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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6 . November 1985

44

,*

INHALT

DOKUMENTATION
Abrahamson:

Echte Durchbrüche bei SDI

HINTERSRUNDMATERIAL
Sowjets verfügen über gewaltige Offensivkapazität an chemischen
Waffen
- Bericht des US-Verteidigungsministeriums -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

25 Jahre Laser
- In Forschung, Medizin und Technik heute unentbehrlich

* * * * *

Um Über/endunQ von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

6. November 1985

44

ABRAHAMSON:

ECHTE DURCHBRÜCHE BEI SDI

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der Organisation für die Strategische
Verteidigungsinitiative

(SDI), Generalleutnant James Abrahamson, hat am

30. Oktober 1985 vor dem amerikanischen Senat erklärt, bei dem Programm
seien "echte Durchbrüche" und Fortschritte erzielt worden, wie man sie
kaum erwartet habe.

Der General nahm vor dem Unterausschuß für strate-

gische und taktische Nuklearstreitkräfte des Militärausschusses des Senats zu dem SDI-Programm Stellung und wandte sich dabei gegen die vom
amerikanischen Kongreß vorgenommenen Kürzungen der von der Reagan-Administration beantragten Mittel für SDI, da dadurch das Programm nicht in dem
geplanten Umfang durchgeführt werden könne.

Die Ausführungen von Generalleutnant Abrahamson vor dem Unterausschuß
haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�Herr Vorsitzender,

ich danke Ihnen für die Gelegenheit wieder vor Ihrem Ausschuß erscheinen und über die Strategische Verteidigungsinitiative sprechen zu
dürfen.

Ich betrachte das immer als Privileg, und ich werde gerne Ihre

sachlichen Fragen bezüglich SDI beantworten.

Seit ich das letztemal vor diesem Ausschuß erschienen bin, haben wir
einen echten Fortschritt wie auch Änderungen in dem Programm erlebt. Wegen der Kürzungen in den von uns beantragten Haushaltsmitteln mußten wir
einige sehr schwierige Entscheidungen bezüglich der Technologien treffen,
die näher untersucht werden müssen.

Wir können es uns angesichts dieser

Kürzungen einfach nicht mehr leisten, das umfassende, vollständige Forschungsprogramm durchzuführen, das vorgesehen war.

Auf der anderen Seite

haben wir aber auf einigen Gebieten wesentliche Durchbrüche erzielt, die
zu einer Neuorientierung einiger unserer Prioritäten geführt haben.

Ich

möchte kurz einige der Erfolge unseres Programms aufzählen und mich dann
näher den Zielen und Prioritäten zuwenden.

Im Laufe des letzten Jahres haben wir ein Programm erlebt, das mit
all den Myriaden von Problemen behaftet war, die mit dem Anfang verbunden
sind - verbunden mit den Anfechtungen, die einem Programm von so gewaltigem Ausmaß und raschem Wachstum innewohnen.

Manche Leute dachten, daß

ein solches Programm überhaupt nicht durchführbar sei, daß die finanziellen Anforderungen zu hoch seien; daß es einfach nicht möglich sei, Erhöhungen der angesetzten Mittel aufzufangen.

Vergleiche mit anderen Pro-

grammen nationaler Priorität machen solche Behauptungen zunichte.

Das

Wachstum von SDI in der angeforderten Höhe und gar in der derzeitig bewilligten Höhe ist sicherlich nicht größer als das Wachstum ähnlicher
Programme.

Darüber hinaus haben wir in diesem Jahr eine Rate der Anweisungen für
SDI aufrechterhalten, die höher liegt, als für andere Abteilungen des
Verteidigungsministeriums.

Rund 90 Prozent unseres Programms war bis En-

de des Haushaltsjahres bewilligt.

Das ist ein besonders bemerkenswerter

�besonders bemerkenswerter Erfolg, der dadurch unterstrichen wurde, daß
das Rechnungsprüfungsamt bei seiner Überprüfung und in seinen Feststellungen die Fähigkeit im Laufe dieses Jahres als positiv lobte.

Aber Zuweisungen von Mitteln sind natürlich nicht alles.

Die Raten

der Ausgaben standen in einem günstigen Vergleich zu den Forschungsausgaben anderer Abteilungen und Programme im Rahmen des Verteidigungsministeriums.

Für das am 30. September zu Ende gegangene Haushaltsjahr er-

reichten die Ausgaben für SDI etwa 43 Prozent.

Wir gehen davon aus, daß

die Ausgaben für ähnliche auf die Forschung ausgerichtete Tätigkeiten,
wie etwa des Amtes für Fortgeschrittene Verteidigungsforschungsprojekte
und das Strategische Forschungs- und Entwicklungsprogramm der Luftwaffe,
etwas niedriger liegen werden als für SDI.

Wir sind jedoch der Auffassung, daß unsere Leistung noch besser war,
als die Zahlen vermuten lassen. Während die Bewilligungen fällig werden,
wenn Kontrakte geschlossen oder Projekte genehmigt werden, kommen die
tatsächlichen Ausgaben manchmal erst Jahre später.

Das ergibt sich aus

möglichen Verzögerungen in der Rechnungstellung entweder der Subkontraktoren gegenüber dem Hauptkontraktor oder auch direkt gegenüber der Regierung; Verzögerungen in der Buchführung; Verzögerungen im Zahlungsprozeß und/oder Verzögerungen in der Gesamtabrechnung.

Wir sind daher der

Ansicht, daß die traditionellen Maßstäbe, die zwar wichtig sind, die
wirksame Nutzung der Mittel nicht deutlich genug erkennen lassen.

Infolgedessen suchen wir nach einem finanziellen Maßstab, der sich
näher an der Leistung orientiert.

Wir möchten das als "unkündbare Ver-

pflichtungen" bezeichnen, die danach definiert werden, wie die Kosten im
Laufe einer gegebenen Zeitspanne auftreten; d.h. Zahlungsverpflichtungen
für erhaltene Güter und Dienstleistungen, sonstige Anschaffungen und bewilligte Leistungen, ob sie bereits bezahlt sind oder nicht.

Wenn wir

diesen Maßstab an das abgelaufenen Haushaltsjahr anlegen, dann ergibt
sich ein sehr viel dynamischeres Bild.

Wir schätzen, daß fast 90 Prozent

unserer Mittel für unkündbare Verpflichtungen angelegt worden sind.

Ich

möchte unterstreichen, daß das tatsächlich eine außergewöhnliche Leistung
- 3 -

�außergewöhnliche Leistung bei einem Programm dieses Ausmaßes ist, und das
im ersten Jahr.

Ich möchte auch ganz schnell noch dazu sagen, daß der

Kredit keineswegs nur der Verwaltungsbehörde des Programms zugute kommt,
sondern, was noch wichtiger ist, Hunderten von Ämtern, Firmen und Einrichtungen, bei denen die Tausende von Amerikanern arbeiten, die sich dem
Erfolg der Initiative des Präsidenten verschrieben haben.

Ich möchte auch noch kurz auf einige wenige unserer bedeutsamen technischen Erfolge des vergangenen Jahres eingehen.

Wir haben einige echte

Durchbrüche und Fortschritte in Ausmaßen erlebt, die niemand erwartete.
So ist beispielsweise die Arbeit auf dem Gebiet der Richtenergie mit
Technologien des atmosphärischen Ausgleichs so weit fortgeschritten, daß
es so aussieht, daß es eine reale Möglichkeit für große, wirksame landgestützte Laser gibt.

Das hat ohne Frage wichtige Auswirkungen auf die

Uberlebensfähigkeit wie auf die Sterblichkeit - zwei der wichtigsten Kriterien unseres Programms, weil die Durchführbarkeit der Stationierung zu
Lande als ein Weg für defensive Optionen zunimmt.

Die Forschung auf dem Gebiet der Freien-Elektronen-Laser

ist weit

schneller fortgeschritten als angenommen, und es besteht die Möglichkeit,
Jahre gegenüber dem einzusparen, was man noch in diesem Frühjahr angenommen hat.

Darüber hinaus hat unser Versuch im vorigen Moant mit dem che-

mischen Wunderlaser - der Laser mit der höchsten Durchschnittskraft der
Welt - gegen eine aufgestellte Antriebsstufe der Titan-Rakete die tödliche Wirkung dieser Technologie vor Augen geführt.

In ähnlicher Weise hatten wir einige sehr ermutigende Ergebnisse auf
dem Gebiet der kinetischen Energie zu verzeichnen.

Diese Technologien

sind ausgereifter und bieten größere Möglichkeiten für frühere Optionen
bezüglich von Defensivsystemen.

Elektromagnetische Abschußeinrichtungen

oder "Schienenkanonen" könnten die Möglichkeit bieten, kleine Projektile
mit extrem hoher Geschwindigkeit abzuschießen - Projektile, die eine Antriebskraft oder einen Gefechtskopf suchen, treffen und durch Aufschlag
vernichten könnten.

Daß es möglich ist, in diesen Einrichtungen hohe

Mengen an Energie zur Geltung zu bringen, hat sich rascher erwiesen als

�erwiesen als erwartet.

Das bedeutet,daß man schwerere Projektile benut-

zen und/oder höhere Energie zur Anwendung bringen könnte.

Insgesamt sind

unsere Arbeiten auf dem Gebiet der Schienenkanone rascher fortgeschritten
als erwartet.

Auch das ist vor allem der Hingabe der Menschen zuzu-

schreiben, die auf diesem Gebiet arbeiten und solche Ergebnisse möglich
machen.

Ich möchte zwar sehr gener die Aufzählung unserer technischen Erfolge
fortsetzen, aber es genügt zusammenfassend zu sagen, daß sie so groß waren, daß sie zu einer Neuorientierung einer Anzahl von Punkten unseres
Programms geführt haben.

Auf der anderen Seite haben Haushaltskürzungen

große - und ich betone große - Revisionen unseres Programms verursacht.
Bei dem gegenwärtigen Stand der Bewilligungen wird das Programm ernstlich
beeinträchtigt, und es mußten wesentliche Änderungen vorgenommen werden.
Das Ergebnis war, daß man in dem Programm voreilige Auswahlen bestimmter
Schlüsseltechnologien vornehmen mußte.

Das wird die Risiken des Pro-

gramms beträchtlich erhöhen, die Durchführung des Programms erschweren,
die Fertigstellung

verzögern, und die Gesamtkosten steigern.

So wird

beispielsweise die Verringerung der Zahl der Kontraktoren in einem einzelnen Projekt den Wettbewerb mindern und das Ausmaß des Projekts verkleinern.

Diese Kürzungen haben das Programm auf einen Minimalstand ge-

bracht, der notwendig ist, um die gesamten Erfordernisse eines strategischen Verteidigungsprogramms zu prüfen.

Gegenüber diesem Rückstand möchte ich jetzt über die Ziele des Programms sprechen und die Prioritäten aufzeigen, wie sie derzeit definiert
worden sind, um die Erreichung dieser Ziele zu ermöglichen.

Die Gesamt-

ziele des SDI-Programms sind:

- Aufstellung eines umfassenden Forschungsund Entwicklungsprogramms, um
Schlüsseltechnologien für die Verteidigung gegen ballistische Raketen
zu entdecken;

- Schaffung der Grundlage für eine sachgerechte Entscheidung über die
technische Gesamtentwicklung Anfang der neunziger Jahre;
Aufrechterhaltung
- 5 -

�- Aufrechterhaltung der Option einer kurzfristigen Dislozierung einer
begrenzten ABM-Kapazität als Antwort auf ein sowjetisches Ausbrechen
aus dem AEM-Vertrag;

- Schwerpunkt nichtnuklearer Vernichtungsmechanismen;

- Schaffung eines Umfeldes für die Rüstungskontrolle, das einer wesentlichen Verringerung der offensiven Nuklearwaffen förderlich ist;

- Koordination von SDI mit anderen Verteidigungsprogrammen und Unterstützung anderer strategischer Verteidigungsaufgaben.

Um diese Ziele wirklich erreichen zu können, muß SDI den Portschritt
in relevanten Technologien ausweiten und beschleunigen.

Das Programm muß

die potentielle Wirksamkeit von möglichen Verteidigungssystemen

gegen

ballistische Raketen feststellen und bewerten, die mit Hilfe dieser Technologien hergestellt und disloziert werden könnten, und gleichzeitig im
Grundsatz zeigen, wie solche Optionen in der Praxis verwirklicht und aufrechterhalten werden könnten.

Dies alles muß unter Anlegung des sehr

strengen Maßstabs der Kosteneffektivität und der Uberlebensfähigkeit erreicht werden.

Und schließlich müssen all diese Anstrengungen in voller

Übereinstimmung mit allen anwendbaren vertraglichen Verpflichtungen der
Vereinigten Staaten erfolgen.

Um das erreichen zu können, habe ich Prioritäten für die Strategische
Verteidigungsinitiative

aufgestellt, wie die Mittel am besten genutzt

werden können.

Diese Prioritäten dienen meinen Direktorn wie auch für

die Tätigkeiten

in den Streitkräften und anderen Regierungsämtern als

Richtschnur für die Formulierung und Ausführung ihres Anteils an SDI, um
die Ziele unseres Programms zu erreichen.

Wir müssen eingehend einen Aufbau in mehreren Schichten und wichtige
Faktoren prüfen, die unsere technologischen Entscheidungen berühren, wie
Fragen der Uberlebensfähigkeit, Tödlichkeit, Gegenmaßnahmen, Rentabilität
und Strategie.

Es ist wesentlich, daß wir diese Fragen so gut wie mög-

�wie möglich durchdenken, damit wir den Kurs des Programms klar und deutlich abstecken können.

Obwohl die für diesen speziellen Teil der Arbeit

zur Verfügung stehenden Mittel relativ bescheiden sind, kann die Bedeutung der Ergebnisse nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Hier geht es

praktisch um alle Phasen von SDI.

Wir müssen in größtmöglichem Maße Technologien ausloten, die uns dabei dienlich
Start- und

sein

könnten,

Nachstartphase

feindliche

Interkontinentalraketen

anzugreifen.

Hierzu

in ihrer

gehören Waffen

auf

der

Grundlage kinetischer und Richtenergie; Sensoren für Frühwarnung, Ortung
und Verfolgung sowie für Kampfführung, Kommunikation, Kommando, Kontrolle
und Nachrichtendienste.

Entscheidend

ist das Reaktionspotential der Ver-

teidigungswaffen bei diesen Stadien des Fluges einer feindlichen Interkontinentalrakete.
finanziell

Denn natürlich ergäbe sich die größte Wirkung - auch

hinsichtlich

der

Verteidigungsausgaben

gesehen

- in

diesen

Phasen, also vor dem Einsatz der Gefechstköpfe einer Rakete und der dazugehörenden Durchdringungshilfen.

Die Auswertung der Daten sowie die Befehls- und Kontrolltechnologien
für die Verteidigung in Phasen oder Schichten müssen umfassend untersucht
werden.

Derzeit definieren wir die Erfordernisse

in diesem Bereich in

dem Maß, in dem sich die Ergebnisse aus den laufenden Untersuchungen herausschälen.
so

rasch

Wir brauchen überdies ComputerSysteme und Hilfssysteme, die

und

so

fehlerfrei

wie

möglich

arbeiten.

Wir

müssen

unsere

Kenntnisse hinsichtlich der Entwicklung umfangreichster, komplexer Software-Systeme
auf

der

durch

für Funktionen der Kampfführung vertiefen.

Basis der

Festlegung

Analyse der

der

Erfordernisse

entsprechenden

im

Netzstruktur

Dies geschieht

Kommunikationsbereich,
sowie Erarbeitung

und

Entwicklung der technologischen Erfordernisse, gefolgt von der Erstellung
einer Erprobungsanlage und Bewertung durch Simulation des Kommunikationssystems.

Es ist offensichtlich, daß diese Arbeiten für das Konzept einer

geschichteten
Bedeutung

Verteidigung

sind.

gegen

Interkontinentalraketen

von

Gleich, welche Ergebnisse unsere Forschung

zentraler
in anderen

Bereichen des Programms erbringt, sind eine verläßliche und unverwüstliche Datenverarbeitung

sowie Befehls- und Kontrollkapazitäten eine Vor-

bedingung.
Neben dem

�Neben dem Bereich der Start- und Nachstart-Phase ist die gründliche
Untersuchung potentieller Möglichkeiten auch in anderen Bereichen notwendig.

Forschung ist auch bei jenen Technologien von entscheidender Bedeu-

tung, die der Verteidigung während der Anflug- und Endphasen dienen.
Hierzu gehören die Alternativen einer kinetischen und Richtenergie, sowie
Forschung im Bereich der Erkennungs- und Verfolgungssensoren.

Wir alle

sind uns der Möglichkeiten einer geschichteten Verteidigung sowie des
Vorteils bewußt, die sich für den Verteidiger durch das Konzept der Vielschichtung ergibt.

Um diesen Vorteil voll auszuschöpfen, müssen wir den

künftigen Führungen unseres Landes die größtmögliche Bandbreite der Verteidigungsoptionen im Verlauf aller Stationen des Fluges einer ballistischen Rakete zur Verfügung stellen.

Der Erfolg von fast allen SDI-Elementen hängt von erheblichen Fortschritten bei den Sekundär technologien ab, die sich mit Raumtriebwerken,
Triebwerkskonditionierung, Billigkomponenten, Raumtransport und Logistik
befassen.

Wir benötigen einen raschen Fortschritt bei diesen Sekundär-

technologien und innovativen neuen Konzepten, damit verläßliche Alternativen, die im Rahmen des Programms entwickelt werden, auch tatsächlich
verwirklicht werden können.

So könnten etwa für einige der möglichen De-

fensivsysteme Energien im Raum nötig werden, wie es sie bislang noch
nicht gab.

Deshalb muß im gesamten Programm sehr genau geprüft werden,

was wir uns jeweils leisten können - etwa das Gewicht der Massen, die wir
in Erdumlaufbahn bringen.

Im Weltraum erhalten Verläßlichkeit, Verfüg-

barkeit und Haltbarkeit offensichtlich eine neue Bedeutung.

Alle Aspekte

der Logistik und der Sekundärtechnologien erfordern von Anfang an die
größte Sorgfalt, und ich habe die Verantwortlichen angewiesen, sich dieser Tatsache bei ihrer Arbeit immer wieder bewußt zu sein.

Des weiteren müssen wir beschleunigt die Anwendungsmöglichkeiten auch
bei der Drohung im Bereich der Kurzstreckenraketen untersuchen.

Unsere

Sicherheit ist unlöslich mit der unserer Verbündeten verknüpft. Wir werden uns nicht nur auf die Erforschung jener Möglichkeiten beschränken,
die gegen Interkontinentalraketen oder seegestützte ballistische Raketen
Erfolg versprechen.

Wir werden ebenso sorgfältig die Technologien prü- 8 -

�Technologien prüfen, die ein Potential gegen ballistische Raketen kürzerer Reichweite haben.

Dies stellt sicher keine erschöpfende Liste der Aktivitäten im Rahmen
der Strategischen Verteidigungsinitiative dar.
Elementen, die nicht erwähnt wurden.

Es gibt eine Vielzahl von

Damit soll in keinster Weise ihre

Wichtigkeit bzw. Bedeutung für das Programm vermindert werden.

Was ich

stattdessen versucht habe, war eine kurze Übersicht jener Elemente von
SDI, denen ich Priorität eingeräumt habe.

Dies sind die Bereiche, denen

wir angesichts begrenzter Mittel mehr Gewicht beim Erreichen der übergeordneten Zielsetzungen beimessen.

In diesem Zusammenhang möchte ich zumindest noch kurz auf das Wirkungspotential und die zivilen Nutzungsmöglichkeiten der SDI-Forschung
eingehen.

Wir glauben, daß sich hier in allen Bereichen des Programms

erhebliche Möglichkeiten auftun. Mir ist selbst sehr viel daran gelegen,
diese große Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, aus den
Forschungsergebnissen von SDI Nutzen zu ziehen und sie in allen unseren
Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen anzuwenden.
be ich innerhalb der SDI-Organisation

ein

Aus diesem Grund ha-

"Office of Educational and

Civil Applications" - ein Referat für Anwendungen auf dem Bildungs- und
Zivilsektor - eingerichtet.

Dessen Direktor wird unter anderem dafür zu-

ständig sein, die zivile Nutzung SDI-bezogener Technologien zu erarbeiten
und zu fördern, soweit dies mit Sicherheitsüberlegungen zu vereinbaren
ist,

und

er

soll

behilflich

sein,

wenn

es

darum

geht,

Anwendungsmöglichkeiten und Techniken zu bestimmen, die für unser Land
von wirtschaftlichem Nutzen sind.

Ich kann meine Verpflichtung zu diesem entscheidend wichtigen Programm und meine Überzeugung nicht deutlich genug ausdrücken, daß es für
unsere Nation von höchster Bedeutung ist.

Verteidigungsminister Wein-

berger hat SDI nicht umsonst die höchste Priorität im Verteidigungsministerium eingeräumt.
das Weiße Haus

Abschließend gibt es mehrere triftige Punkte, wie

festgestellt hat, die diese Bedeutung unterstreichen,

Richtung und Umfang des Programms aufzeigen und wert sind, hier wiederholt zu werden:
- Das Ziel
- 9 -

�- Das Ziel von SDI ist nicht die Erreichung einer Überlegenheit, sondern die Aufrechterhaltung des strategischen Gleichgewichts und damit
die Gewährleistung einer stabilen Abschreckung.

- Die Forschung wird einige Jahre dauern.

Wir haben die Absicht, uns

strikt an die Begrenzungen des ABM-Vertrags zu halten und werden darauf bestehen, daß die Sowjets das ebenfalls tun.

- Wir haben keine vorgefaßten Meinungen bezüglich der Verteidigungsoptionen, die die Forschung zutage bringen könnte.

Wir werden mit der

Entwicklung und Dislozierung nicht beginnen, ehe nicht die Forschung
erkennen läßt, daß die Verteidigung strengen Kriterien entspricht.

- Innerhalb des SDI-Forschungsprogramms werden wir Verteidigungssysteme
nur dann als wünschenswert betrachten, wenn sie bis zum äußersten
überlebensfähig und kosteneffektiv sind.

- Es ist noch zu früh in unserem Forschungsprogramm, um sich Gedanken
über die Art der Verteidigungssysteme - ob landgestützt oder weltraumgestützt - zu machen und darüber, mit welchen Fähigkeiten sie
ausgestattet sein werden - welche sich als möglich erweisen werden
und welche zu entwickeln und zu dislozieren wünschenswert wäre.

- Der Zweck der Verteidigungsoptionen, die wir suchen, liegt auf der
Hand:

Wir wollen Mittel und Wege finden, um angreifende Raketen zu

vernichten, ehe sie eines ihrer potentiellen Ziele erreichen können.
- Die Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten bleibt
unteilbar.

Das SDI-Programm soll die Sicherheit unserer Verbündeten

ebenso stärken wie die Sicherheit der vereinigten Staaten.

Wir wer-

den weiterhin mit unseren Verbündeten eng zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß bei den Fortschritten unserer Forschung die Auffassungen unserer Verbündeten sorgfältig beachtet werden.

- Wenn die
- 10

�- Wenn die Forschung unsere Kriterien erfüllt und wenn wir abschließende Konsultationen mit unseren Verbündeten geführt haben, haben wir
die Absicht, uns in angemessener Weise entsprechend den Bestimmungen
des ABM-Vertrages - die solche Konsultationen vorsehen - mit den Sowjets zu konsultieren und mit ihnen darüber zu verhandeln, wie die
Abschreckung dadurch verbessert werden könnte, daß beide Seiten sich
stärker auf neue Verteidigungssysteme stützen.

Diese Zusage darf je-

doch in keiner Weise so interpretiert werden, daß wir den Sowjets ein
Veto-Recht bezüglich möglicher künftiger Verteidigungsdislozierungen
einräumen würden.

Wir haben im übrigen bereits versucht, Gespräche

über das Verhältnis zwischen offensiven und defensiven Waffen und
Stabilität bei den Genfer Verhandlungen zu führen, um die Grundlage
für solche möglichen künftigen Konsultationen zu legen.

- Wir haben die Absicht und die Hoffnung, daß für den Fall, daß sich
neue Verteidigungstechnologien als machbar erweisen sollten, wir - in
enger und ständiger Konsultation mit unseren Verbündeten - zusammen
mit den Sowjets gemeinsam einen Übergang zu einem mehr auf Verteidigung gestützten Gleichgewicht bewerkstelligen können.

- SDI stellt keine Abkehr von unserer Verpflichtung dar, vor einem
Krieg abzuschrecken und die Stabilität zu fördern.

Wir würden einen

potentiellen Aggressor abschrecken, indem wir deutlich machen, daß
wir ihm die Gewinne verwehren könnten, die er sonst möglicherweise zu
erzielen hoffen könnte, statt ihm lediglich mit Verlusten zu drohen,
die groß genug wären, daß sie diese Gewinne überwiegen würden.

- Für die absehbare Zukunft werden offensive Nuklearstreitkräfte und
die Androhung von nuklearer Vergeltung die wesentlichen Elemente der
Abschreckung bleiben.

Aus diesem Grunde müssen wir moderne, flexible und glaubwürdige strategische Nuklearstreitkräfte aufrechterhalten.

- Unser letztliches
- 11 -

�Unser letztliches Ziel ist die völlige Abschaffung aller Nuklearwaffen.

Dies

ist notwendigerweise

ein sehr langfristiges

Ziel, das

- während wir unsere SDI-Forschung verfolgen - ebenso energische Anstrengungen erfordert, die Drohung zu beseitigen, die das Ungleichgewicht der konventionellen Streitkräfte darstellt, indem wir die konventioenllen Streitkräfte verbessern und gleichzeitig über Rüstungsverminderungen und Vertrauensbildende Maßnahmen verhandeln.

Ich danke Ihnen.

* * * * *

- 12 -

�6. November 1985

44

SOWJETS VERFÜGEN ÜBER GEWALTIGE OFFENSIVKAPAZITÄT AN CHEMISCHEN
WAFFEN

- Bericht des US-Verteidigungsministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Verteidigungsministerium hat am
28. Oktober 1985 einen umfassenden Bericht veröffentlicht, aus dem hervorgeht, daß die Sowjetunion über eine gewaltige Kapazität verfügt, um
eine Offensive mit chemischen Waffen zu führen.
Aufklärungsabteilung des Ministeriums -

Der Bericht, der von der

der Defense Intelligence Agency

- zusammengestellt wurde, basiert auf einem Bericht vom Oktober 1983, der
jetzt auf den neuesten Stand gebracht wurde.

Vor der Presse teilte der Stellvertretende Unterstaatssekretär für
chemische Angelegenheiten im Verteidigungsministerium, Thomas Welch, mit,
daß das derzeitige Arsenal der Vereinigten Staaten an chemischen Waffen,
das zum großen Teil noch aus dem Zweiten Weltkrieg stamme, militärisch
fast nutzlos sei und vernichtet werden müsse.

Solange es jedoch kein

weltweites Verbot von chemischen Waffen gebe, müßten die Vereinigten
Staaten angesichts der gewaltigen sowjetischen Vorräte - vor allem entlang den Grenzen der NATO-Länder -

neue, sogenannte binäre Waffen be-

schaffen, deren Lagerung in den jeweils ungiftigen Komponenten ungefähr-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Komponenten ungefährflich sei.

Erst bei einem etwaigen Einsatz würden

die Komponenten zusammengeführt.
Der Bericht des amerikanischen Verteidigungsministeriums hat folgenden Wortlaut:

DIE BERDROHUIÜ DURCH CHEMISCHE WAFFEN DER SOWJETS

Dies ist eine auf den neuesten Stand gebrachte Version eines Dokuments, das das Verteidigungsministerium
hat.

im Oktober 1983 veröffentlicht

Sie bringt unsere ständigen Anstrengungen zum Ausdruck, Anfragen

von Mitgliedern
Streitkräfte

des Kongresses, der

nach

Presse

nicht als Verschlußsache

und

von Angehörigen der

eingestuften

Informationen

über die Kapazität der Sowjetunion für die chemische Kriegführung zu beantworten.

Es steht außer Frage, daß die Sowjets seit langem eine Politik und
eine Doktrin verfolgen, die von der militärischen Nützlichkeit der chemischen Waffen in der Kriegführung ausgeht.
dort auch heute noch vor.

Diese Auffassung herrscht

Die Sowjets bedienen sich der einschläigen

Technologie für neue oder verbesserte chemische Waffen für die Kriegführung, mit der offensichtlichen Absicht, ihren Vorteil gegenüber dem Westen auszuweiten.

Hinsichtlich der weltweiten Entwicklung im Zusammenhang mit chemischer Kriegeführung stellen wir fest, daß in den letzten 20 Jahren Länder
außerhalb des Bereichs der NATO und des Warschauer Paktes ein starkes Interesse gezeigt haben, eine Kapazität für chemische Kriegführung zu erwerben.

Angesichts dieses Trends haben wir eine kurze Erörterung des

Einsatzes und der Weiterverbreitung chemischer Waffen aufgenommen.

gez.

James A. Williams
Generalleutnant
Direktor
WESENTLICHE

BEURTEILUNGEN

�WESENTLICHE BEURTEILUNGEN

- Obwohl die Sowjets behaupten, es ginge ihnen nur um die Verteidigung
gegen chemische Waffen, so zeigen doch Art und Umfang ihrer Tätigkeiten eine erschreckende Kapazität, offensive Operationen mit chemischen Waffen durchzuführen.

Die sowjetische Politik und Doktrin för-

dern die Notwendigkeit für diese Art von Waffen und ihren Wert in der
Kriegführung.

- Die Sowjes haben in jüngerer Zeit chemische Kampfstoffe und Toxine in
Afghanistan eingesetzt und haben solche an Stellvertreterstreitkräfte
für den Einsatz in Laos und Kambodscha geliefert, was die sowjetische
Bereitschaft zeigt, die chemische und toxische Waffen für die Kriegführung zu nutzen.

- Die Sowjets verfügen über einen weiten Bereich chemischer Kampfstoffe
und damit verbundener Träger- und Verbreitungssysteme.

Die Berech-

nungen für den offensiven Einsatz chemischer Waffen sind angestellt
worden.

- Forschung, Entwicklung und Erprobung gehen weiter.

- Die Sowjets können sehr große Mengen an chemischen Kampfstoffen herstellen.
- Die Depots in der UdSSR haben seit Ende der sechziger Jahre einen wesentlichen Ausbau der Lagerkapazität erfahren.

- Wir sind überzeugt, daß chemische Waffen zusammen mit konventionellen
Waffen in vorgeschobenen Gebieten gegenüber der NATO lagern.

- Eine große Zahl militärischer Spezialisten und militärischer Geräte
verleihen den Sowjets eine von andern unerreichte Fähigkeit, auf einem verseuchten Schlachtfeld zu überleben und zu operieren.

Alle so-

wjetischen Streitkräfte - zu Lande, zu Wasser und in der Luft - erhalten eine eingehende Ausbildung im Schutz vor chemischen Waffen.
- Alle Streitkräfte,

�- Alle Streitkräfte, die gegen sowjetische Streitkräfte kämpfen müßten,
würden ein erhebliches Risiko eingehen, daß die Sowjets chemische
Waffen einsetzen würden.

DIE GESCHICHTE

Die Aktivitäten der Sowjetunion auf dem Gebiet chemischer Waffen können bis zum Ersten Weltkrieg verfolgt werden. Von all den kriegführenden
Parteien in diesem Krieg waren die Russen wahrscheinlich am wenigsten auf
eine chemische Kriegführung vorbereitet.

Die Deutschen benutzten chemische Waffen erstmalig gegen die Russen
im Januar 1915, drei Monate, bevor diese Waffen zum erstenmal an der
Westfront eingesetzt wurden.

Die russische Industrie besaß nicht die Fä-

higkeit, wesentliche Mengen an Kampfstoffen zu produzieren, die Einsatzmittel waren primitiv

und die Ausbildung der

russischen Soldaten in

Schutzmaßnahmen gegen chemische Waffen war minimal.

Folglich erlitten

die Russen höhere Verluste und Todesopfer als irgend ein anderes Volk.
Von den schätzungsweise 500 000 Verlusten durch chemische Waffen bei den
Russen waren über 50 000 Todesfälle.

Wegen der hohen Verluste im Ersten Weltkrieg begann die sowjetische
Führung die Bedeutung der chemischen Kriegführung hervorzuheben.

Während

der zwanziger und dreißiger Jahre wurde die sowjetische Industrie modernisiert, es wurden Fabriken für die Herstellung chemischer Kampfstoffe
gebaut und Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet chemischer Waffen betrieben.

Es wurde eine Organisation für die chemische Kriegführung und

entsprechende Ausbildungsstätten aufgebaut, und bei allen Streitkräften
wurde Wert auf die Vorbereitung auf chemische Kriegführung gelegt.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges besaßen die Sowjets eine umfangreiche organisatorische Grundlage für die chemische Kriegführung und verfügten über beträchtliche Vorräte an chemischen Waffen.

Zu Ende des

Zweiten Weltkrieges eroberten die Sowjets zwei deutsche Fabrikationsstät- 4 -

�deutsche Fabrikationsstätten

für Nervengas, sowie Lager an chemischen

Kampfstoffen, und verbrachten alles in die Sowjetunion.

In den fünfziger Jahren entwickelten chemische Institute in der Sowjetunion andere Nervengas-Kampfstoffe für die Verwendung als chemische
Waffen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das sowjetische Programm für die

chemische Kriegführung unablässig fortgesetzt worden.

Historische Aspekte
- Rußland hatte im Ersten Weltkrieg Verluste durch chemische Kriegführung von fast einer halben Million Mann.

- Die ersten Ausbildungsstätten

für chemische Kriegführung wurden in

den zwanziger Jahren geschaffen.

- Ende des Zweiten Weltkrieges eroberten die Sowjets zwei Fabriken für
die Herstellung von Nervengas und verbrachten sie in die Sowjetunion.

CHEMISCHE KAMPFSTOFFE

Die sowjetische Forschungs- und Entwicklungstätigkeit, gewöhnlich unter Leitung von Chemikern der Streitkräfte, ist weiterhin auf die Entdekkung neuer chemischer Kampfstoffe und Kombinationen ausgerichtet, einschließlich von Methoden, die Schutzmasken, Schutzanzüge und Filtersysteme potentieller Gegner auszuschalten.

Die Sowjets haben eine Reihe chemischer Kampfstoffe, Toxine und Kombinationen in Afghanistan eingesetzt, und ihre Stellvertreterstreitkräfte
haben das in Südostasien -

Laos und Kambodscha - getan.

Eine Gruppe von

Kampfstoffen ist im Laboratorium eindeutig identifiziert worden:
sche Substanzen - als Mykotoxine bekannt.

toxi-

Andere Kampfstoffe sind noch

nicht identifiziert worden.
Sowjetische chemische

�Sowjetische chemische Kampfstoffe

Tödliche Kampfstoffe

Nervenkampfstoffe - einschließlich Sarin, Soman und ein Kampfstoff
der V-Serie.

Hautkampfstoffe - einschließlich Senfgas, Lewisit und eine Mischung
aus beiden

Blutkampfstoffe - Hydrogenzyanid

Erstickungskampfstoffe - Phosgene

Kampfstoffe, die kampfunfähig machen

Ein nicht näher identifizierter Kampfstoff, der Bewußtlosigkeit für
eine Stunde und länger verursacht, ist nach Berichten in Afghanistan verbreitet eingesetzt worden.

Toxine

Die Forschung und Entwicklung einer Vielfalt von Toxinen hält an.

Anmerkungen
- 1. Der Schutz vor allen den oben genannten Kampfstoffen erfordert
Schutzkleidung und/oder Schutzmasken sowie eine rasche Behandlung der
Betroffenen.
- 2. Es gibt anhaltende und nicht anhaltende Kampfstoffe.

Nichtanhal-

tende Kampfstoffe werden nach dem Einsatz relativ rasch abziehen,
während anhaltende Kampfstoffe je nach Wetterverhältnissen stundenlang im Zielgebiet verbleiben, wenn sie nicht von Entgiftungstrupps
beseitigt werden.
3. Wir sind der

�- 3. Wir sind der Überzeugung, daß die Sowjets binäre Systeme für chemische Kampfstoffe untersuchen, weil eine erhebliche Verbesserung der
Sicherheit im Umgang und der Lagerung solcher Stoffe für diese Art
von Systemen typisch ist.

- 4. Diese Liste von Kampfstoffen verleiht den Sowjets die Fähigkeit,
diese Kampfstoffe zu jeder Jahreszeit gegen einen Gegner einzusetzen.

- 5. Produktion und Besitz toxischer Waffen sind durch die Konvention
über das Verbot biologischer und toxischer Waffen von 1972 verboten.

Träger- und Einsatzsysteme

Fast alle konventionellen Waffensysteme der Sowjets von Mörsern

bis

zu weitreichenden taktischen Raketen sind für chemische Munition oder Gefechtsköpfe nutzbar und stehen den Land-, Luft- und Seestreitkräften zur
Verfügung.

Die Sowjets haben die Werte für das Abfeuern chemischer Waf-

fen entwickelt.

Das schließt die Arten und Mengen von Waffen ein, die

notwendig sind, um verschiedene Ziele unter einer Vielfalt von Wetterund Kampfbedingungen anzugreifen.

Sie untersuchen und testen weiterhin

Systeme mit verbesserter Verteilung, größeren Abschußgewichten, größerer
Reichweite und größerer Treffsicherheit.

Dies bietet ihnen eine größere

Flexibilität in Auswahl der Ziele und eine größere Reichweite des Einsatzes.

Sie haben zwei Arten von chemischen Waffen für ihre taktischen Ra-

keten entwickelt - Kompaktmunition und Kleinmunition, die über dem Ziel
abgeregnet werden kann.

SOWJETISCHE TRÄGER- UND EINSATZSYSTEME
- Raketen
- Artillerie
- Minen
- Mehrfachraketenwerfer auf der Schiene und auf LKW

�auf LKW
- Jagdbomber und Kampfhubschrauber mit Bomben, Raketen und
Sprüheinr ichtungen

DIE ZIELE FÜR CHEMISCHE WAFFEN DER SOWJETS

Die Sowjets haben die Doktrinen und die Pläne für den Einsatz chemischer Waffen entwickelt, einschließlich der Zielplanung, und sowjetische
Taktiker haben die notwendigen Verfahren standardisiert.

Wenn ein sowje-

tischer Befehlshaber zu dem Schluß gelangt, eine bestimmte Gefechtslage
sei für den Einsatz chemischer Waffen geeignet, kann er Schläge gegen einige oder alle vorgesehenen Ziele führen - nachdem die höchste sowjetische Befehlsebene die Zustimmung zu dem Einsatz chemischer Waffen gegeben
hat.

Er kann unter anhaltenden oder nicht anhaltenden Kampfstoffen wie

auch unter einer Vielfalt von TrägerSystemen auswählen.

Er wird genau

wissen, welches Ausmaß der Verseuchung er dem Ziel zumuten kann.

Wenn

seine eigenen Streitkräfte verseuchte Gebiete durchqueren müßten, wird er
besonders ausgebildete Einheiten zur Verfügung haben, die für Beratung,
Aufklärung und Entseuchung ausgebildet sind.

Der Umfang und die Vielfalt

des sowjetischen Arsenals an chemischen Waffen bietet dem Befehlshaber
die Mittel, einen ganzen Bereich von Zielen anzugreifen und zu verseuchen.

Bei einem Einsatz sowjetischer Boden-Boden-Raketen würden mindestens
50 Prozent der betroffenen Soldaten ausfallen.

Der Einsatz eines anhal-

tenden Kampfstoffes, wie etwa eines V-KampfStoffes, würde es außerordentlich erschweren, von einem verseuchten Flugplatz aus Kampfeinsätze zu
fliegen, solange der Platz nicht entseucht ist.

Neben den Boden-Boden-

Raketen spielen die Jagdbomber eine wichtige Rolle für den Einsatz von
chemischen Waffen.

Ein Flugzeug vom Typ FLCGGER, das von einem Flufplatz

in der DDR aus operiert, hat einen Einsatzradius, der fast ganz Westeuropa erfaßt.

- Nukleare Trägerwaffen
- 8 -

�- Nukleare Trägerwaffen
- Flugplätze
- Marinestützpunkte und Hafenanlagen
- Befehls- und Leitstellen
- Depots
- Versorgungsrouten
- Truppenkonzentrationen
- Artillerie und Panzer
- Amphibische und Hübschrauber-Landetruppen

DIE SOWJETISCHEN AKTIVITÄTEN IM BEREICH DER ERPROBUNG, HERSTELLUNG UND
LAGERUNG CHEMISCHER WAFFEN

Seit Ende der sechziger Jahre erproben, produzieren und lagern die
Sowjets chemische Waffen.

Was wir in den letzten fünfzehn Jahren beob-

achtet haben, ist nicht das, was wir von einer Nation erwarten, die den
Status quo aufrechterhält.

Erprobung chemischer Waffen durch die Sowjets

Die Testanlage für chemische Kriegführung bei Shikhany ist eine der
größten dieser Art in der Sowjetunion.

Sie wurde Mitte der zwanziger

Jahre angelegt, und eine Reihe von Tests für chemische Waffen wurde Ende
der zwanziger und dreißiger Jahre durchgeführt.

Nachrichtendienstliche

Fotoaufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg bestätigten, daß Shikhany eine
aktive Anlage für die Erprobung chemischer Waffen war.

Seit jener Zeit

ist sie erheblich vergrößert und modernisiert worden und ist auch heute
noch eine stark benutzte Testanlage für chemische Waffen.

Seit Ende der siebziger Jahre haben die Sowjets noch mehrere neue
Testanlagen für chemische Waffen bei Shikhany begonnen und der Bau wird
fortgeführt.

Die Testeinrichtungen, die zur Feststellung der Wirksamkeit

der chemischen Waffen verwendet werden, sind gitterförmig ausgelegt, die
- 9 -

�ausgelegt, die Gitter haben Ring- oder Rechteckform haben.

Diese ver-

schiedenen Gitter messen die Konzentration des Kampfstoffs und die Art
und Weise seiner Verteilung.

Anlage, Form und Umfang dieser Gitter hän-

gen von der Art der Waffe (Bombe, Artillerie, Rakete etc.) und vom Typ
des erprobten Kampfstoffs ab.

Eines der neuen Gitter hat ringförmige Gestalt.

Es wird benützt, um

die Wirksamkeit einer Munition bei der Verteilung der Konzentrationen eines chemischen Kampfstoffes zu untersuchen.

Die rechteckige Gitterstruktur ist ebenfalls ein Beispiel für die Erprobung von chemischen Waffen bei Shikhany.

Die Aufschlagkrater wurden

durch die Explosion chemischer Waffen hervorgerufen.

Die Proben werden

im Fallwind zur Zündung gebracht, um die Konzentration des freiwerdenden
Kampfstoffs zu messen.

Alle Tests dieser Art werden bei vorher festge-

legten Wind- und Temperaturbedingungen durchgeführt und noch immer fortgesetzt.

Auf dem Testgelä'nde von Shikhany befinden sich auch die Anlagen

für Forschung, Entwicklung und Produktion.

Die Herstellung von chemischen Kampfstoffen

Ende des Zweiten Weltkriegs erbeuteten die Sowjets von den Deutschen
große Mengen chemischer Kampfstoffe, desgleichen die Technologie und die
Anlagen, um die Nervengase Tabun und Sarin herzustellen; außerdem die
deutschen Pläne zur Herstellung von Sorten. Zwei deutsche Anlagen für die
Herstellung von Nervengas wurden abgebaut und in die Sowjetunion verbracht, wo sie wieder errichtet wurden.

Die Sowjets haben, gegründet auf

diese frühen Modelle, andere Produktionsanlagen entwickelt und an verschiedenen Orten innerhalb der Sowjetunion Anlagen zur Herstellung von
Kampfstoffen errichtet.

Angesichts der hohen Priorität, die der Möglichkeit der Herstellung
chemischer Kampfstoffe in der Sowjetunion beigemessen wird, hat die umfangreiche moderne chemische Industrie des Landes die Möglichkeit, chemi- 10 -

�Möglichkeit, chemische Kampfstoffe in einem Umfang herzustellen, der zur
Deckung der militärischen Bedürfnisse ausreicht.

Seit Ende der zwanziger

Jahre hat die Industrie ein Programm zur Herstellung dieser Kampfstoffe
und ist heute in der Lage, eine ganze Reihe chemischer Kampfstoffe - wie
Hautreizungen und Erstickungsanfälle hervorrufende Gase sowie Blut- und
Nervengase - zu liefern.

Es gibt in der Sowjetunion Forschungsinstitute, die dabei sind, die
theoretischen Grundlagen für die Herstellung von chemischen Kampfstoffen
von noch stärkerer Töflichkeit zu erarbeiten und die Anlagen und Einrichtungen zu entwerfen, die für deren Herstellung notwendig sind.

Die sowjetischen Depots für chemische Waffen

Die

während

der

letzten

fünf

Jahrzehnte

produzierten

chemischen

Kampfstoffe werden in einem Netz militärischer Depots gelagert, das die
Sowjetunion überzieht.

Diese Depots enthalten Kampfstoffe in Container-

reihen, chemische Kampfmunition, Gasmasken, Schutzanzüge, Dekontaminationslösungen

und -fahrzeuge.

Diese Depots unterstützen

die chemischen

Kampftruppen und unterstehen dem Hauptquartier der chemischen Kampftruppen der Sowjetunion beim Verteidigungsministerium.

Die großen sowjetischen Depots für chemische Kriegführung sind hochgesicherte militärische Anlagen.

Viele Depots haben ein Schienennetz,

das eine rasche Mobilisierung der chemischen Kampfstoffe ermöglicht.

Seit Ende der sechziger hat der Umfang an Kampfstoffen, Waffen und
Material, die in diesen Depots eingelagert sind, erheblich zugenommen
- und dies geht so weiter.

DIE

- 11 -

ORGANISATION

�DIE ORGANISATION DER CHEMISCHEN KRIEGFÜHRUNG DER SOWJETUNION

Zu den laufenden Aktivitäten im Bereich chemischer Waffen gehört eine
große, gutausgebildete Organisation für chemische Kriegführung, die vom
Hauptquartier der Truppen für die chemische Kriegführung
gungsministerium geleitet wird.

im Verteidi-

Dieser Organisation steht ein Drei-Ster-

ne-General vor und sie besteht aus mehr als 45 000 Offizieren und Mannschaftsdienstgraden allein bei den Landstreitkräften.
eine Verdopplung möglich.

Im Krisenfall ist

Zu den wichtigsten Aufgaben gehören:

- technische Beratung der Frontkommandeure hinsichtlich chemischer Waffen und der Folgen ihres Einsatzes;

- Forschungs- und Entwicklungsprogramme für Waffen und Schutzmaßnahmen;

- Herstellung und Lagerung chemischer Waffen sowie Erprobung und Bewertung von Schutzmaterialien;

- Ausbildung aller Streitkräfte hinsichtlich des Einsatzes chemischer
Waffen sowie des Überlebens auf einem verseuchten Gefechtsfeld;
- Entseuchung und Aufklärung;
- Leitung der Hochschulen für chemische Kriegführung.

Zu dieser Spezialistentruppe gehören etwa 30 000 Spezialfahrzeuge für
Dekontamination

und

Aufklärung; zudem wurden mehr

als

200 Lehr- und

Übungsgebiete erarbeitet, um alle Teilstreitkräfte darüber zu unterrichten, wie sie sich im Kampf schützen und nach einem Kampf, bei dem chemische Waffen eingesetzt wurden, wieder entseuchen können.

Bei dieser Aus-

bildung werden echte chemische Kampfstoffe eingesetzt.

Außerdem haben

die Sowjets Schutzfiltersysteme in vielen Kampf- und Kampfunterstützungsfahrzeugen und -schiffen installiert.

Noch

- 12 -

immer

�Noch immer werden neue chemische Kampfstoffe und Waffensysteme, Gegenmittel gegen Vergiftungserscheinungen, neue Schutzanzüge und Gasmasken, Dekontaminationslösungen und neue Fahrzeuge mit FilterSystemen entwickelt, erprobt und ausgewertet.

Ein besonderes Problem von Schutzausrüstungen - auch bei sowjetischen
Modellen - stellt das Gewicht bei längerem Tragen, insbesondere bei höheren Temperaturen, dar.

Die Ausrüstung ist unförmig und unbequem.

Wird

sie bei heißem Wetter über längere Zeit hinweg getragen, erschöpft der
Soldat relativ rasch und seine Kampftüchtigkeit läßt nach.
Fällen kommt es dabei zu Hitzschlag.

In manchen

Demzufolge haben die Sowjets Normen

für die gewünschte Maximaldauer erarbeitet, während der Schutzanzüge bei
den verschiedenen Temperaturen getragen werden können.

Das sowjetische Konzept, einen begonnenen Angriff auch in Schwung zu
halten, setzt die Fähigkeit voraus, Kampfpanzer so rasch wie möglich zu
entseuchen und sie wieder in den Kampf zu schicken.

Dieser Erfordernis

dient ein Düsenaggregat zur Dekontamination, das TMS-65.

Es besteht aus

den Düsen eines Flugzeugmotors, die auf das Chassis eines URAL-375-Lastwagens montiert sind und Entseuchungs-Lösung versprüht.

Die heißen Aus-

puffgase der Düse werden dabei auf die verseuchten Fahrzeuge gerichtet.
Dabei kann abwechselnd Wasser oder eine Entseuchungslösung beigemischt
werden.

Die TMS-65 wird

normalerweise paarweise eingesetzt, je eine

steht auf jeder Straßenseite.

So kann ein durchfahrendes Fahrzeug in we-

niger als einer Minute dekontaminiert werden.
Zweck noch die ARS-14

Daneben gibt es für diesen

(Ausrüstungs- und Bodendekontamination); AGV/DDA

(Mannschafts- und Bekleidungsdekontamination)• sowie die DK zur Teildekontamination von Kampfgruppen.

VERBREITUNG UND VERWENDUNGSMÖGLICHKEITEN

Die Sowjetunion stellt hinsichtlich chemischer Waffen die Hauptbedrohung der Vereinigten Staaten dar.

Dennoch:

Chemische Waffen gelangen

auch in Staaten außerhalb von NATO und Warschauer Pakt.
- 13 -

Die amerikani-

�die amerikanischen Streitkräfte könnten sich auch in einer ganzen Reihe
anderer Länder dem Problem chemischer Waffen ausgesetzt sehen.

Chemische Waffen wurden während des ägyptisch-jemenitischen Krieges
in den sechziger Jahren eingesetzt sowie in Südostasien und Afghanistan
seit Mitte der siebziger Jahre - und des weiteren Anfang der achtziger
Jahre.

Beim äthiopisch-eritreischen Konflikt sowie während des kurzen

Krieges zwischen der Volksrepublik China und Kbrdvietnam sollen gleichfalls chemische Waffen eingesetzt worden sein.

Den jüngsten Einsatz che-

mischer Waffen gab es im Krieg zwischen Iran und Irak.

Es zeigt sich, daß der Einsatz dieser Waffen durch bestimmte Staaten
auch in anderen Ländern das Interesse an ihrem Erwerb wachruft.

Die ei-

nen versuchen, Lieferanten zu finden, die anderen bemühen sich darum, die
Technologie und die Materialien zu beschaffen, die zur unabhängigen Herstellung chemischer Waffen im eigenen Land notwendig sind.

Keines dieser

Länder ist in der Lage, derzeit Tausende von Tonnen chemischer Kampfstoffe herzustellen.

Im Lauf der Zeit sowie mit zunehmendem Wissen und ver-

besserten Produktionsanlagen kann jedoch die Herstellung größerer Mengen
dieser Kampfstoffe und die Entwicklung der notwendigen Trägerwaffen möglich werden.

Es gibt mittlerweile elf Staaten außerhalb von NATO/Warschauer Pakt,
die in ihren Arsenalen chemische Waffen haben; zwei weitere bemühen sich
um die Beschaffung.

Heute verfügen mehr Länder denn je über die Kapazi-

tät für chemische Waffen.

Unsere Streitkräfte, wie auch die unserer Verbündeten, müssen sich
der Tatsache der Beschaffung chemischer Waffen durch solche Staaten bewußt sein.

Sowohl die Streitkräfte als auch die Sicherheitskräfte müssen

wachsam gegenüber einem möglichen Einsatz dieser Waffen durch terroristische Gruppen und Geheimtruppen sein.

* * * * *

- 14 -

�1mE IK

Uliz/cn/chofl
miö Technik

1J

I DlEl ü
*

United States Information Service
Embassy of the United States of America

44

6. Novenber 1985

25 JAHRE: LASIER
- In Forschung, Medizin und Technik heute unentbehrlich -

- (AD) - Ein Viertel Jahrhundert ist es her, daß der amerikanische
Physiker Theodore H. Maiman, ein Mitarbeiter der Firma Hughes Aircraft
Corporation (Kalifornien), das Laser-Prinzip zum ersten Mal demonstrierte.

Inzwischen sind Laser-Systeme ;:u einem wichtigen und äußerst viel-

seitigen "Instrument" in verschiedenen Bereichen der Forschung, vor allem
aber in der Medizin sowie in Industrie und Technik geworden.

Laser ist die Abkürzung von "Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation", d.h. "Lichtverstärkung durch stimulierte Emission von
Strahlung".

Sie wird in Gang gesetzt, wenn die Atome eines Gases oder

festen Körpers durch eine äußere Energiequelle so stark zum Schwingen gebracht werden, daß sie winzige "Lichtpakete" (Photonen) abgeben.

Geraten

diese Photonen zwischen zwei Spiegel und werden ständig hin und her reflektiert, baut sich in einer Art Kettenreaktion ein intensiver, überaus
energiereicher Strahl von monochromatischem Licht auf.

Das ist Licht nur

einer einzigen Wellenlänge, also von "reiner Farbe".

Es bleibt eng ge-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�eng gebündelt, während sich gewohnliches, aus den verschiedensten Wellenlängen (Spektralfarben) zusammengesetztes Licht rund um die Quelle ausbreitet.

Eine solche Streuung von Licht und damit von Energie gibt es beim Laserstrahl nicht.

Schon mit einer einfachen Linse läßt sich das Licht ei-

nes gewöhnlichen Ein-Watt-Lasers punktförmig so gut bündeln, daß seine
Energie 100 Millionen Watt pro Quadratzentimeter entspricht.

Von einer

Linse gebündelt reicht die Energie des Laserstrahls aus, um jede Art von
Substanz zu schmelzen oder zu zerschneiden.

Über 103 Firmen in aller Welt stellen heutzutage Laser her.

Viele

Hunderte mehr bauen Teile dazu und Systeme, die mit Laser arbeiten.

Vor

kurzem berichtete Anthony DeMaria vom "United Technologies-Forschungszentrum" auf einem Symposium über Laser-Anwendung, daß der Absatz von kommerziellen und militärischen Systemen im Jahr 1984

4,4 Milliarden Dol-

lar erreichte und die Laser-Produktion mehr als 400 Millionen Dollar einbrachte.

Aufwendungen für herkömmliche Laser-Instrumente zu Forschungs-

zwecken in der Waffentechnik und zur Kernfusion seien dabei nicht berücksichtigt.

''Der Markt hatte im vergangenen Jahr die überraschende Wach-

stumsrate von 29 Prozent", sagte DeMaria.

Davon könnten manche Branchen

der Hochtechnologie-Industrie nur träumen.

"Auf dem kommerziellen Sektor

lag das Wachstum sogar bei 44 Prozent".
Die Laser-Technologie gab der Forschung enorme Impulse und beginnt
sich nunmehr auch auf die Industrie auszuwirken.
"Sjperinstrument" der achtziger Jahre.
Messung von Geraden.

Der Laser wurde zum

Geodäten benutzen ihn zur exa&lt;ten

In der Industrie wird er verwendet, um winzige 3oh-

rungen mit höchster Präzision auszuführen.

Nachrichtentechniker übermit-

teln auf Laserstrahlen Informationen über große Entfernungen.

Und Wis-

senschaftler arbeiten mit Laser, um im Zusammenhang mit der Erforscnung
von Krebs und der biologischen Wirkung von Medikamenten und Toxinen Einzelzellen rasch sortieren und analysieren zu können.
permarkt hat Laser schon Eingang gefunden:

Selbst in den Su-

An der Kasse werden die Prei-

se auf den Packungen mit einem Lichttastgerät "gelesen".
Als besonders

�Als besonders vielseitig und segensreich erweist sich die Anwendungn
von Laserstrahlen in der Medizin.

"Jeder gut ausgebildete Neurochirurg

beherrscht heute auch die Lasertechnik", sagt Dr. David Apfelberg, der
Direktor des Laser-Zentrums der "Palo Alto Medical Foundation" (Kalifornien).

"Man benutzt Laser z.B. in der plastischen Chirurgie, zur Behand-

lung bestimmter Leiden im Bereich von Hals, Nase und Ohren, in der Urologie und Gastroenterologie, neuerdings auch in der Gynäkologie."

Dr.

Rodney Perkins (California Ear Institute) berichtete, daß z.B. großflächige rote Flecke (Feuermale), die das Gesicht entstellen und bisher
praktisch nicht behandelt werden konnten, mit Laserstrahlen "gebleicht"
werden.

Die zahllosen winzigen Blutgefäße, durch die die Rotfärbung ent-

steht, absorbieren bei fachgerechter Behandlung das Laserlicht und werden
so verödet.

Mit dem blaugrünen Lichtstrahl des Argon-Lasers lassen sich

durch die Pupille hindurch und ohne jegliche Schädigung des Durchgangsgewebes

winzige

Blutgefäße

versiegeln, die

unter

der Netzhaut bluten.

Schon vielen Patienten wurde so die Sehkraft erhalten.

Ebenso ist es mit

Laserstrahlen möglich, Risse in der Netzhaut zu verschweißen oder eine
Ablösung der Netzhaut zu verhindern.

Operationen zur Entfernung von Gehirntumoren werden schon seit einiger Zeit mit Laser durchgeführt.

Die eng begrenzt wirksame Hitze des La-

serstrahls löse die Tumorzellen auf, erklärte Perkins. Gleichzeitig komme es zur Koagulation, so daß es nur geringe oder gar keine Blutung gebe.

"Der Laser ist ein sehr effektives Instrument für schwer zugängliche

Regionen, noch dazu wenn diese von empfindlichem Gewebe umgeben sind, das
man nicht ziehen oder dehnen möchte."

Dem Kardiologen Robert Ginsburg von der Stanford-Universität gelang
im Jahr 1983 mittels Laser zum ersten Mal die Auflösung von Ablagerungen
in Beinarterien.

Auch wurden Laserstrahlen schon eingesetzt, um in be-

stimmten Fällen von Herzmißbildungen bei Säuglingen
erforderlichen Blutgefäßanschlüsse zu schaffen.

Öffnungen für die

In zwölf amerikanischen

Zentren werden derzeit abstimmbare Farblaser in Verbindung mit einem Hämatoporohyrin-Derivat

(HPD) zum Abtöten von Krebszellen

erprobt.

HPD

wird nämlich nur von Krebszellen, aber nicht von gesunden Zellen absor-

�Zellen absorbiert.

So lassen sich die Krebszellen mit dem Farbstoff mar-

kieren und gleichzeitig für die gezielte Zerstörung durch das Laserlicht
sensibilisieren.
sen-, Lungen

Die bisherigen Resultate bei der Bekämpfung von Bla-

und Hautkrebs sind ermutigend.

Beiläufig erwähnte Perkins,

daß dort, wo chirurgische Eingriffe mit Lasertechnik möglich sind, diese
Verfahren kostengünstiger als bei der Anwendung herkömmlicher Methoden
seien und leichter ambulant durchgeführt werden könnten.
Die Industrie nutzt die Lasertechnik schon seit langem.

Mit Hilfe

des Laserstrahls durchtrennt oder schweißt man empfindliche mikroelektronische Schaltkreise genau so wie schwere Metallteile.

Laserlicht kann

die Oberfläche eines Werkstücks aus Metall so rasch aufschmelzen oder
härten, daß ein nur durch eine dünne Schicht getrenntes zweites Metallblech kalt und unbeschädigt bleibt.
Vom Laser erhofft man sich eines Tages auch billigere und leistungsfähigere Nachrichtenverbindungen. Im Prinzip könnten alle Rundfunk- und
Fernsehsendungen sowie alle Telefongespräche der Welt über einen Lichtstrahl laufen, ohne daß es zu gegenseitigen Störungen käme. Als Trägermedium für diese Lichtstrahlen würden äußerst dünne Glasfasern benutzt.
Experten sind sogar der Meinung, daß Glasfaserkabel, bis Ende der achtziger Jahre am Grund des Atlantik und Pazifik verlegt, den Nachrichtensatelliten erhebliche Konkurrenz machen werden.

* * * *

- 4-

*

�</text>
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                    <text>cimcrikci
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

6. November 1991

44

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DENSKONFERENZ BUSH: FRIEDEN IM NAHEN OSTEN "MUSS KEIN
TRAUM BLEIBEN"
Rede des Präsidenten bei der Madrider Konferenz

GATT

HILLS OPTIMISTISCH IM HINBLICK AUF
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
Rede bei der OAS

BAUCUS SCHLAGT GATTUMWELTGESPRÄCHE VOR
Rede des Vorsitzenden im Senatsunterausschuß
für Handel

KONGRESS

AUS DER ARBEIT DES KONGRESSES
Vermittlungsausschuß schließt Arbeit am
Verteidigungshaushalt ab

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�NAHOST-FRIEDENSKONFERENZ
6. November 1991

BUSH: FRIEDEN IM NAHEN OSTEN
"MUSS KEIN TRAUM BLEIBEN''
Rede des Präsidenten bei der Madrider Konferenz
MADRID - (AD) - In seiner Rede zur Eröffnung der Madrider Nahost-Friedenskonferenz erklärte Präsident Bush
am 30. Oktober 1991, Frieden im Nahen Osten "muß kein Traum bleiben".
Dem Präsidenten zufolge ist "der ägyptisch-israelische Friedensvertrag ein greifbarer Beweis, daß ehemalige
Gegner Frieden schließen und bewahren können". Darüber hinaus respektieren die Parteien in der Region
"Abkommen nicht nur auf der Sinaihalbinsel sondern auch auf den Golanhöhen".
"Was wir anstreben, ist ein naher Osten, in dem Ressourcen nicht länger ausschlie ßlich für Rüstungen verwendet
werden", betonte Bush. "Einen Nahen Osten, in dem junge Menschen nicht länger ihr Leben dem Kampf widmen
und allzuoft dabei lassen müssen. Einen Nahen Osten, der nicht länger in den Fängen von Furcht und Terror
ist. Einen Nahen Osten, in dem jedermann ein normales Leben führen kann."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush im Wortlaut.

Herr Ministerpräsident Gonzalez, Präsident Gorbatschow, Exzellenzen. Ich möchte zunächst der spanischen Regierung meinen Dank aussprechen, als
Gastgeber dieser historischen Zusammenkunft zu
wirken. Das spanische Volk und seine politisch Verantwortlichen haben in kürzester Zeit diesen glanzvollen Rahmen geschaffen. Wir hoffen, daß diese Madrider Konferenz für den Anfang eines neuen Kapitels der
Geschichte des Nahen Ostens stehen wird.
Darüber hinaus möchte ich gleich zu Beginn meine
Freude über die Anwesenheit von Präsident Gorbatschow zum Ausdruck bringen, der Mitveranstalter
dieser Konferenz ist. In einer Zeit enormer Herausforderungen in seinem eigenen Land haben Präsident
Gorbatschow und seine Führungsmannschaft die
Absicht bekundet, die Sowjetunion als Kraft positiven
Wandels im Nahen Osten einzubringen. Dies ist ein
deutliches Signal für alle, die nach Frieden streben.
Wir sind nach Madrid in einer Mission der Hoffnung
gekommen - die Arbeit an der gerechten, dauerhaften
und umfassenden Beilegung des Konflikts im Nahen
Osten aufzunehmen. Wir sind hierher gekommen, um
Frieden für einen Teil der Welt zu schaffen, der in der
langen Geschichte der Menschheit viel zuviel Haß,
Schmerz und Krieg erfahren mußte. Ich kann mir kein
wertvolleres - oder notwendigeres - Unterfangen vorstellen.

AMERIKA DIENST 44

Unsere Zielsetzung muß klar und eindeutig sein. Es
geht nicht nur darum, den Kriegszustand im Nahen
Osten zu beenden und durch eine Waffenruhe zu
ersetzen. Das ist nicht genug und wäre nicht von
Dauer. Vielmehr streben wir Frieden, echten Frieden
an. Und unter echtem Frieden verstehe ich Verträge.
Sicherheit. Diplomatische Beziehungen. Wirtschaftsbeziehungen. Handel. Investitionen. Kulturaustausch.
Selbst Tourismus. Was wir anstreben, ist ein Naher
Osten, in dem Ressourcen nicht länger ausschließlich
für Rüstungen verwendet werden. Einen Nahen Osten,
in dem junge Menschen nicht länger ihr Leben dem
Kampf widmen und allzuoft dabei lassen müssen.
Einen Nahen Osten, der nicht länger in den Fängen
von Furcht und Terror ist. Einen Nahen Osten, in dem
jederman ein normales Leben führen kann.
Niemand darf die Grö ßenordnung dieser Herausforderung verkennen. Der Kampf, den wir beenden wollen,
hat eine lange und schmerzliche Geschichte. Jedes
verlorene Leben - jede Greueltat und jeder Gewaltakt
- ist tief in die Herzen und die Geschichte des Volkes
in dieser Region eingegraben. Ihre Geschichte wiegt
schwer gegen die Hoffnung. Und dennoch muß die
Geschichte nicht zwangsläufig den Menschen beherrschen.

Seite 1

�Ich erwarte, daß einige sagen werden, ich wolle das
Unmögliche. Aber erinnern Sie sich. Wer hätte im Jahr
1945 gedacht, daß Frankreich und Deutschland nahezu ein Jahrhundert lang erbitterte Rivalen - nach
dem Zweiten Weltkrieg Verbündete würden? Und wer
hätte noch vor zwei Jahren den Fall der Berliner Mauer
vorhergesagt? Und wer hätte Anfang der sechziger
Jahre geglaubt, der kalte Krieg würde zu einem friedliche Ende kommen und durch Zusammenarbeit ersetzt - anschaulich belegt durch die Tatsache, daß die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion heute hier
anwesend sind - nicht als Rivalen, sondern als Partner,
wie Ministerpräsident Gonzalez ausgeführt hat.
Nein, Frieden im Nahen Osten muß kein Traum bleiben. Frieden ist möglich. Der ägyptisch-israelische
Friedensvertrag ist ein greifbarer Beweis, daß ehemalige Gegner Frieden schaffen und bewahren können.
Und darüber hinaus respektieren die Parteien in der
Region Abkommen nicht nur auf der Sinaihalbinsel
sondern auch auf den Golanhöhen.
Die Tatsache, daß wir alle heute hier zum ersten Mal
versammelt sind, belegt eine neues Potential für Frieden. Jeder von uns hat durch die Zusammenkunft hier
in Madrid einen entscheidenden Schritt zu echtem
Frieden unternommen. All die Formulierungen auf
dem Papier, all die hehren Erklärungen der Welt werden keinen Frieden bewirken, wenn es keinen praktischen Mechanismus für Fortschritt gibt.
Frieden wird nur infolge von direkten Verhandlungen,
Kompromiß, Geben und Nehmen möglich sein. Frieden kann nicht von außen von den Vereinigten Staaten
oder irgend jemand aufgezwungen werden. Während
wir weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun
werden, um den Parteien bei der Überwindung der
Hindernisse behilflich zu sein, muß Frieden von innen
heraus entstehen.
Wir sind als Realisten nach Madrid gekommen. Wir
erwarten nicht, daß Frieden in einem Tag, einer Woche,
einem Monat oder selbst einem Jahr ausgehandelt
werden kann. Er wird und sollte Zeit erfordern - Zeit,
damit die Parteien, die solange Krieg geführt haben,
lernen, miteinander zu sprechen und einander zuzuhören. Zeit, um die Wunden zu heilen und Vertrauen
aufzubauen. Bei diesem Streben darf die Zeit nicht
dem Fortschritt im Wege stehen.
Was wir uns vorstellen, ist ein Prozeß direkter Verhandlungen, die auf zwei Ebenen geführt werden,
einmal zwischen Israel und den arabischen Staaten
und zum anderen zwischen Israel und den Palästinensern. Die Verhandlungen sollten auf der Grundlage
der Resolutionen 242 und 338 des UN-Sicherheitsrats
geführt werden.
Die wirkliche Arbeit wird nicht bei dieser Plenarsitzung
sondern in direkten bilateralen Verhandlungen geleistet werden. Diese Konferenz kann den Teilnehmern

Seite 2

keine Lösung aufzwingen oder ein Veto gegen Vereinbarungen einlegen. Ebenso wichtig ist, daß die Konferenz nur mit Zustimmung jedes einzelnen Teilnehmers wiedereinberufen werden kann. Der Fortschritt
liegt in den Händen der Parteien, die mit den Folgen
leben müssen.
Schon bald nach Aufnahme der bilateralen Gespräche
werden die Parteien ebenfalls zusammentreffen, um
multilaterale Verhandlungen zu organisieren. Diese
werden sich auf die Fragen konzentrieren, die nationale Grenzen überschreiten und die gesamte Region
betreffen: Rüstungskontrolle, Wasser, Flüchtlingsprobleme, wirtschaftliche Entwicklung. Fortschritte in
diesen Foren sind nicht als Ersatz dessen gedacht,
was in den bilateralen Gesprächen entschieden werden muß. Im Gegenteil, Fortschritte bei den multilateralen Fragen können zu einer Atmosphäre beitragen,
in der seit langem bestehende bilaterale Streitfragen
leichter gelöst werden können.
Für Israel und die Palästinenser gibt es bereits einen
Rahmen für diplomatische Bemühungen. Die Verhandlungen werden in Phasen stattfinden und mit
Gesprächen über Interimslösungen für eine Selbstregierung beginnen. Wir sind bestrebt, ein Abkommen
innerhalb eines Jahres zu erlangen. Nach Erzielung
dieses Abkommens wird diese Interimsregelung zur
Selbstregierung fünf Jahre gültig sein. Vom dritten
Jahr an werden Verhandlungen über den dauerhaften
Status stattfinden. Niemand kann genau vorhersagen,
wie das Endergebnis aussehen wird. Unserer Meinung nach muß etwas entwickelt werden, das für
Israel, die Palästinenser und Jordanien akzeptabel ist,
das den Palästinensern eine sinnvolle Gestaltung ihres eigenen Lebens und Schicksals ermöglicht und
gleichzeitig die Akzeptanz und Sicherheit Israels
gewährleistet.
Wir alle können verstehen, daß sowohl Israel als auch
die Palästinenser über Kompromisse besorgt sind,
daß sie sich Sorgen machen, selbst beim unbedeutendsten Punkt Kompromisse zu schließen, weil sie
fürchten, einen Präzedenzfall für die wirklich wichtigen
Fragen zu schaffen. Niemand sollte jedoch einen
Kompromiß bei Interimsregelungen vermeiden, und
zwar aus einem einfachen Grund: nichts, was heute
beschlossen wird, wird die Verhandlungen über den
dauerhaften Status präjudizieren. Im Gegenteil, diese
Folgeverhandlungen werden aufgrund ihrer eigenen
Verdienste bewertet werden.
Frieden kann nicht allein von Kompromissen abhängen. Echter Frieden - dauerhafter Frieden - muß auf
Sicherheit für alle Staaten und Völker, einschließlich
Israels, gegründet sein. Zu lange hat das israelische
Volk in Furcht gelebt, umgeben von einer arabischen
Welt, die es nicht akzeptierte. Heute ist für die arabische Welt der ideale Moment gekommen, um zu
zeigen, daß sich Einstellungen verändert haben, daß

AMERIKA DIENST 44

�die arabische Welt bereit ist, mit Israel in Frieden zu
leben und Zugeständnisse an Israels begründete Sicherheitsbedürfnisse zu machen.
Wir wissen, daß Frieden auch auf Fairneß gegründet
sein muß. Ohne Fairneß wird es keine Legitimität
geben - keine Stabilität. Dies gilt besonders für die
Palästinenser, von denen viele vor allem anderen
Unruhen und Frustration erfahren haben. Israel hat
heute die Gelegenheit zu zeigen, daß es bereit ist, ein
neues Verhältnis mit seinen palästinensischen Nachbarn einzugehen, das auf gegenseitiger Achtung und
Zusammenarbeit beruht.
Im gesamten Nahen Osten streben wir eine stabile und
dauerhafte Lösung an. Wir haben nicht definiert, was
dies bedeutet. Ich mache diese meine Ausführungen
in der Tat ohne Landkarte, die anzeigt, wo die Grenzen
letzlich gezogen werden sollen. Trotzdem gehen wir
davon aus, daß ein territorialer Kompromiß für den
Frieden unumgänglich ist. Grenzen sollten die Qualität
von militärischen und politischen Regelungen widerspiegeln. Die Vereinigten Staaten sind bereit, alles zu
akzeptieren, was die Parteien selbst akzeptabel finden. Wie ich am 6. März erklärt habe, streben wir eine
Lösung an, die die doppelte Probe auf Fairneß und
Sicherheit besteht.
Ich weiß - und ich nehme an, wir alle wissen -, daß
diese Verhandlungen nicht einfach sein werden. Ich
weiß auch, daß diese Verhandlungen nicht reibungslos verlaufen werden. Es wird Meinungsverschiedenheiten und Kritik, Rückschläge und - wer weiß - möglicherweise Unterbrechungen geben. Verhandlungen
und Kompromisse sind immer schmerzhaft. Der Erfolg
wird uns versagt bleiben, wenn wir uns nur auf das
konzentrieren, was aufgegeben werden muß.
Wir müssen unsere Vision dessen definieren, was
echter Frieden bringen würde. Frieden bedeutet doch
schließlich nicht nur die Vermeidung von Krieg und den
Kosten, sich darauf vorzubereiten. Der Nahe Osten ist
mit großen Ressourcen gesegnet: physischen, finanziellen und vor allem menschlichen. Neue Möglichkeiten befinden sich in greifbarer Nähe - wenn wir nur das
Vorstellungsvermögen besitzen, sie zu ergreifen.
Um Erfolg zu haben, müssen wir uns vor Augen führen,
daß Frieden im Interesse aller Parteien liegt - und Krieg
für niemand einen absoluten Vorteil bringt. Die Alternative zum Frieden im Nahen Osten ist eine Zukunft
der Gewalt, Verschwendung und Tragik. Jeder künftige Krieg beinhaltet die Gefahr des Einsatzes von
Massenvernichtungswaffen. Wie wir im Golfkrieg gelernt
haben, ermöglichen moderne Waffenarsenale Angriffe auf städtische Ballungszentren - um das Leben
unschuldiger Männer, Frauen und Kinder zu bedrohen, Straßen, Schulen und Kinderspielplätze der Städte in Schlachtfelder zu verwandeln.

AMERIKA DIENST 44

Heute können wir beschließen, einen anderen Weg in
die Zukunft einzuschlagen - Konflikte zu vermeiden.
Ich fordere alle Parteien auf, einseitige Maßnahmen,
sei es in Wort oder Tat, zu vermeiden, die Vergeltung
nach sich ziehen oder - noch schlimmer - diesen
Prozeß selbst beeinträchtigen oder bedrohen würden.
Ich appelliere an alle Parteien, Maßnahmen in Betracht zu ziehen, die gegenseitiges Vertrauen fördern
- Schritte, die ein ernsthaftes Engagement für eine
Aussöhnung signalisieren.
Ich möchte etwas zur Rolle der Vereinigten Staaten
von Amerika sagen. Wir haben eine aktive Rolle dabei
gespielt, diese Konferenz zu ermöglichen. Sowohl der
Außenminister, Jim Baker, als auch ich werden eine
aktive Rolle dabei spielen, dem Prozeß zum Erfolg zu
verhelfen. Zu diesem Zweck haben wir Israel, Syrien,
Jordanien, dem Libanon und den Palästinensern schriftliche Zusicherungen gegeben. Im Geist der Offenheit
und Ehrlichkeit werden wir alle Parteien über die
Zusicherungen informieren, die wir den anderen gegeben haben. Wir sind bereit, Garantien zu geben,
Technik und Unterstützung zu liefern, wenn der Frieden dies erfordert. Wir werden ferner unsere Freunde
und Verbündeten in Europa und Asien auffordern, sich
uns bei der Bereitstellung von Ressourcen anzuschließen, damit Frieden und Wohlstand Hand in Hand
gehen.
Außenstehende können helfen, aber letztlich obliegt
es den Völkern und Regierungen des Nahen Ostens,
die Zukunft des Nahen Ostens zu gestalten. Es ist ihre
Chance und ihre Pflicht, alles in ihrer Macht Stehende
zu tun, um diese Versammlung zu nutzen, diese
historische Versammlung und alles, was sie symbolisiert und verspricht.
Niemand sollte annehmen, daß die vor uns liegende
Chance zum Friedensschluß bestehen bleibt, wenn
wir es versäumen, diesen Moment zu nutzen. Ironischerweise ist diese Gelegenheit aus dem Krieg geboren - der Zerstörung vergangener Kriege, der Furcht
vor künftigen Kriegen. Die Zeit ist gekommen, um dem
Krieg ein Ende zu bereiten - die Zeit ist gekommen, um
den Frieden zu wählen.
Stellvertretend für das amerikanische Volk möchte ich
bekräftigen, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,
die Suche nach Frieden zu erleichtern, als Katalysator
zu wirken, wie wir dies in der Vergangenheit und bis vor
Kurzem getan haben. Wir streben nur ein Ziel an, und
das tun wir nicht für uns selbst, sondern für die Völker
der Region und besonders die Kinder: daß diese und
künftige Generationen im Nahen Osten die Bedeutung
und Segnungen des Friedens erfahren.
Wir haben zu viele Generationen von Kindern gesehen, deren gequälte Augen nur Furcht widerspiegeln zu viele Beerdigungen von Brüdern und Schwestern,

Seite 3

�Müttern und Vätern, die zu früh starben - zu viel Haß,
zu wenig Liebe. Und wenn wir nicht den Mut aufbringen können, für uns selbst die Vergangenheit hinter
uns zu lassen, so laßt uns beschließen, es für unsere
Kinder zu tun.

Möge Gott das Werk dieser Konferenz segnen und
leiten, und möge diese Konferenz uns auf den Weg des
Friedens führen,

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 44

�GATT
6. November 1991

HILLS OPTIMISTISCH IM HINBLICK AUF
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
Rede bei der OAS
WASHINGTON - (AD) - Die US-Handelsbeauftragte Carla Hills hat in einer Rede bei der Konferenz der
Handelsminister der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) am 29. Oktober 1991 in Washington erklärt,
sie sei in bezug auf den erfolgreichen Abschluß der nun schon fünf Jahre andauernden Uruguay-Runde
multilateraler Handelsgespräche seit langem nicht mehr so optimistisch gewesen.
Wir veröffentlichen die Rede von Hills, die darüber hinaus auf das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
(NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada sowie die Initiative zur Förderung der
Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas (EAI) einging, nachfolgend im Wortlaut.

Einleitung
Bei einer Feierstunde im Rosengarten des Weißen
Hauses anläßlich des ersten Jahrestages der EAI
bekräftigte Präsident Bush im vergangenen Juni sein
Engagement zum "Aufbau einer soliden Grundlage für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Wohlstand" auf
dem Kontinent. "Freier Handel", erklärte der Präsident, "muß unsere gesamte Hemisphäre erfassen."
Die Organisation Amerikanischer Staaten war bei diesem
entscheidenden Unterfangen ein zuverlässiger Verbündeter und Befürworter.
Wenn wir umfassenden und dauerhaften Wohlstand
erlangen wollen, müssen wir uns bemühen, die Wohlstand schaffende Macht offener Märkte über die Grenzen unserer Hemisphäre hinaus auszudehnen. Wir
müssen zusammenarbeiten um sicherzustellen, daß
unsere Güter und Dienstleistungen in der ganzen Welt
frei bewegt werden können. Der Weg, um dies zu
ermöglichen, ist die Schaffung eines wirklich offenen
und pulsierenden Welthandelssystems.
Die amerikanische Handelspolitik
Aus diesem Grund ist die Handelspolitik von Präsident
Bush darauf ausgerichtet, jede Chance zu ergreifen
und jedes Forum zu nutzen, um die Weltmärkte für
Unternehmer aller Länder zu öffnen.

AMERIKA DIENST 44

Um diese Politik zu verwirklichen, bemühen wir uns
energisch,
die Verhandlungen über den Welthandel im
Rahmen der Uruguay-Runde erfolgreich abzuschließen;
mit Mexiko und Kanada Verhandlungen über ein
Nordamerikanisches Freihandelsabkommen zu
führen;
die Initiative des Präsidenten zur Förderung der
Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas mit
dem Endziel einer Freihandelszone in der gesamten Hemisphäre zu verwirklichen.
Die Uruguay-Runde
Zweifelsohne sind die Welthandelsgespräche im
Rahmen der Uruguay-Runde für alle Nationen heute
das wichtigste Verhandlungsforum zum Handel. Die
108 am Verhandlungstisch vertretenen Staaten repräsentieren über 90 Prozent des Welthandels.
Die Nationen Amerikas verstehen die Bedeutung der
Uruguay-Runde und des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). Costa Rica, El Salvador und
Venezuela sind in den vergangenen zwei Jahren dem
GATT beigetreten. Guatemala wird seinen Beitritt in
wenigen Monaten vollzogen haben. Honduras wird mit
dem Beitrittsprozeß beginnen, und Panama hat gerade die Aufnahme beantragt.

Seite 1

�Der Grund dafür, daß Sie alle Teil des GATT werden
möchten, ist einfach. Eine multilaterale Liberalisierung
des Handels hat eine größere Durchschlagskraft als
regionale Handelsvereinbarungen (selbst bilaterale
Freihandelsabkommen). Sowohl das Nordamerikanische Freihandelsabkommen als auch die EAI bieten
den Teilnehmern wichtige Vorteile, aber jedes ist letztlich durch die Größe der beteiligten Märkie begrenzt
Es ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit: 108 Nationen,
die 90 Prozent des Welthandels vertreten, können
zusammengenommen mehr erreichen, um Märkte zu
öffnen, den Handel auszuweiten und Wohlstand hervorzubringen als 3 oder 30 Länder.
Die Uruguay-Runde ist die weitreichendste jemals
veranstaltete Runde weltweiter Handelsgespräche.
Eine Verringerung traditioneller Marktzugangshemmnisse - tarifäre und nichttarifäre Maßnahmen wie etwa
Quoten - um ein Drittel durch die Runde könnte die
Weltproduktion im nächsten Jahrzehnt um 5 Billionen
Dollar erhöhen.
Die Vereinigten Staaten und andere Regierungen
Amerikas müssen nicht nur zusammenarbeiten, um
diesen wirtschaftlichen Impuls zu verwirklichen, sondern auch, um folgende Entwicklungen sicherzustellen:
Öffnung neuer und Ausweitung bestehender
Märkte;
Abbau handelsverzerrender Agrarsubventionen;
neue Rechte an geistigem Eigentum;
Öffnung der Dienstleistungsmärkte;

länger hinziehen. Die Regierungen müssen heute
entscheiden, ob sie ein Abkommen schließen wollen
oder nicht.
Generaldirektor Dunkel hat einen kühnen Plan in Angriff
genommen, um diese Entscheidung zu erzwingen und
die Verhandlungen zu beschleunigen. Er beabsichtigt,
bis Mitte November ein umfassendes Abkommen
vorzulegen. Er hat die Vorsitzenden der wichtigsten
Verhandlungsgruppen aufgefordert, umgehend zusammenzutreten. Dunkel hat erklärt, er werde Lösungen
für die noch ausstehenden Probleme vorschlagen,
wenn sie keine Übereinkunft erzielen können.
Wir können Substanz nicht durch Geschwindigkeit
ersetzen. Wir benötigen ein umfassendes Paket von
Vereinbarungen, das für Unternehmer weltweit ein
breites Spektrum von Möglichkeiten schafft. Die Vereinigten Staaten brennen darauf, mit den Handelspartnern zusammenzuarbeiten, um diese entscheidenden
Verhandlungen zu einem erfolgreichen Ergebnis zu
führen.
Der Dunkel-Plan könnte die erforderliche Antriebskraft
liefern, um der Runde zum Gelingen zu verhelfen. Vor
zwei Wochen hat Wirtschaftsminister Möllemann den
EG-Handelsministern beim Treffen in Den Haag berichtet, daß Deutschland seine Position geändert hat
und jetzt bereit ist, eine Reduzierung der Agrarsubventionen auszuhandeln. Die EG-Handelsminister treffen
am kommenden Sonntag und die Außenminister am
Montag erneut zusammen.
Dies ist der Augenblick, in dem die Mitglieder der
Organisation Amerikanischer Staaten zusammenarbeiten können, um alles in ihrer Macht Stehende zu
tun, die Gespräche zu einem erfolgreichen Abschluß

Förderung arbeitsplatzschaffender Investitionen.
Die enthusiastische Unterstützung der Regierungen
Amerikas - einzeln sowie durch Organisationen wie die
OAS - für ein umfassendes Abkommen der UruguayRunde könnte entscheidend dazu beitragen, die von
uns allen angestrebten wachstumsfördernden Handelsreformen zu verwirklichen.
Liegt ein Abkommen in greifbarer Nähe?
Es besteht kein Zweifel: die Vorteile einer erfolgreichen Uruguay-Runde könnten enorm sein. Nahezu
ein Jahr nach dem Patt von Brüssel stellt jeder die
Frage "Wird es ein Abkommen der Uruguay-Runde
geben?"
Ich bin lange nicht mehr so hoffnungsvoll gewesen wie
heute.
Der Generaldirektor des GATT, Arthur Dunkel, hat
unlängst die Delegationsleiter in Genf zusammengerufen, um eine eindeutige Botschaft zu übermitteln: die
Verhandlungen der Uruguay-Runde dürfen sich nicht

Seite 2

zu bringen.
Es ist fünf Minuten vor zwölf, was die Uruguay-Runde
anbetrifft. Die Vereinigten Staaten haben ein vollständiges Verhandlungsteam nach Genf entsandt, das zu
Fortschritten bereit ist. Ich fordere alle heute hier
anwesenden Regierungen auf, hochrangige Experten
aus ihren Hauptstädten nach Genf zu entsenden. Die
Zeit ist knapp, und wir müssen Erfolg haben.
Während wir am erfolgreichen Abschluß der Runde
arbeiten, müssen wir uns auch mit der Öffnung von
Märkten befassen, wo immer dies weltweit möglich ist.
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
Ich bin gestern aus Zacatecas in Mexiko zurückgekehrt, wo ich zum dritten Mal mit meinen Amtskollegen
aus Mexiko und Kanada zusammengetroffen bin, um
die Verhandlungen über ein Nordamerikanisches
Freihandelsabkommen fortzusetzen. Gemeinsam
könnten wir einen Markt mit 360 Millionen Verbrauchern und Produzenten und einer Jahresproduktion im
Wert von 6 Billionen Dollar schaffen.

AMERIKA DIENST 44

�Die Vorteile eines Nordamerikanischen Freihandelsabkommens sind jedoch nicht auf die drei Teilnehmerländer begrenzt. Jedesmal, wenn "der Kuchen wächst",
gibt es mehr für alle.

Als ersten Schritt der EAI haben die Vereinigten Staaten in der Zwischenzeit Rahmenabkommen mit praktisch allen Ländern Mittelamerikas sowie den meisten
Ländern Lateinamerikas und der Karibik geschlossen.

Mexikos dynamisches Wachstum wird vermehrte
Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen schaffen, die Sie, seine Nachbarn auf dem Kontinent, am
besten liefern können. Sie kennen den Geschmack,
Bedarf und die Wünsche der Mexikaner. Sie werden
einen natürlichen Vorteil beim Verkauf an ein reicheres
Mexiko haben.

Diese Abkommen sehen eine Reihe fester Handels und
Investitionsprinzipien, die Verpflichtung zu regelmäßigen Konsultationen sowie eine vorläufige Tagesordnung der Konsultationen vor.

Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen wird
als Vorreiter für den besseren Schutz von Patenten,
Urheberrechten und anderem geistigem Eigentum
dienen und Märkte für Anbieter von Dienstleistungen
sowie Investoren öffnen. Parallele Gespräche werden
Normen für die Rechte von Arbeitnehmern und den
Umweltschutz festsetzen. Dies sind nicht nur Vorteile
für die Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada. Auch
andere Länder in der Region werden von unseren
Erfahrungen und unserem Beispiel profitieren.
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in
den Ländern Amerikas (EAI)
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen kann
als Wegweiser bei unserem gemeinsamen Unterfangen zur Schaffung einer Freihandelszone auf dem
gesamten Kontinent dienen - einem langfristigen Ziel
der Initiative des Präsidenten zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen hat Modellcharakter für künftige Abkommen.
Die notwendigen technischen und politischen Grundlagen für weitere Freihandelsabkommen benötigen
Vorbereitungszeit. Es dauerte vier Jahre von der
Aushandlung eines Rahmenabkommens zwischen den
Vereinigten Staaten und Mexiko bis zur Aufnahme der
Gespräche über ein Freihandelsabkommen.
Der amerikanische Kongreß wird die positiven Ergebnisse des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens
sehen wollen, bevor er der Administration die Befugnis
erteilt, neue Freihandelsabkommen mit anderen Handelspartnern in der Region in die Wege zu leiten.
Die Mitglieder des Kongresses werden wissen wollen,
ob die an einem Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten interessierten Länder ihr Engagement
für offene Märkte unter Beweis gestellt haben. Die
Bereitschaft des Kongresses zur Aufnahme solcher
Verhandlungen wird davon abhängen, ob die Länder
verbesserten Zugang zu ihren Märkten haben, und
zwar nicht nur für Waren sondern auch für die Anbieter
von Dienstleistungen und Investoren, und ob sie dem
Weltstandard entsprechenden Schutz an geistigem
Eigentum anbieten können.

AMERIKA DIENST 44

In unseren wildesten Träumen hätten wir niemals
erwartet, daß so viel in so kurzer Zeit nach Ankündigung der EAI erreicht werden würde.
Noch vor wenigen Jahren wäre eine solche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Nachbarländern in Lateinamerika unmöglich gewesen. Diese Rahmenabkommen belegen die außerordentliche Übereinstimmung unserer Philosophien
und Zielsetzungen. In ganz Lateinamerika herrscht ein
kühner, neuer Geist der Freiheit und freier Märkte.
Brücken bauen
Es wurde jedoch die Besorgnis geäußert, daß die
regionalen Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur
Öffnung von Märkten eine Abkehr von unserer Unterstützung des multilateralen Handelssystems signalisieren, das uns seit über 40 Jahren so gut gedient hat.
Nichts könnte jedoch weniger der Wahrheit entsprechen. Unser Ziel besteht im Abbau von Handelsschranken, wo immer und wann immer möglich, und
wir hegen keinerlei Intention, einen nach innen gerichteten Handelsblock zu schaffen oder zu unterstützen.
Bestrebungen zum Abbau regionaler Handelshemmnisse beeinträchtigen nur dann das Gefüge des Welthandelssystems, wenn sie neue Schranken für die
übrige Welt zur Folge haben. Im Gegenteil - unsere
regionalen Bestrebungen in Mexiko, Lateinamerika
und Asien sollen unsere weltweiten Bestrebungen zur
Öffnung von Märkten und Erweiterung des Handels
verstärken.
In der Tat lehnen wir den Aufbau protektionistischer
Handelsblöcke in allen Teilen der Welt ab und warnen
davor. Wir versuchen, die Liberalisierung des Handels
überall voranzutreiben.
Schlußbemerkung
Mit der Uruguay-Runde, dem Nordamerikanischen
Freihandelsabkommen und der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas
haben wir einzigartige Chancen, Präsident Bushs Vision
einer von einem dynamischen Welthandelssystem
getriebenen neuen Weltordnung zu verwirklichen.
Unseres Erachtens werden diese Initiativen zur Marktöffnung zusammengenommen alle Länder Amerikas
an die Schwelle einer neuen, wechselseitig vorteilhaf-

Seite 3

�ten Wirtschafts- und Handelsbeziehung mit unseren
weltweiten Handelspartnern führen.
In seiner Rede vor den Vereinten Nationen erklärte
Präsident Bush im vergangenen Monat: "Wachstum
füllt nicht nur Regale auf, sondern leistet mehr - es
billigt jedem Menschen Gewinn zu - nicht auf Kosten

sondern zum Vorteil anderer. Wohlstand ermutigt die
Menschen, als Nachbarn, nicht als Raubtiere zu leben."
Das ist unser Ziel. Gemeinsam können wir es verwirklichen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 44

�GATT
6. November 1991

BAUCUS SCHLÄGT GATT-UMWELTGESPRÄCHE VOR
Rede des Vorsitzenden im Senatsunterausschuß für Handel
WASHINGTON - (AD) - Einem einflußreichen US-Senator zufolge soll das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen auch den Bereich Umwelt umfassen.
Der Vorsitzende des Unterausschusses für Handel, Max Baucus, schlug dem Institut für Weltwirtschaft am 30.
Oktober 1991 vor, die GATT-Mitglieder könnten nach dem Vorbild des Subventionskodex einen Umweltkodex
aushandeln.
Der neue Kodex sollte einzelnen Ländern die Verhängung von Handelssanktionen für Importe anderer Länder
gestatten, die international vereinbarte Normen verletzen sowie eine Schlichtungsstelle ähnlich der nach dem
Subventionskodex eingerichteten schaffen, erklärte Baucus.
Ihm zufolge würde die Annahme des Vorschlags demonstrieren, daß das GATT Umweltschutz als ebenso
wichtiges Ziel der Handelspolitik betrachtet wie nationale Sicherheit oder Naturschutz, US-Firmen "die gleiche
Ausgangsbasis" verschafft, damit sie höhere Umweltschutzmaßstäbe als ausländische Konkurrenten erfüllen
können und einzelne Länder zur Verabschiedung einer zuverlässigen Umweltpolitik ermutigt.
Nachfolgend veröfentlichen wir Baucus' Rede im Wortlaut.

Die Welt steht in den nächsten zehn Jahren vor zwei
großen Herausforderungen: erstens dem Schutz der
Umwelt und zweitens der Schaffung eines freieren
Welthandelssystems.
Aber diese Herausforderungen stehen nicht für sich
allein. Die Verknüpfung zwischen der Umwelt und der
Handelspolitik ist in den letzten Monaten sehr deutlich
geworden.
Handelspolitik ist ein weltvolles Instrument zur Stimulierung eines Umweltbewußtseins im Ausland. Aber
Handelssanktionen können - insbesondere in den
Entwicklungsländern - Ressentiments gegen die Vereinigten Staaten hervorrufen und ernsthafte Streitigkeiten im Handel entfachen.
Eine der zentralen Herausforderungen, die sich uns
bei den bevorstehenden Gesprächen über den Welthandel stellt, ist die Verabschiedung umweltbewußter
Handelsabkommen - Abkommen zum Schutz der
Umwelt, die gleichzeitig die Handelsinteressen der
Vereinigten Staaten schützen.
Die Einbeziehung von Umweltthemen in Handelsvergespräche ist nur der letzte Schritt in einer natürlichen
Folge. Angesichts der zunehmenden Verflechtung der
Volkswirtschaften der Welt müssen auch die Handelsgespräche erweitert werden.
AMERIKA DIENST 44

Ursprünglich haben sich die Handelsgespräche nur
auf Zölle konzentriert. Aber uns ist nach und nach
bewußt geworden, daß nichttarifäre Hemmnisse - wie
Quoten und Einfuhrgenehmigungen - ebenso wichtig
sind. Später haben wir erkannt, daß andere Themen
wie Subventionen und Preispolitik ebenso angesprochen werden müssen, um die gleiche Ausgangsbasis
für alle zu gewährleisten.
Wir haben jetzt begonnen, noch weitere Themen wie
den Schutz geistigen Eigentums und Antitrustmaßnahmen bei den Handelsgesprächen zu erörtern. Die
Einbeziehung dieser neuen Themen hat zur weltweiten Öffnung der Märkte und Erweiterung des Handels
beigetragen.
Jetzt ist es an der Zeit, den Umweltschutz der länger
werdenden Liste von Themen hinzuzufügen, die bei
den Handelsgesprächen erörtert werden müssen.
Sollte sich ein Land nicht zur Einführung angemessener Umweltschutzbestimmungen entscheiden, verringert es die Kosten wirtschaftlicher Tätigkeit in diesem
Land zu Lasten der Umwelt. Zusätzlich zur Belastung
der Umwelt verschafft dies einen relativen Vorteil
gegenüber Nationen, die die Umwelt schützen. Dieser
Vorteil kann in Handelsprofite umgesetzt werden und
zusätzliche Investitionen anziehen.

Seite 1

�Die Handelspolitik ist einer der wenigen Hebel, die die
Vereinigten Staaten ansetzen können, um andere
Nationen zum Schutz der Umwelt zu veranlassen. Es
wird großer Druck zur Verhängung von Handelssanktionen ausgeübt, um die Ziele des Umweltschutzes
durchzusetzen.
Angesichts dieses Trends können Umweltfragen nicht
länger von Handelsthemen getrennt werden.
Nach gro ßem Druck seitens des Kongresses steht das
Thema Umwelt jetzt definitiv auf der Tagesordnung
der Gespräche über eine Freihandelszone zwischen
den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada. Und ich
bin ziemlich zuversichtlich, daß der Kongreß kein
Nordamerikanisches Freihandelsabkommen verabschieden wird, das weder in dem Handelsabkommen
noch in einer parallelen Vereinbarung strenge und
durchsetzbare Umweltschutzbestimmungen enthält.
Die Logik, die uns zur Einbeziehung der Umweltthemen in diese Verhandlungen veranlaßt hat, gilt jedoch
auch weltweit.
Es ist an der Zeit, das Handelspaket der Welt - das
Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) - zu
erweitern, um Umweltbelange anzusprechen. Im
Optimalfall könnte ein internationales Abkommen
ausgehandelt werden, um angemessene Umweltnormen weltweit festzusetzen. Ein solches Abkommen
liegt wahrscheinlich noch in weiter Ferne. In der
Zwischenzeit sollte meines Erachtens ein GATTUmweltkodex entsprechend dem aktuellen Subventionskodex ausgehandelt werden.
Zahlreiche Details eines solchen Kodex müssen den
Verhandlungen vorbehalten bleiben, sollten jedoch
folgenden Hauptelemente umfassen;
Jeder Nation sollte gestattet werden, ihre eigenen Umweltschutznormen festzulegen.
Jeder Nation sollte erlaubt werden, den Import
von Waren zu verbieten oder anderweitig einzuschränken, die unter Verletzung international
anerkannter Normen hergestellt wurden, wie
beispielsweise mit Treibnetzen gefangener
Thunfisch, und Handelssanktionen zu verhängen, um internationale Umweltschutzabkommen durchzusetzen.
Wenn importierte Produkte oder das zur Herstellung dieser Produkte verwendete Verfahren
nicht den Umweltnormen des Importlandes
entsprechen, kann das importierte Produkt mit
Zöllen belegt werden, vorausgesetzt zwei Kriterien sind erfüllt:
Erstens müssen die verwendeten Umweltschutznormen eine solide wissenschaftliche Grundlage haben.

Seite 2

Zweitens müssen dieselben Normen für die
gesamte Inlandsproduktion gelten.
Die Höhe der Ausgleichszölle sollte ausreichen,
um jeglichen wirtschaftlichen Vorteil auszugleichen, der sich ergibt, wenn ein Produkt unter
weniger strengen Umweltschutzauflagen hergestellt wird.
Ein GATT-Schlichtungsgremium vergleichbar
dem nach dem Subventionskodex gebildeten
Gremium sollte Streitfälle in bezug auf die Durchführung des Umweltkodex regeln.
Ein solcher Kodex hätte drei bedeutende Vorteile.
Erstens würde der Kodex ein offenkundiges Defizit des
GATT korrigieren, wie es erst unlängst in der Entscheidung eines Schlichtungsausschusses im mexikanischen Thunfischfall zum Ausdruck kam. In diesem Fall
entschied der Schlichtungsausschu ß, daß die von den
Vereinigten Staaten auf Thunfischimporte aus Mexiko
verhängten Beschränkungen aufgrund der Tatsache,
daß mexikanische Fischer weiterhin Delphine abschlachten, das GATT verletzten. Der Beschluß des Ausschusses mag die bestehenden Regeln des GATT
exakt widerspiegeln. Dies ist jedoch ein Argument für
die Änderung des GATT und nicht für die Beendigung
der Bemühungen zum Schutz der Delphine.
Wir können nicht zulassen, daß das GATT zu einem
Schutzschild für die Staaten wird, die international
anerkannte Normen für den Umweltschutz unterlaufen. Das GATT muß den Umweltschutz ebenso als
legitimes Ziel der Handelspolitik anerkennen wie nationale Sicherheit und Naturschutz.
Zweitens wäre er hilfreich, um eine gleiche Ausgangsbasis für amerikanische Unternehmen zu schaffen, die
gezwungen sind, schärfere Umweltauflagen zu erfüllen als ihre ausländischen Konkurrenten. Der Umweltschutz würde nicht mehr unbedingt negative Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer
Unternehmen haben.
Schließlich würde der Kodex die Nationen dazu ermutigen, eine gesunde Umweltschutzpolitik einzuführen.
Ein Großteil der aus lockeren Umweltschutzbestimmungen resultierenden wirtschaftlichen Vorteile würde verschwinden. Darüber hinaus würde der Anreiz,
Zölle zu vermeiden, die Staaten dazu veranlassen,
bessere Umweltschutzvorschriften einzuführen.
Der neue von mir beschriebene GATT-Kodex würde
eine sinnvolle Norm schaffen, mit deren Hilfe Staaten
legitime umweltpolitische Ziele verfolgen könnten, ohne
mit ihren Verpflichtungen im Rahmen des GATT in
Konflikt zu geraten. Natürlich muß ein solcher Kodex
sorgfältig ausgearbeitet werden, damit sich legitime
Umweltschutzmaßnahmen von verstecktem Protektionismus unterscheiden lassen.

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�Zweifelsohne steckt das Konzept eines Umweltkodex der nächsten Runde von GATT-Verhandlungen wernoch in einem sehrfrühen Entwicklungsstadium. Es ist den - einer Runde, die hoffentlich wegen ihrer Konzennoch nicht ausreichend verfeinert worden, um in die tration auf die Umwelt als Grüne Runde bekannt
Uruguay-Runde von GATT-Verhandlungen Eingang werden wird,
zu finden. Er sollte statt dessen ein zentrales Thema
* * * * *

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Seite 3

�KONGRESS
6. November 1991

AUS DER ARBEIT DES KONGRESSES
Vermittlungsausschuß schließt Arbeit am Verteidigungshaushalt ab
Die Mitglieder des Vermittlungsausschusses von
Repräsentantenhaus und Senat haben im großen und
ganzen die Arbeit am Verteidigungshaushalt in Höhe
von 291 Milliarden Dollar abgeschlossen, der die
Ausgaben für strategische Verteidigung erhöht, Finanzhilfe für die Sowjetunion bewilligt und das Programm zum Bau des umstrittenen Tarnkappenbombers B-2 kürzt.
Der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses des
Senats, Sam Nunn, erklärte am 1. November 1991, die
Leitlinien des Berichts lieferten einen "Fahrplan" für die
Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) und definierten, was "im Hinblick auf ein wirksames, begrenztes Verteidigungssystem getan werden sollte, um Schutz
gegen versehentliche (Raketen)-Abschüsse und gegen Bedrohungen aus der dritten Welt zu gewähren,
wie sie in Zukunft auftreten könnten".
Der Bericht, der jetzt vom Repräsentantenhaus und
Senat verabschiedet werden muß, sieht die höchsten
jemals bewilligten Ausgaben für strategische Verteidigungssysteme vor (4,15 Milliarden Dollar) und genehmigt darüber hinaus die Entwicklung eines ersten
amerikanischen ABM-Systems (ABM = Raketenabwehr), das im Jahr 1996 stationiert werden soll (die
Sowjets besitzen ein solches System bereits). Während der erste Standort (mit 100 bodengestützten
Abwehrraketen) dem ABM-Vertrag von 1972 zufolge
gestattet ist, wäre dies bei zusätzlichen Standorten,
wie sie im Rahmen des GPALS-Programms (GPALS
= Globaler Schutz gegen begrenzte Schläge) erforderlich sind, nicht der Fall. Deshalb unterstützten die
Mitglieder des Vermittlungsausschusses unverzügliche Gespräche mit der Sowjetunion, um den Vertrag
dahingehend abzuändern, daß zusätzliche ABM-Standorte zulässig sind.
Senator John Warner, der zusammen mit Nunn am 1.
November an einer Pressekonferenz zum Thema
Verteidigungshaushalt teilnahm, stellte fest, die Gespräche mit den Sowjets würden sich auf die Erweiterung amerikanischer Rechte zur Stationierung zusätzlicher ABM-Verteidigungssysteme konzentrieren, um
"eine hochwirksame Verteidigung gegen begrenzte
AMERIKA DIENST 44

Schläge mit ballistischen Raketen zu gewährleisten".
Die Mittel für SDI würden "die künftige Sicherheit
unseres Landes, die Unversehrtheit unserer Streitkräfte in Übersee sowie unserer Freunde und Verbündeten" sicherstellen, fügte er hinzu.
In Zusammenarbeit mit dem Vorsitzendes des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, Les
Aspin, schlug Nunn eine überraschende, in letzter
Minute vorgestellte amerikanisch-sowjetische Kooperationsinitiative in Höhe von 1 Milliarde Dollar vor. Ein
Teil dieses Vorschlags würde die Benutzung amerikanischer Militärmaschinen zum Transport von Nahrungsmitteln und Medikamenten in die Sowjetunion bei
Notlagen gestatten, wie sie im strengen Winter erwartet werden.
Darüber hinaus werden Mittel für Austausch- und
Umschulungsprogramme bewilligt, um den Sowjets
beim "Abbau ihrer Streitkräfte" zu helfen. Diese
Maßnahme muß in Zusammenhang mit einer möglichen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
gesehen werden, erklärte er, da Länder der dritten
Welt versuchen könnten, arbeitslose sowjetische Ingenieure und Wissenschaftler anzuwerben.
Senator Trent Lott kritisierte diese Hilfsregelung für die
Sowjetunion, indem er bei einer getrennt veranstalteten Pressekonferenz erklärte, es würde angesichts der
hilfsbedürftigen Menschen in den Vereinigten Staaten
ein falsches Signal gegeben. Senator Robert Smith
fügte hinzu, ein solcher Plan sei in Anbetracht der
Rezession in den Vereinigten Staaten "empörend".
Warner zufolge wurden die Bestrebungen zur Abschaffung des Tarnkappenbombers B-2 "erfolgreich
abgewendet". Nunn beschrieb das Programm als
"lebendig, aber nicht ganz gesund". Bisher wurden 15
B-2 genehmigt, die Bush-Administration möchte jedoch insgesamt 75 dieser Flugzeuge beschaffen.
Obwohl der Bericht des Vermittlungsausschusses die
vier von der Administration in der Haushalts vorläge für
1992 beantragten B-2 nicht bewilligt, stellt er 1,8
Milliarden Dollar zur Erhaltung der Produktionsanla-

Seite 1

�gen für das Flugzeug bereit. Darüber hinaus wird 1
Milliarde Dollar zum Kauf eines sechzehnten B-2 zur
Verfügung gestellt, wenn das Flugzeug erwiesenermaßen alle technischen Voraussetzungen erfüllt. Warner
erklärte, ihm sei von Verteidigungsminister Cheney
am 1. November 1991 versichert worden, Präsident
Bush würde gegen den Kompromißvorschlag zum
Verteidigungshaushalt 1992 wegen der im Zusammenhang mit dem B-2 ergriffenen Maßnahmen nicht
sein Veto einlegen.
Die Mitglieder von Senat und Repräsentantenhaus
einigten sich ferner auf den Kauf weiterer 48 F-16Kampfflugzeuge zu einem Gesamtpreis von 1.073
Milliarden Dollar. Der erfolgreiche Einsatz des F-117
Stealth-Kampfflugzeugs am Persischen Golf ermutigte die Gesetzgeber, den Kauf zusätzlicher vier Flugzeuge zu einem Gesamtpreis von 560 Millionen Dollar
zu bewilligen. Darüber hinaus stimmten sie der Finanzierung von 4 weiteren C-17-Transportflugzeugen für
1,6 Milliarden Dollar zu.

*

Seite 2

Der Bericht des Vermittlungsausschusses sieht im
kommenden Haushaltsjahr 548 Millionen Dollar für die
Midgetman-Interkontinentalrakete (ICBM) vor. Im
Einklang mit der Initiative des Präsidenten zur Reduzierung der Nuklearwaffen wurden für die schienengestützte MX-Peacekeeper-Rakete keine weiteren Mittel
bereitgestellt.
Die Bewilligung sieht 552,6 Millionen Dollar für Minenräummaßnahmen der Marine vor, einschließlich 361,1
Million für die drei Minensuchschiffe der Küstenwache
sowie 129 Millionen Dollar für Minensuchhubschrauber.
Zwischen 1991 und 1995 werden die US-Streikräfteniveaus um 25 Prozent reduziert.
Frauen sind nicht länger automatisch vom Einsatz in
Kampfflugzeugen ausgeschlossen. Statt dessen erteilt der Kongreß dem Präsidenten die Befugnis, eine
15köpfige Kommission zur Prüfung der Verwendung
von Frauen im Militär zu benennen und fordert ihn auf,
dem Kongreß bis zum 15. November 1992 seine
Empfehlungen vorzulegen.

* * *

*

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                <text>&lt;strong&gt;1. Nahost-Friedenskonferenz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Frieden im Nahen Osten "muss kein Traum bleiben" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten bei der Madrider Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hills optimistisch im Hinblick auf Abschluss der Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei der OAS&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baucus schlägt GATT-Umweltgespräche vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Vorsitzenden im Senatsunterausschuß für Handel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aus der Arbeit des Kongresses&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vermittlungsausschuß schließt Arbeit am Verteidigungshaushalt ab&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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6. Dezember 1972

INFORMATION:

Inhalt
William P. Rogers bleibt Außenminister der USA
-Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werdenEnger Vertrauter Nixons als NATO-Botschafter vorgesehen
-Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehenGeorge F. Shultz, Finanzminister mit erweitertem Aufgabenbereich
Herbert Stein bleibt Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten
Peter M.Flanigan bleibt Vorsitzender des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik
Peter J. Brennan soll neuer Arbeitsminister werden

DOKUMENTATION:
Erklärung von Botschafter Peterson auf der KSZE-Vorbereitungskonferenz
in Helsinki
-WortlautWIRTSCHAFT:
Koordinierung der Wirtschaftspolitik soll Stellung der USA in den kommenden Verhandlungen stärken
-Von unserem WirtschaftskorrespondentenStellvertreterausschuß nahm Währungsgespräche in Washington auf
-Von Eugene BrakeWISSENSCHAFT UND TECHNIK:
APOLLO 17: Rätselhafte Gravitation
-Von G.WeissNoch mehr Schutz vor ionisierenden Strahlen
Strahlungsausbruch eines Röntgensterns

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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49/1972

WILLIAM P. ROGERS BLEIBT AUSSENMINISTER DER USA
-Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werden-

WASHINGTON — ( A D ) — William P. Rogers, einer der engsten Mitarbeiter Präsident Nixons, soll auch in der zweiten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten Außenminister der USA bleiben.
Wie der Sprecher des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, am 30. November
mitteilte, soll Außenminister Rogers für die nächsten vier Jahre ein "starkes neues Team" zur Seite stehen, damit die sich aus den außenpolitischen
Initiativen der letzten Jahre ergebenden Ziele verwirklicht werden könnten.
Präsident Nixon hat in diesem Zusammenhang noch einmal die hervorragenden Verhandlungsqualitäten von Außenminister Rogers unterstrichen und seine
Befriedigung darüber zum Ausdruck gebracht, daß Rogers auch in der neuen
amerikanischen Regierung eine "zentrale Rolle" spielen werde. Nixon verwies
auf eine Reihe von Initiativen, bei denen sich Außenminister Rogers besonders
engagiert habe, und nannte hier den Nahen Osten, die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die Verhandlungen für eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung.
Zweiter

-1-

�Zweiter Mann im State Department und damit Stellvertreter von Rogers soll
der bisherige Stellvertretende Verteidigungsminister Kenneth Rush werden, der
vom Juli 1969 bis zum Februar 1972 Botschafter der USA in Bonn war. Er wird
die Nachfolge von John N. Irwin antreten, der einen hohen Botschafterposten
übernehmen soll.
Rush wurde am 17. Januar 1910 geboren, studierte an der Universität von
Tennessee und in Yale, war lange Jahre als Rechtsanwalt tätig und trat 1936
in den Dienst der Union Carbide Corporation, deren Präsident er von 1966 bis
zu seiner Berufung zum Botschafter in Bonn war.
Für das neugeschaffene Amt des Staatssekretärs für Wirtschaftliche Angelegenheiten im State Department ist der bisherige Leiter des Effekten-und
Börsenaufsichtsamtes, William J. Casey, vorgesehen. Damit soll nach den Worten von Präsident Nixon dem künftigen "intensiven internationalen Wirtschaftswettbewerb" Rechnung getragen werden. Casey habe auf seinem Posten im Effektenund Börsenaufsichtsamt jene Initiative bewiesen, die für das neue Amt benötigt werde. Der 59jährige Casey, von Haus aus Jurist, hatte maßgeblichen Anteil an der Durchführung des Marshall-Planes in Europa,
Staatssekretär für Politische Angelegenheiten im State Department soll der
bisherige Botschafter der USA und persönliche Vertreter Nixons bei den Pariser
Vietnamverhandlungen, William J. Porter, werden. Er wird an die Stelle von
U. Alexis Johnson treten, der mit einer neuen wichtigen Aufgabe betraut werden
soll. Porter leitet die amerikanische Delegation in Paris seit dem 31. Juli
1971. Vorher war er Botschafter der USA in Korea und Algerien sowie Stellvertretender Missionschef in Vietnam. Er gehört dem Auswärtigen Dienst der Vereinigten Staaten seit 1937 an.
Das

-2-

�Das Amt des Staatssekretärs für die Koordinierung der Sicherheitshilfeprogramme der USA soll weiterhin von seinem bisherigen Leiter Curtis W. Tarr
geführt werden. Dieses Amt war 1971 durch Gesetz geschaffen worden und ist
seit Anfang 1972 besetzt. Zuvor war Tarr, der 1924 geboren wurde und an der
Harvard-Universität studiert hatte, Direktor der Bundeszentrale für Wehrdiensterfassung .
Alle Neuernennungen müssen vom Senat der USA bestätigt werden.

Rogers: USA werden ihre bisherigen außenpolitischen Ziele weiter
verfolgen

Nach den Worten von Außenminister Rogers werden die Vereinigten Staaten
in den nächsten vier Jahren ihre bisherigen außenpolitischen Ziele weiter verfolgen und das bisher auf außenpolitischem Gebiet Erreichte weiter ausbauen.
Vor Pressevertretern sagte Rogers am 30. November, hierzu gehörten insbesondere die Phase II der Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen (SALT), die vorgeschlagene Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sowie die Gespräche über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa. Der Außenminister versicherte, daß er auch in
Zukunft seine ganze Kraft für die Interessen der Vereinigten Staaten einsetzen
werde. Dies habe er bisher getan, und dies werde auch in Zukunft der Fall
sein.
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ENGER VERTRAUTER NIXONS ALS NATO-BOTSCHAFTER VORGESEHEN
- Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehen -

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat einen seiner engsten Mitarbeiter
und Vertrauten im Weißen Haus, den ehemaligen Kongreßabgeordneten Donald
Rumsfeld, als Ständigen Vertreter der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat vorgesehen. Wenn der Senat nach der Einberufung des neuen amerikanischen Kongresses im Januar nächsten Jahres die Ernennung Rumfelds bestätigt, wird er in Brüssel die Nachfolge von Botschafter David Kennedy antreten, der als früherer Finanzminister und Sonderbotschafter ebenfalls
zu den engen Vertrauten Nixons zählt. Kennedy wird in den Ruhestand treten.
Der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, der die Ernennung am 4. Dezember bekanntgab, betonte, daß der Präsident der"Stärkung und Neubelebung des Bündnisses"höchste Priorität einräume. Dies komme
schon dadurch zum Ausdruck, daß er einen seiner engsten Mitarbeiter im
Weißen Haus für den Botschafterposten bei der NATO in Brüssel ausersehen
habe. Rumsfeld sei wegen seiner vielfältigen Erfahrungen, vor allem auch
auf wirtschaftlichem Gebiet und seines Verhandlungsgeschicks für den Posten
in Brüssel hervorragend geeignet.
Donald

�Donald Rumsfeld gehört seit Mai 1969 dem Kabinett Nixon an; zunächst
war er Leiter des Amtes zur Sicherung des Wirtschaftlichen Fortkommens
(OECf. und Referent im Weißen Haus, um dann Sonderberater des Präsidenten
zu werden.
Als Direktor des Lebenshaltungskostenrates ist Rumsfeld für die
Durchführung der Phase II des wirtschaftlichen Stabilitätsprogrammes des
Präsidenten verantwortlich. Gleichzeitig gehört er wichtigen wirtschaftlichen Beratungsgremien an.
Am 9. Juli 1932 in Chicago im Staate Illinois geboren studierte
Rumsfeld an der Princeton-Universität und diente von 1954 bis 1957 als
Fluglehrer bei der amerikanischen Marine. Anschließend war er als
Assistent für verschiedene Kongreßabgeordnete tätig und wurde dann 1962
selbst zum ersten Mal als Vertreter des Wahlkreises 13 in seinem Heimatstaat Illinois in den Kongreß gewählt. Bis zu seiner Wahl war er für das
Bankhaus A.G.Becker &amp; Co. in Chicago tätig gewesen.
Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

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49/1972

GEORGE P. SHULTZ, FINANZMINISTER MIT ERWEITERTEM AUFGABENBEREICH

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
wird dem neuen Kabinett Nixon mit einem erweiterten Aufgabenbereich angehören.
Präsident Nixon hat Shultz nicht nur in seinem bisherigen Amt bestätigt, sondern ihn gleichzeitig zum Sonderberater des Präsidenten und zum Vorsitzenden
des neugeschaffenen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik ernannt.
Damit ist Shultz praktisch zum Gesamtkoordinator der amerikanischen Wirtschafts«
politik geworden.
Shultz, der bereits 1969 von Präsident Nixon zu seinem Arbeitsminister
ernannt worden war und der dann 1970 das neugeschaffene zusammengefaßte Amt
für Planung und Haushalt übernahm, wird dem Präsidenten auch je nach Bedarf
für Sonderaufgaben zur Verfügung stehen. Neben seinem Amt als Finanzminister,
das er am 12.Juni 1972 übernommen hat, wird Shultz als Sonderberater des Präsidenten im Weißen Haus ein eigenes Büro haben, und als Vorsitzender des
neuen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik wird er dem Präsidenten gegenüber die Gesamtverantwortung für die Finanz-und Wirtschaftspolitik der
Vereinigten Staaten nach innen und außen tragen.
Der

-1-

�Der Präsident selbst hat der Wirtschaftspolitik nach der nationalen
Sicherheit und Verteidigung die zweithöchste Priorität eingeräumt und damit
dürfte Shultz eine besondere Stellung im Kabinett einnehmen.
Geboren am 13. Dezember 1920 in New York wirkte Shultz nach dem Jurastudium an der Princeton-Universität (Bachelor of Laws 1942) und dem Wirtschaftsstudium am Massachusetts Institute of Technology (Doktor 1949) an dessen
wirtschaftswissenschaftlicher Fakultät als Lektor und, ab 1955, a.o.Professor.
Seit 1957 o.Professor am Wirtschaftswissenschaftlichen Institut der Universität von Chicago und seit 1962 dessen Dekan hat sich Shultz einen internationalen Ruf in Finanz-und Wirtschaftsfragen erworben.

++++

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von George P.
Shultz zur Verfügung .

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HERBERT STEIN BLEIBT VORSITZENDER DES WIRTSCHAFTSBEIRATES
DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat den bisherigen Vorsitzenden seines Wirtschaftsbeirates, Herbert Stein, am 1. Dezember in seinem Amt bestätigt. Stein, der dem wichtigen Beirat seit dem 4. Februar 1969 angehörte,
hat am 1. Januar 1972 dessen Vorsitz von Paul W. McCracken übernommen.
Am 27. August 1919 in Detroit im Staate Michigan geboren studierte
Stein am Williams-College und war von 1938 bis 1945 als Wirtschaftler für
die amerikanische Regierung tätig - bis 1940 bei der Bundesdepositenversicherungsgesellschaft, 1940-41 bei der Nationalen Kommission für Verteidigungsberatung, von 1941-44 beim Kriegsproduktionsausschuß und 1945 beim Amt
für Kriegsmobilisierung.
Von 1945 bis 1969 gehörte Stein dem Ausschuß für Wirtschaftliche Entwicklung an und war zuletzt Chefwirtschaftsberater.
Im Jahre 1958 promovierte er an der Universität von Chicago in Wirtschaftswissenschaften.
Stein

-1-

�Stein hat sich auch als Wirtschaftspublizist einen Namen gemacht und
verschiedene Bücher und Fachartikel veröffentlicht, darunter ein Buch über
die Preispolitik der Regierung.
Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von
Herbert Stein zur Verfügung.

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49/1972

PETER M. FLANIGAN BLEIBT VORSITZENDER DES RATES FÜR INTERNATIONALE
WIRTSC HAFTS POLITIK

WASHINGTON -~(AD)-- Präsident Nixon hat den bisherigen Vorsitzenden des
Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter M. Flanigan, am
1. Dezember in seinem Amt bestätigt. Flanigan, der seit dem 16. April
1969 dem Beraterstab des Weißen Hauses angehört, behält auch seinen Status
als Berater des Präsidenten.
Flanigan hatte bereits vor 1969 als ehrenamtlicher Berater der Regierung in Wirtschaftsfragen gewirkt und sich nach seiner Aufnahme in den Arbeitsstab des Präsidenten vorwiegend mit Fragen der Wirtschaft, des Handels und der Finanzen befaßt. Unter anderem hatte er Textilverhandlungen
mit Japan geführt.
Am 21. Juni 1923 in New York geborer

studierte Flanigan an der Prince-

ton-Universität und war im zweiten Weltkrieg Pilot auf einem Flugzeugträger der US-Marine im Pazifik.
Von 1947 bis zu seiner Berufung ins Weiße Haus im Jahre 1969 war
Flanigan bei der New Yorker Investitionsbank Dillon, Read &amp; Co. Inc. tätig. In den Jahren 1949 und 1950 erstellte er Wirtschaftsanalysen für die

-1-

�die Mission des Amtes für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (EAC) in Großbritannien. Ehrenamtlich arbeitete er auch für verschiedene Stiftungen
Bereits seit 1959 hatte er sich in Wahlkämpfen für Richard Nixon eingesetzt und war 1968 bei den Präsidentschaftswahlen Stellvertretender Wahlkampfmanager für Nixon.
Flanigan ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Auf Anforderung stellen wir Ihnen gerne eine Porträtaufnahme von Peter
Flanigan zur Verfügung.

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49/1972

PETER J.BRENNAN SOLL NEUER ARBEITSMINISTER WERDEN

WASHINGTON — ( A D ) - - Präsident Nixon hat den Gewerkschaftler Peter J. Brennan
zum Arbeitsminister in seinem Kabinett für die zweiten vier Jahre seiner
Amtszeit ausersehen. Die Nominierung Brennans bedarf noch der Bestätigung
durch den Senat.
Brennan wird damit der erste Gewerkschaftler seit 1953 sein, der dieses Amt übernimmt. Damals hatte Präsident Eisenhower Martin Durkin in das
Arbeitsministerium berufen. Brennan wird die Nachfolge von James Hodgson antreten, der von Präsident Nixon für einen anderen Regierungsposten auf internationaler Ebene vorgesehen ist. Wie der Pressesekretär des Weißen Hauses,
Ronald Ziegler, in diesem Zusammenhang mitteilte, habe Hodgson eine Entscheidung bezüglich seiner Zukunft noch nicht getroffen.
Brennan wurde am 24. Mai 1918 in New York geboren. Nach Besuch der Handelsschule trat er der Gewerkschaft der Maler und Tüncher bei. Schon während
der Vorbereitung auf die Meisterprüfung und auch während des anschließenden
College-Besuches war er aktiv für die Gewerkschaft tätig. Während des zweiten
Weltkrieges wurde Brennan zur Marine eingezogen und im Pazifik eingesetzt.

Seit

�Seit Kriegsende gehörte Brennan der Bauarbeitergewerkschaft an, zu deren
Präsident er 1957 in

der Stadt New York und 1958 für den Staat New York ge-

wählt wurde. Gleichzeitig ist Brennan Vizepräsident des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL/C10 für den Staat New York.
Neben der aktiven Gewerkschaftsarbeit hat sich Brennan in zahlreichen
kommunalen und karitativen Organisationen betätigt. Von Gouverneur Rockefeller
wurde er ferner in den Beirat für Arbeitsbeschaffung sowie in den Beirat des
Arbeitsministeriums des Staates New York für Sicherheitsbestimmungen berufen.
Und im September 1971 hatte Präsident Nixon ihn zum Mitglied des Nationalen
Beirates für die Förderung geistig und körperlich behinderter Kinder ernannt.
Brennan hat auf kommunaler, nationaler und internationaler Ebene zahlreiche
Auszeichnungen erhalten und sich in seiner Gewerkschaft besonders für die berufliche Förderung von Angehörigen der Minderheiten eingesetzt.
Brennan ist verheiratet und hat drei Kinder und fünf Enkel.

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49/1972

ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER PETERSON AUF DER KSZE-VORBEREITUNGSKONFERENZ IN HELSINKI
-Wortlaut-

HELSINKI--(AD)-- Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter Val Peterson,
hat am 4. Dezember auf der Vorbereitungskonferenz für die Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) folgende Erklärung abgegeben:
"Herr Vorsitzender, meine Damen und Herren:
Ich möchte zuerst der Regierung Finnlands und der Stadt Helsinki meinen
tiefen Dank für die Vorbereitung dieser Konferenz aussprechen. Die großzügige finnische Gastlichkeit sollte

zusammen mit den uns zur Verfügung stehen-

den ausgezeichneten technischen Einrichtungen und ihrer hervorragenden Leitung unsere Arbeit wesentlich fördern. Wir sind wirklich dankbar, hier sein
zu dürfen.
In einer kürzlichen Erklärung an das amerikanische Volk hat Präsident
Nixon betont, und ich zitiere, "daß unser Land mit besonderer Dankbarkeit auf
die Ereignisse eines Jahres zurückblicken kann, das mehr Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften Frieden gebracht hat als irgend ein anderes Jahr

-1-

�Jahr während der letzten Generation" und daß ,lwir.... den Chancen entgegensehen können, die der Friede bringen wird".
Es bietet sich uns eine neue und einzigartige Möglichkeit, um zu dieser
sich entwickelnden Struktur des Friedens beizutragen. Im Mittelpunkt einer
friedlichen Welt steht ein friedliches Europa. Das ist die Lehre, die wir
alle aus zwei Weltkriegen gezogen haben. Und aus dieser Erfahrung haben die
Amerikaner noch eine weitere Lehre gezogen: Europas Sicherheit ist untrennbar mit der unsrigen verbunden.
Daher sehen wir dem Tag entgegen, da Europa nicht länger mehr gespalten
ist. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß Verständigung unter den
Völkern hierfür von grundlegender Bedeutung ist. Wir streben eine offenere
Welt an - offen für eine engere Zusammenarbeit und vermehrte Kontakte zwischen
den Völkern wie auch für einen freien Austausch von Gedanken und Informationen.
Herr Vorsitzender, wir treten in diese vorbereitenden Gespräche konstruktiv und aufrichtig ein. Wir glauben, daß eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa, wenn sie sorgfältig vorbereitet ist, bedeutsame
praktische Schritte ergreifen kann, um die Zusammenarbeit zu verstärken und
die Sicherheit, Unabhängigkeit und Gleichberechtigung jedes einzelnen unserer
Staaten, frei von ausländischer Einmischung zu fördern

- und daß sie damit

einen echten Beitrag zu dem gegenwärtig sich vollziehenden Prozeß einer europäischen Aussöhnung leisten kann.
Es liegt reichlich Arbeit vor uns. Jeder der hier vertretenen Staaten hat
eine wichtige Rolle zu spielen. Wir wollen eine allseits befriedigende Basis
für eine Konferenz auf Ministerebene schaffen, die über einen möglichst weitgesteckten Rahmen verhandeln kann:
Zuerst

-2-

�Zuerst einmal sollten unseres Erachtens allgemein akzeptierte Prinzipien
für das internationale Verhalten ohne jede Einschränkung auf die Beziehungen
zwischen uns allen angewandt werden - und wir befürworten Maßnahmen, die Vertrauen aufbauen könnten, daß militärische Truppenbewegungen und Manöver nicht
Instabilität und Mißverständnis schaffen.
Ferner können wir unseres Erachtens mit gutem Willen ainige der wirklichen Hindernisse für freie Kontakte zwischen unseren Völkern und für einen vermehrten Austausch von Informationen und Gedanken beseitigen.
Schließlich streben wir Maßnahmen an, die eine engere Zusammenarbeit auf
den Gebieten der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Umwelt fördern.
Angesichts der Vielzahl der vor uns liegenden Themen erscheint es nur angebracht und logisch, daß wir jetzt prüfen, wie wir unsere Arbeit am besten
fortsetzen können.

In dieser Hinsicht, Herr Vorsitzender, wäre es unseres Erachtens ein Fehler, einfach den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und uns darauf zu
beschränken, nur eine Übereinkunft über Vereinbarungen für eine schließliche
Konferenz anzustreben. Täten wir dies, so würden wir die sich uns bietende Gelegenheit auslassen, eine Konferenz vorzubereiten, die bedeutsame Ergebnisse
zeitigen kann.
Unseres Erachtens wäre für uns der wünschenswerteste Weg, erst eine Übereinkunft über die Punkte einer Tagesordnung für eine Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa anzustreben.
Dies muß unserer Meinung nach zu einer sorgfältigen Prüfung der Bezugspunkte für eine weitere Vorbereitung jedes einzelnen Tagesordnungspunktes führen. Sobald wir einen Punkt erreicht haben, an dem es den Anschein hat, daß ausreichende Übereinstimmung in wesentlichen Fragen erreicht worden ist, so daß
ein weiteres Vorgehen gerechtfertigt wäre, ist es nur natürlich, daß wir unsere

-3-

�unsere Aufmerksamkeit den Verfahrensfragen für spätere Phasen, unter anderem
auch Ebene und Zuständigkeitsbereich der Konferenz selbst, zuwenden.
Herr Vorsitzender, ich sagte zu Beginn, daß sich uns eine neue und einzigartige Gelegenheit bietet. Wir stehen vor einer bedeutenden Aufgabe. Wir
sind damit betraut, sicherzustellen, daß eine Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa meßbaren Fortschritt in Richtung auf Frieden und
Aussöhnung in Europa bringen wird. Angesichts der vor uns liegenden schwierigen Fragen wird es ein echter Prüfstein für die Diplomatie sein, ob es uns
gelingen wird, diese außergewöhnliche Aufgabe zu bewältigen. Wir sind zuversichtlich, daß konstruktive, verantwortungsbewußte und ernste Bemühungen jedes
Einzelnen an diesem Tisch es möglich machen werden, daß eine Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zur Schaffung einer Ära der Verhandlungen beitragen wird.

-4-

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49/1972

KOORDINIERUNG DER WIRTSCHAFTSPOLITIK SOLL STELLUNG DER USA
IN DEN KOMMENDEN VERHANDLUNGEN STARKEN
-Von

WASHINGTON —

unserem Wirtschaftskorrespondenten-

Die Ernennung von Finanzminister George P. Shultz zum Vor-

sitzenden des neu geschaffenen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik
wird nachhaltige Auswirkungen auf die künftige Binnen-und Außenwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten haben. Damit soll vor allem dem seit langem
bestehenden Erfordernis Rechnung getragen werden, die von den einzelnen
Ministerien und unabhängigen Regierungsämtern in Wirtschaftsfragen verfolgte Politik besser aufeinander abzustimmen. In der Vergangenheit vertraten
zum Beispiel Landwirtschaftsministerium, Arbeitsministerium und andere
Regierungsdienststellen häufig etwas andere Ansichten als die für den Außenhandel, die Auslandshilfe und die Währungspolitik der USA unmittelbar Verantwortlichen. Es gab keine zentrale Stelle, die ein einheitliches, auf
einander abgestimmtes Programm in Wirtschaftsfragen für die gesamte amerikanische Regierung abstecken konnte.
Dies

-1-

�Dies soll mit dem neuen Kabinettsausschuß für Wirtschaftspolitik unter
dem Vorsitz von Finanzminister Shultz anders werden. Der Ausschuß wird alle
binnen-und außenwirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung aufeinander abstimmen. Ihm werden die Chefs des Arbeitsministeriums, des Handelsministeriums,
des Landwirtschaftsministeriums, des Verkehrsministeriums, des Außenministeriums und des Finanzministeriums sowie der Direktor des Amtes für Planung
und Haushalt und die Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten,
des Lebenshaltungskostenrates und des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik angehören. Shultz hatte, bevor er Mitte dieses Jahres das amerikanische Finanzministerium übernahm, selbst zwei dieser Ämter inne gehabt - er
war Arbeitsminister und Direktor des Amtes für Planung und Haushalt gewesen.
Auf internationaler Ebene bestätigen die Errichtung des neuen Kabinettsausschusses für Wirtschaftspolitik sowie andere von Washington in letzter Zeit
getroffene Maßnahmen eine Entwicklung, die in den letzten Wochen immer deutlicher zutagegetreten ist, nämlich die feste Absicht der Nixon-Administration,
der Außenwirtschaftspolitik einen höheren Rang in der Prioritätenliste einzuräumen und Entscheidungen in Fragen des Handels, der Reform des internationalen Währungssystems oder der Auslandsinvestitionen künftig auf einer höheren
Ebene zu treffen.
Noch vor den Novemberwahlen war bereits in Washingtoner Regierungskreisen
betont worden, daß im Falle einer zweiten vierjährigen Amtszeit Präsident
Nixons den wirtschaftlichen Fragen, und im besonderen den internationalen Wirtschaftsbeziehungen, ein bedeutend größeres Gewicht zukommen werde. Berichten
zufolge soll Präsident Nixon sogar beabsichtigen, künftig häufiger persönlich
einzugreifen, um einen etwaigen toten Punkt in internationalen Wirtschaftsverhandlungen überwinden zu helfen, so wie der Präsident dies bereits beim
Zustandekommen des Smithsonian-Abkommens vom Dezember vorigen Jahres getan
hatte.
Finanzminister

-2-

�Finanzminister Shultz hatte bereits auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds(IWF) im September die Notwendigkeit unterstrichen, internationale Wirtschaftsfragen künftig auf einer hohen Regierungsebene zu behandeln, da es sich hier um Dinge handele, die für die nationalen Interessen
bestimmter Länder von großer Wichtigkeit seien. Internationale Entscheidungen
über solche Fragen könnten nur dann glaubwürdig und wirksam sein, wenn sie von
Politikern getroffen würden, die innerhalb ihrer eigenen Regierung maßgebenden
Einfluß haben. Das Finanzminister Shultz nunmehr übertragene neue Amt verleiht seinen Worten künftig ein solches Gewicht.
Amerikanische Regierungskreise weisen in diesem Zusammenhang darauf hin,
daß verbesserte Wirtschaftsbeziehungen einen gewichtigen Faktor bei der Verbesserung der Gesamtbeziehungen zwischen den Ländern bilden. Und Außenminister
Rogers hat mit Recht darauf hingewiesen, daß Präsident Nixon die Tatsache,
daß wir in einer "interdependenten Welt" leben, in der für alle so viel auf
dem Spiele steht, daß niemand den Frieden zu stören wagen kann, allen ins Bewußtsein zu rufen sucht. Handelsminister Peterson verwies auf dem Außenhandelskonvent in New York darauf, daß Handelspolitik zugleich Außen-, Sicherheits-.
Innen-wie auch Energiepolitik ist und daher im nationalen Interesse auf höchster
Ebene abgestimmt werden müsse. In diesem Sinne ist auch die Schaffung des Postens
eines weiteren Staatssekretärs für Wirtschaftliche Fragen im amerikanischen
Außenministerium zu sehen, für den Präsident Nixon den bisherigen Direktor des
Amtes für Planung und Haushalt, William J. Casey, nominiert hat.

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49/1972

STELLVERTRETEKAUSSCHUSS NAHM WÄHRUNGSGESPRÄCHE IN WASHINGTON AUF
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-- Das für die detaillierten Verhandlungen über ein neues
internationales Währungssystem zuständige internationale Gremium - die Stellvertretergruppe des Zwanziger-Ausschusses - hat letzte Woche in Washington
seine erste Sitzungsrunde abgeschlossen.
Im Mittelpunkt der Debatten auf dieser ersten Zusammenkunft der internationalen Währungsexperten stand eines der heikelsten Themen, mit denen sich
die Stellvertretergruppe zu befassen hat, nämlich wie im Rahmen des neuen
Systems ständige Zahlungsbilanzungleichgewichte abgebaut werden können, die
das alte, unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg in Bretton Woods geschaffene
WährungsSystem in so große Schwierigkeiten brachten. Im Mittelpunkt der Erörterungen stand die Form des Anpassungsprozesses und die Frage, welche Rolle
Wechselkursanpassungen bei der Überwindung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten
spielen können.
Sehr eingehend wurde dabei der amerikanische Vorschlag diskutiert, daß
sich das neue internationale Währungssystem objektiver Indikatoren für die
Entscheidung bedienen müsse, wann eine Regierung Maßnahmen zur Korrektur eines

-1-

�eines internationalen Zahlungsungleichgewichtes ergreifen soll. Nach Auffassung
der USA hat eine Regierung die Pflicht zu handeln, sobald es sich bei einem
Ungleichgewicht um einen Zahlungsbilanzüberschuß oder ein Zahlungsbilanzdefizit
handelt.
Der amerikanische Finanminister George Shultz hatte bereits auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im September betont, der beste
und objektivste Indikator hierfür sei, wenn sich der Stand der internationalen
Währungsreserven eines Landes -IWF-Sonderziehungsrechte, Gold und harte Devisenverändere. Gerade dieser Punkt wurde jetzt von den Währungsexperten eingehend
erörtert; die Vereinigten Staaten erläuterten ihre Auffassung näher, und die
anderen Staaten legten ihre Ansichten dazu dar. Wie der Vorsitzende der Gruppe,
Jeremy Morse, vor Korrespondenten betonte, bestand allgemeine Übereinstimmung
darüber, daß die angewandten objektiven Indikatoren lediglich die Notwendigkeit

von Anpassungsmaßnahmen seitens der betreffenden Regierung anzeigen sollten,
nicht jedoch von spezifischen Wechselkursänderungen, sobald der Gefahrenpunkt
überschritten ist. Die USA hatten bereits zu einem früheren Zeitpunkt darauf hingewiesen, daß den einzelnen Ländern nach ihrer Ansicht ein, Höchstmaß an Freiheit
hinsichtlich der Wahl der Anpassungsmaßnahmen - beispielsweise Handelsliberalisierung statt Wechselkursänderung, sofern damit das angestrebte Ziel auch erreicht werden kann - eingeräumt werden sollte. Es soll also, wie Morse ausführte, bei Erreichen eines bestimmten Punktes nicht"automatisch"eine bestimmte Maßnahme ausgelöst werden.
Verschiedene Länder waren offensichtlich der Ansicht gewesen, daß den Vereinigten Staaten ein "automatisches System" vorschwebte, als Finanzminister
Shultz die amerikanischen Pläne auf der IWF-Jahrestagung darlegte. Diese Auffassung ist von dem Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul Volcker, korrigiert worden, der in seiner Rede auf dem amerikanischen Außenhandelskonvent in
New York am 13. November erklärte, daß solche vereinbarten objektiven Kriterien

-2-

�Kriterien nicht unfehlbar auf entsprechende Maßnahmen hinweisen könnten. Sie
könnten lediglich Zeiten schwerwiegender Zahlungsbilanzungleichgewichte anzeigen und zu der Auffassung führen, daß wirksame Anpassungsmaßnahmen vorgenommen
werden sollten. Die betreffenden Länder, so hatte Volcker weiter ausgeführt,
sollten und könnten selbst weitgehend über die Form ihrer Anpassungspolitik
entscheiden. In internationalen Konsultationen werde festgestellt werden, ob
das Kriterium auf eine bestimmte Situation anzuwenden oder der seltene Fall
eingetreten sei, daß das Kriterium ein "falsches Signal" gesetzt habe.
Aber auch ein anderer Punkt wurde auf dieser ersten Sitzungsrunde erörtert,
nämlich inwieweit Druck oder Sanktionen angewandt werden dürfen, falls die internationalen Konsultationen nicht ausreichten, um ein Land zur Durchführung
der erforderlichen Anpassungen zu bewegen. Morse betonte jedoch, daß die Gesprächsteilnehmer zu diesen oder zu anderen Aspekten des Reformpaketes noch
nicht endgültig Stellung beziehen würden, bevor die Stellvertreter alle Fragen
geprüft hätten.
Die Stellvertretergruppe hofft, bereits auf ihrer nächsten Sitzungsrunde
vom 23. bis 25. Januar in Paris die Erörterungen des Anpassungsprozesses abschließen und sich einem weiteren wichtigen Gebiet zuwenden zu können, nämlich
der Rolle, die IWF-Sonderziehungsrechte, Gold, Dollar und andere Reservewährungen in dem neuen System einnehmen werden. Auf der März-Sitzung sollen dann die
besonderen Interessen der Entwicklungsländer zur Sprache kommen. Die Stellvertretergruppe will weiterhin alle zwei Monate zusammentreten, so daß der gesamte
Fragenkomplex einer Reform des internationalen Währungssystems bis zur nächsten
Jahrestagung des IWF im September 1973 in Nairobi behandelt werden kann.

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49/1972

APOLLO 17:
RÄTSELHAFTE GRAVITATION
Von G.Weiss

.--(AD)-- Als Wirkungskraft ist die Gravitation, die Anziehungskraft zwischen zwei oder mehreren Massen, wohlbekannt, obgleich ihr Wesen noch
nicht restlos aufgeklärt ist. Die Entfernung der Körper voneinander und
ihre relative Größe spielen jedenfalls eine wichtige Rolle. Der englische
Naturforscher Isaac Newton berechnete die Gravitation und wies auf Grund
seiner Beobachtungen von Planetenbahnen um die Sonne schon vor 290 Jahren
nach, daß es sich bei dieser Kraft um eine universale Größe, eine Naturkonstante handelt.
Gravitation ist zwischen allen Massen vorhanden, gleichgültig, wo sie
sich gerade befinden. Sie erklärt, weshalb ein Apfel zu Boden fällt, ein
locker gespanntes Seil durchhängt oder weshalb die Planeten scheinbar unverändert in ihrer Bahn um die Sonne verbleiben. Ihre Eigenbewegung ist das
Resultat eines Gleichgewichtszustandes zwischen Kräften innerhalb eines bestimmten Bezugssystems und im Einflußbereich eines Gravitationsfeldes.
Auch

-l-

�Auch die Erde und ihr Satellit, der Mond, bilden eines der unzähligen
Systeme im Kosmos, dessen einzelne "Glieder" ein gemeinsames Gravitationszentrum haben. Aber die Masse des Mondes greift an den Milliarden und Abermilliarden Materieteilchen, aus denen die Erde besteht, mit unterschiedlicher Stärke
an, weil diese Teilchen verschieden weit von der Masse des Mondes entfernt und
verschieden stark beweglich sind. Daraus erklären sich z.B. Ebbe und Flut oder
auch die Deformation von festem Gestein an oder nahe der Erdoberfläche unter
dem Einfluß der Massenanziehung des Mondes.
Während dabei die Erdkruste stellenweise um Zentimeter oder ein paar Dezimeter verformt wird und, gemessen an der flächenmäßigen Ausdehnung, in
einem normalerweise kaum wahrnehmbaren Ausmaß "pulsiert", können die Höhenunterschiede zwischen Ebbe und Flut an den Meeresküsten sogar mehr als 20 m
betragen. Das ist örtlich ganz verschieden und von sehr vielen zusätzlichen
Faktoren, u.a. vom Wind und vom Stand der Sonne (und damit von deren Massenanziehung als weiterer Komponente) abhängig.
Entsprechende Messungen wurden bisher nur auf der Erde durchgeführt. Beim
Unternehmen APOLLO 17 sollen nun zum ersten Mal Gravimeter auf einem anderen
Himmelskörper eingesetzt werden. Das eine dieser Instrumente, das die Astronauten bei ihren Erkundungsfahrten mitführen, wird absolute Messungen des örtlichen Schwerefeldes im Bereich des Landeplatzes ermöglichen. Das andere dagegen soll über einen längeren Zeitraum relative Werte der Gravitation unter
dem Einfluß der Massenanziehungskraft anderer kosmischer Objekte übermitteln.
Die für dieses Experiment zuständigen Wissenschaftler hoffen,, dabei auch
"Gravitationswellen" aus der Tiefe des Universums registrieren zu können.
Gravitationswellen spielen seit Einführung der allgemeinen Relativitätstheorie durch Albert Einstein im Jahre 1915 in der theoretischen Physik eine
Rolle. Demnach müßten beschleunigte Massen, sofern sie sich nicht gleichförmig

-2-

�gleichförmig parallel, sondern relativ zueinander und deshalb mit veränderlicher Massenanziehung bewegen, Gravitationswellen abstrahlen, die sich mit
Lichtgeschwindigkeit fortpflanzen. Diese Wellen führen Energie und Kraftmomente mit sich und sind somit in gewisser Weise elektromagnetischen Wellen vergleichbar. Während diese jedoch nur mit elektrischen Ladungen und Strömen in
Wechselwirkung treten, reagieren Gravitationswellen mit allen Formen von Materie
und Energie.
Der amerikanische Physiker Dr. Joseph Weber von der Universität Maryland
versucht seit fast eineinhalb Jahrzehnten, mit empfindlichen Detektoren Gravitationswellen zu erfassen. Durch ständige Verbesserung seiner Apparaturen
und seiner Meßtechnik glaubt Dr. Weber, daß ihm dies in den letzten drei Jahren
auch tatsächlich schon mehrfach gelungen sei und das Milchstuaßenzentrum als
"Strahlungsquelle" ausgemacht werden könne. Viele seiner Kollegen zweifeln
die Ergebnisse und ihre Interpretation an. Dennoch sind ähnliche Experimente
inzwischen an zahlreichen Instituten in aller Welt in Angriff genommen worden;
auch das Max Planck-Institut in Garching bei München befaßt sich damit.
Das größte Hindernis bei derartigen Experimenten ist eben die Tatsache,
daß die Energie möglicher Gravitationswellen für die meisten Objekte auf der
Erde viel zu klein ist, um hier überhaupt gemessen werden zu können. Deshalb
ist Weber schon seit langem dazu übergegangen, Detektoren mehr als 1 000 km
voneinander entfernt aufzustellen und sie durch Telefonverbindung miteinander
zu koppeln. Denn da es sich bei den von ihnen registrierten Vibrationen
- vielleicht - um die Wirkung einer kosmischen Kraft handelt, müßten diese
Vibrationen auf der Erde an vielen Orten gleichzeitig verzeichnet werden
können. Besser wäre es jedoch, sowohl von der Erde als auch einem anderen
Himmelskörper Meßdaten dafür zu bekommen, beide Objekte gewissermaßen als
"Antennen" für Gravitationswellen aus dem Kosmos zu benutzen.
Genau

-3-

�Genau das soll beim Unternehmen APOLLO 17 geschehen. Dr. Weber
schickt ein Oberflächengravimeter mit auf die Reise, dessen Meßdaten
möglicherweise auch über Gravitationswellen, die den Mond durchlaufen,
Auskunft geben. Allerdings wäre der Effekt nur dann als solcher zu erkennen, wenn zur gleichen Zeit Detektoren auf der Erde, wo allerdings
Ebbe und Flut, Druckveränderungen in der Atmosphäre und seismische Aktivität erhebliche Störeffekte ausüben, ihn ebenfalls registrierten.
In erster Linie aber gibt das Webersche Gravimeter, das nach dem
Prinzip einer empfindlichen Federwaage - mit einem Präzisionsgewicht aus
Wolfram und einer Spiralfeder - funktioniert und Schwingungen als Folge
der Aufnahme von Vibrationen in elektrische Meßwerte umsetzt, Auskunft
über den Massenanziehungseffekt der Erde, der Sonne und der übrigen Planeten des Sonnensystems auf dem Mond. Die Kräfte verändern sich ja ständig mit der jeweiligen Position der Himmelskörper zueinander. Jedenfalls
stellt der Mond für diese Art Untersuchungen ein geradezu ideales Experimentierfeld dar. Man erwartet, daß das Oberflächengravimeter etwa
zwei Jahre lang Daten übermittelt.

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NOCH MEHR SCHUTZ VOR IONISIERENDEN STRAHLEN

--(AD)-- Eine Gruppe prominenter amerikanischer Wissenschaftler hat vorgeschlagen, die für die allgemeine Bevölkerung zulässige Dosis an ionisierender Strahlung noch mehr zu reduzieren. In einem 470 Seiten umfassenden
Bericht begründet eine Kommission der Nationalen Akademie der Wissenschaften, welche sich speziell mit den biologischen Auswirkungen ionisierender
Strahlen befaßt, ihre vor allem für viele Gebiete der Medizin einschneidende Schlußfolgerung. Die Bedenken der Expertengruppe beruhen auf der Befürchtung, daß bei weiterer Anwendung von Röntgenstrahlen und anderen Quellen
ionisierender Strahlung im bisherigen Umfang die Häufigkeit der Krebserkrankungen und der Erbschädigungen in den kommenden Jahrzehnten zunehmen werde.
Die Untersuchungen, die dem Bericht vorausgingen, wurden auf Ersuchen
der US-Bundesbehörde für Umweltschutz und des amerikanischen Bundesministeriums für das Gesundheitswesen durchgeführt. Auf Grund der bisher gültigen
Bestimmungen ist pro Jahr eine Bestrahlungsdosis bis zu 170 Millirem (170
Tausendstel "röntgen cquivalent man" = biologisches Äquivalent von Röntgenstrahlung) zulässig. Diese Maximaldosis, die beispielsweise

durch vier

Röntgenaufnahmen vom Brustkorb Zustandekommen würde, möchte die Kommission
reduziert sehen. Sie befürchtet, daß andernfalls mit der Zeit die Todesfälle
als Folge von Krebs um 2 Prozent jährlich ansteigen würden. Denn die

-i-

�die Strahlenwirkung im Organismus summiert sich im Laufe der Jahre.
Auch in der Natur ist ionisierende Strahlung vorhanden. Sie entsteht
durch kosmische Strahlen oder den Zerfall radioaktiver Bestandteile von
Gestein, beispielsweise im Granit. In manchen Gegenden beträgt diese Dosis
sogar ein Mehrfaches der oben erwähnten Maximaldosis aus künstlichen Quellen.
Angesichts cieser Strahlenbelastung, gegen die sich niemand schützen kann,
sollte nach Meinung der Kommission die Belastung durch künstliche Strahlungsquellen so klein wie nur irgend möglich gehalten werden. In dieser Beziehung
seien noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. In dem Bericht werden
u.a. elektronische Geräte und Leuchtzifferuhren als mögliche Strahlungsquellen
erwähnt, bei denen noch mehr als bisher auf eine Verminderung ihrer Strahlen emmission hingearbeitet werden sollte.Die Bemühungen sollten sich jedoch
.rster Linie auf die weitere Verbesserung der Röntgentechnik und auf die
stärkere Beachtung und Entwicklung von Methoden richten, um die Einwirkung
von Röntgenstrahlen auf ein Mindestmaß zu beschränken. So wird u.a. in Frage
gestellt, ob Schirmbild-Massenuntersuchungen, beispielsweise auf Lungenkrebs
und Tuberkulose, tatsächlich im bisherigen Umfang erforderlich und ergiebig
genug seien. Zumindest sollte der Kreis der auf diese Weise zu untersuchenden
Personen durch mögliche anderweitige Tests wesentlich eingeschränkt werden.
Ähnliches gelte für diagnostische Untersuchungen beim Mann und bei Frauen
(z.B. zur Vornahme einer Mammographie), bei denen bereits eine Schwangerschaft
festgestellt wurde oder zu vermuten ist.

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STRAHLUNGSAUSBRUCH EINES RÖNTGENSTERNS

--(AD)— Um mehr als das 200fache ihrer normalen Intensität verstärkten
sich Anfang September 1972 die Radiosignale von Cygnus X-3, einer Röntgenstrahlungsquelle im Sternbild des Schwans. Dr. Mark A. Stull und Larry R.
D'Addario beobachteten die "Eruption" von Radiostrahlung über mehrere Tage
mit einem der modernsten Radioobservatorien der Welt - nämlich mit dem
aus fünf Parabolantennen bestehenden Interferometer des radiowissenschaftlichen Instituts der Stanford-Universität. Jede der Schüsselantennen des
Observatoriums hat 18 m Durchmesser.Die Antennen,die auf einer 205 m langen,
von Ost nach West verlaufenden Strecke montiert sind, können auf jede Radioquelle am Firmament gerichtet werden und diese beobachten, solange sie über
dem Horizont steht. Die Oberfläche der fünf Antennen zusammen entspricht
dem Auflösungsvermögen einer Einzelantenne von mehr als 200 m Durchmesser.
Die Meßdaten jeder Station werden separat aufgezeichnet und von einem
Computer wieder zusammengefügt, der auf Befehl den Durchschnittswert für
die Einzelmessungen ausdruckt.
Nie zuvor war ein derartiges Phänomen, das sich einige Wochen später
noch einmal wiederholte und auch von einigen anderen Radioobservatorien
erfaßt wurde, beobachtet worden. Der Ost-West-Durchmesser der unsichtbaren

�unsichtbaren Strahlungszunge betrug den Meßdaten zufolge auf dem 2,8 craBand (10 690 Megahertz) nicht mehr als fünf Bogensekunden. Mit dem optischen Fernrohr ist die Strahlungsquelle, einer der hellsten "Röntgensterne",
der bisher geortet wurde, nicht auszumachen. Niemand weiß genau, wie weit
sie von der Erde entfernt ist oder um was für ein Objekt es sich tatsächlich
handelt. Man glaubt jedoch, daß s_ch Cygnus X-3 in der Nähe eines optisch
gut sichtbaren Sternhaufens befindet, dessen Entfernung auf ca. 6 500 Lichtjahre geschätzt wird.
Cygnus X-3, vor ein paar Jahren mit Hilfe einer Forschungsrakete entdeckt, eröffnete der Astronomie eine neue Dimension. Inzwischen wurden
-vor allem durch entsprechend ausgerüstete Forschungssatelliten- mehr als
hundert Röntgenstrahler im Kosmos ausfindig gemacht. Eine ganze Anzahl von
ihnen gibt in diesem sehr kurzwelligen Bereich des elektromagnetischen Spektrums viel mehr Energie ab als im Bereich des sichtbaren Lichts oder der
Radiowellen.

-2-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
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        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
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                <text>&lt;p&gt;1. Information&lt;br /&gt;William P. Rogers bleibt Außenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Kenneth Rush soll sein Stellvertreter werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Enger Vertrauter Nixons als NATO-Botschafter vorgesehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Donald Rumsfeld soll nach Brüssel gehen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;George P. Shultz, Finanzminister mit erweirtem Aufgabenbereich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herbert Stein bleibt Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter M. Flanigan bleibt Vorsitzender des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter J. Brennan soll neuer Arbeitsminister werden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Botschafter Peterson auf der KSZE-Vorbereitungskonferenz in Helsinki&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Koordinierung der Wirtschaftspolitik soll Stellung der USA in den kommenden Verhandlungen stärken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stellvertreterausschuss nahm Währungsgespräche in Washington auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APOLLO 17: Rätselhafte Gravitation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von G. Weiss -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch mehr Schutz vor ionisierenden Strahlen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strahlungsausbruch eines Röntgensterns&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST

6. Dezember 1989

44

,1.
INHALT
DOKUMENTATION
Bush: Malta schafft den Rahmen für Fortschritte In vielen Bereichen
- Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow Baker erläutert amerikanische Haltung zur Einheit Deutschlands
- Interview des US-Außenministers mit CNN Bush unterzeichnet Vorlage zur Hilfe für Polen und Ungarn
- Erklärung des Präsidenten -

HINTERGRUND
Präsident Bushs Initiative beim Treffen von Malta
- Eine Übersicht des Weißen Hauses -

* * * * *

-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
%

""*"" c&amp;

Dokumentation

44

6. Dezember 1989
BUSH: MALTA SCHAFFT DEN RAHMEN FÜR FORTSCHRITTE IN VIELEN BEREICHEN
- Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow -

VALLETTA - (AD) - Bei der zum Abschluß der Gespräche in Malta am 3. Dezember
1989 gemeinsam mit Präsident Gorbatschow abgehaltenen Pressekonferenz erklärte
Präsident Bush, seine zweitägigen Gespräche hätten "den Rahmen für Fortschritte in einer großen Bandbreite von Bereichen" geschaffen.
In seiner Eröffnungsansprache erklärte Bush: "Wir stehen an der Schwelle eines brandneuen Zeitalters amerikanisch-sowjetischer Beziehungen". Bessere Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sollten Bush
zufolge "eine Triebfeder für positive Veränderungen auf der ganzen Welt
sein". Der Präsident erklärte ferner: "Es gibt kein einziges Problem auf der
Welt - und ganz bestimmt nicht in Europa - zu dessen Lösung verbesserte amerikanisch-sowjetische Beziehungen nicht beitragen könnten."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz im Wortlaut:

Bush: Meine Damen und Herren, Präsident Gorbatschow hat mir freundlicherweise den Vortritt gelassen. Und
meiner Ansicht nach kann niemand behaupten, der Salzwassergipfel sei
kein Abenteuer gewesen - zumindest
hier im Hafen nicht.
Zunächst möchte ich Ministerpräsident
Adami und den Maltesern meinen Dank
sagen für ihre herzliche und großzügige
Gastfreundschaft
aussprechen.
Ich möchte ferner dem Kapitän und der
Besatzung der Belknap für die großartige Unterstützung danken. Sie fingen wohl bereits an, mich als Dauergast zu betrachten. Und mein besonderer Dank geht an den Kapitän und
die Besatzung der Maxim Gorki für ihre Gastfreundschaft und auch an die

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Crew der Slawa, die uns Amerikaner
sehr freundlich aufgenommen haben.
Ich habe Generalsekretär Gorbatschow
zuerst nach meiner Europareise Im Juli vergangenen Jahres auf ein informelles Treffen angesprochen. Die beeindruckenden - und hoffnungsvollen Veränderungen, die ich in Polen und
Ungarn beobachten konnte, haben mich
zu der Auffassung veranlaßt, daß es
an der Zeit sei, sich mit Generalsekretär Gorbatschow in Verbindung zu
setzen, um herauszufinden, was wir
gemeinsam leisten können, um die sich
uns bietenden Chancen zu ergreifen
und die Beziehungen zu fördern.
Gorbatschow hat dem Vorschlag eines
Treffens zugestimmt.
Darüber haben

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wir schnell Einigung erzielt, und
meiner Ansicht nach haben die außergewöhnlichen Entwicklungen in Europa
seit der Zeit, als das Treffen vorgeschlagen wurde, die Bedeutung unserer
Zusammenkunft noch unterstrichen.
Deshalb freue ich mich besonders darüber, daß wir uns getroffen haben.
Wir haben jetzt ein besseres Verständnis unserer gegenseitigen Ansichten. Wir haben den Rahmen für
Fortschritte in einer großen Bandbreite von Bereichen geschaffen. Und
obwohl es nicht Aufgabe der Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion ist,
die Zukunft Europas oder irgendeines
Volkes zu bestimmen, bin ich doch davon überzeugt, daß ein kooperatives
amerikanisch-sowjetisches
Verhältnis
die Zukunft tatsächlich sicherer und
vielversprechender gestalten kann.
Es gibt kein einziges Problem auf der
Welt - und ganz bestimmt nicht in Europa - zu dessen Lösung verbesserte
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
nicht beitragen können. Bessere Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion stellen
einen Wert an sich dar, sollten aber
auch eine Triebfeder für positive
Veränderungen auf der ganzen Welt
sein.
Seit vierzig Jahren hat der Westen
Zusammenhalt für die Sache der Freiheit bewiesen.
Und jetzt befinden
wir uns angesichts der in der Sowjetunion stattfindenden Reformen an der
Schwelle zu einem brandneuen Zeitalter in den amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen. Wir können jetzt - jeder auf seine Weise - fast schon dazu
beitragen, daß die Teilung Europas
überwunden und die militärische Konfrontation dort beendet wird.
Wir
müssen mehr tun, um der Gewalt und
dem Leiden abzuhelfen, von denen so
viele Länder der Welt heimgesucht
werden und um die Bedrohungen für unser aller Zukunft zu beseitigen - die
Schädigung unserer Umwelt, die Verbreitung nuklearer und chemischer
Waffen, Technologietransfer für ballistische Raketen, Drogenhandel - und

unsere hier geführten Gespräche werden echten Fortschritten in diesen
Bereichen neuen Auftrieb geben.
Es bestehen ebenfalls gute Chancen,
um gemeinsame Möglichkeiten zu entwickeln. Zum Beispiel strebt die Sowjetunion jetzt eine engere Verbindung mit der internationalen Marktwirtschaft an - ein Schritt, den ich
auf jede erdenkliche Weise fördern
will.
Bei meiner Reise von Malta nach Brüssel und dem Treffen mit den NATOPartnern bin ich optimistisch, daß
wir mit Hilfe der engagierten Zusammenarbeit des Westens und bei engerer
Kooperation mit der Sowjetunion einen
dauerhaften Frieden verwirklichen und
die Ost-West-Beziehungen zu ständiger
Zusammenarbeit ausbauen können. Und
das ist eine Zukunft, die unserer
Völker würdig ist, bei der Gestaltung
dieser Zukunft möchte ich mithelfen,
und diese Zukunft haben Präsident
Gorbatschow und ich hier in Malta
eingeleitet.
Ich danke Ihnen.
Gorbatschow:
Meine Damen und Herren, Genossen, bei diesem Treffen
gibt es viele symbolische Akte und
einen, den es nie zuvor in der Geschichte gegeben hat, ist diese gemeinsame Pressekonferenz.
Das ist
gleichzeitig ein wichtiges Symbol.
Ich teile die Äußerung Präsident
Bushs, daß wir im allgemeinen mit den
Ergebnissen dieses Treffens zufrieden
sind.
Wir betrachten dieses Treffen - dem
Konzept nach war es ein informelles
Treffen, das von Präsident Bush vorgeschlagen wurde und meine Zustimmung
fand - als rein informell und ohne
die Einschränkung auf eine offizielle
Tagesordnung.
Wir
wollten
einen
freien Meinungsaustausch vornehmen,
weil die Zeit große Anforderungen an
unsere Länder stellt und damit die
Verantwortung ebenso an Bedeutung gewinnt wie die Rolle, die unsere beiden Länder spielen. Ich kann Ihnen

�versichern, daß wir uns in allen Gesprächen - die im Durchschnitt acht
Stunden dauerten - dieser Verantwortung bewußt waren.

Wir befürworten beide - natürlich
kann hier nur jeder für sich sprechen
- die Unterzeichnung dieses Dokuments
beim Gipfeltreffen.

Unsere Zusammenkunft war in allen Bereichen des Meinungsaustauschs von
Offenheit gekennzeichnet.
Es ist
heute schwierig und vielleicht wenig
sinnvoll, alle von uns erörterten
Teilbereiche
näher
zu
erläutern.
Dennoch möchte ich darauf hinweisen,
daß wir in allen Bereichen sehr offen
versucht haben, unsere Position darzulegen, die Situation der gegenwärtig stattfindenden Veränderungen auf
der ganzen Welt und in Europa zu bewerten und auf die Abrüstungsproblematik einzugehen.

Dieses Mal haben wir vor allem bilaterale Beziehungen erörtert, und ich
möchte meinerseits auf viele positive
Elemente und Punkte hinweisen, die
ich den Stellungnahmen und Äußerungen
Präsident Bushs entnehmen konnte.
Wir haben in allen Bereichen des politischen Dialogs in unseren Gesprächen, einschließlich der bilateralen
Beziehungen, die Beständigkeit und
Dauerhaftigkeit unseres politischen
Kurses bestätigt. Trotz der Tatsache, daß es sich hier um ein informelles Treffen handelte, haben wir
uns zum ersten Mal mit Präsident Bush
seit seinem Amtsantritt getroffen.
Und die Bestätigung der Dauerhaftigkeit dieses Kurses ist ein wichtiges
Element.

Wir haben den Ablauf der Verhandlungen in Genf und Wien angesprochen und
sind ferner auf die Verhandlungen
über die Ausarbeitung einer Konvention zum Verbot chemischer Waffen zu
sprechen gekommen. All diese Fragen
wurden eingehend erörtert.
Der Präsident und ich haben einen
Austausch über unsere jeweilige - in
Washington und Moskau vertretene Einstellung zu den Brennpunkten auf
unserem Planeten für notwendig erachtet.
Dieser Meinungsaustausch war
von besonderer Bedeutung und sehr
eingehend. Wir haben unsere jeweilige offizielle Haltung bekräftigt, daß
all diese - akuten - Probleme politisch gelöst werden müssen. Und meiner Ansicht nach war diese eine sehr
wichtige Feststellung der Fakten.
Wir haben aber nicht nur Probleme erörtert und unsere Positionen dargelegt. Meiner Ansicht nach haben beide Seiten vieles kundgetan, das bei
Berücksichtigung in künftigen Aktivitäten beider Regierungen dazu führen
wird, daß wir fest mit Fortschritten
rechnen können.
Das gilt für das
Thema der 50prozentigen Reduzierung
strategischer Offensivwaffen, und wir
sind optimistisch über die Möglichkeit, bereits im nächsten Jahr einen
Vertrag in Wien schließen zu können.

Von noch größerer Bedeutung ist die
Tatsache, daß wir bei diesem informellen Treffen den Grundstein für die
Aufstockung dieses Kapitals gelegt
haben.
Meiner Ansicht nach liegt
dies vor allem im Interesse unserer
beiden Länder und auch der gesamten
Staatengemeinschaft.
Wir haben gute Kontakte geknüpft.
Durch die freundliche, offene und
ehrliche Atmosphäre waren wir in der
Lage, gute Arbeit zu leisten. In unserer Situation wäre jede Übertreibung gefährlich. Wir sollten immer
wohlüberlegt handeln - um einen der
Lieblingsausdrücke von Präsident Bush
zu benutzen.
Unsere Welt und unsere Beziehungen
befinden sich an einem wichtigen
Scheideweg. Wir tragen große Verantwortung, wenn wir uns den Herausforderungen der Welt von heute stellen.
Und die Führer unserer beiden Länder
können nicht wie eine Feuerwehr handeln, auch wenn Feuerwehren sehr
nützlich sind. Das müssen wir uns
vor Augen führen, und dieser Punkt
war allgegenwärtig.

- 3-

�Ich möchte dem Präsidenten nochmals
für seine Idee danken, dieses Treffen
abzuhalten, mit dem wir - so hoffe
ich - beide zufrieden sind. Und ich
möchte den Maltesern und der Regierung von Malta meinen Dank für ihre
Gastfreundschaft aussprechen.
Herr
Präsident, ich danke Ihnen für die
Zusammenarbeit.
Bush:

Frage:
Präsident Gorbatschow, welches sind die von Ihnen angesprochenen Brennpunkte? Vielleicht El Salvador?
Konnten Sie Präsident Bush
überzeugen, daß die Sowjetunion ihren
Einfluß in Kuba und Nicragua geltend
machen würde, um Waffenlieferungen zu
stoppen?
Und waren Sie, Präsident
Bush, mit Präsident Gorbatschows Antwort zufrieden?

Vielen Dank.

Frage:
Herr Gorbatschow, Präsident
Bush hat Sie aufgefordert, den kalten
Krieg ein für allemal zu beenden.
Ist das Ihrer Ansicht nach jetzt geschehen?
Gorbatschow:
Zunächst einmal habe
ich dem amerikanischen Präsidenten
versichert, daß die Sowjetunion niemals einen heißen Krieg gegen die
Vereinigten Staaten beginnen würde.
Und wir möchten unsere Beziehungen
auf eine Art und Weise entwickeln,
die größere Chancen zur Kooperation
eröffnet. Natürlich habe ich mit dem
Präsidenten eingehende Gespräche darüber geführt, wo wir jetzt stehen.
Wir haben beide erklärt, die Welt
trete nunmehr nach dem kalten Krieg
in eine neue Epoche ein. Dies ist
nur der Anfang. Wir stehen noch ganz
am Anfang unseres Weges - eines langen Weges in ein langfristig friedliches Zeitalter.
Deshalb sind wir einmütig zu dem
Schluß gekommen, welch besondere Verantwortung Länder wie die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion tragen.
Natürlich haben wir darüber lange Gespräche geführt, auf die ich bei dieser Pressekonferenz nicht näher eingehen möchte - das heißt, wir sollten
uns im Hinblick darauf, daß ein neues
Zeitalter einen neuen Ansatz erfordert, nicht so sehr auf diese Gespräche konzentrieren.
Viele Merkmale
des kalten Krieges sollten fallengelassen werden, etwa ... (unverständlich)..., das Wettrüsten, das Mißtrauen, psychologischer und ideologische Kontroversen usw. All das sollte der Vergangenheit angehören.

Gorbatschow:
Ist diese Frage an
mich gerichtet?
Dieses Thema ist
eingehend erörtert worden. Wir haben
dem Präsidenten erneut bestätigt, daß
wir Waffenlieferungen nach Mittelamerika eingestellt haben.
Wir haben
darüber hinaus unsere Position bekräftigt, daß wir dem dort stattfindenden politischen Prozeß und einer
Klärung der Lage positiv gegenüberstehen. Wir befürworten freie Wahlen
mit Vertretern der Vereinten Nationen
und anderen Ländern Lateinamerikas,
um die Zukunft Nicaraguas zu besiegeln.
Wir verstehen die Sorge der Vereinigten Staaten. Wir haben den diesbezüglichen Argumenten Präsident Bushs
sorgfältig zugehört und ihm unsere
grundsätzliche
Meinung
versichert,
daß wir einer politischen Klärung der
Lage in Mittelamerika positiv gegenüberstehen.
Meiner Ansicht nach - und ich möchte
nicht im einzelnen auf alle Gesprächspunkte eingehen, sondern zusammenfassend
erklären, daß
eine
Chance zum Frieden in dieser Region
besteht - Frieden liegt im Interesse
aller Völker in der Region und läuft
auch den Interessen der Vereinigten
Staaten keineswegs zuwider.
Bush:
Meine Antwort lautet, daß
wir - genau wie Präsident Gorbatschow
gerade erklärt hat - eingehende Gespräche über diese Fragen geführt haben. Ich werde nicht eher ruhen, bis
mit Hilfe freier und fairer Wahlen in
Nicaragua die vollständige Selbstbestimmung verwirklicht wird. Und Gorbatschow hat mir genug Gelegenheit

�geboten, meiner Sorge über diese Region Ausdruck zu verleihen. Er hat
auch seine Anliegen bekundet.
Ich
kann nicht sagen, daß zwischen uns
keine Meinungsverschiedenheiten bestehen, aber wir hatten Gelegenheit,
diese zu erörtern.
Und wenn noch
Differenzen bestehen, so doch nur
noch in wenigen Bereichen. Aber alle
von Ihnen, die aus den Vereinigten
Staaten kommen, kennen unsere Sorge,
daß Nicaragua die Revolution nach El
Salvador exportiert anstatt freie und
faire Wahlen durchzuführen. Darüber
haben wir lange, eingehende Gespräche
geführt, und ich möchte dazu nur sagen, daß meiner Ansicht nach ein besseres Verständnis zwischen beiden
Parteien das Ergebnis dieser Gespräche war.
Frage:
Eine
Frage
der
Zeitung
Iswestija an Präsident Bush, wobei
wir Kommentare des Genossen Gorbatschow begrüßen würden. Seit langem
besteht das Problem des Ausbaus von
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Dies ist insbesondere angesichts unserer wirtschaftlichen Reformen und den damit einhergehenden
Schwierigkeiten ein dringliches Problem. In welchem Umfang ist dieses
Problem bei Ihrem Treffen erörtert
worden, welche Haltung nimmt Ihre Administration, Präsident Bush, zum
Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und
dazu ein, ob Kontakte amerikanischer
Firmen zur Sowjetunion gefördert werden sollen?
Bush:
Fragen zur Wirtschaft sind
eingehend erörtert worden. Wir haben
einige Ausführungen gemacht, wie wir
an der wirtschaftlichen Front enger
mit der Sowjetunion zusammenarbeiten
können, und ich werde die Durchführung in einigen von uns erörterten
Bereiche beobachten. Meiner Ansicht
nach waren die Gespräche über Wirtschaft am fruchtbarsten. Ich würde
ein Klima begrüßen, in dem amerikanische Unternehmer Gorbatschow bei seinen Bestrebungen um Reformen und
Glasnost unterstützen.
Meiner An-

sicht nach wäre ein Klima, in dem als
Ergebnis dieser Gespräche Investitionen in der Sowjetunion erfolgen, wir
dem Land in bestimmten Bereichen helfen und noch andere Länder eine gemeinsame Basis mit multilateralen Finanzorganisationen finden würden, eine große Bereicherung.
Meiner Ansicht nach wäre das tätsächlich ein
großes Plus.
Gorbatschow:
Dieser Antwort möchte
ich noch etwas hinzufügen. Zunächst
möchte ich die Äußerungen des Präsidenten bestätigen. Und zweitens kann
das, was bei dem Treffen stattgefunden hat, als politischer Impetus betrachtet werden, an dem es uns bei
der wirtschaftlichen Zusammenarbeit
gefehlt hat, der jedoch nunmehr Auftrieb bekommt und Gestalt annimmt,
wie sie unserem Leben heute entsprechen.
Der künftige Kurs dieses Prozesses
wird von der - rechtlichen und wirtschaftlichen - Vorgehensweise der Sowjetunion abhängen. Sie werden verstehen, daß wir heute eine entscheidende Hinwendung unserer Wirtschaft
zur Kooperation mit anderen Ländern
anstreben, so daß wir festes Mitglied
im Weltwirtschaftssystem werden.
Frage:
Angesichts der gespannten
Situation im Libanon - in welcher
Weise wurde die militärische Option
im Libanon erörtert? Und welche Entscheidungen haben Sie zum Nahen Osten
generell getroffen?
Die Frage geht
sowohl an Präsident Bush als auch an
Präsident Gorbatschow.
Gorbatschow:
Wir
konnten
nichts
zur Lage im Libanon sagen, weil sowohl die Vereinigten Staaten als auch
das sowjetische Volk Mitgefühl mit
der schwierigen Situation und den
Leiden dieser Menschen haben.
Wir
haben unsere Meinung ausgetauscht,
wobei wir in dieser Hinsicht gleicher
Meinung waren und übereingekommen
sind, den Meinungsaustausch fortzusetzen, wobei jeder seine Möglichkeiten ausschöpfen soll.

�Bush: Unsere - von Präsident Gorbatschow geteilten - Hoffnungen richten sich auf eine friedliche Lösung
der Libanonfrage.
Wir unterstutzen
das Dreiparteien-Abkommen, das von
Gorbatschow sehr aktiv gefördert wurde. Wir wollen keine Kämpfe mehr im
Libanon. Darin sind wir uns mit Gorbatschow voll und ganz einig. Daher
wurde der Libanon so eingehend erörtert und wir würden gern die Rückkehr
zu einem friedlichen, demokratischen
Libanon beobachten.
Meiner Ansicht
ist sich jeder in den Vereinigten
Staaten mit mir über die Unerträglichkeit der Kämpfe im Libanon im
klaren. Aber wir werden versuchen zu
helfen. Wir werden auf jede erdenkliche Art zu helfen versuchen.
Frage: Meine Frage richtet sich an
Präsident Bush. Als Präsident der
Vereinigten Staaten nehmen Sie erstmals an einem Gipfel teil, als Vizepräsident der vorigen Administration
haben Sie hingegen die Außenpolitik
mitbestimmt. Wie beurteilen Sie den
Kurs, den unsere beiden Länder zwischen Genf und Malta eingeschlagen
haben?
Bush:
Diese Frage ist leicht zu
beantworten, denn die Beziehungen
verbessern sich drastisch. In unserem Land gibt es ungeheure Unterstützung für das, was Präsident Gorbatschow in seinem Land unternimmt.
Für die Art und Weise, wie er friedlichen Veränderungen in Europa gegenübersteht, wird ihm viel Respekt gezollt und große Unterstützung zuteil. Bei diesem Treffen wurde all
das erreicht, was ich erhofft hatte.
Es war ein Treffen ohne Tagesordnung
und dennoch haben wir, auch nach Meinung Gorbatschows, sehr viele Themen
abgehandelt.
Wenn also mit einem
Treffen Beziehungen verbessert werden
können, dann ist das bei diesem Treffen sicherlich der Fall gewesen.
Frage:
Präsident Gorbatschow, haben Sie konkrete Vereinbarungen über
Instruktionen, Zeitpläne oder Termine
für die Verhandlungen über chemische

Waffen, Atomwaffen oder konventionelle Streitkräfte getroffen?
Gorbatschow:
Wir haben viel Zeit
für Gespräche über konkrete Fragen
zur Abrüstung und zu verschiedenen
Verhandlungen aufgewendet.
Nur als
Beispiel, und um Ihnen zu zeigen, daß
dies substantielle Gespräche waren,
teile ich Ihnen mit, daß unsere Außenminister bald zusammentreffen werden, die Anweisung erhalten haben,
eine Annäherung der Positionen zu erarbeiten.
Im Zusammenhang mit den
neuen interessanten Vorschlägen von
Präjident Bush über chemische Waffen,
die auf ein weltweites Verbot abzielen und bis dahin bestimmte Maßnahmen
vorsehen, besteht die Möglichkeit einer baldigen Annäherung.
Im Hinblick auf strategische Offensivwaffen zeigt die Analyse der Situation und die zur Vorbereitung des
Vertrags erteilten Instruktionen, daß
wir bis zur zweiten Junihälfte - und
das wurde offiziell beschlossen - die
notwendige Arbeit leisten, um die
grundlegenden
Bestimmungen
dieses
Vertrags zu erarbeiten, der dann in
den darauffolgenden Monaten unterschriftsreif würde.
Aus diesem Grund messe ich der hier
geleisteten Arbeit größte Bedeutung
bei. Natürlich gibt es Fragen, die
einer ausführlichen Erörterung bedürften, um Bedenken auf beiden Seiten auszuräumen. Unsere Bedenken im
Hinblick auf strategische Offensivwaffen und die Vorbereitung des Vertrags über den 50prozentigen Abbau
dieser Waffensysteme erstrecken sich
vor allem auf SLCMs. Wir haben mit
dem Präsidenten die Frage erörtert,
daß wir - das heißt die Sowjetunion angesichts der unterschiedlichen Kurse, die beim Abbau von Nuklearwaffen
und
konventionellen
Streitkräften
eingeschlagen wurden, an neuen Elementen in der Militärdoktrin der NATO-Staaten interessiert sind, wenn
wir eine Verteidigungsdoktrin erarbeiten wollen. Aus diesem Grund ist
es jetzt an der Zeit, die Gespräche

�über Seestreitkräfte aufzunehmen.
Ich möchte nochmals bekräftigen - und
ich glaube, der Präsident wird dem
zustimmen -, daß unsere Gespräche
sehr fruchtbar und ermutigend waren,
und wir daher mit Erfolg rechnen können.
Frage:
Präsident Gorbatschow, können Sie mir sagen, ob Ihr anfänglicher Optimismus gerechtfertigt war?
Gorbatschow:
Meiner Ansicht nach
gab es sowohl Grund für Optimismus
als auch Pessimismus, und ich möchte
hier nicht allzu sehr ins Detail gehen. Wenn ich Sie richtig verstanden
habe, zielt Ihre Frage darauf ab, inwieweit wir im Hinblick auf die Ergebnisse dieses Treffens von Optimismus oder Pessimismus sprechen können. Vor Beginn dieser Begegnung waren beide Seiten zurückhaltend und
haben eine ausgewogene, vorsichtige
Position bezogen. Das heißt jedoch
nicht, daß wir Pessimisten sind, sondern vielmehr sehr verantwortungsvoll
handelten.
Heute hat das Treffen
stattgefunden, und wir haben die Ergebnisse mit dem Präsidenten zusammengefaßt, und ich bin optmistisch
bezüglich der Ergebnisse und der sich
jetzt abzeichnenden Aussichten.
Frage: Präsident Bush, ich beziehe
mich auf die Frage der Seestreitkräfte, die Präsident Gorbatschow eben
gerade angeschnitten hat. Können Sie
uns sagen, was Sie Präsident Gorbatschow bezüglich Ihrer Haltung zum
Abbau der Seestreitkräfte und der
Haltung der NATO in diesem Zusammenhang mitgeteilt haben? Wenn die Sowjets tatsächlich bereit sind, zu einem defensiven Einsatzkonzept überzugehen, ist es dann nicht an der Zeit,
einige Kürzungen in diesem Bereich zu
erwägen?
Bush:
Bei unserem Treffen handelt
es sich nicht um Rüstungskontrollverhandlungen in dem Sinne, daß Differenzen ausgeräumt werden sollen. Wir
haben in der Frage der Seestreltkräfte noch Meinungsverschiedenheiten mit

der Sowjetunion - dessen sind wir uns
beide bewußt. Der Punkt ist jedoch,
daß wir diese Fragen in einer sehr
konstruktiven Atmosphäre erörtern und
der Staats- und Parteichef weiß, daß
ich hier keine Absprachen im Bereich
der Rüstungskontrolle treffen kann.
Meiner Ansicht nach sind die Seestreitkräfte kein Bereich, in dem wir
unmittelbare Erfolge verzeichnen können.
Wir haben über die ganze Bandbreite
dieser Themen gesprochen, jedoch keine Einigung bezüglich der besonderen
Frage der Rüstungskontrolle für Seestreitkräfte erzielt.
Dessen sind
wir uns beide bewußt.
Gorbatschow
hatte jedoch Gelegenheit, mir die Bedeutung dieses Themas zu erläutern.
Und als Bündnispartner haben wir die
Möglichkeit, das gesamte Spektrum von
Rüstungskontrollfragen
mit
unseren
Verbündeten zu erörtern. Es ist genau die Art von Atmosphäre für ein
Treffen, die er und ich uns vorgestellt hatten. Wir konnten Themen
besprechen, bei denen wir jahrelang
Meinungsverschiedenheiten hatten und
Wege finden, sie auszuräumen. Dies
ist uns in einigen wichtigen Bereichen gelungen.
Es bestehen jedoch
noch immer einige Differenzen, das
muß offen zugegeben werden.
Frage:
Haben Sie den sowjetischen
Vorschlag zu Helsinki II erörtert?
Und sind Sie bereit, im Hinblick auf
die Krise im Nahen Osten geraeinsam
mit der Sowjetunion die Initiative zu
ergreifen?
Gorbatschow:
Zunächst
zur
Frage
von Helsinki II. Meiner Ansicht nach
haben wir uns im Verlauf dieses Treffens auf die außerordentliche Bedeutung des KSZE-Prozesses verständigt
und seine positiven Ergebnisse festgehalten - Ergebnisse, dank derer die
tiefgreifenden Veränderungen in Europa und der Welt insgesamt fortgesetzt
werden können, da Europa aus vielfältigen Gründen großen Einfluß auf das
Weltgeschehen hat.
Sowohl Präsident Bush als auch Ich

- 7 -

�befürworten die Weiterentwicklung des
KSZE-Prozesses im Einklang mit den
Erfordernissen der heutigen Zeit, damit wir ein neues Europa auf der
Grundlage der Gemeinsamkeiten zwischen den europäischen Ländern aufbauen können.
Wir haben erneut bekräftigt, daß es
sich hierbei um eine gemeinsame Angelegenheit aller europäischen Signatarstaaten der Schlußakte von Helsinki handelt, einschließlich der gesamten EG. Diese Tatsache fand in allen
Diskussionen über Europa und die
übrige Welt unter aktiver und konstruktiver Beteiligung der Vereinigten Staaten und Kanadas ihren Niederschlag. Aus diesem Grund befürworten
wir die Stärkung dieses Prozesses.
Die Umstrukturierung der KSZE-Institutionen sollte zu diesem Zeitpunkt
in einer Anpassung an die derzeitigen
Veränderungen bestehen.
Nehmen Sie
beispielsweise die NATO und den Warschauer Pakt. Sie sollten nicht länger militärische Bündnisse sein, sondern vielmehr militärpolitische und
später rein politische Bündnisse werden. Ihre Struktur würde sich also
entsprechend der Veränderungen auf
dem Kontinent wandeln.
Darüber hinaus bestehen berechtigte
Hoffnungen, daß der Gemeinsame Markt
und der Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe unter aktiver Beteiligung der Vereinigten Staaten an den
Wirtschaftsprozessen zu größerer Offenheit gelangen werden. Unserer Ansicht nach müssen wir jetzt ensprechend den Erfordernissen der heutigen
Zeit Schritt für Schritt vorgehen,
die gesamte Verantwortung übernehmen,
ohne das Sicherheitsgefüge aus dem
Gleichgewicht zu bringen. Wir müssen
die Lage insgesamt, Stabilität und
Sicherheit
verbessern.
Um
diese
Punkte drehten sich unsere Gespräche,
und ich bin sicher, daß Präsident
Bush dem nur zustimmen und bekräftigen kann, daß wir übereinstimmende
Ansichten zu diesen Themen haben.

Frage: Das Treffen fand im Mittelmeer statt. Haben Sie das Problem
des Abbaus der militärischen Präsenz
im Mittelmeer erörtert?
Bush: Ist diese Frage an mich gerichtet?
Zunächst zum Abbau - wir
hatten keine spezifischen Zahlen im
Kopf. Gorbatschow hat die Frage der
Rüstungskontrolle für Seestreitkräfte
angeschnitten, und ich habe darauf
nicht beonders positiv reagiert. Wir
sind uns jedoch einig, daß wir den
KSE-Prozeß voranbringen und so abschließen wollen, daß Italien und die
anderen Länder fest im NATO-Bündnis
verankert sind. Wir haben zwar bei
diesen Themen nicht in allen Einzelheiten Einigung erzielt, aber das haben wir auch nicht erwartet.
Nun
möchte ich kurz.auf die Frage der gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen
Initiative eingehen. Um die Nahostfrage zu lösen, bedarf es keiner gemeinsamen Initiative. Wir haben jedoch festgestellt, daß die Sowjetunion im Libanon eine konstruktive Rolle
spielt und im gesamten Nahen Osten
versucht, das Dreiparteien-Abkommen
zu unterstützen, das auch die Vereinigten Staaten uneingeschränkt befürworten. Hier gibt es also Gemeinsamkeiten, was im Verlauf der Geschichte
vielleicht nicht immer der Fall war.
Und die Vereinigten Staaten haben es
auch nicht immer aus dem Blickwinkel
gesehen, welche konstruktive Rolle
die Sowjetunion spielen könnte.
Nach unseren und den zwischen Außenminister Baker und Schewardnadse geführten Gesprächen spielen die Sowjets eine konstruktive Rolle. Ich
möchte nochmals das Dreiparteien-Abkommen anführen. Ich bin sicher, daß
sie nach unseren Gesprächen unsere
Ansicht im Hinblick auf eine friedliche Lösung der Probleme im Nahen
Osten - sei es der Libanon oder Jordanien - teilen.
Hier haben wir
weitgehend Einigung erzielt.
Frage:
Präsident Gorbatschow, haben Sie Präsident Bush versichert,
daß die Sowjetunion...

�Gorbatschow: Ich kann dem, was Präsident Bush gesagt hat, nur hinzufügen, daß wir das Thema Naher Osten
sehr gründlich erörtert haben. Und
meines Erachtens haben wir Einigung
erzielt, unsere Möglichkeiten zu nutzen und einzugreifen, um eine Lösung
dieses anhaltenden Konflikts zu fördern, der die gesamte Weltlage negativ beeinflußt.
Wir sind uns darüber hinaus auch einig, daß wir eine realistische Chance
haben, den Einigungsprozeß in die Wege zu leiten. Da die Lage sich sehr
rasch ändert, dürfen wir diese Chance
nicht vergeuden.
Frage:
Ich gehöre zur Gruppe der
tschechoslowakischen
Journalisten.
Präsident Gorbatschow, haben Sie Präsident Bush zugesichert, daß die Veränderungen in Osteuropa unumkehrbar
sind und die Sowjetunion das Recht
auf militärische Intervention dort
aufgegeben hat?
Und an Präsident
Bush gleichermaßen die Frage: Haben
Sie infolge dieses Treffens größeres
Vertrauen, daß die Sowjets tatsächlich eine Abkehr von der BreschnewDoktrin vollzogen haben?
Gorbatschow:
Ich möchte mich hier
nicht als alleiniger Sprecher aller
europäischen Länder sehen. Das wäre
nicht richtig.
Wir sind ein Teil
Osteuropas, und damit ganz Europas.
Wir arbeiten in allen Bereichen mit
unseren Verbündeten zusammen, und unsere Bindungen sind tief.
Dennoch
bildet jede Nation eine eigenständige
Einheit in der Weltpolitik, und jedes
Volk hat das Recht, sein Schicksal
und das Schicksal seines Staates
selbst zu bestimmen.
Ich kann nur
meine eigene Einstellung erläutern.
Meines Erachtens wurden die Veränderungen in der Sowjetunion und in den
Ländern Osteuropas durch den Lauf der
Geschichte
selbst
herbeigeführt.
Niemand kann diesen Evolutionsprozeß
aufhalten, und die Probleme sollten
unter Berücksichtigung der Erfahrungen und des Potentials dieser Länder
auf einer neuen Grundlage gelöst wer-

den und Möglichkeiten eröffnen, um
alles Positive zu nutzen, das vom
Menschen geschaffen wurde.
Meiner
Ansicht nach sollten wir die Dynamik
dieser Prozesse begrüßen, da sie den
Wunsch der Menschen zum Ausdruck
bringen, ihre Gesellschaften demokratischer, menschlicher zu machen und
sich der Welt zu stellen. Daher fühle ich mich durch diesen Prozeß ermutigt, und ich glaube, daß die anderen
Länder ebenso denken.
Darüber hinaus beobachte ich tiefgreifende Veränderungen in anderen
Ländern, unter anderem in Westeuropa
und dies ist ebenfalls von Bedeutung,
da es sich um eine wechselseitige Bewegung handelt, dank derer sich die
Menschen auf dem Kontinent näher kommen und dabei gleichzieitg ihre eigene Identität bewahren. Es ist sehr
wichtig, sich dies vor Augen zu führen.
Frage:
Ich möchte im Namen der
tschechoslowakischen Journalisten eine Frage stellen. Wir erörtern die
Zukunft Europas...
Bush: Kann ich darauf kurz antworten?
Ohne Zweifel vollzieht sich
dort ein dramatischer Wandel. Niemand kann das bezweifeln. Und wenn
Präsident Gorbatschow von demokratischen und friedlichen Veränderungen
spricht, wird damit die bisherige
Doktrin zu Grabe getragen, die einen
anderen Ansatz verfolgte. Er weiß,
daß nicht nur der Präsident sondern
das ganze Volk der Vereinigten Staaten die Fortführung dieses demokratischen
Evolutionsprozesses
wünscht.
Dies ist meines Erachtens die beste
Art und Weise, diese Frage zu beantworten, da der Wandel so dramatisch
und so offensichtlich ist. Ich möchte jedoch hinzufügen, daß wir Gelegenheit hatten, dies sehr viel mehr
im Detail zu erörtern, als hier angebracht wäre.
Frage:
Präsident Bush, Sie haben
die Sowjetunion der Waffenlieferungen
nach El Salvador und Mittelamerika
beschuldigt, und Sie, Präsident Gor-

*

�batschow, haben diese Anschuldigungen
zurückgewiesen.
Jetzt sitzen Sie
beide hier nebeneinander - wer von
Ihnen ist im Recht?
Bush:
Vielleicht sollte ich diese
Frage als erster beantworten. Meiner
Ansicht nach haben wir keine solche
Beschuldigung gegenüber der Sowjetunion vorgebracht. Wir haben gesagt,
die Waffenlieferungen dorthin seien
eine unhaltbare Situation.
Meines
Erachtens haben die Nicaraguaner dies
nicht nur stillschweigend geduldet
sondern sogar ermutigt. Und die Beweise liegen auf der Hand. Aber ich
möchte hier die Worte des sowjetischen Außenministers nicht in Zweifel
ziehen. Er und Außenminister Baker
und Präsident Gorbatschow und ich haben darüber gesprochen. Meines Wissens hat er zu einem früheren Zeitpunkt gesagt, freie Wahlen seien der
richtige Weg. Ich habe ihn auch über
das Telephongepräch mit Oscar Arias
informiert, in dem er Castro und die
Sandinisten
dafür
verantwortlich
machte, die Revolution zu exportleren
und Mittelamerika zu unterminieren.
Zu diesem Thema könnten wir Meinungsverschiedenheiten haben, aber Ich wäre vorsichtig, wenn Sie sagen, ich
hätte sie dieser Waffenlieferungen
beschuldigt. Das habe Ich nicht, da
Außenminister
Schewardnadse
direkt
mit seinem Amtskollegen Baker in Verbindung getreten ist. Jeder weiß jedoch, daß es in Mittelamerika Unmengen von Waffen internationaler Provenienz gibt.
Unabhängig von ihrer
Herkunft untergraben sie jedoch die
Bestrebungen der Länder In der Region, die eine Fortführung des Demokratisierungsprozesses wünschen.
Gorbatschow:
Präsident
Bush
hat
das Gespräch über dieses Thema richtig erläutert. Wir wurden nicht beschuldigt, und wir mußten weder etwas
akzeptleren noch zurückweisen.
Wir
haben den Präsidenten über die bindenden Zusagen aus Nicaragua informiert, daß weder die Waffen noch
Flugzeuge eingesetzt werden. Und der
Präsident hat unsere Argumente ange-

nommen und ihnen zugestimmt. Im Hinblick auf das prinzipielle Vorgehen
möchte ich wiederholen, daß wir freie
Wahlen befürworten, damit dieser Konflikt mit politischen Mitteln gelöst
und die Situation sich normalisieren
kann.
Bush: Darüber hatte man sich geeinigt. Ich stimme dieser Beurteilung
zu. Dennoch habe ich immer noch das
Gefühl, daß Waffen nach El Salvador
geliefert werden. Wir haben eindeutige Beweise dafür.
Ich kann die
Darstellung der Fakten hier nicht widerlegen.
Aber es gibt Differenzen. Ich glaube
nicht, daß die Sandinisten unseren
sowjetischen Freunden die Wahrheit
gesagt haben. Und warum? Weil wir
mit lOOprozentiger Sicherheit wissen,
daß Waffen nach dort geliefert worden
sind.
Ich sage nicht, sowjetische
Waffen. Sie haben gesagt, sie liefern keine Waffen, und das akzeptiere
ich. Aber es werden Waffen dorthin
geliefert. Und ich sage, daß sie Außenminister Schewardnadse irregeführt
haben, als sie definitiv erklärten,
von Nicaragua gingen keine Waffenlieferungen nach El Salvador. Es gibt
also unterschiedliche Betrachtungsweisen bei dieser Frage. Und die beste Art und Weise, diese Differenzen
beizulegen, besteht in freien Wahlen
in Nicaragua. Was Castro anbetrifft
- auf ihn habe ich überhaupt keinen
Einfluß. Vielleicht stellt irgendjemand diese Frage an Präsident Gorbatschow. Aber weltweit gibt es hie
und da unterschiedliche Meinungen an
unterschiedlichen Orten.
Frage: Eine Frage an beide Präsidenten: Was ist mit Kuba?
Gorbatschow:

Was meinen Sie?

Frage: Oscar Arias hat offensichtlich Präsident Bush angerufen und ihm
gesagt, Kuba würde die Lage in der
Region durch Kommentare schüren...
Gorbatschow:
Latein- und

Wir haben die Lage in
Mittelamerika
erörtert

�und unsere Beurteilungen erläutert.
Anhand unserer eigenen Analysen und
Beurteilungen habe ich dem Präsidenten die sich abzeichnenden Konditionen zur Verbesserung der Lage erklärt, da sowohl die Vereinigten
Staaten als auch andere Länder den
Wunsch zur Normalisierung haben.
Frage:
Wie schätzen
in Deutschland ein?

sie

Gorbatschow:
Möchten Sie
deutschen Frage beginnen?
Frage:
Wollen
Präsident?

Sie

die

mit

te zu diesem Thema das letzte Wort
haben.
Gorbatschow:
Ja, und der Präsident
hat mir eine Botschaft in Englisch
gesandt. Ich spreche kein Englisch,
aber ich habe in Russisch geantwortet
- er spricht kein Russisch. Wir haben uns trotzdem verständigt.

Lage

der

antworten, Herr

Bush: Sehr gerne. Vielleicht wiederholt jemand die Frage noch einmal,
wenn ich antworten soll. War es die
Frage bezüglich Deutschland?
Frage: Ob die deutsche Frage erörtert wurde und ihre Haltung gegenüber
dem Kohl-Plan.
Bush: Die Vereinigten Staten haben
als Teil der NATO eine traditionelle
Position. In Helsinki wurde ein Konzept permanenter Grenzen formuliert.
Ich habe Präsident Gorbatschow gegenüber eindeutig klargestellt, daß wir
unsererseits nichts Unrealistisches
tun wollen, das zu Rückschritten in
einem Land oder zur Verwicklung des
eigenen Volkes in einem militärischen
Konflikt führen könnte.
Meines Erachtens haben wir also versucht, uns so zu verhalten, wie es
auch Präsident Gorbatschow angedeutet
hat - wohlüberlegt. Also nicht auf
der Berliner Mauer zu demonstrieren,
um zu zeigen, wie glücklich wir über
den Wandel sind.
Wir sind sehr
glücklich über die Veränderungen.
Ich habe von vielen führenden Politikern Erklärungen zur deutschen Frage
vernommen. Ich glaube nicht, daß es
den Vereinigten Staaten zukommt, das
Tempo des Wandels in irgeneinem Land
zu diktieren.
Dies ist Sache der
dort lebenden Menschen. Das ist unsere Position. Der Vorsitzende soll-

Ich möchte mich kurz fassen. In den
letzten Tagen habe ich mehrmals zu
dieser Frage Stellung genommen. Ich
kann nur bekräftigen, was ich bereits
früher erklärt habe, aber nach den
Gesprächen mit dem Präsidenten über
dieses Thema kann ich sagen, daß wir
dieses Problem auf der Grundlage des
KSZE-Prozesses behandeln, in dem die
Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs ihren Ausdruck fanden und der die Ergebnisse dieses Krieges festgeschrieben hat. Und das sind Realitäten.
Die Realität besteht darin, daß wir
heute in Europa zwei deutsche Staaten
haben - die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische
Republik -, die beide Mitglieder der
Vereinten
Nationen
und
souveräne
Staaten sind.
Die Geschichte hat es so entschieden. Und ich komme immer wieder auf
diesen Grundsatz zurück. Um Realisten zu bleiben, sollten wir erklären, daß die Geschichte selbst über
die Prozesse und das Schicksal des
europäischen Kontinents sowie über
das Schicksal beider deutscher Staaten entscheidet.
Ich bin der Meinung, daß dies eine von allen Seiten
geteilte Überzeugung ist. Und jede
künstliche Beschleunigung des Prozesses würde die Lage nur verschlimmern
und den Wandel in vielen europäischen
Ländern nur erschweren.
Wir würden diesem Prozeß durch eine
künstliche Beschleunigung oder das
Antreiben der gegenwärtig in beiden
Ländern stattfindenden Prozesse keinen Dienst erweisen.
Ich denke, wir können den Medien für
ihre Zusammenarbeit dankbar sein.
Wir wissen natürlich noch nicht, was

- 11 -

�sie über uns schreiben werden.
Bush:
...richtig, ihnen nachher zu
danken?
Nachdem sie ihre Berichte
verfaßt haben?
Gorbatschow:
Wir sollten ihnen im
voraus danken, und sie werden deshalb
in Zukunft bessere Bereichte verfassen.
Ich möchte Ihnen für Ihre Zusammenarbeit danken, Herr Präsident.
Frage:
Präsident
Bush, wie ist
denn jetzt die persönliche Beziehung
zwischen Ihnen beiden? Wären regelmäßige Kontakte, die vielleicht nicht
mehr als Gipfeltreffen zu bezeichnen
wären, hilfreich?
Bush:
Ich habe Präsident Gorbatschow schon vorher gekannt, und ich
überlasse es ihm, für sich selbst zu
sprechen, aber ich bin der Meinung,
daß wir ein gutes persönliches Verhältnis haben, und ich glaube, das
trägt zur Offenheit auf beiden Seiten
bei - daß wir unsere unterschiedlichen Meinungen sowie auch die Bereiche des Einvernehmens darlegen. Und
das ist ein sehr wichtiges Element
aufgrund der Position der beiden
Mächte und aufgrund der dramatischen
Veränderungen, die heute stattfinden.
Ich sage nicht, daß er aufgrund persönlicher Sympathien seit langem bestehende politische Positionen ändern
wird. Und wenn ich sage, daß ich ihn
mag, heißt das nicht, daß wir unsere
seit langem bestehenden Positionen
verändern werden. Es ist uns hier
jedenfalls gelungen, uns zu treffen
und über die Meinungsverschiedenheiten ohne Groll und so offen wie möglich zu sprechen. Und meiner Meinung
war dies ein sehr konstruktives Treffen. Ich hätte mir also kein besseres Ergebnis dieses Nichtgipfel-Gipfeltreffens wünschen können.
Was Ihre Frage nach regelmäßigen
Treffen angeht, so bin ich offen, ihn
so oft wie nötig zu treffen, um die
fortschrittliche Entwicklung in Gang

zu halten.
Wir haben bereits ein
Gipfeltreffen
verabredet.
Dieses
Gipfeltreffen wird die Tagesordnung
in der Rüstungskontrolle voranbringen. Und das ist gut so, weil ich
ihm gegenüber dargelegt habe, daß wir
ein START-Abkommen und ein KSE-Abkommen sowie hoffentlich ein Abkommen
über chemische Waffen erreichen möchten. Das ist eine sehr ehrgeizige
Tagesordnung.
Ich denke, wenn wir
uns nicht hier an den Tisch gesetzt
und miteinander gesprochen hätten, so
hätten wir vielleicht nicht verstanden, wie der andere über diese wichtigen Themen denkt.
Gorbatschow:
Ich möchte bestätigen, was Präsident Bush gesagt hat daß wir uns schon lange kennen. Aber
ich möchte hinzufügen - und darauf
habe ich mich nicht mit dem Präsidenten im voraus verständigt, aber es
ist auch kein Geheimnis -, daß wir
einen umfangreichen Meinungsaustausch
bei früheren Kontakten hatten und dadurch Verständnis für die Positionen
des anderen entwickelt haben.
Ich
möchte nur Governors Island oder unser Gespräch im Auto erwähnen, wodurch wir verstanden haben, worüber
wir gesprochen haben.
Ferner hat es einen Briefwechsel gegeben, und unser heutiges Treffen
stellt unsere Kontakte auf eine höhere Ebene. Ich bin über unsere Treffen und unsere Gespräche befriedigt,
einschließlich unserer beioden Gespräche unter vier Augen. Ich teile
die Ansicht des Präsidenten, daß persönliche Kontakte ein sehr wichtiges
Element in den Beziehungen zwischen
Staatschefs sind, und dies gilt tim so
mehr, da wir von den führenden Politikern von Ländern wie den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sprechen. Ich begrüße diese persönliche
Beziehung.
Der Präsident hatte ganz recht, als
er sagte, dies bedeute nicht, daß wir
unsere seit langem vertretenen Positionen um unserer persönlichen Beziehung willen aufgeben oder uns der
Verantwortung entziehen würden. Ich

- 12 -

�glaube, daß unsere persönlichen Kontakte uns dabei helfen, unserer Verantwortung gerecht zu werden und besser im Interesse unserer beiden Staaten und der gesamten internationalen
Staatengemeinschaft miteinander auszukommen. Ich persönlich möchte dem
Präsidenten für seine Zusammenarbeit
bei diesem Treffen danken, für die
Kooperation bei einem sehr wichtigen
amerikanisch-sowjetischen
Vorhaben.
Unser Anteil ist fifty-fifty.

* * * * *

- 13 -

�AMERIKA DIENST
\ o N

Dokumentation

$ &lt;

6. Dezember 1989

44

BAKER ERLÄUTERT AMERIKANISCHE HALTUNG ZUR EINHEIT DEUTSCHLANDS
- Interview des US-Außenministers mit CNN BRÜSSEL - (AD) - In einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender CNN
hat Außenminister Baker am 4. Dezember 1989 darauf verwiesen, daß die Einheit
Deutschlands seit 40 Jahren und auch weiterhin Ziel der amerikanischen Außenpolitik sei. Der spezifische Charakter einer solchen Vereinigung solle jedoch
gegenwärtig nicht festgelegt werden, "denn Einheit kann vieles bedeuten".
Ferner müßten in der DDR vor einer Vereinigung der beiden deutschen Staaten
"Selbstbestimmung ... freie und faire Wahlen mit mehreren Parteien" sowie "die
Entwicklung zu einer freien Marktwirtschaft" verwirklicht werden. Die Grenzen
in Europa "sollten nur mit friedlichen Mitteln verändert werden".
Nachfolgend
Wortlaut:

veröffentlichen

wir das

Interview mit dem US-Außenminister im

Frage: Sie kommen gerade vom Gipfeltreffen der Präsidenten Gorbatschow und Bush in Malta und werden
nun zusammen mit Präsident Bush die
Verbündeten unterrichten. Erwägt das
Bündnis nun weitere Reduzierungen der
konventionellen Streitkräfte in Europa, die über das hinausgehen, was bereits für den Abschluß eines Vertrags
mit der Sowjetunion vorgeschlagen
wurde?

Die vielfach von unseren Verbündeten
zum Ausdruck gebrachten Befürchtungen, wir könnten uns auf irgendeine
Diskussion mit den Sowjets über einen
speziellen Vorschlag zur Reduzierung
der konventionellen Streitkräfte einlassen, waren also unbegründet. Und
meines Erachtens wird dies nach dem
Bericht des Präsidenten über sein
Treffen in Malta jetzt allgemein anerkannt.

Antwort:
Nein, das ist nicht der
Fall, und dieses Thema wurde in Malta
auch gar nicht behandelt - das heißt,
die weitere Reduzierung der konventionellen Streitkräfte wurde nicht in
solch spezieller Form mit Gorbatschow
angesprochen. Es gab nur eine sehr
allgemeine Diskussion über konventionelle Streitkräfte.

Frage: Haben Sie mit den Verbündeten über eine mögliche nächste Stufe
der Reduzierungen gesprochen?

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Antwort: Nein. Heute morgen haben
wir ziemlich umfassend über die Bedeutung von Fortschritten in bezug
auf ein Abkommen über konventionelle
Streitkräfte und dessen Abschluß im

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�kommenden Jahr gesprochen, was dem
ursprünglich im vergangenen Mai von
der NATO vereinbarten Zeitplan entspricht, der auch von Präsident Bush
und Präsident Gorbatschow in Malta
gutgeheißen wurde - also ein Abschluß
im nächsten Jahr. Darüber wurde heute morgen ziemlich eingehend gesprochen.
Frage:
Ein weiteres Thema, das
heute morgen sicherlich zur Sprache
kam, ist die Zukunft Deutschlands.
Haben die Verbündeten darüber diskutiert und gab es einen Konsens darüber, wie diese Frage zu behandeln
ist?
Antwort:
Nun, darüber wurde gesprochen. Ich scheue mich ein wenig,
dies als Konsens zu bezeichnen, denn
es könnte sehr wohl unterschiedliche
Ansichten dazu geben, aber ich werde
Ihnen gerne unsere Haltung erläutern.
Unsere Haltung ist grundsätzlich dadurch gekennzeichnet, daß die Einheit
Deutschlands ein seit 40 Jahren von
der NATO vertretenes politisches Ziel
ist. Aber Einheit kann vieles bedeuten. Sie kann in einem einzigen Bundesstaat oder in einer Konföderation
von Staaten verwirklicht werden. Wir
sollten also zum jetzigen Zeitpunkt
den genauen Charakter einer solchen
möglichen
Vereinigung
noch
nicht
festlegen.
Ein weiterer Grundsatz besteht darin,
daß dies nur nach der Verwirklichung
der Selbstbestimmung in der Deutschen
Demokratischen Republik, freien Wahlen - freien, fairen Wahlen mit mehreren Parteien - der Fall und Teil
eines schrittweisen Prozesses sein
sollte.
In dieser Hinsicht besteht
größtenteils Einmütigkeit, aber ich
scheue mich doch zu sagen, es herrsche ein Konsens, weil es einige
Staaten geben könnte, die bei dem einen oder anderen dieser Prinzipien
eine unterschiedliche Haltung einnehmen.
Bevor wir zum nächsten Thema kommen,
möchte ich noch ein weiteres Prinzip

nennen. Eine Vereinigung der beiden
deutschen Staaten betrifft natürlich
auch Grenzen. Ich bin sicher, daß es
hier wahrscheinlich unterschiedliche
Ansichten bei verschiedenen Mitgliedstaaten des Bündnisses geben wird,
und ich bin mir bewußt, daß auch einige Länder im Osten - etwa die Sowjetunion - eine andere Meinung vertreten, wenn es um die Grenzfrage
geht. Dem Standpunkt der Vereinigten
Staaten zufolge sollten wir uns an
die Sprachregelung der Schlußakte von
Helsinki halten, die davon ausgeht,
daß die Grenzen in Europa unverletzlich sind und nur mit friedlichen
Mitteln verändert werden sollten.
Frage:
Sind die
unverletzlich?

heutigen

Grenzen

Antwort:
Die
heutigen
Grenzen.
Dies gilt für die Grenzen Deutschlands, dies gilt für die Grenzen zwischen Deutschland und Polen, und das
geht aus der Schlußakte von Helsinki
hervor und entspricht der Position
der Vereinigten Staaten.
Es gibt da noch ein weiteres Element,
das zwangsläufig ins Spiel kommt,
wenn wir von der Vereinigung Deutschlands sprechen, und das sind die
Rechte und Pflichten der alliierten
Mächte.
Bis heute gibt es keinen
Friedensvertrag mit Deutschland. All
dies muß berücksichtigt werden, wenn
wir über die Frage der Wiedervereinigung Deutschlands sprechen.
Frage: Botschafter Walters hat angeblich behauptet, seiner Ansicht
nach könnte die Wiedervereinigung in
weniger als fünf Jahren verwirklicht
werden. Ist das auch die Ansicht der
Vereinigten Staaten?
Antwort: Nein. Ich bin nicht sicher, daß man das sagen kann. Dies
ist die Ansicht von Herrn Walters,
und Herr Walters hat auf diesem Gebiet große Erfahrung. Er ist unser
Botschafter in der Bundesrepublik,
aber es entspricht nicht der politischen Ansicht dieser Administration,
dafür einen bestimmten Zeitrahmen zu

- 2 -

�setzen, denn - wie ich bereits gesagt
habe - müssen zunächst diese zusätzlichen Schritte durch das Volk der
DDR vollzogen werden - Selbstbestimmung, freie und faire Wahlen, Fortschritte in Richtung auf eine freie
Marktwirtschaft und so weiter.
Frage:
Hat
Präsident Gorbatschow
über die Grenzen Deutschlands gesprochen? Hat er während des Gipfeltreffens im Hinblick auf die sowjetische
Haltung zur Wiedervereinigung und zur
innerdeutschen
Grenze
Flexibilität
gezeigt?
Antwort: Er hat uns gegenüber dasselbe gesagt wie in der abschließenden Pressekonferenz, bei der er erklärte, wir sollten die Frage der
Wiedervereinigung dem Urteil der Geschichte überlassen. Die Geschichte
soll entscheiden. Er hat ebenso erklärt, daß eine Wiedervereinigung der
Sowjetunion Probleme bereiten würde,
daß eine Forcierung dieses Themas zu
echten Spannungen führen könnte.
Frage: Die SED ist in den vergangenen beiden Tagen nahezu völlig zusammengebrochen. Eine Machtbasis von
Egon Krenz scheint heute nicht mehr
zu existieren. Ist die DDR gegenwärtig führungslos?
Antwort:
Nun, man muß vielleicht
sagen, daß dort gegenwärtig ein Übergang von einer Regierung zu einer anderen stattfindet.
Wie sich diese
Regierung neu konstitutieren wird,
kann ich Ihnen nicht beantworten.

sein, bevor die volle Selbstbestimmung verwirklicht wird, aber ich bin
überzeugt, daß sie entschlossen sind,
dorthin zu gelangen und daß sie dies
auch letzten Endes erreichen werden.
Frage: Nun, genau das meinen viele
ja, wenn sie die Situation in der DDR
als "instabil" bezeichnen, als eine
Lage, in der nicht feststeht, wer am
Ruder ist, ob es überhaupt eine Autorität gibt und so weiter. Haben Sie
mit Präsident Gorbatschow über die
Frage der Gewaltanwendung oder sowjetischen Druck auf Osteuropa oder über
die Bewältigung dieser Art von Instabilität gesprochen?
Antwort:
Der
Präsident hat mit
Präsident Gorbatschow darüber gesprochen und ihm sehr klar zu verstehen
gegeben, daß uns ein solches Eingreifen vor schwere Probleme stellen würde, so wie ich es bei zwei früheren
Anlässen auch dem sowjetischen Außenminister Schewardnadse gegenüber getan habe, indem ich ihm erklärte, das
amerikanische Volk werde für Gewaltanwendung gegen friedlichen Protest
in Osteuropa keinerlei Verständnis
haben.
In beiden Fällen wurde uns
von der sowjetischen Führung versichert, daß dies außer Frage stehe.
Wenn ich mich recht erinnere, erklärte Schewardnadse mir gegenüber wörtlich: "Wir werden in Osteuropa keine
Gewalt anwenden. Das würde bedeuten,
daß die Perestrojka gescheitert ist."

Frage: Bedeutet dies Wahlen in naher Zukunft?
Antwort:
Meines Erachtens besteht
beim Volk der DDR ein echter Wunsch
nach Selbstbestimmung, und Selbstbestimmung kann ohne freie und faire
Wahlen mit mehreren Parteien nicht
verwirklicht werden. Gegenwärtig haben sich noch keine neuen Parteien
organisiert. Sie stehen erst am Anfang, die Parteien dort stecken noch
in den Kinderschuhen. Es wird also
noch eine Wegstrecke zurückzulegen
- 3 -

* * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

6. Dezember 1989

44

BUSH UNTERZEICHNET VORLAGE ZUR HILFE FÜR POLEN UND UNGARN
- Erklärung des Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage für die
Polen- und Ungarnhilfe im Umfang von 938 Millionen Dollar erklärte Präsident
Bush am 28. November 1989, dieses Gesetz sei "ein wichtiger und positiver
Schritt einer von allen Parteien getragenen Außenpolitik".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut:
Ich habe heute das "Gesetz zur Unterstützung der Demokratie in Osteuropa
(SEED)" unterzeichnet.
Mit dieser
Vorlage werden 938 Millionen Dollar
zur Unterstützung der Demokratisierung in Polen und Ungarn freigegeben. Ferner werden verschiedene Programme zur Förderung von Reformen in
diesen Ländern bewilligt, insbesondere für wirtschaftliche Stabilisierung, Handelsliberalisierung und Unternehmensfonds zur Entwicklung des
Privatsektcrs, Arbeitsmarktreform sowie verbesserten Umweltschutz.
Ein Jahr nähert sich dem Ende, das
künftigen Generationen als Wasserscheide in Erinnerung bleiben wird,
ein Jahr, in dem der menschliche

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Geist von den kühnen und mutigen Aktionen zweier Völker - der Polen und
Ungarn - neu befruchtet wurde.
Am Anfang dieses Jahres standen die
ersten Gespräche am runden Tisch in
Polen. Im April wurde eine Vereinbarung zwischen der polnischen Kommunistischen Partei und der Gewerkschaft
Solidarität abgeschlossen, die im
Juni zu Wahlen führte. Obwohl noch
nicht alle Sitze im Parlament frei
gewählt wurden, gelang es dem polnischen Volk, seine Meinung zum Ausdruck zu bringen - und damit die politische Landschaft in Polen neu zu
gestalten. Am Ende stand die erste
nichtkommunistische Regierung Osteuropas seit 1948. Diese Regierung hat

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�die Umgestaltung der polnischen Gesellschaft weitergeführt. Ein neues
Wirtschaftsprogramm mit der Aussicht
auf Umwandlung Polens in eine Marktwirtschaft wurde vorgelegt.
Auch die Ereignisse in Ungarn haben
die Phantasie der Welt beflügelt. Im
Mai beschloß Ungarn, den Stacheldrahtzaun, der das Land vom Westen
trennte, niederzureißen. Im September applaudierte die ganze Welt Ungarn für die Entscheidung, seinen internationalen Verpflichtungen nachzukommen und Bewohnern der DDR zu erlauben, seine Grenzen in Richtung Westen zu passieren. In jüngster Zeit
hat Ungarn nahezu alle Attribute eines stalinistischen Staats abgelegt eine neue, auf demokratische Prinzipien gegründete Verfassung wurde verabschiedet, der Name des Landes wurde
von "Volksrepublik" zu "Republik Ungarn" geändert und die regierende
Kommunistische Partei löste sich auf,
um eine völlig andere und wesentlich
kleinere Sozialistische
Partei zu
schaffen, die mit allen anderen Parteien um die Stimmen des ungarischen
Volkes konkurrieren muß. Am 26. November 1989 fand in Ungarn ein Referendum statt, um über den Zeitpunkt
für freie Wahlen zu entscheiden.
Parlamentswahlen mit mehreren Parteien werden spätestens im nächsten Sommer abgehalten. Diese Wahlen bieten
die Aussicht, Ungarn politisch ebenso
zu verändern wie die Wahlen in Polen
jenes Land verändert haben.
Die Vereinigten Staaten haben sich
bei diesen Ereignissen nicht auf die
Rolle eines untätigen Zuschauers beschränkt.
Im April habe ich in
Hamtramck (Michigan) eine Reihe von
Schritten angekündigt, mit denen die
politischen und wirtschaftlichen Reformen in Polen unterstützt und Polen
Hilfe zur Selbsthilfe geboten werden
sollte.
Seither hat meine Administration eng mit dem Kongreß zusammengearbeitet, und ich bin dankbar
dafür, daß viele der von uns vorgeschlagenen Maßnahmen in diesem Gesetz
enthalten sind.

Im Juli besuchte ich Polen und
Ungarn zu Gesprächen mit der dortigen
Führung und um mir selbst ein Bild
von den Veränderungen in diesen beiden Ländern zu machen.
Im Rahmen
dieses Besuchs hatte ich Gelegenheit,
eine Rede bei einer Sitzung des polnischen Parlaments zu halten und in
Budapest vor einer großen Zuhörerschaft an der Karl-Marx-Universität
über politische und wirtschaftliche
Reformen zu sprechen. Ich kündigte
eine Reihe von Maßnahmen an, mit denen die weitere Unterstützung der
Vereinigten Staaten für die anhaltenden Reformbestrebungen in Polen und
Ungarn demonstriert werden sollten.
Meine Administration hat seitdem tatkräftig an der Verwirklichung der von
mir vorgeschlagenen Maßnahmen gearbeitet.
Wo keine gesetzgeberischen
Maßnahmen erforderlich waren, haben
wir Fortschritte erzielt. Mit den
heute rechtskräftig werdenden Gesetzen können wir die noch anstehenden
Maßnahmen durchführen.
Wir wollen
diese Maßnahmen so schnell wie möglich verwirklichen.
Dieses Gesetz umfaßt eine weitere
Maßnahme, die ich im Oktober gefordert habe - die Genehmigung für den
Beitrag
zu einem Stabilisierungsfonds, den die polnische Regierung
erbeten und den wir bewilligt haben.
Ich gratuliere dem Kongreß zu seiner
schnellen Reaktion auf diese Bitte.
Wir arbeiten jetzt gemeinsam mit unseren wichtigsten Verbündeten und der
G-24 - der beim Pariser Weltwirtschaftsgipfel
ins Leben gerufenen
Gruppe zur Koordinierung der Hilfe
für Polen und Ungarn - um die für
diesen Fonds erforderliche zusätzliche Finanzierung zu erhalten.
Das Inkrafttreten dieses Gesetzes ist
ein wichtiger und positiver Schritt
einer von allen Parteien getragenen
Außenpolitik. Es besteht ein starker
nationaler Konsens im Hinblick auf
die Unterstützung Polens und Ungarns. Der Kongreß hat einen Gesetzentwurf erarbeitet, der auf meine Anforderungen eingeht und darüber hin-

- 2 -

�aus eine Reihe zusätzlicher Programme
vorsieht, die gemeinsam unser nationales Ziel fördern wollen: politische und wirtschaftliche Freiheit in
Polen und Ungarn zu unterstützen.

ihm von der Verfassung zugestandene
Macht auszuüben, wurden solche Bestimmungen immer als Empfehlungen und
nicht als Vorschriften betrachtet.

Dankenswerterweise werden mir die
Maßnahmen zu diesem Zeitpunkt vorgelegt. Die friedliche Revolution, die
in Polen stattgefunden hat, ist das
Werk vieler Menschen.
Einer nimmt
dabei jedoch eine herausragende Stellung ein: Lech Walesa. Er hat auch
in den dunkelsten Jahren des Kriegsrechts den Glauben nicht verloren.
Er hat die Möglichkeiten des Runden
Tisches erkannt und sich und seine
Organisation in den Dienst dieses historischen Prozesses gestellt. Kürzlich sprach er im Kongreß. Es ist
nicht mehr als angemessen, daß wir
anläßlich meiner Unterzeichnung dieser Maßnahmen diesen Mann würdigen.
Schließlich verfügen einzelne Bestimmungen des Gesetzes, daß verschiedene
Behörden in bestimmter Weise mit ausländischen Regierungsvertretern zusammenarbeiten und in unseren bilateralen Beziehungen oder multilateralen
Foren bestimmte Ziele verfolgt werden
sollen. Im Sinne der Praxis in der
Vergangenheit betrachte ich diese Bestimmungen als empfehlenswert, nicht
als obligatorisch.
Meiner Ansicht
nach steht diese Interpretation im
Einklang mit der ausdrücklichen Meinung des Kongresses über die Notwendigkeit "größtmöglicher Flexibilität"
bei der Durchführung dieser Gesetzesbestimmungen.
Andere Bestimmungen des Gesetzes sehen vor, daß der Präsident Berichte
mit seinen Empfehlungen über die angemessene Form der Hilfe für Polen
und Ungarn vorlegt. Die Verfasssung
erkennt ausschließlich dem Präsidenten das Recht zu, dem Kongreß von ihm
als erforderlich und zweckdienlich
erachtete Maßnahmen zur Prüfung vorzulegen. Da der Kongreß nicht per
Gesetz
vom
Präsidenten
verlangen
kann, unter bestimmten Umständen die

- 3-

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

'VO"N'^

44

6. Dezember 1989

PRÄSIDENT BUSHS INITIATIVEN BEIM TREFFEN VON MALTA
- Eine Übersicht des Weißen Hauses

WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu den beim Treffen in Malta
am 2. und 3. Dezember 1989 vom amerikanischen Präsidenten vorgestellten Initiativen wurde am 4. Dezember 1989 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Präsident Bush und Staats- und Parteichef Gorbatschow haben bei ihrem
Treffen in Malta einen Meinungsaustausch
zu einer großen Bandbreite
von Themen - unter anderem zu den bemerkenswerten Ereignissen, die den
friedlichen und demokratischen Wandel
und Ost- und Mitteleuropa hervorgebracht haben - vorgenommen.

hungen wichtige neue Impulse zu geben. Der Präsident hat sich in seinen Äußerungen diesem Ziel persönlich
verschrieben.
In diesem Sinne hat der Präsident
folgende Vorschläge unterbreitet:

Der nächste Schritt
Der Präsident hat der Perestrojka
seine Unterstützung zugesichert und
vorgeschlagen, daß beide Spitzenpolitiker sich zum Ziel setzen sollten,
den amerikanisch-sowjetischen Bezie-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

1.

Ein Gipfel soll in den letzten
beiden Juniwochen des nächsten
Jahres in den Vereinigten Staaten
stattfinden.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�2.

Das nachte Außenministertreffen
soll in Vorbereitung auf den Gipfel nächsten Monat in der Sowjetunion abgehalten werden.

5.

Gespräche über ein bilaterales
Investitionsabkommen sollen aufgenommen werden, zum Schutz amerikanischer Geschäftsleute, die
in der Sowjetunion investieren
wollen.

6.

Die Verbindungen zwischen der Sowjetunion und der OECD sollen
ausgebaut und die Wirtschaftskooperation zwischen Ost und West
durch den Wirtschaftskorb des
KSZE-Prozesses erweitert werden.

Wirtschafts- und Handelsbeziehungen
1.

2.

Beim Gipfel 1990 ist der Abschluß
eines Handelsabkommens vorgesehen, das der Sowjetunion den
Meistbegünstigungsstatus
einräumt, so daß der Präsident
gleichzeitig eine Aufhebung von
Jackson-Vanik verfügen kann. Zur
Verwirklichung dieses Ziels hat
der Präsident die sofortige Aufnahme von Verhandlungen über ein
Handelsabkommen vorgeschlagen und
den Obersten Sowjet aufgefordert,
die Neuordnung der Auswanderungsgesetze zu Beginn nächsten Jahres
abzuschließen.
Nach Abschluß der Uruguay-Runde
im kommenden Jahr soll der Beobachterstatus der Sowjetunion im
GATT gefördert werden. Der Präsident hat die Sowjetunion aufgefordert, die verbleibende Zeit zu
nutzen, um marktorientierte Preise einzuführen und Absatzmärkte
zu schaffen, so daß die Wirtschaft mit dem GATT-System kompatibel wird.

3. Die
amerikanisch-sowjetische
Wirtschaftskooperation soll ausgebaut werden. Der Präsident hat
einen Katalog mit Vorschlägen zu
einzelnen
Wirtschaftsprojekten
vorgelegt, unter anderem in den
Bereichen Finanzwesen, Landwirtschaft, Statistik, Mittelstandsförderung, Haushalts- und Steuerpolitik sowie eine Börse und Kartellgesetze.
4.

Gemeinsam mit dem Kongreß soll
nach dem Verzicht auf Jackson-Vanik die Aufhebung gesetzlicher Beschränkungen für Exportkredite
und -garantien
geprüft
werden.

Menschenrechte
Bis zum Gipfel 1990 sollen alle Probleme der Familienzusammenführung gelöst werden. Zu diesem Zweck hat der
Präsident eine • Liste mit auswanderungswilligen Personen überreicht.

Regionale Fragen
Der Präsident bekundete seine Enttäuschung über die sowjetische Politik
gegenüber Mittelamerika, die ihm zufolge nicht im Einklang mit dem neuen
Kurs steht, den die Sowjetunion in
Osteuropa und im Bereich der Rüstungskontrolle einschlägt. Nicaragua und Kuba bleiben der einzige
Störfaktor in den Beziehungen.

Rüstungskontrolle
1. Die Verwirklichung eines Verbots
chemischer Waffen soll durch das
amerikanische
Angebot
erzielt
werden, die Herstellung binärer
Waffen einzustellen, wenn die
multilaterale
Konvention
über
chemische Waffen in Kraft tritt.
Dies geschieht im Gegenzug dafür,
daß die Sowjets die Bedingungen
unseres UN-Vorschlags über ein
Verbot chemischer Waffen akzeptieren.
2.

- 2 -

Der Vorschlag wurde unterbreitet,
beim Gipfel 1990 ein Abkommen zur

�Zerstörung amerikanischer und sowjetischer chemischer Waffen bis
auf 20 Prozent des gegenwärtigen
Niveaus zu unterzeichnen.

satzkonzept und Statistiken über die
Waffenherstellung veröffentlicht.

Olympische Spiele
Die gemeinsame Unterstützung der
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion für ein KSE-Gipfeltreffen 1990 mit gleichzeitiger Unterzeichnung eines KSE-Abkommens
wurde vorgeschlagen.
Der START-Prozeß soll beschleunigt werden, um alle Grundsatzfragen zu klären und wenn möglich, noch vor dem Gipfel 1990
einen Vertrag abzuschließen. In
diesem Rahmen hat der Präsident
vorgeschlagen, daß die Außenminister Baker und Schewardnadse bei
ihrer Zusammenkunft im Januar ihr
Augenmerk auf die drei noch bestehenden
Probleme
von
START
richten:
Luftgestützte Marschflugkörper (ALCMs), nicht stationierte Raketen und die Verschlüsselung telemetrischer Daten.

Es wurde der Vorschlag unterbreitet,
daß die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion gemeinsam die Wahl von
Berlin als Austragungsort der Olympischen Spiele im Jahr 2004 unterstützen.

Umwelt
1.

Im kommenden Herbst soll eine
Konferenz
veranstaltet
werden,
bei der ein Rahmenvertrag über
weltweite Klimaveränderungen ausgehandelt wird, nachdem ein von
der UN geförderter länderübergreifender Ausschuß über Klimaveränderungen seinen Abschlußbericht vorgelegt hat.

2.

Im kommenden Frühjahr soll ein
internationales Treffen im Weißen
Haus stattfinden, bei dem Regierungsvertreter aus den Bereichen
Wissenschaft, Umwelt und Wirtschaft auf höchster Ebene Fragen
der weltweiten Klimaveränderungen
erörtern. Der Präsident verlieh
seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Sowjets sich daran beteiligen und
ihrerseits
hochrangige
Beamte
entsenden.

Die Arbeit am Schwellenvertrag
und dem Vertrag über Atomexplosionen zu friedlichen Zwecken
(PNET) soll
bis
zur Unterschriftsreife beim Gipfel 1990
vollendet sein.
Der Sowjetunion wurde vorgeschlagen, sich an Bestrebungen zur effektiveren Einschränkung der Verbreitung von Raketen zu beteiligen, indem sie die von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten mit dem System zur Kontrolle von Raketentechnologie aufgestellten
Einschränkungen
anerkennt .

Militärische Offenheit

Austauschprogramme
Der Austausch zwischen den Universitäten soll erheblich zunehmen und bis
zum Beginn des Studienjahres 1991
sollen zusätzlich 1 000 amerikanische
und 1 000 sowjetische Studenten im
jeweils anderen Land studieren können.

Zu militärischen Programmen sollen
mehr
Informationen
veröffentlicht
werden.
Der Präsident hat vorgeschlagen, daß die Sowjetunion ebenso
wie die Vereinigten Staaten Einzelheiten zu ihrem Militärhaushalt, Ein- 3 -

* * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Malta schafft den Rahmen für Fortschritte In vielen Bereichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten Bush und Gorbatschow &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker erläutert amerikanische Haltung zur Einheit Deutschlands&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview des US-Außenministers mit CNN &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bush unterzeichnet Vorlage zur Hilfe für Polen und Ungarn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrund&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Bushs Initiative beim Treffen von Malta&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
6. Dezember 1995

33

CLINTON: DER RUF ZUM FRIEDEN
Rede des Präsidenten vor den Truppen

BOSNIEN

UNTERSTÜTZUNG DER USA FÜR
DAUERHAFTEN FRIEDEN IN BOSNIEN
ERFORDERLICH
Erklärung von Außenminister Christopher

AUSSENPOLITIK

DIE ROLLE DER VEREINIGTEN STAATEN ALS
WELTWEITER VERMITTLER
von Amitai Etzioni

WIRTSCHAFT

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN
WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN - DER NEUE
TRANSATLANTISCHE MARKT
Übersicht des Weißen Hauses

MENSCHENRECHTE

USA APPELLIEREN AN NATIONEN ZUR
EINHALTUNG DER MENSCHENRECHTE
Rede von Botschafterin Albright

TERRORISMUS

DAS ZEITALTER DES SUPERTERRORISMUS
von James Kitfield

Diese Artikel sind elektronisch abrufbar.
Nähere Informationen erhalten Sie bei der
Presseabteilung der Amerikanischen Botschaft
unter den unten angegebenen Adressen.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax: 0228 - 33 31 38
Internet: bbsbonn@usia.gov

�BOSNIEN
6. Dezember 1995

Clinton: Der Ruf zum Frieden
Rede des Präsidenten vor den Truppen
BAUMHOLDER - (AD) - In einer Ansprache vor den Truppen der 1. Panzerdivision, die die Vorhut der 60.000
Soldaten umfassenden Friedenstruppe (implementation force - IFOR) bilden werden, erklärte Präsident Clinton
am 2. Dezember 1995: "Ich habe dem amerikanischen Volk versprochen, Euch nicht nach Bosnien zu
entsenden, wenn ich nicht absolut sicher bin, daß das für Euch gesteckte Ziel klar und realistisch ist und in
ungefähr einem Jahr erreicht werden kann. Ich habe auch gelobt, Euch erst nach Bosnien zu entsenden, wenn
ich sicher bin, daß wir alles getan haben, um die Risiken für Eure Sicherheit auf ein Minimum zu reduzieren."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

General Joulwan, General Nash, General Crouch,
Herr Minister. Mein besonderer Gruß geht an einen
guten Freund Amerikas, Bundeskanzler Kohl, der ein
wunderbarer Partner für unser Land war, und mein
herzlicher Dank an Deutschland für die Partnerschaft
mit dieser herausragenden Einheit.

zung des Friedensabkommens gebeten. Es liegt im
Interesse unserer Nation und steht im Einklang mit
unseren Werten, dafür zu sorgen, daß dieser Frieden
Erfolg hat und von Bestand ist. Und wir zählen auf
Euch, die Männer und Frauen der Task Force Eagle,
damit diese Arbeit geleistet wird.

Ich bin sehr stolz, heute hier bei den Männern und
Frauen der 1. Panzerdivision "Ironside" sein zu
können. Ihr seid wirklich Amerikas Soldaten aus
Eisen. Frühere Generationen der Soldaten aus
Eisen haben den Ruf unserer Nation mit legendärem
Geschick und Mut beantwortet. Bisher war es jedes
Mal ein Ruf in den Krieg. Von Nordafrika bis Italien
verhalfen sie im Zweiten Weltkrieg der Freiheit zum
Triumph über die Tyrannei. Dann hielt ihre mächtige
Präsenz hier 20 Jahre lang die sowjetische Bedrohung in Schach und trug zum Sieg im Kalten
Krieg bei. Und vor nur vier Jahren, als Saddam
Hussein Kuwait angriff, schlug die furchteinflößende
Macht der 1. Panzerdivision den Irak zurück und
gewährleistete die Sicherheit am Persischen Golf.

Drei Jahre lang habe ich mich geweigert, unsere
amerikanischen Streitkräfte nach Bosnien zu entsenden, wo sie in einen Krieg hätten einbezogen werden
können. Aber ich möchte, daß Ihr zu einer Mission
des Friedens dorthin geht. Nachdem ich mit Euren
Befehlshabern gesprochen und Euch allen zugehört
habe, hege ich keinen Zweifel, daß diese Eingreiftruppe bereit zum Abmarsch ist.
Eure Mission: Den vom Krieg erschöpften Menschen
zu helfen, den von ihnen gewählten Frieden zu halten
- den Frieden, den zu bewahren sie Euch gebeten
haben.

Ich weiß, daß viele von Euch dort waren. Aber ich
möchte Euch daran erinnern, daß Ihr in nur 89
Stunden Kampf 40 feindliche Panzer, 485 Schützenpanzer, 190 Kanonen und 137 Luftabwehrkanonen
zerstört habt. Ihr könnt sehr stolz auf diese bemerkenswerte Bilanz sein.

Vor nur zwei Wochen vereinbarten die in Bosnien
kriegführenden Parteien in Dayton, ihre Waffen
niederzulegen, ihre Truppen und schweren Waffen
zurückzuziehen, freie Wahlen abzuhalten, mit dem
Wiederaufbau ihrer Häuser, Städte und ihres Lebens
zu beginnen. Aber sie benötigen Hilfe dabei, und sie
haben Amerika, unsere NATO-Verbündeten und
andere bereitwillige Länder um diese Hilfe gebeten.

Jetzt ruft Amerika Euch erneut zum Dienst. Dieses
Mal nicht mit einem Ruf in den Krieg, sondern mit
einem Ruf in den Frieden. Die Präsidenten von
Bosnien, Kroatien und Serbien haben zugestimmt,
vier lange Jahre des Krieges und der Greueltaten zu
beenden. Sie haben um Eure Hilfe bei der Umset-

Sie benötigen diese Hilfe, weil nach vier Jahren
schrecklicher Brutalität Vertrauen in Bosnien rar gesät
ist und sie Euch vertrauen, die Arbeit richtig zu
machen. Jede Seite möchte, daß die NATO ihr dabei
behilflich ist, die von ihr eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, sicherzustellen, daß alle Armeen sich

AMERIKA DIENST 33

Seite 1

�hinter die Trennlinie zurückziehen und dort bleiben,
den Waffenstillstand aufrechtzuerhalten, damit der
Krieg nicht erneut ausbricht, und allen Parteien das
erforderliche Vertrauen zu vermitteln, um ihr Wort zu
halten - und ihnen auch das Vertrauen zu geben,
daß die andere Seite ebenfalls Wort hält.
Ich habe dem amerikanischen Volk versprochen,
Euch nicht nach Bosnien zu entsenden, wenn ich
nicht absolut sicher bin, daß das für Euch gesteckte
Ziel klar und realistisch ist und in ungefähr einem
Jahr erreicht werden kann. Diese Mission erfüllt
diese unerläßlichen Kriterien. Ich habe auch gelobt,
Euch erst nach Bosnien zu entsenden, wenn ich
sicher bin, daß wir alles getan haben, um die Risiken für Eure Sicherheit auf ein Minimum zu reduzieren.
Ihr wißt besser als jeder andere, daß jede Dislozierung ihre Risiken birgt. Es kann Unfälle geben. In
einem ehemals feindlichen Umfeld könnte es Zwischenfälle mit Menschen geben, die ihren Haß
immer noch nicht überwunden haben. Als Präsident
übernehme ich die volle Verantwortung für Euer
Wohlergehen. Aber ich bin auch von Stolz erfüllt in
dem Wissen, daß wir diese Mission so sicher wie
möglich machen.
Ihr werdet Euren Befehl von General Joulwan
erhalten, der Oberster Alliierter Befehlshaber Europa
(SACEUR) ist. Es wird keine Verwirrungen mit der
Befehlskette geben. Ihr seid ausgezeichnet vorbereitet, und Ihr werdet schwer bewaffnet sein.
Noch wichtiger ist vielleicht, daß Ihr gut ausgerüstet
sein werdet mit dem Ruf, der Euch vorausgeht. Dies
zusammen mit der Technologie und Ausbildung, die
Euch schützen, wird dazu führen, daß diejenigen,
die Euch angreifen wollen, es sich zweimal überlegen. Aber Ihr werdet auch ganz klare Regeln des
Engagements haben, die die wichtigste Regel von
allen in großen, fetten Buchstaben enthält: Wenn
Euch ein Angriff droht, könnt Ihr unverzüglich und
mit entschiedener Macht reagieren. Jeder sollte
wissen, daß Amerika sich um die Seinen kümmert,
wenn Amerika zur Umsetzung des Friedens beiträgt.
Eure Präsenz hier wird helfen, das von Bosnien
benötigte Klima der Sicherheit zu schaffen. Es wird
der internationalen Staatengemeinschaft gestatten,
ein massives Programm für humanitäre Hilfe und
den Wiederaufbau einzuleiten. Es wird den Menschen in Bosnien die Nahrungsmittel, die Medikamente, die Unterkunft und die Kleidung bringen, die
ihnen so lange verweigert wurden. Es wird ihnen
beim Wiederaufbau ihrer Straßen und Städte, der
Wiedereröffnung ihrer Schulen und Krankenhäuser,
ihrer Fabriken und Geschäfte helfen. Es wird vom

Seite 2

Krieg auseinandergerissene Familien wieder zusammen und Flüchtlinge in ihre Heimat zurückführen.
Es wird den Menschen wieder die stillen Segnungen
eines normalen Lebens bringen.
Nachdem ich mich zwei Tage lang für den Frieden in
Nordirland eingesetzt habe, traf ich heute morgen am
Flughafen von Dublin mit Zlata Filopovic zusammen,
einem jungen bosnischen Mädchen, deren berühmtes
Tagebuch ihrer Kriegserlebnisse in Sarajevo Millionen
von Menschen auf der ganzen Welt bewegte. Sie ist
so alt wie meine Tochter - gerade 15. Aber sie hat
Dinge gesehen, die nicht einmal Menschen, die dreioder viermal so alt sind wie sie, sehen sollten. Ich
habe ihr für ihren ergreifenden Brief gedankt, den sie
mir von einigen Tagen zur Unterstützung unserer
Friedensbemühungen in Bosnien schrieb. Und dann
habe ich ihr gesagt, daß ich Euch hier besuchen
würde.
Daraufhin sagte sie mir folgendes: "Herr Präsident,
wenn Sie in Deutschland sind, danken Sie bitte in
meinem Namen den amerikanischen Soldaten. Ich
möchte wieder nach Hause." Sie bat mich auch,
Euch und dem amerikanischen Volk dafür zu danken,
daß Ihr - mit ihren Worten - "die Tür zur Zukunft für
sie und alle Kinder in Bosnien öffnet".
Ohne Euch wird sich diese Tür schließen, wird der
Frieden scheitern, der Krieg wiederkehren, werden
die Greueltaten erneut beginnen. Der Konflikt könnte
sich dann auf die gesamte Region ausweiten, unsere
Partnerschaft mit Europa schwächen und unsere
Führungsrolle auf anderen, für unsere Sicherheit
entscheidenden Gebieten unterminieren. Ich weiß,
daß Ihr das nicht zulassen werdet.
Bei der Vorbereitung Eurer Mission bitte ich Euch, an
das zu denken, was wir alle in den letzten vier Jahren
in Bosnien gesehen haben - ethnische Säuberungen,
Massenexekutionen, Vergewaltigung von Frauen und
jungen Mädchen als Instrument des Krieges, junge
Männer, die gezwungen wurden, ihr eigenes Grab zu
schaufeln und die dann wie Tiere abgeschossen
wurden, endlose Ströme verzweifelter Flüchtlinge,
verhungernde Menschen in Konzentrationslagern.
Bilder dieses schrecklichen Unrechts haben seit
nahezu vier Jahren weltweit unsere Wohnzimmer
überflutet. Jetzt hat die Gewalt ein Ende gefunden.
Wir dürfen nicht zulassen, daß sie wieder einsetzt.
Seit Jahrzehnten ist sich unser Volk der Bedeutung
eines stabilen, starken und freien Europas für unsere
Sicherheit bewußt.
Deshalb haben wir in zwei
Weltkriegen gekämpft. Deswegen sind wir nach dem
Zweiten Weltkrieg Verpflichtungen eingegangen, die
Europa Freiheit und Frieden gaben und für uns und
die Europäer einzigartigen Wohlstand geschaffen

AMERIKA DIENST 33

�haben. Aus diesem Grund seid Ihr - selbst nach
dem Ende des Kalten Krieges - immer noch hier.

Herausforderungen und des Wandels die Stärke
unseres Landes zu bewahren.

Europa kann unser stärkster Partner bei der Bekämpfung dessen sein, was die Sicherheit unserer
Kinder bedroht - Terrorismus, organisiertes Verbrechen, Drogenhandel, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Es kann jedoch nur dann
ein starker Partner sein, wenn wir den im Herzen
Europas - in Bosnien - wütenden Krieg beenden.
Wir müssen hieran mit den Europäern zusammenarbeiten, wenn wir auch alle anderen Probleme
angehen wollen, die in Zukunft unsere Sicherheit
gefährden.

Eure Mission in Bosnien ist klar. Ihr seid stark, Ihr
seid gut vorbereitet, und die Situation erfordert eine
Führungsrolle Amerikas, die Ihr bietet. Ihr hört das
nicht nur von mir. Ich selbst habe es von Euren
Kindern gehört. Eine Englischlehrerin der siebten
Klasse der Baumholder High School, Patricia Dengel,
forderte ihre Schüler auf, Briefe an ihre Eltern zu
schreiben, die sich auf den Einsatz in Bosnien
vorbereiten. Ich habe einige dieser Briefe gesehen
und war bewegt. Ich war bewegt aufgrund der von
ihnen ausgedrückten Ängste, aber noch mehr von
ihrem Stolz auf Euch und dem Vertrauen, das sie in
Euch setzen.

Wenn die Menschen fragen - und bisweilen tun sie
das in unserem Land, weil sie sich solche Sorgen
um Euch machen - warum die Europäer das nicht
ohne uns tun können, dann erinnert Euch daran,
daß wir bei der Operation Wüstensturm viele Nationen um Hilfe baten, die uns zur Seite standen,
obwohl sie es nicht mußten. Und als wir in Haiti
eine Führungsrolle übernahmen, erhielten wir
Unterstützung von vielen anderen Nationen, die kein
direktes Interesse an Haiti hatten, jedoch unserem
Ruf Folge leisteten und an unserer Seite standen.
Jetzt werden wir in Bosnien gebraucht. Ihr werdet
gebraucht.
Männer und Frauen der Task Force Eagle, ich weiß,
daß die Last der Führungsrolle unseres Landes jetzt
am schwersten auf Euch und Euren Familien ruht.
Jeder einzelne von Euch, der sich freiwillig zum
Dienst an diesem Land gemeldet hat, bringt große
Opfer. Wir werden Euch für eine lange Zeit weit fort
von der Heimat schicken. Wir trennen Euch von
Euren Kindern und Euren Lieben. Das ist die Last,
die Ihr für Amerika tragt: Für unsere Werte einzutreten, unseren Interessen zu dienen, in dieser Zeit der

*

AMERIKA DIENST 33

*

Justin Zimmermans Vater, Hauptmann Ronald
Zimmerman, ist Kompaniekommandeur beim 40.
Pionierbataillon. Justin schrieb folgendes: "Vati, ich
weiß, daß es Dir nach der ganzen Ausbildung, die Du
hattest, in Bosnien gutgehen wird. Ich werde Dich
vermissen und die Tage zählen, bis wir Dich wiedersehen." Und Rachel Bybee, deren Vater, Major Leon
Bybee, Arzt bei der Sanitätstruppe ist, teilt ihm mit:
"Ich bin stolz auf Deine Arbeit, die darin besteht,
anderen zu helfen. Es muß für Dich ein wunderbares
Gefühl sein, Leben zu retten."
Eure Kinder wissen, daß Ihr Helden für den Frieden
seid, und die Kinder in Bosnien werden es auch bald
wissen. Euer Land und ich salutieren vor Euch. Wir
wünschen Euch für die kommenden Tage und
Monate Gottes Segen. Ihr tut etwas, das äußerst
wichtig für Eure Nation, äußerst wichtig für die Welt,
äußerst wichtig für die Zukunft ist, die Ihr Euren
Kindern wünscht.
Gott schütze Euch alle, und Gott schütze Amerika.

*

*

Seite 3

�BOSNIEN
6. Dezember 1995

Unterstützung der USA für dauerhaften Frieden
in Bosnien erforderlich
Erklärung von Außenminister Christopher
WASHINGTON - (AD) - "Jetzt haben wir dank der Stärke und Diplomatie Amerikas die Chance zur Sicherung
eines dauerhaften Friedens" in Bosnien, erklärte Außenminister Christopher, aber "wir werden unser Ziel nur
dann erreichen, wenn Amerika weiterhin eine Führungsrolle übernimmt". Bei der ersten einer Reihe von
Anhörungen im Kongreß zur amerikanischen Politik gegenüber Bosnien nach der Paraphierung des
Abkommens von Dayton (Ohio) teilte US-Außenminister Warren Christopher dem Ausschuß des
Repräsentantenhauses für internationale Beziehungen am 30. November 1995 mit: "In Dayton haben wir
jedoch auf konkreten und detaillierten Zusagen bei den entscheidenden, die Parteien spaltenden Fragen
bestanden. Weil das Abkommen umfassend ist, wird es sehr viel wahrscheinlicher Bestand haben."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung Außenminister Christophers bei der Anhörung im
Wortlaut.

Am Montag abend (27. November) sprach Präsident
Clinton zur Nation und erklärte, warum amerikanische Truppen gemeinsam mit unseren NATOVerbündeten dazu beitragen sollten, daß der Frieden
in Bosnien-Herzegowina Fuß fassen kann. Verteidigungsminister Perry, General Shalikashvili und
ich sind hier, um unsere Ziele und Pläne näher zu
erläutern, Ihre Fragen zu beantworten und Ihre
Unterstützung anzustreben.
Wir haben eine grundlegende Entscheidung zu
treffen. Wie der Präsident deutlich machte, wird es
keine NATO-Streitmacht geben, wenn sich die
Vereinigten Staaten nicht daran beteiligen. Wenn es
keine NATO-Streitmacht gibt, wird es keinen Frieden
in Bosnien geben, und der Krieg flammt erneut auf.
Wir brauchen uns die Konsequenzen gar nicht
auszumalen. Wir wissen, was geschehen würde:
Es gäbe weitere Massaker, weitere Konzentrationslager, mehr Hunger, die reale Bedrohung eines
größeren Krieges sowie enormen Schaden für
unsere Führungsrolle in der NATO, in Europa und
auf der Welt. Das ist die Alternative, die wir vermeiden können und müssen. Wir müssen weiterhin
den Frieden sichern.
Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ist eine
Bedrohung für die Interessen unserer Nation und ein
Affront gegen die Werte unserer Nation. Wir wurden
Zeuge der Schrecken und Greueltaten, die meine
Generation - die im Zweiten Weltkrieg kämpfte -

AMERIKA DIENST 33

einst als der dunklen und entfernten Vergangenheit
zugehörig erachtete. Wir wurden mit der ständigen
Bedrohung eines größeren, noch schrecklicheren
Krieges in einem instabilen Teil Europas konfrontiert.
Wir mußten die Möglichkeit in Erwägung ziehen, daß
unsere Truppen aufgefordert würden, unsere in
Bosnien unter Beschuß geratenen Verbündeten zu
retten.
Diesen Sommer erreichte der Konflikt in Bosnien
einen kritischen Punkt. Der Präsident leitete eine
sorgfältig geplante Initiative ein, die uns Schritt für
Schritt von den schrecklichsten Ereignissen des
Krieges - dem Fall von Srebrenica und Zepa - bis zu
diesem hoffnungsvollen Punkt führte.
Auf der Londoner Konferenz im Juli überredeten wir
unsere Verbündeten, entschiedene Maßnahmen zur
Sicherung der in Bosnien verbliebenen Schutzzonen
zu ergreifen. Wir flogen NATO-Bombenangriffe, um
die bosnischen Serben zu überzeugen, daß eine
Fortsetzung des Krieges keine weiteren Gewinne
bringen kann. Unsere Diplomatie führte zu einem
Waffenstillstand und einer Reihe verfassungsmäßiger
Grundsätze für einen einheitlichen bosnischen Staat.
Und vergangene Woche führten wir die Parteien zu
einem umfassenden Abkommen in Dayton. Die
offizielle Unterzeichnung dieses Abkommens findet
am 14. Dezember in Paris statt.
Als Ergebnis der Initiative des Präsidenten wurden
die Kämpfe eingestellt. Jetzt haben wir dank der

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�Stärke und Diplomatie Amerikas die Chance zur
Sicherung eines dauerhaften Friedens. Wir werden
unser Ziel nur dann erreichen, wenn Amerika weiterhin eine Führungsrolle übernimmt. Die Parteien sind
um des Friedens willen Risiken eingegangen, und
wir müssen sie auch weiterhin unterstützen.
Wir haben ganz offensichtlich ein nationales Interesse an der Umsetzung des Abkommens von
Dayton.
Wir haben großes Interesse an der Beendigung der
schlimmsten Greueltaten in Europa seit dem Zweiten
Weltkrieg - Greueltaten, die um so schlimmer sind,
als sie gegen bestimmte Gruppen von Menschen
aufgrund ihres Glaubens begangen wurden. Durch
unseren Beitrag zur Schaffung des Friedens können
wir sicherstellen, daß die Menschen in Bosnien keine
Tage mehr im Kugelhagel, keine Winter mehr mit
frisch ausgehobenen Gräbern, keine Jahre der
Isolation von der sie umgebenden Welt verbringen
müssen.
Wir haben großes Interesse daran sicherzustellen,
daß sich dieser Konflikt nicht ausweitet. Bosnien
liegt an einer gefährlichen Stelle in einer unbeständigen Region Europas. Im Süden gelegen sind der
Kosovo, Albanien und die ehemals jugoslawische
Republik Makedonien - die wahrscheinlichsten
Brennpunkte eines größeren Krieges - sowie die
beiden NATO-Mitglieder Griechenland und die
Türkei. Im Norden und Osten befinden sich Ungarn,
Rumänien und Bulgarien - noch auf tönernen Füßen
stehende neue Demokratien, für die die Aussicht
eines ethnischen Konflikts auf dem Balkan eine
große Gefahr darstellt. Im Norden liegt auch die
ostslawonische Region Kroatien, von der ein regionaler Krieg ausgehen könnte, wenn das Abkommen
von Dayton nicht umgesetzt wird.
Der Frieden in diesem Teil Europas ist für die
Vereinigten Staaten von Bedeutung, weil Europa für
die Vereinigten Staaten von Bedeutung ist. Wir
haben zweimal in diesem Jahrhundert Millionen
amerikanischer Soldaten über den Atlantik in den
Krieg geschickt. Der erste große Krieg dieses
Jahrhunderts begann mit Gewalt in Sarajevo. Der
zweite begann mit Aggression in Zentraleuropa
sowie mit Schrecken, die von der Welt ignoriert
wurden, bis es zu spät war. Seitdem haben unsere
führenden Politiker - Republikaner und Demokraten
gleichermaßen - zum Schutz unseres elementaren
Interesses an europäischer Stabilität gehandelt.
Wenn wir diese Chance für den Frieden nicht
ergreifen, könnten wir mit der Aussicht auf weitaus
kostspieligere und gefährlichere Aktionen konfrontiert
werden, als wir sie jetzt erörtern.

Seite 2

Die Vereinigten Staaten haben auch ein elementares
Interesse an der Beibehaltung ihrer weltweiten
Führungsrolle. Jetzt in Bosnien zu handeln, ist eine
Feuerprobe amerikanischer Führung. Nachdem wir
diese Chance für den Frieden geschaffen haben,
können wir es uns nicht leisten, ihr den Rücken zu
kehren. Aus meiner persönlichen Erfahrung als
Außenminister kann ich Ihnen sagen: Wenn wir als
Staat angesehen werden, der seine eigenen Initiativen nicht zu Ende bringt, wird sich uns niemand
anschließen - nicht in Europa, nicht im Nahen Osten,
nicht in Asien, nirgends.
Herr Vorsitzender, das in Dayton paraphierte Abkommen fördert unsere nationalen Interessen und
gibt uns allen Grund zu glauben, daß der Frieden in
Bosnien Fuß fassen kann. Das Abkommen wurde
vor dem Hintergrund von vier Jahren blutigen Krieges
in 21 Tagen ausgehandelt. Es enthält viele hart
erkämpfte Kompromisse. Bei jeder wichtigen Frage
hält es jedoch die grundsätzlichen und praktischen
Normen ein, auf denen mein Verhandlungsteam und
ich bestanden haben. Dieses Abkommen beinhaltet
nicht nur Ziele, sondern auch Mittel.
Es bewahrt Bosnien als einheitlichen Staat mit
föderalen Institutionen, die kroatische, muslimische und serbische Volksgruppen gleichermaßen
vertreten.
Es vereinigt Sarajevo erneut innerhalb der Föderation von Bosnien und Herzegowina und verbindet Gorazde durch einen sicheren Landkorridor
mit der Föderation.
Es gibt den Menschen in Bosnien das Recht auf
Freizügigkeit im gesamten Land. Es gibt den
Flüchtlingen das Recht auf Rückkehr in ihre
Häuser. Und es schafft einen Mechanismus zur
Regelung von Besitzansprüchen.
Es ermöglicht die Veranstaltung demokratischer
Wahlen unter internationaler Kontrolle im nächsten
Jahr. Ich habe in Dayton Stunden gebraucht, um
die Parteien davon zu überzeugen, daß die
Flüchtlinge selbst entscheiden sollen, ob sie an
ihrem derzeitigen Aufenthaltsort zur Wahl gehen
oder in ihrer ursprünglichen Heimat.
Das Abkommen schließt aus, daß Kriegsverbrecher ein Amt übernehmen. Und es verpflichtet
alle Parteien explizit, bei der Ermittlung und
Verfolgung von Kriegsverbrechen zusammenzuarbeiten.
Es schützt Menschenrechte und schafft neue
Institutionen zur Ermittlung und Bestrafung von
Menschenrechtsverletzungen.

AMERIKA DIENST 33

�Vor allem beendet es den Krieg und verlangt von
den Parteien, ihre Streitkräfte hinter vereinbarte
Linien zu verlegen.
Bei Verhandlungen wie diesen ist man manchmal
versucht, das Verfahren abzukürzen und die schwierigsten Themen in mehrdeutiger Weise zu behandeln. In Dayton haben wir jedoch auf konkreten und
detaillierten Zusagen bei den entscheidenden, die
Parteien spaltenden Fragen bestanden. Weil das
Abkommen umfassend ist, wird es sehr viel wahrscheinlicher Bestand haben.
Langfristig wird der Wiederaufbau der bosnischen
Gesellschaft enorme Anstrengungen erfordern. Aber
zumindest kann jetzt damit begonnen werden.
Schließlich hat Bosnien nur mit dem Frieden eine
Chance, als einheitlicher Staat zu existieren. Nur mit
dem Frieden hat es eine Chance zum Aufbau einer
multiethnischen Demokratie. Nur mit dem Frieden
werden wir eine Chance haben, Kriegsverbrecher
vor Gericht zu bringen und sicherzustellen, daß
keine weiteren Kriegsverbrechen begangen werden.
Das Abkommen von Dayton erfordert von den
Parteien, außerordentlich schwierige Schritte auf
dem Weg zum Frieden zu unternehmen. Meines Erachtens ist jeder bereit, seine Verpflichtungen zu
übernehmen, aber nur, wenn alle Vertrauen haben,
daß die anderen Parteien ihre übernehmen. Alle
Parteien haben eindeutig klargestellt, daß sie nur zu
einer Lösung gelangen, wenn die NATO bereit ist,
die Truppe zur Umsetzung des Friedens (Implementation Force - IFOR) anzuführen.
Verteidigungsminister Perry und General Shalikashvili werden im einzelnen auf unsere Beteiligung
an der IFOR eingehen. Ich möchte jedoch einige
der Fragen ansprechen, von denen ich weiß, daß sie
Sie beschäftigen.
Ich weiß, daß viele Amerikaner sich fragen, warum
Europa nicht alle Bodentruppen für diese NATOStreitmacht zur Verfügung stellen kann. Die NATO
ist auf die Teilung der Lasten und Risiken gegründet.
Wir sind das größte Mitglied der NATO, das Kernstück ihrer Stärke und Entschlußkraft. Das Bündnis
kann nicht die größte Mission in seiner Geschichte
durchführen, wenn wir nicht unseren Beitrag leisten.
Gleichzeitig sollten wir uns vor Augen führen, daß
andere Nationen, darunter nahezu alle unsere
NATO-Verbündeten, Rußland und viele andere
unserer neuen Partner in Zentraleuropa zwei Drittel
der Truppen für die IFOR bereitstellen.
Andere haben gefragt, ob die Parteien nach vier
Jahren des Blutvergießens bereit sind, dieses Abkommen umzusetzen.
Wir müssen uns daran

AMERIKA DIENST 33

erinnern, daß wir dieses Abkommen erzielten, weil
der Frieden der Schlüssel zu dem ist, was die Parteien vom Wiederaufbau, von der Justiz, vom erneuten
Beitritt zur internationalen Staatengemeinschaft
erwarten. Wir haben das Abkommen formuliert um
zu gewährleisten, daß es durchgeführt wird. Wir
haben sichergestellt, daß die Sanktionen gegen
Serbien, unser Hauptdruckmittel gegen das Land,
wieder verhängt werden, wenn das Abkommen nicht
umgesetzt wird. Die Sanktionen gegen die bosnischen Serben bleiben in Kraft, bis sie ihre Truppen
hinter die vereinbarte Grenze der Serbischen Republik zurückziehen. Darüber hinaus werden unsere
Truppen die Stärke und Befugnis zur Durchsetzung
der entscheidenden militärischen Bestimmungen des
Abkommens haben.
Ich möchte auch unterstreichen, es reichte mir nicht
aus, daß Präsident Milosevic speziell befugt war, das
Abkommen im Namen der bosnischen Serben
auszuhandeln. Ich habe darauf bestanden, daß es
auch von den bosnischen Serben paraphiert wird. In
Dayton versprach Präsident Milosevic, ihre Zustimmung binnen zehn Tagen einzuholen. Es stellte sich
heraus, daß es ihm in nur zwei Tagen gelang. Diese
Art von Reaktion vertieft mein Vertrauen, daß dieses
Abkommen umgesetzt wird.
Herr Vorsitzender, während unserer Verhandlungen
in Dayton haben wir konstant auf einem Abkommen
bestanden, daß unser Militär durchführen und in Kraft
setzen kann. Jeder Teil des Abkommens war sorgfältig so formuliert, daß er den Erfordernissen unserer
Streitkräfte und dem Rat der Militärs in unserem
Team Rechnung trug. Infolgedessen enthält der
Anhang mit den militärischen Bestimmungen des
Abkommens die Art von detaillierten Verfügungen, die
unser Militär für seine Aufgabe als unerläßlich erachtete.
Ich darf Ihnen versichern, daß die IFOR-Mission
genau definiert und begrenzt ist. Unsere Truppen
werden die militärischen Aspekte des Abkommens
umsetzen - die Durchsetzung des Waffenstillstands,
die Überwachung des Abzugs der Streitkräfte und die
Einrichtung einer Trennzone zwischen ihnen. Aber
das Militär wird nicht gebeten, den Erfolg der Demokratie oder des Wiederaufbaus zu garantieren, oder
als Polizist aufzutreten. Eine der Lektionen, die wir
in den vergangenen Jahren gelernt haben, lautet, daß
unser Militär nicht der ständige Garant des Friedens
sein sollte. Es sollte Chancen schaffen, die andere
dann ergreifen müssen.
Weil die IFOR-Mission genau definiert ist, haben wir
einen klaren Endpunkt, den Verteidigungsminister
Perry im einzelnen erläutern wird. In diesem Zusammenhang möchte ich unterstreichen, daß wir uns

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�zur Erlangung eines stabilen militärischen Gleichgewichts in Bosnien und zwischen den Staaten des
ehemaligen Jugoslawien verpflichtet haben, damit
der Frieden von Dauer sein wird. Dies sollte weitgehend durch Rüstungsbegrenzungen und -reduzierungen erreicht werden.
Es ist jedoch nicht wahrscheinlich, daß Rüstungskontrollmaßnahmen allein ausreichen werden, um
eine militärische Stabilisierung herbeizuführen. Die
Streitkräfte der Föderation, die durch das Waffenembargo am härtesten betroffen waren, werden voraussichtlich Gerät und Ausbildung benötigen, um eine
effektive Fähigkeit zur Selbstverteidigung aufzubauen.
Die Vereinigten Staaten werden ihrerseits
sicherstellen, daß die Streitkräfte der Föderation die
erforderliche Unterstützung erhalten. Weder die
IFOR noch das amerikanische Militär werden direkt
an diesem Vorhaben beteiligt sein. Der beste
Ansatz für die Vereinigten Staaten - und der, den wir
verfolgen werden - ist die Koordinierung der internationalen Bestrebungen zur Bereitstellung der
erforderlichen Hilfe.
Zivile Behörden auf der ganzen Welt werden ein
getrenntes Programm durchführen, um den Menschen in Bosnien beim Wiederaufbau behilflich zu
sein. Unsere europäischen Verbündeten werden
den Großteil dieses lebenswichtigen zivilen Unternehmens finanzieren. Internationale Organisationen
werden auch eine wichtige Rolle spielen. Die OSZE
wird die Wahlen überwachen. Der UNHCR wird die
Rückkehr der Flüchtlinge koordinieren. Die Weltbank und der IWF werden bei der Gesundung der
bosnischen Wirtschaft behilflich sein, wobei auch die

EU eine führende Rolle übernimmt. Die Vereinten
Nationen werden bei der Überwachung und Ausbildung der örtlichen Polizei helfen.
Aber keine dieser wichtigen Aufgaben wird durchgeführt, wenn das Friedensabkommen nicht Bestand
hat. Es gibt kein Mittelding zwischen Frieden und
Krieg in Bosnien. Und bei der Wahl zwischen
Frieden und Krieg "muß Amerika den Frieden wählen", wie Präsident Clinton es am Montagabend so
einfach formulierte.
In vielen Jahren werden die Menschen zweifelsohne
auf diesen Monat der Geschichte als den entscheidenden Wendepunkt für die Vereinigten Staaten und
Europa zurückblicken. Er soll als der Augenblick
erinnert werden, in dem unser Land die von uns
geschaffene Chance für Frieden ergriff, nicht als der
Augenblick, in dem wir zögerten zu handeln.
Der Präsident hat seine Wahl getroffen. Die Vereinigten Staaten müssen als die große Nation handeln, die sie sind. Wir müssen unsere Interessen
schützen. Wir müssen für unsere Ideale eintreten.
Wir müssen unsere Versprechen halten. Und wir
müssen eine Führungsrolle übernehmen.
In den kommenden Tagen, Herr Vorsitzender, wird
die Administration weiterhin enge Konsultationen mit
Ihnen und dem Kongreß führen. Wir werden weiterhin ebenso hart auf die überparteiliche Zustimmung
des Kongresses hinarbeiten wie auf die Unterstützung und das Verständnis des amerikanischen
Volkes. Es ist offensichtlich, daß wir weitermachen
müssen.

* * * *

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AMERIKA DIENST 33

�AUSSENPOLITIK
6. Dezember 1995

Die Rolle der Vereinigten Staaten als weltweiter Vermittler
von Amitai Etzioni
(AD) - Der Verfasser des nachfolgenden Artikels beschäftigt sich mit der produktiven Rolle der Vereinigten
Staaten als Vermittler in verschiedenen Konfliktsituationen im Zeitalter nach dem Kalten Krieg und vertritt die
Ansicht: "Verfechter der reinen Realpolitik möchten vielleicht nur handeln, wenn die nationalen Interessen der
Vereinigten Staaten direkt betroffen sind, aber im Zeitalter der Massenkommunikation spielt die öffentliche
Meinung eine wichtige Rolle in den internationalen Beziehungen, und die idealistische Seite der öffentlichen
Meinung - die Facetten der öffentlichen Psychologie, die ihren Ausdruck in den Rufen nach Hilfe für die
Menschen in Ruanda und nach Verteidigung des belagerten Bosnien fanden - kann nicht ignoriert werden.
Vermittlung ist eine konstruktive Antwort auf diese mitfühlende Seite der amerikanischen Natur."
Der Verfasser ist Professor an der George Washington University, Gründer und Vorsitzender von The
Communitarian Network und Autor von The Spirit of Community (1994).
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The Washington Quarterly, Band 18,
Nr. 3, Sommer 1995, S. 75-87, Amitai Etzioni, "Mediation as a World Role for the United States". Copyright
(c) 1995 Center for Strategie and International Studies sowie das Massachusetts Institute of Technology.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine gekürzte Version des Artikels von Amitai Etzioni.

Allmählich und in gewisser Weise unbeabsichtigt
haben die Vereinigten Staaten in der Welt nach dem
Kalten Krieg eine neue Rolle entwickelt. Diese neue
Rolle ist von Zurückhaltung geprägt und paßt zu der
Notwendigkeit, sich auf vernachlässigte innenpolitische Fragen wie den Abbau des Haushaltsdefizits
und die Reform des Sozialwesens zu konzentrieren.
Selbst im außenpolitischen Bereich ist das neue
diplomatische Paradigma von einem großen Thema
überschattet, das noch aus früheren Zeiten stammt der Vorstellung, daß die Vereinigten Staaten auf der
ganzen Welt Demokratie und Menschenrechte
fördern können und sollten.
Die neue Rolle der Vereinigten Staaten ist die eines
weltweiten Vermittlers. Statt als Weltpolizist zu
fungieren, hat Amerika bei verschiedenen Gelegenheiten den Konfliktparteien seine guten Dienste
angeboten und sich um die Lösung seit langem
schwelender Konflikte bemüht.
Normalerweise
befanden sich die betroffenen Parteien in einer
Pattsituation und waren der Ansicht, die Hilfe einer
dritten Partei könnte nützlich sein. Die Bestimmungen von dank Vermittlung erzielten Lösungen und
ihre Einhaltung werden den versöhnten Parteien
normalerweise nicht von den Vereinigten Staaten
oder einer anderen Macht aufoktroyiert, sondern

AMERIKA DIENST 33

freiwillig befolgt. In manchen Fällen bieten die
Vereinigten Staaten wirtschaftliche Anreize, um die
Parteien zu einer Fortsetzung ihrer Versöhnungsarbeit zu ermutigen, die zu einer Lösung des Konflikts
Gelangten zu belohnen oder die Schwierigkeiten des
Übergangs für die betroffenen Parteien zu verringern
- aber weiter geht die Rolle der Vereinigten Staaten
nicht. Die Möglichkeit, Streitkräfte zwischen die
ehemaligen Konfliktparteien zu stellen, wurde ebenfalls erwähnt, beispielsweise für die Golanhöhen,
aber im Grunde genommen setzen sich die Ergebnisse der Vermittlung - weil sie von den betroffenen
Parteien freiwillig akzeptiert wurden - von selbst
durch.
Die Verdienste der weltweiten Vermittlungstätigkeit
hervorzuheben bedeutet nicht, daß es sich hier um
die einzige Rolle handelt, die Amerika übernimmt
oder übernehmen sollte. Wenn der Irak in SaudiArabien einmarschieren würde, müßten die Vereinigten Staaten zweifellos ihren Verpflichtungen als
Verbündeter nachkommen und ihre militärische Macht
einsetzen, anstatt zu vermitteln. Während des Kalten
Krieges gab es Gelegenheiten, bei denen die Vereinigten Staaten vermittelnd tätig waren. Es besteht
jedoch ein großer Unterschied zwischen Vermittlung
als einem Instrument unter vielen in einer ganzen

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�diplomatischen Trickkiste und Vermittlung als Hauptinstrument der Vereinigten Staaten in der Welt nach
dem Kalten Krieg, in der zahlreiche Parteien befreit
von ihren früheren Verpflichtungen gegenüber einem
Block herauszufinden versuchen, wie sie in dem
neuen internationalen Umfeld vorgehen sollen.
Die von den Vereinigten Staaten geförderte Versöhnung bietet entscheidende wirtschaftliche und
soziale Vorteile und trägt zusätzlich zur Vermeidung
der Möglichkeit bei, daß ungelöste Konflikte zu
Kriegen führen, beispielsweise zwischen Syrien und
Israel. Im Zuge der längerfristigen Verringerung von
Spannungen setzen immer mehr Länder ihre vormals für Streitkräfte, Waffen und Nachrichtendienste
aufgewandten beträchtlichen Ressourcen für friedliche Zwecke ein. Neue Stabilität in den Beziehungen
zwischen Nachbarländern kann die Chance für
Handel mit Außenseitern erhöhen und Auslandsinvestitionen fördern. Diese anfänglich durch eine
Abnahme zwischenstaatlicher Spannungen und
Konflikte hervorgerufenen Entwicklungen untermauern wiederum den entstehenden Frieden.
Mit der Zeit fand die Rolle Amerikas bei der Förderung dieser Entwicklungen Anerkennung und sogar
Lob. In dieser Hinsicht sind die lokalen und internationalen Reaktionen positiv - im Vergleich zu den
typischen Reaktionen auf amerikanische Militärinterventionen, wirtschaftlichen Boykott und Druck auf
bestimmte Länder zur Umsetzung wirtschaftlicher
Stabilisierungsprogramme.
Im Falle eines Scheiterns der amerikanischen
Vermittlungsbemühungen ist andererseits das Risiko
für die Vereinigten Staaten sehr gering. Die Gefahr
einer militärischen Verwicklung oder der Schwierigkeit, sich wieder zurückzuziehen, der sich die
amerikanischen Truppen in Somalia, ganz zu
schweigen von Vietnam, gegenübersahen, hat stark
abgenommen.
Es besteht nur eine geringe Notwendigkeit für große
wirtschaftliche Auslagen, denn Vermittlung beinhaltet
in der Regel wenig mehr als den Einsatz geschickter
Diplomaten, Pendeldiplomatie, Staatsbesuche und
ähnlichem. Wie bereits erwähnt, boten die Vereinigten Staaten bei mehreren Gelegenheiten
Wirtschaftshilfe an, um den Vermittlungsprozeß
voranzubringen. Diese Hilfe ist jedoch kein wesentlicher Bestandteil des Prozesses, da mehrere Vermittlungsbemühungen auch ohne wirtschaftliches
Zuckerbrot erfolgreich waren. Wenn diese Hilfe
gewährt wurde, erschien sie im Vergleich zu der als
führendem außenpolitischen Instrument Eingesetzten
relativ gering.

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Ein wichtiger Grund dafür, daß Vermittlung zumindest
einige Früchte trägt, liegt darin, daß die Parteien sich
normalerweise dann an einen Tisch setzen, wenn sie
des Konflikts müde und ihre eigenen Bestrebungen
zur Überwindung der Differenzen gescheitert sind.
Mit anderen Worten: Sie kommen, wenn ihr Konflikt
"reif" für die Vermittlung ist und die von den Vereinigten Staaten gebotene Chance von ihnen gesucht
oder zumindest begrüßt wird. Im Gegensatz dazu
wurde die Hilfe der Vereinigten Staaten, wenn diese
eine andere internationale Rolle übernahmen, nicht
so offensichtlich gesucht und nicht so gut aufgenommen.
Selbst im Falle des Scheiterns eines Vermittlungsversuchs ist es oftmals offensichtlich, daß der Fehler
bei einer unnachgiebigen Partei (oder mehreren)
liegt, und nicht beim Vermittler. Und weil ein Dialog
stattfand, besteht oft die begründete Vorstellung, daß
zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft zusätzliche
Vermittlungsbemühungen stattfinden und schließlich
erfolgreich sein könnten. Somit werden die grundlegende Rolle der Vereinigten Staaten und ihre Absichten selbst unter diesen Umständen gewürdigt wenn auch nicht von allen Beteiligten, so doch
sicherlich von der übrigen Welt. Das kann man
jedoch nicht von der Rolle behaupten, die die Vereinigten Staaten übernahmen, als sie an Orten wie
Nicaragua, Grenada und Panama aggressiver vorgingen.
Ein Grund dafür, daß die Vereinigten Staaten ihre
Rolle als weltweiter Vermittler nicht weiterentwickelten, und eine wichtige Begründung, warum ihr Beitrag
keine volle Anerkennung fand, liegt darin, daß ihre
führenden Politiker eine Überschattung dieser Rolle
von den oftmals vergeblichen Bestrebungen nach
einer Fortsetzung veralteter Außenpolitik zuließen.
Überkommene Vorstellungen sind bei so schwierigen
Initiativen am Werk wie den Versuchen, China zu
einer Respektierung der Menschenrechte zu veranlassen, die Republiken der ehemaligen Sowjetunion zur Einführung echter Demokratie zu bewegen
sowie - und das ist eine Sisyphusarbeit - die Demokratie in Haiti "wiederherzustellen" (wo es sie nie gab
und es sehr unwahrscheinlich ist, daß sie Fuß faßt,
ungeachtet dessen, was die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten unternehmen). Selbst diejenigen,
die weitaus optimistischer als der Autor hinsichtlich
der Fähigkeit der Vereinigten Staaten sind, die Welt
zur Demokratie zu führen, sollten die Vorteile einer
weltweiten Vermittlerrolle als Zentrum der Außenpolitik würdigen - auch wenn die Vereinigten Staaten
weiterhin ihrem Anliegen einer Förderung der Menschenrechte und idealerweise auch der Demokratie
Ausdruck verleihen.

AMERIKA DIENST 33

�Die Vereinigten Staaten als Vermittler
In mehr oder minder großem Ausmaß und bisweilen
auf indirekte Weise übernahmen die Vereinigten
Staaten auf der internationalen Bühne eine Rolle als
Vermittler. Bei den Verhandlungen zwischen Israel
und der PLO waren die Vereinigten Staaten 1993
zunächst bestenfalls indirekt an einer Einleitung von
Verhandlungen beteiligt. Ihre vermittelnde Tätigkeit
wurde im Zuge der Fortsetzung des eingeleiteten
Prozesses zunehmend wichtiger. Wie bei vielen
anderen Vermittlungsbestrebungen ist die Arbeit
noch lange nicht getan, und man weiß nie, ob die
Errungenschaften des vergangenen Jahres nicht
einmal wieder rückgängig gemacht werden.
Beim Verhältnis zwischen Israel und Jordanien
waren die Vereinigten Staaten ein zentraler Faktor,
und auch zwischen Israel und Syrien griffen sie
vermittelnd ein, als Syrien nach dem Zusammenbruch der früheren Sowjetunion ihre Schutzmacht
verloren und Interesse an Friedensgesprächen
bekundet hatte.
Im Baltikum ermöglichte Amerika den Abschluß des
russischen Rückzugs aus den baltischen Staaten
und trug insbesondere zur Beseitigung verbleibender
Schwierigkeiten zwischen Rußland und Estland bei.
Durch die Vermittlung zwischen Rußland und der
Ukraine erzielten die Vereinigten Staaten eine
Umkehr des Prozesses der Weiterverbreitung von
Atomwaffen: Ein ehemals im Besitz von Atomwaffen
befindliches Land verzichtete freiwillig auf diese
Waffen, ohne daß ein einziger Schuß fiel. Dies lag
im Interesse der beteiligten Länder, Amerikas und
der ganzen übrigen Welt.
Die von Amerika übernommene Rolle im Nordirlandkonflikt führte zu einem Waffenstillstand, der
mit jedem weiteren Tag dauerhafter wird und nach
anfänglicher Kritik auf Seiten britischer und amerikanischer Journalisten, Politiker und Bürokraten jetzt
breite Zustimmung findet.
Im Fall von Griechenland und Makedonien unternahmen die Vereinigten Staaten den Versuch,
Abkommen über eine Beendigung des griechischen
Embargos auszuhandeln und eine Anerkennung von
Makedonien durch die EG (jetzt EU) zu ermöglichen.
Ohne daß für sie direkt etwas auf dem Spiel stand,
bewältigten die Vereinigten Staaten geschickt eine
lange Liste großenteils symbolischer Fragen und
erreichten eine Annäherung der Parteien. Ferner
trugen sie zur Anerkennung Makedoniens als
unabhängigem Staat bei. Hier handelt es sich um
einen Fall präventiver Vermittlung: Die Vermeidung

AMERIKA DIENST 33

von Konflikten, bevor sie überhaupt auftreten, was
oftmals die beste Art von Vermittlung ist.
Die Entwicklungen in Nordkorea 1994 sind ein
Beispiel für Vermittlung im eingegrenzten Sinn, die
durch andere Mittel ergänzt wurde und Bestandteil
eines vielschichtigen außenpolitischen Ansatzes ist.
In Haiti war nicht Vermittlung, sondern die Drohung
mit militärischer Stärke der wichtigste Auslöser für die
Aufgabe der haitianischen Generäle. Hier fand keine
Vermittlung zwischen zwei anderen Staaten statt,
sondern der ehemalige Präsident Jimmy Carter
vermittelte zwischen Haiti und den Vereinigten
Staaten. Es handelt sich um einen Grenzfall, bei
dem die Vermittlung einen Beitrag leistete, die
Vereinigten Staaten jedoch nicht ihre neue Rolle als
Vermittler in der Zeit nach dem Kalten Krieg ausübten.
Zwei Herausforderungen
Die These, daß die Vereinigten Staaten klug ihre
Rolle als internationaler Friedensstifter durch Vermittlung statt auf der Spitze von "Peacemakers" genannten Raketen entwickeln, muß zwei Fragen ansprechen. Welche Beziehung besteht zwischen Vermittlung und anderen Instrumenten der Außenpolitik, weil
niemand behauptet, dies sei das einzige Instrument?
Und welche Beziehung besteht zwischen Vermittlung
und elementarer Gerechtigkeit, weil Vermittlung die
Lösung des Konflikts anstrebt, selbst wenn es die
Beschwichtigung von Tyrannen bedeutet - eine
Frage, die durch Präsident Carters Bemühungen auf
diesem Gebiet aufgeworfen wurde?
Vermittlung ist eindeutig Teil eines Pakets von
Instrumenten, die ineinander übergreifen. Die Vermittlung in Korea (und Carters Rolle in Haiti) wäre
wahrscheinlich nicht möglich gewesen, wenn ihr nicht
die implizite Androhung von Gewalt und Wirtschaftssanktionen vorausgegangen wäre. Und dasselbe gilt
auch andersherum: Wenn die Vermittlerrolle nicht
erfolgreich gewesen wäre, hätten die Vereinigten
Staaten Gewalt anwenden oder Sanktionen verhängen müssen, auch wenn sie aus zahlreichen Gründen
nicht dazu geneigt gewesen wären. Der Punkt ist
jedoch nicht, daß man Vermittlung zum einzigen
Instrument der Außenpolitik machen kann oder sollte,
oder daß es keine nützliche Interaktion zwischen
diesen Instrumenten gibt, sondern, daß dieses
besondere Instrument angesichts der neuen globalen
Situation und der innenpolitischen Erfordernisse der
Vereinigten Staaten sehr viel mehr Beachtung
erfahren sollte.
Die Sorge um Gerechtigkeit ist sehr viel ärgerlicher.
Studien über Scheidungen ergeben, daß die Einigung

Seite 3

�sehr viel weniger schmerzlich, sehr viel billiger, aber
häufig unfair gegenüber Frauen ist, wenn die Paare
Vermittler und nicht die Gerichte aufsuchen. (Männer verweigern den Müttern oft das Sorgerecht für
die Kinder, das die Mütter im allgemeinen besorgt
anstreben, bis die Männer günstige wirtschaftliche
Konditionen erhalten). Entsprechend wurde argumentiert, die Vermittlungsbestrebungen im Falle
Nordkoreas enthielten zu viele Konzessionen an
einen Tyrannen. Beobachter, die sich dieser Falle
bewußt sind, müssen jeden Fall gesondert prüfen.
Im großen und ganzen hat jedoch eine friedliche
Lösung einen hohen Wert, und wenn die Kosten auf
das Prestige (oder das "Gesicht wahren") begrenzt
sind, scheinen sie in der Regel ihren Preis wert zu
sein.

che von periphärer Bedeutung: Die weltweite Konfrontation zwischen den Supermächten, eine Konfrontation, in der die entscheidenden politischen
Instrumente der Vereinigten Staaten die Abschrekkung der Arsenale nuklearer und konventioneller
Waffen, militärische Auslandshilfepakete, der amerikanische Geheimdienst CIA und andere verdeckte
Operationen, massive Wirtschaftshilfe und ideologische Kriegführung waren. Darüber hinaus waren alle
Vermittlungsbestrebungen für gewöhnlich so strukturiert, daß sie - nicht einmal indirekt - das Hauptziel
der "Eindämmung" des Kommunismus und der
Unterstützung der sogenannten freien Wert nicht
unterminierten. In diesem Zusammenhang wurde der
direkte Umgang mit - beispielsweise Syrien - nicht
ernsthaft in Erwägung gezogen, weil Syrien ein
sowjetischer Vasall war.

Vermittlung im historischen Kontext
Vermittlung ist natürlich ein jahrhundertealtes außenpolitisches Instrument und spielte auch während des
Kalten Krieges eine Rolle. Zu jener Zeit wurde es
jedoch anders angewandt und nahm eine wesentlich
weniger zentrale Rolle ein. Vermittlung während des
Kalten Krieges erfolgte häufig unter den Supermächten stellvertretend für ihre Vasallen. Als die Differenzen zwischen Syrien und Israel diskutiert wurden,
vollzog sich ein Großteil der Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten
eher zwischen zwei Parteien als mit Hilfe der von
einer dritten Partei bereitgestellten Vermittlerrolle.
Die Vermittlung unter Ländern innerhalb desselben
Blocks kam der Norm näher, wie durch die Vereinbarung von Camp David anschaulich belegt ist.
Aber auch hier standen die Erwägungen von Supermächten im Hintergrund - beispielsweise, wie
Konflikte unter Nationen in einem Block verhindert
werden können, damit gegenüber dem anderen
Block eine einheitliche Front gebildet werden konnte,
oder wie Konflikte zwischen den Mitgliedern eines
Blocks und blockfreien Nationen verhindert werden
könnten, damit man sie nicht zu dem anderen Block
drängt. Und obwohl Vermittlung stattfand, ruhte das
Fundament der "Weltordnung" auf den Beziehungen
zwischen den Supermächten.
Diese frühere Ära zeichnete sich aus durch die
Pendeldiplomatie Henry Kissingers im Nahen Osten,
und Präsident Carter trug direkt zur Aushandlung
des Vertrags zwischen Israel und Ägypten bei. In
der Tat hatten diese frühen Vermittlungsbestrebungen ähnlich attraktive Züge:
Geringes Risiko,
begrenzte wirtschaftliche Kosten und beträchtlichen
humanitären und politischen Nutzen.
Dennoch
wurden sie damals wie heute als vornehmlich für
Länder innerhalb des westlichen Orbits relevante
Nebenvorstellungen oder diplomatische Bestrebungen angesehen. Daher waren sie für die Hauptsa-

Seite 4

Mit anderen Worten: Die Rolle des Vermittlers wurde
nicht als maßgebliche internationale Rolle für die
Vereinigten Staaten erachtet, und die Architekten der
Außenpolitik legten dies auch nicht nahe.
Die
Vereinigten Staaten waren eine Supermacht, die
einer anderen Supermacht feindlich gegenüberstand,
nicht ein weltenbummelnder Makler friedlicher Lösungen. In der neuen Ordnung nach dem Kalten Krieg
(oder in Ermangelung einer solchen) kann Vermittlung - echte Vermittlung, die großenteils frei von
äußeren Erwägungen ist - eine sehr viel zentralere
Rolle spielen.
Die Einbeziehung der Vermittlung als wichtiges
Element der amerikanischen Außenpolitik ist in einer
Periode besonders angebracht, in der die Vereinigten
Staaten versuchen, ihr eigenes Haus in Ordnung zu
bringen. Die Konzentration hierauf nützt den Vereinigten Staaten, weil die Kosten der Vermittlung sehr
viel niedriger sind als die mit Interventionen wie
denen in Somalia und Haiti einhergehenden. Da
Vermittlung auch sehr viel weniger dramatisch ist,
lenkt sie den Präsidenten und das Land weniger von
ihren innenpolitischen Missionen ab. Darüber hinaus
sollte festgestellt werden, daß im Land keine breite
Unterstützung für eine aktivistischere Außenpolitik
besteht. Gleichzeitig herrscht das Gefühl zugunsten

einer bestimmten Form von internationalem Engagement vor. Verfechter der reinen Realpolitik möchten
vielleicht nur handeln, wenn die nationalen Interessen
der Vereinigten Staaten direkt betroffen sind, aber im
Zeitalter der Massenkommunikation spielt die öffentliche Meinung eine wichtige Rolle in den internationalen Beziehungen, und die idealistische Seite der
öffentlichen Meinung - die Facetten der öffentlichen
Psychologie, die ihren Ausdruck in den Rufen nach
Hilfe für die Menschen in Ruanda und nach Verteidigung des belagerten Bosnien fanden - kann nicht
ignoriert werden. Vermittlung ist eine konstruktive

AMERIKA DIENST 33

�Antwort auf diese mitfühlende Seite der amerikanischen Natur.
Zweifelsohne ist es keine vollständige Antwort. Die
Erfüllung der außenpolitischen Ziele und Ideale der
Vereinigten Staaten erfordert, daß sie weiterhin ihre
Führungsrolle zur Stärkung des Völkerrechts durch
die Beteiligung an den Vereinten Nationen und
verschiedenen anderen internationalen und regionalen Bündnissen beitragen. Sie müssen auch in
Zukunft den Abbau von Schranken unter Nationen
ermutigen und ein wichtiger Faktor bei der Aushandlung internationaler Handelspakte bleiben. Wo das
Wohlergehen ihrer Bürger oder lebenswichtige

*

AMERIKA DIENST 33

Interessen bedroht sind, müssen die Vereinigten
Staaten bereit sein, Macht nach außerhalb ihrer
Grenzen zu projizieren. Und wo die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Demokratisierung existieren,
könnten die Vereinigten Staaten vorsichtig versuchen,
bei ihrer Entwicklung behilflich zu sein, obwohl sie wenn sie dies tun - es mit mehr Bescheidenheit und
Ernsthaftigkeit tun müssen als in der Vergangenheit.
Der Erfolg wird leichter erzielt, wenn die Vermittlung,
für die sich die Vereinigten Staaten bereits mit
beträchtlichem Erfolg auf der ganzen Welt engagieren, die Anerkennung und Aufmerksamkeit erhält, die
ihr gebührt.

* * *

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
6. Dezember 1995

Die amerikanisch-europäischen Wirtschaftsbeziehungen
- der neue transatlantische Markt
Übersicht des Weißen Hauses
MADRID - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom Büro des Pressesprechers des Weißen Hauses
am 3. Dezember 1995 in Madrid herausgegebene Übersicht.

Beim Gipfel der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union am 3. Dezember 1995 in Madrid
starteten Präsident Clinton, Ministerpräsident Gonzalez und EU-Kommissionspräsident Santer die im Juni
bei amerikanisch-europäischen Gipfel vereinbarte
transatlantische Initiative. Sie verabschiedeten eine
neue transatlantische Agenda, um die transatlantischen Beziehungen vom Stadium der Konsultationen
zu dem gemeinsamer Aktionen bei einer Vielzahl
von Fragen zu führen. Dies ist ein Bestandteil der
Bestrebungen des Präsidenten zur Bewältigung der
nach dem Ende des Kalten Krieges gegebenen
Herausforderungen, einschließlich der Notwendigkeit
zur Schaffung einer starken transatlantischen Gemeinschaft demokratischer Marktwirtschaften. Der
neue transatlantische Markt ist eine Schlüsselkomponente dieser Bestrebungen. Er wird nicht nur die
transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen stärken,
sondern im Vorfeld der für 1996 in Singapur anberaumten WTO-Ministertagung auch die Weichen für
eine weitere multilaterale Handelsliberalisierung
stellen.
Der neue transatlanische Markt gründet auf starken
Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Europäischen Union.
1994 exportierten die Vereinigten Staaten Waren
im Wert von 108 Milliarden Dollar in die EU, die
wiederum im Wert von 119 Milliarden Dollar in
die Vereinigten Staaten exportierte.
Ferner
erreichte der Handel im Dienstleistungsbereich 50
Milliarden Dollar in jeder Richtung.
Nahezu die Hälfte aller Auslandsinvestitionen
amerikanischer Unternehmen - 225 Milliarden
Dollar - werden in Europa getätigt. Fast 60
Prozent der Investitionen europäischer Firmen oder 237 Milliarden Dollar - fließen in die Vereinigten Staaten.

AMERIKA DIENST 33

Diese ausgeglichenen transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen stellen 14 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten und Europa.
Europäische Unternehmen beschäftigen 3 Millionen amerikanischer Arbeitnehmer, und einige
Analysten schätzen, daß die Löhne und Gehälter
dieser Arbeitnehmer um 18 Prozent höher liegen
als bei den durchschnittlichen amerikanischen
Arbeitsplätzen. Da bereits amerikanische Waren
und Dienstleistungen von mehr als 150 Milliarden
Dollar über den Atlantik hinweg exportiert werden,
könnte sogar ein einprozentiger Exportanstieg
20.000 neue amerikanische Arbeitsplätze schaffen.
Die Erschließung von Märkten in Europa ist ein
wesentlicher Bestandteil der allgemeinen internationalen Wirtschaftspolitik der Clinton-Administration.
Diese Initiative wird nicht nur die Hindernisse für den
transatlantischen Handel abbauen, sondern auch zur
Integration der beiden Volkswirtschaften beitragen,
die zusammen mehr als die Hälfte des Welthandels
abwickeln. Im besonderen werden sich die Vereinigten Staaten und Europa in folgenden Bereichen
auf konkrete Schritte einigen:
Vereinbarungen über gegenseitige Anerkennung.
Die Vereinigten Staaten und die EU werden auf den
Abschluß von Abkommen im nächsten Jahr hinarbeiten, mit denen die Erprobung und Genehmigung
von Produkten in einer Reihe von Sektoren anerkannt
wird. Das wird amerikanischen Firmen gestatten, ihre
Produkte in Europa nach einem einzigen Labortest
zu verkaufen, statt sie den gleichen teuren Testverfahren in Europa unterziehen zu müssen. Die
amerikanische Computer-, Telekommunikations- und
Bürogeräteindustrie schätzt, daß sie dank eines
Abkommens über die gegenseitige Anerkennung
jedes Jahr über 1 Milliarde Dollar einsparen könnte.

Seite 1

�Transatlantische Informationsgesellschaft. Um
unsere Volkswirtschaften in eine transatlantische
Informationsgesellschaft zu integrieren, werden wir
Verhandlungen zu einem Abkommen über Informationstechnologie in die Wege leiten, das Zölle für
Informationsprodukte abbauen und die Entwicklung
einer globalen Informationsinfrastruktur unterstützen
soll. Die Industrien werden nicht länger die Entscheidung zu treffen haben, wo sie aufgrund unterschiedlicher Zölle nach Produkten suchen sollen.
Dies ist ein zunehmend wichtiger Teil der amerikanischen und der Weltwirtschaft. Die Computer- und
Halbleiterindustrien stellen zusammen Arbeitsplätze
für über 1,25 Millionen Amerikaner. Im Jahr 1994
exportierten die Vereinigten Staaten Halbleiter,
Computer, Software und Telekommunikationsgerät
im Wert von 18,5 Milliarden Dollar in die EU. Dies
entspricht mehr als 17 Prozent der amerikanischen
Gesamtexporte in die EU.
Staatliche Beschaffung. Der potentielle staatliche
Beschaffungsmarkt in Ländern, die das neue staatliche Beschaffungsprogramm der WTO noch nicht
unterschrieben haben, beläuft sich schätzungsweise
auf Hunderte Milliarden Dollar. Als Teil der neuen
Initiative zum transatlantischen Markt werden die
Vereinigten Staaten und die EU an mehreren Fronten auf die größere Liberalisierung der staatlichen
Beschaffungsmärkte weltweit hinarbeiten. Wir haben
uns zur Zusammenarbeit verpflichtet, um alle WTOMitglieder von der Übernahme multilateraler Handelsdisziplinen bei staatlicher Beschaffung zu
überzeugen. Darüber hinaus werden die Vereinigten

Staaten und die EU weiterhin auf bilateraler Ebene
auf die erweiterte Abdeckung durch die WTO über
die bereits vereinbarten Möglichkeiten in Höhe von
200 Milliarden Dollar hinaus hinarbeiten.
Zollsenkungen. Die Vereinigten Staaten und die EU
werden die Möglichkeit sondieren, der beschleunigten
Umsetzung der in der Uruguay-Runde vereinbarten
und weiterer Zollsenkungen zuzustimmen. Derzeit
betragen die Zölle in den Vereinigten Staaten und der
EU durchschnittlich 3 - 4 Prozent, in einigen Sektoren
gibt es jedoch beträchtliche europäische Zölle. Die
EU-Zölle auf Aluminiumprodukte belaufen sich
beispielsweise weiterhin auf 7 Prozent.
Gemeinsame Studien. Die Vereinigten Staaten und
die EU werden im Laufe des nächsten Jahres eine
gemeinsame Studie über Hemmnisse für den transatlantischen Handel und mögliche Optionen für ihren
Abbau erstellen. Beim Gipfel im kommenden Jahr
werden die Staats- und Regierungschefs ihre in
dieser Studie enthaltenen Empfehlungen bezüglich
der nächsten Schritte überprüfen.
Multilaterale Koordinierung. Wir werden unsere
Bestrebungen zur Erlangung eines multilateralen
Abkommens über Investitionen in der OECD und ein
Abkommen über Telekommunikationsdienstleistungen
in der WTO koordinieren.
Präsident Clinton und die Staats- und Regierungschefs der EU werden die Fortschritte zu diesen Zielen
bei ihrem Treffen im nächsten Jahr überprüfen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 33

�MENSCHENRECHTE
6. Dezember 1995

USA appellieren an Nationen zur
Einhaltung der Menschenrechte
Rede von Botschafterin Albright
VEREINTE NATIONEN - (AD) - In ihrer Rede vordem Dritten Ausschuß der UN-Generalversammlung, der sich
mit Menschenrechtsfragen befaßt, gab die Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen,
Madeleine Albright, am 28. November 1995 einen Überblick über die Menschenrechtssituation auf der Welt
und stellte fest, in einer Reihe von Ländern würden die international anerkannten Menschenrechte nicht
ausreichend respektiert. Die Vereinigten Staaten appellierten an alle Regierungen, die Allgemeine Erklärung
der Menschenrechte einzuhalten und die Würde ihrer Bürger zu achten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, in diesem Jahr feiern wir das
50jährige Bestehen der Vereinten Nationen und ihrer
Gründungscharta. In der Präambel dieser Charta
bekräftigen alle Nationen ihren "Glauben an die
Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der
menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau."
Damit übernimmt jede Nation die Verpflichtung, den
ihrer Rechtsprechung Unterstehenden diese Grundrechte nicht zu versagen - weder in den Gesetzeswerken noch in der Praxis. Die Charta läßt keine
Ausnahmen zu. Es gibt keine historischen, kulturellen oder wirtschaftlichen Gründe oder ein souveränes Vorrecht, die es entschuldigen oder zulassen,
den Menschen seiner Würde zu berauben.
Als Mitglieder dieser Organisation haben unsere
Regierungen das universelle und unveräußerliche
Wesen der Menschenrechte anerkannt. Aber die
Ausübung dieser Rechte ist nicht möglich in Abwesenheit von politischer Freiheit.
Die Allgemeine Erklärung stipuliert, "der Wille des
Volkes soll die Grundlage der Regierungsbefugnis
sein. Diesem Willen soll in regelmäßigen und
echten Wahlen, durch universelles und gleichberechtigtes Wahlrecht und geheime Stimmabgabe Ausdruck verliehen werden."
Meine Regierung hat seit vielen Jahrzehnten und in
vielen Foren das Argument vorgebracht, daß demokratische Prinzipien nicht nur den einzelnen schützen, sondern wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt
beschleunigen. Menschen, die frei sind zu denken,

AMERIKA DIENST 33

Ideen auszutauschen und ihre Energien sowie ihr
Kapital zu investieren, werden mehr zu einer Gesellschaft beitragen als diejenigen, die unterdrückt sind.
Die Macht dieses Arguments und seine Wahrheit
werden heute in den aufstrebenden Demokratien der
Welt offenkundig.
Bedauerlicherweise ist dieser Trend zu Demokratie,
obwohl weitverbreitet, nicht universell. Viele Regierungen verlassen sich auch weiterhin für ihre Befugnis nicht auf die Zustimmung der Regierten, sondern
auf Zwang. Burma ist ein Beispiel.
Hier stehen die Regierungsbehörden vor einer
historischen Entscheidung zwischen der andauernden
Verweigerung von Grundrechten und der Bewegung
zu Demokratie. Es ist ermutigend, daß die Regierung
dem Wunsch nach internationaler Achtung, ausländischen Investitionen, Tourismus und demokratischen Reformen Ausdruck verleiht. Es ist ermutigend, daß die Regierung im vergangenen Jahr eine
Reihe politischer Gefangener, darunter die Nobelpreisträgerin und Anführerin der Demokratiebewegung, Aung San Suu Kyi, freigelassen hat.
Es ist jedoch äußerst entmutigend, daß die Regierung bisher keinen ernsthaften politischen Dialog mit
Aung San Suu Kyi und anderen Vertretern der
Demokratiebewegung sowie ethnischen Gruppen
aufgenommen hat. Es ist entmutigend, daß die zum
Entwurf einer neuen Verfassung aufgeforderte
Nationalversammlung nicht repräsentativ für das
burmesische Volk ist. Und es ist entmutigend, daß
die Regierung so wenig getan hat, um die durch ihre
bisherigen und aktuellen Maßnahmen für politische

Seite 1

�und soziale Freiheit verursachte Angst und Unterdrückung zu beenden.
In diesem Jahr wird meine Regierung die Generalversammlung drängen, ihre Unterstützung für
Demokratie und Achtung international anerkannter
Menschenrechte in Burma in klaren und zwingenden
Formulierungen zu wiederholen. Die Versammlung
sollte die Freilassung der verbliebenen politischen
Gefangenen, ein Ende der Folterungen, ein Ende
von Zwangsarbeit und ein Ende von Verschleppungen und Ermordungen von Zivilisten durch das
Militär fordern.
Die Regierung von Burma hat die Wahl. Und die
internationale Staatengemeinschaft hat die Wahl.
Wir müssen uns zur Ermutigung Burmas entscheiden, eine kluge Wahl zu treffen: Den leichten, aber
letztlich katastrophalen Kurs des Status quo aufzugeben und den Weg zu Demokratie zu beschreiten.
Die Freilassung von Aung San Suu Kyi bietet
zumindest die Hoffnung, daß sich in Burma - mit
ausreichendem internationalen Interesse und Unterstützung - die Menschenrechtssituation verbessern
wird. Im Hinblick auf den Irak ist es sehr viel schwerer, Anlaß zu Hoffnung zu haben. Die Politik von
Saddam Hussein hat sich nicht geändert - seine
Übergriffe auf das irakische Volk dauern ebenso an
wie seine Lügen gegenüber der Welt.
Seit Jahren haben die Irakis geleugnet, daß sie je
ein Programm zur Herstellung biologischer Kampfstoffe besaßen. In diesem Jahr erfuhren wir, daß
sie genug Anthrax und Botulin produziert hatten, um
alle Menschen der Welt umzubringen - und daß sie
vor dem Golfkrieg Artilleriegeschosse mit diesen
todbringenden Giften bestückt hatten. Einer der
größten Dienste, den die Vereinten Nationen im
Namen der Menschenrechte erbringen können, ist
die Gewährleistung, daß dem Irak nie wieder die
Herstellung von Massenvernichtungswaffen gestattet
wird.
Die Gesetzlosigkeit des Regimes in Bagdad hat das
Leben vieler Menschen im Ausland gefordert, aber
die jüngsten Opfer waren in unmittelbarer Nachbarschaft zu beklagen. Während Saddam Hussein
seine Ressourcen für Paläste für sich und seine
Vettern verschwendet, muß das irakische Volk
leiden.
Das irakische Regime hat die Resolutionen des
Sicherheitsrats abgelehnt, die speziell für den
Erwerb humanitärer Hilfsgüter formuliert wurden. Es
inhaftiert, foltert und exekutiert weiterhin Dissidenten
und diejenigen, die oppositioneller Gedanken ver-

Seite 2

dächtigt werden. Im Norden blockiert es weiterhin
Hilfslieferungen. Im Süden hat es 90 Prozent der
Marschen zerstört und 80 Prozent der Bevölkerung
ermordet oder ins Exil vertrieben. Und in dem
vergeblichen Bestreben, seine unsägliche Bilanz vor
der Welt zu verstecken, verweigert es dem Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen nach wie vor
die Einreise.
Der Irak weiß, was er tun muß, um der Gemeinschaft
zivilisierter Nationen erneut beizutreten. Das Land
muß die relevanten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, einschließlich Resolution 688, einhalten und die
Unterdrückung seines Volkes beenden.
Der Irak ist nicht das einzige Land in der Region, das
kontinuierliche und gravierende Verletzungen international anerkannter Menschenrechte begeht. Seit
Jahren hat der Iran ähnliche Besorgnis hervorgerufen. Trotz Teherans Bestrebungen, seine Menschenrechtsverletzungen zu verdecken, wurden wiederholte
Fälle von Folterung, Massenexekutionen, willkürlichen
Verhaftungen, unerklärlichen Verschleppungen, das
Fehlen ordentlicher Gerichtsverfahren, die Unterdrückung bürgerlicher Freiheiten und der Religionsfreiheit bekannt. Darüber hinaus wurde dem Sondervertreter der Vereinten Nationen für die Menschenrechte im Iran seit 1991 kein Besuch gestattet.
Die Vereinigten Staaten fordern den Iran auf, die
Unterdrückung des iranischen Volkes zu beenden
und einen Besuch des neuen UN-Sondervertreters zu
gestatten.
In einer Reihe von Ländern, darunter Kuba, sind die
Vereinigten Staaten weiterhin besorgt über den
Mangel an Demokratie und Respektierung international anerkannter Menschenrechte. Das CastroRegime ist heute die einzige Regierung der westlichen Hemisphäre, die ihren Bürgern die Grundrechte der Versammlungs-und Redefreiheit verweigert.
Es gibt immer noch politische Gefangene, oppositionelle politische Aktivitäten sind immer noch verboten,
unabhängige Organisationen werden immer noch
schikaniert und die Kubaner werden weiterhin ohne
Grund verhaftet.
Der UN-Hochkommissar Ayala Lasso stattete Kuba
vergangenes Jahr einen Besuch ab, der jedoch nicht
zu einer allgemeinen Verbesserung der Menschenrechtssituation führte. Im April verurteilte ein Militärgericht den führenden Menschenrechtler Francisco
Chaviano wegen falscher Anschuldigungen zu 15
Jahren Gefängnis. Und Kuba verweigert einem UNSonderberichterstatter für Menschenrechte weiterhin
die Einreise.

AMERIKA DIENST 33

�Damit Kuba prosperieren und wachsen kann, sind
echte politische Reformen erforderlich. Dazu ist eine
grundlegend veränderte Einstellung der Regierung
zu politischen und Menschenrechten erforderlich.
Meine Regierung würde einen solchen Wandel
begrüßen.

tum und eine internationale Führungsrolle nachkommt, und sie verdienen sie jetzt.

Wir rufen Kuba auf, das Recht auf die Gründung
politischer Parteien und unabhängiger Gewerkschaften anzuerkennen, Versammlungs- und Redefreiheit
zuzulassen, ordentliche Gerichtsverfahren zu respektieren, nationalen und internationalen humanitären
Gruppen die Inspektion von Gefängnissen zu gestatten und den UN-Sonderberichterstatter ins Land zu
lassen.

Im vergangenen Jahr gab es zunehmend Berichte
über Sklaverei und Zwangsarbeit von Frauen und
Kindern, die rassischen, ethnischen und religiösen
Minderheiten angehören. Wir haben Informationen
darüber, daß die Greueltaten gegen Einheimische
intensiviert wurden.
Wir wissen von wahllosen
Luftangriffen gegen zivile Ziele. Wir haben gehört,
daß unbegleitete Minderjährige für den Militärdienst
verpflichtet werden. Und wir hören nichts von Untersuchungen - wie sie meine Regierung heute zum
wiederholten Male fordert - des Mordes an Sudanesen, die für ausländische Hilfsorganisationen und
Regierungen arbeiteten.

Nigeria ist ein weiteres Land, in dem ein grundlegender Wandel bei der Haltung der Regierung gegenüber den Menschenrechten erforderlich ist. Die
Hinrichtung des Umweltschützers und Menschenrechtlers Ken Saro-Wiwa und acht weiterer Menschen am 10 November war - maskiert als gesetzliche Handlung - ein gesetzloser Akt eines Regimes,
das den Zweck von Gesetzen mißversteht. Die
Opfer wurden nicht in einem ordentlichen Gerichtsverfahren verurteilt, hatten keinen angemessenen
Zugang zu Rechtsbeistand, und die elementaren
Rechte eines ordentlichen Gerichtsverfahrens
wurden ihnen verweigert.
Obwohl diese Hinrichtungen ungewöhnlich viel
öffentliche Aufmerksamkeit erregten, waren es - im
heutigen Nigeria - keine ungewöhnlichen Ereignisse.
Frühere Regierungen führten Nigeria zu internationaler Berühmtheit und gewannen für ihr Land den
Respekt der Region und der Welt. Die heutige
Regierung ist nicht gewillt, diese Normen einzuhalten.
Statt das nigerianische Volk zu respektieren, beteiligt
sich die Regierung an Mißbrauch in vollem Umfang,
einschließlich willkürlicher Festnahmen, Folter, der
Verfolgung von Menschenrechtsbeobachtern, dem
Verbot politischer Aktivitäten der Opposition sowie
Beschränkungen der Rede- und Versammlungsfreiheit. Ferner unterminierte die Regierung systematisch die Glaubwürdigkeit, Fairness und Effektivität der nigerianischen Justiz.
Meine Regierung ruft die Regierung Nigerias zur
umgehenden Wiederherstellung der zivilen demokratischen Herrschaft und Achtung von Menschenrechten durch die Freilassung politischer Gefangener, Wiedereinführung der Habeascorpusakte,
Aufhebung der Beschränkungen politischer Aktivitäten und Garantie der Meinungs- und Koalitionsfreiheit auf. Die Nigerianer verdienen eine Regierung, die den Anforderungen an nationales Wachs-

AMERIKA DIENST 33

Die Regierung des Sudan verletzt auch weiterhin auf
eklatante Weise die international anerkannten Menschenrechte.

Der einzige Silberstreifen am Horizont der Menschenrechtssituation im Sudan war im August die
Freilassung einer Anzahl politischer Gefangener
sowie die von der Regierung bekundete Absicht, im
nächsten Jahr freie Wahlen abzuhalten.
Der Bürgerkrieg im Sudan ist eine andauernde
Tragödie, bei der keine der Splittergruppen die
grundlegenden Menschenrechte des sudanesischen
Volkes ernst nimmt. Jetzt ist für die Regierung und
die Oppositionsführer der Zeitpunkt zur Beilegung
ihrer Differenzen auf der Grundlage von Dialog,
Demokratie und Anstand gekommen. Wenn sie dazu
bereit sind, wird die internationale Völkergemeinschaft
ihnen helfen; andernfalls werden wir sie weiterhin
verurteilen.
Die Menschenrechtspraktiken der chinesischen
Regierung sind für die Vereinigten Staaten schon seit
langem ein Anlaß zur Sorge, insbesondere die
Aktionen zur Einschränkung des friedlichen Ausdrucks abweichender politischer, sozialer und religiöser Anschauungen. Diese Rechte werden in der
Allgemeinen Menschenrechtserklärung
konkret
aufgeführt. In diesem Zusammenhang sind viele
Amerikaner zutiefst betroffen über die vor kurzem
erfolgte offizielle Festnahme des bekannten und seit
langer Zeit festgehaltenen Dissidenten Wei Jingsheng.
Wir erwarten von der chinesischen Regierung konkrete Schritte zur Einhaltung der internationalen
Menschenrechtsnormen, einschließlich der Freilassung derjenigen, die lediglich festgenommen wurden,
weil sie ihren Ansichten auf friedliche Weise Ausdruck
verliehen und das einzigartige kulturelle, sprachliche
und religiöse Erbe Tibets erhalten wollen.

Seite 3

�Menschenrechtsfragen sind Gegenstand eines
ständigen offiziellen und inoffiziellen bilateralen
Austauschs zwischen meiner und der chinesischen
Regierung. Obwohl der Dialog unterbrochen wurde,
hoffen wir, daß er angesichts der jüngsten Gespräche zwischen unseren beiden Präsidenten bald
wiederaufgenommen wird.
Herr Vorsitzender, in den letzten Jahren ist in
zahlreichen Regionen der Welt wiederaufgetaucht,
was historisch als "Nationalitätenproblem" bezeichnet
wird. Die Ausbeutung ethnischer und nationalistischer Leidenschaften hat zu blutigen Konflikten in
Bosnien, Ruanda, Liberia, dem Kaukasus und
andernorts geführt. Die Opfer dieser Konflikte sind
oftmals nicht diejenigen, die für den Krieg ausgebildet wurden und darauf vorbereitet waren, sondern
Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, mit
denen nicht aufgrund dessen, was sie taten, sondern
aufgrund dessen, wer sie sind, Mißbrauch getrieben
wird.
In Ruanda und Burundi werden diplomatische
Bestrebungen unternommen, um erneute ethnische
Konflikte zu verhindern. Der Erfolg wird teilweise
von der Bereitschaft der beteiligten Regierungen
abhängen, Sicherheitsanforderungen mit Respektierung der Menschenrechte und Dialog in Einklang zu
bringen. Ferner wird er davon abhängen, ob die
Politiker und die Bevölkerung im allgemeinen Gewalt
als die Sackgasse ablehnen, die sie ist und in gutem
Glauben Bestrebungen zur Beilegung von Streitigkeiten mit friedlichen Mitteln unternehmen.
Im ehemaligen Jugoslawien wurde ein Durchbruch
erzielt. Im Falle seiner Umsetzung wird das letzte
Woche paraphierte Friedensabkommen die schrecklichsten Menschenrechtsverletzungen beenden, die
seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem
europäischen Kontinent stattfanden.
Gemäß dem Abkommen sollen die Rechte der
Menschen in Bosnien und Herzegowina verfassungsmäßig anerkannt und von einem MenschenrechtsOmbudsmann sowie einem außerordentlichen Menschenrechtsgerichtshof geschützt werden. Die im
Zusammenhang mit dem Konflikt in Gefängnissen
oder Arbeitslagern Festgehaltenen sollen freigelassen werden. Alle Parteien stimmen der Zusammenarbeit mit dem Internationalen Roten Kreuz, den
Organen der Vereinten Nationen und den Organisationen zur Überwachung der Menschenrechte zu.
Es wird ein Ausschuß für Flüchtlinge und Vertriebene geschaffen, der kriegsbedingte Streitigkeiten
schlichten soll. Und jede Partei verpflichtet sich zur
umfassenden Zusammenarbeit bei internationalen
Ermittlungen und der Verfolgung von Kriegsverbrechen.

Seite 4

Herr Vorsitzender, zweimal in diesem Jahrhundert
wurden wir als direkte Konsequenz von nationalistischen Ausschreitungen und Haß von einem Weltkrieg
heimgesucht. Heute gibt es keine größere Kraft der
Instabilität und keinen größeren Grund für Menschenrechtsverletzungen als ethnische Gewalt und Intoleranz. Die Unverwüstlichkeit dieser giftigen Leidenschaften war das wichtigste Motiv für die Gründung
der Vereinten Nationen.
Wir alle sind stolz auf die Nation, der wir angehören.
Aber es ist ein Grundprinzip der zivilisierten Welt, daß
Loyalität gegenüber einer Nation nicht den Verrat an
universellen Werten rechtfertigt.
Die Gründerväter der Vereinten Nationen betrachteten ebenso wie die Gründerväter der Vereinigten
Staaten die Nation nicht als Selbstzweck, sondern als
Instrument von Gesetz, Gerechtigkeit, Freiheit und
Toleranz. Sie stimmten mit Goethe darin überein,
daß über den Nationen die Menschlichkeit steht,
sowie mit Diderot, daß es unter dem Joch der Tyrannei keine echte Staatsbürgerschaft und daher keine
echte Nation geben kann. Nach Ansicht Diderots ist
Nationalismus einbeziehend, nicht ausgrenzend. Das
ist beispielsweise der Unterschied zwischen der
echten Nation Südafrika von heute und dem Mutanten Südafrika der letzten Jahrzehnte.
Wenn wir die physiologischen, kulturellen und historischen Unterschiede respektieren, die uns trennen,
dürfen wir nie das gemeinsame Menschsein vergessen, das uns verbindet. Wir sind unterschiedliche
Völker, aber eine Spezies - eine Spezies, die sich
nicht nur durch ihre Fingerfertigkeit auszeichnet,
sondern auch durch die Fähigkeit, konzeptionell zu

denken, große Zivilisationen sowie Meisterwerke der
Kunst zu schaffen und über die Geheimnisse des
Lebens nachzudenken.
Die größte Kluft in der heutigen Welt besteht nicht
zwischen Ost und West, Nord und Süd, rechts oder
links, sondern zwischen denjenigen, die sich in
Gewohnheiten und Haß der Vergangenheit verstrickt
haben und denen, die die Zukunft gestalten wollen.
Demgemäß ruft meine Regierung alle Regierungen
auf:
Wir wollen alle Bestrebungen unterstützen, den lange
geplagten Regionen, einschließlich des Nahen
Ostens, Zentralafrikas und des ehemaligen Jugoslawien dauerhaften Frieden zu bringen.
Wir wollen alle die untrennbare Verbindung zwischen
menschlicher Entwicklung und menschlicher Freiheit
anerkennen.

AMERIKA DIENST 33

�Wir wollen alle die in der Charta der Vereinten
Nationen eingegangenen Verpflichtungen erfüllen.
Wir wollen uns an die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte halten.

Wir wollen die Würde unserer Bürger respektieren.
Und bei alledem wollen wir unserer gemeinsamen
Verantwortung für die Zukunft und die Kinder gerecht
werden, deren Erbe wir treu verwalten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 33

Seite 5

�TERRORISMUS
6. Dezember 1995

Das Zeitalter des Superterrorismus
von James Kitfield
(AD) - Der Autor befaßt sich mit dem neuen Potential des Einsatzes von nuklearen, chemischen und
biologischen Massenvernichtungswaffen durch Terroristen und Maßnahmen wie dem Nichtverbreitungsvertrag
(NW), der Chemiewaffenkonvention sowie diplomatischen und nachrichtendienstlichen Bestrebungen zur
Bekämpfung dieser Bedrohung. Das Gesetz über Terrorismusbekämpfung von 1995 ist ein umstrittener
Versuch zur Bewältigung des Terrorismusproblems in den Vereinigten Staaten und im Ausland.
Der Verfasser ist Redakteur beim Government Executive. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher
Genehmigung von Government Executive, Juli 1995. Copyright (c) 1995 National Journal, Inc. Alle Rechte
vorbehalten.

Die seit langem gehegte Befürchtung, daß Massenvernichtungswaffen von Terroristen gegen Zivilisten
eingesetzt werden könnten, wurde am 20. März
1995 Realität - dem Tag, an dem todbringendes
Nervengas in der Tokioter U-Bahn ausströmte.
Kurz nach dem Anschlag, bei dem 12 Menschen
getötet und über 5.000 verletzt wurden, klingelte das
Telefon in Dr. Frederick Sidells Büro beim Forschungsinstitut für chemische Verteidigung der USArmee in Aberdeen Proving Ground (Maryland).
Sidell, einer der führenden Experten der Welt auf
dem Gebiet der Behandlung von Opfern chemischer
Kriegführung, erfuhr, daß er zusammen mit Experten
des Zentrums für die Bekämpfung und Verhinderung
von Krankheiten entsandt würde, um den Opfern mit
medizinischer Beratung und Hilfe zur Seite zu
stehen.
In Tokio beriet er sich mit über 30 Ärzten, bestätigte,
daß der Wirkstoff des Nervengases tatsächlich das
todbringende Gas Sarin gewesen war und gelangte
zu einer düsteren Schlußfolgerung: Der Vorfall hätte
sehr viel schlimmer sein können. Ein anderer
hochrangiger Experte der Armee für nukleare,
biologische und chemische Waffen - die als Massenvernichtungswaffen eingestuft werden - formulierte es noch krasser: "Es hätte Tausende von Toten
geben können."
Ebenso wie die ersten Ermittler am Tatort nach dem
Bombenanschlag auf das World Trade Center 1993
und vor kurzem auf das Alfred P. Murrah-Bundesgebäude in Oklahoma City, erkannten die Terrorismusbekämpfungsexperten, daß in Tokio eine neue

AMERIKA DIENST 33

Dimension erreicht worden war. Alle drei Anschläge
deuten auf das Auftreten einer neuen und virulenteren Art von Terrorismus.
Der Bombenanschlag auf das World Trade Center
war der erste größere Anschlag internationaler
Terroristen auf amerikanischem Boden, und in
diesem Fall deckten die Ermittler Pläne von Terroristen auf, noch mehrere andere bedeutende Gebäude
in New York in die Luft zu sprengen, und Tausende
waren als Ziele erfaßt. "Der Bombenanschlag auf
das World Trade Center bewies, daß transnationale
Terrorgruppen die Vereinigten Staaten ins Visier
genommen haben", so Generalleutnant a.D. Robert
Schweitzer, ehemaliges Mitglied des Nationalen
Sicherheitsrats und jetzt beim Globalen Strategierat
der Vereinigten Staaten - einer Denkfabrik des
Geheimdienstes.
"Wir werden sie wiedersehen,
wahrscheinlich mit biologischen oder sogar Nuklearwaffen ausgerüstet."
Oklahoma City war der todbringendste Terroranschlag auf dem Boden der Vereinigten Staaten in
ihrer Geschichte und eine "entschiedene Abkehr" von
früheren Terroranschlägen in den Vereinigten Staaten, erklärt Mark Kennon, Terrorismusbekämpfungsexperte im US-Außenministerium.
Die früheren
Anschläge erfolgten für gewöhnlich mit Schußwaffen
oder Rohrbomben und hatten relativ wenige Opfer zu
Folge.
In seinem Jahresbericht "Muster des globalen Terrorismus" stellt das Außenministerium weltweit einen
offensichtlichen Trend zu noch destruktiveren Akten
des Terrorismus fest. Obwohl die Anzahl der Terror-

Seite 1

�anschlage beträchtlich gesunken ist, nimmt die
todbringende Wirkung solcher Anschläge zu. Der
Angriff auf die Tokioter U-Bahn und ein kleinerer,
weniger publik gemachter Nervengasanschlag in
Japan im Jahr zuvor stehen für eine besonders
schlimme Eskalation terroristischer Kriegführung:
Dem ersten Einsatz von Massenvernichtungswaffen.
Und "es wird noch schlimmer werden", prognostiziert
Marvis Cetron, Koautor des demnächst veröffentlichten Buchs Terrorismus 2000. The Future Face of
Terrorism, das im Auftrag des US-Verteidigungsministeriums geschrieben wurde. In dem Buch sagt
Cetron ein Zeitalter des "Superterrorismus" voraus,
in dem die Terroristen eine zunehmende Bereitschaft
und Fähigkeit zeigen, solche Massenvernichtungswaffen einzusetzen.
Experten sehen die böswillige Hand der Terroristen
und ihrer Agenten, die immer todbringendere Mittel
der Zerstörung sondieren. Kriminelle, die versuchen,
Nuklearmaterial aus der ehemaligen Sowjetunion
herauszuschmuggeln, wurden beispielsweise in den
vergangenen Jahren mindestens viermal abgefangen, und Quellen des Verteidigungsministeriums
zufolge sind iranische Agenten aktiv bestrebt,
Nuklearmaterial auf dem Schwarzmarkt in der
früheren Sowjetunion zu kaufen. Der Iran wird als
der weltweit aktivste Förderer ultragewalttätiger
Terrorgruppen wie der Hisbollah angesehen und soll
für den Bombenanschlag auf ein jüdisches Kulturzentrum in Buenos Aires im letzten Jahr verantwortlich sein, bei dem nahezu 100 Zivilisten getötet
wurden.
Wochen nach dem Anschlag von Tokio fanden
Arbeiter chemische Grundstoffe von Zyanid auf einer

Toilette des Tokioter Shinjuku-Bahnhofs. Wenn sie
nicht entdeckt worden wären, hätten die durch die
Reaktion der Grundstoffe freigesetzten Gase Tausende töten können. In der Zwischenzeit ermittelte
die Polizei in Columbus (Ohio) gegen einen Labortechniker und vermutliches Mitglied der um die
Vorherrschaft der Weißen kämpfenden Gruppe
Aryan Nation, der seine für die Firma ausgestellte
staatliche Lizenz benutzte, um illegal drei Phiolen mit
Beulenpest verursachenden Bakterien zu beschaffen.
"Weil die Beulenpest durch jemanden übertragen
werden kann, der einen nur anatmet, könnte ein
Terrorist mit einigen dieser Viren buchstäblich eine
Epidemie starten", erklärt ein Pentagon-Experte für
biologische Kriegführung. "Es steht außer Frage,
daß die Bedrohung zunimmt."

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Das Verbreitungsproblem
Die Bundesregierung hat eine massive Reaktion auf
die Bedrohung durch Superterrorismus mobilisiert.
Ihre wichtigsten Verteidigungswaffen sind Rüstungskontrollverträge und schärfere Kontrollen für waffenfähige Technologien und Material, die den Zugang
von verbrecherischen Staaten und Terrorgruppen zu
Massenvernichtungswaffen begrenzen sollen. Die
Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste nehmen darüber hinaus die Terrorgruppen aggressiver
ins Visier und arbeiten enger bei der Terrorismusbekämpfung im Aus- und Inland zusammen. Schließlich
hat das Verteidigungsministerium eine umfassende
Initiative zur Nichtverbreitung in die Wege geleitet,
um das amerikanische Militär - durch passive Verteidigung und aktive Prävention - besser auf die
Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen vorzubereiten.
"Die Bedrohung durch Massenterrorismus unter
Einsatz von Massenvernichtungsmaterialien, die
durch die Gasangriffe von Tokio realer wurde, stellt
eine neue Herausforderung dar", äußerte Botschafter
Philip Wilcox, der Koordinator für Terrorismusbekämpfung des Außenministeriums, bei einer Pressekonferenz im April. "Diese Gefahr, plus zunehmende
Mobilität, technische Kompetenz und Erfindungsreichtum der Terroristen bedeutet, daß wir unsere
Anstrengungen gegen internationale Terroristen im
Ausland ebenso verdoppeln müssen wie im Inland."
Obwohl der Anschlag von Tokio eine schreckliche
Warnung war, sind der Alptraum, der die Experten
am meisten beunruhigt, mit Nuklearwaffen ausgerüstete Terroristen. Und die Gefahr der Weiterverbreitung hat mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion dramatisch zugenommen, so John Holum,
Direktor des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (Arms Control and Disarmament
Agency - ACDA). "Viele der von den Sowjets verhängten Kontrollen und Maßnahmen existieren jetzt
nicht mehr", beobachtet er.
Letztes Jahr fingen deutsche Behörden in einem
Zeitraum von vier Monaten drei getrennte Lieferungen
von Nuklearmaterial ab, die vermutlich aus der
Sowjetunion stammten. In jüngerer Zeit wurden
Lieferungen von hochangereichertem Uran in der
Tschechischen und der Slowakischen Republik
abgefangen. Man benötigt nur rund 25 Pfund solchen Urans, um eine Bombe der Größe herzustellen,
wie sie 1945 über Hiroshima explodierte. "Die
Tatsache, daß Nuklearmaterial bei diesen Stichproben in Deutschland und Osteuropa auftaucht,
belegt das Potential für ein enormes Verbreitungsproblem", erläutert Holum.

AMERIKA DIENST 33

�Das Problem kann nicht leicht durch herkömmliche
Nichtverbreitungsprogramme behoben werden, die
sich auf die Überwachung der zur Herstellung von
waffenfähigem Nuklearmaterial erforderlichen großen
und modernen Produktionseinrichtungen verlassen.
"Der Schmuggel von waffenfähigem Nuklearmaterial
in einen verbrecherischen Staat wäre die bei weitem
gefährlichste Art der Verbreitung", erklärt Michael
Mazaar, Analyst am Zentrum für strategische und
internationale Studien in Washington. "Das Land
muß nur die Waffen selbst entwerfen, was technologisch nicht so hohe Anforderungen stellt. Weil man
nicht weiß, wo das Waffenprogramm ist, hat man
weder eine militärische Option noch ist man an ein
sichtbares Produktionsprogramm gebunden, das die
Verhängung internationaler Sanktionen zur Folge
hätte."
Spaltbares Material wäre in den Händen von Terroristen außerordentlich gefährlich, selbst wenn es nicht
zur Herstellung von Nuklearwaffen verwendet würde.
"Wenn es um die Hülle eines konventionellen
Sprengkörpers gewickelt würde, könnte dieses
Material ein Gebiet so verseuchen, daß acht oder
zehn Jahre lang kein menschliches Leben dort
möglich wäre", stellt Cetron fest. "Und die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse deuten darauf hin, daß
Terrorgruppen diese Ideen prüfen."
Verträge und ihre Grenzen
Die erste Verteidigungslinie gegen solch ein erschreckendes Szenarium ist das von den Senatoren
Sam Nunn (Demokrat aus Georgia) und Richard
Lugar (Republikaner aus Indiana) geförderte NunnLugar-Programm zur kooperativen Bedrohungsverringerung. Seit der Einführung des Programms im
Jahr 1991 haben die Vereinigten Staaten 1,27
Milliarden Dollar aufgewandt, um den Staaten der
ehemaligen Sowjetunion bei der sicheren Entsorgung ihrer Massenvernichtungswaffen behilflich zu
sein.
Das Programm enthält Initiativen zur Gewährleistung
der Sicherheit von Nuklearwaffen während des
Transports zu den Zerlegungseinrichtungen, finanzielle und technische Hilfe beim Entwurf neuer
Lagereinrichtungen für Nuklearmaterial und Verbesserungen bei den Kontroll- und Zählsystemen in
Rußland sowie die Einrichtung von Wissenschaftsund Technologiezentren in Moskau und Kiew, um
mehreren Tausend Atomwissenschaftlern und
Ingenieuren Arbeit zu bieten.
"Die Situation in der ehemaligen Sowjetunion beunruhigt mich weiterhin am meisten, und meine Hauptsorge ist nicht, daß aus Feindschaft Nuklearwaffen
auf uns abgefeuert werden, sondern vielmehr, daß

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sie von einer nicht autorisierten oder Terrorgruppe
abgefeuert werden", so Ashton Carter, Abteilungsleiter im US-Verteidigungsministerium für nukleare
Sicherheit und Nichtverbreitung und der Weichensteller des Pentagon für nukleare Sicherheit.
"Die Dinge können sich sehr rasch verändern, und
während der ganzen Zeit haben wir 30.000 Nuklearwaffen, Hunderte Tonnen spaltbaren Materials und
Zehntausende Tonnen chemischer Waffen in dieser
Region - und das Problem wird noch lange Zeit
existieren", fügt Carter mit dem Hinweis hinzu, selbst
bei optimistischen Prognosen laufe der Zeitplan für
die Beendigung der Nunn-Lugar-Initiativen bis zum
Jahr 2001.
Da das Nunn-Lugar-Programm Teil eines Gesamthilfepakets für Rußland ist, das bei den Republikanern unpopulär ist, wird es jedoch wahrscheinlich
nicht fristgerecht ablaufen. Im Mai stimmte der
nationale Sicherheitsausschuß des Repräsentantenhauses für die Kürzung von 171 Millionen Dollar des
Antrags der Administration in Höhe von 371 Millionen
Dollar für das Nunn-Lugar-Programm im Jahr 1996.
Mit der unbegrenzten Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Mai 1995 errang die ClintonAdministration einen entscheidenden Sieg bei der
Nichtverbreitung von Nuklearwaffen. Der N W ist das
wichtigste rechtliche Instrument, das die fünf erklärten
Nuklearstaaten (die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, China und Rußland) verpflichtet,
keine Verlegung von Nuklearwaffen und Nuklearwaffentechnologie vorzunehmen, und den nicht im Besitz
von Atomwaffen befindlichen Staaten die Beschaffung
von Nuklearwaffen untersagt. Der N W verpflichtet
die 178 Unterzeichner des Abkommens (von den 185
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen) zu beschleunigten Inspektionen der Internationalen AtomenergieOrganisation, dem nuklearen Wachhund der Welt.
"Ungeachtet seiner Einschränkungen ist der N W
meines Erachtens das erfolgreichste Rüstungskontrollregime der Geschichte", stellt ACDA-Direktor
Holum mit der Anmerkung fest, daß es heute sehr
viel weniger Nuklearstaaten gibt, als bei der Aushandlung des Vertrags im Jahr 1968 vorhergesagt
wurde. Und nachdem bekannt wurde, daß der Irak
als NW-Unterzeichnerstaat ein sehr viel moderneres
Nuklearwaffenprogramm unterhielt als Experten vor
dem Golfkrieg vermutet hatten, wurden die Verifizierungsrichtlinien im Rahmen des Vertrags verbessert
und konzentrieren sich jetzt auf Ad-hoc-lnspektionen
nicht erklärter Einrichtungen.
Zusätzlich zum N W hat das ACDA eine Chemiewaffenkonvention ausgehandelt, die noch vom Senat
genehmigt werden muß. Den Unterzeichnern wäre

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�die Entwicklung, Lagerung und Verlegung chemischer Waffen untersagt. "Im Hinblick auf ihre
Verbote und die Genauigkeit ihres Inspektionsregimes wird die Chemiewaffenkonvention das
weitreichendste Rüstungskontrollabkommen sein,
das je ausgehandelt wurde", erklärt Holum.
Nachrichtendienstlichen Erkenntnissen zufolge
haben rund zwei Dutzend Nationen bestätigte oder
vermutete Programme zur chemischen Kriegführung,
und zehn haben angeblich Programme zur biologischen Kriegführung. ACDA-Vertreter räumen ein,
daß der aktuelle Vertrag über die Verbreitung von
biologischen Waffen nicht in Kraft gesetzt werden
kann und verbessert werden muß.
"Obwohl der Trend bei der Nichtverbreitung meiner
Ansicht nach günstig ist, insbesondere im nuklearen
Bereich, bin ich konstant besorgt über die generelle
Verfügbarkeit dieser Technologien und das Potential
für verbrecherische Staaten, die erforderlichen
Materialien von Scheinfirmen oder Schmugglern zu
kaufen", so Holum.
Kontrolle des "Superterrorismus"
Über diplomatische und nachrichtendienstliche
Kanäle haben die Vereinigten Staaten einen zweigleisigen Ansatz zur Bekämpfung terroristischer
Gruppen verfolgt, die Massenvernichtungswaffen
beschaffen wollen.
Im diplomatischen Bereich
konzentrierte sich das US-Außenministerium auf die
Stärkung des Gesetzesrahmens, der Druck auf
internationale Terroristen ausübt. Seit 1986 hat sich
die Zahl der internationalen Verträge und Konventionen, in denen sich die Regierungen zur Bekämpfung
von Terroristen verpflichten, von 5 auf 10 verdoppelt,
und die Vereinten Nationen, die Minister europäischer Regierungen, die Organisation Amerikanischer
Staaten sowie die Organisation der Islamischen
Konferenz verabschiedeten vor kurzem
n Resolutionen zur entschiedenen Bekämpfung des
Terrorismus.
"Viele der politischen

Meinungsverschiedenheiten

über den Terrorismus, die während des Kalten
Krieges eine internationale Zusammenarbeit verhinderten, wurden beigelegt, als sich die Länder der
Welt zunehmend mit einer Stimme gegen den
Terrorismus aussprachen", so Kennon vom USAußenministerium.
Obwohl die Anzahl von Staaten, die den Terrorismus
aktiv unterstützen, nach der Auflösung des Warschauer Pakts sank, wurden Experten zufolge die
jüngsten Anschläge von inländischen Terroristen
verübt, deren Motive weniger gut verstanden werden. "Eine beängstigende Gesetzmäßigkeit, die

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Oklahoma City und Tokio miteinander verbindet, ist
die Tatsache, daß in beiden Fällen die Waffen
vollständig im Land gebaut wurden, so daß sie nicht
unter die Exportkontrollen fielen", erklärte der stellvertretende Abteilungsleiter für Nichtverbreitungspolitik im US-Verteidigungsministerium, Mitchell
Wallerstein. "Und weil beide Gruppen aus dem
Inland stammen, erregten sie nicht die Aufmerksamkeit der internationalen Nachrichtendienste."
Ein weiterer beunruhigender Trend ist das Aufkommen "staatenloser" Terrorgruppen, die extrem schwer
zu überwachen sind und in die man nur schwer
jemanden einschleusen kann. "Nach dem Verlust
eines Großteils ihrer Infrastruktur und ihrer Unterstützung aus Osteuropa beobachten wir das Phänomen kleinerer und nur lose miteinander verbundener
Terrorgruppen, die an Orte wie Afghanistan oder den
Libanon gehen, wo es praktisch keine Regierung
gibt", so Kennon.
Bestrebungen zum Aufspüren dieses weltweiten
Netzes von Terroristen werden von der 1986 gegründeten interministeriellen Terrorismusbekämpfungsgruppe koordiniert, die ihren Sitz beim amerikanischen Geheimdienst CIA hat. Vertreter des amerikanischen Bundeskriminalamts FBI, der nationalen
Sicherheitsbehörde und der Nachrichtendienste des
Verteidigungsministeriums bemühen sich um eine
Koordinierung ihrer Operationen. Obwohl die Regeln
für internationale Ermittlungen der Geheimhaltung
unterliegen, weisen Experten der Nachrichtendienste
zufolge einige der jüngsten Erfolge darauf hin, daß
die koordinierten Bestrebungen zur Bekämpfung des
Terrorismus funktionieren.
Ramzi Ahmed Yousef, der der Mittäterschaft an dem
Bombenanschlag auf das World Trade Center verdächtigt wird und Angriffe auf amerikanische Flugzeugträger in Asien plante, wurde Anfang des Jahres
in Pakistan festgenommen und an die Vereinigten
Staaten ausgeliefert. Amerikanische Agenten nahmen auch die Flugzeugentführer Fawaz Yunis und Ali
Rezaq fest. Und Mitarbeiter des Nachrichtendienstes
identifizierten Imad Mughniyah, einen shiitischen
Anführer des Islamischen Heiligen Krieges aus dem
Libanon, der 1983 vermutlich am Bombenanschlag
auf die Kaserne in Beirut beteiligt war. Der Versuch
seiner Festnahme bei einem Zwischenstopp in SaudiArabien durch FBI-Agenten wurde jedoch von der
saudiarabischen Regierung vereitelt.
Regierungsvertreter weisen auch auf die Aufdeckung
einer Anzahl Fälle von Nuklearschmuggel hin, über
die in den Medien berichtet wurde und die das
Ergebnis erfolgreicher Stichproben durch die amerikanischen und internationalen Nachrichtendienste sind.

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�"Die Nachrichtendienste haben definitiv sowohl die
Terrorismusbekämpfung als auch den Kampf gegen
Weiterverbreitung von Waffen als hohe Priorität und
wachsende Bedrohung identifiziert. Dies führte zur
Bildung einer Antiterrorismusgruppe, die unterschiedliche Ressourcen der Regierung zusammenfaßt", so
der ehemalige CIA-Direktor Robert Gates. Er warnt
jedoch, daß es ein Kampf gegen Windmühlen sei,
Terroristen Massenvernichtungswaffen vorzuenthalten.
"Insbesondere chemische und biologische Waffen
kann man im eigenen Keller herstellen. Und die
Idee, sie überhaupt nicht in die Hände von Terroristen zu lassen, ist technisch einfach nicht zu realisieren", äußert er. "Die beste Abschreckung besteht
darin, diese Menschen zu fassen, damit die anderen
sehen, daß man mit so etwas nur verlieren kann."
Zur Vorbereitung auf einen solchen Eventualfall
führte die Regierung im Oktober 1994 eine Terrorismusbekämpfungsübung durch, bei der Mitarbeiter
des FBI und des Energieministeriums in New Orleans nach drei fiktiven atomaren Gefechtsköpfen
suchten. Eine ähnliche Übung wurde vergangenes
Jahr in New York mit der simulierten Freisetzung
eines biologischen Kampfstoffes in einer U-Bahn
abgehalten.
Kampf gegen den Terrorismus auf amerikanischem Boden
Als Teil einer Reihe nach dem Bombenanschlag von
Oklahoma City unterbreiteter Vorschläge würde die
Clinton-Administration im FBI eine inländische Version des internationalen Terrorismusbekämpfungszentrums des CIA einrichten. Bei einer Anhörung
vor dem Justizunterausschuß des Repräsentantenhauses für Verbrechensbekämpfung im Mai argumentierte FBI-Direktor Louis Freeh, solch eine
zentralisierte Organisation sei zur Bekämpfung einer
terroristischen Bedrohung erforderlich, die keine
Grenzen achte und in zunehmendem Maße in den
Zuständigkeitsbereich mehrerer Bundesbehörden
eindringe.
"Das Antlitz und die Hand des Terrorismus verändern sich auf dramatische Weise ... und wir
können nicht unser Land und unseren Lebensstil
schützen ... wenn wir die Bedrohung durch Terrorismus von allen Seiten - aus dem In- und Ausland nicht ernstnehmen", so Freeh. "Es besteht kein
wirklicher Unterschied zwischen den hier und den im
Ausland gegen amerikanische Bürger geplanten
oder durchgeführten Anschlägen."
Im Mai bewilligte der Kongreß zusätzliche 100
Millionen Dollar zur Terrorismusbekämpfung, darunter Mittel zur Bezahlung von 25 nachrichtendienst-

AMERIKA DIENST 33

lichen Analysten für das neue Terrorismusbekämpfungszentrum sowie 190 FBI-Überwachungsspezialisten und 143 Mitarbeitern zur Unterstützung.
Das ehemalige Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates, Robert Schweitzer, befürwortet die Betonung
präventiver nachrichtendienstlicher Tätigkeit. "Bis
heute haben wir unser gesamtes Geld in die Reaktion
auf inländischen Terrorismus nach einem erfolgten
Anschlag gesteckt und waren dabei sehr erfolgreich",
erklärt er. "Mit der Verhütung von Terroranschlägen,
wofür die Nachrichtendienste maßgeblich sind, tun
wir uns jedoch sehr schwer."
Wenn es nach dem Willen der Clinton-Administration
geht, wird das FBI viel mehr Spielraum und Mittel
erhalten, um den Terrorismus auf amerikanischem
Boden zu bekämpfen. Als Teil des Gesetzes über
Terrorismusbekämpfung von 1995 schlägt die Administration eine erweiterte elektronische Überwachung
vermeintlicher Terroristen sowie größeren Zugang zu
Telefon-, Motel- und Reiseaufzeichnungen vor, ferner
die beschleunigte Abschiebung verdächtigter Terroristen ohne Bekanntgabe der nachrichtendienstlichen
Entdecker und das Verbot des Aufbringens von
Geldern für als terroristische Organisationen bezeichnete Gruppen. Darüber hinaus regte die Administration die Einstellung von 1.000 zusätzlichen Mitarbeitern beim FBI und anderen Behörden des Justizministeriums zur Terrorismusbekämpfung an.
Zivile Vertreter des Prinzips der Handlungsfreiheit
kritisieren viele dieser Vorschläge mit dem Hinweis,
daß sich in den sechziger Jahren frühere inländische
Spionageabwehreinheiten der Spionage gegen
Pazifisten und Bürgerrechtler schuldig gemacht
hatten. Mitarbeiter des FBI warnen jedoch, ohne eine
verstärkte Überwachung verdächtigter Terroristen im
Inland sei die Behörde dazu verurteilt, hauptsächlich
zu reagieren.
"Ich bin kein Befürworter umfassender und Undefinierter Bestrebungen zur Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse, aber die Strafverfolgungsbehörden müssen etwas über jene Individuen und
Gruppen wissen, die tödliche Gewalt als Mittel zur
Förderung ihrer Sache befürworten", äußerte Freeh
vor dem Justizunterausschuß des Repräsentantenhauses für Verbrechensbekämpfung.
"Die erste
Regel der Selbstverteidigung lautet, den Feind zu
kennen, der Dich zerstören will."
Eine Rolle für das Militär
Der vielleicht umstrittenste Aspekt des Gesetzes über
Terrorismusbekämpfung ist ein Vorschlag zur Abänderung des Posse Comitatus Act von 1878, das
die Durchsetzung ziviler Gesetze durch das Militär

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�verbietet. Dadurch sollen sich Militärexperten an der
Untersuchung von mit Hilfe atomarer, biologischer
und chemischer Waffen begangener inländischer
Verbrechen beteiligen können.
Der Vorschlag trägt der Tatsache Rechnung, daß
nahezu das gesamte Fachwissen und die unterstützende Infrastruktur für den Umgang mit Massenvernichtungswaffen beim Militär zu finden sind. Das
Heer vernichtete zwar 1973 seine biologischen
Waffen, aber Forscher beim medizinischen Forschungszentrum für ansteckende Krankheiten der
US-Armee arbeiten weiterhin an der Identifizierung
biologischer Kampfstoffe und entsprechenden Impfstoffen. Ebenso unterhält die Armee, obwohl sie
ihre Produktion chemischer Waffen einstellte, immer
noch landesweit acht Chemiewaffenlager sowie ein
stabiles Programm zur Entdeckung und Identifizierung chemischer und biologischer Waffen und zum
Schutz ihrer Soldaten.
"Bei einer massiven Verseuchung eines städtischen
Gebietes durch chemische oder biologische Waffen
verfügt nur die US-Armee über das Fachwissen,
darauf zu reagieren", so Wallerstein vom US-Verteidigungsministerium. Das Militär hat unter anderem hochmodernes Gerät zum Aufspüren und
Identifizieren chemischer und biologischer Kampfstoffe, medizinisches Personal mit Reserven von
Impfstoffen und Gegengiften für den Kriegsfall sowie
Gerät und Fachwissen zur Dekontamination.
Regierungsvertretern zufolge stellte das Verteidigungsministerium Reaktionsteams zusammen, die in
jedem Teil des Landes auf Vorfälle mit Massenvernichtungswaffen reagieren können.
Unter den
derzeitigen Gesetzen kann das Verteidigungsministerium jedoch den inländischen Strafverfolgungsbehörden nur Unterstützung im Hintergrund bieten.
"Wenn Sie darüber sprechen, daß wir uns an der
ersten Reaktionstruppe beteiligen und unsere
Jungens neben den FBI-Agenten stehen, drängt Ihr
uns genau in die Ecke der durch das Posse Comitatus Act verhängten Beschränkungen", erklärt ein
Experte für Massenvernichtungswaffen der USArmee.
Angesichts des bedauerlichen Mangels an Vorbereitung der Zivilisten für den Fall eines Angriffs mit
chemischen oder biologischen Waffen haben die
Behörden unter Umständen keine andere Wahl, als
in einem Notfall die Armee zu Hilfe zu rufen. "Bei
dem Angriff auf die Tokioter U-Bahn wurden die
Opfer in 200 medizinische Einrichtungen gebracht.
In einer typischen amerikanischen Stadt wäre es
jedoch sehr schwierig, auch nur zwei Krankenhäuser
zu finden, in denen diese Art von Verletzungen
richtig behandelt werden kann", so Sidell vom

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medizinischen Institut für chemische Verteidigung der
Armee. Was die Ausbildung mit Gegengiften und
ihre Verfügbarkeit, Schutzkleidung und Dekontaminationsgerät anbelangt, sind ihm zufolge die Nothilfeorganisationen und medizinischen Einrichtungen der
Vereinigten Staaten schlichtweg unvorbereitet. "Das
Problem besteht darin, daß wir in Amerika einfach
nicht über diese Art von Problemen nachdenken",
stellt er fest.
"Eine Organisation, die nicht einfach nur über das
Undenkbare nachdenkt, sondern auch für den Tag
plant und ausbildet, an dem das Land von Superterroristen bedroht wird, ist der U.S. Special Operations
Command (SOCOM) auf dem Luftwaffenstützpunkt
MacDill in Florida. SOCOM, bereits mit Terrorismusbekämpfung und
Sonderaufklärungsmissionen
beauftragt, würde gemäß einem kürzlich unterbreiteten Vorschlag die Verantwortung für Nichtverbreitungsmissionen übernehmen, die die Suche nach
Massenvernichtungswaffen und ihre Bergung in einer
feindlichen Umgebung beinhalten. Laut informierten
Quellen führt die geheime Delta Force-Kommandoeinheit des SOCOM regelmäßig Übungen durch, um
mit Nuklearwaffen ausgerüstete Terroristen kampfunfähig zu machen und notfalls zu töten - sei es im
In- oder Ausland.
Verschiedenen Berichten und Quellen zufolge widersetzen sich führende Militärs jedoch den Bestrebungen des Weißen Hauses, eine noch größere Rolle
des Militärs bei der Untersuchung terroristischer
Vorfälle auf amerikanischem Boden gesetzlich
festzuschreiben. Selbst unter den derzeitigen Bestimmungen können amerikanische Präsidenten bei
innenpolitischen Notfällen das aktive Militär einsetzen,
was sie auch taten - in jüngster Zeit bei den Unruhen
in Los Angeles 1992 und in der Vergangenheit beim
Pullman Eisenbahnstreik im Jahr 1894. Auf der Höhe
des "Drogenkrieges" durchkämmten sogar vollständig
bewaffnete Spezialeinheiten der Nationalgarde
isolierte Behelfsflugplätze in Florida.
In seiner Ansprache vor Abgängern der Luftwaffenakademie im Mai machte Präsident Clinton seine
Bereitschaft deutlich, das Militär bei der Terrorismusbekämpfung einzusetzen. Zum Posse Comitatus Act
äußerte er: "Die einzige Ausnahme hierbei ist die
Fähigkeit der amerikanischen Strafverfolgungsbehörden, sich im Falle einer potentiellen Bedrohung in
Form von Nuklearwaffen in den Händen der falschen
Leute des einzigartigen Fachwissens des Militärs zu
bedienen. Alles, was wir nach dem schrecklichen
Vorfall in der Tokioter U-Bahn fordern, ist derselbe
Zugang zu demselben Fachwissen im Falle eines
Einsatzes chemischer und biologischer Waffen...
Heute kommen Menschen aus Übersee zu Terroranschlägen in unser Land und greifen unsere natio-

AMERIKA DIENST 33

�nale Sicherheit an. Wir müssen die Bedrohungen
als das erkennen, was sie sind und eine Antwort

AMERIKA DIENST 33

darauf finden, die auf ihrer wahren Natur basiert und nicht nur dort, wo sie auftreten.

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James G. Watt: Innenminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Samuel Pierce: Wohnungsbauminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;James B. Edwards: Energieminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;John R. Block: Landwirtschaftsminister in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richard V. Allen: Sicherheitsberater Reagans&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Martin C. Anderson: Berater für innenpolitische Angelegenheiten in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jeane Kirkpatrick: Botschafterin bei den Vereinten Nationen in spe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter und Muskie zum Jahrestag der sowjetischen Invasion Afghanistans&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Appell an Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die ökonomische Stärke der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Walter W. Heller -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Afghanistan - Ein Jahr nach der sowjetischen Invasion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Robert G. Neumann -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische "Ölfunde"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schwangerschaftsrisiken bei Diabetikerinnen vermindert</text>
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                    <text>Sondcfdien/t
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Januar 1982

DER WELTFRIEDENSRAT - EIN HANDLANGER MOSKAUS

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�(AD) -- Der Weltfriedensrat (WPC), dessen Präsidialkomitee gegenwärtig
(6. bis 8. Januar) in Kopenhagen tagt, ist das Wichtigste der ineinandergreifenden internationalen Instrumente der Sowjets, die seit dem Zweiten
Weltkrieg als Ableger /on Organisationen eingesetzt werden, welche ursprünglich von der Kommunistischen Internationalen (KOMINTERN) in den Jahren nach
1917 geschaffen wurden.
Obwohl der Weltfriedensrat von sich behauptet, ein unabhängiges, demokratisches und privates Gremium zu sein, hat er doch eine grundlegende Funktion: Er soll den außenpolitischen Zielen der Sowjets Achtbarkeit verschaffen, indem Menschen verschiedener politischer Oberzeugungen in kommunistisch
gesteuerte und kommunistisch geförderte Propagandafeidzüge hineingezogen werden, die sich in erster Linie gegen den Westen richten.
Aus Anhörungen eines Ausschusses für Geheimdienstfragen des amerikanischen Repräsentantenhauses in den Jahren 1978 und 1980 wird deutlich, daß
die Sowjetunion ihre weltweite Propaganda ebenso wie geheime Tätigkeiten
einsetzt, um ihre Außen- und Verteidigungspolitik zu bekräftigen. Die Sowjetunion ist bemüht, ihre Macht und ihren Einfluß auf Kosten des Westens
zu stärken, indem sie auf schriftliche wie mündliche "Falschinformationen",
Fälschungen, Manipulationen sowohl ausländischer Medien als auch kommunistischer Parteien sowie auf die Unterstützung terroristischer Organisationen zurückgreift.
Aus amerikanischen Geheimdienstquellen geht hervor, daß die Sowjetunion
mindestens 3 Milliarden Dollar jährlich für die Verbreitung prokommunistischer

und antiwestlicher Propaganda im Rahmen eines weltweiten Netzes aus-

gibt, das von Moskau kontrollierte Frontorganisationen einschließt. Von den
schätzungsweise 63 Millionen Dollar, die die Sowjetunion jährlich den 13
wichtigsten Frontorganisationen zur Verfügung stellt, erhält der Weltfriedensrat allein mehr als 49 Millionen Dollar.
So schrieb

- 2 -

�So schrieb Ruth Tosek, eine "ehemalige Übersetzerin" bei verschiedenen
von Moskau kontrollierten Organisationen, in einem am 17. Oktober 1980 vom
Londoner "New Statesman" veröffentlichten Brief, daß der Weltfriedensrat auf
verschiedenen Kanälen durch die Sowjetunion sowie andere osteuropäische Regierungen finanziert werde.
Zusätzlich zu dieser heimlichen Finanzierung des Weltfriedensrates erhalten seine Führer Anweisungen von Seiten der internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU, das auch die Propaganda des Retes kontrolliert. Der
Weltfriedensrat ist gewöhnlich die erste der zahlreichen Frontorganisationen,
die sich für Propagandainitiativen aus Moskau einsetzt und die Aktivität verschiedener anderer kommunistischer Frontgruppen koordiniert.
Durch ihre direkten Verbindungen mit den wichtigsten Repräsentanten des
Rates ist

die Sowjetunion in der Lage, endgültige Entscheidungen im bezug auf

Projekte und Aktivitäten des Weltfriedensrates sowie den Inhalt von Kommuniques, Resolutionen und Erklärungen des Rates zu beeinflussen.
Neben seiner Tätigkeit als Sekretär des Sekretariats des Weltfriedensrates in Helsinki ist E.K. Fedorow

Vizepräsident und stellvertretender Chef der

internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU. V. S. Schaposchnikow
ist Mitglied des Präsidialkomitees des Rates. Aus der zweimonatlich erscheinenden Publikation des Rates "Neue Perspektiven" geht hervor, daß dem Präsidialkomitee, das verantwortlich für die Tätigkeit der Organisation zwischen Ratssitzungen ist, ein oder zwei der wichtigsten Repräsentanten praktisch aller
wesentlichen kommunistischen Frontorganisationen angehören, wie etwa dem
Weltgewerkschaftsbund, der Afro-asiatischen Volkssolidaritäts-Organisation,
der Christlichen Friedenskonferenz, der Internationalen demokratischen Frauenföderation oder der Weltföderation der Wissenschaftler.
Prominente nichtkommunistische Pazifisten, Geistliche sowie andere Persönlichkeiten, die sich für den Frieden einsetzen, sind dem Weltfriedensrat
willkommen, um eine Fassade der Unabhängigkeit und der Blockfreiheit aufzu-

- 3 -

�Blockfreiheit aufzubauen. Die gesamte Organisationsstruktur des Rates ist jedoch mit prosowjetischen Linken durchsetzt. Viele von ihnen sind in ihren Heimatländern für kommunistisch orientierte Angelegenheiten tätig und gehören
nationalen Friedenskomitees an, die sehr häufig durch Unterstützung des Weltfriedensrates als örtliche kommunistische Frontorganisationen ins Leben gerufen wurden.
Ramesch Chandra, ein Mitglied des Zentralkomitees der kommunistischen
Partei Indiens und seit zumindest 1950 bei allen wichtigen internationalen
Fronttagungen aktiv, wurde im Jahre 1977 aus dem Generalsekretaritat zur Präsidentschaft des Weltfriedensrates erhoben. Dieser Posten war seit dem Tode
des bekannten französischen Kommunisten und Wissenschaftlers Frederic JoliotCurie im Jahre 1958 vakant gewesen.
Die prosowjetische Rolle Chandras in der Weltfriedensbewegung ist sich
während der letzten 30 Jahre gleich geblieben. Seine Treue zu Moskau überlebte
die sowjetischen Invasionen in Ungarn im Jahre 1956, der Tschechoslowakei im
Jahre 1968 und Afghanistans im Jahre 1979. Er hat sich immer für die sowjetischen "Friedensinitiativen" eingesetzt und die westlichen "Imperialisten" angegriffen.
Als die Frage der Behandlung von Dissidenten in der UdSSR und der
Tschechoslowakei im Jahre 1973 in Moskau auf dem "Weltkongreß der Friedenskräfte", von Seiten der "Internationalen Kriegsdienstgegner" aufgeworfen wurde,
erklärte Chandra, daß jene Friedensorganisationen, die eine antisowjetische
Einstellung einnähmen, "aufgehört haben,echte Friedensorganisationen zu sein".
Zwei Jahre später betonte er in Moskau, daß der Weltfriedensrat "auf alle
sowjetischen Initiativen in internationalen Angelegenheiten positiv reagiert"
habe.
In der Januarausgabe der "World Marxist Review" schrieb Chandra: "In
den Händen des Sozialismus ist die (militärische) Macht zum ersten Mal in der
Geschichte der Menschheit zu einem Instrument zur Sicherung des Friedens und

�Friedens und des sozialen Fortschritts geworden. Soviel zur 'sowjetischen
Bedrohung'. Wenn sie wirklich existiert, so ist sie bildlich gesprochen nicht
eine Bedrohung für den Frieden, sondern eine Friedensdrohung im Namen des
Friedens..."
Der Weltfriedensrat ist auf nationaler Basis organisiert, und die meisten
seiner Tochterorganisationen, die nach seinen Angaben in mehr als 135 Ländern
bestehen, sind kommunistisch kontrolliert. Obwohl sowjetische Vertreter Mitte
der siebziger Jahre von einer angeblichen Mitgliedschaft von rund 400 Millionen gesprochen haben, sind Gesamtzahlen offiziell nie veröffentlicht worden.
Der "endgültige" Friede, nach dem der Weltfriedensrat immer gestrebt hat,
ist ein von der sowjetischen Welthegemonie auferlegter Friede. Die kommunistische "Weltfriedensbewegung" in der jetzigen Form existiert, seit ein
"Weltkongreß der Intellektuellen für den Frieden" im August 1948 in Breslau
abgehalten wurde. Dies führte zur Weltfriedenskonferenz in Paris im September 1949 und zur Bildung des Weltfriedensrates, der bis zum November 1950 als
das "Komitee der Partisanen des Friedens" bekannt war.
Seit seiner Gründung ist der Weltfriedensrat wegen subversiver Tätigkeit
formell aus zwei Ländern ausgewiesen worden. Bis zu seiner Ausweisung durch
die französische Regierung im Jahr 1951 - wegen "Aktivitäten der Fünften Kolonne" - hatte er seine Zentrale in Paris. Er übersiedelte zunächst nach Prag
und 1954 schlug er sein Hauptquartier in Wien auf, von wo er drei Jahre später
wegen "gegen das Interesse des österreichischen Staates gerichteter Aktivitäten" ausgewiesen wurde. Er setzte jedoch seine Tätigkeit in Wien unter dem
Deckmantel seiner Forschungsorganisation, dem Internationalen Institut für
Frieden, - praktisch eine Frontorganisation - fort, bis er im September 1968
in seine derzeitige Zentrale nach Helsinki umzog.
Die erklärten Ziele des Weltfriedensrates, wie sie von seiner Vollversammlung im September 1980 angenommen wurden, sind:
1.-

- 5 -

Verbot

�1.

- Verbot aller Massenvernichtungswaffen und Beedigung des Wettrüstens;
- Auflösung ausländischer Militärstützpunkte;
- allgemeine, gleichzeitige und kontrollierte Abrüstung;

2.

- Beseitigung aller Formen des Kolonialismus und der rassischen
Diskriminierung;
- Respektierung des Rechtes der Völker auf Souveränität und Unabhängigkeit als wesentliche Voraussetzung für die Schaffung des Friedens;
- Respektierung der territorialen Integrität der Staaten und Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten;

3.

- Schaffung von wechselseitig vorteilhaften Handels- und Kulturbeziehungen auf der Basis von Freundschaft und gegenseitigem Respekt;
- friedliche Koexistenz zwischen Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen;
- Ersetzung der Politik der Gewalt durch eine Politik der Verhandlungen
zur Schlichtung von Meinungsverschiedenheiten zwischen den Staaten.

Die vom Weltfriedensrat verfolgte prosowjetische Politik hat jedoch wenig
mit diesen

erklärten Zielen gemein. So greift der Rat regelmäßig die Nordat-

lantische Verteidigungsgemeinschaft und die Europäische Gemeinschaft an, kritisiert aber nicht den Warschauer Pakt oder den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe

(COMECON). Er verabschiedet häufig Resolutionen oder veröffentlicht

Erklärungen, in denen die Unterdrückung der Menschenrechte in Ländern wie Chile,
El Salvador und Nordirland verdammt wird, erwähnt aber niemals die Verletzung
solcher Rechte

in den kommunistischen Ländern. Ja, ein polnisches Mitglied

seines Präsidialkomitees, Wieslaw Gronicki, tauchte als erster Pressesprecher
des Generals Jaruzelski auf, nachdem die Verhängung des Kriegsrechts am 13.
Dezember 1981 es dem neugeschaffenen "Militärrat der nationalen Errettung"
ermöglicht hatte, die meisten bürgerlichen und persönlichen Freiheiten in
Polen außer Kraft zu setzen.
Seit dem

�Seit dem anfänglichen "Stockholmer Appell" des Weltfriedensrates zum
"Verbot der Bombe" aus dem Jahr 1950 - noch bevor die UdSSR ihre eigene Atombombe bekam - hat er immer wieder die Kampagnen gegen den westlichen Besitz
von Kernwaffen in jeder Form gelenkt und organisiert. Er stand zudem ganz vorn
bei der Unterstützung der Ost-West-Entspannung zu sowjetischen Bedingungen
und hat getreulich die sowjetischen Positionen zu kontroversen internationalen Fragen vertreten, die die Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten betrafen.
Während des ganzen Vietnamkriegs zum Beispiel schickte der Weltfriedensrat zahlreiche "Friedens"-Delegationen nach Hanoi und veröffentlichte in regelmäßigen Abständen Erklärungen, die die sowjetische Politik hinsichtlich des
Krieges unterstützten. Seit 1974 sind der Weltfriedensrat und Moskau für die
"Beseitigung der Kriegsstützpunkte

(nur amerikanische und britische werden

speziell genannt) im Indischen Ozean" eingetreten und haben eine Kampagne für
eine "Zone des Friedens" in dieser Region eröffnet. Im Jahr 1979 begrüßte
der Rat die sowjetische Unterstützung der vietnamesischen Invasion Kambodschas
und die sowjetische Verurteilung der chinesischen Invasion Vietnams.
Der Weltfriedensrat führt derzeit eine wohl koordinierte diplomatische
und propagandistische Kampagne an, die auf die speziellen außen- und verteidigungspolitischen Zielsetzungen der UdSSR zugeschnitten ist. Er fördert die Friedensvorschläge von Generalsekretär Breschnew vom 26. Parteitag und versucht, in
Westeuropa Emotionen gegen die Modernisierung der Nuklearsysteme mittlerer Reichweite der NATO und gegen erhöhte Verteidigungsausgaben anzufachen.
Seit 1977 hat der Weltfriedensrat weltweit Massendemonstrationen zur Unterstützung der Moskauer Wünsche nach Verhinderung einer Ausrüstung der NATOStreitkräfte mit amerikanischen Neutronenwaffen unterstützt. Derzeit unternimmt er große Anstrengungen bei einer Kampagne unter dem Motto "Frieden, Abrüstung und Entspannung" - in dem Versuch, die europäische öffentliche Meinung
davon zu überzeugen, daß die amerikanischen Militärausgaben und Waffenentwicklungen sowie der angebliche Wunsch der NATO nach militärischer Überlegenheit

- 7 -

�militärischer Überlegenheit die größte Bedrohung des Weltfriedens seien. Im
Einklang mit der offiziellen sowjetischen Linie behaupten der Weltfriedensrat und seine Zweigorganisationen, daß die Dislozierung von PERSHING-Raketen
und von Marschflugkörpern auf europäischem Boden das angeblich

bestehende

militärische Gleichgewicht stören.
Professor E. P. Thompson von der Europäischen Bewegung für atomare Abrüstung kritisierte am 23. Februar 1981 im Londoner GUARDIAN die Taktiken des
Weltfriedensrates so:
Der westlichen Friedensbewegung zu erlauben, in ein trügerisches Einverständnis mit der Strategie des Weltfriedensrates zu treiben, würde
letztlich bedeuten, eine Bewegung zu werden, die sich lediglich dem
NATO-Militarismus entgegenstellt. Dies wäre ein Rezept zu unserer eigenen Einschränkung und letztlichen Niederlage. Dies wird auch auf eine
Verweigerung in jenen Teilen Osteuropas stoßen... wo ein Großteil der
öffentlichen Meinung der offiziellen "Friedenspropaganda" zutiefst
überdrüssig geworden ist und wo die vom Staat unterstützten Friedenskomitees während ihrer ganzen 30jährigen Existenz nicht einen Funken
für einen Protest gegen irgendeine Maßnahme des sowjetischen Militarismus übrig hatten."

+ + + + +

£;»"• '"•••'•—'

30
)

�</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
'VON

4

7 . J a n u a r 1987

I N H A L T

HINTERGRUNDMATERIAL

Chronologie der Ereignisse in Afghanistan
- Mai bis Dezember 1986 -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

Aufgezwungenes Risiko
- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich

Themenindex AMERIKA DIENST (1986)

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Hintergrundmaterial

VION &amp;

7. Januar L987

CHRONOLOGIE DER EREIGNISSE IN AFGHANISTAN
- Mai bis Dezember 1986 -

WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend finden Sie eine Chronologie der Ereignisse
im Zusammenhang mit der Besetzung Afghanistans durch Streitkräfte der Sowjetunion; abgedeckt ist dabei der Zeitraum vom Mai bis Mitte Dezember 1986.

8. Mai
Generalmajor Najibullah, der am
4. Mai Babrak Karmal in der politischen Führung Afghanistans abgelöst
hatte, hält erste Treffen mit den militärischen
und
regierungsamtlichen
Spitzen des Landes ab. Radio Kabul
berichtet von seinem Versprechen, die
Beziehungen zur Sowjetunion noch weiter zu stärken.
Najibullah trifft sich auch mit
etwa 400 Stammesältesten der Paschtun-Stämme aus den Grenzregionen des

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Landes und sichert ihnen zu, daß die
farsisprachigen
Volksgruppen
der
nördlichen Gebiete "wie Brüder" behandelt würden.
Diplomatischen
Quellen
zufolge
kommt es bei Studentendemonstrationen
für Babrak Karmal und gegen Najibullah und die Sowjetunion zu Zusammenstößen mit der Polizei.

9. Mai
Vier

afghanische

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Kampfflugzeuge

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�verletzen pakistanischen Luftraum und
zerstörten, wie Radio Pakistan meldete, den Militärposten Kotri in der
Kurrum-Region mit zwei Bomben.
Mujahedin greifen mit raketengetriebenen Granaten und rückstoßfreien
Gewehren
eine
kleine
Panzereinheit
der Sowjets in der Nähe des LalandarTals südwestlich des Kabuler Stadtteils Darulaman an. Drei Panzer werden in Brand gesetzt und zwei Sowjets
in Zivil gefangengenommen.
Zwei Mujahedin werden getötet, vier weitere
verwundet.

10. Mai
Mujahedin
beschießen
die Stadt
Jalalabad mit Raketen, töten dabei
sechs sowjetische Soldaten und zerstören vier Hubschrauber. Den Aussagen der Mujahedin zufolge wurden auch
eine Radarstation sowie drei Panzer
zerstört.

Radio Kabul meldet, daß "kürzlich" 1800 bewaffnete "Rebellen" der
Mujahedin-Gruppierungen
Harakat-eInquilab-e-Islami und Nejat-e-Milli,
einschließlich ihrer Führer Kamaluddin, Hadschi Abdul Raschid und Mullah
Azim, in der Provinz Farjab übergelaufen seien.

13. Mai
Afghanische Artillerie beschießt
das Marktgebiet von Teri Mangal in
der pakistanischen Kurrum-Provinz, wo
14 Menschen umkommen und weitere 20
verwundet werden. Unter den Getöteten sind 13 afghanische Flüchtlinge
und ein Pakistani.

14. Mai
Afghanische
Flugzeuge
greifen
T e r i Mangal e r n e u t an und t ö t e n w i e der zwei Menschen.
Ferner z e r s t ö r e n
d r e i a f g h a n i s c h e Flugzeuge den Grenzposten Bala Hissar im P a r a s c h i n a r - G e b i e t , doch s o l l es d o r t keine Toten
gegeben haben.
Die neuen Angriffe f a l l e n mit dem
E i n t r e f f e n von Truppen zusammen, d i e
von Gardez in das J a j i - G e b i e t v e r l e g t
wurden, wo dann auch d i e Angriffe a n d a u e r t e n , d i e v i e l l e i c h t das V o r s p i e l
einer
neuen
sowjetisch-afghanischen
Offensive in diesem Gebiet s e i n könnten.
B e r i c h t e n zufolge nahmen Mujahedin a c h t S i c h e r h e i t s p o s t e n
gefangen,
nachdem s i e das B a t a i l l o n s h a u p t q u a r tier
der
sowjetisch-afghanischen
S t r e i t k r ä f t e in der Takhar-Provinz in
Nordafghanistan a n g e g r i f f e n h a t t e n .
Zwei führende
Mujahedin-Befehlshaber der P a k t i a - P r o v i n z werden durch
sowjetisch-afghanische
Truppen
im
J a j i - G e b i e t g e t ö t e t : Shams a l - D i n und
Abdul Hayee waren enge
Mitarbeiter
von P r o f e s s o r Abdur Rasool Siyyaf von
der i s l a m i s c h e n E i n h e i t der Afghanischen Mujahedin.

15. Mai
Najibullah
trifft
mit usbekischen,
turkmenischen
und
anderen
Stammesführern aus dem nördlichen Afghanistan zusammen.
Radio Kabul zufolge erklärte er, daß usbekisch- und
turkmenischsprachige Schulen errichtet worden seien, um das Analphabetentum zu bekämpfen.

17. Mai

�Ein sowjetisch-afghanisches Flugzeug, ein wahrscheinlich von einem
Sowjet gesteuerter Typ SU-22, wird
von einer pakistanischen F-16 abgeschossen, nachdem es 20 Meilen in pakistanischen
Luftraum
eingedrungen
war.
Eine weitere SU-22 wurde getroffen und ging wahrscheinlich auf
afghanischem Gebiet westlich von Parachinar nieder. Dies ist der erste
offizielle Bericht vom Abschuß eines
sowjetisch-afghanischen Flugzeugs in
Pakistan.
Berichten
zufolge schössen afghanische Mujahedin in der PaktiaProvinz
drei
sowjetisch-afghanische
Flugzeuge ab, ein weiteres in der
Takhar-Provinz. In der Farah-Provinz
wurden eben diesen Berichten zufolge
auch
33 Mitglieder
der Kommunistischen Partei Afghanistans getötet.

Die siebente Runde der indirekten
und von den Vereinten Nationen unterstützten Gespräche zwischen Pakistan
und dem Kabuler Regime werden in Genf
wiederaufgenommen. Beide Seiten kommen überein, angesichts des nur geringen Fortschritts der ersten beiden
Wochen die Gespräche noch um eine
Woche zu verlängern.

23. Mai
Ein hochrangiges Mitglied der afghanischen Geheimpolizei (KHAD), Berichten zufolge ein stellvertretender
Minister namens Nabi Mohammed, wird
in der Nähe von Kandahar getötet, als
sein Geländewagen auf eine von den
Mujahedin
gelegte
Mine
auffährt.
Drei der vier ihn begleitenden Geheimdienstbeamte werden ebenfalls getötet.

18. Mai
24. Mai

Mujahedin g r e i f e n zwei M i l i t ä r posten in der Parwan-Provinz a n , t ö ten acht afghanische und einen s o wjetischen
Soldaten
und
zerstören
vier M i l i t ä r f a h r z e u g e .

In Genf geht eine weitere Etappe
der siebenten Runde der von den Vereinten Nationen unterstützten Gespräche über Afghanistan zu Ende, die nun
am 30. Juli wieder aufgenommen werden
soll.

19. Mai
Berichten zufolge lockten Mujahedin in der Nähe von Kabul einen Bus
mit Mitgliedern der Kommunistischen
Partei Afghanistans in einen Hinterhalt und töteten 30 von ihnen.

21. Mai
Mujahedin von Gulbaddins Hisb-eIslami-Gruppierung
greifen
tagsüber
einen afghanischen Posten in der Nähe
von Ghazni an und töten alle zehn Bewacher .

25 Mai
Mujahedin überfallen einen großen
sowjetischen Militärkonvoi in der Nähe von Maidanshahr in der Provinz
Wardak.
Im Verlauf des sechsstündigen Gefechts wurden Berichten zufolge
18 Militärfahrzeuge zerstört oder zurückgelassen.
Die Mujahedin konnten
den Angriff durchführen, da es zu
keiner Luftunterstützung kam.
Doch
kamen am darauffolgenden Tag sowjetisch-afghanische Hubschrauber in das
Gebiet zurück und bombardierten Dör-

- 3 -

�fer in der Nähe.
Mujahedin g r e i f e n auf dem Flughafen von J a l a l a b a d
sowjetisch-afghanische Truppen an; dabei werden zwei
Hubschrauber z e r s t ö r t , d r e i w e i t e r e
beschädigt.
Berichten zufolge wurden
auch a c h t Soldaten g e t ö t e t .

geschlagen, dabei elf Soldaten getötet und eine große Menge Waffen und
Munition erbeutet.
Berichten zufolge legten Mujahedin Minen in einem Hotel in Ghazni;
vier Menschen wurden getötet, drei
verletzt.

26. Mai

7. Juni

Mujahedin schießen mit einer Rakete einen sowjetischen Hubschrauber
des Typs MI-8 kurz nach dessen Abheben vom Flugplatz Kandahar ab.

27. Mai

In dreitägigen Kämpfen in der Nähe von Sanglok und Maidanshahr in der
Provinz Wardak töten Mujahedin mindestens 47 afghanische Soldaten und
verwundeten weitere 60.
Es heißt,
auch mehrere Hubschrauber seien abgeschossen worden.

Berichten der Mujahedin zufolge
gelang es ihnen, Teile der Provinz
Paktia zu besetzen, nachdem sie dortige
sowjetisch-afghanische
Truppen
zum Rückzug zwangen.

Unter dem Flugabwehrfeuer der Mujahedin stürzen in Kandahar zwei sowjetische MIG-Kampfflugzeuge ab, die
Verstecke der Mujahedin in der Nähe
der Stadt angegriffen hatten.

Mujahedin
überfallen einen sowjetisch-afghanischen
Militärkonvoi
auf der Landstraße in der Nähe von
Qalat in der Provinz Zabol. Ein Reisender berichtete von zwei brennenden
gepanzerten Mannschaftswagen und den
Leichen von sieben oder acht afghanischen Soldaten. Sowjetische Truppen
in Kampfausrüstung kontrollierten den
Verkehr in dem Gebiet.

8. Juni
Berichten zufolge schössen Mujahedin 20 Meilen nördlich von Kabul
ein großes sowjetisches Transportflugzeug vom Typ IL-76 ab, das, wie
es hieß, zwei Panzerwagen mitgeführt
hatte.

12. Juni
28. Mai
Sowjetisch-afghanische
Truppen
beschießen und zerstören viele Gebäude im Marktbereich von Kandahar. Berichten zufolge wurden 40 Zivilisten
getötet; als Zeichen des Protestes
blieben alle Geschäfte der Stadt geschlossen.
Zuvor hatten Mujahedin einen sowjetisch-afghanischen Angriff zurück-

Najibullah besucht ein Rekrutierungszentrum der Armee in Kabul und
drang darauf, die vom Problem der
Fahnenflucht heimgesuchte afghanische
Armee wieder zu stärken.
In einer
Reihe von Reden kommt er immer wieder
auf das Thema der Verbesserung von
Kampfgeist und Erfolg der Armee zu
sprechen.
Mujahedin

greifen

einen

kleinen

�Militärposten der afghanischen Armee
im Westen Kabuls nahe der alten Kandahar-Landstraße an und töten fünf
Regierungssoldaten.

13. Juni
Mujahedin schössen B e r i c h t e n zufolge zwei Hubschrauber ab und z e r s t ö r t e n fünf Panzer; s i e t ö t e t e n 40
sowjetisch-afghanische
Truppenangehör ige und verwundeten 100 w e i t e r e b e i
Angriffen gegen M i l i t ä r p o s t e n in der
Logar-Provinz.

15. Juni
Mujahedin
töten oder
verwunden
über 200 Soldaten und nehmen 40 sowjetisch-afghanische Truppenangehör ige in der Nähe der Stadt Herat gefangen. Außerdem nehmen sie mehr als 30
militärische Stellungen und auch Teile der Stadt ein, wobei 16 Panzer
zerstört werden.

16. Juni
Vier
Anführer
der
Islamischen
Einheit Afghanischer Freiheitskämpfer
aus Peschawar
in Pakistan
treffen
beim ersten offiziellen Besuch einer
Mujahedin-Gruppe in den Vereinigten
Staaten mit Präsident Reagan zusammen.
Professor Burhanuddin Rabbani,
Vorsitzender der Siebenparteien-Allianz, erklärt, Ziel des Besuches sei
die diplomatische Anerkennung durch
die Vereinigten Staaten.
Präsident
Reagan betont, die Vereinigten Staaten unterstützten das Ziel der Mujahedin, Afghanistan wieder die Freiheit zu bringen, und das amerikanische Volk stünde
ihnen in ihrem
Kampf um die Wiedererlangung der Unabhängigkeit ihres Landes bei. Er
gibt ferner der Hoffnung der Verei- 5

nigten Staaten Ausdruck, durch Verhandlungen könne es zu einem Ende des
Krieges sowie zu einem umfassenden
und raschen Abzug der sowjetischen
Truppen und der Selbstbestimmung für
das afghanische Volk kommen. Auf diplomatische Anerkennung ging er zu
diesem Zeitpunkt nicht ein.

20. Juni
Mujahedin
greifen
das
Gouverneurshaus und das Büro der r e g i e r e n den Kommunistischen P a r t e i in C h a r i k a r , der H a u p t s t a d t der Parwan-Provinz a n ; dabei wurden fünf M i t g l i e d e r
der Wachmannschaft und s i e b e n Angehör i g e der Parcham-Fraktion der Demokratischen
Volkspartei
Afghanistans
getötet.

21. Juni
Mujahedin töten in der Nähe der
Stadt Ghazni zehn bis 14 Sowjets.
Einem Reisenden
zufolge wurde die
ganze Umgebung von Ghazni verwüstet,
damit
ein
unbehindertes
Schußfeld
entstand.

23. Juni
In der Nacht schießen Mujahedin
Raketen auf Kabul; dabei werden viele
öffentliche
Gebäude beschädigt und
mindestens 26 Menschen getötet.

24. Juni
Berichten zufolge war aller Handel zwischen Herat und Kabul unterbrochen; dadurch kam praktisch alle
Geschäftstätigkeit zum Stillstand, da
80 Prozent dieses Handels über Kabul
abgewickelt wird, aber nur der Rest
über Iran.
Seit Anfang Juni halten

�Mujahedin einen Großteil der Stadt
besetzt, während die Regierungstruppen nur im Ostteil dominieren.
Berichten zufolge wurden Mujahedin, die in Grenznähe operierten, vom
Iran angewiesen, keinerlei Operationen mehr innerhalb von 60 Kilometern
entlang
der
Grenze
durchzuführen.
Der Iran ließ Berichten zufolge aber
dem Mujahedin-Führer Gulbuddin Hekmatyar wissen, er dürfe wieder auf
iranischem Gebiet eine Basis errichten.

Afghanische Truppen feuern einige
Granaten
und Raketen nördlich von
Landi Kotal in Pakistans Kheiber-Region ab und verwunden einen Soldaten
des Grenzkorps.

2. Juli
Mujahedin töten acht afghanische
Soldaten in einem Angriff auf Verwaltungsgebäude von Kandahar; dabei erbeuten sie auch Waffen und Munition,
die von den Wachmannschaften zurückgelassen wurden.

25. Juni
Berichten zufolge schießen Mujahedin eine
Militärmaschine
ab, in
der
sich 100 afghanische Soldaten
auf dem Weg von Kabul nach Kandahar
befinden.

Najibullah spricht vor der 19.
Vollversammlung
des
Zentralkomitees
der
Demokratischen Volkspartei Afghanistans und legt die Regierungspolitik dar.

11. Juli
26. Juni
Berichten zufolge wurden afganische Truppen entlang dem pakistanischen Grenzgebiet Balutschistan zusammengezogen,
wo
mindestens
vier
Menschen, darunter drei pakistanische
Soldaten, seit dem 24. Juni durch afghanische Artillerie getötet worden
waren.

27. Juni
Mujahedin vereiteln eine sowjetisch-afghanische Großoffensive in der
Nähe von Urgun in der Provinz Paktika. Die kommunistischen Truppen ziehen ab; zurück bleiben mehrere Tote
und zwei zerstörte Militärfahrzeuge.
Die Mujahedin nehmen 19 Regierungssoldaten gefangen.

1. Juli

Mujahedin nehmen zwei sowjetische
Offiziere in ihrem Geländewagen in
der Nähe der Stadt Ghazni gefangen.
Eine Bombenexplosion in einem Hotel im Basar von Teri Mangal in der
Nähe von Parachinar in der pakistanischen Provinz Kurrum tötete neun afghanische Flüchtlinge und verwundet
15
Menschen.
Vermutungen
zufolge
wurde die Bombe von Agenten des afghanisch-kommunistischen
Geheimdienstes gelegt und beschädigte darüber
hinaus rund 40 Geschäfte.

12. Juli
Afghanische
Regierungstruppen
schießen acht Meilen nordwestlich von
Nawagai in Pakistans Bezirk Mohmand
drei Runden Artilleriefeuer und 20
Raketen ab; dabei wird ein Soldat der
Mohmand-Schützen getötet.

�16. Juli
Sechs Soldaten des afghanischen
Regimes werden in Ghazni getötet, als
Mujahedin einen Geländewagen auf eine
Bombe auffahren lassen.

14. Juli
Kabuler Zeitungen berichten von
Sitzungen eines revolutionären Sondertribunals, das einen der wichtigsten Widerstandsführer des PanjsherTals, Ahmad
Schah
Mahsud,
seinen
Stellvertreter
Mohammad
Panah
und
Mullah Malang
(Aka Saleh Mohammad)
"in absentia" zum Tode verurteilte.
Mujahedin dringen in Paghman in
eine Veranstaltung ein und entführen
vier afghanische Soldaten.
Berichten zufolge töteten Mujahedin 120 Soldaten des afghanischen Regimes, als sie einen großen Militärkonvoi überfielen, der von Kabul in
die Provinz Zabul unterwegs war. Außerdem schössen sie zwei Hubschrauber
ab und zerstörten 14 Panzer und Panzerfahrzeuge .

15. Juli
Mujahedin starten einen zweistündigen, koordinierten Angriff auf die
sowjetische Botschaft, die Wohnsiedlung der sowjetischen Diplomaten, die
KGB-Büros und das sowjetische Kulturzentrum.
Westliche Diplomaten berichteten zudem von einem zweistündigen Gewehr feuer in der Nähe einer Anlage der Sowjetarmee in Darul Aman.
In der Umgebung gab es 25 laute Explosionen und auch kleinere bewaffnete Zwischenfälle in der Nähe vom afghanischen Außenministerium und dem
Büro des Ministerpräsidenten.

Präsident Reagan erklärt gegenüber seinem Besucher, dem pakistanischen
Ministerpräsidenten
Junejo,
Pakistan
gebe dadurch den historischen Traditionen islamischer Gastfreundschaft neue Bedeutung, daß es
fast drei Millionen Afghanen Schutz
gewähre, die gezwungen wurden, vor
der sowjetischen Aggression aus ihrem
Land zu fliehen.
Berichten zufolge gab es schwere
Kämpfe zwischen Sowjets und Mujahedin
in Kandahar. Die Sowjets setzten im
zentralen Basarbereich Panzer und Artillerie ein und töteten 25 Menschen
Dennoch beschränkte sich die sowjetisch-afghanische
Kontrolle
auf den
Flugplatz von Kandahar und auf die 26
Kilometer lange Straße von der Stadt
bis zum Flugplatz, sowie auf einen
kleinen Bereich der Stadt unmittelbar
neben der Herat-Kandahar-Landstraße.

17. Juli
Mujahedin in Ghazni töten sieben
afghanische
Regierungssoldaten.
In
Paktia töten oder verwunden sie mehr
als 70 sowjetisch-afghanische Soldaten und schießen im Logar-Tal südlich
von Kabul ein Flugzeug ab.

19. Juli
Das
Kabuler
Regime
verurteilt
Sayyed Padshah - auch unter dem Namen
Sayyed
Mansur
bekannt,
Sohn
von
Sayyed Mortaza - aus dem Doshi-Distrikt in der Provinz Baghlan, einen
Anhänger Gulbuddins von der Hisb-eIslamic-Bewegung, "in absentia" zum
Tode.

20. Juli
- 7 -

�den acht Soldaten.
Das
Kabuler
Regime
verurteilt
Muhammad Esmail - auch unter dem Namen Turan Esmail bekannt, Sohn von
Mir Muhammad Asiam - aus Miabad im
Shindand-Distrikt in der Provinz Herat, ein Mitglied der Jamiat-e-Islami-Bewegung, "in absentia" zum Tode.

22. Juli
Die
Sieben-Parteien-Allianz
der
afghanischen Mujahedin mit Stützpunkt
in Peshawar in Pakistan kündigt die
Eröffnung von Büros in New York und
Dschidda als Teil ihres Plans an, internationale
Anerkennung
zu erreichen.
Das New Yorker Büro soll dem
Zweck dienen, die Sache der Mujahedin
bei den Vereinigten Staaten voranzutreiben, während das Büro in SaudiArabien darauf abzielt, enge Kontakte
zur Organisation der Islamischen Konferenz herzustellen, der 45 Staaten
angehören.

23. Juli
Die afghanische Armee gibt 30
Runden Artilleriefeuer
in Richtung
Pakistans Bajaur-Provinz ab und verwundet einen Pakistani.

Drei usbekisch-sowjetische Soldaten ergeben sich Berichten zufolge
den Mujahedin in Ghazni.

26. Juli
Mujahedin zerstören bei einem Raketenangriff auf den Militärflugplatz
Bagram im Norden Kabuls drei sowjetische Hubschrauber. Berichten zufolge wurde im Verlauf dieses Angriffs
auch ein sowjetischer Soldat gefangengenommen .

27. Juli
Sechs
afghanische
Flüchtlinge
kommen um, drei weitere werden verwundet, als der Wagen, in dem sie unterwegs waren, bei einem Flüchtlingslager in der Nähe von Sadda in der
pakistanischen Provinz Kurrum auf eine Mine fuhr .
Bei anhaltenden Kämpfen in Kandahar nehmen Mujahedin fünf sowjetische
Soldaten gefangen und überrennen mehrere
kleine
sowjetisch-afghanische
Posten, von denen die zu einem Großteil von Mujahedin beherrschte Stadt
umgeben ist.

25. Juli
28. Juli
Eine Gruppe von 200 afghanischen
Kindern wird in die Sowjetunion geschickt; dadurch steigt die Gesamtzahl seit 1980 auf 6500.
Radio Pakistan
zufolge
zielt das Programm
darauf ab, aus den Kindern Sympathisanten der Sowjetunion zu machen.
Afghanische
Truppen
feuern
40
Mörserrunden in einen Posten des pakistanischen Grenzkorps in Charaan in
der Provinz Belutschistan und verwun-

Generalsekretär
Michail
Gorbatschow kündigt den Rückzug sechs sowjetischer Regimenter aus Afghanistan
zum Jahresende an.
Larry Speakes,
der Sprecher des Weißen Hauses, betont, nur ein sofortiger und vollständiger Abzug aus Afghanistan biete
eine Lösung der sowjetischen Invasion
dieses Landes.
Der

Rückzug

betrifft

rund

6000

�Mann, zum größten Teil Luftabwehreinheiten, die ohnehin in Afghanistan
nicht
erforderlich
sind.
Speakes
verweist auch darauf, daß ähnliche
Ankündigungen
in der
Vergangenheit
nichts
anderes als
Truppenrotation
bzw. Truppenaustausch bedeutet hätten.

29. Juli
Afghanische
Einheiten, von sowjetischen Truppen unterstützt, starten eine neue Offensive im Süden und
Südwesten
Afghanistans.
Westlichen
Diplomaten zufolge kam es dabei zu
großen Verlusten unter der Zivilbevölkerung. Schwere Kämpfe gibt es im
südlichen Logar-Tal, wo die Sowjets
Standorte der
Mujahedin mit einem
neuen Panzertyp, wahrscheinlich einer
verbesserten Version des T-72, angreifen .
Die Mujahedin ihrerseits greifen
einen aus 75 Fahrzeugen bestehenden
sowjetisch-afghanische
Konvoi
an,
der von Kabul nach Pol-e-Alam unterwegs ist.
Dabei zerstören sie vier
oder fünf Panzer und beschädigen andere
Militärfahrzeuge;
Der
Konvoi
wird dadurch zur Umkehr gezwungen.
In Ghazni
überfallen
Mujahedin
einen Konvoi und töten mehrere Soldaten. In einer fünfstündigen Schlacht
in der nahegelegenen Provinz Zabul
töten oder verwunden sie über 100 afghanische Soldaten.

31. Juli
Die von den Vereinten Nationen
unterstützten Gespräche über Afghanistan werden in Genf einen Tag nach
dem vereinbarten Termin fortgesetzt.

nen
sowjetisch-afghanischen
Konvoi;
es gibt eine große Zahl Tote und Verwundete .

1. August

Tausende
sowjetischer
Soldaten
beginnen,
unterstützt
von
schwerer
A r t i l l e r i e , einen Großangriff
gegen
die Mujahedin in Paghman im Westen
Kabuls. Dies geschieht in Vergeltung
zu einem Mujahedin-Angriff auf einen
M i l i t ä r p o s t e n in d i e s e r Gegend, b e i
dem d r e i Soldaten umkamen.
Sowjetische SU-25 und möglicherweise auch
andere
sowjetische
Flugzeugtypen
f l i e g e n Bombeneinsätze, bei denen es
Augenzeugen zufolge zu 300 Meter hohen Staubfahnen kam. Westliche Diplomaten in dem Erholungsgebiet beim
Kharga-See b e r i c h t e t e n , wie e i n e Rak e t e , möglicherweise eine SAM-7, nur
knapp e i n e SU-25 v e r f e h l t e .
Ein f r a n z ö s i s c h e r H e l f e r , der von
seiner
Arbeit
als
Agrarspezialist
beim
Afghanischen
Internationalen
Büro h e i m k e h r t e , b e r i c h t e t e von etwa
150 afghanischen Dorfbewohnern,
die
im vergangenen A p r i l g e t ö t e t wurden,
als
Regierungstruppen,
von
Sowjets
u n t e r s t ü t z t , e i n e Offensive gegen e i n
von den Mujahedin
g e h a l t e n e s Dorf
rund 100 Kilometer n o r d ö s t l i c h von
Jalalabad
einleiteten.
Das
ganze
Ausmaß der Verwüstung wurde e r s t im
vergangenen Monat durch die v e r s c h i e denen
Erklärungen
von
Flüchtlingen
bekannt, die vor den Kämpfen b e i S o l tan geflohen waren, a l s s o w j e t i s c h afghanische Truppen v e r s u c h t e n , das
Darreh-ye-Nur-Tal zu e r o b e r n , das für
d i e Mujahedin e i n e w i c h t i g e V e r s o r gungsroute d a r s t e l l t .

5 . August
Mujahedin
überfallen
auf
der
Landstraße von Kabul nach Ghazni ei-

i

Bei schweren

Kämpfen

in Urgun in

�der Provinz Paktika verloren Berichten zufolge die Mujahedin Anfang Augast in diesem Gebiet 20 Prozent ihrer Streitmacht.

6. August
Mujahedin greifen in der Nähe der
Landstraße von Jalalabad nach Kabul
einen
sowjetisch-afghanischen
Truppenkonvoi an, zerstören vier Panzer
und töten deren Besatzung.

8. August
Pakistan und Afghanistan unterbrechen die achte Runde ihrer von den
Vereinten Nationen unterstützten indirekten Verhandlungen in Genf, ohne
zu einer Vereinbarung
zu gelangen
oder einen Zeitpunkt für weitere Runden festzulegen.
Man befindet sich
in einer Sackgasse, da kein definitiver Zeitplan über einen sowjetischen
Truppenabzug oder eine Vereinbarung
über eine Überwachung der Einhaltung
eines Abkommens zustandegekommen war.
Pakistan fordert einen vollständigen
Abzug
über
mehrere Monate hinweg,
während die Sowjets einen schrittweisen Rückzug über mehrere Jahre verlangen .
Mujahedin feuern Raketen auf Kabul ab und zerstören das Kommunikationszentrum
der
polnischen
Botschaft. Von den 20 bis 30 Raketen,
die auf verschiedene Teile der Hauptstadt niedergehen, trifft eine auch
die sowjetische Botschaft.

10. August
über 60 sowjetische Hubschrauber
fliegen eine Angriffsmission zum Logar-Tal in Unterstützung eines großen
sowjetischen Militärkonvois, der Ka-

bul in Richtung Süden verließ. Zuvor
hatte es Berichten zufolge am 29. Juli eine schwere Schlacht mit den Mujahedin gegeben, in der 20 afghanische Soldaten getötet wurden.
Doch
behielten
die sowjetischen
Truppen
die Oberhand und feuerten, wie ein
Augenzeuge berichtete, auf alles, was
sich in den Bergen bewegte.

LI. August
Mujahedin legen im Flughafen von
Jalalabad eine Bombe; mindestens 15
Personen wurden getötet, etwa 30 verwundet.
Die Bombe explodiert kurz
vor dem Start eines Flugzeugs nach
Kabul in der Abflughalle. Es heißt,
einer der
für die Sicherheit des
Flughafens Zuständigen - ein Anhänger
der Mujahedin - habe die Bombe gelegt.
In den Bergen von Zentrallogar
kommt es zu Kämpfen zwischen Mujahedin und sowjetischen Einheiten; die
Sowjets müssen sich aus dem Gebiet
zurückziehen. Von den Mujahedin gelegte Minen zerstören vier sowjetische Panzer.

12. August
Etwa 150 afghanische Jugendliche
im Alter zwischen 15 und 17 Jahren
werden beim Abflug vom Kabuler Flughafen in Richtung Sowjetunion beobachtet. Zuvor hatte eine Zeitung davon berichtet, daß Kabul und Moskau
ein Protokoll unterzeichnet hatten,
das die Ausbildung 1800 junger Afghanen in sowjetischen Bildungsstätten
unterschiedlichen Niveaus im akademischen Jahr 1986/87 vorsah.
Schätzungen zufolge gingen rund 1200-1400
Schüler bzw. Studenten im akademischen Jahr 1985/86 in die Sowjetunion. Es gibt jedoch auch Berichte,
denen zufolge ein Studium in der So-

- 10 -

�wjetunion bei den afghanischen Jugendlichen
immer
unbeliebter
wird,
weil ihre Bewegungsfreiheit in der
Sowjetunion
immer
mehr
beschränkt
wird und die sowjetischen Behörden
den ankommenden afghanischen Studenten
wilLkürLiche
Änderungen
ihres
Lehrplans auferlegen.

13. August

Mujahedin z e r s t ö r e n in Logar 16
sowjetisch-afghanische
Panzerfahrzeuge mit Minen und schießen bei Kämpfen
zwei S t a r r f l ü g l e r - F l u g z e u g e a b .

Farkhar
in den Bergen der Provinz
Takhar.
O r g a n i s i e r t von Ahmad Shah
Mahsud, der vor kurzem aus dem P a n j s her-Tal
in d i e s e s Gebiet gekommen
war, t ö t e n Mujahedin der J a m i a t - e - I s lami-Bewegung 110 afghanische S o l d a ten und nehmen 210 gefangen.
Die
V e r l u s t e auf e i g e n e r S e i t e belaufen
sich auf fünf Tote und acht V e r l e t z te.
Erbeutet wird e i n e 76-mm-Kanone
sowie 70 Tonnen Munition und V e r s o r gungsgüter.
Ein vorangegangener Ang r i f f d r e i Tage früher war e r f o l g l o s
geblieben.

2 1 . August
Afghanische Truppen geben im Ber e i c h von Shilman in der p a k i s t a n ischen Khyber-Provinz 79 Runden Art i l l e r i e f e u e r ab und verwunden dabei
einen p a k i s t a n i s c h e n Z i v i l i s t e n sowie
zwei afghanische F l ü c h t l i n g e .

Afghanische Artillerie beschießt
ein Dorf in der Nähe des Nawa-Passes
im pakistanischen Bezirk Mohmand; dabei wird ein Pakistani getötet und
ein weiterer verwundet.

14. August

22. August

Mujahedin töten bei Kämpfen in
der Nähe von Asmar in der Provinz
Kunar 42 sowjetisch-afghanische Soldaten.
Außerdem
zerstören sie 13
Panzerfahrzeuge,
zwei
Kanonen
und
treffen drei Panzer.

Bei erneuten
Kämpfen
in Logar
zerstören Mujahedin sechs Armeefahrzeuge und nehmen einen sowjetischen
Offizier sowie sechs afghanische Soldaten gefangen.

23. August
17. August
Mujahedin jagen ein Munitionsdepot des Luftwaffenstützpunktes Bagram
mit Zeitbomben in die Luft.
Dabei
werden
drei
Hubschrauber
auf der
Landebahn beschädigt.

20. August
Mujahedin
überrennen
in
einem
einstündigen Überraschungsangriff am
Morgen eine mit 320 Soldaten belegte
Kaserne
der
afghanischen Armee in

Nach einem Angriff auf
sowjeti s c h - a f g h a n i s c h e Truppen in der P r o vinz
Badakhshan
und
einwöchigem
Kampf, bei dem 14 zumeist von Sowjets
bemannte M i l i t ä r p o s t e n z e r s t ö r t werden, erobern d i e Mujahedin eigenen
Aussagen zufolge d i e K o n t r o l l e des
Wadaruj-Passes zurück, der zum PamirTal f ü h r t .
Sie t ö t e n dabei über 80
sowjetische S o l d a t e n , nehmen 92 gefangen und erobeen e i n e große Menge
an Waffen und Munition.

- 11 -

�Berichten zufolge 50 bis 100 Menschen
durch die Explosion getötet.

24. August
Einem unbestätigten Bericht aus
Kabul zufoLge ist eine Eisenbahnlinie
zwischen
dem sowjetischen
Grenzort
Hayratan und Mazar-I-Sharif geplant,
bzw. bereits begonnen, wobei bereits
Pläne
einer
späteren
Weiterführung
der Linie bis nach Kabul bestehen
sollen.

25. August
Zwei Offiziere der pakistanischen
Armee, ein Major und ein Hauptmann,
werden von afghanischer Miliz gefangengenommen, als sie sich unbewaffnet
und in Trainingsanzügen außerhalb eines Grenzpostens
in der pakistanischen Provinz Baluchistan bewegten.
Sie werden ergriffen, in einen Geländewagen
gesteckt
und
über
die
Grenze gebracht. Dies ist das erste
Mal, daß ein Offizier oder Soldat der
pakistanischen
Armee auf pakistanischem Boden selbst von afghanischen
Armeeangehör igen
gefangengenommen
wird.

26. August
Eine gewaltige Explosion zerstört
ein Munitionslager im Hauptquartier
der 8. Division der afghanischen Armee in der Nähe des Kharga-Sees, 8
Kilometer westlich von Kabul.
Die
fünfstündige "vulkanartige" Explosion
zerstört im Zentrum Kabuls die Fensterscheiben. Obwohl das Kabuler Regime die Explosion als einen Unfall
bezeichnet, wird angenommen, daß das
Lager nach einem Raketenangriff der
Mujahedin in die Luft ging. Bis dahin
hatten
die
Mujahedin
bereits
mehrmals Raketen auf das Lager abgefeuert, doch ohne das Munitionslager
zu treffen. Trotz gegenteiliger Behauptungen des Kabuler Regimes wurden

Abdul Haq, dem Kommandeurs der
Hisb-e-Islami zufolge waren es deren
Raketen, die das Lager trafen. Haqs
Gruppe von 600 Mujahedin feuert 107mm-Raketen auf mehrere militärische
Ziele um Kharga und das nahegelegene
Paghman.
Drei der Raketen treffen
Waffendepots und verursachen Explosionen. Haq und seine Männer erklären, die Explosionen hätten die Kasernen der 8. afghanischen Ärmeedivision schwer beschädigt und zu erheblichen Verlusten bei den Soldaten geführt.
Sie filmen außerdem den Angriff und kehren zu ihrem eigenen Lager zurück ohne unter Feuer gekommen
zu sein.
Westlichen Diplomaten zufolge wurden rund 20 Häuser um Kharga
beschädigt.

31. August
In Kabul wird unter der Leitung
Najibullahs der Pashtunistan-Tag begangen. Von den 5000 zur offiziellen
Feier
erschienenen
Personen
sollen
Berichten zufolge rund 1000 pakistanische Studenten gewesen sein, die übrigen hauptsächlich Stammesangehörige
der afghanisch-pakistanischen Grenzgebiete.
Jüngsten Berichten ist zu
entnehmen, daß eine immer
größere
Zahl pakistanischer Pashtun-Studenten
zur "kostenlosen" Ausbildung nach Kabul - und von dort in die Sowjetunion
geht.

2. September
Das Regime in Kabul gibt ein Programm bekannt, demzufolge fast 30 000
afghanische
Familien
"aus
wirtschaftspolitischen Gründen" aus den
östlichen Provinzen Paktia, Kunar und
Laghman in die südwestlichen Provin-

- 12 -

�zen Farah, Jelmand und Nimroz umgesiedelt werden sollen.
Obwohl das
Regime behauptet, es stelle den Umgesiedelten besseres Land zur Verfügung, so scheint doch der wahre Grund
in der absichtlichen Entvölkerung der
drei Ostprovinzen zu liegen, damit
dann
afghanisch-sowjetische
Streitkräfte in einem Gebiet voller Mujahedin-Stellungen frei operieren können
und leichten Zugriff auf den aus Pakistan
kommenden Nachschub
haben.
Darüber hinaus handelt es sich bei
den drei südwestlichen Provinzen an
der
iranisch-pakistanischen
Grenze
weitgehend um Wüste, in der erhebliche Bewässerungsprogramme notwendig
wären, um sie so fruchtbar zu machen
wie die Ostprovinzen. Dem Regime in
Kabul zufolge ist die Umsiedlung jedoch "freiwillig" und Bestandteil einer langfristigen Entwicklungsstrategie.
Dem augenblicklichen Fünfjahresplan des Regimes zufolge, der im
vergangenen März in Kraft trat, werden
voraussichtlich
45 000
Hektar
Land in Helmand und Nimroz bewässert
werden, so daß dort bis zu 15 000 Familien leben können.

3. September
Mujahedin unternehmen eine Reihe
von Angriffen auf die Truppenunterkunft Jaji in der Provinz Paktia mit
Boden-Boden Flugkörpern, Raketen und
Granatwerfern, mit denen Berichten
zufolge eine Kaserne dem Erdboden
gleichgemacht wird.
Die Mujahedin greifen ferner das
Hauptquartier des Geheimdienstes KHAD
und die Militärbasis in der Stadt
Kandahar an.

4. bis 20. September
Unbestätigte Berichte weisen dar-

auf hin, daß acht sowjetische und 15
afghanische Soldaten in der Nähe des
Kargha-Sees gefangengenommen wurden,
als
afghanisch-sowjetische
Truppen
eine ihrer größten Offensiven in der
Gegend von Paghnam nordwestlich von
Kabul starteten.
Die Offensive beginnt am 4. September, dauert bis zu
einem vorläufigen Stillstand drei Tage und wird dann am 12. September
wieder aufgenommen.
Berichten zufolge wurden von 38
Hubschraubern Truppen in dem Gebiet
abgesetzt und die Berge um die Stadt
Paghman von Flugzeugen des Typs SU-25
bombardiert.
Eine Batterie Artillerie auf Selbstfahrlafetten wurde südlich des Kargha-Sees in Stellung gebracht, um den Widerstand in diesem
Gebiet zu ersticken.
Mujahedin bombardieren
von
ihren Stellungen in
Paghman aus den für Kabul wichtigen
Stützpunkt Kargha und andere wichtige
Punkte in der Stadt; als ein Höhepunkt ist die spektakuläre Explosion
des Munitionsdepots der 8. afghanischen Armee im August anzusehen.
Weiterhin haben die Mujahedin Berichten
zufolge südlich der Stadt
Paghman einen Hubschrauber abgeschossen und in der Stadt selbst zwei Offiziere der afghanischen Armee und
drei Soldaten getötet.
Verschiedene
Berichte schätzen, daß 10 bis 15 Soldaten des Kabuler Regimes täglich bei
in Kämpfen um Paghman umkommen und
daß das Kabuler 400-Betten-Hospital
Wazir Akbar Khan die Verwundeten bereits auf den Fluren von wenigstens
zwei Etagen unterbringen muß.

8. September
Die Mujahedin behaupten, sie hätten eine militärische Stellung in der
Umgebung
von Kandahar
angegriffen,
ein Munitionsdepot und ein Lager für

- 13 -

�militärischen Nachschub gesprengt und
ferner 50 afghanisch-sowjetische Soldaten verwundet oder getötet.

9. September
Der
Presse
in
Kabul
zufolge
trifft der Vorsitzende von Pakistans
nationaler Awami-Partei, Abdul Wali
Khan, mit Abdurrahim Hatef, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Nationalen Vaterlandsfront der Demokratischen Republik Afghanistan zusammen,
der ihm die Medaille der Nationalen
Vaterlandsfront verleiht. Später besucht Wali Khan den Bezirk Paghman in
der Provinz Kabul, wo er an einer Gedenkstätte Kränze niederlegt. Er wird
dabei von Najibullah, Premierminister
Sultan Ali Keshtmand und Parteisekretär Nur Ahmad Nur begleitet.

11. bis 24. September
Mujahedin töten in dem strategisch wichtigen, im Norden Kabuls gelegenen Pajnsher-Tal bei etwa 12 Angriffen 115 sowjetische und afghanische Soldaten. Bei einem dieser Angriffe sprengen sie mit Hilfe einer
Zeitbombe, die sie in einem LKW des
Kabuler Regimes plaziert hatten, 70
Militärfahrzeuge, darunter auch Panzer.
Bei
einem
weiteren
Angriff
schössen
sie einen Kampfhubschrauber
ab und zerstören einen Panzer.
Die
Zunahme von Operationen der Mujahedin
ist wahrscheinlich eine Reaktion auf
einen Aufruf von Burhanuddin Rabbani,
dem Führer der afghanischen Jamiate-Islami-Gruppe, die das Tal kontrolliert.
Die
Angriffe
werden
durchgeführt, um den wachsenden Druck
auf Stellungen der Widerstandskämpfer
in der westlichen Provinz Herat zu
vermindern.

12. September
Mujahedin haben Berichten zufolge
mehr als 100 afghanisch-sowjetische
Soldaten getötet, 19 Panzer und Militärfahrzeuge zerstört und ein
sowjetisches Kampflugzeug vom Typ MIG
abgeschossen, als afghanisch-sowjetische Soldaten einen von den Mujahedin kontrollierten Teil Herats angriffen.
Bei
einer
Pressekonferenz
in
Washington D.C. beschreibt Mohammad
Zalmy, ein afghanischer Wissenschaftler und ehemaliger
Richter, viele
Fälle
von
sowjetischen
Menschenrechtsverletzungen
in
Afghanistan.
Zalmy, der Präsident des Nationalen
Komitees für Menschenrechte in Afghanistan mit Sitz in Peshawar (Pakistan), berichtet, daß 2 000 bis
2 500 Kinder im Alter von vier bis
elf Jahren gewaltsam in die Sowjetunion gebracht werden, um sie dort zu
indoktrinieren.
Er zieht ferner die
jüngste Zerstörung der Großen Moschee
in Herat als Beispiel dafür heran,
wie die Sowjets versuchen, den Islam
in Afgfhanistan auszulöschen.
Das afghanische
Regime hat 35
Meilen
von
Peshawar
entfernt
bei
Torkham am Khyber-Paß seine Grenze zu
Pakistan geöffnet, um den Pakistanis,
die den von einer einwöchigen Reise
in die Sowjetunion und Afghanistan
zurückkehrenden pakistanischen Politiker Abul Wali Khan begrüßen wollten, freien Zugang zu schaffen. Hunderte von Mitgliedern seiner AwaiPartei begeben sich drei Meilen ins
afghanische
Landesinnere,
während
Stammeskrieger
aus dem Grenzgebiet
mit Kalaschnikows in die Luft schießen und "Nieder mit Amerika" rufen.
Der in einer Wagenkolonne in Peshawar
einfahrende Wali Khan hält eine Kundgebung ab, bei der er die Vereinigten
Staaten beschuldigt, mit Hilfe Pa-

�kistans in Afghanistan zu intervenieren. Ihm zufolge kann der Frieden in
der Region nur wiederhergestellt werden, wenn die afghanischen Flüchtlinge in ihr Land zurückgeschickt werden, um an den Wahlen teilzunehmen,
von denen Wali Khan berichtet, daß
sie im Augenblick in verschiedenen
afghanischen
Provinzen
abgehalten
werden.

13. September
Mujahedin
zerstören
mindestens
ein Flugzeug
und beschädigen drei
weitere in jüngsten Raketenangriffen
auf den Flughafen Jalalabad. Sie berichten, daß sie etwa 37 Raketen auf
Abstellplätze für militärische Transportflugzeuge und Hubschrauber abgefeuert hätten und daß bei den Explosionen wenigstens zehn Soldaten des
afghanischen Regimes umgekommen oder
verwundet worden seien.
Die Mujahedin durchkreuzen ferner
einen Versuch der afghanisch-sowjetischen Streitkräfte, sie aus Stellungen rund um die belagerte Garnisonsstadt Urgun in der Provinz Paktia zu
verdrängen.
Sie behaupten, der Konvoi sei gezwungen gewesen, auf Ghazni
auszuweichen, nachdem er nicht genau
bestimmbare Verluste an Soldaten und
Ausrüstung hinnehmen mußte.
Drei Fahrzeuge, davon eins vom
Internationalen
Roten Kreuz
(ICRC)
und zwei vom High Commissioner for
Refugees (UNHCR) wurden in Alizai, im
Bezirk Kurrum, entweder von unzufriedenen
ortansässigen
Stammeskriegern
oder von Saboteuren des Kabuler Regimes schwer beschädigt.

gigen Gegend um Dakka, sieben Meilen
im
Inland
von
Afghanistan,
fest.
Diese werden getötet, als man bei
ihnen belastende Sabotagepläne, die
in Pakistan durchgeführt werden sollen sowie Sprengmittel findet.

16. September
Zwei afghanisch-sowjetische Flugzeuge
verletzen den
pakistanischen
Luftraum über Teri Mangal und werfen
Bomben ab, durch die zwei afghanische
Flüchtlinge getötet und ein weiterer
verletzt werden. Später werfen sechs
afghanische Flugzeuge dreizehn Bomben
ab und feuern vierzig Raketen auf das
Gebiet von Peiwar Kotal im Bezirk
Kurram.
Vier Mitglieder der Miliz
von Kurrum werden verletzt.

17. September
Zwei afghanisch-sowjetische Flugzeuge
verletzen den
pakistanischen
Luftraum, indem sie im Gebiet acht
Meilen nordwestlich von Miranshah im
nördlichen Bezirk von Waziristan Bomben abwerfen.
Bei diesem Angriff
wird ein Zivilist getötet und ein
weiterer verletzt.
Ein US-Vertreter bei der Konferenz
über
amerikanisch-sowjetische
Beziehungen
in
Riga
(Lettland),
Helmut Sonnenfeldt, sagt, die Vereinigten Staaten hätten kein besonderes Interesse an Afghanistan, außer
daß sie es gern blockfrei und mit
sich selbst und seinen unmittelbaren
Nachbarn im Frieden sehen würden.

19. September
Afghanische Mujahedin nehmen fünf
Agenten des Geheimdienstes KHAD des
Kabuler Regimes auf der Straße von
Jalalabad nach Torkham, in der gebir-

Afghanische
Streitkräfte
feuern
15 Artilleriegranaten in die Stadt
Chaman in der Provinz Belutschistan

- 15 -

�Berichten zufolge haben Mujahedin
im Gebiet von Gardez in Paktia 150
afghanische Soldaten verwundet oder
getötet.
Sie behaupten ferner, zwei
Panzer zerstört und zwei "Kommandeure" gefangengenommen zu haben.

bern sowjetischer Bauart, die bei ihrem Anflug auf den Flughafen von Jalalabad explodierten. Die Islamische
Afghanische Presse, die die Meldung
veröffentlichte, berichtet, daß von
Mujahedin abgefeuerte Boden-Luft-Raketen den Absturz der Hubschrauber
verursachten.
Die Nachrichtenagentur
der Mujahedin mit Sitz in Peshawar
berichtet,
daß
afghanische-sowjetische Flugzeuge nach dem Zwischenfall
in der Gegend von Jalalabad Vergeltungsbombardements durchführten.

20. September

28. September

Aus der Provins Wardak wird von
der Meuterei einer Einheit der afghanische Armee berichtet. Berichten
zufolge
weigerten
sich
afghanische
Soldaten, für ihren Angriff auf eine
Stellung der Mujahedin ein Minenfeld
zu durchqueren.
Statt dessen hätten
sie das Feuer auf ihre sowjetischen
Kameraden eröffnet, die von ihnen
verlangt hatten, bei dem Angriff die
Spitze zu übernehmen.
Es wird berichtet, daß sich die Mujahedin mit
den Rebellen zusammengeschlossen haben. Einige der Meuterer sollen später zusammengetrieben und von sowjetischen
Soldaten
erschossen
worden
sein.

Beim sowjetischen Handelszentrum
in der Nähe der sowjetischen Botschaft
explodiert
eine
Autobombe.
Radio Kabul zufolge werden bei der
Explosion drei Menschen getötet und
eine Person verletzt. Ferner werden
dadurch Mitglieder einer sowjetischen
Besuchsdelegation aufgeschreckt, die
vom Ersten Stellvertretenden Vorsitzenden des sowjetischen Ministerrates, vsevewlod Serafimovitsch Murakowsky angeführt wird wie auch der
afghanische Spitzenpolitiker Najibullah und Premierminister Sultan Ali
Keshtmand.
Die sowjetische Delegation nimmt in Kabul am 6. Treffen der
Afghanisch-Sowjetischen
Ständigen
Zwischenstaatlichen
Kommission
für
Wirtschaftliche Kooperation teil.

(Pakistan) an der Grenze zur Provinz
Kanadahar. Dabei werden zwei Frauen
und neun Kinder verletzt.

19./20. September

23. September
r

Afghanisch-sowjetische
Flugzeuge
verletzen pakistanischen Luftraum und
feuern 31 Raketen auf das Gebiet von
Teri Mangal im Bezirk Kurrum. Dabei
werden drei pakistanische Bürger und
zwei afghanische Flüchtlinge verletzt.

Westlichen Diplomaten zufolge war
bei der Berichtigung der beiden für
den öffentlichen Verkehr freigegebenen Seiten des sowjetischen Komplexes
keine Beschädigung der Fassaden zu
erkennen.

8. Oktober
25. September
In Peshawar eintreffende Augenzeugen berichten von zwei Hubschrau-

Der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger nennt den Abzug
einiger sowjetischer Truppen aus Af16 -

�ghanistan "eine List". Bei einem Interview mit der Fernsehgesellschaft
ABC, das Weinberger in Peking während
einer Chinareise führte, sagte er,
die Sowjets hätten erst vor einigen
Wochen neue Truppen nach Afghanistan
verbracht, so daß sie eine gleichgroße Zahl von Soldaten abziehen und
trotzdem ihre bisherige Truppenstärke
aufrechterhalten könnten.

9. Oktober
Amerikanische
und
pakistanische
Afghanistan-Experten
weisen
darauf
hin, daß die Zunahme terroristischer
Bombenanschläge
in
pakistanischen
Städten an der Grenze zu Afghanistan
neuerlich Anlaß zu der Befürchtung
gäben, der
"starke Mann" Afghanistans, Najibullah, könnte in Pakistan
eine Sabotageaktion planen. Ein pakistanischer Experte hält dem entgegen, Najibullah könne angesichts seiner früheren Beziehungen zu
Peshawar, wo er seine Jugend verbrachte,
eher dazu neigen, ethnische Probleme
in Pakistan schaffen.
Dem amerikanischen Außenministerium zufolge wurden in der ersten
Hälfte des Jahres 1986 mehr pakistanische
und
afghanische
Flüchtlinge
durch terroristische Bombenanschläge,
Artilleriebeschuß
über die Grenzen
hinweg und Luftraumverletzungen durch
sowjetische und afghanische Flugzeuge
getötet als im gesamten Jahr 1985.

10. Oktober
50 bewaffnete afghanische Soldaten haben sich Berichten zufolge in
der Nähe von Kandahar ergeben.
Es
gibt ferner einen unbestätigten Bericht, wonach der Gouverneur der Provinz Kandahar
ausgewechselt wurde,
weil die Mujahedin in der Stadt an

Boden gewonnen hatten.

1. Oktober
Einem Kommentar
der
"Voice of
America" zufolge hat das afghanische
Regime in Shaka Darra nahe Kabul eine
Kapitulation
von
Mujahedin
inszeniert. Wie afghanische Bewohner umliegender
Dörfer
berichten, holten
Soldaten des Regimes alle Männer der
Dorfes zusammen und stellten sie für
ein Photo auf, das 500 Mujahedin
zeigt, die ihre Waffen niederlegen.

13. bis 19. Oktober
Der angekündigte Abzug von sechs
sowjetischen Regimentern aus Afghanistan gibt Anlaß zu Kontroversen.
Westlichen
und anderen Journalisten, die eingeladen worden waren,
um über den sowjetischen Abzug von
sechs Regimentern aus Afghanistan zu
berichten, wurden eng gefasste Sicherheitsbeschränkungen
auferlegt,
und sie hatten sich einem genau festgelegten Ablauf zu unterwerfen.
Die
meisten der 140 Journalisten, darunter 14 aus westlichen Ländern, werden
vom 13. bis zum 19. Oktober in Kabul
festgehalten, und bekommen nur kurze
Ausflüge nach Shindand und Kunduz genehmigt.
In Kabul sahen die Journalisten
ganz kurz ein abziehendes Flugabwehrregiment bei seiner Parade durch die
Stadt zur Salang-Tunnel-Autobahn, die
in die Sowjetunion führt. Die Fahrzeuge des Konvois schienen neu zu
sein und zeigten kaum Anzeichen von
Einsätzen im Kampf.
In Sindand interviewten die Journalisten Soldaten eines Panzerregiments, die angaben, bei ihrem Einsatz

- 17 -

�in Afghanistan noch nie Kampfhandlungen odec Mujahedin begegnet zu sein.

ten abgeschossen haben.

In Kunduz wurden sie am 17. Oktober Augenzeugen des Abzugs eines motorisierten Schützenregiments und bemerkten, daß die meisten Fahrzeuge
LKWs waren und keine Kettenfahrzeuge,
wie sie normalerweise zu einem solchen Regiment gehören.
Aus diesem
Grund wurde angenommen, daß die Einheit nur in geringem Maß einsatzbereit oder möglicherweise
überhaupt
nicht echt, sondern speziell zum Vorzeigen zusammengestellt worden sei.

23. Oktober

Am 15. Oktober sagte der pakistanische Präsident Zia-ul-Haq, daß
Schätzungen
des pakistanischen Geheimdienstes zufolge in den vergangenen Monaten 15 000 neue sowjetische
Soldaten nach Afghanistan geschickt
worden seien.

16. Oktober
Der amerikanische Verteidigungsminister Weinberger äußert bei seinem
Besuch in Pakistan, er schließe angesichts
der
afghanisch-sowjetischen
Verletzungen des pakistanischen Luftraumes die Bereitstellung von AWACS
für Pakistan nicht aus.

19. Oktober
Einheiten der Mujahedin greifen
nahe der Südseite des Salang-Tunnels
die Fahrzeugkolonne eines der abziehenden
Flugabwehrregimenter
an und
töten Berichten zufolge 30 bis 35 sowjetische Soldaten, nachdem sie zunächst die Spitzen- und Schlußfahrzeuge zerstört hatten.
Westliche
Diplomaten
bestätigen
Berichte, daß Mujahedin in der Gegend
von Kabul zwei Hubschrauber mit Rake-

Der afghanische Pilot eines sowjetischen
Kampfflugzeuges
vom Typ
MIG-21 desertiert nach Pakistan und
landet auf dem Flufhafen Kohat in der
nordwestlich gelegenen Provinz an der
Grenze
zu Afghanistan.
Der Pilot
bittet um politisches Asyl, was ihm
auch gewährt wird.
Vier
afghanische Flugzeuge sowjetischer Bauart verletzen pakistanischen Luftraum und feuern Raketen
auf den Bezirk von Nord-Waziristan.
Dabei findet ein Dorfbewohner den Tod.

27. Oktober
Ein Kommandeur der Mujahedin von
Kandahar, der sich sich zu Besuch in
Peshawar aufhielt, entwarf das düstere Bild einer Stadt, die in den vergangenen sechs Jahren ununterbrochene
Kampfhandlungen erlebt hat.
Mullah
Malang berichtet, von 11 000 Geschäften einer einstmals blühenden Stadt
gäbe es nur noch 2 000 und Elektrizität sei nur aus kleinen benzinbetriebenen Generatoren und ausschließlich
für den Flughafen
und andere Einrichtungen der Regierung erhältlich.
Kanadahars Radiostation und das Telefonnetz seien zerstört.
Der Kommandeur berichet weiter,
daß
es
afghanisch-sowjetischen
Streitkräften im September nicht gelungen sei, Soldaten der Mujahedin
aus der Stadt zu vertreiben.
Radio Kabul berichtet von der
Teilnahme des afghanischen Machthabers Najibullah und anderer hoher Beamter an der Beerdigungszeremonie für
ihren getöteten Genossen Mahammad Ali

- 18 -

�Samim, Mitglied des Zentralkomitees
der PDPA und Sekretär des Parteikomitees der Provinz Herat. Angaben zufolge reiste er mit dem Auto in ein
abgelegenes Dorf
in der Gegend von
Golran in der Provinz Herat, als eine
von Mujahedin gelegte Mine hochging.
Anderen
Berichten
zufolge
könnte
Samim von gegnerischen Parteimitgliedern oder vom Regime für seine Verbindungen zu den Mujahedin erschossen
worden sein.
Eine möglicherweise von Agenten
des afghanischen Geheimdienstes KHAD
gelegte Bombe geht in Zahidan, im
Osten
Irans,
vor
dem
ehemaligen
Hauptquartier einer afghanischen Oppositionspartei hoch. Bei der Explosion werden neun Menschen verletzt
und die Fensterscheiben aller Häuser
und Geschäfte im Umkreis von 100 Metern gehen zu Bruch.
Mujahedin
schießen
einen
Hubschrauber in der Provinz Wardak ab.
Dieser in der Nähe von Maidanshahr
abgeschossene
Kampfhubschrauber
vom
Typ MI-24 wurde Berichten zufolge in
zwei Hälften zerrissen, als ihn eine
Rakete der Mujahedin traf. Augenzeugen berichten später, daß ein anderer
MI-24 den vorderen Rumpf des abgeschossenen Hubschraubers zurück nach
Kabul transportiert hätte.

28. Oktober
Eine
möglicherweise
von
KHADAgenten gelegte Bombe, die in einem
Basar von Peshawar explodiert, tötet
sechs Menschen und verletzt 20, einige von ihnen schwer.
Demonstranten,
die meisten von ihnen Studenten und
Geschäftsleute, randalieren bei ihrem
Marsch zum Haus des Gouverneurs, wo
sie gegen die Afghanistan-Politik der
Regierung und die Anwesenheit afghanischer Flüchtlinge protestieren.
Da

der Marsch zum Haus des Gouverneurs
verhindert wird, halten sie eine Protestkundgebung ab, bei der vorwiegend
Sprecher der linken Nationalen AwamiPartei, angeführt vom
moskaufreundlichen Abdul Wali Khan, die Regierung
auffordern, das Problem Afghanistan
durch Einleitung direkter Verhandlungen mit dem Regime in Kabul zu lösen.
In Sprechchören fordern sie die Rückführung afghanischer Flüchtlinge.
Genau vor der Explosion im großen
Basar Qissa Khawani nahm die Polizei
drei Personen fest, die offensichtlich geplant hatten, das Haus von
Burhanuddin Rabbani, dem Führer der
Jamiat-e-Islami-Partei, in die Luft
zu sprengen.
Afghanischen, von der
Jamiat-e-Islami
veröffentlichten
Nachrichtemeldungen
zufolge
wurden
drei mutmaßliche KHAD-Agenten festgenommen, als sie sich dem Haus Rabbanis mit einer sechs Kilo schweren
Bombe näherten, die mit einer Fernzündung versehen war.
Am selben Tag stirbt eine Person
in Swat, bei dem Versuch, eine auf
einem Feld liegende Bombe zu entschärfen.
Berichten von "Freedom House" zufolge (eine New Yorker Gruppe, die
weltweit die Unterdrückung der Freiheit beobachtet,) sagen fünf in Afghanistan interviewte Deserteure der
Sowjetarmee, sie seien zu den Mujahedin übergelaufen, weil sie nicht zu
einer Armee gehören wollten, die absichtlich Zivilisten töte.

30. Oktober
Bei
einer
Pressekonferenz
im
Pentagon
äußert
der
Direktor
des
Nachrichtendienstes für die Verteidigung (DIA), die Vereinigten Staaten
hätten eindeutige
und
überzeugende

- 19 -

�Beweise, daß sowjetische Behauptungen
über einen Abzug von sechs Regimentern als Farce und Täuschmanöver anzusehen seien.
Der DIA zufolge ist die sowjetische
Truppenstärke
um
lediglich
2 000 Mann reduziert worden und nicht
etwa um 8 000, wie dies vom sowjetischen Parteichef Gorbatschow behauptet worden war.
Der Gesamtabbau um
2 000 Soldaten wurde einzig und allein durch den Abzug von drei Regimentern
der
Luftverteidigung erreicht, die nicht mehr benötigt wurden, weil der afghanische Widerstand
keine Flugzeuge besitzt. Die sowjetische Truppenstärke wird jetzt auf
116 000 bis 118 000 Mann beziffert
gegenüber 118 000 bis 120 000 Mann
vor dem Truppenabzug. Bei den beiden
angeblich
abgezogenen
motorisierten
Schätzenregimentern handelt es sich
um "neue" Regimenter, die speziell
für den Abzug im September extra zusammengezogen worden waren.

Frontieres' gearbeitet haben, hatten
Landstriche vorgefunden, die einmal
fruchtbares Ackerland gewesen, aber
von den Sowjets durch ihre Taktik der
verbrannten Erde in Wüste verwandelt
worden seien.
Sie berichteten ferner, das afghanische Regime sperre
den Zulauf zu einem Damm, mit dessen
Hilfe die Gegend bisher bewässert
wurde.
Bei ihren Reisen durch die
Provinz Paktia vernahmen sie dauernde
Granateinschläge und passierten viele
Dörfer, die durch jüngst erfolgte
Luft- oder
Artillerieangriffe
zerstört worden waren.
Großbritannien schließt sich der
skeptischen
amerikanischen
Haltung
über
den sowjetischen
Truppenabzug
an, nennt ihn "Kosmetik" und mißt ihm
begrenzte militärische Bedeutung zu.
Großbritannien äußert den Verdacht,
daß in Afghanistan immer noch genauso
viele sowjetische Regimenter stünden
wie zuvor.

4. November
31. Oktober
Präsident Reagan beschuldigt die
Sowjetunion, durch ihr Verhalten in
Afghanistan Vertrauensbruch zu begehen. In einem Kommentar zum sowjetischen Truppenabzug äußert er, mit
falscher Buchführung sei der Krieg
nicht zu beenden.
In der letzten Oktoberwoche haben
in der Gegend von Jalalabad operierende Mujahedin wahrscheinlich sechs
Hubschrauber abgeschossen.

3. November
VOA berichtet,
und ein belgischer
gangenen September
der Provinz Ghazni

ein französischer
Arzt, die im verfür drei Wochen in
für 'Medicine Sans

Während der achten Jahresdebatte
der
Vollversammlungg
der
Vereinten
Nationen über Afghanistan fordert der
amerikanische
Botschafter
Herbert
Okun
die
internationale
Staatengemeinschaft auf, sich nicht durch sowjetische Hinweise auf eine flexible
Haltung in der Frage der Besetzung
Afghanistans zur Untätigkeit verleiten zu lassen. Okun bezieht sich auf
den
Ermacora-Bericht
der Vereinten
Nationen, der zu dem Ergebnis gelangt, daß eine Fortsetzung des Versuchs, in Afghanistan eine militärischen Lösung herbeizuführen, unweigerlich
zu einer Situation
führen
würde, die auf Völkermord hinausliefe. Der Abzug von sechs Regimentern
sei erfolgt, um die anhaltende sowjetische Weigerung zur Ausarbeitung
eines Zeitplanes für einen umfassen-

- 20 -

�den Abzug aller L20 000 sowjetischen
Soldaten in Afghanistan zu verschleiern .

5. November
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen spricht sich mit 122 zu 20
Stimmen bei 11 Enthaltungen für eine
Resolution aus, die den sofortigen
und vollständigen Abzug der ausländischen Truppen und die Wiederherstellung 3er politischen Unabhängigkeit Afghanistans fordert.
Sie unterstreicht
das Recht des afghanischen Volkes, seine eigene Regierungsform zu bestimmen und sein eigenes wirtschaftliches, politisches und
soziales System unabhängig von jeglicher Einmischung oder Unterminierung und jedwedem Zwang oder jeglicher Gewalt frei wählen zu können.
Die Resolution fordert die Schaffung
von Bedingungen, die alle fünf Millionen
afghanische
Flüchtlinge
weltweit die größte Zahl von Flüchtlingen einer Volksgruppe - in die Lage versetzt, sicher und ehrenhaft in
ihre Heimat zurückkehren zu können.
Sie bestätigt weiterhin die Unterstützung der jetzt in der siebenten
Runde befindlichen Annäherungsgespräche in Genf, die unter der Schirmherrschaft
der
Vereinten
Nationen
stattfinden, und fordert bis zur endgültigen Regelung der Situation unausgesetzte humanitäre Hilfe für die
Flüchtlinge.
Bei der ersten Abstimmung während
einer Sondersitzung im Januar 1980
war mit 104 zu 18 Stimmen bei 30 Enthaltungen gestimmt worden.

6. November
Zwei bekannte Führer der Mujahedin, die die Vereinten Nationen be-

suchen, werden von drei afghanischen
Diplomaten, Beamten bei der ständigen Delegation des Kabuler Regimes,
angerempelt,
geschlagen
und
beschimpft.
Sie versuchten, die Mujahedin von einer anstehenden Pressekonferenz mit bei den Vereinten Nationen akkreditierten amerikanischen
Journalisten fernzuhalten.
Die Führer der Mujahedin befanden
sich als Gäste der saudiarabischen
und pakistanischen Delegationen bei
den Vereinten Nationen.
Sie repräsentieren die Islamische
Einheit der Vereinigung Afghanischer
Mujahedin, die sieben führende Widerstandsparteien
umfasst,
die
ihren
Sitz in Peshawar haben. Sie hielten
sich in New York auf, um ihre Situation und ihre Probleme bei den Vereinten Nationen vorzubringen und die
Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf
die innere Situation Afghanistans zu
lenken.

8. November
Afghanisch-sowjetische
Truppen
leiten ihre zweite gegen Stellungen
der Mujahedin im Südwesten der Provinz Kandahar
gerichtete
Offensive
innerhalb von drei Monaten ein. Dieser am Winteranfang durchgeführte Angriff zielte Berichten zufolge auf
die Gebiete Pashmul und Malajat ab,
wo sich zwischen 3 000 und 4 000 Mujahedin aus 16 Gruppen
verschanzt
hatten.

9. November
Westliche
Diplomaten
berichten
von
unbestätigten
Meldungen, denen
zufolge der berühmte Kommandeur des
Pansher-Tals, Ahma Shah Mahsud, in
der nördlichen Provinz Takhar, wo er

- 21 -

�zusammen mit den dortigen Kommandeuren
operiert,
einer
Gefangennahme
durch afghanisch-sowjetische Truppen
nur knapp entging.

10. November
Die Mujahedin melden, daß in den
westafghanischen Provinzen Herat und
Farah mehr als 100 Soldaten des Kabuler Regimes übergelaufen seien.
Artilleriefeuer der Truppen des
Kabuler Regimes tötet im Gebiet von
Teri Mangal in Pakistan fünf afghanische Flüchtlinge.

kistan.
In seinen Gesprächen mit vielen
afghanischen Flüchtlingen, die verwundet wurden, hat Ermacora erfahren,
daß sich die Situation in Afghanistan
erheblich
verschlechtert
hat, seit
Najibullah
an die Macht kam.
Er
weist besonders auf eine Zunahme der
Bombardements an der pakistanischen
Grenze hin.
Der Bericht empfiehlt mehr Unterstützung für das Kinderhilfswerk der
Vereinten
Nationen
(UNICEF), damit
dieses sein Impfprogramm für alle afghanischen Kinder in den Städten und
in ländlichen Gebieten
durchführen
kann.

11. November
Der UN-Sonderberichterstatter für
Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen zieht den Schluß, daß
die Menschenrechtslage in Afghanistan
weiterhin Anlaß zu tiefer Besorgnis
gibt, und zwar wegen der ernsten und
leidvollen Situation, der die afghanische
Zivilbevölkerung,
besonders
Frauen und Kinder, ausgesetzt ist und
auch wegen des Umfangs der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Probleme, denen sich Millionen
von Flüchtlingen, deren Anzahl ständig steigt, gegenübersehen.
Dem Bericht zufolge gibt es zunehmend Hinweise auf Versuche, Stammeskonflikte anzuheizen und pakistanische Stammesführer in Operationen zu
verwickeln, bei denen sowohl Afghanen
als auch Ausländer getötet werden.
Der Autor des Berichts, Felix Ermacora, berichtet ferner von einem
Anstieg der Flüchtlingszahlen wegen
zunehmender
militärischer
Operationen.
Schätzungen der pakistanischen
Regierung zufolge kommen jeden Monat
6 000 bis 8 000 Flüchtlinge nach Pa-

Der Bericht spricht weiterhin die
Empfehlung aus, daß die Vollversammlung der Vereinten Nationen einen
dringenden Appell an alle Länder der
Welt richten soll, ihren Beitrag zu
den Hilfsleistungen zu erhöhen, und
zwar insbesondere die Hilfe für das
Büro des UN-Flüchtlingshochkommissars
(UNHCR).
Etwa 300 Mujahedin, Anhänger der
Jamiat-e-Islami-Partei, greifen überraschend
Nähr in
in
der
Provinz
Baghlan im Norden Afghanistans an,
überwältigen die Garnison und töten
oder verwunden 300 Soldaten des afghanischen Regimes, von denen 3ie einige auch gefangennehmen. Nähr in im
Osten der Stadt Baghlan dient der 20.
Division der afghanischen Armee als
Hauptquartier.
Die Mujahedin erbeuten eine große Menge an Waffen und
Ausrüstungsgegenständen,
darunter
drei Panzer, vier 122-mm-Artilleriegeschütze, fünf Lkws und umfangreiches Fernmeldegerät.
Die Verluste
der Mujahedin werden mit 19 Toten und
26 Verletzten angegeben.

�14. November
Westliche
Diplomaten
berichten,
daß
afghanisch-sowjetische
Streitkräfte in Kandahar nur den Flughafen
und eine Garnison in der Stadt kontrollieren und daß die Mujahedin die
wichtigste, 20 km lange Straße, die
den Flughafen mit der Stadt verbindet, gesperrt haben.
Etwa 150 afghanische Regierungssoldaten und fünf
Offiziere wurden Berichten zufolge zu
Beginn der Kampfhandlungen getötet,
und es gibt unbestätigte Berichte,
denen
zufolge mindestens zwei und
möglicherweise mehr als sieben sowjetische Hubschrauber von Mujahedin
abgeschossen
wurden.
Die Verluste
auf Seiten der Sowjets und der Mujahedin sind nicht bekannt.

15./16. November
Afghanisch-sowjetische
Streitkräfte mit Panzerunterstützung gehen
an der
pakistanischen Grenze nahe
Torkham beim Khyber-Paß in Stellung,
während Stellungen der Mujahedin in
dem Gebiet mit Bomben und Artilleriefeuer belegt werden.
Vier afghanisch-sowjetische
Kampfflugzeuge
vom
Typ
MIG
verletzen
pakistanischen
Luftraum über dem Basar von Landikotal, während Panzergranaten einen pakistanischen
Milizionär
töten
und
mehrere Zivilisten und Militärangehörige
im Shilman-Gebiet des Passes
verletzen.

18. November
Die
internationale
Menschenrechtsorganisation
Amnesty
international veröffentlicht einen Bericht,
demzufolge
politische Gefangene
in
Afghanistan, oft im Beisein sowjetischer Beobachter, regelmäßig gefoltert werden.
In einem detaillierten

Bericht über die Behandlung politischer Gefangener und Häftlinge in Afghanistan gibt Amnesty International
an,
Folterungen
würden
regelmäßig
vorgenommen.
Die Organisation berichtet, daß Angaben von Gefangenen
zufolge in vielen Fällen sowjetische
Mitarbeiter bei den Folterungen anwesend
seien
und
auch
die
Verhöre
durchführten.

19. November
In einem Kommentar der New York
Times wurde infrage gestellt, ob da3
Regime in Kabul bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen noch länger für das gesamte Afghanistan sprechen könne.
In dem Artikel heißt es, man könne überaus überzeugungskräftige logische und juristische Gründe wie auch
Präzedenzfälle
anführen, die dafür
sprächen, dem afghanischen Widerstand
Sitze einzuräumen, da dieser mehr
Menschen vertritt und einen größeren
Teil des afghanischen
Territoriums
kontrolliert als das Regime in Kabul.
Berichten
zufolge
wurde
der
Stützpunkt
der
Mujahedin
in
Kama
Dakka im Gebiet des Khyber-Passes,
nur 18 Meilen von der pakistanischen
Stadt Peshawar entfernt von afghanischen Truppen mit sowjetischer Unterstützung gestürmt und wahrscheinlich besetzt. Die Einwohner von Peshawar hörten Berichten zufolge heftiges Artilleriefeuer der afghanischsowjetischen
Streitkräfte, und pakistanische
Korrespondenten
an der
Grenze zählten wenigstens 15 Krankenwagen, die verwundete Mujahedin abtransportierten.

20. November

- 23 -

�Radio Kabul verkündet, daß der
frühere afghanische Machthaber Babrak
Karmal von seinem Amt als Präsident
Afghanistans und als Mitglied des Politbüros zurücktrat.
Eine Delegation afghanischer Mujahedin, die sich besuchsweise in
Washington
aufhält, bezeichnet die
letztlich erfolgte Enthebung Karmals
aus all seinen Xmtern als "unbedeutend".
Ihnen zufolge bedeutet der
Rücktritt Karmals lediglich, daß die
Sowjets einen Bauern vom Schachbrett
genommen haben, ein Schicksal, das
eines
Tages
auch
dem
derzeitigen
Spitzenmann, Najibullah, widerfahren
werde.

zufolge, der
Krieg
in Afghanistan
koste Moskau nichts, weil die Afghanen Erdgas und andere Produkte an die
Sowjetunion lieferten.
Die von dem
Afghanistan-Experten
Yuri
Gankowsky
abgegebene Erklärung ist die erste,
mit der jemals ein sowjetischer Beamter zugegeben hat, der Krieg in Afghanistan
koste
den
Kreml
keinen
Pfennig.
Bisher hatte Moskau immer
den Eindruck erweckt, der Krieg sei
ein Opfer sowjetischer Bürger, die
hiermit ihrer "internationalistischen
Pflicht" nachkämen, dem Regime in Kabul zu helfen, das die sowjetischen
Truppen 1979 um deren Einmarsch "gebeten" hätte.

28. November
22. November
Eine
schwere
Bombe
explodiert
hinter dem Gebäude des Erziehungsministeriums in Kabul und tötet eine
bislang unbekannte Anzahl von Menschen. Die Kabuler Medien bezeichnen
den Bombenanschlag als Werk der Mujahedin, während andere Quellen sie Anhängern
des gestürzten
Machthabers
Babrak Karmal zuschreiben.
Die Explosion fand Berichten zufolge in der
Nähe des Ortes statt, an dem der afghanische Staatschef Najibullah eine
Pressekonferenz abhalten sollte.
Kanadische
Zeitungen
berichten,
daß fünf Deserteure der sowjetischen
Armee aus Afghanistan in Kanada eingetroffen seien.
Sie planten, sich
dort niederzulassen und hätten Angebote sowjetischer Diplomaten auf eine
Rückführung in die Sowjetunion abgelehnt.

25. November
Ein höherer sowjetischer Beamter
äußert Berichten der Washington Times

Ein
amerikanischer
Delegierter
bei der Wiener Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit
in Europa
(KSZE) äußert, das Verhalten der Sowjetunion in Afghanistan stelle deren
Verpflichtung auf jede einzelne der
mit der Unterzeichnung der Schlußakte
von Helsinki abgegebenen Versprechen
in Frage. Der stellvertretende Leiter der amerikanischen Delegation bei
der
Konferenz,
Botschafter
Samuel
Wise, sagte weiter, die sowjetische
Brutalität in Afghanistan zöge deren
Respekt vor Menschenleben und vor
menschlicher
Würde
schlechthin
in
Zweifel.
Er fordert die Sowjetunion
auf, die Morde an afghanischen Männern, Frauen und Kindern einzustellen.

29. November
Afghanische Mujahedin greifen gemeinsam von vier verschiedenen Punkten aus nachts mit Raketen Kabul an.
Mehr als 20 Raketen gingen Berichten
zufolge im Gebiet von Darulaman nieder;
andere
explodierten
in
Khai
Khana, dem Standort der sowjetischen

- 24 -

�Botschaft und der Büros des Kabuler
Regimes.
Westlichen Diplomaten zufolge ist dies in den letzten Monaten
einer der schwersten Angriffe der Mujahedin auf die Stadt.
Der
afghanischen
islamischen
Nachrichtenagentur
zufolge
schössen
Mujahedin
ein viermotoriges Transportflugzeug sowjetischer Bauart etwa
30 Meilen östlich von Kabul ab. Berichten zufolge hatte die Maschine
afghanische Soldaten und sowjetische
Berater an Bord, und bei der Abschußstelle wurden die Leichen von mindestens 25 Personen gefunden.

4. Dezember
Die Vollversammlung der Vereinten
Nationen verabschiedet eine Resolution, die sich zum zweiten Mal in
zwei aufeinanderfolgenden Jahren im
einzelnen mit der Menschenrechtssituation
in
Afghanistan
beschäftigt.
Die Resolution ruft mit 89 zu 24
Stimmen bei 36 Enthaltungen zu mehr
Unterstützung
in diesem Jahr auf.
Das Abstimmungsergebnis im vergangenen Jahr war 80 zu 22 Stimmen bei 40
Enthaltungen. Die Handlungsweise der
Vereinten Nationen ist das Ergebnis
des Berichts von Felix Ermacora.
Afghanistans Machthaber Najibullah tauscht in einer größeren Kabinettsumbildung seinen Verteidigungsund seinen Außenminister aus. Über
eine Auswechselung des Verteidigungsministers waren seit längerer Zeit
Gerüchte im Umlauf.
Diese Maßnahme
spiegelte offensichtlich die sowjetische Unzufriedenheit über den mangelnden Einsatz afghanischer Truppen
bei den Operationen in Kandahar wie
auch über die Zerstörung eines Reservemunitionslagers im August durch Mujahedin wider.
Der in der Sowjetunion
ausgebildete
Brigadegeneral

Mohammed Rafi, der gute Beziehungen
zu den Sowjets unterhält, ersetzt Generalleutnant Nazar Mohammad im Amt
des
Verteidigungsministers.
Abdul
Wakil, ein Cousin des abgesetzten
Präsidenten
Karmal, löst Shah Dot
Mohammad als Außenminister ab.
Westliche
Diplomaten
berichten
ferner, es bestünde die Möglichkeit,
daß der abgesetzte Babrak Karmal als
Botschafter nach Prag geschickt werden könnte, wo er bereits Dienst tat,
bevor er im Dezember 1979 afghanischer Parteichef wurde.
Es laufen
jedoch auch Gerüchte um, daß er den
Posten nicht annehmen, sondern in Kabul einen passenden Augenblick abwarten werde.
Es sind auch weiterhin
Berichte
in Umlauf, daß Verwandte
Karmals, u.a. zwei Schwestern und ein
Neffe, mit ihren Familien nach Pakistan geflohen sind.

6. Dezember
Die Kabuler Presse berichtet, daß
die afghanischen Streitkräfte eines
der größten Nachschublager der Mujahedin im Gebiet von Nazian in der
Provinz Nangarhar an der Grenze zu
Pakistan zerstört haben.

9. Dezember
Westliche Diplomaten in Islamabad
berichten, daß mit modernsten Flugabwehrwaffen ausgerüstete Mujahedin in
der
vergangenen
Woche
mindestens
sechs Kampfflugzeuge und Hubschrauber
sowjetischer Bauart abgeschossen haben.
Dabei wurden mehr als 40 afghanisch-sowjetische Soldaten getötet.

11. Dezember

- 25 -

Westlichen

Diplomaten

in

Kabul

�zufolge verbrannte eine Gruppe von
fünf oder sechs afghanischen Männern
im Alter von etwa 20 Jahren die sowjetische Flagge vor dem sowjetischen
Militärhospital in Bezirk Shahr-e-Nau
in Kabul. Das ist die erste in Kabul
öffentlich gegen die Sowjetunion gerichtete Demonstration seit Monaten.

de Außenminister John Whitehead und
der Unterstaatssekretär Robert Peck berichten weiter, afghanisch-sowjetische Verletzungen des pakistanischen
Luftraumes seien 1986 im Vergleich
zum Jahr 1985 um etwa das Dreifache
angestiegen, während Artilleriefeuer
über die Grenze hinweg um etwa 500
Prozent zugenommen hätten.

12. Dezember
Der
Sekretär
der
italienischen
Liberalen Partei fordert Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren europäischen Verbündeten,
um den Mujahedin in ihrem Kampf gegen
die Sowjetunion beizustehen. Vor der
Presse
in Washington sagte Renato
Altissimo, daß eine militärische Entscheidung, zwar nicht abzusehen sei,
die Mujahedin aber dennoch Unterstützung erhalten sollten, um weiterhin
Druck auf die Sowjetunion ausüben und
so eine politische Lösung herbeiführen zu können.
Der
afghanische
Parteichef
Najibullah
trifft den
sowjetischen
Parteichef Gorbatschow in Moskau und
bekundet seine Bereitschaft, eine Regierung der nationalen Einheit zu
bilden, die auch im Exil lebende Afghanen einschließen würde.

16. Dezember
Amerikanische
Beamte
bestätigen
bei
einem
Informationsgespräch
im
amerikanischen Außenministerium, daß
die Mujahedin in den vergangenen drei
Monaten nahezu täglich ein afghanisches oder sowjetisches Flugzeug abgeschossen haben und somit seit Beginn des Krieges vor sieben Jahren
1 000 kommunistische Flugzeuge abgeschossen worden seien.
Die Beamten - der stellvertreten-

26

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Wissenschaft und Technik
7. Januar 1987

AUFGEZWUNGENES RISIKO
- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich

WASHINGTON - (AD) - Niemand weiß,
wie genau passives Rauchen, d.h. das
Einatmen tabakverqualmter Luft in geschlossenen Räumen, bei Nichtrauchern
zu Lungenkrebs führt.
Aber die Ergebnisse einer Reihe von Studien, die
in den Vereinigten Staaten und einigen europäischen Ländern durchgeführt
wurden, lassen keinen Zweifel mehr
daran, daß diese
Gefährdung
existiert.
Angesichts
beunruhigender
Beobachtungen und Erkenntnisse in den
letzten Jahren widmete deshalb Dr. C.
Everett Koop, der Leiter des öffentlichen Gsundheitsdienstes der Verei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

nigten Staaten, den im Dezember 1986
veröffentlichten neuen Jahresbericht
seines Amtes über Rauchen ausschließlich dem Thema "Passivrauchen". Auf
einer Pressekonferenz in Washington
verwies Dr. Koop auf Kommentare von
Vertretern der Amerikanischen Krebsgesellschaft, der Gesellschaft für
Herz- und Kreislauferkrankungen
und
der Gesellschaft für Lungenerkrankungen, denen zufolge Thematik und Inhalt dieser Publikation in Fachkreisen als ähnlich wichtig
angesehen
werden wie der allererste Bericht des
öffentlichen Gesundheitsdienstes über

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Rauchen aus dem Jahr 1964. Seinerzeit wurden zum ersten Mal Zusammenhänge zwischen Rauchen und Lungenkrebs aufgezeigt.
Die Ergebnisse systematischer Untersuchungen zwingen Koop zufolge dazu, endlich zu handeln, um Nichtraucher und Öffentlichkeit vor Tabakrauch und den hierdurch verursachten
Gesundheitsrisiken besser als bisher
zu schützen. Kinder seien durch Zigarettenqualm ganz besonders gefährdet, heißt es in dem Bericht. Bei
Kindern, deren Eltern Raucher sind,
käme es häufiger als bei Kindern von
Nichtrauchern
zu
Infektionen
der
Atemwege
und
der
Atmungsorgane.
Säuglinge und Kleinkinder aus Raucherfamilien müßten häufiger als Kinder gleicher Altersgruppe aus Nichtraucherfamilien wegen schwerer Bronchitis oder Lungenentzündung stationär behandelt werden.
Bei Todesfällen infolge Lungenkrebs
(in den Vereinigten
Staaten
weit über 100 000 pro Jahr) sind zu
etwa 85 Prozent Raucher betroffen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften, die kürzlich ebenfalls einen Bericht über "Rauchen und Gesundheit"
veröffentlichte,
bezifferte
darin aufgrund statistischer Erhebungen die jährliche Anzahl von Sterbefällen durch
Lungenkrebs, die mit
großer Wahrscheinlichkeit auf Passivrauchen zurückzuführen sind, auf ca.
2400.
Das
Risiko
eines
gesunden
Nichtrauchers, der einen Raucher zum
Partner hat, an Lungenkrebs zu erkranken, sei um mindestens 30 Prozent
erhöht. Es könne noch erheblich größer sein, wenn der Partner ein sehr
starker Raucher ist. Was für Kinder
das
ständige
Einatmen
verqualmter
Luft in bezug auf chronische Erkrankungen und Funktionsschwäche der Atmungsorgane im späteren Lebensalter
bedeuten könne, sei noch nicht abseh- 2

bar und sollte auf jeden Fall untersucht werden.
Dr. Stuart Seides (Amerikanische
Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen) macht darauf aufmerksam, daß Passivrauchen selbst in gut
belüfteten Räumen bei Nichtrauchern
zu erhöhtem Blutdruck führen könne.
Außerdem habe man im Blut von Nichtrauchern, die tabakrauchhaltige Luft
einatmen müßten, erhöhte Werte von
Kohlenmonoxyd gefunden. Und das bedeute eine Verringerung des SauerStoffangebots für das Herz.
Erneut appellierte Dr. Koop an
die Arbeitgeber, für "saubere Luft am
Areitsplatz" zu sorgen. "Die in diesem Bericht enthaltenen Daten lassen
für mich die Schlußfolgerung zu, daß
der einfachste, billigste und wirksamste Weg, diesen Schutz zu erreichen, darin besteht, tabakrauchfreie
Arbeitsplätze zu schaffen", sagte er
auf der Pressekonferenz.
"Das Recht
der Raucher, zu rauchen, hört dort
auf, wo der oder die Betreffende damit das Krankheitsrisiko der Menschen
erhöht, die sich in seiner Umgebung
befinden."
Die bloße Trennung von
Rauchern und Nichtrauchern innerhalb
eines Raumes mag zwar bewirken, daß
Nichtraucher dem Tabakqualm weniger
direkt ausgesetzt werden, ein wirklicher Schutz aber sei dies nicht.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer müßten
jedenfalls
zusammenarbeiten,
um
rauchfreie
Büros, Fabrikhallen
und
andere
Arbeitsstätten
zu schaffen.
Man wolle nicht den Raucher strafen
oder schikanieren, sondern die Gesundheit des Nichtrauchers schützen.
Dieses Ziel werde am besten dadurch
erreicht, daß man den Raucher unterstützt und bestärkt, die Sucht Rauchen zu überwinden. Koop setzte sich
dafür ein, Rauchen z.B. im Flugzeug
und anderen der Öffentlichkeit zugänglichen Einrichtungen zu verbie-

�ten.
"Rauchen wird gesellschaftlich
immer weniger akzeptabel", sagte er.
Dr. Lois Ellison
(Amerikanische
Gesellschaft
für
Lungenkrankheiten)
forderte den amerikanischen Kongreß
auf, strengere Einschränkungen
für
das Rauchen in öffentlichen Gebäuden
zu verfügen. Angesichts der Beweislage müßten unbedingt gesetzliche Regelungen für die Einschränkung des
Rauchens in allen öffentlichen Gebäuden,
Verkehrsmitteln,
in
Schulen,
Krankenhäusern und Arbeitsstätten getroffen werden. Ellison empfahl ferner mehr Aufklärung der Nichtraucher
über
die Gesundheitsgefahren
durch
Passivrauchen. Vor allem sollten Eltern über die Risiken informiert werden, die sie Säuglingen und kleinen
Kindern zumuten, wenn im Hause geraucht wird.
Der
Abgeordnete
James
Scheuer
(New York) beabsichtigt, noch einmal
zwei
Gesetzesvorlagen
zum
Thema
Nichtrauchen einzubringen, die in der
letzten
Legislaturperiode
bereits
viel Unterstützung im Kongreß fanden.
Die
amerikanische
Bundesregierung
ordnete Anfang Dezember an, daß in
den Büros der Behörden das Rauchen
einzuschränken sei.
In 40 amerikanischen Bundesstaaten und in mehr als
80 großen Städten ist Rauchen in öffentlichen Einrichtungen oder am Arbeitsplatz untersagt bzw. so eingeschränkt, daß sich Raucher in besonders gekennzeichnete Räume zurückziehen müssen.

- 3 -

�THEMENINDEX AMERIKA DIENST (1986)

Nachstehend eine Liste der Themen, die 1986 im Amerika Dienst erschienen sind. Sie gibt einen Überblick über die wichtigsten Themenkreise, Angegeben ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende
Thema behandelt wird.

THEMENKREIS

NUMMERN DER AUSGABEN

1.

Afghanistan

I, 4, 15, 22, 37

2.

Mittelamerika und
Nicaragua

II, 26, 29, 30, 31, 32, 38

3.

Libyen

1, 2, 14, 14, 15, 16

4.

Iran

39, 40

5.

Syrien

41

6.

Sowjetunion
SS-25
Menschenrechte
Anatoli Schtscharanskij
Juri Orlow

4, 38, 41
6
33

7. Afrika

27

8.

Südafrika

24, 27

Nelson Mandela

4, 24

- 1 -

�NUMMERN DER AUSGABEN

THEMENKREIS

9.

Vereinigte Staaten
Botschaft zur Lage der Nation
Energiepolitik
Friedenspolitik und Fragen der
Nationalen Sicherheit
Haushaltspolitik
Nominierungen
Verteidigunghaushalt
Thanksgiving Day Proklamation

5
13
9, 29, 41
6
11, 41, 42
9, 22, 26
40

10. Beziehungen der USA zu
Europa

14

11. Beziehungen der USA zur
Bundesrepublik Deutschland
25. Jahrestag der Berliner Mauer
RIAS
Jugendaustausch

25
36
37

12. Ost-West-Beziehungen
und
Rüstungspolitische Themen
Gipfeltreffen Reagan-Gorbatschow
Reykjavik-Treffen ReaganGorbatschow
Abrüstung/Rüstungskontrolle
Chemische Waffen
SDI
SALT
Genfer Abrüstungsverhandlungen
MBFR
KVAE
KSZE

- 2 -

14,
32, 33, 35, 36, 37, 39
8, 15, 17, 20, 21, 23, 25,
27, 31, 33, 34, 35, 38, 41
13, 27
9, 12, 17, 32
12, 20
16, 18, 39
36
4, 9, 19, 26, 27
9, 24, 25, 28, 30, 34, 36, 37

�NUMMERN DER AUSGABEN

THEMENKREIS

Internationale Probleme
Tschernobyl und seine Folgen
Terror ismus
Drogenprobleme
Menschenrechte
Hunger
Weltwirtschaft u. Finanzen
Wirtschaftsgipfel in Tokio
Vereinte Nationen
Medien

17, 19, 21, 23
7, 10, 17, 18, 19, 24, 42
7, 5, 12, 20, 30, 36
7, 13, 43
31
5, 23, 26, 33, 35, 39, 40,
41, 43
13, 16, 17, 18
37
42

Martin Luther King

1, 3

Daniloff

29

Weltraum
CHALLENGER-Unfall und Folgen

4, 5, 7, 8, 16, 18, 19, 22
24, 27, 35, 39
4, 19, 22
28

Weltraumforschung
Satelliten-Kommunikation

Wissenschaft und Technik
AIDS
Gentechnologie
Komet Halley
Medizin, allgemein
Rauchen
Umweltschutz
Wetter

14, 32, 43
2, 13
11
15, 18
1
10, 42
2,

- 3 -

�REDEN UND ERKLÄRUNGEN DES AMERIKANISCHEN BOTSCHAFTERS
RICHARD R. BURT

Januar 1986
Erklärung des amerikanischen Botschafters in Bonn zu den Maßnahmen
der Vereinigten Staaten gegen Libyen
Februar 1986
Demokratie und Kultur
(Universität Heidelberg)
Februar 1986
Ein offenes Handelssystem - unser aller Verantwortung
(Adolf-Weber-Stiftung)
Februar 1986
Europa und das Bündnis - Rückkehr zum Zwei-Säulen-Konzept
(Uberseeclub in Hamburg)
März 1986
Das Fulbright-Programm - Aufbruch in eine offene Welt
(Berlin-Woche der Fulbright-Kommission)
April 1986
Der Handel als Instrument der Außenpolitik
(Amerikanische Handelskammer München)
Juni 1986
Freiheit, Sicherheit und Frieden in einer offenen Welt
(Konrad-Adenauer-Stiftung, Berliner Reichstagsgebäude)
August 1986
Botschafter Burt fordert junge Generation zur Schaffung einer offenen
Welt auf
(Ansprache anläßlich des 25. Jahrestags der Berliner Mauer)
September 1986
Botschafter Burt zu aktuellen politischen Themen
(Interview mit dem Südwestfunk)
September 1986
Das deutsch-amerikanische Verhältnis: die Bedeutung visionären Denkens
(Ansprache zum 40. Jahrestag der "Rede der Hoffnung" des
amerikanischen Außenministers James F. Byrnes in Stuttgart)
- 4 -

�SONDERDIENSTE

22. Januar L986
Besuch des Stellvertretenden US-Außenminister John C. Whitehead in
Bonn

2.

April 1986
Die sowjetische Militärmacht 1986
- Fünfte Dokumentation des US-Verteidigunsministeriums -

16. Juli 1986
Die sowjetische Nichteinhaltung bestehender Rüstungskontrollabkommen
- Veröffentlichung des amerikanischen Außenministeriums - Dez. 1985

2.

Oktober 1986
Die sowjetische Propagandakampagne gegen SDI
(Auszüge aus einem Papier der US-Abrüstungsbehörde)

- 5 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chronologie der Ereignisse in Afghanistan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Mai bis Dezember 1986 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufgezwungenes Risiko&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- "Passivrauchen" für Kinder besonders gefährlich -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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Nummer

7. Februar 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:
Die Botschaft über die Lage der Nation (Teil I)
«WortlautKissinger will Dialog mit Hanoi in Gang bringen
-Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 1. Februar\
WIRTSCHAFT:

I
Präsident Nixon legt Wirtschaftsbericht vor
-Wortlaut des Begleitschreibens des PräsidentenUS-Wirtschaftsbeirat fordert weitere Liberalisierung des Welthandels
Von John Holway
USA legen der Weltöffentlichkeit Vorschläge zur Reform des Internationalen Währungssystems vor
USA setzen neuen Präzedenzfall für Ausgleichszölle
Von John H. Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Raumfahrt mit Kürzungen
Vitamin B 12 synthetisch dargestellt

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6/1973

DIE BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION (Teil I)
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
2. Februar den ersten Teil seiner Botschaft über die Lage der Nation
- State of the Union Message - 1973 zugesandt, in der er einen Überblick
über sein künftiges Regierungsprogramm gibt. Nixon hat in diesem Jahr
einen völlig neuen Weg eingeschlagen und angekündigt, daß er den traditionellen Bericht in mehrere Fachgebiete - Innenpolitik, Wirtschaft, Außenpolitik usw.- aufgliedern und jeweils getrennt an den Kongreß geben werde.
Teil I der Botschaft über die Lage der Nation - Überblick - hat folgenden Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Die traditionelle Form des jährlichen Berichtes des Präsidenten, mit dem
er den Kongreß über die Lage der Nation informiert, ist eine Einzelbotschaft
oder Ansprache. Da sich jedoch im Laufe der Jahre die Angelegenheiten und Anliegen unserer Nation vervielfacht haben, haben sich auch die Themen vervielfacht, die in Botschaften über die Lage der Nation behandelt werden müssen.
Vor

�Vor allem in diesem Jahr, da so viele Veränderungen in Regierungsprogrammen erwogen werden und da unsere Grundvorstellungen von der Beziehung
zwischen dem Einzelnen und dem Staat an einem historischen Kreuzweg angekommen sind, hätte eine einzelne, alles umfassende Botschaft über die Lage
der Nation unzureichend erscheinen müssen.
Ich habe mich daher entschlossen, meinen Bericht über die Lage der Nation 1973 in Form einer Reihe von Botschaften während der ersten Wochen des
93. Kongresses abzugeben. Der Zweck dieser ersten Botschaft einer ganzen
Reihe besteht darin, einen kurzen und bündigen Überblick zu geben, wo wir
als Volk heute stehen, und einige der allgemeinen Ziele zu umreißen, die
wir nach meiner Auffassung im Laufe dieses Jahres und darüberhinaus anstreben sollten. Ich werde dem Kongreß in den kommenden Wochen weitere Botschaften über die Lage der Nation in bezug auf bestimmte Gebiete der Politik
zuleiten, einschließlich Wirtschaft, natürliche Ressourcen,menschliche Ressourcen, Gemeindeförderung, Außenpolitik und Verteidigungspolitik.
Der neue Kurs, den diese Botschaften aufzeigen werden, stellt eine neue
Einstellung der Regierung und zur Regierung dar - eine Einstellung, die sich
den Realitäten der siebziger Jahre zuwendet und nicht der dreißiger oder
sechziger. Wenn wir uns jetzt dem dritten Jahrhundert unserer Unabhängigkeit
nähern, dann sollte die Rolle der Regierung nicht darin bestehen, irgendeinen
Bereich des amerikanischen Lebens beherrschen zu wollen, sondern vielmehr darin, die Menschen, Gemeinden und Institutionen zu unterstützen und zu ermutigen, selbst mit möglichst vielen ihrer Schwierigkeiten und Aufgaben fertig
zu werden und dafür zu sorgen, daß jeder Amerikaner und jede Amerikanerin
die volle und gleiche Chance haben, seine oder ihre Möglichkeiten zu verwirklichen.
Wenn wir die Bundesregierung in dem Tempo der letzten Jahrzehnte weiter
vergrößern wollten, dann würde sie uns bald gänzlich verschlingen. Es ist
jetzt an der Zeit, daß wir eine klare Wahl treffen - Entscheidungen zwischen

-2-

�zwischen alten Programmen, die zwar erstrebenswerte Ziele setzten, sie aber
nicht erreichten, und neuen Programmen, die einen besseren Weg aufzeigen,
um diese Ziele zu erreichen; und natürlich Entscheidungen zwischen konkurrierenden Programmen - die zwar alle an sich wünschenswert sein mögen, von denen
wir uns jedoch mit den begrenzten Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, nur
einige leisten können.
Da unsere Mittel nicht unbegrenzt sind, stehen wir 1973 auch vor einer
wichtigen Entscheidung, ob wir nämlich die Regierungsausgaben in Grenzen halten oder kostspielige Programme einführen wollen, die garantiert zu einer Erhöhung der Steuern und einer Neubelebung der Inflation führen würden.
Und schließlich ist es jetzt von größter Wichtigkeit, daß auf der Ebene
der einzelstaatlichen und kommunalen Verwaltung und bei jedem einzelnen Amerikaner wieder ein größeres Verantwortungsgefühl geweckt wird.
Der Grundzustand unserer Nation ist heute gesund und vielversprechend.
Wir treten in das Jahr 1973 ein - wirtschaftlich stark, militärisch gesichert
und - was am wichtigsten von allem ist - in Frieden nach einem langen und
harten Krieg.
Auch weiterhin wird Amerika einem immer größeren Teil seiner Bevölkerung ein besseres und erfüllteres Leben bieten als irgendein anderes Land
auf der Welt.
Wir haben eine der schwierigsten Zeiten unserer Geschichte durchschritten, ohne der Verzweiflung anheimzufallen und ohne unsere Ideale als Volk
aufzugeben.
Wenn wir zurückblicken, so können wir alle hieraus eine Lehre ziehen.
Dies ist eine Lehre, die wir in den letzten Jahren manchmal auf harte Weise
erfahren mußten. Aber wir haben sie begriffen. Diese Lehre besagt, daß sogar
potentiell destruktive Kräfte in positive Kräfte umgewandelt werden können,
wenn wir wissen, wie sie zu leiten sind, und wenn wir Vernunft und Anstand

-3-

�Anstand walten lassen, um ein Klima gegenseitiger Achtung und beiderseitigen guten Willens zu schaffen.
Durch Zusammenarbeit und Bändigung der Naturgewalten haben Amerikaner
einige der großen Geheimnisse des Universums enthüllt. Menschen haben die
Oberfläche des Mondes betreten und den Entdeckungen neue Perspektiven eröffnet. Der gleiche Entdeckergeist hilft uns, Krankheiten und Leiden zu
überwinden, die unseren Planeten seit Menschengedenken heimgesucht haben.
Durch Zusammenarbeit mit den führenden Staatsmännern anderer Länder
konnten wir neue Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden schaffen - auf eine
Weltordnung, in der das gemeinsame Interesse alte Feindschaften zurückdrängt und in der eine neue Generation von Menschen in Frieden in einer
sich wandelnden Welt heranwachsen kann.
Im eigenen Lande haben wir gelernt, daß wir durch Zusammenarbeit Wohlstand schaffen können,ohne Inflation zu entfachen; wir können die Ordnung
wiederherstellen, ohne die Freiheit zu schwächen.

Die vor uns liegenden Aufgaben
Diese ersten siebziger Jahre waren gute Jahre für Amerika.

Unsere Auf-

gabe - für alle von uns - ist es, 1973 und die folgenden Jahre zu noch besse
ren zu machen. Ich glaube, daß wir das schaffen können. Ich glaube, daß wir
die Jahre bis zu unserer 200-Jahrfeier zu den besten vier Jahren in der amerikanischen Geschichte machen können.
Aber wir dürfen niemals vergessen,daß nichts Wertvolles geschaffen werden kann, wenn nicht der Wille zum Erfolg und die Stärke, Opfer zu bringen,
vorhanden sind.
Harte Entscheidungen müssen getroffen werden, und wir müssen zu ihnen
stehen.
Auf

�t

Auf außenpolitischem Gebiet müssen wir bedenken, daß ein starkes Amerika
- ein Amerika, auf dessen Wort man vertraut und dessen Stärke respektiert
wird - unerläßlich ist, wenn Frieden und Verständigung auf der Welt fortdauern sollen. Der von uns in Vietnam erreichte ehrenvolle Friede hat diese
grundlegende amerikanische Glaubwürdigkeit gestärkt. Wir müssen in den kommenden Jahrpn so handeln, daß diese Glaubwürdigkeit,

und damit auch die Sta-

bilität der Welt - ein untrennbarer Bestandteil hiervon - unversehrt bleibt.
Im eigenen Land müssen wir die irrige Vorstellung zurückweisen, die
einen zu großen Teil des öffentlichen Dialogs viel zu lange beherrscht hat,
daß eine immer größer werdende Regierung die Lösung für jedes Problem sei.
Wir haben nur zu gut erfahren, daß hohe Steuern und zu hohe Regierungsausgaben kein Allheilmittel sind

In zu vielen Fällen haben sie, statt die

Probleme zu lösen, die sie lösen sollten, lediglich noch schwerere Lasten auf
die Schulterndes amerikanischen Steuerzahlers geladen - in Form höherer
Steuern und höherer Lebenshaltungskosten. Gleichzeitig haben sie unsere Bürger getäuscht, weil viele der angesprochenen Begünstigten weit weniger erhielten als versprochen worden war, so daß das Vertrauen der Öffentlichkeit
in die Wirksamkeit der Regierung als Ganzes untergraben wurde.
Für uns ist jetzt die Zeit gekommen, einen Schlußstrich zu ziehen. Es
ist jetzt die Zeit gekommen, daß die verantwortlichen Führer beider politischer Parteien Stellung beziehen gegen eine zu aufgeblähte Regierung und für
den amerikanischen Steuerzahler. Wir geben nicht das Geld der Bundesregierung aus; es ist vielmehr das Geld des Steuerzahlers, und es muß so ausgegeben werden, daß der volle Gegenwert garantiert und der größtmögliche Nutzen
für die Menschen erreicht wird, denen geholfen werden soll.
Die Lösung für zahlreiche der innenpolitischen Probleme, vor denen wir
stehen, sind nicht Steuererhöhungen und höhere Ausgaben. Sie lautet: Weniger
Verschwendung, mehr Ergebnisse und mehr Freiheit, für den einzelnen Amerikaner,

-5-

�Amerikaner, damit er sich den ihm zustehenden Platz in seiner Gemeinde erarbeiten kann - und für die Staaten und Kommunen: Die eigenen Probleme auf
eigene Weise nach eigenen Prioritäten anzugehen.
Dadurch,daß wir den Menschen und ihren auf kommunaler Ebene gewählten
Führern durch Änderung des Steuerausgleichs und durch ein "Nein" zu überhöhten Bundesausgaben und Steuererhöhungen ein größeres Mitspracherecht geben, können wir zur Verwirklichung dieses Zieles beitragen.

Die kommenden Botschaften
Die Politik, die ich dem Kongreß in den kommenden Wochen darlegen werde, ist eine Bekräftigung der Verantwortung der Bundesregierung und nicht
ein Zurückweichen. Sie ist eine erneute pragmatische Verpflichtung zu sozialem Mitempfinden und zu nationalen Leistungen statt guter Absichten und deren unklarer Durchführung, die zu oft in der Vergangenheit als ausreichend
erachtet worden sind.
Auf wirtschaftlichem Gebiet wird es unser Ziel sein, die Steuern niedrig
zu halten, die Inflation einzudämmen, das wirtschaftliche Wachstum zu fördern, die Produktivität zu steigern, den Außenhandel anzuheben, das Agrareinkommen hochzuhalten, die Kleinbetriebe zu stärken und bessere ArbeitgeberArbeitnehmerbeziehungen zu unterstützen.
Auf dem Gebiet der natürlichen Ressourcen werden meine Empfehlungen Programme zur Erhaltung und Verbesserung der Umwelt, zur Förderung von Wissenschaft und Technologie und zur Gewährleistung einer ausgewogenen Nutzung unserer
unersetzbaren natürlichen Hilfsquellen einschließen.
Zur Förderung der menschlichenResscurcen werde ich Empfehlungen vorlegen, um das amerikanische Gesundheits-und Erziehungswesen zu stärken, um die
Lebensbedingungen der in Not Befindlichen zu verbessern, um unser immer immer

�I

immer erfolgreicheres Vorgehen gegen Kriminalität, Rauschgiftmißbrauch und
Ungerechtigkeit fortzusetzen und um so wichtige Probleme wie Verbraucherfragen, die ein besonderes Anliegen sind,anzupacken. Wir werden die Bemühungen
unseres Landes, denjenigen, die in den Streitkräften in Vietnam gedient haben, durch bessere Arbeits-und Ausbildungsmöglichkeiten zu helfen, fortsetzen
und intensivieren.
Wir müssen Besseres bei der Gemeindeförderung leisten, um wirklich lebensfreundliche Gemeinden zu schaffen, in denen unsere Kinder mit größeren
Chancen heranwachsen können und in denen sie stärker immun sind gegen die
sozialen Mißstände und schädlichen Einflüsse, unter denen jetzt so viele
unserer Gemeinden und Städte zu leiden haben. Ich werde Vorschläge unterbreiten, die zur Verwirklichung dieser Ziele beitragen werden.
Ich werde mich ferner mit unserer Verteidigungs-und Außenpolitik befassen sowie mit unserer neuen Auffassung von der Rolle und Struktur der Regierung selbst.
Als Ganzes betrachtet wird diese Reihe von Botschaften einen Entwurf für
die Modernisierung der Konzeption und der Funktionen der amerikanischen Regierung darstellen, um den Erfordernissen unserer Bevölkerung zu entsprechen.
Um dies zu verwirklichen, wird es eines Geistes der Zusammenarbeit und
des gemeinsamen Einsatzes aller Teile der Regierung bedürfen, denn die von
uns angestrebten Ziele sind nicht die irgendeiner einzelnen Partei oder
Gruppe, sondern es sind Ziele, die für alle Amerikaner Verbesserungen bringen
sollen. Ich weiß, daß ich als Präsident diese Aufgabe nicht alleine bewältigen kann. Der Kongreß muß helfen, und ich verpflichte mich feierlich, meinen
Teil dazu beizutragen, um ein konstruktives Arbeitsverhältnis mit dem Kongreß
herzustellen. Meine aufrichtige Hoffnung ist, daß Exekutive und Legislative
bei dieser großen Aufgabe in einem positiven Geist gegenseitiger Achtung und
Kooperation zusammenarbeiten können.
Wenn

-7-

�I

Wenn wir zusammenarbeiten - der Kongreß, der Präsident und die Bevölkerung - so bin ich sicher, daß wir diese Vorschläge in ein Aktionsprogramm
umsetzen können, das die amerikanische Regierung reformieren und dynamisieren kann und das, was noch wichtiger ist, ein besseres Leben für alle Amerikaner schaffen kann.

-8-

�r

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6/1973

KISSINGER WILL DIALOG MIT HANOI IN GANG BRINGEN
-Auszüge aus dem Fernsehinterview vom l.FebruarWASHINGTON --(AD)-- Der Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, will bei seinem Besuch in der nordvietnamesischen Hauptstadt Hanoi vom 10. bis 13. Februar Mittel und Wege
sondieren, um das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Nordvietnam, das bisher von "Feindseligkeit" gekennzeichnet war, einer "Normalisierung" näher zu bringen. Kissinger legte am 1. Februar in einem einstündigen Fernsehinterview mit dem diplomatischen Korrespondenten der Rundfunkund Fernsehgesellschaft Columbia Broadcasting System (CBS), Marvin Kalb,
die Ziele der amerikanischen Politik gegenüber Nordvietnam dar.
Auf die Frage nach der Möglichkeit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den USA und Nordvietnam erklärte Kissinger, das liege noch
in weiter Ferne. "Im Prinzip", so sagte er, "sind wir bereit, dies zu sondieren, aber nicht als ersten Schritt."
Auf das Friedensabkommen in Vietnam eingehend betonte Kissinger:
"Die größte Aufgabe besteht jetzt darin, von einer Generation, die
nichts als Krieg gekannt hat, zu einer friedlichen Einstellung zu gelangen."

-1-

�gelangen." Er wies darauf hin, daß die vietnamesischen Beteiligten noch eine
politische Regelung erreichen müssen. "Mit gutem Willen aller Beteiligten,
einiger Geduld und einiger Klugheit", so fügte er hinzu,"können wir diese
Übergangsperiode bewältigen." Dr. Kissinger erklärte weiter: "Viel hängt von
den Handlungen der Sowjetunion und der Volksrepublik China sowie von der Art
des Verhältnisses ab, das wir mit Nordvietnam herstellen können."
Kissinger wurde im Verlauf des Interviews auch nach den Bombardierungen
Nordvietnams und den Gründen dafür gefragt. Die Fragen und Antworten hierzu

haben folgenden Wortlaut:
"Frage:.... Lassen Sie mich die Uhr einmal um etwa einen Monat zurückdrehen in die Zeit, als die Vereinigten Staaten ein sehr ausgedehntes Bombardierungsprogramm im Gebiet Hanoi-Haiphong durchführten. Wir haben niemals etwas
darüber erfahren, warum das wirklich notwendig war. Könnten Sie uns aus Ihrer
eigenen Sicht etwas dazu sagen?

Antwort: Die Entscheidung Mitte Dezember, die Bombardierung wieder aufzunehmen, war vielleicht die schmerzlichste, schwierigste und sicherlich die
einsamste Entscheidung, die der Präsident seit seinem Amtsantritt zu fällen
hatte. Es war sehr schmerzlich, dies zu diesem besonderen Zeitpunkt zu tun,
da die Friedenserwartungen so hoch waren, und nur sechs Wochen vor seinem
(zweiten) Amtsantritt. Es war sehr schwierig, es unter Umständen zu tun, unter
denen der Erfolg nicht beweisbar war.
Es ging hier eigentlich um drei Dinge. Erstens, sollten wir die Bombardierung wieder aufnehmen? Zweitens, wenn wir die Bombardierung wieder aufnahmen, mit welchen Waffen? Dies berührte die Frage der B 52(-Bomber). Und
drittens, sollten wir zum amerikanischen Volk darüber sprechen? Es klang doch
aus Ihrer Frage heraus, daß es niemals eine Erklärung gegeben hat.

Was

�Was den ersten Bereich angeht - warum der Präsident entschieden hat,
die Bombardierung wieder aufzunehmen - so waren wir zu dem Schluß gekommen,
daß die Verhandlungen, wie sie damals geführt wurden, nicht ernsthaft waren;
daß die Nordvietnamesen, aus welchen Gründen auch immer, zu dem damaligen
Zeitpunkt zu dem Schluß gekommen waren, daß ein Hinausziehen der Verhandlungen
mehr in ihrem Interesse lag, als sie zum Abschluß zu bringen. Es handelte
sich nicht darum, daß wir bestimmte Forderungen stellten, die sie abgelehnt
hätten. Es handelte sich vielmehr darum, daß, sobald eine Frage geregelt war,
drei neue auftauchten, und sobald eine Lösung nahe war, wieder weitere vorgebracht wurden.
Gleichzeitig war es so, daß je schwieriger Hanoi wurde, Saigon immer
starrer wurde. Und wir konnten daher einen Zeitpunkt kommen sehen, an dem wir
zwischen den beiden streitenden vietnamesischen Parteien gefangen sein würden
- ohne daß ein Element ins Spiel kam, das ihre Meinung hätte ändern können wobei die vertraulichen Gespräche zwischen Le Duc Tho und mir allmählich in
die gleiche Art von Propaganda abgleiten würden, die die öffentlichen Verhandlungen im Hotel Majestic erreicht hatten. Es wurde daher beschlossen, den Versuch zu machen, beiden vietnamesischen Parteien wirklich klar zu machen, daß
die Fortsetzung des Krieges ihren Preis hatte. Und es ist weitgehend unbeachtet geblieben, daß wir zur gleichen Zeit, da wir die Bombardierung Nordvietnams wieder aufnahmen, General Haig nach Saigon entsandten, um ganz klar zu
machen, daß dies nicht bedeutete, daß wir keine Regelung zu den Bedingungen
wollten, die wir als vernünftig definiert hatten.
So gingen wir wirklich gleichzeitig in beiden Richtungen vor. Sobald die
Entscheidung über die Wiederaufnahme der Bombardierung getroffen war, standen
wir vor der Tatsache, daß Regenzeit herrschte und daß das einzige Flugzeug,
das entsprechend eingesetzt werden konnte, die B-52 war, die eine Allwettermaschine ist. Sie erwähnten das Gebiet Hanoi-Haiphong. Es wurden jedoch große
Anstrengungen unternommen, um Wohngebiete zu meiden. Und die von den Nord-

3-

�Nordvietnamesen bekanntgegebenen Verlustzahlen von etwa einem Tausend dürften
die Annahme untermauern, daß dies geschah, denn viele der Verluste müssen in
den Zielgebieten und nicht in zivilen Wohngebieten aufgetreten sein.
Frage: Und doch wurde allem Anschein nach eine ganze Menge ziviler Wohngebiete getroffen. Es gab entsprechende Bilder.
Antwort: Sehen Sie, man kann bei einem solchen Bild niemals sagen, wie
groß das um es herumliegende Gebiet der Zerstörung ist. Sicherlich aber müssen
auch einige zivile Wohngebiete getroffen worden sein. Und ich möchte keinesfalls sagen, daß es nicht etwas sehr Schmerzliches war, was man tun mußte.
Warum entschloß sich nun der Präsident, nicht zum amerikanischen Volk zu
sprechen? Der Präsident kann dann äußerst wirksam sprechen, wenn er einen neuen
Kurs in der Politik ankündigt und aufweist, was getan werden kann, um diesen
speziellen Kurs zu Ende zu führen. Er hätte mit einer solchen Rede, die auch
in Erwägung gezogen wurde, nur zweierlei tun können. Das eine war, zu erklären,
warum die Verhandlungen zum Stillstand gekommen waren. Das andere war, zu erklären, unter welchen Umständen er_die Bombenangriffe einstellen würde. Das
erste hätte die Vertraulichkeit der Verhandlungen gebrochen und zwar noch
stärker, als dies ohnehin durch den Meinungsaustausch in der Öffentlichkeit
schon der Fall war, und das zweite hätte die Wiederaufnahme der Gespräche zu
einer Prestigefrage gemacht und womöglich noch länger hinausgezögert. Aus diesem Grunde kam der Präsident zu dem Entschluß, daß - wenn die Aktion Erfolg
haben würde - die Resultate in Form einer Lösung des Konfliktes für sich selbst
sprechen würden. Wenn es aber zu keiner Lösung kommen sollte, dann würde er
dem amerikanischen Volk Rechenschaft über alle Maßnahmen abzulegen haben, die
zu dem anhaltenden Stillstand (der Verhandlungen) führten.

Welches

�Welches nun auch immer der Grund war, es kam verhältnismäßig rasch zu
einer Lösung, nachdem die Gespräche erst einmal wieder aufgenommen waren. Wi
haben niemals eine Behauptung darüber aufgestellt, was zu dieser Lösung führ
te. Aber Sie fragten, warum der Entschluß gefaßt, wurde, die Bombenangriffe
wieder aufzunehmen, und dies waren die Überlegungen, die dazu führten."

-5-

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6/1973

PRÄSIDENT NIXON LEGT WIRTSCHAFTS BERICHT VOR
-Wortlaut des Begleitschreibens des Präsidenten-

WASHINGTON --«(AD)--- Präsident Nixon hat dem amerikanischen Kongreß am
31- Januar den von seinem Wirtschaftsbeirat ausgearbeiteten Wirtschaftsbericht vorgelegt, der - untermauert durch zahlreiche Tabellen und Statistikenein umfassendes Bild über den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Wirtschaft gibt.
Das Begleitschreiben des Präsidenten zu diesem Bericht hat folgenden
Wortlaut:
"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Wie bereits vorausgesagt, war 1972 ein sehr gutes Jahr für die amerikanische Wirtschaft.
Von Ende 1971 bis Ende 1972 ist die Gesamtgütererzeugung um 7,5 Prozent gestiegen

Dies ist eine der größten jährlichen

/''nahmen in den letzten

2.5 Jahren. Dieses Wachstum fand in einer - nahezu ausscül ießl ichen - Friedenswirtschaft statt; es wurde nicht durch einen durch Krieg angeheizten
inflationistischen Boom erreicht. Tatsächlich gingen die realen Verteidigungsausgaben im Laufe des Jahres um fünf Prozent zurück.

Wichtiger ist

�ist noch die Tatsache, daß die große Produktionszunahme in dem soeben beendeten Jahr von einer niedrigeren Inflationsrate begleitet war. Die Verbraucherpreise stiegen von 1971 bis 1972 um etwas mehr als 3 Prozent an
-was weit entfernt von der davonlaufenden Inflationsrate des Jahres 1969
ist.
Als ich vor 12 Monaten auf das bevorstehende Jahr 1972 blickte, erklärte ich, daß es das große Problem sei, die Arbeitslosenrate von dem Stand
von 6 Prozent, auf dem sie sich 1971 gehalten hatte, herunterzubekommen.
Im Laufe des Jahres 1972 konnte die Arbeitslosenrate auf etwas über 5 Prozent gesenkt werden. Wir sollten sie weiter herunterdrücken, und wir werden dies tun, aber das, was wir erreicht haben, ist erfreulich. Es ist be«sonders bedeutsam, daß die Gesamtzahl der in Arbeit Stehenden von 1971 bis
1972 um 2,3 Millionen gestiegen ist - was die größte Zunahme in 25 Jahren bedeutet.
Aber es war auch nicht alles ideal im Jahre 1972 - in der Wirtschaft
und mehr noch in anderen Bereichen unseres nationalen Lebens. Die steigenden
Lebensmittelpreise bereiteten große Sorge. Die amerikanische Handelsbilanz
gegenüber den übrigen Ländern hat sich nicht, wie wir dies erhofft hatten,
gebessert. Doch alles in allem war es ein sehr gutes Jahr.
Die Leistungen der Wirtschaft im Jahre 1972 sind zu einem großen Teil
auf eine gesunde und kraftvolle Politik der Regierung zurückzuführen. Die
Anfänge dieser Politik liegen noch vor dem Jahre 1972 und noch vor den dramatischen Maßnahmen, die am 15. August 1971 ergriffen worden sind. Sie gehen
zurück auf die im Jahre 1969 getroffene Entscheidung, der gefährlichen Inflation ein Ende zu setzen, die Mitte der sechziger Jahre begonnen hat, Diese Entscheidung wurde durch eine langsamere Steigerung der Bundesausgaben,
durch Beibehalten der vorübergehenden Steuererhöhung, die 1968 verabschiedet worden war, sowie durch Verschärfung der Geldmarktbedingungen verwirklicht. So konnte ein großer Teil der Ursachen der Inflation beseitigt und

-2-

�und der Anstieg der Lebenshaltungskosten gemildert werden. Ohne diese Schritte wäre der sich darauf aufbauende Erfolg der Lohn-und Preiskontrollen
nicht möglich gewesen.
Die Eindämmung der Inflation und die Einschränkung der Verteidigungsproduktion führten zwangsläufig zu einem Rückgang in der Wirtschaft und einem
Anstieg der Arbeitslosenzahl. Um zu verhindern, daß diese Entwicklung zu weit
ging, schwenkten die Haushalts-und die monetäre Politik 1971 in eine expansive Richtung um. Und um sowohl den Rückgang der Inflation wie auch die Wiedererholung der Wirtschaft zu beschleunigen, habe ich am 15. August 1971
eine neue Wirtschaftspolitik verkündet. Für Preise, Renten und Löhne wurden
temporäre Kontrollen verfügt™ Steuern wurden gesenkt. Etwas später gingen
wir dazu über, der Wirtschaft einen weiteren Auftrieb zu geben, indem wir
im ersten Halbjahr 1972 die Regierungsausgaben ausweiteten, in erster Linie
durch Vorziehen von Ausgaben, die erst zu einem späteren Zeitpunkt vorgenommen worden wären.
Die Politik, die 1969 begann, hat zu dem so deutlich sichtbaren wirtschaftlichen Fortschritt im Jahre 1972 beigetragen. Aber die Politik der
Regierung hat dies alles nicht alleine erreicht. Dies ist zu einem großen
Teil einer starken Privatwirtschaft wie auch den privaten Bürgern zu verdanken, die bei der Steigerung der Produktivität mitgearbeitet haben - durch
Erhaltung des Friedens in der Industrie und durch Einhaltung der Normen des
Kontrollsystems. Die Regierung hat dazu beigetragen, Bedingungen zu schaffen,
unter denen die privaten Bürger sich auf eine expandierende Wirtschaft umstellen konnten, die weit weniger verteidigungsorientiert und viel weniger
inflationistisch war. Es war also der einzelne Amerikaner, der diese Anpassungen durchgeführt hat.
Die unmittelbaren wirtschaftlichen Zielsetzungen für die Binnenwirtschaft im Jahre 1973 sind klar. Gütererzeugung und Einkommen sollten expandieren. Sowohl die Arbeitslosenrate wie auch die Inflationsrate sollten wei-

3-

�weiter gesenkt werden, und es muß ein echtes Vertrauen geschaffen werden,
daß keine von beiden erneut steigen wird.
Die Aussichten, diese Ziele im Jahre 1973 zu verwirklichen, sind gut
- wenn wir Vernunft, Klugheit und Weitblick walten lassen. All diesen Anzeichen zufolge ist eine nachhaltige wirtschaftliche Expansion im Gange, und
sie wird auch während des Jahres anhalten. So werden Gütererzeugung und Beschäftigtenstand steigen und die Arbeitslosigkeit zurückgehen. Das Problem,
so weit es sich jetzt voraussehen läßt, wird darin bestehen, zu verhindern,
daß diese Expansion in einen inflationistischen Boom ausartet.
Dies ist der Grund, warum ich eine Einschränkung der Bundesausgaben
an die Spitze der der wirtschaftspolitischen Maßnahmen für 1973 gesetzt habe.
Nichts ist einfacher oder angenehmer, zumindest für eine Bürokratie, als Geld
auszugeben. Aber über einen gewissen Punkt hinaus, den unsere Haushaltspläne
bereits erreicht haben, muß alles, was die Regierung mit einer Hand ausgibt,
mit der anderen Hand wieder eingenommen werden - durch höhere Steuern oder
mehr Inflation oder durch beides. Die Ausgabenansätze müssen in diesem Sinne
gesehen werden; sie müssen daran gemessen werden, ob sie einen solchen Preis
wert sind. Bei zu hohen Regierungsausgaben wird diese Bewährungsprobe nicht
bestanden.
Ich schlage einen Haushalt mit Ausgaben von 250 Milliarden Dollar für
das laufende Finanzjahr vor - eine Zunahme von 18 Milliarden Dollar gegenüber
dem vorangegangenen Finanzjahr. Ich schlage eine Ausgabensteigerung um 19
Milliarden Dollar auf 269 Milliarden Dollar für das kommende Finanzjahr vor.
Obwohl dies große Beträge und große Steigerungen sind - so spiegeln sie
doch Verantwortungsbewußtsein und Disziplin wider. Ich ersuche dringend um
die Mitarbeit des Landes und des Kongresses, damit wir im Rahmen meiner Haushaltsansätze bleiben.
Nur

-4

�Nur wenn wir uns an die Ausgabenansätze halten, werden wir die Inflationsrate 1973 weiter senken können. Die Produktivität sollte weiter erheblich steigen. Die inflationistischen Erwartungen sollten unterdrückt werden. Die Arbeitnehmer hatten große Steigerungen ihrer Realeinkommen zu ver~
zeichnen, und daher wird der Druck, aufholen zu müssen, weit geringer als
früher sein. Anti-inflationistische Kräfte sind zwar am Werk, aber es wird
notwendig sein, dafür zu sorgen, daß unsere gesunde Expansion nicht in einen
überhitzten Boom ausartet.
Das im Jahre 1972 gültige System der Lohn-und Preiskontrollen hat dazu
beigetragen, beides - weniger Inflation und mehr Gütererzeugung - zu erreichen. Aber für 1973 ist es nicht das beste System. Nach eingehenden Konsultationen mit allen Teilen der amerikanischen Öffentlichkeit sind wir zu
dem Schluß gekommen, daß die Kontrollen wesentlich modifiziert werden sollen.
Es gibt mehrere Problemgebiete - Nahrungsmittel, Bausektor und die Kosten
der ärztlichen Betreuung » die besondere Anstrengungen zur Zurückhaltung
erfordern, in einigen

Fällen sogar stärkere als irr vergangenen Jahr.

Für die Wirtschaft als Ganzes besteht die Notwendigkeit, entschiedener
eine Verhaltensform zu finden, die im Einklang mit einer vernünftigen Preisstabilität steht. Gleichzeitig zeigen unsere eigenen Erfahrungen und die Erfahrungen anderer Länder, daß bei einem Beibehalten von Kontrollen, sofern
sie nicht ausreichend modifiziert werden, der Bürokratismus sich ausbreitet,
die Ungerechtigkeiten zunehmen, die Eingriffe in Produktion und Produktivität immer schwerwiegender werden und die Möglichkeit steigt, daß die Preise
nach einem Aufheben der Kontrollen explodieren werden. Daher modifizieren wir
das Kontrollsystem in verschiedener Hinsicht.
Wir setzen eine Norm für ein vernünftiges Preis~und Lohnverhalten und
wir fordern Wirtschaft und Arbeitnehmer auf, ihr zu entsprechen. Die privaten
Wirtschaftsbetriebe werden selbst entscheiden können, ob Preis-oder Lohnerhöhungen innerhalb der Norm liegen oder nicht. Preis-und Lohnerhöhungen

-5-

�Lohnerhöhungen werden nicht im voraus die Billigung seitens der Regierung erfordern, aber die Regierung wird weiterhin gesetzlich ermächtigt,, und praktisch in der Lage und auch gewillt sein, notfalls zu intervenieren, um Maßnahmen zu stoppen, die unvernünftig und mit der Norm nicht zu vereinbaren
sind. Ich ersuche den Kongreß um eine Verlängerung des Gesetzes zur Stabilisierung der Wirtschaft um ein Jahr bis zum 30. April 1974, um diese Ermächtigung beizubehalten. Es sollte kein Zweifel bezüglich der Tatsache bestehen, daß von dieser Ermächtigung notfalls auch Gebrauch gemacht wird.
Die Steigerung des Lebensmittelangebotes, um Preiserhöhungen bei Lebensmitteln einzudämmen und, wo möglich, Preissenkungen nerbeizuführen, muß einen
unerläßlichen Bestandteil unseres Anti-Inflationsprogrammes bilden. Das Zusammenfallen von Naturereignissen, die die Lebensmittelerzeugung in den Vereinigten Staaten und im Ausland auf einem niedrigen Stand hielten mit steigenden Verbrauchereinkommen im Inland haben ein scharfes Ansteigen der Lebensmittelpreise im letzten Jahr bewirkt. Diese gleichen Kräfte werden sich
auch im ersten Teil dieses Jahres auswirken. Aber wir haben Schritte zur Vergrößerung des Lebensmittelangebotes ergriffen. Die Quoten, die bisher den
Fleischimport einschränkten, sind ausgesetzt worden. Beschränkungen für die
zu bestellenden Anbauflächen sind bei wichtigen Agrarerzeugnissen gelockert
worden. Größere Mengen Trockenmilch dürfen in das Land eingeführt werden.
Subventionen für Agrarexporte sind aufgehoben worden. Das Weiden von Rindern
auf Land, das aus der Landbestellung herausgenommen wurde, ist gestattet worden. Wir haben innerhalb der Bundesregierung neue Einrichtungen geschaffen,um
sicherzustellen, daß der Aufgabe, die Lebensmittelpreise niedrig zu halten,
hohe Priorität eingeräumt wird.
Zurückhaltung in der Haushaltspolitik, das neue System kooperativer
Preis- und Lohnkontrollen sowie besondere Anstrengungen zur Steigerung des Lebensmittelangebotes sollten zusammen mit der Produktivität und Dynamik der

-6-

�der Privatwirtschaft 1973 zu einem weiteren Jahr machen, in dem Inflation
und Arbeitslosigkeit zurückgehen und die Gütererzeugung ansteigt. Aber bei
der Politik des Jahres 1973 geht es um mehr als nur um wirtschaftliche
Leistungen. Es geht darum, ob wir das Jahr 1973 zum Beginn einer andauernden Periode des Wachstums und der Stabilität in einer freien Wirtschaft
machen können. Seit 1968 haben Regierung und Wirtschaft die negative Aufgabe weitgehend gelöst, die der Stabilität entgegenwirkenden Folgen der
Finanzierung des Vietnam-Krieges zu korrigieren. Diese Periode ist so gut

wie vorüber. Jetzt können wir damit aufhören, Feuer zu löschen, und uns
stattdessen der Errichtung einer besseren Wirtschaftsordnung zuwenden.
Wir müssen eine zuverlässige und verantwortungsbewußte Einstellung
dem Bundeshaushalt gegenüber einnehmen sowie zuverlässigere und verantwor tungsbewußtere Methoden zu seiner Handhabung entwickeln, so daß dieser
nicht ständig am Rande einer inflationistischen Explosion steht. Wir müssen
uns auf das Ende der Lohn-und Preiskontrollen vorbereiten und bereit sein,
den gleichen Mut bei ihrer Aufhebung wie seinerzeit bei ihrer Einführung
zu zeigen. Wir werden die restriktiven Auswirkungen der großen Zahl anderer
von der Bundesregierung ausgeübter wirtschaftlicher Kontrollen beseitigen,
von denen die meisten ihren Ursprung vor Jahrzehnten hatten,und von denen
viele Produktivität und Produktion beeinträchtigen. Und wir müssen die Wettbewerbskräfte in einer dynamischen freien Unternehmerwirtschaft stärken.
Nirgendwo ist die Notwendigkeit, 1973 zu einem Jahr der wirtschaftlichen Reformen zu machen , offensichtlicher als in unseren internationalen Beziehungen. Unsere Maßnahmen vom 15. August 1971 haben die Welt auf den Weg
zu Verhandlungen über eine Verbesserung der Weltwirtschaft gebracht. Letztes
Jahr haben wir Vorschläge für die Reform des internationalen Finanzsystems
gemacht, und diese Vorschläge sind jetzt Gegenstand von Erörterungen auf
hoher Ebene zwischen Beamten der Mitgliedsstaaten des Internationalen

-7-

�1

Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieses Jahr rechnen wir mit der Auf»
nähme von Verhandlungen auf dem Gebiet des Handels.
Wir möchten, daß die Amerikaner die ausländischen Güter und Dienstleistungen kaufen können, die besser, billiger oder interessanter als unsere
eigenen sind. Das hebt den amerikanischen Lebensstandard. Wir wollen,daß
die Amerikaner im Ausland investieren können, wenn dies für sie am meisten
Gewinn bringt. Wir wollen, daß die Amerikaner für diese Käufe und Investition
nen auf die für uns günstigste Weise bezahlen können. Dies bedeutet erstens,
daß wir, um bezahlen zu.können, die Dinge, die wir am besten produzieren, im
Ausland verkaufen und zwar zu den besten Bedingungen, die wir freiwillig erreichen können. Zweitens bedeutet dies, daß wir in einer Weise bezahlen dürfen, die tragbar ist, so daß wir nicht mit der Notwendigkeit plötzlicher und
möglicherweise schmerzlicher Anpassungen konfrontiert werden.
Die bestehenden Vereinbarungen sind in keiner Weise günstig für uns.
Wir haben vom Ausland in schnell wachsenden Größenordnungen gekauft, und das
hat dem amerikanischen Volke geholfen. Aber unsere Exporte, mit denen wir
für diese Importe bezahlen wollen, unterliegen zu hohen Beschränkungen;
dies trifft vor allem für unsere Agrarerzeugnisse zu. Wir konnten nicht ge~
nug verkaufen, um unsere Ausgaben im Ausland zu bezahlen, und so mußten wir
sie durch Aufnehmen von immer mehr kurzfristigen Schulden im Ausland begleichen. Diese Situation kann nicht unbegrenzt andauern; ihr plötzliches Ende
könnte verheerende Folgen haben. Daher möchten wir diese Reformen herbeiführen, die es uns gestatten werden, selbst für uns aufkommen zu können.
Unsere Vorschläge sind in der Vergangenheit im nationalen Interesse der
USA vorgelegt worden, und dies wird auch künftig so sein. Aber dies widerspricht nicht den Interessen der anderen Länder. Der internationale Wettstreit verlagert sich von der militärischen und der politischen Ebene auf die
wirtschaftliche. Dies ist ein großer Vorteil, denn beim wirtschaftlichen
Wettbewerb kann jeder Beteiligte gewinnen - es muß keine Verlierer geben.

-8-

�geben. Die Bemühungen jedes Landes, zu produzieren und zu verkaufen, was
es kann, werden den anderen auf das Wirksamste nützen. Dies ist die Grundauffassung unserer Vorschläge für Reformen und der Hauptgrund, warum wir
glauben, daß ein zufriedenstellendes Abkommen erreicht werden kann.
Die allgemeine Voraussage lautet, daß 1973 ein weiteres sehr gutes
Jahr für die amerikanische Wirtschaft sein wird. Ich glaube, daß es ein
großes Jahr sein kann. Es kann ein Jahr sein, in dem wir Arbeitslosigkeit
und Inflation weiter senken und in eine andauernde Periode starken Wachstums,
der Vollbeschäftigung und der Preisstabilität eintreten. Aber 1973 wird nur
dann ein großes Jahr sein, wenn wir unsere Haushaltsprobleme klug meistern
und die von mir vorgeschlagene Zunahme der Bundesausgaben nicht überschreiten. Dies ist die praktische Lehre aus den Erfahrungen der Jahre 1965 bis
1968, als eine zu lockere Haushaltspolitik eine gesunde Expansion in einen
fieberhaften Boom ausgleiten ließ, dem dann eine Rezession folgte. Ich bin
entschlossen, diese Lehre zu beherzigen. Und ich appelliere dringend an den
Kongreß, dies ebenso zu tun.

H-H-4

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6/1973

US-WIRTSCHAFTSBEIRAT FORDERT WEITERE LIBERALISIERUNG DES
WELTHANDELS

Von John Holway

WASHINGTON --(AD)— Mit der Warnung, daß Handelsungleichgewichte nicht nur
der amerikanischen, sondern gleichzeitig auch der Weltwirtschaft schaden,
haben die Vereinigten Staaten in diesen Tagen erneut für 1973 eine stärkere
Öffnung der Grenzen für einen liberalen Handel gefordert.
In seinem Bericht zur Lage der amerikanischen Wirtschaft, der am 31.
Januar veröffentlicht worden war, betont der Wirtschaftsbeirat Präsident
Nixons, daß eine Korrektur der Zahlungsbilanzungleichgewichte zu einem Teil
durch Änderung der Wechselkurse sowie eine wirksamere Anti-Inflationspolitik
in den Vereinigten Staaten erreicht werden kann. Gerade; auf letzterem Gebiet
seien in den letzten 18 Monaten bedeutende Fortschritte erzielt worden.
Aber, so stellt der Wirtschaftsbeirat weiter fest, auch ein Abbau der Handelsschranken könne beträchtlich zur Korrektur der Zahlungsbilanzungleichgewichte beitragen. Bereits 1972 hätten eine Reihe von Ländern, vor allem Japan,
Liberalisierungsmaßnahmen durchgeführt, um die Situation zu entschärfen, und

-1-

�und es stehe zu hoffen, daß 1973 weitere Maßnahmen in diesem Anpassungsprozeß
folgen werden.
Der Bericht weist darauf hin, daß die Errichtung des Gemeinsamen Europäischen Marktes dazu geführt hat, Warenlieferungen von Firmen aus Drittländern
auf Firmen der Mitgliedsstaaten zu verlagern. Und er folgert hieraus, daß "nur
eine ausgehandelte Senkung des allgemeinen Niveaus von tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken diese Diskriminierung wirksam beseitigen kann."

In

diesem Zusammenhang warnt der Beirat auch, daß die Präferenz-Handelsabkommen der
EWG mit afrikanischen und anderen Ländern das Meistbegünstigungsprinzip auszuhöhlen drohen. Es sei daher wichtig, daß in den bevorstehenden weltweiten Handelsgesprächen die von den Mitgliedsstaaten des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) in bezug auf das Meistbegünstigungsprinzip übernommenen Pflichten klargestellt werden, nämlich daß eineeinem Gatt-Mitglied eingeräumte Konzession auch allen übrigen Mitgliedern gewährt werden muß.
Die für den Herbst in Genf anberaumten Gespräche sollen sich nach Auffassung des Beirates mit allen Formen von Handelsschranken - den tarifären wie auch
den nicht-tarifären - befassen. Es soll sowohl über den Handel mit industriellen
Erzeugnissen wie auch über den Agrarhandel gesprochen werden, bei dem die Vereinigten Staaten sich benachteiligt fühlen.
Aber der Beirat Präsident Nixons geht noch weiter und fordert eine Reform
des GATT, um diesem eine stärkere Position, vor allem bei Streitigkeiten zwischen
einzelnen Ländern, zu geben. Denn unbereinigte Streitfälle könnten sich leicht
auf die politischen wie auch die Sicherheitsbeziehungen auswirken. In diesem
Zusammenhang wird besonders auf die Bestimmungen des GATT verwiesen, die Ländern eine temporäre Einschränkung der Importe gestatten, sofern sie entsprechende Senkungen bei anderen Handelsschranken vornehmen. Diese Bestimmung hat sich
nach Ansicht der amerikanischen Wirtschaftsberater in der Praxis als nicht
praktikabel erwiesen, und die Regierungen suchten sie zu umgehen. Dem werden die

-2-

�die Vorschläge Präsident Nixons gegenübergestellt, die ein neues System von
Sicherheiten für solche Länder vorsehen, deren Industrie durch den Import
geschädigt wird. Sofern solche Sicherheiten multilateral ausgehandelt sind,
so betont der Beirat, bildeten sie eine versteckte Form des Schutzes. Derartige Sicherheiten brauchten auch nicht kompensierende Konzessionen einzuschließen; aber sie sollten wirksame binnenwirtschaftliche Anpassungen aufweisen, um die Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr wettbewerbsfähiger Industrien
wiederherzustellen.
Der amerikanische Bericht impliziert somit, daß die Vereinigten Staaten
die Mitarbeit im GATT weiterhin fortsetzen werden. Die neuen Bestimmungen
über eine Reform des GATT brauchten den substantiellen Verhandlungen nicht
vorauszugehen. Denn jede neu ausgehandelte Vereinbarung würde gleichzeitig
auch zu einer Modifizierung der GATT-Bestimmungen führen. Auf diese Weise
würde eine Reform Hand in Hand mit diesen Verhandlungen erfolgen.
Der Bericht des Beirates widmet drei wichtigen Gebieten besondere Aufmerksamkeit: Dies sind der Handel zwischen Industriestaaten mit einer freien
Wirtschaft, der Handel mit Entwicklungsländern und der Handel mit kommunistischen Ländern. Was den ersten Punkt, den Handel zwischen Industrieländern,
anbetrifft, so verweist der Beirat auf die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geleistete Arbeit, die Studien
über Probleme wie Investitionen, Subventionen, tarifäre und nicht-tarifäre
Handelsschranken durchgeführt hat. Der in einer der OECD-Studien gezogene
Vergleich über die Wirkung von Subventionen und Zöllen als Schutz für die
einheimische Industrie veranlaßt den Beirat zu der Feststellung, daß Zölle
vorzuziehen seien, da sie zu Nettoeinnahmen für das; betroffene Land führten,
während aus dem Staatshaushalt gezahlte Subventionen Nettokosten bedeuteten.
Über

-3-

�.

Über die Beziehungen zu den Entwicklungsländern heißt es in dem Bericht, daß beide, die Industriestaaten und die Entwicklungsländer, nur Nutzen
daraus ziehen könnten, wenn das Maß der Willkür bei Handel, Hilfe und Investitionen betreffenden nationalen Entscheidungen eingeengt werde. Die Vereinigten Staaten, so stellt der Beirat fest, unterstützten eine allgemeine
Zollsenkung für Erzeugnisse aus den Entwicklungsländern. Dies sei eine bessere Alternative als Präferenzabkommen, die zahlreiche Entwicklungsländer
mit dem Gemeinsamen Europäischen Markt haben.
Der Beirat Präsident Nixons appelliert schließlich an alle Länder, die
noch nicht Mitglied im GATT sind, die Pflichten einer solchen Mitgliedschaft
auf sich zu nehmen und sich an den bevorstehenden Verhandlungen voll zu beteiligen. Im Gegensatz zu früheren GATT-Abkommen werde es sich, wie der
Beirat betont, bei allen in diesen Gesprächen getroffenen Vereinbarungen um
in sich geschlossene Abkommen handeln. Dies bedeute, daß sie nur für die
Unterzeichnerstaaten gültig sind. Nicht-Mitgliedsstaaten könnten an diesen
Verhandlungen teilnehmen, doch würden sie weniger Einfluß als Vollmitglieder
haben. Und als GATT-Mitglieder würden sie aufgrund des Meistbegünstigtenprinzips automatisch an allen ausgehandelten Zollsenkungen teilhaben.
Zum Handel mit "zentral gelenkten Volkswirtschaften" bemerkt der Bericht,
daß sich der Güteraustausch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besonders schnell ausweiten dürfte. Da die kommunistischen Länder jedoch nicht dem GATT angehörten, müßten besondere Bestimmungen über die Errichtung eines multilateralen Systems für einen Zahlungsausgleich ausgearbeitet werden.
Zusammenfassend stellt der Beirat in seinem Bericht fest, wenn alle
Länder sich weiterhin fest zu einem freieren Handel und freieren Investitionen bekennen würden, dann hätten sie aufgrund der internationalen Bestimmungen
zwangsläufig auch die Chance, an den Segnungen einer solchen Liberalisierung

-4-

�Liberalisierung von Handel und Investitionen teilzuhaben,, Allerdings sollten die internationalen Bestimmungen künftig die internationalen Verhaltensnormen genauer definieren und mehr Flexibilität hinsichtlich des Rahmens
bieten, in dem solchen Verantwortungen nachgekommen werden kann. Ein starkes internationales System, und das wird nachdrücklich unterstrichen, müsse
auf einer gesunden Politik der einzelnen Länder zur Förderung des binnenwirtschaftlichen Wachstums und der Preisstabilität basieren.

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6/1973

USA LEGEN DER WELTÖFFENTLICHKEIT VORSCHLÄGE ZUR REFORM DES INTERNATIONALEN WÄHRUNGSSYSTEMS VOR

WASHINGTON —(AD)-- Die jetzt erfolgte Veröffentlichung der amerikanischen
Vorschläge für eine Reform des internationalen Wahrungssystems beantwortet
zahlreiche Fragen, die aufgeworfen worden waren, als der amerikanische
Finanz minister George P. Shultz im September letzten Jahres den amerikanischen Plan in groben Umrissen skiziierte. Mit seinen Ausführungen wollte
Shultz damals die Aufmerksamkeit der Welt auf die Vorschläge der USA richten, in denen der Stand der Währungsreserven eines Landes als bester Indikator dafür bezeichnet worden war, wann von einer Regierung eine Korrektur
eines Zahlungsbilanzüberschusses oder Defizits erwartet werden müsse.
Die jetzt - in Form eines dem Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates
des Präsidenten beigefügten Memorandums - veröffentlichten Einzelheiten
der amerikanischen Vorschläge zeigen, daß der US-Plan nicht so stark und
automatisch sein würde, als die ersten Andeutungen dies seinerzeit erwarten
ließen. Der US-Plan würde nicht verlangen, daß eine Regierung - unabhängig
von den anderen Gegebenheiten - einen bereits im voraus festgelegten Schritt
- zum Beispiel eine Änderung ihres Wechselkurses - vornimmt, sobald der

-1-

�der Stand der Währungsreserven einen gewissen Punkt überschreitet. Vielmehr
schlagen die Vereinigten Staaten vor, eine Reihe von Punkten über und unter
einer vereinbarten Zahl, die als normaler Stand der Währungsreserven eines
bestimmten Landes betrachtet würde, festzulegen. Von den Regierungen würde
erwartet werden, auf ihre eigene Weise und nach ihren eigenen Zeitplänen zu
handeln, um internationale Ungleichgewichte zu korrigieren, noch bevor der
"obere" oder der "untere Punkt" zu diesem Basisstand erreicht ist.
Internationale Sanktionen würden zur Verfügung stehen, um Druck auf
eine Regierung auszuüben, die zögert, wirksame Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen. Sie würden jedoch nur in dem extremen und unwahrscheinlichen Fall angewandt werden, daß eine Regierung sich weigern sollte, selbst zuerst zu handeln
Außerdem könnte die internationale Völkergemeinschaft - im Internationalen
Währungsfonds (IWF) - für eine Aussetzung des durch die Veränderung der Währungsreserven gegebenen Signals

stimmen, falls ihrer Auffassung nach auch

andere Faktoren berücksichtigt werden sollten oder falls sie der Ansicht ist,
daß die betreffende Regierung bereits wirksame Maßnahmen zur Korrektur der
Situation unternimmt.
Bei Ländern, deren Währungsreserven unter den "unteren Punkt" absinken
und bei denen dieser Zustand längere Zeit anhält, könnten die Sanktionen darin bestehen, daß sie die Kreditprivilegien beim IWF verlieren oder daß ihr
Anteil an der nächsten Zuteilung von Sonderziehungsrechten einbehalten würde.
Eine Regierung, deren Währungsreserven zu schnell ansteigen, könnte zunächst
den Anspruch auf Umwechslung von weiteren, durch Interventionen auf den Devisenmärkten erworbenen zusätzlichen Devisen verlieren. Das heißt, diese Regierung könnte solche Devisenbeträge den betreffenden Ländern nicht mehr vorlegen und ihre Einlösung in Reserveguthaben wie Sonderziehungsrechte oder
Gold fordern. Weiter könnte ein solches Land von der nächsten Zuteilung an
Sonderziehungsrechten ausgeschlossen werden.
Wenn

-2-

�Wenn ein Land weiter Devisenreserven - in Form von nicht-konvertierbaren Währungen - erwirbt, bis seine Gesamtreserven den oberen Punkt erreicht
haben, und wenn dieser Zustand dann eine bestimmte Zeit andauert, so könnten
andere Sanktionen zum Tragen kommen. Zum Beispiel könnte der IWF dritte
Länder ermächtigen, allgemeine Importzölle oder zusätzliche Abgaben auf
Waren des betreffenden Landes zu erheben. Ein solches Land könnte von einer
Zuteilung an Sonderziehungsrechten ausgeschlossen werden, oder es könnte
eine Steuer auf die überhöhten Reservebestände eines solchen Landes erhoben
werdenderen Erträge der Entwicklungshilfe zugutekämen. Derartige Sanktionen
könnten nur vermieden oder hinausgeschoben werden, falls der IWF feststellt,
daß sie nicht gerechtfertigt seien,oder auf der Basis eines vereinbarten Anpassungsprogramms, das zum Beispiel wesentliche Schritte in Richtung auf
Liberalisierung von Importbeschränkungen, die Aufhebung von Kontrollen für
Kapitalabflüsse, die Gewährung ungebundener Hilfe oder eine Aufwertung einschließe .
Es würde jedoch selten, wenn überhaupt jemals, notwendig werden, zu der
artigen internationalen Sanktionen zu greifen. Allein schon die Tatsache ihr
Bestehens und die allgemeine Übereinstimmung, daß die Länder auf einen Ausgleich ihrer internationalen Transaktionen hinarbeiten sollten, würden genügen, um die einzelnen Regierungen zu Maßnahmen zu veranlassen, bevor der
"obere Punkt" erreicht wäre.
Alle «liese Punkte -

der "untere Punkt", der "untere Gefahrenpunkt",

der "Basisstand", der "obere Gefahrenpunkt", der "Konvertibilitätspunkt"
und der "obere Punkt"- würden im Laufe der Zeit in dem Maße heraufgesetzt
werden, wie die gesamten Währungsreserven der Welt infolge der Ausgabe von
Sonderziehungsrechten steigen.
Kleinere Anpassungen der Wechselkurse - Abwertungen für Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten, Aufwertungen für Länder mit Zahlungsbilanzüberschüssen - wären ein Weg, wie Regierungen ihre internationalen Zahlungskonten

-3-

�Zahlungskonten ausgeglichen halten könnten. Aber es würde ihnen auch freistehen, andere Anpassungsmethoden zu wählen - solange derartige Methoden
mit den Marktmechanismen, einem liberalen Welthandel und den Bestimmungen
für den Zahlungsverkehr zu vereinbaren wären.
Die neuen amerikanischen Vorschläge gehen davon aus, daß das neue internationale WährungsSystem, wenn es wirksam sein soll, Möglichkeiten einschließen muß, die sicherstellen, daß Ungleichgewichte im internationalen
Zahlungsverkehr angepaßt werden. Nach dem alten System würden Länder mit
Zahlungsbilanzdefiziten stets unter Druck geraten, früher oder später, wenn
ihre Reserven zu Ende gehen, Anpassungen vorzunehmen. Die amerikanischen
Vorschläge zielen darauf ab, einen gleichen Druck auch auf Überschußländer
auszuüben, damit diese aufwerten oder andere Anpassungsmaßnahmen vornehmen.
Und sie sollen beide, Defizit-wie auch Überschußländer, ermutigen, früher
zu handeln, bevor die Ungleichgewichte zu einer ernsthaften Bedrohung der
Stabilität des Systems werden.
Die Notwendigkeit objektiver Indikatoren als Maßstab für das Ergreifen
von Maßnahmen

wird in den amerikanischen Vorschlägen wie folgt erläutert:

"Entscheidungen über Anpassungen sind für jede Regierung häufig schwierig,
und es besteht eine Tendenz, derartige Entscheidungen hinauszuzögern und
ganz zu vermeiden,obwohl schon längst der Zeitpunkt erreicht ist, an dem
eine Anpassungspolitik hätte aufgenommen werden sollen. In gleicher Weise
zögern internationale Gruppen, sich umgehend mit den schwierigen und politisch delikaten Anpassungsfragen zu befassen. Ohne objektive Indikatoren
besteht Gefahr, daß die erforderlichen Maßnahmen nicht ergriffen werden."

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6/1973

USA SETZEN NEUEN PRÄZEDENZFALL FÜR AUSGLEICHSZÖLLE
Von John H.Harter

WASHINGTON —(AD)--Die Vereinigten Staaten haben ein neues Kriterium
für die Erhöhung von Zöllen für Importe geschaffen, die von Subventionen
seitens der Regierungen der Herstellerländer profitieren. Am 8. Januar
führten sie eine zusätzliche Abgabe - einen sogenannten Ausgleichszoll für bestimmte Michelin-Reifen aus Kanada ein, die in etwa wertmäßig der
Subvention entsprechen, die Michelin von der kanadischen Regierung erhalten hat.
Hier handelte es sich nur um eine Maßnahme in einer ganzen Reihe von
Schritten, die eine härtere Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber subventionierten Importen erkennen lassen. Andere solche Entscheidungen betrafen Italien, Griechenland und Frankreich, während weitere Fälle
- Mexiko, Südkorea und Japan betreffend - noch geprüft werden.
Die Entscheidung im Falle der Michelin-Reifen ist jedoch die erste,
die gegen eine besondere Art der Subvention, nämlich Zuwendungen für die
Regionalentwicklung, zielt. Durch solche Subventionen soll ein Anreiz für
die Ansiedlung von Industrie in Notstandsgebieten geschaffen werden. Der
scheidende Unterstaatssekretär im amerikanischen Finanzministerium,
Eugene T. Rossides, begründete diese Maßnahme für Fälle, bei denen solche

�solche Subventionen Teil eines starken Exportförderungsprogramms sind, wie
im Falle Michelin.
Rossides betonte in diesem Zusammenhang, daß die Frage zunehmender Regierungssubventionen,die den internationalen Handel verzerren, reif für multilaterale Verhandlungen sei. Alle Regierungen, so führte er aus, unterliegen
einem wachsenden Druck, Produktion und Exporte zu subventionieren - und
zwar nicht nur direkt, sondern beispielsweise auch durch Investitionsanreize
und Rückerstattung indirekter Steuern. Mit der Verschärfung des internationalen Wettbewerbs können solche Subventionen zu einer wachsenden Verzerrung
des Handels führen.
Von amtlicher amerikanischer Seite hofft man, daß in den nächsten Jahren
ein internationales Abkommen erreicht werden kann, das klarere, präzisere
und harmonischere Definitionen und Regeln bezüglich der den Export berührenden Regierungssubventionen enthält.
In Washington wird ferner betont, daß sich die Ausgleichsabgabe für
diese Reifen weder gegen Kanada noch gegen Michel in richtet. Nach einem aus
dem Jahre 1930 stammenden Gesetz ist der Finanzminister gezwungen, eine solche Maßnahme zu treffen, wenn eine Beschwerde eingeht und die Tatsachen erhärtet sind. Rossides wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß auch amerikanische Tochterfirmen im Ausland von einem solchen Schritt betroffen werden
können. Das amerikanische Finanzministerium ist einfach gezwungen, eine solche
Abgabe zu erheben, wenn entsprechende Fakten vorliegen. Mit wachsender Produktion wird dei Ausgleichszoll natürlich entsprechend geringer.
Im vorliegenden Fall beträgt der normale Einfuhrzoll für Reifen in den
USA vier Prozent; die Ausgleichsabgabe ist laut Amtsblatt des Finanzministeriums auf 6,6 Prozent fob (free on board) des Reifenwertes festgelegt worden. Der Einfuhrzoll für Reifen beträgt in Kanada übrigens generell 17 Pro-

-2-

�I

Wie Rossides betonte, hat die Firma Michelin selbstverständlich das
Recht, den Fall vor das Amerikanische Zollgericht und im Falle eines Einspruches vor das Amerikanische Zoll-und Patent-Appellationsgericht zu bringen.
Während die meisten Länder in ihren Gesetzen über Ausgleichsabgaben
sogenannte "Schadensklauseln" haben - gemäß Artikel VI des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens (GATT) - sind die Vereinigten Staaten von dieser Klausel
befreit, da sie das entsprechende Gesetz bereits vor ihrem Beitritt zum GATT
verabschiedet hatten. Das amerikanische Gesetz verlangt keinen Nachweis eines
Schadens für die einheimische Wirtschaft. Dies hat in anderen Handelsnationen
Besorgnis erregt.
Die Vereinigten Staaten haben zu erkennen gegeben, daß sie bereit wären,
im Zuge ernsthafter Verhandlungen über feste Regeln für Exportsubventionen
eine solche "Schadensklausel" zu erwägen. Bisher haben andere Regierungen jedoch noch wenig Interesse an diesem Vorschlag gezeigt.

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6/1973

US-RAUMFAHRT MIT KURZUNGEN
--(AD)-- Wenn der Kongreß zustimmt, werden 3,136 Milliarden Dollar der
Rahmen sein, in dem das US-Amt für Luft-und Raumfahrt (NASA) im Haushaltsjahr 1974 tätig sein kann. Das Budget ist zwar um 74 Millionen Dollar gegenüber 1973 erhöht, jedoch entspricht dies angesichts des allgemeinen
Kostenanstiegs von ca. 5 Prozent einer Reduzierung der Geldmittel um etwa
400 Millionen Dollar.
Die NASA bemüht sich, alle wesentlichen Elemente eines ausgewogenen
und produktiven Luft-und Raumfahrtprogramms zu erhalten. Das bedeutet, daß
es bei der experimentellen Raumstation SKYLAB, dem wiederverwendbaren Raumtransporter, dem amerikanisch-sowjetischen Gemeinschaftsprojekt AP0LL0SOJUS, dem Unternehmen VIK1NG (weiche Landung einer unbemannten Sonde auf
dem Mars), dem MARINER-Flug zu den Großplaneten Jupiter und Saturn, verschiedenenAnwendungssatelliten und bestimmten aeronautischen Entwicklungsprojekten keine Streichungen, allenfalls eine zeitliche Streckung geben
wird.
Ein Drittel der für 1974 verfügbaren Gelder ist für bemannte Unternehmen bestimmt. So werden die Vorbereitungen für den APOLLO-SOJUS-Flug zügig
weitergeführt. Dagegen dürften die Arbeiten am Raumtransporter eine gewisse

-1-

�I
gewisse Verzögerung erfahren. Der erste "Space Shuttle"-Flug wird deshalb
kaum vor 1980 zu erwarten sein.
Die zusammen mit der AEC durchgeführten Entwicklungsarbeiten an
Nukleartriebwerken werden vorläufig eingestellt, da ein Einsatz von Raketen
mit nuklearem Antrieb frühestens in den achtziger Jahren in Frage käme.
Auch das HEAO-Projekt fällt dem Rotstift zum Opfer. HEAO, ein tonnenschwerer
Astronomie-Forschungssatellit»sollte u. a. Detailbeobachtungen im Bereich
hochenergetischer Strahlen und die Untersuchung höchst komplizierter kosmischer Prozesse ermöglichen. Man hofft aber, einen Teil seiner Aufgaben von
kleineren Forschungssatelliten ausführen zu lassen.
Völlig aufgegeben werden die längerfristigen Projekte auf dem Gebiet
der Nachrichtensatelliten, da die Industrie jetzt in der Lage ist, diese
in eigene Regie zu übernehmen. Der Anwendungssatellit ATS-F, der 1974 gestartet werden soll, wird das letzte NASA-Gerät aus dieser Satellitengruppe
sein.
Der ursprünglich für Ende 1973 vorgesehene Start des zweiten Erdbeobachtungssatelliten (ERTS-B) wird auf 1976 verschoben, damit alle Möglichkeiten für Verbesserungen gegenüber dem ersten Gerät (ERTS-A/1) ausgeschöpft
werden können. Dieses umkreist seit Sommer 1972 die Erde täglich 14 Mal,
funktioniert ausgezeichnet und wird eine sehr viel längere Lebensdauer haben
als ursprünglich erwartet. Durch seine Aufnahmen liefert es eine Flut von
Meßdaten und Hinweisen, von denen Land-, Forst-und Wasserwirtschaft,
Schiffahrt und Hochseefischerei, Geologie, Geographie und Kartographie,
Raumplanung und Umweltschutz profitieren können - um nur die wichtigsten
Sektoren zu nennen. Von der Raumstation SKYLAB aus (Starttermin: 30. April
1973) sollen die Beobachtungen noch ergänzt und vertieft werden. Die drei
SKYLAB-Astronautenteams arbeiten dabei im Auftrag amerikanischer und ausländischer - auch deutscher - Institute.
Zwei

-2-

�Zwei Satellitenprojekte werden in das NASA-Programm neu aufgenommen.
Bei dem einen handelt es sich um eine spezielle Ausführung des bewährten
NIMBUS-Wettersatelliten, durch den nicht nur Wolkenfelder, Wasser-und Bodentemperaturen, sondern auch Luft-und Meeresverschmutzung überwacht werden
sollen. Das zweite ist ein neuartiges Gerät für die Landvermessung
("Terrestrial Reference Satellite"). Dieser Satellit, der 1976 auf eine
Erdumlaufbahn gebracht wird, soll in Verbindung mit Laser-Meßverfahren helfen, die Abstände zwischen den Kontinenten der Erde auf wenige Zentimeter
genau zu bestimmen.
Auch auf dem Sektor Luftfahrt, wo in den NASA-Instituten Grundlagenund angewandte Forschung für die Weiterentwicklung ziviler und militärischer
Fluggeräte betrieben wird, gibt es Kürzungen. So wird das Projekt QUESTOL
(geräuscharmer Steigflug von Kurzstartflugzeugen) vorläufig eingestellt, da
kommerzielle Fluggeräte dieses Typs erst in den achtziger Jahren eingesetzt
werden dürften. Die Arbeiten zur Entwicklung geräuscharmer Motoren gehen
jedoch weiter.
Die vorgesehenen Einsparungen werden dazu führen, daß einige NASA-Laboratorien verkleinert oder, wie die Station Plum Brook (Ohio), wo nukleare
Triebwerke getestet wurden, geschlossen werden. Von den Maßnahmen sind
1 880 Angestellte der US-Weltraumbehörde betroffen.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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6/1973

VITAMIN B 12 SYNTHETISCH DARGESTELLT

- (AD) - Der "Nachbau" des ungemein komplizierten Moleküls von Vitamin
B 12 ist einer amerikanisch-schweizerischen Forschergruppe unter der Leitung
von Dr. Robert B. Woodward (Harvard-Universität in Cambridge, Mass.) und
Dr. Albert Eschenmoser (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) gelungen.
Da das natürliche Vitamin, eines der wichtigsten der Vitamin-B-Gruppe, relativ
billig und leicht zu gewinnen ist, kommt der Synthese vorerst keine besondere
Bedeutung für die klinische Anwendung zu. Nach Meinung Dr. Woodwards, dem
1965 der Chemie-Nobelpreis für seine außergewöhnlichen Leistungen auf dem Gebiet der organischen Synthese (u.a. von Chinin, Cortison, Reserpin und einigen
Antibiotika) zuerkannt wurde, könnte sie jedoch den Weg zur Produktion zahlreicher neuer Arzneimittel auf der Grundlage der chemischen Synthese und nicht
zuletzt von Präparaten mit einem synthetischen Wirkstoff weisen, der dem natürlichen Vitamin vielleicht sogar überlegen ist.

Vitamin B 12 ist vor allem zur Behandlung von perniziöser Anämie von
Bedeutung. Ein Mangel an diesem Vitamin, das heute zu den biologisch aktivsten
überhaupt gerechnet wird, mindert z.B. die Bildung von Aminosäuren und Proteinen und blockiert die Bildung von Ribonukleinsäure. Störungen dieser Art
wirken sich vor allem auf das Nervengewebe und das Knochenmark als blutbildendes Organ aus.

Elf

�Elf Jahre arbeiteten die Forscher an der B12-Synthese. Im Gegensatz
zu den kettenförmigen Proteinen und Nukleinsäuren mit sich wiederholenden
"Blöcken" im Aufbau ist das kleine B 12-Molekül von anderer Struktur;
Woodward bezeichnet es als "das komplizierteste nichtmakromolekulare Naturprodukt". Im Verlauf der langwierigen theoretischen Vorarbeiten und Versuche
entdeckte Woodward gemeinsam mit Prof. Ronald Hoffman von der Cornell-Universität neue, bisher nicht bekannte Gesetzmäßigkeiten in der organischen
Chemie, die "orbitale Symmetrie". Diese Regeln bestimmen bis zu einem gewissen Grade die Art und Weise, wie sich z.B. Atome von Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Phosphor und Sauerstoff zu den Bausteinen der lebenden
Materie arrangieren und Atome sogenannter Spurenelemente für wichtige Reaktionen nutzen.

+ + + ++

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Botschaft über die Lage der Nation (Teil I)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger will Dialog mit Hanoi in Gang bringen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Fernsehinterview vom 1. Februar -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon legt Wirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Begleitschreibens des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsbeirat fordert weitere Liberalisierung des Welthandels&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA legen der Weltöffentlichkeit Vorschläge zur Reform des Internationalen Währungssystems vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA setzen neuen Präzedenzfall für Ausgleichszölle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John H. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Raumfahrt mit Kürzungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vitamin B12 synthetisch dargestellt</text>
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und
Dokumentation

I

1
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1979
INHALT
DOKUMENTATION
Carter begrüßt Stell vertretenden chinesischen Ministerpräsidenten
- Ansprachen Carters und Dengs in Washington Erklärungen Carters und Dengs bei der Unterzeichnung der Abkommen
- Wortlaut Gemeinsames amerikanisch-chinesisches Pressekommunique
- Wortlaut Brown legt amerikanische Verteidigungsposition dar
- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Verteidigungsministers HINTERGRUNDMATERIAL
SALT II und die europäische Sicherheit
- von Senator Clairborne Pell WIRTSCHAFT
Strauss: Welthandel wird vom Abschluß der Tokio-Runde profitieren
- Amerikas ChefUnterhändler rechnet mit Schlußabkommen in Kürze WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Lieblingsspeise:

Erdöl und Phosphate

Totale Sonnenfinsternis über Nordamerika
BERICHTIGUNG ZUM WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�•Till al ! f i
O

IUI

IUI

I 3

(•)

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1979

CARTER BEGRÜSST STELLVERTRETENDEN CHINESISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN
- Ansprachen Carters und Dengs in Washington -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Stellvertretenden
Ministerpräsidenten der Volksrepublik China Deng Xiaoping, am 29. Januar 1979
in Washington vor dem Weißen Haus offiziell begrüßt. Beide Politiker wiesen
in ihren Begrüßungsansprachen auf die Bedeutung dieses Besuches hin.
Die Ansprache Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:
Herr Stellvertretender Ministerpräsident, Madame Zhuo Lin, verehrte
chinesische Gäste, amerikanische Mitbürger und Freunde:
Im Namen der Bevölkerung meines Landes heiße ich Sie, Herr Stellvertretender Ministerpräsident, in den Vereinigten Staaten von Amerika herzlich willkommen .
Wir unternehmen heute einen weiteren Schritt in der historischen Normalisierung der Beziehungen, mit der wir in diesem Jahr begonnen haben.

Wir tei-

len die Hoffnung, die aus einer Versöhnung und der Erwartung eines gemeinsamen
Weges erwächst.
Die

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�k.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ein großes Interesse an Asien
und den pazifischen Gebieten.

Wir erwarten, daß die Normalisierung der Bezie-

hungen zwischen unseren beiden Ländern dazu beitragen wird, eine Atmosphäre
im asiatischen und pazifischen Bereich zu schaffen, in der das Recht aller Völker, in Frieden zu leben, gefördert wird.
Wir erwarten, daß die Normalisierung mithelfen wird, daß wir zusammen in
Richtung auf eine Welt der Vielfalt und des Friedens voranschreiten werden. Zu
lange waren unsere Völker voneinander abgeschnitten.

Nun teilen wir die Aus-

sicht auf einen neuen Austausch des Handels, der Ideen und der Menschen, aus
dem unsere beiden Länder Nutzen ziehen werden.
Unter der Führung von Ministerpräsident Hua Guofeng und unter Ihrer Führung, Herr Stellvertretender Ministerpräsident, hat die Volksrepublik China damit begonnen, in kühner Weise in Richtung auf eine Modernisierung voranzuschreiten.

Sie haben entschieden, Ihre kulturellen,handelspolitischen und diploma-

tischen Bindungen zu anderen Ländern zu vertiefen.

Wir begrüßen diese

Öffnung.

Als Volk glauben wir zutiefst an einen offenen Meinungsaustausch mit anderen
und an einen freien Austausch der Ideen.
Unsere Nation setzt sich aus Menschen mannigfachen Hintergrundes zusammen,
die durch einen gemeinsamen Glauben an Gerechtigkeit, Freiheit des einzelnen
und die Bereitschaft, Differenzen friedlich beizulegen, zusammengeschweißt sind.
Daher begrüßen wir insbesondere die Möglichkeit eines Austausches von
Studenten und Wissenschaftlern sowie die Verbesserung unserer handelspolitischen, technologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Kontakte.
Wir sind sehr daran interessiert, daß Sie und Ihr Volk unser Land sehen
und kennenlernen und daß unser Volk das Ihre kennenlernt.
Es gibt ein chinesisches Sprichwort, welches besagt, daß Sehen mehr wert
ist als hundert Beschreibungen.
Zulange

�Zu lange schon konnten das chinesische Volk und das amerikanische Volk
einander nicht persönlich kennenlernen.

Wir sind froh, daß diese Zeit vor-

über ist.
China ist eines der Länder, in dem eine beträchtliche Anzahl von Amerikanern, unserer eigenen Bürger, ihren Ursprung haben.
empfindet freundschaftliche Gefühle für die Chinesen.

Das amerikanische Volk
Aus früheren Tagen, als

ich vor 30 Jahren China besuchte, erinnere ich mich an enge Kontakte und an
Freundschaft und Gastlichkeit.

Aber die Geschichte lehrt uns, daß unsere Völ-

ker nicht immer in kluger Weise miteinander umgegangen sind.

Während des ver-

gangenen Jahrhunderts und darüber hinaus waren unsere Beziehungen häufig gestört durch Mißverständnisse, falsche Hoffnungen und sogar Krieg.
Herr Stellvertretender Ministerpräsident, wollen wir uns heute gemeinsam
verpflichten, daß die Vereinigten Staaten und China jenes Verständnis, jene
Geduld und jene Beharrlichkeit aufbringen werden, die notwendig sind, damit
unsere neue Beziehung fortbesteht.
Unsere Geschichte sowie unsere politischen und wirtschaftlichen Systeme
unterscheiden sich erheblich. Wollen wir uns über diese Unterschiede im klaren
sein und sie zu einer Quelle nicht der Furcht, sondern einer gesunden Neugier
werden lassen, nicht zu einer Quelle der Trennung, sondern des gemeinsamen
Nutzens.
Solange wir uns keinen Illusionen über unsere Verschiedenheiten hingeben,
kann unsere Vielfältigkeit zur Lebenskraft unserer neuen Beziehungen beitragen.
Menschen, die verschieden sind, können viel von einander lernen.
Gestern, Herr Stellvertretender Ministerpräsident, war das Mondneujahr,
der Beginn Ihres Frühjahrfestes, der traditionellen Zeit neuer Anfänge für das
chinesische Volk. An Ihrem Neujahrstage, so wurde mir berichtet, öffnet man
bei Ihnen Türen und Fenster, um den guten Geistern Einlaß zu gewähren. Es
ist die Zeit, in der Familienstreitigkeiten vergessen sind, eine Zeit der Be- 3 -

�I

Besuche, eine Zeit des Wiedersehens und der Versöhnung.
Was unsere beiden Länder angeht, so ist heute die Zeit des Wiedersehens
und neuer Anfänge.

Es ist ein Tag der Versöhnung, an dem Fenster, die zu lan-

ge geschlossen waren, wieder geöffnet worden sind.
Herr Stellvertretender Ministerpräsident Deng, Sie, Ihre Gattin, Ihre
Delegation, sind in unserem großen Lande herzlich willkommen.

Ich danke Ihnen,

daß Sie uns die Ehre Ihres Besuches erweisen.

+ + +
Die Ansprache des Stellvertretenden chinesischen Ministerpräsidenten hat
folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Mrs. Carter, meine Damen und Herren:
Zunächst möchte ich dem Präsidenten und Mrs. Carter für diesen großartigen und herzlichen Empfang danken, den wir als Zeichen der Freundschaft des
amerikanischen Volkes für das chinesische Volk erachten.
Wir unsererseits haben dem amerikanischen Volk eine Botschaft der Freundschaft vom chinesischen Volk überbracht. Die Geschichte der freundschaftlichen
Kontakte zwischen unseren beiden Völkern geht fast 200 Jahre zurück, und was
noch größere Bedeutung hat, wir kämpften Schulter an Schulter im Krieg gegen
den Faschismus. Obwohl es eine Zeit gab, in der zwischen uns 30 Jahre lang
unangenehme Dinge vorherrschten, sind doch schließlich normale Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten dank der gemeinsamen Anstrengungen unserer Regierungen und Völker wieder hergestellt worden. In dieser Hinsicht hat
die weitblickende Entscheidung Präsident Carters eine wichtige Rolle gespielt.
Zwischen

�Zwischen China und den Vereinigten Staaten ergeben sich für eine sich
entwickelnde freundschaftliche Kooperation große Möglichkeiten.

In den nächsten

Tagen werden wir gemeinsam mit Ihren Regierungsvertretern und mit Freunden auf
allen möglichen Gebieten Mittel und Wege sondieren, um unsere Kontakte und unsere Zusammenarbeit im politischen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, technologischen und kulturellen Bereich zu entwickeln.
Die Normalisierung eröffnet breite Wege für die Entwicklung dieser Zusammenarbeit zu unserem gemeinsamen Nutzen. Wir haben allen Grund anzunehmen,
daß sich daraus nützliche Resultate ergeben.
Die Bedeutung der Normalisierung geht weit über unsere bilateralen Beziehungen hinaus. Eine freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen zwei wichtigen Ländern, die an gegenüberliegenden Ufern des Pazifik gelegen sind, ist unzweifelhaft ein wichtiger Faktor bei dem Streben nach Frieden in diesem Gebiet
sowie in der Welt ganz allgemein. Die Welt von heute ist alles andere als ruhig. Es existieren nicht nur Bedrohungen für den Frieden, sondern die auf einen
Krieg hinwirkenden Faktoren wachsen ganz deutlich an. Die Völker der Welt sehen sich der dringlichen Aufgabe gegenüber, ihre Anstrengung zu verdoppeln, um
den Weltfrieden, Sicherheit und Stabilität aufrechtzuerhalten. Und unsere beiden Länder sind verpflichtet, zusammenzuarbeiten und den ihnen angemessenen
Beitrag zu diesem Ziel zu leisten.
Herr Präsident, wir teilen mit Ihnen das Gefühl, einen historischen Auftrag auszuführen. Die chinesisch-amerikanischen Beziehungen haben einen neuen
Anfang genommen, und die Weltsituation steht an einem neuen Wendepunkt. China
und die Vereinigten Staaten sind große Länder, und das chinesische und das amerikanische Volk sind zwei große Völker. Eine freundschaftliche Zusammenarbeit
zwischen unseren beiden Völkern wird einen positiven und weitreichenden Einfluß
auf die Art und Weise nach sich ziehen, wie sich diese weltpolitische Situation
entwickelt.
Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Willkommen.
+ + + + +
- 5 -

�1
I

3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1979

ERKLÄRUNGEN CARTERS UND DENGS BEI DER UNTERZEICHNUNG DER ABKOMMEN
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter und der Stellvertretende
Ministerpräsident der Volksrepublik China, Deng Xiaoping, haben am
31. Januar 1979 im Weißen Haus eine Reihe von Abkommen über den Austausch
auf kulturellem, wissenschaftlichem und technologischem Gebiet sowie über
die Regelung von Konsularfragen unterzeichnet und dabei noch einmal die
Bedeutung der Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern unterstrichen.
Die Erklärung Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:
Was wir während der vergangenen drei Tage zusammen geleistet haben,
war außergewöhnlich, aber unser Ziel ist es, diese Art des Austausches
zwischen unseren beiden Ländern nicht mehr eine Ausnahme sein zu lassen,
sondern sie zur Norm zu machen - keine Angelegenheit mehr für Schlagzeilen
und Historiker, sondern Routine im täglichen Leben sowohl des chinesischen
als auch des amerikanischen Volkes. Mit der Unterzeichnung dieser Abkommen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Abkommen haben wir damit begonnen.
Nach zu langer Zeit, in der das eine oder der andere unserer beiden
Länder versucht hat, die Beziehung zwischen uns zu beherrschen, begegnen
sich China und die Vereinigten Staaten nunmehr auf einer Basis der Gleichberechtigung bei vollen diplomatischen Beziehungen. Wir haben einen neuen
und nicht mehr umkehrbaren Kurs eingeschlagen in Richtung auf festere,
konstruktivere und hoffnungsvollere Beziehungen.
Ich habe den Stellvertretenden Ministerpräsidenten in den Stunden,
die wir zusammen verbracht haben, gut kennengelernt.
er denkt, und er schätzt Ergebnisse.

Er spricht aus, was

In unseren Gesprächen über weltpolitische

Angelegenheiten haben wir erkannt, daß wir viele gemeinsame Perspektiven
teilen.

Wenn wir auch unabhängige Außenpolitiken betreiben, so können

unsere getrennten Aktionen vielerorts zu gemeinsamen Zielen beitragen.
Diese Ziele sind eine Welt der Sicherheit und des Friedens, eine Welt
der Vielfalt und der Stabilität, eine Welt unabhängiger Nationen, die frei
von Beherrschung von außen sind.

Unsere beiden Länder haben ein besonderes

Interesse daran, den Frieden und die Prosperität der Menschen in Ostasien
zu fördern.
Wir sind übereingekommen, uns regelmäßig über Fragen des gemeinsamen
strategischen Interesses zu konsultieren. Es liegt auf der Hand, daß
sich weder die Sicherheitsbelange der Vereinigten Staaten mit denen Chinas
decken, noch daß China unsere Verantwortung teilt. Aber ein starkes
und sicheres China, das konstruktiv zu den weltpolitischen Angelegenheiten
beiträgt, ist in unserem Interesse, und ein weltweit engagiertes, vertrauensvolles und starkes Amerika ist im Interesse Chinas.
Die soeben von uns unterzeichneten Abkommen - über einen kulturellen,
wissenschaftlichen und technischen Austausch sowie über eine Regelung der
Konsularfragen - wird einer wachsenden Zahl von Menschen unserer beiden

�beiden Völker die greifbaren Vorteile der Normalisierung der Beziehungen
bringen.

Wir rechnen mit einer baldigen Lösung der Frage der Ansprüche

und Guthaben, der Familienzusammenführung, der Erweiterung des Tourismus
sowie der Entwicklung gesunder und starker Handelsbeziehungen.

Aufgrund dieser Abkommen werden in naher Zukunft in Schanghai und
Kanton amerikanische Konsulate eröffnet werden, und chinesische Konsulate werden
in Houston und San Francisco eingerichtet werden.

Hunderte von amerikanischen

Studenten werden in China studieren und lernen, und Hunderte von chinesischen
Studenten werden ihre Ausbildung in den Vereinigten Staaten erweitern.

Die

amerikanische Weltraumbehörde NASA wird einen v~n China bezahlten Nachrichtensatelliten starten, der zum ersten Mal ganz China Farbfernsehen
sowie erweiterte Nachrichtenverbindungen bringen wird.

Herr Stellvertretender Ministerpräsident, Ihr Aufenthalt in Washington
ist nahezu vorüber, aber Ihre Reise nach den Vereinigten Staaten hat gerade
erst begonnen.

Sie reisen morgen nach drei der interessantesten Städte

unseres Landes: Atlanta, Houston und Seattle.
sehen, wie Amerikaner arbeiten und leben.

Sie werden etwas davon

Und wenn Sie von einem Ende

des Landes zum anderen reisen, dann werden Sie - so glaube ich - erleben,
daß das amerikanische Volk bestrebt ist, Sie kennenzulernen und an der
Schaffung der neuen Beziehung zwischen unseren beiden Ländern mitzuwirken.
Sie lassen hier in Washington viele neue Freunde zurück;
noch mehr Freunden nach China zurückkehren.

Sie werden mit

Ich hoffe, Sie werden Minister-

präsident Hua Guofeng sowie dem chinesischen Volk meine besten Wünsche
übermitteln.

Die Ansprache Dengs hat folgenden Wortlaut:

Herr Präsident und Mrs. Carter, meine Damen und Herren,

Wir
- 3 -

�Wir haben soeben bedeutsame Arbeit geleistet, und dies ist nicht
das Ende, sondern ein Anfang.
Wir haben damit gerechnet, daß es im Anschluß an die Normalisierung
der Beziehungen eine rasche Entwicklung der freundschaftlichen Zusammenarbeit zwischen unseren beiden Ländern auf vielfältigen Gebieten geben
würde.

Die Abkommen, die wir gerade unterzeichnet haben, sind die ersten

Früchte unserer Bemühungen.

Es gibt viele weitere Gebiete der bilateralen

Zusammenarbeit, und zahlreiche andere Kanäle warten darauf, ausgebaut zu
werden.

Wir müssen unsere Anstrengungen fortsetzen.

Es ist meine Überzeugung, daß umfassende Kontakte und eine umfassende
Zusammenarbeit zwischen Ländern sowie ein verstärkter Austausch und eine
verstärkte Verständigung unter den Völkern die Welt, in der wir leben,
sicherer, stabiler und friedlicher gestalten werden.
Deshalb liegt die Arbeit, die wir soeben getan haben, nicht nur im
Interesse des chinesischen und des amerikanischen Volkes, sondern auch
der Menschen in aller Welt. Mit diesen Bemerkungen möchte ich die Unterzeichnung der Abkommen zwischen China und den Vereinigten Staaten über
eine wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit sowie das Kulturabkommen und andere Dokumente besonders herausstellen.

+ + + + +

�1

31
I

Dokumentation
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Embassy of the United States of America

7. Februar 1979

GEMEINSAMES AMERIKANISCH-CHINESISCHES PRESSEKOMMUNIQUE
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Nach dem Abschluß der Washingtoner Gespräche
zwischen Präsident Jimmy Carter und dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten
der Volksrepublik China, Deng Xiaoping, wurde am 1. Februar 1979 in der
amerikanischen Hauptstadt ein gemeinsames Pressekommunique veröffentlicht,
das folgenden Wortlaut hat:
Auf Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und
Mrs. Carter befinden sich der Stellvertretende Ministerpräsident des
Staatsrates der Volksrepublik China, Deng Xiaoping, und Madame Zhuo Lin
auf einem offiziellen Besuch der Vereinigten Staaten, der vom 29. Januar
bis zum 4. Februar 1979 dauert. Der Stellvertretende Ministerpräsident
Deng und Präsident Carter besprachen in Washington Fragen gemeinsamen
Interesses. Der Stellvertretende Ministerpräsident Deng wurde begleitet
von dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten Fang Yi, von Außenminister
Huang Hua und anderen. In der Begleitung Präsident Carters befanden
sich Vizepräsident Mondale, Außenminister Vance, der Berater des Präsidenten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit, Dr. Zbigniew Brzezinski,
und andere.
Die Gespräche waren herzlich, konstruktiv und fruchtbar.

Beide Seiten

erörterten die internationale Situation und stimmten darin überein, daß sie
auf vielen Gebieten gemeinsame Interessen haben und ähnliche Ansichten
teilen.

Sie erörterten ferner jene Gebiete, auf denen sie unterschiedliche

Perspektiven haben.

Sie bekräftigten, daß sie die Bemühungen eines jeden

Landes oder einer jeden Gruppe von Ländern ablehnen, Hegemonie oder
Herrschaft über andere zu errichten, und daß sie entschlossen sind, einen
Beitrag zur Wahrung des Weltfriedens, der Sicherheit und der nationalen
Unabhängigkeit zu leisten.

Beide Seiten sind der Ansicht, daß die Unter-

schiede in ihren sozialen Systemen kein Hindernis bei der Stärkung freundschaftlicher Beziehungen und der Zusammenarbeit darstellen sollten.

Sie

sind entschlossen, auf dieses Ziel hinzuarbeiten, und sind der festen
Überzeugung, daß eine solche Zusammenarbeit im Interesse ihrer beiden
Völker wie auch im Interesse des Friedens und der Stabilität in der Welt
und insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum liegt.
Im Namen der Regierung der Volksrepublik China hat der Stellvertretende
Ministerpräsident Deng Xiaoping und im Namen der Regierung der Vereinigten
Staaten hat Präsident Carter ein Abkommen über die Zusammenarbeit auf dem
Gebiet der Wissenschaft und der Technologie sowie ein Kulturabkommen unterzeichnet. Der Stellvertretende Ministerpräsident Fang Yi und der Wissenschaftsberater des Präsidenten, Frank Press, tauschten schriftliche
Einverständniserklärungen über eine Zusammenarbeit zwischen den beiden
Ländern auf dem Gebiete der Erziehung, der Landwirtschaft und des Weltraums
aus. Der Stellvertretende Ministerpräsident Fang Yi und der amerikanische
Energieminister James Schlesinger unterzeichneten eine Übereinkunft
zwischen beiden Ländern über eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Hochenergiephysik. Außenminister Huang Hua und Außenminister Cyrus Vance
unterzeichneten ein Abkommen über die beiderseitige Aufnahme konsularischer

- 2 -

�konsularischer Beziehungen sowie die Eröfnnung von Generalkonsulaten in
dem jeweils anderen Land.
Beide Seiten kamen überein, die Akkreditierung von ständigen
Journalisten in dem jeweils anderen Land zu erleichtern.
Beide Seiten stimmten überein, Abkommen auf dem Gebiete des Handels,
der Luftfahrt und der Schiffahrt abzuschließen. Darüber wird während
der Besuche von Finanzminister Michael Blumenthal und Handelsministerin
Juanita Kreps in der Volksrepublik China gesprochen werden.
Namens der chinesischen Regierung und im Namen von Ministerpräsident
Hua Guofeng hat der Stellvertretende Ministerpräsident Deng Xiaoping
Präsident Carter eine Einladung zu einem Besuch Chinas zu einem ihm
genehmen Zeitpunkt überbracht. Präsident Carter hat diese Einladung angenommen. Präsident Carter hat seinerseits Ministerpräsident Hua Guofeng
zu einem Besuch der Vereinigten Staaten eingeladen. Der Stellvertretende
Ministerpräsident Deng Xiaoping hat diese Einladung im Namen von Ministerpräsident Hua Guofeng angenommen. Das genaue Datum für die Besuche der
führenden Staatsmänner der beiden Länder wird zu einem späteren Zeitpunkt
erörtert und festgelegt werden.

+ + + + +

- 3 -

�I

1

I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1979

BROWN LEGT AMERIKANISCHE VERTEIDIGUNGSPOSITION DAR
Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold
Brown hat am 25. Januar 1979 seinen Jahresbericht für das Haushaltsjahr
1980 vorgelegt, in dem er die Verteidigungsposition der Vereinigten Staaten
aufzeigt.

Im folgenden geben wir wesentliche Auszüge des Berichtes nach

regionalen Gesichtspunkten wieder.

Die Sowjetunion
Unter unseren internationalen Problemen nimmt ohne Zweifel die Sowjetunion den größten Platz als Gegenspieler ein. Auf den meisten Gebieten des
Wettbewerbs haben die Sowjets vergleichsweise keinen Vorteil gegenüber den
Vereinigten Staaten. Nur was militärische Dinge angeht, ist ihr System
in der Lage gewesen, mit unserem zu rivalisieren. Aber die Tatsache, daß
sie einen so großen Teil ihrer Anstrengungen auf die Produktion militärischer

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�militärischer Macht verwandt haben, ist höchst beunruhigend.

Daß es ihnen

nicht gelungen ist, auf anderen Gebieten erfolgreich zu konkurrieren, kann
für die Sowjets den Anreiz erhöhen, ihre militärische Macht einzusetzen,
um ihren Einfluß zu verstärken und politische Vorteile zu erringen - ob
durch direkte Anwendung militärischer Macht, ob durch Nötigung, durch
Stellvertreter oder durch Waffenlieferungen.
Eine solche Motivierung ist eine mögliche Erklärung für die sowjetische
Aufrüstung.

Eine andere wäre das Beharrungsvermögen der Bürokratie oder -

etwas unfreundlicher ausgedrückt - die Stärke des militärisch-industriellen
Establishments in der politischen Struktur und im Apparat für die Zuteilung
der Mittel der Sowjetunion.

Eine dritte Motivation könnte - so unnötig

sie auch sein mag - die Furcht der Sowjets vor ihren Nachbarn sein - vor
allem vor der NATO und der Volksrepublik China.
Das sind ohne Frage - wie vielleicht manche andere - wichtige Motive.
Meine Sorge und mein Anliegen bestehen darin, daß - in welchem Umfang auch
immer - die sowjetischen Kapazitäten in den achtziger Jahren durch Motive
gesteigert werden könnten, die uns weniger alarmierend erscheinen, die
Kapazitäten dann genutzt werden könnten - oder ihr Einsatz in gefährlicher
und destabilisierender Weise angedroht werden könnte - wenn die Vereinigten
Staaten und ihre Verbündeten nicht entweder zu einem Abkommen mit den Sowjets
gelangen, das die sowjetische Aufrüstung auf einen sichereren Stand
begrenzt, oder diese Aufrüstung durch ausreichende eigene Verteidigungsprogramme ausgleichen - oder beides tun. In der Praxis sprechen wir von
beidem.
Auch wenn die sowjetischen Absichten nicht mit Sicherheit abzusehen
sind, so kann kein Zweifel an der stetigen Erhöhung der sowjetischen
Verteidigungsanstrengungen Jahr für Jahr in den letzten 15 Jahren bestehen.
In dem Maß, in dem das sowjetische Bruttosozialprodukt gewachsen ist, sind
auch die Verteidigungsanstrengungen gewachsen.

Die jährliche Zuwachsrate

�Zuwachsrate lag im Durchschnitt über drei Prozent, gemessen an dem Aufwand,
den es die Vereinigten Staaten kosten würde, in unserer Wirtschaft diese
Anstrengungen nachzuvollziehen, und zwischen vier und fünf Prozent in
Rubeln gemessen.

Um wieviel die gegenwärtigen Anstrengungen unsere eigenen

übersteigen, läßt sich nicht so sicher sagen; der Prozentsatz könnte bei
45 und mindestens bei 25 liegen.

Es muß jedoch gesagt werden, daß es sich hier um einen sehr groben
Vergleich handelt.

Was militärisch gesehen wirklich zählt, sind die

Streitkräfte, die disloziert sind, und was jede Seite braucht,um ihre
Ziele zu erreichen.

Darüber hinaus müssen die wesentlichen Beiträge der

Verbündeten zu dem Kräfteverhältnis hinzugezählt werden.

Man darf auch

nicht vergessen, daß unsere Kosten für die Darstellung unserer Seemacht
und den Schutz der Seewege kaum ein vergleichbares Gegenstück in den
sowjetischen Militärausgaben haben, und umgekehrt die sowjetischen Kosten
für die strategische Luftverteidigung kaum in unseren Ausgaben.

Trotzdem

ist der Vergleich der Verteidigungsausgaben - jährlich oder kumulativ die beste Methode, um die verhältnismäßigen militärischen Kapazitäten
zu messen - wenn die Leistungsfähigkeit nicht zu weit auseinanderliegt.
Und was die militärischen Dinge angeht, so liegen die sowjetische und
die amerikanische Leistungsfähigkeit nicht so weit auseinander wie auf dem zivilen
Sektor.

Sie liegen überhaupt nicht weit auseinander...

Die Sowjets haben alles in allem in den letzten 15 Jahren stetige
und eindrucksvolle militärische Fortschritte gemacht.
uns nicht leisten, sie zu unterschätzen.

Wir können es

Ebenso wenig können wir es uns

jedoch leisten, zu überschätzen, wo sie heute im Verhältnis zu den
Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten stehen.

Trotz der verringerten

Grundlinie der Verteidigungshaushalte Anfang der siebziger Jahre - Haushalte, die real 15 Prozent gegenüber denen zurückgingen, wie sie vor der
Intensivierung des Vietnamkrieges aufgestellt wurden - haben wir nie
aufgehört, unsere Verteidigungskapazität zu verbessern.

- 3 -

Und trotz ihrer

�ihrer verstärkten Anstrengungen ist es den Sowjets nicht gelungen, etwas
auf die Beine zu stellen, was einer überwältigenden Militärmacht ähnelte.
Wir hatten unsere Probleme, aber die Sowjets hatten auch die ihrigen...
Der zivile Sektor in der Sowjetunion produziert nicht viel Technologie,
die auf den Verteidigungssektor übertragen werden könnte.

Unser Zivilsektor

tut das (wenn auch nicht mehr in dem Umfang, wie es früher der Fall war.)
Schon aus diesem Grunde müssen die Sowjets auf diesem Gebiet mehr Mittel
investieren als wir, um ein vergleichbares militärisches Ergebnis zu erreichen.
Einige unserer Resultate können sie überhaupt nicht nachvollziehen.
Die Sowjets stehen vor einem weiteren Problem, um das sie nicht zu
beneiden sind, wie sie nämlich die aufgestellten Streitkräfte verteilen
sollen.

Sie können sicherlich nicht allen ihren Verbündeten im Warschauer

Pakt sehr gute Noten für Loyalität geben, obwohl die gegen die NATO gerichteten sowjetischen Streitkräfte in Osteuropa so stark sind, daß nur
ein unbedeutender Bruchteil von ihnen notwendig ist, um diese Verbündeten
zu überwachen.

Darüber hinaus halten es die Sowjets für notwendig, bis

zu 25 Prozent ihrer Landstreitkräfte und ihrer taktischen Luftwaffe an
ihrer Grenze zur Volksrepublik China zu stationieren.
Die Sowjets müssen auch darum kämpfen, die akuten Einschränkungen
durch Geographie und Klima zu überwinden. Zugegebenermaßen haben wir lange
Verbindungslinien zu unseren Freunden und Verbündeten in Europa, im Nahen
Osten und in Asien, und wir müssen uns um die Beherrschung der Meere sehr
viel mehr Gedanken machen als die Sowjets. Aber die Sowjets haben
analoge Sorgen. Ihre Streitkräfte im Fernen Osten baumeln am Ende eines
langen und mühsamen Versorgungssystems. Ihre Seestreitkräfte müssen,
wenn sie einen Einfluß auf die Ereignisse ausüben wollen, weite Wege von
ihren Heimathäfen zurücklegen, und sie müssen enge Gewässer durchfahren,
deren Durchgang ihnen von gegnerischen Streitkräften verwehrt werden könnte.
Die Sowjets besitzen mehr Kriegsschiffe als wir (wenn wir unsere Verbündeten

- 4 -

�Verbündeten außer acht lassen).

Aber diese Kapazität, wie wirksam sie sein

mag, ist in vier getrennte Flotten aufgespalten, von denen zwei in der
Ostsee und im Schwarzen Meer stationiert sind, wo wir und unsere Verbündeten
sie einschließen können.

Selbst wenn die Sowjets für ihre in Murmansk und

Wladiwostok stationierten Flotten sich etwas Ellenbogenfreiheit verschaffen
wollen, müßten sie die Barents-See und das Japanische Meer beherrschen.
Alles in allem ist das Wachstum der militärischen Anstrengungen der
Sowjets potentiell sehr gefährlich für uns. Wenn es auch nicht so wirksam
sein mag, wie es auf den ersten Blick aussieht, ist es nicht etwas, was
wir ignorieren oder wegwischen können, vor allem weil der Aufwärtstrend
der sowjetischen Verteidigungsausgaben nach allen Anzeichen anhaltend ist.
Es ist eine Anstrengung, die wir nicht aus dem Auge verlieren dürfen nicht um sie nachzuahmen, sondern um zu verhindern, daß daraus ein großer
sowjetischer Vorteil wird

SALT
Wir nähern uns einem SALT II-Abkommen, das zur Sicherheit der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten beitragen wird.

Ein Abkommen,

das diese Kriterien nicht erfüllen würde, dürfte und würde von den Vereinigten Staaten nicht unterzeichnet werden. Wir wollen Rüstungskontrolle,
aber wir müssen auf Rüstungskontrollabkommen bestehen, die gleichwertige
militärische Gesamtkapazitäten strategischer und allgemeiner Art spezifizieren
Das seinem Abschluß entgegengehende SALT-Abkommen wird uns erlauben,
das nukleare Gleichgewicht auf einem niedrigeren Stand mit weniger Abschußrampen aufrechtzuerhalten, als die Sowjets ohne ein Abkommen dislozieren könnten. Die Vermeidung der Notwendigkeit, mit einem solchen

�solchen Anwachsen der sowjetischen Streitkräfte gleichziehen zu müssen,
wird amerikanische (und sowjetische) Mittel für andere Aufgaben freisetzen und die politischen Kosten eines ungezügelten Wettstreits vermeiden.
Das Abkommen wird nicht davon abhängen, daß wir den Russen vertrauen
müssen.

Es wird durch unsere eigenen nationalen technischen Mittel,

einschließlich von Fotoaufklärungssatelliten, verifizierbar sein.
Das Abkommen wird prompte Verhandlungen vorsehen, um den Weg für
weitere Verringerungen und Begrenzungen in Zukunft zu eröffnen.

SALT

wird auch eine Grundlage für uns schaffen, die Beziehungen zur UdSSR
allgemein zu verbessern, wenn die Sowjets zur Mitarbeit bereit sind.
SALT wird nicht alle unsere Probleme lösen.

Selbst mit SALT werden

wir unsere strategischen nuklearen Anstrengungen ausweiten - und es wird
uns erlaubt sein.

Aber SALT wird größere Stabilität und Vorhersehbarkeit

der strategischen Herausforderungen bedeuten, vor denen wir stehen.
Ich sehe keine unmittelbaren Aussichten für eine Beendigung des
militärischen Wettstreits zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten
Staaten.

Trotzdem bin ich der Überzeugung, daß wir den bescheidenen Schwung

der Rüstungskontrolle aufrechterhalten können.

SALT II wird zu diesem

Schwung beitragen

Westeuropa
Wie Präsident Carter bei verschiedenen Gelegenheiten betont hat,
ist Westeuropa für die Vereinigten Staaten von lebenswichtiger Bedeutung.
Außerhalb der Vereinigten Staaten und Kanadas stellt es das mächtigste
Aggregat an wirtschaftlicher und demokratischer Stärke in der Welt dar. Di_e

�Die Gesamtbevölkerung, das vereinte militärische Potential und das Bruttosozialprodukt der Mitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
liegen als solche über denen der Sowjetunion.

Die Bevölkerung in den

Staaten der Europäischen Gemeinschaft hat einen weitaus höheren Lebensstandard, als er in der Sowjetunion oder einem ihrer Verbündeten anzutreffen ist. Wir müssen verhindern, daß diese Region von feindseligen
Kräften beherrscht wird, und müssen mithelfen, daß die Talente und
Ressourcen Europas sowohl zu seiner eigenen Verteidigung wie zur Schaffung
von friedlicheren und stabileren Verhältnissen in der Welt eingesetzt
werden.
Die Schwierigkeiten, die Europa in der Vergangenheit (durch den
zweiten Weltkrieg) hatte, entstanden weitgehend aus internen Streitigkeiten in dieser Region.

Die meisten dieser Probleme sind glücklicherweise

von der Zeit überholt und als solche erkannt.

Die Einheit in Westeuropa,

obzwar wirtschaftlich weiter als politisch gediehen, ist heute ein für
den Staatsmann greifbares Ziel und nicht nur ein Traum für den Philosophen.
Das soll nicht heißen, daß Europa heute frei von internen Problemen
ist oder daß diese nicht von unfreundlich gesonnenen Elementen ausgenutzt
werden könnten. Die verschiedenen europäischen kommunistischen Bewegungen,
die unter die Bezeichnung Eurokommunismus fallen, scheinen zwar nicht mehr
die Kraft zu sein, die sie noch vor einem Jahr waren, dennoch bleiben
einige kommunistische Parteien in Westeuropa politisch bedeutsam und
potentiell zerstörerisch. Die Inflation hält weiter auf einer bedrohlichen
Höhe an, das wirtschaftliche Wachstum ist zögernd und die Arbeitslosenzahl
nach europäischen Begriffen hoch. In Südeuropa schwelt der Streit zwischen
Griechenland und der Türkei weiter, und wir alle müssen aufmerksam den
künftigen Gang der Entwicklung in Jugoslawien verfolgen.
Dies könnten ernsthafte Probleme werden. Aber die drei großen
Gefahren für Westeuropa liegen woanders.

- 7 -

Die erste liegt in dem anhaltenden

�anhaltenden Zustand von Instabilität in Osteuropa, der erneut zu einer
verständlichen, aber gefährlichen Bedrohung der sowjetischen Hegemonie
in diesem Raum führen könnte.

Die zweite bildet die anhaltende Präsenz

großer sowjetischer nuklearer und nicht-nuklearer Streitkräfte in Ostdeutschland, Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn, die gestützt werden
durch ebenso starke periphere Angriffs- und andere taktische Einheiten
in den westlichen Militärdistrikten der UdSSR.

Die dritte Gefahr liegt

in der Verwundbarkeit der Ölversorgung Westeuropas die zu über 60 Prozent
vom Persischen Golf über See erfolgt.
Wir haben gemeinsam mit unseren Freunden in Europa versucht, mit
der Mehrzahl dieser Probleme fertig zu werden.

Die vier Wirtschaftsgipfel

haben dazu geführt, daß die Wirtschaftspolitik der großen Industriestaaten,
einschließlich Japans, besser koordiniert werden.

Viele Staaten haben

Fortschritte mit ihren Programmen zur Energieeinsparung und zur Anlage
von ölreserven gemacht.

Griechenland, Portugal und Spanien halten weiter-

hin an den demokratischen Grundsätzen fest, die dort in den letzten Jahren
sich durchgesetzt haben.

Nach der Aufhebung des Waffenembargos gegen die

Türkei durch den Kongress haben sich nicht nur unsere Beziehungen zur
Türkei verbessert sondern auch die Chancen für einen Abbau der Spannungen
zwischen Griechenland und der Türkei. Mein eigener Besuch in Jugoslawien
und der Gegenbesuch des jugoslawischen Verteidigungsministers, General
Ljubicic, haben unser gemeinsames Verständnis für die Sicherheitsbedürfnisse
Jugoslawiens verbessert.

Was aber am wichtigsten ist, wir machen Fortschritte

bei der Stärkung der Modernisierung der Verteidigung Westeuropas durch die
NATO....
Insgesamt genommen

können drei Initiativen - fairer Wettbewerb

bei der Verteidigungsbeschaffung, Waffenfamilien und duale Produktion eine bedeutende Verbesserung in der Effizienz der Verteidigungsforschung
und -entwicklung und der Waffenbeschaffung für die NATO als Ganzes bewirken.

Wir werden an ihnen festhalten.
Trotz

�Trotz dieses zu verzeichnenden Fortschritts in der Planung und
Beschaffung wäre es falsch, zu behaupten, daß die Sicherheit Westeuropas
gewährleistet sei. Einige der Probleme - besonders die internen Probleme
Europas - erscheinen heute nicht so unmittelbar drohend, wie sie es vor
einem Jahr waren.

Tatsache bleibt jedoch, daß es in Europa eine so direkte
r

Konfrontation der westlichen - spezifisch der amerikanischen - und der
sowjetischen Militärmacht gibt. Die Wahrscheinlichkeit einer Krise und
eines Konflikts bleibt gering, aber die Bedeutung dieser Region bleibt
hoch. Nichts hier rechtfertigt die Auffassung, daß die Verteidigungserfordernisse an Dringlichkeit verloren hätten oder daß das Ziel einer realen
Steigerung der Ausgaben um drei Prozent im Jahr in dieser Region seitens
der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten für die Verteidigung Westeuropas weniger notwendig sei, als es vor einem Jahr der Fall war.

Asien
Asien ist wie Westeuropa für die Vereinigten Staaten von lebenswichtigem Interesse.

Geographisch erstrecken sich die Vereinigten Staaten -

mit den Aleuten, Hawaii und Guam - bis ins Herz des Pazifik.
wächst unser Handel mit Asien mit ungeheuerer Geschwindigkeit.
1977 erreichte er einen

Wirtschaftlich
Im Jahre

Gesamtwert von 60 Milliarden Dollar und übertraf

damit unseren Handel mit Westeuropa.
Japan, heute wohl die zweitgrößte Wirtschaftsmacht in der Welt,
wenn man nach realen Werten rechnet - das japanische Bruttosozialprodukt
ist entweder geringfügig größer oder geringfügig kleiner als das der UdSSR bildet das Hauptelement dieses Handels. Unser Handel mit Japan lag im
Jahre 1978 wohl über. 31 Milliarden Dollar, er ist bei weitem der größte
zwischen nicht aneinandergrenzenden Staaten in der bisherigen Geschichte.
Einige der mit diesem Handel verknüpften Probleme sind ebenfalls sehr groß.

- 9 -

�groß.

Aber man darf wohl darauf hinweisen, daß sich daraus enge und

komplexe Bindungen entwickelt haben
Japan ist auch eine Bastion der Demokratie und einer unserer zuverlässigsten Verbündeten geworden.

Noch 1969 zeigten Meinungsumfragen

in Japan, daß 44 Prozent der Öffentlichkeit den amerikanisch-japanischen
Gemeinsamen Sicherheitsvertrag unterstützten;
auf 68 Prozent angestiegen.

1978 war die Unterstützung

Es ist natürlich von entscheidender Bedeutung

für die amerikanische Außenpolitik, daß Japan ein stabiler politischer
und wirtschaftlicher Partner in der Koalition der demokratischen Industriestaaten bleibt, die die Grundlage für die politische und wirtschaftliche
Stabilität des Westens bildet.
Daß es in Asien Gefahren gibt, braucht kaum gesagt zu werden.
die

Verhältnisse dort sind anders als in Europa.

Aber

Wir können, um nur ein

Beispiel zu nennen, unsere Landstreitkräfte aus Südkorea schrittweise abziehen - wie wir das seit Jahren vorgehabt haben - weil auf der Halbinsel
und in der Region andere Verhältnisse eingetreten sind.

Südkorea ist in

einen modernen Staat von beachtlichen wirtschaftlichen und militärischen
Dimensionen verwandelt worden.

Auch Nordkorea hat eine stärkere und

modernere militärische Kapazität entwickelt.

Diese Kapazität ist wahr-

scheinlich sogar höher, als wir früher angenommen hatten.

Das genaue

Ausmaß einer jahrzehntelangen Verstärkung ist noch nicht abzusehen.

Auf

jeden Fall ist eine Steigerung eingetreten, wobei jedoch in jüngster Zeit
kein steiler Anstieg der nordkoreanischen Kapazitäten zu verzeichnen war.
Selbstverständlich hat sich auch die geographische Situation des
Nordens seit 1950 wesentlich geändert.

Soweit wir es überblicken können,

scheinen weder die Chinesen noch die Sowjets bereit zu sein, irgendeinen
nordkoreanischen Implus zu abenteuerlichen Angriffshandlungen zu unterstützen. ...
Auch
- 10 -

�Auch in anderen Gebieten Asiens sind Veränderungen eingetreten. Die
Freunde der Vereinigten Staaten sind zahlreicher und einiger geworden.
Hingegen ist es den Sowjets nicht gelungen, ihre wachsende militärische
Stärke in wesentlichen politischen Einfluß umzusetzen. Die nichtkommunistischen
Staaten Asiens sind der sowjetischen Absichten leid. China und die UdSSR
bleiben sich feindselig gegenüber. Die sowjetischen Beziehungen zu Nordkorea
sind abgekühlt. Selbst Vietnam sucht trotz des kürzlichen sowjetischvietnamesischen Freundschaftsvertrages seine Abhängigkeit von der UdSSR
zu verringern. In dem Maße, in dem der sino-sowjetische Streit weiterschwelt, ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Vereinigten Staaten in Asien
in einen Krieg gegen China allein oder die Sowjetunion und China zusammen
verwickelt werden könnten, drastisch gesunken.
Die lange Periode der politischen Konfrontationen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China ist praktisch zu Ende
gegangen
Am 1. Januar 1979 haben unsere beiden Regierungen volle
diplomatische Beziehungen miteinander aufgenommen. Am 1. März werden
Botschaften eingerichtet und Botschafter ausgetauscht. Beide Länder
haben die im Kommunique von Schanghai vereinbarten Prinzipien bekräftigt.
Gleichzeitig werden wir weiterhin ein Interesse an der friedlichen Lösung
der Taiwan-Frage haben - und eine solche erwarten
In Südostasien sind ebenfalls weitgehende Veränderungen eingetreten.
Nach dem Zusammenbruck Südvietnams gab es weitverbreitet Befürchtungen,
daß die kommunistische Flut über den Rest Südostasiens hinwegfegen würde.
Kambodscha und Laos sind allerdings diesen Weg gegangen. Aber was das
übrige Südostasien anbetrifft, so ist dies nicht eingetreten. Vietnam,
Laos und Kambodscha befinden sich in tiefer wirtschaftlicher Not.
Nationalgefühle und historische Feindschaften haben ideologische Bindungen
durchbrochen. Große Teile Kambodschas sind von Vietnam überrannt worden.
Die Spannungen zwischen Vietnam und China sind scharf gestiegen. Die
nichtkommunistischen Länder Südostasiens erfreuen sich im Gegensatz dazu

- 11 -

�dazu einer Periode der nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung und
haben ihre Unabhängigkeit und Stärke durch die wachsende Lebenskraft
des Zusammenschlusses südostasiatischer Nationen (ASEAN) zum Ausdruck
gebracht.

Sie haben nicht nur eine hohe politische und wirtschaftliche

Entwicklung an den Tag gelegt, sondern sie haben auch eine bemerkenswerte
Entschlossenheit gezeigt, sich einem Druck von außen zu widersetzen

Der Nahe Osten
Was zum Gebiet des Nahen Ostens gehört, überläßt man am besten den
Geographen.

Strategisch gesehen kann man den Nahen Osten als den großen

Landbogen betrachten, der von Ägypten bis zum Iran reicht.
des Nahen Ostens, wie immer man seine Grenzen auch genau

Die Bedeutung
festlegen mag,

für die Vereinigten Staaten kennt jeder. Wir haben tiefe moralische und
historische Verpflichtungen für die Unabhängigkeit und die territoriale
Integrität Israels.

Die Vereinigten Staaten, Westeuropa und Japan hängen

stark vom Ol ab, das aus dem und durch den Nahen Osten fließt.

Wir

betrachten ihn als ein Gebiet, das eine zunehmende Rolle in der Weltwirtschaft spielt.

Wir verlassen uns auf die Mäßigung arabischer Schlüssel-

staaten, um dem Anwachsen des Radikalismus in diesem Gebiet Einhalt zu gebieten.
Die Stabilität im Nahen Osten ist von wesentlicher Bedeutung für das
Wohlergehen der Vereinigten Staaten und der westlichen Demokratien.
Stabilität allerdings ist etwas, dessen die Region sich nicht erfreut hat.
Seit 30 Jahren und länger hat der arabisch-israelische Konflikt die
Politik des Nahen Ostens beherrscht.
waren häufig.

Aber auch innerarabische Konflikte

Streitigkeiten haben sich ergeben zwischen Libyen und

Ägypten, zwischen Syrien und dem Irak, zwischen dem Irak und dem Iran
und zwischen Nord- und Südjemen.

Interne Instabilitäten haben eine Regierung

- 12 -

�Regierung in Afghanistan gestürzt und bedrohen die Regierung des Iran.
Sie haben die Regierung im Libanon so weit zerstört, daß man kaum noch
von einer solchen sprechen kann.

Die Sowjets haben sich aktiv an der Politik des Nahen Ostens beteiligt.
Da ein so großer Teil ihres Einflusses aus Waffenlieferungen und der Unterstützung extremistischer Gruppen stammte, hat dies generell die Instabilität
der Region vergrößert.

Darüber hinaus bleibt die Kombination des traditio- •

nellen russischen Interesses an dem Gebiet des Persischen Golfes und der
wachsenden Kosten der sowjetischen Eigenversorgung an Energie bestehen, was
unter einer Verschlechterung der regionalen Verhältnisse die Sowjetunion
zu verschiedenen Formen der Intervention im Nahen Osten treiben könnte Schritte, die unausweichlich weltweite Rückwirkungen haben würden....
Es ist wohl kaum zu hoffen, daß Frieden und Stabilität
im Nahen Osten ohne weitere Rückschläge und Umwege erreicht werden können.
Die Kämpfe und die Verluste im Libanon halten mit Zwischenabständen
weiter an.

Die Spannung zwischen Nord- und Südjemen droht zu weiterer

Instabilität auf der arabischen Halbinsel zu führen.
im Iran geben zu tiefster Besorgnis Anlaß.

Die erneuten Unruhen

Obwohl bedeutsame Fortschritte

auf dem Wege zu einem arabisch-israelischen Frieden erzielt worden sind,
bleiben noch viele Gebiete der Spannung in der Region.

Die Verhältnisse

im größten Teil der Region sind heute stabiler als vor einem Jahr, aber
noch nicht so stabil, wie wir es gerne hätten.

Afrika
Afrika ist für die Vereinigten Staaten wichtig aufgrund seiner
geographischen Lage, aufgrund seiner großen natürlichen Hilfsquellen,
aufgrund der wachsenden Bedeutung seiner Staaten in internationalen Gremien

- 13 -

�Gremien und aufgrund unseres Anliegens, daß im südlichen Afrika Unabhängigkeit
und rassische Gerechtigkeit ohne Rückgriff auf Gewalt oder ausländische
Intervention erreicht wird.
Instabilität war in dem nachkolonialen Afrika weit verbreitet, und
diese Instabilität ist durch die Rassenpolitik der Minderheitenregierungen
in Rhodesien und Südafrika sowie durch das sowjetische und kubanische
militärische Engagement erheblich verschärft worden.

In einer Reihe

örtlicher Konflikte vor allem in Angola und Äthiopien stehen heute über
3000 sowjetische Militärtechniker und Berater in Afrika.

Die Hauptwerk-

zeuge dieser verbreiteten Intervention sind jedoch kubanische Soldaten etwa 37 000 - und eine weit kleinere Zahl ostdeutscher Soldaten.
Die Vereinigten Staaten sind sowohl gegen Rassismus als auch gegen
eine militärische Intervention von außen in innere afrikanische Angelegenheiten
Wir haben die amerikanische Wirtschaftshilfe für Afrika im allgemeinen
wesentlich erhöht, und wir hoffen, sie noch weiter zu erhöhen, um mit den
ernsten wirtschaftlichen Problemen des Kontinents fertig zu werden. Wir
haben privat und öffentlich unsere große Besorgnis über die destabilisierenden
Auswirkungen der sowjetischen und kubanischen Aktivitäten in Afrika zum
Ausdruck gebracht, und wir setzen unsere Konsultationen mit europäischen,
arabischen und afrikanischen Regierungen fort, die unsere Besorgnis teilen.
Wir haben mit den verschiedenen interessierten Parteien in Rhodesien
zusammengearbeitet, um eine Lösung auf dem Verhandlungswege zu finden,
die den Weg für eine echte Mehrheitsherrschaft ebnen würde.

Trotz unserer

anhaltenden Kontakte und Konsultationen mit Großbritannien, den Regierungen
der unmittelbaren Region und den sich bewerbenden Parteien könnte die Zeit
für die Möglichkeiten der Diplomatie verrinnen.
Zusammen
- 14 -

�Zusammen mit den Mitgliedern des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen
sind wir über einen Plan für den friedlichen Übergang zur Unabhängigkeit
und freie Wahlen in Namibia übereingekommen.

Obwohl Südafrika Schritte

unternommen hat, die wir als unvereinbar mit diesem Plan betrachten, bleiben
wir entschlossen, darauf hinzuwirken, daß Namibia in Übereinstimmung mit
der Sicherheitsratsresolution Nr.431 seine Unabhängigkeit erreicht

Lateinamerika
Lateinamerika als Ganzes bleibt weiterhin von besonderer Bedeutung für
die Vereinigten Staaten. Es ist ein Nachbar und ein lebenswichtiger
Handelspartner. Mit Mexiko als einer neuen großen Energiequelle, die einen
künftigen Rückgang in der Versorgung aus Venezuela und Kanada mehr als
ausgleichen kann, werden unsere Volkswirtschaften noch mehr voneinander
abhängig. Wir haben eine gemeinsame Geschichte: Lateinamerika entrann
dem Kolonialstatus zum größten Teil nur 50 Jahre nach uns und oft mit
den Vereinigten Staaten als Modell. Wir hatten immer enge, wenn auch
gelegentlich turbulente Beziehungen. Unsere Sicherheit ist ineinander
verwoben.
Derzeit bedrohen Lateinamerika keine unmittelbaren Gefahren von außen.
Es könnten jedoch interne Probleme der Region von außen ausgeschlachtet
werden. Für diese Möglichkeiten und deren Konsequenzen gibt es keia
besseres Beispiel als Kuba. Die Sowjets haben dort Fuß gefaßt, und die
Kubaner verfolgen heute in Afrika eine Interventionspolitik. Dieses
Verhalten schafft nicht nur Unsicherheit und Instabilität im Ausland,
sondern es droht auch die Not des kubanischen Volkes zu verlängern. Wir
und unsere Freunde in Lateinamerika müssen daraus viel lernen.
Wir haben, so meine ich, mit der Lösung des Panamakanal-Problems einen

- 15 -

�einen guten Anfang gemacht..».
Wir sind entschlossen, auf dem guten Willen weiter aufzubauen, der
durch die Panamakanal-Verträge geschaffen wurde, so daß sich die Aufmerksamkeit auf wirtschaftliche Zusammenarbeit und Integration und auf die,Stärkung
der Solidarität unter den Völkern Nord- und Südamerikas konzentrieren kann.
Unsere Politik basiert, wie Präsident Carter betont hat, auf der Prämisse,
daß die amerikanischen Sicherheitsinteressen durch die wachsende Stärke
Lateinamerikas und seine zunehmende Rolle in internationalen Angelegenheiten
gestärkt worden sind. Während wir auf der einen Seite erkennen, daß diese
Trends die Regierungen Lateinamerikas in die Lage versetzt haben, unabhängiger
von den Vereinigten Staaten zu handeln, begrüßen wir sie, weil wir der
Überzeugung sind, daß unseren langfristigen Interessen durch ein ausgewogeneres Verhältnis besser gedient sein wird.
Als ein Schritt in dieser Richtung hat Präsident Carter das Protokoll I
des Vertrages von Tlatelolco, der eine kernwaffenfreie Zone in Lateinamerika
schafft, unterzeichnet und dem Senat zur Ratifizierung zugeleitet. Die
Vereinigten Staaten haben das Protokoll II, das für Nuklearstaaten gilt,
bereits ratifiziert....
Als weiteren Schritt fördern wir die Begrenzung der konventionellen
Rüstungen in Lateinamerika. Nur drei Prozent aller amerikanischen Waffenverkäufe gehen heute an Lateinamerika.

Zusammenfassung
Zu Beginn dieses Überblicks habe ich darauf hingewiesen, daß das
oberste Ziel unserer Außenpolitik darin besteht, die amerikanischen Interessen
unter Bedingungen des Weltfriedens und der internationalen Stabilität zu
wahren. Gegenwärtig sind unsere Grundinteressen intakt. Ihre vielleicht
- 16 -

�vielleicht größte unmittelbare Bedrohung entspringt eher Wirtschaftsund Wä'hrungskräften

Es wäre jedoch ein Fehler, die Probleme zu unter-

schätzen, die durch die militärische Aufrüstung der Sowjetunion geschaffen
werden.

Diese Probleme sind real,

Sie sind ernst. Sie sind anhaltend,

sie kennten kritisch werden - und wenn sie es würden, würden wir es bedauern, nicht jetzt damit begonnen zu haben, unsere eigene militärische
Kapazität aufzubauen.

Es könnte zu spät sein, wenn wir sehr viel länger

warten.
Während die Sowjets entschlossen zu sein scheinen, ihre Rüstung weiter
voranzutreiben, ohne Rücksicht darauf, was wir tun, dürfen wir verschiedene
andere Aspekte ihrer Politik nicht aus den Augen verlieren. Erstens, es
gibt Angelegenheiten, in denen die sowjetischen Führer weiterhin mit uns
zusammenarbeiten, Zweitens, diese Führer haben eine angemessene Vorsicht
in den Fragen walten lassen, in denen sie ihre Macht und ihr Prestige einsetzen. Drittens, obwohl sie versuchen mögen, Gelegenheiten für Einfluß
und Kontrolle zu schaffen, wird ihr Erfolg höchstwahrscheinlich in Gebieten
eintreten, in denen bereits große Instabilität herrscht. Viertens, obwohl es auf der Hand liegt, daß die sowjetische Führung eine große
militärische Aufrüstung bewilligt und gefördert hat, scheint es sich
doch nicht um eine totale Anstrengung zu handeln.
Die Sowjets haben offensichtlich Chancen in Afrika gefunden, die sie
als nutzbar betrachten, aber es ist noch zu früh, zu beurteilen, ob sie
in Angola und Äthiopien dauerhafter Fuß fassen können als in Ägypten, Guinea
und Somalia,

Trotzdem haben diese Abenteuer anderswo in Afrika und im Nahen

Osten ein ungutes Gefühl hervorgerufen.

Abgesehen davon scheinen die

Aussichten für bedeutsame Gewinne aus relativ bescheidenen sowjetischen
Investitionen in Hilfe und Unterstützung für Sympathisanten oder Dissidenten
zurückgegangen zu sein, ausgenommen in Afghanistan und möglicherweise im
Iran.

Dank der Ereignisse und der Erfolge der amerikanischen Diplomatie

im Nahen Osten und in Lateinamerika scheint die Welt heute nicht wesentlich

- 17 -

�wesentlich turbulenter geworden zu sein als vor einem Jahr.

Die inter-

nationale Stabilität ist keineswegs gewährleistet, vor allem im Lichte
der gegenwärtigen wirtschaftlichen und monetären Unsicherheiten, der
starken Konzentration sowjetischer Streitkräfte in Nordeuropa und des
anhaltenden Wachstums der militärischen Kapazität in der ganzen Welt.
Aber alles in allem möchte ich die gegenwärtigen Trends nicht so
charakterisieren, daß sie in irgendeiner Weise jenen ähneln, wie sie vor
dem Zweiten Weltkrieg zutage traten.

Wenn es zu großen militärischen

Konfrontationen kommen könnte, dann würden sie wahrscheinlich ebenso
aus Instabilitäten im Osten wie im Westen entstehen können.

Eine ver-

zweifelte Sowjetunion könnte ein noch größeres Problem sein als eine, die
sich vertrauensvoll aggressiv gibt
Es liegt auf der Hand, daß wir weiterhin drei Ebenen der Verteidigungskapazität aufrechterhalten müssen: die strategisch-nukleare Kapazität,
die taktisch-nukleare Kapazität und die nicht-nukleare Kapazität. Wir
dürfen die Sowjets nicht in der Überzeugung wiegen, daß sie in Gebieten,
wo es um sehr viel geht, ein abenteuerliches und aggressives Verhalten
an den Tag legen könnten. Aber wir müssen auch vermeiden, so zu handeln,
als ob wir in ein endgültiges Wettrüsten verwickelt wären. Unsere Position
kann ihrer Art nach grundsätzlich konservativ sein, darauf angelegt, sowohl
sowjetische Handlungen zu kontrollieren als auch Vorsorge gegen die Hauptunsicherheiten der Zukunft zu treffen. Weil wir an Abschreckung und
Stabilität interessiert sind, brauchen wir eine Position, die nicht so
stark auf ein Ziel ausgerichtet ist, daß sie das andere aus den Augen
läßt.
Selbst eine Verteidigungsposition mit diesen relativ beschränkten
Zielen kann beträchtliche Mittel verschlingen.

Wir können sie immer

moderner, einsatzbereiter, fähiger für die Dislozierung in Übersee und
ausdauernder im Kampf gestalten.

Als Folge müssen wir uns nicht nur

immer fragen, wie weit wir in dieser Richtung gehen sollten, sondern auch,

- 18 -

�auch, wie viel es kosten wird, das letzte Stück des Weges zurückzulegen.
An irgendeinem Punkt muß eine Begrenzung des Haushalts erfolgen.

Das

Ausmaß der Anstrengungen, die für das Haushaltsjahr vorgesehen sind,
scheint angesichts der internationalen Verhältnisse und unserer bisherigen
Investitionen bisher völlig vernünftig.

Aber wir müssen uns immer über-

legen, ob es uns tatsächlich eine Verteidigungsposition und ein Programm
ermöglicht, die der militärischen Situation und unseren Verteidigungszielen
angemessen sind.

+ + + + +

- 19 -

�3l
3

I
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1979

SALT II UND DIE EUROPÄISCHE SICHERHEIT
- von Senator Clairborne Pell -

WASHINGTON - (AD) - Als Vorsitzender des Unterausschusses für
Rüstungsbeschränkung des Außenpolitischen Senatsausschusses möchte ich
meinen europäischen Freunden gerne einige Überlegungen zu den SALTVerhandlungen zur Kenntnis bringen.
Allem voran verbietet das Protokoll zum SALT II-Abkommen weder die
Entwicklung noch die Dislozierung von land- und seegestützten Marschflugkörpern. Die Frage nach der Möglichkeit der Dislozierung oder der Beschränkung bezüglich der Marschflugkörper wird von den Vereinigten Staaten
in Konsultation mit ihren NATO-Verbündeten entschieden werden.
Die Vereinigten Staaten stehen in eingehenden Konsultationen mit ihren
Verbündeten auch hinsichtlich der über die Verbindlichkeitsdauer des
Protokolls hinausgehenden Fragen.
führen.

Wir werden diese Konsultationen fort-

In diesem Zusammenhang hat die Carter-Administration klar zu

verstehen gegeben - wie der Senat dies nicht anders erwartet hat -, daß

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�daß jede Beschränkung bei den land- und seegestützten Marschflugkörpern
durch entsprechende Begrenzungen der sowjetischen Gefechtsfeldwaffen ausgeglichen werden müsse.
Man hört verschiedentlich die Auffassung, daß trotz der zeitlichen Begrenzung der Gültigkeitsdauer des Protokolls mit der Tendenz zu rechnen
sein werde, diese Begrenzungen auf die gesamte Laufzeit des Vertrages auszudehnen.
Das wird meiner Auffassung nach nicht der Fall sein.

Um aber sicher-

zustellen, daß dieser Fall wirklich nicht eintritt, sollte man in die
Ratifizierungsentschließung des Vertrags einen Vorbehalt oder eine Absichtserklärung einbauen, in der festgestellt wird, daß die Bestimmungen
des Protokolls langfristig nicht als Teil des dem Senat zur Zustimmung
vorgelegten Abkommens angesehen werden können.
Was die taktischen Nuklearwaffen der Sowjetunion angeht, so sind
unseres Erachtens Beschränkungen hinsichtlich der sowjetischen BackfireBomber unerläßlich.

Diese Beschränkungen werden auch für die Lage im

Gefechtsfeldbereich von Relevanz sein, insbesondere insoweit, als sie
sich auf die Produktion beziehen.
Im Falle der sowjetischen ballistischen Mittel Streckenflugkörper
(IRBM) vom Typ SS-20 wurden bisher, außer was deren mögliche Umwandlung
in Interkontinentalraketen angeht, keine Begrenzungen ausgehandelt.
Andererseits gibt es auch keine Beschränkungen für amerikanische oder
alliierte taktische Nuklearwaffen und auch nicht für die vornstationierten
amerikanischen Systeme. Es ist den Vereinigten Staaten auch nicht untersagt, eigene MRBM-Raketen, Mittelstreckenbomber oder verbesserte Versionen
vorhandener ballistischer Gefechtsfeldraketen zu entwickeln. Wenn die
Möglichkeit der Einbeziehung taktischer Nuklearwaffen in künftige Verhandlungen über die Verringerung der strategischen Waffen zur Diskussion

�Diskussion gestellt wird, ist damit zu rechnen, daß die Sowjets auf die
Einbeziehung der amerikanischen vornstationierten Systeme drängen werden.
Bei der Erörterung der Frage der künftigen taktischen Nuklearwaffen
dürfen wir meiner Auffassung nach keinesfalls zulassen, daß diese unabhängig
vom strategischen nuklearen Gesamtgleichgewicht behandelt werden.

Würden wir dies zulassen, könnte abermals die Befürchtung einer
Herauslösung der amerikanischen strategischen Streitkräfte aus der Verteidigung Europas im Sinne der Theorie aufkommen, ein Gleichgewicht bei
den taktischen Nuklearwaffen würde ausreichen, die Sowjets vor einem
Angriff auf Europa abzuschrecken.

Eine gesonderte Behandlung der nuklearen Streitkräfte könnte die
Sowjets auch zu der Annahme verleiten, ein taktischer Nuklearschlagabtausch begrenzten Ausmaßes wäre möglich, ohne das Risiko eines strategischen
nuklearen Abtausches heraufzubeschwören.

Schließlich möchte ich noch auf die Überlegung verweisen, daß das
Bündnis darunter leiden würde, sollte das SALT II-Abkommen nicht Zustandekommen; die Vereinigten Staaten wären in diesem Falle gezwungen, einen
größeren Teil ihrer Ressourcen auf den Ausbau ihrer strategischen Streitkräfte zu verwenden - höchstwahrscheinlich auf Kosten jener Streitkräfte,
die für die Verteidigung Europas am ehesten geeignet sind.

Eine Schätzung

des Haushaltsausschusses des Senats besagt, daß die Vereinigten Staaten
im Falle eines NichtZustandekommens des SALT II-Abkommens innerhalb der
nächsten 15 Jahre 75 Milliarden Dollar aufwenden müßten, um den Vorsprung
der sowjetischen Seite auszugleichen.

+ + + + +

- 3 -

�Ulirt/chofl

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

7. Februar 1979

STRAUSS:

WELTHANDEL WIRD VOM ABSCHLUSS DER TOKIO-RUNDE PROFITIEREN

- Amerikas ChefUnterhändler rechnet mit Schlußabkommen in Kürze -

WASHINGTON - (AD) - Robert S. Strauss, Sonderbevollmächtigter Präsident
Carters für Handelsverhandlungen,erklärte am 25. Januar 1979 in einer Ansprache
vor der Amerikanischen Handelskammer in Washington, daß die Fertigstellung
des Schlußabkommens der Tokio-Runde der Multilateralen Handelsverhandlungen in
Genf nahegerückt sei. Um der Zustimmung der Europäischen Gemeinschaft sicher
sein zu können, sei jedoch die alsbaldige Verlängerung der Vollmacht zum Verzicht auf Ausgleichszölle durch den Kongreß notwendig.

Die Rede hat - in Aus-

zügen - folgenden Wortlaut:
Wir stehen in Genf kurz vor der FertiStellung des Schlußabkommens - haben
es aber noch nicht ganz fertiggestellt. So, wie noch offen ist, wie sich unser eigener Kongreß dazu stellen wird, so gibt es auch innerhalb der Europäischen Gemeinschaft viele Stimmen, die da meinen, die Europäer würden zu
viel geben für das, was sie bekommen.
Die Hauptaufgabe, die sich uns in der Tokio-Runde gestellt hat, war es,
das bestehende Handelssystem zu erhalten und es zu einer Zeit zu verbessern,

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�verbessern, in der die Toleranz gegenüber den Problemen des internationalen
Handels im nationalen Bereich abnimmt.

Seit Jahrhunderten treten Einzelper-

sonen und ganze Völker an die Verkaufstische der Welt.

Sie haben bei den

dortigen Begegnungen viele Erfahrungen und viel institutionalisiertes Fachwissen bezüglich der Feinheiten, Nuancen und Mannigfaltigkeiten des Welthandels gesammelt.
Doch trotz all ihrer Expertise und Klugheit ist kein System zustandegekommen, innerhalb dessen wir das Potential des Handels wirklich voll ausschöpfen können.
Während sechs vorausgegangene Runden Multilateraler Handelsverhandlungen
nach dem Zweiten Weltkrieg sich größtenteils mit der multilateralen und reziproken Senkung industrieller Zollbarrieren befaßten, erfolgte die TokioRunde ein ehrgeizigeres Ziel, über eine weitere reziproke Verminderung der
Zölle auf Industrieprodukte hinausgehend suchten wir eine weitgehende Liberalisierung auch des Agrarhandels zu erreichen. Und was noch wichtiger ist,
wir verhandelten über internationale Kodizes für faire Handelspraktiken auf
den Gebieten der staatlichen Beschaffungskäufe, der Standardisierung von Produkten, der Zollbewertung, der staatlichen Subventionierung und Ausgleichszölle, der Lizenzierung, der unberechtigten Nachahmung, des Flugzeugbaus und
des Schutzes der eigenen Wirtschaft. Schließlich versuchten wir, akzeptable
Verfahren zur Regelung von internationalen Handelsstreitigkeiten zustande
zu bringen, um Handelskonflikte auch auf Bereichen außerhalb jener beilegen
zu können, die von den neuen internationalen Kodizes erfaßt werden.
Einfach gesagt: Es war unser Verhandlungsziel, ein Welthandelssystem
zu entwickeln, das auf der Leistungsfähigkeit der Produktion und der Fairness
der Handelsschranken beruht. Erzeuger und Verbraucher in aller Welt sollen
nicht mehr länger gezwungen sein, höhere Preise zum Schutz ineffizienter Industrien durch staatliche Eingriffe zu bezahlen, die den fairen Wettbewerb
in unangemessener Weise behindern. Wir haben unsere Handelspartner nachdrücklich dazu aufgefordert, den fairen Zugang zu ihren Märkten zu gestatten,

- 2 -

�gestatten, so wie wir bereit sind, ausländischen Produzenten gleichberechtigten Zugang zu unseren eigenen Märkten zu gewähren.

Was die Zölle angeht, wird das Paket, über das wir gegenwärtig sprechen,
Zollsenkungen beinhalten, die in den Vereinigten Staaten hergestellten Industrie- und Agrarprodukten im Wert von mehreren Milliarden Dollar neue Exportchancen eröffnen.

Allein auf dem Agrarsektor rechnen die USA mit einem Abbau

von Handelshindernissen von wertmäßig schätzungsweise 3 Milliarden Dollar.
Die Japaner haben nach langen Verhandlungen Konzessionen bei rund 150 Agrarprodukten zugestanden, die sich auf etwa 1,5 Milliarden Dollar beziffern.

Die

Europäische Gemeinschaft hat Konzessionen gemacht, die Agrarprodukte im Wert
von etwa 700 Millionen Dollar erfassen.

Wertvolle Konzessionen werden auch

mit Kanada, Australien, Neuseeland, den skandinavischen Ländern und einer ganzen Reihe von Entwicklungsländern ausgehandelt.

Ebenso wichtig sind die Vereinbarungen bezüglich des Abbaus nicht-tarifärer Handelshindernisse, die unserer Volkswirtschaft sehr zugute kommen werden.

Der neue internationale Kodex über staatliche Subventionen stellt den
bisher umfangreichsten Versuch dar, einheitliche Kriterien zur Beurteilung
von Maßnahmen aufzustellen, die Verzerrungen im fairen Handel bewirken, und
die Anwendung einheitlicher Strafmaßnahmen sicherzustellen.

Dieser Kodex

wird die bisherigen und sehr mühsamen Streitregelungsverfahren auf diesem Gebiet straffen.

In ähnlicher Weise werden wir durch einen Kodex über Maßnahmen zum
Schutz der heimischen Wirtschaft die Exportchancen verbessern, der eine Neuregelung bei Einfuhrrestriktionen, die von den einzelnen Ländern zum Schutz
heimischer Produzenten angewandt werden, bringen wird.

Der Kodex über staat-

liche Beschaffungskäufe wird amerikanischen Firmen Zugang zu einem großen
Sektor des Auslandsmarktes verschaffen, auf dem jährlich Güter im Wert von
etwa 25 Milliarden Dollar umgesetzt werden und der uns bisher nahezu vollkommen verschlossen war.

Da der Staat in vielen Ländern in der Wirtschaft

- 3 -

�Wirtschaft eine immer wichtigere Rolle spielt, wird dieser Marktsektor in
Zukunft noch größere Bedeutung gewinnen.
Der Kodex über die Standardisierung wird sich für die Geschäftswelt als
besonders nützlich erweisen.

Er bietet die Gewähr, daß sich andere Länder

beim Erlaß von Produktnormen dem offenen System der Vereinigten Staaten annähern.

Er wird mithelfen, einheitliche Kriterien für die Beurteilung ver-

schiedener Kategorien von Erzeugnissen durch den internationalen Handel zustandezubringen und deren Herstellungskosten beträchtlich zu senken.
Ein Kodex über die Vergabe von Einfuhrlizenzierung wird den Rückgriff
auf diese häufige Schranke für amerikanische Exporte insbesondere seitens
der Entwicklungsländer verringern.

Der Kodex über die Zollbewertung wird

eine einheitliche Basis für die Zollbewertung aller Einfuhren schaffen. Und
die Vereinbarung in bezug auf den Flugzeugbau verspricht sowohl einen faireren als auch freieren Handel auf diesem wichtigen amerikanischen Exportsektor.
Der vielleicht leichteste Zugang zum Verständnis der Bedeutung dieser
Vereinbarungen besteht darin, sich die Folgen ihrer Ablehnung klar zu machen.
Schlagen diese Anstrengungen fehl, unfaire staatliche Eingriffe in den Handel
zu unterbinden, fairere Regeln aufzustellen und brauchbarere Streitregelungsmechanismen zu entwickeln, dann besteht die Wahrscheinlichkeit, daß die Streitigkeiten und Verzerrungen im Handel zwischen den Ländern noch schlimmere
Formen annehmen.
Wenn ich hier von dem sich abzeichnenden Paket von Handelsvereinbarungen
spreche, dann tue ich dies durchaus als Realist. Ich möchte niemand unter
Ihnen zu dem Glauben verführen, diese Handelsvereinbarungen werden gewissermaßen von heute auf morgen unsere Wirtschaft oder unsere Handelsbilanz verändern. Das Paket von Genf stellt aber jedenfalls einen beträchtlichen
Schritt zur Verbesserung des Welthandelsgefüges dar.
Die

- 4 -

�Die Entscheidungen, die es zu treffen gilt, sind nicht leicht.

Das

Abkommen ist, wie schon gesagt, nicht vollkommen; es ist jedoch ein Schritt
nach vorne und nicht nach hinten, bedeutet es doch nicht die Schließung von
Märkten oder die Errichtung von noch mehr Handelsschranken.
Bald werden die Vereinbarungen dem Kongreß zur Begutachtung vorliegen,
und schließlich einige Monate später, wird er ein klares und uneingeschränktes Ja oder Nein dazu sagen müssen.
Wir ersuchen den Kongreß, unsere Vollmacht zum Verzicht auf Ausgleichszölle in gewissen Fällen zu verlängern. Das ist von entscheidender Wichtigkeit, wenn wir die Zustimmung der Europäer zu diesem Paket erhalten wollen.

+ + + + +

- 5 -

�a
a

1

Uli//cn/ch(ift
VM) Technik
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7. Februar 1979

LIEBLINGSSPEISE: ERDÖL UND PHOSPHATE
Mikroorganismen reinigen Abwässer in kurzer Zeit -

- (AD) - Es waren Mikroben, die zwei Chemiker der Universität Arizona
als hochwirksames "Agens" identifizierten, das in kürzester Zeit stark verschmutzte Abwässer in einer großen Kläranlage von öl- und Phosphatrückständen
befreite,

über längere Zeit hatten Dr. Irving Yall und Dr. Charles Russ die

Klärvorgänge in der Anlage, wo phosphathaltige Abwässer besonders gut und
weitaus schneller als in anderen Klärwerken gereinigt wurden, beobachtet, bis
sie eine bestimmte Art von Mikroorganismen entdeckten, die dafür verantwortlich waren.

Sie gaben ihnen den Namen "Acinetobacter Phosphadevorus".

Phosphate sind Hauptbestandteile von Waschmitteln,

überall auf der

Welt werden riesige Mengen davon mit den Abwässern fortgespült.

Wenn sie dann

n

in Klärwerken nicht ausreichend neutralisiert werden, können s e,in freie
Gewässer eingeleitet, große Umweltschäden anrichten.

Yall und Russ fanden heraus, daß Acinetobacte^ Phosphadevorus Phosphate
absorbieren und in eine harmlose Verbindung umwandeln.

Laborversuche mit den

Mikroben zeigten außerdem, daß sie eine besondere Vorliebe für öl besitzen.
Bei den Experimenten konnte auch nachgewiesen werden, daß A. Phosphadevorus

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�Phosphadevorus keine Gefahr für nützliche Organismen darstellt.
Es gibt eine ganze Anzahl von Bakterien und anderen Mikroben, die Kohlenwasserstoffe wie z.B. öl aufnehmen und "verdauen".

Aber in ihrem Appetit

reichen diese, wie die beiden Chemiker feststellten, in keiner Weise an
Acinetobacter Phosphadevorus heran.

Tests mit der letztgenannten Art senk-

ten z.B. die Phosphatspiegel in Abwässern schon nach zweitägiger Behandlung
so weit, daß sie gar nicht mehr zu messen waren.

In einem anderen Test, bei

dem gefiltertes Wasser der Wasseraufbereitungsanlage von Tuscon (Arizona) verwendet wurde, holten die Mikroorganismen innerhalb von acht Stunden den
Phosphor zu 80 Prozent heraus.

Bei einem Kontrollexperiment der Wasserreini-

gung nach herkömmlichen Verfahren war in vergleichbarer Zeit der Phosphorgehalt nur um 10 Prozent reduziert.
Der Appetit von Acinetobacter Phosphadevorus läßt diese Species auch
für die Beseitigung von Ölverschmutzungen geeignet erscheinen, da sie das öl
buchstäblich schon verspeist hat, ehe es ernste Umweltschäden anrichten kann.

+ + + + +

�1

I
I

Uli//en/chaft
und Technik
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7. Februar 1979

TOTALE SONNENFINSTERNIS ÜBER NORDAMERIKA
Wissenschaftler nutzen Gelegenheit für Naturexperimente in
der Plasmaforschung

- (AD) - Vom östlichen Pazifik in Höhe des US-Bundesstaates Oregon bis
nach Grönland wird der Schatten des Mondes wandern, wenn es am 26. Februar
1979 auf dem Nordteil des amerikanischen Kontinents zu einer totalen Sonnenfinsternis kommt. Es wird dort die letzte in diesem Jahrhundert sein - ein
Grund für Hunderte von Wissenschaftlern, das Naturereignis für zahlreiche
Messungen und Untersuchungen zu nutzen.
Der Sonnenkorona, dem äußersten Bereich der "Atmosphäre" der Sonne, gilt
das größte Interesse.

Eine totale Sonnenfinsternis ist die einzige Gelegen-

heit, sie von der Erde aus eingehend zu erforschen, auch wenn an den jeweiligen Standorten die dafür zur Verfügung stehende Zeit außerordentlich kurz
ist.

Die "National Science Foundation" (Bundesforschungsstiftung der USA)

koordiniert deshalb die einzelnen Vorhaben der amerikanischen Universitäten
und wissenschaftlichen Institute, damit innerhalb der Bahn des Mondschattenkegels, der sich mit einer Geschwindigkeit von 4820 km/Stunde von West nach
Ost über die Erdoberfläche bewegt, zu den verschiedenen Studienprojekten so
viele Daten wie nur irgend möglich gesammelt werden können.
Die

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�Die Sonne steht im Zenith, wenn die mehr als 300 km breite Kernschattenbahn die Stadt Brandon in der kanadischen Provinz Manitoba erreicht; die totale Verfinsterung dauert in diesem Gebiet am längsten, nämlich 2 Minuten,
50 Sekunden.

Prof. Pasachoff, Der Direktor des Hopkins-Observatoriums in

Williamstown (Massachusetts) wird dort mit einer Gruppe junger Wissenschaftler
versuchen, das infrarote Korona-Spektrum aufzunehmen.

Außerdem sollen die

Dichte des Gases und die Zahl von Elektronen pro Kubikzentimeter ermittelt
werden, was durch die Beobachtung eines bestimmten Eisenisotops möglich wird.
Infolge der hohen Temperatur der äußeren Sonnenatmosphäre (ca. 2,2 Millionen
Grad) hat dieses Isotop 12 der 26 Elektronen verloren, die jedes Atom normalerweise besitzt.

Von besonderem "technischem" Interesse ist die Form der in dem dünnen
Gas der Korona auftretenden Strukturen, denn diese werden vom solaren Magnetfeld gesteuert.

So ist für Dr. Jay M. Pasachoff die während der Sonnenfinster-

nis zu beobachtende Korona eine Art Großlabor zur Untersuchung von Vorgängen,
die die Technik beherrschen muß, wenn sie Fusionsreaktoren für die Energiegewinnung bauen will.

Prof. Harold Zirin vom CALTECH (California Institute of Technology in
Pasadena) wird das Großflächen-Radiointerferometer in der Nähe von Socoro
(New Mexico) zur Untersuchung von Radioemissionen der Sonne einsetzen.

Von

den 27 Parabolspiegeln (Durchmesser jeweils 25 m ) , die die Station bis zur
Fertigstellung im Jahr 1981 erhalten soll, sind zwar erst 17 in Betrieb. Aber
sie ermöglichen, zusammengeschaltet, bereits eine so hohe Meßgenauigkeit, daß
Zirin versuchen wird, während der von New Mexico aus zu beobachtenden partiellen
Sonnenfinsternis zu ermitteln.

Informationen über dieses Phänomen sind des-

halb wichtig, weil Sonnenflecken Funkverbindungen auf der Erde beeinträchtigen
können und vermutlich auch Klima und Wettergeschehen beeinflussen.

Weitere

Messungen sollen die Frage klären helfen, ob Radioemissionen vom Rand der
Sonne aus dem hohen Temperaturbereich stärker sind als von dem wesentlich
kühleren Sonnenzentrum.
Erst

- 2-

�Erst im Jahr 2024 hat der nordamerikanische Kontinent wieder eine
totale Sonnenfinsternis zu erwarten.

Die nächste ist für den 16. Februar

1980 errechnet und wird in Zentralafrika, Indien und China zu beobachten
sein.

- 3 -

�BERICHTIGUNG ZUM WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT CARTERS
Amerika Dienst (Information und Dokumentation) Nr. 5 vom 26. Januar 1979

Durch einen übermittlungsfehler ist auf S. 16 des Wirtschaftsberichts
Präsident Carters im ersten Absatz, dritter Satz, eine falsche Zahl angegeben.

Der Absatz muß richtig heißen:
"Diese politischen Entscheidungen begannen Ende 1978 Früchte zu

tragen.

Unsere Exporte wachsen heute rascher als die Binnenwirtschaft.

Das Warenhandelsdefizit ging von einer Jahresrate von 38 Milliarden
Dollar in der ersten Hälfte des vorigen Jahres auf etwa 32 Milliarden
Dollar in der zweiten Hälfte 1978 zurück.

+ + + + +

Die Verkleinerung ..." usw.

�</text>
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