&#13;
gemeinsam einen internationalen Flughafen bauen.&#13;
Und amerikanische Unternehmen unterstützen die&#13;
regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit. Beispielsweise schloß Amoco ein Abkommen über ein Jointventure für den Bau einer Pipeline zur Beförderung&#13;
von Erdgas aus Ägypten nach Israel.&#13;
Wir setzen große Hoffnungen in weitere Fortschritte&#13;
beim nächsten Nahostgipfel in Kairo Ende des Jahres.&#13;
In Kairo werden Investitionsmöglichkeiten in der&#13;
Region sowie die Unterstützung von Unternehmen bei&#13;
der Beteiligung an potentiellen Infrastruktur-,&#13;
Tourismus- und anderen Projekten im Mittelpunkt&#13;
stehen.&#13;
Ein bedeutender Aspekt unserer Wirtschaftsdiplomatie&#13;
ist die Schaffung neuer regionaler Institutionen zur&#13;
Förderung regionaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit.&#13;
Dies sind dauerhafte Institutionen zur Ermutigung und&#13;
Unterstützung intraregionaler Integration sowie zur&#13;
Gewinnung ausländischen Kapitals. Diese Institutionen haben bereits eigene Dynamik entwickelt und&#13;
setzen sich jetzt zunehmend für die Beschleunigung&#13;
und Förderung des Friedensprozesses ein.&#13;
Die Nahostentwicklungsbank ist für diese Bestrebungen von elementarer Bedeutung. Die Bank verfolgt&#13;
drei bestimmte Ziele: Unterstützung des Privatsektors,&#13;
Förderung regionaler Projekte sowie des regionalen&#13;
Wirtschaftsdialogs. Die relativ kleine Kapitalbasis der&#13;
Bank wird eingesetzt, um existierende Mittel im&#13;
Privatsektor, bei der Weltbank und anderen Institutionen freizusetzen.&#13;
Während seiner jüngsten Reise nach Washington rief&#13;
Ministerpräsident Netanjahu die Administration und&#13;
den Kongreß entschieden zur schnellen Finanzierung&#13;
und Einrichtung der Nahostentwicklungsbank auf. Es&#13;
wurden bereits mehr als 75 Prozent der neuen Aktien&#13;
der Bank von 19 Ländern gezeichnet, und wir planen&#13;
die offizielle Eröffnung der Bank, die ihren Hauptsitz in&#13;
Kairo haben wird, beim dortigen Gipfel in diesem Jahr.&#13;
Der Friedensprozeß wird natürlich noch auf zahlreiche&#13;
Herausforderungen stoßen. In Syrien und im Libanon&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�gibt es viele Unwägbarkeiten, und die Gespräche über&#13;
den endgültigen Status Palästinas mit den Palästinensern haben noch nicht begonnen. Ferner müssen wir&#13;
Israel zugestehen, daß es nach seinen Wahlen eine&#13;
Bestandsaufnahme vornimmt. Diese Herausforderungen und Unwägbarkeiten machen es jedoch noch&#13;
wichtiger, daß wir beim Aufbau von Wirtschaftsinstitutionen zur Förderung wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Integration Fortschritte machen.&#13;
Die neue Wirtschaftsarchitektur&#13;
Ein zweites wichtiges Ziel unserer Außenwirtschaftspolitik ist die Gestaltung und Modernisierung der&#13;
Wirtschaftsarchitektur - der globalen und regionalen&#13;
Wirtschaftsinstitutionen - für die Welt nach dem Kalten&#13;
Krieg. Wir arbeiten auf globaler und regionaler Ebene&#13;
- sowie im Rahmen bilateraler Bestrebungen - an der&#13;
Förderung eines offeneren Handels- und Investitionsklimas sowie der Reform und Stärkung internationaler&#13;
Wirtschaftsinstitutionen. Diese neue Architektur bietet&#13;
eine wichtige Grundlage für Einfluß und Führungsrolle&#13;
der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt.&#13;
Auf globaler Ebene haben wir uns für die Gründung&#13;
der Welthandelsorganisation eingesetzt und bereiten&#13;
deren erste Ministerkonferenz vor, die diesen Dezember in Singapur stattfinden soll. Dort hoffen wir auf&#13;
einen weiteren Abbau von Handelshemmnissen sowie&#13;
die Aufnahme neuer Fragen wie Handels- und Arbeitsnormen und Transparenz bei der staatlichen Beschaffung in die Tagesordnung der WTO.&#13;
Ich möchte eine andere multilaterale Institution in&#13;
unserer Wirtschaftsarchitektur erwähnen - die Gruppe&#13;
der 7. Es gibt eine - in meinen Augen gesunde Tendenz, die anhaltende Bedeutung der G-7 in Frage&#13;
zu stellen. Ich habe als Sherpa an den letzten vier G7-Gipfeltreffen teilgenommen und war vor kurzem bei&#13;
dem Treffen der Staats- und Regierungschefs in Lyon&#13;
anwesend. Meiner Ansicht nach sind diese Zusammenkünfte zu einem wichtigen Mechanismus für&#13;
multilaterale Aktionen zu einem breiten Spektrum von&#13;
Themen geworden. Rußland beteiligt sich beispielsweise jetzt am außenpolitischen Teil des Gipfels, und&#13;
die Gipfeltreffen konzentrieren sich mehr auf globale&#13;
Themen wie Terrorismus, Verbrechen und die Umwelt.&#13;
Im wirtschaftlichen Bereich hat die G-7 eine Führungsrolle beim Streben nach offenerem Handel und&#13;
Investitionen übernommen. In Lyon drängten die&#13;
Staats- und Regierungschefs der G-7 spezifisch auf&#13;
die uneingeschränkte und effektive Umsetzung der&#13;
Zusagen der Uruguay-Runde. Die G-7 befürwortete&#13;
auch einen amerikanischen Vorschlag, daß Bestechungsgelder im kommerziellen Bereich künftig&#13;
steuerlich nicht mehr absetzbar sein und als Verbrechen geahndet werden sollen. Solche Bestrebungen werden nicht nur die wirtschaftliche Effizienz und&#13;
gute Regierungsführung verbessern, sondern auch die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Kosten geschäftlicher Transaktionen verringern und&#13;
die Wettbewerbschancen für amerikanische Unternehmen verbessern.&#13;
In diesem Jahr wurden bei der globalen Sitzung der G7 zahlreiche von Präsident Clinton hervorgehobene&#13;
Themen angesprochen. Die acht Staats- und Regierungschefs verabschiedeten 40 konkrete Empfehlungen zur Bekämpfung von transnationalem Verbrechen und Terrorismus und zur Überbrückung der&#13;
Kluft bei der internationalen Strafverfolgung. Die&#13;
Politiker bekräftigten ihren Ruf nach einer durchgreifenden Reform multilateraler Institutionen. Im&#13;
Hinblick auf die Reform der Vereinten Nationen&#13;
ermöglichten die weitere Verschlankung, Kostendämpfung und bessere Managementsysteme es der&#13;
Institution, in diesem Jahr erstmals in ihrer Geschichte&#13;
einen wachstumsneutralen Haushalt zu verabschieden. Auch bei den internationalen Finanzinstitutionen&#13;
wurden bedeutende Reformen vorgenommen: Zu den&#13;
seit Halifax unternommenen Schritten zählen verbesserte Überwachung und eine Verdoppelung der&#13;
durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur&#13;
Bewältigung der Finanzkrisen bereitgestellten Ressourcen.&#13;
Unsere Bestrebungen zum Aufbau einer regionalen&#13;
Wirtschaftsarchitektur waren ebenso erfolgreich. Wir&#13;
knüpfen neue Wirtschaftsbeziehungen durch regionale&#13;
Bestrebungen in Europa, Asien und auf dem amerikanischen Kontinent. Diese Arrangements ermöglichen&#13;
uns die uneingeschränkte Beteiligung an den Wirtschaftsaktivitäten dieser Regionen sowie die Stärkung&#13;
unserer politischen und sicherheitspolitischen Bande.&#13;
Hier in der westlichen Hemisphäre wollten wir neue&#13;
und in manchen Fällen noch auf tönernen Füßen&#13;
stehende Demokratien unterstützen und zur Konsolidierung des in der Region bereits eingeleiteten&#13;
wirtschaftlichen Reformprozesses beitragen. Daher&#13;
veranstaltete Präsident Clinton im Dezember 1994 den&#13;
gesamtamerikanischen Gipfel in Miami, an dem 34&#13;
demokratisch gewählte Staats- und Regierungschefs&#13;
teilnahmen. Dort haben wir uns zu neuartiger Zusammenarbeit verpflichtet, um die Demokratie zu&#13;
stärken, die Armut auszumerzen, Wohlstand durch die&#13;
Konsolidierung der Wirtschaftsreformen zu fördern und&#13;
die Umwelt zu schützen. Wir vereinbarten ferner einen&#13;
neuen Rahmen für regionale Zusammenarbeit,&#13;
darunter die Schaffung einer "gesamtamerikanischen&#13;
Freihandelszone" bis zum Jahr 2005.&#13;
Auch unsere Partnerschaft mit Europa mußte umgestaltet werden, um sie an die heutigen Zeiten anzupassen. Aus diesem Grund reiste Präsident Clinton&#13;
im Dezember vergangenen Jahres nach Madrid, um&#13;
zusammen mit den Staats- und Regierungschefs der&#13;
Europäischen Union eine neue transatlantische&#13;
Tagesordnung zu entwerfen. Wirtschaftliche Zusammenarbeit bildet das Kernstück der neuen trans-&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�atlantischen Tagesordnung, welche die Schaffung&#13;
eines neuen transatlantischen Marktes fordert, auf&#13;
dem Handels- und Investitionshemmnisse abgebaut&#13;
oder abgeschafft werden.&#13;
Der transatlantische&#13;
Untemehmensdialog, an dem über 200 Geschäftsführer amerikanischer und europäischer Firmen&#13;
beteiligt sind, lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Maßnahmen von praktischem und greifbarem Vorteil für die&#13;
Unternehmen.&#13;
Zum Abschluß möchte ich mich Asien zuwenden. Der&#13;
asiatisch-pazifische Raum ist die dynamischste&#13;
Wirtschaftsregion der Welt. Sie zeichnet für die Hälfte&#13;
der Weltproduktion verantwortlich. Bis zum Ende&#13;
dieses Jahrhunderts wird die Hälfte des Welthandels und zwei Drittel des gesamten amerikanischen&#13;
Handels - in der asiatisch-pazifischen Region abgewikkelt.&#13;
In Asien hat das starke amerikanische Engagement für&#13;
die Sicherheit der Region ein der wirtschaftlichen&#13;
Entwicklung, wachsenden Märkten und florierendem&#13;
Handel förderliches Umfeld geschaffen. Der Wohlstand wiederum hat die Grundlage für die Förderung&#13;
unserer strategischen Interessen gelegt: Demokratische Werte, Nichtverbreitung, Umweltschutz und&#13;
Menschenrechte.&#13;
Wir haben uns an das Forum für asiatisch-pazifische&#13;
wirtschaftliche Zusammenarbeit APEC gewandt, um in&#13;
der asiatisch-pazifischen Region Fuß zu fassen. Das&#13;
APEC wurde 1989 als lockerer Zusammenschluß für&#13;
Konsultationen gegründet, in dem die dynamischsten&#13;
Volkswirtschaften der Welt vertreten sind. 1993&#13;
erreichte das APEC einen Wendepunkt, als Präsident&#13;
Clinton zum ersten Mal die 18 APEC-Vertreter in&#13;
Seattle zusammenbrachte. Hier umrissen die Politiker&#13;
eine Vision für das APEC: Sie forderten eine pazifische&#13;
Gemeinschaft, die sich der Suche nach kooperativen&#13;
Lösungen für die Herausforderungen unserer sich&#13;
rasch wandelnden regionalen und globalen Wirtschaft&#13;
widmen sollte.&#13;
1994, als das APEC erneut in Indonesien zusammenkam, verpflichteten sich die Politiker zu freiem und&#13;
offenem Handel sowie Investitionen in der asiatischpazifischen Region bis zum Jahr 2010 für Industrienationen und bis zum Jahr 2020 für Entwicklungsländer.&#13;
Im November vergangenen Jahres wurde in Osaka&#13;
eine konkrete Tagesordnung zur Erlangung der&#13;
Handels- und Investitionsliberalisierung bis zu diesen&#13;
Daten verabschiedet, und die Mitgliedstaaten kündigten die sogenannten "Abschlagszahlungen" für die&#13;
Liberalisierung an. Im Herbst dieses Jahres werden&#13;
die APEC-Mitglieder in Manila ihre nationalen und&#13;
regionalen Aktionspläne vorlegen, um mit der Umsetzung unserer Liberalisierungsbestrebungen zu&#13;
beginnen.&#13;
&#13;
seite 4&#13;
&#13;
Die Unternehmen sind ein besonders aktiver Teilnehmer am APEC. Die Unternehmensvertreter beteiligen&#13;
sich direkt an den zehn Arbeitsgruppen des APEC, in&#13;
denen die tägliche Problemlösung für Unternehmensbelange vornehmlich stattfindet. Die Staats- und&#13;
Regierungschefs gründeten im letzten Jahr in Osaka&#13;
eine APEC-Unternehmensberatung - ABAC - um die&#13;
entscheidende Rolle der Unternehmen am APEC&#13;
institutionell zu verankern und sicherzustellen, daß die&#13;
Unternehmen ein direktes Sagen auf der politischen&#13;
Entscheidungsebene haben.&#13;
Schließlich möchte ich betonen, daß das APEC&#13;
zusätzlich zur Erleichterung der Unternehmensaktivitäten und der Förderung einer Liberalisierung&#13;
eine bedeutende geopolitische Rolle spielt. Durch das&#13;
APEC sind die Vereinigten Staaten in der am schnellsten wachsenden Region der Welt verankert. Es dient&#13;
auch in beträchtlichem Maße als Instrument, um China&#13;
- die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der&#13;
Region - in die regionale Wirtschaft und die asiatische&#13;
politische Gemeinschaft einzubeziehen. Die erfolgreichen Bemühungen des APEC, solch unterschiedliche&#13;
Volkswirtschaften zusammenzubringen - und ein&#13;
Gefühl gemeinsamer Zielsetzungen unter ihnen zu&#13;
vermitteln - verleiht ihm über seine wirtschaftliche&#13;
Mission hinaus politische Bedeutung.&#13;
Das Amerikabüro - Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Unternehmen&#13;
Das dritte - und letzte - Grundprinzip unserer Außenwirtschaftspolitik besteht in der Unterstützung der&#13;
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit in der globalen&#13;
Wirtschaft. Außenminister Christopher hat die Förderung amerikanischer Wirtschaftsinteressen zur&#13;
Hauptfunktion des modernen Außenministeriums&#13;
erklärt. Er hat dafür ein "Amerikabüro" eingerichtet.&#13;
Unsere Botschaften auf der ganzen Welt arbeiten&#13;
härter als je zuvor, um amerikanischen Firmen behilflich zu sein, Chancen auszumachen, Investitionen&#13;
zu sichern, Handelsgeschäfte abzuschließen und&#13;
allgemein zu gewährleisten, daß unsere Firmen aus&#13;
den durch offene Marktsysteme geschaffenen Chancen Vorteile ziehen können. Wir üben weiterhin Druck&#13;
auf ausländische Regierungen aus, Gesetze zum&#13;
Schutz des Rechts auf geistiges Eigentum zu verabschieden und umzusetzen; wir handeln bilaterale&#13;
Investitionsverträge aus, die eine faire Behandlung&#13;
unserer Unternehmen vorsehen, und wir helfen&#13;
unseren Firmen bei der Beilegung von Investitionsstreitigkeiten.&#13;
Das positive Feedback, das wir erhalten, zeigt, daß wir&#13;
bereits etwas bewirken. Unser Ziel besteht jetzt darin,&#13;
Washington dieselbe Perspektive zu vermitteln, die&#13;
Unternehmen dem Außenministerium näherzubringen&#13;
und ihre Belange zum zentralen Element des politischen Entscheidungsprozesses zu machen. Wenn wir&#13;
wirklich die Wirtschaft ins Zentrum unserer Außen-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�Politik stellen, müssen wir intensivere Konsultationen&#13;
mit den Unternehmen führen, während wir ihre Interessen betreffende Maßnahmen erarbeiten.&#13;
Unsere Tagesordnung bei der Verfolgung unserer eng&#13;
miteinander verknüpften Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen ist daher ehrgeizig. Das Ende des Kalten&#13;
Krieges hat in keiner Weise die Notwendigkeit einer&#13;
amerikanischen Führungsrolle und des Engagements&#13;
geschmälert. In einer zunehmend interdependenten&#13;
globalen Wirtschaft hängen unsere Sicherheit und&#13;
unser Wohlstand immer mehr von unseren diplomatischen Investitionen im Ausland ab. Wir müssen&#13;
gewährleisten, daß wir die erforderlichen Ressourcen&#13;
zuweisen, damit unsere Behörden für auswärtige&#13;
Angelegenheiten effektiv Frieden und Sicherheit auf&#13;
der ganzen Welt - und ein stabiles Klima für amerikanische Exporte und Investitionen - fördern können.&#13;
Eine weitere Kürzung unseres bereits schmalen&#13;
Haushalts für auswärtige Angelegenheiten - wie einige&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
im Kongreß vorschlagen - wird unweigerlich beträchtliche politische und wirtschaftliche Kosten für unsere&#13;
nationale Volkswirtschaft und unsere vitalen Interessen&#13;
im Ausland nach sich ziehen.&#13;
Schlußbemerkung&#13;
Abschließend möchte ich feststellen, daß das wirtschaftliche Können der Vereinigten Staaten und die&#13;
amerikanische globale Führungsrolle untrennbar&#13;
verbunden sind. Wir leben in einem Zeitalter, in dem&#13;
die Vereinigten Staaten in einzigartiger Weise zur&#13;
Übernahme dieser Führungsrolle geeignet sind.&#13;
Indem wir die Volkswirtschaften an die vorderste Front&#13;
dieses Prozesses rücken - und durch unser Verständnis der Art und Weise, in der wirtschaftliche&#13;
Instrumente unsere diplomatischen und politischen&#13;
Ziele unterstützen - haben wir einen großen Schritt in&#13;
die richtige Richtung getan.&#13;
&#13;
* * *&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�UMWELT&#13;
7. August 1996&#13;
&#13;
Die Umwelt als Tagesordnungspunkt&#13;
für die Nachrichtendienste&#13;
Rede von CIA-Direktor John Deutch&#13;
&#13;
LOS ANGELES - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Direktor des amerikanischen&#13;
Nachrichtendienstes CIA, John Deutch, am 25. Juli 1996 vor dem World Affairs Council in Los Angeles hielt.&#13;
Darin beschreibt Deutch, wie der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für den Umweltschutz dem Militär&#13;
zu verbesserter Entscheidungsfindung verhilft, zur Einschätzung von Naturkatastrophen und Notfallsituationen&#13;
sowie zur Prognostizierung des globalen Klimawandels beiträgt.&#13;
&#13;
Die Umwelt ist ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung der Nachrichtendienste. Heute möchte ich&#13;
Ihnen erläutern, was wir unter Umweltarbeit der&#13;
Nachrichtendienste verstehen, warum die Nachrichtendienste an dieser Arbeit mitwirken und warum unsere&#13;
Beteiligung für die Bürger der Vereinigten Staaten und&#13;
der Welt bedeutend ist. Ferner möchte ich zeigen, daß&#13;
der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für&#13;
den Umweltschutz kein neues oder kostspieliges&#13;
Bestreben der Nachrichtendienste darstellt.&#13;
Die Aufgabe der Nachrichtendienste besteht darin&#13;
sicherzustellen, daß unsere hochrangigen Politiker und&#13;
Befehlshaber objektive Informationen erhalten, die&#13;
ihnen eine bessere Entscheidungsfindung ermöglichen. Auf der Grundlage unserer Ermittlungen und&#13;
ihrer Analyse verfassen wir nachrichtendienstliche&#13;
Berichte, die der Führung unseres Landes Einblick&#13;
gewähren, wie sich Ereignisse in allen Teilen der Welt&#13;
entwickeln und wie sie sich auf unsere nationale&#13;
Sicherheit auswirken.&#13;
Entwicklungen im Bereich der Umwelt - sowohl&#13;
natürliche als auch vom Menschen herbeigeführte zählen zu den unterschwelligen Kräften, die in einem&#13;
Land die Volkswirtschaft, soziale Stabilität, das&#13;
Verhalten auf den Weltmärkten sowie das Verhältnis&#13;
zu den Nachbarländern beeinflussen.&#13;
Ich möchte betonen - die Umwelt ist ein Faktor. Es&#13;
wäre unüberlegt, Konflikte in Somalia, Äthiopien oder&#13;
Haiti allein auf umweltpolitische Ursachen zurück-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
zuführen. Aber es wäre auch töricht, außer acht zu&#13;
lassen, daß in jedem dieser Staaten das Land auf eine&#13;
Art und Weise ausgebeutet wird, die die Ernährung der&#13;
zunehmenden Bevölkerung unmöglich macht.&#13;
Umweltzerstörung, Ausbreitung der Wüste, Erosion&#13;
und landwirtschaftliche Übernutzung zerstören weite&#13;
Teile des Ackerlandes. Diese Kräfte vertreiben die&#13;
Menschen aus ihrer Heimat und schaffen Spannungen&#13;
zwischen ethnischen und politischen Gruppen,&#13;
während der Kampf um die knappen Ressourcen&#13;
immer härter wird. Es besteht eine enge Verbindung&#13;
zwischen Umweltzerstörung, Bevölkerungswachstum&#13;
und Armut, die regionale Analysten in Betracht ziehen&#13;
müssen.&#13;
Nationale Aufklärungssysteme, die Panzerbewegungen in der Wüste verfolgen, können gleichzeitig auch&#13;
die Bewegung der Wüste erkennen - wie der Sand sich&#13;
auf ehemals produktive Felder ausbreitet oder Hügel&#13;
aufgrund von Entwaldung und Erosion brachliegen.&#13;
Satellitensysteme gestatten uns eine schnelle Einschätzung der Größenordnung des Schadens. Die&#13;
Einbeziehung dieser umweltpolitischen Dimension in&#13;
die traditionelle politische, wirtschaftliche und militärische Analyse verbessert unsere Fähigkeit, die&#13;
Politiker vor möglicher Instabilität, Konflikten oder&#13;
humanitären Katastrophen zu warnen und Situationen&#13;
auszumachen, die amerikanisches Engagement&#13;
erfordern könnten.&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Bestimmte Ereignisse haben bereits die Aufnahme von&#13;
Umweltfragen in unsere nachrichtendienstliche&#13;
Tagesordnung erforderlich gemacht. Als Moskau&#13;
anfänglich irreführende Informationen über den Unfall&#13;
im Atomkraftwerk Tschernobyl veröffentlichte, wandten&#13;
sich amerikanische Politiker an die Nachrichtendienste, um den Schaden und seine Auswirkungen auf die&#13;
ehemalige Sowjetunion und ihre Nachbarstaaten&#13;
einzuschätzen.&#13;
&#13;
Die weltweite Debatte über Umweltfragen betrifft&#13;
unsere Diplomatie in zunehmendem Maße. Außenminister Christopher erklärte im April, daß "unsere&#13;
Fähigkeit zur Förderung unserer globalen Interessen&#13;
untrennbar mit der Art und Weise verbunden ist, in der&#13;
wir die natürlichen Ressourcen der Erde verwalten".&#13;
Er betonte, daß wir die Umwelt "zu einem wesentlichen&#13;
Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik" machen&#13;
müssen.&#13;
&#13;
Während des Golfkriegs, als Saddam Hussein Umweltzerstörung als Waffe einsetzte, forderten Politiker&#13;
und Militärs die Nachrichtendienste auf, die Bewegung&#13;
des Rauchs von brennenden Ölfeldern und den Fluß&#13;
des in den Golf abgelassenen Öls zu verfolgen. Sie&#13;
fragten, ob die Beschädigung des irakischen Nuklearkomplexes Tuwaitha eine Gefahr für die Truppen und&#13;
örtliche Bevölkerung beinhalte.&#13;
&#13;
Die Nachrichtendienste haben die Diplomatie auf&#13;
diesem Gebiet seit langem unterstützt, insbesondere&#13;
im Hinblick auf wichtige internationale Umweltverträge&#13;
und -abkommen. Ich möchte hier eine Analogie zur&#13;
Rolle der Nachrichtendienste bei der Aushandlung von&#13;
Rüstungskontrollverträgen herstellen. Solche Verträge&#13;
könnten nicht unterzeichnet und ratifiziert werden,&#13;
wenn die Nachrichtendienste nicht ihre Einhaltung&#13;
kontrollieren würden.&#13;
&#13;
In jedem dieser Fälle konnte die Antwort auf diese&#13;
Fragen nicht lauten "Umwelt ist keine Angelegenheit&#13;
der Nachrichtendienste", und sie lautete auch nicht so.&#13;
Unsere Antworten bestanden aus klassischer nachrichtendienstlicher Arbeit: Analysen auf der Grundlage&#13;
von Daten, die wir durch unsere Ermittlungen und aus&#13;
offenen Quellen gewonnen hatten. Wir konnten das&#13;
Ausmaß des Unfalls von Tschernobyl einschätzen.&#13;
Wir konnten amerikanischen Soldaten sagen, wie sie&#13;
den durch brennende Ölquellen hervorgerufenen&#13;
tödlichen Schwefelwasserstoff meiden können, und wir&#13;
konnten den Militärplanern mitteilen, daß eine Beschädigung des Reaktors keine Bedrohung darstellte.&#13;
&#13;
In ähnlicher Weise überwachen die Nachrichtendienste die Einhaltung von Umweltverträgen wie das&#13;
Montrealer Protokoll über die Ozonschicht schädigende Substanzen und die Londoner Konvention, welche&#13;
die Verklappung radioaktiven und anderen Mülls ins&#13;
Meer regelt. Ferner sollte die nachrichtendienstliche&#13;
Unterstützung beim Verhandlungsprozeß beginnen,&#13;
damit amerikanische Diplomaten über die besten&#13;
Informationen verfügen, um in Zukunft effektive und&#13;
durchsetzbare Verträge auszuarbeiten.&#13;
&#13;
Ich möchte betonen, daß die Umwelt für die Nachrichtendienste kein neues Problem ist. Wir haben seit&#13;
Jahren Mittel für das Verständnis umweltpolitischer&#13;
Fragen aufgewandt. Ein Großteil der Arbeit, der jetzt&#13;
unter die Bezeichnung Umwelt fällt, wurde früher unter&#13;
anderen Namen geleistet - Geographie, Ressourcen&#13;
oder Forschung.&#13;
&#13;
Der Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse für&#13;
den Umweltschutz wird auch Bestandteil unserer&#13;
Unterstützung für die Wirtschaftspolitiker sein. Sie&#13;
müssen beispielsweise wissen, ob sich ausländische&#13;
Konkurrenten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber&#13;
amerikanischen Unternehmen schaffen, indem sie sich&#13;
über Umweltbestimmungen hinwegsetzen.&#13;
Die&#13;
Nachrichtendienste können wertvolle Informationen&#13;
bieten.&#13;
&#13;
Beispielsweise setzen wir seit langem Satellitenbilder&#13;
ein, um den Ernteertrag in Nordkorea oder andernorts&#13;
einschätzen zu können. Das gestattete uns die&#13;
Prognose von möglicherweise zu Instabilität führenden&#13;
&#13;
Mit anderen Worten: Der Bedarf nach von den Nachrichtendiensten bereitgestellten Informationen zu&#13;
Umweltfragen steigt. Da die Weltbevölkerung immer&#13;
weiter anwächst und Ressourcen wie sauberes&#13;
&#13;
Engpässen sowie die mengenmäßige Bestimmung der&#13;
&#13;
Wasser und Ackerland immer knapper werden, erhöht&#13;
&#13;
Agrarprodukte, die eine Nation möglicherweise&#13;
importieren muß - für das US-Landwirtschaftsministerium und die amerikanischen Landwirte wertvolle&#13;
Informationen. Ferner prüften wir das Vorkommen&#13;
natürlicher Ressourcen wie Öl, Gas und Mineralien.&#13;
&#13;
sich die Wahrscheinlichkeit, daß die Aktivitäten eines&#13;
Landes über seine nationalen Grenzen hinausreichende Auswirkungen auf die Umwelt haben. Die amerikanischen Politiker müssen vor Problemen gewarnt&#13;
werden, die wahrscheinlich die amerikanischen&#13;
Interessen und regionale Stabilität beeinflussen.&#13;
&#13;
Wir versorgen das Militär seit Jahren mit Informationen&#13;
über das Terrain und örtliche Ressourcen. Wenn&#13;
unsere Streitkräfte militärische, friedenssichernde und&#13;
humanitäre Operationen in entlegenen und unbekannten Gebieten beginnen, brauchen sie noch bessere&#13;
Informationen über Umweltfaktoren, die ihre Gesundheit, Sicherheit und Fähigkeit zur Durchführung dieser&#13;
Operationen beeinflussen könnten.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
Die Wahrung der Fähigkeit zum Einsatz nachrichtendienstlicher Erkenntnisse beim Umweltschutz wird uns&#13;
die Beantwortung wichtiger Fragen gestatten, die&#13;
unsere Verbraucher in Zukunft wahrscheinlich stellen&#13;
werden. Beispielsweise werden das schnelle Bevölkerungswachstum in China und die prosperierende&#13;
Wirtschaft zu einem enormen Anstieg der Nachfrage&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�nach den natürlichen Ressourcen der Welt&#13;
einschließlich Erdöl und Nahrungsmitteln.&#13;
Auswirkungen wird das auf die Weltmärkte&#13;
Ebenso wie in der Vergangenheit müssen&#13;
Beantwortung solcher Fragen bereit sein.&#13;
&#13;
führen,&#13;
Welche&#13;
haben?&#13;
wir zur&#13;
&#13;
Ferner sollten wir Daten aus unseren Ermittlungssystemen bereitstellen, um den Experten bei der&#13;
Beantwortung von weniger traditionellen Fragen zu&#13;
helfen, beispielsweise: Welche Konsequenzen hat die&#13;
zunehmende Verwendung fossiler Brennstoffe für die&#13;
globale Umwelt?&#13;
Wie ich bereits erwähnte, haben die Nachrichtendienste einzigartige Aktivposten, darunter Satelliten,&#13;
Sensoren und Fernerkundungsgeräte, die der Wissenschaft eine Fülle von Informationen über die Umwelt&#13;
liefern können. Ferner können diese Informationen&#13;
durch verschiedene Mechanismen an Experten von&#13;
außerhalb weitergeleitet werden. Diese Bestrebungen&#13;
werden die Fähigkeit unserer Nation zur Verhinderung&#13;
von Umweltkrisen beträchtlich erhöhen.&#13;
1991 forderte der damalige Senator Gore die Nachrichtendienste zur Gründung einer Arbeitsgruppe auf,&#13;
die Wege sondieren sollte, wie nachrichtendienstliche&#13;
Aktivposten zur Unterstützung der Umweltforschung&#13;
eingesetzt werden könnten. Diese Initiative führte zu&#13;
einer Partnerschaft zwischen den Nachrichtendiensten&#13;
und der Wissenschaft, die sich für beide Seiten als&#13;
außerordentlich produktiv erwies.&#13;
Die Arbeitsgruppe Umwelt kam zu dem Ergebnis, daß&#13;
die von den Nachrichtendiensten über Satellit oder mit&#13;
anderen Mitteln gesammelten Daten entscheidende&#13;
Informationslücken der Umweltforschung füllen&#13;
können. Ferner können diese Daten zur weiteren&#13;
Untersuchung freigegeben werden, ohne etwas über&#13;
Quellen und Methoden zu verraten.&#13;
Beispielsweise können von den ersten Satelliten der&#13;
Nachrichtendienste - die lange Zeit vor den kommerziellen Systemen ins All geschickt wurden - aufgenommene Bilderden Wissenschaftlern zeigen, wie sich die&#13;
Grenzen von Wüsten, die Vegetation und das Polareis&#13;
mit der Zeit verändert haben. Diese historischen&#13;
Bilder, die jetzt nicht mehr als geheim eingestuft&#13;
werden, stellen wertvolle Indikatoren für regionalen&#13;
und globalen Klimawandel dar.&#13;
Einige der Wissenschaftler, die an der Arbeitsgruppe&#13;
Umwelt teilnahmen, haben eine Gruppe namens&#13;
MEDEA gegründet. MEDEA arbeitet mit den Nachrichtendiensten an der Einführung eines sogenannten&#13;
"globalen Treuhandprogramms". Im Rahmen dieser&#13;
Initiative werden wir während des kommenden Jahrzehnts regelmäßig Aufnahmen ausgewählter Orte von&#13;
umweltpolitischer Bedeutung machen.&#13;
Dadurch&#13;
werden die Wissenschaftler laufend Aufzeichnungen&#13;
von Veränderungen auf der Erde erhalten, wodurch ihr&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Verständnis für Umweltentwicklungen verbessert wird.&#13;
Noch wichtiger ist, daß dadurch ihre Fähigkeit entscheidend erhöht wird, bei möglichen katastrophalen&#13;
Bedrohungen der Gesundheit und des Wohlergehens&#13;
unserer Bürger ein strategisches Alarmsignal zu&#13;
geben.&#13;
Gleichzeitig wollen wir nicht, daß die Nachrichtendienste zum Zentrum für Umweltforschung werden oder&#13;
Forschung auf diesem Gebiet direkt unterstützen. In&#13;
diesem Fall besteht unsere Arbeit darin, Daten zu&#13;
sammeln und den Wissenschaftlern zur Verfügung zu&#13;
stellen. Ihre Arbeit wird von anderen gesponsert - von&#13;
der Nationalen Stiftung für Wissenschaft, dem Nationalen Amt für Ozeanographie und Meteorologie, der&#13;
NASA sowie akademischen Einrichtungen.&#13;
Wir&#13;
werden weiterhin mit Umweltexperten zusammenarbeiten um zu gewährleisten, daß sie ihr Wissen in&#13;
die Daten einbringen, die wir sammeln oder aus&#13;
unseren beträchtlichen Archiven abrufen.&#13;
Unsere Interaktion mit MEDEA ist nicht nur wertvoll für&#13;
die Umweltschützer, sondern hat auch direkte Vorteile&#13;
für die Nachrichtendienste. MEDEA arbeitet eng mit&#13;
unseren Analysten an der Entwicklung von Technologien zusammen, die unsere Fähigkeit zur Sammlung&#13;
und Auswertung von Daten aus unseren Ermittlungssystemen erhöhen.&#13;
Die Kombination von Daten und Fachwissen der&#13;
Nachrichtendienste mit wissenschaftlichen Erkenntnissen kann den Politikern ein besseres nachrichtendienstliches Produkt liefern. Wissenschaftler von&#13;
MEDEA haben mit unseren Analysten zusammengearbeitet, um Bedarf an Informationen über Umweltfragen und -probleme decken zu können - beispielsweise über eine Reihe von Lecks in Ölpipelines in der&#13;
russischen Region Komi. Das Ausströmen von Öl in&#13;
Komi ist nur ein Beispiel dafür, wie Satelliten der&#13;
Nachrichtendienste und Sensoren nach natürlichen&#13;
oder vom Menschen hervorgerufenen Katastrophen&#13;
umgehend wertvolle Informationen bereitstellen&#13;
können. In diesem Fall konnten wir feststellen, daß&#13;
keine großen Ölmengen in die arktischen Flüsse&#13;
gelangten.&#13;
In den Vereinigten Staaten unterstützen die Nachrichtendienste das Bundesamt für Katastrophenhilfe&#13;
und andere staatliche Einrichtungen im Falle von&#13;
Naturkatastrophen. Mit Hilfe von Daten aus einer&#13;
Vielzahl von Quellen können wir wenige Stunden nach&#13;
einer Katastrophe Art und Umfang des Schadens&#13;
einschätzen und melden - den Zustand von Straßen,&#13;
Flughäfen und Krankenhäusern sowie von Staudämmen und Nukleareinrichtungen, die eine potentielle&#13;
weitere Bedrohung darstellen. Ich möchte hier zwei&#13;
Dinge anmerken:&#13;
Erstens leisten wir diese Art von Unterstützung nur auf Anfrage. Wir brauchen eine&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Erlaubnis, um Aufnahmen über dem Territorium der Vereinigten Staaten zu machen.&#13;
Zweitens schaffen wir aus geheimzuhaltenden&#13;
Informationen nicht als geheim eingestufte&#13;
Produkte. Wir haben ein Katastrophen reaktionsteam, das umgehend nicht geheime&#13;
Landkarten und Diagramme erstellen kann,&#13;
die durch Erdbeben, Brände, Überschwemmungen, Wirbelstürme, Ölkatastrophen oder&#13;
Vulkanausbrüche hervorgerufene Schäden&#13;
zeigen.&#13;
Ich möchte Ihnen ein Beispiel dafür geben, wie gut&#13;
dieses System funktioniert: Vor wenigen Wochen (am&#13;
5. Juni) bat die Bundesforstverwaltung uns um Hilfe bei&#13;
der Bekämpfung des in Alaska wütenden verheerenden Feuers. In jenem Fall hatten wir nicht genug&#13;
Flugzeuge, um das Ausmaß der Brände angemessen&#13;
feststellen zu können. Innerhalb von 24 Stunden nach&#13;
der ersten Anfrage erstellten wir eine Landkarte, die&#13;
Reichweite der Feuersbrunst, schwelende Feuer sowie&#13;
die Feuerwand zeigte. Diese Informationen waren&#13;
umfassender und detaillierter als die durch das&#13;
Überfliegen mit Zivilflugzeugen gewonnenen und&#13;
standen auch viel schneller zur Verfügung.&#13;
Ferner können wir unsere Fähigkeiten einsetzen, um&#13;
vor Katastrophen ein Alarmsignal zu geben. Wir leiten&#13;
diese Informationen auch an ausländische Regierungen weiter. Als beispielsweise 1995 auf der Karibikinsel Montserrat ein Vulkan wieder aktiv wurde,&#13;
beobachteten wir starke Veränderungen und alarmierten Hilfsorganisationen und Militärbehörden der&#13;
Westindischen Inseln, damit sie sich auf eine mögliche&#13;
Evakuierung der Inselbewohner vorbereiten konnten.&#13;
Vor kurzem registrierten wir eine Veränderung im&#13;
Krater des Vulkans - ein Spalt war entstanden, was&#13;
darauf hinwies, daß sich die Gefahr eines Ausbruchs&#13;
dramatisch erhöht hatte. Wir gaben schnell ein&#13;
Alarmsignal, das den Behörden auf Montserrat die&#13;
Evakuierung von 4.000 Menschen in weniger gefährdete Gebiete auf der Insel gestattete.&#13;
Diese Aktivitäten liegen außerhalb unserer traditionellen nachrichtendienstlichen Mission, aber unseres&#13;
Erachtens ist es wichtig Hilfe zu leisten, wenn die&#13;
entsprechenden Fähigkeiten anderweitig nicht verfügbar sind. Diese Bestrebungen kosten uns sehr wenig,&#13;
sind jedoch für Hilfsorganisationen, Katastrophenopfer&#13;
und potentielle Opfer, deren Leben durch die rechtzeitige Warnung gerettet werden konnte, von enormem&#13;
Nutzen.&#13;
Vizepräsident Gore ist ein führender Verfechter des&#13;
Einsatzes von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen&#13;
zur Vertiefung des Wissens über die Umwelt auf&#13;
internationaler Ebene, beispielsweise zur besseren&#13;
Erkennung von Ölkatastrophen und dem Verklappen&#13;
von Chemiemüll auf internationalen Wasserstraßen.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Die amerikanisch-russische gemeinsame Kommission&#13;
für wirtschaftliche und technologische Zusammenarbeit&#13;
- die Gore-Tschernomyrdin-Kommision - hat einen&#13;
produktiven Informationsaustausch zwischen den&#13;
Vereinigten Staaten und Rußland in die Wege geleitet.&#13;
Dank dieses Austauschs verfügen wir über einzigartige&#13;
und wertvolle Daten aus den nachrichtendienstlichen&#13;
Programmen Rußlands. Die Russen haben beispielsweise umfassende Daten über das Nördliche Eismeer&#13;
gesammelt. Diese Informationen sind entscheidend für&#13;
unser Verständnis ozeanographischer und atmosphärischer Prozesse, die wiederum entscheidend für&#13;
unsere Fähigkeit zur Vorhersage globaler Klimaveränderungen sind. Zusammen mit Rußland haben wir&#13;
einen CD-ROM-Atlas des Nördlichen Eismeers&#13;
produziert. Er enthält mehr als zwei Millionen zwischen 1948 und 1993 von wandernden russischen&#13;
Forschungsstationen, Eisbrechern und Flugzeugexpeditionen zusammengetragene Einzeldaten sowie&#13;
auf amerikanischeil Bojen durchgeführte Beobachtungen. Diese einst geheimgehaltenen Daten sind jetzt&#13;
über das World Wide Web auf den Internet abrufbar&#13;
und werden den amerikanischen Wissenschaftlern zur&#13;
Verfügung stehenden wissenschaftlichen Bestand an&#13;
ozeanographischen Daten mehr als verdoppeln.&#13;
Die arktischen Daten sind nicht nur für wissenschaftliche Studien des Klimawandels entscheidend. Sie&#13;
können uns auch die Bewegung von Schadstoffen&#13;
aufzeichnen helfen. Die großen Ströme Rußlands&#13;
fließen nach Norden in die Arktis. Sie führen viele&#13;
Rückstände aus russischen Industrieanlagen mit sich,&#13;
darunter Chemikalien, Schwermetalle und organische&#13;
Substanzen sowie radioaktive Stoffe aus dem russischen Verteidigungsprogramm. Zum Beispiel sind 3&#13;
Millionen Curie radioaktiven Mülls aus Chelyabinsk, die&#13;
vor Jahren im Techa entsorgt wurden, im Nördlichen&#13;
Eismeer - mehr als 1.500 Kilometer von dem Kraftwerk&#13;
entfernt - gelandet. Die russischen ozeanographischen Daten können den Russen und uns dabei&#13;
behilflich sein festzustellen, wohin radioaktive Materialien und Schadstoffe gelangen werden, wenn sie das&#13;
Nördliche Eismeer erreicht haben, und ob amerikanische und kanadische Gewässer davon betroffen sein&#13;
werden.&#13;
&#13;
Anfang dieses Jahres tauschten Rußland und die&#13;
Vereinigten Staaten nicht mehr der Geheimhaltung&#13;
unterliegende, über einen Zeitraum von 25 Jahren&#13;
gemachte Bilder von Umweltschäden auf dem Luftwaffenstützpunkt Eglin in Florida und dem Yeysk-Luftwaffenstützpunkt in Südwestrußland aus. Dieser andauernde Austausch wird unseren beiden Ländern bei&#13;
der Beseitigung ihrer toxischen und radioaktiven&#13;
Altlasten auf den Standorten behilflich sein. Die zur&#13;
Herstellung dieser Karten verwendete Technik könnte&#13;
uns helfen, in der Zukunft potentielle Quellen für&#13;
Verschmutzung zu identifizieren. Ein solcher Informationsaustausch hat sich als kostengünstiger und&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
�höchst effektiver Weg zur Schaffung guten Willens und&#13;
Stärkung internationaler Beziehungen erwiesen. Wir&#13;
sollten neue Möglichkeiten für den Austausch von&#13;
Informationen mit anderen Ländern sondieren.&#13;
&#13;
Politik und Militär, benötigen - und bitten um Unterstützung bei Umweltfragen und -Problemen.&#13;
Die Nachrichtendienste verfügen über einzigartige technische Ressourcen zur Sammlung&#13;
von Daten und analytisches Fachwissen, die&#13;
entscheidende Informationslücken für Umweltforscher füllen oder Hilfsorganisationen bei&#13;
der Bewältigung von Naturkatastrophen&#13;
behilflich sein können.&#13;
&#13;
Ich möchte noch einen weiteren wichtigen Punkt&#13;
bezüglich unserer Arbeit an Umweltthemen anschneiden - die Kosten sind gering und die potentiellen&#13;
Vorteile enorm. Die für nachrichtendienstliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Umwelt zugewiesenen&#13;
Ressourcen sind bescheiden und machen vielleicht ein&#13;
Zehntel des Budgets für Datensammlung und -analyse&#13;
aus. Wir nutzen die bereits vorhandenen nachrichtendienstlichen Fähigkeiten.&#13;
Diese wichtige Arbeit&#13;
erfordert keine neuen Kapitalinvestitionen.&#13;
Die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse auf dem&#13;
Gebiet der Umwelt machen es auch nicht erforderlich,&#13;
daß wir Systeme zur Sammlung von Daten von&#13;
unseren wichtigsten Zielen abziehen oder in Bereichen&#13;
tätig werden, wo wir nicht hingehören. Die Darstellung&#13;
von Standorten im Rahmen des globalen Treuhandprogramms kann beispielsweise während der nicht&#13;
stark genutzten Stunden des Satelliteneinsatzes&#13;
erfolgen. Sie wird die Sammlung von Daten über&#13;
unsere Ziele von höchster Priorität nicht stören,&#13;
darunter die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, Drogenhandel und die Aktivitäten&#13;
verbrecherischer Staaten.&#13;
Mit anderen Worten: Die Umwelt wird weiterhin einen&#13;
bedeutenden Platz auf der nachrichtendienstlichen&#13;
Tagesordnung der Vereinigten Staaten einnehmen.&#13;
Umweltfaktoren beeinflussen die internen und&#13;
externen politischen, wirtschaftlichen und&#13;
militärischen Aktionen von Nationen, die für&#13;
unsere nationale Sicherheit wichtig sind.&#13;
Die Abnehmer unserer nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, darunter die Vertreter von&#13;
&#13;
Durch eine produktive Partnerschaft mit den&#13;
Wissenschaftlern können wir strategische&#13;
Alarmsignale über Umweltschäden geben, die&#13;
eine Gefahr für unsere Gesundheit und unser&#13;
Wohlergehen sein könnten.&#13;
Diese Aktivitäten stellen keine Bedrohung&#13;
unserer traditionellen Aufgaben dar.&#13;
Die von mir beschriebene elementare Arbeit&#13;
erfordert nur eine geringe Zuwendung von&#13;
Ressourcen.&#13;
Meines Erachtens wäre das Ignorieren von Umweltfragen kurzsichtig von uns, während wir versuchen, die&#13;
Entwicklungen in der Welt nach dem Kalten Krieg zu&#13;
verstehen und vorherzusagen sowie Bedrohungen&#13;
unseres nationalen Wohlergehens auszumachen.&#13;
Ebenso wie Außenminister Christopher versprochen&#13;
hat, "Umweltfragen zu einem wesentlichen Bestandteil&#13;
der amerikanischen Außenpolitik zu machen", beabsichtige ich sicherzustellen, daß nachrichtendienstliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Umwelt weiterhin ein wesentlicher Bestandteil der nachrichtendienstlichen Aktivitäten der Vereinigten Staaten sind. Selbst&#13;
in Zeiten der Haushaltskürzungen werden wir die&#13;
Politiker und das Militär bei der Bewältigung dieser&#13;
bedeutenden Umweltfragen unterstützen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 15&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�</text>
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United
53

States

Bonn-Bad

Tel:
Nummer

d i e n s t

Information

G o d e s b e r g l ,

89-3240

Information

Service

Postfach

3

00

UnO

Dokumentation

Telex:08-85432

36

7. September 1972

Inhalt
INFORMATION:
USA über Bluttat von München zutiefst bestürzt und empört
DOKUMENTATION:
Gemeinsame Erklärung Nixons und Tanakas von Honolulu
- Wortlaut Einzelheiten des amerikanisch-japanischen Handelsabkommens
- Wortlaut der Verlautbarung Erklärung Präsident Nixons zur Aufhebung der Wehrpflicht in den USA
- Wortlaut HINTERGRUND:
Wer im Glashaus sitzt ...
- Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewählt
Von unserem Sonderkorrespondenten
WIRTSCHAFT:
Vorbehalte Eberles zum Bericht der OECD-Sachverständigengruppe
- Wortlaut des Schreibens WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vorläufiger Zeitplan für den Flug APOLLO 17
Umweltschutz: 287 Millionen Dollar bis 198p
- Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor Dem Vergiftungsmechanismus von Hexachlorophen auf der Spur
Amerikanisch-sowjetisches Projekt zur Krebsforschung
Virus-Theorie gewinnt an Boden
Von G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Information

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

36/1972

USA ÜBER BLUTTAT VON MÜNCHEN ZUTIEFST BESTÜRZT UND EMPÖRT

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben mit tiefer Bestützung
und Empörung auf die Nachricht von dem arabischen Terroranschlag auf die israelische Olympiamannschaft in München reagiert und diese verabscheuungswürdige
Bluttat nachdrücklich verurteilt. Der amerikanische Präsident Nixon hat der
israelischen Ministerpräsidentin, Frau Golda Meir, wie auch den Familien der
unschuldigen Opfer sein tiefempfundenes Beileid übermittelt. Gleichzeitig hat
der amerikanische Präsident Außenminister Rogers beauftragt, in Kontakten mit
anderen Regierungen vordringlich zu prüfen, welche kollektiven Maßnahmen gegen
den Terror ergriffen werden können.
Das Beileidstelegramm Präsident Nixons an Frau Golda Meir hat folgenden
Wortlaut:

"Hochverehrte Frau Ministerpräsidentin:
Amerika fühlt zutiefst mit Ihnen, den trauernden Familien und dem israelischen Volk in diesem Unglück, das über Ihre Olympiamannschaft hereingebrochen
ist. Diese

tragische und sinnlose Tat ist ein Anschlag auf alle die Hoffnungen

und Sehnsüchte der Menschheit, die in den olympischen Spielen ihren Ausdruck
finden. In weiterem Sinne ist dies eine Tragödie für alle Völker und Länder der
Welt. Wir betrauern mit Ihnen den Tod Ihrer unschuldigen und prächtigen Athleten, und wir teilen mit Ihnen die Entschlossenheit, daß der Geist der Brüderlichkeit und des Friedens, den sie vertraten, letzlich obsiegen wird.
In aufrichtiger Anteilnahme
Richard Nixon"

�Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter
George Bush, erklärte auf einer Gedenkfeier in New York:

"Als Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen und als
Mensch bin ich erschüttert über die gestrigen Ereignisse. Der hinterhältige Angriff, der das Leben dieser Olympiakämpfer forderte, erinnert uns erneut daran,
wie sehr politische Motive selbst diese Arena geführden können, in der nur
Friede und internationale Eintracht herrschen sollten.
Diese paar Männer haben mit ihren Gewalttaten versucht, den Geist der Spiele
für die Tausende von Männern und Frauen aus allen Ländern und die begeisterten
Zuschauer aus aller Welt zu vernichten.
Nirgendwo empfinden wir dies unmittelbarer als in den Vereinten Nationen,
die trotz allem eine große Hoffnung auf internationale Zusammenarbeit und
Frieden bilden.
Der einzige Trost, den ich Ihnen in diesem Augenblick geben kann, ist,
Sie an die Verheißungen des Propheten Jesaja zu erinnern, der einst sagte:
'Den Tod wird er auf ewig verschwinden lassen, die Tränen wird Gott der Herr
von jedem Antlitz abwischen und die Schmach seines Volkes überall auf der Erde
tilgen'."

Auch der amerikanische Senat hat in einer einstimmig angenommenen Entschließung seiner tiefen Sorge und Bestürzung über diese Bluttat Ausdruck gegeben, der elf israelische Olympiakämpfer zum Opfer fielen, und dem israelischen
Volke sowie den trauernden Familien seine aufrichtige Anteilnahme ausgesprochen..
Der amerikanische Außenminister Rogers gab ebenfalls seiner Bestützung
und Empörung Ausdruck und forderte vor dem Rechtsausschuß der Organisation für
die zivile Luftfahrt (ICA) entschlossene und unverzügliche Maßnahmen, um
künftige Terrorakte und jede Luftpiraterie zu verhindern.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich

�"Ich danke Ihnen und den Mitgliedern dieser Konferenz für die mir erteilte Gelegenheit, heute hier vor Ihnen zu sprechen.
Ich weiß, daß Sie mit mir das tiefe Gefühl der Empörung und der Trauer
über die sinnlosen und tragischen Geschehnisse teilen, durch die die Olympischen
Spiele so sehr beeinträchtigt wurden. Die von extremistischen Terroristen verübten Morde sind mehr als Verbrechen, die gegen die Bürger eines einzigen Landes
begangen wurden. Es ist der Geist, den die olympischen Spiele verkörpern - der
Geist der Brüderlichkeit und des freundschaftlichen Wettkampfs unter den Völkern
der gesamten Welt - der durch diese Wahnsinnstat aufs schwerste herausgefordert
worden ist.
In dieser Zeit der Trauer müssen sich alle Menschen guten Willens fragen,
was können wir tun, um sicherstellen zu helfen, daß solche Verbrechen nicht
mehr vorkommen? Denn solche Verbrechen gefährden mit Sicherheit die Hoffnungen
auf eine friedlichere Welt. Wir brauchen uns hier auf dieser Konferenz nur
daran zu erinnern, daß die Münchner Attentäter versuchten, ein Flugzeug in ihre
Gewalt zu bekommen, es zu entführen, um damit ihre Flucht zu bewerkstelligen.
Wir brauchen nur daran zu denken, daß Drohungen und Gewaltakte gegen den internationalen Luftverkehr ein Aspekt - aber ein sehr bedeutsamer Aspekt - des
internationalen Terrors sini,der das Leben unschuldiger Personen ohne Rücksicht
auf ihre Nationalität gefährdet.
Die internationale Gemeinschaft muß entschlossene und unverzügliche Maßnahmen treffen, um jede Luftpiraterie wirksam zu verhindern. Wenn uns das gelingt, dann werden wir alle Terroristen und potentiellen Terroristen um eine
ihrer wirksamsten Waffen gebracht und einen entscheidenden Schritt getan haben,
um internationale; Terror und Mißachtung der Gesetze Einhalt zu gebieten.
Wir in den Vereinigten Staaten sind in dieser Hinsicht aktiv tätig. Der
Präsident hat mich soeben darüber unterrichtet, daß er heute dem Senat die
Sabotage-Konvention von Montreal zuleitet, mit der dringenden Bitte, sie zu
ratifizieren. Darüber hinaus richte ich einen nachdrücklichen Appell an den
Kongreß, die ihm vorliegende Gesetzesentwürfe unverzüglich zu behandeln, um
unsere Gesetze gegen Luftpiraterie weiter zu stärken und schwere Strafen für

�für Verbrechen gegenüber Diplomaten zu ermöglichen. Es erscheint mir klar,
daß, falls die Regierungen es versäumen, hier zu handeln, wir durch eben dieses
Versäumnis gerade zu solchen Verbrechen ermutigen, die zu bekämpfen wir hier
zusammengekommen sind.
Der internationale Luftverkehr ist ein wichtiges Element der Interdependenz, die in wachsendem Maße für die Welt in der wir leben kennzeichnend geworden ist. Nur eine starke und konzertierte Aktion seitens aller Staaten der
Welt wird die Gewähr für weitere Sicherheit der Flugpassagiere bieten. Ich
bitte sie mit aller Dringlichkeit, dies bei ihren Überlegungen zu bedenken.
Es ist nach meiner Ansicht unbedingt erforderlich, daß diese Konferenz
eine Konvention entwirft, die der Luftpiraterie und dem Terror ein Ende setzt.
Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen sehr für die mir gegebene Gelegenheit - so kurz sie auch war - hier vor ihnen zu erscheinen, um ihnen die Auffassung meiner Regierung, die Hoffnungen meiner Regierung, darzulegen,daß die
internationale Gemeinschaft wirksame Maßnahmen treffen kann, um solchen Akten
der Piraterie und des Terrors Einhalt zu gebieten.
In einer Welt, die auf so zahlreichen anderen Gebieten, wie Wissenschaft,
Medizin und Technologie, so fortschrittlich ist, erscheint es fast unvorstellbar, daß nicht auch Maßnahmen getroffen werden können, um solchen Untaten Einhalt zu gebieten, und ich weiß, daß Sie hier daran arbeiten, ein Ergebnis zu
erzielen, daß wir alle gerne erreichen möchten. Aber ich bin fest davon überzeugt, daß wir entschlossene, harte Maßnahmen treffen müssen, um überall auf
der Welt klar zu machen, daß verbrecherische Taten, kriminelle Akte gegen unschuldige Menschen auf gar keinen Fall eine akzeptierbare Methode sind, um irgend welche internationalen Probleme zu lösen, und gerade auf dem Gebiet der
Luftfahrt, die alle Menschen der Welt berührt, die hier betroffen werden können,
müssen wir einen Anfang machen.
Die amerikanische Regierung ist bereit, die entschlossensten und härtesten
Maßnahmen zu ergreifen, wenn die internationale Völkergemeinschaft sich daran
zu beteiligen bereit ist. Wir halten es für unerläßlich, jetzt zu handeln, und

- 4-

�und wir glauben, daß die sich jetzt in München zugetragenen, tragischen Ereignisse die Notwendigkeit eines sofortigen Handelns nur unterstreichen.
Ich danke Ihnen sehr für diese Gelegenheit und wünsche Ihnen für Ihre
weiteren Beratungen alles Gute."

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36/1972

GEMEINSAME ERKLÄRUNG NIXONS UND TANAKAS VON HONOLULU
- Wortlaut -

HONOLULU, HAWAII - (AD) - Die von Präsident Nixon und dem japanischen
Ministerpräsidenten Tanaka am 1. September

zum Abschluß ihrer zweitägigen

Gespräche herausgegebene gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"1. Ministerpräsident Tanaka und Präsident Nixon trafen am 31. August
und 1. September auf Hawaii zu umfassenden Gesprächen über eine Reihe von
Fragen gemeinsammen Interesses zusammen. Die Gespräche wurden in einer Atmosphäre der Herzlichkeit und des gegenseitigen Vertrauens geführt, die der
langen Freundschaft zwischen Japan und den Vereinigten Staaten entspricht.
Beide Staatsmänner gaben der Hoffnung Ausdruck, daß ihr Treffen den Beginn
eines neuen Kapitels in der Entwicklung noch engerer Bande zwischen beiden
Ländern ankündigen werde.
2. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die derzeitige
internationale Lage und die Aussichten für eine Verringerung der Spannungen
und eine friedliche Lösung der gegenwärtigen Probleme der Welt, vor allem was
Asien anbetrifft. Es wurde unterstrichen, daß die Aufrechterhaltung und Stärkung der engen Bande der Freundschaft und der Zusammenarbeit zwischen beiden
Ländern einen wichtigen Faktor für Frieden und Stabilität in einer sich ständig
weiter entwickelnden internationalen Situation bedeuten. Beide Staatsmänner bekräftigten die Absicht der beiden Regierungen, den zwischen den beiden Ländern
abgeschlossenen Vertrag über Gegenseitige Zusammenarbeit und Sicherheit fort-

- 1 -

�fortzusetzen, und sie vereinbarten, daß beide Länder weiterhin im Rahmen enger
Konsultationen zusammenarbeiten werden, um eine reibungslose und wirksame
Durchführung des Vertrages sicherzustellen.
3. Bei der Erörterung der zunehmenden Anzeichen für Frieden und Stabilität
in Asien haben der Ministerpräsident und der Präsident die kürzliche Aufnahme
des Dialogs auf der koreanischen Halbinsel sowie die wachsenden aktiven Bemühungen der asiatischen Länder um Autarkie und regionale Zusammenarbeit begrüßt, und sie teilten die Hoffnung, daß ein baldiger Friede in Indochina erreicht werden kann. Der Ministerpräsident und der Präsident erkannten an, daß
die kürzlichen Besuche des Präsidenten in der Volksrepublik China und in der
UdSSR einen bedeutsamen Fortschritt bedeuteten. In diesem Zusammenhang teilten
sie die Hoffnung, daß der bevorstehende Besuch des Ministerpräsidenten in der
Volksrepublik China ebenfalls dazu dienen werde, die Bestrebungen um einen Abbau der Spannungen in Asien zu fördern.
4. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die von den Vereinigten Staaten und der UdS.iR kürzlich erreichten Abkommen über die Begrenzung der ballistischen Raketenabwehr (ABM) sowie das Interimsabkommen über die
Begrenzung strategischer Offensivraketen, und sie stimmten darin überein, daß
derartige Maßnahmen einen wichtigen Schritt voran darstellten, um die strategischen Rüstungen zu begrenzen und zum Weltfrieden beizutragen. Sie vereinbarten, Konsultationen über die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Kontrolle
der strategischen Rüstungen zu führen.
5. Der Ministerpräsident und der Präsident führten einen Gedankenaustausch
auf einem weiten Gebiet von Fragen, die wirtschaftliche, handelspolitische
und finanzielle Themen betrafen. Der Ministerpräsident und der Präsident unterstrichen die große Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan
und den Vereinigten Staaten. Beide Staatsmänner gaben ihrer Überzeugung Ausdruck, daß ihre Gespräche zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern
bei der Behandlung wirtschaftlicher Fragen bilateraler wie auch weltweiter Natur
führen werden.
6. Der

�6. Der Ministerpräsident und der Präsident teilten die Auffassung, daß
eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems notwendig ist.
Sie sajten zu, daß ihre Regierungen schnell auf die Verwirklichung einer solchen Reform hinarbeiten würden. Was den Handel anbetrifft, so bekräftigten
sie die Zusagen beider Länder vom Februar 1972, im Jahre 1973 multilaterale
Handelsverhandlungen aufzunehmen und aktiv zu unterstützen, die sowohl Industrie wie auch Landwirtschaft einschließen. In diesem Zusammenhang wiesen
sie darauf hin, daß die bevorstehenden HandelsVerhandlungen durch Abbau der
Zölle und der nicht zollursächlichen Handelsschranken wie auch durch Bildung
eines multilateralen, nicht diskriminierenden Sicherheitsmechanismus die
Grundlage für eine weitere Ausweitung des Handels schaffen müssen.
7. Der Ministerpräsident und der Präsident stimmten darin überein, daß
beide Länder sich darum bemühen sollten, einen besseren Ausgleich ihrer
Zahlungsbilanz und ihrer Handelsposition zu erreichen. In diesem Zusammenhang legte der Präsident die von den Vereinigten Staaten ergriffenen Maßnahmen
dar, um ihre Handels- und Zahlungsbilanzposition zu verbessern, und er betonte,
daß die amerikanische Regierung amerikanische Firmen aufgefordert habe, das
Exportvolumen, vor allem nach Japan, durch höhere Produktivität und verbesserte
Marktforschung zu steigern. Der Ministerpräsident deutete an, daß die japanische Regierung ebenfalls versuchen werde, die Importe aus den Vereinigten
Staaten zu fördern, und daß die japanische Regierung die Absicht habe, das Ungleichgewicht innerhalb eines angemessenen Zeitraumes auf ein überschaubareres
Ausmaß zu reduzieren. Der Ministerpräsident und der Präsident stimmten darin
überein, daß es äußerst wertvoll wäre, wenn weitere Treffen auf hoher Ebene
zur Überprüfung der sich fortentwickelnden wirtschaftlichen Beziehungen stattfinden würden, und daß sie beabsichtigen, möglichst früh im Jahre 1973 eine
Konferenz des Gemeinsamen Amerikanisch-Japanischen Handels- und Wirtschaftsausschusses abzuhalten.
8. Der Ministerpräsident und der Präsident wiesen auf die Bemühungen beider
Lander hin, in Zusammenarbeit; mit anderen Industriestaaten dazu beizutragen,
den Entwicklungsländern in Asien und in anderen Gebieten der Welt Stabilität
und Prosperität zu bringen. Sie erkannten die Notwendigkeit eines ausreichenden

- 3-

�ausreichenden Maßes an staatlicher Entwicklungshilfe zu angemessenen Bedingungen an. Sie bekräftigten ferner die Absicht beider Regierungen, weiterhin
zur Stärkung der internationalen Finanzinstitutionen für die wirtschaftliche
Entwicklung der Entwicklungsländer beizutragen.
9. Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten weiter die Notwendigkeit, die Bemühungen um eine Verbesserung des Verständnisses zwischen den
Völkern beider Länder für ihre Vergangenheit auf kulturellem, sozialem und
auf anderen Gebieten zu fördern. Sie stimmten ferner darin überein, daß neue
und verbesserte Austauschprogramme auf kulturellem und pädagogischem Gebiet
ein wichtiges Mittel hierzu darstellen. In diesem Zusammenhang unterstrich
der Präsident, er hoffe sehr, daß die Japan-Stiftung, die im Oktober dieses
Jahres ins Leben gerufen werden soll, erfolgreich arbeiten wird.
10. Der Ministerpräsident und der Präsident nahmen mit Genugtuung von
der wachsenden Zusammenarbeit der beiden Länder auf immer weiteren Gebieten
Kenntnis, die im Rahmen der Gemeinsamen Zielsetzungen erfolgt, Frieden und
Prosperität auf der Welt und den Wohlstand ihrer Landleute zu fördern. Sie vereinbarten, die bereits enge Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Kontrolle
des illegalen Handels mit Rauschgift und anderen Drogen zu verstärken und zu
erweitern, und sie stimmten ferner hinsichtlich der Notwendigkeit überein, die
bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit bei der Erschließung und besseren
Nutzung der Energie- und Mineralvorkommen sowie bei den drängenden Problemen
des Umweltschutzes und der Kontrolle der Luftverschmutzung zu fördern. Sie
sagten zu, über die Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen weiterhin geeignete Hilfe zur Lösung der Probleme zu gewähren, die durch den zu
raschen Bevölkerungszuwachs entstanden sind.
11. Der Ministerpräsident und der Präsident erörterten die Zusammenarbeit
bei der Erforschung des Weltraumes, darunter auch das von Japan angestrebte Ziel,
einen geostationären Nachrichtensatelliten sowie andere Nutzsatelliten aufzulassen. Der Präsident begrüßte das aktive Interesse und Studienprogramm Japans
bezüglich des Auflassens eines meteorologischen Satelliten zur Unterstützung
des weltweiten atmosphärischen Forschungsprogramms.
12. Der^
- 4-

�*
12. Der Ministerpräsident und der Präsident gaben ihrer Zufriedenheit
über ihre Gespräche Ausdruck und vereinbarten, weiterhin enge persönliche
Kontakte zu unterhalten."

+ + + + +

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EINZELHEITEN DES AMERIKANISCH-JAPANISCHEN HANDELSABKOMMENS
- Wortlaut der Verlautbarung -

HONOLULU, HAWAII - (AD) - Präsident Nixon hat das bei seiner Zusammenkunft mit dem japanischen Ministerpräsidenten Tanaka zustandegekommene
Handelsabkommen begrüßt, in dessen Rahmen Japan zusätzlich Waren im Werte
von rund einer Milliarde Dollar in den USA kaufen wird, um den starken
japanischen Handelsüberschuß und damit das amerikanische Defizit abzubauen.
Das Abkommen wurde zwischen dem japanischen Stellvertretenden Vizeminister
für Außenhandel,Tsurumi, und dem amerikanischen Botschafter in Japan, Robert
Ingersoll, ausgehandelt.
Dazu wurden auf Hawaii am 1. September in einer Verlautbarung folgende
Einzelheiten veröffentlicht:
"1. Anläßlich ihres Treffens in Hakone führten die Vereinigten Staaten
und Japan einen Meinungsaustausch über ihre jeweiligen Zahlungsbilanzziele.
In diesem Zusammenhang erörterten beide Regierungen verschiedene, sowohl
kurz- als auch langfristige

Maßnahmen, die zur Behebung ihres gegenseitigen

Handelsungleichgewichtes beitragen könnten.
2. Seit ihrem Treffen in Hakone haben beide Regierungen eng zusammengearbeitet und gemeinsam einen Versuch unternommen, einige ihrer gezielten kurzfristigen Maßnahmen quantitativ festzulegen, über die damals in Hakone gesprochen wurde. Präsident Nixon hat die Gelegenheit seines Treffens mit Mi-

-

I

-

�Ministerpräsident Tanaka benutzt und die folgenden auf einer Reihe von Konferenzen zwischen dem Stellvertretenden Vizeminister Tsurumi und Botschafter
Ingersoll erzielten Resultate begrüßt, einschließlich des Erwerbs amerikanischer Güter und Dienstleistungen im Werte von über einer Milliarde Dollar.
a) Der geschätzte Zuwachs japanischer Einkäufe an landwirtschaftlichen,
forstwirtschaftlichen und fischereiwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Vereinigten Staaten im Laufe des japanischen Haushaltsjahrs

1972, das am 31.

März 1973 endet, dürfte sich auf etwa 390 Millionen Dollar belaufen. Darüber
hinaus wird damit gerechnet, daß es zu Sonderkäufen von Getreide auf der Basis
günstiger Preise im Werte von etwa 50 Millionen Dollar kommen wird. Der Gesamtwert dieser Käufe liegt um 440 Millionen Dollar über dem Wert der Einkäufe im vorangegangenen Jahr. Damit dürfte sich der Gesamtwert der japanischen
Käufe an land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Erzeugnissen in den Vereinigten Staaten für das (japanische) Haushaltsjahr 1972 auf 2,218 Milliarden
Dollar erhöhen, was den höchsten amerikanischen Export solcher Waren in irgendein Land bedeutet.
b) Japanische Luftfahrtgesellschaften planen den Ankauf von Zivilmaschinen, einschließlich Großraumflugzeugen, in den Vereinigten Staaten im
Werte von rund 320 Millionen Dollar. Diese Aufträge sollen in den Haushaltsjahren 1972 und 1973 vergeben werden. Die japanische Regierung wird den Kauf
dieser Flugzeuge beim Abschluß der Kaufverträge erleichtern. Die japanische
Regierung hat ferner die Absicht, soweit die notwendigen Haushaltsmittel bewilligt werden, Hubschrauber und Luftfahrtzubehör im Werte von 20 Millionen
Dollar in den Vereinigten Staaten zu kaufen.
c) Die japanischen Elektrizitätsgesellschaften werden in den Vereinigten
Staaten Uran-Anreicherungsdienstleistungen im Werte von 320 Millionen Dollar
erwerben, wobei die Bezahlung durch die japanische Regierung erleichtert
werden wird.
d) Schließlich wurde von der amerikanischen und der japanischen Regierung
auch vereinbart, daß beide alle Anstrengungen unternehmen werden, um die baldmögliche Einrichtung einer gemeinsamen japanisch-amerikanischen Arbeitsgruppe
- 2 -

�i

Arbeitsgruppe

zu erleichtern, die damit beginnen soll, die Möglichkeit eines

Gemeinschaftsunternehmens für den Bau einer Gasdiffusionsanlage zur Anreicherung
von Uran für friedliche Zwecke in den Vereinigten Staaten zu prüfen, wobei sich
die Gesamtinvestitionen auf schätzungsweise eine Milliarde Dollar belaufen
dürften.
3. Der Präsident nahm ferner mit Befriedigung die jüngsten Entscheidungen der japanischen Regierung zur Kenntnis, den Zugang zu dem japanischen
Verteilersystem zu liberalisieren, indem verbesserte Investitionsmöglichkeiten
in Einzelhandel, Verarbeitung und Verpackung geboten werden, sowie die Entscheidung, größere Verkäufe amerikanischer Computererzeugnisse in Japan zuzulassen."

- 3-

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ERKLÄRUNG PRÄSIDENT NIXONS ZUR AUFHEBUNG DER WEHRPFLICHT IN DEN USA

-Wortlaut-

SAN CLEMENTE,Kalifornien --(AD)-- Präsident Nixon hat in einer Erklärung die
Aufhebung der Wehrpflicht in Friedenszeiten in den USA bis Juli 1973 angekündigt. Die amerikanischen Streitkräfte sollen sich dann künftig ausschließlich aus Freiwilligen rekrutieren.
Die am 28. August vom Weißen Haus veröffentlichte Botschaft Nixons hat
folgenden Wortlaut:
"Aufgrund des mir heute vormittag von Verteidigungsminister Laird unterbreiteten Berichtes und unter der Voraussetzung, daß der Kongreß die von mir
empfohlenen anstehenden Gesetzesvorlagen verabschiedet, werden wir, wie geplant,
bis Juli 1973 soweit sein, daß eine Einberufung zum Wehrdienst in Friedenszeiten
nicht mehr notwendig sein wird.
Vor vier Jahren verpflichtete ich mich, im Falle meiner Wahl für eine Beendigung der Wehrpflicht sowie für die Schaffung einer Freiwill igenrArmee an
ihrer Stelle einzutreten. Gleichzeitig verpflichtete ich mich, daß ich, solange
die Notwendigkeit für eine Wehrpflicht weiterbesteht, dafür sorgen würde, daß

-1-

�daß diese in ihrer Auswirkung auf das Leben junger Amerikaner gerechter und
berechenbarer gehandhabt werden soll.
Unmittelbar nach der Amtsübernahme begann meine Administration mit der Erfüllung dieses Versprechens, und ich blicke mit großer und besonderer Genugtung
auf den bisher erzielten Fortschritt.
Innerhalb von 18 Monaten trat an die Stelle des alten und überholten selektiven Einberufungsprozesses mit seinem ungerechten Aufschubsystem ein unparteiisches Lossystem. Die durch das Einziehungssystem verursachte Ungewißheit wurde
ferner dadurch verringert, daß der Zeitraum, innerhalb dessen mit einer Einberufung zu rechnen war, von sieben Jahren auf ein Jahr reduziert wurde. Aufgrund
dieser und anderer Reformen wurde das Vertrauen in die Fairneß des selektiven
Wehrdienstsystems wieder hergestellt.
Inzwischen haben wir gleichzeitig daran gearbeitet, eine Freiwilligen-Armee
aufzubauen.
Verteidigungsminister Laird hat mir heute einen ermutigenden Bericht unterbreitet, der sich im einzelnen mit den wesentlichen Fortschritten befaßt, die
wir erzielt haben, um hinsichtlich der Erfüllung der Erfordernisse an Personalstärke die Abhängigkeit von der Wehrpflicht zu reduzieren. Die Erfahrung der
letzten drei Jahre scheint, wie aus diesem Bericht hervorgeht, darauf hinzudeuten, daß eine genügende Anzahl von Freiwilligen für die Streitkräfte gewonnen
werden kann, um das Personalsoll zu erfüllen, und daß ein Verzicht auf die Wehrpflicht mit der Wahrung des Personalstandes und des Bereitschaftsgrades zu vereinbaren ist, die notwendig sind, um unsere lebenswichtigen langfristigen nationalen Sicherheitserfordernisse zu gewährleisten.
Dieser bemerkenswerte Bericht über den Fortschritt beim Abbau unseres auf
der Wehrpflicht beruhenden Systems ist das direkte Ergebnis der starken Unterstützung von seiten des Verteidigungsministers, der Staatssekretäre für ^ie

-2-

�die Teilstreitkräfte, der Chefs der Teilstreitkräfte sowie des gesamten Verteidigungsministeriums. Sie alle können mit Recht stolz auf das Erreichte sein:
- Die Einberufungen konnten von 299 000 im Jahre 1968 auf 50 000 im Jahre
1972 verringert werden - das ist ein Sechstel der früheren Zahl.
- Der Anteil der Rekruten, die als »echte Freiwillige* eintreten - das heißt
all jener, die sich aus eigenem freien Willen zum Militärdienst melden und nicht
wegen des Zwanges der Einberufung - hat sich allein im letzten Jahr von 59 Prozent auf 75 Prozent erhöht.
- Die Qualität der Rekruten ist weiterhin hoch geblieben, ja hat sich sogar
noch etwas verbessert, während sich das wirtschaftliche und rassische Profil
der neuen Rekruten nicht wesentlich geändert hat.
- Unsere militärische Einsatzbereitschaft hat nicht gelitten.
Einige Probleme müssen jedoch noch bewältigt werden, und dazu wird es der
vollen Unterstützung von seiten des Verteidigungsministeriums, des Kongresses
und der Öffentlichkeit bedürfen. Zu diesen Problemen zählen:

- Die Vermeidung potentieller Lücken in der Mannschaftsstärke, zu denen es
kommen würde, wenn das derzeit dem Kongreß vorliegende Gesetz nicht verabschiedet wird, das die seitens der Streitkräfte bereits unternommenen energischen Anstrengungen untermauert, die auf eine rationellere Verwendung der Rekruten und
ihre Weiterverwendung abzielen.
Die Bereitstellung einer ausreichenden Zahl von Ärzten und anderer hochqualifizierter Spezialisten in entscheidend wichtigen Sparten.
- Die Beibehaltung der zahlenmäßigen Stärke in der Nationalgarde und der Reserve, die unter dem vom Kongreß vorgesehenen Stand bleiben würde, wenn die anstehenden Gesetzesvorlagen nicht verabschiedet werden.
Ich

-3-

�Ich bin überzeugt, daß man mit diesen Problemen fertig werden kann und
fertig werden wird - sofern der Kongreß unverzüglich über die anstehenden dringenden Vorlagen entscheidet und sofern auch weiterhin von Seiten der Öffentlichkeit und der Streitkräfte eine Unterstützung erfolgt.
Dazu gehören:
- Nutzen und Wert einer militärischen Laufbahn müssen dem amerikanischen
Volk in wirksamerer Weise vermittelt werden, während gleichzeitig alle vier
Teilstreitkräfte auch weiterhin bestrebt bleiben,ihr System in bezug auf die
Personalpolitik und die Verwendung des Personalbestandes zu verbessern. Alle
die, die sich den Militärdienst zu ihrem Beruf wählen, verdienen die Achtung
und die Dankbarkeit der Öffentlichkeit, der sie dienen.
- Der Kongreß muß durch rechtzeitige Verabschiedung der anstehenden Vorlagen dabei mithelfen - das gilt besonders für das Sondergesetzt über die einheitliche Besoldung der Streitkräfte von 1972, das die Zahlung besonderer Zulagen erlaubt, um etwa auftretende Lücken bei entscheidend wichtigen Fachkräften
zu schließen und einen anderen etwa auftretenden Fehlbedarf an Rekruten bei
dem auf Null gestellten Einberufungssystem auszugleichen.
Bei einer solchen Unterstützung werden wir künftig keine Wehrpflicht mehr
brauchen, um die erforderlichen Mannschaftsstärken nach dem Juli 1973 zu erlangen. Das bedeutet, daß es nicht notwendig sein wird, den Kongreß um eine Verlängerung der Einberufungsermächtigung im Rahmen des Gesetzes über den Selektiven
Wehrdienst über Juli 1973 hinaus zu ersuchen; alle weitere Vollmacht zu Einberufungen nach diesem Zeitpunkt würde allein beim Kongreß liegen.
Mit der Erreichung dieses Zieles werden wir endlich - 28 Jahre nach Beendigung des zweiten Weltkrieges - das getan haben,was wir - wie ich im Jahre 1968
sagte - tun müßten: daß wir nämlich unseren Einsatz für die Freiheit dadurch
zeigen sollten, daß wir daran gehen, unseren jungen Menschen ihre Freiheit zu
sichern."
+++I I H M 1-f

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WER IM GLASHAUS SITZT
-Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewähltVon unserem Sonderkorrespondenten

WASHINGTON --(AD)-- Wenn ausgerechnet Kuba in den Vereinten Nationen den
"Fall der Kolonie Puerto Rico" wieder einmal aufgreift und einige andere Nationen, wie die Sowjetunion und die Volksrepublik China, im Sonderausschuß der
Vereinten Nationen für Fragen des Kolonialismus das "Recht auf Selbstbestimmung" für die Puertoricaner fordern, dann muß man sich fragen, ob die Bevölkerung in diesen Ländern wohl je die Möglichkeit hatte, sich frei über
ihre politische Zukunft zu äußern.
Der Ausschuß billigte am 28. August - mit 12 Stimmen bei 10 Enthaltungen eine Resolution, in der das Recht der Bevölkerung von Puerto Rico auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit anerkannt wird. Frühere Versuche bestimmter
Staaten, den Status der Insel in den Vereinten Nationen in Frage zu stellen,
waren immer gescheitert.
Die Insel Puerto Rico,die in einer Entfernung von etwa 1 600 Meilen von
New York und rund 1 000 Meilen von Miami (Florida) im Karibischen Meer liegt,
ist mit den Vereinigten Staaten durch einen Commonwealth-Status verbunden.
Was

-1-

�Was nun diesen Status anbetrifft, so haben die Puertoricaner im März 1952
mit überwältigender Mehrheit - 375 000 gegen 83 000 Stimmen - eine neue Verfassung gebilligt, die dann vom amerikanischen Kongreß ratifiziert wurde. Am 25.
Juli 1952 wurde aufgrund dieser Verfassung das Commonwealth of Puerto Rico ausgerufen.
Seither hat es auch auf der Insel Auseinandersetzungen um diesen Status gegeben - aber der Streit ging und geht darum, ob Puerto Rico Commonwealth bleiben oder als 51. Staat voll in die Vereinigten Staaten aufgenommen werden soll.
Für eine Unabhängigkeit hat sich immer nur ein verschwindender Bruchteil der Bevölkerung ausgesprochen - aber selbst diese Wenigen hatten und haben die Möglichkeit, ihre Meinung frei zu äußern.
Die Puertoricaner sind amerikanische Staatsbürger und können jederzeit zum
amerikanischen Festland reisen. Sie brauchen keine amerikanische Einkommensteuer
zu bezahlen, müssen dafür aber Commonwealth-Steuern entrichten, die im Lande
bleiben und ganz wesentlich zu dem wirtschaftlichen Wachstum in Puerto Rico beigetragen haben und beitragen.
Bei einer Volksabstimmung im Jahre 1967 stimmten 425 081 für die Beibehaltung des Commonwealth, 273 315 für die Eingliederung als Einzelstaat in die USA
- und ganze 4 248 - oder 0,6 Prozent - für die Unabhängigkeit.
Daß unter diesen Umständen die Vereinigten Staaten die Behandlung des Status
von Puerto Rico im Kolonialausschuß der Vereinten Nationen als eine Einmischung
in die inneren Angelegenheiten der USA betrachten, ist nicht verwunderlich. Der
amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter George Bush,
bezeichnete es als einen "Affront" gegenüber der Weltorganisation. Er habe, so
sagte er, leider noch nie etwas von einer freien Volksabstimmung in Kuba gehört,
während die Bevölkerung von Puerto Rico immer wieder ihre freie Entscheidung habe
treffen können.
Der

-2-

�Der gegenwärtige Gouverneur von Puerto Rico, Luis A. Ferre, ist Vorsitzender
der 1967 gegründeten Progressiven Partei und erhielt bei den Wahlen 1968 rund
45 Prozent der Stimmen. Seine Partei hat die Mehrheit im puertoricanischen Repräsentantenhaus (der unteren Kammer des Parlaments) und tritt für die volle Eingliederung als Einzelstaat in die USA ein.
Die zweite große Partei, die Volksdemokratische Partei unter dem Vorsitz von
Rafael Hernandez Colon, hat die Mehrheit im Senat und tritt für die Beibehaltung
des Commonwealth-Status - mit bestimmten Veränderungen - ein.
Bei den Wahlen im Jahre 1968 erhielten die Kandidaten der Unabhängigkeitspartei nur drei Prozent der Wählerstimmen - alle anderen gingen an den Kandidaten, die den Commonwealth-Status oder die volle Eingliederung befürworten.
Interessant in diesem Zusammenhang ist vielleicht noch, daß auch die beiden
großen Parteien in den USA sich in ihrer Wahlplattform mit Puerto Rico befassen.
Die Demokraten "respektieren und unterstützen den immer wieder zum Ausdruck gebrachten Wunsch der Bevölkerung von Puerto Rico, sich in einer ständigen Union
als unabhängiges Commonwealth frei mit den Vereinigten Staaten zu verbinden."
Die Republikaner haben erklärt, daß sie die volle Eingliederung als Einzelstaat unterstützen wollen, wenn sich eine Mehrheit der Puertoricaner in Zukunft
für eine solche Lösung entscheiden sollte.
Gouverneur Ferre hat im vorigen Jahr die Dinge klar aufgezeigt:
"Nach dem Grundsatz der

Selbstbestimmung wird es die Bevölkerung von

Puerto Rico selbst sein, die letztlich entscheiden wird, welche Art von Beziehung die Insel zu den Vereinigten Staaten haben soll. Als Gouverneur bin ich darauf vereidigt, diese Aspekte der Verfassung zu schützen. Sollte sich die Bevölkerung von Puerto Rico dafür entscheiden, den gegenwärtigen Commonwealth-Status

-3-

�•

Commonwealth-Status beizubehalten, dann wird das für mich verpflichtend sein.
Sollte sie sich für die Eingliederung in die Vereinigten Staaten als Einzelstaat
entscheiden, dann wird sich die Regierung auch daran halten, und das gleiche würde gelten, wenn die Bevölkerung von Puerto Rico aus freiem Entschluß und durch
Mehrheitsentscheid die Unabhängigkeit wählen sollte."

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VORBEHALTE EBERLES ZUM BERICHT DER OECD-SACHVERSTÄNDIGENGRUPPE

- Wortlaut des Schreibens -

PARIS - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben wichtige Vorbehalte zu dem
Bericht über die Lage des internationalen Handels angemeldet, den die Sachverständigengruppe (Rey-Kommission) der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Vorbereitung einer neuen Runde von
Handelsgesprächen veröffentlicht hat.
Der elfköpfigen OECD-Sachverständigengruppe (High Level Group on Trade
and Related Problems) unter Leitung von Jean Rey (Belgien) gehören acht europäische Mitglieder sowie jeweils ein Vertreter Japans, Kanadas und der Vereinigten Staaten an.
Der amerikanische Delegierte, der Sonderbeauftragte für Zoll- und Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle, hat den Mehrheitsbericht mit unterzeichnet, jedoch in einem dem Bericht beigefügten Schreiben wichtige Vorbehalte angemeldet.
Der am 5, September in Paris veröffentlichte Zusatz Eberles zu dem Bericht hat folgenden Wortlaut:
"Ich unterzeichne diesen Bericht aus einem tiefen persönlichen Gefühl der
Anerkennung heraus für die Ernsthaftigkeit und Offenheit der kollektiven Anstrengungen unseres Vorsitzenden und meiner Kollegen, die komplexen wirtschaftlichen Fragen in den Griff zu bekommen, vor denen wir und die Nationen der Welt

- 1 -

�Welt heute stehen. Ohne jedoch die Bedeutung dessen schmälern zu wollen, was
in dem Bericht steht, kann ich mein Bedauern darüber nicht verbergen, daß der
Bericht, meiner Beurteilung nach, nicht in ausreichendem Maße die Dringlichkeit oder Klarheit erkennen läßt, vor allem was die langfristigen Ziele für
das internationale Handelssystem angeht. Unser Auftrag war es, 'Handelsprobleme und damit zusammenhängende Probleme in einer längerfristigen Perspektive
zu analysieren'. Es ist bedauerlich, daß es uns als unabhängige Experten nicht
gelungen ist, längerfristige Ziele zu setzen, nach denen Regierungen streben
könnten.
Es steht der Gruppe zu, größere kollektive Disziplin und Achtung vor internationalen Regeln zu fordern und zu erklären, daß 'die fundamentale Reform des
WährungsSystems eine dringende Aufgabe ist'. Der Bericht sollte jedoch auch
bedeutsame Veränderungen jener internationalen Handelsregeln und -praktiken gefordert haben, die der Bericht ganz richtig als die Quelle der akuten politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten identifiziert.
Es ist und bleibt meine Auffassung, daß der Mangel an politischem Willen,
direkt und offen jene Handelspraktiken anzupacken, die zu einer Isolierung von
Marktsektoren von dem internationalen wirtschaftlichen Anpassungsprozeß führen,
diesen Anpassungsprozeß und die Wiederherstellung des Zahlungsbilanzgleichgewichts ernsthaft gefährden. Wenn wir die Ordnung in einem Teil des internationalen Wirtschaftssystems wieder herstellen, müssen wir auch daran gehen, die
Grundsätze des fair play und des vergleichsweisen Vorteils in anderen Gebieten
anzuwenden.
Der Bericht geht davon aus, daß die Landwirtschaft von der Industrie grundsätzlich verschieden sei und daß wir nicht nur viele Jahre warten können, sondern
müssen, bevor Schranken und Verzerrungen im Agrarhandel irgendwie fundamental
angepackt werden können. Ich stimme mit keinem dieser Gedanken überein.
Die Anpassungsprobleme in der Landwirtschaft sind ernsthafter Natur, aber
das gilt in gleicher Weise für die Anpassungsprobleme in bestimmten Industriezweigen, wo Arbeitslosigkeit herrscht und wo Arbeiter ohne Umschulung oder Ortsveränderung keine Arbeitsplätze finden können. Die industrielle und die regionale

- 2-

�regionale Politik vieler Regierungen zielt auf eine Erleichterung der Schwierigkeiten bei Ubergangsanpassungen in der Industrie ab. Eine ähnliche Politik könnte
auch für die Landwirtschaft entwickelt werden, wenn der politische Wille dazu
vorhanden ist. Der Unterschied zwischen Industrie und Landwirtschaft ist also
eher eine Frage der Haltung der Regierungen als eine Frage des fundamentalen
Unterschiedes in der Natur des Problems.
Was ein viele Jahre langes Abwarten anbetrifft, so ist dies meiner Überzeugung nach weder notwendig noch möglich, wenn wir mit der Liberalisierung des
Handels vorankommen wollen. Es ist meine Überzeugung, daß die Liberalisierung
des Handels sowohl zum Wohle der Farmer als auch der Verbraucherin all unseren
Ländern sein wird. Ich kann nicht einsehen, warum Länder, deren vergleichsweiser
Vorteil in der Landwirtschaft groß ist, nicht das gleiche Recht haben sollten,
diesen Vorteil ebenso auszunutzen wie jene Länder, deren vergleichsweiser Vorteil in der Gütererzeugung liegt. Es ist eine politische Grundtatsache, daß ein
wesentlicher Fortschritt im industriellen Welthandel nicht ohne einen Fortschritt
auch auf der landwirtschaftlichen Seite ausgehandelt werden kann. Damit werden
längerfristige Ziele zu einer wichtigen Richtschnur der Zwischenentscheidungen,
die für die Reform notwendig sind und die sowohl für die Industrie als auch für
die Landwirtschaft gelten sollten.
Aus der Überzeugung ihrer Bedeutung heraus und in Übereinstimmung mit den
Auffassungen meiner Kollegen möchte ich die Notwendigkeit für einige solcher
weitreichenden Vorschläge unterstreichen, wie sie im Teil II, Kapitel V für
einen multilateralen Sicherheitsmechanismus gemacht werden. Es ist meine Überzeugung, daß ohne ein Abkommen über einen fairen und wirksamen Mechanismus zur
Behebung abrupter Marktverzerrungsprobleme nur wenig Hoffnung besteht, einseitige
Schutzmaßnahmen zu vermeiden, und die Aussichten für einen allgemeinen Fortschritt der Liberalisierung des Handels würden wesentlich vermindert.
Daß es der Gruppe nicht gelungen ist, einen Konsensus über die Gefahren der
Ausbreitung von Präferenzabkommen und entsprechender Gegenmaßnahmen zu finden,
ist ein wesentlicher Mangel. Es scheint unangemessen zu sein, daß Sonderabmachungen zur Begünstigung einiger, weniger Entwicklungsländer in einem bestimmten Gebiet getroffen werden, während Entwicklungsländer in anderen Gebieten
- 3-

�I

Gebieten diskriminiert werden. Darüber hinaus gibt es keine wirtschaftliche
oder entwicklungspolitische Rationale, die die Ausweitung von 'umgekehrten'
Präferenzen durch Entwicklungsländer gegenüber Industriestaaten in Westeuropa
rechtfertigen könnte. Ich bin besonders darüber enttäuscht, daß die Gruppe kein
Einvernehmen über eine baldige Beseitigung von umgekehrten Präferenzen erzielen
konnte.
Schließlich bedeutet auch unser Unvermögen, einen Konsensus über die Bedeutung der Gefahr zu finden, die andere im Gegensatz zu dem Grundprinzip
der Nichtdiskriminierung stehende Handelsvereinbarungen für die Zukunft der
internationalen Wirtschaftsbeziehungen bilden, eine Enttäuschung für mich.
Der Bericht unterstreicht wiederholt die Tatsache der wachsenden Interdependenz als zentrales Charakteristikum der heutigen Weltwirtschaft. Nachdem wir
übereingekommen sind, daß dieser Trend ermutigt werden sollte, zweifle ich daran,
daß die Ausbreitung diskriminierender Handelsvereinbarungen durch die Europäischen
Gemeinschaften zu rechtfertigen ist. Wir müssen dieses Problem lösen, das zu
einer ernsten Frage in unseren Beziehungen geworden ist.
Diese Probleme werfen nicht nur Fragen bezüglich der Einhaltung bestehender
Regeln auf, sondern es erhebt sich auch die Frage, ob die Regeln ausreichend
sind.
Es ist meine Hoffnung, daß diese Gesamtüberlegungen eher ein Zusatz und
nicht ein Abzug von den vielen ausgezeichneten Ideen des Berichtes sind."

+ + + + +

- 4-

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36/1972

VORLÄUFIGER ZEITPLAN FÜR DEN FLUG APOLLO 17

- (AD) - Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) rechnet damit, daß
der erste Nachtstart in der Geschichte der amerikanischen bemannten Raumfahrt
noch mehr Besucher als beim Beginn früherer Weltraumexpeditionen nach Kap
Kennedy führen wird. Nach dem jetzt bekannt gegebenen vorläufigen Zeitplan
für APOLLO 17, den letzten Flug der APOLLO-Serie, soll das Raumschiff mit den
drei Astronauten Eugene A. Cernan (Kommandant), Ronald E. Evans (Pilot der
Kommandokapsel) und Dr. Harrison H. (Jack) Schmitt (Pilot der Mondfähre) am
7. Dezember 1972 um 3.53 Uhr MEZ starten (nach der Ortszeit "Eastern Standard
Time" - EST - am 6. Dezember 1972 um 21.53 Uhr).
Mit einer Gesamtdauer von 304 Stunden und 31 Minuten wird APOLLO 17 der
längste Flug des Programms sein. Hauptaufgabe der Mission ist die Landung von
zwei Astronauten in der Nähe der Littrow-Krater am Taurus-Gebirge, in der
Grenzzone zwischen dem Mare Imbrium und dem Mare Serenitatis im nordöstlichen
Mondquadranten. Die Koordinaten des vorgesehenen Landeplatzes werden von der
NASA mit 20 Grad 10 Min. Nord und 30 Grad 45 Min. Ost auf der der Erde zugekehrten Seite angegeben.
Im Verlauf von drei Exkursionen werden Cernan und Schmitt mit Hilfe ihres
Elektrofahrzeugs versuchen, möglichst viele und dabei möglichst unterschiedliche Boden- und Gesteinsproben einzusammeln. Das gebirgige Gelände ist besonders gekennzeichnet von hellem und von dunklem Material - vielleicht zählt
das letztere zu dem "jüngsten" aus Schmelze erstarrten Gestein, das man bisher

�bisher angetroffen hat, weil es möglicherweise erst geraume Zeit nach dem vermuteten Einschlag großer Meteore auf dem Mond vor rund 3,9 bis 3,2 Milliarden
Jahren aus dem Innern ausgequollen ist. Erst nach gründlicher Analyse der Aufnahmen, die APOLLO 15 (Juli/August 1971) zur Erde brachte, wurde der Platz ausgewählt. Mit Harrison Schmitt ist zum ersten Mal ein routinierter Geologe dabei, von dessen Beobachtungen - wie natürlich auch von den späteren Gesteinsuntersuchungen - sich die Wissenschaftler wichtige neue Hinweise auf Geschehnisse
in der Vergangenheit und auf mögliche vulkanische Vorgänge in jüngerer Zeit erhoffen.
Die wichtisten Stationen des Unternehmens APOLLO 17 sind:
Datum

U h r z e i t (MEZ)

Start

7. Dezember 1972

3.53 Uhr

Einschuß in Bahn zum Mond

7.

ii

II

7.14 Uhr

Eintritt in Mondumlaufbahn

10.

ti

ll

20.49 Uhr

Beginn der Landemanöver

11.

M

II

1.06 Uhr

Einschuß in Abstiegsbahn

11.

•i

II

19.54 Uhr

Landung

11.

II

ll

20.55 Uhr

1. Exkursion

12.

II

ll

0 . 3 3 Uhr

2. Exkursion

12.

H

II

23.13 Uhr

3. Exkursion

13.

II

II

22.33 Uhr

Start vom Mond

14.

II

II

23.56 Uhr

Einschuß in Rückkehrbahn

17.

II

II

0 . 3 3 Uhr

Ausstieg im Weltraum

17.

II

19.

II

c a . 20.33 Uhr

Wasserung im Pazifik
(17,9° Süd, 166° West)

+ + + + +

- 2-

II

20.24 Uhr

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36/1972

UMWELTSCHUTZ: 287 MILLIARDEN DOLLAR BIS 1980
-Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor-

--(AD)-- Der Himmel über einigen Industriegebieten Amerikas ist klarer, manche
Flüsse sind sauberer geworden. Der soeben erschienene dritte Jahresbericht des
Beirats für Umwelthygiene Präsident Nixons gibt eine Übersicht über die Fortschritte, die in den vergangenen 12 Monaten erzielt wurden, und umreißt die
Aufgaben, die auf dem Gebiet des Umweltschutzes und der Umweltverbesserung in
naher und fernerer Zukunft zu bewältigen sind.
In welchen Größenordnungen sich diese bewegen, geht schon daraus hervor,
daß die für die Zeit zwischen 1971 und 1980 erforderlichen Aufwendungen auf
287 Milliarden Dollar geschätzt werden.
Hinsichtlich der rechtlichen Grundlagen für wirksame Maßnahmen hat sich
in den letzten drei Jahren vieles in positivem Sinne geändert. In allen 50 Bundesstaaten wurden teilweise oder uneingeschränkt die von der Bundesregierung
geforderten Pläne gebilligt, das eigene Vorgehen auf die von Washington aufgestellten Kriterien zur Reinhaltung der Luft abzustimmen. Dabei geht es vor

�*

vor allem um die Bekämpfung von Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffoxiden, Kohlenwasserstoffen, photochemisch wirksamen Verbindungen und Staub.
Durch Koordinierung der Maßnahmen von Bund und Einzelstaaten soll ganz allgemei
die Luftqualität bis zum Jahre 1975 merklich verbessert werden. William D.
Ruckeishaus, der Leiter der Bundesbehörde für Umweltschutz, glaubt allerdings,
daß dieses Ziel in den Großstädten erst 1977 erreicht sein wird. Heute verzeich
nen 139 der insgesamt 247 Kontrollregionen bereits über der Norm liegende Quali
tätswerte hinsichtlich mindestens eines der sechs Schmutz-und Schadstoffe.
170 Millionen Menschen profitieren davon.

-Probleme des IndustriewachstumsObgleich auf die Verbesserung der Luft-und Wasserqualität nach wie vor die
meisten Anstrengungen verwendet werden, befassen sich zahlreiche Bundesstaaten
auch bereits eingehend mit Fragen der Lärmbekämpfung, der wirksamsten Verfahren
zur Müllbeseitigung, der Raumordnung und Bodennutzung sowie der weiteren Verringerung von Risiken, die durch Strahlung und Schädlingsbekämpfung entstehen
können. Mancherorts, so in dem kleinen Staat Delaware an der Atlantikküste,
führte dies bereits zu einer Art Reglementierung des industriellen Wachstums.
In einem 45 km breiten Streifen entlang der Küste dürfen keine weiteren Werke
bestimmter Industrien mehr angesiedelt werden - u.a. Ölraffinerien und Papierfabriken. Außerdem wurde die Errichtung zweier künstlicher Inseln in der
Delaware-Bucht als Öl-und Kohlespeicher untersagt und der Bau eines Hafens
für Supertanker zunächst einmal aufgeschoben. In seiner Antwort auf die Proteste der Industrie bezweifelt Gouverneur Peterson, daß "die alten Maßstäbe"
für den Fortschritt auch heute noch als Orientierung für ein ersprießliches
Dasein güll.ig sein könnten. Das neue "Küstenzonengesetz" macht den Bundes-

-2-

�Bundesstaat jedoch attraktiv für Industrie-und Gewerbezweige, die nicht so
leicht mit den Umweltschützern in Konflikt geraten.
Diese Gruppe ist z.B. in Kalifornien recht aktiv. Sie fordert u.a.ein Gesetz, das die gesamte 1 76o km lange Küste am Pazifik, zumindest aber bestimmte
Gebiete davon, unter Schutz stellt. Denn im Gegensatz zu Oregon weiter im Norden,
wo die Küsten seit langem dem Staat gehören und nicht direkt für kommerzielle
Zwecke genutzt werden können, haben sich in Kalifornien Wirtschaftsunternehmen
aller Art breitgemacht. Möglicherweise erhalten die "Umweltaktivisten" für
die Durchsetzung ihrer Forderungen sogar Unterstützung aus Washington. Der USSenat stimmte kürzlich dem Küstenzonen-Kontrollgesetz zu; für die Staaten am
Atlantik und Pazifik sind 320 Millionen Dollar als Beihilfe für Entwicklungsund Kontrollprogramme im Verlauf der nächsten fünf Jahre bereitgestellt.
Der Neuenglandstaat Maine und der Pazifikstaat Oregon erließen Gesetze, die
die Ausweitung bestimmter Industrien zum Schutze der Umwelt unter Kontrolle
stellen.

In Florida wurde ein Gesetz verabschiedet, das den Behörden gewisse

Kontrollrechte bei Projekten einräumt, die eine besondere Umweltbelastung darstellen können - z.B. Flughäfen und neue Großsiedlungen. Mit Hilfe einer Anleihe
soll außerdem der Ankauf von Gebieten durch den Staat finanziert werden, die
durch Umwelteinflüsse besonders gefährdet sind oder als Naturschutzgebiet erhalten werden sollen.
Während New Mexico und Pennsylvanien auch durch Verfassungszusätze neue
Garantien für den Umweltschutz zu schaffen suchten, konzentriert man sich in
Oregon zunächst auf gezielte, praktische Maßnahmen. Der ca. 300 km lange
Willamette-Fluß, noch vor nicht allzu langer Zeit einer der am stärksten verschmutzten Flußläufe Oregons, ist wieder sauber geworden - so sauber, daß er
sogar vom Pazifik-Lachs wieder aufgesucht wird. Im Rahmen eines Zehnjahresprogramms zur Verbesserung der Wasserqualität, die heute den strengen bundesund einzelstaatlichen Kriterien vollauf entspricht, wurden die Abwässer und

�:

und Belastungsstoffe um mehr als 90 Prozent vermindert. Zwanzig Städte und 600
Industriebetriebe leiten ihre Abwässer ein; außerdem bildeten landwirtschaftliche Abwässer des Farmlandes rundum früher eine erhebliche Verschmutzungsquelle.
"Überraschenderweise mußte trotz der überaus strengen Bestimmungen in keinem
einzigen Fall gegen einen Verschmutzer gerichtlich vorgegangen werden",

schrieb

im Juni 1972 das "National Geographie Magazine". "Nur ein kleines Unternehmen
zog es vor, den Betrieb zu schließen, anstatt den Auflagen nachzukommen."
Alles in allem gesehen scheinen sich zwischen den Interessengruppen - etwa
den passionierten Umweltschützern einerseits und den Behörden oder der Industrie
andererseits - immer mehr Kompromisse anzubahnen. Es besteht sogar Aussicht,
daß die erstgenannte Gruppe eines Tages doch mit ihrer seit längerer Zeit erhobenen Forderung durchkommt, Gelder aus dem Bundesstraßen-Treuhandfonds für den Bau
von Massenverkehrsmitteln freizubekommen und so zur Entlastung der Straßen vom
umweltfeindlichen Autoverkehr beizutragen. In diesen Fonds fließen aus Steuern,
die auf Benzin,Autoreifen und Lastkraftwagen erhoben werden, jährlich fünf
Milliarden Dollar. Er wird gegenwärtig ausschließlich für den Straßenbau benutzt.
Ein am 10. August 1972 im zuständigen Senatsausschuß eingebrachter neuer Antrag,
seine Verwendung für den Bau von Massenverkehrsmitteln zu verbieten, wurde diesmal mit nur sehr knapper Mehrheit - nämlich 8:7 Stimmen - abgelehnt.

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36/1972

DEM VERGIFTUNGSMECHANISMUS VON HEXACHLOROPHEN AUF DER SPUR

--(AD)-- Eine durch einen Fabrikationsfehler verursachte Überkonzentration an
Hexachlorophen in Babypuder war, wie sich jetzt herausstellte, die Ursache
für den Tod von mindestens 27 und die Erkrankung von mehr als 60 Säuglingen
in Frankreich. Obgleich dieses tragische Vorkommnis eindeutig auf menschliches
Versagen zurückgeht, ist es doch auch deshalb alarmierend, weil offenbar gefährliche chemische Stoffe zu leicht weit verbreitet, sorglos und unsachgemäß angewandt werden können.
Hexachlorophen galt als wirksames Mittel zur Vorbeugung und Bekämpfung
von Hautinfektionen durch Pilze und Bakterien. Aber Anfang des Jahres warnten
zwei New Yorker Wissenschaftler davor. Sie hatten bei Tierversuchen herausgefunden, daß es die Fähigkeit der Gehirnzellen beeinträchtigt, die für die Gehirnfunktionen benötigte Energie zu produzieren. Aufgrund dieser Warnung verbot
kürzlich die US-Regierung über die zuständige Behörde, die "Food and Drug Administration" (Bundesaufsichtsamt für Kosmetika, Nahrungs-und Arzneimittel),
die weitere Verwendung von Hexachlorophen

als Zusatz zum Badewasser von Neu-

geborenen und Säuglingen. Untersuchungen in der Folgezeit hatten nämlich gezeigt, daß die chemische Verbindung über die Haut vom Körper aufgenommen wird
und mit dem Blut ins Gehirn gelangt.
Eine

�»
»

Eine Anzahl von Herstellerfirmen hexachlorophenhaltiger Mittel arbeitete
inzwischen Anwendungsvorschriften zu einzelnen Präparaten aus, damit verhindert
wird, daß oberhalb bestimmter Konzentrationen die chemische Verbindung von der
Haut oder von Wundflächen absorbiert wird. In der Bundesrepublik gab das Gesundheitsministerium Empfehlungen an Herstellerfirmen, in denen Höchstkonzentrationen für kosmetische Erzeugnisse angeführt sind. Babypflegemittel enthalten nach offizieller Mitteilung überhaupt kein Hexachlorophen mehr.
Die beiden amerikanischen Wissenschaftler berichteten jetzt über Einzelheiten der Ergebnisse ihrer Versuche zur Aufklärung des Wirkungsmechanismus von
Hexachlorophen. Sie studierten ihn an Mitochondrien (strangförmigen Gebilden im
Zellplasma) aus Gehirn-und Leberzellen von Ratten. Diese winzigen Partikel gelten als "Kraftwerke" der Zellen. Innerhalb der Mitochondrien werden aufgenommene
Nährstoffe in die Verbindung ATP (AdenosintriphosphorpäureI umgewandelt. Sobald
diese Verbindung durch Wasser wieder aufgespalten wird, setzt sie große Mengen
Energie frei.
Bei Anwesenheit von Hexachlorophen sind die Mitochondrien jedoch nicht fähig, ATP zu produzieren - und das kann bedeuten, daß die Zelle abstirbt. Wie
aber Hexachlorophen aus dem Blut in die Gehirnzellen gelangt, war im Detail
noch nicht lückenlos zu ermitteln. Jedoch gab es bei den Tierversuchen eindeutige Hinweise darauf, daß die Verbindung in die Gewebe des Zentralnervensystems
eindringt.

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36/1972

AMERIKANISCH-SOWJETISCHES PROJEKT ZUR KREBSFORSCHUNG
Virus-Theorie gewinnt an Boden

Von G. Weiss

- (AD) - Durch Überimpfen von menschlichen Tumorzellen auf Primaten entwickelte sich bei ca. 200 von 600 Versuchstieren, insbesondere bei Pavianen,
Leukämie. Angesichts dieses Ergebnisses einer langen Experimentierreihe habe,
wie kürzlich ein sowjetischer Krebsforscher anläßlich seines Besuches in den
Vereinigten Staaten erklärte, die Virus-Theorie im Zusammenhang mit Krebs beim
Menschen eindeutig an Boden gewonnen.
Dr. Boris Lapin, der Direktor des Instituts für experimentelle Pathologie
und Therapie in Suchumi (Georgien, UdSSR), der sich mit einer Gruppe von Mitarbeitern seit Jahren mit Leukämieforschung und speziell mit Viren als möglicher Ursache dieser Krankheit befaßt, erörterte jetzt mit amerikanischen
Kollegen vom Nationalen Krebsforschungsinstitut (NCI) der USA in Bethesda
(Maryland) Pläne für gemeinsame Projekte. Wie Dr. John B. Malony, einer der
wissenschaftlichen Direktoren des NCI, auf einer Pressekonferenz in Bethesda
erklärte, werden amerikanische Wissenschaftler mit Gewebekulturen, die von Proben des in der Sowjetunion isolierten "verdächtigen" Materials weitergezüchtet
werden, versuchen, die Krebs verursachenden Partikel zu bestimmen. Dabei muß
Malony zufolge exakt herausgefunden werden, um welches "gruppenspezifische"
Material es sich dabei handelt - ob es wirklich Viren vom Menschen oder aber
von Primaten sind, die bei den Experimenten in der Sowjetunion für die Um-

- I -

�-

Umwandlung gesunder Zellen in leukämische Zellen verantwortlich waren.
Die Klärung dieser Frage würde die Forschung sicherlich ein gutes Stück
voranbringen. Nach Meinung Dr. Malonys geht es dabei nicht nur um Leukämie
und leukämieähnliche Erkrankungen, sondern auch um die in verschiedenen Erscheinungsformen auftretenden Sarkome (bösartige Geschwülste, die aus Bindegewebe hervorgehen). Diese allein machen in den Vereinigten Staaten ca. 38 000
der pro Jahr verzeichneten 640 OOO Neuerkrankungen an Krebs aus.
Wohl kennt man schon seit geraumer Zeit bestimmte Typen von Viren, die
bei Säugetieren (Mäusen, Hamstern, Katzen und Ratten) und einigen Vogelarten
zu Tumoren führen. Jedoch war bisher nicht oder nicht mit letzter Sicherheit
nachzuweisen, daß sie auch beim Menschen Krebs auslösen. Ca. 40 Virustypen,
die zumindest bei niedrigeren Tieren Geschwulstbildungen verursachen, wurden
inzwischen isoliert. Die große Schwierigkeit für die Onkologie (Geschwulstforschung) ergab sich aber bisher aus der Tatsache, daß in menschlichen Krebsgeschwülsten allenf all ? Restbestände oder "Fingerabdrücke" von Viruspartikeln
in der Form von Antikörpern, aber - mit ganz wenigen Ausnahmen - nicht die
verdächtigen Viren selbst nachzuweisen waren.
Anscheinend spielt bei den immunbiologischen Reaktionen, d.h. den vom
Körper entwickelten Mechanismen zur Abwehr von Infektionen, die starke Differenzierung der Organismen eine besondere Rolle. In ihr könnte z.B. einer der
Gründe für unterschiedliche Reaktionen niedriger Lebewesen einerseits und hochentwickelter Spezies andererseits auf körperfremde Partikel, die in die Zellen
eindringen und sich unter Abbau von deren Substanz, einschließlich des Zellkernmaterials, darin vermehren, zu suchen sein. Auf die Bedeutung dieser
Theorie deuten u.a. Versuchsergebnisse einer amerikanischen Wissenschaftlergruppe vom NCI hin. Dr. Edward M. Scolnick und Mitarbeiter stellten im Verlauf
einer Experimentierreihe fest, daß drei jüngst entdeckte RNS-Virusarten vom
Typ C, die möglicherweise bei Primaten Krebs verursachen, sich in immunologischer Hinsicht von ähnlichen RNS - Viren,die bei Mäusen, Ratten und Hamstern
gefunden werden, unterscheiden.
Dr. Mahony

- 2-

�Dr. Mahony und Dr. Lapin sehen in der Züchtung großer Mengen von Typ-CViren - auch bei dem am Institut Dr. Lapins von leukämiekranken Pavianen
(Papio Hamadryas) gewonnenen Virusmaterial handelt es sich um diesen Typ den allerwichtigsten nächsten Schritt. Nur so könne mit Sicherheit ermittelt
werden, ob es sich dabei um Affen- oder um Menschenviren handelte. Im letzteren
Fall wäre dies ein Beweis, daß das Impfen mit menschlichen Leukämiezellen zur
Erkrankung der Tiere führte. Aber selbst wenn die Viren als Primatenviren identifiziert würden, sei dies, so Dr. Lapin, "äußerst interessant", weil dann die
Demonstration erbracht sei, daß die humanspezifischen Tumorgewebe - insbesondere Leukämiezellen - einen Faktor enthielten, der "im Organismus des Pavian
die genetischen Prozesse aktivierte, durch die Krebszellen entstanden und sich
weiter vermehrten".
In diesem Zusammenhang berichtete Frank J. Rauscher, der Direktor des
Nationalen Krebsforschungsinstituts, daß man in den USA bisher mit den verschiedensten Primaten, aber nicht mit Pavianen experimentiert habe. Jedoch
würde man sich jetzt darum bemühen, äthiopische Paviane für die Krebsforschung
zu bekommen. Der logische zweite Schritt sei dann, wie Dr. Lapin weiter erklärte, der Versuch, Primaten, die mit menschlichen Leukämiezellen geimpft
werden, gegen die Entwicklung der Krankheit zu schützen. Erst wenn dies gelingt, bestehe Hoffnung, einen Impfstoff gegen bestimmte Formen von Krebs
beim Menschen zu entwickeln.

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA über Bluttat von München zutiefst bestürzt und empört&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung Nixons und Tanakas von Honolulu&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einzelheiten des amerikanisch-japanischen Handelsabkommens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Verlautbarung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Nixons zur Aufhebung der Wehrpflicht in den USA&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wer im Glashaus sitzt ...&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Puerto Rico hat seine Partnerschaft mit den USA selbst frei gewählt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Sonderkorrespondenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorbehalte Eberles zum Bericht der OECD-Sachverständigengruppe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorläufiger Zeitplan für den Flug APOLLO 17&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Umweltschutz: 287 Millionen Dollar bis 1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Beirat Präsident Nixons legt dritten Jahresbericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem Vergiftungsmechanismus von Hexachlorophen auf der Spur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanisch-sowjetisches Projekt zur Krebsforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Virus-Theorie gewinnt an Boden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
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