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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

18. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION

US-Chefdelegierter zum amerikanisch-sowjetischen übereinkommen über
Strahlenwaffen

WIRTSCHAFT
Blumenthal erläutert Bedeutung der Ergebnisse von Tokio
- Erklärung vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses

Um Übef/endung von
ßelcgcKcmplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juli 1979

26

US-CHEFDELEGIERTER ZUM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN
ÜBEREINKOMMEN ÜBER STRAHLENWAFFEN

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
sich nach zweijährigen Verhandlungen auf ein Abkommen über das Verbot von
radiologischen oder Strahlenwaffen geeinigt. Hauptpunkt des gemeinsamen
Vorschlags, welcher der aus Delegierten von 40 Staaten bestehenden Abrüstungskonferenz in Genf vorgelegt wurde, ist das Verbot der Entwicklung,
der Produktion, der Lagerung und des Erwerbs von radiologischen Waffen. Das
Abkommen, das die Verwendung radioaktiven Materials zu friedlichen Zwecken
ausdrücklich von dem Verbot ausnimmt, steht allen Staaten zum Beitritt
offen. Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter Adrian S. Fisher,
ging am 10.Juli 1979 in einer Rede auf Entstehung und Inhalt des Abkommens
ein:
Heute legt die amerikanische Delegation einen Antrag über die wesentlichen
Bestandteile eines Vertrages über das Verbot von Strahlenwaffen vor. Ein
gleichartiger Antrag wird von der Delegation der Sowjetunion unterbreitet.
Wir übermitteln diese gemeinsame Initiative zur Begutachtung an alle
Delegationen - in der Hoffnung auf einen raschen Abschluß eines multilateralen

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Telex:08-85432

�r

multilateralen Vertrages.
Indem wir dies tun, erfüllen wir die Verpflichtung des gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen Kommuniques vom 18. Juni dieses Jahres, in dem
es heißt:

"Präsident Carter und Präsident Breschnew freuten sich, bestätigen

zu können, daß eine bilaterale Übereinstimmung bezüglich der wesentlichen
Elemente eines Vertrages zum Verbot der Entwicklung, der Herstellung, der
Lagerung und des Einsatzes von radiologischen Waffen erreicht wurde.

Ein

abgesprochener gemeinsamer Vorschlag wird dem Abrüstungsausschuß noch in
diesem Jahr vorgelegt werden."
Strahlenwaffen (oder Waffen aus radioaktivem Material, wie sie ebenfalls genannt werden) wurden schon seit langem als mögliche Massenvernichtungswaffen angesehen.

Im Jahre 1948 kennzeichnete eine UN-Kommission Waffen zur

Massenvernichtung folgendermaßen:

"...explosive Atomwaffen, Waffen aus

radioaktivem Material, tödliche chemische und biologische Waffen sowie alle
in Zukunft entwickelte Waffen, die Eigenarten aufweisen, die in ihrer
vernichtenden Wirkung mit jenen der Atombombe oder anderen der oben erwähnten
Waffen vergleichbar sind."
Explosive Nuklearwaffen waren Gegenstand einer Reihe von internationalen
Vereinbarungen zur Rüstungskontrolle und zukünftige Verhandlungen über eine
Kontrolle solcher Waffen sind im Gange. Biologische Waffen wurden durch einen
multilateralen Vertrag verboten, der vor etwa fünf Jahren in Kraft trat.
Eine Konvention, die den Gebrauch chemischer Waffen untersagte, wurde im
Jahr 1925 unterzeichnet, während die Anstrengungen für ein umfassendes Verbot
chemischer Waffen noch weitergehen.
Die verbleibende Kategorie der UN-Definition von 1948 waren Waffen
aus radioaktivem Material.

Zu jener Zeit waren die vorhandenen Mengen an

hochradioaktivem Material noch gering und geographisch auf einige wenige
Anlagen begrenzt.

Trotzdem wurde anerkannt, daß dieses Material, als Waffe

- 2 -

�Waffe benützt, eine Massenvernichtung menschlichen Lebens verursachen konnte.
Wie wir alle wissen, hat die Anhäufung von radioaktivem Material in den
darauffolgenden Jahren immer rascher zugenommen, und solches Material kann
nunmehr in vielen Anlagen in der ganzen Welt gefunden werden.
Überlegungen zu diesem Thema brachten meine Regierung im Jahre 1976
dazu, der Vollversammlung der Vereinten Nationen vorzuschlagen, daß angesichts der fortdauernden Verbreitung radioaktiven Materials die Suche nach
einem internationalen Abkommen über Strahlenwaffen von Vorteil wäre.
Zu den Maßnahmen, die ein solcher Vertrag verbieten sollte, würden
zum Beispiel gehören: die Verwendung radioaktiven Materials von ausgebrannten
Brennstäben eines Reaktors, um ein Gebiet unzugänglich zu machen oder um
in einem bewohnten Gebiet die Bevölkerung zu töten, zu verletzen oder ihre
Evakuierung zu erzwingen. Er soll auch die Entwicklung, Produktion und
Lagerung von Vorrichtungen verbieten, die speziell für solche Zwecke
entwickelt werden könnten.
Im Jahre 1977 begannen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bilaterale Gespräche über dieses Problem. Als Ergebnis kamen beide Seiten
gegen Ende des Jahres 1977 überein, eine gemeinsame Initiative anzustreben,
die dieser Konferenz vorgelegt werden sollte, was schließlich zur Erarbeitung
eines umfassenden Abkommens über das Verbot von Strahlenwaffen führte. Die
Vollversammlung der Vereinten Nationen demonstrierte kürzlich ihren Wunsch
nach Schritten, jeden möglichen Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen
zu verhindern. Die Abrüstungskonferenz brachte ebenfalls ihre Bedenken
über die potentielle Bedrohung durch Strahlenwaffen dadurch zum Ausdruck,
daß sie dieses Thema auf die Tagesordnung und das Arbeitsprogramm ihrer
Sitzung im Jahr 1979 setzte. Wir sind der Ansicht, daß der vereinbarte
gemeinsame Vorschlag, den wir heute unterbreiten, eine angemessene Grundlage für die Abrüstungskonferenz ist, um zu einem abschließenden Vertragstext zu gelangen.
In
- 3 -

�•

In bezug auf den Text des gemeinsamen Vorschlags sollte erwähnt werden,
daß die Formulierung der Beschränkungen bei der Verwendung von radioaktivem
Material eine große Aufgabe für die bilateralen Verhandlungen war, speziell
im Hinblick auf die Definition.

Der Grund dafür sind die vielfältigen anderen

Verwendungsmöglichkeiten für dieses Material, bei denen die Strahlung, die
beim Zerfall solchen Materials entsteht, in keinster Weise Zerstörung,
Schäden oder Verletzung mit sich bringt.

Der vereinbarte gemeinsame Vorschlag,

den wir unterbreiten, enthält die Verpflichtung, keine Strahlenwaffen zu
entwickeln, zu produzieren, zu lagern, anderweitig zu erwerben oder zu
besitzen.

In diesem Zusammenhang möchten die Vereinigten Staaten ihrerseits

klarstellen, daß keine einzige der von den Staaten im vorgesehenen Vertrag
eingegangenen Verpflichtungen so interpretiert werden wird, daß sie den
Gebrauch von radioaktivem Material oder irgendwelchen anderen Strahlenquellen
zum Zweck einer jeden anderen Verwendung unterbinden könnte, ausgenommen
solche Verwendungsmöglichkeiten, die nicht zu nutzen die Vertragsparteien
sich gemäß den Bestimmungen des Vertrags verpflichtet haben.
Alle explosiven Nuklearwaffen, die neben weiteren zerstörerischen
Wirkungen auch Strahlung produzieren, stellen neben den Strahlenwaffen eine
gesonderte Kategorie von Massenvernichtungswaffen dar und werden deshalb
von der gemeinsamen Initiative nicht abgedeckt. Fortschritte in den
Bemühungen,solche Waffen durch angemessene Rüstungskontrollmaßnahmen in
den Griff zu bekommen, sind ein vorrangiges Ziel der amerikanischen Regierung.
Wir unternehmen jede Anstrengung, um diesem Ziel näherzukommen.
Zusammenfassend möchte ich nunmehr zu einigen spezifischen Aspekten
der vorgeschlagenen Themenbereiche selbst kommen.
Die Absätze I und III enthalten die grundlegenden Verpflichtungen des
vorgeschlagenen Vertrages. Absatz I verpflichtet die Vertragsparteien,
keine Strahlenwaffen zu entwickeln, zu produzieren, zu lagern, auf andere
Weise zu erwerben, zu besitzen oder zu verwenden.

Absatz III beinhaltet

�beinhaltet ein breitangelegtes Verbot der absichtlichen Verbreitung von nicht
als radiologische Waffe definiertem radioaktiven Material zum Zweck der
Verursachung von Zerstörung, Schaden oder Verletzung.
Die Definition einer Strahlenwaffe gibt Absatz II, nämlich:

(1) Jede

speziell zu einer solchen Verwendung von radioaktivem Material entworfene
Vorrichtung, die durch die Verteilung dieses Materials und der mit dem
Zerfall dieses Materials verbundenen Strahlung Zerstörung, Schaden oder
Verletzung verursacht, oder (2) jede Art von radioaktivem Material, das
speziell für eine solche Verwendung entwickelt wurde.

Wie ich bereits

erwähnte, fallen nukleare Sprengsätze nicht unter diese Definition.
Absatz IV verpflichtet die Vertragsparteien dazu, andere Staaten,
Staatengruppen oder Einzelpersonen nicht zu Tätigkeiten zu ermutigen oder
zu überreden,die durch Absatz I und III verboten sind.
Absatz V macht deutlich, daß der Vertrag keine Anwendung findet auf
die Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten für Strahlung aus radioaktivem
Zerfall zu friedlichen Zwecken und daß er auch der internationalen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet nicht im Wege steht.
Absatz VI fordert die Vertragsparteien dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen,
um den Verlust oder die Weiterleitung von radioaktivem Material zu verhindern,
das für Strahlenwaffen verwendet werden könnte.
Eine wesentliche und altbekannte Forderung jeder wirkungsvollen
Rüstungskontroll- oder Abrüstungsmaßnahme besteht darin, daß sie Maßnahmen
zur Verifizierbarkeit enthält, die der besonderen Natur der zu kontrollierenden
Waffen angemessen sind, um das notwendige Vertrauen zu schaffen, daß der
Vertrag von allen Vertragsparteien eingehalten wird. Die Vereinigten
Staaten sind befriedigt darüber, daß die in diese gemeinsame Initiative
eingearbeiteten Verifizierungsvorkehrungen diese Forderung erfüllen.
Absatz

�Absatz VIII enthält Verfahren zur Lösung von Problemen, die sich aus
der Frage nach der Gewährleistung der Vertragserfüllung ergeben können.
Er enthält die grundlegenden Verfahren zur Konsultation und Kooperation zum
Zweck der Lösung solcher Probleme.
Experten vor.

Er sieht einen Beratenden Ausschuß von

Auch klärt er die Verfahrensweisen, um Klagen beim Sicher-

heitsrat der Vereinten Nationen vorzubringen.
i,

Die restlichen Absätze behandeln Themenkreise wie Änderungsanträge,
Dauer, Inkrafttreten u.s.w.
Die Vereinigten Staaten sind sich darüber im klaren, daß viele,
wenn nicht alle Länder den Wunsch haben, den Vertragstext ihren Hauptstädten
zu übermitteln und daß die Diskussionen in dieser Woche notwendigerweise
vorläufiger Natur sein werden.

Wir hoffen jedoch, daß die Regierungen in

der Lage sein werden, rasch auf diesen Vorschlag zu reagieren, um die
Konferenz in die Lage zu versetzen, ihre Arbeit rechtzeitig für den ersten
Ausschuß der 34. Vollversammlung zu beenden.

+ + + + +

.

•

- 6

�Will m

•1
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

18. Juli 1979

BLUMENTHAL ERLÄUTERT BEDEUTUNG DER ERGEBNISSE VON TOKIO
Erklärung
vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael
Blumenthal hat am 11. Juli 1979 vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß
des Kongresses die Ergebnisse des Weltwirtschaftstreffens von Tokio
erläutert, wobei er besonders auf den Sinn und die weiterreichende Bedeutung
dieser Konferenz einging. Gleichzeitig unterstrich der amerikanische
Finanzminister, daß es nicht leicht sein werde, die in der japanischen
Hauptstadt eingegangenen Verpflichtungen zu verwirklichen und daß schwierige
Zeiten zu bestehen seien.
Die Ausführungen Blumenthals vor dem Ausschuß haben folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Sie haben mich um einen Bericht über das Gipfeltreffen von Tokio ersucht.
Über dieses Gipfeltreffen ist in der Presse umfassend berichtet worden.
Ich bin sicher, daß Sie und Ihre Kollegen sowie Ihre Mitarbeiter diese
Berichte und das von den Teilnehmerländern veröffentlichte Kommunique

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Telex:08-85432

�Kommunique analysiert haben. Wenn Sie gestatten, würde ich meine Bemerkungen
gerne nicht so sehr auf die spezifischen Einzelheiten der Gipfelkonferenz
konzentrieren, sondern mehr auf Sinn und weiterreichende Bedeutung dieses
Treffens, was ich als wesentlich ansehe.

Ich bin dann im Anschluß gerne

bereit, spezielle Fragen zu beantworten, die Sie geklärt sehen möchten.
Das Treffen von Tokio war sozusagen eine Wasserscheide in der Geschichte
der Gipfeltreffen.

Bei den vorausgegangenen Gipfelkonferenzen lag der

Schwerpunkt auf den Überlegungen bezüglich der Nachfrageregulierung, insbesondere der Notwendigkeit für eine größere Koordinierung der Politik
auf dem Felde der Nachfrageregulierung.

Das Ziel war die Reduzierung der

Spannungen innerhalb der wirtschaftlichen und monetären Systeme, indem man
übereinkam, eine Politik zu verfolgen, die die divergierenden Wachstums- und
Inflationsmuster in den einzelnen Ländern korrigierte.

Ja, obwohl jede

dieser Gipfelkonferenzen eine wertvolle Rolle bei der Förderung der makrowirtschaftlichen Koordinierung spielte und sich mit Fragen der Förderung
der globalen Energieproduktion durch Weltbankanleihen an die Entwicklungsländer befaßte, ist es doch nur fair zu sagen, daß die Treffen, die Tokio
vorausgingen, nicht direkt die Wurzeln und die Ursachen der Energie- und
Strukturkrisen der Welt anpackten.
In Ramboullet im Jahre 1975 ging es in erster Linie um eine Stimulierung
des Aufschwungs aus der weltweiten Rezession der Jahre 1973-74 durch eine
koordinierte Nachfragepolitik sowie durch internationale Währungsabmachungen.
In Puerto Rico im Jahre 1976 konzentrierten sich die Erörterungen auf
die Bewältigung des Überganges von der Wiedererholung zur Expansion, wiederum
durch traditionelle Techniken der Nachfrageregulierung.
In London im Jahre 1977 bemühten sich die Teilnehmer der Gipfelkonferenz
um eine Fortdauer der Expansion durch koordinierte Anstrengungen, wobei
Länder mit einem Zahlungsbilanzüberschuß zu einem schnelleren und Defizit•

�Defizitländer zu einem langsameren Wachstum angehalten wurden.

Die Gipfelkonferenz von Bonn im vorigen Jahr setzte die Erörterungen
über einen koordinierten Wachstumshintergrund fort, und, Herr Vorsitzender,
ich bin sicher, Sie werden Sich erinnern, daß gerade auf diesem Gipfeltreffen Verpflichtungen zur Verwirklichung kurzfristiger Politiken eingegangen
wurden, um spezifische Wachstumsraten zu erreichen.

So erreichte also die

Schwungkraft der drei vorausgegangenen Gipfelkonferenzen einerseits ihren
Höhepunkt der Verfeinerung in Bonn.

Spezifische Mittel und Wege zur Erreichung

einer koordinierten Nachfrageregulierung wurden genau ausgearbeitet und dann
erfolgreich weiterverfolgt.

Im Anschluß an Bonn entwickelte sich das Wachstum

in den Gipfelländern weniger divergierend, und die Zahlungsungleichgewichte
wurden entsprechend eingeengt.

Dafür sollten wir dankbar sein;

die in Bonn

eingegangenen Verpflichtungen, an die sich insbesondere Japan, die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten hielten, waren entscheidend
wichtige Faktoren beim Abbau ernsthafter Spannungen in den weltweiten
Zahlungs- und Finanzsystemen.

Aber die Bedeutung von Bonn geht weit über diesen Erfolg hinaus. Auf
der Bonner Gipfelkonferenz wurde die Erkenntnis der begrenzten Nützlichkeit
einer Nachfrageregulierung deutlich, wenn es darum geht, nicht nur die
Syrrptoma, sondern auch die Ursachen eines unnatürlichen potentiellen Wachstums
sowie die Inflation, die Zahlungsungleichgewichte und die Währungsinstabilität
anzupacken, die Industrieländer wie Entwicklungsländer so plagen.

In dem Bonner Kommunique kommt die Erkenntnis zum Ausdruck, daß es
sich um langfristige Probleme handelt, die durch anhaltende Anstrengungen
gelöst werden müssen.

"Die Bereitschaft, den Strukturwandel zu akzeptieren

und zu erleichtern, muß auf Dauer vorhanden sein.

Strukturkonservierende

Maßnahmen führen zur Verfestigung wirtschaftlicher Ineffizienz, bürden den
Handelspartnern die Last des Strukturwandels auf und verhindern die Integration
der

Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft."
In

- 3 -

�In Tokio hat sich dann diese Erkenntnis noch klarer herauskristallisiert.
In Tokio sind wir zu der gemeinsamen Erkenntnis gelangt, daß die Nachfrageregulierung als Kur für unsere gemeinsame wirtschaftliche Malaise nicht
ausreicht.

Der Nachdruck in Tokio lag auf der Notwendigkeit struktureller

Anpassungen, nicht auf der Feineinstellung.

Wir waren uns darüber in klaren,

daß sich der Schwerpunkt des makro-ökonomisehen Management zunehmend direkt
auf die Versorgung mit Energie und anderen Gütern verlagern muß, wenn wir
nicht für immer auf Wachstum, Arbeitsplätze und einen ständigen steigenden
Lebensstandard verzichten wollen.
Lassen Sie mich das näher ausführen.
Das brennende Problem in Tokio war das Energieproblem. Mit der Ankündigung der Preisentscheidung der OPEC in Genf stieg der Weltpreis für
Erdöl seit Dezember um 60 Prozent. Obwohl die Preiserhöhungen schrittweise
erfolgten, haben wir noch immer nicht mehr als einen Bruchteil der Auswirkungen auf die Leistungsstatistiken gesehen. Die direkte, anfängliche
Wirkung dieses Preisanstieges wird eine einprozentige Verringerung der
durchschnittlichen OECD-Wachstumsrate im Jahr 1979 und eine um 1,75 Prozent
im Jahr 1980 sein. Weiterhin wird er die durchschnittliche OECD-Inflationsrate im Jahr 1979 um 1 bis 1,5 Prozent erhöhen, im Jahr 1980 um 2 bis
2,5 Prozent. Allein für die Vereinigten Staaten bedeutet dies eine
Verringerung der Wachstumsrate um 1 Prozent und einen einprozentigen
Anstieg unserer Inflationsrate pro Jahr. Zudem werden diese Schätzungen
wahrscheinlich noch nicht einmal die Auswirkungen einer fortgesetzten ülpreiserhöhung und Versorgungsunsicherheit auf das Vertrauen der Geschäftswelt, auf das Verbraucherverhalten und die Lohnforderungen einschließen.
Daher
-

hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den Vereinigten
Staaten erhöht;
•

wird
———

- 4-

�-

wird das nichtinflationäre Wachstum in den anderen Industriestaaten
gehemmt;

-

kann den Volkswirtschaften und den politischen Strukturen der
Entwicklungsländer schwerer Schaden zugefügt werden.

Die ölpreiserhöhung wird viel von dem Fortschritt rückgängig machen,
der bei der Verbesserung der Weltzahlungsbilanz erzielt worden ist. Trotz
einer höheren Rechnung für Ol einfuhren erwarten wir weitere beträchtliche
Verringerungen des gegenwärtigen amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits vielleicht sogar einen kleinen Überschuß im nächsten Jahr - aufgrund des
langsameren Wachstums unserer Binnenwirtschaft, unserer extrem starken
Exportleistung und gestiegener Gewinne bei unseren Investitionen in Übersee.
Jedoch wird der OPEC-Überschuß, der im letzten Jahr nahezu verschwunden war,
wieder auf ein beunruhigend hohes Niveau klettern. Die OECD-Länder als
Gruppe werden vom Überschuß in ein Defizit abrutschen. Und die Lage der
Entwicklungsländer ohne eigene Ölvorkommen, die schon jetzt als Gruppe in
einem großen Defizit stecken, wird sich rapide verschlechtern und die Probleme
einiger der ärmsten Länder noch verstärken.
Der weltweite finanzielle Bedarf vermehrte sich empfindlich durch die
ülPreiserhöhungen. Obwohl das internationale Währungssystem seine Fähigkeit
bewiesen hat, diesen Bedarf im großen und ganzen zu befriedigen, müssen wir
dennoch mit wiederauftauchenden Schwierigkeiten und Spannungen auf Seiten
mancher Länder rechnen, vor allem der armen Entwicklungsländer (LDCs).
Kurz:

die Welt wurde durch die ülPreiserhöhungen erneut in eine

schwierige läge gebracht.
Außerdem haben wir heute nicht nur das Problem der Dipreiserhöhungen,
sondern auch noch das Problem des begrenzten Angebots.
Der

- 5 -

�Der Tokioter Gipfel erkannte diese wesentliche Tatsache und handelte
danach.
Erstens wurde anerkannt, daß es kurzfristig keine Alternative zur
Einsparung gibt. Wenn wir unseren Ölverbrauch nicht freiwillig so einschränken, daß es für unsere Volkswirtschaft am wenigsten schädlich ist,
werden Verbrauchsbeschränkungen - unberechenbar und schmerzhaft - erzwungen werden - zu eben dem Preis, der notwendig ist, um die Nachfrage
auf das Angebotsniveau herabzubringen.
Um diese Lage besser unter Kontrolle zu bringen, verpflichtete sich die
Gipfellander, ihre öl einfuhren 1979 und 1980 zu begrenzen - Begrenzungen,
die auf einer Basis für jedes Land gelten.

Die Grenze für die Vereinigten

Staaten liegt bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag in beiden Jahren - was
unseren Einfuhren des Jahres 1977 entspricht.
Mittelfristig nahmen die Teilnehmerländer bestimmte Zielsetzungen für
eine Begrenzung der öl einfuhren bis 1985 an- Zielsetzungen, die
- von vernünftigen Raten des Wirtschaftswachstums in diesem Zeitraum
ausgehen; und
- sehr deutliche Anstrengungen zur Beschränkung des Ölverbrauchs und
3

3

3

zur Entwicklung alternativer Energiequellen verlangen.
Das amerikanische Ziel für 1985 ist dasselbe wie für 1979 und 1980:
8,5 Millionen Barrel pro Tag.
'

r

3

Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Italien und Großbritannien
verpflichteten sich dazu, ihre öl einfuhren von 1985 auf das Niveau von 1978
zu beschränken,und kamen Uberein, ihren Partnern im Rahmen der Europäischen
Gemeinschaft vorzuschlagen, daß sich jedes EG-Mitglied zu ähnlich festge-

�festgelegten Zielsetzungen verpflichtet.

Kanada verpflichtete sich, seine

jährliche Wachstumsrate beim Ölverbrauch um ein Prozent zu senken und seine
öl einfuhren bis 1985 um 50 000 Barrel pro Tag zu verringern.
Japan übernahm als Zielsetzung für das Jahr 1985 ein öleinfuhrniveau
von 6,3 bis 6,9 Millionen Barrel pro Tag, ein Niveau, das wesentlich höher
ist als Japans Einfuhrniveau von 5,0 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 1978.
Diese Beihilfe zum Wachstum wird es Japan erlauben, auch weiterhin die hohen
Wachstumsraten zu erhalten, die das Land benötigt, um massive, grundlegende
Ungleichgewichte seiner Zahlungsbilanz zu überwinden. Gleichzeitig bedeutet
dies jedoch auch eine Steigerung der Wirksamkeit, mit der die Japaner eingeführtes öl verwenden. Ministerpräsident Ohira, der die Einzigartigkeit
dieser Verpflichtung erkannte, verpflichtete sich, sein Äußerstes zu tun, um
die öleinfuhren weiter zu reduzieren und die ölverwendung zu rationalisieren.
Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es ungeheurer Anstrengungen zur
Einsparung. Aber um diese Ziele zu erreichen und um sie in Zukunft noch zu
verbessern, bedarf es auch einer umfassenden Anstrengung zur erweiterten
Versorgung mit alternativen Energiequellen. Zu diesem Zweck haben die Teilnehmer am Gipfeltreffen umfangreiche Initiativen ergriffen, um alternative
Energiequellen auszunützen, vor allem Kohle, und um alternative Quellen und
Techniken zu entwickeln. Die Teilnehmer erkannten, daß ausgedehnte private
und öffentliche Mittel notwendig sind, um diese neuen Technologien zu
entwickeln und kommerziell anzuwenden,und verpflichteten sich dazu, die
Verfügbarkeit solcher Quellen sicherzustellen. Sie kamen auch darin überein,
eine Internationale Energietechnologie-Gruppe einzurichten, um die unternommenen oder geplanten Schritte eines jeden Landes zu beobachten und um über
die Notwendigkeit und die Möglichkeit internationaler Zusammenarbeit zu
berichten, einschließlich des Finanzierungsbereichs.
Längerfristig müssen wir die Quellen mobilisieren, die zur Entwicklung
sicherer alternativer Versorgung notwendig sind.

Die Investitionskosten werden

�werden enorm sein.

Die notwendigen Mittel werden zu diesem Zweck vom

Verbrauch an anderen Verwendungszwecken abgezogen.

Dies erfordert umfassende

Anstrengungen zur vermehrten Verwendung anderer vorhandener Energiequellen
wie Kohle, Kernkraft und Erdgas sowie die Entwicklung neuer Technologien.
Diese Schritte beim Gipfeltreffen stellen eine grundlegende Neuorientierung
der Politik dar, d.h. eine gemeinsame Verpflichtung zur Verringerung der Abhängigkeit vom Erdöl.

Die Erfüllung dieser Verpflichtungen wird nicht leicht

sein, und wir können nicht erwarten, daß die zugrundeliegende Situation sich
über Nacht verbessert.

Es geht um eine grundlegende Umstrukturierung unserer

Volkswirtschaften, und wir werden noch schwere Zeiten zu überstehen haben.
Die notwendigen Einzelschritte werden bereits überprüft, und wir sowie die
anderen beteiligten Regierungen werden in den kommenden Wochen konkrete
Maßnahmen ankündigen.
legt.

Aber Richtung und Verpflichtung sind eindeutig festge-

Ich glaube, daß diese Verpflichtung zumindest von einigen der

wichtigsten OPEC-Länder anerkannt worden ist, und ich freue mich, daß
Saudiarabien eine Erhöhung seiner Förderkapazität anzeigt, die dabei helfen
wird, die Lage in unmittelbarer Zukunft etwas zu entspannen.
Schritt ist, obgleich hilfreich, nur vorübergehend.
Abhängigkeit vom Erdöl verringern.

Aber dieser

Wir müssen unsere

Wir haben einen Kurs festgelegt und

müssen uns nun an ihn halten.
Herr Vorsitzender, ich habe die Maßnahmen dargelegt, die in Tokio ergriffen wurden, um mit einem kritischen Rohstoff umzugehen, der nur begrenzt
vorrätig ist und es bleiben wird. Aber Energie ist, extrem gesprochen,
nur ein Symptom eines größeren, ebenfalls im Kommunique des Gipfeltreffens
angesprochenen Problems, und ich würde diesen weiteren Kontext gern kurz
umreißen.
Im Verlauf des Gipfeltreffens wurde festgestellt, daß Energie nicht das
einzige Versorgunsproblem ist, dem wir gegenüberstehen.

In vieler Hinsicht

reagieren die Volkswirtschaften der industrialisierten Welt auf die sich

- 8 -

�sich ändernden Bedingungen nicht so, wie es notwendig wäre.

Jahrzehntelang

haben wir in der Übereinstimmung gehandelt, daß das Hauptanliegen der Wirtschaftspolitik der Regierungen darin bestand, die Gesamtnachfrage zu befriedigen, Ausschläge im Wirtschaftszyklus auszugleichen und einen
ständigen Anstieg des Einkommens und der Beschäftigung zu garantieren.
Die Angebotsseite

dieser Gleichung wurde weitgehend vernachlässigt in der

Annahme, sie werde mit sich selbst fertig, indem sie auf die veränderte
Nachfrage reagiere.
Diese Annahme stimmt nicht mehr.

Die Angebotsseite reagiert nicht mehr.

Auch die Produktivität bleibt stark zurück - in den Vereinigten Staaten
betrug das Wachstum an Produktivität in den letzten fünf Jahren nur noch
etwa die Hälfte von dem der fünfziger und sechziger Jahre.

Die Staatsaus-

gaben bildeten einen immer größeren Anteil des Einkommens und verlagerten
sich von Kapitalgütern und Verteidigung hin auf Einkommentransfers.
durchgreifenden Steuersätze sind weiter scharf angestiegen.

Die

Die Steuer-

strukturen und Steuerniveaus machen jede Innovations- und Risikobereitschaft
nutzlos.

Die Industrie ist in einem beengenden Netz von Bestimmungen ver-

strickt.

Formelle und informelle Indexierung neigt dazu, relative Preise

festzulegen und Anreize zur Bewegung von Geldmitteln zwischen den Industrien
und den Sektoren abzuschwächen.

Kurz:

wir brauchen eine Reorientierung der Wirtschaftspolitik, eine

stärkere Konzentration auf die Angebotsseite, eine Verminderung der Starrheit
und der Wirkungslosigkeit, die Versorgungspässe im ganzen Land hervorrufen.
Diese Aufgabe beinhaltet auch den Wiederaufbau unseres Grundkapitals, die
Wiederbelebung der Wachstumsproduktivität, die Verminderung der strukturellen
Arbeitslosigkeit, zusätzlich zur Schaffung einer neuen Grundlage für den
Energiebedarf unserer Wirtschaft.

Teilweise gilt das für alle Teilnehmerländer am Gipfeltreffen.

Lassen

Sie mich aus dem Tokio-Kommunique zitieren:
"Wir
- 9 -

�"Wir sind übereinstimmend der Auffassung, daß wir mehr zur Verbesserung
der langfristigen Produktivität und Anpassungsfähigkeit unserer Volkswirtschaften tun müssen.
sein:

Hierfür erforderliche Schritte könnten unter anderem

höhere Anreize für Investitionen sowie für Forschung und Entwicklung,

Maßnahmen zur Erleichterung der Abwanderung von Kapital und Arbeit aus rückläufigen in neue Industrien sowie administrative Regelungen, die eine unnötige
Beeinträchtigung von Investitionen und Produktivität vermeiden, vermindertes
Anwachsen der laufenden Ausgaben in einigen Bereichen der öffentlichen Hand
und Beseitigung von Hemmnissen der internationalen Handels- und Kapital stromes."
Die Lösung jeder dieser Aufgaben wird lange dauern und große Opfer
fordern.

Zusammen bilden sie eine grundlegende politische und wirt-

schaftliche Herausforderung.

Das Geschäft des Politikers ist seiner Natur

nach leichter und sicherer, wenn es darin besteht, viel Geld für Projekte
auszugeben, die sich rasch auszahlen und den Wählern gefallen.

Dies gilt

für die Vereinigten Staaten ebenso wie für die Bundesrepublik Deutschland,
für Japan, Frankreich, Kanada, Großbritannien oder Italien. Aber der Zeitraum,
der notwendig ist, um einen spürbaren Gewinn aus den Investitionen für eine
verbesserte Versorgung zu ziehen, ist viel länger als jede Wahlperiode im
politischen Kalender eines jeden der am Gipfel beteiligten Länder.

Die Frage

ist, ob wir den Willen, die Klugheit und Disziplin haben werden, um einen
mittelfrisitgen Kurs durchzuhalten, der kurzfristige Opfer, aber langfristig
Gewinne verspricht.

Wir sind uns alle der mit dieser Anstrengung verbundenen

Schwierigkeit bewußt. Aber wir sind überzeugt, daß das amerikanische Volk
und unsere Verbündeten am Verhandlungstisch des Gipfeltreffens die Stärke
und die Geduld für diese Aufgabe haben werden.

+ + + + +

- 10 -

�</text>
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und
Dokumentation

1

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

18, J u l i 1979

INHALT

DOKUMENTATION

Präsident Carter:

Wir alle müssen Opfer bringen

- Wortlaut der Rede zur Energiekrise -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

18. Juli 1979

PRÄSIDENT CARTER:

WIR ALLE MÜSSEN OPFER BRINGEN

- Wortlaut der Rede zur Energiekrise -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Präsident Jimmy Carter hat
am 15. Juli in einer mit Spannung erwarteten Rede das amerikanische Volk
aufgefordert, zusammenzustehen und gemeinsam Opfer zu bringen, um die
Energiekrise zu überwinden. Er legte ein Sechs-Punkte-Programm für konkrete
Maßnahmen im Energiebereich vor, um die Rückkehr der USA zur Unabhängigkeit
zu ermöglichen. Gleichzeitig appellierte der Präsident mit Nachdruck an
das amerikanische Volk, die Erosion des Vertrauens in die Zukunft sowie die
Krise des nationalen Selbstvertrauens zu überwinden.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
"Dies ist für mich ein ganz besonderer Abend:

vor genau drei Jahren,

am 15. Juli 1976 nahm ich die Nominierung meiner Partei an, um mich um das
Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bewerben.

Ich versprach Ihnen

einen Präsidenten, der nicht von seinem Volk isoliert sein würde - der Ihre
Schmerzen fühlt, der Ihre Träume teilt und der seine Stärke und seine
Weisheit von Ihnen bekommt.
Während

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Während der letzten drei Jahre habe ich bei vielen Gelegenheiten zu
Ihnen gesprochen über Themen, die die Nation betreffen:

die Energiekrise,

die Reorganisation der Regierung, unsere Volkswirtschaft,. Kriegsfragen und
vor allem über Frieden.
Aber im Verlauf dieser Jahre schränkten sich die Themen dieser Reden,
Gespräche und. Pressekonferenzen ein, sie konzentrierten sich immer mehr auf
das, was die isolierte Welt in Washington für wichtig hielt.

Allmählich

hörten Sie immer mehr davon, was die Regierung denkt oder was die Regierung
tun sollte - und immer weniger von den Hoffnungen der Nation, von unseren
Träumen und. dem Bild, das wir uns von der Zukunft machen.
Vor zehn Tagen wollte, ich wieder zu Ihnen sprechen über ein sehr
wi-chtnges Thema:

Energie. Zum fünften Mal hätte ich dann die Dringlichkeit

des Problems beschrieben und eine Serie gesetzgeberischer Empfehlungen an
den Kongreß gerichtet. Aber als ich die Rede vorbereitete, begann ich mir
die gleiche Frage zu stellen, von der ich weiß, daß sie auch viele von Ihnen
beunruhigt:

warum waren wir nicht als Nation in der Lage zusammenzukommen,

um unsere schwerwiegenden Energieprobleme zu lösen?

Es ist offenkundig,

daß die wahren Probleme unserer Nation viel tiefer liegen - tiefer als
Benzinschlangen oder Energieknappheit, tiefer sogar als Inflation oder
Rezession.

Und deutlicher denn je erkannte ich, daß ich als Präsident Ihre

Hilfe brauche.
So entschloß ich mich, meine Hand auszustrecken und die Stimmen
Amerikas anzuhören. Ich lud Menschen aus nahezu allen Bereichen unserer
Gesellschaft nach Camp David ein: Wirtschaft und Arbeit; Lehrer und
Pfarrer; Gouverneure, Bürgermeister und Privatpersonen. Dann verließ ich
Camp David,, um andere Amerikaner anzuhören, Männer und Frauen wie Sie.
Es waren zehn außergewöhnliche Tage, und ich möchte mit Ihnen teilen, was
ich gehört habe.
Vor

- 2 -

�Vor allem bekam ich eine Menge persönlicher Ratschläge.

Lassen Sie

mich einige der typischen Kommentare zitieren, die ich mir niedergeschrieben
habe:
Etwa diesen von einem Gouverneur aus dem Süden:

"Herr Präsident, Sie

führen diese Nation nicht, Sie managen nur die Regierung!"
"Sie sehen das Volk nicht mehr genug "
"Einige Mitglieder Ihres Kabinetts scheinen nicht loyal zu sein.

Es

gibt unter Ihren Anhängern nicht genug Disziplin".
"Sprechen Sie nicht über Politik zu uns oder über den Mechanismus
des Regierens, sondern über unser Verständnis vom Gemeinwesen."
"Herr Präsident, wir sind in Schwierigkeiten,

Sprechen Sie zu uns

über Blut, Schweiß und Tränen."
"Wenn Sie führen, Herr Präsident, werden wir folgen."
Viele Leute sprachen über sich selbst - und über die Lage unserer
Nation:
Dies sagte mir eine junge Frau aus Pennsylvanien: "Ich fühle mich so
weit weg von der Regierung. Ich fühle, wie die einfachen Leute von der
politischen Macht ausgeschlossen sind,"
Und dies sagte mir ein junger Americano-Mexikaner: "Einige von uns
haben ihr ganzes Leben lang unter der Rezession gelitten,"
"Einige haben Energie verschwendet, aber andere hatten ja nichts,um es
zu verschwenden."
Und
- 3 -

�Und ein religiöser Führer sagte:

"Keine Knappheit an materiellen

Dingen kann die wichtigen Dinge berühren, wie die Liebe Gottes zu uns und
unsere Liebe zueinander."
Besonders mag ich das Wort einer Schwarzen, die Bürgermeisterin eines
kleinen Ortes in Mississippi ist:
wichtig sind.

Denken Sie daran:

"Die Großen sind nicht die einzigen, die
Sie können nichts in Wall Street verkaufen,

wenn es nicht vorher von jemand anderem irgendwo ausgegraben wird."
Dies faßte irgendwie eine Menge der anderen Aussprüche zusammen:
"Herr Präsident, wir stehen einer moralischen und einer geistigen Krise
gegenüber."
Mehrere unserer Diskussionen behandelten die Energiefrage, und ich habe
ein ganzes Notizbuch voller Kommentare und Ratschläge. Ich will nur ein
paar vorlesen.
•

"Wir können nicht weiterhin 40 Prozent mehr Energie verbrauchen, als
wir produzieren."
"Wenn wir ül einführen, führen wir zugleich Inflation plus Arbeitslosigkeit ein."
"Wir müssen das verwenden, was wir selbst haben. Der Nahe Osten
verfügt nur über 5 Prozent der Weltenergie, aber die Vereinigten Staaten
über 24 Prozent."
Und einer der bildhaftesten Aussprüche:

"Wir strecken den Hals über

den Zaun, und die OPEC hat das Messer in der Hand".

�"Es wird andere Kartelle und andere Mangel lagen geben.

Das amerikanische

Wissen und der amerikanische Mut können jetzt einen Weg einschlagen, den
wir in Zukunft verfolgen."
Auch das war gut:

"Haben Sie Mut, Herr Präsident. Wir machen vielleicht

Fehler, aber wir sind bereit zu einem Experiment."
Und dieser Satz eines Gewerkschaftsführers traf den Kern:
Thema ist die Freiheit."

"Das wirkliche

"Wir müssen mit dem Energieproblem auf Kriegsfuß leben."
Und das letzte Zitat, das ich vorlesen will: "Wenn wir mit dem moralischen
Gegenstück zum Krieg beginnen,Herr Präsident, dann verteilen Sie keine Luftgewehre."
Diese zehn Tage bestärkten mich in meinem Glauben an die Anständigkeit,
die Stärke und die Weisheit des amerikanischen Volkes. Aber sie brachten
auch wieder einige meiner langgehegten Bedenken zum Vorschein und zeigten
die zugrundeliegenden Probleme unserer Nation.
Als Präsident weiß ich natürlich, daß die Regierungstätigkeit und die
Gesetzgebung sehr wichtig sein können. Aus diesem Grund habe ich ja so hart
gearbeitet, um meine Wahlversprechen in Gesetze umzuwandeln, dies- ich muß
es gestehen - mit unterschiedlichem Erfolg. Aber nachdem ich dem amerikanischen Volk zugehört habe, wurde ich wieder daran erinnert, daß keine
Gesetzgebung der Welt zurechtrücken kann, was mit Amerika nicht in Ordnung
ist.
Deshalb möchte ich heute abend zu Ihnen über ein Thema sprechen, das
sogar noch dringlicher ist als Energie oder Inflation.
Ich

- 5 -

�*

Ich möchte zu Ihnen jetzt über eine grundlegende Bedrohung der
amerikanischen Demokratie sprechen.
Ich meine damit nicht unsere politischen oder bürgerlichen Freiheiten.
Sie werden fortdauern.

Und ich beziehe mich nicht auf die auswärtige

Stärke Amerikas - einer Nation, die heute abend in Frieden mit der ganzen
Welt lebt und die eine unvergleichliche wirtschaftliche Stärke und militärische
Macht besitzt.
Die Bedrohung ist auf den ersten Blick fast unsichtbar.
Vertrauenskrise.

Es ist eine

Es ist eine Krise, die mitten in das Herz, die Seele und

den Geist unseres nationalen Willens trifft.

Wir können diese Krise erkennen

am wachsenden Zweifel an der Bedeutung unseres eigenen Lebens und im Verlust
des einheitlichen Sinnes unserer Nation.

Die Erosion unseres Vertrauens in

die Zukunft droht, die soziale und politische Struktur Amerikas zu zerstören.
Das Vertrauen, das wir zu jeder Zeit als Volk gehabt haben, ist nicht
einfach nur irgendein romantischer Traum oder ein Sprichwort in einem
verstaubten Buch, das wir nur am 4. Juli lesen. Es ist die Idee, die unsere
Nation begründete und die unsere Entwicklung als Volk geleitet hat. Vertrauen
in die Zukunft hat alles andere getragen - öffentliche Einrichtungen und
private Unternehmen, unsere eigenen Familien und die Verfassung der Vereinigten
Staaten selbst.
Vertrauen hat unseren Kurs festgelegt und hat als Verbindungsglied
zwischen den Generationen gedient. Wir haben immer an etwas geglaubt,
das man Fortschritt nannte; wir hatten immer den Glauben, daß das Leben
unserer Kinder besser sein würde als unser eigenes. Unser Volk verliert
diesen Glauben, nicht nur in der Regierung selbst, sondern bei der Fähigkeit
des Bürgers,als höchster Lenker und Former unserer Demokratie zu dienen.
Als

�Als Volk kennen wir unsere Vergangenheit und sind stolz darauf.
Fortschritt ist Teil der lebenden Geschichte Amerikas gewesen.

Unser

Wir waren

immer in dem Glauben, daß wir Teil einer großen Bewegung der Menschheit selbst
waren, Demokratie genannt, verwickelt in die Suche nach der Freiheit - und
dieser Glaube hat uns immer in diesem Sinn und Zweck gestärkt. Aber genauso
wie wir unser Vertrauen in die Zukunft verlieren, beginnen wir das Tor zu
unserer Vergangenheit zuzuschlagen.
In einem Volk, das stolz war auf harte Arbeit, feste Familien, enge
Gemeinschaften und Glauben an Gott, streben jetzt zu viele nach Anbetung
von Genußsucht und Verbrauch.

Die menschliche Identität wird nicht mehr

dadurch definiert, was man tut, sondern was man besitzt. Aber wir haben
bemerkt, daß der Besitz von Dingen und der Konsum von Dingen nicht unseren
Wunsch nach Bedeutung befriedigt.

Wir haben gelernt, daß das Anhäufen

materieller Dinge nicht die Leere eines Lebens füllen kann, das kein Vertrauen
und kein Ziel hat.
Die Symptome dieser Krise des amerikanischen Geistes finden wir überall
um uns.
Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes, glaubt die Mehrheit
unseres Volkes, daß die nächsten fünf Jahre schlechter sein werden als die
vergangenen fünf Jahre.
Zwei Drittel unseres Volkes wählen noch nicht einmal.
Die Produktivität der amerikanischen Arbeiter fällt, und die Bereitschaft der Amerikaner, für die Zukunft zu sparen, ist unter die aller Völker
der westlichen Welt gesunken.
Wie Sie wissen, herrscht eine wachsende Respektlosigkeit gegenüber der
Regierung, den Kirchen, den Schulen, den Nachrichtenmedien und anderen

- 7 -

�anderen Institutionen.
Dies ist keine Botschaft des Glückes oder der Versicherung, aber es
ist die Wahrheit, und es ist eine Warnung.
Diese Änderungen traten nicht über Nacht ein.

Sie sind allmählich

über uns gekommen, während der letzten Generation, in Jahren, die mit Erschütterungen und mit Tragödien gefüllt waren.
Wir waren sicher, daß unser Volk ein Volk der Wahlzettel und nicht der
Waffen war - bis zur Ermordung von John Kennedy, Robert Kennedy und Martin
Luther King Jr.
Man lehrte uns, daß unsere Armeen stets unbesiegbar seien und unsere
Sprache immer gerecht - und doch mußten wir die Qualen von Vietnam erleiden.
Wir respektierten die Präsidentschaft als einen Ehrenplatz - bis zu
den Erschütterungen von Watergate.
Wir erinnern uns daran, als der Satz "Gesund wie ein Dollar" ein
Ausdruck der Verläßlichkeit war - bis zehn Jahre Inflation anfingen,unseren
Dollar und unsere Ersparnisse schrumpfen zu lassen.
Wir glaubten daran, daß die Ressourcen unseres Landes kein Ende nähmen bis wir 1973 unsere wachsende Abhängigkeit von ausländischem öl erkennen
mußten.
Diese Wunden sind noch immer sehr tief.

Sie sind nie geheilt worden.

Auf der Suche nach einem Weg aus dieser Krise hat sich unser Volk an
die Bundesregierung gewandt und fand sie isoliert vom großen Lebensstrom.
Washington D.C. ist eine Insel geworden. Die Kluft zwischen unseren Bürgern

�Bürgern war niemals so weit.
Das amerikanische Volk sucht nach ehrlichen Antworten, nicht nach
leichten Antworten - nach klarer Führung, nicht nach falschen Ansprüchen,
ausweichendem Verhalten und üblicher Politik. Was Sie in Washington und
auch anderswo im Lande zu oft erleben, ist ein Regierungssystem, das unfähig
zum Handeln zu sein scheint. Sie erleben einen Kongreß, der durch hunderte
von gutfinanzierten und mächtigen Sonderinteressen im den Finger gewickelt
und nach allen Richtungen gezerrt wird. Sie erleben, daß jede extreme
Position bis zur letzten Stimme, fast bis zum letzten Atemzug von dieser oder
jener unnachgiebigen Gruppe verteidigt wird. Oft genug erleben Sie, wie
eine ausgewogene und faire Position, die Opfer, ein kleines Opfer von jedem
verlangt, verlassen wird wie ein Waisenkind ohne Unterstützung und ohne
Freunde. Oft erleben Sie Lähmung und Stagnation und ein Sichtreibenlassen.
Sie mögen das nicht,und ich mag es auch nicht.
Was können wir tun?

Vor allem müssen wir der Wahrheit ins Auge blicken,

und erst dann können wir unseren Kurs ändern.

Wir müssen ganz einfach

aneinander glauben, wir müssen an unsere Fähigkeit glauben, uns selbst zu
regieren, und wir müssen an die Zukunft dieser Nation glauben.
Diesen Glauben upd dieses Vertrauen in Amerika zu erneuern, ist jetzt
die wichtigste Aufgabe, der wir gegenüberstehen, es ist die eigentliche
Herausforderung für diese Generation von Amerikanern.
Einer der Besucher in Camp David letzte Woche formulierte es so:
"Wir müssen aufhören zu weinen und anfangen zu schwitzen; aufhören zu
reden und anfangen zu laufen; aufhören zu fluchen und anfangen zu beten.
Die Stärke, die wir brauchen, wird nicht aus dem Weißen Haus kommen,
sondern aus jedem Haus in Amerika."
Wir

- 9 -

�Wir kennen die Stärke Amerikas.
Einheit wiedergewinnen.

Wir sind stark.

Wir können unsere

Wir können unser Vertrauen wiedergewinnen.

Wir

sind die Erben von Generationen, die stärkere und schmerzlichere Bedrohungen
überlebt haben, als die, die uns jetzt herausfordern.

Unsere Väter und Mütter

waren starke Männer und Frauen, die während der großen Wirtschaftskrise äne
neue Gesellschaft formten, die in Weltkriegen kämpften und eine neue Charta
des Friedens für die Welt entwarfen.
Wir selbst sind dieselben Amerikaner, die vor nur zehn Jahren einen
Mann auf den Mond brachten.

Wir sind die Generation, die unsere Gesellschaft

dem Streben nach Menschenrechten und Gleichheit verschrieben hat.

Und wir

sind die Generation, die den Krieg um das Energieproblem gewinnen wird - und
die dabei die Einigkeit und das Vertrauen von Amerika wiederherstellen wird.
Wir befinden uns an einem Wendepunkt unserer Geschichte.
Es gibt zwei Wege, die wir wählen können.
Der eine ist der Weg, vor dem ich heute nacht gewarnt habe - der Weg,
der uns in Zersplitterung und Eigennutz führt. Am Ende dieses Weges liegt
eine falschverstandene Idee der Freiheit - das Recht, einen Vorteil vor
anderen an sich zu reißen. Dieser Weg wäre ein Weg des dauernden Streitens
zwischen engen Sonderinteressen, der in Chaos und Unbeweglichkeit enden würde.
Es ist der sichere Weg in den Untergang.
All die Traditionen unserer Vergangenheit, all die Lehren unseres Erbes,
alle die Versprechen für unsere Zukunft weisen auf einen anderen Weg, den
Weg der gemeinsamen Zielsetzung und der Erneuerung der amerikanischen Werte.
Dieser Weg führt zu echter Freiheit, für unsere Nation und für uns selbst.
Wir können die ersten Schritte auf diesem Weg gehen, indem wir anfangen,
unser Energieproblem zu lösen.

Energie wird die unmittelbare Bewährungsprobe

�Bewährungsprobe für unsere Fähigkeit sein, diese Nation zu einen.

Sie

kann auch das Banner sein, um das wir uns scharen. Auf dem Schlachtfeld
der Energie können wir für unsere Nation ein neues Vertrauen gewinnen, und
wir können unser gemeinsames Schicksal in die Hand nehmen.
In etwas über zwei Jahrzehnten sind wir von einer Position der Energieunabhängigkeit in eine andere Situation geraten, in der fast die Hafte des
verbrauchten Öls aus dem Ausland kommt - zu Preisen, die aus allen Fugen
geraten. Unsere übermäßige Abhängigkeit von den OPEC-Ländern hat von
unserer Wirtschaft und unserem Volk bereits einen hohen Tribut gefordert.
Das ist die direkte Ursache für die langen Schlangen, in denen Millionen von
Ihnen ärgerliche Stunden des Wartens auf Benzin verbrachten. Das ist die
Ursache für verstärkte Inflation und Arbeitslosigkeit, vor denen wir jetzt
stehen. Diese unerträgliche Abhängigkeit von ausländischem öl bedroht unsere
wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Sicherheit unseres Landes. Die
Energiekrise ist Wirklichkeit. Sie ist weltweit. Sie ist eine deutliche
und gegenwärtige Gefahr für unser Land. Das sind Tatsachen, und wir müssen uns
ihnen ganz einfach stellen.
Was ich Ihnen jetzt über Energie zu sagen habe, ist einfach und zugleich
lebenswichtig:
Punkt 1: Ich setze heute nacht ein klares Ziel für die Energiepolitik
der Vereinigten Staaten. Von diesem Moment an wird das Land niemals mehr
ausländisches öl verbrauchen als im Jahr 1977 - niemals. Von jetzt an wird
jede zusätzliche Nachfrage nach Energie durch unsere eigene Produktion und
durch eigene Einsparung befriedigt werden. Unserer eine Generation lang
währenden wachsenden Abhängigkeit von ausländischem öl wird ab sofort
Einhalt geboten - und auf dem Weg in die achtziger Jahre wird eine Umkehr
eintreten. Denn heute nacht setze ich das weitere Ziel, unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl bis zum Ende der nächsten zehn Jahre um die Hälfte
zu verringern - was eine Einsparung von über 4,5 Millionen Barrel importierten

- 11 -

�importierten Öls pro Tag bedeutet.
Punkt 2: Um sicherzustellen, daß wir diese Ziele erreichen, werde ich
die Vollmacht des Präsidenten einsetzen, um Importquoten festzulegen.

Ich

kündige heute nacht an, daß ich für 1979 und 1980 die Einfuhr jeden zusätzlichen
Tropfens ausländischen Öls in unser Land verbiete, der über diese Ziele
hinausgeht.

Diese Quoten werden eine Einfuhrminderung sicherstellen, die noch

unter den ehrgeizigen Grenzwerten liegen wird, die wir kürzlich auf dem
Tokioter Gipfel festlegten.
Punkt 3:

Um uns Sicherheit im Energiebereich zu geben, fordere ich

den massivsten Einsatz von Mitteln und Ressourcen der Geschichte unseres
Landes in Friedenszeiten, um Amerikas eigene alternative Energiequellen zu
entwickeln - aus Kohle, Ölschiefer, pflanzlichen Produkten für Gasohol,
aus nicht herkömmlichem Gas, von der Sonne.

Ich schlage die Schaffung

einer Energiesicherungsgesellschaft vor, um die Anstrengung zu leiten, im
Jahr 1990 2,5 Millionen Barrel importierten Öls pro Tag zu ersetzen.

Die

Gesellschaft wird bis zu 5 Milliarden Dollar an Energieobligationen auflegen,
und ich möchte sie vor allem in kleiner Stückelung aufgelegt wissen, damit
auch der Durchschnittsamerikaner direkt in Amerikas Energiesicherheit
investieren kann.
So wie uns damals eine ähnliche Gesellschaft für synthetischen Gummi
dabei half, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen, werden wir auch die
amerikanische Entschlossenheit und Fähigkeit mobilisieren, den Energiekrieg
zu gewinnen. Darüber hinaus werde ich dem Kongreß Gesetzesentwürfe zur
Gründung der ersten Sonnenbank dieses Landes vorlegen - was uns dabei helfen
wird, das entscheidende Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2000 rund 20 Prozent
unserer Energie aus Sonnenenergie zu gewinnen. Diese Anstrengungen werden
Geld kosten, eine Menge Geld, und deshalb muß der Kongreß nunmehr ohne
Verzögerung die Sondersteuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits)
verabschieden. Es wird sinnvoll ausgegebenes Geld sein. Im Gegensatz _zu_

�zu den Milliarden von Dollar, die wir ins Ausland schicken, um für das
ausländische öl zu bezahlen, werden diese Mittel von Amerikanern für
Amerikaner aufgewandt.

Diese Mittel werden die Inflation und die Arbeits-

losigkeit bekämpfen und nicht verschärfen.
Punkt 4: Ich ersuche den Kongreß, zu verfügen - gesetzlich zu fordern daß unsere öffentlichen Versorgungsbetriebe ihren umfangreichen Ölverbrauch
innerhalb der nächsten zehn Jahre um 50 Prozent senken und auf andere Brennstoffe übergehen, vor allem Kohle, unsere reichlichste Energiequelle.
Punkt 5:

Um absolut sicherzustellen, daß der Erreichung dieser Ziele

nichts im Wege steht, werde ich dem Kongreß gegenüber darauf drängen, eine
Energiemobilisierungsbehörde zu schaffen, die genauso wie die Kriegsproduktionsbehörde im Zweiten Weltkrieg die Verantwortung und die Befugnis haben wird,
die Verzögerungen und endlosen Hindernisse der Bürokratie zu umgehen, um die
wichtigsten Energieprojekte zu vollenden.
Wir werden unsere Umwelt schützen, aber wenn dieses Land dringend eine
Raffinerie oder eine Erdölleitung braucht, dann werden wir sie bauen.
Punkt 6: Ich schlage ein mutiges Einsparungsprogramm vor, um jeden
Einzelstaat, jeden Landkreis und jede Stadt - ja jeden Durchschnittsamerikaner - in unsere Energieschlacht einzubeziehen. Diese Anstrengung
wird es Ihnen ermöglichen, Einsparungsmaßnahmen in Ihrem Haus und in Ihrem
Leben zu ergreifen, zu Kosten, die Sie aufbringen können. Ich ersuche den
Kongreß, mir die Vollmacht für Einsparungsvorschriften zu geben - und eine
vorsorgliche Vollmacht für die Rationierung von Benzin. Zur weiteren
Energieeinsparung schlage ich heute zusätzliche 10 Milliarden Dollar vor,
auf die nächsten zehn Jahre verteilt, um unser öffentliches Transportsystem zu verbessern. Und ich ersuche Sie - zu Ihrem eigenen Nutzen und
zur Sicherheit Ihres Landes - keine unnötigen Autofahrten zu unternehmen,
Autos gemeinsam zu benutzen oder öffentliche Verkehrsmittel, wann immer Sie

- 13 -

�Sie können, Ihr Auto einen zusätzlichen Tag pro Woche zu Hause zu lassen,
die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu beachten und Ihre Thermostaten so einzustellen, daß Sie Brennstoff sparen.

Jede solche Handlung zur Energieeinsparung

ist mehr als nur ein Zeichen des gesunden Menschenverstandes, es ist, das
sage ich Ihnen, eine patriotische Tat.

Unsere Nation muß fair gegenüber den

ärmsten unter uns sein - deshalb werden wir die Sozialhilfe für bedürftige
Amerikaner erhöhen, damit sie mit den steigenden Energiepreisen fertig werden
können.
Oft denken wir an Einsparung nur im Sinn von Opfer.

Tatsächlich ist es

der schmerzloseste und direkteste Weg, um die Stärke unseres Landes wiederherzustellen.
Jede Gallone öl, die jeder von uns einspart, ist eine neue Art der
Produktion - es gibt uns mehr Freiheit, mehr Vertrauen, und so viel mehr
Herrschaft über unser eigenes Leben.
So kann die Lösung unserer Energiekrise uns dabei helfen, die geistige
Krise in unserem Land zu meistern. Sie kann unser Einheitsgefühl neu beleben,
unser Vertrauen in die Zukunft und kann unserer Nation und jedem von uns
als Einzelmensch einen neuen Sinn des Lebens geben.
Sie wissen, daß wir es vollbringen können. Wir besitzen die natürlichen
Ressourcen, wir besitzen mehr öl allein in unserem Ölschiefer als einige
Saudiarabien, wir haben mehr Kohle als jedes andere Land der Welt. Wir haben
den höchsten Stand der Technologie in der ganzen Welt. Wir haben die besten
Facharbeiter mit schöpferischer Kraft zur Neuerung, und ich glaube fest daran,
daß wir den nationalen Willen haben, diesen Krieg zu gewinnen.
Ich verspreche Ihnen nicht, daß dieser Kampf um Freiheit leicht sein
wird.

- 14 -

�Was ich Ihnen verspreche, ist, daß ich unseren Kampf führen werde.
Und ich werde in unserem Kampf die Fairness zum Tragen bringen.

Und ich

werde Ehrlichkeit garantieren - und vor allem,ich werde handeln.
Wir können und werden mit kurzfristigen Mangel lagen wirkungsvoller
fertig werden. Aber es gibt keine kurzfristigen Lösungen für unsere langfristigen Probleme.

Es gibt einfach keinen Weg, der um Opfer herumführt.

In 12 Stunden werde ich in Kansas City wieder sprechen, um die weiteren
Energieziele zu umreißen und zu erklären.
So wie die Suche nach Lösungen für unsere Energieknappheit uns ein neues
Bewußtsein der tieferen Probleme unserer Nation vermittelt hat, so kann unsere
Bereitschaft, für diese Lösungen der Energiekrise zu arbeiten, uns stärken für
den Angriff auf jene tieferliegenden Probleme. Ich werde weiter in diesem
Land herumreisen, um das amerikanische Volk anzuhören. Sie können mir dabei
helfen, einen nationalen Aufgabenkatalog für die achtziger Jahre aufzustellen.
Ich werde zuhören. Und ich werde handeln. Wir werden zusammen handeln.
Das waren die Versprechen, die ich vor drei Jahren abgegeben habe, und
ich habe die Absicht,sie zu halten.
Schritt für Schritt können und müssen wir unser Vertrauen erneuern.
Wir können Geld ausgeben, bis unsere Schatzkammern leer sind, und wir können
alle Wunder der Wissenschaft herbeirufen - aber wir können nur erfolgreich
sein, wenn wir unseren größten Schatz erschließen: das Volk Amerikas, die Werte
Amerikas und das Vertrauen Amerikas.
Ich sehe die Stärke Amerikas in den unerschöpflichen Quellen unseres
Volkes.
Lassen

- 15 -

�Lassen Sie uns diese Stärke in den kommenden Tagen erneuern im Kampf
um ein Land mit gesicherter Energie.
Lassen Sie mich dies zum Schluß sagen:
ich werde es nicht allein tun.

Ich werde mein Bestes tun, aber

Verschaffen sie Ihrer Stimme Gehör.

Sagen

Sie etwas Gutes über unser Land, wann immer Sie dazu Gelegenheit haben.

Mit

Gottes Hilfe und zum Wohl unserer Nation ist es Zeit für uns in Amerika, uns
die Hände zu reichen.
Verpflichten wir uns gemeinsam zu einer Wiedergeburt des amerikanischen
Geistes.

Wenn wir in unserem gemeinsamen Glauben zusammenarbeiten,

wir nicht scheitern.

+ + + + +

•

- 16 -

können

�</text>
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3

Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

18. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Rede Präsident Carters in Kansas City am 16. Juli 1979
- Gewaltige Energie-Investitionen angekündigt -

Um Uber/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 00
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

18. Juli 1979

REDE PRÄSIDENT CARTERS IN KANSAS CITY AM 16. JULI 1979
- Gewaltige Energie-Investitionen angekündigt -

KANSAS CITY, MISSOURI

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am

16. Juli 1979 seine große Rundfunk- und Fernsehansprache an das amerikanische
Volk vom Vortage in einer Rede vor dem Verband amerikanischer Landkreise in
Kansas City weiter ergänzt und gewaltige Investitionen zur Lösung der Energieprobleme der Vereinigten Staaten angekündigt.

Die Rede des Präsidenten hat

folgenden Wortlaut:
Senator Tom Eagleton, Senator Jack Danforth, meine Herren Mitglieder
des Kongresses Ike Skel&amp;on und Harold Volkmer, Präsidentin Charlotte Williams,
verehrte Gäste, meine Damen und Herren.
Sie haben sicher gehört,daß ich gestern abend über das Fernsehen zur
Nation gesprochen habe. Diese Rede enthielt die Ideen, die Sorgen, die
Träume, die Hoffnungen und das Streben vieler Amerikaner. Ihre eigene
Präsidentin, Charlotte Williams, kam nach Camp David, um mir bei der Abfassung dieser Rede zu helfen.
Gestern

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Gestern abend sprach ich zu Ihnen über die tiefen Wunden, an denen
unsere Gesellschaft leidet, und vor allem über meine tiefe Überzeugung, daß
wir die Kraft und den Willen haben, diese Wunden zu heilen und die Einheit
und die Zuversicht Amerikas wiederherzustellen.
Ich versprach gestern abend, daß ich auch weiterhin die dringlichsten
Probleme unseres Volkes mit meinen Landsleuten besprechen werde.

Und ich

versprach außerdem, daß ich weiter mit der Bevölkerung zusammenarbeiten werde,
um diese Probleme anzupacken.

Heute bin ich nach Kansas City gekommen, um Sie

zu treffen und genau das zu tun:

das Energieproblem zu besprechen und um

Ihre Hilfe für einen Erfolg zu erhalten.
Ich möchte eines wissen:

Wollen Sie mir dabei helfen, erfolgreich zu

sein?
Meine Überzeugung ist, daß fast alle Amerikaner genauso fühlen. So,
wie die Energieknappheit uns zwang, unseren tiefsten Ängsten und unserer
Zerrissenheit ins Auge zu blicken, so wird uns das Ziel eines energiegesicherten Amerikas dabei helfen, unsere Stärke und unsere Zuversicht als Volk
zu erneuern. Wir beginnen zu begreifen, daß die Ursachen für unsere Energiekrise weiter reichen als die Schlangen an den Zapfsäulen und die verschwenderischen Gewohnheiten. Die Ursache ist ein Vertrauensverlust, der
uns entzweit und bedroht und der über Jahre hinweg, über zu viele Jahre,
die Präsidenten, den Kongreß und ein großes Volk vom mutigen Handeln abgehalten hat, um sich dieser Herausforderung im Energiebereich zu stellen.
Aus diesem Grund müssen wir hier und heute entscheiden, daß wir uns neu
formieren können und werden, daß wir uns vereinen können und werden, daß
wir unser Vertrauen erneuern können und werden, daß wir die Schlacht um die
Lösung unserer Energieprobleme gewinnen, die Sicherheit unseres Landes kräftige
und unsere Stärke erhalten können und werden.
Es gibt keine simplen Antworten.

Aus diesem Grund werde ich auch

weiterhin neue Ideen erkunden, neue Fronten eröffnen und neue Angriffspunkte
entwickeln.

Deshalb suche ich nach immer mehr Amerikanern als Verbündete, die

�die sich mir in diesem Kampf um unsere Energiesicherung anschließen,
denn auf dem Schlachtfeld der Energie wird diese Demokratie, die wir lieben,
Widerstand leisten müssen, und auf diesem Schlachtfeld werden Sie und ich
im gemeinsamen Kampf Seite an Seite den Energiekrieg gewinnen.
Die tiefe Ursache der Energiekrise, des Energieproblems,der Energieherausforderung, der Energiechancen ist noch immer die gleiche wie vor
vielen Jahren - unsere massive, gefährliche, wachsende Abhängigkeit vom
öl und im besonderen unsere Abhängigkeit, unsere übermäßige Abhängigkeit,
von importiertem öl.
Vor einer Generation schickten wir mehr öl aus unserem Land heraus
als wir hereinbrachten. Jetzt importieren wir fast die Hälfte des Öls,
das wir verbrauchen, und nach der vorigen Preiserhöhung hat sich der Preis,
den wir der OPEC für unser öl bezahlen, in den letzten sieben Monaten
fast verdoppelt.
Durch den Regierungsumsturz vorigen Winter im fernen Iran haben wir
an Importen ungefähr 100 Millionen Barrel öl verloren.
Die Schlangen an den Zapfsäulen stehen in unmittelbarem Zusammenhang
mit dieser besonderen Verwundbarkeit, genauso wie der Mangel an Diesel für
unsere Bauern und unsere LKW-Fahrer und die augenblicklichen niedrigen
Heizöl Vorräte für unsere Heime vor Beginn des neuen Winters. Wir müssen
ganz einfach diese Bedrohung von unserem Volk abwenden. Ich muß handeln,
der Kongreß muß handeln, Sie alle müssen nunmehr ohne Zögern und mit
Entschlossenheit, mit Einigkeit, mit Mut und Zuversicht handeln. Ihre
Unterstützung für mich, die Sie kürzlich zum Ausdruck gebracht haben, läßt
mir keinen Zweifel daran, daß wir und dieses große Land Erfolg haben
werden.
Das

- 3 -

�Das erste, was wir tun müssen, ist, uns den Tatsachen zu stellen.

Es

gibt ganz einfach nicht genug öl auf der Welt, um die ganze Nachfrage aller
Völker in allen Ländern dieser Welt zu befriedigen.
Amerikaner fangen erst jetzt an, mit gesundem Menschenverstand zu
begreifen, daß es nur zwei Wege gibt, um die Versorgung sicherzustellen:
Einer besteht offensichtlich darin, unsere Nachfrage zu kontrollieren und
die Verschwendung von Energie einzuschränken;

der andere besteht darin,

unsere eigenen Energiequellen zu entwickeln, um ausländische Importe zu
ersetzen, damit wir wieder die Kontrolle über unser eigenes Schicksal erlangen.

Und ich verspreche, mit Ihrer Hilfe genau das zu tun.

Ich glaube daran, daß die Amerikaner zusammenstehen werden, wenn auf
allen Ebenen der Regierung eine gute Führung sichtbar wird - nicht nur im
Weißen Haus, sondern auch in allen Amtsgebäuden.

Es muß klare, faire Ziele

und Programme geben, und wir müssen mutig, gelegentlich auch ohne Rücksicht
auf die politischen Konsequenzen, die Programme durchführen, von denen wir
wissen, daß sie am besten für das Volk sind, das uns gewählt hat, es zu
führen.
Lassen Sie mich damit beginnen, klarzustellen, welches in diesem Moment
unsere Prioritäten bei der Verwendung der gegenwärtigen öl Vorräte sind.
Meine höchste Priorität als Präsident ist es, das Leben und das Wohlergehen
aller Amerikaner zu schützen. Aus diesem Grund müssen unsere Notdienste
wie Polizei, Feuerwehr und Gesundheitsdienst erhalten werden. Das gilt für
die elementaren Ansprüche wie Nahrung und Wohnung.
Wir brauchen Brennstoff, um Lebensmittel herzustellen und zu verteilen.
Wir brauchen Heizmaterial, um im kommenden Winter in nahezu allen Teilen
dieses Landes»besonders natürlich in unseren nördlichen Bundesstaaten,zu
verhindern, daß Menschen leiden.
Wir

�Wir haben unsere Brennstoffvorräte für den Winter aufgrund der früheren
Versorgungskürzungen aus dem Iran schon angebrochen,
habe.

Wir müssen sie ganz einfach wieder aufstocken.

wie ich schon erwähnt
Das tun wir jetzt und

wir werden das Ziel erreichen, das ich für unser Land gesetzt habe.
Wir werden begrenzte Vorräte an Benzin fair und gleichmäßig unter den
Kraftfahrern dieses Landes aufteilen. Es gibt Dinge, die wir tun können,
um mit der gegenwärtigen Energieknappheit fertigzuwerden. Wir können es
besser tun, und wir werden das schaffen.
Wir drängen zum Beispiel die Raffinerien, ihre Produktion von Brennstoff
und Heizöl anzuheben.

Das wird als Nebenprodukt auch mehr Benzin ergeben.

Wir fordern von der Ölindustrie Zusammenarbeit. Wenn sie nicht freiwillig mit uns zusammenarbeitet, werden wir nicht zögern, die Vollmachten,
die Vollmachten, die ich besitze, dafür einzusetzen, um von den ölgesellschaften
zu verlangen, den elementaren Energiebedarf unserer Nation zu befriedigen.
Die ölgesellschaften müssen mitarbeiten.
Ich habe fast 200 Revisoren im Lande eingesetzt, um sicherzustellen,
daß die Raffinerien Amerikas sich an das Gesetz halten, und noch 400 weitere
werden losgeschickt, um die Brennstoffzwischenhändler und -händler zu überwachen,.
Auf meine Anweisung hin überprüfen das Justizministerium und das Energieministerium gemeinsam die ölgesellschaften, um festzustellen, ob die gegenwärtige Knappheit mit irgendwelchen unsauberen oder ungesetzlichen Handlungen
in Zusammenhang steht.

Wir werden die ganze Macht des Gesetzes bei denjenigen

anwenden, die von dieser nationalen Knappheit profitieren oder die versuchen,
die amerikanische Öffentlichkeit zu betrügen.
Wir haben jetzt eine unabhängige Vertragsfirma zur Überprüfung der
Wirksamkeit des neuen Energieministeriums bei der Kontrolle der Daten der
Ölindustrie eingesetzt.

Es ist sehr schwierig, genaue Informationen zu er-

halten, aber ich möchte sicherstellen, daß die Informationen, die wir erlangen
- 5 -

�erlangen und an das amerikanische Volk weitergeben, absolut korrekt
sind.
•

Ich habe der Energieinformationsbehörde, die eine unabhängige Einrichtung
ist, die Anordnung erteilt, ihren wöchentlichen Bericht an unsere Nachrichtenmedien im ganzen Land zu schicken, um mitzuteilen, wie hoch unsere Energievorräte in der entsprechenden Woche sind.
•

Ich möchte, daß die interessierte amerikanische Öffentlichkeit, einzelne
Bürger wie Sie, mit der Energielage genauso vertraut sind, wie mit den
örtlichen Wetterberichten.
•

Aber lassen Sie mich auch jetzt wieder ganz ehrlich und sehr direkt
zu Ihnen sein. Nichts von dem, was ich hier beschrieben habe, spart öl
oder schafft öl. Kurzfristig werden wir ganz einfach ein begrenztes Angebot
strecken müssen. Wir werden eine Art Verteilerspiel treiben müssen, um
die öl Vorräte unter unseren Landwirten, unseren Lastwagenfahrern, unseren
Hausbesitzern, der Industrie und natürlich auch unter den Kraftfahrern
aufzuteilen.
Dies wird so lange dauern, bis sich unsere langfristigen Anstrengungen
auzuzahlen beginnen. Deshalb fordere ich den Kongreß auf, mir die Vollmacht
zu geben, zwingende Sparziele für jeden Bundesstaat festzusetzen und um
zwingende Sparmaßnahmen zu verhängen.
.

•

Wenn ein Einzelstaat diese Ziele verfehlt, möchte ich zunächst den
örtlichen und einzelstaatlichen Behörden diese Befugnisse übertragen - in
der Hoffnung, daß sie alle und alle Gouverneure diese Pflicht erfüllen.
Sollten Sie es nicht tun, werde ich als Präsident von Washington aus handeln.
•

„

Auch der Kongreß muß endlich handeln, um mir die Vollmacht zu erteilen,
einen Vorsorgeplan für die Benzinrationierung aufzustellen. Es ist absolut

�absolut entscheidend für uns, uns gegen die Möglichkeit weiterer schwerwiegender Unterbrechungen unserer Energieversorgung zu wappnen.

Wir wissen

nie, wann wir einen Großteil unserer alten Importe verlieren können.

Wenn

dies geschieht, wird uns ein Plan zur Benzinrationierung helfen, diese
begrenzten Vorräte gerecht zu verteilen.
Aber nunmehr möchte ich auf das Wichtigste zu sprechen kommen. Jeder
einzelne Amerikaner muß aufhören, Energie zu verschwenden. Ich möchte
einige Dinge nennen, die wir tun können, um uns in der augenblicklichen Krise
zu verteidigen.
Vor über zwei Jahren, Sie erinnern sich vielleicht, nannte ich die
Energiekrise das moralische Gegenstück zum Krieg. Die Ölindustrie,auch die
Medien haben darüber viele Witze gemacht. Nunmehr, da die Schlacht begonnen
hat, darf es keine Verzögerung mehr geben, und auch keinen Rückzug mehr.
Gestern abend unterbreitete ich eine allgemeine Strategie, um den
Energiekrieg zu gewinnen, eine Strategie, die uns in die Lage versetzten
wird, den neuen Energiebedarf von ganz Amerika durch Amerikas eigene Energiequellen zu decken.
Wir müssen sowohl bei der Einsparung als auch bei der Produktion
erfolgreich sein, denn von diesem Zeitpunkt an werden wir niemals mehr
auch nur einen Tropfen mehr öl einführen als vor zwei Jahren im Jahr 1977.
Ich ziehe unsere Verteidigungslinie hier und heute.
Nunmehr werde ich Ihnen eine der größten Zahlen nennen, die Sie je
gehört haben. Insgesamt sind wir dabei, die in Friedenszeiten beispiellose
Verpflichtung einer Investition von 140 Milliarden Dollar für die Energiesicherung Amerikas einzugehen, damit die Unabhängigkeit unseres Landes nie
mehr zur Geisel ausländischen Öls wird.
Woher

�Woher kommt das Geld?

Die gesamte Investition dieser Bundesmittel

muß von den Steuern für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profit tax)
der Ölindustrie kommen, die ich dem Kongreß vorgeschlagen habe.
Es ist jetzt entscheidender denn je, daß der Kongreß rasch eine hohe
und ständige Steuer für ungerechtfertigte Gewinne verabschiedet.

Und ich

möchte, daßjäder von Ihnen als Verantwortlicher in einem Landkreis und alle
Amerikaner, die meine Stimme hören, ihren ganzen Einfluß zum Tragen bringen,
um sicherzustellen, daß der Kongreß handelt, um dem amerikanischen Volk
die finanziellen Waffen zu geben, um den Energiekrieg zu gewinnen.
Ich möchte Sie kurz über einige der neuen Angriffspunkte informieren.
Jedes Jahr werde ich Ziele für die Menge des von uns importierten ausländischen
Öls festlegen.

Heute kündige ich die Quote für dieses Jahr, für 1979 an,

die die amerikanischen Einfuhren bei 8,2 Millionen Barrel pro Tag festschreiben
wird - 300 000 unter den Höchstgrenzen, die wir beim Gipfeltreffen in Tokio
festlegten und 400 000 Barrel pro Tag unter dem, was wir im Jahr 1977 verbrauchten.

Und wir werden dieses Ziel erreichen.

Die Energiesicherungsbehörde, die ich gestern abend vorschlug, um
amerikanische Energie aus neuen Quellen zu produzieren,wird nicht einfach
nur eine weitere Bundesbehörde sein. Sie wird außerhalb der Bundesregierung
stehen, außerhalb der Bundesbürokratie, und es wird ihr freistehen, ihr unabhängiges, nach geschäftlichen Gesichtspunkten ausgerichtetes Urteilsvermögen
zu gebrauchen, um genug alternative Energiequellen zu schaffen, um ihr
Zehnjahresziel zu erreichen, nämlich unsere Einfuhren um 2,5 Millionen
Barrel pro Tag zu reduzieren.
Ich kündige neue Anreize für die Produktion von Schweröl, Ölschiefer
und schwer zu förderndem Erdgas an - alles, was in diesem Land in großem
Überfluß vorhanden ist.
Um

- 8 -

�Um sicherzustellen, daß Energieanlagen, wie entscheidend wichtige
Erdölleitungen, Hafeneinrichtungen und Produktionsanlagen gebaut werden,
wird ein neues Energiemobilisierungsamt den langwierigen und hindernisreichen bürokratischen Weg umgehen und absolut verbindliche Fristen für
Maßnahmen auf bundesweiter, einzelstaatlicher und lokaler Ebene setzen.
Wir überlassen den einzelstaatlichen und den lokalen Behörden an erster
Stelle die Verantwortung für die Beseitigung der Hindernisse, die diesen
entscheidend wichtigen Projekten im Wege stehen. Aber unsere Energiekrise
ist so schwerwiegend, daß dieses Amt für den Fall, daß irgendeine Regierungsebene es versäumt, innerhalb eines vernünftigen Zeitraums zu handeln, dafür
sorgen wird, daß gehandelt wird - genauso, wie ähnliche Ämter sicherstellten,
daß gehandelt wurde,als es um die Existenz unserer Nation im Zweiten Weltkrieg ging.

Es ist ander Zeit für uns, diesen mutigen Schritt zu tun,

und wir werden ihn tun.
Ich werde die Energiezielsetzungen für jeden Hauseigentümer und Mieter
ebenso zwingend machen wie für die Geschäftswelt und die Industrie. Versorgungseinrichtungen müssen von öl auf Kohle übergehen. Aber ich schlage
dem Kongreß auch ein einzigartiges neues Programm vor, um die Gas- und
Elektrizitätswerke aufzufordern, ihren Kunden, den Hausbesitzern von Amerika,
billige Darlehen anzubieten, damit sie Verbesserungen zur Einsparung von
Energie finanzieren können, die nur zum Zeitpunkt des Hausverkaufs zurückgezahlt
werden müssen.
Ich schlage ein weiteres Programm vor, das Anreize bieten wird, Häuser,
die bisher mit öl geheizt wurden, auf Erdgas umzustellen und solchen Häusern,
die nicht umgestellt werden können, bei der Einsparung zu helfen.
Ich habe für die nächsten zehn Jahre 16,5 Milliarden Dollar an
neue Geldmitteln vorgesehen, um Busse, Untergrundbahnen und andere Massenverkehrsmittel zu verbessern und um Automobile mit einem wirtschaftlicheren
Benzinverbrauch zu bauen.
In
- 9 -

�In der Erkenntnis, daß die Familien mit niedrigem Einkommen am
härtesten von den OPEC-Preiserhöhungen bei den generell steigenden Energiekosten betroffen wurden, schlage ich vor, das Bei hilfenprogramm zu verdreifachen, das ich dem Kongreß am 5„ April vorgelegt habe.

Auch das wird durch

die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne bezahlt werden, die der Kongreß
bereits berät.
Darüber hinaus werden wir das Programm für die Isolierung von Gebäuden
ausweiten, um

die Qualität von Wohnungen zu verbessern und eine wirkungs-

vollere Energieeinsparung zu ermöglichen.
Ich möchte eines ganz klar sagen, denn dem amerikanischen Volk werden
falsche Informationen unterbreitet.

Ich möchte, daß Sie genau zuhören.

Wir arbeiten sehr eng mit Mexiko und Kanada zusammen.

Die Gesamtmenge

des geförderten und exportierten Erdöls und Erdgases aus Mexiko unterliegt
selbstverständlich der Entscheidung des Volkes und der Regierung von Mexiko.
Aber wir kaufen jetzt schon mehr als 80 Prozent des Öls, das Mexiko exportiert
mehr als 80 Prozent!
Im Moment handeln wir ein neues Abkommen aus, um das Erdgas zu kaufen,
das Mexiko exportieren möchte.
Obwohl Kanadas ölförderung im Verlauf der nächsten paar Jahre ständig
sinken wird, werden wir auch weiterhin Elektrizität aus Wasserkraft und
andere Energiequellen mit unserem Nachbarn im Norden teilen. Ein Hauptprojekt
wird die neu zu bauende Rohrleitung von Alaska durch Kanada sein, um Erdgas
in die südlichen 48 Staaten zu bringen.
Bis 1985 kann Erdgas aus Alaska und aus Kanada bereits fast 700 000
Barrel eingeführten Öls pro Tag ersetzen.

Die Produzenten in Alaska haben

sich davor gedrückt, bei der Finanzierung einer Rohrleitung zu helfen, ajte

- 10 -

�die notwendig ist, um das Gas auf den Markt zu bringen.

Ich habe den

Energieminister angewiesen, sie herzuzitieren und auf Trab zu bringen,
und ich werde mich persönlich darum kümmern, daß diese Gasleitung ohne
weitere Verzögerung gebaut wird.
Wir sind und wir bleiben auch weiterhin ein guter Kunde, ein guter
Nachbar und ein guter Handelspartner für Mexiko und für Kanada.

Diese

Nation muß sich auf ein breites Angebot von Energiequellen stützen können.
Die nüchterne Tatsache ist, daß wir jetzt bei 13 Prozent von allem.in den
Vereinigten Staaten verbrauchten Strom

von Kernenergie abhängen.

Einige Gemeinden, wie etwa Chikago, erhalten mehr als 50 Prozent
all ihrer Elektrizität aus Kernkraftwerken. Die Empfehlungen der KemeneyKommission, die den Vorfall von Three-Mile-Island untersucht hat, werden
uns dabei helfen, die Sicherheit zu gewährleisten, aber Kernkraft muß eine
tragende Rolle in den Vereinigten Staaten spielen, um unsere Energiezukunft
zu sichern.
Am 1. Juni habe ich das ehrgeizige, aber wichtige Ziel festgelegt,
bis zum Jahr 2000 rund 20 Prozent der Energienachfrage des Landes durch
Sonnenenergie zu decken. Bei den steil ansteigenden OPEC-Preisen und den
größeren Versorgungsunsicherheiten ist die Erreichung dieses Ziels wichtiger
denn je. Kein Kartell kann den Preis für Sonnenenergie kontrollieren. Kein
Land kann ein Embargo für Sonnenenergie verhängen.
Wir haben unsere Bundesinvestitionen für Sonnenenergie verdreifacht
und die neue Sonnen-Bank, die ich vorgeschlagen habe, wird es allen
Amerikanern erlauben, dabei mitzumachen, die weitverbreitete Verwendung
der Sonnenenergie Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Maßnahmen, die ich im Laufe der letzten zwei Jahre mit dem Kongreß
unternommen habe, werden unsere projektierten Einfuhren von ausländischem tfl_

- 11 -

�öl um 4 Millionen Barrel pro Tag herabsetzen.

Die neuen Schritte, die

ich Ihnen gestern abend und heute beschrieben habe, werden uns bis zum
Jahr 1990 weitere 4,5 Millionen Barrel öl, ausländisches öl, pro Tag einsparen - unter dem, was wir gegenwärtig verbrauchen.
Ich werde diese Initiativen weiterverfolgen und ein jeder von uns,
ob Beschäftigter im öffentlichen Dienst oder privater Bürger, muß diesen
Drang nach Fortschritt im Schwung halten.
ist so klar wie sie nur sein kann.

Unsere grundlegende Strategie

Zusammen werden Sie und ich und jeder

Amerikaner ganz einfach die Art und Weise ändern müssen, wie diese Gesellschaft
ihre Energie gewinnt und verbraucht.

Und während wir dies tun, werden wir

feststellen, wie wir stärker werden, freier und zuversichtlicher - im
eigenen Lande und in der Weite
Wie kürzlich die positive Entscheidung von Saudiarabien - die Förderung
zu erhöhen - gezeigt hat, kann eine kraftvolle Handlungsweise dieses Landes,
mit dem Beweis unserer Bereitschaft zur Energieeinsparung, auch einige der
OPEC-Länder zur Mäßigung ermutigen und uns besser befähigen, mit all den
anderen ins Reine zu kommen.
Der wichtige Aspekt, den ich heute vermitteln möchte, ist, daß jede
Handlung eines jeden von uns nicht nur unser eigenes Leben verbessern,
sondern sich auf die Zukunft der Welt auswirken wird.
Die Rückschläge und die Triumphe eines jeden Landkreises, einer jeden
Stadt, einer jeden Wohngegend, diese Erfolge und diese Niederlagen sind
zugleich die Erfolge und die Niederlagen, die Triumphe und die Rückschläge
unserer Nation.
Die Tragödie einer älteren Familie, die nicht in der Lage ist, für
die Heizung im Winter aufzukommen, ist eine nationale Tragödie, genauso
wie der Erfolg eines örtlichen Programmes zur Gebäudeisolierung oder eines

- 12 -

�eines Programms für Fahrgemeinschaften ein Triumph oder ein Erfolg der
gesamten Nation ist.

Ich bitte Sie, mit mir in den Landkreisen Amerikas bei der Planung von
außergewöhnlichen Sparmaßnahmen zusammenzuarbeiten, um die Bevölkerung
davon zu überzeugen, daß die Energiekrise eine Wirklichkeit ist. Gemeinsam
müssen wir unser Volk aufrufen, spezifische Schritte möglich zu machen - als
Arbeiter, Angestellte, Pendler, Verbraucher, Hauseigentümer, Mieter. All
dies zusammengenommen kann tatsächlich eine echte und praktisch durchführbare
nationale Anstrengung bedeuten.

Es ist leicht zu versuchen, den anderen die Arbeit zu überlassen - der
Bundesregierung, den öl gesell Schäften, der OPEC.
und wir werden es nicht tun.

Das dürfen wir nicht tun,

Ich möchte, daß Sie dies für unser Land tun.

Ich möchte, daß Sie es jedem Bürger, der in Ihren Landkreisen wohnt, möglich
machen, sich an der Festsetzung örtlicher Sparprogramme und Sparziele zu
beteiligen.

Damit will ich die führenden Persönlichkeiten eines jeden Land-

kreises in unserem Lande nicht etwa auffordern, an der Schaffung einer
weiteren amtlichen Behörde mitzuwirken.

Ich möchte vielmehr, daß Sie eine Gruppe Ihrer besten Bürger veranlassen,
sich mit den Erfordernissen und Ressourcen in ihren eigenen Gemeinden zu
befassen, um sich ein Bild von ihren Stärken und Schwächen zu machen und mit
Ihrer eigenen Taktik und Ihren Vorstellungen zur Bewältigung der örtlichen
Sparziele beizutragen.

Wenn Sie mit den örtlichen Bürgergruppen sowie mit den führenden
Persönlichkeiten in den Gemeinden bei der Verwirklichung dieses Aktionsappelles zusammenarbeiten, dann können Sie auf die Unterstützung und die
Hilfe der Bundesbehörden, mich eingeschlossen, rechnen , die mit Ihnen
zusammenarbeiten werden, um diesen Traum, diese große Aufgabe zu verwirklichen.

Ich

- 13 -

�Ich weise alle Bundesbediensteten, aus dem Bereich der Landwirtschaft,
der Forstwirtschaft, aus dem Wohnungsbauministerium, aus dem Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialministerium sowie aus allen anderen Behörden, an, mit
allen Vertretern aus den Landkreisen zusammenzuarbeiten, um die Verschwendung
von Energie in Ihren Bezirken auszuschalten.
In Ihren Zuständigkeitsbereichen sind Sie entscheidend wichtige Persönlichkeiten.

Ich weiß, daß Sie diese Arbeit vollbringen können, und ganz gewiß

verdienen Sie die Unterstützung aller Regierungsvertreter vom Präsidenten an
abwärts in unserer Bundesregierung.

Sie können die Bestimmungen für eine

Geschwindigkeitsbegrenzung durchsetzen.

Sie können die neuen Bestimmungen

für die Einstellung von Thermostaten durchsetzen.

Mit 10 000 Dollar soll

belangt werden, wer die Thermostaten in einem öffentlichen Gebäude im Sommer
niedriger als 78 Grad Fahrenheit (25.6 Grad Celsius) und im Winter höher
als 65 Grad Fahrenheit (18.3 Grad Celsius) einstellt.

Ich bin fest ent-

schlossen, dies durchzusetzen und ich möchte Ihre Hilfe in Anspruch nehmen,
um sicherzustellen, daß dies auch befolgt wird.
Sie können dafür sorgen, daß der Benzinverbrauch vermindert wird durch die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, durch die Einbeziehung
auch Ihrer Dienstfahrzeuge in den einzelnen Landkreisen. Sie können den
Arbeitgebern in der Geschäftswelt, der Industrie, der Regierung, bei der
Einrichtung von Fahrgemeinschaften, der gleitenden Arbeitszeit sowie bei der
Verringerung der Wege zum Arbeitsplatz für die Angestellten helfen.
Einige Gemeinden haben dies bereits getan. Meine Frau war beispielsweise
kürzlich in Davis, Kalifornien, wo große Erfolge erzielt wurden und der
Gesamtenergieverbrauch um mehr als 35 Prozent unter den bisherigen Stand
gesenkt worden ist. Wenn wir so etwas tun, dann sind wir besser gerüstet,
uns und unsere Ziele zu verstehen, und wir sind auch besser gerüstet, andere
schwere Entscheidungen zu begreifen, denen sich Amerika bei der Bewältigung
der großen Aufgaben der Zukunft stellen muß.
So

�So habe ich beispielsweise im Januar dieses Jahres eine strenge Haushaltspolitik für das Finanzjahr 1980 dargelegt, in deren Rahmen wir auf einen ausgewogenen Bundeshaushalt in der Zukunft hinarbeiten werden, um mit unserem
ersten Inflationsproblem fertig zu werden.

Ich habe die feste Absicht, diesen

Kurs weiterzuverfolgen und das von mir dargelegte Programm durchzusetzen, um
das Inflationsproblem unseres Landes mit Erfolg anpacken zu können.

Wenn

dies nicht gelingt, dann werden die amerikanischen Arbeiter, Geschäftsleute und
Verbraucher ihren Glauben und ihr Vertrauen in die Bereitschaft der Regierung
verlieren, mit der Inflation fertigzuwerden.

Der Wert des Dollar würde sich

vermindern, und dies würde unsere Inflationsrate weiter verschlimmern.
Ich werde auch nicht zögern, Maßnahmen zu ergreifen, um eine ernsthafte
Rezession zu verhindern. Der Kongreß muß jetzt mehr als jemals zuvor darangehen, die eingebrachten Gesetzesvorlagen, and deren Entwicklung Sie mitgearbeitet haben, zu verabschieden - Vorlagen für eine gezielte fiskalische
Unterstützung und antizyklische Hilfe für bedrängte Gemeinden, wenn die
Arbeitslosenrate stark steigt. Diese Vorlagen sind wichtig, aber die Inflation
ist immer noch das ernstestewirtschaftliche Problem unseres Landes, und ich
bin entschlossen, an meiner Politik zur Bekämpfung der Inflation festzuhalten und auch hier benötige ich Ihre Hilfe und rechne mit ihr.
Lassen Sie mich zum Abschluß folgendes sagen: Sie sind wie ich Diener
der Öffentlichkeit. Dies sind die Entscheidungen, die ich zu treffen habe,
denn schließlich habe ich nur einen Wahlkreis, und das ist das Volk dieses
Landes. Das sind auch Menschen, die Sie vertreten. Jeder Ihrer Wähler ist
auch für mich ein Wähler. Seit 203 Jahren steht unser Land stolz und frei
da. Wir haben uns einer Herausforderung nach der anderen gestellt. Wir
haben sie alle bewältigt, und zwar aus einem fundamentalen Grund: In
Krisenzeiten haben wir Amerikaner zusammengestanden.
Auf meinem Flug von Washington hierher hat mir der Abgeordnete Ike
Skeleton heute morgen ein Schreiben überreicht, und ich möchte es Ihnen

- 15 -

�Ihnen gerne vorlesen:
"Herr Präsident, Sie werden Sich erinnern, daß ich als Patient mit
Kinderlähmung Ende der vierziger Jahre in Warm Springs, Georgia, war.
Während meines Aufenthaltes habe ich ein dort vorhandenes Original einer
nicht gehaltenen Rede Franklin D. Roosevelts kopiert.

Darf ich Ihnen

vorschlagen, daß Sie die von Roosevelt zum Abschluß dieser Rede benutzten
Worte verwenden - und ich zitiere Roosevelt:

'Die einzige Schranke für eine

Verwirklichung des Morgen sind unsere Zweifel am Heute.

Lassen Sie uns

1

voranschreiten in starkem und tätigem Glauben ."
Und Ike Skeleton fährt fort: "Ich habe an diese Worte als Jugendlicher
immer denken müssen, und sie fassen das zusammen, was Sie gestern abend in
Ihrer Ansprache an die Nation erklärt haben. Hochachtungsvoll, Ihr Freund
Ike Skeleton".
Es hat in unserem Volk einige ernsthafte Zweifel an unserem Land gegeben.
Heute ist nicht nur die Wirtschaft unseres Landes, sondern auch unsere
Unabhängigkeit selbst gefährdet. Für unsere Freiheit ist kein Preis zu hoch.
Wir dürfen nicht zulassen, daß sie durch das Energieproblem bedroht wird.
Lassen Sie uns als Volk und als Land in unserem Kampf zusammenstehen, um die
Unabhängigkeit unseres Staates auf dem Energiesektor mit dem ganzen Gewicht
unserer großen Nation und dem Willen zu einem Leben in Freiheit sicherzustellen. Wir müssen gemeinsam für unser Land kämpfen, und wir werden mit
neuem Glauben an Amerika als Amerikaner zusammenstehen und unser Land zum
Siege führen.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

- 16 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede Präsident Carters in Kansas City am 16. Juli 1979&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gewaltige Energie-Investitionen angekündigt -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>1*1
I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. J u l i 1979

INHALT

DOKUMENTATION
US-Finanzminister zur Lage der amerikanischen Wirtschaft
- Blumenthal vor dem Haushaltsausschuß des Senats WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Blick in fremde Welten
VOYAGER 2 lüftet einige Geheimnisse des Jupiter und seiner Planeten
Blutwäsche bei Polyarthritis

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1979

US-FINANZMINISTER ZUR LAGE DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
- Blumenthal vor dem Haushaitsausschuss des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Vor dem Haushaltsausschuß des amerikanischen
Senats hat der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal am
13. Juli 1979 ausführlich zur Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten
Stellung genommen. Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut;
Herr Vorsitzender und verehrte Mitglieder dieses Ausschusses:
Ihr Schreiben, das mich zu diesen Anhörungen einlud, forderte mich
auf, zu einem ungewöhnlich umfangreichen Bereich wirtschaftlicher und
wirtschaftspolitischer Fragen Stellung zu nehmen. Ich habe mich bemüht,
die meisten Fragen in meiner vorbereiteten Aussage zu behandeln und werde
den vorbereiteten Text während unserer Erörterungen heute morgen sehr
gerne ergänzen.

Ich

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�t

Ich bin der Meinung, daß die von Ihnen gestellten Fragen unter
den beiden kritischen Problemen, denen sich die Nation gegenüber sieht,
zusammengefaßt werden können: Inflation und Energie. Diese Probleme sind
miteinander verknüpft, und ihre Lösungen sind aufeinander bezogen. Wir
können die Inflation nicht verringern, ohne die Probleme der Energieversorgung zu lösen. Wenn wir das Problem der Inflation nicht lösen,
könnte der erwartete kurzfristige wirtschaftliche Wachstumsrückgang in
eine viel ernstere, tiefere und längere Rezession einmünden. Und wir
können weder das Inflations- noch das Energieproblem lösen, es sei denn,
wir sind zu Opfern bereit - persönlichen, kollektiven und gerechten
Opfern -, die notwendig sind zur Bewältigung unserer wirtschaftlichen
Zukunft.

Inflation
Unser Grundproblem ist die Inflation - eine Inflation, die die
Kaufkraft der amerikanischen Verbraucher dezimiert und die Investitionsbereitschaft sowie unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Exportsektor
schwächt.
Seit Dezember vorigen Jahres stiegen die Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt um 13,5 Prozent, eine erhebliche Zunahme im Vergleich zu den
9 Prozent des vorigen Jahres, und fast doppelt so hoch wie die Inflationsrate im Jahre 1977.
Zu Anfang dieses Jahres war der Anstieg der Lebensmittelpreise ein
entscheidendes Element in der Inflationsentwicklung, als schlechte Wetterbedingungen und Streiks die Lebensmittelkomponente des VerbraucherpreisIndexes (CPI) um 20 Prozent im Jahresdurchschnitt erhöhte. Aber immer
stärker wird die Inflation durch die steigenden Energiepreise angetrieben.
- ? -

*

»

�angetrieben. Die Lebensmittelversorgungssituation ist günstiger geworden,
und die Wachstumsrate der Lebensmittelpreise im Einzelhandel hat sich
verlangsamt - obwohl die Einzelhandelspreise noch nicht den echten Rückgang der Großhandelspreise widerspiegeln.

Aber während der Anstieg der Lebensmittelpreise schwächer wurde,
stiegen die Energiepreise schneller als die erhöhten Rohölpreise, die
von den OPEC-Staaten im Dezember vorigen Jahres auferlegt wurden, und
zusätzliche Erhöhungen, die von den meisten öl produzierenden Ländern
erhoben wurden, begannen die Preisstruktur zu durchdringen. Dreißig
Prozent des Anstiegs der Verbraucherpreise im Januar und Februar waren
das Ergebnis steigender Lebensmittelpreise und nur 10 Prozent waren
auf steigende Energiekosten zurückzuführen. Im Mai hatten sich die Anteile umgekehrt - etwas über ein Zehntel des Anstiegs im Mai war das
Ergebnis höherer Lebensmittelpreise und ungefähr ein Drittel des gesamten Preisanstiegs war auf die steigenden Energiepreise zurückzuführen. Seit Anfang dieses Jahres stiegen die Einzelhandelspreise für
Energieprodukte um fast 38 Prozent im Jahresdurchschnitt, fast dreimal
schneller als für andere Verbrauchsgüter.

Diese Zahlen geben zudem nur den direkten Anstieg der Preise für
Energieprodukte an - den Anstieg der Preise für Gas, Elektrizität,
Benzin und Heizöl. Wachsende Energiekosten beeinflussen jedoch die Preisgestaltung aller anderen Güter. Sehr intensive Preiserhöhungen wurden
während der vergangenen Monate für eine Reihe von Chemieprodukten, die
aus Erdöl hergestellt werden, registriert, und diese höheren Preise werden
später in den Preisen für weitere Endprodukte zum Tragen kommen; genauso
wie höhere Transportkosten, die durch steigende Energiepreise verursacht
werden.

Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß die Höhe der Inflation,
die uns dieses Jahr heimsuchte, durch Kräfte verursacht wurde, die keinen
- 3 -

�keinen Bezug zur gegenwartigen binnenwirtschaftlichen Nachfrage haben,
sondern der Ausdruck von Einflüssen ist, die unvorhersehbar waren und
über die wir keine Kontrolle haben. Das Anhalten einer zweistelligen
Inflationsrate - und dies trotz des allmählich und jetzt klar langsameren
Tempos der wirtschaftlichen Aktivitäten - wurde von einigen Beobachtern gedeutet
als ein Maßstab für das Versagen der Bemühungen der Regierung, Preisstabilität über ein freiwilliges Programm zu erreichen, das im wesentlichen auf der Zusammenarbeit von Industrie und Gewerkschaften beruhte.
Ausgehend von dieser Einschätzung wird einerseits vorgeschlagen, das
Programm aufzugeben, andererseits wird verlangt, das freiwillige Programm
durch Zwangsmaßnahmen zu ergänzen.
Solche oberflächlichen und voreiligen Schlußfolgerungen können aber
nicht aufrechterhalten werden, wenn man die Preisstatistiken sorgfältiger
analysiert. Ungefähr 50 Prozent der Zusammensetzung des Verbraucherpreisindexes werden durch drei Kategorien bestimmt. Lebensmittel-, Energieund Wohnungsbaukosten. Diese Kategorien fallen aus verschiedenen Gründen
nicht in den Zuständigkeitsbereich des Lohn- und Preis-Kontroll Programms und sie wären auch nicht kontrollierbar, wenn Zwangskontrollen eingeführt
würden. Die entscheidenderen Preisanstiege wurden jedoch in diesem Jahr
gerade durch diese Kategorien verursacht. Die Preise für Lebensmittel,
Energie und Wohnungsbau zusammengenommen stiegen in diesem Jahr um
20 Prozent im Jahresdurchschnitt, im Vergleich zu 11 Prozent im vorigen
Jahr. Der übrige Anteil des Verbraucherpreisindexes stieg ebenfalls und ging nicht zurück, wie wir gehofft hatten, aber der Anstieg war
recht mäßig, von 6,7 Prozent im letzten Jahr auf 7,0 Prozent während
der ersten fünf Monate des Jahres 1979.
Lohnentwicklung: die Publizität, die verschiedenen größeren Lohnvereinbarungen zuteil wurde und die angeblich die Leitlinien des Kontrollprogramms in unterschiedlichem Ausmaß durchbrachen, führte zu ähnlichen
voreiligen Schlüssen über das Versagen des Kontroll Programms. Aber der

�der verläßlichste Maßstab zur Erfassung der Lohnentwicklung - die BLSSerie über durchschnittliche Stundenlöhne für Industriearbeiter - zeigt
einen Zuwachs für dieses Jahr unter 8 Prozent im Jahresdurchschnitt an,
verglichen mit einem 8,5 prozentigen Anstieg während des Jahres 1978.
Lohnerhöhungen stellen keine Grundursache der zunehmenden Inflation dar.
Trotzdem, die Kosten pro Arbeitseinheit stiegen deutlich an. Diese
offensichtliche Anomalie wird teilweise durch die Ausdehnung zusätzlicher
(Sozial-) Leistungen erklärt, aber - was noch wichtiger ist - sie gibt
die ständige Enttäuschung über und die verwirrende Entwicklung der Produktivität wieder. Die Verlangsamung der Produktivitätszunahme während
des letzten Jahrzehnts ist eine der ernsten Schwächen unseres Wirtschaftslebens; denn dadurch wird eine Steigerung unseres Lebensstandards erschwert, während unsere Fähigkeit reduziert wird, auf den internationalen
Märkten konkurrenzfähig zu bleiben. Während des vorigen Jahres nahm die
Produktivität im privaten Sektor um weniger als 0,5 Prozent zu - verglichen mit einer jährlichen Zuwachsrate von 3,1 Prozent während der
ersten zwei Nachkriegsjahrzehnte - und während des ersten Quartals
dieses Jahres ging die Produktivität erheblich zurück.
Als Ergebnis des Produktivitätsrückgangs und der Zunahme der Sozialleistungen - aufgrund der Erhöhungen der Altersversorgung und der höheren
Mindestlöhne - stiegen die Kosten pro Arbeitseinheit erheblich, während
die Lohnzuwächse sich verringerten. Die Lohnzuwächse waren mäßig, während
die Inflation auf einem hohen Niveau blieb. Dies führte zu einer erheblichen Schwächung der Kaufkraft der Verbraucher. Während der ersten fünf
Monate dieses Jahres gingen die Reallöhne um fast 5,5 Prozent im Jahresdurchschnitt zurück und wären noch mehr zurückgegangen, wenn nicht im
Januar die Mindestlöhne erhöht worden wären. Und wenn man den geringen
Zuwachs der Nominaleinkommen im Juni berücksichtigt, sanken die Reallöhne im Juni wahrscheinlich weiter.
Der
- 5 -

�Der Rückgang der Realeinkommen erklärt zum großen Teil die Flaute
im Einzelhandel in diesem Jahr. Nach Abzug der Inflationsrate ging der
Umsatz im Einzelhandel während der ersten sechs Monate des Jahres um
6 Prozent zurück.
Sicherlich, nach dem ungewöhnlich raschen Ansteigen der Verbraucherausgaben in den letzten Monaten des Jahres 1978 mußte in diesem
Jahr eine gewisse Pause bei den Einkäufen der Verbraucher erwartet werden. Historisch gesehen folgt einer "Kauforgie", wie sie im 4. Quartal
des vorigen Jahres passierte, eine Periode des Maßhaltens durch den Verbraucher. Das Maßhalten hat aber zu lange gedauert, um bloß eine Reaktion
auf das vorhergehende ungezügelte Konsumverhalten zu sein. Der Verbraucher
wird in zunehmendem Maße eingeengt durch fallende Realeinkommen, durch
starke Belastungen in der Schuldentilgung, durch das nur unzureichende
Angebot von Waren, die er kaufen möchte, z.B. kleine, im Benzinverbrauch
sparsame Fahrzeuge, und schließlich in letzter Zeit durch die Notwendigkeit, sparsam mit Benzin umzugehen. Es ist schwierig, normale Kaufgewohnheiten beizubehalten, wenn man eine ungewöhnlich lange Zeit damit verbringen muß, sich für Benzin anzustellen, und wenn man einen ungewöhnlich
großen Teil seines Einkommens ausgeben muß, sobald man die Zapfsäule
erreicht hat. Verringertes Verkehrsaufkommen zu und in den Einkaufszentren
beweist den Einfluß der OPEC auf unsere heimischen Wirtschaftsentwicklungen.
Die Schwäche der Verbraucher-Nachfrage in den letzten Monaten zeigt
sich auch in der industriellen Produktion und Beschäftigung. Zunahmen
in der Beschäftigung waren in den letzten Monaten viel geringer als zu
Anfang des Jahres, und die Beschäftigung in der Industrie ist in den
letzten 3 Monaten - geringfügig - zurückgegangen. Es ist jedoch wert,
festgehalten zu werden, daß in diesem Jahr in jedem Monat, außer einem,
die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist, und die neueste vom BLS (Bureau
of Labor Statistics) vorgelegte Arbeitslosenrate von 5,6 Prozent ist
die niedrigste seit fast 5 Jahren. Nichtsdestoweniger wird die anhaltende

�anhaltende Stagnation in den Einzelhandelsumsätzen zweifellos zu einer
nach unten gerichteten Anpassung der Unternehmensproduktion und Beschäftigung in den kommenden Monaten führen.
Einer der Faktoren, der den wirtschaftlichen Aufschwung so lange
getragen hatte, waren die von den Unternehmen schnell und prompt gemachten Produktionsanpassungen, um übermäßig große Lagerbestände zu
vermeiden. Zu Anfang dieses Jahres beschleunigte sich der Aufbau von
Lagerbeständen in den Unternehmen. Zum Teil geschah dies, um Lagerbestände wieder aufzufüllen, die im Zuge der sprunghaft gestiegenen Verbrauchernachfrage am Ende des Jahres 1978 zusammengeschmolzen waren.
Zum Teil geschah dies aber auch in der Erwartung von Streikausfällen
und in der Erwartung weiterer Inflation. Aber die neuesten Zahlen
zeigen ein gewisses Nachlassen in der Auffüllung der Lagerbestände auf
der Produktionsebene, und Berichte von Einkäufern deuten darauf hin,
daß die Unternehmen bei ihren Einkaufsplänen für Rohmaterialien in
zunehmendem Maße vorsichtiger taktieren. Mit Ausnahme gewisser spezieller Gebiete, wie z.B. große Automobile, ist das Verhältnis zwischen
Lagerbeständen und Umsätzen niedrig, wenn man historische Maßstäbe
anlegt.
Eines der Elemente der Stärke in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation ist deshalb die Tatsache, daß wir nicht mit großen
Überschuß-Lagerbeständen belastet sind, die abrupt abgebaut werden
müßten, wenn sich die Verbrauchernachfrage noch weiter verschlechterte.
Darüber hinaus bleiben die Investitionspläne der Unternehmen und die
Bewilligungen, diese Pläne auszuführen, verhältnismäßig stark. Nach
einem rätselhaft starken Abfall im April verzeichnen die Bestellungen
für nicht-militärische Investitionsgüter wieder eine beachtliche Zuwachsrate.
Schließlich
- 7 -

�Schließlich konnten die amerikanischen Ausfuhren auf einem verhältnismäßig hohen Niveau gehalten werden, in den ersten 5 Monaten dieses
Jahres ungefähr 16 Prozent höher als der Monatsdurchschnitt im vorigen
Jahr. Die ausländische Nachfrage nach unseren Agrarerzeugnissen bleibt
stark, und anhaltende, ansehnliche Steigerungen unserer nicht-landwirtschaftlichen Ausfuhren sind wahrscheinlich.
Die Wirtschaft zeigt also nicht jene charakteristischen Merkmale,
die in der Vergangenheit einem starken oder langen konjunkturellen Abschwung vorausgegangen sind. Eine Flaute -- ein unsicheres sich Fortbewegen am Rande einer leichten Rezession -- dies ist wahrscheinlich
eine zutreffende Kennzeichnung des gegenwärtigen Standes der Wirtschaft,
eine Flaute, die hervorgerufen wurde durch die inflationsbedingte Erosion der Kaufkraft des Verbrauchers und durch die Ungewißheiten über die
Kosten und die Verfügbarkeit von Energie, denen Verbraucher und Unternehmen ausgesetzt sind.
Wir erwarten, daß diese Flaute noch einige Monate anhalten wird,
wenigstens noch so lange, bis ein Nachlassen der Inflationsrate dem
Absinken der Realeinkommen ein Ende setzt. Sobald sich die Kaufkraft
der Verbraucher verbessert, wird sich auch die Nachfrage verbessern.
Da die Unternehmen die Quote der Lagerauffüllung eng an die Verkauf squoten banden, sollte ein Rückgang der Verbraucherkäufe begleitet
sein von etwas Lageraufstockung. Daher darf man vernünftigerweise erwarten, daß der Rückgang an Wirtschaftsbelebung in diesem Jahr mild sein
wird, und gemessen an den konjunkturellen Erfahrungen der Nachkriegszeit, von relativ kurzer Dauer.
Die Wirtschaftstätigkeit dürfte gegen Ende dieses Jahres oder Anfang 1980 wieder ansteigen. Doch die Erholung im nächsten Jahr dürfte
ebenfalls mäßig sein, teils weil die nicht akzeptierbaren hohen Inflationsraten eine Fortsetzung fiskalischer Mäßigung erfordern werden.
Q

Energie

�Energie

Die OPEC-Ölpreisbeschlüsse seit dem Monat Dezember waren ein Hauptfaktor, der die Wirtschaftsbelebung hemmte und die Inflationslast in
den Vereinigten Staaten erhöhte, und der Druck dieser Preisanhebungen
auf Wachstum und Inflation wird in den kommenden Monaten weiter spürbar
sein.

Wir veranschlagen das Wachstum des realen Bruttosozialprodukts
für dieses Jahr auf ein Prozent weniger und ein weiteres Prozent weniger für 1980, bei einer um etwa ein Prozent höheren Inflation in jedem
Jahr, verglichen mit dem, was eingetreten wäre, falls die OPEC an den
im vorigen Dezember verkündeten ölpreisplänen festgehalten hätte.
Als Folge der seit dem Dezember erfolgten Preismaßnahmen werden
bei Jahresende 1980 ca. 800000 Arbeitnehmer zusätzlich, gegenüber früheren Prognosen, arbeitslos sein, so daß die Arbeitslosenquote um etwa
0,8 Prozent ansteigen wird.

Unsere Volkswirtschaft ist natürlich nicht die einzige, die schwierige Anpassungen an eskalierende öl preise und verringerte ölangebote
vornehmen muß. Es wird geschätzt, daß der direkte Effekt aus der 60
prozentigen Anhebung der Weltölpreise seit dem vorigen Dezember zunächst einmal darin bestehen wird, die durchschnittliche Wachstumsrate
der OECD-Länder im Jahre 1979 um 1 Prozent zu senken sowie um 1,75 Prozent im Jahre 1980. Auch wird die durchschnittliche Inflationsrate der
OECD-Länder im Jahre 1979 um 1,5 Prozent höher ausfallen und 1980 um
2,5 Prozent.

Trotz einer höheren Rechnung für ölimporte erwarten wir eine weitere wesentliche Abnahme des gegenwärtigen Defizits in der amerikanischen Handelsbilanz - vielleicht sogar einen kleinen Überschuß im
kommenden Jahr - aufgrund eines Rückgangs der Nicht-Ölimporte in Ver- 9 -

�Verbindung mit dem geringeren Wachstum unserer heimischen Wirtschaft,
aufgrund weiterer starker Exporte, und aufgrund gestiegener Verdienste
aus unseren überseeischen Investitionen. Generell allerdings wird der
gestiegene ölpreis viel an jenem Fortschritt zehren, der zur Verbesserung der Welt-Zahlungsbilanzen erzielt wurde.
Während der OPEC-Überschuß, der im vorigen Jahr nahezu verschwunden war, wieder auf ein Niveau ansteigen wird, wie aus den Jahren
1974-75 erinnerlich, werden die OECD-Länder insgesamt vom Überschuß in
ein Defizit geraten. Die Position der kein öl produzierenden Entwicklungsländer, die als Gruppe bereits in einem Riesendefizit stecken, wird
sich drastisch verschlechtern, womit die Probleme von einigen der ärmsten Länder zunehmen werden.
Diese Probleme wurden auf dem jüngsten Gipfeltreffen in Tokio erkannt und angegangen. Die dort versammelten Führer der Welt beschlossen:
Erstens: es gibt kurzfristig zu Einsparungen keine Alternative.
Falls wir nicht wohldurchdacht unseren Verbrauch von öl reduzieren,
und zwar auf Wegen, die unserer Wirtschaft am wenigsten schaden, dann
wird diese Einsparung erzwungen durch welchen Preisanstieg auch immer,
der erforderlich ist, um die Nachfrage auf das Angebotsniveau herabzusenken.
-- Die am Gipfel beteiligten Staaten verpflichteten sich auf Begrenzung der ölimporte für 1979 und 1980, die nach einer Basis des jeweiligen Landes festgelegt wurden. Die Begrenzung für die Vereinigten
Staaten beträgt 8,5 Millionen Barrel pro Tag für beide Jahre - entsprechend
unseren Importen im Jahre 1977.
Mittelfristig übernahmen die am Gipfeltreffen beteiligten Länder
spezifische Ziele für eine Obergrenze der ölimporte bis 1985, Ziele,
- 10 -

�Ziele, die - unter Annahme vernünftiger Raten des Wirtschaftswachstums
während dieses Zeitraums - ganz gewaltige Anstrengungen notwendig machen
werden, um den Ölverbrauch zu begrenzen und alternative Energiequellen
zu entwickeln.
-- Schließlich setzten die Gipfel teil nehmer größere Initiativen
in Gang, um anderweitige Energiequellen zu nutzen, besonders Kohle.
Die Verwirklichung unserer Gipfelbeschlüsse wird längerfristig schwierige Entscheidungen und harte Entschlüsse erfordern. Die Investitionskosten zur Entwicklung alternativer Energiequellen werden die Verfügbarkeit von Mitteln für andere Zwecke verringern. Sowohl private als
auch Regierungshaushalte werden die Auswirkungen zu spüren bekommen.
Aber letztlich bleibt keine andere Wahl. Wenn wir derartig abhängig von importierter Energie bleiben, werden wir in absehbarer Zeit
sogar einen noch höheren Preis zahlen, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in Bezug auf unsere Rolle als Weltmacht. Vor einigen
Monaten berichtete ich dem Präsidenten über die Ergebnisse einer einjährigen Studie des Finanzministeriums über die Bedrohung unseres wirtschaftlichen Wohlstandes und unserer nationalen Sicherheit durch unsere
starke Abhängigkeit von importiertem öl. Wir kamen zu dem Ergebnis, daß
diese Bedrohung tatsächlich kurz bevorsteht. Kürzliche Ereignisse haben
dazu beigetragen.

Schlußfolgerung
Beim Überblick über die Aussichten der Wirtschaft hier und im Ausland
und beim Versuch, die Mittel der Politik, die uns zur Wiederherstellung
angemessener Wachstumsraten und verminderter Inflation zur Verfügung stehen,
mit den unterschiedlichen und ernsten Problemen in Einklang zu bringen,
treten einige Leitlinien hervor:
Es
- 11 -

�-- Es hätte in diesem Stadium keinen Sinn, mittels eines übereilten
Programms die Wirtschaft entweder durch weitere Steuersenkungen oder
Sparprogramme oder durch eine Lockerung der straffen Geldpolitik hochzutreiben.
Es gibt keine ausreichenden Beweise, die es rechtfertigen würden,
den "Panikknopf" für die Macro-Wirtschaftspolitik zu drücken. Es würde weder bei uns noch im Ausland - Vertrauen in unsere Bemühungen erwecken,
die Inflation zu überwinden, wenn wir unsere Politik mit jedem Knick in
der Statistik ändern sollten. Die traditionelle antizyklische Wirtschaftspolitik beseitigt nicht die eigentliche Ursache unseres ständigen Abschwungs und der derzeitig zweistelligen Inflation. In der Tat würde
eine expandierende Politik im Augenblick den inflationären Druck verschlimmern und Mittel in Anspruch nehmen, die benötigt werden, um unsere
Produktivitäts- und Energieversorgungsprobleme zu lösen.
Wir müssen auf aggressive Weise eine Politik verfolgen, die die
Einsparung von öl anregt und zunehmend hiesige Energiequellen zugänglich macht, und die vernünftigeren Gebrauch davon macht, um auf diese
Weise unsere Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu verringern,
deren Kosten und Verfügbarkeit außerhalb unserer Kontrolle liegen.
Wir müssen die Kluft zwischen den Löhnen und den Arbeitskosten pro
Einheit verringern. Das bedeutet eine Politik, die die Produktivität
wiederherstellt, insbesondere durch Ermutigung zu schnellerem Wachstum
und Verjüngung unserer Kapitalanlagen. Das bedeutet auch, den Anstieg
der Kosten für Gehaltszulagen, wie Gesundheitsfürsorge, niedrig zu halten.
-- Wir müssen es vermeiden, in einen Kreis zu geraten, in dem Löhne
und Preise sich jagen, ähnlich wie es für die Periode 1975-77 charakteristisch war, als wir unter einer relativ hohen Inflationsrate litten,

�litten, trotz mangelhafter Auslastung der Arbeits- und Industriekapazität. Die Kosten für den Ausgleich früherer Verluste an realem Einkommen der Arbeiter dürfen nicht der zukünftigen Preisstruktur aufgebürdet werden. Dies wäre ein nutzloser Prozeß, da es die Inflation, die
bereits die Erhaltung unseres Lebensstandards bedroht, nur anheizen würde.
Das Prinzip freiwilliger Erfüllung eines Programms zur Eindämmung der
Preis- und Lohnsteigerungen muß erhalten bleiben.
-- Wir müssen den Wert des Dollar auf den internationalen Märkten
schützen, denn eine Abwertung des Dollar bewirkt eine höhere Inflation
bei uns in den Vereinigten Staaten.
Die Politik der öffentlichen Hand, die im Januar vom Präsidenten
empfohlen worden war, und die in dieser Haushaltsüberprüfung in der
Mitte der Legislaturperiode wieder bestätigt worden ist, steht im Einklang mit diesen Prinzipien. Wir wanken nicht in unserer Entschlossenheit, die Inflation zu bekämpfen.
Genausowenig lassen wir das Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit
außer acht.
Wenn zu einer bestimmten Zeit in der Zukunft eine antizyklische
Politik notwendig werden sollte, dann müssen die zur Auswahl stehenden
Maßnahmen höchst sorgfältig geprüft werden. Es gibt wesentliche Einschränkungen unserer Beweglichkeit, wenn wir es mit zyklischen Störungen
zu tun haben.
-- Wir müssen eine Politik vermeiden, die die Stärke des Dollar
auf ausländischen Devisenmärkten gefährdet.
-- Wir müssen eine Politik vermeiden, die den Staatsanteil am erzeugten Sozialprodukt auf Kosten des privaten Sektors erhöht.

Wir

�Wir werden die Maßnahmen der Politik der öffentlichen Hand betonen müssen, die zu unserem Kampf gegen die Inflation beisteuern, in
dem Kosten gesenkt werden und zu größerem Produktivitätswachstum ermutigt wird.
•

Das sind wesentliche und ernste Betrachtungen, wenn man die Angemessenheit der politischen Alternativen abschätzt. Aber es sind keine
Probleme, die einer sofortigen Lösung bedürfen.
Da Inflations- und Rezessionsaussichten eine Funktion von Energieversorgung und Preisen sind, muß die Durchführung eines Programms unbedingt Vorrang haben, das uns auf dem Weg zur Lösung der Energieprobleme weit voranbringt. Der Präsident wird in Kürze die nächsten
Schritte seines Programms bekanntgeben, um unser Ziel zu erreichen.

x x x x x

- 14 -

�3

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20. Juli 1979

29

BLICK IN FREMDE WELTEN
VOYAGER 2 lüftet einige Geheimnisse des Jupiter und seiner Planeten

- (AD) - Bereits im März dieses Jahres, als die amerikanische
Forschungssonde VOYAGER 1 ihre Nahaufnahmen vom Planeten Jupiter und
dessen vier größten Monden zur Erde funkte, sahen sich die Wissenschaftler
im KontrollZentrum des Jet Propulsion Laboratory von Pasadena (Kalifornien)
einer ganz und gar fremden Welt gegenüber. "Das Gefühl des Neuen hätte
nicht stärker sein können, wenn es sich um Himmelskörper gehandelt hätte,
die nicht zu unserem Sonnensystem gehören", meinte einer der Astronomen.
Eine Fülle neuer Erkenntnisse über das offenbar urtümliche Objekt, das der
riesige Gasball Jupiter darstellt, gewann die Forschung inzwischen aus den
Meßdaten, vor allem aus den insgesamt 18 000 Fotos, die VOYAGER 1 während
einer Beobachtungszeit von drei Monaten übermittelte. Viele Geheimnisse
und Rätsel, die den auf den Fotos zutage tretenden Fakten zugrunde liegen
müssen, sind jedoch noch nicht entschlüsselt.
So erreichte die Spannung im KontrollZentrum beim Rendezvous von
VOYAGER 2 mit Jupiter am 9. Juli 1979 einen neuen Höhepunkt.

Nur vier

Monate nach dem Vorbeiflug der Schwestersonde VOYAGER 1 passierte VOYAGER

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�VOYAGER 2 den größten Planeten unseres Sonnensystems in knapp 650 000 km
Entfernung vom zentralen Körper, aber mit teilweise geringerem Abstand als
der Vorgänger von seinen größten Satelliten, den sog. Galilei sehen Monden.
Aufgrund der Entdeckungen, die mit Hilfe von VOYAGER 1 gemacht worden waren,
hatte man in der Zwischenzeit das Arbeitsprogramm für VOYAGER 2 soweit abgeändert, daß nun ganz bestimmte Beobachtungsschwerpunkte verfolgt werden konnten.
Zu diesen zählte beispielsweise der neu entdeckte leuchtende Ring, der
den Jupiter in Äquatorhöhe etwa 60 000 km über der Wolkengrenze, aber.noch
weit innerhalb der Umlaufbahn des planetennächsten Kleinmondes Amalthea
umgibt. Mit den neuesten Beobachtungsdaten hoffen jetzt die Wissenschaftler,
nicht nur die Zusammensetzung des Ringes, sondern auch die Größe fester
Schwebeteilchen bestimmen zu können.

Zu den Schwerpunkten gehörten ferner

die polarlichtähnlichen Erscheinungen, die VOYAGER 1 in drei Schichten,
nämlich in etwa 700, 1400 und 2300 km Höhe über der Wolkenobergrenze in der
nördlichen und südlichen Polarregion sah, sowie die grellen Blitze.

Sie

sind Zeichen starker elektrischer Entladungen, zu denen es offenbar in der
gesamten Jupiteratmosphäre kommt.
Und die dichte, mindestens 16 000 km tiefe, hauptsächlich aus Wasserstoff
bestehende Atmosphäre, unter der Wasserstoff in flüssiger Form und ein
möglicherweise fester Kern hoher spezifischer Dichte vermutet werden, war
und ist noch immer wegen ihrer komplexen Struktur und Dynamik Gegenstand
eingehender Untersuchungen. Ganz besonderes Interesse gilt dem großen
"Roten Fleck", der schon seit gut 300 Jahrenbekannt ist. Insgesamt 125
Tage lang - vom 25. April bis zum 28. August 1979 - sondiert VOYAGER 2 den
Jupiter und seine Satelliten. Zu den bisher übermittelten 15 000 Fotos
dürften bis Ende August noch einige Tausend hinzukommen. Dann werden die
wissenschaftlichen Instrumente abgeschaltet und nur noch von Zeit zu Zeit
überprüft, ume-st in zwei Jahren, bei der Annäherung an den Planeten Saturn,
wieder voll aktiviert zu werden.
Berechnungen

- 2 -

�Berechnungen aufgrund der PIONIER- und VOYAGER-Daten haben ergeben,
daß der Rote Fleck, auch wenn er offensichtlich gewisse Veränderungen
durchmacht, eine beständige Komponente der Atmosphäre sein müsse.

Vielleicht,

so mutmaßt Dr. Bradford A. Smith (Universität Arizona), existiert er in dieser
Form und Ausdehnung - eine riesige Wirbel struktur von 30 000 bis 40 000 km
Länge und 14 000 km Breite mit zahlreichen Begleitturbulenzen - schon seit
mehr als 100 000 Jahren.

Er sei als eine Konvektionsströmung anzusehen,

mit der Wärme aus einer wohl seit langem stabilen Quelle in großer Tiefe
nach oben transportiert werde.

Die in ihrer Intensität veränderliche rote

Farbe könne auf weitgehend lokalisierte chemische Prozesse in der Tiefe
zurückzuführen sein.

Dem Strömungsmechanismus nach scheinen die sog. Weißen Ovale dem
Roten Fleck verwandt zu sein:

Wolkenmassen steigen auf, fallen zurück

und bilden spiralförmige Wirbelfelder.

Aber sie sind wesentlich kleiner

und haben wahrscheinlich weniger tiefe "Wurzeln".

Auf der Südhalbkugel

rotieren sie, wie der Rote Fleck, entgegen dem Uhrzeigersinn, auf der
Nordhalbkugel in umgekehrter Richtung.

Eine ausgedehnte helle Wolkenmasse umrundete in 60 Tagen zehnmal den
Roten Fleck, ohne den Abstand zu dessen Zentrum zu verändern.

Auf Farb-

aufnahmen traten riesige weiße Wolken in Erscheinung, die zunächst im Sog
des Roten Flecks zu stehen schienen, dann aber ihren eigenen Weg um den
Planeten fortsetzten.
eingesprenkelt.

Kleine weiße und rote Ovale sind in die Atmosphäre

Manche gleiten aneinander vorbei, andere tanzen umeinander

herum, manchmal verbinden sie sich auch miteinander - dabei scheinen sie
zunächst ein wenig zu taumeln, dann wird ein helles Wolkenband abgestoßen,
und schließlich

ziehen sie als ein einziges Oval weiter um den Planeten.

Die Unterschiede der atmosphärischen Struktur zwischen den Aufnahmen
von V0YAGER 2 zu jenen der Sonde V0YAGER l seien beträchtlich, berichtet
Dr. Smith, der die Bildauswertung leitet.

- 3 -

Zonenströmungen, die zusammen

�~

zusammen mit den "Gürteln" die mehr als 20 verschiedenfarbigen Bänder der
Jupiteratmosphäre bilden, haben inzwischen einzelne markante Systeme zerstört,
neue Systeme haben sich gebildet.

"Das macht die Langlebigkeit des großen

Roten Flecks und einiger anderer beständiger Merkmale noch rätselhafter",
meint Dr. Smith.

Die Bänder rotieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten

und z.T. auch gegenläufig zueinander um den Planeten.

Zustandsphasen wie in der Frühzeit des Sonnensystems
Das "Jupiter-System", wie der Planet mit seinen (mindestens 13) Monden
inzwischen von vielen Wissenschaftlern genannt wird, bietet der Forschung
Einblick in eine Zustandsphase, wie sie vermutlich zur Zeit der Entstehung
unseres Sonnensystems existiert hat. Der Jupiter besteht aus den gleichen
Elementen wie unsere Sonne, die auch in sehr ähnlichen Anteilen vorhanden
sein dürften. Die äußere Wolkenschicht gibt durch die - auf den Aufnahmen
verstärkt wiedergegeben - Farbtönungen Hinweise auf die Existenz anderer
Elemente und der chemischen Verbindungen in den Wasserstoffmassen. Dabei
handelt es sich neben Helium insbesondere um Ammoniak, Methan, Wasserdampf,
Acetylen, Äthan, Phosphin (eine organische Phosphorverbindung) und mit
schwerem Wasserdampf gebildetes Methan. Ein Teil der Verbindungen entsteht
aus chemischen Reaktionen, zu denen elektrische Entladungen und Ultraviolettstrahlung die Energie liefern. Die auffällige Färbung des Roten Flecks wird
übrigens auf eine hohe Konzentration an Phosphorverbindungen zurückgeführt.
Seltsamerweise ist Schwefel in der Jupiter-Atmosphäre nicht zu finden,
der vom Vulkanmond lo in großen Mengen ausgeworfen und in ionisierter Form noch
Millionen von Kilometern außerhalb, am Rande der l^agnetosphäre des Jupiter,
angetroffen wird.

Die Wissenschaftler vermuten, daß Schwefelionen dennoch

entlang der magnetischen Feldlinien zu den Polgebieten des Jupiter wandern.
Vielleicht verursachen sie zusammen mit Sauerstoffionen vom Monde lo bei
der Kollision mit Atomen der Jupiter-Gashülle die Polarlichter.

Der Schwefel

�Schwefel könnte sich allerdings in tieferen Regionen der Atmosphäre
mit Ammoniak verbinden und Ammoniumhydrosulfid bilden.

Die hohen Wolken-

felder dagegen dürften Cirruswolken aus reinem Ammoniak sein.
Während der zwei Tage, an denen sich VOYAGER 2 dem Jupiter am nächsten
befand und dessen vier Hauptmonde passierte, lieferte die Sonde ein Vielfaches
mehr an Erkenntnissen, als die Forscher zu hoffen wagten. "Wir glaubten,
eine Ahnung von der Natur der Planeten zu haben - zum mindesten vom inneren
Bereich unseres Sonnensystems", sagte der Geologe Dr. Lawrence Soderblom.
"Jetzt sehen wir, wie wenig wir bisher wußten". Schon die Entdeckung von
acht aktiven Vulkanen auf dem Monde Io, der pro Sekunde etwa drei Millionen
Tonnen Schwefel, Sauerstoff und andere Elemente auswirft, war eine große
Sensation. Der Vulkanstaub bildet um den Satelliten eine Wolke, die
ionisiert und in das rotierende Magnetfeld des Jupiter hohl ringförmig eingebaut wird.
Soweit man bisher weiß, entwickelt Io die stärkste vulkanische
Aktivität in unserem Sonnensystem. Geologen nehmen an, daß die Vulkane
aus Reservoiren von geschmolzenem Schwefeldioxid und elementarem Schwefel
gespeist werden. Sie dürften mehrere Schichten auf einer etwa 20 km
dicken Silikatkruste bilden. Die Vulkane lagern auf der Oberfläche
Schwefelsand und Schwefelverbindungen von gelber, orangener, brauner,
weißer und schwarzer Färbung ab.
VOYAGER 1 fotographierte mindestens 100 Caldera, Einbruchkessel
erloschener Vulkane, mit Durchmessern von 200 km und mehr,

VOYAGER 2

erfaßte auf den mehr als 150 Aufnahmen allein vom Monde Io sieben der
aktiven Vulkane.

"Der aktivste gibt z.Zt. Ruhe", berichtet Dr. Smith.

"Aber die übrigen sprudeln Schwefel wie riesige Springbrunnen nach oben".
Der Mond umkreist den Jupiter in einer Entfernung, die nicht ganz dem Abstand
unseres Mondes zur Erde entspricht.
Mit

- 5 -

�Mit den Galileischen Monden beobachteten die Wissenschaftler, wie
Dr. Doderblom es formulierte, "den ältesten, den jüngsten, den dunkelsten,
den hellsten, den rötesten, den weiBesten, den aktivsten, den ruhigsten
und den ebensten" Himmelskörper.

Unter rasch wechselnden Farben und

Formenmustern zogen die Welten, die Jupiter umgeben, an den Fernsehkameras
der Sone vorüber - ein optisches Spiel wie in einem Kaleidoskop.
Den Anfang machte Kallisto, den VOYAGER 2 in 212 283 km Abstand
passierte.

Der Satellit, 1,8 Millionen km vom Jupiter entfernt und

der äußerste der Galileischen Monde, ist mit Milliarden von Kratern übersät hell funkelnde Gebilde auf dunklem Grund.

"Kallisto könnte sich als das

am stärksten zernarbte Objekt im Sonnensystem erweisen", erklärte Dr. Torrence
Johnson vom Jet Propulsion Laboratory.

"Auf seiner Oberfläche scheint sich

seit den Endstadien der Planetenkörperbilding im Sonnensystem kaum mehr
etwas ereignet zu haben."
Jahren.

Das war, so nimmt man an, vor etwa 4,5 Milliarden

Der Satellit besteht hauptsächlich aus Eis. Auf seiner Oberfläche

sind außer den zahllosen Kratern auch die Überreste eines riesigen ringförmigen Beckens, des vielleicht größten bisher bekannten Einschlagkraters,
zu erkennen.
Auf Ganymed, dem größten Jupitermond, sieht man sowohl helles als auch
dunkles Terrain. Die dunklen Flächen sind riesige Becken von wahrscheinlich
sehr hohem Alter. Sie liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu bräunlich
gefärbten jüngeren Gebieten, die eine starke Zeichnung durch Vertiefungen,
Rillen, Streifen oder Reihen linearer Merkmale aufweisen. Stellenweise
entdeckte VOYAGER 2 jedoch auch ein der Kallisto-Oberflache ähnliches
Terrain - Oberreste uralter ringförmiger Becken.
Bei dem Satelliten Europa schließlich, der mit Io einer der beiden
inneren Galileischen Monde ist, könnte es sich um einen riesigen Eisball
mit einer stark aufgerissenen Oberfläche von Eis handeln. VOYAGER 2
fotografierte den Satelliten aus 205 000 km Entfernung. Zwar seien überall

- 6 -

�überall enorme Risse zu erkennen, doch gebe es keine topographischen
Merkmale wie Erhebungen oder Taleinschnitte, berichtete Dr. Soderblom.
Selbst an der Schattengrenze, wo normalerweise auch geringe Unebenheiten
deutlich erscheinen, sei kein Relief zu entdecken gewesen.

Die Geologen

vermuten, daß Europa eines von Rissen durchsetzten, mindestens 100 km
dicken Eismantel habe.

Dieser könne sogar abgelöst sein - "wie eine

riesige Eischale".

+ + + + +

-7

�1

1
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29

20. Juli 1979

BLUTWÄSCHE BEI POLYARTHRITIS

- (AD) - Versuche an zwei amerikanischen Kliniken, Patienten mit
schwerer chronischer Polyarthritis durch eins Art Blutwä'sche Erleichterung
zu verschaffen, zeigen ermutigende Ergebnisse. Allerdings verweisen die
Forscher darauf, daß die Anzahl der so behandelten Patienten noch zu klein
sei für eine generelle Bewertung der Methode. Außerdem sei diese gegenwärtig
nur für die Behandlung von cP-Patienten zu empfehlen, bei denen mit der
Anwendung der üblichen anderen Therapieverfahren keine Besserung zu erzielen
sei .
Über Langzeit-Auswirkungen kann noch nichts ausgesagt werden.

Jedoch

sollte nach Meinung der Ärzte einer Klinik der Medizinischen Forschungsanstalten der USA (National Institute of Health) in Bethesda (Maryland) sowie
der Cedar-Sinai-Klinik in Los Angeles (Kalifornien) der jetzt eingeschlagene
Weg weiterverfolgt werden.

Es handelt sich um ein mit der Hämodialyse

vergleichbares Verfahren, bei dem bestimmte Fraktionen des Blutes, z.B.
das Plasma, die weißen Blutkörperchen und die Thrombozyten, einzeln oder
in bestimmter Kombination entfernt werden und das restliche Blut dem
Patienten über eine Arm- oder Benvene sogleich wieder infundiert wird. Man

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�Man versucht, auf diese Weise das Blut von Komponenten zu reinigen, die
möglicherweise den Entz'ündungsprozeß fördern.
über die Ursachen der chronischen Polyarthritis mit meist sehr
schmerzhaften Entzündungen der kleinen und großen Gelenke und deren fortschreitender Deformierung rätseln die Wissenschaftler nach wie vor.
rechnet sie heute zu den sog. Autoimmunkrankheiten.

Man

Dies sind Erkrankungen,

die durch die Produktion von Antikörpern gegen körpereigene Antigene, etwa
pathologische Stoffwechsel oder Zell Zerfallsprodukte, entstehen.

Möglicherweise

ist es auch nach einer schweren Infektion zu einer Entgleisung des Immunsystems
des Organismus gekommen.

Standardtherapieverfahren, zu denen z.B. Packungen

und Bäder, entzündungshemmende Mittel, Steroidhormone oder Goldpräparate
gehören,können den Verlauf mildern.

Aber das gelingt nicht immer.

An den beiden genannten Kliniken gingen die Ärzte bei der Blutwäsche nach
etwas unterschiedlichen Verfahren vor, kamen jedoch praktisch zu denselben
Ergebnissen:

Der Zustand der Patienten besserte sich auffallend, die

Besserung hielt bisher - d.h. ca. sechs Monate - an.

Jedoch war die Be-

handlung nur dann von Erfolg, wenn gleichzeitig bestimmte Medikamente, z.B.
Goldpräparate, weitergegeben wurden.

Ohne Zusatzmedikation war die Wirkung

der Blutfilterprozedur praktisch Null.
Obgleich das Ausfiltern bestimmter Komponenten aus dem Blut bei einigen
anderen Autoaggressionskrankheiten bereits mit Erfolg angewandt wird, wagte
man das Verfahren bei cP-Patienten deshalb nicht einzusetzen, weil man eine
Überreaktion des Organismus befürchtete - eine Überreaktion in der Form, daß
der Körper die schädlichen Elemente, die aus dem Blut entfernt wurden, dann
in noch größerer Menge produzieren könnte. Wie sich aber inzwischen herausstellte, kam es weder dazu noch zu anderen signifikanten Nebenwirkungen.

+ + + + +

�</text>
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und
TToITi

• 11

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30

25. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Vizepräsident Mondale unterbreitet Sieben-Punkte-Programm in Genf
- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm des Präsidenten

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

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�1
I

3

Dokumentation
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25. Juli 1979

30

VIZEPRÄSIDENT MONDALE UNTERBREITET SIEBEN-PUNKTE-PROGRAMM IN GENF
- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz -

GENF

- (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale

hat am 21. Juli 1979 auf der Flüchtlingskonferenz der Vereinten Nationen
in Genf ein sieben Punkte umfassendes Aktionsprogramm zur Linderung der
Not der Indochinaflüchtlinge unterbreitet.

Es sei an der Zeit, so sagte

er in seiner vielbeachteten Rede, endlich zu handeln und nicht nur zu
reden.
Die Ansprache Mondales hat folgenden Wortlaut:
"Wieder einmal wenden sich die Staaten dieser Welt an die Vereinten
Nationen.

Wenn Probleme auftauchen, die die ganze menschliche Gemeinschaft

berühren, bietet kein anderes Forum ein umfassenderes Bild.

Wenn nationale

Interessen miteinander in Widerstreit geraten und aufeinanderprallen, lädt
uns keine andere Institution mit größerer moralischer Autorität vor. Die
Vereinten Nationen sind oft kritisiert, manchmal sogar verleumdet worden.
Aber die gemeinsame Grundlage, die sie uns bieten, verdient unseren Dank
und unser Lob.

Im Namen der Vereinigten Staaten und, wie ich glaube, im

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Telex:08-85432

�»

im Namen aller Länder der Staatengemeinschaft danke ich Generalsekretär
Waldheim und dem Hochkommissar Hartling für ihre Initiative, uns hier und
heute einzuberufen.
Herr Generalsekretär, manche Tragödien spotten der Einbildungskraft.
So manches Unglück entzieht sich dem Zugriff der Vernunft, so daß die Sprache
selbst unter der Last der Wirklichkeit zusammenbricht.
wir zu Metaphern.

Als Ersatz greifen

Als Ersatz sprechen wir den unhörbaren Dialekt des

menschlichen Herzens.
Heute stehen wir einer solchen Tragödie gegenüber. In praktisch allen
Sprachen der Welt wurden verzweifelte neue Ausdrücke geboren: "Sklaverei
hinter Stacheldraht", "Ein Archipel GULAG der Verzweiflung", "Eine Flutwelle
menschlichen Elends": mit solch neuen Schöpfungen wurde unsere Sprache
bereichert, aber im gleichen Maße verarmte unsere Zivilisation. "Die Bootsmenschen", "Die Landmenschen". Die Wörter sind neu, aber unglücklicherweise
sind die Vorgänger in den Annalen der Scham es nicht: diese Woche vor
genau 41 Jahren beendete eine andere internationale Konferenz am Genfer See
ihre Beratungen. 32 "Asylländer" kamen in Evian zusammen, um die bedrohten
Juden in Nazi-Deutschland und in Österreich zu retten. Am Ende der
Konferenz schleuderte Hitler seine Herausforderung der Welt ins Gesicht.
Er sagte: "Ich kann nur hoffen, daß die andere Welt, die so voller tiefer
Sympathie für diese Kriminellen ist, zumindest großzügig genug sein wird,
um diese Sympathie in praktische Hilfe umzuwandeln." Wir alle haben
ähnliche Argumente über die Lage der Flüchtlinge in Indochina gehört.
In Evian ging es um zweierlei: es ging um menschliches Leben, und es
ging um den Anstand und die Selbstachtung der zivilisierten Welt. Wenn
jedes Land an jenem Tag in Evian zugestimmt hätte, gleichzeitig 17 000
Juden aufzunehmen, hätte jeder Jude im "Reich" gerettet werden können.
Damals schrieb ein amerikanischer Beobachter: "Es ist herzzerreißend, an
die verzweifelten Menschen zu denken, wie sie in Ungewißheit darauf warten

�warten, was in Evian geschieht.

Aber die Frage, die sie aufwerfen, ist

nicht einfach nur eine humanitäre..., es ist ein Test für die Zivilisation."
In Evian begann alles mit großen Hoffnungen.

Aber der Test für die

Zivilisation schlug fehl.
Die zivilisierte Welt versteckte sich im Mäntelchen der Dogmatismen.
Zwei Länder sagten, sie hätten den "Sättigungspunkt" für jüdische Flüchtlinge
erreicht. Vier Länder sagten, sie würden lediglich erfahrene Landarbeiter
aufnehmen. Ein anderes wollte nur getaufte Einwanderer aufnehmen. Drei
erklärten Intellektuelle und Händler für unerwünscht. Ein Land befürchtete,
daß der Zustrom von Juden antisemitische Gefühle wachrufen würde. Und ein
Abgeordneter sagte folgendes: "Da wir kein echtes Rassenproblem haben,
haben wir auch nicht den Wunsch, eins zu importieren." Und während die
Delegierten Evian verließen, verspottete Hitler "die andere Welt" weiter
wegen ihres "triefenden Mitleids, das sie für das arme,gequälte Volk hegt,
während sie gleichzeitig hart und halsstarrig bleibt, wenn es darum geht,
ihm zu helfen." Nur wenige Tage später wurde die "Endlösung des jüdischen
Problems" entworfen, und bald darauf wurde es Nacht.
Lassen Sie uns den Irrtum von damals nicht wiederholen.
nicht die Erben jener Scham sein.

Lassen Sie uns

Um die Tragödie in Südostasien zu erleichtern, müssen wir alle eine
Rolle spielen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Anteil zu tragen genauso, wie wir dies schon seit Generationen getan haben. "Mother of
Exil es" steht auf dem Sockel der Freiheitsstatue im Hafen von New York.
Das amerikanische Volk hat bereits über 200 000 Menschen aus Indochina
will kommengeheißen. Ihr Talent und ihre Energien bereichern unser Land
unermeßlich.
Wir

- 3 -

�Wir sind dabei, die Vorbereitung zur Aufnahme von weiteren 168 000
Flüchtlingen im kommenden Jahr zu treffen.

Die Gouverneure und Kongreß-

mitglieder unserer Delegation sowie hervorragende Religions- und Bürgerrechtsführer in ganz Amerika sind ein Symbol der dauernden Verpflichtung
Präsident Carters und des amerikanischen Volkes.
Viele der hier vertretenen Länder haben sich dem Test der Geschichte
gestellt und haben eine große Zahl von Flüchtlingen aufgenommen.

Die

ASEAN-Länder, China und Hong Kong haben seit 1975 über einer halben Million
Flüchtlingen aus Vietnam, Laos und Kamputschea Sicherheit und Asyl angeboten.
Und auch andere haben ihre Tore geöffnet.
Aber der wachsende Exodus aus Indochina übertrifft noch immer die
internationalen Anstrengungen. Wir müssen zusammenarbeiten oder das Leiden
wird weiter zunehmen. Wenn wir nicht alle noch mehr tun, wird die Gefahr
eines neuen Konflikts wachsen und die Stabilität von Südostasien untergraben.
Wenn diese Konferenz nicht neue Verpflichtungen hervorbringt, sondern nur
neue Metaphern, werden wir die Verachtung von Evian erben. Es ist Zeit
für Taten, nicht für Worte.
Ich möchte sieben Gebiete ausführen, auf denen Handeln nottut:
Zuerst und vor allem muß die fundamentale Verantwortung bei der
Führung von Indochina, vor allem bei der Regierung der Sozialistischen
Republik von Vietnam liegen. Diese Regierung versäumt es, die Menschenrechte
ihres Volkes zu garantieren. Ihre gefühllose und
verantwortungslose
Politik zwingt zahllose ihrer Bürger dazu, alles zu verlassen, was ihnen
wert ist, ihr Leben auf Spiel zu setzen und ins Unbekannte zu fliehen.
Es muß ein sofortiges Moratorium gegen die weitere Vertreibung von
Menschen aus Vietnam geben.

Wir müssen das Ertrinken von Menschen sofort

verhindern und ein menschliches Auswanderungsprogramm erstellen.

- 4 -

Die Politik

�Politik der Vertreibung, die zu so vielen tragischen Todesfällen geführt
hat, muß aufhören.

Sie muß durch eine Politik ersetzt werden, die es

denjenigen, die ihre Heimat verlassen wollen, ermöglicht, dies zu tun in Sicherheit, nach eigener Wahl und auf geordnete Weise.
Gleichzeitig dürfen wir nicht die Landflüchtlinge vergessen, die durch
Kampf und ausländische Invasion aus ihrem Heimatland

vertrieben werden.

Die Völker dieser Welt müssen eine politische Lösung in Kamputschea unterstützen.
Das überleben eines ganzen Volkes ist in höchster Gefahr. Weder das
Pol Pot-Regime noch das von Hang Samrin repräsentieren das kamputscheische
Volk. Der Kampf und die menschliche Tragödie in seinem Gefolge müssen aufhören. Die internationale Gemeinschaft darf nicht die gewaltsame Vertreibung
ganzer Bevölkerungsteile tolerieren.
Ich rufe alle Regierungen auf, normale freizügige Auswanderung sowie die
Zusammenführung von Familien zu erlauben.

Meine Regierung unterstützt die

Anstrengungen zur Aushandlung eines Programmes zum ordnungsgemäßen direkten
Verlassen von Vietnam - aber nicht auf Kosten derjenigen, die bereits in
Lagern irgendwo in Südostasien auf Neuansiedlung warten.
Zweitens appelliere ich an die Länder, die ein erstes Asyl gewähren,
auch weiterhin allen Flüchtlingen vorläufige sichere Aufnahme zu bieten.
Für das von diesen Ländern gezeigte Mitleid verdienen sie Respekt und
Bewunderung der Staatengemeinschaft dieser Welt.
diese Verantwortung nicht allein tragen.

Aber diese Länder können

Wir rufen sie dazu auf, in ihrem

Geist der Menschlichkeit auszuharren, so daß unsere eigene Anstrengung weitergehen kann.
Deshalb muß, drittens, der Rest von uns den Ländern, die erstes Asyl
gewährt haben, die Zusicherung geben, daß die Flüchtlinge innerhalb einer

- 5 -

�einer vernünftigen Frist eine neue Heimat finden werden.

Um dieses Ziel

zu erreichen, rufen wir alle Länder auf, ihre Verpflichtungen zur Ansiedlung
zu verdoppeln, wie es die Vereinigten Staaten bereits getan haben.

Darüber

hinaus müssen wir alle bereit sein, uns zu mehrjährigen Neuansiedlungsprogrammen zu verpflichten, denn das Problem läßt sich nicht rasch lösen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten bemüht sich jetzt um diese Befugnis.
Viertens muß jeder von uns einen großen Beitrag zu den Anstrengungen
leisten, die der Hochkommissar der Vereinten Nationen für das Flüchtlingswesen unternimmt.

Er wird in den kommenden Jahren vermehrte Hilfsmittel

benötigen, um für die anwachsende Zahl von Flüchtlingen zu sorgen und um
das Elend in den Flüchtlingslagern zu mindern.

Er wird möglicherweise für

seine Indochina-Programme des Jahres 1980 rund 400 Millionen Dollar benötigen.
Um unseren Teil zu dieser Hilfe beizutragen, darf ich heute ankündigen,
daß meine Regierung den Kongreß ersuchen wird, 105 Millionen Dollar für
solche Programme zur Verfügung zu stellen - mehr als das Doppelte unserer
bisherigen Anstrengungen.

Wir sind auch bereit, hochqualifizierte Freiwillige

des Friedenskorps zu ernennen, um in den Lagern in Südostasien zu arbeiten,
nicht nur mit den einzelnen Ländern, sondern auch im Rahmen der Programme
des UN-Hochkommissars.

Wir drängen andere Länder dazu, ähnliche Hilfsprogramme

durchzuführen.
Fünftens ist es wesentlich, den Druck auf die bestehenden Lager zu
mildern und ein Netz neuer Durchgangslager für Flüchtlinge zu schaffen, die
dann für immer woanders angesiedelt werden sollen. Ausgehend von der großen
Anzahl von Flüchtlingen, müssen solche Zentren mindestens 250 000 Flüchtlinge
beherbergen. Meine Regierung hat der Initiative der ASEAN-Staaten für
Flüchtlings-Durchgangslager beigepflichtet. Präsident Carter applaudierte
der Regierung der Philippinen für die mutigen und beispielhaften Schritte,
die sie unternommen hat - ein Modell verantwortungsbewußter Führerschaft.
Heute freue ich mich besonders darüber, ankündigen zu können, daß wir vom

- 6 -

�vom Kongreß mehr als 20 Millionen Dollar fordern, um unseren Anteil an
solch neuen Anlagen des UN-Hochkommissars finanzieren zu können.
Sechstens müssen wir die Umsiedlung von Flüchtlingen auf Länder ausdehnen, die bereit sind, sie aufzunehmen - aber nicht die Mittel dazu haben.
Ich schlage heute im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten die
Schaffung eines Internationalen Fonds zur Neuansiedlung von Flüchtlingen
vor. Wenn andere Länder mitarbeiten, werden wir unseren Kongreß um Beiträge für den Fonds von insgesamt 20 Millionen Dollar im ersten Jahr ersuchen.
Wir fordern heute die anderen Länder auf, es uns gleichzutun. Wir empfehlen,
den Fonds mit 200 Millionen Dollar auszustatten. Dieser Fonds könnte zum
Beispiel eine internationale Körperschaft subventionieren, die anderen
Ländern dabei behilflich ist, mit ihren eigenen Plänen zu beginnen und
zusätzliche Mittel für diesen hohen menschlichen Zweck bereitzustellen.
Siebentens - und vor allem - müssen wir handeln, um das Leben derer
zu schützen, die Sicherheit suchen. Die Vereinigten Staaten handeln
energisch, um die Flüchtlinge vor Ausgesetztsein, Hunger, Ertrinken und
Tod auf See zu retten. Als militärischer Oberbefehlshaber hat der Präsident
der Vereinigten Staaten seine Befehle an unsere Flotte dramatisch verschärft,
um den ertrinkenden und verzweifelten Menschen zu helfen. Heute hat der
Präsident vier weitere Schiffe des militärischen Seebrückenkommandos in
das südchinesische Meer entsandt, wo sie sowohl zum Transport Zehntausender
von Flüchtlingen von ihren Lagern zu Transitzentren als auch zum Beistand
von Flüchtlingen auf hoher See verfügbar sind. Gleichzeitig hat der
Präsident Patrouillenflüge von Marineflugzeugen angeordnet, um in Not
befindliche Flüchtlingsboote auszumachen und ihnen Hilfestellung zu geben.
Zudem hat der Präsident unsere Handelsschiffahrt und die Gewerkschaften
aufgefordert, in ihren altehrwürdigen Anstrengungen fortzufahren, Flüchtlingen
auf hoher See zu helfen. Wir rufen die anderen Regierungen auf, dasselbe
zu tun und diejenigen zur Ansiedlung aufzunehmen, die aufgefunden werden.
Herr

�Herr Generalsekretär, verehrte Mitglieder, lassen Sie mich zusammenfassend zwei Punkte wiederholen.
Erstens:

die internationale Gemeinschaft darf diese erzwungene Aus-

treibung nicht tolerieren.

Wir rufen Vietnam auf, eine Politik einzustellen,

die so viele zur Flucht verurteilt.

Ein sofortiges Moratorium für Vertreibungen

ist notwendig.
Die Freiheit zur Emigration ist ein grundlegendes Menschenrecht. Aber
kein Land ist blind gegenüber dem Unterschied zwischen freiwilliger Auswanderung und erzwungenem Exodus. Verhängen wir ein Moratorium über diesen
Exodus. Halten wir einen Atemzug lang inne, damit wir alle - Regierungen,
freiwillige Kommissionen ebenso wie einzelne Privatleute - unsere Großzügigkeit mobilisieren und bei diesem menschlichen Unglück helfen können.
Und lassen Sie uns der Regierung von Vietnam gegenüber darauf bestehen, die
unveräußerlichen Menschenrechte im Innersten einer jeden zivilisierten
Gesellschaft zu ehren.
Zweitens: unsere Kinder werden hart mit uns ins Gericht gehen, wenn
wir versagen. Die Konferenz von Evian vor 41 Jahren fand in der gleichen
Bequemlichkeit und Schönheit statt, die wir auch während unserer Beratungen
heute genießen. Ein Beobachter jener Vorgänge, bewegt durch den Gegensatz
von Dekor und Aufgabe, sagte:
"Diese armen Menschen und diese großen Prinzipien scheinen so weit
entfernt. Für jemanden, der andere Konferenzen am Genfer See erlebt hat,
ist am Vorabend dieser hier das Erschreckendste, daß die Atmosphäre genau
so ist wie bei den anderen."
Lassen Sie uns nicht so sein wie die anderen. Lassen Sie uns dieses
Vermächtnis der Scham zurückweisen. Lassen Sie uns über die Metapher
hinausreichen. Lassen Sie uns die moralischen Prinzipien ehren, die wir

- 8 -

�wir ererbt haben.

Lassen Sie uns etwas Sinnvolles tun, etwas Grundlegendes,

um gegen dieses Unglück anzugehen.
Problem.

Wir stehen vor einem weltweiten

Lassen Sie uns eine weltweite Lösung gestalten.

Die Geschichte wird uns nicht vergeben, wenn wir versagen.
Geschichte wird uns nicht vergessen, wenn wir erfolgreich sind.

+ + + + +

- 9 -

Die

�25. Juli 1979

30

ERLÄUTERUNGEN DES WEISSEN HAUSES ZUM ENERGIEPROGRAMM DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 16. Juli 1979 Daten und
Fakten zum Energieprogramm Präsident Carters veröffentlicht, das auf eine
wesentliche Senkung der öleinfuhren abzielt.
Die Veröffentlichung hat folgenden Wortlaut:

Wesentliche Punkte
Die von der Regierung seit April 1977 getroffenen Maßnahmen haben
den für das Jahr 1990 vorausberechneten Bedarf des Landes an importiertem
öl um etwa vier Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) reduziert. Die heute vom
Präsidenten angekündigten Maßnahmen werden zusätzliche 4,5 MMB/D bis zum
Ende des nächsten Jahrzeznts einsparen und somit den geschätzten amerikanischen
Einfuhrbedarf halbieren. Der Präsident erklärte, daß die Vereinigten Staaten
nie mehr wieder mehr öl einführen werden als im Jahre 1977. Der Präsident
kündigte an, daß die Importquoten für 1979 und 1980 auf ein Niveau begrenzt

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�begrenzt werden, das noch unter den Höchtsgrenzen liegen soll, auf das
man sich auf dem Gipfeltreffen in Tokio festgelegt hatte.
Eine umfassende Strategie zur Verminderung der Einfuhren ist absolut
wichtig, um die weitere wirtschaftliche Stärke und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten sicherzustellen.

Bei der Ausarbeitung dieses Programms

hat die Regierung alle zur Verfügung stehenden politischen Mittel geprüft,
um die Abhängigkeit von ausländischem öl einzuschränken, einschließlich
anderer Quellen für ül und Erdgas, direkte Verwendung von Kohle und Sonnenenergie.

Das vom Präsidenten heute verkündete Programm zieht alle diese

Quellen heran, um unser Einfuhrbeschränkungsziel vom Jahre 1990 zu erreichen.
Das Programm des Präsidenten soll
•

-

eine Energiesicherungsgesellschaft schaffen, um die Entwicklung
von 2,5 MMB/D an ölersatzstoffen aus Flüssigkohle und Gas, aus Ölschiefer, Biomasse und unkonventionellem Gas bis 1990 zu überwachen;

-

einen aus drei Mitgliedern bestehenden EnergiemcbilisierungsAusschuß (Energiemobilisierungsamt) einrichten, der mit der
Vollmacht ausgestattet sit, die Genehmigung und den Bau entscheidend
wichtiger Energieanlagen zu beschleunigen;

-

neue Anreize bieten zur Entwicklung von Ressourcen an Schweröl,
unkonventionellem Gas und Ölschiefer;

-

Versorgungseinrichtungen fördern, um den gegenwärtigen Ölverbrauch
um 50 Prozent zu reduzieren, eine Einsparung von 750 000 Barrel pro
Tag;

-

ein neues größeres Programm zur häuslichen und kommerziellen Einsparung einführen, das darauf gerichtet ist, im Jahr 1990 500 000 Barrel

�Barrel öl pro Tag einzusparen;
-

2,4 Milliarden Dollar jährlich bereitstellen zur Unterstützung
von amerikanischen Familien mit niedrigem Einkommen;

-

eine Summe von 16,5 Milliarden Dollar im Verlauf der nächsten zehn
Jahre bereitstellen für Verbesserungen im Massenverkehrssystem des
Landes und für niedrigeren Benzinverbrauch bei Autos.

In Verbindung mit den Initiativen, die in der Energierede des Präsidenten
vom 5. April angekündigt wurden und in Verbindung mit der Sonnenbank, wird
das heute vom Präsidenten angekündigte Programm es den Vereinigten Staaten
ermöglichen, ihren Einfuhrbedarf bis zum Jahr 1990 zu halbieren.

I.

Geschätzte Auswirkung der Initiativen der Regierung, um die öleinfuhren
im Jahr 1990 herabzusetzen.
Importeinsparungen aufgrund der Programme des Präsidenten:

2,5 MMB/D geschätzter Importeinsparungen durch das Nationale Energiegesetz, darin eingeschlossen
-

Gesetz über die Erdgas-Politik
Gesetz über Benzinverbrauch
Gesetz über Energiesteuer
Ausführungsbestimmungen für öffentliche Versorgungseinrichtungen

-

Gesetz über die nationale

Energieeinsparungspolitik

1,5 MMB/D geschätzter Einfuhreinsparungen durch das
Programm des Präsidenten vom 5. April, darin eingeschlossen
phasenweise
- 3 -

�phasenweise Freigabe der Preise für inländisches Rohöl;
die Juni-Botschaft zur Sonnenenergie mit vier MMB/D geschätzter
Gesamteinsparungen durch Maßnahmen von heute an;
Geschätzte Einfuhreinsparungen aufgrund der Initiativen vom
16. Juli, darin eingeschlossen
synthetische Brennstoffe und unkonventionelles Gas, 2,5 MMB/D;
Schweröl 0,5 MMB/D;
Verminderung bei Versorgungsanlagen 0,75 MMB/D;
häuslische Einsparungen 0,5 MMB/D;
Massenverkehr und niedrigerer Benzinverbrauch 0,25 MMB/D;
4,5 MMB/D geschätzte Gesamteinsparungen durch ein neues Programm;
8,5 MMB/D geschätzte Gesamteinsparungen von alten und gegenwärtigen
Programmen.

Einfuhrniveau für 1990
Eine Projektion der gesamten öl nachfrage und -einfuhren im Jahr 1990
ohne die breitgefächterten politischen Initiativen des Präsidenten bleibt
reine Spekulation. Bei Fortschreibung des Zustandes von 1977 wäre jedoch
ein Einfuhrniveau von 13 Millionen Barrel pro Tag nicht unwahrscheinlich gewesen.
Aus diesem Grund könnte sich bei einer erfolgreichen Anwendung der
Programme zur Einfuhrbeschränkung über annähernd 8,5 MMB/D die geschätzte
Einfuhr im Jahr 1990 zwischen 4 MMB/D und 5 MMB/D bewegen.
Tabelle:

Gesamtverbindlichkeiten des Programms von 1980 - 1990

(Zahlen in Milliarden Dollar zu gegenwärtiger Kaufkraft)
Energiesicherungsgesellschaft

�Energiesicherungsgesellschaft
3-Donar-Steuervergünstigung pro Barrel für Ölschiefer

88.0
1.0

50 Cents pro tausend Kubikfuß Steuervergünstigung für
unkonventionelles Erdgas

1.0

Schweröl

—

Verminderung des Ölverbrauchs bei Versorgungseinrichtungen

5.0

Häusliche/Kommerzielle Einsparung

2.0

Wi rksameres Verkehrswesen

16.5

Beihilfe für niedrige Einkommen (10 Jahre)

24.0

Sonnenbank und Steuervergünstigungen (20 Jahre)
Zwischensumme
Wei tere Programme vom 5. Apri 1
Endsumme

3.5
141.0
1.2
142.2

Diese Schritte werden allein aus dem Energiesicherungs-Treuhandfonds
(Energy Security Trust Fund -ESTF-) finanziert, der Einnahmen aus der
Steuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits tax) erhält. Die
jeweilige finanzielle Ausstattung dieses Treuhandfonds wird von der
endgültigen Gestaltung der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne und von
der zukünftigen Bewegung der Preise für das Weltöl abhängen. Schätzungen
über Einnahmen aus der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne bewegen sich
zwischen 146 Milliarden Dollar und 270 Milliarden Dollar für den Zeitraum
von 1980 bis 1990, sind jedoch davon abhängig, welche ölpreise man annimmt.
Alle zusätzlichen Mittel, die diese Steuer aufbringen sollte, werden für
weitere Energieausgaben oder ähnliche Schritte verfügbar gemacht. Jede
Einnahmeminderung aus dieser Steuer wird Einschränkungen bei den Programmniveaus nötig machen. Das Beratende Komitee
des Präsidenten für Energiesicherung wird dem Präsidenten Vorschläge über die Verwendung aller zusätz-

�zusätzlicher Geldmittel unterbreiten.

II.

Einfuhrquoten und Einfuhrziele
Der Präsident hat angekündigt, daß Importquoten eingeführt werden, um

die amerikanischen Netto-Üleinfuhren im Jahr 1979 und 1980 unter den Höchstgrenzen von 8,5 MMB/D zu halten, über die auf dem Gipfeltreffen in Tokio
im Juni Einigkeit erzielt wurde.

Für das Jahr 1979 wird die Quote so fest-

gesetzt werden, daß die amerikanischen Netto-Importe auf 8,2 MMB/D begrenzt
werden, also um 300 000 unter dem Niveau der Tokioter Grenze. Auch die
Importquote für das Jahr 1980 wird unter der Grenze von Tokio liegen,jedoch
wird das exakte Niveau später festgelegt.
Die Quoten werden aufgrund der Vollmacht von Artikel 232 (B) des Gesetzes
zur Ausweitung des Handels von 1953 festgesetzt, die es dem Präsidenten erlaubt,
aufgrund des Urteils des Finanzministers alle Importe zu begrenzen, die die
nationale Sicherheit gefährden.

Am 14. März 1979 urteilte der Finanzminister,

daß die gegenwärtigen Einfuhrniveaus eine solche Bedrohung darstellen.

Der

Präsident kann diese Quoten ohne weitere gesetzliche oder verfahrensrechtliche
Erfordernisse durchsetzen.
Der Präsident hat die Minister für Energie und für Finanzen angewiesen,
ihm umgehend Empfehlungen über Verfahren zur Durchsetzung dieser Quoten zu
übermitteln.
Außerdem kündigte der Präsident seine Absicht an, daß er auch weiterhin seine Vollmacht hinsichtlich der Quoten anwenden werde, um sicherzustellen,
daß Einfuhrziele für die Jahre über 1980 hinaus erreicht werden. Diese
Ziele werden auf einer jährlichen Grundlage erstellt.
Die

- 6 -

�III.

Die Energiesicherungsgesellschaft

Struktur und Organisation
Der Präsident fordert den Kongreß auf, die notwendigen Gesetze zur
Schaffung einer unabhängigen Energiesicherungsgesellschaft zu erlassen, die
in der Produktion flüssiger und gasförmiger synthetischer Brennstoffe
investieren wird, die aus Kohle, Biomasse, Torf und Ölschiefer gewonnen
werden können,sowie in die Erschließung unserer gewaltigen Reserven an
unkonventionellem Erdgas.
Die Gesellschaft wird ein unabhängiges, von der Regierung gefördertes
Unternehmen sein, das vom Kongreß genehmigt ist. Sie wird außerhalb der
Exekutive angesiedelt und unabhängig von jeder Regierungsstelle sein.

Die

Gesellschaft wird durch einen siebenköpfigen Aufsichtsrat geleitet werden.
Ein Vorsitzender und drei andere Direktoren werden vom Präsidenten ernannt
und vom Senat bestätigt werden.

Zudem werden der Energieminister und der

Finanzminister sowie ein weiterer Minister im Aufsichtsrat sitzen.
Die Vorstandsmitglieder und die Mitarbeiter der Gesellschaft werden
von den Bestimmungen des öffentlichen Dienstes befreit,und auch die
Gesellschaft selbst wird einer Reihe von Bestimmungen nicht unterliegen,
die normalerweise auf Regierungsdienststellen Anwendung finden.
Die Gesellschaft wird eine Satzung für 12 Jahre haben, was ausreichend
sein sollte, um sie in die Lage zu versetzen, ihr Produktionsziel des
Jahres 1990 zu erreichen.

Nach diesen 12 Jahren könnte die Satzung ver-

längert werden; ansonsten würden ihre Verbindlichkeiten und ihre Vermögens
werte vom Finanzministerium übernommen.
Das

- 7 -

�Das Mandat der Gesellschaft
Die Energiesicherungsgesellschaft wird eine Investition von 88 Milliarden
Dollar beaufsichtigen, um bis 1990 2,5 Millionen Barrel pro Tag an Ersatzstoffen für importiertes öl zu produzieren.

Die Mittel für die Gesellschaft

werden aus den Einnahmen der vom Präsidenten vorgeschlagenen Steuer für ungerechtfertigte Gewinne kommen.

Es wird das ausschließliche Ziel der Gesellschaft

sein, die Kapazität der inländischen Produktion zu entwickeln; sie wird
sich nicht mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben beschäftigen.
Die Gesellschaft wird die Vollmacht haben, in die Produktionskapazität
für Flüssigkohle, Kohlengase, Torf, Biomasse, Ölschiefer und unkonventionelles
Erdgas

zu investieren oder diese unmittelbar zu entwickeln.

Die Gesellschaft wird die anteilige Mischung der Energiequellen und
die Technologien festlegen, die Verwendung finden, um den Auftrag von
2,5 Millionen Barrel pro Tag anzuführen. Die folgende Tabelle zeigt jedoch
eine erläuternde Aufgliederung der Energiequellen, um das Ziel des Jahres 1990
zu erreichen:
1.0 bis 1.5 MMB/D von Flüssigkohle und Kohlengasen;
0.4 MMB/D von Ölschiefer;
0.1 von Biomasse und
0.5 bis 1.0 MMB/D von unkonventionellem Gas.

Finanzierung
Der Gesellschaft wird eine große Auswahl von Finanzierungsmöglichkeiten
zur Verfügung stehen, um ihren Einfluß innerhalb des privaten Sektors zu
verstärken.

Diese umfassen:

Preisgarantien, übereinkommen über Bundesein-

�Bundeseinkäufe, direkte Darlehen, Darlehensgarantien und außerdem eine
begrenzte Anzahl von regierungseigenen und durch die Regierung betriebenen
sowie von regierungseigenen, aber durch Gesellschaften betriebenen Anlagen.
Die Energiesicherungsgesellschaft wird keine Vollmachten zur Beteiligung
an Gemeinschaftsunternehmen (Joint ventures) oder anderen Formen von
Eigenkapital haben,und die Anwendung der ihr verliehenen Vollmacht wird
sich auf der Grundlage der Einmaligkeit abwickeln.
Die Vollmacht über einen eigenen Haushalt wird der Energiesicherungsgesellschaft im Moment ihrer Gründung übertragen. Direkte Geldmittel werden
geleistet für die Ausgaben der laufenden Tätigkeit,und 83 Milliarden Dollar
der Budgetbefugnis sind vorgesehen für direkte Obligationen und Schuldgarantien. Die Energiesicherungsgesellschaft wird die Einnahmen durch die
Auflage von Energieobligationen in kleiner Stückelung erhalten, die vom
Finanzministerium verkauft werden und die die gleichen Zinssätze haben wie
die kleingestückelten Regierungsobligationen. Bis zu 5 Milliarden Dollar
aus dem Verkauf von Energieobligationen werden zur Aufrechterhaltung der
Tätigkeiten der Körperschaft genehmigt.

IV.

Das Energiemobilisierungsamt

Die Regierung hat bereits im Rahmen der existierenden Vollmacht
gehandelt, daß Verzögerungen bei der Genehmigung wichtiger Energieanlagen
auf ein Mindestmaß reduziert wurden. Diese bereits getroffenen Maßnahmen
beinhalten:
-

Verfahren zur Erstellung von Entscheidungsplänen für wichtige
Energieanlagen wurden im April 1979 unter der Leitung des Hauhaltsamtes eingeführt;

Verordnungen

- 9 -

�-

Verordnungen zur Reform und Anpassung der Erfordernisse des Gesetzes
zur staatlichen Umweltpolitik wurden im November 1978 vom Rat für
Umweltqualität (Council on Environmental Quality) herausgegeben;

-

ein Energiekoordinierungs-Ausschuß auf Kabinettsebene, geleitet
vom Energieminister, wurde durch eine Durchführungsverordnung im
September 1978 eingerichtet.

Um jedoch die für das Jahr 1990 vorgesehenen Ziele bei der Verminderung
der üleinfuhren zu erreichen, sind erhebliche zusätzliche Vollmachten notwendig, um die Entwicklung der inländischen Energieproduktions-Kapazität
zu beschleunigen.

Der Präsident wird dem Kongreß einen Gesetzentwurf zur

Errichtung eines Energiemobilisierungsamtes vorlegen (EMB - Energy
Mobilization Board).

Dieses Amt wird drei Mitglieder haben und innerhalb

des Exekutivbüros des Präsidenten angesiedelt sein.

Die Mitglieder des

Amtes werden vom Präsidenten eingesetzt und werden vom Senat bestätigt.
Das Amt wird befugt sein, bestimmte nichtnukleare Anlagen als entscheidend für die Erreichung der Einfuhrminderungen des Landes zu erklären
und bindende Fristen für Entscheidungen auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und kommunaler Ebene hinsichtlich solcher Projekte zu erstellen.
Gerichtliche Überprüfung von Entscheidungen dieses Amtes findet in einem
beschleunigten Verfahren vor dem Finanzgerichtshof des Kreises statt, in
dem sich die Anlage befindet.
Wenn eine bundesstaatliche, einzelstaatliche oder kommunale Behörde
es versäumt, innerhalb eines klar umrissenen Zeitrahmens zu handeln, wird
das Amt ermächtigt, die Entscheidung anstelle der Behörde zu treffen, indem
es das angemessene Bundes-, EinzelStaats- oder Gemeindegesetz anwendet.
Das Amt wird außerdem die Befugnis haben, Verfahrensbestimmungen von Bundes-,
EinzelStaats- und Gemeindegesetzen zu umgehen, um die Entwicklung und den
Bau einer entscheidend wichtigen Energieeinrichtung zu beschleunigen. Um

- 10 -

�Um Verzögerungen nach Baubeginn zu vermeiden, könnte das Amt auch die
Anwendung neuer materieller oder prozeduraler Bestimmungen des Gesetzes
fallenlassen, die nach Baubeginn eines Projektes in Kraft getreten sind.
Ein solcher Verzicht würde auf einer Fall-zu-Fall-Basis möglich sein.
Jede Anwendung einer solchen Vollmacht durch das Amt würde dem Veto des
Präsidenten unterliegen.

V.

Schweröl

Die Vereinigten Staaten verfügen über geschätzte Vorkommen von mehr
als zehn Milliarden Barrel Schweröl - hochviskose, fast teerähnliche Kohlenwasserstoffe, die für die Gewinnung erhitzt werden müssen. Ein großer Teil
dieser Vorkommen liegt in Kalifornien. Bei Schweröl ist sowohl die Förderung
als auch die Raffination kostspieliger als bei herkömmlichen Rohölen;
dennoch lassen sich zahlreiche Aufbereitungsprodukte guter Qualität daraus
herstellen.
Der Präsident weist das Energieministerium an, für Schweröl die Preiskontrolle sofort aufzuheben.

Schweröl soll auch nicht unter die Steuer für

ungerechtfertigte Gewinne fallen, damit es den vollen Weltmarkt-Öl preis
erzielen kann.

Neben diesem Anreiz hinsichtlich der Preisgestaltung wird

das Energieministerium Schritte unternehmen, die gewährleisten, daß Erdgas
für die Schweröl-Produktion im Rahmen der zur Zeit gültigen Umweltschutzmaßnahmen verfügbar wird.
Mit solchen Maßnahmen sollte es möglich sein, im Jahr 1990 schätzungsweise 500 000 Barrel pro Tag aus Schwerölquellen zu gewinnen.

Der Staats-

haushalt wird durch diese Initiative relativ wenig in Anspruch genommen, weil
nur geringe Mengen Schweröl erschlossen würden, wenn für diese Quelle Gelder
aus der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne zur Verfügung stünden.

- 11 -

Während

�Während die Kosten der Schweröl gewinnung je nach den Gegebenheiten der
Lagerstätten und den angewandten Ausbringungstechniken unterschiedlich
sind, rechnet die Regierung mit erheblichen Produktionsmengen zu gegenwärtigen ölWeltmarktpreisen oder einem geringfügig darüber liegenden Satz.
Die Schwerölerschließung fällt nicht unter die Kompetenz der Energiesicherungsgesellschaft, weil es sich dabei im Grunde um eine Ausweitung bereits vorhandener ölerschließungstechniken handelt, ferner die Vorkommen verhältnismäßig gut bekannt sind und die Aufhebung der Preisbindung sowie die Steuererleichterungen genügend Anreize für

VI.

die Erschließung bieten.

Gas aus unkonventionellen Quellen
Angesichts des überaus großen Potentials von Gasvorkommen in den

Vereinigten Staaten in bisher nicht in Anspruch genommenen Formationen
wie schwer durchlässigen Sanden, Devonschiefer, methanhaltigen Druckschichten und kohleführenden Schichten hat der Präsident zusätzlich zu
den Aktivitäten, die die Energiesicherungsgesellschaft durchführen kann,
Initiativen vorgeschlagen, durch die bei folgenden Vorkommen eine Erschließung großen Stils merklich beschleunigt würde:
-

Der Präsident wird sich über das Energieministerium um Maßnahmen
seitens der Bundesenergie-Aufsichtskommission (FERC - Federal
Energy Regulatory Commission) zur Einführung eines speziellen
Ansporn-Preises für Erdgas aus Hartsanden bemühen, der dem aus
der Preisbindung genommenen öl preis vergleichbar ist. Obgleich
das Gesetz über die Erdgaspolitik die Preisbindung für Gas aus
anderen ungewöhnlichen Quellen aufhob, wurden Hartsande nicht
berücksichtigt.

-

Sollte die FERC nicht im Sinne dieses Ersuchens tätig werden, wird

- 12 -

�wird die Regierung einen Zusatz zum Erdgasgesetz anstreben, um
solches Gas aus der Preisbindung zu nehmen.

-

Um die Erschließung dieser Vorkommen noch stärker zu beschleunigen,
wird ein Steuerfrei betrag von 50 Cent pro 1 000 000 Kubikfuß
(28 320 cbm) für Gas aus allen unüblichen Quellen gewährt.

Die

Steuerbegünstigung erlischt, sobald das Ölpreis-Äquivalent auf dem
Weltmarkt 28 Dollar pro Barrel erreicht.

-

Die Energiesicherungsgesellschaft ist ermächtigt, Unterstützung
bei der Erschließung von Gas aus ungewöhnlichen Quellen zu leisten,
wenn sie zu dem Schluß kommt, daß zur Erreichung der für 1990
gesteckten Ziele zusätzliche Anreize notwendig sind.

Produzenten

von Gas aus nicht herkömmlichen Quellen kämen dann jedoch nicht
für die oben genannte Steuervergünstigung in Frage.

Die mögliche Produktion aufgrund dieser Anreize wird auf 28,3 bis
56,6 Milliarden cbm Gas oder dem Äquivalent von 0,5 bis 1 Million Barrel
pro Tag geschätzt.

Die wichtigsten unüblichen Gasquellen sind:

-

Becken mit nicht oder schwer durchlässigen gasführenden Schichten
im Gebiet der Rocky Mountains.

-

Devonschiefer-Vorkommen im Appalachenbecken.

-

Methan aus kohleführenden Schichten.

-

Methan aus wasserführenden geologischen Druckzonen im Golf von
Mexiko.
Die

- 13 -

�Die zur Gewinnung von Gas aus Hartsanden und Devonschiefer angewandte
Technologie besteht in einer Ausweitung natürlicher Risse in den gasführenden
Formationen.

Zu den Gewinnungsverfahren gehören zusätzliches Aufbrechen

durch Sprengmittel oder mit hydraulichen Methoden und die Anlage von Umleitungsbohrungen.

Schon jetzt leisten diese Quellen mit jährlich 28 Milliarden

cbm einen beachtlichen Beitrag zur einheimischen Erdgasförderung (566
Milliarden cbm/Jahr).

Obgleich die Produktionsanstrengungen vor allem in

den Hartsandbecken im Westen beschleunigt werden, machen die Unsicherheit
über die Aufhebung der Preisbindung für Gas aus nicht oder schwer durchlässigen Schichten und das Unvermögen bestimmter potentieller Verbraucher,
langfristige Gasabnahmeverträge abzuschließen, eine Erweiterung von Exploration
und Produktion nur in begrenztem Umfang möglich.

Alles in allem wurde die

Erschließung dieser Vorkommen durch die Erdgaspreispolitik vor der Verabschiedung
des Gesetzes über die Erdgaspolitik beeinträchtigt.

Obgleich Schätzungen über die mögliche Produktion von Methan aus
geologischen Druckschichten im Golf von Mexiko variieren, sind sich die
meisten Fachleute einig darin, daß mindestens 4,248 Billionen bis 6,2
Billionen cbm an zusätzlichem Gas aus diesen Quellen zu Kosten gefördert
werden könnten, die einen Preis von 15 bis 30 Dollar pro Barrel öl entsprechen.

Die abbaufähigen Quellen könnten sich als noch viel umfangreicher

erweisen.

Die Technologie, dieses Gas zu erschließen, verlangt allerdings

noch weitere Entwicklungen.

VII.

Drosselung der Verwendung von Dl in Kraftwerkskesseln

Die Kraftwerke in den Vereinigten Staaten verbrauchen derzeit täglich
1,5 Millionen Barrel öl pro Tag für die Stromerzeugung. Der Präsident
schlägt dem Kongreß eine gesetzliche Regelung vor, durch die von den

�den Versorgungsunternehmen gefordert wird, den gegenwärtigen Verbrauch
bis zum Jahr 1990 um 50 Prozent zu senken.

Es sollen Anreize in der Form

von Beihilfen und/oder Kreditgarantien gegeben werden, um die Versorgungsunternehmen zu ermutigen, Investitionen für den Einbau von Kesseln vorzunehmen, die nicht mit öl geheizt werden und auf diese Weise ölbefeuerte
Anlagen früher stillzulegen, als dies normalerweise geschehen würde.

Unter

diese Initiative fallen sowohl ölbefeuerte Anlagen, die auch Kohle verheizen
können, als auch Anlagen, bei denen eine solche Umstellung nicht möglich ist.
Im Rahmen dieses Programms werden die Zielwerte des Ölverbrauchs durch
Kraftwerke bis zum Jahr 1990 auf die Hälfte des jetzigen Verbrauchs gesenkt auf 750 000 Barrel pro Tag. An die Kraftwerksbetriebe werden "Genehmigungsscheine" bzw. Berechtigungen zum Verheizen von öl ausgegeben. Kein Versorgungsunternehmen darf öl über die ihm genehmigte Menge hinaus verbrauchen.
Diese Anrechtsscheine können in Anbetracht der unterschiedlichen Möglichkeiten
für den Einsatz von Ersatzbrennstoffen an andere Versorgungsunternehmen
weitergegeben werden. Die transferierbaren Rechte zum Verfeuern von öl
erlauben es den Versorgungsunternehmen, selbst zu bestimmen, an welcher
Stelle gegenwärtig ölbefeuerte Anlagen durch andere Anlagen ersetzt werden
sollen. So dürfen beispielsweise Versorgungsunternehmen in Gebieten, wo
Umweltschutzbestimmungen oder lange Wege für den Antransport von Kohle eine
Umstellung unwirtschaftlich machen würden, Anrechtsscheine aus anderen
Regionen ankaufen, wo die Abkehr vom öl weniger Kosten verursachen würde.
Es wird erwartet, daß diese Anrechtsscheine für jedes Versorgungsunternehmen
maximal den Wert besitzen, der den Kosten der Umstellung oder des Ersatzes
von öl befeuerten Anlagen gegenüber einer Weiterverwendung von öl entspräche.

Es sind Zuweisungen und Kreditgarantien in Gesamthöhe von 5 Milliarden
Dollar für die Zeit von 1980 bis 1990 vorgesehenem die Finanzierung entsprechender Maßnahmen, wo immer sie möglich sind, und den Einsatz solartechnischer Anlagen sowie Einsparungen zu unterstützen.

- 15 -

Durch dieses

�dieses Programm werden 750 000 Barrel öl pro Tag gespart.

VIII.

Einsparungs- und Umbaumaßnahmen im privaten Wohn- und Geschäftsbereich
Im Jahre 1978 entfielen auf den privaten Wohn- und Geschäftsbereich

37 Prozent der Gesamtnachfrage an Energie in den USA, von der etwa die Hälfte
als öl und Erdgas verbraucht wurde.

Der direkte Ölverbrauch in privaten

Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden, in erster Linie für Raumheizung und Warmwasserbereitung belief sich auf mehr als 3 MMB/D, und der Erdgasverbrauch
betrug das Equivalent von zusätzlichen 3,3 MMB/D.

Wesentliche Möglichkeiten

für die Einsparung von Importöl zu relativ geringen Kosten können durch
beschleunigte Einsparungsinvestitionen verwirklicht werden.
Das Programm des Präsidenten stützt sich auf drei sich ergänzende
Methoden in diesem Bereich: Den nachträglichen Umbau für Einsparungsmaßnahmen
in bereits vorhandenen Gebäuden und die Umstellung von ölbeheizten Räumen
auf Erdgas, wo immer dies möglich ist. Dieses Programm soll das Haupthindernis
für nachträgliche Umbauten für Einsparungen überwinden helfen, indem es
eine wirksame langfristige Finanzierung der Einsparungen durch Strom- und
Gasversorgungsbetriebe sowie von der Regierung subventionierte Anleihen für
ölbeheizte Häuser und Gebäude bietet. Das Ziel dieses Programmes für eine
Reduzierung der ölimporte wird auf 3,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs
der vorhandenen Gebäude oder auf 500 000 B/D an öl geschätzt.
Die Einsparung auf dieser Ebene stellen etwa 20 Prozent der potentiellen
Einsparungen dar, die durch nachträgliche Umbauten für Einsparungsmaßnahmen
in Gebäuden erreichbar sind.

Eine starke Beteiligung der Öffentlichkeit an

diesem Programm kann wesentlich zu einer Steigerung des Einsparungsniveaus
beitragen.
Die

- 16 -

�Die Gesetzgebung, die der Präsident vorschlagen wird, umfaßt drei
Komponenten.
Sie basiert auf den Energieüberprüfungsprogrammen, die das Nationale
Energiegesetz erfordert und die die Bereitstellung von Versorgungsanlagen
für alle Besitzer von Privathäusern garantieren sollen.

Dieses Überprüfungs-

erfordernis soll auf Geschäftsgebäude ausgedehnt werden.
Von Strom- und GasVersorgungsbetrieben wird erwartet, ihren Privatund Geschäftskunden langfristige Finanzierungshilfen für Verbesserungen zur
Einsparung anzubieten.

Diese

Darlehen werden mit den Gebühren der

Versorgungsbetriebe verrechnet, genau wie dies bei Investitionen für neue
Kraftwerke der Fall wäre, und das Grundkapital würde nur im Fall des Verkaufs
des Hauses oder Gebäudes zurückgezahlt. Die Forderung, einem Kunden ein
Darlehen anzubieten, würde nur auf Gebäude zutreffen, die mit Hilfe von
Gas oder Elektrizität geheizt oder gekühlt werden;

ähnliche Darlehen

könnten Gasversorgungsbetriebe auch für Häuser mit Ölheizung anbieten,
um sie auf Erdgas umzustellen, obwohl dies nicht von ihnen verlangt werden
kann.
Ein Zusatz zum Nationalen Energieeinsparungsgesetz wird angestrebt,
um Zinszuschüsse bei Darlehen für Eigentümer von ölbeheizten Privat- oder
Geschäftshäusern zu gewähren, damit Einsparungsmaßnahmen durchgeführt
werden können oder die Umstellung auf Erdgas erfolgen kann. Ober einen
Zeitraum von 10 Jahren werden für dieses Programm 2 Milliarden Dollar zur
Verfügung gestellt.
Die Verbesserung der Wärmeisolierung von Gebäuden ist das billigste
Mittel für die Verminderung der ölimporte bei einer geschätzten Durchschnittseinsparung von unter 10 Dollar pro Barrel und Tag.

- 17 -

Dieses Programm

�Programm wird das noch verbleibende Haupthindernis für Einsparung bei
Gebäuden beseitigen, indem die unmittelbaren Kosten durch eine langfristige
Finanzierung oder Darlehen reduziert werden. Alle Kunden der Versorgungsbetriebe werden in den Genuß der Energieeinsparungen kommen und zwar durch
die Einsparungen aufgrund des dann wegfallenden Kaufs teurer neuer Energievorräte oder zusätzlicher Kraftwerkskapazität.

IX.

Unterstützung für Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen

Diejenigen Amerikaner, die in ärmlichen Verhältnissen leben, werden
die größte Last der höheren Energiepreise sowie der knapperen Vorräte
tragen müssen, und sie sind am wenigsten im Stande, diese Last zu tragen.
Die energiepolitischen Ziele unseres Landes dürfen nicht verfolgt werden,
ohne daß man sich diesen dringenden menschlichen Erfordernissen zuwendet.
Der Präsident wird den Kongreß um die Verabschiedung eines Programmes
ersuchen, das eine Unterstützung für Schichten mit geringem Einkommen
vorsieht und das, wenn es voll wirksam ist jährlich 2,4 Milliarden Dollar
aus dem Energiesicherungsfonds bereitstellt.

Ein Teil dieses Betrages

wird auf einer entsprechenden Zuwendungsbasis verfügbar sein, um die
Einzel Staaten zu ermutigen und ihnen bei der Aufteilung der fiskalischen
Lasten für die Erfordernisse der Armen zu helfen.

Die Geldmittel werden für verschiedenartige Zwecke verfügbar sein,
wobei der größte Anteil auf eine direkte finanzielle Unterstützung für die
bedürftigen Haushalte entfällt. Die begrenzten Programme der mit der
Energiekrise zusammenhängenden Interventionsmaßnahmen und der Notstandshilfe, die von Seiten der "Community Services Administration" betrieben

- 18 -

�betrieben werden, sollen gestärkt werden.

Diese Behörde wird mit dem

Kongreß in dem Bemühen zusammenarbeiten, sicherzustellen, daß wesentliche
Beträge für eine Unterstützung der ärmeren Bevölkerungskreise in diesem
Winter zur Verfügung stehen.

X.

Verbesserung des Verkehrswesens
Für den Zeitraum von 1980 bis 1990 schlägt der Präsident Ausgaben

in Höhe von 16,5 Milliarden Dollar für die Verbesserung des Massenverkehrssystems des Landes und für die Verringerung des Benzinverbrauchs für Automobile vor. Mehr als 10 Milliarden Dollar sollen in die bestehenden Massenverkehrssysteme investiert werden, um neue Autobusse anzuschaffen und das
U-Bahnsystem zu verbessern. Man schätzt, daß diese Investitionen Einsparungen
von 250 Tausend Barrel pro Tag an ül bis zum Jahre 1990 mit sich bringen
werden. Der Präsident hat Verkehrsminister Adams angewiesen, umgehend
spezifische Vorschläge für die Erreichung dieses Zieles zu entwickeln.

XI.

Der Beratungsausschuß des Präsidenten für Energiesicherung

Der Präsident wird einen Beratungsausschuß für Energiesicherung ins
Leben rufen, der ihm und dem Energieminister hinsichtlich künftiger Anweisungen für die Energiepolitik Bericht erstatten wird. Dieser Beratungsausschuß wird sich aus 11 Mitgliedern zusammensetzen, die aus Bereichen
außerhalb der Regierung kommen. Er wird die Aufgabe haben, weitreichende
Empfehlungen und Ratschläge für den Energiebereich und damit zusammenhängende
Wirtschaftsfragen zu erteilen.
Beschreibung
- 19 -

�XII.

Beschreibung spezifischer Rohstoffquellen von Kohle, Synthesebrennstoffen, Biomassen und Schieferöl sowie von Technologien, deren sich
die Energiesicherungsgesellschaft annehmen soll.
In den folgenden Abschnitten ist die Art der Ressourcen oder Technologien

beschrieben, für die Investitionen seitens der Energiesicherungsgesellschaft
vorgeschlagen werden.
Einzelentscheidüngen zu

Die Gesellschaft wird dafür verantwortlich sein,
den angemessenen Anreizen zu treffen sowie

Produktionsziele für jede dieser Kategorien festzusetzen.
A.

Flüssigbrennstoffe aus Kohle

Die amerikanischen Kohlevorkommen sind die größten in der Welt und
können auf sehr lange Sicht einen beträchtlichen Anteil zur Deckung des
Bedarfs an Flüssigbrennstoffen in den USA liefern, wenn moderne Technologien
für die Herstellung synthetischer Brennstoffe mit Erfolg kommerziell genutzt
werden.
Verfahren zur Herstellung von Flüssigbrennstoffen auf Kohlebasis
können in zwei große Bereiche - nämlich direkte und indirekte Verfahren untergliedert werden.
-

Bei der indirekten Verflüssigung wird Kohle zunächst vergast, um
ein Synthesegas zu bekommen (Kohlenmonoxid und Wasserstoff), das
dann seinerseits auf katalytischen) Wege in einer Stufe oder in
mehreren Stufen in flüssige Brennstoffe umgewandelt wird. Es
gibt bereits mehrere kommerzielle Verfahren, um Synthesegas in
Flüssigbrennstoffe umzuwandeln. Mit dem Fischer-Tropsch-Verfahren,
das gegenwärtig in Südafrika kommerziell angewandt wird, ist es
möglich, ein breites Spektrum von flüssigen Produkten, einschließlich
Benzin und Dieselöl, herzustellen. Auch Methanol kann unter
Nutzung einer Anzahl von Lizenzverfahren aus Kohlesynthesegas herge-

�hergestellt werden.

Methanol läßt sich als Benzinzusatz und als

Turbinenkraftstoff verwenden.

Außerdem befindet sich ein Verfahren

zur Gewinnung von Benzin hoher Klopffestigkeit direkt aus Methanol
bereits im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.
-

Bei den direkten Verflüssigungsprozessen wird Kohle in ein Lösungsmedium gegeben und unter hohen Temperaturen und hohem Druck mit
Wasserstoff zur Reaktion gebracht, um eine Vielfalt von flüssigen
Produkten zu erzeugen. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes
wurden mehrere direkte Verflüssigungsverfahren entwickelt; sie
werden in Kürze in Anlagen von nahezu kommerziellem Umfang demonstriert,

Schätzungen der Kosten für die Herstellung synthetischer Brennstoffe aus
Kohle schwanken je nach den Produkten, z.B. Flüssigkeit oder Gas, und je
nach Standort zwischen 27 und 45 Dollar pro Barrel. Zum Zweck von Budgetschätzungen für die Gesellschaft wurden 38 Dollar pro Barrel angesetzt:
man hofft jedoch, daß die Kosten niedriger liegen werden.
B.

Kohlevergasung

Die Herstellung eines Brenngases aus Kohle war in den ersten Jahrzehnten
dieses Jahrhunderts eine allgemein anerkannte Technologie, ehe den Verbrauchern
große Mengen von Erdgas zur Verfügung standen

Tatsächlich werden in einigen

Ländern nach wie vor beachtliche Mengen von Gas aus Kohle zur Verwendung in
der chemischen Verfahrenstechnik erzeugt.
Obgleich es viele verschiedene Arten von Vergasungsanlagen gibt, funktionieren
die meisten kommerziell verfügbaren Konstruktionen am besten nnt nichtverbackender Kohle, wie sie beispielsweise im Westen der USA gefunden wird
Neuere Konstruktionen, die auch Kohlen aus den Ostregionen mit hohem
Wirkungsgrad nutzen, sind bis zur Demonstration im kommerziellen Rahmen gediehen.
Für
- 21 -

�Für die Privatwirtschaft wurde eine Anzahl kommerzieller Kohlevergasungsanlagen entworfen, die nunmehr gebaut werden könnten.

Unsicherheit

hinsichtlich der Betriebsvorschriften und Beschränkung der finanziellen
Mittel verhindern jedoch eine sofortige Kommerzialisierung.

Das Energie-

mobilisierungsamt (EMB - Energy Mobilization Board) und die Energiesicherungsgesellschaft können helfen, einige dieser Barrieren abzubauen.
C. Schieferöl
Die ölschiefervorkommen der Vereinigten Staaten, die sich hauptsächlich
unter einem 4,3 Millionen Hektar großen Gebiet in aneinandergrenzenden Regionen
der Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming finden, stellen eine der größten
potentiellen Energiequellen in den USA dar. Man schätzt, daß sie 400
Milliarden Barrel an gewinnbarem öl enthalten und damit größer sind als die
ölreserven von Saudi-Arabien.

Schon seit langem sieht man in diesem Vorkommen

eine mögliche Quelle für Rohölersatz.

Die Herstellung von Flüssigbrenn-

stoffen aus Ölschiefer dürfte weniger kostspielig sein als aus Kohle; man
schätzt die Kosten auf 25 bis 35 Dollar pro Barrel.

Für die Verarbeitung von Ölschiefer werden zur Zeit zwei verschiedene
Verfahren entwickelt. Das eine erfordert den Abbau mit dem Retortenaufschluß
an der Oberfläche (wobei der ölhaltige Schiefer auf mehr als 480 Grad
Celsius erhitzt wird, um "Kerogen", Ausgangsstoff für das schließlich verwertungsfähige Ölschieferprodukt, zu extrahieren). Bei dem anderen sogenannten
"in situ"-Verfahren wird der Retortenaufschluß mit der Erhitzung des zerkleinerten Ölschiefers unterirdisch vorgenommen. Im Westen der Vereinigten
Staaten befinden sich gegenwärtig vier größere Schieferöl-Projekte in
verschiedenen Stadien der Planung oder Entwicklung. Die Produktion von
Schieferöl wird Investitionen von mehr als einer Milliarde Dollar pro Anlage
erfordern. Jedoch wurde bisher keines der Verfahren in einem Rahmen angewandt,
der einer großtechnischen Nutzung nahekäme. Es ist erforderlich, daß die

�die Bundesregierung diese Projekte in gewissem Umfang unterstützt.

Die

erwarteten Kosten für Schieferö'l, 25 bis 35 Dollar pro Barrel, deuten
jedoch darauf hin, daß es der erste synthetische Brennstoff sein wird,
der mit Importöl konkurrieren kann.
Zusätzlich zur Einbeziehung von Ölschiefer in den Aufgabenbereich der
Energiesicherungsgesellschaft hat der Präsident für jedes Faß Schieferöl
eine Steuerabschreibung von 3 Dollar/Barrel für die Produzenten vorgeschlagen. Diese Vergünstigung,die der Präsident erstmals in seiner Energiebotschaft vom 5. April erwähnte, würde allmählich abgebaut, wenn die ölpreise
22 Dollar pro Barrel betragen, und sie würde ganz aufgehoben, sobald ein
Preis von 28 Dollar pro Barrel erreicht wird. Man erwartet, daß viele
Unternehmen nur der durch diese Steuervergünstigungen ausgelösten Ermutigung
bedürfen, um mit dem Bau und der Inbetriebnahme großer Schieferöl-Produktionsstätten zu beginnen. Für Schieferölprojekte, die von der Gesellschaft unterstützt werden, können keine Steuervergünstigungen beansprucht werden.

D.

Biomasse

Die kommerzielle Produktion von alkoholischen Brennstoffen - Äthanol
und Methanol - aus landwirtschaftlichen Produkten, Rückständen, Abfällen der
Nahrungsmittel- und Holzverarbeitung mittels Fermentation und anderer
Verfahren kann einen Beitrag zur Deckung unseres Energiebedarfs leisten.
Äthanol als Zusatz zu Benzin vermag Kraftstoffe auf ölbasis zu strecken
und die Klopffestigkeit zu erhöhen.

Gemessen am Energiegehalt ist die

Herstellung von Äthanol im Vergleich zu Erdöl gegenwärtig verhältnismäßig
teuer. Aber infolge der höheren Klopffestigkeit kann subventioniertes
GASOHOL (Mischung aus Benzin und Alkohol) mit bleifreiem Superkraftstoff
konkurrieren.

Ein Ausschluß auf Dauer von der Bundesbenzinsteuer in Höhe

von 4 Cent/Gallone (knapp 1 Cent pro Liter) bei GASOHOL - eine Subvention,
die 16,80 Dollar pro Barrel entspricht - wird helfen, GASOHOL auch gegen-

- 23 -

�gegenüber bleifreiem Normalbenzin konkurrenzfähig zu machen.

Es werden

verbesserte Verfahren erwartet, die zu bedeutenden Kosteneinsparungen führen
und die Einbeziehung von mehr Abfall Stoffen in das Spektrum der Ausgangsmaterialien ermöglichen.
Die Produktion von Methanol aus Biomasse geschieht in einem ZweistufenVerfahren, bei dem zunächst Synthesegas erzeugt und dieses dann auf katalytischem
Wege mittels kommerziell verfügbarer Prozesse in Methanol umgewandelt wird.
Man erwartet, daß Holz die wichtigste Biomasse-Rohstoffquelle bildet, weil es
in großem Umfang zur Verfügung steht und relativ wenig kostet. Auch andere
Ausgangsmaterialien wie Rückstände von Ernteprodukten und fester Stadtmüll
lassen sich verwerten - aber zu höheren Kosten.
Die Herstellung alkoholischer Brennstoffe kann zur Verbesserung der
Umweltqualität beitragen, indem Abfall Stoffe in nützliche Produkte umgewandelt
werden.

XIII.

Andere Maßnahmen

A.

Die Erdgasleitung aus Alaska

Mit Erdgas aus Alaska könnten 425 000 Barrel öl pro Tag ersetzt werden,
die die Vereinigten Staaten bis zum Jahr 1985 aus anderen Quellen beschaffen
müßten, und nach diesem Zeitpunkt sogar noch größere Mengen. Im August 1977
genehmigte der Präsident den Bau einer Rohrleitung vom Norden Alaskas in
die Staaten des Westens und Mittelwestens unter der Bedingung, daß sie von
privater Seite finanziert würde. Beteiligungen seitens der Produzenten an
diesem Erdgas in der Form von Kreditbürgschaften gegen Kostenüberschreitungen
sind erforderlich, um eine private Finanzierung zu ermöglichen. Bisher haben

�haben jedoch die betreffenden Mineral öl gesell Schäften keine Bereitschaft
zu erkennen gegeben, ihren Beitrag zu leisten, damit Fortschritte zur
Realisierung der Rohrleitung möglich werden.

Der Präsident hat den Energie-

minister angewiesen, bei den führenden Persönlichkeiten dieser Unternehmen
darauf zu dringen, daß die für den Bau der Leitung notwendige finanzielle
Unterstützung einsetzt.

B.

Vorsorgliche Benzinrationierung

Unser Land muß umfassend gerüstet sein, um selbst beträchtliche
Versorgungsunterbrechungen zu überstehen.

Der Präsident hat den Kongreß

aufgefordert, mit ihm zusammen vorrangig sicherzustellen, daß ihm die
Vollmacht übertragen wird, einen Plan zur vorsorglichen Benzinrationierung
auszuarbeiten, der es uns ermöglichen wird, in einer Notlage angemessen
zurechtzukommen.
C.

Staatliche Einsparungspläne und -ziele

Der Präsident drängt den Kongreß zur Verabschiedung der notwendigen
Gesetze, die es ihm erlauben, in den einzelnen Bundesstaaten Planziele für
die Einsparung von Benzin und anderen Brennstoffen festzulegen.

Jeder

Einzelstaat wird sodann einen Plan zur Erreichung dieses Zieles ausarbeiten
und ausführen.

Wenn ein Einzel Staat bei der Erreichung des festgelegten

Einsparungszieles versagt, wird der Bundesregierung die Erlaubnis erteilt,
selbst diesem Einzelstaat einen Plan aufzuerlegen.

Diese Vollmacht ist

notwendig, um sicherzustellen, daß wir mit einem Anhalten der gegenwärtigen
Knappheit und allen weiteren zukünftigen Versorgungsunterbrechungen fertig
werden können.
D.

Sonnenbank

In seiner Botschaft vom 28. Juni 1979 an den Kongreß schlug der Präsident

- 25 -

�Präsident zum Thema Sonnenenergie die Errichtung einer Sonnenbank vor, um
die Verwendung von Sonnenenergie durch subventionierte Darlehen anzuregen
und dadurch die Abhängigkeit des Landes von ausländischem öl zu mindern.
Die Gesetzgebung zur Errichtung einer Sonnenbank, die dem Kongreß in
Kürze zugehen wird, sieht folgende wesentlichen Elemente vor:
-

Die Bank würde befugt sein, Zinszuschüsse zu Darlehen für die bauliche
Verbesserung von Häusern zu gewähren sowie Hypotheken zur Finanzierung
des Kaufs und der Installierung genehmigter Sonnenenergie-Systeme.
Die Bank würde Banken und anderen Finanzinstituten Geldmittel zur
Verfügung stellen, die diese wiederum in die Lage versetzen würden,
Mittel für Verbesserungen von Häusern und Hypothekendarlehen für
Sonnenenergie-Investitionen zu einem Zinssatz anzubieten, der unter
dem üblichen Marktsatz liegt.

-

Sonnenenergie-Systeme sollen ihrer Definition nach jede Art von
Ausrüstung bedeuten, die entweder aktive oder passive solartechnische
Anlagen verwendet, wie zum Beispiel Sonnenheizung für die Warmwasserzubereitung, Sonnenheizung oder -kühlung, passive Solaranlagen oder
Kombinationen aus diesen Möglichkeiten. Der Minister für Wohnungsbau
und Städteplanung wird in Abstimmung mit dem Energieminister die
näheren Bestimmungen für diese Systeme ausarbeiten.

-

Die Zinssubvention würde lediglich für Mittel zur Verbesserung derjenigen Wohnanteile oder des Hypothekendarlehens zur Verfügung gestellt werden, die unmittelbar Solarinvestitionen finanzieren.
Diese Zinssubvention würde dergestalt kalkuliert, daß sie den
Darlehensgeber für den Unterschied entschädigt, der zwischen dem
subventionierten Darlehen und einem ähnlichen Darlehen zu freien
Marktbedingungen besteht.
Diese

- 26 -

�-

Diese Zinssubvention würde von Zeit zu Zeit durch den Aufsichtsrat
der Bank (der aus den Mi nistern für Wohnungsbau und Städteplanung,
für Energie und für Finanzen besteht) auf einem Niveau festgelegt
werden, das dem Grundgedanken, nämlich die Verwendung von Sonnenenergie-Systemen in privaten und kommerziellen Gebäuden zu beschleunigen, am ehesten gerecht würde.

-

Die Verfügbarkeit über diese Subvention würde einem angemessenen
Nachweis gegen Mißbrauch unterliegen.

-

Einen angemessenen Teil der Subventionen würde die Sonnenbank
zurückerlangen, falls jemand mit einem Solardarlehen in Zahlungsverzug kommt.

-

Die folgenden Obergrenzen würden für den Umfang eines subventionierten
Darlehens oder Darlehensanteils gelten:

10 000 Dollar für ein

Einfamilienhaus; 5 000 Dollar für jede Wohneinheit in einem Mehrfamilienhaus (wobei insgesamt bei diesem Darlehen 500 000 Dollar
nicht überschritten werden dürfen);

und 200 000 Dollar für ein

Geschäftsgebäude.
-

Die Bank würde pro Jahr mit 150 Millionen Dollar ausgestattet.
Sie würde mit Geldern finanziert, die aus dem EnergiesicherungsTreuhandfonds stammen.

Je nach dem Umfang der Subvention und der Aufteilung der Mittel der
Sonnenbank unter Hypotheken, Darlehen zur Hausverbesserung und Darlehen für
kommerzielle Gebäude könnte die Bank bei diesem Umfang des Fonds sicher bei
über 150 000 Solaranlagen pro Jahr mitwirken.
Steuervergünsti gungen

- 27 -

�E.

Steuervergünstigungen für Sonnenenergie

Zusätzlich zur Sonnenbank hat der Präsident noch umfangreiche neue
Vorschläge für Steuervergünstigungen für Sonnenenergie unterbreitet.

Diese

Vergünstigungen umfassen den privaten, den kommerziellen, den landwirtschaftlichen
und den industriellen Sektor und schließen aktive und passive solartechnische
Anlagen ein, Prozeßwärme, Holzöfen, sowie Befreiung von Bundessteuern für
Benzin auf Alkoholgrundlage (Gasohol).

Diese Vorschläge werden einen

deutlichen Anreiz für die Verwendung von Sonnenenergie bilden und gleichzeitig
zu unserem Ziel beisteuern, den für Heizung und Transport verwendeten Anteil
an öl zu vermindern.

Demnächst werden dem Kongreß weitere Gesetzesvorschläge

unterbreitet, die folgendes vorsehen:
-

Steuervergünstigungen für private und kommerzielle passive Solaranlagen
Die Bauherrn neuer Mehrfamilien- und Geschäftshäuser mit passiven
Solaranlagen würden eine Steuervergünstigung von 20 Dollar je
schätzungsweise jährlich eingesparter Million Britischer Wärmeeinheiten (British Thermal Units - BTU) erhalten, wenn die Heizleistung
auf einem vorgesehenen Niveau oberhalb der Leitlinie liegt, die für
die Heizleistung bei Gebäuden gemäß dem Gesetz zur Energieeinsparung
und Energieproduktion (P.L. 94-385) gilt.
Der Höchstbetrag dieser Steuervergünstigungen beträgt 10 000 Dollar
pro Gebäude.

Die Steuervergünstigung wird durch Einnahmen aus dem

Energiesicherungs-Treuhandfonds finanziert.
Eine Steuervergünstigung soll auch denjenigen gewährt werden, die
neue Häuser mit passiven Solaranlagen bauen. Den Bauherrn soll
eine 20-prozentige Steuervergünstigung auf die Kosten einer solartechnischen Anlage pro Einheit im vorgeschriebenen Entwurf gewährt
werden (bis zu vier Wohneinheiten pro Gebäude), und zwar bis zu einer

- 28 -

�einer Höchstgrenze von 2 000 Dollar pro Einheit.

Von 1983 an

können diejenigen Bauherren eine Berechtigung für diese Art
Steuervergünstigung erhalten, die die Leistungskriterien gemäß
Bundesgebäude-Energiegesetz um mehr als 50 Prozent übertreffen.
Steuervergünstigungen für Wohn- und Geschäftshäuser werden bis
zum 31. Dezember 1985 inkraft bleiben.
-

Steuervergünstigungen für solare Prozeßwärme
Eine zusätzliche Steuervergünstigung von 15 Prozent (bei insgesamt
25 Prozent) soll über den Energiesicherungs-Treuhandfonds gewährt
werden auf die Kosten von solarthermischen Ausrüstungen, um bei
landwirtschaftlichen und technischen Verfahren Prozeßwärme zu erzeugen. Die Vergünstigung wird gewährt für die Kosten zur Installation
von Ausrüstungen, die den Bedingungen entsprechen. Sie gilt bis
zum 31. Dezember 1989.

-

Steuerbegünstigungen für Holzöfen
Eine neue, 15-prozentige Steuervergünstigung wird vorgeschlagen
für den Kauf und die Installation von luftdichten Holzbrandöfen
in Erstwohnhäusern. Diese Steuererleichterung soll die größere
Verwendung unserer Holzvorräte für Hausbrand ermöglichen und sollte
es den Verbrauchern erlauben, bei ihren Heizkostenrechnungen
deutliche Einsparungen zu erzielen.

-

Steuerbefreiung
Eine ständige Befreiung von der gegenwärtigen 4-Cent-Bundessteuer
auf Benzin für Mischungen aus Benzin und Alkohol wird vorgeschlagen,
um die Verwendung von Benzinalkohol "Gasohol" zu ermutigen.

- 29 -

Benzin-

�Benzinalkohol stellt eine nützliche Ergänzung unserer Brennstoffe
für den Antrieb von Automobilen dar und kann dabei helfen, unsere
Nachfrage nach importiertem Rohöl zu mindern.

XIV.

Die gegenwärtige Lage bei der Ölversorgung

Gestiegene Rohöl einfuhren im letzten Monat und der vorgesehene weitere
Anstieg im Juli und August haben ein verbessertes Bild der Ölversorgung zur
Folge. Die Gesamtimporte von Rohöl lagen im Durchschnitt im Verlauf der
letzten fünf Wochen bei fast 6,4 Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) und bestätigen damit die Erwartung der Regierung, wonach die Einfuhren im Monat
Mai mit Niveaus von unter 6 Millionen Barrel pro Tag einen Tiefstand erreicht
hatten. Voraussagen für die restlichen Tage im Juli und für August deuten an,
daß der Stand der Gesamteinfuhren von Rohöl bei etwa 6,5 MMB/D bleiben wird.
(Die Einfuhren von ölprodukten, die in dieser Quote enthalten sind, werden
auf 1,9 MMB/D geschätzt). Diese geplanten Mengen an Gesamteinfuhren von
Rohöl und ölprodukten werden es den Vereinigten Staaten ermöglichen, die vom
Präsidenten festgelegten Importquoten einzuhalten. Das verbesserte Versorgungsbild hatte auch einen Anstieg der Verarbeitung von Rohöl in den
Raffinerien zur Folge: Seit Ende Mai ein Anstieg von über 1 Million Barrel
pro Tag (von 14,2 auf 15,4 MMB/D). Die Produktion von Benzin, Dieselöl und
Heizöl ist gleichfalls angestiegen.

Brennstoffvorräte für die Raumheizung im nächsten Winter sind seit Ende
Mai um mehr als 27 Millionen Barrel angewachsen und die Vorräte haben sich
mit einer Rate von fast 1 Million Barrel pro Tag in den letzten zwei Wochen
vermehrt. Diese Rate ist angemessen, um das Ziel von 240 Millionen Barrel
an Vorräten im Oktober zu erreichen. Vorräte von 240 Millionen Barrel werden
sicherstellen, daß angemessene ölvorräte für die Raumheizung im nächsten
Winter zur Verfügung stehen, sogar wenn es ungewöhnlich kalt werden sollte.

Die
- 30 -

�XV.

Die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits tax) und die
Verwendung des Energiesicherungs-Treuhandfonds

Die Energiebotschaft des Präsidenten vom 5. April umriß seine Pläne
für die schrittweise Freigabe der ölpreise und den Vorschlag einer Steuer
für ungerechtfertigte Gewinne, die einen neuen übermäßigen Einkommensstrom
zu den ülförderern als ein Ergebnis der Freigabe der Preise verhindern soll.
Die Botschaft schlug außerdem die Bildung eines Energiesicherungs-Treuhandfonds vor, in den die Einnahmen aus dieser Steuer für ungerechtfertigte
Gewinne fließen sollten ebenso wie die Gelder aus den Einkommenssteuererhöhungen
für Olproduzenten während der ersten drei Jahre, die sich aus der Aufhebung
der Preisbindung ergeben würden. Dieser Fonds würde verwendet für 1) Familien
mit niedrigen Einkommen, um ihnen dabei zu helfen, mit den gestiegenen
Energiekosten fertig zu werden; 2) Schritte zu neuen Massenverkehrsmitteln
und 3) Investitionen auf dem Gebiet neuer Energiequellen.
Es ist entscheidend, daß der Kongreß die vorgeschlagene Steuer für
ungerechtfertigte Gewinne und den Energiesicherungs-Treuhandfonds verabschiedet, um den Finanzstrom übermäßiger Einnahmen an die ülproduzenten
zu verhindern und um die notwendigen Fondsmittel bereitzustellen, die für
eine mutige Inangriffnahme der breitgefächerten Energieprobleme dieses
Landes notwendig sind.
Die heute vom Präsidenten angekündigten Initiativen zur Einschränkung
des ölflusses sind die zum erstenmal am 5. April vorgeschlagenen energiebezogenen Investitionen. Diese können nicht durchgeführt werden ohne die
Mittel, die durch die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne zur Verfügung
gestellt werden und im Energiesicherungs-Treuhandfonds enthalten sind.
Der Energiesicherungs-Treuhandfonds wird die einzige Quelle für alle
die in der Ankündigung des Präsidenten enthaltenen Ausgaben sein. In dem
Maße, in dem die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne nur ungenügende

- 31 -

�ungenügende Einnahmen erbringen sollte, werden Programmangleichungen nach
unten gemacht werden müssen. Andernfalls werden einem Budget zusätzliche
Lasten aufgebürdet, das schon jetzt höchstwahrscheinlich angespannt sein
wi rd.

+ + + + +

- 32 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Mondale unterbreitet Sieben-Punkte-Programm in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm des Präsidenten</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I 3

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1. August 1979

31
INHALT
INFORMATION
G. William Miller: Neuer Finanzminister der USA
Paul Adolph Volcker:

Der neue Präsident des amerikanischen Zentralbank-

rates (Bundesbankpräsident)
Charles W. Duncan:

Der neue Energieminister der USA

Benjamin R. Civiletti:

Der neue Justizminister der USA

Patricia Roberts Harris:

Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialministerin

Der neue Verkehrsminister der USA:

Neil Goldschmidt

Der neue Minister für Wohnungsbau und Städteplanung:

Moon Landrieu

DOKUMENTATION
Vance und Seignious sprechen über Einstellung der NATO-Verbündeten zu
SALT II

HINTERGRUNDMATERIAL
Erneuerungsfähige Energiequellen
USA:

Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Solarzellen nach neuem Herstellungsverfahren
Neue thermische Batterie zum Speichern von Wärme

Um Übef/encJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
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�s tflttl
31

Information
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1. August 1979

G. WILLIAM MILLER: NEUER FINANZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - G. William Miller, der bisherige Präsident des
amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident), ist am 19. Juli 1979
von Präsident Jimmy Carter zum neuen Finanzminister - Secretary of the
Treasury - ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von W. Michael Blumenthal
an.
Wie sein Vorgänger wird Miller zu den "gemäßigten" Demokraten gerechnet,
und beide haben sich aus kleinen Verhältnissen bis in die Spitze großer
Konzerne hochgearbeitet.

Beide sind auch der Auffassung, daß die Inflation

das wirtschaftliche Problem Nummer Eins der Vereinigten Staaten ist und die
Regierungsausgaben straff gezügelt werden müssen, wenn man der Inflation
entgegenwirken will.

Und schließlich treten beide für ein gemäßigt hohes

Zinsniveau, freiwillige Lohn- und Preisbeschränkungen und einen ausgeglichenen
Staatshaushalt ein.
Bevor Miller den Posten als Bundesbankpräsident übernahm, war er
Präsident der "Textron Inc.", eines Mischkonzerns, der seinen Hauptsitz
in Providence (Rhode Island) hat und 280 Betriebe und Fabrikanlagen in den

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�den Vereinigten Staaten und im Ausland umfaßt.

"Textron" beschäftigt

65 000 Personen und hatte im Jahre einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig bekleidete Miller den Posten des Direktors der Landeszentralbank von Boston und war Vorsitzender der Nationalen Unternehmervereinigung.
Miller stammt aus Oklahoma.

Er wurde am 9. März 1925 in Sapulpa

geboren, studierte an der Akademie der amerikanischen Küstenwache und
diente als Offizier im Pazifik und in Fernost.
Im Jahre 1952 schloß er sein juristisches Studium an der Universität
von Kalifornien ab und arbeitete als Anwalt in New York.
Im Juni 1960 wurde Miller zum Präsidenten des "Textron"-Konzerns
gewählt und übernahm 1968 in diesem Konzern den Posten des Generaldirektors;
im Jahre 1974 wählte man ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden.
Miller war außerdem Ko-Vorsitzender im amerikanisch-sowjetischen
Handels- und Wirtschaftsrat und im polnisch-amerikanischen Wirtschaftsrat und führte seit 1977 den Vorsitz im Industrie- Beratungskomitee des
Präsidialausschusses für Chancengleichheit am Arbeitsplatz.
Er ist mit Ariadna Rogojarsky verheiratet.

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�Information

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1. August 1979

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PAUL ADOLPH VOLCKER:

DER NEUE PRÄSIDENT DES AMERIKANISCHEN ZENTRALBANKRATES
(BUNDESBANKPRÄSIDENT)

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Carter hat Paul Adolph Volcker, den

bisherigen Präsidenten der Landeszentralbank in New York, als Nachfolger von
C. William Miller, der nach der Kabinettsumbildung als Leiter des Finanzministeriums vorgeschlagen wurde, zum Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident) ernannt.
Präsident Carter hob in einer Erklärung die Verdienste Volckers hervor:
'Er ist ein Mann mit umfassender Erfahrung im Wirtschafts- und Finanzbereich
und genießt höchstes Ansehen im Ausland.

Er teilt meine Entschlossenheit, die

Schlacht gegen die Inflation im eigenen Lande energisch fortzuführen und im
Ausland die Stärke und die Stabilität des Dollar sicherzustellen."
In das vielfältige positive Echo auf die Ernennung stimmten so bekannte
Persönlichkeiten wie George Shultz, ehemaliger Finanzminister, Arthur F.
Burns, einer der Amtsvorgänger Volckers und David Rockefeller, der Vorsitzende
der Chase Manhattan Bank, ein sowie Senator William Proxmire, der Vorsitzende
des Bankenausschusses des Senats, der bemerkte: "Der Präsident hat eine

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�eine hervorragende Wahl getroffen.

Paul Volcker ist ein Mann von hoher

Intelligenz und bewiesenen Führungseigenschaften."
Die größte Gefahr für die amerikanische Wirtschaft geht nach Volcker
noch immer von der Inflation aus.

In einer Rede am 6. März 1979 erklärte er:

"Die Hauptrisiken für die grundlegenden Aussichten unserer Wirtschaft - und
ich denke nicht nur an 1979, sondern darüber hinaus - rühren von der Unsicherheit her, die durch die Inflation und den schwachen Dollar verbreitet
wird."
Der neue Bundesbankpräsident bringt einen reichen Erfahrungsschatz ins
Amt: Am 5. September 1927 geboren, studierte Volcker an den Universitäten
Princeton,Harvard und an der London School of Economics. Im Jahre 1952 kam
er als Wirtschaftswissenschaftler zur New Yorker Landeszentralbank und ging
fünf Jahre später als Finanzwirtschaftler zur Chase Manhattan Bank in New
York. Im Jahre 1962 wurde er Direktor für Finanzanalyse im Finanzministerium
und stieg ein Jahr später zum Stellvertretenden Staatssekretär für Monetäre
Angelegenheiten auf. Von 1965 bis 1969 war er Vizepräsident der Chase
Manhattan Bank und kehrte dann wieder ins Finanzministerium zurück, bis er
1975 Präsident der New Yorker Landeszentralbank wurde.
*

Der Zwei-Meter-Mann wurde in seinen Jahren als Staatssekretär im Finanzministerium auch mit der internationalen Szene wohlvertraut, als er in der
turbulenten Zeit, als das alte Bretton-Woods-System zusammenbrach und die
Aera der frei fluktuierenden Wechselkurse begann, im Zentrum des Geschehens
stand.
Paul A. Volcker ist verheiratet mit der ehemaligen Barbara Marie
Bahnson, hat zwei erwachsene Kinder, Janice und James, und zu seinen Hobbies
gehören die Gartenarbeit, das Fischen und Weinmachen, sowie eine gute
Zigarre.
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�Information

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CHARLES W. DUNCAN:

DER NEUE ENERGIEMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Charles W. Duncan, der neue Energieminister, beschäftigte sich bereits vor 32 Jahren mit Energie: In seinem Heimatstaat Texas hob
er Gräben für die Verlegung einer Erdgasleitung aus, nachdem er als Chemieingenieur von der Universität abgegangen war. Seither war er Präsident von Coca
Cola, Chef einer großen Investmentfirma und schließlich zweiter Mann im Verteidigungsministerium. Schon seine Ernennung zum Stellvertretenden Verteidigungsminister war von einem langjährigen Berater Präsident Carters, Charles
Kirbo, plausibel erklärt worden: "Jimmy wollte einen guten Geschäftsmann im
Verteidigungsministerium". Und als ihn Carter am 20. Juli auswählte, an die
Spitze des schwierigen Energieministeriums zu treten, war auch hier seine Antwort die eines Geschäftsmannes: Reportern teilte er mit, er werde versuchen,
das Ministerium "im besten unternehmerischen Stil" zu führen,und sehe in der
Reorganisation und in einer straffen Führung der Energiebehörde seine erste
Aufgabe.
"Fair und praktisch" wurde er auch vom derzeitigen Chef der Firma Coca
Cola eingestuft und TIME nannte ihn "einen zähen Geschäftsmann mit wenig Geduld für die Art von Bürokraten:

Geben Sie mir eine klare Antwort - ja oder

nein", verlangt er von seinen Mitarbeitern.
Duncan

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Duncan wurde am 9. September 1926 in Houston, Texas, geboren, erwarb
an der Rice-Universität den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und
studierte an der Universität Texas weiter.
Er arbeitete zunächst ein Jahr bei der Humble Oil and Refining Company
und trat dann in den väterlichen Lebensmittel betrieb, Duncan Foods Company,
ein, deren Präsident er wurde.

Im Jahre 1958 wurde seine Firma von Coca Cola

übernommen, und er selbst trat ebenfalls in den Dienst der weltweiten Getränkefirma, deren Präsident in der Zentrale in Atlanta er 1971 wurde und wo er
auch den damaligen Gouverneur Jimmy Carter traf.
Er ist in zweiter Ehe mit Anne Smith verheiratet; das Ehepaar hat einen
Sohn und eine Tochter.

Auf seiner Farm in Wyoming geht er dem Angeln und der

Jagd nach und spielt Tennis.

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Information

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1. August 1979

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BENJAMIN R. CIVILETTI:

DER NEUE JUSTIZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - "Ben Civiletti war ein Bollwerk der Unterstützung",
sagte der bisherige Justizminister Griffin B. Bell über seinen Stellvertreter
- den Mann, den Präsident Carter zu dessen Nachfolger ernannt hat.
Der 44jährige Benjamin Richard Civiletti kam zum erstenmal im März 1977
ins Justizministerium als Unterstaatssekretär, zuständig für die Kriminalabteilung.

Zu jener Zeit war er Partner im Anwaltsbüro Venable, Beatier und

Howard in Baltimore, nachdem er vorher in derselben Stadt als Stellvertretender
Staatsanwalt tätig gewesen war.
Er fungierte als Mitglied verschiedener Spezialabteilungen und Ausschüsse an Bundesgerichten und einzelstaatlichen Gerichten.

An der Universität

von Maryland hielt er Vorlesungen zum Thema Verfahrenspraktiken und Prozeßtechniken.
Im August 1977 wurde er Mitglied der Amerikanischen Vereinigung der
Strafverteidiger. Als Anwalt und als Verwaltungsmann ist Civiletti

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�Civiletti als "Technokrat" mit scharfem Rechtsverstand bekannt.

Als

Carter ihn am 19. Juli an die Spitze des Justizministeriums berief,
beschrieb er sich selbst vor der Presse als eine Person "mit wenig
Humor und Brillanz".
Für das Justizministerium wurde er zum erstenmal vor zwei Jahren
von Charles Kirbo vorgeschlagen, einem engen Berater Präsident Carters,
der vorher Teilhaber des Anwaltsbüros Bell in Atlanta gewesen war.
Im Verlauf eines halbstündigen Treffens am 19. Juli im Weißen Haus
bat ihn der Präsident ausdrücklich - so Civiletti -, die Politik seines
Vorgängers fortzuführen und das Justizministerium von parteipolitischem
Einfluß freizuhalten.
Als Stellvertretender Justizminister war er unmittelbar für die Überwachung des Bundeskriminalamtes (FBI) zuständig, sowie für die Drogenabteilung, die Strafvollzugsbehörde, die Abteilung für Gefängnisse und
viele andere Abteilungen.
Civiletti absolvierte die Johns Hopkins Universität und schloß im
Jahre 1961 seine Studien an der Juristischen Fakultät der Universität von
Maryland ab. Er wurde in Peekskill im Staate New York geboren und ist
mit der beborenen Gaile Lundgren aus Baltimore verheiratet. Das Ehepaar
hat drei Kinder.

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»

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1. August 1979

PATRICIA ROBERTS HARRIS: GESUNDHEITS-, ERZIEHUNGS- UND SOZIALMINISTERIN

WASHINGTON - (AD) - Zur neuen Gesundheits-, Erziehungs- und
Sozialministerin der Vereinigten Staaten hat Präsident Carter am 19. Juli 1979
die bisherige Wohnungsbauministerin seines Kabinetts, Patricia Roberts
Harris, ernannt. Mrs. Harris, die die erste schwarze Botschafterin der
Vereinigten Staaten war, tritt die Nachfolge von Joseph A. Califano an.
Sie hat sich als Juristin seit langem für soziale Belange der Bevölkerung
eingesetzt.
Patricia Harris wurde am 3. Mai 1924 in Mattoon, Illinois, als
Tochter eines Speisewagenkellners geboren. Sie wuchs in Chicago auf und
besuchte dort eine höhere Schule. Beim Schulabgang wurden ihr fünf
Universitätsstipendien angeboten; sie entschied sich für die HowardUniversität in Washington, die vorwiegend von Schwarzen besucht wird.
Nach Beendiguno ihres Studiums, das sie als Bachelor of Arts mit summa
cum laude abschloß, kehrte sie für zwei Jahre nach Illinois zurück, wo
sie an der Universität von Chicago tätig war. Washington lockte jedoch
wieder; 1949 ging sie an die dortige American University. Gleichzeitig
hatte sie den Posten eines Stellvertretenden Direktors des Amerikanischen

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�Amerikanischen Rates für die Menschenrechte inne.

Von 1953 - 1959 war

Mrs. Harris als Exekutivsekretär einer Negerstudentinnen-Verbindung
tätig.

Im Jahre 1955 heiratete sie einen Washingtoner Juristen, William

Bealey Harris, der damals zum Lehrkörper der Howard-Universität gehörte.
Zum Teil auf Drängen ihres Ehemannes und zum Teil aufgrund ihres
wachsenden Interesses an der Jurisprudenz schrieb sie sich an der
juristischen Fakultät der .George Washington-Universität ein.

Im Jahre

1960 schloß sie ihr Jurastudium als Beste in einer Klasse von 94 ab.
Nach einjähriger Tätigkeit als Staatsanwältin im amerikanischen
Justizministerium schloß sie sich dem Lehrkörper der Howard-Universität an
und erhielt eine Professur für Rechtswissenschaften.
Unter den Administrationen Kennedy und Johnson gehörte Mrs. Harris
verschiedenen Kommissionen an, die für die Förderung der Frauenrechte eintraten. Im Jahre 1965 ernannte sie Präsident Johnson dann zur amerikanischen
Botschaft«rin im Großherzogtum Luxemburg; damit wurde Mrs. Harris die erste
schwarze Botschafterin der USA. Nach zwei erfolgreichen Jahren in
Luxemburg, wo auch ihr Ehemann als Rechtsberater des State Department
tätig war, kehrte das Paar nach Washington zurück. Mrs. Harris nahm
ihre Lehrtätigkeit wieder auf, die allerdings nach kurzer Zeit schon
wieder unterbrochen wurde, als Präsident Johnson sie zum Mitglied der
amerikanischen Delegation bei den Vereinten Nationen ernannte.
An die Howard-Universität zurückgekehrt, wurde sie 1969 Dekan der
juristischen Fakultät, trat von diesem Posten jedoch schon nach einem
Monat zurück, weil sie sich den Forderungen schwarzer Studenten nach einer
größeren Mitspracherolle nicht beugen wollte.
Mrs. Harris war Mitglied der Washingtoner Anwaltsfirma Fried, Frank,
Harris, Shriver und Kampelmann.

Sie ist Inhaberin von 30 Auszeichnungen.
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1. August 1979

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DER NEUE VERKEHRSMINISTER DER USA:

NEIL GOLDSCHMIDT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Bürgermeister
der Stadt Portland im Staate Oregon, Neil Goldschmidt, im Rahmen seiner
Kabinettsumbildung zum neuen Verkehrsminister der Vereinigten Staaten
ernannt.
Neil Goldschmidt ist seit 1972 Bürgermeister von Portland.
Er war Delegierter der USA auf der Konferenz über "öffentliches
Transportwesen und Umwelt", die im Rahmen der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) abgehalten wurde.
Er ist einer der Vorsitzenden des Arbeitsstabs für Energie des
amerikanischen Städtetages und war vorher Vorsitzender des Verkehrsausschusses der amerikanischen Bürgermeisterkonferenz. Außerdem ist er
Mitglied des Beirats für Probleme der einzelstaatlichen und kommunalen
Verwaltung an der John F. Kennedy School of Government der HarvardUniversität.
Nach

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�Nach seiner Bestätigung durch den Senat wird Goldschmidt Brock Adams
ablösen.

Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jody Powell, teilte Reportern

mit, Präsident Carter betrachte Goldschmidt als "einen streitbaren Bürgermeister mit Gespür für Neuerungen und hervorragenden Verwaltungsfähigkeiten".
Auch verstehe er "aus eigener Erfahrung die Verkehrsprobleme" der Nation.
Goldschmidt wurde am 16. Juni 1940 in Eugene, Oregon geboren.

Seine

Ausbildung schloß ein Studium der Politischen Wissenschaften an der Universität
von Oregon sowie an der Universität von Kalifornien in Berkeley ein.
1965 Ist er mit der ehemaligen Margaret Wood verheiratet.
Kinder.

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Seit

Sie haben zwei

�1

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1. August 1979

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DER NEUE MINISTER FÜR WOHNUNGSBAU UND STÄDTEPLANUNG: MOON LANDRIEU

WASHINGTON - (AD) - Als Präsident Carter Moon Landrieu zum Minister
für Wohnungsbau und Städteplanung ernannte, stellten Beobachter fest, daß
er einen tatendurstigen und ungemein populären Großstadt-Bürgermeister ausgesucht hatte.
Landrieu, 49 Jahre alt, war von 1970 bis 1978 Bürgermeister von New
Orleans und zeichnete verantwortlich für die Errichtung der gigantischen
"Superdome" Sportarena, belebte das Zentrum der Stadt neu, erneuerte das
historische französische "Quartier" und nahm Farbige in hohe Positionen
der Stadtverwaltung auf.
Bei der Ernennung sagte Präsident Carter:

"Bürgermeister Landrieu

genießt landesweite Achtung als fortschrittlicher Bürgermeister und
starker Verwaltungsmann sowie als respektierter und wirkungsvoller Sprecher
für die Kommunal Verwaltung."
Landrieu wurde auch hohes Lob von seiner Vorgängerin, Frau Patricia
Roberts Harris, zuteil, die von Carter als Gesundheitsministerin eingesetzt

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�eingesetzt wurde und die ihn als "einen ideenreichen Führer und begabten
Verwaltungsmann" bea'chnete und fortfuhr: "Er ist dem Dienst an denjenigen
verpflichtet, die nur wenig haben,und den großen und kleinen Kommunen im
ganzen Land, die Not leiden".
Als Sohn eines Ladenbesitzers hat Landrieu fast sein ganzes Leben der
Politik verschrieben.

Im Jahre 1960 wurde er zum erstenmal in das Abge-

ordnetenhaus von Louisiana gewählt und 1964 wiedergewählt.

Seiner Zeit oft

voraus, stimmte Landrieu einmal als Verfechter der Rassengleichheit als
einziger gegen die Rassentrennung, während 99 seiner Kollegen sich anders
entschieden.
Im Jahre 1966 wurde Landrieu zum Stadtratsmitglied von New Orleans
gewählt, vier Jahre später zum Bürgermeister. Außerdem war er Präsident
der amerikanischen Konferenz der Bürgermeister, M-tglied des Beirats der
Nationalen Städteliga und Mitglied des Aufsichtsr&lt;its der Nationalen
Städtekoalition, einer überparteilichen Organisation mit dem Ziel der
Verbesserung des Schicksals der Schwarzen und anderer Minderheiten in
den Vereinigten Staaten.
Am 23. Juli 1930 in New Orleans geboren, studierte er Verwaltung und
Recht an der Loyola-Universität von New Orleans und diente nach Abschluß
seiner Studien drei Jahre lang in der Armee, bevor er in einer Anwaltsfirma
in New Orleans tätig wurde und danach einen Platz im Abgeordnetenhaus von
Louisiana errang.
Er ist mit der ehemaligen Verna M. Satterlee verheiratet. Sie haben
5 Töchter und 4 Söhne, deren Vornamen alle mit "M' anfangen. Ursprünglich
hieß Landrieu mit Vornamen Maurice, jedoch ließ er ihn amtlich in "Moon"
abändern.

+ + + + +

- 2 -

�1

1
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1. August 1979

VANCE UND SEIGNIOUS SPRECHEN ÜBER EINSTELLUNG DER NATO-VERBÜNDETEN
ZU SALT II

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance und
der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), General
George M. Seignious, äußerten sich am 30. Juli 1979 vor dem Militärausschuß
des Senats über die Einstellung der NATO-Verbündeten zum SALT II-Vertrag.
Die Ausführungen von Außenminister Vance zu diesem Thema haben folgenden
Wortlaut:
SALT II ist auch eine Angelegenheit von großer Bedeutung für unsere Verbündeten in der NATO und anderswo. Sie unterstützen den Vertrag nachdrücklich,
Denn er erhöht ihre Sicherheit zusammen mit der unsrigen.
- Der Vertrag trägt dazu bei, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das für die Glaubwürdigkeit unserer gemeinsamen Verteidigung lebenswichtig ist.

Der

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�- Der Vertrag trägt zur Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen in
Europa und anderswo bei.
- Der Vertrag erleichtert unsere kollektive Anstrengung, die konventionellen Streitkräfte und die nuklearen Gefechtsfe'ldstreitkräfte des Bündnisses
zu stärken.
- Der Vertrag entspricht ihren (der Verbündoten) seit langem bestehenden
Interessen, eine starke Verteidigung durch wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen
zu ergänzen.
Unsere Verbündeten sind befriedigt, daß diese Vorzüge verwirklicht werden
können, ohne in die bestehenden Verfahren der nuklearen und konventionellen
Zusammenarbeit im Bündnis einzugreifen.
Um klarzustellen, daß nichts in dem Vertrag die weitere Zusammenarbeit
in Waffentechnologie und Waffensystemen verhindern würde, haben wir am 29.
Juni im Nordatlantikrat eine detaillierte Erklärung abgegeben - eine Erklärung, über die wir uns im voraus eng konsultiert hatten. Wir unterstrichen,
daß wir keine Verpflichtung bezüglich der NichturTgehung über die grundlegenden
Lehrsätze des internationalen Rechts hinaus eingegangen sind und daß der Vertrag die bestehenden Verfahren der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
nicht berühren wird. Ebensowenig wird er die Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Modernisierung verhindern.
Und um klarzustellen, daß SALT II künftige Optionen sowohl hinsichtlich
der Rüstungskontrolle als auch der Modernisierung von nuklearen Gefechtsfeldwaffen nicht ausschließt, haben wir erklärt, daß alle künftigen Begrenzungen
für amerikanische Systeme, die hauptsächlich für Sefechtsfeidaufgaben vorgesehen sind, von angemessenen Begrenzungen sowjetischer Gefechtsfeldsysteme
begleitet sein müssen.
Auf

- 2 -

�Auf der gleichen Sitzung des Nordatlantikrates gaben unsere NATO-Verbündeten eine formelle Erklärung ab, in der sie sich hinter den Vertrag stellen
und sein baldiges Inkrafttreten fordern.
Während unsere Verbündeten den Vertrag als eine positive Entwicklung begrüßt haben, haben sie auch ihre tiefe Besorgnis über die Folgen zum Ausdruck
gebracht, wenn der Vertrag abgelehnt würde.

So wie die Abkühlung der amerika-

nisch-sowjetischen Beziehungen in der Vergangenheit zu einer Verschärfung der
Spannungen in Europa geführt hat, so würde eine neue Runde des strategischen
Wettstreits einen Frosteinbruch in Europa bringen.
Wenn also SALT fehlschlagen sollte, wäre unseren Verbündeten und unseren
Bündnissen in der ganzen Welt schlecht gedient. Unsere Verbündeten erwarten
von uns militärische Stärke. Sie erwarten von uns, daß wir in dem Streben nach
größerer Stabilität und Frieden die Führung übernehmen. Eine Ablehnung dieses
Vertrages wäre ein Schock für das Gefühl der gemeinsamen Zielsetzung, das uns
zusammenhält.
Die Ausführungen des Direktors des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung, George Seignious, haben folgenden Wortlaut:
Das NATO-Bündnis erwartet von den Vereinigten Staaten grundsätzlich die
Erfüllung der folgenden zwei Aufgaben:
- die Aufrechterhaltung einer starken Abschreckung und einer starken Verteidigung sowie
- die Führungsrolle in den Ost-West-Beziehungen, um einen Krieg zu vermeiden, der die Länder Europas genauso vernichten würde wie unser eigenes.
SALT II trägt zu beidem bei.
Im

- 3 -

�Im Jahre 1944 setzte ich zum erstenmal meinen Fuß auf europäischen Boden als Angehöriger der 10. Panzerdivision.

Während der Krise im Zusammenhang

mit dem Bau der Berliner Mauer in den Jahren 1961-63 befehligte ich ein Kavallerieregiment am Eisernen Vorhang.

Im Jahre 1969 befehligte ich die 3. In-

fanteriedivision, und 1970 war ich US-Oberbefehlshaber in Berlin.

Ich bin der

Überzeugung, daß die grundlegenden Sicherheitsinteressen der NATO sich nicht
von den unsrigen unterscheiden:

Stabilität, Verhinderung eines Nuklearkriegs

und Erhaltung des strategischen und konventionellen militärischen Gleichgewichts.

Das 20. Jahrhundert hat Europa, genauso wie jede

andere

Region der

Erde die zerstörerische Gewalt des Krieges, die Vorteile der Stabilität und die
Notwendigkeit einer starken Verteidigung gelehrt.
Stabilität ist besonders wichtig für Europa, wo starke militärische Kräfte
in geringer Entfernung voneinander konzentriert sind, wo Tausende von Nuklearwaffen disloziert sind und wo ein Schauplatz der historischen Konfrontation
auch heute noch von höchstem Sicherheitsinteresse für jede der Supermächte ist.
Das Risiko eines Nuklearkriegs ist für Europäer genauso groß wie für Amerikaner,
und Stabilität ist ein Grunderfordernis und kein Luxus.
Für die europäische Sicherheit ist die Bewahrung des amerikanisch-sowjetischen nuklearstrategischen Gleichgewichts von grundlegender Bedeutung.
SALT II wird es uns im Zusammenhang mit unseren eigeien Verteidigungsprogrammen
ermöglichen, dieses Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Ebenso grundlegend ist die, Aufrechterhaltung des Gleichgewichts auf dem
Gefechtsfeld in Europa. Die NATO hat gegenwärtig mit einem ehrgeizigen und
teuren Programm zur Verbesserung ihrer Streitkräfte Degonnen. Ich bin der Ansicht, daß dieses Programm, das so wichtig für die ejropäische Sicherheit ist,
viel schwieriger durchzuführen wäre, wenn unsere Aufmerksamkeit und unsere
Mittel sich stattdessen auf ein ungehemmtes strategisch-nukleares Wettrüsten
konzentrieren würden.
SALT II

�SALT II engt in keiner Weise unsere Zusammenarbeit mit der NATO ein und
ist kein Ausverkauf der Interessen unserer Verbündeten:
- Wir haben unsere Verbündeten ausführlich konsultiert.

Zum Beispiel hatten

wir etwa 40 Zusammenkünfte mit dem Nordatlantikrat, um über SALT II zu sprechen; die Hälfte davon fand innerhalb der letzten zwei Jahre statt.
- Wir haben bei unseren Verhandlungepositionen die Sicherheitsbedenken
unserer Verbündeten mit in Rechnung gezogen. Zum Beispiel sieht SALT II keinerlei Beschränkungen der in Europa dislozierten Kernwaffensysteme vor.
- SALT II behindert nicht die traditionellen Verfahren der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, einschließlich der Weitergabe von Waffensystemen und anderer fortschrittlicher Technologie.

Die Sowjets schlugen zu Be-

ginn von SALT II qine strikte Klausel gegen den Transfer vor.
se und ähnliche sowjetische Vorschläge zurück.

Wir wiesen die-

Es gibt in SALT II keine Be-

stimmung gegen den Transfer.
- Und wie ich bereits sagte werden die Beschränkungen im Protokoll hinsichtlich land- und seegestützter Marschflugkörper auslaufen, bevor wie soweit sind, sie dislozieren zu können. Wir werden genügend Zeit haben, um sorgfältig und in Einklang mit unseren europäischen Verbündeten zu planen, wie wir
unsere Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte in der NATO am besten modernisieren
können. Und dieser Prozeß hat bereits begonnen.
Nach dem Gipfeltreffen in Wien kehrte ich über den Nordatlantikrat in
Brüssel nach Hause zurück, nachdem ich auch in Genf und in London Station gemacht hatte. Jedesmal informierte ich die Verbündeten.

Ich kann sagen, daß

alle ohne jede Ausnahme SALT II ihre äußerste Unterstützung zusagten.
In diesem Punkt sagen Worte von Europäern jedoch mehr als die Zusicherungen, die ich geben kann.

Im Juni sagte es Bundeskanzler Helmut Schmidt

klar und deutlich: (7. Juni, Harvard)
"SALT II

�"SALT II ist natürlich nicht nur eine innenpolitische Angelegenheit der
Amerikaner.

Deshalb informierte die amerikanische Regierung ihre Verbündeten

über den Fortschritt der Gespräche und konsultierte s,ie auch.
ist ein Stück Weltgeschichte.

Dieser Vertrag

Er ist auch ein Stück Weltsicherheit und ein

Stück der Sicherheit meines eigenen Landes.
punkt kooperativer Rüstungsbegrenzung.

Im Augenblick ist es ein Höhe-

Die Bundesrepublik Deutschland unter-

stützt den SALT Il-Vertrag und hofft, daß er bald durch Washington und Moskau
ratifiziert werden wird."

- 6 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

1. August 1979

ERNEUERUNGSFÄHIGE ENERGIEQUELLEN
USA:

Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant

- (AD) - Amerika ist entschlossen, erneuerungsfähige Energiequellen in
einer Weise zu erschließen und weiterzuentwickeln, daß sie im Jahr 2000 etwa
20 Prozent des Energiebedarfs decken.

Gegenwärtig sind diese nur zu fünf Pro-

zent an der Energieproduktion beteiligt, wobei der Hauptanteil auf Wasserkraft entfällt.

Regierungsbeamte sind überzeugt, daß man heute vorhandene

technische und finanzielle Probleme werde lösen können, um z.B. ein Drittel
der erwähnten 20 Prozent aus der direkten Nutzung von Sonnenenergie zu gewinnen.

Für den Rest kommen Wasserkraft, Umwandlung von Biomassen, Windkraft,

Methan aus Kohlefeldern und weitere unkonventionelle Quellen in Frage.

Der "Verband der solartechnischen Industrie" (SEIA = Solar Energy Industries
Association) ist optimistisch hinsichtlich der Möglichkeiten, das gesteckte
Ziel zu erreichen.

Die 1974 gegründete Vereinigung, die mit sechs Mitgliedern

begann und inzwischen mehr als 1000 zählt, hat viel dazu beigetragen, daß in
den Vereinigten Staaten bereits über 20 000 Solaranlagen aller Größenordnungen
in Betrieb sind.

Diese Zahl soll, sobald im Oktober 1980 die von Präsident

Carter vorgeschlagene "Sonnenbank" ihre Tätigkeit aufnimmt, im Verlauf eines
Jahres schon auf etwa 100 000 anwachsen.
Mehr

Postfach 20 03 OO Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Mehr als 150 amerikanische Firmen, die sich mit der Entwicklung von
Solaranlagen befassen, sind an der Börse vertreten.

Einige von ihnen bezie-

hen die Hälfte ihrer Einkünfte aus dem Absatz von solartechnischen Ausrüstungen, während bei Großfirmen wie EXXON, IBM oder Xerox dieses Geschäft mit erst
knapp einem Prozent zu Buche schlägt. Aber auch sehr kleine Unternehmen - man
schätzt ihre Zahl auf 150 bis 200, die zu klein sind, um z.B. Aktien auszugeben - sind maßgeblich in der solartechnischen Forschung und auf dem Verkaufssektor engagiert.

Und neben diesen Firmen gibt es noch eine Anzahl von Orga-

nisationen wie die "Zentrale für erneuerungsfähige Ressourcen" und die "SolarLobby" zur Förderung der Sonnenenergie-Technik in Washington, die in Fragen
der Sonnenenergie vor allem mit den Kommunen zusammenarbeiten.

Sie setzen

sich mit Ausdauer für geeignete Maßnahmen auf allen Ebenen ein und bemühen sich
darum, finanzielle Mittel zu mobilisieren und die öffentliche Aufmerksamkeit
auf Solarprogramme zu lenken.
Das amerikanische Energpeministerium hat, analog zu dem bewährten
"Extension Service" des Landwirtschaftsministeriums, einen Förder- und Beraterdienst für den Energiesektor eingerichtet. Er so'1 die einzelnen Bundesstaaten bei Sparmaßnahmen unterstützen und gemeinsam mit Ihnen Energieprogramme
entwickeln, die den jeweiligen regionalen und örtlichen Gegebenheiten angepaßt sind. Nicht nur für Großverbraucher, sondern ebenso für Kleinverbraucher
wie Hauseigentümer, Krankenhäuser und Schulen gibt es besondere Beratungsteams.
Andere Abteilungen des Ministeriums verfolgen langfristige Entwicklungen in
der Solar- und Erdwärmetechnik sowie auf dem Gebiet der Fusions- und Brüterreaktoren. Die US-Regierung wünscht, daß auf allen Gebieten sondiert wird und
so viele Erfahrungen und Informationen wie nur irgend möglich gesammelt werden,
damit später notwendige Entscheidungen leichter und ohne Verzögerung gefällt
werden können.
Kürzlich veröffentlichte die Zeitschrift TIME eine Obersicht über aussichtsreiche Alternativquellen für Energie.

Neben Ölschiefer, Teersanden und

Kohle für Umwandlungsprozesse sind als regenerative llnergiequellen besonders
hervorgehoben:
1) Sonnenenergie
- 2 -

�1) Sonnenenergie - Mit Hilfe der Solartechnik wird heute noch nicht einmal ein Prozent des Energiebedarfs der USA gedeckt.

Bei den meisten Anlagen,

die 95 Prozent des Umsatzes ausmachen, handelt es sich um flache solarthermische
Ausrüstungen, die auf Hausdä'chern installiert werden, um Wasser aufzuheizen.
Als für die Zukunft besonders verheißungsvoll werden jedoch die photovoltaischen
Zellen zur direkten Umwandlung von Licht in elektrischen Strom durch Siliziumkristallscheibchen angesehen, die auf Sammlerplatten montiert sind.

Die gegen-

wärtig noch viel zu hohen Kosten sollen, wie aus dem Energieministerium verlautet, bis 1990 so stark gesenkt werden, daß dieses Verfahren zur Stromgewinnung
mit anderen Methoden ohne weiteres konkurrieren könnte.

2) Biomasse - Hausbesitzer, kommunale Versorgungsunternehmen, Fabrikanten
und Stadtverwaltungen experimentieren mit den verschiedenen Naturprodukten
wie Abfällen aus der Landwirtschaft, insbesondere dem Maisanbau, mit Sägemehl,
organischem Dünger oder Stadtmüll, um daraus Energie zu gewinnen.

Nach Be-

rechnungen des Energieministeriums decken sie z. Zt. damit ca. ein Prozent des
Bedarfs.

Als Rohstoff spielt vorläufig Holz die wichtigste Rolle.

Der Ver-

brauch ist in den letzten neun Jahren um das Sechsfache gestiegen, vor allem
in den Neuenglandstaaten, wo etwa ein Fünftel aller Eigenheime mit Holz beheizt wird.

Ungefähr 150 Papier- und Zellstoffwerke verbrennen Holzabfälle

und Ablaugen für die Stromerzeugung.

Sie geben sogar Strom an die lokale In-

cjustrifl ab. was z.Zt. Erdöleinsparungen von fünf Millionen Barrel jährlich ermöglicht.

Und die Mehrzahl der Müllkraftwerke in Großstädten wie New York,

Chicago und New Orleans ist so ausgerüstet, daß Rohstoffe wie Glas und Nichteisenmetalle zurückgewonnen werden können.

3) Erdwärme - Untersuchungen des amerikanischen Energieministeriums zufolge könnten viele Weststaaten der USA dem Beispiel Islands folgen und einen
großen Teil ihres Energiebedarfs aus Erdwärme decken.

Sie läßt sich nutzen,

wenn man Bohrungen in durchschnittlich 700 m tief liegende Heißwasser- und
Dampfschichten im Gestein vortreibt.
relativ hoch in der Erdkruste liegen.

Die Wärme liefern Magmataschen, die dort
Daß mit dem Dampf aus solchen Quellen

Kraftwerksturbinen angetrieben werden können, demonstriert die Union Oil Company

- 3 -

�Company (Kalifornien) schon seit einigen Jahren.

Ihr geothermisches Kraft-

werk in der Nähe von San Francisco deckt zwei Prozent des Strombedarfs von
Kalifornien.
4) Wasserkraft - Vor einem halben Jahrhundert wurde in den Vereinigten
Staaten ein Drittel des Kraftstroms an Talsperren erzeugt.

In der Ära des

billigen Öls hat man eine Anzahl von Wasserkraftwerken stillgelegt oder abgerissen.

Aber jetzt kommt Wasserkraft wieder in Mode.

Die günstigsten Stand-

orte - Talsperren mit hohen Dämmen oder Flußläufe irit starker Strömung und
viel Wasser - sind natürlich längst besetzt und wurden auch nicht aufgegeben.
Heute besinnt man sich jedoch auf die Möglichkeiten, die kleine Dammbauwerke
- m i t Dammkronen von 22 m Höhe und darunter - für die Stromversorgung der unmittelbaren Umgebung bieten können.
5) Wind - Analysen zufolge könnten Windkraftwerke bis zum Jahr 1990 zwei
Prozent zur Deckung des Strombedarfs in den USA beitragen.

Ihr Nachteil, nur

bei Wind Strom zu erzeugen, würde vor allem in abgelegenen ländlichen Gebieten,
wo Energie besonders teuer ist, durch die geringen Produktionskosten mehr als
aufgewogen.

Die größte Windturbine für Demonstrationszwecke wurde kürzlich in

Boone (Nordkarolina) in Betrieb genommen.

Bei Windgeschwindigkeiten von 40 km/

Stunde und mehr erzeugt sie 2000 kW Strom.
6) Meeresenergie - Strömungen, Gezeiten, Wellen und Temperaturunterschiede
bilden die Hauptquellen,die zu nutzen wären. Mit einem Zuschuß des Energieministeriums wird gegenwärtig die Nutzbarmachung vcn Strömungsenergie vor den
Küsten Floridas untersucht. Mit der Umsetzung von Wärmeenergie der Ozeane befaßt man sich schon seit den dreißiger Jahren. Entsprechende Versuchsapparaturen nutzen das starke Gefälle zwischen dem warmen Cberflächenwasser und dem
kalten Tiefwasser in tropischen Meeren. Daß die Icee richtig ist, wurde bereits demonstriert. Aber das Verfahren ist noch nicht soweit entwickelt, daß
an eine kommerzielle Anwendung zu denken wäre.

Die

�Die Experten sind in der Frage, welche Alternativenergien die besten
Zukunftschancen haben, verschiedener Meinung. Im Rahmen des neuen Energieplans der Regierung sind jedoch bessere Möglichkeiten gegeben, Kosten, Technologien und Anwendung gründlich genug zu sondieren, um aufgrund erfolgversprechender Resultate die Privatwirtschaft auch für längerfristige Entwicklungen zu interessieren. Die meisten Befürworter findet gegenwärtig - auch
in der Presse - die Sonnenenergie. Eine Reihe von Firmen hat die Chancen im
Zusammenhang mit ihrer Erschließung erkannt und schon in kurzer Zeit gut genutzt. So ist heute, nur fünf Jahre nach ihrer Gründung, die Solarex Company
in Rockville (Maryland) der Welt größter Produzent für Solarzellen. Ihr Umsatz lag im Jahr 1978 bei über 10 Millionen Dollar; mehr als die Hälfte der
Produktion ging in den Export. In Kooperationsvereinbarungen mit Firmen in
Frankreich und Italien liefert Solarex die Solarzellen, der ausländische
Partner die Anwendungstechnik. Die Produkte reichen von Solarelektropumpen
für abgelegene Dörfer in Afrika bis zu Relais- und Verstärkerstationen der
Nachrichtentechnik für Abnehmer in vielen Teilen der Welt.

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SOLARZELLEN NACH NEUEM HERSTELLUNGSVERFAHREN

- (AD) - Ein neues Verfahren, das die Herstellung von integrierten
Schaltkreisen und Solarzellen revolutionieren könnte, wurde von Wissenschaftlern
des "Massachusetts Institute of Technology" (MIT) in Boston entwickelt. Die
dabei angewandte Technik, Graphoepitaxie genannt, ermöglicht bei erheblichen
Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen Verfahren das "Züchten" ausgerichteter Siliziumkristalle in einer dünnen Schicht auf der Oberfläche eines nichtkristallinen Trägers. Gegenwärtig werden Siliziumkristalle, mit bestimmten Zusatzstoffen "dotiert", in einem teuren und energieintensiven Verfahren hergestellt, um dann ihre Funktion in Solarzellen und den zahlreichen Instrumenten
und Ausrüstungen der Mikroelektronik erfüllen zu können. Aus einer Schmelzmasse werden große Einkristalle gezogen und anschließend in dünne Plättchen
gespalten.
Für das Graphoepitaxie-Verfahren dagegen sind eine Platte aus Quarzglas,
in die feine, parallel laufende Rillen eingeätzt sind, dazu ein dünner Film
nichtkristallinen Siliziums und Laser-Licht erforderlich, mit dem aus den
Siliziummolekülen Kristalle in der Orientierung der Rillen "geformt" werden.
Der Erfinder des Verfahrens, Prof. Henry I. Smith, ist überzeugt, daß auf diese Weise eine billige Massenproduktion von Solarzellen ermöglicht wird. Die
Idee dazu verdankt er einem Zufall: Vor etwa zehn Jahren entdeckte er an der

Postfach 20 03 00
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�der Windschutzscheibe seines Autos, daß sich bei starker Winterkälte Eiskristalle stets entlang feiner Kratzer ausbildeten, die man mit bloßem Auge
bei Wärme gar nicht zu erkennen vermochte.

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NEUE THERMISCHE BATTERIE ZUM SPEICHERN VON WÄRME

- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohl Stäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
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Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohl Stäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
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aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
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Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

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Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die

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Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller

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Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

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Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die

Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;G. William Miller: Neuer Finanzminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Paul Adolph Volcker: Der neue Präsident des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charles W. Duncan: Der neue Energieminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Benjamin R. Civiletti: Der neue Justizminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Patricia Roberts Harris: Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialministerin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neue Verkehrsminister der USA: Neil Goldschmidt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neue Minister für Wohnungsbau und Städteplanung: Moon Landrieu&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vance und Seignious sprechen über Einstellung der NATO-Verbündeten zu SALT II&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erneuerungsfähige Energiequellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA: Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Solarzellen nach neuem Herstellungsverfahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue thermische Batterie zum Speichern von Wärme</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

alla
i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. August 1979

32

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter würdigt Bedeutung der Schlußakte von Helsinki
HINTERGRUNDMATERIAL
Amerikas Macht in einer s"»ch wandelnden Welt
- von Dr. .Zbigniew Brzezinski Man fährt gut mit Biosprit
- Amerikanische Autofahrer haben GASOHOL angenommen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Leiseres Kleinflugzeug
- NASA erprobt neue Motoren Eine Bank für Knochenmark ;n Texas
- Patienten spenden für den Eigenbedarf -

Um Übcr/cncJung von
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gebeten

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�Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. August 1979

32

PRÄSIDENT CARTER WÜRDIGT BEDEUTUNG DER SCHLUSSAKTE VON HELSINKI

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 1. August 1979 in einer Erklärung auf die Bedeutung der am 1. 8. 1975 in Helsinki unterzeichneten Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hingewiesen und die anderen Länder aufgefordert, gemeinsam die dort eingegangenen
Verpflichtungen zu erfüllen. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
An diesem Tag im Jahr 1975 versammelten sich die Staats- und Regierungschefs von 35 Staaten in Helsinki, um die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu unterzeichnen. Sie verpflichteten sich,
in Europa eine Zukunft des Friedens und der Stabilität zu schaffen auf der
festen Grundlage des gegenseitigen Verständnisses und der Achtung der elementarsten Menschenrechte.
Im Verlauf der Jahre nach Helsinki sind wir Zeugen gewissenhafter Anstrengungen vieler Signatarstaaten geworden, um ihre Verpflichtungen gemäß der Schlußakte voll und ganz zu erfüllen. Wir haben Fortschritte gemacht bei der Sicherung eines freizügigeren Austausches von Menschen und Ideen. Flagranter Mißbrauch der Menschenrechte wird nicht mehr unbemerkt und unbeanstandet getrieben.
Die Klausel der Schlußakte, die die Ankündigung großangelegter Manöver vor-

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�V

vorsieht, funktioniert gut.
deutliche Rückschläge.

4

Der Geist von Helsinki lebt. Aber es gab auch

Zum Beispiel treten heute, am Jahrestag von Helsinki,

in der Deutschen Demokratischen Republik harte neue Gesetze in Kraft, die den
Kontakt mit Ausländern einschränken sollen.

In der Tschechoslowakei werden

weiterhin Mitglieder der Bewegung "Charta 77" im Gefängnis festgehalten und sehen einem Prozeß entgegen wegen ihres Eintretens für die grundlegenden menschlichen Freiheiten.

In der Sowjetunion werden Organisationen, die eingerich-

tet wurden, um die Erfüllung des Abkommens von Helsinki zu überwachen, in
ihrer Tätigkeit behindert und ihre Mitglieder ins Gefängnis geworfen.

Solche

Handlungen stehen völlig im Widerspruch zu den in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen.
Am Jahrestag der Abkommen von Helsinki widme ich erneut diese Administration und diese Nation dem unermüdlichen Kampf um eine umfassende Durchführung
der Schlußakte.

Wir werden auch weiterhin unsere eigene Bilanz in Vorberei-

tung für das Treffen der KSZE-Staaten in Madrid im Jahr 1980 überprüfen.
Und wir rufen die anderen Signatarstaaten auf, mit uns zusammenzuarbeiten, um gegenseitig die Verpflichtung erfüllen zu können, die wir in Helsinki
für Frieden, Sicherheit und Menschenrechte eingegangen sind.

+ + + + +

�afj W\

Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

32

8. August 1979

AMERIKAS MACHT IN EINER SICH WANDELNDEN WELT
von Dr. Zbigniew Brzezinski

Der Sicherheitsberater Präsident Carters,
Dr. Zbigniew Brzezinski, hat am 2. August
1979 in einem Vortrag vor der fast 150
Jahre alten "International Platform
Association" (einer privaten Vereinigung
öffentlicher Redner) die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten in einer sich
wandelnden Welt deutlich gemacht. Es
habe keinen Sinn, so führte er aus, den
Wandel aufhalten zu wollen, sondern man
müsse ihn in die richtige Richtung lenken,
Die Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend über ein zentrales Anliegen unserer Regierung
und unserer Nation sprechen: Die Rolle der amerikanischen Macht in einer
Zeit des globalen Wandels.
Die Wechselwirkung zwischen der Macht Amerikas und dem globalen Wandel
stellt den Rahmen für die amerikanische Außenpolitik in unserer Zeit her.
Während der letzten dreißig Monate hat diese Wechselwirkung auch den Rahmen

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Rahmen für mein tägliches Arbeitsleben hergegeben.

Ich möchte Ihnen etwas

von diesen Erfahrungen mitteilen.
Inmitten des Trubels der Ereignisse ist es ebenso notwendig wie
schwierig, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen:
unsere Zeiten wirklich?
wir stehen, wirklich?

"Wie sind

Welche Bedeutung haben die Probleme, vor denen
Sind die scheinbar zufälligen und in keinem Zusammen-

hang stehenden Veränderungen um uns herum Teil eines geistig zusammenhängenden
Systems?

Wenn wir uns nicht immer wieder diese Fragen stellen, dann riskieren

wir, unser Richtungsgefühl zu verlieren.

Dann riskieren wir, zum Spielball

der Kräfte der Geschichte zu werden - ohne in der Lage zu sein, diese Kräfte
zu lenken.

Unser Bewußtsein als Staatsmann und Bürger verpflichtet uns,

die Bedeutung der sich wandelnden Wirklichkeit zu erkennen und dann aus
dieser Erkenntnis heraus Maßnahmen zu ergreifen, die die Wirklichkeit
kongenial zu unseren Werten und vereinbar mit unseren Interessen gestalten.

Die wahre Natur unserer Zeit
Lassen Sie mich eine einfache Vorstellung von einer komplexen Welt
entwickeln:

Wir leben in einer Zeit der weitreichendsten und tiefgreifendster

politischen Veränderungen in der Geschichte der Menschheit.

Niemals zuvor

waren zu einer Zeit so viele Länder und Völker so vielen politischen Umwälzungen ausgesetzt, so vielen konkurrierenden Ideologien, einem so raschen
Wachstum des politischen Massenbewußtseins.
Unsere Generation erlebt wahrhaft eine Zeit des echten weltweiten
politischen Erwachens.

Noch vor 40 Jahren schlief der größte Teil der

Menschheit politisch - kontrolliert von Weltreichen oder traditionellen
und überholten gesellschaftlichen und politischen Strukturen.

Der Westen -

die Länder Nordamerikas und der Kolonialreiche Europas - besaßen praktisch

�praktisch ein Monopol der politischen und wirtschaftlichen Macht.

Aber in den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges begann eine massive
Neuorganisation der Welt.

Die Isolation Amerikas von den Strömungen fand

ein für allemal ein Ende - zum Teil gerade wegen des Erfolges unserer
Bemühungen, eine Weltwirtschaft aufzubauen, die die produktive Energie
von zahllosen Millionen von Menschen in der ganzen Welt freisetzen würde.

Die wirtschaftliche Macht ist heute unter den Ländern der Welt
breiter verteilt als jemals zuvor.

Und dieser Prozeß ist noch keineswegs

abgeschlossen.

Gleichzeitig hat die Welt in weniger als einem halben Menschenalter
die Geburt von über 100 neuen Staaten erlebt - von denen jeder nach seiner
eigenen politischen Identität strebt, von denen jeder auf wirtschaftliche
Forderungen pocht, von denen jeder mit einem immer rascheren sozialen Wandel
zu tun hat.

Während auf der einen Seite das militärische Kräfteverhältnis

in der Welt bemerkenswert stabil geblieben ist, so ist sein Rahmen durch
den Wandel vom konventionellen Konflikt - meist über nationale Grenzen hinweg zum unkonventionellen Konflikt
komplizierter geworden.

- meist innerhalb der nationalen Grenzen -

Als trgebnis dieser Entwicklung stellen diese

internen Konflikte Möglichkeiten und Versuchungen für Interventionen von
außen dar.

Und auch dieser Prozeß ist noch keineswegs abgeschlossen.

Wir erleben also ein weltweites Muster der Neuverteilung der Macht.
Die Zeit, da sich in der Geschichte der Menschheit alles um Europa drehte
oder der Westen die politische Herrschaft ausübte, geht zu Ende.

In den

kommenden Jahren werden die Entwicklungsländer, wie wir sie nennen, ihren
Anteil an den Gütern der Welt vergrößern.

Die Industrieländer werden mehr

und mehr von Rohstoffen abhängen, die fernab ihrer Küsten gewonnen werden.
Und bis Ende dieses Jahrhunderts werden 80 Prozent der Menschen in den
Entwicklungsländern leben.

Das ist eine eindrucksvolle Statistik.

- 3 -

Und die

�»

*

die Menschen, von denen hier die Rede ist, werden zunehmend lesen und
schreiben können, zunehmend informiert sein und zunehmend ihren politischen
Willen zum Ausdruck bringen. Sie werden weltweite politische und wirtschaftliche Vereinbarungen fordern, die diesen neuen Realitäten entsprechen. Ein
Phänomen wie OPEC ist nur ein äußeres Symbol für eine tiefere Machtverlagerung
in der Welt - eine Verlagerung, die wir klar erkennen und auf die wir
vernünftig reagieren müssen.

Die Rolle der USA
Im Licht dieser sich wandelnden Welt muß die künftige weltweite Rolle
der Vereinigten Staaten sorgfältig durchdacht und klug entwickelt und ihr
eine sinnvolle Richtung gegeben werden. Der Versuch, das Unaufhaltsame
aufzuhalten, der Versuch, die unerbittlichen politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Veränderungen aufzuhalten, würde die Vereinigten Staaten zu
politischer Isolation und Leere verdammen. Stattdessen muß unsere zentrale
Strategie darin bestehen, bei der Umformung dieser unvermeidlichen globalen
Veränderung in konstruktiver und wirklich fairer Weise mitzuhelfen, wie es
Präsident Carter im Mai 1977 an der Universität von Notre Dame formulierte:
"Es ist eine neue Welt - aber Amerika sollte sie nicht fürchten. Es ist
eine neue Welt - und wir sollten dazu beitragen, sie zu formen. Es ist
eine neue Welt, die eine neue amerikanische Außenpolitik erfordert - eine
Politik, die sich auf eine Haltung des Anstands in ihren Werten und auf
Optimismus in ihrem historischen Ausblick gründet."
Von diesem Geist getragen, begann Präsident Carter eine umfangreiche
Liste grundlegender Ziele durchzuarbeiten - und er hat in zweieinhalb Jahren
geleistet, worauf jede andere Administration sogar nach einer ganzen
Legislaturperiode stolz sein würde:
Die

- 4 -

�-

Die Panamakanal-Verträge, die die Basis gelegt haben für eine wohldurchdachte Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und den
Ländern von Lateinamerika;

-

das langfristige Verteidigungsprogramm der NATO, das dem Bündnis
größeres Vertrauen gibt in einer Zeit erhöhter Gefahren und Ungewißheiten;

-

die Vereinbarungen von Camp David, die zu dem Friedensvertrag zwischen
Israel und Ägypten geführt haben, zu den Verhandlungen über die
Zukunft des Westufers und des Ghaza-Streifens und zu konkreten
Aussichten auf Frieden, rasche Entwicklung und Unabhängigkeit für
die Länder des Nahen Ostens;

-

die Normalisierung der Beziehungen zu China, was zu einem beschleunigten
produktiven Engagement dieses Landes mit der Welt führte, in dem nahezu
1 Milliarde Menschen leben;

-

ein Rahmen für den Gemeinsamen Fonds, der den Entwicklungsländern
größere wirtschaftliche Aussichten bietet;

-

die SALT II-Verhandlungen, die zur Stabilisierung des zentralen
nuklearen Gleichgewichts beitragen und die den Weg für künftige
Verringerungen der Nuklearwaffen ebnen;

-

und schließlich

das Multilaterale Handelsabkommen, das den Rahmen schafft für einen
freizügigeren Handel und aus dem Arbeiter, Bauern, Geschäftsleute
und Verbraucher sowohl hier als auch im Ausland Nutzen ziehen werden.

Dies sind echte und konkrete Leistungen. Und jede steht in einer
direkten Beziehung zu den anderen: jede ist Teil des umfassenden Entwurfs,
den Vereinigten Staaten in konstruktiver Weise Bedeutung für eine sich

- 5 -

�*

sich stürmisch verändernde Welt zu verleihen.

All dem zugrunde aber liegen

unsere Verpflichtungen den Menschenrechten gegenüber und das wachsende
internationale Bewußtsein, das sie hervorgebracht haben.

Militärische Macht
Die militärische Macht der Vereinigten Staaten ist eindeutig ein
überaus wichtiger Faktor in einer solchen Welt.

Denn wir müssen ent-

sprechende militärische Macht haben, um dabei zu helfen, die Veränderungen
in eine positive Richtung zu lenken.

Militärische Schwäche seitens der

Vereinigten Staaten kann Öffnungen und Versuchungen für unsere ideologischen
Gegner schaffen, um stürmische Situationen für ihre eigenen Zwecke auszunutzen.

Kurz gesagt:

eine starke Verteidigung erlaubt es uns, angesichts

von Entwicklungen geduldig zu bleiben, die ansonsten eine unannehmbare
Bedrohung darstellen könnten.
Einige Leute haben behauptet, daß unsere Erfahrung in Vietnam die
Wertlosigkeit, ja, die Bösartigkeit der amerikanischen Militärmacht gezeigt
hätten. Aber eine solche vereinfachte Sicht vergeht angesichts unserer
Geschichte. Wir haben unsere Unabhängigkeit mit der Waffe errungen und mit
ihr unsere Einheit bewahrt. Wir haben im Verlauf zweier Weltkriege das
Gleichgewicht zugunsten der Demokratie verändert. Und seit Beginn des
nuklearen Zeitalters hat unsere militärische Macht den Frieden - einen unruhigen Frieden, aber eben dennoch einen Frieden - zwischen den Supermächten
in Ost und West erhalten.
Um eins klarzustellen: Vietnam war eine Tragödie - strategisch und
politisch. Aber wir können es uns nicht leisten, uns durch irgendeinen
Vergleich mit der Vergangenheit die Sicht versperren zu lassen - egal, ob
dieser Vergleich Vietnam ist oder München. Die historische Perspektive, aus

- 6 -

�aus der heraus wir die Gegenwart und die Zukunft sehen, muß breit sein.
Ich denke, wir sind aus der Erfahrung von Vietnam mit einer neuen Reife
hervorgegangen, einem neuen Verständnis für die Bedeutung von nationaler
Stärke - in militärischer, politischer und moralischer Hinsicht - und mit
einem praktischen und neubelebten Sinn für strategische Prioritäten.
Der Grundstein unserer nationalen Sicherheit ist die strategische
Abschreckung. Einige Kritiker behaupten, wir würden nicht genug tun. Aber
ich kann Ihnen versichern, daß wir bisher und auch weiterhin strategische
Nuklearwaffen sowie eine konventionelle Streitmacht unterhalten, die
ausreichend sind, um vor jedem möglichen Angriff auf uns oder unsere
Verbündeten abzuschrecken oder zurückzuweisen.
Dies ist eine andauernde Herausforderung. Der anhaltende Ausbau
der sowjetischen strategischen Nuklearwaffen über mehr als 15 Jahre hinweg
geht weit über jede vernünftige Notwendigkeit der UdSSR hinaus, vor einem
Angriff auf sich selbst abzuschrecken. Wir waren gezwungen, als Antwort
darauf angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Zu Beginn seiner Amtszeit
entschied sich Präsident Carter, rasch mit der Dislozierung der Marschflugkörper voranzugehen - eine bedeutende technologische Initiative. Wir
haben das TRIDENT-U-Bootprogramm und andere Raketenprogramme fortgesetzt,
die die Schlagkraft des überlebensfähigsten Teils unserer strategischen
Abschreckungskraft vergrößern. Und kürzlich entschloß sich Präsident Carter,
mit der umfassenden Entwicklung und Dislozierung der mobilen M-X-Interkontinentalrakete voranzugehen. Dies wurde durch die potentielle Bedrohung
der Überlebensfähigkeit unserer MINUTEMAN-Raketen notwendig, die von den
sowjetischen Waffenverbesserungen ausgeht.
Die amerikanische Militärmacht muß in der Lage sein, unsere wesentlichen
Interessen im Ausland zu schützen, darin eingeschlossen die drei lebenswichtigen strategischen Zonen außerhalb unserer Hemisphäre:
der Nahe Osten und der Ferne Osten.

Westeuropa,

Dies bedeutet, daß wir Reichweite und

- 7 -

�und Mittel sicherstellen müssen, um unsere Macht dorthin zu werfen, wo
sie gebraucht wird, und daß wir dies in angemessener Form und in angemessenem
Ausmaß tun.

Bei dieser Aufgabe konsultieren wir die Verbündeten und Freunde

in jedem Bereich, arbeiten mit ihnen zusammen und reagieren auf ihre Wünsche.
Aber wir bleiben Führer und müssen die Last dieser Rolle tragen.
Demzufolge erweitern wir die konventionellen Kapazitäten des NATOBündnisses in Europa und konsultieren unsere Verbündeten im Zusammenhang
mit der Modernisierung der europabezogenen Nuklearwaffen (Theater Nuclear
Forces).

Wir erhöhen unsere militärischen Fähigkeiten und - im Einklang

mit den Wünschen unserer Freunde in diesem Gebiet - unsere in der Nähe
liegende militärische Präsenz, um die Sicherheit unserer Interessen im
Nahen Osten zu garantieren.

Und wir arbeiten auch eng mit Japan und Süd-

korea zusammen, um die Sicherheit im Fernen Osten zu erhalten.

Darüber

hinaus hat die Normalisierung der Beziehungen zu China die Stabilität im
Fernen Osten vergrößert, und wir werden auch weiterhin diese Beziehungen
ausbauen.
Während wir die strategische Stabilität unterhalten, erkennen wir
dennoch die wachsende Gefahr einer Eskalation interner Konflikte zu
internationaler Konfrontation. Aus diesem Grund wenden wir uns strikt
gegen jede direkte oder indirekte Ausnutzung solcher Konflikte, und
unsere eigene Respektierung der Empfindlichkeit anderer Parteien wird
beeinflußt durch ihre Respektierung unserer Anliegen. Die Vereinigten
Staaten verfolgten in letzter Zeit eine vorsichtige Politik bei einigen
Umwälzungen, deren Auswirkungen uns nicht gleichgültig waren, und wir
erwarten in gleicher Weise von anderen, sich mit Interventionen und
anderen Anstrengungen zurückzuhalten, um tiefreligiösen und nationalbewußten Völkern fremde Doktrinen aufzuoktroyieren.

Waffenkontrolle

�Waffenkontrolle
Eine starke Militärmacht ist ein lebenswichtiger Bestandteil der
nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Betreibung der Waffenkontrolle
ist ebenfalls ein lebenswichtiger Teil unserer Sicherheit. Die wirtschaftliche Last eines unkontrollierten Wettrüstens für alle betroffenen
Länder und die mögliche Gefahr der Krise und des Konflikts, die ein solches
Wettrüsten beinhaltet, zwingen uns dazu, durch Vereinbarungen mit den
anderen Wege zur Rüstungskontrolle zu suchen. Vernünftige, verifizierbare
Rüstungskontroll Vereinbarungen sind ein direkter Beitrag zur nationalen
Sicherheit. Das SALT II-Abkommen, über das gegenwärtig der Senat debattiert,
ist eine solche Vereinbarung.
SALT II ermöglicht eine gesteigerte Stabilität und größere Verhersagbarkeit in einer Welt der Ungewißheit. Der Vertrag fordert gleiche Höchstgrenzen für Waffen. Er fordert von der sowjetischen Seite eine Verringerung
um etwa 250 strategische Startanlagen. Er setzt bedeutsame Grenzen für
die qualitativen Verbesserungen, die auf dem Gebiet der strategischen Offensivflugkörper erlaubt sind. Er beginnt den Prozeß der Begrenzung der
Gesamtzahl von abschußbereiten Gefechtsköpfen, die potentiell jeder Seite
zur Verfügung stehen. Und über diese konkreten Begrenzungen hinaus schafft
er ein psychologisches und politisches Klima, das eine nukleare Auseinandersetzung weniger wahrscheinlich macht.
Diese Maßnahmen beenden nicht den Wettbewerb hinsichtlich strategischer
Waffen. Auch machen sie die UdSSR nicht zu etwas anderem, als sie ist,
nämlich einem furchtbaren militärischen Herausforderer,, Aber SALT II beschränkt diesen Wettstreit und macht die Herausforderung leichter zu bewältigen und voraussagbar. Gleichzeitig läßt er uns die Freiheit, das
Notwendige zu tun, um uns der sehr deutlichen strategischen Herausforderung
zu stellen, die noch bleibt. Und er läßt den politischen Weg zu zukünftigen
SALT-Vereinbarungen hin offen. Zusammen mit notwendigen Schritten bei unseren

�unseren Verteidigungsprogrammen macht uns SALT II sicherer

als wir ohne

den Vertrag sein würden.
Wir sehen in der Tat einer schweren militärischen und politischen
Herausforderung durch die UdSSR entgegen. Wir erkennen diese Herausforderung
und unternehmen konkrete Schritte, um ihr vorzubeugen. Die Gesamtnachfrage
nach unseren militärischen Mitteln zur Verteidigung unserer lebenswichtigen
Interessen rund um die Welt ist gestiegen und hat nicht abgenommen seit den
Tagen, als wir uns einer nuklearstrategischen Überlegenheit erfreuten. Aber
für den Großteil der letzten zehn Jahre sind unsere Realausgaben für Verteidigung zurückgegangen, wenn man die Inflation berücksichtigt. Präsident
Carter hat begonnen, diesen Trend umzukehren, indem er einen realen Zuwachs
bei den militärischen Gesamtausgaben erstrebt und die Verteidigungsinitiativen ergreift, von denen ich vorhin sprach. Aber Sie wissen so gut
wie er, daß andere wichtige fiskalische Prioritäten in Wettstreit mit den
Militärausgaben stehen. Unsere nationale Sicherheit kommt zuerst. Aber
auf lange Sicht können wir Sicherheit nicht mit einer Wirtschaft erkaufen,
deren Kennzeichen hohe Inflation, niedrige Produktivität und niedriges
Wachstum sind. Besonders gefährlich ist unsere Energielage. Allein von
dem Standpunkt der nationalen Sicherheit aus - sogar wenn man die wirtschaftlichen Folgen einmal außer Acht läßt - ist eine exzessive Abhängigkeit
von ausländischem öl gefährlich. Gegen diese Verwundbarkeit müssen wir
angehen, und ich glaube, daß die Warnungen des Präsidenten hinsichtlich
Energie nun endlich gehört werden. Wir müssen unsere Wirtschaft wieder
heilen und die Bedürfnisse der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit
befriedigen und gleichzeitig die Errichtung einer festen Grundlage für die
Erhaltung des Friedens sichern.
Das kommende Jahrzehnt wird ein Jahrzehnt der Probe und der Herausforderung sein, aber auch eins der großen Hoffnung im Innern und im Ausland.
Es wird uns die schöpferischsten Talente abverlangen. Vielleicht wird es
uns sogar dazu zwingen, in unserem nationalen Leben die Qualitäten der

- 10 -

�der Einfachheit und Disziplin neu zu beleben. Aber im Herzen werden wir
Athener bleiben, dem öffentlichen Wohl verpflichtet in einer freien
Gesellschaft und einer friedlichen Welt. Was Perikles vor 2 500 Jahren
über seine Landsleute sagte, können wir auch von uns selbst sagen:
"Obgleich sehr wohl bekannt mit Schmerzen und Genuß des Lebens, so schrecken
wir dennoch vor den Gefahren nicht zurück".

+ + + + +

- 11 -

�8. August 1979

32

MAN FÄHRT GUT MIT BIOSPRIT
Amerikanische Autofahrer haben GASOHOL angenommen -

- (AD) - Obgleich GASOHOL, ein Mischkraftstoff aus 90 Prozent Benzin
und 10 Prozent Alkohol, etwas teurer ist als Benzin, scheinen viele Amerikaner bereit zu sein, den höheren Preis dafür zu zahlen.

Der akute Benzin-

mangel, der den Autofahrern noch vor wenigen Wochen so große Schwierigkeiten
bereitete, ist jetzt vorbei.

Dennoch bleiben viele Kraftfahrer offenbar dem

GASOHOL treu, mit dem ihnen an einer Reihe von Tankstellen aus der Patsche geholfen werden konnte.
Als Reaktion auf dieses Verbraucherverhalten haben jetzt mehrere große
Firmen den Biosprit in ihr Angebot aufgenommen.

Zwei amerikanische Bundes-

staaten haben bereits Gesetze verabschiedet, mit denen die Benutzung von
GASOHOL von offizieller Seite unterstützt wird.

Die American Oil Company be-

gann im Juli 1979 mit dem versuchsweisen Verkauf von GASOHOL an Tankstellen im
Bundesstaat Iowa; auch in Kansas wird der Mischkraftstoff inzwischen abgesetzt.

Wie die "National GASOHOL Commission, Inc." in Lincoln (Nebraska) be-

richtet, geben z.Zt. über 1000 Tankstellen in 20 amerikanischen Bundesstaaten
GASOHOL ab.
Um

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�Um dem wachsenden Bedarf an Alkohol gerecht werden zu können, will die
Archer-Daniels-Midland Company, ein bekannter Alkohol Produzent im Mittelwesten,
die Gewinnung von Alkohol aus Maisabfä'llen bis Ende 1979 verdreifachen.

Sol-

che Aktionen sind geeignet, den Preis für GASOHOL mit der Zeit zu drücken.
Das Weiße Haus unterstützt ohnehin eine Umstellung auf Biosprit.

In seiner

Rede vom 15. Juli 1979 forderte Präsident Carter die Ausweitung der Produktion von GASOHOL.

Und das amerikanische Energieministerium verwies in einem

Bericht darauf, daß die Verwendung von Biosprit wie z.B. GASOHOL den Vereinigten Staaten gegenwärtig und in wachsendem Umfang während der achtziger Jahre
helfen könne, die Mineral ölreserven zu strecken.

Zwar sei, landesweit gesehen,

in den kommenden fünf Jahren nur ein bescheidener Beitrag seitens der AlkoholKraftstoffe zur Versorgung auf dem Gebiet der Mineralölprodukte zu erwarten.
Denn die industrielle Kapazität für die Umwandlung von Agrarprodukten und Abfall Stoffen in Alkohol reiche einfach noch nicht aus.

Regional gesehen, vor

allem in den Bundesstaaten mit landwirtschaftlicher Orientierung, könnte Biosprit jedoch schon bald große Bedeutung erlangen.
Tendenz allgemein spürbar werden.

Nach 1985 dürfte diese

Denn dann können die großen neuen Produk-

tionsanlagen, die in den nächsten Jahren gebaut werden sollen, ihre Lieferungen aufnehmen.

Das Energieministerium der USA verfolgt sein Ziel, Alkoholkraftstoffe
einer maximalen Nutzung zuzuführen, auf zwei Wegen: 1) durch die Kommerzialisierung von Biosprit, wobei die Bundesregierung die Privatwirtschaft bei der
Durchführung eines raschen Aufbaus massiv unterstützt&gt;und 2) durch Forschung
und Entwicklung, wobei sich die Bundesbehörden darauf konzentrieren, die Kosten
der Alkoholtreibstoffe zu senken, den Rohstoffbereich, aus dem sie zu gewinnen
sind, auszuweiten, und ihre Nutzung zu verbessern.
Bereits während der letzten Monate unternahm die amerikanische Regierung
eine Anzahl von Schritten, um dies zu fördern. Dazu zählen u.a. eine Empfehlung Präsident Carters, GASOHOL auf Dauer von der Benzinbesteuerung durch den
Bund (ca. 1 Cent pro Liter) auszunehmen, ferner Mischkraftstoff in Regierungsfahrzeugen zu verwenden, wann und wo immer dies möglich ist, und schließlich

- 2 -

�schließlich die Bereitstellung von Bundesmitteln in Höhe von insgesamt 11 Millionen Dollar als finanzielle Hilfen für den Aufbau von 100 Kleinbetrieben,
die Alkoholtreibstoffe herstellen.

Das Energieministerium rechnet damit, daß

aufgrund der Anreize die Biosprit-Produktion von gegenwärtig 230 Millionen
Litern im Jahr auf etwa 1,2 Milliarden Liter im Jahr 1982 und auf 1,9 bis 2,4
Milliarden Liter im Jahr 1985 ansteigt.

Und das würde bedeuten, daß dadurch

jeden Tag 30 000 bis 40 000 Barrel Erdöl (1 Barrel = 159 Liter) eingespart
werden könnten.

Einige GASOHOL-Kritiker behaupten, daß man mit der Verwendung des Biosprits der Energieversorgung einen Bärendienst erweise, weil zur Herstellung
mehr Energie verbraucht würde,als das Produkt liefere.

Dazu vermerkt ein Be-

richt des amerikanischen Energieministeriums, daß nur einige ältere Alkoholbrennereien, die unter Verwendung von öl oder Erdgas alkoholische Getränke
aus Getreide brennen, unwirtschaftlich arbeiteten.

Neue Betriebe dagegen, die

mit weniger knappen Energieträgern wie Kohle, Holz, landwirtschaftlichen Rückständen oder Sonnenenergie arbeiten, tragen dazu bei, den Bedarf an Importöl
zu verringern.

In Kalifornien wurden bereits Gesetze verabschiedet, denen zufolge von
1982 an in diesem Staat alle Motorfahrzeuge mit GAS0H0L fahren müssen.

Nach

dem 1, Januar 1982 muß alles Benzin, das dort an Tankstellen abgegeben wird,
mit einem Prozent Methanol oder Äthanol versetzt sein.
teil des Zusatzes auf fünf Prozent steigen.

Bis 1985 soll der An-

Außerdem sind die Kraftwerke

verpflichtet, bei Kapazitäten von 1000 Megawatt oder mehr dem Heizöl Methanol
zuzusetzen oder dieses als primären Heizkraftstoff zu verwenden.

Der Bundes-

staat Nebraska erhebt bei reinem Benzin eine Sondersteuer von 1 Cent pro
Gallone (knapp 4 Liter), um damit den Bau von Biosprit-Anlagen finanzieren
zu helfen.
Die amerikanischen Autofahrer scheinen GAS0H0L aus verschiedenen Gründen
jetzt dem Benzin vorzuziehen - einmal deshalb, weil es sich um einheimischen

- 3 -

�einheimischen Kraftstoff handelt, dann wegen seiner höheren Oktanzahl gegenüber bleifreiem Normalbenzin, und nicht zuletzt aus dem Grunde, weil sie
einer neuen Entwicklung gegenüber aufgeschlossen sind.

- 4 -

�1

3

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32

8. August 1979

LEISERES KLEINFLUGZEUG
- NASA erprobt neue Motoren -

- (AD) - Das amerikanische Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) erprobt
gegenwärtig im Rahmen einer Vielzahl neuer Projekte, die keineswegs nur der
Raumfahrt dienen, zwei Versuchsmotoren für private Kleinflugzeuge.

Im Ver-

gleich zu den heute üblichen Motoren zeichnen sie sich durch geringere Lärmentwicklung und niedrigere Abgaswerte aus. Bei dem einen Motor wurden hinsichtlich des Geräuschpegels 10 Decibel, beim zweiten 14 Decibel weniger als
bei Motoren der gegenwärtig "leisesten" Privatjets gemessen.

Das bedeutet

beim überfliegen eines Gebiets eine Verringerung des am Boden wahrgenommenen
Lärms um etwa 50 bis 60 Prozent.

In den Vereinigten Staaten entfallen auf Kleinflugzeuge etwa 38 Prozent
des Intercity-Passagierverkehrs; in einer Reihe anderer Industrieländer dürfte
der Anteil ähnlich hoch sein.

Die Anwohner der Flugschneisen, über die im

Flughafenbereich die Maschinen ein- und abfliegen, haben besonders unter dem
von den Motoren entwickelten Lärm zu leiden.

Die Ingenieure der NASA vom

Lewis-Forschungszentrum in Cleveland (Ohio), die die neuen Motoren testen,
sind der Ansicht, daß diese im An- und Abflugbereich um ein Zehntel leiser
sein werden als die der leisesten Privatmaschinen heutiger Bauart.
Die

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�Die neuen Flugmotoren sind Entwicklungen der "Garrett Airesearch
Manufacturing Company" in Phoenix (Arizona) und der "AVCO Lycoming Division"
in Stratford (Connecticut).

Sie wurden von der NASA in ein Programm einbe-

zogen, bei dem es darum geht, die Technologie der großen Turbofan-Motoren auf
kleinere Motoren zur Verwendung in der allgemeinen Luftfahrt zu übertragen.
Lärmentwicklung brauche nicht, so ein NASA-Sprecher, eine Barriere für die umfassendere Verwendung von Turbofan-Triebwerken in der allgemeinen Luftfahrt
zu sein.

Eine Möglichkeit zur Verringerung des Lärmpegels bestehe darin,

die Ausströmgeschwindigkeit der Abgase zu reduzieren.

Außerdem werde der von

Kompressor und Turbine entwickelte Lärm durch Berücksichtigung akustischer
Gesichtspunkte bei der Konstruktion der inneren Motorteile und die Verwendung
schallabsorbierender Materialien verringert.
Die Umweltbelastung ist bei den neuen Motoren ebenfalls geringer:

Das

eine der beiden Triebwerke dürfte im Vergleich zu herkömmlichen Motoren 55 Prozent weniger Kohlenmonoxid und sogar 76 Prozent weniger unverbrannte Kohlenwasserstoffe abgeben.

Und es ist zu erwarten, daß die Abgasemissionen beim

zweiten Triebwerk sogar noch niedriger sind.

+ + + + +

- 2 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

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8. August 1979

32

EINE BANK FÜR KNOCHENMARK IN TEXAS
- Patienten spenden für den Eigenbedarf

- (AD) - Mehr als 200 Krebspatienten haben in Houston (Texas) Knochenmark in einer Bank besonderer Art deponiert.

Sie wird vom Krebszentrum der

Universität Texas unterhalten - und vom Patienten in Anspruch genommen, sobald
sich sein Zustand verschlimmert.

Das Knochenmark stammt von Patienten, die

mit Erfolg gegen Leukämie behandelt wurden.
gefroren und aufbewahrt.

Die Zellen werden sorgfältig ein-

Falls der Patient einen Rückfall erleidet, ist die

Injektion eigener Knochenmarkszellen ein wichtiger Teil der Therapie.
Leukämiepatienten werden mit massiven Dosen chemotherapeutischer Präparate behandelt.

Leider können diese jedoch auch gesundes Gewebe, nicht nur

die entarteten Blutzellen, zerstören.
samte Immunsystem.

Dies aber beeinträchtigt u.a. das ge-

Die Abwehrkräfte gegen Infektionen werden in gefährlicher

Weise geschwächt.
Das Knochenmark spielt eine wichtige Rolle für die Produktion von Substanzen, die dem Körper helfen, Krankheitserreger abzuwehren. Hauptsächlich aus
diesem Grund, nämlich zur Mobilisierung körpereigener Abwehrkräfte, erhalten
Leukämie-Patienten Knochenmarkübertragungen. Häufig verursachen jedoch die

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�9

die Transplantate von Spendern Komplikationen.

"

Bekommt jedoch der Patient

eigenes Knochenmark übertragen, hat der Organismus eine Chance, von sich aus
wieder gesunde Blutzellen zu produzieren.
Von den 200 Leukämie-Patienten mit einem "Guthaben" auf der KnochenmarkBank von Houston haben bisher 27 dieses Konto in Anspruch genommen.

Viele von

ihnen haben bisher den zweiten und sogar dritten Rückfall mit Erfolg überwunden.

Dr. Karel Dicke, der für die Knochenmark-Bank verantwortlich zeichnet,

ist überzeugt, daß die Zusatztherapie zahlreichen Patienten nach einem Rückfall helfen kann, der Krankheit erfolgreich Widerstand zu leisten.

+ + + + +

•

•

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter würdigt Bedeutung der Schlussakte von Helsinki&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Macht in einer sich wandelnden Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Dr. Zbigniew Brzezinski -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man fährt gut mit Biosprit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Autofahrer haben GASOHOL angenommen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leiseres Kleinflugzeug&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- NASA erprobt neue Motoren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Bank für Knochenmark in Texas&lt;br /&gt;- Patienten spenden für den Eigenbedarf -</text>
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                    <text>uäla

Information
und
Dokumentation

3~ L3IH

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15. August 1979

33

I N H A L T

INFORMATION
US-Vorratslager in Europa dienen der NATO-Verteidigung
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr
Reubin Askew:

Der neue US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen

DOKUMENTATION
Ausblicke auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Von Botschafter Malcolm Toon -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Seismische Sonde für Heißdampf in der Erde
Zuckerrohr als Energierohstoff

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�1

1

HUI laflKlB

Information
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15. August 1979

33

US-VORRATSLAGER IN EUROPA DIENEN DER NATO-VERTEIDIGUNG
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr

WASHINGTON - (AD) - In Vorratslagern und Depots der amerikanischen Streitkräfte in Europa stehen Panzer, schwere Waffen und anderes Gerät bereit, um im
Krisenfalle auf dem Luftwege aus den USA herangeführte Truppen auszurüsten und
sofort einsatzbereit zu machen.
Dieses Material - das für die Ausrüstung von fast drei Divisionen und den
dazugehörenden Versorgungseinheiten ausreicht - gehört zu der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber der NATO.
Im Rahmen der Zusagen für das vom Bündnis beschlossene Langfristige Verteidigungsprogramm (LTDP) werden die Vereinigten Staaten bis 1982 in Europa
Gerät für weitere drei Divisionen und einige Versorgungseinheiten einlagern.
Das Langfristige Verteidigungsprogramm ist eine bedeutsame gemeinsame Anstrengung der Bündnisländer, die Einsatzbereitschaft und Kampfkraft der NATO zu erhöhen. Das amerikanische Programm im Rahmen des LTDP trägt die Bezeichnung
"POMCUS" - Pre-Positioned Overseas Material Configurated in Unit Sets - was

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�was auf deutsch etwa so viel bedeutet wie Ausrüstung nach Einheiten, zusammengefaßt an vorher festgelegten Standorten in Übersee. Militärischer Nachschub
wird in feuchtigkeitssicheren Lagerräumen jeweils für ein Bataillon zur raschen
Ausgabe eingelagert.
Nach Feststellung des amerikanischen Verteidigungsministers Harold Brown
wird dieses zusätzlich vorher eingelagerte Material zusammen mit einer erhöhten
Luftbrückenkapazität der Vereinigten Staaten es ermöglichen, die Stärke der
amerikanischen Truppen in Europa innerhalb von zwei Wochen um 150 000 Mann zu
erhöhen.
Die Konzeption des Langfristigen Verteidigungsprogramms stammt von Präsident Carter, der diesen Vorschlag auf der Gipfelkonferenz der NATO-Staaten
im Mai 1977 in London unterbreitete.

Die Durchführung dieses Programms wurde

dann auf dem NATO-Gipfel im Mai 1978 in Washington beschlossen.

Die führenden

Männer im Bündnis betrachten dieses Programm als ein wesentliches Mittel, um
den Sicherheitsanforderungen des Bündnisses gerecht zu werden, die sich durch
die Aufrüstung des Warschauer Paktes stellen.
An den "POMCUS-Standorten" sind rund 90 Prozent des Ausrüstungsbedarfs
einer amerikanischen Division eingelagert.

Ein amerikanischer Soldat, der an

Bord eines Passagierflugzeuges mit seiner Handfeuerwaffe und seiner Marschausrüstung nach Europa kommt, erhält alles andere aus. dem vorbestimmten Depot
dort.

Material, das eine starke Wartung erfordert, wie Luftverteidigungssysteme

und Hubschrauber, würde, auch über eine Luftbrücke nach Europa befördert.
Die Einlagerung von Gerät für Verstärkungen, die in Amerika stationiert
sind, ist billiger als die Aufrechterhaltung von mehr amerikanischen Truppen
in Europa. Die Wirksamkeit hängt jedoch davon ab, daß in Krisenzeiten eine
ausreichende Vorwarnung gegeben ist.
Eine kürzliche Studie des amerikanischen Kongresses hat ergeben, daß ein
wesentlicher Teil des "POMCUS-Geräts" innerhalb von fünf Tagen ausgegeben wer-

- 2 -

�werden könnte - vorausgesetzt, daß die Entscheidung zur Dislozierung amerikanischer Streitkräfte sofort nach Eintreffen der Vorwarnung erfolgt.

Bei

einer Vorwarnzeit von zehn Tagen kann alles Gerät rechtzeitig ausgegeben
werden.
Ohne dieses vorher eingelagerte Material würden die Vereinigten Staaten
nach Schätzungen von Experten etwa zehn Tage benötigen, um eine Division mit
Mannschaften und Gerät und Nachschub auf dem Luftwege nach Europa zu bringen.
Das Einlagerungsprogramm für Gerät begann nach der Berlinkrise im Jahre
1961, als offensichtlich wurde, daß die Vereinigten Staaten nicht Truppen und
Gerät rasch genug nach Europa entsenden können, um sowjetischen Schritten zu
begegnen. Das erste Einlagerungsprogramm erstreckte sich auf die Ausrüstung
für eine Panzerdivision, eine motorisierte Division und zehn dazugehörende
Versorgungseinheiten.
Das Programm wurde im Jahre 1968 ausgeweitet, als die Vereinigten Staaten
ihre Ausgaben in Übersee senkten, indem sie etwa zwei Drittel der Ersten Infanteriedivision nach den USA zurückholten.

Für diese der NATO zugesagten

Einheiten wurde das Material in Europa eingelagert.
Angesichts der erhöhten Aufrüstung des Warschauer Paktes auf konventionell
Gebiet verpflichteten sich die Vereinigten Staaten 1978, bis zum Jahr 1982
genügend Material für drei weitere Divisionen einzulagern, um die Verstärkungskapazität des Bündnisses zu erhöhen.
Neben dem Gerät für drei Divisionen werden an den "POMCUS-Standorten"
Materialien für ein Kavallerieregiment (Panzer), 74 nicht divisionsgebundene
Einheiten, 36 Kampfversorgungseinheiten und 28 Sani tätseinheiten eingelagert.
Bis 1982 werden sechs der elf in den USA stationierten Divisionen, die für
eine Verstärkung der NATO in Frage kommen, mit "POMCUS-Lagern" in Europa versehen sein.

Dem

�Dem Ausmaß, in dem "POMCUS-Standorte" die Verstärkungskapazität erhöhen
können, sind jedoch Grenzen gesetzt, da sonst die Flexibilität des Einsatzes
in Frage gestellt würde.

Diese "POMCUS-Standorte" grenzen natürlich die Ge-

biete ein, in die die Verstärkungen verbracht werden können.
Verteidigungsminister Brown wies auf diesen Punkt hin und erklärte: "Wir
wollen die Beweglichkeit aufrechterhalten, Streitkräfte zwischen der Mittelregion Europas und den Flanken oder anderswo hin zu verschieben, wie es der
Verlauf eines Krieges erforderlich machen könnte."

Eine weitere Beschränkung

könnte dadurch gegeben sein, daß die Vereinigten Staaten Truppen in Gebieten
dislozieren möchten, in denen "POMCUS-Standorte" politisch nicht durchsetzbar
sind.
Die Vereinigten Staaten pflegen gegenwärtig Konsultationen mit ihren Verbündeten über die Standorte der "POMCUS-Lager" für drei weitere Divisionen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat bereits drei Standorte für die ersten Einheiten dieser Art zur Verfügung gestellt.
Die Vorbereitung der Lagerflächen und der Bau der Lagerhallen und der dazugehörenden Gebäude wird aus dem Infrastrukturfonds der NATO finanziert.
Dieser Fonds wird aus jährlichen Beiträgen der Mitgliedsländer des Bündnisses
gespeist, um Verteidigungseinrichtungen zu bauen, die für die NATO entscheidend wichtig sind. Nach einer Studie des amerikanischen Kongresses wird die
NATO etwa 400 Millionen Dollar für den Bau der "POMCUS-Lager" aufwenden.
Im Zusammenhang mit dem "POMCUS-Programm" und der Verstärkung der NATO
stehen die "Host Nation"-Abkommen (Gastlandabkommen) der USA mit europäischen
Ländern, in denen amerikanische Einrichtungen liegen oder in denen in Krisensituationen Transporteinrichtungen benutzt würden.

Diese Länder unterstützen

die Bewegungen amerikanischer Truppen und amerikanischen Materials durch die
Gestellung von Häfen und Flugplätzen. -

In

�In einer Stellungnahme zu den jährlich stattfindenden REFORGER-Übungen
(deren wichtiger Bestandteil die Verstärkung der Verteidigungsstreitkräfte
der NATO durch amerikanische Truppen ist) betonte Verteidigungsminister Brown,
daß die meisten der auf dem Luftwege nach Europa gebrachten Bataillone weniger Zeit brauchten, ihr Gerät aus den "POMCUS-Lagern" zu übernehmen, als
ursprünglich vorgesehen.

Er hob hervor, daß "die Leistung unserer Soldaten

in Zusammenarbeit mit amerikanischen und alliierten

Zivilisten ganz ausge-

zeichnet war, ebenso wie das beispiellose Maß an Unterstützung durch die
Gastländer."

+ + + + +

�3
I
33

Information
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15. August 1979

REUBIN ASKEW: DER NEUE US-SONDERBEAUFTRAGTE FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 8. August 1979 den ehemaligen Gouverneur von Florida Reubin O'Donovan Askew zu seinem Sonderbeauftragten
für Handelsverhandlungen ernannt. Er tritt die Nachfolge von Robert S. Strauss
an, der zum persönlichen Vertreter des Präsidenten bei den Nahostverhandlungen
bestellt worden ist. Die Nominierung muß noch vom US-Senat bestätigt werden.
Carter und Askew kennen sich bereits aus den Tagen, als sie in den siebziger Jahren beide noch Gouverneure der Nachbarstaaten Georgia und Florida
waren. Regierungssprecher Powell hob anläßlich der Ernennung hervor, daß Präsident Carter Askews "Fähigkeit als Verwaltungsmann und als Fü'hrungspersönl ichkeit" schon seit langem schätzt, und wies auf die Aufgaben hin, die auf den
frischernannten Sonderbeauftragten warten: zum einen gehe es darum, die kürzlich im Rahmen der Tokio-Runde ausgehandelte Handelsvereinbarungen zu erfüllen;
zum andern solle die vom Präsidenten vorgeschlagene Reorganisation der für
die Handelspolitik zuständigen Bundesbehörden durch den Kongreß gebracht werden,
Auch Alan W. Wolff, der Stellvertreter von Askews Vorgänger bei den Verhandlungen der Tokio-Runde, unterstrich die vorzügliche Besetzung des neuen

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�neuen Postens:

"Gouverneur Askew ist von seiner Weltsicht her in völligem

Einklang mit dem offenen Handelssystem, das wir gerade ausgehandelt haben.
Und als Floridas erster Mann war er überaus aktiv bei der Förderung der Handel sinteressen seines Staates". Als Gouverneur unternahm er verschiedentlich
Reisen mit Geschäftsleuten aus Florida nach Europa, Japan und Lateinamerika,
um Probleme hinsichtlich des gegenseitigen Handels und der Investitionen zu
besprephen.
Reubin O'Donovan Askew wurde am 11. September 1928 in Muskogee, Oklahoma
geboren.

Ihren Vater sahen die sechs Kinder sehr selten: er war als Zimmer-

mann unterwegs.

Die Mutter zog mit ihnen 1937 in ihre Heimatstadt Pensacola

in Florida, wo sie als Kellnerin und Näherin arbeitete und der zukünftige
Gouverneur durch Schuhputzen und Zeitungsaustragen die Familie mit unterstützte.
Nach Schule, Militärdienst und Studium arbeitete Askew zunächst vier Jahre lang
als Anwalt und wurde 1958 ins Abgeordnetenhaus von Florida gewählt.

1962

folgte die Wahl in den Senat von Florida, 1970 die Wahl zum Gouverneur.

1974

war er der erste Gouverneur des Staates, der zweimal hintereinander gewählt
wurde.

1979 hat er bereits Präsident Carter bei der Einführung des neuen

brasilianischen Staatschefs und auf einer Erdölkonferenz in Caracas vertreten.
Als wesentliches Merkmal des Gouverneurs h,eben Kenner seine "absolute Integrität" hervor.
Er ist mit Donna Lou Harper verheiratet; das Ehepaar hat zwei Kinder.

+ + + + +

�Dokumentation

I

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15. August 1979

33

AUSBLICKE AUF DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Von Botschafter Malcolm Toon -

Der amerikan ische Botschafter in der UdSSR,
Malcolm Toon , der in Bälde seinen Posten
verläßt, hat in einer Rede vor der Amerikanischen Gese 11schaft für Außenpolitik
(Foreign Pol icy Association) am 9. August
1979 in NewYork einen grundlegenden überblick und Ausb1 ick auf die amerikanischesowjetischen Beziehungen und die Bedeutung
von SALT II in diesem Zusammenhang gegeben,
Wir geben na chstehend die Ausführungen von
Botschafter Toon im vollen Wortlaut wieder.

Ich werde manchmal als Scharfmacher bezeichnet, aber ich halte mich selbst
nicht für einen solchen - noch bin ich grundsätzlich gegen irgend etwas "anti"
eingestellt.

Aber seit ich den Wandel von einem Schneilbootskommandanten im

Zweiten Weltkrieg zum Berufsdiplomaten durchgemacht habe, habe ich herausgefunden, daß ich meinem Land immer am besten gedient habe, wenn ich zu den Völkern
und Regierungen, bei denen ich akkreditiert war, frei und offen über die amerikanischen Auffassungen und Werte gesprochen habe und meiner eigenen Regierung und
meinem Volk frei und offen meine Ansichten darüber vorgetragen habe, wie den
amerikanischen Interessen am besten gedient wäre.

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�Vor diesem Hintergrund möchte ich heute zu Ihnen über die amerikanischsowjetischen Beziehungen und die Rolle von SALT im Rahmen dieser Beziehungen
sprechen.

Ich glaube es ist nützlich, wenn ich zunächst über das sowjetische

Regime und darüber spreche, wie wir nach meiner Meinung mit ihm umgehen sollten.
Auf die Gefahr hin, Binsenweisheiten zu verkünden, möchte ich mit einigen
Grundwahrheiten beginnen.

Das sowjetische System ist Ausdruck einer Geschichts-

betrachtung, einer Vorstellung vom Verhältnis des Menschen zum Staat sowie
eines Komplexes von Werten und Grundsätzen, die von den unsrigen völlig verschieden sind.

Die Historiker können sich darüber streiten, ob diese Auffas-

sung traditionell russisch oder ob sie im wesentlichen sowjetisch ist und 1917
von oben aufgezwungen wurde. Ich neige zu der Auffassung, daß Lenin und Stalin
eine im wesentlichen westliche Philosophie, nämlich den Marxismus, genommen
und sie der russischen Realität angepaßt haben, so daß seit der Zeit Stalins
bis heute kein fundamentaler Konflikt zwischen sowjetischer Ideologie und
russischem Nationalismus entstanden ist.
Auf jeden Fall werden die beträchtlichen Ressourcen der Sowjetunion
heute - und auch für absehbare Zukunft - wirksam für die Unterstützung einer
charakteristischen und nach meiner Meinung verzerrten historischen Weltanschauung mobilisiert. Das sowjetische Regime kann Ideen der freien Meinungsäußerung und der Entscheidungsfreiheit des einzelnen, so wie wir sie verstehen,
nicht akzeptieren und wird sie nicht tolerieren. Es wird versuchen, seine
Ideologie durchzusetzen, indem es abweichende Meinungen im eigenen Lande zum
Schweigen bringt und indem es häufig im Ausland repressive Regime unterstützt,
die sich selbst als marxistisch-leninistisch bezeichnen.
Neben der Ideologie haben auch geographische und historische Erfahrungen
das sowjetische System und die Politik seiner Führer wesentlich mitgestaltet.
Jahrhunderte der Invasionen aus Ost und West haben ihre Spuren in den Anschauungen des russischen Volkes und seiner Führer hinterlassen. Die sowjetische
Führung hat massive Anstrengungen unternommen, um die Sicherheit an Rußlands
- 2 -

�Rußlands Grenzen zu gewährleisten - zum Teil durch den Versuch, diese Grenzen
nach außen hinauszuschieben.

Diese historische Einstellung, zu der die Kommu-

nisten noch ihre geistige Voreingenommenheit gegenüber militärischer Stärke
als Schlüsselelement der politischen Macht hinzugefügt haben, mag erklären,
wenn auch nicht rechtfertigen, warum die Sowjetunion heute eine Militärmaschinerie unterhält, die in keinem Verhältnis zu einer objektiven Abschätzung ihrer
Erfordernisse steht, und warum die Kosten dieses Strebens nach absoluter
Sicherheit und nach größerem politischem Einfluß mit Hilfe militärischer Macht
so enorm hoch sind.

Das alles bedeutet Entbehrungen für die sowjetische Be-

völkerung und Belastungen und Reibungen in den Beziehungen der Sowjetunion zu
ihren Nachbarn, mit gelegentlich gefährlichen Folgen für die Stabiltät
Welt.

der

Totale Sicherheit, wie sie die Sowjets anstreben, kann nur Unsicherheit

für andere bedeuten.

Das gleiche leidenschaftliche Sicherheitsbedürfnis kennzeichnet auch die
Szene in der Sowjetunion selbst, obwohl hier seit meinem ersten dienstlichen
Aufenthalt in Moskau Anfang der fünfziger Jahre ins Auge fallende Veränderungen
eingetreten sind.

Der stalisnistische Terror hat aufgehört.

Trotzdem begeg-

net organisierter Dissens der Feindseligkeit der Regierung, vor allem wenn er
die amtliche Parteilinie direkt in Frage stellt.

Ich bin jedoch geneigt zu

glauben, daß die Unterdrückung im eigenen Lande sehr viel größer wäre, wenn
die Sowjetunion ihre Politik der Entspannung aufgeben müßte, denn dann läge
ihr noch sehr viel weniger an der öffentlichen Meinung der Welt.

In den letzten 30 Jahren und auch heute noch ist eine der zentralen Fragen der amerikanischen Außenpolitik, wie man dieses komplexe und repressive
System behandeln soll.

Ich meine, wir müssen damit anfangen, die Sowjetunion

als das zu sehen, was sie wirklich ist.

Weder, wie einige meinen, als 260 Mil-

lionen Menschen, die wie wir Amerikaner sein wollen s noch, wie es wiederum andere tun, als 260 Millionen Dschingis Khans, die bereit, willens und in der
Lage sind, die Welt zu erobern.

Es handelt sich um ein bemerkenswertes Volk,

das langsam seinen eigenen Kurs verfolgt und gewaltige, ihm eigene Stärken einsetzt;

ein Volk aber auch, das von bestürzenden Schwächen bedrängt wird - vor

- 3 -

�- vor allem im Wirtschaftsbereich - und das Ziele und Methoden verfolgt,
die sich grundsätzlich von den unsrigen unterscheiden.
Wir müssen auch die Sowjetunion und unsere Beziehungen zu ihr unter einer
langfristigen Perspektive betrachten.

Wenn wir uns auf die kurzfristige Ent-

wicklung konzentrieren, können wir nicht hoffen, die Richtung zu ändern, in
die sich die Sowjetunion bewegt, und auch nicht ihre Tendenz, Einzelpersonen
und machtlose Länder zu überrennen, die ihr in den Weg geraten.

Wenn wir uns

ständig fragen, wieviel Fortschritte wir in den letzten 24 Stunden erzielt
haben

oder in der letzten Woche oder sogar im letzten Jahr, dann müssen wir

freimütig eingestehen: nicht viel.

Aber wenn wir alles unter einem länger-

fristigen Aspekt betrachten, wenn wir auf die Periode des Kalten Krieges zurückblicken und auf die Entfernung, die wir seither zurückgelegt haben, dann
glaube ich, daß trotz einer Folge von Pendel schlagen in unseren Beziehungen
eine allmähliche Bewegung nach vorn sichtbar wird.

Im Lauf der letzten 10

Jahre haben die sowjetischen Führer in ihrem ureigensten Interesse die Art
und Weise geändert, in der sie mit ihrem eigenen Volk umgehen.

Und, ich er-

wähnte es bereits, sie sind der Weltmeinung gegenüber nicht unempfindlich.
Trotz mancher Schwankung gibt es einen langfristigen Aufwärtstrend in Richtung
auf eine nützliche Zusammenarbeit auf den Gebieten gegenseitigen Interesses.
Eins der bedeutsamsten ist die Rüstungskontrolle.
Für jemanden, der wie ich - 30 Jahre lang - seit dein Zeiten des Kalten
Krieges - die Sowjetunion beobachtet hat, gibt es Gründe für einen vorsichtigen Optimismus, daß mit Geduld, Beharrlichkeit und klarem Kopf unsererseits
die Sowjetunion schließlich doch zu der Einsicht gebracht werden kann, daß
durch ständigen Ausbau ihrer Militärmacht und militärische Abenteuer in fremden Ländern ihren Interessen weniger gedient ist als durch ausgehandelte
Rüstungsbegrenzungen und eigene Zurückhaltung in anderen Teilen der Welt.
Gewiß dürfen wir nicht zuviel zu bald erwarten. Wir müssen vermeiden, daß
die Stimmung
in unserer Öffentlichkeit von einem Extrem ins andere verfällt,
von einem übertriebenen Gefühl der Verträglichkeit mit der Sowjetunion z~il offenen
- 4 -

�offenen Bekundungen der Feindseligkeit.

Nach meiner Auffassung hat sich zu

Anfang der siebziger Jahre ein sehr ärgerliches Mißverständnis über die wahre
Natur der Entspannung entwickelt, das dann zu einer unkritischen und ungerechtfertigten Euphorie führte.. Entspannung heißt nicht, daß ein Jahrtausend der
Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens angebrochen ist - was in jedem
Falle ohne einen grundlegenden Wandel der sowjetischen Philosophie und Weltanschauung unmöglich wäre.

Im besten Falle bedeutet Entspannung ein zunehmendes

Bewußtsein in diesem nuklearen Zeitalter für die Notwendigkeit, in einigen Dingen zusammenzuarbeiten, den Wettstreit in bezug auf andere Fragen in geordneten Bahnen zu halten und zu einer Übereinkunft hinsichtlich der Mittel zur Entschärfung jener Spannungen zu gelangen, die zu einer gefährlichen Konfrontation
führen könnten.

Das aber ist alles, mehr nicht.

Irgendwelche Veränderungen im sowjetischen System zustandezubringen,
muß als eine sehr langfristige Aufgabe angesehen werden. Aber die Chance
einer Veränderung, so gering sie auch sein mag, ist größer, wenn ein gewisses
Maß an Verpflichtung zwischen unseren beiden Ländern besteht. Und meiner Ansicht nach ist es genau so falsch, den Wert des Versuchs einer Zusammenarbeit
mit Moskau überhaupt in Frage zu stellen, wie viele das heute tun.
Wir müssen unsere eigenen Ziele in unserem Verhältnis zur Sowjetunion klar
vor Augen behalten. Wir wollen die Wahrscheinlichkeit einer direkten Konfrontation, die zu selbstmörderischen militärischen Feindseligkeiten eskalieren
könnte, so gering wie möglich halten. Wir wollen die Chancen für ein destabilisierendes Auftreten der Supermächte in den Entwicklungsländern verringern,
soweit es geht. Wir wollen jedoch das gegenseitige Verständnis, das - lassen
Sie mich dies betonen - nicht vom gegenseitigen Vertrauen abhängt, so weit wie
möglich steigern, da es zu den ersten beiden Zielen beitragen und auch zu einer
gedeihlichen Zusammenarbeit auf jenen Gebieten führen kann, auf denen sich
unsere Interessen decken.
Nachdem wir festgelegt haben, was wir aus unseren Beziehungen zur Sowjetunion erwarten, müssen wir methodisch, beharrlich und realistisch darangehen, es

- 5 -

�es zu erlangen.

Es ist überflüssig, zu erwähnen, daß ich keinesfalls der

Auffassung bin, alles, was wir zu tun hätten, bestünde darin, uns mit der
Sowjetunion zusammenzusetzen und mit ihr vernünftig zu argumentieren, um
unsere Ziele zu erreichen. Wir sollten bei jedem anstehenden Problem von
der Voraussetzung ausgehen, daß wir und die Sowjets an entgegengesetzten
Polen stehen und daß sie versuchen werden, uns auszunützen, wo immer es möglich ist. Aber wir sollten gleichzeitig genug Selbstveritauecn besitzen,
um einen Dialog zu begrüßen und unseren Einfallsreichtum für Lösungen zu nützen, die zwar für die Sowjetunion attraktiv sind, indem sie ihren eigenen
Interessen entgegenkommen, die aber gleichzeitig in Einklang mit unseren
eigenen wesentlichsten- Zielen stehen und die - vor allem - unsere Sicherheit
und die unserer Verbündeten nicht schwächen.
Unsere Politik wird auch weiterhin im Widerstreit stehen. Nach meiner
Ansicht hält die derzeitige sowjetische Führung an ihrem Glauben an die traditionellen marxistisch-leninistischen Ziele der "Weltrevolution" fest. Aber
ich glaube auch, daß eben diese Führung davon überzeugt ist, daß ihre globalen
Ziele durch einen nuklearen Krieg nicht gefördert werden. Während sie für eine
"friedliche Koexistenz" zwi:schenOst und West eintritt, ist die Sowjetunion
weiterhin ständig als Protektor und Unterstützer für die radikalen, im wesentlichen antiwestlichen Strömungen in der Dritten Welt - die die Sowjets als
"nationale Befreiungsbewegungen" bezeichnet haben - tätig geworden. Eine solche Weltanschauung bietet uns nur geringen Trost, sollte uns jedoch auch
nicht zu dem Schluß verleiten, gegenseitig nutzbringende Zusammenarbeit sei
unmöglich. Sie ist möglich, solange sie sorgfältig geplant und ohne jede
Illusion oder utopische Vorstellung darüber durchgeführt wird, was wirklich
machbar ist.
Meiner Meinung nach haben sich die historischen Gegebenheiten auf eine
Weise entwickelt, daß nunmehr konkrete Abrüstungsmaßnahmen eine große Anziehungskraft auf die sowjetische Führung ausüben. Noch vor 10 Jahren hätten
nur wenige kenntnisreiche Amerikaner geglaubt, daß wir uns mit den Sowjets
zusammensetzen und zu einer Vereinbarung über die Begrenzung der strategischen
- 6 -

�strategischen Kernwaffen gelangen könnten.

Aber genau das ist es, was wir

mit SALT II getan haben - nach nützlichen und wirkungsvollen Schritten zur
Behandlung des Problems der Begrenzung strategischer Waffen, wie dies bei
SALT I und in Wladiwostok geschehen ist.
Ich will nicht auf die Inhalte des SALT-Abkommens eingehen; seine detaillierten und komplexen Bestimmungen sind in den letzten Wochen angemessen - einige
würden sagen: ad nauseum - vor den Senatsausschüssen diskutiert worden. Lassen
Sie mich lediglich erwähnen, was ich von meinem besonderen Standpunkt aus als
einige seiner größten Vorzüge erachte. Das Abkommen wird ein grundlegendes
Element der Stabilität in unsere Beziehungen mit der Sowjetunion einbringen.
Es scheint mir wichtig, daß der Vertrag gleiche Höchstgrenzen für das strategische Arsenal beider Seiten festsetzt und dadurch ein bis dahin bestehendes
zahlenmäßiges Ungleichgewicht zugunsten der Sowjetunion aufhebt. Er läßt uns
die Freiheit der Wahl, die Waffen zu bauen, die wir zur Erhaltung des strategischen Gleichgewichts benötigen. Er vergrößert unsere Möglichkeit, sowjetische
Tätigkeiten zu überwachen, und er ist angemessen verifizierbar - ein grundlegender Aspekt eines jeden Abkommens mit den Sowjets, da wir uns nicht auf ihren
guten Willen verlassen können.
Lassen Sie mich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß ich vor einiger
Zeit öffentlich festgestellt habe, ich würde tatsächlich gegen einen Vertrag
sein, der nicht angemessen verifizierbar sei. Angesichts des Verlusts unserer
Einrichtungen im Iran behielt ich mir mein Urteil über den Vertrag vor; jetzt,
nachdem ich von den Experten hier in Washington informiert wurde - es waren
dieselben Informationen, die auch der Präsident selbst erhielt -, stimme ich
mit ihm, mit Verteidigungsminister Brown und mit dem Gemeinsamen Stab der
amerikanischen Streitkräfte überein.

Keinerlei militärisch bedeutsame Ver-

tragsverletzungen von SALT II könnten unentdeckt bleiben.

Ich hätte vor dem

Senat nicht die Zustimmung zum Vertrag empfohlen - wie ich dies vor einigen
Wochen getan habe - ,wenn ich nicht davon überzeugt wäre.
In diesem Zusammenhang möchte ich ein paar Worte zur Aushandlung des Vertrags sagen.

Eine häufig von Kritikern des Vertrags geäußerte Meinung ist die,
- 7 -

�die, daß wir besser weggekommen wären, wenn wir nur hartnäckiger gewesen
wären, weniger erpicht auf ein Abkommen - mit einem Wort: zäher.

Die logische

Folge davon ist, daß wir immer noch einen besseren Abschluß erzielen und
unsere vergangenen Fehler korrigieren könnten, wenn wir wieder zu den Sowjets
gehen und den Vertrag neu aushandeln.
Annahmen völlig falsch sind.

Ich bin davon überzeugt, daß beide

Meiner Ansicht nach basieren sie auf der falschen

Einschätzung dessen, was wirklich geschah und was in unseren Beziehungen zu
den Sowjets möglich und durchführbar ist. Wir würden uns auf gefährliche Weise
täuschen, wenn wir etwas anderes glaubten.
Hinsichtlich der Aushandlung des Vertrags bin ich überzeugt, daß das Abkommen das beste ist, was zu bekommen war.

Wir hätten von den Sowjets bei je-

dem spezifischen Punkt nicht mehr erlangen können, ohne einen unannehmbaren
Preis bei einem anderen Teil des Abkommens zu bezahlen.

Ich sage dies auf-

grund meiner eigenen Teilnahme an den SALT-Verhandlungen und meiner langjährigen Erfahrung mit den Sowjets.
Auch sollten wir uns einen klaren Kopf hinsichtlich der Aussichten auf
eine Neuverhandlung bewahren. Wenn wir wieder zu den Sowjets gehen, um bei
bestimmten Themen eine Neuverhandlung zu unseren Gunsten aufgrund einiger vom
Senat verabschiedeter Abänderungsanträge zu verlangen, so würde dies höchsten
zur Neueröffnung solcher Themen führen, die zu unseren Gunsten abgeschlossen
wurden - und es gibt viele davon. Oder aber sie werden es rundweg ablehnen.
In jedem Fall würde dies den Vertrag zunichte machen. Wir sollten uns keinerlei Illusionen hingeben, was dies betrifft. Die Sowjets haben den Vertrag
unterschrieben im Glauben daran, daß dies in ihrem nationalen Interesse ist und auch wir glauben, daß er in unserem ist. Sie wollen SALT, und sie haben
gewichtige Gründe dafür. Aber ich kann mir keinerlei Umstände vorstellen, unter
denen wir sie dazu überreden könnten, mit einem Vertrag zu leben, den sie für
sich als nachteilig erachten, oder ein Abkommen anzunehmen, das auf unser
Drängen hin zu unseren Gunsten abgeändert wurde. Dies kann ganz einfach nicht
gutgehen. Aufgrund von 30 Jahren Erfahrung im Umgang mit den Sowjets kann ich
Ihnen sagen, daß es nicht ein Akt des Glaubens, sondern ein Akt der Torheit

�Torheit wäre, anders zu denken.
In diesem Zusammenhang ist es meiner Ansicht nach von großer Bedeutung,
zu begreifen, warum die Sowjets den Vertrag wollen.

Sie wollen ihn, würde

ich sagen, größtenteils aus den gleichen Gründen wie wir. Während sie uns
grundsätzlich immer noch antagonistisch gegenüberst hen, haben die Sowjets dennoch allmählich erkannt, daß ein Weltkrieg, der den Einsatz von Kernwaffen
einschließt, ihre globalen Ziele nicht fördert.

Daher sind die Sowjets an der

Entwicklung einer beständigeren Beziehung zu uns und an der Verringerung der
Möglichkeit einer gefährlichen Konfrontation mit uns interessiert.

Außerdem

will die sowjetische Führung die Mittel etwas begrenzen, die zur Zeit noch
für die strategischen Waffen verwendet werden, um auf diese Weise zusätzliche
Hilfsmittel für

andere Zwecke bereitzustellen.

Obwohl die Sowjets genau wie wir die

Notwendigkeit einer strategischen Parität und einer Zweitschlagkapazität begreifen, sind sie nicht daran interessiert, in Kernwaffensystemen zu investieren, die sie nie zu benutzen hoffen - solange sie überzeugt sind, daß sie auf
solche Systeme verzichten können, ohne ihre nationale Sicherheit zu gefährden.
Gleichzeitig ist es jedoch naiv anzunehmen, daß die Sowjetunion in einem
so hoffnungslosen wirtschaftlichen Zustand sei, daß die Sowjets ein für sie
nachteiliges SALT-Paket schlucken müssen. Ich glaube, daß dies falsch und ein
gefährliches Argument ist. Es wäre gleichermaßen naiv anzunehmen, daß Breschnew
so begierig auf ein SALT-Abkommen ist, daß er bereit wäre, sich über jede Opposition vonseiten seiner Kollegen hinwegzusetzen und ein für die Sowjetunion
nachteiliges Abkommen einzugehen. Kein Mensch mit einiger Erfahrung im Umgang
mit der Sowjetunion würde dies auch nur eine Minute lang glauben. Breschnew
würde unter keinen Umständen gegen die sowjetischen Interessen handeln, und
selbst wenn er geneigt wäre, dies um seiner eigenen Selbststilisierung willen
zu tun, hätte er dazu keine Macht.
Und was passiert, wenn der Senat SALT II nicht ratifiziert?

Meiner Mei-

nung nach würde dies ein ernster Schlag für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im allgemeinen und im besonderen
- 9 -

für den SALT-Verhandlungsablauf

�SALT-Verhandlungsablauf sein.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, daß

die Ablehnung von SALT II entweder alle Abrüstungsverhandlungen einfriert oder
einen dauerhaften Bruch unserer bilateralen Beziehungen verursacht.

Der Ab-

rüstungsprozeß ebenso wie unsere bilaterale Beziehung insgesamt wären jedoch
stark beeinträchtigt, und zu diesem Zeitpunkt kann niemand sagen, wieviel
Zeit nötig wäre, um den Schaden zu beheben.
Außerdem glaube ich, daß die Sowjets eine Alternative zu einem SALT IIAbkommen sehen - zwar eine riskante, aber auch eine mit beträchtlicher Anziehungskraft.

Wenn es dem Senat nicht gelingt, das Abkommen zu billigen,

oder wenn er auf Abänderungen besteht, die für den Kreml unannehmbar sind, so
wird das Ergebnis eine Vertrauenskrise bei unseren westlichen Verbündeten hinsichtlich der amerikanischen Führung sein.

Einen Keil zwischen die Vereinig-

ten Staaten und ihre europäischen Verbündeten zu treiben, ist ein Ziel der
sowjetischen Außenpolitik, das viel älter als die Rüstungskontrolle ist.

Ich

bin davon überzeugt, daß Moskau einen Zusammenbruch des SALT-Prozesses ausnützen würde, um dieses Ziel mit aller Macht zu verfolgen.
sie würden damit einigen Erfolg haben.

Und ich glaube,

Das Ergebnis könnte eine zunehmende

Isolation Amerikas sein sowie ein Zusammenbruch unserer Anstrengungen, die
Verbesserung der konventionellen und nuklearen Verteidigung Westeuropas zu
fördern.
Ich möchte klarstellen, daß ich von der Ratifizierung des SALT II-Vertrages kein Klima erwarte, in dem wir mit Moskau ein Herz und eine Seele sind.
Nichts wäre weiter von der Wirklichkeit entfernt. Unsere Beziehung ist gegnerisch, und es wird immer ein ziemliches Maß an Reibung, an Problemen und an
Unannehmlichkeit geben.
Aber obwohl SALT II die schädigenden Elemente des Wettstreits zwischen
uns und den Sowjets nicht aus der Welt schafft, wird der Vertrag die Stabilität in der Welt vergrößern und als Sprungbrett für weitere Verhandlungen über
Waffenkontrolle und andere politische Themen dienen. Er wird es uns ermöglichen,
auf SALT III zuzugehen, auf weitere Verringerungen unserer strategischen Ar-

- 10 -

�Arsenale und auf fortgesetzte Anstrengungen zur Verminderung des Risikos,
daß unser Wettstreit in einen Nuklearkrieg umschlägt.

Und dies ohne unsere

Sicherheit oder die unserer Freunde und Verbündeten zu beeinträchtigen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß der Vertrag die Unterstützung und die Zustimmung aller Amerikaner mit gesundem Menschenverstand verdient, die, wie
ich selbst, die vitalen Interessen unseres Landes über alle anderen Erwägungen
stellen.

+ + + + +

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I
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3

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15. August 1979

SEISMISCHE SONDE FÜR HEISSDAMPF IN DER ERDE

(AD) - Die Idee von Geophysikern der kalifornischen StanfordUniversität, unterirdische Heißwasser- und Heißdampffel der mittels seismischer
Wellen ausfindig zu machen, wurde jetzt in Feldstudien einer Wissenschaftlergruppe der Universität Kalifornien in Berkeley mit großem Erfolg in der
Praxis erprobt. Professor Arnos Nur (Stanford) hatte die Methode auf Grund
der Ergebnisse von Laborversuchen vorgeschlagen. Er und seine Mitarbeiter
beobachteten nämlich, daß seismische Wellen beim Durchgang durch dampfhaltiges Gestein unterschiedliche Veränderungen erfahren: Die Amplitude,
d.h. die Stärke, der transversal sich fortpflanzenden sogenannten Scherungswellen verändert sich nur geringfügig. Die Verdichtungswellen jedoch, die
sich longitudinal fortpflanzen, erfahren beim Durchgang durch eine DampfWasser-Mischung eine starke Abschwächung. Demnach müßten, so die Hypothese
der Forschergruppe Arnos Nur, an seismischen Wellen auch beim Durchgang durch
ein natürliches geothermisches Dampf-Wasser-Reservoir diese Effekte zu
erkennen sein und helfen, solche unterirdischen Vorkommen ausfindig zu machen,
Und nicht nur das: Mit der Zeit dürften sich sogar die Anteile von Wasser
und Dampf in dem bestimmten Reservoir mengenmäßig bestimmen lassen.

Im

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�Im Verlauf ihrer Untersuchungen an einem bereits bekannten, jedoch
noch nicht explorierten unterirdischen Heißwasser-Reservoir in Mexiko
(nache Guadalajara im Bereich des Vulkans La Primavera, einer "jungen"
Formation, die vor 20 000 bis 30 000 Jahren sehr aktiv gewesen sein dürfte)
beobachtete eine Forschergruppe der Universität Berkeley die von den
Stanford-Wissenschaftlern vorhergesagten Effekte. Professor Thomas McEvilly,
der Leiter der Gruppe und Direktor des Departments für Geologie und Geophysik
der Universität von Berkeley, bezeichnet die Übereinstimmung der Ergebnisse
als "einen jener dankbaren Fälle, wo im Labor gewonnene Erkenntnis auf die
Natur übertragen werden können. Wir fanden genau das, was die neue Theorie
besagte.

Noch dazu war die Wellenabschwächung ein viel besserer Indikator

für die Existenz des unterirdischen Dampffeldes als alles andere, mit dem
wir bisher solche Sondierungen durchgeführt haben."
Vergleiche zwischen den Geschwindigkeiten von Verdichtungs- und
Scherungswellen wurden in den letzten Jahren zusammen mit einigen anderen
Indikatoren für Versuche zur Erdbebenvorhersage herangezogen. Wie Prof. Nur
erklärt, sei demgegenüber bei der Prospektion zur Auffindung geothermischer
Vorkommen die Amplitude, nicht aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit der
seismischen Wellen ein wichtiger Hinweis auf die Existenz eines unterirdischen Reservoirs. Man sollte sich nicht mehr auf so einfache Indikatoren
Wie heiße Quellen oder Geysire an der Oberfläche beschränken angesichts
der Notwendigkeit, auch die Erdwärme als Energiereserve so umfassend wie nur
irgend möglich zu erschließen. Vielmehr sollte jetzt systematisch unter
Einsatz der seismischen Methode nach unterirdischen Heißwasserfeldern gesucht
werden. In der Umgebung bekannter derartiger Felder seien übrigens schon
seit längerer Zeit bei Erdbeben besondere Effekte beobachtet worden, die
wissenschaftlich schwer zu deuten waren. Aber es handelte sich um ganz vereinzelte Beobachtungen, und Literaturangaben dazu seien äußerst spärlich.
Wenn aber aufgrund der jetzigen Erfahrung das Phänomen in wissenschaftlichen
Kreisen mehr beachtet wird, dürfte sich dies bald grundlegend ändern.

+ + + + +
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33

15. August 1979

ZUCKERROHR ALS ENERGIEROHSTOFF

- (AD) - In der gegenwärtigen Debatte über die künftige Energiepolitik
der Vereinigten Staaten ist der Begriff "Biomasse" kaum mehr als ein
möglicher Programmpunkt für Planungen, zusätzliche Rohstoffe für die
Energieproduktion zu finden. Aber im pazifischen Inselstaat Hawaii ist
die Verwendung von Biomassen bereits eine Realität. Der 16 640 qkm große
Bundesstaat bezieht durchschnittlich 13 Prozent seines elektrischen Stromes
aus Biomassen. Auf zwei der acht größeren Inseln - nämlich auf Hawaii und
Kauai - sind es sogar 50 Prozent.
In den sogenannten Biomassen pflanzlicher und tierischer Herkunft ist
natürliche Energie gespeichert, die in verwendbare Energieformen wie z.B.
elektrischen Strom, Dampf, petrochemische Ersatzprodukte oder verschiedene
flüssige und gasförmige Brennstoffe umgewandelt wird. Zuckerfabriken in
Hawaii haben in den letzten Jahren mit großem Erfolg ein auf der Verarbeitung
solcher Biomassen basierendes Verfahren angewandt, um elektrischen Strom
für die öffentliche Versorgung und daneben noch den gesamten Betriebsstrom
für die Verarbeitungsprozesse zu erzeugen. Die anderen amerikanischen

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�amerikanischen Bundesstaaten nahmen davon kaum Notiz.

Erst Präsident

Carter machte kürzlich anläßlich eines Besuches in Hawaii auf die dort
bereits gut entwickelte Nutzung alternativer Energiequellen wie Erdwärme,
Sonnenenergie mittels Solarzellen sowie von Biomassen (vorwiegend auf der
Basis der Zuckerrohrverarbeitung für die Produktion von Methyl- und Äthylalkohol)
aufmerksam.

Das Hawaii-Modell sei beispielhaft, so der Präsident, und sollte

in möglichst großem Umfang in den kontinentalen Bundesstaaten der USA Nachahmung finden.
Der Energie-"Rohstoff" für die Stromerzeugung ist Bagasse, der Preßrückstand des Zuckerrohrs. Für die Zuckergewinnung wird Zuckerrohr nach
dem Waschen zwischen großen Walzen zerkleinert, die gleichzeitig den Zuckersaft herauspressen. Die zurückbleibende Bagasse wird zusammen mit restlichem
Blattwerk in der Heizanlage eines Dampfkessels verbrannt. Der so gewonnene
Heißdampf treibt einen Turbogenerator, mit dem Kraftstrom für das öffentliche
Stromnetz erzeugt wird. Der Abdampf dieser Turbine hält drei weitere
(Niederdruck)-Turbinen in Gang, die den Strom für die innerbetriebliche
Versorgung liefern. Sogar die Abwärme dieser Aggregate wird noch genutzt nämlich zum Trocknen des Saftes, aus dem in Trocknerbatterien der Rohzucker
kristallisiert. An diesem Punkt der Produktionskette hat der kondensierte
Dampf seine Energie zum größten Teil abgegeben und wird als Speisewasser zum
Kessel zurückgeleitet.
Dieses wirtschaftliche Verfahren gab der "Hilo Coast Processing
Company" die Möglichkeit, mit der Elektrizitätsgesellschaft von Hawaii
einen 20-Jahres-Vertrag über die kontinuierliche Lieferung von Strom für
das Versorgungsnetz abzuschließen. Er bringt ihr jährlich neben einer
gesicherten Energieversorgung des eigenen Betriebs Einkünfte von schätzungsweise zwei Millionen Dollar sowie die zusätzliche Honorierung von Sonderleistungen ein. Dieses Geschäft erwies sich angesichts der schlechten
Zucker-Weltmarktpreise und der rapide gestiegenen Erdöl kosten als ein
Schlüsselfaktor für das überleben der Zuckerindistrie auf Hawaii.
Die
- 2 -

�Die Wirtschaft sah sich durch den Erfolg ermutigt, gemeinsam mit
bundesstaatlichen Behörden in Hawaii und Fachleuten des US-Energieministeriums
in Washington nach Mitteln und Wegen zu suchen, um auch die bei der Zuckerproduktion anfallende Melasse zu verwerten und daraus Äthylalkohol in großtechnischen Mengen zu gewinnen.

Die Melasse-Rückstände, die noch erhebliche

Mengen von Zucker, dazu Stickstoffverbindungen, Salze und Wasser enthalten,
werden als Futterzusatz, zur Herstellung von Hefe und zum Vergären verwendet.
Äthylalkohol als Benzinzusatz ließe sich durch Fermentation der Melasse nach
dem Zugeben von Hefe und Wasser gewinnen.
1:9 Benzin zugemischt.
GASOHOL.

Das Produkt würde im Verhältnis

Dieser Kraftstoff erhielt in den USA die Bezeichnung

Auf der Hawaii-Insel Maui wird gegenwärtig eine Pilotanlage errichtet,

die jährlich 2,3 Millionen Liter Äthanol aus Melasse erzeugen soll.

Damit

könnte bei Verwendung dieses Alkohols als Benzinzusatz mehr als 20 Prozent
des Kraftstoffbedarfs auf der Insel gedeckt werden.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>Amerikadienst 15.08.1979</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Vorratslager in Europa dienen der NATO-Verteidigung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raschere Verstärkung aus den USA möglich -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten Ed Scherr&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reubin Askew: Der neue US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausblicke auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Botschafter Malcolm Toon -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seismische Sonde für Heißdampf in der Erde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zuckerrohr als Energierohstoff</text>
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                    <text>22. August 1979

34
INHALT

INFORMATION
Grußadresse Präsident Carters an dieUN-Wissenschaftskonferenz in Wien
Carter entläßt schweres Rohöl aus der Preisüberwachung
- Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen DOKUMENTATION
Schlesinger vor dem Nationalen Presseclub
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers
WIRTSCHAFT
EG-Einfuhren nach USA bis 1987 zu 70 Prozent zol1 begünstigt
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde
auf die amerikanischen Einfuhren
- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bessere Kontrollen für Risikochemikalien gefordert
- Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bakterien mit Kompaß
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen in der
Tierwelt auf der Spur
- Von G. Weiss -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Information
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34

22. August 1979

GRUSSADRESSE PRÄSIDENT CARTERS AN DIE UN-WISSENSCHAFTSKONFERENZ IN WIEN

WIEN - (AD) - Auf der Eröffnungssitzung der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung (UNCSTD)
am 20. August 1979 in Wien verlas der Leiter der amerikanischen Delegation,
Theodore Hesburgh, die folgende Grußadresse Präsident Carters:
Diese Konferenz ist eine neue Reise in Richtung Fortschritt.
Ihr Bestreben belebt aufs neue den Geist für Abenteuer in uns allen.
Es fordert die Menschheit heraus, eine bessere Zukunft zu gestalten.

Nach

Jahrhunderten des Fortschritts erforschen wir vielleicht jetzt nicht nur
die Grenzen des Wissens, sondern auch die Grenzen der Gerechtigkeit.
Diesmal dürfen wir nicht dabei scheitern, auf die dringenden Bedürfnisse der Entwicklungsländer mit mehr als nur mit leeren Worten zu antworten. Denn umgekehrt können wir alle aus ihrer Teilnahme an einem neuen und
stärkeren Weltwirtschaftssystem Nutzen ziehen.
Wagen wir es, im starken Geist der Vorstellungskraft, der Erfindungsgabe und des Einfallsreichtums die Welt neu zu gestalten und bis zum Jahr

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0
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�Jahr 2000 die schlimmsten Auswüchse der Armut zu beseitigen.

Gebrauchen

wir unser Wissen, um die Mittel für die grundlegenden Bedürfnisse aller
Menschen bereitzustellen.

Erfinden wir gemeinsam eine dynamischere Partner-

schaft zwischen Regierungen und Privatinstitutionen, um dem gemeinsamen
Interesse aller Länder zu dienen.
Wir müssen uns schrecklichen Herausforderungen stellen.

Ihre Lösung

fordert ein gemeinsames Wagnis aller Länder.
Dieses Wagnis wird unvermeidlich die Freiheit vergrößern, denn zum
Erfolg sind ungehinderter' Informationsfluß, freier Zugang zum Marktplatz
der Ideen und weitester Spielraum für wissenschaftliche Erfindung und Initiative notwendig.
Breite Beteiligung sollte unser Unternehmen kennzeichnen, denn nichtverbreitetes Wissen ist verschwendetes Wissen.

Die weltweite Verbreitung

technischen Wissens muß ein befreiendes Wagnis sein, an dem alle teilnehmen
und aus dem alle Gewinn ziehen.
Unsere vordringlichste Aufgabe muß darin bestehen, bei der Bildung
wissenschaftlicher und technologischer Potentiale in den Entwicklungsländern
zu helfen. Ihre eigenen Fähigkeiten zur Erfindung und Erneuerung, zur wissentlichen Auswahl der richtigen Technologien und zum Handel auf der Grundlage von Tatsachen und nicht von Träumereien sind der einzig sichere Weg,
um durch die weltweite Verbreitung von Technologie nicht zu einem neuen
System der Abhängigkeit zu gelangen.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits hoffen, durch ein "Institut für
wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit" zu diesem gemeinsamen
Unternehmen beitragen zu können, dessen Einrichtung wir für diesen Herbst geplant haben. Dieses Institut ist eine unserer wichtigsten Neuerungen, um
den Entwicklungsländern zu helfen, die den Wunsch hegen, Technologien zu
schaffen und anzuwenden, die ihren Bedürfnissen am besten entsprechen. Seine

�Seine Arbeit wird meine ganze persönliche Unterstützung haben.

Ich werde

sicherstellen, daß es eng mit ähnlichen Programmen und Institutionen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeitet.
Ich bin überzeugt, daß unsere wissenschaftliche Gemeinschaft, unsere
Regierungsbehörden und unsere Privatinstitutionen ihre Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprogrammen verstärken werden, um die endemischen
Probleme wie Nahrungsmangel, Energiekrise, Bevölkerungsexplosion und Mangel
an angemessener Gesundheitsfürsorge anzupacken - Probleme, die uns alle angehen.
Ich gelobe unsere Bereitwilligkeit, alle praktischen Bemühungen zu
unterstützen, die uns dabei helfen können, diese Probleme zu überwinden
- eine Welt zu schaffen, in der Erziehung jedermann erreichbar ist, die
Hungrigen sich selbst ernähren können, Millionen von tropischen Krankheiten
befreit sind, Volkswirtschaften sich entwickeln, um Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, und weltweiter Handel den Fortschritt eines jeden Landes
garantiert.
Diese Konferenz stellt unsere Verpflichtung auf die Probe, die Früchte
des wissenschaftlichen Fortschritts weltweit zu teilen und die Kräfte der
Technik zum Wohl der ganzen Menschheit zu meistern. Ihnen, Frau Präsident,
und allen Delegierten, die diese Hoffnung und dieses Ziel vertreten, übermittle ich meine aufrichtigsten Wünsche für ein erfolgreiches Bemühen.

- 3 -

�mJiJ

1
I

77ÜJ

Infoimcilion
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22. August 1979

34

CARTER ENTLÄSST SCHWERES ROHÖL AUS DER PREISÜBERWACHUNG
Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 17. August 1979 durch Präsidialerlaß die Preiskontrolle bei schwerem Rohöl mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

Der Präsident kündigte in diesem Zusammenhang an, daß er den Kon-

greß ersuchen werde, schweres Rohöl auch von der geplanten Steuer für ungerechtfertigte Gewinne der ülgesellschaften (Windfall Profits Tax) auszunehmen,
Wie das Weiße Haus anläßlich der Unterzeichnung des Erlasses erklärte,
ist diese Maßnahme notwendig, um einen Anreiz zur verstärkten Nutzung dieser
Ölvorkommen zu geben. Schweres Rohöl ist eine sehr zähflüssige, fast teerähnliche Substanz, die zu fördern, zu transportieren und zu raffinieren die
Anwendung sehr kostspieliger Technologien erforderlich macht, da diese Art
von Rohöl zur Verflüssigung und Verarbeitung einer stärkeren Erhitzung bedarf.
Die Vereinigten Staaten verfügen über Reserven an schwerem Rohöl in
der Größenordnung von schätzungsweise 10 Milliarden Barrel (159 Liter).
Im Weißen Haus rechnet man damit, daß die Freigabe des Preises von schwerem
Rohöl geeignet ist, die heimische Gewinnung von derzeit 250 000 Barrel pro

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�pro Tag bis 1985 um 200 000 Barrel und bis 1990 um 500 000 auf 750 000 Barrel
zu steigern.

Die bisher bestehenden Preiskontrollen hielten den Preis von

zwei Dritteln der heimischen Förderung an schwerem Rohöl auf rund 6 Dollar
pro Barrel, während der verbleibende Rest zu einem Preis von etwas mehr als
13 Dollar abgesetzt werden konnte. Die Herausnahme einer ölsorte aus der
Preiskontrolle gestattet nunmehr den Verkauf zu Marktpreisen, die nach Angaben des Weißen Hauses mit etwa 16 Dollar um zwei bis drei Dollar unter denen
für leichtere Rohöle liegen.
Die Förderung von schwerem Rohöl zu dem gesetzlich vorgeschriebene^ Preis
war wirtschaftlich gesehen angesichts der hohen Förderkosten kaum vertretbar
und hielt sich deshalb in engen Grenzen. Ohne Freigabe des Preises wäre nach
Auffassung des Weißen Hauses mit einem weiteren Rückgang der Förderung zu
rechnen gewesen.
Bei der Formulierung des neuen Präsidialerlasses hat die Carter-Administration auch die Frage entschieden:
Rohöl" zu verstehen?

Was eigentlich ist unter "schwerem

Der Flüssigkeitsgrad oder, technisch ausgedrückt, die

Viskosität von Rohöl bestimmt sich nach dessen Schwere. Während sehr leichtes Rohöl mit der Viskositätszahl 40 relativ dünnflüssig ist, sind öle mit
niedrigeren Viskositätszahlen schwerer und zähflüssiger und nur sehr schwierig zu fördern und zu verarbeiten.
Die Administration entschied, die obere Grenze für die Herausnahme aus
der Preisüberwachung bei der Viskositätszahl 16 zu ziehen. Damit sind alle
Fördermengen von öl mit Viskosität 16 und darunter von der Kontrolle ihrer
Abgabepreise befreit.
Das amerikanische Energieministerium wird im September öffentliche Einvernahmen zu der Frage abhalten, ob auch schwere öle mit einer höheren Viskositätszahl als 16 mit Rücksicht auf die höheren Förderkosten aus der Preisüberwachung herausgenommen werden können.

Die Befreiung von der Steuer für unge-

rechtfertigte Gewinne aber soll in jedem Falle auf Rohöle mit der Viskositats-

�Viskositätszahl 16 und darunter beschränkt bleiben.
Der größte Teil der amerikanischen Vorkommen von schwerem Rohöl liegt
im Staat Kalifornien.

Kleinere Lagerstätten finden sich auch in Texas,

Louisiana, Oklahoma, Mississippi und Wyoming.
Mit der Unterzeichnung des Schwerölerlasses erfüllt Präsident Carter
eine Zusage, die er am 15. Juli in seiner Rede zur Energielage gegeben hat.
Er nahm die Unterzeichnung einmal mehr zum Anlaß, den Senat zur Verabschiedung des von der Administration vorgeschlagenen Gesetzes zur Besteuerung von
ungerechtfertigten Gewinnen der ülgesell Schäften und zur Ablehnung der Ausnahmebestimmungen aufzufordern, die der Finanzausschuß in Abänderung der Vorlage erwägt.
Die Sondergewinnsteuer ist als eine flankierende Maßnahme zur stufenweisen Aufhebung der Preisüberwachung bei Mineralöl Produkten konzipiert,
die bereits in die Wege geleitet wurde. Mit dieser Steuer sollen alle außerordentlichen Einkünfte der öl gesell Schäften als Folge der Beendigung der
Preiskontrolle weggesteuert werden.

- 3 -

�1

Dokumentation

I

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22. August 1979

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SCHLESINGER VOR DEM NATIONALEN PRESSECLUB
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers -

WASHINGTON

- (AD) - Der aus dem Amt scheidende US-Energieminister

James Schlesinger hat am 16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub
in Washington eine vielbeachtete Rede gehalten, in der er sich mit einer
Reihe von Problemen auseinandersetzte, die sich aus der gegenwärtigen
Energiesituation der westlichen Welt ergeben.
Die Rede hatte folgenden Wortlaut:
"The World Crisis" ist der Titel der Geschichte des I. Weltkriegs,
die Winston Churchill geschrieben hat. Rückblickend erscheint uns dieser
Krieg als ein auf seltsame Weise auf Europa begrenzter Streit, obgleich
er letztlich doch einen Eingriff von außen erforderte, um zu einer Lösung
zu führen, was die Europäer, auf sich selbst gestellt, nicht lösen konnten.
Ähnliche Betrachtungen mag man sowohl über den II. Weltkrieg als auch über
den Kalten Krieg anstellen. Seit 1945 benötigte man das standhafte Eintreten der amerikanischen Macht zur Erhaltung der Stabilität und Unabhängigkeit von Westeuropa, Japan und den anderen Ländern, die man früher als die

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�die Freie Welt bezeichnete.

Ohne die amerikanische Macht können die

verbleibenden freien Länder in geostrategischer Hinsicht keine unabhängige
Einheit mehr bleiben.
Seit 1945 hat die Welt eine kontinuierliche Krise durchgemacht, die
jene von Churchill beschriebene winzig erscheinen läßt - eine Krise,
geboren aus dem andauernden Konflikt zwischen der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten und deren Verbündeten.

Es ist vielleicht das be-

zeichnendste Element der Energiekrise, wie sie sich seit dem Anfang der
siebziger Jahre entwickelt hat, daß durch sie dem politischen und ideologischen
Wettstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine neue
Dimension verliehen wird - eine Dimension, die sich auf dramatische Weise
durch die sowjetischen Handlungen und Drohungen im Verlauf des Nahostkriegs im Jahr 1973 ankündigte.

Es ist eine größere Dimension, die Themen

wie Benzinknappheit und wirtschaftliche Lage in die richtige Perspektive
rückt, denn sie hat Gewalt genug, um das politische Schicksal der Menschheit
zu bestimmen.
Wir stehen heute einer Weltkrise gegenüber, die größere Ausmaße hat
als jene, die Churchill vor einem halben Jahrhundert beschrieb und die
durch das Olproblem noch unheilvoller wurde.
Der strategische Mittelpunkt dieser Krise liegt jetzt am Persischen
Golf und den angrenzenden Gebieten des Nahen Ostens mit ihren umfangreichen
ölreserven. Deshalb konzentriert sie sich auf eine Region politischer
Unbeständigkeit, die charakterisiert ist durch geschichtliche Feindseligkeiten und durch Nationalstaaten, deren Sozialstrukturen noch nicht genug
entwickelt sind, um den Stößen des raschen politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Wandels zu widerstehen. Und doch bleibt der Westen, bleiben
alle freien Länder, ja, bleibt die Freiheit selbst in der nahen Zukunft
angewiesen auf den Zugang zu den Ölquellen dieser unbeständigen Region.
Niemand

�Niemand hat diese aufkommende Abhängigkeit und die darin enthaltene
Verwundbarkeit in ihrem ganzen Umfang vorhergesehen.

In der Architektur

der Nachkriegszeit bildete der NATO-Vertrag die tragende Säule für die
Sicherheit des Westens. Jedoch war er lediglich eine traditionelle Verteidigungsgemeinschaft zum Zweck des Schutzes der territorialen Integrität
der Unterzeichnerstaaten.

Im Licht der anschließenden Entwicklungen ist

er heute eine unzureichende Grundlage für die westliche Sicherheit, da er
selbst keinerlei Schutz der Energiequellen beinhaltet, von denen unser
kollektives überleben abhängt.
Bis vor kurzem noch lieferte die Furcht, die die Macht Amerikas als
solche einflößte, genug Abschreckung vor äußerer Invasion und außerdem ein
Mindestmaß an politischer Stabilität in diesem Gebiet. Nach 1945 konnte
der amerikanische Druck noch Stalin selbst dazu bringen, sowjetische Streitkräfte aus dem Nordiran abzuziehen. Heute geht der Druck Breschnews in
die andere Richtung. Die geostrategische Landschaft hat sich dramatisch
verändert. Die Auflösung der nördlichen Klammer, die politischen Unruhen
in den beiden Jemen und am Hörn von Afrika sowie die Verwundbarkeit der
anderen Golfstaaten - alles deutet auf die Notwendigkeit einer neuen wirkungsvollen Antwort.
Sogar hinsichtlich des militärischen Gleichgewichts ist die Entwicklung
beunruhigend.

Die Sowjetunion befindet sich ganz in der Nähe und bewegt

sich in einer Region, auf die Rußland schon seit den Tagen Peters des Großen
ein Auge hatte.

Ihre

militärische Macht wächst weiterhin - am drohendsten

in Form erhöhter strategischer Beweglichkeit und Stärke ihrer Luftlandedivisionen.

Innerhalb der Region selbst existiert kein Gegengewicht.

Die

Streitkräfte des Schah hätten vielleicht eine bruchstü'ckhafte Verteidigung
ergeben, aber heute ruht die Sicherheit auf dem Schutze Allahs.

Die Kräfte

des Westens in der Region sind gering und befinden sich am entferntesten
Ende langer Versorgungslinien.

Die großen Militärreserven des Westens sind

weit weg - mit allem, was dies für eine rasche Reaktion bedeutet.

- 3 -

Es gibt

�gibt keine dauernde und bedeutsame militärische Präsenz der Vereinigten
Staaten - eine Tatsache, die die Bewohner dieser Region erwägen müssen,
wenn sie sich über die Militärpräsenz Gedanken machen, die im Norden liegt.
Bei den vielen Amerikanern, die durch Vietnam zu dem Glauben gelangt
sind, militärische Schwäche sei eine Form der Tugend und der moralischen
Stärke, erregen diese Bedingungen wenig Unruhe.

Stille Anpassung ist hier

die einzige Verteidigung, und deutliche Hinweise auf das Vernünftige einer
solchen Einstellung finden sich immer.

Kürzlich war Georgi Arbatov, dessen

Beziehungen zum KGB vielleicht nicht so bekannt sind wie seine Fähigkeit,
amerikanische Eliten zu beeinflussen und zu beruhigen, in einem Interview
der Meinung, daß die Sowjetunion "sich sicherlich nicht in die westliche
Ölversorgung einmischen würde", denn dies "wären sehr feinselige Handlungen
nahe einer Kriegserklärung".
läufigen

Zweifellos werden manche Leute solche bei-

mündlichen Garantien völlig beruhigend finden.

Ich stelle

lediglich fest, daß uns die Episode einen Hinweis gibt auf jene Möglichkeiten,
über die die Sowjets nachgrübeln und die sie, wie wir nur hoffen können,
zumindest für den Augenblick verworfen haben.
Für die weniger Selbstgefälligen sind die Folgerungen deutlich:

die

sowjetische Kontrolle des ölhahns im Nahen Osten würde das Ende der Welt
bedeuten, wie wir sie seit 1945 kennen, und das Ende der Vereinigung
freier Länder.
Daraus folgt ziemlich deutlich, daß wir dies auf lange Sicht nicht
hinnehmen können angesichts eines regionalen Obergewichts der sowjetischen
Militärmacht. Ein Mindesterfordernis ist die Errichtung eines annähernden
Gleichgewichts der militärischen Stärke in dieser Region. Ohne ein solches
Gleichgewicht wird es keine abschreckende Kraft geben, die in der Lage ist,
dem langfristigen sowjetischen Druck zu widerstehen - was unvermeidlicherweise eine ständige Aushöhlung des westlichen Einflusses bedeuten würde.
Geht man von der massiven sowjetischen Präsenz gleich jenseits der Grenze

- 4 -

�Grenze aus, so wäre die "Entmilitarisierung des Indischen Ozeans" lähmend.
Einem solchen Schritt sollte man keine weiteren Überlegungen widmen, denn
er würde die Stationierung umfangreicher Seestreitkräfte in diesem Gebiet
ausschließen und dadurch auch die Aufhebung des bestehenden Ungleichgewichts.
Es reicht nicht aus, einfach
Es ist notwendig, es wirkungsvoll
aufzunehmen. Dies ist es, was in
reichtum und unsere Stärke messen

nur einen "Bogen der Krisen" auszumachen.
mit den heute herrschenden Bedingungen
den kommenden Jahren unseren Einfallswird.

Selbst wenn es nicht zum Schlimmsten kommt und die Kontrolle des ölhahns nicht der entscheidende Punkt der Ost-West-Auseinandersetzung wird sei es durch sowjetischen Verzicht oder durch wirkungsvolle Abschreckung -,
bleiben die Schwierigkeiten beträchtlich. Das Obergewicht und die Nähe
der sowjetischen Militärmacht vergrößern die sowjetische Möglichkeit der
Einflußnahme und der Untergrabung. Im Iran sind das Wiederauftauchen der
Tudeh-Partei (vor allem bei der Organisation der ölfelder) sowie die teils
offene, teils verdeckte Stärkung der prosowjetischen Linken wesentliche
Entwicklungen im letzten Jahr gewesen. Man fühlt, wie allmählich die
Infrastruktur für einen späteren Coup geschaffen wird, parallel zu den
Ereignissen, die in den letzten Jahren aus Afghanistan bekannt geworden
sind. Erst kürzlich auch hat der Irak einen weiteren internen Machtkampf
überlebt, der gekennzeichnet war durch neue Elemente eines religiösen
Schismas, das durchaus auf fortdauernde Instabilität hindeutet - nach
einem langen und anhaltenden Kampf zur Meisterung der internen kommunistischen
Drohung.
Aber sogar wenn wir solche Möglichkeiten äußern Unheils beiseite lassen,
können wir den öl ström aus den OPEC-Ländern noch immer nicht als gänzlich
gesichert ansehen. Das weltweite System der ölförderung und -Verteilung
ist schon jetzt zum Zerreißen angespannt; wenig Entlastung ist in Sicht wenn überhaupt. Jede größere Unterbrechung, gleichgültig, ob sie von

- 5 -

�von politischen Entscheidungen, politischer Instabilität, terroristischen
Akten oder ernsten technischen Problemen herrührt, würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben.
Auf einem so angespannten Markt werden einige der Förderer ein Katzund-Maus-Spiel treiben - entweder aus ökonomischen Motiven (um die Spotpreise hoch zu halten), aus politischen Motiven oder aus reiner Halsstarrigkeit.

Die Durchführung oder die Androhung von Schritten zur Verminderung

oder Umleitung der ölförderung von Staaten wie Nigeria, Libyen und Algerien
beweisen die Verknappung auf dem Markt und zugleich die fortwährende
Verwundbarkeit der Verbraucherländer.
Außerdem bewegt sich der Iran weiterhin am Rande der Anarchie entlang.
Eine neue Unterbrechung der persischen Exporte würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben. Und schließlich beruhen sogar solche begrenzte
Unterbrechungen des öl Stroms auf der Prämisse einer anhaltenden Stabilität
und Unterstützung durch Saudiarabien. Denn der Anteil Saudiarabiens ist
nicht nur kritisch, er ist auch im Ansteigen begriffen. Wenn wir erkennen,
daß die unmittelbare Energiezukunft von einem politisch stabilen Saudiarabien abhängt, müssen wir zugleich erkennen, daß das Königreich heute ein
Land ist, das dem Ferment des sozialen Wandels ausgesetzt ist - ein Land,
in dem das Gespür für Korruption wächst - auf dramatische Weise in den
Nachwehen der Ereignisse im Iran im letzten Jahr. Und wenn wir die mögliche
Bedeutung der Entwicklungen im Iran nicht anerkennen wollen, brauchen wir
nur bei Tocqueville nachzulesen, was er über die Auswirkung eines starken
wirtschaftlichen Wandels auf überkommene Sozial strukturen schreibt. Der
Gegenstand ist so heikel, daß man nur selten darauf anspielt, aber
Zurückhaltung bedeutet kaum, daß der Gegenstand nicht von schwerwiegendster
Bedeutung ist.
Die Kommentare zu diesem Punkt unterstreichen nur, daß der Fluß des
OPEC-Öls unsicher und möglicherweise schweren und unvorhersagbaren Erschütterungen unterworfen ist. Indessen: sogar wenn wir Glück haben und
- 6 -

�und es keine Versorgungsunterbrechungen gibt, wird der Fluß dieses Erdöls insgesamt wahrscheinlich nicht anwachsen.
Die Förderkapazität der OPEC-Länder wird wahrscheinlich nicht zunehmen.
Diese Vorhersage spiegelt die politischen Entscheidungen wider, die wahrscheinlich getroffen werden hinsichtlich der Attraktivität zusätzlicher
Investitionen zur Erweiterung der Produktionskapazität sowie der begrenzt
vorhandenen Rohstoffe. Die OPEC-Produktion wird noch nicht einmal um zehn
Prozent über den derzeitigen Umfang hinaus ansteigen, vielmehr wird sie
in den kommenden Jahren höchstwahrscheinlich abnehmen. Die Produktion der
Länder, die der OPEC nicht angehören, mag vielleicht sogar hinsichtlich
der Prozentwerte deutlich ansteigen; dies geschieht jedoch von einem
verhältnismäßig bescheidenen Ausgangspunkt aus. In absoluten Zahlen werden
diese Steigerungen weniger bedeutsam sein - vielleicht zehn Prozent des
gegenwärtigen Verbrauchs der freien Welt- und werden zu einem großen Teil
von den Entwicklungsländern und den anderen Industrienationen verbraucht.
Die weltweite ölförderung und der weltweite Verbrauch werden nie weit
über 65 Millionen Barrel pro Tag hinausgehen, und wir bewegen uns schon
ganz in der Nähe dieser Schwelle. Erdöl, der erwählte Brennstoff, der die
gewaltige wirtschaftliche Expansion seit dem II. Weltkrieg angetrieben hat,
wird nicht mehr länger in steigenden Mengen zur Verfügung stehen, um ein
weiteres Wachstum der Weltwirtschaft anzuheizen.
Es ist unvermeidlich, daß die Preise den wachsenden Nachfragedruck
vor dem Hintergrund des beschränkten Angebots widerspiegeln.

Der Einfluß

Saudiarabiens auf zurückhaltende Preiserhöhungen im Rahmen der OPEC ist
bereits deutlich geschwunden.

Bei geringer oder bei keiner Oberschuß-

kapazität wird die Preisbewegung unvermeidlich nach oben gehen, außer bei
einer weltweiten Rezession.
Unter diesen Umständen ist es verständlich und kam sogar in Mode,
über das OPEC-Kartell herzuziehen. Ohne Zweifel ist dies rein gefühlsmäßig

- 7 -

�gefühlsmäßig befriedigend.

Aber wir müssen uns darüber im klaren sein,

daß keine noch so laute Beschimpfung oder ein Fäusteschütteln die Realitäten
der Versorgung und des Preises ändern kann.

Die OPEC-Länder besitzen etwa

80 Prozent der nachgewiesenen ölreserven der freien Welt - und dieser
Prozentsatz wird wahrscheinlich ansteigen.

Zudem kontrollieren jetzt

Marktkräfte die Preisbewegungen und treiben den internationalen ölpreis
unerbittlich nach oben.

Tatsächlich haben unsere Nachbarn, Kanada und

Mexiko, sowie die Norseeförderlander Preise festgesetzt, die merkbar über
die der OPEC hinausgehen.

Es wird Zeit für uns, die Realität anzuerkennen -

egal, wie schmerzlich dies sein mag.
Die Energiezukunft ist düster und wird wahrscheinlich im kommenden
Jahrzehnt noch düsterer werden.

Wenn wir tatkräftige und kluge Gegenmaß-

nahmen ergreifen, kann die Zukunft etwas weniger finster werden;

aber im

Licht der geschichtlichen Erwartungen können solche Gegenmittel nur zur
Linderung dienen.
Wie stabil, wie elastisch ist unsere innenpolitische Grundlage angesichts der Schwierigkeiten, die sich für die nationale Sicherheit und
die Wirtschaft durch die Verwundbarkeit und die Zwänge bei der Energieversorgung ergeben? Genug Grund zur Sorge ist sicherlich vorhanden. Nach
Vietnam engagiert sich unser Volk nicht mehr für Themen der Außenpolitik
und der militärischen Sicherheit. Nach Watergate mißtraut man häufig allen
unseren Institutionen.
Ein überraschend hoher Anteil der amerikanischen Bevölkerung gesteht,
daß man nicht an eine echte Energieknappheit glaubt. Dies mag ein
Verteidigungsmechanismus sein, der entwickelt wurde, um den schmerzhaften
Gedanken zu verdrängen, daß ein schmerzhafter Wandel unvermeidlich ist, und
um die tiefere, vielleicht unbewußte Erkenntnis zu verbergen, daß das
Problem wirklich existiert. Aber viele stehen bereit, um Trost zu spenden,
wobei sie vorschlagen, daß man durch diese oder jene institutionelle

- 8 -

�institutionelle Einrichtung das Energieproblem ganz einfach lösen könne.
Die politische Linke schiebt die Schuld auf die Ölindustrie.
Rechte beschuldigt die Regierung.

Die politische

Aber ein solches Verhalten spiegelt nur

die Tendenz nach Watergate wider, auf Institutionen einzuschlagen.

Auf

Institutionen einzuschlagen ist lediglich eine andere Art, dem Problem auszuweichen;

es ist unwahrscheinlich, daß es zu erhöhter Förderung von Rohöl

führt.
Die weitverbreitete Einbildung, die Vereinigten Staaten besäßen enorme
nachgewiesene ölreserven, die nur verborgen seien und von denen niemand
spricht, ist nur sehr schwer zu erklären. Vielleicht fällt sie ganz einfach
unter das Kapitel Psychopathologie. Aber es ist Wasser auf die Mühlen
der paar Gewissenlosen, die die Hoffnungen und Ängste des amerikanischen
Volkes ausnutzen wollen und die auf immer andere Weise behaupten, daß
irgendwo da draußen ein riesiges öllager existiert, das alle anderen
Beschwerden in Nichts auflösen wird. Cenagogie kann nur schwerlich einen
wirkungsvollen Ersatz für Rohöl abgeben.
Was müssen wir tun, wenn wir das Problem der Energieversorgung und
der wirtschaftlichen Rückwirkungen in den Griff bekommen wollen, das sich
daraus ergibt? Erstens müssen wir das Problem in seiner ganzen Tiefe und
Tragweite anerkennen - ohne Ausflüchte.
Zweitens müssen wir die bekannten Allheilmittel beiseite stellen jene Visionen von neuen öl strömen aus Saudiarabien, Mexiko und China, die
verborgenen inländischen Lager oder, als neuestes, synthetische Brennstoffe.
Drittens müssen wir alle unsere Voraussetzungen überdenken: welche
Lieferungen sind wahrscheinlich, welche Preise sind annehmbar, welche
Brennstoffe sind annehmbar, welche Risiken sind annehmbar und welche
Umweltschutzbestimmungen und andere Regeln funktionieren.
Wir

- 9 -

�Wir sollten erkennen, daß die Inlandsförderung von Erdöl nicht steigen
und wahrscheinlich sogar in den nächsten zehn Jahren sinken wird.

Wenn wir

hart arbeiten und wenn wir in den Grenzgebieten Glück haben, sind wir
vielleicht in der Lage, die Rohölförderung in etwa auf dem derzeitigen Stand
zu halten.

Die Vereinigten Staaten fördern immerhin gegenwärtig so viel

öl wie Saudiarabien.

Aber wir beuten unsere eigenen, nachgewiesenen

Reserven etwa sechsmal so rasch aus.

Dies kann nicht lang so weitergehen.

Glücklicherweise sind die Aussichten für die einheimische Erdgasgewinnung vielversprechender.

Aber es ist unwahrscheinlich, daß wir die

Gewinnung in den nächsten zehn Jahren deutlich über den gegenwärtigen Stand
anheben werden.

Deshalb werden wir insgesamt keine zusätzliche Inlands-

versorgung bei Kohlenwasserstoffderivaten haben.

Wenn sich die öleinfuhren

bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag einpendeln - entweder durch bewußte Einfuhrbeschränkungen oder durch mangelnde Verfügbarkeit -, werden wir woanders
suchen müssen, falls die Wirtschaft auch weiterhin wachsen soll.
Trotz des beträchtlichen und erfreulichen Nutzeffekts der Einsparung
wird für das Wirtschaftswachstum auch weiterhin zusätzliche Energie benötigt. Der Energiekoeffizient ist nunmehr auf 0,5 oder 0,6 vermindert
worden. Wir sollten darum kämpfen, ihn dort zu halten - und ich bin sicher,
daß wir dies schaffen. Dennoch muß die Nutzung sowohl der Kohle als auch
der Kernkraft steigen - mit einer Rate von sechs Prozent pro Jahr, wenn wir
ein bescheidenes Wirtschaftswachstum beibehalten wollen.
Es ist ganz einfach. Da die Verfügbarkeit der Kohlenwasserstoffderivate
im Grund festgelegt ist, müssen Kohle und Kernkraft, in Prozentzahlen ausgedrückt, von ihrer im Augenblick relativ niedrigen Basis aus rascher anwachsen.
Aber die Verwendung von Kohle wird nicht rasch genug und ausreichend ansteigen, solange die Bedingungen des Gesetzes über die Luftreinheit
("Clean Air Act") unverändert bleiben. Angesichts der gegebenen mechanischen
und gesetzgeberischen Hinderungsgründe ist es wohl möglich, für eine Bei-

- 10 -

�Beibehaltung der Normen der Reinerhaltung der Luft einzutreten, nicht aber
die gebotene verstärkte Nutzung der Kohle zu verwirklichen.

Die wohlbekannten

psychologischen und verfahrensmäßigen Hindernisse gegen den Bau von Kernkraftwerken müssen ebenfalls überwunden werden.
Ganz offen: wenn wir keine größere Verwendung von Kohle und Kernkraft
erreichen, wird es diese Gesellschaft im kommenden Jahrzehnt womöglich nicht
schaffen.
Längerfristig sollten wir die Produktion synthetischer Brennstoffe
vorantreiben. Allerdings werden synthetische Brennstoffe die Gleichung im
kommenden Jahrzehnt nicht wesentlich beeinflussen. In den neunziger Jahren
könnte eine solche Produktion eine nützliche Zunahme der Versorgung ermöglichen.
Aber sie ist kein Allheilmittel. Wenn wir jedoch ein solches Programm vor
zehn Jahren in die Wege geleitet hätten, würde der ölmarkt heute nicht so gespannt und nicht so riskant sein, und der Preis des Öls würde vielleicht um
einige Dollar pro Barrel niedriger sein als dies jetzt der Fall ist.
Das Dilemma ist rienlich deutlich. Wir müssen mehr Kohle und Kernkraft
mit den uns heute zur Verfügung stehenden technologischen Möglichkeiten
verwenden; sonst stehen wir einem verminderten Wirtschaftswachstum und
einer ansteigenden Arbeitslosenquote gegenüber. Die politischen Rückwirkungen einer solchen wirtschaftlichen Stagnation würden die Aufmerksamkeit
von den internationalen Schwierigkeiten ablenken und sie zugleich vermehren.
Kurz: wenn wir unsere Energieprobleme wirksam in den Griff bekommen
wollen, müssen wir eine Anpassung, ja sogar eine Einschränkung unserer
historischen Erwartung in Kauf nehmen. Wie wird die amerikanische Gesellschaft
auf diese Revolution der eingeschränkten Erwartungen antworten? Ich weiß es
nicht. Ich weiß jedoch, daß nur eine bewegliche und selbstbewußte Gesellschaft in der Lage sein wird, diese widrigen Probleme in den Griff zu bekommen, - ohne grundlegende Veränderung ihrer öffentlichen Insitutionen.

Und
- 11 -

�Und - ich komme auf meine einleitende Beschreibung der Herausforderungen
auf der internationalen Szene zurück - nur eine selbstbewußte Gesellschaft
kann auch weiterhin wirkungsvoll die internationale Verantwortung der
Vereinigten Staaten tragen.
Es gibt noch so viel mehr zu sagen.
einen grundlegenden Punkt hinweisen:

Aber ich möchte zum Abschluß auf

das Energieprogramm muß als Teil eines

viel umfassenderen strategischen Bildes angesehen werden.

Die Energie zwingt

uns, unsere Aufmerksamkeit auf neue Aspekte alter Machtrivalitäten zu lenken
und unsere Aufmerksamkeit neu auf Bereiche der Welt zu konzentrieren, die
außerhalb unserer überlieferten Belange liegen.
gewaltig.

Die Herausforderungen sind

Einerseits müssen wir unsere Volkswirtschaften rasch an die

Bedingung chronischer Knappheit bei der traditionellen Energieversorgung
anpassen;

andererseits müssen wir Umstände vermeiden, in denen unentbehrliche

Energievorräte unter die Herrschaft einer feindlichen Macht fallen.

Von

unserem Erfolg hängt das wirtschaftliche und politische überleben der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten ab - und womöglich der Freiheit
selbst.
Wir haben schon einmal solchen Herausforderungen gegenüber gestanden.
Nach dem II. Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten den Weitblick, ihre
Macht und ihr Prestige für die Stärkung Westeuropas einzusetzen. Durch
diese Tat wurden wirtschaftlicher Wiederaufstieg und Sicherheit erreicht.
Heute sind die Umstände und einige der Herausforderungen anders. Doch
einmal mehr werden wir unsere Macht und unser Prestige zur Stützung der
unabhängigen Staaten am Persischen Golf einzusetzen haben, um eine Bedrohung
von außen auszuschließen. Dies ist die unvermeidliche strategische Voraussetzung, um erfolgreich durch diese Periode des Übergangs im Energiebereich
zu gelangen.
Die Geschichte hat diese amerikanische Nation zu einer Supermacht
bestimmt, tatsächlich der einzigen großen Supermacht unter den freien

- 12 -

�freien Ländern.

Sollten die Vereinigten Staaten in dieser Verantwortung

versagen, würde es andere geben, die - obwohl um einiges weniger dafür
gerüstet - schnell bereit wären, die sich bietende Gelegenheit zu ergreifen mit dem sich daraus ergebenden Verlust unseres Vermächtnisses der Freiheit.
Wenn das amerikanische Volk es vorzieht, sich abzuwenden, wird die Geschichte
uns nicht vergeben.

+ + + + +

- 13 -

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

34

22. August 1979

EG-EINFUHREN NACH USA BIS 1987 ZU 70 PROZENT ZOLLBEGONSTIGT
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde auf
die amerikanischen Einfuhren
- von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

WASHINGTON - (AD) - Als direkte Folge der Zollsenkungen, die in den
kürzlich abgeschlossenen Multilateralen Handelsverhandlungen der TokioRunde vereinbart wurden, dürften sich die Einfuhren der Vereinigten Staaten
an Industrieprodukten bis zum Jahre 1987 um rund fünf Prozent gegenüber dem
Stand von 1978 erhöhen, schätzen staatliche amerikanische Außenhandelsexperten.
Für sich allein genommen, werden die in Genf ausgehandelten Zollsenkungen mithin keinen sehr nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung des
amerikanischen Außenhandels ausüben. Dennoch rechnen die Experten damit,
daß die Zollsenkungen - in Verbindung mit den neuen Regelungen und Verfahrensweisen in bezug auf nicht-tarifäre Handelshindernisse - langfristig
die Wettbewerbsposition der USA bei verschiedenen Gütern erheblich verbessern

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�verbessern und somit eine Erhöhung des amerikanischen Anteils am Weltmarkt
nach sich ziehen werden.
Insgesamt erstrecken sich die Zollsenkungen bei Zugrundelegung des
Standes von 1976 auf US-Einfuhren an Industrieprodukten im Wert von 47,6
Milliarden Dollar.

Dies ergibt sich aus den neuen Zollisten und anderen

Materialien, die das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen soeben veröffentlicht hat.

Auf der Basis der Einfuhren von

1976 haben die Vereinigten Staaten eine Senkung ihrer Zölle im Durchschnitt
um etwa 31 Prozent zugesichert, was die Zollbelastung von Industrieprodukten
von 8,3 auf 5,7 Prozent verringern wird.

Die Zollsenkungen werden sich auf

rund zwei Drittel der amerikanischen Einfuhren von Industrieprodukten
erstrecken; von dem verbleibenden Drittel ist der größte Teil ohnehin zollfrei .
Rechnet man die den Entwicklungsländern gewährten Zollbefreiungen
hinzu, wird das Durchschnittsniveau der Zollbelastung auf die gesamten
amerikanischen Einfuhren an Industrieprodukten dank der Ergebnisse der
Multilateralen Verhandlungen von 6,1 Prozent auf 4,2 Prozent zurückgehen.
Bei den meisten Positionen werden die Senkungen, beginnend 1980, in acht
gleichen Schritten vorgenommen und damit 1987 voll wirksam werden.
Die Europäische Gemeinschaft hat zugesichert, ihre Zollsätze auf
Importe von Industrieerzeugnissen im gleichen Zeitraum von bisher 6,3
Prozent auf 4,6 Prozent durchschnittlich zu reduzieren.
-

Die Vereinigten Staaten sind ferner bereit, den Anteil an zollfreien
Einfuhren an Industrieprodukten von schätzungsweise 25 auf etwa 30 Prozent
zu erhöhen.
Alle genannten Ziffern berücksichtigten die mit den Industriestaaten
und rund 19 Entwicklungsländern getroffenen Vereinbarungen über Zoll Senkungen.

- 2 -

�Zollsenkungen.

Die Verhandlungen mit den Entwicklungsländern sind noch

nicht restlos abgeschlossen.

Nach Mitteilung des amerikanischen Handels-

ministeriums werden von den laufenden Zoll Verhandlungen mit Entwicklungsländern nur etwa 100 Zollpositionen aus einer Gesamtzahl von rund 6 000
berührt.

Die Zollsenkungen auf dem industriellen Sektor betreffen in erster
Linie Kraftfahrzeuge, elektronische Geräte für den Haushalt, Eisen und
Nichteisenmetalle, Textilien, chemische Grundstoffe, Gummi und plastische
Massen, Leder, Messerwaren und Tafelgeschirr, Büro- und Buchungsmaschinen,
nicht-elektrische Maschinen, elektrische Schwermaschinen und wissenschaftliche Instrumente.

Die für Entwicklungsländer wichtigsten Produkte, die von den amerikanischen
Zollsenkungen betroffen werden, sind:

Holzwaren einschließlich Papier,

chemische Grundstoffe, Maschinen, NE-Metalle, Eisen, Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Auf Sektoren, auf denen die Einfuhr von Produkten

aus Entwicklungsländern negative Auswirkungen auf die Beschäftigungslage
in den Vereinigten Staaten haben könnte - Schuhindustrie und Fernsehgerätebau - halten sich die amerikanischen Zollsenkungen in engen Grenzen.

Die Zölle auf Erzeugnisse des Fahrzeugbaus - Personen- und Lastkraftwagen, Busse und Fahrzeugteile - werden um über 20 Prozent auf ein Durchschnittsniveau von 2,6 Prozent sowohl bei den zollpflichtigen als auch bei
den Gesamteinfuhren gesenkt, wobei sich letztere 1976 auf über 7,3 Milliarden
Dollar bezifferten.

Auf dem Gebiet elektronischer Haushaltgeräte - ein-

schließlich Kühlschränke und andere Apparate -

sollen die Zoll Senkungen

sowohl auf die zollpflichtigen als auch auf die Gesamtimporte von 35,2
Prozent auf durchschnittlich 4,1 Prozent verringert werden.

Bei anderen

Gütern wie NE-Metallen und elektrischen Schwermaschinen stehen Senkungen
in der Größenordnung von 42 bzw. 41 Prozent der zollpflichtigen und der
Gesamteinfuhren in Aussicht, während bei Gütern wie Lederwaren einschließlich

- 3 -

�einschließlich Schuhe und Geldbörsen nur Zoll Senkungen in Höhe von 3,8
Prozent vorgesehen sind.
Was elektrische Schwermaschinen angeht, wird die Senkung der amerikanischen
Zölle von der Annahme des in den Multilateralen Handelsverhandlungen vereinbarten Kodex über staatliche Beschaffungskäufe durch die anderen Industriestaaten abhängig gemacht.
Auf dem Sektor der Ausrüstungen für die zivile Luft- und Raumfahrt
haben sich die Vereinigten Staaten und andere wichtige Industrienationen
darauf geeinigt, alle Zölle auf Zivilflugzeuge, Flugmotoren, Flugzeugteile
und Flugsimulatoren abzuschaffen.

Darüberhinaus kamen diese Länder überein,

Käufe für ihre nationalen Fluggesellschaften ausschließlich auf der Basis
von Preis, Qualität und Lieferzeiten zu treffen.
Die an den Genfer Verhandlungen der Tokio-Runde beteiligten Länder
sind ferner übereingekommen, daß gewisse Erzeugnisse, deren Einfuhr die
heimische Wirtschaft gefährden könnte, entweder zum Teil oder gänzlich
von der Zoll Senkung ausgenommen bleiben sollen. Ein Produkt wird dann als
die Wirtschaft des Importlandes gefährdend angesehen, wenn dieses zu der
Auffassung gelangt, schon eine geringfügige Verringerung der Zölle könne
eine große Zunahme der Einfuhr derselben nach sich ziehen und damit die
heimische Industrie ernsthaft schädigen.
Die in Genf vereinbarte generelle Zoll Senkungsformel wurde von den
Verhandlungsdelegationen als eine generelle Richtschnur angesehen, nicht
aber als ein rechtlich-verbindliches Dokument. Beispielsweise hätten
Zoll Senkungen gemäß der allgemeinen Formel auf dem Textilsektor zu einer
Verminderung der Einfuhrbelastung um 57 Prozent geführt. Die tatsächlichen
Zoll Senkungen, die die Vereinigsten Staaten auf diesem Sektor zugestanden
haben, führten jedoch zu einer Senkung um 21 Prozent. In ähnlicher Weise
haben die USA im Bereich der schutzbedürftigen Stahlindustrie geringere

- 4 -

�geringere Zoll Senkungen als die generellen Senkungen nach der allgemeinen
Formel in Höhe von 26 Prozent angeboten.

Auch andere Länder stellten

auf mehreren Bereichen Zollsenkungen in Aussicht, die unterhalb der
Senkungen gemäß der Allgemeinformel liegen.

Die Interessen importgefährdeter heimischer Industrien wurden auch
insofern berücksichtigt, als die Verwirklichung der Zollzugeständnisse in
mehreren Teilphasen erfolgen wird.

Die erste Zollsenkung bei Textilien

und Stahl soll in allen Ländern nicht vor dem Jahr 1982 vorgenommen werden.

Das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen
veröffentlichte des weiteren Dokumente, die zeigen, welche Auswirkungen die
amerikanischen Zollsenkungen auf Entwicklungsländer haben werden.

Wie aus

diesem Amt hierzu verlautet, haben die Vereinigten Staaten den 19 Entwicklungsländern, mit denen die Verhandlungen inzwischen abgeschlossen werden konnten,
für spezifische Produkte Zoll Senkungen von annähernd 27 Prozent und im
Einzelfall sogar um bis zu 60 Prozent angeboten.

Obwohl sich die Agrarverhandlungen größtenteils auf die nicht-tarifären
Handelshindernisse erstreckten, werden die amerikanischen Ausfuhren an
Agrarprodukten - unter Ausschluß von Nahrungsmittel Zubereitungen, die zu
den Produkten der Fertigungsindustrie gerechnet werden - als Ergebnis der
vereinbarten Zollsenkungen um rund 11 Millionen Dollar zunehmen.

Die

Vereinigten Staaten haben gewichtete Senkungen der Agrarzölle um schätzungsweise 50 Prozent vereinbart.

Größere Zollsenkungen sind bei tierischen

Produkten vorgesehen, wobei die wichtigste Konzession eine 60 prozentige
Senkung der Zölle auf Schurwolle bester Qualität darstellt.

Die US-Zoll Senkungen im Bereich der Industrieerzeugnisse resultieren
im Endeffekt in einer Zollbefreiung solcher Waren aus den Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaft.

Sie werden sich, nach Abschluß des stufen-

weisen Abbaus, wertgemäß auf 3,1 Milliarden Dollar gegenüber 2,2 Milliarden

- 5 -

�Milliarden Dollar im Jahre 1976 belaufen. Während 1976 rund 50 Prozent
der zollpflichtigen Einfuhren an Industrieerzeugnissen aus EG-Ländern mit
einer Zoll bei astung von weniger als 5 Prozent nach Amerika einströmten,
erhöht das Zollabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Gemeinschaft deren Anteil auf 70 Prozent.
Amerika hat sich bereit erklärt, die Zölle auf Einfuhren aus EGLändern bei Industriechemikalien um 35 Prozent, bei Gummi und Platikmassen um 30 Prozent, bei Produkten aus Stein, Lehm oder Glas um 34 Prozent,
bei Eisen und Stahl um 26 Prozent und bei Erzeugnissen der Kraftfahrzeugindustrie um 25 Prozent zu reduzieren.

+ + + + +

- 6 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

22. August 1979

34

BESSERE KONTROLLEN FÜR RISIKOCHEMIKALIEN GEFORDERT
Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen -

- (AD) - Ergebnisse seiner zweijährigen Untersuchungen legte jetzt der
"Präsidiale Strategie-Ausschuß für Maßnahmen auf dem Gebiet der toxischen
Substanzen" in Form eines Berichtsentwurfes vor, zu dem Fachkreise und die
amerikanische Öffentlichkeit bis zum 30. September 1979 Stellung nehmen und
Änderungen vorschlagen können. Die Kommission, die 1977 von Präsident Carter
ins Leben gerufen wurde und der Vertreter von 18 Bundesbehörden angehören,
empfiehlt neue gesetzliche und andere bundesweite Aktionen, um das ständig
wachsende Problem der Entwicklung und Verwendung toxischer Chemikalien in
den Griff zu bekommen. An der Spitze des Ausschusses steht Gus Speth, der
neue Vorsitzende des Präsidialbeirats für Umweltqualität.
"Industriell hergestellte toxische Chemikalien sind in beachtlichem Umfang als Ursache von Erkrankungen und Todesfällen anzusehen", erklärt Speth.
Allein bei 20 - 38 Prozent der Krebserkrankungen werde als Ursache die Einwirkung karzinogener Substanzen am Arbeitsplatz angenommen.

Berufsbedingte

Risiken, zu denen auch die Arbeitsunfälle zählen, seien in den Vereinigten
Staaten für schätzungsweise 100 000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich zu
machen.

Der Bericht des Strategie-Ausschusses analysiere und bewerte zum

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�zum ersten Mal "systematisch die Probleme und Unzulänglichkeiten in den Forschungsbemühungen und Verordnungen des Bundes, ferner die von der Bundesregierung unternommenen Schritte zur Überwindung solcher Probleme sowie Empfehlungen für Verbesserungen."
Die mehr als zwei Dutzend Gesetze und Verordnungen, die den Umgang mit
toxischen Chemikalien regeln, seien vom Ansatz und Aufbau her gut und geben,
wie es in der Studie heißt, die Kompetenz zu einer fast vollständigen Überwachung bei einer Exposition mit toxischen Chemikalien.

In mindestens vier

Bereichen seien jedoch zusätzliche Gesetze erforderlich:
- mehr Befugnisse des Bundes auf dem Gebiet der Kosmetika;
- Säuberung stillgelegter und z.Zt. nicht benutzter Giftmülldeponien;
- Abbau der Schranken gegen den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und
vertraulichen Daten; und
- Bereitstellung von Bundesmitteln für eine verstärkte Teilnahme der
Öffentlichkeit an der Regelung des Umgangs mit toxischen Substanzen.
Außerdem wird hervorgehoben, daß das Problem der toxischen Chemikalien
sehr viel umfangreicher sei, als es den heute zur Verfügung stehenden Mitteln,
sich mit ihm auseinanderzusetzen entspreche. Es gebe Tausende von Substanzen,
die nicht unter die Gesetze fallen und dennoch auf ihre möglichen Umweltauswirkungen hin untersucht werden müßten. Und es gebe viele akute oder auch
chronische, sich langsam entwickelnde oder diffuse Schädigungen, die vielleicht
durch solche Umweltchemikalien verursacht werden und unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen seien. Die in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen zur Koordinierung und Verbesserung der Effektivität behördlicher Aktionen reichten noch nicht aus, um die für die Gesetze gesetzten Ziele zu erreichen. Nur mit direkten Regierungsverordnungen in bezug auf das Freisetzen
von möglicherweise gefährlichen Chemikalien und deren Einwirkung auf Mensch

- 2 -

�Mensch und Umwelt sei ein angemessener Schutz für die öffentliche Gesundheit
und die Umwelt zu erwarten.

Vorbeugung sei der Schlüssel, um Krankheiten

und Umweltprobleme, die durch toxische Chemikalien ausgelöst werden, unter
Kontrolle zu bekommen.

Die aufsichtführenden Behörden müßten bereits handeln

und eingreifen können, wenn Anzeichen für gefährliche Auswirkungen überzeugend
sind, jedoch noch keine gesicherten Beweise vorlägen.
Wichtige Empfehlungen der Kommission:
- Schaffung eines zentralen Datennetzes der Regierung, um einen schnellen
Zugang zu allen Arten von Informationen über chemische Substanzen zu gewährleisten.

Gegenwärtig sind entsprechende Informationen in mehr als 220 Daten-

systemen getrennt gespeichert.
- Abbau noch bestehender gesetzlicher und administrativer Barrieren gegen
den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und anderen vertraulichen Informatonen
über toxische Substanzen - sowohl von Behörde zu Behörde als auch gegenüber
Kontraktnehmern des Bundes -, ohne dadurch eine angemessene Absicherung wirtschaftlicher Interessen zu beeinträchtigen.

Die Öffentlichkeit sollte eben-

falls mehr Zugang zu vertraulichen Daten über die Auswirkungen von Chemikalien
auf Gesundheit und Sicherheit erhalten.
- Verstärkte Forschung in Bundeslaboratorien auf kritischen Gebieten wie
Epidemiologie und Toxikologie.
- Bundesweit sollen die Möglichkeiten, bei Notfällen wie dem Freiwerden
giftiger Chemikalien oder dem Ausdringen von gefährlichen Substanzen in nicht
mehr benutzten Giftmülldeponien wirksam einzugreifen, durch umfassende neue
Kompetenzen umgehend verbessert werden, um z.B. das Säubern der Deponien und
die Finanzierung solcher Maßnahmen zu sichern.
Da es sich bei der Kontrolle toxischer Chemikalien um weltweite Probleme
handelt, wird den zuständigen amerikanischen Behörden empfohlen, sich um eine

- 3 -

�eine internationale Koordinierung praktischer Maßnahmen und besseren internationalen Informations- und Meinungsaustausch über die Toxizität von Substanzen zu bemühen.
Der Verband der chemischen Industrie der USA kritisierte den Berichtsentwurf der Kommission und forderte, daß "jede neue Regierungsinitiative auf
diesem Gebiet auf reale Bedürfnisse zugeschnitten sein muß und nicht in unnötige Aktionen und kostspielige neue Regierungsprogramme ausarten darf."

+ + + + +

�34

22. August 1979

BAKTERIEN MIT KOMPASS
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen
in der Tierwelt auf der Spur
Von G. Weiss

- (AD) - Bei der Untersuchung von Schlammbakterien aus der Umgebung des
Ozeanographischen Forschungsinstituts Woods Hole im US-Bundesstaat Massachusetts
stieß Dr. Richard P. Blakemore (jetzt Staatsuniversität von New Hampshire) im
Jahr 1975 auf Mikroben, die bei der Fortbewegung eine bestimmte Richtung bevorzugen.

Man vermutete bald, daß es das erdmagnetische Feld sei, das dieses

Verhalten beeinflußt.

In der Folgezeit wurden im nordamerikanischen Raum wei-

tere Mikroorganismen mit dieser Eigenschaft entdeckt, und zwar sowohl in salzhaltigem Wasser als auch in Süßwasser.

Durch Experimente konnte dann Dr. Ad. Kalmijn vom Woods Hole-Institut
nachweisen, daß die Bakterien, die nur wenige Tausendstel Millimeter lang sind,
sich an einem Magnetfeld orientieren können und dies in Verbindung mit dem
erdmagnetischen Feld auch tatsächlich tun:
ein.

Sie halten stets die Nordrichtung

In den geographischen Breiten, wo bisher die Untersuchungen vorgenommen

wurden, ist dies gleichbedeutend damit, daß sie so ihren Weg nach unten in

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�in ihren Lebensbereich d.h. in Schlammgründe und Sedimente finden.

Denn die

vertikale Feldkomponente auf der Nordhalbkugel ist in diesen Breiten bereits
stärker als die horizontale.

Die eigene Schwere würde nicht ausreichen, um

die Bakterien rasch absinken zu lassen.

Bringt man sie in ein künstliches

Magnetfeld und polt dieses um, reagieren sie darauf sofort mit Bewegung in
der Gegenrichtung.

Dr. Blakemore vermochte eine solche Bakterienart zu iso-

lieren und in Reinkultur zu züchten.

Diese Mikroben gehören zur Gruppe der

Spirillen (Schraubenbakterien) und erhielten die Bezeichnung "MS-1" (MS für
"magnetotactic spirillum").
Ein Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in
Boston, Dr. Richard B. Frankel vom Francis-Bitter-Institut für Magnetforschung,
befaßte sich eingehend mit bisher bekannt gewordenen magnetischen Bakterien,
um herauszufinden, welcher Mechanismus wohl hinter der Nordorientierung stecke,
über die Ergebnisse seiner Arbeiten berichtete er kürzlich in einem Vortrag
in Washington.

Den Schlüssel für das Verhalten bilden, so Dr. Frankel, win-

zige Magnete im Bakterium.

Dabei handelt es sich, wie elektronenmikroskopische

Untersuchungen ergaben, um eine Kette von 22 (manchmal auch etwas mehr) Partikeln von mehr oder weniger kubischer Form, die ähnlich wie die Nadel eines
Kompasses funktionieren.

Sie bestehen aus Magnetit, einer Eisen-Sauerstoff-

Verbindung der chemischen Formel Fe^O,.
Jeder Magnetkristall hat eine Kantenlänge von etwa 500 Angström (1 8 =
1/10 000 000 mm), d.h. von fünf Hunderttausendstel Millimeter. Dies ist eine
kritische Größe, weil dann nämlich unter Raumtemperatur die magnetischen Eigenschaften am günstigsten sind. Wären die Partikel kleiner, würde bei Raumtemperatur die Wärmeenergie ihrer Umgebung ihre magnetische Orientierung verändern. Wären sie sehr viel größer, würden sie ihre Polarität verlieren.
Offenbar entwickelten diese Bakterien einen physiologischen Prozeß, mit
dem sie Magnetitpartikel der günstigsten Größe in der Zelle synthetisieren.
Diese ergeben den Kompaß mit der festen Orientierung, wobei sich der nach Norden weisende Pol an dem Ende befindet, das der zur Fortbewegung dienenden

�dienenden Geißel gegenüberliegt.

Mit Spannung wartet Frankel jetzt auf

Sedimentproben aus Südamerika, die möglicherweise Bakterien enthalten, welche ebenfalls magnetisch sind.

Wie werden sie sich auf der Nordhalbkugel

verhalten?
Chemische Analysen der Magnetbakterien aus Nordamerika ergaben, daß
sie eine um das Zehnfache höhere Eisenkonzentration besitzen als andere Bakterien.

Sie müssen demnach, so Dr. Frankel, ihren Kompaß aus Eisenionen

synthetisieren, die sie gewissermaßen in ihrer Umgebung zusammenkehren.

Wie

sie aber das Größenproblem für die Kristalle gelöst haben, ist unbekannt.
Das wiederum ist eine Frage, die jetzt die Elektronik-Industrie interessiert.
Weitere Entdeckungen auf diesem Gebiet, könnten vielleicht sogar für die Medizin von Bedeutung sein.
Nicht zuletzt aufgrund der Entdeckung magnetischer Bakterien erhielt
die Erforschung des Orientierungssinns der Vögel großen Auftrieb. Im Verlauf
des letzten Jahres wurde bekannt, daß Wissenschaftler an Universitäten in
New York und New Jersey im Kopf der Taube und im Hinterleib der Biene ein
"magnetisches Organ" gefunden hätten, das den Tieren die Orientierung im erdmagnetischen Feld ermögliche.

+ + + + +

- 3 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grußadresse Präsident Carters an die UN-Wissenschaftskonferenz in Wien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter entlässt schweres Rohöl aus der Preisüberwachung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;EG-Einfuhren nach USA bis 1987 zu 70 Prozent zollbegünstigt&lt;br /&gt;Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde auf die amerikanischen Einfuhren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bessere Kontrollen für Risikochemikalien gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bakterien mit Kompass&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen in der Tierwelt auf der Spur&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
7H {l/iiWiiM
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35
INHALT

DOKUMENTATION
Fernsehinterview mit Vizepräsident Mondale vor Beginn seiner China-Reise
- Auszüge Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten Walter F. Mondale in der
Universität von Peking
USA: Technische Kapazität der Entwicklungsländer muß verbessert werden
- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz HINTERGRUNDMATERIAL
Die Nation macht Ernst mit dem Sparen
- Amerika senkt den Energieverbrauch Von unserem Korrespondenten James Füller
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster Vorstoß einer Forschungssonde zum Planeten Saturn
- Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel InfraschalIwellen zeigen schwache Erdbeben an

Um Übcf/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
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Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

FERNSEHINTERVIEW MIT VIZEPRÄSIDENT MONDALE VOR BEGINN SEINER CHINA-REISE
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Vor Abflug zu seinem einwöchigen Besuch in China
erklärte der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale am 24. August 1979
in Washington, er hoffe auf Gespräche, die zu Fortschritten in einer ganzen
Reihe von Prob!einkreisen führen werden: neben Themen wirtschaftlicher und
kultureller Art sowie im Bereich von Wissenschaft und Technik sollen vor
allem das SALT II-Abkommen und das Problem der Vietnamflüchtlinge - das er
"eine der grausamsten Erscheinungen in der jüngeren Geschichte" nannte - zur
Sprache kommen.
Die entsprechenden Auszüge aus dem Interview mit der amerikanischen
Fernsehgesellschaft NBC haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Es sind Treffen mit den höchsten Vertretern Chinas geplant.

Was wollen Sie - außer freundschaftlichen Gesprächen - vor allem erreichen?
ANTWORT:

Es gibt eine ganze Reihe von Zielen, die wir auf dieser Reise

verfolgen und die die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten
erweitern und vertiefen sollen. Viele davon liegen im wirtschaftlichen Be-

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Bereich - wie Handel, Geschäfts- und Kreditprobleme; andere auf kulturellem
Gebiet, wieder andere im wissenschaftlichen und technischen Bereich.

Wir

werden uns mit der ganzen Bandbreite dieser Fragen auseinandersetzen.
FRAGE:

Erwarten Sie die Ankündigung spezieller Vereinbarungen, die viel-

leicht im Verlauf Ihres Besuchs getroffen werden?
ANTWORT:

Ich glaube, wir werden Fortschritte machen, obwohl es schwer

ist, jetzt schon Genaues zu sagen.

Darf ich vielleicht eines anmerken?

Hat

man einmal mit der Normalisierung der Beziehungen zu einem Land begonnen
- was wir auf Präsident Carters Initiative hin in diesem Jahr getan haben -,
dann kann Normalisierung entweder ungeheuer viel oder aber auch so gut wie
gar nichts bedeuten.

Wir sind nunmehr mitten in dem schwierigen, aber sehr

wichtigen Prozeß der echten Normalisierung der Beziehungen, so daß die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten in rechtlicher Hinsicht
sowie hinsichtlich der Struktur denjenigen Beziehungen sehr ähnlich sein werden, die wir mit den anderen Großmächten der Welt unterhalten.

Hierum geht

es im Grund bei meiner Reise.
FRAGE:

Ich habe gehört, daß die Chinesen seit Beginn der Normalisierung

am 1. Januar dieses Jahres recht enttäuscht sind darüber, daß die Dinge auf
unserer Seite in Washington nicht schneller in Bewegung geraten:
abkommen zum Beispiel liegt noch nicht einmal dem Kongreß vor.

das HandelsHören Sie das-

selbe?
ANTWORT: Ich meine, wir haben gute Fortschritte gemacht. Die Normalisierung ist erst neun Monate alt. Wir haben klargestellt, daß wir die Meistbegünstigungsklausel und das Handelsabkommen noch in diesem Jahr dem Kongreß
vorlegen werden; außerdem noch eine ganze Reihe weiterer Punkte, mit denen
ich mich auf dieser Reise beschäftigen werde. Ich glaube, sie werden zufrieden sein.
FRAGE:

�FRAGE:

China hat Angst vor der Sowjetunion und die chinesische Führung

wünscht vielleicht die Zusicherung, daß wir es mit den Sowjets in Asien, rund
um die Welt, aufnehmen werden.

ANTWORT:

Wie werden Sie ihr diese Zusicherung geben?

Es steht außer Frage, daß neben unseren bilateralen Beziehungen

die internationalen Sicherheitsprobleme eines der Themen sind, die wir diskutieren werden.

Wir werden zweifellos SALT diskutieren; zweifellos auch wer-

den wir die strategische und militärische Position der Vereinigten Staaten
besprechen; wir werden die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen diskutieren,
und wir werden ganz einfach die Bilanz ziehen, die gekennzeichnet ist von
Standhaftigkeit, Zurückhaltung und unserer großen Sorge um Stabilität in Frieden auf dieser Welt, und wir werden das Interesse unterstreichen, das wir alle
daran haben.

FRAGE:

Und zweifellos werden wir all dies ausführlich besprechen.

Werden Sie ihnen berichten, daß Sie die Ratifizierung des SALT-

Abkommens durch den Senat erwarten?
ANTWORT:

FRAGE:

Ja - und ich glaube fest daran, daß es ratifiziert werden wird.

Nach Ihrem Besuch in China werden Sie nach Hongkong reisen, wo

eine große Zahl von Flüchtlingen aus Südostasien lebt.

Viele dieser Menschen

wurden zum Teil deshalb zu Flüchtlingen, weil China voriges Jahr Vietnam angriff.

Tut China alles, was es tun sollte, um diesen Menschen zu helfen?

ANTWORT:

Zunächst: obwohl wir die Invasion Chinas in Vietnam ablehnten,

glauben wir nicht daran, daß dies der Grund dafür war, daß diese Flüchtlinge
das Land verließen.

Wenn Menschen in ein Boot steigen und ihr Leben riskieren

- und es gibt Schätzungen, denen zufolge 30, 40, ja 50 Prozent tatsächlich
auf dem Meer sterben -, dann tun sie das aus Verzweiflung.
wegen seiner brutalen Vertreibungspolitik verurteilt.

Wir haben Vietnam

Sie ist eine der grau-

samsten Erscheinungen in der heutigen Welt und in der jüngeren Geschichte;
und so sehr wir auch gegen den Überfall Chinas auf Vietnam protestierten:
dies ist nicht der Grund.
Wir
- 3 -

�Wir reisen nach Hongkong, um zu versuchen, den angelaufenen Prozeß zu
beschleunigen, bei dem unser Land sich nach meinem Dafürhalten an die Spitze
gesetzt hat: meiner Meinung nach hat Präsident Carter dieses Problem klarer
erkannt als die meisten anderen Länder. Wir wollen helfen, sicherzustellen,
daß diese Flüchtlinge in Hongkong - und Hongkong ist nebenbei bemerkt sehr
großzügig bei der Aufnahme und der Versorgung der Flüchtlinge gewesen - durch
unsere Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden hierher oder in andere Länder
gebracht werden können und diese kleine Insel dadurch etwas Entlastung erfährt.
FRAGE:

Wir haben normalisierte Beziehungen zu China. Würde es das

Flüchtlingsproblem Ihrer persönlichen Meinung nach entschärfen, wenn wir
unsere Beziehungen auch zu Vietnam normalisierten?
ANTWORT: Ich glaube nicht an einen solchen Zusammenhang. Es gibt keine
Entschuldigung für das, was Vietnam mit dieser grausamen und herzlosen Vertreibung von Tausenden und Abertausenden seiner eigenen Bürger tut. Und es
sind nicht nur die Bootsflüchtlinge, die Vietnam über das Meer verlassen.
Es gibt Tausende und Abertausende Menschen, die aus Kamputschea, wir nannten
es früher Kambodscha, fliehen, weil Vietnam durch die Invasion dieses Landes
den Versuch unternimmt, dieses Volk durch eine Marionettenregierung zu beherrschen.
FRAGE: Sind Sie nach der UN-Konferenz vorigen Monat in Genf, auf der
Sie den Präsidenten vertraten, damit zufrieden, daß die Welt im großen und
ganzen alles, was in ihrer Macht steht, für diese Flüchtlinge tut?
ANTWORT:

Ich kann nicht sagen, ob die Welt alles tut, was sie kann.

Aber ich glaube, sagen zu können, daß die zivilisierte Welt bei diesem Flüchtlingsproblem weit mehr tut

als sie bei vielen anderen Flüchtlingsproblemen

getan hat, von denen ich weiß.

Wir nehmen viele Tausende von Flüchtlingen in

den Vereinigten Staaten auf, und ich glaube, wir sind hier führend.
der ganzen Welt bringen wir Länder dazu, Flüchtlinge aufzunehmen.
- 4 -

Aber in
Gerade

�Gerade die ASEAN-Länder im asiatischen und pazifischen Raum arbeiten hervorragend und errichten jetzt Zwischenlager.
entgegenkommend gewesen.

Die Erstasyllander sind sehr

Ich denke, die Welt hat ziemlich gut auf dieses

Problem geantwortet.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

ANSPRACHE DES AMERIKANISCHEN VIZEPRÄSIDENTEN WALTER F. MONDALE
IN DER UNIVERSITÄT VON PEKING

PEKING - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale, der
sich zu einem einwöchigen Besuch in der Volkserepublik China aufhält, hat
am 27. August 1979 an der Universität von Peking eine Rede gehalten, die vom
chinesischen Fernsehen im ganzen Land ausgestrahlt wurde. Trotz der "grundlegenden Unterschiede" zwischen den beiden Ländern, so sagte der US-Vizepräsident, gebe es "viele parallele strategische und bilaterale Interessen".
Mondale wandte sich gegen eine Isolierung Chinas und wies darauf hin, daß
die Normalisierung der Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten
dabei helfe, diese Isolierung abzubauen, die auch den amerikanischen Interessen zuwiderlaufe.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
"Es ist eine Ehre für mich, zu Ihnen zu sprechen, und ich überbringe
Ihnen die herzlichen Grüße und die Freundschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und des amerikanischen Volkes.

Für

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Für einen Amerikaner meiner Generation bedeutet ein Besuch der Volksrepublik China, den Pulsschlag der modernen politischen Geschichte zu fühlen.
Nahezu drei Jahrzehnte lang waren unsere beiden Länder voneinander isoliert.
Aber der althergebrachte Hunger nach Kommunikation vereint die Menschheit.
Er zwingt uns dazu, gemeinsame Grundlagen zu finden.
Vor tausend Jahren drückte es einer Ihrer Dichter so aus:

"Wir erweitern

unseren Gesichtskreis um dreihundert Meilen, wenn wir nur eine Treppe hinaufsteigen".

Wir steigen diese Treppe nun zusammen hinauf.

Jeden Tag nehmen wir eine andere Stufe.

Heute nachmittag habe ich das

Vorrecht, der erste amerikanische Politiker zu sein, der direkt zu den Bürgern
der Volksrepublik China spricht.
Und keine andere Kulisse hätte für diese Rede und für unsere Beziehung
symbolischer sein können als dieser Ort des Neubeginns.
modernen China kristallisiert sich in der Geschichte

Die Geschichte des

der Universität von

Peking und der anderen hervorragenden Institutionen, die Sie vertreten.

An

so gut wie jedem Wendepunkt im China des 20. Jahrhunderts war Bei-da (die
Universität) der Hebelpunkt.
Vor 60 Jahren begann hier die Bewegung des 4. Mai, die ein Zeitalter von
beispielloser geistiger Gärung einleitete.

Sie unternahm die Anstrengung,

die chinesische Kultur und Gesellschaft zu modernisieren.

Sie schuf eine neue

Grundlage, auf der sich östliche und westliche Kulturen trafen.

Und ihr

System des gegenseitigen Respekts stärkt heute unsere eigene kulturelle Zusammenarbeit.
Vor 44 Jahren war es dieser Ort, an dem die Bewegung vom 9. Dezember
eine ganze Studentengeneration dazu anspornte, äußerer Aggression zu widerstehen.

Und ihre Botschaft der Souveränität und des Nichtangriffs untermauert

heute unsere eigene politische Zusammenarbeit.
Und

�Und während China in die Zukunft blickt, sind es wiederum diese Universität und Ihre anderen Forschungszentren, die beim Vorstoß auf "die vier
Modernisierungen" vorangehen.

Und der enge Zusammenhang zwischen Ihren Ent-

wicklungszielen und unseren eigenen Interessen wird die Grundlage für unsere
fortdauernde wirtschaftliche Zusammenarbeit abgeben.
Heute befinden sich unsere beiden Länder an einem Schlüsselpunkt. Wir
haben unsere Beziehungen normalisiert. Der Vorhang hat sich geöffnet. Das
Dunkel hat sich gelichtet. Wir drängen darauf, mehr voneinander zu erfahren,
gegenseitig Anteil zu nehmen an den Ausformungen unseres täglichen Lebens und
die menschlichen Bande der Freundschaft zu schmieden.
Dies ist ein reicher Anfang.

Aber es ist nur ein Anfang.

Ein modernes China, das seinen Platz in der Völkerfamilie einnimmt, bemüht sich nicht nur um die Suche nach Freundschaft, sondern auch um die Suche
nach Sicherheit und Entwicklung. Und ein Amerika, das seine Beziehungen zu
China vertieft, tut dies nicht nur aus einem echten Gefühl heraus und nicht
nur aus naturgegebener Neugier. Amerika tut es aufgrund der gleichen Kombination von Prinzip und Eigeninteresse, die die Triebkraft ausgereifter Beziehungen zwischen allen modernen Staaten ist.
Unsere Aufgabe heute besteht darin, die Grundlage für eine dauerhafte
Beziehung morgen zu schaffen. Wir könnten diese Aufgabe nicht ohne unsere
Feundschaft bewältigen. Aber wir können sie auch nicht mit Freundschaft allein
vollenden.
Dies ist die Botschaft, die ich im Namen Präsident Carters dem Volk von
China bringe - eine Botschaft über Amerika, seine Absichten in der Welt und
unsere Hoffnungen hinsichtlich unserer Beziehungen zu Ihnen.
Geschichtlich sind die Amerikaner ein zuversichtliches Volk.
litik wurzelt in unseren Werten.

Unsere Po-

Wir pflegen unseren fundamentalen Glauben
- 3 -

�Glauben an die Menschenrechte, an das Mitgefühl und an die soziale Gerechtigkeit.
nalisiert.
lich.

Wir glauben, daß unser demokratisches System diese Werte institutioDie unseren Bürgern offenstehenden Möglichkeiten sind unvergleich-

Unsere Debatten sind lebhaft und offen.

Und die Gegensätze, die wir

unter uns austragen, gleichgültig, ob über strategische Nuklearpolitik oder
über Energie, sind Zeichen der dauerhaften Stärke unserer Gesellschaft.
Mein Land ist mit unübertroffenen natürlichen Ressourcen gesegnet.
dem haben wir ein unvergleichliches Arbeitspotential:
schaftler, Ingenieure, Industrielle und Finanzleute.

Außer-

Arbeiter, Bauern, WissenDurch ihren Einfalls-

reichtum sind wir in der Lage, unsere natürlichen Güter in Überfluß umzuformen - nicht nur für uns selbst, sondern für die Welt.
Natürlich stehen wir ungelösten Problemen gegenüber.

Aber die hohen

Ziele, die wir uns selbst setzen, und unsere Entschlossenheit, sie zu erreichen,
sind ein Maßstab für den Geist unserer Nation.

In diesem Streben, in diesem

ruhelosen Verfolgen eines besseren Lebens fühlen wir eine besondere Wesensverwandtschaft mit dem Volk des modernen China.
In der Weltgemeinschaft suchen die Vereinigten Staaten internationale
Stabilität und Frieden. Aber wir geben uns keinen Illusionen hin, was die
Hindernisse angeht, denen wir gegenüberstehen. Wir wissen, daß wir in einer
gefährlichen Welt leben. Und wir sind entschlossen, auch weiterhin militärisch vorbereitet zu sein. Wir passen unsere Verteidigungsmittel dem fortgeschrittensten technischen Wissen an, das es gibt. Wir haben in Europa und
in Asien Bündnisse geschmiedet, die mit jedem Jahr stärker werden. Gemeinsam mit unseren japanischen und westlichen Verbündeten werden wir sicherstellen, daß unsere Investition in Sicherheit der Aufgabe entspricht, den
Frieden zu sichern - wie wir dies seit 30 Jahren tun.
Aber wir wollen mehr sein als ein starker und zuverlässiger Partner im
Bereich der Weltpolitik.

Wir glauben auch an eine Welt der Vielfalt.

Hin-

sichtlich der chinesisch-amerikanischen Beziehungen bedeutet dies, daß wir

- 4 -

�wir die besonderen Eigenschaften respektieren, die das große chinesische
Volk zu unserer Beziehung beiträgt.

Und trotz der manchmal grundlegenden

Gegensätze zwischen unseren beiden Systemen verpflichten wir uns dazu, gemeinsam mit Ihnen unsere vielen parallelen strategischen und bilateralen
Interessen zu fördern.
Somit nimmt jedes Land, das darauf aus ist, Sie im Bereich der Weltpolitik zu schwächen oder zu isolieren, eine Haltung ein, die den amerikanischen Interessen zuwiderläuft. Aus diesem Grund haben die Vereinigten
Staaten die Beziehungen zu Ihrem Land normalisiert»und aus diesem Grund
müssen wir daran arbeiten, unsere neue Freundschaft zu vertiefen und zu
stärken.
Nunmehr müssen wir darauf drängen, unsere Beziehungen zu erweitern
und ihnen besondere Kennzeichen zu verleihen. Die grundlegenden Aufgaben,
denen wir gegenüberstehen, liegen in dem Aufbau konkreter politischer Bindungen im Kontext der gegenseitigen Sicherheit, in der Errichtung breiter
kultureller Beziehungen in einem Rahmen echter Gleichheit und in dem Schmieden praktischer wirtschaftlicher Bande mit dem Ziel des gemeinsamen Nutzens.
Während wir unsere gemeinsamen Interessen inhaltlich auffüllen, investieren wir in die Zukunft unserer Beziehung. Je wirkungsvoller wir unsere Tagesordnung voranbringen, je mehr Bande wir zwischen uns errichten, umso mehr
können wir darauf vertrauen, daß unsere Beziehung dauern wird.
Und so legt das, was wir heute erreichen, den Grundstein für das kommende Jahrzehnt.

Die achtziger Jahre werden Zeuge unserer Zusammenarbeit

und unserer Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um die Weltprobleme anzugehen.

Bereicherung der Weltwirtschaft, Begrenzung internationaler Konflik-

te, Schutz der Unabhängigkeit von Staaten:

diese Ziele müssen auch aus der

Perspektive unserer bilateralen Beziehung heraus verfolgt werden.

Je tiefer

diese Beziehung ist, umso erfolgreicher wird dieses weltweite Streben sein.
Dies

�Dies sind die Themen, die mir Präsident Carter für meinen Besuch in
der Volksrepublik China mitgegeben hat. Dies ist diewesentliche Botschaft,
um deren Übermittlung mich Präsident Carter gebeten hat.

Es ist die Tages-

ordnung, die wir in Zukunft gemeinsam verfolgen.
In den acht Monaten seit der Normalisierung sind wir Zeuge einer raschen
Ausweitung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen geworden.
Wir haben ein Schulden- und Vermögensabkommen erzielt und ein Handelsabkommen unterzeichnet.

Der Handel zwischen unseren Ländern weitet sich aus.

Amerikanische öl gesell Schäften helfen Ihnen bei der Erschließung der ölreserven, die vor der Küste Chinas liegen.
Gemeinsame Kommissionen für chinesich-amerikanische Wirtschaftsbeziehungen sowie für wissenschaftlichen und technischen Austausch sind ins Leben gerufen worden.

Wir haben einen regen Austausch von Delegationen auf

Regierungsebene gehabt, einschließlich der Besuche zahlreicher Leiter unserer
entsprechenden Ministerien und Behörden.

Und der Besucherfluß zwischen un-

seren beiden Ländern erreicht neue Ausmaße.
Wir haben eine starke Antriebskraft zur Zusammenarbeit entwickelt. Gemeinsam sollten wir sie erhalten und stärken.
Denn ein starkes, sicheres und in der Modernisierung begriffenes China
liegt auch im amerikanischen Interesse in den nächsten zehn Jahren.
Auf dem Gebiete der Landwirtschaft bietet Ihre ständige Weiterentwicklung nicht nur ein besseres Leben für das chinesische Volk.

Sie dient auch

unseren Interessen, denn Ihre Fortschritte auf dem Gebiet der Landwirtschaft
werden die begrenzten Nahrungsmittel Vorräte der Welt vergrößern.
Im Bereich des Handels wird unseren Interessen durch Ihre sich erweiternden Exporte an natürlichen Ressourcen und Industriegütern gedient.

- 6 -

Und

�Und gleichzeitig sind die Käufe, die Sie mit Hilfe dieser Exporte finanzieren können, Ihren Interessen dienlich.
Durch Ihre fortschreitende Industrialisierung bieten Sie Ihrer Bevölkerung einen höheren Lebensstandard . Und gleichzeitig wird dadurch auch unseren
Interessen gedient, denn eine solche Entwicklung wird den Handelsfluß stärken,
die Wohlstandslücke zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern
verengen und dazu beitragen, eine Hauptursache der weltweiten Instabilität
abzuschwächen.
Und was am wichtigsten ist:

Ihren und unseren politischen Interessen

wird durch Ihre wachsende Stärke auf allen Gebieten gedient, denn dies trägt
dazu bei, andere abzuschrecken, die sonst versuchen könnten, sich Ihnen aufzuzwingen.
Die Bemühungen in den zwanziger und dreißiger Jahren, China schwach
zu halten, haben die gesamte Welt destabilisiert. Viele Jahre lang stand
China im Scheinwerferlicht konkurrierender Großmachtpolitik. Ein zuversichtliches China jedoch kann zur Wahrung des Friedens in diesem Raum beitragen.
Heute bescheren die bisher einmaligen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen China, Japan und den Vereinigten Staaten Nordostasien internationale
Stabilität.
Deshalb ist eine Vertiefung unserer wirtschaftlichen, kulturellen und
politischen Beziehungen strategisch so wichtig - nicht nur für Ihre Sicherheit, sondern für den Frieden der gesamten Weltgemeinschaft.
Wir unternehmen gegenwärtig entscheidende Schritte, um unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen.
Erstens wird Präsident Carter noch vor Jahresende das mit Ihnen geschlossene Handelsabkommen dem Kongreß zur Billigung zuleiten.
kommen wird die Meistbegünstigung auf China ausdehnen.

- 7 -

Dieses Ab-

Seine Weiter!eitung

�Weiterleitung an den Kongreß ist mit keinerlei anderweitigen Auflagen verknüpft.
Zweitens werde ich ein Abkommen über die Entwicklung des hydroelektrischen Potentials der Volksrepublik China unterzeichnen.

Amerikanische Re-

gierungsstellen sind bereit, an der Erschließung der Wasserkräfte für Zwecke
der Stromerzeugung auf der Basis von Kompensationsgeschäften mitzuwirken.
Drittens sind die Vereinigten Staaten bereit, der Volksrepublik China
bei der Export-Import-Bank auf Fallbasis Kreditlinien in Gesamthöhe von zwei
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg zu eröffnen.
Läßt das Tempo der Entwicklung dies geboten erscheinen, sind wir bereit, weitere Kreditvorkehrungen ins Auge zu fassen.

Diesbezügliche Gespräche sind

bereits im Gange.
Viertens wird die Carter-Administration noch in diesem Jahr den Kongreß
um die Vollmacht ersuchen, amerikanischen Geschäftsleuten einen Anreiz zu
Investitionen in China zu bieten - in Gestalt von Garantien und einer Ausfall Versicherung bei der Staatlichen Gesellschaft für private Auslandsinvestitionen (Overseas Private Investment Corporation).
Wir sind ferner willens, uns gemeinsam mit der chinesischen Regierung
um ein möglichst rasches Zustandekommen eines Textil-, eines Schiffahrtsund eines Zivilluftfahrtabkommens zu bemühen.
Durch den Ausbau unserer kulturellen Beziehungen werden die Universitäten, wie in der Vergangenheit, wieder zu einem wichtigen Ort der Begegnung
zwischen Chinesen und Amerikanern werden.
Heute studieren tüchtige angehende Wissenschaftler aus China in Amerika
und amerikanische Wissenschaftler - von denen ich viele heute hier begrüßen
darf - studieren in China. Dieser Austausch erneuert das Erbe einer hochgeschätzten Tradition. An Universitäten im gesamten Gebiet der Vereinigten
Staaten beflügeln heute zahlreiche Amerikaner das geistige Leben, die in den
- 8 -

�den dreißiger und vierziger Jahren in China gelernt und gelehrt haben - keiner
von ihnen steht wohl in höherem Ansehen als Professor John K. Fairbank, der
uns die Ehre seiner Teilnahme an dieser Chinareise erweist.

Wir sind gleich-

zeitig stolz darauf, daß chinesische Wissenschaftler, die in Amerika Landwirtschaft, Technik und Medizin studiert haben, heute die Kenntnisse, die
sie sich in unserem Lande angeeignet haben, auf den Fortschritt der
chinesischen Gesellschaft verwenden können.

Wir sind dabei, wechselseitige Beziehungen - Beziehungen auf der Basis
echter Reziprozität - zu entwickeln.

Sie werden von uns mit vielen Aspekten

der Wissenschaft und Technologie vertraut gemacht.

Unsere Anthropologen

und Archäologen verfügen über Forschungstechniken, die sie Ihnen zur Erforschung Ihrer eigenen Vergangenheit gerne zur Verfügung stellen werden.
Amerikanische und chinesische Sozial- und Geisteswissenschaftler können sich
gegenseitig viele Einsichten vermitteln und ein besseres Verständnis für unsere jeweiligen Institutionen und Wertvorstellungen wecken.

Und so wollen wir, mit Ihrer Hilfe, unseren Horizont erweitern.
sische Forscher leisten auf vielen Schlüsselgebieten Pionierarbeit:

Chinevon der

Therapie von Hautverbrennungen bis zur Erdbebenvorhersage - und wir sind
willens, hier von Ihnen zu lernen.

Wo der wissenschaftliche Fortschritt eine

weltweite Zusammenarbeit erforderlich macht - auf den Gebieten der Astronomie, der Ozeanographie und der Meteorologie - werden unsere gemeinsamen Anstrengungen der ganzen Welt zugute kommen.

Unsere Sozial- und Geisteswissen-

schaftler haben kaum erst begonnen, sich mit Ihrem Verständnis der Geschichte,
des gesellschaftlichen Wandels und des Potentials des Menschen vertraut zu
machen.

Starke bilaterale Beziehungen dienen auch unseren strategischen Interessen,

über sie können unsere beiden Länder die Entstehung jener Art von

Weltgemeinschaft fördern, die wir anstreben - eine Welt, die Mannigfaltigkeit
respektiert und den konstruktiven Wandel begrüßt.
Es

- 9 -

�Es gibt heute auf der Erde 162 Länder, von denen die meisten arm sind.
80 Prozent der Weltbevölkerung leben in Entwicklungsländern.

Tag für Tag

erheben Menschen in diesen Ländern ihr Haupt, um Unabhängigkeit und Gerechtigkeit zu fordern. Tag für

Tag stoßen Versuche von Machthabern, ihre Völ-

ker zu unterdrücken, auf wachsenden Widerstand.

Die Regierungen beginnen

mehr und mehr nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die grundlegende
Klugheit und Anständigkeit des Schutzes der Rechte ihres Volkes durch das
Gesetz zu begreifen.
Wenn die politische Macht in den Ländern gerechter verteilt wird, wenn
die Macht von einigen wenigen auf die Mehrzahl der Länder verteilt wird und
wenn ein Zeitalter des Kolonialismus dem einer gerechteren internationalen
Ordnung Platz macht - dann verdienen diese Veränderungen die Unterstützung
der ganzen Welt.
In den letzten Jahren standen die Vereinigten Staaten als die stärkste
Militär- und Wirtschaftsmacht der Erde vor einer grundlegenden Wahl: Sollten
wir uns gegen den Wind des Wandels stemmen und unsere nationale Sicherheit
durch Verteidigung des Status quo zu gewährleisten trachten? Sollten wir uns
mit einigen wenigen anderen Ländern in betrügerische Machenschaften mit dem
Ziel einlassen, die Welt zu beherrschen? Oder sollten wir den Wandel gutheißen, die erforderlichen Anpassungen vornehmen und bei der Gestaltung einer
gerechteren Weltordnung mithelfen?
Es darf keine Zweifel darüber geben, welche Wahl mein Land getroffen hat.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß jeder Versuch eines Landes,
ein anderes zu beherrschen, zum Scheitern verurteilt ist. Kein Land, das sich
ausschließlich auf ein wachsendes Waffenarsenal oder auf direkte oder indirekte
Interventionen verläßt, kann hoffen,seine Sicherheit langfristig wahren zu
können. Im Gegenteil: Länder, die diesen Kurs einschlagen, werden auf diese
Weise in eine immer stärkere Isolation geraten und umso anfälliger werden.
Nichts

- 10 -

�Nichts bezeugt unseren Glauben an diese Prinzipien deutlicher als die
Normalisierung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen.

Diese Normalisie-

rung signalisiert unser Bewußtsein, daß die amerikanische Sicherheit in den
vor uns liegenden Jahren nicht durch ein Festhalten am Status quo und nicht
durch betrügerische Machenschaften mit dem Ziel gewahrt werden kann, andere
zu beherrschen, sondern durch Förderung der Entstehung einer Welt aus unabhängigen Ländern, mit denen wir positive Beziehungen aufbauen können.

Das ist die Art von Weltgemeinschaft, die wir anstreben.

Unser Streben

gilt einer Vision der Mannigfaltigkeit, konstruktiverer Bindungen - und allem
voran des Friedens.

In einer Welt, die hofft, neue Energiequellen zu finden, ist der Frieden
von grundlegender Wichtigkeit. In einer Welt, die darauf bedacht ist, den Hunger und die Ungleichheit in der Verteilung des Wohlstands zu beseitigen, ist
ein weltweites Gleichgewicht von entscheidender Bedeutung.

In einer Welt, die

sich anschickt, ansteckende Krankheiten auszurotten und unsere Umwelt zu
schützen, ist die internationale Zusammenarbeit ein grundlegendes Gebot.

Der Idee, diesen Frieden zu erlangen, dieses Gleichgewicht zu wahren und
diese Zusammenarbeit weiterzuentwickeln fühlen sich die Vereinigten Staaten
voll und ganz verpflichtet.

Anläßlich des Besuchs des stellvertretenden Ministerpräsidenten Deng
und von Frau Zhuo in den Vereinigten Staaten im Januar, erklärte Präsident
Carter:

"Wir sind diese neuen Beziehungen nicht um irgendwelcher kurzfristi-

ger Gewinne willen eingegangen.

Wir haben uns langfristig einer Weltgemein-

schaft unterschiedlicher ... und unabhängiger Völker verschrieben.

Wir sind

überzeugt, daß ein starkes und sicheres China eine kooperative Rolle bei der
Entwicklung einer so gearteten Weltgemeinschaft spielen wird."

Lassen Sie mich diesen Punkt unterstreichen.

Jeder, der Amerika zu ver-

stehen sucht, wird zwangsläufig immer wieder auf die Idee der Mannigfaltigkeit

- 11 -

�Mannigfaltigkeit stoßen.

Die Vereinigten Staaten sind eine Nation aus Ein-

wanderern, die sämtliche ihre spezifischen Begabungen und Traditionen in unsere Gesellschaft eingebracht haben.
Das amerikanische Volk findet sein gemeinsames Erbe nicht in einer einzigen blutmäßigen Abstammung, nicht in Tausenden von Jahren einer gemeinsamen
nationalen Geschichte, sondern in der Gemeinsamkeit der Ideale. Wir glauben
zutiefst an die Mannigfaltigkeit, die uns formt.

Wir halten sehr viel von To-

leranz, vom Pluralismus und von gegenseitiger Achtung.
Wir beabsichtigen die gleichen Pinzipien auch in der Führung unserer
Außenpolitik in den achtziger Jahren zu befolgen.

Was die chinesisch-amerika-

nischen Beziehungen angeht, bedeutet das nicht, daß wir immer einer Meinung
sein werden.
In einer Welt aber, die die Vielfalt respektiert, können so unterschiedliche Länder wie die Vereinigten Staaten und China Seite an Seite auf die Erreichung gemeinsamer Ziele hinarbeiten.

Gemeinsam ist es uns möglich, unsere

beiden Kulturen gegenseitig zu befruchten, unsere beiden Volkswirtschaften
zu kräftigen und unseren beiden Völkern ein besseres Leben zu bieten.

Und

gemeinsam können wir mithelfen, die Weltgemeinschaft zu stabilisieren - indem
wir die Achtung vor der Vielfalt mehren und uns entschlossen jedem Versuch der
Intoleranz und Beherrschung anderer entschlossen widersetzen.
Im letzten Monat schlössen sich China und die Vereinigten Staaten vielen
anderen Nationen in Genf an, um sich der Qualen der indochinesischen Flüchtlinge anzunehmen.
jeder Beschreibung.

Die Ungeheuerlichkeit ihrer menschlichen Tragödie spottet
In einer Welt, die dieses Leiden zu mildern sucht - ein

Leiden, das die nationalen Grenzen überschreitet - ist der Weg
der Weg

des Gewissens

der gemeinsamen Sache.

Heute schaut die Welt auf uns. In gewissem Sinn erproben wir, ob ein
Industrieland und ein sich entwickelndes Land - jedes mit unterschiedlichen

- 12 -

�unterschiedlichen Traditionen, jedes mit unterschiedlichen Systemen - eine
breite, dauerhafte und konstruktive Beziehung errichten können.

Sicherlich

werden schwerwiegende Hindernisse zu überwinden sein. Aber wenn wir zusammenarbeiten können, werden es uns die kommenden Generationen danken.

Wenn wir

versagen, werden nicht nur unsere Kinder darunter leiden: die gesamte Welt
wird die Folgen fühlen.
Mannigfaltigkeit und Stabilität sind keine neuen Themen der chinesischamerikanischen Beziehungen. Einst sagte Präsident Roosevelt: "Es ist zum
Vorteil und nicht zum Nachteil der anderen Länder, wenn eine Nation stabil
und wohlhabend wird,; wenn sie in der Lage ist, innerhalb ihrer Grenzen den
Frieden zu bewahren und stark genug ist, zu keiner Aggression von außen zu
ermutigen. Wir hoffen von ganzem Herzen auf den Fortschritt in China. Und
soweit wir mit friedlichen und gesetzlichen Mitteln dazu in der Lage sind,
werden wir unseren Teil beitragen, um diesen Fortschritt zu unterstützen."
Vor drei Generationen war dies eine visionäre Einsicht, und die darauf
folgenden Ereignisse konnten die Erfüllung dieses Versprechens nur verzögern.
Lassen Sie uns mit dem Blick in die Zukunft beschließen, das Licht dieser Einsicht aufs neue zu entzünden.

+ + + + +

- 13 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

USA:

TECHNISCHE KAPAZITÄT DER ENTWICKLUNGSLÄNDER MUSS VERBESSERT WERDEN
- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz -

WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der
Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst
der Entwicklung, Botschafter Theodore Hesburgh, hat am 20. August 1979
in Wien mit Nachdruck unterstrichen, daß die wissenschaftliche und technische
Kapazität der Entwicklungsländer verbessert werden müsse.
Seine Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Zu Recht wurde diese schöne Stadt an der Donau,Zeugin so vieler bedeutender geschichtlicher Erreignisse, zum Ort für die Gestaltung der
neuen Konturen unserer Zukunft gewählt. Denn über Jahrhunderte hinweg
war Wien ein Mittelpunkt der Kultur und weitreichender diplomatischer
Entscheidungen. Beim Gedanken an das Vergangene, an Schlachten und
Symphonien, an den Genius von Sigmund Freud, von Ignaz Semmelweiss, von
Konrad Lorenz, Ernst Mach und Lise Meitner erinnert Wien an die Wechselfälle der Zeiten und an die Vielseitigkeit des Menschen.
Heute

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Heute ist diese Stadt eine der Hauptstädte des Systems der Vereinten
Nationen, Gastgeber für die Zentrale der Organisation der Vereinten Nationen
flir industrielle Entwicklung und für die Internationale Atomenergiebehörde.
Beide sind Symbole für die Möglichkeiten des Fortschritts, aber beide erinnern
uns zugleich an die Gefahren der Moderne.

Der Anstieg der Industrialisierung,

begleitet von ungewünschter Umweltverschmutzung, die friedliche Nutzung der
Atomenergie, verfolgt von den Gefahren der Kernkraft:

all das enthüllt nicht

nur die Möglichkeiten der Technik, sondern zugleich ihre negative Kehrseite.
Von daher kommt die Unsicherheit der Ergebnisse, der Doppelsinn der Versprechungen, aber auch die Notwendigkeit des hohen moralischen Anspruchs.
Und wieder war es hier in Wien, wo vor nur zwei Monaten mit der Unterzeichnung des SALT II-Abkommens ein neuer Beweis dafür erbracht wurde, daß
der Geist der Zusammenarbeit für den Frieden letztlich vielleicht doch über
das schreckliche Gespenst einer nuklearen Katastrophe die Oberhand behält.
Der Vertrag ist ein beredtes Zeugnis für die zentrale These unserer Zeit,
die den Menschen vor allem durch seine Verantwortung dem Mitmenschen und der
Geschichte gegenüber definiert. Es ist dies der menschlich-soziale
Imperativ des modernen Zeitalters.
Dieser Imperativ ist das einzige leitende Kriterium, mit dessen Hilfe
wir vielleicht die raschen, sich überschlagenden Fortschritte der Technik
beherrschen können, aber es ist auch der humane Imperativ, der diese Fortschritte möglich macht. Wissenschaft und Technik bedeuten Wissen und Macht,
die ihre wahre Bedeutung und Richtung im Leben der ganzen Menschheit finden
müssen.
Technischer Fortschritt ist mehr als eine Chronologie der Erfindungen.
Er muß ein Gesetz der menschlichen Vernunft in der Geschichte sein, eine
Darstellung des Traumbildes vom wahren Leben und die Wahl der wünschenswerten
Mittel, um zu ihm zu gelangen.
Die
- 2 -

�Die moderne Wissenschaft verändert das Bild, das der Mensch von sich
selbst hat.

Wir sehen uns nicht mehr länger als kleines Zahnrad in einer

Newtonschen Welt des Determinismus, in der die Rolle des Menschen reduziert
wird auf die eines Betrachters, im besten Fall eines Hinnehmenden, oft die
eines Opfers.

Wir sehen diese moderne Welt nicht als statisch, sondern

als fortwährend sich ändernd, eine Welt, in der der Mann und die Frau diese
Veränderung als frei und verantwortlich Handelnde beeinflussen.

Wissenschaft

und Technik sind zu einer ausgeprägt menschlichen Erfahrung geworden, zu
einem Abenteuer und einer Herausforderung, um eine bessere Welt zu schaffen.
Vor zehn Jahren flogen wir zum Mond. Der eigentliche Lohn für dieses
Unternehmen bestand nicht in dem, was wir auf der Mondoberfläche fanden,
sondern in dem Bild, das es uns von unserem eigenen Planeten gewährte. Aus
dieser fernen Perspektive konnten wir zum ersten Mal die feine Zerbrechlichkeit und Schönheit dieses Raumschiffs erkennen, das wie ein Edelstein aussieht und das wir Heimat nennen. Tatsächlich wissen wir jetzt, daß die Erde
aus der Ferne schöner ist als aus der Nähe.
Wissenschaft und Technik sind nicht die Garanten der Zivilisation, sie
bürgen nur für die Möglichkeit der Zivilisation.

Schnelle Autos oder Schnelle

Brüter, Synthetik und Kybernetik machen noch keine Zivilisation.

Wenn unsere

Existenz nicht über die Oberflächlichkeiten des Materialismus hinausgeht und
nicht zu einem sinn - und bedeutungsvollen Leben wird, werden Wissenschaft
und Technik keine Kennzeichen des Fortschritts, sondern nur äußerer Pomp
der Moderne sein.

Das Streben nach höchster wissenschaftlicher Leistung

muß auf der Verfolgung menschlicher Ziele gründen.
Aber können wir wirklich Zivilisation nennen, worin wir leben?
-

Wenn ein Viertel der Erdbevölkerung in elender Armut hungernd und
durch Unwissenheit untätig und dumpf dahinlebt?
Wenn

- 3 -

�-

Wenn allein in diesem Jahrhundert über 100 Millionen Menschen den
Kriegen zum Opfer gefallen sind?

-

Wenn heute noch Millionen ihrer elementaren Menschenrechte wegen
ihrer politischen Überzeugung, ihres religiösen Glaubens, ihres
ethnischen Ursprungs oder ihrer wirtschaftlichen Lage beraubt sind?

-

Wenn technischer Fortschritt oft genug in vielen Gesellschaften nur
eine neue Form der Unterdrückung der Frau bedeutet?

Heute steht die Welt an vielen Fronten kritischem Mangel gegenüber.
Wir leben unter der immer wiederkehrenden Drohung der weltweiten Energiekrise,
der Erschöpfung unserer nicht erneuerungsfähigen Energievorräte und der
Plünderung unserer Umwelt.

Unser Ökosystem ist durch ein dramatisches

Bevölkerungswachstum belastet, unsere Sicherheit durch das andauernde Wettrüsten gefährdet und unser Wohlergehen durch Inflation und Währungschaos in
Frage gestellt.
Bedeutet dies, daß wir die Grenzen unseres Wachstums erreicht haben?
Haben wir tatsächlich die Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik zum
Wohl der Menschheit erschöpft oder ist nur unser Geist erschöpft? Ich hoffe,
daß diese Konferenz lebendiges Zeugnis davon ablegen wird, daß weder unser
Wissen noch unser Geist erschöpft sind und daß wir unsere kollektive Verwundbarkeit umwandeln können in eine Welt der wechselseitigen Abhängigkeit,
eine Welt der Interdependenz von Nationen und der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen dem Menschen und seinem Ökosystem.
Ja, wir leben in einer unvollkommenen Welt, und die Weltwirtschaft
arbeitet nicht so gut, wie sie es sowohl für die armen als auch für die
reichen Länder sollte.

- 4 -

�Das System der weltweiten technischen Erfindungen, ihrer Weitergabe
und ihrer Verwendung läßt in seinen Grundstrukturen den Zusammenhang vermissen, der den Großteil der Weltbevölkerung einschließt und ihm nützt.
Wir haben die rechte Mischung aus höchster wissenschaftlicher Leistung
und benötigten Technologien noch nicht gefunden.

Angesichts des ungeheuren

Potentials der Dritten Welt ist es unsinnig, daß ungefähr 95 Prozent aller
Forschung und Entwicklung in der industrialisierten Welt durchgeführt wird.
Noch tragischer ist, daß nur ein Prozent der weltweiten Forschung und
Entwicklung auf den Gebieten der Gesundheit, der Landwirtschaft, des Wohungsbau und der industriellen Technik für die Bedürfnisse der armen Hälfte der
Bevölkerung dieser Erde verwendet wird. Länder geben sechsmal mehr für die
militärische Forschung als für die Forschung im Energiebereich aus. Sogar
die meisten Entwicklungsländer geben mehr für Waffen als für Gesundheit
und Erziehung aus.
Es ist eine unvollkommene Welt, in der Wissenschaftler und Techniker
der Entwicklungsländer nicht an den letzten und besten, den wirtschaftlichsten
und angemessensten Technologien teilhaben. Es ist eine schreckliche Verschwendung, daß Millionen von Analphabeten und Unausgebildeten nicht an
unserem technischen Fortschritt teilhaben können - sei es als Empfänger oder
als Schöpfer neuer Erfindungen, um ihr Leben zu verbessern.
Es ist eine unzulängliche Weltwirtschaftsordnung, die keinen umfassenden
Nutzen aus der kraftvollen und dynamischen Rolle der internationalen
Geschäftswelt und Industrie zieht und die noch immer nicht das richtige
Gleichgewicht zwischen den Interessen des Privatunternehmens und den
Entwicklungsländern gefunden hat.
Genauso wie die moderne Wissenschaft das Bild des Menschen von sich
selbst ändert, so ändern sich die neuen Beziehungen zwischen den Nationen,

- 5 -

�Nationen, zwischen Nord und Süd, und ändern unsere Vorstellung von globalen
und nationalen Interessen.

Dieser Wandel ist gesund, dieser Wandel ist gut,

und wir brauchen ihn nicht zu fürchten. Wie unser Außenminister, Cyrus Vance,
sagte: "Wir dürfen uns nicht durch den Mythos verleiten lassen, zu glauben,
daß wir nur den Radikalismus ermuntern, wenn wir den Wandel ermutigen oder mit
den Kräften des Wandels verkehren." Wir wollen diesen Wandel ermutigen "mit
einer positiven, langfristigen Strategie gegenüber der Dritten Welt", um noch
einmal den Außenminister zu zitieren. Lassen Sie uns deshalb diesen Dialog
für den Wandel auf dieser Konferenz fortführen.
Erstens müssen wir darauf hinarbeiten, die Industrieländer empfänglicher
zu machen für die Wünsche der Entwicklungsländer, damit die Fortschritte in
Wissenschaft und Technik im Norden dem Süden größeren Nutzen bringen.
Zweitens müssen wir die Beteiligung und den Anteil der Entwicklungsländer
an der Weltwirtschaftsordnung ausweiten, darin eingeschlossen den weltweiten
Technologieumlauf.
Drittens müssen wir eine ausgeglichenere Beziehung

zwischen den Ent-

wicklungsländern und der internationalen Privatwirtschaft schaffen, so daß
beim weltweiten Technologietransfer das Interesse auf beiden Seiten wächst.
Die Aufgabe dieser Konferenz besteht nicht darin, die Irrtümer der Vergangenheit aufzuzählen, sondern Wissenschaft und Technik in das Gewebe der
Zukunft einzuflechten, in das Gewebe der Entwicklung. Wir brauchen Zusammenarbeit, nicht Zusammenstoß.
Die Frage lautet nicht, ob wir etwas tun sollen, sondern wie wir es erreichen sollen.
Wie können wir den Ideenreichtum und die Energien der wissenschaftlichen
Gemeinschaft am besten mobilisieren, um neue große Anstrengungen zur Beseitigung der schlimmsten Aspekte der Armut bis zum Jahr 2000 zu unternehmen?
Welche
- 6 -

�Welche Art der Zusammenarbeit kann die Kapazitäten auf dem Gebiet der
Wissenschaft und Technik in den jeweiligen Entwicklungsländern heranbilden,
ohne die es dort niemals eigenständiges Wachstum und unabhängigen Fortschritt
gibt?
Wie können wir das gegenwärtige Ungleichgewicht auf dem weltweiten Technologiemarkt berichtigen, damit die Entwicklungsländer auswählen können, was
sie brauchen, und ablehnen können, was sie in diesem internationalen Supermarkt der Produkte und Verfahren nicht benötigen?
Wie können wir die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit am
ehesten stärken, um den weltweiten Druck auf die Wasser- und NahrungsmittelVersorgung, auf Energiequellen und Rohstoffe zu vermindern und um wirksam
mit den Problemen des Bevölkerungswachstums und der Zerstörung der Umwelt
fertigzuwerden?
Keine dieser Herausforderungen kann durch ein einzelnes Land allein angenommen werden. Aber was wir einzeln und gemeinsam für die Entwicklung der
Wissenschaft und der Technik und mit Hilfe von Wissenschaft und Technik für
die Entwicklung getan haben, ist ein guter Anfang.
Während der letzten 30 Jahre haben zum Beispiel die Vereinigten Staaten
mehr als 100 Milliarden Dollar zur Entwicklungshilfe beigetragen.

In diesem

Jahr ist unsere Hilfe auf nahezu sieben Milliarden Dollar angestiegen.

Dabei

enthält unsere Auslandshilfe immer auch in irgendeiner Form unseren Anteil
an wissenschaftlichen Erkenntnissen, technologischen Kenntnissen und technischen Produkten.
Den Kern der amerikanischen Zusammenarbeit bildet auch weiterhin die
Anwendung des technologischen know-how zur Erhöhung der Nahrungsmittel Produktion in den Entwicklungsländern.
Wir
- 7 -

�Wir beabsichtigen, im Verlauf der nächsten fünf Jahre umfangreiche und
echte Erhöhungen unseres Beitrags an die Konsultativgruppe für internationale
Landwirtschaftsforschung vorzunehmen.

Und wir laden andere Länder dazu ein,

sich uns bei dieser Anstrengung anzuschließen.
80 Prozent unserer Entwicklungshilfe gehen in Länder mit einem Pro-KopfEinkommen von unter 300 Dollar pro Jahr, um den Bevölkerungsmassen breiteren
Zugang zu Produktionstechniken, Gesundheitsvorsorge, Familienplanung und
Elementarerziehung zu geben.
Um die wissenschaftliche und technische Infrastruktur in den Entwicklungs
ländern zu stärken, unterstützen wir weit über 100 Universitäten und mehr als
300 Berufsschulen.

Jedes Jahr helfen wir Zehntausenden von Menschen in den

Entwicklungsländern, um in weiterbildenden Schulen in den Vereinigten Staaten
und in Drittländern zu studieren.
Wir teilen jetzt und auch weiterhin mit den Entwicklungsländern die Fortschritte, die wir bei unseren anspruchsvollsten Technologien machen, wie zum
Beispiel:
- Die Vereinigten Staaten beabsichtigen die Investition von 24 Millionen
Dollar in ein neues Sechsjahresprogramm zur Untersuchung der Wirksamkeit von
Satelliten als Mittel für Sendungen über Erziehung und zur verbesserten Kommunikation in abgelegenen, ländlichen Gebieten.
- Die Vereinigten Staaten werden die Initiative ergreifen, um zum Zweck
der Entwicklung einers internationalen Systems die Hersteller und die Abnehmer von Beobachtungssatelliten zusammenzubringen. Wir sind der Meinung, daß
Satelliten auf eine Weise betrieben werden sollten, die allen Interessierten
einen leichten Zugang zu den Daten ermöglicht und die eine Datensammlung ohne
unnötige Wiederholungen und zum höchstmöglichen gegenseitigen Nutzen zuläßt.
Die Absicht dabei ist, sicherzustellen, daß die Entwicklungsländer ihren Zugang zu Informationen über die Verwendung und Bewirtschaftung von Wäldern,
- 8 -

�Wäldern, Weideland, Wasserversorgung, Bodenerhaltung und das Auffinden neuer
Mineralien und Wasserquellen verbessern.

- Die Vereinigten Staaten weiten ihre Hilfe im Bereich der erneuerungsfähigen Energiequellen deutlich aus und arbeiten an kooperativen Methoden zur
Anwendung fortgeschrittener Technologien, einschließlich der Solartechnik,
für die Energiebedürfnisse der Entwicklungsländer.

Bei der Anwendung von Wissenschaft und Technik in der Entwicklung kann
jedoch ausländische Hilfe kein Ersatz für Eigeninitiative sein.

Mangelhaft

ernährte und kranke Menschen ohne Heim und ohne Arbeitsplatz brauchen keine
väterlichen Zusprüche.

Sie brauchen Werkzeug und Handwerk, Kapital und Ge-

legenheit, Hilfe zur Selbsthilfe, um ihre eigenen elementaren Bedürfnisse befriedigen zu können.
Der Ausbau der Kapazitäten und der Infrastruktur im Bereich der Wissenschaft und Technik in den Entwicklungsländern muß der erste entscheidende
Schritt sein, um die schlimmsten Aspekte der Arm,ut zu beseitigen und um die
Entwicklungsländer zu einem echten Partner bei diesem weltweiten wissenschaftlichen und technischen Unternehmen zu machen.

Erziehung auf allen Ebenen steht

im Mittelpunkt der menschlichen Entwicklung und ist der Schlüssel zu höherer
Lebensqualität.

Deshalb haben wir bei der Verstärkung der örtlichen wissenschaftlichen
und technischen Infrastrukturen geholfen, bei Programmen zur unternehmerischen,
technischen und allgemeinbildenden Erziehung, bei Forschungsinstituten, bei
Tätigkeiten im Bereich der Standardisierung, bei der landwirtschaftlichen Beratung und auf dem Informationsgebiet, bei der Laborversorgung, bei Ausrüstungszentren und Ausbildungsaufgaben.

Der technische Beistand und der Export von Sachverständigenwissen muß
sich auf die einheimische Fähigkeit stützen können, um Probleme auszumachen
und um Prioritäten zu setzen.
Um
- 9-

�0

Um auf die Herausforderung der Bildung einer solchen eigenen Kapazität
zu antworten, errichten wir auf die persönliche Initiative Präsident Carters
hin ein neues Institut für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit.
Die wichtigsten Funktionen des Instituts umfassen:
- Gewinnung des Beistands der Entwicklungsländer bei der Erstellung
einer Dringlichkeitsliste in Forschung und Entwicklung.
- Langzeitforschung und -entwicklung bei schwierigen Entwicklungsproblemen.
- Aufbau internationaler Verbindungen der Zusammenarbeit innerhalb der
wissenschaftlichen und technischen Gemeinschaft.
- Mobilisierung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten verschiedener öffentlicher und privater Unternehmen in den Vereinigten Staaten.
- Förderung des Interesses amerikanischer wissenschaftlicher und technischer Institutionen an gemeinsamer Forschung, Ausbildung und anderen kooperativen Tätigkeiten.
- Einbeziehung des Privatsektors der Vereinigten Staaten in die Anstrengungen zur Verbesserung von Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung.
Wir können nicht im Ernst über gerechtere und ausgeglichenere Muster
der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit nachdenken, solange
die Entwicklungsländer nicht die Macht des wissenschaftlichen Wissens und
der wissenschaftlichen Information besitzen. Beträchtliche Mengen an Information, im öffentlichen Bereich angesiedelt, stehen den Entwicklungsländern
bereits zur Verfügung. Zudem steht ein großer Teil des technischen Wissens
privaten Sektoren durch öffentliche Informationssysteme zur Verfügung, die
dieses Wissen beschreiben, oder durch die Quellen, bei denen solches technisches Wissen erhältlich ist.
Aber
- 10 -

�Aber wir sollten nicht so tun, als sei auf dem internationalen Technologiemarkt alles in bester Ordnung.

Technisches Wissen wird oft genug als

ein Produkt verkauft, das sich diejenigen am wenigsten leisten können, die
es am dringendsten benötigen,

übertragene Technologie entspricht häufig nicht

den Bedürfnissen vor Ort, ist unrentabel und unempfindlich gegenüber den Auswirkungen auf die Umwelt.
Eine solche Weitergabe von technischem Wissen ist ein schlechtes Geschäft.
Aber gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß die Privatwirtschaft schon
immer eine bedeutende Quelle der Erneuerung gewesen ist, ein wichtiger Partner
bei der Verbreitung von technischem Wissen und ein unabdingbarer Faktor des
Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern. Deshalb müssen wir unseren
Dialog über eine lange Reihe von Maßnahmen fortsetzen, die die Verhandlungsfähigkeit der Entwicklungsländer bei ihrem Erwerb ausländischer Technologie
vergrößert und ihre Teilnahme am Technologiemarkt nicht nur als Verbraucher,
sondern auch als Anbieter verstärkt.
Durch neue Initiativen und fortgesetzte Programme müssen wir auf dieser
Konferenz und in den kommenden Jahren neue Bereiche und neue Mechanismen der
Zusammenarbeit finden. In seiner Grußadresse an diese Konferenz sprach Präsident Carter von Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung als einem
"gemeinsamen Unternehmen". Die erschreckenden Herausforderungen, denen wir
alle, Industrieländer ebenso wie Entwicklungsländer, gegenüberstehen, machen
dieses gemeinsame Unternehmen zu einem weltweiten Gebot. Deshalb begrüßen
die Vereinigten Staaten die Erklärung von Bukarest, in der die Entwicklungsländer erneut ihre Bereitwilligkeit bestätigten, im Wissen um die Dringlichkeit auf die Gewährleistung eines Erfolgs dieser Konferenz hinzuarbeiten.
Wir bewohnen einen Planeten mit begrenzten Vorräten, mit einer einzigen
ükosphäre und mit einem gemeinsamen Schicksal. In dieser Welt der wechselseitigen Abhängigkeit sind wir alle Entwicklungsländer. Die Unterschiede
zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen dem Osten und dem Westen sind gering im Vergleich zu der Ungeheuerlichkeit der gemeinsamen Aufgaben, vor
denen die Menschheit steht.
Deshalb
- 11 -

�Deshalb sind wir bereit, bei vernünftigen Unternehmen mitzuarbeiten,
die die weltweite wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit stärken.
Wir glauben fest daran, daß dies eine gemeinsame Anstrengung sein wird, bei
der weltumfassende Werte die Organisationsprinzipien für Forschung und Entwicklung sind, bei der der Wert des Wissens und der technischen Produkte gemessen wird an ihrem Beitrag zu den umfassenderen Sorgen über das menschliche
Wohlergehen.
Wissenschaft und Technik sollten neue Grenzen eröffnen und neue Möglichkeiten um sich an allem zu erfreuen, was die Schönheit und die grenzenlosen
Elemente dieses Planeten Erde bieten.
Unsere Generation muß der Garant dieses neuen Morgen sein.

Es ist unsere

Aufgabe, in dieses neue Zeitalter einzuführen, den Boden zu bereiten und den
Samen zu säen, der reiche Früchte tragen wird.
dreifache sein:

Und unsere Ernte wird eine

ein neues Reich der Vernunft, ein neues Reich der Wirklich-

keit und ein neues Reich der Rechte.
Lassen Sie uns dieses Reich der Vernunft errichten. Denn bei den Anstrengungen, die wir unternehmen, kann es nicht darum gehen, daß die Gewinne
jener, die Gleichheit und Gleichberechtigung suchen, gleichzeitig als Verlust
derjenigen verzeichnet werden, die derzeit mehr besitzen. In diesem Reich
können wir den Lehrsatz vom gegenseitigen Nutzen beweisen, daß nämlich Fortschritte in einem Teil der Welt zum Nutzen aller andern sind.
Lassen Sie uns das Reich der Wirklichkeit anerkennen. Diese Wirklichkeit zwingt uns, uns der kommenden Krisen der Weltgemeinschaft bewußt zu
werden. Mögen auch unsere materiellen Vorräte schwinden, unsere überkommenen
Energiequellen versiegen, es gibt eine unerschöpfliche und stets erneuerungsfähige Quelle: unseren Erfindungsreichtum, unsere Vorstellungskraft, unser
Wissen und unsere Technik - und vor allem unser menschliches Streben, das
all dies in eine neue Welt verwandeln kann.

Und
- 12 -

�Und lassen Sie uns mit Hilfe von Wissenschaft und Technik ein neues
Reich der Menschenrechte erschaffen:
- in dem der internationale Geist der Zusammenarbeit die Grundrechte in
den Mittelpunkt unserer Tagesordnung für das 21. Jahrhundert stellt;
- dessen Merkmal die Freiheit ist, dessen Eckpfeiler die Gleichberechtigung von Mann und Frau und dessen Kennwort die Gerechtigkeit;
- in dem Wohltaten, die aus den Vorratsschätzen dieser Erde kommen, keinen
besonderen Nutznießer kennen und sie nicht durch irgendeine nationale Grenze
eingeschränkt werden, solange noch irgendwo Menschen in Not sind.
Deshalb, Frau Präsident, lassen Sie uns unser Morgen zu einer Welt des
Teilhabens machen, in der die Freiheit des Forschens und des Schaffens sowie
die Möglichkeit, die Früchte unserer Arbeit zu teilen, zu den wirklichen Kennzeichen der Zivilisation werden.

- 13 -

�(Kl-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

DIE NATION MACHT ERNST MIT DEM SPAREN
- Amerika senkt den Energieverbrauch Von unserem Korrespondenten James Füller

- (AD) - Die Gewohnheiten des Energieverbrauchs haben sich in den USA
nach dem ülembargo von 1973/74 entscheidend geändert.

Häuser werden heute

anders gebaut und beheizt, neue Automodelle unter dem Gesichtspunkt der
höchstmöglichen Kraftstoff-Wirtschaftlichkeit konstruiert (von Hybrid-Fahrzeugen und Elektroautos einmal ganz abgesehen), und die Industrie wägt unter
dem Gesichtspunkt des Energieverbrauchs sehr genau ab, was und wie sie produziert.
Wie kürzlich Elliot Estes, der Präsident des größten amerikanischen
Automobilkonzerns General Motors bekannte, zwinge die Öffentlichkeit die
Autoindustrie geradezu, ihre Produktion von Benzinschluckern auf wirtschaftliche Autos umzustellen.

Die Industrie habe "eine harte Lektion erhalten"

und werde sie so bald nicht vergessen.
Regierungsstellen gehen auf allen nur erdenklichen Gebieten beim Energiesparen mit gutem Beispiel voran:

In der Zeitspanne 1977/78, in der der Ge-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Gesamtenergieverbrauch der USA um 7,4 Prozent anstieg, verringerten sie
- der riesige Militärapparat eingeschlossen - ihren Verbrauch um 3,7 Prozent.
Allein diese Einsparquote würde ausreichen, um "mehr als eine Million Eigenheime ein Jahr lang zu beheizen", wie ein Sprecher des US-Energieministeriums
erklärt.
Mehr Forschung soll die Situation verbessern helfen.

Während 1973 für

Energie-Forschungsprojekte staatliche Mittel in Höhe von 479 Millionen
Dollar bewilligt wurden, erreichte dieser Posten im letzten Finanzjahr 3,5
Milliarden Dollar.

Weitere Erhöhungen sind für das nächste Haushaltjahr

vorgesehen.
Die Verwaltungen einer Reihe von Großstädten zeigen sich sehr aktiv.
Da ist z.B. New York, dessen Stadtrat jetzt Sparmaßnahmen empfahl, die die
jährliche Stromrechnung von 101 000 Dollar auf 75 000 reduziert. Da ist
Boston, wo die Stromrechnungen für den Verbrauch allein im Rathaus seit 1976
um 16 000 Dollar zurückgingen. Und in Seattle (Bundesstaat Washington an
der Westküste) suchen die Versorgungsbetriebe gemeinsam mit mittleren und
kleinen Unternehmen intensiv nach Möglichkeiten, mehr Wasserkraft einzusetzen anstatt die Kapazität der ölheizkraftwerke auszuweiten.
Was Energiesparen finanziell bedeuten kann, zeigt die Entwicklung
der Preise: Sie stiegen seit 1973 für Kleinverbraucher bei Erdgas um mehr
als das Doppelte, bei Strom um zwei Drittel und für Heizöl für das Einfamilienhaus um 65 Prozent an. Eine Studie des Kongreßamtes für TechnologieBewertung (0TA) hebt hervor, daß der Energieverbrauch privater Haushalte,
der in den sechziger Jahren um durchschnittlich 4,6 Prozent im Jahr anstieg,
seit den frühen siebziger Jahren auf 2,6 Prozent Zuwachsrate zurückgegangen
sei.
Die Privatwirtschaft erweist sich als einfallsreich.

Da gewähren

Banken in Colorado beim Neukauf von Wagen, die im Stadtverkehr nicht mehr
als 11 Liter Benzin verbrauchen, auf Kredite zwei Prozent Zinsnachlaß, und

- 2 -

�und bei Maßnahmen zur besseren Isolierung von Häusern und bei anderen energiesparende Aktivitäten sogar 3 bis 4 Prozent "Rabatt".

Konstruktion und Be-

trieb von Geschäftshäusern haben einschneidende Veränderungen durchgemacht.
Wolkenkratzer werden wieder mit Fenstern gebaut, die sich öffnen lassen.
Fenster werden so konstruiert, daß in Bürogebäuden und Hotels das einfallende
Sonnenlicht einen optimalen Anteil für Beleuchtung und Heizung übernimmt.
Mehr und mehr werden Hausdächer mit Sonnenkollektoren bestückt.

In Gebäuden

modernster Konstruktion wird bereits die Abwärme der Beleuchtungskörper,
der elektrischen Schreibmaschinen und selbst die Körperwärme der Menschen, die
dort arbeiten, für die Energieversorgung genutzt.

Der seit ein paar Jahren in den USA vor allem auf dem Lande zu verzeichnende Mehrverbrauch an Holz spart gegenwärtig 500 000 Barrel Erdöl ein. Man
hofft, bis 1985 die allein durch diese Maßnahme eingesparte Menge auf eine
Million Barrel (1 Barrel = 159 Liter) steigern zu können.

Die Regierung

unterstützt finanziell die Verwendung technisch moderner Öfen zur Holzverbrennung.

Wie die Umweltschutzbehörde EPA kürzlich bekanntgab, haben die neuen
Wagen aus Detroit eine um 60 Prozent größere Kilometerleistung als die Modelle
von 1973. Mineralölexperten sagen voraus, daß die neuesten, sehr wirtschaftlichen Modelle Anfang der achtziger Jahre eine bemerkenswerte Reduzierung des
Benzinverbrauchs bewirken werden.

Ein Rückgang des Kraftstoffverbrauchs

landesweit gesehen ist bereits zu verzeichnen:

Die Steigerungsrate, die in

den sechziger und frühen siebziger Jahren bei 5 Prozent lag, beträgt heute
ca. 2 Prozent im Jahr.

Der durch Kongreßgesetz seit 1975 ausgeübte Zwang

zur besseren Wirtschaftlichkeit der Kraftfahrzeuge verfehlt seine Wirkung
nicht.

Kleine Wagen machen heute 55 Prozent des Absatzes aus (gegenüber

35 Prozent im Jahr 1972).

Importierte Fahrzeuge dieser Art, die noch im

vorigen Jahr 17 Prozent des Auto-Absatzes ausmachten, liegen bereits bei
23 Prozent.

Und

- 3 -

�Und jetzt werden Benzinmengen auch zunehmend durch Alkohol Zusätze gestreckt.

Dieser Alkohol, der sich aus den verschiedensten Rohstoffen wie

Getreide- und Holzabfällen, Zuckerrüben, Mais und Weizen oder aus Abfallprodukten bei der Nahrungsmittel Verarbeitung gewinnen läßt, soll helfen,
daß 1982 schon mehr als eine Milliarde Liter und 1985 mindestens 2,3 Milliarden Liter Mischkraftstoffe vom Typ GASOHOL verfügbar sind.

Die Regie-

rung hat Kreditgarantieen in Höhe von 30 Millionen Dollar für den Bau großer
GASOHOL-Produktionsanlagen zugesagt.

Das Landwirtschaftsministerium gibt

weitere vier Millionen Dollar für Forschungen auf dem Gebiet der Vergärung
der Grundstoffe.
Der Präsidialbeirat für Umwelthygiene mißt dem Einsparen von Energie
besonderes Gewicht bei. In einem kürzlich vorgelegten Bericht ("The Good
News About Energy") vertritt er die Ansicht, daß sich der wirtschaftliche
Fortschritt der Vereinigten Staaten keineswegs verlangsame, wenn der Energieverbrauch durch systematische Sparmaßnahmen wesentlich beschnitten würde.
Gemessen an der realen, d.h. preisbereinigten Wachstumsrate für das Bruttosozialprodukt, die in früheren Jahren in etwa auch der Wachstumsrate für
den Energieverbrauch entsprach, sei eine Verringerung der letztgenannten
Größe auf etwa ein Drittel der des Bruttosozialprodukts bis zum Jahr 2000
denkbar. Schon heute sei, wie Dr. James Schlesinger in seiner Rede vom
16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub in Washington erwähnte, der
Energiekoeffizient zur Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts bei 0,5 oder
0,6 angelangt.
Wenn Energiesparen überall ernst genommen werde, schwinde auch, so der
Präsidialbeirat für Umwelthygiene, die Abhängigkeit von Kohle und Kernkraft.
Anstatt 500 neuer Kohle- und Kernkraftwerke benötige Amerika dann in den
nächsten Jahrzehnten nur etwa 125, was weniger Umweltbelastungen und Strahlengefahren sowie Schonung der Landschaft bedeute.
In einer Vergleichsstudie zum Verhalten anderer wichtiger Industrieländer, die William Vogely, Leiter des Departments für Mineral öl Wirtschaft

- 4 -

�Mineralölwirtschaft der Universität Pennsylvanien, kürzlich abschloß, werden
mit schlüssigen Beweisen Behauptungen widerlegt, daß die Vereinigten Staaten
riesige Mengen von Energie verschwendeten. Vor allem in den Neuenglandstaaten,
die nach Bevölkerungsdichte, Entfernungen und Klima die meisten Ähnlichkeiten
mit den Ländern Westeuropas aufweisen, werde pro Million des jeweiligen bundesstaatlichen Bruttosozialprodukts weitaus weniger Energie verbraucht als
in Großbritannien, in den Niederlanden und in Schweden. Allerdings ergäbe
sich in den geographisch völlig anders gearteten Bundesstaaten des Westens,
Mittelwestens und Südwestens, wo Energie billiger, der Gebrauch des Autos
infolge der Weite des Landes zwangsläufig sehr viel intensiver sei, ein anderes Bild: Dort wird gegenwärtig pro Million Dollar des bundesstaatlichen
Bruttosozialprodukts mehr Energie verbraucht als in anderen Industrieländern.
Alles in allem gesehen setze sich aber der Trend zu rationellerer Nutzung
von Energie immer stärker durch. Die Vereinigten Staaten lernen, eine gegebene Energiemenge mit immer besserem Nutzeffekt zu gebrauchen.

+ + + + +

- 5 -

�I

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

ERSTER VORSTOSS EINER FORSCHUNGSSONDE ZUM PLANETEN SATURN
Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel

- (AD) - Die amerikanische Raumsonde PIONIER 11 kreuzt am 1. September
1979 die Bahn des Planeten Saturn. Dank der im Dezember 1974 am Planeten
Jupiter gewonnenen Schwerebeschleunigung war sie auf eine Bahn gelenkt worden, die sie in hohem Bogen über die Sonne und die Bahnen der inneren Planeten hinweg zu der dem damaligen "Standort" des Jupiter gegenüberliegenden
Seite des Sonnensystems führte. Und da der Planet Saturn auf seinem Umlauf
um die Sonne sich nunmehr just an diesem Kreuzpunkt befindet, haben die
Wissenschaftler durch PIONIER 11 zum ersten Mal Gelegenheit zur Nahbeobachtung dieses zweitgrößten Satelliten der Sonne. In nur 1900 km Abstand
passiert er die wahrscheinlich aus kleinen Partikeln sowie Eis- und Gesteinsbrocken bestehenden Ringe und in 21 400 km Entfernung die farbenreiche, gebä'nderte Wolkenhülle. Seit ihrem Start im April 1973 in Kap Canaveral hat
die Sonde inzwischen drei Milliarden Kilometer zurückgelegt.
Nahaufnahmen vom Planeten, seinen Ringen und drei seiner zehn Monde
sowie wissenschaftliche Messungen sind die Aufgaben der Sonde, die bereits
Ende 1974 vom Jupiter so viele aufschlußreiche Daten zur Erde gefunkt hatte.
Die bei der größten Annäherung gewonnenen Aufnahmen werden zwanzigmal mehr

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�mehr Details zeigen als die besten Fotos, die mit leistungsstarken Teleskopen
von der Erde aus gemacht werden können.

Die Instrumente des PIONIER re-

gistrieren eventuell vorhandene Magnetfelder, Strahlengürtel oder besonders
energiereiche Partikel, messen Temperaturen, Dichte und Zusammensetzung der
oberen Wolkenschichten sowie jegliche Wärmeabstrahlung aus dem Planeteninnern.
Alle diese Daten werden der Forschung helfen, die Mengen von Wasserstoff und
Helium (den zwei Hauptbestandteilen des Planeten Saturn), die Struktur der
Gashülle mit Schichtung, charakteristischer Bewegung der Wolkenmassen und
horizontaler wie vertikaler Strömung in der Atmosphäre näher zu bestimmen,
"über den Saturn wissen wir heute noch sehr viel weniger als über Jupiter
vor dem Besuch von PIONIER 10 und 11", meint Dr. John H. Wolfe, Projektleiter für das PIONIER-Programm der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA am
Arnes-Forschungszentrum in Mountainview (Kalifornien).
Gelegentlich wird auf der Erde atmosphärisches Rauschen infolge Radiostrahlung vom Saturn registriert, was darauf hindeuten könnte, daß Saturn
ebenso wie Jupiter, Erde und Merkur ein Magnetfeld besitzt. Wenn dem so ist,
würde dieses Feld wohl auch elektrisch geladene Partikel halten, beschleunigen und Strahlungsgürtel aufbauen, die in gewisser Weise mit den Ringen
des Saturn in Wechselwirkung treten. Von der Erde aus sind drei Ringe sichtbar, die 77 000 km Abstand vom Saturn erreichen. Aber die Forscher vermuten
noch jenseits des äußeren Ringes einen weiteren, unsichtbaren Ring "E". Die
drei optisch wahrnehmbaren Ringe haben eine Gesamtbreite von 64 800 km.
Ein eventuell vorhandener "E"-Ring könnte diesen Wert verdoppeln. PIONIER 11
würde unmittelbar durch ihn hindurchgehen, wenn er zweimal die Äquatorebene
kreuzt. Enthielte der hypothetische "E"-Ring feinen Staub, so könnte dieser
das Ende für die Sonde bzw. deren Funktiqnsfähigkeit bedeuten. Dr. Wolfe
schätzt die Chance, daß PIONIER bei der hohen Fluggeschwindigkeit Kollisionen
mit dichten Staubpartikeln überlebt, auf 50:$0. Der Flugkurs mußte jedoch
so gewählt werden, weil PIONIER 11 gleichzeitig Pfadfinder für die Sonden
V0YAGER 1 und 2 ist, die 1980 und 1981 am Saturn eintreffen werden.

Von

�Von den zehn bisher bekannten Saturn-Monden sollen drei, nämlich Iapetus,
Rhea und Titan von den PIONIER-Instrumenten unter die Lupe genommen werden.
Iapetus, der zweitäußerste im Mondsystem, ist auf der Stirnseite bei seinem
Umlauf um den Planeten Saturn sechsmal heller als auf der Rückseite.

Polari-

sationsmessungen und Messungen der Lichtintensität sollen den Wissenschaftlern
Anhaltspunkte dafür geben, weshalb es zu dieser Helligkeitssteigerung kommt.
Von Rhea, dem Mond Nr. 6, sollen u.a. Masse und Dichte ermittelt werden.
Das Hauptinteresse gilt jedoch dem Mond Nr. 7, Titan. Er ist größer als
der innerste Sonnenplanet, Merkur, und um ein Drittel größer als unser Erdmond. Den Saturn umkreist er im Abstand von 1,5 Millionen km. Seine Atmosphäre
erscheint bei Fernrohrbeobachtungen verschwommen hell und durchsetzt von
orangefarbenen Schwaden. Durch spektroskopische Untersuchungen wurde Methan
in der Atmosphäre festgestellt. Sie könnte ungefähr die Dichte der Erdatmosphäre an der Oberfläche haben. Auf jeden Fall ist sie sehr viel dichter
als die Marsatmosphäre.
Nur ein Zehntel der Menge von Sonnenlicht, das die Erde erreicht, dringt
bis zum Titan vor. Dennoch könnte die Titan-Atmosphäre die Wärme speichern,
falls sie dafür dicht genug ist, was die Temperatur an der Oberfläche erhöhen
würde. Der sog. Gewächshauseffekt der Lufthülle und ihr Gehalt an Methan
(was Ähnlichkeitm11 der Erdatmosphäre vor Beginn der Entwicklung von Leben
besitzt) könnte Umweltbedingungen schaffen, in der organische Moleküle hervorgebracht werden, aus denen sich lebende Materie aufbaut. Titan gilt nach dem
Mars als "die letzte Hoffnung, organisches, lebensähnliches Material in unserem Sonnensystem" zu finden, erklärt Projektleiter Wolfe. PIONIER 11 wird
den Mond Titan in 356 000 km Abstand passieren.
Saturn, der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems, ist nur wenig kleiner als der Jupiter.

Sein Volumen beträgt das 815fache des Erdvolumens, aber

seine Masse ist nur 95 Mal größer, weil er in der Hauptsache aus den Leichtelementen Wasserstoff und Helium besteht.

PIONIER 11 nähert sich von oben

her und kreuzt am 1. September um 17.00 Uhr MEZ die Ringebene außerhalb des
- 3 -

�des äußeren Ringes zum ersten Mal, bei einer Geschwindigkeit von 10 km pro
Sekunde.

Auf ihrem Weiterflug unterhalb der Ringe wird die Sonde bis zur

größten Annäherung an den Saturn um 19.00 Uhr MEZ auf 32 km/sec beschleunigt.

Dann verschwindet PIONIER 11 hinter dem Planeten und steigt wieder

zur Ringebene auf, die er nach 100 Minuten noch einmal kreuzt.

Die Schwere-

beschleunigung, die ihm der Saturn erteilt, bringt ihn auf einen Kurs, der
ihn in der Bewegungsrichtung des Sonnensystems relativ zum Zentrum der Milchstraße hinausführt in den interstellaren Raum.

Diesen erreicht er aber erst

in etwa 40 Jahren, wenn er in etwa 14,9 Milliarden km Abstand zu unserer Sonne
das Sonnensystem verlassen und in die "Heliopause" eintreten wird.

+ + + + +

.

�I

Uliz/cn/chofl
\mö Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
29. August 1979

35

INFRASCHALLWELLEN ZEIGEN SCHWACHE ERDBEBEN AN

- (AD) - Das Hundegebell in der Nacht wurde allmählich lästig. Don
Stierman, Geologe der Universität Kalifornien (Riverside), fand ebensowenig
Schlaf wie seine Kollegen, mit denen er in der Mojavewüste zur Durchführung
von Feldmessungen im Zelt übernachtete. In den Mittagstunden des vorangegangenen Tages waren im Süden Kaliforniens zwei starke Erdstöße registriert
worden. Daraufhin begab sich die Wissenschaftlergruppe auf schnellstem Wege
in die Mojavewüste, um dort mit tragbaren Seismometern Nachbeben aufzunehmen.
Tatsächlich zeigten die Instrumente im Verlauf von 40 Stunden etwa
1000 weitere Erdstöße an. Die meisten waren allerdings sehr schwach.
Stierman wurde ihrer nur durch das Klickgeräusch des Seismometers gewahr,
das neben seinem Schlafsack stand. Aber Hunde in der näheren und weiteren
Umgebung schlugen jedes Mal an. Dies erinnerte an Beschreibungen von ungewöhnlichem Verhalten von Tieren vor einem stärkeren Erdbeben - was aber war
es wirklich, was die Hunde so störte? Empfindliche Schallmeßgeräte, die
auch Signale erfaßten, die das menschliche Ohr nicht wahrzunehmen vermag,
schienen das Rätsel lösen zu helfen: Selbst die schwachen Nachbeben verursachten donnerähnliche Geräusche, aber in der Form von Schallwellen so niedriger Frequenz, daß das menschliche Ohr sie nicht zu hören vermag. Sie
wurden übrigens im Zusammenhang mit sehr schwachen Beben zum ersten Mal beobachtet - vielleicht deshalb, weil die Mojavewüste für solche Messungen be-

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�besonders günstige Bedingungen bietet.
gut.

Der Granit leitet Schallwellen sehr

Ein weiterer glücklicher Umstand für die Beobachtungen war auch die

Tatsache, daß es sich um Flachbeben handelte, der Herd also nahe der Erdoberfläche lag.

Selbst schwache Erdstöße, die nicht einmal den Punkt 1 auf der

Richterskala erreichten, erzeugten donnerähnliches Grollen - aber nur im
Infraschallbereich.

Die Hunde mit ihrem besseren Hörvermögen reagierten

darauf völlig normal.

Sie bellten, wie sie es auch bei Gewitterdonner tun.

Nach Meinung Stiermans ist das Auftreten von Infraschall wellen auch bei
leichten Erdstößen, die z.B. einem schweren Beben vorausgehen, eher eine Erklärung für das auffällige Verhalten von Tieren - eine bessere jedenfalls
als die Theorien über Veränderungen des elektrischen Feldes oder aus der Erde
ausdringende Gase.

Man könnte und sollte jedenfalls aufgrund der jetzt ge-

machten Beobachtungen versuchen, auffälliges Verhalten von Hunden in die Auswertung von Seismogrammen einzubeziehen.
es ständig.

Schwache "Hintergrund"-Beben gibt

Sie sind auf den Meßstreifen von Vorläufern schwerer Erdbeben

im Gebiet der jeweiligen Meßstationen nicht zu unterscheiden.

Wird jedoch

gleichzeitig in der betreffenden Region bei Hunden ungewöhnliches Verhalten
beobachtet, könnte dies helfen, die äußerst begrenzten Möglichkeiten für
eine Erdbebenvorhersage auszuweiten.

+ + + + +

�</text>
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