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und
Dokumentation

•

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28. November 1979

45
INHALT

INFORMATION
Präsident Carter nominiert Philip M. Klutznick als neuen Handelsminister
Neuer US-Vertreter im Europäischen Hauptquartier der UN
Sparen für den Notfall
- Appell Präsident Carters an US-Bundesstaaten DOKUMENTATION
US-Staatssekretär fordert Vereinfachung der NATO-Logistik
- Amerikanisches Gesetz soll Beschaffung erleichtern US-Landwirtschaftsminister ruft zum Kampf gegen den Hunger auf
- Rede vor der FAO in Rom WIRTSCHAFT
Bergsten rechnet mit stärkerer US-Handelsposition und stärkerem Dollar
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretärs in Boston WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Computer als Verbündeter bei der Schädlingsbekämpfung
- Simulationsmodelle

sollen Bedeutung von Einzelfaktoren klären helfen

Topfgucker in der Erzküche von Mutter Erde
- Forschungs-U-Boot ALVIN sondiert heiße Quellen im Ostpazifik -

Um Ubcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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10 an m

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28. November 1979

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PRÄSIDENT CARTER NOMINIERT PHILIP M. KLUTZNICK ALS NEUEN HANDELSMINISTER

WASHINGTON - (AD) - Am 16. November 1979 nominierte Präsident Carter zum
Nachfolger der aus privaten Gründen zurückgetretenen Handelsministerin Juanita
Kreps den schon seit den frühen sechziger Jahren im öffentlichen Leben Amerikas
bekannten Philip M. Klutznick.
Klutznick kann in der Tat auf eine erstaunlich vielseitige Karriere zurückblicken:

Doktor der Jurisprudenz, Anwalt für Investmentfragen, Anwalt für

das Justizministerium;

Entwicklung einer Satellitenstadt bei Chicago, Mitar-

beit bei der Planung eines Industriezentrums und Tiefseehafens in Israel; Mitarbeiter von Adlai Stevenson, als dieser Botschafter bei den Vereinten Nationen
war;

Chef einer Investmentgesellschaft, die in der Welt höchster Betonkonstruk-

tion, dem Chicagoer Watertower Place, residiert und die ebenfalls von Klutznick
konzipiert wurde.

Daneben ist Philip Klutznick Präsident des Weltjudenkongresses,

Vorsitzender des amerikanischen Wohnungsbauausschusses für Israel und Mitglied
des Direktoriums der amerikanischen UN-Gesellschaft; außerdem Vertrauensmann
des Komitees für wirtschaftliche Entwicklung, einer überparteilichen Gruppierung
von Geschäftsleuten und Wissenschaftlern, die Vorschläge zur Behandlung wesentlicher Wirtschaftsfragen unterbreitet,sowie Vorstandsmitglied verschiedener
Unternehmen.
Seine

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Telex:08-85432

�Seine Entscheidung, sich als Handelsminister zur Verfügung zu stellen,
geht wohl auch auf die Tatsache zurück, daß eine wesentliche Reorganisation
der Handelspolitik vorgesehen ist, die die Rolle des Handelsministeriums deutlich ausweiten wird.

So wird dem Ministerium künftig etwa die Aufsicht über

die an den amerikanischen Botschaften tätigen Handelsattaches zufallen.
Zwei Problemkreise liegen dem designierten Handelsminister besonders am
Herzen:

Zum einen ist für den überzeugten Anhänger eines Maximums an Frei-

handel klar, daß "wir in der Vergangenheit noch nicht alles getan haben, um
die amerikanische Handelsposition zu stärken" und daß die Vereinigten Staaten
"ihre Muskeln im Bereich des Handels entwickeln müssen". Gleichzeitig aber
soll Handel auch zum Nutzen jener Länder sein, denen bereits in früheren Jahren
sein Mitgefühl galt:

vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte

Klutznick schon 1961 "zu einem neuen Anlauf bei nationalen und internationalen
Anstrengungen gegen Armut, Analphabetentum und Krankheit in den Entwicklungsländern" aufgerufen und als Vertreter Amerikas beim Wirtschafts- und Sozial rat
der Vereinten Nationen auf größere internationale Anstrengungen zur Entwicklung
der Dritten Welt gedrängt.
Klutznick ist am 9. Juli 1907 in Kansas City, Missouri geboren, ist mit
der ehemaligen Ethel Riekes verheiratet und hat fünf Kinder und 12 Enkel.

- 2 -

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28. November 1979

NEUER US-VERTRETER IM EUROPÄISCHEN HAUPTQUARTIER DER UN

WASHINGTON

- (AD) -

Präsident Jimmy Carter hat am 20 November 1979

den bisherigen Stellvertretenden Unterstaatssekretär im amerikanischen
Außenministerium, Gerald B. Helman, zum neuen Vertreter der Vereinigten
Staaten beim europäischen Hauptquartier der Vereinten Nationen in Genf
nominiert.

Helman tritt an die Stelle von William Vanden Heuvel, der

zum Stellvertretenden US-Chefdelegierten bei der Weltorganisation in
New York ernannt worden ist.

Er bekleidet den Rang eines Botschafters.

Helman, am 4. November 1932 in Detroit geboren, hatte seit 1977
den Posten eines Stellvertretenden Unterstaatssekretärs für internationale
Organisationen im State Department inne.

Von Haus aus Jurist praktizierte

er kurze Zeit als Anwalt im Staate Michigan, bevor er 1956 in den Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten eintrat und bei den diplomatischen
Vertretungen der USA in Mailand, Wien und auf Barbados tätig war.

Von

1968 bis 1973 war Helman Botschaftsrat für politisch-militärische Angelegenheiten bei der amerikanischen NATO-Mission in Brüssel.

Im Jahre

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�Im Jahre 1974 wurde Helman ins State Department berufen, wo er
zunächst zwei Jahre lang mit NATO-Angelegenheiten betraut war, um dann
1976 die Leitung des Büros für politische Angelegenheiten der Vereinten
Nationen im State Department zu übernehmen.

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28. November 1979

SPAREN FÜR DEN NOTFALL
- Appell Präsident Carters an US-Bundesstaaten -

- (AD) - Präsident Carter hat ranghohe Vertreter der einzelnen amerikanischen Bundesstaaten ersucht, sich dafür einzusetzen, daß der allgemeine
Energieverbrauch um fünf Prozent und der Kraftstoffverbrauch um zehn Prozent
gesenkt werde.

Auf diese Weise solle ein gewisser Ausgleich für den Ausfall

von ca. 100 000 Tonnen Iran-Öl pro Tag geschaffen werden.

Auf einer Konferenz

mit Repräsentanten der einzelstaatlichen Verwaltungen im Weißen Haus, unter
ihnen 39 Gouverneure, unterstrich der Präsident, daß Sparen die einzige schnell
wirksame Gegenmaßnahme gegen ölverknappung in den Vereinigten Staaten sei, die
sich in den nächsten 50 Tagen als Folge des Ausfalls des Iran als öllieferant
bemerkbar machen dürfte.

"Die. Amerikaner dürfen die Bedeutung der größtmöglichen Anstrengungen zum
Einsparen keinesfalls unterschätzen", meinte der Präsident.

Zwar seien die Vor-

räte an Heizöl, Benzin und anderen Brennstoffen "verhältnismäßig gut", doch
wäre in der gegenwärtigen Situation eine baldige und anhaltende Verpflichtung
hilfreich, um Energieverschwendung in jeder Form weitestgehend zu reduzieren.

US-Energieminister

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�US-Energieminister Charles W. Duncan, Jr., erklärte gegenüber Pressevertretern, daß der Präsident in Kürze für die einzelnen Bundesstaaten bestimmte
Ziele für das Einsparen von Benzin vorschlagen werde.

Aufgrund des Notstands-

gesetzes zur Energieeinsparung, das Präsident Carter am 5. November 1979 unterzeichnete, ist der Präsident ermächtigt, je nach Bundesstaat unterschiedliche
Einsparungsziele festzusetzen, wenn eine einschneidende Unterbrechung der Versorgung droht oder bereits besteht.

Ein Maximal verbrauch in den einzelnen

Bundesstaaten kann auch dann angeordnet werden, wenn Verpflichtungen der USA
im Rahmen von internationalen Energie-Verträgen zu erfüllen sind.
Ist ein Bundesstaat nicht in der Lage oder nicht gewillt, eigene Einsparungsziele vorzugeben, kann der Präsident einen Einsparungsplan verfügen. Präsident Carter ersuchte die Gouverneure, eine Reihe von sofort wirksam werdenden Energiesparmaßnahmen in Erwägung zu ziehen. Dazu zählen z.B. die Wiedereinführung von Plänen zur Abgabe kleiner Benzinmengen sowie von bestimmten Tanktagen für die, Autofahrer entsprechend der geraden oder ungeraden Endziffer des
Nummernschildes, ferner die strikte Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung
von 89 km/Stunde auf Autobahnen, die Einrichtung von Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr, Einhaltung der Vorschriften für die Beheizung und Kühlung von Gebäuden und schließlich eine weitergehende Verwendung des Mischkraftstoffs
GASOHOL, als dies bisher der Fall war. Wie Duncan erklärte, werde die Regierung von ihren Notstandsvollmachten zur gerechten Zuteilung und Abgabe von Rohöl Gebrauch machen, sobald die Auswirkungen des Ausbleibens von Öl aus dem Iran
erkennbar werden.

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�1

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28. November 1979

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US-STAATSSEKRETÄR FORDERT VEREINFACHUNG DER NATO-LOGISTIK
- Amerikanisches Gesetz soll Beschaffung erleichtern -

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Verteidigungsministerium, Botschafter Robert W.Komer, hat
sich für gesetzliche Regelungen ausgesprochen, die die gegenseitige logistische Unterstützung der amerikanischen Streitkräfte in Europa und der Streitkräfte der europäischen Verbündeten vereinfachen und erleichtern.

Eine ent-

sprechende Gesetzesvorlage des Verteidigungsministeriums wird gegenwärtig im
Repräsentantenhaus von den Unterausschüssen für internationale Sicherheit und
wissenschaftliche Angelegenheiten sowie für Europa und den Nahen Osten des
Außenpolitischen Ausschusses und dem Unterausschuß für Beschaffung und militärische Nuklearsysteme des Militärausschusses behandelt.

Auf einer gemein-

samen Sitzung der genannten Unterausschüsse machte Staatssekretär Komer folgende Ausführungen:

Ich möchte diesen Unterausschuß dringend ersuchen, etwas zu tun, was nach
meiner Überzeugung unbedingt in unserem nationalen Interesse liegt, nämlich
eine Gesetzgebung zu billigen, die die gegenseitige logistische Unterstützung
zwischen unseren Streitkräften in Europa und den Streitkräften unserer Verbündeten erleichtert.

Wir suchen Mittel und Wege zur Vereinfachung amerikanischer

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Telex:08-85432

�amerikanischer Verfahren, um die logistische Unterstützung im Bündnis vor
Ort sicherzustellen und zu gewähren, denn die derzeitigen Vereinbarungen funktionieren nicht gut, verursachen große Schwierigkeiten mit unseren Verbündeten
und beeinflussen die Einsatzbereitschaft der NATO negativ.
Als Hauptzeugen habe ich Generalleutnant Arthur Gregg, den Stellvertretenden Chef des Stabes der Armee für Logistik und früheren Direktor für Logistik
des Gemeinsamen Stabes der Streitkräfte und früheren Chef der Logistik der USArmee in Europa mitgebracht, da er mit dem Problem bestens vertraut ist.

Er

wird Ihnen die militärische Seite darlegen, während ich von den Auswirkungen
auf das NATO-Bündnis und einigen anderen wichtigen Punkten sprechen möchte.

Ich

habe ferner mitgebracht Walter Ligon, Direktor für Planung und Programm im Amt
für Sicherheitsverteidigungshilfe; Benjamin Forman vom Beraterstab des Verteidigungsministeriums; Brigadegeneral Wayne Alley, Oberster Militärrichter der
US-Armee in Europa; und James Saylor von der Finanzabteilung des Verteidigungsministeriums.
Das amerikanische Verteidigungsministerium hat bereits 1978 eine korrigierende Gesetzgebung vorgeschlagen. Diese wurde unter der Nummer HR 11607
eingereicht, kam aber nie bis zum Plenum des Hauses. Der neuformulierte Vorschlag, 96-4, wurde im Juni dieses Jahres unter der Nummer HR 4623 von dem Vorsitzenden Zablocki und Ihnen sowie vom Vorsitzenden Price und dem Abgeordneten
Wilson vom Militärausschuß unterbreitet. Wir hatten gehofft, daß dieser neue
Entwurf einige der Einwände zerstreuen würde, die wir gegen die Version des
vorigen Jahres gehört haben, es stellte sich in den letzten Monaten jedoch
heraus, daß unsere Formulierungen noch immer einige rechtliche und verfahrensmäßige Fragen aufwarfen, die in dieser Sitzungsperiode des Kongresses nicht
gelöst werden konnten. Wir unterstützen daher jetzt eine weniger umfassende
Version, die vom Vorsitzenden Daniel des NATO-Unterausschusses des Militärausschusses unter der Nummer HR 5580 eingebracht wurde.
Wie Sie, Herr Vorsitzender.wissen, hat der Daniel-Unterausschuß am 25. Oktober 1979 eine Anhörung über diese Vorlage abgehalten.
Wie
- 2 -

�Wie er damals dem Vorsitzenden Daniel sagte, hat (NATO-Oberbefehlshaber)
General Rogers die Vorlage HR 4623 des Verteidigungsministeriums nachdrücklich
unterstützt.

Erst kürzlich hat er in einem Schreiben an Verteidigungsminister

Brown erneut bekräftigt, daß "die Verabschiedung von HR 4623 entscheidend wichtig ist, wenn wir im Bündnis eine Kapazität für gegenseitige logistische Unterstützung in Krisenzeiten oder im Konfliktfall schaffen wollen.
Die Regierung der Niederlande hat zu erkennen gegeben, daß sie das Manöver
Reforger 80 ohne eine solche Gesetzgebung nicht unterstützen werde. Darüber
hinaus sind alle Vereinbarungen über gegenseitige Unterstützung von der Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage abhängig. Nach unserer Auffassung ist ein
starkes gemeinsames Übungsprogramm in großem Rahmen in zunehmendem Maße wichtig, um Entschlossenheit zu demonstrieren und unsere Kapazität zur Verstärkung
Europas zu verbessern. Es ist dringend erforderlich, daß der Kongreß HR 4623
noch in dieser Sitzungsperiode verabschiedet."
General Rogers hat in der Zwischenzeit HR 5580 geprüft und amtlich erklärt, daß diese Vorlage mit einigen wenigen
generell erfüllen würde.

Änderungen seine Erfordernisse

Diese Änderungen wurden in der Ihrem Unterausschuß

jetzt vorliegenden Gesetzesvorlage weitgehend berücksichtigt.
Lassen Sie mich zunächst das Problem darlegen, um das es bei dieser Gesetzgebung geht, und was sie nach meiner Überzeugung in der realen Welt militärischer Operationen der NATO bedeutet. Wir geben den Großteil der bewilligten Mittel für unsere Verteidigung für die allgemeinen Streitkräfte aus, und
die meisten dieser Streitkräfte werden weitgehend für die Verteidigung Europas
ausgebildet und ausgerüstet.
Aber wir können Europa nicht allein verteidigen, und das ist auch gar
nicht unser Plan.

Wir sind vielmehr von einem gemeinsamen Vorgehen abhängig,

einem Vorgehen, das die NATO-Streitkräfte aller NATO-Staaten unter einem gemeinsamen NATO-Befehl integriert. Amerikanische Streitkräfte werden Seite an
Seite mit Deutschen, Briten, Belgiern, Niederländern, Italienern, Norwegern,

- 3 -

�Norwegern, Türken und anderen Truppen des Bündnisses kämpfen (und in Friedenszeiten Seite an Seite ausgebildet werden).

Daraus ergeben sich wichtige Fragen

der gegenseitigen logistischen Unterstützung im Felde. Wir können nicht alle
so tun, als wären wir logistisch unabhängig, wenn wir unter Belastung alle voneinander abhängig sind.

Daher besteht der Hauptzweck der unterbreiteten Vorlage

darin, eine solche gegenseitige Unterstützung zu erleichtern, vor allem bei der
Ausbildung und bei Übungen in Friedenszeiten, und die gemeinsame Bereitschaft
im Kriegsfall zu verbessern.
Zweitens, wir Amerikaner müssen in Europa am Ende einer 3000 Meilen langen
logistischen Versorgungsleitung operieren.

Wir haben zwar mehr Erfahrung in

der Logistik über große Entfernungen als irgendeine

andere Großmacht in der

Geschichte der modernen Kriegführung, aber es gibt immer kurzfristige Anforderungen an die Versorgung amerikanischer Truppen unter Einsatzverhältnissen in
Friedenszeiten.

Wir können nicht damit rechnen, diese mit der Einstellung des

"als wenn nichts wäre" zu erfüllen.

In gleicher Weise brauchen unsere Verbün-

deten, selbst mit ihren viel kürzeren logistischen Versorgungslinien unter
Übungsbedingungen kurzfristig Unterstützung von uns. Wenn wir diese nicht direkt und wirksam leisten können, dann können wir überhaupt nichts leisten.
In dem Zeitraum von September 1979 bis Dezember 1980 werden amerikanische
Streitkräfte voraussichtlich an zehn verschiedenen großen Felddienstübungen
der NATO teilnehmen. Wir werden unter anderem auch die gegenseitige logistische
Unterstützung üben. Ich glaube, jeder von uns hier begreift, daß im Falle einer
Krise oder eines Krieges es um alles geht und wir logistisch so vorgehen werden,
wie wir müssen. Aber der Zweck dieser Übungen besteht eben darin, die Fähigkeit
unserer Streitkräfte und der Streitkräfte unserer Verbündeten zu erproben, unter Kriegsbedingungen zu operieren. Ich möchte daher dringend vorschlagen,
daß unsere Vereinbarungen für die gegenseitige logistische Unterstützung während Übungen so realistisch sein müssen, wie es nur eben geht. Es hat schließlich wenig Sinn, wenn verbündete Einheiten Ellbogen an Ellbogen im Feld operieren und nicht in der Lage sind, sich sofort vor Ort gegenseitig logisitsch
zu unterstützen.
Über

�über die speziellen Erfordernisse von Übungen müssen wir uns mit den
Auswirkungen der ständigen Verlagerung der Schwerpunkte von Schwanz zu Kopf
- vom Tross zur eigentlichen Truppe - befassen.

Der Kongreß hat das Vertei-

digungsministerium bedrängt, mehr aus dem Geld zu machen, das für das Militär
verausgabt wird, und wir waren mehr als bereit, diesem Wunsch zu entsprechen.
In der Tat bin ich seit je einer der nachdrücklichsten Fürsprecher dieser
Neugewichtung unserer Streitkräfte in Europa gewesen, weil - wie ich glaube es durchaus richtig ist, auf das beträchtliche Potential europäischer Ressourcen für die logistische Unterstützung zurückzugreifen.

Wir nennen das Unter-

stützung durch das Gastland }und wir sind energisch darum bemüht, davon mehr zu
bekommen.

Die Europäer - und vor allem die Deutschen - verstehen diese "Schwanz

bis Kopf-Gleichung und wollen die Kampfkapazitat der Vereinigten Staaten so
hoch wie möglich steigern.
Das kann - wenn wir erfolgreich sind - bedeuten:

Unterstützung durch das

Gastland im Frieden wie im Krieg für den Routinebetrieb der militärischen
Stützpunkte und Basen, einschließlich der Geländesicherung, der Lebensmittelbeschaffung, der technischen Wartung und baulichen Unterhaltung, des Transports
und einer ganzen Reihe anderer Dienstleistungen, die jetzt amerikanische Soldaten von den Kampfeinheiten und der direkten Unterstützung der Kampfeinheiten
abziehen.

Aber auch hier brauchen wir flexible amerikanische Verfahren, die

sich besser den realen Gegebenheiten anpassen können.
Zur Zeit sind uns die Hände buchstäblich gebunden, weil die Gesetze und
Verfahren, die für den Erwerb und den Transfer von Gütern und Dienstleistungen
maßgeblich sind, allzu schwerfällig und zu wenig flexibel für solche Situationen sind, wie ich sie soeben beschrieben habe.

Wenn wir von unseren Verbün-

deten logistische Unterstützung kaufen, dann zwingen wir ihnen komplizierte
Kontraktformulare, Verfahren und Klauseln auf, wie sie das Beschaffungsgesetz
der Streitkräfte und ähnliche Statuten erforderlich machen.

Wenn wir Unter-

stützung gewähren, dann müssen wir uns nach den Bestimmungen des Rüstungsexportkontrollgesetzes richten, die für Transaktionen dieser Art völlig unangebracht
sind.

Dieses Gesetz schließt auch die Gewährung von logistischer Unterstützung

auf der Grundlage einer Rückerstattung in Sachleistungen aus.

Ahnp^Phpn

�Abgesehen von der Tatsache, daß die vorhandenen Restriktionen, es für
uns sehr schwierig machen, unsere militärische Aufgabe bei der Verteidigung
Europas zu erfüllen, haben auch unsere Verbündeten sich energisch dem widersetzt, was sie als einen Zwang, ja als einen Eingriff in ihre Souveränitätsrechte ansehen.

Die Niederländer haben uns seit zwei Jahren gewarnt, daß sie

unter unseren restriktiven Bedingungen nicht weiterhin logistische Unterstützung
für die Übungen leisten könnten.

Bei den Manövern "Reforger 78" und 'Reforger 79"

unterstützten sie uns nach schriftlich festgelegten Vereinbarungen, die auf unsere Gesetzesklauseln verwiesen.

Sie haben uns jetzt mitgeteilt, daß sie die-

se außerordentlichen Maßnahmen nicht auf "Reforger 80" ausweiten werden.

Von

der Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Italien und Norwegen sind ähnliche
Warnungen gekommen.
Und auf der anderen Seite dieser zweiseitigen logistischen Medaille
wiederum hat es eine ganze Reihe von Fällen gegeben, wo amerikanische Streitkräfte nicht in der Lage waren, verbündeten Einheiten während militärischer
Übungen kurzfristig lokale Unterstützung zu gewähren wegen der FMS-Restriktionen, die erfordern, daß alle Transaktionen Stück für Stück und bei sofortiger
Bezahlung erfolgen.
Die Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage würde es uns ermöglichen, gegensetige Abmachungen auszuhandeln, die auf unsere besonderen Erfordernisse
in Europa zugeschnitten sind. Es würde dadurch auch wesentliches getan, um
sicherzustellen, daß die NATO-Streitkräfte die gleichen logistischen Verfahren
bei Übungen in Friedenszeiten anwenden, die sie unter der Belastung kriegerischer
Verhältnisse anzuwenden hätten.
•

Ich glaube, der Unterausschuß sollte auch zur Kenntnis nehmen, daß alle
unsere Verbündeten übereingekommen sind, die vereinfachten Verfahren für die
gegenseitige logistische Unterstützung zu benutzen, Sie haben also einigen
Grund, mit unserem Beharren auf den üblichen Verfahren unzufrieden zu sein.
Ich darf Ihnen versichern, daß wir mit der neuen Vorlage nicht um die
Vollmacht ersuchen, Erstausstattungsmengen an Großgerät oder irgendwelches der

�der Kontrolle unterworfenes Kampfmaterial zu kaufen

oder zu verkaufen.

Das war niemals unsere Absicht, und ich bedaure, daß die allgemeine Fassung,
in der wir unsere ursprügnliche Gesetzesvorlage ausgearbeitet hatten, Anlaß
zu der Besorgnis gegeben haben könnte, daß wir die Vollmacht für diese Zwecke
benutzen könnten.

Ich werde es den Experten überlassen, was genau unter der Rubrik "logistische Unterstützung" aufgezählt werden sollte.

Ich möchte lediglich

feststellen, daß der Nachdruck auf Dienstleistungen liegt, weil das am meisten
Arbeitsaufwand erfordert und das ist, was zu leisten die Gastländer am besten
ausgestattet sind.

Die materiellen Dinge - Bekleidung, Munition usw. - wer-

den hauptsächlich für Übungen und für Situationen benötigt, in denen sich
amerikanische Truppen oder Truppen der Verbündeten zeitweilig von ihren eigenen Versorgungsquellen abgeschnitten finden.

Ich glaube, der Unterausschuß

wird zustimmen, daß das, was wir tun wollen, Sinn und Verstand hat.

Im Hinblick auf die besonderen Interessen des Außenpolitischen Ausschusses an dieser Angelegenheit möchte ich kurz auf die Bereiche des Rüstungsexportkontrollgesetzes eingehen, die durch HR 5580 berührt werden.

Erstens,

wir ersuchen in der unterbreiteten Vorlage um eine völlige Befreiung von dem
genannten Gesetz, was den Transfer von Verbrauchsgütern und überschüssigen
Beständen und die Gewährung von Dienstleistungen angeht.
Flexibilität, um in Ausbildungs- und Manöverlagen

Wir brauchen diese

mit unseren Verbündeten so

verfahren zu können, wie sie es jetzt mit uns können.

Die transferierten

Versorgungsgüter müssen aus Beständen der amerikanischen Streitkräfte in
Europa kommen, und die Bestände dürfen nicht aufgestockt werden, um diese
besonderen Erfordernisse zu erfüllen.

Bei Dienstleistungen kann es sich nur

um solche handeln, die normalerweise von diesen selben amerikanischen Streitkräften zur Verfügung stehen.

Ich kann Ihnen über die im Gesetz enthaltenen

Sicherungen gegen einen Mißbrauch dieser Vollmacht hinaus versichern, daß
HR 5580 absolut keinen Einfluß auf amerikanische Verkäufe von Waffen oder
Großgerät an die NATO haben wird.

Das neue Gesetz wird auch nicht an die

Stelle von Abkommen über die normalen Lieferungen von Verschleiß- und Ersatz-

- 7 -

�Ersatzteilen im Rahmen des Rlistungsexportkontrollgesetzes treten, noch wird
es auf die Ausbildung auf dem Territorium der Vereinigten Staaten im Rahmen
dieses Gesetzes Anwendung finden.
Mein zweiter Punkt, Herr Vorsitzender, ist, daß Abschnitt 8 der Vorlage
Grenzen für die Beträge setzt, die von den Vereinigten Staaten aufgrund dieser Gesetzgebung angewiesen oder angesammelt werden können.

Ohne ins Detail

gehen zu wollen - General Gregg wird das gerne tun - möchte ich einfach feststellen, daß unsere Verpflichtungen, d.h. Erwerbungen, bis zum Haushaltsjahr
1981 diese Grenzen sehr wahrscheinlich erreicht haben werden.

Allein die For-

derungen für die Wartung von am Ort bereitgestelltem Material könnten in dem
Zeitraum der Haushaltsjahre 1982-86 die 100 Millionen Dollar-Grenze erreicht
haben.

Auf der Seite fälliger Gelder, die diesen Ausschuß mehr interessieren

dürfte, sind die Zahlen bescheidener,und wir rechnen nicht damit, daß diese
die derzeitige Grenze vor den Haushaltsjahren 1983 oder 1984 erreichen dürften.
Das ist normal, da wir auf dem Boden unserer Verbündeten operieren und wir
mehr von ihnen brauchen als sie von uns. Wie dieser Unterausschuß sehr wohl
weiß, laufen die großen FMS-Fälligkeiten auf einem anderen Konto an und lassen
diese Zahlen hier unbedeutend erscheinen.
Mein letzter Punkt~bezüglich der Einzelheiten im Zusammenhang mit dem
Rüstungsexportkontrollgesetz betrifft die unausweichliche Frage der Weitergabe
an Dritte. Das ist eine heikle Frage, und ich bin mir darüber im klaren, daß
hier die Position des amerikanischen Verteidigungsministeriums eindeutig sein
muß. Im wesentlichen, Herr Vorsitzender, sind wir überzeugt, daß die Dinge,
die wir mit der Vollmacht im Rahmen dieser Vorlage tun müssen, uns nicht vor
diese Frage stellen werden. Wir sprechen von Dienstleistungen und kleinen
materiellen Gegenständen, wie etwa einem Reservegenerator oder einem Faß Düsentreibstoff. Und selbst wo es sich um kritische Ersatzteile handelt, glauben
wir, daß die Risiken einer Weitergabe an Dritte minimal sind, weil die Mengen,
um die es hier geht, einfach zu gering sind, um ins Gewicht zu fallen.
•

Zusammenfassend

�Zusammenfassend möchte ich sagen, daß das Verteidigungsministerium
während der letzten Sitzungsperiode des Kongresses und während dieser ein
Maß an gesetzgeberischer Erleichterung angestrebt hat, das wir als vernünftig und wirksam betrachten.

HR 5580 wird uns den Sattel einiger grundlegen-

der Erfordernisse geltender Gesetze nicht abnehmen, aber es würde uns sicherlich in die Lage versetzen, einen großen Schritt zur Beseitigung unserer
gegenwärtigen Schwierigkeiten zu tun.

Ich bin ferner der Meinung, daß un-

sere Verbündeten diese Verbesserung als eine positive Entwicklung betrachten würden und bereit wären, die normalen Versorgungsvereinbarungen aufrechtzuerhalten, wenn HR 5580 Gesetz wird.

Lassen Sie mich auch noch einmal wieder-

holen, daß wir mit diesem Gesetz nicht beabsichtigen, es als Mittel für die
Beschaffung oder die Weitergabe von Großgerät zu benutzen.

- 9 -

�Dokumentation

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28. November 1979

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US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTER RUFT ZUM KAMPF GEGEN DEN HUNGER AUF
- Rede vor der FAO in Rom -

ROM - (AD) - Der amerikanische Landwirtschaftsminister Bob Bergland hat
am 13.November 1979 in einer Rede vor der 20. Jahreskonferenz der Organisation
für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) der Vereinten Nationen alle Länder der
Erde aufgerufen, sich an dem Kampf gegen Armut und Hunger zu beteiligen.
Die Rede Berglands hat folgenden Wortlaut:
Die Botschaft der Vereinigten Staaten an die 20. Konferenz der FAO will
zweierlei: sie ist zum einen Feststellung einer Tatsache, der Tatsache zunehmender weltweiter gegenseitiger Abhängigkeit - Interdependenz. Und sie ist
zum andern eine Forderung, eine dringende Forderung, dieser wachsenden gegenseitigen Abhängigkeit eine stärkere Zustimmung aller Nationen zur gemeinsamen
Verantwortung für die Armen und die Hungrigen dieser unserer Welt entgegenzustellen.
Im Verlauf der zwei Jahre, seit ich die Ehre hatte, vor der 19. FAO-Konferenz zu sprechen, ist auf nationaler und internationaler Ebene viel erreicht

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�erreicht worden, um die weltweite Gefahr des Hungers zu vermindern.
gibt keinen Anlaß zur Selbstzufriedenheit.

Aber es

Noch bleibt viel zu tun übrig.

Nur wenige Länder sind heutzutage bei allen Nahrungsmitteln autark.

Die

Produktion von Nahrungsmitteln hat in vielen Entwicklungsländern nicht mit dem
Bevölkerungswachstum Schritt gehalten.

Obwohl die Nahrungsmittelproduktion in

den Entwicklungsländern pro Jahr zwischen 1970 und 1978 um ungefähr drei Prozent
anstieg, machte der Bevölkerungszuwachs diese Gewinne praktisch zunichte.

Der

durchschnittliche Jahreszuwachs der Nahrungsmittelproduktion pro Kopf betrug
in den Entwicklungsländern lediglich 0,3 Prozent.

In den ärmsten Ländern sank

dieser durchschnittliche Jahreszuwachs an Nahrungsmittel Produktion pro Kopf
sogar.
Die Entwicklungsländer mußten ihre Nahrungsmittelimporte wesentlich erhöhen.

Im Lauf der sechziger Jahre stiegen die Nahrungsmittelimporte der Ent-

wicklungsländer um etwa 2,7 Prozent.
lich um 6,9 Prozent.

In den siebziger Jahren stiegen sie jähr-

Während Länder mit rasch steigenden Einkommen für einen

großen Teil dieses Anstiegs verantwortlich sind, müssen doch auch einige Länder mit niedrigem Einkommen mehr einführen.
Wie das FAO-Sekretariat in seinem umfassenden Bericht "Landwirtschaft
bis zum Jahr 2000" dargelegt hat, ist die Zahl der Menschen, deren Ernährung
unter dem kritischen Mindestmaß liegt, nicht geringer geworden. Noch heute
sind ungefähr eine halbe Milliarde Menschen unterernährt. Derzeitige Vorausschätzungen zeigen, daß diese Zahlen in den kommenden Jahren eher zu- als abnehmen werden, solange keine Änderungen von außen kommen.
Die Nachfrage nach Nahrungsmitteln in den Entwicklungsländern wird wahrscheinlich zwischen heute und dem Jahr 2000 um 3,7 Prozent jährlich ansteigen.
Um diese Nachfrage zu befriedigen, müssen die Entwicklungsländer ihre Nahrungsmittelproduktion in den nächsten 20 Jahren um mindestens 75 Prozent erhöhen .
Dies macht deutlich, daß die Zukunft der Entwicklungsländer, und besonders jener
mit einem geringen Einkommen und einem Defizit an Nahrungsmitteln, für uns
alle ein überaus schwerwiegendes Problem darstellt.
Als
- 2 -

�Als ich 1977 vor der 19. FAO-Sitzung in Rom sprach, empfahl ich eindringlich, Themen, die nur am Rande mit der eigentlichen Entwicklungsarbeit
zu tun haben - wie etwa Lösung der Handels- und Rohstoffprobleme -, in anderen internationalen Körperschaften zu behandeln, die sich speziell mit diesen
Problemkreisen befassen.

Ich drängte die FAO, sich als die eigentliche Welt-

organisation für Ernährung und Landwirtschaft auf wachsende Nahrungsmittelproduktion und verbesserte Ernährung zu konzentrieren - besonders in den Entwicklungsländern.

Natürlich war dies kein Ziel, das sich in den zwei Jahren zwi-

schen zwei Konferenzen erreichen ließe.

Zu diesem Ziel stehe ich auch im Jahr

1979 als der anhaltenden und in der Tat alles überschattenden, immer dringlicher
werdenden Herausforderung unseres Zeitalters.
Es steht außer Zweifel, daß Erhöhungen der Hilfe von außen notwendig sind.
Aber eine solche Hilfe von außen ist nur dann wirkungsvoll, wenn sich die Entwicklungsländer fest dazu verpflichten, dem Ernährungs- und Landwirtschaftssektor bei ihren eigenen Entwicklungsplänen eine höhere Priorität einzuräumen.
Die Entwicklungsländer müssen einen größeren Anteil ihrer eigenen Hilfsquellen
für die landwirtschaftliche Entwicklung bereitstellen und ihren NahrungsmittelProduzenten höhere Anreize bieten. Ihre Politik und ihre Investitionen müssen
eine Steigerung der Beschäftigung im Auge haben, damit die Kleinbauern und die
Armen ohne Landbesitz genug verdienen, um die Nahrungsmittel kaufen zu können,
die sie brauchen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Hilfe anzubieten. Aber die Aufgabe erfordert die konzertierte Anstrengung aller Mitglieder der internationalen Gemeinschaft. Wir müssen die Verantwortung dafür teilen, daß der Hunger
im 20. Jahrhundert zugunsten eines gesunden und starken 21. Jahrhunderts überwunden wird.

Maßnahmen

�Maßnahmen zur Erhöhung der Landwirtschaftsproduktion, zur Verminderung der
Unterernährung und zur Stärkung der weltweiten Sicherstellung der NahrungsmittelVersorgung
Eine Anzahl von Maßnahmen zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion, zur
Verminderung der Unterernährung und zur Stärkung der weltweiten Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung wurde auf der Sitzung des Welternährungsrates im
September vorgeschlagen.

Ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen, sie darzu-

legen und ihre Bedeutung für das Agrarsystem der Welt zu erörtern.
Unsere Energien müssen zuallererst auf eine Beschleunigung der Produktion
von Nahrungsmitteln und die Agrarproduktion gerichtet werden, besonders in Ländern mit geringem Einkommen und einem Defizit an Nahrungsmitteln.
Nahrungsmittel, die auf der Welt produziert werden
den in den Erzeugerländern verbraucht.

Die meisten

- 85 bis 90 Prozent -»wer-

Ohne anhaltende Produktionsanstiege

- besonders in den ärmsten Ländern - kann es keine langfristige Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung für den größten Teil der Menschheit geben.
Die Vereinigten Staaten sehen in der Entwicklung von Strategien auf dem
Nahrungsmittelsektor einen ersten wichtigen Schritt zur Erhöhung der Nahrungsmittelproduktion. Solche Strategien würden den Entwicklungsländern bei der
Koordinierung ihrer Programme zur Nahrungsmittelproduktion helfen und ihre
Hilfsquellen wirkungsvoller nutzen. Die FAO ist bestens dazu geeignet, ihre
Fähigkeiten auf diesem Gebiet anzubieten. Wir empfehlen der FAO dringend, mit
der Weltbank, den regionalen Entwicklungsbanken und dem Welternährungsrat zusammenzuarbeiten, um den Ländern bei der Entwicklung dieser Strategien zu helfen. Die Vereinigten Staaten können auch auf diesem Gebiet technischen Beistand gewähren.
Ein zweiter Schritt zur Verbesserung der Nahrungsmittel Produktion ist die
verstärkte Unterstützung für internationale Forschung im Bereich der Landwirtschaft.

Forschung ist wesentlich für die Art von technischen Erneuerungen,

die die Ernteerträge erhöhen können.

Wir freuen uns, daß die FAO in ihrem Be-

�Bericht über mittelfristige Zielsetzungen die größere Unterstützung nationaler und internationaler Agrarforschung empfiehlt.

Schließlich müssen wir erhöhte Aufmerksamkeit der Erhaltung von Anbauland gegen Erosion, Erschöpfung und Verkarstung schenken.

Dies ist wahrlich ein weltweites Problem.

In den Vereinigten Staaten

wird derzeit der jährliche Verlust an Erde auf unseren Farmen auf neun Tonnen
pro Morgen (etwa 22 Tonnen pro Hektar) geschätzt.

Und bald könnte Wasser das

Land als wichtigste Beschränkung der amerikanischen Nahrungsmittel Produktion
verdrängen:

Wir erschöpfen rasch unsere Grundwasserreserven im Westen, Süd-

westen und den Großen Ebenen.

Der größte Teil derjenigen Landstriche der Erde, die für den Anbau geeignet sind, wird derzeit genutzt.
volle Quelle zu verschwenden.

Wir können es uns nicht leisten, diese wertWir unterstützen die Anstrengungen der FAO und

des Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Erschöpfung des Weidelands und ermutigen stärkere nationale und internationale Anstrengungen zu diesem Zweck.

Erhöhte Nahrungsmittel Produktion ist ein Punkt von entscheidender Bedeutung, jedoch nicht der einzige Faktor bei der Verminderung von Hunger und
Unterernährung.

Unterernährung wurzelt zugleich in Armut und ungleicher Verteilung der
Nahrung.

Wir brauchen eine vielseitige Methode zur Beseitigung von Hunger

und Unterernährung.

Die Entwicklungsländer brauchen die Gestaltung einer Po-

litik und eines Programms, die verstärkte Produktion und verbesserte Verteilung in Verbindung miteinander bringen.

Strategien auf dem Nahrungsmittel-

sektor werden dabei helfen, diese Verbindungen zu identifizieren.

Für die

FAO besteht eine Hauptrolle darin, die Nahrungsmittelverteilung und die Konsumkomponenten der Strategien auf dem Nahrungsmittelsektor zu gestalten.

Dies

könnte in angemessenem Rahmen Interventionsprogramme für Nahrungsmittel beinhalten.
Wir
- 5 -

�Wir unterstützen die zunehmende Betonung, die die FAO in den nächsten
zwei Jahren auf Ernährung legt. Wir sind jedoch beunruhigt darüber, daß

das

Arbeitsprogramm und das Budget der FAO für 1980/81 die Sammlung und Bewertung
von Daten betont,und empfehlen der FAO dringend, eine umfassendere und handlungsorientiertere Methode zur Lösung dieses Problems einzuschlagen.

Die Ver-

einigten Staaten haben große Erfahrung in den verschiedensten Programmen zur
Verteilung von Nahrungsmitteln und sind bereit, technische Hilfe anzubieten.
Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß eine verstärkte Sicherstellung der weltweiten Nahrungsmittel Versorgung von entscheidender Bedeutung
ist.

Wir werden auch weiterhin auf das Ziel einer stabilen Getreideversorgung

und angemessener Reserven hinarbeiten.

Wir bedauern, daß die Verhandlungen

für ein neues internationales Weizenabkommen (IWA) noch zu keinem Erfolg geführt
haben,und hoffen, daß ein neues Abkommen doch noch abgeschlossen wird.
Wir sind mit FAO-Generaldirektor Saouma einer Meinung, daß das Fehlen
eines Abschlusses der Verhandlungen über das IWA den zwischenzeitlichen Fortschritt hin auf eine weltweite Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung
nicht entmutigen sollte. Wir glauben, daß die Zeit reif ist, um weiter auf
zwei Ziele dieser Sicherstellung zuzugehen:

den Abschluß einer neuen Konven-

tion für Nahrungsmittelhilfe und die Errichtung von Systemen zur Sicherstellung
der Nahrungsmittel Versorgung in den Entwicklungsländern.Eine neue Konvention für Nahrungsmittelhilfe (FAC) wird ein wichtiger
Schritt zur Sicherstellung einer ausreichenden Nahrungsmittelhilfe sein. Wir
unterstützen das 10-Millionen-Tonnen-Ziel für jährliche Nahrungsmittelhilfei
und haben uns zu 4,47 Millionen Tonnen Getreide als unseren jährlichen Mindestbeitrag verpflichtet. Wir empfehlen den Regierungen, die noch keinen separaten FAC-Verhandlungen zugestimmt haben, ihre Position noch einmal zu überdenken. Wir empfehlen auch all den Ländern, die sich in der Lage befinden,
e
einen sinnvollen Beitrag zur Konvention zu leisten - egal, ob in bar oder in
Waren -, dies zu tun. Die Wirksamkeit sowie die Quantität der Nahrungsmittel hilfe kann noch durch zusätzliche finanzielle und technische Hilfe weit vergrößert werden.
Nationale
- 6 -

�Nationale Systeme zur Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung in den
Entwicklungsländern können bei der Erhöhung verfügbarer Reserven helfen und
die rasche Verteilung von Nahrungsmitteln in bedürftigen Gebieten erleichtern.
Aber diese Systeme bedürfen der Hilfe beim Aufbau von Lagerungsmöglichkeiten
und beim Entwurf von Systemen zur Unterhaltung und zur Verteilung von Nahrungsmittelreserven.

Wir ermutigen die Weltbank dazu, stärkere Betonung auf Einrich-

tungen zur Nahrungsmittellagerung und auf Verteilungssysteme zu legen.

Wir

empfehlen darüber hinaus der FAO dringend, mit der Weltbank zusammenzuarbeiten,
woimmer

es bei diesem Unternehmen möglich ist.

Die Rolle der FAO angesichts der bevorstehenden Herausforderung
-

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In den über 30 Jahren ihres Bestehens kann die FAO eine hervorragende
Leistungsbilanz vorweisen. Bei der Sammlung und Verbreitung von Statistiken
über Erzeugnisse, bei der Unterstützung von Agrarinvestitionen in Entwicklungsländern und bei anderen Programmen hat die FAO uns allen einen unschätzbaren
Dienst erwiesen. Unser Lob gilt der FAO für ihre gute Arbeit und besonders
für die Unterstützung bei der weltweiten Sicherstellung von Nahrungsmitteln
durch Initiativen wie den Fünf-Punkte-Aktionsplan.
In den Augen der Vereinigten Staaten ist die FAO die wichtigste Organisation der Vereinten Nationen, die sich besonders um Angelegenheiten bemüht,
die mit der Welternährungslage und der Landwirtschaft zu tun haben. Da die
Bekämpfung von Hunger und Unterernährung das Hauptanliegen der FAO sein sollte,
empfehlen wir ihr dringend, einen größeren Anteil ihrer Mittel in die Länder
mit niedrigem Einkommen und mit Nahrungsmitteldefiziten zu leiten.
Unserem Vorschlag gemäß kann die FAO diesen Ländern dabei helfen, Strategien auf dem Nahrungsmittelsektor zu entwickeln, Interventionsprogramme für
Ernährung durchzuführen und Erfordernisse im Bereich der Nahrungsmittellagerung und -Verteilung zu beurteilen.

Wir ermutigen die FAO auch dazu, noch

aktiver die Beschäftigung auf dem Land zu unterstützen - mit besonderer Beach-

- 7 -

�Beachtung der Bedürfnisse der Ärmsten und der am meisten Benachteiligten.
Die FAO hat viele eben dieser Bereiche in ihrem Plan für mittelfristige Zielsetzungen hervorgehoben.
Die FAO kann eine schwerwiegende Informationslücke schließen, indem sie
Daten im Bereich der Agrarinvestitionen in den Entwicklungsländern sammelt
- sowohl intern als auch extern.

Als Teil der Verfolgung der Ziele der Welt-

konferenz über Agrarreform und ländliche Entwicklung (WCARRD), kann die FAO
den Fortschritt der ländlichen Entwicklung überwachen.
Es wird somit deutlich, daß die FAO eine entscheidende Rolle dabei spielen
kann, wie wir uns der Herausforderung im Bereich der Ernährung und der Landwirtschaft in den nächsten 20 Jahren
kämpfen.

stellen.

Aber wir müssen alle zusammen

Die Herausforderung ist zu gewaltig, um von einer einzigen Organi-

sation allein bewältigt zu werden.
In einer Reihe weltweiter Debatten, die gerade beginnen, werden die internationalen Entwicklungsziele für die achtziger Jahre dargelegt. Die FAO kann
die größte Wirksamkeit entfalten, wenn sie ihre Arbeit an diesen Zielen ausrichtet, zusammen mit den anderen multilateralen Organisationen, die sich mit
dem Problem der Welternährung und der Landwirtschaft befassen.
Durch ihre Programme außerhalb des normalen Budgets hat die FAO enge
Bindungen zum Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen. Sie arbeitet auch
eng mit der Weltbank zusammen, indem sie Gutachten für mögliche Investitionen
erstellt und sollte diese Zusammenarbeit auch bei Strategien im Ernährungsbereich und bei der Beurteilung von Nahrungsmittellagerung fortführen. In Verfolgung der WCARRD-Ziele wird die FAO auch mit der Einsatzgruppe der Vereinten
Nationen für ländliche Entwicklung und anderen Organisationen zusammenarbeiten
müssen. Wir erwarten auch, daß die FAO weiterhin ihre Politik und Programme
mit dem Welternährungsrat und dem Internationalen Weizen-Rat in einer gemeinsamen Anstrengung koordiniert, um die weltweite Sicherung auf dem Nahrungsmittel sektor zu verstärken.
Die

�Die Arbeit der FAO kann durch gemeinsame Aktivitäten mit bilateralen
Gremien verbessert werden.

Das gemeinsame Programm der FAO und der amerika-

nischen Hilfe für die Sahel-Länder illustriert die Segnungen gemeinsamer Anstrengungen.

Die FAO könnte auch die Entwicklung einer engeren Zusammenarbeit

mit Organisationen außerhalb des Regierungsbereichs ausloten, von denen viele
über umfangreiche Mittel und Fachwissen bei landwirtschaftlichen Entwicklungsprogrammen verfügen.

Die Rolle der Vereinigten Staaten im internationalen Ernährungssystem
Die Vereinigten Staaten haben auf die weltweiten Erfordernisse reagiert,
indem sie auf angemessene Nahrungsmittel Produktion für den kommerziellen und
konzessionellen Verkauf hinarbeiteten.

Wir haben für das Erntejahr 1980

die Programme zur Rücklage von Weizen und Futtermittel aufgehoben, um unsere
Farmer zur Ausweitung ihrer Produktion zu ermutigen.

In einer Anstrengung zum Schutz unserer Erzeuger gegen zeitweilige Unausgeglichenheiten bei Angebot und Nachfrage und zur Aufrechterhaltung von
Investitionsanreizen haben wir durch Reserven im Besitz der Farmer selbst
Stabilität in die amerikanische Landwirtschaft eingebaut.

In weniger als zwei Jahren lagerten unsere
Weizen und Futtermittel als Reserven ein.

Farmer 33 Millionen Tonnen

Als die Preise in diesem Frühjahr

und Sommer stiegen, zogen die Bauern nahezu 12,6 Millionen Tonnen dieser Reserven ab und bedienten (vom 1. Oktober an) die wachsende Nachfrage.

Indem

sie das Angebot in einer Periode der verstärkten Nachfrage ausweiteten, stabilisierten die Reserven die Welthandels- und die Inlandpreise.
Mittels dieser Reserve waren wir in der Lage, den Umfang der Nahrungsmittelproduktion auch in Perioden relativ niedriger Preise beizubehalten.
Es ist daher für die Vereinigten Staaten wesentlich, ihre Produktionskapazität
zu erhalten.

Als ein Land, das Getreide zu niedrigen Kosten produziert, haben

- 9-

�haben die Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht eine besondere Verpflichtung.
Wir stellen fest, daß unsere landwirtschaftliche Erzeugung ein wesentlicher
Faktor ist, um die Sicherstellung der Welternä'hrung zu gewährleisten.

Aber

wir erkennen auch, daß die amerikanischen Farmer ihre Produktion nur dann erhöhen, wenn ihnen nach Abzug ihrer Kosten noch ein vernünftiges Einkommen
bleibt.
Die Vereinigten Staaten sind traditionell ein Hauptlieferant bei der
Nahrungsmittelhilfe.

Gegenwärtig stellen wir nahezu zwei Drittel der globalen

Unterstützung im Nahrungsmittelbereich.

In diesem Jahr beläuft sich unser

Beitrag auf 1,4 Milliarden Dollar oder nahezu 6,5 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Erzeugnisse.

So lange es notwendig ist, werden wir versuchen,

durch bilaterale und multilaterale Programme kurzfristigen Notlagen und Hungersnöten entgegenzusteuern.
Am 14. August verabschiedeten wir neue Gesetze, um den am schwersten
betroffenen Ländern noch mehr zu helfen. Im Rahmen des Gesetzes für internationale Entwicklung und Zusammenarbeit von 1979 betont die amerikanische
bilaterale Unterstützung diejenigen Programme, die die Nahrungsmittelversorgung in den Entwicklungsländern erhöht und denjenigen Ländern die Nahrungsmittelbeschaffung erleichtert, die besonders arm und im Bereich der Ernährung
verwundbar sind.
Ein Hauptziel der Vereinigten Staaten ist es, den Entwicklungsländern
bei der Verbesserung ihrer eigenen Nahrungsmittel Produktion und -Verteilung
zu helfen.

Langfristig gesehen bedeutet Sicherung im Nahrungsmittelbereich,

daß die Entwicklungsländer ihren Pro-Kopf-Verbrauch an Nahrungsmitteln zumindest beibehalten, wenn möglich sogar erhöhen können.

Nahezu die Hälfte

unserer bilateralen wirtschaftlichen Entwicklungshilfe entfällt auf landwirtschaftliche und ländliche Entwicklung.
In den kommenden Jahren werden wir versuchen, einen noch größeren Anteil
unserer Nahrungsmittel- und Entwicklungshilfe jenen Entwicklungsländern mit
niedrigem Einkommen zufließen zu lassen, die zu erhöhter Inlandsproduktion von
- 10 -

�von Nahrungsmitteln und zu ausgeglichenerer Verteilung von Nahrungsmitteln
und landwirtschaftlichen Erzeugnissen ermutigen.
Internationale Agrarforschung könnte eine treibende Kraft zu erhöhter
Agrarproduktion sein.

Wir haben regelmäßig nahezu 25 Prozent der Mittel der

Konsultativgruppe für internationale Agrarforschung (CGIAR) beigetragen.
In unserer Eröffnungsansprache auf der 24. Vollversammlung der Vereinten Nationen kündigten wir unsere Unterstützung für eine Verdoppelung der Mittel des
internationalen Forschungssystems bis 1985 an.
Im Jahr davor schuf das amerikanische Amt für Internationale Entwicklung
(AID) auch das Unterstützungsprogramm für gemeinsame Forschung (CRSP). Mit
seiner Hilfe soll versucht werden, die Zusammenarbeit zwischen ausgewählten
amerikanischen Universitäten und Institutionen der Entwicklungsländer zu erleichtern. Derzeit laufen unter diesem Programm drei Projekte&gt;und 21 weitere
Projektbereiche wurden abgesteckt.
Im Haushaltsjahr 1978 verteilten die Vereinigten Staaten nahezu 556 Millionen Dollar ihrer bilateralen Hilfsmittel an Landwirtschaft, ländliche
wicklung und Ernährung.

Ent-

Im Haushaltsjahr 1979 brachten wir für diese Ziele

schätzungsweise 610 Millionen Dollar auf und haben für das Haushaltsjahr 1980
715 Millionen Dollar vom Kongreß angefordert.
Eine immer größer werdende Zahl von Entwicklungsländern kann inzwischen
als "Länder mit mittlerem Einkommen" bezeichnet werden. Obwohl viele dieser
Länder aus unseren bilateralen Auslandshilfsprogrammen herausgewachsen sind,
benötigen sie doch immer noch unser technisches Know-how, um ihre Nahrungsmittelproduktion und -Verteilung zu verbessern. Die Vereinigten Staaten haben
ihre technische Kooperationsprogramme beträchtlich ausgeweitet, um die Nachfrage nach fortgeschrittener Technologie zu befriedigen. Im letzten Jahr
haben wir in kooperativen Vereinbarungen mit mehr als 30 solcher Länder gemeinsame Beschlüsse hinsichtlich der Bereiche des wissenschaftlichen und technologischen Austausches gefaßt.
Zum
- 11 -

�Zum Beispiel riefen wir ein gemeinsames Programm mit unserem südlichen
Nachbarn (Mexiko) ins Leben, um die Bebauung von trockenem und halbtrockenem
Land zu verbessern.

Ebenso zielt das Programm auf die Ausweitung von Beschäf-

tigungsmöglichkeiten und Einkommenschancen in dem dortigen landlichen Gebiet.
Die Vereinigten Staaten haben aktiv daran mitgearbeitet, die Anwendung
der neuen Wissenschaft und Technologie im Bereich des Getreideanbaus in den
Entwicklungsländern zu fördern.

Es wurde ein interbehördlicher Mechanismus

geschaffen, speziell um Ländern dabei zu helfen, neue Unternehmen zur Züchtung
und Vermarktung neuer landwirtschaftlicher Produkte in tropischen und trockenen
Gebieten zu errichten.
Schließlich möchte ich betonen, daß die Vereinigten Staaten auch weiterhin Wege suchen werden, um den Handel für Nahrungsmittel und landwirtschaftliche
Produkte mit den Entwicklungsländern auszuweiten. Die Vereinigten Staaten sind
heute der größte Importeur von landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der Dritten
Welt. Im Haushaltsjahr 1978 beliefen sich die amerikanischen Einfuhren von
Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus den Entwicklungsländern auf fast 9,4 Milliarden Dollar - 500 Millionen mehr als unsere Agrarausfuhren in diese Länder. Im Haushaltsjahr 1979 stiegen unsere Rohstoffeinfuhren
aus den Entwicklungsländern auf 10,6 Milliarden Dollar. Die bei den Multilateralen Handelsverhandlungen erreichten Konzessionen sollten sogar zu noch mehr
Handel im Agrarbereich zwischen den Entwicklungsländern und den Vereinigten
Staaten und der übrigen Welt führen.

Schlußfolgerung
Die Vereinigten Staaten sind ein verantwortungsvoller Partner im Weltagrarsystem und werden es bleiben. Wir werden unseren Beistand den unterschiedlichen Ansprüchen der Länder mit geringem und mittlerem Einkommen anpassen.
Wir werden auch weiterhin das Land sein, das die höchsten Beiträge an die multilateralen Behörden zahlt, während wir zugleich unsere bilateralen Programme
auszuweiten suchen. Und wir werden unsere Politik so gestalten, daß sowohl
- 12 -

�sowohl die Versorgung mit Nahrungsmitteln als auch das technische Know-how
bereitgestellt wird, das die Welt benötigt.

Genau wie Sie erkennen wir die

Dringlichkeit der Herausforderung,vor der wir stehen:

die Bekämpfung von

Hunger und Unterernährung in den vor uns liegenden Jahrzehnten.

Wir freuen

uns auf die Zusammenarbeit mit der FAO und mit Ihnen allen bei diesem Unternehmen.

Gehen wir gemeinsam voran.

- 13 -

�I

Uüirt/choft
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

BERGSTEN RECHNET MIT STÄRKERER US-HANDELSPOSITION UND STÄRKEREM DOLLAR
- Ausführungen des US-Unterstaatssekretä'rs in Boston -

BOSTON - (AD) - Der Unterstaatssekretär für internationale Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, C. Fred Bergsten, rechnet mit
einem Abbau des Defizits der Leistungsbilanz der Vereinigten Staaten im
Jahre 1979 auf wenige Milliarden Dollar und für 1980 sogar mit einem
Überschuß. Ferner erwartet er eine weitere Stärkung des US-Dollar und
lehnt die Behauptung ab, eine "Dollarschwäche" rechtfertige eine Erhöhung
der ölpreise. Die Ausführungen des Unterstaatssekretärs vor dem World
Affairs Council (Rat für Weltpolitik) in Boston am 13. November 1979 haben
folgenden Wortlaut:
Vor etwas über einem Jahr haben die Vereinigten Staaten in augenfälliger Weise eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung des Dollar auf den
Devisenmärkten durchgeführt.

Im Laufe der letzten vier Wochen haben

wir eine Reihe weiterer Schritte vorgenommen, die diese Anstrengungen
ergänzen und verstärken.
Es ist

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es ist daher nützlich, noch einmal die Ereignisse auf dem internationalen Währungsgebiet während der letzten zwölf Monate zu betrachten,
und zwar unter dem Gesichtspunkt dreier entscheidend wichtiger Fragen:
-

Ist eine größere Stabilität der Devisenmärkte erreicht worden?

-

Hat eine grundlegende Angleichung der zugrundeliegenden Ungleichheiten stattgefunden?

-

Funktioniert das internationale Währungssystem gut genug, oder
sind weitere Verbesserungen seines Funktionierens notwendig?

Es hat in dem genannten Zeitraum sicherlich Enttäuschungen gegeben,
die unsere Bemühungen zurückgeworfen haben. Die Inflation hat sich
beschleunigt. Die ölsituation hat eine starke Auswirkung auf Preise,
Wachstum und Zahlungsbilanzungleichheiten hier und im Ausland.
Ich meine jedoch, daß auch ein erheblicher Fortschritt erzielt worden
ist, daß man diesem Fortschritt zu wenig Beachtung geschenkt hat:
-

Der Dollar ist stärker geworden und dem Durcheinander auf den
Devisenmärkten ist Einhalt geboten worden.

-

Der Prozeß der Angleichung der Zahlungsbilanzen ist fast lehrbuchmäßig abgelaufen.

-

Die Auswirkung des ölpreises und der Ölversorgungslage hat den
Blick etwas abgewendet von der erfolgreichen Anpassung der großen
Ungleichgewichte der Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik
Deutschland und Japans, die in den letzten Jahren die Hauptursachen
für die Instabilität auf den Devisenmärkten waren.
Es liegt
- 2 -

�-

Es liegt also auf der Hand, daß das Wä'hrungssystem wirksam
funktioniert, wobei wir allerdings in diesem Zeitraum auch die
Notwendigkeit für eine Weiterentwicklung erkannt - und uns in
diese Richtung in Marsch gesetzt haben.

Die Entwicklungen auf den Devisenmärkten
Es mag angebracht sein, meine Darlegungen damit zu beginnen, daß
ich an die Lage auf den Devisenmärkten im Herbst vorigen Jahres erinnere.
Obwohl die Vereinigten Staaten begonnen hatten, Fortschritte beim Abbau
ihres Rekordhandels- und Leistungsdefizits zu erzielen, wurde das Vertrauen
in unsere Fähigkeit, eine stabile Position zu erreichen, durch die
steigende Inflation und die Verzögerungen in der Verwirklichung eines
Energieprogramms untergraben. Es traten schwere und anhaltende Unruhen
auf den Devisenmärkten auf, die zu einer übertriebenen Abwertung des
Dollar führten. Im Monat Oktober fiel der Dollar scharf gegen praktisch
alle wichtigen Währungen zurück.
Dieser übertriebene Rückgang des Dollar trug unnötigerweise zur
Inflation in unserer eigenen Wirtschaft bei. Da der Dollar die Schlüsselwährung der Welt bleibt, bedrohte dieser Rückgang auch die Stabilität
des gesamten internationalen Finanzsystems. Dies wiederum bedrohte unsere
eigene Wirtschaft - weil jeder achte Arbeitsplatz in der Produktion in
unserem Lande und jeder dritte Hektar landwirtschaftlich genutzten Landes
für den Export arbeiten, und weil fast ein Dollar von drei Dollar der
amerikanischen Körperschaftsgewinne aus internationalen Tätigkeiten
(Investitionen wie Exporten) amerikanischer Firmen stammt.
Es bedurfte daher kräftiger, direkter Maßnahmen, um die psychologische
Atmosphäre zu überwinden, das Vertrauen wiederherzustellen und eine Grund-

�Grundlage für größere internationale Finanzstabilität zu schaffen.
Unsere Maßnahmen begannen im August 1978 mit einer intensivierten Anstrengung zur Kontrolle der Inflation.

Zu diesen Maßnahmen gehörte

eine Reihe von Schritten in der Währungspolitik und die Einführung von
Lohn-Preis-Richtlinien.

Die einzelnen Schritte wurden jedoch, jeder

für sich allein betrachtet, als unzureichend angesehen und verstärkten
sogar noch die negative Atmosphäre.
Am 1. November 1978 gaben die Vereinigten Staaten ein Paket von
Maßnahmen bekannt, um den Dollar im eigenen Land und im Ausland zu stärken.
Zu dem Paket gehörte eine damals als beispiellos betrachtete Erhöhung
des Diskontsatzes um ein Prozent und andere Maßnahmen für eine straffere
Währungspolitik, erhöhte Goldverkäufe zur Verbesserung der Handelsposition
und die Mobilisierung von bis zu 30 Milliarden Dollar an Devisenmitteln,
um den amerikanischen Anteil an den gemeinsamen Marktinterventionen zusammen mit der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Japan zu finanzieren und wieder stabile Verhältnisse herzustellen.
Nach einer kurzen Zeitspanne, in der man die offiziellen Absichtserklärungen testete kamen die Devisenmärkte wieder zur Ruhe und im
ersten Halbjahr ergab sich eine steigende Dollarnachfrage. Abschwächungen
und Steigerungen kehrten wieder zu normalen Werten zurück. Es setzte
ein starker Nettokapitalzufluß nach den Vereinigten Staaten ein, als die
Titel mit kürzeren Laufzeiten aufgegeben wurden.
Trotz dieser Ende 1978 ergriffenen Maßnahmen stieg unsere Inflationsrate ständig weiter an. Dies hatte zur Folge, daß am Markt wieder eine
Baissestimmung gegenüber dem Dollar aufkam. Die Kurve der Besorgnis
stieg - zwar mit Schwankungen, aber im September 1979 mit wachsender
Stärke und in die Wechselkurse kam wieder eine gewisse Bewegung» Die
Aufmerksamkeit konzentrierte sich jedoch nicht allein auf den Dollar.
Die Deutsche Mark zeigte im Europäischen Währungssystem (EWS) wachsende

- 4 -

�wachsende Stärke, was zu Spekulationen über eine Neufestsetzung der
Kurse innerhalb dieses Systems führte, was aber auch den Dollar unter
neuen Druck brachte.
Drei Faktoren halfen diese Episode zu beenden: eine Neuanpassung
der Wechselkurse innerhalb des Europäischen Währungssystems, Maßnahmen,
die die amerikanische Bundesbank am 6. Oktober ergriff und die darauffolgenden Maßnahmen des US-Finanzministeriums. Trotz der Periode, in
denen der Dollar unter Druck geriet, steht der Dollar heute erheblich
über dem Stand vom vergangenen Oktober. Gemessen im handelsgewichteten
Durchschnitt gegenüber den Währungen der anderen großen Industrieländer,
hat der Dollar einen Wertzuwachs von etwa 8 Prozent erfahren, einschließlich
eines 35prozentigen Wertzuwachses gegenüber dem japanischen Yen und
einer dreiprozentigen Steigerung gegenüber der Deutschen Mark.
Der Dollar ist auch um etwa 8-12 Prozent höherbewertet im Vergleich
zu den Hauptwährungen, die zur Bezahlung der Importe für die OPEC benötigt
werden. (Die genaue Zahl hängt von der dabei angewandten Durchschnittsbewertung ab). Entgegen dem weitverbreiteten Eindruck, daß sich der
Dollar seit Jahresmitte wesentlich abgeschwächt habe, hat er sich seit
der OPEC-Konferenz im Juni um zwei Prozent gegenüber dem Durchschnitt
der anderen Hauptwährungen verstärkt. Dieser Punkt ist außerordentlich
wichtig, weil der "schwächere Dollar" manchmal als Rechtfertigung für
erhöhte öl preise angeführt wird. Die Realität steht dazu im Gegensatz.
Die erneute Stärke des Dollar hat eine Reihe von Ursachen. Ganz
eindeutig haben die Maßnahmen vom 1. November 1978 und unsere darauffolgenden Aktionen eindrucksvoll unter Beweis gestellt, daß wir entschlossen
sind, mit den Unruhen an den Devisenmärkten fertigzuwerden. Wir werden
weiterhin aktiv in den ausländischen Devisenmarkt eingreifen, wenn die
Bedingungen dies erfordern und es stehen uns hierzu ausreichende Hilfsmittel zur Verfügung. In diesem Zusammenhang hat das Finanzministerium

- 5 -

�Finanzministerium kürzlich auf Deutsche Mark lautende Wertpapiere im
Gegenwert von 1,1 Milliarden Dollar ausgegeben und

plant ein weiteres

Angebot bis zur Höhe von 2 Milliarden Deutsche Mark im Januar.
Wir haben außerdem beim Verkauf von Gold ein flexibleres Programm
aufgestellt, das mit dazu beitragen soll, die spekulativen Turbulenzen
am Goldmarkt zu verhindern, weil durch sie eine Instabilität auf anderen
Warenmärkten und den Devisenmärkten verursacht wurde.

In Zukunft werden

die amerikanischen Goldverkäufe den verschiedensten Änderungen in bezug
auf Menge und Zeitpunkt des Angebots unterliegen und dadurch die Unsicherheiten und die Risiken, die mit der Goldspekulation verbunden sind,
erhöhen.

Diesem neuen Programm entsprechend wurden am 1. November 1,25

Milliarden Unzen Gold verkauft.

Der Anpassungsprozeß
Interventionen am Devisenmarkt und andere Bemühungen der direkten
Einwirkung auf die Marktkräfte können natürlich nur dann von Erfolg sein,
wenn sie eine solide Grundlage haben. So konnten wir im November 1978
einen kühnen Schritt tun, weil wir zuversichtlich waren, daß die Grundtendenzen in der richtigen Richtung liefen - und im Rückblick zeigt
sich, daß wir recht hatten, insofern sich die amerikanische Außenposition
bereits nach dem ersten Quartal dieses Jahres merklich zu bessern begonnen
hatte.
In der Tat ist inzwischen eine erhebliche Verbesserung in der
Bilanz der laufenden Posten der Vereinigten Staaten zu verzeichnen. Im
vergangenen November hatten wir eine Halbierung des Defizits von 14
Milliarden Dollar im Jahre 1978 auf 6-8 Milliarden Dollar im Jahre 1979
in Aussicht genommen, unter der Voraussetzung keines weiteren Dlpreis-

- 6 -

�öl Preisanstiegs.

Nun sind aber die ölpreise um mehr als 60 Prozent ge-

stiegen - eine Entwicklung, mit der niemand rechnete und die unsere
ölrechnung für 1979 um rund 16 Milliarden Dollar erhöht hat.
Trotzdem betrug das Defizit unseres laufenden Kontos während der
ersten Hälfte dieses Jahres nur 1 Milliarde Dollar. Man rechnet für
das gesamte Jahr mit einem Defizit von höchstens einigen Milliarden Dollar
Für 1980 rechnen wir damit, daß die Vereinigten Staaten einen ganz
erheblichen Überschuß ihres laufenden Kontos verzeichnen können, immer
vorausgesetzt, daß die ölpreise nicht mehr als die Preise für andere
Güter steigen. Ja, wir erwarten, daß die Vereinigten Staaten bei weitem
den höchsten Überschuß in ihrem laufenden Konto außerhalb der OPECStaaten haben werden.
Die Verbesserung der amerikanischen Leistungsbilanz ist auf zwei
entscheidende Entwicklungen zurückzuführen.

Erstens:

unser Handels-

defizit in den ersten drei Quartalen des Jahres 1979 liegt mit einer
Jahresrate von 6 Milliarden Dollar unter dem 34 Milliarden-Dollar-Defizit
im Jahre 1978 - trotz des Anstiegs um 16 Milliarden Dollar bei den ölimporten.

Unsere Handelsbilanz ohne das öl hat sich im Verlauf der

letzten sechs Quartale um die gewaltige Jahresrate von 44 Milliarden
Dollar verbessert.
Bis Ende September dieses Jahres wird das Volumen der nicht-landwirtschaftlichen Exporte um schätzungsweise 20 Prozent höher sein als
im gleichen Zeitraum des Jahres 1978. Gleichzeitig erhöhte sich das
Volumen der Nichtöl-Einfuhren um nur zwei Prozent.

Da der Umfang des

Welthandels insgesamt um fünf bis sechs Prozent angewachsen ist, wird
offenkundig, daß sowohl unsere e&lt;port- als auch importorientierten
Industrien große Fortschritte hinsichtlich ihres Marktanteils gemacht
haben.

Die sich hinziehenden Auswirkungen wettbewerbsmäßiger Gewinne

aus früheren Wechselkursänderungen sowoie die Verlagerungen bei den

- 7 -

�den relativen Wachstumsraten haben zu dieser wesentlichen Verbesserung
der Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten geführt.

Im Jahre J.980

werden diese Faktoren zu einer anhaltenden Verbesserung unserer Gesamthandelsbilanz beitragen, obwohl die Kosten für unsere ölimporte um
weitere 10 Milliarden Dollar in etwa ansteigen werden - sogar auf der
Basis der gegenwärtigen Preise.
Zweitens:
transaktionen

der Überschuß der Vereinigten Staaten an Dienstleistungswächst ebenfalls schnell an.

Er liegt gegenwärtig um

sieben Milliarden Dollar über dem Überschuß von 20 Milliarden Dollar,
der im Jahre 1978 erzielt wurde.

Die Einkünfte aus den amerikanischen

Direktinvestitionen im Ausland waren besonders hoch, was die verbesserten
Ertragschancen aus Auslandstätigkeiten in dem Maße reflektiert, wie das
Wachstum im Ausland zunahm und was auf die Auswirkungen vergangener
Wechselkursbewegungen zurückzuführen ist.

Im Jahre 1980 sollten weitere

Fortschritte auf diesem Gebiet zu einem sogar noch größeren Dienstleistungsüberschuß führen.
Hierbei ist zu beachten, daß die Vereinigten Staaten bei der derzeitigen Höhe unseres Dienstleistungsüberschusses ein Warenhandelsdefizit
von fast 30 Milliarden Dollar hinnehmen können und dabei immer noch
einen Überschuß in ihrem laufenden Konto ausweisen würden - der beste
Einzelindikator für die internationale wirtschaftliche Position eines
Landes. Die Struktur unseres laufenden Kontos ist somit sehr verschieden
von der Japans und der Bundesrepublik Deutschland, die beide ein beträchtliches Dienstleistungsdefizit ausweisen und daher einen beträchtlichen
Überschuß im Warenhandel erzielen müssen, um ihre Gesamtbilanz auszugleichen.
Neben der Verbesserung der amerikanischen Position erleben wir auch
eine sehr bemerkenswerte Anpassung in den Positionen der anderen großen
Industrieländer. Insbesondere hat die Position Japans eine dramatische

�dramatische Wendung erfahren.

Für 1979 wird mit einem beträchtlichen

japanischen Defizit gerechnet - möglicherweise in der Größenordnung von
7-8 Milliarden Dollar, im Gegensatz zu dem im Jahre 1978 erzielten
Überschuß von 16,5 Milliarden Dollar.

Das bedeutet einen Umschwung

in der japanischen Position um 20-25 Milliarden Dollar in nur einem
Jahr.

Außerdem aber dürfte Japan auch 1980 weiterhin im Defizit ver-

bleiben.

Der Überschuß der Bundesrepublik - der sich im Jahre 1978 auf

runde 9 Milliarden Dollar belief - ist in diesem Jahr nahezu aufgehoben
und ein geringes Defizit ist für das nächste Jahr wahrscheinlich.
Diese Entwicklungen zeigen klar und deutlich, daß der internationale
Anpassungsprozeß wirkt. Sicherlich gibt es - wie wir immer gewußt haben eine beträchtliche Verzögerung zwischen den Veränderungen in relativen
Preisen und Wachstumsraten auf der einen Seite und den Handelsflüssen
auf der anderen Seite. Jedoch sind die Ergebnisse jetzt für alle klar
ersichtlich - so wie sie es übrigens nach den Wechselkursanpassungen
Anfang der siebziger Jahre waren.
Diese Anpassungen werden so etwa im Verlauf des nächsten Jahres ein
System von Zahlungsbilanzen zwischen den großen Industriestaaten
entstehen lassen, das ein entscheidender Faktor für eine größere Stabilisierung des Devisenmarktes sein wird.
Gleichzeitig aber ist offenkundig, daß selbst ausgewogene Positionen
im laufenden Konto nicht genügen, um die Devisenmärkte zu stabilisieren,
sofern nicht ein vernünftiges Maß von Vertrauen in die Angemessenheit der
Wirtschaftspolitiken der großen Länder besteht und speziell in die Entschlossenheit der verantwortlichen Stellen in den Vereinigten Staaten,
nicht nachzugeben, bis die Inflation unter Kontrolle gebracht ist.
Preise für Lebensmittel und Energie haben zeitweilig die Kurve
der amerikanischen Preisindizes in den Bereich zweistelliger Zahlen

- 9 -

�Zahlen getrieben.

In den kommenden Monaten wird dieser Druck nachlassen,

wenn die Lebensmittelpreise in der Folge guter Ernten nachgeben und die
Maßnahmen der OPEC von der Wirtschaft voll verkraftet sind - immer vorausgesetzt allerdings, daß es nicht einen neuen Anstieg der ölpreise gibt.
Aber die bestehende Inflationsrate ist immer noch viel zu hoch und
muß unter Kontrolle gebracht werden.

Die Bandbreite von Maßnahmen der

amerikanischen Politik ist auf dieses Ziel gerichtet.

Die jüngsten Maßnahmen

der amerikanischen Bundesbank zur Drosselung eines vermehrten Geldumlaufs
sind eine starke Medizin und werden beibehalten.

Eine disziplinierte

Finanzpolitik wird die von der Bundesbank unternommenen Anstrengungen
ergänzen.

So sind in den letzten beiden Jahren bereits mehr als 30

Milliarden Dollar von dem Hochbeschä'ftigungs-Budget für Spar- und Einschränkungsprojekte übergegangen.

Die zwischen Administration und Gewerk-

schaften erzielte nationale Übereinkunft schaffte eine Basis für ein
wirksameres Programm der Lohn-Prefs-Mäßigung auf dem privaten Sektor.
Doch hat sich die Inflation tief in unsere Wirtschaftsstruktur eingefressen
und es wird eine längere Zeitspanne äußerster Einschränkung notwendig
sein, um sie auszurotten.

Die Entwicklung des internationalen Währungssystems
Die Wirtschaftsprobleme der letzten zehn Jahre haben den Vereinigten
Staaten die Interdependenz der Volkswirtschaften eindringlich und klar
vor Augen geführt. Unsere Fähigkeit, allein und unabhängig mit diesen
Problemen fertigzuwerden, ist weit eingeschränkter als viele wahrhaben
wollen. Unsere tatsächliche wirtschaftliche Souveränität ist weitaus
geringer als unsere Souveränität, die wir dem Namen nach haben. Der
Erfolg unserer Anstrengungen, die Inflation unter Kontrolle zu bringen,
zufriedenstellendes Wachstum zu erzielen und einen starken und stabilen

- 10 -

�stabilen Dollar zu erhalten, wird durch die Handlungsweisen anderer in
entscheidendem Maße beeinflußt.
Die wirtschaftlichen Realitäten der Interdependenz haben jedoch die
institutionellen Mechanismen zu ihrer Bewältigung weit hinter sich gelassen. Trotz des oben erwähnten Fortschrittes bei der Angleichung
nationaler Zahlungsbilanzpositionen sind wir uns alle nur allzu deutlich
der sich wiederholenden Ausbrüche von Instabilität im Währungssystem und
der häufigen Verzögerungen beim Ergreifen wirkungsvoller Anpassungsmaßnahmen bewußt. Wir befinden uns noch immer in den Anfängen eines
Systems der flexiblen Wechselkurse und benötigen weitere Verbesserungen
seiner Funktionstüchtigkeit. Auf der Tagesordnung der achtziger Jahre
muß die Entwicklung eines Rahmens stehen, der sicherstellt, daß die internationalen Dimensionen der Wirtschaftspolitiken sich angemessen in den
nationalen politischen Entscheidungen widerspiegeln.
Die Übereinkünfte des Internationalen Währungsfonds (IWF) stellen
einen nützlichen Ausgangspunkt in den kritischen Bereichen der mulitlateralen
Behandlung der Weltwirtschaft und der internationalen Geldliquidität dar.
Während die neuen Klauseln den Mitgliedern genug Raum bei der Wahl der
Wechselkursarrangements geben, erlegen sie doch die Verpflichtung auf,
wirtschaftliche Stabilität zu fördern und unfaire Wettbewerbspraktiken
bei den Wechselkursen zu vermeiden - was in einer Welt mit hoher Inflation
Anstrengungen einschließen kann, die Wechselkursraten künstlich hoch zu
halten, im gleichen Maß, wie eine Welt, die von übermäßigen Arbeitslosenraten in Anspruch genommen worden war, vor den regelmäßigen nationalen
Anstrengungen stand, die Wechselkurse künstlich niedrig zu halten.
Der IWF wurde mit erweiterter Verantwortung ausgestattet, um die
Funktionen des Systems zu überwachen und um sicherzustellen, daß die
Mitglieder diese Verpflichtungen erfüllen.

Im Bereich der Überwachung

hat der Fonds Prinzipien zur Unterrichtung von Mitgliedern bei der Durch-

- 11 -

�Durchführung ihrer Wechselkurspolitik entwickelt, sowie Verfahren und
Kriterien zur Beurteilung der Politik von Mitgliedern.

Die Richtlinien

und die Verfahren des IWF stellen fest, daß die Überwachung die ganze
Bandbreite der wirtschaftspolitischen Maßnahmen einschließen muß, die
die Zahlungsbilanzen sowie die Wechselkurspraktiken selbst berühren.
Die Überwachungsrolle stellt potentiell eine wesentliche Stärkung
der Möglichkeit des IWF dar, eine gesunde Weltwirtschaft zu fördern.

Denn

in der Vergangenheit beschränkte sich die Möglichkeit des Fonds, Mitglieder
zu beraten und zu einer angemessenen Politik zu ermutigen, hauptsächlich
auf Fälle, bei denen ernste Zahlungsbilanzprobleme Länder dazu nötigten,
sich vom Fonds Kredite geben zu lassen.

Die neuen Bestimmungen erweitern

die Vollmachten des Fonds und finden Anwendung auf Länder, die ihre Mittel
nicht nützen, einschließlich solcher, die eine positive Bilanz aufweisen
oder anderweitige Finanzierungsquellen erschlossen haben.

Diese ausge-

wogenere Betrachtung dürfte die Wirksamkeit des IWF erhöhen.
Verständlicherweise ist der IWF bei der Ausübung dieser Befugnis
sehr zurückhaltend, aber die Zeit ist für ihn gekommen, eine aktivere
Rolle zu spielen. Folglich haben die Vereinigten Staaten mehrere Schritte
vorgeschlagen, um die IWF-Überwachung zu stärken. Dazu gehören Maßnahmen
zur Bewertung der Leistungen eines bestimmten Landes im Vergleich zu
vereinbarten weltweiten Normen; die Aufforderung an Länder mit großen
Überschüssen oder Defiziten in ihrer Bilanz, dem IWF zur Kontrolle eine
Analyse vorzulegen, welche Vorschläge sie zur Überwindung dieser Bilanzunstimmigkeiten machen; eine aktivere Rolle für den Geschäftsführenden
Direktor des IWF bei der Herbeiführung von Konsultationen zwischen den
Mitgliedern; und die Errichtung eines Gouverneursrates mit Entscheidungsbefugnis, der den Beratenden Interimsausschuß ersetzt. Diese Schritte
könnten ein wichtiger Beginn bei der Entwicklung einer wirkungsvollen
Rolle des IWF sein, den Angleichungsprozeß der Zahlungsbilanzen zu
steuern.
Hand

�Hand in Hand mit der größeren Interdependenz zwischen den Ländern
ging ein größeres Gleichgewicht hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung.
Während der Dollar die zentrale Währung für internationale Reserven und
Liquidität bleibt, zeigen auch andere Währungen eine gesteigerte Kapazität
für eine internationale Rolle.

Die Entwicklung eines Mehrwährungssystems

würde jedoch ein unerwünschtes Langzeitpotential für Instabilität und
Zerrissenheit beinhalten, da dann die Möglichkeiten, von einer Währung
auf eine andere überzugehen, noch größer wären als heute.

Folglich besteht

erhöhtes Interesse an multilateralen Anstrengungen zur Regulierung der
weltweiten Liquitität.

Das Interesse konzentriert sich auf Anstrengungen zur Stärkung der
Rolle der Sonderziehungsrechte (SDR).

Die Sonderziehungsrechte wurden

1969 geschaffen als zusätzliche Liquiditätsquel1e, die sich nicht auf
Gold oder Zahlungsbilanzdefizite des Landes der Reservewährung stützte.
Die Unsicherheit der siebziger Jahre mit der raschen Ausdehnung einer
währungsgestützten Liquitität verzögerten die umfassende Entwicklung der
SDR.

Dennoch setzen die neuen IWF-Bestimmungen das Ziel fest, die SDR

zum wichtigsten Reserveinstrument im Währungssystem zu machen.

Zur Förderung der SDR wurde eine Reihe bedeutender Schritte unternommen.

Sie haben Gold als die zentrale Werteinheit des IWF ersetzt,

dienen als Maßeinheit für das System, als Rechnungseinheit und als Mittel
vieler IWF-Abschlüsse.

Zuteilungen der Sonderziehungsrechte wurden wieder

aufgenommen, wobei SDR im Umfang von 4 Milliarden jährlich im Zeitraum
von 1979-81 verteilt wurden.

Die Zinssätze der SDR wurden mit den Zins-

sätzen des Marktes stärker in Übereinstimmung gebracht, und die Anzahl
der Abschlüsse, bei denen SDR benutzt werden können, wurde erhöht, wodurch
die Möglichkeit der SDR verbessert wurde, mit anderen Reservewerten zu
konkurrieren.

Der IWF erwägt derzeit die Errichtung eines Substitutionskontos, bei

- 13 -

�bei dem Dollar und möglicherweise andere Währungen gegen auf SDR denominierte
Werte getauscht werden können.

Der Interimsausschuß folgerte auf seinem

jüngsten Treffen in Belgrad, daß ein korrekt entworfenes Konto zur Verbesserung des Systems und zur Förderung der Rolle der SDR beitragen könnte
und beauftragte den Exekutivrat des Fonds für nächsten April mit einem
weiteren Bericht.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die Entwicklung eines
Substitutionskontos der internationalen Gemeinschaft insgesamt eine
Reihe von Vorzügen bietet.

Die SDR sind ein abwechslungsreiches Instrument,

das seiner Natur nach weniger Wechselrisiken beinhaltet als Anteile einer
einzelnen Währung.

Ein Substitutionskonto könnte ein international

anerkanntes, rißfestes Mittel für Länder sein, die gewünschte Zusammensetzung ihres Währungsbestands zu erzielen, ohne eine Reihe von Landeswährungen halten zu müssen.
wichtigen Schritt

Die Errichtung eines Kontos würde einen

zum klügeren Gebrauch der SDR darstellen und

zu ihrer

langfristigen Entwicklung als den wichtigsten Reservewert.
Es gibt jedoch viele schwierige Fraben bei der Errichtung eines
solchen Kontos und bei der Aufteilung der mit seinem Unterhalt verbundenen
Kosten. Zum Beispiel müssen Fragen beantwortet werden, die den Zinssatz
und die durch dieses Konto herausgegebene Liquidität seiner Werte angehen,
die Investition von Dollareinlagen, den Betrag und Verwendung von Zinsgewinnen sowie Maßnahmen, um die Kapital struktur des Kontos aufrechtzuerhalten. Dies sind überaus komplexe Themen und wir können nicht sicher
sein, ob und wann befriedigende Antworten gefunden werden. Dennoch
erachten die Vereinigten Staaten diese Anstrengung als lohnend und nehmen
auf kooperative, konstruktive Weise daran teil.

- 14 -

�Schlußfolgerung
Ich ziehe die folgenden Schlüsse aus der Bewertung der internationalen
Währungsentwicklungen des letzten Jahres und der gegenwärtigen Situation:
-

Erstens:

Eine Hauptquelle des Drucks und der Instabilität auf

den Devisenmärkten der letzten Jahre - das große amerikanische
Defizit und die großen deutschen und japanischen Überschüsse ist verschwunden. Die Struktur der Zahlungsbilanzen der wichtigsten
Staaten gibt eine gesunde Grundlage für die Stabilität der Devisenmärkte ab.
-

Zweitens: Diese Veränderungen zeigen, daß der internationale
Anpassungsprozeß funktioniert. Um das Funktionieren dieses
Prozesses noch zu verbessern, ist es jedoch wesentlich, Korrekturmaßnahmen frühzeitig zu ergreifen, bevor die Probleme sich von
selbst verschärfen und tiefgreifende Schritte erfordern. Der
IWF könnte in dieser Hinsicht eine viel größere Rolle spielen.

-

Drittens: Wir sollten nicht überrascht und auch nicht beunruhigt
sein, wenn die relative Rolle des Dollar im internationalen
Finanzgeschäft im Lauf der Zeit eine Tendenz zur Verkleinerung
aufweisen wird.

Anstelle eines Mehrwährungssystems von ziemlicher

Instabilität könnten wir Zeuge eines allmählichen Auftauchens
der Sonderziehungsrechte als wesentlicher Faktor der internationalen
Geldwirtschaft werden.
Schließlich ist klar, daß alle Lösungen unserer gegenwärtigen Probleme
internationale Antworten benötigen.

Der Mechanismus für kooperatives

Handeln muß verstärkt werden, um eine wirksame weltweite Behandlung des
Anpassungsprozesses bei den Zahlungsbilanzen und die Bestimmung internationaler Liquidität zu ermöglichen.

Wir leben in einer Welt gegenseitiger

- 15 -

�gegenseitiger Abhängigkeit und unsere Politiken und Institutionen müssen
sich auf diese Tatsache gründen.

+ + + + +

•

16

�an
I

Im
CO

31

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

COMPUTER ALS VERBÜNDETER BEI DER SCHÄDLINGSBEKÄMPFUNG
Simulationsmodelle sollen Bedeutung von Einzelfaktoren klären helfen

- (AD) - Die Gewohnheiten und Lebenszyklen von Pflanzenschädlingen
untersuchen Wissenschaftler vom Institut für Tropenlandwirtschaft der Universität Florida in Gainesville unter Verwendung von Computermodellen.
grund der in Florida gewonnenen

Auf-

Erfahrungen will man Bauern in Entwicklungs-

ländern, insbesondere in tropischen und subtropischen Regionen, sowie landwirtschaftlichen Kleinbetrieben in den Vereinigten Staaten und Europa in Gebieten mit Vielfruchtanbau helfen, Schädlingsprobleme besser zu meistern.
Die Entomologen Dr. Carl Barfield und Dr. Jerry Stimac, dazu der Biologe Dr. Philip Koehler, wählten zwei einheimische Schädlinge für den Aufbau
von Datenmodellen aus:

Den Heerwurm (Raupe der Baumwollmotte) und eine vor

allem auf Leguminosen, Sojabohnen und Erdnüsse "spezialisierte" Raupenart.
Im Südosten der Vereinigten Staaten befallen sie gerne Feldkulturen bis hin
zum Mais.

Den Farmern machemsiie die wirksame Bekämpfung sehr schwer.

Denn

sie haben eine hohe Mobilität und sind bei ihrer Nahrungssuche keineswegs wählerisch.

An wild wachsenden Pflanzen wie Nutzpflanzen richten sie oft ver-

heerende Schäden an.
Für

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel. 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Für die Wissenschaft ist es von großer Bedeutung, mehr und Genaueres
über Entwicklung, Mobilität, Vermehrung und Nahrungsbedarf dieser Schädlinge
herauszufinden.

Nach Dr. Barfield könnten sie aus besonders warmen Gegenden

in Florida, aber auch aus Kuba und Inseln südlich von Kuba, ja sogar aus Südamerika, der Halbinsel Yukatan oder aus Mexiko kommen.

Man habe gelegentlich

beobachtet, daß sie mit Tiefruckgebieten ziehen und auf diese Weise weit in
den Norden, gelegentlich bis nach Kanada gelangen.
Erst wenn die Brutstätten genau bekannt sind, ist eine enge Zusammenarbeit
mit Wissenschaftlern und Behörden der betreffenden Regionen zur gezielten Bekämpfung der Schädlinge möglich.

Wie die Mitarbeiter des Instituts von

Gainesville erklärten, sei auch die bessere Kenntnis ökologischer Zusammenhänge
sehr wichtig.

Man müsse z.B. ihre natürlichen Feinde (Vögel, Insekten) kennen

und wissen, von welchen Krankheiten sie befallen werden können und ob bzw. welche Witterungsbedingungen ihre Entwicklung und ihr Verhalten beeinflussen.
Für einen Teil der vielen offenen Fragen versucht man in den ökokammern des
Schädlingsforschungsinstituts von Gainesville eine Antwort zu finden.

Dort

werden die Insekten unter ganz konstanten klimatischen Bedingungen gehalten und
sehr genau beobachtet.

Dabei zeigte sich z.B., daß ihre Eiablage sehr viel

größer ist, wenn sich die Futterpflanze in einem ganz bestimmten Reifestadium
befindet.

Vor und nach diesem Zeitpunkt sind sie weniger produktiv.

Diese

Beobachtung gab den Wissenschaftlern erste Hinweise auf Faktoren, die für den
Ausbruch regelrechter Epidemien eine Rolle spielen.
In der Anfangsphase des Programms kombiniert man noch herkömmliche mit
neuen Forschungsmethoden: Studenten suchen mit Farmern und deren Helfern die
Felder ab, um den Grad des Schädlingsbefalls zu ermitteln und dabei auch mögliche andere Krankheitsfaktoren bei den Kulturen zu erkennen. Die Ergebnisse
der Feldbegehung werden für das Computerzentrum des Instituts zusammengefaßt.
Vorläufiges Ziel ist es, daß schon eine Stunde nach der Feldbegehung die Datenverarbeitung abgeschlossen ist und die Ausarbeitung in der Form von Tabellen
und Diagrammen über den Schädlingsbefall vorliegt. Ältere Unterlagen von der
Datenbank des Instituts über Befunde früherer Feldbegehungen werden eingeblendet, um die Tendenz deutlicher zu machen und so den Farmern zu helfen, das in
- 2 -

�in der betreffenden Wachstumsphase wirksamste Pestizid in der optimalen Dosierung anzuwenden.
Auf der Basis des gesamten Datenmaterials möchte Dr. Stimac, der sich auch
eingehend mit Systemanalysen befaßt, schließlich Simulationsmodelle entwickeln,
bei denen u.a. Wetterverhältnisse, Bearbeitungs- und Anbauverfahren, Art des
verwendeten Düngers, Bodenbeschaffenheit, Kosten und viele andere Faktoren berücksichtigt sind. Auch die möglichen Auswirkungen verschiedenartigen Vorgehens
unter den jeweiligen Bedingungen und die Absatzmöglichkeiten für den einzelnen
Farmer sollen durchgespielt werden. Angesichts dieser gründlichen Vorarbeit
werden die Farmer, so hoffen die Wissenschaftler, darauf verzichten, bei der
Schädlingsbekämpfung nach eigenem Gutdünken zu handeln und vielleicht nicht mehr
korrigierbare Fehler zu machen.
Die Forscher beabsichtigen nicht, eine Computertechnik zu entwickeln, die
dem Landwirt alle Entscheidungen abnimmt.

Vielmehr soll ihm der Computer Ent-

scheidungshilfen an die Hand geben und so gute und umfassende Informationen liefern, daß er die bestmögliche Entscheidung treffen kann.

- 3 -

�31

M.

3

rji

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. November 1979

45

TOPFGUCKER IN DER ERZKÜCHE VON MUTTER ERDE
- Forschungs-U-Boot ALVIN sondiert heiße Quellen im Ostpazifik -

- (AD) - Mit dem bewährten amerikanischen Klein-Unterseeboot ALVIN begann unter der Leitung von Dr. John M. Edmond vom Massachusetts Institute of
Technology (MIT) in Boston am 2. November 1979 eine neue Serie von Tauchexperimenten. Sie dienen der Erforschung einer Region mit extrem heißen Quellen
am Grund des Ostpazifik in einem Gebiet, das zum sog. Ostpazifischen Rücken
gehört. Dieser ist ein hauptsächlich unterseeisch verlaufender Gebirgszug,
aus dem nur wenige Inselgruppen, z.B. die Oster- und Galapagos-Inseln, über
die Wasseroberfläche ragen. Es erstreckt sich vom Raum südöstlich von Neuseeland quer durch den östlichen Pazifik bis nach Niederkalifornien.
Im gegenwärtigen Forschungsbereich nahe dem Golf von Kalifornien waren
bei vorangegangenen Untersuchungen erstmals Vorgänge und Bedingungen beobachtet worden, die mit der Entstehung und Anreicherung von Erzen in direktem Zusammenhang stehen. Langfristiges Ziel des Projekts ist es, ein Geheimnis lüften
zu helfen, das die Wissenschaft seit vielen Jahren beschäftigt - die Frage nämlich, wie Mineral vorkommen am Boden der Tiefsee zu den Gebirgen verfrachtet
werden, die den Pazifik umgeben.
Schon

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Schon seit langem wird vermutet, daß gewisse Zusammenhänge zwischen
Schollenbewegungen der Erdkruste und der Existenz wertvoller Erzlager auf dem
Festland bestehen.

Durch Aufquellprozesse von Material aus dem Erdmantel an

den unterseeischen "Nahtstellen" von zwei Schollen, wo die Erdkruste unter
Umständen sehr dünn sein kann, dringen Minerale in oberflächennahen Meeresboden ein.

Dort machen sie, wenn Druck- und Temperaturverhältnisse günstig

sind, Umsetzungen durch, die der Bildung und Anreicherung von Erzen bestimmter
Gruppen von Wertmetallen wie Kupfer, Nickel, Eisen und Silber zugute kommen.
Die unterseeischen Erzanreicherungen im Ostpazifischen Rücken haben große
Ähnlichkeit mit den Kupfervorkommen auf Zypern, die seit Jahrtausenden abgebaut werden.

Ihre Beschaffenheit und ihr Reichtum führten bereits zu Spekula-

tionen, daß diese Erze einst im Meeresboden in einem Gebiet entstanden sein
könnten, wo Schollen der Erdkruste auseinanderdrifteten.
entlang des Ostpazifischen Rückens der Fall.

Genau das ist derzeit

Die "Ausbreitung" des Meeres-

bodens, d.h. die von der Riftzone nach beiden Seiten fort gerichtete Dehnung
("Seafloor Spreading"), beträgt hier ca. 10 cm pro Jahr.

Nach geologischen

Maßstäben ist das eine ungewöhnlich hohe Geschwindigkeit.
Das Anfang November angelaufene Forschungsprojekt, das im Februar 1980
beendet werden soll, bezeichnet Dr. Edmond als "das Aufregendste, was in der
geologischen Forschung zur Zeit im Gange ist". Das Unternehmen wird von der
Nationalen Wissenschaftsstiftung der NASA (National Science Foundation - NSF)
finanziert. Auf amerikanischer Seite sind Wissenschaftler vom MIT, von der
Universität Kalifornien in San Diego und Santa Barbara, vom Lamont-DohertyInstitut für Geologie (Columbia-Universität, New York) und vom Meeresforschungsinstitut Woods Hole (Massachusetts) beteiligt. Eine mexikanische Forschergruppe ist mit von der Partie. Mit dem 7,6 m langen Forschungs-U-Boot ALVIN
geht der Schiffsführer mit jeweils zwei Wissenschaftlern an Bord auf Tiefen
von nahezu 2500 m in einem Wasserbereich, wo Temperaturen um 370 Grad Celsius
und mehr auftreten.
Wegen

- 2 -

�Wegen dieser hohen Temperaturen mußten neuartige Instrumente zur Entnahme von Wasserproben und für Temperaturmessungen entwickelt werden.
die Geräte, die bei der vorangegangenen

Denn

Expedition im Mai 1979 verwendet

wurden, hielten dem heißen Wasser nicht stand.

Manche begannen sogar zu

schmelzen.
Mutterschiff von ALVIN ist LULU, ein 30 m langer Katamaran mit Heimathafen Woods Hole. Die einzelnen Operationen im Mündungsbereichs des Golfes
von Kalifornien erfolgen jeweils von der mexikanischen Hafenstand Mazatlan
aus.
Wie Dr. Edmond erklärt, sei das Projekt geeignet, zum besseren Verständnis von Prozessen beizutragen, die zur Anreicherung von Mineralien mit der
Bildung von Erzschlamm und schließlich auch zur Verfrachtung solcher Erzanreicherungszonen führen. "Je mehr wir darüber wissen, desto besser werden
wir die kostbaren Rohstoffquellen sowohl an Land als auch unter Wasser nutzen
können", meint der Wissenschaftler. Wegen der großen technischen Probleme
sei es allerdings sehr unwahrscheinlich, daß unterseeische Mineral vorkommen
dieser Art schon in absehbarer Zeit kommerziell abbaufähig würden.

- 3 -

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. Dezember 1979

46

INHALT

INFORMATION
UN-Sicherheitsrat fordert einstimmig Freilassung der Geiseln
- Wortlaut der Resolution vom 4. Dezember 1979 -

DOKUMENTATION
USA bringen Geiselfan vor den Internationalen Gerichtshof
- Wortlaut des Antrags auf einstweilige Maßnahmen Schreiben des US-Außenministers an den Internationalen Gerichtshof
- 29. November 1979 -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Finanzminister Miller berichtet Über Nahostreise und iranische Guthaben
- Pressekonferenz in London am 29. November 1979 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Immunreaktion mit Feinabstimmung
- Verbesserungen für Diagnose und Therapie möglich

Um Übcr/cncJung von
BcIcgcKcmplofcn wird
gebeten

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�Information

i 3

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Embassy of the United States of America

5. Dezember 1979

46

UN-SICHERHEITSRAT FORDERT EINSTIMMIG FREILASSUNG DER GEISELN
- Wortlaut der Resolution vom 4. Dezember 1979 -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am 4. Dezember 1979 in einer mit 15 gegen null Stimmen einstimmig
gefaßten Resolution die Regierung des Iran aufgefordert, die widerrechtlich in
der amerikanischen Botschaft in Teheran festgehaltenen Geiseln freizulassen
und ihnen Schutz für die Ausreise zu gewähren.
Der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Botschafter
Donald McHenry, hat die Entscheidung des Sicherheitsrates begrüßt. "Wir
hoffen, daß der Aufruf des Sicherheitsrates Folge geleistet und er innerhalb
von Stunden von der Regierung des Iran durchgeführt werden wird," so erklärte
McHenry.

Die USA seien zutiefst dankbar für die Resolution, die zeige, daß

die Familie der Nationen in ihrer Forderung nach sofortiger Freilassung der
Geiseln mit einer Stimme spreche.
In Regierungskreisen in Washington verlautete am 4. Dezember, daß amerikanische Geiseln mit der Erschießung bedroht worden seien, wenn sie nicht mit den
militanten Moslem-Studenten in Teheran zusammenarbeiten wollten. Einzelheiten
wurden nicht genannt.
Die

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�Die vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedete Resolution
hat folgenden Wortlaut:
Nach Erörterung des Schreibens des Generalsekretärs vom 25. November 1979
(S/13646),
in tiefer Besorgnis über den gefährlichen Stand der Spannung zwischen dem
Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika, der ernste Konsequenzen für den
internationalen Frieden und die internationale Sicherheit haben könnte,
unter Erinnerung an den Appell des Präsidenten des Sicherheitsrates am
9. November 1979 (S/13616), der am 27. November 1979 wiederholt wurde (S/13652),
in Kenntnisnahme des Schreibens vom 13. November 1979 vom Außenminister
des Iran (S/13626), das sich auf die Beschwerden des Iran bezog,
im Bewußtsein der Verpflichtung der Staaten, ihre internationalen Streitfälle durch friedliche Mittel in einer Weise beizulegen, daß der internationale Friede
und die internationale Sicherheit und Gerechtigkeit nicht gefährdet sind,
getragen von der Verantwortung der Staaten, sich in ihren internationalen
Beziehungen der Androhung oder der Anwendung von Gewalt gegen die territoriale
Integrität oder die politische Unabhängigkeit eines Staates oder in einer anderen mit den Zielsetzungen der Vereinten Nationen nicht zu vereinbarenden
Weise zu enthalten,
unter Bekräftigung der feierlichen Verpflichtung aller Staaten, die Vertragspartei der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen von 1961
und der Wiener Konvention über konsularische Beziehungen von 1962 sind, die
Unverletzlichkeit von diplomatischem Personal und des Geländes ihrer Missionen
zu achten:
1. Fordert

�1.Fordert der Sicherheitsrat die Regierung des Iran dringend auf, das
Personal der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, das in Teheran
festgehalten wird, sofort freizulassen, ihm Schutz zu gewähren und ihm zu
gestatten, das Land zu verlassen;
2. fordert die Regierungen des Iran und der Vereinigten Staaten von Amerika
auf, Schritte zu unternehmen, um die verbleibenden Fragen zwischen ihnen mit
friedlichen Mitteln zur beiderseitigen Zufriedenheit in Übereinstimmung mit
den Zielsetzungen und Grundsätzen der Vereinten Nationen zu lösen;
3. fordert die Regierungen des Iran und der Vereinigten Staaten von Amerika
auf, in der gegenwärtigen Situation größte Zurückhaltung zu üben;
4. ersucht den Generalsekretär, seine guten Dienste für sofortige Verwirklichung dieser Resolution anzubieten und zu diesem Zweck alle geeigneten Maßnahmen zu ergreifen;
5. beschließt, daß der Rat sich weiterhin aktiv mit der Angelegenheit befassen wird, und ersucht den Generalsekretär ,ihm vordringlich über die Entwicklungen bezüglich seiner Bemühungen zu berichten.

+ + + + +

- 3 -

�Ha

( ! )

I

Dokumentation
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5. Dezember 1979

46

USA BRINGEN GEISELFALL VOR DEN INTERNATIONALEN GERICHTSHOF
- Wortlaut des Antrags auf einstweilige Maßnahmen -

WASHINGTON - (AD) - Zum Schutz ihrer Interessen im Zusammenhang mit der
völkerrechtswidrigen Geiselnahme im Iran haben die Vereinigten Staaten den Fall
vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag gebracht. Der am 29. November
1979 gestellte Antrag auf einstweilige Maßnahmen hat folgenden Wortlaut:
Dem Urkundsbeamten,
Internationaler Gerichtshof
Sir,
1. Ich habe die Ehre, mich auf den heute dem Internationalen Gerichtshof
vorgelegten Antrag zur Einleitung eines Verfahrens im Namen der Vereinigten
Staaten von Amerika gegen die Regierung des Iran zu beziehen und in Übereinstimmung mit Artikel 41 der Statuten des Gerichtshofes und den Artikeln 73, 74
und 75 der Geschäftsordnung des Gerichtshofs einen Dringlichkeitsantrag zu
stellen, der Gerichtshof möge einstweilige Maßnahmen anzeigen, die sogleich ergriffen werden könnten, um die Rechte der Regierung der Vereinigten Staaten zu
sichern.
2. Die

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�2. Die zwingenden Gründe für diesen Antrag sind niedergelegt in der Darstellung des Tatbestandes im Antrag der Vereinigten Staaten an das Gericht.
Die darin vorgestellten Tatsachen wurden in der begleitenden Erklärung von
David D. Newsom, Unterstaatssekretär für politische Angelegenheiten im Außenministerium der Vereinigten Staaten, nachgewiesen.

Das Gelände der Botschaft

und des Konsulats der Vereinigten Staaten in Teheran wurden von einer großen
Anzahl von Personen gestürmt, die mit der Unterstützung und unter der augenscheinlichen Erlaubnis der Regierung des Iran handelten und bleiben weiterhin
ohne die Billigung der Vereinigten Staaten besetzt.

Mindestens 50 Bürger der

Vereinigten Staaten, von denen praktisch alle Diplomaten sind oder zum Verwaltungs- und technischen Stab der Botschaft gehören, werden als Geiseln festgehalten.

Die Bedingungen ihrer Gefangenhaltung sind hart, erniedrigend, ge-

fährlich und bedeuten eine offenkundige Verletzung des Völkerrechts.

Die

iranischen Behörden haben kundgetan, daß die Geiseln festgehalten werden, bis
die Vereinigten Staaten verschiedene Forderungen erfüllen.

Die Regierung des

Iran hat weiterhin gedroht, die Geiseln einem Strafprozeß und einer Bestrafung
zu unterwerfen, obgleich sie Anrecht auf diplomatische und andere Immunität
haben.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat aufgrund dieser "ernsten

Lage" den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einberufen.

In Ausübung seiner

Sonderbefugnisse gemäß Artikel 99 der Charta der Vereinten Nationen hat er den
Sicherheitsrat darüber informiert, daß "die gegenwärtige Krise eine ernsthafte
Gefahr für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit darstellt."
3. Die Regierung der Vereinigten Staaten geht davon aus, daß die einstweiligen, geforderten Schutzmaßnahmen dringend zum Schutz der Rechte der Vereinigten Staaten notwendig sind. In ihrem Antrag ersuchen sie das Gericht in
erster Linie, zu entscheiden und zu erklären, daß der Iran all diejenigen
Geiseln und änderet Mitglieder: der Botschaft der Vereinigten Staaten freiläßt
und ihnen das Verlassen des Iran erlaubt, die nicht iranischer Nationalität
sind; daß er den Vereinigten Staaten wieder die Botschaft zurückgibt; daß er
verantwortlich gemacht wird für die Verletzung verschiedener internationaler
rechtlicher Verbindlichkeiten; und daß er den Vereinigten Staaten Entschädigungen
für zahlreiche schwerwiegende Verletzungen der internationalen Rechtsansprüche

�Rechtsansprüche der Vereinigten Staaten zahlt.

Einstweilige Schutzmaßnahmen

sind erforderlich, um die folgenden Rechte der Vereinigten Staaten zu schützen:
die Rechte ihrer Staatsangehörigen auf Leben, Freiheit, Schutz und Sicherheit;
die Rechte auf Unverletzbarkeit, Immunität und Schutz ihrer diplomatischen und
konsularischen Beamten; sowie die Rechte der Unverletzbarkeit und Schutz ihres
diplomatischen und konsularischen Geländes.

Das Gericht kann nur dann eine

Entscheidung treffen, die eine wirkungsvolle und sinnvolle Wiedergutmachung vorsieht, und der Iran nur dann eine solche Entscheidung ausführen, wenn das Leben
sowie das körperliche und seelische Wohlergehen der Geiseln gewährleistet sind.
Bei der unbeständigen Lage, die im Iran herrscht, befinden sich die Geiseln
in erschreckendem Maß in ständiger Gefahr; ihre Lage könnte sich in jedem Augenblick verschlimmern.

Sollten keine wirkungsvollen Schutzmaßnahmen getroffen

werden, so könnte daraus eine Tragödie resultieren, die nicht wiedergutzumachen
wäre.

Es sind diese möglichen Folgen, wenn das Gericht einstweilige Maßnahmen

unterlassen sollte, die die Vereinigten Staaten so dringend auf ihre Forderung
bestehen lassen.

4, Darüber hinaus gehen die Vereinigten Staaten davon aus, daß die dringende Notwendigkeit einstweiliger Schutzmaßnahmen durch die Gefahren vergrößert
wird, die der Struktur der diplomatischen Beziehungen und dem Völkerrecht durch
den fortdauernden Freiheitsentzug des diplomatischen Personals der Vereinigten
Staaten drohen.

Mit jedem Tag, den diese Bedingungen andauern, wird den Prin-

zipien des Völkerrechts und den Grundlagen diplomatischer Beziehung nicht wiedergutzumachender Schaden zugefügt.

In der Tat zeigen jüngste Ereignisse in an-

deren Ländern, daß die Fortdauer dieser Lage in Teheran eine deutliche und akute
Gefahr für die Sicherheit der diplomatischen Gemeinschaft insgesamt darstellt.
Zudem würden die Prinzipien des Völkerrechts und die Grundlagen diplomatischer
Beziehungen auf nicht wiedergutzumachende Weise geschädigt, wenn die Regierung
des Iran eine mögliche Handlungsweise, die sie angedroht hat, verwirklichen und
Diplomaten wegen angeblicher strafbarer Spionagehandlungen vor Gericht stellen
würde.

Kein Urteil des Gerichtshofes könnte einen solchen ungesetzlichen und

außergewöhnlichen Schritt rückgängig machen.
5. Angesichts
- 3 -

�5. Angesichts der in den vorhergegangenen Abschnitten und im Antrag der
Vereinigten Staaten angesprochenen Überlegungen ersuche ich im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten höflich, daß, solange der Fall nicht abgeschlossen ist, das Gericht hiermit folgendes bestimmt:
a) Daß die Regierung des Iran sofort alle Geiseln amerikanischer Nationalität freiläßt und die sofortige und sichere Abreise dieser Personen und aller
anderen amerikanischen Amtsträger aus dem Iran unter angemessenen und menschenwürdigen Umständen bewerkstelligt.
b) Daß die Regierung des Iran sofort das Gelände der amerikanischen Botschaft, Kanzlei und des amerikanischen Konsulats von allen Personen räumen läßt,
deren Anwesenheit nicht vom amerikanischen Geschäftsträger im Iran autorisiert
ist und das Gelände wieder den Vereinigten Staaten unterstellt.
c) Daß die Regierung des Iran gewährleistet, daß allen zur amerikanischen
Botschaft und zum amerikanischen Konsulat gehörenden Personen unter Schutz die
volle Freiheit innerhalb der Botschaft und der Kanzlei und die Bewegungsfreiheit
innerhalb des Iran eingeräumt wird, die sie für die Ausübung ihrer diplomatischen
und konsularischen Funktionen brauchen.
d) Daß die Regierung des Iran keine zur Botschaft und zum Konsulat der
Vereinigten Staaten gehörenden Personen unter Anklage stellt und sich aller Tätigkeit enthält, einen solchen Prozeß durchzuführen.
e) Daß die
werden, die die
eines Spruches,
würden, und vor
Sicherheit oder

Regierung des Iran gewährleistet, daß keine Maßnahmen getroffen
Rechte der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Durchführung
den der Gerichtshof in der Sache fällen könnte, präjudizieren
allem keine Maßnahmen ergreift oder duldet, die das Leben, die
das Wohlergehen der Geiseln gefährden würden.
r

6. Angesichts

�6. Angesichts des Ernstes der gegenwärtigen Situation, die durch ergriffene oder angedrohte Handlungen der Regierung des Iran oder von Personen, die unter
ihrer Vollmacht oder mit ihrer Unterstützung handeln, verursacht worden ist, ersucht die Regierung der Vereinigten Staaten dringend, daß dieser Antrag als eine
Angelegenheit von höchster Dringlichkeit behandelt wird.

In&gt; diesem Zusammen-

hang wird die Aufmerksamkeit des Gerichtshofes auf das Schreiben des Außenministers
der Vereinigten Staaten an den Präsidenten des Gerichtshofes gelenkt, dessen
Durchschrift hier beiliegt und der gemäß Artikel 74, Absatz 4 der Geschäftsordnung des Gerichtshofes unterbreitet wird.

Angesichts der außerordentlichen Dring-

lichkeit des Falles ersuchen die Vereinigten Staaten ferner höflich, daß der Gerichtshof zum baldigst möglichen Zeitpunkt eine Anhörung über diesen Antrag
ansetzt.

7. Der Unterzeichnete ist von der Regierung der Vereinigten Staaten von
Amerika bevollmächtigt, bei allen Verfahren oder Anhörungen bezüglich dieses Antrages, die der Gerichtshof gemäß den Bestimmungen von Artikel 74, Absatz 3
der Geschäftsordnung des Gerichtshofes einberufen mag, vor dem Gerichtshof zu
erscheinen.

Gez. Roberts B. Owen
Beauftragter der Regierung der
Vereinigten Staaten von Amerika

+ + + + +

- 5-

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Dokumentation

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5. Dezember 1979

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SCHREIBEN DES US-AUSSENMINISTERS AN DEN INTERNATIONALEN GERICHTSHOF
(29. November 1979)

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance

hat zusammen mit dem Antrag der Vereinigten Staaten an den Internationalen
Gerichtshof in Den Haag, einstweilige Maßnahmen zum Schutz der Geiseln in
der Botschaft der USA in Teheran zu treffen, an den Präsidenten dieses
Gerichtes, Sir Humphrey Waldock, am 29. November 1979 folgendes Schreiben
gerichtet.
Sehr geehrter Sir Humphrey,
die Regierung der Vereinigten Staaten stellt mit dem heutigen
Datum einen Antrag bei dem Gericht auf einstweilige Maßnahmen zum Schutze
in einem Fall gegen die Regierung des Iran wegen der Ergreifung und des
Festhaltens von Mitgliedern der amerikanischen Botschaft in Teheran als
Geiseln. Wie Ihnen bekannt ist, werden mindestens 50 amerikanische
Staatsbürger einer ausgedehnten und unmenschlichen Haft unterworfen.
Sie werden jetzt bereits über drei Wochen als Geiseln festgehalten, und

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�und es ist angedroht worden, sie unter Anklage zu stellen.
Im Hinblick auf die außerordentliche Dringlichkeit dieses Falles,
der keinem bisher dem Gerichtshof unterbreiteten Fall gleicht, möchte
ich höflichst bitten, daß Sie als Präsident des Gerichtshofes die Regierung
des Iran dringend ersuchen, sofort die Ernennung ihres Vertreters in dem
Fall vorzunehmen.

Ich ersuche ferner dringend darum, daß der Gerichtshof

auf jeden Fall eine Anhörung über den Antrag auf einstweilige Maßnahmen
vornimmt, sobald er beschlußfähig ist.

Meine Regierung hofft allen Ernstes,

daß der Gerichtshof innerhalb von Tagen eine Anordnung erlassen wird, die
angemessene einstweilige Maßnahmen vorsieht.

Wie der Generalsekretär der

Vereinten Nationen dem Sicherheitsrat mitgeteilt hat, stellt die gegenwärtige Krise eine ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit dar.
Darf ich ferner höflichst darum bitten, daß Sie als Präsident des
Gerichtshofes die Regierung des Iran sofort ersuchen, daß keine Schritte
unternommen werden, um die öffentliche Meinung gegen die Geiseln aufzustacheln; um die Gefahr, der sie ausgesetzt sind, zu erhöhen oder um sie
unter Anklage zu stellen.
Ich habe den Rechtsberater des amerikanischen Außenministeriums, den
ehrenwerten Roberts B. Owen, zum Vertreter der Vereinigten Staaten in
diesem Fall ernannt.

Mit freundlichen Grüßen
gez.:

Cyrus Vance

+ + + + +

- 2 -

�5. Dezember 1979

46

US-FINANZMINISTER MILLER BERICHTET ÜBER NAHOSTREISE
UND IRANISCHE GUTHABEN
- Pressekonferenz in London am 29. November 1979 -

LONDON - (AD) - Am 29. November 1979 nahm der amerikanische Finanzminister G. William Miller nach Beendigung seiner Reise durch drei ölexportierende Länder im Nahen Osten zu Fragen der Ölversorgung und zum Einfrieren der
iranischen Guthaben durch die Vereinigten Staaten Stellung.
Nachfolgend wesentliche Auszüge aus der Pressekonferenz:
MILLER:

Wir haben gerade.eine Reise in den Nahen Osten beendet. Wir

waren in Riad, wo wir Beamte der saudi-arabischen Regierung besuchten; wir
waren in Abu Dhabi, wo wir Beamte der Vereinigten Arabischen Emirate trafen;
und in der Hauptstadt Kuwait, wo wir mit Beamten der kuwaitischen Regierung
sprachen.

Der Zweck war, Informationen auszutauschen und uns über eine ganze

Bandbreite von Themen zu beraten.

Die Reise war zu Beginn meiner Tätigkeit als

Finanzminister im August geplant.

Wir hatten mit der Ausarbeitung eines Termin-

plans begonnen, der eine Reise in den Nahen Osten für November vorsah. Die

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�Die Entwicklung der Ereignisse brachte es mit sich, daß die Tagesordnung länger war, als ich ursprünglich erwartet hatte.

Dennoch enthielt sie eine Dar-

legung der Wirtschafts- und Energiepolitik der Vereinigten Staaten und versuchte auch, sich über die Politiken der besuchten Länder zu informieren sowie
Informationen mit ihnen auszutauschen über die Finanzmärkte, die Ereignisse
im Iran und selbstverständlich auch den Vorfall in Mekka, als wir gerade in
Saudi-Arabien waren.

Daher hatten wir etwas mehr zu diskutieren als ursprüng-

lich vorgesehen war.

Ich habe keine vorbereitete Erklärung bei mir, und ich

möchte meine Darlegung lediglich mit der Feststellung beenden, daß der Zwischenaufenthalt in London als kleine Pause auf dem Weg zurück in die Vereinigten Staaten sehr spät beschlossen wurde in der Absicht, Sir Geoffrey Howe,
den britischen Schatzkanzler, über unsere Reise und die gemachten Erfahrungen
zu informieren und die Gelegenheit zu nützen, mit ihm die Lage im Iran zu erörtern sowie Wirtschafts- und Finanzfragen zu besprechen, die sich als eine
Folge der Geiselnahme ergaben, die in Widerspruch steht zu allen internationalen Konventionen und zum Völkerrecht.

Nach dieser Anmerkung steht ich Ihnen

gern zu Fragen zur Verfügung.

FRAGE:

Herr Minister, könnten Sie uns sagen, wie die Irankrise die Zu-

kunft der arabischen ölförderung und -preise beeinflussen wird?
ANTWORT: Die von uns besuchten Regierungen repräsentieren zusammengenommen die Hälfte der Menge des geförderten Öls der OPEC-Länder - und alle
drei sind Überschußländer. Sie sind daher offensichtlich diejenigen, die,
wie ich sagen würde, von großer Bedeutung für Ihre Frage sind. Ihre Haltung
ist - und sie zeigen dies -, daß die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran einen Gesetzesbruch darstellt und beendet werden sollte,
daß die Geiseln unversehrt freigelassen werden sollten. Sie hegen die Hoffnung, daß dies bald geschehen kann und daß der Hintergrund dieses Vorfalls
geklärt und die Angelegenheit wieder in normalere Bahnen gelenkt werden kann.
Sie betrachten die Vorfälle nicht so, als stünden sie in Beziehung zu ihren
eigenen Plänen hinsichtlich ölförderung und -Preisfestsetzung, ausgenommen

- 2 -

�ausgenommen insoweit, als die Ereignisse im Iran irgendwann einmal die Förderung im Iran beeinflussen könnten.

Dies würde auf die Erdölversorgung der

Welt Auswirkungen haben und die Ereignisse in einer Weise beeinflussen, wie
es keiner von uns vorhersagen kann.

Aber bei der Annahme, daß wir auch weiter-

hin eine iranische Ölversorgung auf mehr oder weniger gleichem Niveau haben
werden wie bisher - vielleicht etwas weniger, aber in dieser Größenordnung -,
meine ich, daß die Pläne dieser ölländer darin bestehen, ihre Förder- und
Preisplä'ne ohne bezug auf den Vorfall mit den Geiseln zu verfolgen...

FRAGE:

Glauben Sie, daß Ihrer Meinung nach irgendwann im nächsten Jahr

Saudi-Arabien seine ölförderung um eine Million Barrel pro Tag (1 Barrel
= 159 Liter) senken wird und Kuwait möglicherweise um eine dreiviertel Million Barrel pro Tag?
ANTWORT:

Alle drei Regierungen, die wir besucht haben, haben ihre öl-

förderung im Jahr 1979 über das Niveau hinaus erhöht, das sie eigentlich
möchten und das sie brauchen, um ihre finanziellen Zielsetzungen zu erreichen.
Sie taten dies als Beitrag zur globalen Stabilität während der Folgen der
iranischen Revolution zu Beginn dieses Jahres und gegen Ende vorigen Jahres,
als die iranische ölförderung zunächst unterbrochen und später auf einem niedrigeren Niveau wieder aufgenommen wurde.

Sie versuchten daher, einen Teil

dieses Fehlbetrags auszugleichen, indem sie mehr öl förderten als sie gerne
möchten - die Saudis durch zusätzliche eine Million Barrel pro Tag und die
anderen durch Produktionsausweitung.

Im Fall von Saudi-Arabien hat Minister

Yamani öffentlich angekündigt - ich sage Ihnen nichts, was nicht schon gesagt
wurde -, daß seine Regierung gewillt sei, bis ins nächste Jahr hinein eine
Förderung auf diesem Niveau beizubehalten, falls dies zu einer gemeinsam getragenen Ordnung auf den Märkten und zu einem angemessenen Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage beitragen könnte.

In den Vereinigten Arabischen

Emiraten wurde erneut die Förderung über das hinaus ausgeweitet, was sie
selbst brauchen, und als wir dort waren, haben sie öffentlich gesagt, daß sie
die Absicht haben, auch weiterhin alles öl zu fördern, das sie unter den ge-

- 3 -

�gegebenen Umständen bekommen könnten, in dieser Hinsicht ohne zeitliche Begrenzung.

Sie beabsichtigen allerdings, im nächsten Jahr eines ihrer öl fei -

der aufzufrischen, was zusammen mit erhöhter Förderung auf den anderen Feldern und einer zeitweisen Verminderung auf dem aufzufrischenden Feld ihre Förderung um 60 000 bis 70 000 Barrel pro Tag mindern würde; ihren Worten nach
würde der alte Zustand jedoch nach Beendigung des Auffrischungsprozesses wiederhergestellt werden.

Sie warten auf die Zeit, da Angebot und Nachfrage aus-

gewogen sind und würden dann vielleicht die Förderung etwas zurückschrauben;
aber sie haben derzeit keine solchen Pläne.

In Kuwait wurde öffentlich ange-

zeigt, man wünsche keinen weiteren Anstieg der Förderung, und natürlich erwartet auch niemand von uns einen solchen Anstieg ihrer ölförderung.

Ihren An-

kündigungen entnehme ich, daß sie in einem der kommenden Vierteljahre - ich
weiß nicht, wann - ihre Förderung auf das Niveau vor den Ereignissen im Iran,
vielleicht etwas höher, herunterschrauben wollen - zumindest aber zurück auf
ein Maß, von dem sie glauben, es stehe im Einklang mit der sachgemäßen Entwicklung ihrer ölfelder und ihren eigenen finanziellen Bedürfnissen.

Sie ha-

ben keinen diesbezüglichen Zeitplan, sagen jedoch, sie hätten beschlossen,
dies zum angemessenen Zeitpunkt zu tun.

Ich meine daher, daß alle diese drei

Staaten eine sehr verantwortungsbewußte Position bei der Bewahrung eines angemessenen Gleichgewichts einnehmen, damit wir keine weitere Störung der Weltwirtschaft mehr erleben...
Ich meine, sie sind sehr positiv und konstruktiv; und meiner Meinung nach
haben sie einen legitimen Standpunkt: Sie wollen nicht dazu aufgefordert
werden, mehr öl zu fördern als in ihrem Eigeninteresse liegt, nicht nur an
gedrosseltem Angebot, sondern in ihrem Eigeninteresse an einer ordnungsgemäßen
Förderung auf ihren ölfeldern. Sie wollen sie nicht in einem Tempo erschöpfen,
das die maximale Nutzung der Reserven verhindern' würde... Dies alles steht
im Zusammenhang mit der Würdigung, die sie den Schritten entgegenbringen, die
bereits von den Vereinigten Staaten unternommen wurden, und den weiteren
Schritten, die wir beabsichtigen, um unsren Ölverbrauch zu drosseln...

Ich

�Ich möchte hinzufügen, daß wir nicht nur dafür sorgen sollten, daß sich
die Einsparung in den Vereinigten Staaten beschleunigt, sondern daß die
Vereinigten Staaten auch, wie Sie wissen, die Initiative ergriffen haben, um
die Konferenz der Internationalen Energieagentur (IEA) voranzubringen und
um dadurch eine entschlossene Verpflichtung der öl Verbraucherländer zu strengeren Importquoten der einzelnen Länder und eine ernstere Verpflichtung zur
Erzielung solcher Quoten zu erreichen - uns selbstverständlich inbegriffen -,
um den öl Produzenten zu zeigen, daß dies eine internationale Anstrengung ist,
die Nachfrage unter Kontrolle zu bringen, ihr Angebot gerechtfertigt ist und
sie nicht das Gefühl zu haben brauchen, nur einen nie endenwollenden Appetit
nach verschwenderischem Verbrauch von Erdöl befriedigen zu müssen.

Und so-

bald sie sehen, daß wir anfangen, einzuschränken, zu kontrollieren und einzusparen, werden sie dazu ermutigt, die Versorgung bis zu dem Zeitpunkt fortzusetzen, da wirgroße Stabilität erreicht haben.

FRAGE:

Mr. Miller, es gab hier in Europa Stimmen, die behaupteten, Ihre

Schritte zur Blockierung iranischer Guthaben bei amerikanischen Auslandsbanken
seien nicht rechtsverbindlich und könnten vor den Gerichten angefochten werden.
Gleichzeitig scheinen einige Zentralbanken in Europa zu behaupten, sie seien
nicht angemessen über die Begleiterscheinungen dieses Schrittes konsultiert
worden, der außerdem zu weiterer Anlagenstreuung durch unsere Investoren in
aller Welt vom Dollar weg führen könnte.

Könnte dies nicht eine neue Kluft

zwischen Ihnen und Ihren europäischen Verbündeten aufreißen?

ANTWORT:
ten.

Das sind viele Fragen und ich will versuchen, sie zu beantwor-

Zunächst einmal bin ich der Ansicht, Sie bringen Dinge durcheinander,

wenn Sie sagen, es sei nicht legal und werde deshalb vor Gericht gehen.

Ich

dachte immer, es sei Aufgabe der Gerichte, darüber zu befinden, ob etwas Recht
oder Unrecht ist und daß Sie daher meiner Meinung nach den Fall sicherlich nicht
präjudizieren wollen.

Bei einem Einfrieren von Guthaben, das die Zweigstellen

von amerikanischen Banken im Ausland betrifft, liegt der Fall der konkurrierenden Rechtssprechung vor.

Es gibt niemanden, der leugnen würde, daß die

- 5-

�die Bankaufsichtsbehörden und die amerikanische Regierung Kontrolle über ihr
Bankennetz haben; niemand würde leugnen, daß die britische Regierung und die
"Bank of England" die Kontrolle über die britischen Banken haben.

Aber wenn

die britischen Banken Zweigstellen in den Vereinigten Staaten eröffnen oder
wir in England Zweigstellen, dann besteht konkurrierende Rechtssprechung.

Und

sicherlich sind die englischen und die internationalen Gesetze, die Regeln internationalen Verhaltens - wohl begründete internationale ebenso wie nationale
Gesetze - in der Lage, diesen konkurrierenden Rechtssprechungen Raum zu bieten
und Entscheidungen nach diesem Tatbestand zu treffen.

Ich darf sagen, daß

die britische Regierung, die "Bank of England", sich überaus korrekt verhalten
hat und wir dies würdigen.

Sie haben gesagt, daß dies eine Angelegenheit sei,

die sachlich entschieden wird, daß die Rechte der einzelnen Parteien in Rechnung gestellt und alles dem Rechtsweg gemäß behandelt werden wird.
Grund mag es zu Prozessen kommen.

Aus diesem

Aber es geht hier nicht allein um die Frage

der blockierten Guthaben, sondern darum, wie die Depotbedingungen sind und die
Bedingungen anderer Finanzverpflichtungen, die ins Spiel kommen, wenn die Vertreter der Regierung des Iran nicht nur ein feindseliges und anormales Verhalten gegenüber amerikanischen Banken und Bankeinlagen an den Tag legen, sondern
seltsame Rußerungen tun hinsichtlich der Nichtanerkennung aller Schulden, was
natürlich die Frage aufwirft, ob sie sich nicht auch anderen ihrer Verpflichtungen entziehen...

Ich glaube nicht, ja, ich wäre überrascht, wenn dieser Tat-

bestand irgendwelche Reibungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten verursachen würde, da jeder wissen muß, daß diese Situation sich im
Zusammenhang mit einem völlig unannehmbaren Bruch des Völkerrechts und internationaler Konventionen einstellte, der in den modernen Zeiten nicht seinesgleichen hat, der Geiselnahme von diplomatischem und Regierungspersonal und
sogar der Drohung, sie zu töten als Mittel der Erpressung zu einem politischen
Zweck...
Tatsächlich haben sie, die Verbündeten, uns große Unterstützung gegeben
in dem Versuch, die Freilassung der Geiseln zu erreichen, und allein ihre aktive Unterstützung bedeutet für mich, daß ich in dieser Hinsicht keine aufkommenden Spannungen erkennen kann.

Was schließlich die Neigung angeht, im Dollar

- 6 -

�Dollar zu investieren, so ist meine Folgerung - die meiner Mitarbeiter und
mir - nach unserem Besuch der drei Länder im Nahen Osten -, daß der Wunsch
nach dem Dollar als Investitionsmittel für ihre Überschüsse aus vielen Gründen größer werden könnte. Dafür gibt es viele Gründe und dies war unser Eindruck. Aber ich glaube, man muß offen sagen, daß sie - trotz ihrer Tendenz
zu glauben, daß der Dollar von ihrem Standpunkt aus in einer sehr vorteilhaften Lage ist und daß die Vereinigten Staaten den vielversprechendsten Weg für
die Anlage ihrer Überschüsse darstellen -, über das Einfrieren beunruhigt waren. Ich meine, wir sollten uns vor dieser Frage nicht drücken. Diese Gelegenheit für uns, sie mit ihnen unmittelbar zu besprechen, ihnen die Umstände
zu erklären, schaffte ein besseres Verständnis, ließ sie ihr Verständnis öffentlich ausdrücken und sie erklären, daß sie keine Pläne für eine Änderung machen.
Sie hoffen, daß die Angelegenheit rasch aus der Welt geschafft werden kann,
damit deutlich wird, daß alles mit dieser ungewöhnlichen, ungesetzlichen Maßnahme ohnegleichen der Regierung des Iran zusammenhängt und nicht mit einer
möglichen Haltung oder möglichen künftigen Überlegung hinsichtlich der Freizügigkeit des Kapitals auf den internationalen Märkten.

FRAGE: Welche Zusicherungen können sie denjenigen geben, die glauben,
daß das Einfrieren der iranischen Guthaben und die Rückwirkungen daraus schon
in sich die internationalen Finanzmärkte destabilisiert haben?
ANTWORT: Ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Frage verstanden habe, denn
eines der Übereinkommen der letzten Jahre im internationalen Bankgeschäft
lautet, daß diejenigen, die daran teilnehmen, ihre Verpflichtungen erfüllen.
Und wenn eine Partei diese Abmachung nicht einhält... ich meine, bei Ihren
eigenen Bankkonten: Wenn Sie Ihre Bank anrufen und ihr sagen, Sie hätten sich
eben dazu entschlossen, Ihr Darlehen nicht zurückzuzahlen, dann habe ich den
Verdacht, daß diese es als angemessen empfinden würde, sich das Geld zu beschaffen. Und dies gilt für den internationalen Bereich genauso wie für den
persönlichen. Ich bin auch nicht sicher, ob ich die Begleiterscheinungen verstehe in dem Ausmaß, daß ein Teilnehmer an den internationalen Märkten darauf

- 7 -

�darauf hinweist, daß ihr Zweck nicht darin besteht, ihren Depotbedingungen
oder ihrem Verhalten gerecht zu werden, sondern einen Wirtschaftskrieg anzuzetteln, Zahlungsbilanzen zum Kurssturz durch Verkäufe zu benutzen, um die
Vereinigten Staaten in Verlegenheit zu bringen, künstlich eine Abwertung des
Dollar herbeizuführen, die jeden Dollarbesitzer treffen würde - all diejenigen
verletzten würde, über die wir gerade sprachen -, und dies willkürlich zu tun
- nicht nur aus dem Verlangen nach Risikostreuung, sondern ausdrücklich zum
Zweck der Schaffung eines Chaos.

Dies ist ein Verhalten, auf das zu antworten

die internationale Gemeinschaft zum Schutz ihrer Interessen von uns erwartet.
Und ich sollte die Zusicherung geben, daß die Vereinigten Staaten nicht gewillt sind, sich dieser Art von Erpressung und Drohung zu beugen, und daß wir
alle Interessen dadurch schützen, daß wir überhaupt keine Einlagen annehmen.
Wir haben nicht ein einziges Guthaben enteignet.

Wir haben nur gesagt:

"Warten Sie, bis die Abrechnung vorliegt."

FRAGE:

Herr Minister, es scheint zwei kleine Widersprüche zu geben.

Vielleicht können Sie bei der Klärung behilflich sein.
daß Sie über Verweigerung von Einlagen sprechen.

Einer besteht darin,

Meines Wissens, ich kann

mich hier täuschen, kam diese Forderung nach Verweigerung nach dem Einfrieren
der Guthaben.

Der zweite Grund war, daß Sie in Ihrer ursprünglichen Erklärung

zur Ankündigung des Einfrierens der Guthaben lediglich auf die Drohung des Abziehens anspielten, was - wie es scheint - jedermanns Recht ist, wie bösartig die Absicht auch sein mag; jetzt scheinen Sie das Thema der Geiseln
mit einzubeziehen, was Sie zu jenem Zeitpunkt nicht taten.

ANTWORT:

Lassen Sie mich das der Reihe nach erklären.

Zu jenem Zeitpunkt

sagten wir deutlich, daß die Umstände, die uns zu dem Einfrieren veranlaßten,
aus ihren (der Iraner) eigenen Handlungen hinsichtlich ihrer Einlagen und
ihrer internationalen Finanzangelegenheiten herrührten.
im Zusammenhang mit den Geiseln.

Dies alles geschah

Ihre Entscheidung zum Transfer dieser Gelder

wurde lediglich getroffen, um hinsichtlich der Geiseln mehr Druck auf uns auszuüben.

Beides ist unvermeidlich miteinander verbunden.

- 8 -

Wir hätten ihre Gut-

�Guthaben nicht nur aufgrund der Tatsache eingefroren, daß sie Geiseln genommen
hatten.

Aber als sie zum Druck hinsichtlich der Geiseln noch andere Maßnahmen

ergriffen, antworteten wir in angemessener Weise.

Lassen Sie mich wiederholen:

Ihre ursprüngliche Ankündigung enthielt die Absicht, ihre Guthaben abzuziehen.
Und ich kann Ihnen versichern, daß der Transfer von Einlagen von einer amerikanischen Bank zu einer britischen oder französischen oder deutschen Bank keinen
nennenswerten Einfluß auf die internationalen Märkte hat.

Aber sie verbanden

dies mit der Feststellung, daß sie die Absicht hätten, diese Bestände zu benützen, um im Dollarhandel Störungen hervorzurufen und die Vereinigten Staaten
in die Knie zu zwingen, indem sie den Wert des Dollar zerstören.
Erklärung.

Das war ihre

Es war dieser Punkt, der uns das Gefühl gab, viele Menschen wür-

den geschädigt - nicht, daß sie es über mehr als nur ein paar Tage hinweg hätten so treiben können, aber es hätte unschuldigen Menschen Schaden zugefügt,
für die es völlig überraschend gekommen wäre und das hätte möglicherweise einen
Schneebaileffekt gehabt, zu dem wir es nicht kommen lassen konnten.

Die gegen-

wärtige Bewegung der Mittel weg vom Dollar in andere Währungen wäre sehr kurzlebig gewesen, aber hätte sich auf Unschuldige sehr schädlich ausgewirkt.
Was drittens geschah:

Danach hatten wir den Verdacht - und ich bin sehr froh,

daß Sie mir Gelegenheit geben, dies aufzuklären -, daß ihr Verhalten ziemlich
unnormal war und daß wir gut daran täten, die Dinge in der Hand zu halten, bis
wir wußten, daß unsere Ansprüche ihnen gegenüber gedeckt waren.

Denn unser

Verdacht war, daß sie die Absicht hegten, Dollar abzuziehen und unsere Ansprüche
nicht abzugleichen.

Nunmehr bestätigen sie diesen Verdacht, indem siesagen

- allerdings muß ich hinzufügen, daß keiner von uns sagen kann, was sie wirklich meinen, denn sie sagen jeden Tag etwas anderes -, indem sie also zu sagen
scheinen:

"Wir werden eine Menge Verpflichtungen zurückweisen, die wir inter-

national haben."

Wir wissen nicht, ob sie es meinen, oder ob sie nur bluffen

oder ob sie alle Ansprüche meinen.

Einmal sagten sie:

alle Ansprüche.

Aber

meiner Meinung nach schienen die anschließenden Schritte in dieser Hinsicht,
die folgenden Erklärungen in dieser Hisnicht, unseren Verdacht zu erhärten,
daß es sich hier nicht nur um eine Entscheidung gehandelt hatte, andere Banken
neben den amerikanischen zu verwenden - wozu sie völliges Recht haben:

Wir haben

kein Recht, darauf zu bestehen, daß jemand mit amerikanischen Banken arbeitet.

- 9-

�arbeitet.

Aber wir haben ein Recht, darauf zu bestehen, daß sie ihre Ver-

pflichtungen erfüllen und sich in einer Weise benehmen, die die Rechte der
anderen angemessen respektiert.

Und ich bin der Meinung, daß die Rechte an-

derer beeinträchtigt wurden...

+ + + + +

- 10

�31

I 3

IS

CO

Wi//cn/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

46

5. Dezember 1979

IMMUNREAKTION MIT FEINABSTIMMUNG
Verbesserungen für Diagnose und Therapie möglich

- (AD) - Ein neues Verfahren, mit dem sich der Komplex der Immunreaktion leichter in einzelnen Komponenten zergliedern läßt, macht es
möglich, bei zahlreichen Krankheiten Diagnose und Therapie entscheidend
zu verbessern.

Es erlaubt die Produktion ganz spezifischer Antikörper,

d.h. der in bestimmten Zellen gebildeten Abwehrstoffe, die sich mit
Molekülen des Schadstoffs (Antigen) verbinden und diesen so zu neutralisieren
vermögen.

Antikörper sind gewissermaßen "die vorderste Verteidigungslinie"

des Körpers gegen eingedrungene Bakterien, Viren und Giftstoffe, unter
Umständen auch gegen krankhaft veränderte, schädliche Zellen aus dem
eigenen Organismus.
Wie Dr. Leonard Herzenberg, Professor der Genetik an der StanfordUniversität (Kalifornien, USA), auf einer Tagung in Palo Alto am 8.
November 1979 berichtete, erweitere die Verwendung sogenannter monoklonaler Antikörper das Spektrum der Krankheiten, für deren Diagnose und
Therapie Antikörper eine wichtige Rolle spielen, ganz erheblich. Es
reiche heute von der Legionärskrankheit bis zur Leukämie.

Als "monoklonal

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�"monoklonal" bezeichnet Herzenberg solche Antikörper, die von Zellen
produziert werden, welche von einer Einzelzelle abstammen und untereinander gleichartig sind.

Sie geben dem Wissenschaftler ein reines

chemisches Reagens an die Hand, das sowohl zur Grundlagenforschung in
der Zellbiologie als auch in der klinischen Medizin verwendet werden
kann.
Herzenberg erörterte in seinem Vortrag u.a. das Problem, daß Leukämieerkrankungen bei Kindern derzeit in etwa 50 Prozent der Fälle geheilt
werden können, die Therapie aber bei den anderen 50 Prozent versagt.
Die Ursache dafür sei in der Tatsache zu suchen, daß es nicht nur verschiedene Typen von Leukämie gebe, sondern ebenso verschiedene Typen
weißer Blutzellen, von denen sich die Tumoren herleiten - "und wir können
gegenwärtig noch nicht alle auseinanderhalten".

Dank der Einführung

monoklonaler Antikörper sei aber zu hoffen, Zelltypen genau identifizieren
und die Therapie entsprechend wirksam gestalten zu können.

"Wenn Ärzte

erst einmal in der Lage sind", so Herzenberg, "die Therapie ganz und gar
auf den Patienten und 'seinen' Krebs zuzuschneiden, haben wir eine echte
Chance, z.B. bei Kindern alle Formen von Leukämie anzugehen".
Ähnlich können monoklonale Antikörper dazu verwendet werden, nachträglich Krankheitserreger zu suchen und zunächst rätselhafte Erkrankungen
oder Epidemien aufzuklären. Ein Paradefall dafür war dem Bericht Herzenbergs
zufolge die sogenannte Legionärskrankheit. Im Sommer 1976 hatte der
Soldatenverband "American Legion" in Philadelphia ein Treffen mit einigen
Tausend Teilnehmern veranstaltet. Unmittelbar darauf erkrankten 149
von ihnen unter hohem Fieber und mit Symptomen, die einer Lungenentzündung
ähnelten. In fast 30 Fällen gab es keine Rettung.
Intensive Experimente mit Gewebsproben brachten einige Monate
später bei einigen Versuchstieren, die damit geimpft worden waren, dank
neuer Anfärbemethoden endlich den Erreger zutage. Es war ein bis dahin

- 2 -

�dahin unbekanntes Bakterium, das die Bezeichnung "Legionella Pneumophilia"
erhielt.

Nun setzte eine mühevolle Detektivarbeit ein mit dem Ziel,

herauszufinden, ob früher beobachtete Epidemien mit ähnlichen Krankheitssymptomen etwas mit diesem Erreger zu tun gehabt haben könnten.

Das galt

vor allem für eine Erkrankungswelle im Jahr 1965 in der Bundeshauptstadt
Washington und für eine weitere im Jahr 1968 im Staate Michigan.

An Hand

konservierter Gewebsproben, Seren und der erneuten Untersuchung von
Personen, die die Erkrankung durchgemacht hatten, konnte in zahlreichen
Fällen die Beteiligung des Erregers der Legionärskrankheit bestätigt
und die Existenz entsprechender spezifischer Antikörper nachgewiesen
werden.

Diese Antikörper waren das wichtigste Indiz bei den nun einsetzenden
neuen Suchaktionen, die nicht nur auf alle amerikanischen Bundesstaaten,
sondern auch auf Kanada und Europa ausgedehnt wurden.

Und dabei stellte

sich heraus, daß die Legionärskrankheit, die eine leichtere und eine
schwere Verlaufsform haben kann, viel weiter verbreitet ist als ursprünglich
angenommen.

Dennoch weiß man noch immer nicht, wo sich die Bakterien

eigentlich verbergen, wo sie "zuhause" sind.

Sie sind schwer zu züchten,

gedeihen aber offenbar recht gut in Klimaanlagen.

Seinerzeit schien

auch von der Klimaanlage des Tagungshotels die Masseninfektion ausgegangen
zu sein.

Vielleicht nisten sie im Boden und werden mit Staub und Wasser

verbreitet.

Jetzt sollen monoklonale Antikörper helfen, ihr Versteck

aufspüren zu helfen.

Als weitere Anwendungsmöglichkeiten für solche hochspezifischen
Antikörper nannte Prof. Herzenberg 1) die eingehende Erforschung von
Krankheiten wie Arthritis, Multiple Sklerose und Jugenddiabetes, 2)
die Beschleunigung der pränatalen Diagnose von genetischen Störungen,
und 3) die verbesserte Gewebsklassifizierung und Verträglichkeitsbestimmung
vor Organtransplantationen.

Die

- 3-

�Die Produktion monoklonaler Antikörper gelang als ersten Dr. Cesar
Milstein vom "Medical Research Council" (Cambridge, England) und Dr. George
Kohler (jetzt in Basel) im Jahr 1975.

Damals versuchten die Wissenschaftler,

neue Antikörper-Moleküle aus Zellkulturen zu gewinnen, die aus einer
Verschmelzung von Milzzellen und Myelomzellen (vom Knochenmark ausgehende
Geschwülste) der Maus hervorgegangen waren.

Das Ergebnis war eine

Hybridzelle mit bestimmten Eigenschaften der Milzzelle (Fähigkeit zur
Produktion von Antikörpern) und der Tumorzelle (schnelles und fortgesetztes
Wachstum).

Hat eine Milzzelle einmal einen spezifischen Abwehrstoff

produziert, ist sie auf Dauer "geprägt":

Von nun an produziert sie dieses

und nur dieses eine Antikörpermolekül, über Jahre hinweg.
Herzenberg hatte 1976 eine Zeitlang bei Milstein gearbeitet und im
gleichen Jahr das Verfahren nach Stanford gebracht.

Gemeinsam mit einigen

Kollegen gelang es ihm hier, die Gewinnung von antikörperproduzierenden
Zellen und deren Kultivierung ganz erheblich zu

beschleunigen, und zwar

mit Hilfe einer Apparatur, die er 1971 für Raumfahrtzwecke entwickelt
hatte.

Sie sortiert auf elektrischem Wege Hybridzellen aus, die unter

Laserlicht fluoreszieren und sich so als Produzent des Antikörpers gegen
ein einziges, im voraus ausgewähltes Zellantigen zu erkennen geben.

Mit

Hilfe dieses Verfahrens lassen sich, wie Herzenberg berichtet, in zwei
Minuten etwa 100 Hybridzellen aus der die Apparatur durchströmenden
Suspension abtrennen und in Kulturschalen sammeln.

Demgegenüber mußten

früher bis zu 10 000 Kulturen angesetzt werden, um die Zelle zu finden,
die eine spezifische Antikörpersubstanz produziert.
Die Zellen haben eine subtile Entwicklungsgeschichte:
injiziert man Ratten Mäusezellen.

Als erstes

Daraufhin produzieren die Milzzellen

der Ratten eine ganze Batterie von Antikörpern gegen verschiedene
Strukturen (Antigene) an den Membranen der Mäusezellen, weil sie diese
als "fremd" erkennen.

Die so geprägten Ratten-Milzzellen werden mit

Myelomzellen verschmolzen.

Die daraus resultierenden Hybridzellen vermischt

- 4 -

�vermischt man mit winzigen, fluoreszierenden KunststoffPartikeln, die
an der Oberfläche ein bestimmtes Mäusezellen-Antigen als Markierungssubstanz ("Marker") tragen. Jene Zellen, die nun Antikörper gegen diesen
"Marker" produzieren, binden die Partikel und werden beim Durchlaufen
der Trennapparatur aussortiert.
Mit Hilfe dieses Verfahrens versucht Herzenberg zur Zeit, die pränatale
Diagnose zu verbessern. Unter Verwendung monoklonaler Antikörper aus
Laboratorien der Harvard-Universität (Cambridge, Massachusetts) und der
Universität Oxford (England) gelang es ihm und seinen Mitarbeitern,
bereits 15 Wochen nach der Empfängnis fetale Zellen im Blut der Mutter
zu erfassen. Gegenwärtig bemühen sich die Forscher, monoklonale Antikörper gegen spezifische Marker von Fetalzellen zu produzieren, um damit
die Zellen aus dem mütterlichen Serum leichter isolieren zu können. Wenn
dies und anschließend die Kultur der Zellen gelingt, wäre mit der Chromosomenuntersuchung an diesen Zellen ein einfacher, sicherer und frühzeitiger
Test auf genbedingte Entwicklungsschäden beim Fötus verfügbar. Die heute
zur Erkennung solcher Schäden vorgenommene Amniozentese kann dagegen erst
in einem späteren Stadium der Schwangerschaft vorgenommen werden.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;UN-Sicherheitsrat fordert einstimmig Freilassung der Geiseln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Resolution vom 4. Dezember 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bringen Geiselfall vor den Internationalen Gerichtshof&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Antrags auf einstweilige Maßnahmen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schreiben des US-Außenministers an den Internationalen Gerichtshof&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 29. November 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzminister Miller berichtet über Nahostreise und iranische Guthaben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz in London am 29. November 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Immunreaktion mit Feinabstimmung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verbesserungen für Diagnose und Therapie möglich -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>12. Dezember 1979

47

INHALT

DOKUMENTATION
Menschenrechtsproklamation Präsident Carters
Erklärung von Botschafter Gerard C. Smith auf der 23. Vollkonferenz der
Internationalen Atomenergiebehörde

HINTERGRUNDMATERIAL
Weltwellenkonferenz mit versöhnlichem Aus klang
- Detailregelungen in den achtziger Jahren -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Virusfeinde im Meerwasser
- Aufsehenerregende Entdeckungen von Forschern in Hawaii
Dunger aus Rauchgasen

Um Übei/endung von
BcIcgcHcmplorcn wir J
gebeten

D5300 Bonn 2

Telex:08-85432

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Dezember 1979

47

MENSCHENRECHTSPROKLAMATION PRÄSIDENT CARTERS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat die Woche vom 10. bis 16.
Dezember 1979 zur Woche der Menschenrechte in den Vereinigten Staaten proklamiert. Am 10. Dezember 1948 hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen
die Universale Erklärung der Menschenrechte verabschiedet, und am 15. Dezember 1791 wurde die "Bill of Rights", die ersten zehn Verfassungszusätze über
die grundlegenden Freiheiten des Menschen, Teil der Verfassung der Vereinigten
Staaten von Amerika.
Die Proklamation des Präsidenten vom 6. Dezember 1979 hat folgenden Wortlaut:
Tag der "Bill of Rights"
Tag und Woche der Menschenrechte 1979
eine Proklamation
des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika
Am 15. Dezember 1791 wurde die "Bill of Rights" Teil der Verfassung der
Vereinigten Staaten.

Am 10. Dezember 1948 verabschiedete die Vollversammlung

der Vereinten Nationen die Universale Erklärung der Menschenrechte.

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Durch die

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�h

die Beachtung dieser Jahrestage erneuern wir unsere Hingabe sowohl an unsere
eigenen Freiheiten als auch an die Förderung der Menschenrechte überall auf
der Erde.
In unserer offenen Gesellschaft verbinden sich eine frei gewählte Regierung, eine unabhängige Gesetzgebung, eine freie und starke Presse sowie die
Wachsamkeit unserer Bürger zum Schutz unserer bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rechte und Freiheiten.
Wir können auf das bisher Erreichte stolz sein. Aber wir können uns
nicht in Zufriedenheit zurücklehnen, solange die "Bill of Rights" keine gelebte Wirklichkeit für jeden einzelnen Menschen in den Vereinigten Staaten ist.
Der Gesetzeszusatz über gleiche Rechte würde dabei helfen, indem er die Grundrechte der amerikanischen Frauen ausdrücklich garantiert.

Ich fordere jeden

Bundesstaat, der dies bisher noch nicht getan hat, dazu auf, diese kluge und
notwendige Maßnahme im kommenden Jahr zu ratifizieren.
Die Universale Erklärung der Menschenrechte setzt weltweite Maßstäbe, die
das gleiche Wunschbild widerspiegeln, das unsere eigene "Bill of Rights" beseelt. Nahezu alle Länder haben dieser Erklärung beigepflichtet. Aber noch
allzu oft wird ihr Versprechen verhöhnt.
Willkürliche Haftung und Gefangenschaft, Massenexekutionen und Folter,
das Verschwinden von Menschen und Akte des Völkermords zerstören noch immer
das Leben von Millionen. Grundlegende Menschenrechte werden fortwährend bedroht, indem politisch Andersdenkende mundtot gemacht werden, durch Diskriminierung auf der Grundlage von Rasse, Religion, ethnischem Ursprung und Geschlecht,
durch die Verletzung der Freiheiten zur öffentlichen Versammlung, zur Vereinigung, zur freien Meinungsäußerung und zur Freizügigkeit sowie durch die Unterdrückung der Gewerkschaften. Und die Gefangennahme und die Mißhandlung der
amerikanischen Botschaftsangehörigen im Iran erinnert uns daran, daß die international geschützten Rechte diplomatischer Vertreter eine grundlegende Vorbedingung für zivilisierte Beziehungen zwischen Staaten sind.
Diejenigen,
- 2 -

�Diejenigen, die anderen Pein zufügen - gleichgültig, ob es die Geheimpolizei von Diktatoren, die gesichtslosen Bürokraten totalitärer Staaten oder
der schreiende Mob revolutionärer Eiferer sind, sollen willen, daß wir nicht
sie verteidigen werden, sondern ihre Opfer.

"Bill of Rights"-Tag sowie Tag und Woche der Menschenrechte sollten gekennzeichnet sein durch verdoppelte Unterstützung der internationalen Anstrengungen für die ganze Bandbreite der Menschenrechte.
Ich erneuere meine Forderung an den Senat, seinen Rat und seine Zustimmung
zur Konvention über Völkermord zu geben, zur Konvention über die Beseitigung
aller Formen der rassischen Diskriminierung, zum Vertrag über bürgerliche und
politische Rechte, zum Vertrag über wirtschaftliche, soziale und kulturelle
Rechte und zur amerikanischen Menschenrechtskonvention.

Ich empfehle dem

außenpolitischen Senatsausschuß,Anhörungen über diese Vertrage abzuhalten, und
ich fordere alle Amerikaner zur Unterstützung ihrer Ratifizierung auf.

Daher erkläre ich, Jimmy Carter, Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika, hiermit den 10. Dezember 1979 zum Tag der Menschenrechte und den 15.
Dezember 1979 zum Tag der "Bill of Rights" und rufe alle Amerikaner dazu auf,
die am 10. Dezember 1979 beginnende Woche der Menschenrechte zu begehen.

Wid-

men wir uns erneut der Förderung der Ideale, wie sie in der "Bill of Rights"
und in der Universalen Erklärung der Menschenrechte enthalten sind, damit sie
eines Tages von allen Menschen auf dieser Erde genossen werden können.

In Bekräftigung dessen unterzeichne ich diese Proklamation an diesem
6. Tag des Dezember im Jahre 1979 unseres Herrn und im 204. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von

Amerika.

(gezeichnet) Jimmy Carter

+ + + + +
- 3 -

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Dezember 1979

47

ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER GERARD C. SMITH AUF DER 23. VOLLKONFERENZ
DER INTERNATIONALEN ATOMENERGIEBEHÖRDE

NEU DELHI - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA), Gerard C. Smith, hat am 4. Dezember 1979 in Neu
Delhi auf der 23. Vollkonferenz der IAEA die amerikanische Haltung zu Nutzung
und Problemen der Atomenergie umrissen. In diesem Zusammenhang verlas er auch
eine Botschaft Präsident Carters, die darauf hinwies, daß gerade "schwierige
Herausforderungen oft gewaltige Chancen bieten".
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Es ist eine Ehre für mich, heute hier vor Ihnen zu sprechen. Zunächst
möchte ich Ihnen, Herr Dr. Sethna, zu Ihrer Wahl zum Präsidenten gratulieren.
Sie sind seit langem einer der am meisten bewunderten und respektierten Männer
im Zusammenhang mit der Arbeit der Behörde. Ihre Wahl ist ein gutes Zeichen
für den Erfolg dieser Konferenz.
Ich möchte auch der Regierung von Indien unsere Dankbarkeit zum Ausdruck
bringen für ihre Anstrengungen als Gastgeber dieser Konferenz.
Der

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Der Präsident der Vereinigten Staaten hat mich darum gebeten, Ihnen die
folgende Botschaft zu übermitteln:
"Im Namen des amerikanischen Volkes möchte ich den Teilnehmern der 23.
Vollkonferenz der Internationalen Atomenergiebehörde meine

besten Wünsche

übermitteln.
Atomkraft kann von entscheidender Bedeutung sein bei den gewaltigen Anstrengungen, die wir - einzeln oder gemeinsam - unternehmen müssen, um unsere
Abhängigkeit von der schwindenden und manchmal unsicheren Versorgung mit fossilen Brennstoffen zu vermindern.

Die Beziehungen zu anderen Ländern sind we-

sentliche Elemente bei der Ausweitung der Nutzung von Kernenergie.
Unsere Fähigkeit, hieraus den höchsten Nutzen zu ziehen, hängt von größerem öffentlichen Vertrauen darin ab, daß diese wichtige Energiequelle auf
sichere und wirkungsvolle Weise entwickelt und verwandt wird.

Der Mißbrauch

dieser Technologie würde schwerwiegende Auswirkungen auf die Sicherheit aller
Länder haben, und es ist von entscheidender Bedeutung, unsere gemeinsamen Anstrengungen zu verstärken, um der Ausbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten.
Schwierige Herausforderungen bieten oft gewaltige Chancen.

Ich glaube

daran, daß wir durch Zusammenarbeit das Versprechen einer besseren und friedlicheren Welt, das uns das Atom gegeben hat, erfüllen können.
Die Vereinigten Staaten erkennen die zentrale Rolle, die die IAEA bei
diesem Unterfangen spielt.

Es ist unsere Absicht, auch weiterhin den Pro-

grammen der Behörde unsere volle Unterstützung zu gewähren.
Es ist meine Hoffnung und die Hoffnung des amerikanischen Volkes, daß
wir beim Eintritt in die achtziger Jahre unsere Anstrengungen erneuern können,
die Entwicklung der Kernkraft auf harmonische und lohnende Weise zu verfolgen."
Soweit

�Soweit die Botschaft des Präsidenten.
Kernkraft brauchen viele Länder, meines eingeschlossen.
Staaten erkennen diesen Bedarf.

Die Vereinigten

Wir werden unserer Verpflichtung zu fried-

licher Zusammenarbeit im Bereich der Kernkraft nachkommen.

Gleichzeitig müs-

sen wir noch weit mehr tun, um den Herausforderungen zu begegnen, vor denen
die Kernkraftindustrie steht, einschließlich der öffentlichen Bedenken über
Sicherheit, Lagerung des radioaktiven Abfalls, Proliferation und Versorgungsgarantien.
Wir haben uns zur Verbesserung der Reaktorsicherheit verpflichtet. Das
Bedienungspersonal der Reaktoren muß besser ausgebildet werden, Durchführungsbehörden angemessen organisiert werden. Three Mi 1e Island machte Mängel deutlich, verleugnete aber die Kernenergie nicht als eine sichere, verläßliche und
wirtschaftliche Energiequelle. Wir sollten dadurch besser in die Lage versetzt werden, die sichere Handhabung der Kernkraftanlagen zu gewährleisten.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin mit der IAEA und ihren Mitgliedstaaten die Ergebnisse ihrer Untersuchungen von Three Mile Island teilen.
Die Lagerung des radioaktiven Mülls ist im gleichen Maß eine gesellschaftliche und institutionelle sowie eine technologische Frage. Wir sollten unsere
gemeinsamen Anstrengungen verstärken, um unseren Mitbürgern die Möglichkeiten
der Lagerung in verschiedenen geologischen Formationen zu zeigen - und sie davon überzeugen.
Wir müssen uns auch wirkungsvoller um die Verwendung der abgebrannten
Brennstäbe kümmern.

Von der Internationalen Arbeitsgruppe zur Bewertung des

Internationalen Kernbrennstoffzyklus (INFCE) und anderen angestellten Untersuchungen sollten uns in dieser Hinsicht zuversichtlicher stimmen.

Eine län-

gere Lagerung wiederaufzubereitender Brennelemente aus den meisten der derzeit gängigen Reaktortypen ist sicher und in wirtschaftlicher Hinsicht gegenüber der Wiederaufbreitung konkurrenzfähig.

Daß die Wiederaufbereitung nicht

die wesentliche Voraussetzung für eine gesicherte und kontrollierte Handha-

�-

Handhabung der Entsorgung ist, wird in zunehmendem Maße anerkannt.

Es stehen

hier mehrere Möglichkeiten zur Wahl.
Die Besorgnis wächst, daß weitere Nationen in den Besitz von nuklearen
Sprengsätzen gelangen könnten.

Wir müssen sicherstellen, daß dies nicht ge-

schieht, da dies eine sehr ernsthafte nachteilige Auswirkung auf den internationalen Handel mit Kernmaterial und auf die internationale Sicherheit und
Stabilität haben könnte.
Die Vereinigten Staaten erkennen die dringende Notwendigkeit der Aufrechterhai tung des Vertrauens in die Abmachungen über die Lieferung von Kernmaterialien
mit jenen Nationen an, die die Bedingungen für eine Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation) erfüllen.

Wir verstehen, daß es größere Sicherheit bei der Aus-

gabe von Exportlizenzen und der zu erwartenden Ausübung der nationalen Kontrollen geben sollte.
Wir sind darum bereit, eng mit anderen zusammenzuarbeiten, und bestrebt,
unser Gesetz in einer Weise zur Anwendung zu bringen, die dem dient. Die Abnehmerstaaten tragen auch eine Verantwortung; die Artswie sie die Technologie
nutzen oder mißbrauchen,kann auf das Verhalten der Lieferstaaten eine erhebliche Auswirkung haben. Es besteht die Notwendigkeit, das Uran in adäquater
Weise abzubauen, es zu gewinnen und anzureichern, um die Bedürfnisse der Reaktoren zu decken. Die Vereinigten Staaten sind bereit, anderen bei der Auffindung und Entwicklung ihrer natürlichen Uranvorkommen zu helfen. Nach unserer Ansicht dürfte die Uranindustrie bei entsprechender notwendiger Exploration und Investition in keine ungewöhnlichen Schwierigkeiten bei der Erfüllung dieser Anforderungen gelangen, zumindest bis zum Ende dieses Jahrhunderts.
Offensichtlich ist auch die INFCE hier zu der Schlußfolgerung gelangt, daß
die Anreicherungskapazität ausreichen wird, um die wahrscheinlichen Anforderungen zu erfüllen, zumindest durch die neunziger Jahre. Das ist ermutigend.
Das langfristige Wachstum der Kernkraft wird schließlich auch modernere,
weiterentwickelte Reaktorsysteme erfordern.

- 4 -

Da Verbesserungen in der Nutzung

�Nutzung des Brennmaterials in Wärme-Reaktoren erzielt werden können, könnte
die Kernkraft auch weiterhin nach dem Prinzip der einmaligen Verwendung auf
längere Zeit hinaus genutzt werden.

Eine Plutonium-Rückgewinnung (recycling)

erscheint uns unnötig, wirtschaftlich allenfalls unbedeutend und unklug vom
Standpunkt der Nonproliferation zu diesem Zeitpunkt.

Obwohl einige Nationen in der Forschung und Entwicklung von Brutreaktoren
- was eine Wiederaufbereitung erfordert - weiter vorangehen, bestehen nach
unserer Meinung zwingende Gründe wirtschaftlicher Natur und auch vom Standpunkt der Nichtweiterverbreitung, die Zahl der Wiederaufbereitungsanlagen auf
einige wenige Großanlagen zu begrenzen und die Wiederaufbereitungskapazität
auf den unmittelbaren Plutoniumbedarf für Forschung und Entwicklung von technisch

weiterentwickelten neuartigen Reaktoren einzustellen.
Wenn eine solche Wiederaufbereitung erfolgt, dann wird es außerordentlich

wichtig sein, sicherzustellen, daß das anfallende Plutonium rigorosen internationalen Kontrollen unterliegt.

Daß ein Brutreaktor entwickelt und vorgeführt wird und sich als wirtschaftlich erweist, ist eigentlich nur in solchen Ländern wahrscheinlich, die
über eine hochmoderne Infrastruktur und geeignete Lokalitäten verfügen.

Das

heißt nicht, daß Brüter auf einige Länder beschränkt und anderen verweigert
werden sollen, und es wird Zeit genug sein, ehe man eine bestimmte moderne
Technologie auswählt, um nach verschiedenen Optionen zu blicken und internationale Nonproliferationsabkommen zu modernisieren.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat lange als ein Sammelpunkt für nukleare Kooperation gedient.

Wir sind der Meinung, daß sie auch

für die Bewältigung der von mir genannten Aufgaben wichtig sein wird.

Wir unterstützen mit Nachdruck den Vorschlag ihres Generaldirektors, die
von der IAEA in bezug auf die nukleare Sicherheit unternommenen Anstrengungen
zu intensivieren.
Wir
- 5-

�Wir werden weiterhin das lebenswichtige Programm der IAEA über Sicherheitsbestimmungen unterstützen, das für alle Bemühungen um eine Verhinderung der
Weiterverbreitung von Kernwaffen so entscheidend wichtig ist.
Die Vereinigten Staaten haben in diesem Jahr 5,1 Millionen Dollar an Beiträgen für dieses Programm aufgebracht. Wir fordern die anderen auf, ihre Unterstützung dieses Programmes zu erhöhen.

Wir sind der Ansicht, daß Staaten auch

nukleare Anlagen für eine wirkungsvolle Anwendung dieser Sicherheitsbestimmungen
konstruieren sollten.
Weitere Staacen haben sich zur Einhaltung des Nonproliferationsvertrags
verpflichtet, des Vertrages über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen,
und wir hoffen, daß umfassende Schutzklauseln beim internationalen Handel mit
Kernmaterial zur Norm werden.
Wir gratulieren der IAEA für ihre Rolle, die sie beim Abschluß der Konvention über den physischen Schutz gespielt hat. Die Konvention sollte dazu
beitragen, Terroristen oder andere Nichtstaatengruppen vom Mißbrauch des Kernmaterials abzuhalten.
Die Tätigkeiten der Behörde im Bereich des technischen Beistands helfen
den Entwicklungsländern dabei, Vorteile aus der friedlichen Nutzung der Kernenergie zu ziehen. Die Zustimmung des Kongresses vorausgesetzt, werden wir
unseren freiwilligen Beitrag für das Jahr 1980 über den Umfang des Vorjahres
hinaus erhöhen. Wir beabsichtigen auch, unser Spezialprogramm für technische
Hilfe in die Tat umzusetzen, wie dies kürzlich auf der UN-Sondersitzung über
Abrüstung umrissen wurde. Wir sind der Ansicht, daß sich die Liste unserer
Objekte auf dem Gebiet der Zusammenarbeit in Übereinstimmung mit Artikel 4 des
Nonproliferationsvertrags stets sehen lassen kann. Wir suchen auch weiterhin
nach neuen Wegen, um in noch größerem Maße auf die Bedürfnisse der Entwicklungsländer einzugehen. Wir unterstützen die Studie der Behörde über verbrauchte
Brennstoffe und nehmen regen Anteil an ihrer Untersuchung, ob eine internationale Plutoniumregelung die bestehenden Nonproliferationsmaßnahmen verstärken

�Wir schätzen den Beitrag, den das Sekretariat geleistet hat, um die
Nützlichkeit der INFCE zu gewährleisten.

Wir erwarten von der IAEA, bei den

Nachfolgekonferenzen im Rahmen der INFCE eine wesentliche Rolle zu spielen. Da
INFCE offensichtlich keine wesentlichen technischen Fixierungen bzw. Lösungen
vorwegnimmt, sollten wir auf institutionelle Maßnahmen drängen, um sowohl
eine umfassendere Versorgung als auch Zusicherungen hinsichtlich der Nonproliferation zu ermöglichen.

Tatsächlich wird eine solche Entwicklung durch ame-

rikanisches Recht und amerikanische Politik in Betracht gezogen.

Zusammen-

fassend ist zu sagen, daß die Vereinigten Staaten hoffen, die wesentliche
Rolle der Kernkraft zu erhalten und auszubauen;

jedoch wird dies größere

Zuversicht von Seiten der Öffentlichkeit, der Regierung und der Wirtschaft
sowie internationale Zusammenarbeit erfordern.

Nach dem INFCE-Abschluß müssen wir die noch anstehenden Differenzen ausgleichen und auf einen sichereren Nonproliferationsrahmen hinarbeiten, indem
wir auf den Leistungen der Vergangenheit aufbauen.

Mißbrauch von Technologie und Ausrüstung könnte die Aussichten der Kernkraft ernstlich schädigen.

Dies wäre eine Tragödie, zumal für viele Länder

die Notwendigkeit besteht, sich dieser großartigen Energiequelle zu bedienen,
um ihre Energiesicherheit zu erhöhen.

Ich habe damit begonnen, unsere Abhängigkeit von der Entwicklung der
Kernenergie zu unterstreichen.
enden:

Ich möchte mit einem Anflug von Optimismus

daß nämlich kraft Zusammenarbeit und Disziplin diese großartige

Energiequelle unser sein kann.

+ + + + +

- 7 -

�(Kl-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
12. Dezember 1979

47

WELTWELLENKONFERENZ MIT VERSÖHNLICHEM AUSKLANG
- Detail rege!ungen in den achtziger Jahren -

- (AD) - Hartes Ringen um Frequenzzuteilungen kennzeichnete die elfwöchige
Weltwellenkonferenz (WARC - World Administrative Radio Conference) von Genf,
die am 5. Dezember 1979 mit der Unterzeichnung eines offiziellen Schlußdokuments
von 1300 Seiten zu Ende ging. Vertreter von 154 Ländern waren zusammengekommen, um die vor 20 Jahren auf der letzten derartigen Plenartagung getroffenen
Abmachungen zu revidieren. Allerdings hatte man in der Zwischenzeit mit improvisierten Verbesserungen dem veränderten Bedarf, den neuen Techniken und nicht
zuletzt speziellen politischen Interessen schon teilweise Rechnung getragen.
Die Zahl der Teilnehmerländer hatte sich gegenüber 1959 um 70 erhöht, was auf
die stark angestiegene Zahl selbständig gewordener junger Nationen als Mitglied
der Internationalen Fernmelde-Union (ITU - International Telecommunication
Union, Dachorganisation der WARC) zurückzuführen ist.
Ursprüngliche Befürchtungen, daß die Klärung der vielen technischen Sachfragen von politischen Problemen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern,
West und Ost oder auch unterschiedlichen Interessen der USA und Europas in den

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�den Hintergrund gedrängt werden könnte, bewahrheiteten sich glücklicherweise
nicht.

Vielmehr erwies die Konferenz, wie der US-Chefdelegierte Glen 0. Robinson

erklärte, der ITU einen guten Dienst "mit einem Minimum an politischer Debatte
über allgemeine ideologische Streitfragen...

Wir sehen keine Anzeichen für eine

tiefergehende Unzufriedenheit mit den Ergebnissen".
Die den modernen Gegebenheiten angepaßten Funkbestimmungen treten am
1. Januar 1982 in Kraft.

Es sei

wahrscheinlich, so Robinson, daß es vor der

Jahrtausendwende zu keiner weiteren WARC-Konferenz kommen werde.

Jedoch sind

für die achtziger Jahre Sondertagungen über die Details bei bestimmten Funkaktivitäten und Frequenzbereichen vorgesehen, u.a.:
- Mittelwellenfunk.

Die Vereinigten Staaten hatten eine Ausdehnung des

Mittelwellenbereichs gewünscht, damit die Zahl der Mittelwellensender in den
USA erhöht werden könne.

Insbesondere sollte das Frequenzspektrum von 1605 -

1860 KHz (KHz = Kilohertz mit 1000 Schwingungen pro Sekunde) einbezogen werden.
Dem wurde im wesentlichen, wenn auch nicht in allen Punkten mit dem Beschluß
entsprochen, das 1605 - 1625 KHz-Band ausschließlich dem Mittelwellenrundfunk
zuzuteilen und ihm überdies Priorität gegenüber anderen Benutzern des 1625 1705-KHz-Bandes einzuräumen.

Spätestens im Jahr 1985 wird eine Sonderkonferenz

über einschlägige Fragen Beschlüsse fassen.
- Kurzweilenfunk. Der Kurzweilenempfang dürfte Ende der achtziger Jahre
besser als heute sein, weil die Konferenz die KW-Frequenzen in den wichtigsten
Bandbereichen von 9, 11, 15, 17 und 21 Megahertz (1 Megahertz = 1 000 000
Schwingungen pro Sekunde) um 60 Prozent erweitert hat. Mitte der achtziger
Jahre soll auf einer Kurzwellen-Sonderkonferenz die Realisierung dieser Beschlüsse durchgesetzt und die effiziente und gerechte Nutzung dieser Rundfunkbänder geplant werden.
Die USA hätten gerne eine zusätzliche Ausweitung der
wichtigen Bänder von 6 und 7 MHz gesehen, stießen jedoch vor allem bei den
Entwicklungsländern auf Ablehnung, weil diese nach wie vor diese Bänder für
Fernmeldeaktivitäten wie Telefon, Telex usw. benötigen.
- Mobilfunk.
- 2 -

�- Mobil funk.
Personen usw.).

(Verbindung mit Schiffen, Kraftfahrzeugen, Flugzeugen,

Die Konferenz erweiterte allgemein den Bereich für den Mobil -

funk in der ganzen Welt.

Eine Sonderkonferenz ist für die achtziger Jahre vor-

gesehen.

- Amateurfunk.

Die bisherigen Kurzwellenbänder für den Amateurfunk werden

um drei neue Bänder erweitert, was das Frequenzspektrum um sieben Prozent vergrößert.

Außerdem werden neue Bänder für den Satelliten-Amateurfunk freigegeben

- Satellitenfunk.

WARC erweiterte die Zuteilungen für Fernmeldesatelliten

und genehmigte entsprechend den amerikanischen Vorschlägen getrennte Frequenzbänder für die Fernmelde- und die Rundfunksatelliten im Bereich von 12 Gigahertz (1 GHz = 1 Milliarde Schwingungen pro Sekunde).

Seit 1971 wurde für bei-

de Systeme das gleiche Frequenzband benutzt, was die Zahl der verfügbaren Positionen für geostationäre Satelliten (auf Bahnen in ca. 36 000 km Höhe über
dem Äquator)

begrenzte.

Jetzt ist nicht nur der Weg frei für die Nutzung von

wesentlich*mehr Positionen, sondern für die Länder gibt es auch mehr Flexibilität in der Plazierung von Satelliten in technisch wie wirtschaftlich besonders
effizienten Positionen zur Bedienung bestimmter Gebiete.

Eine Sonderkonferenz

über Nachrichtensatelliten wird im Jahr 1984 abgehalten.

Diese Konferenz wird versuchen, allen Nationen den Zugang zum Weltraum
zu garantieren.

Eine Anzahl von Entwicklungsländern strebte wegen ihrer Be-

fürchtungen, vom Satellitenfunk ausgeschlossen zu werden, die Reservierung von
Frequenzen an, obgleich sie diese in absehbarer Zukunft gar nicht nutzen können.
In der Sicht der Industrieländer und besonders der USA, die dringend neue Frequenzen benötigen, würde dies'zu einer Vergeudung technischer Möglichkeiten
führen.

Statt starrer Vorausplanung drängen deshalb die Industrieländer nicht

zuletzt aus wirtschaftlichen Erwägungen auf "neue dynamische und flexible Wege",
um dem Ziel eines gleichberechtigten Zugangs für alle Nationen gerecht zu werden.

Nach ihrer Meinung sei ein Teil der Probleme auf einfache Weise zu lösen,

indem man die administrativen Maßnahmen für die Frequenzzuteilung verbessert.
Immerhin konnten die WARC-Delegierten insoweit die verschiedenen Standpunkte

- 3-

�Standpunkte klären, daß nunmehr, wie Botschafter Robinson berichtete, private
amerikanische Investoren ihre Pläne zum Start privater Fernmeldesysteme weiterverfolgen können, ohne die Konferenz von 1984 abwarten zu müssen.
' Technische Unterstützung von Entwicklungsländern.

Die Weltwellenkonfe-

renz verabschiedete eine Anzahl von Resolutionen über verstärkte technische
Hilfe für Entwicklungsländer, z.B. bei der Ausbildung von Fachpersonal, für
technische Zusammenarbeit beim Aufbau von Funkverbindungen und für den Technologietransfer im Fernmeldewesen.

•

.

Navigation - Radioastronomie - Satellitenforschung
Ein wichtiges Ziel der Vereinigten Staaten war die Zuteilung von Frequenzen für das neue amerikanische Navigationssatelliten-System mit der Bezeichnung NAVSTAR bzw. GPS (Global Positioning System).

GPS ist ein Funknaviga-

tions-Satellitensystem, das vom US-Verteidigungsministerium entwickelt wird,
um exakte Positionsangaben vor allem für Flugzeuge, Schiffe und militärische
Einheiten zu ermöglichen.

Es besteht gegenwärtig aus sechs Satelliten, soll

schließlich aber mit 24 Satelliten auf polarer Umlaufbahn betrieben werden.
Das Funkmeßsystem wird die Bestimmung der Position des Benutzers, wo immer er
sich auf der Erde befindet, nahezu metergenau erlauben.

Es ist sehr viel exak-

ter als jedes andere Funknavigationssystem.
Die Vereinigten Staaten haben angeboten, das ursprünglich für militärische
Zwecke entwickelte GPS-System weltweit für den nicht-militärischen Gebrauch verfügbar zu machen - ein Vorschlag, der von den Teilnehmern der Weltwellenkonferenz angenommen wurde. Gleichzeitig einigte man sich darüber, dem System ausreichend Frequenzen zuzuteilen.
Zur Funkpositionsbestimmung gehört auch die Funkortung - d.h. Radaranwendung zum Schutz vor Kollisionen, für Erkundungszwecke, Entfernungsmessung,
Kartierung, Start von Raumflugkörpern, Wettervorhersage und Identifizierung von

�von Raumfahrtprojekten.

Die amerikanischen Vorschläge zum Thema Funkortung

basierten auf der Notwendigkeit vermehrter Zuteilung sowohl angesichts der weltweit verstärkten Operationen in der Luft, zur See und zu Lande als auch der
Operationen an Bord von Weltraumplattformen.

Die USA sind der Ansicht, daß einige WARC-Beschlü'sse auf längere Sicht die
Benutzung der Radarortung in einigen Teilen des Hochfrequenzspektrums ungünstig
beeinflussen könnten, weil die Funkortung gezwungen wird, das Spektrum mit anderen Diensten zu teilen.

Ein Schutz dieser anderen Dienste vor einer Störung

durch Radar könnte Probleme aufwerfen.

Für die Radioastronomie haben die Vereinigten Staaten im Verlauf der WARCTagung praktisch alle angestrebten Ziele erreicht.

Die Radioobservatorien or-

ten und messen extrem schwache Signale, die von der Sonne, von Sternen und fernen Galaxien ausgehen.

Die Astronomen müssen die Gewähr für interferenzfreie

"ruhige Zonen" um diese ihre Frequenzen haben, damit sie exakte Messungen machen
können.

Auf der Konferenz wurde eine Anzahl von Methoden zum Schutz der Radio-

astronomie akzeptiert.

Hinsichtlich einiger kritischer Frequenzen gab man der

Radioastronomie den Vorrang vor anderen Aktivitäten.

In anderen Bereichen des

Spektrums werden die Frequenzbenutzer ausdrücklich auf die Belange der Radioastronomie und deren Schutz vor Störungen, beispielsweise durch nahegelegene
Sender, aufmerksam gemacht.

In bezug auf die allgemeine Weltraumforschung wurden alle amerikanischen
Vorschläge angenommen.

Die USA verfügen künftig über bessere Zuteilungen in

vier Frequenzbändern für Zwecke der erdnahen Aktivitäten und für Aktivitäten tief
im kosmischen Raum.

Auch die amerikanischen Vorschläge über die Anwendung von

Mikrowellen in der Satelliten-Fernerkundung mit Übermittlung der Ergebnisse zur
Erde wurden außerordentlich gut aufgenommen.

Die Länder haben inzwischen er-

kannt, wie wertvoll diese Aktivitäten sind, um Klima, Wetter, das Meer und die
damit zusammenhängenden Vorgänge sowie Rohstoffe im Meer, Rohstoffsuche auf dem
Festland und die Qualität der Umwelt besser zu verstehen und zu beurteilen.
Jetzt werden für neu entwickelte Systeme zur Fernerkundung spezielle Frequenzbänder zugeteilt.
+ + + + +
- 5-

�3
I 3

Wi//en/chaft
\H\&lt;) Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Dezember 1979

47

VIRUSFEINDE IM MEERWASSER
Aufsehenerregende Entdeckung von Forschern in Hawaii -

- (AD) - Mikroorganismen, die Viren vernichten, entdeckte eine Forschergruppe der Universität Hawaii im Meeresgebiet um die Hawaiischen Inseln. Der
Zufall kam den Wissenschaftlern dabei zuhilfe, denn die Aufgabenstellung bei
den Meerwasseruntersuchungen durch das Virologische Umweltforschungsinstitut
war eine ganz andere gewesen: Man wollte herausfinden, welcher Art die Meerwasserverschmutzung durch Kanalisationsabwässer sei. Es sollten die vorhandenen Virus-Typen und ihre Verteilung in den einzelnen Küstenbereichen ermittelt werden. Außerdem wollte man wissen, in welchem Umfang sie Liberleben und
ob es möglich sei, bestimmte Viren wie solche aus menschlichen Exkrementen
aus Proben verseuchten Wassers zu isolieren.
Zu ihrer Überraschung fand die Forschergruppe unter der Leitung von Professor Philip Loh Mikroorganismen, die im Meerwasser als Virenvernichter fungieren. Bei der sorgfältigen Untersuchung zahlreicher und verschiedenartiger
Wasserproben stellte sich heraus, daß Viren inaktiviert werden, und zwar mehr
oder weniger stark. Dieser Umstand gab einen wichtigen Hinweis, aber noch
nicht die Antwort auf die alte Frage, welcher Faktor denn eigentlich die Vermehrung von Viren in Seewasser hemmt. War es ein biologischer Prozeß? Handelte es sich um chemische Reaktionen?
ß .
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�Bei den Labortests wurden lebende Mikroorganismen gefunden, die auf Wärme und gewisse Antibiotika empfindlich reagieren, von anderen antibiotischen
Präparaten dagegen nicht angegriffen wurden.

Sie leben offenbar nur im Meer

- in Süßwasser wie Bächen und Flüssen suchte man vergeblich nach ihnen.
Professor Loh berichtete, daß damit zum ersten Mal Mikroorganismen mit virusfeindlichen Eigenschaften im Pazifik gefunden wurden.

Bisher hatten ein

schwedisches und ein israelisches Laboratorium ähnliche Beobachtungen in der
Ostsee und im östlichen Mittelmeer gemacht. Aber im Gegensatz zu den hawaiischen Wissenschaftlern war es den beteiligten Forschem nicht gelungen, die
antivirale Aktivität der Mikroorganismen im Laboratorium zu erhalten.
Nach den Erfolgen der ersten Experimentierserie bereitet die Gruppe Loh
gegenwärtig Untersuchungen vor, mit denen die Mikroorganismen isoliert und
ihre Merkmale, einschließlich der chemischen Komponenten, bestimmt werden sollen.

Wenn ein Weg gefunden würde, sie im Laboratorium zu züchten, könnte

sich ein breites Anwendungsspektrum für die biologische Bekämpfung von Viren
ergeben, die beim Menschen Erkrankungen verursachen und Seewasser verseuchen.
So wäre es Professor Loh zufolge denkbar, Abwässer noch vor der Einleitung
in freies Wasser entsprechend zu behandeln.

Und der Chemotherapie von Virus-

krankheiten eröffnete sich vielleicht ein neuer Weg.

+ + + + +

�31
3

1

Uli/zen/chnft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. Dezember 1979

47

DÜNGER AUS RAUCHGASEN

- (AD) - Die bei der Kohleverbrennung entstehenden Rauchgase sind nur
unter erheblichem technischen und finanziellen Aufwand von umweltschä'dl ichen
Beimengungen zu säubern. Die strengen Auflagen der amerikanischen Umweltschutzbehörde zwingen die Betreiber von Kohlekraftwerken zum Einbau von Filteranlagen insbesondere zur Entfernung von Schwefeldioxid, die sehr hohe Kosten
verursachen. In Chicago haben nun zwei Chemieingenieure, Dr. Ralph Peck und
Dr. Ladd Pircon, ein Verfahren entwickelt, mit dem das Schwefeldioxid wirksamer und noch dazu sehr viel billiger aus Rauchgas entfernt und zur Düngemittelproduktion verwendet wird. Außerdem erfordert der Prozeß nur ca. vier
Prozent der Energie, die bei den heute üblichen Filtermethoden verbraucht wird.
Kernstück des Peckschen Verfahrens ist ein sog. heterogener Reaktor, in
dem Schwefeldioxidgas zunächst mit Wasser und Calciumphosphat verbunden wird.
Dann wird Phosphor aus der Verbindung mit Calcium freigesetzt, um sich mit
Ammoniak sowie den beim Verbrennungsprozeß zurückbleibenden Aschen zu einem
Düngemittel zu verbinden.

In

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�In einer kleinen Pilotanlage in Chicago erproben die beiden Ingenieure
das Verfahren seit nunmehr zwei Jahren.

Sie sind überzeugt, daß es auch in

der technischen Anwendung bestehen kann. Und es habe, so die Erfinder, den
Vorteil, daß die Stromversorgungsunternehmen elektrischen Strom sogar billiger als heute abgeben könnten, weil ihnen der als "Nebenprodukt" gewonnene
Dünger zusätzliche Einkünfte verschafft.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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Dezember 1979

INHALT
DOKUMENTATION
Carter kündigt höhere Verteidigungsausgaben an
- Wortlaut der Rede des Präsidenten vor dem Amerikanischen Wirtschaftsrat Erklärung des US-Außenministers zur Sondersitzung der NATO-Ministertagung
- Wortlaut Erklärung des US-Außenministers auf der Ministertagung des Nordatlantikrates

J

Vance-Rede für die Berliner Pressekonferenz
- gehalten von Unterstaatssekretär Vest

WIRTSCHAFT
Solomon gibt Überblick über künftige Wirtschaftsentwicklung
- Auszüge -

HINTERGRUNDMATERIAL
Ein Wahljahr steht bevor
- Primaries, Caucuses, Straw Polls:

Was bedeutet das alles? -

äu_n-.9,e-r. - n ° c n , 1 a n ge nicht besiegt
- Wachstumsrate der Weltwirtschaft und bessere Strategien entscheidend
für erfolgreiche Bekämpfung

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Belegexemplaren wird
gebeten

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19. Dezember 1979

48

S0L0M0N GIBT ÜBERBLICK ÜBER KÜNFTIGE WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG
- Auszüge -

Nachstehend übermitteln wir Ihnen
Auszüge aus den Ausführungen, die der
Staatssekretär für Währungsangelegenheiten im US-Finanzministerium, Anthony
Solomon, am 12. Dezember vor einem
Unterausschuß des Kongresses gemacht
hat. Solomon befaßt sich darin unter
anderem mit den Aussichten der Weltwirtschaft, der Einfrierung der Guthaben
der iranischen Regierung, der Überwachungstätigkeit des IWF und der internationalen
Liquidität.

WASHINGTON

- (AD) - Herr Vorsitzender, es ist mir ein Vergnügen,

wieder vor Ihrem Unterausschuß zu erscheinen.

Diese Einvernahmen geben

Gelegenheit,einen umfassenden Bereich genereller Fragen - die Euromärkte,
die internationale Verschuldung, die wirtschaftlichen Auswirkungen der ölpreissteigerungen und die Weiterentwicklung des internationalen Währungssystems - zu erörtern, die sich auf sinnvolle Weise am ehesten im Rahmen
einer Übersicht über die derzeitige Situation der Weltwirtschaft und eines

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�eines Ausblicks auf ihre künftige Entwicklung darstellen lassen.

Auf alle

diese Fragen oder Dinge werde ich in meiner heutigen Erklärung eingehen.
Ergänzende Antworten auf eine Reihe spezifischer Fragen, die Sie in Ihrem
Einladungsschreiben an mich angeschnitten haben, lege ich Ihnen zur Aufnahme
in die Akten vor.

Ausblick auf die Weltwirtschaft
Herr Vorsitzender, die Weltwirtschaftslage ist ernüchternd. Sie wird
von den jüngsten Entwicklungen im Bereich der Ölversorgung stärkstens
beeinflußt, und die Entscheidungen über die Förderung und Preisgestaltung
von Rohöl, die in kürze getroffen werden dürften, werden von kritischer
Bedeutung für die Zukunft sein. Als ich das letzte Mal im Mai vor Ihnen
erschien, wies ich darauf hin, daß die in den ersten Monaten des Jahres 1979
verzeichneten öl Preissteigerungen von etwa 24 Prozent einen weiteren
inflationistischen Druck hervorrufen, das Wachstum um einiges verlangsamen
und die Zahlungsungleichgewichte im Außenhandel verstärken würden. Im
damaligen Zeitpunkt rechneten wir nicht damit, daß die ölpreise zu Jahresende 1979 noch entschieden höher liegen werden als im Dezember vergangenen
Jahres, und wir sahen auch die erhebliche Verunsicherung der Versorgung
mit Rohöl nicht voraus, vor die sich die Welt heute gestellt sieht.
Innerhalb der nächsten Woche werden wir die Ergebnisse der Dezember-Tagung
der Organisation der erdölexportierenden Länder (OPEC) und ihre Auswirkungen
auf die öl preis- und öl förderpolitik für 1980 kennen, die die Zuversicht
und die Wirtschaftsleistung der öleinfuhrländer im nächsten Jahr und in
der Zeit danach erheblich beeinflussen werden.

Die ölpreise sind im ablaufenden Jahr sehr rasch gestiegen. Der
durchschnittliche amtliche Preis von Rohöl aus den OPEC-Ländern liegt
gegenwärtig bei etwa 21,50 Dollar gegenüber 12,93 Dollar im Dezember

- 2 -

�Dezember vergangenen Jahres, was einer Erhöhung um 66 Prozent entspricht.
Hinzu kommt, daß die Preise auf den Spot-Märkten, über die beträchtliche
ölmengen abgesetzt werden, noch erheblich über den amtlichen Preisen
liegen.

Der durchschnittliche Preis, der tatsächlich für Rohöl aus allen

Herkunftsländern bezahlt wird, ist nach unseren Schätzungen heute 80 Prozent
höher als Ende des vergangenen Jahres.

Trotz der großen Erhöhungen der ölpreise im Verlaufe dieses Jahres
erreicht das reale Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten einen
besseren Wert,als viele erwartet haben.

Es dürfte sich für die Mitglied-

staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) insgesamt auf etwa 3 Prozent belaufen.

Die Verlangsamung des

Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten auf eine Rate von etwa
2 Prozent wird durch die starke Wirtschaftsexpansion in Deutschland und
Japan wettgemacht.

Das Wachstum außerhalb der Vereinigten Staaten vollzog

sich etwas rascher als prognostiziert und beläuft sich auf rund 4 Prozent.

Wenn weitere erhebliche Steigerungen der ölpreise vermieden werden,
dürften die OECD-Länder 1980 voraussichtlich ein Wachstum in der Größenordnung von 1 Prozent verzeichnen - nicht gerade viel, aber noch immer
positiv.

Bei Ausklammerung der Vereinigten Staaten dürfte die Rate des

realen Wachstums innerhalb der OECD zwischen 2 und 3 Prozent zu liegen
kommen.

Unter der Voraussetzung der Verfügbarkeit von externen Finanzierungs-

mitteln wird sich das Wirtschaftswachstum in den nicht-erdölexportierenden
Entwicklungsländern voraussichtlich im Bereich von 5 Prozent halten.

Die Inflation bleibt ein sehr ernstes Problem.

Die Lebenshaltungs-

kosten in den hochindustrialisierten Ländern sind, getrieben von den
beträchtlichen Preissteigerungen bei Rohöl, im Halbjahreszeitraum von
März bis September dieses Jahres, stark gestiegen.

Für die Industrie-

staaten insgesamt rechnen wir nunmehr für 1980 mit einem Anstieg der
Lebanshaltungskosten um rund 9 Prozent, das heißt etwas mehr als 1979. Dazu

- 3 -

�Dazu wird es kommen, auch wenn das wirtschaftliche Wachstum geringer
ausfallen wird als 1979. Die inflationistischen Erwartungen haben sich
verfestigt, und Verbraucher und Investoren sind bezüglich der grundlegenden Fähigkeit der Regierungen, die Inflation unter Kontrolle zu
bringen, skeptisch geworden.

Der scharfe Anstieg der Inflationsraten

in fast allen OECD-Ländern hat die vorausgegangenen Fortschritte bei
der Verringerung der Inflation und der Stärkung der Zuversicht der
Verbraucher und der Wirtschaft hinfällig gemacht.
Die öl Preiserhöhungen im ablaufenden Jahr zeitigten erhebliche
Auswirkungen auch auf den internationalen Zahlungsverkehr. Selbst bei
Ausbleiben weiterer Steigerungen des realen Preises für Rohöl im kommenden
Jahr werden die OPEC-Länder voraussichtlich wesentlich höhere Leistungsbilanzüberschüsse erzielen als die rund 60 Milliarden Dollar, mit denen
für 1979 zu rechnen ist - im starken Gegensatz zu der nahezu vollständigen
Ausgeglichenheit im Jahre 1978. Fast sämtliche nicht der OPEC angehörenden
Länder werden 1980 Leistungsbilanzdefizite gewärtigen müssen. Die OPECLänder als Gruppe werden 1979 - nach Überschüssen in Höhe von rund
8 Milliarden Dollar in 1978 - insgesamt Defizite von voraussichtlich
30 Milliarden Dollar zu erwarten haben. Auch die Entwicklungsländer
als Gruppe werden, nach Abzug offizieller Transfers, 1979 Defizite von
zusammen schätzungsweise 30 Milliarden Dollar aufweisen, was einer Verschlechterung um etwa 10 Milliarden Dollar gleichkommen wird. Beide
Gruppen müssen 1980 mit einer weiteren Verschlechterung rechnen.
Eine beträchtliche Verbesserung der Leistungsbilanzen hat jedoch
die OECD als Gruppe im Jahre 1979 zu vermelden. Trotz einer Erhöhung
der Aufwendungen für öl einfuhren um 17 Milliarden Dollar werden die
Vereinigten Staaten eine in etwa ausgeglichene Leistungsbilanz vorlegen
können - nach einem Defizit in Höhe von 14 Milliarden in 1978. Der hohe
Überschuß Japans von 17 Milliarden Dollar im Jahre 1978 ist verschwunden
und wird 1979 einem beträchtlichen Defizit weichen. Deutschlands Leistungs-

�Leistungsbilanz wird 1979 voraussichtlich im Gleichgewicht sein nach
einem Oberschuß in der Größenordnung von 8 Milliarden Dollar im Jahre 1978.
Obgleich sich die Position der OECD 1979 insgesamt beträchtlich verschlechtert
hat, betrifft dies größtenteils Länder, die in den vorausgegangenen Jahren
hohe Überschüsse verzeichnen konnten.

Die verbesserte Lage im Verhältnis

der größeren Industriestaaten untereinander, sollte sich in der vor uns
liegenden Zeit als ein Faktor erweisen, der für mehr Stabilität auf den
Devisenmärkten sorgt.
In ähnlicher Weise dürfte sich die Verschlechterung der Position
der nicht zu den ölförderländern gehörigen Entwicklungsländer als Gruppe
- um 20 bis 25 Milliarden Dollar höhere Defizite in den Jahren 1979
und 1980 - in erster Linie auf einige wenige relativ weit fortgeschrittene
Entwicklungsländer konzentrieren, die größtenteils Zugang zu privatem
Kapital besitzen und sich relativ großer Devisenbestände erfreuen.

Für

die große Mehrheit der Entwicklungsländer - derjenigen unter ihnen, die
sich auf staatliche Finanzierungshilfen stützen - wird die Verschlechterung
der Leistungsbilanzen der zu erwartenden Zunahme der einfließenden
staatlichen Hilfe entsprechen.

Dennoch werden die realen Auswirkungen

der Verschlechterung der Postition der nicht-erdölfördernden Entwicklungsländer ernst sein.
für

Zum großen Teil werden sie für teuereres öl statt

notwendige Kapitaleinfuhren zu bezahlen haben.

Dies belastet ihre

künftigen Wachstums- und Entwicklungsaussichten und wird nicht dazu
beitragen, ihre Fähigkeit zur Leistung von Zinsendienst in der Zukunft
auszuweiten.

Diese Aussichten sind nicht glücklich.

Sie basieren zudem auf einer

Fortsetzung der Erdölförderung in etwa dem derzeitigen Umfang und eine
relative Mäßigung in der Preisgestaltung durch die OPEC-Staaten.
bestehen jedoch größere Unsicherheiten,

Es

Wir wissen nicht, welche Förder-

und Preisentscheidungen die OPEC-Staaten in der kommenden Woche treffen
werden, und wir wissen auch nicht, ob die diesbezüglichen Entscheidungen

- 5 -

�Entscheidungen langfristig gültig sein werden.

Wir wissen aber, daß -

wie immer sie ausfallen werden - unsere künftige wirtschaftliche Sicherheit
zu einem großen Teil davon abhängen wird, ob es den größeren Ländern,
insbesondere den Vereinigten Staaten, gelingen wird, ihre Dl einfuhren
zu beschränken, die Effizienz auf dem Energiesektor zu steigern und
alternative Energien verstärkt zu nutzen.

Es wird in zunehmendem Maße

klar, daß die Entwicklungen auf dem Gebiet der 'Ölversorgung und der ülpreisgestaltung in den kommenden Jahren ein dominierender, wenn nicht gar
der dominierende Faktor für das Wachstum der Weltwirtschaft und den Ernst
der Inflation sein werden.

Wir müssen unsere Abhängigkeit von Rohölzu-

lieferungen aus dem Ausland so rasch wie möglich vermindern.
Die Lage im Iran erinnert uns nachdrücklich an unsere Verletzlichkeit
durch Förder- und Preisentscheidungen der erdölfördernden Staaten.

Vor

einem halben Jahrzehnt noch konnten Eingriffe eines Förderlandes durch
das Einspringen anderer Förderstaaten relativ leicht kompensiert werden.
Heute aber ist das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem
Energiemarkt sehr labil. Plötzliche Veränderungen sowohl auf der Nachfrageais auch auf der Angebotsseite spiegeln sich rasch in scharfen Preisbewegungen wider.

Die Blockierung von Vermögenswerten der iranischen Regierung
In Ihrem Einladungsschreiben wird die Frage der Einfrierung von
Depositen in ausländischen Niederlassungen und Tochtergesellschaften
amerikanischer Banken erhoben. Die Einfrierung erfolgte auf Grund des
Gesetzes über die wirtschaftlichen Befugnisse des Präsidenten im Falle
eines internationalen Notstandes (International Emergency Powers Act),
das den Präsidenten ermächtigt, bei Vorliegen eines nationalen Notstands
den Transfer von Vermögenswerten eines ausländischen Staates wie des

�des Iran zu beschränken oder zu unterbinden - "durch jede Person, ... die
der Jurisdiktion der Vereinigten Staaten untersteht".

Ausländische

Niederlassungen und Tochtergesellschaften amerikanischer Banken gelten
traditionsgemäß als juristische Personen, die der Jurisdiktion der
Vereinigten Staaten unterliegen.
Wie der Ausschuß weiß, wurde in London ein Verfahren in der Absicht
angestrengt, herauszufinden, ob britische Gerichte die Einfrierungsverfügung, insoweit als sie Zweigstellen amerikanischer Banken in Großbritannien
betrifft, zu honorieren bereit sind. Ein ähnliches Verfahren wurde
kürzlich auch gegen eine amerikanische Bank in Frankreich eingeleitet.
Im Lichte dieser Verfahren halte ich es für angebracht, hier zu den
substantiellen Fragen Stellung zu nehmen, um die es in beiden Fällen geht.
In Ihrem Schreiben wird auch die Frage gestellt, ob die amerikanischen
Gesetze über die Blockierung ausländischer Vermögenswerte es den amerikanischen
Banken gestatten, bei ihnen lagernde iranische Vermögenswerte zur Tilgung
von Krediten zu verwenden, die die iranische Regierung von ihnen erhalten
hat. Abschnitt 535.902 der Einfrierungsverfügung gestattet es amerikanischen
Niederlassungen und Tochtergesellschaften im Ausland, Ansprüche an die
Regierung des Iran oder an von dieser kontrollierte Organisationen gegen
Vermögenswerte zu verrechnen, die jene bei ihnen deponiert haben. Die
Rechtswirksamkeit solcher Verrechnungen regelt sich nicht nach der
Einfrierungsverfügung,sondern nach den einschlägigen Gesetzen (wobei es
sich um einzelstaatliche Gesetze oder das Recht des betreffenden Landes
handeln kann). Die Rechtmäßigkeit solcher Verrechnungsoperationen wird
wahrscheinlich auch in den Rechtsstreitigkeiten zur Sprache kommen, von
denen ich gesprochen habe.
Das amerikanische Vorgehen gegen Vermögenswerte der iranischen
Regierung und der von dieser kontrollierten Organisationen erfolgte
im Zusammenhang mit Maßnahmen im Iran, die die persönliche Sicherheit

- 7 -

�Sicherheit von Amerikanern und die Wahrung rechtmäßiger Ansprüche
amerikanischer Bürger und juristischer Personen gegen die Regierung
des Iran ernsthaft gefährden und eine außerordentliche Bedrohung für
die nationale Sicherheit und die Außenpolitik der Vereinigten Staaten
darstellen.

Ohne die Maßnahmen der Regierung der Vereinigten Staaten

wären amerikanische Institutionen angesichts der Feindseligkeit und
der Unwägbarkeit des Verhaltens des derzeitigen iranischen Regimes mit dem
Risiko des Verlustes ihrer Forderungen an den Iran bedroht.

Die Gründe

für das amerikanische Vorgehen werden offensichtlich allgemein verstanden,
und - abgesehen von Hinweisen aus dem Iran selbst - deutet nichts auf
Umschichtungen von Investitionsportefeuilles hin.

Die Erhöhung der

internationalen Spannungen, die sich aus der Situation im Iran ergeben
hat, löste eine gewisse Vorsicht und Nervosität auf den ausländischen
Devisenmärkten aus. Der Dollar tendierte einige Tage lang nach unten,
erfuhr aber dann eine beträchtliche Stärkung.

Wir stehen natürlich

fortwährend in Konsultation mit den zuständigen Stellen anderer wichtiger
Länder, um für den Fall eines verstärkten zusätzlichen Drucks ein kooperatives
Vorgehen sicherzustellen.

Die Überwachungsfunktion des Internationalen Währungsfonds (IWF)
Die Anstrengungen des IWF, eine gesunde Weltwirtschaft zu fördern,
haben sich in der Vergangenheit auf Grund der Ausleihedirektiven des Fonds
nicht direkt auf die Länder konzentriert, die finanzielle Mittel bei
ihm aufnahmen. Die vorgeschlagene Aufstockung der Einlagequoten wird
sicherstellen, daß der IWF auch weiterhin in der Lage sein wird, den
Erfordernissen der Defizitländer Rechnung zu tragen. Die neuen Satzungen
gewähren dem Fonds erweiterte Befugnisse und übertragen ihm auch die
Aufgabe der Überwachung der Wechsel kurspolitik aller Mitgliedstaaten
und des Anpassungsprozesses der Zahlungsbilanzen. Die überwachungsbe-

�Überwachungsbestimmungen geben dem IWF die Möglichkeit an die Hand,
nicht nur Ländern mit defizitärer Zahlungsbilanz sondern auch solchen mit
Zahlungsbilanzüberschüssen Ratschläge hinsichtlich der internationalen
Auswirkungen der von ihnen verfolgten Politik und auch bezüglich der Haltung
zu erteilen, die sie einnehmen sollten, um Zahlungsungleichgewichte zu
beseitigen.

In den eineinhalb Jahren, die seit Inkrafttreten der Satzungsänderungen
verstrichen sind, hat der Internationale Währungsfonds Fortschritte hinsichtlich der Wahrnehmung seiner neuen Überwachungsfunktionen erzielt,
Grundregeln für die Durchführung der Wechselkurspolitik der Mitgliedstaaten aufgestellt und Verfahren und Kriterien für die Bewertung dieser
Politik entwickelt.

Richtlinien und Praxis des Währungsfonds spiegeln

die Neuorientierung der Wechselkursbestimmungen wider, derzufolge die
Wechselkursstabilität nur durch die Ausrichtung der Wirtschafts- und
Finanzpolitik der Länder auf die Förderung eines ordnungsgemäßen wirtschaftlichen Wachstums bei vernünftiger Preisstabilität zu gewährleisten
ist.

Infolge

gehen die Untersuchungen des Fonds über eng definierte

Wechsel kurspolitiken hinaus, um weite Bereiche der Wirtschaftspolitik
einzuschließen, die den Ausgleich der Zahlungsbilanzen berühren.

Der Internationale Währungsfonds hat begonnen, die neuen Überwachungsbefugnisse klug und besonnen wahrzunehmen.

Konsultationen gemäß den

einschlägigen Bestimmungen der IWF-Satzungen wurden mit 137 Ländern
geführt - unter Einschluß besonderer Konsultationen mit den Vereinigten
Staaten gemäß dem Programm vom 1. November 1978.

In diesen Konsultationen

wurden insofern nützliche Grundlagen geschaffen, als sie dem Fonds und
seinen Mitgliedern die Möglichkeit geboten haben, Erfahrungen mit den
neuen Vorschriften zu sammeln.

Auf diese Weise kamen Fallstudien zustande,

die für die weitere Entwicklung des Überwachungsverfahrens richtungweisend
sein könnten.
Auf

- 9 -

�Auf den jüngsten Erfahrungen aufbauend, halten wir die Zeit für den
IWF für gekommen, energische Maßnahmen zur Stärkung seiner Überwachungsfunktionen zu ergreifen.

Auf der Jahrestagung des Weltwährungsfonds in

Belgrad schlugen die Vereinigten Staaten die Beratung mehrerer Schritte
vor, die geeignet scheinen, den Überwachungsprozeß zu stärken.

Diese

schließen Verfahren zur Beurteilung des Vorgehens der einzelnen Länder
und dessen Übereinstimmung mit den vereinbarten umfassenden Normen ein;
sie machen es den Ländern mit großen Zahlungsbilanzungleichgewichten Überschüssen oder Defiziten - zur Auflage, zum Zwecke der Überprüfung durch
den IWF Analysen der von ihnen beabsichtigten Maßnahmen zur Beseitigung
dieser Ungleichgewichte zu erstellen;

sie sehan für den geschäftsfUhrenden

Direktor des IWF eine aktivere Rolle in bezug auf die Einleitung von
Konsultationen mit den Mitgliedstaaten vor;

und sie zielen auf die

Schaffung eines entscheidungsbefugten Gouverneursrates als Ersatz für
den interimistischen Beratungsausschuß ab.

Wenngleich diese Vorschläge

weitgehend verfahrenstechnischer Art sind, dürften sie doch eine wichtige
Rolle in dem Bemühen des Fonds spielen, die Mitgliedstaaten stärker als
bisher dazu zu ermutigen, eine gesunde und international verantwortliche
Politik zu betreiben und ein gesundes Währungssystem sicherzustellen.

Internationale Liquidität
Herr Vorsitzender, Sie haben mich um einen Kommentar zu einer Reihe
von Fragen bezüglich der internationalen Liquidität gebeten - zu den
Euromärkten, zur Diversifizierung der Währungsreserven, zum Substitutionskonto zu den Sonderziehungsrechten (SDRs), zum Gold und zum Europäischen
Währungssystems (EWS). In Ergänzung der Bemühungen um die Stärkung
des Überwachungsverfahrens zum Zwecke der Verbesserung des Funktionierens
des Anpassungsprozesses kam es auch zu einer Wiederbelebung des Interesses
an einer Stärkung des Einflusses der Regierungen auf die internationale

- 10 -

�internationale Liquidität und die Währungsreserven.
konzentriert sich auf zwei Hauptgebiete:

Dieses Interesse

die Euromärkte und die Rolle

der SDRs im internationalen Währungssystem.
Der Bedarf der Welt an Finanzierungsmitteln wird in den vor uns
liegenden Jahren groß sein, und das international Bankensystem wird auch
künftig eine große Rolle bei der Deckung des Finarzbedarfs zu spielen
haben. Ein Großteil der Ausleihetätigkeit der internationalen Banken
wird auch weiterhin in europäischen Währungen denominiert sein - finanziert
aus umfassenden Eurowährungsdepositen, die mehrere Banken durchlaufen,
ehe sie an die Bank gelangen, die sie an den Endverbraucher ausleiht.
Die Ausleihungen erfolgen häufiger über diese Märkte a"&lt;s über nationale
Märkte, weil hier infolge des Wettbewerbs bessere Konditionen geboten
werden als auf rein nationalen Märkten. Die Währungsbehö&gt;den der einzelnen
Länder üben nur eine geringe Kontrolle über die Euromärkte aus, was
Anlaß zu einer Reihe unterschiedlicher Besorgnisse gibt.
Auf Seiten der Vereinigten Staaten besteht die Hauptsorge darin,
daß diese Märkte die Aufgabe des Bundeszentralbankensystems komplizieren,
die Geldmengen- und Kreditzunahme in den Vereinigten Staaten zu regulieren.
Die Zentralbanken der führenden Länder prüfen gegenwärtig, ob Maßnahmen
zur Kontrolle des Wachstums dieser Märkte erforderlich sind und welche
Maßnahmen ergriffen werden können, falls sich dies als notwendig erweist.
Besondere Beachtung verdient hierbei die Möglichkeit, Auflagen bezüglich
des Unterhalts von Reserven auf Eurowährungsdepositen zu erteilen. Diese
Prüfung ist noch nicht abgeschlossen. Der Bundeszentral bankrat beteiligt
sich aktiv an diesen Bemühungen, die unsere volle Unterstützung genießen.
Gleichzeitig beobachten wir eine Wiederbelegung des Interesses an
der Erweiterung der Rolle der Sonderziehungsrechte innerhalb des internationalen Währungssystems. Die Entwicklung zu größerer Wirtschaft1icher
Interdependenz unter den Ländern war begleitet von der Entwicklung eines

- 11 -

�eines größeren Gleichgewichts hinsichtlich des Ausmaßes ihrer Volkswirtschaften und deren Fähigkeit, eine größere Rolle im Bereich der
internationalen Finanzen zu spielen.

Eine größere Rolle anderer Länder

und Märkte in der Bereitstellung internationaler Kreditmittel wäre in
vieler Hinsicht nicht nur angemessen,sondern auch wünschenswert.

Gleich-

zeitig herrscht vielerorts die Auffassung, daß der Stabilität des Systems
durch den verstärkten Rückgriff auf eine einzige, international
und verwaltete

geschaffene

Reserveeinheit besser gedient wäre als durch ein umfassendes

multiples Währungssystem.

Niemand kann genau voraussagen, welche Aus-

wirkungen ein Fortschritt in Richtung auf eine einzige Währungseinheit
haben wird.

Der Druck der vergangenen Jahre aber gemahnt uns an die

Probleme, die sich daraus ergeben können, wenn es zu beträchtlichen
Umschichtungen der Währungsreserven kommt - nicht nur was die Devisenmärkte angeht, sondern auch die monetären und wirtschafltichen Verhältnisse
in den betroffenen Staaten.
Angesichts des großen Bedarfs an internationalen Finanzierungsmitteln und des Fehlens praktischer Alternativen haben die Reservebestände in der Form von Devisen ganz beträchtlich zugenommen. Es besteht
kaum ein Grund zu der Annahme, daß sich die Lage verbessern werde,
wenn wir nicht bewußt Schritte unternehmen, die auf einen Wandel hinwirken.
Eine Ausweitung der Rolle der Sonderziehungsrechte, die die Möglichkeit
einer aktiveren und längerfristigen Nutzung der internationalen Liquidität
durch den Internationalen Währungsfonds bietet, wäre eine wichtige Ergänzung der Stärkung des Einflusses des IWF auf die Anpassung der internationalen Zahlungsbilanzen mittels der diesbezüglichen Überwachungsbestimmungen.
Das Ziel, die Sonderziehungsrechte zur Hauptwährungsreserve zu erheben, wurde in einem Zusatz zu den Satzungen des Weltwährungsfonds
niedergelegt, der im vergangenen Jahr in Kraft getreten ist. Dieser
Zusatz erhob die SDRs zur Zahlungseinheit des IWF an Stelle von Gold

�Gold und leitete die verstärkte Verwendung von SDRs sowohl in Transaktionen mit dem IWF als auch unter seinen Mitgliedstaaten ein.

Seit

Inkrafttreten dieses Zusatzes wurden weitere Schritte unternommen, um
die Rolle der SDRs weiter auszubauen.

Wir sind übereingekommen, die

Zuteilung von Sonderziehungsrechten wieder aufzunehmen; wir haben Maßnahmen
ergriffen, die Zinssätze für SDRs den Marktzinssätzen anzunähern; und
wir haben die Verwendungsmöglichkeiten der SDRs auf vielfältige Weise ausgeweitet.

Als jüngsten Schritt ist der Internationale Währungsfonds

gegenwärtig dabei, die Möglichkeit der Einrichtung eines Substitutionskontos zu prüfen, das Depositen in Dollar und vielleicht auch anderen
Währungen gegen auf SDRs denominierte Forderungen an dieses Konto annehmen
kann.

Der Interimsausschuß gelangte auf seiner letzten Tagung in Belgrad
zu dem Schluß, daß ein dementsprechend gestaltetes Substitutionskonto
zu einer Verbesserung des Systems beitragen und die Rolle der SDRs fördern
könnte.

Er hat gleichzeitig die wesentlichen Charakteristika eines

derartigen Kontos dargelegt.

Der Ausschuß soll auf seiner Tagung im

April des nächsten Jahres einen weiteren Bericht des Verwaltungsrats
des IWF erhalten.

Die Vereinigten Staaten fördern die diesbezügliche

Untersuchung des Fonds und beteiligen sich aktiv an allen einschlägigen
Anstrengungen.

Wir vertreten die Auffassung, daß ein solches Konto,

wenn es dementsprechend gestaltet wird, eine vielfältige Anziehungskraft
auf die Völkergemeinschaft insgesamt ausüben werde.

Die Sonderziehungs-

rechte sind ein vielfach diversifiziertes Finanzierungsinstrument, das
geringere Währungsrisiken birgt,als mit dem Unterhalt größerer Bestände
an irgendwelchen nationalen Währungen verbunden sind.

Das Substitutions-

konto wäre demzufolge ein international sanktioniertes und störungsunanfälliges Instrument für die Länder, die durch es zu einer stärker
differenzierten und stabileren Reserveposition gelangen könnten, ohne
gleichzeitig eine größere Zahl verschiedener internationaler Währungen
verwahren zu müssen.

Die Einrichtung des Substitutionskontos könnte

- 13 -

�könnte zukunftweisend sein als ein konkreter Schritt in Richtung auf
die Benutzung eines durch und durch internationalen Reservemittels der SDRs - und auch als ein Schritt weg von einem unregulierten multiplen
Währungssystem.
Ein Konto einzurichten, das diesen Forderungen genügt und auf der
gleichmäßigen Verteilung etwa entstehender Kosten basiert, ist nicht
leicht.

Es gibt schwierige und komplizierte Fragen in bezug auf den

Ertrag und die Liquidität von SDR-Forderungen an das Konto, die Investierung
der in diesem Konto deponierten Mittel und deren Kapitalwert.

Wir können

nicht sicher sein, wann und ob sich eine befriedigende Lösung für diese
Fragen finden läßt. Wir meinen aber, daß sich die diesbezüglichen
Anstrengungen lohnen,und wir werden im Verlauf der weiteren Erörterungen
der damit einhergehenden Fragen eine aktive und konstruktive Rolle spielen.
Bezüglich anderer damit zusammenhängender Fragen findet sich in
Ihrem Schreiben an mich auch die Frage nach der künftigen Rolle des Goldes
im internationalen Währungssystem und nach den Implikationen des Europäischen
Währungssystems für den Dollar und die SDRs. Gold bleibt ein wichtiger
Teil der Reservemittel vieler Zentralbanken und wird von diesen verfügbar
gehalten für Zeiten eines Bedarfs, der sich aus der Zahlungsbilanz ergibt.
Daran wird sich voraussichtlich auf absehbare Zukunft nichts ändern.
Die wichtigeren Charakteristika der früheren Rolle des Golds innerhalb
des Systems - seine Verwendung als gemeinsamer Nenner und als Zahlungseinheit, seine Konvertierbarkeit und seine zentrale Rolle innerhalb
des Internationalen Währungsfonds - wurden wirksam eliminiert., Es scheint
sehr unwahrscheinlich, daß Gold diese Rolle in Zukunft erneut übernehmen
werde.
Das Europäische Währungssystem ist integraler Bestandteil der
•

europäischen Bemühungen um die wirtschaftliche Einheit und, in einem
größeren Zusammenhang betrachtet, um die stärkere Harmonisierung der
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�der Wirtschaftspolitik und der wirtschaftlichen Tätigkeit der europäischen
Länder, und um größere Wechselkursstabilität unter den europäischen
Währungen.

Diese Bemühungen können zu einer größeren Stabilität auch des

Gesamtsystems beitragen, und wir wünschen deshalb der Europäischen
Gemeinschaft jeden Erfolg.

Inwieweit die Tätigkeit eines Europäischen

Währungssystems insbesondere den Dollar und die SDRs berührt, läßt sich
nicht voraussagen.

In diesem frühen Stadium wird das Schwergewicht auf

die Verwendung der europäischen Währungen für Zwecke der Intervention
zugunsten von Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft gelegt, ein
Schritt, der unter gewissen Umständen dazu beitragen könnte, stärkere
Bewegungen auf den Dollarmärkten zu vermeiden, die in keinem Zusammenhang
mit der Entwicklung der außerwirtschaftlichen Position der Vereinigten
Staaten stehen.
Längerfristig sieht die zweite Phase des Aufbaus des Europäischen
Währungssystems die Institutionalisierung des ECU (der europäischen
Zahlungseinheit) als des wichtigsten Instruments für den Zahlungsausgleich innerhalb der Europäischen Gemeinschaft vor. Es ist klar, daß
der ECU die regionalen europäischen Vorkehrungen zu verfestigen vermag;
es erhebt sich aber die Frage, ob die Teilnehmerstaaten am Europäischen
Währungssystem bereit sind, eine umfassendere Rolle des ECU zu dulden
und vielleicht sogar anzustreben. Viele europäische Staaten sind sogar
darauf aus, ihre eigenen Währungen vor einer Rolle als Reservewährung
zu bewahren. Der ECU mag eine Alternative darstellen, die geeignet ist,
den Europäern eine größere Rolle bei der Befriedigung des weltweiten
Kreditbedarfs zu verschaffen, ohne gleichzeitig das Reservesystem insgesamt
in Richtung auf einen noch stärkeren Rückgriff auf nationale Währungen
zu verändern. Obwohl eine derartige Entwicklung einen Schritt nach vorne
darstellen könnte, wäre sie im Gegensatz zu den SDRs natürlich keine
zufriedenstellende Lösung für das wichtigste Problem - das der Schaffung
einer einzigen internationalen Reserveeinheit, die den Entscheidungen
der Völkergemeinschaft als Ganzes unterliegt.
Herr
- 15 -

�Herr Vorsitzender, die Welt ist mit schwierigen wirtschaftlichen
Problemen, größerer Unsicherheit und potentiellen finanziellen Belastungen
konfrontiert.

Wir müssen sicherstellen, daß unser internationales System

den Anforderungen zu genügen vermag, die an es gestellt werden.

Die

vorgeschlagene Aufstockung der IWF-Quoten ist ein wichtiger und vordinglicher
Teil jener Bemühungen.

Die Überwachung des Systems und des Prozesses

des Zahlungsbilanzausgleichs und unsere Mitarbeit im IWF und in anderen
Körperschaften ti der Absicht, die internationale Liquidität und das Reservesystem zu verbessern, sind wichtige langfristige Bemühungen um die
Gewährleistung der Währungsstabilität.
setzt werden.

Diese Bemühungen müssen fortge-

Die entscheidende Lektion aber - die Lektion, die wir zur

Kenntnis nehmen und dergemäß wir handel müssen - ist die vorrangige
Notwendigkeit, unsere Abhängigkeit von den öl einfuhren zu vermindern.
Diese Abhängigkeit ist die Hauptquelle für die weltwirtschaftlichen
Probleme von heute.

Unsere Bemühungen im monetären Bereich können mit

dazu beitragen, die Auswirkungen dieser Probleme zu lindern.
kann sie nicht heilen, das können nur wir.

+ + + + +

- 16 -

Das "System"

�19. Dezember 1979

48

EIN WAHLJAHR STEHT BEVOR
Primaries, Caucuses, Straw Polls: Was bedeutet das alles?

WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten steht - wie in der Bundesrepublik Deutschland - 1980 ein bedeutsames Wahljahr bevor. Die Delegierten
der Nationalkonvents (der "National Convention") der Republikanischen und der
Demokratischen Partei - jene Männer und Frauen, die die Kandidaten für die
nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahlen bestimmen - werden ihrerseits
in einer komplizierten Mischung aus Vorwahlen ("Primaries"), einzelstaatlichen
Parteikongressen ("States Convention"), Delegiertentagungen ("Committee Meetings")
und informellen Absprachen lokaler Parteiführer ("Caucuses") gewählt.
Jeder der 50 Einzel Staaten hat das Recht, über seine eigene Methode zur
Bestimmung der Delegierten zum Nationalkongreß zu entscheiden - und die populärste ist die der Präsidentschafts-Vorwahlen ("State Presidential Primary").
Im Laufe des Jahres 1980 wird die Mehrzahl der Union - 35 Staaten sowie der
District of Columbia und das Commonwealth von Puerto Rico - solche "Primaries"
abhalten. Eine eigene Vorwahl wurde auch für die Demokraten vorgesehen, die
im Ausland leben.

.,
Aber

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�Aber sogar innerhalb dieses Systems gibt es keine Übereinstimmung.
Es gibt immerhin vier Arten von "Primaries":
- "Delegate Selection" - Delegiertenwahl;
- "Advisory President!*al Preference Primary": Vorwahl mit Empfehlung;
- "Binding, Winner-take-all Primary": bindende Wahl, der Mehrheitskandidat
erhält alle Stimmen; und
- "Proportional Representation Primary": Vorwahl auf der Grundlage der
Verhältniswahl.
Bei der'Delegate Selection Primary", der Delegiertenwahl, wie etwa in
New York, erscheinen die Namen der Präsidentschaftskandidaten nicht auf den
Stimmzetteln.
geführt.

Nur die Kandidaten, die sich als Delegierte bewerben, sind auf-

Sie können auf dem Stimmzettel zeigen, welchem Präsidentschaftskan-

didaten sie den Vorzug geben, sie brauchen es aber nicht.
Bei der "Advisory Presidential Preference Primary", der Vorwahl mit Empfehlung, wie in New Hampshire und Pennsylvania, geben die Wähler ihre Stimme
für beide ab: für die Präsidentschaftskandidaten und für die Kandidaten, die
sich als Delegierte zum Parteikonvent bewerben - wobei die letzteren wiederum
entweder einen bestimmten Präsidentschaftskandidaten vorziehen können oder in
dieser Hinsicht ungebunden bleiben.
Bei der "Binding, Winner-take-all Presidential Preference Primary", der
bindenden Präsidentschaftsvorwahl, bei der der Mehrheitskandidat alle Stimmen
bekommt - wie etwa bei den Republikanern in Kalifornien und Florida -, legen
die Ergebnisse der Abstimmung die Delegierten des Wahlbezirks auf den Gewinner
in jedem Kongreßwahlkreis und im Rahmen des Bundesstaates auf den diesbezüglichen Mehrheitskandidaten fest.
Bei der "Proportional Representation Preference Primary", der Verhältniswahl
-

wie

bei

den Demokraten in Kalifornien und den Demokraten und Republikanern

in Massachusetts -,werden die Ergebnisse der Präsidentschaftsvorwahl dazu benutzt, Delegierte für die Präsidentschaftskandidaten auf der Grundlage des
- 2 -

�des Anteils an Stimmen zuzuteilen.
Der Zeitraum, für den die Delegierten auf dem Nationalkonvent durch die
Prä'sidentschaftsvorwahlen gebunden sind, ist von Bundesstaat zu Bundesstaat
unterschiedlich: entweder nur während der ersten beiden Abstimmungen oder aber
bis zu dem Zeitpunkt, da ihr Kandidat nicht mehr auf ihre Loyalität besteht
und sie aus ihrer Pflicht entläßt.
Traditionell war die Vorwahl in New Hampshire, die am 26. Februar abgehalten wird, die erste im Land. Diesmal geht die "Ehre" über an die Republikanische Partei des Commonwealth von Puerto Rico, die ihre erste Vorwahl auf
den 17. Februar festgelegt hat - einen Monat früher als die Vorwahl der Demokratischen Partei in Puerto Rico. Zu den Staaten, die im Jahr 1980 zum erstenmal eine Vorwahl abhalten, gehören auch Connecticut, Kansas, Louisiana, New
Mexico und South Carolina.
Das politische Geschäft bleibt - durch die Vorwahlen und die Parteikonvente der Bundesstaaten - bis unmittelbar zum Zeitpunkt der beiden nationalen
Nominierungskonvente von rühriger Intensität.

Die Stadt Detroit in Michigan

wird Treffpunkt für die 1993 Delegierten des Republikanischen Konvents vom
14. bis zum 18. Juli 1980 sein, während sich die demokratischen Delegierten
vom 11. bis zum 14. August in New York zu ihrem Konvent versammeln.
Der starke Anstieg der einzelstaatlichen Vorwahlen - 1968 waren es erst
14 - mindert deutlich die Möglichkeiten für Kompromißkandidaten oder für Absprachen, die von irgendwelchen Politikern im Hinterzimmer ausgehandelt werden
könnten.
Einer der Altmeister im Geschäft der amerikanischen Wahlanalysen, Richard
Scammon, sieht diese Entwicklung als notwendig an, da eine Vorwahl "zehnmal
repräsentativer ist als eine Absprache (caucus)."
In

- 3 -

�In einem Interview bemerkte Scammon:
nislauf:

"Das ist ein vorzüglicher Hinder-

Wenn jemand es nicht schafft, durch diese Vorwahlen durchzukommen,

ist er wahrscheinlich auch nicht der richtige Mann, um die Arbeit im Weißen
Haus in den Griff zu bekommen.

Und ich würde das lieber vorher wissen."

Auf der anderen Seite ist Newton Minow, ein Kenner der politischen Praxis
und ehemaliger Chef der amerikanischen Bundeskommission für Kommunikation, der
Meinung, daß diejenigen, die sich zu den Vorwahlen stellen, nicht für das amerikanische Volk repräsentativ seien:

"Wir entscheiden uns für eine kleine

Handvoll Parteiaktivisten, meistens Leute mit engen Sonderinteressen."
Da den Primaries landesweit viel Platz in den Medien eingeräumt wird, hat
ein Kandidat, der in den ersten Wahlen gut abschneidet, eine ausgezeichnete Gelegenheit, seiner Sache einen Auftrieb zu geben, dem nur noch schwer Einhalt
geboten werden kann.

Dies traf auf die Wahl des Jahres 1976 zu, als der bis

dahin unbekannte Jimmy Carter all seine demokratischen Gegenspieler praktisch
schon weit vor dem nationalen Nominierungskonvent ausgeschaltet hatte.
In den wenigen Staaten, die auch jetzt noch keine Vorwahlen abhalten,
werden die Delegierten durch den Parteiapparat ausgewählt - entweder auf Konventen oder bei Treffen der Bundesstaatskomitees.
Bei einem örtlichen Partei-"Caucus" - einer informellen Absprache von
Parteiführern - werden Delegierte ausgewählt, um zu Kreis- und von dort zu
Bezirks- oder Bundesstaatskonventen zu gehen, auf denen die Delegierten für
die National konvente gewählt werden. In anderen Bundesstaaten wiederum werden
die Delegierten durch zentrale Komitees des Bundesstaates gewählt.
Im Lauf der siebziger Jahre erklärten die Demokraten die nicht-öffentliche
Absprache für ungesetzlich und beseitigten die Art der Vorwahlen, bei denen
der Mehrheitskandidat alle Stimmen erhält, zugunsten der Verhältniswahl und
unternahmen Schritte zur Steigerung der Beteiligung von Frauen und der Minderheiten in den Parteigremien.
John

�John White, der Vorsitzende des Nationalausschusses der Demokratischen
Partei, nannte diesen Schritt "eine energische Anstrengung zur Ausweitung
des Prozesses der Delegiertenauswahl, um meh^ Bürgern die Teilnahme zu ermöglichen und ihrer Stimme bei der Auswahl der Präsidentschaftskandidaten der
Partei echtes Gewicht zu verleihen."

Kandidaten beider politischer Parteien bedienen sich jetzt häufiger des
sogenannten "Straw Vote" ("Strohwahl") - einer unverbindlichen Wahl auf Parteiversammlungen oder auf Veranstaltungen zum Wohle der Wahlkasse,bei denen
diejenigen, die Eintrittskarten gekauft haben, ihre Stimme abgeben können.

Der frühere diplomatische Vertreter in China, George Bush, wurde zunächst
als aussichtsreicher republikanischer Präsidentschaftskandidat angesehen, als
er im November eine der wichtigsten Wahlen dieser Art vor dem Senator von
Tennessee, Howard Baker, gewann.

Zwei Wochen später überraschte er seine

Gegner, als er bei einer solchen Strohwahl des Staatskonvents der Republikaner
in Florida nur knapp dritter von elf Kandidaten wurde.

Die Wähler der Demokratischen Partei in Florida nahmen an einer verwirrenden Anzahl von Absprachen teil, auf denen es für oder gegen Präsident
Carter und den Senator von Massachusetts, Edward Kennedy, ging - zu einer Zeit,
als noch keiner von beiden offiziell seine Kandidatur angemeldet hatte.

Diese

Abstimmungsergebnisse hatten zwar keinerlei bindende Verpflichtung der Delegierten zum Nationalkonvent zur Folge, hatten jedoch durch den Einfluß der
Medien auch für die übrigen Vereinigten Staaten eine bestimmte Bedeutung.
Durch ihre gute Organisation gewannen die Anhänger Präsident Carters die Absprachen und gewannen danach auch noch die Strohwahl

des Einzel Staats.

Während die Medien dazu tendieren, die Gewinner solcher Strohwahlen zu
Herausforderern hochzustilisieren und Zweifel über die Stärke der Verlierer
lautwerden zu lassen, gibt es auch viel Kritik.
wirklich zeigen, woher der Wind weht?

Kann ein Strohhalm in der Luft

Schließlich wird eine solche Strohwahl

mit ausgewähltem Publikum veranstaltet, gewöhnlich mit den politisch Aktiven.

- 5-

�Aktiven.

Darauf weisen zumindest die Gegner solcher Wahlen hin.

William Brock, der Vorsitzende des Nationalkomitees

der Republikanischen

Partei, bemerkte, es sei sehr schwierig, die relative Bedeutung solcher Strohwahlen abzuschätzen.

"Obwohl Jimmy Carters Erfolg bei der frühen Strohwahl

in Iowa 1976 seine schließliche Nomihierung ankündigte, war sie wahrscheinlich
eher zufällig, als daß sie die Stimmung des Landes tatsächlich anzeigte.

Die

wirkliche Haltung des amerikanischen Volkes wird erst mit seiner Stimmabgabe
bekannt."
Offiziell beginnt die Schlacht um die Delegierten zum Parteikonvent am
21. Januar bei den Bezirksabsprachen im Bundesstaat Iowa.

Bei den Demokraten

erklärten sowohl Carter als auch Kennedy, daß dies der erste echte Test sei,
den beide natürlich gewinnen wollen - sowohl wegen der landesweiten psychologischen Wirkung als auch wegen der Bindung der Delegierten für den Parteikonvent.
Auch für die republikanischen Kandidaten bedeutet diese Absprache in diesem
verhältnismäßig kleinen Staat des Mittleren Westens die erste Station auf dem
Weg zur Nominierung.

- 6 -

�19. Dezember 1979

48

HUNGER NOCH LANGE NICHT BESIEGT
Wachstumsrate der Weltwirtschaft und bessere Strategien
entscheidend für erfolgreiche Bekämpfung

- (AD) - Einen vorläufigen Bericht über die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zum Problem des Hungers in der Welt veröffentlichte die von Präsident
Carter eingesetzte Kommission am 10. Dezember 1979 in Washington. Fazit:
Selbst das denkbar schnellste Wirtschaftswachstum in den nächsten 20 Jahren
"wird nicht ausreichen, um bis zum Jahr 2000 dem Hunger ein Ende zu machen".
Die zukünftige Wachstumsrate der Weltwirtschaft sei jedoch, so fand die Kommission, der bestimmende Faktor dafür, ob die Lebensbedingungen von Hunderten von Millionen verbessert werden können oder ob diese Menschen weiterhin
in Not und Elend leben müssen.
Aus Kapitel III des Berichts, "Aussichten auf Überwindung des Hungers in
der Welt: Die Aufgaben der nächsten Zukunft", bringen wir im folgenden einige Auszüge:
"Die Kommission sieht die Ausrottung des Hungers als Doppelaufgabe - Bekämpfung der Ursachen und Behandlung der Symptome.

Das Ziel heißt letzten En-

des, die Armut von Personen und Nationen, welche den Hunger zum Dauerzustand

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dauerzustand macht, zu überwinden und eine von Hunger freie Welt aufzubauen.
Nahziel ist, sicherzustellen, daß nicht Millionen von Männern, Frauen und Kindern einfach deshalb Hunger leiden, weil sie arm sind.

Beide Aufgaben müssen

gleichzeitig angepackt werden.
Die Kommission ist überzeugt, daß dauerhafte Lösungen für die Beseitigung
des Hungers in der Welt nur aus schnellem, gerechtem und eigenständigem Wirtschaftswachstum kommen können.

Die Industrieländer können bis zu einem gewis-

sen Grade dazu beitragen, indem sie Entwicklungshilfe in verschiedener Form
bereitstellen.

Jedoch kann gerecht verteiltes Wirtschaftswachstum nicht aus-

schließlich durch Entwicklungshilfe erreicht werden, wie großzügig und wirksam
diese auch sein mag.

Denn Hunger und Armut sind in politischen und wirtschaft-

lichen Beziehungen unter und innerhalb den Nationen zutiefst verwurzelt.

Es

sind grundlegende Änderungen in der Handhabung von Bodenbesitz, Nahrungsmittel erzeugung, Handel und Finanzwesen notwendig, damit die Entwicklungsländer den
Teufelskreis von Hunger, Armut, stagnierender Agrarproduktivität, Arbeitslosigkeit, hohen Geburtenraten und Krankheit durchbrechen können.
Die strukturellen Änderungen in den einzelnen Ländern und in der internationalen Ordnung, die zur Überwindung der Armut notwendig sind und in Zukunft
Hunger verhindern, werden nicht über Nacht kommen.

Deshalb müssen zwischen-

zeitlich Maßnahmen ergriffen werden, um den Hunger bei jenen zu lindern, die
noch immer arm und in bezug auf die Nahrungsmittel Versorgung anfällig bleiben...
Langfristige Anstrengungen zum Aufbau einer Welt ohne Hunger und. Sofortmaßnahmen zur Verringerung der Hungersnot bei jenen, die in Armut leben, sind
von gleichgroßer Bedeutung und vermögen einander zu stärken. Insbesondere
müssen Ernährung und Gesundheit der heute in der Welt lebenden Kinder durch
kurzfristig angesetzte und sorgfältig gezielt Maßnahmen gewährleistet werden,
wenn langfristige Entwicklungsprogramme Bedingungen schaffen sollen, die dauerhaftes, eigenständiges und gerechtes wirtschaftliches Wachstum ermöglichen.
Die Beurteilung der Zukunftsaussichten für eine Überwindung des Hungers
in der Welt brachte die Kommission zu der für ihre Arbeit besonders bedeutsamen
- 2 -

�bedeutsamen Schlußfolgerung: Das Ergebnis des Feldzuges gegen den Hunger bis
zum Jahr 2000 und danach wird nicht in erster Linie durch Kräfte außerhalb
der menschlichen Einflußsphäre bestimmt, sondern durch Entscheidungen und Handlungen von Nationen, die einzeln oder gemeinsam aktiv werden.

Aufbau einer Welt ohne Hunger:

Bekämpfung der Ursachen

Nachdem die Kommission feststellte, daß Armut die Hauptursache des Hungers ist, untersuchte sie die Frage, welche Veränderungen notwendig sind, um
unter verschiedenartigen Verhältnissen und Voraussetzungen Armut zu eliminieren.
Da immer deutlicher wird, daß zwischen den handelnden Personen und den Problemen
ein enges Bezugssystem besteht, haben wir erkannt, daß heute mehr denn je die
wirtschaftlichen Aussichten armer Nationen und in Armut lebender Menschen aufs
engste mit der Entwicklung der Weltwirtschaft verkettet sind.

Abwechselnde Perioden starken und geringen Wachstums in den nächsten Jahrzehnten, die in einer Untersuchung von 1979 der Weltbank prophezeit werden,
zeigen ja, wie empfindlich die Volkswirtschaften der Länder der Dritten Welt
auf weltweite Wirtschaftstrends reagieren...
spiele nur grobe Prognosen zu.

Zwar lassen solche Sandkasten-

Dennoch führen sie zu wichtigen Schlußfolgerun-

gen für die Arbeit der Kommission:

1) Die Wachstumsrate der Weltwirtschaft in den nächsten 20 Jahren wird
wesentlich darüber bestimmen, ob es für Millionen von Menschen eine Möglichkeit
zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen gibt oder ob das Elend für sie fortdauert.

2) Ebenso steht fest, daß selbst bei höchster weltweiter Wachstumsrate,
die erwartet werden kann, im Jahr 2000 sehr viele Menschen nach wie vor in absoluter Armut leben müssen.

Da anzunehmen ist, daß außerdem alle oder fast

alle dieser Ärmsten der Armen hungern,...

reicht selbst das raschestmögliche

Wirtschaftswachstum nicht aus, um bis zum Jahr 2000 dem Hunger ein Ende zu
machen.

...
- 3 -

�Wie groß das Wirtschaftswachstum auf nationaler oder weltweiter Ebene
auch sein mag - die Erfahrung hat uns jedenfalls gelehrt, daß die dabei begangenen Wege und insbesondere der Kreis derjenigen, die davon profitieren, bestimmen, in welchem Umfang die Armut durch dieses Wachstum verringert wird.
Wo es Regierungen an einem starken Engagement für mehr Gerechtigkeit haben
fehlen lassen, gab es parallel zu einem ständig steigenden Bruttosozialprodukt
von Entwicklungsländern in weiten Kreisen der Bevölkerung verzweifelte Armut.
Umgekehrt kann in jedem Stadium wirtschaftlicher Entwicklung durch gewissenhafte und gezielte Bemühungen um eine Gewährleistung der vollen Teilhabe der
Armen an den Vorteilen des neuen Wachstums die Armut bis zu einem gewissen
Grade gemildert werden.
Die an anderer Stelle erwähnten Einkommensprognosen der Weltbank basierten
auf der Annahme, daß entsprechend den bisherigen Tendenzen etwa 75 Prozent der
Steigerung des gesamten Nationaleinkommens den wohlhabendsten 40 Prozent der
Gesellschaft zufließen.

Des weiteren besagt die Analyse der Weltbank, daß

auch dann, wenn Regierungen einzelner Länder den elementaren Bedürfnissen gerecht werden wollen und es ihnen gelänge, die genannte Zahl auf 60 Prozent
der Steigerungsrate zu drücken, und wenn außerdem der Trend raschen Wachstums
anhielte, der Kreis der Ärmsten der Armen bis zum Jahr 2000 doch nur auf 300
bis 350 Millionen Menschen verringert würde.

Und selbst dieses bescheidene

Ziel dürfte schwerlich zu erreichen sein...
Da die bisherige Minimal-Strategie und die vorgenommenen fiskalischen
Reformen so oft versagt haben, um die gesteckten Ziele zu erreichen, versucht
man jetzt, andere Maßnahmen im Kampf gegen Armut und Unter- bzw. Mangelernährung einzusetzen... Sie sollen Wirtschaftswachstum durch Steigerung des ProKopf-Einkommens und insbesondere durch die Verbesserung der Lebensqualität bei
den Armen erzielen. In den meisten Entwicklungsländern macht es dieser "Weg
zur Befriedigung der elementaren menschlichen Bedürfnisse" erforderlich, den
Armen auf dem Lande besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Denn der Agrarsektor
wird in zunehmendem Maße als eine kritische Quelle für die Erzielung der Einkommen, der Arbeitsmöglichkeiten und der Nahrungsmittel Produktion erkannt, welche für eine eigenständige wirtschaftliche Entwicklung notwendig sind. Gleich-

�Gleichzeitig aber stellt er in den meisten Entwicklungsländern jenen Sektor
dar, wo absolute Armut in erster Linie angesiedelt ist.

Es ist zweifellos sehr viel einfacher, eine gerechtere Verteilung neuen
Wachstums zu fördern, als bestehende Einkommen und Werte umzuverteilen.

Jedoch

hat sich immer wieder gezeigt, welchen entscheidenden Einfluß die das Nationaleinkommen produzierenden Werte auf die Natur des künftigen Wirtschaftswachstums
ausüben.

Tatsächlich demonstrieren jene Länder, die schon in einem frühen

Stadium ihrer Entwicklungsanstrengungen eine gerechte Werteverteilung aktiv
förderten, daß Verteilungsmaßnahmen zumindest ebenso wichtig wie Wirtschaftswachstum für die Verminderung der Armut sein können und daß sie außerdem viel
schneller wirksam werden...

Von den gegenwärtig 4,2 Milliarden Menschen auf dieser Erde leben 3 Milliarden in den Entwicklungsländern.

Die Weltbevölkerung wächst jährlich um

70 bis 80 Millionen, wobei 86 Prozent der Zuwachsrate auf die Entwicklungsländer entfallen.

Diese Zahlen bedeuten, daß bis zum Jahr 2000 die Weltbevölke-

rung auf mindestens 6 Milliarden anwächst und fast acht von zehn Menschen in
einem Entwicklungsland leben.

Können alle diese Menschen ernährt werden?

Nach Prüfung der besten ver-

fügbaren Tendenzprognosen für Nahrungsmittelangebot, Nahrungsmittel bedarf und
Erfordernisse der Ernährung bis zum Jahr 2000 kam die Kommission zu der Überzeugung, daß die Welt genügend Nahrungsmittel für die Ernährung dieser Bevölkerungsmassen produzieren kann, wenn sie bereit ist, die Kosten zu tragen...
Was Art, Ausmaß und Ursachen des Hungers in der Welt bis Ende dieses Jahrhunderts angeht, so kam die Kommission bei ihrer Beurteilung zu folgenden Ergebnissen:

- Es gibt keinen durch äußere oder: naturbedingte Umstände gegebenen Grund,
alle Menschen - Männer, Frauen und Kinder -

nicht

ausreichend zu ernähren.

Bei sorgfältig geplantem Einsatz der vorhandenen natürlichen Hilfsquellen der

- 5 -

�der Welt sollte es möglich sein, das Weltgleichgewicht zwischen Bevölkerung
und Nahrungsangebot zu erhalten.
- Das heute schon so schmerzliche Hungerproblem wird sich in einer Welt
wachsender Interdependenz erheblich verschlimmern - wobei es noch weniger Möglichkeiten für einfache Korrekturen gibt, mehr Menschen mit Nahrung zu versorgen sind und wirtschaftliche wie politische Unsicherheiten anwachsen,-,
solange nicht bei vielen führenden Politikern an die Stelle der Gleichgültigkeit Interesse und Engagement treten.
- Die Aussicht auf eine Beseitigung des Hungers wird in hohem Maße von
der Erreichung eines größeren Wirtschaftswachstums und gesteigerter Nahrungsmittelproduktion in den Entwicklungsländern abhängen...

Solange jedoch die

Programme nicht darauf abgestellt werden, arme und unterernährte Menschen in
die Lage zu versetzen, sich selbst zu helfen, sind in absehbarer Zukunft weder
Hunger noch Armut zu überwinden.
- Letztlich ist das Problem der Beendigung des Hungers in der Welt eine
Frage politischer Entscheidungen - ein Faktor also, der nicht besser vorhersagbar ist als das Wetter, aber weit stärker der Beeinflussung durch den Menschen unterliegt. Die für die Ausrottung des Hungers erforderlichen Mengen
an Nahrungsmitteln und Kapital sind bemerkenswert gering im Verhältnis zu den
vorhandenen globalen Ressourcen. Auch die menschliche Findigkeit ist in allen
Nationen der Welt außerordentlich groß, wobei aber diese Eigenschaft nur zu
oft für andere und häufig auch diesem Ziel zuwiderlaufende Aufgaben eingesetzt
wird..."

- 6 -

�Teil einer gemeinsamen Anstrengung mit unseren Verbündeten zu verbessern;

- drittens, um unsere Seestreitkräfte zu modernisieren, so daß sie auch
weiterhin die besten auf der Welt bleiben;

- viertens, um die Eingreifkapazität zu stärken, um unseren Verpflichtungen außerhalb der NATO nachzukommen; und

- fünftens, um eine wirkungsvolle Streitmacht von bestausgebildeten Soldaten aufrechtzuerhalten.

Wir müssen diese Verpflichtungen übernehmen, um den Frieden und die Sicherheit in den achtziger Jahren zu gewährleisten.

Um sicherzustellen, daß wir da-

mit energisch vorankommen, werde ich für das Haushaltsjahr 1981 ein Budget
vorlegen, dessen bereitgestellte Mittel über 157 Milliarden Dollar betragen,
ein Real Zuwachs von über fünf Prozent gegenüber meiner Anforderung im Haushaltsjahr 1980. Wie in den Jahren 1979 und 1980 werden die geforderten Ausgaben für die Verteidigung im Haushaltsjahr 1971 um real mehr als drei Prozent
gegenüber dem Vorjahr anwachsen.

Wir werden diese Anstrengung durchhalten.

Mein Fünfjahres-Verteidigungs-

programm sieht Steigerungen der Realausgaben vor, die im Durchschnitt mehr als
4,5 Prozent pro Jahre betragen.

Ich habe die Absicht, dieses Programm durchzuführen.

Bei sorgfältigem

und tüchtigem Management sollten wir in der Lage sein, dies im Rahmen der Haushaltserhöhungen zu erreichen, die ich vorgeschlagen habe.

Sollte die Inflation

die erwarteten Raten überschreiten, habe ich die Absicht, den Verteidigungshaushalt soweit notwendig anzupassen - genauso wie das für 1980 getan wurde.

Ein großer Teil dieses Programms wird fünf Jahre oder länger brauchen,
um zur Vollendung zu gelangen.

Die Ungleichgewichte, die es beheben wird,

sind durch über ein Jahrzehnt der Disparität hervorgerufen worden und können

- 9 -

�können nicht über Nacht ausgeglichen werden.
dieses Programm bis zum Ende durchzuhalten.

Daher müssen wir willens sein,
Um dies zu gewährleisten, lege

ich eine Wachstumsrate für die Verteidigungsausgaben fest, die auf den gesamten Zeitraum gesehen erträglich ist. Am kostspieligsten und selbstzerstörerischsten wäre es, mit diesem notwendigen Programm zu beginnen, und es nach
einem oder zwei Jahrenzu ändern oder zu reduzieren, wenn eine solche Maßnahme
dann politisch attraktiv erschiene.

Das Verteidigungsprogramm, das ich für

die nächsten fünf Jahre vorschlage, wird einige Opfer fordern - aber Opfer,
die wir uns leisten können.

Es wird den Prozentsatz, den wir von unserem

Bruttosozialprodukt für Verteidigung ausgeben, überhaupt nicht erhöhen,und
dieser wird weiterhin etwa fünf Prozent betragen.
Wir brauchen eine weitsichtige, ausgewogene Einstellung zur Verteilung
der Mittel für die Bundesausgaben. Wir werden auch weiterhin solch wesentliche Ansprüche wie Arbeitsplätze, Wohnungsbau, Erziehung und Gesundheit befriedigen, aber wir müssen erkennen, daß eine Vorbedingung für den Genuß solchen Fortschritts die Sicherung des Friedens für unser Land ist. Wenn ich
also um die Unterstützung des Kongresses für unsere Verteidigungsanstrengungen
bitte, dann bitte ich um konsequente Unterstützung, um standhafte Unterstützung - nicht nur für 1980 und 1981, sondern bis zu dem Zeitpunkt, da diese
Verpflichtungen erfüllt sind.
Kontinuierlich aufrechterhaltene amerikanische Stärke ist die einzig
mögliche Grundlage für eine weiterreichende, wirklich auf Gegenseitigkeit
beruhende Entspannung, die wir mit der Sowjetunion suchen. Nur durch Stärke
können wir die weltweiten politischen Bedingungen schaffen, unter denen der
weltweite wirtschaftliche und politische Fortschritt und die Kontrolle konventioneller und nuklearer Waffen gedeihen können.
Als das stärkste und fortschrittlichste Land der Welt haben wir eine besondere Verpflichtung, Sicherheit sowohl auf dem Weg der Rüstungskontrolle als
auf dem der militärischen Stärke zu suchen.

Daher begrüße ich die Senatsde-

batte über die Bedeutung des SALT II-Vertrags.
- 10 -

Sie wird uns in. die Lage ver-

�versetzen, ein klareres Verständnis dafür zu erlangen, daß diese Anstrengungen in Rüstungskontrolle und Verteidigung von lebenswichtiger Bedeutung für
unsere Sicherheit sind.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb SALT II die militärischen Aspekte unserer nationalen Sicherheit stärkt.

Erstens können wir mit SALT II besser eine strategische Gleichwertigkeit
bei Kernwaffen aufrechterhalten.

Ohne den Vertrag können die Sowjets die

Schlagkraft ihrer eigenen Streitkräfte erhöhen; jeden Vorteil ausweiten, den
sie vielleicht Anfang der achziger Jahre erzielen könnten; und das, was sie tun,
vor uns verbergen.

Für uns würde bei solchen unkontrollierten sowjetischen

Maßnahmen die Aufrechterhaltung einer Parität mehr Kosten bedeuten - an Zeit,
Geld und Ungewißheit.
Zweitens können wir mit SALT II die Schlagkraft und die Bereitschaft unserer nichtnuklearen Streitkräfte besser aufrechterhalten als ohne.
der Umfang des Verteidigungshaushalts auch sein mag:

Wie groß

Wenn SALT II nicht rati-

fiziert wird, muß ein größerer Anteil davon für strategische Waffen aufgewandt
werden.

Drittens können wir mit SALT II die Einigkeit, Entschlossenheit und Kapazität des NATO-Bündnisses besser stärken als ohne.

Aus diesem Grund haben die

Regierungschefs anderer NATO-Länder auf seine Ratifizierung gedrängt.

Viertens können wir mit SALT II den SALT-Prozeß der Verhandlungen über
weitere Begrenzungen der Kernwaffenarsenale der Welt besser fortsetzen als ohne.
Ohne das Inkrafttreten von SALT II und all seinen Beschränkungen, Regeln und
Definitionen würde ein Übereinkommen im Rahmen von SALT III über weitergehende
Reduzierungen bestenfalls sehr viel mehr Jahre brauchen.

Fünftens können wir mit SALT II die Weiterverbreitung von Kernwaffen unter
derzeit Nichtkernwaffenstaaten besser kontrollieren als ohne.

- 11 -

Das könnte einer

�einer der wesentlichsten Faktoren sein, um die es bei der anstehenden Entscheidung geht.
Alle diese Fragen sind von äußerster Bedeutung und eng miteinander verknüpft.
Eine starke Verteidigung ist eine Frage des gesunden Menschenverstandes.
Genauso ist es SALT II.
Ich werde mein Äußerstes tun, um Amerika stark und sicher zu erhalten.
Aber das kann nicht ohne Anstrengung und Opfer erreicht werden.
Die beste Investition in die Verteidigung ist die für Waffen, die niemals eingesetzt werden müssen, und in Soldaten, die niemals zu fallen brauchen.
Aber der Frieden, dessen wir uns erfreuen, ist die Frucht unserer Stärke - und
unseres Willens, sie zu gebrauchen, wenn wir müssen.
Als große Nation, dem Frieden ergeben, müssen und werden wir auch weiterhin diese Stärke mehren.

- 12 -

�1

I
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Dezember 1979

48

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERS ZUR SONDERSITZUNG DER NATO-MINISTERTAGUNG
- Wortlaut -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
12. Dezember 1979 nach der Sondersitzung der Außen- und Verteidigungsminister
des Atlantischen Bündnisses in Brüssel betont, daß der Beschluß der NATO, weiterreichende Nuklear-Raketen in und für Europa zu stationieren und gleichzeitig
ein Rüstungskontroi labkommen mit der Sowjetunion über diese Waffen im Rahmen
von SALT III anzustreben, von außerordentlicher Bedeutung sei.
Die Ausführungen des Außenministers haben folgenden Wortlaut:
Die Verteidigungs- und Außenminister der NATO haben soeben eine erfolgreiche Zusammenkunft von außerordentlicher Bedeutung beendet.
Wir haben beschlossen, mit einem Plan zur Dislozierung von 108 ballistischen
Raketen vom Typ Pershing II sowie 464 landgestützten Marschflugkörpern in Europa
voranzugehen. Gleichzeitig haben wir beschlossen, mit den Sowjets nachdrücklich ein sinnvolles und gerechtes Rüstungskontroi labkommen über weiterreichende
Nuklearwaffen in und für Europa (TNF) anzustreben.
Diese

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Diese von uns hier getroffenen weitreichenden Entscheidungen sind ein
Beweis für die Entschlossenheit und die gemeinsame Zielsetzung der NATO-Mitgliedstaaten.

Die zwei Jahre intensiver Konsultationen, die zu diesen Ent-

scheidungen geführt haben, legen Zeugnis ab von dem gemeinsamen Vertrauen,
das im Bündnis herrscht.
Bevor Verteidigungsminister Brown die Einzelheiten dieser Maßnahmen erläutert, die hier zur Stärkung der Verteidigungsposition der NATO ergriffen
worden sind, möchte ich für Sie kurz den politischen Zusammenhang dieser Entscheidungen umreißen.
Das Atlantische Bündnis hat sich zu einem Abbau der Spannungen zwischen
Ost und West verpflichtet.

Aber unser Streben nach Entspannung, einschließ-

lich der ausgewogenen Rüstungskontroi labkommen, muß auf einer festen Grundlage der militärischen Sicherheit beruhen.
Ein Abbau der Spannungen ist nur möglich, wenn jede Seite Vertrauen in
ihre eigene Stärke hat.

Ernsthafte Verhandlungen können nur vorankommen, wenn

keine Seite den Willen und die Fähigkeiten der anderen anzweifelt.
Maßnahmen zur Konsolidierung und Stärkung der kollektiven Verteidigung
der NATO sind daher nicht nur von entscheidender Bedeutung für eine sichere
Abschreckung vor militärischen Drohungen, sondern sie bilden auch eine Grundlage für umfassendere Bemühungen bei der Suche nach einem Abbau der Spannungen.
Im politischen wie auch im militärischen Sinne sind eine Modernisierung
der Verteidigung und eine Politik der Entspannung parallele Wege auf der großen Straße der Sicherheit.
In den letzten Jahren hat die Sowjetunion ihre Nuklearstreitkräfte in
Europa wesentlich verbessert. Die sowjetische Dislozierung moderner SS-20Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen sowie der Backfire-Bomber drohen, den Sowjets
ein nukleares übergewicht im europäischen Bereich zu verleihen.
Als
- 2 -

�Als Reaktion darauf hat das Bündnis parallele Programme der Modernisierung und der Rüstungskontrolle entwickelt.
Durch den Beschluß, neue weiterreichende Nuklearwaffen in Europa zu dislozieren und die Vereinigten Staaten in ihrem Streben nach einem ernsthaften
Rüstungskontrollabkommen zu unterstützen, das die TNF einschließt, verleiht
das Bündnis seiner Politik der Abschreckung, der Verteidigung und der Entspannung neuen Sinn und neue Stärke.
Unser Dislozierungsbeschluß legt Zeugnis ab von der fortdauernden Lebenskraft und dem Zusammenhalt des Bündnisses.
Er hat die klare Botschaft vermittelt, daß wir Entspannung als Suche
nach beiderseitigem und ausgewogenem statt nach einseitigem Vorteil definieren.
In diesem Zusammenhang sind wir bereit, innerhalb des Rahmens von SALT III
in ernsthafte Verhandlungen über weitreichende TNF einzutreten. Jedes erreichte Abkommen muß, wie im Falle von SALT II, ausgewogen und angemessen verifizierbar sein.
Wir werden keinerlei Gedanken eines Einfrierens in Erwägung ziehen, das
ein sowjetisches übergewicht hinsichtlich weiterreichender TNF bekräftigt würde.
Aber wir sind bereit, ein gerechtes Abkommen über amerikanische und sowjetische Dislozierungen dieser Systeme auf einem niedrigerer Niveau auszuhandeln.

Dies würde eine Reduzierung der sowjetischen Bedrohung sowie eine Re-

duzierung des Dislozierungsprogramms der NATO bedeuten.
Der Modernisierungsbeschluß, den wir hier getroffen haben, ermöglicht
es uns ferner, 1000 nukleare Gefechtsköpfe aus Europa abzuziehen.
Zusätzlich zu dieser Verminderung werden wir für jede der von uns dislozierten Waffen eine bereits vorhandene Waffe aus Europa abziehen.
Somit

�Somit werden unsere Beschlüsse in einer bedeutsamen Reduzierung des Umfangs der nuklearen Arsenale in Europa insgesamt resultieren und in keiner
Weise die Abstützung auf nukleare Waffen erhöhen.
Unsere Bereitschaft im Rahmen von SALT in Verhandlungen über TNF einzutreten, ist nur eine Maßnahme eines umfassenden Pakets von Rüstungskontroi 1initiativen, die das Bündnis gegenwärtig entwickelt. MBFR sowie KSZE sind
weitere Verhandlungen, die die Mitglieder des Bündnisses mit gleichem Nachdruck verfolgen.
Die politischen Auswirkungen der Beschlüsse, die wir hier heute getroffen haben, sind beträchtlich. Angesichts einer realen Bedrohung der Sicherheit Westeuropas hat das Bündnis entschlossen, mit Umsicht und auf eine Art
und Weise reagiert, die zu dem Betreiben von Rüstungskontrollinitiativen einlädt. Ich bin der Ansicht, daß unsere Regierungen stolz auf diese denkwürdige Leistung sein können und daß die freien Völker des Bündnisses eine überwältigende Unterstützung dieser hier heute getroffenen Beschlüsse an den Tag
legen werden.

+ + + + +

- 4-

�I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

19. Dezember 1979

48

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERS AUF DER MINISTERTAGUNG DES
NORDATLANTIKRATES

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat zu Beginn der Ministertagung des Nordatlantikrates am 13. Dezember 1979 in Brüssel
die ganze Bandbreite der Verhandlungsmöglichkeiten zwischen West und Ost - von
SALT II und TNF-Verhandlungen über MBFR in Wien bis zur Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) dargelegt.

Gleichzeitig betonte er,

daß die Sicherheit Europas durch Verhandlungen und durch militärische Bereitschaft gewährleistet werden müsse.

Das Bündnis habe richtige Entscheidungen

getroffen.
Die Erklärung des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Bevor ich Washington verließ, um an dieser Sitzung des Nordatlantikrats
teilzunehmen, besprach ich das bevorstehende Treffen mit Präsident Carter,
der ein tiefes Interesse an der Arbeit hat, die in dieser Woche hier geleistet
wird,und der mich bat, Ihnen allen seine Grüße zu bestellen.
Ich möchte auch besonders die Minister willkommen heißen, die dem Rat zum
ersten Mal angehören.
In

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�In der Geschichte des Bündnisses wird dieses Treffen als ein Zeitpunkt
von besonderer Bedeutung verzeichnet werden.
für die NATO sind natürlich immer wichtig.

Themen von zentraler Bedeutung

Aber bei dieser Gelegenheit sind

die anstehenden Themen so wichtig,und unsere Entscheidungen sind von so tiefgreifender Bedeutung für die weitere Sicherheit des Bündnisses und für die
Stärkung des Friedens in Europa, daß unsere Beratungen wirklich die Bezeichnung "historisch" verdienen.
Wir treffen hier zu Beginn eines neuen Jahrzehnts zusammen.
uns glaubt, daß die vor uns liegenden Zeiten leicht sein werden.
mische Zeiten können die besten Seiten in uns wachrufen.

Niemand von
Aber stür-

Solche Herausforde-

rungen können unsere Gesellschaften zu größeren Leistungen aufrütteln.

Unse-

re Völker haben in der Geschichte unseres Bündnisses stets eine solche Stärke
gezeigt.

Und sie werden es erneut tun.

Wir, die wir unserem Bündnis angehören, das in der Vergangenheit so viele
Erfolge erzielt hat, sollten mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
politischen Systeme sind stark und flexibel.
elastisch und innovativ.

Unsere

Unsere Volkswirtschaften sind

Unsere Völker sind standhaft.

Mit fortgesetzter

harter Arbeit und Zusammenarbeit werden wir die gesunden und starken Gesellschaften aufrechterhalten, von denen unsere Sicherheit letztlich abhängt.
Es war die Suche nach Sicherheit, die uns hier in diesem Bündnis zusammenführte. Heute haben wir nicht weniger als vor 30 Jahren die Stärke und den
Willen, die uns in die Lage versetzen, selbst durch nüchterne Einschätzung über
die Erfordernisse für unsere Verteidigung zu entscheiden. Diese einzigartige
Gruppe freier Länder wird in Wertschätzung unserer unumschränkten Unabhängigkeit und unserer gemeinsamen Werte niemals anderen erlauben, die Bedingungen
unserer Sicherheit zu diktieren.
Mit dem Verständnis und der Unterstützung unserer Völker unternehmen wir
jetzt Schritte, um den Frieden zu bewahren.

Wir handeln, um die strategischen

Waffen in den Vereinigten Staaten zu verstärken, um unsere Kernwaffen in und
für Europa (TNF) zu modernisieren und um unsere Position im konventionellen Be- 2 -

�Bereich zu verbessern.
Ich bin Überzeugt davon, daß das Bündnis auf dem richtigen Weg ist.

Unser

Langfristiges Verteidigungsprogramm, unsere Verpflichtung zu drei Prozent Realzuwachs bei den jährlichen Verteidigungsausgaben und unsere Entscheidungen,
die TNF-Waffen zu modernisieren, versprechen, uns mit einem Gefühl echter
Sicherheit in die achtziger Jahre zu führen.

Es ist uns allen klar, daß wir

den Mut und die Entschlossenheit bewahren werden, die notwendig sind, um diese Entscheidungen durchzusetzen.
Die Stärke unseres Bündnisses bleibt die wesentliche Grundlage unserer Anstrengungen, den Rahmen für fruchtbarere Beziehungen mit dem Osten zu verstärken. Es ist für uns alle klar, daß wir die Sicherheit Europas durch Verhandlungen ebenso wie durch militärische Bereitschaft verfolgen. Auch hier müssen
wir auf breiter Front vorangehen:
- Bei SALT und bei den TNF-Verhandlungen hoffen wir auf einen intensiveren
Konsultativmechanismus des Bündnisses. Wir müssen sicherstellen, daß das Versprechen, das dieser Mechanismus für engere Koordination innerhalb des Bündnisses bietet, unserer Entschlossenheit entspricht, Fortschritte bei den Verhandlungen selbst zu erzielen.
- Bei den MBFR-Verhandlungen werden unsere beharrlichen und geduldigen
Unterhändler auch weiterhin energisch alle die Wege erkunden, die das Zustandekommen eines Abkommens versprechen.
- Bei den KSZE-Verhandlungen werden wir schöpferische neue Vorschläge zur
militärischen Vertrauensbildung verbinden mit einer Entschlossenheit, die Unversehrtheit der Schlußakte zu bewahren und bei den KSZE-Themen auch weiterhin
Fortschritte auf der anderen Seite zu erzielen, einschließlich solcher Themen,
die das Leben der Menschen unmittelbar berühren.
- In

- 3 -

�- In den Ost-West-Beziehungen sind wir der Meinung, daß Sicherheit im
weitesten Sinne nicht durch Waffen allein erreicht werden kann.

Die Mitglie-

der des Bündnisses werden auch weiterhin ihre Bereitschaft zeigen, den offiziellen individuellen und wirtschaftlichen Austausch zu erweitern.

Dieser

Austausch kann sich in dem Maße ausweiten, wie die gegenseitige Verpflichtung
zu besseren Beziehungen zwischen Ost und West sich verstärkt.

Wenn eine bessere

Verständigung zwischen Ost und West verfolgt wird, werden alle unsere Völker
von einem Rückgang der Spannungen profitieren.
Dieses Bündnis schöpft seine Stärke aus unserer Entschlossenheit, beides
zu erreichen:

beiderseitige Sicherheit und Verminderung der Spannungen.

Die-

ses so überaus wichtige Treffen bietet eine Gelegenheit dafür, daß die Herausforderungen, vor denen wir stehen, mit den klugen Entscheidungen zusammenpassen - Entscheidungen, die unsere Bereitschaft stärken, das Vertrauen unserer
Völker in diese unsere Bereitschaft stärken und die Aussichten auf größere Sicherheit durch vereinbarte Rüstungskontrollen erhöhen werden.
Wann immer wir zusammentreffen, aber besonders in Augenblicken bedeutender
Entscheidungen so wie heute, wird - so meine ich - jeder von uns von der Vergangenheit berührt - bei der Erinnerung an die Weisheit der Gründer dieses Bündnisses. Sie wußten, daß Menschen, die in Freiheit leben, am stärksten sind.
Sie wußten, daß gemeinsame Entscheidungen, in Freiheit getroffen, die stärksten
Entscheidungen sind. Und sie wußten, daß freie Nationen im gemeinsamen Handeln
sich gegenseitig bestärken in der Arbeit für den Frieden.

+ + + + +

- 4-

�rVj

1 ^^^ 1

MIN

I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

48

19. Dezember 1979

CARTER KÜNDIGT HÖHERE VERTEIDIGUNGSAUSGABEN AN
Wortlaut der Rede des Präsidenten vor dem Amerikanischen Wirtschaftsrat -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter ging in einer Rede am 12. Dezember 1979 vor Mitgliedern des Amerikanischen Wirtschaftsrates im Weißen Haus
ausführlich auf Fragen der Sicherheit des westlichen Bündnisses sowie auf die
Möglichkeiten ein, wie auch in den achtziger Jahren der weltweite Frieden garantiert werden könne.

Eine Verpflichtung zu höheren Verteidigungsausgaben

innerhalb der nächsten fünf Jahre sei notwendig, da "kontinuierlich aufrechterhaltene amerikanische Stärke die einzig mögliche Grundlage für eine weiterreichende, wirklich auf Gegenseitigkeit beruhende Entspannung bildet, die wir
mit der Sowjetunion suchen".
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Von größtem Beiang für mich und für jeden amerikanischen Präsidenten ist
- und muß sein - die Sicherheit unserer Nation.
Diese Sicherheit stützt sich auf vielerlei Art von Stärke:

auf Waffen

und auf Rüstungskontrolle; auf militärische Stärke, auf wirtschaftliche Lebens-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Lebenskraft und auf die Lebensqualität unseres Volkes; auf moderne Waffen
und auf verläßliche Energieversorgung.

Das Wohlergehen unserer Verbündeten

und Freunde ist auch für unser eigenes Wohlergehen von entscheidender Bedeutung.

Unsere Sicherheit ist verbunden mit den Menschenrechten und der sozia-

len Gerechtigkeit, die sich unter anderen Völkern dieser Erde durchsetzt, sowie mit den Institutionen für den Weltfrieden und die internationale Ordnung,
zu deren Aufbau wir beigetragen haben.

Wir hoffen und arbeiten und beten für eine Welt, in der die Waffen des
Krieges nicht länger mehr notwendig sind.
ten Tatsachen stellen - der Welt, so

Aber jetzt müssen wir uns den har-

wie sie nun einmal ist.

In der gefähr-

lichen und ungewissen Welt von heute ist der Grundstein unserer nationalen
Sicherheit noch immer die militärische Stärke, eine Stärke, die von uns Amerikanern, von unseren Verbündeten und von jedem potentiellen Angreifer deutlich
erkannt wird.

Zweimal in diesem Jahrhundert, stets in den Nachwehen eines Weltkrieges,
wurden wir vom Isolationismus in Versuchung geführt.

Das erstemal erlagen

wir der Versuchung, zogen uns aus unserer weltweiten Verantwortung zurück
- und eine Generation später stürzte die'Welt erneut in den Abgrund eines Krieges.

Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch schufen wir die nationale Übereinstim-

mung - gegründet auf unsere eigenen moralischen und politischen Werte - für den
Plan einer aktiven Rolle Amerikas bei der Aufrechterhaltung von Frieden und
Sicherheit für uns selbst und für andere.
Trotz all der Veränderungen, die in den letzten 30 Jahren über die Welt
hinweggegangen sind, blieb diese grundlegende Übereinstimmung erhalten.

Wir

haben aus dem Fehler der militärischen Einmischung in die inneren Angelegenheiten
eines anderen Landes gelernt, als unsere eigenen lebenswichtigen Interessen
nicht unmittelbar auf dem Spiel standen.

Aber wir müssen begreifen, daß nicht

jeder Fall der entschlossenen Machtanwendung ein potentielles Vietnam ist.
Der Konsens über nationale Stärke und internationale Beteiligung - obwohl erschüttert und bedroht - überlebte diesen trennenden und tragischen Krieg.
Die
- 2-

�Die jüngsten Ereignisse im Iran erinnerten uns lebhaft an die Notwendigkeit eines starken und geeinten Amerikas, einer Nation, die durch ihre Verbündeten unterstützt wird und es nicht notig hat, in der ruhigen Ausübung ihrer
Stärke und ihrer Verpflichtungen gegenüber dem Völkerrecht und der Bewahrung
des Friedens zu täuschen oder zu posieren.

Ungeachtet anderer Meinungsver-

schiedenheiten sind wir heute vereint in der Überzeugung, daß wir eine starke
Verteidigung brauchen und daß militärische Schwäche die Wahrscheinlichkeit
eines Kriegs unvermeidlich erhöhen würde.

Daher ist die Frage, vor der wir stehen, nicht, ob wir stark sein sollten,
sondern wie wir stark sein werden.

Wie werden unsere Verpflichtungen bei der

Verteidigung in den achtziger Jahren und darüber hinaus aussehen?
Herausforderungen werden wir bei ihrer Erfüllung stehen?

Vor welchen

Welche Verteidigungs-

programme brauchen wir - und wieviel wollen wir ausgeben, um sie zu bekommen?
Wie können wir am wirkungsvollsten unsere militärische Bereitschaft und unsere Anstrengungen zur Rüstungskontrolle in Einklang bringen?

Zunächst muß unser Verteidigungsprogramm so gestaltet werden, daß es unseren Verpflichtungen entspricht.
In Europa haben unsere Streitkräfte den Grundstein für eine der längsten
Perioden des Friedens und des Wohlstands gelegt, deren dieser Kontinent sich jemals
erfreut hat.

Unsere konventionelle und nukleare Stärke hilft bei der Erhal-

tung des Friedens, während unsere Verbündeten durch die Europäische Gemeinschaft
zusammenwachsen und zugleich ihre historischen Bindungen mit Osteuropa nähren.
Unsere gegenseitigen Verpflichtungen innerhalb der Atlantischen Gemeinschaft
sind von lebenswichtiger Bedeutung für uns alle^nd sie sind dauerhaft und
unerschütterlich.

Die militärische Stärke Amerikas gibt den Rahmen ab, innerhalb dessen
unsere ausgereifte Freundschaft mit Japan, Korea, Australien, Neuseeland, den
Philippinen und Thailand zur Stabilität im pazifischen Raum und auf der ganzen
Welt beiträgt.
Wir
- 3 -

�Wir müssen und werden fortfahren, diese Verpflichtungen zu erfüllen.
Aber es gibt Gründe zur Beunruhigung hinsichtlich unserer Fähigkeit, unseren nützlichen und friedlichen Einfluß aufrechtzuerhalten.

Seit nahezu 20

Jahren erhöht die Sowjetunion ihre realen Verteidigungsausgaben um drei bis
vier Prozent pro Jahr.

Im Gegensatz hierzu sind unsere eigenen Verteidigungs-

ausgaben von 1968 bis 1976 jedes Jahr real zurückgegangen.

Dies schafft für

die amerikanische Führung und den amerikanischen Einfluß in der Welt eine
echte Herausforderung.
Mit ziemlicher Sicherheit werden wir anderen Herausforderungen gegenüberstehen - weniger direkt, obgleich nicht weniger schwerwiegend.

Die acht-

ziger Jahre werden wahrscheinlich fortgesetzte Unruhe und Umwälzung bringen.
Probleme der Energiekosten und -Versorgung werden die Wirtschaft der industrialisierten Welt weiterhin beeinträchtigen und werden noch stärkeren Druck auf
die Entwicklungsländer ausüben.

Die politische Unbeständigkeit könnte sich

sogar noch verstärken, während die jüngeren Staaten darum kämpfen, mit diesen
Problemen fertigzuwerden.
Genauso wie in der Vergangenheit, wenn die Winde des Wandels zu Stürmen
des Konflikts zu werden drohten, müssen wir bereit sein, unseren Freunden und
Verbündeten beim Widerstand gegen die Bedrohung von Stabilität und Frieden
beizustehen.
Die ständige sowjetische Aufrüstung und die wachsende sowjetische Neigung, sich auf ihre Militärmacht zu stützen, um Situationen der Unruhe auszunützen, ruft nach einer ruhigen, überlegten und gleichmäßigen amerikanischen
Antwort.
Bis Mitte der siebziger Jahre verließen sich die Vereinigten Staaten auf
eine Verteidigungsstrategie und auf Kräftestrukturen, die während der frühen
sechziger Jahre entworfen worden waren - in einer Zeit, als wir bei den strategischen Kernwaffen Überlegenheit genossen und bei den taktischen Nuklearwaffen
- 4 -

�Nuklearwaffen ein Monopol, als die sowjetische Seemacht begrenzt war und
eine sowjetische Militärpräsenz außerhalb Osteuropas kaum existierte.

Dies

alles hatte sich geändert, als ich das Amt des Präsidenten antrat.

Seit Beginn meiner Regierungszeit haben wir angefangen, 6 ja Anwachsen
der sowjetischen Militärmacht entgegenzuwirken,

indem vi^r Anstrengten un-

ternommen haben, die unsere eigene beträchtliche Stärke erhöhen.

In jedem der letzten vier Jahre gab es einen bescheidenen Zuwachs der
realen Verteidigungsausgaben.

In Europa haben wir Schritte unternommen, um ein Jahrzehnt des relativen
Rückgangs der militärischen Stärke des Atlantischen Bündnisses umzukehren.
Als ich mich vor nahezu drei Jahren mit Führern aus dem Bündnis zu treffen begann, fand ich sie beunruhigt über den Zustand unserer gemeinsamen Verteidigungsfähigkeit.

Ich gab das Versprechen ab, den Umfang unserer eigenen Verteidigungsausgaben jedes Jahr um real etwa drei Prozent auszuweiten,und unsere NATO-Verbündeten gaben als Antwort das gleiche Versprechen.

Unter amerikanischer Führung unternahm die NATO auch den entscheidenden
Schritt, ein mutiges Langfristiges Verteidigungsprogramm in Angriff zu nehmen.
Dieses Programm hilft uns dabei, unsere Kapazität zu erhöhen, um vor jedem
Überraschungsangriff gegen unsere europäischen Verbündeten abzuschrecken oder
ihn zunichte zu machen.

Wir unternehmen ebenfalls Schritte, um das Gleichgewicht bei den Nuklearstreitkräften in und für Europa (TNF) wiederherzustellen.

Zu Beginn der sechziger Jahre zogen die Vereinigten Staaten ihre Mittelstreckenraketen von Westeuropa ab.

Wir konnten dies damals tun, da eine über-

- 5 -

�überwältigende amerikanische Überlegenheit im strategischen Bereich herrschte.
Aber die Sowjetunion zeigte keine ähnliche Zurückhaltung.

Die beschleunigte

Entwicklung ihrer relativ weitreichenden, mobilen, mit Mehrfachgefechtsköpfen
versehenen SS-20-Rakete bedeutet eine wesentliche Eskalation bei der TNFRüstung.

Mit dem Entstehen einer annäherndenhen strategischen Parität schafft

diese neue Rakete eine potentiell gefährliche Schwäche in der Fähigkeit der
NATO, vor einem Angriff abzuschrecken.
Bei den SALT II-Verhandlungen haben wir sehr sorgfältig darauf geachtet,
daß wir frei blieben, diese Schwäche zu korrigieren.

Nunmehr geht die NATO

daran, ihre Kernwaffen zu verstärken, um einen Ausgleich für bestehende sowjetische Dislozierungen zu schaffen. Auf der Grundlage der Stärke können wir
dann mit dem Warschauer Pakt verhandeln, um die TNF zu verringern.
Im Bereich der internationalen oder strategischen Waffen stehen wir
ebenfalls vor widrigen Trends, die es zu korrigieren gilt.
Eine verbesserte sowjetische Luftabwehr droht nunmehr, unsere strategischen Bomber verwundbar zu machen. Der Marschflugkörper wird unsere Antwort auf dieses Problem sein. Die Produktion der ersten Generation luftgestützter Marschflugkörper wird im nächsten Jahr beginnen.
Zudem werden unsere bodengestützten MINUTEMAN-Interkontinentalraketen
in zunehmendem Maß verwundbar durch die höhere Treffsicherheit der mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten Raketen der Sowjetunion. Aus diesem Grund stimmten wir im letzten Frühjahr für die Produktion der MX-Rakete. Die verhältnismäßig kleine Anzahl von MX-Raketen wird beweglich sein und eine große Anzahl
von Bunkern haben; sie wird somit wesentlich weniger verwundbar sein als unsere derzeitigen MINUTEMAN-Raketen, die fest verbunkert sind. Außerdem wird
die MX in Beantwortung eines Erstschlags die Fähigkeit haben, eine Vielzahl
von sowjetischen militärischen Zielen anzugreifen. Die MX-Rakete wird nicht
die Stabilität untergraben, sondern vor einem Angriff abschrecken und zu Ver- •
handlungen über weitere Begrenzungen bei Kernwaffen ermutigen. Zusätzlich

- 6 -

�Zusätzlich wird sie zur Überlebensfähigkeit unserer strategischen Bomber und
Unterseeboote beitragen, indem sie jeden etwa ins Auge gefaßten sowjetischen
Schlag erschweren wird.

Sogar mit SALT II braucht Amerika die MX, um das

Gleichgewicht bei strategischen Kernwaffen aufrechtzuerhalten.

Wir modernisieren auch unsere strategische Unterseebootwaffe.

Das erste

neue TRIDENT-Unterseeboot ist vom Stapel gelaufen,und die ersten unserer neuen
TRIDENT-Raketen - mit einer Reichweite von über 4000 Meilen - sind bereits auf
See.

Auf diese Weise wird jede Säule unserer strategischen Triade modernisiert:
Marschflugkörper für unsere Bomber, MX für unsere Interkontinentalraketen und
TRIDENT für unsere Unterwasserabschreckung.
Auch werden wir die Modernisierung unserer konventionellen Streitkräfte
nicht vernachlässigen, obwohl wir uns hier in großem Maß auf die parallelen
Anstrengungen unserer Verbündeten verlassen müssen - in Asien wie in Europa.
Sie müssen ihren gerechten Anteil an den erhöhten Bürden der gemeinsamen Verteidigung tragen.

Ich bin entschlossen, unsere Seestreitkräfte stärker zu halten als die
eines jeden anderen Landes.

Unser Schiffsbauprogramm wird in den achtziger

Jahren eine Marine von 550 Schiffen aufrechterhalten; und wir werden auch
weiterhin die besten Schiffe bauen.

Die Seemacht ist für unsere weltweite

Strategie unabdingbar - im Frieden und im Kriege.

Schließlich machen wir gute Fortschritte dabei, Gegengewichte für die
wachsende Fähigkeit der Sowjetunion zu schaffen, ihre Militärmacht entweder
direkt oder durch Stellvertreter in Gebieten der Dritten Welt einzusetzen, und
wir müssen darauf vorbereitet sein, mit feindseligen Handlungen auch anderer
gegen unsere Bürger oder unsere lebenswichtigen Interessen fertig zu werden.

Zu

- 7 -

�Zu diesem Zweck brauchen wir nicht nur stärkere Streitkräfte, sondern
bessere Mittel zur raschen Dislozierung der Streitkräfte, die wir bereits besitzen.
Unser Verteidigungshaushalt für 1981 und unser Fünfjahres-Verteidigungsprogramm werden dieser Forderung auf zweierlei Weise gerecht werden.

Einmal

werden wir eine neue Flotte von Bereitstellungsschiffen aufstellen, die das
schwere Gerät und den Nachschub für drei Brigaden des Marinekorps mit sich
führt und in vorgeschobenen Gebieten stationiert werden kann, wo die amerikanischen Streitkräfte vielleicht gebraucht werden.

Da sich der Nachschub be-

reits nahe dem Einsatzgebiet befindet, können die Truppen selbst auf dem Luftwege herangeschafft werden.

Die zweite Neuerung wird eine neue Flotte großer

Transportflugzeuge sein, um Panzer und anderes Gerät über interkontinentale
Entfernungen hinweg zu transportieren.
Die Existenz von Eingreiftruppen bedeutet nicht notwendigerweise, daß wir
sie auch einsetzen werden. Wir beabsichtigen, mit ihrer Existenz eben vor den
Entwicklungen abzuschrecken, die ihren Einsatz heraufbeschwören würden.
Wir dürfen nie vergessen, daß unsere militärische Sicherheit von den
Fähigkeiten, der Ausbildung und der Einsatzbereitschaft der Menschen abhängt,
die in unseren Streitkräften dienen - wie leistungsfähig und fortschrittlich
unsere Waffensysteme auch sein mögen. Ich bin entschlossen, Soldaten mit solchen Fähigkeiten und solcher Erfahrung in ausreichendem Maß zu rekrutieren
und im Dienst zu halten.
Ich fasse zusammen:
Maßnahmen:

Die Vereinigten Staaten unternehmen nachhaltige

- Erstens, um alle Aspekte unserer strategischen Streitkräfte zu verbessern und dadurch unsere Abschreckung vor einem Atomkrieg zu gewährleisten;
- zweitens, um unsere Streitkräfte in der NATO und im Pazifik als Teil

�ÜO

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
19. Dezember 1979

48

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VANCE-REDE FÜR DIE BERLINER PRESSEKONFERENZ
- gehalten von Unterstaatssekretä'r Vest -

BERLIN - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat in einer
für das Jahresessen der Berliner Pressekonferenz am 10. Dezember 1979 vorbereiteten Rede die Sicherheitsprobleme des Atlantischen Bündnisses angesprochen,
Wegen der Ereignisse im Iran mußte der Außenminister seinen Besuch in Berlin
absagen, und die Rede wurde von dem Unterstaatssekretä'r für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, George Vest, gehalten.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
I. Einführung
Ich möchte zuerst das lebhafte Bedauern von Außenminister Vance darüber
ausdrücken, daß der Zeitdruck, hervorgerufen durch die Geschehnisse, es ihm
nicht ermöglicht, heute abend hier zu sein.
Die anhaltend schwierige Situation im Iran brachte es mit sich, daß er
seine Reisepläne in letzter Minute ändern mußte - sehr zu seinem eigenen Be-

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Bedauern.

Ich hoffe aber, daß Sie Verständnis dafür haben werden.

Aus die-

sem Grund hat er mich gebeten, Ihnen seine Grüße zu übermitteln und Sie zu
bitten, jedes meiner Worte heute abend als das seine zu akzeptieren - und es
ihm zuzuschreiben.
Eine Einladung, vor der Berliner Pressekonferenz zu sprechen, ist allein
schon eine Ehre. Goethe hat einmal geäußert:
"Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
der täglich sie erobern muß."
Das Pressecorps dieser Stadt drückt täglich die Wahrheit dieser Zeilen
aus - indem es die Prinzipien einer freien und offenen Presse hochhält.
Sie helfen uns, die teifgreifenden Veränderungen um uns herum zu verstehen - und Sie helfen uns, die Rechte der Bürger zu verteidigen, an Entscheidungen teilzuhaben, die ihr Leben und ihr Wohlergehen betreffen.
Dies Treffen gibt mir außerdem die Möglichkeit, nochmals die Bewunderung
von Millionen von Amerikanern auszudrücken, die sie Berlin und seiner Bevölkerung gegenüber empfinden - und die bleibende Verpflichtung unseres Landes für
diese Stadt. Präsident Carter, der sich mit großer Wärme seines Besuchs in
Berlin im vergangenen Jahr erinnert, hat mich gebeten, Ihnen seine persönlichen Grüße zu übermitteln zusammen mit seiner Versicherung, daß die Vereinigten Staaten fest zu dieser Verpflichtung stehen.
Berlin ist seit 35 Jahren ein Symbol für die freien Menschen überall.
In der Nachkriegsperiode von Spannung und Konfrontation wurde Berlin zum aufrüttelnden Beispiel menschlicher Entschlossenheit, frei zu sein, unter demokratischen Institutionen zu leben.

Diese unnachgiebige Entschlossenheit war

es, die half, jene Balance zu schaffen, auf der die augenblickliche Stabilität
Berlins beruht.

Die klare Demonstration, daß Berlin nicht nachgeben würde,

daß es der Wunsch der Berliner ist, ein Teil der westlichen Welt zu bleiben,
ermöglichte das Viermächte-Abkommen.
Und

�Und in den Jahren seit Abschluß des Viermächte-Abkommens hat sich Berlin
als eindrucksvolles Symbol der konkreten Früchte erwiesen, die Entspannung
hervorbringen kann.

Für die Vereinigten Staaten ist die Freiheit Berlins - und die Erhaltung
der Vorteile, die durch das Viermächte-Abkommen ermöglicht wurden - ein Kernpunkt ihrer außenpolitischen Ziele.

Wir werden alle uns zur Verfügung stehen-

den Möglichkeiten nutzen, um die Sicherheit und Freiheit dieser Stadt zu garantieren.

Darüber hinaus sind wir verpflichtet, weiterhin Spannungen in Berlin
durch die Möglichkeiten des Viermächte-Abkommens zu verringern.
Ausnutzung dieser Möglichkeiten

wird

Die volle

Ost und West zum Vorteil gereichen.

Die strikte Einhaltung und die volle Anwendung aller Aspekte des ViermächteAbkommens ermöglichen eine solche Entwicklung.

Es ist erforderlich, die delikate Balance der Interessen zu erhalten,
die sich in und um Berlin entwickelt hat.

Es sollte keine Versuchung geben,

die Stadt als Druckmittel bei Reaktionen auf Entwicklungen in anderen Regionen der Ost-West-Beziehungen zu benutzen.
Die Wichtigkeit der Bindungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und den westlichen Sektoren von Berlin unterliegt keiner Frage, und die Vereinigten Staaten messen ihnen besondere Bedeutung bei.

Vielleicht am allerwichtigsten ist, daß die Rechte und Pflichten der Vier
Mächte für Berlin als Ganzes nicht in Frage gestellt werden.

Sie bleiben die

Grundlage für die stabile Situation, die sich in dieser Stadt entwickelt hat.
Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, die Viermächte-Rechte und -Pflichten für Berlin als Ganzes zu erhalten.

Wir erwarten, daß das Abkommen sowie

die Praktiken und Verfahren,die aus ihm resultieren, strikt eingehalten werden.

Ich

- 3 -

�Ich habe aber noch einen anderen Grund, über dieses Forum hier erfreut
zu sein.

Es gibt mir die Möglichkeit, eine Angelegenheit von lebenswichtiger

Bedeutung nicht nur für die Bevölkerung von Berlin, sondern für uns alle zu
diskutieren, nämlich die Sicherheit unseres westlichen Bündnisses.
Besser als die meisten Menschen wissen die Berliner, daß wahre Sicherheit - was John F. Kennedy "das überleben und den Erfolg der Freiheit" nannte - nicht mit Waffen allein erkauft werden kann.

Die Sicherheit des Westens

hängt schließlich von der Vitalität und der Anziehungskraft des freien politischen Systems ab; von der Gesundheit unserer Wirtschaft, von der Fähigkeit
der westlichen Demokratien, miteinander zusammenzuarbeiten.

Unser Ziel ist es

nicht nur, uns zu verteidigen, sondern es ist, einen Lebensstil zu entwickeln
und zu erhalten, der es wert ist, verteidigt zu werden.
Dessen ungeachtet wäre es - wie die Berliner wohl wissen - töricht, die
militärischen Gesichtspunkte der Sicherheit außer acht zu lassen. Eine der
strengsten Lektionen der vergangenen 35 Jahre ist tatsächlich die, daß wir
Entspannung durch Stärke möglich machen, nicht durch Schwäche. In einer vollkommenen Welt wäre das nicht so, in der tatsächlichen Welt ist es unauchweich1 ich .
So lassen Sie uns also heute das Thema der militärischen Sicherheit
- Verteidigung sowie Rüstungskontrolle - betrachten.
Das Thema ist jetzt besonders aktuell. Denn die NATO-Verbündeten sind
in diesem Augenblick dabei, eine Reihe von Entscheidungen zu treffen - Entscheidungen, die die Sicherheit Europas in den achtziger Jahren formen und
die Beziehungen zwischen Ost und West nachhaltig beeinflussen werden. Jene
Entscheidungen werden, wie Sie wissen, Ende der Woche das Hauptanliegen der
NATO-Minister bei ihrem Treffen in Brüssel sein.
Eine der Entscheidungen betrifft eine fundamentale Frage, vor der die
NATO-Mitglieder und eigentlich alle im Westen stehen: Wie soll das Bündnis

�Bündnis die niedagewesene Anhäufung von sowjetischen TNF

beantworten, die

auf Westeuropa gerichtet sinnd?

II. Abschreckung und Rüstungskontrolle

Wir werden diese Frage in dieser Woche in Brüssel auf eine Weise beantworten, die zwei wesentliche Punkte betont:
- Erstens:

Wir sind bereit, die Waffenstärken durch konkrete Verhand-

lungen über Rüstungskontrolle anzugleichen.

Wir hoffen, daß solche Verhand-

lungen zu niedrigeren Waffenstärken auf beiden Seiten führen werden.

Die

Sowjetunion und die Warschauer Pakt-Staaten sollen wissen, daß wir es als verbindliche Aufgabe betrachten, gegenseitige Rüstungsbegrenzungen bei strategischen, nuklearen Mittelstrecken (TNF)-und konventionellen Waffen zu erzielen.

- Die NATO ist jedoch entschlossen - und dies ist der zweite wesentliche
Punkt - sichere Abschreckungsstreitkräfte über das gesamte atomare und konventionelle Spektrum hinweg aufrechtzuerhalten.

Das müssen die Sowjets ebenso

verstehen.

Diese zweigleisige Politik, die Abschreckung aufrechtzuerhalten und
Rüstungskontrolle zu verfolgen, wird das Herzstück der NATO-Strategie in den
achtziger Jahren sein.

Denn unserer Meinung nach versteht es sich von selbst,

daß eine angemessene Verteidigung und Rüstungskontrolle Hand in Hand gehen
müssen.

Rüstungskontroi labkommen lassen hoffen, daß wir uns größere Sicher-

heit leisten können.als uns ein Wettrüsten mit seinen hohen Kosten und Gefahren bietet.

Jedoch nur eine starke Verteidigung, einschließlich wohlbe-

dachter Maßnahmen zur Modernisierung unserer Streitkräfte, kann jeglichen
Zweifel über unsere Entschlossenheit ausräumen - Zweifel, die die Wahrscheinlichkeit von echten Rüstungsbegrenzungen von selbst verringern würden.

Erlauben Sie mir, zu erläutern, wie sich diese Politik der Zweigleisigkeit in den Entscheidungen des kommenden Jahrzehnts ausdrücken wird - j_n_
- 5-

�in unseren Entscheidungen bezüglich strategischer, nuklearer Mittelstreckenund konventioneller Streitkräfte.

III. Das Gleichgewicht der strategischen Streitkräfte
Strategisch-atomare Parität zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion ist und bleibt ein zentrales Faktum internationaler Sicherheit.
Bestrebungen einer Seite, diesem zentralen Faktum Widerstand entgegenzusetzen oder es zu umgehen, würden unausweichlich die Stabilität und Sicherheit der Welt bedrohen - denn keine der beiden Seiten wird zulassen, daß die
andere Überlegenheit erlangt.
Im vergangenen Jahrzehnt hat die Sowjetunion ihre strategische Möglichkeiten ständig erweitert. Ohne neue Investitionen in unsere strategischen
Streitkräfte könnte die Wirkung der sowjetischen Anstrengungen ein stabiles
Gleichgewicht auf strategischem Gebiet gefährden. Also machen wir diese Investitionen in jedem unserer drei strategischen Bereiche:
- Wir entwickeln die Marschflugkörper für unsere B-52 Bomber weiter.
- Wir setzen jetzt die neue Trident-I-Rakete bei einigen unserer Unterseebooten ein und werden bis 1981 das neue Trident-Unterseeboot zur
Verfügung haben.
- Und wir schreiten voran mit dem MX-Raketen-Programm, um die Überlebensfähigkeit unserer auf dem Boden stationierten strategischen Raketen
zu sichern.
Diese Verbesserungen stellen das stärkste amerikanische Programm für
strategische Waffen seit über zehn Jahren dar.
Der Zweck unserer Anstrengungen ist nicht nur, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten; unsere Absicht ist es auch, die Flexiblität unserer strategisch-nuklearen Optionen zu erhalten.

Denn - wenn wir auch den

Gedanken anerkennen, daß gegenseitige Verwundbarkeit eine Abschreckung gegen

�gegen Krieg ist - akzeptieren wir nicht die Vorstellung, daß unsere Optionen
auf gegenseitige Vernichtung begrenzt sein sollen.

Wir müssen in unserem

strategischen Köcher mehr haben als nur den Pfeil von Harmageddon.

Es ist darum unsere Politik und Praxis, eine Vielfalt von strategischen
Streitkräften zu unterhalten, die fähig sind, schwerste Schläge aufzufangen
und noch die Kraft zu haben, Vergeltungsschläge gegen das ganze Spektrum der
militärischen und wirtschaftlichen Ziele zu führen.
eine der folgenden beiden Doktrinen festzulegen:

Wir weigern uns, uns auf

die Doktrin, sich allein auf

massive Vergeltung zu verlassen, oder die Doktrin, die den sogenannten "begrenzten" atomaren Schlagabtausch betont, bei dem jede Seite ihre Angriffe auf
die strategischen Streitkräfte der anderen richtet.

Es muß wohlweislich Ungewißheit darüber herrschen, was genau unsere Antwort auf einen Angriff sein könnte - denn gerade auf dieser Ungewißheit beruht
die Stärke der Abschreckung.

Unsere Doktrinen der flexiblen Antwort und unsere

breite Auswahl von strategischen Streitkräften bewahrt die Ungewißheit.

Wir werden ein sicheres strategisches Gleichgewicht und eine glaubhafte
Abschreckung aufrechterhalten, ganz gleich,was für Anstrengungen dies auch erfordern mag.

Aber wir wissen, daß es keine endgültige Sicherheit bei unnach-

giebigen Steigerungen von strategischer Macht geben kann.

Sowohl wir als auch

die Sowjetunion haben einbringendes nationales Interesse an der Stabilisierung des strategischen Wettlaufs und der Erlangung von ausgewogenen Reduzierungen durch Verhandlungen.

Der SALT-Prozeß dient nachweislich diesem Ziel.

Und SALT gibt auch eine

beeindruckende Illustration der Zweigleisigkeit, die ich beschrieben habe
- der gegenseitigen Verstärkung von Rüstungskontrolle und Modernisierung der
Streitkräfte.

Denn es ist klar, daß wirklicher Fortschritt bei der Rüstungs-

kontrolle nicht möglich wäre ohne unsere Entschlossenheit, das Gleichgewicht
in jeder Lage zu erhalten - sei es mit Rüstungskontrolle oder ohne.

Aber es

ist ebenso klar, daß in einem Atomzeitalter wahre Sicherheit nicht erreichbar
sein wird, wenn wir in unserer Diplomatie nicht gleichermaßen fest sind auf_
- 7 -

�auf der Suche nach verläßlichen und ausgewogenen Kontrolle für Atomwaffen.
Das SALT-Abkommen liegt jetzt dem Senat der Vereinigten Staaten vor.
hoffe und glaube, daß es demnächst ratifiziert werden wird.

Ich

Wenn dieser Schritt

erst einmal getan ist, wird es das erklärte Ziel von SALT III sein, substantielle Verringerungen der nuklearen Arsenale zu erreichen.
Während dieses ganzen Prozesses haben wir von Beratungen mit unseren europäischen Verbündeten profitiert.

Wir haben streng darauf geachtet, daß die

europäischen Sicherheitsinteressen und Optionen voll gewahrt bleiben.

In der

nächsten Phase, SALT III, werden diese Konsultationen noch intensiver sein;
die Rolle der Verbündeten bei der Festlegung unseres Vorgehens wird noch direkter sein, wenn die Verhandlungen sowohl Fragen der TNF als auch strategischer Streitkräfte behandeln.
Aber dieselben zentralen Prinzipien werden uns leiten: Die Verpflichtung,
die Waffen zu haben, die wir benötigen, um das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, während wir in Verhandlungen auf zunehmend striktere gegenseitige Begrenzungen hinarbeiten.

IV. Nuklearstreitkräfte in und für Europa (TNF)
Die Erhaltung von Stabilität und Abschreckung ist nicht nur bei den interkontinentalen strategischen Waffen, sondern auch bei den TNF wichtig.
In der Tat verlagert das Entstehen von Parität bei diesen strategischen
Systemen die Aufmerksamkeit auf die TNF der NATO als Stein im Gefüge der Abschreckung.
Lange Jahre hatten die europäischen NATO-Verbündeten die Gewißheit, daß
der Bedrohung Westeuropas durch die Streitkräfte der Sowjetunion und des
Warschauer Paktes letztlich die Abschreckung der amerikanischen interkontinen-

- 8 -

�interkontinentalen Streitmacht entgegenstehen würde.

Diese Gewißheit besteht unverändert.
Streikräfte würden, falls erforderlich, für
werden.

Unsere strategischen atomaren
Europas Verteidigung eingesetzt

Die Lebensinteressen der Vereinigten Staaten sind so eng mit Europa

verknüpft, unsere Verpflichtungen sind so tief, und unsere Bindungen sind so
stark, daß es nicht anders sein könnte.

Jedoch ist es das vordringlicheste Ziel der NATO, eine Aggression zu verhindern.

Wir müssen darum sicher sein, daß die sowjetische Auffassung nicht

zu einem Problem wird - denn auf dieser Auffassung beruht ja die Abschreckung.

Es ist entscheidend, daß Moskau nicht in Versuchung gerät, zu glauben
- wie falsch es auch immer sei -, daß die strategische Parität zwischen den
Großmächten die mögliche Trennung von Europas Verteidigung von der der Vereinigten Staaten bedeutet

oder daß die Sowjetunion selbst von einem mili-

tärischen Konflikt in Europa verschont bleiben könnte.

So bedingt Abschreckung,

daß die NATO über eine ganze Reihe von Möglichkeiten verfügt, um auf jeder Ebene
einer militärischen Herausforderung zu begegnen.

Sie bedingt, daß es keine

Lücke in diesem Kontinuum der Streitkräfte gibt:

daß jeder Stein in dem Ge-

bäude der Abschreckung fest sitzt.

Solch eine Lücke könnte entstehen, wenn wir versäumten, die TNF der NATO
zu modernisieren.

Denn nachdem die Sowjetunion strategische Parität erlangt

hat, scheint sie nun nach atomarem Obergewicht auf dem europäischen Schauplatz
zu streben.

Den Beweis dafür können wir in dem lebheaften Bemühen der Sowjetunion um
Modernisierung und Erweiterung ihrer TNF sehen.

Die dramatische Entwicklung in dieser Beziehung und die Angelegenheit, die
uns am meisten Sorge bereitet, ist die schnelle, in Gang befindliche Aufstellung
sowjetischer SS-20-Raketen mit beweglichen Abschußrampen.
Wir
- 9-

�\

Wir wollen uns nichts vormachen.

Die SS-20 ist nicht die Verbesserung

eines alten Systems. Sie ist ein gänzlich neues System - das erste bewegliche,
landgestützte Mittelstreckenraketensystem in Europa. Jede SS-20-Abschußrampe
kann wieder geladen werden und neue Raketen abfeuern. Jede Rakete kann nicht
nur einen, sondern drei nukleare Sprengköpfe transportieren.

Die SS-20 kann

von tief im Innern der Sowjetunion gelegenen Abschußbasen jedes Ziel in Europa
erreichen.
Fügt man dem System der SS-20 noch die wachsende Zahl von Backfire-Bombern
hinzu, die auf dem europäischen Schauplatz stationiert sind, so kommt man zu
der unausweichlichen Schlußfolgerung:

die sowjetische Rüstung geht über das

hinaus, was nötig ist, ihre vorhandenen Waffensysteme zu erneuern oder sich
den Entwicklungen bei der NATO anzupassen.
Doch sowjetische Sprecher erklären uns gegenüber, daß jeder Schritt der
NATO zur Änderung dieser Situation die Entspannung untergraben und eine neue
Periode der Ost-West-Spannungen in Europa einleiten würde. Sie haben verlangt,
daß wir im Namen der Entspannung eine Tendenz zur offenkundigen Ungleichheit
akzeptieren sollen.
Der Westen kann sich in dieser Situation nicht passiv verhalten. Vom
politischen Standpunkt aus wäre das ein wahrhaft sonderbarer Weg zur Entspannung.
Er würde besagen, daß die westlichen Sicherheitsbeschlüsse die Sache von Ost und
West sind,die Entscheidungen des Ostens jedoch von Moskau allein getroffen werden sollen. Gäbe der Westen diesem Drängen nach, könnte Moskau versucht sein,
auch in anderen Fragen Druck auszuüben. Ich brauche meine Zuhörer nicht daran
zu erinnern, wie sehr dies die einzig vernünftige Basis der Zusammenarbeit zwischen Ost und West - das Prinzip der gegenseitigen Sicherheit - untergraben
würde.
Also ist es wesentlich für die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Verbündeten, die Abschreckung auf der gesamten militärischen Ebene aufrechtzuerhalten.
In
- 10 -

�In dieser Woche werden daher in Brüssel

die Verteidigungs- und Außen-

minister der NATO-Staaten über eine Reihe von Vorschlägen entscheiden, die
die Modernisierung der TNF in Europa und d^e Rüstungskontrolle beinhalten.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang sagen, daß die feste Haltung der
deutschen Regierung und Bundeskanzler Schmidts und die hier in Berlin vom SPDParteitag in der vergangenen Woche angenommene

Entschließung weitsichtige Bei-

träge sind, die die Einheit und Entschlossenheit der Allianz bei ihren Treffen
in Brüssel in dieser Woche stärken werden,

Die vorliegenden Modernisierungsvorschläge sehen die Stationierung von
TNF - einer Mischung aus landgestützten Marschflugkörpern und ballistischen
Flugkörpern - in Westeuropa durch die NATO vor.
Die Ersetzung von veraltenden TNF durch langlebigere und leistungsfähigere
Systeme wird die Möglichkeit der Sowjetunion verringern, irrtümlich eine Lücke
im Abschreckungsspektrum der NATO zu sehen.

Und durch die Verbesserung der

Abschreckungsposition der NATO wird die höchst bedeutende Schwelle zwischen
Krieg und Frieden angehoben.

Die Stationierung wird es der NATO gestatten, ihr gesamtes Nukleararsenal
in Europa zu verringern.

Und sie wird der Sowjetunion signalisieren, daß der

Ausbau ihrer Raketensysteme ihr keine echten militärischen oder politischen
Vorteile bringt, weil die NATO willens ist, der Herausforderung zu begegnen.

Gleichzeitig glauben wir fest daran, daß unsere Sicherheit durch echte
Rüstungskontrolle gewährleistet werden kann;
gulierung der Rüstungsebene.

durch konkrete Abkommen zur Re-

Solche Abkommen enthalten das Versprechen,einen

hemmungslosen Rüstungswettlauf zu verhindern und für größere Stabilität auf
dem Mittel Streckensektor in Europa zu sorgen.

Doch die Rüstungsbegrenzung kann nicht nur einseitig sein; sie muß durch
einen Prozeß erreicht werden, der wirklich auf Gegenseitigkeit beruht.
Da
- 11 -

�Da wir uns verpflichtet fühlen, eine echte Rüstungskontrolle anzustreben,
werden unsere Modernisierungsvorschläge mit einem bedeutenden Angebot zur
Rüstungsbegrenzung verbunden sein: einem Angebot zur Begrenzung der TNF auf
beiden Seiten.

Der Vorschlag der NATO wird zu kontrollierbaren Begrenzungen

auffordern, die von Bedeutung sind und auf dem Prinzip der Gleichheit beruhen.
Die Initiative zur Rüstungskontrolle wird die Aufrichtigkeit der Sowjets
bei der Begrenzung dieser Systeme prüfen.

Da die ersten NATO-Waffen nicht

vor 1983 aufgestellt sein werden, ist reichlich Zeit, ernsthafte Rüstungskontroi lgespräche zu führen.
Ich weiß, es gibt Leute, die meinen, die NATO sollte ihre Stationierungsentscheidung vertagen, bis solche Gespräche geführt werden können. Wir dürfen
aber nichts verschieben, und zwar aus zwei wichtigen Gründen:
Erstens können wir nicht im voraus wissen, ob solche Gespräche erfolgreich
sein werden. Es würde den Verbündeten wenig nützen, immer weiter zurückzufallen in der bloßen Hoffnung, daß die Gespräche von Erfolg gekrönt sein könnten. Und bei dem gegenwärtigen Tempo der sowjetischen Anstrengungen würde
jede Verzögerung der NATO-Modernisierung eine bereits bestehende, beunruhigende Ungleichheit erhöhen.
Zweitens muß der Westen zeigen, daß es ihm mit der Modernisierung ernst
ist, sonst fehlt den Sowjets der nötige Ansporn zu Verhandlungen über die Reduzierung der Streitkräfte.
Also ist unsere Haltung klar: die Vereinigten Staaten und die NATO-Verbündeten werden trachten, die Streitkräfte durch Verhandlungen zu verringern.
Wir werden alles Nötige tun, um eine glaubwürdige Abschreckung durch das gesamte Spektrum unserer nuklearen und konventionellen Streitkräfte aufrechtzuerhalten.
Wir
- 12 -

�Wir können jedoch keine einseitige Zurückhaltung der NATO als Voraussetzung für Verhandlungen akzeptieren - und wir werden es auch nicht tun. Zurückhaltung muß von beiden Seiten geübt werden.

V. Das Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte
j

........

1

......

—

Die Politik, die ich beschrieben habe - eine Politik der fortdauernden
Abschreckung durch Verbesserung der Streitkräfte, wo es nötig erscheint, und
durch Rüstungskontrolle, wo diese sich als möglich erweist - ist unsere Strategie auch auf dem Gebiet der konventionellen Streitkräfte.

Da die Verbesserungen der sowjetischen konventionellen Streitkräfte weitergehen und da konventionelle Streitkräfte den Kern der NATO-Abschreckung bilden,
ist es wichtig für die Verbündeten, an ihrem umfassenden Modernisierungsprogramm festzuhalten.

Das langfristige Verteidigungsprogramm der NATO wird uns

in den achtziger Jahren eine moderne, besser integrierte und wirksamere, konventionelle Streitmacht sichern.

Das NATO-Ziel einer dreiprozentigen realen

Erhöhung der Verteidigungsbeiträge der Mitglieder

soll die Mittel dafür lie-

fern, um diese Verbesserung der konventionellen Streitkräfte zu finanzieren,
die ja den Löwenanteil der Verteidigungshaushalte beansprucht.

Aber auch hier sind wir entschlossen, die Abschreckung aufrechtzuerhalten
und gleichzeitig keine Gelegenheit zu Fortschritten bei der Rüstungsbegrenzung auszulassen.

Eine bedeutende Gelegenheit, hier Fortschritte zu erzielen, bieten die
Wiener Gespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung.
Hier besteht unsere Hoffnung darin, dem Konzept der Ausgewogenheit auf dem
konventionellen Sektor praktische Bedeutung zu verleihen.

Der SALT-Prozeß hat

sich auf strategischem Gebiet ja auch darum bemüht.

Das

- 13 -

�Das Ziel der Truppenreduzierungsgespräche - ein Ziel, das nunmehr von
beiden Seiten akzeptiert wird - ist es, gemeinsame, kollektive Höchstgrenzen
auf niedrigerer Ebene für die Streitkräfte der NATO und des Warschauer Pakts
in Mitteleuropa auszuhandeln.

Doch Fortschritte in dieser Richtung sind da-

durch verlangsamt worden, daß der Osten nicht gewillt ist, das Problem der
zahlenmäßigen Stärke zu lösen.

Es besteht immer noch eine sehr große Diskre-

panz zwischen den Zahlen der östlichen Streitkräfte in diesem Gebiet, die von
Ost und West vorgelegt werden.
Lassen Sie mich noch einmal bekräftigen, daß die westliche Seite sehr
darauf bedacht ist, Fortschritte in Richtung auf ein Abkommen zu machen - Fortschritte, die nur dann erzielt werden können, wenn so grundlegende Fragen wie
Truppenzahl und Überwachungsmethoden gelöst werden.
t

Die Ankündigung eines Abzugs von bis zu 20 .000 Soldaten, 1000 Panzern und
anderem militärischem Gerät durch Präsident Breschnew ist ein positiver Schritt.
Doch die grundlegenden Fragen der Truppenreduzierungsgespräche müssen erst
noch gelöst werden.
Fortschritte zu größerer Stabilität und gegenseitigem Vertrauen in Europa müssen ebenfalls durch vermehrte Anstrengungen zur Durchführung der Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die 1975 von
35 Nationen in Helsinki unterschrieben wurde, erzielt werden.
Die Schlußakte ist ein historisches Dokument, denn sie schafft normale
zwischenstaatliche Beziehungen, um sich mit den konkreten Problemen auseinanderzusetzen, die Ost und West gespalten haben. Die Erfüllung dieser Verpflichtungen würde das Leben der Menschen bereichern und die Spannungen zwischen Ost und West abbauen.
Die Schlußakte bietet einen potentiellen Rahmen zur Verringerung militärischer Spannungen in Europa und größere Vertrauensbildung in bezug auf
militärische Aktivitäten.

il
- 14 -

�Es ist verschiedentlich angeregt worden, daß dieses Ziel durch ein Treffen der KSZE-Staaten über Sicherheitsfragen gefördert werden könnte.

Die Re-

gierung Frankreichs hat in dieser Richtung einen nützlichen Vorschlag unterbreitet.
Ganz gewiß würde jedoch so ein Treffen nur als Teil eines ausgeglichenen
und gesunden KSZE-Prozesses sinnvoll sein. Daher ist es wichtig, daß zunächst
die Folgekonferenz in Madrid erfolgreich abgeschlossen wird. Bei der Vorbereitung zu diesem Treffen werden die Vereinigten Staaten in erster Linie an die
Wichtigkeit der Durchführung aller Bestimmungen der Schlußakte und nicht nur
der Sicherheitsbestimmungen denken. Ganz besonders am Herzen liegen uns die
Bestimmungen über humanitäre Fragen, die das tägliche Leben unserer Bürger und
der Menschen anderswo in Europa direkt betreffen.
Wir werden darauf hinarbeiten, daß die Diskussion in Madrid frei von Polemik in einer konstruktiven Atmosphäre stattfindet, aber wir werden einer
ehrlichen Prüfung der Probleme nicht aus dem Weg gehen, nur um einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

VI. Schlußfolgerung
Die Realitäten der militärischen Sicherheit, über die ich gesprochen
habe, sowie die Chancen des Fortschritts bei der Rüstungsbegrenzung sprechen
für eine besondere Haltung der Verbündeten angesichts der kommenden achtziger
Jahre

- eine Haltung, die ich als nüchternen Optimismus bezeichnen möchte.

Wir müssen ernüchtert sein bei dem Gedanken, daß tiefe und grundlegende
Unterschiede zwischen Ost und West andauern werden - Unterschiede, die in der
Geographie, der Geschichte und den Voraussetzungen, auf denen unsere politischen
Systeme beruhen, verwurzelt sind. Weder unsere Differenzen noch unsere Waffensysteme werden über Nacht verschwinden. Also werden wir gut daran tun, uns von
Illusionen freizumachen, die sich nur auf Hoffnungen gründen.
Doch
- 15 -

�Doch sollten wir die Hoffnung niemals aufgeben.

Denn trotz ihrer histo-

rischen Unterschiede sind Ost und West bei ihren gegenseitigen Beziehungen
weit vorangekommen.

Das Ausmaß der Kontakte zwischen den Ländern des Ostens

und Westens hat sich geweitet; ihre Beziehungen sehen zunehmend normal aus.
Es ist ganz klar, daß die Zukunft der Ost-West-Beziehungen von tiefen
Meinungsverschiedenheiten gekennzeichnet sein wird.

Wir sollten aber gleich-

zeitig versuchen, die Gebiete, auf denen Zusammenarbeit zwischen uns möglich
ist, zu erweitern.
Weder das eine noch das andere sollte uns im Westen schwankend machen.
Denn wir treten in die Zukunft ein mit einer eindrucksvollen Zahl von Errungenschaften - und einem ebenso eindrucksvollen Aufgebot an Kräften:
- 31 Jahre lang hat sich der Abschreckungsschild der NATO bewährt.
- Die Volkswirtschaften des westlichen Bündnisses sind dreimal so produktiv wie die des Warschauer Pakts.
- Unsere Gesellschaften sind frei und offen, Neuem und Schöpferischem
gegenüber aufgeschlossen und ohne Angst vor dem Wandel.
Obwohl wir die Dinge unserer Welt nicht bestimmen können, ist unsere
Kraft, sie zu beeinflussen und sie in einer Weise zu formen, die die Zukunftsaussichten der Menschheit verbessert, ungeheuer groß.
Wenn wir diese Kräfte bewahren und auf sie bauen, wenn wir in Zukunft in
uns selbst die gleichen staatsmännischen Eigenschaften finden, die wir stets
gefunden haben, brauchen wir die achtziger Jahre und die nächsten Jahrzehnte
nicht zu fürchten. Wir werden stark sein, stark genug, um uns zu schützen
- und stark genug, um für den Frieden zusammenzuarbeiten, wenn unsere Gegner
gewillt sind, es auch zu tun.
Genau
- 16 -

�Genau wie wir alles nur Erdenkliche tun werden, um Stabilität und Abschreckung in Europa aufrechtzuerhalten, fühlen wir uns zutiefst verpflichtet,
eine Entspannung zwischen Ost und West herbeizuführen.

Wir sind bereit, Vor-

schläge zu machen und neue Gedanken zu erwägen, unkonventionelle Wege zu beschreiten

und auf jedes Zeichen guten Willens der anderen Seite zu antworten.

Denn wir wollen eine Zukunft aufbauen, in der der Friede Europas in Ost und
West nie wieder gestört wird.

- 17 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter kündigt höhere Verteidigungsausgaben an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede des Präsidenten vor dem Amerikanischen Wirtschaftsrat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministers zur Sondersitzung der NATO-Ministertagung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministers auf der Ministertagung des Nordatlantikrates&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vance-Rede für die Berliner Pressekonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- gehalten von Unterstaatssekretär Vest -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Solomon gibt Überblick über künftige Wirtschaftsentwicklung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Wahljahr steht bevor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Primaries, Caucuses, Straw Polls: Was bedeutet das alles? -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hunger noch lange nicht besiegt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wachstumsrate der Weltwirtschaft und bessere Strategien entscheidend für erfolgreiche Bekämpfung -&lt;/em&gt;</text>
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Information
und
Dokumentation

i

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

I N H A L T

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zu den Ereignissen in Iran und Afghanistan
- Wortlaut USA unterbreiten Resolution gegen Iran
- Ansprache des US-Außenministers vor dem Weltsicherheitsrat Weltsicherheitsrat nimmt US-Resolution an

N

- Wortlaut der Entschließung Präsident Carter fordert Wirtschaftssanktionen gegen den Iran
- Wortlaut der Erklärung Gewährleistung von Sicherheit bei Kernkraftwerken
Präsident Carter verfügt neue Maßnahmen aufgrund der Untersuchungsergebnisse über Three Mile Island
WIRTSCHAFT
Ausblick auf die amerikanische Wirtschaft des Jahres 1980
von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2 A

�1

2. Januar 1980

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZU DEN EREIGNISSEN IN IRAN UND AFGHANISTAN
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 28. Dezember 1979 in
einer Erklärung zu den Ereignissen in Iran und in Afghanistan Stellung genommen und die militärische Intervention Moskaus in Afghanistan als eine "eklatante Verletzung akzeptierter internationaler Verhaltensregeln" verurteilt.
Die im Fernsehen übertragene Erklärung des amerikanischen Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Außenminister Vance wird morgen zu den Vereinten Nationen reisen, um
dem Fall der Welt gegenüber dem Iran Nachdruck zu verleihen, damit die schnellstmögliche Freilassung der amerikanischen Geiseln gemäß den Forderungen erreicht
wird, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und dem Internationalen Gerichtshof erhoben worden sind.
Die Vereinigten Staaten behalten sich das Recht vor, unsere Staatsangehörigkeit sowie unsere lebenswichtigen Interessen in der uns angemessen erscheinenden Weise zu schützen - in Wahrung der Grundsätze des Völkerrechts
und der Charta der Vereinten Nationen.

Aber wie schon seit Beginn dieser

�dieser Krise ziehen wir es auch jetzt ganz klar vor, eine rasche und friedliche Lösung dieses Problems durch konzertierte internationale Aktionen zu
erreichen.

Wir dürfen in dieser Krise niemals unsere grundsätzlichen Ziele

aus den Augen verlieren:

Die Sicherheit unserer Mitbürger sowie den Schutz

der langfristigen Interessen der Vereinigten Staaten.
Eine sorgsame und entschlossene Politik, die deutlich macht, daß der
Iran weiterhin einen zunehmend höheren Preis für die illegale Festhaltung
unserer Mitbürger entrichten muß, ist die beste Politik, um diese Ziele zu
erreichen, und diese Politik werde ich fortsetzen.
Eine weitere ernste Entwicklung, die zunehmende Besorgnis über den Frieden und die Stabilität in derselben Region der Welt ausgelöst hat, ist die
jüngste militärische Intervention der Sowjets in Afghanistan, die nunmehr zum
Sturz der etablierten Regierung und zur Exekution des Präsidenten dieses Landes geführt hat.

Eine solche grobe Einmischung in die inneren Angelegenheiten

Afghanistans ist eine eklatante Verletzung akzeptierter internationaler Verhaltensregeln.

Dies ist das dritte Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, daß die

Sowjetunion militärische Maßnahmen ergriffen hat, um die Kontrolle über einen
ihrer Nachbarn zu behaupten.

Und es ist das erste derartige Unternehmen ge-

gen ein moslemisches Land seit der sowjetischen Besetzung von PersischAserbeidschan durch die Sowjetunion in den vierziger Jahren.

Die sowjetische

Aktion gibt der gesamten Weltgemeinschaft zu großer Besorgnis Anlaß.
Das sowjetische Bemühen, diese Maßnahme auf der Grundlage der Charta der
Vereinten Nationen zu rechtfertigen, ist eine Perversion der Weltorganisation,
die unverzüglich von allen ihren Mitgliedern zurückgewiesen werden sollte.
Ich habe die ernste Angelegenheit heute persönlich mit mehreren anderen Regierungschefs erörtert, und alle stimmen darin überein, daß die sowjetische
Aktion eine ernste Bedrohung des Friedens darstellt. Ich werde unseren Stellvertretenden Außenminister an diesem Wochenende nach Europa entsenden, wo er
mit den Vertretern mehrerer anderer Länder zusammentreffen wird, um zu erörtern, wie die Weltgemeinschaft auf dieses ungerechtfertigte Verhalten der

- 2 -

�der Sowjets reagieren könnte.
Sowjetische Militärmaßnahmen über die Grenzen der Sowjetunion hinaus
werfen die fundamentalsten Fragen hinsichtlich der internationalen Stabilität auf, und solche engen und umfassenden Konsultationen zwischen uns und
unseren Verbündeten sind dringend erforderlich.
Ich danke Ihnen.

- 3 -

�Hl

CO

I

1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

USA UNTERBREITEN RESOLUTION GEGEN IRAN
Ansprache des US-Außenministers vor dem Weltsicherheitsrat -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Cyrus Vance hat am 29. Dezember 1979 vor dem Weltsicherheitsrat der
Vereinten Nationen einen Antrag auf eine Entschließung begründet, durch
die die Regierung des Iran erneut zur Freilassung der in der amerikanischen
Botschaft in Teheran festgesetzten Geiseln unter Androhung von spezifischen
Sanktionen der Mitgliedstaaten aufgefordert wird. Die Ansprache des USAußenministers hat folgenden Wortlaut:
Wir treten heute abend hier in einer Zeit zusammen, in der die Grundsätze, auf der diese große internationale Körperschaft beruht, im Iran
energisch in die Schranken gefordert werden.
über acht Wochen sind vergangen, seit unsere Botschaft in Teheran
besetzt und Amerikaner und Angehörige anderer Nationen dort als Geiseln
festgesetzt wurden. Bei drei getrennten Gelegenheiten hat dieser Rat
einmütig den Willen der Völkergemeinschaft zum Ausdruck gebracht, daß
die Geiseln unverzüglich zu entlassen seien.
Von

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Von Anfang an hat der Generalsekretär mit voller Unterstützung
der Vereinigten Staaten unermüdlich auf eine friedliche Lösung hingearbeitet.
Der Präsident der Vollversammlung hat bei zwei Gelegenheiten die Entlassung
der Geiseln gefordert.
und einmütig.

Der Internationale Gerichtshof hat gesprochen - klar

Regierungen und führende Politiker der Welt von unter-

schiedlichen politischen und religiösen Auffassungen haben zur Freilassung
unserer Landsleute aufgerufen.

Und die Regierung der Vereinigten Staaten

hat mit Entschlossenheit, Beharrlichkeit und Geduld jeden friedlichen Weg
beschritten, der uns zu Gebote steht.
Die Antwort jener, die diese Krise hinauszögern - der Terroristen,
die unsere Botschaft besetzt halten und der Regierung des Iran, die sie
unterstützt - bestand aus Hohn und Mißachtung.

Sie setzen sich über das

Gesetz der Welt und über die moralischen Gebote hinweg, die den Kulturen
und Religionen der Erde gemeinsam sind.
Im Grunde geht es um 50 Männer und Frauen, die noch immer gefangen
gehalten, noch immer isoliert und noch immer schwersten Belastungen ausgesetzt werden. Das Weltgericht hat in seiner einmütig getroffenen
Entscheidung die Sorge zum Ausdruck gebracht, daß die Fortsetzung der
Gefangenschaft "die betroffenen Menschen der Entbehrung, der Not, der
Angst und selbst der Gefahr für ihr Leben und für ihre Gesundheit und
damit der ernsten Möglichkeit irreparabler Schäden aussetzt." Die
Behauptungen, daß sich die Geiseln wohl befinden, klingt hohl, weil der
Weltgemeinschaft bisher sowohl der anhaltende als auch der umfassende
Zugang zu ihnen verweigert wird.
Wir müssen uns darüber klar sein:

Es sind nicht lediglich 50 Männer

und Frauen aus Amerika, die in Iran als Geiseln festgehalten werden;
ist die Völkergemeinschaft insgesamt.

Es

es

�Es handelt sich um weit mehr als um einen Konflikt zwischen den
Vereinigten Staaten und dem Iran. Der Iran wendet sich gegen das Gebäude
des Rechts und die Maschinerie des Friedens, die wir alle mit großer
Sorgfalt errichtet haben.
Es ist an der Zeit für die Weltgemeinschaft, zu handeln - fest und
gemeinsam zu handeln, um das Völkerrecht hochzuhalten und den Weltfrieden
zu wahren.
Wir müssen den Grundsätzen und Zielsetzungen unserer Charta praktische
Bedeutung geben.
Solange sich der Iran den Stimmen der Vernunft und des Mitleids
aus allen Teilen der Erde verschließt und solange er sich weigert, die
gemeinsamen Grundregeln internationalen Handelns anzuerkennen, solange muß
er die Folgen seiner vorsätzlichen Handlungen tragen.
Am 25. November ergriff der Generalsekretär gemäß Artikel 99 der Charta
die außerordentliche Maßnahme, eine Dringlichkeitssitzung des Rates zu
beantragen, die sich mit dieser Krise befassen sollte. Er erklärte aus
diesem Anlaß, daß "die derzeitige Krise eine ernste Bedrohung des Weltfriedens und der Weltsicherheit darstellt." Die einstimmig angenommene
Entschließung des Sicherheitsrats vom 4. Dezember brachte die tiefe Sorge
des Rates über das gefährliche Maß an Spannung zum Ausdruck und sprach
von den möglichen ernsten Konsequenzen für den Weltfrieden und die Weltsicherheit.
Diese Erklärungen machen im Verein mit den vielen sorgenvollen
Äußerungen von Mitgliedstaaten das Urteil der Völkergemeinschaft deutlich,
demzufolge der Schritt des Iran, Geiseln zu nehmen und festzuhalten, eine
Verletzung des Völkerrechts darstelle und den Weltfrieden und die Welt-

- 3 -

i

�Weltsicherheit bedrohe. Wenn der Iran die Geiseln weiterhin festhält,
obwohl der Rat und die Weltgemeinschaft einmütig deren Freilassung fordern,
sind Maßnahmen gemäß Kapitel VII der Charta nicht nur gerechtfertigt,
sondern geboten, um eine friedliche Lösung dieser Krise zu erreichen.
Es liegt deshalb bei uns als Mitglieder dieses Rates, die notwendigen
Maßnahmen zu ergreifen, um die Durchsetzung der vorausgegangenen einmütigen
Entscheidungen sicherzustellen. Meine Regierung ersucht deshalb um eine
Entschließung, die ein Versäumnis des Irans, gemäß den vorausgegangenen
Entscheidungen des Sicherheitsrats zu handeln und der Forderung des Internationalen Gerichtshofs nach der unverzüglichen Freisetzung aller Geiseln
nachzukommen, verurteilen würde. Die Entschließung würde ferner zwei
zusätzliche Schritte beinhalten: Erstens ein Ersuchen an den Generalsekretär, seine Vermittlungsdienste zu intensivieren - unter Kenntnisnahme
seiner Bereitschaft, persönlich nach Teheran zu reisen und dem Rat bis zu
einem spezifizierten Zeitpunkt Bericht zu erstatten; zweitens die Entscheidung,
daß der Rat für den Fall, daß die Geiseln nicht bis zu dem Zeitpunkt freigelassen worden sind, an dem der Rat wie früher spezifiziert wieder zusammentritt, spezifische Sanktionen gemäß Artikel 41 der Charta verhängen wird.
Unseres Erachtens ist die anhaltende Solidarität der Weltgemeinschaft
dazu angetan, darzulegen, daß eine umgehende Lösung des Problems allen
zugute kommen wird. Die Verlängerung der Krise liegt in niemandems Interesse.
Wir sind uns der Beschwerden des iranischen Volkes durchaus bewußt.
Wir respektieren die Souveränität und Unabhängigkeit des Iran und auch das
Recht des iranischen Volkes, über die Form der eigenen Regierung selbst zu
entscheiden. Wie wir wiederholt betont haben, sind wir, sobald die Geiseln
unbeschädigt freigelassen worden sind, in Übereinstimmung mit der Charta
der Vereinten Nationen bereit, eine Lösung der zwischen uns bestehenden
Streitfrage anzustreben.

�Mit der Entlassung der Geiseln wird der Weg frei für den Iran,
seine Beschwerden vor jedem geeigneten Forum vorzubringen.
Die Vereinigten Staaten können jedoch nicht auf Unrechtsforderungen
eingehen, solange amerikanische Bürger in ungerechter Gefangenschaft
gehalten werden - in Verletzung von Entschließungen und Anordnungen der
wichtigsten Insitution zur Wahrung des Friedens.
Wie ein großer amerikanischer Präsident, Abraham Lincoln - ein Mann
voll von tiefem Mitgefühl und Verständnis -, einmal erklärte: "Es gibt
keine Beschwerde, die ein geeignetes Objekt für deren Behebung durch das
Gesetz des Mobs darstellt." Unsere Geduld und Nachsicht wurden in den
letzten Wochen auf eine schwere Probe gestellt. Sie sind nicht unbegrenzt.
Wir haben von Anfang an klar gemacht, daß wir einer friedlichen Lösung
den Vorzug vor jeder anderen Art der Abhilfe geben, die uns unter dem
Völkerrecht zu Gebote steht. Es liegt im Interesse einer solchen friedlichen
Regelung, daß wir uns heute an diese Körperschaft wenden, um sie zum Handeln
aufzufordern.
Wir müssen jetzt handeln, um das Geflecht gegenseitiger Verpflichtungen
aufrechtzuerhalten, das uns miteinander verbindet und uns gegen Chaos und
Unordnung abschirmt. Einen zentralen Punkt kann man nicht übergehen:
Verabsäumt es die Völkergemeinschaft, dann zu handeln, wenn ihr Gesetz
verhöhnt und ihre Autorität beschmutzt wird, vermindern wir damit nicht
nur die Friedensaussichten in dieser Krise; wir tun dieser Institution
des Friedens als solcher direkt Abbruch.
Ein wirksames Vorgehen des Sicherheitsrates kann die Bestimmungen
der Charta wie die Entscheidungen des Rates mit neuem Leben erfüllen.

Es

kann uns alle heute und in der Zukunft an unsere feierliche Verpflichtung
erinnern, das Urteil dieser Körperschaft zu achten und dieses zentrale
Forum für die Gewährleistung des Weltfriedens und der Weltsicherheit auf-

- 5 -

�aufrechtzuerhalten.
Wir sollten gemeinsam und in einer Art und Weise handeln, die
überzeugend klarlegt, daß die Herrschaft des Rechts echte Bedeutung hat
und daß unsere Friedensmaschinerie von praktischer Relevanz ist.
Laßt uns - wie es uns zukommt - den grundlegenden Prozeß schützen,
der es den Nationen gestattet, zivilisierte Beziehungen untereinander zu
unterhalten.
Durch die Entscheidung, die wir von diesem Rat dringend erbitten,
können wir gemeinsam den Tag herbeibringen helfen, an dem diese schwere
Prüfung zu Ende geht.

Und durch unsere erwiesene Verpflichtung auf die

Zielsetzungen unserer Charta werden wir sowohl die Grundsätze als auch
die Institutionen stärken, die dem Zweck dienen, den Weltfrieden zu erhalten und uns alle zu schützen.

+ + + + +

�1

Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
2. Januar 1980

WELTSICHERHEITSRAT NIMMT US-RESOLUTION AN
- Wortlaut der Entschließung -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der Weltsicherheitsrat hat am 31.
Dezember 1979 mit elf Stimmen bei vier Enthaltungen eine von den Vereinigten
Staaten eingebrachte Resolution angenommen, in der dem Iran mögliche Sanktionen angedroht werden, falls die als Geiseln in Teheran festgehaltenen Amerikaner nicht bis zum 7. Januar freigelassen werden.
Die Resolution hat folgenden Wortlaut:
Der Sicherheitsrat
unter Hinweis auf seine Resolution 457 (1979) vom 4. Dezember 1979,
unter weiterem Hinweis auf den Appell, der vom Präsidenten des Sicherheitsrates am 9. November 1979 (8/13616) ausging und der am 27. November 1979
(8/13652) wiederholt wurde,
tief besorgt über die wachsende Spannung zwischen der islamischen Republik des Iran und den Vereinigten Staaten von Amerika, die durch die Verhaftung und weitere Festhaltung von Personen amerikanischer Nationalität ver-

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�verursacht wurde, die als Geiseln im Iran unter Verletzung des Völkerrechts
festgehalten werden, was zu schwerwiegenden Konsequenzen für den Weltfrieden
und die internationale Sicherheit führen könnte,
unter Zurkenntnisnahme der Schreiben des Außenministers der islamischen
Republik des Iran, datiert vom 13. November 1979 (8/13626) und vom 1. Dezember
1979 (8/13671), die sich auf die von seiner Regierung zu dieser Situation erhobenen Beschwerden und Erklärungen beziehen,
unter weiterem Hinweis auf das vom 25. November 1979 datierte Schreiben
des UN-Generalsekretärs (8/13646), in dem erklärt wird, daß nach seiner Meinung die derzeitige Krise zwischen der islamischen Republik des Iran und den
Vereinigten Staaten von Amerika eine ernsthafte Bedrohung für den Frieden und
die Sicherheit der Welt darstellt,
unter Berücksichtigung der Anordnung des Internationalen Gerichtshofes
vom 15. Dezember 1979, in der die Regierung der islamischen Republik des Iran
aufgefordert wird, die sofortige und ausnahmslose Freilassung aller Personen
amerikanischer Staatsangehörigkeit sicherzustellen, die als Geiseln im Iran
festgehalten werden (8/13697) und in der ferner die Regierung der Vereinigten
Staaten von Amerika und die Regierung der islamischen Republik des Iran aufgefordert werden, zu gewährleisten, daß keine von ihnen getroffene Aktion die
Spannung zwischen den beiden Ländern verschärfen wird,
unter weiterer Berücksichtigung des Berichtes des Generalsekretärs vom
22. Dezember 1979 über die Entwicklung hinsichtlich der Situation (8/13704),
eingedenk der Verpflichtung der Staaten, ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel in einer solchen Weise beizulegen, daß der Weltfriede, die internationale Sicherheit und Gerechtigkeit nicht gefährdet werden,
und im Bewußtsein der Verantwortung der Staaten, sich in ihren internationalen Beziehungen der Drohung oder Anwendung von Gewalt gegen die territori-

�territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Staates
oder in jeder anderen Weise, die nicht mit den Zielsetzungen der Vereinten
Nationen in Einklang steht, zu enthalten:

bekräftigt erstens seine Resolution 457 (1979) in all ihren Aspekten;

verurteilt zweitens die weitere Festhaltung der Geiseln entgegen der
Sicherheits-Resolution 457 (1979) und der Anordnung des Internationalen Gerichtshofes vom 15. Dezember 1979 (8/136697);

fordert drittens erneut in aller Dringlichkeit die Regierung der islamischen
Republik des Iran auf, unverzüglich alle Personen amerikanischer Staatsangehörigkeit zu entlassen, die im Iran als Geiseln festgehalten werden, ihnen
Schutz zu gewähren und die Heimkehr in ihr Heimatland zu gestatten;

wiederholt viertens sein Ersuchen an den Generalsekretär, seine guten
Dienste zur Verfügung zu stellen

und seine Bemühungen zu verstärken, um dem

Rat bei der Erreichung der in dieser Resolution genannten Ziele zu helfen,
und nimmt in diesem Zusammenhang Kenntnis von seiner Bereitschaft, persönlich
nach dem Iran zu reisen;

ersucht fünftens den Generalsekretär, dem Rat über die im Rahmen seiner
guten Dienste unternommenen Anstrengungen zu berichten, ehe der Rat erneut
zusammentritt; und

beschließt sechstens, am.7. Januar 1980 zusammenzutreten, um die Situation
zu überprüfen und im Falle einer Nichtbefolgung dieser Resolution wirksame Maßnahmen gemäß Artikel 39 und 41 der UN-Charta zu ergreifen.

+ + + + +

- 3 -

�I
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER FORDERT WIRTSCHAFTSSANKTIONEN GEGEN DEN IRAN
- Wortlaut der Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter teilte am 21. Dezember mit,
daß die Vereinigten Staaten um eine Sondersitzung des Weltsicherheitsrates
ersuchen, der internationale Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verhängen soll, um die Befreiung der in der amerikanischen Botschaft in
Teheran festgehaltenen Geiseln zu erreichen. Die Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
Von dem Tag an, an dem die amerikanische Botschaft besetzt und unsere
diplomatischen Mitarbeiter als Geiseln durch den Iran festgesetzt wurden,
nutzten wir jede uns verfügbare rechtliche Handhabe, um deren sichere
und umgehende Freilassung zu erreichen.

Bei mindestens vier getrennten

Gelegenheiten hat die Weltgemeinschaft durch den Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen und durch den Internationalen Gerichtshof die iranische
Regierung deutlich und nachdrücklich aufgefordert, die amerikanischen
Geiseln freizulassen.

Dennoch widersetzt sich der Iran noch heute auf

arrogante Weise der Weltgemeinschaft.
Er

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�Er bezeugt seine Mißachtung nicht nur gegenüber dem Völkerrecht,
sondern gegenüber allen internationalen Einrichtungen zur Gewährleistung
friedlicher Lösungen von Meinungsstreitigkeiten zwischen Nationen.

In

einem verantwortungslosen Epressungsversuch, dem sich die Vereinigten
Staaten niemals beugen werden, fahren die Entführer und Terroristen,
unterstützt durch Vertreter des Iran, damit fort, unsere Landsleute unter
unmenschlichen Bedingungen festzuhalten. Mit jedem Tag, der verstreicht,
wächst unsere Sorge um die Gesundheit und das Wohlergehen der Geiseln.
Wir haben von Anfang an klar gemacht, daß die Vereinigten Staaten einer
friedlichen Lösung den Vorzug vor allen anderen Formen der Abhilfe geben,
die uns nach dem Völkerrecht zu Gebote stehen.

Um eine friedliche

Lösung zustandezubringen, das ist nunmehr klar, muß die Völkergemeinschaft
konkrete Maßnahmen ergreifen.
Demzufolge habe ich mich entschieden, den Sicherheitsrat der Vereinten
Nationen um die umgehende Anberaumung einer Sitzung zu ersuchen.um gegen
den Iran internationale wirtschaftliche Sanktionen gemäß Kapitel VII der
Charta der Vereinten Nationen zu verhängen. Die Regierung des Iran muß
erkennen, daß sie den ausdrücklichen Willen und das Gesetz der Weltgemeinschaft
nicht ungestraft verhöhnen kann. Der Sicherheitsrat muß handeln, um seine
Forderung durchzusetzen, daß der Iran die Geiseln frei läßt. Die Weltgemeinschaft muß den von ihr geschaffenen Justizapparat stärken, damit
die Vereinten Nationen und der Internationale Gerichtshof auch weiterhin
von Bedeutung für die Beilegung von ernsthaften Meinungsstreitigkeiten
bleiben, die den Frieden unter den Völkern bedrohen. Ich kann mir keine
klarere und zwingendere Aufgabe für die Völkergemeinschaft vorstellen als
die, vor die wir uns gegenwärtig gestellt sehen. Das Leben von über 50
unschuldigen Menschen steht auf dem Spiel; die Grundlagen der zivilisierten
Diplomatie stehen auf dem Spiel; die Integrität des Völkerrechts steht
auf dem Spiel; und die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen steht auf
dem Spiel. Und auf dem Spiel steht letzten Endes die Aufrechterhaltung
des Friedens in jener Region. Wir ersuchen den Sicherheitsrat, im Namen

- 2 -

�Namen des Völkerrechts und des Friedens zu handeln, und wir fordern die
Regierung des Iran erneut auf, die Krise durch die unverzügliche Freilassung
der Geiseln zu beenden.
An dieser Stelle möchte ich wegen der bevorstehenden Feiertage einer Zeit des Nachdenkens über den Frieden - einige besondere Worte an
das amerikanische Volk richten - in der Tat an alle Menschen guten Willens
in allen Ländern einschließlich des Iran, die an der Sorge um 50 unschuldige Menschen teilhaben, welche auf den Frieden und auf die Rettung
ihres Leben; hoffen.
Henry Longfellow hat in einer Zeit der Konfrontation, des Kriegs
zwischen den amerikanischen Unionsstaaten im Jahre 1864, ein Weihnachtsgedicht geschrieben. Zwei Strophen dieses Gedichtes drücken mehr als
alles andere meine Gedanken und Gebete und sicherlich auch die unseres
ganzen Volkes in dieser Zeit der Herausforderung, der Sorge und der Krise
aus, und ich möchte sie deshalb hier zitieren.
"Und in Verzweiflung beugt1 ich mein Haupt.
'Frieden herrscht nicht auf Erden', sagt' ich.
'Denn der Haß ist stark
und verhöhnt das Lied
von Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.'
Da tönten die Glocken lauter und tiefer:
'Gott ist nicht tot, Gott schläft auch nicht.
Das Unrecht wird fallen
und das Recht obsiegen
mit Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen'."
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
2. Januar 1980

GEWÄHRLEISTUNG VON SICHERHEIT BEI KERNKRAFTWERKEN
Präsident Carter verfügt neue Maßnahmen aufgrund der
Untersuchungsergebnisse über Three Mile Island

- (AD) - Präsident Carter hat eine Reihe von Maßnahmen angekündigt, die
die Sicherheit von Kernkraftwerken verbessern sollen.

Er akzeptierte prak-

tisch alle Vorschläge der Sonderkommission, die zur Untersuchung des Unfalls
in der Reaktorstation Three Mile Island im März 1979 eingesetzt worden war.
Die Erklärung vom 7. Dezember 1979 hat folgenden Wortlaut:

Ich habe den Bericht der Kommission geprüft, die ich zur Untersuchung
des Unfalls im Atomkraftwerk Three Mile Island eingesetzt habe.

Die Kommis-

sion unter der Leitung von Dr. John Kemeny stellte sowohl seitens der staatlichen Stellen als auch der Versorgungsunternehmen sehr schwerwiegende Mängel
in bezug auf Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen und die praktische Handhabung im Bereich Kernenergie fest.

Die von mir heute eingeleiteten Schritte werden dazu beitragen, daß die
Betriebssicherheit von Atomkraftwerken gewährleistet ist. Sicherheit war für
mich stets das Wichtigste und wird es auch bleiben.
Wie

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�Wie ich schon mehrfach erklärte, ist in den Vereinigten Staaten Kernkraft eine Energiequelle, auf die als äußerstes Mittel zurückgegriffen wird.
Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, daß wir sie in dem Maße weniger benötigen, als wir unsere Ziele auf den Gebieten der Energieeinsparung, direkter
Kohlenutzung, Entwicklung von Sonnenenergie-Ausrüstungen und synthetischen
Brennstoffen sowie der verstärkten Produktion von einheimischem öl und Erdgas verwirklichen.
Viele unserer Verbündeten müssen sich stärker als wir auf Kernkraft
stützen, weil sie nicht über die riesigen Rohstoffreserven verfügen, die
uns so viele Alternativen an die Hand geben. Wir müssen bei der Durchführung
der Aufgabe, Alternativenergien zu entwickeln, vorankommen, indem wir die von
mir dem Kongreß vorgeschlagenen Gesetze verabschieden und sich unsere Gesellschaft auf jeder Ebene bemüht, Energie zu sparen.
Wir können nicht die Tür zur Kernenergie zuschlagen. Die jüngsten Ereignisse im Iran haben uns die eindeutigen, schwerwiegenden Gefahren vor Augen
geführt, die sich aus einer übermäßigen Abhängigkeit von Importöl für unsere
Nation ergeben. Wir müssen jede Anstrengung unternehmen, um unser Land zur
Energiesicherheit zu führen.
Jede einheimische Energiequelle, Kernkraft eingeschlossen, ist wichtig,
wenn wir unser Land von seiner übergroßen Abhängigkeit von instabilen Quellen
teuren ausländischen Öls befreien sollen. Wir können uns nicht den Luxus
leisten, auf Kernkraft zu verzichten oder über ihre künftige Verwendung ein
langfristiges Moratorium zu verhängen. Ein Kernkraftwerk kann bis zu 35 000
Barrel Öl pro Tag ersetzen. Wir müssen jeden möglichen Schritt tun, um die
Sicherheit der Kernkraftproduktion zu erhöhen. Ich stimme Geist und Inhalt
der Empfehlungen der Kemeny-Kommission voll zu, die zu verwirklichen teilweise in meiner Macht liegt, die aber zum anderen Teil von der Nuklearen
Aufsichtskommission (NRC) oder von der Versorgungswirtschaft in die Praxis
umgesetzt werden müssen.
Ich
- 2 -

�Ich werde verschiedene Schritte unternehmen, um von der Regierungsseite
aus das Haus in Ordnung zu bringen.

Erstens werde ich dem Kongreß einen Re-

organisationsplan zuleiten, um die Rolle des Vorsitzenden der NRC zu stärken
und ihn mit Vollmachten auszustatten, als verantwortlicher oberster Beamter
sofort handeln zu können und befugt zu sein, notwendige Sicherheitserfordernisse und Verfahrensweisen an Ort und Stelle einsetzen zu lassen.

Der Vor-

sitzende muß in der Lage sein, Führungspersonal selbst auszuwählen und im
Fall eines Notstandes im Namen der Kommission zu handeln.
Zweitens werde ich einen neuen Vorsitzenden für die NRC ernennen - eine
i

Persönlichkeit, die entsprechend den Empfehlungen der Kemeny-Kommission nicht
aus der Behörde selbst kommt. Für die Übergangszeit habe ich das NRC-Kommissionsmitglied Ahearne gebeten, die Geschäfte des Vorsitzenden zu führen.
Dr. Ahearne wird auf Sicherheit und die prompte Durchführung der notwendigen
Reformen besonderen Wert legen. Außerdem werde ich einen unabhängigen Beratungsausschuß einsetzen, dessen Aufgabe es u.s. sein wird, mich über die Fortschritte auf Seiten der NRC und der Industrie zu unterrichten, die Kernenergie
sicherer zu machen.
Drittens weise ich die Bundesbehörde für Notstandsmaßnahmen an, alle für
die Bewältigung von Krisensituationen außerhalb des eigentlichen Gefahrenherdes vorgesehenen Maßnahmen voranzubringen und bis Juni 1980 die gründliche
Überprüfung von Notstandsplänen für in Betrieb befindliche Reaktoren in allen
Bundesstaaten abzuschließen.
Viertens habe ich die NRC und andere Behörden angewiesen, unser Programm,
jeder Reaktorstation einen ständigen Bundesinspektor beizugeben, zu beschleunigen.
Fünftens ersuche ich sämtliche jeweils zuständigen Bundesbehörden praktisch alle übrigen Empfehlungen der Kemeny-Kommission in die Tat umzusetzen.
Der Öffentlichkeit wird detailliertes Informationsmaterial an die Hand
gegeben, während die Presse in noch ausführlicherer Form unterrichtet werden wird
Mit
- 3 -

�Mit klar definierten Führungskompetenzen und verbesserter Organisation
werden Exekutive und NRC besser in der Lage sein, zu handeln, die kritischen
Fragen einer besseren Ausbildung und besserer technischer Maßstäbe von Sicherheitsvorschriften und der anderen von der Kemeny-Kommission gemachten Empfehlungen schnell in Angriff zu nehmen.
Aber die Verantwortung, Kernkraft sicherer zu machen, endet nicht bei
der Bundesregierung.

Tatsächlich liegt die primäre tägliche Verantwortung für

Sicherheit bei der Leitung der Versorgungsunternehmen und bei den Lieferfirmen
für nuklear-technische Ausrüstungen.

Für technisch qualifizierte und persön-

lich engagierte Fachleute beim Bau, beim Betrieb und der Inspektion von Atomkraftwerken gibt es keinen Ersatz. Aufgaben und Verantwortungen des Personals
müssen besonders betont werden. Irgendjemand muß stets als der Verantwortliche
sowohl im Unternehmen als auch am Standort selbst bestimmt worden sein.

Die

Industrie ist es dem amerikanischen Volk schuldig, ihr Engagement für Sicherheit
zu verstärken.
Ich fordere die Versorgungsunternehmen auf, folgendes zu ändern:
1) Auf der Grundlage der bisher unternommenen Schritte muß die Industrie
aktiv werden, um verbesserte Normen für sichere Konstruktion, sicheren Bau
und sicheren Betrieb von Anlagen zu entwickeln.
2) Die Firmen der Nuklearindustrie müssen zusammenarbeiten, um umfassend
Ausbildungs-, überprüfungs- und Analysenprogramme für das Betriebspersonal und
das leitende Personal zu entwickeln und in der Praxis ständig im Einsatz zu
haben. Dieses Trainingsprogramm ist von der NRC auf dem Wege über die Genehmigung der jeweiligen Ausbildungsprogramme direkt zu überprüfen.
3) Kontroll räume müssen im weitestgehenden Umfang modernisiert, standardisiert und vereinfacht werden, damit im Notfall Entscheidungen auf der Basis
besserer Informationen getroffen werden können.
Ich richte den dringenden Appell an unsere Versorgungswirtschaft, alle
nur erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, um die Sicherheit der Kern-

�Kernkraft zu verbessern.

Schließlich möchte ich erörtern, wie wir die Übergangsperiode bewältigen, in der die Empfehlungen der Kemeny-Kommission in die Tat umgesetzt werden.

Es gibt eine Anzahl neuer Atomkraftwerke, für die jetzt Betriebs- und

Beugenehmigungen erteilt werden müßten.

Die Lizenzerteilung ist Sache der NRC, und diese besitzt, wie die KemenyKommission erwähnte, die Kompetenz, um je nach Sachlage im gegebenen Fall
die Anlage zu genehmigen.

Die NRC gab jedoch zu erkennen, daß sie vorläufig

keine neuen Betriebs- und Baugenehmigungen zu erteilen gedenkt, damit sie sich
ganz der Aufgabe widmen könne, das eigene Haus in Ordnung zu bringen.

Ich

billige den von der NRC jetzt eingeschlagenen Weg, ersuche sie jedoch dringend, ihre Aufgabe so rasch wie möglich zu bewältigen und sie keinesfalls später als in sechs Monaten zu beenden.

Haben wir die notwendigen Reformen zur Gewährleistung der Sicherheit in
die Wege geleitet, müssen wir die Lizenzierung so rasch wie möglich wieder aufnehmen, damit die neuen Kraftwerke, die wir zur Verringerung unserer Abhängigkeit von ausländischem ül so dringend benötigen, gebaut und in Betrieb genommen werden können.

Die von mir heute verkündeten Schritte werden unserem Land helfen, die
Sicherheit von Kernkraftwerken zu gewährleisten.

Kernkraft hat in den Vereinig-

ten Staaten eine Zukunft - sie ist eine Option, die wir uns offen halten müssen.

Ich appelliere an die Versorgungsunternehmen und ihre Lieferfirmen, an

die NRC, die Ministerien und Behörden des Bundes sowie der Bundesstaaten und
an die kommunalen Behörden, die Gewähr dafür zu schaffen, daß die Zukunft
eine sichere Zukunft sein wird.

- 5-

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International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Januar 1980

AUSBLICK AUF DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT DES JAHRES 1980
von unserem Korrespondenten Jon Schaffer

Der folgende Artikel des Wirtschaftskorrespondenten des amerikanischen Amtes
für Internationale Kommunikation(USICA),
Jon Schaffer, beschäftigt sich mit den
Entwicklungen, den Aussichten und
Problemen der Wirtschaft der Vereinigten
Staaten im kommenden Jahr, gesehen aus
der Perspektive bekannter amerikanischer
Wirtschaftsfachleute.
WASHINGTON - (AD) - Glaubt man den Prophezeiungen, so wird sich
die amerikanische Wirtschaft zu Beginn des neuen Jahres in einer Rezession
befinden, obgleich Zinssätze und Inflation deswegen nicht in dem Maße
zurückgehen werden, wie dies bei Rezessionen in der Vergangenheit der Fall
gewesen ist.
Dies sind einige der wesentlichen Schlußfolgerungen von Wirtschaftsfachleuten, die damit begonnen haben, ihre vorläufigen Prognosen über die
Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft im Jahr 1980 zu stellen.
Die

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�Die meisten Bankiers, Geschäftsleute und Volkswirtschaftler sehen
einen Rückgang der Gesamtproduktion der Wirtschaft voraus - zumindest in
der ersten Hälfte des neuen Jahres; in der zweiten Hälfte werden einige
Verbesserungen für möglich gehalten.

Nach Ansicht der meisten Experten

wird die Inflation leicht zurückgehen, doch zeigen sie sich besorgt darüber,
daß das Ausmaß der Lohnerhöhungen eine Gefahr für die Bekämpfung der
Inflation in naher Zukunft bedeuten könnte. Ohne Ausnahme wird schließlich
ein Anstieg der Arbeitslosigkeit vorausgesagt.
Für das Jahr 1980 insgesamt prognostiziert ein Querschnitt von über
50 Wirtschaftsgutachtern eine jährliche Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts, die zwischen optimistischen zwei Prozent - so die Econoviews
International Inc. - und pessimistischen minus 2,1 Prozent - errechnet
durch die Wirtschaftsfachleute der Bank of America - schwankt.

Der

gemeinsame Nenner aller Vorhersagungen liegt bei etwa 1 Prozent minus.
Die Voraussagen über die amerikanische Inflationsrate im Jahr 1980
gehen - bei einem Durchschnitt von 10,6 Prozent - von weniger als 9 Prozent
bis über 12 Prozent. Schätzungen bei der Arbeitslosigkeit - im Prozentsatz der Beschäftigtenzahl gesehen - bewegen sich um die 7 bis 7,5 Prozent.
Einig sind sich jedoch die Experten darin, daß die Preise und die
Verfügbarkeit von Energie einen wesentlichen Einfluß auf die amerikanische
Wirtschaft haben werden.
Nachfolgend einige der Prognosen sowie deren Konsequenzen, wie sie
die Experten vorlegen:
Walter Heller, ehemals Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats unter
Präsident Kennedy,stellt fest, daß eine Rezession, sollte sie überhaupt
schon begonnen haben,"höchstens dabei ist, den ersten Biß zu tun". Da
umfangreichere Konjunkturspritzen 1980 nicht zu erwarten seien, dürfte

- 2 -

�dürfte die wirtschaftliche Erholung in der zweiten Hälfte des neuen
Jahres bescheiden ausfallen.

In der Annahme, daß es auch keine Steuer-

erleichterungen geben werde, erwartet Heller einen Rückgang der Verbraucherausgaben, ein Nachlassen der Kapitalgüterinvestitionen um real zwei Prozent
und einen merklichen Rückgang beim Wohnungsbau als Beitrag zu einer
sich verstärkenden Rezession.
Lawrence Klein, der "Vater" des amerikanischen ökonometrisehen
Modells, ehemaliger Präsident der "American Economic Association" und
Präsident der Gesellschaft "Wharton Econometric Forecast" - eine der
größten und bekanntesten amerikanischen Firmen im Bereich der Wirtschaftsgutachten -, ist folgender Ansicht:

Obgleich de"wirtschaftliche Auf-

schwung "zu diesem Zeitpunkt keine übermäßig ernsthafte Rezession" sei, so
könne es doch schlimmer werden.
Klein sagt einen längerwährenden Niedergang des Automobilmarktes
voraus, eine leichte Abnahme der Kapitalgüterinvestitionen und ein Absinken der Unternehmenergewinne, bevor die Wirtschaft gegen Mitte des
Jahres sich wieder, wenn auch nicht sonderlich kräftig, nach oben bewegt.
Klein zufolge bestehen die guten Nachrichten darin, daß die Zahlungsbilanz 1980 eine Zeitlang positiv sein wird, bevor sie 1981 möglicherweise
wieder negativ werden könnte.
Viele Wirtschaftswissenschaftler vertreten das Argument, das anhaltend ausgabenfreudige Verbraucherverhalten - zusätzlich von Sparern
angeregt, die in großem Umfang von ihren Guthaben abheben - habe eine
unvermeidliche Rezession lediglich hinausgezögert.
Aber Thomas Murphy, Präsident und Vorstandsvorsitzender bei General
Motors, weist - wie viele andere Beobachter auch - darauf hin, daß "das
Fehlen so traditioneller Unausgeglichenheiten wie überschüssige Lager-

- 3 -

�I

•

Lagerbestände oder übermäßiger Investitionsaufwand auf die Wahrscheinlichkeit
einer verhältnismäßig milden wirtschaftlichen Korrektur hindeutet."
Gemäß dem Wirtschaftsausblick, den die Jahresübersicht der 3 100
Mitglieder der "National Association of Business Economists" gibt, wird
erwartet, daß der durchschnittliche Rückgang bei Aufwand der gewerblichen
Wirtschaft für Bauleistungen mit 1,2 Prozent recht milde sein wird.

Bei

den Kapitalgüterinvestitionen betrug dieser durchschnittliche Rückgang
in den sechs vorhergegangenen Rezessionen der Nachkriegszeit 9,4 Prozent.
"Die Frage ist nicht, ob sich die Volkswirtschaft im letzten Quartal
1979 oder etwa im ersten Quartal 1980 abschwächen wird", meint Irwin
Kellner, Vizepräsident des "Manufacturers Hanover Trust".

"Die Frage

scheint vielmehr zu sein, ob die Volkswirtschaft gegen Ende des ersten
Quartals 1980 aus dieser Abschwächung herauskommen wird oder noch weiter
absinkt...

Ich habe aber auch weiterhin das Gefühl, daß die Rezession

eher früher als später zu Ende geht."
•

Kellner führt so positive Aspekte der Volkswirtschaft wie den
hohen Beschäftigungsstand an, die anhaltende Investitionsgüterkonjunktur,
den Boom auf dem Exportsektor sowie die Tatsache, daß diese verlangsamte
Konjunkturbewegung allgemein erwartet wurde und die Geschäftswelt daher
genauestens darauf achtete, daß ihre Lagerbestände nicht in allzu großen
Gegensatz zum Umsatz gerieten.
Während also die derzeitigen Lagerbestände und auch die Pläne im
Investitionsgüterbereich nicht unbedingt typisch im Vergleich zu
Rezessionen der Vergangenheit sind, ist dies allerdings auch nicht
der Fall bei den verhältnismäßig alarmierenden Aussichten, was die
Inflation anbelangt.

�Die Inflationsrate ist noch nicht zurückgegangen, wie dies die
meisten Wirtschaftsfachleute mit einer Abschwä'chung der amerikanischen
Volkswirtschaft erwartet hatten.

Henry Kaufman, ChefÖkonom der Investmentbank "Salomon Brothers",
stellt in seinem letzten Jahresgutachten fest, daß die Lohnabschlüsse
trotz einer Rezession - die seiner Meinung nach 1980 anfangen und wahrscheinlich nicht vor Anfang 1981 enden wird - die Inflation anheizen
werden.

Er erwartet Abschlüsse zwischen neun und elf Prozent, da die

Arbeitnehmerseite versuchen wird, für die Verluste bei Realeinkommen des
Jahres 1979 einen Ausgleich zu erhalten.

In diesem Jahr betrugen die

Lohnzuschläge im Durchschnitt acht Prozent, lagen also weit unterhalb
der Inflationsrate.

Seinem Argument nach wird eine andauernde hohe Inflationsrate in
Verbindung mit hohem Investitionsaufwand und anhaltenden Verbraucherausgaben - letzteres zumindes bis zu dem Zeitpunkt, da im Frühjahr und
Sommer 1980 die Arbeitslosigkeit noch zumimmt - eine starke Kreditnachfrage
zur Folge haben.

Dies wiederum zwingt zu fortgesetzter straffer Geld-

marktpolitik auf Seiten der amerikanischen Bundesbank.

Kaufman, der mit großem Weitblick die hohen Zinssätze des Jahres 1979
voraussagte, ist diesmal der Meinung, daß die kurzfristigen Zinssätze wie
etwa der Leitzinssatz - der Bankzinssatz, den die Banken von ersten
Adressen verlangen - auf zwischen 16 und 17 Prozent klettern werden.

Donald Maide, Vizepräsident und Direktor der Forschungsabteilung
bei "Merrill Lynch Government Securities" stimmt mit den Ansichten von
Kaufman hinsichtlich der kurzfristigen Zinssätze überein.

Obwohl die

Wirtschaftsbedingungen eine Senkung der kurzfristigen Zinssätze im
Verlauf des ersten Quartals 1980 mit sich bringen sollten, gibt es doch,
Maude zufolge, für die amerikanische Bundesbank keine Möglichkeit, einer

�einer Senkung der Zinssätze zuzustimmen, "ohne einen ernsthaften Angriff
auf den Dollar" hervorzurufen.

Sein Argument:

Sollten die amerikanischen

Zinssätze fallen, würden die verhältnismäßig hohen Sätze in den europäischen
Ländern Geldanlagen aus den Vereinigten Staaten absaugen.

Sobald die

Volkswirtschaften anderer Industrieländer einen beginnenden Rückgang
verzeichnen sollten, könnten kurzfristige Zinssätze wie der Leitzinssatz
bis auf 8,5 bis 9 Prozent heruntergehen.
Heller widerspricht diesem Argument jedoch und meint, daß kurzfristige
Zinssätze kräftig fallen sollten "unter dem Gewicht zunehmender wirtschaftlicher Flaute". Seiner Meinung nach sollte die Verbindung von verbesserten
Lohn- und Preisrichtlinien, die neu eingerichtete Lohnkommission und
steigende Arbeitslosigkeit jeder Art von Lohnexplosion verhindern.
Walter Hoadley, ChefÖkonom der "Bank of America", der größten
Handelsbank in den Vereinigten Staaten, glaubt jedoch, daß die Preisrichtlinien "höchstens einen Nebeneffekt haben und jede bedeutsame
Linderung der Inflation von langsamerem Wachstum ausgehen muß".
Jay Janis, der Vorsitzende des "Federal Home Loan Bank Board", des
Vorstands der amerikanischen Bundesbausparkasse, unterstreicht "die
Wahrscheinlichkeit, daß wir eher eine bescheidene Rezession oder Schwäche
der Volkswirtschaft haben werden, die eine Reihe von Jahren anhalten
wird, als daß es zu einer ernsthaften Rezession kommt."
Klein jedoch glaubt, daß die klare Betonung der Angebotsseite
der Volkswirtschaft - also Kapitalbildung, verstärkte Forschung und
Entwicklung, Ausbildung des Personals und andere Programme zur Steigerung
der Produktivität - den Vereinigten Staaten jene Wachstumsraten zurückbringen würde, derer sie sich in den fünfziger und sechziger Jahren
erfreuten.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zu den Ereignissen in Iran und Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA unterbreiten Resolution gegen Iran&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des US-Außenministers vor dem Weltsicherheitsrat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltsicherheitsrat nimmt US-Resolution an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Entschließung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltsicherheitsrat nimmt US-Resolution an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewährleistung von Sicherheit bei Kernkraftwerken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Carter verfügt neue Maßnahmen aufgrund der Untersuchungsergebnisse über Three Mile Island&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausblick auf die amerikanische Wirtschaft des Jahres 1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von unserem Korrespondenten Jon Schaffer&lt;/em&gt;</text>
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Information
und
Dokumentation

i a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980
INHALT
INFORMATION
USA rechnen mit fester Haltung Westeuropas zur sowjetischen Invasion
in Afghanistan
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig DOKUMENTATION
Carter: USA werden sich ihrer Verantwortung stellen
- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 Rede des US-Chefdelegierten vor dem Weltsicherheitsrat
- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan Präsident Carter fordert Verschiebung der Senatsdebatte über SALT II
- Schreiben an Senator Byrd HINTERGRUNDMATERIAL
Die NATO: Ihre Vergangenheit und ihre Zukunft
- Von Senator Jacob Javits Energieversorgung:

Herausforderung der achtziger Jahre

Von John Sawhill
Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten
Weltpreisentwicklungen bei Nahrungsmitteln
- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel

Um Über/endung von
ßclcgcxcmplorcn wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Uli ai MI

L alH •i

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980

USA RECHNEN MIT FESTER HALTUNG WESTEUROPAS ZUR SOWJETISCHEN INVASION
IN AFGHANISTAN
- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -

WASHINGTON - (AD) - Die Reaktion der Vereinigten Staaten und Westeuropas
auf die sowjetische Aggression in Afghanistan wird sicherlich über den Tag hinaus andauern.

Damit rechnet man jedenfalls in amerikanischen Regierungskreisen,

Der Stellvertretende amerikanische Außenminister Warren Christopher erklärte am 6. Januar 1980, "eine der Lehren" aus der sowjetischen Invasion der
Tschechoslowakei im Jahr 1968 sei gewesen, "daß die Reaktion entschlossen und
nachhaltig sein muß".
In einem Fernsehinterview im Rahmen der bekannten Sendereihe "Face the
Nation" (Stell Dich der Nation) der Gesellschaft CBS wies Christopher darauf
hin, daß der Nordatlantikrat in der kommenden Woche zusammentreten und über
seine Reaktion beraten werde.

"Ich rechne damit, daß seine Reaktion entschlos-

sen und fest sein wird",so sagte er.
Christopher

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Tel: 02221-89 3240
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�Christopher deutete in dem Interview an, was die Verbündeten Amerikas
tun könnten.

Bisher hat die Regierung Carter eine Reihe einschneidender ein-

seitiger Sanktionen gegen Moskau angekündigt und nur ihrer Erwartung Ausdruck
verliehen, daß Australien, Kanada und die westeuropäischen Länder nicht die
17 Millionen Tonnen Futtergetreide für den sowjetischen Viehbestand liefern
werden, deren Lieferung die Vereinigten Staaten gesperrt haben.
Der Stellvertretende amerikanische Außenminister sprach die Erwartung aus,
daß die westeuropäischen Länder ihre Hilfe für Afghanistan einstellen werden.
Man rechne in Washington ferner mit Maßnahmen hinsichtlich ihrer diplomatischen
Vertretungen in Afghanistan.
Und schließlich sagte Christopher, er rechne damit, daß einige der westeuropäischen Länder den Sowjets Exportkredite verweigern.
Zusammenfassend gesagt

ging es Christopher um folgendes:

- Es ist nicht die Zeit gekommen, "den Tod der Entspannung zu verkünden",
aber "wir werden in Zukunft abwarten müssen", wie sich die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen entwickeln.
- Washington ist "entschlossen", den Sowjets zu zeigen, daß ihre Aggression in Afghanistan ihren Preis haben wird und daß jede folgende Aktion dieser
Art sehr schwere Strafen nach sich ziehen würde.
- Die Regierung Carter betrachtet die sowjetische Invasion als ein mögliches "Trittbrett" für weitergesteckte Ziele, vielleicht ölinteressen Moskaus
in anderen Bereichen der Region.
Auf eine Frage nach amerikanischer Hilfe für Pakistan, dem Nachbarn
Afghanistans, erwiderte Christopher, das werde sich innerhalb der nächsten
Tage entscheiden.
tuation".

Er sprach in diesem Zusammenhang von einer "Ausnahmesi-

Auf mögliche Bedenken Indiens gegen amerikanische Hilfe für Pakistan

- 2 -

�Pakistan angesprochen, betonte Christopher, daß die USA "gute Beziehungen"
zu Indien aufrechterhalten wollten.

Indien müsse schließlich das Vorgehen

der Sowjets in Afghanistan auch als eine Bedrohung seiner eigenen Souveränität
wie der anderer Länder der Region betrachten.

Wenn Pakistan es wünsche, wer-

de Washington mit einer Reihe anderer Staaten, darunter die Volksrepublik
China, über Hilfe für Pakistan sprechen.

Das Fehlverhalten Moskaus in

Afghanistan werde auf jeden Fall Washington nicht davon abhalten, "normale
Beziehungen" zur Volksrepublik China zu entwickeln.

Christopher wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß der amerikanische
Verteidigungsminister Harold Brown gegenwärtig in China über das Problem
Afghanistan spreche.

Hier würden sich wichtige Hinweise auf die Art der Zu-

sammenarbeit in jener Region ergeben.

Er betonte jedoch, daß es nicht um

ein militärisches Verhältnis der Lieferung von Waffen an die Volksrepublik
gehe.

Der Stellvertretende amerikanische Außenminister hob ferner hervor, daß
die sowjetische Handlungsweise gegenüber Afghanistan eigentlich den Iran zur
Einsicht bringen und veranlassen sollte, seine Krise mit den Vereinigten Staaten zu beenden und die ameriknaischen Geiseln freizulassen.

Man müsse sich

in Teheran darüber klar werden, daß die "größere Bedrohung" aus Moskau komme.

Schließlich teilte Christopher noch mit, daß Angebote Ägyptens und Israels
für die Benutzung militärischer Einrichtungen durch die USA gegenwärtig "geprüft" werden.

Die Vereinigten Staaten hatten bis vor einigen Tagen höflich

aber bestimmt solche Angebote abgelehnt.

Die Vereinigten Staaten unternähmen

jedoch "wichtige Schritte zur Verbesserung ihrer militärischen Position im
Nahen Osten".

Dazu gehören nach seiner Auskunft eine Flugzeugträger-Gruppe:im

Indischen Ozean und der Ausbau des Stützpunktes Diego Garcia.

Die Vereinigten

Staaten bemühten sich auch um die Benutzungsrechte von Häfen und Flugplätzen
in Oman, Kenia und Somalia.

+ + + + +

- 3 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980

CARTER:

USA WERDEN SICH IHRER VERANTWORTUNG STELLEN

- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 -

WASHINGTON
- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Rundfunkund Fernsehansprache an das amerikanische Volk in der Nacht zum 5. Januar
1980 zu der völkerrechtswidrigen Invasion Afghanistans durch sowjetische
Truppen Stellung genommen und scharfe Maßnahmen der Vereinigten Staaten
angekündigt, falls die Sowjets ihre Truppen nicht zurückziehen, wie dies
auch von der Mehrheit der Völkergemeinschaft gefordert wird. Neben
drastischen Einschränkungen des Handels schloß Carter auch einen Boykott
der Olympischen Spiele 1980 in Moskau nicht aus.
Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend zu Ihnen über die außerordentlich wichtigen
und sich rasch verändernden Umstände in Südwestasien sprechen.

Ich teile

mit Ihnen weiterhin das Gefühl des Zorns und der Ungeduld wegen des Festhaltens unschuldiger amerikanischer Geiseln durch militante Terroristen
mit Unterstützung und Billigung amtlicher Vertreter des Iran.
Unsere

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Unsere Zielsetzungen bestehen weiterhin in dem Schutz der langfristigen
Interessen unserer Nation und der Sicherheit der amerikanischen Geiseln.
Wir suchen die Freilassung der Amerikaner durch den Internationalen
Gerichtshof, durch die Vereinten Nationen und durch öffentliche und nichtöffentliche diplomatische Anstrengungen sicherzustellen.
dieses Ziel zu erreichen.

Wir sind entschlossen,

Wir hoffen, dies ohne Blutvergießen und ohne

weitere Gefährdung des Lebens unserer 50 amerikanischen Mitbürger erreichen
zu können.

In diesen Bemühungen haben wir weiterhin die starke Unterstützung

der Weltgemeinschaft.
Unter solch kritischen Umständen sind die Einigkeit und der gesunde
Menschenverstand des amerikanischen Volkes von entscheidender Bedeutung
für den Erfolg unserer Bemühungen.
In jüngster Zeit hat sich eine weitere sehr ernste Entwicklung vollzogen, die die Aufrechterhaltung des Friedens in Südwestasien gefährdet.
Massive sowjetische Streitkräfte sind in das kleine, blockfreie,souveräne
Land Afghanistan eingedrungen, das bisher kein besetzter Satellit der
Sowjetunion war.
Rund 50 000 schwerbewaffnete sowjetische Soldaten haben die Grenze
überschritten, sind heute über ganz Afghanistan verteilt und versuchen,
das stolze,unabhängige Moslemvolk dieses Landes zu unterjochen.
Die Sowjets behaupten fälschlicherweise, daß sie nach Afghanistan
eingeladen worden wären, um dieses Land vor einer nicht genannten Bedrohung von außen zu schützen. Aber Präsident Amin, der der Führer
Afghanistans vor der sowjetischen Invasion war, ist - zusammen mit mehreren
Mitgliedern seiner Familie - ermordet worden,nachdem die Sowjets die
Kontrolle über die Stadt Kabul gewonnen hatten.
Die

�Die neue Marionettenregierung wurde erst wenige Tage später durch
die Sowjets nach Afghanistan gebracht.

Diese Invasion ist eine außerordentlich ernste Bedrohung des Friedens wegen der Drohung einer weiteren sowjetischen Expansion in benachbarte
Länder in Südwestasien und auch weil eine solche aggressive Militärpolitik
bei anderen Völkern in der ganzen Welt Unruhe hervorruft.

Sie ist eine rohe Verletzung des internationalen Rechts und der Charta
der Vereinten Nationen.

Sie ist eine bewußte Bemühung einer mächtigen atheistischen Regierung,
ein

unabhängiges islamisches Volk zu unterwerfen.
Wir müssen uns über die strategische Bedeutung Afghanistans für

Stabilität und Frieden im klaren sein.

Ein sowjetisch besetztes Afghanistan bedroht sowohl den Iran als auch
Pakistan und ist ein Trittbrett für die Kontrolle eines großen Teils der
Ölversorgung der Welt durch die Sowjets.

Die Vereinigten Staaten wollen, daß alle Länder der Region frei und
unabhängig sind.

Wenn die Sowjets bei dieser Invasion durch einen

schließlichen Erfolg noch ermutigt werden und wenn sie ihre Herrschaft
über Afghanistan aufrechterhalten und dann ihre Kontrolle auf angrenzende
Länder ausdehnen, dann wird das stabile, strategische und friedliche Gleichgewicht der Welt verändert werden.

Dies würde die Sicherheit aller Länder,

einschließlich selbstverständlich der Vereinigten Staaten, unserer Verbündeten
und unserer Freunde bedrohen.

Deshalb kann die Welt nicht abwarten und der Sowjetunion erlauben, diesen
Akt ungestraft zu begehen.
Fünfzig

- 3 -

�Fünfzig Länder haben den Sicherheitsrat angerufen, die Sowjetunion
zu verurteilen und den sofortigen Abzug aller sowjetischen Truppen aus
Afghanistan zu verlangen.
Wir sind uns darüber im klaren, daß nach der Charta der Vereinten
Nationen die Sowjetunion und andere ständige Mitglieder ihr Veto gegen
ein Handeln des Sicherheitsrates einlegen können.

Wenn der Willen des

Sicherheitsrates in dieser Weise zunichte gemacht werden sollte, dann
wäre ein sofortiges Handeln in der Vollversammlung der Vereinten Nationen
angebracht, wo es kein sowjetisches Veto gibt.
In der Zwischenzeit können weder die Vereinigten Staaten noch irgendeine andere Nation, die sich dem Frieden und der Stabilität in der Welt
verschrieben hat, mit der Sowjetunion umgehen, als wenn nichts wäre.
Ich habe bereits den Botschafter der Vereinigten Staaten aus Moskau
nach Washington zurückberufen.

Er arbeitet mit mir und meinen anderen

leitenden Beratern an einer sofortigen und umfassenden Überprüfung des
gesamten Bereichs unserer Beziehungen zur Sowjetunion.
Die erfolgreiche Aushandlung des SALT II-Vertrages war ein Hauptziel
und eine große Leistung dieser Administration - und aus der erfolgreichen
Kontrolle der strategischen nuklearen Waffen aufgrund der Durchführung
dieses sorgfältig ausgehandelten Vertrags werden wir Amerikaner, das
sowjetische Volk, ja, die ganze Welt Nutzen ziehen.
Wegen der sowjetischen Aggression habe ich jedoch den Senat der
Vereinigten Staaten gebeten, die weitere Erörterung des SALT II-Vertrages
zu verschieben, damit der Kongreß und ich die sowjetischen Aktionen und
Absichten richtig einschätzen und wir unsere Hauptaufmerksamkeit auf
legislative und andere Maßnahmen richten können, die notwendig sind,
um auf diese Krise zu reagieren.
Wenn
- 4 -

�Wenn und sobald sich die Umstände in der Zukunft verändern, werden
wir natürlich die Ratifizierung von SALT II in enger Konsultation mit
den Führern des Senats aktiv überprüfen.

Wir werden die Eröffnung aller neuen amerikanischen und sowjetischen
Konsulatseinrichtungen aufschieben, und auch die Mehrzahl der kulturellen
und wirtschaftlichen Austauschprogramme, die derzeit erwogen wurden, wird
aufgeschoben.
Ich habe beschlossen, die Exporte nach der Sowjetunion auf drei
Gebieten, die für sie von besonderer Bedeutung sind, einzustellen oder zu
reduzieren.

Diese neue Politik wird mit der unserer Verbündeten koordiniert

werden.

-

Ich habe angeordnet, daß keine Lizenzen für den Verkauf von
technisch hochentwickelten oder anderen strategischen Gütern an
die Sowjetunion bis auf weiteres erteilt werden, während wir unsere
Lizenzverfahren überprüfen werden;

-

die der Sowjetunion eingeräumten Fischfangrechte in amerikanischen
Gewässern werden drastisch eingeschränkt werden;

-

die 17 Millionen Tonnen an Getreide, die von der Sowjetunion über
die Menge hinaus bestellt wurden, die wir gemäß dem Fünf-Jahres-Abkommen zu verkaufen verpflichtet sind, werden nicht geliefert werden,
Dieses Getreide war nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt,
sondern sollte zur Ergänzung des sowjetischen Viehbestandes genutzt
werden.

Ich bin entschlossen, die Nachteile, die dem amerikanischen Farmer
aus dieser Aktion erwachsen könnten, so klein wie möglich zu halten.

Das

nicht zur Auslieferung gelangende Getreide wird durch Vorrats- und Preis-

- 5 -

�I

Preisstützungsprogramme sowie durch Ankäufe zu Marktpreisen aus dem Markt
genommen werden.

Wir werden auch größere Mengen von Getreide verwenden,

um den Hunger in den armen Ländern zu lindern, sowie zur Gasohol-Erzeugung
in unserem eigenen Lande.
Nach Konsultationen mit anderen großen getreideexportierenden Staaten
bin ich davon überzeugt, daß sie diese Getreidemengen nicht durch eigene
zusätzliche Lieferungen an die Sowjetunion ersetzen werden.
Diese Aktionen werden ein gewisses Opfer von allen Amerikanern fordern,
aber es kann kein Zweifel bestehen, daß sie im Interesse des Weltfriedens
und der Sicherheit unserer eigenen Nation liegen und auch vereinbar sind mit
den Aktionen, welche von unseren eigenen großen Handelspartnern und anderen
Nationen getroffen werden, die unsere tiefe Besorgnis über diese neue
Bedrohung der Stabilität der Welt durch die Sowjetunion teilen.
Auch wenn die Vereinigten Staaten es vorziehen würden, sich nicht von
den für diesen Sommer in Moskau angesetzten olympischen Spielen fernzuhalten,
so muß die Sowjetunion doch einsehen, daß ihre kontinuierlichen aggressiven
Aktionen sowohl die Teilnahme der Sportler als auch die Reise von Olympiabesuchern nach Moskau, die normalerweise die olympischen Spiele besuchen
möchten, gefährdet.
Zusammen mit anderen Ländern werden wir militärische Ausrüstung, Lebensmittel und andere Hilfe bereitstellen, um Pakistan bei der Verteidigung
seiner Unabhängigkeit und nationalen Sicherheit gegen die außerordentlich
vermehrte Bedrohung zu helfen, der es sich jetzt vom Norden gegenübersieht.
Die Vereinigten Staaten sind auch bereit, anderen Nationen in dieser Region
in ähnlicher Weise zu helfen.
Weder unsere Verbündeten noch unsere potentiellen Gegner sollten auch
nur den geringsten Zweifel an unserem Willen, unserer Entschlossenheit und

- 6 -

�und unserer Fähigkeit hegen, die von mir aufgewiesenen Maßnahmen zu treffen.
Ich habe mich mit den führenden Vertretern des Kongresses beraten, und
ich bin sicher, daß sie die zur Durchführung dieser Maßnahmen etwa erforderliche Gesetzgebung unterstützen werden.
Die Geschichte lehrt vielleicht nur wenige eindeutige Lektionen. Aber
gewiß ist eine solche Lektion, die die Welt mit großen Kosten gelernt hat,
die, daß eine Aggression, der man nicht entgegentritt, zu einer ansteckenden
Krankheit wird.
Die Antwort der internationalen Gemeinschaft auf den sowjetischen
Versuch, Afghanistan zu unterwerfen, muß der Schwere der sowjetischen Tat
entsprechen.
Mit der Unterstützung des amerikanischen Volkes und zusammen mit
anderen Nationen werden wir die Aggression zurückweisen, die Sicherheit
unserer Nation schützen und den Frieden erhalten.
Die Vereinigten Staaten werden ihrer Verantwortung gerecht werden.

+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980

REDE DES US-CHEFDELEGIERTEN VOR DEM WELTSICHERHEITSRAT
- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK

- (AD) - Der amerikanische Chefdelegierte

bei den Vereinten Nationen, Botschafter Donald F. McHenry, hat am 6. Januar
1980 vor dem Sicherheitsrat den Abzug der sowjetischen Invasionstruppen aus
Afghanistan gefordert - eine Forderung die weltweit erhoben wird.

McHenry

betonte, daß die Handlung der Sowjetunion nicht nur ein flagranter Bruch
des Friedens und des internationalen Rechts sei, sondern die Grundprinzipien
der Charta der Vereinten Nationen bedrohe.
Die Ausführungen des amerikanischen UN-Delegierten haben folgenden
Wortlaut:
Der Sicherheitsrat tritt heute auf Ersuchen von über 50 Mitgliedstaaten
der Vereinten Nationen aus allen Teilen der Welt und aller politischer
Überzeugungen zusammen. Wir sind hier versammelt, um eine Angelegenheit
von grundlegender Bedeutung für den Weltfrieden und die Prinzipien zu
erörtern, auf die sich die Vereinten Nationen stützen.
Ein

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Ein Mitgliedstaat dieser Weltorganisation ist das Opfer einer Invasion
durch starke Truppenkontingente eines anderen Staates geworden.
Seine Regierung wurde gestürzt; seine politischen Führer wurden
getötet;

sein Volk wurde mundtod gemacht; und sein Territorium wurde

besetzt.
Die Vereinigten Staaten haben sich dem Ruf nach einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats angeschlossen, um den offenkundigen Akt der
Aggression der Sowjetunion gegen das Territorium und das Volk Afghanistans
zu erörtern. Wir tun dies, weil das Vorgehen der Sowjetunion nicht nur
einen Bruch des Friedens und des internationalen Rechts darstellt, sondern
auch den Bestand der Grundprinzipien bedroht, auf denen die Charta der
Vereinten Nationen beruht.
Der Vertreter der Sowjetunion hat uns eine Vielzahl umfassender
und verwirrender Gründe für die sogenannte "begrenzte", aber sicherlich
tödliche Unterstützung genannt, die dem Volk von Afghanistan aufgezwungen
wird. Werfen wir einen Blick auf die erschreckliche Reihe von Ereignissen,
die mit der Invasion Afghanistans durch die Sowjets im Zusammenhang stehen.
-

In den ersten Dezemberwochen brachte die Sowjetunion den Flugplatz
Bagran nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul durch die
Entsendung von Truppen in Stärke eines Fall Schirmjägerregiments
in ihren Besitz. Sie landete ferner Truppen und Material auf dem
Flughafen von Kabul und mobilisierte gleichzeitig riesige Truppenkontingente in ihren Grenzgebieten zu Afghanistan.

-

Am 25. und 26. Dezember erfolgte eine umfangreiche sowjetische
Luftlandeoperation gegen Kabul; in über 200 Flügen wurden rund
10 000 sowjetische Soldaten nach Afghanistan transportiert.
Am

�-

Am Abend des 27. Dezembers umzingelte eine besondere sowjetische
Angriffstruppe das Präsidenten-Palais in Kabul;

im Zuge dieser

Operation wurden die den Palast verteidigenden afghanischen Soldaten
angegriffen und überwältigt und Präsident Amin in einem summarischen
Verfahren exekutiert.

Gleichzeitig griffen sowjetische Truppen

afghanische Kräfte an, die Radio Afghanistan und andere wichtige
Einrichtungen bewachten, und gewannen die Kontrolle über diese.

-

Die erste Ankündigung des von den Sowjets betriebenen Staatsstreichs und der Ersetzung Präsident Amins durch den bis dahin im
osteuropäischen Exil lebenden Babrak Karmal erfolgte unter Verwendung von Funkfrequenzen, die den Eindruck erwecken sollten,
es handele sich um Radio Kabul, während die Sender, die diese
Bekanntgaben verbreiteten, in Wirklichkeit vom Territorium der
Sowjetunion gesendet haben.

Wir wissen dies, weil Radio Kabul

seine normale Sendefolge nach den ersten diesbezüglichen Bekanntmachungen noch über eineinhalb Stunden fortgesetzt hat.

Nichts

in den Sendungen von Radio Kabul bestätigte den Inhalt der
sowjetischen Sendungen, die im Namen Afghanistans verbreitet
worden waren.

-

Im Anschluß daran brachten sowjetische Truppen alle wichtigen
zivilen und militärischen Einrichtungen im Gebiet von Kabul in
ihren Besitz und zogen rund um Kabul einen Verteidigungskordon.
Die Streitkräfte Afghanistans wurden entwaffnet.

-

Unmittelbar nach dem Staatsstreich drangen zwei sowjetische
motorisierte Infanteriedevisionen auf den Landwege in Afghanistan
ein, die eine bei Kushka und die andere bei Termez.

Einheiten

der westlichen Division erreichten Herat, wo es Berichten zufolge
zu Kämpfen zwischen sowjetischen und afghanischen Truppen gekommen
ist.

Ein großer Teil der Termez-DiVision ist bis in den Raum

- 3 -

�Raum Kabul vorgedrungen.
-

Die Sowjetunion hat gegenwärtig rund 50 000 Soldaten in Afghanistan
stehen.

Gewisse Hinweise deuten darauf hin, daß weitere sowjetische

Divisionen

in das sowjetisch-afghanische Grenzgebiet einrücken.

Sowjetische Einheiten sind angetreten, um andere Städte von größerer
Bedeutung einzunehmen.
Die Sowjetunion behauptet, die politische Führung Afghanistans hätte
um sowjetische Militärhilfe nachgesucht. Welche Führer?

Es steht außer

Zweifel, daß Präsident Amin noch im Amt war, als die sowjetischen Truppen
den Präsidenten-Palast angriffen, und auch noch, als er exekutiert wurde.
Sollen wir glauben, Präsident Amin habe die sowjetischen Truppen aufgefordert,
nach Afghanistan zu kommen, um seinen Untergang und seine Exekution zu
überwachen?
Oder war es die Führung des Babrak Karmal, des von den Sowjets
ernannten Nachfolgers Amins, eines Mannes, der zum Zeitpunkt des sowjetischen
Eingreifens nicht in Afghanistan weilte, sondern noch in der Sowjetunion?
Das afghanische Volk und Einheiten der afghanischen Armee leisten
der sowjetischen Aggression Widerstand - trotz der überwältigenden militärischen
Überlegenheit der Invasoren.

Die Kämpfe dauern in mehreren Gebieten des

Landes noch immer an.
Die Fakten liegen auf der Hand. Die Sowjetunion hat die Besetzung
Afghanistans über Monate hinweg sorgfältig geplant und vorbereitet, weil
sie mit dem Grad der Unterwürfigkeit der Regierung Amin und unzweifelhaft
mit dessen Vorgehen gegen aufrührerische Moslems in Afghanistan unzufrieden
war, die seit langem schon um ihre Rechte kämpften. Die Sowjetunion
hat dann ihre militärischen Operationen ausgeführt - rasch und brutal.
Sie hat der an der Macht befindlichen afghanischen Führung keinerlei

�keinerlei Alternative geboten.

Sie stürzte die Regierung Amin, die sie

zuvor gestützt hatte, und ersetzte sie durch ein Marionettenregime.
Herr Präsident, die bewaffnete Intervention in Afghanistan und die
Anwesenheit nicht gebetener Besatzungsstreitkrä'fte in diesem Land

stellen

eine nackte und offenkundige Verletzung der wichtigsten Prinzipien des
Völkerrechts und der Charta der Vereinten Nationen dar.

Was sind dies

für Grundsätze?
-

Daß kein Staat Gewalt gegen die territoriale Integrität und
politische Unabhängigkeit eines anderen Staates anwenden darf;

-

daß sich kein Staat mit Gewalt in die inneren Angelegenheiten
eines anderen Staates einmischen darf;

-

daß alle Staaten den Grundsatz der Gleichberechtigung und der
Selbstbestimmung der Völker respektieren müssen;

-

daß die Grundprinzipien der Menschenrechte von allen Regierungen
respektiert werden müssen; und

-

daß die Staaten internationale Streitigkeiten durch friedliche
Mittel beilegen müssen.

Die Behauptung der Sowjetunion, sie handle in Übereinstimmung mit
dem Prinzip der Förderung der kollektiven Selbstverteidigung gemäß Artikel
51 der Charta, stellt eine Pervertierung der Charta dar - eine beleidigende
Geringschätzung der Intelligenz der Mitglieder dieses Rates. Artikel 51
kann nur dann herangezogen werden, "wenn ein bewaffneter Angriff gegen ein
Mitglied der Vereinten Nationen vorliegt." Von woher kam der bewaffnete
Angriff auf Afghanistan? Der einzige bewaffnete Angriff auf Afghanistan,
der erfolgt ist, war der, der durch die Sowjetunion und vom Gebiet der

- 5 -

�der Sowjetunion her unternommen worden ist.
Niemand kann die Behauptung glauben, die Sowjetunion sei von der
afghanischen Regierung ersucht worden, dergestalt in Afghanistan zu intervenieren, wie sie es getan hat, es sei denn,er kann auch glauben, Präsident
Amin habe die Sowjetunion in das Land gerufen, um ihn zu stürzen.

Artikel 51

der Charta bestimmt, daß Maßnahmen, die Mitgliedstaaten in Ausübung ihres
Rechts der Selbstverteidigung ergreifen, "unverzüglich dem Sicherheitsrat
gemeldet werden

und daß sie in keiner Weise die Autorität und Verantwort-

lichkeit des Sicherheitsrates gemäß der vorliegenden Charta berühren, zu
jedem Zeitpunkt solche Maßnahmen zu ergreifen, die er für notwendig erachtet,
den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen."

Daß weder die Sowjetunion noch das

von ihr eingesetzte Marionettenregime in Afghanistan dem Sicherheitsrat
gemäß Artikel 51 Bericht erstattet haben, ist für sich allein schon ein
Beweis für die Durchsichtigkeit der Bemühungen der Sowjets, sich hinter
der Charta zu

verstecken.

Niemand kann auch glauben, daß die Sowjetunion von der afghanischen
Regierung ersucht worden ist, in Afghanistan gemäß dem 1978 geschlossenen
sogenannten Freundschafts- und Kooperationsvertrag zu intervenieren. Die
Invasion Afghanistans durch die Sowjets verletzt die gemäß den Bestimmungen
dieses Vertrags bestehende Verpflichtung der Sowjetunion, Afghanistans
nationale Souveränität zu respektieren und sich jeder Einmischung in dessen
innere Angelegenheiten zu enthalten.
Die Charta der Vereinten Nationen gibt der Sowjetunion so wenig wie
irgend einem anderen Land das Recht, militärische Maßnahmen in einem anderen
Land durchzuführen, oder dessen Regierung zu ersetzen, weil sie mit der
Politik oder dem Vorgehen der bestehenden Regierung derselben nicht einverstanden ist. Tatsache ist, daß die Sowjetunion das Völkerrecht verhöhnt
und den regionalen und den internationalen Frieden und die regionale und

�•

und internationale Stabilität verletzt.

Daß die Sowjetunion dies, mit

kalter Berechnung und im Voraus geplant, in einem Gebiet der Erde getan hat,
das gegenwärtig besonders unter der Instabilität und unter Spannungen leidet,
macht dieses Vorgehen nur umso ungeheuerlicher und verantwortungsloser.
Und daß die Sowjetunion militärische Maßnahmen gegen ein tief religiöses
und heftig auf seine Unabhängigkeit pochendes Volk unternimmt, das für seine
menschlichen und religiösen Rechte kämpft, unterstreicht die Brutalität und
Rechtswidrigkeit ihres Vorgehens.
Demgemäß liegt es an diesem Rat, Maßnahmen gemäß der Charta zu ergreifen, um den Weltfrieden und die Weltsicherheit wiederherzustellen.
Den sowjetischen Machthabern ist eine schreckliche Fehleinschätzung
unterlaufen. Die Auswirkungen der sowjetischen Invasion in Afghanistan
sind gewaltig, wird doch kein Staat mehr vor größeren und mächtigeren Nachbarn
sicher sein, sollte die internationale Gemeinschaft den Eindruck erwecken,
daß sie bereit ist, den Sowjets nachzugeben und sich mit deren bewaffnetem
Eingreifen abzufinden. Dies muß von besonderer Sorge für solche Staaten
sein, deren Territorium in der Nähe der sowjetischen Grenzen liegt.
Es obliegt deshalb diesem Rat und jedem Lande, das an die Herrschaft
des Rechts glaubt und sich der Gewaltanwendung in weltpolitischen Angelegenheiten widersetzt, diesen gefährlichen Bruch des Friedens und der Sicherheit
zu verurteilen.

Es obliegt diesem Rat, das Gewicht der Weltmeinung zur

Geltung zu bringen.
Wir nehmen die Erklärung der Sowjetunion zur Kenntnis, daß sie ihre
Truppen zu einem gewissen Zeitpunkt aus Afghanistan zurückziehen wird.
Wir fordern sie dringend auf, das sogleich zu tun und dem Volk von
Afghanistan zu gestatten, seine eigenen Angelegenheiten selbst zu regeln,
sein eigenes Regierungssystem und seine eigenen nationalen Führer ohne
Druck von außen und ohne jegliche Einmischung selbst zu wählen.

- 7 -

Nur auf

�auf diese Weise läßt sich die ernste Bedrohung des internationalen Friedens
und der internationalen Sicherheit.die von der Sowjetunion hervorgerufen
wurde, verringern und diese höchst gefährliche Herausforderung der Grundprinzipien der Vereinten Nationen beseitigen.
Keinem Land, auch keiner Großmacht, kann es gestattet werden, die
Verantwortung und die vertraglichen und moralischen Verpflichtungen
ungestraft zu ignorieren, die es auf sich nahm, als es Mitglied der
Vereinten Nationen wurde.

Die Vereinigten Staaten fordern deshalb alle

Mitglieder des Rates auf, in Erfüllung ihrer Verpflichtur.oen yemäß der
Charta mit Tatkraft zu handeln.

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER FORDERT VERSCHIEBUNG DER SENATSDEBATTE OBER SALT II
- Schreiben an Senator Byrd -

WASHINGTON - (AD) - In einem Schreiben, das Präsident Carter am 3. Januar
1980 an den Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit im Senat, Senator
Robert Byrd, sandte, wird der Senat ersucht, die Schlußberatung über den SALT IIVertrag zu verschieben.
Das Schreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Senator Byrd,
angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan ersuche ich Sie darum,
die Schlußberatung des SALT II-Vertrags im Senat aufzuschieben.
Der Zweck dieses Ersuchens besteht nicht darin, den Vertrag einer Prüfung
zu entziehen, sondern die Schlußberatung darüber zu verlegen,so daß der Kongreß
und ich als Präsident die sowjetischen Handlungen und Vorhaben zu beurteilen vermögen und wir außerdem unser Hauptaugenmerk auf legislative sowie anderweitige
Maßnahmen legen können, die als Antwort auf diese Krise erforderlich sind.
Wie

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Telex: 08-85432

�Wie Sie wissen, teile ich auch weiterhin Ihre Ansicht, daß der SALT IIVertrag im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten und der
ganzen Welt liegt und daß er vom Senat behandelt werden sollte, sobald diese
dringenderen Themen geprüft worden sind.

•

• Erklärung des Pressesprechers zum Ersuchen Präsident Carters an den Senat In einer Erklärung am gleichen Tag ging der Pressesprecher Präsident
Carters, Jody Powell, auf das Ersuchen des Präsidenten an den Senat ein, die
Schlußberatungen über den SALT II-Vertrag zu verschieben.

Diese Erklärung

hat folgenden Wortlaut:
Nach Konsultation der Senatsführung hat der Präsident den Fraktionsführer
der demokratischen Mehrheit im Senat, Robert Byrd, ersucht, die Schlußberatung
des SALT II-Vertrags im Senat zu verschieben.
Obgleich der Präsident auch weiterhin der Ansicht ist, daß die Ratifizierung des SALT II-Vertrags im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten
Staaten liegt, ist er zu dem Schluß gekommen, daß die sowjetische Invasion in
Afghanistan ,in Mißachtung der Charta der Vereinten Nationen, die Beratung des
SALT II-Vertrags zu diesem Zeitpunkt unangemessen erscheinen läßt.
Der Präsident hat um den Aufschub ersucht, solange er und der Kongreß die
sowjetischen Handlungen und Absichten beurteilen und ihre Aufmerksamkeit auf
legislative und anderweitige Maßnahmen richten, um auf die Krise zu antworten,
die durch die sowjetische Invasion Afghanistans geschaffen wurde.

+ + + + +

- 2 -

�9. Januar 1980

2

DIE NATO: IHRE VERGANGENHEIT UND IHRE ZUKUNFT
- Von Senator Jacob Javits -

Senator Jacob Javits, Republikaner, gilt
als einer der wichtigsten außenpolitischen
und militärischen Experten des amerikanischen Kongresses; er vertritt seit Jahren den Staat New York im Senat und gehört
dessen Außenpolitischem Ausschuß an.

Die tragende Säule der NATO ist seit ihrer Gründung die multilaterale
Zusammenarbeit zum Zweck der gemeinsamen Sicherheit und des wirtschaftlichen
Wohlergehens; die Ziele sind die Sicherheit und die Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus und des Wachstums des Westens.

In den vergangenen Wochen ist deutlich geworden, daß die Lage im Iran
und die sowjetische Invasion in Afghanistan eine der ernsthaftesten Herausforderungen der Einheit des Bündnisses seit seiner Gründung darstellen.

Bisher

war das Bild ermutigend, was die Zusammenarbeit der NATO angesichts solcher
Krisen angeht.

Angesichts der Schwere eben dieser Krisen und anderer Probleme,

vor denen wir in diesem neuen Jahrzehnt stehen werden, scheint es angebracht,

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�angebracht, beim Gedanken an die Zukunft des Bündnisses zugleich auch einen
Blick auf die Vergangenheit der NATO zu werfen.

Trotz periodisch wiederkehrender Schwierigkeiten innerhalb des Bündnisses
und trotz Perioden, da solche Konflikte im Mittelpunkt zu stehen schienen, hat
das Nordatlantische Bündnis dazu beigetragen, im Lauf der letzten 30 Jahre
Europa beispiellosen Frieden und Sicherheit zu bieten.

Wir haben auf jeden Fall

in der modernen industrialisierten Welt ein Maß an wirtschaftlichem Wohlergehen
erreicht, das es bis dahin nicht gab.

Ein großer Teil dieses Erfolgs stellte

sich als Ergebnis amerikanischer Macht ein, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs ihren Zenit erreichte.

Das übrige ergab sich aus einer Lage äußerster

Schwäche eines wirtschaftlich verwüsteten Europas der Nachkriegszeit, das angesichts einer überaus realen sowjetischen Bedrohung seine letzten Kräfte zusammenraffte.

Diese beiden Faktoren zusammen gaben den Vereinigten Staaten nach

dem Zweiten Weltkrieg ihre dominierende internationale Rolle.

Die Notwendigkeit einer äußerst engen amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit war eindeutig, vor allem verglichen mit den sich weit weniger widerstrebenden politischen und wirtschaftlichen Interessen zwischen den europäischen
Staaten selbst sowie zwischen Europa und den Vereinigten Staaten.

Zwar bestan-

den Differenzen, aber sie wurden zugunsten der weit grundlegenderen und dringlicheren Anliegen der Sicherheit und des Wiederaufbaus zurückgedrängt.

Zudem

war die Fähigkeit der Europäer bei diesen Differenzen Druck auf die Vereinigten Staaten auszuüben, aufgrund Europas geschwächter Lage in der Nachkriegszeit
äußerst begrenzt.

Seither waren die Erfolge des Bündnisses eindrucksvoll und dauerhaft.
Die Sicherheit in Europa nahm immer mehr zu.

Und obwohl sich die Vereinigten

Staaten vielleicht öfters - und zu Recht - über das Problem der Verteidigung
der NATO Gedanken machen, da dies der bedeutsamste Punkt ihrer nationalen
Sicherheit ist, so ist es doch am unwahrscheinlichsten, daß hier ein Konflikt
auftreten sollte.

Heute
i

- 2-

�Heute ist ein Krieg in Europa äußerst unwahrscheinlich.

In nicht geringem

Maß liegt der Grund dafür bei dem Beitrag der europäischen Mitglieder der NATO.
Tatsächlich sind sie diejenigen, die den Hauptbeitrag zur Verteidigung des
Bündnisses leisten.

Sowohl Frankreich als auch die Bundesrepublik Deutschland

verfügen über eine Armee von jeweils einer halben Million Soldaten und verfügen über die Kapazität, verhältnismäßig schnell mehr als doppelt so viel Truppen zu mobilisieren.

Großbritannien und die übrigen europäischen NATO-Mitglieder (einschließlich der Mittelmeerstaaten) verfügen zusammen über etwa 1,8 Millionen Soldaten.
Mehr als 75 Prozent der Luftstreitkräfte der NATO, 75 Prozent ihrer Seestreitkräfte und 90 Prozent ihrer Soldaten kommen von den europäischen NATO-Mitgliedern.

Eindeutig verfügt Europa über die Menschen und die Mittel, - wobei es in

beiden Fällen die Sowjetunion übertrifft -, um all das zu tun, was notwendig
ist - sogar ohne die Vereinigten Staaten.

Die europäischen NATO-Mitgliedstaa-

ten haben eine Bevölkerung von über 260 Millionen und ein Bruttosozialprodukt,
das vielleicht doppelt so groß ist wie das der Sowjetunion und das sich auf mehr
als zwei Billionen Dollar beläuft.

Die Tatsache, daß die Europäer selbst

nicht mehr tun, ist - so unangenehm dies häufig für amerikanische Sicherheitsplaner und politisch für die Vereinigten Staaten ist - paradoxerweise eine Bestätigung für das relative Vertrauen, das heutzutage in Europa in. bezug auf
die Sicherheit besteht.

Wenn sich die Europäer sicherer fühlen, weniger be-

droht, so sind sie eher bereit, ihre eigenen nationalen Interessen auch in anderen Bereichen durchzusetzen, wo ihre Interessen mit denjenigen der Vereinigten Staaten kollidieren.

Eine weitere entscheidende Ursache für dieses gewachsene europäische politische

und wirtschaftliche Selbstbewußtsein ist der eindrucksvolle wirtschaft-

liche Wiederaufstieg Europas.

Während Europa am Ende des Zweiten Weltkriegs wirtschaftlich darniederlag, schieben heute der europäische Handel und die europäische Industrie - ganz
zu schweigen von Japan - die amerikanische Industrie in vielen Bereichen ihrer

- 3 -

�ihrer traditionellen wirtschaftlichen Vorherrschaft zur Seite.

Dieses sich

ausweitende Phänomen ist die Folge des umfassenden Wiederaufbaus, den Europa
in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm.

Die Vereinigten Staaten un-

terstützten diesen Prozeß mit einer Politik, die dem wirtschaftlichen Wiederaufbau

Europas Vorrang einräumte - manchmal sogar zu Lasten erheblicher Kosten

für die amerikanische Wirtschaft.

Heute gibt es zwischen den Vereinigten Staa-

ten und ihren Verbündeten einige schwerwiegende wirtschaftliche Meinungsverschiedenheiten und dies teilweise, weil die gemeinsame Anstrengung zur Wiederherstellung der internationalen Wirtschaftsordnung so erfolgreich war.

Jetzt können

nationale Differenzen hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen zwischen den verschiedenen Staaten viel nachdrücklicher verfochten werden, ohne große Angst vor
der Zerstörung des internationalen wirtschaftlichen Rahmens der industrialisierten Welt zu haben.
Während der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas lange beendet ist, müssen
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nunmehr dazu übergehen, unsere
Vorstellung von den wirtschaftlichen Realitäten zu ändern, vor denen wir jetzt
stehen. Natürlich sehe ich, daß wirtschaftliche Differenzen zwischen uns unvermeidlich sind - und wahrscheinlich besonders heutzutage -, aber ihre Folgen
für das internationale Währungssystem müssen sorgfältig abgewogen werden.
Europa muß jetzt zusammen mit den Vereinigten Staaten mehr von der Verantwortung für die Aufrechterhaltung des internationalen Wirtschaftssystems auf seine
Schultern laden. Beim Welthandel, bei der finanziellen und wirtschaftlichen
Hilfe für die Entwicklungsländer können sich die Europäer nicht mehr länger
hinter restriktiven und protektiom'stisehen Politiken verstecken und die Vereinigten Staaten dazu drängen, all die Schritte zu unternehmen, die zur Aufrechterhai tung des Systems international angemessen sind. Aber die Vereinigten Staaten haben nicht mehr die Kapazität - weder wirtschaftlich noch politisch -, um ihr eigenes nationales Interesse zu opfern und dadurch dem internationalen Wirtschaftssystem zu helfen. Die Vereinigten Staaten werden dies
auch weiterhin versuchen, aber eine größere Anstrengung muß von Europa und
Japan kommen.

�Wir müssen erkennen, daß sich das Problem grundlegend geändert hat.
Die internationale Wirtschaftsordnung hat sich in der Nachkriegszeit grundlegend gewandelt.

Die Führungskapazitäten der wichtigsten Industriemächte

sind gewaltig geschrumpft - zu einem großen Teil aufgrund unserer gefährlichen Abhängigkeit von anderen Ländern bei den Rohstoffen, besonders bei
Energie.

Eine Folge dieser gefährlichen Abhängigkeit (und den manchmal

höchst unterschiedlichen Ausmaßen dieser Abhängigkeit der Industriestaaten)
besteht darin, daß die Interessenkonflikte bei Rohstoffragen und -politiken
besonders zwischen den Vereinigten Staaten, unseren europäischen Verbündeten
und Japan heftiger als je zuvor sind.

Die Abhängigkeit Europas vom OPEC-

Öl hat bereits zu Meinungsverschiedenheiten mit den Vereinigten Staaten in
bezug auf die Iran-Politik und die öl kaufe auf den Spot-Märkten geführt.
Solche Streitigkeiten könnten sich durchaus ausweiten.

Und dabei kann die

Energiekrise einzig durch ernsthafte internationale Zusammenarbeit bewältigt
werden, was drastische Einschränkungen bei unserem Energieverbrauch beinhaltet und möglicherweise eine Verringerung unseres Lebensstandards erfordert.

Die langfristige Antwort auf unsere wirtschaftliche Lage scheint klar:
Die industrialisierte Welt muß so rasch wie möglich wieder ein höheres Maß
an Unabhängigkeit von den Rohstoffen und primär natürlich von der Energie,
erzielen.

Völlige Unabhängigkeit bei Energie ist noch viele Jahre entfernt,

aber ein genügend verbessertes Gleichgewicht zwischen ölverbrauchern und
-Produzenten ist wesentlich, damit die Verteilung politischer Macht zwischen
den beiden zu einem vernünftigeren Gleichgewicht zurückfinden kann.

Für die-

se Antwort ist ein echtes Opfer notwendig, eine Einsparung nämlich, zu der
vielleicht durch eine ständige und weitgehende Erhöhung der Verbraucherkosten
bei Energie ermutigt werden kann.

Dies könnte auch zur Ausnutzung existie-

render Energiequellen sowie zur Entdeckung und Entwicklung neuer und alternativer Quellen anregen.

Es würde mich hier in den Vereinigten Staaten nicht

überraschen, eine Verdopplung der realen Verbraucherkosten für Energie gegen
Ende der achtziger Jahre zu erleben.

Dies würde die amerikanischen ölpreise

lediglich auf einen Stand bringen, den viele der Verbündeten bereits erreicht
haben.

Die Herausforderung für das Bündnis besteht darin, diesen Prozeß so

- 5-

�so zu steuern, daß seine widrigen Auswirkungen auf die Ärmsten in unseren
Gesellschaften sowie auf das internationale Wirtschaftssystem abgeschwächt
werden.

Solche Aussichten kündigen natürlich noch weit größere Konflikte

zwischen den nationalen Interessen der Industriestaaten an, denn die innenpolitischen Schritte zur angemessenen Verteilung solcher Opfer werden sicherlich einschneidend sein.
Auch in der politischen Arena müssen wir begreifen, daß wir nicht beiseite stehen können, während die grundlegenden Werte und Voraussetzungen
der westlichen Welt einem gewalttätigen und breitgestreuten Angriff ausgesetzt sind.

Wir müssen einen Strich ziehen.

NATO-Mitglieder müssen lernen, ihre engen Sonderinteressen zurückzustellen, um das System politischer Werte zu verteidigen, auf dem sich das
Bündnis und die westliche Welt gründen.

Wenn wir uns nicht zur Verteidigung

dieser Werte denjenigen entgegenstellen, die sie zerstören möchten, dann wird
uns das Gebäude aus Wirtschaft und Sicherheit, das wir errichtet haben, letztlich wenig nützen.

Solche Einigkeit gibt es nicht ohne Risiko und Opfer,

aber die Herausforderung ist derart, daß wir uns ihr stellen müssen.
•

Wendet man sich erneut dem Problem der Sicherheit zu, so ist die Lektion,
die das Bündnis für die Zukunft erneut lernen muß, alt. Obgleich ich festgestellt habe, daß Europa heute sicherer ist als jemals zuvor in der Nachkriegszeit, so müssen wir uns zugleich daran erinnern, daß diese Sicherheit
nur als das Ergebnis großer Anstrengungen und Opfer über viele Jahre hinweg
erreicht wurde. Aber auch heute müssen wir wachsam bleiben, denn noch immer stehen wir einer Welt und einem Gegner gegenüber, die uns dazu zwingen, unsere Wachsamkeit aufrechtzuerhalten und unsere Anstrengungen und unsere Opfer
fortzusetzen. Obgleich es unwahrscheinlich ist, daß die wachsenden militärischen Potentiale, die gegen die NATO aufgeboten werden, die Sowjets zu
einem Akt kalkulierter militärischer Aggression führen werden, so können
wir doch nicht garantieren, daß sie nicht handeln werden - sei es aus Berechnung, sei es aus Fehleinschätzung. Unsere Sicherheit besteht darin, unsere

�unsere militärischen Kapazitäten beizubehalten, damit die Sowjets sehen, daß
sie keinerlei vernünftige Gewinnchancen aus einem solchen Vorgehen ziehen
können.

Dies ist das Wesen der Abschreckung.

Wir haben keine andere Wahl

als auf der Seite der Klugheit zu bleiben und auch weiterhin durch unsere
Worte und unsere Taten - politisch und haushaltsmäßig - klarzustellen, daß
wir entschlossen sind, jedwede Hoffnung zu zerstören, die die Sowjets hegen
mögen, was den Gewinn politischer oder militärischer Vorteile aus ihrer militärischen Aufrüstung anbelangt.

Dies bedeutet, daß wir uns dazu entschließen,

den Haushalt auf dem notwendigen Stand zu halten sowie die notwendigen Streitkräfte und Waffen zu dislozieren, um auf Änderungen der gegen die NATO aufgestellten militärischen Kapazitäten zu antworten.

Das ist jedoch kein Rezept,

das mit den Sowjets kopflos Waffe gegen Waffe gleichziehen will.

Manches, was

sie im militärischen Bereich tun, erfordert von uns keine Antwort; und wir
müssen von unseren Militärs ein hohes Maß an Kompetenz verlangen, um den Unterschied zu erkennen.

Aber wir müssen letztlich auch von dem Gedanken loskommen,

daß wir überhaupt nichts zu tun brauchen.
In meinen Augen ist dies bedauerlich, denn wir alle würden es besser
haben, wenn wir die Spannungen und das Ausmaß militärischer Ausgaben reduzieren könnten, zu dem solche Spannungen unausweichlich führen.

Ungeachtet

des derzeitigen Zustands der Ost-West-Beziehungen müssen wir deshalb die bestehende Einladung an die Sowjets trotz der tiefgreifenden Differenzen aufrechterhalten, um die Militärausgaben auf beiden Seiten zu begrenzen.

Unsere

Einladung muß sich jedoch auf ernsthafte Verhandlungen beziehen und wir müssen propagandistischen Angeboten widerstehen, die entworfen wurden, um Zwietracht unter dem Bündnis zu säen, oder um bei einem begrenzten Tausch unbedeutende sowjetische Vorteile im Militärbereich zu suchen.

Stattdessen müssen

wir den Sowjets klarmachen, daß sie mit dem Bündnis nur im Rahmen einer ernsthaften Anstrengung für eine allmähliche, beiderseitig nützliche Rüstungsbeschränkung verhandeln können.

Wir sollten keine dramatischen oder raschen Ergebnisse erwarten; dies
zumindest ist eine Lektion, die wir aus SALT II lernen sollten.

- 7 -

Die Beziehung

�Beziehung zwischen Ost und West ist dergestalt, daß es eher Aussichten auf
begrenzte und allmähliche Ergebnisse gibt und daß sogar dieser Weg große Geduld erfordert.

Und selbst dann weiß ich nicht, ob die Sowjets zu einer sol-

chen Anpassung fähig sind.

Aber ich weiß, daß wir keine andere Alternative

haben, als diese Tür deutlich sichtbar für sie offenzuhalten.

Es ist ein

Paradox unserer Zeit, daß eine solche Politik - die Suche nach Abbau der Spannung und Zurückhaltung bei der militärischen Rüstung - nur dann Ergebnisse bringen kann, wenn sie in Einklang mit solidem und vorsichtigem militärischem
Planen und manchmal sogar mit dem Aufrüsten der militärischen Kapazitäten verfolgt wird.

Es wäre selbstzerstörerisch für uns, die Tür zu einer möglichen

Anpassung zuzuschlagen.

Und es ist gleichermaßen selbstzerstörerisch, von den

Sowjets zu erwarten, daß sie mit allem von uns Erwünschten übereinstimmen,
solange sie nicht auch felsenfest davon überzeugt sind, daß es zugleich zu
ihrem Vorteil ist. Sie werden nur dann davon überzeugt sein, wenn sie begreifen, daß das Bündnis alles tun wird, was militärisch, wirtschaftlich und
politisch notwendig ist, um unsere Sicherheit zu gewährleisten, so wie wir
sie definieren und begreifen.

Ansonsten werden die Sowjets nur wenig oder

gar keinen Anreiz haben, eine ernsthafte Anpassung zu verfolgen.

Dies be-

deutet, mehr für die Verteidigung auszugeben als viele NATO-Mitglieder möchten - was aber sicherlich innerhalb unserer wirtschaftlichen Möglichkeiten
bleibt -, und viel weniger als Länder des Bündnisses für die Kriege der Vergangenheit ausgegeben haben.

Das Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO ist ein allmählicher
und, den Umständen entsprechend, maßvoller Schritt. Er dient zweierlei Absichten: Die Verteidigungsposition des Bündnisses zu stärken und zu rationalisieren. Von den Sowjets sollte er als genau das betrachtet werden, was
er ist: Eine Reaktion auf ihre fortgesetzten Anstrengungen, militärische
Vorteile in Europa zu erzielen. Die bescheidene Modernisierung der weitreichenden Kernwaffen in und für Europa (TNF), die von der NATO durchgeführt
wird, sollte ebenfalls nicht falsch interpretiert werden. Was den Haushalt
angeht, so wird sie die Ausgaben für TNF-Waffen über die nächsten zehn Jahre
hinweg nicht wesentlich erhöhen. Stattdessen wird sie größtenteils inner-

�innerhalb des gegenwärtigen Ausgabenniveaus für solche Waffen erfolgen. Obgleich sie in einigen Bereichen, die wir als Antwort auf sowjetische Schritte
als notwendig beurteilen, zu Erhöhungen führen wird, sind sie in unseren gegenwärtigen Plänen bescheidene Erhöhungen, die weit hinter den Anstrengungen
zurückbleiben, mit dem gleichzuziehen, was die Sowjets besitzen und für die
Zukunft planen.

Dies schließt jedoch weitere Schritte nicht aus, sollte es

das Bündnis nicht schaffen, ein Übereinkommen mit der Sowjetunion zu erzielen
- sei es stillschweigend oder ausdrücklich.
Unsere Entscheidungen sind natürlich auch nicht irreversibel. Wir sind
stets bereit, Einhalt zu gebieten, wenn die Sowjets bereit sind, es mit ihren
Abrüstungsvorschlägen ernst zu meinen. Allerdings können wir unser Handeln
nicht endlos wegen vager und propagandistischer Versprechungen hinausschieben.
Um überhaupt noch ernsthafte Aussichten auf Beschränkung durch Verhandlungen
zu haben, müssen wir bereit sein, alles zu tun, was ohne beiderseitige Beschränkung notwendig ist.
Meine Schlußfolgerungen sind einfach: Die Probleme, die wir in den nächsten zehn Jahren zu lösen haben, sind in mancher Hinsicht in ihrer Komplexität
und in ihrem Umfang ohne Beispiel. Unsere Fähigkeiten, diese Probleme zu lösen, haben sich in mancher bedeutenden Hinsicht vermindert. Aber wir haben
keine andere Wahl, als diese Anstrengung zu unternehmen; und indem wir diese
Anstrengung unternehmen, hilft sie uns dabei, uns immer wieder an den grundlegenden Erfolg und an die grundlegende Stärke des Nordatlantischen Bündnisses
zu erinnern.

+ + + + +

- 9-

�9. Januar 1980

2

ENERGIEVERSORGUNG: HERAUSFORDERUNG DER ACHTZIGER JAHRE
Von John Sawhill
Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten

- (AD) - Die gegenwärtige Weltenergiesituation ist prekär.

Im wesent-

lichen zeichnen sich fünf Probleme ab:
1) Ein großer Teil unseres Importöls kommt aus der politisch instabilsten
und veränderungsträchtigsten Region der Welt.
2) Der ölausstoß der OPEC-Nationen (Organisation Erdöl exportierender
Länder) kann sich auf den gegenwärtigen Stand einpendeln oder wird sogar verringert.
3) Der Weltbedarf an öl wird vermutlich weiter zunehmen.
4) Die öl Produktion der nicht der OPEC angehörenden Länder vermag die
Lücke zwischen verstärkter Nachfrage und zurückgehenden Lieferungen nicht zu
schließen.
5) Die

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�5) Die Verteilung von öl verlagert sich von Verkäufen an die multinationalen Mineral öl gesell schatten zu festen OPEC-Preisen auf direkte Verkäufe
eines Staates an einen anderen Staat oder auf dem freien Markt (Spot-Handel)
zu immer höheren Preisen.

*

Die endlosen Probleme im Iran spiegeln die Unbeständigkeit der Länder am
Persischen Golf lebhaft wider.

Dennoch sind die Vereinigten Staaten, wie die

meisten Industrieländer der Welt, in bezug auf den größten Teil ihrer Ölversorgung stark von diesen Ländern abhängig.

Und solange diese Abhängigkeit an-

hält, müssen wir mit periodischen Produktionseinschränkungen, Lieferunterbrechungen und extremem Preisanstieg rechnen.
Wegen der Besorgnisse über politische und soziale Unruhen im Nahen Osten
und wegen des Einflusses der Entscheidungen der Länder dieser Region auf die
Exporte im kommenden Jahr wird es immer wahrscheinlicher, daß die Produktion
der OPEC-Länder unter den gegenwärtigen Stand von 31 Millionen Barrel (1 Faß
öl = 159 Liter) pro Tag absinkt.

Die OPEC-Staaten können selbst unter Beibe-

haltung des z. Zt. geforderten Preises die Produktion um fast 20 Prozent
drosseln und trotzdem den staatlichen Finanzbedarf decken.

Und da viele Pro-

duzenten überzeugt sind, daß öl im Boden einen besseren Schutz gegen Inflation
bietet als hohe Finanzreserven, könnten 1980 aus der OPEC-Produktion durchaus
zwei Millionen Barrel öl pro Tag auf dem Spiele stehen.
Auf der Bedarfsseite ist die Lage nicht weniger entmutigend. Selbst bei
wirtschaftlicher Rezession dürfte der ölbedarf in den Industrieländern um
300 000 bis 500 000 Barrel pro Tag steigen - und der erhöhte Bedarf der Entwicklungsländer wird diese Menge um weitere 100 000 Barrel pro Tag vergrößern.
Schließlich wird in drei bis vier Jahren die Sowjetunion einen wichtigen Faktor im Weltölmarkt darstellen. Denn bis dahin hat sich das Exportland zu
einem Importland gewandelt, das schätzungsweise 400 000 Barrel öl pro Tag
einführt.
Leider

- 2 -

�Leider vermag die Produktionssteigerung der Länder außerhalb des OPECKartells die Lücke nicht zu schließen, öl und Gas aus Mexiko dürften nunmehr
in größeren Mengen in die Vereinigten Staaten gelangen.

Und Kanada, das

wachsenden Optimismus hinsichtlich seiner Erdgasvorkommen erkennen läßt, hat
soeben neue Exporte in die Vereinigten Staaten genehmigt. Aber die ölproduktion Großbritanniens aus der Nordsee wird schon Mitte der achtziger Jahre
ihren Höhepunkt erreichen.

Wenn keine neuen Felder gefunden werden, dürfte

die Produktion um 1984 bereits wieder absinken.

Deshalb ist schon bald damit

zu rechnen, daß England zur Streckung der Vorräte die Produktion drosselt,
um die Zeit der Importabhängigkeit zu verlängern.

Norwegen ist bereits da-

bei, aus sozialpolitischen Gründen Exploration und Erschließung von Ölvorkommen zu kontrollieren.
Der Ernst der Lage wird durch die das Gleichgewicht störenden Veränderungen der Struktur des internationalen ölmarktes weiter verschlimmert. Traditionsgemäß wurde das meiste Rohöl von großen Mineral öl firmen im Rahmen langfristiger Verträge mit den Regierungen der Förderländer angekauft. Den Preis
hatten die OPEC-Länder offiziell festgesetzt. Aber in den letzten Monaten
wurden immer größere Mengen von OPEC-Öl außerhalb dieser traditionellen Kanäle
gehandelt. Als Folge davon wurde, weltweit gesehen, die seit fünf Jahren vertraglich erfaßte ölmenge von 80 Prozent auf 50 - 60 Prozent reduziert, wobei
die Versorgung durch Verkäufe von Spekulanten und Händlern auf dem Spot-Markt
und andere Mengen, welche über die herkömmlichen Kanäle zu höheren als den
offiziellen Preisen verkauft wurden, wenigstens teilweise aufrechterhalten
wurde. Das daraus resultierende Gerangel um öl vom Spot-Markt trieb die Preise immer höher. Daraus ergeben sich sehr ernste Auswirkungen auf die Marktverhältnisse. Bis zu den frühen siebziger Jahren waren die Importfirmen sowohl beim Transport als auch bei der Verteilung des Öls stark engagiert.
Heute verlieren sie immer schneller die Kontrolle über beides. Die Folge ist
ein internatinales Verteilungssystem für Erdöl, das zunehmend politischen Manipulationen unterworfen ist.

Diese

�Diese Verlagerung der Kontroll funktionell für das Lief er- und Verteilungssystem ist zum Teil für die Preiseskalation auf dem Spot-Markt für öl
verantwortlich, zu der es ungeachtet eines hohen Investitionsniveaus und
einer Verlangsamung wirtschaftlicher Aktivitäten kommt.

Auch trägt die

Furcht vor künftigen Produktionskürzungen, die die Käufer veranlaßte, von den
gegenwärtigen Angeboten zur Versorgung gegen mögliche Lieferunterbrechungen,
Gebrauch zu machen, als weiterer Faktor zu Preissteigerungen bei.
Die allgemeinen Aussichten für die ölpreis- und Versorgungssituation
sind also düster - sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für ihre Verbündeten.

Zusätzliche rapide Preissteigerungen würden die ohnehin schon sehr

labile Weltwirtschaft ernstlich schwächen.

Und die Instabilität bei der Ver-

sorgung unterstreicht noch das Grundproblem - und das besteht in der schädlichen Auswirkung der Energie-Abhängigkeit auf die nationale Sicherheit der
USA und ihrer Verbündeten.
•

Unsere erste Reaktion auf die ölabhängigkeit der Vereinigten Staaten muß
in der Verringerung des Ölverbrauchs und der ölimporte vor allem aus unsicheren Lieferquellen bestehen. Wir ermutigen unsere Verbündeten, ähnlich
zu handeln. Auf der Gipfelkonferenz von Tokio und bei den Besprechungen in
der Folgezeit mit den Energieministern der europäischen Länder und Japans
verpflichteten sich die USA und ihre Verbündeten, bis zum Jahr 1985 die Importe
auf ein Niveau von weniger als 25 Millionen Barrel pro Tag zu verringern
- eine Menge, die unter Außerachtlassung eines Zuwachses etwa dem heutigen
Bedarf entspricht. Es ist von großer Bedeutung, dieses Ziel zu erreichen, •
wenn weitere starke und wirtschaftlich verheerende Preissteigerungen vermieden werden sollen.
Der amerikanische Energieminister Charles Duncan und die Energieminister
von 19 weiteren Ländern, die alle das Internationale Energieabkommen unterzeichnet haben, einigten sich bei ihrem Treffen vom 10. Dezember 1979 in Paris
darauf, mit rigorosen Maßnahmen auf die Eindämmung des weltweiten Bedarfs
hinzuwirken.
Was
- 4 -

�Was wir vermeiden wollen, ist eine Situation, in der sich Regierungen
gezwungen sehen, gegen andere Länder in einem verzweifelten Versuch zu operieren, begrenzte Lieferungen zu sogar noch höheren und weiter steigenden
Preisen zu sichern.

Wir müssen die Stärke und Disziplin mobilisieren, die

sich von gemeinsamen Zielsetzungen und Verpflichtungen herleitet.

Wir in

den Vereinigten Staaten verfolgen eine ganze Reihe von politischen Maßnahmen
und Programmen, um die ölimporte unseres Landes zu verringern und den Übergang zu einer stabileren und sichereren Energieversorgung zu bewerkstelligen.
Die dem zugrunde liegende Strategie ist eindeutig:

Bis 1990 muß die Nation

ihre ölimporte auf die Hälfte zurückschrauben.

Um dieses Ziel zu erreichen und den Übergang zu realisieren, haben wir
Programme entwickelt, mit denen sowohl Energie wirksamer genutzt wird als
auch eine vom ül abhängige Gesellschaft auf einen Zustand umschalten kann,
wo von verschiedenen Formen von Primärenergien Gebrauch gemacht wird.

+ + + + +

- 5-

�9. Januar 1980

2

WELTPREISENTWICKLUNGEN BEI NAHRUNGSMITTELN
- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor Von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel

Dr. Schnittker, Präsident der Beraterfirma
für Nahrungsmittel und Landwirtschaft
"Schnittker Associates" in Washington, war
von 1965-69 Staatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium. Dr. Abel, von 1966-68
ebenfalls im US-Landwirtschaftsministerium
tätig, ist Vizepräsident des Unternehmens.

- (AD) - Eine Voraussage für die achtziger Jahre läßt sich mit ziemlicher Sicherheit machen: Die Nahrungsmittelpreise werden steigen, nicht fallen. Es gibt jedoch einige Faktoren, die diese Entwicklung abschwächen. Einer
davon ist das Anlegen von Getreidereserven, eine Politik, mit der die Vereinigten Staaten im Jahr 1977 begannen und die auch in den achtziger Jahren fortgesetzt wird. Sie stellt eine wichtige Barriere gegen starke Preiserhöhungen für
Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt in den Jahren 1980 und 1981 dar - trotz steigenden Pro-Kopf-Verbrauchs und steigender Energiepreise.
Seit

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Seit den schlechten Ernten im Jahr 1971 in einer Anzahl von Ländern und
dem gleichzeitig einsetzenden rapiden Anstieg des Nahrungsmittel Verbrauchs in
vielen Ländern haben die Weltpreise für Nahrungsmittel, auch für Weizen und
Reis, stark angezogen.

Die Tatsache, daß in vielen Ländern die Verbraucher

die höheren Lebensmittelpreise nicht zu spüren bekommen, weil die Wirtschaft
in hohem Maße unter staatlichem Dirigismus steht, steigerte noch diese Eskalation von Nahrungsmittelpreisen auf den Weltmärkten.

Dies gilt für die meisten

zentral gelenkten Planwirtschaften sowie für Marktwirtschaftsländer wie die der
Europäischen Gemeinschaft und für Japan.

In der Europäischen Gemeinschaft gab es beispielsweise Anfang der siebziger
Jahre, als sich die Weltpreise für Getreide und Ölsaaten verdoppelten, keine
Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln, weil sie von den Weltmärkten isoliert
war.

Deshalb verringerte die Europäische Gemeinschaft auch nicht den Verbrauch

in einer Zeit knappen Angebots auf dem Weltmarkt.

Große Teile der Weltbevöl-

kerung hatten bisher wenig direkte Erfahrung mit dem Auf und Ab der Preise für
landwirtschaftliche Produkte, und ihre Verbrauchsgewohnheiten werden von Preisen kaum beeinflußt.

Bei den wichtigsten Nahrungsmitteln erhöhten sich die Weltpreise im Großhandel zwischen 1971 und 1975 um etwa 100 Prozent und blieben dann für einige
Zeit stabil.

Die Preise für Weizen, Reis, Futtergetreide und ölhaltige Pflan-

zenprodukte, die zusammen bis zu zwei Drittel des Weltangebots an Nahrungsmitteln ausmachen und im Welthandel sogar einen noch größeren Anteil haben,
gingen in den Jahren 1976 und 1977, als gute Ernten eingebracht wurden, sogar
merklich zurück.

Als Folge davon lagen die Nahrungsmittel preise auf den Welt-

märkten Ende 1979 nur etwa 20 Prozent höher als 1975.

Die Ernte 1978/79 war die beste, die es je gab, und die Ernte 1979/80,
die jetzt nahezu eingebracht ist, steht dem nicht viel nach.

Die Weltgetreide-

vorräte, die größtenteils in Exportländern wie den USA und Kanada gehalten
werden, haben einen beruhigend hohen Stand und liegen weit über den gefährlich
niedrigen Mengen von 1974 und 1975.

Diese beiden Faktoren im Verein mit der

Tatsache, daß die Weltgetreidepreise durch eine Art Versteigerungsmarkt an- 2 -

�anstatt nach dem kartellähnlichen System der OPEC (Organisation Erdölexportierender Länder) festgesetzt werden, geben die Gewähr, daß in den Jahren 1980
und 1981 die Nahrungsmittelpreise keine willkürliche Steigerung erfahren.

Als Weltgetreideproduktion 1979/80 wird derzeit eine Menge von 1,5 Milliarden Tonnen erwartet.
wurde.

Dies ist die zweitbeste Ernte, die jemals eingebracht

Dennoch liegt sie um 72 Millionen Tonnen unter dem Rekordertrag des

Vorjahres.

Und der Verbrauchsanstieg ist so stark und vollzieht sich so rapide,

daß Mitte 1980 die Weltgetreidevorräte um 45 Millionen Tonnen abgenommen haben werden.

Somit besteht die größte Gefahr für die Nahrungsmittelpreise in schlechten Ernten in den Jahren 1980 und 1981 - zu einem Zeitpunkt, in dem die Hälfte
der Welt mehr pro Kopf verbraucht als je zuvor.
Die rasche Ausweitung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Produkten
in den siebziger Jahren zeigt die wachsende Abhängigkeit von Importen, um in
bestimmten Ländern und Regionen, insbesondere in der Sowjetunion und in Osteuropa, den Getreidebedarf zu decken.

In diesen Ländern wie auch in den In-

dustrieländern, die Getreide importieren, beruht das Ansteigen der Einfuhren
auf dem wachsenden Bedarf der Verbraucher an Fleisch und tierischen Produkten,
der Berücksichtigung dieses Bedarfs seitens der Regierungen und der Unfähigkeit
der betreffenden Länder, dem Bedarf aus der einheimischen Getreideproduktion
gerecht zu werden.

Beweis für die wachsende Bevorzugung von Fleisch ist die

Tatsache, daß der Handel mit. Futtergetreide eine schnellere Ausweitung erfuhr
als der mit Weizen und Reis.

Der Handel mit ölhaltigen Pflanzenprodukten ist

sogar noch rascher als der mit Futtergetreide gewachsen, und der Bedarf an eiweißhaltigen Lebensmitteln erfuhr eine um Vieles raschere Zunahme als der an
Pflanzenfetten.

Auch in den Entwicklungsländern stiegen die Agrarimporte schnell an.
großer Teil dieser Zunahme entfällt auf Weizenimporte.

Ein

Aber die Zunahme an

Futtergetreideeinfuhren war in vielen Entwicklungsländern (z.B. Südkorea, Taiwan,
Mexiko und Nigeria) ganz besonders stark, da steigende Einkommen in diesen
- 3 -

�diesen Ländern die Nachfrage nach Fleisch, Geflügel und Molkereiprodukte,
für deren Erzeugung Futtergetreide notwendig ist, angeheizt haben.
Die jährliche Wachstumsrate bei Futtergetreideimporten für die Tier- und
Geflügelzucht lag in 15 wichtigen Entwicklungsländern in den Jahren 1971/72 und
1977/78 bei 21 Prozent.

Für einige Länder war die jährliche Wachstumsrate für

Importe sogar extrem hoch: Sie betrug 50 Prozent in Tunesien, 47 Prozent in
Mexiko und 38 Prozent in Algerien.

In den letzten Jahren entfielen auf diese

Länder 13 Prozent des gesamten Futtergetreidehandels der Welt.
Im gleichen Zeitraum stiegen die Weizenimporte dieser Länder um nur neun
Prozent jährlich an, wobei die Anteile zwischen einer verschwindend geringen
Wachstumsrate für Taiwan und 25 Prozent für den Irak variieren.

Insgesamt ent-

fielen in den letzten paar Jahren auf die 15 wichtigsten, ihren Entwicklungsstand rasch verbessernden Entwicklungsländer. 20 Prozent des gesamten Weltweizenhandels.
Andere Länder werden sich in dem Maße, in dem ihr Einkommen wächst, zu
immer größeren Märkten für Getreideexporte entwickeln.

Viele früher auf Le-

bensmittelhilfe angewiesene Nationen bieten heute einen bemerkenswerten kommerziellen Absatzmarkt und tragen viel zum Wachstum des Weltverbrauchs an Futtergetreide bei.
Nicht alle Entwicklungsländer sind in der Lage, mit ziemlicher Regelmäßigkeit große Getreidemengen zu importieren, so wie es z.B. Nigeria oder Taiwan
ohne Schwierigkeiten tun. Aber fast alle - die ärmsten ausgenommen - haben
bereits die zunehmende Nachfrage nach tierischen Produkten erkannt; sie sind
bereit, das Getreide einzuführen und es zu bezahlen.
Die Länder mit zentraler Planwirtschaft nehmen einen besonderen Platz
im Weltnahrungsmittel System ein, weil ihre Wirtschaften vom Weltmarkt für landwirtschaftliche Produkte weitgehend isoliert sind.

Als Folge davon kann die

Handlungsweise jener Länder, vor allem die der Sowjetunion, tiefgreifende de-

4 -

�destabilisierende Auswirkungen auf den Welthandel und die Getreidepreise sowie auf die Preise für andere Nahrungsmittel haben.

Beispielsweise kaufte Rußland im Jahr 1972, als die eigene Unterproduktion
in jenem Jahr offenbar wurde, riesige Getreidemengen auf.

Die Sowjets ent-

schieden sich dafür, das Niveau des Inlandsverbrauchs mittels erhöhter Getreideimporte zu halten, anstatt wegen der Rückgänge in der eigenen Produktion den
Gürtel enger zu schnallen, wie sie es früher getan hatten.

Diese unerwartet

großen Aufkäufe in einem Jahr, in dem die Weltproduktion insgesamt niedriger
Lag, leiteten vier Jahre einer angespannten Weltversorgung und hoher Weltpreise
ein, wobei die reichen und die armen Marktwirtschaften den Hauptanteil der Anpassungsbürde zu tragen hatten.

Diese Bürde fiel den ärmeren Entwicklungslän-

dern besonders schwer, die sich hohen Importen und hohen Weltpreisen zu einer
Zeit gegenübersahen, in der sie sich die Kosten kaum leisten konnten.

Kostensteigerungen um 20 bis 35 Prozent für Erdölimporte würden sich zwar
ungünstig auf die Nahrungsmittelmärkte auswirken, brauchen aber nicht zu katastrophalen Konsequenzen zu führen.

Nur wenn es 1980/81 gleichzeitig zu

sehr schlechten Welternten und zu starken Preisanhebungen für OPEC-Öl kommt,
wird sich die Welt einer zweifachen Geißel - nämlich echtem Nahrungsmittelmangel und hohen Preisen - gegenübersehen.

Dazu kann es kommen - jedoch wird

eine solche Situation eher durch unvorhersehbare Wetterbedingungen denn durch
öl Preiserhöhungen hervorgerufen.

Der Umfang der jährlichen Weltgetreideernten

und der Lagerhaltung für Getreide werden die Schlüsselindikatoren für kurzfristige Preisbewegungen bei Nahrungsmitteln bleiben.

Weltweite Entwicklungen auf den Sektoren Ernährung und Landwirtschaft von
1972 bis 1975, insbesondere Ereignisse, die zur Welternährungskonferenz vom
November 1974 führten und die danach zu verzeichnen waren, lenkten die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit einer Vorratshaltung für Getreide.

Solche

Vorräte sind notwendig,

- um Importeuren zu helfen, die Auswirkungen schlechter Ernteergebnisse
auszugleichen;

�- um Exportländern die Möglichkeit zu geben, ihre regulären Abnehmer
voll zu beliefern, auch wenn ihre Ernten den Erwartungen nicht entsprechen;
- um ausreichend Nahrungsmittel für Hilfsprogramme zu gewährleisten,, wenn
ernste Verknappungen an Lebensmitteln und Hunger drohen; und
- um Warenpreise weltweit zu stabilisieren und die Positionen nationaler
Zahlungsbilanzen, insbesondere die der armen Nationen, zu schützen.
Auf der Welternährungskonferenz wurde dringend an alle Länder appelliert,
Nahrungsmittelreserven anzulegen.

Sie drang ferner auf die Schaffung einer

Weltgetreidereserve, die hauptsächlich von den Industrieländern bereitgestellt
und nach internationalen Abmachungen verwaltet werden sollte.
Internationale Gespräche unter den Auspizien der Welternährungskonferenz
und später des Weltweizenrates erwiesen sich als wenig produktiv.

Gute Ernten

in den Jahren 1976 und 1977 in den meisten Ländern lenkten die Aufmerksamkeit
von Nahrungsmittelverknappungen der jüngsten Zeit und von hohen Preisen ab.
Regierungen waren nicht mehr in dem Maße an einer Getreidereserve interessiert
wie zur Zeit des begrenzten Angebots.
Als Folge davon entschlossen sich die Vereinigten Staaten im Jahr 1977
zur Einführung eigener Maßnahmen zur Vorratshaltung von Getreide, wohl wissend,
daß die Angelegenheit zu wichtig war, um für die Dauer komplizierter internationaler Verhandlungen eine Verzögerung zu riskieren. Auch liegt die Getreidevorratshaltung im amerikanischen Interesse selbst, insbesondere im Hinblick auf die gelegentlich eintretende Notwendigkeit, bei dringender Hungersnot im Ausland einzuspringen und die Chancen zur Steigerung kommerzieller Exporte offenzuhalten. Seit 1977 haben die Vereinigten Staaten die Kosten auf
sich genommen, etwa 12 Millionen Tonnen Weizen und 15 - 18 Millionen Tonnen
Futtergetreide als Reserven zu halten und nicht auf den Markt zu bringen, um
sicherzugehen, im Fall einer drohenden ernsten Verknappung irgendwo auf der
Welt Nahrungsmittel für den Export zur Verfügung zu haben.
Der

�Der Mechanismus der amerikanischen Vorratshaltung ist einfach:

Farmer

schließen mit einer staatlichen Behörde Verträge über die Bevorratung von Weizen oder Futtergetreide im eigenen Betrieb für eine Frist bis zu drei Jahren
oder solange, bis Marktpreise als Reaktion auf verringertes Angebot einen wesentlichen Anstieg erfahren haben.

Die Regierung gibt den Farmern Kredite zu

einem günstigen Zinssatz und bezahlt die Kosten der Getreidebevorratung.

Stei-

gen die Preise auf ein zuvor festgesetztes Niveau an, beliefern die Farmer den
Markt mit einem Teil oder der gesamten Menge des Reservegetreides und helfen
so, die Preise zu stabilisieren.

Die amerikanische Regierung plant ferner im

Jahr 1980 die Einrichtung einer Staatsreserve im Umfang von drei bis vier Millionen Tonnen für Notfälle im Ausland.
Andere Länder haben Gelegenheit, sich den amerikanischen Anstrengungen
zur Vorratshaltung anzuschließen, um eigenen Interessen gerecht zu werden oder
bei internationalen Notlagen aktiv zu werden. Kanada und Indien erwiesen sich
als besonders aktiv. Beide Länder verfügen über große Getreidevorräte, die im
Fall von Ernteeinbußen im Jahr 1980 helfen können, die Weltpreise für Nahrungsmittel zu stabilisieren.

- 7 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA rechnen mit fester Haltung Westeuropas zur sowjetischen Invasion in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Marie Koenig -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter: USA werden sich ihrer Verantwortung stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Präsidenten vom 5. Januar 1980 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des Chefdelegierten vor dem Weltsicherheitsrat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA fordern Abzug der Sowjets aus Afghanistan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert Verschiebung der Senatsdebatte über SALT II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben an Senator Byrd -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO: Ihre Vergangenheit und ihre Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Senator Jacob Javits -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Energieversorgung: Herausforderung der achtziger Jahre&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Sawhill&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellvertretender Energieminister der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltpreisentwicklungen bei Nahrungsmitteln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Getreidebevorratung der USA als stabilisierender Faktor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dr. John Schnittker und Dr. Martin Abel&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

INHALT

INFORMATION
George Meany:

Einer der Großen der Gewerkschaftsbewegung

- Leben und Werk des verstorbenen Präsidenten des AFL-CIO

DOKUMENTATION
Präsident Carter verdeutlicht Richtlinien der US-Politik gegenüber
dem Iran und Afghanistan
Fernsehinterview mit US-Sicherheitsberater Brzezinski zu Afghanistan
Pressekonferenz von US-Verteidigungsminister Brown in Peking
- Wortlaut Rede des amerikanischen UN-Botschafters McHenry vor dem Sicherheitsrat am 13. Januar 1980
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Vordringliche Energie-Entscheidungen im US-Kongreß

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Frischfisch wochenlang haltbar gemacht

Um Übcr/cndun9 von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

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Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

GEORGE MEANY:

EINER DER GROSSEN DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG

Leben und Werk des verstorbenen Präsidenten des AFL-CIO

WASHINGTON

- (AD) - Das amerikanische Volk trauert mit den Mitgliedern

der Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten um George Meany, den
Architekten der modernen Arbeiterbewegung in Amerika, der am 10. Januar 1980
im Alter von 85 Jahren verstorben ist.
Präsident Carter feierte Meany in einem Nachruf als "eine amerikanische
Institution" und als Patrioten. "George Meanys bleibendes Denkmal," so
sagte der Präsident, "ist die geeinte freie Gewerkschaftsbewegung, die er
mitbegründen half..., und sein Lebenswerk kommt Millionen von Menschen in
aller Welt zugute - auch vielen, die niemals einer Gewerkschaft angehört
haben."
Meanys Eintreten für eine internationale freie Gewerkschaftsbewegung
wurde auch von Lane Kirkland hervorgehoben, der im November vergangenen Jahres
als sein Nachfolger zum Präsidenten des mit 14 Millionen Mitgliedern
größten amerikanischen Gewerkschaftsverbandes, American Federation of LaborCongress of Industrial Organizations (AFL-CIO) gewählt wurde.

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

"Oberall auf

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

auf der Welt," so erklärte Kirkland anläßlich des Todes von George Meany,
"haben Arbeiter anderer Länder mit seiner Unterstützung, unter seiner Anleitung und dank seiner Inspiration eigene freie demokratische Bewegungen
errichtet."
Meany war der festen Überzeugung, daß die amerikanische Arbeitnehmerschaft trotz aller Erfolge der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten
keinen Grund zur Selbstgefälligkeit habe, solange ihre Kollegen im Ausland
noch unter Unterdrückung zu leiden haben.

Diese Überzeugung ließ ihn zu

einem erklärten Gegner "jeder Art von Tyrannei" werden - gl eichgültig,ob
es sich dabei um ein Herrschaftsstreben von rechts oder links, beziehungsweise von Reaktionären oder Revolutionären handelte.
Im Jahre 1933, wenige Monate nach der Machtergreifung Hitlers in
Deutschland, half Meany mit, einen Boykott gegen die Nazis zu organisieren
und einen Fonds zur Unterstützung von Gewerkschaftsvertretern zu errichten,
die sich dem Nazi-Terror durch die Flucht entzogen hatten. Und nach dem
Krieg war es wiederum Meany, der entschieden für die Gewährung von
Marshallplan-Hilfe an Arbeiter in den befreiten Ländern Westeuropas
eintrat. Meany setzte sich auch für die Gründung des Internationalen
Bundes freier Gewerkschaften (International Confederation of Free Trade
Unions - ICFTU) als Alternative zu dem von Kummunisten beherrschten Weltgewerkschaftsbund (World Federation of Trade Unions - WFTU) ein. Und als
er zu der Überzeugung gelangte, daß der ICFTU die anfangs in ihn gesetzten
Hoffnungen nicht erfüllen könne, war er es, der ein Ausscheiden des
AFL-CIO auch aus diesem Verband befürwortete.
Im Jahre 1960 organisierte der AFL-CIO auf Betreiben Meanys das
Amerikanische Institut zur Entwicklung freier Gewerkschaften (American
Institute of Free Labor Development) als ein Instrument zur Verbreitung
freier Gewerkschaften und eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der
Arbeitnehmer in Mittel- und Südamerika. Darauf folgte sehr rasch die

- 2 -

�die Errichtung des Asiatisch-Amerikanischen Instituts freier Gewerkschaften (Asian-American Free Labor Institute) und des AfrikanischAmerikanischen Gewerkschaftszentrums (African-American Labor Center).
Diese drei Institute führen umfassende Erziehungsprogramme durch, in
deren Rahmen Arbeiter aus Entwicklungsländern auf die Übernahme führender
Positionen in der freien Gewerkschaftsbewegung ihres Heimatlandes vorbereitet werden.

Meany beteiligte sich auch aktiv an der Tätigkeit des

nach ihm benannten George Meany Labor Center

in Sil verspring Maryland,

dem größten Bildungsinstitut der organisierten Arbeitnehmerschaft in
Amerika.
Der Zusammenschluß der American Federation of Labor (AFL) mit dem
Congress of Industrial Organisation (CIO) nach fast 20 jähriger Rivalität
wird generell als Meanys größte Leistung angesehen. Er lehnte es ab, dem
Beispiel mächtiger und einflußreicher Arbeitnehmerorganisationen anderer
Länder folgend den AFL-CIO zum Kern einer politischen Arbeiterpartei
werden zu lassen. Er zog es vor, Reformen der Arbeitswelt über das bestehende amerikanische Zweiparteiensystem durchzusetzen.
William George Meany wurde am 16. August 1984 in New York City als
zweites von zehn Kindern einer streng katholischen Arbeiterfamilie geboren.
Sein Vater Michael Joseph Meany war Vorsitzender des Ortsverbandes der
Installateur-Gewerkschaft und Kommunalpolitiker.

Als die Familienverhältnisse

George Meany zum Verlassen der Oberschule zwangen, ergriff er den Beruf
seines Vaters.

Nach Beendigung einer fünfjährigen Klempner-Lehre erhielt

er 1915 den Gesellenbrief und die volle Gewerkschaftsmitgliedschaft.
Meany nahm einen raschen Aufstieg innerhalb der Gewerkschaften.
Er wurde zunächst zum Vorsitzenden seiner örtlichen Gewerkschaft und
1934 zum Präsidenten der Federation of Labor im Staate New York gewählt.
In den fünf Jahren, die er dieses Amt bekleidete, gelang es ihm gemeinsam
mit anderen hohen Gewerkschaftsfunktionären,die Annahme von 72 Gesetzen zu

-

3 -

�zu erreichen, die Rechte und Beschäftigungsbedingungen der Arbeitnehmer
beträchtlich verbessern halfen.
Im Jahre 1939 brachte ihm sein hohes Ansehen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung die Wahl zum Schatzmeister der AFL ein. Dreizehn Jahre später,
1952, trat er nach dem Tod von William Green dessen Nachfolge als Präsident
der Federation of Labor an. Am 7. Dezember 1955 schließlich wurde er auf
dem Gründungskongreß der Dachgewerkschaft AFL-CIO in New York einstimmig zu
deren ersten Präsidenten gewählt.

Nachdem er seither auf allen folgenden

12 Gewerkschaftskongressen jeweils ohne Gegenstimme in diesem Amt bestätigt
worden war, schlug er am 15. November 1979 die Wiederwahl mit dem Hinweis
auf seinen angegriffenen Gesundheitszustand aus.
Als Gewerkschaftsführer strebte Meany über ein halbes Jahrhundert lang
mit sichtlichem Erfolg eine Ausweitung der Rolle der Gewerkschaften innerhalb der Gesellschaft an.

"Die Tagesordnung und das politische Programm

der Arbeiterbewegung sind die menschlichen Belange," erklärte er in seiner
Abschiedsansprache vor der dreizehnten Zwei Jahresversammlung des AFL-CIO
knapp zwei Monate vor seinem Tod, um fortzufahren:

"Ziel der Gewerk-

schaften ist die Gewährleistung der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit.

Und weil der Mensch fehlbar ist, erfordert die Erreichung dieser

Ziele immer neue Ideen und den Einsatz unserer gesamten Kraft."
Zu den gesetzgeberischen Maßnahmen, die Meany mit Erfolg verfochten hat,
gehören das Bürgerrechtsgesetz von 1964 (Civil Rights Act), das die Rassendiskriminierung in den Anstellungspraktiken der Unternehmen verbot; das Gesetz
über den Unfall- und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz von 1970 (Occupational
Savety and Health Act), durch das eine eigene Behörde zur Gewährleistung
der Gesundheit der arbeitenden Bevölkerung errichtet wurde; der Präsidialerlaß,
der staatlichen Bediensteten das Recht zur Führung von Kollektivverhandlungen
einräumte; die Novellierung bestehender Gesetze im Bereich der Sozialversicherung, der Mindestlöhne, der Gesundheitsfürsorge für ältere Menschen und_

�und des Wahlrechts, um nur einige wenige Hinweise zu geben.
Meany wurde in Würdigung seiner Verdienste um den Frieden und die
Freiheit in aller Welt durch Präsident Eisenhower zweimal in die
amerikanische Delegation bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen
entsandt - eine Ehre, die ihm als ersten amerikanischen Gewerkschaftsführers widerfuhr.

Er besaß die Ehrendoktorwürde einer Reihe amerikanischer

Universitäten und wurde unter anderem mit der Freiheitsmedaille des
Präsidenten ausgezeichnet.
Meany war seit Frühjahr vorigen Jahres wegen einer schweren Arthritis
an den Rollstuhl gefesselt, nachdem er sich bei einem Golfunfall eine Knieverletzung zugezogen hatte. Der Tod seiner Frau Eugenia, mit der er 59
Jahre verheiratet war, im März vorigen Jahres war für ihn, wie seine engsten
Freunde und Mitarbeiter berichten, ein schwerer Schlag. Er hinterließ drei
Töchter und 14 Enkelkinder.

PRÄSIDENT CARTER ZUM TOD VON GEORGE MEANY

Der amerikanische Präsident gab anläßlich des Todes des ehemaligen
Präsidenten des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO folgende
Erklärung ab:
George Meany war eine amerikanische Institution. Er hat kraft der
Stärke seines Charakters und der Integrität seines Glaubens unser Volk
im Großen wie im Kleinen hundertfältig zum besseren hin verändert. Seine

- 5 -

�Seine Stärke - sein Mut, sein praktischer Idealismus, sein Mitgefühl und
sein unerschütterliches Bekenntnis zur Menchenwü'rde und zu den Menschenrechten - war die Stärke der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung.
Allem voran aber war George Meany Patriot.

Er gab seiner Liebe zu

unserem Land dadurch Ausdruck, daß er sich kämpferisch dafür einsetzte,
es zu einem besseren Land zu machen, in dem sich lohnt,zu arbeiten und zu
leben.

Er kam von Baugewerbe her,und er hat in einem langen Leben als eine

führende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens nie aufgehört, zu bauen.
Er hinterläßt Amerika als sein Erbe eine freiere, stärkere und gerechtere
Gesellschaft als die, in die er hineingeboren worden war.
George Meanys bleibendes Denkmal ist die geeinte freie Gewerkschaftsbewegung, die er mitbegründen half und so lange und so hervorragend geführt
hat.

Aber seine Vision von der Rolle der Gewerkschaften war eine umfassende,

und sein Lebenswerk kommt Millionen von Menschen in aller Welt zugute auch vielen, die niemals einer Gewerkschaft angehört haben.

Er war ein

Gegner des Totalitarismus jeglicher Prägung - ein Kämpfer für soziale
Gerechtigkeit im In- und Ausland und ein Freund der Freiheit überall auf
der Welt.
George Meany fungierte als Berater mehrerer Präsidenten und hat niemals
den Kontakt zum kleinen Mann auf der Straße verloren. Wie sieben meiner
Vorgänger genoß auch ich das Privileg, von seinem aufrichtigen Rat profitieren
zu können. Arbeitende Männer und Frauen überall auf der Welt, werden
seinen Tod betrauern. Papst Johannes Paul II hat Meany vor drei Monaten
anläßlich seines Besuchs im Weißen Haus sehr trefflich charakterisiert, als
er dessen beide Hände ergriff und sagte: "Sie leisten gute Arbeit für Ihre
Leute." Wir alle waren wohl alle George Meanys Leute, und die gute Arbeit,
die er geleistet hat, wird uns noch auf lange Zeit hinaus zugute kommen.

+ + + + +

�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
16. Januar 1980

PRÄSIDENT CARTER VERDEUTLICHT RICHTLINIEN DER US-POLITIK GEGENÜBER DEM
IRAN UND AFGHANISTAN

WASHINGTON - (AD) - Vor etwa 80 Mitgliedern des amerikanischen Kongresses
hat Präsident Carter am 8. Januar 1980 die Haltung der amerikanischen Regierung
gegenüber dem Iran und Afghanistan verdeutlicht.
Die wesentlichen Punkte seiner Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend einige Minuten darauf verwenden, Ihnen die beiden grundlegenden und schwerwiegenden Probleme zu erklären, um die wir uns gegenwärtig kümmern - um eines der beiden seit dem 4. November, um das andere
seit dem Weihnachtsabend.

Ich kann mich an keinen Zeitpunkt der Geschichte

erinnern, zumindest nicht der modernen Geschichte, da unser Land in Frieden
lebte und sich dennoch solch große Sorgen machte wie in den letzten beiden
Monaten, seit amerikanische Geiseln am 4. November in unserer eigenen Botschaft
in Teheran gefangengenommen wurden.
Ich brauche nicht auf die Einzelheiten dieses Vorfalls einzugehen, denn
Sie sind damit eng vertraut.

Ich möchte vielmehr die grundlegenden Prinzipien

umreißen, die mich in den letzten beiden Monaten geleitet haben.
werde ich gerne Ihre Fragen beantworten.

Anschließend
r

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es waren keine erfreulichen zwei Monate.
und der Prüfung.

Es war eine Zeit der Anspannung

Es war eine Zeit engster Verhandlungen mit vielen Führungs-

persönlichkeiten des Auslands in dem Versuch, die grundlegenden Zielsetzungen
zu verwirklichen, die wir seit Beginn dieser Konfrontation mit den Terroristen
oder Entführern in Teheran verfolgt haben.
Unser oberstes Gebot ist der Schutz der Interessen unserer Nation gewesen, der übergreifenden, überdauernden Interessen; zweitens, alles in unserer
Macht liegende zu tun, um das Leben und die Sicherheit der amerikanischen Geiseln, unserer 50 Mitbürger, zu gewährleisten; drittens, auf diplomatischem Weg
durch Nutzung aller möglichen Kanäle zu erreichen, daß sie - so Gott will unversehrt befreit werden; viertens, ein Blutvergießen zu vermeiden, das höchstwahrscheinlich zum Tod unserer Geiseln führen würde sowie fünftens - und am
schwierigsten -, die Unterstützung für die amerikanische Lage durch die überwältigende Mehrheit der Länder dieser Erde zu erreichen.

Gerade die letzte

Aufgabe war nicht einfach, denn historisch gesehen stand unser Land in den
Vereinten Nationen und anderen internationalen Foren nie in besonderer Gunst,
denn wir sind mächtig, eine Supermacht, und es gibt zeitweilig Eifersucht,
Empfindlichkeit und Mißtrauen uns gegenüber.
Wie Sie wissen, gab es im Sicherheitsrat vier Abstimmungen. Wir haben
noch keine Niederlage erlitten. Bei der letzten Abstimmung über die Einsetzung einer Frist für Verhängung von Sanktionen und über die Aufforderung an
den Generalsekretär, nach dem Iran zu fliegen, gab es vier Enthaltungen - die
Sowjetunion und ihre Marionette Tschechoslowakei sowie zwei kleine Moslemländer, Bangladesh und Kuweit. Die anderen elf Länder stimmten dafür, den Generalsekretär als eine letzte Anstrengung zur Verhandlung über die Freilassung
der Geiseln nach dem Iran zu entsenden, wobei nach diesem Zeitraum der Sicherheitsrat erneut zusammentreten und Schritte über mögliche Wirtschaftssanktionen
unternehmen sollte.
•

Beim Internationalen Gerichtshof betrug das Abstimmungsergebnis 15 : 0,
also Einstimmigkeit.

Bis dahin also erreichten wir alle die Ziele, die wir
•

- 2 -

�wir uns selbst gesteckt hatten - ausgenommen die Freilassung der Geiseln, und
wir erkunden weiterhin jeden möglichen Weg zu dieser Freilassung.

Der schwierigste Aspekt der iranischen Frage besteht darin, daß es keine
Regierungseinheit gibt, mit der wir kommunizieren oder verhandeln oder bei
der wir eine Klage oder Forderung vorlegen können.

Nach Rückkehr von seiner

Reise in den Iran, berichtete der Generalsekretär ebenfalls von dieser uns
schon bekannten Tatsache, nämlich, daß die mächtigste einzelne politische Einheit im Iran aus den internationalen Terroristen oder Entführern besteht, die
unsere Geiseln festhalten.

Wann immer es hinsichtlich der Geiseln zwischen

Khomeini oder dem Revolutionsrat und den Terroristen zu einer Auseinandersetzung kam, so behielten stets die Terroristen die Oberhand.

Wir wissen nicht,

was in Zukunft geschehen wird, aber ich denke, Sie erkennen wahrscheinlich,
daß diese kleine Gruppe von Leuten,

unter der sich ursprünglich vielleicht

auch einige Studenten befanden - die aber keine Studenten sind und auf die man
auch nicht als Studenten hinweisen sollte - mit dem Festhalten amerikanischer
Geiseln einen großen und bedeutsamen politischen Einfluß im Iran erreicht haben.
Sieverfolgen nicht notwendigerweise als eine ihrer Hauptinteressen die Integrität des Iran als einer Nation oder das Wohlergehen des iranischen Volkes oder
sogar die Sicherheit des Landes, in dem sie leben; und deshalb gibt es keine
legitime Hebelwirkung des politischen Wandels, die auf sie ausgeübt werden
könnte, und es gibt dort kein Gebilde, mit dem man verhandeln könnte.

Sie wissen, daß die Folgen für den Iran ziemlich ernst sein werden, wenn
die Geiseln verletzt oder getötet werden, und ich bin der Meinung, daß lediglich die Anwesenheit einer sehr starken Streitmacht in der Arabischen See sie
bisher davon abgehalten hat, eine Tat zu begehen, die für die übrige Welt noch
verabscheuungswürdiger gewesen wäre.

Dieses Problem dauert an.

Für Sie wie

für mich ist es ein stets gegenwärtiger Gedanke, und ich bin entschlossen, dafür zu sorgen, daß dieses Land keinen Augenblick lang diese Geiseln vergißt
und daß die letzte Geisel dort für mich genauso wichtig ist wie die erste.

Bemerkenswert

�Bemerkenswert ist, wie einig unser Land ist:

ich habe starke Unterstüt-

zung, die ich aufs höchste schätze, und das amerikanische Volk ist überraschend
geduldig gewesen, was, wie Sie wissen, für Amerikaner nicht charakteristisch
ist.

Aber ich glaube, die meisten Menschen, die die Lage geprüft und einen

Blick auf die Landkarte geworfen haben, die gesehen haben, wo sich unsere Botschaft innerhalb Teherans befindet, können erkennen, daß ein Stoßtrupp oder
ein militärischer Schritt zur Befreiung der Geiseln mit ziemlicher Sicherheit
in einem Mißerfolg und auch mit dem Tod der Geiseln enden würde.
Sie werden in kleinen Gruppen festgehalten, zwei oder drei pro Gruppe, mit
schwerbewaffneten Militanten zu ihrer ständigen Überwachung; den Geiseln sind
die ganze Zeit die Hände gefesselt.

Wir werden auch weiterhin festbleiben.

Unser nächster Schritt wird sein, bei den Vereinten Nationen die Verhängung
von Sanktionen gegen den Iran zu erwirken.

Ich kann Ihnen noch nicht sagen,

ob die Verhängung solcher Sanktionen - sollten wir die neun erforderlichen
Stimmen bekommen - eine frühe Freilassung der Geiseln zur Folge haben wird.
Wir beten, daß etwas geschehen möge und daß der Iran schließlich erkennt, daß
er nicht von den Vereinigten Staaten bedroht wird, sondern viel stärker von
der Sowjetunion, die am Weihnachtsabend in Afghanistan einmarschiert ist.
Meiner Meinung nach, die von vielen führenden Persönlichkeiten der Welt
geteilt wird, mit denen ich die Angelegenheit besprochen habe, stellt die
sowjetische Invasion in Afghanistan die größte Bedrohung des Friedens seit
dem Zweiten Weltkrieg dar. Sie bedeutet eine scharfe Eskalation in der aggressiven Geschichte der Sowjetunion. Natürlich waren wir alle schockiert und
verurteilten öffentlich und offiziell die sowjetische Handlungsweise in Ungarn
und dann später, im Jahr 1968, in der Tschechoslowakei. Dies waren zwei Länder, die seit dem Zweiten Weltkrieg im Grunde von der Sowjetunion unterworfen
waren, sie waren keine unabhängigen Staaten, die ihre eigenen Angelegenheiten
kontrollierten. Wie Sie wissen, gab es einen Aufstand, und die Sowjets trampelten diesen Aufstand im Innern dieser beiden Länder brutal nieder.
Hier

�Hier jedoch handelt es sich um einen souveränen Staat, einen bündnisfreien Staat, einen tiefreligiösen Staat - und die Sowjets überfielen ihn
brutal.

Wir und andere führende Politiker in der ganzen Welt wurden durch die
sowjetischen Botschafter und durch direkte Botschaften aus Moskau darüber informiert, daß die Sowjets in dieses Land kamen, um es gegen irgendeine dritte
Macht zu schützen, die Afghanistan bedrohen würde.

Auf die Frage, woher diese

dritte, bedrohende Macht komme, konnten die Sowjets nie eine vernünftige Antwort geben.

Sie gaben an, von der dortigen Regierung darum gebeten worden zu

sein, Afghanistan zu schützen.

Wie Sie wissen, wurde der Staatschef von

Afghanistan, Präsident Amin, der sie angeblich ins Land gebeten hatte, in dem
Augenblick umgebracht, als die Sowjets die Kontrolle über die Hauptstadt
Kabul gewonnen hatten, und auch einige der Mitglieder der Präsidentenfamilie
wurden getötet.

Wir sind die andere Supermacht in der Welt, und es lag in meiner Verantwortung als Repräsentant einer großen Nation, Schritte zu unternehmen, um zu
verhindern, daß die Sowjets bei dieser Invasion ungestraft davonkommen würden.
Die Sowjets sollten die Folgen spüren.

Meinem eigenen Urteil zufolge, war die

Sicherheit unserer Nation unmittelbar bedroht.

Es gibt keinen Zweifel daran,

daß das Eindringen der Sowjets in Afghanistan - falls für sie ohne nachteilige
Folgen - die Versuchung mit sich gebracht hätte, weiter und immer weiter vorzudringen, bis eisfreie Häfen erreicht wären oder bis ein Großteil der Ölversorgung der Welt unter Kontrolle gebracht wäre.

Unmittelbar nach dieser Invasion in Afghanistan sprach ich mit dem Präsidenten von Pakistan und sprach auch mit vielen anderen Staatschefs der Welt
oder sandte ihnen direkte Botschaften.

Die von uns zu unternehmenden Schritte

beschränkten sich auf drei Möglichkeiten.

Eine davon war militräisches Ein-

greifen - was ich als nicht angemessen ansah.

Weder hat unser Land einen sol-

chen Wunsch, noch könnten wir einen solchen militärischen Schritt wirkungsvoll
tun, um die sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan hinauszudrängen.

Es

verblieben mir also die zwei anderen Möglichkeiten, für deren Anwendung ich
- 5-

�ich mich entschied,

Die eine davon sind politische Schritte, die andere

sind wirtschaftliche Schritte.
In politischer Hinsicht schlössen wir uns mit 50 anderen Staaten zusammen,
um beim Sicherheitsrat zwei Anträge zu stellen: einen, um die Sowjetunion wegen der Invasion und der dadurch bedingten Bedrohung des Weltfriedens zu verurteilen; einen zweiten, um die Sowjetunion aufzufordern, ihre Truppen abzuziehen.

Nach Ende der Beratungen kam es zur Abstimmung.

Die einzigen Staa-

ten, die gegen diese beiden Anträge stimmten, waren Ostdeutschland - wiederum
ein sowjetischer Marionettenstaat - und die Sowjets selbst.

Wie Sie wissen,

haben die Ständigen Mitglieder ein Vetorecht, und nunmehr geht es - wie ich
meine, erfolgreich - um den Schritt, diesen Fall vor die Vollversammlung zur
weiteren Verurteilung der Sowjetunion zu bringen.
Es ist schwer zu verstehen, warum die Sowjets diesen Schritt unternahmen.
Ich glaube, sie unterschätzten wahrscheinlich die ungünstige Reaktion rund um
die Welt. Ich habe mit vielen anderen Staatschefs oder Verbündeten und mit
denjenigen gesprochen, welche Staaten vertreten, die als nächste bedroht werden
könnten, und sie alle sind der Meinung, daß wir den richtigen Schritt unternommen haben.
Es geschah nicht aus politischen Gründen.
eine Außenpolitik durchzusetzen.

Es geschah nicht, um irgend-

Es geschah im Interesse unserer nationalen

Sicherheit.
Wir unternahmen wirtschaftliche Schritte, die - wie ich meine - angemessen
und ausgewogen waren. Sie waren sorgfältig überlegt. Wir werden versuchen,
mit diesen Schritten die Sowjetunion in einer Weise zu treffen, die eine möglichst geringe Nebenwirkung auf unser eigenes Land hat, wo die Opfer so gleichmäßig verteilt werden, wie Sie und ich zusammen es nur irgendwie ausdenken
können, und die gleichzeitig die Sowjets die Folgen ihrer Invasion erkennen
läßt.
Wir
- 6 -

�Wir werden den Sowjets nicht mehr gestatten, innerhalb einer 200-MeilenZone der amerikanischen Gewässer zu fischen.

Sie verfügen über eine sehr

große Fischfangflotte mit Fängen in einem Umfang von Hunderttausenden von
Tonnen.

Die Erlaubnis hierzu wird nicht erneuert.

Wir werden auch keine

hochtechnologische Ausrüstung mehr an die Sowjetunion liefern oder irgendeine andere Art Ausrüstung, die für die Sowjetunion im Sicherheitsbereich von
Nutzen sein könnte.

Dies beinhaltet zum Beispiel auch Bohrausrüstungen, die

zur Suche und zur Förderung von Erdöl und Erdgas verwendet werden können.
Wir werden den normalen Handel mit der Sowjetunion stark einschränken, der
für sie von großem Vorteil ist, und natürlich habe ich die Lieferung von Getreide gestoppt, das die Sowjets über jene 8 Millionen Tonnen hinaus bestellt
hatten, zu deren Lieferung unser Land aufgrund eines Fünf-Jahres-Abkommens
verpflichtet ist.

Wir haben Schritte unternommen, um sicherzustellen, daß die Farmer vor
den nachteiligen Folgen dieses Stopps der Getreidelieferungen in einem möglichst hohen Maße geschützt werden.

Es wird ein kostspieliger Antrag sein.

Ich wußte das, als ich den Schritt unternahm, und meine Schätzung, gestützt
auf eine ziemlich sorgfältige, aber doch etwas schnelle Analyse,ist, daß
die Extrakosten in diesem Jahr zum Aufkauf dieses Getreides, zur Änderung des
Preisniveaus von Mais und Weizen sowie zur Begleichung der zusätzlichen Lagerkosten sich auf etwa zwei Milliarden Dollar belaufen werden.
nanzjahr 1980.

Soviel im Fi-

Im Finanzjahr 1981 werden zusätzliche Kosten von ungefähr

800 Millionen Dollar entstehen.

Es ist möglich, daß im Laufe des Jahres und mit zunehmender Erfahrung,
die wir dabei sammeln, die Sowjetunion als den Aufkäufer dieses Getreides zu
ersetzen, weitere 200 oder 300 Millionen Dollar in diesem Jahr ausgegeben werden.

Sollte dies der Fall sein, so würden dadurch die Ausgaben im Haushalts-

jahr 1981 um ungefähr denselben Betrag vermindert.

Demzufolge dürften die

Gesamtausgaben etwa bei 2,8 Milliarden Dollar liegen.

Diese Kosten entfallen

nicht auf die Farmer - ausgenommen in dem Maße, in dem sie Steuerzahler wie
jeder andere Amerikaner sind.

Vielmehr werden diese Kosten von all denjenigen

in diesem Land getragen, die an die Bundesregierung Steuern zahlen.
- 7 -

Wir wer-

�werden auch nicht zulassen, daß dieses Getreide wieder auf den Markt kommt,
so daß dadurch die Agrarpreise sinken...
Ich möchte auf einen letzten Punkt zu sprechen kommen:

es ist für uns

von äußerster Wichtigkeit, zu sehen, daß unsere Verbündeten eng mit uns zusammenarbeiten.
unternahmen.
ten.

Mit einigen von ihnen sprach ich, bevor wir diese Schritte

Alle waren damit einverstanden, daß sie getroffen werden soll-

Wir haben ein Höchstmaß ap praktischer Zusicherung von ihnen dafür er-

halten, daß sie den Verkauf unserer Güter, eingeschlossen Getreide, nicht ersetzen werden.

Die drei wichtigsten Länder für den Getreideexport sind

Argentinien, Kanada und Australien.

Argentinien hat keine angemessene Ge-

treideproduktion, um die Lage einschneidend zu ändern.
Ich habe heute mit Präsident Giscard d'Estaing gesprochen, der Westeuropa repräsentiert.

Dort stehen normalerweise umfangreiche Getreidemengen

zur Verfügung, vor allem Gerste.

Sie werden das Getreide, das wir der Sowjet-

union vorenthalten, nicht ersetzen.
Wir wissen schon jetzt, daß dieser Entzug von Getreide die Sowjetunion
nicht dazu zwingen wird, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Wir wußten dies von Anfang an. Wir glauben nicht,daß wirtschaftlicher Druck oder
sogar eine Verurteilung der Sowjetunion durch die Vereinten Nationen sie zu
einem Rückzug ihrer Truppen veranlassen wird. Aber wir hoffen, daß wir ein
Zeichen gesetzt haben und sie haben wissen lassen, daß sie tatsächlich jetzt
und in Zukunft werden leiden müssen unter dieser ungerechtfertigten Invasion'
eines vormals unabhängigen, blockfreien Landes.
Ich benötige die Unterstützung des amerikanischen Volkes. Ich bin der
Meinung, daß dies eine Angelegenheit des Patriotismus ist, und ich glaube,
daß es auch um den,Schutz!der Sicherheit unseres Landes geht. Ich erwarte,
daß wir vom Kongreß eine positive Antwort erhalten, was ein Mindestmaß an
Gesetzgebung angeht, die zur Durchführung dieser Programme notwendig sein
könnte. Fast alles kann mit Hilfe von Verwaltungsanordnungen durchgeführt werden, die per Gesetzgebung vom Kongreß an den Landwirtschaftsminister und an
- 8 -

�an mich Libertragen wurden...
Wir haben die Absicht, eine langfristige Analyse zu erstellen und einen
Aktionsplan zur Stärkung amerikanischer Interessen sowie der amerikanischen
Präsenz und des Einflusses in diesem Unruhegebiet der Welt, in Südwestasien.
Durch bereits veröffentlichte Presseberichte ist Ihnen einiges davon bekannt,
und wir werden mit Hilfe des Kongresses Schritte zur Stärkung Pakistans unternehmen.

Es ist unser Wunsch, dies durch ein Konsortium von Staaten zu tun.

Dies ist auch der Wunsch Pakistans.
Ich habe heute - und. auch schon" vorher -\mit..Präsident Zia von Pakistan
über dieses Thema gesprochen, und auch andere Länder in der Region, die von
Afghanistan aus durch die Sowjets bedroht werden könnten, sollen wissen, daß
wir und viele andere Länder der Welt uns zu ihrer angemessenen Verteidigungsfähigkeit verpflichten, um die Sowjets von ihrem Expansionismus in diesem Gebiet abzuschrecken.
Aufgrund der Iran-Frage haben wir unsere Seestreitkräfte in der Arabischen
See wesentlich erhöht. Sie werden dort in größerem Umfang als in der Vergangenheit aufrechterhalten werden. Und wie Sie wissen, gab es eine einheitliche
Einstellung der weltweiten öffentlichen Meinung nicht nur hinsichtlich der Verurteilung der iranischen Terroristen, die unsere Geiseln gefangenhalten, sondern auch gegen die Sowjetunion wegen ihrer beispiellosen Invasion Afghanistans
in den letzten Wochen.
Ich habe keinen geschriebenen Text vorliegen, aber dies waren einige der
Punkte, die ich Ihnen beschreiben wollte, und ich meine, es wäre nunmehr gut,
wenn Sie mir Fragen stellen würden...

+ + + + +

- 9 -

�ül

I
I

i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

FERNSEHINTERVIEW MIT US-SICHERHEITSBERATER BRZEZINSKI ZU AFGHANISTAN

WASHINGTON - (AD) - Dr. Zbigniew Brzezinski, der Sicherheitsberater Präsident Carters, nahm am 8. Januar 1980 im Verlauf eines Fernsehinterviews mit
einem Reporter der amerikanischen Fernseh-Gesellschaft CBS zu den Ereignissen
in Afghanistan Stellung.

FRAGE:

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

Dr. Brzezinski, trotz der Forderung Präsident Carters an die Sowjets,

ihre Truppen in Afghanistan zurückzuziehen und trotz unserer wirtschaftlichen
Schritte sieht es so aus, als setzten die Sowjets ihren Truppenaufmarsch in
Afghanistan fort.

Die Sowjets haben die Schritte des Präsidenten sogar "eine

hoffnungslose Schlappe" genannt.
Machen sie uns denn nicht ganz einfach lächerlich, ja, verhöhnen uns sogar?

Und deshalb:

ANTWORT:

Wie wirkungsvoll ist das, was wir getan haben, tatsächlich?

Es gilt festzuhalten, daß die sowjetische Invasion in Afghanistan

ein Akt der Mißachtung festgelegter internationaler Normen war und bleibt.

Die

sowjetischen Führer müssen ihren Entschluß bereits vor dem Einfall in Afghanistan
getroffen haben.

Sie müssen daher offensichtlich damit gerechnet haben, daß eine

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�eine feindselige Reaktion erfolgen würde.

Und nachdem sie sich zum Einmarsch

entschlossen haben, so haben sie offenbar die Absicht, dies durchzustehen.
Wir andererseits haben zwei Zielsetzungen im Sinn.

Die eine, es der

Sowjetunion absolut klarzumachen, daß solche Schritte teuer zu stehen kommen,
daß sie mehr als nur Mißbilligung nach sich ziehen.

Die andere, ein weiter-

gespanntes Netz der Zusammenarbeit in dieser Region zu schaffen, damit es keinerlei Möglichkeiten einer Wiederholung dieses sowjetischen Schrittes gegenüber anderen, ebenso verwundbaren Ländern gibt.
.

. FRAGE: So besteht unsere Politik eigentlich nicht darin, die Truppen
aus Afghanistan hinauszubekommen, sondern darin, künftige Afghanistans zu verhindern.

Ist das richtig?

ANTWORT: Nein, ich würde das etwas anders sehen. Es ist unsere Hoffnung und in gewissem Maß der Sinn unserer Politik, die Sowjetunion aus
Afghanistan hinauszubekommen. Wir sind der Ansicht, daß die internationale
Zusammenarbeit, ja, das amerikanisch-sowjetische Verhältnis gefördert würde,
wenn die Sowjetunion zur Einsicht gelangen würde, daß sie einen sehr schwerwiegenden Irrtum begangen, daß sie Umfang und Intensität der internationalen
Reaktion unterschätzt hat und wenn es sie zum Abzug bewegen sollte. Aber
falls sie dies nicht tut, dann möchten wir, daß sie einen Preis dafür bezahlen muß, und wir möchten dies außerdem klarstellen, damit die anderen Länder
in dieser Region beruhigt sind.

FRAGE: Viele Kritiker des Präsidenten, viele Republikaner, die gegen
ihn in den Wahlkampf ziehen, und selbst Demokraten sagen, daß die von ihm
ergriffenen Maßnahmen uns selbst eigentlich mehr wehtun als sie den Sowjets
wehtun.
•

ANTWORT:

- 2 -

�ANTWORT:

Ich glaube, daß daran nicht viel Wahres ist. Mir kommt das

mehr wie eine Parole vor.

Natürlich steckt darin ein gewisses Maß an Opfer

- aber ein Opfer, das der Präsident sehr sorgfältig und auf alle verteilt.
Und schließlich:

Wenn wir ein Problem haben, auf das wir eine feste Antwort

geben müssen, dann muß auch die Nation bereit sein, ihren Teil des Opfers zu
tragen.

Und das amerikanische Volk ist bereit, ein solches Opfer auf sich zu

nehmen.

Das Volk weiß, daß dies nicht von heute auf morgen erledigt sein

wi rd.

Was die Sowjets angeht, so werden diese Maßnahmen ihren Preis fordern.
Die Sowjetunion hängt in hohem Maß von einer Versorgung mit westlichem Getreide ab, vor allem mit amerikanischem Mais und Getreide.
wird sie nicht mehr haben.

Diesen Zugang

Das bedeutet einen um ungefähr 20 Prozent vermin-

derten sowjetischen Fleischkonsum, denn der größte Teil dieses Getreides
wurde für die Viehzucht verwendet - nicht für den direkten menschlichen Verzehr, sondern zur Steigerung des sowjetischen Viehbestands.

Das bedeutet

einen harten Schlag für die sowjetische Landwirtschaftsplanung.

Die Sowjetunion ist auch im Bereich fortschrittlicher Technologie stark
abhängig, vor allem von den Vereinigten Staaten.
falls verweigert.

Hier wird der Zugang eben-

Und schließlich - wenn ich diesen einen Punkt noch ab-

schließen darf - legt die Sowjetunion großen Wert auf internationalen Status
und Legitimität.

Die Einschränkung von Kontakten, die Auswirkung, die all

dies auf die Beziehungen der Sowjetunion mit der übrigen Welt hat, auf das
sowjetische Ansehen und den Respekt, sollten ebenfalls nicht unterschätzt
werden.

FRAGE:

Können sie die Technologie nicht von woanders bekommen, zum Bei-

spiel von den Franzosen?

ANTWORT:

Einiges davon können sie von woanders bekommen.

Aber in einem

hochkomplizierten Bereich etwas von woanders zu bekommen, bedeutet zunächst

- 3 -

�zunächst einmal erhebliche Verzögerungen, was wiederum bedeutet, daß Pläne
über den Haufen geworfen werden, daß zeitliche Abläufe gestört werden usw.
Zweitens ist in bestimmten Schlü'sselbereichen eine solche Technologie
überhaupt nicht rasch woanders zu bekommen.

FRAGE:

Sind wir dabei, das zu tun, wovon Präsident Carter sagte, wir

würden es nicht tun, nämlich die chinesische Karte auszuspielen?
fragt:

Anders ge-

Verwenden wir unser neues Verhältnis zu China als Hebel gegen die

Sowjets?
ANTWORT:

Wir spielen die China-Karte nicht aus.

Das ist nur so ein

Ausdruck, der in Wirklichkeit nicht allzuviel Bedeutung hat.

Es gibt natür-

lich ein eigenes amerikanisches Interesse an einem starken und stabilen China.
Wir haben ein großes Interesse daran, daß China stark, daß China stabil und
daß China unabhängig ist. Mit einem solchen China können wir zusammenarbeiten.

FRAGE:

Ohne diesen Ausdruck zu benützen:

Ich meine, könnte man nicht

sagen, daß man dieses neue Verhältnis als Hebel gegen die Sowjets benützt?
ANTWORT: Nein. Es handelt sich hier um ein Viertel der Menschheit.
Und wir haben ein sehr großes Interesse an der Freundschaft mit diesem Viertel der Menschheit. Und außerdem haben wir bestimmte strategische Interessen, die sich überschneiden.

FRAGE: Das klingt wie die chinesische Karte. Lassen Sie mich etwas
fragen. In letzter Zeit gab es viele Aktivitäten, besonders natürlich in
der vergangenen Woche. Aber es existiert ein Interview, das der Präsident
einem anderen Sender gab und das überall auftaucht und irgendwie über allem
anderen zu stehen scheint. Das Interview nämlich, in dem der Präsident sagte,

- 4 -

�sagte, die Invasion Afghanistans habe seine Meinung über die Sowjetunion vollständig geändert, und das nun als ein Zeichen der Arglosigkeit des Präsidenten
interpretiert wird.
•

Hat der Präsident plötzlich eine Wandlung durchgemacht?
er während der letzten drei Jahre nicht auf Sie gehört?

Und warum hat

Irgendwie haben Sie

doch gesagt, man sollte den Sowjets nicht trauen?
ANTWORT:

Ich habe während der letzten drei Jahre eng mit dem Präsidenten

zusammengearbeitet.

Und ich kann ohne das geringste Zögern versichern, daß er

eine sehr realistische Einschätzung der Sowjetunion hat.

Heute wie früher!

Eine Einschätzung, die er in greifbare Handlungen umsetzte - im Gegensatz zu
den Vorgängern der letzten acht Jahre.
hat.

Er ist derjenige, der die NATO gestärkt

Er ist derjenige, der den ständigen Eingreifverband aufgestellt hat. Er

ist derjenige, der die Entscheidung für die MX-Rakete getroffen hat.
derjenige, der den Verteidigungshaushalt erhöht hat.
vor die Sowjets getreten ist und sagte:

Er ist

Er ist derjenige, der

"Laßt uns umfassender zusammenarbei-

ten, laßt uns stärkere Rüstungsbegrenzungen durchführen - oder wir werden mit
euch in einen Wettstreit eintreten, in einen nachdrücklichen Wettstreit."

Als er von diesem Vorfall sprach, bezog er sich auf etwas ganz Spezielles.
Als höchst moralische Person war er tief betroffen über die Art, in der die
Sowjets ihre eigene Klientel behandelten.

Die Sowjets griffen ein, um eine

befreundete Regierung zu beschützen und gingen dann in einer Weise vor, die
den Tod eben dieser Regierung zur Folge hatte.

FRAGE:

Ich habe wirklich nicht erwartet, daß Sie sagen würden, der Prä-

sident sei naiv gewesen.

Die Zeit wird knapp.

Ich muß Sie noch über die

Themen Vereinte Nationen und Iran fragen.

Generalsekretär Waldheim sagt, daß die Sanktionen, die wir beabsichtigen,
in keinster Weise dazu beitragen werden, die Befreiung der Geiseln zu er-

- 5 -

�erreichen.

Trotzdem drängen wir noch immer darauf.

ANTWORT:

Ist dies richtig?

Wir sind der Meinung, daß wir die gesamte Bandbreite von Mög-

lichkeiten oder Optionen verfolgen müssen, die uns unter bestehenden internationalen Normen offenstehen.

Und Sanktionen sind eine davon.

aufgefordert, die Geiseln freizulassen.

Die internationale Gemeinschaft hat

ihr Mißfallen dem Iran gegenüber zum Ausdruck gebracht.
nützt.

Wir haben sie

Nichts davon hat ge-

Der nächste Schritt sind Sanktionen, denn wir müssen alle friedlichen

Mittel ausschöpfen.

FRAGE:

Sogar, obwohl Waldheim sagt, seiner Meinung nach würden sie nichts

nützen?
ANTWORT:

Er sagte dies nicht kategorisch, er hat Bedenken bezüglich der

unmittelbaren Wirksamkeit.

Aber es gibt keine Alternative, kein anderes Mittel

innerhalb des Rahmens bestehender internationaler Normen.

+ + + + +

�16. Januar 1980

3

PRESSEKONFERENZ VON US-VERTEIDIGUNGSMINISTER BROWN IN PEKING
- Wortlaut -

PEKING - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
erklärte zum Abschluß seines viertägigen Besuches in Peking am 9. Januar 1980
auf einer Pressekonferenz, es gebe immer mehr Gebiete, auf denen die Vereinigten Staaten und China "gemeinsame strategische Zielsetzungen" haben.

Brown

betonte, die Freundschaft zwischen Amerika und China sei gegen kein anderes
Land gerichtet, sondern diene vielmehr dem Frieden und der Stabilität in der
Welt.
Die Pressekonferenz des amerikanischen Verteidigungsministers, die er
mit einer kurzen Erklärung einleitete, hat folgenden Wortlaut:
Wir haben unsere viertägigen Gespräche mit der Führung der Volksrepublik
China soeben abgeschlossen, und ehe ich nach Wuhan und Shanghai weiterreise,möchte ich Ihnen kurz etwas von meinen Eindrücken während der bisherigen Reise mitteilen. Zu den Gesprächen gehörten nicht nur meine Zusammenkünfte, sondern
auch Besprechungen in einem bisher einmaligen weiten Rahmen zwischen Mitgliedern meiner Delegation und Vertretern Chinas.
Einige

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�Einige Mitglieder meiner Delegation sind hier mit anwesend,und ich werde all die eigentlich schwierigen Fragen an sie weitergeben.
Die Gespräche, die ich mit Präsident Hua, seinem Stellvertreter Deng
und den Vizepräsidenten Geng Biao und Xu Xiangqian, dem Außenminister Huan Hua
und anderen chinesischen Regierungsvertretern hatte, dauerten insgesamt über
17 Stunden.

Meine Mitarbeiter, darunter Botschafter Seignious, die Unterstaats-

sekretäre Komer, McGiffert und Dinneen sowie Unterstaatssekretär Holbrooke
und andere Mitglieder der Delegation haben seit unserer Ankunft nahezu ständig
mit den chinesischen Partnern konferiert.

Ich bin vor allem darüber sehr er-

freut, daß George Seignious und der stellvertretende Außenminister Zang Wenjin
zu dem ersten bisher zwischen unseren beiden Ländern geführten offiziellen Gesprächi zusammenkamen, das sich mit Fragen der Rüstungskontrolle und mit der
Tatsache befaßte, daß China zum erstenmal im Abrüstungsausschuß in Genf im
kommenden Monat dabei sein wird.
Wir haben in den vergangenen Tagen ein großes Terrain durchmessen. Vieles
davon war für beide Seiten neues Terrain, zumindest war es neu, soweit es sich
um das Miteinanderverhandeln handelte. Unsere beiden militärischen Behörden
hatten bislang noch keinen Nutzen aus den direkten persönlichen Kontakten
auf den höchsten Ebenen ziehen können, die auf anderen Gebieten der chinesischamerikanischen Beziehungen in den letzten Jahren bestanden hatten.
Viele der hier geführten Gespräche schaffen die Grundlage für künftige
Beziehungen, aber vor allem in einer Frage, so glaube ich, hat diese Reise
ihren praktischen Wert und die Bedeutung der neuen Beziehung zu China erwiesen, die seit der Normalisierung unseres Verhältnisses besteht, und das war
unser Gespräch über Afghanistan. Ich werde Präsident Carter berichten können,
daß ich ein wachsendes Zusammengehen der Auffassungen zwischen unseren beiden
Regierungen über die unerhörte und brutale Invasion Afghanistans durch die
Sowjetunion habe feststellen können.

Im

�Im vorigen Jahr sprach Vizepräsident Mondale während einer Pressekonferenz
in diesem Raum zu Ihnen über die Schaffung einer Basis für unsere Beziehungen
mit der Volksrepublik China in den achtziger Jahren - eine Beziehung, in der
wir nicht nur unsere bilateralen gemeinsamen Aktionen und Projekte vertiefen
und erweitern würden, sondern auch offen und produktiv über Gebiete zu sprechen
beginnen würden, wo wir gemeinsame strategische Ziele haben.

Es gibt eine

wachsende Zahl solcher Gebiete und keines ist von größerer Dringlichkeit als
das Gebiet Südasien, über das wir viele Stunden gesprochen haben.

Ich kann

mit Gewißheit sagen, daß unsere Erörterungen unser gegenseitiges Verständnis
für die Lage in diesem Gebiet und für Mittel und Wege, mit denen wir in Richtung auf unsere

gemeinsamen Ziele zusammenwirken können, gestärkt haben.

Ich werde jetzt gerne einige Fragen beantworten.

FRAGE:

Sir, können Sie uns sagen, ob während dieser Reise ein konkretes

Abkommen erreicht wurde, das mit der Situation in Afghanistan oder irgendwelchen Entwicklungen, die sich aus ihr ergeben könnten, zu tun hat?

ANTWORT:

Die Konsultationen betrafen die Reaktionen jeder der beiden Sei-

ten auf die Situation.

Wir finden, daß wir in unseren Auffassungen sehr eng

parallel laufen über die Notwendigkeit, andere Nationen in dieser Region zu
stärken,und daß jede Seite von sich aus die geeigneten Schritte zu diesem Zwecke
unternehmen wird.

Ich glaube nicht, daß es angebracht wäre, ins einzelne über

jeden dieser Schritte zu gehen, die von jeder Seite zur Zeit unternommen werden.

FRAGE:

Können Sie als Ergebnis ihrer Unterredungen sagen, daß entweder

die eine oder die andere Seite ihre Politik oder ihre Einstellung zu diesen
Gebieten modifiziert hat, in denen sie übereinstimmende Auffassungen als ein
Ergebnis der Position der anderen Seite haben?

Gibt es irgendeine Anpassung

der Politik oder Einstellung?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ich möchte sagen, daß jede Seite die von der anderen zum Aus-

druck gebrachte Auffassung aufgenommen hat.

Ich glaube»wir haben von den

Chinesen etwas Wertvolles über die Haltung und Einstellung verschiedener Länder in dieser Region gelernt, mit denen sie enge Verbindungen haben,und ich
glaube, sie haben nun eine bessere Vorstellung davon, was wir für durchführbar halten bei der Festigung der Sicherheit in Südasien.

Wiederum glaube ich,

daß ich hierzu nicht spezifischer werden kann. Es gibt einige spezifische
Fakten und spezifische Einstellungen, die wir kenngelernt haben, und ich meine,
daß meine Auffassungen sich etwas abgewandelt haben, ich weiß das.

Die Er-

eignisse werden es zeigen.
.

FRAGE:

Deng Xiaping sagte, ich meine es gab da einen Bericht, nach dem

es schien, daß er die Vereinigten Staaten drängte, etwas Handfesteres zu tun
als das, worüber wir bisher gesprochen haben.

Hat er handfeste Vorschläge

gemacht, was die Vereinigten Staaten in bezug auf Kambodscha und Vietnam tun
sollten, oder hat er vorgeschlagen, daß China dort die handfesten Maßnahmen
treffen werde?
ANTWORT: Was Südostasien anbetrifft, so haben auch hier die Volksrepublik
China und die Vereinigten Staaten parallele Ansichten. Wir beide betrachten
die vietnamesische Invasion Kambodschas mit all der daraus resultierenden Brutalität, mit den vielen Hunderttausenden von Toten, wir betrachten diese vietnamesische Aggression und Invasion, die von der Sowjetunion unterstützt wird,
als eine zentrale Tatsache, die Aufmerksamkeit finden muß.
Wir haben eine ganze Menge getan, was die Aufforderung^ an andere angeht
- denn wir haben selbst keine Beziehungen zu Vietnam - Vietnam wirtschaftliche
Strafen aufzuerlegen, und das ist getan worden. Wir haben humanitäre Hilfe
geleistet. Wir haben die thailändische Regierung im Sinne der Hilfe, der Lieferung von militärischem Gerät, unterstützt. Wir haben Munition im Wert von
zehn Millionen Dollar umsonst übergeben. Wir haben eine ganze Menge in Form
zusätzlicher militärischer Lieferungen gebilligt, um damit Thailand zu helfen,

- 4 -

�helfen, sich selbst gegen die Gefahr, die Möglichkeit, daß der Krieg in Südostasien sich ausbreiten könnte, zu schützen.

Wir haben uns zusammen mit den ASEAN-Staaten bemüht, diplomatischen
Druck gegen Vietnam anzuwenden.
ist, Druck auf Vietnam ausgeübt.
doch recht handfest.

Die Chinesen haben ebenfalls, wie ja bekannt
Und ich halte das, was wir getan haben, für

Es ist dies ein Gebiet, in bezug auf das beide Seiten,

wie ich sage, hinsichtlich der zentralen Tatsache übereinstimmen.

Unsere An-

sichten mögen vielleicht über bestimmte individuelle Aspekte der Situation
etwas auseinandergehen.

FRAGE:

Als der britische Verteidigungsminister 1978 die 6. Panzerdivision

besuchte, sagte er, daß China und Großbritannien einen gemeinsamen Feind in
Moskau hätten.

Können Sie jetzt das gleiche in bezug auf die Vereinigten Staa-

ten und China sagen?

ANTWORT:

Die Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und China

ist nicht gegen irgendein anderes Land gerichtet.
fen, den Frieden zu sichern und die Stabilität

Ihr Ziel ist es, mitzuhel-

in der ganzen Welt zu fördern,

in verschiedenen Teilen der Welt, die bedroht sind durch eine Verbindung innerer Instabilität und in einigen Fällen dem Expansionismus einiger Nachbarn.
Wie gesagt, unsere Freundschaft richtet sich gegen niemand, sie zielt darauf
ab, etwas zu erhalten, nämlich den Frieden.

FRAGE:

Sind Sie denn überhaupt auf die Frage einer möglichen Belieferung

Chinas mit amerikanischen Waffen oder mit amerikanischer Waffentechnik oder
irgendeiner anderen Art von Technologie zu sprechen gekommen?

Ich weiß, daß

es in den abgegebenen Erklärungen heißt, sie hätten die Grundlage für einen
technologischen Austausch geschaffen, aber wie steht es mit der Gesamtfrage
des Waffenverkaufs an China?

Ich weiß, welches unsere derzeitige Politik ist,

aber wie ist das nun im einzelnen?
ANTWORT:
- 5-

�ANTWORT:

Es bleibt weiterhin unsere - die amerikanische Politik -,

daß wir keinerlei Pläne haben, Waffen an die Volksrepublik China zu verkaufen,
und das Thema des Verkaufs von Waffensystemen oder von Waffen ist in der Tat
auch nicht zur Sprache gekommen.

Die Frage des Technologie-Transfers ist auf-

gekommen und sehr ausführlich erörtert worden.

Ich glaube, daß auf dem Ge-

biet des Technologie-Transfers ein realer Fortschritt erzielt wurde.

Wir ha-

ben deutlich gemacht, daß wir auf der Basis einer Entscheidung von Fall zu
Fall bereit sind, den Transfer von Technologie in die Volksrepublik China in
Erwägung zu ziehen.

Das schließt beispielsweise auch Technologie für den zi-

vilen Bedarf ein, die unter Umständen einen potentiellen militärischen Anwendungsbereich haben kann, weil auf gewissen Stufen fundamentaler Technologie
diese sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke genutzt werden kann.
So haben wir beispielsweise die Landsat-D-Technologie

(Satelliten-Tech-

nologie) für die Volksrepublik China verfügbar gemacht unter Kautelen, die
gewährleisten, daß sie nicht unmittelbar für militärische Zwecke verwendbar
ist, aber sicherlich wird das, was sie im Umgang mit dieser Technologie lernen, das Niveau ihrer Technologie verbessern und daher potentiell auch ihre
möglichen militärisch-technologischen Fortschritte.
Wir sind gewillt, auch anderen technologischen Transfer in Erwägung zu
ziehen, und was Landsat-D betrifft, so ist das natürlich etwas, was wir in
die Sowjetunion nicht transferieren würden. Wie gesagt, es gab darüber ausgedehnte Diskussionen. Ich glaube, wir werden nunmehr in einer weitaus besseren Position sein, um zu verstehen, welches die chinesischen Interessen hinsichtlich der Technologie sind, einschließlich einer Technologie für eine mögliche doppelte Anwendung,und wir werden bereit sein, solche in Erwägung zu
ziehen.

FRAGE:

Herr Minister, beabsichtigen Sie bei der Durchführung dieses

Transfers neuer Technologien an die Chinesen dieses im Rahmen der COCOM-Organisation zu tun (COCOM ist der Koordinierungsausschuß bestehend aus den Mitgliedern der NATO und Japan, der die Verkäufe technisch hochentwickelter Er- 6 -

�Erzeugnisse an kommunistische Länder überprüft) oder werden Sie diese Organisation übergehen?
ANTWORT: Nein, gewiß ist es unsere Absicht mit COCOM zusammenzuwirken,
und wir glauben, daß das, was wir beabsichtigen,im Rahmen von COCOM durchgeführt werden kann. Es ist klar, daß wir die gesamte Frage des TechnologieTransfers erneut zu überprüfen haben, weil, wie Sie ja wissen, wir als Teil
unserer Reaktion auf die sowjetischen Aktionen in Afghanistan den TechnologieTransfer an die Sowjetunion überprüfen und wahrscheinlich sehr viel restriktiver in dieser Hinsicht sein werden. Nun, das ist aber kein Grund, restriktiver in bezug auf die Volksrepublik China zu sein.

FRAGE: Wann kommt der Vositzende Hua nach den Vereinigten Staaten? Und
wann kommt der Stellvertretende Ministerpräsident Geng nach Amerika? Warum
kommt er anstatt Ihres direkten Gegenparts, deis Stellvertretenden Ministerpräsidenten Xu?
ANTWORT: Was den Besuch des Vorsitzenden Hua anbetrifft, so wird über
das Datum gesprochen, und ich meine, wir sollten warten, bis dieses Datum festgelegt ist, bevor wir eine Ankündigung machen.
Das gleiche gilt für den Besuch des Stellvertretenden Vorsitzenden Geng,
der Verantwortungen auf militärischem Gebiet trägt, die ihn zu meinem aktivsten
Gegenpart machen. Auch hier wird noch über das Datum gesprochen, und dieses
wird danach abgesprochen werden müssen, wie es den beteiligten Personen paßt
und sich mit deren Terminplan vereinbaren läßt.

FRAGE:

Besteht eine Möglichkeit, daß Schiffe der Siebten Flotte in naher

Zukunft Flottenbesuche in chinesischen Häfen machen, und besteht im Rahmen
Ihrer Besprechungen über einen Austausch eine Möglichkeit, daß chinesische Soldaten in der einen oder anderen Form durch die Vereinigten Staaten ausgebildet
WÜrden?

ANTWORT:

�ANTWORT:
zur Sprache.
kommen.

Keines dieser beiden Themen kam während unserer Besprechungen
Wie Sie wissen, war das erste Thema schon früher einmal aufge-

Bei den jetzigen Gesprächen ist die Frage von Flottenbesuchen nicht

aufgetaucht.

Wir haben keine Pläne für die Ausbildung chinesischer Soldaten

im eigentlichen Sinne.

Ich rechne mit einem weitergefaßten Austausch auf pro-

fessioneller Ebene unter höheren Dienstgraden, die eine Lehrtätigkeit über
militärische Themen, vielleicht während eines längeren Aufenthaltes im anderen
Lande, ausüben könnten. Mehr kann ich mir eigentlich kaum vorstellen.

FRAGE:

Herr Minister, ich möchte Ihnen zwei Fragen stellen.

Erstens,

welches strategische Motiv hat die Sowjets nach Ihrer Meinung bewogen, in
Afghanistan einzumarschieren?

Zweitens, welche Auswirkungen werden die Er-

eignisse in Afghanistan auf die amerikanische Außenpolitik haben?
ANTWORT: Bezüglich der strategischen Motive der Sowjets bei der Invasion
Afghanistans kann man nur Spekulationen anstellen, aber einige Faktoren liegen
auf der Hand. Es gab und es gibt in Afghanistan einen sehr starken Aufstand
von Elementen, die sich der Unabhängigkeit und dem Islam verschrieben haben.
Die Regierung, die Regierung Amin, bei der es sich um eine pro-sowjetische
Regierung in Afghanistan handelte, hatte einen recht begrenzten Erfolg bei
der Unterdrückung dieses Aufstandes.
Die Sowjets müssen sich Sorgen über die Möglichkeit gemacht haben, daß
der Aufstand Erfolg haben könnte und sie in einem angrenzenden Lande einem
unabhängigen islamn'schen Regime gegenüber gestanden wären. Und man kann sich
vorstellen, daß sie sich Sorgen machten, daß diese Gefühle über die Grenzen
hinweg auf die islamischen Minderheiten in der Sowjetunion übergreifen würden.
Offensichtlich hielten sie Amin weder für tüchtig genug noch für unterwürfig
genug und sind daher zu dem Schluß gekommen, daß es dienlicher wäre, in
Afghanistan einzumarschieren, ihn umzubringen und jemand anders an seine Stelle
zu setzen.
Das

�Das ist eine der Motivationen, und ich weiß nicht, welches Gewicht ich
ihr beimessen soll.

Aber über diese spezielle Motivation hinaus, die man

als die Vermeidung negativer Ergebnisse durch die Sowjetunion bezeichnen könnte, gibt es, wie ich es sehe, auch Motive der Schaffung von Chancen.

Wenn die Sowjets Afghanistan, wie sie es gegenwärtig tun oder zu tun
versuchen, aus einem historischen Pufferstaat - pro-sowjetisch, aber doch noch
immer etwas unabhängig - in einen Marionettenstaat verwandeln, der von mindestens 50 000 und künftig auch noch viel mehr sowjetischen Soldaten besetzt
ist, dann könnten sie durchaus davon ausgehen, sich selbst neue Chancen und
für die übrige Welt große Risiken und potentielle Gefahren zu schaffen.

Eine erfolgreiche Besetzung und Sowjetisierung Afghanistans stellt eine
große potentielle Bedrohung Pakistans und des Iran dar.

Sie eröffnen die Mög-

lichkeiten, durch Druck auf Pakistan, vielleicht durch Aufstände von Minderheiten, die über die Grenzen hinweg bis nach Afghanistan hinein leben, einen Zugang zum Persischen

Golf zu finden - ein Streben, das sie seit langem - bis

zurück in die Zarenzeit - bewegt hat.

Wenn diese Bestrebungen erfüllt würden,

dann würde das die Versorgungslinien im Indischen Ozean sowohl nach Japan als
auch nach Europa von den ülfeldern des Mittleren Ostens bedrohen.

Darüber hinaus stellt die Sowjetisierung Afghanistans auch eine schwere
Bedrohung des Iran dar, der natürlich nicht nur ein großer öl Produzent ist,
sondern auch ein wichtiger Schlüssel zum Persischen Golf.

Es handelt sich in

der Tat um eine ernste Bedrohung des Iran, und wir können nur hoffen, daß sich
die iranischen Behörden darüber im klaren sind, daß es sich um eine große Bedrohung der iranischen Unabhängigkeit und des islamischen Nationalismus im
Iran handelt.

Die Möglichkeiten, die sich den Sowjets in Pakistan und im Iran

bieten, stellen nach meiner Meinung eine große Versuchung für sie dar, und
ich glaube, auch das hat bei der Entscheidung über den Einmarsch in Afghanistan
eine Rolle gespielt.

FRAGE:

- 9-

�FRAGE:

Auf welchen Gebieten haben wir noch keine Übereinstimmung mit

der Volksrepublik China?
ANTWORT:

Sie erinnern sich vielleicht aus manchen Dingen, die sie (die

Chinesen) gesagt haben, daß sie beispielsweise über unsere Waffenlieferungen
an die Taiwanesen nicht einer Meinung mit uns sind.
melle Einwände

Sie haben weiterhin for-

oder Besorgnisse wegen der Präsenz amerikanischer Truppen in

der Republik Korea.

Und ich glaube, sie würden hier diplomatisch anders vor-

gehen als wir, und es gibt vielleicht noch einige andere Gebiete.
das nicht bagatellisieren.

Ich möchte

Ich bin jedoch der Ansicht, daß unsere Gespräche

während der letzten Tage es uns ermöglicht haben, den Standpunkt des anderen
in diesen Dingen jeweils besser zu verstehen, und das wird meiner Überzeugung
nach zu einer Einengung der Meinungsverschiedenheiten führen.

FRAGE:

Könnten Sie sagen, welche dieser Differenzen Sie während Ihres

Aufenthaltes besprochen haben?
ANTWORT:

Diese Differenzen wurden nicht notwendigerweise von mir ange-

sprochen, einige wurden, und andere wurden von meinen Gesprächspartnern angesprochen.

Und ich glaube, wir führten einen sehr nützlichen Meinungsaustausch.

Ich danke Ihnen.

+ + + + +

10 -

�a
i a

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

REDE DES AMERIKANISCHEN UN-BOTSCHAFTERS MCHENRY VOR DEM SICHERHEITSRAT
AM 13. JANUAR 1980
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei
den Vereinten Nationen, Donald F. McHenry, ging im Verlauf der Sitzung des
Sicherheitsrats, die sich mit der Resolution zur Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Iran beschäftigte, am 13.Januar 1980 auf die Haltung
der amerikanischen Regierung ein. Die Sowjetunion hat am Abend des gleichen
Tages durch ihr Veto einen Beschluß des Rates vereitelt, mit wirtschaftlichen
Sanktionen auf die Freilassung der 50 amerikanischen Geiseln in Teheran hinzuwirken.
Die Rede des Botschafters hat folgenden Wortlaut:
Zum dritten Mal innerhalb der letzten sechs Wochen trifft sich dieser
Rat, um eine gefährliche Verletzung des Prinzips diplomatischer Unverletzlichkeit zu beraten, ein Akt, der - nach den Worten des Generalsekretärs - eine
ernste Bedrohung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit darstellt.
Nach

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�Nach 70 Tagen werden die 50 Angehörigen der amerikanischen Botschaft,
die von einem gesetzlosen Mob in Teheran als Geiseln gefangengenommen wurden,
noch immer festgehalten.

Noch immer haben wir keine Erklärung der iranischen

Behörden, die sich gegen diese Gefangennahme ausspricht.
Die wenigen Besucher von außen, die die Geiseln kurzfristig im Verlauf
sorgfältig arrangierter Besuche gesehen haben, berichten, daß die Geiseln
isoliert sind, seelisch mißhandelt werden und unzureichende Nahrung
- trotz anderslautender Versicherungen.

erhalten

Einige erlitten die Demütigung er-

zwungener Teilnahme an Propagandasendungen.

Neutralen Beobachtern wird es

nicht gestattet, sie regelmäßig zu besuchen, ihren Zustand zu beurteilen oder
sich ihren Anliegen zu widmen.

Sogar der Generalsekretär der Vereinten Na-

tionen, der Abgesandte der Völkergemeinschaft, wurde davon abgehalten, die
Geiseln zu sehen.
Die vergangenen zwei Monate waren gekennzeichnet von den wiederholten
Forderungen nach Freilassung der Geiseln durch nahezu alle Mitglieder der
internationalen Gemeinschaft. Der Generalsekretär und viele Mitglieder dieser
Organisation haben unermüdliche Anstrengungen darauf verwandt, eine friedliche
Lösung der gegenwärtigen Krise herbeizuführen. Die breite internationale Unterstützung, die wir bei unseren Anstrengungen zur Sicherstellung der Befreiung
der Geiseln erhalten haben, hat das amerikanische Volk in dieser schwierigen
und mühevollen Zeit ermutigt. In seinem Namen danke ich all denjenigen, die
so hart gearbeitet haben.
Es könnte von Nutzen sein, sich der maßvollen Schritte zu erinnern, die
uns in die jetzige Lage gebracht haben.
Bei zwei verschiedenen Gelegenheiten im November appellierte der Präsident des Sicherheitsrates an den Iran, die Geiseln freizulassen und brachte
damit den Willen der Mitglieder des Rats zum Ausdruck.
Aber die Geiseln wurden nicht freigelassen.
Am
- 2 -

�Am 4. Dezember vorigen Jahres appellierte dieser Rat einstimmig an die
Regierung des Iran, das Personal der amerikanischen Botschaft, das in Teheran
festgehalten wurde, sofort freizulassen, ihm Schutz zu gewähren und ihm zu
erlauben, den Iran zu verlassen.
Noch immer wurden die Geiseln nicht freigelassen.
Am 15. Dezember gab der Internationale Gerichtshof als der Welt höchstes
Tribunal für internationale Rechtsangelegenheiten der in der Resolution des
Rates niedergelegten Haltung seine Billigung. Der Gerichtshof stellte fest,
daß "es keine grundlegendere Voraussetzung für die Aufrechterhaltung der Beziehungen zwischen Staaten gibt als die Unverletzlichkeit diplomatischer Gesandter und Botschaften". Der Gerichtshof wies die Regierung des Iran an, die
Geiseln sofort zu entlassen und die Botschaft der Vereinigten Staaten in Teheran
wieder den amerikanischen Behörden zu übergeben.
Noch immer wurden die Geiseln nicht freigelassen.
Am 31. Dezember nahm dieser Rat ohne Gegenstimmen die Resolution 461 an,
in der er die fortgesetzte Gefangenhaltung der Geiseln als im Widerspruch zum
Beschluß des Internationalen Gerichtshofes und zu seiner eigenen vorhergehenden Resolution beklagte und erneut die Regierung des Iran dringend dazu aufrief, alle als Geiseln festgehaltenen amerikanischen Staatsbürger sofort freizulassen. In dieser Resolution entschloß sich der Rat dazu, gemäß Artikel 39
und 41 der Charta der Vereinten Nationen angemessene Maßnahmen zu ergreifen,
falls der Iran sich seinen Anordnungen nicht fügen sollte.
Und noch immer werden die Geiseln nicht freigelassen.
Fünfmal hat die Völkergemeinschaft durch Schritte der ordnungsgemäß
konstituierten Organe der Vereinten Nationen die Regierung und das Volk des
Iran dazu aufgerufen, sich den Bestimmungen des Völkerrechts zu fügen und die
Geiseln freizulassen.

Fünfmal stieß unser gemeinsamer Antrag auf taube Ohren.

- 3 -

�Ohren.

Der Internationale Gerichtshof und der Spruch der Weltmeinung haben

den Iran aufgefordert, die Geiseln im Einklang mit den anerkannten Normen
internationalen Verhaltens und seinen Vertragsverpflichtungen freizulassen.
Dennoch hält der Iran auch weiterhin diplomatisches Personal als Teil einer
Kampagne des Terrorismus und der politischen Erpressung durch iranische Elemente gefangen, die die Unterstützung der iranischen Behörden genießen.
Die Resolution 461 stellt eine Entscheidung des Sicherheitsrates dar, die
gemäß Artikel VII der Satzung getroffen wurde.

Die rechtlich bindenden Worte

dieser Resolution, einschließlich des Ratsbeschlusses, gemäß Artikel 39 und
41 der Satzung im Falle der Nichtbefolgung der Resolution wirksame Maßnahmen
zu ergreifen, behalten weiterhin ihre volle Gültigkeit.

Gemäß Artikel 25 und

Artikel 2, Absatz 2, sind alle Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichtet,
diese Entscheidung anzunehmen und ihre Weisung auszuführen.
Eindeutig hat der Iran dieser Resolution nicht Folge geleistet und die
Geiseln nicht befreit. Daher ist die Zeit für den Sicherheitsrat gekommen,
die wirksamen Maßnahmen gegen den Iran gemäß Artikel 39 und 41 der Satzung
der Vereinten Nationen zu ergreifen, die durch Absatz 6 der Resolution 461 gefordert werden.
Herr Präsident, die Mitglieder des Rates haben vor sich die Maßnahmen
liegen, die meine Regierung vorschlägt. Sicherlich sollten sie nicht leichtfertig ergriffen werden. Aber nach zwei Monaten der Zurückhaltung seitens des
amerikanischen Volkes und der Völkergemeinschaft, in denen wir alle erdenklichen Wege für eine Lösung abgeschritten sind, ist es uns nicht gelungen, die
Freilassung der Geiseln zu erreichen und die Herrschaft des Völkerrechts wiederherzustellen.
Unsere Beratungen an diesem Wochenende zeigen beispielhaft die Geduld
und den guten Glauben, mit denen wir diese Krise zu lösen versucht haben.
Ursprünglich war vorgesehen, daß der Rat über diese Maßnahmen am vorigen Freitag, dem 11. Januar, abstimmt. Im Verlauf der Stunden vor diesem Treffen verleiteten mehrere Vorschläge und Berichte von Stimmen, die vorgaben, für den
- 4 -

�den Iran zu sprechen, einige Leute dazu, zu glauben, ein Fortschritt in Richtung auf eine Freilassung der Geiseln sei möglich.

Sie glaubten, eine wei-

tere Klärung der Haltung des Iran sei notwendig, bevor zur Abstimmung über die
Sanktionen geschritten werde.

Zögernd stimmten die Vereinigten Staaten zu, die Abstimmung zu verschieben - nicht weil wir irgendeinen Beweis für eine Bewegung auf eine Lösung hin
sahen, sondern weil wir bereit waren - und dies sind -, jeden Vorschlag zu
prüfen, der irgendeine realistische Möglichkeit der Sicherstellung der Freilassung der Geiseln beinhaltet.

Daraufhin sandte der Generalsekretär eine drin-

gende Botschaft nach Teheran, die Klärung des nicht schriftlich festgelegten
Vorschlags suchte, von dem einige angeblich Freitag nachmittag gehört hatten.

Gestern nacht erhielt der Generalsekretär einen Brief, aber der Brief beantwortete nicht die Botschaft des Generalsekretärs.

Der Brief erwähnt nicht

die Existenz der Geiseln und erkennt nicht die Sorge und die Verantwortung der
Welt für sie an.

Sogar die Belesensten unter uns hatten Mühe, einen Hinweis

in dem Brief zu finden, der eine verantwortungsbewußte Regierung dazu hätte
ermutigen können, die Abstimmung über die Sanktionen noch länger zu verschieben.

Alles, was man über diesen Brief sagen kann ist, daß der Iran zum erstenmal seit letzten November, als Herr Banisadr als Außenminister zurücktrat,
eine schriftliche Botschaft an die Vereinten Nationen geschickt hat.

Trotz-

dem hat der Iran sich nunmehr ausdrücklich geweigert, sich an irgendeine Erklärung zu halten, mit der er nicht übereinstimmt, einschließlich natürlich
die Forderung nach sofortiger Freilassung der Geiseln, wie sie in der Resolution 461 enthalten ist.

Wir haben die Abstimmung vom Freitag verschoben, um jede noch mögliche
Hoffnung auszuschöpfen, die in den Vorschlägen vom Freitag und in diesem
Brief enthalten sein mochte.

Es wäre verantwortungslos gewesen, weiterzu-

gehen, ohne dies getan zu haben.

Aber unsere Anstrengungen um eine Klärung

sind zu einem fruchtlosen Ende gekommen.

Es wäre von uns noch weit verant-

wortungsloser, die Erfüllung unserer Verpflichtungen gemäß der Resolution
- 5-

�Resolution 461 und der Charta noch länger hinauszuschieben.

Eindeutig ist

die Zeit gekommen, wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen.
Als Außenminister Vance am 29. Dezember 1979 vor diesem Rat sprach,
sagte er, daß "der Iran die Folgen seiner mutwilligen Handlungen tragen muß,
so lange er gleichgültig gegenüber den Stimmen der Vernunft und des Mitleids
von Überall in der Welt bleibt, so lange er sich weigert, die allgemeinen Regeln des internationalen Verhaltens anzuerkennen."

Die von uns vorgeschla-

genen Sanktionen dienen dazu, zu zeigen, daß die fortgesetzte Herausforderung
des Völkerrechts durch den Iran mit seiner zunehmenden Isolierung von der
Völkergemeinschaft enden wird.
Obwohl die vorgeschlagenen Sanktionen ein sinnvoller und deutlicher
Ausdruck der Verurteilung durch die Welt darstellen, sind sie noch eine gemäßigte Antwort auf die iranische Unmäßigkeit.

Weniger strikte Maßnahmen als

die in der Resolution, welche dem Rat vorliegt, vorgeschlagenen zu ergreifen
wäre gleichbedeutend damit, überhaupt keine Maßnahmen zu ergreifen.

Und

überhaupt keine Maßnahmen zu ergreifen, würde sowohl die bindende Anweisung
von Absatz 6 der Resolution 461 verletzten als auch einen Verstoß gegen unsere Verpflichtung darstellen, nach friedlichen Lösungen internationaler
Streitigkeiten zu suchen und die grundlegenden Prinzipien des Völkerrechts
verteidigen.
Einige haben darauf gedrängt, wir sollten keine Sanktionen verfolgen,
da sie nicht zur unmittelbaren Freilassung der Geisel^ führen und sogar die
iranische Unnachgiebigkeit verhärten könnten.
Wir hoffen, daß Sanktionen die Stimmen derjenigen.im Iran stärken werden,
die argumentieren, daß es falsch ist, Diplomaten als Geiseln festzuhalten
und eine zunehmende Isolierung des Iran von der internationalen Völkergemeinschaft zur Folge haben wird.
Ein

�Ein Scheitern der Schritte dieses Rates wird diejenigen im Iran in
ihrem Glauben bestärken, die glauben, daß sie ungestraft so handeln können.

Andere haben darauf gedrängt, der Rat solle die Frage der Sanktionen
zur Seite legen, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die sowjetische Aggression
in Afghanistan zu lenken.

Aber die sowjetische Aggression verringert nicht unsere Bedenken hinsichtlich der Lage im Iran.

Ganz im Gegenteil:

Sie sollte die Sorgen des

Iran um seine Zukunft als unabhängiger Staat vergrößern.

Sie sollte die

Iraner rasch zu der Erkenntnis bringen, daß sie ihr Land rasch wiederaufbauen und sich darauf vorbereiten müssen, ihre Grenzen zu verteidigen.

Sie soll-

te den Iran der Gefahr bewußt werden lassen, die seine Isolierung von der
übrigen Völkergemeinschaft darstellt.
Mit Beginn der Sanktionen liegt der Schlüssel zur Beendigung dieser
Krise und die Wiederherstellung seines Status als vollbeteiligtem Mitglied
der internationalen Gemeinschaft beim Iran.

Er muß lediglich die Geiseln

freilassen und ihnen sicheres Geleit geben, bis sie nach Hause reisen - und
die Sanktionen hören automatisch auf.

Der Iran kann die Auferlegung von

Sanktionen sogar völlig vermeiden, indem er die Geiseln freiläßt, bevor die
Mitglieder der Vereinten Nationen den Prozeß zum Ergreifen der notwendigen
Schritte gemäß ihrer Verfassungen und Rechte zur Auferlegung von Sanktionen
abgeschlossen haben.

Nichts wird das Recht des Iran beeinträchtigen, Genug-

tuung für seine Klagen vor einem angemessenen internationalen Forum zu suchen
- gleichgültig, ob gegen die Vereinigten Staaten oder seinen früheren Herrscher.

Ich erinnere den Rat daran, daß dies kein bilateraler Streit ist, sondern eine Konfrontation zwischen dem Iran und der gesamten internationalen
Gemeinschaft.

Die fortgesetzte Verletzung anerkannter und bislang weltweit

eingehaltener Prinzipien des Völkerrechts stehen auf dem Spiel.

Wie der ver-

diente Delegierte Nigerias, der im Verlauf früherer Debatten in diesem Rat
so fähig gedient hat, vorigen Monat sagte, sind diplomatische Immunität und

- 7-

�und Unverletztlichkeit in einem so großen Maß Teil des Völkerrechts und der
internationalen Gepflogenheiten, daß alle Staaten, die auf das Recht vertrauen und es respektieren, eine Verpflichtung haben, sie zu verteidigen.
Die Mitglieder dieses Rates müssen jetzt tun, was getan werden kann,
um - mit den Worten von Außenminister Vance - "zu zeigen, daß die Herrschaft
des Rechts eine Bedeutung hat und daß unsere Maschinerie des Friedens praktische Relevanz hat."
Wir müssen tun, was wir gemäß der Satzung tun können, um diese überaus
ernste Bedrohung des Friedens und der Weltordnung zu entschärfen.

Das ist

das Ziel und der Zweck des gemeinsamen Sicherheitssystems.
Wir müssen dem Iran zeigen, daß die Welt entschlossen ist, die Geiseln
befreit zu haben.

+ + + + +

�3

16. Januar 1980

VORDRINGLICHE ENERGIE-ENTSCHEIDUNGEN IM US-KONGRESS

WASHINGTON - (AD) - Mit Beginn der zweiten Hälfte der 96. Sitzungsperiode
des amerikanischen Kongresses Ende Januar 1980 dürften drei Gesetzesvorlagen
der Regierung mit Vorrang behandelt werden, die die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischem öl verringern sollen.

Zur Debatte stehen in dem

gemeinsamen Vermittlungsausschuß von Senat und Repräsentantenhaus die Vorschläge Präsident Carters über 1) die steuerliche Behandlung der Situationsgewinne
("Windfall Profits") der amerikanischen Mineral öl firmen aufgrund des stufenweisen Abbaues der Preiskontrollen für einheimisches Rohöl, 2) eine Ermächtigung für die beschleunigte Entwicklung synthetischer Brennstoffe und 3) die
Schaffung eines Energie-Mobilisierungsgremiums, das für die raschestmögliche
Durchführung vorrangiger amerikanischer Energieprojekte verantwortlich sein
wird.

Im Vermittlungsausschuß wurden zwar vor Beginn der Weihnachtsferien am
21. Dezember bereits wichtige Fortschritte erzielt, doch müssen noch wesentliche Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt werden, ehe die Vorlagen vom Kongreß
gebilligt und dem Präsidenten zugeleitet werden können.

Uneinigkeit besteht

z.B. noch in der Frage, wie die geschätzten Mehreinkünfte der Regierung in Höhe
von 227 Milliarden Dollar durch Abschöpfung von "Windfall Profits" in den

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�den nächsten zehn Jahren zu verteilen seien - eine Entscheidung, die die
amerikanische Energiepolitik in den achtziger Jahren erheblich beeinflussen
wird.

Präsident Carter hatte ursprünglich gefordert, mit den Geldern For-

schungs- und Entwicklungsprojekte für Ersatzenergien zu fördern, Massenverkehrssysteme zu verbessern und sozial schwache Bevölkerungskreise, die von
den steigenden Energiepreisen am härtesten betroffen werden, finanziell zu
unterstützen.

In dem vom Vermittlungsausschuß gefundenen Kompromiß zwischen

den im letzten Halbjahr vom Repräsentantenhaus (geschätztes Sonder-Steueraufkommen in zehn Jahren: 277 Milliarden Dollar) und Senat (178 Milliarden
Dollar) genehmigten Gesetzesvorlagen ist die Verteilungsfrage noch nicht geklärt.

Man einigte sich nur darauf, daß ungefähr der Mittelwert zwischen

beiden Summen bis 1990 dem Staat zufließen sollte.

Zusammen mit bereits be-

stehenden einzelstaatlichen und Bundessteuern hätte die Mineralölindustrie in
zehn Jahren ca. 79 Prozent von schätzungsweise 1 Billion Dollar abzugeben,
die amerikanische Verbraucher in den achtziger Jahren an höheren Energiepreisen infolge des Endes der Preiskontrollen für einheimisches Rohöl voraussichtlich zu zahlen hätten.
Der Hauptunterschied in der Betrachtungsweise von Senat und Repräsentantenhaus bezüglich der "Windfall Profits" besteht in der Behandlung neuentdeckter
Ölvorkommen. Während der Senat bei diesen nur zehn Prozent des Situationsgewinns abschöpfen will, sieht das Repräsentantenhaus eine Steuer von 50 Prozent vor. Kleinproduzenten außerhalb der Großkonzerne sollen nach Auffassung
des Senats überdies von der Sonderabgabe weitgehend ausgenommen werden; das
Repräsentantenhaus dagegen billigt ihnen keine Vorzugsbehandlung zu.
Ein weiterer noch strittiger Punkt ist die Frist für die Beendigung der
Übergewinnsteuer. Während der Senat diese bei Erreichen einer Gesamtsumme von
214 Milliarden Dollar auslaufen lassen möchte, wobei der Zeitpunkt von der
weltweiten jährlichen Preissteigerung für Erdöl abhängen würde, verlangt das
Repräsentantenhaus, die Sondersteuer bei neuentdeckten Vorkommen mit dem Jahr
1990 zu beenden und sie für die Ausbeutung von vor 1979 aufgefundenen Vorkommen solange weiterzuerheben, bis diese Quellen versiegt sind. Außerdem sieht
die vom Senat genehmigte Gesetzesfassung für Geschäftsleute und Konsumenten

�Konsumenten eine Anzahl von Steuerermäßigungen in Energiefragen vor, die Fassung des Repräsentantenhauses dagegen nicht.

Die Mitglieder des Vermittlungsausschusses erzielten außerdem im Dezember
1979 vorläufige Übereinstimmung für einen Kompromiß in der Planung zur Entwicklung synthetischer Brennstoffe aus Kohle, Ölschiefer, Teersanden, Schweröl und anderen Quellen.

Demnach würden in der ersten Programmphase bis zu 20

Milliarden Dollar bewilligt, wobei bis 1987 das Produktionsziel mindestens
500 000 Barrel pro Tag an synthetischen Brennstoffen und 1992 mindestens 2 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) betragen soll.
Der Kompromißplan sieht die Schaffung einer unabhängigen Gesellschaft vor,
die zahlreiche finanzielle Anreize offerieren darf, um Privatfirmen für die
Herstellung synthetischer Brennstoffe zu gewinnen - u.a. Preisgarantien, Abnahmevereinbarungen, Kreditgarantien, Direktkredite und Kooperationsabmachungen.
Die Frage der regierungseigenen Betriebe wurde von den Mitgliedern des Vermittlungsausschusses bisher ebensowenig angesprochen wie die der Finanzierung von
Energieeinsparungsmaßnahmen,Sonnenenergie, Gasohol (Mischkraftstoff aus Benzin
und 10 - 15 Prozent Alkohol), geothermischer Energie, Holzverwertung und Windenergieprojekten.

Die Erörterungen über die Schaffung eines dreiköpfigen Energiemobilisierungsgremiums, das für die beschleunigte Durchführung des Baues von Pipelines,
Raffinerien, Produktionsstätten für synthetische Brennstoffe und andere wichtige Projekte verantwortlich wäre, sind noch nicht abgeschlossen.

Das Gremium

wäre ermächtigt, Prioritäten für Projekte festzusetzen, die als besonders bedeutsam zur Verringerung der amerikanischen ölimporte gelten, und anstelle von
Bundes-, Einzel Staats- und Kommunalbehörden aktiv zu werden, sofern diese die Termine
für die Beschlußfassung im Zusammenhang mit derartigen Projekten nicht einhalten.
Die Regierungsbehörden sind den Gesetzesvorlagen zufolge gehalten, die Verfahrensabwicklung zu straffen, Anhörungen aufeinander abzustimmen und für ein
bestimmtes Energieprojekt jeweils nur einmal die Feststellung der Umweltbelastung vorzunehmen.
+ + + + +
- 3 -

�I

Wi//en/chcift
und Technik
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Januar 1980

FRISCHFISCH WOCHENLANG HALTBAR GEMACHT

- (AD) - Mit Hilfe eines neuartigen VerpackungsVerfahrens gelang es
Prof. J. Regenstein (Cornell-Universität, New York) und Michael Fey, einem
seiner Assistenten, Fisch wochenlang frisch zu halten.

Nach mehrjährigen Ex-

perimenten mit Lachs und Seehecht fanden die Forscher eine Gasmischung heraus, in der die Fische vier und mehr Wochen nach dem Fang in einem Zustand
erhalten werden, der dem des Frischfisches entspricht.

Statt normaler Atmo-

sphäre mit 20 Prozent Sauerstoff und 80 Prozent Stickstoff verwenden sie eine
Mischung aus 21 Prozent Sauerstoff, 19 Prozent Stickstoff und 60 Prozent
Kohlendioxid.

Der letztgenannte Anteil ist für die Frischhaltung - unter

Verzicht auf Tiefkühlung - ausschlaggebend.

Denn COp verzögert ganz erheb-

lich die Entwicklung von Bakterien,die Fisch so leicht verderblich machen.

Die Fische werden einzeln oder paarweise in gasdichte dünne Plastikbehälter verpackt und bei einer Temperatur, die nur wenig über dem Gefrierpunkt
liegt, gelagert.

Das Verfahren soll der Fischereiindustrie helfen, ihren Ab-

satzmarkt für Seefische in fangfrischer Qualität zu erweitern.

Man denkt da-

bei vor allem an europäische Länder als Abnehmer, in denen z.B. Seehecht, ein
dem Kabeljau ähnlicher Fisch, sehr beliebt ist.

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Tel: 02221-89 32 40
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;George Meany: Einer der Großen der Gewerkschaftsbewegung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Leben und Werk des verstorbenen Präsidenten AFL-CIO -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter verdeutlicht Richtlinien der US-Politik gegenüber dem Iran und Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fernsehinterview mit US-Sicherheitsberater Brzezinski zu Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von US-Verteidigungsminister Brown in Peking&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des amerikanischen UN-Botschafters McHenry vor dem Sicherheitsrat am 13. Januar 1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vordringliche Energie-Entscheidungen im US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frischfisch wochenlang haltbar gemacht</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980
INHALT

INFORMATION
Verhinderung von nuklearer Proliferation
- Untersuchungen des US-Energieministeriums Synthesebrennstoffe - Kohle - Kernkraft
- Unverzichtbare Energiequellen in den nächsten Jahrzehnten -

DOKUMENTATION
Fernsehinterview Präsident Carters am 20. Januar 1980
- Wortlaut Schreiben Präsident Carters an das Olympische Komitee der USA
- Wortlaut Rede des US-Botschafters bei der EG in Brüssel:
- Wir rechnen mit der Unterstützung Europas -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lake Placid:

Solarstrom für die Streckentelefone

Hybridauto für Benzin- und Strombetrieb
- Entwicklungsmodell von der Universität Berkeley

Um Übci/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Information
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23. Januar 1980

VERHINDERUNG VON NUKLEARER PROLIFERATION
Untersuchungen des US-Energieministen'ums

- (AD) - Ein vorläufiger Bericht mit dem Titel "Nuclear Proliferation and Civilian Nuclear Power" (Nukleare Proliferation und Kernkraft
für zivile Zwecke) wurde von der Abteilung zur Bewertung nuklearer Alternativsysteme des amerikanischen Energieministeriums vorgelegt.

Er erörtert

technische Möglichkeiten zur Auslegung von Kernkraftanlagen, die verhindern,
daß Kernbrennstoffe oder nukleare Einrichtungen mißbräuchlich für die
Entwicklung nuklearer Waffen verwendet werden.

Die Untersuchungen bis

zum Abschluß dieser Studie nahmen zwei Jahre in Anspruch.
Im Februar 1980 wird eine öffentliche Anhörung zu dem Problemkomplex durchgeführt.

Im "Bundesregister" wurde in der Ausgabe vom

17. Dezember 1979 der Bericht bereits ausführlich dargestellt und darauf
hingewiesen, daß Kommentare dazu erwünscht sind.

Der zehnbändige Bericht

ist beim "Technical Information Center" des U.S.Energieministeriums
in Oak Ridge (Tennessee) erhältlich; eine Zusammenfassung für die Nachrichtenmedien verteilt die Presseabteilung des Energieministeriums in
Washington (Anschrift: DOE Office of Public Affairs, Press Room, 1 000
Independence Ave., Washington, D.C. 20585).
+ + + + +

Postfach 20 03 OO Tel: 02221-89 3240
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�Information

i

International Communication Agency
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23. Januar 1980

SYNTHESEBRENNSTOFFE - KOHLE - KERNKRAFT
Unverzichtbare Energiequellen in den nächsten Jahrzenten

- (AD) - Der Bericht "Energie im Wandel: 1985 - 2010", den die
Nationale Akademie der Wissenschaften (NAS) am 14. Januar 1980 in
Washington der Öffentlichkeit vorstellte, ist das Ergebnis vierjähriger
Untersuchungen von 65 renommierten amerikanischen Wissenschaftlern.
In der 783 Seiten umfassenden Studie, die für das amerikanische Energieministerium erarbeitet wurde, fordern die Wissenschaftler, Vertreter aller
Disziplinen einschließlich Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften,
dringend die Inangriffnahme eines umfassenden Programms zur Produktion von
synthetischen Brennstoffen, Verwendung von mehr Kohle und Kernkraft und
Offenhaltung der Brutreaktor-Option für die spätere Zukunft. Der Bericht
habe nicht den Charakter eines Patentrezeptes, erklärte NAS-Vorsitzender
Dr. Philip Handler. Er solle vielmehr richtungweisend dafür sein, "was
die Nation erfahren muß, um ihre Zukunft vernünftig zu planen".
Viele der in dem Bericht gezogenen Schlußfolgerungen widersprechen
einander, was angesichts der so verschiedenartigen Standorte und Betrachungsweisen der Verfasser keineswegs überracht.

"Vielfalt ist das Schlüsselwort"

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�Schlüsselwort" der Studie, so Dr. Harvey Brooks, Professor für Technologie
an der Harvard-Universität und einer der Vorsitzenden des WissenschaftlerGremiums.

"Wir müssen eine ganze Serie von Optionen für die Energieversorgung

entwickeln und Sackgassen wie unsere gegenwärtige Abhängigkeit von einer
einzigen Energiequelle vermeiden."
Völlig einig war sich das Komittee in der Anerkennung der überragenden
Bedeutung der Energieeinsparung.

Sie werde, wie Brooks erklärte, wesentliche

Veränderungen im amerikanischen Lebensstil, vielleicht notwendige Mobilität
großer Teile der Bevölkerung, hohe Investitionen und Zeit erfordern etwa 20 bis 30 Jahre. Außerdem seien staatliche Eingriffe und höhere
Energiepreise unumgänglich.
Der zweite allgemein anerkannte Punkt war das schon in naher Zukunft
kritische Problem der Flüssigbrennstoffe.

Das Gremium ist hier "etwas

pessimistischer" als die Verfasser anderer Studien insofern, als es keine
Steigerung der einheimischen öl- und Erdgasförderung erwartet.

"Schon

die Erhaltung des gegenwärtigen Niveaus über die nächsten 30 Jahre wird
ein hohes Engagement notwendig machen", meinte Dr. Brooks.

Er forderte

ein Programm "höchster Dringlichkeitsstufe" für die Produktion synthetischer
Brennstoffe, intensive Explorationstätigkeit für Gas und öl sowie bessere
Fördermethoden.

Gleichzeitig warnte er davor, sich an veraltete Technologien

zu klammern, und drang darauf, daß alle Optionen offen gehalten werden.
Mittelfristig seien, so die NAS-Wissenschaftler, Kohle und Kernkraft
bis zum Ende des Jahrhunderts als die einzigen Alternativen für die
Stromerzeugung zu betrachten. Sie empfehlen deshalb ein gut ausbalanciertes
Angebot auf beiden Gebieten, damit die Nation notfalls rasch zur einen
oder anderen Energiequelle überwechseln könne. Die Kommission räumte
jedoch ein, daß sowohl in der Verwendung von Kohle als auch mit der
Verwendung von Kernkraft schwerwiegende Probleme verbunden seien: Erwägungen
zum Umweltschutz begrenzen die Anwendung von Kohle - ein Grund dafür, "die

- 2 -

�"die nukleare Option offenzuhalten".

Brooks ist dennoch überzeugt, daß

die Regierungsverordnungen zur Reinhaltung der Luft letzten Endes keinen
Einfluß darauf hätten, wieviel Kohle verbraucht werde, weil die Nation sowieso
die Kosten trage - gleichgültig, ob diese auf dem Umweltsektor entstehen oder
wirtschaftlicher Natur seien.

Ebenso wie die Anwendung von Kohle werde aber auch die Anwendung
von Kernenergie durch politische Überlegungen eingeengt - z.B. durch das
Risiko der Weiterverbreitung von Kernwaffen, Entsorgungsprobleme, usw.
Sie stoße außerdem an wirtschaftliche Grenzen, weil Kernenergie kapitalintensiver und deshalb bei Projektbeginn kostspieliger ist als Anlagen zur
Nutzung von Alternativ-Energien.

Nach Ansicht der Kommission habe der

Unfall in der Reaktorstation Three Mile Island das amerikanische Atomprogramm um mindestens ein Jahr zurückgeworfen.

Jedoch habe sich, wie

Brooks ausdrücklich hervorhob, die Meinung der Kommission über die Bedeutung
der Kernkraft durch den Vorfall nicht geändert.

Der Strombedarf werde, wie Brooks erklärte, weiter anwachsen. Und
je mehr er wachse, desto stärker sei die Nation auf den kontroversen
Brutreaktor angewiesen.

"Wenn die Wachstumsraten sehr hohe Werte erreichen",

so Brooks, "kann der Brutreaktor wahrscheinlich als Notwendigkeit angesehen
werden."

Der Ausschuß empfiehlt die kontinuierliche Weiterentwicklung

des Brüters, damit er, falls erforderlich, Anfang des nächsten Jahrhunderts
einsatzbereit ist.

Er sei, wie Brooks ausführte, "die herausragende

nukleare Option und die einzige Option auf lange Sicht, deren Entwicklung
gut vorangeschritten ist".

Präsident Carter hatte vor einiger Zeit die Einstellung der Arbeiten
am Prototyp-Brutreaktor von Clinch River (Tennessee) angeordnet.

Die NAS-

Kommission zeigte geteilte Meinungen in der Frage der Wiederaufnahme des
Projekts Clinch River, wobei sich schließlich eine geringe Mehrheit für die
Fortführung aussprach.
In

- 3 -

�In bszug auf andere neue Energiequellen verlangten die Wissenschaftler
die Fortsetzung von Forschungen in zahlreichen Richtungen, machten jedoch
darauf aufmerksam, daß nur wenige solcher Energiequellen signifikante Beiträge zur Deckung des nationalen Energiebedarfs leisten könnten. Wasserkraft, Erdwä'rme, Windkraft und Biomassen können zwar auf lokaler und
regionaler Ebene, nicht aber landesweit wichtige Rollen übernehmen, erklärte
Brooks.

Biomassen dürften schließlich drei bis fünf Prozent des Gesamt-

energiebedarfs decken. Wolle man diesen Anteil steigern, so benötige man
riesige "Energiefarmen", die vom ökologischen Standpunkt her nicht annehmbar
seien.

Sonnenenergie dürfte, so schätzte Brooks, in diesem Jahrhundert

kaum mehr als fünf Prozent beitragen, sofern nicht die Regierung massiv
eingreift, um Preissenkungen zu bewirken. Trotzdem dringen die Verfasser
der NAS-Studie auf umfangreichere langfristige Forschungen zur Nutzbarmachung
der Sonnenenergie.

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-4

�CS
Uli

i 3

Dokumentation

i •

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23. Januar 1980

FERNSEHINTERVIEW PRÄSIDENT CARTERS AM 20. JANUAR 1980
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 20. Januar 1980
in einem Fernsehinterview im Rahmen des bekannten amerikanischen Programms
"Meet the Press" (Stelle Dich der Presse) zu den jüngsten politischen
Problemen Stellung genommen. Der Moderator der von der Fernsehgesellschaft
NBC (National Broadcasting Company) ausgestrahlten Sendung war Bill Monroe,
die beteiligten Korrespondenten waren Carl T. Rowan von der Chicago Sun-Times,
David Broder von der Washington Post und Judy Woodruff von der NBC-Nachrichtenredaktion.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE (Monroe): Unser heutiger Gast in der Sendung Meet the Press
ist der Präsident der Vereinigten Staaten, Jimmy Carter. Herr Präsident,
gehen wir einmal davon aus, daß die Sowjets nicht so bald aus Afghanistan
abziehen, sind Sie dann für eine amerikanische Beteiligung an der Olympiade
in Moskau? Und wenn nicht, welche Alternativen gäbe es?
ANTWORT

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�ANTWORT:

Nein, weder ich noch das amerikanische Volk würden die

Entsendung eines amerikanischen Teams nach Moskau unterstützen, solange
sowjetische Truppen in Afghanistan stehen.

Ich habe heute dem Olympischen

Komitee der Vereinigten Staaten ein Schreiben gesandt, in dem ich meinen
Standpunkt dargelegt habe, daß die Olympischen Spiele von Moskau an einen
anderen Ort oder mehrere Orte verlegt oder aufgeschoben oder abgesagt
werden sollten, wenn die Sowjets nicht innerhalb eines Monats ihre Truppen
aus Afghanistan abziehen. Wenn die Sowjets ihre Truppen nicht sofort innerhalb eines Monats - aus Afghanistan abziehen, würde ich die Entsendung
eines amerikanischen Teams zur Olympiade nicht unterstützen.
Es ist sehr wichtig, daß die Welt erkennt, eine wie ernste Drohung
die sowjetische Invasion in Afghanistan ist.

Ich möchte keine Politik

in die Olympiade hineintragen, und ich wäre persönlich für die Schaffung
eines ständiges olympischen Austragungsortes, sowohl für die Sommer- als
auch für die Winterspiele.

Nach meiner Meinung wäre das geeignete Aus-

tragungsland für die Sommerspiele Griechenland.

Das ist meine persönliche

Meinung, und ich habe das amerikanische Olympische Komitee ersucht, diese
Auffassung dem Internationalen Olympischen Komitee vorzutragen, und ich
möchte hoffen, daß möglichst viele Länder diese grundsätzliche Auffassung
unterstützen würden.

In den Vereinten Nationen haben 104 Länder gegen die

sowjetische Invasion gestimmt und den sofortigen Abzug der Sowjets aus
Afghanistan gefordert, und ich möchte hoffen, daß

soviele dieser Länder

wie möglich den Standpunkt unterstützen würden, den ich Ihnen eben vorgetragen habe.
-

FRAGE (Monroe):

Herr Präsident, wenn eine beträchtliche Zahl von

Ländern den amerikanischen Standpunkt nicht unterstützt, würde das die
Vereinigten Staaten nicht einfach nur in eine isolierte Position bringen,
ohne der Sowjetunion viel zu schaden?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Gleichgültig, was andere Länder tun mögen, ich wäre nicht

für die Entsendung eines amerikanischen Olympiateams nach Moskau, solange
die sowjetischen Invasionstruppen in Afghanistan stehen.
Monroe:

Ich danke Ihnen, Herr Präsident, unsere Reporter in Meet

the Press sind heute Carl. T. Rowan von der Chicago Sun-Times, David S.
Broder von der Washington Post und Judy Woodruff von der NBC-Nachrichtenredaktion.
Wir setzen die Fragen an Präsident Carter mit Carl Rowan fort.
FRAGE (Rowan):
Friedens gesprochen.

Sie haben vorhin von einer ernsten Bedrohung des
Wie ernst ist die Situation wirklich?

Stehen wir

möglicherweise an der Schwelle eines Konflikts mit der Sowjetunion?
ANTWORT:

Wie ich vorhin gesagt habe, Mr. Rowan, ist dies nach

meiner Meinung die ernsteste Bedrohung des Weltfriedens seit dem Zweiten
Weltkrieg.

Es handelt sich um einen beispiellosen Akt seitens der Sowjetunion.

Es ist das erstemal, daß sie ein Land angegriffen hat, das nicht bereits
unter ihrer Herrschaft stand, d.h. zur Nachbarschaft im Warschauer Pakt
gehört.

Sie haben in anderen Ländern, wie Angola oder Äthiopien, für

die Beteiligung Stellvertreterstreitkräfte, die Kubaner, benutzt.
Dies jetzt ist eine Bedrohung eines lebenswichtigen Gebietes der
Welt.

Es ist die Bedrohung eines Gebietes der Welt, in dem die Interessen

unseres Landes und die Interessen unserer Verbündeten zutiefst berührt
sind.

Mehr als zwei Drittel des gesamten Exportöls, das die übrige Welt

versorgt, kommt aus der Region des Persischen Golfes in Südwestasien.
So wie ich die Dinge beurteile, hat es in den vergangenen Jahren
Zeiten gegeben, in denen wir in einem intensiven Wettstreit mit der
Sowjetunion standen und uns auch bemühten, die Dinge mit der Sowjetunion

- 3 -

�Sowjetunion beizulegen, uns mit ihnen zu konsultieren und mit ihnen für
den Frieden zu arbeiten.

Jetzt handelt es sich um eine von den Sowjets

ausgelöste Maßnahme, und ich bin noch immer dem Frieden verpflichtet, aber
einem Frieden durch Stärke und dadurch, daß wir die Sowjets auf klare und
bestimmte Weise wissen lassen - durch Maßnahmen unseres eigenen Landes
und anderer Länder -, daß sie nicht ungestraft in ein unschuldiges Land
eindringen können, daß sie die Folgen tragen müssen.
FRAGE (Rowan):

Noch in diesem Zusammenhang, Herr Präsident.

Ihre

Kritiker sagen, daß die Sowjets vorgehen, weil sie eine Schwäche Ihrerseits
gesehen haben.

Sie (die Sowjets) glauben nicht, daß Sie oder das amerikanische

Volk kämpfen werden.

Wenn sie in Pakistan oder in den Iran eindringen,

werden Sie dann militärische Macht einsetzen?
ANTWORT:

Wir waren nicht schwach.

Seit ich im Weißen Haus bin,

waren wir fest und entschlossen und konswquent und klar in unserer Politik.
Wir haben unsere Verpflichtung zur Stärke unserer nationalen Verteidigung
stetig erhöht, gemessen am Stand unserer Haushalte und auch gemessen am
Ton und an den Handlungen, die ich ergriffen habe und die der Kongreß
ergriffen hat.

Wir haben unser Bündnis in der NATO gestärkt, sowohl hinsichtlich

des Aufbaus der Kampfkraft als auch jüngst hinsichtlich der TNF-Reaktion
(Theater Nuclear Force - nukleare Mittel Streckensysteme) auf die sowjetische
Drohung mit Atomwaffen.
Wir haben auch kein Hehl daraus gemacht, daß wir für die Beilegung
intensiver Differenzen sind, die den Nahen Osten und die Region des
Persischen Golfes destabilisiert haben.

Der bemerkenswerteste Fortschritt

ist der zwischen Israel und Ägypten unterzeichnete Friedensvertrag, und
wir haben unsere Verpflichtung gegenüber Pakistan aus dem Jahre 1959
erneut bekräftigt.

Wir sind verpflichtet, uns mit Pakistan zu konsultieren

und im Rahmen der verfassungsmäßigen Richtlinien, denen ich als Präsident
unseres Landes folgen muß, jede notwendige Maßnahme zu ergreifen, um d^e

�die Sicherheit Pakistans zu schützen, einschließlich, wenn notwendig,
militärischer Macht.

Darüber hinaus erhöhen wir den Stand der Seestreitkräfte im nördlichen Indischen Ozean und in der Region des Persischen Golfes und werden
einen erhöhten Stand aufrechterhalten, und wir prüfen gegenwärtig ziemlich
intensiv die Erstellung von Einrichtungen für die Wartung und Versorgung
unserer Luft- und Seestreitkräfte im nördlichen Indischen Ozean und in
der Region des Persischen Golfes.

Diese Maßnahmen sind in die Wege

geleitet worden, seit ich im Amt bin.

Sie sind konsequent und klar, und wir

konzentrieren uns jetzt wegen der sowjetischen Invasion in Afghanistan
mit erhöhtem Nachdruck auf diese Maßnahmen.

FRAGE (Broder):

Herr Präsident, die Wahl des Zeitpunktes Ihres

Auftretens hier einen Tag vor den Vorwahl-Absprachen (für die Präsidentschaftswahlen 1980, die Redaktion) im Staate Iowa lassen auf ein politisches
Motiv schließen.

Warum haben Sie zugestimmt, hier zu erscheinen, während

Sie es abgelehnt haben, sonstwo aufzutreten, wo Ihre Herausforderer Sie
direkt konfrontieren könnten?

ANTWORT:

Mr. Broder, in einer Zeit der Krise für

unser Land ist es

nach meiner Meinung für den Präsidenten sehr wichtig, daß er nicht in
der Öffentlichkeit die Rolle eines Parteiwählkämpfers in einer politischen
Auseinandersetzung übernimmt.

Unser Land befindet sich in einem Zustand

der Krise, und es ist eine konsequente Politik, an die ich mich gehalten
habe, seit die Iraner Amerikaner gefangengenommen und als Geiseln festgehalten haben.

Ich betrachte die Sendung Meet the Press nicht als Wahl-

kampfforum, und ich bin bicht als Parteikanidat hier.

Wie Sie sehr wohl wissen, haben wir meine Auffassungen dem
amerikanischen Volk auf vielerlei Weise sehr klar dargelegt - durch mein
eigenes Erscheinen vor der Presse, meine Unterrichtung von Gruppen im

- 5 -

�im Weißen Haus, durch die Entsendung von Vertretern für mich nach Iowa.
Ich glaube, meine Standpunkte und die Maßnahmen, die ich getroffen habe,
sind ganz klar zu erkennen gewesen, und mein Auftreten hier in dieser Sendung
beispielsweise bietet Ihnen eine Gelegenheit, mich zu Themen zu befragen,
die für das amerikanische Volk wichtig sind.
FRAGE (Broder):

Einer meiner Kollegen hat die folgende Frage vor

drei Wochen gedruckt, als Sie von der Debatte in Iowa Abstand nahmen,
als Beispiel für eine Frage, die Ihnen hätte gestellt werden können; und
ich möchte diese Frage jetzt stellen.
ANTWORT:

Bitte.

FRAGE (Broder):
Arbeitslosigkeit.
stiegen.

Bei allem Respekt:

wir haben immer noch 5,8 Prozent

Die Inflation ist von 4,8 Prozent auf 13 Prozent ge-

Wir haben noch immer keine tragfähige Energiepolitik.

Truppen sind in Kuba und Afghanistan.

Der Dollar fällt.

Russische

Gold steigt.

Und die Geiseln sich noch immer in Teheran - nach 78 Tagen.

Was also

haben Sie getan, Sir, um sich eine erneute Kandidatur zu verdienen?
ANTWORT: Nun, seit ich im Weißen Haus bin, habe ich alles Erdenkliche
getan, um unseren Staat zu stärken - nicht nur militärisch, sondern
wirtschaftlich und politisch; außerdem, wie ich meine, moralisch und ethisch.
Wir haben unsere Bündnisse mit unseren Verbündeten gestärkt, worauf in
diesem Programm bereits hingewiesen wurde. Wir haben uns mit dem Frieden
auseinandergesetzt - nicht nur für unser Land, sondern auch für andere
Länder, indem wir mit den Briten und Rhodesien, mit den Ägyptern und den
Israelis im Nahen Osten zusammengearbeitet haben.
Wir haben versucht, die amerikanische Freundschaft auf andere
Staaten dieser Erde auszudehnen, wobei wir besonders erfolgreich dabei
waren, unsere Freundschaft mit dem Volk Taiwans aufrechtzuerhalten, während

- 6 -

�während wir eine neue und freundliche Beziehung durch die Anerkennung
eines Viertels der Gesamtbevölkerung der Welt in China eröffneten.
Es gab meiner Meinung nach eine wesentliche Verbesserung in den
Beziehungen unseres Landes mit anderen Staaten - wie dies im Verlauf
kürzlicher Abstimmungen bei den Vereinten Nationen zum Ausdruck kam.
Innenpolitisch habe ich mich mit den Krisen und Problemen der Nation
beschäftigt, so gut ich konnte, und dabei mit einem Kongreß zusammengearbeitet, der manchmal zu langsam handelt. Seit dem ersten Tag im Amt
haben wir die schwerwiegendste innenpolitische Bedrohung unseres Landes und das ist die Inflation, eng verbunden mit Energie - in Angriff genommen.
Seit meinem Amtsantritt ist Energie der alleinentscheidende Faktor
des Anstiegs der Inflationsrate gewesen. Allein in den letzten 12 Monaten
hat die OPEC die Energiepreise um 80 Prozent erhöht. Tatsächlich ist praktisch genommen - der gesamte Anstieg der Inflationsrate, seit ich im
Amt bin, direkt auf die Erhöhung der OPEC-Ölpreise zurückzuführen.
Als ich gewählt wurde, war die ärgste Bedrohung unseres Landes die
extrem hohe Arbeitslosigkeit.

Wir haben einen Nettozuwachs von neun

Millionen Arbeitsplätzen erzielt und die Arbeitslosenrate um 25 Prozent
gesenkt.

Dies war ein sehr guter Schritt zur Stärkung unserer Volks-

wirtschaft.

Wir haben das Defizit in unserer Handelsbilanz verringert.

Wir erleben einen sehr deutlichen Anstieg der Nettoeinkommen der Amerikaner
von ungefähr 7,5 Prozent nach Inflation und Steuern.

Die Unternehmensgewinne

sind um etwa 50 Prozent gestiegen; und ich glaube, daß unsere Nation viel
geschlossener ist und daß es außerdem einen viel größeren Respekt für die
Rechtschaffenheit und Zuverlässigkeit der Regierung unseres Landes gibt.
Wir haben also einigen Fortschritt erzielt.
Ich darf sagen, daß ich nicht behaupte, alle Antworten zu kennen.
Es gibt keine einfachen Fragen zu beantworten.

- 7 -

Es gibt keine einfachen

�einfachen Probleme zu lösen.

Aber unser Land ist geeint.

um eben diese schwierigen und komplizierten Antworten.

Wir kämpfen

Ich bin der Meinung,

daß sie weiter verfolgt werden müssen - hoffentlich in meiner zweiten
Amtsperiode.
FRAGE (Monroe):

Ms. Woodruff?

FRAGE (Ms. Woodruff):

Herr Präsident, Sie sagten kürzlich in einem

Interview, daß die Invasion von Afghanistan Ihre Meinung über die Russen
drastischer geändert habe als irgendetwas sonst, seit Sie im Amt sind.
Warum haben Sie fast drei Jahre gebraucht, um die wahren Absichten der
sowjetischen Führung zu erkennen?
«•

ANTWORT: Ich habe nie an der langfristigen Politik oder den langfristigen Ambitionen der Sowjetunion gezweifelt. Die Tatsache, daß wir
durchweg die Verteidigung unseres Landes gestärkt haben - nach 15 Jahren
des Rückgangs in dieser Verpflichtung zur Verteidigung unseres Landes
gegenüber den Sowjets - ist ein Hinweis darauf. All die Schritte, die
ich vorher beschrieben habe - die Stärkung der NATO, die Bewegung in den
nördlichen Indischen Ozean hinein, die Friedenssuche im Nahen Osten u.s.w. wurden unmittelbar aufgrund der letztlichen Bedrohung des Weltfriedens durch
die Sowjetunion unternommen. Aber es ist offensichtlich, daß die vorliegende Invasion eines vorher blockfreien Landes durch die Sowjets mit
ihren eigenen massiven Truppen eine radikale Abkehr von der Politik oder
den Schritten ist, die die Sowjets seit dem Zweiten Weltkrieg verfolgt
haben. Es ist eine direkte Bedrohung, denn Afghanistan, ehemals ein
Pufferstaat zwischen der Sowjetunion und dem Iran und den Ol Vorräten der
Welt und zwischen der Straße von Hormuz und dem Persischen Golf, ist jetzt
zu einer Art Pfeil geworden, der auf jene entscheidenden strategischen
Regionen der Welt gerichtet ist. Daher ist dies eine bedeutsame Abkehr der
Sowjetunion von ihren vorherigen Unternehmungen.
Die

- 8 -

�Die sowjetische Langzeitpolitik wurde von mir damals und wird auch
weiterhin gut verstanden.
FRAGE (Ms. Woodruff): Und dennoch unternahm Ihre Regierung keinerlei
Schritte, um den gewaltigen Zuwachs kubanischer Truppen in Afrika in den
letzten Jahren aufzuwiegen. Heute sind noch immer sowjetische Kampftruppen
in Kuba trotz Ihrer Erklärung vom letzten Herbst, daß deren Anwesenheit
nicht hinnehmbar sei. übernehmen Sie im Lichte dieser Unterlassung, der
sowjetischen Aggression frühzeitiger entgegenzutreten, Liberhaupt irgendwelche
Verantwortung für die sowjetische Kalkulation, ungestraft in Afghanistan
einmarschieren zu können?
ANTWORT: Nun, die Sowjets haben die Stärke und die Entschlossenheit,
die Einheit und Bestimmtheit unserer eigenen Nation völlig falsch eingeschätzt sowie die Verurteilung, die ihnen durch die Staatengemeinschaft
aufgrund ihrer Invasion Afghanistans zuteil geworden ist. Wie Sie wissen,
marschierten kubanische Truppen in Angola ein, bevor ich Präsident wurde,
und die sowjetische Brigade - etwa 2000 bis 2500 Mann - ist schon seit
den frühen sechziger Jahren auf Kuba. Eindeutig gibt es ein zunehmendes
sowjetisches Risiko am Hörn von Afrika, in Äthiopien. Diese Bewegungen
gaben uns Anlaß zu großen Bedenken.
Aber der Punkt, den ich gern klarstellen würde, ist, daß wir zu
den Sowjets schon immer eine sehr komplizierte Beziehung hatten - gegründet
auf Zusammenarbeit, wenn wir zusammen auf eine friedliche Lösung der
Probleme der Welt zusteuern konnten - wie etwa die Aushandlung des SALTVertrags - und Wettstreit mit der Sowjetunion, wenn unsere Interessen
sich in irgendeiner Region der Welt überschnitten. Ich bin der Ansicht,
daß unsere Stärke deutlich demonstriert wurde. Die Entschlossenheit unserer
Nation wurde deutlich demonstriert. Die Unterstützung unserer Verbündeten
wurde deutlich demonstriert, und die Unterstützung der Welt bei der Verurteilung der kürzlichen Invasion der Sowjets wurde ja auch deutlich

- 9 -

�deutlich demonstriert.
Die Zeiten ändern sich, und die Umstände ändern sich.

Unser Land

hat sich stets der Bewahrung des Friedens verschrieben - aber Frieden durch
Stärke, nicht Schwäche.

Dies war unsere Politik.

Dies wird weiterhin

unsere Politik sein.
FRAGE (Monroe):

Herr Präsident, gibt es irgendeine bestimmte neue

Hoffnung auf ein Ende der Geiselkrise mit dem Iran?
ANTWORT: Ich kann kein frühes Ende dieser Situation voraussagen.
Die Sorgen, die ich mir heute um die Geiseln mache, sind genauso groß,
wie sie vor einem Monat oder vor zwei Monaten waren. Unsere Politik gegenüber der Festhaltung unserer Geiseln durch den Iran ist klar und folgerichtig.
Sie ist eine abscheuliche Verletzung aller moralischen und ethischen
Maßstäbe und des Völkerrechts. Sie ist ein krimineller Akt - eine Gruppe von
Terroristen, Entführern, unterstützt und ermutigt durch Vertreter der
Regierung selbst, ergreifen unschuldige Opfer und halten sie zum Zweck
versuchter Erpressung in noch nie dagewesener Weise fest. Unsere Antwort
war klar: vor allem erstens die kurzfristigen und langfristigen Interessen
unseres Landes zu schützen; zweitens, die Sicherheit und das Leben der
Geiseln selbst zu schützen; drittens, jeden nur möglichen Weg zu verfolgen,
für eine frühe und sichere Freilassung unserer Geiseln; viertens, wenn
möglich, Blutvergießen zu vermeiden, denn ich hatte von Anfang an das
Gefühl, daß das Ergreifen eines militärischen Schrittes oder das Verursachen
von Blutvergießen zweifellos den Tod der Geiseln zur Folge haben würde;
und fünftens - und vielleicht am schwierigsten -, die nachdrückliche
Unterstützung durch die große Mehrheit der Staaten dieser Erde für unsere
Lage als einer schmerzerfüllten Nation zu wecken und zu erhalten, sowie
die Verurteilung des Iran durch die Welt für diese unmittelbare Verletzung
des Völkerrechts. Es ist ein verabscheuungswürdiger Akt.
Ich
- 10 -

�Ich weiß nicht, wann die Geiseln freigelassen werden, aber wir werden
uns auch weiterhin intensiv darum bemühen.

Wir werden unsere Verpflichtung

zum Ausschöpfen aller nur möglichen Mittel aufrechterhalten, um diese
Politik durchzuführen, die ich Ihnen gerade beschrieben habe, und wir werden,
so gut wir können, die volle Unterstützung der übrigen Welt bewahren;
und dieser konzertierte Druck von vielen Seiten - einschließlich der
jüngsten Sanktionen, die wir gegen den Iran eingeleitet haben - wird,
so glaube und hoffe ich und dafür bete ich, die sichere Freilassung unserer
Geiseln zur Folge haben.

Ich kann nicht genau voraussagen, wann.

FRAGE (Monroe): Wie antworten Sie auf die Kritik, Herr Präsident,
daß Ihre Regierung bei der Aufnahme des Schah in diesem Land ziemlich
pfuschte, indem sie der amerikanischen Botschaft im Iran keinen gesicherten
Schutz gewährte, nachdem amerikanische Diplomaten davor gewarnt hatten,
daß es diese Art Unruhe geben könne und daß ja tatsächlich wenige Monate
vorher eine Besetzung der Botschaft stattgefunden hatte?
ANTWORT: Ich habe überhaupt keine Entschuldigung dafür, daß man den
Schah als schwerkranken Menschen hierherkommen ließ
FRAGE (Monroe):
Präsident?

Und was ist mit dem Schutz der Botschaft, Herr

ANTWORT: ... zur Behandlung. Die Botschaft war in der Vergangenheit
angegriffen worden. Botschaften in der ganzen Welt sind oft Angriffen
ausgesetzt. Stets hatten sich die iranischen Behörden mit unseren eigenen
Leuten zusammengetan, um die Botschaft der Vereinigten Staaten zu schützen.
In der Folge der Besetzung der Botschaft vorher im selben Jahr führten wir
ein umfangreiches Programm zur Verstärkung der Verteidigungseinrichtungen
der Botschaft durch. Nachdem der Schah hierher in die Vereinigten Staaten
zur Behandlung kam und wir die iranischen Behörden über diese Tatsache
unterrichtet hatten, wurde uns erneut durch den iranischen Ministerpräsidenten

- 11 -

�Ministerpräsidenten und den iranischen Außenminister versichert, die Botschaft
würde geschützt.

Sie wurde in der Tat etwa 10 Tage lang geschützt; hier-

nach hielt der Ayatollah Khomeini eine überaus aggressive und beleidigende
Rede, und als die Botschaft von militanten Terroristen angegriffen wurde,
entzogen ihr die Iraner, die iranische Regierung, ihren Schutz. Es war
ein unvorhersehbares Ereignis. Soviel ich weiß, hat es das in der modernen
Geschichte noch nie gegeben, daß eine Regierung einen terroristischen Akt
dieser Art, das Entführen von Geiseln und ihr Festhalten zum Zweck versuchter
Erpressung, unterstützt.
Aber es blieb nichts unversucht, die Beziehungen mit dem Iran aufrechtzuerhalten, was unserem Interesse und gleichzeitig dem Schutz unserer
Mitbürger dient.
FRAGE (Monroe):

Mr. Rowan?

FRAGE (Rowan): Herr Präsident, einige unserer Verbündeten sagen jetzt,
daß im Iran bereits das Chaos herrscht und daß dieses Land, sollten die
Vereinigten Staaten die Wirtschaftsschrauben anziehen, auseinanderfallen
könnte und es der Sowjetunion leichtgemacht würde, die Teile aufzuheben.
Hören Sie darauf oder wollen Sie dem Iran noch immer Daumenschrauben anlegen?
ANTWORT:

Ich habe darüber immer nachgedacht, Mr. Rowan. \

Was wir wollen, ist ein geeinter Iran, kein zertrümmerter. Wir wollen
einen stabilen und unabhängigen Iran, und wir wollen einen sicheren Iran.
Aber wir können den abscheulichen Akt nicht akzeptieren, daß die Terroristen,
unterstützt durch die iranischen Behörden, Amerikaner als Geiseln festhalten. Wir haben uns entschlossen, Schritte gegen den Iran zu unternehmen,
um mit der Präsenz unserer Seestreitkräfte Verletzungen unserer Geiseln
zu verhüten und um zweitens mit einem zunehmenden Maß an Strenge Sanktionen

�Sanktionen gegen den Iran durchzuführen, die sie zur Freilassung der
Geiseln veranlassen könnte.
Durch die sowjetische Invasion Afghanistans wurde in den letzten
Wochen offensichtlich ein neues Element in die iranische Geiselkrise eingebracht.

Meine Überzeugung ist, daß viele der verantwortlichen Stellen

im Iran jetzt sehen, daß diese große Bedrohung der Sicherheit und des Friedens
des Iran jetzt an erster Stelle steht und daß es ihrerseits eine zusätzliche
Anstrengung zur Sicherung der Freilassung der Geiseln und zur Beseitigung
der Isolierung des Iran von der übrigen zivilisierten Welt geben wird.
Aber ich glaube, daß unsere Schritte wohlüberlegt sind. Wir haben
alle nur mögliche Vorsicht walten lassen hinsichtlich der von Ihnen beschriebenen
Möglichkeit. Und meinem Urteil nach ist es für den Iran jetzt das Beste,
die Geiseln freizulassen, Genugtuung für ihre behaupteten Klagen vor
internationalen Foren und den Gerichtshöfen der einzelnen Länder zu suchen
und damit anzufangen, sich selbst gegen eine mögliche Bedrohung durch die
Sowjets zu wappnen, die jetzt gegen sie in Afghanistan gerichtet ist.
FRAGE (Broder):

Sind Sie, Herr Präsident, im Hinblick auf das, was

Sie eben sagten, bereit, eine Verzögerung oder einen Aufschub der Verhängung
wirtschaftlicher Sanktionen gegen den Iran zu akzeptieren?
ANTWORT: Nein, diese Sanktionen werden von uns einseitig verfolgt
werden, und soviele unserer Verbündeten, wie zustimmen, werden sich anschließen. Wir haben bei der Verhängung von Sanktionen gegen den Iran
eine sehr akzeptable Unterstützung bei unseren Verbündeten gefunden, und
wir haben eine überwältigende Unterstützung bei dem Internationalen Gerichtshof
und bei den Vereinten Nationen von vielen Ländern gefunden, die diese
Situation verfolgt haben. Ich werde daher die Verhängung von Sanktionen
nicht verschieben.
FRAGE

- 13 -

�FRAGE (Woodruff):

Herr Präsident, im Jahre 1976 haben Sie die

Republikaner wegen eines, wie Sie es nannten, "Index der Misere" von rund
13 Prozent gescholten.
gestiegen.

Dieser Index der Misere ist jetzt auf 19 Prozent

Was halten Sie heute davon?

ANTWORT:

Natürlich, wenn sich ein Land im Zustand der Krise befindet,

dann ist man zutiefst davon befangen und besorgt darüber, daß unschuldige
Amerikaner festgehalten werden, daß eine anerkannte Bedrohung des Weltfriedens durch eine sowjetische Invasion in Afghanistan existiert, daß
eine hohe Inflation herrscht, die nach meiner Meinung durch ungerechtfertigte
Erhöhungen der ölpreise verursacht wird - das nimmt die Gedanken der
Amerikaner gefangen.

Wir ergreifen, wie ich in dieser Sendung und bereits

früher dargelegt habe, Maßnahmen, um diese Besorgnisse zu zerstreuen,
und ich bin überzeugt, daß die Einheit Amerikas über allem steht.

Ich bin

überzeugt, daß die Zukunft bessere Aussichten für die Behebung dieser
Spannungen bieten wird.
Monroe:

Ich danke Ihnen, Herr Präsident, daß Sie heute in dieser

Sendung Meet the Press zugegen waren.

�3

Dokumentation

zi pfiMfi

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
23. Januar 1980

SCHREIBEN PRÄSIDENT CARTERS AN DAS OLYMPISCHE KOMITEE DER USA
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 20. Januar 1980 in einem
Schreiben an den Präsidenten des Olympischen Komitees der USA, Robert Kane, zu
einem Boykott der olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau aufgerufen, falls die
Sowjetunion nicht innerhalb eines Monats ihre Truppen aus Afghanistan zurückgezogen hat.

Das Schreiben Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:

Als Präsident dieses Landes und als Ehrenpräsident des Olympischen Komitees
der Vereinigten Staaten schreibe ich Ihnen heute, um Ihnen meine Ansichten hinsichtlich der XXII Olympischen Spiele mitzuteilen,, die

in

diesem

Sommer in Moskau abgehalten werden sollen.

Ich sehe in der sowjetischen Invasion und der versuchten Unterdrückung
Afghanistans eine ernste Verletzung des Völkerrechts und eine überaus ernste
Bedrohung des Weltfriedens.

Diese Invasion ist ebenso eine Gefahr für die be-

nachbarten unabhängigen Länder sowie für den Zugang zu einem wesentlichen Teil
der ölvorräte der Welt.

Sie bedroht daher unsere nationale Sicherheit wie

auch die Sicherheit dieses Gebietes und der gesamten Welt.
Wir

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Wir müssen der Sowjetunion klar vor Augen führen, daß sie eine unabhängige
Nation nicht einfach niedertrampeln und sich gleichzeitig gegenüber der übrigen Welt so verhalten kann, als wäre nichts geschehen.

Wir müssen klarstellen,

daß sie für derartige Aggressionen einen hohen wirtschaftlichen und politischen
Preis bezahlen muß.

Deshalb habe ich die schweren wirtschaftlichen Maßnahmen

angeordnet, die am 4. Januar verkündet wurden, und deshalb unterstützen andere
freie Länder diese Schritte.

Deshalb hat auch die Vollversammlung der Verein-

ten Nationen mit der überwältigenden Mehrheit von 104 zu 18 Stimmen die Invasion verurteilt und den sofortigen Abzug der sowjetischen Truppen gefordert.
Ich möchte meine eigene persönliche Verpflichtung gegenüber den Grundsätzen
und Zielsetzungen der olympischen Bewegung noch einmal bekräftigen.

Ich bin

der Ansicht, daß es wünschenswert ist, Regierungspolitik aus den Olympischen
Spielen herauszuhalten - aber hier steht viel mehr auf dem Spiel.
In der Sowjetunion stellen internationale Sportwettbewerbe an sich schon
einen Aspekt der sowjetischen Regierungspolitik dar, wie dies auch bei der Entscheidung, in Afghanistan einzufallen, der Fall ist.

Der Leiter des Moskauer

Olympischen Organisationskomitees ist ein hoher sowjetischer Regierungsvertreter.
Die sowjetische Regierung mißt der Abhaltung der Olympischen Spiele 1980
in Moskau enorme politische Bedeutung bei, und sollte die Olympiade wegen der
sowjetischen militärischen Aggression in Afghanistan nicht in Moskau abgehalten
werden, dann kann dieses machtvolle Signal der Empörung der Welt dem sowjetischen
Volk nicht vorenthalten werden; es würdein aller Welt widerhallen. Vielleicht
wird es vor zukünftigen Aggressionen abschrecken.
Ich fordere daher das Olympische Komitee der USA auf zusammen mit anderen
Nationalen Olympischen Komitees das Internationale Olympische Komitee davon
in Kenntnis zu setzen, daß Moskau ein ungeeigneter Ort für ein sportliches Fest
wäre, auf dem Frieden und guter Wille gefeiert wird, sollten die sowjetischen
Truppen nicht in vollem Umfange innerhalb des nächsten Monats aus Afghanistan

�Afghanistan abgezogen worden sein.

Sollte die Sowjetunion ihre Truppen in

dem oben genannten Zeitraum nicht abgezogen haben, fordere ich das Olympische
Komitee der USA auf, vorzuschlagen, die Spiele entweder an einen anderen
Ort, wie Montreal, oder an mehrere andere Orte zu verlegen oder sie für dieses
Jahr abzusagen.

Sollte das Internationale Olympische Komitee einen solchen

Vorschlag des Olympischen Komitees der USA zurückweisen, dann fordere ich das
Olympische Komitee der USA sowie die Olympischen Komitees anderer gleichgesinnter Länder auf, sich nicht an den Moskauer Spielen zu beteiligen.
solchen Fall und falls geeignete Vorkehrungen

In einem

getroffen werden können, spreche

ich mich dafür aus, daß diese Länder alternative eigene Spiele an einem anderen
Ort oder an anderen Orten in diesem Sommer durchführen.

Die Regierung der Ver-

einigten Staaten ist bereit, allen solchen Bemühungen ihre volle Unterstützung
zu gewähren.
Aus Ihrem Schreiben an mich und Ihrem Zusammentreffen mit Außenminister
Vance sowie mit Lloyd Cutler weiß ich um Ihre tiefe Sorge um die Männer und
Frauen in aller Welt, die sich unermüdlich in der Hoffnung auf eine Beteiligung
auf die Olympischen Spiele 1980 vorbereitet haben.

Ich teile Ihre Sorge.

Ich

würde die Beteiligung von Sportlern aus der gesamten Welt an Olympischen Sommerspielen oder anderen Spielen in diesem Sommer außerhalb der Sowjetunion unterstützen, genauso wie ich die Sportler aus der gesamten Welt in Lake Placid
anläßlich der Olympischen Winterspiele begrüße.
Ich hege tiefste Bewunderung und tiefsten Respekt für die Sportler und
ihrem Streben nach großen Leistungen. Niemand versteht besser als sie die Bedeutung von Opfern zur Erreichung erstrebenswerter Ziele. Es gibt aber kein
Ziel von größerer Bedeutung als das Ziel, um das es hier geht: Die Sicherheit
unseres Landes und den Frieden der Welt.
Ich fordere das Internationale Olympische Komitee ferner auf, einen weiteren Schritt zur Beseitigung zukünftiger politischer Konkurrenz unter den Ländern zu ergreifen, die sich um die Ausrichtung Olympischer Spiele bemühen.
Daher rufe ich alle Nationen auf, sich bei der Unterstützung eines permanenten
- 3 -

�permanenten Austragungsortes für die Olympischen Sommerspiele in Griechenland
zusammenzuschließen und einen entsprechenden ständigen Austragungsort für die
Winterolympiade zu suchen.
Der Weg, den zu beschreiten ich hier fordere, ist notwendig, um den Frieden der Welt in dieser kritischen Zeit sichern zu helfen.

Die wichtigste Auf-

gabe für die führenden Persönlichkeiten der Welt - öffentliche wie private ist es, vor einer Aggression abzuschrecken und den Krieg zu verhindern. Aggressionen zerstören die internationale Freundschaft und den guten Willen, die die
Olympische Bewegung zu fördern sucht.

Wenn es unsere Antwort auf eine Aggres-

sion ist, den internationalen Sport, als sei nichts geschehen, in der Hauptstadt
des Aggressors weiter zu betreiben, dann werden andere Maßnahmen zur Abschreckung
vor einer Aggression unterminiert.
Der Geist und die Zukunft der Spiele hängen zum gegenwärtigen Zeitpunkt
von mutigen und entschlossenen Aktionen ab. Ich ersuche Sie um Ihre Unterstützung und Ihre Hilfe bei der Mobilisierung der Unterstützung anderer
Olympischer Komitees in aller Welt.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

REDE DES US-BOTSCHAFTERS BEI DER EG IN BRÜSSEL:
- Wir rechnen mit der Unterstützung Europas -

BRÜSSEL - (AD) - Der amerikanische Botschafter bei den Europäischen
Gemeinschaften in Brüssel, Thomas C. Enders, hat am 16. Januar 1980 vor dem
American and Common Market Club die Haltung der Vereinigten Staaten zu den
gegenwärtigen weltpolitischen Problemen dargelegt und darauf hingewiesen, daß
Amerika mit der Unterstützung Europas rechne.
Die Rede von Botschafter Enders hat folgenden Wortlaut:
Niemand, der die heutigen Aussichten mit denen zu Beginn der siebziger
Jahre vergleicht, wird übersehen können, wieviel gefährlicher die Welt heute
geworden ist.
Afghanistan wird zu einer erneuten Bewährungsprobe dafür, wie gut wir
die größte Lehre des zwanzigsten Jahrhunderts begriffen haben - daß nämlich,
wie Präsident Carter es dieser Tage ausgedrückt hat, die Aggression, wenn man
ihr nicht entgegentritt, zu einer ansteckenden Krankheit wird.
Der

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3 2 4 0
Telex:08-85432

�Der Iran ist zur Bewährungsprobe unserer Fähigkeit geworden, gemeinsam
zu handeln - klug, nicht aggressiv, aber fest - um eines der Fundamente der
politischen Zivilisation zu schützen:

die Unverletzlichkeit ausländischer

Vertretungen.
Ich glaube, wir sind uns auch alle bewußt, daß die Mittel, die uns zur
Verfügung stehen, um diese Ereignisse zu meistern, nicht so mächtig sind wie
zu Beginn der siebziger Jahre.
deten ist geringer.

Die relative militärische Stärke der Verbün-

Wir sind weniger zuversichtlich, daß wir in der Lage sei-

en, die inflationären Prozesse, deren Opfer wir alle sind,zu meistern, ja überhaupt nur richtig zu begreifen.

Wir fangen erst an, uns wirklich über die ge-

waltigen Veränderungen klar zu werden, die die Energiekrise von uns fordert.
Und vor allem, unsere Gesellschaften scheinen uns heute komplexer und zerstrittener denn je.

Es scheint sehr viel mühsamer, eine Übereinstimmung über

Ziele und Maßnahmen zu erreichen.

Wir machen uns Sorgen darüber, daß wir we-

niger anpassungsfähig seien.
Keines dieser Anliegen und Besorgnisse wird sich in allzu naher Zukunft
allzu sehr ändern.
Die Gefahren von außen dürften mit dem aggressiven Expansionismus der
Sowjetunion, den Umwälzungen im Islam

und der Agonie der kleinen indochine-

sischen Staaten sicherlich noch bedrohlicher geworden sein.
Ebenso wenig sind für unsere großen innenpolitischen Probleme Durchbrüche
in Sicht. Man kann wohl Wetten darauf abschließen, daß niemand in seinem Innern eine Idee zur Lösung des Inflationsproblems nährt, die mit der Entdeckung
von Keynes hinsichtlich der Arbeitslosigkeit vergleichbar wäre. Keine neuen
Erdölfelder, und seien sie noch so groß, werden wahrscheinlich die Verhältnisse
auf den ölmärkten auf sehr lange Zeit sehr wesentlich ändern. Und es wäre unrealistisch, wollte man erwarten, daß wir mit Hilfe eines "Sesam-öffne-dich"
einen Abkürzungsweg durch die üblichen, oft fürchterlich verschlungenen Pfade
der Angleichung auseinandergehender Auffassungen finden werden, die das Wesen
der Demokratie in Amerika und Europa ausmachen.
Wenn
- 2 -

�Wenn wir es besser machen wollen als im vorigen Jahrzehnt, ja, selbst
wenn wir es auch nur halbwegs so gut machen wollen, dann werden wir ein neues
Element einbringen müssen.

Wir müssen die Frage irgendwie anders stellen.

Dieses neue Element kann - wie mir scheint - nur sein, was wir noch
stärker zusammen tun können.

Ich glaube, wenn wir das kommende Jahrzehnt be-

greifen wollen, dann ist es tatsächlich von fundamentaler Bedeutung, daß wir
einsehen, daß keiner von uns, weder Europäer noch Amerikaner, Erfolg haben
wird, wenn

wir nicht eine seit der unmittelbaren Nachkriegszeit beispiellose

Anstrengung zur Zusammenarbeit unternehmen.
Das gilt eindeutig bezüglich der Geiseln, die in Teheran festgehalten
werden - unter Verletzung jeden Rechts, unter Mißachtung des Willens fast aller
Staaten und Völker, wider jede Regel der Zivilisation. Seit Beginn der Krise
hat sich ein überaus enges und unterstützendes Handeln unter uns abgezeichnet.
Während dieser Wochen konnte Amerika wirklich auf Europa zählen. Dieses lange Leiden tritt jetzt in eine neue, schwierigere,potentiell entscheidende
Phase, in der unsere Solidarität von entscheidender Bedeutung sein kann. Wir
rechnen weiterhin mit der Unterstützung Europas.
Im Falle der sowjetischen Invasion in Afghanistan hat die Europäische
Gemeinschaft nachhaltig auf die amerikanische Getreide-Entscheidung reagiert
und versprochen, die amerikanischen Nahrungsmittel lieferungen in die UdSSR
weder direkt noch indirekt zu ersetzen. Wir müssen uns heute fragen, ob es
klug ist, wenn wir der UdSSR helfen, ihre eigene Stärke aufzubauen, indem wir
hochtechnologische Güter liefern, die möglicherweise militärisch genutzt werden
können - wenn diese Stärke so gewalttätig und unvorhersehbar angewandt wird
wie jetzt in Afghanistan. Und ist es wirklich sinnvoll, der UdSSR bevorzugte
oder von der Regierung garantierte Kredite einzuräumen? Warum sollten die
Sowjets nicht zu den gleichen Bedingungen kaufen müssen wie andere entwickelte
Länder?
Aber es geht nicht nur um die Probleme jenseits unserer Grenzen, sondern
auch um die Probleme innerhalb unserer Grenzen, deren Lösung in den achtziger

�achtziger Jahren eine außerordentliche Anstrengung der Zusammenarbeit erfordern wird.
Denken wir nur an die Energie.

Wir haben den zweiten Ölschock noch nicht

verdaut, und es liegt bereits auf der Hand, daß wir in den nächsten Jahren von
einigen weiteren ölschocks getroffen werden können.
derartige Versorgungsstörungen geben wie im Iran.

Es kann durchaus weitere
Und selbst, wenn das nicht

der Fall ist, so ist der geplante Ausbau der OPEC- und Nicht-OPEC-Ölquellen
in diesem Jahrzehnt nicht ausreichend, um das Ausmaß an Wachstum zu erreichen,
das die Industriestaaten zu erreichen hoffen - ohne daß wir bei der Nutzung
von Energie eine wesentlich größere Effizienz erzielen.

Und in dem Maße, in

dem die Preise mit jedem Schock nach oben schießen, könnte mancher Produzent
seine Förderung senken, denn er könnte mehr an der Erhaltung seiner Vorkommen
als an der Anhäufung von Geld interessiert sein.
über ihr gegenwärtiges Niveau steigen.
wogen kommen.

Die ülpreise könnten weit

Es könnte zu gewaltigen neuen Inflations-

Die OPEC-Überschüsse könnten ins Unermeßliche wachsen.

Im in-

ternationalen Währungssystem könnten tiefgreifende Turbulenzen auftreten.
Das alles wäre möglich, selbst wenn das OPEC-Kartell in der gegenwärtigen
Uneinigkeit verharrt.

Es gibt Grund zu der Annahme, daß das Kartell bisher

nur eine wesentliche Auswirkung auf den ölmarkt gehabt hat, nämlich eine Untergrenze für die Preise zu schaffen, nachdem sie durch Verknappung der Lieferungen wie 1973/74 und erneut im vorigen Jahr in die Höhe getrieben worden waren.
In den achtziger Jahren müssen Europa und die Vereinigten Staaten zweierlei tun:
Erstens müssen wir mit den Schocks fertigwerden, damit ihre gewaltigen
aber potentiell kurzfristigen Preisauswirkungen nicht Einzug in das System
finden.

Dies ist uns 1973/74 nicht gelungen.

Damals wurden dem Angebot ein

halbes Jahr lang mehrere Millionen Barrel pro Tag entzogen.

Als sich die La-

ge wieder normalisierte, zahlten wir für dasselbe öl viermal so viel.

Dies

taten wir 1979 erneut vergeblich, als wir ein paar Millionen Barrel pro Tag
verloren, aber Saudiarabien und andere Länder dies mehr als wettmachten.
- 4 -

Und

�Und jetzt bezahlen wir 100 Prozent mehr für eine Gesamt-ÖlVersorgung, die
genau denselben Umfang hat wie vor der Krise.

Zweitens müssen wir über die Langzeittrends des Marktes hinausgreifen,
müssen von Reaktion auf Initiative übergehen, so daß unsere langfristigen Einsparungs- und Produktionsentscheidungen frühzeitig getroffen werden und dadurch diese - und nicht die Verfügbarkeit des OPEC-Öls - die Spielregeln bestimmen.

Wir müssen mehr tun.

Ein klarer Befehl?

Aber wir müssen es sicherlich schneller tun.

Ja, das ist es.

Umso mehr als die Europäer und die

Amerikaner gegenseitig ihre Leistungen kritisch betrachten.
gen,

Die Europäer sa-

die Amerikaner verschwendeten Energie mit ihren großen Autos und ihren

klimatisierten Häusern und allen ihren energieverschlingenden Maschinen.

Tat-

sächlich zeigt der genaueste Maßstab - Energieverbrauch pro Einheit des Binnensozialprodukts - einen kleineren Unterschied, als man denken würde.

Auf dieser

Skala benötigen die Vereinigten Staaten ein Drittel mehr Energie als die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien oder Italien, um eine Einheit des
Binnensozialproduktes herzustellen.

Aber sicher haben die Europäer recht,

wenn sie sagen, daß es in den Vereinigten Staaten mehr Langzeitmöglichkeiten
zur Einsparung und für neue Energieproduktion gibt als in Europa.

Die Amerikaner wiederum sagen, daß die Europäer nicht sehr hilfreich
sind, wenn es darum geht, mit dem ölschock fertigzuwerden - wie etwa 1979.
Nimmt man die Länder der Gemeinschaft zusammen, so haben sie tatsächlich ihren
Verbrauch um 10 Millionen Tonnen erhöht.

Es ist richtig, daß die amerikanische

Wirtschaft in diesem Zeitraum langsamer wuchs als die europäische.

Aber sogar

wenn man dies in Rechnung stellt, bleibt die Schlußfolgerung bestehen, daß erhöhte Gemeinschaftsimporte die amerikanische Anstrengung aufgehoben haben.

Tatsache ist, daß Nordamerika aufgrund des größten Potentials zu Einsparung und neuem Angebot eine besondere Verantwortung hat, zum langfristigen
Energiegleichgewicht beizutragen - in seinem eigenen Interessen wie im Allgemeininteresse.
Genau
- 5-

�Genau dies tun die Vereinigten Staaten, Seit 1973 ist der Gesamtenergieverbrauch nur um etwa ein Drittel des Bruttosozialprodukts gestiegen.

1979

unternahmen die Amerikaner einen großen Schritt in die Richtung, das Wirtschaftswachstum vom Ölverbrauch abzukoppeln, als der Verbrauch tatsächlich um 2,5 Prozent sank, während das Wirtschaftswachstum 2 Prozent betrug.

Die Vereinigten

Staaten erhöhen die Inlandsenergiepreise, die lang niedriger als die in Europa
waren, rascher als dort. Sie starten ein umfangreiches neues Programm für
synthetische Brennstoffe und schaffen sich die Mittel, die gesetzgeberischen
Hindernisse bei neuen Energieprojekten zu überwinden.

Die letzten beiden Maß-

nahmen durchlaufen gerade die letzte Etappe der Zustimmung im Kongreß.

Der

nächste Kongreß muß - und wird - breitangelegte neue Energiemaßnahmen verabschieden.
Aber in einer Krise, wenn rasch wirkende Maßnahmen benötigt werden, müssen alle beisteuern, oder die Anstrengung wird fehlschlagen - wie im letzten
Jahr.
Im Dezember führten die Internationale Energieagentur und die Europäische
Gemeinschaft eng koordinierte Mechanismen ein, um die Nachfrage in angespannten
Marktsituationen dem Angebot anzupassen,, Es ist entscheidend, daß wir sie zur
Wirkung bringen, wenn uns der nächste Schlag trifft. Tatsächlich werden wir
ohne einen effektiven Mechanismus dieser Art den Ereignissen in diesem Jahrzehnt gnadenlos ausgeliefert sein. Offensichtlich ist es für alle von uns politisch einfacher, den Schock einfach abzuwarten - und dann auf die OPEC loszurennen. Aber die sozialen und wirtschaftlichen Kosten der Untätigkeit unsererseits - hinsichtlich Inflation, Zahlungsbilanzabflüsse, Arbeitslosigkeit sind sehr hoch. Wir werden sie nicht mehr viel öfters zahlen können.
Lassen Sie mich zweitens zum Geld Stellung nehmen. Die meiste Zeit der
Nachkriegsperiode und fast überall auf der Welt war der Dollar die vorherrschende internationale Wertanlage und machte nie weniger als vier Fünftel der Währungsreserven der Welt aus. Und er war ein viel stabileres Instrument als oft
erkannt wird. Aber gegen Ende der sechziger Jahre nahm sein Wert gegenüber
anderen Währungen allmählich ab. Anfang der siebziger Jahre gab es eine Ab-

�Abwertung von insgesamt 17 Prozent.

Seit dem März 1973 sank der Wert des

Dollar gegenüber fast allen europäischen Währungen und dem Yen, stieg jedoch
gegenüber Großbritannien, Italien und Kanada.

Bewertet man ihn durch Handel,

so hat er seinen Wert gegen andere Währungen als Gruppe behalten.

Die Vereinig-

ten Staaten sind entschlossen, diese Funktion zu erhalten,und werden die hierzu
notwendigen internationalen und nationalen Schritte ergreifen.

Wir bewiesen

dies im November 1978 und erneut im Oktober letzten Jahres.
Aber wir wissen, daß es in diesem Jahrzehnt ungeheuren Druck auf das Weltwährungssystem geben kann:
- Die OPEC könnte gewaltige Währungsbestände aufhäufen - viel größer,als
manche Länder überhaupt aufnehmen möchten.
- Manche Entwicklungsländer, tiefverschuldet, könnten Schwierigkeiten haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen.
- Manche Dollarbesitzer könnten den Wunsch hegen, ihre Vermögenswerte
zu diversifizieren, aber solange es keine wesentlichen Änderungen gibt, könnten
potentielle Reserveländer es nur ungern sehen, wie ihre Währung in größerem
Umfang als Reserve benutzt wird.
- Das Fehlen eines Mechanismus zur Kontrolle der geschaffenen internationalen Liquiditätsmengen könnte Fragen über die Stabilität des Systems aufkommen
lassen. Eindeutig ist die Zeit gekommen, da der Stabilität des Systems dadurch am besten gedient würde, daß man sich in. zunehmendem Maß auf eine einzige,
international geschaffene und verwaltete Reserveeinheit stützt.
Der Internationale Währungsfonds hat bereits die ersten Schritte in diese Richtung unternommen, indem er die Sonderziehungsrechte geschaffen, sie zur
grundlegenden Rechnungseinheit und in größerem Umfang verwendbar gemacht hat.
Der nächste Schritt wird sein, ein Mittel zu schaffen, durch dessen Hilfe
Reserven an Dollar und vielleicht anderen Währungen in Reserven an Sonder- 7 -

�Sonderziehungsrechten konvertiert werden könnten.

Verhandlungen über einen

solchen Mechanismus - Substitionskonto genannt - sind jetzt im Gange.
Den Schritten zur Verbesserung unserer weltweiten internationalen Währungsvereinbarungen entsprechen die Anstrengungen zur Stärkung der Währungsvereinbarungen in Europa.
Das Europäische Währungssystem kann zu einer größeren Stabilität des Gesamtsystems beitragen, teilweise durch die Wechselkursvereinbarungen und - noch
wichtiger - durch die Koordinierung der nationalen Politiken.
Es ist noch unbekannt, wie weit die Gemeinschaft bei der Institutionalisierung der neuen europäischen Währungseinheit in der zweiten Phase des Europäischen Währungssystems gehen wird und ob sie eine stärkere Verwendung ihrer
neuen Währungseinheit, des ECU, erlauben oder vielleicht dazu ermutigen wird.
Sollte dies der Fall sein, so könnte der ECU eine zusätzliche Möglichkeit für
die weltweite Kreditgewährung sein, ohne auf nationale Währungen zurückzugreifen,
da viele Mitglieder der Gemeinschaft nur ungern sehen, daß diese in eine Reserverolle gedrängt werden.

Dies wäre eine vielversprechende Entwicklung.

Drittens gibt es die Frage des Handels. Wir dürfen nie vergessen, daß
eine der wesentlichsten Ursachen dafür, daß die Geschichte nach dem Zweiten
Weltkrieg in einer Richtung verlief, die so verschieden von jener nach dem
Ersten Weltkrieg war, die Entwicklung des internationalen Handels gewesen ist.
Der Handel war die große Wachstumsindustrie der letzten 30 Jahre, die ständig
die Leistung des Inlandsmarktes bei weitem übertraf. Dies ist nicht von selbst
geschehen, sondern ist das Ergebnis einer bemerkenswerten, anhaltenden Anstrengung, die Zölle zu senken und andere Beschränkungen zu begrenzen; beide - die
Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten - spielten dabei eine führende Rolle.
Die Hoffnung auf Wohlstand in diesem Jahrzehnt wird viel geringer sein, wenn
wir nicht in der Lage sind, das Handelssystem weiterhin offen zu halten.
Wie Sie wissen, trat am 1. Januar die erste bedeutsame Revision der internationalen Handelsregelungen seit kurz nach dem Krieg in Kraft.

Diese neuen

�neuen Regeln sind zusammen mit den umfangreichen Zoll Senkungen, die gleichzeitig
ausgehandelt wurden, eine wesentliche Leistung für die internationale Gemeinschaft.

Jetzt treten wir in die heikelste Phase ein.

Die Eindrücke und die

Signale

der kommenden Monate können leicht das Handelsklima des Jahrzehnts

festlegen.

Diejenigen, die bei ihrem Handel Grund zur Klage hatten, werden ohne Zweifel sehen wollen, ob die neuen Regeln ihnen bessere Chancen für eine Abhilfe
geben, als dies bei den alten der Fall war.

Dies ist nur allzu natürlich, und

man sollte ihren Klagen Gehör verschaffen.

Gleichzeitig sollten wir diese neuen Werkzeuge behutsam einsetzen, damit
sie gestärkt werden und sichergestellt wird, daß sie nicht in unserer Hand
zerbrechen.

Es ist unvermeidlich, daß es Meinungsverschiedenheiten bei der Interpretation der Abkommen geben wird.

Ebenso unvermeidlich ist es, daß es auf beiden

Seiten ein paar Fälle geben wird, wo einige limitierte ad-hoc-Maßnahmen unumgänglich sind.

Aber es gibt zwischen der Gemeinschaft und den Vereinigten Staa-

ten auf dem Handelssektor eine vorzügliche Kommunikation.

Wir sollten uns ihrer

bedienen, um einander zu konsultieren, bevor wir handeln.

Wo immer es nötig

und möglich ist, sollten wir unsere Konsultationen dazu nützen, Meinungsverschiedenheiten beizulegen.

Dies wird der Weg sein, den die Vereinigten Staaten

gehen.

Gestatten Sie mir viertens, daß ich mich kurz Verteidigungsfragen zuwende.
Wir sind uns heute alle stärker der neuen Bedrohungen unserer Sicherheit durch
die außerordentlichen und anhaltenden Anstrengungen der UdSSR bewußt, die militärische Überlegenheit zu erringen.

Die meisten der Verbündeten unternehmen

bereits umfassendere Verteidigungsanstrengungen, und niemand vermag den Zeitpunkt vorauszusehen, von dem an wir weniger tun können.

Während wir in den

siebziger Jahren Ressourcen vom Verteidigungsbereich auf den zivilen Bereich
umdirigieren konnten, besteht diese Option heute für uns nicht mehr.
ten in der Tat gezwungen sein, das Gegenteil zu tun.
- 9 -

...

Wir könn-

�Wir alle haben, was unsere Gesellschaft angeht,viele unerledigte Aufgaben
anstehen:

die berechtigten Ansprüche auf bessere Wohnverhältnisse, bessere

Gesundheitsfürsorge, eine bessere Umwelt, besseren Schutz vor Arbeitslosigkeit
und eine bessere Erziehung.

Um diesen und den Sicherheitserfordernissen ge-

recht werden zu können, müssen wir lernen, die auf die Verteidigung zu verwendenden Ressourcen so wirksam wie nur möglich zu nutzen.
Es sind bereits langfristige Anstrengungen im Gange, unnötige Parallelvorhaben zu eliminieren und die Zusammenarbeit in der Entwicklung und Produktion
von Rüstungsgütern zu verbessern.

Sicherlich besteht auf manchen Gebieten ein

gesunder Wettbewerb zwischen mehreren qualifizierten Lieferfirmen auf beiden
Seiten des Atlantik.

Es gibt allzu oft weitgehende Überlappungen, wenn mehrere

Länder ihre eigenen Systeme auf im wesentlichen exklusiver Basis in kleinen Serien bei hohen Kosten und geringer Effizienz produzieren, und es gibt auch
Fälle der Marktbeherrschung durch eine einzige (häufig amerikanische) Lieferfirma - oder beides.

Europa und Amerika sind der Sowjetunion hinsichtlich ihrer

industriellen Stärke weit überlegen; es ist aber keineswegs sicher, daß wir
diese Fähigkeit so weitgehend oder so gut ausnutzen, wie wir dies könnten.
Um Fälle von Ineffektivität zu beseitigen, geht die NATO drei Wege.
Erstens auf dem Gebiet der Entwicklung: Die NATO faßt neue Waffen wie beispielsweise die Kurz- und Mittelstrecken-Luft-Luft-Raketen, zu"Familien" zusammen. Auf diese Weise wird von vornherein vereinbart, welcher Typ aus einer solchen Waffenfamilie - beispielsweise welche Luft-Luft-Rakete - von Nordamerika
und welcher Typ von Europa entwickelt werden soll. Zweitens auf dem Gebiet der
Produktion: Die NATO ermutigt zur Einrichtung "paralleler" Fertigungsstraßen
auf beiden Seiten des Atlantik, um der Neigung entgegenzuwirken, die gleichen
Waffen immer wieder "neu" zu erfinden. Drittens führen die Vereinigten Staaten
Verhandlungen mit dem Ziel, zu gemeinsamen Absprachen bezüglich der für die Gesamtverteidigung erforderlichen Beschaffungskäufe zu gelangen, um Vorschriften
zur Bevorzugung "heimischer" Anbieter zu eliminieren und die Beurteilung von
Waffen nach ihren Leistungen zu erleichtern. Die Bündnismitglieder erproben
dieses Konzept einer verbesserten transatlantischen Zusammenarbeit in der
Rüstungsproduktion gegenwärtig an ersten Beispielen und haben damit inzwischen

�inzwischen vielversprechende erste Ergebnisse erzielt.

Vielleicht läßt sich

hier - wie auf anderen Gebieten - eine europäische Lösung finden, die mit einer
umfassenderen transatlantischen Lösung vereinbar ist.

Ich möchte damit keineswegs sagen, daß sich Anstrengungen im eigenen Land
durch die internationale Kooperation ersetzen lassen.

Keine internationale An-

strengung kann den Mangel an Willenskraft im eigenen Lande kompensieren.

Und

ich will auch nicht sagen, eine Forderung müsse allein schon deshalb als gültig
betrachtet und befolgt werden, weil es sich um eine Forderung nach Zusammenarbeit handelt.

Das wäre Unsinn.

Sicherlich aber sind Kräfte in der Welt am Werk, die keiner von uns für
sich allein unter Kontrolle bringen kann.

Die Erfahrung lehrt uns, daß ein höheres Maß an Zusammenarbeit sehr schwierig zu erreichen und aufrechtzuerhalten sein wird.

Hier spielen Stilfragen

eine große Rolle.

Wir müssen uns aufgeschlossen gegenüber der Tatsache zeigen, daß ein höheres Maß von Kooperation nicht nur unsere gemeinsamen Kräfte und unsere Effizienz mehren, sondern auch die Streßbelastung erhöhen kann.

Das verlangt der

Politik viel ab und erfordert eine besondere Form der Kreativität, die es jedem Lande gestattet, seine Hoffnungen und Interessen innerhalb der gemeinsamen
Aktionen zum Ausdruck zu bringen.

Wir haben es nicht nötig, uns gegenseitig mit dem Vorwurf zu begegnen,
jeder folge seiner eigenen, unausgesprochenen Tagesordnung.

Die Zeit ist ein-

deutig vorüber, in der der eine die Interdependenz feiern und ein anderer sie
lediglich für ein Kodewort für Hegemonie halten mochte oder in der ein zweiter den Nationalismus rühmte, während ein dritter ihn lediglich als Deckmantel
für

den nationalen Egoismus erachtet.

Die Erfahrung lehrt, daß die Vorzüge

sowohl der Interdependenz als auch des Nationsiismus weit überschätzt worden
sind.
Wir
- 11 -

�Wir sollten uns unsere Unterschiede und auch der Tatsache bewußt sein,
daß Europa und Amerika, wie Rainer Maria Rilke sich ausdrückt, zwei Einsamkeiten
sind, die sich gegenseitig schützen, berühren und respektieren müßten.
Kein Forum braucht bevorrechtigt zu sein. Wir sollten vielmehr die Mechanismen nutzen oder schaffen, die der jeweiligen Angelegenheit angepaßt sind,und
nicht umgekehrt.

Die Amerikaner aber wissen, wieviel Stärke freigesetzt wird,

wo immer sich Europa zur Zusammenarbeit entschließt, und in allen solchen Fällen
werden wir es begrüßen, daß wir es mit der Gemeinschaft zu tun haben.
Letzten Endes werden alle - Amerikaner, Europäer, ja wir alle - nach Mitteln und Wegen suchen müssen, unsere jeweiligen nationalen Interessen stärker
in Übereinstimmung mit den gemeinsamen Interessen zu bringen, wollen wir die
Werte erfolgreich verteidigen, auf die sich die westliche Welt gründet.

Die

Zukunft dringt in uns ein, um einen weiteren Gedanken Rilkes anzuführen, und
verwandelt sich in uns, lange ehe dies nach außen sichtbar wird.

In einem ge-

wissen Sinne ist die Zukunft schon in uns in Gestalt dessen, was Europa und
Amerika gemeinsam erreicht haben.

Das wiederum bedeutet, daß wir fähig sein

werden, auch unseren künftigen Verantwortungen gerecht zu werden.

.

•

.

• •

+ + + + +

�3
I 3

UJi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

LAKE PLACID:

SOLARSTROM FÜR DIE STRECKENTELEFONE

- (AD) - Zwanzig Kollektoren auf dem Whiteface Mountain liefern
den elektrischen Strom für den Betrieb des Telefonsystems, das für die
Olympischen Winterspiele in Lake Placid entlang der Skilauf-Rennstrecken
installiert wird. Die zahlreichen Einzel Zeilen der Sammlerplatten wandeln
Sonnenenergie in elektrischen Strom um.
Der Startplatz für die Skiläufer aus 40 Nationen liegt in 876 m
Höhe an einem Abhang des knapp 1500 m hohen Whiteface Mountain, das Ziel
befindet sich 400 m tiefer.

Hier werden über Strecken von 1200 m und

mehr die Wettkämpfe im Slalom, Riesenslalom und in den Abfahrtsläufen
ausgetragen.
Die für die Stromerzeugung verwendeten Solarzellen sind repräsentativ
für die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet der Technik. Jede
Sammlerplatte erzeugt bei stärkster Sonneneinstrahlung ca. 20 Watt. Die
sog. photovoltaisehen Zellen brauchen praktisch keine Wartung und haben
eine sehr lange Lebensdauer; am System gibt es keine beweglichen Teile.

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Teile.

Die Raumfahrttechnik bedient sich schon seit zwei Jahrzehnten

solcher Ausrüstungen zur Erzeugung von Betriebsstrom für unbemannte und
bemannte Raumfahrtgeräte.

Einer breiten Anwendung unter irdischen Be-

dingungen stehen jedoch noch immer die Kosten für die Solarzellen im Wege,
obgleich diese in den letzten vier Jahren um 80 Prozent zurückgegangen
sind.

Die Fachleute sind jedoch zuversichtlich, daß sie weiterhin gesenkt

werden und Solarzellen in absehbarer Zeit mit anderen Verfahren der Stromerzeugung konkurrieren können.

+ + + + +

- 2 -

�3!
I

3

•JUiz/cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

23. Januar 1980

HYBRIDAUTO FÜR BENZIN- UND STROMBETRIEB
Entwicklungsmodell von der Universität Berkeley

- (AD) - Einen schnittigen Kleinwagen stellten Studenten der
Universität Kalifornien in Berkeley der Öffentlichkeit vor, den sie unter
Mitwirkung von Otto J. Smith, Professor für Elektrotechnik, und Frank
Hauser, Professor für Maschinenbau, in achtzehnmonatiger Arbeit entwickelt
haben.

Er verbraucht 4,7 Liter Benzin pro 100 km bei Autobahnfahrten und

wird im Stadtverkehr mittels eines kleinen Hebels

auf abgasfreien Elektrobe-

trieb umgeschaltet.
Das Gefährt hat ein Volkswagen-Chassis und ist mit einem MotorradVerbrennungsmotor der Fa. Honda sowie einem 10 PS-Elektromotor und vier
Batterien ausgerüstet. Die Spitzengeschwindigkeit beträft etwas über
120 km/h. Der Tank faßt 25,7 Liter, so daß die Reichweite bei normaler
Fahrweise ca. 550 km beträgt. Wenn der Wagen auf Benzinbetrieb geschaltet
ist, werden während der Fahrt gleichzeitig die Batterien wieder aufgeladen.

Die

Postfach 20 0 3 OO
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Die Studentengruppe konstruierte den Versuchswagen unter der Gesamtleitung von Chenming Hu, Assistenzprofessor für Elektrotechnik und Informatik
an der Universität Berkeley, für einen landesweiten Wettbewerb, der von der
gemeinnützigen Stiftung SCORE (Student Copetitions on Relevant Enginieering,
Inc.) organisiert worden war.

Sie errang den zweiten Platz bei der

Bewertung der vorgestellten Hybridwagen.
Der Zweisitzer mit seiner leichten Fiberglas-Karosserie fand allgemein
viel Bewunderung.

Ein Expertengremium aus der Industrie, das die Beurteilungen

vornahm, schätzte, daß der Stückpreis ca. 4 000 Dollar betragen würde,
wenn eine Serienfertigung 100 000 Stück pro Jahr erreichte.

Das Entwicklungs-

modell kostete 10 600 Dollar, die vor allem durch Spenden von Seiten der
Industrie und zweier Stiftungen aufgebracht worden waren. Gegenwärtig ist
die Studentengruppe dabei, bestimmte technische Details noch zu verbessern.

+ + + + +

- 2

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

{•}

L*3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Präsident Carters Botschaft Über die Lage der Nation
- 23. Januar 1980 -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�24. Januar 1980

5

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT OBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1980 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 23. Januar 1980
vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung
vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation (State of the Union
Message) verlesen. Die diesjährige Botschaft hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des 96. Kongresses, meine
Mitbürger.
Die letzten Monate sind nicht leicht gewesen.

Wenn wir heute

abend zusammenkommen, dann ist niemals zuvor deutlicher geworden, daß
die Lage unserer Nation von der Lage der Welt abhängt. Und heute abend
hängen, wie in unserer ganzen Generation, Freiheit und Frieden in der
Welt von der Lage der amerikanischen Nation ab.
Die achtziger Jahre wurden im Umsturz und Wandel geboren. Wir
leben in einer Zeit der Herausforderung unserer Interessen und Werte -

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Werte - einer Zeit, die unsere Klugheit und unseren Willen auf die Probe
stellt.
In diesem Augenblick werden im Iran noch immer 50 Amerikaner,
unschuldige Opfer des Terrorismus und der Anarchie, gefangengehalten.
In diesem Augenblick versuchen massive sowjetische Invasionsstreitkräfte das stolze,unabhängige und tiefreligiöse Volk von Afghanistan zu
unterjochen.
Diese beiden Akte - ein Akt des internationalen Terrorismus und
ein Akt der militärischen Aggression - stellen eine ernste Herausforderung
der Vereinigten Staaten und der anderen Länder der Welt dar.

Zusammen

werden wir diese Bedrohungen des Friedens meistern.
Ich bin entschlossen, daß die Vereinigten Staaten die stärkste aller
Nationen bleiben, aber unsere Macht wird niemals genutzt werden, um eine
Bedrohung der Sicherheit irgendeines Landes oder der Rechte irgendeines
Menschen auszuüben. Wir wollen sicher sein und sicher bleiben - eine
Nation in Frieden in einer stabilen Welt. Aber um sicher zu sein, müssen
wir uns der Welt stellen, so wie sie ist.
Drei grundlegende Entwicklungen haben mitgewirkt, um diese unsere
Herausforderungen Gestalt annehmen zu lassen:
-

Das stetige Anwachsen und die verstärkte Darstellung sowjetischer
Militärmacht über ihre eigenen Grenzen hinweg;

-

die überwältigende Abhängigkeit der demokratischen Industriestaaten von der Ölversorgung aus dem Mittleren Osten; und

-

der Druck sozialen religiösen, wirtschaftlichen und politischen

- 2 -

�i

politischen Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt,
beispielhaft gezeigt durch die Revolution im Iran.
Jeder dieser Faktoren ist für sich allein von Bedeutung.

Jeder

wirkt sich auf die anderen aus. Alle drei konzentrieren sich jetzt
auf ein Unruhegebiet der Welt.

All diese Faktoren müssen zusammen gemeistert

werden - klar und mutig.
Wir werden uns diesen Herausforderungen stellen.
mit dem Besten meistern, was wir haben.

Wir werden sie

Und wir werden nicht versagen.

Als Antwort auf den abscheulichen Akt im Iran hat sich unsere
Nation erhoben und vereint wie niemals zuvor in Friedenszeiten. Unser
Standpunkt ist klar. Wir werden der Erpressung niemails nachgeben.
Wir verfolgen weiterhin diese spezifischen Ziele:
-

Die gegenwärtigen und künftigen Interessen der Vereinigten
Staaten zu schützen;

-

das Leben der amerikanischen Geiseln zu erhalten und auf jede
mögliche Weise ihre sichere Freilassung zu erreichen;

-

wenn möglich Blutvergießen zu vermeiden, das das Leben unserer
amerikanischen Mitbürger noch mehr gefährden könnte;

-

die Hilfe anderer Länder zu gewinnen, um diese verbrecherische
Verletzung der moralischen und rechtlichen Normen einer zivilisierten
Welt zu beenden;

-

und

die iranischen Führer zu überzeugen, daß die wirkliche Gefahr
für ihr Land im Norden von den sowjetischen Truppen in Afghanistan

3 -

�&gt;

Afghanistan ausgeht und daß der ungerechtfertigte iranische
Streit mit uns ihre Antwort auf diese größere Gefahr behindert.
Wenn die amerikanischen Geiseln Schaden erleiden, dann wird dies
teuer bezahlt werden.
Wir werden nicht ruhen, bis jedes dieser Opfer freigelassen ist.
Aufgrund der kürzlichen militärischen Aktion der Sowjetunion stehen
wir nunmehr einer umfassenderen, grundlegenderen Herausforderung in der
Region gegenüber.
,

'

•

•

•

'

•

•

Wie im Verlauf der letzten dreieinhalb Jahrzehnte stellt die
Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion den wichtigsten
Faktor bei der Entscheidung dar, ob die Welt in Frieden leben oder in einen
weltweiten Konflikt stürzen wird.

&gt;

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist Amerika anderen Staaten
dabei vorangegangen, sich der Herausforderung wachsender sowjetischer
Macht zu stellen.
gewesen.

Dies ist keine einfache oder statische Beziehung

Zwischen uns gab es Zusammenarbeit, es gab Wettstreit, und es

gab Zeiten der Konfrontation.
-

In den vierziger Jahren übernahmen wir die Führung bei der
Schaffung des Atlantischen Bündnisses als Antwort auf die
Unterdrückung und die Konsolidierung des osteuropäischen
Machtbereichs der Sowjetunion und der sich daraus ergebenden
Bedrohung Westeuropas.
- i

-

In den fünfziger Jahren halfen wir dabei, weitere sowjetische
Herausforderungen in Korea und im Nahen Osten einzudämmen, und wir
rüsteten

auf, um diese Eindämmung zu garantieren.

iü
-4-

�.

-

In den sechziger Jahren stellten wir uns den sowjetischen
Herausforderungen in der Berlin- und der kubanischen Raketenkrise; daraufhin versuchten wir, die Sowjetunion an der bedeutenden
Aufgabe zu beteiligen, den Kalten Krieg zu beenden und von der
Konfrontation wegzukommen.

-« Und in den siebziger Jahren verhandelten drei amerikanische
Präsidenten mit der sowjetischen Führung in dem Versuch, dem
zunehmenden nuklearen Wettrüsten Einhalt zu gebieten.

Wir

versuchten, Verhaltensregeln einzuführen, die das Risiko eines
Konflikts vermindern, und wir suchten nach Gebieten der Zusammenarbeit, die unsere Beziehungen reziprok machen könnten - nicht
nur zum Nutzen unserer beiden Länder, sondern auch für die
Sicherheit und den Frieden der Welt.

Bei allen diesen Schritten haben wir zwei Verpflichtungen eingehalten:
bereit zu sein, uns jeder Herausforderung durch die sowjetische Militärmacht zu stellen, und Wege zu bahnen, um Streitigkeiten zu schlichten
und den Frieden zu erhalten.

Die Vermeidung eines Atomkriegs ist die

oberste Verantwortung der beiden Supermächte.

Aus diesem Grund handelten

wir die Verträge über die Begrenzung der strategischen Rüstungen aus SALT I und SALT II. Gerade jetzt in einer Zeit großer Spannung wird
die Beachtung der durch die Bedingungen dieser Verträge gegenseitig auferlegten Beschränkungen im besten Interesse beider Länder sein - und
dabei helfen, den Weltfrieden zu bewahren.

Ich werde eng mit dem Kongreß

zusammenarbeiten bei unserem Bemühen um die Kontrolle der Kernwaffen.
Diese Anstrengung wird nicht aufgegeben.

Wir Supermächte haben auch eine Verantwortung zur Ausübung von
Zurückhaltung beim Einsatz militärischer Macht.

Die Integrität und

die Unabhängigkeit schwächerer Staaten darf nicht bedroht werden.
jetzt hat die Sowjetunion einen radikalen
unternommen.

Aber

und aggressiven neuen Schritt

Sie setzt ihre große militärische Macht gegen ein verhältnis-

- 5-

�I
verhältnismäßig schutzloses Land ein.

Die Implikationen der sowjetischen

Invasion Afghanistans könnten die ernsthafteste Bedrohung des Weltfriedens
seit dem Zweiten Weltkrieg darstellen.
Die große Mehrheit der Staaten dieser Welt hat diesen neuesten
Versuch der Sowjets verurteilt, ihre kolonialistische Beherrschung anderer
auszuweiten und den sofortigen Abzug der Invasionsstreitkräfte gefordert.
Die islamische Welt ist besonders und zurecht über diese Aggression gegen ein
islamisches Volk empört.

Kein Schritt einer Weltmacht wurde jemals so

rasch und so überwältigend verurteilt.
Aber verbale Verurteilung ist nicht genug.

Die Sowjetunion muß

einen konkreten Preis für ihre Aggression bezahlen.

Solange die Invasion

anhält,können wir und andere Länder der Sowjetunion gegenüber nicht so
tun, als sei nichts geschehen.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten der Sowjetunion
energische wirtschaftliche Strafmaßnahmen auferlegt. Ich werde
sowjetischen Schiffen keine Fischfangrechte in den Küstengewässern der
Vereinigten Staaten gewähren. Ich habe den sowjetischen Zugang zu hochtechnologischer Ausrüstung und zu Agrarprodukten abgeschnitten. Ich
habe anderen Handel mit der Sowjetunion begrenzt und unsere Verbündeten
und Freunde aufgefordert, sich uns in der Zurückhaltung im Handel mit
der Sowjetunion anzuschließen und unsere eigenen, vom Embargo betroffenen
Produkte nicht zu ersetzen. Ich habe das Olympische Komitee darüber
informiert, daß weder das amerikanische Volk noch ich selbst es unterstützen, ein olympisches Team nach Moskau zu entsenden, solange die
sowjetischen Invasionsstreitkräfte in Afghanistan stehen.
Die Sowjetunion muß einige grundlegenden Fragen beantworten: will
sie dabei helfen, ein stabileres internationales Umfeld zu fördern, in
dem ihre eigenen legitimen, friedlichen Anliegen verfolgt werden können?

�können?

Oder will sie fortfahren, ihre militärische Macht weit über ihre

echten Sicherheitsbedürfnisse hinaus auszudehnen und diese Macht für
koloniale Eroberung auszunützen?
Die Sowjetunion muß einsehen, daß ihre Entscheidung, militärische
Gewalt in Afghanistan zu gebrauchen, jeder von ihr geschätzten politischen
und wirtschaftlichen Beziehung teuer zu stehen kommt.
Die jetzt durch die sowjetischen Truppen in Afghanistan bedrohte
Region ist von großer strategischer Bedeutung: in ihr liegen mehr als
zwei Drittel des exportierbaren Öls der Welt. Die sowjetischen Anstrengungen,Afghanistan zu beherrschen,haben die sowjetischen Streitkräfte
bis auf 300 Meilen vom Indischen Ozean entfernt gebracht und eng an
die Straße von Hormuz - ein Seeweg, durch den ein Großteil des Öls der
freien Welt transportiert werden muß. Die Sowjetunion versucht, eine
strategische Position zu konsolidieren, die eine schwere Bedrohung für
die freie Bewegung des Mittelostöls darstellt.
Diese Situation verlangt sorgfältige Überlegungen, gute Nerven
und entschlossenes Handeln - nicht nur in diesem Jahr, sondern über viele
Jahre hinaus.

Sie erfordert kollektive Anstrengungen, um dieser neuen

Bedrohung der Sicherheit im Persischen Golf und Südwestasien zu begegnen.
Sie verlangt die Beteiligung all jener, die vom öl aus dem Mittleren
Osten abhängig und um den Frieden und die Stabilität in der Welt besorgt
sind.

Und sie erfordert Konsultationen und enge Zusammenarbeit mit Ländern

des Gebietes, die bedroht sein könnten.
Diese Herausforderung zu meistern,wird nationalen Willen, diplomatische
und politische Klugheit, wirtschaftliche Opfer und selbstverständlich
militärische Kapazität erfordern. Wir müssen das Beste in uns fordern,
um die Sicherheit dieser entscheidend wichtigen Region zu erhalten.
Unser

�Unser Standpunkt muß absolut klar sein:
Ein Versuch durch eine Macht von außen, die Kontrolle über die
Region des Persischen Golfes zu erlangen, wird als ein Angriff auf die
lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten betrachtet werden.
Und solch ein Angriff wird durch den Einsatz aller notwendigen Mittel,
einschließlich militärischer Macht, zurückgewiesen werden.
Während der letzten drei Jahre haben wir Maßnahmen ergriffen, um
unsere eigene Sicherheit und die Aussichten auf Frieden zu verbessern nicht nur in den lebenswichtigen ölerzeugenden Gebieten am Persischen
Golf, sondern in der ganzen Welt.
-

Wir haben unsere reale Zusage für die Verteidigung jährlich
erhöht, und wir werden diese verstärkte Anstrengung während
unseres Fünfjahres-Verteidigungsprogramms durchhalten.

Es ist

eine zwingende Notwendigkeit, daß der Kongreß diesen starken
Verteidigungshaushalt für 1981, der einen fünfprozentigen
Real Zuwachs an Bewilligungen vorsieht, ohne jede Kürzung billigt.
-

Wir verbessern unsere Kapazität, amerikanische Streitkräfte
rasch in entfernt gelegene Gebiete zu dislozieren.

-

Wir haben mitgeholfen, die NATO und unsere anderen Bündnisse
zu stärken. Wir und unsere NATO-Verbündeten haben beschlossen,
modernisierte nukleare Mittel Streckensysteme zu entwickeln
und zu dislozieren, um einer ungerechtfertigten und wachsenden
Bedrohung durch die Kernwaffen der Sowjetunion entgegenzutreten.

-

Wir arbeiten mit unseren Verbündeten daran, einen Konflikt im
Nahen Osten zu verhüten.

Der Friedensvertrag zwischen Ägypten

und Israel ist ein bemerkenswerter Erfolg, der einen strategischen
Pluspunkt für Amerika darstellt und der auch die Aussichten auf
- 8 -

�auf einen regionalen und weltweiten Frieden fördert.

Wir sind gegen-

wärtig an weiteren Verhandlungen beteiligt, um für die Bevölkerung des
Westufers (West Bank) sowie des Gaza-Streifens die volle Autonomie zu
erreichen und die Palästinafrage in all ihren Aspekten zu lösen und
den Frieden und die Sicherheit Israels zu bewahren.

Möge niemand an

unserer Verpflichtung zur Sicherheit Israels zweifeln.

In wenigen

Tagen werden wir ein historisches Ereignis erleben, wenn Israel einen
weiteren Rückzug vom Sinai vornimmt und Botschafter zwischen Israel
und Ägypten ausgetauscht werden.

- Wir haben unsere eigene Sphäre der Freundschaft ausgeweitet.
Unsere tiefe Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten und
der Erfüllung menschlicher Ansprüche hat unser Verhältnis zu
einem Großteil der Dritten Welt verbessert.

Unsere Entscheidung,

unsere Beziehungen zur Volksrepublik China zu verbessern, wird
dazu beitragen, Frieden und Stabilität in Asien und im westlichen
Pazifik zu erhalten.

- Wir haben unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht und
verstärkt, und wir treffen gegenwärtig Abmachungen für entscheidend
wichtige Flotten- und Lufteinrichtungen, die von unseren Streitkräften in der Region des nordöstlichen Afrikas und des Persischen
Golfes benutzt werden können.

- Wir haben unser Abkommen von 1959 neu bekräftigt, um Pakistan
bei der Erhaltung seiner Unabhängigkeit und Integrität zu helfen.
Die Vereinigten Staaten werden - in Übereinstimmung mit unseren
eigenen Gesetzen - Maßnahmen ergreifen, um Pakistan bei dem
Widerstand gegen jede Aggression von außen zu unterstützen.
Ich ersuche den Kongreß ausdrücklich, diese Verpflichtung zu
bestätigen.

Ich arbeite ferner, zusammen mit anderen Ländern,

daran, zusätzliche militärische und wirtschaftliche Hilfe für
Pakistan zu leisten.

Dieser Antrag wird Ihnen in einigen Tagen

- 9-

�Tagen zugehen.
-

In den kommenden Wochen werden wir unsere politischen und
militärischen Bindungen mit anderen Ländern in der Region weiter
verstärken.

-

Wir sind der Überzeugung, daß es keine unüberwindlichen Differenzen
zwischen uns und irgendeinem islamischen Volk gibt. Wir achten
den islamischen Glauben, und wir sind bereit, mit allen moslemischen
Ländern zusammenzuarbeiten.

-

Und wir sind schließlich bereit, mit anderen Ländern der Region
zusammenzuarbeiten, um einen kooperativen Sicherheitsrahmen zu
schaffen, der unterschiedliche Werte und politische Überzeugungen
respektiert, jedoch die Unabhängigkeit,die Sicherheit und
Prosperität aller fördert.

All diese Anstrengungen bekräftigen unsere Verpflichtung, die lebenswichtigen Interessen unserer Nation und die unserer Verbündeten zu
verteidigen und zu bewahren - nicht nur in Europa und im Pazifik, sondern
auch in dem Teil der Welt, der für uns eine so große strategische Bedeutung
hat und der sich vom Nahen Osten bis nach Südwestasien erstreckt.
Ich werde diese Anstrengungen mit Kraft und Entschlossenheit
verfolgen und so handeln, wie es nötig ist, um die Sicherheit unserer
Nation zu bewahren.
Die Männer und Frauen der amerikanischen Streitkräfte sind heute
abend in vielen Teilen der Welt im Dienst.

Ich bin stolz auf die Arbeit,

die sie tun, und ich weiß, daß Sie diesen Stolz teilen.

Ich bin über-

zeugt, daß unsere Freiwilligenstreitkräfte unseren gegenwärtigen Verteidigungsbedürfnissen angemessen sind.

Ich hoffe, daß es nicht notwendig sein wird,

�wird, wieder die Wehrpflicht einzuführen. Wir müssen jedoch für diese
Möglichkeit gerüstet sein. Aus diesem Grund habe ich bestimmt, den
selektiven Wehrdienst jetzt wieder ins Leben zu rufen.

Ich werde nächsten

Monat dem Kongreß Gesetzgebung und Budgetvorschiä'ge zusenden, so daß wir
mit der Registrierung beginnen können und den Mobilisierungsanforderungen
im Bedarfsfall rasch entsprechen können.
Wir brauchen darüber hinaus die rasche Verabschiedung einer neuen
Satzung, um die gesetzmäßige Amtsbefugnis und Verantwortlichkeit unserer
Nachrichten- und Aufklärungsdienste klar zu definieren. Während garantiert
wird, daß Mißbräuche sich nicht wiederholen werden, müssen wir unverantwortliche
Behinderungen unserer Fähigkeit beseitigen, Nachrichten zu sammeln und unsere
Kontrollen sensitiver Nachrichteninformationen zu verschärfen. Eine
wirkungsvolle Nachrichten- und Aufklärungskapazität ist für die Sicherheit
unseres Landes lebenswichtig.
Das vor uns liegende Jahrzehnt wird eine Zeit des raschen Wandels
sein, da überall Staaten versuchen werden, mit neuen Problemen und uralten
Spannungen fertigzuwerden. Aber Amerika braucht keine Angst zu haben wir können in einer Welt des Wandels blühen, wenn wir unseren Werten
treu bleiben und weiterhin aktiv an der Förderung des Weltfriedens
arbeiten.
Wir werden auch weiterhin im Nahen Osten und in Südafrika tätig
sein - um regionale Streitigkeiten zu lösen. Wir werden weiterhin unsere
Bande mit den Entwicklungsländern stärken und dabei die nationale Unabhängigkeit respektieren und zu fördern helfen, für deren Erhalt sie gekämpft
haben.

Und wir werden weiterhin die Entwicklung der Demokratie und der

Menschenrechte unterstützen.
In repressiven Regimen hat das Gefühl der Vergeblichkeit im Volk
oft kein anderes Ventil als die Gewalt.

- 11 -

Aber wenn Völker und ihre

�ihre Regierungen ihre Probleme gemeinsam angehen - durch offene, demokratische Methoden -, ist die Grundlage für Stabilität und Frieden viel
solider und haltbarer.
Aus diesem Grund ist unsere Unterstützung der Menschenrechte in
anderen Ländern ebenso in unserem nationalen Interesse wie Teil unseres
National Charakters.
•

Frieden- ein Frieden, der die Freiheit bewahrt - bleibt Amerikas
oberstes Ziel.

In den kommenden Jahren werden wir als mächtiges Land

auch weiterhin den Frieden verfolgen.
Aber um im Ausland stark zu sein, müssen wir daheim stark bleiben.
Um stark zu sein, müssen wir uns auch weiterhin den schwierigen Problemen
stellen, denen wir uns heute als Nation gegen'übersehen.

Die Krisen im

Iran und in Afghanistan haben eine sehr wichtige Lektion unterstrichen:
unsere Abhängigkeit von ausländischem öl ist eine deutliche und gegenwärtige
Gefahr für unsere nationale Sicherheit.
drängender.

Die Notwendigkeit war niemals

Wir müssen endlich ein klares, umfassendes Energieprogramm

für unser Land haben.
Ich habe während der letzten drei Jahre mit dem Kongreß in konzentrierter
und beharrlicher Weise zusammengearbeitet, um dieser dringenden Forderung
nachzukommen.
Wir haben Fortschritte erzielt. Aber der Kongreß muß jetzt rasch
handeln, um dieses lebenswichtige Energiegesetz endgültig zu verabschieden.
Unser Land wird dann eine große Einsparungsanstrengung unternommen
haben,außerdem eine bedeutende Initiative zur Entwicklung der Sonnenenergie,
eine realistische Preisfestsetzung auf der Basis des echten Wertes des
Öls sowie starke Anreize zur Kohleförderung und anderer fossiler Brennstoffe

�Brennstoffe in Amerika und die massivste Investition unserer Nation
zu Friedenszeiten bei der Entwicklung synthetischer Brennstoffe.
Das amerikanische Volk macht Fortschritte bei der Energieeinsparung.
Im letzten Jahr haben wir den Gesamtverbrauch an Rohöl um 8 Prozent
gesenkt und den Benzinverbrauch um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Wir müssen jetzt mehr tun. Nach Beratungen mit den Gouverneuren
werden wir Benzineinsparungsziele für jeden der 50 Einzelstaaten festsetzen, und ich werde sie verordnen, wenn diese Ziele nicht erreicht
werden.
Ich habe für 1980 eine Importhöchstgrenze von 8,2 Millionen Barrel
pro Tag festgelegt - was weit unterhalb des Standes der ölimporte im
Jahre 1977 liegt. Ich erwarte, daß unsere Einfuhren noch sehr viel niedriger
sein werden, aber die Höchstgrenze wird, wenn notwendig, durch eine Importabgabe erzwungen werden. Ich bin bereit, unsere Importe noch weiter zu
senken, wenn andere ölverbrauchenden Länder sich uns in einer fairen und
beiderseitigen Verringerung anschließen werden. Wenn es zu einer ernsten
Verknappung kommt, werde ich nicht zögern, eine zwangsweise Benzinrationierung anzuordnen.
Der größte Einzelfaktor in der Erhöhung der Inflationsrate im
vorigen Jahr kam aus einer Quelle: den ins Unermeßliche steigenden OPECÖl preisen. Wir müssen alle notwendigen Maßnahmen treffen, um unsere
Abhängigkeit vom ausländischen öl zu verringern - um die Inflation
abzubauen. Als Einzelperson und als Familie können nur wenige von uns
selbst Energie produzieren. Aber wir alle können Energie sparen - jeder
von uns jeden Tag.
Ich appelliere heute abend an Sie, an alle Menschen in Amerika,
unserem Land zu helfen, sparen Sie Energie, beseitigen Sie Verschwendung

- 13 -

�Verschwendung, lassen Sie uns 1980 zum Jahr des Energiesparens machen.
Wir müssen weitere Maßnahmen ergreifen, um unsere Volkswirtschaft
zu stärken:
Erstens, wir werden weiterhin das Defizit des Bundeshaushaltes
abbauen und den Haushalt dann ausgleichen.
Zweitens, so wie wir weiterhin mit den Unternehmern zusammenarbeiten,
um die Preise niedrig zu halten, so werden wir auch auf dem historischen
nationalen übereinkommen mit den Gewerkschaften bauen, um in einem fairen
Kampf gegen die Inflation

die Lohnerhöhungen im Rahmen zu halten.

Drittens, wir werden unsere erfolgreichen Anstrengungen fortsetzen, um den Papierkrieg abzuschaffen und unnötige Reglementierungen zu
beseitigen.
Viertens, wir werden in dem Fortschritt nicht nachlassen, Arbeitsplätze für Amerika zu schaffen, und uns auf ein großes neues Programm zur
Beschaffung von Ausbildung und Arbeit für junge Menschen, vor allem Angehörigen der Minderheiten, zu konzentrieren. Es ist gesagt worden, daß
der Geist zu kostbar sei, als daß man ihn verschwende. Wir werden unseren
jungen Menschen in den achtziger Jahren neue Hoffnung auf Arbeitsplätze
und ein besseres Leben geben.
Fünftens, wir müssen das Jahrzehnt der achtziger Jahre nutzen,
um die grundlegenden strukturellen Probleme unserer Wirtschaft durch
Maßnahmen zur Erhöhung der Produktivität, der Rücklagen und der Investitionen
anzupacken« Mit dieser Politik auf den Gebieten der Energie und der Wirtschaft werden wir in diesem Jahrzehnt Amerika im eigenen Lande noch stärker
machen - so wie unsere Außen- und Verteidigungspolitik uns in der ganzen
Welt stärker und sicherer machen werden.
Wir
- 14 -

�Wir werden niemals unseren Kampf um eine gerechte und menschenwürdige Gesellschaft im eigenen Lande aufgeben.

Sie ist das Herz

Amerikas - und sie ist die Quelle unserer Fähigkeit, Menschen in anderen
Ländern zu inspirieren, ihre eigenen Rechte zu verteidigen.
Unsere materiellen Ressourcen sind, so groß sie auch sein mögen,
begrenzt.

Unsere Probleme sind zu komplex für einfache Schlagworte oder

rasche Lösungen.

Wir können sie nicht ohne Anstrengung und Opfer lösen.

Walter Lippman hat uns einmal daran erinnert:
"Ihr habt die guten Dinge als selbstverständlich vorausgesetzt.
Jetzt müßt ihr sie erneut erwerben. Für jedes Recht, auf das ihr euch
beruft, habt ihr eine Pflicht, die ihr erfüllen müßt. Für jede Hoffnung,
die ihr hegt, habt ihr eine Aufgabe, die ihr leisten müßt. Für alles
Gute, das ihr zu erhalten wünscht, werdet ihr euren Komfort und euer
Wohlbehagen opfern müssen. Es gibt heute nichts mehr umsonst".
Unsere Herausforderungen sind gewaltig.

Aber es herrscht ein

neuer Geist der Einigkeit und Entschlossenheit in unserem Lande. Wir
treten in die achtziger Jahre mit Vertrauen und Hoffnung ein - und mit
einer leuchtenden Vision des Amerika, das wir uns wünschen:
Ein starkes und freies Amerika.
Ein Amerika in Frieden.
Ein Amerika mit gleichen Rechten für alle Bürger - und für die
Frauen, wie dies in der Verfassung der Vereinigten Staaten garantiert
ist.
Ein Amerika mit Arbeitsplätzen und einer guten Gesundheitsfürsorge
und Bildung für jeden Bürger.
Ein
- 15 -

�Ein Amerika mit einem sauberen und erfüllten Leben in seinen
Städten und auf seinen Farmen.
Ein Amerika, das die Welt ernähren hilft.
Ein Amerika,das seinen eigenen Energiebedarf sicher deckt.
Ein Amerika der Gerechtigkeit, der Toleranz und des Mitgefühls.
Wenn diese Vision sich erfüllen soll, dann müssen wir Opfer bringen,
aber diese nationale Verpflichtung wird ein erregendes Unterfangen sein,
das unser Volk einigen wird.
Laßt uns zusammen als ein Volk daran arbeiten, unsere Stärke im
eigenen Lande aufzubauen.

Laßt uns zusammen als eine unteilbare Nation

nach Frieden und Sicherheit in der ganzen Welt streben.
Laßt uns zusammen diese Zeit der Herausforderungen und Gefahr zu
einem Jahrzehnt der nationalen Entschlossenheit und des kühnen Erfolges
machen.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 23. Januar 1980 -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>V* J

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Tu

Bf»fTM

fil

und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. Januar 1980

INHALT

DOKUMENTATION

Botschaft über die Lage der Nation
- Schriftlicher Bericht Präsident Carters an den Kongreß
- Auszüge -

Um Über/encJung von
Belegexemplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. Januar 1980

BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
Schriftlicher Bericht Präsident Carters an den Kongreß
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 21. Januar 1980 dem
amerikanischen Kongreß eine schriftliche Botschaft über die Lage der Nation
(State of the Union Message) zugeleitet, in der das in der mündlichen Botschaft am Abend des 23. Januar vor beiden Häusern des Kongresses dargelegte
Regierungsprogramm ausführlicher beschrieben wird.

Die schriftliche Botschaft,

die 75 Seiten umfaßt, behandelt neben der Außenpolitik auch die Wirtschaftspolitik und innenpolitische Themen, wie Jugendarbeitslosigkeit, Finanzausgleich
zwischen Bund und Einzelstaaten, Nuklearentsorgung, Neuorganisation der Nuklearaufsichtsbehörde, Vollmachten für Benzinrationierung und Senkung des Ölverbrauchs der Versorgungsbetriebe.
Im Mittelpunkt des außenpolitischen Teils steht das amerikanisch-sowjetische Verhältnis angesichts der Invasion Afghanistans durch Truppen der Sowjetunion und das Verhältnis zum Iran, der erneut dringend ersucht wird, die amerikanischen Geiseln freizulassen, um zu einer Normalisierung der Beziehungen
zu gelangen.

Die

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�V

Die wesentlichen Teile des außenpolitischen Kapitels haben folgenden
Wortlaut:
Seit ich vor drei Jahren mein Amt

antrat, habe ich die Notwendigkeit

unterstrichen, daß unser Land eine führende Rolle in einer Welt übernimmt, die
den weitgehendsten und tiefgreifendsten Wandel in der Geschichte der Menschheit durchmacht.
Meine Politik hat sich besonders auf drei Gebiete des Wandels gerichtet:
- das stetige Anwachsen und die verstärkte Darstellung sowjetischer Militärmacht im Ausland - Macht, die in den letzten zwei Jahrzehnten stärker angewachsen ist als unsere eigene;
- die überwältigende Abhängigkeit der westlichen Länder, zu denen in zunehmendem Maße heute die Vereinigten Staaten zählen, von der lebenswichtigen
Ölversorgung aus dem Mittleren Osten;
- die Forderungen des Wandels in vielen Ländern der Entwicklungswelt, einschließlich der ein Jahr alten Revolution im Iran und der Ungewißheit der Zukunft vieler anderer Länder.
Als Ergebnis dieser fundamentalen Tatsachen stehen wir vor einigen der
ernstesten Herausforderungen in der Geschichte unseres Landes. Die sowjetische
Invasion in Afghanistan ist eine Bedrohung des Weltfriedens, der Ost-West-Beziehungen sowie der regionalen Stabilität und der Ölversorgung. Wie die beispiellose und überwältigende Abstimmung in der Vollversammlung der Vereinten
Nationen gezeigt hat, betrachten Länder in der ganzen Welt - und vor allem die
blockfreien - die sowjetische Invasion als eine Bedrohung ihrer Unabhängigkeit
und Sicherheit. Unruhe in der an den Persischen Golf angrenzenden Region birgt
Risiken für die Sicherheit und Prosperität jedes westlichen Landes und damit
für die gesamte Weltwirtschaft. Das weitere Festhalten amerikanischer Geiseln
im Iran ist ein Affront für alle zivilisierten Menschen und eine ernsthafte
Behinderung, der auf der Hand liegenden Bedrohung weitreichender gemeinsamer
- 2 -

»

�gemeinsamer Interessen - einschließl ieh jener des Iran - entgegenzutreten.

Wenn wir uns jetzt auf unsere dringlichsten Anstrengungen zur Lösung
drängender Probleme'konzentrieren, werden wir'uils jedoch weiterhin auch den
positiven Aspekten zuwenden, die nur der Wandel bringen kann.

Es ist immer

das Wesen Amerikas gewesen, voranschreiten zu wollen - wir begreifen, daß
Prosperität, Fortschritt und vor allem Frieden nicht erreicht werden können,
wenn wir auf der Stelle stehen bleiben.

Eine Welt von Nationen, die nach der

Erhaltung ihrer Unabhängigkeit streben, und von Völkern, die sich'nach wirtschaftlicher Entwicklung und politischer Freiheit sehnen, ist keine Welt, die
den Idealen und Interessen der Vereinigten Staaten feindlich wäre.

Wir haben

mächtige Gegner, aber wir haben auch starke Freunde und zuverlässige Verbündete.

Wir haben gemeinsame Interessen mit der großen Mehrheit der Länder und

Völker der Welt.
Es hat in den letzten Jahren ermutigende Entwicklungen gegeben, nicht
nur Dinge, die unsere ständige Wachsamkeit und Besorgnis erfordern:

- Unser Bündnis mit den modernsten und demokratischen Staaten von Westeuropa bis Japan sind stärker denn je.

- Wir haben zu einer dramatischen Verbesserung der Beziehungen zwischen
Ägypten und Israel und einem historischen Schritt zu einer umfassenden arabisch-israelischen Lösung beigetragen.

- Unsere Beziehungen zu China werden immer enger und bilden eine große
neue Dimension in unserer Politik in Asien und in der Welt.

- überall im südlichen Afrika, von Rhodesien bis Namibia, tragen wir zum
friedlichen Übergang zur Mehrheitsherrschaft im Zusammenhang mit der Achtung
für Minderheits- als auch Mehrheitsrechte bei.

Die zentrale Herausforderung in der heutigen Zeit liegt für uns in der Beharrlichkeit der Zielsetzung.

Wir werden nicht mehr vom Isolationismus in
- 3 -

�in Versuchung geführt, aber wir müssen auch lernen, wirksam mit den Widersprüchlichkeiten der Welt fertigzuwerden - der Notwendigkeit, mit potentiellen
Gegnern ohne Euphorie zusammenzuarbeiten, ohne unsere Entschlossenheit zu
untergraben, mit solchen Gegnern zu konkurrieren und, wenn notwendig, ihnen
entgegenzutreten, wenn sie unsere Sicherheit bedrohen.
Wir stehen vor einem weiten Bereich von Bedrohungen und Chancen.

Wir

haben einen weiten Bereich von Fähigkeiten und Zielen in Verteidigung, Diplomatie und Wirtschaft verfolgt und sollten sie weiter verfolgen.

Ich sehe in

den achtziger Jahren fünf Grundziele Amerikas in der Welt:
- Erstens, wir werden weiterhin, wie wir das während der letzten drei
Jahre getan haben, Amerikas militärische Stärke und die unserer Verbündeten
und Freunde aufbauen.

Weder die Sowjetunion noch irgendein anderes Land wird

Grund haben, unseren Willen in Frage zu stellen, die stärksten und flexibelsten
VerteidigungsStreitkräfte aufrechtzuerhalten.
- Zweitens, wir werden in der Welt eine aktive Diplomatie betreiben und
- zusammen mit unseren Freunden und Verbündeten - daran arbeiten, Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln beizulegen und jedem Aggressor einen hohen Preis
abzuverlangen.
- Drittens, wir werden uns bemühen, dringende internationale Wirtschaftsprobleme zu lösen - vor allen Dingen auf dem Gebiet der Energie und der Inflation - und weiterhin unser noch größeres Ziel des globalen wirtschaftlichen
Wachstums durch Ausweitung des Handels und der Entwicklungshilfe zu verfolgen.
- Viertens, wir werden weiterhin mit allem Nachdruck den Prozeß des Aufbaus demokratischer Institutionen und der Verbesserung des Schutzes der Menschenrechte in der ganzen Welt unterstützen.

Wir sind zutiefst davon überzeugt,

daß die Zukunft nicht der Diktatur, sondern der Demokratie gehört.
- Fünftens,

�- Fünftens, wir bleiben zutiefst dem Prozeß der beiderseitigen und verifizierbaren Rüstungskontrolle verpflichtet, vor allem den Bemühungen zur Verhinderung der Ausbreitung und Weiterentwicklung von Kernwaffen.

Unsere Ent-

scheidung, die Bemühungen um die Ratifizierung des SALT II-Vertrages aufzuschieben, jedoch nicht aufzugeben, ist Ausdruck unserer festen Überzeugung, daß
die Vereinigten Staaten in den Beschränkungen der sowjetischen Nuklearstreitkräfte, die nur dieser Vertrag bieten kann, ein profundes nationales Sicherheitsinteresse haben.
Wenn diese Ziele erreicht werden sollen, dann ist eine anhaltende enge
Zusammenarbeit zwischen dem Kongreß und der Exekutive notwendig. Zu meinen
dringlichsten legislativen Prioritäten zählen:
1. Bewilligungs- und Zuweisungsgesetze für das Verteidigungsministerium;
2. besondere internationale Sicherheitshilfe für Pakistan und andere Länder;
3. Gesetze über bilaterale und multilaterale Auslandshilfe, einschließlich zusätzlicher Bewilligungen für Mittelamerika;
4. das Handelsabkommen mit China;
5. Statuten für die Nachrichten- und Aufklärungsdienste;
6. gesetzliche Regelungen und Mittel für Flüchtlinge;
7. Menschenrechtskonventionen; und
8. zu gegebener Zeit der SALT II-Vertrag.
Ein ganz unmittelbares und dringliches Ziel, das in unserem Denken und im
Denken des amerikanischen Volkes den ersten Platz einnimmt, ist die Freilassung
unserer Geiseln im Iran.
Wir
- 5 -

�Wir haben keinen grundlegenden Streit mit der Nation, der Revolution
oder dem Volk des Iran.

Ihre Bedrohung kommt nicht von der amerikanischen

Politik, sondern von sowjetischen Handlungen in der Region.

Wir sind bereit,

mit der Regierung des Iran zu arbeiten, um ein neues und beiderseits nützliches Verhältnis zu entwickeln.
Aber das wird nicht möglich sein, solange der Iran weiterhin amerikanische
Geiseln festhält - unter Mißachtung der Weltgemeinschaft und des zivilisierten Verhaltens.

Die Geiseln müssen unbeschadet freigelassen werden.

Wir haben

bisher ein maßvolles Programm friedlicher diplomatischer und wirtschaftlicher
Schritte verfolgt in dem Versuch, dieses Problem zu lösen, ohne auf die anderen,
uns nach internationalem Recht zur Verfügung stehenden Hilfsmittel zurückzugreifen.

Dies ist ein Ausdruck der tiefen Achtung unserer Nation vor der Herr-

schaft des Rechts und vor der Sicherheit unserer Menschen, die festgehalten
werden, sowie unserer Überzeugung, daß eine Großmacht eine Verantwortung trägt,
ihre Stärke in maßvoller und rechter Weise zu benutzen.

Aber unsere Geduld

ist nicht unbegrenzt, und unsere Besorgnis um das Wohlergehen unserer Mitbürger wächst jeden Tag.

STEIGERUNG DER NATIONALEN SICHERHEIT - MILITÄRISCHE STÄRKE AMERIKAS
Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis
Wir zeigen der Sowjetunion auf breiter Front, daß sie, was unser Verhältnis zueinander angeht, einen hohen Preis für ihre Aggression zahlen wird.
Im Verlauf der letzten Jahrzehnte waren die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen eine Mischung aus Zusammenarbeit und Wettstreit. Der sowjetische Angriff
auf Afghanistan und die unbarmherzige Vernichtung seiner Regierung haben auf
das deutlichste die dunklere Seite der sowjetischen Politik erkennen lassen,
die weit über Wettstreit und legitime Verfolgung des Nationalinteresses hinausgeht und alle Normen des Völkerrechts und der internationalen Praxis verletzt. ..
Die

�Die Zerstörung der Unabhängigkeit der afghanischen Regierung und die Besetzung durch die Sowjetunion hat die strategische Lage in diesem Teil der Welt
in höchst unheilvoller Weise verändert.

Sie hat die Sowjetunion in eine bedroh-

liche Nähe zum Indischen Ozean und sogar zum Persischen Golf gebracht.
Sie hat einen Puffer zwischen der Sowjetunion und Pakistan beseitigt und
für den Iran eine neue Bedrohung geschaffen. Diese beiden Länder sind jetzt
gegenüber sowjetischer politischer Einschüchterung weitaus verwundbarer. Sollte sich diese Einschüchterung als wirkungsvoll erweisen, so könnte die Sowjetunion leicht ein Gebiet kontrollieren, das für das überleben Westeuropas, des
Fernen Ostens und letztlich der Vereinigten Staaten von entscheidender strategischer und wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Es ist offensichtlich, daß der gesamte asiatische Subkontinent und besonders Pakistan bedroht sind. Daher fordere ich als den ersten Tagesordnungspunkt den Kongreß auf, ein Paket wirtschaftlicher und militärischer Hilfsmaßnahmen zu verabschieden, um Pakistan bei seiner Selbstverteidigung zu unterstützen.

Verteidigungshaushait
über viele Jahre hinweg haben die Sowjets ständig ihre realen Verteidigungsausgaben erhöht, ihre strategischen Streitkräfte erweitert, ihre Streitkräfte
in Europa und Asien verstärkt und ihre Kapazität gesteigert, um militärische
Macht rund um die Welt entweder direkt oder durch die Verwendung von Stellvertretern auszuüben. Afghanistan bezeugt die umfassend erhöhte militärische Macht
der Sowjetunion.
Die Sowjetunion hat eine Kriegsmaschinerie aufgebaut, die weit über jedes vernünftige Erfordernis nach eigener Verteidigung und Sicherheit hinausgeht.

Im Gegensatz hierzu gingen unsere eigenen Verteidigungsausgaben von 1968

bis 1976 jedes Jahr real zurück.
Durch
- 7 -

�Durch unsere eigene Anstrengung haben wir diesen Rückgang umgekehrt.
Seit 1976 gab es jedes Jahr eine reale Steigerung unserer Verteidigungsausgaben - und unser Beispiel hat zu Steigerungen bei unseren Verbündeten ermutigt. Mit Unterstützung des Kongresses müssen wir in den kommenden Jahren
eine noch größere Anstrengung unternehmen - und wir werden es.
Das Budget des Haushaltsjahres 1981 sieht eine Ausgabenermä'chtigung für
die Verteidigung in Höhe von mehr als 158 Milliarden Dollar vor, ein Realzuwachs von mehr als fünf Prozent über meine Forderung für das Haushaltsjahr
1980 hinaus. Daher werden die geforderten Ausgaben für die Verteidigung im
Lauf des Haushaltsjahres 1981 um real über drei Prozent gegenüber dem Vorjahr
steigen.
Die Trends, die wir zu korrigieren beabsichtigen, können nicht über Nacht
abgestellt werden; wir müssen bereit sein, dieses Programm durchzuhalten .
Um dies sicherzustellen, lege ich eine Wachstumsrate für die Verteidigung fest,
die wir über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten können.
Das von mir für die nächsten fünf Jahre vorgeschlagene Verteidigungsprogramm wird einige Opfer erfordern - aber Opfer, die wir uns sicher leisten können.
Das Verteidigungsprogramm betont vier Bereiche:
1. Es stellt sicher, daß unsere strategischen Nuklearstreitkräfte denjenigen der Sowjets ebenbürdig sind und daß die Abschreckung vor einem Atomkrieg
aufrechterhalten wird.
2. Es verbessert unsere Streitkräfte, so daß das militärische Gleichgewicht zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt auch weiterhin vor dem Ausbruch eines Krieges - konventionell oder atomar - in Europa abschrecken wird.
3. Es gibt uns die Möglichkeit, Freunden und Verbündeten rund um die Welt
rasch zu Hilfe zu kommen.
.
..,

�4. Und es stellt sicher, daß unsere Seestreitkräfte auch weiterhin die
stärksten auf den Meeren sein werden.

Strategische Streitkräfte
Wir verstärken jeden der drei Bereiche unserer strategischen Streitkräfte.

Die im nächsten Jahr beginnende Produktion der Marschflugkörper wird

unsere strategische Luftabschreckung modernisieren.
ten werden verbessert.

Auch die B-52-Kapazitä-

Diese Schritte werden die B-52-Flotte aufrechterhalten

und vergrößern, indem ihre Fähigkeit verbessert wird, Waffen in immer stärker
verteidigte Ziele zu tragen.
Wir modernisieren auch unsere strategische Unterseeboot-Raketenwaffe. Das
erste neue TRIDENT-Unterseeboot ist bereits vom Stapel gelaufen, und in diesem
Jahr wird mit der Seeerprobung begonnen. Das zweite TRIDENT-Unterseeboot wird
im Frühjahr 1980 vom Stapel laufen. Die ersten unserer neuen TRIDENT-Raketen
mit einer Reichweite von über 4000 Meilen sind bereits im operativen Einsatz
auf POSEIDON-Unterseebooten.
Die neue MX-Rakete wird die Überlebensfähigkeit unserer landgestützten
interkontinentalen ballistischen Raketenstreitmacht vergrößern. Aus diesem
Grund traf ich im vorigen Frühjahr die Entscheidung, diese Rakete zu produzieren, und wählte die Stationierungsweise aus, die am meisten für die Erhöhung
ihrer Kapazität geeignet ist. Außerdem wird die MX unsere Kapazität zum Angriff
auf einen weiten Bereich sowjetischer Ziele stärken.
Unsere neuen Systeme werden die strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, angesichts der zunehmenden sowjetischen
Herausforderung das Gleichgewicht zu bewahren. Wir würden jedoch eine noch
größere Investition bei den strategischen Systemen brauchen, um der sowjetischen
Aufrüstung zu begegnen, die ohne SALT wahrscheinlich einsetzen würde.
Streitkräfte

�Streitkräfte für die NATO
Wir verbessern beschleunigt unsere Fähigkeit, Westeuropa im Krisenfall
durch massive Land- und Luftstreitkräfte zu verstärken.

Wir führen ein um-

fangreiches Modernisierungsprogramm für Waffen und. Ausrüstung der Armee durch
und erhöhen Bewaffnung, Feuerkraft und taktische Mobilität.
Wir lagern mehr schwere Ausrüstung in Europa, um dadurch besser Angriffen
mit kurzer Vorwarnzeit begegnen zu können, und verstärken in großem Umfang
unsere Kapazitäten für den Luft- und Seetransport.
Ebenso verbessern wir unsere taktischen Luftstreitkräfte durch die Beschaffung von etwa 1700 neuen Kampf- und Angriffsflugzeugen im Verlauf der
nächsten fünf Jahre und erhöhen die Anzahl der Jagdgeschwader der Luftwaffe
um über zehn Prozent.
Wir beschleunigen das Tempo, mit dem wir Kampfflugzeuge nach Europa verlegen können, um mit jedem Überraschungsangriff fertigzuwerden, und vergrößern
die Anzahl von Bunkern auf den europäischen Luftwaffenstütztpunkten, um einer
Zerstörung unserer Flugzeuge am Boden zu verhindern.

•

Schnelle Eingreiftruppen
•

•

-

•

'

Wir erhöhen systematisch unsere Fähigkeit, auf Ereignisse außerhalh der
NATO zu reagieren, wo immer dies aufgrund unserer Verpflichtungen erforderlich
ist oder wann immer unsere lebenswichtigen Interessen bedroht sind.
Die schnellen Eingreiftruppen, die wir zusammenstellen, werden außergewöhnlich flexibel sein:

sie können von der Größe von ein paar Schiffen oder

Luftgeschwadern bis zu Formationen von der Größe von 100 000 Mann reichen, einschließlich Versorgung.

Unsere Streitkräfte werden auf schnelle Dislozierung

in jede Region von strategischer Bedeutung vorbereitet sein.
Zu

- 10 -

�Zu den spezifischen Initiativen, die wir ergreifen, um bei der Reaktion
auf Krisen außerhalb Europas zu helfen, gehören:

- die Entwicklung und Produktion einer neuen Flotte schwerer Lastenflugzeuge mit interkontinentaler Reichweite;

- Planung und Beschaffung einer Streitmacht von Bereitstellungsschiffen,
die schwere Ausrüstung und Versorgung für drei Marineinfanteriebrigaden geladen haben.
Als Antwort auf die sowjetische, Militärpräsenz in Kuba und die Stellvertreterrolle Kubas im Namen der UdSSR haben wir zusätzlich die folgenden Schritte
zur Unterstützung der Schnellen Eingreiftruppe unternommen oder sind damit beschäftigt:
1. Wir erhöhen unsere Fähigkeit, die kubanischen und sowjetisch-kubanischen Aktivitäten zu überwachen, wesentlich;

2. wir haben ein Ständiges Hauptquartier der Gemeinsamen Einsatzstreitmacht in der Karibik eingerichtet, das unsere Fähigkeit zur Reaktion auf Ereignisse in dieser Region erhöht;
3. wir verstärken regionale Militärmanöver;und

4. wir intensivieren den Beistand für Länder in der Region, die durch
eine sowjetische oder kubanische Intervention bedroht werden.

Seestreitkräfte Seemacht ist für unsere globale Stellung unabdingbar - im Frieden wie im
Krieg.

Unser Schiffbauprogramm wird in den achtziger Jahren eine Flotte von

550 Schiffen unterhalten, und wir werden auch weiterhin die besten Schiffe

- 11 -

�Unsere Nachrichten- und Aufklärungsdienste
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Unsere nationalen Interessen sind in entscheidendem Maße von einer
starken und wirkungsvollen Kapazität unserer Nachrichten- und Aufklärungsdienste abhängig.

Wir werden diese Kapazitäten, die wir zur Gewährleistung

unserer nationalen Sicherheit benötigen, in ihrer Arbeit nicht hängen lassen...
Es ist dringend notwendig, daß wir jetzt im Rahmen einer wirkungsvollen
Aufsicht des Kongresses aktiv vorangehen, um Amerikas Nachrichten- und Aufklärungsdienste mit Satzungen zu versehen, die es ihnen erlauben, innerhalb
eines durch das Gesetz kodifizierten Bereichs wirkungsvoller zu operieren.

Regionale Politiken
Mehr als drei Jahrzehnte lang hat jeder Präsident erkannt, daß die Interessen Amerikas weltweit sind und daß wir eine weltweite Außenpolitik verfolgen müssen.
Zwei Weltkriege haben unser Interessen an Westeuropa und dem Bereich des
Nordatlantik deutlich gemacht. Wir sind auch mit dem Fernen Osten unentwirrbar verbunden - politisch, wirtschaftlich und militärisch. In beiden Bereichen
haben die Vereinigten Staaten eine ständige Präsenz und Sicherheitsverpflichtungen, die automatisch ausgelöst würden. In zunehmendem Maß wurden wir unserer wachsenden Interessen in einem dritten Gebiet bewußt - dem Mittleren
Osten und dem Gebiet um den Persischen Golf.
Wir haben auch entscheidende Interessen in anderen wichtigen Regionen der
Welt zu vertreten. Seit langem sehen wir, daß in einem Zeitalter der Interdependenz unsere eigene Sicherheit und unser Wohlstand von einer größeren gemeinsamen Anstrengung mit Freunden und Verbündeten in der ganzen Welt abhängt.
Das

�Das Atlantische Bündnis

Zu Beginn meiner Regierungszeit betonte ich die vorrangige Stellung
unserer atlantischen Beziehung auf der Tagesordnung der nationalen Sicherheit unseres Landes.

Wir haben gewaltige Fortschritte dabei erzielt, das

Atlantische Bündnis in einem sich verändernden Sicherheitsumfeld noch wirkungsvoller zu machen.

Während wir mit unseren notwendigen Verteidigungsanstrengungen in Europa
voranschreiten, setzen wir unsere Anstrengungen, die europäische Sicherheit
durch Rüstungskontrolle zu verbessern, ebenfalls fort.

Als integralen Bestandteil der TNF-Entscheidungen der NATO hat das Bündnis klargestellt, daß es bereit ist, Begrenzungen bei weitreichenden TNF-Raketen auszuhandeln...

Bei den MBFR-Verhandlungen haben wir und unsere Verbündeten kürzlich
neue Vorschläge eingebracht, die die Verhandlungen vereinfachen und die Aussichten auf baldigen Fortschritt bei der Begrenzung der konventionellen Streitkräfte in Europa erhöhen sollen.

In einem sehr konkreten Sinn haben die Leistungen des vergangenen Jahres
eine kritische Frage beantwortet, die die Zukunft der NATO betrifft:

kann

das westliche Bündnis, das das Fundament für eine der längsten Perioden des
Friedens und des Wohlstands gelegt hat, derer sich Europa je erfreut hat, noch
immer den erforderlichen Zusammenhalt, die Bedeutung und die Entschlossenheit
aufbringen, um mit den grundlegenden Sicherheitsfragen fertigzuwerden, die
seine Mitgliedsländer wahrscheinlich bis weit in das nächste Jahrhundert hinein berühren werden?

Der gemeinsame Wille der NATO zugunsten der Modernisie-

rung und Verhandlung über ihr Kernwaffenarsenal bei gleichzeitiger fortgesetzter Verbesserung ihrer konventionellen Streitkräfte bewies deutlich die Fähigkeit des Bündnisses, wirkungsvoll auf die von der Sowjetunion gestellten militärischen und politischen Drohungen zu antworten...
Alle
- 13 -

�Alle westeuropäischen Regierungen unterstützen uns bei der Verfolgung
aller friedlichen Wege, um die Freilassung der amerikanischen Geiseln zu erreichen, die in Teheran ungeachtet der universellen Normen des Völkerrechts
und des internationalen Anstandes festgehalten werden.

Wir konsultieren die

Verbündeten und arbeiten eng mit ihnen bei unseren Antworten auf die Invasion
und Besetzung Afghanistans durch die Sowjetunion zusammen...

As i en
Die Vereinigten Staaten sind ebenso eine pazifische Nation wie eine atlantische Nation.

Unsere Interessen in Asien sind uns ebenso wichtig wie un-

sere Interessen in Europa.
Handel mit Europa.

Unser Handel mit Asien ist sogar größer als unser

Wir haben diese Interessen auf der Basis eines stabilen

Machtgleichgewichts in der Region verfolgt und aufrechterhalten.

Unsere Part-

nerschaft und unser Bündnis mit Japan stehen im Mittelpunkt unserer Asienpolitik.

Wir stärken unser neues Verhältnis zu China.

Wir haben unsere Bindungen

mit der Vereinigung SUdostasiatischer Nationen (ASEAN) und ihren Mitgliedsregierungen ausgeweitet.

Sicherheit Asiens
Das Gleichgewicht der Macht ist fundamental für die Sicherheit Asiens.
Wir haben dieses Gleichgewicht durch eine starke militärische Position der
Vereinigten Staaten in der Region aufrechterhalten sowie durch enge Bindungen
mit unseren Verbündeten, Japan, Australien, Neuseeland und Korea...
Die Reaktion der Länder in Ostasien auf die sowjetische Aggression in
Afghanistan war erfreulich.

Vor allem Australien verdient Anerkennung für die

feste Haltung, die es gezeigt hat.

Auch Japan und die ASEAN-Staaten haben

uns nachdrücklich unterstützt.
China
- 14 -

�China
Im Laufe des vergangenen Jahres haben wir unser neues Verhältnis zur
Volksrepublik China ausgeweitet, um sicherzustellen, daß dort, wo sich unsere Interessen decken, unsere getrennten Maßnahmen sich gegenseitig ergänzen.

Zu diesem Zweck haben wir unsere konsultativen Beziehungen verstärkt.

Wir haben uns auch bemüht, auf wirtschaftlichem, kulturellem, wissenschaftlichem und handelsmäßigem Gebiet einen dauerhaften institutionellen Rahmen zu
schaffen...
Im Jahre 1980 erwarte ich, daß der Kongreß schon bald das Handelsabkommen mit China billigt und eine Tätigkeit der OPIC (Overseas Private Investment
Corporation = Gesellschaft für Privatinvestitionen in Übersee, die durch Regierungsbürgschaften die private Investitionstätigkeit im Ausland fördert,
Anm. der Redaktion) in China bewilligt. Wir planen den Abschluß von Abkommen
auf dem Gebiet der Zivilluftfahrt, der Schiffahrt und der Textilien. Und wir
werden weiterhin unsere kommerziellen, kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen vor allem durch Kredite der Export-Import-Bank an die Volksrepublik
China ausbauen.

SUdostasien
...Während des ganzen vorigen Jahres haben sich unsere Beziehungen zu ASEAN
in dem Maße erweitert, in dem unsere konsultativen Vereinbarungen gestärkt wurden.
Die Stabilität und Prosperität Südostasiens sind durch die sowjetisch
unterstützte vietnamesische Aggression
den.

gegen Kambodscha schwer gefährdet wor-

Während dieses Jahres werden wir weiterhin für eine politische Regelung

in Kambodscha eintreten, die es diesem Lande erlaubt, von Führern der eigenen
Wahl regiert zu werden.

Wir haben alle möglichen vernünftigen Schritte unter-

nommen, um vor vietnamesischen Angriffen auf thailändisches Gebiet abzuschrekken, indem wir unsere Unterstützung für die Thais verstärkt und Vietnam und die
- 15 -

�die UdSSR direkt gewarnt haben.

Die anderen Mitglieder der ASEAN-Gruppe

standen fest hinter Thailand, und das hat in großem Maße dazu beigetragen,
den Konflikt einzudämmen.

Wir waren erfreut über die mutige und humane Auf-

nahme von kambodschanischen Flüchtlingen durch Thailand.

Naher Osten - Persischer Golf - Südasien
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Die Ereignisse im Iran und in Afghanistan haben für uns die kritische
Bedeutung des Gebietes vom Nahen Osten über den Persischen Golf bis nach Südasien für die amerikanische Sicherheit und Prosperität in dramatischer Weise
aufgezeigt.

Aus dieser Region kommen zwei Drittel der ölexporte der Welt, die

zur Energieversorgung unserer Verbündeten in Europa und Japan dienen.

Diese

Region ist fast ständig ein Schauplatz des Konflikts zwischen Ländern und
ernster interner Instabilität in vielen dieser Länder gewesen.

Und jetzt ist

eines dieser Länder von der Sowjetunion besetzt worden.
Wir packen diese zahlreichen Herausforderungen auf mehrere Weise an.

Naher Osten
Es ist seit 1977 ein entscheidend wichtiges Ziel meiner Regierung gewesen, zu einer dauerhaften Lösung des arabisch-israelischen Konflikts beizutragen - was so wesentlich dafür ist, der ganzen Region Stabilität und Frieden zu bringen...
Seit Camp David arbeiten Ägypten und Israel daran, diesen Teil des Rahmens
von Camp David auszufüllen und dem palästinensischen Volk die Möglichkeit zu
geben, seine Zukunft zu bestimmen. Ich unterstütze diese Bemühungen nachdrücklich und habe versprochen, daß wir bei den Autonomieverhandlungen ein voller
Partner sein werden. Wir werden weiterhin nachdrücklich an einem umfassenden
Frieden im Nahen Osten arbeiten - aufbauend auf den beispiellosen Erfolgen von
Cam

P

David

"

Gleichzeitig
- 16 -

�Gleichzeitig habe ich die Verpflichtung Amerikas für die Sicherheit
Israels erneut bekräftigt sowie für das Recht aller Nationen in dem Gebiet,
in Frieden mit ihren Nachbarn innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen zu
leben.

Persischer Golf
In den letzten Jahren, in denen unsere eigenen Brennstoffimporte in die
Höhe geschnellt sind, hat der Persische Golf für die Vereinigten Staaten, wie
dies für viele unserer Freunde und Verbündeten der Fall war, eine lebenswichtige Bedeutung gewonnen. Auf längere Sicht wird die Abhängigkeit der Welt
vom öl aus dem Persischen Golf eher noch zunehmen. Die Verwehrung dieser Ölversorgung - für uns oder andere - würde unsere Sicherheit bedrohen und eine
Wirtschaftskrise hervorrufen, die größer wäre als die der großen Depression
(Weltwirtschaftskrise) vor 50 Jahren, mit einer fundamentalen Veränderung unserer heutigen Lebensweise.
Eine doppelte Bedrohung des ölflusses - durch regionale Instabilität und
jetzt potentiell durch die Sowjetunion - erfordert, daß wir unsere lebenswichtigen Interessen mit Festigkeit verteidigen, wenn sie bedroht sind.
Im vorigen Jahr haben wir damit begonnen, unsere Fähigkeit zu erhöhen,
militärische Macht in der Region des Persischen Golfes darzustellen, und wir
sind gegenwärtig damit beschäftigt, Möglichkeiten einer verstärkten Nutzung
militärischer Einrichtungen in dem Gebiet zu sondieren. Wir haben unsere
Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht. Wir haben mit Ländern der Region
an gemeinsamen Sicherheitsanliegen gearbeitet. Unsere vorhin erwähnten
Schnellen Eingreifstreitkräfte könnten zur Unterstützung befreundeter Regierungen am Golf - und in der Region Südwestasiens sowie in anderen Gebieten
eingesetzt werden.
Südasien

- 17 -

�Südasien
Die überragende Herausforderung in dieser Region wird die Meisterung der
neuen Lage sein, die durch die sowjetische Aggression in Afghanistan geschaffen wurde.

Wir müssen den Staaten der Region helfen, die Fähigkeit zu entwic-

keln , dem sowjetischen Druck in einem verstärkten Rahmen der Zusammenarbeit
in der Region zu widerstehen.

Wir v/ollen mit allen Staaten der Region in die-

ser Hinsicht zusammenarbeiten - mit Indien und Pakistan, mit Sri Lanka,
Bangladesch und Nepal.
Angesichts dieser neuen Situation schlagen wir dem Kongreß ein Militärund Wirtschaftshilfeprogramm vor, um Pakistan die Möglichkeit zu geben, seine
Verteidigung zu verstärken.

Dies ist eine Angelegenheit von größter Dringlich-

keit, und ich empfehle mit allem Nachdruck, daß Repräsentantenhaus und Senat
sich sobald wie irgendmöglich billigen.

Wir arbeiten außerdem eng mit anderen

Freunden Pakistans zusammen, um die verfügbaren Hilfsmittel für die Entwicklung
und Sicherheit Pakistans zu vermehren.
Wir verfolgen ferner die Möglichkeit, Zugang zu militärischen Einrichtungen in der Region in Zeiten der Unruhe zu erhalten. Wir sind bereit, auf
einer kooperativen Basis eng mit unseren Freunden in der Region zusammenzuarbeiten, um alles Erforderliche zu tun, was die Gewähr bietet, daß Aggressoren
mit schweren Opfern zu rechnen haben,und somit vor einer weiteren Aggression*
abzuschrecken.
Von hoher Priorität ist es für uns in dieser Region, unsere nuklearen
Besorgnisse mit Indien und Pakistan in einer Weise zu regeln, die mit unseren
globalen und regionalen Prioritäten vereinbar ist. Die veränderte Sicherheitslage in Südasien, die sich aus der sowjetischen Invasion Afghanistans ergibt,
fordert legislative Maßnahmen, um eine erneute Hilfe für Pakistan zu gestatten.
Dies aber vermindert in keiner Weise unsere Verpflichtung, uns darum zu bemühen, eine Proliferation nuklearer Waffen in Pakistan und anderswo zu verhindern.
Ein

�Ein stetiges Anwachsen unserer Wirtschaftshilfe ist ferner von wesentlicher Bedeutung, wenn die Länder Südostasiens zu Wachstum und wahrer Stabilität kommen sollen.

Afrika

...Mit unseren europäischen Verbündeten, mit Kanada und den direkt betroffenen afrikanischen Staaten erzielen wir ebenfalls Fortschritte in Richtung
auf die Unabhängigkeit und die Herrschaft der Mehrheit für Namibia. Der starke
Impuls, der sich aus der erfolgreichen Lösung des Rhodesienkonflikts ergibt,
sollte bei diesen Initiativen behilflich sein...

Mit der Schaffung eines unabhängigen Simbabwe nach vielen Jahren der
Kämpfe werden wir in der Lage sein, im Rahmen eines von vielen Geberländern
getragenen, in sich zusammenhängenden Entwicklungsplanes für die armen Nationen
in der Region des südlichen Afrika einzutreten...

Sei es am Hörn von Afrika oder in anderen Gebieten des afrikanischen
Kontinents, wir werden den mit uns befreundeten Nationen ebenfalls Sicherheitshilfe gewähren, wenn diese für die Verteidigung ihrer Grenzen gebraucht wird.

Nordafrika
Im Jahre 1979 gingen die Vereinigten Staaten daran, einem altbewährten
Freund zu helfen, indem wir unsere Waffenlieferungen an Marokko verstärkten.
Indem wir Marokko helfen, mit Angriffen innerhalb seiner international anerkannten Grenzen fertigzuwerden, versuchen wir, Bedingungen für größere Sicherheit und größeres Vertrauen zu schaffen, unter denen eine Lösung des Konflikts
in der westlichen Sahara erfolgreich angestrebt werden kann...

Lateinamerika

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�Lateinamerika

...In der Westlichen Hemisphäre gab es im vergangenen Jahr einen ermutigenden Fortschritt auf dem Gebiet der Menschenrechte und der Demokratisierung.
Die Schaffung einer neuen Demokratie in Ecuador und die energische Bemühung
der Andenstaaten um die Erhaltung der Demokratie in Bolivien waren positive
Schritte...

Am 1. Oktober reisten Vizepräsident Mondale und viele führende Politiker
aus Lateinamerika nach Panama, um das Inkrafttreten der Panamakanal-Verträge
zu feiern.

Der Übergang in ein neues Verhältnis und in eine neue Struktur zur

Unterhaltung des Kanals war reibungslos und effektiv aufgrund der Beiträge und
der gegenseitigen Achtung zwischen den Panamaern und den Amerikanern...

Mittelamerika und die Karibik durchlaufen eine Periode raschen sozialen
und politischen Wandels.

Es besteht Gefahr, daß eine Intervention durch Kuba

den Wunsch der Menschen dieser Region nach Fortschritt im Rahmen demokratischer
Institutionen vereiteln könnte, und wir haben eng mit den Regierungen in diesem Gebiet zusammengearbeitet, um zu versuchen, bei dem Entwicklungsprozeß in
diesem Gebiet zu helfen, und sind auch bereit, jenen beizustehen, die durch
eine Intervention von außen bedroht werden...

DIE MENSCHLICHEN ASPEKTE DER AUSSENPOLITIK

Menschenrechte

Das höchste Ziel unserer Außenpolitik muß es sein, uns die Freiheit zu
erhalten und die Freiheit anderer zu mehren.

Das ist eine Frage, die unsere

nationalen Prinzipien ebenso wie unsere nationalen Interessen berührt.

Denn

wir glauben, daß freie und offene Gesellschaften nicht nur die steigenden Erwartungen ihrer Angehörigen besser erfüllen können, sondern auch eher in der

- 20 -

�der Lage sind, die vielfach gegenläufigen Pressionen im Inneren miteinander
in Einklang zu bringen, noch ehe eine allgemeine Frustration in Gewalt und
Radikalismus explodiert.

Wir sind nicht darauf aus, anderen unser System oder unsere Institutionen
aufzuzwingen.

Wir sind vielmehr bestrebt, die Bemühungen anderer Länder auf

praktische und konkrete Weise zu fördern, ihre eigenen Institutionen nach
Methoden aufzubauen, die dem unwiderstehlichen menschlichen Verlangen nach
Freiheit und Gerechtigkeit Rechnung tragen.

Die Menschenrechtspolitik erfordert die starke Unterstützung durch die
Bürger unseres Landes und die des Kongresses.

Das Weltklima begünstigt den

Fortschritt auf dem Gebiet der Menschenrechte in zunehmendem Maße.

Trotz neuer Turbulenzen und Konflikte brachte das vergangene Jahr einige
ermutigende positive Entwicklungen.

Wir können und dürfen nicht verlangen,

daß man sie als unser Verdienst bewertet.
einer wachsenden Bewegung sind.

Dennoch ist klar, daß wir Teil

Im Jahr 1979 wurden wir Zeuge

- eines weiteren Erstarkens der demokratischen Parteien in Spanien und
Portugal und freier Wahlen in beiden Ländern;

- des Verschwindensmehrerer der repressivsten Regime dieser Erde;

- der Befreiung politischer Gefangener in Asien, Afrika und Lateinamerika;
- der Rückkehr zu demokratischer Herrschaft in mehreren lateinamerikanischen Staaten und weitverbreiteten Fortschritts in der Verminderung von Verletzungen der Menschenrechte in dieser Region;

- der zunehmenden Kräftigung der internationalen Institutionen zur Wahrung der Menschenrechte.

Der Interamerikanische Menschenrechts-Gerichtshof

hat zum ersten Mal getagt.

Die Vorbereitungen für eine weitere Konferenz zur

- 21 -

�zur Überprüfung der Einhaltung der Vereinbarungen von Helsinki, die im November dieses Jahres in Madrid stattfinden soll, sind angelaufen.

Die Organisa-

tion für Afrikanische Einheit (OAU) ist mit ihren Bemühungen weit vorangekommen, eine Menschenrechtskommission für Afrika zu bilden.

Verschiedene UN-

Körperschaften haben ihre Anstrengungen auf dem Gebiet der Menschenrechte zunehmend verstärkt.
Die Vereinigten Staaten sind noch immer nicht den wichtigsten der Menschenrechtsverträge beigetreten, durch die Weltnormen gesetzt und ein Apparat zu
ihrer Verwirklichung etabliert werden sollen.

Anfang 1978 sandte ich dem Se-

nat vier diesbezügliche Verträge zur Billigung zu:

die Amerikanische Menschen-

rechtskonvention, die Konvention gegen Rassendiskriminierung, den UN-Vertrag
betreffend die zivilen und politischen Rechte und den betreffend die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte,

öffentliche Informationssitzungen zu

diesen Vertragswerken fanden im Jahre 1979 statt.

Kein anderer Schritt unseres

Landes könnte die Sache der Menschenrechte weiter voranbringen als die Billigung
dieser vier Verträge und eines fünften Menschenrechtsvertrags - der Völkermord-Konvention -, den ich dem Kongreß schon zu einem früheren Zeitpunkt zugeleitet habe, durch den Senat.

Ich ersuche den Kongreß um möglichst baldige

Verabschiedung.

Humanitäre Hilfe
Der Massenexodus aus Vietnam schwoll im Sommer 1979 auf über 65 000
Flüchtlinge im Monat an, die der Unterdrückung und wirtschaftlichen Beraubung
zu entgehen suchten. Im Juli unterbreitete Vizepräsident Mondale den Vereinten Nationen auf einer Sondersitzung zu Flüchtlingsfragen ein umfassendes
amerikanisches Programm, das dem Zweck dient, diese neuen Flüchtlinge zu retten, zu unterstützen und wieder seßhaft zu machen. Ich verdoppelte die Zahl
der Indochina-FTüchtlinge, die die Vereinigten Staaten in Übereinstimmung mit
unseren besten Traditionen im neuen Jahr aufnehmen, auf 14 000 monatlich...
Anfang

- 22 -

�Anfang November besuchte meine Frau Flüchtlinge an der thailändischkambodschanischen Grenze und erstattete mir, den freiwilligen Hilfsorganisationen und dem amerikanischen Volk Bericht.

In Erwiderung hierauf wurden

unsere Anstrengungen, eine Hungerskatastrophe unter den Flüchtlingsmassen
abzuwenden, erheblich beschleunigt.

Die Hindernisse bleiben entmutigend:

Die anhaltende Kriegsführung und

Aggression durch Vietnam, die NichtVerteilung eines großen Teiles der Hilfe
des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) und des Internationalen
Roten Kreuzes durch die Behörden in Phnom Penh, der Marsch von über 900 000
hungrigen Khmer zur und über die Grenze nach Thailand, wo man sie mit Nahrungsmitteln und Hilfe versorgen kann.

Die Amerikaner werden jedoch ihre Anstrengungen sowohl staatlicher als
auch privater Stellen fortsetzen, um eine drohende Hungerkatastrophe abzuwehren.

Neue Hilfe in unseren Anstrengungen wird von einem Nationalen Komitee

ausgehen, das Anfang 1980 durch führende Persönlichkeiten gegründet wurde,
um bei der Mobilisierung und Aufrechterhaltung der Anstrengungen mitzuwirken,
die für die Erreichung dieses humanitären Ziels notwendig sind.

Zu Jahresbeginn erwägen wir auch neue Formen der Hilfe wie beispielsweise über den amerikanischen Beitrag zum Haushalt des UN-Hochkommissars für
Flüchtlinge und auch auf anderen Wegen, um der wachsenden Zahl von Flüchtlingen in Pakistan und anderen Flüchtlingsströmen wie in Somalia Hilfe leisten
zu können.

Es läßt sich nicht übersehen, daß die zerstörerische und aggressive
Politik der Sowjetunion unermeßlich zum Leiden der Menschen in diesen drei
tragischen Situationen beiträgt...

Die Kontrolle der Nuklearwaffen

Gemeinsam mit unseren Freunden und Verbündeten versuchen wir, eine Welt
- 23 -

�Welt aufzubauen, in der Völker unterschiedlicher Interessen frei leben und
gedeihen können.

Aber alles, was die Menschheit bis zum heutigen Tag erreicht

hat und alles, was wir zu erreichen streben, ja die menschliche Existenz als
solche kann in einem einzigen Augenblick zunichte

gemacht werden - in der

Katastrophe eines nuklearen Krieges.
Somit ist eines der zentralen Ziele meiner Administration, die Weitergabe von Kernwaffen an jene Länder, die noch nicht in ihrem Besitz sind, und
die Weiterentwicklung der Kernwaffen durch die bestehenden Atommächte - insbesondere durch die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten - unter Kontrolle
zu bringen.

Nonproliferation
Ich trat dieses Amt unter der Verpflichtung an, die amerikanische Führungsrolle in den Bestrebungen zu bekräftigen, der Weiterverbreitung von Kernwaffen
Einhalt zu gebieten, die neue grundlegende Instabilitäten in kritischen Regionen
der Erde schafft und die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden könnte.
Dies konnte und sollte nicht einseitig geschehen. Die Zusammenarbeit mit anderen Lieferstaaten von nuklearen Technologien und Materialien ist erforderlich.
Diese Frage darf nicht zu einer Nord-Süd-Konfrontation führen.
Wir schreiten an mehreren Fronten voran:
- Wir suchen die Länder dazu zu ermutigen, entwder dem Vertrag über die
Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen beizutreten oder umfassende internationale Sicherheitskontrollen auf sich zu nehmen. Unser Gesetz über die nukleare
Nonproliferation verfügt im Zusammenhang mit den Nuklearexporten der Vereinigten Staaten strenge Sicherheitskontrollen.
- Die Internationale Bewertung des Brennstoffzyklus (International Nuclear
Fuel Cycle Evaluation - INFCE) hat gezeigt, daß Liefer- und Empfängerstaaten
zusammenarbeiten können.

Die Untersuchungsergebnisse werden in einem Monat ver- 24 -

�veröffentlicht werden.

Wenngleich gewisse Meinungsverschiedenheiten fort-

bestehen, wird INFCE eine breitere Basis für nationale Entscheidungen abgeben, die die Energieerfordernisse in Einklang mit den Besorgnissen wegen der
Nonproliferation bringen müsse.

- Schließlich ermutigen wir zu regionaler Zusammenarbeit und Mäßigung.
Protokoll I des Vertrages von Tlatelolco, das zur Verringerung der nuklearen
Gefahren für unsere lateinamerikanischen Nachbarn beitragen wird, wurde vom
Senat der Vereinigten Staaten bisher nicht ratifiziert.

Ich fühle mich weiterhin der tatkräftigen Verfolgung unserer eigenen
Zielvorstellungen auf dem Gebiet der Nichtweiterverbreitung in Zusammenarbeit
mit dem Kongreß verpflichtet.

Begrenzung der strategischen Rüstungen

Die herausragende unter allen unseren Bemühungen auf dem Gebiet der Begrenzung der Kernwaffen ist natürlich der SALT II-Vertrag.

Die Unterzeichnung des Vertrages beendete anstrengende Verhandlungen,
die von drei Administrationen beider Parteien geführt worden sind.

- SALT II liegt in unserem gemeinsamen Interesse; der Vertrag stellt
weder einen amerikanischen Gefallen gegenüber der Sowjetunion noch einen
sowjetischen Gefallen gegenüber den Vereinigten Staaten dar.
- Die Ratifizierung des SALT II-Vertrages wäre ein

wesentlicher Schritt

vorwärts zur Begrenzung des fortgesetzten Wachstums der sowjetischen strategischen Streitkräfte.

Weil SALT II den Wettbewerb unter den Supermächten in dessen gefährlichster
Manifestation vermindert, ist dieser Vertrag die wichtigste bilaterale Vereinbarung des Jahrzehnts:
- SALT II
- 25 -

�- SALT II wird es uns erleichtern, die strategische Äquivalenz bei den
Nuklearwaffen aufrechtzuerhalten und unsere erhöhten Verteidigungsaufwendungen weitgehend auf das höchstrangige Erfordernis einer Verbesserung unserer
konventionellen Streitkräfte zu verwenden;
- ohne diesen Vertrag können die Sowjets ihre Streitkräfte weiter verstärken und das, was sie tun, besser vor uns verbergen;
- ohne SALT II und ohne die Aufnahme von SALT HI-Verhandlungen würden
schärfere Abstriche viele Jahre mehr erfordern; und
- ohne SALT II werden unsere Anstrengungen, die Weiterverbreitung von
Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen, weit schwerer sein.
Ich bin überzeugt, daß der Senat SALT II ratifizieren wird, weil der
Vertrag, um es so einfach wie möglich zu sagen, im Interesse der Sicherheit
unseres Landes liegt.
Ich halte es aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht für ratsam, den
Vertrag im Senat zur Erörterung zu stellen.

Der Kongreß und die Exekutive

müssen sich zunächst mit den dringenden Angelegenheiten befassen, die sich
aus der sowjetischen Invasion Afghanistans ergeben.

- 26 -

�(Die wesentlichen Auszüge aus dem Wirtschaftskapitel der schriftlichen Botschaft über die Lage der Nation haben folgenden Wortlaut:)

SICHERUNG DER WIRTSCHAFTLICHEN STÄRKE
Inflation

Die Inflation ist weiterhin unser ernstestes wirtschaftliches Problem.
Die Eindämmung der Inflation bleibt meine vorrangigste innenpolitische Aufgabe.

Daß die Inflation den derzeitigen unannehmbar hohen Stand erreicht hat,
ist das Resultat wirtschaftlicher Probleme, die sich praktisch ohne Atempause
während eines Jahrzehnts gebildet haben.

Es gibt keine einfachen Antworten

oder rasche Lösungen für die Inflation.

Sie kann nicht über Nacht beseitigt

werden.

Ihre Wurzeln in unserer Wirtschaft sind zu tief, ihre Ursachen zu

durchdringend und komplex.

Wir wissen, daß wir mit immer mehr Ausgaben aus

diesem Problem nicht herauskommen.

Aber es besteht Hoffnung auf einen schrittweisen Abbau der Inflationsrate,
auf eine Abschwächung des wirtschaftlichen Drucks, die Inflation verursacht.

Die Hoffnung liegt kurzfristig in einem Programm der öffentlichen und
privaten Zurückhaltung und auf längere Sicht in einem Programm zur Beseitigung
der strukturellen Ursachen der Inflation.

Das ist die Politik, die ich ver-

folgt habe und weiterhin verfolgen werde.

Das vorige Jahr war eine besonders schwierige Zeit für Anti-Inflationspolitik.

Die Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC) hat ihre Preise

um mehr als 80 Prozent erhöht und damit unsere Inflationsrate um mehr als drei
Punkte in die Höhe getrieben.

Wenn man von der Erhöhung der Energiepreise ab-

sieht, dann wäre die Inflationsrate im Vorjahr fast drei Prozentpunkte niedriger
gewesen.

Die

- 27 -

i

�Die größte Herausforderung der Anti-Inflationspolitik ist die Aufgabe,
dafür zu sorgen, daß die Energiepreissteigerungen keinen dauernden Schaden
anrichten, und eine gefährliche Beschleunigung der Lohn-Preis-Spirale zurverhindern.

Mein Programm hat das mit Erfolg geschafft.

in diesem Jahr verlangsamen.
sein.

Die Inflation wird sich

Im Jahre 1981 dürfte sie sogar noch niedriger

Dieser Fortschritt ist das Ergebnis unserer Beharrlichkeit im Kampf

gegen die Inflation an vielen Fronten:
Knapper Haushalt:

Das Haushaltsdefizit wurde im Haushaltsjahr 1979 auf

27,7 Milliarden Dollar gesenkt, d.h. um mehr als 50 Prozent des Standes des
Haushaltsjahres 1976.
Reform der Verordnungen: Die Flut neuer, kostspieliger Regierungsverordnungen wurde eingedämmt, als die Verfahren zur Erreichung unserer Ziele im
Sinne höchst kostenwirksamer Verordnungen gegriffen haben.
•

Lohn-Preis-Richtlinien: Die in den Richtlinien festgelegten Normen wurden von einer großen Mehrheit der Gewerkschaften befolgt, die Tarife ausgehandelt haben, und von fast allen großen Firmen im Lande.
Energie: Die in den letzten zwei Jahren in Kraft getretene Energie-Gesetzgebung begann unsere Abhängigkeit von ausländischem öl und unseren Verbrauch so wichtiger Energiebrennstoffe wie Benzin zu vermindern und damit
auch die Fähigkeit öl produzierender Länder, unsere Wirtschaft zu stören.
Produktivität:

Wir begannen politische Maßnahmen einzuführen, um unsere

industrielle Innovation und damit unsere Produktivität zu steigern.

Der Rück-

gang des Produktivitätswachstums muß aufgehalten und umgekehrt werden, wenn
wir auf lange Sicht unseren Lebensstandard real erhöhen wollen.
Im Jahre 1980 werden wir mit Hilfe des Kongresses unseren aggressiven
Kampf gegen die Inflation an all diesen Fronten fortsetzen:
Knapper

�Knapper Haushalt:

Das Defizit des Haushaltes für das Haushaltsjahr

1981 wird weniger als die Hälfte des Haushaltsdefizits 1980 betragen und
wird gegenüber dem Haushalt, den ich (bei meinem Amtsantritt) übernahm, um
75 Prozent niedriger liegen.
Reform der Verordnungen:
i

-

Wir werden eine Politik der Aufhebung der

. . .3

^

Verordnungen auf dem Gebiet des Schwerlastverkehrs, der Eisenbahn, der Banken
und Fernmeldeindustrien verfolgen sowie eine Gesetzgebung zur Reform der Verwaltung dieser Verordnungen.

Diese Gesetzesvorlagen werden uns in die Lage

versetzen, weitere unnötige Verordnungen abzuschaffen.
Einigung der Sozia1partner: Die Beratungsausschüsse für Löhne und Preise,
die sich aufgrund des historischen Übereinkommens mit den Gewerkschaften gebildet haben, werden uns in die Lage versetzen, sowohl mit den Gewerkschaften
als auch mit den Unternehmern die private Zurückhaltung durchzusetzen und zu
koordinieren, die im Rahmen unserer Anstrengungen zur Bekämpfung der Inflation
notwendig ist.
Energie: Wir rechnen mit dem Inkrafttreten wichtiger Energiegesetze
- zur Besteuerung von Situationsgewinnen (Windfall Profit Tax), über die
Schaffung des Energiemobilisierungsamts und der Gesellschaft für Energiesicherungs - sehr bald in dieser Legislaturperiode. Diese Gesetze werden
uns, zusammen mit den freiwilligen und angeordneten Energiesparmaßnahmen,
die in diesem Jahr noch viel stärker greifen werden, in die Lage versetzen,
unsere Abhängigkeit von ausländischem öl noch weiter zu verringern.
Produktivität: Wir werden unser industrielles Innovationsprogramm durchführen und unsere Zusagen im Haushalt für Forschung und Entwicklung weiter
ausdehnen...

Der

- 29 -

�Der Haushalt 1981
...Der Haushalt 1981 wird meine Politik der Zurückhaltung fortsetzen.
Das reale Wachstum der Ausgaben wird nahe bei null liegen.

Das Defizit wird

gegenüber dem vorigen Jahr um über die Hälfte gesenkt werden.

Das Defizit,

in Prozent des Haushalts und des Bruttosozialprodukts ausgedrückt, wird den
zweitniedrigsten Stand in diesem Jahrzehnt erreichen.
Defizit in sieben Jahren haben.

Wir werden das kleinste

Und wenn sich das Wirtschaftswachstum mit

einer Rate fortsetzen sollte, die die Arbeitslosigkeit auf dem gegenwärtigen
Stand hält, dann wird der Haushalt mit einem Überschuß abschließen.
Gleichzeitig schlage ich für den Haushalt 1981 auch eine Erhöhung der
Ausgaben auf einigen lebenswichtigen Gebieten vor.

Die meisten dieser Erhö-

hungen beziehen sich auf "nicht steuerbare" Programme, d.h. auf Programme,
die per Gesetz automatische Erhöhungen vorsehen.
Erhöhungen geben;

Es wird aber auch gezielte

zum Teil, um unsere Verteidigungsstreitkräfte zu verstärken

und unsere entscheidend wichtigen Investitionen in die Erzeugung und Einsparung von Energie zu steigern.

Darüber hinaus werde ich eine große neue Ini-

tiative zum Abbau der Jugendarbeitslosigkeit vorschlagen, und einzelstaatliche und kommunale Stellen werden im Rahmen der von mir empfohlenen Ausweitung des Finanzausgleichs weitere Unterstützung vom Bund erhalten...

Steuerpolitik
...Ich bin mir darüber im klaren, daß ein Interesse an einer weiteren
Steuersenkung in diesem Jahr besteht, aber mein Haushalt 1981 sieht keine
Steuersenkungen vor. Solange eine zweistellige Inflationsrate anhält und
keine Anzeichen einer Rezession in Sicht sind, muß der Abbau des Defizits
höchsten Vorrang bei der Gestaltung des Haushalts genießen.
Auf lange Sicht wird eine anhaltende strenge Kontrolle der Haushaltsausgaben den Anteil der Bundesausgaben am Bruttosozialprodukt niedrig halten. Auf der anderen Seite erhöht die Inflation den Prozentsatz des National- 30 -

�Nationaleinkommens an Steuern.

Im Laufe der Zeit werden aufgrund dieser bei-

den Entwicklungen Steuersenkungen möglich werden und gleichzeitig die für
die Kontrolle der Inflation notwendige Zurückhaltung der öffentlichen Hand
weiterhin aufrechterhalten werden können.

Der Zeitpunkt und die Struktur

einer Steuersenkung sind jedoch von entscheidender Bedeutung und müssen durch
unsere wirtschaftlichen Verhältnisse diktiert werden.

Die Vordringlichkeit

des Kampfes gegen die Inflation erfordert es, daß wir Steuersenkungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufschieben...

Praktisch alle Wirtschaftsexperten sagen eine milde Rezession voraus,
und der Voranschlag meiner Regierung für das Steueraufkommen und die Ausgaben
im Rahmen des Haushaltes 1981 gehen von einer Rezession aus.

Keine der laufen-

den Wirtschaftsstatistiken zeigt jedoch einen Rückgang der Gesamtwirtschaft
an.

In den letzten Monaten hat die Wirtschaft eine viel größere Stärke ge-

zeigt, als frühe Voraussagen ankündigten.

Voraussagen einer anstehenden Re-

zession könnten sich daher als ebenso falsch erweisen als frühere Voraussagen.

Der Stand der Beschäftigten hat sich gut gehalten - zum Teil allerdings

aufgrund unbefriedigender Produktivitätsleistungen.

Wenn man jetzt Steuer-

senkungen durchführen würde, dann würde man das ernste Risiko eines zusätzlichen inflationären Nachfragedrucks auf eine Wirtschaft eingehen, die stärker wächst, als es die Voraussagen wahrhaben wollten.

Bei der gegenwärtigen

hohen Inflationsrate können wir uns dieses Risiko nicht leisten.

Wenn Steuersenkungen angebracht sind, dann sollten sie soweit wie möglich so gestaltet sein, daß mehrere Zwecke erfüllt werden - nicht nur eine
Senkung der Steuerlast und eine Anregung des Wachstums, sondern auch ein Ansteigen der Produktivität und der Investitionen sowie auch eine Senkung der
Inflationsrate.

Ein bedeutsames Element jeder Steuersenkung sollte vor allem darauf ausgerichtet sein, Anreize für erhöhte Investitionen zu bieten, die Produktivität
zu steigern, die Kapazität auszuweiten und die Anpassung an höhere Energiepreise vorzunehmen.

Im Falle von Steuersenkungen für den einzelnen sollten

ernsthafte Überlegungen darüber angestellt werden, wie die Abgaben für die
- 31 -

�die Sozialversicherung vermindert werden könnten, denn die Hälfte solcher
Senkungen würde zu einer Reduzierung der Geschäftskosten und der Preise führen.
Die Notwendigkeit der Inflationsbekämpfung erfordert, daß wir sehr vorsichtig vorgehen, wenn Steuern gesenkt werden, und es kommt darauf an, wie
das getan wird.

Nicht erforderlich ist jedoch, daß wir Veränderungen der Wirt-

schaftslage außer acht lassen.

Sollten sich die Wirtschaftslage und die wirt-

schaftlichen Aussichten stark verschlechtern, dann werde ich mich mit Empfehlungen zur Behebung dieser Situation befassen.

Unter solchen Umständen könn-

ten Steuersenkungen und andere Maßnahmen vorgenommen werden, um die Aussichten auf Wachstum und Beschäftigung zu verbessern, die Geschäftskosten zu senken und denjenigen zu helfen, die von einer Rezession am stärksten getroffen
werden, ohne daß wir drohen, einen inflationären Nachfragedruck in Gang zu
setzen.

Die derzeitige Wirtschaftslage macht jedoch solche Maßnahmen nicht

erforderlich, und es wäre unangemessen, sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt vorzuschlagen. ..

Handel
Das vergangene Jahr brachte eine der unvergleichlichen und historischen
Leistungen für eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Wirtschaft
- für Exporte und Handel... Unsere Exporte trugen entscheidend zum Wachstum
der amerikanischen Wirtschaft im Jahr 1979 bei.
Die Ausfuhren landwirtschaftlicher und industrieller Güter stiegen um
beispiellose 35 Milliarden Dollar und erreichten einen Stand von 180 Milliarden Dollar.

Dies stellt eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber den Ex-

porten im Jahr 1978 dar.

Dieser Rekordzuwachs bei den Exporten hatte in Ver-

bindung mit einer niedrigeren Zuwachsrate bei den Importen wesentliche Verbesserungen im Umfang von 5 Milliarden Dollar in unserer Handelsbilanz zur
Folge.

Außerdem führte ein rascher Anstieg der Dienstleistungsexporte im

Jahr 1979 zu einer Verbesserung von 13 Milliarden Dollar in der Leistungs- 32 -

�Leistungsbilanz und glich dieses Konto,das im Jahr 1978 noch defizitär war,
1979 nahezu aus.

Ich hege die Erwartung, daß unsere Exporte 1980 weiter zunehmen und wir
- sollten wir auch weiterhin Einsparungen und Einfuhrbegrenzungen beim Erdöl
machen - die Stellung unserer Handelsbilanz und des Dollar zusätzlich verbessern werden.

Die Zukunft sieht für die amerikanischen Exporte gut aus und

wird so bleiben - trotz der Notwendigkeit, gewisse Exporte in die Sowjetunion
auszusetzen...

Im Einklang mit meinen Entscheidungen, bestimmte Handelsströme mit der
Sowjetunion einzufrieren, wird meine Regierung in diesem Jahr zusätzliche Wege
suchen, um die Ausweitung des amerikanischen Exports zu fördern.

Wir unter-

suchen die Möglichkeit zusätzlicher Abkommen über erweiterten Handel sowohl
mit traditionellen als auch neueren Handelspartnern, einschließlich China.
Ich freue mich darauf, mit dem Kongreß bei den Möglichkeiten zur weiteren
Verbesserung unserer Handelsposition zusammenzuarbeiten, die umgekehrt dazu
beitragen wird, eine prosperierende amerikanische Wirtschaft zu unterhalten.

Sicherung der Energieversorgung

Seit meiner Amtsübernahme umfaßten meine obersten legislativen Prioritäten die Entwicklung der ersten zusammenhängenden Energiepolitik unseres
Landes.

Das Bemühen um die Durchsetzung dieser Politik ist für uns alle

schwer gewesen, aber die Leistungen der vergangenen drei Jahre lassen keinen
Zweifel daran, daß unser Land nunmehr den Ernst der Probleme erkennt, die
unsere übergroße Abhängigkeit von ausländischem öl mit sich bringt.

Die er-

zielten Leistungen können jedoch verlorengehen und der Fortschritt gebremst
werden, wenn es uns nicht gelingt, in diesem Jahr noch weiter voranzukommen.
Es gibt kein' Allheilmittel, das unsere Energiekrise löst.

Wir müssen uns

auf eine Vielfalt von Produktions- und Einsparungsmethoden verlassen - Kohle,
Rohöl, Erdgas, Sonnenenergie, synthetische Energien - und dazu ermutigen.
Daher
- 33 -

�Daher ist es entscheidend, daß der Kongreß die von mir im letzten Jahr
vorgeschlagenen wichtigen Energiegesetze verabschiedet; und ihre Verabschiedung wird in diesem Jahr eine meiner ersten und obersten legislativen Prioritäten sein...
•

Verminderung des Ölverbrauchs bei Versorgungsbetrieben
Ich werde dem Kongreß bald Gesetzesvorschläge unterbreiten, die den Versorgungsbetrieben bei der Verwendung von Kohle behilflich sind und sie dazu
ermutigen, vorhandene öl Verbrennungsanlagen zur Elektrizitätsgewinnung außer
Betrieb zu nehmen.

Das Energieministerium und mein Stab haben im Laufe der

letzten Monate eng mit den im Kongreß für den Energiebereich Verantwortlichen
zusammengearbeitet, um einen Gesetzesvorschlag auszuarbeiten, der rasch verabschiedet werden kann.
•

Die von mir vorgeschlagene Gesetzgebung zur Verminderung des Ölverbrauchs
bei Versorgungsbetrieben wird uns dabei helfen, zwei unserer grundlegenden
Energieziele zu erreichen:

Verminderung unserer Abhängigkeit von ausländischem

öl und Produktionsausweitung bei reichhaltigen und sicheren Energievorräten,
wie etwa bei Kohle. Aus diesem Grund wird die Verabschiedung dieser Gesetzgebung in diesem Jahr eine meiner obersten Energieprioritäten darstellen...

Sicherheit im Nuklearbereich
Unmittelbar nach dem Vorfall von Three Mile Island setzte ich eine Präsidialkommission unter dem Vorsitz des Präsidenten des Dartmouth College ein,
um mich über diejenigen Schritte zu informieren, die notwendig sind, damit eine
Wiederholung dieser Art Vorfall verhindert wird.

Sicherheit ist die oberste

Priorität meiner Regierung bei der Aufsicht und Bewirtschaftung der Kernkraft
- und wird dies bleiben.

Ich habe Schritte unternommen, um praktisch alle

die von der Kemeny-Kommission festgestellten Probleme zu korrigieren und um
die meisten ihrer ausdrücklichen Empfehlungen durchzuführen...

T h

�Ich habe
tigt, bei der
doch dringend
- keinesfalls

die Stellungnahme der Nuklearen Aufsichtsbehörde (NRC) bestäLizenzvergabe eine Pause einzulegen, habe die Kommission jeangewiesen, ihre Arbeit so rasch wie möglich fertigzustellen
jedoch später als Juni dieses Jahres.

Sobald wir die notwendigen Reformen zur Gewährleistung der Sicherheit
eingeleitet haben, müssen wir den Prozeß der Lizenzvergabe sofort wieder anlaufen lassen, damit die neuen Kraftwerke, die wir zur Verminderung unserer
Abhängigkeit von ausländischem öl benötigen, gebaut und betrieben werden
können.

Kernkraft ist eine Option, die wir uns offenhalten sollten...

Nukleare E n t s o rg u n g
Die Probleme hinsichtlich der Behandlung, der Entsorgung und Lagerung
des Atommülls bleiben die schwierigsten im Rahmen der Kernkraft. Meine Regierung hat sich mit diesem Problem in den vergangenen drei Jahren intensiv
auseinandergesetzt. Eine erschöpfende Studie und Übersicht über dieses Problem wurde von meiner Administration im Verlauf des letzten Jahres durchgeführt. Gestützt auf die Ergebnisse und Empfehlungen dieser Studie werde ich
demnächst dem Kongreß eine umfassende Gesetzesvorlage übermitteln, die sich
mit diesem Problem unmittelbar befaßt. Im Fall ihrer Verabschiedung werden
meine Vorschläge den größten Schritt vorwärts darstellen, der auf dem Gebiet
der nuklearen Entsorgung seit dem Beginn des Kernkraftzeitalters getan wurde.
Ich fordere den Kongreß auf, in diesem Bereich noch in diesem Jahr zu handeln. ..

Die Weltwirtschaft
Eine wachsende Verteidigungsanstrengung und eine tatkräftige Außenpolitik
stützen sich auf eine starke Wirtschaft hier in den Vereinigten Staaten; und
die Stärke unserer eigenen Wirtschaft hängt von unserer Fähigkeit zur Führung
und zum Wettbewerb auf den internationalen Märkten ab.
- 35 -

c„

.
Energie

�Energie
Eine der wichtigsten Lektionen, die man aus den Ereignissen im Iran
lernen kann, ist die, daß es zwingende außenpolitische und binnenwirtschaftliche Gründe gibt, unsere Abhängigkeit von ausländischem öl zu vermindern.
Als Antwort auf eine Reihe von amerikanischen Vorschlägen übernahmen
die Industrieländer 1979 eine kooperative Energiestrategie für die achtziger
Jahre.

Ihre Hauptelemente bestehen aus einer gemeinsamen Zurückhaltung bei

öl einfuhren, verstärkten Anstrengungen zur öleinsparung und zur Förderung
der Produktion konventioneller Ersatzenergien sowie gemeinsamer Forschung,
Entwicklung und Vermarktung neuer Brentistofftechnologien.
Auf der Gipfelkonferenz von Tokio im Juni 1979 kamen die Staats- und
Regierungschefs der sieben stärksten Industriedemokratien überein, die Verantwortung für die Reduzierung der öl nachfrage zu übernehmen.

Bei Jahresende

waren 20 Industrienationen, Mitglieder der Internationalen Energiegesellschaft}übereingekommen, nicht nur gerecht zugeteilte Grenzsätze für ihre öleinfuhren durchzusetzen, sondern auch ein System zu schaffen, um die Grenzsätze rasch den Veränderungen der globalen Ölversorgung anzupassen.

Der Ab-

schluß der detaillierten Abkommen zur Durchführung dieser weltweiten Steuerung
der öl nachfrage steht an der Spitze der internationalen Energietagesordnung
des Jahres 1980.
Auf dem Wirtschaftsgipfeltreffen in Venedig dieses Jahr beabsichtige
ich, weitere gemeinsame Schritte vorzuschlagen, um einen reibungsloseren
Übergang von öl zu reichlich vorhandenen Brennstoffen zu ermöglichen und den
Anstieg der öl preise einzudämmen.
Zur Unterstützung der internationalen ölstrategie starten die Regierung
und die amerikanische Kohleindustrie gemeinsame Absatzanstrengungen, um unser
Land zu einem Hauptexporteur von Bunkerkohle zu machen.

Unter Zusicherung

einer verläßlichen amerikanischen Kohleversorgung zu Wettbewerbspreisen können viele der in den achtziger und neunziger Jahren zu bauenden Elektrizi-

�Elektrizitätswerke mit Kohle anstatt mit öl betrieben werden.

Die Ausfuhr

von Kohle wird uns dabei helfen, unsere rückgängigen, aber teuren öl einfuhren zu bezahlen.
Eine neue Quelle für die Erdgasversorgung der Vereinigten Staaten - Mexiko wurde durch den Abschluß der Verhandlungen zwischen den beiden Regierungen erschlossen. Durch enge Zusammenarbeit mit unserem nördlichen Nachbarn Kanada
ebnete die Regierung den Weg zur Verstärkung des Zustroms kanadischen Erdgases in die Vereinigten Staaten und zum privaten Ausbau der Erdgasleitung von
Alaska durch Kanada in die anderen 48 Bundesstaaten.
Wir glauben auch weiterhin, daß die Kernenergie bei der Befriedigung
der Energiebedürfnisse vieler Länder eine wesentliche Rolle spielen wird,
jedoch mit wirkungsvollen Schutzmaßnahmen gegen die Proliferation von Kernwaffen.

Internationale Währungspolitik
Wir unternehmen kraftvolle Schritte, um die grundlegenden Wirtschaftsbedingungen für einen starken Dollar zu schaffen. 1979 war die Zahlungsbilanz zum ersten Mal seit drei Jahren annähernd im Gleichgewicht, trotz wesentlich höherer Kosten für ölimporte. Unsere antiinflationäre Wirtschaftspolitik und unser starkes Energieprogramm dürften die Grundlage für eine
weitere Verbesserung abgeben. Natürlich hängt das Ergebnis teilweise auch
vom verantwortungsbewußten Preisgebaren der OPEC und anderer ölförderer ab...

Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern
Unsere Beziehungen zu den Entwicklungsländern sind für die Vereinigten
Staaten von entscheidender Bedeutung.

Die Struktur der Beziehungen zu diesen

Ländern hat sowohl politische als auch wirtschaftliche Dimensionen, wie wir
es in diesen letzten Wochen beobachtet haben, als Länder der Dritten Welt
- 37 -

�Welt bei der Verurteilung der sowjetischen Invasion in Afghanistan vorangingen.

Unsere Fähigkeit, zusammen mit den Entwicklungsländern auf Ziele hinzu-

arbeiten, die wir gemeinsam haben - ihre politische Unabhängigkeit, die Lösung regionaler Spannungen und unsere wachsenden Handelsbeziehungen zum Beispiel, fordert von uns, die Politik des aktiven Engagements mit der Welt der
Entwicklungsländer fortzusetzen, die wir während der letzten drei Jahre verfolgt haben.
Die Gesetzgebung für die Auslandshilfe, die ich Ihnen für das Haushaltsjahr 1981 vorlegen werde, stellt die Ermächtigung und die Mittel bereit, um
eine kooperative Beziehung zu einer großen Anzahl von Entwicklungsländern fortzusetzen.

Eine schnelle Reaktion des Kongresses auf diese Gesetzesvorlagen

ist wesentlich, um unseren Verpflichtungen aus Verträgen und Stutzpunktabkommen nachzukommen, unsere Friedensanstrengungen im Nahen Osten fortzusetzen,
Ländern in Not Wirtschafts- und Entwicklungshilfe zu gewähren, den Fortschritt
bei den Nord-Süd-Problemen zu fördern, die westlichen Interessen zu schützen
und dem sowjetischen Einfluß entgegenzuwirken.
•

•

Wir werden den Kongreß auch ersuchen, uns in die Lage zu versetzen,
unsere multilateralen Bei Standsabkommen durch Gewährung und Zuteilung von
Mitteln für die internationalen Finanzinstitutionen einzuhalten.
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Ernährung - der Krieg gegen den Hunger
.

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Eines der wirtschaftlichen Hauptprobleme, vor dem die Entwicklungsländer stehen, ist die mangelnde Nahrungsmittel Produktion. Wir müssen diesen
Ländern bei der Überwindung dieses Problems helfen - nicht nur in der Weise,
daß ihre Völker frei sind.von der Drohung ständigen Hungers, sondern auch so,
daß ihre Gesellschaften stark genug sind, um Druck von außen standzuhalten.
Ich habe angeordnet, daß die bilaterale und multilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten in zunehmendem Maß auf dieses Ziel gerichtet wird, wie es unsere
Kommission zur Bekämpfung des Hungers unter dem Vorsitz von Sol Linowitz em-

- 38 -

�empfohlen hat. Wir fordern andere Geberlä'nder auf, sich mit uns zu noch wirkungsvolleren Anstrengungen zu diesem Zweck zusammenzutun...
Das Ziel, die Welt bis zum Jahr 2000 vom Hunger zu befreien, verlangt
die volle Unterstützung aller Länder...

- 39 -

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 25.01.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schriftlicher Bericht Präsident Carters an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;</text>
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