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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1980

10

INHALT

WIRTSCHAFT
Der Wirtschaftsbericht Präsident Carters
- Auszüge -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�1

Wirt/chaft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10

7. Februar 1980

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - In seinem jüngsten Wirtschaftsbericht an den
amerikanischen Kongreß hat Präsident Carter am 30. Januar 1980 erneut
unterstrichen, daß die Inflationsbekämpfung weiterhin oberste Priorität
in der Wirtschaftspolitik der USA haben werde und in diesem Rahmen
verhindert werden müsse, daß die Auswirkungen der öl Preiserhöhungen
eine Lohn-Preis-Spirale in Bewegung setzen.
Wir veröffentlichen nachstehend wesentliche Auszüge aus diesem
Bericht:
Letztes Jahr stiegen die ölpreise um mehr als das Doppelte. Diese
Preiserhöhung wird sich mit ungefähr 200 Milliarden Dollar zu Buche
schlagen, die die Verbraucherländer zusätzlich für importiertes Erdöl
zu zahlen haben. Höhere ölpreise waren der Hauptgrund für eine weltweite
Beschleunigung der Inflation im Jahr 1979 und die sich trübenden Aussichten
auf ein Wachstum im Jahr 1980.
Die

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten waren wie andere öl importierende

Länder

hart getroffen. Unser Anteil an der zusätzlichen ölrechnung wird sich
in diesem Jahr auf nahezu 45 Milliarden Dollar belaufen. Wenn nicht
allein deshalb, so hat sich die Inflation doch wegen höherer ölpreise
scharf beschleunigt.

Der Verbraucherpreisindex stieg um über 13 Prozent.

Die Produktion des Landes an Gütern und Dienstleistungen - deren Anstieg
um 2,25 Prozent im Lauf der vier Quartale des Jahres 1979 im Wirtschaftsbericht des letzten Jahres vorausgesagt worden war - stieg um weniger als
ein Prozent.
Obgleich sich das Wachstum verlangsamte, bot unsere Wirtschaft
den Rezessionskräften heftigen Widerstand.

Trotz praktisch allseitiger

Voraussagen einer bevorstehenden Rezession stieg der Ausstoß während
der gesamten zweiten Hälfte des letzten Jahres. Der Verkauf und der Bau
von Häusern hielt sich bis weit ins Jahr hinein besser als erwartet.
Durch Verminderung ihrer Spareinlagen hielten die Verbraucher auch angesichts
der Schwächung der Kaufkraft durch höhere ölpreise in einem Umfang von
vielen Milliarden Dollar das Ausgabenniveau.

Da die Lagerbestände der

Wirtschaft bemerkenswert niedrig gehalten wurden, führten Verkaufsrückgänge nicht zu wesentlichen Bestandskorrekturen.

Generell gesehen war die

wirtschaftliche Erholung der letzten Jahre frei von Verzerrungen, die in
der Vergangenheit die Wirtschaft gegenüber rezessiven Kräften anfällig
machten.
Das Beschäftigungswachstum hielt sich sogar noch besser als der
Ausstoß, und die Arbeitslosigkeit blieb das ganze Jahr über unter sechs
Prozent.
Leider spiegeln die starken Gewinne im Bereich der Beschäftigung
einen scharfen Rückgang bei der Produktivität wider - 2 Prozent im Jahr.
Dieser Produktivitätsverlust erhöhte die Kosten und war daher mitverantwortlich für die höhere Inflation.
Obwohl
- 2 -

�Obwohl die Inflation 1979 zunahm, konzentrierte sich ein großer
Teil der Beschleunigung auf einige wenige Bereiche:

Energie, Hausbesitz

und Geldwesen sowie - im Frühjahr - auf landwirtschaftliche und Nahrungsmittel.

Ansonsten war die Verbraucherpreisinflation zurückhaltender:

die Preise stiegen im Lauf des Jahres um 7,5 Prozent.

Lohn- und Gehalts-

erhöhungen waren nicht höher als 1978, trotz der Beschleunigung der
Inflation.

Die freiwilligen Lohn- und Preisrichtwerte der Regierung wurden

großenteils

beachtet und begrenzten scharf ein übergreifen der Inflation

von öl und einigen anderen Problembereichen auf den Rest der Wirtschaft.

Die Bedeutung einer Verminderung der Inflation
Es ist meine innerste Überzeugung, daß die Inflation das wirtschaftliche
Problem Nr. 1 dieses Landes bleibt. Die Preise für Energie und Wohnungsbau
steigen noch immer rasch, tragen unmittelbar zur Inflation bei und bedrohen
die übrige Wirtschaft mit einer neuen Lohn-Preis-Spirale. Sogar abgesehen
von diesen speziellen Problembereichen beläuft sich die Inflation jetzt
auf etwa 8 bis 9 Prozent, verglichen mit 6 oder 6,5 Prozent vor einigen
Jahren - dies teilweise wegen einer enttäuschenden Produktivitätsleistung.
Unser erstes Ziel für 1980 muß es sein, ein übergreifen zweistelliger
Preisanstiege aus dem ölbereich und anderen Problembereichen auf die
übrige Wirtscahft zu verhindern. Mein Haushalt und unsere Wirtschaftspolitik haben dies als ihr oberstes Ziel. Wir teilen dieses gleiche
drängende Ziel mit praktisch allen anderen öl importierenden Ländern.
Der Ausdehnung der Inflation Einhalt zu gebieten, ist jedoch nicht genug.
Wir müssen Schritte zu ihrer Verminderung unternehmen.
Seit den sechziger Jahren brachte jede neue Inflationsrunde unserem
Land einehöhere zugrundeliegende Inflationsrate. Ohne Langzeitpolitiken,

�Langzeitpolitiken, die die gegenwärtige Rate von 8 bis 9 Prozent niederdrücken,wird unser Land gegenüber weiteren Anstiegen verwundbar bleiben.
Ein weiterer starker Anstieg der öl preise oder eine weltweite Mißernte
könnten die Schraube erneut anziehen

Eine Strategie zur Inflationsbekämpfung
Um die Inflation zu bekämpfen, schlage ich Schritte in vier Bereichen
vor;

der erste davon ist eine zurückhaltende Steuer- und Währungspolitik:
-

Unter den Wirtschaftsbedingungen, vor denen wir stehen, müssen
wir uns auf eine Verminderung des Haushaltsdefizits konzentrieren,
indem wir die Bundesausgaben niedrig halten und auf Steuererleichterungen verzichten.

Wir können uns kein permissives

Wirtschaftsumfeld leisten, in dem die durch das öl gesteuerte
Inflation des Jahres 1979 eine weitverbreitete Beschleunigung
der Lohn- und Preissteigerungen in den Jahren 1980 und 1981
zuläßt.
-

Um die Inflation in den folgenden Jahren zu vermindern, muß der
Haushalt angespannt bleiben. Dies bedeutet nicht, daß er nicht
mehr auf die sich ändernden wirtschaftlichen Umstände reagiert
oder daß es überhaupt keine Steuersenkungen mehr geben wird.
Aber im Vergleich zu früheren, weniger inflationären Zeiten
ist der Spielraum für budgetäre Manöver deutlich begrenzt.

-

Die Währungspolitik muß auch weiterhin die gleichen antiinflationistischen Ziele mit Festigkeit unterstützen.
Der

�Der zweite Handlungsbereich ist die Zurückhaltung des Privatsektors
bei seinen Lohn- und Preisentscheidungen. Mit Hilfe der Überlegungen der
im letzten Jahr eingesetzten Beratungsausschlisse bei Lohn- und Preisfragen ("Pay and Price Advisory Committees") konnten wir die freiwilligen
Lohn- und Preisrichtlinien auf einen neueren Stand bringen und verbessern.
Als dritten Handlungsbereich müssen wir Maßnahmen ergreifen, um
zum Produktivitätswachstum anzuregen, unsere Wirtschaft rasch an die
Tatsache geringerer Ölversorgung anzupassen und um unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Weltwirtschaft zu verbessern. Indem wir diese grundlegenden Aspekte der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit angehen, versuchen
wir sicherzustellen, daß die langfristigen Währungs- und Steuerbeschränkungen,
die zur Eindämmung der Inflation notwendig sind, mit einem gesunden
Wachstum der Produktion der Beschäftigung und des Lebensstandards Hand
in Hand gehen. Diese Maßnahmen werden uns auch dabei helfen, Inflationsdruck von der Kostenseite her zu vermindern.
Die jüngste Geschichte hat uns die Lektion gelehrt, daß Ereignisse
außerhalb unseres Landes - wie weltweite Mißernten

oder plötzliche

Preisanstiege der OPEC - überaus starke inflationäre Wirkungen auf die
Binnenwirtschaft haben können.

Der vierte Handlungsbereich muß daher das

Ergreifen von Maßnahmen bei Energie und Nahrungsmitteln sein, die unsere
Verwundbarkeit durch äußere inflationäre Schübe herabsetzt.

Der kurzfristige wirtschaftliche Ausblick
Wir stehen in den nächsten zwei Jahren vor einer schwierigen
wirtschaftlichen Übergangszeit. Meinen Wirtschaftsberatern zufolge wird
unsere Wirtschaft in den ersten Monaten dieses Jahres durch eine milde
Rezession hindurchgehen.

Die meisten privaten Voraussagen teilen diese

- 5 -

�diese Ansicht.

Die Kaufkraft der Verbraucher wird durch steigende Energie-

preise abgeschöpft; außerdem dürfte der Wohnungsbau noch weiter zurückgehen aufgrund des begrenzten Angebots an Hypothekendarlehen und der hohen
Darlehenszinssätze.
Da das Wirtschaftswachstum der letzten Jahre gut ausgewogen war,
gibt es keine ernsthaften Verzerrungen in unserer Wirtschaft, um die
Rezessionskrä'fte zu verstärken.

Daher dürfte eine wirtschaftliche

Abschwächung - sollte es zu einer solchen kommen - kurz und mild sein.
Gegen Jahresende dürfte unsere Wirtschaft wieder anziehen und das Expansionstempo 1981 wahrscheinlich zunehmen.
Die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr wahrscheinlich leicht zunehmen.

Nächstes Jahr wird ein stärkeres Expansionstempo mehr neue Stellen

schaffen, und die Arbeitslosigkeit wird wieder sinken.
Die Inflation entwickelte sich in unserem Land über eineinhalb
Jahrzehnte hinweg, und es wird viele Jahre ständiger Anstrengung bedürfen,
um wieder davon herunterzukommen. In diesem Jahr werden die Energiepreise
weiterhin rascher steigen als die anderen Preise, aber weniger rasch als
1979. Einige der anderen Faktoren, die letztes Jahr zur Inflation beitrugen, dürften dies 1980 nur noch in geringerem Umfang oder überhaupt
nicht mehr tun. Die Verabschiedung des von mir vorgeschlagenen Haushalts
und die fortgesetzt geübte, vernünftige Zurückhaltung von Arbeitgeberund -nehmerseite bei ihren Lohn- und Preisentscheidungen sollten es möglich
machen, die Inflationsrate von den 13 Prozent des Jahres 1979 auf bis zu
10 Prozent im Jahr 1980 herunterzuschrauben und auf eine Höhe von 8 oder
9 Frozent im Jahr 1981. Aber diese Leistung wird die Inflation noch immer
in einem völlig unannehmbaren Tempo davonlaufen lassen. Wir können und
werden nicht ruhen, bis eine vernünftige Preisstabilität erreicht worden

Haushaltspolitik

�Haushaitspoli ti k
Meine Haushaltsvorschläge werden das Haushaltsdefizit des Bundes
im Haushaltsjahr 1981 um mehr als die Hälfte auf 16 Milliarden Dollar
senken.

Um diese Senkung zu erreichen - trotz der Auswirkung langsameren

Wirtschaftswachstums auf die Steuereinnahmen des Bundesäußerster Zurückhaltung bei den Bundesausgaben.

bedurfte es

Die Ausgaben

werden von

564 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 616 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1981 steigen.

Obwohl die Verteidigungsausgaben zunehmen werden, werden

die Bundesausgaben inflationsbereinigt praktisch konstant bleiben.

Ich

schlage vor, die Ausgaben - von der Verteidigung abgesehen - nach Angleichung
an die Inflation zu senken.
Mein Haushalt für das Jahr 1981 stützt sich ganz einfach auf die
Prämisse, daß es oberste Priorität der Wirtschaftspolitik bleiben muß,
die Inflation zu beenden. Es werden nicht nur die Haushaltsausgaben auf
einem Mindeststand gehalten, der noch in Einklang mit den drängenden
nationalen Forderungen steht, sondern es wird auch auf Steuersenkungen
verzichtet. Diese karge Haushaltspolitik ist in Verbindung mit unterstützender währungspolitischer Zurückhaltung eine notwendige Bedingung
zur Kontrolle der Inflation.
Bürger im ganzen Land stehen vor wachsenden Steuerlasten wegen zunehmender Steuern für die soziale Sicherheit und weil die Inflation den
einzelnen in die Klammern höherer Einkommensteuern treibt.

Sie fordern

und verdienen Steuererleichterungen, sobald Senkungen in Rahmen einer
umsichtigen Haushaltspolitik gewährt werden können.

Die Wirtschaft braucht

stärkere Anreize, um in neuen und modernen Betriebsanlagen und in Ausrüstung
zu investieren, die für das Anwachsen unserer Produktivitätskapazität und
für die langfristige Verbesserung der Effizienz der Wirtschaft entscheidend
sind.

Wenn wir auch weiterhin das Anwachsen der Bundesausgaben straff

zügeln, wird es Steuersenkungen geben. Aber ich konnte dieses Jahr keine

- 7 -

�keine Steuererleichterungen vorschlagen - und habe es nicht getan....
In dieser ungewissen Zeit kann man die Wirtschaftspolitik nicht
festschreiben und sie dann vergessen.

Sollten sich die Wirtschaftsbedingungen

und Aussichten deutlich verschlechtern, bin ich bereit, dem Kongreß zusätzliche steuerliche Maßnahmen vorzuschlagen, um Produktion und Beschäftigung
in einer Weise und unter Umständen zu unterstützen, die mit dem fortgesetzten Kampf gegen die Inflation in Einklang stehen

- .

Lohn- und Preisrichtlinien
Vor etwa einem Jahr forderte ich Arbeitgeber und -nehmer auf, sich
mir im Kampf gegen die Inflation dadurch anzuschließen, daß freiwillige
Richtlinien für Löhne und Preise befolgt würden. Die Zusammenarbeit auf
meine Bitte hin war groß. Die Beschleunigung der Inflation im letzten
Jahr stellte keinen Zusammenbruch der Lohn- und Preisrichtlinien dar.
Himmel stürmende Energiepreise und steigende Kosten für Hauskauf und
-finanzierung waren die Ursache für die deutliche Verschlechterung der
Inflation. Auch die sinkende Produktivität trug zu Geschäftskosten und
Preisen bei.
Tatsächlich haben die Lohn- und Preisrichtlinien dem Land gutgetan.
Obwohl die Preisrichtlinien bei den Nahrungsmitteln, bei Energie und bei
den Immobilienpreisen nur in geringem Ausmaß anwendbar waren, beschleunigten
sich die Preise in den übrigen Wirtschaftsbereichen, für die die Richtlinien
entworfen waren, im ersten Jahr des Programms nur wenig. Die Lohnerhöhungen
waren nicht größer als im Jahr 1978, obwohl die Lebenshaltungskosten rascher
stiegen. Die Erhöhungen bei den Energiepreisen wirkten sich nicht allzu
stark bei den Löhnen und dem übrigen Spektrum der Industrie- und Dienstleistungspreise aus.
Am

�Am 28. September 1979 erzielten meine Regierung und die Führung
der Gewerkschaften ein landesweites Übereinkommen.

Wir vereinbarten,

daß unsere Antiinflationspolitik wirkungsvoll und ausgeglichen sein müsse
und daß wir trotz des Kampfes gegen die Inflation unsere Anstrengungen
nicht aufgeben würden, die Ziele der Vollbeschäftigung und des ausgeglichenen
Wachstums zu verfolgen.

Als eines der Ergebnisse dieses Übereinkommens setzte ich einen
"Ausschuss für Lohnberatungen" (Pay Advisory Committee) ein, um in Zusammenarbeit mit meiner Regierung die Lohnrichtlinien zu überprüfen und
Vorschläge zu unterbreiten, wie sie durchgesetzt werden könnten.

Ein

"Ausschuß für Preisberatungen" (Price Advisory Committee) wurde eingerichtet, um Empfehlungen hinsichtlich Preisrichtlinien zu unterbreiten.

Das vordringlichste Problem im Jahr 1980 ist es, sicherzustellen,
daß die scharfen Preisanstiege für Energie nicht eine neue Bewegung der
Lohn- und Preisspirale zur Folge haben, die die gegebene Inflationsrate
noch viele Jahre lang verschlimmern würde.

Es ist verständlich, daß

die Arbeiter, die Industriemanager und andere Gruppen einen Ausgleich
für reale Einkommensverluste suchen und dies tun, indem sie höhere
Lohn- und Gehaltszuschläge und andere Einkommensformen fordern.

Solche

Anstrengungen würden nicht die durch steigende Weltölpreise und gesunkene
Produktivität verminderten Realeinkommen zurückbringen, sondern sie
würden nur die Inflation verschärfen.

Verbesserungen unseres Lebens-

standards können nur durch größere Effizienz unserer Wirtschaft und durch
geringere Abhängigkeit von importiertem öl erreicht werden.

Freiwillige Richtlinien für Löhne und Preise sind zusammen mit einer
disziplinierten Steuer- und Währungspolitik die wesentlichen Bestandteile
einer Strategie zur Senkung der Inflation.

Während der nächsten Jahre

wird durch Währungs- und Steuerpolitik versucht, die Inflation langsam
aber ständig zu senken.

Zurückhaltung bei Anleihen und Ausgaben bedeutet

- 9 -

�bedeutet in sich selbst verhältnismäßig langsames Wirtschaftswachstum
und etwas höhere Arbeitslosigkeit mit brachliegender Kapazität.

Wirksame

Richtlinien zur Mäßigung bei Lohn- und Preissteigerungen werden zu Fortschritten bei der Senkung der Inflation führen und dadurch die Last auf
Währungs- und Steuerpolitik mindern sowie Spielraum für rascheres Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze schaffen

;

Maßnahmen zur Verbesserung der Wirtschaftsleistung
Befriedigendes Wirtschaftswachstum zu erreichen, die Arbeitslosigkeit
zu verringern und gleichzeitig steten Fortschritt bei der Inflationsbekämpfung zu machen, stellt eine gewaltige Herausforderung für die
Wirtschaftspolitik dar.
Um die Inflation zu drücken, müssen wir den schmerzlichen Weg
weitergehen, der notwendig ist, um die Nachfrage zu dämpfen. Aber Nachfragedämpfung allein ist nicht genug. Wir müssen daran arbeiten, die
Angebotsseite unserer Wirtschaft zu verbessern, und ihren Anpassungsprozeß in einer Zeit knapper Energie beschleunigen, ihre Effizienz
erhöhen, die Wirkungsweise des Arbeitsmarktes verbessern und ihren
Kapitalsockel verbreitern. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, unsere
Verwundbarkeit bei inflationären Ereignissen zu vermindern, die sich
außerhalb unserer eigenen Volkswirtschaft zutragen. Nur eine Methode,
die sich mit Nachfrage und mit Angebot auseinandersetzt, kann das Land
in die Lage versetzen, ein gesundes Wirtschaftswachstum mit Preisstabilität
zu kombinieren.

Langfristige

- 10 -

�Langfristige Energiepolitik
Im Lauf der letzten drei Jahre habe ich einen Großteil meiner
eigenen Anstrengungen und der meiner Regierung darauf verwendet, für
dieses Land eine langfristige Energiepolitik zu entwerfen.

Viel ist

bereits in Zusammenarbeit mit dem Kongreß erreicht worden oder steht kurz
vor seiner Verabschiedung.
Die schrittweise Freigabe der Preise für Erdgas und inländisches
Rohöl wird ein starkes, eindeutiges Signal setzen, zur Energieeinsparung
ermutigen und die Entwicklung inländischer Energieversorgung anregen.
Aber die Freigabe der ölpreise bringt angesichts der sehr hohen OPECPreise unvermeidlicherweise gewaltige Situationsgewinne mit sich. Die
Steuer auf diese Situationsgewinne (Windfall Profit Tax), die ich vorgeschlagen habe, wird einen beträchtlichen Teil dieser Gewinne für den
öffentlichen Gebrauch abschöpfen.
Die zusätzlichen Bundeseinnahmen durch diese Steuer werden es möglich
machen, die Armen vor den Auswirkungen der höheren ölpreise zu schützen,
unsere Investitionen im öffentlichen Verkehrswesen zu erhöhen und Programme
für den beschleunigten Ersatz ölbetriebener Elektrizitätswerke und für
vermehrte private und kommerzielle Energieeinsparung zu unterstützen.
Ich habe auch Anreize für die Entwicklung von Sonnenenergie und Energie
aus Biomasse gegeben und den Kongreß um die Ermächtigung ersucht, eine
Energiesicherungsbehörde (Energy Security Corporation) ins Leben zu rufen,
um auf einer geschäftsmäßigen Grundlage Anreize und Beistand für die
beschleunigte Entwicklung synthetischer Brennstoffe zu gewähren. Weitere
von mir vorgeschlagene Gesetze, die zur Zeit ebenfalls einem Beratungsausschuß des Kongresses vorliegen, würde ein Energiemobilisierungsamt
schaffen, um den Behördenweg zu verkürzen und die Entwicklung wesentlicher
Energieprojekte zu beschleunigen. Ich fordere den Kongreß auf, die letzten
Schritte zu tun, um die für meine Energieinitiativen notwendige Gesetz-

- 11 -

�Gesetzgebung zu verabschieden.
•

Diese Politiken werden die Wirksamkeit wesentlich erhöhen, mit der
unser Land Energie verbraucht, und das Spektrum wirtschaftlich ausnutzbarer
Energiequellen vergrößern.

Auf diese Weise werden sie dabei helfen, unsere

Volkswirtschaft weniger inflationsanfällig zu machen.

Sie werden auch

unsere Abhängigkeit von importiertem öl drastisch reduzieren und die Wahrscheinlichkeit plötzlicher Inflationsschübe dadurch herabsetzen, daß unser
Land durch plötzliche Preisanstiege beim öl auf den Weltmärkten weniger
verwundbar ist.
Gegen Ende dieses Jahrzehntes werden wir uns wahrscheinlich schon
am Ende der Übergangsperiode zu einer neuen Welt der knapperen öl Vorräte
nähern.

In der Zwischenzeit bleibt unser Land jedoch noch immer den

Unberechenbarkeiten der Weltölmärkte auf gefährliche Weise ausgeliefert.
Ich verfolge Maßnahmen, um mit diesen Übergangsproblemen fertigzuwerden. Zusammen mit anderen wichtigen öl Verbraucher!ändern in der Internationalen Energieagentur arbeiten wir daran, verbesserte Möglichkeiten
zu entwickeln, um künftigen Kürzungen bei der Ölversorgung durch gemeinsames
Handeln zur Verminderung der ölnachfrage zu begegnen. Wir können die
Chancen auf weitere starke Preiserhöhungen vermindern, indem wir ein
kompetitives Gedränge nach knappem öl vermeiden.
Letztes Jahr versprach ich, daß unser Land niemals wieder mehr öl
als im Jahr 1977 importieren würde: 8,5 Millionen Barrel pro Tag. in
diesem Jahr setzte ich ein niedrigeres Importziel von 8,2 Millionen
Barrel pro Tag fest. Ich bin bereit, dieses Ziel weiter herabzusetzen,
sollten Diskussionen im Rahmen der Internationalen Energieagentur ein
faires und ausgeglichenes Abkommen erzielen, das noch niedrigere Importe
fordert. Ich werde eine Abgabe für den Kauf von ausländischem Erdöl
einführen, falls dieser die von mir festgesetzten Grenzen zu überschreiten
droht.
Ebenso
- 12 -

�Ebenso wesentlich wie die internationale Zusammenarbeit sind Maßnahmen,
die wir selbst ergreifen können.

In Einklang mit den im letzten Jahr

erlassenen Gesetzen hat die Regierung einen Notplan zur Benzinrationierung
entwickelt, um mit größeren Versorgungsstörungen fertigzuwerden - definiert
als ein Versorgungsdefizit von 20 oder mehr Prozent.

Dieser Plan wird dem

Kongreß im Februar vorgelegt. Aber sogar noch geringere Versorgungsstörungen können schwerwiegende wirtschaftliche Probleme hervorrufen.

Wir

überlegen daher Vorschläge für Notmaßnahmen, die zu ergreifen sind, wenn
geringfügigere, aber noch immer beträchtliche Unterbrechungen auftreten
sollten.

Die Strategische Benzinreserve (SPR) kann die Auswirkung eines

plötzlichen Lieferausfalls abschwächen.

Mein Haushalt sieht Mittel dafür

vor, Käufe im Rahmen dieser Reserve in diesem Jahr wieder aufzunehmen,
wenn es die Umstände erlauben.

Verbesserung des Arbeitsmarktes
Anhaltende hohe Arbeitslosigkeit bei bestimmten Berufsgruppen,
stürmische Nachfrage nach Arbeitskräften andererseits und in manchen
Bereichen nur sehr niedrige Arbeitslosigkeit: das ist nicht nur ein
großes soziales Problem, sondern eine Verschwendung nationaler Ressourcen.
Der Mangel an Fertigkeiten, die Mängel des Arbeitsmarktes und in manchen
Fällen die Diskriminierung, die eine solche Situation entstehen läßt,
vermindern die nationale Produktivität und tragen zur Inflation bei.
Obgleich unser Arbeitsmarkt für die meisten Menschen im Moment
ziemlich gut arbeitet, so tut er dies nicht für die benachteiligten
Jugendlichen und die jungen Angehörigen der Minderheiten.

Angesichts

dieser Tatsache habe ich kürzlich dem Kongreß Vorschläge zugeleitet, die
die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen sollen
Reform
- 13 -

�Reform gesetzlicher Vorschriften
Der Bereich der gesetzlichen Vorschriften ist neben der Besteuerung,
der Verteidigung und der Bereitstellung der Sozialversorgung eine der
Hauptbeschäftigungen der Regierung.

Unnötige Vorschriften, aber auch

notwendige Vorschriften, die unverhältnismäßige Lasten auferlegen, senken
die Effizienz und erhöhen die Kosten.
In den letzten drei Jahren habe ich mich entschieden für eine grundlegende Methode zur Reform der Vorschriften eingesetzt:

unnötige Vor-

schriften, wie tief auch immer in der Tradition verwurzelt, sollten
abgeschafft und die Rolle des Wettbewerbs sollte verstärkt werden;
notwendige Vorschriften sollten ihre sozialen Zielsetzungn zu minimalen
Kosten erreichen.
In Zusammenarbeit mit dem Kongreß wurde die Luftfahrtindustrie von
einschränkenden Bestimmungen befreit. Nunmehr arbeiten wir mit Kongreßausschüssen zusammen, um die Arbeit für eine faire und wirkungsvolle
Gesetzgebung zu beenden, die die kostspieligen Teile der Vorschriften in
der Lastwagen-, der Eisenbahn-, der Kommunikations- und der Finanzindustrie
beseitigt.
Innerhalb der Exekutive steigern wir die Qualität der Vorschriften
und senken ihre Kosten. Der Rat zur Koordinierung staatlicher Vorschriften
(Regulatory Council), den ich vor einem Jahr eingesetzt habe, fördert
unser Verständnis für das ganze Ausmaß der Bundesaktivitäten im Bereich
der Bestimmungen und die Art und Weise,in der diese Aktivitäten insgesamt
die einzelnen Industrien und Sektoren beeinflussen. Eine Reihe von
weisungsbefugten Behörden experimentiert mit neuen Techniken, die die
Zielsetzungen zu weit niedrigeren Kosten zu erreichen versprechen.

Steigerung

- 14 -

�Steigerung der Investitionen und Ermutigung von Forschung und Entwicklung
Wir kennen nicht alle Ursachen der Verlangsamung des Produktivitätswachstunis, die in den letzten Jahren unsere Volkwirtschaft charakterisiert
hat.

Aber wir wissen, daß Investitionen, Forschung und Entwicklung bei

der Umkehrung dieses Trends eine wesentliche Rolle werden spielen müssen.
Um die kräftig gestiegenen Bedürfnisse des Landes nach Investitionen
im Bereich der Energieproduktion und -einsparung zu befriedigen, um seinen
Auftrag nach sauberer Luft und klarem Wasser sowie verbesserter Gesundheitsfürsorge und Sicherheit am Arbeitsplatz zu erfüllen und um gleichzeitig weitere und bessere Werkzeuge für eine wachsende amerikanische
Arbeitnehmerschaft zur Verfügung zu stellen, muß unser Land im kommenden
Jahrzehnt den Anteil seiner Mittel erhöhen, der für Kapitalinvestitionen
bereitgestellt wird.
Einen Schritt in diese Richtung unternahmen wir mit dem Einkommenssteuergesetz von 1978, das größere Steuererleichterungen für Investitionsmaßnahmen vorsieht.

Die Verabschiedung meiner anhängigen Energiegesetz-

gebung wird umfangreiche neue Anreize und finanziellen Beistand für
Investitionen

bei Produktion und Einaprung von Energie verfügbar machen.

Sobald die Wirtschaftsbedingungen für weitere Steuersenkungen angemessen
sind, werden wir meiner Meinung nach einen wesentlichen Teil jeder Steuerherabsetzung auf die Bereitstellung weiterer Anreize für allgemeine
Kapitalinvestitionen umleiten müssen.
Einer der bedeutsamsten Faktoren zur Sicherstenung eines starken
Produktivitätswachstums ist ein ständiger Fluß neuer Ideen aus dem
Industriebereich. Dieser Fluß hängt in erster Linie von einer soliden
Grundlage wissenschaftlicher Kenntnis ab. Die wichtigste Quelle solchen
Wissens ist die Grundlagenforschung, deren größter Teil aus Bundesmitteln
finanziert wird.
Zwischen
- 15 -

�Zwischen 1968 und 1975 fielen die Bundesausgaben für Grundlagenforschung - in gleichbleibenden Dollar gemessen - sogar. Aber seit 1975
und besonders während meiner Regierungsjahre stieg die Bundeshilfe für
die Grundlagenforschung kräftig.

Trotz der im allgemeinen angespannten

wirtschaftlichen Lage fordert der Haushaltsplan für 1981, den ich dem
Kongreß vorlege, eine weitere erhebliche Zunahme der realen Bundeshilfe
für die Grundlagenforschung.

Gerade in einer Zeit wirtschaftlicher

Schwierigkeiten können wir es uns nicht leisten, die Basis zukünftigen
Wohlstands zu schmälern....

Die Weltwirtschaft
Neben unserem Land erlitten auch andere Staaten im Jahr 1979
beträchtliche Rückschläge durch die dramatischen Preissteigerungen beim
öl. Die Wachstumsaussichten verschlechterten sich, die Inflation nahm
zu und die Zahlungsbilanzdefizite wuchsen. In solch schwierigen Zeiten ist
die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Staaten besonders wichtig.
Gemeinsame Schritte der öl Verbraucherstaaten sind notwendig, um den
Nachfragedruck auf das Angebot zu reduzieren und die Ordnung auf den
Weltölmarkten wiederherzustellen. Zusammenarbeit ist notwendig, um die
internationalen Finanzmärkte gegen potentiell mögliche Unterbrechungen
zu schützen, die aus der Notwendigkeit herrühren, stark erhöhte Zahlungen
für das Erdöl finanzieren zu müssen. Und Zusammenarbeit ist ebenfalls
notwendig, um eine zerstörerische Runde des Protektionismus zu verhindern.

Da der Dollar der wichtigste internationale Wertspeicher und die
sichtigste Valuta ist, ist die Stabilität der internationalen Finanzmärkte eng mit der Stärke des Dollar verbunden. Die im November 1978
von den Vereinigten Staaten und unseren Verbündeten ergriffenen Maßnahmen

�Maßnahmen zur Stärkung und Stabilisierung des Dollar funktionierten im
vergangenen Jahr gut. Die Tatsache, daß der Dollar sich trotz einer
beschleunigten Inlandsinflation gut hielt, ist teilweise auf eine deutliche
Verbesserung unserer gegenwärtigen Zahlungsbilanz im Verlauf des Jahres 1979
zurückzuführen. Unsere Exporte nahmen rasch zu und trugen dadurch dazu
bei, die steigenden Zahlungen für Erdöl auszugleichen. Im Herbst 1979
kam der Dollar jedoch unter rückläufigen Bewegungsdruck. Die Maßnahmen
der Bundesbank vom Oktober zur Änderung der Techniken der Geldpolitik
halfen dabei, die Inflationserwartungen zu dämpfen, die teilweise für den
Druck auf den Dollar verantwortlich gewesen waren. Wir müssen als Staat
die Bedeutung eines stabilen Dollar nicht nur für die Vereinigten Staaten
erkennen, sondern für die Weltwirtschaft als ganzes, und unsere Verantwortung
zur Verfolgung einer Politik übernehmen, die zu dieser Stabilität beiträgt.
Die multilateralen Handeslverhandlungen der Tokio-Runde wurden
erfolgreich abgeschlossen und erlangten im Lauf des Jahres 1979 in den
Vereinigten Staaten Gesetzeskraft. Diese Handelsvereinbarungen sind eine
bedeutsame Leistung für die Weltwirtschaft. Durch Senkung der Zollschranken
in den Vereinigten Staaten und im Ausland werden sie dabei helfen, unsere
Exporte zu erhöhen und uns Amerikanern Zugang zu ausländischen Gütern zu
verschaffen, die weniger kosten. Vielleicht noch wichtiger ist, daß diese
Abkommen restriktive und unfaire Handelspraktiken begrenzen und für
deutliche Heilmittel dort sorgen werden, wo es Mißbrauch gibt. Sie können
zwar nicht allein eine reibungslose Lösung aller Handelsfragen garantieren,
und tatsächlich wird die eigentliche Bewährungsprobe erst kommen, wenn wir
mit ihrer Ausführung beginnen. Dennoch stellen die im letzten Jahr
erreichten Abkommen eine klare Verpflichtung zur Bewahrung und Verbesserung
eines offenen Welthandelssystems dar.

Schlußfolgerung

- 17 -

�•

Schlußfolgerung
Die siebziger Jahre waren ein Jahrzehnt der wirtschaftlichen Unruhe.
Die Weltölpreise stiegen um mehr als das Zehnfache und trugen dazu bei,
zwei große Inflationswellen und die schlimmste Rezession seit vierzig
Jahren auszulösen.

Das internationale Wä'hrungssystem mußte einen schwierigen

Übergang von festen zu floatenden Wechselkursen durchmachen.

In der

Landwirtschaft wechselte eine chronische Überangebotslage in eine Situation
über, in der sich Zeiten des knappen Angebots mit Zeiten des Überangebots
abwechselten.
Es war ein inflationäres Jahrzehnt.

Es brachte in die Pläne der

Geschäftswelt und der Verbraucher für die Zukunft zunehmende Ungewißheit.
Wir unternehmen jetzt Anpassungen an die Realitäten der wirtschaftlichen
Welt, die uns die siebziger Jahre brachten.
eine schwierigere Welt als die vor ihr.

Sie ist in vieler Hinsicht

Dennoch sind die von ihr gestellten

Probleme nicht unüberwindlich.
Es warten keine Wirtschaftswunder auf ihre Verwirklichung. Aber
mit Geduld und Seibstdiziplin in Verbindung mit etwas Erfindungsreichtum
und Sorgfalt können wir uns erfolgreich mit dieser neuen Welt auseinandersetzen. Die achtziger Jahre können ein Jahrzehnt verminderter Inflation
und gesunden Wachstums werden.

+ + + + +

�</text>
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cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

7. Februar 1990

BERICHT ZUR LAGE
DER NATION

Bush für einschneidende amerikanischsowjetische Truppenreduzierungen in Europa
Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation

U.S.-AUSSENPOLITIK

Baker: Offizielle Reaktion Moskaus auf Bushs
Vorschlag erwartet
Rede des US-Außenministers im Auswärtigen
Ausschuß des Senats

SICHERHEITSPOLITIK

Seminar über Militärdoktrinen als Erfolg
bewertet
Abschlußerklärung von Botschafter
John Maresca

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�BERICHT ZUR

LAGE

DER

NATION
7. Februar 1990

BUSH FÜR EINSCHNEIDENDE AMERIKANISCHSOWJETISCHE TRUPPENREDUZIERUNGEN
IN EUROPA
Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - In seinem Bericht zur Lage der Nation vom 31. Januar 1990 betonte Präsident Bush,
es sei jetzt "an der Zeit für Fortschritte bei einem konventionellen Rüstungsabkommen'* und schlug vor, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion ihre in Mittel- und Osteuropa stationierten Truppen auf jeweils 195 000
Mann reduzieren.
"Diese Zahl stützt sich auf Empfehlungen unserer hochrangingen Militärberater", erklärte der Präsident, "und
soll amerikanische und europäische Interessen schützen und die Verteidigungsstrategie der NATO aufrechterhalten. Der unverzügiche Abschluß unserer Rüstungskontrollverhandlungen - im konventionellen Bereich sowie
bei chemischen und strategischen Waffen - muß jetzt unser vorrangiges Ziel sein. Dieser Zeitpunkt ist
gekommen." Die Vereinigten Staaten haben zur Zeit ca. 300 000, die Sowjets rund 575 000 Soldaten in Europa
stationiert.
Bush zufolge ist es jetzt auch an der Zeit, "den aufstrebenden Demokratien Osteuropas die Hand zu reichen und
auf unsere neuen Beziehungen zur Sowjetunion aufzubauen, um einen friedlichen Prozeß innenpolitischer
Veränderungen im Hinblick auf Demokratie und wirtschaftliche Möglichkeiten zu fördern."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Bericht zur Lage der Nation im Wortlaut.
Herr Präsident, Herr Vorsitzender, verehrte Abgeordnete des amerikanischen Kongresses,
als ehemaliger Präsident des Senats und ehemaliges
Mitglied dieses ehrenwerten Hauses stehe ich heute
vor Ihnen. Als Präsident der Vereinigten Staaten habe
ich die Ehre, Ihnen heute über die Lage der Nation zu
berichten.
Heute abend werde ich weder über die "Lage der
Regierung" sprechen oder jede neue Initiative im einzelnen erläutern, die wir für nächstes Jahr planen noch
jeden einzelnen Punkt der Haushaltsvorlage erörtern.
Ich möchte Ihnen und dem amerikanischen Volk über
die Lage der Nation - und der Welt- berichten, über die
von uns beobachteten Veränderungen und die Herausforderungen, mit denen wir uns konfrontiert sehen
- und welche Auswirkungen dies alles auf die Vereinigten Staaten haben wird. Es gibt einzigartige Augenblicke in der Geschichte: Daten, die einen echten
Wendepunkt markieren. Die meisten der hier Anwesenden haben einen Großteil ihres Lebens in einer
Welt verbracht, deren Grundzüge im Jahr 1945 festge-

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legt wurden. Die Ereignisse jenes Jahres bestimmten
die Gestalt der Nationen, das Tempo des Fortschritts
und Freiheit oder Unterdrückung für Millionen von
Menschen auf der ganzen Welt.
1945 war der allgemeine Bezugspunkt - die Kompaßnadel, auf die wir uns in der Nachkriegszeit zum
gegenseitigen Verständnis verlassen haben. Das war
unsere Welt. Bis heute. Die Ereignisse des eben zu
Ende gegangenen Jahres - die Revolution von 1989 waren eine Kettenreaktion, ein so tiefgreifender Wandel, daß er den Anfang eines neuen Zeitalters im
Weltgeschehen markiert.
Denken Sie nur 12 Monate zurück - an die Welt von
damals - als das Jahr 1989 anbrach.
Vor einem Jahr lebte das panamaische Volk in Angst
unter der Knechtschaft eines Diktators. Heute ist die
Demokratie wiederhergestellt - Panama ist frei.
Die Operation "Gerechte Sache" hat dieses Ziel verwirklicht. Das in Panama stationierte Militär entspricht
heute in etwa wieder der Zahl wie vor der Operation.
Seite 1

�Und heute abend gebe ich bekannt, daß die zusätzlichen amerikanischen Truppen - die tapferen Männer
und Frauen unserer Streitkräfte, die dieser Mission
zum Erfolg verholten haben - noch vor Ende Februar
nach Hause zurückkehren werden.

Die heute vor uns liegende Herausforderung besteht
darin, dieses unvergleichliche demokratische System
noch besser zu machen.
Ein besseres Amerika, mit einem Arbeitsplatz für jeden, der Arbeit sucht.

Vor einem Jahr erklärte Lech Walesa in Polen, er sei
zu einem Dialog mit den kommunistischen Machthabern dieses Landes bereit. Heute sind Mitglieder der
Solidarität in der polnischen Regierung vertreten, die
das Schicksal eines freien Polens in die Hände genommen haben.

Ein Amerika, in dem Frauen sicher sein können, daß
ihre Kinder gut aufgehoben sind und liebevoll betreut
werden, während sie ihrer Arbeit nachgehen - und in
dem die Regierung zusätzliche Alternativen der Kinderbetreuung für die Eltern erarbeitet.

Vor einem Jahr war der Dramatiker und Regimekritiker
Vaclav Havel noch im Gefängnis in Prag. Heute ist
Vaclav Havel Präsident der Tschechoslowakei.

Ein Amerika, in dem wir die Forderungen einer sauberen Umwelt und starken Wirtschaft in Einklang bringen.

Und noch vor einem Jahr bemühte Erich Honecker in
der DDR die Geschichte als Leitfaden. Er sagte
voraus, die Berliner Mauer würde weitere hundert
Jahre überdauern. Heute - noch nicht einmal ein Jahr
später - ist es die Mauer, die Geschichte ist.

Ein Amerika, in dem "Made in USA" auf der ganzen
Welt als Symbol für Qualität und Fortschritt anerkannt
ist.

Bemerkenswerte Ereignisse - mit denen die lange
gehegten Hoffnungen des amerikanischen Volkes erfüllt
wurden. Ereignisse, die die traditionellen Ziele amerikanischer Politik rechtfertigen - einer auf ein einziges,
unerschütterliches Prinzip gegründeten Politik: die
Sache der Freiheit.
Amerika ist nicht nur als Nation sondern auch als
Traum in den Köpfen der Menschen allgegenwärtig.
Und während diese neue Welt Gestalt annimmt, stehen die Vereinigten Staaten im Mittelpunkt eines konzentrischen Kreises der Freiheit - heute, morgen und
im nächsten Jahrhundert.
Unser Land ist der immerwährende Traum eines jeden
Emigranten, der je seinen Fuß auf diese Ufer setzte und der Millionen von Menschen, die immer noch für
Freiheit kämpfen. Dieses Land - dieser amerikanische
Traum - war und ist eine neue Welt. Unsere neue Welt.
Bei einer Arbeiterkundgebung in Branik, einem Vorort
von Prag, ist dieser amerikanische Traum lebendig.
Ein Arbeiter in einem verschmierten Overall ergreift
das Wort vor den Fabriktoren. Er beginnt die Rede an
seine Mitbürger mit diesen Worten, den Worten einer
lange zurückliegenden Revolution:
"Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich geschaffen sind, daß
sie von ihrem Schöpfer mit gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, daß dazu Leben,
Freiheit und das Streben nach Glück gehören."
Es ist kein Geheimnis, daß sich hier, in diesem Land,
die Tore der Freiheit vor langer Zeit geöffnet haben.
Die Eckpfeiler dieser freien Gesellschaft haben bereits
ihren festen Platz gefunden: Demokratie. Wettbewerb. Chancen. Privatinvestitionen. Verantwortungsvolle Verwaltung. Und natürlich Führung.

Seite 2

Ein Amerika, in dem jeder von uns die gleichen Chancen auf Leben, Arbeit und einen Beitrag zur Gesellschaft hat. Und ein Amerika, in dem unsere behinderten Mitbürger zum ersten Mal voll und ganz integriert
sind.
Ein Amerika, in dem jeder ein Dach über dem Kopf hat
und ein Amerika, in dem die Obdachlosen die Hilfe
erhalten, die sie zu einem menschenwürdigen Leben
benötigen.
Ein Amerika, in dem unsere Schulen gleichermaßen
Herausforderung und Unterstützung für Schüler und
Lehrer sind und in dem alle "es schaffen".
Ein Amerika, in dem jede Straße, jede Stadt, jede
Schule und jedes Kind drogenfrei ist.
Und schließlich ein Amerika, in dem kein Amerikaner
vergessen wird. Wir denken dabei in tiefstem Mitgefühl an unsere Geiseln, die wir bei all unseren Bestrebungen und all unserem Trachten niemals vergessen.
Das ist Teil der Zukunft, die wir verwirklichen wollen,
der Zukunft, die wir für uns gestalten können. Aber mit
Träumen allein kommen wir nicht weit. Wir müssen
unseren Horizont erweitern, uns auf lange Sicht engagieren. Unsere Zukunftspläne beginnen hier und jetzt.
Beim harten Wettbewerb auf den Weltmärkten sehen
sich die Vereinigten Staaten vor große Herausforderungen und Chancen gestellt. Wir wissen, daß wir in
der Weltwirtschaft der neunziger Jahre Erfolg haben
können, aber um dieser Herausforderung zu begegnen, müssen wir einige tiefgreifende Veränderungen
vornehmen - in entscheidendem Maße in uns selbst
investieren.
Ja, wir werden in die Vereinigten Staaten investieren.
Diese Administration ist entschlossen, die Bildung von
Kapital aller Art zu ermutigen. Materielles Kapital:
Angefangen mit unseren Farmen und Fabriken über

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�unsere Arbeits- und Produktionsstätten bis hin zu allem, was für Produktion und Lieferung von Qualitätsprodukten und hervorragenden Dienstleistungen erforderlich ist. Geistiges Kapital: Der Ursprung von
Ideen, die Produkte von morgen hervorbringen. Und
natürlich unser menschliches Kapital: Die geschickten
Arbeitskräfte, die wir benötigen werden, um auf den
Weltmärkten konkurrenzfähig zu sein.
Ich kann Ihnen versichern, wenn wir das menschliche
Kapital ignorieren, verlieren wir unseren Erfindungsreichtum, der das Merkmal des amerikanischen Arbeitnehmers ist. Und der amerikanische Arbeitnehmer
ist der produktivste Arbeiter weltweit.
Wir müssen mehr sparen, Kapital für neue Investitionen akkumulieren, die mehr Arbeitsplätze und größeres Wachstum bedeuten. Dieser Gedanke steht hinter
einer neuen Initiative von mir - dem Familiensparplan
- den ich dem Kongreß morgen vorlegen werde.
Wir müssen die Kapitalertragssteuer senken und Risikobereitschaft - insbesondere in Kleinunternehmen ermutigen, da solche Schritte wiederum zu Wirtschaftsleistung, Arbeitsplätzen und einem besseren Leben für
uns alle führen.
Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um in
Amerikas Zukunft zu investieren. Der Haushaltsentwurf liegt vor. Das Geld ist da. Für Forschung und
Entwicklung - eine Rekordsumme. Für unsere Wohnungsbauinitiative - HOPE - mit der jedem, vom erstmaligen Eigenheimbesitzer bis zum Obdachlosen geholfen werden soll. Um Drogen von unseren Kindern
fernzuhalten: 70 Prozent mehr als bei meiner Amtsübernahme im Jahr 1989. Zur Erforschung des Weltraums und für das Bildungswesen - auch hier in
Rekordhöhe.
Und noch etwas. Bei der Konferenz überdas Bildungswesen im letzten Herbst haben sich die Gouverneure
und ich darauf geeinigt, Wege aufzuzeigen, um sicherzustellen, daß die Kinder vom ersten Tag, an dem sie
das Klassenzimmer betreten, lernwillig sind. Ich habe
dieses Versprechen erfüllt, indem ich eine Aufstokkung der Mittel in Rekordhöhe - zusätzliche 500 Millionen Dollar - für etwas vorgeschlagen habe, das uns
allen lieb und teuer ist: Head Start.
Bildung ist die Investition mit den größten Auswirkungen auf unsere Zukunft, da sie alles für unsere Kinder
bedeutet. Reale Verbesserungen in unseren Schulen
sind nicht schlicht und einfach eine Sache höherer
Ausgaben. Es geht darum, von unseren Schulen,
Lehrern, Kindern, unseren Eltern und uns selbst mehr
zu fordern und zu erwarten. Aus diesem Grund gebe
ich heute abend die Zielsetzungen des amerikanischen Bildungswesens bekannt, die zusammen mit
den Gouverneuren des Landes erarbeitet wurden:

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Bis zum Jahr 2000 muß jedes Kind mit Schulbeginn lernwillig sein.
Die Zahl der High-School-Absolventen in den
Vereinigten Staaten muß auf mindestens 90
Prozent erhöht werden.
Wir werden sicherstellen, daß die Diplome unserer
Schulen Bedeutung haben. In entscheidenden
Fächern müssen wir die Leistungen unserer
Schüler in der 4., 8. und 12. Stufe bewerten.
Bis zum Jahr 2000 müssen die amerikanischen
Studenten mit ihren Leistungen in Mathematik
und Naturwissenschaften weltweit an erster Stelle
stehen.
Jeder amerikanische Erwachsene muß des
Lesens und Schreibens kundig sein.
Jede Schule muß ein Umfeld schaffen, in dem
unsere Kinder lernen können - und jede Schule
in den Vereinigten Staaten muß frei von Drogen
sein.
Ehrgeizige Ziele? Natürlich. Leicht zu verwirklichen?
Weit gefehlt. Aber die Zukunft steht auf dem Spiel.
Dieses Land wird sich nicht mit weniger zufrieden
geben als einem ausgezeichneten Bildungswesen.
Dank dieser Investitionen werden die Vereinigen Staaten konkurrenzfähig bleiben. Und vom amerikanischen Volk weiß ich: Wir begrüßen Wettbewerb. Wir
können es mit unserer Erfindungsgabe und Energie,
Erfahrung und Technologie und unserem Unternehmergeist mit allen anderen aufnehmen. Wettbewerb
muß frei, aber fair sein. Amerika ist bereit.
Weil wir das wirklich meinen und weil wir zur Bewältigung der Herausforderung ernsthaft bereit sind, bringen wir unser Haus in Ordnung. Wir haben echte
Fortschritte erzielt. Vor sieben Jahren belief sich das
Haushaltsdefizit auf 6 Prozent unseres Bruttosozialprodukts. Im neuen Haushaltsentwurf, den ich vor
zwei Tagen vorgelegt habe, beträgt das Defizit nur
noch 1 Prozent des BSP.
Mit dieser Haushaltsvorlage werden die Bundesausgaben unter Kontrolle gebracht. Sie erfüllt die Zielsetzungen des Gramm-Rudman-Gesetzes, verringert das
Defizit weiter und gleicht den Haushalt bis 1993 aus ohne Steuererhöhungen.
Seien Sie versichert, daß die Bundesregierung immer
noch mehr als genug Geld ausgibt. Für die meisten
von uns sind 1,2 Billionen Dollar eine Menge Geld.
Wenn der Haushalt erst ausgeglichen ist, können wir
vorgehen wie jede Familie, die ihre Rechnungen bezahlen muß. Das werden wir nicht unseren Kindern
und Enkeln überlassen. Wir werden anfangen, unsere
Staatsschulden zu begleichen.

Seite 3

�Und es gibt noch etwas, das wir künftigen Generationen schuldig sind: verantwortungsvolle Verwaltung die Erhaltung der Umwelt als wertvolles amerikanisches Erbe.
Zum Zeichen dessen, wie ernst wir es meinen, verleihen wir der Umweltschutzbehörde den Status eines
Ministeriums. Damit streben wir nicht etwa mehr
Bürokratie an, sondern die Sicherheit, daß Umweltfragen sowohl im Inland als auch im Umgang mit anderen
Ländern den Stellenwert haben, der ihnen zukommt.

van damit beauftragen, im Rat für Innenpolitik die
Überprüfung von Empfehlungen über Qualität, Zugänglichkeit und Kosten unseres nationalen Gesundheitswesens zu leiten. Ich setze mich dafür ein, die
Kostenexplosion im Gesundheitswesen unter Kontrolle zu bringen.

Die Lage der Regierung hängt von vielen in dieser
Kammer ab. Aber die Lage der Nation hängt von allen
Amerikanern ab. Wir müssen den demokratischen
Anstand bewahren, der Millionen Individuen zu einer
Nation macht. Ich war über die jüngsten Berichte von
Der diesjährige Haushalt sieht über 2 Milliarden Dollar Briefbomben, die im ganzen Land verschickt werden,
an Mehrausgaben für den Umweltschutz vor, wobei entsetzt. Jeder von uns muß sich mit Rassimus,
über 1 Milliarde in die Erforschung weltweiter Klima- Antisemitismus, Doppelmoral und Haß auseinanderveränderungen fließen soll. Mit einer Initiative, die ich setzen und sie verurteilen. Nicht nächste Woche oder
America The Beautlful nenne, sollen unsere Natio- morgen, sondern jetzt gleich.
nalparks und Wildreservate und die öffentlichen Freizeiteinrichtungen ausgebaut werden.
Die Lage der Nation hängt davon ab, ob wir unserem
Nachbarn helfen und uns die Probleme der GemeinUnd noch etwas wird dazu beitragen, dieses Land - schaft zu eigen machen. Wir müssen etwas tun, wenn
seine Wälder und Innenstädte - sauberzuhalten und wir gebraucht werden - die Hand ausstrecken und
den künftigen Generationen die Schönheit Amerikas einem Unbekannten in Not einen Lichtblick bieten. Wir
zu bewahren: ein Fonds, um eine Milliarde Bäume pro müssen uns nach einem hektischen Tag Zeit für unseJahr zu pflanzen.
re Kinder nehmen, ihnen vorlesen, bei den Hausaufgaben helfen und ihnen die Werte vermittein, die wir als
Heute möchte ich alle Kongreßabgeordneten daran Kinder gelernt haben. So erhalten wir die Nation.
erinnern: Das amerikanische Volk hat uns nicht hierhergeschickt, um zu streiten. Es gibt viel zu tun - und Jeder Schritt ist wichtig. Es summiert sich, und all
man hat uns hierhergeschickt, um es zu erledigen. Wir diese Dinge verleihen dem Begriff Demokratie Bedeumüssen zusammenarbeiten, um dem Willen des Vol- tung. Es macht jetzt und in Zukunft unsere Identität
kes Genüge zu tun. In den Bereichen saubere Luft, aus.
Kinderbetreuung, beim Gesetz über Verbesserung
des Bildungswesens, bei Kriminalität und Drogen ist es Solange wir uns an den amerikanischen Traum erinan der Zeit zu handeln. Ebenfalls bei der Agrargesetz- nern, und solange er unser Leitbild ist, wird die Nation
gebung, der Verkehrspolitik, der Reform der Herstel- gesund und stark bleiben.
lerhaftung und den steuerbegünstigten Förderbereichen für Gewerbegebiete. Es ist an der Zeit, daß wir Und denen, die den Weg verloren glauben, möchte ich
aus einem Brief des 20jährigen Sanitäters James
zusammenarbeiten.
Markwell zitieren, der beim 1. Bataillon der 75. RanUnd es gibt einen Bereich, von dem ich hoffe, daß wir gers diente. Der Brief trägt das Datum vom 18.
uns darin alle einig sind. Das ist unsere Verantwor- Dezember, dem Tag vor unserer Intervention in Panama. Es ist ein Brief, wie ihn Soldaten schreiben, in der
tung. Ich spreche hier vom Sozialwesen.
Hoffnung, daß er nie abgeschickt wird. Leider hat
Ich wende mich an jeden Amerikaner, der Sozialhil- Markwells Mutter diesen Brief erhalten und ihn mir
feempfänger ist, an jeden Amerikaner, der Beiträge zugesandt.
zahlt und an jeden, der darauf baut, wenn er in den
Ruhestand geht. Wir haben Ihnen etwas versprochen Hier einige seiner Gedanken: "Ich hatte nie Angst vor
- und wir werden unser Versprechen halten.
dem Tod, aber jetzt lauert er. (...) Ich habe wie jeder
andere auch gelernt, zu töten und zu retten. Dennoch
Wir haben das System im Jahr 1983 gerettet - und es fürchte ich mich vor dem Jenseits. (...) Trauere nicht
ist saniert. Unser Haushalt finanziert die heute gezahl- um mich, sondern denke an das Leben, das ich so gern
ten Leistungen voll und ganz - und stellt sicher, daß gelebt hätte. (...) Vergiß vor allem nicht, daß ich die
auch in Zukunft Sozialleistungen gezahlt werden. Das Armee gewählt habe. Ich habe mich für sie entschieletzte, was uns gelegen käme, wäre Unordnung im den."
Sozialwesen.
"Bitte denke daran, daß ich in die Armee eingetreten
Und es gibt noch ein weiteres Problem, das wir lösen bin, um meinem Land zu dienen und dafür zu sorgen,
müssen. Wir müssen die Empfehlungen der gegen- daß alle sich frei entscheiden und ihr Leben in Freiheit
wärtig durchgeführten Untersuchungen zum Gesund- leben können."
heitswesen sorgfältig prüfen. Und deshalb möchte ich
heute abend den Gesundheitsminister Dr. Louis Sulli- Markwell war einer der ersten bei den KampfhandlunSeite 4

AMERIKA DIENST 5

�gen in Panama, und er war unter den ersten Gefallenen.
Er wußte, woran er glauben sollte, und er hatte sich
den amerikanischen Traum bewahrt.
Ich habe heute abend über die Veränderungen des
letzten Jahres gesprochen. Vor uns liegt eine neue
Welt voller Herausforderungen und Möglichkeiten. Und
dabei muß eine Führungsrolle übernommen werden,
wie sie nur Amerika gewährleisten kann.
Vor fast vierzig Jahren prognostizierte Harry Truman in
seiner letzten Rede im Kongreß eine solche Zeit. Er
erklärte: "Wenn unsere Welt für die Menschen zu
beiden Seiten des Eisernen Vorhangs stärker, einiger
und attraktiver wird, dann wird eine Zeit des Wandels
in der kommunistischen Welt anbrechen."
Dieser Wandel findet heute statt.
Vierzig Jahre lang haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten den Kommunismus in Schach gehalten und den Fortbestand der Demokratie gewährleistet. Heute mu ß beim Niedergang des Kommunismus
unser Ziel darin bestehen, den Fortschritt der Demokratie zu sichern. Die Führung dabei zu übernehmen,
dem Frieden den Weg zu ebnen und der Freiheit
Vorschub zu leisten - für einen großen und wachsenden Staatenbund freier Nationen.
Dem Kongreß und allen Amerikanern gegenüber erkläre ich, daß es an der Zeit ist, im In- und Ausland
einen neuen Konsens zu erarbeiten - eine gemeinsame Vision der friedlichen Welt, wie sie uns vorschwebt.
Auf unserem Kontinent ist es an der Zeit, daß alle
Menschen in Nord- und Südamerika in Freiheit leben.
Im Fernen Osten und Afrika ist es an der Zeit, daß sich
die freien Regierungen und freien Märkte entfalten, die
dem Fortschritt Vorschub geleistet haben.
Es ist an der Zeit, daß wir den aufstrebenden Demokratien Osteuropas die Hand reichen, damit dieser
Kontinent - der viel zu lange geteilt war - einer ungeteilten und freien Zukunft entgegensehen kann.
Und es ist an der Zeit, auf unseren neuen Beziehungen
zur Sowjetunion aufzubauen und einen friedlichen
Prozeß innenpolitischer Veränderungen im Hinblick
auf Demokratie und wirtschaftliche Möglichkeiten zu
fördern.
Wir befinden uns in einer Zeit großer Veränderungen,
großer Hoffnung und dennoch großer Unsicherheit.
Wir erkennen, daß die sowjetische militärische Bedrohung in Europa abnimmt, nehmen aber nur geringe
Veränderungen bei der Modernisierung strategischer
Waffen in der Sowjetunion wahr. Aus diesem Grunde
müssen wir unsere offensive Modernisierung strategischer Waffen und auch die Strategische Verteidigungsinitiative beibehalten.

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Aber es ist an der Zeit für Fortschritte bei einem
konventionellen Rüstungskontrollabkommen, mit dem
unsere Streitkräfte in Europa ein angemesseneres
Niveau erhalten - ein integriertes Verteidigungsprogramm, mit dem gewährleistet wird, daß die Vereinigten Staaten weiterhin ein Katalysator für friedliche
Veränderungen in Europa sein werden. Ich stehe dazu
in Konsultationen mit den Staats- und Regierungschefs der NATO-Mitgliedstaaten - und habe erst heute
mit Präsident Gorbatschow telephoniert.
Ich vertrete die gleiche Meinung wie unsere europäischen Verbündeten, daß eine militärische Präsenz
der Vereinigten Staaten in Europa unabdingbar ist und
diese nicht allein an die sowjetische Militärpräsenz in
Osteuropa gekoppelt sein sollte.
Dennoch können die Streitkräfteniveaus noch weiter
abgebaut werden. Heute abend kündige ich daher
einen wichtigen neuen Schritt an - daß die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ihre in Mittel- und Osteuropa stationierten Truppen auf jeweils 195 000 Mann
reduzieren.
Diese Zahl stützt sich auf Empfehlungen unserer
hochrangigen Militärberater. Sie soll amerikanische
und europäische Interessen schützen und die Verteidigungsstrategie der NATO aufrechterhalten. Unser
Ziel muß jetzt im unverzüglichen Abschluß unserer
Rüstungskontrollverhandlungen - im konventionellen
Bereich sowie bei chemischen und strategischen Waffen
- liegen. Dieser Zeitpunkt ist gekommen.
Dennoch müssen wir uns eine bedauerliche Tatsache
vor Augen führen: In vielen Teilen der Welt sind
Konflikte - nicht Frieden - die Realität. Anhaltende
Feindseligkeiten und gegensätzliche Interessen bestehen weiterhin. Deshalb muß der Sache des Friedens von einem Amerika gedient werden, das stark und sicher - genug ist, um unsere Interessen und
Ideale zu verteidigen. Dieser amerikanische Traum
hat in den vergangenen vierzig Jahren dazu beigetragen, die Revolution von 1989 zu entfachen.
Hier in Amerika und in der ganzen Welt wird Geschichte neu geschrieben. Vor sechs Monaten, zu Beginn
dieser Zeit des Umbruchs, stand ich in Polen an den
Toren der Danziger Werft am Denkmal der gefallenen
Gewerkschaftsmitglieder der Solidarität. Es ist ein
Denkmal von schlichter Größe. Drei große Kreuze
erheben sich über den Steinen. Auf jedem Kreuz
befindet sich ein Anker - seit jeher das Symbol der
Hoffnung.
Der Anker in unserer heutigen Zeit heißt Freiheit. Er
hält uns fest in wechelvollen Zeiten - als Symbol der
Hoffnung für die ganze Welt. Und Freiheit liegt dem
Traum zugrunde, der Amerika ausmacht.
Es hängt von jedem einzelnen ab, diesen Traum zum
Leben zu erwecken. Unsere Anker waren immer der
Glaube und die Familie.
Seite 5

�In den letzten Tagen dieses ereignisreichen Jahres
wurde unserer Familie wiederum ein großes Glück
zuteil - wir konnten das Wunder des Lebens feiern, als
unser 12. Enkelkind geboren wurde.
Als ich den kleinen Jungen zum ersten Mal in den
Armen hielt, schienen die Probleme im In- und Ausland wieder in die richtige Perspektive gerückt zu sein.
Ich weiß, daß Sie jetzt denken:
Großvater.

Hier spricht der

Vielleicht haben Sie sogar recht. Aber ich habe im
letzten Jahr viele Kinder getroffen - hier in Amerika und
überall vom Femen Osten bis nach Europa. Alle
Kinder sind einzigartig. Und dennoch sind sie alle
gleich. Die jungen Umweltschützer, die ich in diesem
Monat bei einer Reise in die Everglades Floridas
getroffen haben. Die kleine Mannschaft, mit der ich in
Polen Baseball gespielt habe - und die von Warschau
aus gleich in die Weltklasse hätten überwechseln
können. Auch die Kinder, die krank oder allein sind Gott schütze all die verlassenen oder bereits drogenabhängigen Babys - die mit Problemen fertigwerden
müssen, die kein Kind haben sollte. Aber was die
Hoffnung und die Zukunft betrifft, sind alle Kinder
gleich. Voller Träume. Bereit, sich der Welt zu stellen.
Einzigartig, weil sie die Zukunft der Freiheit bedeuten.
Ihnen gehört diese neue Welt, über die ich gesprochen
habe.
Deshalb möchte ich Sie heute abend um etwas bitten.

Seite 6

Dabei möchte ich mich zunächst an meine Generation
wenden - die Großeltern im Lande. Sie sind unsere
lebendige Verbindung zur Vergangenheit. Erzählen
Sie Ihren Enkelkindern die Geschichte der Kämpfe, die
wir im In- und Ausland geführt haben. Von den Opfern,
die wir freiwillig für die Freiheit gebracht haben. Und
erzählen Sie ihnen auch Ihre eigene Geschichte - weil
jeder Amerikaner eine Geschichte erzählen kann.
Eltern: Ihre Kinder wollen von Ihnen die Richtung
gewiesen und die Leitlinien aufgestellt bekommen.
Erzählen Sie Ihnen von Werten wie Glaube und Familie.
Sagen Sie Ihnen, daß wir vor Gott eine Nation sind.
Lehren Sie sie, daß von all den Segnungen, die sie
erhalten können, Freiheit das wertvollste Geschenk
ist. Und von all dem, was sie geben können, Hilfe für
andere die größte Gabe ist.
Und den Kindern und Jugendlichen möchte ich auf den
Weg geben: Wir setzen unsere Hoffnung auf Euch - Ihr
seid alles, was Amerika in den vor uns liegenden
Jahren und Jahrzehnten bedeuten wird. Konzentriert
Euch auf die Vision eines neuen Jahrhunderts - Eures
Jahrhunderts. Auf Träume, die wir nicht sehen können. Auf Eure - und nur auf Eure - Zukunft.
Und schließlich wollen wir, daß alle Amerikaner - hier
in diesem Saal, dem symbolischen Zentrum der
Demokratie - ihren Treueschwur auf diesen amerikanischen Traum bekräftigen. Und wir wollen immer daran
denken, daß die Lage der Nation von jedem einzelnen
von uns abhängt.

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�U.S.-AUSSENPOLITIK
7. Februar 1990

BAKER: OFFIZIELLE REAKTION MOSKAUS AUF
BUSHS VORSCHLAG ERWARTET
Rede des US-Außenministers im Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen Artikel über die von Außenminister Baker am 1.
Februar 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats gehaltene Rede zu den außenpolitischen Zielen der
Vereinigten Staaten, insbesondere im Hinblick auf die Gespräche mit seinem sowjetischen Amtskollegen
Schewardnadse am 8. und 9. Februar 1990 in Moskau.
Außenminister Baker zufolge erwartet er bei seinem
Besuch in Moskau eine offizielle sowjetische Reaktion
auf Präsident Bushs Vorschlag neuer einschneidender Reduzierungen amerikanischer und sowjetischer
Kampftruppen in Europa.
In seinem Bericht zur Lage der Nation hatte der Präsident am 31. Januar 1990 Reduzierungen gefordert,
nach denen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion noch jeweils 195 000 Soldaten in Europa Mitte - der
Bundesrepublik, der DDR, Polen und der Tschechoslowakei - stationiert hätten.
Baker erklärte am 1. Februar 1990 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats, Präsident Gorbatschow
hätte bei einem vor der Rede mit dem sowjetischen
Staats- und Parteichef geführten Telephonat auf Bushs
Vorschlag weder mit Ja noch mit Nein geantwortet.
"Wir erwarten eine Antwort von ihnen, und meines
Erachtens werden wir sie bei meinem Besuch in Moskau
erhalten, den ich Montag antrete," erklärte Baker.
Baker stellte sich dem Ausschuß, um die außenpolitischen Prioritäten der Administration für 1990 darzulegen und Unterstützung für Präsident Bushs Forderung
nach einem außenpolitischen Budget im Umfang von
20,8 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr 1991 zu
gewinnen.
Der Außenminister sprach sich für mehr "Flexibilität"
des Kongresses bei der Vergabe von Haushaltsmitteln
aus, damit die Vereinigten Staaten auf unvorhergesehene Ereignisse und Herausforderungen reagieren
können. Darüber hinaus bekundete er die Hoffnung
der Administration auf ein kooperativeres Verhältnis

AMERIKA DIENST 5

zur Sowjetunion und erläuterte amerikanische Pläne
zur Förderung der Demokratie in Osteuropa und anderen Ländern.
Bakers Gespräche mit Gorbatschow und dem sowjetischen Außenminister Schwardnadse dienen der
Vorbereitung eines Gipfeltreffens der Präsidenten Bush
und Gorbatschow in Washington Ende Juni.
Der Außenminister erklärte, Präsident Bush habe
"ausdrücklich" den Wunsch nach Abschluß eines
Abkommens über die Reduzierung konventioneller
Streitkräfte in Europa bekundet. Ihm zufolge sind
bedeutende Fortschritte im Hinblick auf dieses Ziel
bereits bei den Wiener Verhandlungen über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) erzielt worden.
Baker betonte jedoch, der Präsident beabsichtige mit
seinem Vorschlag noch einschneidenderer Truppenreduzierungen keinesfalls, ein KSE-Abkommen zu
verzögern, zu verhindern oder zu komplizieren. Er erklärte, die westlichen Verbündeten stünden Bushs
Vorschlag generell positiv gegenüber, und er erwarte
aus dieser Richtung keine ernsthaften Bedenken.
"Wir müssen bei KSE-1 noch einige Probleme ausbügeln, insbesondere im Hinblick auf Flugzeuge und
Hubschrauber, obgleich wir sehr gute Fortschritte
machen", erklärte der Außenminister. Die Position
des Präsidenten beschrieb er wie folgt: "Wenn wir dies
schaffen, ohne den Abschluß eines KSE-Abkommens
- der sowohl in unserem als auch im Interesse der
Verbündeten liegt - im Jahr 1990 zu verzögern, zu
verhindern oder zu komplizieren, ziehen wir diesen
Weg vor."

Seite 1

�"Wenn dies jedoch dem Abschluß eines Abkommens
über konventionelle Waffen im Jahr 1990 im Weg
stünde, müßten wir einen Weg finden, um diese Probleme später zu lösen", erklärte Baker. "Der Präsident
hat ausdrücklich erklärt, er wünsche den Abschluß
eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte im
Jahr 1990."
Baker schlug zur diesjährigen Unterzeichnung eines
Abkommens über konventionelle Streitkräfte einen
Gipfel mit 23 Teilnehmerstaaten von NATO und Warschauer Pakt vor, mit dem Ziel, "den baldigen Abschluß eines KSE-Abkommens zu fördern" und den
"Prozeß stärker zu beschleunigen als dies sonst der
Fall sein würde".
Bei ihren Gesprächen am 8. und 9. Februar 1990 in
Moskau werden Baker und Schewardnadse hochrangige Arbeitsgruppen für fünf Bereiche der amerikanisch-sowjetischen Tagesordnung - Rüstungskontrolle, regionale Fragen, Menschenrechte, bilaterale
Beziehungen und länderübergreifende Probleme - zur
Seite stehen.
Bei ihrem Gipfeltreffen in Malta im Dezember vergangenen Jahres hatten Bush und Gorbatschow ihre
Minister angewiesen, die Verhandlungen über einen
Vertrag zur Verringerung strategischer Rüstungen
(START) abzuschließen, um ihn beim Gipfel im Juni
unterzeichnen zu können.
Der Außenminister erklärte gegenüber einem Senator
jedoch, die Hoffnung sei "zu hochgegriffen", daß ein
START-Vertrag in diesem Jahr vom Senat ratifiziert
würde. Wenn bei den noch ausstehenden Fragen
Übereinkunft erzielt würde, was Baker als "keine leichte Aufgabe" bezeichnete, würde es noch "Monate"
dauern, bis das komplexe Abkommen als Vertragswerk vorliege.
Auf die Frage eines anderen Senators erwiderte Baker, es sei "verfrüht", die Sowjetunion in ein Hilfsprogramm einzubeziehen, wie es für andere Länder Osteuropas existiere, "weil sie noch nicht die politischen
und wirtschaftlichen Reformen durchgeführt hat, wie
wir sie in Ländern wie Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei beobachten".
In seiner Rede stellte Baker fest, die mit der Sowjetunion bisher bestehenden Spannungen "lassen tatsächlich zum großen Teil aufgrund der überall stattfindenden tiefgreifenden Veränderungen nach. Stabilisierende Rüstungskontrollbestrebungen machen Fortschritte. Die alte Welt dogmatischer Diktaturen macht
ganz langsam einer neuen Welt Platz - einer Welt der
Sicherheit, wohlhabender und gerechter Demokratien,
die jedoch als solche noch nicht existiert," warnte
Baker.
Er umriß fünf entscheidende außenpolitische Herausforderungen für die neunziger Jahre.

Seite 2

Die vordringliche Notwendigkeit zur Konsolidierung der Demokratie. "Ost und West bewegen
sich auf ein ungeteiltes und freies Europa zu",
erklärte Baker. "Im Hinblick auf unser Verhältnis zur Sowjetunion sondieren wir vier Bereiche
von beiderseitigem Interesse, in denen wir soweit
möglich statt Konflikten Kooperation erzielen
können."
Bestrebungen zur Unterstützung weltweiten
Wachstums, indem bilaterale und multilaterale
Marktprinzipien durch IWF, Weltbank und GATT
gefördert werden. "Von Osteuropa über Lateinamerika bis hin zu den Entwicklungsländern in
Afrika und Südasien machen sich Anzeichen
zum Abbau von staatlicher Kontrolle und Hindernissen für den Privatsektor bemerkbar, während die bankrotten Planwirtschaften aufgegeben werden", so Baker.
Die Notwendigkeit zu verbesserter Sicherheit
des internationalen Umfelds, die unabdingbar
ist, wenn Demokratie und freie Märkte gedeihen
sollen. "Revolutionäre Veränderungen in der
kommunistischen Welt und ein zunehmend
kooperatives amerikanisch-sowjetisches Verhältnis schaffen die politischen Bedingungen,
die zu dauerhafter und strategisch entscheidender Rüstungskontrolle unverzichtbar sind. Meines
Erachtens haben wir die historische Chance zu
einer Umwandlung des Sicherheitswettlaufs
zwischen Ost und West", führte Baker aus.
Die Notwendigkeit, mit allen - Verbündeten,
Freunden und traditionellen Gegnern gleichermaßen - neue weltweite Gefahren wie Umweltverschmutzung, Drogenhandel und Terrorismus
zu bekämpfen.
Die Notwendigkeit, "unsere Bündnisse und andere
wichtige Bindungen neu zu gestalten und zu
erneuern. Die Bewältigung dieser Herausforderung ist meiner Ansicht nach entscheidend, um
alle anderen in den Griff zu bekommen", erklärte Baker. "Wir müssen unsere atlantische und
pazifische Partnerschaft sowie internationale
Institutionen an die im großen und ganzen

günstigen Bedingungen anpassen, die diese
Partnerschaften und Organisationen geschaffen haben."
Dem Außenminister zufolge hat die Administration für
das am 1. Oktober 1990 beginnende Haushaltsjahr
1991 insgesamt 20,8 Milliarden Dollar an frei verfügbaren Ausgabeermächtigungen für auswärtige Beziehungen beantragt, was einer Aufstockung von 1,7
Milliarden Dollar gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr entspricht. "In diesem Zusammenhang", so
Baker, "unterbreiten wir folgende sechs Finanzierungsvorschläge:

AMERIKA DIENST 5

�300 Millionen Dollar zur Förderung von Strukturreformen, Entwicklung des Privatsektors, für
Handels- und Investitionsprogramme sowie Umweltschutzmaßnahmen in Osteuropa.
500 Millionen Dollar an zusätzlicher Wirtschaftshilfe für Panama zur Stützung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus durch Unternehmensförderung, öffentliche Investitionen und wirtschaftliche Stabilisierung im Haushaltsjahr 1990.
441 Millionen Dollar für Militär- und Wirtschaftshilfe sowie Drogenbekämpfungsmaßnahmen in
den Andenstaaten.
888 Millionen Dollar zur Begleichung der amerikanischen Zahlungsrückstände bei den Vereinten Nationen und anderen multinationalen Organisationen und Entwicklungsbanken.
270 Millionen Dollar für die neue amerikanische
Botschaft in Moskau.
Aufstockung der Mittel für das laufende Haushaltsjahr in Höhe von 70 Millionen Dollar zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms aufgrund der
weiteren Liberalisierung der sowjetischen Auswanderungspolitik."
Auf die Frage nach COCOM, dem zwischenstaatlichen Koordinationsausschuß für ost-westliche Handelspolitik mit Sitz in Paris, der sicherheitsempfindliche Exporte in kommunistische Staaten überwacht,
antwortete Baker, "der kontinuierliche Schutz sicherheitsempfindlicher Technologie für den strategischen
Bereich, insbesondere von Technologie mit potentieller militärischer Anwendung, ist von außerordentlich
großer Bedeutung." In diesem Zusammenhang erwähnte er das vom 14. bis 15. Februar 1990 in Europa
stattfindende COCOM-Treffen zu Osteuropa und stellte fest, daß die Vereinigten Staaten eine umfassende
Überprüfung ihrer Politik in die Wege geleitet haben.

"Wir möchten ein neues internationales Verhältnis mit
der Sowjetunion schaffen, indem wir sie drängen, zur
friedlichen Beilegung regionaler Konflikte beizutragen", so Baker. "Und wir streben eine demokratischere Sowjetunion an, in der Fortschritte bei den Menschenrechten durch einen Rechtsstaat und demokratische Verfahren fest verankert werden."
Bei der Beantwortung von Fragen verwies Baker darauf, daß die Vereinigten Staaten die Wiedervereinigung Deutschlands seit über 40 Jahren unterstützt
haben. "Dies ist nach wie vor ein Ziel unserer Politik",
erklärte er. Der Außenminister stellte fest, daß die
Vereinigten Staaten vier Prinzipien formuliert haben,
die in diesem Zusammenhang erwogen werden sollten:
Selbstbestimmung muß ungeachtet des Ergenisses erfolgen.
Die Wiederherstellung der Einheit sollte im
Rahmen der bleibenden Integration der Bundesrepublik in die NATO und der Schaffung
eines Europäischen Binnenmarktes erfolgen.
Die Wiederherstellung der Einheit muß im Interesse der allgemeinen europäischen Stabilität
friedlich und schrittweise erfolgen.
In der Frage der Grenzen sollten die Vereinigten
Staaten ihre Unterstützung für die in der Schlu ßakte von Helsinki niedergelegten Grundsätze
bekräftigen, mit denen die Unverletzbarkeit der
Grenzen, jedoch gleichzeitig die Möglichkeit
friedlicher Veränderungen anerkannt wird.

* * * *

*

Baker zufolge werden in Moskau voraussichtlich vor
allem die sowjetischen Fortschritte bei der Kodifizierung der liberalisierten Auswanderungspolitik erörtert,
die den Weg zur Meistbegünstigung durch die Vereinigten Staaten ebnen könnten. Er erklärte, er werde
die politisch Verantwortlichen in der Sowjetunion drängen, eine "verantwortungsbewußte und konstruktive
Rolle" beim Streben nach Frieden in Mittelamerika zu
spielen und sie zu der angeblichen Lieferung von
Kampfflugzeugen des Typs MiG-29an Kuba befragen.

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Seite 3

�SICHERHEITSPOLITIK
7. Februar 1990

SEMINAR ÜBER MILITÄRDOKTRINEN ALS
ERFOLG BEWERTET
AbSchlußerklärung von Botschafter John Maresca
WIEN - (AD) - Dem amerikanischen Chefunterhändler bei den Verhandlungen über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John Maresca, zufolge bewerten die Vereinigten Staaten das am 5.
Februar 1990 in Wien beendete Seminar über Militärdoktrinen als "Erfolg".
Der Zweck des Seminars - "größere Offenheit im Bereich der Militärdoktrinen" - sei erfüllt worden, erklärte
Maresca in seiner Abschlußerklärung. Dennoch existierten "insbesondere bei der sowjetischen Streitkräftestruktur und Militärpolitik noch bestimmte Realitäten, die wir schlicht und einfach nicht ignorieren können".
Gleichzeitig betonte Maresca, die Vereinigten Staaten seien "optimistisch im Hinblick auf die Entwicklung der
östlichen Doktrin, die sie in den kommenden Monaten und Jahren genau im Auge behalten werden".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Abschlu ßerklärung von Botschafter Maresca beim Seminar über Militärdoktrinen im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, mehrere Delegationen haben bisher ihre Ansicht zum Ausdruck gebracht, das Seminar
über Militärdoktrinen sei ein Erfolg gewesen. Meine
Delegation teilt diese Meinung - das Seminar war ein
Erfolg. Es hatte vor allem größere Offenheit im Bereich der Militärdoktrinen zum Ziel, und dieses Ziel ist
verwirklicht worden.
Dies soll jedoch nicht heißen, daß alle Differenzen
zwischen uns ausgeräumt worden sind. Insbesondere
bei der sowjetischen Streitkräftestruktur und Militärpolitik existieren noch bestimmte Realitäten, die wir schlicht
und einfach nicht ignorieren können. Diese wurden im
Verlauf der Diskussion deutlich und müssen jetzt nicht
noch einmal wiederholt werden. Wir sollten sie jedoch
bei unserer Standortbestimmung im Auge behalten
und sie gemahnen uns zur Vorsicht.
Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten optimistisch
im Hinblick auf die Entwicklung der Doktrin des Ostens, die sie in den kommenden Monaten und Jahren
genau im Auge behalten werden. Die neuen Elemente, die sich im Verlauf des Seminars abzeichneten,
deuten darauf hin, daß diese Entwicklungen einen
positiven Kurs nehmen.
Zusätzlich zu größerer Offenheit ist das Seminar über
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Militärdoktrinen der VSBM-Tradition gefolgt und hat in
neuen Bereichen der Rüstungskontrolle Pilotfunktion
übernommen. Meines Erachtens kann man mit Fug
und Recht sagen, daß das Seminar zu einem Vorreiter
der Rüstungskontrolle geworden ist. Erstmals in der
Geschichte der Rüstungskontrolle sind unsere ranghöchsten Offiziere zusammengekommen, um gemeinsam die kontroversesten Themen auf der sicherheitspolitischen Tagesordnung Europas zu erörtern. Diese
sowohl offiziellen als auch inoffiziellen Kontakte könnten sich auf lange Sicht als ebenso wichtig erweisen
wie die Debatten bei den offizielllen Seminarveranstaltungen.
Obgleich viele der von uns im Laufe des Seminars
gehörten Referate unser Interesse fanden, war meine
Delegation besonders von den Einlassungen mehrerer Länder Osteuropas in den Bann gezogen. Das
offensichtliche Bestreben, die in vielen Fällen noch
heftig umstrittene nationale Position freimütig darzulegen, wurde sehr begrüßt und spiegelte eindeutig die
tiefgreifenden politischen Veränderungen unserer Zeit
wider.
Darüber hinaus sind wir der sowjetischen Delegation
für ihre durchdachten Vorträge - und die vielen Antworten auf unsere direkten Fragen - dankbar. Wir haben
Seite 1

�den Eindruck gewonnen, daß die neue sowjetische
Doktrin des "vernünftigen und ausreichenden Niveaus
der Verteidigung" zunehmend an Einfluß gewinnt,
wenngleich sie noch nicht alle Bereiche sowjetischer
Militärpolitik durchdrungen zu haben scheint. Nicht
zuletzt gibt es die sowjetischen Streitkräfte weiterhin,
und unsere Verteidigungsplanung muß diese rauhe
Wirklichkeit in Betracht ziehen, bis ein Gleichstand in
Europa erzielt ist.
Dennoch begrü ßen wir die Tatsache, daß hochrangige
sowjetische Offiziere bereit waren, sich an einem
solchen direkten Austausch zu beteiligen. Wir verstehen und würdigen die Bedeutung dieses Beitrags der
Sowjets. Aufgrund dessen haben wir jetzt ein besseres Verständnis des nunmehr von der Sowjetunion
eingeschlagenen Kurses, mit dem sie die Kräfteverteilung ihrer Streitkräfte weniger bedrohlich gestalten,
und wir sind uns auch bewußt, daß Veränderungen
Zeit erfordern. Wir werden diese Bestrebungen mit
Interesse beobachten. Eine Fortsetzung gegenwärtiger Tendenzen wird unser Vertrauen in die sowjetischen Absichten steigern.
Herr Vorsitzender, alle amerikanischen Teilnehmer
verlassen diese Konferenz mit dem Gefühl der Befriedigung, daß sie - wenn auch oft nur kurz - die Möglichkeit hatten, sich an einem geschichtsträchtigen Dialog
zu beteiligen. In diesem Sinne hat General Powell uns
eine persönliche Botschaft übermittelt, die wir allen

Delegationen zugänglich machen werden, in der er
den Wert dieses Seminars für die Förderung unseres
gemeinsamen Ziels hervorhebt - größerer Offenheit
als Schlüsselelement militärischer Stabilität.
Heute morgen wurde ich von einem Journalisten über
wahrhaft sensationelle Entwicklungen des Seminars
befragt. Ich habe geantwortet, es sei nicht unsere
Aufgabe, sensationelle Entwicklungen hervorzubringen. Ich erklärte ihm, wir arbeiteten an der langsamen,
stetigen Entwicklung von Stabilität und Vertrauen im
sicherheitspolitischen Bereich. Und meiner Ansicht
nach ist das Seminar diesem Ansatz gerecht geworden. Es war ein weiterer Schritt in unserem langsamen, stetigem Bestreben der Vertrauensbildung in
unserem Kreis. Herr Vorsitzender, wenn wir morgen
zu unseren Verhandlungen zurückkehren, besteht
unsere Herausforderung darin, zu gewährleisten, daß
wir aussagekräftige Abkommen verantwortungsvoll
vorantreiben, mit denen diese historische Entwicklung
in positivem Sinne vorangetrieben und ein Europa
geschaffen wird, in dem Sicherheit und Unabhängigkeit für alle Länder gesichert sind.
Ich möchte an dieser Stelle auch im Namen meiner
Delegation Herrn Botschafter Liedermann und dem
Sekretariat, den Dolmetschern und der österreichischen Regierung für ihre hervorragende Arbeit bei der
Organisation dieser wichtigen Veranstaltung danken.
Ich danke Ihnen, Herr Vorsitzender.

*

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 5

�</text>
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dicrv&gt;t

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

&lt;o
^7-IQN

^

Z12462 C
7. Februar 1996

03

RATIFIZIERUNG DES START ll-VERTRAGS
STELLT HISTORISCHEN SCHRITT DAR
Erklärungen des Präsidenten und des
Außenministers

ABRÜSTUNG

HINTERGRUNDINFORMATIONEN ZUR
RATIFIZIERUNG DES START ll-VERTRAGS
Mitteilung des Weißen Hauses

PFF

PERRY: PFF VERÄNDERT ZENTRAL- UND
OSTEUROPA
Rede des Verteidigungsministers bei der
Wehrkundetagung

NATO

NEUE SICHERHEIT FÜR EIN UNGETEILTES
UND FREIES EUROPA
Rede von Robert E. Hunter

NICHTVERBREITUNG

CTB-VERTRAG IST BOLLWERK GEGEN
WEITERVERBREITUNG VON NUKLEARWAFFEN
Rede von ACDA-Direktor Holum

MENSCHENRECHTE

SHATTUCK SIEHT FORTSCHRITTE BEI
MENSCHENRECHTSSITUATION IN BOSNIEN
Anhörung vor Ausschuß des Repräsentantenhauses

Diese Artikel sind elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel. 0228 - 339 23 72
Fax 0228 - 33 31 38
Internet bbsbonn@usia.gov

�ABRÜSTUNG
7. Februar 1996

Ratifizierung des START Il-Vertrags stellt
"historischen Schritt" dar
Erklärungen des Präsidenten und des Außenministers

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge ist die Ratifizierung des START Il-Vertrags zur Reduzierung von
Atomwaffen durch den US-Senat ein "historischer Schritt", der "die Sicherheit aller Amerikaner, aller Russen und
aller Menschen auf der ganzen Welt erhöht".
Der Senat stimmte dem Vertrag, der die Anzahl atomarer strategischer Angriffswaffen in weitaus stärkerem Maße
reduziert als der START I-Vertrag, mit 87 zu 4 Stimmen zu. Der Vertrag muß jetzt noch vom Präsidenten
unterzeichnet werden.
Der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen, Jesse Helms, hatte das Votum über den
START Il-Vertrag hinausgezögert, um die Verabschiedung einer Haushaltsvorlage zu erzwingen, durch die drei
für auswärtige Angelegenheiten zuständige Bundesbehörden geschlossen und ihre Aufgaben dem
Außenministerium übertragen werden sollten. Ein im Dezember von Demokraten und Republikanern erzielter
Kompromiß in dieser Frage machte den Weg für die Abstimmung im Senat über START II frei.
Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Clinton und Außenminister Christopher kurz nach der
Ratifizierung von START II durch den Senat am 26. Januar 1996 abgegebenen Erklärungen im Wortlaut.

Präsident Clinton:
Heute haben Demokraten und Republikaner im
Kongreß durch Zusammenarbeit die Sicherheit des
amerikanischen Volkes erhöht, indem sie den mit
Rußland geschlossenen START Il-Vertrag über den
Abbau von Nuklearwaffen ratifizierten. Ich begrüße
diesen historischen Schritt. Wie ich in meinem Bericht
zur Lage der Nation diese Woche erklärte, wird
dadurch die Sicherheit aller Amerikaner, aller Russen
und aller Menschen auf der ganzen Welt erhöht.
START II fordert einschneidende Kürzungen bei den
Nuklearwaffenarsenalen unserer beiden Länder.
Zusammen mit dem START I-Vertrag, den wir im
Dezember 1994 in Kraft setzten, wird er Unterseeboot-,
bomber- und landgestützte Raketenabschußvorrichtungen beseitigen, die mehr als 14.000 Sprengköpfe trugen - zwei Drittel des Nuklearwaffenarsenals, das
die Vereinigten Staaten und die ehemalige Sowjetunion auf der Höhe des Kalten Krieges unterhielten.

AMERIKA DIENST 03

START II wird auch den destabilisierendsten Typ von
Nuklearwaffen beseitigen - ballistische Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen. Angefangen
mit Präsident Nixon haben sechs US-Präsidenten
beider Parteien sich für die Kontrolle und Verringerung
der Zahl von Nuklearwaffen eingesetzt. Präsident
Bush handelte START II aus und legte den Vertrag
dem Senat im Januar 1993 vor. Ich bin stolz darauf,
daß wir die sich mit dem Ende des Kalten Krieges
bietende Gelegenheit genutzt haben, uns diesen
großen Schritt vom nuklearen Abgrund zu entfernen.
Meine größte Pflicht als Präsident besteht darin, die
Sicherheit des amerikanischen Volkes zu gewährleisten. Aus diesem Grund habe ich die Verringerung
der nuklearen Bedrohung zu meiner obersten Priorität
gemacht.
Infolgedessen sind erstmals seit Anbruch des Atomzeitalters keine russischen Rakteten auf unser Volk
gerichtet. Wir haben die Ukraine, Belarus und Kasach-

Seite 1

�stan überzeugt, auf die nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion auf ihrem Territorium zurückgebliebenen
Nuklearwaffen zu verzichten.
Wir überzeugten
Nordkorea, sein gefährliches Atomwaffenprogramm
unter internationaler Kontrolle einzufrieren.
Wir
arbeiten mit Ländern auf der ganzen Welt an der
Sicherung und Zerstörung von Nuklearwaffen und
-material - damit es nicht in die Hände von Terroristen
oder Verbrechern fällt. Wir führen die globalen
Bestrebungen an, eine unbegrenzte Verlängerung des
Nichtverbreitungsvertrags zu erzielen, der die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen an Nichtatomwaffenstaaten verbietet.
Wie ich in dem Bericht zur Lage der Nation forderte,
müssen wir noch mehr unternehmen, um dem amerikanischen Volk echte und dauerhafte Sicherheit zu
geben. Wir können den Wettlauf zur Schaffung neuer
Nuklearwaffen beenden, indem wir noch in diesem
Jahr einen Vertrag über ein wirklich umfassendes
Atomtestverbot unterzeichnen. Wir können Giftgas für
immer verbieten, wenn der Senat noch in diesem Jahr
die Chemiewaffenkonvention ratifiziert. Wir können
den Kampf gegen Terroristen gewinnen, die den Besitz
schrecklicher Massenvernichtungswaffen anstreben,
wenn der Kongreß endlich die von mir nach dem
Bombenanschlag von Oklahoma City vorgelegten
Gesetze verabschiedet, der amerikanischen Strafverfolgung ein noch stärkeres Arsenal an die Hand zu
geben.
Meines Erachtens können und werden wir durch
Zusammenarbeit diese wichtigen Schritte zur Erhöhung der Sicherheit des amerikanischen Volkes
unternehmen.

Außenminister Christopher:
Ich freue mich außerordentlich, daß der US-Senat
heute dem START Il-Vertrag zugestimmt hat. Die
Vereinigten Staaten sehen dem möglichst baldigen
Inkrafttreten des START Il-Vertrags erwartungsvoll
entgegen. Ich fordere die russische Duma dazu auf,
START II unverzüglich zu ratifizieren und damit
sicherzustellen, daß unsere beiden Länder und die
gesamte Welt die Vorteile dieser tiefgreifenden
Reduzierungen genießen können.
Die Ratifizierung dieses historischen Abrüstungsvertrags wird die Sicherheit jedes Amerikaners erhöhen.
Das heutige Votum demonstriert die Überparteilichkeit,
die seit langem ein Merkmal erfolgreicher amerikanischer Außenpolitik ist, insbesondere bei der Rüstungskontrolle.
Präsident Clinton hat den Schutz der Amerikaner vor
der Bedrohung atomarer Zerstörung an die oberste
Stelle seiner außenpolitischen Tagesordnung gesetzt.
Nicht nur, daß keine russischen Raketen mehr auf
unsere Städte gerichtet sind - die einschneidenden
Kürzungen der russischen und amerikanischen
Nuklearwaffenarsenale unter START II werden dazu
beitragen, die Angst vor einem atomaren Konflikt
großen Ausmaßes Vergangenheit werden zu lassen.
Nach ihrer vollständigen Umsetzung werden START II
und sein Vorläufer START I die strategischen Nuklearstreitkräfte der Vereinigten Staaten und Rußlands um
zwei Drittel reduzieren. Die Durchsetzung der weitreichenden Bestimmungen von START II wird die
Vereinigten Staaten und Rußland auch bei der Zusammenarbeit zur Eindämmung der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen unterstützen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 03

j

�ABRÜSTUNG
7. Februar 1996

Hintergrundinformationen zur Ratifizierung
des START Il-Vertrags
Mitteilung des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir aus Anlaß der Ratifizierung des START Il-Vertrags durch
den US-Senat am 26. Januar 1996 vom Weißen Haus freigegebene Hintergrundinformationen über START II.

Zielsetzung
Das wichtigste amerikanische Ziel bei der strategischen Rüstungskontrolle besteht in der verbesserten
Stabilisierung von Nuklearwaffen auf wesentlich
niedrigerem Niveau. START II ist ein gerechtes und
wirklich verifizierbares Abkommen zur Verringerung
der Anzahl von Trägersystemen für strategische
Nuklearwaffen und ihre Gefechtsköpfe. Die strategischen Nuklearstreitkräfte insgesamt werden über die
unter dem START I-Vertrag vorgesehenen 9.000
Sprengköpfe hinaus um zusätzliche 5.000 Gefechtsköpfe reduziert.
Vertragsparteien
Der START Il-Vertrag wurde zwischen 1991 und 1992
von den Vereinigten Staaten und Rußland ausgehandelt und nach seiner Unterzeichnung im Januar
1993 von Präsident Bush dem Senat vorgelegt.
Hauptmerkmale
Der START Il-Vertrag baut auf dem am 31. Juli 1991
unterzeichneten START I-Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auf. Alle
Bestimmungen von START I bleiben bestehen, außer
wenn sie in dem neuen Vertrag explizit modifiziert
werden. Sie bleiben während der Dauer von START I
in Kraft (START I hat eine Dauer von 15 Jahren und
kann durch eine Übereinkunft zwischen den Vertragsparteien jeweils um 5 Jahre verlängert werden).
Der Vertrag setzt gleiche Obergrenzen für die Anzahl
strategischer Nukiearwaffen fest, die von beiden

AMERIKA DIENST 03

Seiten disloziert werden können. Die Obergrenzen
werden für zwei Phasen festgelegt: Phase Eins endet
sieben Jahre nach Inkrafttreten des START I-Vertrags
(START I trat am 5. Dezember 1994 in Kraft), Phase
Zwei im Jahr 2003. Phase Zwei könnte Ende des
Jahres 2000 abgeschlossen sein, wenn sich die
Vereinigten Staaten an der Finanzierung der Beseitigung strategischer Angriffswaffen in Rußland beteiligen.
Phase Eins: Am Ende der ersten Phase muß jede
Seite die Gesamtzahl ihrer dislozierten strategischen
Nuklearsprengköpfe auf 3.800 bis 4.250 reduziert
haben. Darunter fallen die Gefechtsköpfe auf dislozierten ballistischen Interkontinentalraketen (intercontinental ballistic missiles - ICBMs), unterseebootgestützten
ballistischen Raketen (submarine-launched ballistic
missiles - SLBMs) sowie die Anzahl von Gefechtsköpfen, mit denen schwere Bomber für Nuklearmissionen bestückt sind. Mit den insgesamt 3.800 bis
4.250 Gefechtsköpfen dürfen nicht mehr als 1.200
ballistische Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVed ICBMs), nicht mehr als 2.160
SLBMs und nicht mehr als 650 schwere ICBMs
bestückt werden.
Phase Zwei: Am Ende der zweiten und letzten Phase
muß jede Seite die Gesamtzahl ihrer stationierten
strategischen nuklearen Gefechtsköpfe auf 3.000 bis
3.500 reduziert haben. Mit ihnen dürfen keine MIRVed
ICBMs, einschließlich schwerer ICBMs, bestückt
werden. Somit müssen alle MIRVed ICBMs der
stationierten Streitkräfte jeder Seite beseitigt werden;
lediglich ICBMs mit nur einem Gefechtskopf sind
gestattet. Die SLBMs dürfen nicht mit mehr als 1.700

Seite 1

�bis 1.750 Gefechtsköpfen bestückt sein. Es gibt kein
Verbot für MIRVed SLBMs.

schossen werden können. Die verbleibenden 64 SSIS-Silos müssen gemäß diesem Vertrag zerstört
werden.

Downloading
Der Vertrag gestattet eine Reduzierung der Anzahl der
Sprengköpfe auf bestimmten ballistischen Raketen.
Diese Reduzierung - "downloading" - wird in Abänderung der Bestimmungen von START I auf sorgfältig strukturierte Weise gestaltet.
Jede Seite wird in der Lage sein, zwei existierende
Typen ballistischer Raketen um jeweils bis zu vier
Gefechtsköpfe zu reduzieren - zusätzlich zu der
amerikanischen Minuteman III und der russischen SSN-18. Es gibt keine Gesamtobergrenzen für die
Reduzierung der Anzahl von Sprengköpfen pro
Rakete.
Bei insgesamt 105 ICBMs von einem dieser Typen darf
die Sprengkopfzahl um bis zu jeweils fünf reduziert
werden. Eine solche ICBM darf nur in Silos stationiert
werden, in denen sie zum Zeitpunkt der Unterzeichnung von START disloziert war.
Damit ist eine Reduzierung der mit drei Gefechtsköpfen ausgestatteten amerikanischen Minuteman III
ICBM, der mit vier Sprengköpfen bestückten russischen SS-17 ICBM und von 105 der mit sechs Gefechtsköpfen ausgerüsteten russischen SS-19 ICBMs
auf nur einen Gefechtskopf möglich, um der Erfordernis der Beseitigung aller MIRVed ICBMs nachzukommen. Die amerikanischen Peacekeeper ICBMs
und die schweren russischen SS-18 und SS-24 ICMBs
müssen gemäß dem START-Verfahren allesamt
beseitigt werden.
Verschrottung der Raketensysteme
Unter START I dürfen die stationierten SLBMs und die
meisten stationierten ICBMs entweder durch Zerstörung ihrer Abschußvorrichtungen (silogestützte
ICBMs, mobile Abschußrampen für mobile ICBMs und
Unterseebootabschußvorrichtungen für SLBMs) oder
die Konvertierung dieser Vorrichtungen, so daß sie nur
eine andere - erlaubte - Raketenart abschießen
können, von der Nachweispflicht befreit werden.
Einzige Ausnahme sind die SS-18; unter dem START
I-Vertrag muß die Forderung nach einer Beseitigung
von 154 dislozierten SS-18 durch die Zerstörung von
Silos, nicht durch Konversion, erfüllt werden.
Unter START II finden diese Vorschriften weiterhin
allgemein Anwendung. Die wichtigste Ausnahme sind
wiederum die SS-18. 90 SS-18 Silos werden für
Raketen mit Einfachgefechtskopf konvertiert - Rußland
zufolge der Typ SS-25. Der Vertrag wird spezifische
Vorgeh3nsweisen festlegen, einschließlich Inspektionen vor Ort, um sicherzustellen, daß von diesen
konvertierten Silos nie wieder schwere ICBMs abge-

Seite 2

Im Austausch für das Recht auf Beibehaltung von bis
zu 90 konvertierten SS-18 Silos fordert der Vertrag,
daß alle SS-18 Raketen und Kanister - sowohl stationierte als auch nicht stationierte - bis zum 1. Januar
2003 verschrottet werden. Dies stellt gegenüber dem
START I-Vertrag eine wichtige Änderung dar. Allgemein strebte START I nicht die Zerstörung von
Raketen an. Aber in START II stimmten die Russen
der Beseitigung aller SS-18-Raketen zu - stationierter
und nicht stationierter. Dadurch wird das seit langem
gehegte Ziel der Amerikaner einer vollständigen
Verschrottung schwerer ICBMs erreicht.
Schwere Bomber
Im Start I-Vertrag unterliegen schwere atomare
Langstreckenbomber einer flexibleren Zählweise als
ballistische Raketen. Jeder schwere Bomber, der nur
für die Beförderung von Kurzstreckenraketen oder
Freifallbomben ausgerüstet ist, zählt soviel als ein
Gefechtskopf. Die zur Beförderung atomarer Marschflugkörper (air launched cruise missiles - ALCMs)
größerer Reichweite ausgerüsteten schweren Bomber
zählen jeweils als 10 Gefechtsköpfe, die für die
Beförderung atomarer ALCMs größerer Reichweite
ausgerüsteten schweren sowjetischen Bomber zählen
jeweils als 8 Gefechtsköpfe.
Unter START II erfolgt die Zählweise für die schweren
Bomber anhand der Anzahl von Nuklearwaffen - seien
es atomare ALCMs größerer Reichweite, Kurzstrekkenraketen oder Freifallbomben - für die sie ausgerüstet sind. Diese Zahl wird im Vertragsvermerk über
Zuschreibung spezifiziert und durch eine einmalige
Vorführung für Inspektoren sowie Routineinspektionen
vor Ort gemäß START bestätigt.
Ein weiteres neues Merkmal des Vertrags ist die
Bestimmung, daß bis zu 100 schwere Bomber, für die
unter dem START I-Vertrag nie eine Nachweispflicht
als atomare ALCMs größerer Reichweite bestand,
jetzt eine neue konventionelle Rolle bekommen.
Solche Bomber zählen nicht für die im Vertrag festgelegten Gefechtskopfobergrenzen. Sie werden von den
für Nuklearwaffen ausgerüsteten schweren Bombern
getrennt und lediglich für nichtnukleare Missionen
eingesetzt, und sie weisen sichtbare Unterschiede zu
anderen Bombern desselben Typs auf, die keine
konventionelle Rolle erhalten. Solche schweren
Bomber können mit einer Benachrichtigungsfrist von
drei Monaten erneut eine nukleare Rolle erhalten,
jedoch danach nicht wieder für konventionelle Zwecke
umgerüstet werden.

AMERIKA DIENST 03

�Verifizierung
Das umfassende Verifizierungsregime des START IVertrags wird in dem neuen Vertrag weiterhin angewandt. Zusätzlich wird START II einige neue Verifizierungsmaßnahmen enthalten, beispielsweise die Über-

wachung der Konversion von SS-18 Silos und der
Raketenzerlegungsverfahren, Vorführungen
und
Inspektionen aller schweren Bomber zur Bestätigung
von Waffenladungen sowie Vorführungen von schweren Bombern, die eine konventionelle Rolle erhalten,
um ihre sichtbaren Unterschiede zu bestätigen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 03

Seite 3

�PFF
7. Februar 1996

Perry: PFF verändert Zentral- und Osteuropa
Rede des Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung

MÜNCHEN - (AD) - In seiner Rede bei der 33. Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik erklärte
Verteidigungsminister William Perry am 4. Februar 1996, durch die Partnerschaft für den Frieden beziehe die
NATO die neuen freien Nationen Europas und der ehemaligen Sowjetunion ein. Darüber hinaus eröffne sie einen
Weg zu Freiheit und Wohlstand, deren sich Westeuropa seit 50 Jahren erfreue.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister Perry im Wortlaut.

Hinter meinem Schreibtisch im Pentagon hängt ein Bild
des großen Staatsmannes George C. Marshall.
Marshall - der dritte Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten - ist ein Vorbild für mich. Er hatte eine
große Vision für Europa - ein vom Atlantik bis zum Ural
in Frieden, Freiheit und Demokratie vereintes Europa,
und eine durch überparteiliche politische Unterstützung in den Vereinigten Staaten getragene starke
transatlantische Partnerschaft.
Marshall hatte nicht nur diese Vision, er hatte auch
einen Plan, diese Vision im Europa der Nachkriegszeit
Realität werden zu lassen. Und in seiner berühmten
Rede an der Harvard University im Jahr 1947 legte er
das Konzept dar, das zum Marshallplan wurde.
Wenig bekannt ist, daß auch der berühmte Dichter T.S.
Eliot an jenem Tag zusammen mit Marshall auf dem
Podium saß, der 10 Jahre zuvor folgendes geschrieben hatte:
Footfalls echo in the memory
Down the passage we did not take
Towards the door we never opened.
Diese Worte von T.S. Eliot sagten das Schicksal des
Marshallplans in Ost- und Mitteleuropa voraus. Denn
an jenem Tag vor 50 Jahren, als der Tritt des Zweiten
Weltkriegs noch über einen zerstörten Kontinent hallte,
bot der Marshallplan Europa einen neuen Weg zu
Wiederaufbau und Erneuerung. Halb Europa schlug
diesen Weg ein und öffnete die Tür zu Wohlstand und
Freiheit. Halb Europa wurde dieser Weg verweigert,

AMERIKA DIENST 03

als Josef Stalin die Tür vor Marshalls Angebot zuschlug. Und 50 Jahre lang hallten die Tritte dessen,
was hätte gewesen sein können, in unserer Erinnerung
nach.
Heute, während der Kalte Krieg zum Echo in unserer
Erinnerung wird, haben wir eine zweite Chance,
Marshalls Vision Realität werden zu lassen: Den Weg
einzuschlagen, den wir vor 50 Jahren nicht gegangenen sind, zu der Tür, die wir nie geöffnet haben. Hinter
dieser Tür liegt George Marshalls Europa. Um diese
Tür zu öffnen, benötigen wir keinen zweiten Marshallplan, sondern wir müssen uns von Marshalls Vision
leiten lassen.
Marshall erkannte, daß Frieden, Demokratie und
Wohlstand letztlich untrennbar sind. Und Marshall
verstand, daß die Menschen die erforderliche harte
Arbeit zur Erlangung ihrer Ziele leisten werden, wenn
man herausfindet, was sie sich am meisten wünschen
und ihnen einen Weg zeigt, dies zu erreichen.
Was sich die westeuropäischen Länder Ende der
vierziger Jahre am meisten wünschten, war der
Wiederaufbau ihrer Gesellschaften und Volkswirtschaften. Der Marshallplan bot einen Weg zur Erlangung dieses Ziels. Indem sie diesen Kurs einschlugen, bauten die Nationen Westeuropas ein
wirtschaftliches Kraftwerk auf. Und gleichzeitig bauten
sie starke Demokratien und eine starke Sicherheitsinstitution auf - genannt NATO.

Seite 1

�Heute kämpfen die Länder in der anderen Hälfte
Europas mit dem Wiederaufbau ihrer Gesellschaften
und Volkswirtschaften, und das einzige, das sie alle
wünschen, ist größere Sicherheit. Die Herausforderung für die NATO besteht darin, diesen Europäern
einen Weg zur Erlangung ihres Sicherheitsziels zu
bieten. Und wir wünschen uns sehr, daß sie gleichzeitig starke Demokratien und starke Volkswirtschaften
aufbauen.
Zu der anderen Hälfte Europas zählen die Nationen
Zentral- und Osteuropas sowie die neuen unabhängigen Staaten, darunter Rußland. Und die Nationen des
ehemaligen Jugoslawiens. Heute bezieht die NATO all
diese Regionen ein und bietet einen Weg zu Marshalls
Europa.
Der wichtigste von der NATO gebotene Weg ist die
Partnerschaft für den Frieden - PFF. Ebenso wie der
Marshallplan funktionierte, weil er fest im Eigeninteresse der Vereinigten Staaten und Europas verwurzelt
war, funktioniert auch die Partnerschaft für den
Frieden, weil sie fest im Eigeninteresse der NATO und
der Partnernationen verwurzelt ist.
Die PFF bezieht die neuen freien Nationen Europas
und der ehemaligen Sowjetunion in die Sicherheitsarchitektur Europas als Ganzes ein. Unsere Nationen
arbeiten und üben bei gemeinsamen militärischen
Manövern zusammen.
Um Mißverständnissen
vorzubeugen: Die Partnerschaft für den Frieden ist
jedoch mehr als nur gemeinsame Übungen. Ebenso
wie der Marshallplan weit über die Volkswirtschaften
Westeuropas hinausgehende Auswirkungen hatte,
geht der Widerhall der PFF über den Sicherheitsbereich in Zentral- und Osteuropa hinaus und reicht
auch in den politischen und wirtschaftlichen Bereich
hinein.
Ebenso wie der Marshallplan die wirtschaftliche
Wiederbelebung als Katalysator für politische Stabilisierung - und letztlich die Entwicklung des modernen
Europas benutzte - nutzt die PFF sicherheitspolitische
Zusammenarbeit als Katalysator für politische und
wirtschaftliche Reformen.

Nationen ist das Streben nach einer NATO-Mitgliedschaft zu dem Fels geworden, auf den alle führenden
politischen Parteien ihre Plattformen gründen. Sie
bietet denselben Konsens, den die NATO-Mitgliedschaft in den NATO-Mitgliedstaaten erzeugt, der
Kompromisse und Aussöhnung ermöglicht.
In Ungarn stimmten alle sechs führenden politischen
Parteien im Parlament für die Verabschiedung einer
Resolution zur Unterstützung der IFOR - der Friedenstruppe für Bosnien - mit 300 zu 1 Stimme. In Polen
bekräftigte der neue Präsident - ein ehemaliges
Mitglied der früheren kommunistischen Partei - das
Streben Polens nach NATO-Mitgliedschaft. In der
Slowakei, Ungarn und Rumänien lösen die Regierungen stillschweigend ihre Grenzstreitigkeiten und führen
den Schutz ethnischer Minderheiten ein. Für diese
Länder wird die Partnerschaft für den Frieden ein Weg
zu Demokratie und marktwirtschaftlichen Reformen
sowie zur sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit
dem Westen.
Aber selbst die Länder, die keine NATO-Mitgliedschaft
anstreben, erkennen viele der politischen und sozialen
Vorteile einer aktiven Beteiligung an der PFF. Darüber
hinaus bietet die PFF ihnen die Instrumente und
Chancen, um engere Beziehungen zur NATO zu
entwickeln sowie von ihr zu lernen - selbst wenn sie es
vorziehen, außerhalb des Bündnisses zu bleiben. Und
die PFF schafft Verbindungen zu den Partnernationen
- sogar außerhalb des Kooperationsrahmens mit der
NATO.
Aus diesem Grund haben die Verteidigungsminister
vieler Partnernationen mir gesagt, daß sie, selbst
wenn sie eines Tages der NATO beitreten, ihre aktive
Beteiligung an der PFF aufrechterhalten wollen. Mit
anderen Worten: Durch die Gründung der Partnerschaft für den Frieden tut die NATO mehr als nur die
Grundlage für die Erweiterung aufzubauen. Tatsächlich schafft sie eine neue Zone der Sicherheit und
Stabilität in ganz Europa.

Die Mitglieder der PFF arbeiten darauf hin, die Demokratie zu bewahren, Vielfalt zu tolerieren, die Rechte
von Minderheiten und sowie die Redefreiheit zu
respektieren. Sie arbeiten am Aufbau von Marktwirtschaften. Sie arbeiten hart daran, die demokratische
Kontrolle über ihre Streitkräfte einzuführen, gute
Nachbarn zu sein und die souveränen Rechte außerhalb ihrer Grenzen zu achten. Und sie arbeiten
hart daran, ihre Streitkräfte mit denen der NATO
kompatibel zu machen.

Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, daß die Gründung der Partnerschaft für den Frieden eines der
bedeutendsten Ereignisse der Zeit nach dem Kalten
Krieg war. Indem sie ein Geflecht von Menschen und
Institutionen geschaffen hat, die bei der Bewahrung
der Freiheit, Förderung von Demokratie und dem
Aufbau freier Märkte zusammenarbeiten, ist die PFF
heute ein Katalysator für die Umgestaltung Zentralund Osteuropas, ebenso wie der Marshallplan Westeuropa in den vierziger und fünfziger Jahren umgestaltete. Sie ist der Weg, den diese Hälfte Europas 1947
nicht einschlug. Sie ist die Tür, die wir nie geöffnet
haben.

Für die Partnerländer, die in der PFF den Weg zur
NATO-Mitgliedschaft sehen, sind diese Aktionen der
Schlüssel zur Öffnung dieser Tür. Für viele dieser

Um die Vorteile der Reformen festzuschreiben, muß
die NATO sicherstellen, daß die von uns in der PFF
geschaffenen Bande sich weiter vertiefen und wir den

Seite 2

AMERIKA DIENST 03

�schrittweisen und sorgfältigen, aber stetigen Prozeß
der Einbeziehung und Ost-Erweiterung fortsetzen. Die
NATO-Erweiterung ist unvermeidlich. Und wenn die
NATO-Erweiterung das Zuckerbrot zur Ermutigung von
Reformen ist, dann dürfen wir dieses Zuckerbrot nicht
dauernd außer Reichweite halten. Es ist daher
entscheidend, daß wir die beim Ministertreffen des
Nordatlantikrats im Dezember vereinbarte zweite
Phase der NATO-Erweiterung durchführen.

Erstens, sagte ich, wenn ich ein russischer Politiker
wäre, sollten sich die Vereinigten Staaten für die
Sicherheit Europas engagieren. Diesem Postulat
stimmten sie zu.

Und selbst während einige Länder der NATO beitreten,
muß die Tür für andere offengehalten werden, die sich
noch auf dem Weg dorthin befinden.

Drittens, sagte ich, wenn ich ein russischer Politiker
wäre, sollte Rußland in die Sicherheitsarchitektur
Europas integriert und nicht außerhalb isoliert sein.
Auch diesem Postulat stimmten sie zu.

Wie müssen sicherstellen, daß die PFF weiterhin einen
Platz in der europäischen Sicherheitsarchitektur
bereitstellt, so daß wir die Tür zu Marshalls Europa
auch für die Nationen offenhalten, die keine NATOMitgliedschaft anstreben.
Damit Marshalls Vision wirklich erfüllt werden kann,
muß als eines der Länder Rußland durch diese Tür
gehen. Rußland ist seit über 300 Jahren einer der
Hauptakteure im Bereich der europäischen Sicherheit.
Was auch immer geschieht, Rußland wird in den
kommenden Jahren ein Hauptakteur bleiben. Unsere
Aufgabe ist es, die Dinge zum Guten zu wenden.
Anders als beim Marshallplan vor 50 Jahren hat sich
Rußland heute zur Beteiligung an der Partnerschaft für
den Frieden entschlossen. Und im Geiste Marshalls
begrüßen wir die Beteiligung Rußlands und hoffen,
daß das Land mit der Zeit eine führende Rolle in der
PFF im Einklang mit seiner Bedeutung als Großmacht
übernehmen wird.
Damit Rußland jedoch gemeinsam mit uns als vollwertiger und aktiver Partner an der Erfüllung von
Marshalls Vision mitarbeiten kann, müssen die NATO
und Rußland auf gemeinsamem Terrain aufbauen,
selbst wenn wir mit den Schlußfolgerungen des
anderen nicht übereinstimmen. Man kann zu Recht
sagen, daß die meisten Mitglieder des politischen
Establishment Rußlands die Pläne der NATO für eine
Erweiterung weder willkommen heißen, geschweige
denn akzeptieren. Jeder der das gestern noch
bezweifelt hat, erkannte nach der Rede des Stellvertretenden Verteidigungsministers Andrej Kokoschin
das Ausmaß der Opposition gegen die NATO-Erweiterung in Rußland.
Als ich im Juni letzten Jahres in Rußland war, führte
ich eine Reihe von Gesprächen mit russischen
Regierungsvertretern und Mitgliedern der Duma über
die Zukunft der europäischen Sicherheit. Ich bot ihnen
einige Postulate zu dieser Zukunft. Ich sagte ihnen,
wenn ich in den Schuhen Rußlands stecken würde,
sollte das Sicherheitsumfeld in Europa folgende
Kriterien haben:

AMERIKA DIENST 03

Dann, sagte ich, wenn ich ein russischer Politiker
wäre, sollte Deutschland integraler Bestandteil der
europäischen Sicherheitsstruktur sein.
Und sie
stimmten diesem Postulat zu.

Schließlich fragte ich sie, wie ein russischer Politiker
diese Ziele am besten erreichen könnte.
Ich folgerte, sie könnten nur durch eine gesunde und
aktive NATO erreicht werden. Das heißt, die NATO
trägt - weit davon entfernt, eine Bedrohung für Rußland
zu sein - tatsächlich zur Sicherheit Rußlands sowie zur
Sicherheit ihrer eigenen Mitglieder bei.
Als ich zu dieser Schlußfolgerung gelangte, waren die
meisten Russen diametral entgegengesetzter Meinung. Sie stimmten allen meinen Prämissen zu - aber
nicht meiner Schlußfolgerung. Ohne die NATO und
ihre Partnerschaftsarrangements sehe ich jedoch
keinen Weg zur Erlangung dieses Ziels - unseres
gemeinsamen Ziels - eines sicheren und friedlichen
Europas.
Ich muß Ihnen sagen, daß ich meine russischen
Kollegen mit meinen Argumenten nicht überzeugen
konnte. Ich bin jedoch der Auffassung, daß sich
Rußland mit der Verstärkung seines Engagements für
die NATO von der Richtigkeit meiner Schlußfolgerung
sowie meiner Prämissen überzeugen läßt. Und ich
glaube, daß Rußland kooperative Beziehungen zur
NATO und eine führende Rolle in der Partnerschaft für
den Frieden haben will. Rußland wird zu dem Verständnis gelangen, daß die NATO-Erweiterung die
Erweiterung einer Zone der Sicherheit und Stabilität
bedeutet, die stark im Interesse Rußlands liegt und
keine Bedrohung für Rußland darstellt.
Damit dieses neue Verständnis vermittelt werden kann,
muß die NATO jedoch weiterhin Rußland einbeziehen,
nicht nur von oben nach unten, sondern auch von
unten nach oben. Bei der Wehrkundetagung im
vergangenen Jahr habe ich den Vorschlag unterbreitet,
daß die NATO und Rußland einen separaten Plan von
Aktivitäten außerhalb der Partnerschaft
für den
Frieden erarbeiten. Inzwischen haben wir alle diesen
Vorschlag im Prinzip erörtert und ihm sogar zugestimmt, ihn jedoch noch nicht zu Papier gebracht. Das
müssen wir tun. Wir dürfen nicht zulassen, daß
Meinungsverschiedenheiten über die Theorie" des
Aufbaus von Beziehungen zwischen der NATO und

Seite 3

�Rußland dem "hier und jetzt" der Zusammenarbeit, wo
sich unsere Interessen eindeutig überschneiden, im
Wege stehen. Statt unsere Praxis von der Theorie
diktieren zu lassen, sollte unsere Praxis die Theorie
definieren.
Ein Beispiel, wo die Vereinigten Staaten dies bereits
tun, ist unser Programm bilateraler Übungen mit
Rußland. Im vergangenen Jahr haben wir vier solcher
Manöver abgehalten, die alle ein großer Erfolg waren
und im Geiste des Vertrauens und Goodwill durchgeführt wurden. Im kommenden Sommer werden die
Vereinigten Staaten und Rußland über die bilaterale
Ebene hinausgehen und gemeinsam an größeren
regionalen Übungen im Rahmen der Partnerschaft für
den Frieden mit Streitkräften aus der Ukraine, Rußland, den Vereinigten Staaten und anderen regionalen
Mächten teilnehmen.
Unser bilaterales Kontaktprogramm mit Rußland
beschränkt sich nicht auf gemeinsame Übungen oder
nur auf den Sicherheitsbereich. Durch die GoreTschernomyrdin-Kommission erstreckt sie sich auf die
Gebiete Wissenschaft und Technologie, Weltraum,
Konversion der Rüstungsindustrie, Unternehmensentwicklung, Umwelt, Gesundheitswesen und Landwirtschaft.
Erst in der vergangenen Woche kam die Kommission
in Washington zusammen, und der Stellvertretende
Verteidigungsminister Kokoschin und ich nahmen am
Programm der Kommission zur Konversion der
Rüstungsindustrie teil. Ich fordere alle NATO-Mitgliedstaaten auf, sich dieses Modell zum Vorbild zu nehmen. Bei diesen Zusammentreffen findet ein wichtiger
Informationsaustausch statt. Sie tragen zur Überwindung von Jahren des Mißtrauens und der Verdächtigungen bei. Sie binden die Russen in das persönliche und professionelle Gefüge ein, das die Beziehungen zwischen allen Verbündeten seit langem charakterisiert. Solche Aktivitäten schaffen Vertrauen zwischen
Rußland und der NATO. Und solche Aktivitäten
werden Rußland auf dem Weg zur Integration in
Europa halten, damit es durch diese offene Tür gehen
kann.
Im Oktober vergangenen Jahres nahmen Verteidigungsminister Gratschow und ich an einer gemeinsamen amerikanischen Übung in Kansas teil. Nach
dem Manöver sprachen wir mit den amerikanischen
und russischen Soldaten, die dieses Manöver durchgeführt hatten. Gratschow sagte den russischen
Soldaten, daß ihre Arbeit sehr wichtig sei, daß sie die
amerikanischen Soldaten an ihrer Freundschaft und
Zusammenarbeit teilhaben lassen sollten und dies die
Grundlage für den Aufbau einer friedlichen Welt für
ihre Kinder sei. Die amerikanischen Soldaten waren
ebenso interessiert an seinen Worten wie die russischen, das kann ich Ihnen versichern.

Seite 4

Ironischerweise ist Bosnien der Ort, an dem sich die
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland in der
Praxis vollziehen. Während wir hier versammelt sind,
dient eine russische Brigade in der amerikanischen
multinationalen Division der IFOR. Es erforderte
ungeheure Arbeit, damit dies geschehen konnte.
Verteidigungsminister Gratschow und ich kamen im
Verlauf von zwei Monaten viermal zusammen, um die
Einzelheiten zu klären. Die Generäle Joulwan und
Nash arbeiteten jeden Tag eng mit ihren Amtskollegen
General Schwetsow und Oberst Lentsow zusammen.
Heute unterhalten die NATO und Rußland besondere
Beziehungen in Bosnien, und Rußland demonstriert
seine Verpflichtung zur Beteiligung an der künftigen
Sicherheitsarchitektur Europas.
Der Grund, warum wir alle so hart arbeiten, um diese
Beziehungen erfolgreich zu gestalten, liegt nicht nur in
den zusätzlichen Truppen, die Rußland nach Bosnien
entsendet, sondern auch darin, daß die Beteiligung
Rußlands in Bosnien in den kommenden Jahren
enorme Auswirkungen auf die Sicherheit Europas
haben wird. Wenn wir uns mit dem wichtigsten
Sicherheitsproblem befassen, mit dem sich Europa seit
dem Ende des Kalten Krieges konfrontiert sieht, wollen
wir, daß Rußland diesem Kreis angehört und mit uns
zusammenarbeitet, und nicht außerhalb steht und
Steine nach uns wirft.
Je mehr man darüber nachdenkt, was die NATO und
Rußland in Bosnien tun, desto erstaunlicher wird es.
Ich kann mir kaum vorstellen, was General Eisenhower, der erste Oberste Alliierte Befehlshaber Europa
(Supreme Allied Commander Europe - SACEUR),
denken würde, wenn er einen russischen General
neben General Joulwan, den heutigen SACEUR, im
Obersten Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in
Europa (Supreme Headquarters Allied Powers Europe
- SHAPE) bei der Erörterung eines geheimen NATOPlans sitzen sähe. Wir müssen auf dieses Modell
aufbauen, es institutionalisieren und erweitern, damit
es die gesamte Bandbreite der sich überschneidenden
Sicherheitsinteressen Rußlands und der NATO
abdeckt. So können die NATO und Rußland Fortschritte als gleichberechtigte Partner bei der Erfüllung
von Marshalls Vision machen.
Ebenso wie die Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland in Bosnien gefestigt werden, gilt dies auch für
die Zukunft der NATO selbst. Vor einigen Wochen war
ich in Bosnien. Ich war beeindruckt von dem Engagement und der Professionalität der Einheiten aus allen
beteiligten Ländern. Ich war auch beeindruckt von
dem starken Kontrast zwischen der Zerstörung und
dem Leid, das ich in Sarajevo gesehen hatte, und der
Wiedergeburt und Erneuerung, die ich in anderen
Hauptstädten Zentral- und Osteuropas beobachten
konnte.

AMERIKA DIENST 03

�Wenn neue unabhängige Nationen sich auf alten Haß
statt neue Herausforderungen konzentrieren, kommt
es zu einem zweiten Bosnien. Vor vier Jahren entschieden einige im ehemaligen Jugoslawien, sich nicht
an Marshalls Europa zu beteiligen. Die Toten und das
Blutvergießen, die Folge davon waren, werden lange
in unserer Erinnerung verhaftet sein. Aber heute ist
die Tür zu Marshalls Europa wieder für sie geöffnet und diese Tür wird von der NATO, Rußland und den
seit kurzem freien Völkern Zentral- und Osteuropas
offen gehalten.
Der Erfolg oder das Scheitern der IFOR ist entscheidend dafür, ob wir Marshalls Vision erfüllen können
oder nicht. In Bosnien senden wir die Botschaft, daß
die NATO das Fundament ist, auf dem die künftige
Sicherheit und Stabilität Europas aufgebaut wird. In
Bosnien erntet die NATO erstmals die Früchte gemeinsamer Übungen zur Friedenssicherung mit unseren
neuen Friedenspartnern. In Bosnien zeigen sich die
künftigen NATO-Mitglieder bereit und willens, die
Lasten der Mitgliedschaft zu übernehmen. Und in
Bosnien stellen wir unter Beweis, daß wir als Partner
mit russischen Streitkräften zusammenarbeiten
können. Bosnien ist keine Übung zur Friedessicherung - Bosnien ist real.
Bosnien lehrt uns auch wichtige Lektionen über die
NATO, die Marshalls Europa erfordert. Seit dem Ende
des Kalten Krieges hat die NATO unablässig mit der
Erarbeitung von Mechanismen gekämpft, um neue
Missionen unter Verwendung von NATO-Ressourcen
und mit der freiwilligen Beteiligung der NATO-Mitgliedstaaten durchzuführen.
Im Konferenzraum ist es uns bisher nicht gelungen,
Einigung zu Alliierten Streitkräftekommandos (Combined Joint Task Force - CJTF) zu erzielen. Wir sind
jedoch über das Stadium der theoretischen Argumentation hinausgekommen und haben die IFOR gegründet, die gleichbedeutend mit einer CJTF ist. Ebenso
wie bei den Beziehungen zwischen der NATO und
Rußland müssen wir die bei der Zusammensetzung
der IFOR gelernten praktischen Lektionen anwenden,
bis wir eine funktionierende CJTF haben.
Bosnien beleuchtet auch schlaglichtartig etwas, das
wir seit einiger Zeit vermutet haben: Es ist an der Zeit,
daß die NATO sich intern anpaßt, um die neuen
Herausforderungen dieses neuen Zeitalters bewältigen
zu können. Für die Bosnien-Mission war die NATO
nicht gut strukturiert. Zu einer Zeit, in der unser
politisches und geostrategisches Denken sich völlig
neu orientierte - wie durch unsere Partnerschaft mit
ehemaligen Gegnern bei der Friedenssicherung
demonstriert - und zu einer Zeit, in der unsere jeweiligen Streitkräfte abgespeckt und für das Schlachtfeld
der Zukunft modernisiert wurden, ist die Kommandound Entscheidungsstruktur der NATO immer noch auf

AMERIKA DIENST 03

die Herausforderungen und Schlachtfelder der Vergangenheit ausgerichtet. Es ist an der Zeit, die NATO
abzuspecken und zu modernisieren in der Erkenntnis,
daß unsere Herausforderung nicht länger einfach darin
besteht, einen bekannten Plan mit bereits eingeteilten
Streitkräften durchzuführen, wie es während des
Kalten Krieges war.
Wir müssen die Kommandostruktur der NATO reaktionsfähiger und flexibler machen, den Prozeß der
Planung und Truppenvorbereitung vereinfachen sowie
den gesamten Entscheidungsfindungsprozeß beschleunigen. Und wir müssen die Aufgabe vollenden,
den europäischen Mitgliedstaten der NATO eine
stärkere Identität innerhalb des Bündnisses zu verleihen. Diese internen Veränderungen werden die NATO
auf die Erweiterung vorbereiten und es uns gestatten,
besser auf die künftigen Herausforderungen der
europäischen Sicherheit und Stabilität zu reagieren.
In diesem Zusammenhang begrüßen wir die Entscheidung Frankreichs zu größerer Beteiligung an den
militärischen Gremien der NATO. Wir sehen der
Zusammenarbeit mit Frankreich erwartungvoll entgegen bei der Umgestaltung des Bündnisses und der
Verwirklichung von Marshalls Vision eines in Frieden,
Freiheit und Demokratie vereinten Europas.
Im Jahr 1947 erklärte Marshall, Amerika müsse "der
Verantwortung gerecht werden, die unserem Land von
der Geschichte auferlegt wurde". Heute ist es nicht nur
Amerika, sondern auch Rußland, es sind nicht nur die
NATO-Nationen, sondern ganz Europa - wir alle
müssen der Verantwortung gerecht werden, die uns
von der Geschichte auferlegt wurde. Das bedeutet, die
anderen nicht nur im Geiste der Freundschaft einzubeziehen, sondern auch im Geiste des Eigeninteresses. Das bedeutet, auf unsere Ziele hinzuarbeiten,
nicht nur von oben nach unten, sondern auch von
unten nach oben. Und es bedeutet die Erkenntnis,
daß wir unsere Institutionen einer genauen Überprüfung unterziehen müssen um herauszufinden,
welche Veränderungen erforderlich sind, wenn sich die
Welt dort draußen wandelt.
Wenn wir all dies tun, können wir im nächsten Jahr bei
den Feiern zum 50. Jahrestag des Marshallplans
sagen, daß wir Marshalls Vision zu unserer eigenen
gemacht haben. Daß die Partnerschaft für den
Frieden ein starker, beständiger Pfeiler der europäischen Sicherheitsarchitektur ist. Daß die NATO und
Rußland Beziehungen unterhalten, bei denen Vertrauen, Verständnis und Zusammenarbeit eine Gegebenheit, nicht länger ein Ziel sind. Daß alle Nationen
des ehemaligen Jugoslawiens zur Sicherheit Europas
beitragen, nicht sie schmälern. Und daß wir den Weg
zu einem neuen Europa eingeschlagen und die Tür zu
einem neuen Zeitalter des Friedens, der Freiheit und
Demokratie geöffnet haben.

Seite 5

�NATO
7. Februar 1996

Neue Sicherheit für ein ungeteiltes und freies Europa
Rede von Robert E. Hunter

BONN - (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten bei der NATO, Botschafter Robert E. Hunter, hielt
auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung nachfolgende Rede.

Vielen Dank, Herr Vorsitzender, für Ihre freundlichen
einführenden Worte. Es ist mir eine Ehre und ein
Vergnügen, wieder in Bonn und insbesondere bei der
Friedrich-Ebert-Stiftung zu sein, der ich mich seit
langem eng verbunden fühle. Wenn ich mich hier im
Saal umsehe, entdecke ich viele Menschen, die ich
schon lange zu meinen Freunden zähle und auch als
meine Lehrer ansehe - nicht nur in deutscher Politik,
sondern auch bei unseren gemeinsamen Bestrebungen zum Aufbau einer stärkeren, sichereren und
freieren westlichen Gesellschaft. Daher ist es eine
besondere Ehre, wieder in Bonn zu sein, und ich freue
mich, daß Sie so zahlreich erschienen sind.
Wir befinden uns jetzt an einem Punkt der westlichen
Sicherheit, in einem großen Augenblick der Geschichte, in dem sich uns neue Möglichkeiten eröffnen.
Jeder von uns in diesem Raum, und zweifelsohne
jeder von uns bei der NATO, ist in diesem Augenblick
mit Aufgaben betraut, so daß die nächste Generation
zurückblicken und sagen kann, daß wir der Verantwortung unserer Zeit gerecht geworden sind, die in
nichts weniger besteht als dem Aufbau eines ungeteilten und freien Europas. Unsere Ahnen sind die
herausragenden Persönlichkeiten der Nachkriegszeit:
Diejenigen, die nach dem letzten Krieg entschieden,
daß es einen besseren Weg zur Organisation der
Sicherheit in Europa gibt, darunter viele Menschen in
diesem Land und einige der großen Namen der
europäischen Geschichte. Ich schätze mich sehr
glücklich, Willy Brandt gekannt zu haben, der einer der
ersten dieser prominenten Persönlichkeiten war, auf
deren Bestrebungen die Zukunft jetzt aufgebaut
werden kann.
Wir haben den Kalten Krieg gewonnen. Nicht nur wir
Amerikaner oder wir Deutschen oder wir im Westen,

AMERIKA DIENST 03

sondern wir Menschen - ja, wir Europäer - und ich
sehe mein Land als ein europäisches Land an, weil wir
hier sind und hier bleiben werden. Der Sieg im Kalten
Krieg wurde von allen Männern und Frauen auf diesem
Kontinent geteilt, unabhängig davon, ob sie unserem
großartigen NATO-Bündnis angehörten oder das
Unglück hatten, sich auf der anderen Seite des
Eisernen Vorhangs wiederzufinden. Das Ende des
Kalten Krieges war ein Sieg für die Menschheit, ein
Sieg für den menschlichen Geist und eröffnete Möglichkeiten. Aber jetzt befinden wir uns an einem Punkt,
an dem es nicht ausreicht zu sagen, der Kalte Krieg ist
vorüber und beendet. Es reicht nicht aus zu sagen,
daß die großen Ideale der westlichen Gesellschaft, die
hier in diesem Teil des Kontinents Bestand hatten, jetzt
garantiert sind und überall Bestand haben.
Jede Errungenschaft geht mit einer neuen Herausforderung einher. Und ich muß sagen, daß wir uns
jetzt mit einer Herausforderung von ungefähr der
gleichen Größenordnung konfrontiert sehen, nicht nur
für unsere eigene Sicherheit, sondern für die Sicherheit, Hoffnung und die Zukunft von Hunderten
Millionen von Menschen, die so lange unter dem
Kommunismus gelitten haben - eine Herausforderung,
die so groß ist wie die der vergangenen 50 Jahre.
Meines Erachtens können wir sie meistern, aber nur,
wenn wir klar erkennen, was wir tun müssen und dies
in die Praxis umsetzen.
Ich möchte kurz zu Ihnen über einen Teil dieser
Bestrebungen sprechen - was wir bei der NATO tun.
Wir sind uns jedoch bewußt, daß für uns alle sehr viel
mehr zu tun bleibt, wenn wir der nächsten Generation
sagen wollen, daß wir das von uns zu dieser Zeit
Geforderte getan haben.

Seite 1

�Nach dem Kalten Krieg stellten wir fest, daß viele
Institutionen beim Aufbau der neuen Sicherheit eine
zentrale Rolle spielen müssen. Die Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Die
Europäische Union. Der Europarat. Die Westeuropäische Union. Aber in den letzten drei oder vier Jahren
sind zwei unweigerliche Tatsachen sehr deutlich
geworden: Die eine lautet, wenn wir eine für ein
ungeteiltes und freies Europa effektive neue Sicherheit
aufbauen wollen, muß die NATO hierbei eine Führungsrolle übernehmen. Und wenn die NATO effektiv
arbeiten soll, müssen viele Länder dazu beitragen. Ein
unerläßlicher Aspekt ist jedoch die Notwendigkeit der
Führungsrolle und des Engagements meines eigenen
Landes - der Vereinigten Staaten. Ich freue mich
sagen zu können, daß die Führungsrolle und das
Engagement heute vorhanden sind und von Präsident
Clinton verkörpert werden, und in der Zukunft - meiner
Ansicht nach - in Person jedes einzelnen ernsthaften
Politikers beider politischer Parteien der Vereinigten
Staaten verkörpert sein werden. In Europa für unsere
eigene Sicherheit und für unsere Gemeinsamkeiten
engagiert zu sein, ist - meines Erachtens - was wir in
meiner und anderen Gesellschaften als eine gelöste
historische Frage bezeichnen würden.
Denken Sie daran, was wir als Amerikaner in unserer
etwas mehr als 200jährigen Geschichte seit wir ein
unabhängiges Land wurden, geleistet haben: Mein
Land hat mehr Blut vergossen und Güter aufgewandt mit Ausnahme unseres Unabhängigkeitskriegs vor 130
Jahren - um Europas Freiheit und Unabhängigkeit zu
bewahren als für irgend etwas, das wir in unserer
gesamten Geschichte getan haben. Unser Engagement hier ist etwas Reales, Tiefes, und meiner Überzeugung nach Unveränderliches.
Eines der erfreulichen Dinge, die ich als NATOBotschafter- selbst nach den letzten Wahlen, als meine
Partei die Mehrheit im Kongreß der Vereinigten
Staaten verloren hat - entdeckt habe, ist, daß jeder
Politiker beider politischen Parteien, der nach Brüssel
gekommen ist oder den ich in Washington getroffen
habe, dieses grundlegende Versprechen gegeben hat.
Und aus meiner Sicht hat es Bestand.
Es gibt noch etwas anderes, das ebenso beständig,
aber auch ebenso entscheidend ist, wenn die amerikanischen Beziehungen hier in Europa funktionieren
sollen. Ja, viele Dinge und viele Beziehungen werden
benötigt. Aber die deutsch-amerikanische Partnerschaft ist der Fels, auf den die NATO gegründet ist, sie
hat heute Bestand und muß auch in der Zukunft
Bestand haben. Das, was wir - unsere beiden Länder
- zusammen tun, wird absolute Notwendigkeit, wenn
wir eine sichere Zukunft haben wollen. Ich freue mich
sagen zu können, daß in Ihrer Politik, die manchmal
ebenso kompliziert wie unsere ist, die Verpflichtung zur
Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten ebenso tief
in Ihre Gesellschaft eingebettet ist. Wir haben gemein-

Seite 2

sam sehr viel erreicht, und wir werden in Zukunft noch
mehr erreichen.
Die NATO hat heute ihren Weg gefunden. Die Zeit des
Aufbaus ist vorüber. Die Zeit der Gestaltung ist
vorüber. In den vergangenen vier Jahren haben wir
die NATO neu strukturiert, neue Zielsetzungen geschaffen und befinden uns jetzt auf dem Weg zum
Aufbau der Zukunft. Dies erinnert mich ein bißchen an
das, was mit dem östlichen Teil Ihres Landes geschehen ist, den ich vor einigen Jahren bei meinen Reisen
besuchte, in dem es viele alte Fabriken gab. Als sie
von der Treuhandanstalt übernommen wurden und
man die Gebäude betrat, stellte man fest, daß die
Geräte veraltet waren und nicht benutzt werden
konnten: Sie mußten vollständig überholt werden. Die
Außenwände sind vielleicht geblieben, aber wenn man
jetzt hineingeht, sieht man sich einer völlig neuen
Einrichtung gegenüber, die entsprechend moderner,
demokratischer, westdeutscher Produktionslinien
gebaut worden ist.
Dasselbe haben wir mit der NATO getan. Sie können
in unser Hauptquartier nach Brüssel kommen. Es ist
dasselbe alte Gebäude mit demselben alten Schild an
der Tür, aber wenn Sie hereinkommen, stellen Sie fest,
daß sich alles sehr verändert hat. Sie sehen russische
Offiziere in Uniform durch die Halle gehen. Hätten Sie
sie vor einigen Jahren in einem unserer Gebäude
angetroffen, hätte der Bundesnachrichtendienst an die
Tür geklopft.
Am 8. November, unmittelbar vor dem 6. Jahrestag
des Falls der Berliner Mauer, hatte ich eine Besprechung in meinem Büro, bei der die abschließende
Planung für die Entsendung der Truppen nach Bosnien
unter NATO-Kommando stattfand. Eines der vorbereiteten Dokumente und Diagramme war bereit zur
Paraphierung. Eine der Personen, die es paraphierte,
war der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten,
William Perry. Die zweite Person, die es paraphierte,
war der Oberste Alliierte Befehlshaber Europa,
General Joulwan. Die dritte Person, die es paraphierte, war ein Generaloberst namens Schewtsow, den ich
heute morgen im SHAPE-Gebäude gesehen habe das ihm wirklich ziemlich gut zu gefallen scheint - und
die vierte Person, die dieses Dokument paraphierte,
war ein Mann namens Gratschow aus Moskau. Es
war ein bemerkenswertes Ereignis. An eben diesem
Ort, an dem während des Kalten Krieges die Eindämmung des Kommunismus betrieben wurde,
einigten sich ein russischer Generaloberst und der
russische Verteidigungsminister auf ein Engagement in
Bosnien im Rahmen der NATO. Es war eine wirklich
bemerkenswerte Leistung, die vielversprechend für die
Zukunft ist.

Wir haben herausgefunden und entschieden, daß wir
in der Zukunft vier umfassende Zielsetzungen für die

AMERIKA DIENST 03

�NATO haben. Die erste habe ich bereits angesprochen: Amerika ist in Europa, um hier zu bleiben. Wir
sind hier als europäische Macht. Wenn wir aufgefordert würden, nach Hause zu gehen, könnten wir
natürlich versucht sein, dies zu tun. Aber glücklicherweise hören wir keine solchen Stimmen. Quer über
Europa hinweg vernehmen wir den Wunsch, daß
Amerika mit Entschlossenheit und vor allem mit den
Werten, die wir alle teilen, bleibt. Dies ist ein Fels, auf
den die neue Sicherheit aufgebaut werden kann.
Zielsetzung Nummer zwei besteht darin, das von uns
Erreichte zu bewahren. Wenn wir betrachten, was in
den letzten 50 Jahren geschehen ist, so haben wir
innerhalb der NATO eine großartige bürokratische
Institution aufgebaut. Viele haben die NATO beschuldigt, sich selbst am Leben zu erhalten, einfach weil sie
eine alte Institution ist, die nicht weiß, wie sie sterben
soll. Ich habe diese Idee lange Zeit verfochten, bis mir
klar wurde, daß alte bürokratische Institutionen, die
weiterhin bestehen, großen Wert haben, denn eines
der wichtigsten Dinge, die wir erreichen müssen, ist um einen hehren Begriff zu verwenden - die Renationalisierung der Verteidigung zu verhindern. Was
haben wir heute? Wir haben 16 Länder. Wenn sie an
europäische Sicherheit denken, denken sie an die
NATO. Das ist eine bemerkenswerte Leistung. Der
Kalte Krieg ging zu Ende, und die 16 Länder dachten
weiterhin an gemeinsame Bestrebungen.
Ich wohne 15 Kilometer von der Stadt Waterloo
entfernt. Am Montag morgen, dem 19. Juni 1815, traf
der Duke of Wellington General Blücher in einer
kleinen Stadt namens La Belle Alliance. Blücher sagte:
"Warum nennen wir die Schlacht nicht S_a Belle
Alliance'?", und Wellington antwortetete: "Nein, wir
wollen sie Waterloo nennen" - das war seine Sicht der
Geschichte.
Sie tranken ein Glas Champagner
zusammen und jeder ging seiner Wege.
Bei der NATO kam jeder nach dem angenommenen
Ende des Kalten Kriegs zur Arbeit wie gewöhnlich! Das
ist ein erstaunlicher Triumph. Wir sind hier versammelt, sechs oder sieben Jahre nach dem Kalten
Krieg, nach der Beseitigung der grundlegenden
Herausforderung des Westens durch die sowjetische
Macht und den Kommunismus und denken immer
noch an Zusammenarbeit. Eine beachtliche Leistung.
Zwei andere Aspekte sind ebenso wichtig, von denen
einer hier sehr angebracht ist: Die NATO ist weiterhin
eine Institution, der sich die deutschen Streitkräfte
verpflichtet haben, ebenso wie Sie sich der Europäischen Union uneingeschränkt verpflichtet haben.
Ich hoffe, Sie vergeben mir, wenn ich Ihren derzeitigen
Kanzler zitiere. Ich bin sicher, wenn Willy Brandt
Kanzler gewesen wäre, hätte es dasselbe gesagt. Ich
war in Ostberlin am Abend der Wahlen vom 17. März
1990, als ungefähr um 19.35 Uhr mit dem Wahl-

AMERIKA DIENST 03

ergebnis klar wurde, daß Deutschland von jenem
Moment an vereinigt war. Am nächsten Morgen war
ich hier in Bonn, und der Kanzler sprach - es war das
erste Mal seit 1949 oder noch früher, daß ein deutscher Politiker sagen konnte, was er wollte. Und was
sagte er? Er zitierte Thomas Mann. Er sprach: "Wir
brauchen kein deutsches Europa. Wir brauchen ein
europäisches Deutschland. Wir wollen die gemeinsamen Institutionen auf dem Kontinent weiter stärken."
Nun, eine dieser gemeinsamen Institutionen ist die
NATO.
Aber es gibt auch etwas, das jetzt als so selbstverständlich und banal erachtet wird, daß man kaum
darüber sprechen kann: Während dieser Periode nach
dem Zweiten Weltkrieg und bis zum Ende des Kalten
Krieges geschah hier etwas, das in der gesamten
Geschichte der Menschheit seinesgleichen sucht.
Betrachtet man die 15 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, so haben sie nicht weniger geleistet, als
den Krieg als Instrument der Beziehungen untereinander abzuschaffen. Wenn Sie heute zu einigen
Teenagern sagen würden: "Was würde geschehen,
wenn Deutschland und Frankreich einen Krieg miteinander beginnen würden?", würden sie Sie ansehen,
als wären Sie verrückt geworden. Und offen gesagt,
ist dies eine Verrücktheit, die sich lohnt, weil es eine
der großen Errungenschaften der menschlichen
Geschichte ist.
Ich bezeichne dies als den europäischen zivilen Raum.
Innerhalb dieses Raumes haben die Bestrebungen von
Menschen in so vielen Ländern - und nirgends mehr
als hier in Deutschland - die europäische Politik
entschieden über tausend Jahre der Geschichte
hinausgeführt. Dies ging soweit, eine Einstellung
gegenüber der menschlichen Gesellschaft und den
Beziehungen zwischen Staaten zu schaffen, die in der
Tat - wenn ich dies sagen darf - sogar das Kräftegleichgewicht in diesem Teil des Kontinents beseitigt
hat. Das ist eine wirklich bemerkenswerte Leistung,
die zu erringen und bewahren sich lohnt, und die
Existenz der NATO trägt zur Gewährleistung bei, daß
dies geschieht.
Es gibt jedoch eine dritte umfassende Zielsetzung, die
- das haben wir inzwischen verstanden - von zentraler
Bedeutung für unsere Sicherheit im weitesten Sinne
des Wortes ist. Um sie zu beschreiben, muß ich kurz
auf den Marshallplan zurückkommen. In Washington
haben wir letzte Woche eine Feierstunde zum Gedenken an den 50. Jahrestag des Marshallplans
abgehalten. Winston Churchill bezeichnete ihn als
"den am wenigsten schmutzigen Akt der Geschichte".
Aber der Marshallplan war auch ein Akt der Sicherheit.
Er war die Erkenntnis, daß den Menschen in ihrem
Leben und in ihren Gesellschaften die Fähigkeit
vermittelt würde, ihre Zukunft selbst in die Hand zu
nehmen, sowie ein grundlegendes Gefühl der Stärke
und Sicherheit, wenn wir erneut freie Gesellschaften,

Seite 3

�eine freie Politik und freie Volkswirtschaften schaffen
könnten.
Ebenso wie andere Institutionen erkannten wir bei der
NATO, daß wir - nachdem wir die Berliner Mauer und
den vom Osten verhängten Eisernen Vorhang niedergerissen hatten - nicht eine neue Mauer der Indifferenz
gegenüber diesen Menschen und Gesellschaften,
ihren Hoffnungen und ihrem Streben schaffen durften.
Wenn wir uns und unseren Interessen wie Sicherheit
sowie unseren Werten gegenüber ehrlich wären,
müßten wir bereit sein, unser Konzept der Sicherheit
und des Engagements auch auf ganz Zentraleuropa
auszuweiten.
Die NATO wurde bereits erweitert. Wir begannen
1991 mit dem Nordatlantischen Kooperationsrat. Wir
erweitern sie jeden Tag mit den Interaktionen, die wir
mit den Männern und Frauen einzelner zentraleuropäischer Länder haben - sei es in der NATO, in ihren
Ländern, in Bosnien heute, oder anhand der Dutzenden bilateraler Beziehungen und Begegnungen, die für
diesen Prozeß entscheidend sind. Dies ist eine
Aufgabe, bei der diese Institution stets eine wichtige
Rolle gespielt hat und weiterhin spielen wird. Die
deutschen Stiftungen, einschließlich der FriedrichEbert-Stiftung, haben durch ihre Arbeit das grundlegende Verständnis dieser Veränderungen im Leben
von Menschen auf individueller menschlicher Basis,
die den Menschen die Chance zu Sicherheit im
weitesten Sinne bieten, unter Beweis gestellt. Daher
wissen wir bei der NATO, wenn wir für uns arbeiten,
müssen wir auch für sie arbeiten.
Die vierte umfassende Zielsetzung für die neue NATO
besteht in der Erkenntnis, daß es immer noch nur ein
Land gibt, dessen Zukunft auf absehbare Zeit die
entscheidendsten Auswirkungen darauf haben wird, ob
wir eine hoffentlich vielversprechende Zukunft haben
werden oder zu dem zurückkehren, was wir in den
vergangenen 50 Jahren hatten. Und das Land ist
Rußland.
Wir bei der NATO und wir im Westen sind uns bewußt,
daß wir ein fundamentales Interesse am Erfolg des
russischen Experiments haben. Ein fundamentales
Interesse daran, daß Rußland eine Demokratie wird,
seine - politischen und sozialen - Institutionen umgestaltet, seine Volkswirtschaft umgestaltet und ja, eine
uneingeschränkte und aktive Rolle in der europäischen
Sicherheit spielt. Wir müssen alles in unserer Macht
Stehende tun, um Rußland zu helfen, in die Welt dort
draußen zu treten. Ja, die Spielregeln einzuhalten,
aber seine rechtmäßige und legitime Rolle in der
Gesellschaft dort draußen zu spielen. Und die NATO
spielt eine entscheidende Rolle dabei.
Diese vier miteinander verbundenen Zielsetzungen für
die NATO werden Amerika hier halten, um das von uns
im westlichen Teil des Kontinents Erreichte zu bewah-

Seite 4

ren und zu erweitern, um beträchtliche Verantwortung
in Zentraleuropa zu übernehmen und dann zu versuchen, Rußland in die Welt dort draußen einzubeziehen.
Ich werde sie im Hinblick auf die NATO-Erweiterung
zusammenfassen. Wenn wir uns anschauen, was wir
in physischer, geistiger und politischer Hinsicht,
jenseits der alten Grenzen des Bündnisses im Hinblick
auf die Aufnahme neuer Mitglieder unternehmen - und
wir werden neue Mitglieder aufnehmen, diese Entscheidung ist bereits getroffen - werden wir mit fünf
grundlegenden Problemen konfrontiert.
Das erste Problem ist auf die Tatsache zurückzuführen, daß die NATO nicht nur ein Vertrag auf dem
Papier ist. Wir wiederholen nicht die zwanziger und
dreißiger Jahre. Wir geben keine Versprechen, die wir
nicht halten können. Die NATO hat in ihrer Geschichte
immer ihre Zusagen eingehalten. Und sie wird nur
solange ein wertvolles Bündnis sein, wie wir diesen
Grundsatz beibehalten. Wenn wir soweit sind, daß wir
ein, zwei oder drei Länder zum NATO-Beitritt auffordern, müssen wir sicher sein, daß beispielsweise
der Bundestag seine Zustimmung zum Beitritt dieses
neuen Landes gibt. Wenn wir den Senat der Vereinigten Staaten um seine Zustimmung mit einer
Zweidrittelmehrheit bitten, müssen wir sicher sein
können, daß er "Ja" sagt, denn das NATO-Engagement ist nicht irgend etwas, das lediglich durch die
Unterschrift einiger Politiker geschaffen wurde. Das
Engagement muß tief in der Gesellschaft verwurzelt
sein, wie jeder in diesem Raum, der sich mit der Frage
des amerikanischen Engagements während des
Kalten Krieges befaßt hat, sehr gut versteht. Wir
müssen das richtig verstehen.
Zweitens. Wir müssen sicherstellen, daß die Länder,
die der NATO beitreten wollen, nicht nur Sicherheit
genießen, sondern auch schaffen. Das hier ist keine
Trittbrettfahrt. Wenn ein Land der NATO angehören
möchte, muß es bereit sein, seinen Teil dazu beizutragen.
Drittens. Wir wissen noch nicht, wieviele Länder wir in
das Bündnis aufnehmen. Aber eines wissen wir: Wir
werden sie einzeln aufnehmen, nicht blockweise.
Vielleicht treten beim ersten Mal mehrere Länder
gleichzeitig bei. Wir werden auch nicht ein Land oder
zwei und dann überhaupt keine Länder mehr aufnehmen. Es wird eine Entwicklung sein. Wenn wir
uns die geographische Lage ansehen, wird uns auch
folgendes deutlich: Ungeachtet dessen, wieviele
Länder wir in das Bündnis aufnehmen, wird es immer
einige Beitrittswillige geben, die hierzu nicht in der
Lage sind. Entscheidend ist, daß wir nicht einigen
Ländern Sicherheit auf Kosten der Sicherheit anderer
Länder bieten. Wir sind entschlossen, keine Grauzonen zu schaffen, keine Pufferstaaten und keine
Einflußsphären, die für Nichtmitgliedstaaten der NATO
vorgesehen sind. Wir müssen einen Weg finden,

AMERIKA DIENST 03

�damit die Länder, die nicht der NATO beitreten,
Sicherheit genießen.
Viertens. Wir wollen neue Mitglieder aufnehmen,
jedoch keine neue Trennlinie durch Europa ziehen.
Der Eiserne Vorhang existierte lange genug, und es
wäre für uns unseres Erachtens sinnlos, einfach nur
ein paar neue Länder aufzunehmen und damit eine
neue Spaltung auf dem Kontinent herbeizuführen und
vielleicht sogar dabei die Art von Bedrohung zu
schaffen, die wir zu vermeiden suchen.
Fünftens. Wenn möglich wollen wir die NATO-Erweiterung auf eine Art und Weise vornehmen, die
nicht die Demokratie in den östlichen Staaten unterhöhlt, und - um direkt zu sein - möchten wir das in
einer Weise tun, die nicht die Demokratie in Rußland
unterhöhlt.
Ich habe hier eine Reihe äußerst schwieriger Herausforderungen umrissen. Wir gehen sie an, um sie auf
drei grundlegende Arten zu lösen.
Die erste ist die Erweiterung selbst. Wir hätten
natürlich einfach ein paar Länder einladen können, den
NATO-Vertrag zu unterschreiben, die Flagge zu hissen
und sich als Verbündete zu bezeichnen. Diejenigen
unter Ihnen, die so hart kämpften, um genau zu
wissen, wo ihre Sicherheit liegt und um während des
Kalten Krieges auf sie vertrauen zu können, wissen,
daß das nur wenig Wert hätte. Wir müssen die
Erweiterung richtig vornehmen, damit sie funktioniert.

Wir tun das Schritt für Schritt.
Vergangenes Jahr führten wir eine Studie über das
"Wie und Warum" der NATO-Erweiterung durch. Dafür
gab es zwei Gründe: Der erste bestand darin, die
beitrittswilligen Länder über die Rechte, aber auch die
Pflichten eines NATO-Mitglieds aufzuklären, darüber,
wozu sie als Bündnismitglied bereit sein müßten. Dies
sind nicht nur Verpflichtungen, die wir gegenüber den
Ländern in Zentraleuropa eingehen. Es sind auch
Verpflichtungen, die sie uns gegenüber eingehen, und
zu denen sie bereit sein müssen.
Der zweite Grund bestand darin, die Mitglieder des
Bündnisses zu klarem Denken zu veranlassen. Wie
wird die NATO aussehen, wenn sie aus 17, 18, 19
oder 20 Mitgliedern besteht? Wie können wir sicherstellen, daß wir ebenso stark bleiben, wenn wir größer
als heute sind? Das ist eine äußerst schwierige Frage.
Wir haben das Buch über die NATO geschrieben. Ich
nenne es "Betriebsanleitung für die NATO". Man kauft
ein neues Auto, öffnet das Handschuhfach und findet
darin ein Buch darüber, wie das Auto funktioniert. So
etwas haben wir verfaßt, um es allen Ländern zukommen zu lassen, die der NATO beitreten wollen,
aber auch für uns selbst, um unsere Zuversicht zu
stärken.

AMERIKA DIENST 03

Meiner Meinung nach wurde das echte Engagement
für die NATO-Erweiterung nach Abschluß dieser
Untersuchung stärker als je zuvor.
Jetzt befinden wir uns bereits in der nächsten Phase.
Wir werden mit einzelnen Ländern einen Dialog
anknüpfen, uns hinsetzen und die Details besprechen.
Was bedeutet die Mitgliedschaft für ein bestimmtes
Land? Was muß das Land tun? Wir werden nicht
sagen: "Ihr braucht nur dieses Formular auszufüllen,
und schon seid ihr automatisch Bündnismitglied. Aber
wenn Ihr der NATO beitreten wollt, müßt Ihr dies und
jenes im Hinblick auf das Militär und die zivile Kontrolle
unternehmen. Dies müßt Ihr als NATO-Mitglieder tun.
Laßt uns darüber sprechen."
Das wird einen guten Teil des Jahres erfordern. Am
Ende des Jahres - oder vielleicht etwas früher, aber wir
erwarten eher, daß es das ganze Jahr erfordern wird sind wir wohl in einer besseren Position, um die
nächsten Fragen zu stellen. Wen wollen wir in die
NATO aufnehmen, und wann sollten wir das tun? Wir
sind uns bewußt, daß jeder Schritt ein organischer
politischer Akt sein muß, und wenn wir ihn tun, wissen
wir, was wir tun und sind auf beiden Seiten zuversichtlich, daß diese Länder natürlicher Teil des Bündnisses
mit allen gegenseitigen Stärken werden.
Schritt Nummer zwei betrifft die Partnerschaft für den
Frieden. Jeder hier Anwesende kennt sie wohl, aber
sie ist nicht so gut bekannt, wie sie sein sollte. Tatsächlich entstand die Idee vor ungefähr zweieinhalb
Jahren bei einem Essen in meinem Hause in Brüssel.
Vergangene Woche sind es zwei Jahre her, daß
Präsident Clinton die PFF ins Leben rief. Jetzt hat die
Partnerschaft 27 Mitglieder. Einige arbeiten hart
daran, andere weniger. Dadurch unterscheiden sie
sich bereits: Die Länder, die ernsthafter an einer
Zusammenarbeit mit uns interessiert sind, arbeiten
härter an der Partnerschaft. Und wie sie daran
arbeiten! Zunächst unterzeichnen sie ein Dokument, in
dem sie sich zu den Werten, der Politik und den
Sicherheitsanforderungen verpflichten, die uns allen
gemeinsam sind. Sie schicken Vertreter zur NATO.
Heute haben wir 15 im Manfred Wörner-Flügel, und es
werden noch mehr. Sie schicken Beamte zum Obersten Befehlsbereich Europa. Und zufällig nahmen sie
ihre Arbeit in einem Gebäude namens Live Oak
Building auf, wo wir die zweite Luftbrücke planten. Es
ist eine ziemliche Ironie, daß russische Offiziere hinter
einem Stück der Berliner Mauer sitzen und dazu
beitragen, eine Zukunft in Freiheit zu planen.
Die Partner halten mit uns gemeinsame Ausbildungsveranstaltungen und Manöver ab, sie übernehmen
unsere Art des Rechnungswesens. Sie durchlaufen
ein äußerst intensives Verfahren militärisch-ziviler
Beziehungen - befreien diese Gesellschaften vom
Kommunismus und geben ihnen eine Grundlage für
die Rolle des Militärs in einer zivilen Gesellschaft. Und

Seite 5

�es gibt noch einen zusätzlichen Punkt: Wenn wir damit
bei den militärischen Institutionen Erfolg haben, kann
sich das hoffentlich in der gesamten Gesellschaft
verbreiten.
Jetzt sind 14 unserer Partner mit uns in Bosnien und
beteiligen sich an einem äußerst praktischen Engagement.
Drittens versuchen wir bei unserem Bemühen um
Beantwortung der fünf grundlegenden Fragen, direkte
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
herzustellen. Sie waren unausgeglichen. Sie durchliefen verschiedene Etappen. Es ist nicht einfach, die
Russen davon zu überzeugen, daß diese Institution
NATO, die sich so lange der Konfrontation widmete,
dem postsowjetischen Rußland eine Chance bietet,
sich positiv für die europäische Sicherheit zu engagieren. Aber sie sind der Partnerschaft für den Frieden
beigetreten. Sie haben mit uns die Dokumente
ausgetauscht, die Einzelheiten darüber enthalten, was
sie direkt mit uns tun werden. Und wir haben mit
Rußland ein besonderes Verhältnis geschaffen - durch
Konsultationen und Kooperation mit der NATO in
Bereichen wie nukleare Weiterverbreitung, wo wir
etwas Besonderes anbieten können.
Am wichtigsten ist vielleicht, daß gestern der überwiegende Teil der russischen Streitkräfte in Bosnien
eintraf, wo er mit der amerikanischen Division verbunden wird. Wir wissen, was von verschiedenen führenden Politikern in Rußland geäußert wurde, insbesondere in den letzten Tagen, als ein neuer Außenminister
ernannt wurde, gerade Wahlen waren und weitere
Wahlen anstehen. Aber manchmal sprechen die
Taten so laut für sich, daß man nicht so klar hören
kann, was die Politiker sagen. Die Ankunft dieser
russischen Streitkräfte - nicht als unabhängige Einheit,
sondern als Teil der amerikanischen Division - spricht
Bände. Das ist keine Garantie, daß die Beziehungen
zwischen der NATO und Rußland sich positiv entwikkeln, aber es ist zumindest ein Anfang. Ich möchte
eines betonen: Die Beziehungen zwischen der NATO
und Rußland sind nicht nur eine Idee des Bündnisses
oder Rußlands. Sie sind etwas, auf dem unsere
zentraleuropäischen Freunde bestehen. Die besten
Worte hierzu fand Vaclav Havel, er äußerte: "Ich
möchte ein Teil der NATO sein, aber ich möchte, daß
diese NATO konstruktive Beziehungen zu Rußland
unterhält." Wir haben diese Ansicht gehört und
unternehmen, was wir können, um sie möglich zu
machen.
Ich muß mich jedoch deutlich ausdrücken. Die
Entscheidungen der NATO über ihre Erweiterung
werden von der NATO getroffen, und von keinem
anderen.
Ich habe fünf Vorhaben unterbreitet: Die Ratifizierung
neuer Beitritte durch die Parlamente, die Erhöhung der

Seite 6

Sicherheit durch neue Bündnismitglieder, enge und
dauerhafte Beziehungen der NATO zu Nichtmitgliedstaaten, die Vermeidung neuer Trennlinien inmitten
des Kontinents und keine Unterhöhlung von Demokratien. Wenn man sich diese fünf Erfordernisse ansieht,
bieten die von uns unternommenen drei Dinge die
Möglichkeit, jedem einzelnen von ihnen zu entsprechen. Am wichtigsten ist vielleicht die Partnerschaft für
den Frieden. Wir wollen, daß diese Partnerschaft so
wirksam funktioniert, so dauerhaft ist und ein so
starkes Engagement ermöglicht, daß für ein Land, das
nicht der NATO beitritt, der Unterscheid zwischen der
Mitgliedschaft in der PFF und dem Bündnis so klein ist,
daß er fast nicht spürbar ist - mit Ausnahme der
atomaren Garantie selbst. Daher wird die Partnerschaft Sicherheit bieten.
Jetzt kommen wir zu Bosnien. Viele Länder sind beim
Umgang mit Bosnien gescheitert. Anfangs war die
NATO nicht sehr effektiv. Dasselbe gilt für die Europäische Union und für die Vereinten Nationen. Dies ist
meines Erachtens vor allem auf die Tatsache zurückzuführen, daß keiner von uns auf das Produkt eines
Auftauens der Geschichte vorbereitet war. Niemand
war auf die außergewöhnlichen Anforderungen des
Umgangs mit einem Konflikt in einem Land vorbereitet,
das aller Logik zu trotzen schien und den Instrumenten
widerstand, die wir über viele Jahre hinweg für den
Umgang damit entwickelt hatten, was wir für das Risiko
eines Konflikts in Europa hielten und als solches
fürchteten.
Nach drei Jahren begriffen wir jedoch endlich, was wir
tun mußten. Wir begannen mit einem gemeinsamen
Ziel aller großen Mächte Europas: Der Eindämmung
des Konflikts, der Verhütung seiner geographischen
Ausbreitung, und wir hatten Erfolg. Wir mußten jedoch
mit der Notwendigkeit rechnen, im Hinblick auf den
ernsthaftesten Konflikt in Europa seit 1945 politische
und moralische Verantwortung zu übernehmen. Wir
mußten verstehen, daß wir alle Dinge tun konnten,
über die ich bei der NATO gesprochen habe, aber
immer noch scheitern würden, wenn wir nicht dieser
grundlegenden unmittelbaren Tragödie und dem
menschlichem Leid begegnen, die sich nicht etwa auf
der anderen Erdhalbkugel zutragen, sondern hier
inmitten der europäischen Familie.
Als wir die Schwelle zu dem Verständnis überschritten
hatten, daß es uns nur gutgehen kann, wenn wir
wegen Bosnien etwas Entscheidendes unternehmen,
taten wir das auch schließlich. Letzten Sommer - am
25. Juli und 1. August - waren wir in der NATO endlich
in der Lage, eine gemeinsame Entscheidung über
Luftangriffe zu treffen, hinter der alle 16 Bündnismitglieder wirklich standen. Es stimmt - wir haben im
Nordatlantikrat viele solcher Entscheidungen getroffen,
aber sie wurden bei der UNO in New York, am Boden
oder in der Luft in Bosnien ihres Wesens beraubt.

AMERIKA DIENST 03

�Nach den Greueltaten in Srebrenica und Zepa jedoch
meinten wir es ernst. Als der ungeheuerliche Anschlag
auf den Zentralmarkt verübt wurde, begann die NATO
ihre Luftangriffe, die drei Wochen lang Wirkung
zeitigten. Dadurch wurde nicht nur der Weg für Dayton
und das dort abgeschlossene Friedensabkommen
eröffnet, sondern die NATO gewann auch die Zuversicht, daß wir unter diesen äußerst schwierigen
Umständen tatsächlich den grundlegenden Sicherheitsanforderungen genügen können. Wir gewannen
die Zuversicht, daß wir in Zukunft notfalls noch einmal
so handeln könnten.
In Bosnien tragen jetzt seit 29 Tagen Streitkräfte der
NATO die Verantwortung. Das sind 29 Tage nach
dem Stichtag. Wir werden in ganz Bosnien insgesamt
etwas mehr als 60.000 Soldaten haben - auf beiden
Seiten der Konfrontationslinie, auf beiden Seiten der
Trennzonen, die bis morgen früh evakuiert werden,
und diese Streitkräfte werden dort ein Jahr lang
bleiben. Wir beschlossen ganz präzise, dort nicht in
einer Situation mit offenem Ende zu bleiben, damit wir
nicht ein Problem wie den Libanon oder Zypern
bekommen. Statt dessen wollen wir den Menschen in
Bosnien eine Chance geben, sich für eine ganz andere
Zukunft zu entscheiden als die, die in den letzten vier
Jahren entweder für sie ausgewählt oder ihnen
aufgezwungen wurde.
Wir bei der NATO sind zuversichtlich, daß wir unsere
Aufgabe erledigen können. Der größere Teil des
Problems liegt jedoch außerhalb des Verantwortungsbereichs der NATO. Es ist der Zivilbereich. Was kann
im Zivilbereich im Laufe dieser 12 Monate im Hinblick
auf den Aufbau einer Nation, im Hinblick auf Wahlen
und wirtschaftlichen Wiederaufbau unternommen
werden? Was kann getan werden, wenn wir Ende
dieses Jahres soweit sind, wenn Politiker und andere
Urteile fällen? Sie werden es als wichtiger erachten,
auf der Grundlage der Bilanz dieses Jahres eine
Zukunft zu gestalten, anstatt wieder die Art von Zukunft
zu wählen, die sie während der letzten vier Jahre
durchlitten.

*

AMERIKA DIENST 03

Ich kann den Erfolg nicht garantieren. Aber ich kann
garantieren, daß wir zumindest eine Chance haben,
das durchzuführen und die NATO in diesem Jahr ihre
Rolle übernehmen zu lassen.
Abschließend möchte ich noch kurz darauf zu sprechen kommen, was wir unternehmen. Historisch
gesehen ist das wirklich bemerkenswert. Ich kenne
keine andere Zeit in der modernen europäischen
Geschichte oder vielleicht überhaupt in der europäischen Geschichte, in der alle Großmächte Europas, zu
denen ich mein Land zähle, auf derselben Seite
standen. Wir halten alle zusammen und versuchen,
dasselbe Ziel ohne Konfrontation zu erreichen.
Wenn das funktioniert, kann viel geschehen. Dies ist
ein fantastischer Anfang für Länder in der Partnerschaft für den Frieden, zu zeigen, was sie tun können
und tun werden, um auf Dauer Partner und vielleicht
sogar Bündnismitglied zu werden. Es ist eine Situation, in der sowohl Rußland als auch das Bündnis nur
gewinnen können - indem Rußland unter Beweis stellt,
daß es tatsächlich in der Welt eine konstruktive Rolle
spielen kann und daß Jelzin Recht hatte, als er auf
Reformen und Beziehungen zum Westen setzte. Und
das wird vielleicht Bestandteil der grundlegendsten
philosophischen Bestrebungen werden, die wir
unternehmen: Das Konzept des europäischen zivilen
Raums in diesen Teil des Kontinents zu bringen und zu
sehen, ob es nach Osten getragen werden kann, um
mehr Ländern und Menschen innerhalb dieses
Rahmens die Möglichkeit zu bieten, erstmals in der
europäischen Geschichte über die sterile Realpolitik
der Vergangenheit hinauszugehen und sich den
äußerst reichen und produktiven Einstellungen,
Verhaltensmustem und Errungenschaften anzunähern,
die dieses Land und gleichzeitig Westeuropa während
der vergangenen 50 Jahre charakterisiert haben.
Ich danke Ihnen, Herr Vorsitzender.

*

Seite 7

�NICHTVERBREITUNG
7. Februar 1996

CTB-Vertrag ist Bollwerk gegen Weiterverbreitung
von Nuklearwaffen
Rede von ACDA-Direktor Holum

GENF - (AD) - Ein Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT) wäre
ein Bollwerk gegen die Weiterverbreitung von Nuklearwaffenfähigkeiten und ein "notwendiger Schritt zum
übergeordneten Ziel nuklearer Abrüstung", erklärte der Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung
(Arms Control and Disarmament Agency - ACDA), John Holum, am 23. Januar 1996 bei der Genfer
Abrüstungskonferenz.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von John Holum im Wortlaut.

Herr Präsident, die Vereinigten Staaten gratulieren
Ihnen zur Übernahme des Vorsitzes bei diesen
entscheidenden Eröffnungswochen. Seien Sie bei
Ihren Bestrebungen und denen Ihrer Kollegen der
vollen Kooperationsbereitschaft der US-Delegation
versichert. Weiterhin möchte ich denjenigen danken,
die den vergangenes Jahr bei den Verhandlungen
über ein Atomtestverbot gemachten bemerkenswerten
Fortschritt überwachten: Botschafter Dembinski von
Polen, Botschafter Norberg von Schweden und
Botschafter Ramaker von den Niederlanden.
Ich freue mich außerordentlich, zur Abrüstungskonferenz zurückzukehren und erneut eine Botschaft
des Präsidenten der Vereinigten Staaten übermitteln
zu dürfen, die folgendermaßen lautet:
"Die bei der Genfer Abrüstungskonferenz
geleistete harte Arbeit hat eine bedeutende
Errungenschaft in Reichweite gerückt: Einen
wirklich umfassenden und unbegrenzten
Vertrag über ein Atomtestverbot mit null
Detonationswert.
Die internationale Staatengemeinschaft hat
ihrer Entschlossenheit Ausdruck verliehen,
den CTBT noch in diesem 50. Jahr des Bestehens der Vereinten Nationen zu unterzeichnen. Jetzt obliegt es Ihnen, die Vision Realität
werden zu lassen, die Ministerpräsident

AMERIKA DIENST 03

Nehm, die US-Präsidenten Eisenhower und
Kennedy sowie viele andere führende Politiker
aus der ganzen Welt in den vergangenen vier
Jahrzehnten hatten.
Ein Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot ist von elementarer Bedeutung für die
Eindämmung sowohl der Weiterverbreitung
als auch der Weiterentwicklung von Nuklearwaffen. Und er wird zur Erfüllung unserer
gegenseitigen Versprechen beitragen, auf
einen nuklearen Rüstungswettlauf zu verzichten und uns auf das übergeordnete Ziel einer
atomwaffenfreien Welt zuzubewegen.
Bei der Genfer Abrüstungskonferenz wurden
bemerkenswerte Fortschritte erzielt. Die von
Ihnen in nur zwei Jahren gemachten Fortschritte haben es ermöglicht, daß der CTBT in
den nächsten Monaten abgeschlossen werden kann. Jetzt müssen dringliche politische
Entscheidungen der einzelnen Länder Ihre
gewissenhafte Arbeit in Genf ergänzen, damit
die Konferenz der UN-Generalversammlung
im Juni einen abgeschlossenen CTBT vorlegen kann.
Ich sichere Ihnen die volle und nachdrückliche
Unterstützung der Vereinigten Staaten beim
zügigen Abschluß des so lange angestrebten

Seite 1

�und so lange verweigerten Vertrags zu. Jetzt
wollen wir diesen historischen Schritt gemeinsam unternehmen."

Nuklearwaffen sind oder sich die Nuklearoption
offenhalten - und insbesondere eine Beschränkung für
die fünf Atommächte.

Die Botschaft Präsident Clintons unterstreicht die
willkommene Realität, daß das jahrzehntelange
Streben nach einer Beendigung aller Nuklearexplosionen bald Früchte tragen wird. Die Gründe für den
Abschluß und die Unterzeichnung eines umfassenden
Vertrags über ein Atomtestverbot in diesem Jahr - wie
letzten Monat bei der UN-Generalversammlung
befürwortet - sind dieselben, die dieses Streben von
Anfang an untermauerten. Das Testverbot ist sowohl
ein Bollwerk gegen die Weiterverbreitung und Weiterentwicklung von Nuklearwaffenfähigkeiten als auch ein
notwendiger Schritt zum übergeordneten Ziel nuklearer
Abrüstung.

Es ist unverständlich, wie Länder ohne ein Interesse
an Atomwaffen und mit großem Interesse an einem
sichereren Planeten diese Abmachung nicht attraktiv
finden können. Denn wir sind nach Genf gekommen,
um zu sagen: "Wir wollen gemeinsam unsere Atomwaffenprogramme beschränken".

Dennoch muß ich einräumen, daß der CTBT hier in
Genf in Gefahr ist.
Im Mai vergangenen Jahres beschlossen fast alle
Länder der Welt in New York die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags (NW). Alle
werden sich an die von einigen vertretene Meinung
erinnern, im Falle einer unbegrenzten Verlängerung
des N W würden die Nuklearwaffenstaaten das
Interesse an einem umfassenden Atomtestverbot
verlieren. Das ist falsch. Vor kurzem haben wir das
Argument gehört, das Testverbot sollte nicht verhandelt werden, weil der N W dauerhaft verlängert worden
ist. Das ist ebenso falsch.
Die heutige Bedrohung des Testverbots hat ein gütiges
Gesicht. Sie trägt die Maske eines noch stärkeren
Einsatzes für Rüstungskontrolle. Es wurde vorgeschlagen, das Testverbot solle mit einem zeitlichen
Rahmen für die vollständige Beseitigung von Nuklearwaffen verbunden oder ihm notfalls sogar geopfert
werden.
Als Reaktion darauf möchte ich drei Behauptungen
aufstellen: Erstens ist ein umfassendes Atomtestverbot
an sich schon eine tiefgreifende neue Beschränkung,
insbesondere von Seiten der Atomwaffenstaaten.
Zweitens ist der CTBT ein unerläßlicher Schritt, wenn
je eine vollständige Beseitigung von Atomwaffen erzielt
werden soll. Und drittens wird man, wenn man ein
wichtiges Ziel einem anderen opfert, bei beiden
scheitern.
Was die erste Behauptung anbelangt, sollten Sie sich
betrachten, was das Testverbot faktisch bedeutet.
Bedenken Sie, daß nahezu alle Länder der Welt sich
als Teil ihrer umfassenderen Verpflichtung unter dem
Nichtverbreitungsvertrag tatsächlich einzeln zum
Verzicht auf Tests verpflichtet haben. Damit stellt das
Atomtestverbot im Grunde genommen nur für die
Länder eine Beschränkung dar, die im Besitz von

Seite 2

Halten Sie sich das Ausmaß dieser Beschränkung vor
Augen. Es stimmt, daß der CTBT kein Weg durch das
Hintertürchen für ein Verbot von Nuklearwaffen ist.
Tatsächlich wurde ein Testverbot heute teilweise
deshalb ein realistisches Ziel, weil Veränderungen im
internationalen Sicherheitsumfeld die Rolle von
Nuklearwaffen dramatisch verringert haben. Und
unseres Erachtens können die weitaus weniger
verbleibenden Waffen sicher und verläßlich ohne
Nuklearexplosionen beibehalten werden.
Aber die sichere Instandhaltung bestehender Waffenprojekte ist etwas ganz anderes als die Entwicklung
neuer Waffen. Letzteres erfordert Tests mit Atomexplosionen, die der CTBT ausschließen würde.
Niemand sollte denken, eine solche Beschränkung sei
bedeutungslos, das Zerstörungspotential des Atoms
sei bereits vollständig erforscht und genutzt worden.
Selbst die zugängliche Literatur weist auf ein breites
Spektrum neuer Waffenentwicklungen hin, die mit Hilfe
von Tests selbst in den Staaten für zukünftige Militärprogramme dienen könnten, die bereits eine Vielzahl
von Atomtests durchgeführt haben.
Viele würden atomgetriebene Waffen beinhalten Möglichkeiten, die Freisetzung von Energie mit
größerer Präzision vorzunehmen als jetzt möglich ist
und militärische Wirkungen zu erzielen, die über die
jetzt erreichbaren hinausgehen. Ohne Atomtests sind
die Atomwaffenstaaten nicht in der Lage zur selbstbewußten Entwicklung von Technologien wie dem von
Nuklearexplosionen angetriebenen Röntgenlaser, der
sogenannten nuklearen Schrotflinte, beschleunigten
elektromagnetischen Impulswaffen, Mikrowellenwaffen
sowie verstärkten Strahlungswaffen. Das ist eine
echte Beschränkung - wie all jene wohl wissen, die
sich an frühere Diskussionen in diesem Raum über
verstärkte Strahlungswaffen erinnern.
Und das
vollständige Testverbot mit null Detonationswert wird
auch die Mini- und Mikroatombombenkonzepte außer
Reichweite rücken - Technologien zur Nutzung kleiner
Mengen von nuklearem Explosivmaterial.
Durch die Abwehr solcher Entwicklungen wird der
CTBT zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit eines
Atomkrieges beitragen und den heutigen Trend zu
kleineren Atomwaffenarsenalen mit abnehmender
Bedeutung für die nationale Verteidigung beibehalten.

AMERIKA DIENST 03

�Natürlich streben die Staaten mit der Entwicklung von
Nuklearwaffenprogrammen die effizientere Nutzung
von Nuklearmaterial an - Erhöhung der Sprengkraft,
Verringerung von Gewicht und Volumen, Veränderung
im Design. Dieses Streben nach Effizienz und Flexibilität ist der Hauptgrund dafür, warum von manchen
Ländern Tests durchgeführt werden. Es ist auch der
wirksamste Katalysator für dem Rüstungswettlauf.
Seine Vermeidung ist der größte Wert des Testverbots.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Der CTBT
verhindert die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen.
Aber seine großen praktischen Auswirkungen gelten
auch für die Rüstungskontrolle - die Beendigung der
Entwicklung hochmoderner neuer Waffen und die
Verhinderung der Entstehung neuer militärischer
Anwendungen.
Diese grundlegende Erkenntnis widerspricht auch der
Behauptung, der CTBT würde irgendwie zur Kodifizierung eines diskriminierenden Regimes beitragen und
die Welt zwischen Atomwaffenstaaten und nuklearen
"Habenichtsen" spalten. In Wirklichkeit ist es möglich,
einfache Nuklearwaffen ohne die Erprobung des
nuklearen Sprengkörpers herzustellen, und dies wird
auch in Zukunft so sein. Die fundamentale Auswirkung
des CTBT besteht daher weniger in der Verhinderung
einer Beschaffung von Nuklearwaffen an sich, die der
N W anspricht, sondern vielmehr in der Eindämmung
der Weiterentwicklung von Nuklearwaffenfähigkeiten
eines Landes.
Der CTBT wird dies tun, indem er alle Länder gleich
behandelt. Den Vertrag über ein Atomtestverbot als
diskriminierend zu bezeichnen, hieße, ihn für Dinge
verantwortlich zu machen, die völlig außerhalb seines
Geltungsbereichs liegen. Was noch wichtiger ist: Das
Atomtestverbot aus solchen Gründen zu verteidigen
oder zum Scheitern zu bringen, würde bedeuten, als
Antwort auf die Diskriminierung mehr statt weniger
Nuklearwaffenstaaten zu verordnen. Welcher Teilnehmer dieser Konferenz möchte eine solche perverse
Kur verschreiben?
Mein zweiter Vorschlag bezieht sich auf die bei der
Überprüfungs- und Verlängerungskonferenz des N W
bekräftigte Verpflichtung zum obersten Ziel der
Abschaffung von Nuklearwaffen. In einer unsicheren
Welt ist der Weg zu diesem Ziel nicht klar markiert.
Klar ist jedoch, daß das oberste Ziel nur durch realistische Schritte nach vorn im Rahmen realer Sicherheitsbelange erzielt wird, wobei jeder Schritt auf dem
vorherigen aufbaut. Und es sollte offenkundig für alle
sein, daß der CTBT der nächste erreichbare Schritt auf
diesem Weg ist.
Führen Sie sich auch vor Augen, daß der Beitrag des
CTBT zum Prozeß der nuklearen Abrüstung weit über
seine unmittelbaren Auswirkungen auf die Länder
hinausgeht. Er liefert einen Beitrag, der detailliert in

AMERIKA DIENST 03

zahllosen Erklärungen dieses Gremiums, der Vereinten Nationen und auf Podien in den Hauptstädten
der ganzen Welt beschrieben wurde. Er leistet einen
Beitrag, für den kleine und große Länder in West und
Ost sowie auch blockfreie Staaten mit Enthusiasmus
seit über einem Vierteljahrhundert in Resolutionen der
Generalversammlung der Vereinten Nationen gestimmt
haben, selbst wenn die Vereinigten Staaten nicht in der
Lage waren, diese Resolutionen zu unterstützen. Er
ist ein Beitrag, der in der Präambel des Moskauer
Vertrags von 1963 - dem Vertrag zur Begrenzung von
Atomversuchen (Limited Test Ban Treaty - LTBT) vorhergesehen war, dem 115 Staaten der internationalen Gemeinschaft beigetreten sind, darunter alle
nuklearfähigen Länder, die nicht Mitglied des Nichtverbreitungsvertrags sind. Er leistet einen Beitrag, der in
der Präambel des N W selbst seinen Niederschlag
gefunden hat, der jetzt mehr als 180 Staaten als
Vertragsparteien hat. Er ist ein Beitrag, der einstimmig
in den Entscheidungsdokumenten der Überprüfungsund Verlängerungskonferenz des N W verabschiedet
wurde.
Dieser Beitrag besteht vor allem in der Verkörperung
der politischen Verpflichtung der internationalen
Staatengemeinschaft, ihre Versprechen einzulösen,
die Chance zu ergreifen, wenn sie sich schließlich
bietet - und nicht zu einem äußerst späten Zeitpunkt
neue Forderungen zu stellen und neue Hindernisse für
einen konkreten Schritt zu errichten, den alle Staaten
sowohl aufgrund seiner inhärenten als auch symbolischen Bedeutung anerkennen. Da unsere politische
Verpflichtung zur Abrüstung so eng an diese Entscheidung geknüpft ist, sieht die praktische Realität
meines Erachtens folgendermaßen aus: Wir werden
nie eine von Nuklearwaffen freie Welt schaffen, wenn
wir nicht erst eine von Nuklearexplosionen freie Welt
schaffen.
Das wollen wir in Angriff nehmen.
Dieselbe Logik gilt für meine dritte Behauptung - daß
die Strategie des Junktims eine Strategie des Scheiterns ist. Um zu dieser Schlußfolgerung zu gelangen,
muß man nur ehrlich erwägen, wie es weiteren
Rüstungskontrollbestrebungen ergehen wird, wenn der
Teststopp scheitern sollte - wenn wir alle von Genf
nach Hause zurückkehren müssen mit nichts vorzuweisen als Gegenbeschuldigungen und Diskussionspunkten für die nächste internationale Konferenz.
Ein Junktim würde sich hier als besonders gegenläufig
erweisen. Denn es würde effektiv Ziele gegeneinander
ausspielen, die sich gegenseitig verstärken sollten.
Und in diesem Fall ist es auch offenkundig absurd. Die
Antwort auf eine Welt mit zu vielen Nuklearwaffen ist
offensichtlich nicht eine Welt mit mehr Nuklearexplosionen.
Kurz: Der CTBT kann entweder die Erprobung von

Seite 3

�nuklearen Sprengkörpern beenden, oder zu einerkrummen und ineffektiven Brechstange für andere
Ziele umfunktioniert werden. Wenn wir ihn jedoch mit
beiden Aufgaben befrachten, wird er brechen und
keines von beidem tun.
Es wäre nicht nur eine Ironie des Schicksals, sondern
eine Tragödie, wenn eines der höchsten Ziele der
internationalen Staatengemeinschaft seit vierzig
Jahren plötzlich seine Anziehungskraft verlieren
würde, gerade dann, wenn die Welt dabei ist, es zu
erreichen. Die Anziehungskraft des Unerreichbaren
kann Thema großartiger Liebesgedichte sein - ist
jedoch keine vernünftige Politik oder Diplomatie. Wir
sollten keine widernatürliche Abkehr vom CTBT
vornehmen, weil er endlich in greifbare Nähe gerückt
ist.
Es ist vielmehr an der Zeit, daß die Welt den Preis im
Auge behält, der unmittelbar und greifbar vor ihr steht:
Ein wirklich umfassendes Verbot aller Testexplosionen
für Nuklearwaffen oder aller anderen Nuklearexplosionen.
Vor uns liegt die große, aber nicht unüberwindliche
Herausforderung, die uns von der Völkergemeinschaft
gesetzten Normen zu erfüllen.
Resolution 50/65 der UN-Generalversammlung fordert
den Abschluß der Verhandlungen, damit der Vertrag
vor der Einberufung der 51. Generalversammlung
unterschriftsreif ist. Wenn er nicht bis April abgeschlossen ist, muß die Konferenz ernsthaft Bilanz
ziehen, wie sie die verbleibenden Wochen vor dem
Ende des zweiten Teils dieser Sitzungsrunde nutzt.
Denn es ist unerläßlich, der Generalversammlung den
vollständigen Text des CTBT allerspätestens bis Juni
vorzulegen, wenn wir die Zeit für seine Überprüfung in
den Hauptstädten und für die darauffolgende Zustimmung der Generalversammlung einräumen wollen,
daß er zum vereinbarten Zeitpunkt zur Unterschrift
vorgelegt wird.
Alle kennen den Rolltext und seine über tausend
Klammern. Diese unverzüglich zu beseitigen, ist eine
schwierige Aufgabe. Sie kann jedoch bis zum Ende
des ersten Teils dieser Sitzungsrunde geleistet
werden. Warum stelle ich solch eine kühne Behauptung auf? Weil tatsächlich entschieden weniger
als tausend ungeklärte Probleme in den Klammern
enthalten sind. Es sind nur wenige grundlegende
Fragen, und ihre Lösung - vornehmlich eine Angelegenheit politischer Entscheidungen - wird die unverzügliche Entfernung oder Komprimierung großer
Passagen des umstrittenen Textes gestatten.
Wir müssen uns jedoch äußerst bewußt sein, daß
dieser Augenblick beispielloser Chancen vergänglich
ist und das vor uns geöffnete Fenster bereits in diesem
Sommer zugeschlagen werden kann. Entsprechend

Seite 4

müssen wir handeln.
Das heißt, wir alle müssen im sachlichen Geiste des
Entgegenkommens und Kompromisses handeln. Dies
erfordert, daß wir keine neuen Hindernisse errichten,
sondern vielmehr den Text von Unterholz befreien und
"Platzhalter"-Sprachregelungen aufgeben - Positionen,
die mit der Absicht bezogen worden waren, sie eines
Tages aufzugeben, nichtige Positionen, die keine
ernsthafte internationale Unterstützung erzwingen. Es
ist an der Zeit, auf gemeinsamem Terrain zu einem
Abschluß zu kommen.
In diesem Geiste zog Präsident Clinton im vergangengen Jahr den Vorschlag der Vereinigten Staaten zu
einem 10jährigen Austrittsrecht zurück. Im gleichen
Geiste gab Präsident Clinton im August die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu einem CTBT mit
absolut null Detonationswert bekannt - ohne jegliche
Ausnahme. Wir haben hart daran gearbeitet, um
gemeinsames Terrain bei anderen offenen Fragen zu
erlangen.
Aber die Zeit ist kurz: Bis zum Ende des ersten Teils
dieser Sitzungsrunde bleiben uns nur noch 49 Verhandlungstage. Daher müssen wir alles Erforderliche
tun - in den Hauptstädten ebenso wie hier in Genf - um
sicherzustellen, daß jede Stunde dieser 49 Tage
höchst effektiv genutzt wird.
Jede Abweichung von diesem ehrgeizigen Zeitplan
könnte für den Vertrag fatale Folgen haben. Und
Verzögerungen würden den Vertrag nur weiteren
Risiken aussetzen.
Ein nochmals verschobener
Vertrag könnte das Scheitern des umfassenden
Atomtestverbots bedeuten.
Meine Botschaft lautet also folgendermaßen: Wir sind
näher am Erfolg, als viele denken mögen. Wir können
den Termin einhalten - wenn wir unser Augenmerk
nicht auf die Bewahrung von Optionen oder Verhandlungspunkten lenken, sondern auf den Abschluß dieser
historischen Mission.
Schlußfolgerung
Das umfassende Atomtestverbot stand seit der
Eröffnungssitzung dieses Gremiums als erster Punkt
auf der Tagesordnung. Wie unsere Vorgänger nur zu
gut wissen, ist die Geschichte des CTB lang und
verschlungen und ermangelt noch immer eines ihr
gerechten Abschlusses.
Aber die ganze Zeit sind zwei Dinge konstant geblieben. Es wurden weiterhin Atomtests durchgeführt.
Und der Wissensstand der Welt über die Funktionsweise von Nuklearwaffen hat sich erweitert - ein Ende
ist nicht in Sicht.
In diesem Augenblick der Chancen und Gefahren

AMERIKA DIENST 03

�stehen wir vor zwei Verlockungen. Die eine ist der
Endspurt zu einem wirklich umfassenden Verbot aller
Atomexplosionen. Die andere ist nur zu vertraut - das
Wettrüsten, das der Welt so viele tödliche Waffen zu
einem so hohen Preis an Talenten und Gütern gebracht hat.
In den kommenden zehn Wochen können wir das
erste Wettrennen gewinnen und so zur Beendigung
des zweiten für alle Zeit beitragen.
Und wenn die Abrüstungskonferenz ihre Arbeit nicht
abschließen kann, wird unser Scheitern nicht nur ein
gravierender Rückschlag für die Rüstungskontrolle,
sondern auch für die multilateralen Institutionen und
die multilaterale Diplomatie im umfassenderen Sinn.

*

AMERIKA DIENST 03

Es wird Munition für die Zyniker sein, die behaupten,
nichts wirklich Wichtiges sollte solchen Gremien
anvertraut werden.
Die Nuklearwaffen der Welt wurden in über 2.000
Explosionen an mehr als 20 Orten auf der ganzen Welt
erprobt. Ihre tödliche Effizienz ist nur allzu deutlich.
Heute steht hier in diesem Gremium der Versuch zu
einem anderen Weg einer Lösung der Meinungsverschiedenheiten der Menschheit auf dem Prüfstand.
Jetzt sind wir es, die getestet werden.
Wir dürfen nicht scheitern. Unser Erfolg wird sich in
der Zukunft niederschlagen.

* * *

*

Seite 5

�MENSCHENRECHTE
7. Februar 1996

Shattuck sieht Fortschritte bei Menschenrechtssituation
in Bosnien
Anhörung vor Ausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD)
Repräsentantenhauses
Shattuck, es könnten
Friedensabkommens für

- Bei einer Anhörung vor dem Ausschuß für internationale Beziehungen des
erklärte der Abteilungsleiter für Menschenrechte im US-Außenministerium, John
"gute Fortschritte" bei der Umsetzung der Menschenrechtsbestimmungen des
Bosnien beobachtet werden.

Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext der Anhörung in gekürzter Version.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder, ich
freue mich, heute über die Menschenrechtssituation in
Bosnien Bericht erstatten zu können. Andere Regierungsvertreter haben bereits zu Ihnen über unsere
umfassenderen Ziele gesprochen, diesem vom Krieg
erschütterten Land Frieden zu bringen. Der Krieg in
Bosnien war der schlimmste Konflikt in Europa seit
dem Zweiten Weltkrieg und die größte Bedrohung des
Zusammenhalts und der Stabilität Europas seit dem
Kalten Krieg.
Ohne die mühevollen Bestrebungen und die Führungsrolle der Vereinigten Staaten hätte es kein Friedensabkommen gegeben, und die amerikanische Führungsrolle ist weiterhin erforderlich, wenn der Frieden
Fuß fassen soll. Unseres Erachtens ist der Erfolg des
Friedensprozesses untrennbar mit der erfolgreichen
Umsetzung der Menschenrechtsbestimmungen des
Abkommens von Dayton verbunden. Aus diesem
Grund ist die Durchführung der Menschenrechtselemente von Dayton eine der höchsten Prioritäten der
US-Administration für Bosnien.
Jedes Mal, wenn ich in der Vergangenheit vor diesem
Ausschuß erschienen bin, habe ich die Bedeutung von
Menschenrechtsfragen als grundlegendem Pfeiler der
amerikanischen Außenpolitik unterstrichen. Dies gilt
umso mehr in Bosnien und Herzegowina, wo Europa
Zeuge der schrecklichsten Verbrechen gegen die
Menschheit seit dem Holocaust wurde.

entsetzlichen
Menschenrechtsverletzungen
aufzudecken und zu beenden. Wir haben die bosnische
Menschenrechtstragödie bereits im August 1992 vor
die Vereinten Nationen gebracht. Anfang 1993 führten
wir die Bestrebungen des UN-Sicherheitsrats zur
Gründung einer Expertenkommission zur Ermittlung
von Kriegsverbrechen an. Danach waren wir der
Vorreiter bei der Gründung des internationalen Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien.
Wir waren der wichtigste Befürworter des Tribunals
und haben Finanzhilfe, Personal, politische Unterstützung und Informationen zur Verfügung gestellt. Die
Vereinigten Staaten haben als erstes Land Informationen über die Massengräber und andere Beweise von
Kriegsverbrechen veröffentlicht und dem Tribunal als
erstes Land den Zugang zu Zeugen, Opfern und den
Orten der Greueltaten erleichtert.
Ich selbst habe Bosnien, Kroatien und Serbien bei acht
verschiedenen Missionen zur Förderung der Menschenrechtsziele besucht.
Meine Bestrebungen
konzentrierten sich auf die Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen aller Parteien. Sie hatten den
freien Zugang zu allen Teilen Bosniens für internationale Ermittler und die Medien zum Ziel sowie die
Vorbereitung der Freilassung von Gefangenen und
Inhaftierten, die Zusammenarbeit mit dem internationalen Kriegsverbrechertribunal und die Erleichterung
der Einhaltung des Friedensabkommens. Ich werde
meine persönlichen Aktivitäten gleich im einzelnen
erörtern.

Seit Beginn des tragischen Konflikts in dieser Region
haben die Vereinigten Staaten sich verpflichtet, die

AMERIKA DIENST 03

Seite 1

�Unser Ansatz zur Menschenrechtssituation in Bosnien
ist von vier umfassenden Zielsetzungen geleitet:
Erstens der Beendigung der gravierenden
Menschenrechtsverletzungen,
zweitens der Förderung von Institutionen, um
den einzelnen zur Rechenschaft für Kriegsverbrechen zu ziehen, damit der Gerechtigkeit
Genüge getan wird,
drittens die Freilassung von Gefangenen und
Inhaftierten zu gewährleisten und Vermißte
aufzuspüren sowie
viertens der Einführung institutioneller Strukturen, die zur Gewährleistung eines friedlichen
und sicheren Umfelds beitragen, in dem die
Menschen des vom Krieg erschütterten Bosnien sich der Menschrechte erfreuen können.
Die meisten dieser Fakten sind den heute hier anwesenden Mitgliedern dieses Ausschusses bekannt.
Wenn Sie es wünschen, werde ich jedoch gerne im
einzelnen darauf eingehen und Ihnen die gewünschten
Details in der anschließenden Fragestunde geben.
Ich möchte meine heutigen Ausführungen auf das
Friedensabkommen von Dayton und die von uns seit
November geleistete Arbeit zur Umsetzung dieses
Abkommens konzentrieren. Wie Sie wissen, war ich in
Dayton persönlich an der Aushandlung der Vereinbarung beteiligt. Seitdem bin ich dreimal nach Europa
und in das ehemalige Jugoslawien gereist, um die
einzelnen Aspekte der Durchführung zu verfolgen. Ich
werde morgen in Begleitung von Außenminister
Christopher zur Fortsetzung unserer Arbeit erneut in
die Region reisen.
Aus der Menschenrechtsperspektive ist das Abkommen von Dayton ein bemerkenswertes Dokument.
Nie zuvor hat ein Friedensvertrag so große Betonung
auf Menschrechtsbelange gelegt. Diese Betonung
spiegelt unsere Überzeugung wider, daß Menschenrechtsfragen das Kernstück unserer Bestrebungen
sind, dem ehemaligen Jugoslawien Frieden zu bringen. Ich möchte Ihnen einige Elemente des Abkommens von Dayton darlegen und im einzelnen
darauf eingehen.
Erstens beinhalten die Vereinbarungen eine neue
Verfassung für Bosnien, die allen Menschen dieses
Landes das höchste Maß an international anerkannten
Menschenrechten und Grundfreiheiten garantiert.
Bosnien und Herzegowina werden als einheitlicher
Staat mit zwei Einheiten weiterbestehen - der Föderation Bosnien und Herzegowina sowie der Serbischen
Republik. Das Land wird effektive föderale Institutionen haben, über die der Großteil der internationalen
Hilfe verteilt wird, einschließlich einer Präsidentschaft,

Seite 2

einer Zweikammergesetzgebung und einem Verfassungsgericht, dessen Mitglieder zu einem Drittel vom
Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ernannt
werden. Der Schutz von 15 verschiedenen internationalen Menschenrechtsinstrumenten ist in der neuen
Verfassung verankert. Insbesondere wird die europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte in
allen Fällen Vorrang vor bosnischem Recht haben.
Die Vereinbarungen sehen die Gründung eine Menschenrechtskommission zum Schutz der verfassungsmäßig garantierten Rechte vor. Die Kommission
besteht aus zwei Teilen: Einem unabhängigen Menschenrechtsombudsmann und einer Menschenrechtskammer.
Der Ombudsmann wurde von der Organisation für
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)
ernannt. Dieses Amt hat Gret Haller aus der Schweiz
inne, die ihre Arbeit bereits begonnen hat. In dieser
Funktion hat sie die Befugnis, bei Menschenrechtsverletzungen zu ermitteln, Streitigkeiten zu schlichten
und Verfahren vor die Menschenrechtskammer zu
bringen.
Die aus 14 Mitgliedern bestehende Menschenrechtskammer wird Fälle der Verletzung von Menschenrechten und Beschwerden anhören, die von den Bürgern
Bosniens und Herzegowinas, in ihrem Namen oder
vom Ombudsmann vorgelegt werden. Sie hat die
Befugnis, Hilfe für die Opfer anzuordnen und die
Parteien anzuweisen, Aktionen einzustellen oder von
ihnen Abstand zu nehmen, die Menschenrechtsverpflichtungen verletzen. Die Mitglieder der Menschenrechtskammer werden in ihrer Mehrheit vom Europarat
ernannt.
Zusätzlich können Gerichte beim bosnischen Verfassungsgericht Berufung einlegen, auch bei Menschenrechtsfragen. Drei seiner neun Richter werden vom
Präsidenten des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs ernannt.
Das Abkommen von Dayton sieht die Veranstaltung
freier und demokratischer Wahlen in ganz Bosnien und
Herzegowina in der zweiten Jahreshälfte vor, um einen
Präsidenten und eine gesetzgebende Versammlung
für die Föderation, die Präsidenten und gesetzgebenden Versammlungen für die beiden Einheiten sowie falls möglich - Kommunalpolitiker zu wählen.
Das Abkommen von Dayton verpflichtet die Parteien
zur Schaffung von Bedingungen, unter denen freie
Wahlen abgehalten werden können, indem sie die
Ausübung des Wahlrechts ohne Angst vor Einschüchterung sowie Rede-, Presse- und Koalitionsfreiheit
schützen. Die OSZE muß bescheinigen, daß die
Voraussetzungen für freie Wahlen gegeben sind.

AMERIKA DIENST 03

�Die Vorbereitung der Wahlen wird von der OSZE
organisiert und überwacht.
Diese Bestrebungen
erfolgen in Verbindung mit einem Wahlausschuß, dem
ein OSZE-Vertreter vorsitzt und der sich aus internationalen Experten und Vertretern beider Einheiten
zusammensetzt.
Flüchtlinge und aufgrund des Konflikts Vertriebene
haben das Recht, in ihrer ursprünglichen Heimat zur
Wahl zu gehen, sofern sie nicht einen anderen Ort
vorziehen. Alle bei der bosnischen Volkszählung von
1991 erfaßten Personen sind ab dem 18. Lebensjahr
wahlberechtigt.
Das Abkommen verpflichtet alle Parteien, unverzüglich
alle Zivilisten und Kombattanten - einschließlich der
Zwangsarbeiter - freizulassen, die im Zusammenhang
mit dem Konflikt festgehalten werden und dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Zugang zu
allen Festgehaltenen zu gewähren. Dieser Prozeß hat
bereits begonnen.
Das Abkommen verpflichtet die Parteien zur Zusammenarbeit mit dem IKRK bei der Suche nach
Vermißten sowie der Gewährung freien Zugangs für
die Menschenrechtsbehörden der UNO, die OSZE und
nichtstaatliche Organisationen zur Überwachung der
Menschenrechtssituation.
Schließlich verpflichtet das Abkommen von Dayton die
Parteien zur umfassenden Zusammenarbeit mit dem
internationalen Kriegsverbrechertribunal für das
ehemalige Jugoslawien bei seinen Untersuchungen
von Kriegsverbrechen und anderen Verletzungen
internationaler Menschenrechtsgesetze sowie zur
Befolgung seiner Anordnungen.
Diese Verpflichtung ist bindend für alle Parteien,
einschließlich Serbiens, Kroatiens, Bosniens und
Herzegowinas und der serbischen Republik.
Die Verpflichtung zur Befolgung der Anordnungen des
Kriegsverbrechertribunals ist auch in der neuen
Verfassung für Bosnien und Herzegowina verankert.
Alle Parteien müssen dem Tribunal unbegrenzten
Zugang zu allen Orten und Personen gewähren. Sie
sind zur Zusammenarbeit mit den Ermittlern des
Tribunals verpflichtet sowie zur Auslieferung von
festgenommenen Verdächtigten, wenn das Tribunal
das fordert.
Das Abkommen sieht vor, daß der Kriegsverbrechen
Angeklagte, die sich nicht den Anordnungen des
Tribunals fügen, in Bosnien und Herzegowina nicht für
die Wahl oder Nominierung für ein Amt kandidieren
oder ein solches innehaben dürfen.

*

AMERIKA DIENST 03

Die vom UN-Sicherheitsrat nach Dayton angenommene Resolution über eine Aufhebung der Sanktionen
enthält Verfügungen für die Durchsetzung dieser
Bestimmungen. Wenn die Parteien sich beträchtlicher
Unterlassungen bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen
zuschulden kommen lassen, werden auf Empfehlung
des Befehlshabers der Friedenstruppe IFOR oder des
Hohen Repräsentanten erneut Sanktionen verhängt,
sofern der UN-Sicherheitsrat keinen anderen Beschluß
faßt.
Zusätzlich bleibt ein "äußerer Wall" von Sanktionen
verfügbar, falls nötig in Form einer Verweigerung des
Zugangs unnachgiebiger Parteien zu internationalen
Organisationen, internationalen Finanzinstitutionen und
Auslandshilfe. Nach Gesprächen mit unseren europäischen Verbündeten haben wir uns geeinigt, daß die
Wirtschaftshilfe für die Parteien teilweise an ihre
Menschenrechtsbilanz gebunden wird.
Schließlich werden die Resolutionen des Sicherheitsrats die Zusammenarbeit mit dem Tribunal zu einer
bindenden Verpflichtung für alle Nationen machen, die
notfalls durch weitere Aktionen des Sicherheitsrats
erzwungen werden kann. Wir freuen uns, daß die
Vereinigten Staaten durch Paragraph 1342 des
Bevollmächtigungsgesetzes
des
Verteidigungsministeriums ihrer internationalen Verpflichtung zur
Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal
nachkommen. Wir begrüßen die umfassende überparteiliche Unterstützung im Kongreß für diese Bestimmung und hoffen, daß dadurch andere ermutigt
werden, unserem Beispiel zu folgen.
Sie werden mir daher wohl zustimmen, daß das
Abkommen von Dayton sehr strenge Bestimmungen
zu Menschenrechten enthält. Die Übereinkünfte sind
weitaus mehr als eine bloße Grundsatzerklärung. Sie
schaffen neue Strukturen für den Schutz von Menschenrechten, verpflichten die Parteien zu einer
Vielzahl von Schritten zu ihrer Befolgung und sehen
eine internationale Überwachung der Menschenrechtssituation vor.
Seit Dayton sind wir mit der Herausforderung konfrontiert, diese Bestimmungen in die Praxis umzusetzen. Wir machen gute Fortschritte, obwohl wir
uns noch beträchtlichen Hürden gegenübersehen.
Wir müssen das enorme Mißtrauen und die Böswilligkeit überwinden, die im Gefolge dieses schrecklichen
Krieges das politische Klima durchdringen. Wir
werden bei unserem Bemühen um Fortschritte wahrscheinlich Probleme und Rückschläge vor uns haben.
Dennoch wollen wir uns entschlossen für das Funktionieren dieses Verfahrens einsetzen. Wir haben große
Anstrengungen für seine Umsetzung unternommen.

* * *

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Abrüstung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ratifizierung des Start II-Vertrags stellt historischen Schritt dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen des Präsidenten und des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hintergrundinformationen zur Ratifizierung des Start II-Vertrags&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mitteilung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. PFF&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Perry: PFF verändert Zentral-und Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Verteidigungsministers bei der Wehrkundetagung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Sicherheit für ein ungeteiltes und freies Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Robert E. Hunter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CTB-Vertrag ist Bollwerk gegen Weiterverbreitung von Nuklearwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Holum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shattuck sieht Fortschritte bei Menschenrechtssituation in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Ausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

Telex:08-85432

7. März 1973

10

Inhalt

DOKUMENTATION:
Die Schlußakte der Vietnamkonferenz
-Wortlaut-

HI NTERGRUND MATERIAL :
Wie lange werden die Vereinten Nationen noch dem internationalen
Terror zusehen?
Von Richard L. Carl

WIRTSCHAFT:
Volcker: Keine weitere Dollarabwertung
-Wortlaut der Erklärung des StaatssekretärsWashington erwartet mehr ausländische Direktinvestitionen in den USA
Von Sam Burks

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Nierentransplantationen
-Zweitübertragung - Gute Operationsergebnisse bei Kindern Magnetische Stürme und Wettergeschehen
-Auffällige "Koordination" von Polarlichtern und TiefdruckrinnenHaemoglobin aus tiefgekühltem Knochenmark

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
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10/1973

DIE SCHLUSSAKTE DER VIETNAMKONFERENZ
-WortlautPARIS - »(AD)»- Mit der feierlichen Unterzeichnung der "Schlußakte" ist
am 2. März die Internationale Vietnamkonferenz zu Ende gegangen. Das Abschlußdokument besteht aus einer Präambel und 9 Artikeln und hat folgenden Wortlaut:
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika,
die Regierung der Französischen Republik,
die Provisorische Revolutionsregierung der Republik Südvietnam,
die Regierung der Volksrepublik Ungarn,
die Regierung der Republik Indonesien,
die Regierung der Volksrepublik Polen,
die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam,
die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und
Nordirland,
die Regierung der Republik Vietnam,
die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken,
die Regierung von Kanada und
die Regierung der Volksrepublik China
sind in Anwesenheit des Generalsekretärs der Vereinten Nationen hinsichtlich der Anerkennung der unterzeichneten Abkommen über die Garantie der
Einstellung der Kriegshandlungen, der Erhaltung des Friedens in Vietnam,

-1-

�Vietnam, der Respektierung der grundlegenden nationalen Rechte des Vietnamesischen Volkes sowie des Rechtes des sudvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung und als Beitrag zum sowie zur Garantie des Friedens in Vietnam
über die folgenden Bestimmungen übereingekommen und verpflichten sich, diese
zu respektieren und einzuhalten.

Artikel 1
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen feierlich das am 27. Januar 1973
unterzeichnete Pariser Abkommen über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam und die am gleichen Tage unterzeichneten vier Protokolle zu dem Abkommen (im folgenden jeweils als das Abkommen und die Protokolle bezeichnet) an und sie erklären ausdrücklich, daß
sie diese billigen und unterstutzen.

Artikel 2
Das Abkommen entspricht den Zielen und den grundlegenden nationalen Rechten des vietnamesischen Volkes - das sind Unabhängigkeit, Souveränität,
Einheit und territoriale Integrität Vietnams -, dem Recht des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung sowie dem von allen Völkern der Welt geteilten aufrichtigen Wunsch nach Frieden. Das Abkommen stellt einen wichtigen Beitrag zum Frieden, zur Selbstbestimmung, zur nationalen Unabhängigkeit
und zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Ländern dar. Das Abkommen
und die Protokolle sollten strikt eingehalten und peinlich genau durchgeführt
werden.

Artikel 3
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen feierlich die Verpflichtungen
der Unterzeichner des Abkommens und der Protokolle an, das Abkommen und die
Protokolle strikt einzuhalten und peinlich genau durchzuführen.

Artikel 4

»2-

�Artikel 4
Die Unterzeichner dieser Akte erkennen die grundlegenden nationalen
Rechte des vietnamesischen Volkes feierlich an, nämlich die Unabhängigkeit,
Souveränität, Einheit und territoriale Integrität Vietnams sowie das Recht
des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung,und respektieren diese
strikt. Die Unterzeichner dieser Akte werden das Abkommen und die Protokolle
strikt einhalten und werden sich jeder im Widerspruch zu ihren Bestimmungen
stehenden Handlung enthalten.

Artikel 5
Um eines dauerhaften Friedens in Vietnam willen appellieren die Unterzeichner dieser Akte an alle Länder, die grundlegenden nationalen Rechte
des südvietnamesischen Volkes strikt zu achten, nämlich die Unabhängigkeit,
Souveränität, Einheit und territoriale Integrität Vietnams sowie das Recht
des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung wie auch das Abkommen
und die Protokolle, indem sie sich

jeder im Widerspruch zu ihren Bestim-

mungen stehenden Handlung enthalten.

Artikel 6
a) Die vier Parteien des Abkommens oder die beiden südvietnamesischen
Parteien können entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung die
anderen Unterzeichner dieser Akte über die Durchführung des Abkommens und
der Protokolle unterrichten. Da die von der Internationalen Kontroll-und
Uberwachungskommission unterbreiteten Berichte und ihre Ansichten über die
Kontrolle und Überwachung der Durchführung derjenigen Bestimmungen des Abkommens und der Protokolle, die in den Aufgabenbereich der Kommission fallen,
entweder an die vier Signatarstaaten des Abkommens oder an die beiden südvietnamesischen Parteien gesandt werden, sollen diese Parteien dafür ver-

�verantwortlich sein, sie entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung umgehend an die übrigen Unterzeichner dieser Akte weiterzuleiten.
b) Die vier Parteien des Abkommens oder die beiden südvietnamesischen
Parteien werden ferner, entweder einzeln oder durch eine gemeinsame Handlung, diese Information und diese Berichte und Ansichten an die übrigen
Teilnehmer der Internatinalen Vietnamkonferenz zu deren Information weiterleiten.

Artikel 7
a) Im Falle einer Verletzung des Abkommens oder der Protokolle, die
eine Bedrohung des Friedens, der Unabhängigkeit, der Souveränität, der Einheit oder der territorialen Integrität Vietnams oder des Rechtes des südvietnamesischen Volkes auf Selbstbestimmung darstellt, werden die Signatarstaaten
des Abkommens und der Protokolle entweder einzeln oder gemeinsam mit den übrigen Unterzeichnern dieser Akte Konsultationen mit dem Ziele führen, die erforderlichen Maßnahmen für eine Abstellung zu beschließen.
b} Die Internationale Vietnamkonferenz kann auf gemeinsamen Antrag der
Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam namens der Signatarstaaten des Abkommens oder auch
auf Antrag von sechs oder mehr Unterzeichnern dieser Akte wieder einberufen
werden.

Artikel 8
Als Beitrag zum Frieden in Indochina und zu seiner Gewährleistung erkennen die Unterzeichner dieser Akte die Verpflichtung der Parteien des Abkommens an, die Unabhängigkeit, Souveränität, Einheit, territoriale Integrität und Neutralität

von Kambodscha und Laos, wie es in dem Abkommen festge-

legt ist, zu achten; sie selbst vereinbaren ferner, diese zu respektieren

-4.

�respektieren und sich jeder im Widerspruch hierzu stehenden Handlung zu enthalten, und sie fordern die übrigen Länder auf, das gleiche zu tun.

Artikel 9
Diese Akte soll mit Unterzeichnung durch die bevollmächtigten Vertreter aller 12 Parteien in Kraft treten und von allen Parteien strikt durchgeführt werden. Die Unterzeichnung dieser Akte stellt in keiner Weise eine
Anerkennung irgendeiner Partei dar, die nicht zuvor ausgesprochen worden
war.

Ausgefertigt in 12 Kopien in Paris an diesem zweiten Tage des Monats März
des Jahres Eintausendneunhundertunddreiundsiebzig in englischer, französischer, russischer, vietnamesischer und chinesischer Sprache. Alle Texte sind
in gleicher Weise authentisch.

Für die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika:
Der Außenminister William P. Rogers
Für die Regierung der französischen Republik:
Der Außenminister Maurice Schumann
Für die Provisorische Revolutionsregierung der Republik Südvietnam:
Der Außenminister Nguyen Thi Binh
Für die Regierung der Volksrepublik Ungarn:
Der Außenminister Janos Peter
Für die Regierung der Republik Indonesiens:
Der Außenminister Adam Malik
Für

�Für die Regierung der Volksrepublik Polen:
Der Außenminister Stefan Olszowski
Für die Regierung der Demokratischen Republik Vietnam:
Der Außenminister Nguyen Duy Trinh
Für die Regierung des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland:
Der Minister für Auswärtiges und Commonwealth-Angelegenheiten Alec DouglasHome
Für die Regierung der Republik Vietnam:
Der Außenminister Tran van Lam
Für die Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken:
Der Außenminister Andrei A. Gromyko
Für die Regierung von Kanada:
Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten Mitchell Sharp
Für die Regierung der Volksrepublik China:
Der Außenminister Chi Peng-fei.

-6-

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10/1973

WIE LANGE WERDEN DIE VEREINTEN NATIONEN NOCH DEM INTERNATIONALEN
TERROR ZUSEHEN?

Von Richard L. Carl

VEREINTE NATIONEN, New York-(AD)--Der brutale Mord an drei Diplomaten
in Khartum hat die Vereinten Nationen und ihre Mitgliedsstaaten erneut mit
einem Problem konfrontiert, dem sie in den letzten Jahren immer wieder ausgewichen sind. Erneut stellt sich die Frage, was die Mitglieder der Weltorganisation gemeinsam zu tun gedenken, um dem internationalen Terror endlich wirksam Einhalt zu gebieten.
Weder in den Vereinten Nationen selbst noch in der ihnen angeschlossenen Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) noch in irgendeinem
anderen internationalen Gremium hat sich die Gemeinschaft der Völker, die
doch ein so großes Interesse an friedlichen, gewaltlosen Beziehungen haben
muß, über harte, wirksame und vor allem durchsetzbare Maßnahmen einigen
können, die potentielle Terroristen abschrecken und ihnen klar machen könnten, daß sie den Folgen ihres verbrecherischen Tuns nicht entgehen können.

Die

�Die Vereinigten Staaten haben seit dem entsetzlichen Massaker in München und schon vorher immer wieder an die Vereinten Nationen appelliert,
endlich weltweite Schritte gegen Gruppen zu beschließen, die wie der sogenannte "Schwarze September" in München und jetzt in Khartum Mord und Terror
als politisches Mittel benutzen.
Nach dem furchtbaren Zwischenfall in der sudanesischen Hauptstadt erklärte der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen, John Scali,
dieser Angriff "stellt eine erneute Forderung an die Gemeinschaft der Vereinten Nationen, bedeutsame und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um internationalen Terroristen Einhalt zu gebieten." Er ließ keinen Zweifel daran,
daß die Vereinigten Staaten ihre Initiative in dieser Richtung, die sie im
Herbst vorigen Jahres in der Vollversammlung ergriffen haben, nicht aufgeben werden.
Bereits im September vorigen Jahres hatte der amerikanische Außenminister,
William P. Rogers, einen Dreipunkte-Plan vorgelegt:
-&lt;» Rascher Abschluß eines Vertrages über die Bestrafung von Personen,
die Diplomaten oder ausländische Regierungsvertreter angreifen oder
entführen, wie er von der UN-Menschenrechtskommission bereits entworfen wurde;
-« Übereinkunft über einen internationalen Vertrag über die Einstellung
des Flugdienstes nach Ländern, die sich weigern, Luftpiraten oder
Saboteure zu bestrafen;
-- Abschluß eines weiteren Vertrages über die Bestrafung von Personen,
die internationale Terrorakte begehen, um andere Regierungen zu erpressen.
Alle drei dieser geforderten und angesichts der steigenden Flut des
Terrors ohne Frage notwendigen Abkommen zielen auf eine klare Verpflichtung

-2-

�Verpflichtung aller Signatarstaaten ab, internationale Terroristen angemessen zu bestrafen oder auszuliefern. Wenn erst alle Länder eine solche Verpflichtung eingegangen wären, dann gäbe es keinen Schlupfwinkel mehr für
Terroristen.
Die 132 Mitglieder der Vollversammlung konnten sich jedoch im Herbst
vorigen Jahres nicht zu einem solchen festen und einmütigen Stand gegen den
Terrorismus durchringen, und was der "Ausdruck der tiefen Besorgnis", wie
er von der Vollversammlung formuliert wurde, nutzt, das hat nicht zuletzt
die Bluttat von Khartum gezeigt.
Auch von der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf
ist der neueste Terror-Fall verurteilt worden. Der amerikanische Vertreter,
Philip E. Hoffman, hat mit seiner Forderung nach der schärfsten internationalen Verurteilung jedoch ebenfalls erneut auf ein gemeinsames Handeln der
Völkergemeinschaft gedrungen. "Wir sind der Überzeugung", so betonte er,
"daß diese Handlung erneut die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit lenkt,
daß Regierungen sofort handeln, damit diejenigen, die diesen besonderen Akt
begangen haben, einer wirksamen Bestrafung zugeführt werden, und daß klar
gemacht wird, daß in Zukunft keine Regierung für ähnliche Täter Zuflucht
gewähren wird."
Außenminister Rogers, der vor der Presse berichtete, daß Präsident
Nixon über den jüngsten Zwischenfall zutiefst besorgt und empört sei, unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit internationaler Maßnahmen. "Wir
müssen uns als internationale Gemeinschaft diesem Problem stellen", so
erklärte er, "und dafür sorgen, daß solche Fälle sich nicht wiederholen."
Es kann nicht angehen, daß, wie Botschafter Scali betonte, "die Gemeinschaft der Völker sich noch länger ihrer Verantwortung entzieht, sich
diesem kritischen Problem zu stellen."

+++

3-

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10/1973
V0LCKER: KEINE WEITERE DOLLARABWERTUNG
-Wortlaut der Erklärung des Staatssekretärs-

WASHINGTON --(AD)— Die Vereinigten Staaten haben nicht die Absicht, eine
weitere Dollar-Abwertung vorzunehmen. Dies hat der Staatssekretär im USFinanzministerium, Paul A. Volcker, am 6. März vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für internationale Finanzfragen unterstrichen. Die Erklärung des Staatssekretärs hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Unterausschusses:
Vor einer Woche bin ich vor dem Bankenausschuß des Senats für dieses
Ihnen jetzt vorliegende Gesetz (H.R. 4546) eingetreten, das die Ermächtigung
für eine Herabsetzung der Dollar-Parität um 10 Prozent erteilt. Ich füge der
Vollständigkeit halber den vollen Text meiner damaligen Erklärung bei, die
alle Hintergrundinformationen für den Antrag der Regierung gibt, dieses Gesetz
zu verabschieden. Heute morgen möchte ich einige zusätzliche Bemerkungen
machen, um Sie über den neuesten Stand der Dinge zu unterrichten.
Wie Sie wissen, ist es an bestimmten europäischen Devisenbörsen in den
letzten beiden Wochen zu einem starken spekulativen Druck gekommen. Angesichts
dieses Druckes haben die Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft mit einem
festen Wechselkurs ihre Devisenbörsen geschlossen, d.h. sie haben zumindest
aufgehört, das Wechselkurssystem offiziell zu stützen. Die Japaner, die ihren
Wechselkurs bereits freigegeben hatten, haben ihre Devisenbörse vorübergehend
völlig geschlossen. Mehrere wichtige europäische Währungen - das Pfund

-1-

�•

Pfund Sterling, der schweizer Franken und die italienische Lire - floateten
bereits vor der letzten Krise. Am vergangenen Wochenende haben die EWG-Finanzminister Besprechungen über die jüngsten Entwicklungen geführt und die
Frage erörtert, wie diesen gemeinsam begegnet werden kann. Wir standen in
dieser Zeit in Verbindung mit einer Reihe maßgebender Länder. (Weitere Konferenzen auf internationaler Ebene sind anberaumt worden, darunter auch eine
Konferenz der EWG-Länder und am Freitag der Zehner-Gruppe).
Im Hinblick auf die Ereignisse der letzten Tage möchte ich einige Punkte
erneut unterstreichen:
-- Erstens sind wir weiterhin der Überzeugung, daß die grundlegende
Neufestsetzung der Wechselkurse, wie sie im Februar erreicht wurde, angemessen
ist. Diese Neufestsetzung bildet - soweit dies Wechselkursänderungen überhaupt können - eine realistische Basis für die Wiederherstellung eines dauerhaften Zahlungsbilanzgleichgewichtes. Die Situation, vor der wir heute stehen,
ist die Folge spekulativer Auswüchse. Wir haben nicht die Absicht, eine weitere Dollar-Abwertung vorzunehmen.
-- Zweitens sind wir bereit, mit der Europäischen Gemeinschaft und mit
unseren anderen Handelspartnern schnell darauf hinzuarbeiten, eine baldige
und befriedigende Lösung dieses Problems zu erreichen. Wir haben in enger
Verbindung mit ihnen gestanden und wir werden uns später in dieser Woche in
Paris treffen.
—

Drittens unterstreichen die jüngsten Entwicklungen erneut - sofern

dies überhaupt noch erforderlich ist - die Notwendigkeit, das Tempo unserer
Bemühungen um eine grundlegende Reform des internationalen Währungssystems
zu beschleunigen. Was dies anbetrifft, so glaube ich, daß wir mit Vernunft
und gutem Willen auf allen Seiten die Ereignisse der letzten Wochen zu einem
konstruktiven Abschluß bringen können. Wir sahen uns zwei getrennten, aber
doch miteinander zusammenhängenden Problemen gegenüber. Wir müssen die

-2-

�die zugrundeliegenden Ungleichgewichte in den internationalen Zahlungsbilanzen
- der Zahlungsbilanzen der USA und anderer Länder-korrigieren, die die Ursache dieser monetären Unruhe und Verwirrung sind. Die Wechselkursänderungen
entsprechen diesem Erfordernis. Wir brauchen ferner dauerhafte Vereinbarungen, um sicherzustellen, daß sich diese Ungleichgewichte nicht wiederholen,
daß notwendige internationale Anpassungen künftig wirksamer sind, reibungsloser vor sich gehen und sicherer sind,und laß unsere monetären Abmachungen
zu einem offenen Handel und einem offenen Zahlungsverkehr zwischen den einzelnen Ländern beitragen. Dies letztere Erfordernis ist Aufgabe der Reform des
Währungssystems. Wir müssen beide Ziele erreichen, um sicherzustellen, daß
das internationale Währungssystem - statt uns immer wieder in einer Krisenatmosphäre zu belasten - zu einer im Hintergrund wirkenden Kraft für eine
expandierende und prosperierende Weltwirtschaft wird.
-- Viertens und letztens - was aber keineswegs am wenigsten zählt möchte ich nachdrücklich wiederholen, daß die Stärke des Dollar im Ausland
letztlich von der Stärke des Dollar und der Stärke der Wirtschaft im Inland
abhängt. Die Regierung ist sich dieser einfachen Wahrheit voll bewußt. Ich
glaube, unser Verhalten entspricht dieser Sorge. Ja, relativ gesehen, stehen
wir unter den großen Industriestaaten, was die Wiederherstellung der Preisstabilität anbetrifft, wirklich gut da und wir werden noch besseres leisten.
Die Haushalts-, Währungs-, Lohn- und Preispolitik ist auf dieses Ziel ausgerichtet.
Abschließend möchte ich den Ausschuß dringend ersuchen, den vorliegenden
Gesetzesentwurf bald und positiv zu verabschieden. Damit wird ein wichtiger
Teil des Prozesses, die Unsicherheit zu beenden, das Gleichgewicht wiederherzustellen und gemeinsam mit unseren Handelspartnern auf ein stärkeres Währungssystem hinzuarbeiten, abgeschlossen sein. Die Neufestsetzung der Wechselkurse war vor drei Wochen notwendig und ist auch heute noch notwendig. Sie
erforderte schwierige Entscheidungen und Maßnahmen seitens zahlreicher anderer

-3-

�anderer Länder wie auch seitens der USA. Das Gesetz ist notwendig, damit
wir den gesetzlichen und finanziellen Folgen der Wechselkursänderung gerecht werden können. Allgemeiner gesagt, ich hoffe, Sie werden dem beipflich
ten, daß die Neufestsetzung der Wechselkurse den Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber am besten gerecht wird. Die Verabschiedung dieses Gesetzes wird dazu beitragen, die Grundlagen für eine weitere
Zusammenarbeit mit anderen Ländern mit dem Ziele einer Wiederherstellung des
Gleichgewichtes unserer Zahlungsbilanz und einer Verwirklichung der notwendigen Reform des Währungssystems zu legen.

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10/1973

WASHINGTON ERWARTET MEHR AUSLÄNDISCHE DIREKTINVESTITIONEN
IN DEN USA
Von Sam Burks

WASHINGTON --(AD)— Eine wichtige Begleiterscheinung der auf eine Reform
des Welthandels und des Weltwährungssysteins abzielenden Wirtschaftspolitik Präsident Nixons ist die von der US-Regierung erwartete Ausweitung
der ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten.
Dies haben gerade in den letzten Tagen maßgebende Persönlichkeiten
der amerikanischen Regierung vor dem US-Senat betont. Der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul Volcker, erklärte letzte Woche vor
dem Bankenausschuß des Senats, die Neufestsetzung der internationalen
Wechselkurse sollte zu einer Belebung des Flusses von Investitionskapital
nach den Vereinigten Staaten führen. Gerade die Ölländer im Nahen Osten
würden, wenn jetzt ihre Kapitalüberschüsse immer mehr anwachsen und auch
das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft zurückkehrt, feststellen,
daß die USA "ein attraktives Land" für Investitionen seien.
Der Sonderberater Präsident Nixons und Direktor des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter Flanigan, bekräftigte gleichzeitig
vor einem anderen Senatsausschuß, daß die USA bestimmt nicht die Absicht
hätten, Schranken gegen eine Ausweitung der gegenwärtig rund 13,7 Milliarden

-1-

�Milliarden Dollar betragenden ausländischen Direktinvestitionen in der USWirtschaft zu errichten. Wörtlich fuhr Flanigan fort, "wir begrüßen sie,
wir hoffen, daß sie zunehmen werden." Er sei sicher, daß jeder Amerikaner
die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch ausländische multinationale Gesellschaften wie Shell, Lever Brothers oder Nestle begrüße.
Und Handelsminister Frederick B. Dent gab vor dem gleichen Ausschuß
der Erwartung Ausdruck, daß sowohl die ausländischen Direktinvestitionen in
den USA wie auch die langfristigen Geldanlagen des Auslandes in amerikanischen
Wertpapieren weiter zunehmen werden. Allein in seinem Heimatdistrikt SouthCarolina gebe es jetzt 22 in ausländischem Besitz befindliche Unternehmen
mit etwa 2 200 Arbeitsplätzen, in die von ausländischer Seite rund 230 Millionen Dollar investiert worden seien.
Auch eine Studie, über die die Februarausgabe der vom US-Handelsministerium herausgegebene Zeitschrift "Survey of Current Business" berichtet, unterstreicht diesen Trend zu steigenden ausländischen Investitionen in der
amerikanischen Wirtschaft. So ist, wie in der Studie berichtet wird, der Wert
der ausländischen Direktinvestitionen in den USA von 7,4 Milliarden Dollar
im Jahre 1962 auf 13,7 Milliarden Dollar Ende 1971 angestiegen. Von Ende 1961
bis Ende 1966 betrug die jährliche Zuwachsrate der ausländischen Investitionen im Jahresmittel 330 Millionen Dollar oder 4,1 Prozent, in den darauffolgenden Jahren jedoch im Durchschnitt 930 Millionen Dollar pro Jahr oder 8,6
Prozent. Zu der Beschleunigung des Tempos der ausländischen Investitionen
haben der Studie zufolge die Ausweitung des Eurodollar-Marktes, die Modifizierung der Bestimmungen für die Berichterstattung der in ausländischem Besitz befindlichen Unternehmen über ihren finanziellen Status durch die amerikanische Wertpapier-und Bcrsenkommission, die Fusionsbestrebungen westeuropäischer Firmen, die zu höheren Investitionen in der chemischen und der
metallverarbeitenden Industrie sowie der Stahlindustrie führten, sowie die
schnelle Ausweitung des amerikanischen Marktes selbst beigetragen.
Auf

-2-

�Auf europäische Firmen entfielen der Studie zufolge 1971 mit circa
10 Milliarden Dollar rund 73 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen
in den USA gegenüber einem Anteil von 69 Prozent im Jahre 1962. Demgegenüber entfielen von den amerikanischen Direktinvestitionen im Ausland in
Höhe von rund 86 Milliarden Dollar 30 Prozent auf Europa, weitere 30 Prozent auf Kanada, 20 Prozent auf Lateinamerika und weitere 20 Prozent auf
die übrige Welt. Bei den ausländischen Direktinvestitionen in den USA lag
1971 Großbritannien mit 4,4 Milliarden Dollar an erster Stelle, gefolgt von
Kanada mit 3,3 Milliarden Dollar, Holland mit 2,2 Milliarden Dollar und der
Schweiz mit 1,5 Milliarden Dollar. Die Erträge der in ausländischem Besitz
befindlichen amerikanischen Gesellschaften erhöhten sich von 359 Millionen
Dollar im Jahre 1962 auf 1 110 Millionen Dollar 1971, und diese Gesellschaften hatten 1971 eine Gewinnzunahme (Zinsen und Lizenzen ausgenommen) von
20 Prozent zu verzeichnen gegenüber 14 Prozent bei den amerikanischen Unternehmen. Die an die ausländischen Stammhäuser abgeführten Erträge erhöhten
sich von 185 Millionen Dollar im Jahre 1962 auf 623 Millionen Dollar 1971.
Die Studie weist darauf hin, daß die in ausländischem Besitz befindlichen US-Firmen für amerikanische Verhältnisse klein seien und in keinem Industriezweig einen dominierenden Einfluß ausübten. Von dem Zuwachs der ausländischen Direktinvestitionen in diesem ZehnJahreszeitraum von 6,3 Milliarden Dollar entfielen der Studie zufolge 2,6 Milliarden Dollar auf Nettokapitalzuflüsse und der Rest auf reinvestierte Gewinne.
Von der Studie, die im Auftrage des US-Handelsministeriums erstellt
worden war, wurden ein repräsentativer Querschnitt von 400 größeren in ausländischem Besitz befindlichen US-Gesellschaften sowie alle amerikanischen
Gesellschaften erfaßt, bei denen 25 Prozent oder mehr des stimmberechtigten
Kapitals in ausländischem Besitz sind.

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10/1973

NIERENTRANSPLANTATIONEN
-Zweitübertragung - Gute Operationsergebnisse bei Kindern-

—(AD)-- Mehr als 10 000 Nierenübertragungen wurden bisher in aller Welt
durchgeführt -

an den Kliniken der Universität Kalifornien mit Zen-

tren in San Francisco und Los Angeles allein über 500 seit der ersten
Transplantation einer Niere im Jahre 1954. In Kalifornien wurde auch einzigartige Pionierarbeit geleistet, um die Ergebnisse solcher Operationen
durch exakte Gewebsbestimmungen und Verträglichkeitsprüfungen, bestmögliche Vor-und Nachbehandlung und Überwachung des Patienten und nicht zuletzt
durch die Weiterentwicklung der Methoden zur Organkonservierung ständig
zu verbessern.
Nach den Erfahrungen von Prof. Samuel Kountz (Transplantationszentrum
San Francisco) liefern die Kompatibilitätsprüfungen von Spender-und Empfängergewebe einen der wichtigsten Schlüssel für einen Erfolg, d.h. das Überleben des fremden Organs. Mit Hilfe von Computeranalysen wird in enger Zusammenarbeit mit in - und ausländischen Transplantationszentren versucht,
die jeweils günstigste Kombination für die bei Spender-und Empfängergewebe
ermittelten genetischen Faktoren zu finden.
Solche

�Solche Arbeiten auf "molekularer Ebene" erhöhen die Chance, daß der
Empfängerorganismus das Fremdorgan annimmt und es nicht durch Abwehrreaktionen des eigenen Immunsystems wieder abstößt. Unter günstigsten Bedingungen
kann sogar auf Medikamente, die Abwehrreaktionen unterdrücken sollen, verzichtet werden. Zahlreiche Fachkräfte im Laboratorium für Gewebstypenbestimmung, das die Universität Kalifornien in Los Angeles eingerichtet hat und
das heute das größte dieser Art in der Welt ist, beschäftigen sich ausschließlich mit derartigen Fragen.
Zu den bisherigen positiven wie negativen Erfahrungen und den auf dieser Basis erarbeiteten Regeln ergeben sich aber doch immer wieder neue Gesichtspunkte. So stellten Dr. Gerhard Opelz, Dr. Paul J. Terasaki und
Dr. Max R. Mickey (Los Angeles) durch die Datenauswertung von 1 497 Erstund 257 Zweittransplantationen zu ihrer Überraschung fest, daß die prozentuale Überlebensrate des zweiten Organs der Überlebensrate bei den Erstübertragungen äl .ilich war. Entgegen diesem Befund hatten sie erwartet, daß
die Abwehrreaktionen nach der Wiederholung der Transplantationen, die außerdem mit Leichennieren vorgenommen wurden, sogar heftiger als beim ersten Mal
in Erscheinung treten würden.
Durch eine weitere Untersuchung von Zweittransplantationen konnten die
Wissenschaftler die Beobachtung zur Frage der Überlebenschance einer zweiten Fremdniere erhärten und differenzieren. Aufgrund der Unterlagen zu 264
Zweittransplantationen mit Leichennieren, die von Januar 1967 bis Dezember
1971 an 58 Kliniken in den USA und in Kanada durchgeführt wurden, ergab sich
bei einer bestimmten Patientengruppe sogar eine deutlich verbesserte Überlebensrate. Und dieser Effekt scheint durch die Reaktionen induziert worden
zu sein, die sich im Zusammenhang mit der Abstoßung des ersten Organs entwickelten. Insbesondere bei Patienten mit "langsamer Abwehr", d. h. der Abstoßung der ersten Fremdniere nach mehr als drei Monaten, wäre es denkbar,

-2-

�denkbar, daß das sogenannte Enhancement-Phänomen mit erhöhter Toleranz gegenüber dem zweiten Fremdorgan durch die Bildung spezifischer Antikörper in
Erscheinung tritt; dies wäre eine Folge der Immunreaktionen auf das erste
Transplantat. Diese Frage ist jedoch noch keineswegs endgültig beantwortet
und bedarf weiterer gründlicher Untersuchungen.

- Fremdniere bei jugendlichen Patienten Eine Gruppe von fünf Ärzten vom Transplantationszentrum San Francisco
führte seit 1964 insgesamt 63 Nierenübertragungen bei 54 Patienten unter 18
Jahren durch.

Der von Beizer, Schweitzer, Holliday, Fotter und Kountz ver-

öffentlichten Übersicht zufolge waren bei 32 Kindern die Organspender Blutsverwandte; in fünf Fällen war eine Retransplantation erforderlich. Die Überlebensrate dieser Gruppe lag nach dem ersten Jahr bei 90 Prozent, bei den
21 Kindern mit Leichennieren bei 67 Prozent. Manche der Kinder leben bereits
sieben Jahre mit dem fremden Organ, das bei fast allen so gut funktioniert,
daß ein ganz normales Leben möglich ist.
Trotz dieser guten Ergebnisse ist die Todesrate mit 20 Prozent noch "zu
hoch", wie Dr. Beizer erklärte - auch angesichts der Tatsache, daß die Erkrankungen ohne die Operation in allen Fällen zum Tod geführt hätten. Die zweite
Therapiemöglichkeit, nämlich die Hämodialyse mit regelmäßiger Blutwäsche,
ist nach den Erfahrungen von Beizer und Mitarbeitern als Dauerbehandlung für
Kinder nicht akzeptabel.

Bei chronischer Urämie sei eine Nierenübertragung

möglicherweise bereits in Erwägung zu ziehen, noch ehe die Dialyse erforderlich werde.

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MAGNETISCHE STÜRME UND WETTERGESCHEHEN
-Auffällige "Koordination" von Polarlichtern und Tiefdruckrinnen-

--(AD)— Für die seit langem gehegte Vermutung, daß ein direkter Zusammenhang zwischen erdmagnetischen Stürmen und damit Vorgängen auf der Sonne
und dem Wettergeschehen auf der Erde bestehen könne,

gibt es jetzt zum

ersten Mal statistische Beweise. Aufgrund ihrer langjährigen Untersuchungen
(1964-1971) berichteten kürzlich Dr. Walter Orr Roberts, der Präsident
der "Universitätscorporation für Atmosphärische Forschung" in Boulder
(Colorado), und Dr. Roger H. Olson, Meteorologe beim US-Amt für Meeres- und
Atmosphärenforschung (NOAA), über entsprechende Beobachtungen im Raum über
dem Golf von Alaska im nordöstlichen Pazifik. Offensichtlich werden Tiefdruckrinnen - langgestreckte Zonen relativ niedrigen atmosphärischen
Drucks, wie sie in der Höhe mit 300 Millibar (ca. 10 000 m) zu finden
sind - in Reaktion auf Stürme im erdmagnetischen Feld verstärkt. In den
in die Beobachtung einbezogenen geographischen Breiten rufen solche Stürme
meist das farbenprächtige Schauspiel der Nordlichter hervor.
Die Entwicklung von Tiefdruckrinnen über dem Golf von Alaska beeinflußt
erheblich das Wetter über Nordamerika. Etwa ein Drittel der Tiefdruckgebiete dringt bis in den amerikanischen Mittelwesten vor. Gehen den Tief-

�Tiefdrucksystemen jedoch Nordlichter voraus, verlagern sich die Schlechtwetterzonen bis 350 km weiter nach Süden und bringen dort merkliche Abkühlung.
Obgleich sich nicht alle großen Tiefdruckrinnen erst nach Nordlichtern
ausbilden, und umgekehrt einem Nordlicht nicht immer die Entwicklung einer
Tiefdruckrinne folgt, ist die Wahrscheinlichkeit der Verstärkung dieses meteorologischen Phänomens zwei bis vier Tage nach einem erdmagnetischen Sturm
doppelt so groß wie in magnetisch ruhigen Perioden.
Eine beweisbare physikalische Erklärung vermochten die Wissenschaftler
für einen derartigen Zusammenhang zwischen Sonnen-und Erdwetter noch nicht
zu geben. Über die Mechanismen, die dabei im Spiele sind, gibt es bisher nur
Vermutungen.So könnte sich beispielsweise die sonnenaktive und geomagnetische
Steuerung auf dem Wege über eine gewisse Blockierung der Abstrahlung von
Wärmeenergie a«s dem Raum über dem verhältnismäßig warmen Nordpazifik durch
Zirruswolken ergeben. Deren Bildung wiederum beruht unter anderem auf Phänomenen, die mit erdmagnetischen Störungen zusammenhängen. Aber auch Veränderungen der Ozon-Konzentration und möglicherweise verstärkte Gewittertätigkeit
könnten als Einflußfaktoren in Frage kommen.
Um die Fragen, die aufgrund der siebenjährigen Beobachtungen aufgeworfen wurden, vielleicht doch klären und so zur Verbesserung der Wettervorhersage beitragen zu können, wollen die beiden Wissenschaftler nunmehr die meteorologischen Daten aus dem betreffenden Gebiet über einen Zeitraum von 20 Jahren (1950-1970) einer nochmaligen Analyse unterziehen.(Olson und Roberts berichteten im Januarheft 1973 der Zeitschrift "Journal of the Atmospheric
Science" über ihre bisherigen Forschungen.)

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HAEMOGLOBIN AUS TIEFGEKÜHLTEM KNOCHENMARK

--(AD)-- Menschliche Knochenmarkzellen können bis zu neun Monate im gefrorerenen Zustand konserviert werden, ohne dadurch ihre Fähigkeit zu verlieren, den roten Blutfarbstoff und Sauerstoffträger Haemoglobin zu produzieren. Diese Feststellung machten Dr. John W. Adamson und Dr. Rainer
Storb von der Universität Washington (Seattle) bei Laboruntersuchungen an
Knochenmarkzellen von sechs Patienten. Die Lebensfähigkeit des tiefgekühlt
konservierten Knochemarks testeten die Wissenschaftler aufgrund seiner
Fähigkeit, nach Behandlung/Erythropoetin (ESF-dem Blutplasmafaktor, der
normalerweise die Produktion roter Blutkörperchen anregt), Haemoglobin
zu synthetisieren.
Haemoglobin wird nur im Stadium der Zellteilung und in den noch nicht
ausgereiften Erythrozyten gebildet. Deshalb berechtigte die Beobachtung
einer verstärkten Haemoglobinsynthese in den ESF-behandelten Zellkulturen
zu der Schlußfolgerung, daß sich die konservierten Zellen nach monatelangem
Einfrieren tatsächlich weitervermehren. Allerdings machen die beiden Forscher darauf aufmerksam, daß dies mit Sicherheit erst von einem der fünf
Typen von "Vorläufern" der Erythrozyten im Knochenmark gesagt werden könne.
Die Vermehrungsfähigkeit der anderen Elemente im konservierten menschlichen
Knochenmark müsse erst noch genau untersucht werden. Die bisherigen Ergeb-

-l-

�Ergebnisse lassen jedoch hoffen, in bestimmten Fällen die Bildung roter
Blutkörperchem mit eigenem, konservierten Knochenmark des Patienten anregen zu können. Drei Institute der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der Vereinigten Staaten unterstützen finanziell die Untersuchungen in
Seattle.

-2-

�</text>
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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. März 1984

10
I N H A L T

DOKUMENTATION
Präsident Reagan würdigt deutsch-amerikanische Partnerschaft
- Erklärung nach dem Treffen mit Bundeskanzler Kohl WIRTSCHAFT
Volcker:

Spartätigkeit Grundlage eines anhaltenden Wachstums

- Ausführungen des US-Bundesbankpräsidenten Spezialstahldisput zwischen USA und EG beigelegt
HINTERGRUNDMATERIAL
Die Wahlen in Amerika 1984
( 3)
- Erste Trends bei den Demokraten erkennbar WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumstation - eine Brücke zur Zukunft
- NASA-Chef James M. Beggs befürwortet Projekt vor Senatsausschuß
Planet Venus vulkanisch aktiv

Um Übei/endung von
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wird gebeten

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Tel

- 0228-339 2035
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�IY1E IK h
DIEI71 3
1J

^M

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

10

7. März 1984

PRÄSIDENT REAGAN WÜRDIGT DEUTSCH-AMERIKANISCHE PARTNERSCHAFT
- Erklärung nach dem Treffen mit Bundeskanzler Kohl -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat erneut die Bedeutung der engen
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland unterstrichen. In einer Erklärung nach seinem Gespräch mit Bundeskanzler
Kohl sagte der amerikanische Präsident am 5. März 1984, die deutsch-amerikanische Partnerschaft bleibe auch weiterhin im Bemühen der freien Welt um Frieden, Sicherheit und Prosperität ein positives, dynamisches und lebenswichtiges Element.
Die Erklärung Reagans hat folgenden Wortlaut:
Herr Bundeskanzler, Herr Staatssekretär,meine Damen und Herren!
Wir hatten heute die Ehre, Bundeskanzler Kohl als Gast bei uns zu haben.
Die deutsch-amerikanische Partnerschaft bleibt auch weiterhin im Bemühen der
freien Welt um Frieden, Sicherheit und Prosperität ein positives, dynamisches
und lebenswichtiges Element. Die persönliche Beziehung zwischen dem Bundeskanzler und mir steht beispielhaft für die engen Bande zwischen unseren beiden Ländern.
Ich hatte

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�Ich hatte heute das Vergnügen, mit ihm Fragen von bilateraler und internationaler Bedeutung zu sprechen.

Unsere Gespräche konzentrierten sich auf

die Notwendigkeit für den Westen, bei der Behandlung der sich ändernden Weltlage der achtziger Jahre eine Führungsrolle einzunehmen. Wir beide stimmten
darin überein, daß das Jahr 1983 für das NATO-Bündnis ein entscheidendes Jahr
war.

Die Führungen der westlichen Demokratien blieben angesichts einer inten-

siven sowjetischen Einschüchterungskampagne fest, die darauf abzielte, die
NATO-Dislozierung der neuen nuklearen Mittelstreckenraketen zu blockieren.
Es gereichte dem gesamten Bündnis zum Verdienst, daß es seine Entschlossenheit demonstrierte, das militärische Gleichgewicht in Europa wiederherzustellen,
eine glaubwürdige nukleare Abschreckung beizubehalten und aus dieser Herausforderung gestärkt hervorzugehen.

Dank dem Mut und dem Weitblick von Führungs-

persönlichkeiten wie Bundeskanzler Kohl können wir mit Stolz auf das vergangene
Jahr verweisen und mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
Sowohl Bundeskanzler Kohl wie auch ich selbst würden es vorziehen, ein
nukleares Gleichgewicht durch Rüstungsverringerung zu erreichen. Auch heute
habe ich wieder meine Bereitschaft, mein Verlangen danach unterstrichen, die
Anstrengungen fortzusetzen, um zu Vereinbarungen mit der Sowjetunion über
Rüstungsverringerungen zu gelangen. Bundeskanzler Kohl und ich stimmten darin überein, daß mit der neuen Führung im Kreml nunmehr eine Gelegenheit besteht, bei den Beziehungen zwischen Ost und West zu echtem Fortschritt zu
gelangen.
Dennoch wird das Bündnis angesichts der sowjetischen Unnachgiebigkeit
am Verhandlungstisch - zu dem zurückzukehren wir jederzeit bereit sind - auch
weiterhin seine konventionelle und nukleare Abschreckung stärken.

In der

Brüsseler Erklärung vom vergangenen Dezember haben die Außenminister der NATO
unser Angebot erneut bekräftigt, konstruktive Kontakte und einen Dialog mit
der Sowjetunion aufzunehmen.
Ich habe

�Ich habe gegenüber Bundeskanzler Kohl auch heute wieder meine persönliche
Verpflichtung bekräftigt, alle nur möglichen Wege für eine Verbesserung der Beziehungen zum Osten zu prüfen.

Ich bin bereit, mich mit der sowjetischen Füh-

rung auch persönlich zu treffen, wenn ein solches Treffen gut vorbereitet ist
und fruchtbare Ergebnisse verspricht.
Bundeskanzler Kohl und ich sprachen außerdem auch über die Stärkung der
Volkswirtschaften des Westens und der friedlichen Zusammenarbeit unserer Völker.

Wir sind besonders optimistisch hinsichtlich der immer stärker werdenden

gemeinsamen Anstrengung, die unsere Länder bei der Erforschung des Weltraums
zeigen.

Die Shuttle-Mission im November war die erste, an der auch ein nicht-

amerikanischer Astronaut, ein Deutscher, teilnahm.

Und ich war hocherfreut,

daß die Kommunikationsverbindungen es Bundeskanzler Kohl und mir ermöglichten,
miteinander und mit den Astronauten im Weltraum zu sprechen.

Es war eine er-

regende Leistung und spiegelte den guten Willen wider, auf dem künftiger Fortschritt aufbauen kann.
Heute morgen habe ich Bundeskanzler Kohl eine Plakette überreicht, die
an diese Mission erinnert und auf der Fotos sowie die amerikanische und deutsche Flagge angebracht sind, die bei diesem Weltraumflug mitgeführt wurden.
Wie es die Inschrift auf der Plakette sagt, freuen wir uns auf weitere deutschamerikanische Zusammenarbeit, um den Frieden zu stärken, den Wohlstand zu fördern und durch die Erforschung des Weltraums - unsere nächste Grenze - die
Freiheit zu mehren.
Ich freue mich besonders über unseren Erfolg bei der Ausweitung der
menschlichen Seite der deutsch-amerikanischen Beziehungen.

Die 300-Jahr-Fei-

ern deutscher Einwanderung nach Amerika vertiefte nur noch unser Wissen um die
tiefen persönlichen und familiären Bande zwischen unseren beiden Völkern.

Der

deutsch-amerikanische Feundschaftsgarten, der während der 300-Jahr-Feiern angelegt wurde, ist Symbol dieser Beziehungen.

Und das gerade angelaufene

Jugendaustauschprogramm des Kongresses und des Bundestages wird sicherstellen,
daß diese wichtigen Kontakte unvermindert anhalten.
Herr Bundeskanzler,

�Herr Bundeskanzler, nach nur 17 Monaten Amtszeit stehen Sie bereits in
der ersten Reihe der Führungspersönlichkeiten der westlichen Welt.

Es gibt

kaum ein Problem von internationaler Bedeutung, bei dem Ihre Meinung nicht
gefragt und Ihr Einfluß nicht spürbar wäre.
Und, Herr Bundeskanzler, ich zähle auf Ihre Freundschaft so, wie das amerikanische Volk auf die Freundschaft des deutschen Volkes zählt, während wir
uns gemeinsam daranmachen, uns den Herausforderungen des kommenden Jahrzehnts
zu stellen.
Ich danke Ihnen, daß Sie uns heute hier in Washington besucht haben.
Und ich freue mich auf unser nächstes Treffen.

- 4 -

�10

7. März 1984

VOLCKER: SPARTÄTIGKEIT GRUNDLAGE EINES ANHALTENDEN WACHSTUMS
- Ausführungen des US-Bundesbankpräsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Präsident der amerikanischen Bundesbank (Federal
Reserve System), Paul Voicker, bezeichnete eine ausreichende Spartätigkeit der
Amerikaner als eine der Grundvoraussetzungen für ein anhaltendes Wachstum.
Diese Spartätigkeit sei notwendig, um steigende Investitionen und ein riesiges Haushaltsdefizit zu tragen.

Vor dem Haushaltsausschuß des amerikanischen

Senats sprach sich Voicker am 29. Februar 1984 auch nachdrücklich für einen
Abbau des Haushaltsdefizits aus.

Nachfolgend wesentliche Auszüge aus den Ausführungen des amerikanischen
Bundesbankpräsidenten:

Ich bin überzeugt, daß wir viel haben, worauf wir ein lang anhaltendes
Wachstum

aufbauen können.

Aber es scheint mir auch auf der Hand zu liegen,

daß jetzt schwere Entscheidungen notwendig sind, um diese Aussicht zu realisieren. ..

Die Aussichten,

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�Die Aussichten, eine größere Stabilität "einzubauen", werden weitgehend
davon abhängen, ob die Arbeitnehmer die Chance einer Erhöhung ihres Realeinkommens und die Unternehmen höhere Gewinne haben werden.
Jahre haben günstigere Umstände für beides geschaffen.

Die letzten zwei
Das Realeinkommen des

Durchschnittsarbeitnehmers ist gestiegen, da der Preisanstieg sich langsamer
vollzog als der Lohnanstieg.

Die Gewinne der Wirtschaft nach Steuern haben

sich stark erholt und sind im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt an die besten
Jahre der siebziger Jahre herangekommen.
Wenn dieser Anstieg aufrechterhalten werden soll, dann werden wir ein
Wachstum der Produktivität brauchen; dann werden wir ein ausgewogenes Wachstum
brauchen, das Engpässe vermeidet; und dann werden wir Wettbewerb und Investitionen fördern müssen...
Wir haben während der Periode des Wiederaufschwungs tatsächlich in einigen Investitionsbereichen eine rasche Zunahme erlebt. Aber bisher haben
sich die Wirtschaftsinvestitionen hauptsächlich auf relativ kurzlebige Ausr'üstungsgüter konzentriert statt auf langlebige Anlagen oder Maschinen, die
wesentlich zur Steigerung der Produktionskapazität beitragen würden.
die Wohnungsbautätigkeit hat wieder zugenommen.

Auch

Insgesamt gesehen sind je-

doch die neuen Privatinvestitionen unter dem Strich als Anteil des Gesamtbruttosozialproduktes relativ niedrig geblieben...
Wenn wir jetzt aus dem Wiederaufschwung in die Wachstumsphase der Wirtschaftstätigkeit eintreten, dann sollten die Wirtschaftsinvestitionen auf
breiterer Front steigen. Änderungen der Steuergesetze, die in den letzten
Jahren verabschiedet wurden, sollten in diese Richtung wirken. Die Frage
jedoch bleibt, ob wir als Nation das Angebot an Ersparnissen bereitstellen
können, das notwendig ist, um sowohl steigende Investitionen als auch ein
riesiges Haushaltsdefizit zu tragen. Das scheint mir die entscheidende politische Frage zu sein.
Wie wichtig

�Wie wichtig es ist, mit dieser Frage fertigzuwerden, läßt sich aus
verschiedenen bekannten Tatsachen erkennen.

Die Zinssätze sind bereits ab-

solut - wie auch im Verhältnis zu den Preisentwicklungen - hoch, zu hoch,
und tendieren, jene Arten von Investitionen zu hemmen, bei denen die Zinskosten stark ins Gewicht fallen.

Mindestens in einigen Industriezweigen -

Papier, bestimmte Kunststoffe und einige Arten von elektronischen Geräten drohen bereits Kapazitätseinschränkungen; und lange Anlaufzeiten für Investitionen bedeuten, daß bald Pläne verwirklicht werden müssen, um Engpässe und
Bedrohungen eines nichtinfaltionären Wachstums zu vermeiden.

Wenn die Wirt-

schaft expandiert, werden auch mehr Inventarinvestitionen nötig werden, die
eine weitere Nachfrage an unsere begrenzten Spareinlagen darstellen werden.

Gegenwärtig ist es uns noch gelungen, unsere eigenen Spareinlagen zu
ergänzen, indem wir auf starke Kapitalzuflüsse aus dem Ausland zurückgriffen.
Aber diese Entwicklung enthält, wie ich gleich aufzeigen werde, Risiken und
Gefahren in sich und kann nicht unbegrenzt aufrechterhalten werden.

Die Währungspolitik

...Wir haben die Absicht, im Laufe des Jahres das Verhältnis zwischen
Währung und Wirtschaftstätigkeit und Inflation genau zu beobachten und die
Voraussetzungen und die Analysen prüfen, die erkennen lassen, ob ein normaleres "Beschleunigungs"-Verhältnis zurückkehrt.

Bei der Gestaltung unserer Poli-

tik sind wir uns jedoch ausdrücklich der Notwendigkeit bewußt, jedes stärkere
Wiederaufleben des inflationistischen Drucks zu vermeiden, wenn unsere Wirtschaft expandiert...

Ein rascheres Geldmengen- und Kreditwachstum in dem Bemühen, den Fortschritt zu niedrigeren Zinssätzen zu beschleunigen, könnte genau die gegenteilige Wirkung haben.

Die Wirtschaft, die hauptsächlich von der

dem Defizit

innewohnenden Kaufkraft angetrieben wird, expandiert bereits in einem befriedigenden Tempo.

Indem es die Besorgnisse bezüglich der Inflation wecken würde,

- 3 -

�wecken würde, hätte ein übertriebenes Geldmengenwachstum einen negativen Einfluß auf die Zinssätze.

Die daraus resultierenden erhöhten Befürchtungen be-

züglich Inflation und Stabilität würden den Anreiz zum Sparen und die Bereitschaft von Firmen, langfristige Verpflichtungen auf dem Gebiet von Produktionsinvestitionen einzugehen, nur mindern.

Der anhaltende Zufluß von Mitteln aus

dem Ausland, von dem wir derzeit abhängig sind, würde abgeschreckt.

Eine Ab-

wertung des Dollar gegenüber anderen Währungen aufgrund inflationärer Politiken würde am Ende nicht unseren Exporteuren oder jenen helfen, die mit Importen
konkurrieren müssen, weil diese Abwertung mit einer Aufblähung der einheimischen
Kosten verbunden wäre.
Ein entscheidender Beitrag, den die Bundesbank selbst in der Praxis zu
einer anhaltenden Prosperität leisten kann, besteht darin, daß wir die Erwartung - und die Realität - wecken, daß wir die schwer errungenen Gewinne gegen
die Inflation schützen können.

Und das wird letztlich die Voraussetzungen

für dauerhafte Senkungen der Zinssätze und eine anhaltende, besser ausgewogene
Ausweitung der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit schaffen.
*

Die Rolle der öffentlichen Hand
Was wir in der Bundesbank nicht durch Manipulation der Geldmenge tun
können - was aber erreicht werden muß -, ist eine größere Ausgewogenheit
zwischen Nachfrage nach und Angebot von Spareinlagen.

Hier spielt die öf-

fentliche Hand die entscheidende Rolle.
Der Stand des Bundeshaushalts berührt direkt und indirekt die Anforderungen an die Wirtschaft. Das Anwachsen des Defizits, das wir im vorigen
Jahre zu verzeichnen hatten, trug dazu bei, das Tempo der Wiederaufnahme der
Wirtschaftstätigkeit zu beschleunigen, obwohl die Zinssätze - historisch gesehen - hoch blieben. Das Defizit erhöhte praktisch die Kaufkraft zu einem
Zeitpunkt, als die Wirtschaft noch immer die Auswirkungen der Rezession spürte. In dem Maße jedoch, in dem das Wirtschaftswachstum zunahm, traten die

- 4 -

�traten die negativen Auswirkungen des Ungleichgewichts zwischen einheimischen
Spareinlagen und Investitionen auf den Kreditmärkten und unseren Auslandsgeldern deutlicher zutage.

Und dieses Ungleichgewicht kann sich nur verschlech-

tern, wenn wir zulassen, daß in den kommenden Jahren Defizite in einer solchen
Größenordnung auftreten, wie sie das Haushaltsbüro des Kongresses und andere
vorausgesagt haben.

Eine Zeitlang konnten wir relativ leicht auf ausländische Spargelder zurückgreifen.

Diese Mittel wurden nicht nur durch unsere hohen Zinssätze und

unsere starken Börsen angezogen, sondern auch durch ein relatives Vertrauen
in unsere wirtschaftliche und politische Aktivität.

Dadurch wurde die Aus-

wirkung des Haushaltsdefizits auf unsere Zinssätze etwas abgemildert, und
es trug dazu bei, sowohl Defizit als auch Investitionen zu finanzieren.

Aber auf längere Sicht ist es eine fragwürdige und riskante Methode,
einheimisches Wachstum und einheimische Kapitalbildung zu finanzieren - und
sich dabei auf einen zunehmenden Zustrom von Auslandskapital zu verlassen.
Dies führt nämlich zu hohen Kosten in Form wachsender Handels- und Leistungsbilanzdefizite - Defizite, mit denen man nicht ewig leben kann.

Darüber hin-

aus ist ein wachsender Zufluß von Auslandskapital von dem Vertrauen in unsere
Fähigkeit abhängig, mit unseren wirtschaftlichen Angelegenheiten zu relativ
hohen Zinssätzen fertigzuwerden.

In dem Maße, in dem unsere Währungs- oder

Haushaltspolitik dieses Vertrauen nicht mehr rechtfertigt - wenn etwa der
inflationäre Druck wieder im Aufsteigen begriffen zu sein schiene oder unsere Finanzposition gegenüber dem Ausland durch hohe Auslandskredite stetig
geschwächt würde - würde auch das Risiko größer, daß die Kapitalzuflüsse aus
dem Ausland nachlassen, was negative Folgen für den Dollar und die Zinssätze
hätte...

Ich weiß, daß Sie noch einen weiteren Grund kennen, warum umgehend gehandelt werden sollte, um die Defizite zu senken:

Die großen Defizite, von

denen heute ausgegangen wird, können sich selbst verewigen.
Die direkten

- 5 -

•

�Die direkten Auswirkungen liegen auf der Hand.

Die Zinsleistungen für

die Schulden, die gemacht werden, um das diesjährige Defizit zu finanzieren,
addieren sich zu dem Defizit vom nächsten Jahr, und die Zinsen für diese Defizite potenzieren sich in der Zukunft,und es wird immer schwerer, die Entwicklung umzukehren.
Lassen Sie mich das noch auf andere Weise erklären.

Die Erwartungen der

Administration und des Haushaltsbüros des Kongresses bezüglich des Haushaltsprogramms der Regierung unterscheiden sich beträchtlich - nicht zuletzt wegen
der benutzten wirtschaftlichen Ausgangspunkte.

So gehen vor allem die höheren

Defizitvoraussagen des Haushaltsbüros des Kongresses davon aus, daß die Zinsen nicht in dem Maße fallen werden, wie es die Administration erwartet, was
die Auswirkungen anderer Faktoren auf höhere Defizite noch verstärkt.

Wenn

wir jedoch die Chance nutzen und stärkere und raschere Maßnahmen ergreifen,
um das Defizit zu senken, und diese Maßnahmen dazu beitragen, daß niedrigere
Zinssätze eintreten, als das Haushaltsbüro des Kongresses annimmt, dann kann
das Defizit mehr dem von der Administration angenommenen Trend entsprechen.
Mit anderen Worten, wenn wir die Dinge immer wieder hinausschieben, dann verschärft sich das Problem nur, und wir werden alle in nicht allzu ferner Zukunft vor noch schwierigeren Entscheidungen stehen.
Weniger deutlich erkennbar mögen neue Forderungen an den Haushalt sein,
die sich aus den Versuchen zahlreicher Sonderinteressengruppen - Verbraucher,
Arbeitnehmer oder Unternehmer - ergeben, um die Auswirkungen anhaltend hoher
Defizite auf unsere internationale Wettbewerbsposition und auf die Zinssätze
auszugleichen. So ruft beispielsweise die Verschlechterung der Wettbewerbsposition unserer industriellen und landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf den
Weltmärkten bereits Forderungen nach Subventionen, Steuererleichterungen und
besonderen Schutzmaßnahmen für bestimmte Wirtschaftssektoren auf den Plan, die
von der Familienfarm bis zur Stahlindustrie reichen. Die Auswirkungen der
hohen Zinsen auf den Wohnungsbau führen zu Forderungen nach neuen Programmen
auf diesem Gebiet.
Sie alle

- 6 •

�Sie alle kennen diese Probleme, wie ich annehmen darf.

Das eigentliche

Hindernis für ein Handeln ist nicht geistiger Natur, sondern die Schwierigkeit, einen praktischen Konsens über spezifische Ausgaben- oder Einnahmenprogramme zu finden, um das Problem in den Griff zu bekommen,.

In gewisser Weise

scheint das Problem, mit dem Defizit fertigzuwerden, für jeden das zweitrangige Problem zu sein - die höchste Priorität scheinen spezifische Ausgabenprogramme oder Steuererleichterungen zu sein, alles Dinge, die natürlich, für
sich gesehen, ihre Berechtigung haben.
Entscheidungen auf diesen Gebieten -• in politischen wie auch wirtschaftlichen Dimensionen - liegen nicht im Aufgabenbereich der Bundesbank.

Ich kann

nur drängen, daß sie lieber früher als päter angepackt werden, ehe wir auf den
Geldmäkrten und anderswo in eine Atmosphäre der Krise geraten.
Es ist in den letzten Jahren viel erreicht worden, um die Wirtschaft
wieder auf eine gesunde Basis zu stellen - zu viel und unter zu hohen Kosten,
als daß wir das alles wieder aufs Spiel setzen dürften.

Die Risiken entstehen

hauptsächlich aus unserem eigenen Handeln - oder unserer eigenen Untätigkeit.
Das, was getan werden muß, um wirklich etwas zu erreichen - um den Trend der
Defizite unter Kontrolle zu bringen - liegt nicht außerhalb unserer Reichweite.

Wir haben es in der Vergangenheit geschafft, und wir können es wieder

schaffen.

- 7 -

�10

7. März 1984

SPEZIALSTAHLDISPUT ZWISCHEN USA UND EG BEIGELEGT

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft
sind übereingekommen, bei der Auseinandersetzung über SpezialStahlprodukte
auf alle Fälle auf eine Konfrontation zu verzichten, wie Botschafter Michael
B. Smith am 28. Februar 1984 in Genf betonte.
Der Stellvertretende US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen
sprach im Anschluß an eine GATT-Sondersitzung, auf der Wege gefunden werden
sollten, um die Meinungsverschiedenheiten im amerikanisch-europäischen Handel aus der Welt zu schaffen, vor Pressevertretern.
Zu den Mißstimmungen war es gekommen, nachdem die Europäische Gemeinschaft auf Begrenzungen reagiert hatte, die von den Vereinigten Staaten im
vergangenen Juli bei Einfuhren von Spezialstahlprodukten aus Europa verhängt
worden waren und die den Zweck hatten, die amerikanischen Produzenten von
SpezialStahl gegen Nachteile zu schützen.

Die Europäische Gemeinschaft traf

hierauf Gegenmaßnahmen dergestalt, daß die Zölle auf Einfuhren amerikanischer
Chemieerzeugnisse und Alarmsysteme heraufgesetzt wurden; außerdem wurden
quantitative Beschränkungen für andere Chemieprodukte und für Sportausrüstungen verhängt.
Smith unterstrich,

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�Smith unterstrich, daß die Vereinigten Staaten nicht das Recht der
Europäischen Gemeinschaft in Frage stellten, gemäß den Sicherheitsbestimmungen des GATT derlei Maßnahmen zu ergreifen.

Die USA seien jedoch der Ansicht,

daß die von der EG vorgeschlagenen Schritte gegen die amerikanischen Exporte
gegenüber der amerikanischen Maßnahme mehr als "reichlich ausgeglichen" gewesen seien.
Smith sagte weiter, daß die beiden Parteien nach einem Treffen auf hoher
Ebene bei der EG-Kommission in Brüssel am 27. Februar - an dem auch William
Brock, der Sonderbeauftragte des Präsidenten für Handelsverhandlungen, teilnahm - hinsichtlich der Möglichkeiten übereingekommen seien, Verfahrensfragen
innerhalb des GATT-Rahmens einer Lösung zuzuführen.
So habe die EG ihre Zustimmung gegeben, daß für den Kurs zwischen Dollar
und dem "ECU" (der EG-Währungseinheit) derjenige des Jahres 1984 - und nicht
des Jahres 1982 - zugrundegelegt werde, um die europäischen Importe amerikanischer Waren zu bemessen.

Experten zufolge würde dies eine 20prozentige Er-

höhung der Quote bedeuten, die jenen amerikanischen Waren zugrundeliegt, die
in die EG gelangen-

Weiterhin habe die EG zugestimmt, auf Ersuchen der Ver-

einigten Staaten all jene Fälle zu prüfen, in denen die Gegenmaßnahmen der
Europäischen Gemeinschaft "übermäßige Auswirkungen" auf preisempfindliche
Güter, wie etwa chemische Produkte, haben würden.

Wie der Botschafter be-

tonte, könnten "drakonische" Maßnahmen gegen solche Produkte nicht nur den
Handel verringern, sondern ihn aufgrund der Preisempfindlichkeit bestimmter
Güter sogar ganz beseitigen.
"Beträchtliche Meinungsverschiedenheiten" zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft gebe es, so Smith, noch bei anderen
Problemen, die sich aus den Handelsstatistiken ableiten, welche von den beiden Handelspartnern erstellt werden.
Er betonte jedoch:

"Wir haben nunmehr einen Prozeß zur Verfügung, mit

dessen Hilfe wir bei künftigen Disputen Lösungen finden können...

- 2 -

Dies zeigt,

�Dies zeigt, wie man sich in einem Geist der Kooperation zusammensetzen und
die Dinge klären kann."
In Washington erklärte ein Vertreter des Außenministeriums, daß sich
die EG - neben der Vereinbarung hinsichtlich des 1984er-Wechselkurses und
der Frage preisempfindlicher Waren - damit einverstanden erklärt habe, Diskrepanzen aus der Welt zu schaffen, die sich bei den Handelsdaten hinsichtlich
der von den Maßnahmen der EG betroffenen Länder ergeben; dies solle durch
laufende Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten geschehen, um den tatsächlichen Umfang des Handels festzulegen und die Quoten entsprechend anzupassen, falls entsprechende Analysen dies erforderlich machen sollten.

- 3 -

�10

7. März 1984

DIE WAHLEN IN AMERIKA 1984
( 3 )
- Erste Trends bei den Demokraten erkennbar

- (AD) - Auch wenn der Weg zur Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Partei - auf dem Parteikonvent vom 16. bis 20. Juli
in San Franzisko - noch weit ist, so hat Senator Gary Hart aus Colorado nach
seinem jüngsten Sieg in Vermont doch eine erstaunliche Ausgangsposition erreicht und einen gewissen Vorsprung vor dem von der Partei favorisierten ehemaligen amerikanischen Vizepräsidenten Walter (Fritz) Mondale gewonnen.
Mondale - der bereits eine Anzahl von Delegierten aus dem Kongreß für
sich gewinnen konnte, die aber nicht endgültig festgelegt sind -, hatte zunächst bei den ParteiVersammlungen am 21. Februar in Iowa fast die Hälfte
der Wählerstimmen und fast alle 50 Delegierten dieses Bundesstaates auf seine
Seite gebracht.

Bereits bei den Vorwahlen in New Hampshire eine Woche später

wurde jedoch der Siegeslauf von Mondale (56) durch Gary Hart (47) gestoppt,
der über 40 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte, gegenüber 29 Prozent für Mondale.

Die Erfolgsserie für Hart setzte sich am 4. März bei den

Partei Versammlungen in Maine fort, wo er 50,7 Prozent der Stimmen gegenüber
43,7 Prozent für Mondale erringen konnte. Auch wenn die Vorwahlen im Staate

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�im Staate Vermont am 6. März vielleicht nicht als besonders bedeutsam angesehen werden, so konnte Hart doch auch hier mit 71 Prozent der Stimmen seinen
Konkurrenten Mondale - mit 20 Prozent der Stimmen - schlagen.
Sicherlich gilt im politischen Leben Amerikas - wie auf allen anderen
Gebieten - der Satz, daß nichts so erfolgreich ist wie der Erfolg.

Der 13.

März, an dem in 11 Staaten der USA Vorwahlen stattfinden, wird vielleicht
eine echte Vorentscheidung bringen.
Daß bei den Republikanern der amtierende Präsident Ronald Reagan als
Kandidat unangefochten ist, darf niemand überraschen.

Wer sein Gegner bei

der Wahl im November sein wird, ist allerdings noch offen.
Ohne Frage spielen die Medien eine Rolle bei der politischen Willensbildung in den Vereinigten Staaten, aber die direkte Ansprache des Wählers, das
Händeschütteln von Haus zu Haus, von Veranstaltung zu Veranstaltung hat seine
Bedeutung noch keineswegs verloren.

Offensichtlich ist es Gary Hart hier ge-

lungen, bei den Wählern "besser anzukommen" als sein im politischen Leben
sehr erfahrener Konkurrent Walter Mondale.

Die Chancen der übrigen Bewerber,

von denen einige bereits aufgegeben haben, dürften nicht allzu günstig beurteilt werden.

Sicherlich werden aber der ehemalige Astronaut und Senator

aus Ohio, John Glenn, und der farbige Bürgerrechtler Jesse Jackson das Rennen nicht so schnell aufgeben.
Senator Gary Hart verfügte zunächst über relativ wenig Mittel und Wahlhelfer - eine Situation, die sich nach seinen Anfangserfolgen sicherlich ändern wird, "wenn mich die Leute erst einmal kennen", wie er nach den Vorwahlen
in New Hampshire sagte.
Gary Hart wurde 1937 in der Farmgemeinde Ottawa im Staate Kansas geboren, wo sein Vater zunächst eine Ranch betrieb und dann Landmaschinen verkaufte.

Sein ursprünglicher Familienname war Hartpence, den Gary während

seines College-Studiums in Hart änderte bzw. verkürzte.

- 2 -

Hart wuchs als Ange-

�als Angehöriger einer konservativen protestantischen Sekte - Kirche der
Nazarener - auf und ging nach Abschluß seiner ersten Studien an dem stark
religiös gebundenen College seiner Sekte an die Yale-Universität, wo er zunächst Philosophie und Theologie studierte.
Nachdem er als Wahlhelfer 1960 für den Präsidentschaftskandidaten John
F. Kennedy tätig gewesen war, zeigte er jedoch Interesse an einer Karriere
im öffentlichen Dienst.

Nach Abschluß seines Jurastudiums in Yale war er zu-

nächst als Anwalt tätig. Mit dem Ende der demokratischen Johnson-Administration ging Hart nach Denver in Colorado, um dort eine Anwaltspraxis zu eröffnen.
Sein Interesse an der Parteiarbeit war jedoch nicht erloschen, und er
war maßgeblich an der Nominierung McGoverns als demokratischer Präsidentschaftskandidat 1972 beteiligt.
Sein großes Organisationstalent half Hart bei seiner Wahl in den amerikanischen Senat im Jahr 1974, und auch 1980 wurde er - gegen den nationalen
Wahltrend für Reagan und republikanische Kandidaten - mit großer Mehrheit
wiedergewählt.
Hart ist seit 25 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder.

+ + + + +

- 3 -

�10

7. März 1984

RAUMSTATION - EINE BRÜCKE ZUR ZUKUNFT
- NASA-Chef James M. Beggs befürwortet Projekt vor Senatsausschuß

WASHINGTON - (AD) - Den Bau einer ständig besetzten Raumstation durch
die Vereinigten Staaten bezeichnete James M. Beggs, der Administrator des
amerikanischen Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA), als den "nächsten logischen Schritt". Beggs äußerte sich zu dem Projekt, das Präsident Reagan
am 25. Januar 1984 in seiner Botschaft zur Lage der Nation vorgeschlagen
hatte, am 27. Februar 1984 vor dem Haushaltsausschuß des amerikanischen Senats.
Die Raumstation, in der sechs bis acht Personen arbeiten werden, soll
mit einem Kostenaufwand von ca. acht Milliarden Dollar entwickelt werden
und Anfang der neunziger Jahre einsatzbereit sein. Mit vorbereitenden Studien wurde eine Expertengruppe unter der Leitung von Prof. Peter M. Banks,
dem Direktor des Laboratoriums für "Space Telecommunications and Radio Science"
der Stanford-Universität (Kalifornien),betraut, die die NASA in der wissenschaftlichen und technischen Planung unterstützen und ihre Untersuchungen in
ca. zwei Jahren abgeschlossen haben soll.
schieht unter der Mitwirkung der Industrie.

Die Auslegung des Systems geAußerdem wird die NASA für die

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�für die Entwicklung neuer Technologien sowie die Einrichtung von Testanlagen
für Komponenten und Technologien zuständig sein.

In einer niedrigen, zur

Äquatorebene geneigten Umlaufbahn soll die Raumstation die Erde umkreisen.
Im folgenden bringen wir die Stellungnahme von NASA-Chef Beggs vor dem
Haushaltsausschuß des Senats in Auszügen:
In seiner Botschaft zur Lage der Nation an den US-Kongreß skizzierte
Präsident Reagan eine kühne neue Initiative der Vereinigten Staaten, die uns
in den neunziger Jahren und in der Zeit danach unsere hart erarbeitete Führungsrolle im Weltraum erhalten und sichern wird.

Die Initiative gilt einer

ständig besetzten Raumstation, die innerhalb eines Jahrzehnts betriebsbereit
sein soll. Die Raumstation soll...:
- das Engagement Amerikas in Forschung, Technologie und Produktivität widerspiegeln und ausweiten;
- friedliche, sichtbare Demonstration der Stärke der USA und ihres festen
Engagements für ihre Führungsrolle sein;
- der eindeutigen Weisung gerecht werden, die das zivile Raumfahrtprogramm gebraucht hat und die in der Erklärung des Präsidenten vom Juli
1982 zur nationalen Raumfahrtpolitik enthalten ist. Sie fordert auch
eine gründliche Überprüfung unserer langfristigen Ziele und Pläne im
Weltraum;
- neue Möglichkeiten für Forschungs- und Anwendungsprojekte schaffen und
so die Tradition wissenschaftlicher Leistungen und Erfolge fortsetzen,
die die Nation inzwischen mit dem Raumfahrtprogramm verbindet.
Die Zeit ist reif für die Raumstation - die Liste für Aufgaben, die
aufgrund der einzigartigen Möglichkeiten der Raumstation in Angriff genommen
und ausgeweitet werden können, ist übervoll.
Und Institutionen der amerika-

�der amerikanischen Industrie wie die NASA stehen bereit, sich entsprechend
der Initiative des Präsidenten an die Arbeit zu begeben.

Die Station ist

meines Erachtens der nächste logische Schritt im Weltraum.
Die Idee einer Raumstation...

ist nicht neu. Aber aufgrund einer Reihe

von Umständen ist die Initiative des Präsidenten zum gegenwärtigen Zeitpunkt
ganz aktuell.

Der wichtigste Grund, jetzt mit einer Raumstation zu beginnen,

ist die Tatsache, daß der Raumtransporter dem Operationenen Betrieb schon
sehr nahe gekommen ist. Nach einem zehnjährigen Entwicklungsprogramm sind
uns jetzt Routine-Starts in eine niedrige Erdumlaufbahn möglich.

Um die ein-

zigartigen Vorteile des Umfelds Weltraum maximal zu nutzen, müssen wir permanent präsent sein, was uns in die Lage versetzt, rund um die Uhr dort zu
arbeiten und die Möglichkeiten bzw. Leistungsfähigkeit des Raumtransporters
voll zu nutzen.

Ohne die Leistungsfähigkeiten der Raumfähre wäre die "eher

ständige Präsenz im Weltraum" nie zu erreichen, die der Präsident in seiner
Erklärung vom 4. Juli 1982 zur nationalen Raumfahrtpolitik erwähnte.
Der zweite Grund ist der, daß die Operationen, die wir mit dem Raumtransporter bisher durchgeführt haben, in der Wirtschaft großes Interesse
an Investitionen für künftige Aktivitäten im Weltraum weckten.

Der Bau ei-

ner Raumstation ist notwendig, um die Einrichtungen zu schaffen, die zu solchen Investitionen sehr ermutigen, und um neue Technologien zu fördern, die
dann auch der amerikanischen Wirtschaft wieder zugute kommen.
Schließlich hat der Raumtransporter auch das internationale Interesse
am amerikanischen Raumfahrtprogramm sehr gefördert, wie die überwältigend
gute Aufnahme der ENTERPRISE in Europa im Sommer letzten Jahres und der überaus erfolgreiche Flug des Weltraumlabors SPACELAB vor drei Monaten beweist.
Wie der Präsident sagte, werden wir das Programm für die Raumstation so planen, daß es unseren Freunden und Verbündeten in aller Welt möglich wird, sich
zu beteiligen und gemeinsam mit uns diesen wichtigen Schritt zu tun.
Aufgrund von

- 3 -

�Aufgrund von Analysen der NASA und der Industrie aus den letzten 18
Monaten dient das Programm "Raumstation" einer ganzen Reihe von Funktionen,
beispielsweise:
- Laboratorium im Weltraum zur Durchführung wissenschaftlicher Aufgaben
und für die Entwicklung neuer Technologien;
- permanentes Observatorium zur Beobachtung von Erde und Universum;
- Verkehrsknotenpunkt, wo Nutzlasten und Fahrzeuge Station machen, um abgefertigt und zu ihrem Ziel auf den Weg gebracht zu werden;
- Dienstleistungsstation, wo diese Nutzlasten und Raumfahrzeuge gewartet
und, falls erforderlich, repariert werden;
- Montagestation, wo dank ausreichender Zeit im Orbit und bei Vorhandensein der erforderlichen Ausrüstungen große Strukturen zusammengebaut
und durchgeprüft werden;
- Fabrikationsstätte, wo der Mensch mit neuen Ideen die besonderen Gegebenheiten nutzen kann, um den kommerziellen Bereich im Weltraum weiter auszudehnen;
- Orbitaldepot, wo Nutzlasten und Teile für den späteren Einsatz auf
Lager gehalten werden; und
- Basis, um von hier aus ehrgeizige künftige Missionen zu starten.
Vielleicht noch wichtiger als jeder dieser Einzelpunkte ist es, daß
die Raumstation meines Erachtens zu wichtigen Aktivitäten und Funktionen
führt, die wir jetzt noch gar nicht voraussagen können.

Sie ist eine grund-

legend neue und vielseitige Leistungsbasis zur Unterstützung von Aktivitäten
im Weltraum in den neunziger Jahren und danach.
Da die

�Da die Auslegung eines bestimmten Typs von Raumstation noch nicht vorliegt, ist es vielleicht angebracht, darzulegen, was nach der gegenwärtigen
Ansicht der NASA die Station zu umfassen hätte.

Eine Raumstation ist als

permanent betriebene Vielzweck-Einrichtung in niedriger Erdumlaufbahn gedacht,
die aus Elementen besteht, in denen sich Menschen aufhalten und aus solchen,
die unbemannt sind - eine Einrichtung, die die Effizienz unserer Operationen
im Weltraum bedeutsam ausweitet. Nach dem gegenwärtigen Stand unserer Vorarbeiten würde die Station aus einer bemannten Basis und dazugehörigen unbemannten Plattformen bestehen, die sowohl wissenschaftlichen als auch anwendungstechnischen Aufgaben dienen und von der bemannten Basis aus betreut werden.

Basis und Plattformen würden aus Segmenten zusammengebaut, die im Nutz-

lastraum der Raumfähre in den Orbit gebracht würden.

Der Raumtransporter

würde auch für die "Logistik", d.h. für den Nachschub an Material und den
Hin- und Hertransport der Besatzung benutzt. Wir glauben, daß eine solche
Station innerhalb eines Jahrzehnts in Betrieb gehen und die Entwicklungsphase
mit schätzungsweise acht Milliarden Dollar nach heutigern Dollarwert bewältigt werden könnte.
Für das Haushaltsjahr 1985 suchen wir um die Bewilligung von 150 Millionen Dollar für das "Programm Raumstation" nach.

Diese Mittel sind als

Mindestsumme, aber ausreichend dafür gedacht, ein Unternehmen dieser Bedeutung und dieses Umfangs in Angriff zu nehmen, und notwendig, um ein effizientes und gut durchdachtes Programm für die Raumstation zu gewährleisten.
Im Hinblick darauf haben wir eine umfangreiche Definitionsphase mit genügend
umfangreichen Mitteln geplant, um sicherzustellen, daß das Programm bei Beginn der Bauphase ganz gründlich definiert sein wird, den Benutzeranforderungen Rechnung trägt und unter Einbeziehung der modernsten verfügbaren Technologie die richtige Mischung von Mensch und Maschine zur Grundlage hat.

Die

Bemühungen um Definition schließen auch einen Automationsplan ein, um das
Beste an Verfahrenstechniken mit und ohne Einsatz von Menschen zu nutzen und
so ein Optimum an Produktivität an Bord der Raumstation zu erzielen.

Das für

das Haushaltsjahr 1985 vorgesehene Programm wird das erste Jahr dieser detaillierten Bemühungen um technische Definitionen umfassen, welche die Grundlage

- 5 -

�die Grundlage für die endgültigen Pläne zum Bau der Raumstation bilden.
Der Etat für 1985 enthält außerdem ein positives Element für die Zielsetzung und institutionelle Stabilität des Programms. Die auf fünf Jahre
ausgelegten Projektionen sehen auch einen realen Aktivitätszuwachs der NASA
von einem Prozent jährlich über die Zeit von 1986 bis 1989 vor.o.

+ + + + +

�UJi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

7. März 1984

10

PLANET VENUS VULKANISCH AKTIV

- (AD) - "Heftige vulkanische Aktivität" auf dem Planeten Venus sei,
wie jetzt Wissenschaftler vom Ames-Forschungslaboratorium des amerikanischen
Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) in Kalifornien berichteten, als Ursache
der zweitweil ig sehr hohen Schwefelkonzentration in der Venusatmosphäre anzunehmen.

Dies habe eine eingehende Analyse der von den amerikanischen PIONIER-

VENUS-Sonden, von denen eine seit Dezember 1978 den Planeten umkreist, übermittelten Meßdaten ergeben.

Allem Anschein nach kam es im Jahr 1978, noch vor

dem Eintreffen der Sonden, zu einer Eruption, die mindestens zehnmal gewaltiger war als von den stärksten Vulkanausbrüchen auf der Erde bekannt. Zu
letzteren zählt z. B. ein Ausbruch eines Vulkans auf der Insel Krakatau
(Indonesien) im Jahr 1983, der fast 36 500 Menschen das Leben kostete und
über die Hälfte der Insel zerstörte.
Nach Meinung der NASA-Wissenschaftler kommt den neuen Erkenntnissen
große Bedeutung zu, da der Planet Venus angesichts seiner ähnlichen Größe,
Masse, Dichte und nur geringfügig kürzeren Entfernung von der Sonne als "Zwilling der Erde" betrachtet wird.
tischen Wert für die Geologie...

"Diese Daten sind von unmittelbarem prakund unsere Erkenntnise über die Entwicklung

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die Entwicklung der Erde", heißt es in einer Presseverlautbarung der NASA.
Larry Esposito, Astronom an der Universität Colorado, berichtet aufgrund wiederholter und sehr eingehender Datenauswertung, daß sich im Jahr 1978 die
Schwefeldioxidkonzentration in der Venus-Atmosphäre um 50 Prozent erhöhte,
seitdem aber ständig, auf etwa ein Zehntel der ersten Werte, zurückgegangen
sei.

Ähnliche Beobachtungen einer Schwefelanreicherung in der Atmosphäre

mache man nach einer starken Vulkanausbruch auf der Erde.
Wie Esposito weiter erklärte, dürften die Schwefelmassen bis in 70 km
Höhe getragen worden sein - und dies in einer Atmosphäre, die hundert Mal
dichter ist als die Lufthülle der Erde. Nach topographischen, Schwerefeldund Radardaten scheinen "Beta Regio" und "Atla Regio" die jüngsten vulkanischen Regionen zu sein. Laut Dr. Harold Masursky vom Geologischen Bundesamt der Vereinigten Staaten, scheint vor allem die Beta-Region aus zwei gewaltigen Schild-Vulkanen zu bestehen, die sich über mehr als 2400 km hinziehen und größer sind als die gesamte Kette von Hawaii und Midway zusammen.
Bei vulkanischer Aktivität in jüngster Zeit auf der Venus werden außerdem "wiederholt Bündel elektrischer Entladungen beobachtet, sehr ähnlich den
Blitzen in den Rauchsäulen irdischer Vulkane", so Masursky.

Vermutlich seien

die Planeten Erde und Venus sowie der Jupitermond lo die einzigen vulkanisch aktiven Himmelskörper in unserem Sonnensystem.

Allerdings dürfte erst die für

1988 geplante Radarsondierung der Venus schlüssige Antworten zur Frage von
Vulkanismus auf der Venus liefern.

- 2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan würdigt deutsch-amerikanische Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung nach dem Treffen mit Bundeskanzler Kohl -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Volcker: Spartätigkeit Grundlage eines anhaltenden Wachstums&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ausführungen des US-Bundesbankpräsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Spezialstahldisput zwischen USA und EG beigelegt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahlen in Amerika 1984&lt;br /&gt;(3)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Trends bei den Demokraten erkennbar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;br /&gt;Raumstation - eine Brücke zur Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- NASA-Chef James M. beggs befürwortet Projekt vor Senatsausschuss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Planet Venus vulkanisch aktiv</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Ä
+ **%
7. März 1990

HANDEL

OFFENE MARKTE UND FAIRER
WETTBEWERB:
AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK FÜR
DIE NEUNZIGER JAHRE
Rede von Botschafter Walters
vor dem Übersee-Club
ABBAU VON HANDELSSCHRANKEN
HAUPTZIEL IM JAHR 1990
Auszug aus dem Bericht der
US-Handelsbeauftragten

WIRTSCHAFT

EUROPA UND DIE VEREINIGTEN STAATEN
VON AMERIKA:
VERANTWORTUNG FÜR EINE WELT
IM WANDEL
Rede von Botschafter Walters beim
Initiativkreis Ruhrgebiet

OSTEUROPA

WEBSTER: WANDEL IN DER SOWJETUNION
UNUMKEHRBAR
Rede des CIA-Direktors vor
Kongreßausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392366
Telex: 8-85432

�HANDEL
7. März 1990

OFFENE MÄRKTE UND FAIRER WETTBEWERB:
AMERIKANISCHE HANDELSPOLITIK FÜR
DIE NEUNZIGER JAHRE
Rede von Botschafter Walters vor dem Übersee-Club
HAMBURG - (AD) - In einer Rede vor dem Übersee-Club in Hamburg am 8. März 1990 betonte Botschafter
Walters erneut die Ziele der amerikanischen Handelspolitik, "faire Wettbewerbsbedingungen und offene Märkte
weltweit", zu denen auch der erfolgreiche Abschluß der gegenwärtigen GATT-Runde Ende dieses Jahres
gehört. Es gehe darum, das Welthandelssystem den heutigen Erfordernissen anzupassen und auf eine solide
Grundlage zu stellen.
Der Botschafter verwies darüber hinaus auf die Bedeutung der Uruguay-Runde und erklärte, "das Welthandelssystem steht vor einem Wendepunkt: auf der einen Seite liegt eine Welt offener Märkte, zunehmenden Handels
und wachsenden Wohlstands. Auf der anderen Seite liegt eine Welt des Protektionismus, der Handelsblöcke
und der Wirtschaftskrisen." Es liege auf der Hand, welchen Weg wir alle verfolgen - "und deshalb wollen wir noch
in diesem Jahr verläßliche und effiziente Rahmenbedingungen für den Welthandel schaffen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Walters im Wortlaut.

Sehr geehrte Damen und Herren,
es ist mir eine große Freude, heute abend vor den
Mitgliedern und Gästen des Übersee-Clubs sprechen
zu können. Ihr ehrwürdiger Club mit seinem regen
Interesse an internationalen Wirtschaftsfragen und
weltweiter Zusammenarbeit ist geradezu bezeichnend
für die außergewöhnliche Weltoffenheit Hamburgs
und seiner Bürger. Ich freue mich aber auch, wieder in
Ihrer schönen Stadt zu sein, deren Eleganz und Wirtschaftskraft mir immer von neuem imponiert.
Hamburg unterhält seit Jahrhunderten in alle Himmelsrichtungen rege politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen. Ich habe erfahren, mit Ausnahme von
New York soll es in keiner anderen Stadt der Welt mehr
Konsulate geben als in Hamburg. Auch wir waren uns
stets der Bedeutung dieses Wirtschafts- und Handelszentrums bewußt. Von Anfang an sind die offiziellen
Beziehungen zwischen Ihrer Stadt und meinem Land
eng und intensiv gewesen. Bereits im Jahre 1790 also relativ kurze Zeit nach Gründung der Vereinigten
Staaten - ließ Thomas Jefferson, unser damaliger
Außenminister, hierein Konsulat errichten. In diesem
Jahr feiert folglich das amerikanische Generalkonsulat
AMERIKA DIENST 9

sein 200jähriges Bestehen. Das Hamburger Amerika
Haus begeht ebenfalls ein Jubiläum dieses Jahr: es
wurde vor 40 Jahren zur Pflege der deutsch-amerikanischen Kulturbeziehungen gegründet.
Die Hansestadt Hamburg verbindet aber auch eine
lange Tradition mit dem Osten Europas und dem
Gebiet der heutigen DDR. Jahrhundertelang trieben
Hamburger Kaufleute Handel mit Rostock, Riga und
anderen Städten an der Ostsee. Auf der Elbe kamen
Lastkähne aus Sachsen und Brandenburg. Die Teilung Deutschlands und Europas war für die Hamburger Bürger, mit ihrem ausgeprägten Sinn für Freiheit
und Weltoffenheit, besonders schmerzhaft. Es ist
deshalb bezeichnend für diese Stadt, daß sie - als das
Eis des kalten Krieges zu schmelzen begann - bald
eine Partnerschaft mit Dresden einging und ständig
bemüht ist, diese weiter auszubauen. Sie haben auf
kommunaler Ebene bereits ein Klima der Partnerschaft und des Miteinanders geschaffen, was für das
Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten
sicherlich von großer Bedeutung sein wird.
Ich glaube, mit dem Jahr 1989 hat eine neue Epoche
für Europa begonnen. Die Einheit Deutschlands ist in
Seite 1

�greifbare Nähe gerückt; die ideologische Teilung dieses Kontinents aufgehoben. Und alles ging unglaublich schnell. Hatte nicht Erich Honecker noch vor
einem Jahr davon gesprochen, daß die Mauer noch in
hundert Jahren stehen würde? Heute ist die Mauer und Erich Honecker - bereits Geschichte. War nicht
Vaclav Havel vor einem Jahr noch ein politischer
Gefangener in der Tschechoslowakei, dem es nicht
erlaubt war, den Friedenspreis des deutschen Buchhandels entgegenzunehmen? Vor wenigen Monaten
ging er als Staatspräsident seines Landes durch das
Brandenburger Tor. Und kürzlich plädierte er vor dem
amerikanischen Kongreß dafür, Gorbatschows Perestrojka zu unterstützen, also jenem Land zu helfen,
dessen Truppen den Prager Frühling so brutal beendet
haben. Oder, um ein alltägliches Beispiel zu nehmen,
wer hätte sich vor einem Jahr die vielen Besucher aus
der DDR in Hamburg vorstellen können?
Die Entwicklung in Mittel- und Osteuropa ist unglaublich rasant verlaufen. Die politische Umgestaltung
verlief rasch; die wirtschaftliche Erneuerung wird allerdings mehr Zeit in Anspruch nehmen. In den letzten
Wochen und Monaten wurde viel davon gesprochen,
wie der Westen zur wirtschaftlichen Entwicklung in
Mittel- und Osteuropa beitragen kann. Ich möchte im
folgenden die Ansicht meiner Regierung zu dieser
Frage vortragen.
Mit unseren westlichen Partnern und mit den östlichen
Reformern sind wir uns einig, daß die zentral gelenkte
Planwirtschaft auf ökonomischem wie auf ökologischem Gebiet versagt hat. Andererseits hat die Geschichte gezeigt, daß gerade die Marktwirtschaft die
Menschen am besten und effektivsten mit Waren und
Dienstleistungen versorgt. Deshalb ist die Einführung
einer in die Weltwirtschaft integrierten marktwirtschaftlichen Ordnung die beste Voraussetzung für Wohlstand und soziale Sicherheit. In diesem Jahrhundert
haben wir die Auseinandersetzung zweier Deutscher
um die beste Wirtschaftsordnung miterlebt. Dabei hat
Ludwig Erhard klar über Karl Marx gesiegt.
Es gibt begründete Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in Mittel- und Osteuropa. Aber es
wird damit gerechnet, daß kurz- und mittelfristig die
wirtschaftliche Neugestaltung in diesen Staaten mit
beträchtlichen Lasten für die Menschen verbunden
sein wird. Der Umstellungsprozeß wird Preissteigerungen und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zur
Folge haben. Die Bürger wissen, daß sie zur Gesundung ihrer Wirtschaft Opfer bringen müssen. Aber
dennoch ist nicht auszuschließen, daß wirtschaftliche
Probleme den Reformprozeß insgesamt bremsen und
die politische Stabilität in einigen Ländern gefährden.
Dies liegt nicht in unserem Interesse. Deshalb hat die
amerikanische Regierung in enger Zusammenarbeit
mit ihren Partnern und Verbündeten eine Reihe von
Maßnahmen zur wirtschaftlichen Erneuerung Osteuropas ergriffen. Einige davon möchte ich im folgenden
kurz anführen:
Seite 2

I n enger Zusammenarbeit mit der E uropäischen
Gemeinschaft haben wir ein Wirtschafts- und
Finanzhilfeprogramm für Ungarn und Polen
ersteilt. Die amerikanische Regierung hat für
diesen Zweck fast eine Milliarde Dollar bereitgestellt. Außerdem haben wir einen Beitrag von
200 Millionen Dollar in den sogenannten Stabilisierungsfonds für Polen eingebracht.
Am 28. November unterzeichnete Präsident
Bush ein Gesetz zur Unterstützung der Demokratien in Osteuropa. Dieses Gesetz sieht öffentliche und private Hilfsprogramme für jene
Länder vor, die entscheidende Schritte zum
politischen Pluralismus und zu einer marktwirtschaftlichen Ordnung unternommen haben. Mit
Darlehen, Bürgschaften, technischer Hilfe und
Managementtraining wollen wir zur Entwicklung
eines gesunden Privatsektors beitragen.
Die amerikanische Regierung wird demnächst
neben Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei auch den anderen Reformländern in Osteuropa, einschließlich der Sowjetunion, den Status der Meistbegünstigung gewähren. Außerdem sind zur Zeit Verhandlungen über Handelsund Investitionsschutzabkommen mit diesen
Ländern im Gange.
Unser Stellvertretender Außenminister Eagleburger
bekräftigte am 16. Februar vor der Amerikanischen
Handelskammer unsere Bereitschaft, beträchtliche Mittel
für die wirtschaftliche Gesundung Osteuropas bereitzustellen. Aber Eagleburger betonte auch, daß wir die
heutige Situation in Osteuropa nicht mit der Westeuropas nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichen können.
Zwar war damals die wirtschaftliche Situation aufgrund
der zerstörten Produktionsanlagen und Verkehrswege
katastrophal, aber unsere Wiederaufbauhilfe wurde
Völkern gewährt, die fast alle bereits Erfahrung mit
einem freien Wirtschaftssystem hatten. Die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für eine Marktwirtschaft waren entweder schon vorhanden oder konnten
relativ rasch wiedereingeführt werden. Die Finanzhilfe
im Rahmen des Marshallplans floß nicht in ein Faß
ohne Boden, sondern ermöglichte Investitionen und
die Wiederaufnahme der Produktion.
In den COMECON-Staaten hingegen müssen die
grundlegenden Strukturen der Marktwirtschaft erst
eingerichtet werden. Mit einer massiven Finanzhilfe
können wir die Probleme im Osten nicht lösen. Sie
erinnern sich, wie wenig die Milliardenkredite an diese
Länder in den siebziger Jahren bewirkten. Wir unterstützen deshalb die entsprechenden Regierungen bei
der Errichtung der Marktwirtschaft. Wir ermutigen sie,
günstige Bedingungen sowohl für einheimische Unternehmer und Firmengründer als auch für ausländische
Investoren zu schaffen.

AMERIKA DIENST 9

�Nach Ansicht von Experten könnte Osteuropa bei
erfolgreichen Wirtschaftsreformen zum Wachstumsmarkt der neunziger Jahre und darüber hinaus werden. Im Jahre 1988 betrugen die Importe aus den
COMECON-Staaten jedoch nur 0,5 Prozent unserer
Gesamteinfuhren. Der Anteil der amerikanischen
Ausfuhren in diese Länder lag im gleichen Jahr bei 1,1
Prozent. Der Außenhandelsanteil der Bundesrepublik
mit dem Comecon war 1988 mit 3,5 Prozent bei den
Exporten und mit 3,7 Prozent bei den Importen ebenfalls sehr gering. Mit einer Steigerung des Ost-WestHandels wird zwar in den kommenden Jahren gerechnet, aber es wird lange dauern, bis unsere Wirtschaftsbeziehungen auf dem zwischen Industriestaaten üblichen Stand sind.
Wir sollten deshalb nicht übersehen, daß auf absehbare Zeit der weitaus größte Teil des Welthandels weiterhin zwischen den Industrienationen stattfinden wird.
Die Bundesrepublik Deutschland beispielsweise wikkelt über 80 Prozent und die Vereinigten Staaten über
60 Prozent ihres Außenhandels mit Mitgliedstaaten
der OECD, den 24 wichtigsten Industrieländern, ab.
Bei aller Begeisterung für die Veränderungen und
Chancen in Europa dürfen wir deshalb globalen Herausforderungen nicht weniger Bedeutung beimessen.
Und bei allem Engagement für die Reformen in Osteuropa müssen wir auch darauf achten, daß die Weltwirtschaft und der Welthandel insgesamt intakt bleiben.
Ich glaube, wir müssen uns vorsehen, daß in diesem
Jahrzehnt Handelskonflikte nicht an die Stelle des
kalten Krieges treten. Mit dem Abriß politischer und
ideologischer Mauern sollten auch weltweit die zahlreichen und vielfältigen Handelsbarrieren abgebaut werden. Meine Regierung ist der Ansicht, daß offene
Märkte und faire Wettbewerbsbedingungen die Voraussetzung für eine florierende Weltwirtschaft sind.
Diese Meinung teilen Wirtschaftswissenschaftler unterschiedlicher Schulen wie der konservative Milton
Friedman und der liberale Paul Samuelson. Samuelson beispielsweise schreibt: "Der freie Handel fördert
eine für alle Beteiligten nutzbringende regionale Arbeitsteilung ... und ermöglicht einen höheren Lebensstandard weltweit." Aber auch die wirtschaftliche
Entwicklung in den letzten Jahrzehnten bestätigt die
Richtigkeit dieser Auffassung. Das deutsche Wirtschaftswunder wäre niemals möglich gewesen, wenn
die Bundesrepublik nicht mit dem Rest der Welt hätte
Handel treiben können. Und ohne ein liberales Welthandelssystem wäre die Bundesrepublik Deutschland
auch nicht in der Lage, etwa ein Drittel ihres Bruttosozialprodukts zu exportieren. Ohne den umfangreichen
weltweiten Warenaustausch und die internationale
Arbeitsteilung hätten wir weder in Europa noch in
Amerika diesen hohen Lebensstandard.

AMERIKA DIENST 9

Es besteht große Übereinstimmung darin, daß das
Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen die Grundlage für die beispiellose Zunahme des Welthandels in
den letzten vier Jahrzehnten war. Seit seinem Inkrafttreten am 1. Januar 1948 wurden in sieben Verhandlungsrunden der Abbau oder die Reduzierung von
Zöllen vereinbart. Das GATT-System erleichterte den
Handel zwischen den Staaten, förderte Vielfalt und
Arbeitsteilung und bot der Weltwirtschaft den Freiraum
zu expandieren.
Ich weiß, ein liberaler Welthandel bedeutet für die
Staaten der Welt, seine Unternehmen dem freien
Wettbewerb auszusetzen. Es kommt dann natürlich
vor, daß die internationale Konkurrenz so manchem
Wirtschaftszweig schwer zu schaffen macht. Aber der
Wettbewerb sorgt für effizientes Wirtschaften, Innovation und optimalen Umgang mit den Resourcen. Nur
Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, achten darauf,
daß der Kunde König ist.
Eingriffe der Regierungen in den Wettbewerb zum
Schutz der heimischen Wirtschaft führen in der Regel
langfristig nicht zum gewünschten Ergebnis. Subventionen werden zu Dauerbelastungen, weil sich die
betreffenden Wirtschaftszweige darauf einrichten. Es
erfordert dann viel politischen Mut, diesen Gewöhnungseffekt zu unterbrechen. Die Landwirtschaft ist
ein Beleg hierfür. Wir dürfen auch nicht außer acht
lassen, daß einzelne protektionistische Maßnahmen
das ganze System in Gefahr bringen. Staatlicher
Schutz und Subventionen für einen Wirtschaftszweig
in einem Land führen meist zu Gegenmaßnahmen in
anderen. Folglich muß der Welthandel auf mulitlateral
vereinbarten Regeln beruhen. Die amerikanische
Regierung tritt deshalb mit Nachdruck für eine Stärkung und eine Erweiterung des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens ein.
Präsident Bush hat den erfolgreichen Abschluß der
gegenwärtigen GATT-Runde zum Hauptziel seiner
Handelspolitik erklärt. Diese sogenannte UruguayRunde, benannt nach dem Land, in dem diese Verhandlungsrunde vereinbart worden ist, soll Ende dieses Jahres zu Ende gebracht werden. Von der Öffentlichkeit leider zu wenig beachtet, sind zur Zeit intensive
Verhandlungen in Genf im Gange. Es geht darum, das
Welthandelssystem den heutigen Erfordernissen
anzupassen und auf eine solide Grundlage zu stellen.
Unsere Handelsbeauftragte, Carla Hills, unterstrich
die Bedeutung der Uruguay-Runde mit folgenden
Worten: "Das Welthandelssystem steht vor einem
Wendepunkt: auf der einen Seite liegt eine Welt
offener Märkte, zunehmenden Handels und wachsenden Wohlstands. Auf der anderen Seite liegt eine Welt
des Protektionismus, der Handelsblöcke und der Wirtschaftskrisen." Es ist offensichtlich, welchen Weg wir

Seite 3

�alle einschlagen wollen - und deshalb wollen wir noch
in diesem Jahr verläßliche und effiziente Rahmenbedingungen für den Welthandel schaffen. Ein Scheitern
dieser Konferenz, so befürchten wir, würde zum Entstehen von Handelsblöcken durch bilaterale Vereinbarungen führen und dem Protektionismus Tür und Tor
öffnen.
Im einzelnen wollen wir in Genf folgendes erreichen:
erstens eine grundlegende Reform des Agrarhandels;
zweitens die Erweiterung des GATT-Systems
auf Bereiche wie Dienstleistungen, Investitionen und geistiges Eigentum;
drittens einen verbesserten Zugang zu den
Märkten;
viertens die Beseitigung von wettbewerbsverzerrenden Subventionen;
und fünftens eine faire und wirksame Schiedsgerichtsbarkeit im Rahmen des GATT.
Zusammenfassend zeigt sich in diesen Punkten das
Ziel amerikanischer Handelspolitik: Wir wollen faire
Wettbewerbsbedingungen und offene Märkte weltweit.
Mit den Europäern sind wir uns im gro ßen und ganzen
in der Zielsetzung einig. Aber das Hauptproblem
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft sowohl in der laufenden GATTRunde als auch auf bilateraler Ebene liegt im Agrarhandel. Wir sind ein traditionelles Agrarexportland;
landwirtschaftliche Erzeugnisse machen etwa zwanzig Prozent aller amerikanischen Ausfuhren aus. Unsere
Landwirtschaft ist wettbewerbsfähig und eine Exportsteigerung ist durchaus noch möglich. Aber unsere
Agrarexporteure treffen zum einen auf einen protektionistischen Wall um die EG; zum anderen konkurrieren
subventionierte Agrarprodukte aus der EG auf dem
Weltmarkt mit amerikanischen Erzeugnissen, die zum
Teil nun ebenfalls subventioniert werden.
Der Subventionswettlauf zwischen der EG und den
USA hat inzwischen absurde Ausmaße angenommen.
Im Jahr 1988 gaben die Europäer etwa 120 Milliarden
Dollar und wir Amerikaner etwa 75 Milliarden Dollar für
die Unterstützung der Landwirtschaft aus. Folglich
kosten Subventionen im Agrarbereich jeden EG-Bürger, ob Kleinkind oder Greis, jährlich etwa 800 D-Mark.
Jeder Amerikaner gibt dafür fast 300 Dollar im Jahr
aus.
Am 25. Oktober unterbreitete daher meine Regierung
der GATT-Runde in Genf einen umfassenden Plan zur
Reform des internationalen Agrarhandels. Unter
anderem schlugen wir vor, die Exportsubventionen
innerhalb von fünf Jahren zu beseitigen. Außerdem

Seite 4

machten wir Vorschläge zur graduellen Beseitigung
von Einfuhrbarrieren und von wettbewerbsverzerrenden Subventionen im Agrarbereich weltweit. Die EG
hat vorschnell, wie ich meine, unsere Vorschläge als
unrealistisch abgelehnt.
Wir hoffen aber, daß wir mit der EG zu einer Einigung
kommen, denn die zermürbenden Grabenkämpfe sind
eine stetige Belastung für unsere Handelsbeziehungen. Wir führten Hähnchen-und Spaghettikriege. Wir
stritten wegen der geplanten EG-Fettsteuer und belegten Walnüsse und Dosenfrüchte gegenseitig mit Strafzöllen. Ich sehe eine große Gefahr, daß Handelskonflikte zu einer zunehmenden Belastung für die transatlantischen Beziehungen insgesamt werden. Dies
müssen wir gemeinsam verhindern, und deshalb darf
die Uruguay-Runde nicht am Agrarprotektionismus
der EG scheitern.
Ich gebe zu, daß auch die Vereinigten Staaten Maßnahmen zum Schutz ihrer Wirtschaft beseitigen müssen. Meine Regierung hat ihre Bereitschaft hierzu
erklärt. Aber, um unsere Handelsbeauftragte, Carla
Hills, zu zitieren, wir werden nicht einseitig abrüsten.
Wir möchten, daß alle bei der Reform des Welthandels
mitmachen. Unsere Politik der Marktöffnung und der
Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen richtet sich
nicht nur nach amerikanischen Unternehmensinteressen. Wir wollen prinzipiell gleiche Chancen für alle
Beteiligten in der Weltwirtschaft. Unsere Bemühungen um die Öffnung des japanischen Rindfleischmarktes sind beispielsweise für die australischen Viehzüchter mindestens ebenso ein Gewinn wie für unsere
Fleischexporteure.
In den Verhandlungen in Genf geht es auch darum,
den Dienstleistungsbereich weltweit zu liberalisieren.
Der tertiäre Sektor verzeichnet gegenwärtig die höchsten Wachstumsraten, und seine Bedeutung wird in
der Zukunft in allen Ländern weiter zunehmen. In
meinem Land beispielsweise werden heute ungefähr
68 Prozent des Bruttosozialprodukts im Dienstleistungsbereich erwirtschaftet. Etwa neunzig Prozent aller
neugeschaffenen Arbeitsplätze entfallen auf diesen
Sektor.
Trotz seiner zunehmenden Bedeutung ist der Wettbewerb bei den Dienstleistungen noch sehr stark national
reguliert. Banken, Versicherungen und andere Dienstleistungsunternehmen sind heute mit einer Fülle von
Wettbewerbsbarrieren konfrontiert. Wir haben den
wachstumfördernden Effekt der Zollsenkungen im
Warenhandel gesehen. Wir sind deshalb überzeugt,
daß ein Abbau nationaler Barrieren auch im Dienstleistungsbereich einen beträchtlichen Wachstumsschub
weltweit auslösen würde.
Unsere Handelspolitik steht natürlich in einem engen
Zusammenhang mit der Politik und der wirtschaftlichen Situation unserer Handelspartner. Unser besonderes Interesse gilt dabei der Europäischen Gemein-

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�schaft, mit der wir über ein Fünftel unseres Au ßenhandels abwickeln.
Mit der Schaffung des EG-Binnenmarktes entsteht ein
Wirtschaftsraum vergleichbar mit dem der Vereinigten
Staaten von Amerika. Das Bruttosozialprodukt der EG
entspricht in etwa dem unseren; auch das Außenhandelsvolumen ist gegenwärtig ungefähr gleich. Die
Europäische Gemeinschaft ist wirtschaftlich den Vereinigten Staaten ebenbürtig geworden. Wir begrüßen
diese Entwicklung. Ein politisch und wirtschaftlich
stabiles und starkes Europa war Ziel unserer Nachkriegspolitik und ist es immer noch.
Mit dem Marshallplan schufen wir die Grundlagen für
die europäische Einigung. Wir legten größten Wert
darauf, daß die Europäer mit unserer Hilfe gemeinsam
stabile wirtschaftliche und politische Strukturen errichten konnten. Die Mitarbeit bei der Planung und Durchführung unserer Wiederaufbauhilfe trug beispielsweise zu einer Annäherung zwischen Deutschen und
Franzosen bei. Die amerikanische Regierung ermutigte und unterstützte die beteiligten Länder 1951 bei der
Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle
und Stahl. Ebenso begrüßten wir die Schaffung der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft sechs Jahre
später.
Wir sehen auch in der Errichtung des EG-Binnenmarkts große Chancen sowohl für Europa als auch für
die gesamte Weltwirtschaft. Ein dynamisches, von
nationalen Regulierungen und Barrieren befreites Europa
kann einen wichtigen Beitrag zu weltweitem Wirtschaftswachstum leisten. Wie Sie wissen, sind wir in
den letzten Jahren Tendenzen in der EG entgegengetreten, gewisse Teilbereiche des Binnenmarktes mit
protektionistischen Barrieren nach außen abzuschirmen. Ich verstehe, daß es politischen Mut erfordert,
bisher national regulierte Branchen nicht nur dem
Wettbewerb innerhalb der EG, sondern weltweit zu
überlassen. Aber wenn ein Wirtschaftsraum Barrieren
errichtet, wird ein anderer folgen. Und eine solche
protektionistische Eskalation wollen wir unter allen
Umständen verhindern.

es uns beispielsweise, den Streit um die Zweite Bankenrichtlinie auszuräumen, die Banken aus Ländern
außerhalb der EG diskriminiert hätte. Nun können
amerikanische Banken in der EG wie europäische
Geldinstitute ihren Service anbieten. Und in meinem
Land finden Amerikaner wie Europäer im Bankengeschäft die gleichen Bedingungen vor.
Es ist noch unser Ziel, am Wettbewerb bei den öffentlichen Aufträgen besser teilhaben zu können. Wir
werden unsere Position dazu demnächst der EG mitteilen. Die EG-Kommission hat ihrerseits versichert,
daß sie zusammen mit der Industrie - auch mit amerikanischen Unternehmen in Europa - eine Kompromißlösung finden will. Die amerikanische Regierung und
die EG suchen auch nach Wegen, Testverfahren und
Sicherheitsbestimmungen gegenseitig anzuerkennen,
um den Handel zwischen beiden Kontinenten zu erleichtern und Diskriminierung zu verhindern. Neben
bilateralen Gesprächen spielen natürlich das GATTSystem und die Uruguay-Runde auch bei europäischamerikanischen Handelsfragen eine wichtige Rolle.
Die Kontroverse im Agrarbereich habe ich bereits
erwähnt.
Wir sind erfreut, daß bei der Vorbereitung des EGBinnenmarktes die Konsultationen zwischen amerikanischen Behörden und der EG-Kommission intensiviert und erweitert werden konnten. Wie Außenminister Baker in Berlin betonte, werden die Bindungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der EG in
Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Mit der schrittweisen Übertragung von souveränen Rechten der
Mitgliedstaaten an die Institutionen der Europäischen
Gemeinschaft werden diese mehr und mehr auch eine
politische Rolle spielen. Die Entscheidung der Staatsund Regierungschefs auf dem Pariser Gipfel, die EG
mit der Koordination der Wirtschaftshilfe für Osteuropa
zu beauftragen, unterstreicht diese Rolle.

Wir sind nun froh, daß unsere Bedenken im großen
und ganzen durch intensive Gespräche auf beiden
Seiten des Atlantiks ausgeräumt wurden. Die Europäische Gemeinschaft hat in der Tat wichtige Schritte in
Richtung größerer Marktoffenheit und mehr Wettbewerb unternommen. Es wäre absurd, wenn wir gegenüber den osteuropäischen Volkswirtschaften die Segnungen einer freien Marktwirtschaft preisen, während
wir gleichzeitig immer größere Teilbereiche aus dem
Wettbewerb ausklammern.

Wenn wir vom Welthandel reden, schließt dies natürlich nicht nur die großen Industrienationen ein. Vor
allem der Dritten Welt muß in diesem Jahrzehnt die
Möglichkeit eingeräumt werden, ihre Volkswirtschaften zu entwickeln und am wachsenden Wohlstand in
der Welt teilzuhaben. Entwicklungshilfe der Industriestaaten ist ein wichtiger Beitrag für eine gerechtere
Welt. Aber ich glaube, daß es noch viel wichtiger ist,
daß die Menschen in der Dritten Welt ihr Brot selber
verdienen können. Das erfordert allerdings, daß wir
den Entwicklungsländern die Möglichkeit einräumen,
ihre Waren bei uns zu verkaufen, um Devisen zu
erwirtschaften. In dieser Hinsicht kann mein Land mit
Stolz vergleichsweise beachtliche Ergebnisse vorweisen.

Wir legen gro ßen Wert auf den Dialog mit der EG, denn
Differenzen können frühzeitig erörtert und ausgeräumt
werden. Wir wollen durch enge Konsultationen Handelskonflikte vermeiden, die die transatlantischen
Beziehungen insgesamt belasten könnten. So gelang

Im Jahre 1987 betrugen beispielsweise unsere Fertigwarenimporte aus der gesamten Dritten Welt mehr als
das Doppelte von dem, was die EG aus diesen Staaten
einführte. Aus den hochverschuldeten Ländern importierten wir im gleichen Jahr mehr als dreimal soviel

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�Fertigerzeugnisse wie die EG. Genauso bemerkenswert sind die unterschiedlichen Wachstumsraten an
Einfuhren aus diesen Staaten zwischen 1980 und
1987: sie nahmen im Bereich der Fertigwaren bei uns
um über 200 Prozent und in der EG nur um 73 Prozent
zu. Ich glaube, die wirtschaftliche Zukunft der Dritten
Welt würde um einiges besser aussehen, wenn auch
andere Industrienationen ihre Importe aus den Entwicklungsländern in etwa auf unser Niveau brächten.
Sie sehen, unser Engagement ist sowohl im Westen
als auch im Osten gefordert. Die Verschuldungskrise
der Dritten Welt verlangt unsere Aufmerksamkeit
genauso wie die wirtschaftlichen Reformen in Mittelund Osteuropa. Probleme im internationalen Handel
müssen gelöst, globalen Herausforderungen wie
Umweltproblemen, Drogenhandel und Terrorismus muß
gemeinsam begegnet werden. Auch ein vereintes

*

Seite 6

Deutschland braucht eine stabile Weltwirtschaftsordnung. Mit dem Abbau der Spannungen im Ost-WestVerhältnis und dem Niedergang des Kommunismus
sollten wir nicht nachlassen in unserem gemeinsamen
Bemühen um eine bessere Welt in Ost und West, in
Nord und Süd.
Meine Damen und Herren, wenn die Prognosen zutreffen und die Bedingungen sich nicht unerwartet verschlechtern, so stehen wir am Beginn eines vielversprechenden Jahrzehnts. Wie wohl selten zuvor in der
Geschichte haben wir in den vor uns liegenden Jahren
die große Chance, gemeinsam eine Welt des Friedens
und des Wohlstands für alle zu schaffen. Ich glaube,
wir sollten sie nutzen.
Ich danke Ihnen.

*

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�HANDELSPOLITIK
7. März 1990

ABBAU VON HANDELSSCHRANKEN HAUPTZIEL
IM JAHR 1990
Auszug aus dem Bericht der US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Das Büro der US-Handelsbeauftragten hat am 28. Februar 1990 den jüngsten
"Jahresbericht des Präsidenten der Vereinigten Staaten zum Programm über Handelsvereinbarungen" herausgegeben. Aus dem 91 Seiten umfassenden Bericht veröffentlichen wir nachfolgend das Kapitel mit dem Titel
"Die Tagesordnung für 1990" im Wortlaut.

Zu Beginn des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts steht das Welthandelssystem an einem Scheideweg zwischen weiterer Liberalisierung und Expansion einerseits und Protektionismus und Rückgang
andererseits. Im Jahr 1990 wird die Bush-Administration die Kräfte des freien Handels in der ganzen Welt
durch den erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde im Dezember unterstützen und stärken.

Um dieses Ziel zu erreichen, legt die handelspolitische
Tagesordnung der Administration im Jahr 1990 besondere Betonung auf folgende drei Ziele:

Die Administration wird überdies besonders engagiert eine Reihe von bilateralen und regionalen Maßnahmen verfolgen, die ihre multilateralen Ziele ergänzen.

Die Administration strebt an, bis Dezember 1990 in der
Uruguay-Runde Vereinbarungen mit folgenden Komponenten abzuschließen:

Ausgehend von dem festen Glauben an den Wettbewerb haben die Vereinigten Staaten eine führende
Rolle dabei übernommen, die Handelsschranken weltweit abzubauen. Mit dem Einsturz von Zollschranken
erhöhte sich der Welthandel von 61 Milliarden Dollar
im Jahr 1950 drastisch auf etwa 3 Billionen Dollar im
Jahr 1989.
Die Bush-Administration ist fest entschlossen, auf
diesem Erfolg aufzubauen. Die Administration hat
eine klare Vorstellung der von ihr angestrebten Welt:
Eine Welt, in der Unternehmer und nicht Regierungen
darüber entscheiden, wie Industriefirmen und landwirtschaftliche Betriebe miteinander konkurrieren und
Staaten Handel treiben. Die Administration ist der
Entwicklung eines Welthandelssystems verpflichtet,
das auf offenen Märkten und eindeutigen, zwingenden Regeln des Fairplays in allen Bereichen des
Handels gegründet ist.

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1. Stärkung und Ausweitung des internationalen Handelssystems durch erfolgreiche Verhandlungen über
ein ehrgeiziges Paket von Maßnahmen in der UruguayRunde.

Eine grundlegende Reform des internationalen
Agrarhandels, indem Exportsubventionen stufenweise abgebaut, sämtliche den Handel verzerrenden Subventionen und Zugangsschranken reduziert sowie die sanitären und phytosanitären Vorschriften harmonisiert werden, damit
die Landwirte ihrem Bedarf entsprechend anbauen können und ein angemessenes Einkommen
ohne staatliche Einmischung erzielen.
Verbesserung des Marktzugangs für Produkte
durch einen erheblichen Abbau der tarif ären und
nichttarifären Handelshemmnisse.
Erstellung von Regeln für den Handel in den
"neuen Bereichen" Dienstleistungen, geistiges
Eigentum und handelsbezogenen Investitionsmaßnahmen.
Begrenzung von handelsverzerrenden staatlichen Subventionen.

Seite 1

�Verstärkte Integration der Entwicklungsländer
und deren Verantwortung innerhalb des GATTSystems sowie Begrenzung von Handelsbeschränkungen, die mit Zahlungsbilanzproblemen gerechtfertigt werden.
2. Ergänzung der Ziele der Uruguay-Runde durch
bilaterale und regionale Initiativen zur Marktöffnung
und -erweiterung.
Im Jahr 1990 wird die Administration weiterhin für die
Öffnung ausländischer Märkte und den Abbau von
Handelsschranken eintreten und ein breites Spektrum
bilateraler und regionaler Handelsinitiativen verfolgen.
Mit diesen Initiativen sollen der Trend zu marktorientierten Maßnahmen gefestigt und unfaire Handelspraktiken und Hemmnisse abgebaut werden, mit denen
die Chancen amerikanischer Exporteure eingeschränkt
werden. Sie sollen die Ziele der Uruguay-Runde zur
Marktöffnung ergänzen.

dem (im Jahr 1989 in Australien begonnenen) APECProzeß beteiligen, insbesondere um die Übereinstimmung unter den 12 APEC-Staaten zu fördern, sich
aktiv für ein ehrgeiziges Ergebnis der Uruguay-Runde
einzusetzen.
Nordamerika
Die Verwirklichung des amerikanisch-kanadischen
Freihandelsabkommens (FI"A): In enger Zusammenarbeit mit Kanada wird die Administration weiterhin
daran arbeiten, die handeis- und wachstumsfördernden Auswirkungen des FTA zu verstärken.

Zu diesen Maßnahmen gehören Initiativen in folgenden Bereichen:

Mexiko: Die Administration wird weiterhin eng mit
Mexiko zusammenarbeiten, um die Handels- und
Investitionstätigkeit zu intensivieren und die wirtschaftliche Entwicklung Mexikos im Rahmen der im Oktober
1989 von den Präsidenten Bush und Salinas initiierten
Gespräche über Erleichterungen bei Handel und Investitionen sowie gemäß der Rahmenvereinbarung von
1987 (in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie,
Dienstleistungen, Zölle und Investitionen) zu fördern.

Pazifisches Becken:

Europa und Mittelmeer

Japan: Die Vereinigten Staaten führen zur Zeit ein
breites Spektrum von Initiativen in bezug auf Japan
durch, die sicherstellen sollen, daß der japanische
Markt offen ist und dem Wettbewerb unterliegt. Zu
diesen Initiativen gehören sektorale Gespräche und
Verhandlungen über Satelliten, forstwirtschaftliche
Produkte, Halbleiter, Telekommunikation, Dienstleistungen im Baugewerbe und andere Bereiche.

EG 1992: Die Administration beobachtet aktiv die
Schaffung eines gemeinsamen EG-Binnenmarkts bis
zum Jahr 1992, um sicherzustellen, daß dies nicht zu
neuen Handelsschranken an den Grenzen der EG
führt, während die inneren Grenzen abgebaut werden.
Zu diesen Bemühungen werden weitere bilaterale
Konsultationen gehören sowie gegebenenfalls Maßnahmen in internationalen Foren.

Ferner wird im Juli 1990 ein Abschlußbericht über die
Gespräche der Initiative über strukturelle Hindemisse
erstellt werden, die sich mit systemimmanenten Wettbewerbs- und Handelsschranken in Japan beschäftigen. Die Vereinigten Staaten erwarten für das Frühjahr 1990 einen Zwischenbericht sowie einen Plan für
konkrete strukturelle Veränderungen und eine "Anzahlung" in Form von substantiellen ersten Schritten
bis Juli.

Osteuropa und die Sowjetunion: Die Bush-Administration unternimmt verschiedene wichtige Schritte,

Ostasien: Die Vereinigten Staaten führen intensive
bilaterale Konsultationen und Verhandlungen mit den
neuen Industriestaaten Ostasiens, insbesondere Korea und Taiwan. Ziel dieser Gespräche ist der Abbau
von Handelsschranken in diesen Ländern, die Sicherstellung eines offenen und dem Wettbewerb unterliegenden Umfelds im Zuge der Entwicklung dieser Staaten sowie eine Ausweitung ihrer Verantwortung im
Welthandelssystem.

Das amerikanisch-israelische Freihandelsabkommen
(FTA): Die Vereinigten Staaten arbeiten bei der Durchführung des FTA eng mit Israel zusammen.

Initiative USA - ASEAN: Die Administration arbeitet
eng mit den ASEAN-Staaten zusammen, um im Rahmen der Initiative USA - ASEAN Märkte zu öffnen und
geistiges Eigentum zu schützen.
Asiatisch-Pazifische Wirtschaftszusammenarbeit
(APEC): Die Vereinigten Staaten werden sich aktiv an

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um die Hinwendung der osteuropäishcen Länder und

der Sowjetunion zu freien Marktwirtschaften und offenen Handelssystemen zu unterstützen. Solche Bestrebungen zielen darauf ab, gegebenenfalls Handels und Investitionsabkommen auszuhandeln und diese
Länder in Abstimmung mit anderen US-Handelspartnern in das Welthandelssystem zu integrieren.

Lateinamerika und die Karibik
Die Administration unterstützt verschiedene Initiativen
zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in
Lateinamerika und der Karibik zugunsten der Marktwirtschaft und niedrigerer Handels- und Investionshemmnisse. Zu diesen Maßnahmen zählen:
Die Initiative für das Karibische Becken (Caribbean
Basin Initiative - CBI). Die Administration arbeitet am
Ausbau und der verbesserten CBI-Durchführung, insbesondere indem sie gemeinsam mit dem Kongreß die
Verabschiedung von Gesetzen zur Förderung der CBI
gewährleistet.
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�Handelsinitiative für die Anden. Die Administration
arbeitet mit den Andenstaaten zusammen, um den
Handel auszubauen, die wirtschafltiche Entwicklung
anzukurbeln und den Schwerpunkt der Volkswirtschaften vom Drogenhandel auf andere Bereiche zu verlagern. Präsident Bush hat zur Verwirklichung dieser
Ziele am 1. November 1989 ein erstes Paket von
Programmen vorgestellt.
Sektorale Bestrebungen
Programm zur Liberalisierung im Stahlsektor. 1990
wird die Administration die 1989 nach dem Liberalisierungsprogramm im Stahlsektor erzielten Abkommen
durchführen, in denen die Länder übereingekommen
sind, Subventionen und andere handelsverzerrende
Praktiken im Stahlsektor abzuschaffen.
initiative für die Werftindustrie. Die Administration wird
auf bilateraler Ebene und in der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
auf multilateraler Ebene ein Abkommen zur Abschaffung von Subventionen und anderen Formen der
Unterstützung für die Werftindustrie aushandeln. Die
Vereinigten Staaten haben den 31. März 1990 als
Termin gesetzt, bis zu dem greifbare Fortschritte erzielt werden sollen. Bis Mitte des Jahres 1990 soll ein
Abkommen erzielt sein.

*

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3.
Amerikanische Handelsgesetze sollen auf eine
Weise durchgesetzt und durchgeführt werden, in der
freie Marktwirtschaft und fairer Handel gefördert werden.
Die Administration wird sich amerikanischer Handelsgesetze bedienen, um ihre multilateralen und bilateralen Ziele - freie Märkte und fairen Handel - abzurunden.
Dazu zählt die Durchführung der Handelsgesetze von
1988, insbesondere der Abschnitte "Super 301" und
"Special 301", der Kapitel über Telekommunikation
und "Buy American" auf eine Weise, die den multilateralen Zielen der Vereinigten Staaten Rechnung trägt.
Darüberhinaus setzt sich die Administration für Handelsgesetze ein, die den Lebensstandard steigern und
die Rechte der Arbeitnehmer in allen Ländern verbessern. Die Administration wird weiterhin gemäß Abschnitt 301 gegebenenfalls ihren Einfluß geltend machen,
um offene Märkte zu gewährleisten.
Schlie ßlich werden die Kartellgesetze und die Gesetze
über Ausgleichszölle, das Allgemeine Präferenzsystem und die Bestimmungen des Handelsgesetzes zur
Gewährleistung der Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten gewissenhaft durchgeführt.

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
7. März 1990

EUROPA UND DIE VEREINIGTEN STAATEN
VON AMERIKA:
VERANTWORTUNG FÜR EINE WELT IM WANDEL
Rede von Botschafter Walters beim Initiatiatlvkreis Ruhrgebiet
BOCHUM - (AD) - In einer Rede vor dem Initiativkreis Ruhrgebiet der deutschen Wirtschaft in Bochum erklärte Botschafter Walters am 2. März 1990, es wäre fatal, wenn die europäischen Staaten aufgrund der
Entwicklungen in Europa weltweiten Problemen weniger Aufmerksamkeit schenken würden als bisher. "Die
Weltwirtschaft und der internationale Handel verlangen ein verantwortungsvolles Vorgehen aller Beteiligten,
insbesondere der großen Industrieländer. Außerdem müssen wir mehr denn je gemeinsame Antworten auf
Fragen finden, die die gesamte Menschheit berühren. Dazu gehören die internationale Verschuldungskrise
ebenso wie der Schutz unserer Umwelt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Walters im Wortlaut.

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich sehr, heute zu Ihnen im Ruhrgebiet
sprechen zu können. Ich bin gern hierher gekommen,
und es ist für mich ein Vergnügen und eine Bereicherung zugleich, Gast in einer der modernsten Industrieregionen der Welt zu sein.
Einige von Ihnen wissen vielleicht, daß ich bereits im
Jahre 1948 in dieser Gegend war. Ich kam hierher als
Mitarbeiter von Averell Harriman, dem damaligen
Sonderbeauftragten unserer Regierung für den Wiederaufbau Europas. Manche von Ihnen werden sich
erinnern, wie es in jenen Tagen hier aussah. Die
Städte waren verwüstet, es herrschte große Not, viele
Menschen lebten auf engstem Raum in heute unvorstellbaren Unterkünften.
Angesichts der Zerstörung und der Not konnte ich mir
damals einen Wiederaufbau noch zu meinen Lebzeiten nicht vorstellen. Ich war beeindruckt, mit welcher
Tatkraft und Entschlossenheit die Menschen den Schutt
wegräumten und Straßen und Gebäude wieder errichteten. Ich erinnere mich auch noch gut, wie Frauen und
Männer, alte Menschen und Kinder jeden Ziegel aus
den Trümmern einzeln zurechtklopften, um damit
beschädigte Häuser zu reparieren oder neue zu errich-

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ten. Ich spürte den Willen der Menschen, ihre Stadt
und ihr Land wieder aufzubauen. Aber dennoch war in
jenen Tagen ein "deutsches Wirtschaftswunder" unvorstellbar.
Nach den Jahren des Booms mußte sich auch das
Ruhrgebiet - wie andere Kohle- und Stahlregionen dem Strukturwandel stellen. Mir wurde berichtet, daß
dieser Prozess erfolgreich verläuft und man hier inzwischen mehr von der Hochtechnologie als vom Hochofen und mehr vom Computer als von der Kohle
spricht. Ich habe mich gefreut, zu hören, daß im
Rahmen der wirtschaftlichen Erneuerung ein fruchtbarer Gedankenaustausch zwischen dem Ruhrgebiet
und Industrieregionen Amerikas stattfand. Wie ich
erfuhr, fanden vor allem unsere Technologieparks und
die enge Zusammenarbeit zwischen amerikanischen
Universitäten und Unternehmen Ihr Interesse.
Lassen Sie mich an dieser Stelle besonders die
Bemühungen der Ruhrstädte würdigen, deutschamerikanische Freundschaft zu pflegen und zu intensivieren. Als Beispiele nenne ich nur das Charles Ives
Festival in Duisburg und die Auslandskulturtage 1986
in Dortmund. Ich brauche nicht zu erwähnen, wie
wichtig es für die deutsch-amerikanischen Beziehungen ist, daß sich Menschen aus unseren Ländern
Seite 1

�begegnen und kennenlernen. Sie haben Hervorragendes in dieser Hinsicht geleistet. Dafür danke ich Ihnen.

offenen Märkten und fairen Wettbewerbsbedingungen
für die gesamte Weltwirtschaft.

Das Ruhrgebiet wird als das industrielle Herz Deutschlands bezeichnet. Aber heute schlägt dieses Herz
nicht für Deutschland allein. Es schlägt für ein Europa,
das sich in einer Zeit gewaltiger Veränderungen befindet. Die Länder der Europäischen Gemeinschaft
errichten einen Binnenmarkt und intensivieren ihre
Zusammenarbeit auch im politischen Bereich. Die
Bürger der DDR und die Völker Osteuropas haben den
Eisernen Vorhang weggerissen und nach jahrzehntelanger Unterdrückung die Freiheit errungen. Ein
Kontinent, der so viele Kriege wie wohl kein anderer
durchlitten hat, den Religionen und Ideologien gespalten haben, wächst zusammen.

Ohne das Thema weiter auszuführen, möchte ich doch
noch das Atlantische Bündnis als zentralen Faktor für
die Nachkriegsentwicklung in Europa hervorheben.
Unsere gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen
haben dem kommunistischen Expansionsstreben Einhalt
geboten und Westeuropa ein Leben in Freiheit ermöglicht. Unser Verteidigungsbündnis beruht auf Werten
wie Demokratie und der Achtung der Menschen- und
Bürgerrechte. Die Reformer im Osten wußten deshalb, daß von uns keine Gefahr ausgeht und wir sie
willkommen heißen in der Gemeinschaft freier Völker.

Wir sind alle sehr glücklich über diese Entwicklung.
Mein Land hat zweimal in diesem Jahrhundert Soldaten nach Europa geschickt, um Krieg und Gewaltherrschaft zu beenden. Aufgrund dieser Erfahrung waren
wir entschlossen, nach Kriegsende alles zu tun, um
Frieden und Freiheit in Europa zu wahren. In den
nachfolgenden Jahren schufen wir gemeinsam mit den
Völkern Westeuropas die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, um einen erneuten "Bürgerkrieg der Europäer", wie Churchill einmal sagte, zu
verhindern.
Ein entscheidendes Instrument für den Aufbau der
Demokratie und für die Sicherung der Freiheit in Europa war sicherlich das Wiederaufbauprogramm Präsident Trumans. Zwischen 1948 und 1952 betrug die
amerikanische Wirtschaftshilfe für Europa rund 13
Milliarden Dollar. Jährlich entsprach dies damals
zwischen fünf und zehn Prozent des amerikanischen
Bundeshaushalts oder zwei Prozent unseres Sozialprodukts. Umgerechnet auf den heutigen Dollarwert
hat damals jeder Amerikaner rund 1200 Dollar für der
Wiederaufbau Europas ausgegeben.
Der Marshallplan bot ein Startkapital, das die Europäer
klug einsetzten und das materiellen wie ideellen Erfolg
brachte. Die eintretende positive Wirtschaftsentwicklung erhöhte die Akzeptanz sowohl der marktwirtschaftlichen Ordnung als auch der demokratischen
politischen Systeme in Westeuropa.
Der Marshallplan hatte aber eine weitere bedeutende
Funktion: er brachte ehemalige Kriegsgegner, wie
Deutsche und Franzosen, zusammen und legte den
Grundstein für den Integrationsprozess in Westeuropa. Wir Amerikaner befürworteten stets die europäische Einigung. Die USA ermutigten und unterstützten
die beteiligten Länder bei der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl am 18. April
1951. Ebenso begrüßten wir die Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft durch die Römischen Verträge sechs Jahre später. In der Errichtung
des Europäischen Binnenmarktes bis Ende 1992 sehen
wir eine Chance nicht nur für Europa, sondern bei

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Mit Blick auf die historischen Ereignisse in den letzten
Jahren und Monaten empfinde ich große Hochachtung
vor den Deutschen in der DDR und den Völkern Mittelund Osteuropas. Es erfordert unglaublichen Mut und
Willen, ein totalitäres System mit seinem umfangreichen Unterdrückungsapparat zu stürzen. Aber schließlich war die Idee der Freiheit und der Demokratie
stärker als Mauer und Stacheldraht. Thomas Jefferson sagte einmal: "Nichts ist im Buch der Geschichte
eindeutiger festgeschrieben, als daß die Menschen
frei sein sollen." Dieser Satz hat sich wieder einmal
bewahrheitet.
Nun sieht Präsident Bush unsere Aufgabe darin, "die
Früchte dieser friedlichen Revolutionen zu konsolidieren und die Architektur für einen kontinuierlichen und
friedlichen Wandel zu schaffen." Außenminister Baker
unterstrich vor dem Berliner Presseclub am 12. Dezember 1989 unser Interesse, gemeinsam mit den
europäischen Völkern auf ein neues Europa und einen
neuen Atlantizismus hinzuarbeiten. Er bekräftigte die
Aussage Präsident Bushs, daß "die Vereinigten Staaten eine europäische Macht sind und bleiben." Eine
aktive Rolle meines Landes in Europa wird von unseren Verbündeten ausdrücklich gewünscht. Beispielsweise hat Bundeskanzler Kohl wiederholt davon gesprochen, daß auch die Vereinigten Staaten und Kanada
eine Wohnung im gemeinsamen europäischen Haus
haben müßten.
Zur deutschen Frage hatte ich bereits Gelegenheit, vor
der Versammlung des Kommunalverbandes zu sprechen. Deshalb möchte ich hier nur kurz erwähnen, daß
wir immer mit Nachdruck für das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen eingetreten sind. Präsident Bush
hat am letzten Wochenende gegenüber dem Bundeskanzler die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
die deutsche Einheit wiederum bekräftigt. Der amerikanische Präsident und der Bundeskanzler sind sich
einig, daß ein vereinigtes Deutschland ein Mitglied der
NATO bleibt.
Ich weiß, die deutsche Frage und die Demokratisierung Osteuropas sind nach der jahrzehntelangen ideologischen Spaltung dieses Kontinents außerordentlich
faszinierend. Seit einem halben Jahrhundert habe ich

AMERIKA DIENST 9

�die Ereignisse in Europa sowohl als Soldat als auch in
Regierungsämtern verfolgt. Und ich kann nur staunen:
Entwicklungen, die früher Jahre brauchten, laufen
heute in Tagen ab.
Aber bei aller Begeisterung über die historischen Entwicklungen in Europa dürfen wir nicht vergessen, daß
wir auch noch andere wichtige Aufgaben und Herausforderungen in diesen Jahren zu bewältigen haben.
Die Weltwirtschaft und der internationale Handel verlangen ein verantwortungsvolles Vorgehen aller Beteiligten, insbesondere der großen Industrieländer.
Außerdem müssen wir mehr denn je gemeinsame
Antworten auf Fragen finden, die die gesamte Menschheit berühren. Dazu gehören die internationale Verschuldungskrise ebenso wie der Schutz unserer Umwelt.
Es gibt aber viele, die ein nachlassendes Interesse der
Europäer an globalen Fragen befürchten. Der deutsche Einigungsprozess, der europäische Binnenmarkt
und die Reformen in Osteuropa erfordern sicherlich
eine Bündelung vieler Kräfte. Jedoch wäre es fatal,
wenn deswegen die europäischen Staaten weltweiten
Problemen weniger Bedeutung als bisher beimessen
würden.
Wie Sie wissen, hat der Gang der Weltwirtschaft auf
die politischen und wirtschaftlichen Prozesse und auf
die Stabilität in Europa entscheidenden Einfluß. Die
gegenwärtig günstige Konjunktur erlaubt es beispielsweise der Bundesregierung, Milliarden für die DDR zur
Verfügung zu stellen, ohne daß die Bundesbürger den
Gürtel spürbar enger schnallen müssen. Stellen Sie
sich vor, welche zusätzlichen Probleme der Zuzug von

Aus- und Übersiedlern in einer Rezession der Bundesrepublik bereiten würde? Eine Wirtschaftskrise würde
den Westen in Bedrängnis bringen und möglicherweise in den jungen Demokratien im Osten zu chaotischen Zuständen führen.
Die Weltwirtschaft jedoch ist anfällig für Störungen
verschiedenster Art. Eine enge internationale Kooperation und Koordination im Bereich der Wirtschaftsund Finanzpolitik ist deshalb unerläßlich. In den nächsten Jahren geht es darum, die Ungleichgewichte im
internationalen Handel zu beseitigen, um vor allem der
Gefahr des Protektionismus zu begegnen. Staaten mit
einem Leistungsbilanzdefizit wie die USA müssen
einen Beitrag hierzu leisten, aber auch Überschußländer wie die Bundesrepublik Deutschland und Japan.
Noch in diesem Jahr wollen wir in der sogenannten
GATT Uruguay-Runde verläßliche und effiziente
Rahmenbedingungen für den Welthandel schaffen.
Weitreichende Zollsenkungen seit dem Inkrafttreten
des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens am 1.
Januar 1948 haben maßgeblich zur Ausweitung des
Welthandels und der internationalen Arbeitsteilung in
den letzten Jahrzehnten beigetragen. Nun gilt es, das
Welthandelssystem den heutigen Erfordernissen
anzupassen und auf eine solide Grundlage zu stellen.

AMERIKA DIENST 9

Für meine Regierung ist ein erfolgreicher Abschlu ß der
GATT-Runde im Dezember dieses Jahres von außerordentlicher Wichtigkeit. Ein Scheitern dieser Konferenz, so befürchten wir, würde das Entstehen von
Handelsblöcken durch bilaterale Vereinbarungen fördern und dem Protektionismus Tür und Tor öffnen.
Im einzelnen wollen wir in Genf folgendes erreichen:
erstens, eine grundlegende Reform des Agrarhandels;
zweitens, die Erweiterung des GATT-Systems auf
Bereiche wie Dienstleistungen, Investitionen und geistiges Eigentum;
drittens, einen verbesserten Zugang zu den Märkten;
viertens, die Beseitigung von wettbewerbsverzerrenden Subventionen;
und fünftens, eine faire und wirksame Schiedsgerichtsbarkeit im Rahmen des GATT.
Zusammenfassend zeigt sich in diesen Punkten das
Ziel amerikanischer Handelspolitik: Wir wollen faire
Wettbewerbsbedingungen und offene Märkte weltweit.
Mit den Europäern sind wir uns im großen und ganzen
in der Zielsetzung einig. Aber das Hauptproblem
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft sowohl in der laufenden GATTRunde als auch auf bilateraler Ebene liegt im Agrarhandel. Wir sind ein traditionelles Agrarexportland;
landwirtschaftliche Erzeugnisse machen etwa zwanzig Prozent aller amerikanischen Ausfuhren aus. Unsere
Landwirtschaft ist wettbewerbsfähig, und eine Exportsteigerung ist durchaus noch möglich. Aber unsere
Agrarexporteure treffen zum einen auf einen protektionistischen Wall um die EG; zum anderen konkurrieren
subventionierte Agrarprodukte aus der EG auf dem
Weltmarkt mit amerikanischen Erzeugnissen, die zum
Teil nun ebenfalls subventioniert werden.
Der Subventionswettlauf zwischen der EG und den
USA hat inzwischen absurde Ausmaße angenommen.
Im Jahr 1988 gaben die Europäer etwa 120 Milliarden
Dollar und wir Amerikaner etwa 75 Milliarden Dollar für
die Unterstützung der Landwirtschaft aus. Folglich
kosten Subventionen im Agrarbereich jeden EG-Bürger, ob Kleinkind oder Greis, jährlich etwa 800 D-Mark.
Jeder Amerikaner gibt dafür fast 300 Dollar im Jahr
aus.
Am 25. Oktober unterbreitete daher meine Regierung
der GATT-Runde in Genf einen umfassenden Plan zur
Reform des internationalen Agrarhandels. Unter
anderem schlugen wir vor, die Exportsubventionen
innerhalb von fünf Jahren zu beseitigen. Außerdem
machten wir Vorschläge zur graduellen Beseitigung
von Einfuhrbarrieren und von wettbewerbsverzerrenden Subventionen im Agrarbereich weltweit. Die EG

Seite 3

�hat vorschnell, wie ich meine, unsere Vorschläge als
unrealistisch abgelehnt.
Wir hoffen aber, daß wir mit der EG zu einer Einigung
kommen, denn die zermürbenden Grabenkämpfe sind
eine stetige Belastung für unsere Handelsbeziehungen. Wir führten Hähnchen-und Spaghettikriege. Wir
stritten wegen der geplanten EG-Fettsteuer und belegten Walnüsse und Dosenfrüchte gegenseitig mit Strafzöllen. Ich sehe eine große Gefahr, daß Handelskonflikte zu einer zunehmenden Belastung für die transatlantischen Beziehungen insgesamt werden. Dies
müssen wir gemeinsam verhindern, und deshalb darf
die Uruguay-Runde nicht am Agrarprotektionismus
der EG scheitern.
Es ist doch so, daß protektionistische Maßnahmen
hier und da das ganze System in Gefahr bringen.
Staatlicher Schutz und Subventionen für einen Wirtschaftszweig in einem Land führen meist zu Gegenmaßnahmen in anderen Ländern. Ich gebe zu, daß
auch die Vereinigten Staaten Maßnahmen zum Schutz
ihrer Wirtschaft beseitigen müssen. Meine Regierung
hat ihre Bereitschaft hierzu erklärt. Aber, um unsere
Handelsbeauftragte, Carla Hills, zu zitieren, wir werden nicht einseitig abrüsten. Wir möchten, daß alle bei
der Reform des Welthandels mitmachen. Die Uruguay-Runde könnte nach den Worten von Carla Hills
"die letzte gute Chance in diesem Jahrhundert sein,
ein wahrlich freies Handelssystem, das auf Wettbewerb beruht, zu schaffen." Nutzen wir gemeinsam
diese Chance.
Lassen Sie mich abschließend noch ein paar Worte
über die größte Herausforderung unserer Zeit sagen,
mit der sich nicht nur unsere beiden Länder, sondern
die gesamte internationale Staatengemeinschaft konfrontiert sieht. Diese Herausforderung hat nichts mit
Panzern und Kanonen, nichts mit Gewinnen und Verlusten, nichts mit Leistungsbilanzüberschüssen und
defiziten zu tun. Nein, aus meiner Sicht besteht heute
für uns alle die größte und wichtigste Aufgabe darin,
den kommenden Generationen weltweit eine gesunde, intakte Umwelt zu hinterlassen.
Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik Deutschland nehmen im Umweltschutz eine führende Rolle in
der Welt ein. Unsere Regierungen sind sich ihrer
Verantwortung bewußt und entwickeln vernünftige
politische Konzepte zum Schutz unserer natürlichen
Lebensverhältnisse auf der Grundlage neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. Wir haben die Mittel für
Umweltforschung in den letzten Jahren beträchtlich
erhöht. In diesem Haushaltsjahr geben die Vereinigten Staaten beispielsweise etwa 500 Millionen Dollar
für interdisziplinäre Forschungsprogramme über globale Umweltprobleme aus. Ich kann heute mit Stolz
sagen, daß ein sehr großer Teil der derzeitigen Erkenntnisse über die Erwärmung der Erdatmosphäre
auf amerikanischen Forschungsarbeiten basieren, die
von unserer Regierung finanziert wurden.

Seite 4

Schon Mitte der siebziger Jahre wiesen Forschungslabors kalifornischer Universitäten den Ozonverlust in
der Troposphäre nach. Sie entdeckten, daß bestimmte chemische Substanzen zur Schädigung der lebenswichtigen Ozonschicht beitragen könnten. Die amerikanische Regierung nahm die Gefahr sehr ernst und
handelte schnell. Noch vor Ablauf des Jahrzehnts
hatte sie die Verwendung von gefährlichen Treibgasen
in Sprays verboten. Gleichzeitig bemühten wir uns um
einen internationalen Rahmen zum Schutz der Ozonschicht. Aus dieser Zusammenarbeit mit anderen
Staaten ergab sich 1987 das Protokoll von Montreal.
Es sieht vor, die Emission von Stoffen, die die Ozonschicht gefährden, zunächst auf dem gegenwärtigen
Stand einzufrieren, zu verringern und schließlich ganz
zu verbieten.
Eine zweite große Gefahr für das Leben auf der Erde
ist weit komplexer. Es ist die weltweite Klimaerwärmung durch den sogenannten Treibhauseffekt. Klimatologen sind zunehmend davon überzeugt, daß die
vom Menschen verursachten Emissionen von Kohlendioxid, Methan und anderen Gasen eine treibhausähnliche Erwärmung der Erdatmosphäre bewirken. Mathematische Modellrechnungen hierzu haben ergeben, daß bis Mitte des nächsten Jahrhunderts eine
weltweite Erwärmung in der Größenordnung von 1,5
bis 4,5 Grad Celsius eintreten könnte. Wenn diese
Prognosen sich bewahrheiten, hätte dies möglicherweise ein gefährliches Ansteigen des Meeresspiegels,
veränderte Niederschlagsverhältnisse und geographische Verschiebungen im Bereich der Land- und Forstwirtschaft zur Folge.
Wir sollten deshalb schnell vernünftige Maßnahmen
einleiten, selbst wenn noch keine vollkommenen Erkenntnisse zur Erwärmung der Erdatmosphäre vorliegen. Eine Reduzierung der FCKW-Emissionen zum
Schutz der Ozonschicht hätte auch positive Auswirkungen auf den Treibhauseffekt, denn diese chemische Verbindung soll zu fast einem Fünftel auch dafür
verantwortlich sein. Ebenfalls ist es wichtig, daß wir
zur Verringerung des Kohlendioxids in der Atmosphäre unsere Wälder bewahren und neue Bäume pflanzen.
Schließlich wird das von der amerikanischen Regierung vorgelegte Gesetz zur Reinhaltung der Luft nicht
nur eine Verbesserung der Lebensqualität in unseren
Städten bewirken, sondern auch auch eine beträchtliche Verringerung der Kohlendioxidemissionen mit sich
bringen. Ich weiß, daß auch die Bundesrepublik und
insbesondere das Ruhrgebiet, in den letzten Jahren
große Anstrengungen zur Luftreinhaltung unternommen und bemerkenswerte Erfolge auf diesem Gebiet
vorzuweisen haben.
Präsident Bush legt größten Wert auf eine weltweite
Kooperation in Umweltfragen. Er hat deshalb kürzlich
die Einberufung einer internationalen Umweltkonferenz nach Washington vorgeschlagen. Das Ziel dieser
AMERIKA DIENST 9

�Konferenz soll sein, ein Rahmenabkommen über
Maßnahmen gegen eine weitere Erwärmung der Erdatmosphäre zu treffen.

Kommunikation und eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen europäischen und amerikanischen
Institutionen unerläßlich.

Die Bereitschaft so vieler Länder in Ost und West, in
Umweltfragen zusammenzuarbeiten, erfüllt mich mit
Zuversicht. Auch die guten Beziehungen zwischen
den westlichen Industrieländern stimmt mich in dieser
Hinsicht optimistisch. Wir haben die erfolgreichste
Verteidigungsallianz der Geschichte und ein florierendes Weltwirtschaftssystem geschaffen. Ich glaube,
wir können durch enge wissenschaftlich-technische
Zusammenarbeit und durch politische Koordination
auch die globalen Umweltprobleme in den Griff bekommen.

Meine Damen und Herren, seit über vierzig Jahren sind
die Vereinigten Staaten und Westeuropa auf politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gebieten eng
verbunden. Auf diese Erfahrung können neue und
erweiterte Formen der transatlantischen Kooperation
aufbauen. Wie Außenminister Baker in Berlin betonte, wird die NATO weiterhin das wichtigste Bindeglied
zwischen Nordamerika und Europa sein. Sie wird
möglicherweise neue Aufgaben übernehmen. Der
KSZE-Prozeß wird zu einem wichtigen Forum der Zusammenarbeit zwischen Ost und West werden. Und
schließlich entwickelt sich die EG mehr und mehr zu
einem Stützpfeiler im transatlantischen Verhältnis.

Meine Damen und Herren, für uns Amerikaner sind die
Europäer Verbündete und die idealen Partner in internationalen politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten. Uns verbinden gemeinsame Werte, gemeinsame Überzeugungen und gemeinsame Institutionen. Der europäische Einigungsprozess und die
Entwicklungen in Osteuropa sollten jedoch nicht zu
einer Lockerung der transatlantischen Beziehungen
führen. Im Gegenteil, angesichts der Fülle der Aufgaben und Herausforderungen ist eine Verbesserung der

*

AMERIKA DIENST 9

*

Gemeinsam haben wir über vier Jahrzehnte lang
Verantwortung für Sicherheit, Frieden und Stabilität in
Westeuropa getragen. Gemeinsam sollten wir nun
Verantwortung für eine Welt im Wandel tragen. Das
Zusammenwachsen Europas sollte auch die Alte und
die Neue Welt noch näher zusammenführen.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

*

*

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�OSTEUROPA
7. März 1990

WEBSTER: WANDEL IN DER SOWJETUNION
UNUMKEHRBAR
Rede des CIA-Direktors vor Kongreßausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem CIA-Direktor William Webster zufolge ist der sich in der Sowjetunion und dem
ehemaligen sowjetischen Imperium vollziehende Wandel faktisch unumkehrbar. Selbst wenn sowjetische
Betonköpfe wieder die Regierung übernehmen würden, wäre eine Reaktivierung des Warschauer Pakts durch
die Sowjetunion unwahrscheinlich, erklärte Webster am 1. März 1990 vor dem Streitkräfteausschuß des
Repräsentantenhauses.
"Aufstände" in der kommunistischen Welt, so Webster, "werden zunehmend schwieriger zu unterdrücken sein.
In folgenden entscheidenen Bereichen sind die Veränderungen bereits jetzt schon praktisch unumkehrbar:

Es bestehen geringe Chancen auf eine Wiederherstellung der sowjetischen Hegemonie in Osteuropa.
Die marxistisch-leninistische Ideologie hat sich als ernsthafte Alternative zu demokratischem Pluralismus
und freier Marktwirtschaft überlebt.
Die kommunistischen Parteien werden weiterhin an Legitimität und Stärke verlieren, vielleicht mit
Ausnahme einiger rückständiger, isolierter Nationen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des CIA-Direktors im Wortlaut.

Ein revolutionärer Wandel vollzieht sich in dem ehedem als Ostblock bezeichneten Gebiet. Kommunistische Parteien und marxistische Doktrinen sind gescheitert. Lange unterdrückte Völker kommen allmählich in den Genuß politischer und persönlicher Freiheiten, beginnen mit der Planung von Marktwirtschaften
und der Gestaltung neuer, von in Traditionen des
Humanismus und der Aufklärung verwurzelter Gesellschaften.
Während diese Aufstände an Dynamik gewinnen, werden
sie zunehmend schwieriger zu unterdrücken sein. In
folgenden entscheidenen Bereichen sind die Veränderungen bereits jetzt schon praktisch unumkehrbar:
Es bestehen geringe Chancen auf eine Wiederherstellung der sowjetischen Hegemonie in Osteuropa.

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Die marxistisch-leninistische Ideologie hat sich
als ernsthafte Alternative zu demokratischem
Pluralismus und freier Marktwirtschaft überlebt.
Die kommunistischen Parteien werden weiterhin an Legitimität und Stärke verlieren, vielleicht
mit Ausnahme einiger rückständiger, isolierter
Nationen.
Ich möchte damit jedoch nicht behaupten, daß Ereignisse wie im letzten Juni auf dem Tiananmen-Platz in
Peking sich nicht andernorts wiederholen könnten.
Zweifelsohne könnte der sowjetische und osteuropäische Reformprozeß zusammenbrechen oder von
reaktionären Kräften unterdrückt werden. In der Mehrzahl
dieser Länder wäre eine Umkehr der Reformen durch
die Betonköpfe jedoch sehr viel schwieriger und teurer
als es in China bisher der Fall war. In der Sowjetunion

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�könnte eine Umkehr der Politik Gorbatschows nur
durch seinen Sturz vollzogen werden. Dies scheint im
Augenblick wenig wahrscheinlich. Tatsächlich hat das
Zentralkomitee im vergangenen Monat Gorbatschows
Position noch verstärkt und gleichzeitig angekündigt,
den Reformprozeß voranzubringen und das Machtmonopol der Kommunistischen Partei zu beenden.
Dennoch sind die Perspektiven für die derzeitige Führung
und die Sowjetunion selbst auf lange Sicht unsicher.
Ethnische und andere Spannungen werden weiterbestehen, während die Reformwilligen und eine zunehmend mobilisierte Bevölkerung sich mit Problemen
ungekannten Ausmaßes auseinandersetzen. Die
Instabilität wird durch ernsthafte und sich noch verschärfende Wirtschaftsprobleme geschürt.
Wie ich bereits ausgeführt habe, Herr Vorsitzender,
haben diese Ereignisse tiefgreifende Auswirkungen.
Wir können die gegenwärtige Situation und alternative
Zukunftsszenarien in der Sowjetunion mit einem
gewissen Maß an Vertrauen einschätzen. Aber wir
können nicht mit mehr Sicherheit als die sowjetische
Führung selbst vorhersagen, wie sich die derzeitigen
Unruhen in der UdSSR langfristig entwickeln werden.
Obwohl zahlreiche positive Entwicklungen Grund zu
Optimismus sind, müssen wir dennoch realistisch und
wachsam bleiben.
Wie ich im Januar erklärt habe, verfolgen die Sowjets
ein umfassendes strategisches Modernisierungsprogramm. Die Fähigkeiten ihrer strategischen Streitkräfte werden insgesamt geschützt und in gewisser Weise
verbessert. Ich möchte mich hier zu diesem Thema
nicht wiederholen, es sei denn, um nochmals zu betonen, wie wichtig die Aufrechterhaltung eines fähigen
Nachrichtendienstes ist, damit wir weiterhin das gesamte Spektrum sich verändernder sowjetischer Programme, Maßnahmen und Prioritäten überwachen
und einschätzen können.
Osteuropa
Ich möchte mich jetzt den Reformprozessen in Osteuropa und der Möglichkeit ihrer Umkehrung zuwenden.
Auf den Punkt gebracht: Die reaktionären Kräfte sind
wahrscheinlich zu schwach und diskreditiert, um in der
Tschechoslowakei, der DDR, Ungarn und Polen wieder an die Macht zu gelangen. Die Aussichten für
Demokratie und Martkwirtschaften in diesen Ländern
scheinen relativ gut. Die Aussichten für Rumänien und
Bulgarien sind jeoch etwas unsicherer.
Lange Zeit unterdrückte demokratische Werte und
Traditionen sind in den vier am weitesten entwickelten
Ländern Osteuropas zu neuem Leben erwacht und
werden mit den zunehmenden Forderungen der Bevölkerung nach mehr Freiheit stärker. In der Tschechoslowakei wurden zum Beispiel bereits über40 neue
politische Parteien gegründet, und weitere formieren
sich im Zuge der Vorbereitungen auf die im Juni

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stattfindenden Parlamentswahlen. Das Spektrum der
neuen demokratischen Kräfte ist in Ungarn ebenso
breit, wo über ein Dutzend Parteien und eine Vielzahl
von Interessengruppen auf den Plan getreten sind.
Gleichzeitig hält der Verfall der kommunistischen
Parteien und anderer Relikte der alten Regime an.
Streitkräfte und Geheimpolizei sind in der Tschechoslowakei, der DDR, Ungarn und Polen als Werkzeuge
der Unterdrückung unzuverlässig geworden.
Trotzdem wird es für alle osteuropäischen Nationen
schwierig sein, den von ihnen gewünschten Übergang
zu bewerkstelligen. Sie werden erhebliche Zuflüsse
westlichen Kapitals benötigen, obwohl drei von ihnen
- Polen, die DDR und Ungarn - bereits hohe Schulden
in harter Währung aufweisen. Polen hat am meisten
zur Öffnung seiner Volkswirtschaft getan, aber es
werden weiterhin Probleme - darunter auch größere
Spannungen innerhalb der Solidarität - auftreten.
In Bulgarien und Rumänien gibt es vielfältige und
ernste Schwierigkeiten. Die Reformbewegungen sind
nicht so stark, die Demokratie hat wenig Tradition,
wirtschaftliche und ethnische Spannungen sind ausgeprägt, und potentiell repressive Überreste der alten
Regime sind weiterhin vorhanden. Aber selbst auf
dem Balkan hat die Liberalisierung beim Volk breite
Unterstützung von Demokratie und Menschenrechten
hervorgerufen.
Die militärische Bedrohung der NATO
Als Ergebnis der Veränderungen in Osteuropa und
sowjetischer Maßnahmen seit der Rede Präsident
Gorbatschows bei den Vereinten Nationen im Dezember 1988 wurde die Bedrohung der Vereinigten Staaten und der NATO durch den Warschauer Pakt erheblich abgebaut.
In einem Konflikt mit der NATO könnten sich die
sowjetischen Militärplaner nicht mehr auf die
osteuropäischen Streitkräfte verlassen.
Moskau hat sich prinzipiell bereiterklärt, das
Gros seinerTruppen aus Polen, Ungarn und der
Tschechoslowakei abzuziehen. Erhebliche Reduzierungen werden dieses Jahr stattfinden.
Der bereits vorgenommen Abbau hatte eine
Verlängerung des Zeitraums zur Folge, den die
Sowjets zur Mobilisierung für einen Großangriff
in Europa benötigen würden. Trotzdem muß
jedoch festgestellt werden, daß die verbleibenden sowjetischen Streitkräfte umfangreich und
leistungsfähig sind.
Der Abzug sowjetischer Streitkräfte aus Osteuropa
scheint planmäßig zu verlaufen. Drei Panzerdivisionen und zusätzliche Panzer - insgesamt 2 700 - wurden abgezogen, und eine ebensogroße Zahl sollte bis
zum Jahresende abgebaut werden, wenn Moskau

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�seinen Absichtserklärungen gerecht wird. Sowjetische Sturmlandeformationen und -einheiten sowie
Einheiten für Sturmangriffe über Gewässer wurden
ebenfalls aus Osteuropa abgezogen.
Präsident Gorbatschow ist überdies fest entschlossen, 800 Kampfflugzeuge aus Osteuropa und der
westlichen UdSSR zurückzuziehen und den Gesamtumfang der sowjetischen Streitkräfte bis zum Jahresende um 500 000 Mann zu verringern.
Eine Umkehrung der geplanten oder bereits vollzogenen dramatischen Veränderungen wird immer schwieriger. Um dies zu tun, müßte eine neue orthodoxe
Führung in Moskau die traditionelle Militärdoktrin sowie
althergebrachte Beschaffungsprioritäten wiedereinführen oder sich neue zu eigen machen. Beides wäre mit
Unruhe und hohen Kosten verbunden und würde
zumindest kurzfristig zu einem erheblich geringeren
Bereitschaftsgrad führen.
Noch wichtiger ist die Tatsache, daß die Wiederherstellung der Streitkräfte in ihrem früheren Umfang bei
einer des Mangels und der Opfer ohnehin überdrüssigen Bevölkerung unpopulär wäre. Eine Umkehrung
der von Gorbatschow bei den Militärausgaben gesetzten Prioritäten würde die Umleitung knapper Ressourcen und industrieller Kapazitäten von ziviler zu militärischer Produktion erfordern. Dies würde unweigerlich
zu einer weiteren Zerrüttung der Volkswirtschaft führen und könnte einen Volksaufstand provozieren.
Die Dauerhaftigkeit der sowjetischen Reformen
ich wende mich nun den komplexen und zwangsläufig
spekulativen Fragen zu, die sich auf die Dauerhaftigkeit des sowjetischen Reformprozesses beziehen. Am
wichtigsten ist in dieser Hinsicht die Tatsache, daß ein
Mittelweg in der UdSSR heute nicht mehr gangbar ist.
Der innenpolitische Prozeß tendiert zu einer Polarisierung zwischen denjenigen, die den Reformprozeß
anhalten wollen und denen, die nach noch radikaleren
Reformen streben. Unter ersteren sind viele, die sich
nach der Ordnung, Disziplin und zentralen Autorität
der stalinistischen Vergangenheit sehnen und deren
Ängste sich mit zunehmender Unruhe und Unsicherheit verstärkt haben. Diese Ansichten sind bei einigen
Vertretern von Militär, Partei und Staatsapparat verbreitet. Unterschwellig gehört dazu auch ein Element
des russischen Nationalismus.
Diejenigen, die eine Beschleunigung der Reformen
verlangen, haben jedoch immer noch die Oberhand,
und viele Sowjetbürger drängen auf radikale Veränderungen. Seit dem letzten Juli, als Präsident Gorbatschow direkte Verhandlungen mit den gewählten
Vertretern streikender Bergleute anordnete, hat sich
sogar eine unabhängige Gewerkschaftsbewegung
entwickelt.
Die Unzufriedenheit der Arbeiter trat ebenfalls bei den

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großen Demonstrationen in Moskau vor dem Parteikongreß Anfang letzten Monats zutage, als sich zumindest einige Arbeiter traditionelle marxistische Leitsätze zu eigen machten. Ein Transparent trug zum
Beispiel die Aufschrift: "Der sowjetische Arbeiter hat
nichts zu verlieren außer seiner Armut".
Die Empörung über Korruption, Mißwirtschaft und
Arroganz staatlicher Stellen hat die Forderung der
Basis nach mehr Demokratie heraufbeschworen. In
verschiedenen Städten und Außenbezirken haben die
Proteste im Volk bereits Rücktritte von Parteikadern
zur Folge gehabt. Einige dieser Konfrontationen mit
der Führung sind in der staatlichen Sowjetpresse auf
positive Resonanz gestoßen.
Die in den nächsten Monaten in 15 Republiken stattfindenden Wahlen werden wahrscheinlich den Reformprozeß stärken und den Institutionen der Legislative
auf Kosten der Partei mehr Autorität zugestehen.
Darüber hinaus werden diese Entwicklungen den Druck
auf Moskau erhöhen, das Tempo der Reformen zu beschleunigen.
Schließlich entwickeln sich mit der größeren Dynamik
der Reformen neue Beziehungen zwischen Moskau
und den Minderheitsrepubliken. Es besteht nunmehr
die reelle Chance, daß die baltischen Staaten in den
kommenden Jahren eine friedliche Abspaltung von der
Sowjetunion zuwege bringen. Im Kaukasus und Zentralasien wird es weiterhin ethnische und religiöse
Probleme geben, die Moskau zum Einsatz militärischer Macht zwingen könnten, um Ordnung und
Machtmonopol aufrechtzuerhalten, wie dies in Aserbaidschan geschehen ist.
Die Möglichkeit einer reaktionären Gegenbewegung
Obwohl die von Lenin, Stalin und Breschnew ins Leben
gerufenen Institutionen abgeschafft wurden, sind die
neuen noch nicht in der Lage, mit den überwältigenden
Problemen des Landes fertigzuwerden. Unter den
sowjetischen Bürgern wächst die Unzufriedenheit mit
dem niedrigen Lebensstandard, Engpässen, steigender Kriminalität, Aufständen von Volksgruppen und
anderen Problemen. Arbeiteraufstände könnten in
diesem Jahr zunehmen, zu einer ernsthaften neuen
Herausforderung für die zentrale Führung werden und
die Wirtschaft weiter schwächen.
Unter diesen Umständen ist es möglich, daß reaktionäre Gegner von Präsident Gorbatschows Reformen
zu seinem Sturz ausholen. Zweifellos müßten sie
beträchtliche Gewalt anwenden, um ein orthodoxes
Regime zu etablieren. Sie würde viele der gegenwärtigen Reformen abschaffen und eine strengere zentrale Kontrolle anstreben.
Solch ein neues System wäre Zielscheibe für internationale Kritik und Sanktionen und müßte sich gegenüber einer Bevölkerung behaupten, die ein stärkeres
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�politisches Bewu ßtsein hat als jemals zuvor seit 1917.
In Moskau und in anderen Städten würden die Reformwilligen auf die Straße gehen, und mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit würde es zu Gewaltakten kommen.

größere Konfrontation mit den Vereinigten Staaten.
Eine neue Führung müßte sich vor allem mit den
dringlichen nationalen Problemen auseinandersetzen
und würde sich höchstwahrscheinlich nicht die militärische Aufrüstung im großen Stil vornehmen.

Die Volksaufstände würden höchstwahrscheinlich in
einigen Minderheitsrepubliken größere Ausmaße
annehmen. Eine orthodoxe Führung würde unter
Umständen massive militärische Macht einsetzen, um
die Abspaltung der baltischen Republiken zu verhindern. Andere Republiken könnten ebenfalls Unabhängigkeit anstreben.

Das heißt, daß sich jedes Nachfolgeregime denselben
wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen
wie Präsident Gorbatschow gegen übersehen und
sicherlich auch Rüstungskontrollabkommen mit dem
Westen weiterverfolgen würde. Darüber hinaus würde
es wahrscheinlich keinen Kurswechsel der in Osteuropa erfolgten Veränderungen oder etwa eine Reaktivierung des Warschauer Pakts anstreben.

Eine derart kompromißlose Führung könnte sich jedoch nur solange halten wie sie über die Unterstützung
eines starken und einigen Militärs verfügt. Die sowjetischen Streitkräfte sind aber nicht ausgebildet oder
ausgerüstet, um die Aufgaben einer Polizeitruppe
wahrzunehmen. Große und um sich greifende Aufstände würden sie auf eine harte Probe stellen. Dabei
kann man die Reaktion von Befehlshabern und Truppen nicht vorhersagen, wenn sie den Befehl erhalten,
auf Zivilisten zu schießen.
Eine orthodoxe politische Führung müßte sich vor
Augen führen, daß die rumänischen Streitkräfte sich
letztlich geweigert haben, Ceausescus Regime vor
dem Volkszorn zu retten. Sie haben sich vielmehr dem
Volk angeschlossen und ihn gestürzt. Herr Vorsitzender, ich kann nicht vorhersehen, welche Entscheidungen die gegenwärtige oder künftige Führung der
Sowjetunion treffen wird.
Aber auch wenn ein orthodoxes Regime in Moskau an
die Macht käme, bestünden wenig Anreize für eine
*

Seite 4

Schlußbemerkung
Herr Vorsitzender, zum Schluß möchte ich darauf
hinweisen, daß auch ein Führungswechsel und ein
anderer politischer Kurs in Moskau wahrscheinlich
keine internationale Ordnung mehr herstellen würde,
wie sie noch vor einigen Jahren existierte.
Grö ßere Umwälzungen zugunsten einer Herrschaft im
stalinistischen Stil werden in Osteuropa immer unwahrscheinlicher, obwohl politische Krisen und Rückschläge bei den Reformen sehr wohl stattfinden können.
Ich versichere Ihnen jedoch, daß die Nachrichtendienste alle Möglichkeiten aufmerksam beobachten werden. Wir werden weiterhin den täglichen Ablauf der sowjetischen und osteuropäischen Reformprozesse und
seine Auswirkungen auf amerikanische Interessen beobachten und auswerten.

* * *

*

AMERIKA DIENST 9

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                <text>&lt;strong&gt;1. Atom und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Licht der Vergangenheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gefrorenes Gestein registriert Dauer einer Eiszeitperiode&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unterirdische Atomexplosionen für zivile Zwecke&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meeresströmungen werden gefärbt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Siliziumgewinnung und Baumwollimprägnierung durch Bestrahlungsverfahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Erziehungswesen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schöpferische Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Glenn T. Seaborg, Nobelpreisträger und Vorsitzender der US-Atomenergie-Kommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Schatten des Broadway&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Kaffeehaus-Theater von Greenwich Village&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Linda Kent&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kurz berichtet&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltbevölkerung erreicht Drei-Milliarden-Grenze</text>
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                    <text>7. April 1982

14
-

INHALT

INFORMATION
US-Regierung zur Erklärung der Sozialistischen Internationale über
Mittelamerika
USA hoffen auf friedliche Lösung des Falkland-Konflikts
DOKUMENTATION
Reagan wünscht Gespräch mit Breschnew bei den Vereinten Nationen
- Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus Erklärung der amerikanischen UN-Botschafterin vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
- Jeane J. Kirkpatrick: Wahlen in El Salvador Symbol des demokratischen Weges HINTERGRUNDMATERIAL

Das deutsch-amerikanische Verhältnis aus heutiger Sicht
( /

- Von Staatssekretär Lawrence S. Eagleburger -

it

Eagleburger diskutiert Aspekte der Europa-Politik der USA
- Gespräch des US-Staatssekretärs mit Auslandskorrespondenten
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Radiowellen niedrigster Frequenz aus der Hochatmosphäre
- Bisher unbekannte Quelle elektromagnetischer Strahlung von
US-Wissenschaftlern entdeckt -

Um Über/endung von
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wird gebeten

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D5300

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Information

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14

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. April 1982

US-REGIERUNG ZUR ERKLÄRUNG DER SOZIALISTISCHEN INTERNATIONALE ÜBER
MITTELAMERIKA

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 5. April 1982 im
Zusammenhang mit der jüngsten Erklärung des Präsidiums der Sozialistischen
Internationale folgende Stellungnahme zu den Wahlen in El Salvador und zur
Lage in Nicaragua veröffentlicht:
Wenige Tage nachdem die Welt auf den Fernsehschirmen und in der Presse
eine der bewegendsten Bekräftigungen des Glaubens an die Demokratie in der
jüngeren Geschichte erlebt hat - als Bauern, Arbeiter und andere Salvadorianer
einen so außerordentlichen Mut und eine so außerordentliche Festigkeit bewiesen haben und sogar ihr Leben riskierten, um in bisher nie dagewesener Zahl
zur Wahl zu gehen - hat das Präsidium der Sozialistischen Internationale in
einer Erklärung vom 2. April es vorgezogen, dieses Ereignis als "sogenannte
Wahlen" herabzusetzen.
Gleichzeitig rief das Präsidium der Sozialistischen Internationale zur
Unterstützung des nicaraguanischen Regimes "in seiner Verpflichtung zu Pluralismus und sozialer Gerechtigkeit und zur Demokratie" auf, obwohl allgemein

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Telex: 08-85432

�obwohl allgemein bekannt ist, daß das sandinistische Regime selbst die Hauptbedrohung der Demokratie in Nicaragua darstellt.
Die Regierung von El Salvador war bereit, sich dem Willen des Volkes zu
unterwerfen; aber das Präsidium der Sozialistischen Internationale verurteilt
diesen Prozeß.
Die Regierung von Nicaragua bringt offen ihre Verachtung für den Wahlprozeß zum Ausdruck, aber das Präsidium der Sozialistischen Internationale
unterstützt diese Regierung.
Die Geschichte und Lehre der Sandinisten in Nicaragua und der Guerilla
in El Salvador wurde in der Erklärung von Botschafterin Jeane Kirkpatrick
vom 2. April vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im einzelnen dokumentiert.
Eine Regierung kann nicht demokratisch sein, wenn sie sich weigert, sich
freien Wahlen zu stellen.

Eine Nation kann nicht befreit sein, wenn ihre

Bürger ihrer Freiheiten beraubt sind.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hofft, daß die Mitgliedsparteien
der Sozialistischen Internationale über das zweierlei Maß nachdenken, das
in der Erklärung des Präsidiums zum Ausdruck kommt, und die Notwendigkeit
einer realistischeren und nützlicheren Beurteilung der dramatischen Situation
in Mittelamerika anerkennen werden. Wenn die Sozialistische Internationale
die Absicht hat, zur Verbesserung der Situation in Mittelamerika beizutragen,
dann muß sie mehr Ausgewogenheit und Objektivität bei der Behandlung der Probleme der Region an den Tag legen.
Die demokratische Linke muß in der Lage sein, sich von der totalitären
Linken abzusetzen, oder sie wird die demokratischen Überzeugungen ihrer Mitglieder verraten.
Die Wahlen

�Die Wahlen in El Salvador haben die Probleme des Landes nicht gelöst,
aber die Wahlen haben sicherlich den mutigen Willen des Volkes von El Salvador
demonstriert, seine Probleme durch einen friedlichen demokratischen Prozeß
zu lösen.

Wenn das Präsidium der Sozialistischen Internationale diese Wahlen

verurteilt, dann läßt es das

VOIK

von El Salvador im Stich und unterstützt jene,

die nicht an die demokratische Revolution glauben.
In ähnlicher Weise bedeutet die Unterstützung eines zunehmend repressiven Regimes in Nicaragua, jene Nicaraguaner im Stich zu lassen - von denen
es viele gibt -, die an die Demokratie glauben und die nicht wollen, daß die
Sandinisten ein monolithisches Regime errichten und eine Kriegsmaschinerie
aufbauen, die in der Geschichte Mittelamerikas einmalig ist - viel größer als
jene der Somoza-Regierung.
Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika ist fest einer friedlichen und demokratischen Lösung der Probleme Mittelamerikas verpflichtet.
Wir heißen alle willkommen, die in gutem Glauben eine solche Lösung fördern
wollen, aber wir verurteilen Versuche, diesen Problemen anti-demokratische
Lösungen überzustülpen.

Wir appellieren an Menschen guten Willens, die Demo-

kratie in Mittelamerika zu unterstützen und jenezu verurteilen - von der FMLN
in El Salvador bis zu den Sandinisten in Nicaragua und ihren marxistisch-leninistischen Helfershelfern in Kuba -, die durch Waffengewalt den Totalitarismus verbreiten.

+ + + + +

- 3 -

�14

7. April 1982

USA HOFFEN AUF FRIEDLICHE LÖSUNG DES FALKLAND-KONFLIKTS

WASHINGTON - (AD) - Die Regierung der Vereinigten Staaten hat am 5. April
1982 erneut ihre Hoffnung bekräftigt, daß der Streit zwischen Großbritannien
und Argentinien über die Falkland-Inseln im Slidatlantik friedlich beigelegt
werden kann.
Der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Dean Fischer, erklärte vor der Presse, daß die Vereinigten Staaten in bilateralen Kontakten zu beiden Regierungen stehe und ihre guten Dienste angeboten hätten. Fischer lehnte
es jedoch ab, sich näher über die amerikanischen Bemühungen zu äußern. Der
Sprecher des State Department wollte jedoch nicht den Eindruck erwecken, die
USA hätten eine Vermittlerrolle eingenommen.
"Es handelt sich keinesfalls um ein formelles Angebot irgendwelcher Art",
so erklärte Fischer, "sondern um Bemühungen, durch unsere bilateralen Beziehungen mit beiden Ländern so nützlich wie möglich zu sein". Auf die Frage
nach einer möglichen amerikanischen Vermittlerrolle erwiderte der Sprecher,
"wir haben einfach im Zusammenhang mit Gesprächen mit beiden Regierungen unsere Wünsche zum Ausdruck gebracht, daß die Angelegenheit ohne Anwendung
von Gewalt beigelegt wird."
Bereits Stunden

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�Bereits Stunden nach der Invasion der Inseln am 2. April

hatte das ame-

rikanische Außenministerium in einer Erklärung die Anwendung von Gewalt bedauert und Argentinien aufgefordert, seine Streitkräfte von den Inseln abzuziehen.

Fischer teilte in diesem Zusammenhang mit, daß im amerikanischen

Außenministerium eine besondere Arbeitsgruppe eingesetzt worden sei, um die
Entwicklungen zu verfolgen.
Auf diesbezügliche Fragen erklärte Fischer, es sei noch verfrüht, darüber zu spekulieren, ob die Vereinigten Staaten dem britischen Beispiel folgend wirtschaftliche Sanktionen gegen Argentinien verhängen würden.
Der Sprecher des State Department lehnte es auch ab, zum Rücktritt des
britischen Außenministers Lord Carrington Stellung zu nehmen.

Außenminister

Haig habe Lord Carrington, der ein Freund der USA sei und in schwierigen
internationalen Fragen mit den Vereinigten Staaten eng zusammengearbeitet habe,
ein persönliches Schreiben übersandt.

Die amerikanische Regierung hoffe auf

eine weitere enge Zusammenarbeit mit der britischen Regierung.
Bezüglich der Nutzung amerikanischer militärischer Einrichtungen auf
der Insel Ascension im Atlantik etwa auf halbem Wege zwischen Afrika und
Südamerika durch die Briten sagte Fischer, die Insel sei britischer Besitz
und die von amerikanischen Soldaten betriebenen Luftstützpunkteinrichtungen
stünden vertraglich jederzeit den britischen Streitkräften zu.

"Eine Benut-

zung des Flugplatzes stellt daher in keiner Weise ein amerikanisches Engagement
in dem Streit zwischen Großbritannien und Argentinien dar", so betonte der
Sprecher des State Department.
Präsident Reagan hat ebenfalls am 5. April im Weißen Haus vor der Presse
die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Konflikts zum Ausdruck gebracht.
Beide an dem Konflikt beteiligten Länder seien Freunde der Vereinigten Staaten.

+ + + + +
- 2 -

�7. April 1982

14

REAGAN WÜNSCHT GESPRÄCH MIT BRESCHNEW BEI DEN VEREINTEN NATIONEN
- Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus •

WASHINGTON - (AD) - Im Verlauf eines Gespräches mit Reportern im
Weißen Haus am 5. April 1982 erklärte Präsident Reagan, er würde gerne mit
dem sowjetischen Staats- und Parteichef Breschnew bei den Vereinten Nationen
zusammentreffen, wo Reagan Mitte Juni vor der Vollversammlung zum Thema der
Rüstungskontrolle sprechen wird.
Das Gespräch hat in seinen wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:
FRAGE: Würde diese Regierung die Anstrengungen Großbritanniens zur
Befreiung seiner Geiseln auf den Falkland-Inseln im Gegenzug zu Frau
Thatchers Unterstützung der Befreiung der amerikanischen Geiseln in Iran
unterstützen?
ANTWORT: Sie haben eine Frage zu einem bestimmten Teilaspekt des Ganzen
gestellt. Lassen Sie mich etwas ausführlicher darauf eingehen. Es ist dies
eine sehr schwierige Situation für die Vereinigten Staaten, weil wir mit

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�wir mit beiden Ländern befreundet sind, die in diesen Streit verwickelt sind.
Wir sind bereit, alles zu tun, was wir können, um ihnen zu helfen. Und worauf
wir hoffen und hinwirken wollen, ist eine friedliche Lösung - ohne Gewalt und
Blutvergießen. Zu diesem Zweck unterstützen wir auch die Resolution, die bereits den Vereinten Nationen vorliegt und die einen Abzug der Streitkräfte
und eine Lösung im Rahmen der Vereinten Nationen vorsieht.
FRAGE: Haben Sie mit Premierministerin Thatcher heute morgen gesprochen?
ANTWORT: Ich habe eine Nachricht von ihr hinsichtlich der Ernennung
eines neuen Außenministers erhalten.
FRAGE: Ist Amerika bereit, militärischen Beistand anzubieten, wenn Großbritannien darum ersucht?
ANTWORT: Ich habe es bereits gesagt: Wir sind mit beiden Seiten befreundet.
Wir werden versuchen und uns darum bemühen, daß sie sich zu einem Treffen
im Sinne einer friedlichen Lösung bereitfinden werden.
FRAGE: Treffen Sie sich mit dem argentinischen Außenminister, der heute
hier ist, um vor der Organisation amerikanischer Staaten zu sprechen?
ANTWORT: Nein, der Terminplan sieht kein solches Treffen vor.
FRAGE: Die britische Regierung hat mit der Anwendung von Gewalt gedroht,
wenn die Diplomatie erfolglos bleibt, und dies wird in Großbritannien als
ernste Drohung aufgefaßt. Was wäre Ihre Position, wenn die Diplomatie ...
ANTWORT: Sie stellen da eine hypothetische Frage, die sich mir hoffentlich nie stellen wird. Beide Seiten haben mit dem Einsatz von Gewalt gedroht,
wie dies ja auch die militärische Landung Argentiniens zeigt. Ich meine, es
sollte bei diesem Problem einfach nicht dazu kommen.
FRAGE: Zur

�FRAGE: Zur Verteidigung: Sind Sie bereit, bei der Verteidigung etwas
zu kürzen?
ANTWORT: Ich habe gesagt, daß es bei allen Regierungsprogrammen offensichtlich Bereiche gibt, wo durch Änderungen im Management usw. Einsparungen
erzielt werden können, und ich bin für jeglichen Vorschlag in diesem Sinne
offen. Was jedoch das grundlegende Programm einer Verbesserung und des Baus
von Waffensystemen angeht, die wir benötigen, um das Fenster der Verwundbarkeit zu schließen, so müßte ich mich dagegen wehren.
FRAGE: Manche Kritiker widersprechen Ihrer Beurteilung, daß die Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion zurückliegen. Und darüber hinaus
sagen Sie, es war falsch von Ihnen, so etwas festzustellen, weil es den
Eindruck von Schwäche macht. Tut es Ihnen leid, es gesagt zu haben?
ANTWORT: Nein, es tut mir nicht leid, denn ich weiß genau, daß auch die
Russen es wissen. Auch das amerikanische Volk sollte in der Lage sein zu
wissen, was jene wissen.
FRAGE: Aber das hat den Eindruck hinterlassen, wir seien schwach und macht das nicht die Russen ...?
ANTWORT: Nein. Es ist immer und immer wieder gesagt worden. Während der
vergangenen Jahre wurde gesagt, daß wir militärisch gesehen im Verhältnis
zur Sowjetunion in einer sich verschlechternden Situation sind.
FRAGE: Aber niemand hat je gesagt, sie könnten einen Zweitschlag führen.
Glauben Sie das wirklich?
ANTWORT: Das sagen die Veröffentlichungen verschiedenster Leute, die
darüber diskutieren, was geschehen sollte.
Aber lassen Sie mich etwas hinzufügen. Der Grundgedanke

ist, daß wir

eine Abschreckung brauchen. Unser Ziel ist der Frieden. Und um Frieden zu

- 3 -

�Frieden zu haben, braucht man eine Abschreckung, die von aggressivem Abenteurertum in der Welt unter Einsatz von Kernwaffen abhält. Was unsere Unterlegenheit angeht, so sprechen wir derzeit darüber in Genf, über die Tatsache,
daß die Sowjetunion 300 Mittelstreckenraketen mit 900 Gefechtsköpfen hat, die
auf Europa ausgerichtet sind und die den Nahen Osten und Nordafrika treffen
können. Hier gibt es nichts, um sie aufzuwiegen, und unsere Verbündeten haben
uns um Marschflugkörper und PERSHING-Raketen als Abschreckung ersucht, die
in diesen Ländern in Westeuropa disloziert werden sollen. Dem haben wir zugestimmt.
Der größte Beweis von Überlegenheit sind die bereits aufgestellten SS-20,
SS-4 und SS-5, auch wenn die Sowjets kürzlich gesagt haben, sie würden die
SS-4 und SS-5 außer Dienst stellen, die ältere und schwächere Raketen sind.
Wir verhandeln von einem Standpunkt aus, bei dem wir mit der Bereitstellung von Raketen erst noch beginnen müssen. Dies aber werden wir nicht
tun, wenn sie bereit sind, die ihrigen abzubauen. ...
Lassen Sie mich zum Abschluß etwas zu dem angesprochenen bedeutsamen
Thema der Kernwaffen sagen. Ich werde, wie Sie wissen, Anfang Juni nach
Europa gehen zu einem Treffen mit Führungspersönlichkeiten europäischer
Länder. Dann werde ich mit dem Papst in Rom zusammentreffen und werde dann
zurückkommen, zur gleichen Zeit, also Ende Juni, Anfang Juli, wenn die Vereinten
Nationen ihre Konferenz über Rüstungskontrolle abhalten. Ich werde bei meiner
Rückkehr selbst auf dieser Konferenz der Vereinten Nationen sprechen. Und
ich hoffe sehr, daß auch Präsident Breschnew dort sein wird, um dasselbe zu
tun und vor denselben Leuten zu sprechen. Ich glaube, das ganze Problem, von
dem wir immer wieder sprechen, dem Problem der RüstungsVerminderung, der
Rüstungskontrolle, ist eines der allerwichtigtsten, vor denen wir stehen.
Und ich hoffe, wir werden beide in der Lage sein, vor der Konferenz zu sprechen.
FRAGE: Ist

�FRAGE: Ist Breschnew nicht bei schlechter Gesundheit?
ANTWORT: Uns liegen keine Bestätigungen in dieser Hinsicht vor.
FRAGE: Würden Sie gern mit Breschnew zusammentreffen?
ANTWORT: Ja, wenn er hier in unserem Land ist, hätte ich gern, daß es
zu einem solchen Treffen käme.
FRAGE: Schlagen Sie also ein Gipfeltreffen vor?
ANTWORT: Sie bringen hier die Vorstellung von einer umfangreichen Gipfelkonferenz auf: Nein. Ich meine, wenn er hier ist und wir beide zu diesem Thema
sprechen, so wäre es doch gut, wenn wir miteinander redeten.
FRAGE: Das wäre im Juni in New York?
ANTWORT: Juni.
FRAGE: Könnten Sie etwas zu unserer Rolle als Makler beim Disput um
die Falkland-Inseln sagen?
ANTWORT: Wenn wir dabei behilflich sein können, zu einer friedlichen
Lösung von etwas beizutragen, das wie eine unnötige Meinungsverschiedenheit
aussieht, werden wir helfen.
+++++

- 5 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

7. April 1982

ERKLÄRUNG DER AMERIKANISCHEN UN-BOTSCHAFTERIN VOR DEM SICHERHEITSRAT
DER VEREINTEN NATIONEN
- Jeane J. Kirkpatrick: Wahlen in El Salvador
Symbol des demokratischen Weges -

NEW YORK - (AD) - Vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen

nahm

Jeane K. Kirkpatrick, amerikanische Chefdelegierte bei den UN, am 2. April
1982 in einer Erklärung zu den Wahlen in El Salvador Stellung.
Die wesentlichen Auszüge aus ihrer Erklärung haben folgenden Wortlaut:
Das Schreiben von Herrn Daniel Ortega Saavedra und die Debatte des Sicherheitsrates, die es hervorgerufen hat, erinnern mich an ein Wort des verstorbenen französischen Philosophen Georges Bernanos, das lautet:

"Die schlimmsten,

die verderblichsten Lügen sind schlecht dargestellte Probleme."

Herr Ortega

stellt "das Problem" dar, als habe man es mit einer Gefahr zu tun, die der
Unabhängigkeit und Souveränität der Länder Mittelamerikas durch die Vereinigten Staaten drohe.

Diese Definition des Problems verschleiert nur die eigent-

liche Frage, um die es in Mittelamerika geht, nämlich um den Konflikt zwischen
zwei Konzeptionen zur Organisation der Gesellschaft, um zwei Ideologien, wenn
man so will - die eine demokratisch, die andere totalitär.
Die am

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Telex: 08-85432

�' '

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Die am Sonntag in El Salvador abgehaltenen Wahlen symbolisieren den
einen dieser beiden Wege - den demokratischen -, während die systematische
Weigerung des Regimes in Nicaragua, Wahlen abzuhalten, den anderen Weg symbolisiert - den totalitären.
Diese Wahl mit ihrer eindrucksvollen Beteiligung war ein Tribut für das
salvadorianische Volk und für die Lebensfähigkeit der demokratischen Idee.
Welch ein standhaftes, mutiges und starkes Volk diese Salvadorianer doch
sind, die trotz der Möglichkeit massiver Gewalt an der Wahlurne und trotz
der Vergeltungsdrohungen der Guerifla gegen die Wähler in gewaltigen, noch
nie dagewesenen Mengen wählten! Warum taten sie das?
In der Montagsausgabe des "Wall Street Journal" stand ein Interview mit
einem dieser Wähler, einer Ana Maria de Martinez, die "typisch für jene Wähler war, die glaubten, sie könnten die Menge vermeiden, indem sie früh zum
Wahllokal gingen.

Diese Frau, Mutter zweier Kinder, ging zum Nationalen

Technischen Institut, einem Wahllokal, gegen 5 Uhr früh.

Aber genau das tat

eine ganze Menge anderer Leute, und gegen 9 Uhr stand sie immer noch zwei
Straßen vom Eingang entfernt.

'Ich werde hier den ganzen Tag warten, wenn

es sein muß', sagte sie und fächerte sich mit ihrer Tasche Luft zu.
ganze Welt scheint Entscheidungen über El Salvador zu treffen.

'Die

Jetzt bin

ich dran.'"
Manche Leute haben gesagt, freie und faire Wahlen könnten in El Salvador
nicht abgehalten werden.

Sie haben Unrecht.
•

Aber es gibt auch andere, die aus Prinzip gegen Wahlen sind und sie als
Werkzeug der Bourgeoisie und als eine falsche Interpretation des Volkswillens
betrachten, der am besten durch den bewaffneten Kampf zum Ausdruck gebracht
werde.

In El Salvador ist dies - die Kugel den Wahlzettel vorzuziehen - die

Haltung verschiedener Guerilla-Fraktionen, deren Koordinierungsfront bezeichnenderweise nach Farabundo Marti, dem salvadorianischen Kommunisten benannt
ist.

Ein Vertreter dieser Guerilla, Commandante Ana Guadalupe Martinez, wird

in der dieswöchigen Ausgabe des Londoner "Economist" so zitiert:
2 -

"Wahlen die-

�"Wahlen dienen dazu, eine Volksregierung zu bestätigen...

Wenn Gesetze

existieren, die das Volk repräsentieren, sind Wahlen nicht sehr wichtig."
Die Idee, daß der Wille des Volkes besser durch eine revolutionäre Elite
als durch freie Wahlen zum Ausdruck gebracht werden kann, ist natürlich ein
fundamentaler Bestandteil des Leninismus. Sie steht, ich brauche dies vor
diesem Forum kaum zu sagen, in grundlegendem Widerspruch zu Artikel 21 der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in der es heißt:

"Der Wille des

Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt.

Dieser

Wille muß durch periodische und unverfälschte Wahlen mit allgemeinem und gleichem Wahlrecht bei geheimer Stimmabgabe oder in einem gleichwertigen freien
Wahl verfahren zum Ausdruck kommen."
Die Farabundo Marti-Befreiungsfront (FMLN) ist nicht das einzige Element
in der Politik Mittelamerikas, das sich den freien Wahlen widersetzt, wie s.ie
in Artikel 21 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte definiert werden.
Auch die sandinistische Führung ist gegen solche Wahlen. Ja, sie hat die
salvadorianischen Wahlen "eine absolute Absage an Demokratie und Zivilisation"
genannt. Sie hat nicht immer so geredet. Einen Monat vor ihrer Machtergreifung, im Juni 1979, als sie noch immer nach Unterstützung suchten, versprachen die Sandinisten der Organisation amerikanischer Staaten (OAS), daß
sie bei Machtübernahme freie Wahlen abhalten würden. Einmal an der Macht, ließen sie rasch von diesem Versprechen ab.
Im Frühjahr 1980 verfestigten die Sandinisten ihre Kontrolle über den
Staatsrat, vergrößerten ihn und füllten ihn mit ihren eigenen Anhängern, um
eine permanente Mehrheit sicherzustellen.

Im Juli 1980 kündigte der Vertei-

digungsminister der Sandinisten, Humberto Ortega, an, daß es keine Notwendigkeit für Wahlen gebe, da das Volk während der Revolution "gewählt" habe.

Es

hieß, man könne keine Wahlen abhalten, bis das Volk "umerzogen" sei.
Im darauffolgenden Monat, August 1980, erklärte Humberto Ortega, daß die
Wahlen bis 1985 verschoben würden.

Und selbst dann, so hieß es, würden es

- 3 -

�würden es keine "bürgerlichen" Wahlen sein, d.h. jene Art von Wahlen, wie sie
die Allgemeine Erklärung erfordert, sondern vielmehr "Volkswahlen", in denen,
mit den Worten von Innenminister Tomas Borge, die Macht "nicht verlost wird."
Bis dahin keine "bekehrerischen Aktivitäten" durch irgendwelche Kandidaten,
keine Diskussion einer Kandidatur, sondern erst eine offizielle Benennung der
Kandidaten durch eine Wahlbehörde, die ihrerseits wiederum erst 1984 eingesetzt würde.

Übertretungen sollen mit Gefängnisstrafen zwischen drei Monaten

und drei Jahren geahndet werden.
Inzwischen wird der Mob dazu ermutigt, die Opposition einzuschüchtern.
Die MDN und die Sozialdemokraten, zwei der wichtigsten Oppositionsparteien in
Nicaragua,waren wiederholt Opfer von halboffizieller Gewalt des Mob.

In

einer Rede im vorigen Herbst erklärte Humberto Ortega, daß das Regime der
Sandinisten "von einer wissenschaftlichen Doktrin, vom Marxismus-Leninismus
geleitet" werde, und drohte, Gegner der Politik des Regimes, "entlang der
Straßen und Landstraßen des Landes aufzuhängen".

Kurz darauf wurden vier Füh-

rungspersönlichkeiten der nicaraguanischen Geschäftswelt, die einen Protestbrief gegen diese Rede unterzeichnet hatten, verhaftet und zu sieben Monaten
Gefängnis verurteilt.
Die Darstellung der Sandinisten in bezug auf die Wahlen ist Teil einer
weitergefaßten Politik der Revolution durch Verdunkelung und Verwirrung.
haben vorgegeben, Demokraten zu sein.

Sie

Eine lange Zeit haben sie vorgegeben,

keine Marxisten-Leninisten zu sein, und heute tun sie so, als gäbe es keinen
Widerspruch zwischen Sandinismus und Marxismus-Leninismus.
Wie jene wissen, die mit der Geschichte des Augusto Cesar Sandino vertraut sind, hat sein Nationalismus Argwohn und Kritik derjenigen hervorgerufen, die eine Unterwerfung unter dem sogenannten Internationalismus Moskaus
unterstützten.

Sein Wunsch nach "absoluter Souveränität", nach einem "frei-

en Land" und nach einer Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme durch
demokratische Entscheidungen wurde von den Kommunisten als bourgeois und
konterrevolutionär

abgelehnt.

Die kommunistischen Attacken gegen Sandino

begannen also, als er in Mexiko war.

Weil er sich weigerte, seinen Kampf

- 4 -

�seinen Kampf für "Land und Freiheit" den Plänen der mexikanischen Kommunisten
anzupassen, nannte der Generalsekretär der mexikanischen Kommunisten ihn einen
Verräter und beschimpfte ihn bei seinem Tode.
Angesichts der unterschiedlichen Haltungen in bezug auf freie Wahlen in
El Salvador und Nicaragua heute ist es besonders aufschlußreich, die Ansichten Sandinos denen von Jose Agustin Farabundo Marti, dem Führer der Kommunistischen Partei El Salvadors,gegenüberzustellen, der sich eine Zeitlang
dem Kampf Sandinos anschloß, aber wegen seiner kommunistischen Ideologie
schließlich nach Hause geschickt wurde. "Mein Bruch mit Sandino", so erklärte er, kam zustande, "weil dieser es nicht wünschte, sich das kommunistische
Programm zu eigen zu machen, das ich unterstützte. Sein Banner war nur die
Unabhängigkeit, ein Banner der Befreiung, und er verfolgte nicht die Ziele
der sozialen Rebellion." Jahre später wurde diese Darstellung durch Sandino
selbst bestätigt. Er erklärte, daß "bei verschiedenen Gelegenheiten Versuche
unternommen wurden, um diese Bewegung der nationalen Verteidigung zu entstellen, indem sie vielmehr in einen Kampf mit sozialem Charakter verwandelt wurde. Mit all meiner Kraft habe ich mich dagegen gewandt."
In seinem Bestreben, die totalitäre Macht im Inland zu konsolidieren,
und die natioanle Unabhängigkeit Nicaraguas an Moskau und Havanna zu verpfänden, steht das Regime Nicaraguas voll und ganz in der Tradition Farabundo
Martis, dessen Nachfolger - in Übereinstimmung mit dieser Tradition handelnd erfolglos versucht haben, die freien Wahlen in El Salvador durch Gewalt zu sabotieren, und die - gelangten sie an die Macht - dieselbe verächtliche Haltung gegenüber freien Wahlen an den Tag legen würden, wie jene, die sich selbst
Sandinisten nennen, sie in Nicaragua gezeigt haben.
Es ist wohl kaum ein Zufall, daß viele der Länder, die im Verlaufe dieser Debatte das Schreiben von Commandante Ortega unterstützt haben, die prinzipielle Opposition seines Regimes gegenüber freien Wahlen teilen. Zu diesen
Ländern gehören Kuba, Vietnam, Angola, die Sowjetunion, Laos, Mozambique,
Grenada, Iran, die Deutsche Demokratische Republik und Polen.

- 5 -

Keines dieser

�Keines dieser Länder, die sich selbst "Volksdemokratien" nennen, hat eine
Regierung, die vom Volk gewählt wurde oder ihm verantwortlich ist. Alle von
ihnen lehnen - weil sie ihn fürchten - den Ausdruck des Willens des Volkes
durch freie Wahlen ab, wie er in Artikel 21 der Allgemeinen Erklärung der
Menschenrechte gefordert wird.

+ + + + +

6 -

�14

7. April 1982

DAS DEUTSCH-AMERIKANISCHE VERHÄLTNIS AUS HEUTIGER SICHT
- Von Staatssekretär Lawrence S. Eagleburger Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Wochenzeitung DAS PARLAMENT
Während des Besuches von Bundeskanzler Schmidt in Washington im Januar
dieses Jahres

wurden Staatsminister Dr. Hildegard Hamm-Brücher und ich zu

Koordinatoren der deutsch-amerikanischen Beziehung ernannt. Ich betrachte das
als eine große Ehre und als eine wichtige Aufgabe, und ich freue mich ganz
besonders auf die Gelegenheit, mit einer so ausgezeichneten Partnerin wie Dr.
Hamm-Brücher zusammenzuarbeiten. Dr. Hamm-Brücher und ich trafen am 22. Februar
in Washington zu unserer ersten Arbeitssitzung zusammen, und wir stehen also
am Beginn unserer Aufgabe.
Vereinfacht gesagt, sehe ich unser Ziel darin, die Verständigung und das
Kennenlernen zwischen unseren Völkern zu fördern, wobei wir uns auf die reiche
Tradition deutsch-amerikanischer Beziehungen berufen können. Es ist durchaus
angebracht, gelegentlich daran zu erinnern, wie reich diese Tradition ist.
Deutsche haben bei der Gründung der neuen Welt und der Vereinigten Staaten
eine wichtige Rolle gespielt. Ein deutscher Kartograph, Martin Waldseemüller,
war der erste, der im Jahr 1507 die neue Welt als Amerika bezeichnete. Peter

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�bezeichnete. Peter Minuit, der die Insel Manhattan von den Indianern kaufte,
war in Deutschland geboren. Bereits im Jahr 1607 waren Deutsche unter den
Begleitern von Kapitän John Smith in Jamestown, der ersten Siedlung in den
Vereinigten Staaten.
Aber die ersten deutschen Einwanderer, die feste Siedlungen in diesem
Lande gründeten, waren 13 Mennoniten-Familien aus Krefeld im Rheinland. Im
Jahr 1683 ließen sie sich in dem späteren Germantown nieder, das heute ein
Vorort von Philadelphia ist. Zu den ersten berühmten deutschen Ansiedlern
gehörten Franz Pastorius, der erste Bürgermeister von Germantown; John Peter
Zenger, der das New York Weekly Journal herausgab und für die Pressefreiheit
kämpfte; und Jacob Leisler, einer der Führer des erfolglosen Aufstandes gegen
die Briten im kolonialen New York. Deutsche Einwanderer kamen mit den gleichen
Hoffnungen nach den Vereinigten Staaten wie alle neuen Amerikaner - mit der
Hoffnung auf Freiheit vor religiöser Verfolgung, Freiheit der Rede und ein
neues Leben in Freiheit in der Neuen Welt unter dem Schutz der Rechte des
einzelnen.
Zum Zeitpunkt der Gründung unseres Staates vor 206 Jahren

waren etwa

neun oder zehn Prozent der Bevölkerung der ursprünglichen 13 Staaten deutscher
Abstammung. Einer der berühmtesten und geachtetsten Einwanderer war Baron von
Steuben, der während der amerikanischen Revolution eine absolut entscheidende
Rolle spielte. In Valley Forge brachte er der abgerissenen Kontinentalarmee
ein Gefühl der Disziplin und des Stolzes bei, die sie zu einer leistungsfähigeren und wirksameren Streitmacht werden ließ. Später spielte er als
Generalinspekteur der Revolutionsarmee eine Hauptrolle als Berater von
General George Washington. In Yorktown nahm er die ersten britischen Kapitulationsangebote entgegen.
In diesem Jahrhundert war das Verhältnis zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten äußerst komplex und schwankte von ausgezeichnet bis zum
Krieg gegeneinander. Nicht lange nach dem Ersten Weltkrieg begannen die
Vereinigten Staaten die Versuche Deutschlands zu unterstützen, wirtschaftlich
wieder auf die Beine zu kommen und einige der harten Bedingungen des Versailler
Vertrages zu revidieren. Im Jahr 1945, als der Kalte Krieg Europa zu überziehen

�zu überziehen begann, entwickelte sich in den Vereinigten Staaten ein Gefühl
des Verständnisses für Deutschland, das zehn Jahre nach dem Kriege zur Aufnahme Deutschlands in die westliche Völkergemeinschaft führte. Es entwickelte
sich ein Verhältnis, das viele Beobachter als eine "besondere Beziehung" bezeichnen, die weit über das hinausging, was die Diplomatie des Kalten Krieges
erforderte.
Nach über drei Jahrzehnten enger Zusammenarbeit, die unsere Nationen in
einem engen und geschätzten Verhältnis verbunden haben, wäre es keine Übertreibung, wenn man sagen würde, daß die Bundesrepublik Deutschland einer unserer
engsten und wichtigsten Verbündeten ist und bleibt. Die Notwendigkeit einer
kontinuierlichen festen Bindung der Zusammenarbeit zwischen unseren beiden
Ländern wird von der Gründergeneration auf beiden Seiten des Atlantik wohl
begriffen; dieses Axiom, das wir von der älteren Generation für selbstverständlich ansehen, wird jedoch von der jüngeren Generation, die jetzt in unseren
beiden Ländern an die Verantwortung gelangt, nicht fraglos hingenommen.
über die jüngere Generation ist viel gesagt und geschrieben worden. Ich
bin bezüglich ihrer Fähigkeit, die Bedeutung des Atlantischen Bündnisses und
anhaltender enger amerikanisch-deutscher Beziehungen zu verstehen und zu begreifen, keineswegs pessimistisch. Trotzdem ist und bleibt es unsere Aufgabe,
der jüngeren Generation diese Notwendigkeit in klaren und deutlichen Worten
zu erläutern. Jüngere Menschen in unseren beiden Ländern beginnen damit, daß
sie die "ersten" Fragen stellen, und wir müssen bereit sein, sie zu beantworten.
Das ist die Aufgabe der Führungsrollen, in denen wir uns heute befinden. Ich bin
überzeugt, daß meine Aufgabe in allen Gruppen unserer Gesellschaften und innerhalb der jüngeren Generation wesentlich erleichtert wird, weil ein so gewaltiges Reservoir an gutem Willen in unseren beiden Ländern weiterhin für den
anderen vorhanden ist.
In jüngster Zeit hat eine öffentliche Darstellung von Meinungsverschiedenheiten stattgefunden, die von den Medien sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten durch ein Vergrößerungsglas betrachtet
wurde. Das hat sich in beiden Ländern auf die Art und Weise ausgewirkt, wie wir
einander betrachten, und ich halte es für unsere wichtigste Aufgabe, diese

�Aufgabe, diese Darstellung und Vorstellung wieder in die richtige Dimension
zu rücken. Die Zeit nach dem Kriege ist erfüllt von zahlreichen Beispielen der
Zusammenarbeit und der herzlichen Gefühle zwischen unseren beiden Ländern. Diese
positiven Gefühle sind nicht nur aus einer Erkenntnis entstanden, daß man aus
sicherheitspolitischen, politischen oder wirtschaftlichen Überlegungen einander
braucht, sondern sie entstanden aus einem Gefühl des gemeinsamen Ethos, das dem
amerikanisch-europäischen Verhältnis zugrundeliegt und ihm seine besondere Bedeutung verleiht. Dieses gemeinsame Ethos ist in den letzten Jahren in den
Hintergrund gedrängt worden, vielleicht weil es weniger offenkundig ist als
das Macht- und Sicherheitsverhältnis und weniger greifbar als das nationale
Eigeninteresse. Aber dieses Ethos ist die philosophische und emotionale Grundsubstanz unseres Verhältnisses und das Element, das in Zeiten der Krise und Herausforderung aus den westlichen Demokratien natürliche Verbündete macht. Unser
Gefühl für gemeinsame westliche Werte und Traditionen ist der Mörtel, der
unsere Beziehung zusammenhält. Es sind diese gemeinsamen Werte, an die wir uns
immer wieder neu erinnern und die wir abwägen und überprüfen müssen - ein Prozeß,
der unsere Beziehung noch stärker machen wird.
Bundeskanzler Schmidt hat kürzlich nach seiner Rückkehr von seiner Reise
in die Vereinigten Staaten dazu festgestellt:
"Es besteht doch aber auch gar kein Zweifel: Die Amerikaner und die Europäer
sind keine eineiigen Zwillinge, die sich stets und überall identisch verhalten
müßten. Sie sind Partner mit gemeinsamen Idealen und zentralen gemeinsamen
Interessen, aber auch mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen und Interessen
im einzelnen, Partner, die sich immer wieder neu abstimmen müssen und die das
auch können, weil sie eben nicht nur historisch und politisch, nicht nur wirtschaftlich und militärisch eng verbunden sind, sondern weil sie auch durch die
gemeinsamen Wertvorstellungen von Demokratie, von der Freiheit der Person und
vom Frieden verbunden sind."
Wir selbst dürfen nicht vergessen, noch dürfen wir versäumen, der jüngeren
Generation auf beiden Seiten des Atlantik die Grundtatsache weiterzugeben, daß
wir ein gemeinsames Erbe und die gemeinsamen Werte der westlichen Zivilisation
miteinander teilen. Wir dürfen nicht vergessen, noch dürfen wir anderen zugestehen,

- 4 -

�anderen zugestehen, daß sie die Tatsache vergessen, daß das atlantische Bündnis
während der letzten 31 Jahre auf beiden Seiten des Atlantik Wohlstand und
Demokratie garantiert hat.
Die Aufgabe, vor der Staatsminister Dr. Hamm-Brücher und ich stehen, besteht darin, wieder ein Gefühl für die Perspektive dieser Bindungen zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten herzustellen.
Prosperität und militärische Bereitschaft sind wichtige Grundlagen unserer
pluralistischen demokratischen Gesellschaften. Aber sie können nicht die einzige
Grundlage unserer Partnerschaft bilden. Junge Menschen von heute erinnern sich
nicht mehr an die schweren Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie haben nicht
die Ungewißheit der vierziger und fünfziger Jahre erfahren, als es zeitweilig
so schien, als ob die sowjetische Aggression die Welt erneut in einen Krieg
stürzen würde. Die jüngere Generation von heute kennt nur eine Welt, gekennzeichnet von stabilen Volkswirtschaften und Weltfrieden. Ihre Probleme richten
sich darauf, was man aus der reichen materiellen und geistigen Ernte machen
kann, die unsere Gesellschaften hervorgebracht haben. Für ihre heutigen Anliegen
sind heroische Geschichten des Mutes und des Leidens nicht mehr relevant. Es
leuchtet ihnen nicht immer ein, warum sie sich auf Ideen von Menschen auf der
anderen Seite des Atlantik beziehen sollten. Für sie sind die dringenden Probleme
die Probleme der Familie, der Nachbarschaft und der örtlichen.Gemeinschaft.
Die Perspektive, die wir wieder herzustellen suchen, ist also nicht notwendigerweise die der Vergangenheit. Wir wollen nicht die Erinnerungen an die
Herausforderungen vor 30 Jahren wiedererwecken. Wir wollen keine "Nachfolge"
in dem direkten Sinne der großen Gründergeneration unseres Bündnisses schaffen.
Unsere Aufgabe besteht vielmehr darin, die Relevanz der pluralistischen
Demokratie für die neuen Anliegen der achtziger Jahre aufzuzeigen. Nach meiner
Ansicht besteht kein Zweifel, daß wir diese Aufgabe erfüllen können. Außenminister Haig hat es am 13. September 1981 in Berlin so formuliert:
"Eine pluralistische Gesellschaft mit einem Gleichgewicht zwischen der
Freiheit des einzelnen und dem Gemeinwohl ist an sich schon eine revolutionäre
Idee. Die Demokratie hat uns befähigt, noch nie dagewesene Möglichkeiten für

- 5 -

�Möglichkeiten für unsere Bürger zu schaffen. Aber die Demokratie ist auch das
Erbe aller Menschen. Die Idee vom Menschen als schöpferischem und verantwortlichem Einzelwesen hat der modernen Geschichte ihre besondere Form verliehen.
Wiederholte Unterdrückungsversuche haben sie stärker und anziehender gemacht
denn je. Ich glaube, daß die demokratische Revolution, die sich mit der Leistung
unserer Gesellschaft beweist, die beste Hoffnung auf menschlichen Fortschritt
bietet. Die Demokratien des Westens genießen ein einmaliges Vorrecht - und
haben eine zwingende Verpflichtung -, ihre eigene revolutionäre Doktrin in der
ganzen Welt zu verkünden."
"Die beste Hoffnung auf menschlichen Fortschritt" - das ist die Botschaft,
die die Demokratie seit über drei Jahrhunderten der ganzen Welt vermittelt hat.
Es war diese Hoffnung, die die ersten Einwanderer aus Krefeld vor 300 Jahren
in die wilden und unbekannten amerikanischen Kolonien gebracht hat. Es war diese
gleiche Hoffnung, die die großen Führer Europas und Nordamerikas dazu geführt
hat, vor über 30 Jahren die Atlantische Gemeinschaft zu gründen.
Was wir auf beiden Seiten des Atlantik also letztlich gemeinsam haben, ist
nicht lediglich ein gemeinsames Interesse an der Verteidigung oder selbst die
starken wirtschaftlichen Bindungen, die uns verknüpfen. Unsere Hauptbindung ist
die Botschaft der Hoffnung und des Fortschritts, die dem demokratischen Ideal
entspringt. Junge Menschen auf beiden Seiten des Atlantik haben viele Hoffnungen
und Wünsche gemeinsam. Sie wollen ihr Leben und das ihrer Mitbürger verbessern.
Manchmal scheinen die Probleme unlösbar, und manchmal scheinen unsere Systeme
unfähig zu sein, auf ihre Erfordernisse zu reagieren.
Frau Hamm-Brücher und ich können dazu beitragen, die deutsch-amerikanischen
Beziehungen wieder in die richtige Perspektive zu rücken, indem wir die Grundlagen unserer westlichen Gesellschaft deutlicher hervorheben und Menschen von
beiden Seiten des Atlantik zusammenbringen, die gemeinsame Ziele und Interessen
haben. Diese Anstrengungen sollten sich in erster Linie auf jüngere Menschen
konzentrieren. Aber sie sollten sich nicht auf diese allein konzentrieren.4 Viele
Menschen aus dem Geschäftsleben, aus dem Bereich der Bildung und aus dem
Journalismus werden ebenfalls von einem engen Kontakt miteinander profitieren.
Unser Gesamtziel sollte es sein, eine Identität der Interessen herbeizuführen

�Interessen herbeizuführen auf der Basis der Visionen der achtziger Jahre, die
genauso stark ist wie die, die sich auf Visionen der vierziger und fünfziger
Jahre stützte.
Zu Beginn sind unsere Anstrengungen jetzt auf zwei Haupttätigkeiten gerichtet: Die Bildung eines informellen Ausschusses von Beratern und die Vorbereitung für die 300-Jahr-Feier der deutschen Einwanderung im Jahr 1983. Was die
Beratergruppe angeht, so suchen wir gegenwärtig überall in den Vereinigten
Staaten nach wichtigen Persönlichkeiten, die sich dieser Aufgabe annehmen. Es
wird sich um prominente Persönlichkeiten aus verschiedenen Gruppen unserer Gesellschaft handeln, die ihren Rat zu Projekten und Initiativen abgeben werden,
die wir in Angriff nehmen sollten. Wir planen eine baldige Zusammenkunft dieser
Persönlichkeiten, und wir hoffen, daß sie in ihre jeweiligen Gemeinden mit dem
Interesse an der und der Verantwortung für die Förderung deutsch-amerikanischer
Kontakte zurückkehren werden - sei es, daß sie deutsche Besucher betreuen oder
einfach die Einführung von mehr Fremdsprachenkursen an den örtlichen Universitäten empfehlen. Staatsminister Hamm-Brücher bildet eine ähnliche Gruppe
prominenter Deutscher, die sie beraten soll.
Unsere zweite Haupttätigkeit, die 300-Jahr-Feier der deutschen Einwanderung,
ist in Washington bereits in das Planungsstadium eingetreten. Der 6. Oktober
1983 wird der 300. Jahrestag der Ankunft der 13 Mennoniten-Familien aus Krefeld,
die Germantown in Pennsylvanien gründeten, in den Vereinigten Staaten sein.
Die amerikanische Regierung arbeitet an der Vorbereitung einer Reihe von
Veranstaltungen, die während des ganzen Jahres 1983 überall in den Vereinigten
Staaten stattfinden sollen, und wir planen als Krönung dieser Feierlichkeiten
eine besondere Feier im Oktober in Philadelphia.
Wenn wir uns jetzt auf unsere grundlegenden Tätigkeiten konzentrieren und
den Rahmen für ihre Verwirklichung schaffen, dann werden wir mögliche Initiativen
auf den folgenden Gebieten ins Auge fassen. Unsere Planungen befinden sich noch
in einem frühen Stadium, und wir prüfen eine Reihe von Möglichkeiten.
Geschäftsaustausch: Wir hoffen, daß amerikanische Firmen mit Herstellungsbetrieben in Deutschland oder mit Handelsbeziehungen zu Deutschland Projekte

- 7 -

�Deutschland Projekte entwickeln, in deren Rahmen ihre Beschäftigten in unseren
beiden Ländern die Möglichkeit bekämen, in das jeweils andere Land zu reisen.
Militäraustausch: Wir prüfen Wege, um die bereits bestehende ausgezeichnete
Verbindung und Koordination weiter auszubauen, die auf örtlicher Ebene in
Deutschland zwischen amerikanischen Befehlshabern und führenden Persönlichkeiten
der zivilen Behörden bestehen.
Deutschlandkunde in den USA: Wir prüfen Mittel und Wege, um die Verbesserung
der Deutschlandkunde in den Vereinigten Staaten zu fördern und die Zahl der Angebote auf diesem Gebiet zu erhöhen. Dazu könnten der Ausbau von Lehrplänen für
Fremdsprachenstudien, internationale Politik und Wirtschaft, internationale
Kommunikation und andere geeignete Lehrangebote gehören.
Jugendaustausch: Auf diesem Gebiet wird bereits Hervorragendes geleistet;
wir suchen jedoch nach Mitteln und Wegen, um den Kontakt zwischen der Jugend
unserer beiden Länder zu fördern und zu verstärken.
Journalisten: Wir sind bemüht, einen regelmäßigen Dialog zwischen Mitarbeitern der Medien auf allen Ebenen zustandezubringen, der vielleicht zu
einer deutlicher gefaßten Organisation amerikanischer und deutscher Journalisten
führen würde. Hier könnten sich Journalistenschulen und andere Einrichtungen
in den Vereinigten Staaten beteiligen.
Parlamentarieraustausch: Es wird über Möglichkeiten gesprochen, die Kontakte
zwischen amerikanischen Kongreßmitgliedern und deutschen Bundestagsabgeordneten
und, was vielleicht ebenso wichtig ist, die Kontakte zwischen ihren Mitarbeitern
zu verstärken und zu intensivieren. Wir hoffen, daß Seminare und andere Veranstaltungen junge politische Führer in der Bundesrepublik Deutschland mit ihren
entsprechenden Partnern in den Vereinigten Staaten wie auch die Mitarbeiter
ihres Arbeitsstabes für einen längeren Zeitraum zusammenführen werden. Wir
arbeiten mit einer Reihe von Senatoren und Kongreßabgeordneten und ihren Mitarbeitern zusammen, um Ideen für eine Verstärkung des Austausches und der Verständigung zwischen beiden Parlamentariergruppen zu entwickeln.
Auf der

�Auf der Arbeitsebene entwickeln Mitarbeiter des amerikanischen Außenministeriums und des Amtes für Internationale Kommunikation (ICA) neue Ideen und neue
Wege, um die Menschen in unseren beiden Ländern zusammenzubringen, die normalerweise nicht in Kontakt miteinander

kommen. Wir hoffen, eine Vermittlerrolle zu

spielen, wenn es darum geht, deutsche und amerikanische Gruppen mit gemeinsamen
Interessen einander näherzubringen, die in der Vergangenheit nicht in Kontakt
miteinander kamen. Wir hoffen, daß sich das auf alle Formen des Kontakts erstrecken wird, angefangen von Briefwechsel und regelmäßigen Treffen bis zur
Entwicklung gemeinsamer Projekte. Ein Beispiel dieser Art von Projekten, an
das man sofort denkt, ist unsere Hoffnung, Angestellte und Facharbeiter der
verschiedensten Industriezweige zusammenzubringen, um Gedanken und Erfahrungen
auszutauschen und ein Verständnis für den Lebensstil, die Denkweise und den
Standpunkt des anderen zu gewinnen.
Eine weitere Vermittlerrolle, die wir zu spielen hoffen, besteht darin,
jene Gruppe und Einzelpersonen, die über Mittel für Projekte verfügen, mit
jenen zusammenzubringen, die Ideen und Pläne für Projekte haben und wissen,
wie sie verwirklicht werden können.
In der kurzen Zeit, in der wir an diesem Projekt gearbeitet haben, wurden
wir überrascht von dem Interesse und der Begeisterung, die überall in den Vereinigten Staaten aufkommen, wenn die Menschen von unserer Arbeit erfahren. Wir
haben von zahlreichen Gruppen überall in den Vereinigten Staaten unaufgefordert
Briefe und Anrufe erhalten, und ich stelle fest, daß das Reservoir an gutem
Willen in den Vereinigten Staaten viel größer ist, als ich es mir vorgestellt
hatte, wie auch die Zahl aktiver und erfolgreicher Austausch- und Kontaktprogramme, die derzeit laufen. Ebenso wenig besteht ein Mangel an ausgezeichneten
Ideen, die so bald wie möglich weiterentwickelt und ausgeführt werden sollten.
Wir haben eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, aber ich nehme sie mit Freuden,
Begeisterung und mit einer Verpflichtung an, unsere Völker von Angesicht zu
Angesicht zusammenzubringen.
Wachsende Verständigung zwischen zwei Nationen ist nicht ausschließlich
Aufgabe des diplomatischen Corps oder der Regierung. Die tiefste und produktivste
Art der Verständigung wird durch Einzelpersonen und kleine Gruppen entwickelt -

- 9 -

�Gruppen entwickelt - seien es Studenten, Geschäftsleute, Offiziere oder sonstige
Gruppen von Einzelpersonen in unseren beiden Ländern mit ähnlichen

Interessen

oder Berufen. Das ist ein Gebiet, wo wir hoffen, daß unsere Arbeit Früchte
tragen wird.

*

Wir stehen vor einer gewaltigen Aufgabe, aber es ist eine Aufgabe von
großer Bedeutung. Wir haben begonnen, die Dynamik des Interesses an den deutschamerikanischen Beziehungen zu begreifen, und es läögt auf der Hand, daß mehr
als genug solches Interesse besteht. Wir müssen in dieser Richtung weiterarbeiten

und stolz auf die Tatsache sein, daß die deutsch-amerikanische

Partnerschaft der Angelpunkt der wirtschaftlichen, politischen und sicherheitspolitischen Interessen in der freien Welt ist und bleibt. Diese Partnerschaft
ist und bleibt gesund.
Die gegenwärtigen Entwicklungen, die das Atlantische Bündnis und die
deutsch-amerikanischen Beziehungen berühren, stellen eine Herausforderung wie
auch eine Chance dar. Die Herausforderung besteht darin, sich den Fragen einer
jüngeren Generation zu stellen, die ihre Grundüberzeugungen überprüft und eine
Überprüfung der Werte und Interessen der älteren Generation fordert. Dieser
Prozeß ist für die heutige Nachfolgegeneration nicht ungewöhnlich, sondern gehört zu jeder gesunden demokratischen Gesellschaft. Wir gehörten alle einmal
einer jüngeren Generation an, die die Dinge in Frage stellte - in der Hoffnung,
unsere Gesellschaft zu verbessern.
Auf der anderen Seite jedoch stellen die heutigen Entwicklungen, die die
amerikanisch-deutschen Beziehungen berühren, eine Chance dar, ein dauerhafteres
und festeres Verhältnis auf der Grundlage beiderseitiger Überzeugungen und politischer und moralischer Werte des Atlantischen Bündnisses aufzubauen. Das ist
der gesunde Prozeß der Überprüfung und Neubewertung, der uns nach meiner Überzeugung auf lange Sicht auf eine höhere Ebene der Verständigung und der gemeinsamen Verpflichtung auf die Werte heben wird, die von grundlegender Bedeutung
für unsere westliche Zivilisation sind. Das ist unsere Aufgabe, und ich freue
mich auf diese Herausforderung sowie auf die Chance, eng mit Staatsminister
Dr. Hamm-Brücher und anderen in unseren beiden Ländern zusammenzuarbeiten.
+++++
- 10 -

�7. April 1982

EAGLEBURGER DISKUTIERT ASPEKTE DER EUROPA-POLITIK DER USA
Gespräch des US-Staatssekretärs mit Auslandskorrespondenten

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für politische Angelegenheiten
im amerikanischen Außenministerium, Lawrence S. Eagleburger, hat am 30. März
1982 in einem Gespräch mit Mitgliedern des Overseas Writers Club in Washington
Fragen der Europa-Politik der Vereinigten Staaten erörtert.

Im Mittelpunkt

der Diskussion standen die jüngste Reise von US-Staatssekretär James L. Buckley
nach Europa, die Sanktionen der USA gegenüber Polen sowie die Auswirkung der
Lage in Polen auf Osteuropa.
Die wichtigsten Auszüge dieses Gespräches haben folgenden Wortlaut:

Buckley-Mission
EAGLEBURGER:

Meiner Einschätzung nach war die Mission Buckleys in dem

Sinne ein Erfolg, daß wir einen Diskussionsprozeß mit unseren europäischen
Verbündeten über künftige Exportkredite und -garantien gegenüber der Sowjetunion eingeleitet haben...

Obgleich niemand in diesem Land, zumindest nicht

an verantwortlicher Stelle, sich für eine völlige Einstellung dieser Kredite

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�dieser Kredite und Garantien stark macht, so ist diese Administration doch
der Überzeugung, daß wir diesen Prozeß in den Griff bekommen müssen, denn
es handelt sich hierbei um eine entscheidende Frage hinsichtlich des strategischen Verhältnisses zwischen Ost und West und des Kurses für den Rest dieses Jahrhunderts. Und wenn Polen nichts anderes beweist..., so ist es doch
sicherlich ein Beispiel für die übertriebene Begeisterung, die es zu diesem
oder jenem Zeitpunkt bei vielen Ländern hinsichtlich der Kredite gab, die
man Polen anzubieten bereit war. Natürlich haben wir auch hinsichtlich der
Sowjetunion unsere Bedenken, denn es ist dies eine wichtige strategische
Frage.
In der Tat wurden Fragen über die sowjetisch-westeuropäische Erdgasleitung von Mr. Buckley in allen europäischen Hauptstädten angesprochen. Die
Haltung unserer Administration hierzu ist eindeutig. Wir glauben, das Projekt ist unklug;vor allem könnte es die Westeuropäer in eine Lage bringen,
wo sie zu stark von sowjetischer Energie abhängen, und es bedeutet auch einen
massiven Export harter Währungen in die Sowjetunion.
•

Wenn wir dies sagen, so sind wir aber zugleich auch Realisten und sehen,
daß dieser Prozeß und dieses Projekt bereits im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium sind, daß es für die Volkswirtschaften einer Anzahl westeuropäischer
Länder eine wichtige interne Frage darstellt und aus diesem Grund ein Thema
größter Bedeutung für eine Reihe von Führungspersonen im politischen und wirtschaftlichen Bereich in Europa ist.
Meine persönliche Ansicht hierzu ist die, daß diese Frage, hätte sie
wirklich gelöst werden sollen, schon vor etwa fünf Jahren hätte gelöst werden
müssen, und daß das Projekt nunmehr weit über den Punkt hinaus gediehen ist,
an dem es für diese Regierung in Verbindung mit ihren Verbündeten einfacher
gewesen wäre, das Steuer herumzureißen...
Das Hauptthema der Gespräche von Mr. Buckley war jedoch die Frage der
Export-Kredite und -Garantien... Es hat jetzt offensichtlich ein Prozeß eingesetzt, in dem unsere westeuropäischen Verbündeten bereit sind, diese Frage

�diese Frage auch weiterhin zu diskutieren und nach Wegen suchen, auf denen
wir diese Frage klüger behandeln können.
Es ist die Zeit gekommen einzusehen, daß dieser Transfer von harter Währeng in die Sowjetunion eine strategische Frage ist, die in unmittelbarem
Zusammenhang mit dem Problem steht, wie der Westen sich mit der Sowjetunion
über den Kurs im Rest dieses Jahrhunderts auseinandersetzt.
unseren europäischen Verbündeten:

Wir sagen zu

Es ist Zeit, diese Frage in den Griff zu

bekommen und hierzu neue Mechanismen zu erarbeiten...

Staatssekretär Buckley

fand, wie ich meine, eine recht gute Resonanz, daß man nämlich bereit ist, die
Frage auch weiterhin zu erörtern und nach Wegen sucht, sie in den Griff zu bekommen...

Ich will vor Ihnen gar nicht leugnen, daß all dies eng mit der

wirtschaftlichen Gesundheit einiger Unternehmen in Europa verbunden ist und
sich im Lauf der Zeit eine ziemlich enge wirtschaftliche Beziehung entwickelt
hat.

Wenn wir über diese Frage mit den Europäern reden, müssen wir das ver-

stehen und sie aber auch daran erinnern, daß in den Vereinigten Staaten das
Gesetz keine Exportkredite und -garantien für die Sowjetunion zuläßt. Wir ersuchen unsere Verbündeten also, jetzt eine Verpflichtung einzugehen, die es
bei uns schon seit einer Reihe von Jahren gibt.

Ich glaube, wir werden Er-

folg haben, aber es wird einige Zeit dauern.

Amerikanische Sanktionen gegenüber Polen
EAGLEBURGER: Ich möchte nicht vorhersagen, wann und ob die Regierung
der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Sanktionen gegenüber Polen oder der
Sowjetunion weitere Schritte unternehmen wird... Auch dies ist etwas, das wir
im Verlaufe der Beobachtung der Ereignisse in Polen zu beurteilen haben müssen. ..
Ich hoffe zutiefst, daß die polnische Regierung und ihre Herren in Moskau
einsehen werden, daß jetzt ein Prozeß der Versöhnung in Polen einsetzen muß...
Es ist offensichtlich, daß wir noch andere Schritte unternehmen können.

Ich

möchte lediglich klarstellen, daß wir zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Maß-

�weiteren Maßnahmen ergreifen wollen. Sie stehen uns zur Verfügung für den
Fall, daß wir uns dafür entscheiden sollten...

Auswirkungen der Lage in Polen auf Osteuropa
EAGLEBURGER:

Ich glaube, es gibt bereits eine deutliche Auswirkung

der Ereignisse in Polen auf die Wirtschaftslage in ganz Osteuropa, einschließlich Jugoslawiens...

Es steht außer Frage, daß die Handelskredite für Ost-

europa im großen und ganzen erschöpft sind.

Ich hoffe, daß die Osteuropäer,

vor allem die Mitglieder des Warschauer Paktes - um Jugoslawien auszuschließen -,
einsehen, daß es die Ereignisse in ihrem eigenen Lager sind, die dieses Problem
hervorgerufen haben. Und ich hoffe, dies hat dazu geführt, daß sie in Moskau
und in Warschau etwas dazu sagen...
Das zentrale Problem liegt darin, daß die Banken im Westen zuversichtlich
sein müssen, daß die Wirtschaftslage in diesen Ländern im wesentlichen entwicklungsfähig ist und daß sie zusätzliche Darlehen und deren Rückzahlung in
den Griff bekommen können.
Aus westlicher Sicht ist es wichtig,zu erkennen, daß wir in der Lage
sein müssen, alles in unserer Macht stehende zu tun, um eine Unabhängigkeit
Osteuropas von der Sowjetunion zu stützen, und daß wir vorsichtig sein müssen beim Umgang mit Osteuropa, damit wir nicht ein sowjetisches Problem lösen.
Hier muß man meiner Ansicht nach eine klare Linie ziehen.

Persönlich glaube

ich, man muß zwischen diesen beiden Extremen hindurchsteuern...

Der polnische Zahlungsverzug
EAGLEBURGER:

Wir glauben, daß es derzeit sinnvoller ist, nicht von einer

Bankrotterklärung zu sprechen. Es könnte der Zeitpunkt kommen, da wir keine
Alternative mehr haben und von Bankrotterklärung sprechen müssen, oder es hinsichtlich der zeitlichen Verschiebung es für uns das beste wäre, dies zu tun.
Aber das ist eine Frage, die man nicht heute entscheiden kann...

+ + + + +
- 4-

�T

Wi//cn/chctft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

14

7. April 1982

RADIOWELLEN NIEDRIGSTER FREQUENZ AUS DER HOCHATMOSPHÄRE
Bisher unbekannte Quelle elektromagnetischer Strahlung von
US-Wissenschaftlern entdeckt -

- (AD) - Wie die Nationale Forschungsstiftung der USA (National Science
Foundation - NSF) berichtet, entdeckte eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler anhand der Analyse dreijähriger Messungen im Gebiet der Siple-Station,
knapp 1300 km vom Südpol entfernt, eine bisher unbekannte Quelle äußerst langwelliger elektromagnetischer Strahlung in der Hochatmosphäre.

Die mit ULF

(Abkürzung für "Ultra-Low Frequency") bezeichnete Strahlung ist nicht nur von
grundlegender wissenschaftlicher Bedeutung, sondern auch von praktischem Wert:
ULF-Wellen sind nämlich für die Vorhersage des Auftretens magnetischer Stürme
ein wichtiger Indikator. Solche "Stürme" und Turbulenzen im erdmagnetischen
Feld als Folge von starken Sonneneruptionen können nicht nur Nachrichtenwesen
und Funkverkehr rund um den Erdball stören, sondern sogar weiträumig einen Zusammenbruch der Stromversorgung herbeiführen.
Da ULF-Wellen die Erde zu durchdringen vermögen, werden sie z.B. auch für
das Studium der Erdrinde und des oberen Erdmantels sowie für die Suche nach Erzlagerstätten genutzt. Außerdem ist die Entdeckung für die Plasma-Physik wichtig.

Diese befaßt sich mit ionisierten Gasen (d.h. elektrisch geladenen Gas-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�geladenen Gaspartikeln) - und daraus besteht das Universum zu mehr als 99 Prozent.

Die Entdeckung, daß in der Hochatmosphäre ULF-Wellen entstehen, dürfte

der Forschung helfen, den Aufbau der irdischen Magnetosphäre und Ionosphäre
und die Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Regionen besser zu verstehen.
Die in verschiedenen "Schichten" unterteilte Ionosphäre in der Lufthülle
unserer Erde beginnt bereits 80 km über der Erdoberfläche und endet bei etwa
1000 km, wobei die Schichthöhen mit der Ausdehnung und Schrumpfung der Erdatmosphäre im Tag-Nacht-Rhythmus etwas schwanken.

Den relativ dichten Schich-

ten elektrisch geladener Teilchen der Ionosphäre verdanken wir die Möglichkeit
zu Radiosendungen in ferne Länder, weil Funkwellen bestimmter Frequenzbereiche
von der Ionosphäre zurückgeworfen werden und sich so über sehr weite Strecken
fortpflanzen können.
Die Ionosphäre bildet die Basis der vom Sonnenwind umspülten sog. Magnetosphäre mit Strahlung, die im irdischen Magnetfeld gewissermaßen gefangen ist.
Zwischen Nord- und Südpolbereich der Erde wölbt sich die Magnetosphäre auf der
Tagseite ca. 65 000 km, auf der Nachtseite mehrere Millionen km in den Raum
hinaus.

An der geringeren Ausdehnung auf der Tagseite ist der ständige Strom

positiv elektrischer Protonen und negativ geladener Elektronen von der Sonne
schuld - hier erzeugt der "Sonnenwind" Stoßwellen und preßt gewissermaßen die
Magnetosphäre auf einen geringeren Querschnitt zusammen.
Bisher nahmen die Atmosphärenphysiker an, die einzige Quelle für natürlich
auftretende ULF-Strahlung (Wellen mit einer Frequenz von weniger als 10 Schwingungen pro Sekunde) seien Wechselwirkungen des Sonnenwindes mit dem erdmagnetischen Feld oder aber bei magnetischen Stürmen Entladungen innerhalb der Magnetosphäre, die z.B. die farbenprächtigen Polarlichter erzeugen.

Aufgrund ihrer

Untersuchungen kam die amerikanische Forschergruppe jedoch zu dem Schluß, daß
die von der Hochatmosphäre ausgehende ULF-Strahlung mit Gaseruptionen auf der
Sonne

aus relativ kleinen Gebieten der Sonnenoberfläche zusammenhängt.

Offen-

bar werden ULF-Wellen in der irdischen Ionosphäre erzeugt, wenn sich die elektrische Leitfähigkeit dieser Region unter der Einwirkung ultravioletter Strah-

- 2 -

�ultravioletter Strahlung und Röntgenstrahlung aus Sonneneruptionen deutlich
erhöht.
Für die Untersuchungen wurde die amerikanische Siple-Forschungsstation
in der Antarktis gewählt, weil dort nur ganz geringfügige elektromagnetische
Störungen auftreten und deshalb optimale Bedingungen für das Studium der Magnetosphäre gegeben sind.

Gleichzeitig wurden auch Daten von vier Stationen auf

der Nordhalbkugel nahe dem Ende der magnetischen Feldlinie gesammelt, die von
der Siple-Station ausgeht. Zwei dieser Meßstationen befanden sich in Quebec
(Kanada)

und zwei im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire.

Die Forschergruppe - Dr. Theodore J. Rosenberg und Peter B. Morris
(Universität Maryland) sowie Dr. Louis J. Lanzerotti (Bell Laboratories in
Murray Hill, New Jersey) - veröffentlichte im Februar 1982 in den "Physical
Review Letters", der Zeitschrift der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft,
einen detaillierten Bericht über das Ergebnis ihrer Untersuchungen.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung zur Erklärung der Sozialistischen Internationale ber Mittelamerika&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA hoffen auf friedliche Lösung des Falkland-Konflikts&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan wünscht Gespräch mit Breschnew bei den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des amerikanischen Präsidenten im Weißen Haus -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung der amerikanischen UN-Botschafterin vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Jeane J. Kirkpatrick: Wahlen in El Salvador Symbol des demokratischen Weges -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das deutsch-amerikanische Verhältnis aus heutiger Sicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Staatssekretär Lawrence S. Eagleburger -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger diskutiert Aspekte der Europa-Politik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gespräch des US-Staatssekretärs mit Auslandskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Radiowellen niedrigster Frequenz aus der Hochatmosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bisher unbekannte Quelle elektromagnetischer Strahlung von US-Wissenschaftlern entdeckt -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>^ D S ^

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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Unitec! States Inform.':* oo r^sn/lce

14

Embassv &amp;I the Un.toci bwüer, o! America
Libtiry Services
Deichmanns Aue 29

7. April 1993

5300 Bonn 2

RUSSLAND

DIE VANCOUVER-DEKLARATION
Gemeinsame Erklärung von
Clinton und Jelzin
DAS AMERIKANISCHE HILFSPROGRAMM
FÜR RUSSLAND
Übersicht des Weißen Hauses
ENTWICKLUNG DER PRIVATWIRTSCHAFT
Übersicht des Weißen Hauses
HANDEL UND INVESTITIONEN
Übersicht des Weißen Hauses
DIE ENERGIE- UND UMWELTINITIATIVE
Übersicht des Weißen Hauses
INITIATIVE DEMOKRATIEKORPS
Übersicht des Weißen Hauses
INITIATIVEN ZUR BESEITIGUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN IN
RUSSLAND
Übersicht des Weißen Hauses
INITIATIVE ZUR RÜCKFÜHRUNG
RUSSISCHER OFFIZIERE
Übersicht des Weißen Hauses

REFORMEN KÖNNEN RUSSLAND VON
GEGNER ZU PARTNER MACHEN
Rede Präsident Clintons vor
Zeitungsredakteuren
bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK

KEINE MILDERE HALTUNG DER USA
GEGENÜBER SADDAM HUSSEIN
Christopher bezeichnet Iran als
international geächtet

VERTEIDIGUNG

ASPIN SKIZZIERT VERTEIDIGUNGSHAUSHALT FÜR 1994
Veröffentlichung des Verteidigungsministeriums - Auszüge

GATT

DIE HERAUSFORDERUNG DES WANDELS
Rede des US-Handelsbeauftragten

MEDIEN

DIE NACHRICHTENMEDIEN:
WIE GROSS IST IHR EINFLUSS?
von John Herbers

�RUSSLAND
7. April 1993

DIE VANCOUVER-DEKLARATION
Gemeinsame Erklärung von Clinton und Jelzin
VANCOUVER - (AD) - Die Präsidenten Clinton und Jelzin haben ihr zweitägiges Gipfeltreffen mit der
Vereinbarung eines umfangreichen Programms für die Zusammenarbeit zur Förderung wirtschaftlicher und
politischer Reformen in Rußland abgeschlossen.
In der am 4. April 1993 nach Beendigung ihrer Gespräche herausgegebenen Erklärung unterstrich Jelzin sein
Engagement für die Fortsetzung des Reformprozesses, während Clinton aktive Unterstützung der Vereinigten
Staaten für diese Bestrebungen zusagte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die "Vancouver-Deklaration" der Präsidenten Clinton und Jelzin im Wortlaut.

Bei ihrem Treffen in Vancouver am 3. und 4. April 1993
erklärten der Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika, Bill Clinton, und der Präsident der Russischen Föderation, Boris Jelzin, ihr entschlossenes Engagement für eine dynamische und effektive amerikanisch-russische Partnerschaft, die internationale Stabilität verbessert. Die beiden Präsidenten vereinbarten eine umfassende Strategie der Zusammenarbeit
zur Förderung von Demokratie, Sicherheit und Frieden. Präsident Jelzin unterstrich sein uneingeschränktes Engagement zur Unterstützung des Demokratisierungsprozesses, der Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft. Während die Vereinigten Staaten auf die
Wiederbelebung ihrer Wirtschaft hinarbeiten, versicherte Präsident Clinton Präsident Jelzin der aktiven
Unterstützung der Vereinigten Staaten für das russische Volk bei dem von ihm eingeschlagenen Kurs
politischer und wirtschaftlicher Reformen.

exporte nach Rußland auf einer stabilen, langfristigen
Basis wiederaufzunehmen.
Präsident Jelzin informierte Präsident Clinton über das
russische Wirtschaftsreformprogramm. Besondere
Betonung legte Präsident Jelzin auf Schlüsselfragen
der russischen Reformen wie die Notwendigkeit zur
Bekämpfung der Inflation und Erlangung finanzieller
Stabilisierung durch die Verbesserung des Bankensystems. Er unterstrich ferner die Bedeutung von Privatisierung, Ermutigung des Unternehmertums, Strukturpolitik und sozialer Unterstützung. In diesem Zusammenhang erörterten die Präsidenten die Rolle der
internationalen Staatengemeinschaft bei der Unterstützung spezifischer Elemente des Reformprogramms.

Die Präsidenten waren sich einig, daß die harmonische Integration Rußlands in die Gemeinschaft demokratischer Staaten und die Weltwirtschaft unabdingbar
Die Präsidenten vereinbarten ein neues Paket bilate- ist. Aus diesem Grund forderten sie die beschleunigte
raler Wirtschaftsprogramme und Maßnahmen, um die Erarbeitung substantieller und effektiver neuer Wirtunmittelbaren humanitären Bedürfnisse Rußlands schaftsinitiativen durch die G-7 zur Unterstützung der
anzusprechen und zum Aufbau der für den erfolgrei- politischen und wirtschaftlichen Reformen in Rußland.
chen Übergang zur Marktwirtschaft erforderlichen In diesem Zusammenhang begrüßten die Präsidenten
Strukturen beizutragen. Sie trugen der entscheiden- die für den 14. und 15. April 1993 in Tokio anberaumte
den Bedeutung Rechnung, die der Schaffung günsti- Sondersitzung der Außen- und Finanzminister der
ger außenpolitischer Bedingungen zukommt, unter G-7 sowie der Russischen Föderation. Die Präsidendenen die russische Wirtschaft ihr Potential maximal ten Clinton und Jelzin brachten darüber hinaus ihre Zunutzen kann. In diesem Zusammenhang brachten die friedenheit mit dem erfolgreichen Abschluß der VerPräsidenten ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, den handlungen in Paris über die Umschuldung der interZugang zu ihren jeweiligen Märkten zu fördern, bei der nationalen Verschuldung der ehemaligen Sowjetunion
Konversion der Rüstungsindustrie zusammenzuarbei- zum Ausdruck. Die Vereinigten Staaten gaben ihre
ten, die Hemmnisse für Handel und Investitionen Unterstützung der Absicht Rußlands bekannt, Vollmitabzubauen und die amerikanischen Nahrungsmittel- glied des GATT zu werden und in absehbarer Zukunft

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�offizielle Gespräche über die Konditionen des russischen Beitritts zum GATT aufzunehmen.
Die Präsidenten vereinbarten neue Anreize für die
Entwicklung der amerikanisch-russischen Beziehungen in all ihren Dimensionen. Zur Koordinierung und
Kanalisierung dieser Bestrebungen und zur Aktivierung eines umfassenden und intensiven Dialogs einigten sie sich auf Maßnahmen zur Verbesserung der
gegenseitigen Konsultationsmechanismen. Insbesondere werden aus hochrangigen Vertretern beider
Regierungen mit weitreichenden Kompetenzen in den
Bereichen wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und
technologischer Kooperation zusammengesetzte
Arbeitsgruppen eingerichtet. Die Präsidenten verständigten sich auf die Gründung einer amerikanischrussischen Kommission für technologische Zusammenarbeit auf den Gebieten Energie und Weltraum.
Sie beabsichtigen, Premierminister Tschernomyrdin
und Vizepräsident Gore als Leiter dieser Kommission
einzusetzen.
Die Staatschefs der Vereinigten Staaten und Rußlands maßen der Verhinderung der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme große Bedeutung bei. Sie bekräftigten ihre
Entschlossenheit zur Stärkung des Nichtverbreitungsvertrags (NPT), ihn universell zu machen und ihm
unbegrenzte Dauer zu verleihen. Die Präsidenten
unterstrichen ihre Erwartung, daß alle Länder der
ehemaligen UdSSR, die nicht bereits Mitglieder des
NPT sind, unverzüglich die Einhaltung des Vertrags
als Nichtnuklearstaaten bestätigen werden. Sie forderten die Demokratische Volksrepublik Korea zur
vollen Einhaltung der weiterhin gültigen lAEO-Sicherhehsverspflichtungen und zur Widerrufung des angekündigten Austritts aus dem NPT auf.
Die Präsidenten stimmten darin überein, daß die
Bemühungen der Vereinigten Staaten und Rußlands
sich auf die Inkraftsetzung des START I-Vertrages und
die baldmögliche Ratifizierung des START II-Vertrages richten werden. Sie bekräftigten die Absicht der
Vereinigten Staaten und Ru ßlands, auf der Grundlage
ihres gemeinsamen Interesses am umweltverträglichen Abbau von Atomwaffen gemäß den entsprechenden Rüstungskontrollvereinbarungen beim Aufbau einer Lagerstätte für Nuklearmaterialien und bei
der Kontrolle, Nachweis des Verbleibs und Bewachung von Nuklearmaterial zusammenzuarbeiten. Die
Vereinigten Staaten bekräftigten ihre Bereitschaft,
Rußland zu diesem Zweck Hilfe zu gewähren. Die
Präsidenten forderten einen baldigen, für beide Seiten
akzeptablen Abschluß der Verhandlungen über ein
Abkommen zur Konversion und zum Verkauf für friedliche Zwecke der von Nuklearwaffen stammenden
Nuklearmaterialien.

digung und Sicherheit auszuweiten. Sie wiesen ihre
Verteidigungsminister an, weitere Möglichkeiten im
Hinblick darauf zu prüfen.
Die Präsidenten stellten fest, daß bei den jüngsten
amerikanisch-russischen Chemiewaffengesprächen in
Genf Fortschritte erzielt wurden. Sie begrüßten die
Fortschritte bei der Vorbereitung der Protokolle, die für
die Vorlage des "Abkommens über die Zerstörung und
Nichtherstellung von chemischen Waffen" vom 1. Juni
1990 zur Verabschiedung durch die parlamentarischen
Gremien der Russischen Föderation und der Vereinigten Staaten vonnöten sind. Auch begrüßten sie die
Fortschritte bei der Entwicklung eines Abkommens
über die Vorbereitung und Durchführung der zweiten
Phase der Regierungsvereinbarung von Wyoming vom
23. September 1989 im Hinblick auf ein bilaterales
Verifizierungsexperiment und einen Datenaustausch
im Zusammenhang mit dem Verbot chemischer Waffen.
Die Präsidenten waren sich über die Notwendigkeit
einig, baldmöglichst eine Lösung für Fragen der Zusammenarbeit bei der Nichtverbreitung von Flugkörpern und entsprechender Technologie in allen Aspekten zu erreichen, die im Einklang mit den Prinzipien der
bestehenden internationalen Abkommen steht. Sie
beschlossen ebenfalls, gemeinsam an der Beseitigung der Hindernisse zu arbeiten, die den Zugang
Rußlands zum Weltmarkt im Bereich der Spitzentechnologie und der damit verbundenen Dienstleistungen
verhindern. Die Präsidenten stimmten darin überein,
daß die Verhandlungen über ein multilaterales Verbot
von Atomwaffentests frühzeitig beginnen sollten, und
daß ihre Regierungen entsprechende Konsultationen
führen würden.
Eingedenk der Möglichkeiten, die ihren Ländern als
ständigen Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrates offenstehen, bekräftigten die Präsidenten, daß die
amerikanisch-russischeZusammenarbeitfürdie friedliche Lösung internationaler Konflikte, die Förderung
demokratischer Werte, den Schutz der Menschenrechte und die Lösung globaler Probleme wie Umweltverschmutzung, Terrorismus und Drogenhandel von
grundlegender Bedeutung sind. Die Vereinigten Staaten und Rußland bekräftigten ihre Entschlossenheit,
die Wirksamkeit friedensschaffender und friedenserhaltender Fähigkeiten der Vereinten Nationen, der
KSZE und anderer entsprechender regionaler Organisationen zu verbessern.

In Anerkennung der Tatsache, daß die Mißhandlung
von Angehörigen von Minderheiten und ethnischen
Gemeinschaften in zunehmendem Maße eine Quelle
internationaler Instabilität darstellt, haben die Präsidenten die entscheidende Bedeutung eines umfassenden Schutzes der Rechte des einzelnen hervorgeDie Präsidenten unterstrichen ihre Entschlossenheit, hoben, einschließlich derjenigen der ethnischen Rusdie beiderseitigen Konsultationen zwischen Rußland sen und aller anderen Minderheiten auf dem Gebiet
und den Vereinigten Staaten auf den Gebieten Vertei- der ehemaligen Sowjetunion. Sie betonten ihr EngaSeite2

AMERIKA DIENST 14

�gement für die friedliche Lösung von Konflikten in
dieser Region auf der Grundlage der Respektierung
der Unabhängigkeit, territorialen Integrität und Sicherheit aller Mitgliedstaaten der UNO und der KSZE.
Die Präsidenten gaben ihre Absicht bekannt, ihre
gemeinsame Arbeit beim Umweltschutz auszuweiten
und zu verbessern. Sie einigten sich, gemeinsame
Maßnahmen im Bereich des Umweltschutzes, entsprechende Forschungstätigkeit sowie die Finanzierung beschlossener Programme zu koordinieren. Die
Präsidenten stimmten darin überein, daß das erreichte
Ausmaß an gegenseitiger Offenheit es ermöglicht,
Fortschritte bei neuen Formen der wissenschaftlichen
und technologischen Zusammenarbeit, einschließlich
von Weltraumprogrammen, zu machen. Die zwei
Länder werden ihre bilaterale Zusammenarbeit beim
Fischfang im Bering-Meer, im Nordpazifik und dem
ochotskischen Meer weiterentwickeln, auch zum Zwecke
des Schutzes und der Reproduktion lebender Meeresressourcen und der Überwachung des Ökosystems im
Nordpazifik. Weiter einigten sich die Präsidenten,

ihren Kontakt, Austausch und ihre Zusammenarbeit
auf den Gebieten Kultur, Erziehung und Bildung, Geisteswissenschaften und Massenmedien auszuweiten.
Die gemeinsamen Anstrengungen beider Länder haben
den russisch-amerikanischen Beziehungen einen neuen
Charakter verliehen. Die Präsidenten bekräftigten
erneut die Prinzipien und Bestimmungen der Erklärung von Camp David vom 1. Februar 1992 und der
Charta für amerikanisch-russische Partnerschaft und
Freundschaft vom 17. Juni 1992 als Grundlage für die
Beziehungen zwischen den beiden Ländern.
Die Präsidenten Clinton und Jelzin verliehen ihrer
tiefempfundenen Wertschätzung für Premierminister
Mulroney und das kanadische Volk Ausdruck, die die
Gastgeber des Treffens in Vancouver waren. Zur
beschleunigten Weiterentwicklung der amerikanischrussischen Partnerschaft beschlossen die Präsidenten, regelmäßig auf Gipfelebene zusammenzutreffen.
Präsident Jelzin lud Präsident Clinton zu einem Besuch in Rußland ein. Präsident Clinton nahm diese
Einladung dankend an.

* * *

AMERIKA DIENST 14

Seite 3

�RUSSLAND
7. April 1993

DAS AMERIKANISCHE HILFSPROGRAMM
FÜR RUSSLAND
Übersicht des Weißen Hauses
VANCOUVER - (AD) - Die folgende Übersicht mit dem Titel "Zusammenfasssung zum amerikanischen
Hilfspaket" wurde am 4. April 1993 beim russisch-amerikanischen Gipfeltreffen in Vancouvervom Weißen Haus
veröffentlicht.
Qesamtumfang des Pakets: 1,6 Milliarden Dollar für
1993. Dazu gehören 690 Millionen Dollar an Zuschüssen, 700 Millionen Dollar für Nahrungsmittelverkäufe
zu Vorzugsbedingungen sowie 230 Millionen Dollar an
sonstigen Krediten.
1.

Nahrungs-und Arzneimittelhilfe
194 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhilfe; 30
Millionen Dollar an Arzneimittelhilfe.

2.

Nahrungsmittelverkäufe zu Vorzugsbedingungen
700 Millionen Dollar - zu Vorzugsbedingungen;
Interimsmaßnahme, um Rußland wieder Zugang zu amerikanischem Getreide zu verschaffen.

3.

Unterstützung der Privatwirtschaft
Russisch-amerikanischer U nternehmensfonds
- 50 Millionen Dollar.
Unterstützung der Privatisierung - 95 Millionen
Dollar.
Eurasia-Stiftung - 4 Millionen Dollar.

4.

Demokratisierung
Demokratiekorps.

5.

sowie Umschulung von Offizieren.
summe: 6 Millionen Dollar.

Gesamt-

Energie und Umwelt
Projekte zur Effizienzsteigerung bei der Energiegewinnung sowie Reduzierung der Umweltbelastungen durch Rohrleitungssysteme. Gesamtumfang: 38 Millionen Dollar.
Handel und Investitionen
Vordringliches Anliegen in den russisch-amerikanischen Beziehungen.
Vizepräsident Gore sowie Ministerpräsident
Tschernomyrdin werden als Ko-Vorsrtzende die
Kommission für technologische Zusammenarbeit (Energie und Weltraum) leiten.
Handelsminister Brown wird gemeinsam mit
dem Stellvertretenden AußenministerSchochin
den Wirtschaftsentwicklungsausschuß leiten, der
sonstige Anliegen im Handelsbereich erörtern
wird.
Berufung eines hauptamtlich tätigen Ombudsmans für Investmentfragen.
Unterstützung Rußlands im GATT sowie Zugang zum Allgemeinen Präferenzsystem.

Sonstige Programme zur Unterstützung der
Demokratisierung wie Rechtsstaatlichkeit und
Austauschprogramme. Gesamtsumme: 48
Millionen Dollar.

Gewährung eines EXIM-Kredits von 82 Millionen Dollar für Caterpillar sowie einer OPIC-Kreditbürgschaft von 150 Millionen Dollar für ein
Ölprojekt der Firma Conoco.

Unterstützung heimkehrender russischer Offiziere

Forcierung des Abschlusses eines Erdöl-Erdgas-Geschäfts der Export-Import-Bank bis zum
14. April.

Demonstrationsprogramm zum Bau von 450
Wohnungen in den nächsten 12-16 Monaten
AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�8.

Hilfe im Sicherheitsbereich

Einrichtung für die Lagerung nuklearer Gefechtsköpfe - 75 Millionen Dollar.

Nunn-Lugar-Mittei für die Entnuklearisierung.
Gesamthöhe: 215 Millionen Dollar.

Nachweis und Kontrolle des Verbleibs von
Nuklearmaterial -10 Millionen Dollar.

Zerlegung der Trägersysteme für strategische
Kernwaffen -130 Millionen Dollar.
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 14

�RUSSLAND
7. April 1993

ENTWICKLUNG DER PRIVATWIRTSCHAFT
Übersicht des Weißen Hauses
VANCOUVER - (AD) - Die folgende Übersicht mit dem Titel "Entwicklung der Privatwirtschaft" wurde am 4. April
1993 beim russisch-amerikanischen Gipfeltreffen in Vancouver vom Weißen Haus veröffentlicht.

Zielsetzung
Das amerikanische Hilfsprogramm für die Privatwirtschaft unterstützt den historischen Übergang Rußlands zur Marktwirtschaft, den Ausbau von Handelsund Investitionsmöglichkeiten sowie die Bildung einer
heimischen Privatwirtschaft. Die amerikanische Hilfe
verstärkt die Strategie Rußlands zur Überführung staatlichen Eigentums in produktive private Hände sowie
zur Nutzung der Katalysatorfunktion mittelständischer
Unternehmen bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Wo immer dies möglich ist, stellt das amerikanische
Hilfsprogramm eine Verbindung zwischen amerikanischen Unternehmen und russischen Firmen her, um
Know-how zu transferieren und dauerhafte marktwirtschaftliche Beziehungen zu schaffen.

Lehrbücher für Privatisierung, öffentliche Fortbildungsmaßnahmen im Hinblick auf Privatbesitz sowie juristische, wirtschaftliche und logistische Beratung örtlicher
Privatisierungsausschüsse. Technische Hilfe für börsennotierte Investmentfonds, für die Schaffung sorgfältiger Regelwerke sowie Organisationen zur Unterstützung von Unternehmen wird dazu beitragen, einen
fairen und konkurrenzfähigen Markt zu schaffen. (60
Millionen Dollar).

Ausbildung von Bankpersonal. Eine modernes
Bankwesen und stabile Finanzmärkte sind für die
Umstrukturierung von Unternehmen unerläßlich.
Vertreter amerikanischer Geschäftsbanken, der Bundesnotenbank in New York und sonstige Spezialisten
werden mindestens 250 leitende Angestellte russischer Banken ausbilden. Amerikanische Experten
Programm
werden mit russischen Kollegen zusammenarbeiten,
um neue Einlagenmechanismen für Spareinlagen von
Russisch-amerikanischer Unternehmensfonds. Der
Unternehmen und Privathaushalten, funktionierende
Fonds wird gezielt Kredite vergeben und Investitionen Girokonten, Kredit- und Reservesysteme zwischen
tätigen, um mittelständische Unternehmen zu schaf- den Banken sowie einen Auktionsmarkt für staatliche
fen und auszubauen. Er wird russische Unternehmen Rentenpapiere einzuführen, der eine relativ nichtinflasowie Gemeinschaftsunternehmen mit amerikanischen tionäre Finanzierung öffentlicher Defizite erleichtern
Firmen fördern, die Know-how und Praxis westlichen wird. (5 Millionen Dollar).
Unternehmertums verbreiten. Kredite und Investitionen werden darauf abzielen, die Beschäftigunsquote Reform des staatlichen Finanzwesens. Eine effekzu steigern, Kapitalmärkte zu entwickeln, Devisen tive Dezentralisierung und Privatisierung wird neue
einzubringen, ausländische Privatinvestitionen zu Steuer- und Ausgabensysteme auf kommunaler und
ermutigen und die Privatisierung zu unterstützen. Der regionaler Ebene erfordern. Technische Hilfe im staatFonds wird ferner bestrebt sein zu zeigen, daß gute lichen Finanzwesen wird Gemeindeverwaltungen und
geschäftliche Investitionen mit umweltverträglichen Regionalregierungen helfen, Finanzstrukturen zu
Praktiken kompatibel sind. (50 Millionen Dollar).
konzipieren und implementieren, darunter beispielsweise Steuersysteme, die zur Finanzierung sozialer
Privatisierung. Privatisierung ist die treibende Kraft Leistungen und anderer derzeit von Staatsunternehhinter den wirtschaftlichen Reformen in Rußland. Diese men finanzierter Haushaltsanforderungen notwendig
Initiative verstärkt nahezu jeden Aspekt des Privatisie- sind. Die Hilfe wird im Regierungsbezirk Moskau
rungsprogramms, das allen Russen eine erste Chance beginnen und auf Regionen zugeschnitten sein, die
gibt, private Aktienbesitzer zu werden. Die amerikani- bedeutende Fortschritte bei der Privatisierung masche Hilfe unterstützt Unternehmensversteigerungen, chen. (4,4 Millionen Dollar).

AMERIKA DIENST 14

Seite 1

�Russisch-amerikanische Partnerschaften im Agrarsektor. Dieses Vorhaben bringt amerikanische Agrarunternehmen mit russischen Partnern zusammen, um
privaten Bauern, Unternehmen und reformorientierten
Institutionen bei der Schaffung einer marktorientierten
Nahrungsmittelwirtschaft zu helfen. Technische Hilfe
und Ausbildung amerikanischer Agrarunternehmen
wird dazu beitragen, Engpässe zwischen Erzeugern
und Verbrauchern zu beseitigen und leistungsfähige
Liefersysteme für landwirtschaftliche Produktionsmittel zu schaffen. Amerikanische Agrarunternehmen
werden amerikanische Normen für Ernte, Verarbeitung und Vertrieb einführen. Im Rahmen des Projekts
werden sie rund 60 Millionen Dollar an Eigenmitteln
investieren. (20 Millionen Dollar).

en. Ihr technisches Wissen wird neuen Privatbauern
helfen, sich die Fähigkeiten anzueignen, die erforderlich sind, um in einer Marktwirtschaft zu arbeiten, die
Qualität der Erzeugnisse zu verbessern, Verluste zu
reduzieren und auf die Verbrauchernachfrage zu reagieren. (5 Millionen).

Eurasia-Stiftung. Die Stiftung stellt einen neuen,
unabhängigen Fonds zur Vergabe von Zuschüssen
und technischer Hilfe dar, der mit Mitteln der amerikanischen Regierung eingerichtet wird. Er wird die
Zusammenarbeit mit privaten Finanzierungsquellen
und deren Beiträge fördern. Die Stiftung wird innovative, vor Ort angesiedelte Programme in allen neuen
unabhängigen Staaten in Bereichen wie Ausbildung
leitenden Angestellter, volkswirtschaftlicher Bildung,
Direkte Kontakte zwischen Landwirten. Dieses Beratung bei staatlichen Maßnahmen, unabhängigen
Vorhaben wird auf freiwilliger Basis über 300 amerika- Print- und Rundfunkmedien sowie Entwicklung von
nische Farmer mit russischen Landwirten zusammen- Wissenschaft und Technik fördern. (4 Millionen Dollar
bringen, um unmittelbare praktische Erfahrungen und für Rußland).
Know-how beim Marketing von Agrarerzeugnissen zu
vermitteln. Diese Freiwilligen werden auf der Arbeit Gesamtumfang des Programms für die Privatwirtvon 80 bereits in Rußland tätigen Freiwilligen aufbau- schaft: 148,4 Millionen Dollar im Jahr 1993.
* *

Seite 2

*

*

AMERIKA DIENST 14

�RUSSLAND
7. April 1993

HANDEL UND INVESTITIONEN
Übersicht des Weißen Hauses
VANCOUVER - (AD) - Die folgende Übersicht mit dem Titel "Handel und Investitionen" wurde am 4. April 1993
beim russisch-amerikanischen Gipfeltreffen in Vancouver vom Weißen Haus veröffentlicht.
Der bilaterale Handel zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland beläuft sich derzeit auf lediglich 3,4
Milliarden Dollar, und obwohl amerikanische Firmen
die größten Investoren in Rußland sind, erreichen die
US-Investitionen schätzungsweise nur 400 Millionen
Dollar. Eine erhebliche Ausweitung von Handel und
Investitionen auf bilateraler Ebene zählt zu den besten
Mitteln, um Rußland beim Übergang zur Marktwirtschaft zu helfen. Die Schaffung des erforderlichen
Geschäftsklimas ist hauptsächlich die Aufgabe Rußlands, aber die amerikanische Regierung kann eine
Katalysatorfunktion beim Abbau von Hindernissen für
bereits geplante Projekte, bei der Verbesserung des
wirtschaftlichen Umfelds und der Entwicklung der
geschäftlichen Infrastruktur erfüllen.
Wirtschaftsentwicklungsausschuß. Für Präsident
Clinton ist das Wachstum von Handel und Investitionen auf bilateraler Ebene mit Rußland eine Hauptpriorität. Die Implementierung konzentriert sich auf den
Wirtschaftsentwicklungsausschuß USA - Rußland (U.S.Russia Business Development Committee - BDC)
unter dem gemeinsamen Vorsitz von Handelsminister
Brown und dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten
Schochin. Minister Brown wird zur Einleitung des
Prozesses im Mai nach Moskau reisen. Der BDC wird
das Hauptinstrument sein, um zur Identifizierung und
Beseitigung von Handels- und Investitionshemmnissen beizutragen, die Blockierung spezifischer amerikanischer Investmentvorhaben zu beenden, die russische Regierung zu politischen Reformen zu veranlassen und die geschäftliche Infrastruktur zugunsten
stärkeren bilateralen Handels zu verbessern. Das
BDC-Treffen wird sich auf den Abbau von Hindernissen für Investitionen im Energiesektor konzentrieren
und eine hochrangige Sitzung des Unterausschusses
für die Konversion der Rüstungsindustrie beinhalten.
Allgemeines Präferenzsystem. Präsident Clinton ist
bestrebt, das amerikanische Allgemeine Präferenzsystem (GSP) auf Rußland auszudehnen, um einem
breiten Spektrum russischer Exporte die zollfreie
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Behandlung zu gewähren. Das kommt russischen
Waren im Wert von mehr als 440 Millionen Dollar
zugute.
GATT. Die Vereinigten Staaten werden den Antrag
Rußlands auf Mitgliedschaft im GATT unterstützen
und dazu beitragen, die für eine Vollmitgliedschaft
Rußlands im GATT erforderlichen Institutionen aufzubauen.
Amerikanische Geschäftszentren. Die Administration wird dieses Jahr vier amerikanische Geschäftszentren in Rußland eröffnen, um geschäftliche Kontakte zwischen amerikanischen und russischen Unternehmen zu fördern und eine wirtschaftliche Katalysatorfunktion zu erfüllen.
Entwicklung von Exportkontrollen. Rußland wird
technische Hilfe gewährt, um die Entwicklung von
Exportkontrollen zu verbessern. Ein effektives russisches Exportkontrollsystem würde den Verkauf hochwertigerer Technologie an Rußland gestatten und
damit zur Reform und Modernisierung der russischen
Wirtschaft beitragen.
Kredit der Eximbank. Die Export-Import-Bank der
Vereinigten Staaten hat soeben einen Kredit von 82
Millionen Dollar gewährt, um den Verkauf von Gerät
zum Pipelinebau der Firma Caterpillar an Gazprom zu
finanzieren. Dieses Gerät wird zum Bau einer Erdgaspipeline auf der russischen Jarnal-Halbinsel eingesetzt werden.
OPIC-Investitionshilfen. Die Entwicklungsgesellschaft OPIC (Overseas Private Investment Corporation) hat zum erstenmal einen Kredit sowie eine umfangreiche Ausfallbürgschaft für ein privates Geschäftsvorhaben in Rußland gewährt. Das Paket von 150
Millionen Dollar besteht aus einer Kreditbürgschaft
über 50 Millionen Dollar sowie einer Investitionsversicherung von 100 Millionen Dollar, um das "PolarLights"-Projekt der Firma CONOCO im Umfang von
300 Millionen Dollar zu unterstützen.
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�Zuschüsse für Durchführbarkeitsstudien des TDA. Praktikantenprogramms des Wirtschaftsministeriums
Das amerikanische Amt für Handel und Entwicklung in amerikanischen Unternehmen für leitende Ange(U.S. Trade and Development Agency - TDA) stellt im stellte, Unternehmerund Wissenschaftler geschaffen.
Rahmen eines Gesamtpakets von TDA-Zuschüssen Damit wird sich die Zahl der Russen verdoppeln, die
in Höhe von 3,8 Millionen Dollar 1,4 Millionen Dollar für praktische Erfahrungen in einer Marktwirtschaft samDurchführbarkeitsstudien im Erdöl- und Erdgasbe- meln können. (2 Millionen Dollar).
reich zur Verfügung.
Gesamtumfang des Programms zur Entwicklung
Praktikantenausbildung in amerikanischen Unter- von Handel und Investitionen. 9 Millionen Dollar an
nehmen (Special American Business Internship direkten Programmausgaben; Kredite und BürgschafTraining - SABIT). 300 zusätzliche Praktikantenstel- ten für Handel und Investitionen; Erweiterung von
len werden im Rahmen des äußerst erfolgreichen Handel und Investitionen.
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�RUSSLAND
7. April 1993

DIE ENERGIE- UND UMWELTINITIATIVE
Übersicht des Weißen Hauses
VANCOUVER - (AD) - Das Weiße Haus hat beim amerikanisch-russischen Gipfeltreffen in Vancouver am 4.
April 1993 die nachfolgende Übersicht mit dem Titel "Die Energie- und Umweltinitiative" veröffentlicht.
Zielsetzung

Ausbildung bereitstellt. (2 Millionen Dollar).

Diese Initiative wird die Umgestaltung der russischen
Energiewirtschaft in ein marktorientiertes, verbraucherfreundliches und umweltverträgliches System
unterstützen. Die Reform des Energiesektors ist für
die Lebensfähigkeit des gesamten Reformprogramms
unerläßlich, insbesondere die Umstrukturierung von
Unternehmen sowie des makroökonomischen Gleichgewichts insgesamt. Strukturreformen in diesem Sektor
sollten zur Beseitigung der schlimmsten Umweltexzesse durch die Abschaffung veralteter Produktionstechniken und Ermutigung von Energiesparmaßnahmen beitragen.

Preisgestaltung, Maßnahmen und institutionelle
Reformen. Marktgeleitete Ansätze für ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage im Energiesektor in Rußland werden eingeführt. Das Programm
wird sich auf die Privatisierung von Energieversorgungsuntemehmen konzentrieren, die Reform der Preisund Tarifstruktur unterstützen und Institutionen bei der
Anhebung der Wirtschaftlichkeitsnormen und Einführung eines Regelrahmenwerks behilflich sein. (5 Millionen Dollar).

Das Programm
Diese Initiative spiegelt einen auf mehrere kritische
Punkte abzielenden ausgewogenen Ansatz wider:
Verbesserung der Erdgas-/ÖI-/Kohleproduktion sowie
der Rohrleitungen. Die Unterstützung der Vereinigten
Staaten wird die wirtschaftliche Nutzung von Erdgas
und Öl fördern. Reformen in diesem Bereich werden
Exporte mit harter Währung steigern und langfristig die
zur Stillegung unsicherer Kernreaktoren erforderlichen
alternativen Brennstoffressourcen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus werden unsere Programme zur
Sicherheit von Kohlebergwerken, Produktivität und
saubereren Kohletechnologien beitragen. Die Finanzierung umfaßt technische und finanzielle Analysen
zur Kanalisierung und Beschleunigung der substantiellen Kredite der Weltbank und der Europäischen
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) zur
Modernisierung der Produktions-, Liefer- und Vertriebssysteme. (10 Millionen Dollar).
Verbesserung von Wirtschaftlichkeit und Leistung.
Dieses Programm wird sich auf die verbesserte Nutzung von Energie bei Elektrizität, in Raffinerien, Industrien und Wohngebäuden konzentrieren. Die Finanzierung unterstützt auch das Moskauer Zentrum für
Energiewirtschaft, das Informationen über die von
amerikanischen Firmen erhältliche Technologie und

Sicherheitsvorschriften für Kernkraftwerke. Die
Vereinigten Staaten werden kurzfristige Verbesserungen der Betriebssicherheit und Hilfestellung bei der
Verfassung von Vorschriften für Kernkraftwerke finanzieren. (15 Millionen Dollar).
Umweltpolitik und technologische Zusammenarbeit. Dieses Programm wird zur Entwicklung von
klareren nationalen umweltpolitischen Maßnahmen
beitragen. Die Vereinigten Staaten werden hochwirksame Demonstrationsprojekte zur Verringerung ernsthafter Umweltverschmutzungsprobleme einschließlich
der Minimierung von die Ozonschicht abbauenden
Substanzen durchführen. Erste Aktivitäten werden
sich auf die Kontrolle der Luftverschmutzung in der
Region von Wolgograd konzentrieren. (5 Millionen
Dollar).
NGO-Umweltkonsortium. Die Vereinigten Staaten
werden ein Konsortium aus Vertretern des öffentlichen
und Privatsektors ins Leben rufen, um die Zusammenarbeit zwischen amerikanischen und russischen NGOs
zu verbessern. Das Konsortium wird gemeinsame
amerikanisch-russische NGO-Projekte finanzieren, die
Initiativen der Gemeinden zur Verbesserung der
Umweltqualität, Konservierung von Ressourcen sowie
Schärfung des öffentlichen Bewußtseins und Ausbildung fördern. (1 Million Dollar).
Gesamtumfang der Energie- und Umweltinitiative: 38
Millionen Dollar im Jahr 1993.

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7. April 1993

INITIATIVE DEMOKRATIEKORPS
Übersicht des Weißen Hauses
VANCOUVER - (AD) - Aus Anlaß des amerikanisch-russischen Gipfels von Vancouver am 4. April 1993 veröffentlichte das Weiße Haus die folgende Übersicht unter dem Titel "Initiative Demokratiekorps".

1.700 Studenten an einer Vielzahl von Programmen
teilnehmen: Mehr als 300 an kurzfristig angelegten
Rußland beginnt die Umwandlung seines politischen thematischen Gruppenprojekten in Bereichen von Kultur
und rechtlichen Rahmens von einer auf autoritärer und Kunst bis zur Führung junger Menschen, 650
Herrschaft zu einer auf Rechtsstaatlichkeit gründen- Studenten an einem einjährigen Austausch während
den Basis, mit Betonung der Rechte und Pflichten des des Schuljahres 1993/94 und 750 an einem einmonaeinzelnen, Beteiligung des Volkes am politischen und tigen Austausch im Rahmen einer Schulpartnerschaft.
wirtschaftlichen EntScheidungsprozeß, offenem Wett- Ungefähr 450 russische Studenten aus dem Grundbewerb zwischen Interessengruppen, Rechenschafts- und 200 aus dem Hauptstudium werden auf den Gebieten
pflicht der Regierung, Transparenz des politischen und Wirtschafts- und Geschäftswelt, Politik, Regierung,
gesetzgeberischen Prozesses sowie Berechenbarkeit Bildung und Erziehung sowie Recht ausgebildet. Weitere
der sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen.
200 Regierungsbeamte und Akademiker werden an
kurzen Ausbildungprogrammen teilnehmen, damit sie
Programm
ihre amerikanischen Kollegen kennenlernen.
Zur Unterstützung dieses Prozesses mobilisiert der
Präsident ein Demokratiekorps - eine breite Koalition Ausbildung. Zusätzlich zu der Konfrontation mit
amerikanischer Bürger und Institutionen, die der demokratischen Systemen können die Russen in den
Demokratiebewegung in Rußland Auftrieb verleihen Vereinigten Staaten mit den amerikanischen Methosoll. Als Koordinator für alle amerikanischen Hilfsbe- den vertraut gemacht werden, Probleme im Bereich
strebungen in der ehemaligen Sowjetunion wird Bot- der Technik, des Management und auf anderen Gebieschafter Tom Simons die Aktivitäten des Demokratie- ten zu lösen, die für die erfolgreiche Einführung der
korps in Rußland überwachen. Die von der US- Marktwirtschaft in Rußland von entscheidender BeRegierung finanzierten Aktivitäten im Haushaltsjahr deutung sind. Rund 400 Russen werden zu Studienreisen und kurzen Ausbildungsprogrammen in techni1993 schließen unter anderem folgendes ein:
schen Schüsselbereichen wie Bankwesen, Energie,
Demokratie-Sommer. Der Sommer des Jahres 1993 Umwelt, Gesundheitswesen und Landwirtschaft in die
wird zum "Demokratie-Sommer" erklärt, während dem Vereinigten Staaten eingeladen.
ein 25 Millionen Dollar umfassendes Programm intensiver persönlicher Kontakte zwischen Russen und Rechtsstaatlichkeit. Dank dieser Programme wird
ihren amerikanischen Gastgebern in Gang gebracht ein breites Spektrum juristischer Ressourcen der
wird. Ungefähr 3.000 russische Bürger werden 1993 Vereinigten Staaten freigesetzt, um dem russischen
im Rahmen des Austausch- und Ausbildungsprogram- Prozeß der Reform der Rechtsstruktur behilflich zu
mes die Vereinigten Staaten besuchen. Hierbei hat sein, damit demokratische und marktwirtschaftliche
Prinzipien darin Niederschlag finden und die damit
man vor allem zwei Arten von Kontakten im Auge:
einhergehenden Verfahren und Praktiken in den BereiAustauschprogramme. Die Konfrontation russischer chen Handelsrecht, Strafrecht und StrafprozeßordBürger mit dem Leben in einer Demokratie kann das nung sowie Rechtslehre institutionalisiert werden. Im
Verständnis an der Basis vertiefen und einer der einzelnen werden die Vereinigten Staaten Präsident
demokratischen Entwicklung förderlichen Einstellung Jelzins Juristisches Experiment - einen innovativen
zuträglich sein. Im Sommer dieses Jahres werden Plan zur Förderung der Rechtsreform einschließlich
Zielsetzung

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�der Schaffung eines Geschworenensystems in fünf
Regionen - direkt unterstützen. (5 Millionen Dollar).
Effektive Kommunalverwaltung. Die Vereinigten
Staaten werden reformorientierten Kommunalverwaltungen bei der Aufbringung, Verwaltung und Aufstokkung finanzieller Ressourcen so behilflich sein, daß die
Bereitstellung von Sozialleistungen durch private Hände
und ein breitgefächertes Wachstum des Privatsektors
gefördert werden. Die ersten beiden vorgesehenen
Städte sind Moskau und Nischnij Nowgorod. (7 Millionen Dollar).
Stärkung der bürgerlichen Gesellschaft. Die Vereinigten Staaten werden amerikanische Privatorganisationen (politische und bürgerliche Organisationen,
freie Gewerkschaften und Lobbyisten) zur engen
Zusammenarbeit mit ihren russischen Kollegen - Reformern, Basisorganisatoren, regionalen Interessengruppen - ermutigen, um deren Beteiligung an politischen Prozessen und am Dialog über Wirtschaftsreformen in Rußland zu erweitern. (2 Millionen Dollar).
Stärkung unabhängiger Medien. Im Rahmen dieses Programms können amerikanische Medien und
Journalisten die für das Funktionieren einer freien und

offenen Demokratie erforderlichen professionellen
journalistischen und Managementtechniken austauschen. (2 Millionen Dollar).
Entwicklung ehrenamtlicher Tätigkeit in Rußland.
Ein Großteil der amerikanischen Wohlfahrtsverbände
wird privaten russischen Gruppen behilflich sein, den
sich abzeichnenden Bedarf an sozialen Diensten in
dieser Periode wirtschaftlichen Umbruchs zu bewältigen. (4 Millionen Dollar).
Entwicklung von Partnerschaften auf Universitäts-ebene. Die Vereinigten Staaten werden amerikanische Bildungsinstitutionen ermutigen, Verbindungen
und Austauschprogramme zwischen amerikanischen
Universitäten und Partneruniversitäten in Rußland
herzustellen, die sich auf für die Schaffung freier
Märkte und demokratischer Institutionen entscheidende Bereiche konzentrieren. Die Administration wird
am Institut für Fremdsprachen in Nischnij Nowgorod
ein Amerikanisches Institut für Amerikanistik- und
Sprachstudien einrichten. (3 Millionen Dollar).
Gesamtumfang der Initiative Demokratiekorps: 48
Millionen Dollar im Jahr 1993.

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7. April 1993

INITIATIVEN ZUR BESEITIGUNG VON MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN IN RUSSLAND
Übersicht des Weißen Hauses
VANCOUVER - (AD) - Die folgende Übersicht zur Beseitigung von Massenvernichtungswaffen in Russland
wurde am 4. April 1993 beim russisch-amerikanischen Gipfeltreffen vom Weißen Haus veröffentlicht.

Das Nunn-Lugar-Gesetz in seiner geänderten Fassung sieht Haushaltsmittel des Verteidigungsministeriums in Höhe von 800 Millionen Dollar vor, um den
sicheren Transport, die Lagerung und Zerstörung
nuklearer, chemischer und anderer Waffen zu unterstützen sowie Sicherheitsvorkehrungen gegen deren
Weiterverbreitung zu treffen.

Einrichtung eines Wissenschaftszentrums zur
Beschäftigung von Wissenschaftlern, die früher
in der Waffenentwicklung tätig waren.
Vergangene Woche haben wir in Moskau drei weitere
Vereinbarungen abgeschlossen, die maximal folgende Mittel bereitstellen:
130 Millionen Dollar zur Unterstützung der
Beseitigung von Trägersystemen für strategische Kernwaffen - ballistische Flugkörper, UBoote und schwere Bomber. Diese Hilfe wird
dazu beitragen, die Kosten der Reduzierung
dieser Streitkräfte für Rußland zu mildern.

Wir haben Rußland mindestens 400 Millionen Dollar
an Nunn-Lugar-Hilfe zugesagt. Wir haben bereits ein
Rahmenabkommen unterzeichnet, das die juristische
Grundlage für die Bereitstellung von Hilfe liefert sowie
7 Durchführungsvereinbarungen, die bis zu 150 Millionen Dollar an Hilfe vorsehen. Diese Vereinbarungen
beinhalten:

75 Millionen Dollar zur Beschaffung von Bauund Betriebsgerät einer Lagerstätte für Raketenmaterial. Diese Mittel sollen die planmäßige
Fortsetzung russischer Pläne zur Beseitigung
von Gefechtsköpfen gewährleisten.

Splitterschutzdecken zur Verbesserung der
Sicherheit von Waffen und Raketenmaterial beim
Transport;
schütz- und sicherheitstechnische Verbesserungen von Eisenbahnwaggons, die dem Transport von Kernwaffen und Raketenmaterial dienen;

10 Millionen Dollar, um die Einrichtung nationaler und einrichtungsgebundener Systeme zu
Kontrolle, Verbleibsnachweis und Schutz zivilen Nuklearmaterials zu fördern. Solche Systeme werden zum Schutz vor möglichem Verlust
oder der Weiterverbreitung von Nuklearmaterial
beitragen.

Notfallausrüstung zur Modernisierung der Reaktionsfähigkeiten bei Nuklearunfällen;
Transport- und Lagerbehälter für Raketenmaterial, das zerlegten Kernwaffen entnommen wurde;
Hilfe bei der Planung einer Lagerstätte für
Raketenmaterial;
Hilfe bei der Zerstörung chemischer Waffen;

Diese Vereinbarungen unterstreichen die Bedeutung,
die die Clinton-Administration dem Programm zur
Beseitigung von Massenvernichtungswaffen als integralem Bestandteil ihrer umfassenden Politik der Zusammenarbeit und Partnerschaft mit Rußland beimißt.

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�RUSSLAND
7. April 1993

INITIATIVE ZUR RÜCKFÜHRUNG
RUSSISCHER OFFIZIERE
Übersicht des Weißen Hauses
VANCOU VER - (AD) - Aus Anlaß des amerikanisch-russischen Gipfels von Vancouver am 4. April 1993 veröffentlichte das Weiße Haus die folgende Übersicht unter dem Titel "Initiative zur Rückführung russischer
Offiziere".

Zielsetzung
Die Vereinigten Staaten und die anderen westlichen
Länder haben die historische Gelegenheit, die Rückkehr demobilisierter russischer Truppen in ihr Heimatland zu erleichtem, indem sie den zurückkehrenden
russischen Offizieren Wohnungs- und Umschulungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Diese Initiative
zur Rückführung russischer Offiziere erfolgt auf Bitten
der russischen Regierung.
Programm
Die Initiative ist darauf ausgerichtet, die Rückführung
demobilisierter Offiziere nach Rußland zu erleichtern.
Zusätzlich zum Bau von Wohnungen für diese heimkehrenden Offiziere werden ihnen im Rahmen der
Initiative auch Umschulungsmöglichkeiten angeboten.
Die Initiative sieht unter anderem beispielsweise folgendes vor:
Für demobilisierte, nach Rußland zurückkehrende Offiziere werden innerhalb der nächsten
ein bis anderthalb Jahre 450 Wohneinheiten
gebaut;

für die betroffenen Offiziere wird ein Ausbildungsprogramm angeboten, um ihnen den
Übergang ins zivile Leben zu erleichtern.
Die Häuser werden in den Gebieten errichtet, deren
Kommunalbehörden sich für marktwirtschaftliche
Reformen engagieren. Dieses Gelände wird auch je
nach Verfügbarkeit von Land, adäquater Infrastruktur
und Nähe zu guten Verkehrswegen ausgewählt. Wir
werden soweit als möglich versuchen, beim Bau dieser
Häuser auf ortsansässige Arbeitskräfte und vor Ort
verfügbare Materialien zurückzugreifen.
Die Bereitstellung von Unterbringungsmöglichkeiten
und Umschulung für die nach Rußland zurückkehrenden Truppen ist ein sichtbares Zeichen der westlichen
Unterstützung für das russische Volk und die russische Regierung. Die Vereinigten Staaten werden
versuchen, andere Geldgeber zur Durchführung ähnlicheroderergänzender Programme anzuregen. Auch
werden wir eine Ausweitung dieser Initiative in der
Zukunft anstreben.
Gesamtumfang der Geldmittel für das Haushaltsjahr
1993: 6 Millionen Dollar.

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�RUSSLAND
2. April 1993

REFORMEN KÖNNEN RUSSLAND VON
GEGNER ZU PARTNER MACHEN
Rede Präsident Clintons vor Zeitungsredakteuren
ANNAPOLIS - (AD) - Vor seiner Abreise nach Vancouver zum Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten
Jelzin hat Präsident Clinton am 1. April 1993 eine politische Grundsatzrede gehalten, in der er vornehmlich auf
die amerikanischen Beziehungen zu Ru ßland und die von den Vereinigten Staaten zu ergreifenden Ma ßnahmen
zur Fortsetzung der Reformen in Rußland einging.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Rede Clintons in leicht gekürzter Fassung.

Ich möchte zu Ihnen über die Ereignisse in Rußland,
über unsere Maßnahmen gegenüber den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion und
über meine Treffen mit Boris Jelzin an diesem Wochenende sprechen. Zunächst möchte ich mich jedoch zu den weltweiten Zielen der Vereinigten Staaten
äußern.

pas und Asiens waren verschwunden. Ein neues
kommunistisches Imperium zeichnete sich ab. Unsere
Volkswirtschaft war die einzige der Welt, die nach wie
vor stark und beherrschend war.

Der frühere Außenminister Dean Acheson beschrieb
diesen Zustand später als die Zeit der "großen Unklarheit". Trotzdem erkannten er, George Marshall und
Das gehört nicht zu den Dingen, die wir häufig überprü- Präsident Harry Truman sowie andere führende Polifen, denn es liegt in der Natur des Menschen, sich für tiker beider politischer Parteien in jener verschwomgewöhnlich auf die Angelegenheiten des täglichen menen Unklarheit deutlich genug, was auf dem Spiel
Lebens zu konzentrieren. In unserem Leben gehen wir stand. Sie handelten entschlossen. Sie akzeptierten
zur Arbeit, ziehen Kinder auf, pflegen unsere mensch- die Führungsrolle. Ihre Zielbewußtheit half, Europa zu
lichen Beziehungen, setzen uns Tag für Tag mit den retten, Japan wiederaufzubauen, Aggression einzuUnbilden des Augenblicks auseinander. Trotzdem dämmen und zwei Generationen beispiellosen Wohlwerden wir alle von einer Motivation geleitet, die wir standes und Friedens zu fördern.
von unseren Familien und aus unserem Glauben
beziehen. Sie formt die Millionen kleiner Ereignisse in Und zum großen Teil dank ihrer Vision, die in den
unserem Leben zu einem größeren Werk, das den folgenden Generationen weiter lebendig gehalten wurde
- und auch dank des enormen Mutes der Menschen in
Stempel unseres Charakters trägt.
Rußland und den anderen Republiken der ehemaligen
Sowjetunion
sowie der Menschen in Osteuropa - hat
Und dasselbe gilt im Leben einer Nation. Entscheidundie
Freiheit
heute
wiederum einen sehr großen Sieg
gen verlangen Aufmerksamkeit. Krisen treiben das
errungen.
Handeln. Aber nur mit einer umfassenderen Motivation, die sich aus ihrer Geschichte und Kultur herleitet,
können sich große Nationen überdie tägliche Tyrannei In den vergangenen vier Jahren fiel die Berliner Mauer.
des Dringlichen erheben, um ihre Sicherheit aufzubau- Der Kalte Krieg wurde beendet. Die Sowjetunion
en, ihren Wohlstand zu schaffen, ihre Interessen zu wurde von 15 souveränen Staaten abgelöst. Millionen
warfen das erdrückende Joch des Kommunismus ab,
fördern und ihre Werte zu bekräftigen.
um statt dessen die adelnden Lasten der Demokratie
Eine klare Motivation ist am unerläßlichsten - jedoch auf sich zu nehmen.
auch am schwersten zu erlangen - in Zeiten grundlegender weltweiter Veränderungen. Vor einem halben Aber diese Siege konfrontieren uns auch mit einem
Jahrhundert ging unsere Nation siegreich aus dem Moment tiefgreifender Veränderungen, mit einer HerZweiten Weltkrieg hervor und entdeckte, daß sie völ- ausforderung. Der Zusammenbruch der Sowjetunion
liges Neuland betreten hatte. Die alten Reiche Euro- hat die internationale Ordnung für immer verändert.
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�Die aufstrebenden Wirtschaftsmächte im Pazifik verändern die Finanzordnung auf Dauer. Die Verbreitung
dämonischer Massenvernichtungswaffen droht, die
Verteilung militärischer Macht für immer zu verändern.
Wiederaufflackernde ethnische Konflikte stellen die
Bedeutung des Nationalstaates an sich in Frage. Die
Entwicklung einer Weltwirtschaft hat die Verbindungen zwischen Innen- und Außenpolitik verändert und
sie - wie ich behaupten möchte - untrennbar gemacht.

Jetzt hoffe ich, daß er das kurzfristige Programm zur
Schaffung von Arbeitsplätzen verabschieden wird, das
in den nächsten beiden Jahren in diesem Land eine
halbe Million neuer Arbeitsplätze hervorbringen wird.
Am Rande möchte ich feststellen, daß eine der großen
Herausforderungen für jedes reiche Land in der heutigen Welt nicht nur die Förderung des Wachstums,
sondern auch die Schaffung von Arbeitsplätzen ist. Es
gibt zahlreiche Beispiele aus den achtziger Jahren, als
Staaten in Europa und andernorts ein starkes Wachstum aufwiesen, aber keine neuen Arbeitsplätze schufen. Dasselbe geschah im vergangenen Jahr auch
hier, und wir müssen beweisen, daß wir es besser
machen können.

In einer Zeit dramatischen weltweiten Wandels müssen wir die übergeordneten Ziele Amerikas neu definieren. Ein Teil dieser Ziele besteht eindeutig in der
Wiederbelebung wirtschaftlicher Chancen und des
Wachstums hier im Inland. Denn die Chance, hier im
Inland erfolgreich zu sein, bildet letztlich die Grundlage Wie ich in den vergangenen eineinhalb Jahren so
unseres Einflusses im Ausland.
häufig erklärt habe, gibt es in dem globalen Dorf mit
dieser Art von Wertwirtschaft einfach keine klare TrennDer Kongreß unternimmt diese Woche Maßnahmen, linie mehr zwischen Innen- und Außenpolitik. Wir
um den Stillstand zu beenden, um unseren Wohlstand können im Ausland nicht stark sein, wenn wir nicht im
aufzubauen. Erst heute hat der Kongreß das Kern- Inland stark sind. Und wir können im Inland nicht stark
stück meines Wirtschaftsprogramms verabschiedet, sein, wenn wir uns nicht aktiv in einer Welt engagieren,
einen langfristigen Plan zum drastischen Abbau des die die Ereignisse für jeden Amerikaner beeinflußt. In
Defizits und zur Steigerung der Investitionen in die gewissem Sinne wird jeder junge Mensch von heute in
Zukunft unseres Landes. Nach Jahren einer Politik, diesem Land ein Leben führen, das ebenso von Ereigdie unsere Zukunft schmälerte, hat Washington end- nissen au ßerhalb wie von Ereignissen innerhalb unselich erkannt, daß das beste Sozialprogramm ein guter rer Grenzen geprägt wird.
Arbeitsplatz ist, und der beste Weg zum Abbau des
Defizits ist eine wachsende Wirtschaft, die sich auf Deshalb erkläre ich heute erneut, daß wir auf der Welt
einen kühnen Plan des Wandels gründet, der die klare Zielsetzungen haben müssen. Jeder weiß, daß
Ausgaben senken und gleichzeitig die Investitionen die Welt nach wie vor ein gefährlicher Ort ist. Unser
steigern wird, um die arbeitenden Menschen dieses vordringliches Gebot besteht in der Gewährleistung
Landes zu stärken.
unserer eigenen Sicherheit. Aus diesem Grund bemühen wir uns sicherzustellen, daß unsere Streitkräfte
Unser Programm investiert in den Menschen, indem nicht nurdie besten der Welt, sondern auch speziell auf
es die Steuergesetze ändert, um Arbeit und Investitio- die Herausforderungen dieses neuen Zeitalters zugenen zu belohnen, indem es bestrebt ist zu gewährlei- schnitten sind. Denn die zentrale Front unseres Kampfes
sten, daß jeder, der 40 Stunden in der Woche arbeitet für eine sichere Wert hat sich von den Ebenen Nordeuund Kinder zu Hause hat, nicht mehr in Armut leben ropas zu unseren Bemühungen verlagert, Massenvermuß, indem es unseren Kindern Bildung und Nahrung nichtungswaffen Einhalt zu gebieten, ethnische Unruund die Schutzimpfungen zur Verfügung stellt, die sie hen abzubauen, die Demokratie zu fördern, Märkte zu
für einen erfolgreichen Start ins Leben benötigen, erweitern und die Umwelt weltweit zu schützen.
indem es die Aus- und Fortbildung unserer Arbeitnehmer so umgestaltet, daß sie der neuen Weltwirtschaft Während des Kalten Krieges konzentrierte sich unsere
gerecht wird, und indem es durch Investitionen in Außenpolitik hauptsächlich auf die Beziehungen zwiInfrastruktur, sichere Straßen und Stadtplanung in schen den Staaten. Unsere Strategie strebte ein
großen und kleinen Gemeinden im ganzen Land neue Kräftegleichgewicht an, um den Frieden zu erhalten.
Arbeitsplätze schafft.
Heute muß sich unsere Politik auch auf die Beziehungen innerhalb der Staaten konzentrieren, auf die
Das amerikanische Volk hatte den Mut, im vergange- Regierungsform eines Landes, auf seine wirtschaftlinen November den Wandel zu fordern, und es hat mir che Struktur, auf seine ethnische Toleranz. Dies sind
die beängstigende Chance und Verantwortung gege- unsere Anliegen, denn sie sind ausschlaggebend dafür,
ben zu versuchen, diesen Wandel zu verwirklichen. wie diese Staaten ihre Nachbarn und ihr eigenes Volk
Ich habe die Hoffnung, daß der Kongreß nun den Mut behandeln sowie dafür, ob sie verläßlich sind, wenn sie
besitzen wird, in dieser Woche für alle diese Verände- ihr Wort geben.
rungen zu stimmen. Wie ich bereits sagte, hat er heute
einen Plan verabschiedet, der das langfristige Defizit Insbesondere neigen Demokratien weit weniger dazu,
abbaut und gleichzeitig unsere Investitionen in die Krieg gegen andere Staaten zu führen, als Diktaturen.
Bereiche steigert, die dieser Volkswirtschaft zu Wachs- Mit Nachdruck stelle ich fest, daß die Völkergemeintum verhelfen werden - in neue Arbeitsplätze und neue schaft nicht bestrebt sein kann, jeden innenpolitischen
Technologien sowie neue Bildungsstrategien.
Streit zu lösen oder jeden ethnischen Konflikt beizuleSeite2

AMERIKA DIENST 14

�gen. Einige liegen einfach außerhalb unserer Möglichkeiten. Aber innerhalb vernünftiger Grenzen und mit
einem klaren Gefühl für strategische Prioritäten müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um den
demokratischen Geist und die Wirtschaftsreformen zu
fördern, die das Gleichgewicht bis weit ins nächste
Jahrhundert hinein zugunsten des Fortschritts verschieben können.

barstaaten wie die Ukraine und die baltischen Staaten
mit Sorge auf Rußland, während sie mit ihren eigenen
Reformen kämpfen und sich mit wirtschaftlichen Problemen befassen, die ebenso ernst sind.

Für die meisten Amerikaner sind diese Ereignisse
zwar dramatisch, aber sie stehen ihren eigenen unmittelbaren Anliegen immer noch sehr fern. Schließlich
haben wir in jeder Gemeinde unsere eigenen ProbleSeit den ersten Stunden meiner Administration haben me. Wir haben unsere eigenen Bedürfnisse. Wir sind
mehrere kritische Situationen unsere Aufmerksamkeit mit einer stagnierenden Wirtschaft und Umbrüchen
erfordert - im Irak, in Somalia, in Haiti, im Nahen Osten, konfrontiert, die sich aus dem Ende des Kalten Krieges
im ehemaligen Jugoslawien und andernorts. Wir waren und der Kürzung des Verteidigungshaushalts ergebestrebt, Strategien zu entwickeln, um diese und andere ben. Viele Großunternehmen werden umstrukturiert.
unmittelbare Herausforderungen zu bewältigen, und Darüber hinaus wurden in den vergangenen zwei
ich fühle micht durch die in den meisten dieser Berei- Jahren von den mittelständischen Unternehmen nicht
genug Arbeitsplätze geschaffen, um dies auszugleiche erzielten Fortschritte ermutigt.
chen. Den Prognosen zufolge werden in den nächsten
Wir alle müssen uns jedoch den übergeordneten Fra- fünf Jahren zwei Drittel - zwei Drittel - unseres Einkomgen widmen, die dieses neue Zeitalter stellt. Denn menszuwachses von Steigerungen der Kosten im
wenn wir aufgrund einer übergeordneten Motivation Gesundheitswesen aufgefressen. Und wenn wir nicht
und Strategie handeln, kann unsere Arbeit im Hinblick handeln, wird die Kostenexplosion im Gesundheitsweauf die Krisen des späten 20. Jahrhunderts den Grund- sen in den nächsten fünf Jahren die Lohnzuwächse zu
stein für eine friedlichere und demokratischere Welt zu 100 Prozent aufzehren.
Beginn des 21. Jahrhunderts legen.
Wir sorgen uns um unsere Städte, wie etwa Los
Das Ende des langen Kampfes zwischen Licht und Angeles, wo der Jahrestag der Unruhen vor einem
Dunkelheit gewährleistet nicht den Beginn eines lan- Jahr ansteht. Und viele Menschen sagen angesichts
gen Friedens. Wie ein kluger Hausbesitzer, der er- all dessen und mit einem riesigen Haushaltsdefizit,
kennt, daß man nach dem Kauf nicht aufhören kann, in warum um alles in der Wert sollten wir einem weit
sein Haus zu investieren, können wir nicht aufhören, in entfernten Volk helfen, wenn die Zeiten hier im Inland
den Frieden zu investieren, jetzt, wo wir ihn erreicht so hart sind?
haben. Diese Erkenntnis war ein Triumph der Ära
Präsident Trumans. Aber im Gegensatz zu damals Nun, ich weiß, daß wir die Zukunft der Reformen in
gibt es für uns nicht das Gespenst eines bedrohlichen Rußland oder in irgendeinem der anderen neuen
Gegners, das unsere Bemühungen zur Zusammenar- unabhängigen Staaten nicht garantieren können. Ich
beit mit anderen Staaten antreibt. Heute muß nicht die weiß und Sie wissen, daß die Geschichte Rußlands
Furcht, sondern eine Vision unseren Investitionen und letzten Endes von den Russen geschrieben wird und
unserem Engagement in dieser neuen Welt zugrunde- über die Zukunft Rußlands von den Russen entschieden werden muß. Ich behaupte jedoch, daß wir alles
liegen.
in unserer Macht Stehende tun und jetzt handeln
Nirgends ist dieses Engagement wichtiger als in unse- müssen. Nicht aus Mildtätigkeit, sondern weil es eine
rer Politik gegenüber Rußland und den neuen unab- kluge Investition ist, eine kluge Investition, die auf dem
hängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Ihr bereits Geleisteten aufbaut und auf unsere Zukunft
Kampf zum Aufbau freier Gesellschaften ist eines der abzielt. Obwohl unsere Bemühungen Kosten mit sich
großen menschlichen Dramen unseres Zeitalters. Er bringen, können wir noch höhere Dividenden für unsestellt die größte sicherheitspolitische Herausforderung re Sicherheit und unseren Wohlstand erzielen, wenn
unserer Generation dar und bietet eine der größten wir jetzt handeln.
wirtschaftlichen Chancen unseres Lebens. Aus diesem Grund werde ich meine erste Reise ins Ausland Um dies zu verstehen, müssen wir meines Erachtens
nach Vancouver machen, um mit Präsident Jelzin das Ausmaß der Umgestaltung begreifen, die sich
zusammenzutreffen.
heute in Rußland und den anderen Staaten vollzieht.
Von Vilnius im Baltikum bis nach Wladiwostok am
Im vergangenen Monat haben wir unglaublich stürmi- Pazifik sind wir Zeugen eines politischen Wunders sche Ereignisse in Rußland erlebt. Sie haben unsere echter historischer und heldenhafter Taten - geworSchlagzeilen gefüllt und in unseren Köpfen wahr- den, das in der gesamten Geschichte der Menschheit
scheinlich Verwirrung gestiftet. Präsident Jelzin stand seinesgleichen sucht. Die anderen beiden weltveränim Konflikt mit dem Kongreß der Volksdeputierten. dernden Ereignisse dieses Jahrhunderts, der Erste
Hitzige politische Konfrontationen behinderten den und der Zweite Weltkrieg, haben einen Preis von über
wirtschaftlichen Wandel. Gleichzeitig blickten Nach- 60 Millionen Menschenleben gefordert. Betrachten

AMERIKA DIENST 14

Seite 3

�Sie im Gegensatz dazu dieses weltverändernde Ereig- der Zwist im ehemaligen Jugoslawien in einem Land
nis. Es verlief bemerkenswert unblutig, und wir beten von der Größe Rußlands wiederholt, das sich über 11
dafür, daß es so bleibt.
Zeitzonen erstreckt, mit einem Arsenal von Kernwaffen, das nach wie vor ungeheuer groß ist.
Heute wird Unterdrückung von freien Märkten und
freier Politik abgelöst. Mitteleuropa ist Herr seines Aber es besteht hier eine große Chance. Im Verlauf
eigenen Schicksals. Litauen, Lettland und Estland des Großteils unserer Geschichte wurde unsere Sisind wieder unabhängig. Die Ukraine, Armenien und cherheit von europäischen Nationen herausgefordert,
andere stolze Nationen sind frei, ihr Geschick selbst zu die zur Beherrschung ihres Kontinents und der zwibestimmen.
schen uns liegenden Meere entschlossen waren. Die
tragische Gewalt in Bosnien erinnert uns neuerlich
Das Kernstück dieser Entwicklung ist jedoch Ru Bland. daran, daß Europa noch nicht am Ende der Konflikte
Seine Wiedergeburt hat begonnen. Eine große Na- innerhalb seiner Grenzen angelangt ist.
tion, reich an natürlichen Ressourcen und Humankapital sowie einer unglaublichen Geschichte hat sich Heute könnten wir es endlich mit einem Europa zu tun
aufgemacht, um sich wieder der politischen und öko- haben, in dem keine Großmacht, nicht eine einzige,
nomischen Kultur des Westens anzuschließen. Präsi- kontinentale Absichten hat. Bedenken Sie - Landkriedent Jelzin und seine Mitreformer in ganz Rußland ge in Europa kosteten im 20. Jahrhundert Hunderttauführen mutig drei moderne russische Revolutionen sende Amerikaner das Leben. Der Aufstieg eines
gleichzeitig an: die Umgestaltung ihres Landes von demokratischen Rußlands, das innerhalb seiner Greneinem totalitären Staat zu einer Demokratie, von einer zen zufriedengestellt ist und an andere friedfertige
Kommandowirtschaft zum Markt, von einem Imperium Demokratien grenzt, könnte gewährleisten, daß unser
zu einem modernen Nationalstaat, der freiwillig Länder Land nie wieder einen solchen Preis bezahlen muß.
preisgegeben hat, die einst unter seiner Kontrolle
Es bietet sich uns auch die Möglichkeit zur Verbessestanden, und der heute ihre Integrität respektiert.
rung unserer eigenen Sicherheit durch die VerringeDie Wiedergeburt Rußlands ist nicht nur materieller rung der Chancen eines Nuklearkriegs. Rußland
und politischer Natur, sie ist ein wahrhaft geistiger besitzt noch immer über 20.000 strategische und
Vorgang. Der Leiter der Kongreßbibliothek, James taktische nukleare Gefechtsköpfe. Die Ukraine, BelaBillington, hat dazu erklärt: "Das Böse wurde durch rus und Kasachstan haben ebenfalls Nuklearwaffen
Reue ohne Rache verdrängt. Das unschuldige Leiden auf ihrem Territorium stationiert. Wir implementieren
in den Gulags der Vergangenheit wurde mit einem historische Rüstungskontrollabkommen, die zum ererlösendem Wert erfüllt, und der erstaunlich unblutige sten Mal die Anzahl der strategischen Nuklearwaffen
Durchbruch vom August 1991, der am Fest der Verklä- drastisch reduzieren werden. Durch die Unterstützung
rung Christi stattfand, war in der Tat ein 'Wunder', der russischen Reformen können wir jetzt dazu beitradurch das der Durchschnittsbürger die moralische gen, die Versprechungen dieser Abkommen zur ReaDimension in seinem Leben wiederentdeckte." Überall lität für uns und unsere Kinder ebenso wie für die
in der ehemaligen Sowjetunion stieß die Religionsfrei- Russen und deren Kinder werden zu lassen.
heit auf eine Renaissance der Religiosität.
Zweitens bieten uns die russischen Reformen die
Nichts könnte mehr zu weltweiter Freiheit und Sicher- Möglichkeit, den Übergang von Gegnerschaft in der
heit sowie zum Wohlstand beitragen, als die friedliche Außenpolitik zu Partnerschaft bei globalen ProblemlöFortsetzung dieser Wiedergeburt in Rußland. Sie sungen abzuschließen. Denken Sie an den Kalten
könnte einen modernen Staat bedeuten, einen Frieden Krieg zurück. Erinnern Sie sich an die Schauplätze,
nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit der Weh. auf denen wir seine Konflikte ausgetragen haben:
Sie könnte ein Rußland bedeuten, das produktiv und Berlin, Korea, der Kongo, Kuba, Vietnam, Nicaragua,
prosperierend in die Weltwirtschaft eingegliedert ist, Angola, Afghanistan. Wir standen überall im Kampf.
eine Quelle von Rohstoffen und Fertigprodukten sowie Wir haben die Sowjets bei den Vereinten Nationen
einen riesigen Markt für amerikanische Waren und bekämpft. Wir haben uns gegenseitig über den Globus
Dienstleistungen. Sie könnte eine bevölkerungsreiche verfolgt. Wir haben Zehntausende unserer besten
Demokratie bedeuten, die zur Stabilität in Europa jungen Menschen bei der Verteidigung der Freiheit
ebenso wie in Asien beiträgt.
verloren. Die Bemühungen waren es wert. Ihr Wert
wurde jedoch mehr in Verhütung als in der Schaffung
Der Erfolg der Erneuerung Rußlands muß für unser von etwas Neuem gemessen, in der Eindämmung von
Land ein vordringliches Anliegen sein, weil er uns mit Terror und Unterdrückung statt in der Förderung von
vier klaren Chancen konfrontiert. Erstens bietet er uns Glück und Chancen für die Menschheit.
die historische Gelegenheit, unsere eigene Sicherheit
zu verbessern. Die Gefahr bei einem Scheitern der Führen Sie sich nun vor Augen, was geschehen ist,
Reformen in Rußland liegt auf der Hand - wenn es zu seit Rußland sich uns bei der Suche nach friedlichen
autoritärer Herrschaft zurückkehrt oder im Chaos Lösungen angeschlossen hat. Wir haben bei den
versinkt. Die Welt kann es sich nicht leisten, daß sich Vereinten Nationen bei der Bekämpfung der irakiSeite4

AMERIKA DIENST 14

�sehen Aggression gegen Kuwait kooperiert. Wir haben gemeinsam vielversprechende Friedensverhandlungen im Nahen Osten in die Wege geleitet. Wir
haben bei der Aussöhnung in Kambodscha und El
Salvador zusammengearbeitet. Wir haben uns beim
Umweltschutz zusammengetan. Fortschritte dieser
Art stärken unsere Sicherheit und die anderer Nationen. Wenn wir Rußland bei der weiteren Demokratisierung behilflich sind, können wir ein Zeitalter der
Konfrontation hinter uns lassen und neue Horizonte
des Fortschritts und Friedens erschließen.

Unternehmen und Handelspartner seinem großen
wirtschafltichen Potential gerecht wird.

Drittens sind die russischen Reformen wichtig für uns,
weil sie ein Schlüssel zu weiteren Investitionen in
unsere eigene Zukunft sind. Die amerikanischen
Steuerzahler haben buchstäblich Billionen Dollar für
die Führung des Kalten Krieges aufgewendet. Nun
können wir das Tempo dieser Ausgaben verringern und in der Tat konnten wir dieses Tempo reduzieren nicht nur, weil die Waffen der ehemaligen Sowjetunion
eine abnehmende Gefahr für uns und unsere Verbündeten darstellen. Wenn Rußland zum Imperialismus
zurückkehren oder ins Chaos verfallen würde, müßten
wir unsere Pläne für Einsparungen im Verteidigungsbereich überdenken. Wir müßten unsere Verteidigung
umstrukturieren, um eine völlig andere Bandbreite von
Bedrohungen zu bewältigen als diejenigen, von denen
wir heute ausgehen. Dies bedeutet Milliarden Dollar
weniger für andere Zwecke. Weniger Geld für die
Schaffung neuer Unternehmen und Arbeitsplätze.
Weniger Geld für die Vorbereitung unserer Kinder auf
die Zukunft. WenigerGeldfürdie neuen Technologien
des 21. Jahrhunderts, für die unsere Konkurrenten in
Deutschland, Japan und andernorts bereits sehr viel
Geld aufwenden in der Hoffnung, die hochbezahlten
Arbeitsplätze der Zukunft für sich zu erobern. Aus
diesem Grund erfordert unsere Fähigkeit, den Bürgern
in unserem Land Vorrang einzuräumen, daß wir Rußland und seine Nachbarn an die oberste Stelle unserer
außenpolitischen Tagesordnung setzen.

Auch wenn wir nicht ganz sicher sein können, wie sich
die Lage in Rußland entwickeln wird, sind wir uns
jedoch unserer eigenen Interessen bewußt. Alle
Amerikaner haben Interesse an Bestrebungen, die
unsere Sicherheit und unseren Wohlstand verbessern. Aus diesem Grund haben wir Interesse an den
russischen Reformen und den von Boris Jelzin angeführten russischen Reformern.

Die brennende Frage lautet heute, ob die wirtschaftlichen Fortschritte Rußlands und der Demokratisierungsprozeß andauern oder vereitelt werden. Meines
Erachtens kann man Menschen die Freiheit - wie alles
Süße - nur schwer entziehen, nachdem sie einmal
Geschmack daran gefunden haben. Der menschliche
Geist läßt sich nicht so einfach wieder unterdrücken,
und dies gilt auch für Rußland.

Amerikas Position ist unmißverständlich. Wir unterstützen Demokratie. Wir unterstützen freie Märkte.
Wir unterstützen Rede-, Meinungs- und Religionsfreiheit. Wir unterstützen die Respektierung ethnischer
Minderheiten in Ru ßland sowie russischer und anderer
Minderheiten in der gesamten Region.
Meines Erachtens ist es unerläßlich, da ß wir klug, aber
unverzüglich handeln und alles in unserer Macht Stehende tun, um ein strategisches Bündnis mit den
russischen Reformen einzugehen. Dies wird in Vancouver mein Ziel sein. Und dies wird meine Botschaft
an den Mann sein, der als der Anführer der Reformen
gilt - der demokratisch gewählte Präsident Rußlands,
Boris Jelzin. Ich möchte heute nicht all die Ideen im
einzelnen darlegen, die ich mit ihm zu erörtern gedenke. Und natürlich weiß ich nicht, was er alles mit mir
diskutieren möchte. Ich möchte Ihnen jedoch die
Grundsätze erläutern, auf die sich unsere Bestrebungen zur Unterstützung der Reformen gründen.

Viertens bieten uns die russischen Reformen eine Erstens müssen unsere Investitionen in die russischen
historische Chance. Rußland befindet sich heute zwar Reformen für das russische Volk spürbar sein. Die
in einer ernsthaften Wirtschaftskrise, ist jedoch im Unterstützung der Reformen muß von der Basis aus
Grunde genommen noch immer ein reiches Land. erfolgen. Dies wird nur der Fall sein, wenn unsere
Rußland verfügt über reichhaltige Vorkommen an öl, Bemühungen breitgefächert sind und sich nicht nur auf
Erdgas, Kohle, Gold, Diamanten und Edelhölzern, die Moskau konzentrieren. Ich beabsichtige, mit Präsisein Volk erschließen muß. Das russische Volk zählt dent Jelzin über Maßnahmen zu sprechen, die die
zu den gebildetsten und hochqualifiziertesten der Welt. Entwicklung mittelständischer Unternehmen in großem Stil fördern helfen, die Privatisierung von StaatsEs sind gute Menschen in einem reichen Land. Sie betrieben beschleunigen, Nahrungsmittelverarbeitung
wurden Opfer eines Systems, das sie im Stich gelas- und -Verteilung auf lokaler Ebene unterstützen und den
sen hat. Wir müssen über das heutige Rußland Übergang zur Privatwirtschaft erleichtern. Unser Ziel
hinausblicken und unssein Potential für Wohlstand vor muß darin bestehen, sicherzustellen, daß das russiAugen führen. Stellen Sie sich vor: Eine Nation mit sche Volk bald das Gefühl erhält, Nutznießer und nicht
150 Millionen Einwohnern, die mit uns in solcherweise Opfer der Reformen zu sein. Wir müssen dem russiHandel treiben kann, daß unsere beiden Völker davon schen Volk bei der Erkenntnis behilflich sein, daß sein
profitieren. Die wirtschaftliche Gesundung Rußlands Leiden heute nicht die Geburtswehen von Demokratie
mag sich langsam vollziehen, liegt jedoch im Interesse und Kapitalismus, sondern der Todeskampf von Diktaaller, die solideres globales Wachstum anstreben, um tur und Kommunismus sind.
sicherzustellen, daß Rußland mit Hilfe amerikanischer
AMERIKA DIENST 14

Seite 5

�Zweitens müssen unsere Investitionen in die russischen Reformen darauf abzielen, dauerhafte Auswirkungen zu zeitigen. Die russische Volkswirtschaft ist
zu groß und zu stark angeschlagen, als daß wir sie
wieder flottmachen könnten. Das steht hier nicht zur
Diskussion. Unsere Herausforderung besteht darin,
die Instrumente zur Verfügung zu stellen, die den
Russen Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Ein gutes Beispiel
ist der russische Energiesektor. Rußland zählt zu den
größten ölproduzenten der Weh, dennoch versickern
Millionen von Barrel des von Rußland geförderten Öls
jeden Monat bevor es auf den Markt gelangt. Allein die
aufgrund der Lecks in den russischen Erdgasleitungen
verlorene Menge könnte den gesamten Bundesstaat
Connecticut mit Erdgas versorgen.
Die Russen müssen viele Reformen durchführen, um
Investitionen im Energiesektor anzuziehen. Durch die
Einführung moderner Bohrtechniken und Reparatur
der russischen Infrastruktur können wir Rußland helfen, umfangreiche und dauerhafte Deviseneinnahmequellen wiederzuerlangen. Auf lange Sicht können
diese Bestrebungen auch zum Umweltschutz und zur
Senkung der Wettenergiepreise beitragen. Wir haben
ein direktes Interesse an einem solchen Vorgehen.

wir. Mit Hilfe der internationalen Finanzinstitutionen
können wir Großes leisten, das keiner von uns alleine
vollbringen kann.
Dieses Prinzip ist von besonderer Bedeutung, während wir Rußland bei der Stabilisierung seiner Währung und Märkte helfen. Die russische Zentralbank
druckt zuviele Rubel und vergibt zuviele Kredite. Das
Ergebnis ist eine Inflation von nahezu 1 Prozent pro
Tag. Eine Inflation solcher Größenordnung bedroht
die aufstrebenden Märkte Rußlands gravierend. In
Vancouver beabsichtige ich, die Fortschritte zu erörtern, die wir in den führenden Industrienationen dabei
machen, Rußland beim Sprung zu einer stabilen
Währung und zur Marktwirtschaft behilflich zu sein.
Obwohl wir in den Vereinigten Staaten diese Bestrebungen nicht allein unterstützen können und obwohl
wir auf entsprechenden russischen Reformen bestehen müssen, ist die amerikanische Führungsrolle bei
der Eindämmung der Inflation und Stabilisierung der
Währung unabdingbar.

Fünftens müssen wir die Betonung auf Investitionen in
Rußland legen, die unsere eigene Sicherheit verbessern. Ich möchte mit Präsident Jelzin über von uns
gemeinsam zu unternehmende Schritte sprechen, um
Drittens muß unser Volk alles in seiner Macht Stehen- die Fortsetzungder Entnuklearisierung in Rußland und
detun, um Initiativen auf persönlicher Ebene, nicht nur den Nachbarstaaten sicherzustellen. Wir werden neue
auf Regierungsebene, zu entwickeln. Wir sind in ein Initiativen für die Ukraine sondieren, damit sie dem
neues Zeitalter eingetreten, in dem der beste Weg zur START-Vertrag beitritt und auf die Ziele des LissaboErlangung vieler unserer Ziele im Ausland nicht Diplo- ner Protokolls hinarbeitet, das gewährleisten soll, daß
maten oder Dollar sind, sondern Privatbürger, die ihre Rußland der einzige mit Atomwaffen ausgerüstete
Fähigkeiten und Gewohnheiten vermitteln können, die Nachfolgestaat der Sowjetunion ist.
der Lebensnerv von Demokratie und freien Märkten
sind. Wir beabsichtigen die Erweiterung von Bestre- Die Ukraine wird eine besondere Rolle bei der Realisiebungen für leitende amerikanische Angestellte im rung dieser Zielsetzungen spielen, und wir sind uns
Ruhestand, die mit russischen Unternehmern bei der unseres Interesses am Erfolg der Reformen in der
Gründung neuer Firmen zusammenarbeiten sollen. Ukraine und den anderen neuen Staaten bewußt. Ich
Wir arbeiten auf die Vermittlung moderner Landwirt- werde mit Präsident Jelzin neue Bestrebungen zur
schaftspraktiken durch unsere Farmer hin, unsere Verwirklichung der im START-Vertrag vorgesehenen
Gewerkschaftsführer sollen die Grundzüge gewerk- Reduzierung amerikanischer und sowjetischer strateschaftlicher Organisation weitergeben, Amerikaner mit gischer Atomwaffenarsenale um zwei Drittel erörtern.
Erfahrungen an der Basis können Techniken vermit- Und ich werde Schritte vorschlagen, die wir beide zur
teln, die eine neuen Ideen gegenüber aufgeschlosse- Eindämmung der Verbreitung von Massenvernichne Regierung sicherstellen, unsere Streitkräfte kön- tungswaffen unternehmen können - eine Angelegennen mehr Austauschprogramme mit dem russischen heit, die uns noch auf Jahre hinaus außerordentlich
Militär veranstalten, Tausende und Abertausende junger große Sorgen bereiten wird.
Russen - die größten Nutznießer der Reformen und die
größte Wählerschaft - können in unser Land kommen Sechstens müssen wir uns bewußt sein, daß unsere
und unsere Regierungsform studieren, unsere Wirt- Politik gegenüber Rußland und den anderen Staaten
schaft und Gesellschaft - nicht, weil sie perfekt, son- eine langfristige Strategie beinhaltet. Es kann Jahre
dern weil sie ein ausgezeichnetes Beispiel einer funk- dauern, bis sie vollständig greift. Dies war der Schlüssel zu unserem Erfolg im Kalten Krieg. Wir hatten auf
tionierenden Demokratie sind.
lange Sicht geplant, wir wollten nicht jeden Tag einen
Sieg
davontragen, wir wußten nicht in allen EinzelheiViertens müssen unsere Investitionen in Reformen
ten,
welche
Entwicklungen sich in den anderen LänTeil einer Partnerschaft zwischen allen neuen unabdern
vollziehen
würden. Wir hatten eindeutige Prinzihängigen Staaten in der internationalen Staatengepien,
eindeutige
Interessen, eindeutige Werte, eine
meinschaft sein. Sie müssen im Einklang mit Maßnaheindeutige
Strategie,
und wir hatten auf lange Sicht
men unserer Verbündeten durchgeführt werden, von
geplant.
denen viele ein zumindest ebenso großen Interesse
am Überleben der russischen Demokratie haben wie
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AMERIKA DIENST 14

�Als die Sowjets eine Abkehr vom Terror Stalins zum
Tauwetter unter Chruschtschow, zu den grauen Tagen
unter Breschnew, zur Perestrojka unter Gorbatschow
vollzogen, blieb unser Ziel immer konstant: Eindämmung, Abschreckung, Freiheit des Menschen. Unser
Ziel muß heute ebenso eindeutig definiert sein. Vor
allem anderen unsere Sicherheit und die unserer
Verbündeten, aber auch Demokratie, Marktwirtschaften, Menschenrechte und Respektierung des Völkerrechts. In diesem Zusammenhang begrüße ich Präsident Jelzins Zusicherung, daß bürgerliche Freiheiten
und die Konituität der russischen Au ßenpolitik gewahrt
werden, während Rußland danach strebt, seine Zukunft selbst zu bestimmen.

sind sich bewußt, daß dynamische Kräfte freigesetzt
würden, wenn es den Menschen einmal mehr gestattet
würde, sich des Wertes und der Bedeutung der Freiheit bewußt zu werden." Das Wunder des Wohlstands, das Japan, Korea und Deutschland vollbracht
haben, erwartet diejenigen, die demokratische und
wirtschaftliche Reformen in Rußland und den Nachbarstaaten durchstehen wollen. Ich bin davon überzeugt und hoffe, dasselbe gilt für Sie.

Trotz der heutigen Schwierigkeiten habe ich großes
Vertrauen, daß die russischen Reformen andauern
und eines Tages Erfolg haben werden. Ich möchte hier
das russische Volk direkt ansprechen, das meine
Worte liest oder hört. Sie sind ein Volk, das patriotiDer von Rußland und den anderen Staaten einge- schen Kampf versteht. Sie haben unter einem unerschlagene Weg zu Reformen wird hart sein. Die von bittlichen Klima durchgehalten. Ihre gesamte Geihnen verfolgte Politik mag heute besonders tumultar- schichte war von einem für das amerikanische Volk
tig erscheinen, teilweise, weil sie sich dank des Fern- ungekannten Ausmaß an Leid gekennzeichnet. Sie
sehens und der anderen Massenmedien so viel stärker haben heldenhaft mörderischen Invasionen von Napoin der Öffentlichkeit vollzieht als in den vergangenen leon und Hitler widerstanden. Ihre große Literatur und
Jahrzehnten. Damals hatte der Herrscher im Kreml Ihre Musik, die unsere eigene Kultur so sehr bereichert
nur Untertanen, heute hat der Herrscher im Kreml hat, wurden mit der Feder der Sehnsucht und der Tinte
Wähler - ebenso wie ich -, und das ist sehr viel des Schmerzes komponiert. Ihre Leistungen in den
komplizierter. Wir müssen über jede Abkehr von der Bereichen Bildung und Wissenschaft sind Zeugnis
Demokratie besorgt sein, aber nicht über jede Kinder- Ihres Glaubens an den Fortschritt. Und jetzt, während
krankheit der Demokratie.
Sie versuchen, eine große Zukunft für Ru ßland auf der
Grundlage von Demokratie und Handel aufzubauen,
Ich möchte Sie an unsere eigene frühe Geschichte spreche ich für Amerikaner überall auf der Welt, wenn
erinnern. Sie war von der Überarbeitung unserer ich sage: Wir sind bei Ihnen. Denn wir haben ein
Regierungscharta und handgreiflichen Auseinander- gemeinsames Band: Der Schlüssel zu unserer Zusetzungen im Kongreß gekennzeichnet. Wie Vaclav kunft ist nicht das Festhalten an der Vergangenheit,
Havel feststellte, ist Demokratie nicht Schicksal, son- sondern der Mut zum Wandel.
dern ein Horizont, auf dem Weg zu dem wir kontinuierliche Fortschritte erzielen. Führen Sie sich vor Augen, Während wir uns die Herausforderungen für Rußland
wie lange es von der Unterzeichnung der Unabhängig- betrachten, sollten wir uns alle daran erinnern, daß das
keitserklärung bis zur Formulierung einer wirklich neuen amerikanische und das russische Volk sehr viel geVerfassung und der Wahl des ersten Präsidenten meinsam haben. Wir sind beide fest in unserem Land
gedauert hat, dann können Sie nicht so ungeduldig verwurzelt. Wir sind beide auf ein vielfältiges Erbe
über das sein, was in der kurzen Zeit von Gorbatschow gegründet. Wir kämpfen beide für immer mit der
zu Jelzin und der gegenwärtigen Krise geschehen ist. Verantwortung, die ein großes Territorium und Macht
Solange Reformer in der Russischen Föderation und mit sich bringen. Wir mußten beide in enormem
den anderen Staaten den Weg zum demokratischen Ausmaß mit den Unzulänglichkeiten der menschlichen
Horizont leiten, muß unsere Strategie in ihrer Unter- Natur fertigwerden. Dies mag der Grund sein, warum
stützung bestehen. Und unser Platz muß an ihrer es zwischen unseren Völkern so wenig Haß gegeben
Seite sein.
hat, selbst über die Jahrzehnte hinweg, als wir Waffen
alptraumartiger Vernichtungskraft gegen das Land
Darüber hinaus dürfen wir und das russische Volk nicht des anderen gerichtet hatten.
an den Reformen nur wegen des langsamen Tempos
der wirtschaftlichen Erneuerung verzweifeln. Erinnern Ebenso wie in der Vergangenheit ist die Zukunft Amerikas
Sie sich einen Moment lang, wie viele der wirtschaftli- heute in wesentlicher Hinsicht mit der Rußlands verchen Erfolgsgeschichten der Welt zu schnell abge- bunden. Während des Kalten Krieges war dies negaschrieben wurden. Besucher aus dem Westen taten tiv. Wir sahen in dem anderen nur Gefahr. Nun, da die
die wirtschaftlichen Aussichten Japans im Jahr 1915 Mauern niedergerissen sind, können wir Hoffnung und
als trübe ab. Koreas Wirtschaft wurde von amerikani- Chancen sehen.
schen Experten 1958 als "hoffnungsloser Fall" beschrieben. Und sehen Sie sie sich heute an. Viele Letztlich gründet sich unsere Hoffnung für die Zukunft
Deutsche erwarteten nach dem Zweiten Weltkrieg der russischen Reformen schlicht und einfach auf
Jahrzehnte nationaler Armut. Ein deutscher Wirt- unseren Glauben an die Institutionen, die unsere eigeschaftsminister stellte nach dem Krieg fest: "Wenige ne Freiheit und unseren Wohlstand gesichert haben.
Sie gründet sich jedoch auch auf das russische Volk.
AMERIKA DIENST 14

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�Die Vielfalt seiner bisherigen Leistungen berechtigt
uns zu der Hoffnung, daß es unterschiedliche Möglichkeiten für die Zukunft gibt. Die Vitalität des russischen
Journalismus und öffentlicher Debatten heute läßt uns
hoffen, daß die große Tradition der Wahrheitsfindung
der russischen Kultur Bestand haben wird und Rußlands antidemokratische Demagogen auf lange Sicht
nicht überdauern werden - und es in der Tat nicht
dürfen. Die Disziplin des russischen Militärs, die im
August 1991 und danach erneut unter Beweis gestellt
wurde, berechtigt uns zu der Hoffnung, daß sich der
Umbruch in Rußland weiterhin friedlich vollzieht.

*

Seite 8

*

Vor fünfzig Jahren, in einer anderen Periode historischer Herausforderungen für Rußland, schrieb die
große russische Dichterin Anna Achmatowa: "Wir
wissen, was jetzt auf dem Spiel steht und was im
Augenblick geschieht. Die Stunde des Mutes hat
geschlagen, und der Mut wird uns nicht verlassen."
Die heute vor unserer Nation liegende Chance ist die
Antwort auf den mutigen Ruf nach russischen Reformen als Ausdruck unserer eigenen Werte, als Investition in unsere eigene Sicherheit und unseren Wohlstand sowie als Demonstration unserer Ziele in einer
neuen Welt.
• *

AMERIKA DIENST 14

�AUSSENPOLITIK
7. April 1993

KEINE MILDERE HALTUNG DER USA
GEGENÜBER SADDAM HUSSEIN
Christopher bezeichnet Iran als international geächtet
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher
hat am 30. März 1993 gewarnt, die Handlungen Präsident Saddam Husseins würden schlimmer, nicht besser. Der Minister bestritt gleichzeitig, daß die Vereinigten Staaten ihre Haltung gegenüber dem Irak "gemildert" hätten.
Gleichzeitig brandmarkte Christopherden Iran wegen
dessen Unterstützung des Terrorismus und seiner
andauernden Bemühungen zur Beschaffung von
Massenvernichtungswaffen als gefährlichen "international Geächteten". Ergab sich zuversichtlich, daß die
Nahost-Friedensverhandlungen in Washington in diesem Monat planmäßig wiederaufgenommen würden.
Christophers Äußerungen erfolgten im Rahmen einer
Befragung durch den Unterausschuß des Senats zur
Bewilligung auswärtiger Vorhaben im Rahmen einer
Haushaltsanhörung.

Darüber hinaus erklärte er, bei seiner kürzliehen Reise
in den Nahen Osten sei er "wirklich ziemlich überrascht
von dem Ausmaß der Ängste und Sorgen gewesen,
die alle Staaten des Nahen Ostens im Hinblick auf den
Iran hatten. Ich war besorgt, es könne dort vielleicht
eine Tendenz geben, diese Gefahr zu verharmlosen,
traf jedoch keine solche Haltung dort an. Es bestand
eine Art gleichmäßiger Sorge über den Iran und den
Irak."
"Wir gehen davon aus, daß der Iran einerder Hauptunterstützer terroristischer Gruppen in aller Welt ist",
äußerte er. Auf eine Frage zu einem der Weltbank
vorliegenden Kreditantrag des Iran erklärte Christopher: "Der Iran verdient die Unterstützung der Weltbank nicht, und wir vermitteln diese Ansicht unseren
Verbündeten und Freunden."

Er verwies darauf, einige Regierungen könnten der
Möglichkeit von Reformen im Iran größere Bedeutung
Die Vereinigten Staaten fordern, daß der Irak alle beimessen. "Ich habe das Gefühl, einige unserer
Resolutionen der Vereinten Nationen erfüllt, die aus Verbündeten könnten durch Möglichkeiten wirtschaftder Invasion in Kuwait und dem folgenden Krieg her- licher Gewinne über Gebühr beeinflußt werden",
rühren, erklärte er vor dem Gremium. Die einzige komentierte Christopher. "Mein eigener Eindruck läuft
Veränderung in der amerikanischen Haltung sei das darauf hinaus, es besteht die wachsende Einsicht, daß
Bestreben, sie zu "entpersonifizieren, um zu gewähr- der Iran zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein gefährliches
leisten, daß nicht nur Saddam Hussein, sondern auch Land ist."
seine Nachfolger diese Resolutionen einhalten müssen", stellte er fest.
Mit dem Hinweis, daß die beiden Schirmmächte des
Nahost-Friedensprozesses, die Vereinigten Staaten
Der Minister äußerte, es gebe "in der Praxis keine und Rußland, die Parteien eingeladen haben, ihre
Unterschiede" zwischen der Politik der Clinton-Admi- Gespräche am 20. April 1993 in Washington wiedernistration und der des ehemaligen Präsidenten Bush aufzunehmen, teilte Christopher dem Unterausschuß
"mit der Ausnahme, daß wir eine kontinuierliche Stoß- mit, er sei "ziemlich zuversichtlich, daß die Verhandrichtung befürworten und nicht (auf Saddam Hussein) lungen zu diesem Termin wiederaufgenommen werbeschränkt sein wollen".
den".
"In gewisser Weise mache ich mir über seine Nachfolger ebensoviel Sorgen wie über ihn", teilte Christopher
den Senatoren mit. "Für mich ist es undenkbar, daß er
diese Resolutionen befolgen und an der Macht bleiben
könnte. Deshalb hoffe ich, daß wir durch die Durchsetzung dieser Resolutionen seinen Abschied von der
Macht sicherstellen werden."
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Er erklärte, alle bilateralen Verhandlungen in den arabisch-israelischen Gesprächen seien wichtig. "Die
Beziehungen zwischen Syrien und Israel sind von
entscheidender Bedeutung", räumte er ein und fügte
hinzu, die "grundsätzliche Frage" bei diesen Verhandlungen sei die Bereitschaft Israels, sich im Gegenzug

Seite 1

�für Syriens Bereitschaft zur Gewährleistung eines Truppen den Libanon verlassen. Meines Erachtens
umfassenden Friedens mit Israel von den Golanhöhen hängen diese Dinge sehr stark zusammen."
zurückzuziehen.
Auf Fragen antwortete Christopher, es gebe "keine
Christopher betonte, die Rolle der Vereinigten Staaten Sache, die gut genug ist, um den Terrorismus zu
werde die eines "vollständigen Partners im Sinne eines rechtfertigen, den wir in aller Welt feststellen. Unsere
Vermittlers sein, einer Person, die versucht, als ehrli- Suche nach Frieden im Nahen Osten ist die beste
cher Makler zu fungieren. Und es wird den Parteien Lösung für die bestehenden grundlegenden Probleselbst obliegen zu definieren, was die entscheidenden me."
Probleme sind."
Auf eine Frage zu Hamas, der islamischen Fundamen"Meines Erachtens kann 1993 ein Jahr großer Fort- talistengruppe, die in den besetzten Gebieten aktiv ist,
schritte im Nahen Osten sein", erklärte der Minister erklärte Christopher, sie sei "in so viele verschiedene
und stellte fest, seine Reise in die Region im Februar Terrorakte verstrickt", daß das Außenministerium
habe bei ihm den "unauslöschlichen Eindruck" hinter- "Versuche eingestellt hat, überhaupt mit ihnen Gelassen, alle Entscheidungsträger in der Region "wollen spräche zu führen". Die "vorliegenden Beweise" deuzum Friedensprozeß zurückkehren, weil sie davon teten darauf hin, daß die Aufgabe der Hamas darin
ausgehen, daß dies ein historischer Moment, eine besteht, den Friedensprozeß auf jede erdenkliche
vielleicht einmalige Chance ist".
Weise zu untergraben.
Er führte dies auf eine Reihe von Ursachen zurück,
darunter die Führungen der einzelnen Länder, ihr Alter
und ihre Erfahrung auf internationaler Ebene sowie die
"enorme Frustration wegen der Welle von Gewalt", die
das Gebiet erfaßt habe.
"Ich prognostiziere keine endgültigen Lösungen" in
den kommenden sechs Monaten", stellte Christopher
fest, "aber meines Erachtens befinden wir uns wirklich
in einem Umfeld, in einer Atmosphäre, in der wir
wahrscheinlich einen großen Schritt weiterkommen."
Der Minister erwähnte, er sei am vorausgegangenen
Wochenende mit palästinensischen Vertretern zusammengetroffen und äußerte, seiner Ansicht nach "erkennen sie an, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,
im Sinne eines Vermittlers als vollständiger Partner zu
wirken, daß wir ihnen bei der möglichen Lösung ihrer
Probleme behilflich sein können. Deshalb gehe ich
davon aus, sie werden an den Verhandlungstisch
zurückkehren."
Wegen ihrer "ziemlich einzigartigen Führungsstruktur"
sei es nicht leicht, mit den Palästinensern zusammenzuarbeiten. Er habe jedoch Anzeichen dafür erkannt,
daß sie die Fragen substantiell behandelten und wir
"nicht nur aneinander vorbei redeten".
Christopher stellte fest, er habe bei seinem Besuch in
Damaskus "insbesondere die Frage des Rückzuges
der syrischen Truppen aus dem Libanon betont". Wenn
es der Nahost-Friedensprozeß dem Libanon gestattet,
ein Friedensabkommen mit Israel zu erlangen und
Syrien und Israel dasselbe tun können, "dann wird die
Möglichkeit erheblich verstärkt, daß die syrischen

Die arabischen Regierungen machten sich ernste Sorgen
über die terroristischen Aktivitäten extremistischer
Gruppen. "Es ist kein religiöses Problem", betonte der
Minister. "Es ist ein terroristisches Problem."
Die Vereinigten Staaten beabsichtigten im am 1. Oktober beginnenden Haushaltsjahr 1994 keine Kürzungen der Hilfe an Israel, Ägypten "oder die anderen
Nahoststaaten" wegen ihres Bedarfs sowie ihrer Bedeutung für den Friedensprozeß.
Christopher erklärte, "die Zeit ist gekommen, das
Embargo gegen Libyen zu verschärfen", um die Einhaltung der Resolution des UN-Sicherheitsrates zu
erzwingen, die Maßnahmen in Zusammenhang mit
dem Bombenanschlag auf eine Pan-Am-Maschine
über Lockerbie verlangt. Die Vereinigten Staaten
haben ihm zufolge Konsultationen mit ihren Verbündeten über Möglichkeiten aufgenommen, dies zu erreichen, und "eines unserer Vorhaben, das wir erörtern
möchten, ist ein Ölembargo."
Christopher verlieh seiner Frustration über die Lage
Ausdruck und erklärte, Libyen sende ständig indirekte
Signale aus, daß es Wege zur Lösung des Problems
gebe und "ich weiß nicht wie viele Personen schon zu
uns gekommen sind und erklärt haben, sie wollten als
Vermittler fungieren".
Er äußerte jedoch: "Wir benötigen keinen Vermittler.
Was wir benötigen, ist die Einhaltung der UN-Resolutionen. Sie wissen, wie man sie einhält, und meines
Erachtens sollten sie sie einhalten, und wir sollten die
Sanktionen verschärfen. Meines Erachtens ist genug
Zeit verstrichen."

* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 14

�VERTEIDIGUNG
7. April 1993

ASPIN SKIZZIERT VERTEIDIGUNGSHAUSHALT FÜR 1994
Veröffentlichung des Verteidigungsministeriums - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Aspin hat am 27. März 1993 das 250,7 Milliarden Dollar
umfassenden Verteidigungsbudget für das Haushaltsjahr 1994 vorgelegt und festgestellt, dieser Haushalt werde
die noch aus der Zeit des Kalten Krieges existierenden militärischen Mittel abbauen und beginnen, "die neuen
Fähigkeiten zu beschaffen, die wir benötigen, um den neuen uns konfrontierenden Gefahren zu begegnen".
In einer Presseveröffentiichung des Verteidigungsministeriums betonte Aspin jedoch, die Reduzierung von
Truppen allein sei nicht ausreichend. Die Sicherheit der Vereinigten Staaten erfordere "den Erwerb der richtigen
Streitkräfte für die richtigen Aufgaben der Zukunft".
Zu den Schlüsselelementen der neuen Verteidigungsplanung Clintons gehören Erhaltung der Einsatzbereitschaft und Qualität der amerikanischen Streitkräfte, Abbau des Überhangs ausdemdes Kalten Krieg, Einführung
effektiverer hochmoderner Waffensysteme sowie die Setzung neuer Schwerpunkte bei strategischen Verteidigungssystemen zur Bewältigung existierender Bedrohungen.
Der Minister schlug weder neue noch die Einstellung bestehender Waffenprogramme vor, forderte jedoch zum
ersten Mal neue Mittel, um die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen einzudämmen, sowie Gelder für
Friedenssicherungsoperationen.
Darüber hinaus werden Mittel beantragt, um die Entnuklearisierung in der ehemaligen Sowjetunion zu unterstützen und Kontakte zwischen Militärs der Vereinigten Staaten und Streitkräften in aller Welt auszuweiten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Papier des Verteidigungsministeriums.

Präsident Clintons am 27. März 1993 veröffentlichtes
Verteidigungsbudget für das Haushaltsjahr 1994 unternimmt die ersten Schritte zur Verwirklichung der
Vision des Präsidenten von einer neuen Sicherheit für
das Zeitalter nach dem Kalten Krieg.
"Dies ist in vielerlei Hinsicht der erste echte Haushalt
für die Zeit nach dem Kalten Krieg", erklärte Verteidigungsminister Les Aspin bei der Bekanntgabe der
Haushaltsvorlage. "Er reduziert die Streitkräfte des
Karten Krieges und beginnt, die neuen Fähigkeiten zu
beschaffen, die wir benötigen, um den neuen uns
konfrontierenden Gefahren zu begegnen."
Für das Haushaltsjahr 1994 werden in dem vorliegenden Budget 250,7 Milliarden Dollar an Ausgabenermächtigungen für das Verteidigungsministerium vorgeschlagen. Für die Haushaltsjahre 1994 bis 1997
möchte Präsident Clinton gegenüber dem von der
vorherigen Administration angesetzten Basiswert weitere
88 Milliarden Dollar einsparen. Innerhalb dieses reduzierten Haushalts werden trotzdem zusätzliche Mittel
AMERIKA DIENST 14

für Initiativen bereitgestellt, die auf vier sich heute
abzeichnende Gefahren des neuen Zeitalters abzielen:
regionale Bedrohungen amerikanischer Interessen;
die wachsende Bedrohung durch die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen;
das Scheitern demokratischer Reformen, insbesondere in der ehemals sowjetischen Welt;
die anhaltende konjunkturelle Schwäche im Inland.
Dieser Haushalt beginnt, durch das Ende des Kalten
Krieges freigesetzte Ressourcen zu benutzen, um im
Inland zu helfen. Der Präsident hat klargestellt, daß
die Hauptbedrohung für uns ein Scheitern bei der
Wiederbelebung unserer Wirtschaft ist. Wenn wir im
Inland nicht stark sind, können wir unsere Interessen
im Ausland nicht verteidigen", erklärte Aspin.
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�Verteidigungsminister Aspin erläuterte, das Budget
werde den technologischen Vorsprung der Vereinigten
Staaten bewahren und gewährleisten, daß eine zahlenmäßig kleinere Streitmacht weiterhin aus hervorragenden Männern und Frauen besteht. "Unsere neue
Sicherheit läßt sich nicht nur durch den Abbau von
Streitkräften herstellen. Unsere Aufgabe besteht darin,
die richtigen Streitkräfte für die richtigen Aufgaben der
Zukunft zu beschaffen. Dieser Haushalt beginnt, das
zu leisten, und er stellt die Ausrüstung und Ausbildung
bereit, die unsere Streitkräfte weiterhin zu den besten
der Welt machen werden."

Streitkräfte für friedenssichernde und humanitäre
Operationen sowie andere internationale Bestrebungen bereit sind.
Zu den spezifischen, auf regionale Gefahren zugeschnittenen Initiativen des Haushaftsjahres 1994 zählen:
398 Millionen Dollar für einen neuen Etat zur
Deckung möglicher Kosten von friedenssichemden, humanitären und Katastrophenhilfeoperationen.

Besondere Betonung strategischer Mobilität und
Der Minister stellte fest, man habe eine gründliche
militärischer Machtverlagerung, das heißt, die
Bestandsaufnahme von Verteidigungserfordernissen
vollständige Finanzierung eines sechsten amund -Programmen eingeleitet, die im Spätsommer
phibischen Landungsschiffes LHD sowie Entabgeschlossen werden solle. Sie werde detaillierte
wicklung der V-22 Osprey.
Leitlinien für die Umgestaltung der Verteidigung liefern
und im nächsten Februar mit dem Budget für das Massenvernichtungswaffen
Haushaltsjahr 1995 sowie dem Verteidigungsprogramm
für die künftigen Jahre 1995-99 (Future Years Defense Die zweite Gefahr geht von potentiell feindseligen
Regimen aus, die nukleare oder andere MassenverProgram - FYDP) ihren Höhepunkt finden.
nichtungswaffen sowie deren Trägersysteme besitzen
Initiativen und Strategien zur Bewältigung neuer oder beschaffen. Um dieser Gefahr entgegenzutreGefahren
ten, beabsichtigt die Administration die Bemühungen
zur Eindämmung der Weiterverbreitung von MassenAb dem Haushaltsjahr 1994 wird der Schwerpunkt der vernichtungswaffen und deren Trägersystemen zu
Verteidigungsbudgets auf Initiativen und Strategien intensivieren, die sichere Zerlegung von Massenverzur Bewältigung der vier Gefahren liegen, die Minister nichtungswaffen in der ehemaligen Sowjetunion zu
Aspin in dem neuen globalen Sicherheitsumfeld betont unterstützen sowie bessere Abwehrsysteme gegen
hat.
ballistische Raketen zu entwickein. Um eine glaubwürdige Abschreckung aufrechtzuerhalten, müssen
Regionale Sicherheit
die Vereinigten Staaten darüber hinaus starke atomaMit dem Zerfall der Sowjetu nion sind Bedrohungen der re Streitkräfte beibehalten.
Stabilität in Schlüsselregionen auf der ganzen Welt
zum militärischen Hauptanliegen der Vereinigten Staa- Zu den spezifischen, auf diese Gefahren zugeschnitten geworden. Zu den Beispielen für diese Bedrohun- tenen Haushaltsmitteln gehören:
gen gehören regionale Aggressoren wie der Irak,
40 Millionen Dollar für Maßnahmen zur Beethnisch und religiös motivierte Bürgerkriege wie im
kämpfung der Weiterverbreitung, darunter Exehemaligen Jugoslawien, die massives Leid verurportkontrollen, technologische Sicherheit und
sacht haben und sich potentiell über Grenzen ausbreiForschungsvorhaben.
ten können sowie der Zusammenbruch der bürgerlichen und sozialen Ordnung, wie etwa in Somalia.
400 Millionen Dollar für die Fortsetzung und
Ausdehnung der im Rahmen des Nunn-LugarUm diesen Gefahren gerecht zu werden, wird die
Gesetzes eingeleiteten Bemühungen, auf kooHauptaufgabe der Administration darin bestehen, die
perativer Grundlage die Bedrohung durch
hohe Einsatzbereitschaft und Qualität der amerikaniMassenvernichtungswaffen in der ehemaligen
schen Streitkräfte aufrechtzuerhalten. Dies wird
Sowjetunion zu reduzieren.
gewährleisten, daß sie in der Lage sind, Krisenherde
rasch und mit überwältigender Macht zu erreichen, um
3,8 Milliarden Dollar für ein SDI-Programm mit
mit der Hilfe von verbündeten und befreundeten Staaneuen Schwerpunkten.
ten Aggressionen abzuschrecken und gegebenenfalls
niederzuschlagen. Clintons Verteidigungsplanung wird Demokratische Sicherheit
darüber hinaus überschüssige Bestände aus dem
Kalten Krieg abbauen, um aus jedem für den Verteidi- Die Verbreitung der Demokratie in aller Welt untergungshaushalt veranschlagten Dollar den größtmögli- stützt die Sicherheit der Vereinigten Staaten und förchen militärischen Wert zu ziehen. Er wird die ameri- dert weltweite Stabilität und Wohlstand, der allen Völkanischen Streitkräfte so ausrüsten, daß sie effektiver kern zugutekommen kann. Eine Hauptsorge der
werden und ihre technologische Überlegenheit be- Vereinigten Staaten gilt der möglichen Rückkehr gegwahren sowie sicherstellen, daß die amerikanischen nerischer autoritärer Regime, besonders in der ehemaligen Sowjetunion.
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AMERIKA DIENST 14

�Die Clinton-Administration wird energisch handeln, um
demokratische Reformen zu fördern. Zu den Initiativen zählen erneute Bestrebungen zur Bildung von
Sicherheitspartnerschaften mit Rußland, der Ukraine
und anderen Staaten sowie zur Verbesserung unserer
militärischen Bindungen mit den aufstrebenden Demokratien in Osteuropa. Darüber hinaus werden 50
Millionen Dollar beantragt, um Bemühungen zur Institutionalisierung und Erweiterung der militärischen
Kontakte mit anderen Staaten zu unterstützen, die
ausländische Offiziere mit demokratischen Traditionen in Berührung bringen. Hilfreich werden ferner die
Bemühungen sein, zur Entmilitarisierung der Volkswirtschaften der Nichtnuklearstaaten der ehemaligen
Sowjetunion und Osteuropas beizutragen.

Reduzierungen zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts
Einschnitte in die Streitkräftestruktur sind Bestandteil
des Plans des Verteidigungsministeriums zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts beim Einsatzkonzept der Vereinigten Staaten und zur Vermeidung
einer hohlen Streitmacht. Das Ziel ist der selektive
Abbau von Streitkräften sowie die Unterstützung dieser Streitkräfte, um ein zwischen diesen Elementen
ausgewogenes Einsatzkonzept aufrechtzuerhalten.

Der Haushalt für 1994 beschleunigt die geplanten
Streitkräftereduzierungen. Vom Haushaltsjahr 1993
bis 1994 werden die Kampfschiffe der Marine von 443
auf 413, Flugzeugträger auf 12, die aktiven Divisionen
des
Heeres von 14 auf 12 und die Jagdgeschwader der
Wirtschaftliche Sicherheit
Luftwaffe von 28 auf 24 reduziert. Im Einklang mit
Präsident Clinton hat unterstrichen, daß die wirtschaft- START wird die Administration weiterhin den Umfang
liche Sicherheit der Vereinigten Staaten von zentraler und die Zusammensetzung unserer strategischen
Bedeutung für ihre generelle Sicherheit ist. Das Ver- Streitkräfte anpassen, zu denen Interkontinentalraketeidigungsministerium wird einen wichtigen direkten ten (ICBMs), unterseebootgestützte ballistische RaBeitrag zur Stärkung der amerikanischen Wirtschaft keten und Bomber zählen.
leisten. Im Einklang mit den militärischen Bedürfnissen der Vereinigten Staaten und abnehmenden Be- Im Haushaltsjahr 1994 wird die Truppenstärke der
drohungen werden die Verteidigungsausgaben ge- Vereinigten Staaten in Europa auf 133.700 Mann
kürzt, tragen so zum Defizitabbau bei und setzen Mittel abgebaut. In den Haushaltsjahren 1993 und 1990
für Investitionen in Wirtschaftswachstum frei. Die betrug der Umfang noch 164.000, beziehungsweise
Administration strebt eine Abzweigung von Mitteln aus 304.000. Der Kongreß hat biszum Haushaltsjahr 1996
dem Verteidigungsbereich - für Stützpunkte, Rüstungs- eine Obergrenze von 100.000 amerikanischen Soldaindustrien und Personal -, die durch das Ende des ten in Europa vorgeschrieben.
Kalten Krieges überflüssig geworden sind, zur Erfül- Gewährleistung technologisch überlegener Streitlung innenpolitischer Bedürfnisse an. Um dies in kräfte
Angriff zu nehmen, sieht der Haushaltsentwurf für
1994 700 Millionen Dollar vor, um Menschen und Der Golfkrieg hat bewiesen, daß der operative VorGemeinden den Übergang zu einer Volkswirtschaft sprung der Vereinigten Staaten durch ausgezeichnete
nach dem Kalten Krieg zu erleichtern. Das Verteidi- Ausbildung und technisch moderne Waffen entscheigungsministerium hat ferner 1 Milliarde Dollar zur dend ist. Durch diesen Vorsprung wurde der Sieg bei
Förderung von Mehrzwecktechnologien bereitgestellt, gleichzeitiger Begrenzung derZahl von Opfern und der
mit denen die Vermarktung von Forschung und Ent- Länge des Konflikts errungen. Um diesen Vorsprung
wicklung im Verteidigungsbereich erleichtert werden bis zum Abschluß der gründlichen Bestandsaufnahme
soll.
aufrechtzuerhalten, sieht der Haushaltsplan für 1994
die selektive Modernisierung entscheidender WaffenErhaltung der Einsatzbereitschaft und Qualität systeme vor, die auch die Basis der amerikanischen
der Streitkräfte
Rüstungsindustrie gewährleisten werden:
Das Ende des Kalten Krieges gestattet einen maßgebGepanzerte Streitkräfte (M-1-Panzer, Modernilichen Abbau der amerikanischen Streitkräfte. Aber
sierung des Schützenpanzers Bradley)
neue Arten von Sicherheitsbedrohungen erfordern,
daß die Streitkräftestruktur der Vereinigten Staaten
Hubschrauber des Heeres (Blackhawk)
nicht nur eine abgespeckte Version der vorherigen ist.
Kampfflugzeuge der Luftwaffe (F-16)
Das Ziel sollten Streitkräfte mit flexiblen und entscheidenden Fähigkeiten sein, die zur Durchführung größeOberflächenzerstörer (DDG-51 AEGIS-bestückrer regionaler Operationen wie Wüstensturm geeignet
te
Zerstörer)
sind. Reduzierungen im Verteidigungsbereich müssen klug vorgenommen werden, damit nicht nur eine
Strike-Flugzeuge der Marine (Modernisierung
"hohle Streitmacht" übrigbleibt. Dies beinhaltet besondes F-14-Jagdbombers)
dere Sorgfalt bei der Gewährleistung der Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte, eines angemessenen
Lufttransportflugzeuge (C-17)
Gleichgewichts zwischen Streitkräften und InfrastrukVorbehaltlich der Ergebnisse der Bestandsaufnahme
tur sowie der Quantität unserer Truppen.
gewährleistet der Haushaltsentwurf für 1994 auch die
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�Entwicklung von Waffensystemen der nächsten Generation:
Taktische Fliegertruppe (F-22, F/A-18 E/F und
A/F-X)
Heeresflieger (leichter Hubschrauber Comanche)

vanced Research Project Agency - ARPA) wird das
Programm verwalten. Nach der im Februar 1993
vorgenommenen Haushaltsüberprüfung des Verteidungsministeriums wurden zusätzlich 420 Millionen
Dollar für das ARPA und zur Finanzierung von Bestrebungen im Mehrzweckbereich bereitgestellt.
Konzentration von SDI auf echte Bedrohungen

Angriffs-Unterseeboote (Centurion)

Die Clinton-Administration hat den Schwerpunkt des
SDI-Programms
verlagert. Höchste Priorität hat jetzt
Weltraumsysteme (MILSTAR und Spacelifterdie
kriegsschauplatzgebundene
Raketenabwehr
Programme)
(Theater Missile Defense - TMD) unter Berücksichtigung der Konzentration des Verteidigungsministeriums
Industrielle Basis
auf regionale Konflikte und der Erfahrungen bei OpeDie grundlegende Bestandsaufnahme ist das Hauptin- ration Wüstensturm. Die Finanzierung wird von 1,1
strument, mit dem diese Administration ihren umfas- Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1993 auf 1,8 Milliarsenden Plan zur Unterstützung der Rüstungsindustrie- den Dollar in diesem Etat aufgestockt. Die zweite SDIbasis entwickeln wird. Das Ziel ist die weitere Förde- Priorität ist die nationale Raketenverteidigung (Natiorung vielversprechender Technologien und die Ge- nal M issile Defense - NM D), die im Haushaltsjahr 1994
währleistung, daß den Vereinigten Staaten die Einrich- mit 1,2 Milliarden Dollar finanziert wird.
tungen zur Verfügung stehen, Waffen unter Einbeziehung dieser Technologien zu produzieren, wenn und Folgetechnologien bilden nach wie vor einen wichtigen
falls sie benötigt werden. Im Haushalt für 1994 schlägt Aspekt des Programms mit verschiedenen modernen
sich die Unterstützung fürdie amerikanische Industrie- Systemen und zu erforschenden Konzepten. Die
basis in einer Reihe von Programmen nieder, ein- Finanzierung dieser Programme im Haushaltsjahr 1994
schließlich der Modernisierung des M-1-Panzers Ab- beläuft sich auf 400 Millionen Dollar. "Brilliant Pebbles"
rams und des Schützenpanzers Bradley.
wird auf ein Folgetechnologieprogramm begrenzt. Die
Gesamtausgaben für SDI in diesem umstrukturierten
Mehrzwecktechnologien
Programm betragen 3,8 Milliarden Dollar, ungefähr so
viel wie im Haushaltsjahr 1993.
Um die Überlegenheit der amerikanischen Streitkräfte
aufrechtzuerhalten und das Wirtschaftswachstum der Abbau der Infrastruktur des Kalten Krieges und
Vereinigten Staaten zu unterstützen, räumt die Admi- Verbesserung der Verwaltung
nistration Mehrzwecktechnologien mit ihrer möglichen
Anwendung auf die zivile Wirtschaft sowie auf militäri- Während die Vereinigten Staaten die Streitkräfte vom
sche Systeme Vorrang ein. Zu den Wirtschafts- und Niveau des Kalten Krieges zahlenmäßig reduzieren,
Technologieplänen des Verteidigungsministeriums müssen sie ihre Verteidigungsinfrastruktur mindestens
zählen Mehrzweckinitiativen im Gesamtumfang von 1 in demselben Maße abbauen. Sowohl die Verwaltung
Milliarde Dollar für das Haushaltsjahr 1994. Bereiche als auch die Verfahren müssen verbessert werden, um
besonderer Aufmerksamkeit sind hochauflösende die Ausgaben für den Überhang so gering wie möglich
Systeme, moderne Materialien, Mikroelektronik, Rönt- zu halten, womit bisher zum Aufbau militärischer Stärgenlithographie, flache Konsolen sowie Folgereinve- ke verwandte Mittel freiwerden. Die durch diese
stitionsprogramme im Verteidigungsbereich - wie die Bestrebungen freigesetzten Ressourcen sichern die
im Haushaltsjahr 1993 unter Anleitung des Kongres- militärische Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten,
ses begonnene Partnerschaft bei entscheidender reduzieren das Defizit, fördern Wirtschaftswachstum
Mehrzwecktechnologie. Das Amt des Verteidigungs- und gewährleisten die technologische Überlegenheit
ministeriums für moderne Forschungsprojekte (Ad- Amerikas.
* *

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AMERIKA DIENST 14

�GATT
7. April 1993

DIE HERAUSFORDERUNG DES WANDELS
Rede des US-Handelsbeauftragten
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom US-Handelsbeauftragten Mickey Kantor bei einem
vom EG-Ausschuß der American Chamber of Commerce in Brüssel veranstalteten Mittagessen gehaltene Rede
mit dem Titel: "Die Herausforderung des Wandels - Unsere Verantwortung für eine globale Handelsreform" im
Wortlaut.

Ich möchte meine Ausführungen mit einer Geschichte
über die amerikanische Politik beginnen, die von gewisser
Bedeutung für diejenigen von uns ist, denen die besondere Verantwortung der Erarbeitung eines neuen Rahmens für die sich abzeichnende Weltwirtschaft obliegt.

Und so blickte das amerikanische Volk in diesen
karten, dunklen Tagen des Jahres 1992 der Geschichte ins Auge, wägte ab und nahm furchtlos die Herausforderung des Wandels an. Es erkannte, daß die
bisherige Art Geschäfte zu machen nicht mehr fu nktionierte, daß Politik und Wirtschaft der Zeit des Kalten
Während des Wahlkampfs war ich Leiter der Clinton- Krieges - seien sie nun demokratisch oder republikaKampagne. Diese Tätigkeit beinhaltete ein hohes Maß nisch - keine Resonanz mehr in ihrem Leben hatten.
an Krisenmanagement und vor allem die äußerst wich- Sie wollten einen Kandidaten, der ihren Willen verkörtige Aufgabe, häufig die Pizza-Rechnung für einen perte, nach vorne zu drängen, Grenzen niederzureijugendlichen und respektlosen Wahlkampfstab zu ßen, bisherige Annahmen über Bord zu werfen.
begleichen.
Die Wähler in ganz Amerika wußten nicht, was auf sie
Es gab jedoch eine Zeit, in der dieser Stab nicht so zukam. Sie wußten jedoch, daß sie handeln mußten,
respektlos war - als unser Wahlkampf sich ernsthaften daß Amerika - komme, was da wolle - an einem
Herausforderungen gegenübersah. Für Bill Clinton Wendepunkt angelangt war. Das Ergebnis war eine
kam dieser Punkt bei den Vorwahlen in New Hamp- außergewöhnliche Demonstration der Amerikaner, daß
shire. Frühere Kandidaten haben unter ähnlichen es auf diese Wahl ankam. Sie verfolgten jede Nuance
Umständen schlappgemacht und aufgegeben.
der Kampagne. Sie machten die zweite Debatte
zwischen den Kandidaten in Richmond zu der FernDie Wähler von New Hampshire hatten ihr eigenes
sehshow mit den höchsten Einschaltquoten in der
klares Programm, worum es bei diesem Wahlkampf
amerikanischen Geschichte. Und am Wahltag gingen
gehen sollte. Ein Programm, das im Verlauf des
sie in Rekordzahlen zu den Wahlurnen, entschlossen,
Wahlkampfes in einem Bundesstaat nach dem andeeine Entscheidung zu treffen.
ren bekräftigt wurde. Sie wollten Anworten auf echte,
direkte und absolut lebenswichtige Fragen zu Gesund- Jetzt, ein Jahr später, ist vieles anders. Der Kandidat
heitswesen, Wohnraum, Arbeitsplätzen und Handel. Bill Clinton in New Hampshire ist jetzt Präsident Clinton
Es war ihnen egal, was die politischen Experten schrie- im Weißen Haus. Ein Wirtschaftsplan für Neuinvestiben. Sie verloren ihre Arbeitplätze, machten sich tionen, Defizitabbau und Wirtschaftswachstum - was
Sorgen um ihre Kinder, waren unsicher, ob die Verei- im gesamten Verlauf der achtziger Jahre praktisch
nigten Staaten sich ihres Schicksals bewußt waren. nicht zu verwirklichen war - durchläuft jetzt rasch den
Sie wußten, daß sich die Welt veränderte und waren Kongreß. Den Stillstand der Pattsituation ist durchbroabsolut sicher, daß die Vereinigten Staaten nicht vor- chen.
bereitet waren.

AMERIKA DIENST 14

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�Vor allem ist Amerika von einem neuen Geist geleitet, In seiner Rede an der American University am 26.
einem Gefühl - komme, was da wolle, so schwierig es Februar hat Präsident Clinton seine Vision der ameriauch sein mag - daß die Vertrauenskrise in Angriff kanischen Rolle in der Weltwirtschaft dargelegt. Eine
genommen und überwunden wurde.
auf seiner Überzeugung gegründete Vision, daß wir
zum dritten Mal im 20. Jahrhundert vor einer großen
Präsident Clinton hat eindeutig klargestellt, daß wir die Entscheidung stehen. "Werden wir", fragte er, "die
Geschichte abwägen und das Risiko des Wandels Fehler der zwanziger oder dreißiger Jahre wiederhoeingehen können - ungeachtet unserer Zweifel und len, uns nach innen zu wenden, oder werden wir die
Unsicherheften. Denn dies ist zweifelsohne die ge- Erfolge der vierziger und fünfziger Jahre wiederholen,
meinsame Aufgabe der EG und der Vereinigten Staa- indem wir uns nach außen wenden?"
ten.
Meines Erachtens hat es der Präsident in seiner Rede
Wir sind nicht ohne eigene Ressourcen. Demokratie, am besten auf den Punkt gebracht, als er erklärte, bei
guter Wille und politischer Weitblick bildeten von jeher unserer Handelspolitik "handelt sich nicht um eine
das Kernstück der europäisch-amerikanischen Bezie- Politik der Schuldzuweisung, sondern um eine veranthungen. Wir sollten uns vor Augen führen, daß in einer wortungsbewußte Politik. Ich werde unseren Handelsähnlichen Periode der Zweifel und des Übergangs partnern sagen, daß wir die Geschäftstätigkeit mit
unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg Europa und ihnen zu schätzen wissen, aber niemand sollte etwas
die Vereinigten Staaten sich zusammenschlössen, ohne Gegenleistung erwarten."
eine gemeinsame Vision schufen und vier Jahrzehnte
des Wirtschaftswachstums einleiteten.
Wir beabsichtigen, eine Handelspolitik durchzuführen,
die dem Standard des Präsidenten entspricht. Wir
Präsident Clinton ist der erste amerikanische Präsi- bitten unsere Handelspartner um die Zusammenarbeit
dent der Nachkriegsgeneration. Einige haben ihn als mit uns bei der Festlegung klarer und durchsetzbarer
den ersten postmodernen Präsidenten bezeichnet. Es Regeln, die den Handel erweitern, sowie um die Einist jung, energisch und vor allem progressiv. Er bringt haltung dieser Regeln, wenn sie durchgesetzt worden
eine neue Perspektive mit, eine neue Sichtweise, eine sind. Mit anderen Worten, sind sie bereit, eine neue
neue Bereitschaft, die Dynamik unserer sich wandeln- Verantwortung bei weltweitem wirtschaftlichem Wettden Welt zu nutzen. Seine Bereitschaft, die Risiken bewerb zu übernehmen und darauf hinzuarbeiten?
des Wandels zu akzeptieren, ist der neue Geist, vom
dem jeder Aspekt der amerikanischen Außen- und Gemeinsame Verantwortung ist die Bereitschaft, nach
Wirtschaftspolitik einschließlich des Handels geleitet vorne zu drängen, die erforderliche harte Arbeit zu
ist.
leisten, um das globale Handelssystem stärker zu
machen, selbst wenn dieser Fortschritt nicht in Ihrem
Die grundlegende Frage, die mir zur Handelspolitik unmittelbaren wirtschaftlichen und politischen Interesgestellt wird, lautet: Wieviel Kontinuität und wieviel se liegt. Selbst wenn dieser Fortschritt grundlegende
Wandel? Was hat sich an der amerikanischen Politik Veränderungen der Geschäftstätigkeit verlangt sowie
geändert, seit Präsident Clinton im Amt ist?
des Blickwinkels, aus dem wir uns in der Welt sehen.
Meine Antwort besteht in einer Umformulierung der
Frage. Können wir uns Kontinuität um der Kontinuität
willen leisten, während sich die Welt um uns verändert? Können wir uns einen Stillstand leisten, angesichts des massiven und unerbittlichen Wandels in
dem neuen Umfeld der Weltwirtschaft mit alten Annahmen weiterleben?
Wir haben die Wahl zwischen zwei Visionen.
Eine ist die Vision eines unveränderbaren wirtschaftlichen Kuchens, bei dem jede Nation an ihrem Stück
festhält und nicht bereit ist, bisherige Annahmen über
Bord zu werfen. Eine Wirtschaftsordnung, in der wir
jeden sich selbst überlassen, unsere Augen vor der
Realität verschließen und bestenfalls versuchen, uns
durchzulavieren.
Die zweite Vision ist, das Risiko des Wandels anzunehmen. Sich bewußt zu machen, daß globales
Wirtschaftswachstum unabdingbarer Bestandteil der
Lösung vieler der beunruhigenden Spannungen ist,
mit denen sich die Welt konfrontiert sieht.
Seite 2

Das Thema dreht sich letztlich um Richtung und
Bewegung. Handel ist dann kein Nullsummenspiel für
uns. Wir erwarten vielmehr, daß die Märkte anderer
Nationen offen für amerikanische Waren und Dienstleistungen sind. Vor allem erfordert es, daß alle
Handelspartner die Spielregeln einhalten.
Was die Handelspolitik anbetrifft, werden sich die
Vereinigten Staaten weiterhin für offene Märkte und
erweiterten Handel einsetzen. Dazu sind wir entschlossen. Wie der Präsident erklärt hat, werden wir
konkurrieren und uns nicht zurückziehen. Unsere
Handelspolitik geht von demselben Punkt aus wie
unsere Wirtschaftspolitik insgesamt: Unser Wohlstand und der unserer Kinder hängt von unserer Fähigkeit ab, auf dem Weltmarkt frei konkurrieren zu können.
Das Wachstum wird durch konzertierte Maßnahmen
der führenden Wirtschaftsmächte wiederhergestellt:
unserem Angriff auf die Haushaltsdefizite, der Bereitschaft Deutschlands zur Senkung der Zinsen, Japans

AMERIKA DIENST 14

�Bereitschaft zur Ankurbelung seiner Binnenkonjunktur. Für jeden von uns sind harte Maßnahmen mit
kurzfristigen Kosten erforderlich, um Wachstum und
Wohlstand hervorzubringen.

verpflichtungen bei Waren und Dienstleistungen ab,
über die weiter verhandelt wird.

Das dreijährige Patt zwischen dem Rest der Wert und
der EG im Agrarbereich hat die Runde gelähmt und
Bei der Wiederbelebung unserer Binnenwirtschaft stellen anderen Staaten, besonders Japan, die Fähigkeit
wir mit neuer Dringlichkeit fest, daß unsere langfristi- verschafft, sich einem sinnvollen Beitrag zum erfolggen Wirtschaftsinteressen nicht länger nationalen reichen Abschluß der Runde zu entziehen. Ohne eine
Sicherheitsanliegen untergeordnet werden können. Führungsrolle der Vereinigten Staaten und der EG
Handel wird in der Clinton-Administration als vordring- werden wir die Runde nicht abschließen, aber wir
liches Element der amerikanischen Sicherheit be- werden sie auch nicht beenden, wenn Japan sich
trachtet. Wir werden weiterhin unseren Teil dazu bei- weiterhin so verhält, als ob es an dem Ergebnis kein
tragen, das Funktionieren des internationalen Han- großes Interesse habe.
delssystems zu gewährleisten, aber wir werden auch
darauf bestehen, daß unsere Handelspartner ihren Eine erfolgreiche Runde würde einen wichtigen Vertrauensschub für eine Welt hervorbringen, die ihn bitter
Anteil der Pflichten tragen.
nötig hat. Um Erfolg zu haben, muß das Paket zum
Wir sehen die Entwicklung einer Handelspolitik, die Marktzugang erheblich aufgefüllt werden. Daneben
aktiver, vorausschauender, umfassender und flexibler muß der Dunkel-Vertragsentwurf verbessert werden.
ist - indem sie neue Anliegen im Hinblick auf die Dies gilt für solch wichtige Bereiche wie geistiges
Umwelt, Wettbewerbspolitik, internationale arbeitsrecht- Eigentum, um die faire Behandlung der Inhaber von
liche Normen, Wissenschafts- und Technologiepolitik Urheberrechten zu gewährleisten, Dienstleistunger.,
sowie den Ausbau der Produktionskapazitäten der um sicherzustellen, daß der audiovisuelle Sektor einEntwicklungsländer durch umwertverträgliches Wachs- bezogen wird, und die angemessene Berücksichtigung umweltbezogener Probleme in den einschlägitum einbezieht.
gen Texten - um nur einige Schlüsselbereiche zu
Wir hoffen, daß wir es vermeiden können, in sich nennen.
hinziehende theoretische Debatten über freien Handel
oder Protektionismus verstrickt zu werden. Dies ist ein Es reicht jedoch nicht aus, lediglich Handelsabkomsinnloses und letztlich vergebliches Unterfangen. Das men - ob bilateral oder multilateral - auszuhandeln. Wir
Programm der Clinton-Administration ist bestrebt, über engagieren uns dafür zu gewährleisten, daß unsere
das Patt der Extreme hinauszugehen, die Beschrän- Handelspartner ihre Handelsabkommen mit uns vollkung von Kategorien des entweder/oder, die Grenzen ständig durchführen. Wir werden unsere Handelspartabzustecken, anstatt sie zu durchbrechen.
ner beim Wort nehmen, weil Beständigkeit und Glaubwürdigkeit die Grundlagen des gesamten HandelssyIch möchte nun im einzelnen auf eine Reihe wichtiger stems darstellen. Aus diesem Grund erwarten wir
Fragen eingehen, mit denen sich die Europäische Verpflichtungen auf Gegenseitigkeit und vergleichbaGemeinschaft, die Vereinigten Staaten und unsere re Maßnahmen. Nur wenn wir Vertrauen ineinander
weltweiten Partner konfrontiert sehen.
haben, wenn wir sicher sein können, daß unserer
Rechte geschützt werden, können wir alle den Mut
Die Uruguay-Runde
haben, das Handelsystem zu erweitern - und das mit
Präsident Clinton engagiert sich für einen unverzügli- dem Wandel einhergehende unvermeidliche Risiko zu
chen und erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde. akzeptieren.
Der Präsident geht davon aus, daß wir die Runde auf
eine Weise abschließen können, die den Vereinigten Einer weit verbreiteten Vorstellung zufolge können wir
Staaten, der EG und der Weltwirtschaft nützt. Auf- in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht über einen
grund unserer bisherigen Gespräche glauben wir je- Ausbau des Handels verhandeln. Aber wie wir alle
doch nicht, daß wir dem Abschluß so nahe waren, wie wissen, versäumten es die beteiligten Nationen meheinige Anfang Januar berichtet haben. Ich habe Sir rere Jahre lang, die Runde abzuschließen, als das
Leon (Brittan) gesagt, unser Ziel sei ein gutes Abkom- wirtschaftliche Bild wesentlich besser aussah. Es ist
an derZeit, ebenso herkömmlichen Vorstellungen eine
men, nicht nur ein rasch abgeschlossenes.
Absage zu erteilen und die Runde abzuschließen, wie
Auch wenn ich mir der Anliegen bewußt bin, die einige Präsident Clinton althergebrachten Vorstellungen zum
meiner europäischen Kollegen im Hinblick auf eine Trotz das politische Patt in Angriff nimmt.
rasche Beendigung der Uruguay-Runde geäußert haben,
bleibt die Tatsache bestehen, daß wir keine Einigung Das Pazifische Becken
erzielen werden, bevor nicht einige wichtige Änderun- Im Gegensatz zum Rest der Welt wachsen die Volksgen am Entwurf der "Schlußakte" vorgenommen wer- wirtschaften der Pazifikanrainer (mit Ausnahme Jaden. Überdies hängt die Frage, ob wir ein Abkommen pans) rasch. Die Clinton-Administration hat vehemenerreichen können, sehr stark von den Marktzugangs- tes Interesse an Möglichkeiten, unsere Handels- und

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�Investmentbeziehungen mit dieser dynamischen Regbn
auszubauen. Dieses Jahr führen die Vereinigten Staaten
den Vorsitz im aus 15 Staaten bestehenden AsiatischPazifischen Forum für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) und werden Gastgeber des APEC-Ministertreffens sein. Wir werden diese Gelegenheit nutzen, um das APEC als Institution zu stärken und eine
nach außen gerichtete, den Handel erweiternde regionale Wirtschaftsstrategie zu fördern.
Die Europäische Gemeinschaft

wirtschaftlichen Zielen der Administration - gutbezahlten Arbeitsplätzen und mehr Wohlstand für unsere
Arbeitnehmer, Unternehmen und Gemeinden - eng
verknüpft.
Inzwischen haben mehrere Staaten in Südamerika
ehrgeizige Reformen durchgeführt. Sie bauen ihre
Haushaltsdefizite ab, reduzieren ihre Auslandsschulden und öffnen ihre Volkswirtschaften dem weltweiten
Wettbewerb. Präsident Clinton hat erklärt, daß ein
Erfolg beim NAFTA den Handel erweiternden Arrangements mit anderen marktorientierten Ländern in der
westlichen Hemisphäre den Weg ebnen könnte.

Unsere Handelsbeziehungen mit der Europäischen
Gemeinschaft gehören nach wie vor zu den wichtigsten der Welt und sind für die Integrität und Vitalität des Während wir gemeinsam Fortschritte erzielen, müsmultilateralen Handelssystems entscheidend. Wir sind sen wir sowohl Willensstärke als auch Optimismus
füreinander die größten Handelspartner.
besitzen. Willensstärke ist erforderlich für den Abschluß von Handelsabkommen, die sich mit AngeleDie Evolution des EG-Binnenmarkts ist in den letzten genheiten befassen, die zu lange schwelen konnten
Jahren zu einem hervorstechenden Merkmal unserer und wachsende Spannungen verursachten.
Handelsbeziehungen mit der EG geworden. Wir haben
die europäische Initiative zum Abbau interner Han- Sicherlich werden wir Meinungsverschiedenheiten
delsschranken zwischen 12 unserer wichtigsten Han- haben. Diese sollten uns jedoch niemals davon abhaldelspartner begrüßt, mit der ein Binnenmarkt geschaf- ten, unser Augenmerk der wichtigsten Herausfordefen wird, der in seiner Größe mit unserem eigenen rung zu widmen: In dieser Zeit historischer Verändevergleichbar ist. Wir bestehen jedoch darauf, daß rungen das Risiko des Wandels zu akzeptieren und die
Gesetze und Maßnahmen im Rahmen der europä- neuen Regeln für das Wirtschaftswachstum des 21.
ischen Integration amerikanische Unternehmen fair Jahrhunderts zu schaffen.
behandeln.
Gemeinsam müssen wir einen kleinen Teil der Klugkeit
und Vorstellungskraft, des Mutes und Gemeinsinns
Nord- und Südamerika
aufbringen, der von der vorherigen Generation unter
Zur Zeit führen wir Ergänzungsverhandlungen, die Beweis gestellt wurde, als sie mit der wesentlich
erforderlich sind, um das Potential des Nordamerikani- beängstigenderen Herausforderung konfrontiert war,
schen Freihandelsabkommens (NAFTA) auszuschö- den Faschismus zu besiegen, den Kommunismus
pfen. Ziel des NAFTA ist die Ankurbelung von Handel einzudämmen und Europa wiederaufzubauen. Ich
und Wachstum in den Vereinigten Staaten, Kanada glaube, wir sind dieser Herausforderung gewachsen.
und Mexiko. Daher ist es mit den umfassenderen

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Seite 4

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AMERIKA DIENST 14

�MEDIEN
7. April 1993

DIE NACHRICHTENMEDIEN: WIE GROSS
IST IHR EINFLUSS?
von John Herbers
"Die Beziehungen zwischen Regierung und Medien in den Vereinigten Staaten sind turbulent, ständigen
Veränderungen unterworfen, für gewöhnlich kontrovers, häufig antagonistisch, jedoch oft genug kooperativ",
stellt der Autor des nachfolgenden Artikels fest, in dem er auf den abnehmenden Einfluß der Medien auf die
Formulierung der Außenpolitik in den vergangenen Jahren verweist.
Der Verfasser ist Redakteur und Kolumnist der Zeitschrift Governing und war 24 Jahre lang Korrespondent der
New York Times. Seine Berichterstattung befaßte sich vornehmlich mit dem Weißen Haus, dem Kongreß,
Innenpolitik, städtischen Angelegenheiten, der Bürgerrechtsbewegung und demographischen Trends.

Eine der bekanntesten Geschichten in den Vereinigten
Staaten über die Rolle der Nachrichtenmedien bei der
Formulierung der amerikanischen Außenpolitik betrifft
William Randolph Hearst, einen führenden Zeitungsverleger um die Jahrhundertwende. Hearsts New
York Journal befand sich in einem harten Auflagenwettbewerb mit anderen Zeitungen und er vertrat die
Auffassung, er könne mehr Zeitungen verkaufen, wenn
die Vereinigten Staaten für die in Kuba um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Rebellen gegen Spanien intervenieren würden. Ein von Hearst nach Kuba entsandter Photograph telegraphierte ihm bei seiner Ankunft,
es geschehe nicht viel und er wolle nach Hause
zurückkehren. Hearst telegraphierte zurück: "Bleiben
Sie dort. Sie liefern die Bilder. Ich werde den Krieg
liefern."
Ob diese in Büchern und Filmen wiedergegebene
Geschichte in allen Details wahr ist, spielt keine große
Rolle. Während der Photograph des Journal noch auf
Kuba war, wurde das amerikanische Kampfschiff Maine im Hafen von Havanna in die Luft gejagt. Ohne
jeglichen Beweis beschuldigte Hearst Spanien trotz
spanischer Dementis. Zusammen mit anderen Zeitungen brachte das Journal die amerikanischen Leser
durch übertriebene Berichte und reißerische Schlagzeilen derart in Rage, daß Hearst in der Tat der
führende Berichterstatter für den spanisch-amerikanischen Krieg von 1898 wurde.

AMERIKA DIENST 14

Wie in jeder offenen, demokratischen Gesellschaft mit
dem verfassungsmäßig verbrieften Recht der Pressefreiheit haben die Nachrichtenmedien seit Gründung
der Nation im Jahr 1776 bis heute tief greif ende Auswirkungen auf die amerikanische Außenpolitik gehabt.
Ein jüngeres Beispiel bezieht sich auf die Nachrichtensendungen nach dem Krieg am Persischen Golf.
Nachdem die von den Vereinigten Staaten angeführte
internationale Koalition den Krieg im Frühjahr 1991
gewonnen hatte, ließ Präsident Bush wissen, daß er
den Befehl zum Rückzug der amerikanischen Truppen
erteilen und sich nicht in die internen Angelegenheiten
des Irak einmischen werde, obwohl Präsident Saddam
Hussein weiterhin ungehindert sein Volk angreifen
konnte, das sich seiner Herrschaft widersetzte.
Das Weiße Haus hielt an dieser Politik fest, selbst als
Saddam Hussein eine Rebellion im Inland mit Waffengewalt gegen die Zivilbevölkerung niederschlug. Als
jedoch Tausende Kurden auf der Flucht vor den irakischen Truppen in die Türkei flohen, konnten mit Hilfe
von Fernsehkameras graphische Darstellungen und
Bilder ihres Leidens in Millionen Haushalte in den
Vereinigten Staaten und Europa übermittelt werden.
Man sah ein mißhandeltes Volk, das die Vereinigten
Staaten um Hilfe anflehte. Daniel Schorr, einem
leitenden Nachrichtenanalysten von National Public
Radio, zufolge waren Amerikaner und Europäer von
den Bildern und Berichten des menschlichen Leidens

Seite 1

�so berührt, daß deutlich wurde, der "militärische Sieg
über den Irak drohte, sich in eine politische und moralische Niederlage umzukehren''.

In den vergangenen Jahren war ein eindeutiger Wandel in den Beziehungen zwischen Regierung und Medien
im Hinblick auf die Außenpolitik zu beobachten. Vor 25
Jahren war enge Zusammenarbeit an der Tagesord"Die Meinungsumfragen, die ergeben hatten, daß die nung, obwohl die Medien politischen Maßnahmen der
Amerikaner mit überwältigender Mehrheit die Truppen Regierung häufig kritisch gegenüberstanden. Die New
unverzüglich nach Hause zurückholen wollten, beleg- York Times zum Beispiel, die mehr Nachrichten und
ten jetzt, die Amerikaner wollten die Kurden nicht allein Kommentare aus dem Ausland brachte als jede andelassen, selbst wenn dies den Einsatz amerikanischer re Zeitung und den Standard für ausländische BerichtStreitkräfte zu ihrem Schutz bedeutete", schrieb Schon erstattung setzte, unterhielt enge und freundschaftliin Columbia Journalism Review. In einer politischen che Beziehungen zum amerikanischen AußenministeKehrtwende schickte Präsident Bush nicht nur den rium und dem Weißen Haus und zwar in so hohem
Kurden in der Türkei Hilfe, sondern entsandte auch Maße, daß die Zeitung von ihren Kritikern beschuldigt
Truppen in den Nordirak, um beim Aufbau geschützter wurde, ein Arm des State Department zu sein. Die
Lager für sie zu helfen. Walter Goodman, Fernsehkri- amerikanischen Auslandskorrespondenten verließen
tiker der New York Times, schrieb, zusammen mit sich im allgemeinen für ihre Berichterstattung aus dem
ähnlichen Berichten in den Printmedien hätten die Ausland stark auf amerikanische Diplomaten und andere
Fernsehnachrichten 'tias Weiße Haus gezwungen, Regierungsvertreter. 1961 erfuhr die Times von der
trotz seiner anfänglichen Zurückhaltung zu handeln". bevorstehenden Invasion Kubas in der Schweinebucht, schlug die Geschichte jedoch auf Bitte PräsiDie Art und Weise, in der die Außenpolitik häufig von dent Kennedys nieder. Der Invasionsplan blieb bis zu
den Medien gestaltet wird, ist jedoch sehr viel kompli- seiner erfolglosen Durchführung geheim und die
zierter und vieldeutiger, als die oben zitierten Beispiele kommunistische Castro-Regierung - das Ziel der
vermuten lassen. Obwohl die Medien die Regierung Operation - verfügte über mehr Macht als je zuvor.
zu einer Änderung ihrer Politik veranlassen können,
kann die Regierung Kontrolle darüber ausüben, wie Mehrere Ereignisse führten zu einer Entfremdung
Nachrichten und Meinungsbildung in den Medien zwischen Regierung und Presse, die diese Art von
gehandhabt werden und tut dies ungeachtet der Pres- Zusammenarbeit zum gegenwärtigen Zeitpunkt höchst
sefreiheit auch oft. Und in der Außenpolitik werden unwahrscheinlich macht. Eines war die Veröffentliviele Entscheidungen und Maßnahmen sehr viel mehr chung der "Pentagon Papiere", einer umfangreichen,
als in der Innenpolitik im Geheimen durchgeführt. Die offiziellen Beurteilung des Vietnamkrieges durch die
Medien können das nicht ändern, wovon sie nichts Times und andere Zeitungen im Jahr 1971. Die Nixonwissen. Sie können jedoch auf größere Offenlegung Administration verklagte die Zeitungen mit dem Anoffizieller Aktionen und Maßnahmen drängen.
trag, die Veröffentlichung der Papiere, die zu dem
Die Beziehungen zwischen Regierung und Medien in
den Vereinigten Staaten sind turbulent, ständigen
Veränderungen unterworfen, für gewöhnlich kontrovers, häufig antagonistisch, jedoch oft genug kooperativ. Dies ist darauf zurückzuführen, daß beide ihren
Selbstzweck haben, beide jedoch in gewissem Maße
voneinander abhängig sind. Die mit gewählten Vertretern arbeitende Regierung sieht ihre Rolle als Vertretung des Volkes in der Ausübung der Regierung und
Erarbeitung einer Politik, die sie als in ihrem besten
Interesse liegend erachtet. Damit diese politischen
Maßnahmen jedoch die Zustimmung der Öffentlichkeit
gewinnen, benötigt die Regierung die Medien zur
Veröffentlichung ihrer Ziele und Aktionen. Zu diesem
Zweck beschäftigt sie eine große Zahl von Medienexperten, deren Aufgabe darin besteht, das Vorgehen
der Regierung so positiv wie möglich darzustellen.
Das Weiße Haus kann beispielsweise die Berichterstattung durch die Entscheidung kontrollieren, über
welche Ereignisse die Medien berichten dürfen. Andererseits sehen sich die Medien als Wachhund des
öffentlichen Interesses, deren Rolle es ist, Aktionen
und Maßnahmen der Regierung offenzulegen, zu
erklären und zu beurteilen. Um dies zu tun, benötigen
sie jedoch ein gewisses Ma ß der Zusammenarbeit von
der Regierung.
Seite 2

Schluß gelangten, der Vietnamkrieg sei ein Versagen
seitens der Vereinigten Staaten, mit der Begründung
zu untersagen, die Enthüllungen stellten eine Gefahr
für die nationale Sicherheit dar. Die Papiere waren von
der Regierung als streng geheim eingestuft und der
Times von einem Regierungsvertreter zugespielt
worden, der an ihrer Erstellung beteiligt gewesen war.
Das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten
stellte sich jedoch auf die Seite der Zeitungen und
verfügte in einer Entscheidung, daß auch die nicht von
der Regierung autorisierte Veröffentlichung der Papiere die nationale Sicherheit nicht gefährdeten. Der Fall
wurde über Monate hinweg eingehend publiziert und
diskutiert und war so kontrovers, daß er eine Kluft
zwischen Regierung und Medien schuf.
Ein unmittelbar auf die Pentagon Papiere folgendes
Ereignis hatte noch größere Auswirkungen. Es war die
als Watergate bekanntgewordene Affäre. Mitarbeiter
des zur Wiederwahl stehenden Präsidenten Nixon
brachen 1972 in die Büros des Nationalen Ausschusses der Demokraten ein, vermutlich auf der Suche
nach Informationen, die die Chancen des Präsidenten
für eine zweite Amtszeit verbessern würden, und wurden
gefaßt. Beweise anhand von Tonbandaufzeichnungen belegten, daß der Präsident die Zahlung von
AMERIKA DIENST 14

�Schweigegeld an die Einbrecher anordnete, damit sie
das Mit wissen von Mitarbeitern des Weißen Hauses
nicht preisgaben. Mehrere Assistenten Nixons verbüßten für ihre Rolle in dem Skandal Gefängnisstrafen. Und Nixon sah sich angesichts der Beschuldigungen zum Rücktritt gezwungen.

kaner die Nachrichten den kommerziellen Fernsehsendern entnehmen, die nur einen kleinen Teil der
Informationen insbesondere aus dem Ausland übermitteln, die in den meisten Tageszeitungen gefunden
werden können. Das Fernsehen ist ein mächtiges
Instrument, um Ereignisse nahezubringen, wie im Falle
der kurdischen Flüchtlinge und anderer wichtiger
Obwohl der Skandal nicht in direktem Zusammenhang Ereignisse. Auf täglicher Basis nimmt es jedoch nicht
mit der Außenpolitik stand, bewirkte er Veränderungen den Platz des gedruckten Wortes bei der Information
bei Regierung und Medien, die einen dauerhaften der Öffentlichkeit über bedeutende Themen ein, wie
Effekt auf die Gestaltung von Innen- und Außenpolitik Walter Cronkite, jahrelang derprominenteste amerikahatten. Beispielsweise veranlaßteer den Kongreß zur nische Fernsehjournalist, bei mehreren GelegenheiVerabschiedung eines Gesetzes über die Informa- ten feststellte.
tionsfreiheit, dank dem Journalisten leichter Zugang
zu Regierungsdokumenten erhalten, obwohl sie im- Das Fernsehen hatte den zusätzlichen Effekt, die
mer noch ein langes, schwieriges Verfahren durchlau- Spanne der Aufmerksamkeit der Amerikaner zu verfen müssen, um Informationen zu erhalten, die die kürzen. Kommerzielle Fernsehnachrichten werden
Regierung nicht veröffentlichen will. Und es machte häufig als Unterhaltung präsentiert und sind aufgrund
Journalisten mißtrauischer gegenüber offiziellen Ak- des Zeitmangels Sendungen in komprimierter Form.
tionen und Regierungsvertreter mißtrauischer gegen- Zeitungsverleger und Intendanten sind gleichermaßen
über den Motiven der Journalisten. Diese Entzweiung zu dem Schluß gelangt, daß die an die Kurzversion
dauert bis heute an.
gewohnten Amerikaner von langen Abhandlungen
gelangweilt sind - obwohl eine solche Länge zur ErläuDie Entfremdung veranlaßte Regierungsvertreter, sich terung eines komplizierten Ereignisses aus dem Ausnoch mehr um die Zurückhaltung von Informationen zu land erforderlich sein kann - und sich in der Mitte der
bemühen, die sie nicht freigeben wollten. Ein Beispiel Geschichte etwas anderem zuwenden. Um die Aufsind Restriktionen, die der Kriegsberichterstattung merksamkeit der Leser und Zuschauer zu fesseln,
auferlegt wurden. In Grenada, Panama und am Per- entscheiden sich kommerzielle Nachrichtensender für
sischen Golf wurden Reporter und Kameraleute nicht mehr Lokalnachrichten, Sport und Unterhaltung. Es
auf die Schlachtfelder zugelassen bis der Großteil der bleibt wenig Raum für ernsthafte AuslandsberichterKämpfe vorüber war - im Gegensatz zu früheren stattung.
Kriegen, als sich Korrespondenten häufig auf eigene
Gefahr unter die Truppen mischten und die Geräu- Natürlich hat die neue Ordnung auch eine positive
sche, Gerüche und die menschliche Tragödie bewaff- Seite. Es ist durchaus an der Tagesordnung, daß ein
neter Konflikte übermittelten. Ein Grund, warum der Haushalt 60 oder 70 Fernsehkanäle zur Auswahl hat
Vietnamkrieg zu dem Zeitpunkt in den Vereinigten und einige von ihnen bieten Informationen, die geStaaten unpopulär wurde, als die Regierung sich dafür druckt niemals zur Verfügung stehen würden. Der Cengagierte, waren die Massaker an Zivilisten und Span-Kanal übermittelt beispielsweise die täglichen
Soldaten, die in freier Berichterstattung der Medien in Debatten im Kongreß und berichtet sogar live aus dem
allen Einzelheiten auf den Fernsehschirmen von Küste Ausland, um dem Zuschauer wichtige internationale
zu Küste gezeigt wurden. Es gibt eine Reihe von Ereignisse aus nächster Nähe zu vermitteln. Der
Gründen für neue Restriktionen, einschließlich der öffentliche Hörfunk und das öffentliche Fernsehen
Tatsache, daß die Bewegungsfreiheit des Presse- bringen lange, detaillierte Nachrichtenprogramme und
korps mit seinen Heerscharen von Technikern und Dokumentationen.
Gerät enorm eingeschränkt ist. Das Militär hat jedoch
auch das Gefühl, daß der Presse die Berichterstattung Während die Welt durch rasche Kommunikation und
aus der Sicht des amerikanischen Militärs, wie die verkürzte Transportwege kleiner geworden ist und die
meisten amerikanischen Journalisten sie bisher wahr- Weltwirtschft in allen Industrienationen Einzug gehalgenommen hatten, nicht zugetraut werden kann. Im ten hat, fällt es den Menschen schwer, mit all den
Verlauf dieses Prozesses wurde die Macht der Medien Ereignissen und Entwicklungen Schritt zu halten, die
bei der Gestaltung der amerikanischen Politk im Ausland Aufmerksamkeit verlangen. Die meisten Amerikaner
wissen wenig über die tiefgreifenden Veränderungen,
beschnitten.
die sich jenseits ihrer Grenzen vollziehen. Eine Krise
Ein Teil der verringerten Fähigkeit der Medien zur in einem weit entfernten Land wird an einem Tag
Beeinflussung der Außenpolitik ist jedoch auf Verän- erwähnt und ist am nächsten vergessen. So erstaunderungen innerhalb der Medien selbst zurückzufüh- lich es klingen mag - die Amerikaner wissen möglicherren. Während eines Großteils der amerikanischen weise am wenigsten über die Ereignisse auf ihrem
Geschichte waren Zeitungen das Hauptinstrument zur Kontinent.
Verbreitung von Nachrichten. In jüngster Zeit hat
jedoch das Fernsehen diese Rolle übernommen und Es gibt konstante Debatten und unterschiedliche MeiMeinungsumfragen belegen, daß die meisten Ameri- nungen darüber, welche Nachrichten als wichtig erAMERIKA DIENST 14

Seite 3

�achtet werden sollten. Ein Essayist der Zeitschrift
Time, William A. Henry III., schrieb in einem Aufschrei
über die kümmerliche Auslandsberichterstattung: "Einer
der ersten Grundsätze, die amerikanische Reporter
lernen, lautet, eine verbeulte Stoßstange (ein kleiner
Verkehrsunfall für die Lokalnachrichten) ist eine wichtigere Nachricht als ein Zugunglück in Pakistan."
Ungefähr zur gleichen Zeit stellte der Kolumnist George
F. Will von Newsweek eine Zunahme innenpolitischer
Probleme wie Verbrechen und Kindersterblichkeit fest
und forderte die Medien auf, sich weniger auf ausländische Angelegenheiten und mehr auf amerikanische
zu konzentrieren.
Auf jeden Fall ist die Berichterstattung über Weltereignisse immer willkürlich. Cleveland (Ohio) ist eine
Großstadt mit einem hohen Anteil von Osteuropäern.
Vor einigen Jahren wurde ohne große Übertreibung
festgestellt, daß eine der führenden Zeitungen Clevelands alles über Osteuropa und Cleveland berichtete,
aber dazwischen gab es nichts.
In dem Vakuum öffentlichen Wissens über einen Großteil
der Welt wird die amerikanische Politik gegenüber den
meisten Nationen von Washingtoner Regierungsvertretern und dem sogenannten au ßenpolitischen "Establishment" ohne das Wissen oder die Leistungen der
bekannten Medien oder der Bevölkerung allgemein
gemacht. Das "Establishment" ist ein Netz von Personen innerhalb und außerhalb der Regierungsverantwortung, an Universitäten, in Unternehmen mit Auslandsverbindungen sowie anderen, an Ereignissen im
Ausland Interessierten. Sie kommunizieren vornehmlich durch Fachzeitschriften wie Foreign Affairs, die
lange Artikel von verschiedenen Experten zu einer
großen Bandbreitevon Themen bringen. Einigedieser
Zeitschriften liegen in öffentlichen Bibliotheken aus,

*

Seite 4

werden jedoch nur von einem Bruchteil der Bevölkerung gelesen.
Sobald ein Thema jedoch öffentliche Unterstützung
erhält, können Organisationen an der Basis ihm mit
Hilfe der Medien zu nationaler Bedeutung verhelfen,
so obskur oder technisch es auch gewesen sein mag.
Ein Beispiel betrifft die Verbreitung von Atomwaffen.
Jahrelang war die Mehrheit der Bevölkerung zufrieden, dieses Thema aufgrund seiner technischen
Komplexität und der offenkundigen Feindseligkeit der
Sowjetunion den Experten zu überlassen. Anfang der
achtziger Jahre sprang die Besorgnis einiger weniger
Aktivisten auf die Bevölkerung insgesamt über. Die
Medien verbreiteten die Besorgnis in Leitartikeln und
Berichten über die Bewegung. Stadträte, Kreiskommissionen, Parlamente der Bundesstaaten und andere öffentliche Gremien verabschiedeten Hunderte von
Resolutionen, die einen nuklearen Rüstungsstillstand
verlangten. Viele Anhänger der Bewegung wußten
nicht, ob ein solcher Stillstand überhaupt praktikabel
war oder wie er funktionieren sollte, aber ihre Aktionen
wurden als Signal interpretiert, daß die amerikanische
Bevölkerung der nuklearen Aufrüstung müde geworden war und geeignete Maßnahmen zu deren Umkehrung wollte. Die Botschaft erreichte das Weiße Haus
und Präsident Reagan setzte sich gegen Ende seiner
Amtszeit sogar noch vor dem Zusammenbruch des
Kommunismus in der Sowjetunion vehement für eine
Reduzierung ein.
Obwohl die Medien bei der Gestaltung der Außenpolitik keinen so großen Einfluß haben wie in der Innenpolitik, verfügt die Bevölkerung durch die Medien über
eine laute Stimme im Entscheidungsprozeß über das
Verhalten der Vereinigten Staaten im Ausland.

*

AMERIKA DIENST 14

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vancouver-Deklaration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung von Clinton und Jelzin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Hilfsprogramm für Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entwicklung der Privatwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Energie- und Umweltinitiative&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Initiative Demokratiekorps&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Initiativen zur Beseitigung von Massenvernichtungswaffen in Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Initiative zur Rückführung russischer Offiziere&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reformen können Russland von Gegner zu Partner machen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Präsident Clintons vor Zeitungsredakteuren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Keine mildere Haltung der USA gegenüber Saddam Hussein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Christopher bezeichnet Iran als international geächtet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verteidigung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aspin skizziert Verteidigungshaushalt 1994&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Veröffentlichung des Verteidigungsministeriums - Auszüge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung des Wandels&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Medien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Nachrichtenmedien: wie groß ist ihr Einfluss?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Herbers&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amerika dienst
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und
Dokumentation

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7 . Mai 1975

9

Inhalt

INFORMATION:

Genfer Konferenz ü b e r p r ü f t

Grundziele des Atomsperrvertrages

WIRTSCHAFT:

Seidman r e c h n e t m i t W i r t s c h a f t s a u f s c h w u n g

f ü r Ende d e s J a h r e s

T o k i o - R u n d e nimmt V e r h a n d l u n g e n ü b e r q u a n t i t a t i v e
Von M i c h a e l O'Mara
USA w e i t e r h i n z u r T e i l n a h m e a n E n e r g i e k o n f e r e n z

Beschränkungen auf

bereit

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9/1975

USA WEITERHIN ZUR TEILNAHME AN ENERGJEKONFERENZ BEREIT

WASHINGTON —(AD)-- Die Vereinigten Staaten sind weiterhin zur Teilnahme an
einer multilateralen Konferenz der Ölerzeuger- und Öl Importländer bereits
sofern eine solche Konferenz arrangiert werden kann, die sich ausschließlich mit dem Energieproblem befaßt.
Dies hat der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium
Charles W. Robinsondieser Tage vor einem Kongreßausschuß erneut bekräftigt.
Robinson wandte sich im besonderen gegen die verschiedentlich geäußerte Auffassung, die vom 7. bis 15. April in Paris veranstaltete Vorbereitungskonferenz sei ein Fehlschlag gewesen, und betonte, das sei nicht richtig, auch
wenn auf dieser Zusammenkunft keine Übereinstimmung über Verfahrensfragen
und Teilnehmerkreis einer später in diesem Jahr zu veranstaltenden Energiekonferenz erzielt worden sei,
Die Vereinigten Staaten und andere Industrieländer hatten sich auf der
Washingtoner Energiekonferenz vom Februar 1974 darauf geeinigt, daß sie zu
gegebener Zeit mit den Entwicklungsländern und den Erzeugerländern zu einer
Konferenz zusammenkommen werden, um Möglichkeiten für allseits akzeptable

�akzeptable Lösungen des Energieprobleras zu erörtern. Die Pariser Vorbereitungskonferenz ging auf eine Initiative der französischen Regierung zurück; auf
ihr sollten Vertreter der Erzeuger-, der Entwicklungs- und der Industrieländer die Voraussetzungen für eine große Energiekonferenz schaffen.
Robinson führte vor dem Ausschuß unter anderem aus:
"Es ist meines Erachtens nicht richtig, die Vorbereitungskonferenz einfach als einen Fehlschlag zu bezeichnen. Richtig ist, daß der Hauptzweck der
Konferenz nicht erreicht wurde. Auf der anderen Seite haben alle Teilnehmer
ein weit größeres Verständnis für die Ansichten der anderen gewonnen;, was eine
heilsame Wirkung für künftige bilaterale und multilaterale Beziehungen haben
wird.
Was sind nun die wichtigen Schlußfolgerungen, die wir aus der Vorbereitungskonferenz zu ziehen haben?

'

Erstens ist es den OPEC-Staaten gelungen, ihre Interessen mit denen der
Entwicklungsländer zu vereinen, obwohl die hohen Ölpreise die Volkswirtschaften zahlreicher Entwicklungsländer ernstlich gefährden. Einige Entwicklungsländer finden leider den Gedanken attraktiv, daß sie dadurch zur Lösung ihrer
Wirtschaftsprobleme beitragen können, daß sie dem Beispiel der OPEC-Länder
folgen, das heißt, Kartelle bilden und höhere Preise für alle Rohstoffe fordern. Wir rechnen damit, daß der Block der OPEC- und der Entwicklungsländer,
unter Führung der OPEC-Staaten, auf den internationalen Foren in Zukunft eine
starke Gruppe bilden und sich zu Gehör bringen wird - zumindest solange, bis
die Entwicklungsländer zu erkennen beginnen, daß eine weitverbreitete Kartellisierung weder praktisch durchführbar noch produktiv ist.
Zweitens
-2-

�Zweitens haben die Industriestaaten eine starke Solidarität der Verbraucher bewiesen und gezeigt, welch riesiger Fortschritt in den letzten 14
Monaten in der Internationalen Energiebehörde (IEA) erzielt worden ist.
Auf der Vorbereitungskonferenz haben wir unsere Positionen eng mit denen
der übrigen IEA-Mitglieder abgestimmt. Der Beschluß, fest auf einer Energiekonferenz und einer Teilnahme der IEA zu bestehen, ist von dem Aufsichtsrat
der IEA einstimmig bekräftigt worden, der sich aus Vertretern der 18 Mitgliedsländer zusammensetzt.
Schließlich scheint noch nicht der richtige Zeitpunkt für eine multilaterale Erörterung der entscheidenden Energiefragen gekommen zu sein. Die Erzeugerländer haben auf der Vorbereitungskonferenz wenig Neigung gezeigt, in
ernsthafte Gespräche über Energiefragen einzutreten, sofern nicht die Industriestaaten gleichzeitig die umfassenderen Fragen der Beziehungen zu den
Entwicklungsländern erörtern.

Die Auswirkungen der Vorbereitungskonferenz auf die US-Energiepolitik
Wir bedauern, daß der Vorbereitungskonferenz kein Erfolg beschieden war.
Wir sind weiterhin bereit, an einer multilateralen Konferenz teilzunehmen,
wenn eine solche arrangiert werden kann, die sich auf die Energie konzentriert. Wir sind jedoch nicht der Ansicht, daß unsere eigene Energiepolitik
durch die Aussetzung der Gespräche auf der Vorkonferenz wesentlich beeinflußt wird.
Unsere

�Unsere gesamte Energiepolitik, wie sie in den USA sowie in Zusammenarbeit
mit den übrigen IEA-Ländern verfolgt wird, bleibt darauf ausgerichtet, eine
grundlegende Veränderung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage
auf den Weltmärkten herbeizuführen. Dadurch werden wir für Störungen der Versorgung aus dem Ausland nicht mehr so verwundbar sein. Eine kleine Gruppe von
Ländern wird nicht mehr in dem Maße in der Lage sein, den internationalen Ölpreis willkürlich zu manipulieren. Und es wird möglich sein, daß sich die
Preise langfristig ausbalanzieren.
Im Mittelpunkt unserer internationalen Anstrengungen wird weiterhin die
IEA stehen. Wir wollen sicherstellen, daß der Schwung beibehalten wird, wenn
wir auf die Durchführung der Spar- und der beschleunigten Entwicklungsprogramme drängen.
Die Vorbereitungskonferenz hat bewiesen, daß die übrigen IEA-Mitglieder
mit uns an die Notwendigkeit einer Solidarität der Verbraucher glauben. Sie
sind ebenfalls der Ansicht, daß der IEA bei der Behandlung des Energieproblems
eine entscheidende Rolle zukommt. Sie werden unseres Erachtens mit uns zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß Bedeutung und Einfluß der IEA künftig
noch wachsen..,".

XXX

�' amerika dienst
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9/1975

TOKIO-RUNDE NIMMT VERHANDLUNGEN ÜBER QUANTITATIVE BESCHRÄNKUNGEN AUF
Von Michael O'Mara

GENF --(AD)— Die Arbeitsgruppe "Quantitative Beschränkungen" der Tokio-Runde
hat ihre Vorarbeiten abgeschlossen und ist nunmehr in die Phase aktiver
Verhandlungen eingetreten.
Dies ist das Ergebnis der Beschlüsse, die die Arbeitsgruppe - einer der
vier von der Gruppe "Nicht-tarifäre Maßnahmen"Anfang März eingesetzten Fachausschüsse - in ihren, vergangene Woche beendeten Beratungen gefaßt hat und
die nach Ansicht der amerikanischen Delegation als "ein sehr positiver
Schritt" zu werten sind.
Die Arbeitsgruppe "Quantitative Beschränkungen" war am 22. April in
Genf zusammengetreten, um die letzten Vorarbeiten für die Aufnahme von Verhandlungen abzuschließen;

sie wird ihre Beratungen Mitte September fort-

setzen. In der Zwischenzeit soll zwischen Ländern mit einem Handelsinteresse
an bestimmten mengenmäßigen Beschränkungen und den Staaten, die solche Beschränkungen aufrechterhalten, ein Gedankenaustausch geführt werden, in dem
die letzteren diese Maßnahmen rechtfertigen müssen. Dieser Prozeß der Information, der Überprüfung und des Dialogs kann in Form detaillierter bilatera-

�f
detaillierter bilateraler Konsultationen, aber auch in Form gemeinsamer Konsultationen mehrerer Länder erfolgen.
Die Ergebnisse dieser Konsultationen sollen der Arbeitsgruppe bis September zugeleitet werden, so daß diese auf ihrer nächsten Sitzungsperiode entscheiden kann, wie ein Abbau oder eine Beseitigung dieser mengenmäßigen Handelsbeschränkungen am besten in den Verhandlungen erreicht werden kann.
In den GATT-Statuten heißt es in Artikel XI: "Außer Zöllen, Abgaben und
sonstigen Belastungen darf eine Vertragspartei bei der Einfuhr einer Ware aus
dem Gebiet einer anderen Vertragspartei oder bei der Ausfuhr einer Ware oder
ihrem Verkauf zwecks Ausfuhr in das Gebiet einer anderen Vertragspartei Verbote oder Beschränkungen, sei es in Form von Kontingenten, Einfuhr-und Ausfuhrbewilligungen oder in Form von anderen Maßnahmen, weder erlassen noch
beibehalten." Aber das GATT-Abkommen sieht auch unter bestimmten Umständen

*

•Ausnahmen vor, so zum Schutze der Zahlungsbilanz, bei ernsthafter Gefährdung
der Existenz einheimischer Unternehmen durch Importe, zum Schutze einheimischer Hilfsquellen sowie aus Gesundheits-oder nationalen Sicherheitsgründen.
Während des zweiten Weltkrieges hatten zahlreiche Länder Importkontrollen
eingeführt. Solange der Internationale Währungsfonds (IWF) diesen Ländern bestätigte, daß sie sich in Zahlungsbilanzschwierigkeiten befänden, waren solche
Kontrollen nach den GATT-Statuten zulässig. Die Vereinigten Staaten haben nach
dem Kriege ständig darauf gedrängt, daß diese Kontrolle in dem Maße abgebaut
werden, wie sich die Reserveposition der einzelnen Länder verbesserte. Anfang
der sechziger Jahre gab es nur noch wenige Länder, die solche mengenmäßigen
Beschränkungen mit Zahlungsbilanzgründen rechtfertigen konnten.
Die
-2-

�'

s
Die Mehrzahl dieser Länder zögerten jedoch aus zwei Gründen, diese Beschränkungen aufzuheben:
- die meisten quantitativen Beschränkungen dienten dem Schutz landwirtschaftlicher Erzeugnisse, und ihre Aufhebung würde innenpolitisch Nachteile
mit sich bringen;
- in der Industrie hatten die langjährigen Importbeschränkungen Fortbestehen und sogar Wachstum unwirtschaftlich arbeitender Betriebe gefördert,
und auf die Regierungen dieser Länder wurde jetzt ein Druck ausgeübt, solche
Industrien zu schützen.
Bis 1968 waren diese Beschränkungen in den Industriestaaten bis auf
eine verhältnismäßig kleine Zahl, meistens zum Schutz von Agrarprodukten,
abgebaut worden. Die Vereinigten Staaten vertraten die Auffassung, daß illegale mengenmäßige Beschränkungen ohne irgendwelche Kompensation noch vor Beginn der Tokio-Runde aufgehoben werden sollten und daß über eine Beseitigung
der dann noch verbleibenden mengenmäßigen Beschränkungen, die 3war mit dem
GATT-Abkommen nicht zu vereinbaren, aber aufgrund von Ausnahmen oder Zusatzprotokollen legal sind, in der Tokio-Runde verhandelt werden sollte. Die
Europäische Gemeinschaft lehnte es ab, einen solchen Unterschied zu machen
und sprach sich für eine allgemeine graduelle Liberalisierung und Beseitigung der quantitativen Beschränkungen im Rahmen der Tokio-Runde aus, ohne
Rücksicht darauf, ob diese Beschränkungen legal oder mit dem GATT zu vereinbaren waren, und zwar nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit, das, wo immer
möglich, angewandt werden sollte.
Eine unterschiedliche Beurteilung ergab sich auch bei den sogenannten
freiwilligen Exporteinschränkungen. Die USA erklärten, daß es sich hierbei

-3-

�hierbei in erster Linie um Schutzmaßnahmen handele, die als solche zu sehen
seien. Die anderen Länder, an ihrer Spitze Japan, betonten, daß sie in ihrer
Wirkung den quantitativen Beschränkungen gleichkämen.
Von 1969 bis 1972 hatte sich bereits der GATT-Ausschuß für Industrieerzeugnisse mit den handelshemmenden Auswirkungen dieser Beschränkungen befaßt,
doch konnten die unterschiedlichen Auffassungen der USA und der Europäischen
Gemeinschaft nicht überbrückt werden. Der GATT-Agrarausschuß hatte ebenfalls
1969 eine Überprüfung der quantitativen Beschränkungen vorgenommen und die USA
hatten dabei auf eine Beseitigung aller dieser Beschränkungen gedrängt und gefordert, daß Preisabsprachen sowie variable Abschöpfungen an den Grenzen durch
feste Zölle ersetzt werden. Auch hier war jedoch keine Übereinstimmung erzielt
worden.
Somit wiesen zu Beginn der Tokio-Runde alle großen Handelsländer in irgendeiner Form mengenmäßige Beschränkungen auf - in erster Linie zum Schutz
der einheimischen Landwirtschaft, in einigen Fällen aber auch zur Kontrolle
des Handels in Fertigwaren. Die USA haben eine Reihe quantitativer Beschränkungen bei bestimmten Agrarerzeugnissen, um zum Beispiel eine Beeinträchtigung
des Preisstützungsprogramms des Landwirtschaftsministeriums bei Baumwolle und
Baumwollerzeugnissen, bei Erdnüssen oder bei Molkereierzeugnissen zu verhindern.
Andere Beschränkungen gelten für Handfeuerwaffen, Opium oder Kernmaterialien
sowie den Handel mit Kuba oder - bei bestimmten Waren - mit Rhodesien.
Mengenbeschränkungen können die Form von Quoten oder aber auch von Lizensierungsverfahren annehmen, wobei gerade automatische Lizensierungsverfahren
weitverbreitet sind. Die Vereinigten Staaten haben mit Nachdruck ihre Beseitigung gefordert, da sie unnötig sind, ihr Ziel sich auch auf andere Weise er-

�•

erreichen läßt und sie leicht zu Mißbrauch führen können. Die GATT-Bestimmungen fordern, daß Lizensierungsgebühren den Kosten der Dienstleistung entsprechen müssen und nicht dem Schutz einheimischer Erzeugnisse dienen oder
eine Besteuerung des Außenhandels aus rein fiskalischen Erwägungen zum Ziel
haben dürfen. Lizensierungsverfahren im Zusammenhang mit Quoten, die mit den
GATT-Bestimmungen zu vereinbaren sind, dürfen nicht zu Diskriminierungen führen. Die bisherigen Überprüfungen der Importlizensierungsverfahren im Rahmen
des GATT sowie im Rahmen der Organisation für Europäische Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) hatte in erster Linie die Ausarbeitung von Richtlinien
für eine Harmonisierung und Vereinfachung der Verfahren zum Ziele.
Von Seiten zahlreicher Entwicklungsländer war die Lizensierung aber auch
als eine nicht-tarifäre Maßnahme betrachtet worden, die sich in den meisten
Fällen gegen solche Importe richtete, die gerade für sie von besonderem
Interesse waren.
XXX

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9/1975

SEIDMAN RECHNET MIT WIRTSCHAFTSAUFSCHWUNG FÜR ENDE DES JAHRES

WASHINGTON — ( A D ) — Mit einer allgemeinen wirtschaftlichen Wiedererholung
in den USA rechnet der Berater für Wirtschaftsfragen Präsident Fords, William
Seidman, für Ende des Jahres. Die Wirtschaftslage, so sagte Seidman in einer
Rede vor dem Nationalen Wirtschaftsklub, sei für die Ford-Administration
auch künftig ein besonderes Anliegen und enthalte weiterhin gewisse Unsicherheitsfaktoren. Das Risiko, daß sich die derzeitige Rezession noch verstärke, sei jedoch gering, und es gebe in zunehmendem Maße Anzeichen, daß
es im Sommer bereits wieder aufwärts gehen werde. Unter anderem führte Seidman aus:
"... Die Wirtschaftslage wird zwar weiterhin für uns ein besonderes
Anliegen sein und enthält auch gewisse Unsicherheiten, aber eine Stabilisierung zeichnet sich ab. Wir scheinen das Risiko, daß die Rezession weiteren
Auftrieb erhalten und sich noch verstärken könnte,eingekreist zu haben. Den
Wendepunkt exakt zu nennen, ist bei den vielschichtigen Entwicklungen in unserer Wirtschaft unmöglich, aber die Anzeichen mehren sich, daß die gegenwärtige Rezession im späten Frühjahr oder im Sommer überwunden sein wird. Für den
weiteren Verlauf des Jahres sollte mit echten Produktionszunahmen zu rechnen sein. Der Gang der Wiedererholung wird in den verschiedenen Industrie-

-1-

�Industriezweigen und geographischen Gebieten sehr unterschiedlich sein, aber
ein allgemeiner Wirtschaftsaufschwung sollte noch vor Ende des Jahres einsetzen.
Wenn die Wirtschaft nun in die Übergangsphase eintritt, werden die Wirtschaftsstatistiken eine Mischung von guten und schlechten Nachrichten bringen. In den nächsten Wochen dürften die meisten Berichte negativ sein. Wir
müssen jedoch bedenken, daß diese enttäuschenden Zahlen sich auf Ereignisse
der Vergangenheit beziehen und nicht auf derzeitige Entwicklungen. Wir werden
den wirklichen Wendepunkt erst hinterher erkennen - und dann auch erst mehrere Monate, nachdem die Wende eingetreten ist. Die Politik der Regierung konzentriert sich auf die Förderung einer stetigen wirtschaftlichen Wiedererholung, die heute weitaus sicherer erscheint, als dies noch vor einigen Monaten
der Fall war. In kurzen Worten, wir sind vorsichtig optimistisch.

Die ent-

scheidenden Faktoren, die uns Zuversicht geben, daß die Talsohle bald durchschritten ist, sind:
1. Die Endverbrauchernachfrage

in der Wirtschaft hat sich nach dem Rückgang

Ende letzten Jahres im ersten Quartal stabilisiert. Und die ersten Schätzungen der Einzelhandelsumsätze im April deuten auf einen weiteren leichten Zuwachs hin. Sie sind in der am 12. April zu Ende gegangenen Woche real um
1,8 Prozent gestiegen. Bedenkt man, wie der Verbraucher in einer inflationären Wirtschaft behandelt worden ist, so hat er sich auf seiner Ebene sehr gut
verhalten.
2. Die Aufstockung der Lagerbestände,die im letzten Quartal 1974 Rekordausmaße erreichten, hat sich in ihr Gegenteil verkehrt, und wir haben im ersten
Quartal 1975 eine Liquidation von Lagerbeständen in einem noch nie dagewese-

�dagewesenen MaQe erlebt. Dies hat mir gezeigt, wie richtig der erste wirtschaftliche Lehrsatz war, den mich mein Vater gelehrt hat: 'Man kann niemals
voraussagen, was Geschäftsleute tun werden, aber man kann sicher sein, daß
alle das gleiche zum gleichen Zeitpunkt tun werden*.
3. Die Inflationsrate ist zurückgegangen und die Inflationserwartungen sind
nicht nur gedämpft, sondern gründlich vereitelt worden.
4. Die Voraussagen über Ausrüstungsinvestitionen sind zwar immer noch niedrig, doch dürften diese Investitionen in laufenden Dollar höher als im Vorjahr liegen.
5. Die Zinsen sind zurückgegangen und den Sparkassen und Kreditinstituten
fließen Mittel zu. Nachdem Geld für den Wohnungsbau zur Verfügung steht,
testen wir jetzt das Vertrauen der potentiellen Käufer von Häusern.
Eine Wiederherstellung des Vertrauens der Verbraucher ist für die Wiedererholung der Bauwirtschaft und unserer Wirtschaft ganz allgemein unerläßlich. Unseres Erachtens ist der Vertrauensschwund zum Stillstand gekommen,
aber die Stabilisierung ist auf einem niedrigen Niveau erfolgt. Bestätigt
wird unsere Auffassung von der gegenwärtigen Lage der Wirtschaft und vor allem
unsere Ansicht, daß der Vertrauensschwund der Verbraucher zum Stillstand gekommen ist, durch einen Blick auf die Börse, wo es wieder aufwärts geht und
der Dow Jones Index über 800 steht, und auch der Dollar ist im Ausland wieder
stärker geworden. Nachdem die Steuersenkung sich im Mai auszuwirken beginnt,
können wir damit rechnen, daß die erhöhte Kaufkraft im richtigen Augenblick
einen raschen Anstoß geben wird, um die Wiedererholung zu beschleunigen.

Unser

�Unser größtes Problem wird die Arbeitslosigkeit sein. Hier werden die
Zahlen noch einen weiteren Monat oder länger ansteigen. Die langsame Wiedererholung auf

diesem äußerst wichtigen menschlichen Bereich ist eine Strafe

dieser Rezession. Wir wissen, daß die Wiedererholung sich auf den Beschäftigungssektor zu allerletzt auswirken wird, wie dies immer der Fall war. Es ist
unsere Pflicht, alles in unseren Kräften stehende zu tun, um die durch den
Rückgang unserer Wirtschaftstätigkeit hervorgerufenen menschlichen Probleme
zu mildern...".

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9/1975

GENFER KONFERENZ ÜBERPRÜFT GRUNDZIELE DES ATOMSPERRVERTRAGES

WASHINGTON --(AD)— In amerikanischen Regierungskreisen ist man zuversichtlich, daß die Genfer Konferenz der Partner des 1970 in Kraft getretenen Vertrages über die Nichtverbreitung von Kernwaffen der weiteren Stärkung des
weltweiten Friedensinteresses dienen wird.
Die am 5. Mai zusammengetretene Konferenz wurde gemäß einer Bestimmung
des Nichtverbreitungsvertrages einberufen, wonach fünf Jahre nach seinem Inkrafttreten in Genf eine "Konferenz der Vertragsparteien" abgehalten werden
soll, um"die Wirksamkeit dieses Vertrages zu überprüfen und sicherzustellen,
daß die Ziele der Präambel und die Bestimmungen des Vertrages verwirklicht
werden".
Die amerikanische Delegation leitet der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung, Dr. Fred C. Ikle. Außer Mitgliedern dieser Behörde
gehören zur amerikanischen Delegation Vertreter des Außen- und des Verteidigungsministeriums, der US-Energiebehörde sowie der amerikanischen Vertretung
bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) an.
Dr. Ikle betonte erst kürzlich in einem Interview, daß seiner Auffassung
nach diese Konferenz angesichts der immer stärkeren Verwendung von Kernenergie für friedliche Zwecke und den jüngsten Bemühungen um eine Kontrolle der

-1-

�der strategischen Rüstungen zu einem "sehr kritischen Zeitpunkt" zusammentrete.
Wenn es einen weiteren Fortschritt zwischen den Supermächten bei der Kontrolle der Rüstungen geben solle, so erklärte Ikle, dann sei es wesentlich,
daß die derzeitige Einstellung in bezug auf eine unbegrenzte "nukleare Verbreitung" beibehalten werde. Man müsse jede weitere Verbreitung der Bombe zu
verhindern suchen, wolle man in der friedlichen Anwendung der Atomenergie
weiter vorankommen.
Im Prinzip werden die Delegierten auf der Genfer Konferenz sich vor allem
darum bemühen, festzustellen, inwieweit es gelungen ist, die folgenden Grundziele des Nichtverbreitungsvertrages zu erreichen:
-- Verhinderung einer Ausbreitung von Kernwaffen auf weitere Länder;
— Absicherung durch internationale Überprüfungsmaßnahmen, daß die
"friedlichen nuklearen Tätigkeiten" jener Staaten, die selbst keine
Kernwaffen entwickelt haben, nicht zur Herstellung solcher Waffen
mißbraucht werden;
—

Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie, wobei den nicht
über Nuklearwaffen verfügenden Vertragsparteien die Errungenschaften
der Kernsprengstoff-Technologie für friedliche Projekte durch internationale Verfahren zugänglich gemacht werden sollen;

-- Verpflichtung, sich für weitere Fortschritte bei der Rüstungskontrolle
und Maßnahmen zur nuklearen Abrüstung einzusetzen.
Wie Dr. Ikle in diesem Zusammenhang erklärte, ist der Vertrag nach amerikanischer Auffassung wohlfundiert und sollte daher keine Änderung erfahren.
Die Vereinigten Staaten hofften vielmehr, daß die Genfer Konferenz zu einer

�einer noch umfassenderen Beteiligung an dem Vertrag und zu einem erneuten
nachdrücklichen Bekenntnis sowohl der Kernwaffen- wie der Nicht-Kernwaffenstaaten zum Prinzip der Nichtverbreitung von Kernwaffen führen werde.
Die Bedeutung einer solchen bindenden Verpflichtung und die Tatsache, daß
der Vertrag wirksam ist, wird nach Ansicht Dr. Ikles durch die zahlreichen
Ratifizierungen erwiesen, die gerade auch von den hochindustrialisierten Ländern bereits erfolgt sind oder vor dem Abschluß stehen.
"Diese Länder", so erklärte Ikle wörtlich, "könnten sich Kernwaffen verschaffen und nukleare Waffenarsenale in einem viel schnelleren Tempo anlegen
als viele der anderen Nicht-Kernwaffenstaaten, die Vertragsparteien sind.
Das heißt also, daß der Vertrag - so wie er jetzt besteht und in sich einen
breiten internationalen Konsensus gegen jede Verbreitung von Kernwaffen darstellt - einen Schutz bietet, der vielleicht doch noch nicht überall in der
Welt in seiner ganzen Bedeutung erkannt und anerkannt wird."
Hierin zeige sich, so erklärte Dr. Ikle, daß der Vertrag nicht - wie
manche seiner Kritiker befürchteten - das Machtmonopol der Supermächte bestärkt, sondern die internationale Ordnung und das System eines weltweiten
Friedens gefördert habe.
Zu der immer wieder laut werdenden Kritik, die Supermächte hätten nicht
genug getan, um die Ausweitung ihrer eigenen Kernwaffensysteme zu begrenzen,
erklärte Dr. Ikle, daß im Gegenteil wesentliche Maßnahmen in dieser Richtung
erfolgt seien. Er verwies dabei auf das ABM-Abkommen vom Jahre 1972 und das
Protokoll zum Interimsabkommen von 1974 zur Beschränkung der antiballistischen Raketenverteidigung, in denen die beiden Supermächte Rußland und Amerika
auf den unbeschränkten Ausbau eines nuklearen Waffensystems verzichtet haben,

-3-

�haben, wie nur sie es hätten errichten können.
Das Abkommen von Wladiwostok und die auf seiner Grundlage geführten weiteren Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, so
sagte Ikle, seien weitere Zeugnisse für die erfolgreichen Bemühungen der
Supermächte,auch auf dem Gebiet der Offensivwaffen zu Begrenzungen und Kontrollen zu gelangen.
Die Verfahren und die Tagesordnung für diese erste "Überprüfungskonferenz", die bis zum 30. Mai dauern wird, wurden von einem Vorbereitungsausschuß ausgearbeitet, der im April 1974, im September 1974 und im Februar 1975
zusammengetreten war. Er setzte sich aus Vertretern der Vertragsparteien zusammen, die entweder Mitglieder der Konferenz des Abrüstungsausschusses oder
des Gouverneursrates der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sind.

XXX

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••

•

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�</text>
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